|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
^ ^gt;
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
raquo; - -nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;raquo; /nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; r- #9632;
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
* *r
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
'-'x-
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
^^'\'* -
jquot; -/ s
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
#9632;#9632; .^u
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
r- iSr
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
....#9632;#9632; a. gt;, r-
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
- ^.-
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
raquo;di
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
vgt;lt;gt; ?
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
r #9632;#9632;4\^
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
.kgt;_JL^
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
f
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
-.^#9632;^^^^^t^^ü^MMMAMUi
|
||
|
|
||
|
f! a. v mMm-. ^ i^i. j i . tji' quot;^r^BPmmF^c^KBm
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
LEHRBUCH
|
|||
|
|
|||
|
DER
|
|||
|
|
|||
|
CHIRURGIE
|
|||
|
|
|||
|
FUß
|
|||
|
|
|||
|
THIERÄRZTE.
|
|||
|
|
|||
|
VON
|
|||
|
|
|||
|
Professor Dr. H. MÖLLER,
DIRIGENT BEH CHIUUROISCHEN KLINIR AN DEU THIERAEZTL. HOCHSCHULE IN BERLIN.
|
|||
|
|
|||
|
Z WBI BÄNDB,
|
|||
|
|
|||
|
ALLGEMEINE CHIRURGIE UNI) OPERATIONSLEHRE.
|
|||
|
|
|||
|
STUTTGART. VERLAG VON FERDINAND ENKE.
18Ö3,
|
i *
|
||
|
|
|||
|
BIBLIOTHEEK UNIVERSITEIT UTRECHT
|
|||
|
|
|||
|
2911 517 1
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||
|
LEHRBUCH
DER
|
|||||
|
|
|||||
|
ALLGEMEINEN CHIRURGIE
|
|||||
|
|
|||||
|
UNI)
|
|||||
|
|
|||||
|
OPBRATIONSLEHRE
|
|||||
|
|
|||||
|
FÜR THIERÄRZTE.
|
|||||
|
|
|||||
|
VON
|
|||||
|
|
|||||
|
Professor Dr. H. MOLLER,
DIRIGENT DER CHIRUROISCHKN KLINIK AN DEIt THIBBäBZTIi. BOOUSOHULG IN BERLIN.
|
|||||
|
|
|||||
|
MIT 147 IN DEN TEXT GEDRUCKTEN ABBILDÜNGENi - ---^
|
|||||
|
|
|||||
|
-lt;#9658;-
|
|
||||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
v
STUTTGART.
|
^ . ,_____-^
|
||||
|
|
|||||
|
)
|
VERLAG V 0 N. F B J{ D I N A N JJ E N K E.
1803.
|
||||
|
|
|||||
|
:.
|
|||||
|
quot;
|
||
|
|
||
|
Druck der Union Ueutsche VerlagsRcsellschaft in Stuttgart
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Vorwort.
|
||
|
|
||
|
Bei der Bearbeitung des vorliegenden Werkes waren zwei verschiedene Aufgaben zu erfüllen. Auf der einen Seite galt es aufzubauen, die Lehrsätze der allgemeinen chirurgischen Pathologie und Therapie zu sammeln und an passenden Beispielen erläutert dem Studium zugänglich zu machen. Obgleich die Heilung der Krankheiten hei Mensch und Thier nach denselben Gesetzen und auf Grund der gleichen Vorgänge erfolgt, so erscheinen doch für das Studium der allgemeinen Veterinär-Chirurgie die betreffenden Lehrbücher der humanen Medicin schon deshalb nicht ausreichend, weil die Gesichtspunkte für die Beurtheilung der Leiden hier anders ausfallen wie dort; auch zeigen sowohl die Krankheitszustünde wie die Hülfs-mittel zu ihrer Behandlung bei den Thieren mancherlei Eigenthüm-lichkeiten. Da aber die allgemeine chirurgische Pathologie in der Thierheilkunde der Operationslehre gegenüber bisher vernachlässigt wurde, und nur vereinzelt eine eingehende Bearbeitung in der Literatur erfahren hat, so lag hier der Schwerpunkt der Arbeit im Sammeln und Ordnen des wissenschaftlichen Materials für die Zwecke des Studiums und der thierärztlichen Praxis. Bezüglich der Auswahl und Anordnung des Stoffes war daher ein weiter Spielraum gegeben, und gern räume ich ein, dass über die Zweckmässigkcit der von mir getroffenen Wahl da und dort die Ansichten getheilt sein können.
Kein Zweig der medicinischen Wissenschaft wurde von den neueren Errungenschaften namentlich auf dein Gebiete der Bakteriologie in dem Masse beeinflusst wie die allgemeine Chirurgie, und auch hier galt es das praktisch Verwerthbare selbst den mit jenen Fragen weniger Vertrauten zugänglich und nutzbar zu machen. Von diesem
|
||
|
|
||
|
|
||
|
VInbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Vorwort,
Standpunkte aus habe ich versucht die Antiseptik bei der Wund-hehandlung eingehend zu besprechen und zugleich die für die Veterinär-Praxis erforderlichen Modificationen derselben klar zu legen.
Andere Forderungen stellte die Bearbeitung der allgemeinen Operationslehre, welche sich in der Thierheilkunde mehr vom praktischen Standpunkte aus entwickelt hat und in ihrer Ausbildung der ciiirurgischen Pathologie vorangeeilt ist. Die literarischen Producte auf diesem Gebiete hatten bereits seit längerer Zeit eine breite und feste Grundlage geschaffen und die verschiedensten Operationsmethoden zur Darstellung gebracht, so dass man anzunehmen versucht sein könnte, hier liege ein Bediirfniss zu einer neuen Bearbeitung nicht vor. Wenn ich mich dennoch hierzu entscbloss, so geschah es einmal mit Rücksicht auf die bereits in meiner speciellen Chirurgie beschriebenen Operationen; jenes Werk musste durch die vorliegende Arbeit einen Abschluss finden. Dazu aber kommt, dass die Operationen und namentlich die Operationstechnik bei Anwendung der Antisepsis mancherlei Abänderungen bedürfen. Verschiedene Operationsmethoden wurden hierdurch entbehrlich oder geradezu verwerflich; andere, die früher wegen der mit ihnen verbundenen Gefahren keine oder nur geringe Aussicht auf Erfolg boten, lassen sich bei Anwendung der modernen Hülfsmittel ohne Bedenken durchführen. Im ganzen aber war hier eine Einschränkung geboten; manche der bisher in den einschlägigen Lehrbüchern aufgeführten Operationsmethoden sind auf diese Weise für die Praxis werthlos geworden und konnten daher unberücksichtigt bleiben, so dass hier eine Kürzung des Stoffes möglich wurde. Dementsprechend habe ich die .allgemeine Operationslehre zu bearbeiten versucht, und ich hoffe, in den wichtigsten Fragen das Richtige getroffen zu haben.
Berlin, am 26. April 1898.
H. Möller.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Inhaltsverzeichniss.
|
||
|
|
||
|
Allgemeine Chirurgie.
Seite 1. Kinleitung und kurzer Abriss ilor Geschichtn dor Veterinär-Chirurgie ..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
II, Entzttndung....................nbsp; nbsp; nbsp;15
III.nbsp; Verletzungen und Entzündungen der Weiohtheile ....nbsp; nbsp; nbsp;4'J
Kinleitung.....................nbsp; nbsp; nbsp;49
1.nbsp; Wunden, ihre Eintheilung, Erscheinungen. Blutstillung, Thrombose und Heilungsvorgänge.............nbsp; nbsp; nbsp; 50
2.nbsp; Antiseptische Wundbehandlung............nbsp; nbsp; nbsp; 78
3.nbsp; Durch Wundinf'ection veranlasste Krankboiten.......nbsp; nbsp; 107
A. Eiterung und Entzündung. Anomalien der Granulation. Allgemeine Regeln der Wundbehandlung........nbsp; nbsp; 107
]i. Wundfieber, Septikilmie, Pyämie und Starrkrampf . . , .nbsp; nbsp; 122
C.nbsp; Erysipelas und Phlegmone.............nbsp; nbsp; 148
D.nbsp; Stichwunden, Quetschwunden, Riss-, Biss- und Scbusswunden, vergiftete Wunden ...............nbsp; nbsp; 160
4.nbsp; Subcutane Verletzungen der Weichtheilo ........nbsp; nbsp; 170
A.nbsp; Dehnung, Zerrung, Zerreissung der Weichtheile.....nbsp; nbsp; 170
B.nbsp; Quetschung..................nbsp; nbsp; 17!?
IV.nbsp; Brand. Geschwüre. Eisteln.............nbsp; nbsp; 180
V. Krankheiten der Muskeln und Sehnen..........nbsp; nbsp; 198
1.nbsp; Krankheiten der Muskeln..............nbsp; nbsp; 198
2.nbsp; Krankheiten der Sehnen...............nbsp; nbsp; 206
VI. Krankheiten der Nerven...............nbsp; nbsp; 220
VII. Krankheiten der Gelenke..............nbsp; nbsp; 245
Einleitung....................nbsp; nbsp; 245
1. Wachsthumstörungon................nbsp; nbsp; 24ß
|
||
|
|
||
|
|
||
|
VIIInbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Tnlialtsverzeichnm.
Seite
2.nbsp; Gelenkentzündung................_nbsp; nbsp; 24H
3.nbsp; Wunden und Quetschungon der Gelenke.........nbsp; nbsp; 264
VIII. Krankheiten der Sehnenscheiden und Sehloi mheutel . . .nbsp; nbsp; 283
1.nbsp; Entzündung der Sehnenscheiden............nbsp; nbsp; 284
2.nbsp; Entzündung der subeutanen Schleimbeutel........nbsp; nbsp; 290
IX. Krankheiten der Blut- und Lymphgefilsso sowie der
Lymphdrüsen..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;29;}
1.nbsp; Verletzungen dor Klutgefüsse.............nbsp; nbsp; 293
2.nbsp; Aneurysma .................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;290
3- Varix .....................nbsp; nbsp; 299
4.nbsp; Krankheiten der Lymphgefasse und Lymphdrüsen .....nbsp; nbsp; 301
X. Krankhe i ten der äusseren Hau t..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ;507
XI. Krank'leiten der Knoch en..............nbsp; nbsp; 334
1.nbsp; Entzündung der Knochen (Ostitis, Periostitis, Osteomyelitis) . .nbsp; nbsp; 384
2.nbsp; Knochenbrüche..................nbsp; nbsp; 347
XII. Geschwülste. Tumoren...............nbsp; nbsp; 3(37
A.nbsp; Neubildungen nach dem Typus der Bindegewebssubstanzen . .nbsp; nbsp; 378
1.nbsp; Fibrome...................nbsp; nbsp; 378
2.nbsp; Lipome....................nbsp; nbsp; 334
3.nbsp; Myxome...................nbsp; nbsp; 335
4.nbsp; Gliome....................nbsp; nbsp; 38ß
5.nbsp; Chondrome..................nbsp; nbsp; 337
6.nbsp; Osteome...................nbsp; nbsp; 388
7.nbsp; Angiome...................nbsp; nbsp; 339
8.nbsp; Sarkome...................nbsp; nbsp; 39Q
9.nbsp; Lymphome..................nbsp; nbsp; 395
10. Endotheliome .................nbsp; nbsp; 395
B.nbsp; Neubildungen nach dem Typus des Muskelgewebes.....nbsp; nbsp; 390
Myome.....................nbsp; nbsp; 39!;
C.nbsp; Neubildungen nach dem Typus des Nervengewebes.....nbsp; nbsp; 397
Nourome....................nbsp; nbsp; 397
D.nbsp; Neubildungen nach dem Typus des Epithelgewebes. Epitheliale Gewächse (Waldeyer)...............nbsp; nbsp; 398
1.nbsp; Papillome...................nbsp; nbsp; 398
2.nbsp; Adenome...................nbsp; nbsp; 400
3.nbsp; Carcinome ..................nbsp; nbsp; 401
4.nbsp; Melanosen ..................nbsp; nbsp; 400
5.nbsp; Cysten....................nbsp; nbsp; 408
|
||
|
|
||
|
Allgemeine Operationslehre.
I. Einleitung ....................417
1. Beruhigungs- und Zwangsmittel............420
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Inhaltsverzoichniss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;IX
Seite
a)nbsp; Zwangsmittel bei Pferden.............nbsp; nbsp; 420
1.nbsp; nbsp;Bremsen..................nbsp; nbsp; 421
2.nbsp; Befestigung einzelner Körpertheile.........nbsp; nbsp; 424
a)nbsp; Niedorbindon des Kopfes...........nbsp; nbsp; 424
b)nbsp; Hochbinden des Vorderfusses..........nbsp; nbsp; 426
c)nbsp; Befestigung der Hinterfüsse..........nbsp; nbsp; 425
d)nbsp; Nothwiinde und Nothstände..........nbsp; nbsp; 425
e)nbsp; Das Werfen der Pferde............nbsp; nbsp; 427
b)nbsp; Zwangsmittel bei Rindern.............nbsp; nbsp; 436
c)nbsp; Zwangsmittel bei den übrigen Thieren........nbsp; nbsp; 438
3.nbsp; Die Narkose.................nbsp; nbsp; 489
a)nbsp; bei Pferden................nbsp; nbsp; 440
b)nbsp; bei Wiederkäuern..............nbsp; nbsp; 449
c)nbsp; bei Fleischfressern .............nbsp; nbsp; 450
d)nbsp; die locale Anästhesie.............nbsp; nbsp; 451
11. Methoden der Gewebstrennung............nbsp; nbsp; 453
1.nbsp; Blutige und unblutige...............nbsp; nbsp; 453
2.nbsp; Amputationen und Kxarticulationen. Coupiren dos Schweifes .nbsp; nbsp; 466
3.nbsp; Myotomie des Schweifes...............nbsp; nbsp; 471
III.nbsp; Methoden der Vereinigung der Gewebe. Allgemeine
Verbandlehre ..................nbsp; nbsp; 476
IV.nbsp; Aderlass und Skarificationer Blutersparniss bei Ope-
rationen ....................nbsp; nbsp; 482
1.nbsp; Aderlass....................nbsp; nbsp; 482
2.nbsp; Skarificationen..................nbsp; nbsp; 496
3.nbsp; Blutersparniss bei Operationen............nbsp; nbsp; 497
V. Injection von Arzneimitteln in die Blutbahn, unterbaut, Luftröhre, Rachenhöhle und den Kehlkopf, sowie die
parenehymatöse Injection.............nbsp; nbsp; 500
1.nbsp; Intravenöse Injection................nbsp; nbsp; 500
2.nbsp; Subcutane Injection................nbsp; nbsp; 503
3.nbsp; Intratracheale Injection...............nbsp; nbsp; 504
4.nbsp; Parenehymatöse Injection..............nbsp; nbsp; 505
VI. Impfung......................nbsp; nbsp; 507
VII. Fontanellund Haar seil...............nbsp; nbsp; 513
1.nbsp; Fontanell....................nbsp; nbsp; 518
2.nbsp; Haarseil....................nbsp; nbsp; 515
Vfll. Anwendungdesölüheiscns.............nbsp; nbsp; 519
Methoden des Brennens................nbsp; nbsp; 525
Thermokauter...................nbsp; nbsp; 530
Galvanocaustik...................nbsp; nbsp; 531
Acupunctur und Mlektropunctur.............nbsp; nbsp; 532
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Xnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Inhaltsverzeicliuiss.
Seite
IX. Castration.....................nbsp; nbsp; 533
A.nbsp; nbsp;Castration männlicher Thiere.............nbsp; nbsp; 583
Anatomisches ..................nbsp; nbsp; 534
I. Castration mit Erhaltung der Hoden.........nbsp; nbsp; 536
1.nbsp; nbsp;Klopfen der Hoden ..............nbsp; nbsp; 536
2.nbsp; nbsp;Klopfen des Siimenstranges.............nbsp; nbsp; 536
3.nbsp; nbsp;Torsion des Samenstrangos............nbsp; nbsp; 537
4.nbsp; nbsp;Unterbindung dos Samonstranges .........nbsp; nbsp; 538
II. Castration mit Kntfernung der Hoden.........nbsp; nbsp; 539
1.nbsp; nbsp;Abreissen der Hoden..............nbsp; nbsp; 540
2.nbsp; nbsp;Abschaben der Hoden..............nbsp; nbsp; 540
3.nbsp; nbsp;Abquetschen mit dem Kcraseur..........nbsp; nbsp; 540
4.nbsp; nbsp;Abdrehen..................nbsp; nbsp; 541
5.nbsp; nbsp;rnterbindung................nbsp; nbsp; 543
6.nbsp; nbsp;Abschneiden.................nbsp; nbsp; 544
7.nbsp; nbsp;Abbrennen..................nbsp; nbsp; 544
8.nbsp; nbsp;mit Kluppen.................nbsp; nbsp; 545
a)nbsp; nbsp;mit unbedeckten Hoden............nbsp; nbsp; 545
b)nbsp; mit bedeckten Hoden.............nbsp; nbsp; 548
1.nbsp; nbsp;Castration der Hengste.............nbsp; nbsp; 548
2.nbsp; nbsp;Castration männlicher Wiederkäuer.........nbsp; nbsp; 561
8. Castration männlicher Schweine..........nbsp; nbsp; 568
4.nbsp; nbsp;Castration männlicher Hunde und Katzen......nbsp; nbsp; 564
5.nbsp; nbsp;Castration des männlichen Geflügels........nbsp; nbsp; 564
Störende Vorkommnisse während der Castration männlicher
Thiere...................nbsp; nbsp; 565
Nachtheiligo Folgen der Castration männlicher Thiere . .nbsp; nbsp; 567
B.nbsp; nbsp;Castration weiblicher Thiere.............nbsp; nbsp; 570
1.nbsp; nbsp;Castration der Kühe...............nbsp; nbsp; 571
2.nbsp; nbsp;Castration der Lämmer..............nbsp; nbsp; 576
8. Castration der Stuten..............nbsp; nbsp; 576
4.nbsp; nbsp;Castration weiblicher Schweine...........nbsp; nbsp; 579
5.nbsp; nbsp;Castration der Hündinnen.............nbsp; nbsp; 582
6.nbsp; nbsp;Castration weiblichen Geflügels...........nbsp; nbsp; 583
Register.....................nbsp; nbsp; 585
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Allgemeine Chirurgie,
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
I
|
||
|
|
||
|
quot;
|
||
|
|
||
|
I. Einleitung und kurzer Abriss der Greschichte der Veterinär- Chirurgie.
|
||
|
|
||
|
Obgleich die Kriiiikheitsvorgiinge in den üusseren Tlieilen des Thierkörpers nach denselben Gesetzen ablaufen wie an den inneren Organen, so bietet dennoch die Trennung der Chirurgie von der speciellcn Pathologie und Therapie in mehrfacher Beziehung unverkennbare Vortheile, deren richtige Würdigung zu dieser Abzweigung geführt hat. In Bezug auf den Unterricht erscheint diese nothwendig, weil das gesammte Gebiet der Pathologie und Therapie bei der heutigen Entwickehmg derselben auch in der Thierheilkunde von einer Lehrkraft unmöglich vollkonnnen beherrscht werden kann, daher sowohl für den wissenschaftlichen Ausbau dieser wichtigsten Zweige der Thierheilkunde als auch im Interesse der Ausbildung der Studirenden die Trennung derselben geboten erscheint. Dazu aber kommt, dass die Krankheiten der üusseren Abschnitte des Thierkörpers eine gewisse Uebereinstimmung zeigen, sowohl in Bezug auf Ursachen wie auch auf die Hülfsmittel zu ihrer Erkennung und Behandlung und der Umstand, dass aus diesen Eigenthümlichkeiten gegenüber der Behandlung innerer Krankheiten für den behandelnden Arzt besondere Aufgaben erwachsen. .Dass die genaue Erkennung der Krankheiten innerer Organe im allgemeinen auf grössere Schwierigkeiten stossen muss als die Diagnose der ilusseren Leiden, welche der Untersuchung leichter zugänglich sind, liegt auf der Hand; bei der Erkennung und Beurtheilung der ersteron ist man aber oft genug auf Speculationen und Combinationen angewiesen. Hiermit soll indess nicht behauptet werden, dass die Diagnose der chirurgischen Krankheiten immer leicht sei; im Gegentheil, auch hier stösst dieselbe häufig auf grosse Schwierigkeiten und verlangt vor allem eine sachgemässe und sorgfältige Untersuchung, wofür z. B.
Müller, Allgeinelno Chirurgie für Thimirzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
|
||
|
|
||
|
I
|
||
|
|
||
|
2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Einleitung.
die Lahmheiten einen schlagenden Beweis liefern. Die Gegenwart einer Wunde festzustellen, fällt selbst dem Laien nicht schwer, allein die Eigenthümlichkeiten derselben und ihre Bedeutung für das betreffende Thier richtig zu beurtheilen, um danach eine zweckentsprechende Behandlung eintreten zu lassen, das verlangt nicht nur eine fachwissenschaftliche Durchbildung, sondern auch eine genaue Untersuchung und gestaltet sich keineswegs so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint. Ausserdem stösst die Durchfülmmg des Heilverfahrens bei den äusseren Leiden in der Kegel auf grössere Schwierigkeiten; die Therapie derselben verlangt vornehmlich mit den Händen auszuführende Hülfcleistungen, daher auch der Name .Chirurgiequot; C/.sip = Hand und ip'/ov = Werk). Endlich vergesse man nicht, dass [rrthümer in der Diagnose bei den Krankheiten äusserer Theile häufiger aufgedeckt und daher für den Praktiker leichter unbequem werden als bei Leiden innerer Organe,
Wenn demnach im Laufe der Zeit die Nothwendigkeit der Trennung dieser beiden Gruppen von Krankheiten sich herausstellte, sa waren hierbei in erster Linie praktische Rücksichten massgebend. Muss diese Trennung als eine künstliche bezeichnet werden, lässt sich auch eine scharfe Grenze zwischen den Leiden der äusseren und inneren Organe nicht ziehen, und erscheint es oft zweifelhaft, ob man dieses oder jenes Leiden den ersteren oder den letzteren zuzählen soll, z. B. die Entzündung der Zunge, so schwinden doch alle diese Bedenken den Vortheileu gegenüber, welche jene Trennung bietet. Dieser Grundsatz hat auch in der Thierheilkunde allmählich mehr und mehr Anerkennung gefunden.
Der praktische Thierarzt hat indess sowohl innere wie äussere Krankheiten zu behandeln und muss deshalb schon mit beiden vertraut sein. Aber auch eine Anzahl chirurgischer Leiden, welche ursprünglich au den äusseren Körpertheilen abläuft, verbindet sich nicht selten mit Erkrankungen innerer Organe und umgekehrt, so dass sich auch das Studium der Veterinftr-Chirurgie von dem der speciellen Pathologie und Therapie nicht trennen lässt. Eins aber muss von dem Chirurgen noch besonders verlangt werden, das ist die Kunst zu operiren. Diese beruht auf der genauen Kenntniss der normalen, namentlich der topographischen und pathologischen Anatomie sowie der Operationstechnik und auf Uebung. Mag eine persönliche Anlage hierbei wesentlich unterstützen, ohne Uebung und ohne jene Kenntnisse ist Niemand im Stande, diese Kunst sich anzueignen. Die Uebung bezweckt auf der einen Seite Aneignung einer sicheren
|
||
|
|
||
|
I
|
||
|
|
||
|
Einleitung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3;
Handhabung der Instrumente, auf der andern persönliche Orien-tirung in Bezug auf die anatomischen Verhältnisse sowie auf die Eigenthümlichkeiten der Krankheitszustäude, welche zum operativen Eingreifen Anlass geben. Ausserdem aber gewöhnt man sich durch Uebung im Operiren mehr und mehr daran, unerwartete Ereignisse mit Ruhe zu beurtheilen und ihnen rasch entschlossen entgegen y,u treten. Dazu kommt endlich, dass mit dem Erfolge auch das Interesse für die chirurgische Therapie wächst. Wem bereitete es nicht eine besondere Genugthuung, durch einen einzigen, geschickt ausgeführten Schnitt das Leben eines Thiere.s zu retten und dasselbe zugleich von seinen Qualen zu befreien. Der Student sollte vor allem daher die Operationsnbungen nicht versäumen, denn hierbei wird der Grund zu seinem späteren Wirken auf diesem Gebiete gelegt. Schon Braueil behauptete mit Recht, dass die einmalige Ausführung einer Operation mehr nütze als oftmaliges Zusehen oder Lesen der Vorschriften des Verfahrens. Aber nicht die geschickte und geübte Hand allein macht den Chirurgen aus, er muss vielmehr gleichzeitig durch seine wissenschaftlichen Kenntnisse in den Stand gesetzt sein, die Krankheitszustäude richtig zu beurtheilen; er muss ferner die Methoden der Untersuchung genau kennen; der Veterinär-Chirurg nuiss endlich auch mit den wirth-schaftlichen Verhältnissen vertraut sein, um den Werth seines Handelns genau bemessen zu können. Handelt es sich doch nicht immer darum, das Leben des Thieres zu retten, oft vielmehr die Brauchbarkeit desselben wiederherzustellen; daher wird die genaue Bestimmung der Prognose häufig Hauptsache. Der Thierarzt muss abwägen zwischen dem Vortheil, der aus seinem Eingreifen für den Besitzer erwächst, und den Unkosten des Heilverfahrens. Da bietet sieh demselben Gelegenheit, seine praktische Befähigung zu zeigen, denn leicht sind derartige Aufgaben in vielen Fällen nicht. Zur sicheren Lösung derselben gehört auf der einen Seite eine tüchtige fach wissenschaftliche Durchbildung, insbesondere in der Benrtheihmg der Krankheitszustäude, auf der anderen Seite Umsicht und ein Einblick in die wirthschaftlichen Verhältnisse des Besitzers.
Die Chirurgie zerfällt in eine allgemeine und eine specie! le. Die erstere hat die Aufgabe, die wissenschaftlichen Grundsätze zu lehren, welche bei der Behandlung äusserer Leiden im allgemeinen mass-gebend sind. Dahin gehört sowohl die Lehre von den Krankheitsvorgängen (allgemeine chirurgische Pathologie und Therapie) als auch die Darstellung der allgemeinen Grundsätze für die Ausführung der Operationen (allgemeine Operationslehre). Die specielle
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Einleitung.
|
|||
|
|
|||
|
Chirurgie beschäftigt laquo;ich dagegen mit den einzelnen Krankheit
|
18quot;
|
||
|
|
|||
|
zuständen der äusseren Theile des Körperlaquo;. Die Lehre von den chirurgischen Operationen heisst Akiurgie (vj axic = die Schneide, zo äf/fov = das Werk); die Lehre von den Verbänden (Verbandlehre) wird als Desinologie (os'Sji.d; = Band) bezeichnet.
Ueber die ersten Anfänge der Thierheilkunde und der Veterinär-Chirurgie herrscht ein ewiges Dunkel. Ohne Zweifel war man aber schon frühzeitig bemüht, die Leiden der Hausthiere zu heilen, und in diesem Sinne ist die Thierheilkunde wohl ebenso alt wie Viehzucht und Ackerbau. Sobald die Thiere dem Menschen nutzbar wurden, lag es in seinem Interesse, sich dieselben zu erhalten; dass hier-hei in erster Linie die iiusseren Schäden in Betracht kamen, versteht sich von selbst. Wer aber wäre berufener dazu gewesen als Hirten und Jäger, die sich auch zunächst des Gegenstandes bemächtigten, während sich Priester den gleichen Aufgaben für den Menschen unterzogen. Selbstverständlich wurden damals schon vielfach Mensch und Tliier von ein und demselben Heilkünstler behandelt, und die gesammelten Erfahrungen von einem auf das andere Gebiet übertragen. Bei dem höheren Interesse, welches der Menschenheilkunde dauernd zufiel, lag es nahe, dass sich die Thierheilkunde vielfach an diese anlehnte, wenngleich sie im Stande war, werthvolle Kenntnisse und Erfahrungen für jene zu liefern. Es war dies namentlich in Bezug auf Anatomie der Fall, welche bei dem durch viele Jahrhunderte bestandenen Verbote, Menschen zu seciren, zunächst an Thieren gepflegt werden konnte. Mit der Einführung des Hufbeschlags um das 8. bis 10, Jahrhundert unserer Zeitrechnung traten zu den Hirten und Jägern die Hufschmiede und beschäftigten sich mit dem Curiren von Thierkrankheiten. Die Rolle des Barbiers in der Menschenheilkundo übernahm der Schmied in der Thierheilkunde, Verhältnisse, die sich zum Tiieil bis auf den heutigen Tag erhalten haben.
Jeder genauen Kenntnisse der inneren Einrichtung des Körpers haar, konnte das Handeln dieser Männer nur nach Gutdünken erfolgen; doch lernte man mit der Zeit die Heilkraft dieser und jener Methode kennen, sammelte aus einer grösseren Zahl eigener und fremder Beobachtungen schliesslich Erfahrungen. Die hiernach ausschliesslich Krankheiten Behandelnden nennt man Empiriker (KjWCSipo? = erfahren). Allmählich mehrten sich die so gewonnenen Kenntnisse, durch Tradition und später durch Schrift wurden sie auf die Nachkommen übertragen und um so sicherer bewahrt, als sowohl die Be-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Geschichte tier VeteriniU'-Chirurgie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;rgt;
bandlung der Menschen wie Thiere sich in bestimmten Familien forterbte. Auf diese Weise wurden allmählich die aus dem Erfolge allein gewonnenen Kenntnisse aufgehäuft und mehr und mehr Kunstgriffe zur Heilung von Krankheiten gesammelt. Dass diese sich in erster Linie auf äussere Leiden bezogen, kann nicht befremden, und so entwickelte sich allmählich aus der einfachen Empirie ein gewisser Grad von Kunstfertigkeit in der Ausübung thierärztlicher Hülfeleistungen. Dass diese jedoch höchst unvollkommen sein mussten, ist klar, weil man über die anatomische Einrichtung des Körpers sowie über die Natur der Krankheitsprocesse damals noch keine klare Vorstellung hatte. Abgesehen von kleinen Versuchen erschien die erste Anatomie des Pferdes im Jahre 1501, lieber die Natur der Krankheitsprocesse aber erging man sich in Speculation, welche im Laufe der Zeit dem mannigfachsten Wechsel unterworfen war. Erst mit der Gründung der Thierarzneischulen um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde für die Entwickelung und wissenschaftliche Thierheilkumle eine feste Basis geschaffen, indem man hier sich bemühte, genaue Kenntnisse über Anatomie, Physiologie, Pathologie sowie über die Wirkung der Heilmittel zu erwerben und zu verbreiten. Auch die Veterinär-Chirurgie durchlief hiernach drei Stadien, nämlich: 1. das der reinen Empirie, 2. das der Kunst und 3. das der Wissenschaft und Kunst. Eine Trennung zwischen Chirurgie und der Lehre von den Krankheiten der inneren Organe konnte sich natürlich erst in der letzten Periode vollziehen.
Nach alter Sage war der Centaur Chiron (ca. 1300 v. Gh.), der Erzieher und Lehrer von Aesculap, ein Heilkünstler bei Menschen und Thieren; nach ihm soll auch das bekannte Tausendgüldenkraut (Cen-taureum) benannt sein, mit dem er die Wunde seines Gastes Heracles heilte. Ebenso finden sich auf den Denkmälern altägyptischer Cultur Beweise für das Bestehen der Thierheilkumle. Auf Gemälden und Copien aus jener Geschichtsperiode, welche Thiere darstellen, linden sich Anmerkungen, wie Arzt der Gazellenquot; (Pütz). Ebenso soll die Zendavesta (die Lehren Zoroasters enthaltend) Taxe für Menschen-und Thierärzte enthalten, woraus man schliessen darf, dass es selbst bei den alten Parsen bereits Thierärzte gegeben hat.
Die ersten literarischen Ueberlieferungen von Bedeutung stammen von den landwirthschaftlichen Schriftstellern der Körner, namentlich von Columella (1, Jahrh. n. Ch.); doch hat sich bereits Hippocrates, der Altvater der Medicin (4. Jahrh. v. Ch.), mit Sectionen von Thieren, vielleicht auch mit der Heilung von Krankheiten derselben beschäftigt.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
(inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Einleitung.
Hippocrates beschreibt Veriinderungen an den Grelenken bei Ochsen, Wassersucht, Epilepsie und Fieber bei Thieren. Auch X e n o p h o n (445 bis 354) bespricht in seinem Buche über Reitkunst Pf'erdekrank-heiton. Aristoteles (3841522) berichtet ebenfalls über Pferdekrankheiten, beschreibt u. a. die Rehe und das Ausschuhen, d. h. das Abfallen der Hufe und Klauen,
Columella dagegen beschäftigt sich genauer mit den Thier-krankheiteu. In dem lt;!. Buche seines Werkes: De re rusticaquot; werden verschiedene äussere Krankheiten der Thiere abgehandelt, wird ferner die Anwendung des Glüheisens zum Oeffnen von Abscessen und andern Zwecken empfohlen. Kr berichtet ferner über Castration, Fracturen und Wunden bei Thieren: auch soll von ihm bereits ein sog. Zwangsstall zur Ausführung von Operationen bei grösseren Thieren eingerichtet worden sein.
Ein Zeitgenosse Coluniellas, Aurelius Cornelius Celsus, war ein reicher Römer mit grossen Besitzungen, auf denen er zugleich als Arzt seiner Sclaven wirkte. Von ihm liegen Mittheilungen über die Behandlung des Bisses giftiger Thiere vor; im übrigen hat derselbe für die Thierlioilkunde weniger geleistet, um so mehr auf dem Gebiete der humanen Medicin.
Galen (131 201 n. Oh.) schrieb über Räude, Wuth und über (lustration weiblicher Schweine durch Extraction der Ovarien.
Eine wirksame Förderung fand die Thierheilkunde und besonders die Veterinär-Chirurgie im 4. Jahrh. n. Ch. durch die griechischen Pferdeärzte (Hippiater), von denen 21 schriftliche Ueberlieferungen ihrer Thätigkeit hinterlassen haben. Der hervorragendste unter ihnen war .Apsyrtus (300360), Rossarzt im Heere Constantin des Grossen, in dem er auch den Feldzug gegen die Sarmaten mitmachte. Von den chirurgischen Krankheiten beschreibt er die Rehe eingehend und stellt bereits die wichtigsten Aufgaben der Therapie derselben auf; ferner die Mauke, Gallen, giebt Anweisungen über die Ausführung verschiedener Castrationsmethoden, über das Aderlassen an den einzelnen Körperstellen; er lehrte bereits die Heilung von Knochenbrüchen, die Anwendung des Brenneisens insbesondere auch zur Castration, beschrieb Vorfälle, Wundbehandlung und kannte die Wundnaht.
Sein Zeitgenosse Hippocrates der Hippiater, der vielfach mit Hippocrates, dem Begründer der Medicin verwechselt worden ist, beschrieb in seiner Hippiatricaquot; den Thränenkanal beim Pferde. Von den übrigen Hippiatern wird in der Regel noch Pelagonius genannt, doch kommt ihm bei weitem nicht die Bedeutung des vorigen zu.
|
||
|
|
||
|
quot;
|
||
|
|
||
|
Geschichte der Veterinär-Chirurgie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
Um so wichtiger erscheint ein aus dem Ende des 4. Jahrhunderts stammendes Werk von Vegetius. In seiner Vegetii lienati artis veterinariae s. mulomedicinae libri quatuorquot; beschreibt Vegetius die Krankheiten der Thiere. Er war der erste, welcher diese in einer gewissen Ordnung aufführte; er empfahl zuerst die Aderlassschnur und machte auf die Verletzung der Carotis beim Aderlass aufmerksam; er scheint auch die Mondblindheit der Pferde bereits beobachtet zu haben, empfahl beim Ascites die Paracentesis abdominis mit der Lancette, und kupferne Brennkolben statt der eisernen; Vegetius beschrieb ferner Harnsteine, Druckschäden, Genick- und Zahnfisteln, kannte das Wimdfieber und gab Anweisungen über Wundbehandlung.
Um das 7. Jahrhundert ging bekanntlich die Medicin auf die Araber über, wo namentlich die Chirurgie einen möglichst ungünstigen Boden fand. Der Koran verbot auf das Strengste die Ausführung von Sectionen; im Volke selbst bestand gegen Blut eine grosse Scheu, in Folge dessen trat an die Stelle energischer Eingriffe der Mysticis-mus; statt zum Messer zu greifen, suchte man bei den Sternen Hülfe für die Kranken. Sehr natürlich, dass auch die Veterinär-Chirurgie unter solchen Umständen nicht gedeihen konnte, und die wenigen, aus jener Zeit stammenden Werke, z. B. die Avicennas (um das Jahr 1000) enthielten fast nur Wiederholungen der Angaben griechischer Hippiater.
Nachdem die Medicin mit den Mauren Europa zurückgegeben war, wurde sie nunmehr im Abendlande gepflegt und Klöster bildeten Pflanzstätte derselben. Dass auch hierbei die Thierheilkunde und namentlich die Veterinär-Chirurgie keine Fortschritte machen konnte, liegt auf der Hand. Diese musste sich hier gleichsam von neuem entwickeln, denn eine Bekanntschaft mit den römischen und griechischen Errungenschaften auf diesem Gebiete darf wohl kaum angenommen werden.
Aus älteren Mittheilungen geht indess hervor, dass schon bei den Kelten Thierheilkunde gepflegt worden war; in den Händen der Druiden bestand ihre Therapie jedoch zum grossten Theil aus Zauberformeln und Besprechungen.
Noch im 8. bis 13. Jahrhundert gestalteten sich die Zustände fllr die Veterinär-Chirurgie im Abendlande wenig günstig. In der Menschenheilkunde wurde auf Grund des Wortlautes der Bibel: Du sollst kein Blut vergiessenquot; die Ausführung blutiger Operation von der katholischen Kirche verboten. War hierdurch die Entwickelung der Chirurgie in der humanen Medicin lahm gelegt, so musste natür-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Einleitung.
lieh aucli die Veterinär-Chirurgie danuiter leiden. Sie lag in den Händen von Hirten, Abdeckern und Sehinieden, deren Wissen und Können auf dunklen Vorstellungen beruhte und in einfachen Hülfeleistungen bestand, deren Kenntniss vom Vater auf Sohn vererbt wurde.
Erst mit dem V.\. Jahrhundert begann eine Periode erfreulicher Entwickelung der Tbierheilkunde und namentlich der Veterinär-Chirurgie. Nicht den geringsten Antheil hatte hieran der nunmehr bereits überall verbreitete Hufbeschlag; mein- aber noch wurde die Thierheilkumle durch die damaligen Stallmeister gepflegt, von denen Jordanus Ruffus in erster Linie genannt zu werden verdient. Er war Maresoalousquot;1) Kaiser Friedrichs II. und zugleich Grosswürdenträger. 1250 veröffentlichte J. Ruffus in seinem Werke: De medi-cina equoruinquot; zahlreiche Beobachtungen über äussere Krankheiten, namentlich der Pferde. Er kannte bereits die Brustbeule, den Spat, Exostosen, beschrieb eine Reihe von Lahmheiten und Hufkrankheiten. Schon Ruffus wendete die Gefässligatur bei Thieren an, welche beim Menschen erst im 16. Jahrhundert durch Ambroise Pare bekannt wurde. Alle Zeitgenossen wie auch die nächsten Nachkommen standen auf seinen Schultern. Unter den ersteren sind Bonifacius von Calabrien, Peter Crescentius und Laurentius Rusus zu nennen. Der erstere ver-öifentlichte ein Buch über Pferdekrankheiten; Peter Crescentius schrieb über Ackerbau und Krankheiten der Thiere, während Rusus, der im 14. Jahrhundert lebte, die Werke von Ruffus u. a. übersetzt hat; von ihm sollen die ersten Mittheilungen über die Castration durch Zerklopfen der Samenstränge stammen.
Aus dem 16, Jahrhundert muss Marx Fugger, Herr von Kirchberg und Weissenhorn, geb. 1529 gest. 1597, erwähnt werden. Er war Rath Kaiser Rudolph II. und Stadtpfleger in Augsburg, gehörte der ebenso berühmten wie reichen Fuggcr-Familie an, unterhielt Gestüte und beschäftigte sich mit Vorliebe mit der Kenntniss des Pferdes. In seinem Werke : .Von der Gcstütcrei' (1578) werden auch einige äussere Krankheiten des Pferdes abgehandelt.
Die Periode der wissenschaftlichen Entwickelung der Tbierheilkunde beginnt mit dem Jahre 1591, in welchem die erste Anatomie und zwar die des Pferdes unter dem Titel: .Anatomia del Cavallo in-tirmita e suoi remediiquot;, Bologna, von Carlo Ruini erschien; in dem zweiten Theil desselben sind namentlich die Krankheiten der Glied-
|
||
|
|
||
|
') Das Wort stammt aus dem Keltischen: march = Pferd, und dem Gothi-schen: skalks = Diener, Knecht.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Geschichte der Veterinär-Clürm'gle.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; i)
massen eingehend abgehandelt, wenn auch grösstenfcheils nach den Angaben von .1. Ruffus.
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Tbierheilkunde und
namentlich die Lehre von den ilusscren Krankheiten durch die deutschen und französischen Stallmeister gepflogt. Der hervorragendste unter ihnen, de Solleysel beschrieb in seinem Werke (Le veritable parfait MarechaP) die Krankheiten des Pferdes. Auf die chirurgischen Leiden hat Solleysel ein besonderes Gewicht gelegt, doch wurden die Anschauungen desselben vielfach noch von Vorurtheilen beherrscht und Operationen in seinem Werke empfohlen, welche als lobendige Zeugen der dunklen Vorstellungen gelton können, welche damals bezüglich der Krankheiten noch herrschten. So ompfielilt Solleysel das Pfeifelbrechen, eine absichtlich beigebrachte Verletzung der Parotis gegen Entzündungen derselben, das Brennen des weichen Gaumens gegen Appetitlosigkeit, die Unterbindung der Scldäfenarterien und Durch-schneidung der Angesichtsnervcii gegen Augenentzündungen (Hertwig). Ein Gleiches lässt sich von den Werken de Sauniers, Garsaults und de la Gueriniere sagen. Tu Deutschland erschienen um dieselbe Zeit die Arbeiten von Fayser (l(i7()) Seuter u. a., welche sich neben der Reitkunst und Zucht mit den Krankheiten des Pferdes beschäftigten. Seltsame Anschauungen wurden indess auch von ihnen vertreten; der wissenschaftliche Gehalt ihrer Werke muss als gering bezeichnet werden. Es fehlte ihnen vor allom die Bekanntschaft mit den Errungenschaften der medicinischen Wissenschaft, ihre Anschauungen gründeten sich vielmehr auf unklare Vorstellungen.
Anders gestalteten sich in dieser Hinsicht die Verhältnisse in Frankreich. Etienne Guillaumo Lafosso (der Vater, gest. 1765) unterhielt Fühlung mit der Medicin, lernte z.B. von Pare don Trepan kennen und wendete denselben bei Pferden an. Müssen /war seine Untersuchungen über die Rotzkrankheit als die bedeutendsten bezeichnet werden, so verdienen doch auch seine Leistungen auf dem Gebiete der Chirurgie volle Anerkennung. Lafosse lehrte die Anwendung der Haarseile und Fontanelle; er wurde Reformator auf dem Gebiete des Hufbeschlags und betonte zuerst die Beziehungen des Hufbeschlags zu dem Gesundheitszustände der Gliedmassen. Mehr noch leistete sein Sohn Phil. Etienne Lafosse (geb. 1730 gest. 1820). Unter der sorgfältigen Erziehung dos Vaters war er kaum 18 Jahre alt geworden, als er seine Studien bereits vollendet hatte und als Uossarzt der Armee über Anatomie des Pferdes Vorlesungen und Demonstrationen hielt. Nachdem Lafosso mehrere Feldzüge mitgemacht, eröffnete er in dem
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
10
|
Einleitung.
|
||
|
|
|||
|
auf eigene Kosten erbauten Amphitheater unentgeltlich Vorlesungen. 1772 erschien sein Pracht werk; Cours d'hippiatrique,quot; das bis auf den heutigen Tag einzig in der Grossartigkeit seiner Ausstattung dasteht.
In England gab liobertson 1753 sein ,,Pferdearzneibuchquot; her-iius, welches 10 Auflagen erlebte und auch ins Deutsche übersetzt wurde, liobertson lebte später in Deutschland (Landsberg a. W.) und führte hier die Castration mit Kluppen ein. Er schrieb über das Eng-lisiren der Pferde und andere Operationen und soll ein vorzüglicher Operateur gewesen sein. Audi Bartl et verdient hier genannt zu werden, welcher, in England geboren, Chirurgie studirte und sich sodann der Thierheilkundo widmete. Sein 1754 herausgegebenes Buch: The gentleman's Farriery or a practical Treatise on the diseases of horsesquot; fand überall Anerkennung und erschien in 12 Auflagen, doch waren in demselben hauptsächlich nur die Ideen Lafosses über den Huf-beschlag wiedergegeben.
In die nun folgende Periode fällt die Gründung der Thierarznei-laquo;chulen. Nachdem 17()2 die erste derselben unter Bourgelat in Lyon errichtet war, entstanden bald mehrere: 1705 in Alfort, 1769 in Turin, 1771 in Göttingen, 1773 in Kopenhagen, 1774 in Skara (Norwegen) und Padua, 1777 in Wien, 1778 in Hannover, 1780 in Dresden, 1783 zu Freiburg i. B., 1784 in Karlsruhe, 1787 in Mailand, 1789 in Maiburg, 1700 in Berlin und München, denen sich bald weitere in Deutschland und im Auslande anschlössen. Diese Anstalten waren theils mit Rücksicht auf die verheerend aufgetretenen Seuchen, theils aber zur Heranbildung brauchbarer Militär-Thierärzte gegründet worden; sehr natürlich dalier, dass neben den Seuchen die Chirurgie an ihnen eine besondere Berücksichtigung fand, wenn auch anfangs nur in Verbindung mit anderen Doctrinen, namentlich dem Hufbeschlag.
1770 erschien in Gottingen ein damals bedeutendes Werk von v. Sind: Der Pferdearztquot;. Ursprünglich österreichischer Unterthan, trat v. Sind später in den Dienst des Kurfürsten von Cöln und brachte es bis zum obersten Stallmeister, beschäftigte sich besonders mit Reitkunst und Bossarzneikunde. Erxleben nannte ihn den grössten deutschen Bossarzt. Seine Arbeit über die Rehe der Pferde beweist neben Scharfsinn hohe praktische Begabung. Er beschreibt ferner die Trepanation, Staar-operationon, den Steinschnitt und Bruchoperationen. Bemerkt sei noch, dass v. Sind eine Latwerge gegen die Rotzkrankheit erfand, deren Absatz nach den Behauptungen Vitets u. a. in speculativer Weise von v. Sind betrieben wurde.
Während bis dahin in den Werken über Thierarzneikundc gleich-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Geschichte der Veterinär-Chirurgie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;H
zeitig die inneren und üusseren Krankheiten behandelt waren, führte Wolstein zum ersten Male eine Abzweigung der Chirurgie herbei. Johann Gottlieb Wolstein, Dr. med. etchir., war 1788 zu Flinsburg in Schlesien geboren, widmete sich zunächst dem Studium der Chirurgie, bildete sich sodann in Alfort unter Bourgelat undChabert aus, ging 1773 nach London, besuchte Holland und Dänemark und wurde später Professor an der Thierarzneischule in Wien, wo er 20 Jahre thätig war und sich den Ruf eines Gründers der Avissenschaftlichen Thierhoilkunde in Deutschland erwarb. Seiner freisinnigen Gesinnung halber 1795 verbannt, lebte er bis zu seinem Tode in Altona. Von ihm stammt die erste Veterinär-Chirurgie (Buch der Wundarznei der Tliiere 1784), er gab ferner den Unterricht für Fahnenschmiedequot; und ein Buch für Tlherärzte im Kriege (1788) heraus. Wolstein schrieb auch über Hernien und Hufbeschlag und führte eine Reihe von thierärztlichen Operationen ein.
1785 erschien Rohhves Abhandlung von den üusseren Krankheiten der Pferde, welche später viele Auflagen erlebte.
In Frankreich nahm J. B. Gohier (17711819) zu Lyon die Stelle als Professor der Operationslehre ein und veröffentlichte in seinen Mömoires et Observations sur la med. et la chir. veterinairequot; zahlreiche Beiträge zur Veterinär-Chirurgie und Akiurgie.
Unter den französischen Veterinären sind ferner zu nennen:
l.Chabert (1737 1814) der zuerst das Lehramt für Hufbeschlag in Lyon übernahm und nach Bourgelats Tode Director der Anstalt wurde. Er soll ein grosses Werk über chirurgische Operationen herausgegeben haben, schrieb ferner über Lahmheiten, Moiulblindheit und andere äussere Leiden, z. B. des Luftsackes,
2.nbsp; Hurtrel d'Arboval (17771839), trieb als wohlhabender Mann die Praxis unentgeltlich und bearbeitete in seinem Dictiounaire de möd. veter. verschiedene Artikel über Chirurgie.
3.nbsp; Pierre Isidor Vatel (17951852), zuerst Lehrer in Lyon, #9632;dann in Alfort, behandelte in seinen Elements de Pathol. veter. etc.quot; auch die chirurgischen Krankheiten.
4.nbsp; nbsp;A. Rey, Professor der Klinik in Lyon, bearbeitete in dem Journal veter. hauptsächlich chirurgische Fälle, von dem sich viele Auszüge in Herings Repertorium finden. Er beschäftigte sich namentlich mit Gelenk- und Hufkrankheiten, Gallen, Aderfistel u, s. w.
5.nbsp; Eugene Renault. 1828 Professor der Klinik zu Lyon, später Director und schliesslich General-Inspecteur der französischen Thier-arzneischuleu, pflegte ebenfalls Chirurgie und Operationslehre, legte
|
||
|
|
||
|
|
||
|
12nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Einleitung.
das Waclisthuin des Hufes klar, schrieb über Abscesso und Gangrän, über Castration. Traclieotomio, Huffisteln, Kauterisation, Unterbindung der (lefässo u. s. w,
(5. H. Bouley, Schwiegorsohu Vatels (geb. 1815), hat sich durch seine Untersuchungen am Hufe des Pferdes, deren Resultate in dem .Traite de 1'organisation du pied du chevalquot; niedergelegt sind, allein schon ein hohes Verdienst um die Hufpathologie erworben. Er schrieb ferner über Hernien, Lahmheiten, Neurotomien, Castration u. s. w. Nicht minder geistvoll und fruchtbar waren Bouleys Arbeiten auf anderen Gebieten.
7.nbsp; nbsp;öourdon, Professor in Toulouse, gab 185;$ einen Traite de Chirurgie veter.quot; in zwei Bänden heraus, ein Buch, das in Frankreich viel Verbreitung fand. Er schrieb ferner über Castration und Arterien-verletzungen.
8.nbsp; nbsp;P. Charlier, praktischer Thierarzt in Paris, machte sich 1840 durch sein neues Verfahren zur Castration der Kühe bekannt, Gou-beaux durch seine Untersuchungen über Halswirbelverrenkungen, Lähmungen, Cryptorchisnius und eine grosse Anzahl anatomischer Arbeiten.
In Belgien wurde namentlich Brogniez (gest. 1832) bekannt, er verfasste als Professor an der Schule in Curcgham ein damals hervorragendes Werk über Chirurgie (Traite de Chirurgie vöterinaire), con-struirte verschiedene thierärztliche Instrumente, die er zum Theil selbst angefertigt haben soll.
In England haben sich u. a. Moorcroft, Coleman, Clark, Sewell, Spooner, Field, Goodwin, Turner und Varnell hohe Verdienste um die Entwickelung der Veterinär-Chirurgie erworben. Moorcroft will schon zu Anfang unseres Jahrhunderts die Neurotomie ausgeführt haben, worüber ein Prioritätsstreit zwischen ihm und Coleman ent-stand, während Spooner behauptet, dass Sewell diese Operation zuerst ausgeführt habe.
Coleman und Bracy Clark beschäftigten sich namentlich mit Hufbeschlag und Hufkrankheiten; letzterer legte in seiner Hippo-donomiaquot; die Belastungsverhältnisse des Hufes klar und ist der Erfinder des Expansionseisens.
William Sewell wurde insbesondere durch die Periostomie und die Anwendung des Haarseils bei Fussrollenentziindimg und Spat bekannt.
William Spooner schrieb über die Krankheiten der Gliedmassen und des Hufes sowie über Gelenkleiden.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Geschichte der Veteriniii-Cliirui-gio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;13
John Field, bekannt als hervorragender Pf'erdekenner, trug zur Klarlegung der Fussrollenentzündung wesentlich bei; ein Theil seiner Arbeiten über verschiedene Lahmheiten und andere chirurgische Leiden wurden von seinem Bruder William Field erst naeli seinem Tode herausgegeben. An dem vor wenigen Jahren im besten Mannesalter verstorbenen Prof. Robertson erlitt die Veterinär-Chirurgie in England einen schweren Verlust.
In Dänemark war Erik Viborg (17591822) nach einer gründlichen Ausbildung auf Reisen im Auslande lange Zeit erfolgreicher Vertreter der Veterinär-Chirurgie, aber auch anderer Lehrfächer. Seine Arbeiten sind in einem Werke von fünf Bänden. ..Abhandlungen für Thierärzte und Oekonomenquot;, niedergelegt. Er zeichnete sich durch ebenso grosse praktische Befähigung wie wissenschaftliche Kenntnisse aus. Nach ihm benannt wird aucb heute noch in der Chirurgie das sog. Viborg'sche Dreieck für die Eröffnung des Luftsackes.
Carl Viborg, Sohn des vorigen, Kegimeiits-Cliirurg und Professor der Veterinär-Wissenschaft an der Schule in Kopenhagen, soll nach Schrader eine Abhandlung über den Luftröhrenschnitt bei Pferden, verglichen mit derselben Operation beim Menschen, veröffentlicht haben.
Bis in die neuere Zeit war Stockfleth (18241878) Vertreter der Chirurgie an der Kopenhagener Schule. In seinem Lehrbuch der Chirurgie für Thierärzte, das bekanntlich auch ins Deutsche übersetzt wurde (Steffens), bat derselbe reiche Erfahrungen, die er auf diesem Grebiete gesammelt, niedergelegt; in Deutschland hat das Werk eine grössere Verbreitung gefunden.
Aussei- den oben bereits genannten älteren Veterinär-Chirurgen Deutschlands sind zu nennen:
1.nbsp; nbsp;Tenneker (1770 1889) war Stallmeister, wurde später Director des Trainwesens der sächsischen Armee. Von 18171828 bekleidete Tenneker die Professur der praktischen Thierarzneikunst an der Schule in Dresden. Er war ein produetiver Schriftsteller auf dein Gebiete der Pferdekunde, Pferdezucht, Reitkunst u. s, w., lieferte aber auch Arbeiten über Hufbeschlag, Beschirrung des Pferdes, über Sattel-und Greschimlruck, Lähmungen, Wundarzueikunst u. s. w.
2.nbsp; Dieterichs (17021858). Dieterichs muss als der Begründer einer wissenschaftlichen Veterinär-Chirurgie in Deutschland bezeichnet werden (Hertwig). Als Lehrer für Chirurgie und Operationslehre an der hiesigen Anstalt gab er eine thierärztliche Chirurgie und ein Lehrbuch der Akiurgie heraus. Die erste Arbeit erlebte 7 Auflagen.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
14
|
Einleitung.
|
||
|
|
|||
|
#9632;quot;1. Georg Strauss (17801845), Professor der praktischen Chirurgie an der Wiener Schule, veröffentlichte ebenfalls eine Chirurgie für Thierärzte, schrieb ferner über Hufbeschlag und lieferte Abhandlungen über Gelenkentzündungen und andere in das Gebiet der Veterinär-Chirurgie fallende Fragen,
4. Carl Heinrich Hertwig (17081881), ein geistvoller, praktischer und vielseitiger Arbeiter, hat auf dein Gebiete der Chirurgie viele Jahre mit grossein Erfolge und unter allseitiger Anerkennung gewirkt. Sein Lehrbuch der Chirurgie für Thierärzte, welche 1874 in 3. Auflage erschien, sowie die in Gemeinschaft mit Gurlt herausgegebene Operationslehre dienten Jahrzehnte hindurch den meisten deutschen Thienlrzten als Führer durchs Leben. Ausserdem lieferte Hertwig zahlreiche Abhandlungen ilber Chirurgie in dem mit Gurlt herausgegebenen .Magazin für Thierheilkunde''. Genannt seien nur die Arbeiten über Hernien, Genickfisteln, Augenkrankheiten, Myotomie, Tenotomie und verschiedene Lahmheiten.
6. In Wien wirkten au dem Ausbau der Veterinär-Chirurgie Pill-wax und Armbrecht; Fillwax laquo;auf dem Gebiete des Huf- und Klauenbeschlags. Arnibrechts Chirurgie ist auch heute noch im Gebrauch.
lt;gt;. Ebenso bedeutend auf dem Gebiete der Chirurgie wie anderen Zweigen der Thierarzneikunde war Hering, dessen geistreichen und stets den praktischen Zielen zugewendeten Arbeiten insbesondere die unübertroffen dastehende Operationslehre in Deutschland wie im Auslande zahlreiche Freunde und Bewunderer gefunden hat.
Kurz erwähnt werden mögen liier noch die Arbeiten von Falke (Instrumenten-, Operations- und Verbandlehre), ßinz (Knochenbrüche), F. Günther (subeutane Operationen), Brauell und Schrader über Gelenkkrankheiten und andere Gegenstände der praktischen Chirurgie. Die heute noch thätigen Vertreter der Veterinär-Chirurgie und ihre Werke können als bekannt vorausgesetzt werden.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
II. Entzündung (Inflammatio).
|
||
|
|
||
|
Anatomische Veränderungen und klinische Erscheinungen Entzündung gefässloser Gewebe Eintheilung der Entzündungen Eiterung Ursachen (Bakterien), Verlauf, Ausgang und Behandlung der Entzündung im allgemeinen.
Der Ausdruck Entzündung' (Inflammatio) bezeichnet keine bestimmte Erkrankung, sondern nur eine Krankheitsform; daher mussteu auch die seit den ältesten Zeiten angestellten Vorsuche, eine erschöpfende Definition der Entzündung zu geben, fehlschlugen, und kam man immer wieder darauf zurück, die schon von Celsus aufgestellten Cardinalsymptome der Entzündung, niimlich: lraquo;ubor, Tumor, Calor, Dolor, denen man später die Functio laesa hinzufügte, zur Grundlage der Betrachtung dieser Vorgänge zu machen. Es ist nicht die Aufgabe der Chirurgie, diese in extenso zu besprechen und auf das Wesen der Entzündung einzugehen, daher will ich mich darauf beschränken, die als Entzündung bezeichneten Vorgänge vom klinischen Standpunkte etwas näher zu beleuchten.
Die Entzilndungsrötlie, welche allerdings nur an nicht pig-mentirter Haut, daher bei Thieren häufig nicht zu beobachten ist, geht aus krankhaften Veränderungen an den Blutgefässen hervor, die von Cohnheim zuerst direct nachgewiesen wurden. Breitet man das Mesenterium eines ourarisirten Frosches auf einem Objecttrftger aus und bringt diesen unter das Mikroskop, so ruft die auf das Mesenterium mit ihren Schädlichkeiten einwirkende Luft alsbald eine Entzündung hervor, deren Vorgänge durch das Mikroskop beobachtet werden können, sofern durch Berieselung mit einer 0,6 0/oigen Kochsalzlösung das Präparat vor Eintrocknung geschützt wird. Zunächst tritt eine Erweiterung der Blutgefässe und zwar zuerst an den Arterien (entzündliche Gongestion), dann an den Venen, endlich auch an den
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Ißnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Entzündung.
Oapillaren hervor. Mit der öefässerweiteruug verbindet laquo;ich zunächst eine
Beschleunigung' des Blutstromes, welche jedoch schon nach etwa Vs Stunde einer auffälligen Verlangsamung der Blutbewegmig Platz macht, so dass man die einzelnen Blutkörperchen in den Gefässen deutlich erkennen und verfolgen kann. In den kleineren Arterien und Venen strömt bekanntlich das Blut in zwei Schichten; im Centrum, dem axialen Strome, bewegen sich die zelligen Elemente des Blutes, besonders die rothen Blutkörperchen schnell fort, während die langsamer fliessende Randschicht des Blutes fast nur Plasma führt, und deshalb als plasmatische Randschicht bezeichnet wird. Nur selten gerathen die Blutkörper in diese, und wenn ein weisses gelegentlich an die Gefässwand gelangt und hier eine Strecke weit langsam fortrollt, so kehrt er doch in der ßegel alsbald wieder in den axialen Strom zurück.
in dieser regeimässigeu Anordnung stellen sich bei der Entzündung alsbald Störungen ein. Die weissen Blutkörper häufen sich besonders in den Venen und Oapillaren an; in den Venen treten sie in die Bimdschicht über und scheinen oft an der Gefässwand festzukleben, während die rothen im axialen Blutstrome weiter fliessen. Die Capil-laren sind stellenweise mit farblosen Blutkörperchen vollständig angefüllt (globulöse Stase). Die an der Gefässwand haftenden Leu-koevten gelangen allmählich durch diese hindurch, also ausserhalb des Blutstromes, wo sie sich schon nach G8 Stunden in grosser Zahl vorfinden; mit anderen Worten die Bandstellung der Leukocyten führt zur Emigration derselben. Dieser Austritt farbloser Blutkörper aus den Gefässen war schon 1846 von Waller beobachtet worden, wurde jedoch erst 1867 von Cohnheim demonstrirt und genauer beschrieben. Es kann hier gleichgültig erscheinen, ob die in dem entzündlich erkrankten Gewebe auftretenden Rundzellen sämmt-lich aus dem Blute stammen, d. h. emigrirte Leukocyten darstellen, oder ob, wie ursprünglich von Virchow angenommen und neuerdings von Grawitz, Bibbert u. a. behauptet wurde, ein Theil derselben als Abkömmlinge prolif'crirter Bindegewebszellen zu betrachten sind. Das Auftreten kleinerer, einkerniger, den Lymphkörperchen (Lym-phocyten) ähnlicher Elemente spricht für letztere Annahme, da die Leukocyten in der Böge! mehrere Kerne enthalten.
Neuerdings hat sich mehr und mehr die Ueberzeugung Bahn gebrochen, dass die emigrirten Leukocyten an der Gewebsneubildung keinen Antheil haben.
Durch die Wand der Capillaren verlassen auch wohl rothe Blutkörper die Blutbahn und sammeln sitdi bald einzeln, bald in grösseren
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Entzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;17
Haufen in der Umgebung der Gefftsse an, um hier kleine punktförmige Hilmorrhagieii zu bilden.
Ob die Emigration durch natürliche Lücken (Stomata) in der Ge-ftisswand erfolgt, oder ob sieb die zur Auswanderung erforderlichen Spalten in derselben erst während des Entzündungsprocesses bilden, ist zur Zeit noch eine offene Präge. T h o m a kam neuerdings zu dem Schlüsse, dass die erstere Anschauung zutreffend sei. Er konnte mit Hülfe von Silberinjec-tionen in entzündete Gekröspartien beim Hunde zwischen den Endothel-zellen zahlreiche punktförmige Stellen nachweisen, in welchen noch Leuko-cyten steckten und durch welche auch rothe Blutkörper einzeln sowie in Gruppen die Blutbahn verliessen und in das entzündete Gewebe gelangten.
Nach den Beohachtungen von Leber erfolgt die Emigration der weissen Blutkörper nicht regellos, sondern nach bestimmten Richtungen, in welchen dieselben auch ausserhalb des Gefässes weiter wandern. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um eine Anziehung seitens bestimmter chemischer Stoffe (chemotactische Substanzen), namentlich der Stoffwechselproclucte der Bakterien, so dass es den Anschein gewinnt, als ob die emigrirten Leukocyten einen Kampf mit den Eindringlingen aufzunehmen die Aufgabe haben, eine Anschauung, die in neuerer Zeit von Metsclmikow aufgestellt, von anderer Seite jedoch bekämpft wurde.
Es verlassen indess nicht allein Blutkorper die Gefilsse, .sondern auch Blutplasma oder Blutserum tritt durch die Gefässwand (Trans-sudation) und mischt sich dem Lymphstrome bei, wodurch eine üeberschwemmung in dem Gewebe veranlasst wird, da die Lymph-gefässe bald aussei' Stande sind, diese Flüssigkeit sowie die ausgetretenen Blutkörperchen abzuführen.
Aus diesen Vorgängen erklären sich zwei der Cardinataymptomo der Entzündung, nämlich die Köthung und Anschwellung. Die erstere verdankt ihre Entstehung theils der Dilatation der Blutgefilsse (entzündliche Hyperämie), theils der massenhaften Anhäufung rother Blutkörper in denselben, welche schliosslich zur Stockung des Blutstromes (S t a s e) führen kann; dazu kommt die Anhäufung rother Blutkörper ausserhalb der Gefässe, wohin dieselben entweder einzeln (Dia-p e d es i s) oder durch Zerreissungen der Gefässwand (p er hexin) gelangen.
Die Entzündungsröthe zeigt sich im Farbenton verschieden; bald bildet sie eine scbarlachrothe Färbung, bald erscheint sie mehr bläulich. Bei ersterer pflegt eine lebhafte Beschleunigung des Blut-stromes zu bestehen, weshalb die Kothe auf Fingerdruck schnell wiederkehrt; bei der bläulichen Röthc liegen erhebliche Stauungen
Jlolloi', Allffi'meiiio Cliinirgio fiiv Tliienirzti',nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; '2
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
18
|
Entzündunof.
|
||
|
|
|||
|
vor, daher lässt sich diese durch Fingerdruck nicht so leicht beseitigen und kehrt nach Aufhebung desselben nur langsam zurück. Wo die Röthung auf Fingerdruck überhaupt nicht mehr verschwindet, bestehen Extravasate, d. h. Anhäufungen von Blut ausserhalb der Gefässe.
Die Entzünduugsgeschwulst (Tumor) entsteht theils durch die Ausdehnung der Gefilsse, namentlich aber durch den Uebertritt flüssiger und körperlicher Elemente des Blutes in die Gewebe: hierbei kommen ferner die vorgrösserten und gewucherten Gewebszellen und endlich eingedrungene Fremdkörper und Infectionsstoffe in Betracht. Je nachdem der eine oder andere dieser Factoren an dem Zustandekommen der entzündlichen Schwellungquot; oder ,Anschwellungquot; vorzugsweise betheiligt ist, gestaltet sich diese verschieden; auch übt die anatomische Beschaffenheit des Gewebes hierauf einen Einfluss aus; in der lockeren Unterbaut am IJurapfe der Thiere erscheint sie in der Regel schlaffer, während die Anschwellung an den unteren Abschnitten der Gliedmassen namentlich bei grösseren Thieren stets eine derbere Beschaffenheit besitzt.
Verdankt die entzündliche Schwellung ihre Entstehung vornehmlich der Anhäufung von Serum in den Geweben, welches durch Druck von aussen leicht zum Abfluss in die Umgebung gebracht werden kann, nach Aufhebung dieses Druckes nur langsam wieder zurückfliesst, so nimmt der Theil Fingereindrückequot; an; die Entzündungsgeschwulst besitzt eine teigige Beschaffenheitquot;. Diese Eigenschaft beweist also die Gegenwart von Serum in den Gewebsmaschen, einen Zustand, den man als Oedem bezeichnet, und weil das Oedem durch Entzündung entstanden ist, nennt man es zur Unterscheidung von dem durch Stauung oder andere Einflüsse veranlassten entzündliches Oedem. Giebt die Anhäufung zahlreicher Blutkörper oder proliferirter Gewebszellen die Grundlage zur entzündlichen Schwellung ab (plastische oder zelligo Infiltration), so erscheint die Anschwellung härter, derber, und da diese Elemente sich nicht so leicht durch einen Druck von aussen verdrängen lassen, so nimmt deren Anschwellung keine Fingereindrücke an.
Auch die Entzündungshitze erklärt sich aus dem Umstände, dass mehr Blut den erkrankten Theil durchströmt. Wenn man früher annahm, dass die entzündlichen Processe, der lebhaftere Stoffwechsel in dem leidenden Theile hierzu beitrage, so ist das nicht richtig, denn die Temperatur in dem entzündlich erkrankten Theil übersteigt niemals die Bluttemperatur. Ferner bleibt zu beachten, dass der Calor nicht in dem Masse objeetiv nachweisbar ist, wie er subjeetiv empfunden wird. Wir benutzen daher bei Thieren auch diese Erscheinung,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Entzündungserscheinungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;J (raquo;
uni uns von der Gegenwart einer Entzündung zu überzeugen. Das Nähere hierüber ist in meiner Diagnostik der äusseren Krankheiten besprochen.
Der Dolor ergiebt sich aus der mit der Anschwellung verbundenen Drucksteigerung in dem entzündlich erkrankten Organ und der sich hieraus ergebenden Zerrung sensibler Nerven. Je stärker die Anschwellung und je geringer die Ausdehnungsfähigkeit des entzündeten Organs, je reicher dasselbe an sensiblen Nerven, um so grosser die Schmerzhal'tigkcit. Wahrscheinlich kommen hierzu chemische Reizungen der Nerven durch Substanzen, die sich in dem Entzündungsherde gebildet haben oder von aussei! hinein gelangt sind. Dass bei derartigen Störungen in der anatomischen Einrichtung auch die Function der Organe mehr oder weniger gestört sein muss, bedarf keiner weiteren Begründung.
Zu den Erscheinungen der Entzündung rechnen wir klinisch noch die verstärkte Pulsation der zuführenden Arterien, z. B. der Art. plantaris bei Entztimlungen im Hufe. Die Störung der Blutcirculation in der entzündlich erkrankten Hufledcrhaut, wie sie durch den Ent-zündungsprocess sowie durch die Drucksteigerung im Hufe entsteht, muss zu einer Anstauung des Blutes in den zuführenden Arterien führen, wodurch diese ausgedehnt werden und sich bei jeder Systole des Herzens in abnormem Grade füllen.
Nach der grösseren oder geringeren Schnelligkeit, mit welcher die entzündlichen Veränderungen auftreten und ablaufen, unterscheidet man acute und chronische Entzündungen. Bei ersteren treten die oben beschriebenen Störungen mit einer gewissen Lebhaftigkeit auf, um in kurzer Zeit, d. h. in wenigen Tagen oder Wochen, nach Erreichung des Höhepunktes den einen oder anderen Ausgang zu nehmen. Die chronische Entzündung verläuft langsam, schleichend; sie kann unter Umständen Jahr und Tag andauern. Anhaltende, aber nur massige Reizwirkungen, welche keine heftige Reaction hervorrufen, geben hierzu Veranlassung. Gewisse Mikroparasiten zeichnen sich dadurch aus, dass sie nur eine massige Reaction veranlassen, z. B. Staphylokokkus, Aktinomyces, der Tuberkelbacillus u. a., während Streptokokkus, der Bacillus des malignen Oedeins u. a. heftige Reizungen und acute Entzündungen erzeugen. Aber auch das Gewebe spielt hierbei eine Rolle, namentlich wenn die aseptisch, d. h. ohne Infection ablaufenden Vorgänge zu Entzündungen Anlass geben. In gefässarmen, derben Geweben (Sehnen, Bändern u. s. w.) verlaufen diese Processe regelmässig langsamer als im lockeren Bindegewebe.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
20
|
Kntzünduiig'.
|
||
|
|
|||
|
Schon aus diesem Grunde erscheint es notlrweiidig, die entzündlichen Processe in den einzelnen Organen gesondert zu betrachten.
Wie verhalten sich aber die gefässlosen Theile der Entzündung gegenüber P
Aetzt man die bekanntlich gefässlose Cornea, so trübt sich sowohl das Epithel wie auch das Parenchym derselben, und zwar nicht allein in dem von der Aetzung betroftenen Bezirke sondern auch die Nachbarschaft. In kurzer Zeit sammeln sich an der erkrankten Stelle die Wanderzellen der Cornea an; zahlreiche Leukocyten, aus den Gefäss-schlingen des Cornealrandes stammend, ziehen durch die Saftkanäle der Cornea von der Peripherie derselben zu der verletzten Stelle. Auch durch das vordere Cornealepithel und selbst die Descemet'sche Membran können solche zu dem Entzündungsherde gelangen. In manchen Fällen genügen diese allein, um die reparatorischen Vorgänge zu bewirken, bei schweren Erkrankungen der Cornea bilden sich vom Rande her neue Blutgefässe, die allmählich gegen die kranke Partie vordringen. Die Entzündung gefässloser Theile unterscheidet sich also im allgemeinen nicht wesentlich von dem gefässhaltiger; an Stelle der Blutgefässe tritt hier die Saftströnuing und das Lymph-gefässsystem ein. Dass die Vorgänge dadurch verlangsamt werden, liegt auf der Hand.
Nach dem Sitze unterscheidet man oberflächliche (superficielle) und tiefere (parenchymatöse) Entzündungen. Zu den ersteren rechnet man die der äusseren Haut, der Schleimhäute und serösen Häute. Dabei pflegt ein grosser Theil der Exsudate an die Oberfläche der Membranen abgesetzt zu werden, welches sich als Serum in den Höhlen anhäuft und einen sog. Hy drops der Höhlen ver-anlasst. Bei den in die Tiefe greifenden Entzündungen unterscheidet man noch, ob dieselben das eigentliche Parenchym des Organs, z. B. die Muskelfasern, Drüsenzellen, ergriffen haben (parenchymatös im engeren Sinne des Wortes), oder ob die Entzündung in dem interstitiellen Bindegewebe abläuft (interstitielle Entzündung). So trennt man /,. B. zwischen einer Myositis parenchymatosa und einer Myositis interstitialis.
Wir haben gesehen, dass bei der Entzündung verschiedene Be-standtheile des Blutes die Gefässe verlassen können, und danach richtet sich die Beschaffenheit des Exsudatesquot;. Bald tritt vornehmlich Serum aus, wie es namentlich bei leichten Entzündungen gewisser Organe (Brust- und Bauchfell, Synovialis der Gelenke und Sehnenscheiden) der Fall ist. Enthält das Exsudat grössere Mengen
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Arten der Entzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 21
spontan gerinnendes Eiweiss, so spricht man von einem fibrinöseuquot; Exsudat oder einer fibrin Ösen Entzündung. Auch diese pflegt an serösen Häuten, an der Synovialis der Gelenke und Sehnenscheiden aufzutreten, deren Oberfläche in Folge dessen mit einer mehr oder weniger dicken Faserstoffschicht bedeckt wird. Bei der mikroskopischen Untersuchung erkennt man, dass das Exsudat aus einem engen Fasernetz besteht, welches zahlreiche weisse Blutkörper einschliesst. Wo Serum und Fibrin zugleich im Exsudate auftritt, spricht man von sero-fibrinösen Entzündungen.
Finden im Verlaufe der Entzündung zahlreiche Blutungen statt, so nennt man sie hämorrhagisch; das Exsudat erscheint dabei roth gefärbt. Hochgradige Erkrankungen, verbunden mit schweren Störungen an den Gefässwändcn sowie in der Circulation geben den Anlass zu dieser Form entzündlicher Erkrankung.
Als diphtheritische Entzündungen bezeichnet man entzündliche Processe an der Oberflüche der Organe namentlich der Schleimhäute, welche schnell zu einer Abtödtung des Gewebes führen, wobei die in Form einer Membran abgestorbenen Massen gerinnen. Für diese Form localcn Absterbens wurde von Colin he im und Weigert die Bezeichnung Coagulationsnekrosequot;, von Neumann fibri-noide Degenerationquot; eingeführt. Es handelt sich hierbei um schwere Läsionen der Gefilssc und Gewebe mit Bildung von Stase und Gefässthromhosen, wobei die in die zelligen Elemente eindringende fibrinogene Substanz durch die fibrinoplastische Substanz der Zellen zum Gerinnen gebracht wird.
Ein sehr häufig vorkommendes und klinisch wichtiges Entzündungsexsudat ist das eiterige (purulente), der Eiter. Die als Eiter bezeichnete rahmartige, graugelbc, nicht gerinnende Flüssigkeit besteht neben vereinzelten rothen Blutkörpern aus einer grossen Anzahl kleiner Rundzellen, den Eiterkörperchen und einer dem Blutserum ähnlichen Flüssigkeit, dem Eiterserum oder Eiterplasma. Die ersteren, etwas grosser als weisse Blutkörperchen, sind gewöhnlich körnig getrübt und stellen vorzugsweise ausgewanderte und in der Regel abgestorbene weisse Blutkörper dar; durch Zusatz von Essigsäure oder einem Kernfärbemittel werden ein öder mehrere Kerne in denselben sichtbar. Die kugelig gestalteten Eiterkörperchen verlieren alsbald die Fähigkeit Fortsätze zu bilden und sterben ab. Oft finden sich in ihnen Fetttröpfchen und rcgelmässig Mikroorganismen, namentlich Eiterkokken. Nach den neueren Untersuchungen (Grawitz u. a.) gehen die Eiterkörperchen zum Theil aus einer Wucherung des ent-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
22
|
Kntzündung.
|
||
|
|
|||
|
/Umllich erkrankten Bindegewebes hervor. Obgleich die Möglichkeit, dass Eiterbildung (Eiterung) auch unter dein Einflüsse gewisser chemischer Substanzen (Terpentinöl, Silbemitrat, Liquor Amni. caust. u. s. w.) zu Stande kommt, experimentell als erwiesen angesehen werden muss, so steht doch so viel fest, dnss bei Krankheitszuständen im Thier-körper die Eiterung stets mit infectiösen Vorgängen verbunden ist. Wo wir Eiter antreffen, dürfen wir mit Bestimmtheit auf die Gegenwart von Eiterkokken schliessen, welche namentlich von Rosenbach genauer dargestellt wurden (S. 109).
Lüsst man den Eiter einige Zeit stehen, so senken sich die Eiter-körperchen zu Hoden, während über denselben eine gewöhnlich etwas trübe Flüssigkeit, das Eiterserum, sich ansammelt. Das Verhältniss der Eiter-körperchen zum Eiterserum gestaltet sich ausserordentlich verschieden; je mehr Eiterkörperchen im Eiter enthalten sind, um so dickflüssiger erscheint derselbe: während Vorwiegen des Eiterserums den Eiter dünnflüssig macht. Die festen Destandtheile des Eiters betragen etwa 10160/o, unter denen sich 5 6n|o Asche befinden; Kalium und Natronverbindungen sind hier in grösseren Mengen vertreten als im Blutserum. Neben Wasser und Salzen kommen im Eiterserum P araglobulin, Seru malbuminat, Kaliumalbuminat, Myosin, Leucin, Tyrosin und eine Keihe von Substanzen vor, welche wahrscheinlich als Products der Eiterbakterien angesehen werden müssen. Ausserdem enthält der Eiter an festen Bestand-theilen zuweilen Fetttropfen, Fibrin, Fett- und Cholestearinkrystalle, Spaltpilze, abgestorbene Gewebstheile und zufällige Beimischungen; an Gasen Stickstoff und Kohlensäure, während Sauerstoff und Wasserstoff in der Pegel fehlen.
|
|||
|
|
|||
|
Im frischen Zustande reagirt der Eiter alkalisch, nach längerem Stehen sauer. Wird Eiter längere Zeit im Körper eingeschlossen, so findet durch Resorption des Serums eine Eindickung desselben statt; indem hierbei die Eiterkörper fettig degeneriren, entsteht eine dicke, zuweilen bröcklige, käsige Masse. Durch Beimischung von Blut erlangt der Eiter eine rothe, durch die Gegenwart gewisser Bakterien eine grüne oder blaue Farbe (Bacillus pyoeyaneus S. 110). So lange der Eiter in den Lücken des noch lebendigen Gewebes sich befindet, spricht man von einer eiterigen oder plastischen Infiltration; werden aber auch diese eingeschmolzen, so entsteht eine von Eiter angefüllte Höhle, ein Abscess (Apostema). Abscesse, die unter den Erscheinungen einer acuten Entzündung sich entwickeln, nennt man heisse oder acute Abscesse, im Gegensatz zu den langsam entstandenen kalten Abscessen.
Die Entwickelung eines acuten Abscesses läuft oft in wenigen Tagen ab; unter zunehmender Schmcrzhaftigkeit und Spannung bildet
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Abscessbildung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 23
sich schliesslich Fluctuation, cl. h. eine scliwappende Beschaffenheit der Oberflüche. Legt man den Zeige- und Mittelfinger auf die Stelle und übt mit dem einen Finger einen Druck auf die Geschwulst aus, so setzt sich derselbe nach bekannten hydrostatischen Gresetzen auf den anderen Finger fort, welcher in dem gleichen Masse gehoben wird, wie der erste herabsinkt. Je dünner und nachgiebiger die den Abscess bedeckenden Weichtheile, desto deutlicher tritt diese Erscheinung (Fluctuation) zu Tage, welche bei einer starren Abscesswand natürlich fehlt.
Acute Abscesse besitzen die Neigung, nach aussen durchzubrechen, zu perforiren, und zwar in Folge der Spannung in dem unter starkem Druck stehenden Abscess. Indem die Haut angespannt, ihre Gefässe in die Länge gezogen und die Wände derselben an einander gedrängt werden, sterben die Gewebe ab. Daher zeigt sicli die conisch zuspitzende Abscessdecke blau, an ihrer Oberfläche erscheint entzündliche Exsudation, die Haare fallen aus und schliesslich ergiesst sich der Abscessinhalt nach aussen (spontane Perforation). Natürlich lässt man es in der Kegel nicht so weit kommen, sondern sucht die Eiterhöhlo durch einen Einstich oder Einschnitt möglichst bald zu öffnen.
Der Austritt von Blutbestandtheilen (Exsudation und Emigration) bildet den Mittelpunkt entzündlicher Erkrankung und wurde von Cohnheim auf moleculäre Veränderungen der Gefässwände zurückgeführt. Diese Alterationquot; der Geftlsswand soll nach ihm das Adhäsionsverhältniss zwischen Blut und Gefiisswand erhöhen, und auf diese Weise zunächst eine Verlangsamung des Blutstromes und später den Durchtritt von Blutbestandtheilen durch die Wand veranlassen. Worin diese Alteration1- besteht, entzog sich bisher unserer Einsicht; auch das Mikroskop hat in der Frage keine Auskunft zu geben vermocht. Es scheint, dass die Gefiisswand durchlässiger geworden ist, doch lassen sich weder Continuitätstrennungen noch auch Erweiterung etwa vorhandener Oeffnungen nachweisen. Die von Arnold aufgestellte Ansicht, dass sich zwischen den Endothelien natürliche Stomata finden, hat sich als irrig erwiesen. Neuerdings wird mit Recht in dieser Hinsicht zwischen dem Austritt der flüssigen Bestandtheile dos Blutes, der Exsudation und der Auswanderung von Leukocyten unterschieden (v. Kecklinghausen, Thoma, Gad u. a.). Auch die Emigration lässt sich sehr wohl ohne Alteration der Gefiisswand denken; hat doch Thoma nachgewiesen, dass einfache Cir-culationsstörungen mit Bandstellung und Emigration von Leukocyten verbunden sein können; Reizung der localen Gefilssnervencentren sind
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
24
|
Entzündung.
|
||
|
|
|||
|
im Stande, diese Vorgänge einzuleiten, welche indess alsbald wieder aufhören. Durch heftige Reizung dieser Nervenapparate soll aber eine Alteration der Getasswiinde, also eine Entzündung hervorgerufen werden können, weshalb man neuerdings glaubt, den localen Gefäss-nervencentren eine wichtige liolle bei der Entzündung und namentlich bei der Emigration zuschreiben zu müssen.
Zahlreiche Theorien sind über das Wesen der Entzündung von der ältesten bis in die neueste Zeit aufgestellt, ohne jedoch diese Frage vollständig aufzuklären. Bald suchte man den Schwerpunkt der Entzündung im Blute, dessen Veränderungen in der Zusammensetzung den Ausgangsimnkt des Processes bilden sollten (humoral-pathologische Theorie); bald glaubte man die Anregung zur Entzündung in den Nerven suchen zu müssen (neuristische Theorie). Andere legten das Primärleiden in die Gewebe (celluläre Theorie Virchows). Nach der letzteren sollen die Gewebszellen, von dem Entzündungsreiz betroifen, sich vergrössern, vermehren und auch den Eiter bilden. Das nähere hierüber zu besprechen bleibt Aufgabe der Pathologie.
In dieser Frage wird man offenbar nicht eher zu einer Einigung gelangen, bis man sich entscbliesst, die Entzündung als einen besonderen Krankheitsprocess zu betrachten ganz aufzugeben oder doch erheblich einzuschränken. Was ist dem Processe eigenthümlich ? Genau betrachtet sehr wenig; denn Erweiterung und Verengung der Gefässe sowohl wie der Austritt von Blutbestandtheilon aus denselben finden ihre physiologischen Analoga. Kommt doch die Zufuhr der Nährstoffe zu den Geweben auf diese Weise zu Stande, und auch von den weissen Blutkörpern weiss man, dass sie unter normalen Verhältnissen die Blutbahn verlassen und in die Gewebe übertreten können. Nur durch die Schnelligkeit, mit der diese Vorgänge ablaufen, bezw. durch die Menge des ausgetretenen Materials und die mit der Entzündung verbundene Gewebsveränderungen unterscheiden sich die entzündlichen Processe von den physiologischen Vorgängen. Daher lassen sich auch scharfe Grenzen zwischen beiden nicht ziehen. Vorgänge, die der eine als entzündliche bezeichnet, werden von anderen nicht hierher gerechnet. Es darf nur an die Heilungsvorgänge eines Knochen-bruches erinnert werden, die man früher allgemein als Entzündung auffasste; dasselbe gilt von der aseptischen Wundheilung, der Sehnenentzündung u. s. w. Meines Erachtens sollte man ebenso wie die Callusbildung wenigstens alle aseptisch verlaufenden, d. h. nicht mit Infectionen verbundenen Erkrankungen aus der Gruppe der entzünd-
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Ursachen der Entzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;25
liehen Processc streichen und den Ausdruck Entzündung nur für die infectiösen Vorgänge in Anwendung bringen. Vorläufig ist es jedoch üblich, diese Bezeichnung auch für eine Reihe von Processen zu gebrauchen, die als reparatorische Vorgänge auftreten, um gewisse örtliche Beschädigungen an den Organen des Körpers auszugleichen. Laufen diese mit Störungen in der Blutbewegung (Hyperämie), mit Austritt von Blutbestandtheilen (Exsudation) oder Auswanderung farbloser Blutkörperchen (Emigration) und endlich mit Neubildung von zelligen Elementen ab, so rechnet man sie zu den entzündlichen Processen,
|
||||
|
|
||||
|
spricht z. B. von einer Entzündung der Sehnen, wenn durch Zerrun
|
8
|
|
||
|
|
||||
|
oder Coutinuitätstrennungen derartige Vorgänge in ihnen angeregt werden. Daraus erklärt sich, dass man neuerdings die Entzündung als eine Reaction des Organismus mit dem Charakter der Zweck-mässigkeit betrachten konnte, wie es von Arnold, Leber, Marchand u. a. geschehen ist. Von diesem Standpunkte unterscheidet man in der Aetiologie der Entzündung:
1.nbsp; Traumatische Ursachen, Entzündungen, welche durch mechanische Verletzungen entstehen (Quetschung, Zerrung).
2.nbsp; nbsp;Thermische Ursachen, Entzündungen durch die Einwirkung abnorm hoher oder niedriger Temperaturgrade (Verbrennung und Erfrierung),
3.nbsp; nbsp;Chemische Ursachen, entzündliche Processe, welche durch die Wirkung chemischer Reizmittel entstehen. Zu diesen müssten genau genommen nicht nur die durch pflanzliche oder thierische Gifte (Schlangenbiss, Insectenstich) erzeugten Entzündungen, sondern auch die auf infectiösem Wege entstandenen gerechnet werden, weil diese wahrscheinlich den reizend wirkenden Producten der Bakterien ihre Entstehung verdanken. Da indess jene Producte bisher noch wenig bekannt sind und klinisch viel weniger interessiren als ihre Producenten, die Bakterien, so empfiehlt sich vorläufig noch eine weitere Gruppe von Ursachen der Entzündung, nämlich:
4.nbsp; nbsp;die speeifischen Ursachen zu unterscheiden, zu welchen in erster Linie die Bakterienwirkungen gehören. Es giebt aber auch noch eine Reihe anderer Ursachen entzündlicher Processe, deren Natur bisher wenig aufgeklärt ist, z. B. die durch Erkältung entstandenen sog. rheumatischen Entzündungen. Nach dem oben Erwähnten könnte man den Ausdruck Entzündung auf diese beschränken.
Die Zahl derjenigen Mikroorganismen, welche dem thierischen Körper gefährlich werden können, ist schon jetzt, wie die neueren Untersuchungen gezeigt haben, eine ausserordentlich grosse. und tilg-
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
28
|
Entzündung.
|
||
|
|
|||
|
lieh werden mit den Hülfsmittehi moderner Forschung neue entdeckt. Es muss der Pathologie und der Specialwissenschaft Mykologie oder Bakteriologie überlassen bleiben, auf diese Fragen näher einzugehen; ich beschränke mich auf einige kurze Bemerkungen, soweit diese Fragen in klinischer Hinsicht eine grössere Bedeutung erlangt haben. Die Sollimmelpilze (Fungi) sowie die Sprosspilze (Blastomyceten) haben bei den Hausthicren ein chirurgisches Interesse bisher nicht erlangt, dagegen spielen die Spaltpilze oder Bakterien eine hervorragende Rolle bei den entzündlichen Erkrankungen. Die bahnbrechenden Arbeiten R, Kochs und seiner Schüler haben hierüber in neuerer Zeit unsere Kenntnisse bedeutend bereichert und ein ganz neues Forschungsgebiet bezüglich der Aetiologic der Krankheiten eröffnet. Indem ich auf die einschlägigen Lehrbücher verweise, sei hierüber nachstehendes bemerkt, wobei ich Darstellungen Kitts, Fränkels1) und Grttnthers2) in den wesentlichen Punkten gefolgt bin.
Die Bakterien8) (Mikroparasiten, Mikroben), dem Pflanzenreiche zugerechnete oder doch auf der Grenze zwischen der Thier- und Pflanzenwelt stehende, kleinste Lobewesen, müssen als einzellige Organismen aufgefasst werden, welche sich durch Theilung (Spaltung) oder Sporenbildung uusserordentlich schnell vermehren und zum Theil durch ihr zahlreiches Auftreten im thierischen Körper der Gesundheit und selbst dem Leben desselben gefährlich werden. Doch bei weitem nicht alle üben diesen nachtheiligen Einfluss aus; eine grosse Zahl derselben spielt in dem Leben von Thier und Pflanze eine nützliche, für die Erhaltung derselben oft unentbehrliche Rollo. Gefährlich werden dieselben theils durch ihre Wucherung im Körper höher organisirter Thiere und die durch sie veranlassten Veränderungen in den Organen derselben, oder dadurch, dass sie giftige Stoffe (Ptomaine, Toxine) produciren, welche die Gesundheit der Thiere bedrohen. Sie verhalten sich'in dieser Hinsicht wie die höher organisirten Pflanzen, welche ebenfalls theils als Nahrungsmittel dienen, theils aber Giftstoffe produciren, Giftpflanzen darstellen. Man unterscheidet daher pathogene (krankmachende) und nichtpathogene Bakterien; nur die ersteren sollen uns hier beschäftigen.
Nach ihrer Form unterscheidet man: 1. Kugelbakterien
|
|||
|
|
|||
|
') Gmndriss der Bakterienkunde von Dr. med. Carl Pränkel, III. Aufl. Berlin 1890. Hirschwald.
2) Einführung in das Studium der Bakteriologie von Dr. med. Günther, IT. Aufl. Leipzig 1891. G. Thieme.
8) xamp; ßay.tsp'.ov das Stäbchen.
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Bakterien.
|
27
|
|||
|
|
||||
|
(Mikrokokken), 2. Stäbchenbakterien (Bacillen) und 3. Schraubenbakterien (Spirillen).
1. Die Mikrokokken bilden kugelige oder ovale Zellen, welche sieb durch Theilung vermehren. Bald treten sie einzeln, bald zu zweien (Diplokokkus Fig. 1) auf, nicht selten aber reihen sich die-
|
||||
|
|
||||
|
Fig- 2.
|
||||
|
|
||||
|
Fig. 1.
|
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
Mikrokoklms totragenus.
|
StteptOkOkkUS pyogenes (nach Kitt).
|
|||
|
|
||||
|
selben wie die Uliedor einer Kette an einander (Kettenkokken, Streptokokken Fig. 2) oder sie bilden, dicht zusammengefügt, traubenähnliche Gebilde (Staphylokokkus Fig. 8$) oder endlich, durch eine schleim
|
||||
|
|
||||
|
artige Masse mit einander verbunden, grössere
|
Fig. 8.
|
|||
|
Haufen^Verhände, Zooglöa). Einzelne der-
|
||||
|
|
||||
|
selben fügen sich in Folge doppelter, rechtwinkeliger Theilung zu Würfeln von je 4 oder 8 Kokken (Sarcina).
2. Die stäbchenförmigen Bakterien (Bacillen) zeigen eine mehr oder weniger ausgesprochene Stabform, d. h. ihr Längendurchmesser übertrifft stets den Querdurchmesser (Fig. 4b). Sie theilen sich in der Rich
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
tung des Querdurchmessers, und wenn sich
|
Uotryomj'cos (uaoli Rabe).
|
|||
|
|
||||
|
die neu entstandenen Elemente an einander reihen, so entstehen längere oder kürzere Fäden (Fig. 5), welche von den Fäden der Schimmelpilze dadurch unterschieden sind, dass sie niemals verzweigt auftreten.
i). Die Schraubenbakterien (Spirillen) bilden korkzieher-förmige Gebilde (Fig. 7); ist ihre Windung nur gering, so nennt man sie Vibrio.
Die Grosse der einzelnen Bakterienarten zeigt sich ausserordont-
|
||||
|
|
||||
|
|
||||||
|
28
|
Kntzündung.
|
|||||
|
|
||||||
|
lieh verschieden, stets sind sie jedoch so klein, dass zu ihrer Erkennung erhebliche Vergrösserungen gehören. Auch innerhalb derselben Art kommen durch Abweichungen der Wachsthumbedingungen und Prä-parirmethoden erhebliche Schwankungen in der Grosse vor.
Die Bakterien bestehen wie die Pflanzenzelle aus einer Membran und ihrem Inhalte. Die erstere, wahrscheinlich aus einer der
|
||||||
|
|
||||||
|
l-'itf. 4il.
|
Fig. 4 b.
|
|||||
|
|
||||||
|
|
|
|
||||
|
|
|
|||||
|
|
||||||
|
Mllzbi'andbaclllen mit SporeUi
|
Jlilzljiaudbacilli'ii (lialbscliemat.).
|
|||||
|
|
||||||
|
|
Fig. 6.
|
|||||
|
|
||||||
|
|
||||||
|
Bacillen des malignen Oedems.
|
Rausclibramlbacillen (lialbscliemat.).
|
|||||
|
|
||||||
|
Cellulose verwandten Kohlenwasserstoffverbindung gebildet, wird in der Regel erst sichtbar, nachdem der hus Protoplasma (Zelleiweiss) bestehende Inhalt durch gewisse Mittel, z.B. Jod, zusammengeschrumpft ist oder sich retrahirt hat. Die ilussersten Schichten der Membran haben zuweilen Neigung aufzuquellen, d. h. durch Wasseraufnahme in einen gallertigen Zustand überzugehen, wodurch eine Gallertschicht um die Zelle entsteht, welche nicht in dem Masse Parbstofiquot; aufnimmt, wie die übrigen Theile, sich in Folge dessen deutlich abhebt und zur irrigen
|
||||||
|
|
||||||
|
|
|||
|
Bakterien.
|
20
|
||
|
|
|||
|
Annahme einer besonderen Kapsel (Kapselkokken) Anlass gegeben hat. Ob auch ein Kern in diesen einzelligen Organismen besteht, ist bisher nicht bekannt, nach Fränkel jedoch wahrscheinlich. Der Zellinhalt bildet eine gleichmässig durchscheinende Masse ohne besonderes Gefüge; doch werden Gerinnungen und Körner in demselben beobachtet, welche indess meist in Folge der Präparation entstehen. Ausgezeichnet ist die bei weitem grösste Mehrzahl der Bakterien dadurch, dass sie kein Chlorophyll besitzen, dagegen bildet eine Reihe derselben Farbstoffe, von denen es jedoch nicht bekannt ist, ob sie sich in den Bakterien selbst oder in ihrem Substrat befinden.
Der Mangel an Chlorophyll macht die Bakterien unfähig, anorganische Nahrungsmittel, namentlich Kohlensäure zu assimiliren; sienbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Fig. 7.
|
|||
|
|
|||
|
sind vielmehr auf stickstoffhaltige Nahrung angewiesen; organische Substanzen sind es vornehmlich, von denen sie sich ernähren. Doch müssen auch diese entweder neutral oder schwach alkalisch reagiren; auf saurem Nährboden wachsen die meisten im Gegensatz zu den Schimmelpilzen überhaupt nicht. Die Mehrzahl gedeiht nur auf todten Resten des Pflanzenoder Thierlebens, einige sind auf Be-
|
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
standtheile lebendiger Körper oder
|
Spitillen.
|
||
|
|
|||
|
Thiere angewiesen, bilden also echte Parasiten (obligat parasitische Bakterien); die ersteren nennt man dagegen obligat saprophy tische Bakterien. Solche, die sowohl im lebenden Körper wie auch auf todten Theilen ihr Fortkommen finden, heissen facultativ parasitische bezw. saprophytische Bakterien.
Ein zweiter für das Gedeihen der Mikroben nothwendiger Factor, der sich aber bei den einzelnen Arten verschieden gestaltet, ist ein gewisser Wärmegrad; dieser liegt im allgemeinen zwischen 10deg; und 40deg; 0.
Als Temperaturoptimum bezeichnet man den Wärmegrad, bei dem eine Art am besten gedeiht; für die saprophytisclien Bakterien liegt dieser etwa bei 24deg;, für die parasitischen bei der Blutwärme, d. i. 3540deg;. Abweichungen von dieser Temperatur bringt die Bakterien zunächst in einen Zustand der Kälte- bezw. Wärniestarrc, in dem
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
30
|
Entziiiulung.
|
||
|
|
|||
|
sie jedoch noch nicht gleich ubstorben. Temperaturen von 60-SO'1 tötlten die meisten Bacillen, abgesehen von den Dauerformen (Sporen) ab, während Kältegrade bei weitem leichter und andauernder ertragen werden. Den Temperatureinflüssen gegenüber verhalten sich jedoch die einzelneu Arten sehr verschieden.
Zu den nothwendigen Lebensbedingungen der Bakterien gehört endlich Wasser; ein gewisser Grad von Feuchtigkeit ist für alle zur Entwickelung, für viele auch zur Erhaltung ihrer Lebensfähigkeit unentbehrlich ; Trockenheit tödtet manche früher, andere später.
Eine grosse Anzahl von Bakterien gedeiht nur in Gegenwart von Sauerstoff (obligat aerobe Bakterien), während andere auch ohne Sauerstoff wachsen (faoultativ aerobe Bakterien), wie es bei der Mehrzahl der pathogeueu Bakterien, die im thierischen Körper leben, der Fall ist. Mikroben, die nur unter Abschluss von Sauerstoff gedeihen, heissen obligat anaerobe Bakterien.
Viele Bakterien bilden , auf der Höhe der Entwickelung angelangt, vielleicht auch unter dem Einflüsse ungünstiger Ernährungsver-hältnisse, Sporen, eine Art Frucht (Fig. 4 a). Zu dem Zwecke zieht sich das Protoplasma der Bakterie an einzelnen Stelleu dichter zusammen und bildet die Spore, ein stark lichtbrechendes, hellglänzendes Körperchen, von runder oder ovaler Gestalt mit einem dunklen Contur. Indem der Rest des Protoplasmas untergeht, wird die Spore frei und bildet die ,Dauerformquot; der Bakterie, d. h. eine Form, in der sich dieselbe längere Zeit unter ungünstigen Lebensbedingungen zu erhalten vermag. Jedes Bakterium bildet nur eine Spore, welche entweder in der Mitte derselben oder an einem Ende der Bakterie erscheint und von einer fast undurchdringlichen Membran (Sporenhaut) umgeben ist. Die Spore besitzt eine ausserordentliehe Widerstandsfähigkeit gegen äussere Eingriffe, erträgt Kälte wie Hitze, Trockenheit und chemische Agentien bei weitem leichter als ihre Wuchs form. Trockene Hitze bis 140deg; wird von vielen Sporen längere Zeit ertragen; Sicdhitz.e zerstört sie leichter, doch werden verschiedene Arten auch durch sie erst nach mehreren Minuten, gewisse Arten sogar erst nach stundenlanger Einwirkung vernichtet. Dagegen kann durch schädigende Einflüsse die Eigenschaft der Bakterien, Sporen zu bilden, vorübergehend oder dauernd aufgehoben werden. Die als Arthrosporeu bezeichneten Abschnürungen einzelner Theile der Zelle, aus denen ebenfalls selbständige Individuen hervorgehen können, besitzen jedoch nicht die Widerstandsfähigkeit der eben beschriebenen. Sobald die Sporen in günstige Lebensbedingungen ge-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Bakterien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;31
langen, keimen aus ihnen neue Bakterien derselben Art, aus denen sie gebildet wurden. Auch für die Bakterien gilt daher der Satz: omnis cellula e cellulaquot; und von einer Generatio aequivoca ist hier ebenfalls nicht die Rede.
Ein Theil der Bakterien besitzt Cilien oder Geisselfüdon, d. h. ausserordentlich feine Fortsätze, welche als Bewegungsorgane dienen und mittelst deren sie im Stande sind, sich fortzubewegen. Anderen fehlen diese und damit auch die Fähigkeit zur Eigenbewegung.
In dem Lebensprocess der Bakterien werden verschiedene Stotf-wechselproducte gebildet; einige produciren Säuren (Kohlonsäure, Milchsäure, Essigsäure), andere Alkalien (Ammoniak, Trimetylamin, Schwefelwasserstoif u. s. w.). Die pathogenen Bakterien liefern Fäul-nissalkaloide (Ptomaine, Toxine), über deren Zusammensetzung und Wirkung Briegers u. a, verdienstvolle Arbeiten bereits einigen Auf-schluss gegeben haben. Diese Stoffe besitzen zum Theil eine ausserordentlich giftige Wirkimg auf höher organisirte Thiere. Die Toxine zerfallen in Toxalbumine und Proteine. Erstere bilden Eiweisskör-per, welche aus dem Waclisthum der Bakterien in den Näbrmaterialien entstehen und durch Siedehitze in der Pegel zersetzt werden. Als Proteine bezeichnet man die in den Bakterien selbst sich bildenden Eiweisskörper, welche eine grössere Widerstandsfähigkeit gegen Hitze besitzen und durch Kochen von Beinculturen in ihrer Nährfliissigkeit (z. B. Bouillon) erhalten werden; zu diesen gehört z. B. das Koch'sche Tuberculin.
Einige Toxine besitzen die Eigenschaft, in kleinen Quantitäten injicirt, Thiere gegen Infection mit deren betreffenden Bakterien Immun zu machen.
Gewisse Bakterienarten produciren Farbstoffe (chromogone oder Pigmentbakterien), die Producte anderer leuchten im Dunkeln (phosphoresciren).
Die pathogene Wirkung der Bakterien beruht auf dem Eindringen derselben in den lebenden Organismus (Infection) und der Vermehrung derselben auf Kosten der Bestandtheile des letzteren. Die durch sie hervorgerufeneu Krankheiten (Infectionskrankheiten) gestalten sich bei den einzelnen Bakterienarten verschieden, ähnlich wie die durch Giftpflanzen veranlassten Vergiftungen speeifische Eigenschaften besitzen. Nicht alle Thierspecies zeigen sich für die pathogene Wirkung der einzelnen Bakterienarten im gleichen Masse empfänglich; die eine Thierart wird von dieser, die andere von jener Bakterienart pathogen
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
|
32nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Entzündung.
beeinfiusst. Zum Begriff der Infection gehört daher, class die lebenden Bestandtheile des Thieres den Bakterien als Niihrmaterial zu dienen geeignet sind. Da aber im thierischen Körper auch Bakterien vorkommen, welche zufällig dahin gelangt sind, oft erst in Folge des krankhaften Zerfalles der Orgnngewobe desselben sich in dem todten Material ansiedeln, so fällt der Nachweis, dass es sich um wirklich krankmachende Bakterien handelt, oft recht schwer; dieser Schluss erscheint erst gesichert, wenn dieselbe Bakterienart constant bei der betreffenden Krankheit angetroffen wird und sich bei keiner anderen Krankheit findet, oder wenn mit einer Reincultur derselben durch künstliche Uebcrtragung (Impfung) dieselbe Krankheit erzeugt werden kann.
Die pathogene Wirkung der Bakterien beruht zwar zum Theil auf der Vernichtung von Körperbestaudtheilen und Verdrängung derselben durch ihr massenhaftes Auftreten; in der Hauptsache besteht dieselbe jedoch, namentlich bei den acuten Infectionskrankheiten in dem Uebertritt der giftigen Stoffwechselproducte der Bakterien in die Circulation. Gewisse Bakterien gelangen nach dem Eindringen in den Körper bald in die Blutbahn und vermehren sich hier, wodurch ihre giftigen Producte schnell zur Wirkung gelangen und acut verlaufende Infectionskrankheiten entstehen, die man nach Koch und Davaine unter dem Namen Septikämiequot; zusanimenfasst. Andere zeigen die Neigung, in den Organgeweben sieh anzuhäufen und hier zu schweren .Störungen zu führen. Wieder andere bleiben auf einzelne Stellen beschränkt, z. B. die Tetanusbacillen, welche nur an der Impfstelle und deren nächster Umgebung angetroffen werden. Dass die letzteren trotzdem durch Resorption ihrer Stolfvvechselproducte gefährlich werden können, beweist ebenfalls der Totanus. Wie bereits erwähnt, ist nicht jeder Organismus für die Infection durch eine bestimmte Bakterienart empfänglich. Wo dies nicht der Fall ist, spricht man von Immunität: man nennt das Individuum hninun oder refraetär gegen den betreffenden Infectionsstotf. Theilt diese Eigenschaft das Individuum mit allen seiner Art, so bezeichnet man dieses als natürliche Immunität; individuelle Immunität nennt man die auf das Individuum beschränkte. Dieselbe kann auf uiihckannten Ursachen beruhen, z. B. angeboren sein, oder aber durch das Ueberstehen derselben oder einer nahe verwandten Krankheit erworben sein, wobei es gleichgültig bleibt, ob diese durch zufällige Ansteckung oder durch absichtliche Uebcrtragung der Krankheitserreger (Impfung) entstanden war. Die Impfung kann unter Umständen mit einem Material erfolgen, dessen
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
Bakterien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;33
Virulenz durch gewisse Behandlung abgeseliwächt wurde, wie es durch längeres Aufbewahren oder Austrocknen der Culturen, durch Zusatz bestimmter chemischer Körper (Carbolsilure u. s. w.) oder aber durch Züchtung der Bakterienart bei höherer Temperatur ermöglicht wird.
Die Abschwächung der Virulenz scheint nach den Untersuchungen Smirnows auf einer allgemeinen Degeneration der Bakterien zu beruhen, welche sich bei einzelnen, jedoch nicht bei allen (z. B. Milz-brandbacillen) durch langsameres Wachsthum und verzögerte Sporenbildung auf künstlichem Nährboden bemerkbar macht und in den nachfolgenden Generationen erhalten bleibt. Auf diese Weise hat man den Milzbrand, Rauschbrand, die HUhncrcholera, Schweinerothlauf und andere Infectionskrankheiten durch Impfung mit abgeschwächten Culturen in einer leichteren Form zu erzeugen vermocht. Ohne auf die heute noch nicht vo Uständig aufgeklärte Frage nach der nächsten Ursache der Immunität einzugehen, sei nur bemerkt, dass diese von einigen (Klebs, Pasteur) in dem Verschwinden derjenigen Stoffe im Körper zurückgeführt wird, welche den Bakterien zu ihrer Ent-wickelung nothwendig sind (Erschöpf ungshypothese), von anderen (Chauveau) in dem Zurückbleiben der den Mikroben schädlichen Stoffe (Retentionshypothese) erblickt wird. Nach Metschnikow sollen die Leukocyten und Organzellen durch die Impfkrankheit in ihrer Eigenschaft als Zerstörer der Mikroben geübt und leistungsfähiger werden (Phagocytentheorie). Die neueren Untersuchungen haben jedoch festgestellt, dass die zelligen Elemente jedenfalls nicht .allein, sondern auch die Säfte dos lebenden Körpers an der Vernichtung der Bakterien einen wesentlichen Antheil nehmen, wenn sie diese nicht aus-schliesslich bewirken, dass also chemische Stoffe hierbei thätig sind. Dafür spricht zugleich die Beobachtung, welche man mit der Einführung der Stoffwechselproducte gewisser Bakterien gemacht hat. Werden diese ohne lebende Bakterien eingeimpft, so kann das Thier immun werden, wie bei verschiedenen Krankheiten (Rauschbrand, malignes Oedem u. a.) beobachtet wurde. Wool bridge konnte aber auch durch Injection von Fibrinogen des thierischen Körpers Immunität gegen Milzbrand erzeugen. Endlich zeigten Be bring und Kitasato, dass dureb Einverleibung von Blutserum immunisirter Tbiere bei nicht immunen Thieren sowohl Immunität erzeugt als auch die bereits in der Ent-wickelung begriffene Krankheit geheilt werden kann (Blutserumtherapie). Behring und Schütz gelang es endlich auch durch Injection von Jodtrichlorid die Immunisirung zu unterstützen.
Haben diese Thatsachen für die Chirurgie zur Zeit zwar nur
Möller, Allgemeine Chirurgie für Thieriirzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
34nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Entzündung.
geringe Bedeutung, so ergeben sich doch aus den Beobachtungen Gesichtspunkte für die praktische Ausnutzung derselben. Abgesehen von der Möglichkeit, auf diese Weise z. B. den Tetanus und andere Krankheiten zu heilen, erscheint nunmehr auch nicht ausgeschlossen, dass es gelingen wird, für die Zwecke der operativen Chirurgie wichtige Zustünde von Immunität zu erzielen. Man denke nur, es gelänge, Immunität gegen Eiterungen und septische Processe zu schaffen, und sei es auch nur auf kurze Zeit, so würde damit ein wichtiges Hülfs-mittel geboten sein, eingreifende Operationen bei weitem ungefährlicher ZU gestalten, als es bisher in der Praxis möglich war.
Dass die Erreichung einer derartigen hnniunität keineswegs aussichtslos erscheint, beweisen die Experimente Reicholts, welcher bei Hunden, Katzen und Kaninchen in Zwischenzeiten von 23 Tagen Culturen von Staphylo-kokken in die Bauchhöhle spritzte, wobei sich zeigte, dass die Thiere immer grössere, schliesslich Mengen der Culturen ertrugen, die bei den Con-trolthieron schnellen Tod zur Folge hatten. Ein gleiches Resultat erzielte Reiohelt mit den aus Reinculturen gewonnenen Ptomainen. Ebenso wurden Hunde durch allmähliche Gewöhnung an grössere Gaben der Ptomainen widerstandsfähiger gegen Einimpfung von Eiter.
Die Lehre von der Immunität steht in innigem Zusammenhange mit der Heilung der Infectionskranhheiten. Fast alle Stoffe, welche im Stande sind, ausserhalb des Organismus die pathogenen Bakterien zu tödten, haben sich bisher unfähig gezeigt, diese in den Geweben und Säften des Körpers zu vernichten, ohne den Organismus selbst schwer zu schädigen, wenn nicht zu tödten. Auch die Einimpfung von Bakterien, welche sich den pathogenen gegenüber feindlich verhalten, haben bisher ein praktisches Interesse nicht erlangt. Bekanntlich gelang es Pawlowski, Burchard und Emmerich, mit virulenten Milzbrandbacillen geimpfte Kaninchen durch Einführung von Erysipelkokken zu retten; die Thiere blieben am Leben, ohne jedoch Immunität gegen Milzbrand zu zeigen.
Auch die Vorgänge bei der spontanen Heilung der Infections-krankheiten erscheinen im ganzen noch wenig aufgeklärt, doch er
|
|||
|
|
|||
|
o
|
eben sich aus der obigen Betrachtung einige Anhaltspunkte. Ein-
|
||
|
|
|||
|
mal kommt in Betracht, dass die Infectionserreger nicht zu jeder Zeit die gleiche Virulenz besitzen, wie die Abschwächungsverfahren deutlich zeigen und wie es auch aus den pi'aktischcn Beobachtungen über den Verlauf der Seuchenkrankheiten hervorgeht; ausserdem fällt die Widerstandsfähigkeit des erkrankten Organismus hierbei wesentlich ins Gewicht. Ohne Zweifel stehen demselben Waffen zu seiner Ver-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Bakterien.
|
3J
|
||
|
|
|||
|
theidigung den Bakterien gegenüber zur Verfügung; nämlich auf der einen Seite die in den Säften desselben enthaltenen (diemischen Stoffe, sodann die von den Parasiten selbst gebiHeten Stoffwechsel-producte, welche die Vegetationsfähigkeit sowohl wie auch die Virulenz derselben abschwächen. Wahrscheinlich spielt hierbei auch die locale, entzündliche und die allgemeine fieberhafte Steigerung der Temperatur eine Rolle. Wie oben bereits erwähnt, zeigen die bei höherer Temperatur gewachsenen Culturen eine Abschwächung ihrer Virulenz. Somit liegt auch der Gedanke nahe, dass die unter dem Einflüsse der gesteigerten Körpertemperatur entstandenen Generationen der Bakterien in ihrer Virulenz eine AbschwUchuiig erfahren und nicht mehr den schädigenden Einfluss ausüben, wie die zuerst aufgenommenen. Entzündung und Fieber erlangen von diesem Gesichtspunkte aus eine salutäre Bedeutung, ein Umstand, der selbst für die Therapie beachtenswerth erscheint.
Ein Theil der pathogenen Bakterien ist in seiner Existenz und Fortpflanzungsfähigkeit auf lebende höher organisirtc Wesen angewiesen; ausserhalb derselben gche7i sie bald zu Grunde; man nennt sie deshalb endogene Parasiten. Andere gedeihen auch ausserhalb der thierischen Körper (oktogene Parasiten). Manche können sich durch die Luft verbreiten, andere dagegen nicht (flüchtige und fixe Contagien).
Das Eindringen der Bakterien erfolgt in der Regel durch verletzte Stellen der äusseren Haut bezw. Schleimhaut, doch ist es nach den Versuchen Garres wahrscheinlich geworden, class die natürlichen Oeffnungen der äusseren Haut (Mündungen der Hautdrüsen und Haarsäcke) Eingangspforten für Bakterien bilden können. Garre konnte durch Einreibung einer Reincultur von Staphylokokkus pyogones aureus auf die unverletzte Haut typische Carbunkeln bezw. Furunkeln erzeugen. Ebenso scheinen einige Mikroben im Stande zu sein, das Epithel der Schleimhäute zu perforiren, doch ist dieses vielen anderen nicht möglich, so dass auch hier der Infection in der Regel eine Verletzung vorangehen muss.
Auf der anderen Seite kann die Infection auch von den Blutoder Lymphbahnen aus erfolgen. Bosenbach zerbrach Kaninchen, denen vorher eine Bakterien enthaltende Flüssigkeit in die lilutbahn gespritzt war, die Tibia und beobachtete hierauf schwere Infection an der Bruchstelle bei vollständig intacter Haut. Dieser auch von anderen mehrfach wiederholte Versuch gelingt zwar nicht immer, aber doch häufig, so dass es keinem Zweifel unterliegt, dass die im Blute
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
36nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Entzündung.
kreisenden Mikroben mit dem extravasaten Blute an die Fracturstelle gelangen und liier ihre pathogenen Wirkungen entfalten. Beim Pferde liefert die Brustbeule hierfür ein Beispiel.
Mau könnte dagegen den Einwand erheben, weshalb die Bakterien in dem kreisenden Blute nicht zur Entwickelung gelangen, sondern der Austritt desselben aus den Grefässen zur Entwickelung ihrer pathogenen Eigenschaften erforderlich ist. Diese Thatsache erscheint auch heute nicht vollständig aufgeklärt, doch bleibt zu beachten, dass, wie bereits oben erwähnt, die normalen Gewebe, und zu denen gehört auch das Blut, den Bakterien gegenüber feindliche Wirkungen äussern. Ob es sich hierbei um bestimmte chemische Körper im Blute oder, wie Grawitz meint, um Concentrationszustände der eiweisshaltigen Flüssigkeiten handelt, muss zunächst als unentschieden bezeichnet werden. Dass hierbei die Leukocyten, wie Metschni-kow glaubte, wesentlich betheiligt sind, erscheint nach den neueren Untersuchungen zweifelhaft.
Auch die subcutane, parcnchymatöse und intraperitoneale Injection einer mit vegetationsf'ähigen Keimen von Staphylokokkus pyogenes aureus oder Streptokokken versehenen Flüssigkeit bleibt häufig wirkungslos (Rinne). Hierbei sind offenbar ähnliche Faktoi'en thätig, dann aber scheint die Resorptionsschnelligkeit, mit welcher das Material in die Circulation übergeführt wird, zugleich von Bedeutung zu sein. Anders gestaltet sich oft das Resultat solcher Versuche, wenn grosse Mengen der Infectionsflüssigkeit injicirt, oder wenn derselben grössere Mengen Stoffwechselproducte der Bakterien zugesetzt werden. Hierdurch findet eine Schädigung des Gesundheitszustandes der Gewebe in dem Masse statt, dass ihr Widerstandsvermögen den Bakterien gegenüber erheblich abgeschwächt wird, und die letzteren das Uebergewicht erlangen. Dasselbe wird auch durch schwere Allgemeinerkrankung des Organismus oder durch Ernährungsstörungen mit Verminderung des Eiweissgehaltes bewirkt. Vielleicht können auf diese Weise durch üeberanstrengung Dispositionen zu derartigen Erkrankungen geschaffen werden. Bei mehreren der unlängst am Distanzritt betheiligten Pferde stellte ich septische Phleg-monen fest, an denen einige sogar eingingen; gleiche Beobachtungen will man in Wien gemacht haben. Dass im gehetzten Wildbret ungewöhnlich schnell Fäulniss eintritt, ist bekannt.
Die Verbreitung der Bakterien ausserhalb des thierischen Körpers gestaltet sich bei den einzelnen Arten ausserordentlich verschieden; die der Fäulniss, Eiterung u. a. finden sich fast überall, sind
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Bakterien. Ausbreitung entzündlicher Processe.
|
37
|
||
|
|
|||
|
ubiquitär, weshalb fast jede ihrer Beschaffenheit nach dazu geeignete Wunde, die gegen Infection nicht gescliützt wird, in Eiterung übergeht. Andere sind auf bestimmte Orte angewiesen oder finden nur zu gewissen Zeiten eine grössere Verbreitung. Trifft das letztere für besonders virulente Bakterien zu, so machen sich local oder temporär ihre gefährlichen Wirkungen durch die Verbreitung gewisser Krankheiten bemerkbar; darauf beruht zum Theil die von den Alten durch den Grenius epidemicus erklärte grössere Verbreitung schwerer Krankheitsformen, besonders im Verlaufe der Wundheilung.
Im todten Körper gehen die pathogenen Mikroorganismen namentlich unter dem Einflüsse der Fäulniss, aber auch in Folge von Sauerstoffmangel in kurzer Zeit zu Grunde, wie die von v. Esmarch mit Mäuseseptikämie-, Schweinerothlauf-, Milzbrandbacillen und-Sporen u. s. w. an Mäusen, Meerschweinchen und Kaninchen angestellten Versuche ergeben haben.
|
|||
|
|
|||
|
Ausbreitung entzündlicher Processe, Von der grössten Bedeutung ist die Ausbreitung der entzündlichen Processe. Die nicht infectiösen, sog. aseptischen Entzündungen besitzen eine Neigung zu weiterer Verbreitung nicht; sie beschränken sich in der Regel auf die von dem Entzündungsreize (der Quetschung, Verbrennung u. s. w.) betroffenen Stelle und deren Nachbarschaft. Ganz anders verhält sich die unter dem Einflüsse bestimmter Infectionen entstandene Entzündung. Indem die Infectionsstoffe mit dem entzündlichen Exsudate fortgeschwemmt oder durch Wanderzellen fortgetragen werden, unter Umständen auch durch Eigenbewegung sich ausbreiten, greift der entzündliche Process oft weit über die Grenzen seines ursprünglichen Auftretens aus. Die Richtung dieser Ausbreitung hängt einestheils von der Saftströmung, dann aber auch von der Beschaffenheit der Organe ab. Je lockerer das Gewebe, je grosser die in demselben enthaltenen Spalträume, um so leichter breitet sich die Entzündung in demselben aus. Fascien, Sehnen und alle Gebilde, welche einen derben und dichten Bau haben, bilden dem entzündlichen Process meist eine unüberwindliche Schranke, welche nur dadurch durchbrochen wird, dass der angesammelte Eiter in diesen Geweben Nekrose veranlasst, oder dass in der lockeren Adventitia der Gefässe, welche diese Membranen perforiren, die Entzündung fortkriecht. Zwischen Muskeln bildet das lockere interstitielle Bindegewebe (Perimysium) eine günstige Gelegenheit zur Fortpflanzung entzündlicher Processe. Dass in grösseren Körperhöhlen und physiologischen Gewebslückeu, wie
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
38nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Entzündung.
Sehnenscheiden und Schleimbeuteln, die Ausbreitung der Infectious-stoffe und ihrer Wirkung leicht und rapid erfolgt, liegt auf der Hand. Eine weitere Gelegenheit zur Ausbreitung der Entzündung bieten Lymph- und Blutgefilsse. Gelangen die entzündungerregenden Substanzen in die Lymphhahnen, so werden die nächstgelegenen, mit dem Entzündungsherde in Verbindung stehenden Lymphgefässe und Lymphdrüsen in Mitleidenschaft gezogen, und es entstehen socundäre Entzündungen dieser Organe. Durch den Uebertritt der Entzündungserreger oder deren reizenden Producte in die Blutbahn werden nicht allein allgemeine Störungen (Fieber) hervorgerufen, sondern es können dieselben an anderen Körperstellen die Blutbahn wieder verlassen, in die Gewebe gelangen und so neue Entzündungsherde veranlassen. Mau spricht alsdann von einer metastatischen Entzündung oder kurz von Metastasenquot;, Vorgänge, die wir bei Besprechung der Pyämie genauer kennen lernen werden.
Verlauf und Ausgang der Entzündung. Der günstigste Ausgang ist der in Zertheilung (Resolution). Hierbei werden die in die Gewebe ergossenen entzündlichen Exsudate resorbirt; die emi-grirten weissen Blutkörper gelangen zum Theil durch die Lymphgefässe in die Circulation zurück oder sie zerfallen und ihre Rudera werden resorbirt. Nachdem auch die Veränderungen (Alteration) an den Blutgefässen unter Wiederkehr normaler Blutcirculation und Ernährungsvorgänge ausgeglichen sind, ist der Status quo ante wieder hergestellt. Man spricht in solchen Fällen von einer vollständigen Zertheilung (Uesolutio completa), die also Restitutio in integrum bedeutet und nur bei acuter Entzündung eintritt.
In manchen Fällen bleiben allerdings Veränderungen an den entzündlich erkrankten Geweben zurück. Diese unvollständige Resolution oder Restitution besteht bald in Defecten, indem Organzellen fehlen, oder es sind diese durch anders eingerichtete ersetzt. Man spricht in solchen Fällen von einer entzündlichen Aplasie, während in anderen durch die Entzündung neue Gewebsmassen gebildet werden, der Theil also grosser, bezw. dicker bleibt (entzündliche Hyperplasie). Hierbei bildet sich stets Bindegewebe von oft derber Beschaifenheit, in Folge dessen das betreffende Organ eine grössere Härte und Festigkeit erlangt, weshalb der Vorgang als Indurationquot; bezeichnet wird. Man nennt diesen chronisch verlaufenden Process chronische oder productive Entzündungquot;. Dass es sich hierbei um andauernde leichtere Reizungen handelt, liegt auf der Hand. Die Restitutio ad
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Ausgang der Entzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 39
integrum wird natürlich am häufigsten nach leichteren Entzündungen beobachtet. Auch erscheint es natürlich, class das seröse Exsudat leichter beseitigt werden kann als fibrinöses und eiteriges; Fibrin muss zu dem Zwecke zunächst zerfallen. Die untergegangenen Ge-webselemente werden zur Resorption gebracht und durch andere ersetzt; bei schwereren Entzündungen, namentlich eiterigen, findet ein solcher Untergang immer statt, so dass genau genommen eine Resti-tutio ad integrum hier nicht möglich ist. Wir zählen jedoch alle Fälle hierher, in denen eine dauernde Veränderung an den erkrankten Organen bei der gewöhnlichen klinischen Untersuchung nicht nachzuweisen ist.
Ein zweiter Ausgang der Entzündung ist der in Brand (Ne-krose), d.h. Tod der erkrankten Gewebe. Einzelne Zellen, ja selbst Gruppen derselben gehen bei a cut er Entzündung rcgolmässig zu Grunde, doch lässt sich der Ausgang in der Regel klinisch nicht nachweisen. Sterben aber grössere Bezirke ab, so dass man die abgestorbenen Massen als solche erkennt, so spricht man von Nekrose oder Brand. Dabei spielt einerseits der Grad der Entzündung, andererseits die Einrichtung des entzündeten Gewebes eine Hauptrolle. Schwere Erkrankungen, namentlich infectiöser Natur, führen häufig zu Nekrose, indem hierbei entweder eine vollständige Stockung der Circulation, Stase des Blutes durch Gerinnung desselben zu Stande kommt, oder das Gewebe wird durch eiterige Einschmelzung zerstört. Diese besteht in einer progressiven Vernichtung der Gewebsmassen und Auflösung derselben durch die Einwirkung der Eiterkokken und deren Producte (S. 109). Die einzelnen Infectionsstoffe wirken zwar sehr verschieden, manche derselben üben einen so delctären Einfluss aus, dass sie die mit ihnen in Berührung kommenden Gewebe sofort zum Absterben bringen (z. B. Milzbrandbacillen). Aber auch die Einrichtung der Gewebe kommt hierbei in Betracht. Manche derselben gehen leicht zu Grunde, z. B. Knorpel, Sehnen und Bänder, deren schwache Ernährung und geringer Stoffwechsel leicht aufgehoben werden kann.
Wo auf die eine oder andere Weise Theile untergegangen sind, muss der Defect durch Neubildung von Bindegewebe bezw. Narbengewebe ausgeglichen werden, wobei sich in ähnlicher Weise Granula* tionsgewebe bildet, wie wir es bei der Wundheilung näher kennen lernen werden (S, 74). Dabei ist .allerdings eine Regeneration von speeifischen Organelementen, Muskeln u. s. w., nicht ausgeschlossen, wie bei den Krankheitszuständen der einzelnen Gewebe besprochen werden soll.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
40nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Entzündung.
Hier sei nur so viel bemerkt, dass das Granulatiousgewebe aus dein Bindegewebe hervorgeht, indem sich entweder durch Proliferation der vorhandenen Zellen oder Emigration von Leukocyten zahlreiche Rundzellen auf einander lagern. Durch starke Grefässneubildung in den Granulationsgeweben erscheint dasselbe roth. Später bilden sich die Kundzellen in anders geformte um.
Die Prognose hängt bei Entzündungen in erster Linie von dem Sitze, sodann vom Grade und der Natur derselben, d. h. den Ursachen ab. Dass eine Entzündung der äusseren Haut nicht die Bedeutung einer Gelenk- oder Sehnenentzündung besitzt, liegt auf der Hand. Sodann zeigen sich die aseptisch verlaufenden, entzündlichen Processe niemals so gefährlich wie die infectiösen. Während die ersteren in der Regel local beschränkt bleiben, besitzen die letzteren eine Neigung, sich weiter auszubreiten, wobei nicht selten wichtige Organe (Gelenke, Sehnenscheiden) in Mitleidenschaft gezogen werden; auch findet bei ihnen zuweilen ein Uebertritt der Infectionsstoffe oder deren Producte in die Circulation statt, in Folge dessen allgemeine Störungen (Fieber) entstehen.
Behandlung der Entzündung. Ueber die Behandlung der durch traumatische (Quetschungen, Zerreissungen) und thermische Einflüsse (Verbrennung, Erfrierung) entstandenen entzündlichen Processe wird an anderer Stolle noch die Rede sein, daher soll die Betrachtung sich hier auf die Erörterung einiger allgemeiner Gesichtspunkte der entzündungswidrigen Behandlung (Antiphlogose) beschränken. Man muss hierbei zunächst zwischen acuter und chronischer Entzündung unterscheiden. Für die erstere gilt folgendes:
1.nbsp; Als wichtigste Aufgabe kommt die Beseitigung der ursächlichen Momente der Entzündung in Betracht. Das die Weichtheile des Hufes quetschende Hufeisen, die nicht passenden, daher drückenden Theile des Geschirrs müssen beseitigt oder zweckentsprechend abgeändert, der in der Wunde zurückgebliebene Fremdkörper entfernt werden.
2.nbsp; In zweiter Linie gilt es, den entzündlich erkrankten Theilen Ruhe zu geben. Ebenso wie der Körper im ganzen bei Erkrankungen der Ruhe bedarf, so auch seine einzelnen Organe. Das entzündete Auge ist gegen Lichtreiz zu schützen: in dem entzündlich erkrankten Gelenke Bewegung zu vermeiden.
3.nbsp; In prophylaktischer Hinsicht verdienen alle Verletzungen, und seien sie noch so klein, besondere Beachtung; es handelt sich darum,
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Behandlung der Entzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;41
Infectionen zu verhindern, doch soll das Nähere hierüber bei der Wundbehandlung besprochen werden (S. 82).
4. Die direct gegen den Entzündungsprocess gerichtete Behandlung (antiphlogistische Therapie) besteht a) in der Beschränkung der entzündlichen Vurgänge; b) in der Beseitigung der entzündlichen Exsudate und Heilung der alterirten Beschaffenheit der Gefässwand.
Hierzu dienen:
1. Kälte. Wir kühlen den entzündlich erkrankten Theil und entziehen ihm auf diese Weise die krankhaft gesteigerte Wärme; durch Herabsetzung des Leitungsvermögens in den sensiblen Nerven übt die Kälte zugleich eine schmerzstillende Wirkung aus. Indem ferner durch Kälte die krankhaft erweiterten Gefässe zur Contraction gebracht werden, beschränkt dieselbe die exsudativen Vorgänge und verhindert das Auftreten von Hämorrhagien; auch wird durch die Kälte der krankhaft gesteigerte Stoffwechsel verlangsamt. Bei Wunden übt endlich die meist mit Wasser applicirte Kälte einen reinigenden (des-inficirenden) Einfluss aus.
Wenn wir schon aus diesem Grunde und seiner bequemen Anwendung wegen mit Vorliebe Wasser als kühlendes Mittel benutzen, so gewährt dasselbe auch noch den Vortheil, dass es einen besseren Wärmeleiter bildet als die Luft. Die Form seiner Anwendung ist verschieden, und zwar:
a)nbsp; Als Immersion; hierbei lässt man z. B. die entzündlich erkrankten Abschnitte der Gliedmassen grösserer Thiere in ein Gefäss mit kaltem Wasser stellen. Indem das an dem kranken Theil erwärmte Wasser nach oben steigt, findet ein fortdauernder Wechsel desselben statt, wodurch immer neues, kälteres Wasser in Wirksamkeit tritt. Durch Einlegen von Eis oder öfteren Wechsel des Wassers erhalten wir dasselbe dauernd auf einer niedrigen Temperatur.
b)nbsp; Als kalte Fomentation, d. h. in Form kalter Umschläge. Ein mit kaltem Wasser getränktes, mehrmals zusammengefaltetes Tuch wird auf den entzündeten Theil gelegt und in kurzen Zwischenzeiten erneuert oder etwa alle 5 Minuten mit kaltem Wasser begossen. Dieses Verfahren findet namentlich bei grösseren Thieren oft Anwendung, weil hier das abflicssende Wasser nicht in dem Masse stört, wie beim Menschen und bei den im Zimmer gehaltenen kleinen Thieren.
Von grosser Wichtigkeit bleibt hier die häufige Erneuerung des Umschlages oder öfteres Begiessen mit kaltem Wasser. Wie Binz durch Auflegen von Eisblasen experimentell nachgewiesen, steigt die
|
||
|
|
||
|
|
||
|
42nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Entzündung.
durch die Killte herabgedrückte Temperatur in dem entzündeten Theile bald von neuem an; nachdem die Temperatur von 39deg; auf 27deg; herabgesetzt war, trat nach dem Aufhören der Kältewirkung schon in 15 Minuten die abnorme Temperatur von 39deg; wieder ein. Soll intensiv gekühlt werden, so benutzt man Eisbeutel. Auch können an Stelle der Umschläge Lehmanstriche nützlich werden. Man lässt dieselben ebenfalls von Zeit zu Zeit mit kaltem Wasser anfeuchten.
c) Die Irrigation besteht in einer fortdauernden Berieselung der entzündlich erkrankten Theile mit kaltem Wasser, ein Verfahren, das ebenfalls bei grüsseren Thieren leicht ausführbar und recht wirksam ist. Mittelst eines Gummischlauches lässt man aus einem grösseren Gefässc (Irrigator) Wasser in dünnem Strahl, unter Umständen auch tropfenweise über den entzündeten Theil fliessen. Auf diese Weise kommt immer von neuem kaltes Wasser mit dem erkrankten Organe in Berührung, welches zum Theil durch die Entzündungshitze verdunstet, wodurch ebenfalls Wärme gebunden, d. h. Kälte erzeugt wird. Die permanente Irrigation gehört daher zu den wirksamsten Methoden der Kälteapplication.
Unter Umständen empfiehlt sich, dem zum Kühlen benutzten Wasser Arzneimittel zuzusetzen, z. B. Essig, Bleiacetat, Alaun oder Des-infcctionsmittel: Carbolsäure, Sublimat, Creolin, Burow'sche Mischung von Alaun und Bleizucker, woraus durch Zersetzung essigsaure Thon-erde entsteht. Bei Erkrankung der äusseren Haut bezw. der Schleimhäute üben solche Zusätze entschieden einen günstigen Einfluss auf den schnellen Ablauf acuter Entzündungen aus, namentlich wenn sie frühzeitig angewendet worden; auch lassen sich durch ihre Wirkung Infectionen verhüten, daher finden diese Mittel in der Wundbehandlung häufige Anwendung. Aber auch bei entzündlichen Processen der dicht unter der äusseren Haut gelegenen Organe (Sehnen, Gelenke) üben die genannten Substanzen einen günstigen Einfluss aus und kommen hier ebenfalls in Anwendung. Endlich bleibt zu beachten, dass es oft im Interesse der sorgfältigen Anwendung liegt, solche Zusätze zu machen. Gar mancher Besitzer von Thieren schenkt dem blosscn Wasser nicht das nöthige Vertrauen und wendet dasselbe auch nicht so sorgfältig an wie eine Arzneiflüssigkeit, selbst wenn sie nur aus gefärbtem Wasser besteht.
In Wunden und auf Schleimhäuten bilden Adstringentien oft zweckmässige Zusätze. Diese Mittel rufen bekanntlich eine Verengung der Gefässe und Schrumpfung der Gewebe hervor und beschränken so den entzündlichen Process. Tannin, Alaun, die Sulfate der Schwer-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Behandlung der Entzündung.
|
43
|
||
|
|
|||
|
metalle stehen daher seit den ältesten Zeiten in dem Hufe wirksamer antiphlogistischer Mittel.
Die in früherer Zeit vielfach zur Erzielung von Kältewirkung verwendeten Mischungen (Kältemischungen), aus Kochsalz, Salpeter, Salmiak u. s. w., sowie die Erzeugung von Kälte durch Verdunsten von Schwefeläther sind neuerdings mit Recht fast ganz verlassen worden, weil sich ihre Anwendung kostspieliger und ihre Wirkung aher nicht günstiger gestaltet als die von Wasser, Eis u. s. w.
Es liegt auf der Hand, class nicht bei allen Entzündungen die Wirkung der Kälte gleichmässig angezeigt sein kann. Man erinnere sich nur, dass bei infectiösen Processen nicht nur der Emigration von Leukocyten, sondern auch der Exsudation eine heilbringende Bedeutung zugeschrieben werden muss, die man daher durch die Anwendung von Kälte nicht stören soll. So erklärt sich der alte Grundsatz, bei Entzündungen, die nicht aus äusseren Ursachen hervorgegangen waren. Kälte zu vermeiden. Bei Entzündungen, die in Eiterung übergegangen sind, wendet man daher nach einem alten Grundsatze ebenfalls keine Kälte an.
Endlich bleibt zu beachten, dass da, wo hochgradige Störungen der Circulation bestehen, und Theile abzusterben drohen, z. B. bei Quetschungen, die Kälte nur in beschränktem Masse angewendet werden darf, weil ihre Wirkung die Gefahr des Absterbens noch erhöhen würde.
Während die Anwendung der Kälte vornehmlich in den ersten Stadien acuter Entzündungen angezeigt erscheint, kommt es im weiteren Verlaufe derselben darauf an, die entzündlichen Exsudate zu beseitigen und die Herstellung normaler Zustände in dun Gefässwänden zu fördern. Beides erzielt man am sichersten durch Anregung der Circulation. Die Alteration in der Gefässwand kann nur unter dem Einflüsse des wieder regehnässig circulirenden Blutes erfolgen, während die Rückkehr der entzündlichen Exsudate sowie der emigrirten Leukocyten ebenfalls durch Förderung der Circulationsvorgänge beschleunigt wird.
Für diese Zwecke stehen uns in erster Linie folgende Mittel zu Gebote: 1. Wärme, 2. Druckwirkung und 3. Arzneistoffe.
Temperaturen von 3050deg; 0. bewirken eine Erweiterung der Blutgefässe und damit eine Förderung der Circulation in denselben. Hierdurch werden also die reparatorischen Vorgänge an der Gefässwand unterstützt; aber auch die Abfuhr entzündlicher Exsudate wird erleichtert, die Resorption bezw. Resolution gefördert.
Wir bedienen uns zur Anwendung der Wärme ebenfalls liäufiquot;;
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
44nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Entzündung.
des Wassers in Form von Bildern oder UnischUlgen und setzen denselben für den betreffenden Fall passende Mittel zu, wie z. B. bei Infectioneu oder Infectionsgefabr Desinficientien, Alkalien, um die Oberhaut, den Huf u. s. w. aufzuweichen oder lösend zu wirken.
Eine sehr bequeme Form der Wilrmewirkung bilden die sog. Priessnitz'schen Umschläge oder Ein Wickelungen. Ein mit kaltem Wasser getränktes Tuch oder eine angefeuchtete Binde wird soweit ausgerungen, class kein Wasser aus denselben abfliesst, sodann auf den erkrankten Theil gelegt und mit mehreren Lagen einer wollenen Decke oder Binde so bedeckt, dass jeder Luftzutritt zu dem erkrankten Theil möglichst abgeschnitten wird. Das feuchte Tuch wird bald von seiner Unterlage erwärmt, und da in Folge seiner Undurchlässigkeit für Luft jede Ausstrahlung und durch die Bedeckung mit mehreren Wollschichten auch die Fortlcituug der Wärme fast vollständig ausgeschlossen wird, so muss die Temperatur an der Oberfläche der Haut unter dem feuchten Tuche in kurzer Zeit bis auf die Bluttemperatur steigen. Werden nun die Umschläge etwa alle 45 Stunden erneuert, so unterstützt auch noch der Wechsel in der Weite der Blutgefässe die Beschleimigimg der Resorption entzündlicher Exsudate.
Ein ebenfalls äusserst wirksames Mittel zur Beförderung der Resorption bildet die mechanische Behandlung unter Anwendung von Druck. Derselbe kann in Form der methodischen Compression andauernd wirken, oder man sucht durch Streichen und Kneten (Massage) einen Wechsel der Druckverlülltnisse in dem entzündeten Theile eintreten zu lassen. Die erstere Methode wird vornehmlich mittelst Binden ausgeführt, welche man so anlegt, dass sie einen gleichmässigen Druck auf den entzündeten Theil ausüben und so den Rücktritt der entzündlichen Exsudate in die Circulation unterstützen, die Resorption also fördern. Auch die indurativen Processe können durch methodische Compression beschränkt werden.
Die Massage besteht in Streichen, Kneten oder Klopfen der entzündeten Theile mit den Fingern, der Hand oder besonderen Gegenständen. Man unterscheidet hierbei:
1.nbsp; Das Streichen mit den Fingerspitzen in centripetaler Richtung unter Anwendung eines geringen Druckes (Effleurage);
2.nbsp; das Streichen unter kräftigerem Drucke mit den Fingern, dem Daumen oder der Hohlhand abwechselnd in centripetaler und centrifugaler Richtung (Massage k friction);
3.nbsp; das Kneten des kranken Theiles mit den Fingern oder der geballten Faust (Petrissage);
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Behandlung der Entzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 45
4. das Klopfen (Topotement) mit der geöffneten Hand, der geballten Faust oder bei grösseren Thieren mit ein paar leichten hölzernen Hämmern, wie sie ähnlich auf dem Lande zum Klopfen der Wäsche wohl noch benutzt werden.
Bei der Ausführung der Massage ist auf Verletzungen und schmerzhafte Erkrankungen Rücksicht zu nehmen; bei grösseren Thieren regelt dieses die Widersetzlichkeit derselben.
Die Wirkung der Massage besteht vornehmlich in mechanischer Zerkleinerung der Entzimdungsproducte und Ueberführung derselben in die Lyinphbahnen, also in Förderung der Resorption. Bei grösserer Schmerzhaftigkeit wendet man nur leichten Druck an, während bei älteren, indolenten Zuständen unter kräftigem Druck massirt wird. Ebenso wirkt das Klopfen, welches namentlich bei Lähmungen zur Aufrechthaltimg oder Wiederherstellung der Ernährungsvorgilnge in den Muskeln benutzt wird.
Die Prooedur des Massirens dauert etwa 5 15 Minuten, muss womöglich 13 mal am Tage wiederholt und oft wochenlang fortgesetzt werden. Liegt darin schon eine Schwierigkeit für die Anwendung der Massage bei den Thieren, so ergiebt sich eine zweite aus der Haarbedeckung des Körpers. Abgesehen davon, dass durch die Gegenwart der Haare die Wirkung der Massage abgeschwächt wird, steht auch die Richtung derselben dem centri])etalen Streichen entgegen; in Folge dessen werden die Haare hierbei leicht abgerieben; dazu kommt, dass sich die Thiere bei schmerzhaften Leiden der Manipulation des Massirens widersetzen.
Kann daher bei den Thieren von der Massage nicht in dem Umfange Gebrauch gemacht werden, Avie beim Menschen, so bietet sie doch auch hier unter Umständen ein äusserst wirksames Mittel, namentlich gegen chronische Entzündungen. Bei werthvollen Pferden und Lieblingsthieren unterrichtet man den Besitzer oder Pfleger des Patienten in der Ausführung der Massage für den gegebenen Fall. Um bei kräftigem Streichen die Haare zu schonen, wird ein Stück Pergamentpapier oder Pauspapier auf die betreffende Stelle gelegt und irgend ein Fett oder Salbe angewendet. Die Wirkung der früher häufiger als jetzt benutzten zertheilenden Salben beruhte nicht zum wenigsten auf der mit der Application derselben verbundenen Massage. In Frankreich ist zum Einfetten der Haut bei der Ausführung der Massage eine Salbe aus Kampfer 10, Laudanum 10 und Oel 60 im Gebrauch. Es empfiehlt sich auch, die Unterlage von Papier mit einem Fette zu bestreichen, um das Gleiten der Hand auf demselben zu erleichtern.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
40
|
Entzündung.
|
||
|
|
|||
|
Dass bei infectiösen Entzündungen die Anwendung von Kälte und in der l?egel auch Massage nicht angezeigt ist, liegt auf der Hand. Hier handelt es sich vielmehr darum, den Organismus ira Kampfe mit den Infectionsstoffen zu unterstützen. Sowohl die ex-sudativen Vorgänge wie auch die Emigration der woissen Blutkörper zielt offenbar auf die Vernichtung bezw. Unschädlichmachung derselben ab, deshalb verdienen diese Vorgänge unterstützt zu werden. Wir wenden daher, abgesehen von der Desinfection und dem Schütze vor weiterer Infection Mittel an, welche jene Vorgänge fordern. Wärme, namentlich feuchte Wärme in Form von Ballungen, Bädern oder Umschlägen, wirken hier vortheilhaft, zumal sie durch Erweichung der Haut die .Spannung in der Entzündmigsgeschwulst und die damit verbundene Gefahr der Nehrose herabsetzen. Setzt man diesen Flüssig-Iceiten desiuficirende Substanzen hinzu (Carbolsäure, Creolin, Sublimat u. s. w.), so werden damit die an der Oberfläche der Haut etwa noch vorhandenen Mikroorganismen zerstört; soweit diese Mittel zur Resorption gelangen, werden sie auch den Infectionsstoffen nachtheilig, welche sich im Entzündungsherde befinden.
Sobald die Möglichkeit sich dazu bietet, muss die Entfernung des entzündlichen Exsudates auf operativem Wege erfolgen, um sowohl die Ausbreitung der Entzündung, das üebergreifen auf wichtige Organe (Gelenke, Sehnenscheiden) zu verhindern, wie auch allgemeine Störungen (Fieber) zu beseitigen. Wir ineidiren den Eiterherd sobald als möglich, und wo Zweifel über die Gegenwart eines solchen bestehen, kann eine Probepunction Aufschluss geben. Die Spaltung der Abscesse muss so erfolgen, dass der Abfluss des Eiters möglichst erleichtert wird; erforderlichen Falles werden Drains oder Haarseile angelegt. Zuweilen finden oberflächliche Einschnitte in das entzündete Gewebe (Scarificationen) zweckmässige Anwendung, indem hierdurch die Spannung in dem Entzündungsgeschwulst gehoben, die Gefahr des Absterbens vermindert und zugleich die Entzündungserreger mit den Exsudaten zum Theil direct entleert werden. Im übrigen findet dasselbe Verfahren Anwendung wie bei der Wundbehandlung, worauf verwiesen werden muss.
Anders gestaltet sich die Behandlung chronischer Entzündungen. Dass hierbei Kälte keinen Nutzen gewährt, ergiebt sich aus obiger Betrachtung. Zur Beschränkung der entzündlichen Neubildung und zur Anregung der Resorption der Entzündungsproducte dient die oben beschriebene methodische Compression sowie die Massage; dazu kommen die sog. zertheilenden Mittel und die ableitende Me-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Behandlung der Entzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;47
thocle. Zu den resolvirenden Mitteln rechnet man in erster Linie die Jod- und Quecksilberpräparate, Bepinselungen mit Jodtinctur oder Jod-glycerin, Einreibungen von Ungt. einer, und anderen Salben, z. B. Jodkaliuni. Das Vertrauen zur Wirkung dieser Mittel ist in neuerer Zeit mehr und mehr erschüttert worden; der mit denselben erzielte Nutzen muss wenigstens zum Theil auf die mit der Application verbundene Massage zurückgeführt werden. Schon um Zeit zu gewinnen, die ja auch heilt, um den Besitzer zu beruhigen und zu verhindern, dass derselbe nicht dem ersten besten Curpfuscher in die Hände fällt, sind wir oft gezwungen von solchen Einreibungen auch da Gebrauch zu machen, wo nicht viel von ihnen zu erwarten ist. Andererseits lässt sich die Möglichkeit nicht ableugnen, dass diese Mittel einen günstigen Ein-fluss auf den Ablauf der Entzündung ausüben. Sobald an der Appli-cationsstelle Verletzungen in der äusseren Haut bestehen, oder die Mittel wiederholt und kräftig eingerieben werden, können dieselben zum Theil in den Entzündungsherd, in die Saftströmung und Lymph-gefässe gelangen, um so ihre noch keineswegs vollständig aufgeklärte Wirkung zu entfalten. Zur Lockerung der bei den grösseren Thieren stellenweise sehr starken Epidermis empfiehlt sich, diesen Salben etwas grüne Seife zuzusetzen. Dass kräftiges Einreiben derselben zu empfehlen ist, wurde bereits erwähnt.
Zu den gegen chronische Entzündungen in der Thierheiikunde häufig angewendeten Heilmethoden gehören die sog. scharfen Ableitungen (derivatorische Heilmethode). Indem man die äussere Haut auf dem Krankheitsherde durch scharf reizende Mittel in eine acute Entzündung versetzte, glaubte man nach der humoralpathologischen Vorstellung die schädlichen Stoffe (Materia peccans) aus dem Blute an die Oberfläche abzuleiten und so unschädlich zu machen. Obgleich ohne Zweifel namentlich durch Herbeiführung einer eiterigen Entzündung, z. B. durch ein Haarseil oder Fontanell auch Infections-stoffe auf diese Weise zur Ausscheidung gebracht werden, so kann die heilsame Wirkung der Hautreize hierauf allein doch nicht zurückgeführt werden. Ebenso erscheint es zweifelhaft, dass Reflexwirkungen am Gefässapparat, welche nach einer Reihe sorgfältig durchgeführter Experimente durch Hautreize veranlasst werden, den Nutzen dieser Mittel ausmachen. Dass es sich hierbei nicht um eine Ableitung der Entzündung selbst oder des Blutes handeln kann, bedarf hier keiner Aveiteren Begründung. Ebensowenig Vertrauen verdient meines Er-achtens die neuerdings vielfach aufgestellte Behauptung, die chronische Entzündunquot;- werde auf diese Weise in eine acute verwandelt und so
|
||
|
|
||
|
M
|
||
|
|
||
|
48nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Entzündung.
Heilung erzielt. Wo eine directe Einwirkung auf den kranken Theil möglich wird, z. B. durcli Injectionen reizender Flüssigkeiten in die Gelenkhöhle bei chronischer Erkrankung der Synovialis, da mag diese Erklärung zutreffen; etwas ganz anderes aber ist es, wenn bei derartigen Zustünden eine scharfe Einreibung an der Oberfläche der äusseren Haut applicirt wird. Niemals kommt dadurch eine Entzündung der Synovialis eines Gelenkes oder einer Sehnenscheide zu Stande.
Meines Ei'achtens beruht der ohne Zweifel ausserordentlich günstige Einfluss scharfer Hautreize, wenn nicht ausschliesslich, so doch zum grossen Theil, auf der schmerzerregenden und mechanischen Wirkung derselben. Einmal werden die Thiere hierdurch veranlasst, den kranken Theil, z. B. das entzündlich erkrankte Gelenk ruhig zu halten; dann übt die entzündliche Anschwellung in der Haut und Unterhaut einen continuirlichen und gleichniässigen Druck auf den entzündeten Theil aus, wirkt also ähnlich wie eine methodische Compression, deren Nutzen Niemand bezweifelt. Wühlt man schlicsslich noch scharfe Hautreize, die zu Narbenbildung führen, z. B. das Glüheisen, so erfolgt durch die Narbenretraction eine weitere, langsame, aber kräftige Druckwirkung auf die unter ihr gelegenen Theile, wodurch ein günstiger Einfluss auf den Ablauf entzündlicher Processe in denselben ausgeübt wird. Es soll nicht behauptet werden, dass hiermit der Nutzen scharfer Hautreize erschöpft ist, aber ein wesentlicher Antheil kommt nach meiner Ueberzeugung diesem Umstände entschieden zu. Vielleicht ist es der Zukunft vorbehalten, weitere Aufklärungen auf diesem Gebiete der Therapie zu liefern, doch genügt uns zunächst diese Erklärung, um dem Standpunkte pessimistisch angehauchter Theoretiker gegenüber an der durch tägliche Beobachtungen bestätigten Wirksamkeit dieser Heilmethode festzuhalten, welche schliesslich auch noch geeignet erscheint Zeit zu gewinnen, d. h. den Besitzer zu veranlassen, dem Patienten die zum Ausgleich der Krankheitsprocesse erforderliche Ruhe zu geben.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
III. Verletzungen und Entzündungen der Weichtheile.
|
||
|
|
||
|
Einleitung. Die Weichtheile des thierischen Körpers sind vielfältigen Verletzungen ausgesetzt, welche sich sowohl nach ihrer Art wie auch Ausdehnung und Bedeutung ausserordentlich verschieden gestalten. Dass die an der Aussenfläche des Körpers gelegenen Organe hiervon am häufigsten betroffen werden, liegt auf der Hand, daher fallen diese Zustände auch vornehmlich in das Gebiet der Chirurgie.
Unter dem Einflüsse von Zugkräften werden gewaltsame Dehnungen der Weichtheile veranlasst, wodurch Verletzungen derselben entstehen, die man als Zerrung und Zerreissung bezeichnet. Ausdrücke, die zugleich den verschiedenen Grad der Verletzung andeuten. Durch gewaltsame Einwirkung stumpfer Körper entstehen oft Con-tinuitätstrennungen in den Weichtheilen, wobei vornehmlich die unter der äusseren Haut gelegenen Gewebe betroffen und ia ihrem Zusammenhange gestört werden, während die äussere Haut in Folge ihrer grös-seren Widerstandsfähigkeit keine Trennungen erfährt. Man nennt einen solchen Vorgang bezw. Zustand eine Quetschung, während Continuitätstrennungen der Weichtheile mit gleichzeitiger Trennung in der äusseren Haut, wie sie in der Uegel durch die Einwirkung scharfer Gegenstände entstehen, als Wunden bezeichnet werden.
Die Bedeutung solcher Verletzungen gestaltet sich im allgemeinen sehr verschieden und richtet sich in erster Linie nach dem Sitze und der Ausdehnung derselben. Die mit denselben verbundenen Gefahren hängen aber namentlich davon ab, ob die Verletzung mit Trennung in der äusseren Decke (Haut oder Schleimhaut) verbunden ist, mit anderen Worten, ob es sich um eine subeutanc Verletzung oder um eine Wunde handelt; daher müssen diese Zustände auch hier gesondert besprochen werden.
Müller, Allgemoiiic Ohirurgte für Thioiärzto.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
50
|
AVunden.
|
||
|
|
|||
|
1. Wunden. Ynlncra. Traumata ihre Eintheilung Er-sclieinungeu Blutstillung Thrombose HellungSTOrgftnge*
Verletzungen der äusseren Haut mit den unter ihr gelegeneu Weichtheilen entstehen vornehmlich durch scharfe, schneidende oder stechende Instrumente, doch können auch Geschosse oder Bisse hierzu Veranlassung geben. Man unterscheidet demnach: Schnitt-, Stich-, Hieb-, Schuss- und Bisswunden. Jede durch gewaltsame Einwirkung eines stumpfen Körpers entstandene Wunde ist mit einer mehr oder minder starken Quetschung verbunden und heisst Quetsch-#9632;w u n d e. Je schärfer der verletzende Gegenstand, desto weniger Gewalt ist zur Erzeugung einer Verletzung mit demselben erforderlich, um so weniger werden also hierbei die Gewebstheile leiden. Die mit einem scharfen Messer erzeugte Schnittwunde stellt eine einfache Trennung der Weichtheile dar; je stumpfer das Messer, desto mehr Gewalt erfordert der Schnitt, um so lebhafter wird neben der Trennung die Zerrung, Dehnung und Quetschung in den Geweben, und um so weniger sind diese geeignet, die zur Heilung der Wunde erforderlichen Reparationsvorgilnge zu bewirken.
Mau unterscheidet an der Wunde die getrennten Flächen (Wund-r an der) und den Grund, d. h. die tiefsten Abschnitte derselben. An der Schnittwunde sind die Wundränder in der Regel glatt und eben, an der Quotschwunde unregelmiissig, zerrissen, zerfetzt; einzelne Abschnitte der Wundränder können mehr oder weniger von den übrigen losgelöst erscheinen; man spricht alsdann von einer Lappen wunde, und wenn Thcile vollständig verloren gingen, von einer Wunde mit Substanzverlust. Ferner unterscheidet man oberflächliche, tiefe und penetrirende, d. h. in Körperhöhlen, z. B. Brust- oder Bauchhöhle, eindringende Wunden. Man trennt ferner Haut-, Muskeln-, Sehnen- u. s. w. Wunden und bezeichnet die in der Längsrichtung desOrganes liegenden alsLan gs wunden, entgegengesetzte als Querwunde n. Unrein heisst die Wunde, wenn sie Fremdkörper (Holz, Erde, Haare u. s. w.) enthält; inficirt, wenn sich Infectionsstoffe in derselben befinden, welche den regelmässigen Heilungsvorgang zu stören im Stande sind; die von solchen Stoffen freie Wunde heisst aseptisch. Als vergiftet gilt eine Wunde, in welcher sich pflanzliche oder thierische Gifte befinden, z. B. beim Schlaugenbiss, Insectenstich.
Stellen wir uns eine einfache Schnittwunde von massiger Ausdehnung vor. Drei Erscheinungen fallen auf den ersten Blick an der-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Wundsolimorz. Blutung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,51
selben auf, nämlich: Schmerz, Blutung und dalaquo; Klaffen der Wundränder. Wie jeder au sich selbst erfahren, ist jede Verwundung mit mehr oder wehiger Schmerz verbunden. Dieser primäre Wundschmerz entsteht durch Zerrung und Verletzung, welche sensible Nervenfasern bei der Verwundung erfahren. Je grosser ihre Zahl, d. h. je reicher das Gewebe an sensiblen Nerven, je weniger scharf das verletzende Instrument, und je langsamer dasselbe die Trennung bewirkt, um so grosser dieser primäre Wundschmerz. Darum ist auch bei den Operationen der Schnitt durch die äussere Haut schmerzhafter als der durch die Unterbaut, durch Muskeln und Sehnen ; deshalb führen wir den Schnitt möglichst sclmeil aus und verwenden recht scharfe Instrumente. Auf diese Weise werden nicht nur dein leidenden Thier Schmerzen erspart und die Ausführung der Operation weniger durch die Unruhe derselben gestört, sondern auch die Heilungsvorgänge in der Wunde begünstigt. Dass nicht alle Thiere gleich empfindlich sind, ist bekannt.
Der erst nach der Verwundung auftretende Schmerz (seeundärer Wundschmerz) wird durch die Einwirkung der Luft und durch entzündliche Processe hervorgerufen, die wir später kennen lernen werden; wo diese Einflüsse von der Wunde fern gehalten werden, hört der Schmerz bald nach der Verletzung auf.
Die Blutung wird nur bei Verwundungen von Organen ver-misst, welche keine Blutgefässe besitzen, wie die Cornea und der Gelenkknorpel. Im übrigen enthalten fast alle Organe mehr odor weniger Blutgefässe und zwar in so dichter Lage, dass bei jeder Wunde solche durchtrenut werden. Man unterscheidet klinisch: arterielle, venöse und parcnchymatöse Blutungen; als parenehymatös bezeichnet man die Blutungen aus den Capillareu und kleineren Gefässen, aus denen das Blut ohne einen Strahl zu bilden auf der Wundfläche hervorquillt; auch Blutungen aus cavernösen Körpern, /.. B. des Penis oder der Harnröhre gehören hierher. Die arteriellen Blutungen kennzeichnen sich durch die mit der Systole des Herzens zusammenfallende, s to ssweise Entleerung hellroth gefärbten Blutes, während das duukelroth gefärbte Venenblut in gleichmässigeni, weniger starkem Strahle entleert wird. Wo arterielles Blut sich zunächst in eine grössere Höhle ergiesst und von hier aus erst abfliesst, kann die Entleerung desselben auch in einem gleichmässigen Strahl erfolgen.
Wird die Blutung nicht gestillt, so tritt schlicsslich durch den Blutverlust der Tod ein (Verblutung). Diese Gefahr ist jedoch nicht so gross, wie sie dem Unerfahrenen, namentlich dem Laien erscheint;
|
||
|
|
||
|
|
||
|
52nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wunden.
die Menge des an der Erde liegenden Blutes wird regelmässig überschätzt. Capillilre Blutungen führen fast niemals in dieser Richtung zu bedenklichen Folgen; die Stillung derselben erfolgt regelmässig auch ohne therapeutisches Eingreifen (spontane Blutstillung).
In sehr seltenen Fällen wurde auch bei Thieren jener Zustand beobachtet, den man als Hämophi 1 ie oder Bluterkrankheit bezeichnet, wobei selbst parenchyniatöse Blutungen gefährlich werden; die geringfügigste Verletzung fübrt bei diesem Zustande zu schwer oder überhaupt nicht zu stillenden Blutungen. Glücklicherweise ist das Leiden bei Thieren nicht häufig; trotz ausgedehnter Erfahrung ist mir bisher kein Fall der Art begegnet.
Die Bluterkrankheit stellt offenbar eine angeborene Constitutions-anomalie dar, welche bei Menschen oft angeerbt ist (Bluterfamilie) und sieb durch die Neigung zu spontanen oder durch leichte Verwundungen ver-anlasste, heftige und schwer zu stillende Blutungen kernzeichnet. lieber das Wesen der Krankheit fehlen bisher genaue Kenntnisse. Bald wurde eine zu geringe Widerstandskraft der GefilsswUnde, bald mangelhafte Contractionsfahigkeit der Muscularis derselben als Grundlage des Leidens erklärt, bald in abnormen Druckverhältnissen als Folge abnormer Enge des Gefässsystems (Virchow) das Wesen des Leidens gesucht; andere glaubten Abweichungen in der Blutmisohung mit Abnahme der Gerinnungsfähigkeit desselben als die Ursache der profusen Blutungen annehmen zu müssen. Obgleich nicht alle bei Thieren beschriebenen Beobachtungen über Hämophilie die Gegenwart dieses Zustandes aussei' Zweifel stellen, so steht doch soviel fest, dass das Leiden auch hier vorkommt. So beobachtete man Verblutung bei Pferden in Folge der Application eines Fontanells.
Auch venöse Blutungen werden, namentlich bei grösseren Thieren, nicht leicht lebensgefährlich. Mit der Abnahme der Blutmenge sinkt der Blutdruck und steigert sich die Gerinnungsfähigkeit des Blutes, so dass selbst durch Verletzungen grösserer Gefässe, z. B. der Jugular-venen nicht leicht eine tödtliche Blutung zu Stande kommt. Dabei bleibt allerdings zu beachten, dass die Blutung aus einer Vene nicht allein von der Grosse, sondern auch von der Lage derselben wesentlich beeinflusst wird. Verletzungen der Vena jugularis, wie sie absichtlich beim Aderlass herbeigeführt werden, fiilircn erst zu einer Blutentleerung, wenn man die Vene unterhalb der Verletzung com-primirt, weil der Blutdruck in der Jugularis ein sehr geringer ist. Die geöffneten Venen der Samenstränge (Castration) lassen dagegen leicht grössore Mengen Blutes abfliesson, welches sich am stehenden Thiere hier schon in Folge seiner Schwere entleert.
Der geringe Blutdruck in den Venen am Halse und Thorax scliliesst dafür eine andere Gefahr ein. nämUcli durch den Eintritt
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Blutung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;53
von Luft in die Vene, ein Umstand, der namentlich bei Verletzung der Vena jugularis (Aderlass) beachtenswerth erscheint. In dieser Vene fliesst das Blut, seiner Schwere folgend abwärts; dazu kommt namentlich bei tiefen Inspirationen ein Ansaugen desjBlutes von Seiten des Thorax und des Herzens (Aspiration). Die Folge davon [ist, dass der Blutdruck in der Vena jugularis negativ wird, d. h. bis unter den Luftdruck herabsinkt, und das nach dem Herzen abfliessende Blut durch die Wunde Luft ansaugt. Dieser Vorgang wird also namentlich durch Compression der Vene oberhalb der Verletzung (Aderlassstelle) begünstigt, indem alsdann nicht Blut nachfliessen kann, an Stelle dessen Luft in das Gefass tritt.
Gelangen nur kleine Mengen Luft in die Blutcirculation, so entstehen daraus in der Regel keine Störungen; zuweilen rufen selbst grösserc Mengen solche nicht hervor; doch beobachtet man in anderen Fällen, dass selbst massige Mengen plötzlichen Tod veranlassen. Bekanntlich gelingt es zuweilen Pferde durch Einblasen von Luft in die Vena jugularis schnell zu tödten; oft aber bleibt diese Wirkung selbst nach längerem Blasen aus. Auch bei Hunden veranlassen 810 ccm Luft meist keinen Nachtheil, während Kaninchen sich in diesem Funkte ausserordentlich empfindlich zeigen.
Ueber die nilchste Ursache des Todes durch Lufteintritt in die Blutbahn gehen die Ansichten noch auseinander. Während von Einigen die Anfüllung des rechten Herzens mit Luft, welche das Einströmen des venösen Körperblutes verhindern und in weiterer Eolge die gesummte Circulation stören soll, als Todesursache betrachtet wird, legen andere das Hauptgewicht auf den Eintritt der Luft in den Lungenkreislauf und die damit verbundene Störung der Circulation in diesen Organen. Neuerdings wird behauptet, dass der Tod durch Anfüllung der Gehirnarterien mit Luft (Luftembolie) veranlasst werde, eine Ansicht, die Hauer an Kaninchen experimentell zu begründen suchte, die auch mit den klinischen Erfahrungen über die so verschiedene Wirkung des Lufteintrittes in die Blutbahn im Einklang steht. Woran die erstgenannten Ansichten richtig, so sollte man den tödtlichen Ausgang mit grösserer Regelmilssigkeit erwarten, während es mehr oder weniger dem Zufalle überlassen bleibt, ob die Luft in die Gehirngeftlsse gelangt odor nicht.
Therapeutisch lilsst sich gegen diesen Zustand wenig ausrichten, dagegen bleibt die Prophylaxis wichtig. Das Nähere hierüber soll bei Besprechung des Aderlasses erwähnt werden.
Die möglichst schnelle und vollständige Stillung der Blutung liegt nicht allein im Interesse der Erhaltung des Thieres und seiner Leistungsfähigkeit sondern auch der schnellen und sicheren Heilung der Wunde.
Wie kommt diese zu Stande, fragen wir zunächst.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
54nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wunden.
Nach vollständiger Durohtrennung eines Blutgefüsses fliesst das Blut in Folge des Blutdruckes sofort ab, letzterer aber sinkt alsbald an der Ausflussstelle; in Folge dessen verengt sich die elastische Ge-fässwand und das Lumen des blutenden Gefüsses an der Ausflussöffnung wird kleiner. Der Blutstrahl erreicht daher niemals die Stärke des Lumens am intacten Gefässe, aus welchem er stammt. Parenchyma-töse sowie Blutungen aus kleineren Gefilssen, namentlich Venen, hören daher fast immer in kurzer Zeit von selbst auf. Diese sog. spontane Blutstillung kommt durch Verschluss der Ausflussöffnung des blutenden Gelasses zu Stande, während an grösseren Gefässen, besonders an Arterien, hierzu oft ein actives Eingreifen nothwendig wird (künstliche Blutstillung). Auf jeden Fall aber muss die Ausflussöffnung verschlossen werden, wenn die Blutstillung eintreten soll; wie diese bei der spontanen Blutstillung zu Stande kommt, ist auch heute noch nicht vollständig aufgeklärt. Wir wissen allerdings, dass sich an der Mündung des blutenden Gefässes ein Pfropf (Thrombus) bildet, welcher die Oeffnung desselben verstopft, doch ist man über den Ursprung des Thrombus und den Modus seiner Entwickelung (Thrombose) noch keineswegs vollständig im Klaren.
Es unterliegt zwar keinem Zweifel, dass, wie Brücke gezeigt, die Bewegung des Blutes und der Einfluss der intacten Intiraa bezw. ihres Endothels das Blut flüssig erhält, und wo einer dieser beiden Factoren fehlt, die Gerinnung zu Stande kommt; über den Modus der Thrombenbildung gehen die Ansichten noch auseinander. Früher glaubte man, dass es sich hierbei um eine einfache Gerinnung des Blutes handele, wie sie ausserhalb der Gefiisse durch die Einwirkung des Fibrinfermentes auf die fibrinogene Substanz (Pibrinrogeneratoren Alex. Schmidt) zu Stande kommt. Die neueren Untersuchungen haben indess ergeben, dass der Thrombus nicht immer aus einem Blutcoagulum besteht. Man unterscheidet daher heute weisse und rothe Thromben. Nach Zahn sollen die ersteren durch Anhäufung weisser Blutkürper in dem Gefässlumen entstehen; von anderen (Bizozero, Schimm elbusch, Eberth und Baumga r ten) wird behauptet, dass der weisse Thrombus durch die von Bizozero entdeckten filut-plättchen, kleine, farblose, scheibenförmige Elemente, deren Herkunft und Bedeutung zur Zeit noch zweifelhaft ist, gebildet werde; diese sollen sich an die verletzte Stelle der Intima festsetzen, zusammenkleben und schliess-lich das Lumen des Gefässes vollständig verschliessen.
Die rothen Thromben verdanken der Coagulation des Blutes ihre Entstehung, kommen jedoch im lebenden Körper viel seltener vor als die weissen, finden sich aber bei schwereren Erkrankungen der Gefässwand, namentlich des Endothels ein; hiebei kommen in erster Linie infectiöse Zustände in Betracht. Man trifft rothe Thromben daher vornehmlich bei entzündlichen Erkrankungen der Gefässe sowie bei der Pyämie. Zuweilen bilden sich gemischte, d. h. rothe und weisse in demselben Gefässe. Bei Unterbindung eines Blutgefässes kommt nicht immer Thrombusbildung zu Stande; sofern die Intima hierbei nicht erheblich verletzt oder inficirt wird,
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Thiorabonbildung.
|
55
|
||
|
|
|||
|
stellt sich Wucherung der Endothelieu und Verlöthung der Gefdsswand ohne Thrombenbildung ein, oder es entsteht ein weisser Thrombus, bei schweren Verletzungen oder erheblichen Circulationsstörungen ein rother.
Der Thrombus verwandelt sich entweder in ein gefilsshaltiges Bindegewebe (Organisation) oder er erweicht. Der erstere Vorgang ist allerdings der bei weitem günstigere und besteht in einer allmählichen Substitution des Thrombus durch Bindegewebe, welcher vorzugsweise einer Wucherung der Endothelien der Intinia seine Entstehung verdankt. Der Thrombus spielt hierbei also nur eine passive Rolle, indem er allmählig durch fibrilläres Bindegewebe ersetzt wird. Die Endothelien verwandeln sich zunächst in vielgestaltige Bildungszellenquot;, welche lebhaft wuchern, den Thrombus durchwachsen und bis auf einen Pigmentrest (Eisenoxydhydrat) gleichsam verzehren. In das neugebildete Gewebe dringen aus den Vasa vasorum neu entstandene Blutgefilsse ein, wodurch dasselbe mit allen Eigenschaften des Bindegewebes ausgestattet wird. Dieser Vorgang vollzieht sich verhllltnissmässig schnell; schon nach 8 Tagen findet man vasculari-sirtes Gewebe an der Unterbindungsstelle, nach 35 Wochen ist der Thrombus vollständig organisirt, welcher wie eine Narbe allmählig schrumpft. Bei schworen Erkrankungen der Intima oder allgemeinen Störungen kann der Vorgang allerdings länger dauern. Zuweilen entwickeln sich innerhalb der bindegewebigen Narbe des Thrombus Hohlräume (sinusartige Degeneration Eokitanskys), so dass das Lumen des Gelasses auf diese Weise zum Theil wieder hergestellt werden kann. Die gestörte Circulation wird jedoch zum grossen Theil durch die Bildung eines Collateral-kreislaufs wieder hergestellt, indem die Vasa vasorum sich erweitern, um das Blut auf Seitenwegen gleichsam über die verstopfte Stelle hinwegzuführen. Auch dieser Vorgang vollzieht sich sehr schnell, wie Nothnagel an Kaninchen experimentell feststellte. Schon am 6. Tage nach der Unterbindung eines Gefässes konnte eine Verstärkung der Muscularis in den erweiterten Collateralgefässen nachgewiesen werden. Während man früher diesen Vorgang auf eine Steigerung des Blutdruckes zurückführte, erklärte Nothnagel denselben aus der Beschleunigung des Blutstromes in den Collateralgefässen, wodurch die Ernährungsvorgänge in der Wand derselben gesteigert werden.
Während die Organisation des Thrombus da zu Stande kommt, wo ein aseptischer Zustand besteht, erzeugen Infection des Thrombus mit Eiterkokken oder andern Bakterien eiterige oder faulige Erweichung desselben. Dadurch entsteht die Gefahr, dass erweichte Massen und Infections-stoffe in den Blutstrom gelangen und embolische Processe veranlassen (vergl. Pyämie).
Blutstillung. Die vollstilndige Stillung der Blutung in einer Wunde orsclieint nicht nur mit Rücksicht auf die Gefahr der Verblutung geboten, sondern liegt auch im Interesse der schnellen und regelmilssigen Heilung der Wunde, wie später noch genauer gezeigt werden soll. Hierzu steht eine grössere Anzahl Methoden zur Verfügung, unter denen im einzelnen Falle die für denselben z.weck-mässigste ausgewählt worden muss. Im allgemeinen suchen wir hierbei entweder die Thrombenbildung in dem offenen Lumen des Gefässes zu beschleunigen, oder dieses wird direct zum Verschluss gebracht. Die Möglichkeit, blutende Gefässe mit Erhaltung der Circulation in
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
56nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wunden.
denselben zum Verschluss zu bringen, erscheint zwar nach den von Jassinowski und Burci angestellten Versuchen nicht ausgeschlossen, doch lässt sich von dem hierzu in Vorschlag gebrachten Heften der Gefässwunde in der thierärztlichen Praxis schwerlich jemals Gebrauch machen. Dazu gehört, wie jene Versuche ergeben haben, vollständige Asepsis, die hier oft auf grosse Schwierigkeiten stösst. Es kommt hinzu, dass ein solcher Verschluss an kleinen Gefässen keinen besonderen Vortheil gewährt, an grösseren in der Regel nicht von dauerndem Erfolg, sondern oft mit bedenklichen Nachblutungen verbunden ist. Nur an Venen, in denen der Blutdruck niedriger als der äussere Luftdruck ist, schliesst sich die Gefässwunde von selbst, und kommt regel-milsig eine directe Heilung derselben zu Stande, wie z. B. beim Ader-lass aus der Vena jugularis.
Zur Stillung von Blutungen aus kleinen Gefässen dient Kälte wie auch Hitze. Die aus dem Glüheisen oder Thermokauter ausströmende Hitze erzeugt in dem offen stehenden Gefässe schnell einen Thrombus, der aber in Arterien selten dem nachstimmenden Blute ausreichenden Widerstand entgegenstellt, daher oft nach wenigen Augenblicken wieder hinausgeschleudert wird; selbst mit Unterstützung des durch die Hitze entstandenen Schorfes reicht derselbe oft nicht aus. Rothgluth verdient zu diesem Zwecke den Vorzug, weil der durch Weissgluth erzeugte Schorf in Folge vollständiger Verkohlung der Gewebe nur geringe Widerstandsfähigkeit besitzt; an dem nicht mehr glühenden Eisen dagegen bleibt der Schorf leicht kleben und wird mit demselben abgerissen.
Kälte, in Form von Wasser (Eisblasen u. s. w.), bewirkt eine schnelle Contraction der Gefässe, genügt jedoch im allgemeinen nur bei parenchymätösen Blutungen. Ebenso wirkt Wasser von 450 C, welches zugleich die Gerinnung des Blutes beschleunigt.
Hämostatische Wirkung kommt ferner einer Reihe von Arzneimitteln (Styptica) zu, welche theils auf Verengerung der Gefässe, theils auf Beschleunigung der Coagulation, bezw. der Thrombenbildung beruht. Zu diesen gehört in erster Linie Ferrum sesquichloratum, das zu dem Zwecke als Liquor ferri sesquichlorati in den Apotheken vor-räthig gehalten wird. Man bringt diese Flüssigkeit direct auf die Wunde, oder tränkt mit derselben Watte, die getrocknet als sog. ,blutstillende Wattequot; verwendet wird. Die Wirkung dieses Mittels beruht auf der durch dasselbe herbeigeführten schnellen Gerinnung des Blutes zu einem festen Coagulum. Nach längerem Stehen bildet sich in der Lösung freie Salzsäure, -welche bei der Anwendung des Mittels
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Blutstillung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 57
grössere Schmerzen bereitet; man setze zur Neutralisation der Säure so lange Liquor Ammon. caust. zu, bis der dadurch entstandene Niederschlag sich nicht wieder löst. Aehnlich wirken Gerbsäure, Alaun, Essig, sowie die Mehrzahl der übrigen Adstringentien. Auch Spiritus, Terpentinöl und die früher unter den Namen Rabel'sches Wasser und Theden'sches Schusswasser gebräuchlichen Mischungen aus Schwefelsäure, Weingeist und Essig gehören hierher; sie bewirken zugleich eine energische Contraction der Gefässe.
Zur Beschleunigung der Blutgerinnung und Fixirung des sich gebildeten Thrombus dienen ferner poröse Körper, namentlich wenn dieselben sich der Wundfläche gut anlegen. Dahin gehören: Feuerschwamm, Spinngewebe, Kohlenpulver u. a. In der Menschenheilkunde findet zum Zwecke der Blutstillung ein unter dem Namen Penghawer Djambi bekanntes, hellbraunes Pulver Anwendung, das aus den weichen Haaren vom Stamm einer ostindischen Baumfarre (Cibotium Cuminghii) besteht; neuerdings hat man auch eine Penghawer wattequot; hergestellt, eine Vermischung mit Watte und Jodoform. Bei Thieren zeigt getrockneter Pferdedung ähnliche Wirkung.
Dass bei Menschen sogen. Sympathie blutstillend wirken kann, unterliegt keinem Zweifel und beruht offenbar auf dem Einfluss psychischer Vorgänge auf die Weite der GefUsse; es braucht hier nur an die Schamröthe sowie an die Blässe erinnert zu werden, welche durch Zorn hervorgerufen werden kann. Aehnlich wirkt bei Pferden zuweilen die Bremse, doch handelt es sich in solchen Fällen regelmässig um Blutungen, die auch ohne dieses Mittel gestillt werden. Die zur Stillung innerlicher Blutungen in Anwendung kommenden Mittel wie Seeale cornutum haben hier kein weiteres Interesse.
Zur Stillung von Blutungen aus grösseren Gefässen reichen die genannten Mittel in der Regel nicht aus; auch üben dieselben, wie man unten sehen Avird, auf den Wundheilungsprocess einen ungünstigen Einfluss aus, wodurch die Anwendung derselben noch weiter beschränkt wird. Zur Unterbrechung von Blutungen aus grösseren Gefässen dienen folgende Hülfsmittel:
1. Die Compression des Gefässes. Um bei gefahrdrohenden Blutungen möglichst bald eine, wenn auch nur vorläufige Stillung derselben zu erzielen, sucht man das blutende Gefäss mit den Fingern zu comprimiren (Digitalcompression); in anderen Fällen wird zu dem Zwecke eine Schnur um den blutenden Theil gelegt. Früher benützte man hierzu das sog. Tourniquet, ein durch Zusammenschrauben eines Gurtes auf den blutenden Theil gedrücktes Polster;
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
58
|
Wunden.
|
||
|
|
|||
|
zu operativen Zwecken ist dasselbe neuerdings durch den Esmarcli-schen Constrictionsschlauch ersetzt, einen starkwandigen Gummischlauch, den man um die Gliedmasse schnürt, an der die Blutung besteht, oder eine blutige Operation erfolgen soll.
Die Compression des blutenden Grefilsses kann ferner durch Einführung fest zusammengeballter Jute, Werg u. s. w. (sog. Tampons) in die Wunde und event, darauf folgendes Heften derselben erzielt werden (Tamponade der Wunde). Parenchymatöse und venöse Blutungen lassen sicli mit diesem Verfahren in der Kegel stillen, bei arteriellen genügt dasselbe jedoch meist nicht. Die Tampons bleiben 2448 Stunden in der Wunde liegen und werden womöglich aus sterilisirtem (S. 00) Material hergestellt.
15ei der sogen. Aoupressx^rquot; soll das blutende Gef'ilss durch einen Druck geschlossen werden, den man mit Hülfe einer Nadel er/.ielt, welche quer unter das Gefüss hindurchgestochen wird. Das Gefäss befindet sich dann in der Lage eines llosenstiels, der mit Hülfe einer Nadel im Knopfloche befestigt ist. Wird die Wirkung dieser Methode noch durch einen Faden unterstützt, den man in Achtertouren um die Nadel führt, so spricht man von einer Acufilopressur. Für die thieriirztliche Praxis sind beide fast bedeutungslos, Dagegen wird hier von der sog. Forcipressurquot; bei grösseren Operationen zuweilen Gebrauch gemacht, vorausgesetzt, dass eine Anzahl Schieberpincetten oder arretirbare Zangen zur Verfügung stehen. Liisst man diese nämlich einige Zeit auf dem blutenden Gefässe liegen, so werden die Wände desselben fest gegen einander gepresst; auch kann sich nunmehr alsbald ein Thrombus bilden, so dass die Blutung steht, wenn man nach 5 10 Minuten das Instrument entfernt. Hei grossen Gefässen verlasse man sich jedoch nicht auf diesen Verschluss, der oft nur vorübergehend wirkt.
Unter Umständen kann es sich empfehlen, die Arterienpincetten 2448 Stunden liegen zu lassen, so namentlich wenn die Ligatur auf Schwierigkeiten stösst. Bei Exstirpation von Brustbeulen habe ich zuweilen 35 Schieber 48 Stunden ohne jeden Nachtheil liegen lassen.
Ueber die Wundnaht als blutstillendes Mittel vergl. S. 61.
|
|||
|
|
|||
|
Es liegt auf der Hand, dass die Mehrzahl der beschriebenen Methoden der Blutstillung einen störenden Einfluss auf den Heilungs-process in der Wunde ausüben, daher sucht man namentlich in Fällen, wo die Heilung begünstigt werden soll, andere, weniger störende Mittel in Anwendung zu bringen. Dahin gehören:
2. Die Torsion, d. h. Umdrehung des blutenden Gefässes, bis die Intima und Media zerreisst und die Adventitia zusammengedreht den Verschluss des Gefässes bewirkt. Man unterscheidet eine einfache Torsion und eine solche mit Fixirung des Gefässes. Bei der ersteren wird das blutende Gefäss mit einer Schieberpincetto
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Blutstillung.
|
50
|
||
|
|
|||
|
(Fig. 8) in der Längs- oder Querrichtuiig erfasst und etwa 1030nial, oder bis das erfasste Ende abfallt, um seine Längsachse gedreht; bei der zweiten Methode wird das Gefass mittelst einer Pincette oder Zange etwa 12 cm von seinem Ende fixirt und mit einer zweiten die Torsion ausgeführt. Es versteht sich von selbst, dass die letztere Methode eher zum Ziele führt, namentlich au Grefässen, welche auf grössere Strecken in lockerem Gewebe liegen, in Folge dessen sich
|
|||
|
|
|||
|
die Umdrehung auf weitere Strecken fortsetzt, also weniger
|
Fig. 8.
|
||
|
wirkt, als wenn die Umdrehungen auf das Ende des Gelasses beschränkt bleiben. Für kleinere Gefässe genügt die erste Methode.
Auch die Torsion gewährt nicht die Sicherheit wie die Ligatur, zeigt sich namentlich an Arterien oft nicht ausreichend, weshalb man diese Methode auf kleinere Gefässe zu beschränken pflegt.
Als Acutosion bezeichnet man die Umdrehung des blutenden Gefässes mittelst einer quer durch dasselbe gestochenen Nadel, welche schliesslich in die benachbarten Weichtheile gestochen wird, damit sich die Torsion nicht wieder löst. Die Methode stösst meist auf grössere Schwierigkeiten wie die Unterbindung und kommt daher selten zur Anwendung.
3. Die Unterbindung des blutenden Gefässes. Mittelst einer sog. Schieberpincette oder arretirbaren Zange, die nicht zu schwach gearbeitet sein dürfen und ein starkes
|
|||
|
|
|||
|
Maul besitzen, damit das Instrument nicht leicht mit in die
|
Schiebev-lüuuette.
|
||
|
Ligatur gelangt, wird das blutende Gefäss erfasst. In hiesiger Klinik sind die in Fig. 8 und 9 abgebildeten Instrumente für diesen Zweck in Gebrauch, welche noch den Vortheil gewähren, class sie sich auseinandernehmen und leicht reinigen lassen. Die früher hierzu benutzten Arterienhaken eignen sich weniger gut. Man sucht das Ende des blutenden Gefässes mit den; einen oder anderen Instrument zu fassen und stellt dasselbe mit dem Schieber fest, worauf ein Faden aus Zwirn, Seide oder Catgut um das Gefäss geschlungen und zugebunden wird. Benutzt man hierzu sterilisirtes Material (S. 95), so wird der Heilungsprocess der Wunde durch den Faden nicht gestört. Auf diese Weise ist weder der früher, namentlich bei Venenunterbindung so gefürchtete Zerfall des Thrombus mit Ausgang in Pyämie, noch auch das Eintreten von Tetanus zu besorgen. Um Zerrungen des Gefässes und das Abreissen desselben bei der Anlegung der Ligatur zu verhüten, schiebt man beim Schlingen des Knotens die
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||
|
60
|
Wunden.
|
||||
|
|
|||||
|
Zeigefinger bis an denselben (Fig. 10, die Schieberpincette ist auf dem Gefässe liegend zu denken). Vor der Unterbindung wird das Gefäss womöglich isolirt gefasst (isolirte Ligatur), das
|
|||||
|
|
Fig. 9.
|
|
|||
|
|
|||||
|
|
umliegende Gewebe zurückgestreift und nach dem Knoten der Faden abgeschnitten. Bei der Unterbindung grösserer Arterien empfiehlt sich, einen sog. chirurgischen Knoten zu machen, welcher darin besteht-, dass man den Faden beim ersten Male doppelt durchschlingt; hierbei darf aber die zweite Schlinge nicht sehr fest angezogen werden, weil dadurch die erste Schlinge gelockert wird. Je nach der Grosse des zu unterbindenden Gelasses wird das Ligaturmaterial von verschiedener Stärke gewählt; im allgemeinen genügt indess die Stärke des gewöhnlichen Zwirns oder eines kräftigen Seidenfadens.
Weniger empfehlenswcrth ist die Ligatur en massequot;, wobei nicht nur das Gefäss, sondern auch
|
||||
|
|
|||||
|
Unterbindungs-zange.
|
die um dasselbe gelegenen Gewebe in die Ligatur
|
||||
|
genommen werden. Man macht jedoch von derselben Gebrauch, wenn das Gefäss für sich allein nicht aufzufinden oder zu fassen ist. Zum Ergreifen des Gewebes und des Gefässes können Zangen mit breiterem Maul verwendet werden, oder man
|
|||||
|
|
|||||
|
Fig. 10.
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
Unterbindung eines Gefässes.
|
|||||
|
|
|||||
|
umsticht das unterbindende Gewebe mit einer krummen Nadel und Faden (Umstechung). Da hierbei die mit unterbundenem Gewebe absterben, durch den Druck der Ligatur auf die in denselben befindlichen Nerven Schmerzen entstehen, so liegt es auf der Hand, dass man sich zur Massenligatur nur im Nothfalle entschliesst.
Aehnliches gilt von der Ligatur in der Continuität, wobei das Gefäss nicht am durchtrennten Ende, sondern in seinem Verlaufe
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||
|
Blutstillung. Wundnaht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 61
unterbunden wird. Man macht von dieser nur da Gebrauch, wo das getrennte Ende nicht zu erreichen ist, z. B. bei Blutungen aus der Arteria interossea würde man die Art. radialis unterbinden. Von der anatomischen Einrichtung der Theile und dem Gefässverlauf hängt es ab, ob dieses Verfahren zulässig bezw. zweckmässig ist.
Dass die isolirte Ligatur den Vorzug verdient, liegt auf der Hand. Hierbei schneidet der kräftig angezogene Faden Intima und Media des Gefässes durch, und nur die Adventitia bleibt erhalten. Das unterbundene Gefässstück stirbt in der Regel ab, und wenn Eiterung eintritt, wird dasselbe abgestossen; bei aseptischem Wundverlauf bleibt auch der Stumpf erhalten und heilt ein. Ueber die mit der Ligatur verbundene Thrombenbildung vergl. S. 55.
Die Unterbindung muss heute als die am meisten gebräuchliche Blutstillung bezeichnet werden; sie bietet die grösste Sicherheit gegen weitere Blutung und stört im allgemeinen die Wundheilung am wenigsten.
Von Stilling wurde die Perplication des blutenden Geillsses empfohlen, ein Verfahren, das Her twig beim Pferde an der Carotis und Vena jugulans prüfte. Dabei wird das Ende der blutenden Arterie durch einen Längsschlitz gezogen, den man vorher mit Hülfe von Schere oder Messer in der Wand derselben her-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; p^ jj
gestellt hat (Fig. 11); da dieses allein schon schwieriger zu sein pflegt, als die Unterbindung, so findet die Perplication kaum noch Anwendung, zumal auch sie nicht die Sicherheit wie die Ligatur gewährt.
Wichtig vor allem bleibt die richtige Auswahl des Stypticums; dabei kommt es woniger auf die Intensität der Wirkung des Mittels als auf die schnelle Herboischaffung desselben an. Rasch orientiren und sich bald entschliessen bleibt auch PerpUoation des Geftaees
(nach Stilling).
hier die Hauptsache. Man wähle Mittel, die schnell zur Hand, leicht anwendbar sind und den Heilungsprocess möglichst wenig stören. Umsicht, Geschicklichkeit und praktischer Takt spielen hierbei die Hauptrolle.
Ueber Hämophilie vgl. S. 52.
Die Wundnaht. Nachdem die Blutstillung erfolgt ist, überzeugt man sich von der Abwesenheit von Fremdkörpern in der Wunde oder entfernt dieselben und das in der Wunde angehäufte Blut, worauf das dritte Symptom der Verletzung in den Vordergrund tritt, nämlich das K1 a ff en der Wunde. Durch die EliisticitiU der Gewebe, bei Muskel-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
62
|
Wunden.
|
||
|
|
|||
|
wunden durch Contraction in den getrennten Fasern unterstützt, rücken die Wundrändev mehr oder weniger aus einander, die Wunde klafft. Der Grad des Klaffens hängt theils von der Ausdehnung und Richtung der Wunde, theils von der Beschaffenheit, der Elasticität und Con-tractilität der getrennten Gewebe, endlich von etwaigen Substanzverlusten ab. Durch diesen Zustand wird zwar die Heilung nicht unmöglich, in der Regel jedoch erheblich verzögert, daher fällt uns
Fig. 12.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Kieislüvmif; gebogene Heftnatleln.
die Aufgabe zu, die Wundränder durch ein zweckmässiges Verfahren an einander zu bringen, die Wunde zu heften.
Die zur Wundnaht benutzten Nadeln sind theils gerade, theils krumm und mit einer lancettförmigen Spitze versehen, welche das Durchstechen derber Gewebe, namentlich der äusseren Haut, erleichtert (Fig. 12 und 13). An ebenen oder vertieften Oberflächen des Körpers
Fig. 18.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
HalliRebogonc Heftnadeln.
|
|||
|
|
|||
|
empfehlen sich halbkreisförmig oder dicht hinter der Spitze etwas gekrümmte Nadeln. Solche stiellosen Nadeln werden entweder mit den Fingern oder mit Hülfe besonderer Nadelhalter (Fig. 15 und 16) geführt. Die letzteren, von verschiedener Construction, empfehlen sich an Stellen, wo die äussore Haut recht dick ist, z. B. auf dem Rücken und an den unteren Abschnitten der Gliedmassen grösserer Thiere. Wenn die Nadel nicht sehr scharf ist, stösst die Durchführung derselben durch die Haut an solchen Stellen auf Schwierigkeiten; erleichtert
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||||||||
|
Wundnaht.
|
68
|
||||||||||
|
|
|||||||||||
|
wird dies durch die Hagudorn'schen Nadeln, welche seitlich abgeplattet sind (Fig. 14) und leichter die Gewebe durchdringen, namentlich, wenn man sich des für diese besonders construirten Nadclhalter.s
Fig. 14.
|
|||||||||||
|
|
|||||||||||
|
|
|||||||||||
|
|
|||||||||||
|
Hasedoin'scho Heftnadel.
|
|||||||||||
|
|
|||||||||||
|
(Fig. 16) bedient. Auch das Einfädeln erfolgt bei diesen Nadeln leicht, weil der Faden durch einen am Ende derselben angebrachten Schiit/, gezogen wird (Fig. 14). Eine gute Korn
|
|||||||||||
|
|
|
|
|||||||||
|
|
Fig. Iti.
|
|
|||||||||
|
|
|
|
|||||||||
|
zange oder Schiebcrpincette macht die
|
|
||||||||||
|
|
|||||||||||
|
Nadelhalter in der gewöhnlichen Praxis entbehrlich.
Ebenso wird das Durchstochen mit gestielten Nadeln erleichtert, d. li. solchen, die an einem Heft befestigt, sind. Eine der gebräuchlichsten derselben ist die Gerlach'sche Heftnadel (Fig. 17 und 18). Sie eignet sich ihrer Stärke wegen vornehmlich zum Heften grösserer Wunden, zur Application von Eiterbändern und zu ähnlichen Zwecken.
Als Fadenmaterial benützt man Zwirn, Seide, Catgut von verschiedener Stärke, ferner Pferdehaare, seltener Metalldraht oder schmales Band. Wo Heilung per prim. int. angestrebt
|
|||||||||||
|
|
|||||||||||
|
wird, müssen diese Materialien sorgfäl- Nadelhalter nach NadelhaUer nach
|
|||||||||||
|
|
Uo sor.
|
|
|||||||||
|
|
Hase do rn.
|
|
|||||||||
|
|
|||||||||||
|
|
|||||||||||
|
tig sterilisirt sein, wie S. 9r) näher beschrieben ist; aber auch da, wo man auf Asepsis nicht rechnet, sollte man für ein möglichst reines Material sorgen, jedenfalls aber vermeiden, mit dem ersten besten an der Erde liegenden Faden zu heften.
|
|||||||||||
|
|
|||||||||||
|
|
|||||
|
64
|
Wunden.
|
||||
|
|
|||||
|
Früher legte man hierauf kein Gewicht und hat dadurch gewiss häufig zur Entstehung von Starrkrampf und anderen schweren Infections-krankheiten Anlass gegeben. Catgut hat vor den übrigen Materialien den Vorzug, dass es resorbirt wird, daher findet es vorzugsweise bei subcutanen, sog. versenkten Nähten Anwendung, während man da, wo eine grössere Widerstandsfähigkeit des Materials er
|
|||||
|
|
Pig. 17.
|
|
|||
|
|
|||||
|
|
forderlich erscheint, Seide, Zwirn u. s. w. vorzieht. Auch diese lassen sich sterilisiren und in diesem Zustande, wie S. 95 beschrieben, aufbewahren. Ich benutze neuerdings statt der theuren Seide starken Zwirn und erziele mit demselben die gleichen Resultate wie mit Seide. Zu den in der Veterinär-Chirurgie gebräuchlichen Nähten gehören folgende: 1. Die Knopfnaht (Sutura nodosa, Fig. 19). Die mit einem Faden versehene gerade oder gekrümmte Nadel wird quer durch beide Wundränder gestochen, so dass der durchgezogene Faden rechtwinklich zum Wundrande verläuft; derselbe wird in der liegel sogleich geknotet und zwar so, dass der Knoten seitlich oder über der Nahtlinie liegt. Solche Ligaturen werden in Abständen von 18 cm, je nach der Grosse der Wunde in verschiedener Zahl angelegt, wobei man in der Mitte der Wunde beginnt und darauf achtet, dass die Wundränder in der richtigen Weise zusammengefügt und nicht an einander verschoben (vernäht) werden. Aber nicht bloss auf die Vereinigung der äusseren Haut, sondern auch auf die gehörige Anpassung der Weichtheile in der Tiefe
|
||||
|
Gerinch'sche Geriaoh'sche ist zu achten. Bei der Elasticität derselben Heftnadei. weohselbarem wird es nothwendig, die Nadel so durch die Wundränder zu führen, dass sie wenigstens bis zur Hälfte der Wundtiefe gehingt (Fig. 20); anderenfalls ziehen sich die elastischen Wundflächen von einander zurück, es entsteht ein sog. to dt er llaum', in dem sich Blut oder Wundsecret anhäuft, zersetzt und so den Hoilungsprocess stört, ja selbst das Leben des Thiores in Gefahr bringen kann. Es liegt auf der Hand, dass je tiefer die Naht reicht und je mehr Gewebstheile sie umfasst, um so
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||
|
Wundnaht.
|
06
|
||
|
|
|||
|
weniger dicht brauchen die Nähte angelegt werden; eine Hautwunde muss mau enger heften als eine tiefe Muskelwunde. Das gilt allerdings nur von den Vereinigungsnähtenquot;, d. h. den Heften, die unmittelbar zur Vereinigung der Wundränder angelegt werden. Bei tieferen und stark klaiFenden Wunden würden diese bald ausreissen oder die Wuudränder durchschneiden, wenn man nicht breitere und
Fig. 19.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Knopfnalit. Verelnlgungs- und Eintspaimnnggutthte.
tiefere Hefte anlegen wollte. Diese sogenannte .Entspannungs-nahf wird in der Weise hergestellt, dass man 36 cm vom Wundrande entfernt ein- und auf der entgegengesetzten Seite ebenso weit aussticht und durch den Grund der Wunde oder selbst über diesen
|
|||
|
|
|||
|
Piff. 20
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
NiuIeUülining bei der Knopfnalit.
hinaus einen starken Faden zieht, der ebenso wie bei der Knopfnaht geknotet wird. Werden mehrere derselben in verschiedener Tiefe über einander gelegt, so spricht man von einer Etagen naht.
Bei Lappenwunden erscheint es zum Zwecke richtigen Anpassens der Wundränder wichtig, zunächst eine sog. Situationsnaht anzulegen. Als solche bezeichne ich auch Nähte, welche man #9632;/.. B. bei frischen Muskelwunden, die keine Aussicht auf Heilung per prim, int. Möller, Allgemeine Ohtrnrgle Bit ThlerÜTzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||
|
66
|
Wunden.
|
||||
|
|
|||||
|
bieten, anlegt, inn die Retraction der Wundränder zu verhindern. Nachdem solche Nähte 34 Tage gelegen haben, sind die Wundränder bereits entzündlich infiltrirt und retrahiren sich in diesem Zustande nicht mehr in dem Masse wie an der frischen Wunde.
Bei Höhlenwunden und an dünner Haut kommt es leicht vort dass sich die Wundränder beim Verknoten des Fadens nach innen umbiegen, so dass die äusseren Flächen der Haut mit einander in Berührung kommen; dadurch wird natürlich die Heilung unmöglich. Mau vermeidet dieses Umkrempcnquot; der VVundränder durch Unter-
|
|||||
|
|
|||||
|
Fig. '22.
|
|||||
|
|
|||||
|
Vereinigung der Cutis (nach Bayer).
|
Vereinigung der Subcutis mit Eutspannungs-naht (nach Bayer).
|
||||
|
|
|||||
|
Fiff, 28.
|
|
||||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
(iehettete Wunde mit einem durch Zapfennabt Hxirten Verband (nach Bayer).
|
Verband von oben gesellen (nach Bayer).
|
||||
|
|
|||||
|
halten einer gekrümmten Schere während des Knotens oder dadurch, dass man die Wundränder zwischen Zeigefinger und Daumen aufrecht hält, während ein Gehülfe den Knoten schlingt. Auf diese Weise kommt die Subcutis an den Wundrändern in gegenseitige Berührung, was ich mit Bayer namentlich bei Pferden sehr empfehlen kann. Als Zeichen, dass in dieser Weise geheftet ist, bildet die genähte Wunde einen schmalen 0,51,5 cm hohen Kamm (Fig. 22). Erforderlichenfalls wendet man Entspanmnigsiiähte an.
Es ist ein Verdienst Bayers mit dem Hinweis auf die Gefilss- und saftarme Cutis des Pferdes, auf diesen Punkt zuerst aufmerksam gemacht zu haben. Bayer bedient sich bei grösseren Wunden der Entspannungsnaht, in Gestalt der Zapfennaht, welche mit ein Paar starken Ürainröhren
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||
|
Wundnaht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;67
angelegt wird (Fig. 23). Auch lässt sich, wie Bayer gezeigt hat, mit letzterer zugleich ein Occlusivverhand befestigen, was namentlich an Stellen von Wichtigkeit ist, wo Binden nicht zu appliciren sind. Der Verband wird von der Zapfennaht getragen (Fig. 23), mittels welcher auch noch Drainröhren applicirt werden können (Fig. 24).
Besonders beachtenswerth bleibt bei der Knopfnaht das sorgfältige Anziehen des Fadens; dies soll nur so weit geschehen, dass die Wundflächen vollständig in gegenseitige Berührung kommen. Die zu lose angelegte Naht erfüllt nicht ihren Zweck, die Wunde zu vereinigen, während durch die zu fest angezogene die Circulations- und Ernährungsvorgänge in den Wimdrändern beschränkt, die Heilungs-vorgänge gestört und selbst Nekrose der Wundränder veranlasst werden kann. Man nehme daher Uücksicht auf die etwa in Aussiebt stehende oder bereits vorhandene Anschwellung und lege im ersteren Falle die Hefte lockerer, in letzterem dagegen um so fester an, je mehr eine baldige Abschwellung in Aussicht steht. Man benutzt für gewöhnlich einen einfachen doppelten Knoten und schneidet den übrigen Faden kurz ab. Bei stark klaffenden Wunden empfiehlt sich, zuerst einen chirurgischen Knoten (S. 60) zu machen, darauf die zweite, gewöhnliche Schlinge nicht fest anzuziehen.
Steht eine Lösung der Hefte für die nächste Zeit in Aussicht, so kann auch eine aufziehbare Schlinge angewendet werden, ein Verfahren, das jedoch in der Regel auf Situationsnähte beschränkt bleibt. Die Knopfnaht wird zur Zeit am meisten in Anwendung gebracht und gewährt den übrigen gegenüber erhebliche Vortheile.
2. Die fortlaufende oder Kürschnernaht (Fig. 25) wird mit stielloser Nadel und längerem Faden in der Weise angelegt, dass mau an einem Ende der Wunde zuerst eine Knopfnaht oder einen Knoten legt, dann den Faden nicht abschneidet, sondern die Nadel in Abständen von 1'6 cm quer durch die Wundränder sticht, um, am anderen Ende der Wunde angekommen, wieder eine Knopfnaht oder einen Knoten zu bilden. Diese Naht ist einfacher, doch giebt sie keine so exaete Anpassung der Wundränder wie die Knopfnaht, weil die Wundränder nicht rechtwinkelig, sondern in schiefer Richtung an einander gezogen werden; auch wird mit der Loslösung des Fadens an einer Stelle die ganze Naht gelöst, und man ist nicht in der Lage, wie es oft wün-schenswerth erscheint, an einzelnen Stellen die Wundnaht zu öffnen: endlich kommt bei dieser Naht leicht Vernähenquot; vor. Die fortlaufende Naht eignet sich daher mehr für oberflächliche Wunden oder zum provisorischen Verschluss derselben. Allerdings lässt sich dieselbe
|
||
|
|
||
|
|
|||||||
|
08
|
Wunden.
|
||||||
|
|
|||||||
|
durch Entspannungsnähte nach Art der Knopfnaht unterstützen und hrauchbarer machen.
3.nbsp; nbsp;Aehnlich verhält sich die Zickzacknaht (Fig. 20), wobei der Faden nicht schräg über die Wunde, sondern im Zickzack verläuft, indem der Einstich und Durchstich an derselben Seite erfolgt. Sie wird heute nur noch selten angewendet.
4.nbsp; nbsp;Die umschlungene Naht (Sutura circumvoluta, Fig. 27, 28, 29). Man sticht Stecknadeln quer durch beide Wundränder in Ab-
|
|||||||
|
|
|||||||
|
Filaquo;, 25,
|
Fig. 26.
|
||||||
|
|
|||||||
|
|
i
|
||||||
|
|
|||||||
|
Fortlaufende Naht.
|
Zickzacknaht.
|
||||||
|
|
|||||||
|
ständen von 12 cm; mehr noch eignen sich hierzu Karlsbader Nadeln, die länger und mit einer lanzenförmigen Spitze versehen sind. Bei kleinen Wunden genügt eine Nadel, um welche eine Doppelschlinge gelegt wird (Fig. 27). Um die Nadeln wird so
|
|||||||
|
|
Fig. 27.
|
|
|||||
|
|
dann ein Zwirn- oder Seidenfaden geschlungen und
|
||||||
|
|
|||||||
|
zwar entweder in Gestalt eines 0 oder einer 8, daher auch wohl Achternaht' genannt. Wurde nur eine Nadel angelegt, so werden die Enden des Fadens zusammengebunden, bei Anwendung mehrerer Nadeln verknotet. Die Vortheile dieser Naht bestehen in der Einfachheit sowohl des Materials, wie auch der Anwendung, sodann aber darin, dass die
|
|||||||
|
|
|||||||
|
|
|||||||
|
L'insclilungene Ncilit mit einer Nadel,
|
Wundränder durch die starren Nadeln besser fixirt
|
||||||
|
weiden und sich nicht umkrempen. Dagegen lässt sich die umschlungene Naht nur bei oberflächlichen, nicht bei sehr tiefen Wunden anwenden. Mit Vorliebe macht man an beweglichen Theilen, z. B, den Lippen, Nasenflügeln und Augenlidern, von dieser Naht Gebrauch. Sie gewährt hier noch den Vortheil, dass ihre Application bei unruhigen Thieren leichter gelingt, als die Anlegung einer Knopfnaht. Zur weiteren Fixirung der Wundränder bedeckt man an solchen Stellen die Naht mit Collodium oder Gelatine, wodurch zugleich Verletzungen der Wunde durch Scheuern sowie Infectionen derselben verhütet werden.
|
|||||||
|
|
|||||||
|
|
||||
|
Wundmiht.
|
(39
|
|||
|
|
||||
|
6. Die Zapfennaht (Sutura chivata Fig. 30, 31). Sie findet namentlich bei tiefen und stark klaffenden Wunden vortheilliafte Anwendung, weil sie das Ausreissen oder Durchschneiden der Wundränder durch die Heftfäden am sichersten verhütet und den Grund tiefer Wunden wirksamer zimnimendrängt. Die Ausführung der Zapfennaht gestaltet sich wie folgt: Man legt zwei, etwa hleifeder-
|
||||
|
|
||||
|
Fig. 28.
|
Fig. 29.
|
|||
|
|
||||
|
|
|
|||
|
|
||||
|
UniHohlungene Naht mit Ü-Sclilingen.
|
'msdiliingene Naht mit a-Sclilingen.
|
|||
|
|
||||
|
starke, gut geglättete, runde Holzstilbchen oder ein entsprechend starkes Drainrohr, etwas länger als die Wunde, parallel und in einiger Entfernung zur Wundlinie auf die äussere Haut. Alsdann werden Doppelfäden wie bei der Knopfnaht durch die Wunde gezogen, wozu man sich einer stark gekrümmten Nadel bedient. Durch die Fadenschlingen
|
||||
|
|
||||
|
Fig. 80.
|
Fig. 81.
|
|||
|
|
||||
|
|
m 3raquo;
|
|||
|
Mo Ml Mto
|
||||
|
|
||||
|
Zapfennabt.
|
Zapfennaht mit WiTghiiuschchen.
|
|||
|
|
||||
|
wird an der Einstichstelle sodann das eine Stäbchen bezw. der Drainschlauch geschoben, und nachdem der Doppelfaden an der Ausstich-steile angezogen ist, wird hier das zweite Stäbchen mit den beiden Enden des Fadens umschlungen und verknotet.
Neuerdings hat man beim Menschen an Stelle der Zapfen doppelt durchbohrte Glasperlen benutzt (Porlennaht); weniger empfehlens-werth ist dagegen die sog. M a t r a tz e n n a h t, wobei statt der Perlen kleine Wergbäusche angewendet werden (Fig. 31).
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
70
|
Wunden.
|
||
|
|
|||
|
6. Um runde Oeffmmgen, z. B. Fistelkaniile zum Verschluss zu bringen, wendet man die von Dieff enbach zuerst empfohlene Schniii-naht an. Dabei wird eine mit starkem Seidenf'aden versehene krumme Nadel rund um die Oeffnung durch die Weichtheile geführt und die Enden des Fadens zusammengeknotet.
Die Nähte bleiben so lange liegen, bis die Wundrilnder fest mit einander verbunden sind, und ein Aufreissen nicht mehr zu befürchten steht. Bei kleinen Wunden und an Stellen, wo die äussere Haut nicht stark gespannt ist, reichen hierzu 84 Tage aus; unter den entgegengesetzten Umständen sind 510 Tage erforderlich; in letzterem Falle löst man nicht alle Nähte zugleich, sondern zunächst einzelne. Wurde Catgut zum Heften benutzt, so wird der in der Tiefe gelegene Abschnitt desselben resorbirt, so dass man die Faden-schlinge einfach mit der Pincette herausheben kann. Zwirn- oder Seidenfäden durchschneidet man zunächst mit der Schere. Die Entfernung einzelner oder aller Heftfäden erscheint aber auch geboten, sobald Fiebererscheinungen oder starke Anschwellung auf eine Infection der Wunde hindeuten. Zuweilen genügt hier, einzelne Hefte zu lösen und die Wunde auszuspülen.
In der Regel wird die Naht an frischen Wunden augelegt, doch kann es vorkommen, dass zunächst eine Desinfection oder Tamponade der Wunde nothwendig wird, worauf die Naht erst nach 2448 Stunden applicirt werden kann (secundäre Naht).
Die bei Menschen zuweilen noch benutzte unblutige oder trockene Naht, nämlich die Vereinigung der Wundränder mit Hülfe von Heftpflaster, Collodium, Klammern aus Metall u. s. w., lassen sich bei Thieren nur selten verwenden.
Vorausgesetzt, die AVunde wäre nach sorgfältiger Desinfection, d. h. nach vollständiger Entfernung aller Fremdkörper und inficirender Substanzen in der einen oder andern Weise geheftet und mit einem zweck-mässigen Verbände versehen, welcher das Eindringen von Infections-stoften in dieselbe verhindert, so kann die Heilung derselben ohne jede Störung in kurzer Zeit zu Stande kommen und zwar in folgender Weise:
Heilungsvorgänge. Heilung per primam intentionem. Sobald die Wundränder einige Stunden in dauerndem Contact bleiben, verkleben dieselben mit einander, so dass ihre Trennung bereits einige Zugkraft verlangt und zuweilen nicht mehr erfolgt, selbst wenn die Nähte gelöst werden. Diese Verklebung der Wundränder führte man früher ausschliesslich auf die Wirkung der zwischen dieselben ergos-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Heilungsvorgilnge.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;71
senen Lymphe und Blut zurück, welche gleichsam als Kittquot; wirken sollten. Nach der Ansicht von Thiersch ist es jedoch das gequollene Gewebe namentlich das mit Blut und Plasma durchtränkte Bindegewebe, welches die Wundränder nach dem Gesetze der Adhäsion mit einander verbindet. Ohne Zweifel können beide Momente zu dieser ersten Vereinigung beitragen, doch erscheint es natürlich, dass die Heilung um so sicherer und schneller erfolgt, je inniger die Gewebe mit einander in Berührung getreten sind und je weniger Secret, das sich in Folge der gestörten Circulation ergossen hat, zwischen den Wundflächen liegt.
Schon 1224 Stunden nach der Verwundung zeigt sich in den getrennten Geweben eine Reihe von Veränderungen, welche offenbar zum Theil auf die Störung der Circulation zurückzuführen, zum Theil aber als active Heilvorgänge aufzufassen sind. In der Nachbarschaft der Wundflächen stellt sich zelligo Intiltration ein, während die Gewebszellen und Bindegewebsfibrillen aufgequollen und von Blutfarbstoff durchtränkt erscheinen. Bei stärkerer Reaction können die Elemente des alten Gewebes zum Theil durch Verfettung zu Grunde gehen, während an ihre Stelle Kundzellen treten. Diese rücken auch bis an die Oberfläche der Wundränder vor, sammeln sich hier an, um das etwa vorhandene Coagulum zu verdrängen (verzehren?). Am dritten Tage sind sowohl die Wundränder wie auch ihre Nachbarschaft mit Rundzellen angefüllt, welche bereits eine ziemlich feste Vereinigung der AVunde herbeiführen. Wo an kleinen und zweckmässig vereinigten Wunden das Plasma fehlt, legen sich die von Rundzellen erfüllten Gewebe unmittelbar an einander (immediate Reunion Macartneys).
In den getrennten und thrombotisch verstopften Blutgefiissen staut zunächst das Blut an, in Folge dessen zeigen die grösseren Gefässe kolbige Auftreibungen. Solange die Blutcirculation an der verletzten Stelle unterbrochen ist, erfolgt die Ernährung des alten wie des neu gebildeten Gewebes durch den plasinatischen Strom, welcher von den Gefässenden, sowie den intact gebliebenen Blutgefässen gespeist wird; daher erklärt sich, dass, wie T h i e r s c h zeigte, dieses intercellulärc Kanalsystem von den Blutgefässen aus injicirt werden kann. Doch nicht lange währt es, bis sich neue Gefässe bilden und zwar durch Sprossung der präexistirenden. An der Aussenfläche der Capillaren entstehen zunächst Erhebungen, welche sich allmählich ver-grössern und zu soliden Fortsätzen auswachsen. Solche Gefässsprossen verbinden sich mit den wegsam gebliebenen Capillaren oder wachsen den gleichen Bildungen der gegenüberliegenden Wundfläche entgegen,
|
||
|
|
||
|
quot;
|
||
|
|
||
|
72nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wunden.
um mit diesen zu verschmelzen. Nach kurzer Zeit werden die anfangs soliden Gefässfortsätze hohl, indem sich ihr Centrum verflüssigt, und so entstehen neue Gelasse, welche die regelmässige Blutcirculation an der verletzten Stelle wieder herstellen. Indem die bald nach der Verletzung in grosser Menge eingewanderten Rundzellen zum Theil in spindel- und sternförmige Bindegewebszellen verwandelt werden, zum Theil in die Circulation gelangen oder zerfallen, indem ferner an der Oberfläche der Haut die Zellen des Rete Malpighii sich wieder zu einer zusammonhiingenden Epidermisschicht verbinden, ist die Heilung der Wunde vollendet.
Ueber den Ursprung der bei dieser Art Wundheilung in so hervorragendem Masse betheiligten Rundzellen gehen die Ansichten noch aus einander. Während man bisher allgemein annahm, class es sich ausschliesslich um ausgewanderte Leukocyten handle, haben neuerdings Thiersch und andere Forscher es wahrscheinlich gemacht, dass dieselben vornehmlich Abkömmlinge der fixen Bindegewebszellen und Gefässendothelien darstellen. Nach dem Auftreten zahlreicher Kern-theikmgsfiguren scheint so viel festzustehen, class diese Zellen zum grössten Theil aus einer Proiiperation prilexistirender Elemente hervorgegangen sind. Dafür spricht zugleich das Auftreten grosser mehr-kerniger Riesenzellen in dem neu gebildeten Gewebe, welche von den oben genannten Forschern als die eigentlichen Narbenbildner (Fibro-blasten) angesehen werden.
Der beschriebene Vorgang wird als .Heilung auf dem ersten d. h. nächsten Wegequot; (Heilung per primam intentionem) bezeichnet; er bildet den günstigsten Ausgang, den eine Wunde nehmen kann und der sich in etwa drei Tagen vollzieht. Natürlich besitzt das neugebildete Gewebe (Narbe) noch nicht sogleich die Widerstandsfähigkeit des ursprünglichen Gewebes; daher kommt es namentlich da, wo die Narbe durch stärkere Anspannung der Haut einer erheblichen Dehnung ausgesetzt wird, wie z. B. an den Gliedmassen unserer grösseren Hausthiere zuweilen vor, dass sie die nöthige Widerstandskraft nicht besitzt, sondern wieder aufreisst, wenn die verletzte Stelle nicht auf mehrere Tage durch Nähte oder einen passenden Verband gegen derartige Dehnungen geschützt wird. Erst vom 7. 8. Tage ab verschwindet auch diese Gefahr.
Bedingungen für das Zustandekommen dieses Heilungsvorganges bilden:
1. Eine genaue Anpassung der Wundränder, daher auch sorgfältige Stillung der Blutung vor der Vereinigung der Wunde.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Ileilungsvorgänge.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;73
2. Vermeidung von Ini'ectionen, wodurch Entzündung eintritt, welche den Heilungsvorgang stört, mit anderen Worten: Asepsis ist zur Heilung per primam intentionem unbedingt notbwendig.
In derselben Weise erfolgt die Anheilung vollständig abgetrennter oder absichtlich der Wundflilehe aufgepdanzter Theile (T r a n s p 1 a n-tation). Obgleich dieser Vorgang bei Thieron auf grössere Schwierigkeiten stösst, so wurde doch die Möglichkeit desselben wiederholt nachgewiesen. Die Verklebung und Anheilung vollständig abgelöster Hautstücke erfolgt nach Thier seh in der Weise, dass die aufgepflanzten Hautstücke von ihrer Unterlage durch intercelluläre Plasmaströmung mit Ernährungsmaterial gespeist werden, und zahlreiche Leukocyten eine provisorische Verbindung des transplantirten Hautstückes mit seiner Unterlage herstellen. Sofern diese zur vorläufigen Erhaltung der aufgepflanzten Theile ausreicht, entwickeln sich alsbald, und zwar in derselben Weise, wie oben beschrieben, neue Blutgettlsse, welche das abgetrennte Gewebe weiter ernähren und ebenso wie dort mit Unterstützung von Proliferationszellen eine feste Verbindung der Theile herbeiführen. Je grosser das abgetrennte Stück, um so schwieriger muss die erste Bedingung seiner Wiedervereinigung, nämlich die ausreichende Ernährung durch die plasmatische Strömung ausfallen, um so geringer also Aussicht auf dessen Erhaltung und Verwachsen mit dem Körper. (Man vergl. S. 117.)
Heilung der Wunde per seeundam intentionem. Denken wir uns die oben genannten Bedingungen für das Zustandekommen einer Heilung per prim. int. seien nicht erfüllt, die Wunde klaffe und ein vollständige Desinlection wäre nicht erfolgt.
Nachdem die Blutung in gleicher Weise wie oben beschrieben gestillt und das vergossene Blut abgespült ist, erkennt man an der Oberfläche der Wundrilnder mehr oder weniger deutlich die getrennten Gewebe. In den nächsten 24 Stunden stellt wich stärkere Ilöthung, Anschwellung, vermehrte Wärme und Schmerz in der Umgebung der Wunde ein. Obgleich auch jetzt nocli die Gewebe zu unterscheiden sind, erscheint die Oberfläche der Wunde doch etwas grau und zwar durch einen dünnen Beleg von geronnenem Plasma, welches aus den getrennten Gewebsspalten und Lymphgefässen an die Oberfläche der Wundfiäche ergossen ist und hier gerinnt. Zuweilen stellt sich dieses in grösserer Menge ein, gerinnt nicht, sondern häuft sich als eine von Blutfarbestoff mehr oder weniger roth gefärbte Flüssigkeit in der Wunde an oder fliesst aus derselben ab. Man bezeichnet diese Flüssigkeit als raquo;primäres Wundsecretquot;. In den folgenden Tagen treten keine wesentlichen Veränderungen auf; Anschwellung und Schmerz nehmen wohl noch /u, und die Oberfläche der Wunde erscheint gleich-massig graurotb und gallertartig, so dciss die einzelnen Gewebesich nicht
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
74
|
Wunden.
|
||
|
|
|||
|
mehr scharf von einander abgrenzen. Das primäre Wundsecret nimint allmählich eine mehr graue Farbe an; etwa am vierten Tage erscheint es gelblich, undurchsichtig. Die geronnenen Plasmamassen zerfallen an der Wundobertläche in Klümpchen und mischen sich ebenso wie die hierselbst abgestorbenen Grewebspartikel dem Secrete bei, wodurch dasselbe eine trübe Beschaffenheit erlangt. Spült man diese Massen ab, so erscheint die Wunde mehr oder weniger gleich-massig roth und uneben, indem sich kleine rothe Körnchen (Granula) bilden. Gegen den 5.-6. Tag wachsen diese allmählich weiter vor und zeigen sich von einer grau-gelblichen, dickflüssigen Masse (Eiter) bedeckt. In diesem Zustande verharrt die Wunde auch in den folgenden Tagen, doch wachsen die rothen Körnchen (Granulationen) weiter vor und füllen die Lücke zwischen den Wundrändern mehr und mehr aus. Schon vom achten Tage ab beobachtet man, dass die Wundfiäche kleiner wird, indem die Wundränder sich einander nähern, und wenn der Defect durch die Granulation vollständig ausgefüllt ist, zeigt sich, dass die Ränder der Wunde bei weitem nicht mehr in dem Masse von einander entfernt liegen, wie beim Beginn der Granulationsbildung. Sobald die letztere das Niveau der benachbarten Haut erreicht hat, hört sie auf und wird an der Oberfläche glatt und glänzend. An der Peripherie der Wunde erscheint jetzt ein nur wenige Millimeter breiter rosarother Saum, an welchem die Granulation trocken ist. Indem sich dieser Saum gleich-massig gegen das Centrum der Granulationsfläche vorschiebt, folgt auf ihn an pigmcntirter Haut ein zweiter bläulicher, ebenfalls trockener Saum. Unter langsamem Vordringen dieser liandpartien trocknet allmählich die Granulationsfläche ein und bedeckt sich mit einer zunächst dünnen Oberhaut, worauf die Wunde als geheilt zu betrachten ist.
Man bezeichnet diesen Vorgang als Heilung auf dem zweiten Wege, per secundam intentionem, oder als Heilung unter Eiterung, per suppurationem.
Obgleich die Heilung per secundam intentionem äusserlich von der per primam intentionem wesentlich abzuweichen scheint, so stimmen diese Vorgänge doch in vielen Punkten mit einander überein. Nachdem wie bei der prima intcntione Heilung die Blutgefässe durch Thromben verstopft sind, und die Blutung gestillt ist, quellen die verletzten Gewebe bald auf, indem sie von dem durch Stauung des Blutes aus den Gefässen getretenen Serum und der Lymphe durchtränkt werden. An der Oberfläche der Wunde gerinnt diese Masse zu einem dünnen Fibrin-belag. In den Gewebslücken treten bald einzeln, bald in Gruppen
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Heilungsvorgänge.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 75
zahlreiche weisse Blutkörperchen auf. Etwa 24 Stunden nach der Verletzung finden sich die Gewebe an den Wundrändern mit zahlreichen Rundzellen durchsetzt, die entweder ausgewanderte Leukocyten oder Abkömmlinge der gewucherten Bindegewebszellen und Grefäss-endothelien darstellen (Fibroblasten). Diese Zellen sammeln sich namentlich an der Oberfläche der Wunde an und bilden hier kleine Zellenhaufen, die durch eine schleimige, halbflüssige Intercellularsubstanz mit einander verbunden sind. In diese Zellenhaufen dringen wie bei der Heilung auf dem ersten Wege sprossende Blutgefässe ein und sind hier bereits in den ersten 24 Stunden durch Injection nachzuweisen. So lagern sich auf die Oberfläche der Wunde immer mehr Rundzellen, welche sich um die neugebildeten Gefässe ansammeln und auf diese Weise kleine Körnchen bilden (Granulation), bis schliesslich die Wunde vollständig ausgefüllt ist. An die Oberfläche der Wunde bezw. Granulation ergiesst sich zunächst ein durch Blutfarbstoff roth gefärbtes Serum und fliesst aus den Gewebslücken ebenso gefärbte Lymphe. Tritt diese Flüssigkeit nur in geringer Menge auf, so kann sie unter dem Einflüsse der iiusseren Luft zu einem festen Schorf eintrocknen (S. 07); in der Regel aber sammelt sich dieselbe an der Oberfläche der Wunde an oder fliesst schliesslich von derselben ab. Dieses primäre Wundsecret' besteht also aus transsudirtem Blutserum, aus Lymphe und Gewebssaft und bildet ein ausserordentlich günstiges Nährmaterial für die Vegetationen von Mikroorganismen, welche, sofern nicht besondere Vorsichtsmassregeln getroffen werden, bei ihrer allgemeinen Verbreitung regelmässig in die Wunde gelangen; dies gilt namentlich von den verschiedenen Mikroben, welche Eiterung anregen (S. 109). Sie veranlassen eine Reizung und lebhafte Emigration von Leukocyten, wahrscheinlich auch eine schnelle Proliferation der fixen Bindegewebszellen, welche an die Oberfläche der Granulation gelangen und hier, dem primären Wundsecret beigemischt, eine graugelbe trübe Flüssigkeit bilden, die als Eiter bezeichnet wird. In der Regel sterben auch an der Oberfläche frischer Wunden kleinere oder grössere Gewebspartien ab, welche abgestossen und ebenfalls dem Wundsecret beigemischt werden. Da diese Massen in der Regel eine graue Farbe besitzen, so erlangt die Oberfläche der Wunde eine graue Färbung; erst wenn dieselben abgestossen sind, zeigt sich die gleich-massig roth erscheinende Granulation; man sagt, die Wunde hat sich gereinigt. Sobald dieses erfolgt ist, rückt die Granulation gleich-massig vor und erscheint an der Oberfläche mit einer dünnen Eiterlage bedeckt. Früher glaubte man, dass diese Eitermenge zum Schütze
|
||
|
|
||
|
|
||
|
76nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wunden.
der Wunde gogen die Einwirkung der Luft bestimmt sei, eine Annahme, die nur zum Theil richtig ist, denn nicht die Luft als solche abzuhalten hat der Eiter die Aufgabe, sondern er wird gebildet, weil die Wunde mit eitererregenden Substanzen (S. 109) verunreinigt war. Diese suchen in die Granulation einzudringen, werden jedoch in der Regel hieran verhindert und bleiben auf die Oberfläche angewiesen, wo sie die Eiterung unterhalten. Der Eiter spielt bei der Wundheilung eine wichtige Rolle und es möge schon hier betont werden, dass die Bildung desselben durch die Gegenwart bestimmter Mikroorganismen ver-anlasst, wird; das Auftreten von Eiter beweist daher stets eine Infection. Hierdurch allein unterscheidet sich der in Rede stehende Vorgang von der oben beschriebenen Heilung per primam intentionem.
Benarbung der Wunde. Wenn die Wunde mit Granulations-gewebc vollständig ausgefüllt ist, hört die weitere Bildung desselben in der Regel auf, und nun handelt es sich um die Bedeckung derselben mit Epithel. Da aber aus Bindegewebszellen bezw. Lcukocyten niemals Epithelgewebe entsteht, so muss diese Bedeckung mit Epithel bezw. Oberhaut von dem benachbarten Kete Malpighii aus erfolgen. Sobald das Granulationsgewebe bis zu diesem herangerückt ist, entwickelt sich in demselben eine lebhafte Wucherung: die neugebildeten Zellen des Retegewebes schieben sich auf die Oberfläche der Granulation. Da dieses vom Bande der Wunde ausgehen muss, so erscheint hier zunächst eine dünne Lage Retezellen, durch welche die gefässreiche Granulation roth hindurchschimmert. Dem rothen, an seiner Oberfläche trockenen Saume folgt alsbald ein bläulicher, indem sich mehr und mehr pigmentirte Retezellen auflagern, welche die rothe Granulation vollständig verdecken. Diese Ueberbäutung des Granulationsgewebes mit Epithelmussen von der Nachbarschaft nennt man Benarbungquot; der Wunde.
Das zur Ausfüllung der Wunde entstandene neue Gewebe wird in seiner Gesammtheit als die Narbe bezeichnet, welche also aus Rundzellen, Blutgefässen und der die Decke desselben bildenden Epidermis besteht.
Die Narbe erfährt im Laufe der Zeit erhebliche Veränderungen. Schon während der Entwickelung der Granulation erfolgt in den älteren Schichten derselben eine Umgestaltung ihrer zelligen Elemente. Während ein Theil der Rundzellen in stern- oder spindelförmige Binde-gewebselemente umgewandelt oder plasmaärmer und zu Bindegewebs-fasern wird, gelangt ein anderer Theil der jungen Granulationszellen in die
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Heilungsvorgiingo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 77
'Blutbahn zurück; noch andere zerfallen und werden resorbirt. Auch die in grosser Zahl entstandenen Blutgefässe bilden sich allmählich wieder zurück, so dass zwei auffällige Veränderungen an der Narbe auftreten, nämlich: 1. eine erhebliche Verkleinerung (Schrumpfung, Con-tractur, Retraction) und 2. eine Abnahme ihrer rothen Färbung. Die Narbenretraction interessirt uns ganz besonders, indem dieselbe namentlich bei grösseren Wunden eine vortheilhafte Rolle spielt. Ihr ist die schon während der Granulationsbildung auftretende Verkleinerung der Wunde zu verdanken, und da auch in dem älteren Granulationsgewebe diese Narbenretraction sich fortsetzt, so werden die Grenzen der Wunde immer mehr einander genähert, das nachbarliche Gewebe, namentlich die äussere Haut durch die schrumpfenden Granulationsmassen in die durch das Klaffen der Wunde oder dureb Substanzvcrlust entstandene Lücke hereingezogen. So erklärt sich, dass grosse Defecte und weit klaffende Wunden eine verliältnissmüssig kleine Narbe hinterlassen, welche unter der selbst nach Jahr und Tag noch fortschreitenden Schrumpfung immer kleiner wird und schliesslich fast ganz verschwinden kann. Doch nicht überall vollzieht sich dieser Vorgang in gleichem Masse (S. 117).
Im ganzen besteht also zwischen der Heilung per primain inten-tionem und dem zuletzt besprochenen Vorgange kein wesentlicher Unterschied. Hier wie dort bewirken die in der Wunde auftretenden Rundzellen mit den neugebildeten Gefässen die Reparation. Bei der Heilung unter Eiterung geht allerdings eine grössere Anzahl zelliger Elemente durch die Eiterbildung für den Heilungsprocess verloren, was bei der Heilung per primam intentionem nicht der Fall ist. Wurde aber die Ursache der Eiterung, nämlich die Infection von der Wunde ferngehalten, so verschwindet auch dieser Unterschied. Das ist in der That der Therapie gelungen. Wie der berühmte englische Chirurg Lister zuerst zeigte, lassen sich durch ein besonderes Verfahren (Antisepsis oder Antiseptik) die Infectionsstoffe von der Wunde fernhalten oder in derselben vernichten, so dass eine Entwickelung derselben in der Wunde nicht zu Stande kommt. Wo dies erreicht wird, kommt die Heilung wie oben beschrieben, aber ohne jede Spur von Eiterung zu Stande. Damit ist nicht bloss eine Ersparniss für den Organismus verbunden, sondern es werden zugleich alle Gefahren vermieden, welche sich an die Eiterung knüpfen (S. 122). Die mit Erfolg durchgeführte Antisepsis verhindert endlich auch das Auftreten der Entzündungserscheinungen mit all den Folgezuständen, welche sich als allgemeine Störungen (Fieber u. s. w.) zu erkennen geben
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
78
|
Wunden.
|
||
|
|
|||
|
und nicht selten das Leben der Thiere bedrohen. Deshalb mögen diese Httlfsmittel der Wundheihmg hier zunächst Berücksichtigung finden.
|
|||
|
|
|||
|
2. Vie iiittiscptisclie Wiindbeliiiiidlung (Antiseptik und Aseptik).
Ohne Zweifel bildet die Wundbehandlung eine der wichtigsten Aufgaben der Chirurgie; kein Wunder, class man sich mit dieser Frage seit den ältesten Zeiten dauernd und eingehend beschäftigte. Ununterbrochen wurde das Interesse sowohl der Wissenschaft wie der Praxis für diese Aufgabe lebendig erhalten, daher kann es auch nicht befremden . wem die Anschauungen und Heilverfahren im Laufe der Zeit manchem Wechsel unterworfen waren. Vergleicht man indess die ältesten Grundsätze der Wundbehandlung mit den heutigen, so zeigen sich dieselben keineswegs so verschieden, wie man auf den ersten Blick anzunehmen geneigt sein könnte.
Mit der Erfindung des Mikroskopes wurde zwar eine nähere Einsicht in die Heilvorgänge gewonnen, doch leistete das Instrument der Wissenschaft grossere Dienste als der Praxis. Für die letztere war eine auf ganz anderem Gebiete gemachte Entdeckung von viel grösserem Einfluss, nämlich die 1850 von Pasteur aufgestellte Fäulnisstheorie; auf diese baute der englische Chirurg Joseph Lister seine Antisepsis auf, ein Verfahren, das gewaltige Umwälzungen auf dem Gebiete der Chirurgie hervorrief und zu den glänzenden Resultaten führte, von denen unsere Vorfahren sich kaum träumen Hessen.
Schon in den ältesten Zeiten galt für die Wundbehandlung als oberster Grundsatz: Reinlichkeit. Man erkannte bald die nachtheilige Wirkung der Wundsecrete: schon Hippocrates Hess die Wunden mit Wasser und Wein waschen und mit einem Pulver aus Aloö, Myrrhe und Weihrauch bestreuen. Im 16. Jahrhundert lehrte Am-broise Pare, class faulige Stoffe und verdorbene Luft das grösste Hinderniss für die Heilung der Wunden bilden; er empfahl deshalb venetianischen Terpentin zur Behandlung derselben. Als die wichtigsten Wundheilmittel galten im Mittelalter Alkohol und Wasser zum Reinigen und ein Balsam aus Terpentin und Elemiharz zum Bedecken der Wunden. Eine Mischung von Aloe und Myrrhentinctur führt bis auf den heutigen Tag noch die Bezeichnung Wundbalsam.
Später trat der Kampfer in die Reihe der Wundheilmittel, der, in Weingeist gelöst, namentlich in Frankreich allgemein angewendet
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Antiseptik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;70
w\irde, während in Deutschland die Arnicatinctur die gleiche Rolle ühernahra. Wenn man bedenkt, dass sich nach den Untersuchungen R. Kochs gerade die ätherischen Oele und namentlich Terpentinöl als wirksame Antiseptica erwiesen haben, so zeigt sich, dass die einfache Beobachtung unserer ältesten Vorfahren das Richtige bereits getroffen hatten.
Ein zweiter ebenfalls bereits von Hippocrates vertretener Grundsatz, der sich durch alle Jahrhunderte behauptete, lehrte, dass man für den Abfluss des Wundsecretes nach Möglichkeit Sorge zu tragen habe. Zu diesem Zwecke spaltete man die Wunde, legte Haarseile und selbst Drains in dieselbe. Es hatte sich bald die Ueberzeugung Bahn gebrochen, dass das zersetzte Wundsecret einen besonders nachtheiligen Einfluss auf den Heilungsvorgang ausübe. Worin diese Zersetzung bestand, blieb allerdings bis in die neueste Zeit der Erkennt-niss verschlossen. Man glaubte allgemein, dass es sich um chemische Umsetzungen handle, die zu verhindern man aussei- Stande sei, daher beschränkte man sich auf die baldmöglichste Beseitigung und Unschädlichmachung der zersetzten Secrete. Nachdem aber Paste luden Lehrsatz aufgestellt hatte, dass Fäulniss auf der Wirkung von Mikroorganismen beruhe, lag allerdings der Gedanken nahe, auch die Zersetzungsvorgänge im Wundsecrete auf ähnliche, von aussen einwirkende Ursachen zurückzuführen. Die Richtigkeit dieser Vermutbung vorausgesetzt, musste die Möglichkeit zugegeben werden, solche Veränderungen in dem Wundsecrete zu verhindern, indem man die Mikroorganismen von der Wunde fern hielt oder aber in derselben unschädlich machte. Darin liegt die Grundidee der Lister'schen Antisepsis und der modernen Wundbehandlung. Die Beobachtungen, welche man mit der Fäulniss machte, mussten ferner zu der Ueberzeugung führen, dass die inficirenden Substanzen überall verbreitet sind; auch die an Wunden gemachten Erfahrungen sprachen dafür. So einfach aber das Princip der Antisepsis auch erscheint, so gehörte doch die Energie eines Engländers dazu, den Grundsatz durchzuführen und in der Praxis zu verwerthen, wie es zuerst 1865 im Krankenhause zu Glasgow durch Lister geschab.
Von der Voraussetzung ausgehend, dass die schädlichen Mikroorganismen, von denen hier namentlich die Eiterung erregenden Mikro-kokken in Betracht kommen (S. 109), sowohl in der Luft, wie auch in Flüssigkeiten vorhanden sind und fast allen festen Körpern anhaften, suchte Lister diese Stoffe, soweit sie mit der Wunde in Berührung kamen, zu desinficiren. Die Hände des Operateurs und
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
80
|
Antiseptik.
|
||
|
|
|||
|
seiner Gehilfen wurden sorgfältig gewaschen und mit einer Lösung von Carbolsiiure abgespült, die Wunde mit derselben Flüssigkeit gereinigt. Ebenso lioss er die Instrumente in Carbollösungen legen, die Verbandstoffe und Unterbindungsfiiden mit diesem Mittel tränken; endlich suchte er die Luft durch Zerstäuben einer Carbollösung mittelst eines Zerstäubungsapjiarates (Spray) zu desinficiren. Der ursprünglich von Lister benutzte Deckverband (Occlusivverband) wurde später allerdings in zweckmässiger Weise vereinfacht und verbessert. Er bestand ursprünglich aus folgenden Theilen:
1.nbsp; nbsp;Der sog. protectiv Silk, ein Stück Seide, die mit carbol-haltigem Firniss wasserdicht gemacht war und als Schutzmittel unmittelbar auf die Wunde gelegt wurde. Darüber kam:
2.nbsp; nbsp;mehrfach zusammengelegte trockene Ourbolgaze, welche dazu bestimmt war, das Wundsecret durch Imbibition aufzunehmen;
8, auf die Gaze legte man den sog. Makintosh, einen wasserdichten, mit Kautschuklösung bestrichenen Baumwollcnstoff oder Gummi-papicr, um die Wunde von der Luft vollständig abzuschliessen, und zu verhindern, dass letztere mit dem vom Wundsecret durchtränkten Verbände in Berührung kam. Darüber wurden
4. einige Lagen Carbolwatte oder Werg mittelst Binden befestigt.
Ein solcher Verband, welcher unter Carbolspray angelegt wurde, blieb liegen, bis er sich vom Wundsecret durchtränkt zeigte, oder bis Fieber und andere Störungen auf eine stattgehabte. Infection schliessen Hessen. Der Wechsel des Verbandes wurde unter Anwendung derselben Massnahmen vorgenommen.
Die Nachrichten über grossartige Erfolge Listers mit diesem Verfahren veranlassten dasselbe auch in Deutschland zu versuchen; es waren zuerst Thicrsch und Volkmann, welche sich von der hochwichtigen Entdeckung überzeugten und bald Anhänger derselben wurden. In Deutschland vereinfachte und verbesserte man aber das ursprüngliche Verfahren Listers in verschiedenen Punkten. Zunächst zeigte sich, dass reine, staubfreie Luft nicht in dem Masse als Träger von Infectionsstoffen zu fürchten ist, und man schaffte den Spray ab, suchte aber in möglichst reiner Luft zu operiren. Auch überzeugte man sich bald, dass die protectiv Silk sowie der Makintosh durch sterilisirte Gaze, Watte u. s. w. zu ersetzen sei, indem durch diese Stoffe die Luft ausreichend filtrirt wird, so dass keine lebendigen Keime in die mit denselben sorgfältig bedeckte Wunde gelangen, sofern diese Stoffe nicht bis an ihre Oberfläche von Wundsecret durchsetzt sind.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Antiseptik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;81
Im Laufe der Zeit überzeugte man sich ferner, dass der Einfluss der antiseptischen Mittel wie Carbolsäure u. s. w. auf die Wunde keineswegs ein günstiger ist und war bemüht, diese nach Möglichkeit zu vermeiden. Verbandstoffe, welche früher durch Imprägniren mit Carbol, Sublimat, Creolin u. s. w. sterilisirt wurden, sucht man gegenwärtig womöglich mit heissem Wasserdampf von 100quot; C. und darüber keimfrei zu machen; Instrumente werden durch fünf Minuten langes Kochen in Wasser oder ln/oige Sodalösung sterilisirt. Bei Operationen richtete sich das Streben darauf, von vorne herein eine reine Wunde zu erhalten. Das Verfahren gegen die Infection (Antisepsis) suchte man immer mehr zu vereinfachen, die Wunden möglichst wenig durch Arzneimittel zu schädigen, dennoch aber den keimfreien Zustand in der Wunde, die Asepsis zu erhalten; man gelangte mehr und mehr von der Antisepsis zur Asepsis.
Ferner drang allmählich die Ueberzeugung durch, dass es ausser-ordentlich schwer fällt, eine Wunde den Infectionsstoffen gegenüber vollständig abzuschliessen; es zeigte sich bald, dass dieses selbst beim Menschen unter Anwendung aller Sorgfalt oft nicht möglich, aber auch nicht absolut noting ist, dass es vielmehr darauf ankommt, die Entwickelung organischer Keime in der Wunde zu verhindern. Diese aber geht vornehmlich im Wundsecrete vor sich, das den Infectionsstoffen als ein günstiges Nährsubstrat dient. Daher strebte man darnach, durch Desinfectionsmittel das Regenerationsvermögen der pathogenen Bakterien aufzuheben (S. 29) und mit Hülfe der Verbandstoffe und Drainage das Wundsecret möglichst schnell und vollständig aufsaugen zu lassen bezw. zum Abfluss zu bringen und so unschädlich zu machen.
Zwei Möglichkeiten sind zu unterscheiden, nämlich:
a)nbsp; Die Wunde ist noch rein, d. h. frei von organischen Keimen, namentlich von Eiterkokken; sie ist aseptisch. Hier kommt es darauf an, die Asepsis zu erhalten; das einzuschlagende Vorfahren bezeichnet man auch wohl als primäre Antisepsik oder Asepsik.
b)nbsp; nbsp;Die Wunde ist bereits inficirt und soll desinficirt werden (secundäre Antisepsik).
Dass die primäre Antisepsis, bezw. Asepsis viel leichter und für die Wundheilung selbst vortheillmfter ist, als wenn mit mehr oder weniger heterogenen Substanzen die Wunde desinficirt wird, liegt auf der Hand. Durch R. Koch wurde ferner nachgewiesen, dass die Substanzen, welche den Mikroorganismen die Fälligkeit nehmen sich zu entwickeln, zu vermehren, keineswegs immer ausreichen, um
Möllor, AllRemciup Cliinirgie für ThUnärzti1.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (!
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
82
|
Wunden.
|
||
|
|
|||
|
dieselben 7.11 vernichten, zu tödten. Während z. B. eine 2quot;/oige Carbol-säurelösung genügt, um bei einer Reihe von Mikroben die Vegetation zu verhindern, bedarf es einer 5n/oigen Lösung des Mittels, um diese abzutödten.
Wie bereits oben erwähnt, droht weniger die Gefahr der Infection von Seiten der Luft (atmosphärische Infection), als vielmehr durch Flüssigkeiten und feste Körper (Contactinfection); daher handelt es sich vornehmlich um die Desinfection (Sterilisation) dieser Gegenstände. Sowohl die mit der Wunde in Berührung kommenden Flüssigkeiten wie festen Gegenstände müssen bei strenger Durchführung der Antisepsis keimfrei gemacht #9632;werden.
Ueber den Gehalt der Luft an Spaltpilzen haben die Untersuchungen von Hesse undPefcri zuerst niibere Auskunft gegeben. Hiernach enthillt die freie Luft in Berlin pro Kubikmeter circa 10CO Mikroben, während dieselbe in einem Kanal unter dem Potsdamer Platz fast frei von solchen ist. In Ställen, welche mit kleinen Thieren besetzt waren , fand man 34 000 Spaltpilze und bis 740Ü Schimmelpilze pro Kubikmeter. In einem Schulzimmer wurden 3000, während des Unterrichts 20 000 und beim Austritt der Schüler 40 000 im Kubikmeter Luft angetroffen.
Diese Thatsachen erklären sich, wenn man bedenkt, dass die organischen Keime von der trockenen Erdoberfläche und festen Gegenständen durch den Luftstrom fortgetragen werden. Daher zeigt sich die bewegte Luft sowie in trockenen Zeiten bei weitem reicher an solchen als ruhige Luft und an Regentagen. Eine feuchte Oberfläche, wie die Bespira-tionsschleimhaut von Menschen und Thieren, hält gleichsam die Mikroben fest, daher scbliesst auch die Exspirationsluft dos Operateurs eine Gefahr der Infection der Wunde nicht ein, so lange nicht durch Husten oder Niesen flüssige oder teste Massen von der Schleimhautoborfläche losgelöst werden. Alle diese Thatsachen sind besonders beachtenswerth. Bei Operationen im Freien müssen daher staubreiche Plätze vermieden werden; am sichersten erzielt man hier Asepsis bei feuchtem Wetter (vgl. S. 95).
Viel grosser zeigt sich die Gefahr der Infection durch feste und flüssige Körper. Nach den Untersuchungen im hygienischen Institut hier-selbst enthält ein K ubikcentim eter Spreewasser 32 000154 000 Keime, durchschnittlich 37 525. Auch an allen festen Gegenständen, die nicht sterilisirt sind, z. B. Instrumente; an den Fingern des Operateurs, und wenn sie noch so sauber gewaschen erscheinen, haften zahllose organische Keime, welche den Wundverlauf zu stören und entzündliche Processe anzuregen im Stande sind. Oegen diese müssen daher unsere antiseptischen Massnahmen sich in erster Linie richten.
|
|||
|
|
|||
|
Antiseptische Flüssigkeiten dienen zur Reinigung der Wunden, zum Waschen und Abspülen des Operationsfeldes, sowie zum Des-inficiren der Verbandstoffe und Instrumente.
Im allgemeinen muss von einer antiseptischen Flüssigkeit verlangt worden:
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Antiaoptica.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 83
1.nbsp; nbsp;dass sie womöglich mit Wasser eine klare Lösung darstellt;
2.nbsp; dass sie in bestimmten Concentrationen baktericide Eigenschaften besitzt, d. h. die Mehrzahl der pathogenen Organismen abtödtet;
3.nbsp; dass sie in thierischen Flüssigkeiten, namentlich Blut, Eiter, Serum, keine Niederschlüge bildet und nicht zersetzt wird;
4.nbsp; nbsp;dass sie weder allgemeine Intoxication hervorruft noch auch örtlich eine intensiv ätzende Wirkung besitzt. Eine gewisse Schädigung erfahren die meisten thierischen Gewebe durch den Contact mit diesen Mitteln, weshalb man in neuerer Zeit mehr und mehr sich bemüht, den Schwerpunkt nicht in der Zerstörung der infectiösen Substanzen (Antisepsis) zu suchen, sondern jede Infection von vorn herein zu verhüten (Asepsis), indem Flüssigkeiten und Verbandstoffe angewendet werden, welche frei von Infeetionsstoffen (steril) sind. Je weniger indess eine Desinfectionsflüssigkdt das thierisebe Gewebe schädigt und je intensiver ihre baktericide Wirkung ist, um so geeigneter erscheint dieselbe.
Eine wichtige Rolle bei der Desinfection spielt die Beschaffenheit der Gegenstände in oder an welchen sich die Bakterien befinden. Behring zeigte, dass solche in Wasser verfcheilt schon in wenigen Minuten von einem Sublimatgehalt von 1:500000 getödtet werden, während in Bouillon hierzu eine Concentration von 1:100000 noth-wendig ist, in Blutserum 1:2000 nicht einmal ausreicht. Je kürzer die Zeit der Einwirkung eines Mittels, um so concentrirter muss dasselbe angewendet werden. Auch wirken fast alle chemischen Des-infectionsmittel bei höherer Temperatur schneller als bei niedriger (Henie). Endlich kommt es auf die Menge der abzutödtenden Bakterien an; je mehr zu vernichten sind, um so mehr ist von dem Mittel erforderlich. Den einzelnen Substanzen gegenüber verhalten sich die verschiedenen Bakterien nicht in gleicher Weise; die eine Art zeigt sich am empfindlichsten gegen dieses, die andere gegen jenes Mittel.
Zu den wichtigsten derselben gehören:
1. Queeksilbersu blim at. In der Thierheilkunde hatte Bin/, schon im Jahre 1830 das Sublimat als Wundheilmittel schätzen gelernt, welches hier nicht selten angewendet wurde, doch fand dieses Mittel erst nach den Untersuchungen E. Kochs die verdiente Würdigung. Hierbei zeigte sieh, dass wässerige Lösungen des Sublimat von 1 : 10005000 die meisten Mikroben, ja selbst die widerstandsfähigen Milzbrandsporen in kurzer Zeit abtödten, 1 : :!;gt;() 000 das Wachsthum der Milzbrandbacillen noch verhindern. Sehr natürlich, dass hierauf das Sublimat in der Wundtherapie bald eine grosse Rolle spielte; in Deutschland wurde dasselbe namentlich durch v. Bergmann, Seh ed e und Bru n s empfohlen. Auch ich ziehe das Mittel bei Pferden allen übrigen vor, zumal die bösung stets
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
84
|
Wunden.
|
||
|
|
|||
|
klar und rein ist, die Wundflächen nicht verdeckt, so dass man dauernd eine volle Einsicht in den Zustand der Wunde behält; ein Umstand, der in Kliniken für das Studium ins Gewicht fallt. Bei Wiederkäuern ist allerdings Vorsicht mit der Anwendung des Sublimats geboten, ebenso bei kleinen Thieren, welche ihre Wunden viel belecken. Man verwendet es in Lösungen von 1 : 10005000 zum Waschen der Wunde, Abspülen des Operationsfeldes und der Hände, zum Tränken der Verbandstoffe u. s. w. In Wunden wird allerdings ein Theil des Sublimats zersetzt, es bildet sich mit dem Eiweiss der Gewebe und Flüssigkeiten Quecksilberalbuminat, welches nach Mikulicz von geringerer Wirkung ist. Deshalb wählt man meist stärkere Lösungen (1 : 1000). Durch Zusatz von Salzsäure (0,50/o) zum Sublimatwasser lässt sich diese Zersetzung in der Wunde wohl verhindern, allein die Säure übt nicht allein auf die Wunde einen schädigenden Einfluss aus, sondern zerstört auch die Oberhaut an den Händen des Operateurs, der längere Zeit mit der Flüssigkeit arbeitet, wie ich selbst erfahren habe.
Da meist grössere Mengen der Flüssigkeit erforderlich sind, und man deshalb nicht destillirtes Wasser sondern gewöhnliches Wasser (am besten Flusswasser) nimmt, so bilden sich durch die kohlensauren Erdsalze unlösliche Quecksilberverbindungen (Di-, Tri- und Tetraoxychlorid). Zur Vermeidung dieses Ausiüllens werden ebenfalls Säuren als Zusatz empfohlen (Salicyl-, Salz-, Essigsäure, 0,51,0 pro Liter), von anderen Kochsalz, welches mit dem Sublimat in gleichen Mengen angewendet wird. Ich lasse eine concentrirte Lösung von Sublimat in Salzwasser (Sublimat und Nat. chlorat. 9 1,0, Aqua 4,0) vorräthig halten, und aus der graduirten Flasche dem Wasser entsprechende Mengen zusetzen. Sehr bequem für die Praxis sind die Angerer'schen Sublimat-Kochsalzpastillen, welche aus 1,0 Sublimat und 0,5 Kochsalz bestehen. Luftdichter Verschluss der Gefässe und Abhaltung des Lichtes unterstützt die Haltbarkeit der Sublimatlösungen.
Eine Beschränkung für die Anwendung dieses Mittels liegt in dem Umstände, dass es in Berührung mit Metallen Quecksilber alsbald niedergeschlagen wird. Zur Desinfection der Instrumente ist daher das Mittel ebensowenig zu verwenden, wie seine Application mittelst einer Metallspritze zulässig. Dagegen eignet sich Sublimat zur Desinfection von Schwämmen und Vorbandmaterialion (S. 90). Bei dünner Epidermis, wie z. B. an der unteren Fläche des Schweifes bei Pferden ruft Sublimatwasser (1 : 1000) wohl ein leichtes Ekzem hervor; an anderen Hautstellen habe ich dieses selbst nach feuchten Sublimatverbänden nicht beobachtet. Trotz langjähriger Anwendung bei Pferden und kleinen Thieren ist mir auch niemals eine Vergiftung mit Sublimat vorgekommen. Hofmann hat neuerdings die Anwendung einer Sublimatsalbe (1 : 100) zum Bestreichen der Wunden empfohlen.
2. Die Carbolsäure (Phenol, Hy d roxylbenzol) löst sich in 20 Theilen kalten und 16 Theilen Wasser von Zimmertemperatur, ist dagegen in Alkohol, Aether, Chloroform und fetten Oelen leicht löslich. Die einzelnen Mikroben verhalten sich der Carbolsäure gegenüber verschieden; Milzbrandbacillen werden von 20|oiger Lösung bald vernichtet, Sporen erst nach 24stündiger Einwirkung einer B quot;/digen Lösung. Streptokokken sollen nach Gärtner und Plagge von lquot;/oiger Lösung bereits in 3040 Secun-den getödtet werden, während Staphylokokken dem Mittel grösseren Widerstand leisten; eine S'/oige Lösung tödtet jedoch die Mehrzahl der patho-genen Mikroben.
Aber auch die Cewebe leiden unter der Carbolwirkung; wässerige Lösungen gehen auf Kosten der Integrität des Zollenlebens mit den Albu-minaten derselben Verbindungen ein ; Carbol tödtet auch die Gewebe, schwächt
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Antiseptica.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;85
ihre Productivität für regenerative Processe. 350|oige Lösungen rufen bei andauernder Einwirkung selbst an der unverletzten ilusseren Haut entzündliche Processe hervor, erzeugen Ekzeme. Dazu kommt endlich für den Menschen und die Fleischfresser die Gefahr der Infection, welche bei Pflanzenfressern viel gei'inger ist, und endlich der für viele Menschen sehr unangenehme Geruch.
Zum Reinigen der Wunden benutzt man meist 230|oige Lösungen, ebenso zum Waschen der Hände, sowie zur Desinfection der Instrumente. Mit 5 quot;(oigen Lösungen werden bereits inficirte Wunden behandelt, Schwämme und Verbandmaterialien desinficirt; auch spült man damit wohl die Hilnde und das Operationsfeld ab. Durch Zusatz von Schwefel- oder Salzsäure lässt sich die Löslichkeit der Carbolsäure erhöhen, doch wirken diese Lösungen ebenso wie die concentrirte Carbolsilure ätzend. 10200/oige Lösungen von Carbolsäure in Glycerin werden zur Desinfection der Hände und stumpfer Instrumente, Catheter, Sonden u. s. w. benutzt; mit 5quot;/oigem Carbolöl bestreicht man bei Untersuchungen des Rectum oder Vagina die Finger oder Hände. Wie R.Koch nachgewiesen, sind Carboldämpfe wirkungslos. Im ganzen scheint die Carbolsäure, welche durch die grossartigen Erfolge Listers einen Weltruf erlangte, weniger durch Abtödtung der Mikroben als vielmehr durch Behinderung der Vegetation ihren günstigen Kintluss in Wunden zu entfalten.
8, Salicylsäure löst sich erst in 8400 Theilen kaltem Wasser, leicht dagegen in heissem, sowie in Alkohol, Aether, Glycerin u. s. w. Als Desinfectionsflüssigkeit wurde dieselbe beim Menschen angewendet, um die Gefahr der Carbolintoxication zu umgehen. Da diese bei Thioren nicht so gross ist, findet die ausserdem noch theuere Salicylsäure nur selten in dieser Form Anwendung. Nach den Untersuchungen von Fes er und Fried berger wird ihre Wirkung noch durch Verbindungen mit Alkalien beschränkt; sie hat daher bei Thieren nur selten für diese Zwecke Anwendung gefunden.
Dasselbe gilt vom Thymol.
4.Essigsau reT honer de (Aluminium aceticu m) gehört zu den wirksameren antiseptischen Mitteln, wie alle Acetate mehr oder weniger antiseptische Eigenschaften besitzen. Von Burow wurde dieselbe als Wundheil-mittel empfohlen, von Billroth und Bruns zu permanenten Irrigationen bei Wunden angewendet. Sie hat den Vorzug nicht giftig und billig zu sein, indem man dieselbe durch Auflösung einer Mischung von Alaun und Bleizucker (1 : 5) leicht herstellen kann. Hierbei findet eine Umsetzung statt, indem Bleisulfat gefällt wird und Alurainiumacetat in Lösung bleibt; nimmt man mehr Alaun, so bleibt auch dieser in der Lösung, wodurch die Flüssigkeit ätzend und stärker austrocknend wirkt. Zu permanenten Irrigationen verwendet man 1 2 0/oige Losungen, 35 n/oige zur I3esinfection von Wunden.
5. Chlor zink, früher nur als Aetzmittel angewendet, zerstört nach R. Koch in 50/oiger Lösung die Keimkraft der Milzbrandsporen; 0,2 bis l,00/oige Lösungen genügen zur Erhaltung der Asepsis, doch irritiren auch diese Verdünnungen noch die Gewebe. Man wendet in neuerer Zeit das Chlorzink meist in concentrirter Form (1 : 810) zur Desinfection bereits inficirter Wunden oder Granulationen an, welche mit Hülfe eines in der Lösung getränkten Werg- oder Jutebausches oder eines Schwammes ausgewischt werden.
Von Cagny wurde das Mittel für grössere Thiore warm empfohlen. Der Billigkeit wegen benutzt Cagny flüssiges Chlorzink, eine Lösung von Zink in Salzsäure, die 880/o des Salzes enthält. 100,0 dieser Lösung sollen
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
86
|
Wunden.
|
||
|
|
|||
|
200,ü Wasser zugesetzt werden. Auch verwendet C a g n y Zinkoxyd in Verbindung mit der gleichen Menge Wjoigen Chlorzinklösung zur Behandlung von Wunden, bei denen weder die Irrigation noch auch eine Naht anzubringen ist j rechtzeitig angewendet Hess das Mittel Eiterung nicht aufkommen. Es eignet sich Chlorzink auch bei frischen Wunden, die nicht aseptisch zu erhalten sind, und wo eine Heilung per prim. int. nicht in Aussicht steht; das Chlorzink erzeugt hier einen Schorf, welcher die Ec-sorption inficirender Substanzen verhindert. Doch ist die Anwendung des Mittels schmerzhaft und übt auf die Blutstillung keinen Einfluss aus, färbt aber das Blut hellroth.
Endlich eignet sich Chlorzinklösung zum Sterilisiren von Verbandstoffen, da es stabil und nicht flüchtig ist.
0. Chlorwasser, ein älteres Desinfectionsmittel, wird heute nur noch selten angewendet, da seine Wirkung keineswegs so bedeutend, wie man früher annahm, der Geruch unangenehm und der Preis ein höherer ist. Nur bei Desinfectionen an den Augen wird es noch benutzt, wo die Mehrzahl der übrigen Mittel leicht Trübungen und entzündliche Processe in der Cornea erzeugen.
7.nbsp; Die anorganischen Säuren (Salz- und Schwefelsäure) wirken zwar antiseptisch, doch auch im hohen Grade reizend auf die Gewebe und schädigend auf ihr Reproductionsvermögen: daher werden diese nur wonig benutzt.
8.nbsp; nbsp; Borsäure. Sie löst sich in ;i0 Theilen Wasser, hemmt in Lösungen von 1 : 186 die Vegetationen von Mikroorganismen, wird in 20/oiger Lösung zum Waschen und Berieselung der Wunden angewendet. Auch an den Augen kann es in 240|oiger Lösung ohne Nachtheil für die Cornea applicirt werden.
9.nbsp; nbsp;Chromsäure, ein bakterientödtendes Mittel, dient zum Aufbewahren von Catgut, dessen Haltbarkeit durch das Mittel erhöht wird. Kalium biehromicum soll dagegen nach Koch ein schwaches Antisepti-cum sein.
10.nbsp; nbsp;Alaun. Kaliumalaun, früher zur Blutstillung dienend, besitzt neben seiner antiseptischen noch adstringirende Wirkungen, durch Wasserentziehung und Coagulation von Eiweiss. Es stört daher die Heilungsvorgänge, dient aber zur Beseitigung ödeniatüser Schwellungen in den Schleimhäuten. Ein Gemisch von 1 Theii Alaun, 2 Theilen Borsäure und 18 Theilen Wasser wurde von Schweden aus unter dem Namen Aseptinquot; in den Handel gebracht, eine ähnliehe Mischung auch in der Thierheilkunde empfohlen.
11.nbsp; Kochsalz wird schon seit alter Zeit zur Conservirung des Fleisches angewandt und wirkt fäulnisshemmend, jedoch nur in geringem Grade; dagegen reizt es die Gewebe, kann aber in 0,520/niger Lösung zur Erhaltung der Asepsis vorwendet werden.
12.nbsp; Zu den wirksamen Desinfectionsmitteln gehören die ätherischen Oele, wie neuerdings durch II. Koch festgestellt wurde, doch reizen dieselben die Gewebe und wirken in Folge ihrer Flüssigkeit nur vorübergehend. Schon im Alterthume waren, wie oben erwähnt, Terpentin, Kampfer und andere Harze als Wundheilmittel im Gebrauch. Kampfer fand in Gor lach einen eifrigen Anhänger, während Terpentinöl, sowie Eu-calyptusöl und Arnicatinctur vielfach von Laien angewendet werden. Krüger empfahl neuerdings die Anwendung des Terpentinöls bei Thieren. Sowohl in frischen Wunden wie auch auf Granulationsflächori soll dasselbe die Heilung wesentlich fördern, indem es die Neubildung sowohl wie auch die Dissection neurotischer Gewebe anregt. Die Unlüslichkeit des Terpentinöls in was-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Antiseptica.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;87
serigen Flüssigkeiten lässt jedoch einige Bedenken gegen die Richtigkeit dieser Annahme aufkommen. Auch die Balsame, wie Perubalsam verdanken zum Theil ihre antiseptische Wirkung dem Gehalte an ätherischen Oelen.
13. Eine immer steigernde Anwendung hat neuerdings der Theer und die aus ihm gewonnenen Producte (Creolin, Lysol, Solutol, Solveol u. s, w.) erlangt. Es handelt sich bei diesen Mitteln theils um den Gehalt an Carbol-säure, theils um Kresole und andere Substanzen. Der Theer bildet ein billiges Antisepticum zum Bedecken der Wunden, sowie zur Herstellung undurchlassender Verbünde an den Füssen grösserer Thiere (Esser u. a.). Bei den übrigen Mitteln dieser Gruppe ist die Zusammensetzung jedoch zum Theil noch unbekannt und daher auch wohl nicht immer die gleiche, so dass man keine absolute Garantie für eine zuverlilssige Wirkung erlangt. Neuerdings werden dieselben jedoch im grossen hergestellt und haben sich als durchaus brauchbare Antiseptica erwiesen, die namentlich für die thier-ärztliche Praxis um so wertlivoller sind, als sie wenig giftige Wirkungen besitzen, daher dem Besitzer ohne Bedenken in die Hand gegeben werden können. Creolin wird in 15quot;|(iigen wilsserigen Lösungen angewendet, die nur den Nachtheil haben, dass sie milchig trüb sind, daher die in ihnen liegenden Instrumente und Materialien sich nicht leicht erkennen lassen. Die in gleicher Concentration angewendeten Lysollösungon sind zwar klar, aber fühlen sich fettig an und erschweren die Handhabung der in ihnen gelegenen Instrumente. Ueber die Wirkung des Solutol und Solveol bei Thieren liegen bisher nur vereinzelte Mittheilungen vor.
1-1. Diesen antiseptischen Mitteln ist in jüngster Zeit noch das Fyok-tannin hinzugefügt worden (Stilling). Dasselbe stellt ein Anilinfabrikat dar und wirkt wie alle Anilinfarbstofi'e baktericid. Man unterscheidet blaues und rothes Pyoktannin, und verwendetes in 12 quot;/oiger Lösung, aber auch in Substanz (Stifte). Unbequem wird zuweilen die intensive Färbung, welche die Anwendung hinterlässt, doch lässt sich die Farbe durch Seifenspiritus wieder beseitigen.
15. Auch wurde Jodtrichlorid in Lösungen von 1 : 10001500 Wasser zur Desinfection der Hände und Instrumente, des Operationsfeldes wie der Verbandstoffe von Langenbuch empfohlen. In seiner baktericiden Wirkung soll das Mittel die des Sublimats fast erreichen. Als Antiseptica, die in Pulverform Anwendung finden, sind zu nennen:
1. Das Jodoform, ein citronengelbes Pulver, das in Wasser, Säuren wie Alkalien fast unlöslich, in Alkohol, Aether, Chloroform, ätherischen und fetten Oelen leicht löslich ist. Nachdem dasselbe 1853 von Dechamps als Antisepticum empfohlen und anfangs der 80er Jahre besonders von Mose tig in die Praxis eingeführt war, hat das Mittel bald allgemeine Anerkennung gefunden. Beim Menschen bewirkte dasselbe, in grösseren Mengen angewendet Intoxicationen, die jedoch später durch Anwendung des Zoi'stäubers (von Wölflor u. a.) verhindert wurden, indem hierdurch kleine Dosen des Mittels genügten. Seitdem bildet das Jodoform bei Menschen wie Thieren eines der am meisten angewendeten Wundheilmittel, und zwar nicht nur als Antisepticum, sondern auch wegen seiner schmerzstillenden, die Granulation anregenden und die Secretion beschränkenden Wirkung.
Vor einigen Jahren wurde von Heyn, Thorkild, Kovsing u. a. auf Grund eingehender Versuche die bakterieide Wirkung des Jodoform, namentlich den Eiterkokken gegenüber geleugnet. Thatsache ist allerdings, dass Streptokokken und Staphylokokken wochenlang in Jodoform aufbewahrt, ihre Keimfähigkeit nicht verlieren. Dagegen ist von Po ten, de Ryter, Bchring u. a. hervorgehoben, dass das Jodoform seine Wirksamkeit erst
|
||
|
|
||
|
|
||
|
88nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Wunden.
erlangt, wenn es mit lebendigen Geweben in Berührung kommt und zersetzt wird, indem sich Jod bezw. Jodwasserstoff bildet. De Ryter betont besonders, dass das Mittel auf diese Weise hemmend auf die Vegetation der Mikroben und zerstörend auf die von ihnen gebildeten Substanzen (Ptomainen, Toxinen) wirke. Mischt man Eiter mit Jodoform, so wird Jod frei, nicht aber, wenn statt Eiter Serum gewilhlt wird. Die Bakterien bezw. deren Producte müssen also zersetzend auf Jodoform einwirken. Damit steht auch die Beobachtung Neisers in üebereinstimmung, wonach die antiseptische Wirkung des Jodoforms um so energischer hervortritt, je lebhafter die Zersetzungsvorgilnge in der Wunde sind. Wo Asepsis besteht, hat das Jodoform keinen ersichtlichen Nutzen, dagegen benutzt man es um so mehr bei eiternden bezw. inficirten Wunden.
Sehr beliebt ist das Jodoform-Glycerin oder -Oel (1 : 10), sowie der Jodoformäther (1 : 7) und das Jodoformcollodium (1 : 10). Letzterer dient als Deckmittel bei oberflilchlichen Wunden ; man vermeide dasselbe jedoch in grösseren Höhlen, wo die Reste des Collodium schliesslich als Fremdkörper liegen bleiben und die Heilung stören. Auch Jodoformgaze wird bei Menschen zum Ausfüllen von Höhlenwunden, namentlich da in Anwendung gebracht, wo ein Occlusivverband nicht angelegt werden kann. Man nimmt zur Herstellung desselben 50,0 Jodoform, 250,0 Aether, 750,0 Alkohol auf 500,0 Gaze, oder 50,0 Jodoform, 20,0 Colophonium, 5,0 Glycerin und 1000 Spiritus, tränkt mit der Mischung die Gaze und liisst sie an einem möglichst staubfreien Orte trocknen.
Vergiftungen mit Jodoform wurden bei Thieren nur selten beobachtet und haben daher keine besondere Bedeutung; man vermeide indess grosse Mengen Jodoform anzuwenden, namentlich unter Druekverbilnden und da, wo die Resorptionsvorgänge begünstigt erscheinen. Der hohe Preis verbietet die Anwendung grösserer Mengen des Mittels.
2. Gerbsäure (Acid, tannicum). Schon 187G wurde Gerbsäure von Graf als Antisepticum empfohlen. Das Mittel coagulirt Eiweiss, fördert die Blutstillung, hemmt die Secretion und unterstützt die Schorfbildung. Seit mehreren Jahren benutze ich dasselbe in Verbindung mit Jodoform (3 : 1) namentlich bei offenen, bereits eiternden Wunden, wo es sich ausserordentlich wirksam zeigt. Im übrigen sind Decocte von Eichenrinde in der Thierheilkunde, namentlich bei Gelenkwunden, längst im Gebrauch.
'S. Naphthalin, weisse, glänzende Krystallblättchen, die in Wasser unlöslich sind, leicht löslich in heissem Alkohol, Aether, ätherischen und fetten Oelen ; das Mittel dient als Streupulver auf bereits inficirte Wunden, welche durch dasselbe schneller gereinigt werden, indem Naphthalin die Granulation anregt.
4.nbsp; Salicylsilure wirkt weniger reizend als das vorige Mittel und bildet als Streupulver ein vorzügliches Antisepticum. Für die thierärztliche Praxis bei grösseren Thieren ist dasselbe zu theuer, doch lässt sich durch Zusatz von Talkum eine ebenfalls wirksame und billigere Mischung herstellen, welche besonders da geeignet erscheint, wo sich ein Verband nicht appliciren liisst; in etwa 0,5 cm dicker Lage auf die Wunde gestreut, kann es den Verband ersetzen. Zu demselben Zwecke verwende ich in der Regel Jodoform-Tannin.
5.nbsp; Wismuthnitrat (Bismuthum subnitricum). Das Mittel wird seit 18(50 in Frankreich vielfach als Streupulver auf Wunden angewendet und neuerdings von Kocher mit Wasser zu einem Brei gerieben empfohlen. Es hemmt die Entwickelung der Zersetzungsvorgänge, während der ver-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Antiseptica.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 89
nichtende Einfluss desselben auf diese nicht erheblich ist; auch coagulirt es Eiweiss und wirkt austrocknend.
6.nbsp; nbsp;Jodol (Tebrajodpyrrol). Das Jodol bildet gelbbraune Kry-stalle und enthält an 90 0/o Jod, ist geruchlos und in Wasser schwer löslich. Es wird bei Menschen als Pulver und an Stelle des Jodoform angewendet, bei Thieren ist es bisher wohl kaum benutzt.
7.nbsp; Zucker und Kaffee. Zucker wird bekanntlich seit alter Zeit zur Conservirung des Obstes angewendet; auch erkannte schon Galen, dass Zucker und Honig ftlulnisswidrige Wirkung besitzen; von Plinius wurde Honig sogar als Verbandmittel direct empfohlen. Neuerdings hat Lücke den Zucker als Wundheilmittel empfohlen, der in Deutschland schon seit langer Zeit beim Volke als solches in Ansehen steht. Seine Wirkung dürfte wohl auf die saure Reaction zurückzuführen sein, welche Zucker in alkalischen Gewebsflüssigkeiten erzeugt, Ich benutze den gepulverten Zucker in Verbindung mit Jodoform (6 : 1). Auf üppige Granulationen übt Zuckerpulver einen beschränkenden, schrumpfenden Einfluss ans, wobei seine wasserentziehende Wirkung wohl hauptsächlich in Betracht kommt. Für die thierärztliche Praxis wird derselbe dadurch noch werthvoller, dass er überall zu haben ist.
Von Lücke wurde auch der gebrannte und gemahlene Kaffee empfohlen. Das in demselben enthaltene ätherische Gel sowie die brenz-lichen Substanzen üben ohne Zweifel baktericide Wirkungen aus. Beim Brennen desinficirt und getrocknet, ist das Kaffeepulver verhältnissmässig rein von Infectionskeimen und zugleich hygroskopisch, Eigenschaften, welche das Mittel in der Wundbehandlung namentlich in der Landpraxis geeignet erscheinen lassen.
8.nbsp; Aus demselben Grunde verdient auch die Holzkohle hier noch genannt zu werden; durch Ausglühen derselben erlangt man ein absolut sicher sterilisirtes Pulver, welches bei seiner hygroskopischen Beschaffenheit die Wundsecrete schnell absorbirt und eine Kruste bildet, die unter Umständen den Occlusivverband ersetzen kann.
9.nbsp; nbsp;Auch Borsäure lässt sich als Streupulver verwenden; Pro h-ner lässt derselben 20/o Creolin zusetzen.
|
||
|
|
||
|
Die Zahl der antiseptiselien Mittel ist also eine grosse; von dem einen wird dieses, von dem andern jenes vorgezogen; docli kommt es weniger auf das Mittel als auf die richtige, zweckmässigo Anwendung desselben an. In der Landpraxis muss oft zu dem gegriffen werden, das zunächst zur Hand ist, immerhin verdienen aber die vorliegenden Krankheitszustände bei der Auswahl des Mittels besondere Beachtung. Im allgemeinen gilt als Grundsatz, dass bei aseptischen Wunden die weniger intensiv wirkenden nicht nur genügen, sondern sogar vorzuziehen sind, weil wirksamere auch die Gewebe mehr oder weniger schädigen, somit ihre Leistungsfähigkeit für die Heilungsvor-gänge herabsetzen; unter Umständen genügt hier sterilisirtes, d. h. gehörig durchgekochtes Wasser. Wo aber bereits eine Infection vorliegt, da muss zu den energischer wirkondon Mitteln gegriffen werden, und je wichtiger die Erzielung der Asepsis erscheint, um so sorg-
|
||
|
|
||
|
quot;
|
||
|
|
||
|
lt;)()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Wunden.
faltiger verfahre man nicht bloss bei der Auswahl, sondern auch bei der Anwendung des Mittels.
Es lilsst sich kaum hoffen, class man erheblich wirksamere Des-iiifectionsmittel als die bereits bekannten für die praktische Anwendung finden wird, daher ist von der Jagd nach neuen Mitteln nicht viel zu erwarten, und es erscheint namentlich in der Thierheilkunde zur Zeit viel wichtiger, die Grundsätze der Antisepsis recht sorgfältig zu beachten und zu erwägen, welcher Nutzen von der strengen Durchführung derselben zu erwarten steht (S. 102). Man muthe nicht dem Mittel zu viel Wirkung zu, sondern suche diese mit einer möglichst peinlichen Durchführung der antiseptischen Miissnahmen zu erzielen.
Zu berücksichtigen bleibt endlich, ob man die Arzneien selbst applioil't oder Laien zur Anwendung übergeben muss. In dem er-steren Falle thut man am besten, sich in der Anwendung des einen oder anderen Mittels zu üben, um die Grenzen der Leistungsfähigkeit desselben genauer kennen zu lernen. Ich gebe Sublimat und Carbolsäure bei Pferden und Fleischfressern den Vorzug, doch bleibt nicht ausgeschlossen, dass ein anderer mit einem der übrigen Mittel dasselbe erreicht. Wo dein Besitzer oder Wärter des Patienten das Antisepticum in die Hand gegeben werden muss, vordienen die weniger giftigen Substanzen (Creolin, Lysol u. s. w.) besonders empfohlen zu werden, zumal es sich hier in der Regel nicht um Asepsis handelt.
Verbandstoffe. Die zur Herstellung von Verbänden dienenden Stoffe haben eine doppelte Aufgabe, nämlich: 1. die Wunde nach aussen abzuschliessen und 2. das Wundsecret schnell aufzusaugen. Wo es sich um Herstellung oder Erhaltung von Asepsis handelt, müssen diese möglichst keimfrei sein, was man durch Tränkung der Materialien mit einem Desinfectionsmitfcel und nachheriges trocknen, oder mit Hülfe von darchströmendem Wasser-dampf erreicht. Die letztere Methode hat sich besonders bewährt, doch ist man in der l'rivatpraxis meist auf die erstcre beschränkt, obgleich neuerdings auch in Dampf sterilisirte Verbandstoffe in den Handel gebracht werden. Im Nothfalle lasse man die Verbandstoffe 5 10 Minuten lang in Wasser kochen und vergesse nicht, dass die zur Iniprägnation verwendeten Substanzen mit der Zeit zersetzt werden (Sublimat) oder verdunsten (Carbolsäure).
Fast ebenso zahlreich wie die antiseptischen Arzneimittel sind
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Verbandstoffe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;91
die zur Antiseptik angewendeten Verbandstoffe. Zu den wichtigsten derselben gehören folgende:
1.nbsp; nbsp;Die nicht geleimte Gaze (Krüllgaze oder Mull), welche beim Menschen ausgedehnte Anwendung findet, für die thierärztliche Praxis im allgemeinen zu theuer ist, doch lässt sich unter besonderen Umständen, sowie bei kleinen Thieren von derselben vortheilhaft Gebrauch machen. Dm-ch Tränkung mit dem einen oder anderen Desinfectionsmittel (Carbolsäure, Sublimat, Creolin, Jodoform, S. 88) oder durch strömenden Wasserdampf von 100deg; C. und darüber wird dieselbe desinficirt. Die Gaze ist in hohem Grade hygroskopisch und eignet sich deshalb ganz besonders zu Verbänden.
2.nbsp; Watte, mit Carbolsäure, Sublimat, Chlorzink oder 8alicylsäure getränkt und wieder getrocknet, bildet ein recht brauchbares, aber ebenfalls etwas theureres Verbandmittel.
3.nbsp; Jute und Werg. Die Jute, eine aus dem Bast von Corchorus capsularis und olitorius (Indien) gewonnene Hanfart, ist billiger als Mull und Watte, besitzt aber ein geringeres Aufsaugungsvermögen, zeigt sich weniger weich und schmiegsam als jene; auch bildet sie kein so zuverlässiges Filter zur Abhaltung der Infectionsstoft'e. Dennoch aber machen wir, namentlich bei grösseren Thieren von derselben oft Gebrauch und zwar mit Carbolsäure sterilisirt.
Ebenso wird Werg benutzt und eignet sich namentlich für die Landpraxis, weil man es überall antrifft. Im Nothfalle kann es durch Tränken mit einer Carbol- oder Sublimatlösung oder Kochen im Wasser desinficirt werden.
4.nbsp; nbsp;Holzwolle und Hol z woll watte. Durch Schleifsteine zerkleinertes Holz, namentlich der Pinusarten bezeichnet man als Holzwolle, welche durch Verarbeitung mit etwa 20 % Watte in zusammenhängenden Tafeln zu Hol/.wollwatte hergestellt wird. Dieser Stoff besitzt ein ausgezeichnetes Absorptionsvermögen, nimmt etwa das BGfache des eigenen Gewichtes an Flüssigkeiten in sich auf. Wegen der in dem Holze der Pinien enthaltenen ätherischen Gele finden sich in diesen Präparaten wenig keimfähige Mikroorganismen (Kümmel); sie können aber auch mit Sublimat sterilisirt werden. Des geringen Preises wegen eignet sich Holzwolle und Holzwollwatte besonders für die thierärztliche Praxis; auch im hiesigen Spitale benutze ich dieselben mit Vorliebe.
5.nbsp; Der Torfmull oder Moostorf besteht grösstentheils aus Sphag-numblättern, besitzt ein starkes Absorptionsvermögen, ist elastisch und billig. Durch Imprägniren mit Sublimatlosung lässt sich derselbe sterili-siren, doch hemmen schon die in dem Torfmull enthaltenen Huminsäuren die Entwickelung der Mikroben.
Aehnlich verhält sich der von Neuber empfohlene Torf, welcher in manchen Gegenden auch von Thierärzten als Verbandmittel angewendet wird und ganz besonders geeignet erscheint, WO eine grosse Menge dele-türen Wundsecretes (Jauche) zu absorbiren ist.
Die übrigen, beim Menschen wohl empfohlenen Substanzen, wie Glaswolle, Piltrirpapier, Asche, Sägespähne sind im allgemeinen entbehrlich, können aber im Nothfalle oder wo sie leicht zu beschaffen sind, Anwendung finden.
Um das in grösserer Menge auftretende Wundsocret zum Abfluss zu bringen, werden Gegenöffnungen angelegt, Erweiterungen der Wunde
|
||
|
|
||
|
|
||
|
92nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Wunden.
vorgenommen oder Drainröhren bezw. Haarseile angelegt. Am meisten eignen sich hierzu Drains aus Gummi, die man in verschiedener Starke vorräthig hält, mit kleinen Oeffnungen an den Seiten versieht und durch 6 Minuten langes Kochen in Wasser oder Sodalösung oder auch in Wasserdampf sterilisirt und in 50/oiger Carbolsäurelösung aufbewahrt; Sublimat wird durch Gummi zersetzt und eignet sich daher hierzu nicht.
Die Antisepsis richtet sich sowohl gegen die Infectionserreger wie auch deren Producte; die ersteren müssen entweder von der Wunde ferngehalten, oder aus derselben entfernt werden, oder man sucht sie in der Wunde zu vernichten bezw. durch Hemmung ihrer* Entwickelung unschädlich zu machen. Wo die ersteren Forderungen der Antisepsis nicht zu erfüllen sind, kommt es vornehmlich auf die letzteren an. Die Entfernung und Vernichtung der Mikroorganismen erfolgt durch sorgfältiges Reinigen der Wunde mit des-inficirenden Flüssigkeiten. Hemmend auf die Entwickelung der Infectionserreger wirken einmal Desinficientien, die wir daher ganz besonders anwenden, wo bereits eine Infection besteht; trockene Mittel wie Jodoform u. s. w, streut man auf die Wundfläche; auch finden mit desinficirenden Flüssigkeiten (Sublimat, Carbol u. s. w.) angefeuchtete Verbände hierzu zweckmässige Anwendung. Ferner kann die Entwickelung der Infectionserreger dadurch verhindert werden, dass man ihnen die hierzu erforderlichen Bedingungen entzieht, nämlich Nährmaterial, Feuchtigkeit und eine höhere Temperatur. Durch aufsaugende Verbände, Drainage, permanente Irrigation oder öfteres Waschen, Ausspülen und Baden soll das Wundsecret sobald als möglich aus der Wunde entfernt werden. Aus demselben Grunde befreit man die Wunde von abgestorbenen Gewebsmassen. Mangel an Nährstoff und Feuchtigkeit verhindert alsdann das üppige Wachs-thum der Mikroben, während das Bedecken der inficirten Wunde mit einem Verbände ihre Vegetation fördert. Hemmend auf die Entwickelung wirken wir endlich durch Massnahmen, welche die Widerstandsfähigkeit, bezw. Lebenskraft der Gewebe in der Wunde aufrecht erhalten. Aus dem Grunde vermeidet man soweit möglich jede stärkere Druckwirkung sowie auch die Einwirkung chemischer Mittel, welche die Gewebe schädigen. Sobald daher keine Infectionserreger in der Wunde vorhanden sind, suchen wir auch die Einwirkung von Desinfections-mitteln auf die Wundflächen nach Möglichkeit zu beschränken, denn auch diese schädigen die Lebensfähigkeit und Widerstandskraft der Gewebe in demselben Masse, wie sie desinficirend wirken. Bei Ope-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Antiseptik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;03
rationswunden hat man daher das früher übliche Spülen mit Sublimat, Carbol u. s. w. neuerdings mehr und mehr verlassen, oder an Stelle dessen eine verdünnte Kochsalzlösung oder abgekochtes Wasser benutzt, aber eine um so grössere Sorgfalt auf die Ileinerhaltung der Wunde (Asepsis) verwendet.
Die Producte der Infectionsstotfe (Ptomaine, Toxine u. s. w.) sollen soweit und sobald als möglich aus der Wunde entfernt und die Resorption derselben verhindert werden, Aufgaben, die bei bereits in-ficirten Wunden in Betracht kommen und deren Lösung später besprochen werden soll.
Es liegt auf der Hand, dass sich die primäre Antisepsis, d. h. die Erhaltung der Asepsis im allgemeinen leichter gestaltet, als die Des-infection einer bereits inficirten Wunde, die unter Umständen geradezu unmöglich werden kann.
Denken wir uns, es handle sich um die Ausführung einer Operation, wobei ein aseptischer Wundverlauf erreicht werden soll, z. B. um die Exstirpation eines Hufbeinknorpels oder einer Geschwulst. Erste Bedingung für die Erreichung von Asepsis bildet die vollständige Desinfection des Operationsfeldes. Der Huf und seine nächste Umgebung muss sterilisirt werden. Dies lässt sich zwar durch sorgfältiges Waschen und Bürsten mit Seifenwasser und nachheriges Abspülen mit einer Desinfectionsflüssigkeit (Sublimat oder Carbolwasser) erreichen, allein sicherer noch, wenn man alles zerfallene Horn aus dem Hufe entfernt und denselben nach sorgfältiger Reinigung mit einem desinficirenden Verbände versieht. Aus sterilisirten Materialien wird ein Verband angelegt und 1224 Stunden hindurch mit einer Desinfectionsflüssigkeit feucht erhalten, bevor man zur Operation schreitet. Wo es sich um aufschiebbare Operationen handelt, empfehle ich bei Thieren einen solchen, nennen wir ihn Desinfec-tionsverband, weil durch die Haarbekleidung die vollständige Sterilisation der äusseren Haut sehr erschwert wird. Auch nach sorlt;gt;--fältigem Basiren, Waschen und Spülen ist man nicht sicher, dass nicht keimfähige Mikroben in den Haarbälgen zurückgeblieben sind.
Die zur Operation verwendeten Instrumente werden am sichersten durch 610 Minuten langes Kochen in 10/oiger Sodalösung oder einfachem Wasser desinficirt. Da Holzhefte nicht mir schwieriger zu sterili-siren sind, sondern auch durch das Kochen leiden, so empfehlen sich vernickelte Metallhef'te. Die Messer und andere schneidende Instrumente wischt man mit einem in Carbolsäure gctrilnkten Watte- oder Mulltupfer ab und lüsst sie etwa nur eine Minute in der kochenden Sodalösung, weil durch längere Einwirkung der Lauge ihre Schärfe leidet. Nach den Ver-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
94nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wunden.
suchen von Kümmel u. a. genügt das einfache Einlegen der Instrumente in Carbolsilurelösung nicht. Wilhrend der Operation verbleiben die Instrumente in einer 28 quot;/oigen Carbollüsung.
Die HilmU1 und Vorarme des Operateurs und seiner Gehüll'en werden in folgender Weise desinfieirt:
Nachdem die Nägel mit einem Messer oder einer Nagelschere von dem sichtbaren Schmutze befreit sind, bürstet man Hände und Verarme mit Seife und warmem Wasser gründlich ah, wobei die Räume unter den Nägeln besonders berücksichtigt werden. Darauf folgt Abspülen der Hände mit einer 30/oigen Carbollüsung oder 0,10/oigen Subli-matlösung während etwa 1 Minute. Nach den Versuchen Landsbergs kommt es ganz besonders auf ein kräftiges Reiben und Waschen der Hände an. Sehr wirksam zeigt sich auch das Abwaschen der Hände mit 70800/oigem Alkohol, namentlich um die fettigen Massen von der Haut zu entfernen; von diesen eingeschlossen, sind die Mikroben gegen die Einwirkung wässeriger Desinfectionsflüssigkeiten geschlitzt. Das Tragen von Ringen ist zu vermeiden, event, müssen solche entfernt werden, weil sie die Desinfection erschweren. Um während der Operation die Hände immer von neuem reinigen zu können, wird ein Oefilss mit 30/oiger Carbol- oder 0,l0/niger Sublimatlösung bereit gehalten. Sobald die Desinfection der Hände begonnen hat, vermeide man, nicht sterilisirte Gegenstände mit denselben anzufassen. Schwämme lassen sich nur sehr schwer vollständig desinficiren, daher ziehe ich bei aseptischen Wunden Tupfer von Watte oder Mull zur Entfernung des Blutes vor, die entweder in einem Stcrilisationsapparat mittelst heissen Wasserdampfes oder durch Impriigniren mit einem Desinfectionsmittel (Oarbol-Sublimatwatte) keimfrei gemacht sind.
Sollen Schwämme benutzt worden, so erfolgt die Desinfection derselben entweder in heissem Wasserdampf, wodurch dieselben indess leiden, oder nach folgendem Verfahren: Nach dem Ausklopfen kocht man dieselben 1/4 Stunde lang, reinigt sie in einer Kalium hypermangan. - Lösung (1 : 500 bis 1000), dann '/i Stunde in einer Lösung, die 80 Theile 1 quot;joiger unterschweflig-saurer Natronlösung und 20 Theile S'/oiger reiner Salzsäure enthält, sodann lli Stunde in kochendem Wasser. Zur Aufbewahrung der Schwämme dient eine 5 quot;/oige Carbol- oder eine 0,1 quot;/oige Sublimatlösung.
Frische Schwämme können auch in folgender Weise sterilisirt werden: Nachdem zunächst soweit möglich der Schnmtz entfernt ist, werden dieselben durch Ausklopfen vom Sand befreit. Sodann lässt man die Schwämme längere Zeit in kaltem Wasser liegen und von Zeit zu Zeit auskneten. Darnach werden die Schwämme gut ausgepresst und in ein Leinentuch geschlagen oder in einen Beutel gelegt und in Innige kochende Sodalösung gelegt, in welcher sie '/a Stunde verbleiben. Kochen ertragen
|
||
|
|
||
|
|
|||||
|
Antisoptik.
|
06
|
||||
|
|
|||||
|
Schwämme nicht. Aus der Sodalösung kommen sie in abgekochtes Wasser und werden durch Ausdrücken von der Soda befreit. Man bewahrt sie alsdann in einer 0,50loigen Sublimatlösung auf.
Die zum Heften der Wunde und zur Unterbindung blutender Gefilsse dienende Seide, wozu sich die rohe chinesische am haltbarsten erweist, aber auch durch einfachen Hanf- oder Flachszwirn ersetzt werden kann, wird V2 1 Stunde in 50/oiger Carbol- oder O,l0/oiger Sublimatlösung gekocht und in derselben aufbewahrt. Catgut lilsst man 612 Stunden in l,0n/nigem Sublimatalkohol
|
|||||
|
|
Pig. 82.
|
|
|||
|
liegen und bewahrt es sodann in absolutem Alkohol
|
|
||||
|
|
|||||
|
auf, dem 0,10/o Sublimat zugesetzt ist (Schode). Braatz empfiehlt folgendes Verfahren: 12 Stunden in Aether oder Chloroform, 12 Stunden in 960/oigein Alkohol, dann sofort 12 24 Stunden in 0,l0/oigein Sublimafcwasser, worauf man dasselbe am besten trocken in einem durch Auskochen vorher sterilisirten Gcfässe für den Gebrauch aufbewahrt. Das Anfeuchten oder Einlagern des ünterbinchmgs- und Nähmaterials in Carbol- oder Sublimatlösung genügt zur vollständigen Desinfection desselben nicht, weil die von Fett oder ähnlichen Substanzen eingehüllten Keime auf diese Weise nicht vernichtet werden.
Catgut bat vor der Seide und dem Zwirn voraus, dass es resorbirt wird: im Körpergewebe
|
|||||
|
|
|||||
|
liegend, quillt es zunächst auf und wird von Leuko-cyten durchsetzt, bald darauf vom lebenden Gewebe
|
Cylimlov zum Aut'hewali-
ren dcä Näh- und IJuter-
blndungamaterlals.
|
||||
|
|
|||||
|
durchwachsen, verdrängt, schliesslich in einen körnigen Detritus verwandelt und von den Leukocyten fortgetragen (T i 11-manns). Seide und Zwirn sind dagegen haltbarer, und wo eine grosso Spannung in den Wundrändern durch die Naht zu überwinden ist, oder die Nähte längere Zeit liegen bleiben, da verdient Seide und Zwirn den Vorzug.
Zur Ausführung der Operation wähle man einen möglichst staubfreien Raum; in der Landpraxis, und wo keine Matratze zum Niederlegen grösserer Thiere SüUI Verfügung steht, empfehle ich in warmer Jahreszeit die Streu bereits am Abend vorher herstellen zu lassen, so dass dieselbe durch den Thau angefeuchtet nicht staubt. In dringenden Fällen kann dieselbe mit einer Giesskanno vor dem Niederlegen des Tliieres angefeuchtet werden. Das Niederlegen grösserer
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||||
|
96
|
Wunden.
|
|||
|
|
||||
|
Thiere erfolgt erst, nachdem man sich überzeugt hat, dass alles, was zur Operation erforderlich werden kann, zur Stelle ist; dahin gehören .auch einige Gefilsse (irdene Schalen) mit Sublimat- oder Carbolwasser. Kleinere Thiere legt man auf einen vorher sorgfältig gereinigten Tisch. Erst nachdem die Desinfection der Hände des Operateurs, des Operationsfeldes, der Instrumente und des Verbandmaterials erfolgt ist, kann zur Operation geschritten werden. Um eine Infection der Wunde durch die Kleider des Operateurs und seiner Gehülfen zu vermeiden, werden diese mit einer reinen leinenen oder Grummischürze versehen; für gewöhnlich genügt es, die Oberfläche der Kleider soweit diese in die Nähe der Wunde kommen, also namentlich die Aermel,
|
||||
|
|
||||
|
Fig. 88,
|
Fig. 84.
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
Kasten zur Aufbewahrung des Näh-unil Heftinaterials.
|
Leicht transportahler Cylinder
zur Aufbewahrung des Näh-
und iTnterbindungsinaterialraquo;.
|
|||
|
|
||||
|
mit einem Schwamm an ihrer Oberfläche anzufeuchten. Der Operateur streift zweckmässig die Aermel bis über seine Ellbogen zurück. Man vermeide vor und während der Operation jede Berührung nicht desinficirter Gegenstände. Die blutenden Arterien oder Venen werden alsbald mit einer Schieberpincette erfasst, um sogleich oder erst nach Vollendung der Operation unterbunden zu werden. Das aus den Capillaren entleerte Blut wird mit einem Tupfer entfernt. Hierzu eignen sich besonders Gazebäusche, weniger Watte oder Holzwollwatte , von denen leicht Theile in der Wunde zurückbleiben; dagegen kann ich etwa hühnereigrosse, mit Holzwollwatto gefüllte Gazcbeutel empfehlen. Nach der Operation überzeugt man sich nochmals, ob die Blutung vollständig gestillt ist, und vereinigt die Haut durch Nähte; erforderlichen Falls werden dabei auch Drains angelegt. Das früher übliche Bespülen der Wunde mit Desinficientien hat man mit Recht neuerdings mehr und mehr verlassen, weil man raquo;ich überzeugte, dass es nicht nöthig ist und das Regenerationsvermögen der Gewebe durch die Einwirkung der Desinfectionsmittel erheblich
|
||||
|
|
||||
|
IP
|
||
|
|
||
|
Wundheilung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 97
abgeschwächt wird. Landerer machte 1889 zuerst auf die Vortheile dieser Behandlung aufmerksam, von denen ich mich bei Thieren ebenfalls überzeugen konnte. Nach dem Heften wird die Hautfläche, wo es nöthig erscheint, abgewaschen oder nur mit Tupfern abgetrocknet, worauf die Anlegung des Verbandes folgt. Durch denselben sollen womöglich die Wundflächen überall leicht an einander gedrückt werden. Einige Gazeballen oder Wattebäusche legt man einzeln auf die Wunde, lässt das weitere Verbandmaterial folgen und befestigt das ganze mittelst sorgfältig angelegter Binden.
Der erste Verband kann acht Tage liegen bleiben, sofern Asepsis erreicht und der Verband nicht durchfeuchtet wird. Sollte sich erhebliches Fieber einstellen, der Verband von Wundsecret durchfeuchtet werden oder die Schmerzen bedeutend zunehmen, so muss derselbe unter Beachtung der gleichen Grundsätze der Antisepsis erneuert werden.
Doch auch bei strenger Durchführung der beschriebenen Mass-nahmen ist man nicht sicher, dass nicht Infectionskeime in die Wunde gelangt sind; es kommt daher namentlich darauf an, die Vegetation derselben in der Wunde nach Möglichkeit zu verhindern. Begünstigt aber wird die Vermehrung derselben:
a)nbsp; nbsp;durch die Anwesenheit von Blut in der Wunde,
b)nbsp; durch grössere Mengen Wundsecret und
c)nbsp; nbsp;durch vollständig abgelöste oder schlecht ernährte Gewebs-theile. Gerade diese Massen suchen wir nach Möglichkeit aus der Wunde zu entfernen, die Blutung vollkommen zu stillen, zerrissene, zerquetschte oder grösstentheils abgetrennte Gewebe sorgfältig zu entfernen und das Wundsecret durch Drains oder hydrophiles Verbandmaterial schnell aus der Wunde zu entfernen.
Wundheilung unter dem Schorf. Die oben genannten Bedingungen für das Zustandekommen eines aseptischen Wundverlaufs sind in kleinen oder oberflächlichen Verletzungen regehnässig gegeben; der Stich mit einer Nadel oder feinem Trokart, eine kleine Hautwunde, die nicht klafft, wie sie z. B. bei der subeutanen Durchschneidung einer Sehne oder Muskels besteht, heilt in der Regel auf dem ersten Wege, weil entweder eine Infection der Wunde überhaupt nicht eingetreten ist, oder weil in derselben die Bedingungen zur Vegetation von Mikroorganismen nicht bestehen. Aelmlich liegen die Verhältnisse in grÖKseren Wunden, welche überall der Einwirkung der äusseven Luft ausgesetzt sind; hier entsteht unter der austrocknenden Wirkung der Möller, Allgemeine Ohlrnrgie für Thlertlrate.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
|
||
|
|
||
|
|
||
|
98nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wundelaquo;.
Luft an der Oberfläclie der Wunde ein trockener Schorf, und zwar durch Eintrocknung entweder des Secrets oder der Gewebe an der Oberfläche der Wunde. Dieser Schorf bildet gleichsam einen natürlichen Occlusivverband, welcher die Wundfläche vor Infection schützt; der trockene Schorf selbst gewährt den Infectionsstoffen nicht die Bedingungen zu ihrer Entwickelung; hierzu fehlt die nöthige Feuchtigkeit, Unter einem solchen Schorfe sehen wir, namentlich bei grösseren Thieren, besonders Pferden, oft Wunden von bedeutendem Umfange ohne jede Eiterung heilen. Die Oberfläche der Wunde erscheint bald nach der Verletzung dunkel gefärbt und trocken: unter diesem Schorfe, welcher seiner Unterlage fest aufsitzt, entwickelt sich in wenigen Tagen lebhafte Granulation. Nachdem diese den Defect gedeckt hat und schliesslich von dem umliegenden Retegewebo mit Epithel bedeckt (vernarbt) ist, fällt der Schorf ab, und die Wunde ist geheilt. Nothwendige Bedingung für das Zustandekommen dieses Vorganges ist also die Bildung eines trockenen Schorfes an der Oberfläche der Wunde, welche wiederum abhängig ist:
1,nbsp; nbsp;Von dem Fehlen einer grösseren Menge Wundsecret; daher beobachtet man den Vorgang vornehmlich bei glatten Schnittwunden, wie sie bei Operationen, z. B. beim Ausschälen einer Geschwulst, hergestellt werden; Quetschwunden heilen selten unter dem Schorf.
2.nbsp; nbsp;Von der Einwirkung der ilusseren Luft auf die Wundfläche, damit entweder die geringe Menge Secret oder die Gewebe an der Wundoberfläche vollständig eintrocknen. Wo sich Wundflächen gegenseitig berühren sowie in Taschen und Ausbuchtungen der Wunde erscheint dieser Vorgang ausgeschlossen, weil hier der Einfluss der atmosphärischen Luft zur Bildung des Schorfes fehlt.
Heilung unter dein Schorf kommt daher namentlich an flachen Wunden vor: solche der ilusseren Haut und Muskeln eignen sich hierzu ganz besonders. Unterstützt wird der Vorgang durch Mittel, welche die Secretion in der Wunde beschränken oder das Secret zum Gerinnen bringen oder endlich mit den Geweben einen festen Schorf bilden. Dazu gehören in erster Linie die Adstringentien, besonders Tannin. Ich benutze für diesen Zweck Tannin mit Jodoform (3:1); während das erstere Mittel die Schorfbildung begünstigt, verhindert letzteres die Zersetzungsprocesse in der Wunde; aber auch Naphthalin, Carbol-säure, Chlorzink lassen sich zu dem Zwecke verwerthen. Dass trockene Luft und lebhafter Luftwechsel dem Vorgange günstig sind, liegt auf der Hand. Nach Exstirpation von Geschwülsten, z. B. einer Brustbeule, wird die Wunde zunächst tamponirt um die parenehymatöse
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Wundheilung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 90
Blutung zu stillen; am nächsten Tage lasse ich dann die Tampons entfernen, die Wunde durch Ausspülen mit Sublimatwasser vom Blute und Secret befreien, dann nach Bestreuen mit Jodoform-Tannin offen stehen, so dass die äussere Luft womöglich zu der ganzen Fläche derselben Zutritt findet. Weiteres ist alsdann nicht nöthig; nur suche man den Schorf gegen Reiben und Scheuern zu schützen, ohne ihn zu bedecken. Ausspülungen müssen von nun ab vermieden werden; ebenso dürfen keine Salben oder Fette angewendet werden, weil sie der Austrocknung hinderlich sind.
Es empfiehlt sich diese Behandlung namentlich bei grösseren Thieren; bei den Fleischfressern wird der Vorgang durch das Belecken der Wunde seitens des Patienten in der Regel vereitelt. Dass diese Methode der Wundbehandlung die denkbar einfachste ist und trotzdem alle Vortheile der Asepsis gewährt, liegt auf der Hand. Zuweilen gelingt es auf diese Weise, in grossen Wunden wenigstens einzelne Abschnitte so zur Heilung zu bringen. Dies gilt namentlich von den oberen Theilen, welche durch das Wundsecret nicht in der Schorfbildung gestört werden, wie es in den unteren Abschnitten der Wunde durch das abfliessende Secret der Fall ist. Man lässt in solchem Falle das Secret recht oft mit einem Tupfer aus Watte abheben, vermeidet aber jedes Waschen und Spülen der Wunde.
Dieses Heilverfahren ist im übrigen schon seit den ältesten Zeiten bekannt; Hippokrates wie Galen empfahlen, die Wunde austrocknen zu lassen. Namentlich aber waren es englische Chirurgen (J. Hunt er, Moore, Astley Cooper und Paget), welche die Schorfbildung in der Wundheilung beim Menschen benutzten; auch Lister wandte es mit Hülfe von Carbolsäure an; in Deutschland wurde das Verfahren von Bczin, Burow, Volkmann, Trendelenburg u.a. empfohlen. Auch in Frankreich lernte man das als Pausement a ciel ouvert bezeichnete Verfahren schätzen. Bouisson empfahl 1867, durch einen Luftstrom die Wunde künstlich eintrocknen zu lassen, zu welchem Zwecke Guyot rieth, das verletzte Glied mit einem Kasten zu umgeben, in welchem eine Temperatur von 36quot; C. erhalten wurde, um das Wundsecret zum Gerinnen zu bringen. Guerin suchte in einem solchen hermetisch abgeschlossenen Kasten die Luft mit Hülfe eines Aspirators zu verdünnen.
In der Thierheilkunde hat man dem Verfahren bisher nicht die verdiente Beachtung geschenkt, und doch eignet es sich hier ganz besonders, stüsst nur zuweilen auf den Widerstand der Besitzer der Patienten, welche die noch vielfach unter Laien verbreitete Ansicht theilen, dass eine Wunde ohne Salben, ohne Waschungen und Bedeckung nicht heilen könne.
Permanente Irrigation. Ferner kann durch ununterbrochene Berieselung der Wunde mit einer Desinfectionsflüssigkeit oder selbst
|
||
|
|
||
|
|
||
|
100nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wunden.
mit reinem lauwarmem Wasser Asepsis erreicht werden. Durch die sofortige Abspülung des Wundsecrets wird den in die Wunde gelangten InfectionsstofFen die Möglichkeit zu ihrer Vegetation genommen. Bei grösseren Thieren empfiehlt sich dieses Verfahren namentlich zur Behandlung von schweren Verletzungen, die mit einem Occlusivverbande nicht zu versehen, aber auch unter dem Schorfe nicht zur Heilung zu bringen sind, z. B. eine grössere Höhlenwunde mit Ausbuchtungen; ferner bei Verwundungen von Gelenken, welche die Anlegung eines Verbandes nicht gestatten. Das Verfahren muss jedoch womöglich Tag und Nacht fortgesetzt, darf jedenfalls nicht über G12 Stunden unterbrochen werden, in welcher Zeit die Vermehrung der Infectionsstoffe in der Wunde und das Eindringen derselben in die Gewebe erfolgt, wodurch eine Desinfection ausgeschlossen wird. Ich benutze bei Pferden zunächst Sublimatwasser (0,05-0,10/o) oder Aluminiumacetat (S. 85), Creolin u. s. w., später einfaches oder abgekochtes Wasser im lauwarmen Zustande, weil die dauernde Anwendung der Kälte auf die Heilungsvorgänge nachtheilig wirkt. In der Regel genügt es, das Verfahren 35 Tage fortzusetzen, da in dieser Zeit bereits Granulation eingetreten und die Perforation des Gelenkes, bezw. Sehnenscheide geschlossen ist. Nachdem dieses erfolgt, liegt in dem Auftreten von Eiterung keine besondere Gefahr mehr, weil dieselbe auf die Oberfläche der Granulation beschränkt bleibt. Die Granulation bildet ein aus Rundzellen bestehendes dichtes Gewebe, welches wenig Lücken für das Eindringen von Mikroben besitzt; daher kommen von einer granulirenden Wundfläche selten Infectionen zu Stande; meist erst nach Verletzungen derselben.
Für die permanente Irrigation genügt es in der Regel, dass ein dünner Wasserstrahl bis auf den Grund der Wunde und auf die ganze Oberfläche derselben gelangt; oft reicht sogar ein fortdauerndes Tropfen der Flüssigkeit aus. Man benutzt hierzu am zweckmässigsten einen Irrigator, doch lässt sich ein solcher für grössere Thiere in jedem Stalle aus einem Eimer oder ähnlichen Gelasse mit Hülfe eines Gummischlauches improvisiren, wie man solche zum Kühlen und anderen Zwecken in grösseren Wirthschaften vorräthig hält. Natürlich muss auch hier darauf gesehen werden, dass der Schlauch rein ist; erforderlichen Falls lässt man ihn vor dem Gebrauch 510 Minuten lang auskochen. Um unterhalb der Wunde die Oberhaut gegen die andauernde Wix-kung der Flüssigkeiten, wodurch die Oberhaut macerirt und die Haare zum Ausfallen gebracht werden, zu schützen, lässt man diese Stellen mit Fett oder Vaselin einreiben.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Wundbehandlung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 101
Das früher mehr als heute übliche Kühlen, Baden und Waschen der Wunden wirkte hauptsächlich durch Reinigung derselben; das Kühlen der frischen Wunde konnte allerdings auch Blutungen und Schmerzen stillen, allein in wirksamer Weise wird ein günstiger Verlauf des Heilungsprocesses durch Verdünnung und Beseitigung des Wundsecretes erzielt, welche mit der Anwendung des Wassers verbunden ist. Sobald die acute Entzündung verschwunden und Eiterung eingetreten ist, wird durch kalte Flüssigkeiten die Granulationsbildung verzögert und damit auch die Heilung verlangsamt; daher geht man seit alter Zeit in diesem Stadium zur Anwendung warmen Wassers über, welches, in Form von Bädern oder zu Waschungen applicirt das Wundsecret beseitigt und Eiterversenkungen verhütet. Wirksamer als diese Behandlung bleibt jedoch die Irrigation, welche aber nicht überall anwendbar ist und dann durch Waschen und Baden ersetzt werden kann. Bei den Fleischfressern wirkt in dem gleichen Sinne das Lecken der Thiere, das indess nicht immer vortheilhaft erscheint, sondern auch die Heilung, namentlich die Benarbung der Wunde, verzögern kann.
Antiseptische Tamponade. Wo Asepsis nicht zu erwarten steht, ist auch das Heften der Wunden in der Regel nicht zu empfehlen, weil hierdurch das Wundsecret zurückgehalten und die Vegetation der Krankheitskeiine begünstigt wird. In solchen Fällen bleibt entweder die Wunde ganz offen, um event, eine Heilung unter dem Schorf zu erzielen, oder man tamponirt dieselbe mit Jodoformgaze oder einem anderen sterilisirten Material (Werg, Jute oder Watte). Jodoformgaze wird am einfachsten in der Weise hergestellt, dass man sterile Gaze mit abgekochtem Wasser besprengt, mit Jodoform bepudert, mit einem sterilen öazebäuschchen verreibt und in des-inficirten Behältern aufbewahrt (Sehimmelbu seh). Sehr werthvoll zeigt sich die antiseptische Tamponade, wenn die Blutung auf andere Weise nicht zu stillen ist; auch wo es zweifelhaft erscheint, ob Asepsis erzielt werden kann, findet die Tamponade Anwendung, welche, falls Eiterung eintreten sollte, unter Umständen fortgesetzt werden muss. Im ganzen findet die antiseptische Tamponade bei Thieren seltener Anwendung als beim Menschen, dagegen benutzt man dieselbe um Heilung unter dem Schorf zu erzielen (S. 97). Zeigt sich die Wunde bei dem etwa nach 48 Stunden stattfindenden Verbandwechsel aseptisch, so kann dieselbe geheftet und per prim. int. zur Heilung gebracht werden; auch lässt sich zuweilen durch fortgesetzte Tarn-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
102nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wunden.
ponade aseptische Heilung erzielen; häufiger indess gelingt nach der Tamponade die Heilung unter dem Schorf.
Wie sich aus vorstehendem ergiebt, ist die strenge Durchführung der Antisepsis zunächst mit grösserer Mühe, mit Material- und Zeitverlust verbunden; dazu kommt, dass diese Schwierigkeiten bei Thieren noch wachsen, und zwar einestheils weil die meisten Wunden, wenn sie zur Behandlung gelangen, bereits soweit inficirt sind, dass eine vollständige Desinfection nicht mehr möglich ist; dann aber auch, weil die Anlegung von Verbänden bei den grösseren Thieren sich schwieriger gestaltet; diese nicht selten von den Thieren gelockert und entfernt werden, sobald eine dauernde Beaufsichtigung derselben nicht stattfindet. Allerdings lässt sich eine gewisse Garantie dafür, dass sie den Verband liegen lassen, dadurch erzielen, dass man vor der Operation einen Probeverband anlegt, der wiederholt mit Des-inficientien angefeuchtet zugleich zur Sterilisirung des Operationsfeldes dient. Allein eine sichere Gewähr erlangt man auch damit nicht; gar oft lassen die Thiere den Verband vor der Operation ruhig liegen, um ihn nach derselben alsbald abzureissen. Rechnet man hinzu, dass die mit Verletzungen verbundenen Gefahren im allgemeinen bei dem Thiere nicht so gross sind wie beim Menschen, so erklärt sich, dass wir uns zur Anwendung einer strengen Antisepsis nur da entschliessen, wo die Verletzungen, bezw. Operationen eine grössere Gefahr einschliessen, oder die Vortheile der aseptischen Wundheilung gegenüber der Eiterung so sehr ins Gewicht fallen, dass sich aus der Durchführung dieser Massnahmen ein materieller Gewinn ergiebt. Brsteres trifft ohne Zweifel für alle Wunden und Operationen zu, welche mit Eröffnung der Brust- und Bauchhöhle, sowie der Gelenke und gewisser Sehnenscheiden verbunden sind; letzteres gilt von vielen Operationen, z. B. der Exstirpation des Hufknorpels, der Resection der Hufbeinbeuge-sehnen, von Neurotomien u. s. w. Ausserdem erweist sich die Anwendung antiseptischer Massnahmen bei vielen anderen Operationen vortheilhaft. Heilten manche derselben z. B. die Tenotomiewunden auch bei dem früheren Verfahren in der Regel per prim, int., so kamen doch nicht selten durch den Eintritt von Eiterung unangenehme Ausgänge vor, die man durch Anwendung der Antisepsis mit fast absoluter Sicherheit vermeiden kann. Dasselbe gilt von Myotoraien, Spatoperationon und einer Reihe anderer operativer Eingriffe. Es muss daher der Umsicht des Praktikers überlassen bleiben, hier die richtige Auswahl zu treffen, dagegen sollen ihm die Grundsätze der
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Wundbehandlung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;103
Antisepsis bei der Wundbehandlung stets vor Augen schweben, gleichgültig, ob es sich um die Behandlung bereits inficirter Wunden oder um die Ausführung von Operationen handelt. Soviel steht fest, dass durch Nichtbeachtung dieser Grundsätze in früherer Zeit und vielleicht selbst bis auf den heutigen Tag manch schwerer Verlust herbeigeführt wurde. Wenn ein Castrirer z. B. 40 Hengste verliert, die von ihm an ein und demselben Tage castrirt wurden, so unterliegt es keinem Zweifel, dass so etwas nicht vorkommt, wenn auch nur einigermassen die Grundsätze der Antisepsis beachtet werden.
Von Wichtigkeit erscheint die Frage, unter welchen Umständen eine Wunde aseptisch erhalten oder eine wirksame Antisepsis durchgeführt werden kann. Sofern die oben beschriebenen Massnahmen bei Operationswunden streng beachtet werden, lässt sich in der Regel aseptische Heilung erzielen, anders liegt das Verliältniss bei Verwundungen, namentlich solchen, die von stark inficirten Gegenständen, z. B. Mistgabeln herbeigeführt sind. In der ersten Zeit nach der Entstehung solcher Wundon befinden sich die Infectionsstoife nur an der Oberfläche derselben, und es hängt vornehmlich von der Beschaffenheit der Wundränder ab, ob es gelingt, die Infectionsstoife vollständig ZU entfernen oder ihre Entwickelung zu verhindern. Glatte Schnitt-Avunden lassen sicli natürlich leichter desinficiren, als Riss- und Quetschwunden; die grössten Schwierigkeiten bieten hierbei tief gehende Stichwunden. Es kann daher unter Umständen angezeigt erscheinen, die Wunde zu vergrössern, um die ganze Oberfläche der Desinfection zugänglich zu machen. Schon in kurzer Zeit dringen die Mikroben in die Gewebe ein, wo ihre Vernichtung in der Regel schwer fällt, wenn sie überhaupt noch möglich erscheint. In wanner Jahreszeit geht die Entwickelung und dieses Eindringen derselben schneller von statten. Etwa 1012 Stunden nach Entstehung der Wunde gelingt die Desinfection derselben in der Regel nicht mehr; in kälterer Zeit quot;wird diese zuweilen noch nach 1220 Stunden möglich. Neben der Beschaffenheit der Wim dob er fläche spielt hierbei auch die Frage eine Rolle, ob die Zerstörung der Oberfläche derselben zulässig ist, oder durch die Dignität der Gewebe, welche hierbei mit zerstört werden, ausgeschlossen wird. Je mehr sich die Wundflächc glatt und eben gestaltet, je weniger Ausbuchtungen dieselbe besitzt und je rücksichtsloser man bei der Desinfection derselben vorgehen kann, um so eher darf auf Asepsis gerechnet werden.
Führt bei glatten Wundflächen sorgfältige Ausspülung mit Des-infectionsmitteln zuweilen noch zum Ziele, so erreicht man dieses
|
||
|
|
||
|
|
||
|
104nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wunden.
jedoch sicherer durch Abreiben derselben mit Chlorzink (1 : 10). Ein mit dieser Lösung getränkter Werg- oder Jutebausch dient zum Ausreiben der Wunde, wobei man um so rücksichtsloser vorgeht, je weniger die Zerstörung der Weichtheile in der Wunde mit Gefahren verknüpft ist. Unter Umständen zeigt sich die permanente Irrigation zu diesem Zwecke sehr wirksam. Auch empfehle ich in solchen Fällen Verbände, die mit dem einen oder anderen Desinfec-tionsmittel, namentlich Sublimat getränkt und wiederholt angefeuchtet werden.
Ganz besonders eignet sich hierzu auch die a n t i s e p t i s c h e Tamponade. Man stopft die Wundhöhle mit sterilisirten Materialien (Jute, Watte, Mull) aus, die unter Umständen mit dem Desinfections-mittel getränkt werden (Sublimat 0,10/o, Carbolsäure ;3 0/o, Creolin und Cyrol 10/laquo; gt; Chlorzink 0,2 n/o). In Ermangelung dieser Mittel lässt man den Verband mit Alkohol tränken und Gummipapier bedecken, um das Verdunsten des Mittels zu verlangsamen.
Sobald Eiterung eingetreten ist, gelingt die Erzielung einer aseptischen Wunde nur mit Zerstörung der Granulationsmassen, wenigstens deren Oberfläche. Dazu liegt indess für gewöhnlich kein Grund vor, und bei der Unsicherheit des Verfahrens macht man von demselben nur selten Gebraucb, sucht vielmehr die Heilung unter Eiterung zu erzielen.
|
||
|
|
||
|
Anwendung der Antisepsis in der thieriirztlichen Privatpraxis. Wie bereits oben erwähnt, war die früher übliche Wundbehandlung im allgemeinen bequemer als die heutige, namentlich in der Privatpraxis. Die Erzielung absoluter Asepsis ist nicht nur mit Schwierigkeiten, sondern auch mit Zeit- und Geldverlust verbunden, so dass sich der Thierarzt stets klar darüber werden muss, oh sich die Durchführung einer strengen Antisepsis überhaupt lohnt. Seiner Umsicht, mehr noch seiner Einsicht in die Bedeutung des Zustandes seiner Patienten muss es daher überlassen bleiben, hier den richtigen Weg zu finden, da sich allgemein gültige Eegeln nicht aufstellen lassen. Bemerkt wurde bereits, dass Asepsis auch bei Thieren für eine grosse Anzahl von Operationen zu erreichen nicht schwerfallt; das gilt von allen subeutanen Operationen (Myotomien , Tenotomien); auch bei der Neurec-tomie an den Plantarvenen lässt sich meist Asepsis erzielen. Wichtig ist die Erreichung eines aseptischen Zustandes bei penetrirenden Wunden, d. h. solchen, die bis in die Körperhöhlen (Bauch- und Brusthöhle, Gelenke, Sehnenscheiden) reichen; daher kommt auch bei operativen Eingriffen, welche mit Eröffnung dieser Höhlen verbunden sind, die Antiseptik in Betracht, z. B. beim Brust- und Bauchstich, Entleerung von Gallen u. s, w. Auch bei Verwundungen der Sehnen und Bänder, Pascien, Knorpel u. s. w. wird durch Asepsis die Heilung wesentlich abgekürzt und sollte auch hier womöglich angestrebt werden. Bei grossen Wunden bietet die Heilung unter dem Schorf ein äusserst becpiemes Heilverfahren. Dass man sich stets
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Wundbehandlung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 105
einer relativen Antisepsis, d. h. möglichster Reinlichkeit befleissigen muss, wurde bereits betont, doch sollte man immer in der Lage sein, den Grundsätzen der Antisepsis gerecht zu werden; das ist nicht so schwer, wie manche glauben und sich dadurch zu der Behauptung verleiten lassen, dass die Antisepsis in der Privatpraxis überhaupt nicht durchzuführen sei. Sehr beachtenswerthe Winke haben in dieser Hinsicht Prick (Grundriss der antiseptisehen Wundbehandlung für Thierilrzte) und Müller (Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung) gegeben, auf die ich verweisen muss; im übrigen sei hierzu noch folgendes bemerkt:
Der Transport von Desinfectionsmitteln bietet keine Schwierigkeiten mehr, seitdem Sublimat wie auch Carbolsäure in Pastillenform käuflich sind. Ich empfehle namentlich die A n g e r e r'schen Sublimatpastillen, welche aus 1 g Sublimat und ebensoviel Kochsalz bestehen und in einer kleinen Glasröhre aufbewahrt werden. Mit Hülfe derselben lässt sich in wenigen Augenblicken eine kräftig wirkende Desinfectionsflüssigkeit herstellen, indem man in je 11 Wasser eine Pastille löst. Jodoform kann bei aseptischen Wunden entbehrt werden, ist jedoch in kleinen Streubüchsen bequem zu transportiren. Die zum Unterbinden nöthige Seide und Catgut bewahrt man am einfachsten in einer kleinen Glasröhre auf, in der auf einem, mit dem Gummipfropfen verbundenen Stab das Nähmaterial aufgerollt ist (Fig. 33); in diesem Glase lassen sich die Materialien unter Carbol- oder Sublimatwasser bequem transportiren. Pur Kliniken und zum Hausgebrauch sind grössere Gefässe mit Rollen (Fig. 32) oder, wie ich sie auch anwende, Glascyliuder vorzuziehen, in welchen die sterilisirten Fäden auf einer Glasplatte befestigt, unter Carbol- oder Sublimatwasser bezw. Spiritus aufbewahrt werden (Pig. 31).
Catgut wird am besten in einer 0,1 quot;/oigcn Lösung von Sublimat in Spiritus aufbewahrt; in wässeriger Lösung quillt dasselbe auf und leidet an Haltbarkeit; in Gel aufbewahrt, lässt es sich nicht bequem handhaben. In Sublimat-Spiritus wird Catgut dagegen leicht spröde, und um das zu vermeiden, setzt man dem Spiritus etwa 5200llo Glycerin hinzu.
Etwas grössere Schwierigkeit bieten die sterilisirten Verbandstoffe. Man braucht davon jedoch in der Regel nicht viel, indem die oberen Lagen ohne Bedenken aus nicht sterilisirter Watte bestehen können; die durch Imprägniren mit Desinficientien oder durch Erhitzen sterilisirte Watte lässt sich in einem kleinen Lederetui oder Gummibeutel aufbewahren. Ein Beutel aus recht dichtem, leinenen oder wollenen Zeug würde ebenfalls dazu gentigen. Da sich die Watte fest zusammenpressen lässt, so nimmt die erforderliche Menge wenig Raum ein, und es bleibt noch für eine Handbürste Platz. Zur Herstellung eines Vorbandes am Rumpfe grösserer Thiere kann nach dem Vorschlage Bayers eine Naht dienen. Bayer benutzt dazu namentlich die Entspannungsnaht, welche mit Hülfo von Zapfen, als sogen. Zapfennaht angelegt wird (Fig. 22 und 23). Auch erscheint es unbedenklich, den Occlusivverband durch einige Hefte tragen zu lassen, welche durch die äussere Haut gelegt werden.
An manchen Stellen und nanientlich für Wunden, die nicht lebhaft secerniren, lilsst sich der Verband durch Jodofonntannin ersetzen. Ich streue das Mittel auf die geheftete Wunde, wo es mit der feuchten Oberfläche eine schmierige Masse bildet, und die Wunde verschliesst, sobald man mit den Fingern über die mit dem Mittel bedeckte Wunde streicht; auf diese Lage wird von demselben Mittel eine zweite gestreut. Auch die Subli-matglyceringelatine kann zur Bedeckung der Wunde benutzt werden. Hofmann hat für den Zweck eine lquot;|oige Sublimatsalbo empfohlen, welche
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
106
|
Wunden.
|
||
|
|
|||
|
täglich mittelst eines starken Pinsels aufgetragen werden soll. Bei lebhaft secernirenden Wunden genügen diese Mittel jedoch ebensowenig wie bei bereits inficirten Wunden.
Die Instrumente endlich lassen sich überall durch 510 Minuten langes Kochen in Wasser oder l0/oiger Bodalüsung zuverlüssig sterilisiren. Ich führe seit Jahren ein sogen, antiseptisches Besteck, wie es nach den Angaben Tricks von Hauptn er zusammengestellt ist und mir stets gute Dienste geleistet hat (Fig. 35). Leicht, mit den nöthigon Instrumenten sowie mit einer Büchse für Niihmaterial und Nadeln versehen, lässt sich das Besteck durch Auskochen desinficiren. Ein Spray ist, wie schon bemerkt, überflüssig ; auch kann ein Irrigator in der Regel entbehrt oder durch ein Gefäss
Fig. 35.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Asejitisches Tasclionbestock (licilbe Orösse).
|
|||
|
|
|||
|
mit Ausguss ersetzt werden. Im übrigen lässt sich ein Irrigator leicht im-provisiren. Dazu gehört nur ein doppelt durchbohrter Gummipfropfen, der mit zwei Gummi- oder Glasröhren versehen ist (Fig. 3G). Wenn der Pfropfen in eine, die antiseptische Flüssigkeit enthaltende Flasche (Weinflasche) gesteckt wird, muss das eine llohr bis fast auf den Boden der Flasche reichen, das zweite dicht unter dem Pfropfen endigen. Kehrt man die Flasche um, so entleert sich die Flüssigkeit aus dem Bohre, an welchem ein Gummischlauch befestigt ist, der als Ausflussrohr dient und erforderlichen Falls in die Wunde eingeführt werden kann. Wenn diese Gummivorrichtung zusammen mit der Watte in dem Lederetui aufbewahrt wird, so bleibt sie ebenfalls aseptisch. Das unter dem Namen Alphaspritzequot; in den Handel gebrachte Instrument lilsst sich schwer reinigen und leidet leicht Schaden, so dass es nicht gut functionirt. Seife findet man überall. Wo ein Wagen
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Wundbehandlung.
|
107
|
||
|
|
|||
|
zur Verfügung steht, empfiehlt sich auch, eine Flasche mit Alkohol oder Aether mitzuführen; in diesem Falle lassen sich sämmtliche Materialien zweckmässig in einen Blechkasten verpacken und steril erhalten.
Aber auch da, wo Asepsis nicht zu erreichen ist, hat der Thierarzt die Aufgabe, eine Keihe von Missbräuchen zu bekilmpfen, welche bei der Behandlung von Verletzungen selbst heute noch namentlich in Bezug auf die Reinigung von Wunden im Publikum bestehen. Fast überall begegnet man dem Missbrauch, zum Rei
|
|||
|
nigen von Wunden den ersten besten Schwamm
|
Fig. 36.
|
||
|
|
|||
|
hervorzuholen, auch wenn derselbe noch so sehr verunreinigt ist. Damit wird eine Reihe von Gefahren herbeigeführt, deren Bedeutung man unterschätzt, weil man sie eben nicht kennt. Und doch lassen sich solche leicht vermeiden, wenn man den Besitzer der Thiere nur darauf aufmerksam macht. Ich empfehle daher bei frischen Wunden, bei denen die Gefahr am grössten ist, einen womöglich ungebrauchten Schwamm zu nehmen, denselben circa 10 Minuten in reinem Wasser auszukochen und nach dem Abkühlen dasselbe Wasser sowohl wie den Schwamm zum Reinigen der Wunde, zu anderen Zwecken aber nicht zu verwenden. Durch dieses einfache Verfahren erlangt man wenigstens einige Sicherheit, dass nicht noch nachtrilglich Infectionen der Wunde erfolgen, und erspart dem Besitzer Ausgaben für Desinfectionsmittel, die oft entbehrt werden können, bei Benutzung inficirter Schwämme aber keine Bedeutung haben. Wer
|
|
||
|
den derartige Vorschriften nicht befolgt, so hat
|
|||
|
|
|||
|
der Sachverständige wenigstens seiner Pflicht
|
Ein finfaoliev Imgator.
|
||
|
|
|||
|
genügt, welche ihm mit der Uebernahme der Behandlung zufällt. Liegt Grund zu dem Bedenken vor, dass der Besitzer der einfachen Wasserbehandlung nicht das nöthige Vertrauen entgegenbringt, so können leicht Zusätze von Desinfectionsmitteln verwendet werden.
|
|||
|
|
|||
|
3. Durch Wundinfectlon veranlasste Kranklioiten.
A. Eiterung und Entzündung der Wunden. Anomalien der Granulation. Allgemeine Regeln der Wundbehandlung.
|
|||
|
|
|||
|
Während man früher alle reactiven Vorgänge in Wunden als Entzündung auffasste und zum Zustandekommen der Heilung für noth-wendig hielt, haben die neueren Untersuchungen gezeigt, dass diese Auffassung unrichtig ist, dass man hier streng zwischen Heilungsvorgängen und Entzündung unterscheiden muss. Es hat namentlich die Antisepsis gelehrt, dass selbst schwere und umfangreiche Verletzungen ohne jede Spur von Entzündung nicht nur heilen können,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
108nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wunden.
sondern dass diese immer erfolgt, sobald die Infection der Wunde verhütet wird. Mit welchen Schwierigkeiten aber die Erhaltung der Asepsis verbunden ist, haben wir in unserer vorigen Betrachtung kennen gelernt, und es erklärt sich dieses leicht, wenn man berücksichtigt, dass die Infectionsstoffe und namentlich die Eiterung erregenden Mikroorganismen allgemein verbreitet sind, so dass fast jede Wunde von ihnen verunreinigt (inficirt) wird, sofern nicht gegen das Eindringen derselben ein wirksamer Schutz gewährt wurde.
Die mit solcher Infection verbundenen Gefahren bestehen theils in localen, theils in allgemeinen Erkrankungen; örtlich führt dieselbe zu mehr oder weniger schweren entzündlichen Processen, verbunden mit Eiterung, während durch den TJebertritt der Infectionsstoffe, bezw. deren Producte in die Circulation Fieber (Wundfieber, septisches oder pyäniisches Fieber) entsteht.
Was zunächst die Entzündung und Eiterung in der Wunde betrifft, so haben zwar die neueren Untersuchungen von Grawitz u, a, ergeben, dass auch keimfreie chemische Substanzen (Terpentinöl, Quecksilber u. s. w.) Eiterung zu erzeugen im Stande sind; allein soviel steht andererseits fest, dass die uns interessirenden Eiterungen regel-mässig auf einer Infection beruhen. Nachdem von Ogston, Rosenbach, Passet u. a. beim Menschen im Eiter bestimmte Mikroben (Staphylokokkus pyogenes aureus und albus, Streptokokkus pyogenes, Mikrokokkus pyogenes tenuis) nachgewiesen waren, konnte man sich auch bei Thieren (Hell) von ihrer Gegenwart stets überzeugen. Zahlreiche in hiesiger Klinik angestellte Untersuchungen von Eiter Hessen in allen B'ällen Mikroben nachweisen. Diese rufen in der Regel eine acute Eiterung hervor, welche von einer mehr oder weniger heftigen Entzündung begleitet wird. Ob letztere nur in geringem Grade auftritt oder mit schweren, gefahrdrohenden Folgen verbunden ist, hängt theils von der Art und der Menge der eingedrungenen In-fectionserreger, theils von dem Grade ihrer Virulenz, endlich auch von dem Orte der Invasion und der Beschaffenheit der inficirten Gewebe ab.
Je reichlicher Nährmaterial (Blut, Wundsecret und abgestorbene Gewebe) zu ihrer Entwickelung zu Gebote steht, um so üppiger wuchern die Infectionsstoffe in der Wunde; je lockerer das Gewebe, um so leichter verbreiten sich dieselben in der Umgebung der Wunde, und je günstiger die Resorptionsvorgänge, um so reichlicher treten sie in die Circulation und das Blut über.
Zu den bisher bekannten Eiterung erregenden Bakterien gehören folgende:
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Eiterung.
|
10lt;gt;
|
||
|
|
|||
|
1. Staphylokokkus pyogenes aureus und albus') (Fig. 37). Staphylokokkus pyogenes aureus bildet kleine Kügelchen von 0,7 (i Durchmesser, welche sich zu traubenförmigen Verbänden zusammenlagern und in Culturen einen goldgelben Farbstotf produciren, daher der Name. Er gehört zu den am meisten verbreiteten Eiterkokken, findet sich häufig im Eiter (beim Menschen nach C. Pränkel in 800/o) und Thieren; aber auch in der Luft, Erde, Spülwasser; er lässt sich auf Gelatine, Agar-Agar, Kartoffeln und Blutserum in Eeinzucht gewinnen. Die Culturen wachsen am besten bei 3037deg; C. und zwar ziemlich schnell, jedoch ohne Sporen zu bilden, die bei ihm bisher nicht bekannt sind. Staphylokokkus pyogenes aureus zeigt sich sowohl chemischen Agentien wie auch dem Austrocknen und der Hitze gegenüber sehr widerstandsfähig, erzeugt weder Fäulniss noch Gase und lässt sich mit der Gram'schen Methode leicht färben. Cutane Impfungen mit demselben bleiben bei Mäusen, Meerschweinchen
|
|||
|
|
|||
|
Fig. 37.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Eiter mit Staphylokolikcn.
|
|||
|
|
|||
|
und Kaninchen erfolglos; in die Suboutis dieser Thiere gebracht erzeugt er locale Abscesse. Von der Blutbahn aus vermag Staphylokokkus pyogenes aureus Gelenkentzündungen und andere Metastasen, daher auch Pyämie zu erzeugen. Er findet sich ferner bei verschiedenen Erkrankungen der Schleimhäute, bei Osteomyelitis und anderen Leiden, nicht selten begleitet von anderen Bakterien.
Der Staphylokokkus pyogenes albus scheint nur eine Varietät des vorigen zu sein; seine Culturen sind weiss, seine Wirkungen weniger virulent. Im übrigen verhält er sich wie jener.
Staphylokokkus pyogenes citreus liefert ein citronengelbes Pigment, findet sich selten im Eiter des Menschen und hat bei Thieren eine besondere Bedeutung bisher nicht erlangt.
2. Streptokokkus pyogenes (Fig. 38). Nach den Untersuchungen von Baumgarten, E. Fränkel u. a. ist Streptokokkus pyogenes identisch mit dem von Fehleisen beschriebenen Streptokokkus des Erysipelas
|
|||
|
|
|||
|
') 3Ta(fgt;')),Y) ss Traube.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||
|
HOnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wunden.
und besteht aus Kokkon, die Ketten bilden, indem sie sich zahlreich an einander reihen. Er findet sich auf Schleimhäuten, im Speichel, Nasen-secret u. s. w., erscheint mit Yorliebe da, wo Organgewebe krankhaft verändert werden oder absterben, und bildet eine hllufige Ursache schwerer, progredienter Eiterungen sowohl in der Cutis (Erysipelas) wie auch Subcutis, (Phlegmone) in und unter Schleimhäuten sowie in lockeren Bindegewebs-massen. Auch er wird oft Vermittler metastatisoher Processe (Pyämie) und Gelenkentzündungen; seine Culturen wachsen langsam; auf Kartoffeln wachst er nicht. Nach der G r a m'schen Methode ist er leicht zu färben.
Neuerdings wurde diese Kokkenart als mit dem Streptokokkus der Drüse identisch bezeichnet (Hell),
Die übrigen beim Menschen ausnahmsweise im Eiter vorgefundenen Bakterien, wie Mikrokokkus pyogenes tenuis (Rosenbach),Bacillus pyogenes foetidus (Passet), Bacillus pyoeyaneus (Gessard) und Mikrokokkus tetragenus (Koch), haben bisher eine praktische Bedeu-
Kg. 38.
|
|||||
|
|
|||||
|
|
% \
|
|
|||
|
|
|||||
|
|
|
||||
|
|
|||||
|
Streptokokkus eiiui (Kitcr, nach Kitt).
tung bei Thieren nicht erlangt. Bemerkt sei, dass der Bacillus pyoeyaneus, ein zarter, schlanker Bacillus, dem Eiter eine grünblaue Farbe verleiht.
Es gibt ausserdem noch einige Parasiten, welche Eiterung zu erzeugen im Stande sind und nicht selten bei Thieren angetroffen werden. Dazu gehört eine unter dem Namen Botryomyces bekannte Kokkenart und die Vegetationen von Aktinomyces. Abgesehen davon, dass es nach den neuen Untersuchungen zweifelhaft erseheint, ob Botryomyces eine besondere Art bildet oder nicht vielmehr mit Staphylokokkus identisch ist, also nur eine eigenartige Vegetationsform desselben darstellt, tritt bei beiden die Neigung zur Anregung von Bindegewebsneubildungen in den Vordergrund. Deshalb sollen diese Parasiten bei den Neubildungen (Fibromen) berücksichtigt werden.
Am häufigsten wird Staphylokokkus pyogenes aureus im Eiter angetroffen, beim Menschen in etwa 80 0/'o (F ranke 1), bei Pferden ebenfalls (Hell), rnjeetionen von Staphylokokkus pyogenes in die
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||
|
Eiterung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1H
Bauchhöhle erzeugen schwere Peritonitis, in Gelenke Synovitis; in die Blutbiihn gebracht veranlasst derselbe oft local auftretende Eite-rungsprocesse (Metastasen), insbesondere auch eiterige Entzündungen der Gelenke.
Injectionen in die Subcutis verhalten sich verschieden; zuweilen erfolgt keine Reaction, indem die Mikroben nicht zur Vegetation gelangen, sondern durch den Einfluss der Gewebszellen, weisser Blutkörper oder des Plasma vernichtet werden (S. 33); anderenfalls entstehen Abscesse oder eine weitverbreitete, mit Eiterung verbundene Entzündung des Unterhautgewehes (Phlegmone). Aehnlich verhält sich Streptokokkus pyogenes albus und citreus, doch sollen diese weniger heftig wirken als aureus. Streptokokkus pyogenes albus und aureus besitzen die Eigenschaft, progressive Eiterungen anzuregen, doch zeigt sich die Malignität desselben verschieden. Von ihnen wird neuerdings angenommen, dass sie auch die Ursache des Erysipelas abgeben (S. 148). Ueber die Eigcntlnimlichkeiten in der Wirkung der übrigen eitererregenden Mikroben, namentlich des Bacillus pyoeyaneus, Mikrokokkus pyogenes tenuis u. s. w. ist bei den grösseren Thieren bisher noch wenig bekannt. Ueber die Bildung von Eiter, seine Zusammensetzung und Eigenschaften vergleiche man S. 22.
In Folge Infection mit der einen oder anderen dieser Mikrobenart entstehen entzündliche Processe, welche bald auf die Wundränder und deren Nachbarschaft beschränkt bleiben, nicht selten aber eine weitere Verbreitung finden, wodurch in dem lockeren Gewebe der Unterbaut Phlegmone (S. 150), in der Haut selbst Erysipelas und durch Eindringen in den Lymphapparat Lymphangioitis und Lymphadenitis entstehen. Durch die Infection mit anderen speeifisch wirkenden Mikroben, z. B. Milzbraiulbacillen werden schwerere, zum Theil brandige Vorgänge veranlasst.
Die locale Wundinfection mit Eiterkokken giebt sich schon nach 24 Stunden durch Anschwellung, Röthung und Schmerz in der Wunde zu erkennen. Durch Einwirkung der Producte dieser Mikroben auf die Blutgefässe und Gewebe werden an ihnen die oben (S. 16) besprochenen Processe hervorgerufen, welche wir unter der Bezeichnung Entzündung* zusammenfassen. Das hierbei in reichlicher Menge auftretende Wundsecret ninnnt am 3. oder 4. Tage eine trübe, gelbliche Beschaffenheit an, d. h. es tritt Eiterung ein, welche in der Regel so lange anhält, bis die GranulationsbiUlung vollendet ist und Benarbung der Wunde eintritt. So lauge diese Vorgänge auf die Wundoberflilclie besclminkt bleiben, verzögern sie nur die Heilung, ohne
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
112
|
Wunden.
|
||
|
|
|||
|
zu bedenklichen Folgen zu führen; doch darf man nicht vergessen, dass sich stets mehr oder weniger Gefahren mit der Eiterung verbinden. Häuft sich der mit Eiterkokken und deren Producten versehene Eiter an der einen oder anderen Stelle in der Wunde an, so tritt leicht Eiterversenkung ein, d. h. die Infectionsstofife und deren schädliche Noxen breiten sich in den Geweben aus und führen zu eiteriger Einschmelzung derselben. Da diese Anhäufung vornehm-licli in den unteren Abschnitten der Wunde einzutreten pflegt, so findet die Eiterversenkung in der Regel nach dieser Richtung statt. Durch die Bildung von Hauttaschen oder durch Ausbuchtungen der Wunde nach unten werden solche Eiterretentionen und Eiterversenkungen begünstigt. Die Verhütung solcher Complicationen bildet bei eiternden Wunden eine Hauptaufgabe der Behandlung. Wir suchen derartige Taschen (Recessus) durch Spalten zu beseitigen oder legen Gegenöffnungen an, durch welche das Wundsecret, bezw. der Eiter abfliesst und begünstigen die Entleerung derselben durch Application von sog. Eiterbändern oder Drainröhren. Wo die Lage der Wunde dieses nicht gestattet, wird die Wunde möglichst oft ausgewaschen oder permanente Irrigation zur Reinigung derselben eingeleitet. Der Vortheil des früher allgemein angewendeten Kühlens der Wunde bestand hauptsächlich in der Reinigung derselben.
Eiterung wird ferner dadurch leicht nachtheilig, dass sie sich auf Gewebe ausbreitet, welche durch dieselbe schwer geschädigt werden. Kommt der Eiter z. B. mit Sehnen, Fascien und Knorpelgewebe in Berührung, so sterben dieselben leicht ab. Wahi'scheinlich beruht diese Wirkung darauf, dass die genannten Gewebe bei ihrem geringen oder ganz fehlenden Gehalt an Blutgefässen nur dürftig ernährt werden, so dass durch Berührung mit Eiter die Ernährung derselben zu Grunde gerichtet wird. Die abgestorbenen und inficirten Gewebe aber bleiben längere Zeit in der Wunde liegen, rufen Reizungen und immer neue Eiterungen hervor. Die Folge davon ist, dass die Heilung solcher Wunden längere Zeit in Anspruch nimmt, da im Verlaufe derselben immer von neuem Eiterung und weiteres Absterben eintritt. So entstehen die dem Praktiker als Widerrist- oder Nackenfisteln, Knorpelfisteln u. s. w. ebenso bekannten wie unangenehmen und schwer heilenden Zustände.
Bedenklich wird ferner das Uebergreifen der Eiterung auf Gelenke und Sehnenscheiden, wodurch eiterige Erkrankungen dieser Organe entstehen, welche mit den schwerwiegendsten Folgen verbunden zu sein pflegen (vgl. Kap. VII. und VIII).
|
|||
|
|
|||
|
.1
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Wundbehandlung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 113
Aus dem Angeführten ergiebt sich, dass in allen solchen Fällen, wo derartige Complicationen in Aussicht stehen, die streng durchgeführte Antisepsis in ihre Rechte treten muss. Leider gelingt diese in der Regel nicht mehr, wenn die Wunde schon einige Zeit besteht und fast niemals, wenn bereits Eiterung eingetreten ist (S. 103).
Sobald die Wunde nicht per prim. int. heilt, erscheint das Heften derselben in der Regel nicht zweckmüssig, weil dadurch der Abfluss des Wundsecrets und Eiters behindert wird. Wo indess das Heften der Wunde zur Blutstillung erforderlich wird, werden die Fäden etwa 2448 Stunden später wieder entfernt.
Das Heften einer Wunde kann ferner den Zweck haben, das Klaffen zu vermindern oder die beweglichen Wundränder zu fixiren, wie bereits erwähnt wurde. Auch für diese Zwecke genügt es in der Regel, wenn die Hefte 34 Tage liegen, indem bis dahin die Wundränder bereits in hohem Masse plastisch infiltrirt sind und sich daher nicht mehr retrahiren oder bewegen. Unter Umständen lassen sich bei grösseren Muskelwunden die Hefte so legen, dass sie der Reinigung der Wunde und dem Abfluss des Wundsecrets nicht hinderlich werden. Dass man in solchen Fällen Band zum Heften wählt, liegt auf der Hand, denn dünne Fäden würden die Wundränder durchschneiden.
Eine weitere Indication der Wundbehandlung besteht in der Abhaltung mechanischer Reize, der Bewegung der Wundränder an einander, wie sie bei Thieren durch die Wirkung des Hautmuskels begünstigt wird. Grössere Thiere zeigen oft Neigung, die Wunde zu scheuern, Fleischfresser diese zu belecken. Wenn auch das letztere unter Umständen zur Reinigung der Wunde nützlich werden kann, so zeigt es sich im allgemeinen doch nachtheilig. Einmal schliesst das Belecken Asepsis in der Wunde aus, weil auch im Maule der Thiere, im Speichel u. s. w. sich stets Eitererreger finden; dann aber kann andauerndes Belecken der Wunde die Heilungsvorgänge, namentlich die Benarbung derselben verzögern. Doch muss zugegeben werden, dass das Belecken nicht so bedenklich ist wie das Scheuern der Wunde, das auf jeden Fall verhindert werden muss. Grössere Thiere bindet man zu dem Zwecke zwischen zwei Pfeilern doppelt an, oder man benutzt einen sog. Spannstock, der die Bewegungen des Kopfes einschränkt. Im übrigen bleibt zu bedenken, dass die Neigung zum Scheuern oder Leoken aus einem Juckgefühl hervorgeht, welches sich vornehmlich während der Benarbung der Wunde zeigt, zuweilen aber durch Eiterungen in der Tiefe veranlasst wird. Man untersuche in solchen Fällen stets die Wunde, und wo sich Eiterver-Mölier, Allgemeine Ohlrnrgie für Thlertlrzte,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;8
|
||
|
|
||
|
.L
|
||
|
|
||
|
|
||
|
114nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wunden.
Senkungen oder Abscessbildung bemerkbar machen, muss durch Einstich oder Spaltung die Eiterretention beseitigt werden.
Bei eiternden Wunden sind Verbände zu vermeiden, denn sie stören den Abfluss des Wundsecretes und begünstigen die Zersetzung desselben. Daher verdient die offene Wundbehandlung hier den Vorzug, sobald nicht besondere Umstände die Anwendung des Verbandes wünschenswerth erscheinen lassen, z. B. zum Schutz gegen Verletzungen, zur Kuhestellung der Wundränder oder Abhaltung von Kälte.
Durch das abfliessende Wundsecret entsteht unterhalb der Wunde eine Entzündung der Haut, verbunden mit Haarausfall, was durch Bestreichen der betreffenden Stellen mit Fett oder Vaselin verhindert werden kann.
Im übrigen sollen durch die Behandlung Störungen in dem regelmilssigen Ablauf der Heilungsvorgänge verhütet, bezw. beseitigt werden. Dahin gehören:
1.nbsp; üngleichmässige Granulation. Die Fähigkeit der einzelnen Gewebe Granulationen zu bilden, zeigt sich verschieden; am meisten ist hierzu lockeres Bindegewebe geeignet, während Sehnengewebe (Fascien, Bänder) und Knorpel eine lebhafte Vascularisation erfahren müssen, bevor sie Granulation treiben. Daher kommt es, dass in grösseren Wunden, welche mehrere Gewebe betreffen, die Granulation oft unregelmässig ausfällt. Aufgabe der Therapie wird es hier, die Granulation an einzelnen Stellen durch einen Druckverband, durch Aetzmittel oder Adstringentien zurückzuhalten; aufstreuen von Tannin oder Alaun zeigt sich hierbei sehr wirksam.
2.nbsp; Mangelhafte Granulation. Während schwerer, fieberhafter Erkrankung lässt die Granulation nach oder hört ganz auf; hier muss eine Behandlung des Allgemeinleidens eintreten. Ferner beobachtet man zuweilen auch ohne diesen Einfluss, dass die Granulation schlaff wird, höher geröthot erscheint und nicht vorwärts kommt. In solchen Fällen finden Reizmittel, sog. Digestivsalben vortheilhafte Anwendung. Sie bestehen aus Harzen, Terpentin, älteren, reizenden Fetten u. s. w. Eine ebenso einfache wie wirksame Salbe erhält man durch Zusammenreiben von dem Gelben eines Hühnereies mit 15,0 gemeinem Terpentin.
In grösseren Wunden, namentlich solchen mit Suhstanzverlust beobachtet man nicht selten, dass sich die Granulation erschöpft; ihre Oberfläche wird glatt, und in Folge dessen bildet sie eine spiegelnde Fläche, an welcher die Eiterung sowohl wie auch die Neubildung
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Krankheiten der Granulation.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;I \ 5
aufhört. Hier zeigt sich eine oberflächliche Aetzung mit Höllenstein oder eine ln/oige Sublimatlösung nützlich.
8. Ueppige Granulation (Caro luxurians, wildes Fleisch.) Unter normalen Verhältnissen hört die Granulation auf, sobald sie das Niveau der benachbarten Haut erreicht bat, wenn die Wunde ausgefüllt ist. Zuweilen aber wuchert sie, und zwar in der Kegel durch andauernde Reizung veranlasst, über diese Grenze hinaus. In dieser Hinsicht kommt vor allem mangelnde Ruhe der Wundränder in Betracht. So entsteht bei Tbieren namentlich an der Beugefiäche der Gelenke, z. B. in der Kötho bei Pferden leicht üppige Granulation; auch geben Fremdkörper oder abgestorbene Gowebsmasseu zu pilzartigen Erbebungen der Granulation Veranlassung. Untersucht man eine solche Stelle genauer, so erkennt man auf der Höhe der vor-gewucherten Masse ein Tröpfchen Eiter, und mit einer dünnen Sonde gelangt man in einen engen Kanal, der bis auf den Grund der Warzenlaquo; förmigen Erhebung reicht; hier stösst die Sonde auf den Fremdkörper oder auf abgestorbenes Gewebe. In solchen Fällen muss die gewucherte Masse mit dem Messer oder der Schere abgetragen und der reizende Gegenstand event, unter Zuhülfenabme eines scharfen Löffels entfernt werden.
Breitet sich üppige Granulation über die ganze Wundfläche aus, so suche man die Ursache derselben zu beseitigen, stelle durch einen zweckmässig angelegten Verband die Wundränder fest und lasse durch denselben einen gleichmässigen Druck auf die wuchernde Masse ausüben. Im übrigen lernt man die Stellen bald kennen, wo sich aus diesem Grunde die in Rede stehende Störung regelmässig einstellt, z. B. bei Pferden an der Huf krone und über den Ballen; durch passende Verbände wird dieser Fehler der Granulation von vorn herein zurückgehalten. In anderen Fällen finden Adstriugentieu (Tannin, Alaun) oder austrocknende Mittel, z. B. Zucker, vortbeilbafte Anwendung. Letzterer empfiehlt sich ganz besonders; man streut eine grössere Menge Zuckerpulver auf die üppige Granulation, welche in Folge der hygroskopischen Wirkung des Zuckers bald zusammenschrumpft; auch ein gut angelegter Druckverband erweist sich hier nützlich.
4. Erethische Granulation. Unter lebhafter Wucherung, bei schlaffer, leicht blutender Beschaffenheit, grosser Schmerzhaftigkeit und dunkeler Röthung drängt sich die erethische Granulation über das Niveau der Wunde hinaus. Meist liegen dein Zustande Fremdkörper, abgestorbene Gewebsmassen oder Eiterungen in der Tiefe zu Grunde.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
HOnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Wunden.
Es handelt sich um eine Entzündung derselben und ihrer Nachbarschaft. Selbstverständlich müssen diese Ursachen durch Spaltungen, reinigen, event, unter Entfernung der gewucherten Massen beseitigt werden. Im übrigen zeigt sich in solchen Fällen Bestreuen der Granulation mit Jodoform, Aetzen mit Höllenstein und selbst das Glüheisen recht wirksam.
5. Diphtherie der Granulation. Diese unter dem Namen Hospitalbrand beim Menschen bekannte und früher so gefürchtete Krankheit der Granulation wird bei den Thieren selten beobachtet. Sie besteht in brandigem Zerfall der Granulation, veranlasst durch eine specifische Infection. Obgleich die Erreger dieses Leidens bisher nicht bekannt sind, so vermuthet man doch, dass es sich um dieselben Mikroben handelt, welche die Rachendiphtherie des Menschen veranlassen. Bald tritt die Gangrän nur oberflächlich auf, bald greift sie schnell in die Tiefe und zerstört nicht nur die Granulation sondern auch die nachbarlichen Gewebe. In der Granulation bilden sich hämor-rhagische Herde, welche bald zerfallen und das Gewebe in einen gelbliclirothen, jauchigen Brei verwandeln. Bei Rindern will man ähnliche Erkrankungen gesehen haben; mir begegneten solche Vorgänge bei Fleischfressern und beim Geflügel. Energische Zerstörung der erkrankten Granulation mit dem Glüheisen oder Galvanokauter, mit Chlorzink, Salpetersäure und sorgfältige, d. h. öftere und energische Reinigung mit Desinficientien (Sublimat 0,1 0/n) setzen der Zerstörung noch am ehesten eine Grenze, die sonst leicht um sich greift und selbst das Leben des Patienten in Gefahr bringt.
Auch in der Benarbung stellen sich zuweilen Anomalien ein. Zu den wichtigsten derselben gehören:
1.nbsp; nbsp;Die Hornnarbe. An Stellen, wo die äussere Haut mit einer starken Epidermis versehen ist, bildet sich auch auf Wunden regel-mässig eine dicke Lage von Epithelmassen, z. B. an den unteren Abschnitten der Gliedmassen. Man spricht in solchen Fällen von einer Hornnarbe, die man am sichersten durch eine sorgfältige Wundbehandlung beschränkt, denn je länger die Heilung dauert, um so stärker pflegt die Hornnarbe zu werden. Heizungen der Wunde durch Bewegung der Wundränder bilden oft die Grundlage zur Entstehung derselben.
2.nbsp; Das Narbenkeloid. Kommt nach erfolgter Benarbung die Granulation nicht zum Abschiuss, sondern wuchert sie allmählich weiter, so nennt man den Zustand Narbenkeloid. Man begegnet demselben am häufigsten in der Beugefläche der Gelenke, namentlich in der
|
||
|
|
||
|
i
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Störungen der Benavbung.
|
117
|
||
|
|
|||
|
Köthe der Pferde nach Verletzungen oder Brandmauke. Offenbar geben die mit der Bewegung verbundenen Reizungen des Narbengewebes zu dem excessiven Wuchern Veranlassung. Ebenso werden Narbenkeloide bei Wunden, die durch Fascien reichen, beobachtet; die Bewegung der Fascie giebt hierbei den Anstoss zur Wucherung. Ein bekanntes Narbenkoloid behandelte ich am Fesselgelenke eines Pferdes (Fig. 39). Durch zweckmässig angelegte Verbände und Ruhe des Thieres verhindert man am sichersten diesen Vorgang. Hat sich bereits ein Narbenkeloid gebildet, so werden entweder Aetzmittel oder operative Eingriffe (Excision der gewucherten Masse) nothwendig. Die in Figur 89nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; '^ ;?9-
dargestellte Neubildung wurde durch Excision dauerndnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;',
beseitigt.
3. Unvollständige Benarbung der Granulation. Da die Ueberhäutung mit Epithel vom Rete-gewebe der benachbarten Haut ausgeht, so erklärt sich, dass dieser Vorgang namentlich auf Schwierigkeiten stösst, wo die Verwundung mit grössercn Hautverlusten verbunden war. Granz besonders ist dies der Fall, wenn die Haut an der verletzten Stelle strafi' angespannt und fest mit ihrer Unterlage verbunden ist, so dass die Wundränder durch Narbenretraction nicht in wirksamer Weise einander genähert werden können (S. 7(5). Diese Umstände treffen an den unteren Abschnitten der Gliedmassen bei Pferden und Rindern oft zusammen, daher an diesen Stellen die Benarbung nicht selten unvollständig ausfällt. Hier muss Narbenkeloid man daher von vorn herein darauf bedacht sein, bei der Behandlung von Verletzungen mit grösseren Hautverlusten die Cutis nach Möglichkeit zu schonen, event, das Absterben derselben zu verhindern. Vermeidung intensiver Kälte und Druckwirkung, sorgfältiges Heften der Haut, die Anwendung feuchter Verbände und Asepsis schützt noch am ehesten gegen derartige Schwierigkeiten bei der Wundheilimg. Auf diese Mittel ist um so mehr Gewicht zu legen, als die beim Menschen zum Ersätze der verloren gegangenen Haut angewendeten Verfahren (Unterminirung der nachbarlichen Cutis oder Transplantation) bei Thieren nur selten mit Erfolg auszuführen sind.
Nachdem durch 11 ever din zuerst gezeigt worden war, dass es möglich ist, Hautdefecte durch das Aufpflanzen von Haut, die einer anderen Körperstelle entnommen ist, zu beseitigen, haben sich neuerdings Thiersch
|
|||
|
|
|||
|
L
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
118nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wunden.
und Esmavch um dieses Verfahren beim Menschen verdient gemacht. Während Reverdin 23 qcm grosse Hautstücke verpflanzte, benutzt Es march grössere, weil dieselben regel massig stark schrumpfen. Das zu verpflanzende Stück muss aseptisch und frisch abgetragen, an seiner unteren Fläche von Fett und lockerem Bindegewebe möglichst befreit auf die aseptische Wundfläche gelegt und hier durch Ifinden odor Ligaturen befestigt werden. Schon die Forderung eines aseptischen Heilverlaufs stösst bei Thieren auf Schwierigkeiten; doch könnte man unter Umständen den Versuch einer Transplantation machen, (üeber die hierbei ablaufenden Heilvorgänge vergleiche man S. 73.)
Smith will Hautdefecte bei Pferden durch Transplantation von Hühnerhaut geheilt haben. Nachdem die Wundfläche zur Erzielung einer ebenen Granulation 85 Tage lang mit einer schwachen Sublimatlösung verbunden war, wurden kleine Hautstücke unter dem Flügel eines Huhnes mit der Pincette aufgehoben und mittelst einer Schere excidirt, auf dem Fingernagel ausgebreitet und so schnell als möglich übertragen. Darauf legt Smith einen antiseptischen Verband an. Man soll nach ihm darauf achten, dass bei Entnahme der Hautstücke möglichst wenig Blutgefässe und Fett mitgenommen wird.
Dasselbe gilt von dem Anheilen vollständig abgetrennter Theile. Dass dieses möglich ist, haben zahlreiche Erfolge beim Menschen bewiesen, doch gelingt es nur, wenn günstige Ernährungsverhältnisse in dem abgetrennten Theile bestehen; derselbe muss zunächst durch plasmatische Circulation von seiner Unterlage aus ernährt werden, bis sich neue Blutgefässe in sein Gewebe eingesenkt haben. Der abgetrennte Theil darf daher nicht zu gi-oss sein; während Bindegewebe das Anheilen begünstigt, stirbt das schlecht ernährte Fettgewebe leicht ab.
Die zweite Forderung für das Anheilen vollständig abgetrennter Theile besteht darin, dass sie vor dem Absterben in genaue Verbindung mit ihrer Unterlage gebracht werden und hier keine Infection (Eiterung) besteht. Der abgetrennte Theil muss daher nach Möglichkeit gegen Abkühlung und Austrocknen geschützt werden, und je früher die sorgfältige Verbindung desselben mit der Wundfli'iche geschieht, um so sicherer der Erfolg.
Bei Thieren hat diese Frage keine so hohe Bedeutung wie für den Menschen ; dass die Durchführung dos Verfahrens bei ihnen auf grössere Schwierigkeiten stösst, ergiebt sich aus obiger Betrachtung. Um so grösseres Gewicht muss dagegen oft auf das Anheilen theilweise getrennter Theile gelegt werden. Aseptische Wundheilung und Unterstützung der Circulation in den Wundrändern fördert am wirksamsten den Vorgang.
Heilung der Wunde per tertiam intentionem. Als Heilung per tertiam intentionem bezeichnet man das Zusammenwaclisen gra-nulirender Wundflächen. Sobald Eiterung eingetreten ist, kommt dieser Vorgang selten vor, weil der auf der Oborfiilche der Granulation sich anhäufende Eiter gleichsam eine Isolirschicht bildet, welche die innige Berührung der Granuliitionsflächen verhindert. Daraus ergiebt sich, dsiss diese Heilung um so schwieriger wird, je lebhafter die Eiterung. Ganz anders verhalten sich aseptische Wunden; in ihnen können die Granulationsflüchen sich leicht vereinigen, weil sie in innige Berührung gelangen. Die Heilung per tertiam intentionem kann
|
||
|
|
||
|
I
|
||
|
|
||
|
Wundbehandlung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 119
in eiternden Wunden sogar naclitheilig werden. Wenn nämlich durch Vereinigung der granulireuden Wundflilclie Eiter oder andere in-ficirte Wundsecrete in der Wunde abgeschlossen werden, so kommt es zu neuen entzündlichen Zufilllen mit Abscedirung, wodurch die Heilung im günstigsten Falle nur verzögert wird, leicht aber Eiterversenkungen zu Stande kommen. raquo;Die Wunde muss vom Grunde aus heilen,quot; wie man zu sagen pflegt, d. h. die Granulation soll vom Grunde der Wunde aus den Defect allmiihlich ausfüllen und keine mit Eiter angefüllten Höhlen in derselben abschliessen. Bei tieferen Wunden wird es daher oft nothwendig, die Granulation an den oberflächlich gelegenen Stollen durch Tamponade oder mit Hülfe von Aetzmitteln zurückzuhalten, damit hier ein Abschluss derselben nicht früher erfolgt, als bis vom Grunde der Wunde alles durch Granulation ausgefüllt ist.
Allgemeine Regeln der Wundbehandlung. Erste Aufgabe bei der Wundbehandlung bleibt, von der Bedeutung der Wunde sich zu überzeugen, welche in erster Linie von der Art der verletzten Theile, dann von dem Umfange, der Art und Richtung der Verletzung, namentlich aber von der Frage abhängig ist, ob die Wunde noch aseptisch oder mit Erfolg zu desiuficiren ist, oder ob bereits eine Infection vorliegt; ferner kommt es auf die Virulenz der Infectionserreger an. Oft lassen sich hierüber nur Vermuthungen anstellen, doch sei bemerkt, dass grosse Schmerzhaftigkeit und starke, schnell hervorgetretene Anschwellung als ungünstige Zeichen betrachtet werden müssen, weil sie vornehmlich bei schweren Läsionen und Infectionen auftreten. Man überzeugt sich zunächst durch Inspection über Sitz und Grosse der Wunde, über die Beschaffenheit der Wundränder, die etwa noch fortbestehende Blutung, über das Klaffen der Wunde und die Beschaffenheit ihrer Umgebung (Anschwellung, Entzündung). Nachdem die Blutung mit dem einen oder anderen Mittel gestillt ist, lässt man die Wunde reinigen, um sich von der Ausdehnung derselben in die Tiefe sowie über die Gegenwart von Fremdkörpern in derselben Ueber-zeugung zu verschaffen. Sobald auch nur die Möglichkeit vorliegt, dass ein streng antiseptisches Verfahren eingeschlagen werden muss, erfolgt diese Untersuchung der Wunde mit desinficirten Händen und Instrumenten (S. 94). In der Nähe von Körperhöhlen sei man mit der Application von Sonden besonders vorsichtig, damit diese Höhlen nicht verletzt werden; im allgemeinen gilt die Kegel, dass der Finger für die Untersuchung geeigneter ist als Sonden. Nunmehr muss man
|
||
|
|
||
|
L
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
120
|
Wunden.
|
||
|
|
|||
|
sich klar darüber werden, welcher Heilvorgang angestrebt werden soll. Erscheint die Heilung auf dem ersten Wege möglich, zugleich sicher und leicht zu erreichen, so werden natürlich die hierzu erforderlichen Vorkehrungen getroffen. Nach sorgfältiger Desinfection wird die Wunde entweder geheftet und mit einem Occlusivvorband versehen, oder man leitet offene Wundbehandlung ein, um Heilung unter dem Schorf zu erzielen. Unter Umständen kann zunächst antiseptische Tamponade Anwendung finden, worauf am nächsten Tage die weiteren Mass-nahmen für die Asepsis getroffen werden, entweder die seeundäre Wundnaht (S. 70) oder offene Wundbeliandlnng (S. 97).
Die Anlegung eines Verbandes kann aus verschiedenen Gründen erfolgen:
1.nbsp; Der Occlusivverband bezweckt, die aseptische Wunde vor Infectionen, zu schützen und wird, wie oben (S. 90) beschrieben, angelegt.
2.nbsp; nbsp;Der Druckverband soll entweder Blutungen stillen oder die Granulation an bestimmten Stellen der Wunde zurückhalten oder endlich eine günstige Lagerung und Fixirung der Wundränder herbeiführen. Werg, Jute, Watte oder Gaze, entweder in lockeren Lagen (Bäusche) oder fest zusammengerollt (Tampons), werden in die Wunde geschoben und nöthigenfalls mittelst Binden oder durch Heften der Wundränder befestigt. Am Hufe bezweckt der Druckverband oft einen Verfall der Weichtheile zu verhindern.
3.nbsp; In anderen Fällen soll durch den Verband das Wundsecrot aufgesaugt oder die Wunde vor Verletzungen geschützt werden (Schutz-verb and). Im ersten Falle kann die Wirkung desselben durch Anlegen von Drains sowie durch zweckmässige Auswahl der Verbandstoffe unterstützt werden; Holzwollwatte zeigt sich für diesen Zweck recht brauchbar. Ein Schutzverband findet an den unteren Enden der Gliedmassen bei den grösseren Thicren oft Anwendung, um zugleich Verunreinigungen der Wunde zu verhindern.
Ein Wechsel des Verbandes wird nothwendig:
1.nbsp; nbsp;Wenn derselbe sich gelockert oder verschoben hat.
2.nbsp; nbsp;Wenn der Verband von Blut oder Wundsocret durchtränkt ist. Sobald dieses erfolgt, finden die Infoctionserreger in den flüssigen Massen Gelegenheit zu lebhafter Entwickelung, um bis auf die Wunde vorzudringen, d. h. diese zu inficiren; daher wird namentlich bei Occlusivverbänden in solchen Fällen ein Verbandwechsel nothwendig.
3.nbsp; nbsp;Wenn die Schmerzen eine erhebliche Steigerung erfahren oder
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Verbandwechsel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;121
höheres Fieber eintritt. Im ersten Falle liegt die Vermuthung vor, dass der Verband entweder schlecht liegt, durch die eingetretene Schwellung zu eng geworden ist, oder dnss sich unter demselben eine erhebliche Entzündung eingestellt hat, welche, durch Infection veran-lasst, eine Reinigung und Dosinfection der Wunde erforderlich macht. Dieselbe Vermuthung ergiebt sich aus dem Auftreten eines höheren Fiebers; sobald bei Pferden die Temperatur über 39,5deg; C. steigt, oder andere Störungen, wie kleiner, frequenter Puls, Appetitlosigkeit auftreten, lasse ich stets einen Verbandwechsel vornehmen.
4.nbsp; Wenn der Verband der Heilung, insbesondere der Granulationsbildung hinderlich wird, was namentlich bei Verbänden mit der Zeit eintritt, die mit Tamponade der Wunde verbunden waren.
5.nbsp; Endlich kann der Verband entfernt werden, sobald die Heilung vollendet ist.
Beim Wechsel des Verbandes auf aseptischen Wunden müssen dieselben Massnahmen beobachtet werden wie bei der ersten Anleauns desselben.
Im allgemeinen empfiehlt sich, den Verband so lange als möglich liegen zu lassen, weil mit jedem Wechsel desselben eine Reizung der Wunde und die Gefahr einer Infection verbunden ist. Nur bei den zur Absorption der Wundsecrete angelegten Verbänden wird ein häufigerer Wechsel derselben erforderlich. Im allgemeinen kann die Anlegung eines Verbandes auf stark eiternden oder jauchenden Wunden nicht empfohlen werden. Die durch denselben bewirkte Temperatur-Steigerung und Zurückhaltung der Feuchtigkeit in der Wunde begünstigt die Zersetzung des Wundsecrets und die Vegetation der Infections-erreger. Dasselbe gilt von dem Heften solcher Wunden.
Man bedenke ferner, dass jede Reizung und Verletzung einer Wunde nicht nur die Heilungsvorgänge in derselben stört, sondern auch die Gefahr einer Infection herbeiführt. Daher sei man bei allen Manipulationen an derselben vorsichtig und sorge auch dafür, dass solche Verletzungen und Reizungen durch andere Ursachen nicht eintreten. Ruhe des Thieres, Vermeidung der Bewegung desselben, soweit nur möglich, erscheint um so nothwendiger, wenn Theile verletzt sind, die hieran Theil nehmen, z. B. Wunden in der Nähe der Gelenke, namentlich an der Beugefläche derselben. Unter solchen Umständen kann ein zweckmässig angelegter Verband zwar nützlich, aber auch nachtheilig werden; manche Thiere werden durch denselben erst recht veranlasst, Bewegungen mit der betreifenden Gliedmasse auszuführen.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
122nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Wunden.
Ein für die thiorilrztliche Praxis beachteuswerther Punkt ist ferner die Sorge für die junge Narbe. So lange diese nicht mit Haaren ausreichend bedeckt, ist, übt die KiUte leicht einen uach-theiligen Einfluss auf dieselbe aus. Sollen die Thiere bei Temperatur unter 0deg; im Freien ausdauernd benutzt werden, so wird ein Schutz gegen Erfrierungen nothwendig; dieser gilt namentlich für Wunden an den unteren Absclinitten der Gliedmassen bei Pferden, die im Winter bei Schmutzwetter zur Arbeit verwendet werden sollen. Ebenso wird oft ein besonderer Schutz für Narben erforderlich, wo das Geschirr mit denselben in Berührung kommt.
|
||
|
|
||
|
B. Wundfieber, Septikämie, Pyamie und Starrkrampf.
Gelangen lebensfähige Keime bestimmter Mikroparasiten in eine Wunde, SO finden dieselben in der Kegel günstige Bedingungen zu ihrer Vermehrung, welche bekanntlich sehr schnell erfolgt, und wenn es sich um Bakterien handelt, deren Producte reizende oder in anderer Weise schädigende Wirkungen auf das betreffende Thier ausüben (pathogene Bakterien), so kommt es nicht nur zu einer Störung der regelmässigen Wundheilung, sondern auch zu einer Reihe anderer Krankheitsvorgänge, welche das Leben der Thiere bald mehr bald weniger gefährden. Zu diesen Leiden gehören 1. das Wundfieber, 2. die Septikämie, 8. die Pyämie und 4. der Starrkrampf.
1. Das Wundfieber. Wenn von einer Wunde ausgehend sich jener Symptomencomplex entwickelt, der als Fieber bezeichnet wird, so spricht man von einem Wundfleber. In früherer Zeit glaubte man, dass dasselbe auf einer Heizung nervöser Apparate beruhe; gegenwärtig aber besteht kein Zweifel darüber, dass das Wundfieber durch die Resorption gewisser schädlicher Stoffe in der Wunde veranlagst wird; dass das Wundfieber also ein Kesorptionsfieber darstellt. Zu den Stoffen, welche fiebererregend (pyrogen) wirken, gehören in erster Linie die Stolfwechselproducte der Bakterien (Ptomaine, Toxine), und so erklärt sich, dass je nach der Virulenz der Infec-tionserreger bezvv. deren Producte das Fieber sich verschieden gestaltet, bald sehr heftig, bald nur in geringem Grade auftritt, in dem einen Falle mit grossen Gefahren verbunden ist, in dem anderen unbedenklich erscheint. Bald gelangen die Mikroben selbst in die Blutbahn, wo man sie während des Fiebers nachweisen kann (infec-
|
||
|
|
||
|
.
|
||
|
|
||
|
Wundfiober.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 123
tiöses Wuudf'ieber), bald werden nur Stoffwechselproducte derselben resorbirt, so dass das Fieber gleichsam nur eine Intoxication darstellt (Intoxicationsfieber). Ein toxisches Wundfieber kann auch ohne Mitwirkung von Infectionserregern und zwar durch IJesorption von thierischen Flüssigkeiten entstehen, von Stoffen, welche aus zerfallenen Körperbestandtheilen, z. B. aus zersetztem Blute vielleicht durch Fermentwirkung hervorgegangen sind. So weiss man, dass das Fibrin-f'erment, dass Hiimoglobinlösungen in die Blutbahn gebracht Fieber erzeugen; dasselbe gilt von gewissen Fermenten, /.. B. dem Pepsin und Pancreatin, sowie von dem durch Schmiedoberg hergestellten Histocym, einem normalen Stoffwechselproduct des thierischen Körpers. Alle diese und andere Stoffe erzeugen Fieber, sobald grösserc Mengen derselben in die Blutbahn gelangen. So erklärt sich auch das Auftreten von Fieber bei Knochenbrlichen (Bruchfieber), bei Quetschungen und anderen suheutanen Verletzungen. Volkmann hat für dieses Fieber die Bezeichnung aseptisches Fieber eingeführt; man nennt es auch nicht bakterielles Fieber. Grössere Mengen Wundsecret, Reizungen der Wunde mit coucentrirten Desinfectionsmitteln (Carbol-säure) begünstigen die Bildung dieses Fiebers, indem sie den Zerfall der Gewebselemente und die Abscheidung von Wundsecret, unter Umständen auch Blutungen fördern.
Die zweite und wichtigere Gruppe der pyrogenen Stoffe besteht aus den Stoffwechselproducten der Mikroben, wobei nicht allein die fäulnisserregenden, sondern auch eine grosse Zahl anderer Bakterien, wie namentlich die Eiterkokkon in Betracht kommen. Das in der Wunde sich angesammelte Secret wird, falls nicht Asepsis erreicht wurde, durch die Mikrobonvogetationen zersetzt, kann nun mit oder ohne diese in die Blutbahn gelangen und Fieber erzeugen. Im Gegensatz zu dem oben besprochenen Fieber bezeichnet man dieses als septisches oder bakterielles Wundfieber. Der letztere Name verdient insofern den Vorzug, als mar, mit septischem Fieberquot; noch einen anderen und zwar engeren Begriff vorbindet (S. 128).
Beim Wundfieber handelt es sich also entweder um die Aufnahme gewisser chemischer Substanzen in das Blut, um ein Intoxicationsfieber durch Stoffe, deren Natur bisher noch nicht klar gelegt ist, die aber sowohl aus einer einfachen Zersetzung wie auch durch die Wirkung von Infectionserregern entstehen können, oder aber um eine Infection, d. h. um den Uobortritt organischer Keime (Mikroben) mit ihren Stoffwechselproducten in die Blutcirculation, also um ein Infectionsfieber. Wenn hierbei auch die Folgen sich ver-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
124nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wunden.
schieden gestalten, indem in erster Linie die Virulenz der Infections-erreger und ihr Reproductionsvermögen im Körper in Betracht kommt, so zeigt sich jedoch hei beiden Zuständen zunächst in gleicher Weise der als Fieber bezeichnete Symptomencomplex, nämlich:
1. Steigerung der Körpertemperatur, 2. Störungen in der Circulation und 8, Störungen im Stoffwechsel und den Functionen verschiedener Organe.
1.nbsp; Die Steigerung der Bluttemperatur, welche bei Thiei-en am zuverlässigsten mit dem Thermometer im Rectum festgestellt wird, beträgt etwa 18deg;, selten mehr; sie erfolgt bald langsamer, bald schneller und im letzteren Falle beobachtet man wohl bei Thieren, wenn auch nicht so regelnmssig wie beim Menschen Fieber frost, der sich durch Muskelzittern zu erkennen giobt. An der Aussenfläche des Körpers zeigt sich beim Fieber die Temperatur unregclmässig vertheilt; während die eine Extremität heiss erscheint, fühlt sich die andere kalt an; nach kurzer Zeit findet man das umgekehrte Verhältniss. Der Grad der Temperatursteigerung entspricht der Höhe des Fiebers, deshalb bleibt dieses Symptom für den Kliniker besonders wichtig.
2.nbsp; Die Störungen der Circulation äussern sich zunächst durch Steigerung der Pulsfrequenz, welche jedoch nicht im graden Verhältniss zur Höhe der Temperatur steht. Der Blutdruck ist beim Wundfieber in der Regel nicht erheblich vermindert; der Puls bleibt kräftig und regelmässig, wodurch sich das Wundfieber von der Septikämie und Pyämie unterscheidet. Bei länger andauernden und heftigen Wundfiebern beobachtet man auch wohl in Folge Abfalls des Blutdruckes und Abnahme der Spannung in den (iefässen einen doppelschlägigen Puls (Pulsus dicrotus).
In den Capillaren finden vielfach Unterbrechungen des Blutstromes statt, indem zeitweise, bald hier, bald dort Anstauung des Blutes und selbst Stase eintritt, wie Hüter zuerst direct nachweisen konnte. Aus den Beobuclitungcn und Messungen Ludwigs ergiebt sich ferner, dass der Blutstrom eine erhebliche Verlangsamung erfahren hat. Unter dem Einflüsse nervöser Erregungen finden in den verschiedenen Gefäss-gebieten bei Fiebernden Störungen statt, indem bald in diesem, bald in jenem Bezirk eine allgemeine Verengerung, bald aber eine abnorme Erweiterung der Blutgef'ässe eintritt. Damit erklärt sich die an der Aussenfläche des Körpers unregelmässige Vertheilung der Temperatur; die Erweiterung der Gefässe ist mit Füllung derselben und vermehrter Wärmezufuhr verbunden; Stellen, an denen die Gefässe verengt sind, verhalten sich umgekehrt, zeigen sich kühl.
|
||
|
|
||
|
L
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Wundfleber.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 125
3. Eine Steigerung erfährt beim Fieber ferner der Stoffwechsel, namentlich der Eiweisssubstanzen im Körper, woraus sich eine Abnahme des Körpergewichts und der Kräfte ergiebt. Mit dem gesteigerten Stoffwechsel steht auch die Beschleunigung der Respiration in Verbindung, indem der Körper mehr Sauerstoff verbraucht und mehr Kohlensäure producirt; nach Lieb ormeister und Ley den kann letzteres auf mehr als das Doppelte erhöht werden.
Durch die veränderte Blutmischung werden einzelne Organe nachtheilig beeinflusst; Appetit und Verdauung leidet; die Darmperi-staltik lässt nach, es entsteht Neigung zur Verstopfung. In Folge vermehrter Abgabe von Wasser durch die Lunge und äussere Haut wird das Durstgefühl gesteigert; der Harn zeigt sich in Folge des vermehrten Stoffumsatzes reich an Harnstoff bezw. Harnsäure, und durch den Zerfall der Blutkörper wird der Gehalt desselben an Kalisalzen vermehrt; nicht selten tritt durch die Circulationsstörungen in den Nieren bedingt Eiweiss im Harn auf (Albuminurie).
Die Beimischung deletärer Stoffe zum Blute, sowie auch die krankhaft gesteigerte Temperatur üben einen nachtheiligen Einfluss auf das Sensorium aus, in Folge dessen Mattigkeit, Eingenommenheit des Kopfes (Kopfschmerzen) entstehen, die jedoch bei dem einfachen Wundfieber nicht erheblich zu sein pflegen, dagegen bei schwerem Infectionsfieber (Septikämie) deutlich hervortreten und deshalb wichtige Hülfsmittei für die Differentialdiagnose abgeben.
Das Wundfieber stellt sich in der Kegel bald nach der Verletzung ein; zuweilen schon in den nächsten, meist innerhalb 24 Stunden; nach dem dritten Tage wird es nur noch ausnahmsweise beobachtet, weil die Abscheidimg des primären Wundsecretes, welches in dieser Hinsicht besonders gefährlich ist, um diese Zeit bereits nachgelassen hat, und weil die Gewebslücken in der Umgebung der Wunde alsdann bereits plastisch infiltrirt, also zur Resorption weniger geeignet sind. Verletzungen der Wunde, ungeschickte Untersuchung oder Behandlung derselben können indess auch in diesem Stadium zur Entstehung von Wundfieber noch Veranlassung geben.
Die Dauer des Wundfiebers ist verschieden und richtet sich in erster Linie nach der Beschaffenheit und Menge der ins Blut übergetretenen pyrogenen Substanzen. Sobald diese Zufuhr aufhört, fällt auch das Fieber schnell ab, wie man sich leicht überzeugen kann, wenn man nach Entleerung des Wnndsecrets und Ausspülen der Wunde mit einem Desinficiens die Temperatur controllirt; schon innerhalb 12 Stunden kann dieselbe um 1.'59 abfallen. Ein so
|
||
|
|
||
|
L
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
12Ö
|
Wunden.
|
||
|
|
|||
|
plötzliches Verscliwiudeii der fieberliaften Ersclieinungen bezeichnet man als kritische Defcrvescenz, während für das langsame Nachlassen des Fiebers die Bezeichnung Lysis seit alter Zeit im Gebrauch ist. Sobald indess die Resorption pyrogoner Stoffe von neuem erfolgt, stellt sich auch das Fieber wieder ein, welches auf diese Weise einen remittireiulen oder gar intermittirenden Verlauf nehmen kann. Im allgemeinen aber pflegt das Wundfiober einen continuirlichen Verlauf zu nehmen.
Ein tödtlicher Ausgang bildet beim Wundfieber die Ausnahme, doch kann dieser bei hochgradig entkräfteten Thieren eintreten. Nach Chossat gehen Thicre regehnässig zu Grunde, sobald sie 40 0/o ihres Körpergewichts verloren haben. Noch seltener tritt der Tod durch Entartung und Lähmung des Herzmuskels (Herzlähmung) oder durch Einstellung der Function im Centralnorvenorgane (Gehirnlähm ung) ein.
Die von Jürgensen und Liebermauu vertretene Ansicht, dass die fieberhafte Temperaturstoigerung die nächste Ursache zu dem tödtlichen Ausgange abgebe, wird neuerdings mehr und mehr in Zweifel gezogen. Gegen diese sprechen namentlich die Versuche Nanyns mit künstlicher Erwärmung der Thicre. Heutzutage betrachtet man mit Cohnbeim die Temperatursteigerung beim Fieber als ein Heilbestreben des Körpers, indem dadurch die pyrogenen Stoffe schnell zerstört oder in ihrer Virulenz abgeschwächt werden. Durch die erhöhte Körpertemperatur wird auch die Entvvickelung der Infections-erreger nachtheilig beeinflusst; ferner ist bekannt, dass die bei höheren Temperaturen entstandenen Mikroben vielfach eine geringere Virulenz besitzen; ein Hülfsnüttel, das bekanntlich für die Zwecke der Impfung Anwendung gefunden hat (S. 35). Dagegen konnte durch wiederholte Abkühlung des Körpers der mit Milzbrand geimpften Thiere das Auftreten der Bacillen im Blute beschleunigt werden. Freilich entspricht es einer alten Erfahrung, dass sich bei fieberhaften Krankheiten die Prognose schlecht gestaltet, sobald die Temperatur unter Zunahme der übrigen Erscheinungen abfällt, wie es gegen Ende des Lebens sogar Regel ist. Es erscheint jedoch verständlich, dass die Aussicht auf Genesung schwinden muss, wenn der Körper nicht mehr die Kraft besitzt auf die pathogenen Eingriffe zu reagiren. In diesem Funkte verhält sich das Fieber ähnlich wie der Entzündungsprocess (S. 35). Man ist hiernach auf eine frühere, schon von Paracelsus vertretene Ansicht zurückgekommen, dass nämlich das Fieber einen Kampf des thierischen Körpers gegen feindliche Stoffe darstellt,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Wundfieber.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 127
also als eine vortheilhafte Reaction des Organismus aufgefassfc werden muss.
|
||
|
|
||
|
Die Erklärung der einzelnen Erscheinungen des Fiebers stösst auch heute noch auf gewisse Schwierigkeiten. Die Temporatursteigorung muss in erster Linie auf die vermehrte Wärmeproduution zurückgeführt werden, welche ihre Quelle wiederum in dem gesteigerten StofTumsatz findet. Ver-anlasst durch die pyrogenen Stoffe steigt der Stoffwechsel sowohl in den Geweben, wie auch und zwar wohl vornehmlich im Blute, dessen Alteration den Mittelpunkt des Fiebers ausmacht (v. Bergmann).
Die Wilrmeabgabe wechselt zeitig und örtlich; auf der Höhe des Fiebers zeigt sich die Ausscheidung von Wärme nach Ley den bedeutend vermehrt und kann beim Schweissausbruch selbst auf das Dreifache des Normalen steigen; dagegen wird durch Contraction der Hautgefässe an anderen Stellen die Wilrmeabgabe vermindert. Ob diese Wirkung der pyrogenen Stoffe direct oder durch Vermittelung des Nervensystems erfolgt, erscheint auch heute noch nicht ganz klar; jedenfalls aber ist letzteres hierbei betheiligt. Man nimmt heute gewisse Centren für die Wilrme- und Stoffweohselregulirung an, die unter den Corpora striata und den Thalami optii zu liegen scheinen (Aronsohn); nach Zerstörung derselben war es nicht mehr möglich eine fieberhafte Temperatursteigerung zu erzeugen. Dafür spricht auch der Umstand, dass ein gleiches bei curarisirten Thieren und in tiefer Narcose der Fall ist. Die Erregung dieser Centren erfolgt direct vom Blute aus und nicht durch Nervenleitung, denn das Fieber tritt auch ein, wenn die Infection an einer Extremität erfolgt, deren Nerven vorher sämmtlich durchschnitten waren.
|
||
|
|
||
|
Die Behandlung des Wundfiebers gestaltet sich hiernach im Princip sehr einfach. In prophylaktischer Beziehung kommt bei Wunden vor allem Antisepsis in Betracht; wo Asepsis erreicht wird, findet sich selten Wundfieber ein, und wo es der Fall sein sollte, handelt es sich um ein aseptisches, nicht, bakterielles, das in der Regel bald von selbst wieder verschwindet. Zur Verhütung des Wundfiebers dienen ferner Massregeln, welche die Anhäufung grösserer Mengen Wundsecret und Blut in der Wunde, verhindern (Drains, sorgfältiger Verband mit absorbirendem Material u. s. w.). Wenn sich bei Wunden, die mit den Hülfsmitteln der Antisepsis bezw. Asepsis behandelt wurden, Fieber einstellt, so kommt es darauf an festzustellen, ob ein bakterielles oder ein aseptisches Fieber vorliegt. Mit Sicherheit lassen sich klinisch beide nicht trennen, doch erscheint die Vermuthung begründet, dass es sich um ein bakterielles handelt, wenn die Temperatur eine schnelle und erhebliche Steigerung, z.B. um mehr als 1 1,5deg;, erfahren hat. Ich pflege bei Pferden regehnässig einen Verbandwechsel eintreten zu lassen, sobald das Thermometer im Rectum mehr als 30,.r) zeigt. Man öffnet die Wunde womöglich unter antiseptischen Massnahmen, spült
|
||
|
|
||
|
L
|
||
|
|
||
|
128nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wunden.
sie mit Desinfectionsmitteln aus und sucht das retinirte Wundsecrefc zum Abfluss zu bringen.
Bei offen behandelten Wunden lässt man die gleiche Untersuchung eintreten, legt Gegenöffnungen oder Drains an, um dem Wundsecrete einen möglichst schnellen Abfluss zu beschaffen. Macht sich in der Umgebung der Wunde stilrkere Anschwellung bemerkbar, so untersuche man diese auf die Gegenwart von Wundsecret bezw. Abscessen. Nach Entleerung dieser Massen fällt die Temperatur in der Kegel nach wenigen Stunden oft auf die Norm zurück. Lässt sich dieser Abfluss in Folge ungünstiger Lage der Wunde nicht erreichen, so muss entweder permanente Irrigation eingeleitet, oder die Wunde recht oft (6ümal am Tage) mit einer Desinfectionsflüssigkeit ausgespült werden; auch können absorbirende Tampons hier nützlich werden.
Die Anwendung von Kälte in Gestalt -von Umschlägen u. s. w. hat nur insofern Nutzen, als das Wasser reinigend wirkt; im übrigen ist hier Kühlen ebenso wenig zu empfehlen wie die Anwendung der Antipyretica (Salicylsäure, Kairin, Antipyrin u. s. w.), welche unter Umständen sogar schaden können. Dagegen ist für den Patienten Körperruhe, leicht verdauliche Nahrung und reines Wasser, welches nach Belieben genommen werden kann, erforderlich. Gegen grössere Schwäcliezustünde wird Alkohol, Aether und Kampfer in Anwendung gebracht.
2. Septikämie (Sephthämie). In Bezug auf Genesis gestaltet sich die Septikämie ähnlich wie das Wundfieher, jedoch mit dem bedeutsamen Unterschiede, dass die septische Erkrankung bei weitem heftiger und gefährlicher erscheint. Auch hier muss zwischen einer durch das Auftreten von Mikroorganismen im Blute erzeugten Septikämie (septische Infection) und einer toxischen Septikämie bezw. septischen Intoxication unterschieden werden. Am einfachsten wird diese Unterscheidung in den Bezeichnungen bakterielle Septikämie und toxische Septikämie zum Ausdruck gebracht, Bezeichnungen, die sich nach dem oben Gesagten von selbst ergeben. Obgleich diese beiden Gruppen von Erkrankungen klinisch in der ßegel nicht genau zu unterscheiden sind, scheint die Trennung derselben dennoch um so mehr gerechtfertigt, als die orstore Gruppe fieberhafter Erkrankungen im hohen Grade ansteckender Natur zu sein pflegt, nicht aber die letztere. Wie schon Da vain c u. a. nachgewiesen haben, nimmt die Virulenz dieser septischen Mikroben in dem Masse ZU, als sie von einem Thiere auf andere übcrtralt;gt;'cn werden.
|
||
|
|
||
|
t
|
||
|
|
||
|
Septikämie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 129
lieber die Septikämie erzeugenden Bakterien sind die Untersuchungen ebenso wenig abgeschlossen wie über die Natur und Verbreitung derjenigen chemischen Körper, welche toxische Septikämie veranlassen ; ja man kann wohl sagen, dass wir uns erst im Anfangsstadium dieser Forschung befinden. Soviel steht jedoch fest, dass es verschiedene Mikrobenarten giebt, die ein Krankheitsbild erzeugen können, das wir klinisch als Septikämie bezeichnen, sowie dass sich diese Mikroben den einzelnen Tbierarten gegenüber verschieden verhalten. Nach Schütz finden sich im Blute septikämischer Thiere auch Eiterkokken (Friedberger und Fröhner, Spec. Path. S. 345).
Während der von R. Koch experimentell nachgewiesene Bacillus der Mäuseseptikämie ein äusserst feines Stäbchen bildet, das dem Bacillus des Schweinerothlaufes sehr ähnlich erscheint, zeigt der von Gaffky entdeckte Bacillus der Kaninchenseptikämie die grösste Uebereinstim-mung mit den Bakterien der Hühnercholera, dem Bacillus der Schweineseuche und den von Kitt und H ü p p e näher untersuchten Bakterien der Wildseuche, so dass man diese letzteren für identisch hält, und Hüppe hierfür den Sammelnamen Bakterium Septikaemiae haemor-rhagicae wählte. Buch sah durch dieses Bakterium ovale bei Rindern sporadische Septikämie entstehen. Bei Kaninchen konnte Fränkel durch Impfung von menschlichern Speichel Septikämie erzeugen; er fand in demselben einen Kokkus, welcher dem der crou-pösen Pneumonic des Menschen ähnlich erscheint, wahrscheinlich mit demselben identisch war. Auch wurde in
unreiner Erde ein dem Streptokokkus pyo-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^___^
genes ähnlicher Mikroorganismus gefunden, welcher bei Thieren Septikämie erzeugt.
Zu den auch bei Thieren septikümische Erkrankung hervorrufenden Mikroorganismen gehört ferner der von R. Koch als Bacillus des malignen Oedems beschriebene, der wahrscheinlich mit den Vibrions sep-tiques Pasteurs identisch ist (Fig. 40). Endlich kann auch der Rauschbrandbacillus hierher gezählt werden (Fig. 41), der bei
Rindern eine typische Erkrankung (Rausch- Bacillus oodematilaquo; maUgnl brand) hervorruft. Voraussichtlich werdennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (nach Kitt).
zukünftige Untersuchungen noch weitere Aufklärungen über ähnlich wirkende Mikroben und ihr Vorkommen geben.
Während die hier genannten Mikroben im thierischen Körper Möillaquo;r, Allgemeine Ohlmrgie für Thlertlrzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; i)
|
||
|
|
||
|
L
|
||
|
|
||
|
|
||
|
130nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Wundinfectionskrankheiten.
und namentlich im Blute desselben sich vermehren und durch ihre Stoffwechselproducte schüdlich werden, giebt es andere Mikropara-siten, die im Blute des Thierkörpers nicht vegetiren, wohl aber im Stande sind, demselben durch ihre Stoffwechselproducte gefährlich zu werden. Dahin ^inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; gehören u. a. die ursprünglich als Bakterium
, ^^ termo bezeichneten Fäulnissparasiten, welche c*quot; ö 0 v'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nach den Untersuchungen Hausers in drei
(\ 'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Arten zerfallen, nämlich: 1, Proteus vulgaris,
' ^ 0^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2. P. mirabilis und 3. P. Zenkeri. Sie selbst
zeigen sich im thierischen Körper nicht wachs-
Riiusclibrniulhacillon.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .,. ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,. .
thumsiahig, dagegen können selbst geringe Mengen ihrer Producte eine septische Intoxication hervorrufen. Ebenso haben v. Bergmann und Anger er Erkrankungen, die der Septikämie sich ähnlich gestalteten, nach Injectionen von Fermenten in die Blut-bahn beobachtet; sie injioirten sterile Lösungen von Pepsin und Pan-oreatill und erzielten schwere Störungen, welche wie die Septikämie mit Untergang zahlreicher weisser Blutkörper verbunden waren. Aehnliche Wirkungen wollen Semmer, Rossbach u. a. durch intravenöse Injectionen von Papayotin in steriler Lösung erreicht und hiernach Bakterien im Blute auftreten gesehen haben, woraus man den Schluss zog, dass durch diese Injection die Bedingungen zur Entwickelung der Bakterien geschaffen würden, welche im normalen Blute fehlen sollten; eine Annahme, die jedoch vorläufig noch wenig zuverlässig erscheint.
Aus dem Gesagten ergiebt sich, class es eine Reihe, gegenwärtig nur zum Theil bekannter Mikroben giebt, die im Blute des thierischen Körpers vegetirend schwere Erkrankungen (bakterielle Septikämie) zu erzeugen im Stande sind, dass aber auch eine Anzahl chemischer Substanzen existiren, welche, in die Blutbahn gelangend, ein gleiches Krankheitsbild (toxische Septikämie) hervorrufen können; über die Verbreitung und Zusammensetzung der letzteren sind unsere Kenntnisse ebenfalls noch äusserst lückenhaft.
Die Bezeichnung .Septikämie' umfasst hiernach eine Reihe von Krankheiten, deren Natur bisher nur zum Theil bekannt ist; Septikämie bildet also einen Sammelnamen, den man richtiger durch septi-kämische Krankheitenquot; ersetzen würde. Bei dem Mangel genauerer Kenntnisse derselben erscheint jedoch die erstere Bezeichnung berechtigt.
Der Eintritt der schädlichen Substanzen in den Körper, die Infection oder Intoxication geht in der Regel von Wunden, Entzündungs-
|
||
|
|
||
|
t
|
||
|
|
||
|
Septikämie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Jßj
herden oder brandigen Processen (Brandmauke der Pferde) aus. Besonders leicht erfolgt die Resorption in frischen Wunden und da, wo z. B. unter Fascien, in Gelenken und Sehnenscheiden durch Steigerung des Druckes im Erkrankungsherde diese Stoffe gleichsam in den Lymphstrom oder in die Blutbahn getrieben werden. Ist die Eingangspforte derselben nicht nachzuweisen, so spricht man von einer kryptogenetischen Septikämie.
Die Section der an Septikämie verendeten Thiere ergiebt dunkles, nicht geronnenes, thcerartiges Blut, welches leicht in Fäulniss übergeht und zuweilen sauer reagiren soll. Die Blutkörper sind grössten-theils aufgelöst, die weissen enthalten oft zahlreiche Mikroben. In den verschiedenen Organen werden kleinere oder grössore Blutungen angetroffen, welche besonders an den serösen Häuten zahlreich hervortreten. Die grossen Parenchyme zeigen sich geschwollen, die Muskeln fettig degenerirt, Milz und Nieren vergrössert, Leber ebenfalls geschwollen.
Klinischer Verlauf. Ein continuirliches, hochgradiges, mit schweren allgemeinen Störungen und einer Reihe zum Theil typischer Entzündungsprocesse verbundenes Fieber kennzeichnet die Septikämie. Die Temperatur steigt in der Regel um 34deg; j nur ausnahmsweise fehlt die Temperatursteigerung. Mit noch grösserer Regelmässigkeit tritt hohe Pulsfrequenz ein; dabei erscheint der Puls klein und schwach, ein Zeichen schwerer Miterkrankung des Herzmuskels. Dazu kommt starke Eingenommenheit des Sensoriums; die Thiere sind un-aufmex-ksam auf ihre Umgebung, hören nicht auf den Zuruf, verschmähen das Futter, meist sogar das Gretränk. Das matte Auge und der stiere Blick verrathon sofort die schwere Erkrankung, und nach kurzer Zeit tritt der Bulbus in die Orbita zurück. Die De-fäcation ist bald verzögert, im späteren Stadium des Leidens stellt sich nicht selten profuser Durchfall ein, wobei wässerig-schleimige oder blutige Kothmassen entleert werden. Im Harn findet sich stets Eiweiss.
Die Zersetzung des Blutes zeigt sich intra vitam am deutlichsten an den sichtbaren Schleimhäuten; die Conjunctive erscheint diffus (schmutzig) dunkelroth, während ihre grösseren venösen Gefässe mit ebenfalls dunklem Blut überfüllt sind. Geht die Septikämie von einer Wunde oder einer anderen nachweisbaren Erkrankung der Körperoberfläclie aus, so können diese Localerkrankungon wenig auffallende Veränderungen zeigen; doch hört sowohl die Eiterung wie auch
|
||
|
|
||
|
L
|
||
|
|
||
|
|
||
|
132nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wundinfectionskrankheiten.
die Granulation in der Wunde auf. Meist werden jedoch auch hier schwere entzündliche oder gangränöse Processe beobachtet, oft mit einer ausgesprochenen Neigung zur Ausbreitung. Nicht selten setzt die Septikämie mit dem Uebertritt solcher Processe auf ein Gelenk oder eine Sehnenscheide erst ein. Bei der Brandmauke der Pferde z. B. greift die Nekrose häufig auf eine Sehnenscheide des Beugeapparates über, und sobald sich die gangränösen Substanzen in die Sehnenscheiden ergossen haben, beginnt von hier aus eine lebhafte Resorption derselben, und die Septikämie ist da. Auch an Wunden, die zur Septikämie führen, beobachtet man oft Gangrän; dagegen pflegt die mit derselben verbundene Anschwellung in den Hintergrund zu treten. Beim malignen Oedem dagegen nimmt die Anschwellung in der Regel einen bedeutenderen Umfang an, und zeigt wie beim Rauschbrand der Rinder häufig Emphysembildung.
Sobald der örtliche Process auf das Brust- oder Bauchfell übergreift, stellen sich Erscheinungen schwerer Entzündungen dieser Organe ein; bei der Castration z. B. entsteht Peritonitis, die sich durch leichte aber andauernde Kolikerscheinungen zu erkennen giebt; das hochgradige Fieber deutet aber auch hier auf die Schwere des Leidens hin.
Seltener kommt es bei Thiereu im Verlaufe der Septikämie in der inficirten Wunde oder der Verletzung, welche den Ausgangspunkt des Leidens bildete, zu profusen Blutungen; doch können selbst an den seeundär erkrankten Organen solche erfolgen. Bei einem Pferde, welches in Folge einer äusseren Verletzung an Septikämie erkrankte, stellten sich im Verlauf dieses Leidens Erscheinungen einer septischen Pleuritis ein, welche plötzlich zum Tode führte; die Section ergab, dass eine Verblutung in die Brusthöhle eingetreten war. In Wunden erfolgen bei der Septikämie zuweilen Nachblutungen.
Die Diagnose der Septikämie fällt nicht schwer, sobald das Leiden seine volle Entwickelung erfahren hat und heftig auftritt. Vorher sowie bei leichterer Erkrankung kann die Trennung von dem Wundfieber schwer worden. Genau genommen lässt sich hier auch keine scharfe Grenze ziehen, und man könnte die Septikämie als ein schweres Wundfieber, oder dieses als eine leichte Form der Septikämie auffassen. Der Unterschied liegt in der Schwere der Erkrankung. Bei der Septikämie leiden alle Organe des Körpers mehr oder weniger mit, nicht so beim Wundfieber. Während bei letzterem der Puls nicht wesentlich alterirt, Appetit und namentlich das Durstgofühl nicht erheblich gestört ist, und Eingenominenheit des Kopfes fehlt, können bei
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Septikämie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 133
der Septikämie diese Störungen dem aufmerksamen Beobachter kaum entgehen. Ich pflege beim Besuche derartiger Patienten gegen die Boxe oder den Stand zu klopfen oder mit der Zunge zu schnalzen; wenn das Pferd hierauf nicht durch Aufheben des Kopfes und lebhaften Blick reagirt, erscheint der Zustand stets bedenklich; zeigt sich zugleich der Puls klein und frequent, so bleibt selten noch ein Zweifel über die Diagnose bestehen.
Die Beurtheilung gestaltet sich im allgemeinen schlecht. Vom theoretischen Standpunkte würde man die toxische Septikämie günstiger beurtheilen müssen als die bakterielle. Wenn es gelingen sollte, den Herd, von dem das Leiden ausgegangen, aufzufinden und frei zu legen, so würde man bei der nicht bakteriellen Form Aussicht auf Heilung haben; wo dagegen das Blut selbst den Sitz der Infectionsstoffe bildet, da bleibt von der Therapie wenig zu erwarten. Diese Trennung gelingt jedoch, wie bereits oben erwähnt, intra vitam höchst selten; daher sind wir auf andere Hülfsmittel der Prognose angewiesen. Als Regel gilt, je heftiger das Leiden auftritt, je hochgradiger die Temperatursteigerung und namentlich die Störungen in der Herzfunction, je kleiner, schneller und unregelmässiger der Puls, um so schwerer die Erkrankung, und um so geringer gestalten sich die Aussichten auf Erhaltung der Thiere; die meisten derselben gehen schon in den ersten 2448 Stunden der Erki'ankung ein, andere erst später; selten erstreckt sich das Leiden über 45 Tage.
Behandlung. Präservativ kommt auch hier strenge Anwendung der Antisepsis in Betracht. Eine besondere Beachtung verdient ferner die Thatsache, dass die bakterielle Septikämie durch Impfung übertragbar ist; daher sei man namentlich mit den Händen und Instrumenten , welche bei solchen Patienten benutzt wurden, recht vorsichtig; benutze sie niemals an anderen, bevor sie nicht sorgfältig des-inficirt sind. Eine gleiche Vorsicht erscheint allen fauligen Substanzen, namentlich Brandherden gegenüber geboten.
Unsere Literatur hat verschiedene Beobachtungen aufzuweisen, welche von der Wichtigkeit dieses Grundsatzes Zeugniss ablegen. Wiederholt sah man eine grössere Anzahl Thiere, namentlich Pferde an Septikämie zu Grunde gehen, welche mit einem inficirten Messer castrirt waren. Wie viele solcher Fälle mögen sich aber ereignen, ohne dass man sie erkennt; manche werden vielleicht von dem Operateur selbst nicht einmal richtig gedeutet.
|
||
|
|
||
|
b
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
134
|
Wundinfectionskrankheiten.
|
||
|
|
|||
|
Um zu verhindern, dass bereits vorhandene Wunden Ausgangspunkt für die Entwickelung dieses Leidens werden, wende man Antisepsis an, soweit es möglich und erforderlich erscheint. Stark jauchende Wunden müssen in kurzen Intervallen sorgfältig gereinigt werden; auch empfiehlt sich hier permanente Irrigation. Bei bereits eingetretener Septikämic kommt es in erster Linie auf eine gründliche Desinfection des localen Krankheitsherdes an. Man untersuche die Wunde genau, suche Blut und Wundsecrete nach Möglichkeit aus derselben zu entfernen, spüle die Wunde mit kräftig wirkenden Desinfectionsmitteln aus und behandle dieselbe nach den früher erörterten allgemeinen Grundsätzen (S. 119).
Gangränöse Herde suche man möglichst zu reinigen, die nekro-tischen Massen zu entfernen und lässt die betreiFenden Stellen oft wiederholt mit Uesinfectionsflüssigkeiten waschen oder permanenter Irrigation unterwerfen. Ging die Septikämie aus einer septischen Phlegmone hervor, so empfehlen sich Incisionen, sobald es zur Anhäufung von Jauche gekommen ist; darauf lässt man eine energische Desinfection folgen. Gegen den septischen Durchfall werden Opium, Creolin, Naphthalin, Bismuth, subnitric. empfohlen; gegen Tenesmus Stärkeklystiere. Sobald Herzlähmung droht, finden Alkohol, Aether und Kampfer Anwendung. Das Fieber ist nach den oben besprochenen Gesichtspunkten zu behandeln.
Pyämie1). Als Pyämie (Pyohämie) bezeichnet man diejenige Allgemeinerkrankung, welche durch die Aufnahme von Eiter in das Blut bedingt wird und in der Regel mit einem intermittirenden Fieber sowie mit Metastasenbildung (multiplen Eiterungen) in den verschie-densten Organen des Körpers verbunden ist. Ueber die Entwickelung dieses Leidens war man lange Zeit im unklaren, doch hat diese Präge in neuerer Zeit durch die Untersuchungen von Virchow, R. Koch und Rosenbach Aufklärungen erfahren. Durch Virchow wurde der Nachweis erbracht, dass eine Venenentzündung (Endophlebitis) den wesentlichen Antheil an der Entstehung der Pyämie hat, und nachdem R. Koch für die Pyämie des Kaninchens einen specifischen Kokkus nachgewiesen hatte, zeigte Rosenbach, dass auch die gewöhnlichen Eiterkokken, besonders Streptokokkus pyogenes Pyämie zu erzeugen im Stande sind. Auch Storch fand bei Thieren als Ursache der Pyämie Streptokokken, welche den Eiterkokken sehr ähnlich waren. Nach P a w 1 o w sk i können
|
|||
|
|
|||
|
'j nüov Eiter und m\w. -- Blut.
|
|||
|
|
|||
|
L
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Tyamie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;135
Staphylokokken ebenfalls Pyämie erzeugen. S c h U t z ist der Ansicht, dass zwischen Pyämie und Septikämie kein morphologischer Unterschied besteht, weil auch bei der Septikämie dieselben eiterbildenden Kokken im Blute angetroffen werden (S. 129). Es kann also unter Umständen jede Eiterung zur Pyämie führen und zwar dadurcli, dass entweder ein massenhafter Eintritt von Eiterkokken in das Blut stattfindet, oder dass Conglomerate inficirter Eiterelemente in die Blutbahn gelangen. Wenn trotzdem aus Eiterungen verhältnissmässig selten Pyämie hervorgeht, so erklärt sich dieses theils aus der ungleichen Virulenz der eiterorregenden Mikroben und der Empfänglichkeit der einzelnen Individuen, theils aber aus den verschiedenen Zuständen, unter denen die Eiterungsprocesse ablaufen. Es ist bekannt, dass die Virulenz ein und derselben Mikrobenart grosser und geringer sein kann, und dass durch die Ueber-tragung von einem Individuum auf andere die Wirkung gewisser Mikroben erhöht wird (Davaine, Koch). Auf der anderen Seite bietet sich an gewissen Stellen des Körpers eine günstigere Gelegenheit grössere Mengen Mikrokokken in die Blutbalm gelangen zu lassen, z. B. bei Eiterungen in Knochen. Wird #9632;/.. B. bei purulenten Processen am Hufbein ein Stück dieses Knochens nekrotisirt, so bleiben die in den Haversschen Kanülen desselben verlaufenden, venösen Gelasse leicht offen stehen und bieten dem Eiter Gelegenheit, in grösserer Menge und in zusammenhängenden Massen in die Blutbahn überzutreten. Conglomerate von Eiterkörperchen und Kokken gelangen auf diese Weise in den venösen Blutstrom, machen den venösen Kreislauf zum Herzen und von diesem in die Lungenarterien leicht durch, um nun aber in den kleinen Zweigen oder in den Capillaren der letzteren stecken zu bleiben und hier neue Eiterungsprocesse hervorzurufen, d. h. Metastasen zu bilden. Ein Theil derselben passirt vielleicht auch die Lungen-capillaren, gelangt zum Herzen zurück und durch die Aorta in die Capillaren anderer Organe, z. B. der Nieren und erzeugen hier Metastasen. Schon Spinola wies auf den Zusammenhang der von ihm als Eiterknoten bezeichneten Metastasen in den Lungen mit eiterigen Processen im Hufe hin. Aehnliche Vorgänge knüpfen sich an gangränöse Processe in der äusseren Haut, wie sie als sog. Brandmauke bei Pferden beobachtet werden. Entwickelt sieh die Gangrän an einer Hautstelle, wo in der Subcutis grössere Blutgefässe liegen, /,. B. an den Eesselpartien, so ergreift sie nicht selten die hier gelegenen Gefässe. Dass die dünnwandigeren Venen hierbei in erster Linie betroffen werden, liegt auf der Hand. Sobald die lutima derselben erkrankt, tritt Thrombenbildung in dem Gofasse ein; der zunächst
|
||
|
|
||
|
I
|
||
|
|
|||
|
13(3
|
Wundinfectionskmnkheiten.
|
||
|
|
|||
|
wandständige, mit Infectionsstoffen durchsetzte Thrombus giebt zu Embolien und Metastasenbildung in den Lungen und anderen Organen Veranlassung. In der Regel handelt es sich bei der Brandmauke jedoch nicht allein um Eiterkokken, sondern auch um septische Infections-erreger und es entstehen Combinationen von Pyämie und Septikämie, Zustände, die man als Pyo-Septikämie bezeichnet, welche sich aber auch von anderen Stellen in derselben Weise entwickeln können.
Der hauptsächlichste Unterschied zwischen Pyilmie und Septikämie liegt also in dem Entwickelungsgange. Während bei der Septikämie die In-i'ectkmsstoffe oder deren Producte resorbirt werden, d. h. auf dem physiologischen Wege in die Blutbahn gelangen, erfolgt der Uebertritt bei der Pyämie regelmässig durch abnorme Eingangspforten, durch das Lumen offen stehender Gefässe oder durch Perforation der einen oder andern Ge-fässwand. Die Folge davon ist, dass bei der Pyämie zusammenhängende Massen in die Blutbahn gelangen, welche für die Passage durch die Capil-laren zu gross sind und deshalb auf emboliscbem Wege neue Entzündungs-processe (Metastasen) anregen. Dadurch aber wird der Zustand bedenklich; denn während bei der Septikämie die Möglichkeit einer Wiederherstellung zugegeben werden muss, erscheint diese bei der Pyämie fast ausgeschlossen.
|
|||
|
|
|||
|
Ausgangspunkt der Pyämie bildet in der Regel ein Abscess oder mit Nekrose verbundene Eiterungen. Die Gefahr derselben hängt nicht so sehr von der Grosse des Primärherdes als vielmehr von der Lage und der Beschaffenheit der Umgebung ab. Eiterungen in Gelenken und Sehnenscheiden sowie unter Fascien erscheinen in dieser Beziehung stets bedenklich, weil unter der Wirkung des in der Regel hohen Druckes, unter dem der Process abläuft, der Uebertritt des Eiters und seiner Erreger in die Circulation begünstigt wird. In der Regel lässt sich der Ausgangspunkt der Pyämie direct nachweisen, seltener als bei der Septikämie bleibt dieser verborgen (kryptogene-tische Pyämie). Während bei der Septikämie schwere Allgemein-erkrankungen, namentlich Degeneration in den grossen Parenchymen den Mittelpunkt der anatomischen Veränderungen bilden, treten bei der Pyämie die localen Entzündungsherde in den Vordergrund, ganz besonders die Metastasen in den Lungen, welche ebenso wie das Blut selbst mit zahlreichen Eiterkokken durchsetzt sind. Im Blute lassen sich diese vornehmlich in den Leukocyten nachweisen, welche in Folge der Gegenwart derselben in grosser Zahl zu Grunde gehen; aber auch das Plasma und ganz besonders die Gefässthromben enthalten zahlreiche Kokken. Aussordem bildet die Mehrzahl der übrigen Organe, wie das Herz, Milz, Nieren, Leber, Gehirn, Knochen und Gelenke als Lymphdrüsen den Sitz von Mikrokokkenherden und embolischer Ab-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Pyämie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;137
scesse (Metastasen). In den Gelenken kommen auf metastatischem Wege eiterige Entzündungen zu Stande.
Obgleich die Metastasen vornehmlich aus Embolien hervorgehen, so muss doch zugegeben werden, dass auch die bei der Pyilmie hilufig und in den verschiedensten Oi'ganen auftretenden Blutungen zu Metastasenbildung führen können. Wie bereits erwähnt, finden sieb in dem kreisenden Blute bei der Pyämie regelmässig Eiterkokken, welche also auch in den hämorrha-gischen Herd übertreten können und hier zur Vermehrung Gelegenheit finden. Ebenso erscheint es nicht ausgeschlossen, dass mit den Leukocyten oder dem Plasma die Infectionsstoffe in ein Gelenk oder eine Sehnenscheide gelangen und in der Synovia sich vermehren (secretorische Metastase Hüters), oder dass die im Verlaufe des Fiebers auftretende Stase in kleinen Ge-fässen Ausgangspunkt der Metastasen werden (febrile Metastasen).
Klinische Erscheinungen. Die Pyämie setzt mit einem heftigen Fieberanfall, verbunden mit Schüttelfrost, in der Kegel plötzlicli ein; solche Anfälle wiederholen sich im weiteren Verlaufe des Leidens. Dieser intermittirende Verlauf ergiebt sich aus dem Einbruch grösserer Mengen Mikrokokken bezw. ihrer Produete in die Blutbahn, mit anderen Worten aus der Bildung neuer Metastasen. Dementsprechend wechselt auch, zuweilen innerhalb weniger Stunden, zuweilen im Verlaufe von ein bis mehreren Tagen die Temperatur, indem sie plötzlich auf 40410 steigt und nach einiger Zeit wieder auf die Norm zurück geht. Die Pulsfrequenz dagegen pflegt auch in der Zwischenzeit fortzubestehen, selten kehrt der Puls in diesen auf die Norm zurück. Der Appetit ist gestört, und wenn nicht früher ein tödtlicher Ausgang erfolgt, so stellen sich häufig profuse Durchfälle mit Icterus ein. Der letztere entsteht, wie bei der Septikämie, entweder durch den Zerfall rother Blutkörper (h am a togener Icterus), oder er bildet eine Folge von Gallenstauung, wie sie durch Schwellung der Darmschleimhaut, aber auch durch Metastasen in der Leber veranlasst werden kann (Resorp-tionsicterus). Metastasen in den Lungen führen zu Lungenabscessen, veranlassen Störungen der Respiration und geben der Exspirationsluft zuweilen einen fötiden Geruch. Unter Durchbruch der Entzündung entsteht Pleuritis. Metastasen in den Nieren führen zu Albuminurie, zum Auftreten von Harncylindern, nicht selten auch zu Hämaturic; in Gelenken und Muskeln geben sie zu schmerzhaften Anschwellungen Veranlassung. Metastasen im Gehirn und Rückenmark rufen Lähmungen oder Krämpfe hervor.
Die Dauer der Pyämie beschränkt sich in der Regel auf rgt;10 Tage; meist aber werden die Thiere vor dem Ablauf der Krankheit go-
|
||
|
|
||
|
L
|
||
|
|
||
|
138nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wundinfectionskrankheiten.
tödtet; denn die Heilung erscheint so gut wie aussichtslos. Je schneller die Fieberanfälle auf einander folgen, je rapider der Kräfteverfall, um so früher muss ein tödtlicher Ausgang erwartet werden.
Die Aussicht auf Heilung ist sehr gering. \on den in den Jahren 1889 und 1891 in der preussischen Armee an Pyämie und Septikilrnie behandelten 17 Pferden gingen 15 zu Grunde, eins wurde getödtet und nur eins genas.
Von einer Behandlung ist daher bei Thieren kaum die Eede; in prophylaktischer Hinsicht bildet sorgfältige Antisepsis das zuverlässigste Mittel. Abscesse werden möglichst bald gespalten und entleert; das gilt namentlich von solchen im Hufe. Gangränöse Processe in der Haut (Brandmauke) müssen nach den allgemeinen Hegeln behandelt werden. Soll im übrigen bei Pyämie eine Behandlung eintreten, so muss diese auf Beseitigung der gefahrdrohenden Symptome gerichtet werden.
3. Der Starrkrampf (Tetanus). Wie die neueren Untersuchungen ergeben haben, gehört diese Krankheit nunmehr auch zu den Wundinfectionskrankheiten. Die frühere Annahme eines rheumatischen Starrkrampfes kann nicht aufrecht erhalten werden; der Starrkrampf muss stets auf eine Infection zurückgeführt werden; in diesem Sinne haben die neueren Arbeiten von Kitasato, Nicolaier, Rosenbach und Brieger aufklärend gewirkt. Wenn auch früher schon die Vermuthung gehegt wurde, dass der Tetanus eine Infections-krankheit sei, so haben doch erst die Untersuchungen Nicolaiers den speeifischen Bacillus festgestellt, und Kitasato gelang es, dessen Eein-zucht zu bewirken.
Nachdem Nicolaier die Beobachtung gemacht hatte, dass Impfungen mit Erde, die an verschiedenen Orten entnommen war, bei Mäusen, Kaninchen und Meerschweinchen Tetanus erzeugte, an dem die Thiere zu Grunde gingen, und da bei der Section derselben keine auffälligen Veränderungen nachzuweisen waren, so untersuchte Nicola ier die Impfstellen genauer und fand hier neben Eiter und Eiterkokken eine eigenthümliche Bacillenart, die sich bei weiteren Untersuchungen und Versuchen als die Erreger des Tetanus herausstellten. Sie besitzen eine keulenförmige Gestalt (Fig. 42), die man auch mit einem Kochlöffel oder Stecknadel verglichen hat. Die Bacillen bilden Stäbchen mit abgerundeten Enden, sind 3 10 [j, lang, können aber unter Umständen zu langen Fäden auswachsen und lassen alsdann ihre Gliederung nur noch undeutlich erkennen. Sie besitzen geringe
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Starrkrampf.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;139
Eigeubewegung und bilden endstiliidigc Sporen. Der Tetanusbacillus gehört zu den streng anaeroben Bakterien, wächst also nur unter Luftabschluss am besten bei 8638deg; O.j unter 16 0 wächst er überhaupt nicht mehr; bei 37 0 erfolgt in den Cultureraquo; schon nach 30 Stunden Sporenbildung, indem das eine Ende des Bacillus tronnnelschlägel-förmig anschwillt. Die Sporen zeigen eine grosse Widerstandsfähigkeit; in feuchter Um-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Fig. 42.
gebung halten sie eine Stunde lang Temperaturen bis 80deg; C. aus; Wasserdampf von 100deg; tödtet sie erst nach fünf Minuten. Getrockneter, sporenhaltiger Eiter zeigte sich nach 16 Monaten noch virulent (Kitt). Die Färbung der Ba-cillen erfolgt leicht nach der Gram'schen Methode. Bei der Impfung gehen die Bacillon nicht ins Blut über, sondern bleiben in der Nähe der Impfstelle liegen, erzeugen hier jedoch TetannsbaoUlen mit Sporen ausserordentlich giftig wirkende Stoffe, welche
resorbirt werden und die Erscheinungen des Tetanus hervorrufen. Brleger stellte aus Tetanusculturen vier Giftstoffe fest: T et an in, Tetano-toxin, Spasmotoxin und ein salzsaures Toxin. Selbst geringe Mengen dieser Substanzen erzeugten bei Thieren acuten Tetanus, aber nicht den typischen Verlauf des Tetanus. Von Weyl und Kitasato wurde aus den Culturen ein weiterer Giftstoff ermittelt, der auch von Brieger und C. Fränkel später festgestellt wurde und gegenwärtig als das eigentliche Tetanusgift angesehen wird.
Der Tetanus stellt demnach eine toxische Krankheit, eine Intoxication dar, die durch den Uebertritt der von den Tetanusbacillen gelieferten Stoffwechselproducte veranlasst wird. Diese Thatsache ist sowohl für die theoretische Auffassung wie auch für die Beurtheilung und Behandlung des Leidens von Bedeutung. Bei schneller Production und Resorption des Virus entwickelt sich die Krankheit rascher nimmt einen mehr stürmischen Verlauf, etwa wie eine acute Intoxication, während da, wo zur Vegetation der Mikroben, zur Entwickclung und zum Uebertritt der toxischen Substanzen in die Circulation die Bedingungen sich weniger günstig gestalten, eine langsamere Intoxication mit retardirtem Krankheitsverlauf eintritt, ähnlich wie bei chronischen Vergiftungen. Dass im letzteren Falle die Gefahr geringer, die Aussicht auf Genesung aber grosser wird, versteht sich von selbst. Es soll indess nicht geleugnet werden, dass auch individuelle Eigenthüm-lichkeiten (Empfänglichkeit) hierbei eine Rolle spielen. Unter Berück-
|
||
|
|
||
|
L
|
||
|
|
||
|
140nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wundinfectionskrankheiten.
sichtigung dieses Vorganges erklärt sich auch, dass Transfusionen von Blut Tetanus zu erzeugen nicht im Stande sind, wie bereits 1877 von mir durch Versuche festgestellt wurde. Der Starrkrampf kommt bei allen Haussäugethieren vor, am häufigsten allerdings beim Pferde und den kleinen Wiederkäuern. Bei Fleischfressern ist das Leiden sehr selten; zwei Fälle von Tetanus bei Hunden wurden jedoch von mir beobachtet. Er findet sich bei Menschen wie auch Thieren häufiger in heissen Gegenden. Nach Wagenfeld soll der Starrkrampf in St. Domingo in dem Masse herrschen und bei Operationen gefährlich werden, dass ein castrirtes Pferd doppelt so hoch im Preise steht, wie der Hengst (Friedberger und Fröhner). In der preussischen Armee wurden in den letzten fünf Jahren 180 Starrkrampffälle bei Pferden beobachtet, die ziemlich gleichmässig über die ganze Monarchie vertheilt waren. Die meisten Erkrankungen kamen allerdings im Gardecorps vor, woran offenbar Berlin als Garnison den wesentlichsten Einfluss ausübt, indem in Berlin Tetanus bei Pferden überhaupt häufig beobachtet wird. Interessant ist die Vertheilung des Tetanus auf die verschiedenen Quartale. Welchen Einfluss die höhere Temperatur auf die Entstehung des Leidens hat, ergiebt sich am besten aus dem Unistande, dass im II. und III. Quartal, also im Sommerhalbjahr, der Tetanus am häufigsten beobachtet wurde. Es erkrankten von 177 Pferden im I. Quartal 21, im II. 49, im III. 77 und im IV. 80. Im übrigen verthcilten sich die Erkrankungen ziemlich gleichmässig auf die einzelnen Jahre (87, 30, 34, 32, 41), woraus sich ergiebt, dass die sonstigen Witterungsverbältnisse auf die Verbreitung der Krankheit keinen erheblichen Einfluss ausüben.
In den meisten Fällen von Tetanus lässt sich eine äussere Verletzung, von der die Infection ausgegangen war, nachweisen; Verwundungen an den Hufen und Klauen (Nageltritte) zeigen sich in dieser Beziehung besonders gefährlich; aber auch nach Castrationen und anderen Operationen (Englisiren, Impfungen) hat man Starrkrampf beobachtet. Von den Castrationsmethoden gilt seit alter Zeit die Unterbindung als besonders bedenklich. Bei Rindern schliesst sich Tetanus zuweilen an den Gebäract an und ist vielleicht eine Folge der hierbei an den Geschlechtstheilen vorkommenden Verletzungen. Nach Hering können Darmgeschwüre den Ausgangspunkt des Leidens bilden; auch soll die Nabelöffnung neugeborener Thiere den Infectionspunkt abgeben; bei Lämmer sah man das Leiden auf diesem Wege enzootisch auftreten.
Thatsache ist ferner, dass bei Pferden der Tetanus zu gewissen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Starrkrampf.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;141
Zeiten ungewöhnlich häufig vorkommt, dann wieder verschwindet; ob dies gerade bei nasskalter Witterung der Fall ist, wie Waldinger behauptet, mag dahingestellt bleiben; die oben mitgetheilte Statistik spricht dagegen. Zuweilen erkranken in einzelnen Ställen kurz nach einander mehrere Thiere; oder in bestimmten Ständen die von denselben besetzten Pferde. Disc bereit beobachtete Starrkrampf nach dem Castriren; drei von einem Empiriker castrirte Hengstfohlen erkrankten vier Tage später an Tetanus und gingen daran ein; drei von demselben Castrirer und an demselben Tage verschnittene Bullenkälber starben ebenfalls fünf Tage später an Starrkrampf. Kräftige Thiere in mittleren Jahren werden am häufigsten von Tetanus befallen; selten leiden alte abgetriebene Pferde. Oft stellt sich die Krankheit erst ein, wenn die Wunden bereits in der Heilung begriffen oder schon abgeheilt sind; in einem Falle soll sich der Starrkrampf erst 14 Tage nach dem Abheilen eines Huf'geschwürs entwickelt haben.
Klinische Erscheinungen. Bei Pferden beginnt das Leiden in der Regel mit Trismus, d. h. mit einer tetanischen Contraction der Muskeln des Kopfes, namentlich der Kaumuskeln, in Folge dessen das Maul nicht regelmässig geöffnet werden kann (Maulsperre, Maulklemme); in heftigen Fällen stehen die Zähne des Ober- und Unterkiefers fest auf einander und können nicht mehr von einander entfernt werden. Mit diesem Zustande ist natürlich nicht nur das Kauen, sondern auch das Schlucken gestört, in Folge dessen der Speichel leicht in die Trachea fliesst und Erstickung oder Fremdkörperpneu-monien veranlagst, woran die Thiere ebenfalls eingehen.
Der Krampf in den Ohnnuskeln veranlasst eine steife Haltung der Ohren, in den Augenmuskeln Zurücktreten des Bulbus in die Orbita und in Folge dessen stärkeres Hervortreten der Nickhaut über die Cornea, eine Erscheinung, die besonders beim Hochheben des Kopfes und Führen des Thieres deutlich wird. Die Nüstern werden erweitert, während der Krampf in den Halsmuskeln eine gestreckte Stellung des Kopfes und Halses hervorruft, welche in Folge dessen steif und in gerader Richtung nach vorn, selten nach einer Seite gehalten werden. Diese gestreckte Haltung des Halses hat offenbar zu der Bezeichnung Hirschkrankheitquot; Anlass gegeben.
Der Krampf in den Rücken- und Kruppenmuskeln bewirkt bei dem Uebergewicht der Strecker eine leichte Aufrichtung des Halses mit Einsenkung der Rücken Wirbelsäule (Opistbotonus); zuweilen nimmt der Rücken eine gerade Haltung ein (Orthotonus), selten
|
||
|
|
||
|
L
|
||
|
|
||
|
|
||
|
I 1
|
||
|
|
||
|
142nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wundinfectionskrankheiten.
beobachtet mau eine Seitwärtsbiegung der Wirbelsäule (Pleurotho-t o n u s) und noch seltener eine Aufwilrtskrünimung, wobei sich der Kopf gegen die Brust richtet (E m p r o s t h o t o n u s). Die Schweifrübe wird meist in gestreckter Lage gehalten, d. h. hoch getragen; zuweilen richtet sich dieselbe nach einer Seite.
An den Gliedmassen besteht ebenfalls ein tonischer Krampf in den Muskeln, und da die Streckmuskeln bei weitem in der Stärke überwiegen, so erklärt sich leicht, dass vornehmlich eine gestreckte Stellung zu Stande kommt; bei der hiermit verbundenen Unsicherheit den Schwerpunkt des Körpers zu stützen, nehmen die Gliedmassen Abductionsstollung an, wodurch die sägebockartige Stel-lungquot; entsteht.
In Folgt) der (Contraction in den Bauchmuskeln erscheint der Leib aufgeschiirzt, während durch Krampf in den Respirationsmuskeln die Athnmng mehr oder weniger gestört, welche dadurch oberflächlich wird; man beobachtet bei Pferden 3050 selbst 100 Athemzüge pro Minute, doch ist diese Störung erheblichen, temporären Schwankungen unterworfen. Ausnahmsweise veranlasst der Krampf in den Kehlkopf-inuskeln bei der Bewegung der Thiere ein pfeifendes Athmen.
Die Temperatur hält sich in leichten Fällen und namentlich im Anfange der Krankheit meist auf der Norm, später und in heftigen Fällen steigt dieselbe auf 4042 0 C, und post mortem sogar bis auf 45deg; (Bayer). Ob hierbei die Gerinnung des Myosins (Erstarrung der Muskeln) betheiligt ist, lässt sich zur Zeit nicht entscheiden.
Der Puls zeigt im Anfange der Krankheit keine Veränderung; in späteren Stadien und heftigen Anfällen steigt derselbe auf 70100 pro Minute, so namentlich wenn die Thiere andauernd liegen und unruhig werden; dabei erscheint der Puls hart und klein.
Die beim Tetanus auftretenden Störungen in der Verdauung beschränken sich in der Hegel auf Schluckbeschwerden, die wiederum theils von der Maulsperre, theils aber von einem Krampf in der Zunge, Rachenmuskulatur oder im Schlünde abhängen. Flüssige Nahrung wird noch am besten aufgenommen; oft aber zeigt sich auch das unmöglich, so dass die Thiere nicht einmal Gelegenheit finden, den sich allmählich steigernden Durst zu stillen.
Die Darmperistaltik und Entleerung der Fäces sind meist etwas verzögert, zuweilen auch der Harnabsatz, indem durch Krampf im Sphincter vesicae Ischurie bezw. Dysurie eintritt. Der Harn zeigt sich selbst bei Pflanzenfressern oft sauer; F r i e d b e r g e r fand in demselben bei Pferden grosse Mengen von OxalatkrystHllen, Geschlechtliche
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Starrkrampf.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;143
Aufregungen werden ausnahmsweise bei Hengsten und Wallachen beobachtet.
Die Rumpfmuskeln fühlen sich abnorm hart und gespannt an; auch besteht in der Regel ein abnormer Erregungszustand bei den Thieren; durch Zuruf, plötzliche Geräusche oder Berührungen des Körpers werden sie erregt. Sobald erhebliche Dyspnoe auftritt, oder wenn die Thiere andauernd liegen, stellt sich bald allgemeiner Schweiss-ausbruch ein.
Beim Rinde erscheint der Tetanus als Begleiter von Endometritis, im übrigen hat das ganze Krankheitsbild mit dem Tetanus des Pferdes so grosso Aehnlichkeit, dass Verwechselungen mit anderen Leiden kaum vorkommen. Mit einer gespreizten Stellung der Füsse und steifer Haltung der Wirbelsäule verbindet sich ein steifer Gang. Die Bewegungen, welche im allgemeinen zu vermeiden gesucht werden, erscheinen unbeholfen. Zuweilen stellt sich durch Tympanitis dos Pansens Auftreibung der linken Flankengegend ein.
Auch beim Schafe tritt die steife gespannte Körperhaltung besonders an den Hinfcerfüssen in den Vordergrund der Symptome; die Stellung wird ebenfalls breitbeinig; die Thiere suchen Bewegungen nach Möglichkeit zu vermeiden. An liegenden Thieren erscheint der Kopf und Hals oft nach hinten gerückt. Auch beim Schaf besteht in der Regel Trismus.
Die sensoriellen Functionen und namentlich das Bewusstsein bleiben in der Regel bei allen Thieren bis zum letzten Stadium der Krankheit ungestört.
Die grosso Seltenheit des Totanus bei Hunden und das Fehlen einer Beschreibung der Symptome des Leidens bei diesen Thieren dürfte eine Darstellung zweier von mir beobachteter Fälle an dieser Stelle rechtfertigen.
Ein 7 Jahre alter Hofhund wurde am 15. Juni 1885 dem hiesigen Spitale mit dem Bemerken übergeben, dass man an demselben seit einigen Tagen ein eigenthümliches Schnarchen und Appetitlosigkeit bemerkt habe. Das ziemlich gut genährte Thier zeigt normale Aufmerksamkeit. Auf plötzliche Gerilusche, wie das Oeffnen des Kilfigs fährt der Hund zusammen und zittert an den Gliedmassen. Der Blick ist stier, die Ohren stehen steif nach oben gerichtet, die Conjunctiva ist blassroth, die Nase trocken, jedoch nicht vermehrt warm; aus dem Maule fliesst glasiger Schleim; ilussere Körpertemperatur regelmiissig vertheilt, Bluttemperatur 39,3deg; 0. Respiration oberflächlich und unregelmiissig; es werden 50(50 Athemzügo gezählt, die abdominale]! Typus zeigen, zeitweise auf 100120 in der Minute steigen und mit Eöcheln verbunden sind. Von Zeit zu Zeit wird das Maul 7.u öffnen versucht, doch lassen sich die Kiefer nur wenig von einander
|
||
|
|
||
|
|
||
|
144nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wundinfectionskrankheiten.
entfernen. Puls 8090 per Minute ist voll und kräftig. Appetit kaum gestört, das Thier zeigt eine gewisse Gier beim Versuche zu fressen, doch vermag es nicht das Maul so weit zu offnen, um einen regelrechten Bissen aufzunehmen. Wahrend solcher Versuche stellt sich plötzlich Husten und Röcheln ein, worauf das Thier mit gestrecktem Halse knurrend vor seinem Futter steht. Die Muskulatur des Kumpfes hart und gespannt; Verletzungen lassen sich am Körper des Thieres nicht nachweisen. Am 16. Juni trat der Tod ein, nachdem sieh kurz vorher Durchfall eingestellt hatte. Die Section ergab ein vollständig negatives Resultat.
Am 15. December 1884 wurde der Klinik ein schwarzer Neufundländer-Hund überwiesen, der nach seinem ganzen Benehmen auf eine schwere Erkrankung schliessen Hess. Kopf und Hals werden in steifer Haltung nach vorn gerichtet, beide Bulbi nach aussen gewendet, so dass die Sclera am medialen Augenwinkel deutlich sichtbar wird (Strabismus divergens). Die Ohren sind nach aufwärts gezogen, die Rumpfmuskulatur fühlt sich gespannt und hart an, besonders die Muskeln des Halses. Zeitweise tritt an den hinteren Gliedmassen Zittern hervor. Der Gang des Thieres ist steif und unsicher. Zahl der Pulse 100, die der Athemzüge 90 per Minute. Die Respiration erfolgt oberflächlich mit gehobenen Nasenflügeln. Hauttemperatur regelmässig, Bluttemperatur 39,8 0 C. Die sichtbaren Schleimhäute blassroth. Appetit ist vorhanden, doch wird die Futteraufnahme durch die Anspannung der Halsmuskulatur erschwert; Kieferbewegung frei. Psyche nicht gestört. Die Behandlung bestand in subcutaner Application von 2,0 Chloralhydrat.
Am 16. December zeigte sich derselbe Zustand; es wurden 5,0 Chloralhydrat per clysma verabreicht, worauf Patient in einen tiefen Schlaf verfällt und die Athmung regelmässiger wird.
Am 17. December erscheint der Zustand etwas gebessert, namentlich hat die Anspannung der Muskulatur nachgelassen, so dass die Bewegungen des Kopfes freier werden. Medication: 3,0 Chloralhydrat subcutan, worauf wiederum tiefer Schlaf folgt.
Am 18. December zeigt sich das Bewusstsein des Thieres mehr als an den vorangegangenen Tagen eingenommen, was jedoch auf Rechnung der Chloralwirkung gesetzt werden musste, zumal sich bereits Nachmittags auch hierin Besserung eingestellt hatte.
Am 19. December wurde Nahrung, wenn auch etwas ungeschickt, aufgenommen. Von da ab besserte sich der Zustand allmählich, das Benehmen wurde lebhafter, die Bewegung freier, und als letztes Zeichen des Leidens blieb noch mehrere Tage hindurch die steife Haltung der aufwärts gerichteten Ohren zurück. Am 30. December konnte der Hund als geheilt entlassen werden.
Ein auffälliger Unterschied zwischen dem Tetanus des Menschen und der Thiere besteht darin, dass bei ersterem sich regelmässig klo-nische Krämpfe bemerkbar machen und die Körpertemperatur schon frühzeitig eine ei'hehliche fieberhafte Steigung zeigt. Beides fehlt bei den Thieren, indem klonischc Krämpfe nur im Stadium der Agonie und Temperatursteigerung erst in den letzten Stadien des Leidens vor dem tödtlichen Ausgange beobachtet werden.
Da Strychninvergiftungen bei Thieren stets mit (Ionischen Kram-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Starrkrampf.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 145
pten verbunden sind, so fällt die Differentialdiagnose beider Zustände hier nicht schwer. Ebenso wenig lässt sich Tetanus mit der Eklampsie verwechseln.
Verlauf. Im allgemeinen verläuft der Tetanus acut, doch zeigen sich hierbei erhebliche Verschiedenheiten. In peracuten Fällen gehen die Thiere schon nach 28 Tagen unter den Erscheinungen heftiger Dyspnoe ein; in weniger heftig auftretender Form lässt die Erkrankung in der Regel nach etwa 1012 Tagen nach, doch stellen sich nicht selten auch dann noch Verschlimmerungen mit tödtlichem Ausgange ein; so namentlich wenn Pferde den Versuch machen, sich niederzulegen oder in Folge von Schwäche unfähig sind zu stehen. Sobald die Pferde andauernd liegen, gehen sie regelmässig bald ein. In anderen Fällen treten die Erscheinungen ganz allmählich zurück, so dass 4G Wochen lang noch eine gewisse Steifigkeit bemerkbar bleibt. Auch in diesem Stadium können durch ungünstige Verhältnisse (Arbeit) Recidive veranlasst werden.
Bei Rindern und Hunden verläuft die Krankheit etwas langsamer, Schafe gehen meist in 3(5 Tagen an derselben zu Grunde.
Die Prognose richtet sich in erster Linie nach dem Auftreten; sobald der Tetanus von vornherein mit grosser Heftigkeit erscheint, bleibt kaum eine Aussicht auf Genesung. Diese alte Erfahrung erklärt sich jetzt, wenn man bedenkt, dass es sich um ein Intoxications-leiden handelt, das von einer Bakterienvegetation an der Infectionsstelle ausgeht. Sobald der Giftstoff rasch und in grosser Menge gebildet und in die Circulation übergeführt wird, erliegt das Thier dem Leiden stets; der Vorgang gestaltet sich wie eine acute Vergiftung. Zeigen sich dagegen die Bedingungen für die Vegetation und Aufnahme dieser Stoffe in das Blut weniger günstig, so werden die Erscheinungen nicht mit der Lebhaftigkeit auftreten, und damit ist Aus.-sicht auf Genesung gegeben.
Ein wichtiger Massstab für die Prognose bildet die Respiration; je mehr dieselbe gestört, um so schwerer ist die Infection. Dazu kommt noch ein anderer Punkt; manche Thiere würden dem Tode entgehen, wenn nicht seeundäre Gefahren einträten. Diese bestehen vornehmlich in Fremdkörperpneumonien. Sobald sich der Trismus stark entwickelt, wird das Schlucken erschwert oder ganz unmöglich; die Folge davon aber ist, dass leicht Futterstoffe und Speichel in die Trachea gelangen und zu einer tödtlichen Pneumonic Ver-
Möller, Allgemeine Cliiimgic für Thieräri'.tp.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 10
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
|
J46nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wundinfectionskrankheiten.
anlassung geben. Je stärker die Dyspnoe, um so bedenklicher der Zustand; aussichtslos wird derselbe, wenn die Thiere, namentlich Pferde andauernd liegen; die Mehrzahl derselben geht an den Folgen der gestörten Athmung ein. Wenn die Patienten vor den genannten Complicationen etwa 1012 Tage verschont geblieben sind, tritt regel-mässig Genesung ein. Nach dem 10.12. Erkrankungstage kommt ein tödtlicher Ausgang nur noch selten vor, wie schon lange bekannt ist; aber auch diese Regel steht nicht ohne Ausnahme da. Man rechnet die Mortalität bei Pferden auf 708U0/n. Von den in den letzten 5 Jahren in der preussischen Armee behandelten 180 gingen etwa 750/() ein, während 21quot;/n geheilt, die übrigen beseitigt wurden. Die Mortalität zeigt sich nicht gleichmässig; in manchen Jahren tritt das Leiden leichter auf, und werden bessere Heilerfolge erzielt als in anderen.
Behandlung. Die wichtigste Aufgabe der Therapie bildet Vermeidung jeder Aufregung der Thiere, welche stets eine Verschlimmerung des Zustandes zur Folge hat. Schon hierdurch wird die Zahl der anzuwendenden Arzneien wesentlich beschränkt, indem die mit der Application derselben verbundene Aufregung die etwa günstige Wirkung der Mittel paralysirt. Die Anwendung derselben per os wird in der Regel schon durch den Trismus ausgeschlossen. Man bringe den Kranken in einem isolirten, ruhigen Stall unter, der recht gross und womöglich verdunkelt ist. Sollte sich zeigen, class durch diese Mass-nahme, sowie durch die Isolirung die Aufregung gesteigert wird, so stelle man den Patienten mit anderen ruhigen Pferden zusammen; eine Uebertragung der Krankheit ist nicht zu befürchten. Im übrigen ist absolute Ruhe und Vermeidung jeder Aufregung auch beim Menschen als wirksamstes Heilmittel anerkannt (de Henzi). Für grössere Thiere sorge man, dass die Streu kurz geschnitten ist, damit sich die Thiere bei ihren ungeschickten Bewegungen in derselben nicht verwickeln und niederstürzen; aus demselben Grunde ist glattes Pflaster zu vermeiden. Ruhige Pferde lasse man in einen Hängegurt bringen.
Wichtig ist zweitens die Regelung der Ernährung, namentlich wenn Trismus besteht. Sobald der Patient Rauhfutter und Hafer nicht regelmässig aufzunehmen im Staude ist, lasse man Kleie und Mehltränke verabreichen; ausserdem muss demselben frisches Wasser dauernd zur Verfügung stehen und SO aufgestellt werden, dass der Patient dasselbe leicht erreichen kann, um den Durst zu stillen und das Maul von dem zersetzten Speichel durch Ausspülen zu befreien.
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
Starrkrampf.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;147
Arzneimittel lässt man entweder mit dem Getränk verabreichen oder so appliciren, dass hierbei Aufregungen der Thiere möglichst vermieden werden. Nach meinen Beobachtungen verdient bei Pferden Chlonilhydrat (8050,0) vor allen anderen Medicamenten den Vorzug, namentlich bei ruhigen Thieron, welche durch die Application desselben als Klystier nicht aufgeregt werden. Grössere Dosen, intravenös angewendet, lösen zwar regelmässig den Krampf, können aber nicht empfohlen werden, weil die Pferde sich hierbei niederlegen und nach Ablauf der Wirkung meist unfähig sind sich wieder zu erheben. Ebenso wenig erscheinen Inhalationen von Chloroform und Aether angezeigt, deren Anwendung die Thiere in der Regel sehr aufregt. Dasselbe gilt vom Morphium, welches ebenfalls aufregende Wirkungen bei Pferden entfaltet. Auch Curare hat bei Thieren keinen erheblichen Nutzen; ebenso sind die von Witt ig empfohlenen intratrachealen Injectionen von Chin, salicyl. und Acid, salicyl. von anderer Seite als werthlos bezeichnet worden. Dasselbe dürfte von der gleichen Application von Jodjodkalium gelten, dagegen Bromkalium vielleicht zu versuchen sein. In welchem Umfange die von Behring eingeführte Serumtherapie bei Thieren wirkt, lässt sich bisher nicht entscheiden.
Verletzungen, welche den Verdacht erwecken, dass sie den Ausgangspunkt des Leidens bilden, müssen entsprechend behandelt werden, sofern dies möglich ist; an den Püsscn der Thiere verbietet sich dieses oft durch die Unmöglichkeit den Fuss aufzuheben; bei der grosson Widerstandsfähigkeit der Tetanusbacillen ist hiervon auch nicht viel zu erwarten. In hiesiger Klinik wurde ein Pferd mit einer schweren Verletzung an der Krone des Hufes eingestellt, und es gelang durch rechtzeitig eingeleitete Behandlung einen aseptischen Zustand der Wunden zu erzielen. Trotzdem erkrankte das Thier 8 Tage später an Tetanus, ein Beweis dafür, dass die Infectionserreger des Tetanus grössere Widerstandsfähigkeit besitzen als Eiterkokken. Nach den Untersuchungen Sonn an is soll Jodoform gegen Tetanusbacillen eine energisch bakterieide Wirkung besitzen, und dürfte das Mittel zu versuchen sein. Dasselbe gilt von Höllenstein, der nach den Versuchen von Tizzoni und Catani in l0/oiger Lösung die Bacillen schon in einer Minute tödtet. Die früher empfohlene Durchschneidung der Nerven an der verletzten Stelle muss nach den gegenwärtigen Anschauungen über die Entstehung des Leidens als werthlos bezeichnet werden.
Sobald die Thiere das Reconvalescenzstadium erreicht haben, lasse man dieselben täglich ein wenig im Freien führen, was zur Lösung des Krampfzustandes in den Muskeln wesentlich beiträgt.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
148nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wumlinfectionakrankheiten.
C. Erysipelas und Phlegmone.
Nach den Untersuchungen der neueren Zeit unterliegt es keinem Zweifel, dass sowohl das Erysipelas wie auch die Phlegmone zu den Wundinf'ectionskrankheiten gerechnet werden müssen.
1. Als Erysipelas, Rose oder Rothlauf bezeichnet man eine durch Spaltpilze (Streptokokken) bedingte, von einer bestimmten Stelle ausgehende und sich allmählich ausbreitende Entzündung der äusseren Haut, der Cutis. Der die Krankheit erzeugende Streptokokkus wurde vonFehloisen zuerst nachgewiesen, und die Beziehungen des Mikroorganismus zum Erysipelas durch Impfungen festgestellt. Man hielt denselben ursprünglich für eine specifische Bakterienart und nannte ihn Streptokokkus erysipelatis (Fehleisen). Die späteren Untersuchungen durch Baumgarten, E. Fränkel, Passet u. a. haben jedoch ergeben, dass derselbe mit dem Streptokokkus pyogenes identisch ist. Beim Erysipelas wuchert der Kokkus vornehmlich in den feinen Lymphgefässen der Cutis nur langsam, seltener in Schleimhäuten, während er bei umschriebenen, phlegmonösen Eiterungen in den betreffenden Geweben lebhafter vegetirt und sich reichlicher vermehrt als beim Erysipelas. Aber selbst von der Haut aus gehen die toxisch wirkenden Stoffwechselproducte des Streptokokkus in die Blutcirculation über und erzeugen Fieber; auch können die Kokken selbst in das Blut übertreten und metastatische Entzündungen veranlassen. Neuerdings wurde die Behauptung ausgesprochen, dass auch Staphylokokken Erysipelas zu erzeugen im Stande seien, eine Annahme, die im Hinblick auf gewisse andere Leiden an Wahrscheinlichkeit gewinnt. Demnach dürfte das Erysipelas nur als Infectionskrankheit der Haut und durch den eigenartigen Verlauf charakteristisch sein, nicht aber bezüglich der Ursachen; möglicherweise können sehr verschiedene Mikroben Erysipelas erzeugen. Ausgangspunkt des Leidens bildet aber stets eine Verletzung der Haut, und wenn diese nicht in jedem Falle nachzuweisen ist, so kann das an der behaarten Haut der Thiere noch weniger befremden als beim Menschen. Bemerkt sei noch, dass die als llothlauf der Schweinequot; bezeichneten Leiden kein Erysipel, sondern allgemeine Infectionskrankheiten darstellen.
Das klinische Bild des Leidens gestaltet sich wie folgt:
An nicht pigmentirter Haut beobachtet man zunächst eine scharf
begrenzte, rosarothe Färbung, die mit vermehrter Wärme, geringer
Schwellung und massigem Schmerz, in der Regel von vorn herein
aber mit erheblichem Fieber verbunden ist. Die Röthung verschwindet
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Erysipelas.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;\ 49
auf Fingerdruck, kehrt jedoch alsbald wieder, zeigt sich anfangs fleckig, später gleichmässig. Sie breitet sich allmählich aus, bald mehr nach der einen, bald nach der anderen Seite, wodurch die Röthung eine unregelmässige Gestalt erlangt, aber stets scharf begrenzt erscheint. Die anfangs hellrothe Färbung gebt später in eine dunkelrothe, zuweilen in eine blaurothe über. Die im allgemeinen gleichmässige Anschwellung tritt an Stellen, wo sich reichliche Mengen Unterbautraquo; gewobe finden, deutlicher hervor (E. phlegmonosum); zuweilen kommt es zur Exsudation unter der Oberhaut, zur Bildung kleiner oder grösserer Blasen (E. bullosum). Nur selten entstehen Abscesse in der Haut, häufiger kommt es zur Gangrilnbildung (E. gangraenosum); dunkel-blaurothe Färbung der Haut lässt diesen Ausgang befürchten. Bald greift der Process mit grösserer, bald mit geringerer Schnelligkeit um sich, je nachdem die Hindernisse für die Verbreitung der Bakterien geringer oder grosser sind. Zuweilen rückt die Röthung innerhalb 24 Stunden nur um 24 cm vor, nicht selten aber um das 3- und 5fache in der gleichen Zeit. Nur selten wird ein Uebergrelfen auf entferntere Stellen beobachtet.
Die regionären Lymphdrüsen schwellen beim Erysipel in der Regel bald an und abscediren unter Umständen. Auch wird in der Regel Ausfall der Haare an den erkrankten Hautstellcn beobachtet. Das den Rothlauf begleitende Fieber entwickelt sich schnell, verläuft meist continuirlich, selten remittirend; es ist häufig mit gastrischen Störungen, Appetitlosigkeit, selbt Erbrechen verbunden, weshalb man das Leiden früher aus Verdauungsstörungen hervorgehen Hess. Das Fieber fällt jedoch mit dem Nachlassen der localen Erscheinungen schnell ah. Uebergrelfen des entzündlichen Processes in die Tiefe wird selten beobachtet; dagegen kommen Metastasen (Entzündung der Gelenke, der Hirnhaut, Pleura u. s. w.) vor. Das Leiden kann selbst mit Pyämic sich verbinden und einen letalen Ausgang nehmen. Kommt es zur Mortification der Haut, so findet im günstigsten Falle eine Dissection derselben statt.
Der Verlauf des Erysipelas gestaltet sich typisch. In der Regel breitet sieb der Process mehrere Tage hindurch aus, um gegen den 6.9. Tag Halt zu machen, und während die gorötheten Stellen verblassen tritt Zertheilung ein. Die oben erwähnten Coinplicationen sind bei Thieren im allgemeinen selten.
Aus obiger Schilderung ergiebt sich, duss die Röthung der Haut den Mittelpunkt der klinischen Erscheinungen bildet; da nun aber die
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
N
|
J5()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^\^undinfectiollskl#9632;allklleiten.
Haut der Hausthiere In der Regel pigmentirt ist, so erklärt sich, dass der Nachweis des Erysipelas bei diesen auf Schwierigkeiten stösst. Unsere Kenntnisse über das Vorkommen und die Verbreitung des Leidens bei den Hausthieren sind deshalb unvollständig, und die in der bisherigen Literatur als Erysipelas beschriebenen Erkrankungen können um so weniger alle als echter Rotblauf beobachtet werden, als man bis vor kurzer Zeit über die Natur des Leidens noch ganz unvollkommene Vorstellungen hatte. Doch lässt sich nicht leugnen, dass bei den verschiedenen Thierarten echter Rothlauf vorkommt und überall einsetzen kann. Beim Schwein und Kaninchen konnte Fehl ei sen den Rothlauf durch Impfung hervorrufen. Bei Hunden habe ich wiederholt typisch verlaufenden Rothlauf beobachtet. Bei Pferden wird derselbe vielfach mit Phlegmone verwechselt; es scheint indess, dass das Leiden hier nicht so häufig auftritt, wie man vielfach noch annimmt.
Behandlung. Das wirksamste Präservativmittel gegen Erysipelas bildet Reinlichkeit und sorgfältige Antisepsis bei jeder noch so kleineu Verletzung. Nach den Untersuchungen Fehleisens verdient Sublimat hierbei besondere Beachtung, das in 0,ln/oiger Lösung die Erysipel-kokken in 1015 Secunden vernichtet. Gegen das den Rothlauf begleitende Fieber werden die bekannten Mittel in Anwendung gebracht.
Die Localbehandlung bestellt in Bestreichen der Haut mit Oel und warmer Bedeckung. Beim Menschen werden im Beginn der Krankheit die von Hüter zuerst empfohlenen Injectionen einer 2;!n/nigeii Carbollösung angewendet; am Rande der erkrankten Stellen applicirt man mittelst derPravaz'scben Spritze 35 g in die Haut, bezw. in das Unterhautgewebe; auch wurden hier subeutane Injectionen von Sublimatlösungen empfohlen. Andere lassen Terpentinöl auf die erkrankten Stellen einreiben oder bepinseln die Ränder des Erysipelas mit Tinct. Jodi oder einer Lösung von Argent, nitri (1:410). Ferner sind Einreibungen mit Ichthyol. Crcolin, Bleisalbe empfohlen. Auch das Glüheisen in Strichform und Scarificationen, denen man Carbol-umschläge folgen lässt, wurden in Vorschlag gebracht. Es unterliegt keinem Zweifel, dass der günstige Einfluss aller dieser Mittel auf ihrer antiseptischen Wirkung beruht. Um die Ausbreitung der Kokken zu verhindern, lässt Wolfler die Umgebung mit Heftpflasterstreifen bekleben. Dass die noch bestehenden Verletzungen antiseptisch behandelt werden und Desinfectionsmittel im allgemeinen den Vorzug verdienen, liegt auf der Hand; an den Extremitäten können diese in Form von warmen Bädern Anwendung finden.
2. Phlegmone. Bei weitem häufiger als Erysipelas wird Phlegmone bei Thieren beobachtet. Man bezeichnet damit eine acute.
|
||
|
#9632;#9632;#9632;lt;
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Phlegmone.
|
151
|
||
|
|
|||
|
infectiösc Entzündung des lockeren Bindegewebes in der Subcutis, unter den Fascien, zwischen den Muskeln oder an anderen Stellen. Demnach wird eine subeutane, subfascialo und intermusculäre Phlegmone unterschieden. Aber auch an jeder anderen Stelle kann lockeres Bindegewebe phlegmonös erkranken, z. B. das Strahlpolster, das um die Hufbeinknorpel gelegene Gewebe u. s. w.
Schon Vegetius gebrauchte die Bezeichnung Phlegmone in der Thierheilkunde, welche später aber verlassen und erst in neuerer Zeit (Stock-fleth) wieder aufgenommen wurde. Unsere Kenntnisse über dieses Leiden haben sich erst neuerdings, seitdem die bakteriologische Forschung eingesetzt hat, wesentlich geklärt, und ist seitdem eine Unterlage für die rationelle Behandlung des Leidens geschaffen.
|
|||
|
|
|||
|
Man unterscheidet eine locale, ci reu in Scripte und eine diffuse Phlegmone. Die ersterc beschränkt sich mehr oder weniger auf ihre Ursprungsstelle; die diffuse Phlegmone zeigt eine entschiedene Neigung zur Ausbreitung, die bald schneller, bald langsamer erfolgt.
Obgleich auch hier, ebenso wie beim Erysipelas, eine Continuitäts-trennung in der Epidermis oder Cutis regehnässig den Ausgangspunkt des Leidens bildet, wie z. B. Streichwunden, so lassen sich solche an der behaarten Haut der Tbiere oft nicht nachweisen. Auch können die Infectionsstoffe durch die Lyniphbahnen auf grössere Strecken fortgetragen werden und entfernt von ihrer Eintrittsstelle zur Entwickelung gelangen um diese Krankheit zu veranlassen.
Die Phlegmone ist ebenfalls keine specifisclie Krankheit, sondern nur eine besondere Krankheitsform; denn die Infectionsstoffe, welche Phlegmone erzeugen, sind nicht eigenartig; es handelt sich vielmehr entweder um gewöhnliche Eiterkokken, namentlich Streptokokkus und Staphylokokkus, oder um andere Mikroben, z. B. die Bacillen des malignen Oedems, des Rauschbrandes u. s. w. Demnach unterscheidet man auch eine einfache oder eiterige und specifisclie Phlegmone. Beim Menschen hat man neben den genannten Mikroben auch den Mikrokokkus pyogencs tenuis, den Bacillus pyogenes foetidus (Passet), Bacillus pyoeyaueus u. a. als Erreger der Phlegmone beobachtet; bei Thieren stehen über diesen Punkt nähere Untersuchungen noch aus.
Soviel steht jedoch fest, dass der Verlauf der Phlegmone und die Heftigkeit ihres Auftretens in erster Linie von der Virulenz der inficirenden Substanzen abhängig ist. Die durch Streptokokken erzeugte Phlegmone zeigt auch bei Thieren eine grössere Neigung zu
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
152
|
Wundinfectionskrankheiten.
|
||
|
|
|||
|
schneller Ausbreitung uls die durch Staphylokokken veranlasste. Zu den bedenklichsten Formen gehört die septische Phlegmons, d. h. die durch septische Infectionsstoft'e veranlasste, zu denen auch das maligne Oedem gerechnet wird.
Das acute maligne Oedem (Gangrene foudroyante) wird durch einen von B. Koch entdeckten Bacillus erzeugt, welcher sich vornehmlich in den ohersten Schichten der Gartenerde in faulenden Stoffen und Flüssigkeiten findet und etwas schlanker als der Milzbrandbacillus ist. 33,5 jlaquo; lang, 1,0 jlaquo; breit, zeigen sich die Enden abgerundet, zuweilen sogar etwas zugespitzt. Ebenso wie der Milzbrandbacillus bildet auch der des malignen Oedems oft längere gebogene Fäden (Fig. 39). Durch Geisseifäden sind die Bacillen ausserordentlich beweglich, bilden in der Mitte oder an einem Ende eine Spore und sind obligat-anaörobe Bakterien, d. h. sie gedeihen nur in Abwesenheit von Sauerstoff. Sie wachsen auf Gelatine, Agar, Blutserum und gekochten Kartoffeln; ihre Culturen verbreiten einen penetranten Geruch.
An den erkrankten Körperstellen lassen sie sich oft in grösserer Menge nachweisen, im Blute finden sie sich erst kurze Zeit nach dem Tode ein.
|
|||
|
|
|||
|
Es dürfte sich empfehlen, eine eiterige, d. h. eine durch pyogene Kokken erzeugte, und eine septische Phlegmone zu unterscheiden; der letzteren würde auch das maligne Oedem zuzuzählen sein. Die klinischen Symptome gestatten diese Trennung ebenfalls.
Klinische Erscheinungen. Die locale Phlegmone des TJntei-hautgewel )es giebt sich durch R ö t h u n g, Schwellung, vermehrte Wärme und Schmerz an der betreffenden Stelle zu erkennen, ohne dass äussere Verletzungen hierzu eine directe Veranlassung gaben. Die Anschwellung erscheint zunächst weich-teigig, indem sich neben den Infectionsstoffen vornehmlich eine seröse Flüssigkeit in den Lücken des Gewebes befindet (Oedem). Bald aber stellen sich hier zahlreiche Leukocyten ein, wodurch die Anschwellung eine grössere Härte erlangt. Die vermehrte Wärme erscheint auffällig stark, während der Schmerz in der Kegel nicht bedeutend ist. Selten fehlen hierbei Anschwellung der Lymphgcfässe und Fieber.
Die locale Phlegmone führt in der Regel zur Abscedirung. Im Verlaufe von 80 Tagen entwickelt sich an der betreffenden Stelle Fluctuation, der Eiter bricht durch, wenn ihm nicht künstlich ein Ausgang verschafft wurde; sodann tritt durch Granulationsbildung und unter Eiterung in der Regel Heilung ein.
Anders verläuft die diffuse eiterige Phlegmone, welche nn den Gliedmassen grösserer Thiere, namentlicli Pferden unter dem
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Phlegmone.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 153
Namen Einsohuss lauge bekannt ist. Ohne nachweisbare äussere Veranlassung tritt plötzlich eine Anschwellung des Schenkels ein, die meist bis über die Fusswurzel, bezw. das Sprunggelenk, nicht selten bis zur Schulter- oder Kniegelenk nach oben reicht. Anfangs ödematös, nimmt dieselbe schon in den nächsten Tagen unter schneller Ausbreitung eine feste, derbe Beschaffenheit an. Diese Veränderung beruht ebenfalls darauf, dass anfangs fast nur Serum die Gewebslücken anfüllt (Oedem), später aber zahlreiche Leukocyten in diese eintreten. Die Anschwellung zeigt sicli vermehrt warm, aber auch hier nur wenig schmerzhaft. Die bei Phlegmone der Gliedmassen beobachtete Lahmheit wird vornehmlich durch die aus der Spannung der äussercn Haut hervorgehenden Bewegungsstörungen bedingt. Daher erklärt sich, dass eine ausgesprochene Hangbeinlahmheit zu bestehen pflegt, während die Belastung des Fusses oft regelmässig erfolgt. Selten fehlt bei dieser Phlegmone die Anschwollung der regionäreu Lymphdrüsen und Lymph-gefässe sowie Fieber; bei der Neigung des Processes zur Ausbreitung kann das Auftreten dieser beiden Zustände nicht auffallen.
Entwickelt sich die eiterige Phlegmone u n t e r F a s c i e n (s u b-fasciale Phlegmone), wie es an den Gliedmassen der Pferde nicht selten der Fall ist, so tritt der Schmerz und das Fieber in den Vordergrund der Erscheinungen. In Folge der geringeren Nachgiebigkeit der Fascien entsteht unter derselben eine erhebliche Drucksteigerung, wodurch sowohl die Schmerzhaftigkeit wie auch die schnelle Kesorption der fieberorregenden Substanzen begünstigt wird. Bei diesem Zustande zeigen die Thiere auch im Momente der Belastung erhebliche Schmerzen, während in der Unterhaut in der Hegel schwaches Oedem besteht und bei der Palpation in der Tiefe erhebliche Spannung und Schmerz nachzuweisen ist. Plötzlich bilden sich auf der Haut pilz-förmige, scharf umschriebene Anschwellungen von 35 cm Durchmesser, und zwar in Folge des Durchbruches des Eiters durch die Fascien in das Unterhautgewebe ; nach einigen Tagen wird auch die Haut perforirt. Neben der sehr gespannten und schmerzhaften Anschwellung bilden das Fieber und die Mitleidenschaft der regionären Lymphdrüsen die wichtigsten Symptome der subfascialen Phlegmone.
Verlauf. Die diffus-eiterige Phlegmone geht bei den grösseren Thieren, namentlich dem Pferde häufig in Zertheilung über; ja man kann behaupten, dass beim Einschuss der Pferde Zertheilung die Regel bildet; nur ausnahmsweise kommt es hier zur Abscedirung. Die sub-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
i .;
|
154nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Wundinfectioiiskriinkhoiten.
fasciale Phlegmone dagegen führt in der Regel zur Eiterung mit Nekrose der Fascie und Durclibruch des Eiters. Derselbe ergiesst sich zunächst in die Subcutis, um die plötzlich auftretenden pilzfövmigen Anschwellungen zu veranlassen und dann die äussere Haut zu durchbrechen; auch werden bei der subfascialen Phlegmone häufiger als bei subeutaner Complicationen mit Pyämie oder Septikilmie beobachtet, die leicht zu tödtlichem Ausgange führen; das Leiden kann ferner noch dadurch bedenklich werden, dass die Phlegmone auf Sehnenscheiden oder Gelenke übergreift. So bricht z. B. die Phlegmone des subcoronären Bindegewebes am Hufe oft in das Hufgelenk, die an den oberen Phalangen auftretende Phlegmone in die Sehnenscheiden dos Beugeapparates ein. Auf diese Weise entstehen schwere, meist tödtlich verlaufende Complicationen.
Bei weitem bedenklicher erweisen sich die septischen Phlegmonen; ihr Verlauf gestaltet sich stürmischer und schwerer. Oft setzen dieselben mit erheblichem Fieber ein, aus dem bald der septische Charakter spricht; der Puls ist klein, schwach, unregelmässig, die Psyche erscheint schwer belastet; die Thiere nehmen weder Futter noch Getränk und zeigen keine Aufmerksamkeit auf ihre Umgebung. Gleichzeitig entwickelt sich eine schmerzhafte Anschwellung, die schnell an Ausbreitung gewinnt und beim Bestreichen oft ein knisterndes Geräusch giebt (Emphysem). Reicht der Process bis in die Cutis, so stellt sich alsbald Mortification der äusseren Haut in grösserer oder geringerer Verbreitung ein. Die Oberfläche der Haut wird feucht, die Haare fallen hier aus, und bald bricht der Jaucheherd durch, worauf sich eine rötblich-braune Flüssigkeit von sehr üblem Geruch entleert.
Zuweilen gehen die Thiere schon früher an den schweren allgemeinen Störungen unter dem Bilde der Septikämie (S. 128) zu Grunde. In anderen Fällen lösen sich die abgestorbenen Hautfetzen los, und wenn der Process, wie es leider oft der Fall ist, nicht auf Gelenke und Sehnenscheiden übergreift, so kann selbst Heilung eintreten. An den Gliedmassen bilden umfangreiche Hautverluste ein Hinderniss für die Wiederherstellung der Thiere. Es greift die Nekroso zuweilen auf die benachbarten Blutgefässe über, erzeugt namentlich in den dünnwandigen Venen Thrombose mit Metastasen, und der Tod erfolgt unter dem Bilde der Pyämie (S. 134).
Bei der Section findet sich das erkrankte Gewebe theils gelb-sulzig infiltrirt und mit übelriechenden Gasen durchsetzt, stellenweise auch brandig abgestorben. Dazu kommen die Veränderungen, welche
|
||
|
|
|||
|
#9632;
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
l'hlegmone.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;155
in Folge des schweren Fiebers, der Septikämie oder Pyäinie entstanden sind. Bemerkenswerth ist die Thatsachc, dass auch in den Cadavern von erstickten oder an Kolik zu Grunde gegangenen Thieren bei höherer Temperatur schon innerhalb 24 Stunden besonders in der Leber sowie in der Pfadader ähnliche Bacillen gefunden werden.
Kitt beobachtete malignes Oedein bei Schafen und konnte den Bacillus auf die übrigen Thierarten mit Erfolg verimpfen, wobei sich in den Erscheinungen eine grosse Uebereinstimnmng mit dem llauschbrande der Rinder zeigte. Jensen und Sand beschreiben 3 Fälle von malignem Oedem beim Pferde; auch sie konnten die Bacillen mit Erfolg auf andere Thiere verimpfen. Morelli beobachtete bei Oastrationen malignes Oedem, an dem die Pferde innerhalb 24 Stunden zu Grunde gingen. Wahrscheinlich müssen auch andere Beobachtungen an Pferden zum Theil hierher gerechnet werden. Cornevin fand bei seinen Uebortragungsversuchen an Thieren, dass Binder gegen Impfungen mit malignen Oedombacillen immun waren. Andere (Kitt, Meyer) haben jedoch auch beim Binde malignes Oedem beobachtet und glauben gewisse Pilllo von septischer Metritis auf dieses Leiden zurückführen zu können. Cornevin stellte einen Impfstoff zur Erzeugung von Immunität dar; doch schon vorher hatten Chauveau und Arloing gezeigt, dass Injection des Virus in die Blutbahn die Thiere immun machte. Priis beobachtet malignes Oedem beim Pferde durch Nageltritt und Eserininjeetion am Halse. Schlake ebenfalls am Halse des Pferdes; von der Schulter bis zur Mitte des Halses und zum Ellenbogen zeigte sich eine umfangreiche Geschwulst, welche beim Ueberstreichen knisterte ; ausgegangen war das Leiden von einem kleinen Brandschorf an der Schulter, dessen Umgebung sehr schmerzhaft war. Hochgradiges Pieber begleitete das Leiden, an welchem das Pferd nach 3 Tagen zu Grunde ging.
Abgesehen von dieser specifischen Phlegmone kommen bei Thieren noch andere septische Phlegmone vor, so namentlich bei Pferden und Rindern in Folge von Verletzungen mit Düngergabeln, bei Hunden von Bisswunden. In ihrem Verlaufe gestalten sich diese Formen dem malignen Oedem sehr ähnlich, doch vennisst man bei ihnen das Emphysem. Ich habe derartige Fillle wiederholt bei Thieren zu beobachten Gelegenheit gehabt. Besonders gefährlich zeigen sich in dieser Hinsicht Stieb wunden mit Mistgabeln an muskulösen Körper-theilen; hier greift die Phlegmone schnell auf das iutermusculäre Bindegewebe über und führt oft zu umfangreicher Nekrose desselben wie auch der Nachbarschaft, z. B. Knochen. Auf diese Weise kommt nicht selten Nekrose am Tuber ischli zu Stande.
Verlauf und Ausgang. Die Prognose der Phlegmone gestaltet sich verschieden, und ist in erster Linie von der Intensität der Infection und der Virulenz des Inticicns, theils aber auch von dem Sitze des Leidens abhängig. Beim malignen Oedem bleibt die
|
||
|
|
||
|
|
||
|
156nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Wundinfectionskrankheiten.
Aussicht auf Heilung verschwindend gering, naineatlich wenn nicht alsbald energische operative Eingriffe eintreten; nach den bisherigen Erfahrungen geht die bei weitem grösste Mehrzahl der Thiere zu Grunde, Demgegenüber verlaufen die einfach eiterigen Phlegmoncn der Subcutis, besonders beim Pferde und Rinde im ganzen günstig. Bei diesen Thieren zeigt namentlich die diffuse Phlegmone wenig Neigung zur Eiterung; beim Einschuss der Pferde kann diese als Ausnahme bezeichnet werden. In der Regel steigt das Leiden 4(i Tage an, und bilden sich von da ab die Erscheinungen zurück, ohne anatomische Veränderungen zu hinterlassen. Zuweilen beobachtet man jedoch, dass sich an derselben Stolle und in verschiedenen Zeiträumen neue Anfälle einstellen, so namentlich, wenn die Geschwulst nicht vollständig verschwindet. Nach Wochen und selbst Monaton stellt sich plötzlich ein neuer Anfall ein, der darin wohl seine Erklärung finden dürfte, dass einige entwickelungsfähige Krankheitskeime von den Geweben eingeschlossen und so zunächst unschädlich gemacht wurden, gelegentlich aber frei worden und eine neue Infection veranlassen. So beobachtete ich am Hinterfusse eines Pferdes in Zeit von zwei Jahren dreimal einen heftigen Anfall von Einschuss. Eberhardt berichtet über ein Pferd, das in schneller Aufeinanderfolge zuerst am rechten Hinterschenkel, dann am linken Vorderschenkel und Hinter-schenkel, endlich noch einmal am rechten Hinterschenkel an Phlegmone litt; die eine Erkrankung setzte ein, wenn die vorangegangene eben geheilt war; das Leiden dauerte sieben Monate. Imminger beobachtete Einschuss häufig bei Pferden, wenn Schilf aus Bächen und Flüssen zürn Streuen verwendet wurde.
Einen anderen Ausgang der eiterigen Phlegmone bildet die Elephantiasis. Der erkrankte Fuss schwillt hierbei nicht ab; es stellt sich vielmehr eine allmählich zunehmende Wucherung des Bindegewebes an demselben ein; auch die Fascien und selbst das Periost können hieran Antheil nehmen, und es bilden sich oft zahlreiche Exostosen an den betreffenden Schenkelknochon. Bei der anatomischen Untersuchung elopluintiastisch erkrankter Schenkel linden sich in dem massenhaft entwickelten Bindegewebe mehr oder weniger zahlreiche, kleinere Herde, die mit einer geringen Quantität Eiter angefüllt sind. Die regolmässig in demselben enthaltenen Eiterkokken bilden offenbar den chronischen Reiz und die Ursache der fortschreitenden Wucherung des Bindegewebes. Von ihnen geht zuweilen auch die Anregung zu einer neuen acuten Phlegmone aus, so dass dor Process einen remit-tirenden, bezw. intermittironden Verlauf nimmt. Sobald an Extre-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Phlegmone.
|
157
|
||
|
|
|||
|
mitäten die Phlegmone abscedirt, tritt die Gefahr der Miterkrankung für Fascien, Gelenke, Sehnen und Sehnenscheiden ein, wodurch ein ungünstiger Ausgang herbeigeführt werden kann. Grosser indess gestaltet sich diese Gefahr bei septischer Phlegmone, namentlich wenn die localen Verhältnisse energische Eingriffe nicht zulassen. Zur Be-urtheilung der Virulenz der Infectionsstoife dient in erster Linie der Verlauf des Leidens und der Höhe der Allgemeinstörungen, namentlich des Fiebers. Je rapider sich die Anschwellung entwickelt, je hochgradiger die Schmerzen und das Fieber, um so bedenklicher erscheint der Zustand.
Bei weitem gefährlicher als die subcutane ist die subfasciale Phlegmone, und zwar einestheils, weil sie eher zu eiterigen Erkrankungen der Gelenke und Sehnenscheiden führt, dann aber auch, weil sie mit schwereren allgemeinen Störungen verbunden zu sein pflegt und häufiger Pyämie und Septikämie im Gefolge hat.
Endlich spielen bei der Prognose auch die örtlichen Verhältnisse eine hervorragende Rolle. So führt die Phlegmone am Widerrist und Nackenband der Pferde regelmässig zur Nekrose der hier gelegenen Fascien, greift sodann auf die Dornfortsätze der Rückenwirbel oder das Schulterblatt über und erzeugt Nekrose an denselben. Auf diese Weise entsteht ein Leiden, das unter dem Namen Widerristfistel bekannt ist und oft viele Monate zur Heilung in Anspruch nimmt, aber auch einen letalen Ausgang nehmen kann. An den Hufbeinknorpeln ruft die Phlegmone Nekrose hervor (Hufknorpelfistel), im Strahlpolster erzeugt sie eiterige Erkrankung der Strahlbeinbursa und Nekrose an der Seime des langen Zehenbeugers.
|
|||
|
|
|||
|
Behandlung. In prophylactischer Hinsicht kommt hier ebenso wie beim Erysipelas eine sorgfältige Antisepsis in Betracht. Jede Wunde, ob gross oder klein muss namentlich an den Gliedmassen, wo Infectionen leichter erfolgen, von diesen Gesichtspunkten aus behandelt werden; das gilt bei Pferden in erster Linie von Streichwunden. Man lässt dieselben mit Seifenwasser reinigen, mit (Jreolin, Sublimat oder einem anderen Desinficiens abwaschen und, nachdem die Oberfläche trocken geworden, mit Theer bestreichen. Ein zweites Mittel zur Verhütung von Phlegmone bildet die Sorge für regelmässigen Ablluss des Wundsecretes; kleine Stichwunden werden oft mit Vortheil gespalten. Da die Gefahr der Infection mit dem Auftreten der Granulation nachlässt, so erscheinen derartige Vorsichtsmassregeln namentlich bei frischen Verletzungen geboten. Besondere Sorgfalt empfiehlt
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
158nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Wundinfectionskrankheiten.
sich bei allen Verletzungen an den Gliedmassen im Winter. Hier treten in dieser Jahreszeit am häufigsten schwere phlegmonöse Pro-cesse hervor und sind oft mit Mortification der Haut verbunden (Brandmauke). Offenbar wird die Infection durch eine Schädigung begünstigt, welche die Gewebe in Folge der Kiiltewirlamg erleiden; auch scheint der feuchte Strassenschmutz gefahrlicher zu sein als trockener Staub.
Bei der einfach eiterigen Phlegmone, wie sie beim Einschuss der Pferde auftritt, lasse man zunächst den betreffenden Schenkel und namentlich die an demselben bestehenden Verletzungen sorgfältig reinigen und mit einer üesinfectionsflüssigkeit abwaschen. An den unteren Theilen der Gliedmassen eignen sich hierzu besonders warme Bäder mit diesen Mitteln.
Zur Förderung der Zertheiluug dient feuchte Wärme; Kälte wird bei diesen Zuständen in der Regel nicht ertragen; sie steigert die Schmerzen und verzögert den Verlauf des Leidens; Wärme dagegen fördert die Circulation, regt sowohl die Exsudation wie Emigration von Leukocyten, also Vorgänge an, welche zur Bekämpfung und Vernichtung der Infectionsstoffe dienen. Wahrscheinlich unterstützt die Wärme zugleich die salutäre Wirkung der Entzündung (S. 43). Die zur Förderung der Circulation und Zertheiluug dienende, erhöhte Lagerung der Theile können leider bei Thieren nur selten in Anwendung kommen.
Sobald sich Abscossbildung bemerkbar macht, zögere man nicht mit der Anwendung des Messers. Zum Nachweis des Abscesses kann unter Umständen eine Probepunction dienen. Man spalte die Abscesse möglichst ausgiebig und behandele dieselben mit Desinficientien und wende, wo es nöthig erscheint. Drainage an.
Bei septischer Phlegmone sind frühzeitige Spaltungen doppelt wichtig; unter Umständen können die Incisionen aufs Gerudewohl gemacht werden; nothwendig werden solche, wo sich eine grosse Spannung in der Geschwulst bemerkbar macht und Nekrose droht, z. B. an der Zunge. Auf diese Weise lüsst sich der Eintritt von Gewebsnekrose am sichersten vermeiden. Bei in der Tiefe ablaufenden Phlegmonen macht man den Einschnitt durch die Haut und etwa oberflächlich gelegene Fascieu, bohrt sodann mit dem Finger, einer stumpfen Schere, Haarseilnadel oder Kornzange einen Weg zum Eiterherde. Wo die anatomischen Verhältnisse eine ausgiebige Spaltung der Höhle nicht gestatten, findet nach Eröffnung derselben permanente Irrigation mit Desinfectionsmitteln zweckmässigo Anwendung.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Stich-, Biss-, Rise-, Schuss- und Quetschwunden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;159
Sobald bei subfascialer Phlegmone die beschriebenen Anschwellungen in der Subcutis auftreten, zögere man nicht, durch Einschnitte den Eiter zu entleeren. Auch kann hierbei eine Spaltung der Fascien zur Erleichterung des Eiterabflusses erforderlich werden, die mit Vor-theil in Gestalt eines T- oder Kreuzschnittes bewirkt wird. Sorgfältige Entfernung aller nekrotischen Gewebe, Drainage und Ausspülen, bezw. permanente Irrigation mit Desinficientien erscheint auch hier geboten.
Ebenso müssen beim malignen Oedem frühzeitige und ausgiebige Incisionen empfohlen werden, denen man gründliche und wiederholte Desinfectionen mit Sublimat, Creolin u. s. w. folgen lässt. Nach den Versuchen von Cornevin äussern Carbol- und Salicylsäure eine intensiv abschwächende und zerstörende Wirkung auf die Bacillen des malignen Ocdems.
|
||
|
|
||
|
D. Stichwunden, Quetschwunden, Riss-, Biss- und Schusswunden.
Vergiftete Wunden.
Weniger günstig als bei Schnittwunden gestalten sich die Hei-lungsvorgänge in Wunden, die durch stechende oder stumpfe Instrumente veranlasst werden. Die ersteren werden als Stichwunden, die letzteren als Quetsch- bezw. Risswunden bezeichnet.
a) Stichwunden. Zu Stichwunden geben bei Thieren Verletzungen mit Mistgabeln, Nägeln (Vernagelung, Nageltritt), in der Armee mit Lanzen und Säbeln Veranlassung. Je schärfer (spitzer) der verletzende Gegenstand, um so glatter wird die Wunde und um so leichter ihre Heilung. Die grössere Gefahr, welche mit Stichwunden verbunden zu sein pflegt, besteht theils in Verletzungen wichtiger Organe (Blutgefässe, Nerven, Körperhöhlen), theils in den grüsseren Schwierigkeiten der Desinfection derselben. Sofern keine gefahrdrohende Blutung eintritt und Asepsis erzielt wird, heilen Stichwunden ebenfalls leicht. Da aber namentlich bei Thieren die stechenden Instrumente (Mistgabeln u. s. w.) regelmässig eine starke Infection der Wunde herbeiführen, so erklärt sich, dass man solche Wunden mit Recht fürchtet; sehr oft gehen von ihnen schwere entzündliche Processe aus, welche das Leben der Thiere in Gefahr bringen.
Macht schon die stärkere Blutung, erheblichere Schwellung und der lebhafte Schmerz auf eine grössere Ausdehnung der Verletzung
|
||
|
|
||
|
|
||
|
1 (JOnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Wunden.
aufmerksam, so giebt die Sonde zuweilen aber nicht immer über die Tiefe der Wunde Aufsehluss; denn nicht selten verschieben sich die getrennten Weichtheile über einander, so dass die Sonde nicht bis auf den Grund der Verletzung vordringen kann. Hat daher die Anwendung der Sonde für solche Fälle nicht die Bedeutung, die man ihr wohl auf den ersten Blick beilegen möchte, so ist die Anwendung derselben unter Umständen sogar mit Gefahr verbunden, und zwar namentlich durch Verschleppung von Infectionsstoffen in die Tiefe der Wunde. Man sei daher beim Gebrauche derselben vorsichtig, reinige zunächst die Wunde durch Auswaschen event. Ausspritzen mit Desin-ficientien und ebenso die Sonde. Ein gleiches gilt von dem zur Untersuchung der Wunde verwendeten Finger. In vielen Fällen unterbleibt das Sondiren der Wunde am besten ganz, namentlich aber, wenn Anzeichen oder auch nur die Vermuthung dafür vorliegt, dass die Wunde bis in Körperhöhlen (Brust- und Bauchhöhle, Gelenke und Sehnenscheiden) reicht. Gelenk- und Sehnenscheidenverletzungen geben sich schon durch den Ausfluss von Synovia zu erkennen, so dass hier die Application der Sonde überflüssig wird. Nur wo Fremdkörper in der Wunde vermuthet werden, bleibt die Anwendung der Sonde oft unentbehrlich.
Im übrigen verlangt die Behandlung der Stichwunden Beachtung der oben besprochenen Massnahmen; also in erster Linie Antisepsis, die in aller Strenge durchzuführen hier oft versucht werden muss. Sobald sich Erscheinungen der Infection bemerkbar machen, sorge man für den regelmässigon Abfluss des Wundsecrets, wozu unter Umständen das Spalten der Wunde erforderlich wird; anderenfalls spritze man die Wunde mit Desinfectionsmittoln sorgfältig aus und lege, wo neue Verunreinigungen von aussen drohen, einen Verband an. Das Schliessen der Stichwunden mit Collodium und ähnlichen Mitteln ist nur da zu empfehlen, wo Aussicht auf Asepsis vorliegt; sobald Infection eingetreten ist, werden diese Mittel leicht nachtheilig, weil sie die Retention von Wundsecret begünstigen. Dass Stichwunden häufig Tetanus im Gefolge haben, beruht auf der Verletzung durch Gegenstände, die an der Erde gelegen haben und oft mit Tetanus-bacillen verunreinigt sind; aus diesem Grunde ist beim Nagoltritt doppelt Vorsicht geboten.
Die in Stichwunden zurückgebliebenen Fremdkörper müssen soweit möglich entfernt werden; denn die meisten derselben sind inficirt und veranlassen entzündliche Processe, welche ohne Elimination des Fremdkörpers nicht zum Abschluss kommen, gar oft dagegen mit schweren
|
||
|
|
||
|
|
||
|
(Quetschwunden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;l(jl
Folgen verbunden sind; nur selten beobachtet man, dass der Fremdkörper einheilt; es setzt das voraus, dass derselbe aseptisch war, wie es am häufigsten noch bei metallischen Gegenständen (Nadeln, Geschossen) und Glas beobachtet wird. Solche Fremdkörper wandern nicht selten, indem sowohl die eigene Schwere als auch die Muskelwirkung diese allmählich verschieben. Bei einem Pferde, welches im Feldzuge 1806 in der Lendengegend verwundet worden war, entfernte ich 10 Jahre später die Kugel aus der Unterhaut der Nabelgegend.
b) Quetschwunden. Wunden, durch stumpfe Instrumente veranlagst, heissen Quetschwunden. Da der stumpfe Gegenstand mit grösserer Gewalt einwirken muss, um eine Wunde zu erzeugen, so findet hierbei eine Quetschung der Weichtheile statt (vergl. Quetschung S. 173).
Bei grösseren Thieren geben Gegenfahren, Hornstösse, Hufschläge, Niederstürzen auf unebenem, hartem Boden am häufigsten zu Quetschwunden Veranlassung; bei kleineren Ueberfahren und Fusstritte. Auch die Schusswunden gehören eigentlich zu den Quetschwunden. Ebenso können die Risswunden, die durch heftige Dehnung der Gewebe entstehen, hierher gezählt werden. Sie kommen bei Pferden vornehmlich an den Lippen und Augenlidern vor, indem diese Theile bei Bewegungen des Kopfes von Gegenständen (Haken, Nägeln) erfasst werden, die sich am Geschirr oder an den Wänden des Stalles befinden. Eisswunden haben in der Regel ein zerfetztes Aussehen; einzelne Stücke der Haut sind ganz, andere theilweise losgetrennt; die Oberfläche der Wunde zeigt sich auch hier uneben, oft von Blut unterlaufen. Zu den Quetschwunden gehören endlich auch die Bisswunden, die, soweit sie von giftigen Thieren stammen, eine noch weitere Bedeutung erlangen (S. 169). Die Gewebe in der Nachbarschaft der Quetschwunde sind zum Theil zerrissen oder zertrümmert, und da ihre Widerstandsfähigkeit sich sehr verschieden verhält, so fallt die Trennung derselben unregelmässig aus; die Wundränder sind nicht glatt sondern uneben, blutig infiltrirt, in Folge dessen nicht selten blauschwarz gefärbt. Auch in der meist geschwollenen (gequetschten) weiteren Umgebung der Wunde finden sich Blutextravasate, die jedoch nur an pigmentfreien Hautstellen bei Thieren erkannt werden. Zuweilen zeigen sich die Weichtheile, namentlich die äusscre Haut vollständig zerfetzt und bereits abgestorben, oder sie sterben im weiteren Verlaufe der Verletzung ab.
Die Blutung bleibt bei Quetschwunden in der Regel gering, selbst da, wo grössere Gefässe getrennt sind; indem diese zerrissen oder Möller, Allgemeine Ohlnirgle fllr Thlertlnste.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;11
|
||
|
|
||
|
|
||
|
162nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wunden.
abgequetscht werden, kommt ähnlich wie bei der operativen Anwendung des Ecraseurs ein baldiger Verschluss der Gefässe zu Stande. Auch die Schmerzen pflegen keineswegs so hochgradig zu sein, wie man nach dem Umfange der Verletzung glauben sollte. Das erklärt sich theils aus der vollständigen Ertödtung der Gewebe also auch der Empfindungsnerven, theils aus dem Auftreten des sog. Wundstupor, Shock ffenannt,
|
||
|
|
||
|
Mit Shock (aus dem englischen = Stoss, Schlag) bezeichnet man eine auffällige Herabsetzung der Nerventhätigkeit, wie sie namentlich in Folge von Erschütterung oder Quetschung auftritt. Ueber das Wesen dieser Functionsstörung ist man zwar noch nicht vollständig im Klaren, doch scheint der Zustand auf einer reflectorischen Lähmung des vasomotorischen Centrums in der Modulla oblongata zu beruhen, eine Annahme, die sich aus dem bekannten G o 11 //sehen Klopfversuche ergab. Durch die Reizung sensibler Nerven soll reflectorisch der Gefässtonus herabgesetzt werden, wodurch ein plötzlicher Abfall des Blutdruckes mit Verlangsamung der Circulation eintritt. Indem sich das Blut vornehmlich in den Venen anhäuft, bleiben die Arterien leer; wichtige Organe wie Gehirn und Lungen werden anämisch und schliesslich kann Herzlähmung eintreten. Derartig bedenkliche Folgen werden bei Thieren nur selten beobachtet, und es scheint, dass beim Menschen psychische Einflüsse hierbei eine wichtige Eolle spielen. Die Frage des Shocks ist jedoch auch an Thieren durch Experimente geprüft und hat hier zu ähnlichen Schlussfolgerungen geführt.
Der Shock zeigt sich durch abnorme Blässe und Kühle der äusseren Haut und Schleimhäute; an den starren, glanzlosen Augen sind die Pupillen stark erweitert; der Puls klein, schwach, oft kaum fühlbar, die Herz-action verlangsamt, aussetzend ; Athmung unregelmässig ; Sensibilität der Haut herabgesetzt, ebenso die sensoriellen Punctionen und Muskelthätigkeit. Zuweilen wird Erbrechen, Tobsucht oder Ohnmacht beobachtet.
in der Regel erholen sich die Kranken, doch können sie auch daran zu Grunde gehen.
Die Behandlung besteht in tiefer Lagerung des Kopfes, um dem Gehirn mehr Blut zuzuführen ; ferner in starken Hautreizen, Sinapsismen, kräftigem Prottiren. innerlich werden anregende Flüssigkeiten, Alkohol, Kaffee verabreicht. Chloroformnarkose ist bei diesem Zustande zu vermeiden; ebenso müssen grössere Operationen bis zum Ablauf der Erscheinungen unterbleiben.
Bei der oben beschriebenen Beschaffenheit dieser Wunden, namentlich bei den zahlreichen Blutungen in das Gewebe der Wundränder und der unebenen Beschaffenheit ihrer Oberfläche, erklärt sich, class Quetschwunden selten per prim. int. heilen. Die Gewebe der Wundränder sind zum Theil nicht lebensfähig; ein Theil derselben ist bereits abgestorben, ein anderer führt bei der .durch die zahlreichen Blutungen gestörten Circulation nur noch eine vita minima; sehr natürlich, dass solche Weichthcile zur Granulationsbildung und zum directem Verschluss
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Quetschwunden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; J(J3
der Wunde wenig geeignet sind. Audi stösst die Antisepsis auf grössere Schwierigkeiten; dass eine unebene Wunde mit zerfetzten Wundrändern nicht so leicht vollständig zu desinficiren ist wie eine glatte Schnittwunde, leuchtet auf den ersten Blick ein. Auch werden diese Wunden schon bei ihrer Entstehung durch den verletzenden Körper oft hochgradig inficirt; das gleiche gilt von Bissvvunden. In der Regel tritt daher bei Thieren Eiterung ein, zumal die Behandlung oft erst 24 Stunden nach der Verletzung eingeleitet wird. Die Secretion der Wunde zeigt sich stets lebhaft, das primäre Wundsecret intensiv roth gefärbt. Nach 'i4 Tagen beginnt eine profuse Eiterung, welche allmählich zur Dissection der abgestorbenen Massen führt; die Wunde reinigt sich. Darauf folgt meist regelmässige Granulation und Heilung wie bei Schnittwunden. Doch nicht immer verlaufen Quetschwunden so günstig; gar oft .stellen sich schwere entziludliche Processe ein, welche auf die Nachbarschaft übergreifen und zu lebensgefährlichen Complicationen (Septikämie, Pyämie) führen können. Im übrigen kann aber auch eine Quetschwunde aseptisch heilen, wodurdi nicht nur Zeit gespart wird, sondern auch die oben geschilderten Gefahren ausgeschlossen bleiben.
Wo daher Aussicht vorhanden ist, Asepsis zu erreichen, wird man diese namentlich bei Quetschwunden durchzuführen suchen, welche in der Nähe wichtiger Organe liegen oder durch ihre sonstige Beschaffenheit bedenklich erscheinen. Nachdem die fast vollständig abgelösten Gewebsmassen entfernt sind, muss die Desinfection nach den früher besprochenen Grundsätzen und recht sorgfältig eingeleitet werden. Auch hier empfiehlt sich zuweilen iintiseptische Tamponade (S. 101) und ein feuchter Verband; ich habe mit Hülfe dieser Mittel wiederholt schwere, bis in die Sehnenscheiden der Zeheubeuger reichende Quetschwunden bei Pferden auf dem ersten Wege zur Heilung gebracht.
Wo Asepsis nicht zu erzielen ist oder aus besonderen Gründen nicht angestrebt werden kann, entferne man zunächst die abgetrennten und abgestorbenen Gewebsmassen mit der Schere und lasse hierauf die Wunde recht häufig ausspülen, bei schweren Verletzungen womöglich permanente Irrigation einleiten. Man vermeide i n d e ss andauernde Einwirkung von Kälte. Nachdem die Blutung gestillt ist, empfiehlt sich eine Flüssigkeit von etwa 38n C. zu wählen, um weiteres Absterben der Weichtheile zu verhüten. Auch genügt nach der ersten Reinigung mit Desinficientien einfaches event, abgekochtes Wasser.
Wo Eiterung in Aussicht steht, empfiehlt sich das Heften der Quetschwunden ebenso wenig wie die Anlegung von Verbünden. So-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
1()4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wunden.
fern nicht besondere Indicationen hierfür vorliegen, z. B. Blutstillung, vermeide man solche und leite offene Wundbehandlung ein, wobei zuweilen ein Theil der Wunde unter trockenem Schorfe heilt. Nur bei stark klaffenden Wunden und namentlich da, wo man mit der ilusseren Haut sparsam umgehen muss (S. 117), empfiehlt sich, einige Hefte anzulegen, um weitere Retractionen der Haut zu verhindern. Bei grossen Wunden heftet man mit nicht zu schmalem Bande, welches die Wund-ründer weniger leicht durchschneidet. Auch wenn die Ligaturen nur #9632;\-4 Tage liegen, erfüllen sie ihre Zwecke, indem um diese Zeit die Wundränder bereits plastisch infiltrirt sind und sich nicht mehr erheblich retrahireu.
o) Schusswunden. Durch Projectile aus Feuerwaffen entstandene Verletzungen zeigen sich nach der Grosse, Gestalt und sonstigen Beschaffenheit, endlich auch nach der Schnelligkeit, mit welcher der verwundende Körper einwirkt, sehr verschieden. Schrotkörner bewirken kleine Wundon, welche per primam int. heilen, während die Bleikörner jahrelang in der Unterhaut oder den Weichtheilen ohne Nachtheil liegen bleiben, wie man sich bei Jagdhunden oft überzeugen kann. Pistolen-, Revolver- und Flintenkugeln geben schon zu erheblicheren Verletzungen Anlass. Je nach dem Umfange der Projectile entsteht eine grössere oder kleinere, röhrenförmige Wunde (Schusskanal), die sich ihrer Beschaffenheit nach den Quetschwunden oder Risswunden anschliesst. Die Kugel durchdringt die Haut und Weich-theile, um entweder in diesen oder in einem Knochen stecken zu bleiben (blinder S c h u s s k a n a 1); oder sie tritt an einer anderen Stelle wieder heraus (Haarseilschuss). Die Ein gangs Öffnung entspricht in ihrer Grosse dem Umfange des Geschosses, erscheint etwas eingedrückt und an nicht pigmentirter Haut dunkel gefärbt; sie entspricht einer Quetschwunde, während die Ausgangsöffnung in der Regel kleiner ist und die Eigenthümlichkeiten einer Risswunde besitzt; nicht selten zeigt sich die letztere jedoch in Folge Veränderung der Form des Geschosses oder durch Knochensplitter sogar grosser. Einfache Bleikugeln werden durch Reibung im Büchsenlauf und auf der Flugbahn oft so weich, dass wenn sie einen Knochen treffen, ihre Form verändern, platt gedrückt werden oder sich gar zer-theilen, wodurch namentlich bei Schüssen aus grosser Nähe explosionsartige Wirkungen zu Stande kommen. Die Projectile der modernen Gewehre bestehen aus einem Bleikern mit Stahlmantel, wodurch dieselben eine grössere Widerstandsfähigkeit erlangen, und ihre Form
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Schuss wunden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;J()5
nicht so leicht abgeändert wird. Da sie ausserdem eine grössere Durchschlagkraft besitzen und auch kleiner sind als die früheren Geschosse, so zerstören sie weniger und können starke Knochen durchdringen, ohne diese zu zersplittern. Bei ihnen findet auch durch Knochen u. s. w. nicht so leicht eine Ablenkung des Projectils statt, wodurch der Schusskanal eine unregelmässige Richtung nimmt, nicht gerade verläuft, sondern nach einer ganz anderen Richtung ausmündet, als die Kugel in den Körper eingedrungen war.
Streifschüsse erzeugen eine rinnenförmige Wunde, während aus grösserer Entfernung kommende (matte) Kugeln oft nur eine Quetschung veranlassen. Vollkugeln und Granaten aus Kanonen oder Mörsern rufen meist schwere und ausgedehnte Verletzungen (Quetschwunden, Knochenbrüche u. s. w.) hervor.
Die Schmerzen sind bei Schusswunden oft nur gering und hängen vornehmlich von der Ausdehnung der Verletzung und der Beschaffenheit der verletzten Gewebe ab. Selbst Knochen können von Kugeln durchschlagen werden, ohne dass die Thiere darauf erheblich reagiren. So beobachtete ich, wie eine Kugel das Nasenbein eines Pferdes durchschlug und aus der Nasenöffnung zur Erde fiel; das betreffende Pferd machte dabei nur eine schüttelnde Kopfbewegung, konnte aber weiter geritten werden. Auch die Blutung pflegt nur erheblich zu sein, wenn zufällig ein grösseres Gefäss verletzt wurde, und selbst dann zeigt sich dieselbe oft nur gering, indem das zusammengerollte Gewebe der Umgebung den Verschluss des Gefasses begünstigt und die Bildung eines Thrombus unterstützt.
Der Verlauf und die Beurtheilung der Schusswunden hängt von dem Umfange der Verletzung und der Dignität der betroffenen Organe ab. Durch das Eindringen der Kugel in Körperhöhlen (Brust und Bauchhöhle, Gelenke) wird in der Hegel eine bei Thieren tödtlich verlaufende oder doch unheilbare Verletzung geschaffen; in noch höherem Grade gefährlich sind Schusswunden der Lungen oder der Baucheingeweide. Muskelwunden heilen dagegen meist leicht, wenn auch nicht immer auf dem ersten Wege, weil in der Regel durch die eingedrungenen Haare oder Geschirrtheile eine Infection der Wunde veranlasst wird. War das eindringende Geschoss jedoch auf der Flugbahn stark erhitzt, so kann eine Abtödtung der an den Haaren oder Bekleidungsstücken haftenden Bakterien erfolgen; nach den neueren Versuchen von Messner ist dieses aber keineswegs immer der Fall. Doch kann die Wunde durch das Geschoss so wenig in-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
166
|
Wunden.
|
||
|
|
|||
|
ficirt werden, diis.s Kugeln einheilen, wie es nicht selten beobachtet wird. Bei den modernen Hartgeschossen ist dieses noch leichter der Fall, weil sie eine kleinere, mehr glatte, weniger gequetschte Wunde erzeugen. Solche Geschosse wandern später oft und hommen zuweilen erst nach Jahr und Tag zum Vorschein (S. 161).
Behandlung. Erste Aufgabe bei jeder Schussverletzung ist, die etwa bestehende erhebliche Blutung zu stillen; unter Umständen kann zu dem Zwecke eine Spaltung und Erweiterung des Schusskanals
|
|||
|
|
|||
|
Pitt, 48.
|
nothwendig werden: die zweite besteht in der Ent-
|
||
|
fernung des Geschosses und der mit demselben ein-
|
|||
|
|
|||
|
gedrungenen Fremdkörper. Wie bereits erwähnt, ist die Entfernung der Kugel nicht unbedingt nothwendig. Lässt sich dieselbe leicht erreichen, so holt man sie mit einer Korn- oder Kugelzange hervor. Hierzu eignet sich am meisten die amerikanische Kugelzange (Fig. 43). Im übrigen muss es der Ueberlegung anheim gegeben werden, ob sich die Entfernung des Geschosses empfiehlt, wobei in erster Linie die Länge des Schusskanals und die Lage der Kugel in Betracht kommt. Lässt sich eine Spaltung des Schusskanals ohne Bedenken durchführen, so kann dadurch die Extraction wesentlich erleichtert werden. Vergebliche Versuche, das Geschoss zu entfernen, sind indess möglichst zu vermeiden, weil hierdurch die Einkapselung des Fremdkörpers gestört und die Heilung erschwert wird. Wo
|
|||
|
0^\ also kein zwingender Grund vorliegt, operativ einzu-( jl schreiten, oder Zweifel über den Erfolg bestehen, ver-\=tr ziciite man auf solche Versuche. Soll aber der Versuch gemacht werden, so suche man, soweit die Umstände es gestatten, mit reinen event, desinficirten Instrumenten und Händen vorzugehen.
Die dritte Aufgabe der Behandlung besteht in der Anwendung der bereits besprochenen Grundsätze der Antisepsis, und zwar muss diese in erster Linie auf die Eingangsöffnung gerichtet werden, weil sie am meisten inficirt zu sein pflegt. Man suche zunächst die etwa mit eingedrungenen Haare und GeschiiTtheile aus der Wunde zu entfernen, und behandle dieselbe mit antiseptischen Mitteln, sofern solche zu Gebote stehen. Welche Bedeutung die Antisepsis hat, geht deutlich aus dem im Mittelalter von Ambroise Pare empfohlenen Eingiessen
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Vergiftete Wunden.
|
167
|
||
|
|
|||
|
von kochendem Oel in Schusswundcu hervor. Wir benutzen mit Vortheil zur Desinfection der Wunde auswaschen oder ausspritzen mit einer Carbol-, Creolin- oder Sublimatlösung. Im Felde lassen sich zu dem Zwecke die bekannten Sublimatpastilleu bequem verwenden. Ist bereits Eiterung eingetreten, so muss die Wunde nach den allgemeinen Regeln behandelt werden. Zur Erzieluug eines regelmässigen Abflusses für den Eiter und sonstiges Wundsecret werden oft Gregen-öfFnungen, Haarseile und Drainröhren erforderlich.
|
|||
|
|
|||
|
d) Vergiftete Wunden. In der Veterinär-Chirurgie bezeichnet man seit alter Zeit als vergiftete Wunden nicht allein diejenigen, welche einen Giftstoff', eine toxische Substanz enthalten, wie z. B. Bienen-und Wespenstich und Schlangenbiss, sondern auch die mit einem auf die betreffende Thierart übertragbaren Ansteckungsstoff versehenen Wunden, z. B. pflegt man den Biss tollwuthkranker Hunde hierher zu rechnen. Zu den ersteren gehört streng genommen jeder Mückenstich; eine praktische Bedeutung erlangen jedoch erst die Stiche grösserer Insekten wie Bienen, Wespen, Hornisse und der Schlangenbiss. Die Vergiftung der Wunden mit indischem Pfeilgift kommt hier nicht in Betracht.
Bienen, Wespen und Hornisse besitzen an ihrem hinteren Leibesende einen röhrenförmigen Stachel, welcher mit einer kleinen Giftdrüse in Verbindung steht. Einzelne Stiche dieser Insekten haben für die Hausthiere keine weitere Bedeutung. Nicht selten aber ereignet es sich, dass grössere Schwärme derselben die Thiere überfallen und ihnen zahlreiche Stiche beibringen. Die hiermit namentlich für Pferde verbundene Gefahr besteht zunächst in der Unruhe der Thiere; Wagen- und Reitpferde gehen durch, ziehen sich hierbei oft schwere Verletzungen zu und bringen zugleich den Führer in Gefahr. Ist diese glücklich überwunden, so ergeben sich andere Bedenken aus der alsbald auftretenden Anschwellung. Da die Insekten mit Vorliebe am Kopfe, in der Nähe der Nasenött'nungen und selbst auf der Schleimhaut der Nase stechen, so schwellen diese Theile unter Umständen in dem Masse an, dass nicht genügend Athmungsluft durch die Nase gelangen kann und Erstickungsgefahr eintritt. Dieses gilt vornehmlich für Pferde, welche unfähig sind, durch das Maul ausreichend zu atlnnen. Dazu kommt drittens die mit der Aufnahme grösserer Giftmengen verbundene allgemeine Intoxication der Thiere, Avelchc sich durch schwankenden Gang, gespreizte Stellung der Beine, Lähmung der Muskeln, Unvermögen zu stehen, Athembeschwerden und
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
168nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Wunden.
Steigerung der Körpertemperatur zu erkennen giebt und in wenigen Stunden zum Tode führen kann; oft sterben die Tliiere schon nach 510 Stunden.
Albrecht fand bei Pferden, die von einem Bienenschwarm überfallen waren, anderthalb Stunden nach diesem Vorfall eine Temperatur von 40,2deg; C; das aus der Vena jugularis gelassene Blut erschien weichselbraun, gerann regelmilssig, schied eine massige Speckhaut, und nachdem es 21j-i Stunden gestanden hatte, gelbrothliches Serum ab. Ein Pferd ging bereits nach 5 Stunden, ein anderes in 15 Stunden zu Grunde. Bei der Section zeigten sich die Cadaver stark aufgetrieben; an der inneren Flilche der Haut fand sich eine grosse Zahl runder, dunkelrother Flecke von 0,52,0 cm Durchmesser: die Subcutis gelbsulzig infiltrirt und braunroth gefilrbt; selbst die darunter liegenden Muskeln hatten eine gleiche Verfärbung; die tiefen Muskellagen waren dagegen blass, ilhnlich wie bei der HilmoglobinHmie. An den am meisten betroffenen Stellen war die Haut gangränös. Bei dem zuletzt gestorbenen Pferde zeigte sich die Schleimhaut des Magens und Darmes diffus geröthet: auch am Peritoneum waren theils diffuse, theils ramiforme Röthungen vorhanden. Die Leber beider Pferde erschien stark angeschwollen und blass, wie Lehm gefilrbt; auf Einschnitten floss aus derselben eine bedeutende Menge blassroth gefärbter Flüssigkeit ab. Milztumor, die Pulpa der Milz dunkelbraun, fast schwarz, ähnlich wie beim Milzbrand, doch nicht so weich (Fünfstück fand die Milz pechschwarz). Nieren vergrössert, zwischen Membrana propria und Niere eine gelbsulzige Masse; die Schnittfläche der Nieren dunkelbraunroth und weich. Schleimhaut der Harnwege hochgradig hyperämisch. Pleura theils diffus geröthet, theils injicirt; in den Pleurasäcken circa 1 1 blutig gefärbtes Serum. Lungen hyperämisch mit hämorrhagischen Infarcten. Lungenödem. Endocardium und Epicardium braunroth; die Herzkammern enthielten fast schwarz gefärbtes, schmieriges, nicht geronnenes Blut von alkalischer Reaction. Gehirnhäute hochgradig hyperämisch, Blutleiter strot/.end von dunklem Blut; die Pia mater zeigte Injectionsröthe und capilläre Apoplexien. Adergeflechte dunkelblauroth. Gehirnödem. Aehnliche Resultate ergaben andere Sectionen bei Thieren, die in Folge von Bienenstichen zu Grunde gegangen waren (Clichy, Lies, Fünfstück, Hable, Dochtermann). Die von Fünfstück beobachteten Pferde starben an den Folgen von Bienenstichen in 6 bis 10 Stunden. Clichy sah 5 Pferde, welche in der Nähe eines Bienenhauses angebunden waren, innerhalb 5 Stunden zu Grunde gehen. Einige der Thiere hatten sich in Folge der Schmerzen die Zähne ausgebrochen. Hurtrel d'Arboval beschreibt 2 tödtlich verlaufene Fälle bei Hunden.
Worin die von jenen Insekten verimpfte giftige Substanz besteht, ist bisher nicht festgestellt. Bcrdez fand in den Giftdrüsen Ameisensäure ; nach F r ö h n e r enthült das Gift der Honigbiene neben Ameisensäure eine ptomai'nartige Substanz.
Eehandlung. Nachdem die zur Beruhigung der Thiere erforderlichen Massnahmen gctroifen sind, lässt man den Körper möglichst bald mit grossen Mengen Wasser begiessen, um die nocb auf demselben
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Schlangenbiss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ißf)
befindlichen Insekten zu entfernen. Sodann sind Wascluingen mit alkalischen Flüssigkeiten, Seifenwasser, Aschenlauge zu empfehlen. Gegen die durch Schwellung der Nase veranlasste Athemheschwerde kann die Tracheotomie erforderlich werden. Die Behandlung der Intoxica-tionserscheinungen bietet bei dem Mangel näherer Einsicht in die Natur des Giftes keine sicheren Anhaltspunkte, doch dürften auch hier Alkalien angezeigt sein, da die Application dieses Mittels per os auf Schwierigkeiten stösst, würden intravenöse Injectionen zu versuchen und mit einem Aderlass zu verbinden sein. Zur Anregung der Herz-thätigkeit dienen Analeptica (Alkohol, Aether, Kampfer).
Schlangenbiss. Zu den in Deutschland vorkommenden giftigen Schlangen gehören die Kreuzotter (Vipera berus), die Vipera Redii und proster. Dieselben sind mit zwei gekrümmten Giftzähnen ausgestattet, in welche die Ausfuhrungsgänge der Giftdrüsen münden. Beim Bisse dieser Thiere entleert sich der giftige Inhalt der Drüse, und ergiesst sich in die Wunde, wodurch zunächst eine sehr schmerzhafte Anschwellung entstellt, die zur Gangränbildung führen kann. Hierzu gesellen sich Athemnoth, Mattigkeit, Erbrechen, Fieber, und unter Erscheinungen von Collaps kann schon in wenigen Stunden der Tod eintreten. Die Gefahr ist jedoch nicht so gross, indem etwa nur 280/o der Gebissenen sterben. Sobald das betreffende Thier den dritten Tag erlebt, ist in der Regel Lebensgefahr ausgeschlossen. Es handelt sich also auch beim Schlangenbiss um eine Intoxication mit einem Gift, dessen Natur bisher nicht näher bekannt ist.
Behandlung. Um die Resorption der eingeimpften toxischen Substanz zu verhindern, lilsst man eine Schnur oberhalb der Bissstelle um das Glied legen, die Wunde selbst zunächst sorgfältig auswaschen; auch ist das Aussaugen der Wunde für den Menschen ungefährlich. Man benutzt soweit möglich die üblichen Desinfectionsmittel zum Reinigen der Wunde, und wenn Aetzmittcl zur Verfügung stehen, können diese dazu beitragen, das Gift zu zerstören und die Resorption desselben zu verlangsamen ; ebenso wirkt das Glüheisen. Ferner ist Liquor Amraon. caust. empfohlen und zwar sowohl innerlich wie auch subeutan oberhalb der AVunde. Ein Theil Liquor. Ammon. caust. auf 23 Thl. Wasser wird hierselbst mittelst einer Fravaz'schen Spritze unter die äussere Haut gebracht. Zur Bekämpfung der entzündlichen Erscheinungen dient Kältewirkung. Von Karlin sky wurden neuerdings subeutane rnjeetionen einer l0;oigcn Chromsäurelösung (0,51,0)
|
||
|
|
||
|
|
||
|
170nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Suboutftne Verletzungen tier Weichtheile.
gegen Wipernbisse bei Hunden und Menschen empfohlen. Spätestens '/i Stunde nach dem Biss angewendet, soll eine Injection genügen, um die Erscheinungen der Vergiftung zu beseitigen.
e) Der Biss tollwuthkranker Hunde stellt eine event, in-ficirte Wunde dar, bei deren Behandlung es darauf ankommt, den In-fectionsstoff entweder aus der Wunde zu entfernen oder in derselben zu vernichten. Bekanntlich zeigen sich leichte, oberflächliche Verletzungen am gefährlichsten, weil das aus tieferen Wunden abfliessende Blut zur Beseitigung des Virus beiträgt. Es erscheint daher bei solchen Wunden zweckmässig, die Blutung zu fördern und zu unterhalten, unter Umständen vielleicht auch Einschnitte künstlich anzuregen. Im übrigen wird man die Bisswunde möglichst bald auswaschen oder ätzen. Dazu eignen sich sowohl Alkalien wie Säuren; das Mittel, welches am schnellsten zur Hand ist, verdient hier den Vorzug. Auch das Glüheisen findet unter Umständen nützliche Anwendung. Es wird ferner empfohlen, in der Bisswunde einige Zeit die Eiterung zu unterhalten. Wenn man erwägt, dass die Erhaltung und Reproduction des seiner Natur nach bisher noch unbekannten Infectionsstoifes wahrscheinlich zunächst an der Bissstelle erfolgt, so erscheint diese Be-handlunfl durchaus rationell.
|
||
|
|
||
|
4. Subcutane Verletzungen der Weichtheile.
A. Dehnung, Zerrung und Zerreissung der Weichtheile.
Die Weichtheile des Körpers sind häufig Verletzungen ausgesetzt, ohne dass gleichzeitig Trennungen in der äusseren Haut stattfinden. Sowohl ihrer Art wie auch Ausdehnung nach gestalten sich diese ausserordentlich verschieden. Dass hiervon die der Oberfläche näher gelegenen vornehmlich betroffen werden, versteht sich von selbst. Durch die Einwirkung von Zugkräften kommen Dehnungen der Weichtheile zu Stande, die man auch als Dehnung, Zerrung oder Zerreissung bezeichnet. Ausdrücke die zugleich den verschiedenen Grad der Verletzung andeuten. Die langsam sich vollziehenden, über die Grenze der Elasticität der Weichtheile hinausgehenden Ausdehnungen bezeichnet man als Dehnungen, während plötzlich, ruckweise erfolgende Ausdehnungen unter dem Namen Zerrung bekannt sind, Bei beiden handelt es sich um eine Verlängerung der elasfci-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Zerrung und Zeneiasung.
|
171
|
||
|
|
|||
|
sehen Weiehtheile, wobei Trennungen in ihrem Zusammenhange zwar nicht makroskopisch wahrnehmbar sind, dennoch aber bestehen und unter Umständen, z. B. in Muskeln, mikroskopisch nachzuweisen sind; einzelne Muskelfibrillen zeigen sich zerrissen, wobei das Sarkolem entweder intact bleibt oder mit zerreisst. An Blutgefässen treten bei Zerrungen Continuitätstrennungen und Blutungen auf; an gedehnten Nerven findet sich abnorme BlutfUllc und lassen sich Blutungen mit Continuitätstrennungen in der Markscheide oder am A.xenc_vlinder feststellen.
Von einer Zerreissung spricht man erst, wenn nach Einwirkung der dehnenden Gewalt eine Continuitätstrennung makroskopisch erkennbar ist. Die verschiedene Widerstandsfähigkeit der einzelneu Gewebe erklärt es, dass solche Trennung selten gleichmässig ausfällt, dass oft nur einzelne Theile von der Continuitätstrennung betroffen werden, während andere, derselben Zugkraft ausgesetzt intact bleiben.
Oertliche oder allgemeine Ernährungsstörungen, wie sie besonders bei Infectionskrankheiten beobachtet werden, veranlassen eine Schwächung der Widerstandsfähigkeit in den Geweben und verleihen somit eine Disposition zu derartigen Verletzungen. Am häufigsten werden Zerrungen und Zerreissungen an den Muskeln, Sehnen und Blutgefässen bei grössoren Thieren beobachtet.
Die dehnende Gewalt wirkt bald von aussei! auf den Körper ein, so verursacht z. B. beim Niederstürzen die fallende Körperlast Dehnungen, Zerrungen und Zerreissungen von Muskeln, Sehnen, Bändern und Blutgefässen; oder die Dehnung geht aus der activeu Thätigkeit der Muskeln selbst hervor; eine heftige Contraction der Muskeln kann zu einer Zerrung und Zerreissung sowohl im Muskel selbst wie auch in der mit ihm in Verbindung stehenden Sehne führen. So beobachtet man bei schweren Lastthieren wie auch 1 Rennpferden nach heftigen Anstrengungen schmerzhafte Zustände in den Muskeln, welche auf eine Dehnung oder Zerrung derselben zurilckzuführen und die Arbeitsfähigkeit der Thiere für einige Zeit zu stören geeignet sind, in der Kegel sich jedoch iu kurzer Zeit unter Ruhe wieder verlieren.
Die Heilungsvorgänge erfolgen im allgemeinen regelmässig und schnell; leichter und früher natürlich bei Dehnungen und Zerrungen als bei Zerreissungen. Der Umfang der Continuitätstreunungeu entscheidet hierüber jedoch nicht allein, sondern auch das llegenorations-vermögen der verletzten Theile. Da fast alle hierbei in Betracht kommenden Gewebe reichlich mit Blutgefässen versehen sind, so treten bei
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
172nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Subeutanc Verletzungen der Weichtheile.
Zerrungen und Zerreissungen regelmässig Blutungen auf, selbst wenn sie makroskopiscli nicht erkennbar sind. Die durch Retraction der zerrissenen Gewebe entstandenen Lücken werden zunächst durch das ausgetretene Blut angefüllt, welches bei dem Heilvorgange wieder resorbirt wird, indem die flüssigen Bestandtheile desselben in die Circulation zurück gelangen, während die Blutkörper entweder direct in die Blutgefässc zurückkehren oder zerfallen und dann resorbirt werden. An Stelle des Extravasats treten alsbald Leukocyten, bezw. neugebildete Bindegewebszellen, welche die Lücke in dem zerrissenen Gewebe ausfüllen und sich allmählich in Bindegewehe umwandeln.
Laufen diese reparatorisohen Vorgänge mit einer gewissen Lebhaftigkeit ab, stellt sich im Verlaufe derselben an der verletzten Stelle Schmerz, vermehrte Wärme, Anschwellung und an nicht pigmentirter HautRöthung ein, welche ausschliesslich das Ergebniss der Circulations-störung sein können, so spricht man von einer Entzündung.
Während nach Dehnungen und Zerrungen nachweisbare Veränderungen in der Regel nicht zurückbleiben, veranlassen Zerreissungen, d. h. umfangreiche ('ontinuitätstrennungen die Bildung grösserer Mengen Bindegewebes, welches stets, wo auch immer die Continuitäts-trennung im Körper erfolgen mag, als Elickgewebe (Narbengewebe) auftritt. Solche Narben besitzen in der Regel nicht die Widerstandsfähigkeit der ursprünglichen Gewebe, erfahren daher ebenfalls leicht Läsionen; daraus erklärt sich, dass derartige Verletzungen stets eine mehr oder weniger ausgesprochene Anlage zu neuen Erkrankungen hinterlassen.
Die zum Ablauf der Reparationsvorgänge erforderliche Zeit hängt theils von dem Umfange der Trennung, theils von der Regenerations-fähigkeit der Gewebe ah; am meisten eignet sich hierzu lockeres Bindegewebe, viel weniger derbe Bindegewebsmassen (Sehnengewebe) sowie Knorpel und Muskeln. Endlich kommt für den Heilungsvorgang in Betracht, ob sich die getrennten Gcwebstheile mehr oder weniger von einander entfernt (retrahirt) haben; ob die Lücke zwischen denselben grosser oder kleiner, ob sie mit Blut angefüllt oder ob nachbarliche Gewebsmassen sich in diese gelegt haben. Das letztere erweist sich stets vortheilhaft, weil das eingelagerte Gewebe, in der Kegel lockeres Bindegewebe direct als reparatorisches Gewebe verwendet werden kann; so z. B. bei Zerreissungen von Sehnen oder bei der Tenotomie. Es kommt daher auch auf die Beschaffenheit der umliegenden Gewebe an, ob die Heilung derartiger Gewebstrennungen schneller oder langsamer von Statten geht.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Zerreissung. Quetschung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;173
Die erste Bedingung fllr das Zustandekommen der Vereinigung getrennter Theile bildet die Beseitigung des ausgetretenen Blutes; je weniger Blut sich ergossen, um so leichter der Heilungsprocess; daher sucht man in frischen Fällen die etwa noch fortbestehende Blutung durch Kühlen und Anlegung eines Druckverbandes möglichst bald zu stillen. Diese Mittel finden indess nur in den ersten 24 Stunden zweckmässige Anwendung; die Killte wenigstens übt nach dieser Zeit keinen weiteren Vortheil aus, als dass sie zuweilen, aber auch nicht immer bei grösseren Schmerzen lindernd wirkt. Nunmehr fällt der Therapie die Aufgabe zu, die Besorption des Blutergusses zu fördern, wozu feuchtwarme Umschläge, Compression und Massage dienen. Priessnitz'sche Umschläge sind zu dem Zwecke bei Menschen wie Thieren neuerdings mehr und mehr in 'Anwendung gekommen und mit Recht; ebenso die Massage, wo die Ausführung derselben nicht wegen grosser Schmerzhaftigkeit vorhindert wird. Durch die Resorption des Blutergusses soll erst der zur Vernarbung nöthige Raum geschaffen werden. Feuchte Wärme aber erweitert die Gefässe, fördert die Circulationsvorgänge und somit auch die Resorption. Die günstige Wirkung der Massage liegt auf der Hand; durch die Manipulationen derselben wird das ergossene Blut in die Circulation gedrängt; ebenso durch einen gleichmässig aber anhaltend ausgeübten Druckverband (methodische Compression).
Dagegen kann den früher viel empfohlenen, zertheilenden Salben, deren Hauptbestandtheile Jod oder Quecksilbermittel bildeten, ein besonderer Werth hierbei nicht zuerkannt werden. Der nach ihrer Anwendung beobachtete Nutzen beruhte vornehmlich auf der mit ihrer Application verbundenen Massage. Mit Recht wurde daher auch früher schon betont, dass ein besonderer Werth auf die sorgfältige Application dieser Mittel gelegt werden müsse; kräftiges Einreiben Avirkt aber wie Massage.
Gegen die in Muskeln nach derartigen Dehnungen und Zerrungen in der ersten Zeit zurückbleibende Schwäche empfiehlt sich leichte Arbeit. Ueber die besonderen, bei Zerreissuugen der einzelnen Gewebe und Organe erforderlichen Massnahmen soll an den betreffenden Stellen die Rede sein.
B. Quetschung (Contusio).
Als Quetschung bezeichnet man Verletzungen der Weichtheile durch Einwirkung stumpfer Gegenstände (Stoss, Schlag, Fall), wobei
|
||
|
|
||
|
|
||
|
174nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Subcutane Verletzungen der Weichtheile.
der Zusammenhang in der äusseren Haut erhalten bleibt. Die Gewebe werden hierbei entweder in ihrer Gesammtheit gewaltsam zusammen-gepresst oder gegen einen harten Gegenstand, z. B. Knochen gedrückt, und erleiden auf diese Weise mehr oder weniger umfangreiche Trennungen in ihrem Zusammenhange. Gussenbauer bezeichnet deshalb die Quetschung als eine Zerreissung durch Druck. Wird hierbei gleichzeitig die äussere Haut durch trennt, so spricht man von einer Quetschwunde.
Die anatomischen Veräiiderungen, welche durch die quetschende Gewalt herbeigeführt werden, hängen theils von der Beschaffenheit und dem Grade der mechanischen Einwirkung, von der Druckkraft und der Schnelligkeit ab, mit welcher der stumpfe Gegenstand den Körper trifft, theils aber von der Beschaffenheit und der Unterlage der gequetschten Weichtheile, Ein Schlag mit einem Knittei auf die dicke Scheukelmuskulatur ruft bei weitem nicht so schwere Verletzungen hervor wie die gleiche Einwirkung auf eine Stelle, wo dicht unter der Haut ein Knochen liegt.
Die Widerstandsfähigkeit der Gewebe gegen Quetschungen ist ausserordentlich verschieden, am wenigsten widerstandsfähig zeigen sich lockeres Bindegewebe und Muskeln, erheblich grosser ist diese in Seimen, Bändern und Fascien.
Als quetschende Gewalten kommen bei Thieren vornehmlich Schlage (Hufschlag, Fusstritt), Stösse mit dem Horn oder Gegen-fahren mit der Deichsel, ferner Niederstürzen auf hartem Boden, Öegenrenuen, bei Arbeitsthiereu Druckwirkungen des Sattels und Geschirrs in Betracht.
Die Einwirkung einer stumpfen Gewalt, z. B. beim Schlug mit der Peitsche oder einem Stock, wird erst dann als Quetschung auf-gefasst, wenn hierdurch anatomische Veränderungen veranlasst werden, die entweder sichtbar sind oder sich durch andere Erscheinungen zu erkennen geben. Dass diese ausserordentlich verschieden ausfallen können, liegt auf der Hand. Mau hat deshalb auch verschiedene Grade der Quetschung unterschieden. Obgleich selbstverständlich keine scharfen Grenzen hier zu ziehen sind, die Eintheilung also eine willkürliche ist, so empfiehlt sich doch aus praktischen Gründen 4 Grade der Quetschung zu unterscheiden:
Bei einer Quetschung ersten Grades, wie solche z. B. durch einen Peitschenhieb veranlasst wird, entsteht in Folge der einwirkenden Gewalt eine Dehnung, Zerrung, Compression der Weichtheile, insbesondere der äusseren Haut, verbunden mit Zerrcissimgen einzelner
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Quetschung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 175
öewebsfasern und kleineren Blutgefässe, vornehmlich der Capillaren in der Haut. Die nächste Folge hiervon sind kleine Blutungen und Störungen in der Circulation. Je nach dem Umfange der Trennung und der Nachgiebigkeit der umliegenden Grewebe ergiesst sich eine kleinere oder grössere Menge Blut in die Gewebslücken, oder es sammelt sich dasselbe in Räumen an, die durch Retraction der getrennten Gewebe und Verdrängung derselben durch den Blutdruck entstanden sind. An pigmentfreier Haut giebt sich der Zustand durch Schmerz und Anschwellung zu erkennen.
Kleine, scharf abgegrenzte Blutpunkte bezeichnet man als Vibices, grössere, abgerundete, rothe Flecke als Petechien und bei grösscrem Umfange als Ecchymosen. Sugillationen heissen diffuse, nicht scharf begrenzte und unregelmiissig gestaltete Blutungen, und solche in grösserer Ausdehnung Suffusionen. Alle diese Zustände bilden also blutige Infiltrationen oder hämorrhagische Infarcte. d. h. das ergossene Blut befindet sich in den erweiterten Gewebslücken. Sammelt sich dasselbe in grösseron Höhlen an, die durch Zerreissung der Gewebe oder Verdrängung derselben von Seiten des ausgetretenen Blutes entstanden sind, so spricht man von einem Hämatom oder Blutextra vasat.
Natürlich erleiden auch die Organgewebe bei Quetschungen ersten Grades Continuitätstrennungen, wobei die /elligen Elemente selbst zer-reissen oder von einander gedrängt werden. So entstehen Verletzungen, jedoch in geringfügigem Umfange, welche durch die reparatorischen Vorgänge leicht ausgeglichen werden können.
Bei den Quetschungen zweiten Grades erfolgen die Continuitätstrennungen in grösserem Umfange und zwar sowohl an den Geweben wie auch Blutgefässen. Nicht nur die Capillaren sondern auch grössere Venen und selbst Arterien werden hierbei getrennt, in Folge dessen wird der Bluterguss grosser und das extravasate Blut sammelt sich in grösscren Höhlen an (Hämatome). Auch kommt es hierbei gelegentlich zu Zerreissungen von Lymphgefässen und zur Bildung von L y mp h e x t r a v a s a t e n.
Als Quetschungen dritten Grades bezeichnet man solche, die mit erheblichen Zerstörungen in den Organgeweben verbunden sind, in Folge dessen die Gewebselemente in grösserer Zahl zu Grunde gehen (Nekrose). Sie entstehen vornelmilich durch andauernden Druck z. B. des Sattels oder Geschirrs.
Von einer Quetschung vierten Grades spricht man, wenn die Gewebe und Gcfässe in grösserem Umfange zermalmt werden, so
|
||
|
|
||
|
|
||
|
17()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Subcutane Verletzungen der Weichtheile.
dass die gequetschten Theile in eine breiartige Masse umgewandelt, also auch abgestorben sind.
Man könnte diese verschiedenen Grade der Quetschung auch wie folgt ausdrücken:
1. Grad Quetschung mit B1 u t i n f i 11 r a t i o n e n, 2. Grad mit Hämatom, 3. Grad mit Drucknekrose, 4. Grad mit Zermalm u n g.
Es liegt auf der Hand, dass nur Quetschungen ersten Grades für sich allein auftreten können, während die höheren Grade stets mit solchen niederer Grade verbunden sind, indem die quetschende Gewalt an den am meisten betroffenen Theilen höhere, in der Umgebung derselben geringere Läsionen veranlasst.
Verlauf. Bei Quetschungen ersten Grades erfolgt rogelmässig in kurzer Zeit Resorption des ergossenen Blutes, indem zunächst das von dem Coagulum ausgepresste Serum in die Saftströmung, die Lymph-und Blutgefässe zurückgelangt. Das geronnene Fibrin wird allmählich verflüssigt und ebenfalls von den Gefiissen aufgenommen; während ein Theil der Leukocyten zerfällt und resorbirt wird, kehren andere durch Eigenbewegungen in die Saftströmung und Gefilsse zurück (Cohnheim). Aehnlich verhalten sich die rotheu Blutkörper; viele derselben gelangen in den Saftstrom, in die Lymphgefässe und Lymphdrüsen, wo sie sich in so grosser Zahl anhäufen können, dass die Drüsen anschwellen und auf der Schnittfläche dunkelroth erscheinen. Auf diese Weise wird aber ein grosser Theil der rothen Blutkörper dem Organismus erhalten. Andere gehen zu Grunde, zerfallen, verlieren ihren Farbstoff und werden resorbirt. Dabei krystallisirt nicht selten Blutfarbstoff (Hämatoidin) in Nadeln aus und kann zum Andenken an das Ereigniss an der betreffenden Stelle dauernd liegen bleiben.
An Stelle des resorbirten Blutergusses sammeln sich Leukocyten sowie neugebildete Bindegewebszellen an, und treten nach Resorption der bei der Quetschung zermalmten Gewebselemente an deren Stelle. Auf diese Weise wird die durch die Quetschung entstandene Lücke ausgefüllt.
Bei den Quetschungen zweiten Grades erfolgen die Regenerationsvorgänge zwar in derselben Weise, aber nicht so schnell wie bei den ersten Grades. Je grosser die Trennungen an den Gefässen, und in den Geweben, um so schwieriger muss sich der Heilungsprocess gestalten und um so langsamer erfolgen. Nicht selten kommt es im Verlaufe derselben zur Eiterung, indem entweder von der verletzten äusseren
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Quetschung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 177
Haut oder vom Blute bezw. dem Lymphstrome aus Mikroorganismen zu der verletzten Stelle gelangen (S. .(i5). Da Quetschungen stets mit gröberen Läsionen der Grewebselemente und namentlich der Inter-cellularsubstanz verbunden sind als Zerreissungen, so erklärt sich, dass die Heilungsvorgänge hierbei auf grössere Schwierigkeiten stossen und häufiger mit Eiterung verbunden sind, als es bei Zerreissungen der Fall ist.
Grössere Blutextravasate werden im günstigsten Falle resorbirt, doch dauert auch dieser Vorgang natürlich längere Zeit, namentlich in Geweben, die zu Resorptionsvorgängen ungünstig eingerichtet sind, z. B. unter Fascien. Recht ungünstig scheinen die Bedingungen zur Resorption in der Subcutis des Hundes zu liegen, daher beobachtet man oft, dass sich hier Extravasate lange Zeit erhalten, nicht zur Resorption gelangen und zu Cystenbildung Veranlassung geben. Aehn-liche Verhältnisse müssen in der Subcutis am Metacarpus des Pferdes bestehen, woselbst sich Hämatome oft monatelang erhalten, indem nach Diffusion des Blutfarbstoffes und Resorption des Coagulums eine bindegcwebige Kapsel zurückbleibt, welche mit einer gelbröthlichen Flüssigkeit angefüllt ist. Doch nicht alle an dieser Stelle angetroffenen Zustände der Art sollen hierauf zurückgeführt werden; manche derselben bestehen offenbar aus Lymphextravasaten. Häufiger noch als bei blutigen Infiltrationen kommt es bei Hämatomen zur Vereiterung oder Verjauchung derselben. Indem Eiterkokken oder andere pathogene Mikroben zu dem ergossenen Blute gelangen, finden sie in diesem sowohl wie in den zerfallenen Gcwebselementen einen vorzüglichen Nährboden für ihre Entwickelung und Vermehrung. Damit treten natürlich nicht allein grössere Schwierigkeiten für den Heilungsvorgang, sondern auch neue Gefahren für den Organismus auf. Progressive Entzündungen, Eitervorsenkungen, Nekrose, namentlich an Fascien, Sehnen, Bändern, Knochen und Knorpeln der Nachbarschaft geben oft zu schweren Störungen und langwierigen Krankheitsprocessen Veranlassung. Am Widerrist des Pferdes führen Quetschungen durch den Sattel auf diese Weise nicht selten ZU chronischen Entzündungen und Eiterungen; ebenso am Genick dieser Thierc (Gcnickbeule). An den Klauen der Wiederkäuer geben derartige Quetschungen zur Bildung von Panaritien, an den Hufen der Pferde zur Entstehung von Knorpelfisteln Anlass.
Das Hämatom kann endlich künstlich eröffnet und entleert werden. Dabei lüsst sich unter günstigen Umständen sogar Heilung per prim, int. erzielen, in der Regel aber tritt Eiterung ein. Nach der Eröffnung
Möller, Allgemeini! Ohlntrgte für Thiorihy.tn.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;12
|
||
|
|
||
|
|
||
|
178nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Subcutane Verletzungen der Weiclitheile.
des Hümatoms verhält sich die Quetschung wie eine Quetschwunde (S. 1()1), Wenn endlich das Hilmatom vor vollendeter Thrombenbildung in den getrennten Gefässen geöffnet wird, so kann es /ai einer bedenklichen Blutung kommen.
Noch weniger günstig gestaltet sich der Verlauf der L y m p h-extravasate; da das zerrissene Lymphgefäss nicht wie das Blut-gefäss durch Thrombcnbilduag alsbald verschlossen wird, so vergrössert sich das Extravasat oft allmählich, oder besteht längere Zeit fort, ohne Neigung zu Resorption des Ergusses zu zeigen. Wenn dasselbe geöffnet wird, so bleibt nicht selten eine Lymphfistel zurück, indem die Operationswunde bis auf eine kleine Oeffnung verheilt, aus der sich fortdauernd Lymphe ergiesst (Lymphorrhoo). Lymphextravasate will man beim Menschen namentlich da beobachtet haben, wo die quetschende Gewalt den Körper in tangentialer Richtung getroffen hatte. Auf diese Zustände haben in neuerer Zeit Hoffmann und Rust die Aufmerksamkeit gerichtet. Hoffmann beschrieb mehrere Beobachtungen von Lymphextravasaten an den Hinterschenkeln bei Pferden. Die äussere Haut zeigt sich von den Fascicn getrennt, oder es trennen sich Fascienblätter, oder endlich diese von der von ihnen umgebenen Muskulatur, und in der so entstandenen Höhle findet sich eine klare, gelbliche, mucinfroie Flüssigkeit. Solche Lymphextravasate entstehen ziemlich schnell und geben sich bei oberflächlicher Lage als fluetui-rende Geschwülste zu erkennen. Ich habe wiederholt ähnliche Zustände bei Pferden an den Hinterbacken beobachtet, doch enthielt die Geschwulst stets Blut. Beim Einschneiden entleert sich zwar häufig klares Serum, untersucht man aber die Höhle genauer, so trifft man in derselben regelmässig Blutgerinnsel an. Damit soll jedoch nicht behauptet werden, dass nicht auch Lymphextravasate hier vorkommen, doch möchte ich darauf aufmerksam machen, dass leicht Verwechselungen eintreten. Dasselbe gilt meines Erachtens von dem als Blutohr der Hunde bezeichneten Zustand, von dem Hoffmann ebenfalls annimmt, dass ihm oft Lymphextravasate zu Grunde liegen.
Kleine Lymphextravasate werden wohl resorbut, meist bleibt jedoch eine bindegewebige Verdickung zurück, die sich schwer beseitigen lässt. Das Eintreten von Eiterung gestaltet auch hier den Verlauf ungünstig, indem die Fascion nekrotisiren und in der Regel ausgebreitete entzündliche Processe unter Miterkrankung der Lymph-gefässe und Lymphdrüsen (Phlegmone) entstehen, die ihrerseits wiederum zu erheblichen Verdickungen, unter umständen zu septischen Erkrankungen füliren können.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Quetschung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;179
Quefcscliungen dritten und vierten Grades sind mit Absterben der Weiclitheile verbunden, die des dritten Grades mit trockenem Brand, während die des vierten oft feuchten Brand im Gefolge haben. Die nekrotischen Gewebe müssen durch dissecirende Eiterung entfernt werden, worauf im günstigsten Falle unter Granulationsbildimg Heilung erfolgt. Diese Zustünde sind jedoch mit all den Gefaliren verbunden, welche bei Besprechung des Brandes berücksichtigt werden sollen (S. 186).
Der Verlauf und Ausgang einer Quetschung hängt in erster Linie von dem Grade derselben, dann aber auch von der Lebensfähigkeit der gequetschten Gewebe und namentlich von dem Umstände ab, ob die regelmilssige Circulation alsbald wieder hergestellt werden kann. Hierüber entscheidet vornehmlich der Gefässgehalt der betreffenden Theile, doch übt auch die Frage, ob eine Infection der verletzten Stelle erfolgt oder nicht, einen hervorragenden Einfluss hierbei aus. Eine Gefahr der Verblutung besteht in der Regel nicht, indem die zerrissenen Gef ässe bald thrombosiren oder der hydrostatische Druck in dem Hämatom bald die Höhe des Blutdruckes in den getrennten Gefiisson erlangt, womit die Blutung natürlich aufhört. Dass jedoch auch subeutane Blutungen zur Verblutung führen können, wurde bereits erwähnt. Selbstverständlich gestalten sich solche aus arteriellen Gefässen stets hodrohlicher, als aus Venen; je grosser das geöffnete Gefäss und der Blutdruck in demselben, je nachgiebiger das um dasselbe gelegene Gewebe, um so leichter ergiessen sich grosse Mengen Blutes.
Klinische Erscheinungen, Als erstes und wichtigstes Zeichen der Quetschung tritt Anschwellung hervor, die sich bei hämorrhagischen Infiltrationen mehr oder weniger fest, bei Hämatomen fluetuirend zeigt. Ihre schnelle Entwickelung, die bei heller Haut dunkle Färbung derselben und das Fehlen einer derben Anschwellung in der Umgebung der Fluctuation wenigstens in der ersten Zeit kennzeichnet die Geschwulst als Hämatom und unterscheidet sie von einem Abscess (S. 28). An den Bauchdecken erlangt die Anschwellung gewisse Aehnlichkeit mit einem Bruch, der ebenfalls schnell entsteht und fluetuirende Beschaffenheit zeigt, dagegen durch seine Com-pressibilität gekennzeichnet ist.
Die durch Quetschung entstandene Anschwellung zeigt nach kurzer Zeit eine ödematöse Beschaffenheit, da in Folge der gestörten Circulation die flüssigen Bestandthoile des Blutes exsudiren, d. h. in die Gewebslücken treten (Oedem).
An pigmentfreier Haut erscheint die gequetschte Stelle anfangs
|
||
|
|
||
|
|
||
|
180nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Subcutane Verletzungen der Weichtheile.
blau, nimmt aber nach einigen Tagen eine rothe, dann braune und schliesslich grüne und gelbe Farbe an. Dieser Farbenwechsel wurde früher ausschliesslich auf chemische Umsetzunger des Blutfarbstoffes zurückgeführt, beruht, jedoch vornehmlich auf der allmählichen Resorption des Blutfarbstoffes, welcher in dicken und dichten Lagen in oder unter der Haut eine blaue Farbe zeigt, während durch allmähliche Resorption des Farbstoffes das erwähnte Farbenspiel entsteht.
In dem Masse die flüssigen Bestandtheile des Blutes resorbirt werden und zellige Elemente an ihre Stelle treten, nimmt die Anschwellung eine grössere Härte und derbe Beschaffenheit an.
Die mit der Quetschung verbundenen Schmerzen beruhen zum Theil auf mechanischen Läsionen sensibler Nerven von Seiten der contundirenden Gewalt, theil.s werden sie durch entzündliche Schwellung hervorgerufen, welche sich im Verlaufe der Regenerationsvorgänge einstellt. Je reicher das Gewebe an Empfindungsnerven, je mehr diese von der Quetschung betroffen oder durch die entzündlichen Vorgänge gereizt werden, um so grosser die Schmerzhaftigkeit. Dass die individuelle Empfindlichkeit der Thiere hierbei eine Rolle spielt, bedarf kaum der Erwähnung. Auch übt der Grad der Anschwellung und namentlich der Spannung in der Geschwulst hierauf einen hervorragenden Einfluss aus. Wurden bei der Quetschung die Theile vollständig zermalmt, so zeigen sich die Schmerzen nur gering, wodurch man zu der Annahme gezwungen wird, dass die Leitungsfähigkeit der sensiblen Fasern mehr oder weniger vernichtet wurde, so dass ein localer Torpor entsteht. Hochgradige Schmerzen, verbunden mit Krämpfen beobachtet man dagegen bei Quetschungen sensibler Nervenstämme, während solche an motorischen Nerven Lähmungen zur Folge haben.
Mit umfangreichen Quetschungen verbinden sich zuweilen allgemeine Störungen: abnorme Pulsfrequenz, Abnahme oder Schwinden des Appetits, vermehrtes Durstgefühl, Steigerung der Körpertemperatur und ungleiche Vertheilung derselben an der Körperoberfläche; es tritt Fieber ein, welches aus der Resorption grösserer Mengen zerfallenen Blutes oder abgestorbener Gewebsmassen hervorgehen kann (aseptisches Fieber), in der Regel aber durch die Aufnahme von Infec-tionserregern oder ihrer Sfcoffwechselproducte in die Blutbahn veran-lasst wird (S. 122).
Die Functionsstörungen hängen in erster Linie von den Geweben ab, welche von der Quetschung betroffen wurden; ein gequetschter Muskel kann sieb nicht in normaler Weise contrahiren: in motorischen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
tiuetachung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;jgl
Nerven kann die Quetschung das Leitungsvermögen vernichten und so Lähmungen erzeugen.
Quetschungen der äusseren Haut führen häufig zum Ausfall der Haare, sofern diese nicht schon durch die äussere Gewalt ausgerissen wurden, wobei oft gleichzeitig Stücke der Oberhaut abgestreift werden, ein Zustand, der im Munde von Laien als geschundenquot;, in der wissenschaftlichen Sprache als Excoriation oder Erosion bezeichnet wird.
Behandlung. Die Behandlung der Quetschungen hat drei Aufgaben zu erfüllen: erstens Beschränkung der etwa noch fortbestehenden Blutung, zweitens Förderung der Resorption des ergossenen Blutes sowie der zertrümmerten Gewebsmassen und drittens Unterstützung der Regenerationsvorgänge, welche zur Beseitigung der Continuitätstrennungen dienen. Der erste Punkt kommt natürlich nur in frischen Fällen in Betracht; ganz besonders sind Kälte und ein massiger Gegendruck geeignet die etwa noch fortbestehende Blutung zu stillen; beide Mittel finden jedoch für diesen Zweck nur in den ersten 24 Stunden Anwendung. Dabei bleibt zu beachten, dass die Circulationsvorgänge in den gequetschten Theilen gestört sind und die zum Theil im Zustande einer Vita minima sich befindenden Elemente durch intensive Abkühlung leicht abgetödtet werden. Daher darf die Anwendung der Kälte, z. B. in Gestalt von kalten Umschlägen oder Auflegen von Eis, nicht intensiv und andauernd geschehen. Sobald die äussere Haut auch nur die geringsten Verletzungen aufweist, empfiehlt sich den zum Kühlen verwendeten Flüssigkeiten Desinfectionsmittel (Sublimat, Oarbol, Creolin, Alaun, Bleiacetat) zuzusetzen, um Vereiterung oder Verjauchung in dem Krankheitsherde zu verhüten. Wo sich gleichzeitig ein massiger Druck auf die gequetschte Stelle ausüben lässt, z. B. an den Gliedmassen durch Bandagiren, kann auch hierdurch die Blutung und Schwellung wirksam bekämpft werden.
Die Resorptionsvorgänge erfolgen zwar auch ohne äussere Hülfe, doch lassen sich dieselben durch feuchte Wärme und Druckwirkung fördern. Die erstere regt die Circulationsvorgänge an und wird in Gestalt von Priessnitz'schen Umschlägen angewendet, die letztere mit Hülfe methodischer Compression und Massage erreicht. Massage kann jedoch erst nach dem Verschwinden grösserer Schmerzen angewendet werden, zeigt sich dann aber besonders geeignet, die Be-standtheile des extravasirten Blutes in die Circulation zurückzuführen.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
182nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Suboutana Verletzungen der Weichtheile.
Die Massage sollte jedoch tiiglicli mindestens 12 mal ausgeführt werden. Auf die jedesmalige Anwendung folgt mit Vortheil ein gleich-massig wirkender Druckverband, namentlich im Anfange, so lange noch neue Blutungen zu befürchten sind. Erhehliche Mitvcrlctzung der äusseren Haut und Excoriationeu derselben bilden Contraindicationen für die Anwendung der Massage. Auch bei grösseren Hämatomen muss dieselbe in der ersten Zeit mit Vorsicht angewandt werden, um nicht neue Blutungen hervorzurufen. Die Massage wird entweder durch sanftes Streichen mit den Fingerspitzen (Effleurage) oder durch Streichen mit Anwendung eines stärkeren Druckes (Massage ä friction) oder nach Art des Knetens eines Teiges (Petrissage) oder endlich durch Klopfen mit der Hand oder besonderen Instrumenten ausgeführt (Tapoterneut). Das Streiohen erfolgt central-wilrts, d. li. in der Richtung des Lymphstromes. Um die Resorption weiter zu erleichtern, wird in der Regel eine Einleitungsmassago vorgenommen, d. h. man massirt die central von dem kranken Theil gelegene gesunde Korperparthio, wodurch die Venen und Lymphgefässe sieb entleeren und zur Aufnahme der aus dem Krankheitsherde stammenden Massen geeigneter werden. Nachdem die Hände und besonders die Fingerspitzen des Masseurs mit Fett eingerieben sind, sucht derselbe in der einen oder anderen Weise die Massage auszuführen. Bei Quetschungen eignet sich in erster Linie das Reiben, das allerdings auf der behaarten Haut der Thiere nicht die Wirkung hat, wie beim Menschen; auch werden durch kräftiges Reiben die Haare leicht zerstört und ausgerissen. Auf diese Weise wird die Massage bei Thieren häufig schmerzhaft; daher empfiehlt sich hier eine Unterlage von Pergament- oder Pauschpapier zu benutzen. Das Klopfen erfolgt mit der Kante der Hand, mit Stäben oder hölzernen Hämmern und findet namentlich an dicken Muskelwülsten bei Lähmungen Anwendung, ebenso das Kneten. Das Massiren dauert jedesmal etwa 1020 Minuten und zwar hängt dieses nicht nur von den Krankheitszuständen derselben, sondern auch von der Beschaffenheit der Gewebe ab. Im ganzen lässt sich von der Massage bei Thieren nicht in dem Umfange Gebrauch machen, wie beim Menschen. Das liegt einmal in der Widerspenstigkeit der Thiere, besonders bei schmerzhaften Leiden; dann in den bereits erwähnten Schwierigkeiten, die in der Haarbekleidimg der Haut gegeben sind, wodurch die Ausführung der Massage, und zwar um so mehr erschwert ist, als die Haare fast überall peripher gerichtet sind; aber auch die Wirkung der Massage wird hierdurch wesentlich abgeschwächt. Dazu kommt
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Quetschung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 183
endlich, dass sich die Ausführung nicht so einfach gestaltet, um die Massage dem Pfleger oder Besitzer des Thieres überlassen zu können; der Thierarzt aber hat nicht täglich Gelegenheit Patienten mit derartigen Leiden zu besuchen. Wo indess Zeit und geeignete Kräfte zur Ausführung der Massage zur Verfügung stehen, muss dieselbe namentlich zur Förderung der Resorption bei Quetschungen und ähnlichen Leiden der Thiere warm empfohlen werden.
Wo weder Massage noch ein Druckverband anwendbar erscheint, werden zunächst Priessnitz'sche Umschläge, später scharfe Einreibungen angewendet. Die letzteren fördern ohne Zweifel in wirksamer Weise die Resorption und zwar auch hier durch den gleich-massigen Druck, welchen die in Spannung versetzte äussere Haut der Weichtheile auf den Krankheitsherd ausübt; eine sorgfältige Application der Salben wirkt wie die Massage. Dasselbe gilt von der wiederholten Anwendung von zertheilenden Mitteln, wie das Quecksilber und Jodpräparate.
Schwierigkeiten bieten zuweilen grössere Hämatome, indem die Resorption ihres Inhalts längere Zeit in Anspruch nimmt; auch liegt hierbei die Gefahr vor, dass das Extravasat der Verjauchung anheimfällt. Schon aus diesem Grunde bildet ein aseptischer Veidauf mit oder ohne Entleerung des Hämatoms den günstigsten Ausgang. Die Zertheilung, bezw. Resorption kann durch Massage, gleichmässigen Druck und feuchte Wärme gefördert werden. Wo diese Mittel nicht anwendbar sind, empfiehlt sich bei grösseren Thieren, namentlich Pferden eine scharfe Einreibung, welche auch hier wie ein Druckverband wirkt und die Resorption fördert. Die Eröffnung des Hämatoms mittelst Einschnitt darf nicht vor Ablauf von 34 Tagen erfolgen, weil sonst leicht eine erhebliche Nachblutung eintreten kann. Besonders beachtenswerth erscheint diese Regel beim Rinde, dessen Blut zwar schnell gerinnt, aber durch das so entstandene Gerinnsel wird die Wand des Hämatoms mit einer Fibrinschicht ausgekleidet, welche die Gerinnung des übrigen Blutes und die regelmässige Tln-omben-bildung in den blutenden Gefässen verlangsamt. Man suche sich vor dem Oeffnen eines grösseren Hämatoms stets von der Abwesenheit jeglicher Pulsation in demselben zu überzeugen; wo solche besteht, massire man zunächst, und wenn hierauf eine Vergrösserung des Hämatoms nicht eintritt, kann die Function nach dem Verschwinden der Pulsation ohne Gefahr erfolgen. Selbstverständlich wird diese an der tiefsten Stelle des Hämatoms und in der Ausdehnung vorgenommen, damit auch die grösseren Blutgerinnsel entfernt werden können. Darauf
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
|
184nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Subcutane Verletzungen der Weichtheile.
lilsst man die Höhle mit einer desinficirenden Flüssigkeit ausspülen, sofern bereits Zersetzungen ihres Inhaltes bestehen; andernfalls ist dieses nicht nöthig und kann unter Umständen mit Hülfe der Anti-septik selbst Heilung ohne Eiterung erzielt werden. Sobald entzündliche Erscheinungen in der Umgebung des Hämatoms sich bemerkbar machen, oder allgemeine Störungen (Fieber) auf Vereiterung oder Verjauchung schliessen lassen, muss die Spaltung des Hämatoms möglichst bald und in ausgiebiger Weise vorgenommen werden, worauf man den Zustand wie eine inficirte Wunde behandelt.
Extravasate in der Subcutis, welche der Resorption längere Zeit Widerstand leisten, lassen sich namentlich bei Hunden zuweilen durch gewaltsames Zersprengen schnell beseitigen. Man umfasst die Geschwulst mit einer oder beiden Händen und presst sie so lange energisch zusammen, bis die Wand des Hämatoms zerreisst und der Inhalt in die Lücken des umliegenden Gewebes getrieben und resorbirt werden kann. Auf diese Weise habe ich oft Hämatome in der Subcutis bei Hunden sowie am Metacarpus bei Pferden in wenigen Augenblicken beseitigen können. Zuweilen kehrte allerdings die Anschwellung wieder. Man darf daher nicht zu früh, d. h. vor vollständiger Throm-bosirung der blutenden Gefässe zu diesem Verfahren greifen, dasselbe auch nicht bei Hämatomen anwenden, in denen bereits Zersetzung eingetreten ist.
Quetschungen dritten und vierten Grades sind mit der Gefahr der Verjauchung der nekrotischen Massen und allgemeiner Infection verbunden, müssen daher nach den Grundsätzen behandelt werden, welche bei Besprechung des Brandes erwähnt sind. Fleissiges Spülen (permanente Irrigation) mit antiseptischen Flüssigkeiten empfiehlt sich ganz besonders bei feuchtem Brand, während bei trockenem feuchtwarme Umschläge die Dissection des Sphacelus beschleunigen.
Lymph extravasate spalte man nicht zu früh, jedenfalls nicht vor dem 5.6. Tage. Die Anwendung der Kälte zur Beschränkung der Lymphorrhagie erscheint nicht nur zwecklos, sondern begünstigt auch das Zurückbleiben von Verdickungen (Rust). Soll eine Function vorgenommen werden, so muss diese unter strenger Antisepsis, durch lange Schnitte und Auswaschen mit einer concentrirten Desinfectionsflüssigkeit (Carbolsäure ;550|o oder Chlorzink 10n/n) erfolgen; die Wunde wird nach Abfluss der Flüssigkeit eng geheftet und womöglich ein Com-pressivverband angelegt. Auch empfiehlt sich, die Haut durch Nähte mit ihrer Unterlage zu verbinden, anderenfalls heilt in der Regel bloss die Hautwunde, während die Höhle sich von neuem mit Lymphe anfüllt.
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
Quetschung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 185
Besondere Vorsicht erscheint mit der Spaltung an Stellen geboten, wo das Blut- oder Lymphextravasat auf oder in der Nähe von Fascien liegt, /,. B. am Widerrist; wird hier nicht Asepsis bewahrt, und tritt Eiterung ein, so schliesst sich hieran Nekrose der Fascien oder Bänder (Nackenband), woraus wiederum schwer heilbare phlegmonöse Processe (Wiederristfistel) hervorgehen. Auch hier benutze ich mit besonderer Vorliebe Scharfsalben zur Förderung der Resorption, die event, durch Entleerung des Inhaltes mittelst einer Hohlnadel unmittelbar vor Application der Salbe unterstützt wird.
Ebenso können Injectionen von Tinctura Jodi oder Lugol'scher Lösung versucht werden, die nach vorangegangener Function mit einer Hohlnadel zuweilen recht gute Dienste leisten.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
IV. Brand. Greschwüre. Fisteln.
|
||
|
|
||
|
Als Brandquot; (Mortificatio, Nekrose, Gangrän) bezeichnet man das Absterben bezw. Abgestorbensein von Organen oder Organtheilen im lebenden Körper; Brand bedeutet hiernach örtlichen Tod1-, d. h. einen Zustand, wobei die Lebensvorgänge, der Zellstoffwechsel und die Function in dem betreffenden Theile vollständig und dauernd aufgehoben sind. Eine vorübergehende Unterbrechung dieser Zellenthätigkeit bezeichnet man als Starrequot; oder Scheintod''. Der Brand kann sowohl an einem bis dahin gesunden Theile wie auch an erkrankten Geweben auftreten. Knüpft sich derselbe an eine acute Entzündung, wobei die Theile also eine abnorme Wärme besitzen, so spricht man von beissem Brandequot;, im anderen Falle bezeichnet man ihn als kalten Brandquot;.
Die abgestorbenen Gewebe verfallen denselben Vorgängen wie andere todte Körper, und das Verhalten derselben hängt in erster Linie von ihrem Gehalt an Feuchtigkeit und von äusseren Einflüssen ab. Theile, die ein festes Gefüge besitzen, wie Knochen, Knorpel u. s, w. verändern sich im abgestorbenen Zustande wenig; oft wird jhr Absterben erst daran erkannt, dass sie von ihrer Umgebung abgestossen werden (Sequesterbildung). Man spricht in solchen Fällen von einfachem Brande oder Nekrose. Andere Gewebe, namentlich solche, die wenig Feuchtigkeit enthalten und besonders im Momente des Absterbenraquo; wenig enthielten, wie auch Theile, welche die in ihnen enthaltenen Flüssigkeiten durch Verdunstung leicht abgeben, trocknen nach dem Absterben bald ein; es entsteht Nekrose mit Austrocknung, sog. trockener Brand (Mumificatio). Wieder andere gerinnen mit dem Eintreten des Brandes, es tritt
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Brand.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 187
Nekr ose mit Gr er innung ein (C o ag u 1 ati onsnekr ose Weigerts). Sowohl Zelleninluilt wie auch Parenchymsaft pflegen hierbei zu gerinnen. Dieser Zustand kommt namentlich in Geweben zu Stande, die reich an Eiweiss sind, und wenn die Nekroso durch Aufhebung der Blut zufuhr eintrat, z. B. nach Verlegung der arteriellen öe-füsse; das nekrotisirte Gebiet derselben nennt man Infarktquot;. Wahrscheinlich hat aber auch an dem Zustandekommen der Gerinnung ein Ferment Antheil, das vielleicht erst nach dein Absterben in den Zellen gebildet wird. Ueber die bei der Coagulationsnekrose ablaufenden Vorgänge und ihre Bedingungen ist auch heute volle Klarheit noch nicht erzielt.
Eine vierte Form des Brandes bildet die Nekrose mit Erweichung, wobei sich der abgestorbene Gewebstheil in eine weiche, oft breiig zerfliessende Masse verwandelt; ein Vorgang, der weniger an äusseren Theilen, vielmehr an inneren Organen (Gehirn u. s. w.) beobachtet wird.
Endlich kann das brandige Gewebe der Filulniss anheimfallen, wodurch dasselbe ebenfalls erweicht (Gangrän, Faulbrand). Bedingung für diese Form bildet in erster Linie der Zutritt von sapro-genen Mikroorganismen, sodann die Gegenwart von Wasser und eine passende Temperatur. Diese Voraussetzungen treffen natürlich bei den an der Oberfläche des Körpers gelegenen Weichtheilen in der Regel zu, daher sehen wir diese Brandform hier am häufigsten auftreten. Dabei entstehen Zersetzungsprocesse mit 'Bildung von zum Theil höchst gefährlichen Substanzen. Als Producte der Eiweissfäulniss entstehen Amidosäuren (Glycocoll , Leucin, Tyrosin). Dazu kommen flüchtige und übelriechende Kohlenwasserstoffverbindungen, Schwefelwasserstoff, Schwefohunmon, Ammoniak, Buttersäure; ferner finden sich in der als Brand jauche bezeichneten Flüssigkeit Fäulnissalkaloide, Ptomaine und Bakterienvegetationen. Neben dem üblen Geruch der brandigen Theile macht sich durch das Auftreten gasförmiger Körper das Brandemphysem bemerkbar. Wichtiger jedoch als diese Eigenschaften bleibt die für die Nachbarschaft in hohem Grade reizende und inficirende Wirkung, Die chemischen, toxisch wirkenden Substanzen der Brandjauche schwächen die Lebensfähigkeit in den lebendigen Geweben der Umgebung ab, so dass dieselben von den In-fectionsstoffen leicht zum Absterben gebracht werden. So besteht also bei der Gangrän die Gefahr einer weiteren Ausbreitung. Dazu kommt endlich, dass die toxischen Substanzen und selbst die Infectionsorreger in den Saftstrom und das Blut übergehen, eine schwere, fieberhafte
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
188
|
Brand. Geschwüre. Fisteln.
|
||
|
|
|||
|
Erkrankung (Brandfieber) veranlassen und so das Leben des Organismus in Gefahr bringen. Zuweilen häuft sich Brandjauche unter der von ihr abgehobenen Oberhaut an und erzeugt auf diese Weise die sog. Brandblasen.
|
|||
|
|
|||
|
Ursachen. Ausgangspunkt für das Aufhören der Ernährung bildet in der Regel die Unterbrechung der Circulation, namentlich in den Capillaren. Je unvollkommener die Entwickelung der Circulations-vorgänge in einem Theile, um so leichter verfällt derselbe in Nekrose. Knorpel, Sehnen. Fascien und Narbengewebe erliegen daher dem Vorgange am leichtesten; ebenso verleihen allgemeine Erkrankungen, welche mit Circulationsstörungen oder Entmischung des Blutes verbunden sind (z. B. Septikämio), eine Disposition zur Nekrose.
Als äussere Ursachen wirken theils chemische Reize (conc. Säuren oder Alkalien, sowie andere scharfe Substanzen), theils ther-misclic P^inflüsse (Verbrennung und Erfrierung); es handelt sich also um chemische oder physikalische Veränderungen in den Gewebszellen, welche ihre Lebensfähigkeit aufzuheben vermochten. Ebenso können durch Einwirkung mechanischer Gewalten (Quetschung, andauernden Druck, Decubitus) die Circulations- und Ernährungsvorgänge in dem Masse in den Geweben unterbrochen werden, dass Brand entsteht. Ferner bildet Verlegung der Circulation durch Thrombose, Embolie und Incarceration häufig den Ausgangspunkt des Brandes. In entzündlich erkrankten Geweben übt die durch starke Anschwellung gesteigerte Spannung oft denselben Einfluss aus. Endlich können Infectionsstoffe von hochgradiger Virulenz z. B. Milzbrand, Rausch-brund sowie Substanzen, welche eine ausdauernde Contraction in den Capillaren veranlassen, z. B. Ergotin, die Ernährungsvorgänge so vollständig aufheben, dass Brand entsteht. Bei infectiösen Leiden handelt es sich offenbar um die Wirkung chemischer Substanzen (Ptomaine Briegers) also um putride Intoxication.
Der trockene Brand wird bei Pferden am häufigsten als Satteldruck und Decubitus beobachtet; aber auch auf spontanem Wege sieht man ihn bei Thieren auftreten. Bei Schweinen sterben zuweilen die Ohren oder die unteren Abschnitte der Extremitäten ab. Wahrscheinlich war hierbei zuweilen Kältewirkung im Spiel. Bekannt ist bei Thieren ferner das Auftreten von trockenem Hautbrand nach dem Genuss von Buchweizenkraut sowie beim Ergotismus gan-graenosus, welcher in Nordamerika in gi-osser Verbreitung beobachtet wurde, und wobei verschiedene Theile des Körpers mumificiren; in
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Brand.
|
181)
|
||
|
|
|||
|
erster Linie pflegen hierbei die Extremitäten betroffen zu werden. (Gliedmassen, Schwanz, Kämme des Geflügels, Ohren, Kehllappen, Zungenspitze, Kehldeckel u. s. w.). dribble sah bei einem schlecht genährten Pferde Haut und Unterhaut vom Carpus des rechten Fusses abwärts brandig absterben; der Process ergriff auch die Huf krone und veranlassto Ausschuhen: eine Ursache konnte Gribble nicht auffinden (spontane G a n g r ä n). Ein Gleiches beobachtete Linden-berg an den Ohren und Müller an den Hinterfilssen bei Schweinen. Als Beispiel des feuchten Brandes verdient die Brandmauke der Pferde genannt zu werden; doch kommen sowohl bei diesen wie auch anderen Thiere schwere entzündliche Processe mit Ausgang im Gangrän vor, z. B. beim Milzbrand, Rauschbrand, beim malignen Oedem, bei septischer Phlegmone u. s. w.
|
|||
|
|
|||
|
Klinische Erscheinungen. Durch gleichzeitiges Absterben der nervösen Bestandtheile fällt zunächst die Unempfindlichkeit in dem nekrotischen Gewebe auf; weder Nadelstiche noch sonstige Beize werden von demselben empfunden. Die Aufhebung der Blutcirculation führt zum Abfall der Temperatur und ist zugleich die Ursache, dass Einschnitte in den nekrotischen Theil keine Blutung zur Folge haben; auch tritt hierdurch eine Entfärbung ein; blutreiclie Geweljo erscheinen dunkel, oft schwarz; blutarme heller als normal gefärbt (Knochen); das Sehnengewebe nimmt eine eigenthiimlich gelbe, Knorpel häufig eine grüne Farbe an. Beim trockenen Brande erscheint der Theil hart, die äussere Haut leder- oder pergamentartig, während der feuchte Brand den Theilen eine eigenthümlich weiche, morsche, brüchige Beschaffenheit verleiht, indem die den lebendigen Geweben eigenthümliche Spannung (Tonus) verschwindet. Auf der nekrotischen äusseron Haut stehen die Haare unregelmässig, gesträubt, während bei Gangrän die Zer-setzungsprocesse oft einen eigenthilmlicheu Geruch verbreiten. Endlich wirkt der abgestorbene Theil als Fremdkörper auf die benachbarten gesunden Gewebe und ruft hier entzündliche Erscheinungen hervor. Beim trockenen Brand beschränken sich diese in der Regel auf einfache Eiterungsprocesse, welche zur Dissection (Demarcation) des nekrotischen Theiles führen; beim feuchten Brande entsteht je nach der Virulenz und der Menge der Brandjauche eine mehr oder minder heftige Entzündung, die nicht selten ebenfalls den Ausgang in Brand nimmt, wodurch ein allmähliches Fortschreiten des Processes vcranlasst wird (progressive Nekroscopy;). Durch den Uebertritt der Brandjauche in die Blutcirculation endlich Hnden schwere.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
190nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Brand. Geschwüre. Fisteln.
fieberhafte Erkrankungen ihre Entstehung, welche in der Regel den Charakter eines septischen Fieber zeigen (S. 128).
Verlauf. Das Schicksal des brandigen Theiles ist mit dem Absterben besiegelt; derselbe geht unter allen Umständen verloren, während die hiermit für den Organismus verbundenen Folgen theils von dem Sitze und Umfange des Brandes, theils von der Beschaffenheit des abgestorbenen Gewebes abhängen. Beim trockenen Brande entsteht in der Umgebung eine demarkirende Entzündung, welche zur Ausstossung des Brandstilckes führt, worauf sich Granulation entwickelt, welche hier ebenso wie in einer klaffenden Wunde den Substanzverlust zu decken übernimmt. Mit Hinterlassung einer kleinen oder grösseren Narbe kommt in der Kegel Heilung zu Stande. Bei grösseren Substanzverlusten in der äusseren Haut kann die Vernarbung auf Schwierigkeiten stossen, die sich ähnlich wie bei Wunden verhalten (S. 117).
Auch beim feuchten Brande findet nicht selten eine örtliche Begrenzung statt, und es kommt, wenn auch in der Regel unter heftigeren Entzündungserscbeiiuuigen zur Demarkation und unter Narbenbildung gleichfalls zur Heilung. Wo indess eine Neigung zur Ausbreitung des Brandes besteht, greift die Entzündung und das Absterben leicht auf tiefer gelegene Theile über, wodurch schwere entzündliche Erkrankungen der Sehnenscheiden und Gelenke entstehen können (septische Synovitis), an welche sich allgemeine Störungen anschliessen und nicht selten zum Tode führen. Durch Uebergreifen auf Blutgefässe. namentlich auf die dünnwandigen Venen entwickeln sich pyämische Zustände, wie es z. B. bei der Brandmauke der Pferde nicht selten der Fall ist. Endlich können die Thiere an septischem Fieber (Brandfieber) zu Grunde gehen.
Die Prognose hängt somit beim Brande theils von der Dig-nität der erkrankten Gewebe und der Ausbreitung des Processes, theils von der Art des Brandes und den mit demselben verbundenen Com-plicationen ab. Während der trockene Brand der äusseren Haut in der Regel mit grösseren Gefahren nicht verbunden ist und einen günstigen Ausgang nimmt, sofern die Ausbreitung desselben nicht zu erheblich war, knüpfen sich an den feuchten Brand stets mein- oder weniger grosse Gefahren, und der Ausgang hängt hier vornehmlich von dem Sitze und der Neigung zur Ausbreitung ab. In der Nähe von Gelenken und Sehnenscheiden droht Infection derselben. Bei pro-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Brand.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 191
gredirtem Verlauf fällt auch die Schnelligkeit der Ausbreitung ins Gewicht, welche zugleich als Massstab für die Virulenz der ursächlichen Momente gelten kann. Ungünstig wird die Prognose, wo bereits septische oder pyämische Erscheinungen bestehen.
Behandlung. Sobald sich die klinischen p]rschemungen des Brandes an einem Theile bemerkbar machen, ist die Wiederbelebung desselben ausgeschlossen. Aufgabe der Therapie bleibt es also, das Absterben zu verhüten und den abgestorbenen Theil unschädlich zu machen. Die Prophylaxis richtet sich namentlich gegen Decubitus, der durch weiche Lagerung und öfteres Umlagern des dauernd liegenden Thieres verhindert wird. Ebenso sind alle Einflüsse von den noch lebendigen Theilen fern zu halten, welche die Ernilhnmg und Circulation in denselben stören, z. B. Kälte, Hitze, Druck, Quetschung. Bei hochgradiger Spannung in entzündeten Theilen bilden Einschnitte (Scarifi cationen) das zuverlässigste Mittel gegen Brand. Endlich hüte man sich, mit Instrumenten Infectionsstoffe zu übertragen, welche schwere Störungen zu erzeugen im Stande sind. Insbesondere des-inficire man solche, die mit brandigen Theilen in Berührung gekommen sind, anderenfalls werden unangenehme Erfahrungen gemacht. Als einmal ein Castrirer mit einem inficirten Messer 40 Hengste bald nach einander operirte, starben särnmtliche Thiere. In dieser Hinsicht kann auf das bei der antiseptischen Wundbehandlung gesagte verwiesen werden.
Beim trockenen Brande inuss durch Anregung der Eiterung und Erweichung der abgestorbenen Gewebe das Abstossen des Brandschorfes beschleunigt werden; feuchte Wärme in Gestalt Pri essnitz'scher Ein-wiokelungen sowie Einreibungen von Fett finden hierzu zweckmässige Anwendung. Sobald die Ablösung der äusseren Haut begonnen hat, kann dieselbe auch auf operativem Wege unterstützt werden; man erfasse den Brandschorf mit einer Pincette oder Zange und suche ihn sobald möglich abzuroissen. Diese Art der Trennung verdient den Vorzug, weil man mit Messer und Schere niemals die Grenzen zwischen dem lebendigen und todten genau auffinden kann. Nach Entfernung des Brandschorfes wird der Defect wie eine Wunde mit Substanz-verlust behandelt.
Beim feuchten Brande handelt es sich in erster Linie darum, die Nachbarschaft zu schützen und die Resorption der Brandjauche möglichst zu verhindern. Energische Desinfection spielt hier die Hauptrolle, und finden daher (Karbolsäure, Sublimat, Ocolin, Campher U, s. w.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
192nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Brand. Geschwüre. Fisteln.
vortheilhafte Anwendung. Wo es durchführbar erscheint, lässt man durch permanente Irrigation oder warme Bäder, denen Desinfections-mittel zugesetzt werden, den brandigen Theil andauernd reinigen, um vor allem die Anhäufung von Brandjauche zu verhindern, und auf diese Weise nicht nur die Ausbreitung des Processes, sondern auch septische Infection fern zu halten. Wo derartig reinigende Bäder nicht anwendbar sind, lasse man die Stelle möglichst oft am Tage mit Des-infectionsmitteln waschen und verbinde dieselben mit solchen Substanzen; nach meinen Erfahrungen muss ich hierzu ganz besonders den Kampfer empfehlen, und zwar in Form eines Breies, der mit Spiritus hergestellt wird. Auch können unter Umständen Incisionen nützlich werden, indem sie den Abfluss der Brandjauche unterstützen. Sobald die Demarcation , die hier viel schneller erfolgt als beim trockenen Brande, soweit fortgeschritten ist, dass sich das Brandstück oder nur Theile desselben loslösen, muss dieses auf operativem Wege wie oben beschrieben unterstützt werden. Gegen septische Zustände findet das S. 143 u. f. beschriebene Verfahren Anwendung.
Unter Geschwür (Ulcus) versteht man eine von Epithel ent-blösste Haut- bezw. Wundfläche, auf der neben Granulation moleculärer Zerfall besteht; eine Granulationsfläche, deren Granulationen stets wieder zerfallen, so dass keine Neigung zur Heilung besteht, genauer gesagt keine Heilung zu Stande kommt, so lange der Process der Verschwärung (UIceration) anhält. Es handelt sich also um einen Entzündungsprocess mit der Tendenz zur fortschreitenden Zerstörung. Neubildung (Granulation) und Zerstörung stehen sich im Geschwür gegenüber. Die Granulation erfolgt wie in einer Wunde, und zwar bald langsamer, bald schneller, je nach der Tendenz des Geschwürs und nach der Beschaffenheit der erkrankten Gewebe; dieselbe ist stets mit mehr oder weniger Eiterung verbunden. Die Zerstörung geschieht durch Absterben einzelner Zellen oder kleiner Zellengruppen. Die hierfür gewählte Bezeichnung: moleculärer Todquot; ist genau genommen nicht richtig, denn nicht das Molecül, sondern die Zelle bildet wenigstens für uns noch die Lebenseinheit, und kann daher nur absterben; es soll aber mit der Bezeichnung moleculärer Zerfallquot; angedeutet werden, dass das Absterben nicht im grossen erfolgt (Nekrose), wobei die abgestorbenen Theile ihre Gestalt beibehalten (Nekrose = Tod mit Erhaltung der Form, Virchow), sondern es sterben die Gewebselemente einzeln ab. (Nekro-biosc Virchows.) Das Product dieser Zerstörung mischt sich dem
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Geschwüre.
|
198
|
||
|
|
|||
|
Product dor Granulation, dem Eiter bei, und so entsteht eine mehr oder weniger trübe, oft missfarbene Flüssigkeit, die man als Brandjauchequot; (Ichor, Sanies) bezeichnet.
Das Verhältniss zwischen Neubildung und Zerstörung gestaltet sich verschieden: bald überwiegt die Zerstörung, und der Substanzverlust nimmt schnell zu; bald laquo;-langt Neubildung die Oberhand, so dass die Granulation sichtbare Fortscbritte macht. Findet die Zerstörung mit grosser Schnelligkeit statt, so spricht man von einem fressenden {phagedänischen) Geschwür; ein Vorgang, der also an Brand grenzt (Gangrene foudrojante). Waltet dagegen die Granulation vor, so erhebt sich der Geschwürsgrund über die gesunde Nachbarschaft, es entsteht ein Ulcus elevatum s. fungosum, so genannt, weil die Granulation pilzartig hervorragt. Zuweilen treten beide in den Hintergrund, dann ändert sich der Zustand wenig, der Grund wie die Ränder des Geschwürs bestehen in Folge der Narbenretraction aus derbem Bindegewebe (callöses Geschwür), welches natürlich zur Neubildung und Keparation wenig geeignet erscheint; in der Kegel ist hierbei die Schraerzhaftigkeit gering (torpide o. atonische Geschwüre). Lebhaft wuchernde Geschwüre zeigen meist eine dunkelrothe Granulation und sind sehr schmerzhaft (erethisches Geschwür). Nach der Ausbildung der entzündlichen Erscheinungen unterscheidet man ein Ulcus simplex und inflammatorium.
In Beziehung auf Gestalt zeigen die Geschwüre grosse Verschiedenheit. Der GöschwUrsgrund erscheint bald fla-ch, bald vertieft, bald pilzartig hervorragend; die Geschwürsränder sind ebenfalls bald flach, bald erhaben, bald aufgeworfen, bald unterminirt (sinuös). Lebhafte Entwickehmg plastischer Infiltration giebt dem Geschwüre ein gelbweissliches Aussehen, welches auch wohl als speckig bezeichnet wird.
Es lassen sich 8 Stadion in der Geschwürsbildung unterscheiden, nämlich: 1. das Stadium destruetionis, welches den Process einleitet; 2. das Stadium purificationis, d. h. die Zerstörung hört auf und es bildet sich regelmässige Granulation, und 8. das Stadium reparationis, d, li. die Neubildung ersetzt den durch die Ulce-ration entstandenen Verlust.
|
|||
|
|
|||
|
Verlauf. Im allgemeinen nehmen Geschwüre einen chronischen Verlauf, doch kommen Ausnahmen von dieser Regel vor. Bei unseren Ilausthioren finden sich Geschwüre im ganzen nicht so häufig wie beim Menschen, weil hier zwei Ursachen derselben fortfallen, näm-
Miillcr, AllgiMiioiiio ObllUtgie fttr Thiciürzto.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 18
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
194nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Brand. Geschwüre. Fisteln.
lieh 1, höheres Lehensalter und 2. syphilitische Infection; auch die beim Menschen unter dem Bilde der Verschwürung auftretende Tuber-culose (Lupus) wird bei den Thieren in dieser Form nicht beobachtet.
Ursachen. Während man früher die Ursache der fortschreitenden Zerstörung in der Wirkung der Geschwürsjauche erblickte (Rust, Bell) oder in der Gegenwart einer besonderen Geschwürsmembran (Walthor) oder in einer speeifischen Steigerung der absorhirenden Kräfte, namentlich der Lymphgefässe (Hunter, Cooper) suchen zu sollen glaubte, muss man heutzutage einräumen, class die Ulceration von verschiedenen Zuständen ausgehen kann. In erster Linie kommen hierbei Störungen der Circulation in Betracht, ebenso wie beim Brande. Bald handelt es sich um Gewebe, welche ein so mangelhaftes Regene-rationsvermögen besitzen, dass einfache Verletzungen zur Verschwärung an denselben führen, wie es an manchen Tumoren, z. B. dem Carcinom der Fall ist. Ferner geben Mikroorganismen bei Tlneren nicht selten den Anstoss zur Geschwürsbildung, z. B. beim Rotzgeschwür; ebenso dürfte das bei Hunden so häufig vorkommende Hornhautgeschwür auf infectiöse Vorgänge zurückzuführen sein. Je unvollkommener die Circulation und Ernäbrungsvorgänge in einem Gewebe, um so leichter kommt es in ihm zur Verschwärung. Im ganzen haben die Geschwüre bei den Hausthieron nicht die Bedeutung wie beim Menschen.
Die Diagnose muss sich theils auf die nachgewiesene mangelhafte Neigung zur Heilung stützen, theils ergiebt sich dieselbe aus der callösen Beschaffenheit der Geschwürsränder und der Abscheidung der Jauche sowie dem Fehlen einer gesunden, kräftigen Granulation.
Bei der Prognose kommt einmal die Ursache der Ulceration, bezw. die Frage in Betracht, ob diese zu beseitigen ist oder nicht, sodann der Sitz und die Dauer des Leidens; je älter der Zustand, um so weniger Aussicht gewährt derselbe auf Heilung, insbesondere, wenn eine zweckentsprechende Behandlung bereits stattgefunden hat.
Die Behandlung verlangt zunächst Beseitigung der Ursache; der ulcorirendc Tumor wird womöglich exstirpirt, das plastisch infiltrirte und callöse Gewebe entfernt oder zerstört. Am sichersten gelangt man zum Ziele, wenn es gelingt, alle krankhaft veränderten Gewebe auf operativem Wege zu entfernen oder mit Hülfe von Aetzmittoln oder mit dem Glüheisen zu zerstören.
Eine zweite Indication besteht in der möglichst schnellen Ent-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Geschwüre.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 195
fernung der Geschwürsecrete; für regelmässigen Abfluss derselben ist Sorge zu tragen und Retentionen von Secret unter allen Umständen zu verhindern. Anregung der Neubildung und Unterdrückung des Zerfalles bilden den dritten Angriffspunkt für die Therapie. Hierzu dienen im allgemeinen erregende Mittel, Digestivsalben, besonders solche, die zugleich desinficirende Eigenschaften besitzen, Terpentin, Kampfer u. s. w. Auch zeigt sich feuchte Wärme unter Umständen ausser-ordentlich wirksam. Dabei muss auf der anderen Seite jede mechanische, namentlich jede öfter wiederkehrende Reizung des Geschwürs vermieden werden; selbst die Einwirkung der Luft pflegt einen ungünstigen Einfluss auf die Heilung auszuüben; deshalb empfiehlt sich in der Regel ein Oeclusivverband.
Bei erethischen Geschwüren, d. h. solchen, die eine schlaffe, leicht blutende Granulation besitzen und sehr schmerzhaft sind, übt warmes Bleiwasser, ebenso Jodoform, Hydrarg. oxyd. rubr. zuweilen einen überraschend günstigen Einfluss aus; auch zeigen sich hier Aetzungen mit Höllenstein oder Ferrum candens in manchen Fällen recht wirksam. Callöse Geschwürsränder sind mit dem Messer abzutragen oder ebenfalls mit Aetzmitteln zu zerstören; das gleiche gilt von übermässigen Granulationen (fungösen Geschwüren). Bei phagedänischen Geschwüren gelingt es nicht selten, durch permanente Bilder oder Irrigationen in Verbindung mit Kampferverbänden dem Zerstörungsprocess eine Grenze zu setzen und die Neubildung anzuregen. Die beim Menschen zur Erzielung der Ueberhüutung grösserer Geschwürsflächen empfohlenen Transplantationen von Haut lassen sich bei Thieren nur selten mit Erfolg durchführen. Etwaige Versuche würden in der Weise auszuführen sein, dass man die frisch entnommene, vorher sorgfältig desinficirten Hautstücke auf die mittelst des scharfen Löffels abgeschabte und ebenfalls desinficirte Geschwürsfläche bringt und hier durch Nähte oder mit Hülfe eines passenden Verbandes so befestigt, dass sie sich möglichst gleichmässig der Geschwürsfläche anlegen (S. 117).
Fisteln. Mit Unrecht zählt man vielfach noch die Fisteln zu den Geschwüren. Sie haben mit diesen nur den chronischen Verlauf gemein, stellen im übrigen eine röhrenförmige Wundfläche dar, welche aus irgend einem Grunde nicht zur Heilung gelangt. Aus der Fistel entleert sich Eiter oder eine andere Flüssigkeit (Speichel, Koth, Galle, Milch u. s. w.). In der Hegel bildet ein Fremdkörper oder ein Stück abgestorbenen Gewebes die Ursache der fortdauernden Eiterung und des Nichtheilens der Fistel; die Hnfknorpelfistel giebt
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
|
19(jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Brand. Geschwüre. Fisteln.
hierfür einen schlagenden Beweis. Nachdem eine eiterige Entzündung des den Hui'knorpel umgebenden Bindegewebes (Parachondritis phlegmonosa) am Knorpel Nekrose erzeugt und zur Abscedirung geführt hat, wird durch das nekrotische Knorpelstück die Heilung des Abscesses verhindert, indem die auf solche Weise unterhaltene Eiterung dem Abschluss der Granulation im Wege steht. Diese schreitet zwar so weit vor, dass nur noch ein enger Kanal übrig bleibt, welcher indess zum Abfluss des eiterigen Secrets nothwendig ist. Schmilzt das nekrotische Knorpelstück endlich vollständig ein, so kann die Heilung der Fistel erfolgen. Wenn diese alsdann nicht zu Stande kommt, so liegt das entweder an der callösen Beschaffenheit des Gewebes der Fistel wand, oder in dem Auftreten neuer Phlegmonen, deren Entstehung ganz besonders durch Behinderung in dem regel-milssigen Abfluss des Eiters begünstigt wird. Es entsteht ein neuer Abscess und dieser Vorgang wiederholt sich, bis der Hufknorpel vollständig zerstört ist, worüber in der Regel mehrere Monate vergehen. Ebenso kann die Bildung einer Fistel durch Fremdkörper erfolgen, die in einer Wunde zurückgeblieben sind oder immer von neuem in dieselbe gelangen. Man denke sich eine Wunde, die vom Perineum in den Mastdarm führt. Diese heilt in der Regel bis auf einen engen Kanal (Aft er fist el), welcher nicht zum Verschluss kommt, weil sich vom Mastdarm aus immer neue Kothmassen in denselben einschieben.
In ähnlicher Weise entstehen Fisteln nach Verletzungen drüsiger Organe oder deren Ausführungsgänge. Denken wir uns eine Wunde, welche in das Parenohym des Euters oder einer Thränen- oder Speicheldrüse reicht. In derselben wird der Abschluss des Heilungsprocesses dadurch verhindert, dass das Secret der Drüse durch die Wunde zum Abfluss gelangt; indem sich diese Flüssigkeit fortdauernd durch die Wunde nach aussen ergiesst, wird ein vollständiger Abschluss der Wundheilung unmöglich, es bleibt eine Euter- bezw. Speicheldrüsen-fistel zurück. Dasselbe gilt von Verletzungen eines Ausführungsganges drüsiger Organe (Speichelgangfistel). Bei der Zahnfistel ergiebt sich aus der an der Zahnwurzel bestehenden Nekrose ein Hinderniss für den Heilungsprocess und die Grundlage der Fistelbildung.
Vom Geschwüre unterscheidet sich die Fistel also wesentlich durch das Fehlen eines fortschreitenden Zerstörungsprocesses, welches zu den wesentlichsten Vorgängen der Verschwärung gehört (S. 194).
Erscheinungen. Klinisch charakterisirt sich die Fistel durch einen kürzeren oder längeren, engen Kanal, aus dem sich eine speci-
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
Fisteln.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;197
fische Flüssigkeit (Milch, Speichel u. s. w.) oder Eiter entleert, und über dessen Gegenwart man sich durch eine Sonde leicht Ueberzeu-gung verschafft. Die äussere Oeffnung der Fistel, Mund genannt, erscheint namentlich nach längerem Bestehen des Leidens trichterförmig eingezogen. Es ist dies die Folge der Retraction des Narhengewebes, welches die Wunde der Fistel bildet; je länger und je älter die Fistel, desto auffälliger tritt diese Erscheinung hervor. Zuweilen erscheint der Fistelmund mit Granulationen besetzt. Tn der Tiefe endigt der Kanal (Fistelgang) entweder blind, indem er bis auf einen Fremdkörper oder abgestorbenes Gewebe führt (unvollständige Fistel), oder die Fistel mündet hier in einen Hohlraum, z. B. in den Mastdarm. Die mit einem zweiten (inneren) Munde versehenen heissen vollständige Fisteln und werden nach ihrem Sitze noch besonders benannt, z. B. After-, Harn- oder Blasenfistel, wenn die eine Oeffnung in den Mastdarm, die andere in die Harnblase mündet.
Die Beurtheilung und Behandlung der Fisteln ergiebt sich aus dem Gesagten von selbst. Bei der Prognose kommt es darauf an, ob die Ursache der Fistelbildung zu beseitigen ist. Zahntisteln heilt man am sichersten durch Extraction des kranken Zahnes; Euterfisteln verlieren sich regelmässig während der Zeit des Trockenstehensa der Thiere, Huf knorpelfisteln durch Exstirpation des erkrankten Huf knorpels. Wo ein Fremdkörper oder abgestorbene Gewebe Fisteln unterhalten, müssen diese entfernt werden. Vollständige Spaltung des Fistelkanals führt daher in der Regel zum Ziele; leider ist dieses Verfahren nicht überall durchführbar. Zuweilen bildet das callöse, zur Granulationsbildung ungeeignete Gewebe der Fistelwand ein Hinderniss für den Heilungsvorgang; in solchem Falle dienen Aetzmittel oder das Glüheisen zur Herbeiführung desselben. Einführung von Sublimatfäden, Einspritzungen von Liquor Villati, Sublimat oder Carbollösung stehen daher im Rufe wirksamer Mittel zur Heilung von Fisteln. Sublimatfäden lässt man in der Weise herstellen, dass Bindfäden von verschiedener Stärke mit einer Gummi arabicum-Lösung bestrichen, sodann mit Sublimat bestreut werden. Ebenso bereitete Jodoformf'äden dienen zur Anregung der Granulation und Förderung der Heilung (Ammer-schläger). Handelt es sich um eine vollständige Fistel, so kann ein flaarseil durch dieselbe gelegt werden.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
V. Krankheiten der Muskeln und Seinen.
|
|||
|
|
|||
|
1. Kninkliciteii der Muskeln.
|
|||
|
|
|||
|
|
a) Verwundungen der Muskeln gehören namentlich bei Pferden 7A\ den täglichen Ereignissen. Bald handelt es sich um Schnittwunden, bald werden Stich-, Riss- oder Quetschwunden, z. B. durch Gegenfahren mit der Deichsel, Hufschlag, Hornstoss, Niederstürzen u. 8. vv. veranlasst. Querwunden klaffen stark in Folge der Elasticität wie auch der Contraction der Muskelfasern, und zwar um so mehr, je länger der verletzte Muskel ist; in Lilngswunden legen sich dagegen die Ränder unmittelbar an einander (Knopflochwunde). An letzteren wird daher auch eher Heilung per prim. int. erreicht als bei Querwunden: dennoch aber heilen auch diese im ganzen leicht, lieber die Heilvorgänge vergl. S. 70. Grössere Muskelwunden, die nicht zur unmittelbaren Vereinigung gebracht werden, heilen häufig unter trockenem Schorfe; so namentlich an der dicken Hinterbackenmuskulatur des Pferdes. Man suche zu dem Zweck möglichst die ganze Wunde der äusseren Luft auszusetzen, reinige dieselbe, spüle sie mit einem Desinficiens ab und bepudere oder bestäube die Oberfläche der Wunde mit Jodoform oder Tannin. Hierauf bildet sich ein schwarzer Schorf, unter dem die Heilung oft ohne Eiterung zu Stande kommt. Zuweilen gelingt dies nur an einzelnen Abschnitten der Wunde. Wo Eiterung nicht zu vermeiden ist, muss durch Spaltungen, Gegenöffnungen, Haarseile und Drains für den Abfluss des Secretes Sorge getragen werden. Auch kann die Anlegung einer Situationsnaht angezeigt sein. Im übrigen bieten reine Muskelwunden der Therapie selten grössere Schwierigkeiten; auch die Blutung pflegt selbst bei umfangreicheren Trennungen, z. B. bei Quetschwunden nicht bedeutend zu sein.
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Zerreisaungen der Muskeln.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 199
b) Zerrungen und Zerreissungen. Zerrungen der Muskeln beobachtet man bei Thieren nach andauernder schwerer Arbeit, besonders im jugendlichen Alter. Rennpferde zeigen nicht selten während des Trainings einen steifen, schmerzhaften Gang, der jedoch in kurzer Zeit, namentlich bei leichter Bewegung wieder verschwindet. Hierbei handelt es sich offenbar um dieselbe schmerzhafte Empfindung, wie wir sie an uns selbst kennen, namentlich nach grösseren Anstrengungen beobachten. K ir i 11 o w beschreibt eine gleiche Erscheinung bei Pferden und nennt den Zustand Muskelübermüdung1'. Dabei leiden besonders die Hinterschenkelmuskeln, in Folge dessen der Gang schleppend wird. Der Zustand soll sich in 510 Tagen verlieren. Kirillow empfiehlt flüchtige Einreibungen und Massage. Auch kommen durch Muskeldehnung beim Niederstürzen schmerzhafte Lahmheiten bei Thieren zu Stande. Walirscheinlich bestehen hierbei Continuitiitstrennungen in einzelnen Muskelfasern, ohne dass man im Stande ist diese nachzuweisen. Bei Schweinen wurden von Oster tag häufig Blutungen in der Muskulatur angetroffen, welche durch Zerreissungen von Muskelfasern veranlasst waren.
Zerreissungen von grösserem Umfange, so dass sie klinisch festzustellen sind, können in Folge passiver Dehnungen durch äussere Gewalten oder heftiger Wirkung der Antagonisten zu Stande kommen, aber auch durch energische Contraction des Muskels selbst entstehen. Da indess die Elasticität des Muskels mit seiner Contraction zunimmt, so geben Contractionen selten zu Zerreissungen die Veranlassung ab; diese treten dagegen vornehmlich im Zustande der Ruhe ein. So sah man namentlich bei Pferden Zerreissungen des Iliopsoas, der Kniescheibenmuskeln, der Gastrocnemii, des Longissimus dorsi, der Halsmuskeln, der Ellenbogenstrecker, Bauchmuskeln u. s. w. Bald reisst der Muskelkörper, häufig aber die Uebergangsstelle in seine Sehne; bald werden nur einzelne Fasern, bald der ganze Muskel oder mehrere zugleich getrennt. Abnorme Beweglichkeit und Functions-störung, wobei die Antagonisten der zerrissenen Muskeln das Ueber-gewicht erlangen, deuten auf den Zustand hin. Die locale Untersuchung lässt zuweilen eine Lücke im Muskel nachweisen, welche durch das Auseinanderweichon der Ränder des Risses entsteht: doch wird diese alsbald durch ergossenes Blut angefüllt und verdeckt. Aber auch hier pflegt die Blutung nicht bedeutend zu sein, weil die ideh retrahircnden Muskelenden die Blutgefässe comprimiren. Kitt sah bei Pasauon in Folge Muskelzerreissung subcutane Verblutung
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
200
|
Krankheiten der Muskeln und Sehnen.
|
|||
|
|
||||
|
eintreten. Die mit der Zerreissung verbundenen Schmerzen sind ebenfalls meist nicht erheblich.
Die Heilung erfolgt wie beim aseptischen Wundverlauf. Zunächst wird das vergossene Blut resorbirt, während von dem Peri-mysium internum und externum eine lebhafte Wucherung ausgeht, wodurch die Lücke ausgefüllt, schliesslich eine bindegewebige Narbe in dem zerrissenen Muskel gebildet und die Functionsfähigkeit in der Kegel vollständig wieder hergestellt wird. Durch Schrumpfung des Narbengewebes entsteht später oft eine deutliche Lücke bezw. Vertiefung, da wo der Hiss bestanden hat. Ruhe und eine Stellung, wobei die Enden des Risses möglichst einander genähert werden, bildet den Schwerpunkt der Behandlung. Durch Massage lässt sich die Resorption des Blutes beschleunigen. Obgleich nachgewiesen ist, dass gerissene Muskeln sich heften lassen und selbst Transplantationen von Muskelmasse auszuführen, so haben diese Hülfsmittel bei Thieren bisher keine praktische Verwerthung gefunden.
Zerreisst die Fascie eines Muskels, so quillt die Muskelmasse durch jene Lücke hervor, ein Zustand, den man als Muskelher nie oder Muskelbruch bezeichnet hat. Am Unterschenkel der Pferde wird ein solcher Zustand zuweilen beobachtet, erlangt indess meist nur da eine Bedeutung, wo er von einer Verwundung begleitet wird und ein Muskelvorfall besteht.
|
||||
|
|
||||
|
|
c) Entzündung der Muskeln (Myositis) knüpft sich am häufigsten an Traumen, Quetschungen und an entzündliche Processc der Nachbarschaft, oder sie geht aus infectiösen Processen hervor, begleitet daher regelrnässig die Septikämie und andere schwere Blutkrankheiten, bei denen die grossen Parenchyme leiden. Abgesehen von den letzteren, die hier nicht in Betracht kommen, lässt sich eine acute und eine chronische Myositis unterscheiden. Verläuft die erstere ohne Eiterung, so kommt es nur zu einer serösen Durchtränkung des Perimysiums, welche später einer zelligen Infiltration Platz macht. Die Muskelfasern können dabei intact bleiben, unter Umständen aber gehen sie unter trüber Schwellung und fettiger Degeneration zu Grunde. Der Ausgang besteht entweder in vollständiger Wiederherstellung des normalen Zustandes, oder es kommt zu einer Vermehrung des Bindegewebes auf Kosten der contractilen Substanz (Induration).
Bei der Myositis purulenta entwickelt sich aus der zunächst auftretenden zelligen Infiltration ein Abscess, seltener kommt es zu diffuser Muskelvereiterung oder Verjauchung, doch werden auch diese
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Muskelentziindung,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;201
Vorgänge bei eiteriger oder septischer Phlegmone des intermusculilren Bindegewebes beobachtet. Hierbei gehen zahlreiche Muskelfasern zu Grunde, auch nekrotisiren das Periinysium sowie die umliegenden Fascien, und zwar nicht selten in grosser Ausdehnung, so dass sich nach Perforation des Abscesses graue, übelriechende Fetzen derselben entleeren. Solche septischen Vorgänge beobachtet man z. B. an der Hinterbackenmuskulatur bei Pferden und Hindern in Folge von Verletzungen mit Düngergabeln.
Aus der Nachbarschaft greifen eiterige Processe nicht leicht auf Muskeln über, wohl aber breitet sich der Process mit Vorliebe im Periinysium externum aus und dringt zwischen die einzelnen Muskeln ein, wie er namentlich am Halse und Widerrist bei Druckschäden beobachtet wird. Abscessbildung im Muskel trifft man im M. steruo-cleido-mastoideus beim Pferde als Grundlage der sog. Brustbeule an. In der Umgebung des Abscesses entwickelt sich eine lebhafte Binde-gewebswuchorung, welche eine Kapsel um den Eiterherd bildet und die Perforation desselben oft auf viele Monate hinausschiebt. Rechtzeitiges Oeifnen des Abscesses führt am schnellsten zur Heilung, Verzögerung dieses Eingriffs zu Narbenbildung wie auch zu Verdickungen im Muskel.
Acute entzündliche Processe mit Degeneration der Muskelsubstanz kommen bei verschiedenen Infectionskrankheiten, namentlich bei Septi-kämien (S. 128) vor. Sie bilden den Ausdruck einer Bluterkrankung, haben aber in chirurgischer Beziehung kein directes Interesse.
Aehnlich gestaltet sich die bei Pferden in Verbindung mit Hi'uno-globinämie auftretende acute Entzündung der llumpfmuskulatur, welche in den Handbüchern der Pathologie genauer abgehandelt wird.
Letard beobaclitete bei zwei Pferden, die bei grosser Killte übermilssig angestrengt worden waren, eine bedeutende scbmerzluifte Anschwollung der Eumpfmuskulatur, wobei sicli dieselbe hart wie Hol/, anfühlte. Nachdem die Thiere bald darauf eingegangen waren, zeigte sich bei der Section, dass die Muskeln sowohl an Umfang wie auch an Gewicht mindestens um das Doppelte zugenommen hatten. Sie zeigten ein hellrothcs, fast gelbliches Aussehen; auf ihren Schnittflächen Hessen bedeutende Mengen Serum ah. Das intennnsculäre Bindegowebe war von zahlreichen Blutungen durchsetzt. Die Organe der Brust- und Bauchhühlo zeigten sich anämisch. Letard glaubte den Zustand auf den all/.ugrossen Blutzulluss zu den Muskeln zurückführen zu können, waluscheinlich hatte es sich jedoch um eine acute In faction skr ankheit gehandelt.
Die Myositis chronica läuft haupfsächlicli im Periinysium in-ternuni ab und führt zu einer fortschreitenden Verdickung desselben
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
202
|
Krankheiten der Muskeln und Sehnen.
|
|||
|
|
||||
|
|
(M. fibrosa s. interstitialis). Auf Kosten der coutractilen Substanz vermehrt sich das Bindegewebe, welches schliesslich durch seine weisse Farbe die rothe des Muskels ganz und gar verdrängt. Tritt der Zustand local beschränkt auf, so spricht man wohl von einer rheumatischen Schwiele.
Dieses Leiden stellt sich einmal in der Umgebung acuter Entzündungen und im weitern Verlaufe derselben, wie oben beschrieben ein; man beobachtet es aber auch ohne nachweisbare Ursachen in einzelnen Muskelgruppen bei Thieren; so sah ich den Zustand bei Hunden an den Kaumuskeln, bei Pferden an den Anconäen; Kitt beschreibt die Erkrankung an den Vorannmuskeln bei Pferden. In den Hinter-schenkelmuskeln bei Pferden geben zuweilen Psorospermien die Veranlassung zu dem Leiden ab (Eisballen).
Pütz fand verschiedene Muskeln der Schulter bei einem Pferde bedeutend vergrössert, von graugelblicher Farbe und rigider Beschaffenheit. In den unregelmässig erkrankten Muskeln Hessen sich zahlreiche, weissliche Concretionenquot; nachweisen, welche bei der mikroskopischen Untersuchung als Kalktheilohen , Rund- und Spindelzellen erkannt wurden. Die Zunahme des Volumen war durch bedeutende Vermehrung des Bindegewebes bedingt. Habe und Johne betrachten den Zustand als chronische, inter-stitielle Myositis, wtlhrend Pütz die in den Muskeln nachgewiesenen Psorospermien nicht als zweifellose Ursache der Erkrankung anerkennen kann.
Tokarenko will durch Psorospermien bei einem Ochsen starke Abmagerung, erschwerten, steifen Gang und Anämie beobachtet haben.
Costant fand bei einem Pferde, welches hochgradige Hüftlabm-heit gezeigt hatte, Verknöcherung verschiedener Kruppen- und Schenkelmuskeln.
Inwieweit rheumatische Leiden einen Einfluss auf die Entstehung dieser Veränderungen bei Thieren ausüben, blieb bisher unentschieden. Auch scheint, dass durch andauernde, angestrengte Arbeit, namentlich im schweren Zuge eine Vermehrung des Perimysium internum veranlasst werden kann, und daslaquo; hierdurch die Grundlage zu der sogen, strup-pirten Beschaffenheit der Muskeln gebildet wird. Soviel steht fest, dass auch die Myositis fibrosa durch Schrumpfung des ueugebildeten Bindegewebes zur Bildung von Contracturen führen kann, welche natürlich die Functionsfähigkeit des Muskels mehr oder weniger einschränken und Aenderungon in der Stellung der Gelenke und Haltung der Glieder zur Folge haben. Der Muskel nimmt hierbei eine derbe, harte Beschaffenheit an; im übrigen bleiben die Störungen in der Regel gering. Zuweilen verknöchert das neugebildete Bindegewebe, weshalb man wohl von einer M. ossificans spricht. So fand Stephen-
|
|||
|
|
||||
|
|
||
|
Muskelrheumatismus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 203
son die Beugemuskeln am Voranne bei einem Pferde vollständig verknöchert. Auch wird bei weiblichen Schweinen an der Castra-tionsstelle die Bauchmuskulatur nicht selten verknöchert angetroffen (Kitt u. a.). Die Therapie bietet hierbei kaum Aussicht auf Erfolg. Auch der Muskelrheumatismus dürfte hierher gehören, obgleich weder über die Natur der nächsten Ursache noch auch über die anatomischen Veränderungen, welche hierbei ablaufen, genaueres bekannt ist. Beim acuten Muskelrheumatismus handelt es sich wahrscheinlich um eine seröse Myositis, deren Hauptsymptom die Schmerzen bilden. Nach chronischem Muskelrheumatismus fand man M. fibrosa mit Bildung sogen, rheumatischer Schwielen. Bei der Diagnose acuter Muskelrheumatismusquot; ist bei Thieren Vorsicht geboten, da auch nach traumatischen Einwirkungen ähnliche Störungen beobachtet werden. Der Nachweis lebhafter Schmerzen ohne sonstige Ex-scheimmgen der Entzündung, die diffuse Verbreitung des Leidens und die Neigung zu Recidiven und den Sitz zu wechseln, lassen den rheumatischen Charakter vermuthen. Ohne Zweifel kommen rheumatische Erkrankungen der Muskeln auch bei Thieren vor; so am M. sterno-cleido-mastoideus bei Schulterlahmheiten der Pferde.
Toply (Connecticut) beobachtete häufig allgemeinen Muskelrheumatismus bei Pferden. Die Thiere brachen auf der Strasse 7,usaramen; zum Aufstehen angeregt nahmen sie eine sägebockähnliehe Stellung an. Das Fieber war meist nicht hoch und mit gespanntem harten Pulse verbunden. Der Zustand dauerte zuweilen Wochen und Monate lang; oft wurden die Thiere früher beseitigt; an den Muskeln fand sich bei der Section nichts Abnormes.
Bei Bindern äussert sich der Muskolrheumatismus durch auffilllige Spannung der Muskulatur, Gelenkknaokon, unsicheren, steifen (lang, zuweilen mit Genickstarre und Fieber. Das Leiden kann daher leicht mit Cerebrospinalmeningitis verwechselt werden; Moulade bezeichnet die beschleunigte Respiration als pathognomisch für dieses Leiden. Plötzliche Abkühlungen durch Regen oder Waten im Wasser giebt bei diesen Thieren zuweilen die Ursache zum Muskelrheumatismus ab, aber auch ein zugiger Stall, z. B. das Stehen in der Nähe der Stallthüre, kann hierzu Veranlassung werden.
Die Behandlung dieser Leiden besteht in Priessnitz'schen Ein-wickelungcn und Massage; später können scharfe Hautreize und hypodennatische Injectionen von Veratrin Anwendung tinden. Leichte Arbeit der rheumatisch erkrankten Muskeln scheint den Ablaut der Processe zu begünstigen. Von Pilocarpin, welches von anderen empfohlen wurde, sah Siedamgrotzky keinen besonder on Nutzen. James gab Pferden 45,0 Salicylsäure mit gutem Erfolge.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
204
|
Krankheiten der Muskeln und Sehnen.
|
||
|
|
|||
|
(1) Muskelschwund, Atrophie der Muskeln, eine bei Thieren häufige Erkrankungsform, entsteht entweder in Folge andauernder Einschränkung ihrer Thätigkeit (Inactivitätsatrophie) oder durch excessive Fettbildung im interstitiellen Bindegewebe der Muskeln (Atro-phia musculorum lipomatosa s. pseudohypertrophica) oder endlich in Folge degenerativer Vorgänge im Parenchym des Muskels (degenerative Atrophie). Die erste Form wird am häufigsten bei chronischen Lahmheiten beobachtet, wobei die Muskelfasern selbst keine anatomischen Veränderungen erleiden, aber an Umfang abnehmen. Die Schnelligkeit, mit der dieser Vorgang auftritt, richtet sich nach dem Grade der Inactivität; an den starken Muskeln der Kruppe und Hinterschenkel wird dieselbe schon in wenigen Tagen deutlich. Die Atrophia lipomatosa entwickelt sich im Verlaufe der Mästung der Thiere und bildet den Grund mangelhafter Leistungsfähigkeit der Muskeln in diesem Zustand: bekanntlich sind z. B. gemästete Schweine aussei- Stande längere Fusstransporte auszuführen. Beim Menschen tritt der Zustand als eine besondere Krankheit progressiv auf und führt mit der Zeit zu Marasmus. Wahrscheinlich kommen derartige oder doch ähnliche, zuweilen auf congenitalen Bildungsanomalien beruhende Vorgänge auch beim Pferde (Pütz, Siedamgrotzky), beim Schweine (Roloff) und Lamm (Fürstenberg) vor. Eine chirurgische Bedeutung haben dieselben jedoch nicht.
Zu den degenerativen Atrophien gehört namentlich die in Folge von peripheren Nervenlähmungen auftretende, wobei es zum Zerfall der Muskelsubstanz und schliesslich zur fettigen Degeneration derselben kommt. Unter Zunahme des Bindegewebes, Verdickung des Sarcolems bleiben schliesslich nur noch mit Fett gefüllte Schläuche zurück. Aussei- den bereits erwähnten peripheren Nervenlähmungen kommt dieser Zustand durch chronische Ernährungsstörungen im Verlaufe schwerer Infectionskrankheiten vor.
Während die Atrophia lipomatosa mit Vermehrung des Um-fanges der erkrankten Muskeln verbunden ist, daher auch Pseudo-hypertrophie genannt wird, geben sich die übrigen Atrophien durch Abnahme des Volumens derselben zu erkennen. Aus den Umständen, unter denen diese Erscheinung auftritt, muss auf die Art der Atrophie geschlossen werden. Die Beurtheilung und Behandlung dieser Leiden ergiebt sich hiernach von selbst. Methodische Arbeit und Massage bilden neben Regelung der Ernährung die wirksamsten Mittel. Während die Inactivitätsatrophie auf diese Weise vollständig beseitigt werden kann, lässt sich bei den übrigen Formen im günstigsten Falle
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Muskelcontracturen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 205
eine Hemmung des Processes erreichen. Durch systematische Uebung kann indess .auch hier eine compensatorische Hypertrophie der erhaltenen Muskelelemente herbeigeführt, ein Ausgleich erzielt und die mit dem Zustande verbundenen Störungen beschränkt werden. Die Regeneration der Muskelfasern erscheint so lange nicht ausgeschlossen, als die Muskelkerne erhalten sind.
Bei Pferden wird zuweilen Atrophie an den Muskeln der Kruppe beobachtet, ohne dass eine Lahmheit voranging. Dieselbe beschränkt sich nicht selten auf ganz bestimmte Muskelabschnitte, so dass die Vermuthung nahe liegt, es handle sich um einen cmbolischen Ursprung. So beobachtete Kutzner bei einem Pferde starke Atrophie des Mus-culus biceps femoris und des oberen langen Kopfes des M. semiten-dinosus; erst nach Verlauf von 84 Monaten machten sich Bewegungsstörungen in Form einer gewissen Schwäche des Schenkels bemerkbar; bei der Bewegung wurden die E'ilsse abnorm abducirt.
e) Als Contracturen bezeichnet man jede andauernde Verkürzung des Muskels, wobei die Insertionspunkte desselben dauernd einander genähert werden und nicht mehr in normaler Weise aus einander rücken. Der Zustand entwickelt sich zuweilen durch andauernde Annäherung der Insertionspunkte des Muskels, wie sie bei Lahmheiten und namentlich bei Lähmungen durch das Uebergewicht der Anta-gonisten entsteht (paralytische Contractur). So können Verkürzungen in den Beugemuskeln der Vorderschenkel in Folge andauernder schmerzhafter Leiden der Beugesehnen zu Stande kommen. Eine zweite Ursache der Contractur bildet die chronische Myositis (entzündliche Contractur). Das im Verlaufe derselben neugebildete Bindegewebe retrahirt sich, sobald dasselbe nicht öfter oder andauernd in Spannung gesetzt wird. Achnlich scheint auch die mit dem Alter, namentlich bei Arbeitsthieren, auftretende Contractur in den Muskeln der Glied-niassen zu entstehen. Man bezeichnet den Zustand als struppirt oder contract. Die Muskeln büssen hierbei nicht nur ihre Elasti-cität und Dehnbarkeit, sondern auch ihre Contraotionskraft mehr und mehr ein.
Spastische Contracturen, d. h. andauernde Verkürzung der Muskeln durch Reizung ihrer motorischen Nerven, werden bei Thieren selten beobachtet; doch sah ich eine solche in den Anconäen eines Hundes bei centraler Lähmung des N. radialis.
Durch fortgesetzte Absperrung des artericllon Blutzuilusses, Z, 13. unter festen Verbünden, nach Anlegung des Esmarch'sclien Schlauches, nach
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
206
|
Krankheiten der Muskeln und Sehnen.
|
||
|
|
|||
|
Verstopfung oder Unterbindung grösserer Arterien sah man bei Menschen die sog. ischämischen Muskelcontracturenquot; entstehen. Hierbei gerinnt die contractile Substanz, zerfallt und wird spilter resorbirt, während die Muskelkerne verschwinden. Während auf diese Weise ein Theil der Muskelfasern zu Grunde geht und nicht regenerirt wird, zeigen die übrigen einen hochgradigen. Widerstand gegen Dehnungen.
Die Beurtheilung und Behandlung dieser Zustände richtet sich natürlich nach der Natur und Dauer der Krankheitszustände, welche der Contraotur zu Grunde liegen.
Erst kurze Zeit bestehende Contracturen, wie sie z. B. nach der Abnahme des Verbandes bei Knochenbrüchen beobachtet werden, verschwinden mit der regelmässigen Thätigkeit der Muskeln in kurzer Zeit; auch können hier passive Dehnungen bei kleinen Thieren zur Wiederherstellung des Normalzustandes beitragen. Veraltete Contracturen können nur noch operativ behandelt werden, und zwar durch die Myotomie. In der Thierheilkunde wird jedoch aus diesem Grunde von der genannten Operation nur selten Gebrauch gemacht. Dagegen findet die Durchschneidung von Muskeln zu anderen Zwecken bei Pferden und Rindern statt; bei Pferden am häufigsten der Schweifmuskeln, beim Rinde des M. biceps femoris. Die letztere Operation ist in der speciellen Chirurgie beschrieben, bezüglich der ersteren sei auf das in der Operationslehre Gesagte verwiesen.
Unter den beschriebenen Erkrankungen leidet die Function der Muskeln mehr oder weniger. Erscheint dieselbe ohne nachweisbare anatomische Veränderungen gestört, so spi'icht man von einer Lähmung. Die Lähmung kann zwar durch Störungen in der Einrichtung des Muskels veranlasst werden (myopathische Lähmung), in der Hegel aber gehen die Functionsstörungen von den motorischen Nerven aus (neuropathische Lähmung) und sollen deshalb an anderer Stelle (S. 224) beschrieben werden.
|
|||
|
|
|||
|
3. Krankheiten der Sehnen.
Die Krankheiten der Sehnen haben in der Thierarzneikimde und namentlich beim Pferde ein noch grösseres Interesse als beim Menschen; sie kommen bei Thieren nicht nur häufiger vor, sondern vernichten auch häufig die wirthschaftliche Ausnutzung der Thiere vollständig, weshalb es gerechtfertigt erscheinen mag, wenn dem Gegenstande hier eine eingehende Betrachtung gewidmet wird, die im allgemeinen auch uuf Bänder und Fascien übertragen werden kann, deren Erkrankungen
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Sehnen.
|
207
|
||
|
|
|||
|
bei der gleichen anatomischen Einrichtung dieser Theile denselben Verlauf nehmen.
Die Grundlage der Sehnen bildet ein straffes, fibröses Bindegewebe, welches in Form zarter Fib rillen parallel zur Längsachse der Sehnen gelagert ist. Durch eine Kittsubstanz werden die Fibrillen zu dünnen, runden oder glatten Fibrillencylindern oder Sehnen fasern verbunden (Fig. 44), welche zu 3050 von einer Lage Zellen umgeben und durch Kittsubstanz zu primären Sehnenbündeln oder Sehnenfascikeln
Fig. 44.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Quorschnitt (ins der Huflxiiiibeugeselme vom Pferde. a Sehnenfascikol. h interl'asciculäros Biiidegewelie. laquo;laquo; Arterien, ihl Venen,
|
|||
|
|
|||
|
vereint werden. Diese umgiebt lockeres Bindegewebe (Tendilemma, En-dothenium, Interfasciculargewebe (Fig. 43) sowie eine Endothellago und verbindet 220 derselben zu den secundären Sehnenbündeln, welche in gleicher Weise zu tertiären Sohnenbündoln und diese ebenso zur Sehne an einandergefügt sind. Lockeres Bindegewebe umgiebt auch diese (Peri-undParatendineum), soweit keine Sehnenscheiden die Sehne umgeben. Ueber die Natur, Form und Bedeutung der zelligen Elemente in den Sehnen herrschen noch Meinungsverschiedenheiten. Zwischen den Fasern der primären Sehnenbündel findet sich ein feines Lückensystem, welches mit den grösseren Spalten im Tendilemm der primären Bündel und hier-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
208nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Muskeln und Sehnen.
durch mit denen der secundilren sowie tertiären Bündel in Verbindung steht und die Wurzeln der Lymphgefösse der Sehne bildet (Ellenberger). Die spärlichen und engen Blutgef'ässe verlaufen im Tendilemm, vornehmlich in der Längsrichtung der Sehne (Fig. 44). In der Jugend sind die Sehnen gefässreicher, später sind sie an Gefilssen wie au Nerven arm.
a)nbsp; nbsp;Verwundungen in der Quemchfcung der Sehnen haben die Neigung zu klaffen; besonders wenn die Sehne vollständig durchtrennt ist, wobei die Enden durch die Elasticität des Muskels oft auf 510 cm zurückgezogen werden, ein Zustand, der bei der Teiiotomio künstlich herbeigeführt wird. Aber auch bei unvollständiger Durchtreimimg einer Sehne kommt die Heilung niemals durch directe Vereinigung zu Stande (Busse). Bei dem geringen Gehalt au lockerem Bindegewebe und Blutgefässen geht die Heilung einer Sehnenwunde langsam von Statten, am schnellsten noch bei aseptischem Wundverlauf. Die Wiedervereinigung erfolgt von dem Tendilemm, dem Peritendineum sowie dem umliegenden Bindegewebe (Paratendineum) aus und um so leichter, je kleiner die Lücke zwischen den Wundrändern ist.
b)nbsp; Genau so verhalten sich subeutane Zerreissungen der Seimen, welche sowohl durch passive Dehnungen, wie auch durch heftige Muskelwirkung entstehen. Nicht selten tritt Zerreissung an mehreren Helmen zugleich oder bald nach einander auf. Wiederholt fand ich alle vier Hufbeinbeuger bei Pferden zerrissen; auch von anderen wurden ähnliche Beobachtungen gemacht. Hier muss also eine Disposition, beruhend auf einer mangelhaften Festigkeit der Sehnen angenommen werden. Der Umstand, class man diese multiplen Zerreissungen fast stets bei Thieren antrifft, welche unmittelbar vorher längere Zeit hindurch erkrankt gewesen oder doch wenig gearbeitet hatten, lässt vermuthen, dass durch andauernde Ruhe die Widerstandsfähigkeit der Sehnen herabgesetzt wird.
Dafür spricht auch eine Beobachtung, welche Bräu er bei zwei durch ein nervöses Fieberquot; (Morbus maeuiosus?) entkräfteten Pferden machte. Als das eine nach überstandener Krankheit die ersten Gehversuche ausführte, dehnten sich die Beugesehnen an allen vier Füssen allmählich so stark, dass hochgradige Bärenfüssigkeit eintrat. Die Fesselgelenkc waren bei der Belastung etwa nur '/gt; Zoll vom Boden entfernt. Schmerzen fehlten und es dauerte 45 Monate, bis die normale Stellung wiederkehrte und das Pferd arbeiten konnte.
Zuweilen wird die Zerreissung durch anderweitige Krankheits-processes der Sehne selbst z. B. bei der sog. Fussrollcnentzündung
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Sehnenzerreiasung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;209
durch Zerfasorung auf dem rauhen Strahlbeiu unterstützt. Auch sah ich wiederholt bei Pferden Zerreissungen der Beugesehnen, welche durch Nekrose vorbereitet waren.
Im Jahre 1891 kamen in der preussischen Armee bei HG Pferden Zerreissungen von Sehnen vor. Von den zwölf näher bezeichneten betrafen acht den Schienbeinbeuger und je eine die Beugesehnen beider Hinterfüsse, den Kronbeinbeuger am Vorderfuss, die Hufbeinbeuge-sehne und die Strecksehne des Vordermittelfusses.
Zahlreiche Versuche sind seit alter Zeit über die Regenerations-vorgänge des Sehnengewebes angestellt worden. Während von einigen dem in den Zwischenraum ergossenen Blute (v. Ammon), von anderen dem Tendilemm (Renvier, Vclpeau), wieder anderen dem Peri- und Paratendineum (Bizozero, Güterbock), von Körner undBeltzow den Sohnenkörperchen der Hauptanthoil hierbei zugeschrieben wurde, haben Vie ring und Busse neuerdings die Heilungsvorgänge eingehend studirt und namentlich mikroskopisch untersucht. Dieselben gelangten zu folgenden Schlüssen:
Die Heilungsvorgänge laufen verschieden ab, je nachdem sich mehr oder weniger Blut ergossen hat. Eine Förderung des Heilungs-processes durch das Blutextravasat findet nicht statt (Busse). Wo wenig Blut ausgetreten ist, legen sich die Wände der Sehnenscheide, bezw. die umliegenden Bindegewebsmassen an einander sowie in die durch die Zerreissung entstandene Lücke, und nun beginnt in diesem Gewebe die Neubildung, welche auf die Enden der Sehne beschränkt bleibt. Sobald eine Blutung in die Sehnenscheide erfolgt ist, nimmt diese in ihrer ganzen Ausdehnung an der Neubildung theil, wodurch noth-wendig eine stärkere Verdickung entsteht. Im Paratendineum geht schon in den nächsten Tagen eine lebhafte Proliferation vor sich, während in dem Sehnengewebe selbst um diese Zeit keine Reaction zu bemerken ist; höchstens zeigt das die Gefässo umgebende Bindegewebe beginnende Proliferation. In den Sehnenfasern treten dagegen in Folge gestörter En.'ihrung degenerative Vorgänge, fettige Degeneration mit Retraction auf. Etwa vier Tage nach der Durchschneidung, also zu einer Zeit, in der die Lücke .bereits von jungem Granulations-gevvebo angefüllt ist, beginnt die Reaction in dem eigentlichen Sehnengewebe und geht hier von den Gefässen aus: lebhafte Kerntheilung und Proliferation vollzieht sich in dem Bindegewebe, welches die Gefilsse umgiebt. Von der Umgebung wachsen neue Gefässe in die Gewebe hinein, die jedoch später wieder verschwinden. Die anfangs nur aus Hundzellen bestehende Neubildung nimmt allmählich mehr und mehr
MOller, Allgemeino Ohirurgic für Thioiiirztn.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;14
|
||
|
|
||
|
|
||
|
210nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Muskeln und Sehnen.
den Charakter des Schnengewebes an, wenn auch nicht vollständig, denn es bleibt immer modificirtes Bindegewebe (Narbengewebe). Die Rundzellen wandeln sich in spindelförmige Zellen um und zwar unter der Wirkung der Zugkraft der Muskeln oder passiver Dehnungen der Seimen, wie sie durch Belastung des Fusses veranlasst werden. Wiihrond die Tntercellularsubstanz homogen wird, nehmen die Zellen eine gestreckte Gestalt an. Je geringer die während des Heilungsvorganges auftretenden Störungen, je mehr die Sehnenenden einander genähert werden, um so schneller vollzieht sich dieser Vorgang, namentlich wenn auch eine Anspannung der Sehnen alsbald erfolgt. Bleibt letztere aus, so behalten die Zellen der Neubildung in unregelmässiger Anordnung ihre runde und sternförmige Gestalt, mit andern Worten, um so weniger erlangt das Narbengowebe den Typus des eigentlichen Sehnengewebes.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen erlangen ein besonderes Interesse bei Verwundungen (Tenotomien) wie auch bei Zerreissungen von Sehnen. Es geht aus denselben hervor, dass eine regelmässige Anspannung der getrennten Sehne bei dem Heilungsvorgange eine besondere Rollo spielt. Im übrigen vollzieht sich derselbe, wie schon Paget durch Versuche nachwies, schnell. Die von Paget durchschnittene Achillessehne eines Kaninchens wurde am sechsten Tage erst durch ein Gewicht von 10 Kilo, am zehnten Tage von 28 Kilo wieder zerrissen.
Allein damit ist noch keineswegs eine Verbindung hergestellt, welche z. B. den Anforderungen zu entsprechen vermag, die an die Beugesehnen beim Pferde gestellt werden. Nach Versuchen an der Achillessehne von Kaninchen und den Untersuchungen Busses ist das neugebildete Gewebe selbst nach drei Monaten dem Sehnengewebe noch nicht gleich, wenn es auch bereits dieselbe Modification des Bindegewebes wie die Sehnen besitzt, d. h. es besteht aus parallel verlaufenden, zu Bündeln geordneten Fasern zwischen denen Zellen liegen; mehrere dieser Bündel werden durch Septa aus lockerem Bindegewebe zu seeundären und tertiären Bündeln vereinigt.
Eine andere Thatsache ist ebenfalls wichtig, dass nämlich Trennungen innerhalb einer Sehnenscheide bei weitem nicht so schnell heilen wie ausserhalb derselben; der Mangel an Paratendineum erklärt dieses; je mehr lockeres Bindegewebe die Sehne umgiebt, desto leichter erfolgen die Heilungsvorgänge; auch Busse gelangt zu dem Schlüsse, dass der bei weitem grösstc Theil des neuen Gewebes vom Paratendineum geliefert wird.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Sehnenzerreissung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;211
Während subcutaue, bezw. aseptisch verlaufende Verwundungen und Zerreissungen verhältnissmässig leicht und vollständig heilen, stösst die llegeneration auf grössere Schwierigkeiten, sobald Eiterung eintritt. Durch Einwirkung des Eiters auf die Sehne entsteht Nekrose derselben, und auf diese Weise wird nicht allein das Regenerations-vermögen derselben an der betreffenden Stelle vollständig aufgehoben, sondern auch die Dissection des nekrotischen Sehnenstückes nothwendig, welche in dem derben Gewebe stets längere Zeit in Anspruch nimmt. Während dieses Vorganges treibt das lockere Bindegewebe (Paraten-dineuni) lebhafte Granulationen, in Folge dessen bleibt stets eine starke Verdickung zurück. Nicht selten entwickeln sich in dieser Zeit umfangreiche Phlegmonen, welche zu weiterer Nekrose der Sehnen führen können. Tritt die Eiterung gar in einer Sehnenscheide ein, so gehen daraus weitere Gefahren hervor.
Zerreissungen und Verwundungen grösserer Sehnen an den Gliedmassen der Pferde werden nicht selten noch dadurch unheilbar, daamp;s sie den Thieren den Gebrauch des betreffenden Fusses zum Stützen der Körperlast unmöglich machen, wodurch an dem anderen Fusse in Folge andauernder Belastung Senkung des Hufbeins eintritt. Continuitäts-trennungen an der Achillessehne bieten aus diesem Grunde den Heilungsvorgängen grössere Schwierigkeiten als z. B. in dem sehnigen Theile der M. tlbialis bei Pferden. An den Beugesehnen werden daher Con-tinuitätstrennungen stets bedenklicher als an den Strecksehnen. Auch aus diesem Grunde zeigen sich mit Eiterung verbundene Trennungen gefährlicher als solche, bei denen Asepsis erhalten bleibt.
Die Behandlung der Schnenzerreissungen muss zunächst darauf gerichtet sein, den Gliedmassen eine Stellung zu geben, in welcher die Enden der Sehnen möglichst einander andauernd genähert werden. Man erreicht dieses unter Umständen durch Verbände (Gips oder Schienen) und andauernde Ruhe. Weiteres ist bei Zerreissungen und subeutaner Durchschneidung der Sehnen in der Regel nicht erforderlich.
Frische Sehnenwunden verlangen antiseptische Behandlung, um den Heilungsvorgang möglichst abzukürzen. Doppelt geboten erscheint dieselbe an den Beugesehnen der Gliedmassen und ganz besonders, wenn gleichzeitig Sehnenscheiden verletzt sind. Nach einer möglichst sorgfältigen Reinigung und Waschen mit Sublimat, Carbolsäure, Creolin u. s. w. empfehle ich einen Occlusivverband, der mit diesen Mitteln fünf bis acht Tafle hindurch feucht erhalten wird. Sind Sehnenscheiden
|
||
|
|
||
|
|
||
|
212nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Muskeln und Sehnen.
verletzt, so kann die Anwendung von Drains, Haarseilen u. s. w., event, auch Heften der Wunde erforderlich werden.
Wo Eiterung eingetreten ist, muss eine relative Antisepsis eingeleitet werden. Da die Sequestration der nekrotischen Massen längere Zeit in Anspruch nimmt, so suche man von vorn herein die Granulation der umgehenden Weichtheile durch einen gut angelegten Druckverband und Adstringentien (Alaun, Tannin) zurückzuhalten, die Ab-stossung des nekrotischen Sehnengewebes aber zu fördern. Man versuche von Zeit zu Zeit die losen Fetzen mit der Pincette zu entfernen. Gegen die zurückbleibende Verdickung bewähren sich Druckverbände.
c) Die Entzündung der Sehnen (Tendinitis) spielt bei den chirurgischen Krankheiten des Pferdes eine grosse Rolle, wird hier recht häufig, jedoch fast nur an den Beugesehnen der Gliedmassen (Fessel-, Krön- und Hufbeinbeuger) beobachtet. Da gerade diese bedeutenden Dehnungen ausgesetzt sind, so liegt der Schluss nahe, dass hierdurch ihre Erkrankung in der Regel veranlasst wird. Bald sind es einmalige heftige Uebei'dehnungen bei der Aufnahme der Körperlast (z. B. beim Springen), bald ruft schwerere Arbeit wiederholte Anspannungen und Zerrungen hervor. Dass hierbei stets Zerreissungen einzelner Sehneufascikel bestehen, wie Williams annimmt, kann wohl als wahrscheinlich betrachtet, wenn auch nicht immer anatomisch nachgewiesen werden. Soviel steht fest, dass in der Regel mechanische Läsionen, starke Dehnung der Sehnen die Ursache zur entzündlichen Erkrankung derselben abgeben; sehr natürlich daher, dass bei den Pferden der Armee Sehnenleiden vorzugsweise in den Sommermonaten auftreten, im Winter fast gar nicht beobachtet werden. Sie-damgrotzky glaubt solche Continuitätstrennungen da annehmen zu müssen, wo die entzündlichen Veränderungen local beschränkt auftreten, während derselbe bei gleichmässiger und grosserer Verbreitung der Entzündung eine einfache Dehnung als Entzündungsreiz vermuthet. Da indess alle diese Erkrankungen regelmässig eine längere Zeit zu ihrer Heilung in Anspruch nehmen und fast immer Verdickungen an der betreffenden Stelle zurücklassen, will mir die Annahme fasciculärer Zerreissungen zutreffender erscheinen. Soviel aber steht fest, und Siedamgrotzky hat das Verdienst auf diesen Punkt zuerst die Aufmerksamkeit gelenkt zu haben, dass in sehr vielen Fällen den als entzündlichen Erkrankungen der Sehnen ablaufenden Processen eine reparatorische Bedeutung zukommt. Auch muss ich Bayer und Siedamgrotzky darin zustimmen, dass die als motastatische Sehnen-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Sehnenentzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;213
entzündungeu aufgefassten Enfczündungsvorgänge in der Regel secun-därer Natur sind, indem die auf diesem Wege (z. B. bei der Brustseuche) auftretenden Erkrankungen zunächst die Sehnenscheiden betreffen und von hier auf die Sehnen übergreifen. Das hierbei regel-mässige Ausbleiben der Verkürzung sowie auch der geringe Blutgehalt der Seimen sprechen ebenfalls gegen den primären Ursprung dieser Leiden.
Ebenso zweifelhaft erscheint die Annahme rheumatischer Sehnenentzündungen. Schon der Umstand, dass der Process fast nur die Beugesehnen betrifft, spricht gegen Erkältung als Ursache des Leidens. Welchen Antheil die namentlich in südlichen CTegenden (Italien) in verdickten Sehnen gefundenen Parasiten (Spiroptera cincinata) an der Erkrankung derselben haben, ist bisher nicht bekannt; vielleicht finden sich dieselben erst in Folge der entzündlichen Veränderungen in der Sehne ein.
Die bei der Tendinitis ablaufenden anatomischen Veränderungen sind zwar in ihrem ganzen Umfange noch nicht untersucht worden, doch darf man annehmen, dass hierbei zunächst leichte Blutungen auftreten, denen sich alsbald exsudative Vorgänge anschlie.ssen. Das interfasciculäro Bindegewebe zeigt sich anfangs serös durchtränkt, wodurch die Fascikel auseinander gedrängt werden, und sich leichter von einander trennen lassen (Siedamgrotzky). Der entzündliche Process greift auf das Peritendineum und Paratendineum über, und so entsteht eine mehr oder weniger starke Anschwellung der Sehne. An die Stelle des serösen und hämorrhagischen Exsudates tritt später plastische Infiltration, indem sich in dem Bindegewebe mehr und mehr Leukocyten anhäufen, oder durch Wucherung neue Gewebszellen entstehen; hierbei dürften die Sehnenzellen wesentlich betheiligt sein. Diese Vorgänge werden namentlich bei wiederholter Erkrankung von Grefässneubildung (Vascularisation) in der Sehne begleitet.
Das Resultat dieser Erkrankung besteht also in Neubildung von Bindegewebe und zwar sowohl in der Sehne selbst, wie auch in ihrer Umgebung, wodurch eine Verdickung derselben veranlasst wird. Das neugebildete Bindegewebe zeigt, wie überall, so auch hier die Neigung zur Retraction, welche stets zu Stande kommt, sobald die Möglichkeit dazu gegeben ist, d. h. wenn durch die Belastung des Pusses der Retraction kein Hinderniss entgegengesetzt wird. Auf diese Weise erklärt sich, dass in dem einen Falle trotz erheblicher Gewebsneubildung (Verdickung) eine Verkürzung der Sehnen ausbleibt, in anderen aber eintritt; letzteres namentlich, wenn durch erhebliche Schmerzen die Belastung der Gliedmassen andauernd unterbrochen war. An den
|
||
|
|
||
|
|
||
|
214nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Muskeln und Sehnen.
hierdurch zu Stande kommenden Veränderungen in der Grelenkstelhmg (Stelzfuss) können allerdings auch die Muskeln betheiligt sein, indem sich in Folge andauernder Annäherung ihrer Insertionspunkte Contractur in ihnen einstellt. Diese Theilnahme liisst sich jedoch in der Hegel klinisch nachweisen (vergl. specielle Chirurgie).
Eine zweite Folge der Bindegewebswucherung ist die Verwachsung der Sehne mit ihrer Umgebung, mit nachbarlichen Sehnen sowie mit Sehnenscheiden, Zustände, welche den operativen Eingriffen grosse Schwierigkeiten entgegenstellen können. Das in der Sehne neugebildete Bindgewebe erscheint grauweiss, zuweilen durch lebhafte Vascularisation grauröthlich gefärbt und lässt sich sowohl auf dem Längs- wie Querschnitte der Sehne von dem gelblichweissen, atlas-glänzenden Sehnengewebe deutlich unterscheiden. Wo Retraction desselben eingetreten ist, zeigen die Sehnenfascikel einen geschlängelten Verlauf, der früher wohl als die Ursache der Verkürzung aufgefasst wurde, in der Hauptsache aber eine Folge der Retraction darstellt. Bei länger andauernden Erkrankungen kann das Selmengewebe unter dem Einflüsse der Bindegewebswucherung zu Grunde gehen, das Bindegewebe selbst aber verknöchern. Nach Siedamgrotzky ergiebt die mikroskopische Untersuchung der entzündlich erkrankten Sehne anfangs eine Zunahme spindelförmiger Zellen in den Gefässscheiden und dem lockeren, die Sehnenfasern verbindenden Gewebe. Später nimmt die Zelleninfiltration mehr und mehr zu und zwar auch in dem die Sehne umgebenden Bindegewebe; dagegen soll nach ihm der Process .an der Insertionsstelle der Sehne nie auf den Knochen übergreifen. Bei den gleichen Erkrankungen der Bänder wird ein solches Uebergreifen bekanntlich regelmässig beobachtet.
Die beschriebenen anatomischen Veränderungen können sich unter Umständen in dem Masse zurückbilden, dass bei der klinischen Untersuchung nachweisbare Veränderungen (Verdickung) in der Sehne nicht mehr zu erkennen sind. Dieser Ausgang bildet jedoch nicht die Regel. In den meisten Fällen besteht die Anschwellung der Sehne dauernd fort. Findet auch mit der Zeit, selbst nach Monaten noch eine allmähliche Abnahme der Verdickung statt, so verschwindet sie doch selten vollständig. Es liegt jedoch auf der Hand, dass das repara-torische Gewebe, und zwar unter der Einwirkung der Dehnung (S. 210) dem normalen Sehnengewebe allmählich ähnlicher wird und auch eine grössere Widerstandsfähigkeit erlangt, allein diesem gleichwerthig wird dasselbe nie. Daher erklärt sich die Disposition zu neuen Erkrankungen und das so häufig beobachtete Auftreten von Recidiven,
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Seimenentzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;215
sobald die schädlichen Einflüsse von neuem auf die erkrankte Sehne sich geltend machen. Dagegen pflegen die mit der Erkrankung verbundenen Schmerzen also auch die Lahmheit in Zeit von 86 Wochen sich zu verlieren; bei erheblichen Erkrankungen, starken Verdickungen kann aber auch eine dauernde Lahmheit zurückbleiben; dieses ist stets der Fall, sobald eine erhebliche Verkürzung der Sehne eingetreten war. Als Ausgänge sind also zu verzeichnen:
1.nbsp; nbsp;Vollständige Zertheilung, d. h. relative Wiederherstellung des normalen Zustandes; nur bei leichter Erkrankung wird dieselbe beobachtet.
2.nbsp; Dauernde Verdickung der Sehne ohne erhebliche Störungen im Gebrauche der Thiere.
3.nbsp; nbsp;Chronische Verdickimg verbunden mit chronischer Lahmheit.
4.nbsp; nbsp;Seimenverkürzung mit Stelzfussbildung.
Die Beurtheilung dieser Zustände richtet sich in erster Linie nach dem Grade und der Art der krankhaften Veränderungen, sowie nach der Bedeutung der leidenden Sehne. Je grosser die Verdickung und je lebhafter die Schmerzen, um so mehr steht eine Verkürzung der Sehne (Stelzfussbildung) oder dauernde Lahmheit in Aussicht. Umgekehrt beobachtet man aber nicht selten, dass bei umfangreicher Zerreissung die noch erhaltenen Sehnenfasern sich dehnen und auf diese Weise erhebliche Abänderungen in der Stellung der Gelenke entstehen. Diese Gefahr tritt namentlich da ein, wo mehrere Füsse gleichzeitig leiden, die Belastung derselben also nicht vermieden werden kann. Aus dieser, mit starkem Durchtreten in den Gelenken der Phalangen verbundenen Erscheinung ist die Bezeichnung Niedergebrochen' hervorgegangen, welche indess später, namentlich in der Sportwelt für verschiedene, mit erheblicher Gebrauchsstörung verbundenen Erkrankungen der Gliedmassen angewendet wird.
Die Prognose der Sehnenentzündung hängt ferner davon ab, ob die Thiere den schädlichen Einflüssen (z. B. Kennen) entzogen werden können oder nicht. Beugesehnen, die bei Rennpferden immer von neuem erkranken, bleiben beim Gebrauch zum einfachen Ileit-oder Wagendienst oft dauernd gesund. Bei Keitpferden gestaltet sich die Prognose im allgemeinen ungünstiger als bei Wagenpferden. Dass hierbei zugleich der Knochenbau eine Rolle spielt, versteht sich von selbst (vergl. Specielle Chirurgie).
Bei bereits eingetretener Sehnenverkürzung kommt endlich die
|
||
|
|
||
|
|
||
|
210nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Muskeln und Seimen
Frage in Betracht, ob operative Eingriffe Aussicht auf Erfolg haben. Als ungünstig müssen in dieser Hinsicht Verwachsungen der Sehnen unter einander oder mit den Sehnenscheiden aufgefasst werden.
Dass die Aussicht auf Wiederherstellung mit dem Alter der Erkrankung abnimmt, liegt in der Natur der Sache.
Erscheinungen. 1. Als die wichtigste Erscheinung der Ten-denitis ist Anschwellung und Schmerz der Sehnen zu nennen. Die erstere erscheint anfangs weicb und diffus, indem sie vornehmlich auf seröser Durchtriliikuug und blutigen Ergüssen in dem Gewebe der Sehnen beruht. Mit der Zeit wird dieselbe derber, und mehr circum-script, stellt oft nur eine knotenförmigc Verdickung der Sehne dar, die erst bei sorgfältiger Palpation ermittelt werden kann. An dem oberflächlich gelegenen Kronenbeinbeuger macht sich die Schwellung oft schon durch eine Art Wadenbildung beim Pferde bemerkbar. Die Schmorzhaftigkeit ist sehr verschieden, doch giebt sich dieselbe sowohl durch Lahmheit wie auch auf Druck mit der Hand zu erkennen und zeigt sich am lebhaftesten bei frischer Erkrankung, verliert sich aber meist mit der Zeit.
2.nbsp; Vermehrte Wärme. Diese pflegt im Anfange des Leidens nicht zu fehlen, verschwindet aber auch nach einiger Zeit; in der Kegel ist dieselbe jedoch nicht erheblich.
3.nbsp; nbsp;Veränderung in der Stellung der Gelenke. Schon während der ersten Zeit der Erkrankung macht sich eine abnorme Beugestellung (Volar- bezw. Plantarflexion) bemerkbar, indem durch Uebertragung der Körperlast auf die Knochensäule die schmerzhaften Dehnungen in der erkrankten Sehne geringer werden. Später giebt die Verkürzung der Sehne hierzu Veranlassung. Zur Unterscheidung dieser Zustände lässt man durch Aufheben des anderen Fusses den kranken vollständig belasten, wobei im ersteren Falle die normale Gelenklage einigermassen eintritt, bei Retractionen in der Sehne jedoch nicht. Mit dem Stelzfuss verbindet sich später ein Bockhuf, indem die Zehen des Hufes kürzer, seine Trachten aber länger werden.
Die Behandlung der Tendinitis verlangt in erster Linie möglichste Beseitigung der schädlichen Ursachen (Dehnungen), also vor allem Ruhe, welche auch nach dem Verschwinden der Lahmheit noch fortdauern muss. Zu beseitigen ist ferner alles, was eine Dehnung der Beugesehnen zur Folge hat, insbesondere die zu lange Hufzehe, sowie der Griff am Hufeisen. Durch Schonen der Trachten bei der Be-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Sehnenentzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;217
schneidung des Hufes, Anbringen von Stollen oder verdickten Schenkelenden am Hufeisen wird niimentlicli im Hufbeinbeuger eine Abspannung erzielt.
Bei der directen Bekämpfung des entzündlichen Processes handelt es sich nur um Beschränkung der stürmisch verlaufenden Kegenerations-vorgänge, sowie der Blutungen in der Sehne. Die Anwendung der Kälte bleibt daher auf die erste Zeit der Erkrankung beschränkt und findet namentlich da Gelegenheit zu günstiger Wirkung, wo die Schmerzen sowie die Anschwellung und vermehrte Wärme mit grosser Lebhaftigkeit hervortreten. Sie beschränkt sowohl die durch Gefass-zerreissungen bedingten Blutungen, wie auch die acuten Exsudations-processe in der Sehne; sobald diese vorüber sind, übt die Kälte einen nennenswerthen günstigen Einfluss nicht mehr aus. Dieser von allen Praktikern anerkannte Grundsatz steht mit der Vorstellung, dass es sich im wesentlichen um Reparationsprocesse in der Sehne handelt, in voller Uebereinstimmung.
Man geht daher alsbald zu den Hülfsmittcln über, welche im Stande sind, die Resorption der im Uebermass aufgetretenen Entzün-dungsproducte zu fördern. Dazu dient in erster Linie feuchte Wärme und methodische Compression. Bähungen mit Seifenwasser oder verdünnten Lösungen (0,5 0/o) von Pottasche und Priessnitz'sche Einwicke-lungeu müssen besonders empfohlen werden; von dem hervorragenden Nutzen der letzteren habe ich mich oft überzeugt. Man lässt den kranken Fuss mit einer weichen, leinenen oder baumwollenen, vorher angefeuchteten Binde massig fest bandagiren und legt darüber eine wollene (Flanell) Binde. Um bei Erkrankung des Huf- und Fessel-beinbougers einen allseitigen Druck auf diese Sehnen auszuüben, lasse ich ein Paar Werg- oder Jutebäuscho zu beiden Seiten gegen die Sehne legen, sodann die Binden appliciren, welche alle 45 Stunden erneuert bezw. gewechselt werden. Der hierdurch erzielte plötzliche Wechsel in der Temperatur übt einen vortheilhaften Einfluss auf die Blutfülle und damit auch auf die Resorptionsvorgänge aus.
Die Wirkung dieser Behandlung richtet sich namentlich gegen die entzündlichen Vorgänge in der Umgebung der Sehne (Paratendineum) und verhindert so das Zurückbleiben umfangreicher Verdickungen; unterstützt wird dieselbe durch zertheilende Einwirkungen, Salben von Jodkali, Jodoform oder von Ungt. Hydrarg. einer.
Gegen chronische Entzündungen und Verdickungen finden Massage und scharfe Hautreize zweckmässige Anwendung. Die erstere muss indess vorsichtig und nicht zu früh eingeleitet werden: so lange
|
||
|
|
||
|
|
||
|
218nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Muskeln und Sehnen.
die Erkrankung sclinierzlmf't ist, verbietet sieh die Massuge durch die Unruhe der Thiere von selbst. Zur Ausführung derselben legt man ein Stück Pergamentpapier auf die kranke Sehne, fettet die Finger gehörig ein, und streicht unter anfangs massigem, später kräftigerem Drucke von unten nach oben (d. h. in der Richtung der Lymph-strömung) mit dem Daumen und den ersten beiden Fingern wiederholt über die Sehnen. Sobald hiernach die Schmerzen und Anschwellung zunehmen, lasse man mit dem Verfahren nach; andernfalls wird dasselbe einige Wochen 1 2 mal täglich fortgesetzt.
Die Wirkung scharfer Hautreize ist meines Erachtens in erster Linie auf den andauernden und gleichmässigen Druck der geschwollenen äusseru Haut auf die erkrankte Sehne zurückzuführen. Je kräftiger und nachhaltiger diese Anschwellung, um so besser die Wirkung jener Mittel. Auch zögere man bei erheblicher Erkrankung der Sehnen nicht zu lange mit der Application der Scharfsalbc, sondern entschliesse sicii zur Anwendung derselben, sobald die localen Entzündungserschei-nuugen zurückgetreten sind. Von den Salben gebe ich Hydrarg. bijodat. (1:8 Fett oder Vaseline) den Vorzug, weil die Anschwellung hiernach ergiebig und der sich bildende Schorf fest wird. Noch wirksamer zeigt sich allerdings das scharfe Pflaster, welches nach dem Erstarren einen kräftigen Gegendruck ausübt, der noch durch Auflegen eines Stückes Leinwand (Siedamgrotzky) verstärkt werden kann. Man muss indess das Pflaster und die Leinwand bis auf die Seitenfläche des Schienbeines ausdehnen und die Leinwand kräftig gegen den Metacarpus drücken bezw. ziehen, um diesen Gegendruck zur vollen Wirkung gelangen zu lassen. Zu heisses Auftragen des Pflasters ist indess zu vermeiden, weil auf diese Weise die Wirkung an der Oberfläche der Haut zu heftig wird, wodurch sowohl das Pflaster wie die Leinwand sich bald lockert und event, abfällt, ihre Wirkung auf die Seime also aufhört.
Ebenso empfiehlt sich bei älteren Sehnenverdickungen das Glüh-oison in Strichform. Die Wirkung desselben ist eine doppelte: Einmal übt die hierdurch erzielte acute Entzündung und Anschwellung der äusseren Haut einen Druck auf die erkrankte Sehne aus; dazu aber kommt später noch die Retraction des Narbengewebes in der Haut, welche in derselben Weise die Zertheilung günstig beeinflusst. Die Wirkung des Glüheisens fällt somit nachhaltiger aus, wie im übrigen jedem Praktiker bekannt ist.
Eins darf bei der Behandlung nicht aussei- Acht gelassen werden, nämlich, dass eine längere Zeit unter Schonung des Pferdes zur
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Sohnenontzündmig.
|
219
|
||
|
|
|||
|
Entfaltung der Wirkung dieser Mittel unbedingt erforderlich wird. Das verstösst allerdings gegen die wirthschaf'tliclien Interessen und bildet oft den Grund, weshalb der Erfolg unvollkommen bleibt.
Verkürzungen der Beugesehnen können sich zwar zurückbilden, doch ist dieses nur so lange möglich, als die erkrankte Sehne durch die Belastung des Fusses noch angespannt wird. Unter diesen Umständen sieht man nicht selten, dass mit dem massigen Gebrauch der Pferde die Gelenkstellung sich allmählich bessert. Wo aber durch die Sohnenverkürzung das Fesselgelenk soweit nach vorn gerückt ist, dass die Beugesehnen bei der Belastung nicht mehr angespannt werden, erscheint jede Aussicht auf eine spontcine Verlängerung der Sehne ausgeschlossen. Hier kann nur noch die Teno-tomie eine Besserung in der Stellung und Bewegung des Fusses herbeiführen ; doch erscheint die Annahme, dass diese Wirkung in jedem Falle erreicht werde, ebenso unrichtig wie die Behauptung, dass die Tenotomie überhaupt keinen Nutzen gewähre. Ich muss auf das über diesen Punkt und die Ausführung der Operation in meiner Speciellen Chirurgie gesagte verweisen.
Infectiöse Entzündungen, namentlich eiterige Processe rufen, sobald sie mit dem Sehnengewebe in Berührung kommen, die Gefahr der Nekrose hervor; daher sehen wir diesen Ausgang stets bei Verwundungen der Sehnen, die zur Eiterung führen (S. 208). Aber auch ohne Trennungen in der äusseren Haut kommen hier Infectionen vor, die von den Sehnenscheiden ausgehen oder dadurch, dass phlegmonöse Processe von der Nachbarschaft auf die Sehnen übergreifen. Fälle der letzteren Art verhalten sich ähnlich wie eiternde Wunden der Sehnen, sind jedoch nicht so häufig wie infectiöse Entzündungen der Sehnenscheiden, die theils durch äussere Verletzungen, sowie auf embolischem Wege entstehen. Man vergleiche darüber (Kap. VIII).
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
VI. Krankheiten der Nerven.
|
||
|
|
||
|
1. Wunden. Mit jeder Verwundung nervenführender Theilo finden auch Verletzungen von Nerven statt, doch erlangen diese erst eine Bedeutung, wenn grössere Stilinme oder Aeste davon betroffen wurden. Im Gegensatz zu den Gefilssen zeigen Nervenverletzungen nur wenig Neigung zu klaffen; oft findet man im Gegentheil namentlich bei Wunden, die mit stumpfen Instrumenten veranlasst wurden, dass die Enden der durchtrennten Nerven gedehnt werden und über die Wund-flilche hervorragen, woraus die frühere Ansicht hervorging, dass der durchschnittene Nerv länger werde. Es handelt sich jedoch stets um eine durch Dehnung des Nerven veranlasstc Verlängerung, welche unter Umständen zum abschneiden der freiliegenden Abschnitte desselben Veranlassung geben kann.
Verwundungen sensibler Nerven zeigen sich sehr schmerzhaft; sofern eine vollständige Dui'chtrennung derselben vorliegt, werden die von demselben versorgten Theile empfindungslos; die Durchtrennung motorischer Nervenbahnen hat Lähmung der betreffenden Muskeln zur Folge.
Die Heilung kann auch bei Nervenwundcn sowohl auf dem ersten Wege wie auch unter Eiterung erfolgen. Die vom Centrum abgetrennten Nervenfasern verlieren nach einiger Zeit ihre Erregbarkeit, es tritt in ihnen fettige, körnige Degeneration ein, und zwar nicht bloss an der verletzten Stelle, sondern der ganze Nerv mit seinen Zweigen atrophirt, soweit er ausscr Verbindung mit dem Centralorgan gesetzt ist. Nur da, wo sensible Fasern vor bezw. oberhalb der Spinalganglien durchtrennt sind, fällt die Degeneration in dem abgetrennten Nerven aus, tritt dagegen in diesem Falle an dem central en Abschnitte ein. Hieraus ergiebt sich, dass die Spinalganglien einen Einfluss auf die Ernährung der Nerven ausüben. Dasselbe gilt für die motorischen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Norvenverletzungon.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 221
Nerven des Kückenmarks; zur Degeneration derselben gesellt sich der gleiche Vorgang in den von ihnen versorgten Muskeln (S. 229).
Dass die durchtrennten Nerven durch Neubildung von Fasern wieder mit einander in Verbindung treten können, beweisen schon die Erfahrungen, welche man bei Neurotomie gemacht hat. Nach etwa 2 Jahren pflegte die Verbindung wieder so vollständig zu sein, dass die Wirkung der Operation, d. h. die Uneinpfindlichkeit der betreffenden Thcile aufhört. Nach einfacher Durchschneidung eines Nerven (Neurotomie) tritt diese Wiedervereinigung früher ein, als wenn ein Stück des Nervens ausgeschnitten wird (Neurectomie).
Nach Durchschnoidung eines Nerven zerfällt zunächst das Mark der Markscheide an beiden Enden desselben. In einigen Tagen stellt sich Kernwucherung im Neurilemm ein, worauf sich von den Nervenenden zarte Fortsätze (Achsencylinder) entwickeln, die einander entgegen wachsen und sich schliesslich voreinigen ; um den so entstandenen Achsencylinder bildet sich Mark und schliesslicli auch eine Markscheide.
Bei diesem Vorgange ist in erster Linie der centrale Stumpf betheiligt, aus dem die Achsencylinder hervorvvachsen und das periphero Ende 7,u erreichen suchen; letzterer spielt dabei nur die Stelle eines Wegweisers, wie durch die Untersuchungen und Versuche von Vanlair festgestellt worden ist. Vanlair steckte die Enden des durchschnittenen Nerven in eine aus decalcinirten Knochen bestehende Bohre und fand später, dass die Regeneration nur von dem centralen Ende ausgegangen war. Diese Tubular-nahtquot; (Tubulisation) wird beim Menschen zur Förderung der Heilung getrennter Nerven in Anwendung gebracht.
Je geringer der Substanzverlust und die Läsion der Nerven, und je schneller diese Heilungsvorgänge erfolgen, um so früher kommt die Verbindung zu Stande. Bei einfacher Durchschneidung grösserer Nervenstämme dauert der Vorgang indess einige Monate, nach der Neurectomie Jahr und Tag.
Wunden , in denen grösscre Nervenästo durchtrennt sind, suche man daher auf dem nächsten Wege, womöglich aseptisch zur Heilung zu bringen. Beim Menschen werden vielfältig die Enden des Nerven zusammongelieftet (Nervennaht), indem man durch das Neurilemm einige Catgutligaturen legt. Auch mir gelang es bei einem Hunde auf diese Weise die Enden des durchtrennten N. tibialis zur Vereinigung zu bringen. Wo die Nervenenden stark über die Oberfläche der Bünde hervorragen, trage man dieselben mit der Schere ab, weil namentlich in nicht aseptischen Wunden am centralen Stumpfe leicht entzündliche Schwellung und Neubildung (Nouromc) entstehen. Wo Nervenäste nur theilweise durchtrennt sind, wurde früher die voll-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
222nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kviinkheiten der Nerven.
ständige Uurchschneidung derselben empfohlen, und zwar namentlich mit Rüoksioht auf Tetanus, der durch die Zerrung der Nerven entstehen sollte. Nach unseren heutigen Vorstellungen ist dieses nicht zu befürchten; man suche indess in solchem Falle Vorkehrungen zu treffen, um Zerrungen sowie entzündliche, besonders infectiöse Vorgänge von der Wunde fern zu halten.
2. Quetschungen sensibler Nerven sind mit erheblichen Schmerzen verbunden, wie sie jedem aus eigener Empfindimg am N. ulnaris bekannt sein dürften. Bei Pferden sehen wir eine gleiche Wirkung durch Streichverletzung besonders an den Hinterfüssen. An motorischen Nerven rufen Contusionen durch Unterbrechung des Loitungsvermögens Lähmung der von ihnen versorgten Muskeln hervor, wofür bei Pferden die Lähmung des N. facialis an seiner Umschlagstelle um den Unterkiefer ein Beispiel liefert und bei Thieren beobachtet wird, die in Folge von Lahmheit oder aus anderen Gründen längere Zeit festliegen. Je nach dem Grade der Quetschung und der mit denselben verbundenen entzündlichen Folgen hält die Lähmung kürzere oder längere Zeit an.
Die Behandlung solcher Zustände erfolgt nach den allgemeinen Regeln; zur Anregung der Zertheilung entzündlicher Processe kann auch hier unter Umständen, z. B. am N. facialis Massage und die Application Resorption befördernder Mittel nützlich werden.
Aehnliche Wirkungen wie die Quetschung hat ein anhaltender Druck auf motorische Nerven. Entwickelt sich in der Nähe des Nerven ein Tumor, oder vollzieht sich in der Umgebung desselben eine entzündliche Neubildung mit Narbenretraotion, so tritt Lähmung der von dem betroffenen Aesten innervirten Muskeln ein, z. B. bei Pleuritis am N. recurrens und an Kehl-kopfmuskeln. Derartige Zustände sind in der Regel unheilbar, weil sie nicht genau festzustellen und schwer zu beseitigen sind. Beim Menschen hat man wohl versucht, den vom Narbengewebe oder von einer Geschwulst gedrückten Nerven zu befreien (Neurolysis).
8. Zerrungen motorischer Nerven rufen ebenfalls Lähmung, der sensiblen zunächst Schmerzen, dann Anästhesie in den betreffenden Theilen hervor. In letzteren wurden neuerdings bei schmerzhaften Leiden in der Menschenheilkunde absichtlich solche Zerrungen (Nervendehnungen) herbeigeführt; bei Thieren greifen wir in solchen Fällen zur Neurectomie (s, diese); die mit einer Zerrung oder Dehnung motorischer Nerven verbundenen Lähmung verläuft ausserordentlich verschieden und richtet sich dieses in erster Linie nach dem Grade und
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Neuritis. Neuralgie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 223
der Ausdehnung der Verletzungen, welche den Nerven hierbei getroffen haben. Das nähere hierüber vergleiche man unter Lähmungen''.
4. Nervenentzündung (Neuritis). Ent/ündliche Processe treten an den Nerven sowohl in acutcr wie chronischer Form auf und entstehen durch Verletzungen wie auch durch Fortpflanzung entzündlicher Processe aus der Nachbarschaft; oft bleibt die Ursache derselben unbekannt. Die Neuritis spielt in der Veterinärclhrurgie eine untergeordnete Kolle, da sie entweder überhaupt nicht erkannt oder nur aus ihren Folgen (heftigen Sclimerzen und Rcflcxkrämpfen bei Erkrankung sensibler Nerven, Lähmungen bei Entzündung motorischer Fasern) vermuthet werden kann.
lieber das Vorkommen multipler Neuritis, welche beim Menschen im Anschluss an verschiedene Intoxicationskranklieitcn beobachtet wird, ist bei Thieren wenig bekannt. Atrophie des N. recur-rens dureb Bleiintoxication wird auch bei Pferden gefunden. Hamburger will am N. medianus nnd cruralis Degenerationen nach Eudometritis und Peritonitis des Rindes, beim Hunde nach Carcinom der Prostata mit purulenter Nephritis, Cystitis sowie nach der Staupe beobachtet haben. Eine praktische Bedeutung haben diese Vorgänge bisher nicht erlangt.
6. Neuralgie. Man bezeichnet mit Neuralgie eine Erkrankung sensibler Nerven, deren Hauptersclieinung Schmerz bildet (Nervenschmerz). Es liegt in der Natur der Sache, dass dieses Leiden bei Thieren nicht die Bedeutung besitzt wie beim Menschen, zumal dasselbe bei ersteren ebenfalls nur vermuthet werden kann, weil die subjeetiven Symptome desselben hier fehlen. In der Kegel bleibt der Schmerz auf bestimmte Nervenäste beschränkt, tritt periodisch auf und kennzeichnet sich vornehmlich noch dadurch, dass leichte Berührung denselben im hohen Grade steigern, während ein kräftiger Druck oft ohne jede Wirkung bleibt. Da bei entzündlicher Erkrankung sensibler Nerven das Umgekehrte der Fall ist, so lassen sich neuralgische Schmerzen auch bei Thieren zuweilen nachweisen.
Worauf das Leiden beruht, ist auch heute nicht klar; man vermuthet eine abnorme Empfindlichkeit (Hyperästhesie) der Nerven, welche sowohl nach mechanischen Läsionon, wie auch nach toxischen Einflüssen (Blei, Quecksilber) beobachtet wird. So erklärt sich die bei Pferden in Folge von Bleiintoxicationen auftretende und intermit-tirend verlaufende! Kolik (Bleikolik). Auch sollen Circnlationsstörungcn
|
||
|
|
||
|
|
||
|
224nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Nerven.
bei consfcitutionellen Leiden zu Neuralgie Veranlassung geben. Ich hatte -wiederholt Gelegenheit, Zustände zu beobachten, welche auf eine Neuralgie im N, occipitalis bei Pferden schliessen Hessen. Die Thiere zeigten sich nusscrordentlieh empfindlich, wenn das Genick berührt oder der Versuch gemacht wurde die Halfter oder Trense aufzulegen. Vielleicht müssen auch andere Zustände, wie z. B. der Sattelzwang, zuweilen auf neuralgische Schmerzen zurückgeführt werden. Das Fehlen entzündlicher Erscheinungen und jeder anderen nachweisbaren Ursache der Schmerzen, der intermittirende Verlauf, sowie die lebhaftere Steigung des Schmerzes bei leiser Berührung lassen die Gegenwart eines derartigen Leidens vermuthen.
Bei der Behandlung von Neuralgien sah ich wiederholt günstige Wirkungen von scharfen Einreibungen; in der Menschenheilkunde werden Elektricitilt und Massage empfohlen. Wo alle diese Mittel im Stiche lassen, dürfte die Durchschneidimg der betreöenden Nerven zu versuchen sein, sofern diese ausführbar erscheint.
Die bei Menschen versuchte Nervondehnun g hat hier ebensowenig regelmilssigen Erfolg gehabt wie bei Lähmungen. Zu dem Zwecke wird der betreffende Nei'venstamm freigelegt und isolirt, mit Zeigefinger und Daumen erfasst und so lange energisch gedehnt, bis sich eine Verlängerung desselben bemerkbar macht. Dieses von Billroth und v. Nussbaum zuerst empfohlene Verfahren, wurde neuerdings mehr und mehr wieder verlassen. Wirksamer ist die Nervenextraction (Thiersch), welche in der Weise ausgeführt wird, dass man den freigelegten Nervenstamm mit einer dazu besonders construirten Nervenklemme erfasst und ausdreht, wodurch ein grösserer Theil der Nerven verloren geht und eine Wiedervereinigung geradezu unmöglich wird.
(). Nervenlähmung. Während die Lähmungen, d. h. die vollständige oder unvollständige Unterbrechung der Functionsfähigkeit in Nerven oder Muskeln beim Menschen weniger in das Gebiet der Chirurgie fallen, bilden diese bei Thieren eine nicht selten vorkommende Ursache der Lahmheiten; deshalb erscheint eine eingehende Besprechung derselben hier gerechtfertigt.
Die Beschränkung oder Aufhebung der Function in Nerven oder Muskeln muss sich je nach ihrem Auftreten verschieden gestalten. In den sensiblen Nerven bezeichnen wir diese Zustände als sensible Lähmung oder Anästhesie, in motorischen als motorische Lähmung und als [Paraplegic, wenn die Function vollständig, als Par esc, wenn diese unvollständig unterbrochen ist. Man unterscheidet ferner neuropathische und myopathische Lähmungen, je nach-
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Lilhmungen.
|
225
|
|||
|
|
||||
|
dem die Functionsstörung von den Nerven oder den Muskeln selbst ausgeht. Die letzteren beruhen auf Erkrankungen in der Muskolsubstanz, worüber an anderer Stelle das Nöthigo besprochen ist; hier sollen daher nur die neuropathischen Lähmungen berücksichtigt werden.
Zum Zustandekommen einer willkürlichen Muskelcontraction in den dem Willen unterstellten Muskeln gehören drei Factoren, nämlich: 1. Der Willensreiz, welclier vom Centralorgan, dem Gehirn ausgeht; 2. die
|
||||
|
|
||||
|
Fortleitung desselben durch die motorischen Nervenbahnen und 3
|
die
|
|||
|
|
||||
|
Functionsfahigkeit des Muskels, die Thatigkeit der
|
||||
|
|
||||
|
ausführenden Organe der Bewegung. Der Willensreiz
|
Fig. 45.
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
entwickelt sich in der grauen Substanz der Gehirnrinde, besonders im Lobulus centralis und paracen-tralis. Hier ist der Sitz der sog. psychomotorischen Centren, welche nach den üntersuchungen von H. M un k, Horsley u. a. scharf localisirt sind, so dass nicht nur für ganze Muskelgruppen, sondern sogar für jedön einzelnen Muskel eine gesonderte Contralstation angenommen werden muss, von wo aus die Thiltigkeit der Muskeln eingeleitet wird. Versuche mit mechanischer oder elektrischer ßei/ung dieser Theile an narko-tisirten Thieren, bei denen also die Wirkung der Willensreize aufgehoben ist, haben diese Localisation auf das glänzendste bewiesen.
Von hier aus beginnt der zweite Factor, nämlich die Nervenleitung. Unter der Gehirnoberfläche sammeln sich die motorischen Fasern, dringen von hier in die Tiefe und gehen durch die Hirnschenkel und Varolsbrücke zur Medulla oblongata, um am hinteren (unteren) Ende der letzteren die motorische Kreuzung zu machen (Fig. 45), d. h. die Fasern der rechten Seite treten auf die linke, die der linken auf die rechte Seite über. Ihre Fortsetzungen laufen nun im Rückenmark weiter und zwar in geschlossenon Bündeln als sog. Pyramidon-Seitenstrangbahnen der Medulla, welche zwischen den vorderen (unteren, ventralen) und den hinteren (oberen, dorsalen) grauen Hörnern des Rückenmarkes (graue Vorder-und Hintersäulen) zum hinteren Körperende verlaufen (Fig. 4()). Aus diesen Pyramiden-Seitenstrang-bahnen gehen die einzelnen motorischen Fasern ab,
|
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
doch treten sie zunächst mit den motorischen Ganglien der Ventralhörner in Verbindung (Fig. 46), um sodann als ventrale Wurzelfasern das Rückenmark zu verlassen, durch die Wirbellöcher zu treten, bis in die Muskulatur zu gelangen und hier zu endigen. Der Muskel kann als das Endorgan des motorischen
|
Schenmtisclio Darstellung der motorischen LeitungH-
halinen. a Uraprunfj. K Kreuzung der niotoriselien Nerven-fasem. abod Wurzellasem der motorischen Kücken-marksnerveu.
|
|||
|
|
||||
|
Nerven betrachtet werden.
Zwischen dem Ursprünge der motorischen Nerven im Gehirn und
dem Muskel liegt also die lange Leitungsbahn der Nerven, die man sich
zweckmässig in zwei Strecken zerlegt denkt, nilmlich in eine obere Strecke,
welche vom Gehirn bis zu der Verbindung der Nerven mit den motorischen
Müller, AllKomcinfi Ohinugle für Tliioriirzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; lö
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
226
|
Krankheiten der Nerven.
|
||
|
|
|||
|
Ganglien des Rückenmarkes reicht und eine untere, die von hier bis in die Muskeln führt. Zum Zustandekommen einer willkürlichen Muskelcon-traction gehört also eine ununterbrochene Portleitung des im Gehirn entstandenen Willensreizes bis zum Muskel, und wo auch eine Störung eintreten mag, die Folge derselben bildet in jedem Falle Aufhören der Thätig-keit in den betreffenden Muskeln, d. h. Lähmung. Die Ausbreitung der Lähmung gestaltet sich natürlicherweise verschieden, je nachdem die Ursache derselben im Gehirn (cerebrale Lähmungen) oder im Rückenmarke (spinale Lähmungen) oder in einem Nervenstamm (periphere Lähmungen) auftritt.
Fig. 46. Dorsal
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Ventral
|
|||
|
|
|||
|
(Juerschnitt deraquo; Rückenmarkes (schematisch).
PS PyramidenSpitenstrangbahneii. D dorsales Horn. V ventrales Horn, a Verbindnng der
motorischen Nervenfasern mit den Ganglien des ventralen Horns.
|
|||
|
|
|||
|
Die Ursachen der Lähmungen pflegt man seit langer Zeit in anatomische und functionelle einzutheilen; während die ersteren in nachweisbaren Veränderungen bestehen, dachte man sich die letzteren ohne jede Störung der anatomischen Einrichtung. Wenn man indess erwägt, dass die Function eines jeden Organes von seiner anatomischen Einrichtung abhängig ist, und dass die complicirte Einrichtung eines Nerven sehr wohl Veränderungen erfahren kann, ohne dass man im Stande ist, diese nachzuweisen, so muss zugegeben werden, dass functionelle Lähmungen in dem erwähnten Sinne nicht existiren, dass vielmehr allen diesen Störungen in der Function auch anatomische oder chemisch-physikalische Veränderungen zu Grunde liegen. Diese können in entzündlichen Processen bestehen, wie solche durch Verletzungen, Quetschungen, Dehnungen und Zerrungen veranlasst werden; auch kann ein langsam wirkender Druck, z. B. durch eine Geschwulst oder Hämatoin oder durch die retrahirende Kraft von Narhengewebe
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Lähmungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 227
die Leitung in dem Nerven unterbrechen, d. h. Lillimung erzeugen. Es muss ferner zugegeben werden, dass Circulationsstörungen in Nerven mit Lähmung verbunden sein können. Endlich werden durch die Aufnahme von Giften sowie durch Erkältung Lähmungen veran-lasst (toxische bezw. refrigeratorische oder rheumatische Lähmungen). Ob auch bei Thieren psychische Einflüsse Lähmungen zur Folge haben können, bleibt dahin gestellt, doch wurden in der Literatur wiederholt Mittheilungen der Art gemacht.
Welche Ursache aber auch immer bestehen mag, die Art der Störung bleibt stets dieselbe; aus der Lähmung als solche lässt sich niemals ein Schluss auf die Ursache und den Sitz derselben ziehen, wohl aber gelingt dieses aus der Entwickelung, dem Verlauf und der Ausbreitung der Lähmung. Langsam entstandene Lähmungen lassen die Wirkung einer Geschwulst oder chronischen Entzündung vermuthen; plötzlich aufgetretene deuten auf eine mechanische Läsion hin. Eheu-matische Lähmungen pflegen günstiger zu verlaufen, in kürzerer Zeit zu heilen als Lähmungen, die durch schwere mechanische Läsionen veranlasst sind. Wirkt die Ursache vom Gehirn aus, so wird die Lähmung in der Regel nur an einer Körperseite (Hemiplegie) und zwar an der dem Sitze der Gehirnerkrankung entgegengesetzten Seite auftreten; im Rückenmark liegen die Leitungsbahnen der motorischen Nerven verhältnissmässig nahe zusammen und werden in Folge dessen meist beide Seiten leiden, die hierdurch erzeugte Lähmung also doppelseitig auftreten. Man spricht von einer Paraplegic und unterscheidet eine P. anterior und posterior, d. h. eine Lähmung der vorderen oder der hinteren Extremitäten; die letztere ist die bei weitem häufigere und wird deshalb auch kurz als Paraplegic bezeichnet.
Wirkt die Ursache der Lähmung erst nach dem Austritte der Nerven aus dem Rückenmarke ein, so bezeichnet man dieselbe als periphere Lähmung, welche sich natürlich in der Regel auf einzelne Nervenstämme oder Aeste beschränkt (Monoplegio). Bei der oben erwähnten scharf abgegrenzten Localisation der psychomotorischen Centren im Gehirn erscheint, es natürlich, dass auch central auftretende Ursachen gelegentlich eine Monoplegie zur Folge haben können.
Hendrickx, Thomassen und Hamburger beschreiben Fälle von multiplen Lähmungen bei Pferden. Hendrickx beobachtete bei einem Pferde gleichzeitig Lösung des N. facialis und oculomotorius auf derselben Seite, Parese einer Extremität der entgegengesetzten
|
||
|
|
||
|
|
||
|
228nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Nerven.
Seite, Parese der Blase und des Rectums mit Störungen in der Schweif-bewegung. Bei der Section fanden sich verschiedene Abscesse und zwar einer im verlängerten Mark, welcher den Facialiskern getroffen hatte, und mehrere in der Gegend der 4 Kreuznerven im Rückenmark. Thomas sen und Hamburger stellten nach einem ähnlichen Zustande capilläre Blutungen in der Medulla oblongata und im Rückenmark fest.
Die Erscheinungen der Lähmung bestehen in Störungen oder Aufhebung der willkürlichen Bewegungsfähigkeit; ist diese vollständig aufgehoben, so spricht man von einer Paralyse; eine Herabsetzung derselben heisst Parese. Die betreffenden Muskeln zeigen sich unfähig auf den Willensreiz eine Contraction auszuführen, können sich im übrigen verschieden verhalten. In der Regel erscheint der gelähmte Muskel schlaff, setzt passiven Bewegungen kein Hinderniss entgegen, vorharrt also andauernd im Zustande der Ruhe (schlaffe Lähmungen). Seltener finden sich die gelähmten Muskeln im Zustande andauernder Contraction, in welchen sie durch Reflexreize gesetzt wurden (spastische Lähmung); die Reizung sensibler Bahnen springt hierbei auf die motorischen über, und zwar findet dieses im Rückenmark oder Gehirn statt.
Durch künstliche Reizung der sensiblen Nerven prüft man z. B. die Reflexerregbarkeit in gelähmten Theilen und unterscheidet: Haut-, Muskel-, Sehnen-. Periost-, Cremaster- u. s. w. Reflexe; nach der Art des Reizes: Kitzel-, Stich-, Klopf- und Streichreflexe. Man schlägt z. B. mit dem Stiele eines Pcrcussionshammers gegen die Achillessehne oder die innere Fläche des Unterschenkels, oder man kitzelt die Fussballen und beobachtet, ob dadurch Contractionen in den gelähmten Muskeln ausgelöst werden. Dieselben verhalten sich nämlich in diesem Punkte sehr verschieden; bald fehlt jede Spur von Reflexerregbarkeit, bald lässt sich normale Reflexerregbarkeit consta-tiren, bald verharren die Muskeln in Folge abnorm gesteigerter Reflexerregbarkeit oder andauernder Einwirkung von Reflexreizen im Zustande der Contraction; in den ersten beiden Fällen besteht eine schlaffe, in dem letzten häufig eine spastische Lähmung.
Die Steigerung der Reflexerregbarkeit giebt sich durch abnorm lebhafte Reflexcontractionen zu erkennen, oder sie zeigt sich durch eine ungewöhnliche Ausbreitung derselben. Vernnlasst wird dieselbe entweder durch Steigerung der Erregbarkeit in den sensiblen Nerven (Hyper-ästhesie) oder durch gewisse Riickenmarkslciden. Nach dem Ergeh-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Lähmungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;229
nisse bei Thieren angestellter Versuche ist man nämlich zu der Annahme gelangt, dass im Lendenmark reflexhemmende Fasern verlaufen, welche mit den motorischen Nerven der Hinterstränge in Verbindung stehen {Reflexbogen). Da nun in den Ganglien des Rückenmarkes, mit welchem die motorischen Fasern vor ihrem Austritt aus demselben in Verbindung treten, die Uebertragung des Reflexreizes von den sensiblen auf die motorischen Bahnen erfolgt, so erklärt sich, dass die Reflexerregbarkeit erhalten bleiben muss, wenn die Ursache der Lähmung den motorischen Nerv auf der ersten Strecke seiner Leitungsbahn getroffen hat, d. h. wenn die Störung entweder im Gehirn selbst, oder von hier bis zum Eintritt der Fasern in die graue Substanz der Vorder- (Unter-) Hörner aufgetreten ist. Nur dann bleibt die Möglichkeit der Uebertragung sensibler Reize auf die motorischen Bahnen bestehen. Liegt die Ursache der Lähmung zwischen dem Lendenmark und dem Austritt der motorischen Fasern aus den Vorderhörnern, so ist der Einfluss der reflexhommenden Fasern unterbrochen, und die Reflexerregbarkeit zeigt sich erhöht, in Folge dessen die gelähmten Muskeln im Zustande reflectorischer Krämpfe verharren können. Auch bei cerehralen Lähmungen wird die Reflexerregbarkeit zuweilen erhöht angetroffen. Vernichtet muss dagegen die Reflexerregbarkeit werden, sobald die Lähmung peripher auftritt, d. h. wenn die Ursache derselben den motorischen Nerv im Rückenmarkc oder nach seinem Austritt aus demselben getroffen hat. Es liegt auf der Hand, dass dieses verschiedene Verhalten zur Präcisirung der Diagnose verwendet werden kann.
In den gelähmten Muskeln tritt in der Regel nach einiger Zeit Atrophie ein, und zwar bald nur langsam und im geringen Grade, bald aber schnell und bedeutend; sie kann indess auch ganz fehlen. Letzteres ist der Fall, wenn die Unterbrechung der Leitung vor dem Eintritt der motorischen Fasern in die grauen Vorder- (Unter-) Hörner des Rückenmarkes stattgefunden hat; ist diese dagegen in den Ganglien selbst oder nach dem Austritt der Fasern aus denselben erfolgt, so stellt sich schnell eine hochgradige Atrophie in den gelähmten Muskeln ein. Diese Erscheinung erklärt sich, wenn man annimmt, dass die motorischen Ganglien des Rückenmarkes einen ti-ophischen Einfluss auf die Nerven und Muskeln ausüben, gleichsam ein trophi-sches Centrum für diese bilden. Wenn also die Ursache der Lähmung die Leitungsbahn der motorischen Fasern vor dem Zusammentritt mit diesen trophischen Ganglien getroffen hat, dann wird die Ernährung in den gelähmten Muskeln nur insofern gestört, als sie nicht regel-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
230nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Nerven.
massig arbeiten. Dieser als Inactivitiitsatropliio bezeichnete Zustand besteht in einer Abnahme des Volumens der einzelnen Muskelfibrillen (und somit auch des ganzen Muskels) ohne dass die anaLuinische Einrichtung derselben alterirt wird. Sobald aber jene Ganglien miterkrankt oder die Leitung hinter denselben unterbrochen ist, verfallen Muskel und Nerv einer schnellen, mit Degeneration, d. h. mit Abänderung ihrer inneren Einrichtung verbundenen Atrophie (degenerative Atrophie). Hierbei zerfallt in dem gelähmten Nerven zunächst die Markscheide, dann auch der Axencylinder, so dass nur die Schwann'sche Scheide übrig bleibt, welche mit einem homogenen, flüssigen Inhalte angefüllt erscheint. Indem nun in dieser, sowie im iuterstitiellen Bindegewebe Wucherung eintritt, bleibt schliesslich vom Nerven nur ein einfacher Bindegewebsstrang übrig. In den Muskeln geht die Querstreifung verloren, die Fibrillen verfallen der fettigen Degeneration unter Vermehrung der Kerne im Sarcolemm, so dass der Muskel endlich in eine aus Bindegewebe und Fett bestehende Masse verwandelt wird.
Es liegt auf der Hand, dass durch die degenerative Atrophie ein Zustand geschaffen wird, der nicht mehr reparabel ist, und wenn nach vollständiger Ausbildung desselben der gelähmte Nerv seine Function wieder erlangen sollte, so kann die Thätigkeit in dem so degene-rirten Muskel doch niemals wieder hergestellt werden. In dem Nachweise dieser degenerativen Atrophie bezw. der Bedingungen zur Entstehung derselben liegt daher für die Beurtheilung der Lähmungen ein besonderer Werth. Gekennzeichnet wird der Zustand 1. durch die rapide Abnahme im Umfange des Muskels; 2. durch dasVerhalten desselben gegen elektrischeEeizungen. Während der erste Punkt sich aus dem oben Besprochenen erklärt, sei bezüglich des letzteren noch folgendes bemerkt.
Bei peripheren Lähmungen, bei denen also die trophischen Ganglien des Bückenmarkes ihren Einfluss auf den gelähmten Nerv eingebüsst haben, zeigt sowohl der gelähmte Nerv wie auch der von ihm versorgte Muskel bald Störungen seiner elektrischen Erregbarkeit. Im Nerven geht die galvanische wie faradische Reizbarkeit in etwa 14 Tagen allmählich verloren. Im Muskel schwindet die Keactions-fähigkeit auf den faradischen Strom ebenfalls bald, während die galvanische Muskelerregbarkeit zunächst gesteigert erscheint; die mit dem galvanischen Strom erzeugten Contractionen des Muskels werden jedoch immer langsamer und träger, besonders bei Anodenschliessung, und im Verlaufe von 48 Wochen verschwindet auch die galvanische
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Lähmungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;231
Erregbarkeit im Muskel. Diese Erscheinung, welche also allen Lähmungen fehlt, deren Ursache vor dem Zusammentritte der motorischen Fasern mit den Ganglien des Rückenmarkes auftreten, wird als Ent-artungsreactionquot; bezeichnet, weil sie andeutet, dass in Muskel und Nerv degenerative Atrophie eingetreten ist, bezw. eintreten wird.
Aus dem Gesagten ergeben sich also Anhaltspunkte für die genauere Diagnose der Lähmung, d. h. für die Ermittelung des Sitzes ihrer Ursache. Spricht die Aufhebung der Function ohne nachweisbare anatomische Veränderung im Muskel für eine Lähmung, so er-giebt sich der Sitz derselben aus folgendem:
1.nbsp; Centrale (cerebrale) Lähmungen treten meist halbseitig (Heraiplcgien) und in grösserer Verbreitung auf; die Keflexerregbar-keit ist bei ihnen erhalten, zuweilen sogar erhöht, während Erscheinungen der degenerativen Atrophie fehlen.
2.nbsp; Spinale (Rückenmarks-) Lähmungen erscheinen doppelseitig (Paraplegie); Reflexerregbarkeit und Atrophie zeigen sich bei ihnen verschieden; die erstere bald normal oder erhöht, bald vernichtet. Atrophie kann fehlen, tritt in anderen Fällen aber hochgradig hervor, daher wird bei spinalen Lähmungen die Entartungsreaction bald beobachtet, bald vermisst; das alles hängt von dem Sitze der Veränderungen im Rückenmarke ab.
8. Periphere Lähmungen kennzeichnen sich als Monoplegien oder bleiben in der Regel auf bestimmte Muskelgruppen beschränkt, deren Reflexerregbarkeit vollständig aufgehoben wird; auch stellt sich die Entartungsreaction und nach einiger Zeit hochgradige (degenerative) Atrophie in den gelähmten Muskeln ein.
Unter Beachtung dieser Punkte gelingt es in den meisten Fällen den Sitz der die Lähmung veranlassenden Erkrankung genauer zu bestimmen, eine Frage, die klinisch sowohl für die Beurtheilung wie auch Behandlung oft von höchster Bedeutung ist.
Die Prognose hängt in erster Linie von den anatomischen Veränderungen, d. h. von der Ursache der Lähmung ab, welche .aus dem Auftreten und dem Verlauf derselben zwar nicht direct erkannt, oft aber wenigstens vermuthet werden kann. Wie bereits erwähnt, spricht plötzliches Auftreten für mechanische Läsionen (Quetschung, Durch-trennung), während langsame Entwickelung auf den Druck einer Geschwulst oder auf Compression des Nerven durch schrumpfendes Narbengewebe hinweist. Da sich bei den einzelnen Nerven diese Ursachen mit geringerer oder grösserer Regelmässigkeit wiederholen, so erklärt
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
232
|
Krankheiten der Nerven.
|
||
|
|
|||
|
sich der verschiedene Verlauf derselben. Die 3040 Fälle von Radialislähmung, welche ich bei Pferden zu beobachten Gelegenheit hatte, gingen sämmtlich in Heilung über, während die Mehrzahl der Supra-scapularis-Lilhmungen sich unheilbar erwies. Sollte das nicht den Schluss rechtfertigen, dass der erstere Nerv in der Regel von leichteren, der letztere von schwereren Läsionen betroffen wird? Lähmungen des N. cruralis, welche bei sonst gesunden Pferden durch Niederstürzen u. s. w. plötzlich auftreten, pflegen in kurzer Zeit wieder zu verschwinden, solche nach der Hümoglobinämie zeigen sich meist unheilbar, weil sie aus schweren Erkrankungen der Iliopsoas hervorgehen, durch welche der N. cruralis seinen Verlauf nimmt. Aus demselben Umstände erklärt sich das langsame Auftreten und die relative Unheilbarkeit der Recurrenslähmungen. Dieser Nerv wird in der Regel von dem in seiner Umgebung entstandenen Narbengewebe gleichsam strangulirt. Wie aber überall, so giebt es auch hier Ausnahmen und es kann nur als eine Verkennung der Thatsachen bezeichnet werden, wenn man die Möglichkeit eines anderen Verlaufes der Lähmungen dieser Nerven leugnen will.
Im übrigen kommen für die Prognose folgende Punkte in Betracht:
1.nbsp; nbsp;Günstig gestaltet sich im allgemeinen der Verlauf der rheumatischen Lähmungen. Es liegt auf der Hand, dass hierbei in der Regel nicht so schwere anatomische Störungen in den Nerven bestehen, wie bei vielen traumatischen Lähmungen; die durch Erkältung entstandenen heilen deshalb regelmässig und zwar in 4ü Wochen, oft in noch kürzerer Zeit.
2.nbsp; Leichte traumatische Einflüsse, z. B. eine massige Dehnung, Zerrung oder Quetschung können Lähmungen zur Folge haben, die nur wenige Tage andauern, wie man es am N. cruralis bei Pferden oft beobachtet. Schwere Läsionen an peripheren Nerven rufen oft unheilbare oder doch jahrelang andauernde Lähmungen hervor. Bei Pferden sah ich Radialislälunungen erst nach 9 Monaten verschwinden.
3.nbsp; Ungünstig wird die Prognose, wo sich die Entartungsreaction zeigt, oder in kurzer Zeit hochgradige Atrophie einstellt.
4.nbsp; Die Erhaltung der faradischen Erregbarkeit über länger als 14 Tage muss als günstig angesehen werden; das Auftreten von faradomuskulärer Hyperästhesie gilt sogar als sicheres Zeichen der in Aussicht stehenden Heilung.
5.nbsp; Günstig müssen die plötzlich entstandenen, unvollkommenen Läh-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Läihmuncfeii.
|
233
|
||
|
|
|||
|
mungen beurtlieilt werden; Paresen des N. radialis heilen regelmässig in 14 Tagen. Als ungünstiges Zeichen gilt dagegen ein deutliches Uebergewicht der Antagonisten.
G. Je älter eine Lähmung und je grosser die Atrophie in den betreffenden Muskeln, um so ungünstiger gestaltet sich die Aussicht auf Genesung.
|
|||
|
|
|||
|
Bei der Behandlung einer Lähmung kommt a) der Nerv und b) der gelähmte Muskel in Betracht. Nur selten gelingt es auf die Beseitigung der an dem betreffenden Nerven bestehendeu Veränderungen einen wirksamen Einfluss auszuüben; wo das möglich ist, muss es natürlich geschehen. So lässt sich z. B. bei periphcror Fucialis-lähmung, die durch Quetschung des Nerven an seiner TJmschhigstelle auf den Unterkiefer entstanden ist, durch Anwendung zertheilender Mittel mit Unterstützung von Massage nützlich eingreifen. Die meisten Nerven sind aber einer solchen Therapie nicht zugänglich, so dass man auf die Behandlung der gelähmten Muskeln angewiesen ist. Dabei handelt es sich vornehmlich um Aufrechthaltung der normalen Ernährung in denselben und Beschränkung der sich eventuell einstellenden Atrophie. Um die Inactivitätsatrophie zurückzuhalten, lässt man, so lange die elektrische Erregbarkeit noch nicht erloschen ist, den faradischen oder galvanischen Strom anwenden; aber auch das Eintreten der degenerativen Atrophie kann durch öftere elektrische Reizung inhibirt werden, sofern die Muskeln noch darauf rcagiren. Leider setzen Pferde häufig der Anwendung des elektrischen Stromes Schwierigkeiten entgegen, indem diese Thiere elektrischen Reizen gegenüber eine ausserordentliche Empfindlichkeit äussern, bei der Anwendung desselben sehr unruhig und widerspenstig werden. Wir sind daher oft auf andere Mittel angewiesen, welche die Circulation und Ernährungsvorgänge in den gelähmten Muskeln fördern, und dahin gehört in erster Linie die Massage, in Form des Knetens, Klopfens oder Streichens. Von den örtlichen Verhältnissen hängt es vornehmlich ab, welche Methode der Massage man wählt; wo es bequem durchführbar ist, ziehe ich das Klopfen (Topotement) mit den Händen oder ein Paar hölzernen Hämmern vor (S. 44).
In derselben Weise wirkt meines Erachtens auch eine kräftige Douche, welche schon von Ger lach u, a. gegen Lähmungen empfohlen wurde; vielleicht vermag die Kältewirkung auf die Resorptionsvorgänge unter Umständen einen vortheilhaften Einfluss auszuüben.
Zu den vielfach gegen Lähmungen angewendeten Arzneistoiten
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
234nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Nerven.
gehören Strychnin und Veratrin. Vom ersteren weiss man, dass es die Reflexerregbarkeit im liückemnark steigert und so durch Anregung von Reflexbewegungen die Ernährungsvorgänge in den gelähmten Muskeln fördert. Veratrin steigert und verlängert die Zuckungscurven der quergestreiften Muskeln; ermüdete Muskeln werden durch Einwirkung desselben wieder arbeitsfähig. Dass beide Mittel indess mit Vorsicht angewendet werden inilssen, ist bekannt; während Strychnin leicht zu Vergiftungen führt, bewirken Ubermässige Dosen von Veratrin gerade das Gegentheil, indem sie eine Lähmung der Muskulatur herbeiführen. Beide Mittel finden in subeutaner Application die beste Gelegenheit zur Entfaltung ihrer Wirkung.
Die beim Menschen gegen Lähmungen wohl angewendete Nerven-dehnung kommt hier schon deshalb nicht in Betracht, weil es schwer fällt, die betreuenden Stämme bei den grösseren Thieren frei zu legen.
Die als Krämpfe bezeichneten Motilitätsstörungen besitzen in therapeutischer Hinsicht kein vetcrinär-chirurgisches Interesse.
7. Der Nervenschnitt (Neurotomie und Nourectomie). Die Durchschneidung von Nerven bezweckt Beseitigung von schmerzhaften Zuständen, die sich in anderer Weise überhaupt nicht oder doch erst nach längerer Zeit heilen lassen. Bei Thieren handelt es sich ausschliesslich um Lahmheiten, welche durch die Neurotomie beseitigt werden sollen, wenn der sie veranlassende Krankheitszustand selbst schwer oder gar nicht heilbar ist. Die articuläre Form der Schale, die Fussrollenentzündung, chronische Entzündung dos Fessel-gelcnkes und der Beugesehnen, gewisse Huf leiden (Zwanghuf, Horn-säule) geben zur Ausführung dieser Operation nicht selten Anlass. Beim Menschen bezweckt die Neurotomie vornehmlich Beseitigung heftiger neuralgischer Schmerzen, die bei Thieren nur selten beobachtet werden und noch seltener so genau nachzuweisen sind, dass man zu der Operation schreiten könnte (S. 223). Soll mit dem Nervenschnitt eine Lahmheit beseitigt werden, so muss man zunächst über zwei Fragen klar zu werden suchen, nämlich:
1.nbsp; nbsp;dass die schmerzhaft erkrankten Theile ausschliesslich von dem zu durchschneidenden Nerven ihre sensiblen Fasern empfangen, und
2.nbsp; nbsp;dass die Lahmheit nur durch die bestehenden Schmerzen, nicht aber durch anderweitige Zustände, z. B. Verwachsung des Gelenkes, Verkürzung von Sehnen oder Bändern bedingt wird.
Wo diese beiden Bedingungen zutreffen, wird die Lahmheit durch den Nervenschnitt geheilt.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Nervenschnitt.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;235
Nerven, die einfach quer durclischnitten werden (Neurotomie) vereinigen sich in der Kegel nach einiger Zeit wieder (S. 220), so dass damit die Wirkung der Operation vorüber ist. Wir schneiden daher in der Regel ein Stück aus dem Nerven heraus (Neurectomie), um eine länger dauernde Wirkung zu erzielen. Aber auch die Neurectomie, wobei 12 cm des betreffenden Nervenastes resecirt werden, übt in der Regel einen dauernden Einfluss nicht aus. Meist stellt sich nach 1 2 Jahren von neuem Empfindlichkeit in dem betreffenden Theile ein und damit auch die Lahmheit. Das Rejirenerationsvermötren sensibler Nerven zeigt sich so ausserordentlieh günstig, dass trotz der Resection eine Wiedervereinigung stattfindet, wie schon Hausmann bei Pferden feststellen konnte. Nichts desto weniger empfiehlt sich die Operation in vielen Fällen, indem schon die Herstellung der Arbeitsfähigkeit für diese Zeit genügt; event, kann die Operation nach dieser Zeit an derselben oder an einer höher gelegenen Stelle wiederholt werden. Die bei Menschen gegen Neuralgien neuerdings ausgeführte Nervendehnung hat nur eine vorübergehende Wirkung und ist bei Thieren nur selten (Berto, Botalli und Rabbaglielli) mit Erfolg angewendet worden.
Da es sich um die Beseitigung von Schmerzen handelt, so kommen nur sensible Nerven in Betracht, welche an den Gliedmassen in der Regel isolirt verlaufen, d. h. keine motorischen Fasern führen, so dass die Bewegung durch den Nervenschnitt nicht gestört wird. Im übrigen gehen die Bewegungsimpulse an den Grliedmassen namentlich des Pferdes fast ausschliesslich von den an den oberen Abschnitten derselben gelegenen Muskeln aus, deren Nerven von der Operation nicht betroffen werden. Wohl aber werden mit den sensiblen Nerven in der Regel trophische bezw. vasomotorische Fasern durchtrennt, in Folge dessen zuweilen auffällige Ernährungsstörungen an der betreffenden Gliedmasse auftreten. Bald stellt sich eine Unterbrechung der Hornproduction mit Ablösung der Huf kapsei ein, bald entwickelt sich in der Haut und Unterbaut ein hyperplastischer Vorgang, welcher mit erheblicher Verdickung des Fusses, namentlich an der Fessel verbunden ist. Ebenso wird oft ein abnorm schnelles Wachsthum des Hufes beobachtet, so dass derselbe häufiger beschlagen werden muss als der correspondirende Huf. Rilthselhaft bleibt es, weshalb diese Folgen ganz unbestimmt, im ganzen aber nur selten auftreten, und weshalb die Verdickung in der Haut und Unterhaut sich später wieder zurilckbilden kann. Auch das Ausschuhen stellt einen seltenen und bezüglich seiner nächsten Ursache unaufgeklärten
|
||
|
|
||
|
|
||
|
230nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiton der Nerven.
Ausgang der Neurotomie dar. Zur Vermeidung dieses recht unangenehmen Ereignisses wurde empfohlen, die Nerven eines Fusses nicht zugleich, sondern in Zwischenzeit von 14 Tagen zu durchschneiden (Hendricks); ich habe davon keinen Gebrauch gemacht und trotzdem nicht weniger günstige Erfolge erzielt als andere mit diesem Verfahren. Auch wurde die Neurectomie am N. medianus vielfach von mir vorgenommen, ohne schlechtere Erfahrungen bezüglich des Ausschuhens gemacht zu haben als mit der Neurectomie an den Plantarnerven. Von anderen wurde betont, class die Thiere in den ersten vier Wochen nach der Neurectomie mit Arbeit verschont werden müssen (Nocard), um das Ausschuhen zu verhüten. Dass aber auch hierin nicht der Schwerpunkt der Frage liegt, geht schon daraus hervor, dass sich das Ausschuhen in der Regel schon in den nächsten Tagen nach der Operation einstellt. Wenn diese Complication erst später eintritt, bildet sie regelmässig die Folge nicht beachteter Verletzungen an der Huf lederhaut. Damit soll indess nicht behauptet werden, dass die Beachtung dieser Massnahmc unnütz sei; es lässt sich im Gegcntheil sehr wohl denken, dass die durch die Neurotomie herbeigeführten tro-phischen Störungen mit der Zeit ausgeglichen werden, und so diese Gefahr sich allmählich verliert. Ernährungsstörungen in Folge der Neurotomie bilden ferner auch die Ursache der zuweilen hiernach auftretenden Fracturen an den Zehenknochen, namentlich dem Hufbein; diese veranlassen wahrscheinlich auch die seltener beobachteten Zerreissungen der Beugesehnen. Man hat diese Ereignisse wohl dem schonungslosen Auftreten mit der neurectomirten Gliedmasse zugeschrieben, meines Erachtens jedoch mit Unrecht. Bas Auftreten mit dem operirten Fusse fällt nicht stärker aus als mit dem gesunden, dagegen liegt die Annahme nahe, dass die Ernährung der Knochen und Sehnen durch die Operation leidet, so dass sich hierdurch die Fracturen erklären, welche indess im ganzen selten sind. Die nach der gegen Fussrollenentzündung unternommenen Neurotomie beob-nchtete Zerreissung des Hufbeinbeugers auf dem Strahlbein muss in erster Linie auf die Veränderungen (Zerfaserungen) der Sehne selbst zurückgeführt werden, die sich im Verlaufe dieser Krankheit einstellen.
Ein weiterer Uebelstand, der mit der Neurotomie verbunden ist, besteht darin, dass die Thiere Verletzungen an dem betreffenden Fusse nicht fühlen; Nageltritte, Vernagelungen u. s. w. daher nicht rechtzeitig erkannt werden und in Folge dessen leicht zu schweren entzündlichen Erkrankungen und selbst Ausschuhen fuhren. Daraus ergiebt sich.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Nervenschnitt.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 237
dass man bei Pferden mit mangelhaft eingerichteten Hufen diese Operation soweit möglich vermeidet.
Freilich könnte vom theoretischen Standpunkte zugegeben werden, dass die Sicherheit des Ganges der Thiere durch den Fortfall des Empfindungsvermögens in dem operirten Fusse leide, die Erfahrung lehrt indess, dass diese Störung keineswegs in dem Masse zu befürchten ist, wie früher vielfach angenommen wurde. Ich selbst habe den Nervenschnitt nicht nur bei Wagen- sondern auch bei Reitpferden häufig ausgeführt, ohne einen derartigen Nachtheil beobachten zu können; auch Hugues, Hardy u. a. theilen diese Auffassung. Selbstverständlich kommt es hierbei wesentlich auf die Stellung der Gliedmasse und in erster Linie auf die Lage der Vorderfusswurzel und des Fesselgelenkes an. Durch vorbiegige Stellung und steile Fessel wird der Gang der Pferde auch ohne Neurotomie unsicher, nach dieser Operation aber noch mehr; daher kann dieselbe für Reitpferde mit solchem Bau nicht empfohlen werden. Unrichtig aber ist die Behauptung Verys, dass das Traben der Thiere nach der Neurotomie nicht mehr möglich sei; ich selbst habe auch bei Trabern, welche auf der Rennbahn Verwendung finden, die Operation vorgenommen und beobachtet, dass sie nachher ebenso leistungsfähig waren wie vor der Operation, bezw. vor der Krankheit, welche zu derselben Anlass gab.
Die Neurotomie bezw. Neurectomie kommt nur für Pferde in Betracht und kann an verschiedenen Nerven der Gliedmassen vorgenommen werden.
An den Vordergliedmassen wurde diese Operation ursprünglich nur gegen Zwanghuf und Fussrollenentzündung und zwar entweder am Schienbeinnerven 56 cm über dem Fesselgelenkc vorgenommen, da wo der Nerv dicht vor der Hufbeinbeugesehne liegt, oder 23 cm unterhalb des Fesselgelenkes, woselbst man in der Regel gegen Fussrollenentzündung nur den hinteren Ast durchschnitt. An der zuletzt genannten Stelle ist die Operation unbequemer und schwieriger, weil der Nerv hier bedeutend kleiner ist. Auch bietet die Methode nicht die Sicherheit des Erfolges wie die Operation über dem Fesselgelenke; daher hat sich in Deutschland die letztere Methode am meisten eingebürgert. Auch in Frankreich tritt man neuerdings mehr und mehr für diese ein (Nocard, Mollereau U. a.). Ich führe diese Methode etwas tiefer als bisher empfohlen, und zwar dicht über dem Fesselgelenkc aus, wo man sich durch Palpation über die Lage des Nerven leichter orientiren kann. Lässt man den Zeigefinger
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
238
|
Krankheiten der Nerven.
|
||
|
|
|||
|
dicht oherluilb des Fesselgelenks quer über den Metacarpus gleiten, so fühlt man einen beweglichen Strang, der aus der Seitenarterie und Vene der Zehe und dem Nerven besteht. Am meisten nach vorn liegt die Vene, dann folgt die Arterie und die hintere Grenze dieses Stranges bildet der Nerv.
Man operirt in der Regel am gefesselten und ausgebundenen Fusse; ich benütze gegenwärtig die Latte zum Ausbinden. Der von der Fessel befreite und mit dem Esmarch'schen Constrictions-schlauche versehene Fuss wird auf ein 3 m langes 10 cm breites Brett gebunden, dessen Ränder gut abgerundet sind und die Latte von einigen Gehülfen festgehalten. Da ich in der Regel beide Aeste bald nach einander durchschneide, so beginnt die Operation an der medialen Seite, weil alsdann die Wunde während der Durchschneidung des lateralen Astes nicht so leicht vereinigt wird, als wenn man in der entgegengesetzten Weise vorgeht. Bei Beachtung antiseptischer Massnahmen erfolgt die Heilung in der Regel per prim. int.
|
|||
|
|
|||
|
Fig. 47.
|
Nachdem die Haare an der Operationsstelle abrasirt sind,
|
||
|
|
|||
|
und die Haut sorgfältig desinficirt ist, lege ich den 34 cm langen Hautschnitt unmittelbar auf dem Nerven, also am hinteren Rande des hier fühlbaren Stranges an, über dessen Lage man sich vorher noch einmal genau durch Palpation informirt. Bei Beachtung dieser Vorschrift trifft man regel-mässig den Nerv sofort, der an seiner hellen Farbe und dem faserigen Bau leicht zu erkennen ist. Der Hautschnitt muss schnell erfolgen und das Messer sofort zurück-4 gezogen werden, damit durch die alsbald erfolgende Bewegung des Fusses der Schnitt nicht zu gross wird; auch suche man, nicht zu tief zu schneiden, um eine Verletzung der Sehnenscheide zu vermeiden. Nachdem mit einem sterilen Tupfer oder Schwamm das aus den Haut-gefässen stammende Blut entfernt ist, legt man durch ein paar Präparirschnitte den Nerven frei; sollten sich reichlichere
|
|||
|
|
|||
|
\y^
|
Mengen Bindegewebe vorfinden, so nimmt man dieses mit
|
||
|
Hülfe von Pincette und Messer oder Schere fort. Sodann wird die Dechamp'sche Nadel (Fig. 47) mit einem Liga-
|
|||
|
L'nterbin-dnngBnadel
|
|||
|
|
|||
|
Dechamp. tiirfaden versehen, quer unter den Nerven hindurchgeschoben
und der Faden um den Nerv geknotet. Durch lebhafte
Bewegungen des Thieres beim Knoten giebt sich zu erkennen, dass
man den Nerv gefasst hat. Nunmehr gelingt es mit Hülfe der
Ligatur und des Messers oder der Schere den Nerv auf eine Strecke
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Nervenschnitt.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 239
von 12 cm frei zu legen, um einen Schcrenschenkel unter denselben schieben zu können. Mit einem kurzen Schlage durchtrennt man den Nerv zuerst im oberen Wundwinkel; die zweite Durchschneidung im unteren Wundwinkel wird alsdann nicht mehr empfunden. Nunmehr lässfc man die geringe Menge Blut abtupfen, und wenn eine Verunreinigung der Wunde zu befürchten ist, spült man dieselbe mit Sublimatwasser und legt sodann 84 Knopfnähte aus Catgut oder Seide an.
Das früher übliche Spülen der Wunde mit dem einen oder anderen Desinfectionsraittel suche ich soweit möglich zu vermeiden, weil die Gewebe darunter leiden und die Heilung nicht so leicht erfolgt, als ohne Einwirkung dieser Mittel. Darin eben besteht zum Theil der Unterschied zwischen Antisepsis und Asepsis.
Das Pferd wird sodann über den Rücken gewälzt und der äussere Nervenast in derselben Weise durchschnitten. Nachdem auch diese Operationswunde geheftet ist, legt man einen Occlusivverband mit sterilisirtem Material an. Der Fuss wird hierauf losgebunden, der Constrictionsschlauch entfernt und die Fesselung gelöst, damit das Thier aufstehen kann.
Am stehenden Pferde lässt man den Verband mit Sublimatwasser anfeuchten und hält denselben in den nächsten drei Tagen in gleicher Weise angefeuchtet. Zu einer Blutung kommt es nur selten; sollte sich indess am nächsten Tage der Verband von Blut durchtränkt zeigen, so muss derselbe gewechselt werden. In der Regel ist in 68 Tagen die Heilung soweit erfolgt, dass der Verband entfernt werden kann. Sollte Eiterung eingetreten sein, oder in den ersten Tagen nach der Operation sich Fieber einstellen, so löse man nicht nur den Verband, sondern auch die Hefte der Wunde, welche sich alsdann regelmässig angeschwollen zeigt.
Mit Hülfe des Cocain ist es neuerdings auch gelungen, die Neu-rectomie der Schicnbcinnorven am stehenden Pferde auszuführen. Meines Wissens ist dieses Verfahren zuerst in Amerika, dann auch in Holland versucht worden. Von Jong wurde dasselbe beschrieben und habe auch ich mich von der Ausführlichkeit überzeugen können, .long operirt im Nothstalle, doch ist nach meinen Beobachtungen auch das nicht noting; es genügt in der Regel, den Vorderfuss des Thieres auf einen Beschlagbock zu stellen. Wo die Operation so vorgenommen werden soll, injicirt man nach sorgfältiger Desinfection der Hautoberfläche ca. 2,0 einer f)10n/oigen Cocainlösung in die Subcutis, wodurch nach
|
||
|
|
||
|
|
||
|
240nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Nerven.
23 Minuten vollständige Empfindungslosigkeit nicht nur der Haut, sondern auch der Nerven erzielt wird, so dass die Thiere selbst ohne Bremse weder auf den Hautschnitt noch auch auf die Durchschneidung des Nerven reagiren; will man ganz sicher gehen, so träufelt man vor der Durchschneidung ein paar Tropfen Cocain auf den bloss-gelegten Nerven. Um in der Blutleere operiren zu können und die Resorption des Cocains zu verlangsamen, wird zweckmässig ein Es-m a r o h'scher Constitutionsschlauch angelegt.
Gegen Lahmheiten, die durch schmerzhafte Leiden am Fesselgelenke, am Metacarpus (Sehnen) oder Carpalgelenke vei-anlasst werden, wähle ich die N eure ctomie des Modi an us. Sie wurde zuerst von Peters ausgeführt, später von Goldmann u. a. empfohlen, und gewährt noch den Vortheil, dass eine einmalige Durchschneidung genügt. Hierzu muss das Pferd niedergelegt werden und wenn keine Latte zur Verfügung steht, empfiehlt es sich Narkose einzuleiten. An der Latte indess lässt sich der Fuss genügend befestigen, wobei es namentlich darauf ankommt, dass derselbe gehörig aus der Brust hervorgezogen wird. Man lässt don Fuss gleichzeitig etwas nach vorn halten, etwa in ausschreitender Stellung. Dicht oberhalb des Ellbogengelenkes ist der N. inedianus zu fühlen, wenn man zwei Finger unter massigem Druck von vorn nach hinten oder umgekehrt über das genannte Gelenk gleiten lässt; er liegt etwa in der Mitte auf demselben, zuweilen etwas mehr nach vorn. Bei muskel- und fettarmen Thieren fällt sowohl das Aufsuchen wie auch die Durchschneidung der Nerven leichter aus als unter den entgegengesetzten Zuständen.
Nachdem das Haar auf und über dem Ellbogengelenk abrasirt und die Haut gereinigt ist, überzeugt man sich nochmals von der Lage des Nerven genau und macht sodann an der betreffenden Stelle einen 56 cm langen Hautschnitt in der Richtung des Nerven bezw. des Schenkels. Die etwa blutenden Hautgefässe werden torquirt oder unterbunden, um das Operationsfeld frei zu erhalten. Ein zweiter Schnitt theilt die Muskulatur bis auf die Vorarmfascie, welche sich durch ihre gelbweisse Farbe alsbald zu erkennen giebt. Auch hierbei entsteht in der Regel nur geringe Blutung; sollte indess ein Ge-fäss spritzen, so wird es unterbunden. Während mit zwei Wundhaken die Muskelmassen und Haut von einem Gehülfen auseinandergehalten werden, befühlt der Operateur mit dem Zeigefinger die Fascie, um sich zu vergewissern, dass der Nerv unter dem freigelegten Abschnitte derselben in der Mitte der Wunde liegt. Sollte das nicht der Fall sein, so wird der Fuss nach vorn oder hinten bewegt, bis
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Neurectomie.
|
241
|
||
|
|
|||
|
der Nerv an dieser Stelle zu fühlen ist. Mit einem geballten Messer wird nunmehr ein Einschnitt in die Fascie gemacht und die Oeffnung mit der Schere erweitert. Es empfiehlt sich mit der Schere ein kleines (1 cm breites und 2 cm langes) Stück der Fascie zu ent
|
|||
|
|
|||
|
fernen, worauf der Nerv durch die Oeffnung bald her-
|
Pig. 48.
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
vorquillt. Man hüte sich hierbei, die unmittelbar neben oder unter dem Nerven gelegenen grossen Venonstämme zu verletzen. Sobald der Nerv sichtbar wird, schiebt man die mit einem Faden versehene Dechamp'sche Nadel unter denselben hindurch, wobei dieselbe Vorsicht wie bei der Handhabung der Schere geübt werden muss. Da das Thier in diesem Momente oft unruhig wird und nicht nur das Vorgehen stört, sondern auch zu Verletzungen der venösen Gefässe leicht Veranlassung giebt, so empfiehlt sich, während der Application des Fadens
|
|
||
|
|
|||
|
bei nicht narkotisirten Thieren die Bremse etwas anziehen zu lassen. Der unter dem Nerven liegende Faden wird nun mit einem kurzen Ruck geknotet, aber sofort wieder losgelassen, um Zerrungen der Nerven durch das hierbei auftretende Sträuben des Thieres zu vermeiden. Sobald Beruhigung eingetreten und das etwa vorhandene
|
|||
|
|
|||
|
Blut mit einem Tupfer entfernt ist, durchschneidet man
|
Wumlhaken.
|
||
|
|
|||
|
den Nerven wie oben beschrieben. Es empfiehlt sich, den ersten Schnitt möglichst hoch zu legen, so dass der Stumpf des sich leicht dehnenden Nerven nicht frei in die Wunde ragt, wodurch der Bildung eines Neuroms Vorschub geleistet wird. Nachdom man sich überzeugt hat, dass der Nerv vollständig durchschnitten, sodann ca. 2 cm tiefer nochmals durchtrennt ist, wird die Wunde ausgespült, und falls eine stärkere Blutung bestehen sollte, was nicht immer zu vermeiden ist, die Haut mit ein paar Ligaturen versehen, welche in den nächsten Tagen entfernt werden. Heilung per prim, int. lässt sich hier nicht so leicht erreichen wie an der Fessel, doch heilt die Wunde regelmässig in etwa 14 Tagen, auch wenn sie nicht geheftet wurde.
Bei einiger Uebung fällt diese Operation nicht schwer, sobald man Verletzungen der grossen Venen vermeidet; darauf verwende man besondere Sorgfalt. Erscheint die aus denselben eintretende Blutung auch nicht gefährlich, so stört sie doch die Ausführung der Operation ganz erheblich, und zwar um so mehr, als die Unterbindung der blutenden Gefässe stets auf grösserc Schwierigkeiten stösst. Ich
Möller, Allgemeine Clm-urgie für Thierilr/.te.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;16
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
242nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Nerven.
verzichte daher in der Regel hierauf, suche durch Anlegung einer Schieberpincette die Blutung nur vorläufig zu unterbrechen und setze dann die Operation fort. Nach Vollendung derselben wird die Wunde gehörig tamponirt und fest geheftet; Nachblutung kommt nicht zu Stande, vielmehr hört die Blutung auf, sobald das Thier aufgestanden ist.
Grössere Schwierigkeiten bietet die Wiederholung der Operation an demselben Fusse, wie es z. B. bei Bildung eines Neuroms noth-wendig werden kann. Das reichlich entwickelte Narbengewebe stört das Aufsuchen des Nerven in hohem Masse. Dazu kommt, dass sich in der Regel auch die venösen Gefässe an der Stelle stark erweitert zeigen. Man suche in solchem Falle möglichst hoch oben und bei recht günstiger Beleuchtung zu operiren.
Goldmann führte im Verlaufe von 4 Jahren die Neurectomie des Medianus 17 mal bei Pferden aus, bei 5 Armeepf'erden, 3 Officierpferden und (gt; Privatpferden. In 14 Fallen gab chronische Hufgelenklahmheit die Veranlassung zur Operation ab, einmal Schale, einmal Verknöcherung des medialen Hufbeinknorpels, einmal eine Lahmheit, welche nach tiefgehender Operation eines Nageltritts zurückgeblieben war. Mit einer Ausnahme wurde in allen Füllen dauernde Beseitigung der Lahmheit erzielt. Es trat zwar in keinem Falle Heilung per prim. int. ein, doch wurden nachtheilige Folgen, namentlich Ausschuhen nicht beobachtet.
An den Hintergliedmassen bietet sich seltener Gelegenheit zur Neurectomie. Gegen Spat hat sich dieselbe bisher unwirksam erwiesen, chronische Fussrollenentzündung und Zwanghuf kommen hier kaum vor; daher beschränkt sich die Operation auf Schale und chronische Entzündungen der Beugesehnen sowie ihrer Scheiden.
Gegen diese Leiden namentlich gegen Schale kann ebenfalls die Neurectomie am Nervus plantaris vorgenommen werden, wobei ähnlich verfahren wird, wie am Vorderschenkel. Auch hier lässt sich die Lage der Nerven durch Palpation genau feststellen und die Operation dicht über dem Fesselgelenke leicht ausführen. Die Neurectomie eines Astes der Sohlennerven unterhalb des Fesselgelenkes empfiehlt sich hier noch weniger als am Vorderschenkel, weil, wie bereits erwähnt, diejenigen Leiden, bei denen diese Methode noch einigen Erfolg verspricht (chronische Fussrollenentzündung und Zwanghuf) hier nicht vorkommen.
Zur Befestigung des zu operirenden Fusses wird derselbe auf das Schienbein des Vorderschenkels ausgebunden; die Latte ist hier nicht zu verwenden, weil sich der Hinterfuss mit derselben nicht genügend festhalten lässt.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Neurectomie.
|
243
|
||
|
|
|||
|
Nach meinen Erfahrungen verdient für den Hinterschenkel jedoch die Neurectomie des N. tibialis über dem Sprunggelenke den Vorzug. Denn einestheils ist die Operation leicht ausführbar; auch bedarf es nur einer einmaligen Durchschneidung; dazu kommt, dass dieselbe namentlich bei Leiden der Sehnen und ihrer Scheiden eine grössere Sicherheit des Erfolges gewährt als die Operation am Metatarsus.
Der N. tibialis, ein Ast des Ischiadicus, tritt zwischen den Köpfen der Mm. Gastrocnemii hervor und läuft 3 cm vor der Achillessehne zum Sprunggelenk herab, um sich dicht über demselben in den äusseren und inneren Sohlennerven zu theilen. An der medialen Schenkelfläche, etwa eine Hand breit über dem Sprungbeinhöcker, fühlt man den Nerven leicht, wenn man mit der Hand die Achillessehne von hinten umfasst und die vor derselben liegenden Weich-theile zwischen dem Daumen und den ersten beiden Fingern nach vorn gleiten lässt.
Er liegt hier etwa 3 cm vor der Achillessehne, der medialen Schenkelseite der Oberfläche etwas näher als der lateralen; von der ersteren aus erfolgt daher auch die Operation.
Nachdem das Pferd auf die Seite gelegt ist, so dass sich der zu operirende Fuss unten befindet, wird der oben liegende Hinterschenkel auf den gleichseitigen Vorderfuss ausgebunden, um Raum für die Ausführung der Operation zu erlangen. Die Haare werden zunächst abgeschoren, sodann etwa eine Hand breit über dem Tuber calcanei und 3 cm vor der Achillesseline, da wo man den Nerv fühlt, ein 56 cm langer Hautschnitt parallel zu der genannten Sehne gemacht. Etwa blutende Hautgefässe unterbindet man, legt sodann zweckmässig zwei Heftfäden durch die Wundränder, um diese auseinander zu halten, präparirt das subeutane Bindegewebe fort und gelangt nun auf die Schenkelfascie. Nachdem man sich durch dieselbe Manipulation wie beim Aufsuchen des Nerven nochmals überzeugt hat, dass derselbe auf dem Grunde der Wunde unter der Fascie liegt, wird diese auf 5(5 cm Länge gespalten und zwar' in der Richtung der Hautwunde. Mit der Schere trägt man sodann von der Fascie ein etwa 1 cm breites Stück ab, worauf der durch seine gelbweisse Farbe und faserige Beschaffenheit gekennzeichnete Nerv zum Vorschein kommt, aus dem Spalt der Fascie häufig hervorquillt. Alsdann wird eine D e-champ'sche Nadel mit Faden unter den Nerven hindurchgezogen; durch das beim Zusammenknoten des Fadens erfolgende Sträuben fällt der letzte Zweifel, dass man den Nerven vor sich hat. Derselbe wird
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
244nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Nerven.
23 cm frei priiparirt und zuerst oben, dann unten mit kurzen Scherenschlägen durchschnitten.
Obgleich Heilung auf dem ersten Wege in der Regel nicht zu erwarten ist, bedarf es einer Naht nur da, wo ausnahmsweise eine stärkere Blutung erfolgt.
Die Bildung eines Neuroms an dem centralen Ende des durchschnittenen Nerven findet an dieser Stelle höchst selten statt, wird aber auch hier dadurch begünstigt, dass das Ende des Nerven niclit hoch genug abgeschnitten wird und in Folge dessen frei in die Operationswunde ragt. Durch vorsichtige Schnittftthrung bei der ersten Durchtrennung lässt sich dieser Ausgang in der Regel vermeiden; sollte derselbe dennoch eintreten, so bleibt nur die operative Entfernung des Neuroms übrig; die Anwendung einer Scharfsalbe, wie Vogel empfiehlt, genügt nicht. Wie am N. medianus gestaltet sich die zweite Operation jedoch wegen des Narbengewebes schwieriger als die erste. Man suche dabei den Nerv möglichst hoch oben auf.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
VII. Krankheiten der Gelenke.
|
|||
|
|
|||
|
Einleitung. Die Entwickelung der Gelenke aus den zunilchst soliden Knorpelsttulen, der Grundanlage der Gliedmassen, erfolgt in der Weise, dass sieh da, wo ein Gelenk entsteht, in dem hyalinen Knorpel ein Spaltraum bildet. Wahrscheinlich läuft dieser Vorgang unter dem Einflüsse der schon frühzeitig auftretenden Muskelwirkung ab, welche auch auf die Form der Gelenkflächen den hauptsächlichsten Einfluss ausübt. Aus dem Perichon-drium bildet sich das Kapselband einschliesslich der Synovialmembran, worauf an den so getheilten Knorpelsäulen die einzelnen Abschnitte ossi-ficiren; doch erhält sich an ihren Enden eine dünne Knorpelschicht (Gelenkknorpel), welcher da, wo ein gegenseitiger Druck der Knochen fehlt, mit Endothel bedeckt wird. An der Grenze des Gelenkknorpels setzt sich die Gelenkkapsel mit der Synovialmembran an. Die erstere besteht aus derben Bindegewebszügen mit elastischen Pasern, besitzt also etwa den Aufbau einer Fascie; die Synovialis dagegen wird von einem lockeren, oft sehr fettreichen Bindegewebe gebildet und trägt an ihrer Oberfläche zahlreiche Zotten; sie ist mit einer meist einschichtigen Endothellage bedeckt und durch das lockere subsynoviale Bindegewebe mit dem Kapselbando verbunden. Auch die aus zartem Bindegewebe bestehenden Gelenkzotten enthalten vielfach Fettgewebe. Man unterscheidet nach ihrer Zusammensetzung Faserzotten, Fettzotten, Schleimzotten und Knorpelzotten, doch giebt es auch Uebergänge. Die meisten derselben führen zahlreiche Lymph- und Blutgefässe. Nach den Untersuchungen Tillmanns findet sich unmittelbar unter dem Endothel der Synovialis ein Capillarnetz von Blutgefässen, unmittelbar unter diesen ein feines Lymphgefässnetz, welches mit dem tieferen, in der Synovialis sowie in subsynovialem Bindegewebe befindlichen Lymphbahnen in Verbindung steht. Die letzteren gehen in die Lymphgefässe des Periost und das um das Gelenk liegende Bindegewebe über.
Die Gelenkhöhle kann hiernach als ein grosser Bindegewebs- bezw. Lymphraum angesehen werden, in welchem die modificirte Gewebsflüssig-keit (Synovia) einer dauernden Resorption und Secretion unterworfen ist, Vorgänge, die durch die Bewegung in dem betreffenden Gelenke gesteigert werden. So erklärt sich auch der Befund Frerichs, welcher beim Rinde ermittelte, dass die Synovia während der Ruhe wasserreicher, nach längerer Bewegung wasserärmer wird. Sie besteht nach Frerichs aus:
|
|||
|
|
|||
|
während dernbsp; Ruhe
1.nbsp; Wasser.....96gt;nbsp; nbsp; . .
2.nbsp; Mucin......0,2 7onbsp; nbsp; . .
3.nbsp; Eiweis......1,5 quot;/onbsp; nbsp; . .
4.nbsp; Asche......1,0 0/onbsp; nbsp; . .
|
nach der Bewegung
. . .nbsp; nbsp; nbsp;94 7o
. .nbsp; nbsp; 0,5 0/o
...nbsp; nbsp; 3,5 0/o
. .nbsp; nbsp; 1,57raquo;.
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
246nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Gelenke.
Die Synovia unterscheidet sich also von dem gewöhnlichen Gewebs-safte bezw. der Lymphe durch ihren Gehalt an Mucin, welches wahrscheinlich ein Product der Endothelzellen an der inneren Oberfläche der Syno-vialis bildet.
Abgesehen von geringen physiologischen Schwankungen bleibt die Menge der in der Gelenkhöhle vorhandenen Synovia andauernd dieselbe. Unter dem Einflüsse krankhafter Vorgänge findet jedoch nicht selten eine bedeutende Vermehrung derselben statt, ein Zustand, den man als Hydrops articuli oder Gelenkwassersucht bezeichnet. Die Eesorptionsvorgänge erfolgen auf der gesunden Synovialis lebhaft und erstrecken sich selbst auf feste Substanzen. Injicirte man z. B. eine Emulsion von Zinnober oder Tusche in das Kniegelenk, so liess sich diese Masse bereits acht Minuten später in den Inguinialdrüsen nachweisen.
|
||
|
|
||
|
1. Wachsthuinstörungeii der Crelenke.
Es wurde bereits betont, dass die Entwickelung der Gelenke von der Muskelwirkung ausgeht. Auch nach der Geburt vollzieht sich die weitere Ausbildung derselben keineswegs unter dem Einflüsse von Zufälligkeiten; dieselbe ist vielmehr von der Wirkung der bewegenden Kräfte, insbesondere von dem functionellen Eingreifen der Muskelmassen und dem Einflüsse des Druckes der Körperlast abhängig. Es war namentlich Volkmann, der auf diesen, in der Thierzucht noch lange nicht in verdienter Weise anerkannten und beachteten Umstand die Aufmerksamkeit richtete. Während des Knochenwachsthums finden vielfach Aenderungen in der Formation der Gelenke statt, wodurch Abweichungen von der normalen Stellung der Gliedmassen zu Stande kommen. Ohne zu übertreiben darf man wohl behaupten, dass die bei weitem grösste Mehrzahl der fehlerhaften Stellungen nicht angeboren, sondern erst nach der Geburt entstanden sind. Das Wachs-thum der Knochen schliesst vielfache Umlagerungen mit Umgestaltung ihrer Formen ein. Ebenso vollziehen sich an den Gelenken Abänderungen ihrer Gestalt unter dem Einflüsse des auf die Knochenenden wirkenden Druckes, sowohl durch Belastung als auch durch Muskelwirkung; die sog. Bäckerbeine des Menschen liefern hierfür einen sprechenden Beweis.
In dieser Hinsicht bleibt zu beachten, dass jede andauernde oder oft wiederkehrende Störung in der gleichmässigen Vertheilung des Druckes der Knochen in den Gelenken auf einander nennen wir ihn nach Volkmann articulären Druckquot; nothwendig zu einer Störung des normalen Wachsthums führen muss. Da wo der Druck in abnormer Weise gesteigert wird, findet eine Beschränkung der
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Wachsthumstörungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;247
Wachsthumsvorgange statt, während verminderter Druck die Neubildung begünstigt. Da diese Vorgänge vornehmlieb von den Epi-physenknorpeln ausgehen, von denen auch das Längenwachsthum der Knochen erfolgt, so heben und senken sich die Verknöcherungs-linien derselben; auf solche Weise entsteht ein schiefes Gelenk. Diesem Umstände verdankt auch der Senkrücken des Pferdes vornehmlich seine Entstehung; ebenso müssen die meisten fehlerhaften Stellungen der Gliedmassen hierauf zurückgeführt werden. An den Stellen, wo der articuläre Druck dauernd aufhört, wo also der Gegendruck fehlt, verschwindet der Knorpel ganz und gar, indem das Endothel und die Synovialis über denselben hinweg wuchert, ihn zur Resorption bringt, bezw. in Bindegewebe und später in Knochen umwandelt.
Hieraus ergiebt sich die hohe Bedeutung der regelmässigen Bewegung der Thiere im jugendlichen Alter für die normale Ent-wickelung des Knochengerüstes. Fehlt diese in einem Gelenke nach der einen oder andern Richtung, so fällt auch der Gegendruck an diesen Stellen fort, und damit wird der Grund zu einer unvollständigen Ausbildung des Gelenkes gelegt. Daher kann durch systematische Arbeit (Gymnastik) die Ausbildung der Gelenke vervollständigt werden, indem sich die Entwickelung den an das Gelenk gestellten Anforderungen anpasst. Einen schlagenden Beweis hierfür bilden die sog. Kautschuckmenschenquot;; aber auch in der Thierzucht hat man diesem Umstände bereits aus der Erfahrung heraus Rechnung getragen. Es ist längst bekannt, dass andauerndes Stehen im Stalle aus Fohlen kriippelhafte Pferde hervorgehen lässt; in der Vollblutzucht zwingt man die Fohlen frühzeitig zu andauernder und schneller Bewegung; den vortheilhaften Einfluss der Tummelplätze und Weiden auf die Entwickelung der Thiere leugnet Niemand. Dass hierbei auch die Förderung in der Ausbildung der Muskulatur eine wichtige Rolle spielt, liegt auf der Hand.
Ein Umstand aber wurde in dieser Beziehung bisher zum Nacb-theil der Aufzucht allgemein vernachlässigt, nämlich die Behandlung der Hufe. Dass durch unregelmässige Gestaltung derselben Störungen in der physiologischen Belastung der Gelenke hervorgerufen werden, steht ebenso zweifellos fest, wie dass auf diese Weise fehlerhafte Stellungen der Gliedmassen entstehen können. Im übrigen habe ich bei meinen Versuchen diese Wirkung direct nachgewiesen und in meinem Handbuch der Hufkrankheiten genauer beschrieben, worauf hier verwiesen werden muss.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
248
|
Krankheiten der Gelenke.
|
||
|
|
|||
|
Ebenso kann es hier nicht Aufgabe sein, aus den obigen Andeutungen die praktischen Consequenzen zu ziehen, das vielmehr der Thierzucht und Diätetik überlassen bleiben muss. An dieser Stelle wurden die Fragen nur berührt, weil sie zugleich auf die Beurtheilung und Behandlung chirurgischer Leiden einen gewissen Einfluss ausüben.
|
|||
|
|
|||
|
2. Crelenkentzündung.
Die entzündlichen Erkrankungen der Gelenke theilt man klinisch in drei Gruppen, nämlich: 1. Entzündung der Synovialmembran (Synovitis, Ar thr omen ingitis), 2. Entzündung des Gelenkknorpels (Chondrifcis oder Arthritis im engeren Sinne des Wortes) und 3. die Entzündung der Gelenkbänder, des Kapselbandes und der Hemmungsbänder (Periarthritis). Sowohl die Verschiedenheit der anatomischen Einrichtung wie auch die Bedeutung dieser einzelnen Abschnitte der Gelenke und der ursächlichen Momente ihrer entzündlichen Erkrankung erklärt es, dass die einzelnen Formen der Gelenkentzündungen nicht nur wesentliche Abweichungen in ihrem Verlauf und ihrer Bedeutung zeigen, sondern auch bezüglich der Therapie besondere Rücksichten verlangen, so dass diese Trennung durchaus dem praktischen Interesse entspricht, wenn auch zugegeben werden muss, dass nicht selten mehrere Abschnitte gleichzeitig erkranken.
Bei der Synovitis handelt es sich vorzugsweise um secretorische Störungen, um Abscheidung grosser Mengen Serum oder um Eiterungs-processe an der Synovialmembran. Der Gelenkknorpel geht unter dem Einflüsse entzündlicher Vorgänge leicht zu Grunde, und da eine Regeneration desselben ausgeschlossen erscheint, so führen diese Formen der Gelenkentzündung in der Regel zur Zerstörung nicht nur der Gelenkfunctionen, sondern auch der Gelenke selbst, und müssen daher prognostisch als die bedenklichsten bezeichnet werden.
Die Periarthritis dagegen lehnt sich den Erkrankungen der Sehnen an, indem in den ähnlich wie die Sehnen aufgebauten Gelenkbändern dieselben Vorgänge ablaufen, wie bei der entzündlichen Erkrankung der Sehnen. Das Nähere hierüber vergl. man im Kapitel Distorsion.
|
|||
|
|
|||
|
1. Synovitis acuta. Die entzündlichen Processe an der Synovialmembran sind theils acuter, theils chronischer Natur. Bei den acuten entwickelt sich eine lebhafte Gefässinjection, welche bald örtlich beschränkt, meist aber über die ganze Synovialis ausgebreitet auftritt.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Sjnovitis acuta.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;249
Die hierdurch bedingte ßöthung erscheint nicht selten fleckig, indem einzelne Falten der Synovialis entweder besonders stark injicirt sind, oder den Sitz von Hllmorrhagien bilden.
Hierzu gesellten sich alsbald exsudative Vorgänge und zwar theils in das Gewebe der Synovialis, theils an die Oberflüche derselben. Die Membran schwillt an, ihre sonst glatte Oberfläche wird durch Verlängerung der Zellen uneben, sammetartig, oft wulstig, ihre Falten treten deutlich hervor. Das an die Oberfläche der Synovialis ergossene Exsudat häuft sich in der Gelenkhöhle an und führt zu einer geringeren oder grösseren Ausdehnung des Kapselbandes. Bald handelt es sich bloss um seröses Exsudat (S. serosa), und das Resultat ist eine Vermehrung mit Verdiinnung der Synovia, ein sog. Hydrops articuli (Gelenkwassersucht), oder wie es in der Thicrarznei-kunde seit alter Zeit heisst, um eine Galle. Zur lebhaften Abscheidung von Serum ist die Synovialmembran ebenso geeignet, wie die serösen Häute, mit denen auch der weitere Verlauf ihrer entzündlichen Erkrankungen grosse Aehnlichkeit zeigt. Unter Umständen begleiten Blutungen den Process, und es sammelt sich Blut mit Synovia vermischt im Gelenke an (S. serosa-haemorrhagica). In andern Fällen scheidet die Synovialis neben Serum Fibrin ab, welches sich in Flocken der Synovia beimischt, oder als Belag an der Oberfläche der Synovialmembran anhäuft (S. soro-fibrinosa). Dass mit diesen Vorgängen stets Emigration von Leukocyten und Proliferation der zelligen Elemente der Synovialis, namentlich ihrer Endothelzellen verbunden ist, liegt auf der Hand. So lange jedoch der entzündliche Process einen a.septischen Verlauf bewahrt, bleiben diese Vorgänge beschränkt, treten dagegen bei infectiöser Synovitis in den Vordergrund. Hier findet eine Anhäufung eingewanderter oder neugebildeter Zellen in der Synovialis statt; eine grosse Anzahl derselben gelangt an ihre Oberfläche und mischt sich der bereits veränderten Synovia bei; schliess-lich kann die letztere fast ganz durch Eiter verdrängt werden. Man nennt den Vorgang Synovitis purulenta, den Zustand Abscessus oder Empyema articuli.
Die Gelenkhöhle stellt hierbei gleichsam einen Abscess und die Synovialmembran die Abscesswand dar. Natürlich wird auch sie von Zellen durchsetzt, ihre Endothelien werden unter dem Einflüsse der lebhaften Exsudation und Emigration abgestossen, während sich an ihrer Oberfläche zellige Elemente anhäufen und dieser schliesslich eine dem Granulationsgewebe gleiche Einrichtung verleihen. Die Granulationen zeigen lebhafte Neigung zu wuchern, drängen sich mehr
|
||
|
|
||
|
|
||
|
250nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Gelenke.
und mehr in das Gelenk hinein und zerstören unter der Mitwirkung des Eiters sowohl den Gelenkknorpel wie auch die intracapsulären Bänder (z. B. das Ligamentum teres). Der Knorpel wird getrübt, es findet eine Vermehrung von Zellen in ihm statt, indem die Knorpelzellen durch den entzündlichen Reiz in einen Wucherungs-process versetzt werden; die Grundsubstanz des Knorpels wird streifig, zerfasert; endlich zerfällt der Knorpel und zwar entweder in Form eines mikroskopischen Detritus (Chondromalacie), oder es lösen sich grössere, der Nekrose anheimgefallene Stücke derselben los und mischen sich dem Gelenkinhalte bei. Sobald auf diese Weise die Gelenkknochen frei gelegt sind, tritt in ihrer spongiösen Substanz Osteomyelitis ein, wodurch es zu weiteren Destnictionen des Gelenkes kommt.
Doch nicht immer führt die Infection zu so schweren Störungen. Ob örtliche Verhältnisse oder der Grad der Virulenz der Infections-stoffe oder andere Umstände dies bedingen, bleibt vorläufig unentschieden, doch kommt es zuweilen zu keiner tieferen Destruction des Gelenkes, ein Vorgang, der nach Volkmann als katarrhalische Gelenkentzündung bezeichnet wird.
Aus dem angeführten ergiebt sich, dass die aseptisch verlaufende Synovitis bei weitem nicht so zerstörend auf das Gelenk wirkt, wie die eiterige; dieselbe bleibt auch mehr örtlich beschränkt, während die eiterige Synovitis bald auf die Nachbarschaft des Gelenkes übergreift. Bei der S. serosa und sero-fibrinosa entwickelt sich zwar auch ausserhalb der Gelenkkapsel, in den um das Gelenk liegenden Weichtheilen eine Anschwellung, welche jedoch längere Zeit hindurch einen ödematösen Charakter bewahrt, später wohl zu Verdickungen führen kann. Bei der eiterigen Synovitis dagegen sehen wir in der Umgebung des Gelenkes schon frühzeitig eine phlegmonöse Entzündung auftreten, welche wahrscheinlich mit der Verbreitung der Infectionsstoffe durch die Lymphgefässe zusammenhängt, die, wie oben erwähnt, von der Synovialis ausgehen und zu der Umgebung des Gelenkes verlaufen. Es entsteht eine Anschwellung um das Gelenk, welche sich allmählich in die Nachbarschaft verliert, daher spindelförmig erscheint, anfangs noch weicher ist, später aber mit zunehmender Einwanderung von Leukocyten und Wucherung der zelligen Elemente des Bindegewebes immer derber und fester wird, bis sich an verschiedenen Stellen Abscesse entwickeln, die schliesslich nach aussen durchbrechen (periarticuläre Abscesse).
Bei dem nahen Zusammenhange der Synovialmembram mit dem Periost der Knochen kann es nicht auffallen, dass auch dieses bald an
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Synovitis chronica.
|
251
|
||
|
|
|||
|
der entzündlichen Erkrankung Theil nimmt; es entwickelt sich eine Periostitis mit Auflagerung neuer Knochenmassen und Verdickung der Knochen.
Waren nicht bloss Eiterkokken, sondern septische Infections-stoffe Ursache der entzündlichen Erkrankung der Synovialmembran, so spricht man von einer S. septica. Im wesentlichen weicht diese von der eiterigen Entzündung nicht ah, doch gestaltet sich ihr Verlauf noch bösartiger, und zwar theils in Folge der stürmisch auftretenden Zerstörungen an dem Gelenke, theils aber auch durch die mit der Resorption der jauchigen Massen verbundenen Gefahren für den Organismus (Septikämie, Pyämie S. 128).
Gelenkrheumatismus. Zu den infectiösen Gelenkentzündungen gehört wahrscheinlich auch der Gelenkrheumatismus, welcher in der Regel als Polyarthritis auftritt und am häufigsten bei Rindern, seltener bei Pferden, Schweinen und Hunden beobachtet wird.
Noack (Dresd. Ber. 1891) beobachtete wiederholt multiple Arthritis bei Rindern in Folge von Erkältung. Betroffen waren vorzugsweise die Sprunggelenke, nicht selten auch die Pesselgelenke, es litten Thiere jeden Alters und Geschlechtes. Hohe Temperatur im Stalle soll nach Noack das Leiden begünstigen, welches namentlich Thiere betrifft, die durch ihren Stand an der Thüre Erkältungen ausgesetzt waren. Oft soll bei Entfernung des Düngers Gelegenheit zur Erkältung gegeben werden, wobei Thiere, die unlängst gekalbt hatten, besonders gefährdet sind.
Das Vorkommen dieses Leidens bei Pferden wird von Di eck er hoff in Zweifel gezogen; soviel steht allerdings fest, dass es hier selten auftritt.
Es handelt sich hierbei vornehmlich um eine acute seröse Synovitis, wobei die oben beschriebenen Veränderungen erscheinen und häufig mit Hämorrhagien verbunden sind. Nach wiederholten Anfällen sowie bei chronischem Verlauf kommt es wohl zu Wucherungen an der Synovialmembran und zu destructiven Veränderungen am Gelenkknorpel, ja selbst zur Verwachsung des Gelenkes. Ob bei dieser Art Gelenkerkrankung bakterielle Schädlichkeiten im Spiele sind, muss als unentschieden, wenn auch als nicht unwahrscheinlich bezeichnet werden.
|
|||
|
|
|||
|
Eine eingehende Beschreibung derartig erkrankter Gelenke beim Pferde liefert Trasbot. Das Pferd, welches an einer rheumatischen Entzündung des Schultergelenks behandelt und von dem Leiden geheilt war, erkrankte einige Monate später unter fieberhaften Erscheinungen auf dem linken Hinter-fusse und bald darauf am rechten Vorderfusse. Im weiteren Verlaufe zeigte das Thier Schmerzen auf allen vier Püssen, lag beständig, konnte sich kaum von der Stelle bewegen und ging bald darnach an Decubitus ein.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
252
|
Krankheiten der Gelenke.
|
||
|
|
|||
|
Bei der Section fand sich die Mehrzahl der oberen Gelenke an allen vier Gliedmassen krankhaft verändert, während nur eine Sehnenscheide, nämlich die des Kronbeinbeugers auf dem Calcaneus erkrankt war. In allen erkrankten Gelenken zeigte sich die Synovia röthlich, eingedickt, geleeartig, die Gelenkkapseln überall verdickt, die Zotten der Synovialis vasculavisirt. Im linken Hüftgelenk fand man Zerstörungen des Knorpels (Usuration); die noch erhaltenen Knorpelpartien röthlich gefärbt und zwar durch den unter ihnen liegenden stark vascularisirten Knochen. Dieser war von einer dünnen Lage eines stark vn.scularisirten spongiösen Gewebes bedeckt; selbst die compacte Knochensubstanz Hess sich leicht schneiden; ihre Harvers-schen Kanäle waren stark erweitert, so dass man diese vom blossen Auge erkennen konnte. Das Knochenmark erschien intensiv roth gefärbt. Im Kniegelenk konnten dieselben Veränderungen nachgewiesen werden. Der Knorpelüberzug des Sprunggelenkes war zwar intact, doch bestand eine acute Synovitis in der Scheide des Kronenbeinbeugers; die letztere war von einer eiterigen Synovia stark ausgedehnt, in welcher sich körniger Detritus befand. Die Insertion der Sehne des Gastroenemii sowie des Kronbeinbeugers erweicht und zerfasert.
Gleiche Veränderungen zeigten auch das Hüft- und Kniegelenk der andern Seite, endlich auch das Schultergelenk. Das Herz war gesund.
Einen ähnlichen Fall von Polyarthritis beschreibt Dammann. In den Sprung- und Pesselgelenken eines an rheumatischer Lahmheit behandelten Pferdes fand sich dünne, trübe Synovia, die Synovialis überall verdickt, ihre Zotten vergrössert, Gelenkknorpel rauh, uneben, stellenweise verschwunden. Ein ähnlicher Zustand wurde auch in den Sehnenscheiden der Beuger angetroffen.
Siedamgrotzky fand bei einem Pferde, welches fünf Monate lang an wandernder Sehnenscheidenentzündung, schliesslich an heftigem Fieber und starker Gelenkanschwellung gelitten hatte, Entzündung sämmtlicher Gelenke der Vorder- wie Hinterschenkel; kleine pneumonische Herde und Endocarditis. In der dilatirten rechten Herzhälfte war das Endocardium bis auf 3 mm verdickt, gelblich und rauh, die Klappen und ihre Sehnenfäden verkürzt mit Granulationen besetzt.
|
|||
|
|
|||
|
Der Verlauf gestaltet sich bei der acuten, aseptischen Synovitis um vieles günstiger als bei der infectiösen; im ersten Falle kommt es oft zur Restitutio ad integrum, indem mit der Keizwirkung die Hyperämie nachlässt und die entzündlichen Exsudate resorbirt werden. Dass dieses bei der serösen Form leichter erfolgt als bei der sero-fibrinösen, liegt auf der Hand; denn das die Oberfläche bedeckende Fibrin ver-schliesst gleichsam die Abflusswege; auch muss der Resorption ein Zerfall des fibrinösen Exsudates vorangehen; darüber aber vergeht eine längere Zeit, als zur Entfernung der serösen Flüssigkeit erforderlich ist. Aber auch diese kann dauernd bestehen bleiben, bezw. die abnorme Menge der Synovia sich im Gelenke erhalten (chronische Gelenkgalle). Die entzündlichen Erscheinungen verlieren sich alsdann, während der Hydrops zurückbleibt. Dieser Ausgang wird um so wahrscheinlicher, je länger der Zustand besteht, und je mehr
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Verlauf der Gelenkentzündung.
|
253
|
||
|
|
|||
|
die Gelenkkapsel eine abnorme Ausdehnung erfahren hat. Bei der sero-fibrinösen Form beobachtet man diesen Ausgang häufiger als bei der rein serösen.
Noch weniger Aussicht auf Wiederherstellung bietet die chronische Synovitis und am wenigsten die Synovitis fibrosa, welche zugleich mit Störungen der Function, rait Einschränkung der freien Bewegung des Gelenkes verbunden zu sein pflegt, indem durch Retraction der gewucherten Bindegewebsmassen in der Synovialis wie auch im Kapselbande die Bewegungen des Gelenkes gehemmt werden.
Die unter dem Bilde einer katarrhalischen Gelenkentzündung auftretende infectiöse Synovitis nimmt in der Regel einen günstigen Verlauf, indem oft schon nach wenigen Tagen die Ent-zündungserscheinungen sich zurückbilden und vollständige Heilung eintritt; wo es jedoch zur Eiterung mit Zerstörung des Gelenkknorpels gekommen ist, d. h. wo die Schmerzen erheblich und andauernd, da bleibt jede Aussicht auf Erhaltung des Gelenkes ausgeschlossen. In der Regel geht hierbei der Patient in Folge allgemeiner septischer oder pyämischer Erkrankung zu Grunde, wenn man sich nicht bereits früher zur Tödtung desselben entschlossen hatte. Allerdings hängt der Ausgang zum Theil von der Zahl und Beschaffenheit der erkrankten Gelenke ab. Als Regel gilt, dass die Gefahr mit der Ausdehnung der Gelenkhöhle wächst, daher z. B, an der Vorderfusswurzel nicht so gross ist wie am Kniegelenk. Leiden mehrere Gliedmassen, so beschleunigt Decubitus oft den tödtlichen Ausgang. Bei schwerer eiteriger Synovitis kann die Heilung nur durch Verwachsung des Gelenkes erfolgen; es bildet sich eine Synostosis ossea, indem die Knochen im Gelenke mit einander verwachsen.
|
|||
|
|
|||
|
Die klinischen Erscheinungen gestalten sich hiernach verschieden. Bei der acuten, serösen und sero-fibrinösen Synovitis stellt sich neben Schmerz und vermehrter Wärme eine der Lage und Ausdehnung des Gelenkes entsprechende Anschwellung ein, welche theils auf der stärkeren Füllung der Gelenkhöhle, theils auf dem Oedem in der Umgebung beruht. Tritt der erstere Factor in den Vordergrund, so erscheint die Anschwellung elastisch, fluetuirend und entspricht der Configuration des Gelenkes. An den Gliedmassen entsteht sowohl durch die Schmerzen wie auch durch directe Beschränkung der Bewegung Lahmheit; bei Drehbewegungen sowohl wie auf Druck zeigt sich das Gelenk schmerzhaft, und wo viel Fibrin in die Gelenkhöhle abgeschieden war, wird auch wolil ein weiches Crepitationsgeräusch
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
254nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Gelenke.
(Schneeballenknirschen) beobachtet. Allgemeine Störungen pflegen mit dieser Erkrankung nicht verbunden zu sein.
Rheumatische Erkrankungen kennzeichnen sich durch ihren wechselnden, selbst wandernden Verlauf; durch Eemissionen undExacer-bationen und Uebergreifen von einem Gelenke auf andere.
Bei der eiterigen Gelenkentzündung treten die oben genannten Erscheinungen mit besonderer Heftigkeit auf und sind in der Regel von Fieber begleitet. Bewegung des Gelenkes und Druck auf dasselbe lösen heftige Schmerzen aus; die anfangs weiche Anschwellung wird bald hart, derb, und nachdem Fluctuation aufgetreten, bricht der Abscess durch, ein Vorgang, der sich im weiteren Verlaufe noch öfter wiederholt. Die bei der serösen Gelenkentzündung meist rundliche Anschwellung nimmt hier eine spindelförmige Gestalt an. Besteht eine Gelenkwunde, oder ist das Kapselband per-forirt, so entleert sich mit Eiter untermischte Synovia und schliess-lich reiner Eiter.
Unter Berücksichtigung dieser Eigenthümlichkeiten fällt die Unterscheidung einer serösen (aseptischen) Gelenkentzündung von einer eiterigen nicht schwer; eine Trennung, die natürlich höchst wichtig erscheint. In zweifelhaften Fällen kann die Probepunction des Gelenkes (siehe unten) entscheiden.
Zu den genannten Erscheinungen tritt bei manchen Gelenkentzündungen endlich die Neigung, das erkrankte Gelenk in Flexionsstellung zu halten. Die zur Erklärung dieser Erscheinung bisher aufgestellten Theorien genügen jedoch nicht. Gegen die Annahme, dass es sich um eine reflectorische Muskelwirkung handelte (Reflextheorie), indem die stärkeren Beuger das Uebergewicht erlangen, spricht der Umstand, dass beim Pferde z. B. an den Hinterschenkeln die Streckmuskeln ohne Zweifel mit der bei weitem grössten Kraft ausgestattet sind, also eine Streckstellung eilitreten müsste. Aber auch die Bonne t'sche Theorie, wonach die Capacität der Gelenkhöhle Inder Beugungsstellung grosser ist, jede Streckung des erkrankten Gelenkes also eine Drucksteigerung in demselben und damit grössere Schmerzen erzeuge (mechanische Theorie), vermag diese Erscheinung nicht vollständig zu erklären. Wir finden dieselbe nämlich auch bei Gelenkentzündungen, welche zu einer stärkeren Füllung des Gelenkes nicht geführt haben, z. B. bei der Gonitis chronica der Pferde, während andere Gelenkentzündungen, z. B. am Kronengelenk (Schale) und Sprunggelenk (Spat) dieses Symptom nicht selten vermissen lassen.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Behandlung der Gelenkentzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 255
Die Behandlung der acuten serösen Synovitis verlangt zunächst Immobilisation des Gelenkes und die Anwendung von Kälte zur Beschränkung der entzündlichen Congestion sowie der exsudativen Vorgänge. Wo es möglich ist, lassen wir eine Binde fest um das Gelenk legen, um Bewegungen in demselben thunlichst zu verhindern, und kühlen das entzündete Gelenk. Lassen die acuten Erscheinungen nach, und handelt es sich um Beseitigung des Ergusses aus dem Gelenke, so findet sowohl feuchte Wärme, wie auch methodische Compression und Massage Anwendung. Da die letztere, welche täglich mehrmals erfolgen muss, bei Thieren auf Schwierigkeiten stösst, und nur selten consequent durchgeführt werden kann, so empfehlen sich besonders Priessnitz'sche Einwickelungen. Um das erkrankte Gelenk wird eine mit kaltem Wasser getränkte Binde gelegt und darüber eine wollene. Durch kräftiges Anziehen der Binden, welche alle 45 Stunden zu wechseln sind, erzielt man Feststellung des Gelenkes und verhindert die mit jeder Bewegung in demselben verbundene Reizung der entzündlich erkrankten Synovialis. Führen diese Mittel nicht zum Ziele, geht man alsbald zu einer scharfen Einreibung über, die da, wo ein Verband nicht anzubringen ist, sich direct der Anwendung der Kälte an-schliessen kann. Auch hier wirken diese Hautreize nach meiner Ansicht vornehmlich mechanisch; durch den gleichmässigen und andauernden Druck auf die Gelenkkapsel wird die Resorption ihres abnormen Inhaltes gefördert. Bei rheumatischer Erkrankung müssen die bekannten antirheumatischen Mittel (Salicylsäure etc.) angewendet werden.
Gegen die chronische Gelenkgalle kommen ebenfalls Scharfsalben zur Anwendung, doch ist hier im allgemeinen das Glüheisen, besonders in Strichform vorzuziehen, dessen durch Narbenretraction verstärkte Druckwirkung nicht nur andauernder, sondern auch energischer ausfällt. Auch verdient das englische Pflaster sowie Collodium canthari-datum, bezw. Sublimatcollodium, wegen ihrer grösseren Druckwirkung vor Scharfsalben den Vorzug.
Bei der chronischen Gelenkgalle muss endlich auch Massage mit methodischer Compression empfohlen werden, vorausgesetzt, dass sich diese Behandlungsweise energisch durchführen lässt. Unter Umständen können bei chronischer Synovitis neben Massage und Compression auch Bewegungen des Gelenkes nützlich werden, indem hierdurch die Resorption des entzündlichen Ergusses befördert, und die Retraction des neugebildeten Bindegewebes in der Umgebung des Gelenkes verhindert wird. Daher empfiehlt sich zuweilen, die Thiere auf weichem Boden in langsamer Gangart zu bewegen, ohne sie indess anzustrengen.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
.
|
256nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Gelenke.
Zu operativen Eingriffen entschliesse man sich nur, sofern ein aseptischer Wundverlauf und zwar auch ohne Occlusivverband in Aussicht steht. Man ist niemals sicher, dass der Patient den Verband liegen lassen wird, es sei denn, dass ausnahmsweise eine permanente Beaufsichtigung desselben möglich erscheint; doch vergesse man nicht, dass auch dabei Fehler gemacht werden, die später der Operation in der Regel zur Last fallen. Relativ ungefährlich erscheint die Function des Gelenkes mit einem feinen Trokart, sobald dieselbe unter antiseptischen Massnahmen ausgeführt werden kann. Zu dem Zwecke wird die äussere Haut rasirt, abgeseift, mit Seife abgebürstet und mit einer 50/oigen Carbollösung oder 0,lo/oigen Sublimatlösung abgespült; sodann wird der durch 510 Minuten langes Kochen in Wasser oder besser 1 quot;/oiger Sodalösung sterilisirte Trokart, oder eine Hohlnadel in das Gelenk eingestochen und der Inhalt zum Abfluss gebracht. Nach Entleerung desselben injicirt man eine womöglich frisch bereitete Jodjodkaliumlösung (1:3:20), sucht durch Kneten des Gelenkes die Flüssigkeit mit allen Abschnitten der Synovialis in Berührung zu bringen, worauf man dieselbe wieder abfliessen lässt. Man darf sich von solchen Einspritzungen jedoch keinen sicheren Erfolg versprechen; zuweilen entwickelt sich ein massiger Entzündungsprocess, welcher im Verlaufe von einigen Wochen zu einer Verdickung der Wand der Galle führt, während ihr Inhalt allmählich resorbirt wird; in anderen Fällen bleibt das Verfahren selbst wiederholt angewendet ohne Erfolg. Auch wurden Ausspritzungen mit 30/oiger Carbolsäure oder 0,10/niger Sublimatlösung empfohlen. Wichtig bleibt, bald nach Entleerung des Inhaltes einen fest anliegenden Compressivverband zu appliciren; am meisten eignen sich hierzu Gummibinden. Wo ein Verband nicht anzulegen ist, empfiehlt sich alsbald eine scharfe Einreibung zu machen (Sublimat 1:10). Bassi hält hiervon sogar mehr als vom Druckverband. Da die Incision des Gelenkes stets einen Occlusivverband erfordert, so erscheint dieselbe bei Thieren gefährlich. Wird nämlich der Verband abgerissen, so entsteht eine purulente Gelenkentzündung mit ihren meist unheilbaren Folgen. Wenn in einzelnen Fällen derartige Heilversuche zum Ziele führten, so beweist das noch keineswegs die Zweck-mässigkeit, bezw. Ungefährlichkeit dieser Methode im allgemeinen.
Kann ein wirksamer Compressivverband nicht angelegt werden, so füllt sich die Gelenkhöhle innerhalb weniger Stunden von neuem; auch die Jodeinspritzung vermag das meist nicht zu verhindern. Dagegen beobachtete man unter Umständen von wiederholten Entleerungen Nutzen; das Gelenk wird nach 4G Wochen von neuem und so 3 bis
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
Gelenkentzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;257
4iual punktirt, worauf zuweilen Heilung eintritt. Von R a y n a 1 wurde neuerdings Injection von Weingeist empfohlen. TJeber die Wirkung dieser Einspritzungen ist man noch keineswegs im klaren. Behauptet wird, dass diese Mittel an der Oberfläche der Synovialis eine Veränderung hervorrufen, welche der weiteren Absonderung hinderlich sei.
Bei Thieren wurde mehrfach die Eröffnung der Galle mittelst des Grlüheisens empfohlen. Mit dem glühenden Stift eines Brenneisens wird die Gelenkkapsel perforirt, worauf der Inhalt des Gelenkes ab-fliesst. Die alsbald folgende entzündliche Schwellung führt zum Ver-schluss der natürlich aseptischen Wunde, weshalb diese Methode der Oeffnung nicht so gefährlich erscheint, wie mit dem Messer. Doch lassen die Erfolge auch hierbei oft zu wünschen übrig. Führt das Verfahren in einzelnen Fällen zum Ziele, so bleibt es in andern nutzlos, indem sich alsbald die frühere Anfüllung des Gelenkes wieder einstellt. Auch empfiehlt sich, auf die Eröffnung des Gelenkes sofort eine scharfe Einreibung folgen zu lassen.
Aehnlich gestaltet sich die von Gloag empfohlene Acupunctur der Galle, besonders des Sprunggelenkes. In einen Kork werden vier Nadeln so eingestochen, dass ihre Spitzen etwa 15 mm hervorragen; auf jeder Seite des Gelenkes drückt man die Nadeln einmal in die Galle hinein, worauf der Inhalt abfliessen soll. Diese Behandlung wird nach fünf Tagen wiederholt, dann eine Jodeinreibung gemacht und eine elastische Binde angelegt, welche längere Zeit hindurch liegen bleibt.
Aehnlich soll man in Algier vorgehen. Mit einer Nadel werden 23 Einstiche gemacht, der Inhalt der Galle ausgedrückt, dann die Oberfläche der Haut mit Punkt- oder Strichfeuer behandelt, worauf eine längere Ruhe folgt. Man lasse indess bei derartigen Eingriffen die Regeln der Antisepsis niemals aus dem Auge.
Die Anwendung von Gummibinden verlangt einige Vorsicht. Man lasse dieselbe zunächst nur einige Stunden liegen, ersetze sie durch eine fest angelegte wollen.; Binde und beachte den Zustand der äusseren Haut, die durch intensive Wirkung der Gummibinde in Necrose versetzt werden kann. Beim Wechsel der Binden hisse man das Gelenk kräftig massiren.
Bezüglich der eiterigen Gelenkentzündung spielt die Prophylaxis eine Hauptrolle. Golenkwunden und Eiterungen in der Nähe von Gelenken sind mit strengen Massregeln der Antisepsis zu behandeln (S. 78). Wo eine eiterige Entzündung der Synovialis bereits eingetreten ist, vermag die Therapie bei grössercn Thieren nur selten noch etwas zu leisten. Sofern die Zufälle nicht sehr heftig und eine ober-Jiöiicr, Allgemeine OhtntTgle fUr Thlerttrzto.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;17
|
||
|
|
||
|
|
||
|
.
|
||
|
|
||
|
258nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiton der Gelenke.
flächliche Erkrankung (katarrhalisclie Gelenkentzündung) erwarten lassen, suche man durch feuchtwarmc Einwickelungen, womöglich in Verbindung mit einem Druckverband, die Resorptionsvorgänge in dem Gelenke zu fördern. Mehrfach sah ich von recht warmen Umschlägen (so heiss die eigene Hand sie verträgt) vortheilhafte Wirkung. Wo mit dieser Medication in 3 4 Tagen keine erhebliche Besserung erzielt wird, kann auch eine scharfe Einreibung versucht werden; doch verspreche man sich nicht zu viel von ihr.
Gegen bereits vorgeschrittene eiterige Gelenkentzündung bleibt die Behandlung im allgemeinen machtlos; bei grösseren Thieren ist in der Regel baldiges Schlachten vorzuziehen, da auch der günstigste Ausgang, die Verwachsung des Gelenkes, Unbrauchbarkeit zur Folge hat.
Bei kleineren Thieren können Versuche mit Resectionen und Amputationen gemacht werden, im ganzen aber befriedigen die Ergebnisse dieser Operationen bei Thieren weder den Besitzer noch den behandelnden Arzt. Die beim Menschen oft mit Erfolg angewendeten Ausspülungen des eiterig erkrankten Gelenkes mit 3ft/oiger Carbolsäure oder 0,l0/oiger Sublimatlösung haben hier meist keinen Nutzen, was zum Theil in den grösseren Schwierigkeiten begründet sein mag, die mit dieser Medication bei Thieren verbunden sind. Ist das Gelenk bereits offen, so kann durch Ausspritzungen mit diesen Mitteln oder durch permanente Irrigation die Gelenkhöhle zu desinficiren versucht werden; doch verspreche man sich auch hiervon nicht zu viel. Dasselbe gilt von den auf metastatischem Wege zu Stande gekommenen eiterigen Gelenkentzündungen.
Die Arthritis rheumatica verlangt in erster Linie Schutz gegen neue Erkältungen. Man lasse dem Thiere einen warmen, zugfreien Stall geben; entferne es aus der Nähe der Thür und gebe demselben einen geschützten Platz. Kleinere Thiere bleiben im warmen Zimmer. Die erkrankten Gelenke werden, soweit möglich, warm eingehüllt und mit Tinct. Jodi bepinselt oder mit Jod- oder Quecksilbersalbe eingerieben. Neuerdings wird Ichthyol hierzu sehr empfohlen (Rabe). Innerlich versuche man Salicylsäure, Antipyrin u. s. w.; ein sicherer Erfolg ist jedoch von diesen Mitteln nicht zu erwarten. Es scheint, dass bei Thieren ein ähnliches Verhältniss besteht wie beim Menschen, nämlich eine grosse individuelle Verschiedenheit; bei einem wirkt dieses Mittel, bei dem anderen jenes, bei wieder anderem keines.
2. Die Synovitis chronica tritt in drei verschiedenen Formen auf und zwar a) als Synovitis chronica serosa, b) als Synovitis
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Synovitis chronica.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;259
chronica iudurativa a, fibrosa und c) als Synovitis chronica suppurativa.
Bei der erster en kommt es seitens der Synovialmembran zu einer allmählichen Abscheidung von Serum in die Gelenkhöhle, zur Bildung eines chronischen Hydrops articuli (Hydarthros), einer sog. kalten Galle. Dabei zeigt sich die Synovialis bald wenig verändert, bald aber entsteht unter dem Einflüsse der chronischen Reizung Vas-cularisation und Proliferation derselben. Sie erscheint alsdann fleckig oder diffus geröthet, ihr Gewebe verdickt, namentlich erfahren ihre Zotten eine Vergrösserung, wodurch die Oberfläche der Synovialis eine rauhe, unebene Beschaffenheit erlangt. Die gewucherten Zotten können sich von der Oberfläche loslösen und in die Gclenkhöhle fallen, so dass sich eine grosse Anzahl reiskornähnlicher Körper (Corpora libra s. oryzoidea) der Synovia beimischt (Synovitis proliferans).
Ursachen. Dieser Zustand kann durch einen von vorn herein chronisch verlaufenden Reizungsprocess, z. B. durch andauernde, angestrengte Arbeit veranlasst werden, oder er bildet den Ausgang einer acuten serösen oder fibrinösen Synovitis; beides wird bei Thieren, namentlich Pferden, nie ht selten beobachtet. Dass dispositionelle Verhältnisse, welche in der Einrichtung der Gelenke begründet liegen, bei dem in Rede stehenden Leiden eine grosse Rolle spielen, ergiebt sich schon aus dem Auftreten desselben an verschiedenen Gelenken bei demselben Thiere. Entzündliche Erscheinungen lassen sich hierbei klinisch oft nicht nachweisen; es fehlt sowohl vermehrte Wärme wie auch Schmerz und Lahmheit; doch können nach stärkeren Anstrengungen diese zeitweise hervortreten und die Gebrauchsfähigkeit der Thiere mehr oder weniger stören. Nur eine der Configuration des Gelenkes entsprechende, weiche, fluetuirende Anschwellung kennzeichnet das Leiden.
Der Verlauf des Processes gestaltet sich stets chronisch; in der Regel zeigt sich der Zustand andauernd, nicht selten unheilbar; dagegen sind weitere nachtheilige Folgen mit demselben für gewöhnlich nicht verbunden.
Bezüglich der Behandlung muss auf das S. 255 Gesagte verwiesen werden. Massage, methodische Compression und scharfe Hautreize bilden auch hier die wichtigsten Heilmittel; von den operativen Ringriffen gilt dasselbe, was von der Anwendung derselben bei der acuten Synovitis serosa erwähnt wurde.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
ofiOnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Gelenke.
Läuft die chronische Entzündung in den tiefen Schichten der Synovialis ab, so kommt es zur Bindegewobswucherung und Verdickung derselben (Synovitis fib rosa). In der Regel greift die Reizung und Wucherung auf das subsynoviale Bindegewebe, nicht selten auch auf die Gelenkkapsel über, und beide verwachsen mit einander. Die alhniihlich fortschreitende, selbst auf das umliegende Bindegewebe sich erstreckende Verdickung führt zu einer ähnlichen, aber harten, derben Anschwellung des Gelenkes wie der Hydrops; deshalb spricht man von einer verhärteten Galle. Da sich im weiteren Verlaufe des Leidens Retraction des ncugebildeten Bindegewebes einstellt, so kommt es zu einer geringeren oder grösseren Einschränkung der freien Bewegung des Gelenkes; dies ist namentlich der Fall, wenn die fibröse Gelenkkapsel an der Verdickung Theil nimmt.
Bei beiden Formen der chronischen Synovitis bleibt der Gelenkknorpel in der Regel intact; zuweilen aber stellen sich an den Randbezirken desselben Wucherungen ein; auch der benachbarte (subsynoviale) Periost tritt wohl in den Kreis der Erkrankung ein, und so entstehen Exostosen in der Umgebung des Gelenkes (extraarticu-lärc Exostosen).
|
|||
|
|
|||
|
|
Ursachen. Chronische Reizungsprocesse, die in der Regel vom Kapselbande ausgehen, leiten den Zustand für gewöhnlich ein. Zerrungen der Gelenkkapsel in Folge fehlerhafter Stellungen, unzweck-mässigen Beschlags u. s. w. geben oft die Grundlage zur Entstehung der Krankheit ab, welche am häufigsten an den Gelenken der Phalangen, besonders am Fessel- und Kronengelenk (Schale) bei Pferden beobachtet wird. Der Zustand findet sich daher häufig als eine Begleiterscheinung der sog. Struppirtheit der Fesselgelenke, besonders an den Hinterfüssen der Pferde. In manchen Fällen bildet das Leiden den Ausgang von Distorsionen.
Die Beurtheilung dos Zustandes muss nach dem oben Gesagten im allgemeinen ungünstig ausfallen, zumal in vielen Fällen die Ursache desselben nicht dauernd zu beseitigen ist. Es kommt daher in dem concreteu Falle vornehmlich auf die Gebrauchsstörungen an, welche mit dem Leiden verbunden sind. Ungünstig gestaltet sich die Prognose, wo der Zustand bereits im jugendlichen Alter, ohne schwere Arbeit und an mehreren Gelenken hervortritt.
Erscheinungen. Klinisch giebt sich die Synovitis chron. fibrosa durch eine derbe, mehr oder weniger harte, nicht vermehrt warme und
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
Synovitis chronica fibrosa und suppurativa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 261
wenig schmerzhafte oder schmerzlose, diffuse Anschwellung des Gelenkes zu erkennen (verhärtete Galle), welche in der Regel eine spindelförmige Gestalt besitzt, indem sie nur selten auf das Gelenk selbst beschränkt bleibt, sondern auch zu Verdickungen in der Nachbarschaft desselben führt. Lahmheit fehlt dabei in der Regel, oder sie tritt nach stärkeren Anstrengungen vorübergehend auf, kann aber unter Umständen andauern.
Behandlung. Die Therapie vermag hierbei nicht viel zu leisten. In präservativer Hinsicht ist ein mit Rücksicht auf die Stellung der Gliedmassen ausgeführter Hufbeschlag beachtenswerth, auch müssen die acut entzündlichen Processe des Bandapparates der Gelenke (Dis-torsionen) sorgfältig behandelt werden. Gegen den Zustand selbst empfiehlt sich in erster Linie methodische Compression; Massage und scharfe Ableitung. An den unteren Abschnitten der Gliedmassen lässt man das erkrankte Gelenk nach jeder Arbeit kräftig bandagiren und von Zeit zu Zeit mit Priessnitz'schen Einwickelungen behandeln. Scharfe Hautreize nützen hier nur so lange, als noch acut entzündliche Erscheinungen bestehen; später nicht mehr. Hier bleibt zuweilen noch die Neurotomie übrig, um die etwa bestehende Lahmheit zu beseitigen. Man überzeuge sich jedoch, ob diese nicht etwa durch mechanische Behinderung der Bewegung im Gelenke veranlasst wird, in welchem Falle durch die Neurotomie die Lahmheit nicht gehoben werden kann. Sehr starke Verdickungen, verbunden mit Exostosenbildung, lassen dies vermuthen. Im übrigen muss die Beweglichkeit des Gelenkes direct geprüft werden.
Die chronische suppurative Synovitis bildet das Resultat einer Reizung durch Infoctionsstoffe von geringerer Virulenz. Beim Rinde giebt Tuberculose ebenso wie beim Menschen gelegentlich hierzu Anlass, indem die Tuberkelbacillen entweder direct in der Synovialis eine chronische Entzündung anregen, oder vom Knochcnmarke aus das Gelenk in Mitleidenschaft ziehen. Die Synovialis schwillt an. zeigt bald eine lebhafte Vascularisation und plastische Infiltration, und nachdem das Endothel ihrer Oberfläche abgestossen ist, entwickelt sich hier eine bald schneller, bald langsamer fortschreitende Granulation mit Eiterung und allmählicher Füllung des Gelenkes mit Eiter. Die Folge hiervon ist Zerfall des Gelenkknorpels, welcher theils durch die Einwirkung des Eiters eingeschmolzen, theils von den ihn mehr und mehr vordrängenden Granulationen aufgelöst wird. Sobald die Zerstörung bis auf die subchondralen Partien der Knochen vorge-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
262nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Gelenke.
schritten ist, entwickelt sich in dem spongiösen Gewebe derselben ebenfalls Granulation, welche zur weiteren Zerstörung des Knorpels beitrügt. Wegen der in den Vordergrund der Erkrankung tretenden Granulation hat man das Leiden auch wohl als Arthritis fungosa bezeichnet, so dass sich der Vorgang der acuten eiterigen Synovitis iilmlich gestaltet, von welcher derselbe nur durch den langsamen, weniger stürmischen Verlauf unterschieden ist. Man darf hiernach also verrauthen, dass die Infection eine weniger intensive Reizung veranlasst hat; vielleicht handelte es sich um Mikroben von geringerer Virulenz. Neben Tuberkelbacillen können Eiterkokken den Zustand erzeugen. Bei Kühen und Schweinen hat man chronisch eiterige Erkrankungen der Gelenke beobachtet und zwar meist am Knie- und Sprunggelenk.
Tuberculöse Gelenkentzündung wurde vornehmlich beim Rinde, uber auch bei anderen Thieren gefunden. Eine von Hess an hochgradiger Lahmheit behandelte Kuh wurde von Guillebeau secirt, wobei sich das linke Ellenbogengelenk verdickt zeigte. Auf der medialen Seite bestand eine fluctnirende Geschwulst, auf der lateralen waren keine erheblichen Veränderungen nachzuweisen. Das Gelenk enthielt kleine Mengen eines gelblichen Exsudates, das wie Fibrin aussah; auf der stellenweise hyperämischen Synovialis befanden sich kleine, gestielte Geschwülste, unter diesen ein hühnereigrosser, verkäster Knoten, hi den Synovialgruben fanden sich Tuberkel, in welchen Tuberkelbacillen nachzuweisen waren.
Während diese Vorgänge im Gelenke ablaufen, entwickelt sich in der Umgebung desselben eine chronische Entzündung, welche oft zu einer umfangreichen Verdickung des Gelenkes führt, wodurch eine Anschwellung entstellt, die sich auf dem Durchschnitt als eine derbe Avcisse Bindegewebsmassc erweist und daher seit alter Zeit als Tumor albus'quot; bezeichnet wird. Zuweilen treten in derselben auch wohl kleinere Abscesse auf.
0
Ursachen. Nach ihren Ursachen lassen sich die bynoviten m zwei Gruppen trennen, nämlich in 1. traumatische, 2. infectiöse. Zu den ersteren rechnen wir entzündliche Processo, wie sie durch Luxationen, Distorsionen und Quetschungen des Gelenkes mit Conti-nuitätstremmngen an der Synovialmembran entstehen. Auch scheint andauernd schwere Arbeit wenigstens eine Disposition zu solchen Erkrankungen zu verleihen. Die zweite Gruppe geht entweder von äusseren Verletzungen (öelenkwunden) oder von der Blutbahn aus,
|
||
|
|
||
|
#9632;
|
||
|
|
||
|
Ursachen der (ielenkentzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 21)3
iudfiiu mit dem circulirendon Blute Infectionsstoffe in die Gelenkhöhle gelangen und in der Synovia ein günstiges Nährmaterial finden, um sich bald lebhaft zu vermehren und eine Reizung bezw. Entzündung der Synovialis zu veranlassen. Ob der Uebex-tritt in das Gelenk durch Blutungen vermittelt wird oder ob die Abscheidung auf dem Wege der Secretion mit der Synovia erfolgt (secretorische Metastase Hüters) kann hier gleichgültig bleiben. Sobald aber pathogene Mikroben in die Blutbahn gelangen, liegt die Gefahr der Gelenkerkrankung vor. Daher Pyämie und Septikämie, besonders der Nabelvenenentzündung junger Thiere häufig zu dieser Erkrankung fuhren. Aber auch bei anderen Infectionskrankheiten (Brustseuche, Druse, Staupe u. a.) entstehen auf diese Weise Gelenkentzündungen. Der Umstand, dass hierbei häufig zahlreiche Gelenke zugleich oder bald nach einander erkranken (Polyarthritis), spricht für den Uebertritt der Mikroorganismen auf secretorischem Wege. So werden bei Kühen nach dem Gebären im Anschluss an Gebärmuttererkrankungen, aber auch ohne diese Entzündungen der Gelenke und am häufigsten des Sprunggelenkes beobachtet. Nach Vogel soll die Gelenkentzündung zuweilen aus einer eiterigen Osteomyelitis hervorgehen, indem diese auf das Gelenk übergreift. Bei Pferden und Hunden beobachtete ich wiederholt eiterige Polyarthritis, zuweilen fast sämmtlicher Gelenke im Verlaufe von Eiterungsprocessen an Knochen. Seltener greifen Eiterungsvorgänge aus der Umgebung auf die Gelenke über; wo indess nekrotisirende Processe, z. B. Brandmauke oder Abscessbildung, in der Nachbarschaft eines Gelenkes auftreten, liegt die Gefahr einer solchen Complication stets vor. Häufiger noch setzen sich eiterige Entzündungen von Sehnenscheiden und Schleimbeutel fort, wenn diese mit Gelenken communiciren.
Prognose. Es liegt auf der Hand. dass die Beurtheilung des Zustandes ungünstig ausfallen muss, da die allmähliche Zerstörung des Gelenkes unaufhaltsam fortschreitet und auf alle Fälle die Arbeitsfähigkeit der Thiere zu Grunde gerichtet wird. Auch eine anderweitige wirthschaftlicho Ausnutzung abgesehen von der Schlachtung der Thiere erscheint in der liegel ausgeschlossen, so dass man da, wo das Leiden auftritt, die Thiere für gewöhnlich schlachten lässt.
Behandlung. Sollte z. B. bei Liebliugsthieren eine Behandlung verlangt werden, so würde dieselbe in Verbänden bestehen müssen, welche das Gelenk immobilisiren. Daneben finden Bepinselungen mit Jodtinctur abwechselnd mit hydropathischen Umschlägen Anwendung.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
264
|
Krankheiten der Gelenke.
|
||
|
|
|||
|
Oberflächliche Abscesse öffnet und entleert man, worauf die Heilung derselben zwar erfolgt, aber es pflegen immer neue an Stelle der geheilten 7Ai treten.
|
|||
|
|
|||
|
3. Wunden und Quetschungen der Gelenke.
Wunden, die bis in die Gelenkhöhle reichen (Gelenkwunden), stellen meist Stich-, Schnitt-, Hieb- oder Quetschwunden dar; bei grösseren Thieren werden sie häufig durch Stiche mit Düngergabeln oder durch Tritte mit scharfen Stollen der Hufeisen veranlasst, sind nicht selten mit Verletzungen der Knochen verbunden und oft zugleich im hohen Grade inficirt. Man halte den Grundsatz fest, dass jede Gelenkwunde, und mag sie noch so klein sein, stets eine lebensgefährliche Verletzung darstellt, weil sich an dieselbe häufig eine tödt-lich verlaufende, eiterige oder septische Gelenkentzündung anschliesst. Nicht die Verletzung der Gelenkkapsel an sich bildet indess die Gefahr, sondern die durch sie gegebene Gelegenheit zur eiterigen Infection des Gelenkes; wird diese Infection verhindei-t, so heilt die Gelenkwunde in der Kegel ebenso leicht wie jede andere Wunde der Weich-thoile, häufig aber knüpft sich an dieselbe eine eiterige oder septische Gelenkentzündung, welche namentlich bei grösseren Thieren regel-mässig zu tödtlichem Ausgang führt. Die Gefahr hängt daher eines-theils von der Beschaffenheit der Wunde und der Zeit ihres Bestehens, sodann aber auch von dem Gelenke und den Complicationen ab. Bezüglich der Wunde kommt es darauf an, ob dieselbe aseptisch zu erhalten ist. Darüber entscheidet allerdings in erster Linie die Form und Grosse der Wunde, dann aber auch die Zeit ihres Bestehens und die Beschaffenheit des verletzenden Gegenstandes. Hier gelten die Grundsätze, welche bei Besprechung der Wunden (S. 50) bereits erörtert wurden. Je erheblicher die Infection, je grosser die Virulenz der Infec-tionsstoft'e und je mehr die Wundränder eine unebene Beschaffenheit, besitzen, um so weniger Aussicht auf eine vollständige Desinfection gewähren dieselben. Gelingt diese wohl in den ersten 12 Stunden, so wird sie nach dieser Zeit nur selten noch erzielt.
Je umfangreicher die Gelenkhöhle, um so bedenklicher ist ihre Verwundung; Knie- und Sprunggelenk gehören zu den, wie man sagt, empfindlichsten, die Vorderfusswurzel zu den indolentesten Gelenken. Sobald bereits Erscheinungen einer acuten Panarthritis bestehen, bleibt für die Erhaltung des Gelenkes nicht viel zu hoffen übrig. Pferde erliegen diesen Zuständen leichter als Hinder und kleine Thierc.
|
|||
|
|
|||
|
#9632;
|
|||
|
|
||
|
Gelenkwunden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2(55
Die Diagnose Gelenkwunde'1 muss sich zunächst auf den Sitz der Verletzung stützen, sodann wird dieselbe durch den Ausfluss einer durchsichtigen, gelben, fadenziehenden Flüssigkeit (Synovia) gesichert, insbesondere wenn ausgeschlossen erscheint, dass diese Flüssigkeit aus einem Schleimbeutel oder einer Sehnenscheide stammt. Mit der Anwendung der Sonde und selbst des Fingers sei man bei Gelenkwunden vorsichtig. Dringt die Sonde bis in das Gelenk ein, so läuft man Gefahr, InfectionsstofFe in dasselbe zu verschleppen; gelingt es nicht, so ist damit noch keineswegs die Abwesenheit einer Gelenk-wunde bewiesen, weil die getrennten Weichtheile sich vielfältig über einander verschieben. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich vielmehr von der Voraussetzung auszugehen, dass eine Gelenkwunde vorliegt, um dementsprechend die Behandlung zu leiten. Soll aber eine solche Wunde sondirt werden, so muss eine sorgfältige Reinigung und Des-infection derselben vorangehen und mit sterilisirten Instrumenten und Händen vorgegangen werden.
Die eiterige Gelenkentzündung giebt sich neben den (S. 250) geschilderten Symptomen noch durch den Abfluss von Synovia zu erkennen, die sich nach wenigen Tagen mit Eiter vermischt. Diese Beimischung von Eiter erkennt man an der undurcbsiclitigen, strohgelben Farbe der Synovia. Zuweilen gerinnt dieselbe und es häufen sich graugelbe, geleeartige Massen in der Wunde an. In dem Masse, als die Synovia mehr und mehr vom Eiter verdrängt wird, fliesst schliess-lich nur noch Eiter ab. Sobald die acute eiterige Synovitis einsetzt, tritt Anschwellung des Gelenkes und dessen Umgebung ein, es steigern sich die Schmerzen, die Lahmheit wird erheblich; das Tliier sucht den Fuss in Flexionsstellung zu halten; dazu gesellen sich Fieber und schliesslich Pyämie oder Septikämie. Die Verschiedenheiten im Verlaufe der Gelenkwunden hängen vornehmlich von der Virulenz der inficirten Substanzen ab. Daher erklärt sich, dass gleiche Verletzungen desselben Gelenkes einen verschiedenen Verlauf nehmen können.
Die Behandlung einer frischen Gelenkwunde verlangt strenge Desinfection; die Wunde sowohl wie ihre Umgebung muss möglichst bald sorgfältig gereinigt und wie (S. 02) beschrieben, desinficirt werden. Wenn irgend möglich, lege man sodann einen antiseptischen Occlusiv-verband an. Grössere Wunden können geheftet werden, wo indess nicht besondere Gründe hierfür sprechen, beschränke man sich darauf, die Verletzung mit Jodoform zu bestreuen und mit einem gut passenden
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
266
|
Krankheiten der öelenke.
|
||
|
|
|||
|
Verbände zu versehen. Liegen bezüglich der Asepsis Bedenken vor, so lasse man den Verband mit einer Desinfectionsflüssigkeit (Carbol, Sublimat) einige Tage hindurch anfeuchten, und womöglich das verletzte Gelenk durch den Verband vollständig immobilisiren, was leider in der Regel nur bei kleinen Thieren gelingt. Sobald sich erhebliche Temperatursteigerung und andere Fiebererscheinungen oder bedeutende Schinerzen einstellen, oder endlich, wenn der Verband vom Wundsecret oder Blut durchtränkt erscheint, muss derselbe gewechselt werden. Zeigt sich das Gelenk hierbei bereits erkrankt, so bleibt eine energische Desinfection desselben zu versuchen. Man spritze deren Gelenk-höhle mit Carbol- oder Sublimatwasser u. s. w. aus, oder lasse permanente Irrigation der Wunde einleiten: die letztere ist namentlich bei Thieren zu empfehlen, wo sich Verbände nicht gut anlegen lassen und ganz besonders bei grösseren Wunden. Die Irrigation wird mit einer Creolin-, Carbol-, Sublimat- oder Burow'scher Lösung eingeleitet; an den folgenden Tagen genügt unter Umständen reines, lauwarmes Wasser. Tag und Nacht fortgesetzt leistet die Irrigation zuweilen ausgezeichnete Dienste.
Bei kleineren, namentlich Stichwunden wendet man seit alter Zeit in der Veterinärpraxis Schnrfsalben oder das Glüheisen an. Ursprünglich geschah dies in der Vorstellung, dass die künstlich erzeugte Entzündung der ilusseren Haut die Entzündung aus dem Gelenke ableite. Der Nutzen dieser Mittel beruht jedoch vornehmlich auf der Anschwellung der Weichtheile, welche durch sie erzeugt wird und zur Verengerung oder Verschluss des Wundkanals führt, wodurch die Uebertragimg von Infectionsstoifen in das Gelenk verhindert werden kann. Das Glüheisen wirkt zugleich als Desinficiens; aus demselben Grunde benutze ich hier Sublimat, ziehe dieses der Cantharidensalbe vor, und wende das Mittel, wenn sonst nichts im Wege steht, in alkoholischer Lösung an (1 : 10 Spiritus). Auch seiner tiefer reichenden Wirkung wegen verdient das Sublimat vor der Cantharidensalbe den Vorzug.
Eine zweite Aufgabe der Behandlung bei Gelenkwunden besteht darin, den Ausfluss von Synovie möglichst bald zu unterbrechen. Das zuverlässigste Mittel hierzu bildet die vollständige Immobilisation des Gelenkes, die jedoch meist nur bei kleinen Thieren gelingt; dabeibleibt man hierbei in der Regel auf andere Mittel beschränkt. Empfohlen wurde namentlich:
1. Tannin, welches sowohl coagulirend auf die Synovia wie auch antiseptisch wirkt und als Pulver oder in gelöster Form, z. B. als
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Wunden und Contusionen der Gelenke.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 267
Eiohenrindenbäider Anwendung findet. Ebenso zeigt sich Tannin mit Collodium (1:2) nützlich. Müller empfiehlt, die Wunde dick mit Jodoformtannin zu bedecken und die Umgebung mit Cantharidensalbe einzureiben, event. Jodoformcollodium aufzustreichen.
2. Terr um sesquichloratum mit Collodium zu gleichen Theilen vermischt kann ebenfalls zum Verschluss von Gelenkwunden dienen; da es jedoch auf einer feuchten Oberfläche nicht haftet, so bleibt die Anwendung dos Mittels beschränkt. Dagegen wurde mehrfach Sublimat empfohlen, und zwar in Pulverform wie auch in Lösung mit einem Tampon auf die Wunde gebracht. Him in els toss empfiehlt Sublimatstäbcben, die aus gleichen Theilen Sublimat und Cacao-butter hergestellt und in die Wunde eingeführt werden, worauf letztere mit einem Heftpflaster verschlossen wird.
;i. In Frankreich dient seit alter Zeit Terpentin als beliebtos Mittel, welches ebenfalls mit einem Wergbausch auf die Wunde gelegt wird. Die antiseptische Wirkung erklärt den Nutzen desselben.
In England benutzt man zu diesem Zwecke Alaun, Kochsalz und Bolus (Hodgson) oder Alaun mit Eisenvitriol in Myrrhit (Morton).
Eisele empfahl das Bronneison. sodann Cantharidonsalbo und einen Lehmanstrich. Auch von Hoffmann wurde neuerdings Lehm als Desinficicns in der Wundbehandlung empfohlen. Vigezzi lässt eine alkoholische Lösung von Gerbsäure (1:5 10) in die Wunde spritzen; H. Bouley trat besonders für permanente Irrigation ein.
Unter Umständen kann der Abfluss der Synovia durch einen festen Verband zurückgehalten werden; so legte Petzold Gummibinden fest um das verletzte Gelenk und erzielte damit Verschluss der Wunde unter Vermeidung einer Gelenkentzündung.
Contusionen der Gelenke erfolgen entweder durch die Einwirkung eines stumpfen Körpers von aussei! (Hufschlag, Niederstürzen oder Gogenrennen) oder durch Fortpflanzung einer Gcwalteinwirkung von anderen Theilen, z. B. von den unteren Abschnitten der Glied-massen auf die oberen Gelenke. Man unterscheidet demnach directe und indirecte Contusionen. Bei den letzteren handelt es sich vornehmlich um eine heftige Pressung der Emphyseneuden gegen einander; sie kommen bei Thieren verbältnissinässig selten vor und sind meist mit Fracturen verbunden. Directe Contusionen bestehen in Quetschungen der das Gelenk umgebenden Weichtheile und der Synovial-membran; in letzterer erfahren die Blutgefttsse hierbei leicht Oontinuitftts-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
#9632;
lil
|
|||
|
|
|||
|
208
|
Krankheiton der Gelenke.
|
||
|
|
|||
|
fcrennungen, worauf sich Blut in das Gelenk ergiesst (Hämarthros), und zwar unter Umständen in dem Masse, dass das ganze Gelenk mit Blut angefüllt ist und die Bewegungen desselben nicht allein schmerzhaft, sondern auch durch den Bluterguss mechanisch beschränkt werden. Meist verharrt das gequetschte Gelenk in Flexionsstellung (S. 257). Aber auch in den umgebenden Weichtheilen tritt in Folge der Quetschung Anschwellung, vermehrte Wärme und Schmerz ein, die bald auf die eine oder andere Seite beschränkt bleiben, bald sich um das ganze Gelenk ausbreiten. An grösseren Gelenken entsteht zuweilen durch Reibung des Blutgerinnsels das sog. Neuledergeräusch.
Sobald keine eiterige Gelenkentzündung eintritt, wie es bei einfachen Quetschungen ohne Wunde Regel ist, verläuft der Zustand meist günstig. Da die Synovialis in der Regel nicht erheblich erkrankt ist, so wird das Blut bald resorbirt, nur selten bleibt eine Gelenkgalle zurück. Gelcnkeiterung kommt meist dadurch zu Stande, dass von den gequetschten Weichtheilen aus die Eiterung sich auf die Gelenkkapsel fortsetzt und diese durchbricht; seltener durch Infection von der Blutbahn aus.
Die Behandlung muss in frischen Fällen mit Kälte eingeleitet werden, um weiteren Bluterguss zu verhindern und die Entzündung zu bekämpfen. Schon nach einigen Tagen dient zur Förderung der Resorption feuchte Wärme, ein Compressivverband und Massage. Wenn die Schmerzhaftigkeit nicht gross ist, erscheint Bewegung des Gelenkes angezeigt, wodurch die Resorptionsvorgänge wesentlich beschleunigt werden; auch Priessnitz'sche Einwickelungen und Massage tragen hierzu wirksam bei. Sobald die äussere Haut verletzt erscheint, muss durch ein antiseptisches Verfahren Eiterung verhindert werden; man reinigt und desinlicirt die Wunde und benutzt zum Anfeuchten der Binden Carbol-, Creolin- und Sublimatlösung. Der etwa noch zurückgebliebene Hydarthros chronicus wird nach den S. 259 beschriebenen Grundsätzen behandelt.
|
|||
|
|
|||
|
4. Arthritis chronloa deformansi
Während bei den vorhin besprochenen Entzündungsprocessen die Synovialis regelmässig den Ausgangspunkt der Erkrankung, bildet, setzt das in Rede stehende Leiden im Gelenkknorpcl ein. Exsudative Vorgänge treten hier in den Hintergrund, fehlen oft ganz, daher die Bezeichnung Arthritis sie ca. A. deforraans wurde sie genannt.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Arthritis chionicii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;269
weil im Verlaufe der Krankheit die wichtigsten Theile des Gelenkes zerstört werden.
Das Vorkommen des Leidens bei Thieren stellt aussei- allem Zweifel; bei Pferden beobachtet man dasselbe am häufigsten am Knie- und Sprunggelenk (Spat); auch an der Vorderfusswurzel und am Kronengelenk (Schale); bei Hunden am Knie- und Hüftgelenk, wie beim Menschen. Auch als Polyarthritis erscheint dasselbe zuweilen. Schrader hat die pathologisch-anatomischen Verbindungen dieses Leidens bei Pferden zuerst eingehend beschrieben.
Bezüglich des Sprunggelenkes sowie der Erkrankung der Vorderfuss-wurzel muss zugegeben werden, dass hier auch chronische Entzündungen vorkommen, welche nicht in allen Punkten mit der Arthritis deformans übereinstimmen. Allein wenn man in Betracht zieht, dass das Wesen dieser Krankheit selbst beim Menschen noch keineswegs vollständig klargelegt ist, und der Begriff A. deformans bisher nicht scharf begrenzt erscheint; wenn ferner in Betracht gezogen wird, dass die genannten Leiden der Thiere, namentlich des Pferdes thatsächlich mit ilhnlichen Verilndorungen der Gelenke verbunden sind, so steht meines Erachtens nichts im Wege, alle diese Erkrankungen der Arthritis deformans zuzuzählen und hier abzuhandeln. Der Umstand, dass diese Leiden zuweilen einen mehr aeuten Verlauf nehmen, und dass die Entwickelung sich an mechanische Insulte knüpft, kann dieser Auffassung um so weniger widersprechen, als auch beim Menschen ein ähnlicher Verlauf vorkommt und die gleichen ursächlichen Momente mitwirken.
Ursachen. Ueber die Ursachen der deformirenden Gelenkentzündung herrscht noch ein Dunkel. Beim Menschen beschränkt sich das Leiden meist auf das höhere Alter und wird daher vielfach als eine senile Störung angesehen (Volkmann), welche oft an traumatische Läsionen anknüpft. Bei Thieren sehen wir vornehmlich Individuen erkranken, welche hohe Anforderungen an ihre Gelenke stellen müssen und diese einseitig gebrauchen. So beobachtet man die Gonitis chronica, die wenigstens zu denselben Veränderungen an den Kniegelenken führt, wie das Mahnn coxae der Menschen am Hüftgelenk, fast ausschliesslich bei Pferden, die vor Pferdebahnen und im Omnibusdienst auf ganz bestimmte Bewegungen angewiesen sind. Da gerade die hierbei in Contact tretenden Abschnitte der Gelenkfläche vornehmlich erkranken, so kann es keinem Zweifel unterliegen, dass die mechanische Wirkung der Bewegung in naher Beziehung zu der Erkrankung steht, wenn sie dieselbe nicht allein veranlasst. Auch bei Hunden beobachtet man das Leiden häufiger, wenn diese zum Zugdienst verwendet werden. Abgesehen von der Vorderfüsswurzel und dem Kronengolenk (Schale) erscheint das Leiden nur selten an den
|
||
|
|
||
|
|
||
|
270nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten dei' Gelenke.
Vordertüsseu, weit häufiger dagegen an den grössere Arbeitsleistungen zufallenden Hinterschenkcln. Dispositionelle Verhältnisse spielen hei der Entwickelung der Krankheit offenbar eine Rolle. Wie sich am deutlichsten an den Sprunggelenken beim Spat der Pferde zeigt, üben mangelhafte Einrichtungen derselben, fehlerhafte Stellungen und andere Abweichungen im Körperbau der Thiere einen begünstigenden Einfluss auf die Entstehung des Leidens aus. Im übrigen unterliegt es keinen Zweifel, dass derartige Anlagen vererbt werden, sowie dass auch rheumatische Einflüsse bei der Entstehung des Leidens betheiligt sein können.
Der Umstand, dass das Leiden vornehmlich Arbeitsthiere befällt, lässt schon vermuthen, dass die mit den Anstrengungen verbundenen Insulte vornehmlich den Anstoss zur Erkrankung geben, seltener einzelne Läsionen. Von den 1890 in der preussischen Armee behandelten chronischen Gelenkentzündungen der Pferde betrafen: 36 0/n das Sprunggelenk, 22 0/o das Fesselgelenk, 20 0/o das Kronengelenk, 8 das Bug- und 7 das Hufgelenk, während das Leiden an den übrigen Gelenken nur vereinzelt vorkam.
Pathogenese und Verlauf. In der Regel bildet der Gelenk-knorpel den Ausgangspunkt der Erkrankung; die Grundsubstanz des hyalinen Knorpels zerfasert, erfährt eine ähnliche Veränderung wie bei der Behandlung mit Kaliumpermanganat oder Trypsin (Tillmanns); bald darauf gehen die Knorpelzellen einen Wucherungsprocess ein. Diese Vorgänge rauben dorn Knorpel seine Festigkeit, in Folge dessen namentlich da, wo sich die Gelenkflächen bci-ühren und an einander reiben, der Gelenkknorpel zerfällt (usurirt) und abgerieben wird. Auf diese Weise entstehen Schliffflächen, and enen der Knorpel mehr und mehr zerstört wird, bis schliesslich die Epiphysenflächen der Knochen einander berühren. An den Rändern des Gelenkes, wo ein gegenseitiges Reiben nicht stattfindet, kommt es zur Wucherung des Knorpels; so entstehen höckerige, drusige Erhebungen der Randpartien des öelenkknorpels, welche später ossificiren und intracapsuläre Exostosen darstellen. Der Reizungsprocess setzt sich aber auf die unter den Ansatzstellen der Synovialis gelegenen Abschnitte des Periostes fort, es bilden sich hier Osteophyten (subsynoviale Exostosen), welche äusserlich am Gelenke bemerkbar werden (z. B. der Spatknochen).
Die Synovialmembran bleibt hierbei längere Zeit intact; die Synovia erscheint bald nicht verändert, bald etwas vermehrt und durch
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Arthritis chronica detbrmans.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 271
Beimischung der abgeriebenen Knorpelmassen getrübt. Später vascu-larisirt und verdickt sich auch die Synovialis, namentlich an ihren Ansatzstellen am Knochen sowie an den Zotten. Auch die Bänder, das umliegende Bindegewebe und Periost nehmen schliesslich an der Erkrankung Thcil; erstere verdicken, am letzteren tritt ossificirende Periostitis auf.
So schreitet der Process allmählich fort, ohne dass therapeutisches Eingreifen einen erheblichen Einfluss auf den Verlauf auszuüben vermag. Einen verhältnissmässig noch günstigen Ausgang bildet die Synostosenbildung, doch kommt diese nur an Gelenken zu Stande, welche geringe Beweglichkeit besitzen, z. B. an der Vorderfusswurzel und dem Sprunggelenk der Pfeixle. Hier kann es nach Zerstörung des Gelenkknorpels zur Verwachsung der Gelenkflächen und zur Bildung einer knöchernen Ankylose kommen. Am Hüft- und Kniegelenk dagegen macht das Leiden die Thiere mit der Zeit vollständig unbrauchbar.
Strecker beschreibt das Ergebnisraquo; der Section bei einem Pferde mit Polyarthritis deformans, lässt os jedoch zweifelhaft, ob das Leiden als rheumatisch zu betrachten sei. In sämmtlichon Gelenken der Gliedmassen, sowie am Unterkiefer-, Hinterhaupts- und Kreuzdarmbeingelenk war der Gelenkknorpel deutlich abgeschliffen, die Bänder mit unregelmässigen, blumen-kohlilhnliehen Knorpel- oder Knochenneubildungen besetzt, besonders am Tibio-astragal- und Kniegelenk. Die Synovialmembran war verdickt, an einzelnen Stellen, besonders in der Nähe der Bänder des Gelenkknorpels, sowie an der Beuge- und Streokseite mit zottigen, stark gerötheten Anhängseln besetzt, die subsynovialen Gei'ässe stark injicirt, die Synovia vermehrt, dünn und trübe. Leider ist über das Alter und die Haltung des Thieres nichts mitgetheilt. Es handelte sich also um eine Arthritis chronica, wie sie an einzelnen Gelenken bei Thieren häufiger beobachtet wird.
Die klinischen Erscheinungen zeigen sich bei diesem Leiden ziemlich charakteristisch. Es entwickelt sich eine langsam auftretende und in der Regel allmählich zunehmende Lahmheit, welche zunächst nur im Anfange der Bewegung hervortritt und während derselben oft ganz verschwindet. Diese Erscheinung entspricht offenbar dem sub-jeetiven Symptome, dein Gefühl der Steifigkeit, welches sich beim Menschen nach der Inactivität an dem so erkrankten Gelenke bemerkbar macht, aber nach einigen Schritten sich wieder verliert. Mit der fortschreitenden Zerstörung des Gelenkes nehmen die Bewegungsstörungen zu, so dass die Thiere schliesslich zur Arbeit unbrauchbar werden. Acut entzündliche Erscheinungen fehlen aber auch jetzt noch, dagegen bilden sich in der nächsten Nähe des Gelenkes alhnillilich Exostosen aus; mit der zunehmenden Bewegungsstörung stellt sich Muskel-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
272
|
Kninkheiten der Gelenke.
|
||
|
|
|||
|
atrophie ein. Schon frühzeitig macht sich in manchen Fällen eine Neigung zur Flexionsstellung in dem Gelenk bemerkbar; wie es namentlich für diese Erkrankung des Kniegelenkes beim Pferde als charakteristisch bezeichnet werden kann. Crepitation wird selten beobachtet, Aveil diese nur an grössereu Gelenken (Knie) auftreten kann, die Thiere aber in der Hegel früher getödtet werden. Die Synostosenbildung führt dagegen zur Einschränkung der Bewegung, zu einer steifen Haltung des Gelenkes und lässt sich bei passiven Bewegungen oft direct nachweisen.
Die Therapie ist dein Krankheitsprocesse gegenüber ohnmächtig und lohnt sich, bei Thieren eine Behandlung nur da, wo die durch Synostosenbildung eingeschränkte freie Bewegung die Arbeitsfähigkeit der Thiere nicht ausschliesst. Dies trifft namentlich für die kleineren Abschnitte des Sprunggelenkes zu, wo das Leiden unter dem Namen Spat bekannt ist. Wir suchen durch andauernde (46 Wochen lange) Kühe und Anregung eines acuten Entzündungsprocesses in der Umgehung des Gelenkes, namentlich in dem Bindegewebe und Periost die Bildung der Synostose zu unterstützen. Dazu dienen scharfe Hautreize (Einreibungen, Glüheisen) oder Operationen, z. B. Periostomie, welche eine lebhafte Exostosenbildung fördern und so die feste Verbindung der Knochen begünstigen. Mit dem Aufhören der Bewegungen in dem erkrankten Gelenk verschwinden auch die Schmerzen, welche hiermit verbunden sind. Wird auch das Leiden nicht geheilt, so hört doch die durch dasselbe erzeugte Lahmheit auf. Man vergleiche hierüber die beim Spat in meiner Speciellen Chirurgie gemachten Angaben. Am Kronengelenk kann die durch Schale veranlasste Lahmheit mittelst Neurotomie beseitigt werden; am Kniegelenk bleibt auch diese unausführbar.
|
|||
|
|
|||
|
5. Corpora libra s. Mures articulorum (GHeiikmiiuse).
Hiermit bezeichnet man die in Gelenken entweder vollständig frei auftretenden oder mit der Synovialis gestielt verbundenen, festen Körper. Die Mehrzahl derselben besteht aus Bindegewebe, bildet entweder Fibrinniederschlilge aus der Synovia oder gewucherte und später abgefallene Gelenkzotten. Oft treten sie in grosser Anzahl, in der Grosse und Gestalt von Reiskörnern auf, daher die Bezeichnung Corpora oryzoidea: häufiger noch als in Gelenken finden sich diese in Sehnenscheiden. In anderen Fällen entstehen Gelenkmäuse durch
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
GoWnkmiluae. Verstauchung'.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;27 t!
Absi^rengung kleiner Knochen- oder Knorpelstücke in Folge traumatischer Einwirkungen auf das Gelenk; beim Menschen sah König solche Ablösingen spontan erfolgen und bezeichnet den noch unaufgeklärten Vorgang als Osteochondritis dissecans. Meist beobachtet man Corpora libra in erkrfinkten Gelenken; so namentlich bei chronischem HycU'opyi bei Thieren sind sie jedoch im ganzen selten. Bruck-müller fand Corpora libra im Schulter-und Vorderfusswurzelgelenk des Pferdes, lloloff im Sprunggelenk, Stockfleth im Knie- und Sprunggelenk des Pferdes; ich konnte einen taubeneigrossen freien Körper im Kniegelenk beim Pferde während des Lebens nachweisen. Ihre Grosse schwankt zwischen der eines kleinen Reiskornes und der eines Hühnereies. Bald halten sie sich längere Zeit ohne Nachtheil zu erzeugen im Gelenk auf, rufen dann aber zuweilen plötzlich hochgradige Bewegungsstörungen (Lahmheit) hervor, welche in der Regel ebenso schnell wieder verschwinden. Offenbar bangt die Lahmheit mit einer Verschiebung des Corpus librum, vielleicht zwischen die Golenkfläclien zusammen; daher erklärt sicli, dass die Störung in unregelmässigen Zeitabschnitten wiederkehrt. Wo solche Erscheinungen auftreten, unterwerfe man die Gelenke einer sorgfältigen Palpation, wobei sich der freie Körper zuweilen fühlen lässt.
Die Behandlung, welche in Entfernung des Corpus librum besteht, stösst beim Menschen auf keine besonderen Schwierigkeiten, wohl aber bei Thieren, bei denen die Antiseptik nicht so sicher durchführbar ist wie beim Menschen. Man hat daher versucht, durch Anstechen des Gelenkkörpers mittelst einer Nadel oder durch Anwendung des Glüheisens eine Verwachsung desselben mit der Gelenkkapsel herbeizuführen.
Soll der Gelenkkörper entfernt werden, so muss mit allen Hülfs-mitteln der Antiseptik die Arthrotomieu ausgeführt werden. Nachdem die Haare abrasirt, die Haut sorgfältig abgeseift und mit Car-bol- oder Sublimatwasser abgebürstet ist, wird unmittelbar auf dem Corpus librum der Einschnitt gemacht; alsdann suche man denselben herauszudrücken, schliesse die Wunde sorgfältig mittelst Naht und lege einen Occlusivverband an, wobei das Gelenk nach Möglichkeit zu iinnio-bilisiren gesucht wird.
(J. Gelenkverstaachiing.
Als Verstauchung (i)istorsio, Verdrehung) bezeichnet man eine Läsion der Gelenke durch momentane Verschiebung der Gelenk-M öl irr, Allgemeine Chirurgie luv Thtertate,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;18
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
#9632;
|
274nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Gelenke.
flächen an einander, verbunden mit gewaltsamer Dehnung, Zerrung und selbst, Zerreissung der Gelenkbänder. Das Kapselband und die Hemmungsbänder leiden hierbei in erster Linie, während die bei weitem dehnbarere Synovialis meist intact bleibt. Nicht selten sind Distorsionen mit Zerrungen und Zerreissungen in den umgebenden Weichtheilen oder mit Fracturen verbunden. Bald handelt es sich nur um Zerrung, bald um partielle oder selbst totale Zerreissung der Bänder, zuweilen in Verbindung mit Contusion des Gelenkes (S. 2(37).
Die nächste Folge dieser mechanischen Läsion bildet eine mit Blutungen verbundene Entzündung, von welcher namentlich der Bandapparat betroffen ist. Anatomisch bezeichnet man den Zustand als Periarthritis, klinisch halten wir an dein ätiologischen Begrift' Distorsionquot; fest. Die Blutung erfolgt theils in das Gelenk, theils tritt dieselbe in der Umgebung der zerrissenen Bänder auf.
Ursachen. Als Ursachen wirken Gewalten, welche Bewegungen in dem Gelenk hervorrufen, für welche die Mechanik desselben nicht eingerichtet ist. Bald handelt es sich um Steigerung der physiologischen Bewegung über die natürlichen Grenzen hinaus, z. B. beim Ueberköthen um eine excessive Volarflexion, bald um hetero-loge Bewegungen, d. h. Bewegungen nach einer falschen Richtung, Z. B. Seitwärts- oder Torsionsbewegungen in den Wechselgelenken der Phalangen. Fehltritte, Niederstürzen oder Fixation des Fusses am Boden geben meist die Ursachen zu Distorsionen ab, die bei Pferden am Kronen- und Fesselgelenk ziemlich häufig vorkommen, aber auch am Schulter- und Hüftgelenk beobachtet werden.
Unebener, harter Boden (Pflaster), fehlerhafte Beschneidung der Hufe, wodurch das Auftreten ungleichmässig wird, unzweckmässiger Beschlag, hohe Stollen und Griffe begünstigen das Auftreten des Leidens. Ebenso ist klar, dass kleine, schmale Gelenke mit schwachen Hemmungsapparaten (Bändern) und grosser Bewegungsfähigkeit leichter erkranken, und dass fehlerhafte Stellungen der Gliedmassen Distorsionen begünstigen. Die zehenenge wie zehenweite Stellung der Pferde kommt hierbei namentlich in Betracht und zwar in mehrfacher Hinsicht: Einmal weil diese Stellungen regelmässig mit einer mangelhaften Straffheit (Relaxität) der Gelenkbänder verbunden sind; sodann wird der Gang bei diesen Stellungen weniger sicher. Stolpern und Stürzen durch dieselben begünstigt; endlich findet bei diesen abnormen Stellungen eine ungleichmässige Belastung der Gelenkflächen statt; während die eine Seite des Gelenkes übermässig belastet wird, macht
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
Verstauchung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;275
sich an der anderen eine Dehnung der Bänder geltend, die leicht zu Zerrungen und Zerreissungen derselben führt.
Bei ungleichmässigem Auftreten des Fusses, wie es in Folge unrichtiger Beschneidung des Hufes namentlich bei fehlerhaften Stellungen vorkommt, findet bei jeder Belastung des Fusses eine Dehnung und Zerrung des Bandapparates der Phalangen, besonders im Kessel- und Kronengolenk statt. Hierdurch entstehen chronische Reizungen in den Seitonbändern des Kronengelenkes, sowie an ihren Ansatzpunkten am Kronen- und Fesselbein, und die Folge davon bilden Verdickungen der Bänder mit Exostosen an ihren Insertkms-stellon, ein Zustand, der beim Pferde die periarticuläre Form der Schale darstellt.
In der preussischen Armee betrafen von 977 im Jahre 1891 behandelten Verstauchungen Ü92 (70,830/o) das Fesselgelenk, 192(lÖ,650/o) das Kronengelenk, 42 {4,300/n) das Schultergelenk, 18 (l,840/o) das Hufgelenk, 18 (l,380/o) das Hüftgelenk, 9 (0,92V) das Kniegelenk. 6 (0,(j10/o) das Sprunggelenk, .quot;i (0,810/o) die Vorderfusswurzel und 2 (0,210/o) das Ellenbogengelenk. An den Vorderfüssen kamen Verstauchungen des Fessel- und Kronengelenkes häufiger vor als an den Hinterschenkoln.
Erscheinungen und Verlauf. Die klinischen Erscheinungen der Distorsion bestehen in plötzlich hervortretender Lahmheit, verbunden mit mehr oder weniger Schmerzen und Entzündung an dem einen oder anderen Gelenk. Oft wird bei Thieren der Fehltritt oder das Niederstürzen direct beobachtet, an welche die Lahmheit in der Regel sogleich anknüpft. Die Schmerzen sind häutig von vorn herein sehr gross; oft schwitzen die Thiere in Folge derselben über den ganzen Körper. Hierbei handelt es sich um die mit der Distorsion verbundene mechanische Läsion der mit sensiblen Nerven ausgestatteten Geienk-apparate. nennen wir ihn den primären Schmerz. Nicht selten lässt dieser bald nach oder verschwindet nach wenigen Tritten wieder vollständig, kehrt aber nach einigen Stunden, namentlich nach der Ruhe zurück und erreicht alsdann oft einen hohen Grad, so dass jede Belastung des Fusses vermieden wird. Dieser nennen wir ihn den seeundären Schmerz ist die Folge der entzündlicheti Reaction. Von Anschwellung und vermehrter Wärme begleitet, tritt derselbe sowohl bei Druck auf das Gelenk wie auch namentlich bei Drehbewegungen des Gelenkes, die Lahmheit daher vornehmlich bei Wendungen hervor. Liegt der Anschwellung ein Hämarthros zu Grunde, so entspricht ihre
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
S quot;
|
27finbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Gelenke.
Form der Conflguratdon dos Oelcnkes und zeigt sich fiuctuirend; in der Regel aber gellt die Schwellung von entzündlichen Veränderungen in der Umgebung des Gelenkes aus, erscheint anfangs teigig, später fest, hart und nimmt eine spindelförmige Gestalt an.
Verlauf. Erscheinungen sowohl wie Verlauf richten sich in erster Linie nach dem Grade der Verstauchung, d. h. nach dem Umfange der mit derselben verbundenen Lilsionen. Bei leichteren Distor-sionen kommt es bloss zu einer Zerrung des Bandapparates ohne erhebliche Zerreissungen in demselben; dabei können die ersten Schmerzen bedeutend sein, dieselben verlieren sich jedoch alsbald, und bei einiger Schonung des Thieres erfolgt in wenigen Tagen Heilung. Die entzündlichen Erscheinungen bleiben beschränkt, treten zuweilen nicht einmal deutlich hervor.
Bei Distorsionen zweiten Grades finden nicht nur Zerrungen sondern auch Zerreissungen im Bandapparate event, auch in der Unigebimg des Gelenkes statt. Der primäre Schmerz zeigt sich dabei oft nicht erheblicher als bei leichterer Distorsion, aber schon nach wenigen Stunden entwickelt sich eine deutliche Periarthritis, mit welcher die Schmerz-haftigkeit von neuem einsetzt; dieser seeundilre Schmerz steht mit dem Umfange der Verletzung in gradem Verhältniss und gestattet also einen Rückschluss auf diese. Natürlich nimmt ein derartiger Zustand stets längere Zeit zur Heilung in Anspruch; im allgemeinen muss man bei den grossen Thieren auf 40 Wochen rechnen.
Beschränkte sich die Verletzung nicht auf fasciculäre Zerreissungen, sondern wurden die Bänder in grösserem Umfange in ihrem Zusammenhange gestört oder ganz zerrissen, vielleicht auch Stücke von den Knochen abgesprengt, oder fanden erhebliche Verletzungen der Synovialis mit Bluterguss in das Gelenk statt, so hält der primäre Schmerz in der Regel an; die mit der Verstauchung aufgetretene Lahmheit verliert sich nicht, sondern zu ihr gesellen sich alsbald entzündliche Veränderungen am Gelenk, insbesondere starke Anschwellung und lebhafte Sclnnerzensäusserungen auf Druck und Drehbewegung. Nimmt eine Verstauchung mittleren Grades bei den grossen Thieren 46 Wochen zur vollständigen Beseitigung der Lahmheit in Anspruch, so erfordert dieselbe bei diesen Zuständen reichlich die doppelte Zeit. Je länger die Entzündung, bezw. Lahmheit andauert, desto tiefer gehende Störungen müssen vorliegen, und je älter diese sind, um so langsamer bilden sie sich zurück. Daher gilt als praktische Regel, dass durch Verstauchung venmlasste Lalimheiten. welche in 14 Tagen nicht ver-
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
Verstauchung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;277
schwinden) 4 Woohen zur Heilung gebrauchen, und solche, die in 4 Woohen niclit heilen, 8 Wochen.
Ausgang. Bei Distorsionen der ersten beiden Grade tritt rogel-mässig vollständige Wiederherstellung ein; doch vergesse man nicht, dass für die nächste Zeit eine mangelhafte Widerstandsfähigkeit des Gelenkes zurückbleibt, wodurch Kecidive begünstigt werden. Bestand ein bedeutender Hämarthros, so bleibt nicht selten eine chronische Gelenkgalle zurück; erreicht dagegen die Periarthritis einen hohen Grad, oder hatte die Gelenkkapsel erhebliche Läsionen erfahren, die ZU umfangreichen BindegOAvebsnenbildungen in derselben führen, so kommt es nicht selten zu Verclickungcn und Schrumpfungen des Kapsel- lt; bandes wie auch des umliegenden Bindegewebes, und so kann die freie Beweglichkeit des Gelenkes dauernd beeinträchtigt werden und Steifig-keit desselben zurückbleiben. Hierzu trägt unter Umständen die sich an jene Vorgänge oft anschliessende Periostitis sowie die Entzündung der Nachbarschaft des Gelenkes bei; ja es kann auf diese Weise selbst zu einer extraarticnlären Synostosenbildung kommen. Finden Infectionsstoffe Zutritt zu dem erkrankten Gelenk, indem sie von aussei) durch eine Hautwunde oder vom Blute aus hierher gelangen, so entwickelt sich eine der Virulenz derselben entsprechende Gelenkentzündung, bald eine acute, bald eine chronisch eiterige oder gar septische Syno-vitis mit Zerstörung der integrirenden Bestandthoile des Gelenkes (Carionekrose).
Behandlung. Die Behandlung verlangt zunächst Ruhestellung
des Gelenkes und bei heftigen Schmerzen, erheblichen entzündlichen Zufällen zugleich intensive Kältewirkung; wir lassen womöglich das Gelenk fest bandagiren und kühlen. Dieses Verfahren bleibt jedoch auf die ersten Tage, so lange die acut entzündlichen Erscheinungen, namentlich die Schmerzen heftig hervortreten, beschränkt und wird sodann durch feuchte Wärme, methodische Compression oder Massage ersetzt. Im übrigen kommt es hierbei wesentlich auf den vorliegenden Krankheitszustand an. Handelt es sich um die Entfernung eines Blutergusses aus dem Gelenk, so findet vor allem Massage (täglich 23mal) Anwendung, und bei nicht zu grossen Schmerzen Bewegung des Gelenkes zur Förderung der Resorption. Die Massage wird am besten in Form centripetalen Streichens ausgeführt. Man beginne mit leichtem Streichen und verstärke den hierbei angewendeten Druck allmählich: im übrigen muss man sich bei
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
^78
|
Krankheiten der Gelenke.
|
|||
|
|
||||
|
H|
|
Gtrosseil Thiereu iiacli dem Verhalten derselben richten. An Wechsel-gelenken, welche bei Pferden iiin häufigsten verstauchen (Fessel- und Kronengelenk), bildet diese Indication jedoch nicht den Schwerpunkt der Behandlung; dieser liegt vielmehr in der Unterstützung der repa-ratorischen Vorgänge im Bandapparate des Gelenkes: dazu dient sowohl Ruhe durch [mmohilisation mittelst Binden als auch feuchte Wärme. Man verbindet, wo es möglich ist, nach Bekämpfung der heftigen Entzündung durch Kälte, Priessnitz'sche Einwickelungen mit methodisoher Compression durch Anlegung von Binden. Wo dieses nicht ausführbar, wird eine Scharfsalbe applicirt. Worin die günstige Wirkung der scharfen Hautreize auch bestehen mag, soviel steht fest, dass sie einen überaus günstigen Einfluss auf den Ablauf derartiger Ent-zttndungsprocesse ausüben. Ihre Anwendung kann unter Umständen wiederholt werden, oder man lässt an ihre Stelle das Glüheisen treten, [eh benütze nach dem Abfallen des Schorfes die Zeit, so lange die Kaut noch empfindlich ist, zur Anwendung Priessnitz'scher Einwickelungen, methodischer Compression oder Massage und lasse 814 Tage später eine neue Einreibung oder das Glüheisen folgen.
Im allgemeinen empfiehlt sich während dieser Behandlung andauernde Ruhe, bis die Lahmheit vollständig verschwunden ist. Es erscheint natürlich, dass die absolute, auf längere Zeit ausgedehnte Immobilisation eines Gelenkes durch Schrumpfung in der Gelenkkapsel und im Bandapparat, durch Wucherung des Endothels (S. 245J u. s. w. uachtheilig werden kann, doch bleibt dieses für grössere Thiere insofern bedeutungslos, als bei ihnen die Bewegung in den Gelenken niemals so vollständig aufgehoben werden kann, wie beim Menschen. Bei kleineren Thieren, namentlich Fleischfressern, welche eine Gliedmasse leicht dauernd schonen können, ist dieser Umstand dagegen beachtenswerth; hier kann passive Bewegung des Gelenkes nothwendig werden, um Syno-stosenbildung ZU verhüten. Sollen bei grösseren Thieren Gehversuche angestellt werden, so inuss dies möglichst ruhig, auf gerader Bahn und auf weichem Boden geschehen. Bei Reitpferden ist mit Rücksicht auf den ersten Punkt dem Führen an der Hand das Reiten derselben vorzuziehen. So lange die Lahmheit fortbesteht, vermeide man indess bei Pferden beides, und nur da. wo dieselbe ungewöhnlich lange anhält, die localen Schmerzen dagegen zurückgetreten sind, kann schon vor dem vollständigen Verschwinden der Lahmheit vorsichtige Bewegung auf weichem, ebenen Boden nützlich werden. Handelt es sich hierbei doch zuweilen um eine Rigidität des Gelenkes, namentlich im Kapselbaude und dem Hemnmngsapparate, die durch geordnete
|
|||
|
|
||||
|
|
||
|
Verrenkung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;279
Bewoffimg erst überwunden werden muss. Man vermeide in der ersten Zeit regelmiissige Arbeit, bei Reitpferden besonders kurze Wendungen, unebenen, harten Boden, glattes Pflaster und sorge für einen zweck-mässigen Hufbeschlng, sofern das Tbier uicbt barfuss gehen kann, was im übrigen vorzuziehen ist.
7. Verrenkung.
Luxation oder Verrenkung nennen wir die nicht bloss momentane, sondern kürzere oder längere Zeit andauernde Abweichung der Knochen eines Gelenkes von einander, so dass sich dieselben entweder gar nicht mehr berühren (vollständige Verrenkung, Lnxatio completa), oder doch so von einander verschoben sind, dass sich Stellen derselben in gegenseitiger Berührung befinden, welche bei den physiologischen Gelenkbewegungen nicht in Contact gelungen (unvollständige Luxation s. Subluxation, Luxatio incom-pleta). Die Subluxation unterscheidet sich also von der Distorsion durch die nicht bloss momentane, sondern andauernde Verschiebung der Knochen; die Distorsion stellt daher eine momentane Subluxation dar. Dauernde Verschiebung der Knochen in den Halbgelenken, z. B. in der Symphysis sacro-iliaca, nennt man Diastase, aber auch wohl Luxation; ebenso spricht man von dor Luxation eines Muskels oder Sehne, wenn diese dauernd eine fehlerhafte Lage einnehmen. Bei unserer Besprechung kommen diese nicht in Betracht.
Aussei- der completen und incompleten Luxation unterscheidet man noch einfache und complicirte, frische und veraltete Luxationen ; nach den Ursachen zerfallen sie in t r a u m a t i s c h c. spontane und congenitale. Auch ist man übereingekommen, den unteren, resp. peripheren Knochen als den verrenkton ZU bezeichnen, z. B. bei Luxation des Fesselgelenkes nicht das Schienbein, sondern das Fesselbein als den luxirten Knochen zu betrachten.
Jede vollständige Luxation ist in der Regel mit Zerreissungen im Kapselbande verbunden; als complicirt werden daher nur diejenigen Luxationen bezeichnet, welche mit weiter gehenden Zerstörungen an dem Bandapparate oder den Knochen verbunden sind; wenn z. B. gleichzeitig Zerreissung von grösseren Blutgefässen oder Nerven stattgefunden hat, oder wenn eine Fractur besteht. Traumatisch heissen die ausschliesslich durch äussere Gewalteinwirkung entstandenen, spontane, die durch entzündliche oder anderweitige pathologische Zustände veranlassten Luxationen: congenitale Luxationen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
380nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Gelenke.
beobachtet man am häufigsten bei Fleischfressern am Ellbogen und Kniegelenk.
Luxationen kommen bei Thieren nicht so häufig vor wie beim Menschen; dies gilt namentlich für Pflanzenfresser und besonders für das Pferd. Die Golenkbewcgungen sind bei diesen Thieren dem Menschen gegenüber erheblich eingeschränkt; der Hemmungs-mechanismus bei weitem widerstandsfähiger. Daher sind Luxationen hei grösseren Thieren selten, und wo sie auftreten, meist mit erheblichen Complicationen verbunden, so dass die Wiederherstellung der Thiere zweifelhaft, das Schlachten derselben in der Regel geboten erscheint; die Luxation hat daher auch bei weitem nicht das praktische Interesse wie die Distorsion.
Im Jahre 1891 wurden in der preussischeu Armee bei 38 Pferden Verrenkungen beobachtet und zwar lOmal an der Kniescheibe, 4mal am Fesselgelenk, je einmal am Sohultergelenk und den Halswh-beln.
Die äussere Gewalt, welche die Luxation voranlasst (Luxations-mechanismus), wirkte entweder direct auf den luxirten Knochen ein, %. B. ein Schlag oder Stoss, oder die Wirkung erfolgt auf ent-ferntere Theile und wird durch diese auf den betreifenden Knochen übertragen, wie es z. B. heim Niederstürzen mit untergeschlagenen Beinen erfolgt; hierbei kann die Gelenkflilche des einen Knochens eine fehlerhafte Stellung einnehmen, und bei ihrer schlüpfrigen Be-schaifenheit von dem anderen Knochen abgleiten. Je freier die Beweglichkeit eines Gelenkes, je kleiner seine Gelenkflächen und je schwächer und schlaffer der Bandapparat, um so leichter tritt eine Luxation ein.
Die Luxation erfolgt plötzlich, und wenn alsbald llcduction stattfindet, d. h. der luxirte Knochen sofort in seine normale Lage zurückkehrt, so verläuft der Zustand zuweilen wie eine Distorsion. Kommt die Reduction nicht alsbald ZU Stande, so retmhiren sich sowohl die erschlafften Muskeln und Sehnen wie auch die entspannten Gelenkbänder mit den übrigen Weichtheilen, wodurch später die Reduction oder Reposition auf Schwierigkeiten stösst. Wo die Gelenkflächen dauernd von einander entfernt bleiben, bildet sich zwar ein neues, aber sehr unvollkommenes Gelenk (Ncarthrosis); ein Vorgang, den man gelegentlich bei Hunden am Hüftgelenk beobachten kann. Durch entzündliche Gewebswucherung in dem umgebenden Bindegewebe entsteht eine Art Kapselband, welches durch die Bewegungen des Knochens allmählicli geglättet wird und die Eigen-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Verrenkung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2SI
Schäften der Synovialis annehmen kann. Stützt wich der luxirte Knochen gegen einen anderen, so kann hier durch Wuchenmg am Periost eine neue Gelenkhöhlc entstehen. Zuweilen gleitet der luxirte Knochen nach kurzer Zeit von selbst zurück, doch tritt in solchem Falle dieselbe Luxation oft von neuem ein; man spricht alsdann von einer habituellen Luxation, wie sie bei Menschen und Thieren an der Kniescheibe niclit selten beobachtet wird.
Symptom. Die klinischen Erscheinungen hissen in der Regel über die Natur des Leidens keinen Zweifel. An oberflilchlicb gelegenen Gelenken erkennt man eine Abänderung ihrer Form; dazu gesellt sich die veränderte Richtung oder fehlerhafte Lage des Gliedes; bald verharrt dasselbe in abnormer Flexion oder Extension, bald wird es adducirt oder abducirt. Hierzu kommt eine Abänderung der Beweglichkeit; nach der einen Richtung erscheint dieselbe abnorm frei, nach der anderen eingeschränkt. Durch letztere Erscheinung unterscheidet sich die Luxation von der Fractur, bei welcher die Bewegung nach allen Seiten Ubermässig frei zu sein pflegt. Ferner tritt je nach der Lage des hixirten Knochens entweder eine Verlängerung oder eine Verkürzung des Gliedes ein; die erstere bei unvollkommener, die letztere bei vollständiger Luxation. Zuweilen macht sich durch das Reiben des luxirten Knochens gegen Weichtheile oder Blutcoagula eine schwache und eigentliünilich weiche Crepitation bemerkbar. Der Schmerz pflegt lebhaft zu sein, namentlich beim Versuche das Glied zu bewegen, daher tritt bei Luxationen an den Knochen der Gliedmassen stets hochgradige Lahmheit hervor, wobei sowohl die Belastung wie auch die Bewegung gestört erscheint. Die llepo-sition stösst bei Luxationen in der Regel auf grössere Schwierigkeiten .als bei Fracturen, dagegen erfolgt die Retention leichter als bei diesen.
Die Beurtheilung hängt in erster Linie von der Thierart, dem Grade und der Art der Luxation ab. Bei grösseren Thieren gestaltet sich die Aussicht auf Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit weniger günstig als bei kleineren Thieren (Fleischfressern); schon die Reposition stösst bei jenen auf grössere Schwierigkeiten, Dazu kommt, dass Luxationen bei Pferden in der Regel mit schweren Complicationen, Zerreissung von Sehnen, Fracturen u, s. w. verbunden sind. Incomplete Luxationen lassen sich bei weitem leichter reponiren als complete; am wenigsten günstig fällt die Prognose da aus, wo die Luxation mit Knochenbrüchen, mit Verletzungen grösserer Nerven oder Blut-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
282nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Gelenke.
gofilsse coiuplicirt ist. Dieselbe hiliigt ferner von dem Ort des Auftretens der Luxation und der Zeit ihres Bestehens ab. Nur frische, d. h. nicht über 8 Tage alte Luxationen lassen sich reduciren, später gelingt dies in der Regel nicht mehr; beim Menschon worden jedoch gelegentlich Luxationen reponirt, die jahrelang bestanden.
Die Behandlung verlangt in erster Linie Reposition, welche, wie bereits bemerkt, um so leichter gelingt, je früher sie eingeleitet wird. Dieselbe erfolgt im allgemeinen ebenso wie bei Fracturen mittelst Extension und Contraextension, und zwar am besten in der Narkose. Man vergleiche hierbei das S. 361 Gesagte. Auf die Configuration des luxirten Gelenkes und die Stellung der Knochenenden zu einander muss natürlich Rücksicht genommen werden, so dass die Extension bald mit Rotation, bald mit Abduction oder Adduction, in der Regel auch mit einem kräftigen Druck auf den luxirten Knochen verbunden wird. Sobald die Reposition gelingt, kehrt eine freiere Beweglichkeit und die. normale Form des Gelenkes zurück.
Zur Retention sind häufig keine besonderen Vorkehrungen erforderlich ; doch muss bei Luxationen an den Gliedmassen grösserer Thiere das Niederlegen derselben verhindert werden, weil hierbei und mehr noch beim Aufstehen die Luxation leicht von neuem auftritt: daher wird unter Umständen ein Hängegurt nothwcndig. Wo es möglich ist, legt man einen immobilisirenden Verband an, theils um die Wiederkehr der Luxation zu verhüten, theils um die Heihmgsvorgänge an den zerrissenen Weichtheilen zu erleichtern. Die Anwendung von Kälte u. s. w. ist in der Begel nicht erforderlich, wo ein Verband angelegt wird, nicht einmal empfchlenswertli. Sobald die Belastung der öliedmassen wiederkehrt, kann der Verband entfernt werden; doch verschone man das Thior für die nächsten Wochen mit schwerer Arbeit und vermeide heftiges Springen desselben, wodurch leicht Keci-dive eintreten. Ruhige Bewegung auf weichem Boden fördert die ilellungsvorgänge und beseitigt die durch längere Immobilisation entstandenen Verkürzungen in den Bändern und Weichtheilen.
Bei habituellen Luxationen sind alle Momente zu vermeiden, welche zur neuen Verschiebung der Knochen fuhren; im übrigen ist gegen diese nicht viel auszurichten; ebensowenig gegen angeborene Luxationen. In der Regel werden die mit solchen Leiden behafteten Thiere getödtet; eine Ausnahme bildet hiervon nur die Luxation der Kniescheibe.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
VIII. Krankheiten der Sehnenscheiden und Schleimbeutel.
|
||
|
|
||
|
Einleitung. Die Krankheitsprooesse der Sehnenscheiden und Schleimbeutel schliessen sieli nicht allein anatomisch sondern uuch klinisch denen der Gelenke eng an. Wenn von den Gelenkhülüüii behauptet werden konnte, dass sie als grosse Gewebslücken zu betrachten seien, so gilt dieses erst recht von den Sehnenscheiden und Schleimbeuteln. Nach den Untersuchungen Eichbaums bestellen die Sehnenscheiden bei Pferden aus 1. einem zarten, fibrillären, mit feinem Gefässnetz versehenen Bindegewebe, welches der Synovialis der Gelenke entspricht, und 2. aus dem an der äusseren Fläche des vorigen gelegenen, aus derben, starren Bindegewebsfasern bestehenden Retin aculum tendinum, welches die fibröse Gelenkkapsel vertritt. Die erstero heisst auch hier Synovialmembran, ist an ihrer freien Innenfläche mit Endothelzellen bedeckt, welche stellenweise fehlen oder durch Knorpeleinlagerungen ersetzt werden, so namentlich an Knochen; auch die Sehnen sind oft an ihrer Oberfläche mit Knorpelgewebe bedeckt. Die Oberfläche der Sehnenscheiden ist grösstentheils glatt; an einzelnen Stollen trägt dieselbe jedoch wie die Synovialis der Gelenke Zotten von 0,20,!! mm Länge und 0,0(50,24 mm Dicke. Während sich die Synovialis der Gelenke mit ihren Rändern an die Knochen heftet, schlägt sich die der Sehnenscheide nach innen um und bekleidet in gleicher Beschaffenheit die Oberfläche der in der Scheide gelegenen Sehnenabschnitte. Man unterscheidet demnach an derselben ein viscerales Blatt, das die Sehne direct umgiebt, sich derselben dicht anlegt und ein parietales lilatt, welches die Innenwand der Sehnenscheide auskleidet. Die Synovialis sfellt also zwei in einander geschobene Cylinder dar (Heule), die mit ihren glatten Flächen einander zugekehrt sind, und von denen der innere dem visceralen, der äussere dem parietalen Blatte der Pleura bezw. des Peri-toneums entspricht. Die äussere Fläche des parietalen Blattes wird durch lockeres Bindegewebe, dem subsynovialen Gewebe der Gelenkt; entsprechend mit dem Retinaculum tendinum verbunden. An den Enden der meist länglichen Sehnenscheiden schlägt sieh das parietale Blatt der Synovialis nach innen um und wird zum visceralen. Beide aber stehen, namentlich in grösseren Sehnenschoiden vielfach noch dadurch in Verbindung, dass eine Duplicatur des parietalen Blattes an der einen oder anderen Stelle in Form einer Platte oder eines Cylinders auf die Sehne bezw. das visceralo Blatt überspringt, Diese mit dem Mesonterium vergleichbare Verbindung, Me-
|
||
|
|
||
|
I
|
||
|
|
||
|
#9632;J84nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ki-ankheiteu der Sehnenscheitlen.
sotenon, Mesotendon, Vincula tendinum genannt, dient dazu, der Sehne Blutgefässe znzuftthreU) vielleicht trägt sie auch dazu hei, die Sehne in ihrer normalen Lage zu erhalten.
Mehr noch als an den Sehnenscheiden tritt der Charakter als grosse (Jewebslücke an den Schlei in beuteln hervor. Sie bestehen aus einer meist durchscheinenden, stärkeren oder schwächeren, bindegewebigen Membran, deren Innenwache, da wo Muskeln oder Sehnen sich begrenzen, meist glatt und eben ist; zuweilen besitzt dieselbe geiassreiche, zottige Hervorragungen. An den subeutanen Schleimbeuteln trägt die Innenfläche vielfaltig fadenförmige Verlängerungen, die von der einen Wand zur anderen überspringen : auch kommen hier unvollständige Scheidewände vor, welche die Bursa in mehrere Abtheilungen trennen. Ein Endothelbelag fehlt den Schleimbeuteln, welche sich in der Kegel erst während des extrauterinen Lebens entwickeln und in ihrem Auftreten mancherlei Verschiedenheiten zeigen.
Auch in physiologischer Beziehung schliessen sich diese Apparate den Gelenken an. Die Sehnenscheiden sind bestimmt die Bewegungen der Sehnen, da zu erleichtern, wo lockeres Bindegewebe hierzu nicht dienen kann, z. B. auf Knochen. Die subtendinüson Schleimbeutel bilden gleichsam halbe Sehnenscheiden, indem nur die eine Hälfte der Sehne von der Scheide umgeben ist, während die subeutanen Schleimbeutel bestimmt sind, die äussere Haut auf einer harten, festen Unterlage hin und her gleiten zu lassen; sie bilden sich ganz nach Bedürfniss, daher erscheint ihr unbestimmtes Vorkommen natürlich.
Die Erkrankungen der Sehnenscheiden und Schloimbeutcl nehmen bei Arbeitsthieren ein höheres Interesse in Anspruch als beim Menschen; ganz besondere Bedeutung erlangen diese Leiden beim Pferde. Es handelt sich meist um entzündliche Processe, welche nicht allein die Arbeitsfähigkeit der Thiere in Frage stellen, sondern auch das Leben derselben bedrohen können. Im allgemeinen verhalten sich die entzündlichen Vorgänge liier ähnlich wie an den Gelenken; das gilt in erster Linie A'on den Sehnenscheiden, während die entzündlichen Erkrankungen der subeutanen Schleimbeutel bei weitein nicht so grosse Bedeutung in Anspruch nehmen. Aus diesem Grunde sind liier die entzündlichen Leiden der Sehnenscheiden und subtendinösen Scheiden unter dem Namen Tendovaginitis zusammengefasst, und soll der Ausdruck Bursitis auf die Entzündung der subeutanen Sehloimbeutel beschränkt bleiben.
|
||
|
|
||
|
1. Die Entzttndung der Sehnenscheiden Tendovaginitis
s. Tendosynovitis.
Mehr noch als die Svnovitis der Gelenke schliessen sich diese Leiden den Krankheiten der serösen Häute an, namentlich durch die Neigung zu serösen Ergüssen. Acute Reizungsprocesse der Sehnenscheiden und Schlehnbeutel rufen regelmässig eine lebhafte Absehei-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Entzündung der Sohnenscheidon.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;280
dung von Serum hervor, wodurch diese Apparate oft bedeutend ausgedehnt werden. Man bezeichnet den Zustand als Hydrops der Sehnenscheide oder acute Sehnenscheidengalle. Oft wird hierbei zugleich Fibrin abgeschieden, man spricht alsdann von einer Tendovaginitis sero-fibrinosa.
Die Synovialis zeigt sich während der acuten Entzündung mehr oder weniger stark geröthet und geschwollen, ihre beiden Blätter werden oft mit einander verklebt und können schliesslich verwachsen, so dass die Sehnenscheide gleichsam obliterirt.
Zuweilen tritt B'aserstoffausschoidung in den Vordergrund, während ein wässeriger Erguss ganz fehlt (Tendovaginitis sicca). Durch Reiben der Fibrinschichten an einander entsteht ein weiches Orepitiren (Tendovaginitis s, Tendalgia crepitans).
In der Menschenheilkunde bezeichnet man die bydropischen Zustände der Sehnenscheiden und Bursen seit alter Zeit mit dem wenig passenden Namen Ueberbein'' oder Ganglionquot;.
Es können aber auch chronische Reizungsprocesse zur Bildung eines Hydrops chronicus der Sehnenscheiden (chronische Sehnenscheidengalle) Veranlassung geben, wobei sich die Synovialis ebenso verhält wie an den Gelenken (S. 259). Hierbei kommt es wohl zu Wucherungen von Zotten mit Bildung von freien Gelenkkörpern (Hy-groma proliferum); in der auf den ersten Halswirbeln unter dem Nackenbande liegenden Scheide fand ich bei einem Pferde diese Körper in grosser Anzahl.
An den Sehnenscheiden wird ferner eine chronisch verlaufende, mit zunehmender Verdickung der Scheide verbundene Entzündung beobachtet (Tendovaginitis chronica fibrosa), welche ebenfalls zu einer Vermehrung des Umfanges derselben führt; die Sehnenscheide fühlt sich hierbei hart an (verhärtete Sehnenscheidengalle). Am häufigsten wird der Zustand bei Pferden dicht über dem Fesselgelenke, an der Scheide der Zehenbeuger, besonders an den Einterfüssen, beobachtet, wo er regelmässig mit entzündlichen Processen in den Sehnen selbst verbunden ist.
Während diese Vorgänge auf Glrund einfacher, namentlicli oft wiederholter mechanischer Reizung entstehen, rufen die infeetiösen Entzündungen schwerere Störungen hervor. Je nach dem Grade der Virulenz der inficirenden Substanzen entwickelt sich entweder eine leichtere. der katarrhalischen Synovitis der Gelenke (S. 250) entsprechende, oder eine schwere Tendovaginitis mit profuser Eiterung und Sepsis. Die ersteren trifft man im Verlaufe von Infeetionskrankheiten {#9632;/.. B.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
!
|
'JSßnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Sohnenschoideii.
bei der Bnistseiiche), während die letzteren vornehmlicli durch äussere Verletzungen (Solmenscheidcnwunden) reranlasst werden. Es können iiber auch bei jenen Krankheiten schwere Biterungsprooesse vorkommen, und umgekehrt nimmt bei diesen die Entzündung zuweilen einen leiebteren Verlauf.
Verlauf. Die acute seröse und sero-tibrinöse Entzündung der Sehnenscheiden kann zwar unter Resorption dos ergossenen Materials zur vollständigen Genesung führen; häutig aber bleibt ein Hydrops der Sehnenscheide, eine chronische Sehnenscheidengalle zurück. Je grosser die abnorme Füllung der Scheide und je länger dieselbe bestanden, (1. h. je mehr das Uetinaculum und die umliegenden Theile ausgedehnt sind und sich den veränderten Verhältnissen angepasst haben, um so geringer wird die Aussicht auf Beseitigung des Zustandes. Ohne energisches Eingreifen kommt Heilung in der Hegel nicht zu Stande, oft auch trotz eines solchen nicht. Die Tendosynovitis fibrosa pflegt zu einer allmählich fortschreitenden Verdickung der Scheide zu führen, kann indess auf jeder Stufe der Entwickelung stehen bleiben; dieses hängt vornehmlich von dem Fortwirken oder dem Aufhören des ursächlichen Reizes ab. Auch bei der chronisch-serösen Tendovaginitis findet eine spontane Heilung fast niemals statt.
Die leichteren infectiösen Vorgänge (Tendovaginitis catar-rhalis) nehmen zuweilen einen überraschend schnellen und günstigen Verlauf. So werden in der Kcconvalescenzperiode der Brustseuche nicht selten verschiedene Sehnenscheiden bald nach einander befallen; doch verschwinden die entzündlichen Krankheitserscheinungen, ähnlich wie rheumatische Gelenkentzündungen oft schon innerhalb weniger Stunden. Leider ist dies nicht immer der Fall; häufig besteht die Beizwirkung fort und führt zur Entwickelung eines Hygroms oder zu einer Tendovaginitis chron. fibrosa, wobei es wohl zur Verwachsung der Sehne mit ihrer Scheide kommt, und eine chronische Lahmheit bildet alsdann die unausbleibliche Folge des Krankheitsprocesses. In anderen Fällen verlieren sich die entzündlichen Vorgänge erst nach längerer Zeit, mehreren Wochen und zwar ganz allmählich. Man darf daher bei worthvollen Thieren die Hoffnung nicht zu früh aufgeben.
Biterungsprooesse in der Sehnenscheide geben zu Nekrose der Sehne Veranlassung; so sah ich Absterben und später Zcrreissung der Hufbeinbeugesehne in ihrer Scheide über dem Fesselgelenk beim Pferde. Regelmässig stellt sich dieser Ausgang bei den acuten eiterisen Entzündungen ein. wenn nicht früher dem Leiden der Thiere
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
Kntziiiulung der Sehnenscheiden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;287
durch Schiachton derselben ein Ende gemacht wird. Bei .septischer Tendovaginitis greift die Infection in der Regel schnell um sich; auch gesellt sich zu ihr bald Pyämie oder Septikämie.
Die Beurtheihmg dieser Processe hängt wesentlich von der Thierart und dem Orte ihres Auftretens ab. Bei kleinen Thieren lassen sich eher Heilerfolge erzielen als bei grossen, namentlich beim Pferde. Sodann sind an den GUiedmassen grösserer Tliiere diese Erkrankungen der Sehnenscheiden der Heugemuskeln bei weitem gefährlicher als die der Strecksehnen; theils weil die ersteren eine erheblichere Ausdehnung besitzen, ihre infectiöse Erkrankung den Patienten in grössere Gefahr bringt an Septikämie oder Pyämie zu Grunde zu gehen, als die gleiche Erkrankung kleinerer Sehnenscheiden und Gelenke (S. 264)| vornehmlich aber, weil durch diese Erkrankungen an den Strecksehnen die Function der Schenkel, namentlich die Belastung derselben nicht in dem Masse und selten so vollständig gestört wird, wie bei den gleichen Leiden der Beugesehnen. Mit Rücksicht auf diesen Umstand konnte Günther mit Recht auch die operativen Eingriffe an den Sehnenscheiden der Beuger als bedenklich erklären.
Ursachen. Bezüglich der Ursachen gilt das von den gleichen Leiden der Gelenke Gesagte (S. 260). Die aseptischen Erkrankungen verdanken in der Regel mechanischen Reizen ihre Entstehung, welche sich namentlich bei Arbeitsthieren oft bemerk]ich machen. Muss auch aus den zuweilen an mehreren Sehnenscheiden zu gleicher Zeit auftretenden Erkrankungen auf eine Disposition geschlossen werden, so übt doch zweifellos die mechanische Reizung der beiden Blätter der Synovialis, wie sie sich bei angestrengter Arbeit der Tliiere geltend macht, auf die Entstehung dieser Leiden einen hervorragenden Ein-fluss aus. Daraus erklärt sich das Auftreten der chronischen Sehnenscheidengallen (Hygrome) an den Gliedmassen der Pferde zur Zeit angestrengter Arbeit, in der Armee während des Manövers; Zustände, die bei älteren Arbeitspferden selten vennisst werden, findet man nur ausnahmsweise bei jungen Thieren, die noch nicht gearbeitet haben. Es muss zwar zugegeben werden, dass gelegentlich auch einmal eine Quetschung der Sehnenscheide, welche zur Blutung in derselben führte, Hygrombildung veranlassen kann.
Die infectiösen Tendovaginiten gehen grösstentbeils aus äüsseren Verletzungen, Wunden hervor, seltener entstehen sie durch Ueber-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
#9632;J88nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der 8ehnenseheiden.
greifen eutzündUclxer Processe aus der Naohbavsohaft (Hautgangrto, Mauke) odor auf nictastatischem Wege bei Pyiimie, Septikämie (Lillime der jungen Thiere) oder endlich im Verlaufe der Brustseuche, Druse u. s. \v. (metastatische T.). Ihre Ent-wickelung erklärt sich ebenso, wie bei den gleichen Erkrankungen der Gelenke (S. 263). Mit Vorliebe zeigen sich die Sehnenscheiden der Zehenbeuger beim Pferde betroffen.
Symptome. Die klinischen Erscheinungen gestalten sich iihnlicli wie bei der Syuovitis der Gelenke. Anschwellung und Schmerz bilden die nächsten Erscheinungen; die erstere zeigt bei der acuten serösen Temlosymmtis vermehrte Wärme und Fluctuation, bei der chronischen serösen Form nur die letztere; die chronisch fibröse Erkrankung führt zu einer festen, derben, auf Druck wenig schmerzhaften Anschwellung (verhärtete Galle), welche aber an den Sehnen-scheiden des Beugeajiparates auftretend, rcgelmässig chronische Lahmheit veranlasst. Bei der Tendosynovitis sicca beobachtet man eine weiche Crepitation (Tendo va ginitis s. Tendalgia cre-pitans).
Eiterige Erkrankungen rufen eine über die Grenzen der Sehnenscheide hinausgehende phlegmonöse Anschwellung hervor, welche ebenso wie an den Gelenken zu Abseedirungen führt. Handelt es sich um Infectionen mit Substanzen von intensiver Virulenz, so gesellen sich alsbald Lymphgefässanschwollung und Symptome der Septikämie oder Pyämie hinzu. An der Sehne der betrofienen Schneide rufen die In-fectionsstoffe ebenfalls Heizung und Entzündung, manche sogar Nekrose hervor, genau so wie die eiterige Synovitis an den intracapsulären Bändern Nekrose erzeugt. Mit dem Grade der Virulenz pflegen auch die Schmerzen zuzunehmen, während die zuweilen auftretenden Zerreissungen der Sehnen sich durch Abänderung in der Stellung und Bewegung der Gliedmassen zu erkennen geben. Bei Verwundungen der Sehnenscheiden gesellt sich zu den genannten Erscheinungen AusfltlSS von Synovia.
Die Behandlung verlangt die gleichen Massnahmen wie bei den entzündlichen Erkrankungen der Gelenke. Die acute, seröse und sero-iibrinöso Synovitis erfordert in der ersten Zeit die Anwendung von Kälte in Verbindung mit methodischer Compression, um die ex-sudativen Vorgänge zurückzuhalten; doch schon nach 23 Tagen fällt diese Indication fort, und muss die Behandlung auf Förderung der Ke-sorptionsvorgänge gerichtet werden. Auch hierzu empfiehlt sich in
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Kntziindung dor Sehnenscheiden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 289
erster Linie ein zweckmässig angelegter Druckverband mit l'riessnitz-schen Einwickelungen. Sobald die Schmerzen nachlassen, kann zugleich durch Massage die Entfernung der Entzündungsproducte aus der Sehnenscheide gefordert werden; hierzu dient Streichen in centri-petaler Richtung. Wo Massage nicht consequent durchzuführen ist, finden Bepinselungen mit Jodtinctur vorthcilhafte Anwendung. In den späteren Stadien sowie bei der chronisch-serösen oder fibrösen Entzündung wendet man scharfe Hautreize (Canthariden, Quecksilberbijodat oder Sublimatsalben) oder das Glüheisen an. Insbesondere nuiss bei chronischen Gallen das Strichfeuer empfohlen werden, welches auch bei der chronisch - fibrösen Entzündung zuweilen noch gute Dienste leistet, hier jedoch nicht so zuverlässig wirkt wie bei jenen Leiden.
Bezüglich der operativen Behandlung der Sehnenscheidengallon muss auf das von den Gelenken Gesagte verwiesen werden (S. 256). Dieses gilt besonders für die Gallen des Beugeapparates und solche des Streckapparates, welche mit Gelenken communiciren, während die übrigen Scheiden der Strecksehnen operativen Eingriifen zugänglicher sind und von ihnen bei weitem leichter ertragen werden. Hier macht man unter Umständen Incisionen oder legt Haarseile durch die Sehnenscheide. Bei Gallen der Beugesehnenscheiden hüte man sich jedoch vor derartigen Eingriffen. Im übrigen gilt auch hier das S. 256 Gesagte.
An einzelnen Stellen, z. B. an der Sehnenscheide des Kronbeinbeugers auf dem Sprungbeinhöcker, gelingt zuweilen die subeutane Sprengung des Hygroms. Man sucht auf die betreffende Galle einen kräftigen Druck auszuüben und diesen zu steigern, bis die Scheide zerreisst, in Folge dessen ihr krankhafter Inhalt in das umliegende Bindegewebe abfliesst und von hier aus leicht resorbirt werden kann. Unter Umständen kann durch einen kräftigen Schlag mit einem stumpfen Instrumente die Galle gesprengt werden, wie man es auch beim Menschen gemacht hat. In Bezug auf operative Eingriffe gilt hier das bei gleichen Zuständen der Gelenke Besprochene.
Gegen die im Verlaufe von Brustseuche u. s. w. auftretende, metastatische Erkrankung empfehlen sich neben möglichster Ruhe feuchtwarme Einwickelung in Verbindung mit einem kräftigen Druckverband. Je mehr Synovia in der erkrankten Sehnenscheide angehäuft ist, um so günstiger werden die Bedingungen für die Entwickelung und Vermehrung der Infectionsstotfe; daher soll durch Compressions* verbände und feuchte Wärme die Resorption des Inhaltes nach Möglichkeit gefördert und neue Abscheidung zurückgehalten werden. Später finden auch hier scharfe Hautreize zweckmässige Anwendung.
Miillor. AllRPtnoinp Olllnirgie für Tliicrärztcnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 19
|
||
|
|
||
|
|
||
|
290nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Schleimheutel.
Sehnen scheiden wunden sind wie Gelenkwunden zu behandeln (S. 264); dies gilt namentlich für die Sehnenscheiden des Stützapparates; strenge Antisepsis muss die Infection verhindern. Wo diese bereits eingetreten ist, suche man durch Waschungen, Bäder oder Ausspritzungen mit antiseptischen Mitteln die Entzündung nach Möglichkeit zu bekämpfen und den Heilungsvorgang zu unterstützen. Selbstverständlich müssen hier, soweit möglich, Vorbände angelegt werden.
2. Die Entzündung snbeutaner Schleimboutel (Bursitis).
Die entzündlichen Processe an den subeutanen Schleimbeuteln gestalten sich pathologisch-anatomisch ähnlich denen der Sehnenscheiden, klinisch nehmen sie jedoch eine ganz andere Stellung ein. Ihre Erkrankung rührt in den meisten Fällen von directen Verletzungen, Quetschungen z. B. bei der Stollbeule her. Daher bilden Blutungen in den Schleimbeuteln häufig den Ausgangspunkt der Erkrankungen, doch kommen hier ebenso wie an Sehnenscheiden seröse, sero-fibrinöse und purulente Entzündungen vor. Abweichend von den gleichen Erkrankungen der Sehnenscheiden sehen wir an den Schleira-beuteln alsbald, dass das um dieselben gelegene Bindegewebe am Ent-zündungsprocesse Theil nimmt. Vielleicht trägt das Fehlen des Endo-thels, mehr aber wohl die vielfache Verbindung des Lumens der Schleimbeutel mit dem um dieselben gelegenen (parabursalen) Gewebe hierzu bei. Selbst bei nicht infectiösen Entzündungen pflegt der Process an vielen Schleimbeuteln auf dieses Gewebe überzugreifen, es entsteht eine Parabursitis, welche bei infectiösen Erkrankungen stets erscheint und einen phlegmonösen Charakter annimmt. Bei der aseptischen Entzündung der Bursen besteht im parabursalen Bindegewebe anfangs eine ödematöse Anschwellung, welche jedoch später einer plastischen Infiltration Platz macht und schliesslich zu einer umfangreichen Verdickung führen kann. So erklärt sich der im Ver-hältniss zur Grosse des Schleimbeutels oft auffallige Umfang der Anschwellung, z. B. die bei Pferden nicht selten kindskopfgrosse Stollbeule. Bei Hunden bildet diese Bursa dagegen eine mehr abgeschlossene Höhle, daher rufen die gleichen Ursachen hier einen Hydrops oder Hygrom des Schleimbeutels hervor, während das parabursale Gewebe an der Erkrankung selten Antheil nimmt. In anderen Fällen kommt es auch in den subeutanen Bursen zu chronischen Wucherungen mit Ablösung der zottenförmig gewucherten Massen, welche als reis-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Bursitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 291
f örmige Körper (Fig. 49) in die oft bedeutend erweiterte Bursa fallen (Hygroma proliferum).
Die eiterigen Erkrankungen der Schleimbeutel verdanken meist iiusseren Verletzungen, selten Metastasen ihre Entstelmng. Sie haben nicht die hohe Bedeutung, wie die gleichen Erkran-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.
kungen der Sehnenscheiden, weil die Miterkrankung einer Sehne ausgeschlossen ist, doch bieten sie der Therapie oft erhebliche Schwierigkeiten. Das derbe, wenig gefässreiche Gewebe der Bursa besitzt nicht die Fähigkeit, regelmässige Granulation zu bilden, /JHMFgSK^ daher kommt nach einfacher Spaltung der erkrankten Bursa die Heilung entweder gar nicht oder doch sehr an^erGenfeltoeufe langsam zu Stande; erst wenn zugleich die Wand des mne8 Pferlt;les-Schleimbeutels zerstört oder operativ entfernt ist, gelingt die Heilung des Zustandes leichter.
Verlauf und Erscheinungen. Die klinischen Erscheinungen wie auch der Verlauf gestalten sich ähnlich wie bei den gleichen Erkrankungen der St recksehnenscheid engallen. Bei der acuten Bursitis tritt die Anschwellung in den Vordergrund, die Schmerzen sind dagegen gering. Oft lässt sich aus der Fluctuation auf eine Füllung der Bursa mit Blut, Serum oder Eiter schliessen. Während plötzliches Auftreten der Geschwulst die Gegenwart von Blut in dem Schleimbeutel beweist, langsamere Entwickelung derselben auf Serum schliessen lässt, spricht eine lebhafte Phlegmone in der Umgebung für eiterigen Inhalt. Für die Therapie hat diese Trennung jedoch keine so grosse Bedeutung wie an den Sehnenscheiden und Gelenken; denn Störungen in der Bewegung und Gebrauchsfälligkeit rufen alle diese Erkrankungen in der Kegel eben so wenig hervor, wie sie den Ausgangspunkt allgemeiner Störungen der Gesundheit bilden. Es handelt sich vielmehr nur um Beseitigung des durch die erhebliche Geschwulstbildung bedingten Schönheitsfehlers, z. B. bei der Stollbeule oder der Piephacke.
Die Behandlung der acuten Bursitis verlangt zunächst Beseitigung der veranlassenden Ursachen, z. B. Aufhebung des Druckes vom Hufeisen auf die Bursa olccrani; im übrigen finden dieselben Methoden der Behandlung Anwendung, welche bei den Erkrankungen der Sehnenscheiden besprochen wurden. Durch Massage kann Resorption der in die Bursa ergossenen Massen gefördert werden, wo diese nicht eintritt.
|
||
|
|
||
|
J.
|
||
|
|
|||
|
292
|
Krankheiten der Schleimbeutel.
|
||
|
|
|||
|
erscheint unter Umständen die Spaltung der Bursa und Zerstörung derselben mit dem glühenden Eisen oder scharfen Substanzen geboten. Bei erheblicher Verdickung des parabursalen Gewebes kann die Ex-stirpation der Geschwulst einschliesslich Bursa angezeigt erscheinen (Stollbcule); auch wird mit gutem Erfolge vom Abbinden derselben Gebrauch gemacht. Subcutane Zersprengungen können natürlich hier ebenso wie beim Hygrom der Sehnenscheiden versucht werden, doch sind Recidive hiernach nicht selten. Da bei Thieren fast nur die Erkrankung der Bursa olecrani und calcanei in Betracht kommt, so vergleiche man das hierüber in der specielleu Chirurgie Gesagte.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
IX. Krankheiten der Blut- nnd Lymphgefässe sowie der Lymphdrüsen.
|
||
|
|
||
|
So gross das Interesse der patliologischeri Anatomie für die Krankheiten der Blutgefässe, SO gering ist ihre Bedeutung für die Veterinär-Chirurgie. Ein Theil derselben wie die chronischen Entzündungsprocesse kommen hier kaum in Betracht, während die acuten Entzündungen der Gefiisswände theils bei Besprechung der Prämie und der Thromben-bildung Berücksichtigung gefunden haben.
|
||
|
|
||
|
1. Verletzungen der Blutgefässe.
Kleine Stichwunden an den Grefässen, namentlich den Venen, wie sie z. B. bei intravenöser Application von Arzneien herbeigeführt worden, zeigen sich ungefährlich, sobald hierbei weitere Verletzungen der Intima vermieden werden. Ebenso pflegen Schnittwunden, welche die grösseren Venen in ihrer Längsrichtung treffen, auf dem ersten Wege zu heilen, wofür der Aderlass ein Beispiel liefert; an Arterien geben solche jedoch stets zu erheblichen Blutungen Anlass. weil in ihnen der Blutdruck grosser ist; hier wird daher regelmässig die Unterbindung des verletzten Gefilsses nothwendig.
Querwunden der Blutgefässe rufen eine stärkere Blutung hervor, weil die Fasern der Adventitia, welche vornehmlich in der Längsrichtung der Gefässe verlaufen, sich mit den longitudinalen Fasern der Media retrahiren, sobald das perivasculäre Gewehe dieses nicht verhindert. So entsteht eine stärker klaffende Wunde, die sich namentlich an Arterien niemals spontan schliesst, sondern die Unterbindung des Gelasses stets erforderlich macht. Am wenigsten bluten Quetschwunden der Gefässe, weil hierbei die Adventitia, welche zuletzt zer-reisst, das Lumen des Gefässes verschliesst und die Thrombenbildung
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
294
|
Krankheiten der Blutgefasse.
|
|||
|
|
||||
|
begünstigt; wir benutzen diesen Vorgang daher bei Durchtrennen von Weichtheilen, um Blutungen zu vermeiden (Ecraseur).
Die Unterbindung blutender Gefässe erfolgt nach den S. 59 beschriebenen Regeln. Ein Nachtheil für die Circulation ist selbst mit der Unterbindung grösserer Gefässe in der Regel nicht verbunden, denn zu den schon physiologisch bestehenden Collateralverbindungen mit den benachbarten Grefässen gesellt sich eine Neubildung, bezw. Erweiterung in den Gefässen der Nachbarschaft, namentlich den Vasa
|
||||
|
|
||||
|
Fig. 50.
|
||||
|
|
||||
|
|
mlaquo;. 61 #9632;
|
|||
|
|
||||
|
Collateralgctäsraquo; nach Unterbindung der Carotis des Schafes (nach Ebel).
|
Entwickelunf; der Vasa vasorum an
der Unterbindungsatelle der Art. iliaca
des Hundes (nach Porta).
|
|||
|
|
||||
|
vasorum des unterbundenen Gefässes, wodurch die Circulation unterhalten wird (Fig. 50 u. 51). In der hiesigen Klinik wurden versuchsweise einem Pferde beide Carotiden unterbunden; die hiernach zunächst auftretenden Störungen verschwanden nach wenigen Tagen. Selbst die Unterbindung der hinteren Aorta wurde von Hunden ohne dauernde Störungen ertragen.
Subcutane Quetschungen oder Zerreissungen der Blutgefasse geben zur Bildung von kleineren oder grösseren Extravasaten Veranlassung, deren Grosse theils von dem Lumen des verletzten Gelasses, tlu'ils von dem Blutdrücke in demselben abhilngt. Die aus Arterien
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Zerreissungen der Blutgefas.se.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;295
stammenden Extravasate erreichen daher stets einen bedeutenderen Umfang als solche aus venösen Grefässen gleichen Kalibers. Einen wesentlichen Einfluss auf die Grosse des Extravasates übt ferner die Be-schaifenheit der umliegenden Gewebe aus. Da die Blutung oft erst aufhört, wenn der Druck in dem Extravasate die Höhe des Blutdruckes in dem verletzten Gefässe erreicht hat, so muss das Extravasat um so umfangreicher ausfallen, je nachgiebiger das Gewebe an der verletzten Stelleist; im lockeren Bindegewebe und unter einer wenig gespannten Haut fällt dieses bedeutender aus, als in derbem Gewebe und unter einer straff angespannten Haut oder unter Fascien. Im allgemeinen zeigt sich die Blutung in Folge subeutaner Verletzungen der Ge fasse ungefährlich, da dieselbe in Folge schneller Gerinnung des ergossenen Blutes meist früher steht, als in dem Extravasate der gleiche hydrostatische Druck wie in dem Gefässe erreicht ist. Doch hat man auch bei subeutanen Trennungen grösserer Blutgefässe heftige Blutungen und selbst Verblutungen beobachtet.
So berichtet Äugst über eine derartige Verblutung bei einer Kuh. In der Gegend des M. quadriceps femoris hatte sich die Blutung eingestellt, reichte bis zu den Querfortsiltzen der Lendenwirbel nach oben, unten bis zur Mittellinie des Rumpfes und umfasste den Schenkel. Eine ilussere Verletzung konnte nicht nachgewiesen werden. Ob hier ein Fall von Hämo-philie (S. 52) vorlag, nmss zweifelhaft bleiben.
Behndet sich das Blut in den erweiterten Interstitien der Gewebe, so spricht man von einer hämorrhagischen Infiltration; kleinere derartige Anhäufungen werden als Ekchymosen oder Sugillationen bezeichnet; sammelt sich das Blut in grösseren, durch Verdrängen des Gewebes entstandenen Höhlen, so nennt man den Zustand eine Blutbeule oder Hämatom; grössere, flächenartig ausgebreitete Blutungen heissen Suffusionen. Diese Ausbreitung des Blutes richtet sich in erster Linie nach dem grösseren oder geringeren Widerstände, welcher demselben von den Geweben entgegengesetzt wird. Zuweilen ergiesst sich das Blut in natürliche Körperhöhlon, /,. B. in ein Gelenk (Hämarthros) oder in den Pleurasack (Hämothorax); dass solche Blutungen leicht gefährlich werden, indem sie die Function dieser Organe stören, liegt auf der Hand. Audi bezeichnet man dieselben woiil nach ihrem Sitze, z. B. das Kephalohämatom unter der Kopfhaut oder die Othämatome am äusseren Ohre.
Die meisten der in liede stehenden Blutungen erfolgen aus venösen Gefiissen, die oberflächlicher liegen und deren Wandungen eine
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
296
|
Krankheiten tier Blutgefilsse.
|
||
|
|
|||
|
geringere Widerstandsfälligkeit besitzen als die der Arterien. Findet indess eine derartige Blutung aus einer grösseren Arterie statt, so kommt es zuweilen zur Bildung pulsirender Blutgeschwülste, indem der lebhafte Blutdruck das ausgetretene Blut in Bewegung erhält und dessen Gerinnung verhindert; man spricht in solchen Fällen von einem traumatischen Aneurysma.
|
|||
|
|
|||
|
2. Aneiirysnia.
Als Aneurysma bezeichnet man eine mit tiüssigem und strömendem Blute angefüllte Erweiterung einer Arterie. Bald ist die Erweiterung auf eine Stelle des Gefässes beschränkt und hat eine cylinder-, sack-oderspindelfönnige Gestalt (Aneurysma cylindriforme, sacciforme, fusiforme), bald zeigen sich grössere Abschnitte des Gefässes oder mehrere derselben erweitert (Aneurysma racemosum). Ergiesst sich das Blut durch die zerrissene Intima und Media unter die Adventitia. so spricht man von einem Aneurysma dissecans.
Aneurysmen entstehen entweder durch allmähliche Ausbuchtung des Gefässes in Folge chronischer Erkrankung (Atheromatose) der Wand desselben oder durch Verletzung der Gefässwand (traumatisches Aneurysma). Da atheromatose Processe nur selten bei Thieren an den oberflächlich gelegenen Arterien vorkommen, so beobachtet man bei ihnen diesen Zustand seltener als beim Menschen; doch hat man solche an der Samenarterie, an der Gaumenarterie, der Carotis, Schwanzarterien und an der Arteria intex-ossea am Hinterfusse des Pferdes (Stockfleth) beobachtet. Das bei Pferden so häufig auftretende Aneurysma der Gekrösarterie hat chirurgisch keine Bedeutung. Zuweilen finden sich Communicationen zwischen dem Aneurysma und benachbarten Venen, wie es am Samenstrange bei Pferden und Rindern beobachtet wurde (Aneurysma arterio-venosum oder Varix aneurysmaticus.
Das Aneurysma stellt ein chronisches Leiden dar, welches niemals zur Wiederherstellung des normalen Zustandes führt, wohl aber kann dasselbe durch Verletzung zu erheblichen Blutungen führen. In Folge der Verlangsamung des Blutstromes in dem Aneurysma findet regelmässig Gerinnung des Blutes in demselben statt, wobei schliesslich der Sack thrombosirt; auf diese Weise können kleine Aneurysmen wohl verschwinden. Grössere Aneurysmen dagegen pflegen sich mit der Zeit mehr und mehr zu vergrössern und werden zuweilen durch Druck auf die Nachbarschaft nachtheilig.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Aneurysma.
|
297
|
||
|
|
|||
|
Die klinische Diagnose ergiebt sich auw der Gegenwart einer Geschwulst mit folgenden Eigenschaften: 1. ist sie compressibel, d. h. sie lässt sich durch Druck von aussen verkleinern, 2. erscheint sie fluctuirend, zeigt 3. Pulsation und 4. verkleinert sie sich bei centraler und vergrössert sich bei peripherer Compression, weil im ersten Falle der Zufluss von Blut, im letzteren der Abfluss desselben unterbrochen wird.
Bezüglich der pulsirenden Beschatt'enheit kann eine Verwechslung nur mit anderweitigen Geschwülsten vorkommen, welche grösseren Arterien dicht aufliegen und von diesen eine mitgetheilte Pulsation erfahren. So hatte ich Gelegenheit, ein Carcinom am Halse eines Pferdes zu beobachten, welches durch diesen Umstand zur Annahme eines Aneurysma Anlass gab.
|
|||
|
|
|||
|
Behandlung. Das älteste und radicalste Verfahren besteht in doppelter Unterbindung und Exstirpation des Aneurysma. Mit Hülfe des Constrictionsschlauches lässt sich diese Operation an den Gliedmassen leicht ausführen. Nach Anlegung desselben spaltet man das Aneurysma und unterbindet sowohl das zuführende wie abführende Arterienrohr; unter Umständen genügt auch die centrale Unterbindung: doch gewährt sie nicht die Sicherheit, wie die doppelte Unterbindung. Wo der periphere Gefässabschnitt Anastomosen mit anderen Arterien macht, ist die einfache Unterbindung nicht ausreichend. Der Sack kann exstirpirt werden, docli hüte man sich dabei, grössere arterielle Gefässe, die von der Wand des Aneurysmas ausgehen, ohne Unterbindung zu durchschneiden. Nach der Unterbindung werden an der y.uführenden Arterie zuweilen Recidive beobachtet.
Man hat auch versucht die Heilung des Aneurysma dadurch zu erzielen, dass man durch chemische oder andere Mittel, z. B, den elec-trischen Strom, das Blut in demselben zur Gerinnung bringt; einige Tropfen Liquor ferri sesquichlorati werden mittelst einer Hohlnadel in das Aneurysma injicirt oder ein Metalldraht, ein Faden oder Pfordo-haar durch dasselbe gelegt. Im allgemeinen haben diese Methoden jedoch für Thiere wenig Anwendung gefunden; sie werden auch bei Menschen nur benutzt, wo das Messer nicht eingreifen und die Unterbindung nicht erfolgen kann: bei Thieren sehen wir unter solchen Umständen regelmässig von einer Behandlung ganz ab, sorgen aber dafür, dass das Aneurysma von aussen nicht verletzt wird. Sollte aber z. B. an den Gliedmassen ein Aneurysma verletzt werden und bluten, so bleibt in der Regel nur die doppelte Unterbindung übrig. Sofern wie oben
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
298nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Blutgefässe.
beschrieben eine Gerinnung des Blutes in dem Aneurysnui herbeizuführen beabsichtigt wird, muss während der Anwendung der betreifenden Mittel das abführende Gefäss comprimirt werden, damit nicht Blutgerinnsel losgelöst, in die peripheren Gefüsse gehingen und hier Emholie erzeugen.
Straube beobachtete ein Aneurysma der Vordermittelfussarterie beim Pferde; es bestand etwa in der Mitte des Gefassverlaufs eine knotige Anschwellung, welche operativ entfernt wurde und sich bei der Untersuchung als ein Aneurysma fusiforme erwies, dessen Wände verkalkt waren. Die Wunde heilte trotz Eröffnung der Sehnenscheiden in kurzer Zeit. La Notte stellte bei einem Pferde an der Art. cer-vicalis post, ein reichlich hühnereigrosses Aneurysma fest, welches hinter dem Ohre lag, das Auflegen des Zaumes störte und während eines Hustenanfalles platzte, wodurch eine bedeutende Blutung entstand, die jedoch rechtzeitig durch Unterbindung gestillt wurde. Der Zustand war damit geheilt. Eine ganz ähnliche Beobachtung machte Peters. Heckmann u. a. berichteten über Aneurysma cordis bei Pferden, welche durch Verblutung zum Tode führten.
Meyer (Berne) fand bei einem 9 Monate alten Ochsen, der (3 Wochen alt durch Abschaben des Samenstranges castrirt war, ein Aneurysma der Samenarterie, welches durch Abkluppen des Samenstranges beseitigt wurde.
Gurlt und Prinz beschrieben ein Aneurysma arterio-venosum des Samenstranges bei Ochsen. Die erweiterte Samenarterie mündete in die Samenvene.
Diese Zustände hissen sich ebenfalls von aussen feststellen und durch Resection des Samenstranges beseitigen.
Reimers sah ein sackförmiges Aneurysma der linken Art. ischi-adica beim Kinde, das perforirte und zu einer heftigen Blutung An-lass gab, welche mit Liquor ferri sesquichlorati gestillt wurde. Das Aneurysma lag auf dem Kreuze im Verlaufe der M. biceps fern, und war erst zwei Monate vorher bemerkt worden.
Nach der Beobachtung Blaines starb ein Pferd durch Blutung aus einem Aneurysma der Schlundkopfarterie. Ein gleiches wird mehrfach über Aneurysmen der Aorta berichtet. Steinmeier beschreibt ein Aneurysma der Carotis beim Pferde, welches zur Verblutung führte.
Furlanetto stellte ein Aneurysma der Unterschenkelarterie boi einem Ochsen fest. An der inneren Plilehe des Unterschenkels fand sich eine mit der Vena sapbena parallel vorlaufende kegelförmige Anschwellung von 15 cm Liinge, deren Basis einen Durchmesser von 12 cm hatte. Die
|
||
|
|
||
|
#9632; i
|
||
|
|
||
|
Varix.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 29U
schmerzlose, nicht vermehrt warme und elastische Geschwulst liess sich comprimiren und zeigte deutliche Pulsation, welche sogar in einer Entfernung von drei Schritten sichtbar wurde, da die Haut über dem Aneu-rysma sehr dünn war. Im Verlaufe eines Jahres erlangte die Geschwulst die doppelte Grosse; trotzdem konnte der Ochse ohne jede Störung zur Arbeit verwendet werden.
|
||
|
|
||
|
I, Varix.
Als Varix oder Phlebeotasie bezeichnet man eine andauernde, krankhafte Erweiterung des Lumens venöser Gefässe. Steigerung des Blutdruckes in den Venen und krankhafte Veränderungen der Venenwand oder ihrer Umgebung führen zur Bildung dieses Zustandes, der ebenfalls bei Thicrcn viel seltener vorkommt als beim Menschen. Aber auch bei den Thieren wurden sie vornehmlich an den Gliedmassen beobachtet, wo das Blut gegen die. eigene Schwere in die Höhe steigen muss, der Blutdruck folglich höher ist als in den übrigen venösen Gefässen. Dass die beim Menschen so häufig auftretenden Varicen am After, die unter dem Namen Hämorrhoiden bekannt sind, bei Thieren nicht beobachtet werden, erklärt sich aus den bei diesen günstigeren Circulationsverhältnissen, welche sich aus der horizontalen Lage des Rumpfes ergeben. Es wurden zwar zuweilen bei Hunden und Schweinen Hämorrhoiden beschrieben, doch lässt sich aus den Mittheilungen nicht entnehmen, dass es sich um solche gehandelt hat.
Auch die Varicen zeigen bald eine cylindrische, bald eine sack-oder spindelförmige Gestalt; häutiger noch als an Arterien beobachtet man varicose Erweiterungen einer grösseren Anzahl kleiner Venen über grossen Strecken (Varicosi täten oder Varix serpent iniforme). Gurlt fand solche an den Samensträngen bei Pferden und Rindern, wo sie in dem Plexus pampiniforme ein physiologisches Analogon finden. Mir begegneten bei einem Hunde Varicositäten in der äusseren Haut, über das ganze Scrotum ausgebreitet; an der nicht pigmentirten Haut Hessen sich die stark erweiterten Venen in ihrem geschlängelten Verlauf deutlich verfolgen. Debloc beobachtete bei einer 2 Jahre alten Stute au der Sporader einen Varix; die wallnussgrosse, fluc-tuirende Geschwulst verschwand unter dem Druck der Finger, nahm mit der Zeit an Umfang zu und erreichte allmählich Kindskopfgrösse. Bei Pferden wurden ferner wiederholt Varicen an der Vena saphenn beobachtet. Gurlt und Meyer stellten solche an den Venen des Samen-strangos bei Ochsen fest.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
300nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Blutgefitsse.
Audi in den Vavicen kommt es nicht selten zur Bildung von Thromben und durch Zerfall derselben zu periphlebitischen Entzündungen oder zu Verkalkung der Thromben, woraus die sog. Venensteine (IMilebolithen) hervorgehen. Bei der geringen Stärke der Venenwand erklärt sich ferner, dass Varicen häufiger noch als Aneurysmen, sowohl zu spontanen wie zu traumatischen Blutungen Veranlassung geben.
Die Diagnose ergiebt sich aus den gleichen Erscheinungen, wie beim Aneurysma, allerdings mit der Abweichung, dass bei den Varicen die Pulsation fehlt und bei centraler Compression eine Vergrösse-rung, bei peripherem Druck eine Verkleinerung der Geschwulst eintritt. Varicositäten geben sich an pigmentf'reier Haut durch die dunkel-rothe Färbung der geschlängelten Gefässe zu erkennen.
Behandlung. Das radicalste Verfahren bildet auch hier die Unterbindung und Ausschälung des Varix; die Unterbindung muss in der Kegel doppelt erfolgen, um Nachblutungen zu verhindern, während die Exstirpation ebenso geschieht wie beim Aneurysma. Auch kann durch Anwendung der Glühhitze (Brenneisen oder Thermokauter) eine Gerinnung des Blutes in dem Varix erzielt werden; man fühi-t einen glühenden Stift durch die Haut bis in das Lumen des erweiterten Gefässes.
Ein gleiches wird durch Injectionen von Ferrum sesquichloratum erreicht; auch hat man beim Menschen Ergotin (Extract, secal. cor-uut. 1,0 zu 10,0 Aqua) in das perivasculäre Gewebe gespritzt. Debloc suchte die Gerinnung des Blutes in dem Varix der Sporader dadurch zum Gerinnen zu bringen, dass er mit dem Aderlassschnapper an zwei Stellen Verwundungen desselben herbeiführte, welche er mittelst Nadeln alsbald verschloss; darauf wurden Vesicantien applicirt. Es bildeten sich einige Abscesse, welche nach aussen perforh'ten; einen Monat später war als Rest der Geschwulst nur noch eine geringe Verdickung der Haut zurückgeblieben. Trotzdem der Erfolg dieser Behandlung in dem vorliegenden Falle als günstig bezeichnet werden muss, kann diese Methode doch nicht empfohlen werden, denn mit der hierbei leicht erfolgenden Infection des Thrombus entsteht die Gefahr, dass Wmbolien auftreten, welche bei der inficirten Beschaffenheit der Emboli doppelt bedenklich erscheinen.
Welche Methode auch zur Herbeiführung der Blutgerinnung in dem Varix zur Anwendung kommt, stets suche man abführende Gefässe so lange zu eomprimiren, bis die Gerinnung eine vollständige ist, weil
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Entzündung der Lymphgefäisst'.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;JjOl
sonst vom Blutsfcronio Gerinnsel losgerissen werden, die centralwiirts fortgeführt zu Embolien Veranlassung geben.
|
||
|
|
||
|
4. Kraukhoiten der Lymphgefilsse und Lymphdriison.
Erweiterungen der Lymphgefiisse, wie sie oben an den Blut-gef'ässen beschrieben wurden, bezeichnet mau als Lymphangiecta-sien; sie werden jedoch bei Thieren nur selten beobachtet und haben kein chirurgisches Interesse.
Continuitätstrennungen finden in kleineren Lymphgefilssen bei jeder grösseren Verwundung statt, erlangen aber keine, besondere Bedeutung; auch die Verwundungen grösserer Lymphgetiisse haben in der Regel kein besonderes praktisches Interesse. Da ferner auch die subcutanen Verletzungen dieser Gefässe, die Bildung von Lyinphextra-vasaten und ihre Behandlung bereits S. 178 besprochen worden sind, so bleiben hier nur noch die Entzündungsprocesse der Lymphgefiisse und Lymphdrüsen zu erörtern.
a) Acute Entzündung der Lymphgefässe (Lymphangioitis). Dieselbe entsteht fast nur secundär, d. h. durch den Uebertritt reizender Substanzen in dieselben. Da die Wurzeln der Lymphgefiisse von den Gewebslücken, namentlich des lockeren Bindegewebes gebildet werden, so erklärt sich, dass die entzündlichen Processe der Lymphgefiisse fast immer aus einer infcctiösen Entzündung der Weichtheile hervorgehen. Die Lymphgefiissentzündung bildet daher eine ständige Begleitung der Phlegmone (S. 150).
Durch den Uebertritt reizender, nanientlich infectiöser Substanzen in die Lymphbahnen wird häufig zunächst eine Gerinnung der in denselben enthaltenen Lymphe veranlasst; es entsteht Gerinnung mit Stase in den betreffenden Gefässen. Bald darauf werden die Endothelicn der Intima gereizt und in Entzündung versetzt, wobei ein Theil derselben zu Grunde geht und zerfällt. Der von der Intima gebildete Eiter mischt sich dem Thrombus bei, welcher ebenfalls zerfällt, und man findet das Gefäss in diesem Zustande mit einer graugelben, rahmartigen Masse angefüllt, welche aus Lymphkörperchen und Endothelien sowie aus den Zerfallsproducten derselben und ans Mikroorganismen besteht. Bei der geringen Stärke der Wandung dieser Gefässe dringen die entzilndungerregenden Substanzen durch diese leicht hinduroh und rufen in der Umgebung des Gefässes. namentlich in der aus lockerem Bindegewebe bestehenden Adventitin derselben enfziindliche Processe hervor
|
||
|
|
||
|
i
|
||
|
|
||
|
302nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten dor Lymphgefilsse.
(Perilyniphangioitis). Auch hier kommt es bald zur Eiterung, welche nicht selten mit Bildung von mehr oder weniger zahlreichen Abscessen (perilymphatischo Abscesse) verbunden ist, wodurch im Verlaufe der betreffenden Gefässe, also reihenförmig geordnete Eiterherde auftreten (Keihenabscesse). Diese perforiren in der Kegel die äussere Haut, doch kann auch Einbruch der Eitermassen in das Gofäss selbst erfolgen.
Geht der Process von weniger intensiv reizenden Substanzen aus, so stellt sich wohl eine chronische Entzündung mit Verdickung der Wand des Lymphgefässes und seiner Umgebung (Perilyniphangioitis chronica) ein.
Klinisch giebt sich die acute Entzündung der Lymphgefässe in erster Linie durch Anschwellung zu erkennen, welche theils durch die Stase und Thrombose, theils durch die entzündliche Anschwellung der Wand der Gefässe und ihrer Umgebung bedingt wird. Die Anschwellung gestaltet sich, dem Verlauf des Gefdsses entsprechend, strangförmig, und wenn sich perilymphatische Abscesse entwickeln, treten diese ebenfalls im Verlaufe des Gefässcs auf. An nicht pigmen-tirter Haut treten im Verlaufe der erkrankten Gefässe strichförmige Röthungen auf, eine Erscheinung, welche an der meist pigmentirten Outis unserer Thiere nicht zur Beobachtung kommt. Die mit solchem Zustande verbundenen Schmerzen sind meist nicht erheblich, doch ruft derselbe an den Gliedmassen zuweilen erhebliche Lahmheit hervor, welche aber vornehmlich durch die Schwellung bedingt wird, die sich in der Umgebung der erkrankten Gefässe, sowie in den Geweben bemerkbar macht, aus denen die erkrankten Gefässe entspringen. Die Anschwellung liegt daher vornehmlich peripher und ergiebt sich aus der Stauung des Lymphstromes in den Gewehen. Mit der acuten Erkrankung der Lymphgefässe verbindet sich indess regehnässig eine entzündliche Schwellung der regionären Lymphdrüsen und Fieber. Die erstere entsteht in Folge des Uebertritts reizender Substanzen in die zugehörigen Lymphdrüsen und entzündlicher Erkrankung derselben; das Fieber stellt die Wirkung der Resorption dieser Substanzen in die Blutbahn dar.
In der Regel handelt es sich bei der Lymphangioitis acuta um die Wirkung von Bakterien, bezw. deren Stoffwechselproducte, welche durch kleine, an der behaarten Haut der Thiere häufig nicht nachweisbare Verletzungen in die Saftströmung und die Lymphgefässe gelangen. Vielfach geben Eiterkokken die Ursache hierzu ab (Lymph-angioitis purulenta), doch können auch Mikroben mit speeifischen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Kntzündimg: der Lymphgefilsse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;308
Wirkungen (z. B. Rot/bacillen) oder solche von höherer Virulenz schwere acute Entzündungen der Lymphgefilsse erzeugen (Lymph-angioitis septica). Dass hiernach die anatomischen Veränderungen wie auch der Verlauf und die klinischen Erscheinungen sich verschieden gestalten, liegt auf der Hand.
Bei weniger virulent wirkenden Infectionen kommt der Process wohl zur Zertheilung; die zerfallenen Inhaltsmassen des Lyraphgefässes werden bei dem reichlich entwickelten Collateralkreislauf leicht resor-birt, worauf sowohl die Anschwellung wie auch die übrigen Erscheinungen allmählich verschwinden. Die pyogenen Mikroben rufen jedoch auch hier in der Regel Eiterung mit Abscedirung hervor, worauf es ebenfalls zur Freilegung des Lymphgefässes und Wiederherstellung der normalen Circulation in demselben kommt. Ob auch die Lymphthromben organisiren können, ist noch eine offene Frage.
Welcher dieser Ausgänge eintreten wird, lässt sich aus der Heftigkeit der entzündlichen Erscheinungen und des Fiebers nur ver-muthen; kennt man den Infectionsstoff genau, so ergeben sich hieraus weitere Anhaltspunkte für die Prognose.
Entzündliche Erkrankungen der Lymphgefässe werden zu gewissen Zeiten in grösserer Verbreitung angetroffen, so namentlich am Kopfe der Pferde im Verlaufe oder als Nachkrankheit der Druse. Hier entstehen zuweilen zahlreiche Abscesse, ein Zustand, der früher wohl als Kopfwurm oder gutartiger Wurm bezeichnet wurde. Peuch beschreibt eine seuchenartig auftretende Lymphgefässentzündung der Pferde, welche häufig in der Armee, aber auch anderswo vorkomme und von Thier auf Thier übertragbar sei. Nach der Beschreibung von Peuch scheint es sich um eine eiterige, mit Abscedirung verbundene Entzündung der Lymphgefässe zu handeln.
Von der beim Rotz der Pferde auftretenden Lymphgefässentzündung unterscheiden sich diese durch die Entleerung von gutartigem Eiter aus den Abscessen, während heim Rotz eine röthlich gefärbte, trübe Flüssigkeit gebildet wird.
Bei der Behandlung bilden Präservativmassregeln die Hauptsache ; man suche äussere Verletzungen, auch wenn sie noch so klein sind, rein zu erhalten und Retentionen von Wundsecret zu verhindern. Eine sorgfältige Antisepsis schützt am sichersten gegen derartige Complicationen. Bei bereits eingetretener Lymphangioitis wende man seine Aufmerksamkeit zunächst auf die Quelle derselben; suche festzustellen, von wo der Process ausgeht, um die etwa nachweisbaren
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
304
|
Krankheiten der Lymphdrüsen.
|
||
|
|
|||
|
Verletzungen soweit möglich zu desinficiren und weiteren Eintritt von Infectionsstotfen in die Lymphbahnen zu verhindern.
Dass hier mit örtlicher Anwendung von Killte nichts zu erreichen ist, liegt auf der Hund; dagegen empfiehlt sich, durch feuchte Wärme die Zertheilungsvorgiingo zu unterstützen. Zu den Umschlägen oder Bädern, welche für diesen Zweck angewendet werden, verwende man Desinficientien, theils um die an der Oberfläche der äusseren Haut, bezw. in Wunden und sonstigen Verletzungen sich aufhaltenden In-fectionsstoffe zu vernichten, theils um so viel als möglich von den Desinfectionsmitteln in die erkrankten Lymphgefasse gelangen zu lassen und auch hier die Infectionserreger zu zerstören. Vielleicht übt die andauernde Einwirkung der Wärme auch dadurch einen günstigen Einfluss aus, dass sie die Virulenz der im Krankheitsherde sich entwickelnden Infectionserreger herabsetzt, eine Mitigation derselben erzeugt. Aelmlich wirkten die früher mehr als heute üblichen Einreibungen mit grauer Salbe und verwandten Mitteln. Perilymph-angioitische Abscesse spalte man recht bald. Bei chronischem Verlaufe des Leidens kann auch durch Massage und Bewegung der Thiere die Resorption und Zertheilung unterstützt werden. Die Behandlung gestaltet sich also ähnlich wie bei der Phlegmone (S. 150).
Gegen die seuchenartig auftretende Lymphgefässentzündung der Pferde empfiehlt Beuch Zerstörung der Knoten mit einem oliven-förmigen Brenneisen. Es liegt auf der Hand, dass hiermit eine enei--gische Desinfection verbunden ist, und dass das Verfahren bessere Resultate liefert als die Application chemischer Mittel.
|
|||
|
|
|||
|
b) Die Entzündung der Lymphdrüsen geht ebenfalls aus dem Bintritt reizender (infectioser) Substanzen in dieselben hervor, stellt also gleichfalls ein seeundäres Leiden dar, welches sich regelmässig zur Lymphangioitis hinzugesellt. Thrombosiren die Lymphgefasse frühzeitig, so gelangen die deletären Substanzen nicht in so grosser Menge in die Lymphdrüsen, als wenn die Thrombose ausbleibt; im ersteren Falle leiden daher die Lymphdrüsen weniger stark als im letzteren.
Die Lymphdrüsen, denen u. a. die Aufgabe zufällt, körperliche Bestandtheile der Lymphe aufzuhalten, damit sie nicht in die Blutbahn gelangen und hier Embolie erzeugen, lassen auch die Mikroben nicht ohne weiteres durchtreten; diese bleiben zunächst im Reticulum der Drüsen liegen und rufen liier je nach ihrer Virulenz verschiedene Veränderungen hervor. In der Regel kommt es zunächst zu einer Erweiterung der Blutgefässc der Drüse und zum Austritt von flüssigen
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Mntzündung der Lymphdrüsen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 306
Bewtandtheilen derselben (seröse Durchtrilukung der Drüse); darauf folgt bald eine lebhafte Emigration und Proliferation der zelligen Elemente der Drüse; die Alveolen der Lymphdrüse erscheinen mit Leukocyten, bezw. Lymphzellen angefüllt, welche die Balken des Reticulum auseinander drängen. Nicht selten erfolgen in der hyper-ämischen Lymphdrüse Hämorrhagien. Bei acuten, namentlich eiterigen Erkrankungen greift die Entzündung regelmässig auf das die Lymphdrüse umgebende Bindegewebe über (Perilymphadenitis), wodurch die Anschwellung vergrössert und mehr diffus wird, so dass man unter Umständen die Drüse selbst nicht mehr zu erkennen vermag.
Ueber den Grad und die Art der Erkrankung entscheidet auch hier in erster Linie die Virulenz der Infectionsstoffe, welche in die Lymphdrüse gehingt waren. So erzeugen sowohl Tuberkel- wie auch Rotzbacillen eine chronische Erkrankung der Lymphdrüsen; bei ersteren kommt es zur Bildung von Tuberkeln und käsigen Herden, beim Rotz zur Induration der Lymphdrüse; beide Proces.se haben jedoch kein chirurgisches Interesse.
Schwarznecker fand in Lymphdrüsenscliwellungen, welche bei Katarrhen und verdächtiger Druse im Kehlgange der Pferde auftraten, Staphylokokkus albus und nimmt an, dass es wesentlich von der Menge der Kokken, welche in die Drüsen gelangen, abhängt, welche Erkrankungsformen, in den Drüsen entetehen, ob einfache Schwellungen oder herdförmige Eiterungen und chronische Entzündungen. Ich hatte wiederholt Gelegenheit Kehlgangsdrüsen bei Pferden zu exstirpiren, welche durch Eiterungserreger in chronische Entzündung versetzt waren.
Abscedirende Entzündungen der unteren Halsdrüsen geben die Grundlage zur Bildung gewisser Formen der Brustbeule bei Pferden ab. Bei der Druse der Pferde bilden zweifellos Streptokokken die Ursache der eiterigen Erkrankung in den submaxillaren wie auch anderen Lymphdrüsen. Dagegen entsteht beim Rinde zuweilen auch an den der Untersuchung bei Lebzeiten zugänglichen Lymphdrüsen chronische Entzündung mit Induration. Zustände, welche bei der Tuberculose der Lunge an den mediastinalen, bei tuberculösen Pro-eessen an den Baucheingeweiden an den Meseuterialdrüsen niemals vermisst werden. Aktinoinvces-Infectionen veranlassen, namentlich beim Kinde chronische, mit Abscedirung verbundene Erkrankungen der Lymphdrüsen am Kopfe.
Unter den klinischen Erscheinungen tritt auch hier die Anschwellung in den Vordergrund, welche in der Regel mit Schwollung Möller, Allgemeine Chirurgie (ftr Thlerätzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;20
|
||
|
|
||
|
tmm
|
||
|
|
||
|
30(jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Lymphdrüsen.
der zuführwulen Lymphgefiisse und bei acuten EntzUiiduugen häufig mit Fieber verbunden ist. Bei eiterigen Erkrankungen kommt es in der Regel zur Abscessbildung und Perforation nach aussen; oft stammt der Abscess jedoch aus der Umgebung der Lymphdrüse (Perilymph-adenitis). Die chronische Entzündung der Lymphdrüsen giobt sich ebenfalls durch Anschwellung zu erkennen, die jedoch nicht so erheblich ausfällt und mit zunehmender Härte und Festigkeit (Induration) des Organs verbunden zu sein pflegt.
Die Behandlung geht von denselben Grundsätzen aus wie bei der Lymphangioitis. Sobald sich Erscheinungen der Abscessbildung bemerkbar machen, suche man den Eiterherd zu spalten und desinficire die Höhle. Käsige Zustände (Tnberculose) können zum Auskratzen der Lymphdrüse mit dem scharfen Löffel, rotzige oder andere chronische Processe zur Exstirpation der Lymphdrüse Veranlassung geben.
c) Neubildungen in Lymphdrüsen. Von den Lymphdrüsen gehen nicht selten Neubildungen aus, welche theils primärer, theils seeundärer Natur sind. Infectionen mit Staphylokokkus und Aktino-myces veranlassen chronische Reizungsprocesse mit Neubildung binde-gewebiger Massen, einen Zustand, wobei die Drüse allmählich an Umfang zunimmt und den Charakter eines Tumors erlangen kann. Man beobachtet solche Zustände nicht selten in den Submaxillardrüsen bei Pferden und kann dieselben sowohl der chronischen Lymphadenitis wie auch den Fibromen zuzählen. Oft sind dieselben mit Abscedi-rungen und Fistelbildungen verbunden.
Maligne Geschwülste, namentlich Krebse metastasiren mit Vorliebe in den Lymphdrüsen, so dass sich hier Secundärknoten bilden.
Bei allen diesen Zuständen bleibt nur die Exstirpation der erkrankten Lymphdrüse übrig, die sobald als möglich vorzunehmen ist und auf keine grösseren Schwierigkeiten stösst, wenn die Drüse mit ihrer Umgebung nicht verwachsen ist; hat eine solche Verwachsung stattgefunden, so kann die Operation auf Schwierigkeiten stossen.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
X. Krankheiten der äusseren Haut.
|
||
|
|
||
|
Ein grosser Theil der Krankheiten der äusseren Haut steht mit Krankheitszuständcn des Blutes bezw. des Gresamnitorganismus in Verbindung und fällt daher in das Gebiet der speciellen Pathologie und Therapie. Dahin gehören die sog. Hautausschläge (Exantheme), welche ebenso wie die parasitären Hautkrankheiten (Räude) kein chirurgisches Interesse besitzen, daher hier unberücksichtigt bleiben. Für uns kommen namentlich die acuten Entzündungsprocesse der äusseren Haut in Betracht, welche zum Theil bereits an anderer Stelle Besprechung gefunden haben, z. B. der Rothlauf (S. 148) und die Phlegmone der Subcutis (S. 150), Auch die Wunden und Quetschungen der äusseren Haut wurden bereits bei Betrachtung dieser Zustände abgehandelt; hier bleiben daher noch folgende zu bespi-echen:
1. Das Erythem (Dermatitis erythematosa), ein Leiden, das nur an pigmentfreier Haut deutlich beobachtet werden kann. Es besteht in einer acuten Entzündung, welche local beschränkt, vornehmlich im Papillarkörper der Cutis abläuft und bei Pferden in der Köthe (Mauke) aber auch an anderen Stellen und bei den übrigen Tliieren vorkommt. Beim Rinde beobachtete man ausgebreitete Erytheme nach dem Genuss von Buchweizenfutter jeder Art unter gleichzeitiger Einwirkung der Sonne (S. 320).
Der Papillarkörper, oft auch die unter ihm gelegenen Abschnitte der Cutis sind beim Erythem entzündlich erkrankt, ihre Gewebslücken mit Serum und zelligen Elementen angefüllt. Die darüber gelegenen Abschnitte des Rete MalpigWl zeigen sich verdickt, aufgequollen; zuweilen sammelt sich eine grössere Menge Serum in dem Stratum mu-
|
||
|
|
||
|
m
|
||
|
|
|||
|
|
:{()gnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der äusseren Haut.
cosum an, hebt die Epidermis von ihrer Unterlage ab und giebt so ZU Blasenbildung Veranlassung.
Verlauf. Das Leiden geht fast immer in vollständige Heilung über. Nachdem in wenigen Tagen die entzündlichen Processe vei--schwunden sind, wird die Epidermis in grösseren oder kleineren Schuppen abgestossen; zuweilen fallen auch die Haare an der betreffenden Stelle aus.
Klinisch giebt sich das Erythein durch eine gleichm'ässige Röthung der Haut, verbunden mit geringer Schwellung derselben und massigem Schmerz zu erkennen. An pigmentirter Haut entzieht sich das Leiden der Beobachtung oder wird erst durch den Haarausfall oder nach Ablauf der Entzündung durch die lebhaftere Abschuppung der Epidermis erkannt. Zuweilen ruft der Schmerz Lahmheit hervor, z. B. bei der Mauke. Der sog. Buchweizenausschlag bei Schafen, Schweinen, Bindern tritt fast nur an weissen Haufcsteilen auf, besonders am Kopfe. Dabei zeigen die Thiere nicht selten Congestionen nach dem Gehirn, Stumpfsinn, Betäubung; ferner Athembeschwerden und Fieber. Zuweilen tritt innerhalb 24 Stunden der Tod ein. Dass das Fehlen des Pigments eine besondere Disposition zu dem Leiden giebt, geht daraus hervor, dass schwarz angestrichene Hautstellen verschont bleiben.
Die Ursachen des Erythems bestehen in localer Reizung der Hautoberfliiche durch mechanische, chemische, thermische oder speci-fische Reize. Zu den ersteren gehört das Reiben der Haut durch Ge-schirrtheile und Verbände oder durch gegenseitige Berührung; chemische Reize spielen z. B. bei der Mauke der Pferde zuweilen eine Rolle (Kalkstaub), ein arteficielles Erythem erzeugen bis zu gewissem Grade die sog. Rubefacientia, die hautröthenden Arzneimittel; auch können Sublimat, Carbolsäurc in massiger Concentration Erythem erzeugen. Ais thermisches Erythem müssen die Verbrennungen und Erfrierungen ersten Grades aufgefasst werden (S. Ml); auch kann andauernde Einwirkung von Sonnenstrahlen ein Erythem der Haut erzeugen (E. solare). Bei Rindern werden erythematösc Erkrankungen oft in Verbindung mit Nekrose der Haut durch den Genuss von Buchweizenfutter beobachtet; ähnliches sah man bei Pferden, Schafen und Schweinen.
Die Behandlung des Erythems besteht zunächst in Beseitigung der Ursache, des scheuernden Geschirres oder Verbandes, oder der
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
Erythem. Ekzem.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;{09
an der Hautoberfläclie noch vorliandeneu reizenden Stoffe. Sodann sucht man die erkrankte Stelle sorgfältig zu reinigen und gegen ilussere Reize zu schützen. Waschungen mit Seife, wobei darauf zu achten ist, dass Seife auf der Haut nicht zurückbleibt, sodann Einreibungen mit Glycerin, Zink- oder Bleisalbe. Wo die äusseren Umstände es gestatten, lilsst man den erkrankten Theil durch einen weichen Verband schützen.
2. Das Ekzem (Ekzema). Als Ekzem bezeichnet man eine mit mehr oder weniger lebhafter Exsudation an die Oberfläche verbundene Dermatitis, wobei es in der Regel zuerst zur Bildung kleiner Knötchen (Stad. papulosum) kommt, die sich jedoch auf der behaarten Haut der Thiere unserer Beobachtung oft entziehen. Hierauf folgt alsbald lebhafte Exsudation in das Rete Malpighii mit Bildung kleinerer oder grösserer Bläschen (Stad. vesiculosum). Dieses Stadium tritt bei Thieren ebenfalls nicht deutlich hervor, weil die Blasenbildung auf der mit Haaren bedeckten Haut erschwert wird; die Epidermis ist gleichsam durch die Haare an der Hautobertläcbo festgenagelt und kann nicht leicht im Zusamm6nliange abgehoben werden; doch beobachtet man dieses zuweilen; handtellergrosse Blasen können sich unter Umständen an der Oberfläche der Haut bilden. Deutlich tritt bei Thieren aber meist erst das vierte, das Stad. madidans hervor, weil auch das dritte Stadium, die Pustelbihlung (Stad. pustulosiun) an der behaarten Haut meist übersehen wird. Das Stadium madidans kennzeichnet sich durch Nässen der Hautoberfläche, welches dureb Platzen der Blasen und die hierauf folgende Exsudation der Oberfläche bewirkt wird und mit Haarausfall verbunden zu sein pflegt.
Das Ekzem geht regelmässig in 5 10 Tagen in Heilung über, indem die Exsudation nachlässt, die an der Oberfläche der Haut befindlichen Exsudate zu Krusten eintrocknen (Stad. crusto-sum), worauf die Restitutio ad integrum beginnt. Zunächst werden kleinere oder grössere Schuppen abgestossen (Stad. squamosum), worauf regelmässige Epidermis bildung eintritt und die Entzündung abheilt.
Wie aus dieser Betrachtung hervorgeht, lässt sich eine scharfe Grenze zwischen Erytliem und Ekzem nicht ziehen; doch gilt als solche das Fehlen bezw. Auftreten einer lebhaften Exsudation an der Oberfläche; beim Ervthem bleibt die Hautoberfläche trocken, das Ekzem n ä s s t.
Das Ekzem kann local, aber auch in grösserer Verbreitung über
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
310
|
Krankheiten der äusseren Haut.
|
||
|
|
|||
|
den Körper auftreten. Uns interessirt hier nur das erstere, wie es bei der Mauke der Pferde und Hinder, aber auch bei Hunden nicht selten vorkommt.
Als Ursachen der Ekzeme kommen ilhnlicbe Einflüsse wie beim Erythem in Betracht; nur dass sie beim Ekzem von lebhaftei-er Wirkung sind. Tn der Kötbe des Pferdes und Rindes bildet es die Grundlage der ekzematösen Form der Mauke.
Man könnte hierher aucb die Erkrankung der äusseren Haut, welche durch den Einfluss von VVundsecret und anderen thierischen Flüssigkeiten #9632;/,. B. Harn entsteht, rechnen; doch entspricht der hierbei ablaufende Vorgang nicht ganz dem Ekzem. Kommt die Hantober-Hi'u-he z. B. unterhalb einer Wunde mit dem abfliossenden Wundsecret in Berührung, so fallen bekanntlich alsbald die Haare an der betreffenden Stelle aus, und die Haut erscheint an ihrer Oberfläche hierbei feucht. Sobald aber die Ursache dieser Erkrankung beseitigt ist, wird die von Haaren entblösste Oberfläche der Haut in kurzer Zeit wieder trocken; zur Krustenbildung kommt es nicht. Der Verlauf entspricht also im ganzen dem Ekzem, so dass man den Vorgang dem in Hede stehenden Leiden wohl zurechnen könnte; ich bin jedoch der Meinung, dass dies nicht ganz gerechtfertigt erscheint. Beim Ekzem besteht ein entzündlicher Process im Retegewebe sowie im Papillar-körper der Cutis; bei der durch thierische Secrete, Harn u. s. w. erzeugten Erkrankung leidet dagegen nur das Rete Malpighii, welches durch jene Flüssigkeiten macerirt wird, in Folge dessen die Haare ausfallen, indem die Maceration sich bis in die Haarbälge fortsetzt. Sobald die macerirende Wirkung aufhört, stellt sich alsbald trockene Epidermis an der Oberfläche ein und die ausgefallenen Haare werden wieder ersetzt. Bei Hunden werden durch Bisswunden oft derartige Zustände hervorgerufen.
Klinisch kennzeichnet sich das Ekzem vornehmlich durch seine nässende Eigenschaft, die mit demselben verbundene Anschwellung und Schmerzen bleiben in der Regel beschränkt; nur beim Auftreten des Leidens an den Beugeflächen der Gelenke (Köthe) ruft dasselbe bei Bewegungen der Gliedmassen oft lebhafte Schmerzen hervor, die sicli aber nach einigen Schritten zu verlieren pflegen.
Die Behandlung verlangt zunächst Beseitigung der Ursachen des Leidens und Reinigung der erkrankten Haut; sodann finden Substanzen Anwendung, welche die exsudativen Vorgänge zu beschränken
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Ekzem. Furunkel und Oarbunkel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 811
im Stande sind, die sog. austrocknenden Mittel; dahin gehören die Adstringentien, namentlich Tannin. Wichtig bleibt ferner die noch nicht ausgefallenen Haare, z. B. bei Hunden abzuschneiden und die von Krusten bedeckte Hautoberfiäche zu reinigen. Theer, Theer-salben oder Thcerseifen finden bei Hunden, die namentlich auf dem Rücken nicht selten an einem chronischen Ekzem leiden, vortheilhafte Anwendung. Bei Pferden genügt zuweilen nach erfolgter Reinigung Abspülen der Oberfläche mit 0,10/o Sublimatwasser oder bepinseln
|
||
|
|
||
|
3. Der Furunkel und Carbunkel. Mit Furunkel bezeichnet man eine acute Entzündung der Hautdrüsen oder Haarbälge, welche sich durch Bildung eines kleinen Knötchens (Akne) oder eines bis bohnengrossen Knotens, der nach einigen Tagen abscedirt, zu erkennen giebt; zuweilen entwickelt sich von dem Furunkel aus eine phleg-monöse Entzüiuluug der Umgebung. Der Furunkel liisst sich natürlich an der mit Haaren besetzten Haut der Thiere nicht so leicht erkennen wie beim Menschen, kommt jedoch hier ebenfalls vor und wird bei Pferden namentlich in der Sattel- und Geschirrlage beobachtet. Zuweilen finden sich solche in grössercr Zahl und an verschiedenen Körperstellen ein (Furunkulosis).
Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass infectiöse Vorgänge den Ausgangspunkt dieses Leidens bilden. Wenn die Infectionsstoff'e (z. B. Eiterkokken) in den Haarbalg, in eine Talg- oder Schweiss-drüse gelangen, so können dieselben hier ebenso eine Entzündung erzeugen, wie die als Pustulantia bezeichneten Arzneimittel. Ausser-dem beweist der regelmässige Ausgang in Eiterung und die nicht seltene Verbindung mit Phlegmone diesen Ursprung.
Der Carbunkel bildet gleichsam einen multiplen Furunkel, indem bei einer grösseren Anzahl der dicht gedrängt stehenden Haarbälge oder Hautdrüsen eine furunkulöse Entzündung entsteht, welche in der Kegel zur Nekrose mehrerer Haarbälge oder Hautdrüsen und ihrer Umgebung führt. Auch hier werden wie beim Menschen regel-mässig Staphylokokken gefunden. Im Ganzen sind Furunkeln wie Garbunkeln, die zum Theil mit innerlichen Krankheiten in Verbindung stehen, bei Thieren nicht so häufig wie beim Menschen, doch kommen beide auch hier vor und bilden die Grundlage von spontanen Entzündungen und Abscessen.
Klinisch unterscheidet sich der Carbunkel vom Furunkel nur durch seine Grosse.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
#9632;M2
|
Krankheiten der ilussoren Haut.
|
|||
|
|
||||
|
|
Die Behandlung verlangt baldige Spaltung des Furunkels bezw. Carbunkels; in der Hegel genügt ein Längsschnitt, der jedoch durch die ganze Anschwellung reichen muss. Darauf lüsst man eine kräftige Desinfection des Krankheitsherdes folgen, reibt denselben mit 10 0/n Chlorzinklösung oder 50/o Carbolsäure oder 0,1 0/n Sublimatlösung aus: die in dem Carbunkel vorhandenen nekrotischen Gewebsmassen werden entfernt; unter Umständen können Auskratzungen mit dem scharfen Löffel angezeigt sein. Die weitere Behandlung erfolgt nach den allgemeinen Hegeln; oft wird die Herstellung von Gegenöffnungen oder die Anlegung von Eiterbänden bezw. Drains nothwendig.
Solange die Spaltung des Entzündungsherdes nicht zulässig erscheint, werden warme Umschläge oder Behängungen angewendet.
In Bezug auf Nekrose der Haut muss auf das S. 186 Gesagte verwiesen werden.
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
4. Elephantiasis (Paohydermie). Mit dem Namen Elephantiasis worden in der Medicin zwei Zustände belegt. Unter E. arabum versteht mau eine über grössere Körperstellen verbreitete hyperplastisclic Verdickung der Cutis und Subcutis, welche am häufigsten an den Extremitäten im Anschluss an chronisch entzündliche Processe (Geschwüre, Erkrankungen der Lymphgefässe und Phlegmone) beobachtet wird. Man bezeichnet den Zustand anatomisch als Pachydermia acquisita. Zu diesen muss auch die bei Pferden zuweilen beobachtete Elephantiasis gerechnet werden.
Eine zweite Form, welche in tropischen Gegenden epidemisch beim Menschen, in Europa nur sporadisch vorkommt und durch einen Fadenwurm (Filaria Bankrofti) erzeugt wird, welcher in dem Bindegewebe und in Lymphgefässeii vegetirt, scheint, bei den Thieren nicht vorzukommen. Allerdings hat man in südlichen Gegenden auch bei diesen Fadenwümer in verdickten Bindegewebsmassen beobachtet (S. 213).
Bei Thieren, namentlich Pferden wird Elephantiasis am häufigsten an den Gliedmassen beobachtet, und zwar bildet der Zustand in der Regel einen Ausgang der Phleg\none (S. 150). Bleiben nach dem Verschwinden der acut entzündlichen Erscheinungen Infectionsherde in der Subcutis zurück, so unterhalten diese eine chronische Wucherung in dem Bindegewebe der Haut und Unterhaut mit allmählich zunehmender Verdickung derselben (Pachydermie); aber auch die tiefer gelegenen Gewebe und selbst der Periost sind hierbei zuweilen betheiligt, so dass sich in ihm ebenfalls chronische Wucherungen mit
|
|||
|
,
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Elephantiasis. Dermatitis chronica.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ;{X;}
Verdickungen und Exostosenbildung einstellen. Derselbe Zustand verbindet sich beim Pferde zuweilen mit einer chronischen Erkrankung der Cutis (siehe unten), wobei ebenfalls Infectionen mit Eiterkokken wahrscheinlich im Spiele sind.
Die Behandlung der Elephantiasis erweist sich in der Kegel ohnmächtig, zumal eine vollständige Beseitigung der Ursachen (In-fectionsstoife) nicht möglich ist. Die sonstigen Mittel (Bandagiren, Massiren u. s. w.) können den Verlauf des Leidens wohl zurückhalten, Heilung ist aber von ihnen nicht zu erwarten.
|
||
|
|
||
|
5. Dermatitis chronica verrucosa. Eine mit langsam fortschreitender Verdickung der Cutis verbundene chronische Entzündung derselben bildet die Grundlage zweier bei Pferden vorkommenden Leiden, nämlich des sog. Straubfusses und des Strahlkrebses. Dabei handelt es sich um einen Wucherungsprocess im Papillor-körper und Rete Malpighii, an dem allerdings auch die Cutis und selbst die Subcutis Antheil nimmt.
Die Wucherung im Papillarkörper führt zu einer bedeutenden Vergrösserung der Papillen, die schliesslich zu crbsen- bis bohnen-grossen Warzen heranwachsen, während an ihrer Oberfläche im Stratum mucosum ein lebhafter Proliferationsprocess abläuft. Die hierbei producirten Itetezellen finden nicht Zeit zu verhornen, sondern worden von den neugebildeten Zellen und der gleichzeitig bestehenden Exsudation abgestossen und bilden mit dem Exsudat eine graue, schmierige Masse, die der Fäulniss anheimfällt. Dadurch entsteht an der Oberfläche der erkrankten Haut ein äusserst übelriechendes Secret, weiches seinerseits geeignet erscheint den Process zu unterhalten, indem es den regel-mässigen Verhornungsprocess verhindert. Auf diese Weise greift der Vorgang, von einer bestimmten Stelle ausgehend, allmählich auf die Umgebung über und stellt der Heilung stets grosse Schwierigkeiten entgegen.
Dieses Leiden bildet die Grundlage der verrueösen Form der Mauke sowie des sog. Strahlkrebses und da Aetiologie, Beurtheilung und Behandlung desselben in meiner speciellen Chirurgie besprochen worden ist, so kann auf das daselbst Gesagte verwiesen werden.
|
||
|
|
||
|
6. Dermatitis chronica apostematosa. Obgleich dieses Leiden zu den häutigsten und nur chirurgisch zu heilenden Hautkrankheiten
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
314
|
Krankheiten der äucsoren Hiiut.
|
|||
|
|
||||
|
der Hunde gehört, so ist dasselbe doch bisher in der Literatur fast ganz iinbei'ücksichtigt geblieben. Spinola (Specielle Pathologie und Therapie) beschreibt unter dem Namen fressende Flechtequot; einen iilmliclien Zustand.
Das Leiden tritt fast nur bei grossen Hunden auf und kommt mein es Wissens bei keinem andern Hausthiere vor. Es besteht in einer chronischen Entzündung des Cutisgewebes mit Induration und Abscessbildung und wird vornehmlich an den Gliedmassen und am Kopfe, besonders auf der Nase beobachtet; ausserdem bilden Ellbogen, die Vorderfusswurzel, das Sprunggelenk und die Aussenfläche des Metatarsus den häufigsten Sitz des Leidens.
|
||||
|
|
||||
|
|
Erscheinungen. An einer kleinen Stelle verdickt sich zu-imchst die Haut, und ein Theil der Haare fällt aus. Die Verdickung der Cutis wird bald so auffällig, dass sich die erkrankte Stelle deutlich über der gesunden erhebt. Nach einiger Zeit erscheinen auf der Oberfläche der Haut kleine, mehr oder weniger dunkel gefärbte Stellen, welche sich bei genauer Untersuchung als aus einer Anzahl Haaren bestehend erweisen, die in einer gemeinsamen Oeffnung der Haut stecken und mit Leichtigkeit ausgezogen werden können. Aus einer solchen Oeffnung lassen sich oft 1020 und mehr Haare hervorziehen.
Dieser Zustand kann monatelang bestehen, ohne ZU weiteren Veränderungen Veranlassung zu geben; in der Regel aber entstehen in dem verdickten Hautgewebe kleine Abscesse, die kurz vor ihrem Durchbruch durch eine bläuliche und etwas glänzende Farbe der Haut-oberfiäche erkennbar werden. Bei der Perforation entleeren sie eine röthlich gefärbte, eiterige Flüssigkeit. Drückt man die kranke Hautstelle zwischen den Fingern, so spritzt in der Kegel aus einer grösseren Anzahl kleiner Oeffnungen diese Masse hervor. Die Pcrforations-stelle schliesst sich indess bald wieder, um über kurz oder lang durch den von neuem abermals gebildeten Eiter durchbrochen zu werden.
Indem der Process auf die Nachbarschaft übergreift, gewinnt derselbe, wenn auch langsam eine immer grössere Ausdehnung. Untersucht man eine Perforationsstelle mittelst der Sonde, so lässt sich eine mehr oder weniger ausgebreitete Unterminirung in dem Cutisgewebe nachweisen. Oft finden sich in der Cutis Gänge von 2 3 cm Länge. Die Subcutis verdickt sich in den späteren Stadien ebenfalls, ohne jedoch an den eiterigen Vorgängen Antheil zu nehmen.
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
üemuititiw clironicn apostematosa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 315
Auf dem Querschnitt eines so veränderten und excidirteu Hautstückes füllt zunächst die bedeutende Verdickung auf: die Cutis erreicht zuweilen eine Stärke von 5 10 mm. In den Anfangsstadien erscheint auf einem solchen Querschnitt eine mehr oder weniger grosse Anzahl grauer Punkte, die sich unter dem Mikroskop als hyperplastische Talgdrüsen oder als kleine Abscesse zu erkennen geben. Die mikroskopische Untersuchung ergieht forner eine bedeutende Vermehrung des outanen Bindegewebes und an einzelnen Stellen Zerfall. Die zerfallenen Massen liegen in kloinen, mit eiterigem Material gefüllton Höhlen, deren Wandungen von Granulationsgewobe ausgekleidet sind. In der Umgebung der Höhlen besteht plastische oder eiterige Infiltration des Outisgewebes,
In den späteren Stadien lassen sich diese Abscesse schon mit unbewaffnetem Auge auf dem Querschnitt der Haut erkennen; gewöhnlich tritt das schlaffe, dunkelroth gefärbte Granulationsgewebe etwas über die Schnittfläche hervor. Die Talgdrüsen, welche sich in der ersten Zeit stark hypcrplastisch zeigen, verschwinden später fast ganz. Wo Perforationen stattgefunden haben, finden sich bindegewebige Narben und haarlose Stollen. Auch wenn in Folge grösseren Juckreizes die erkrankten Stellen viel belockt oder von den Thieren gebissen wurden, fehlt oft sowohl die Oberhaut wie auch das Haar. Im übrigen nimmt die Epidermis an der Erkrankung keinen directen Antheil; bei der mikroskopischen Untersuchung lassen sieb zwar Veränderungen an derselben nachweisen, die jedoch seeundäror Natur sind. So finden sich vielfach die Uoberreste von Blutungen, bald erscheint das Rete Malpigbii und die Epidermis stark verdickt, an anderen Stollen dagegen vollständig zerstört. Das alles hängt theils von äusseren Einflüssen, theils von den Vorgängen in den darunter gelegenen Bezirken der Cutis ab. Die hauptsächlichsten Veränderungen zeigt der Papillarkörper; von Papillon ist kaum noch etwas zu erkennen; die Oberfläche der Cutis erscheint unregelmässig, uneben, bald etwas eingesenkt, bald gegen das Rote Malpigbii vorspringend.
Eigenthümlich ist das Verhalten der Haare, Haarbälge und Talgdrüsen bei diesem Leiden. Während anfangs eine starke Vorgrösserung der Talgdrüsen nachzuweisen ist, vorschwinden diese mit den Haarbälgen unter dem chronischen Wucherungsprocesso ganz und gar, und an Stelle einer grossen Anzahl Haarbälge erscheint eine Höhle, in welcher die betreffenden Haare liegen. Von den Haarvvurzoln ist später nichts mehr zu entdecken, die Ilaare liegen vielmehr frei in der ge-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
318
|
Krankheiten der iiusseren Haut.
|
||
|
|
|||
|
meinsamen, von einer bindegewebigen Kapsel gebildeten Hoble. Bald ragen die Spitzen der Haai-e über die Oberfläche der Haut hinaus, niclit selten aber steckt eine grössere Anzahl Haare in dieser sackförmigen Oeffnung der Cutis; zuweilen schliesst sich die Mündung des Sackes, und die Haare liegen abgekapselt in dem Cutis-gewebe.
Das Wesen der Krankheit besteht also in einer chronischen, in-durirenden, mit Abscessbildung verbundenen Entzündung der Cutis. Demnach glaubte ich die obige Bezeichnung für dieselbe wählen zu sollen. Der Process tritt zunächst im Papillarkürper auf, und verläuft zunächst in diesem, dringt jedoch später auch in die Tiefe.
|
|||
|
|
|||
|
Aetiologie und Pathogenese. Der Umstand, dass diese Haut-
|
|||
|
|
|||
|
erkrankung nur
|
bei grösseren Hunden und fast ausschliesslich an
|
||
|
|
|||
|
Stellen vorkommt, wo die Haut den Knochen dicht aufliegt, begründet schon die Vermuthung, dass ein mechanischer Einfluss (Druck) bei der Entstehung derselben betheiligt ist. An anderen Körperstellen wird der Zustand äusserst selten beobachtet; nur bei einem Hund sah ich denselben auf dem Kücken; an den oben bezeichneten Stellen wurde dagegen der Zustand in sehr vielen Fällen von mir beobachtet. Durch den Druck des Maulkorbes, bezw. durch das Körpergewicht beim Liegen der Thiere würde allein schon der Zustand sich erklären lassen. Wenn man indess bedenkt, dass sich das Leiden nach längerem Bestehen über die Grenze der an solchem Drucke betroffenen Hautstellcn ausbreitet, so kommt man doch zu der Ueberzeugung, dass noch ein anderer Reiz für die Entstehung und Unterhaltung des entzündlichen Processes gegeben sein muss; diesen darf man wohl in dem Auftreten der Eiterung suchen. Ohne Zweifel unterhalten die in der Cutis gelegenen Abscesse die entzündlichen Vorgänge in ihrer Umgebung, und indem diese wiederum zur Eiterung führen, rufen sie ihrerseits neue Entzündung hervor. Daher erklärt sich die allmähliche Ausbreitung des Processes auf die gesunde Nachbarschaft und das Fehlen spontaner Heilung. Hier möge gleich bemerkt werden, dass die Heilung mit Erhaltung der krankhaft veränderten Hautpartie äusserst selten erreicht wird; nur die Excision des betreffenden Hautstückes führt sicher zum Ziele.
Die Entwickelung des Zustandes dürfte sich hiernach wie folgt gestalten: Der andauernde, bezw. oft wiederholte Druck führt zur entzündlichen Reizung in dem Gewebe der Cutis, und die nächste Folge hiervon bilden hypertrophische, bezw. hvperplastischc Processe in diesem
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Dermatitis chronica apostematosa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 317
Gewebe. Bei einzelnen Individuen bleibt es hierbei, und so können derartige Hautschwielen monate-, selbst jahrelang bestehen ohne zur Eiterung zu führen. In solchen Fällen beschränkt sich der Zustand auf eine umschriebene Verdickung der Haut, wie solche an den Beinen grosser, schwerer Hunde häufig beobachtet wird. Die Haut am Ellenbogenhöcker erleidet recht oft diese Veränderung ohne weitere Folgen.
In anderen Fällen und besonders an und unterhalb der Vorder-fusswurzel, sowie am Sprunggelenke und auf der Nase tritt aber in der Regel Eiterung und Zerfall hinzu. Damit ist die Bedingung zu weiteren Veränderungen und zur Ausbreitung des Zustandes gegeben; denn hierbei handelt es sich ohne Zweifel um die Wirkung von Eiterkokken. Dass eine besondere Anlage für dieses Leiden bei einzelnen Thieren besteht, ergiebt sich aus dem gleichartigen Erkranken mehrerer Gliedmassen zu derselben Zeit oder bald nach einander. Am meisten befremdend erscheint auf den ersten Blick das Verhalten der Haare. Dasselbe erklärt sich jedoch, wenn man bedenkt, dass durch die progressive Wucherung in dem Cutisgewebe ein gewisser Druck nicht nur auf die Haarpapillen sondern auch auf das zwischen den Haaren gelegene Gewebe ausgeübt wird. Das Epithelgewebe leistet dieser Druckwirkung nicht in dem Masse Widerstand wie die binde-gewebige Substanz; das ergiebt sich aus dem oft vollständigen Verschwinden der anfangs stark vergrösserten Talgdrüsen. Ein Tlieil der Haare fällt nach dem Aufhören des Wachsthums an der Papille aus oder wird durch Lecken seitens der Hunde entfernt; .andere bleiben in der stark verdickten Cutis stecken, und nachdem die Haarbälge zerstört sind, liegen mehrere zusammen in einer gemeinsamen, stark-erweiterten , sackartigen Aushöhlung der äusseren Haut, deren Mündung sich unter Umständen verschliessen kann. So erklärt sich das Vorkommen einer grossen Anzahl Haare in allseitig geschlossenen Abscesshöhlen der Haut. Hier wirken dieselben als Fremdkörper und tragen ihrerseits wiederum zur Unterhaltung und Ausbreitung der Entzündungsvorgänge bei.
Wenngleich auf diese Weise die Entstehung und der Verlauf des Leidens sich erklärt, so muss doch darauf hingewiesen werden, dass unter Umständen vielleicht auch speeifische Schädlichkeiten hierbei mitwirken. Mir sind wiederholt Fälle vorgekommen, und auch Spi-uola hat solche beschrieben, in denen eine Uebertragung des Krank-heitsprocesses auf andere Hautstellen erfolgte; so werden zuweilen in Folge des Leokens die Lippen inficirt. Diese von mir beobachteten
|
||
|
|
||
|
|
|||||
|
318
|
Krankheiten der ausseien Haut.
|
||||
|
|
|||||
|
I
|
|
Fälle zeichneten sieb jedoch stets durch grössere Acuitilt und die Neigung zu schnellem Zerfall aus: man könnte dieses Leiden als eine Dermatitis acuta apostematosa bezeichnen; für dasselbe scheint die Haut auf dem Kopfe und dem Rücken Lieblingssitz zu sein. Im Verhält-niss zu dem oben Besprochenen ist dieser Verlauf jedoch selten.
Die Diagnose der Dermatitis ehr. apostematosa ist leicht. Die verdickte Haut zeigt im Anfange ein abnorm helles Aussehen, wodurch die Anhäufung von Haaren als dunkle Punkte sich noch deutlicher zu erkennen giobt. Juckreiz fehlt in vielen Fällen, in anderen zeigen die Thiere dagegen Neigung die erkrankten Stellen zu belecken oder zu beissen.
Zu verwechseln ist der Zustand nur mit Acarusräude. Dieselbe tritt jedoch sehr selten an den Stellen auf, welche den Lieblüigs-sitz jener Erkrankung bilden, und wenn dies einmal der Fall sein sollte, so zeigen sich fust regelmässig auch andere Hautstellen in gleicher Weise verändert. Durch das Mikroskop kann aber in jedem Falle die Diagnose gesichert werden, da sich die Acarusmilben leicht nachweisen lassen.
Verlauf. In der bei weitem grössten Mehrzahl der Fälle verläuft das Uebel chronisch, so dass ein Zeitraum von 23 Monaten erforderlich wird, um eine Hautfläche von der Grosse einer Mark in der beschriebenen Weise zu verändern. Zuweilen breitet sich der Process indess schneller ans und erreicht in 23 Wochen diesen Umfang; an der Kopfhaut wird, wie bereits bemerkt, öfter ein schnelleres Umsichgreifen beobachtet. Aus der Dicke und Härte der Haut lässt sich schon einigermasson die Acuität des Processes beur-theilen: Je dicker und derber die Haut, desto langsamer der Verlauf; die Entzündung trägt in diesem Fall einen mehr fibrösen, produc-tiven Charakter. Greift die Zerstörung schnell um sich, so kommt solche Induration der Haut nicht zu Stande; die Cutis fühlt sich in Folge dessen weicher an. An Stellen, wo die Haut dünner ist, pflegt die Ausbreitung schneller zu erfolgen.
Beachtenswerth bleibt die Thatsache, dass der Process ohne entsprechende Behandlung niemals zum Abschluss kommt, das Leiden breitet sich vielmehr immer weiter aus, bis der Besitzer sich entschliesst das Thicr behandeln oder tödten zu lassen.
Therapie. Nach meinen Erfahrungen giebt es nur ein sicheres Mittel zur Heilung des Zustandes, nämlich die Excision des erkrankten
|
|||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||
|
Dermatitis chronioa apostematosa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;31lt;(
Hautstückos. Zwar gelingt es zuweilen durch Spalten der Abscesse und Aetzen ihrer Wandungen mit Höllenstein oder Einstreuen von Jodoform eine Besserung, zuweilen sogar eine scheinbare Heilung zu erzielen; über kurz oder lang aber treten Recidive ein.
Die Aussicht auf vollständige Heilung ist daher von dem Umstände abhängig, ob eine Entfernung der krankhaft veränderten Haut zulässig ist. Hierüber entscheidet wohl der Umfang des Leidens wie auch der Sitz desselben. An Körperstellen, wo die Haut locker, leicht verschiebbar ist, wie am Rumpfe, lassen sich handteller-grosse Hautstücke entfernen, ohne dass die Heilung auf Schwierigkeiten stösst; bei der Narbenretraction wird die Haut der Nachbarschaft herangezogen, und der Hautdefect mit Hinterlassung einer geringfügigen Narbe gedeckt. Auch auf dem Nasenrücken treten bei der Entfernung thalergrosser Hautstücke keine Schwierigkeiten für den Heilungsprocess ein. Anders verhalten sich die Gliedmassen; bei der grösseren Spannung der Haut können hierselbst umfangreiche Defecte derselben nicht gehörig vernarben. Daraus ergiebt. sich der wichtige Grundsatz: Hier sobald als möglich zur Operation zu schreiten, und mit der Anwendung von anderen Mitteln keine Zeit zu verlieren.
Ferner ist zu beachten, dass bei der Excision die Haut so weit entfernt werden muss, wie die krankhaften Veränderungen reichen; andernfalls treten in der Umgebung der Narbe Kecidive ein. Man führe also das Messer durch die gesunde Nachbarschaft und nehme auch unter der Haut alles fort, was krankhaft verändert erscheint, verdickt oder mit Abscessen durchsetzt ist. Wo die Haut auf ihrer Unterlage leicht verschiebbar ist, empfiehlt sich die kranke Stelle zu fassen, in die Höhe zu heben und nun mit der Schere die Excision zu bewirken. Man läuft hierbei weniger Gefahr, krankhaft veränderte Huutabschnitte stehen zu lassen. Nachdem die Blutung gestillt ist, legt man einige Hefte durch die Wundränder, um dieselben soweit möglich einander zu nähern, worauf die Wunde mit einer dünnen Schicht Jodoform bestreut wird. Bei stärkerer Blutung wird zweckmässig ein mit Jodoform gepuderter Wergbausch auf die Wunde gelegt und mittelst der Heftfäden befestigt. An den Gliedmassen lasse ich noch einen Verband von Werg und Gazebinden ap-pliciren, der einige Tage liegen bleibt, wenn er nicht von dem Patienten entfernt wird. Die weitere Behandlung erfolgt nach den allgemeinen Hegeln der Chirurgie; fast immer geht die Heilung selbst ohne Hülfe regelmässig von statten.
|
||
|
|
||
|
A
|
||
|
|
||||
|
820
|
Krankheiten der äusseren Haut.
|
|||
|
|
||||
|
|
7. Nekrose der äusseren Haut wird unter verschiedenen Umständen bei Thieren beobachtet. Unter der dauerndem Druckwirkung des Siittels oder Geschirrs entsteht sog. Druckbrandquot;; an den unteren Abschnitten der Glicclmassen tritt bei Pferden ein feuchter Hautbrand auf, der als Brandmauke bezeichnet wird und zum Theil unter dem Einflüsse der Winterkälte entsteht (Frostmauke), doch sind Infections-vorgiinge hierbei ebenfalls thätig. Bei Schweinen fand man wiederholt brandiges Absterben der Ohren. Nach andauerndem Genuss grösserer Mengen Mutterkorn sah man bei Thieren an verschiedenen Stellen Hautnekrose entstehen. Endlich tritt an weissen Hautstellen besonders bei Kindern und Schafen unter dem Einflüsse der Sonnenstrahlen Hautentzündung (Erythem oder Ekzem), zuweilen aber auch oberflächliche Nekrose der äusseren Haut auf. Oft wirken bei Entstehung der Nekrose bestimmte Nahrungsmittel wie z. B. Buchweizen, Wicken, Klee, Luzerne u. s. w. Auch hier handelt es sich in der Regel um trockenen Brand.
|
|||
|
|
||||
|
|
Die Beurtheilung des Hautbrandes hängt in erster Linie von der Art, ob feuchter oder trockener Brand, sodann von der Ausdehnung und dem Sitze des Leidens ab. Beim feuchten Brande ist die Gefahr stets grosser als beim trockenen (S. 190), weil durch die Brandjauche nicht allein die Nachbarschaft inficirt und in heftige Entzündung versetzt wird, sondern auch durch Resorption derselben Fieber entsteht. Der trockene Hautbrand wird nur dadurch bedenklich, dass er sich auf grössere Strecken und die ganze Dicke der Haut ausbreitet. Dadurch entstehen bedeutende Hautdefecte, die schwer benarben.
Behandlung. In prophylaktischer Hinsicht ist den Ursachen des Brandes Rechnung zu tragen, diese soweit möglich fernzuhalten. Im übrigen kommt es bei der Behandlung vornehmlich auf die Form des Brandes an. Das Nähere ist hierüber bereits S. 190 mitgetheilt.
8. Verbrennung (Oombustio). Verbrennung, d. h. die schädigende Wirkung höherer Temperaturgrade wird bei Thieren nicht häufig beobachtet, kommt indess sowohl bei Feuersbrünsten, in Schmieden und Eisenwerken durch glühendes Eisen oder durch Einwirkung heisser Flüssigkeiten oder Dämpfe (Verbrühen) und bei anderen Gelegenheiten ZU Stande; bei der Anwendung des Glüheisens benutzen wir die Verbrennung als Heilmittel. Nur selten finden dagegen heutzutage Ver-
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Verbrennung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;-{21
brennungen der Weiohtheile des Hufes beim Aufrichten des Hufeisens statt. Bei Feuersbrünston wirkt zugleich das Einathmen des Rauches oder heisser Dämpfe nachtheilig; uns interessiren jedoch nur die durch Hitzegrade an der Aussenfläche des Körpers veranlassten Erkrankungen, deren Bedeutung von der in- und Extensität der Verbrennung abhängt.
Nach der Intensität unterscheidet rann für gewöhnlich '.i Grade der Verbrennung:
1,nbsp; nbsp;Durch flüchtige Einwirkung einer Temperatur von GO100deg; C. entsteht an der betreuenden Hautstelle Röthung und lohhafter Schmerz, worauf zuweilen eine leichte Anschwellung folgt. Dieser Zustand pflegt jedoch schon nach einigen Stunden wieder zu verschwinden; zuweilen folgt demselben eine lebhafte Desquamation des Epithels, selten Haarausfall. Durch die Hitze wird eine Lähmung der Gefässmuskeln herbeigeführt, in Folge dessen eine Erweiterung der Blutgefässe eintritt, und da dieses vorzugsweise an den Arterien erfolgt, so erscheint die Haut-hell roth. An der pigmentirten Haut der Hausthiere wird dieser Grad der Verbrennung oft übersehen; an nicht pigmentirter Haut bildet die liöthung den Mittelpunkt der Erscheinungen.
2.nbsp; Wirkt eine höhere Temperatur länger ein, so gesellt sich zu den genannten Erscheinungen sehr bald Blasenbildung. Die arterielle Fluxion führt zu lebhafter Exsudation von klarem Serum, welches sich mit dem Parenchymsaft des Retegewebes unter der Hornschicht der Epidermis anhäuft und so kleinere oder grössere Blasen bildet. Auch die Blasenbildung ist an der behaarten Haut der Thiere in der Regel nicht so deutlich, weil die Hornschicht durch die Haare fest mit der Cutis verbunden wird. Obgleich der Schmerz hierbei erheblich und die Anschwellung grosser ist, verliert sich der erstere doch meist schon nach etwa 1224 Stunden, während die Anschwellung etwas später verschwindet. Sofern die Blasen nicht verletzt werden, trocknen sie nach einigen Tagen ein, d. h. ihr Inhalt wird resorbirt, und es bildet sich auf dem Retegewebe eine neue Hornschicht, worauf die alte abfällt. Wird die Blase geöffnet, so erscheint auf dem Grunde derselben das geröthete, empfindliche Rete- bezw. Cutisgcwebe, welches bald mit bald ohne Eiterung eine neue Epitheldecke erlangt; darüber vergehen in der Regel 8 14 Tage: bei Fleischfressern, welche die Neigung haben solche Stellen zu lecken, noch längere Zeit.
gt;\. Wirken höhere Temperaturen als 70quot; C. längere Zeit auf die Haut ein, so entsteht Verschorfung derselben. In dem Gewebs-
Möllor, AllRomciiie OUfurgie für ThiCTürzle.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'21
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
|
322nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der äusaeren Haut.
saft, sowie in den Zellen gerinnt das Eiweiss; ja selbst in den Blut-und Lymphgefassen kann in Folge der Hitze Gerinnung des Inhalts eintreten. Die unausbleibliche Folge hiervon ist Absterben der Haut und selbst der unter ihr gelegenen Theile. Je nach dem Blutgehalt erscheint der Brandschorf bald hell, bald dunkel gefärbt; die äussere Haut pflegt indess eine hellere Farbe anzunehmen. Der Brandschorf wird sodann durch dissecirende Eiterung abgestossen, worauf Granulationsbildung und Heilung eintritt, jedoch mit Hinterlassung einer in der Regel starken Narbe, welche später durch Retraction noch zu weiteren Störungen Veranlassung geben kann.
Stockfleth berichtet über ein Pferd, das sich durch Verbrennung bei einer Feuersbrunst grössere haarlose Narben auf dem Rumpfe zugezogen hatte und in Folge dessen sehr empfindlich ffegen Kälte war.
Hiernach besteht also der erste Grad der Verbrennung in Ro-thung bezw. Hyperämie, der zweite in Blasenbildung, der dritte in Brand und Schorfbildung. Es hängt theils von dem Hitzegrade, theils von der Dauer der Einwirkung und von der Beschaifenheit der Weichtheile ab, welcher Grad erreicht wird, und wie tief die Verbrennung reicht. Mit Rücksicht auf die Tiefe der Wirkung hat man wohl noch mehrere Grade der Verbrennung unterschieden. Für die Zwecke der Praxis erscheint dies jedoch überflüssig.
Aehnlich wie bei Verbrennungen gestaltet sich die Wh-kung von Aetz-mitteln auf die äussere Haut; zuweilen verbinden sich beide mit einander; wenn z. 13. Thiere in Gruben mit frisch gelöschtem Kalk gerathen, so entstehen oft bedeutende Zerstörungen, wobei es regelmässig zu Escharabildung an der äusseren Haut kommt. Dies erscheint erklärlich, wenn man berücksichtigt, dass sich hier die Hitze mit der Aetzwirkung des Kalkes verbindet, und erwägt, dass Alkalien besonders geeignet sind, die Horn-schicht der Epidermis aufzulösen und zu zerstören, und endlich, dass der Kalk aus den Haaren der Thiere nicht leicht zu entfernen ist. Im übrigen pflegen wir auch die Aetzmittel dam Grade ihrer Wirkung entsprechend einzutheilen. Dem ersten Grade der Verbrennung entsprechen die Rubefacientien, dem zweiten die blasenziehenden Mittel, dem dritten die Escharotica.
|
||
|
:
|
|||
|
|
|||
|
Die Bedeutung bezw. die Gefahr einer Verbrennung hängt jedoch mehr noch von der Extensität als von dem Grade derselben ab. Bekanntlich gehen Menschen wie Thiere regelmässig an Verbrennungen zu Grunde, sobald sich diese über grössere Abschnitte der Körperoberfläche erstrecken; wenn mehr als die Hälfte derselben auch nur von einer Verbrennung ersten Grades betroffen ist, so geht das In-
|
|||
|
|
|||
|
m
|
|||
|
|
||
|
Verbrennung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;32f{
dividuum oft schon nach wenigen Stunden, zuweilen erst nach mehreren Tagen plötzlich und unerwartet zu Grunde.
Zu den heftigen Schmerzen, welche ausgedehnte Verbrennungen stets begleiten, gesellt sich bei Fleischfressern zuweilen Erbrechen. Die Thiere zeigen sich bald in hohem Grade aufgeregt, nicht selten stellen sich alsbald Zeichen des Collaps ein, welche unter Dyspno und Temperaturabfall bis unter die Norm zum Tode führen. Zuweilen treten tonische oder klonische Krämpfe auf, in anderen Fällen ein soporöser Zustand mit sehr frequentem Pulse. Letzterer, sowie der Temperaturabfall und die Dyspno müssen stets als ominöse Erscheinungen angesehen werden. Unter diesem Krankheitsbilde erfolgt zuweilen erst acht Tage nach der Verbrennung plötzlicher Tod.
Da die Section meist ein negatives Resultat ergiebt, so wurde bisher vergeblich nach der nächsten Ursache dos Todes gesucht. Ursprünglich glaubte man, dass die mit Störung der Hautfunction verbundene Anhäufung von Ammoniak im Blute diese Erscheinungen und den Tod veranlassen, während andere (Sonnenburg, Falk) in einer durch reflectorische Reizung zahlreicher Hautnerven verbundenen Herabsetzung des Gefässtonus und Herzlähmung die Todesursache erblickten. Schulze, Ponfick und Wertheim lenkten sodann die Aufmerksamkeit aiif Veränderungen an den Blutkörperchen, welche hierbei zerfallen und eine schwere Nephritis erzeugen sollen. Nach Entdeckung der Blutplättchen glaubte man, in einer Abnahme derselben (Silbermann) oder in multiplen Stasen (Klebs, Welti) bezw. Thrombenbildung die Todesursache suchen zu müssen, welche Ansicht neuerdings in Sal-violi einen Vertreter gefunden hat, der sie durch Versuche am Mesenterium von Thieren zu unterstützen suchte. Nach Salvioli sollen in Folge der Ueberhitzung des Blutes in den Hautgefässen Thrombosen entstehen, von denen sich Emboli loslösen und zu Verstopfungen der Capillaren führen. Auf der anderen Seite hat Ca-tiano in neuester Zeit die alte Theorie wieder aufgenommen, wonach der Tod durch eine chemische Schädlichkeit veranlasst wird. Indem die im Schweisse enthaltene Ameisensäure mit Ammonhydroxil ameisensaurcs Ammoniak bildet, soll durch Erhitzen desselben und unter Abgabe von Wasser Blausäure entstehen, welche den tödtlichen Ausgang veranlasst. Alle diese Theorien haben bisher eine endgültige Bestätigung nicht erfahren und bleibt jene Frage daher vorläufig noch offen. In den späteren Stadien kann auch durch die Eiterungsprocesse' und durch seeundäre Wundkrankheiten der letale Ausgang veranlasst werden.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
|
;{24nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der äusseren Haut.
Die Prognose quoad vitam hilngb, wie bereits erwähnt, von der Ausdehnung der Verbrennung ab, natürlich kommt auch der Grad mit in Betracht; je hochgradiger die Verbrennung, um so geringer die Aussicht auf einen günstigen Ausgang. Bezüglich der vollständigen Wiederherstellung der Thiere hängt die Prognose zugleich von dem Sitze der Verbrennung und der Frage ab, ob die äussere Haut in grösserer Ausdehnung abgestorben ist, und die der Nachbarschaft zum Ersatz derselben genügend herangezogen werden kann. An den ölied-massen stellen sich diesem Vorgange grössere Schwierigkeiten entgegen als am Rumpfe. Worden bei tieferen Verbrennungen Gelenke, Sehnen oder Seimenscheiden freigelegt, so fällt die Prognose natürlicli schlecht aus.
Behandlung. Bei nicht ausgedehnten Verbrennungen ersten Grades wird eine Behandlung in der Regel nicht verlangt. Durch Anwendung von Kälte, Bleiwasser, Zink oder Bleisalbe und Cocain lassen sich die Schmerzen mildern. Bei Verbrennungen zweiten Grades empfiehlt es sich die Blasen durch Anstechen zu entleeren, aber nicht zu entfernen, vielmehr Sorge zu tragen, dass die abgehobene Epidermis erhalten bleibt. Durch Anwendung antiseptischer Flüssigkeiten (Sublimat-, Carbol-, Creolinwasser) sucht man die Eiterung zurückzuhalten und legt zu dem Zwecke womösflich einen Verband an, nachdem die kranken Stellen mit einem austrocknenden Pulver bestreut sind (Jodoform, Zinkoxyd). Wo ein solcher Verband nicht anzuwenden ist. werden Salben (Zink- oder Bleisalbe) oder gleiche Theile Kalkwasscr und Leinöl (Stahl'sche Brandsalbe) oder Leinöl mit Bleiwasser (1:3) in Anwendung gebracht. Auch ist Carboiöl oder Carbolglycerin (1: 10) zu empfehlen. Erhebliche Schmerzen werden durch Argent, nitric-Lösung(l0/n) oder mit einer Coca'i'nlösung beseitigt. Neuerdings wird bei Menschen Aristol empfohlen (Aristoli 3,0, 01. Olivar. 20,0, Lano-lini 11) (Richtmann). Bei Verbrennungen dritten Grades sind besondere Pulververbände am Platze (Jodoform, Zinkoxyd, Bor- oder Salicylsäure, Kampfer). Capitan wäscht die Stelle mit Borwasser oder Sublhnatlösung (2 pro Mill.) und bestreicht dieselbe sodann ziemlich dick mit einer Salbe aus: (Saloli 4,0, Cocain hydrochloiici 0,25, Vaselini 50,0), bedeckt die Stelle mit einer Lage in Sublimatlösung getränkter Sublimatwatte und Guttapercha. Dieser Verband wird mit Sublimatlösung feucht erhalten und bleibt zwei bis drei Tage liegen. Ebenso ist in England neuerdings die Anwendung von Milch zu den Verbänden empfohlen worden (Dale). Sobald erhebliche Umsetzungen
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
Verbrennung. Blitzschlag.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;:i25
mit Bildung von Bramljauche eintreten, sorge num für öftere Reinigung der Wunde, welche im übrigen nach den allgemeinen Grundsätzen behandelt werden muss.
Um die in Folge ausgedehnter Verbrennung auftretende Lebensgefahr zu bekämpfen empfiehlt sich, die Thiere möglichst warm zu halten, einzudecken und Analeptica zu verabreichen (Alkohol, starken Kaffee) sowie subcutane Injectionen von Aether oder Kampfer. Auch dürften intravenöse Kochsalzinfusionen (0,60/n) zu versuchen sein.
Um Thiere aus Feuersbrünsten zu retten, was bekanntlich oft schwierig ist, empfiehlt Roy, den Kopf derselben mit nassen Tüchern zu bedecken. Die hierbei auftretenden entzündlichen Erkrankungen der Rcspirationsschleimhaut müssen nach den allgemeinen Regeln behandelt werden.
Bei Verätzungen mit heissem Kalk und anderen scharfen Flüssigkeiten, z. B. organischen Säuren, suche man zuerst diese möglichst bald zu entfernen oder zu neutralisiren. Verätzungen durch Kalk und Alkalien werden mit verdünnten Säuren, solche von Säuren herrührend mit alkalischen Flüssigkeiten (Seifwasser, Aschcnlauge) behandelt, und wo Epitheldefecte entstanden sind, deckende Mittel in Anwendung gebracht.
Die durch Blitzschlag veranlassten Verletzungen bestehen theils in elektrisch erschütternden, theils in verwundenden, theils in brennenden (Sonnenburg), von denen bald die eine, bald die andere in den Vordergrund tritt. In Folge starkor elektrischer Reizung oder mechanischer Verletzung des Centralnervensystems kann sofortiger Tod eintreten; zuweilen handelt es sich um eine Commotio cerebri oder C. spinalis, wodurch Lilhmimgei) hervorgerufen werden, welche häufig einen günstigen Verlauf nehmen, unter Umstünden aber zu einem tödtlicheii Ausgang führen. Pröger berichtet über eine Beobachtung, wonach sieben Kühe durch Blitzschlag getödtet, ein Kalb gelähmt wurde; die bei letzterem aufgetretene Faraplogie veranlasste 14 Tage später das Schlachten des Thieres. Bei Aihorn im Münster-schen schlug der Blitz in einen Schafstall und tödtete 300 Schafe (B. T. W. 1892. S. 382.)
Oft werden auf der Haut die sog. Blitzfignren, vielfach verzweigte Zickzacklinien angetroffen, welche durch die Einwirkung dos Blitzes auf das Blut entstehen sollen, indem der Farbstoff von den Blutkörpern losgelöst, durch die Gefässwand transsudirt. Nach Heus-ii c r lassen sich jedoch Blutaustretungen an solchen Stellen nichl
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
a
|
|||
|
|
|||
|
|
326nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der äusseren Haut.
nachweisen; deshalb hat man diese Röthungen auch wohl auf umschriebene Lähmungen der Gefässe verbunden mit Thrombosen in den Capillaren zurückgeführt. An acker fand an einer vom Blitz erschlagenen Kuh in der Haut der linken Seite fingerbreite Streifen, welche von hinten nach der Brust verliefen, an denen die Haare angeklebt jedoch nicht versengt erschienen. Sturm berichtet über ein Fohlen, welches, nachdem es zwei Tage vorher vom Blitz getroifen war, an Starrkrampf (?) erkrankte und starb.
Bollmann fand an einem vom Blitz getroffenen Pferde die Haare des Schopfes versengt und am nächsten Teige eine Conjunctivitis des linken Auges. Die Verbrennung begann am linken Ohr, verlief zum linken Augenwinkel, wo sie sich gabelförmig theilte. Im Verlaufe derselben erschienen die Haare auf eine Breite von 23 mm versengt. Zehn Tage darnach stellten sich Erscheinungen einer linksseitigen l'neumonie ein, welche jedoch günstig verlief.
Nachdem in einem Kasernenstall, welcher mit 58 Pferden besetzt war, der Blitz eingesclilagen hatte, waren 40 Pferde plötzlich zu Boden gefallen, erhoben sich jedoch bald wieder bis auf eines, welches zehn Minuten lang unvermögend war aufzustehen, dann aber auch wieder hergestellt erschien, nur noch eine Stunde lang sehr aufgeregt war. In einem von mir beobachteten Falle trat bei dem Pferde nach mehreren Minuten Paraplegic mit tödtlichem Ausgange ein.
Die Behandlung der vom Blitz getroffenen Thiere beschränkt sich auf eine symptomatische. Für die localen Verbrennungen gilt das oben Gesagte, während die Lähmungen nach den allgemeinen Orundsätzen zu behandeln sind.
Als Hitzschlag (coup de chaleur) bezeichnet man eine Erkrankung, welche bei Arbeitspferden im heissen Sommer, besonders an schwülen Tagen mit wenig bewegter Luft beobachtet wird. Die Thiere werden träge, schwitzen ungewöhnlich (zuweilen setzt die Schvveiss-secretion vollständig aus), drängen wie Gehirnkranke gegen die Zügel, schwanken und stolpern. Beim Anhalten steht das Thier wie angebannt, zeigt sich soporös oder aufgeregt, athmet heftig, wobei die Nüstern weit aufgerissen werden, und zittert; die Augen glotzen, das Maul wird geöffnet, die Schleimhäute erscheinen dunkelroth. die Zunge hängt aus dem Maule; der Puls ist klein und frequent, der Herzschlag pochend. Die Körpertemperatur zeigt eine abnorme Steigerung, 40deg;
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Hitzschlag. Sonnonstich.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 327
und darüber. Zuweilen erholen sich die Thiere in 1520 Minuten, nicht selten aber tritt Taumeln ein, sie stürzen zu Boden und verenden unter tonischen oder klonischen Krämpfen in 1015 Minuten; ausnahmsweise erfolgt der Tod erst nach einigen Tagen (Bathke). Bei der Section findet man dunkelrothes, flüssiges Blut, besonders in den Lungen und im Herzen angehäuft; die Bronchien sind mit feinblasigem Schaum angefüllt (Lungenödem).
Als nächste Ursache dieser Erkrankung wird zur Zeit Ueber-hitzung des Körpers und eine Blutalteration angesehen, welche in Folge abnormen Wasserverlustes eintritt. Nach Cohnheim soll durch den übermässigen Wasserverlust das Blut eingedickt werden, hierdurch die Schweisssecretion gestört, und in Folge der mangelhaften Verdunstung des Schweisses dem Körper zu wenig Wärme entzogen und Ueberhitzung veranlasst werden. Von anderen wird auf eine Hirnanämie oder Herzparalyse als Todesursache das Hauptgewicht gelegt; letztere soll durch das überhitzte Blut veranlasst werden (Wärmestarre).
In prophylactischer Beziehung muss an heissen Tagen für eine regelmässige Zufuhr von Wasser Sorge getragen werden. Sobald sich Erscheinungen des Hitzschlages einstellen, ist Ruhe erforderlich und der Aufenthalt an einem kühlen Orte (im Schatten) zu empfehlen. Die neuerdings beim Menschen angewendeten kalten Begiessungen des Körpers entsprechen nicht nur den gegenwärtigen Anschauungen über die Natur des Leidens, sondern auch den schon vor nahezu 50 Jahren von H. Bouley bei Pferden gemachten Beobachtungen. Ebenso die innerliche Zufuhr von Wasser und Behandlung mit Excitantien (Alkohol), Aether oder Kampfer subeutan. Im Nothfalle will Bouley künstliche Respiration einleiten, indem die Trachea geöffnet und mittelst eines Blasebalges Luft in die Lungen getrieben wird.
Die ungewöhnliche Hitze des letzten Sommers (1892) hat auch in Deutschlaiul zu derartigen Erkrankungen vielfach Anlass gegeben. Bongartz beobachtete im Juli und August (gt; Fälle bei Pferden. Vier derselben gingen an Gehirnapoplexie, zwei an Lungenlähnmng zu Grunde. Bei den letzten traten die oben beschriebenen Erscheinungen, namentlich hochgradige Athemnoth hervor; die Respiration wurde gegen das Ende des Lebens von einem brüllenden Ton begleitet. Bei der Section fand sich Herz und Lunge mit dunklem, wenig fest geronnenem Blute überfüllt, in der Luftröhre und den Bronchien feinblasiger Schaum. Bongarts glaubt, dass in Folge der gesteigerten VVasser-abgabe eine Eindickung des Blutes eingetreten, wodurch der Gasaus-
|
||
|
|
||
|
^B
|
|||
|
|
|||
|
|
328nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der äusseren Haut.
tausch erschwort, und so Störungen in der Circulation des Lungenkreislaufs veranlasst werden.
Sonnenstich. Durch die directe Einwirkung der Sonnenstrahlen auf den Kopf entstehen bei Menschen wie Thieren Eracheinungen der Gehirnreizung, welche unter dem Namen Sonnenstich, Insolation, coup de sol eil bekannt sind. Bei Hunden sah man in Folge derselben wuthühnliche Erkrankungen (Benjamin). Siedamgrotzky fand bei einem Kettenhunde, welcher plötzlich an einem sehr heissen Tage verendet war, Gehirn und Hirnhäute lebhaft injicirt und mit kleinen Blutungen durchsetzt, zwischen Dura und Pia eine bedeutende Menge blutig seröser Flüssigkeit.
Jewsejenkow beobachtete 1877 während des russisch-türkischen
|
||
|
|
|||
|
iili
|
|||
|
Krieges in Bulgarien, wo die Temperatur oft 40quot; R, erreicht, 11 Fälh
|
|||
|
|
|||
|
|
von Sonnenstich bei Pferden. Die Thiere fingen plötzlich an zu schwanken, fielen um, zeigten Convulsionen, ängstlichen Blick, zuerst Erweiterung, dann Verengung der Pupillen, Vordrängen des Augapfels, unregelmässigen Herzschlag, verlangsamten Puls, Apathie, Coma. Die Mastdarmtemperatur stieg auf 430 C.; es trat kalter, klebriger Schweiss ein. Der Tod erfolgte in V2 Stunde. Die Section ergab entzündliche Erkrankung des Gehirns und der Meningen. Nachdem die Thiere mit Leinwandmützen verschen waren, hörten die Erkrankungen auf.
9. Auch Erfrierungen (Congelatio) sind bei Thieren selten. Ihr Haarkleid bildet ein so vorzügliches Schutzmittel gegen Kälte, dass diese ihnen nur selten nachtheilig wird. Als ein schlechter Wärmeleiter schliesst dasselbe durch seine Lagerung an der Oberfläche der Haut eine Anzahl Luftschichten ab, wodurch zugleich die Ausstrahlung der Körperwärme verhindert wird. Thatsache ist, dass bei den Hausthieren Erfrierungen so gut wie gar nicht vorkommen, so lange dieses Schutzorgan seine volle Wirksamkeit entfalten kann. Das ist jedoch z. B. nicht der Fall, sobald das Haar stollenweise entfernt ist; die äussere Luft unmittelbar auf Wundflächen einwirkt. Auch bei Durchnässung des Haares geht seine Schutzkraft verloren, indem eines Theilcs die Luftlücken in dem Haar verschwinden bezw. mit Wasser angefüllt sind, wodurch sowohl die Fortleitung wie auch die Ausstrahlung der Wärme begünstigt wird, der Körper also erhebliche Verluste an Wärme erleiden muss; dazu aber kommt noch die Verdunstung des Wassers beim Uebergang zur Stallwärme. Wie Pettenkofer zeigte, brauchen 45 g durchnilsste Wolle oder Haare
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Krfrierung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 329
zur Verdunstung ihres Wassers eben so viel Wärme, wie erforderlich ist, um '/i kg Wasser von 0 0 zum Sieden zu bringen. Endlich kommt in Betracht, class durch andauernde Einwirkung von Feuchtigkeit das Epithel der Haut aufgeweicht wird und seine Schutzkraft verliert. Da nun aber vorn Regen und Schnee das Haar am Rumpfe der Thiere nicht leicht durchnässt wird, indem sowohl die Lagerung desselben (der Strich nach unten) wie auch die durch die Talgdrüsen erfolgte Einfettung das Eindringen der Feuchtigkeit verhindert, so beschränken sich Erfrierungen fast ausschliesslich auf die vom Boden her durchfeuchteten Abschnitte der Gliedmassen. Bei andauernder Einwirkung trockenen Schnees hat man nur an den Ballen der Pferde und am Scrotum des Rindes Erfrierungen beobachtet. Die ersteren bilden dünne Hornabschnitte des Hufes und sind nicht mit Haaren bedeckt; so erklärt sich, dass dieselben namentlich in Winterfeldzügen wohl erfrieren (Siedamgrotzky). Welch ausgezeichnetes Schutzmittel der Huf bildet, beweist die Thatsache, dass Pferde stundenlang im Schnee stehen können, ohne dass Erfrierungen an der Huflederhaut vorkommen. Hierbei wirkt allerdings der grosse Gefässreichthum und die lebhafte Blutcirculation in dem Hufe, der fortdauernde Austausch zwischen abgekühltem und im Innern des Körpers erwärmten Blute wesentlich mit. Sobald indess Continuitätstrennungcn am Hufe bestehen, tritt die Gefahr der Erfrierung ein. Bei Bullen ereignen sich Erfrierungen am häufigsten am Scrotum, namentlich wenn die Thiere im Winter bei Schneetreiben sich im Freien aufhalten; das Fehlen einer dichten Behaarung am Hodensack erklärt diese Thatsache. Auch sah man bei Rindern Erfrierungen der Beine, wenn dieselben in kalten Ställen ohne hinreichende Streu stehen (Stottmeister). Am hiluKgsten leidet die äussere Haut an den unteren Abschnitten der Gliedmassen, an der Fessel und Hufkrone. Hier sehen wir im Winter unter dem Einflüsse der Killte Entzündung mit Gangränbildung (Brand-mauke) auftreten. Es soll hiermit jedoch nicht behauptet werden, dass die Kälte ausschliesslich den Krankbcitszustand veranlasst: ohne Zweifel spielen auch Tnfectionsstoöc hierbei eine Rolle. Aber wenn Hertwig gegen die Annahme der Kältowirkung die Thatsache hervorhebt, dass die Brandmauke nicht während strengen Frostes sondern bei Thauwettcr auftritt, so erscheint damit nach den obigen Betrachtungen nichts bewiesen. So viel steht fest, dass Schneewasser durch seine Kältewirkung leichter nachtheilig wird als killte Luft.
Die andererseits beschuldigte Kälte Wirkung des in grösseren
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
raquo;i; 1'
|
330nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der äusseren Haut.
Städten zum Aufthauen des Schnees (Pferdebahnen) benutzten Koch-
|
||
|
|
|||
|
|
salzes hat jedenfalls nicht die ihr mehrfach zugeschriebene Bedeutung. Sowohl die Versuche von Born und Siedamgrotzky wie auch von Jelkmann haben uusser Zweifel gestellt, dass die hierbei entstehende Killte allein nicht Brandniauke veranlasst. Aber zwei andere Factoren spielen hier mit; einmal kleinere Verletzungen und zweitens Infections-erreger, welche namentlich in dem Strassenschmutz grösserer Städte niemals fehlen. Es lässt sich dieses Zusammenwirken auch mit unseren heutigen Vorstellungen über Infectionsvorgilnge sehr wohl in Einklang bringen; durch die Kälte werden namentlich in Wunden und Verletzungen die zelligen Elemente in ihrer Lebensfähigkeit wenigstens abgeschwächt, wenn nicht geradezu getödtet; damit aber erlangen die Mikroben die Oberhand, sie vermehren sich schnell in dem abgestorbenen Material und führen nun zu weitgrcifenden Ernährungsstörungen (Entzündung und Brand, vgl. S. 188). Bei Jagdhunden wird Erfrieren der Füsse beobachtet, besonders wenn die Ballen übcrmässig abgelaufen waren. Bei Hühnern erfriert am leichtesten der Kamm, welcher ebenso wie die Ohren im Verhältniss zur Grosse ihrer Oberfläche, also auch zum Wärmcverlust wenig Blut enthalten. Ob die weisse Haut weniger widerstandsfähig ist, als die pigmentirte (Spinola) vermag ich nicht zu entscheiden.
Erfrierungstod kommt fast nur bei Eseln (Hertwig) und kleinen Hausthieren vor, die nicht an strenge Kälte gewöhnt sind. Worauf die geringere Widerstandsfähigkeit des Esels beruht, ist nicht klar. Dass kleine, oft nicht abgehärtete Hausthiere, wenn sie längere Zeit höheren Kältegraden ausgesetzt werden, erfrieren, kann nicht überraschen.
Colin stellt bezüglich der Widerstandsfähigkeit der Hausthiere folgende Skala auf: Am grössten soll dieselbe bei Lapins sein, dann folgt das Schaf, sofern das Vliess trocken ist; auch Schwein und Ziegen ertragen leicht höhere Kältegrade; am wenigsten widerstandsfähig soll das Pferd sein.
Bei Erfrierungen unterscheidet man ebenfalls drei Grade:
1. Grad. Durch vorübergehende Einwirkung massiger Kältegrade entsteht zunächst Contraction der Gotässe, namentlich der kleinen Arterien und Anämie, ein Vorgang, der an der pigmentirten Haut der Thiere sich unserer Beobachtung meist entzieht. Der Contraction folgt bald eine starke Erweiterung, wodurch Itöthung entstellt, welche namentlich aus einer starken Füllung der venösen Gefässc hervorgeht; daher erscheint die Färbung der Haut dunkclroth. Leichte Exsu-
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
! I
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Erfrierimg.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 331
dation, also auch Anschwellung und Schmerz bogleiten diese Gefasserweiterungen, die sich in der Regel bald wieder verlieren. Der Vorgang wird bei Thieren oft übersehen, oder er lässt sich aus der Neigung, einzelne Theile zu reiben oder zu belecken (Hund) nur ver-muthen. Ebenso wenig beobachtet man die beim Menschen durch wiederholte leichte Erfrierungen entstehenden Frostbeulen (Perniones) bei Thieren.
2.nbsp; nbsp;Grad. Bei höheren Kältegraden oder bei längerer Einwirkung der Kälte gesellt sich zu den obengenannten Veränderungen seröse Exsudation und Ansammlung einer gelben oder röthlichen Flüssigkeit unter der Hornschicht (Blasenbildung); die Haut wird hierbei gefühllos.
3.nbsp; nbsp;Grad. Noch niedrigere Temperatur oder längere Einwirkung der Kälte führen ebenso wie Verbrennungen zur Nekrose; doch tritt dieselbe hierbei nicht so plötzlich ein, sondern entwickelt sich langsam an der in starker venöser Stase befindlichen Haut. Das nokrotische Hautstück erlangt auf diese Weise eine dunkelbraune Färbung, während die durch Hitze abgetötete Haut meist heller gefärbt erscheint. Die Nekrose kann durch directes Erstarren der Gewebsflüssigkeiten sowie des Blutes in den Gefässen entstehen, doch ist diese hierzu nicht erforderlich; schon die erheblichen Circulationsstörungen können zum Absterben der Gewebs-elemente führen. Bei dem in der Hegel grossen Blutgehalte der Theile während des A.bsterbens entsteht meist feuchter Brand mit Bildung von Brandjauche.
Während bei Gangränbildung das betreifende Hautstück, event, auch die unterhalb der Haut erfrorenen Gewebstheile durch disse-cirende Eiterung abgestossen werden, worauf der Zustand ebenso heilt wie Verbrennungen gleichen Grades, gestalten sich die Heilungsvor-gänge bei der Erfrierung zweiten Grades verschieden. In vielen Füllen erfolgen sie ebenso wie bei Verbrennungen desselben Grades; nicht selten aber kommt es hier noch zum Absterben, so dass es oft schwer hält diese Grade genau zu trennen. Unter Umständen entwickelt sich eine tief greifende Gangrän; so berichtet Stottmeister über eine Kuh, bei der im Stalle alle vier Füsse erfroren, weil sie mit denselben im feuchten und gefrorenen Dung gestanden hatte. Nachdem die Haut abgefallen war, traten Knochen und Seimen frei zu Tage. Eine gleiche Beobachtung machte Krekeler bei einem Fohlen, welches in einen Fluss gefallen und drei Tage lang in dem mit steilen Ufern versehenen Wasser gestanden hatte.
|
||
|
|
||
|
quot;^^^^
|
||||
|
|
||||
|
332
|
Krankheiten der äusseren Haut.
|
|||
|
|
||||
|
|
Der Tod durch Erfrieren erfolgt wahrscheinlich durch Herzparalyse in Folge der erhehlichen Abkühlung des Körpers. Das Be-wusstsein schwindet, die Pulsfrequenz lässt nach, die Darmperistaltik hört auf, Urin wird selbst bei gefüllter Blase nicht entleert, die Augen stehen offen, die Cornea ist reactionslos, die Pupillen erweitert; die Respiration wird immer schwächer, die Mastdarmtemperatur kann auf 18 0 G. fallen. In diesem Zustande lassen sich kleinere Thiere noch dadurch retten, dass man sie in einen hoch temperirten Baum. z. B. in ein Bad von 40deg; 0. bringt, während sie bloss in mittlere Temperatur versetzt zu Grunde gehen. Diese an Hunden und Kaninchen experimentell nachgewiesene günstige Einwirkung steht allerdings mit den bisher bei Menschen und Thieren angewendeten Heilverfahren in Widerspruch. Stockfleth theilt einen Fall mit, in dem noch am 28. Mai eine Kindviehherde von 53 Stück, welche erst kurz vorher auf die Weide gebracht, daher nicht abgehärtet und mit einem dünnen Haar versehen war, in Folge eines mit heftigem Sturm verbundenen Nachtfrostes an Erfrierung zu Grunde ging.
|
|||
|
|
||||
|
Behandlung. Erfrierungen ersten Grades geben bei Thieren selten Anlass zur Behandlung; wo es der Fall sein sollte, würden kräftige Reibungen und hydropathische Einwickelungen zu empfehlen sein. Bei Erfrierungen zweiten Grades suche man die Blutcirculation nach Möglichkeit zu fördern, und wenn Bildung von Blasen erfolgt, behandele man diese ebenso wie bei Verbrennungen. Deckende Mittel (Glycerin oder Oel mit Carbolsäure, Tannin, Jodoform) finden hier zweckmässige Anwendung. Sobald Nekrose eingetreten ist, dienen Bäder und häufige Waschungen zur schnellen Entfernung der Brandjauche und Desinfectionsmittel (Carbol, Jodoform, Sublimat und Kampfer) zum Schütze der Nachbarschaft. In präservativer Hinsicht ist bei grösserer Kälte da Vorsicht geboten, wo Haare fehlen oder Wunden bestehen: selbst leichte Streichwunden bilden auf diese Weise den Ausgangspunkt einer umfangreichen Hautgangrän. Bei Temperaturen unter Null sollten Wunden bedeckt werden; um zugleich Infection zu verhüten, finden Bepinsclungen mit Theer zweckmässige Anwendung. Bei Thauwetter wird durch Einfettungen der Haare und Haut an den unteren Abschnitten der Gliedmassen die Einwirkung des kalten Schnee-wassers und des Strassenschmutzes auf die Haut verhindert. Natürlich ist das Fett wieder sorgfältig abzuwaschen, und sollte man Sorge tragen, dass die durchnässten Haare an den Füssen der Thiere mög-
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Erfrierung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;J33
liehst bald getrocknet werden. Abreiben der Füsse mit trockenen Sägespänen eignet sich hierzu bei Pferden.
Gegen die Gefahr des Erfrierungstodes bleibt Muskelbewegung das wirksamste Mittel, und wo die oben beschriebenen Erscheinungen auftreten, würde man durch kräftige Abreibungen die Blutcircu-lation in Bewegung zu bringen suchen. Man vermeide indess plötzliche Erwärmung, lasse vielmehr die Abreibung mit nassen, kalten Tüchern bewirken. Kleineren Thieren kann darauf ein Bad von 1618deg; C. gegeben werden, welches in etwa zwei Stunden allmählich auf 38 n gebracht wird. Subcutan findet Aether und Kampfer Anwendung, um die Herzthätigkeit anzuregen, innerlich Alkohol. Bei Störungen der Athmung leite man künstliche Respiration ein.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
XI. Die Krankheiten der Knochen.
|
|||
|
|
|||
|
|
1. Entzündung: der Knochen. Ostitis. Periostitis. Osteomyelitis.
Die unmittelbare anatomische Verbindung, wie auch der physiologische Zusammenhang des Knochengewebes mit dem Periost auf der einen und dem Markgewebe auf der anderen Seite erklärt, dass die Krankheitsprocesse, namentlich die entzündlichen Vorgänge von einem Bestandtheil des Knochens auf den anderen leicht übergreifen. Nicht selten leiden jedoch einzelne Abschnitte allein, so dass man z. B. eine Entzündung der Tela ossea (Ostitis), der Beinhaut (Periostitis) und des Knochenmarkes (Osteomyelitis) unterscheiden kann. Verlaufen auch die entzündlichen Processe hierselbst im allgemeinen ebenso wie in den bindegewebigen Weichtheilen, so übt doch sowohl die physikalische Beschaffenheit des Knochengewebes wie auch der geringfügige Stoffwechsel in demselben einen Einfluss auf die entzündlichen Vorgänge aus und verleiht ihnen mancherlei Eigenthümlichkeiten.
|
||
|
|
|||
|
|
a) Die Entzündung des Knochengewebes (Ostitis). In der Tela ossea gehen die entzündlichen Vorgänge von den Blutgefässen und dem Markgewebe der Havers'schen Kanäle aus, während die harte Knochensubstanz erst im weiteren Vorlaufe an den Vorgängen Theil nimmt.
Die entzündlichen Processe zeigen sich hier analog den physiologischen Vorgängen, indem sie entweder mit Neubildung oder mit Rückbildung von Knochengewebe verbunden sind. Demnach unterscheidet man eine Ostitis ossificans und eine Ostitis rarefaciens. Die erstere stellt einen regenerativen Vorgang dar, durch den an Stelle von Markgewebe Knochensubstanz gebildet wird, so dass der Knochen eine grössere Dichtigkeit und Härte erlangt (Osteosclerose oder condensirondc, regenerative Ostitis). Bei der zweiten Form
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Ostitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;885
findet unter Wucherung des Markes und Vergrösseruug der Markräume Einschmelzung des Knochens statt; der Knochen wird hierbei weicher und poröser (Osteoparosis, usurirende oder degenerative Ostitis); dabei treten oft Granulationen auf, die von den Blutgefässen und dem in den Havers'sehen Kanälen gelegenen Markgewebe ausgehen; man spricht alsdann von einer Ostitis fungosa, weil die Granulationsmassen häufig pilzartig aus den Knochen hervorwuchern.
Die Ostitis ossificans bildet in der Regel das Ergebniss leichter, oder chronischer Reizungen, während die r are ficir ende Ostitis vornehmlich bei intensiveren und besonders infect lösen Processen auftritt. Nicht selten laufen beide neben einander ab, indem im Mittelpunkte der Erkrankung eine rareficirende, in der Umgebung ossifi-cirende Entzündung besteht.
Angeregt wird die Entzündung der Tela, ossea meist durch locale Reizungsprocesse (Verwundungen mit Eiterung), nur selten geht der Anstoss von im Blute circulirenden Substanzen aus (hämatogene Ostitis). Ausnahmsweise greift umgekehrt die Entzündung vom Periost oder dem Markgewebe auf die Tela ossea über. Die Ostitis ossificans hat häufig eine salutäre Bedeutung, indem durch dieselbe die in Folge krankhafter Vorgänge im Knochen abgeschwächte Festigkeit desselben wieder hergestellt wird; die rareficirende Ostitis dient dazu, nekrotische Knochenstücke auszustossen und infectiöse Vorgänge zu bekämpfen, bezw. Defecte auszufüllen.
Bei der condensirenden Ostitis werden nach dem Vorbilde der physiologischen Knochenbildung neue Knochenmassen auf die alten gelagert, und da dieser Vorgang besonders von den Havers'schen Kanälen ausgeht, so müssen diese kleiner, enger, der betreffende Knochen dichter werden. Der Process schliesst sich also der chronischen Entzündung der Weichtlieile, namentlich des Bindegewebes an, welche ebenfalls mit Neubildung von Gewebe (Induration) verbunden ist.
In chirurgischer Hinsicht ungleich wichtiger erscheint die rareficirende Ostitis, welche ihr physiologisches Analogem in der Markraumbildung findet. Die von den Gefilssen und den übrigen Weich-theilen der Havers'schen Kanäle ausgehenden Wucherungen (Granulationen) bewirken eine Einschmelzung der Knochensubstanz, und zwar nicht gleichmässig, sondern in Form kleiner Ausbuchtungen derselben (lacunäre Resorption). Auf welche Weise diese Einschmelzung zu Stande kommt, bildet auch heute noch Gegenstand von Meinungsverschiedenheiten. Ofienbar ist es die Wirkung des lebendigen Plasma der Granulationsmasson oder besonderer Elemente. Man findet
|
||
|
|
||
|
mmmm^m!m
|
|||
|
|
|||
|
|
;53()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der üelenke.
nämlich an der Oberfläche des in der Einschmelzung befindlichen Knochens ungewöhnlich grosse, rundliche, oder mit Ausläufern versehene, vielkernige Zellen, wie sie auch bei der physiologischen Umwandlung des Knochengewebes in Markgewebe angetroffen und als Osteoklasten bezeichnet werden. Diese sollen nach Kölliker unter dem Einflüsse des höheren Druckes, wie er durch die Entzündung ver-anlasst wird, die leimgebende Substanz des Knochens mit ihren Salzen auflösen, also auf chemischem Wege (Kohlensäure ?) einschmelzen. Andere (Po mm er) lassen diese Wirkung von den Blutgcfässen ausgehen, welche sich zunächst als solide Sprossen aus den vorhandenen Gefässen entwickeln, die Knochensubstanz gleichsam durchwachsen und so eine Art Vase ularisationquot; (Volkmann) des Knochens herbeiführen. Die rareficirende Ostitis beobachtet man deutlich bei Nekrose der Tola ossea; hier entwickelt sie sich in der Umgebung des abgestorbenen Kochenstückes, und führt zu einer allmühlicben Loslösung (Exfoliation) desselben; ein Vorgang, der sich also im wesentlichen der Demarcation von nekrotischen Weichtheilen anschliesst. Während dort z. ß. das Bindegewebe durch die Granulationen eingeschmolzen wird, erfolgt hier, wenn auch langsamer, eine allmählich fortschreitende Auflösung des Knochengewebes. Inmitten desselben auftretend, kann es zur Bildung eines Abscesses kommen, nach dessen Perforation die Höhle durch Granulationsmassen ausgefüllt wird, welche verknöchern und so den Defect ausgleichen; der letzte Act dieses Vorganges stellt allerdings eine Ostitis ossificaus dar.
Während sich die condensireude Ostitis oft zur Periostitis ossificaus gesellt, bildet die rareficirende Ostitis in der Regel eine Complication der Osteomyelitis.
Die klinische Diagnose der Ostitis fällt häufig schwer. Während die Ostitis ossificaus am lebenden Tliiere in der Kegel nur vermuthet werden kann, giebt sich die eiterige Kncchencntzündung durch schmerzhafte Anschwellung (Auftreibung) des Knochens, sowie durch entzündliche Erkrankung der umgebenden Weichtheile zu erkennen. Die eiterige Entzündung pflanzt sich häufig vom Knochen auf die denselben umgebenden Weichtheile fort, führt auch hier zur eiterigen Erkrankung, Phlegmone mit Abscessbildung und schliesslich zum Durchbruch nach aussen, wie man es an den Kieferknochen bei Ladendruck und gewissen Zahnleiden beobachten kann. Sobald der Abscess zur Perforation gekommen ist, lassen sich auch nekrotische Knochenstücke meist direct nachweisen.
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
Ostitis. Ostetmiyolitis,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3^7
Behandlung. Aus dem Gesagten ergiebt sich, dass die beschriebenen Vorgänge zum Tbeil eine sunitüre Bedeutung haben, also nicht gestört werden sollen. Daher erklärt sich, dass nur selten Au-lass zu therapeutischem Eingreifen gegeben ist. Gegerr die Ostitis ossificans liegt ein solcher um so weniger vor, als das Leiden kliniscb meist nicht festzustellen ist. Bei der Ostitis suppurativa kommt es dagegen ebenso wie bei Eiterungen in den Weicbtheilen darauf an, dem Eiter möglichst bald freien Abfluss zu verschaffen, und die etwa abgestorbeneu Knochenstücke zu entfernen. Wir prüfen von Zeit zu Zeit das nekrotische Knochenstiick auf seine feste Verbindung mit dem erhaltenen Knochen, und sobald sich dasselbe mobilquot; zeigt, wird es zu entfernen gesucht, und die granulircnde Wunde nach den allgemeinen Regeln behandelt. Einspritzungen von verdünnten Mineralsäuren (l0/o Salzsäure) fördern nicht nur die Ehischmelzung der nekro-tischen Knochenmassen und ihre Dissection, sondern wirken zugleich antiseptisch und sind daher bei diesen Leiden (z. B. Ladendruck) vielfach in Gebrauch.
b) Die Entzündung des Knochenmarkes (Osteomyelitis) wird mit einer Hyperämie des Markgewebes eingeleitet, das in diesem Zustande dunkelroth, oft blauroth erscheint. Die hiermit verbundene Anschwellung macht sich am durchsägten Knochen durch Vorquellen des Markes über die Schnittfläche bemerkbar. Der Hyperämie folgt bald eine lebhafte Emigration, welche in kurzer Zeit zur Resorption der Pettzellen des Knochenmarkes führt. Auf diese Weise verwandelt sich das gelbe Mark erwachsener Thierc in rothes Knochenmark des jugendlichen Alters und kann nunmehr unter Umständen verknöchern, wie es z. B. bei subeutanen Knochenbrüchen der Fall ist. Entzündliche Processe am Knochenmarke kommen im übrigen fast nur in Folge von infectiösen Vorgängen zu Stande: complicirte Fracturen, Verletzungen der Knochen (Ladendruck), sowie Alveolarperiostitis (Zahnfisteln) geben hierzu oft Veranlassung; daher stellt sich in der Regel Eiterung und Abscessbildung ein. Mit der Zunahme von Leu-cocyten (eiterige Infiltration) erlangt das Mark seine gelbe Farbe wieder, und mit der Bildung von Abscessen geht eine mehr oder weniger lebhafte Granulation einher. Die letztere übt vom Marke aus denselben Einfluss auf die Innenfläche der Tela ossea aus wie von den Havers'schen Kanälen, d. h. die Granulation des Knochengewebes wird durch sie eingeschmolzen. Hieran schliesst sich eine rareficirende Ostitis, und so K-onimt es schliesslicb zur Auflösung der Möller, allgemeine Ohlntrgle fltr Thlerärüte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;22
|
||
|
|
||
|
|
||
|
388nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Knochen.
Knochenrinde und Perforation nach uussen. Doch bevor dieses erfolgt, veranlasst der Entzündungsreiz (Infectionsstofif) in der Beinhaut zunächst eine ossificirende Periostitis mit Auflagerung neuer Knochenschichten (Knochenauftreihung); sodann werden jedoch auch diese von der rareficirenden Ostitis zerstört, die ossificirende Periostitis in eine eiterige verwandelt, die umgehenden Weichtheile erkranken phleg-monös, worauf endlich ein Durchhrnch nach aussen erfolgt. Diesen Vorgang beobachten wir sowohl bei Zahnleiden wie auch beim Ladendruck der Pferde. In der Regel sterben unter dem Einflüsse der eiterigen Osteomyelitis kleinere oder grossere Stücke der Rindenschicht des Knochens ab (centrale Nckrose), bleiben oft längere Zeit in der Markhöhle liegen und werden hier von einem neugebildeten Knochengewebe gleichsam eingekapselt.
Auch kann der Process auf die Spongiosa der Epiphysen übergreifen und auf diese Weise in benachbarte Gelenke einbrechen (secun-däre Gelenkentzündung). Während der Entwickelungsperiode des Knochensystems tritt bei dieser Ausbreitung des Processes zuweilen Einschmelzung des Epiphysenknorpels mit Ablösung der Epiphyse von der Diaphyse ein (spontane Epiphysenlösung).
Vogel beschreibt eine eiterige Osteomyelitis bei Kühen, welche sich nach dem Gebären der Thiere auf embolischem Wege entwickeln und oft auf die nachbarlichen Gelenke übergreifen soll.
Hierher scheint die von .lauson bei einem Bären in Japan beobachtete Osteomyelitis suppurativa zu gehören. Bei dem noch jungen Thiere zeigten sich die Kieferknochen, die Zwischenkiefer-beine in ihrem ganzen Umfange, die Oberkieferbeine sowie der Unterkiefer in seinen vorderen Abschnitten um das ofache aufgetrieben, so dass das Maul nicht geschlossen, die Backzähne nur bis auf 5 cm genähert werden konnten. Die Knochentafeln waren papierdünn, und unter ihnen Fluctuation bemerkbar; die Zähne gelockert. Nach Function der Knochen und Entleerung von 160 g Eiter und öfterer Reinigung mit Creolin, unter täglicher Verabreichung von Calcium-phosphat und später von Phosphor und Leberthran trat allmählich Besserung ein.
Beim Menschen beobachtet man eine spontane, diffuse Osteomyelitis, wobei namentlich die Röhrenknochen leiden. Nach den neueren Untersuchungen ist jedoch auch hier eine Infection, insbesondere mit Eiterkokken (Staphylokokken) als Ursache des Leidens zu betrachten , obgleich es häufig nicht gelingt den Infectionswcg direct
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Osteomyelitis. Periostitis.
|
;{39
|
||
|
|
|||
|
nachzuweisen. Wahrscheinlich geht die Infection unter Umstünden vom Blute aus; bei Thieren werden derartige Erkrankungen seltener beobachtet. Für die bisher als diffuse Osteomyelitis beschriebene Beobachtung fehlt ein strikter Fachweis dieses Leidens. Ullmann konnte jedoch das Leiden bei Thieren erzeugen, wenn er nach Injection von Staphylokokkus und anderen pyogenen Organismen, selbst mit Pneumoniekokken und Typhusbacillen in die Blutbahn, Knochen in gröberer Weise verletzte. Da sich die Section bei Thieren für gewöhnlich auf bestimmte Körperorgane zu beschränken pflegt, und namentlich die Röhrenknochen selten genauer untersucht werden, so erscheint das Vorkommen der spontanen, diffusen Osteomyelitis auch hier nicht ausgeschlossen, und dürfte namentlich die pyämische Nabel-infection besondere Aufmerksamkeit verdienen.
Dagegen läuft bei Wiederkäuern und Schweinen unter dem Namen Osteomalacie ein Krankheitsprocess in den Knochen ab, welcher mit einer Veränderung des Knochenmarkes und der Tola ossea verbunden ist, die zur allmählichen Auflösung des letzteren führt. Schon das Fehlen von Reizungsvorgängen am Periost legt indess die Vermuthung nahe, dass es sich hier um eigenfchümliche Ernährungsstörungen handelt, die den Entzündungprocessen nicht zuzuzählen sind.
Mit grösserer Berechtigung dürfte die bei Pferden und zwar anscheinend in Folge einseitiger Ernährung auftretende sog. Kleienoder Krüschkrankheit hierher zu zählen laquo;ein, doch handelt es sich auch bei diesem Leiden nicht um Infection und Eiterung, sondern um eine Wucherung des Markgewebes auf Kosten der Tela ossea. Die dieses Leiden begleitende Periostitis (Knochenauftreibung), sowie die Ilöthung des Knochenmarkes (rothe Osteomalacie, Pütz) lässt vermuthen, dass es sich um Reizungsvorgänge im Knochen bandelt. Auch spricht die Ausbreitung der Veränderungen auf mehrere oder fast alle Skelettknochen für die Wirkung des Reizes vom Blute aus. Diese namentlich bei anämischen Thieren im jugendlichen Alter auftretenden Störungen haben jedoch bisher ein ebirurgisebes Interesse nicht erlangt.
|
|||
|
|
|||
|
c) Die Entzündung der Beinhaut (Periostitis). Nicht die äussere, vornehmlich aus Bindegewebsfasern bestehende, zellen- und blutgefässarme, sondern die innere, dem Knochen unmittelbar aufliegende, gefäss-und zellenreicbeSchicht (Bildungs- oder Cambium-schicht) leidet hierbei in erster Linie. Diese Bildungsschicht, so genannt, weil während der Kntwickelung von ihr aus das Dickenwachs-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
340nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Knochen.
thmn des Knockons sich vollzieht, besteht aus einer grösseren Anzahl rundlicher, oft abgeplatteter und mit Fortsätzen versehener Zellen (Osteoblasten); auch enthält sie zahlreiche, feine, elastische Fasern (Sharpey'sohe Fasern), welche sich mit den Blutgcfiissen und Nerven direkt in den Knochen einsenken. Sehr natürlich daher, dass entzündliche Erkrankungen des Periost in erster Linie für den Knochen selbst eine Bedeutung erlangen und häufig mit entzündlichen Processen an der Tela ossea verbunden sind (Osteop erlöst it is).
Vom chirurgischen Standpunkte genügt die Unterscheidung einer Periostitis ossificans, suppurativa und fibrosa.
Bei der P. ossificans erkrankt vorzugsweise die Bildungs-schicht, welche nach Einwirkung des Entzündungsreizes in Folge lebhafter Gefässfüllurig stärker geröthet (gelbrötlilich) erscheint. Durch exsudative Vorgänge und Wucherung der zelligen Elemente, namentlich der Osteoblasten nimmt sie eine gallertige Beschaffenheit an und lässt sieh ungewöhnlich leicht vom Knochen abziehen. Die durch Wucherung der zelligen Elemente entstandenen Massen verknöchern alsbald, und so lagern sich neue Knochenmassen auf den alten, ganz nach dem Vorbilde des Dickenwachsthums des Knochens. Man nennt diese Knochenauflagerungen Osteophyten, Exostosen oder Hyper-ostosen. Sie bestehen bald aus zusammenhängenden Knochenmassen. bald besitzen sie mehr oder weniger spitze Erhabenheiten. Die Ver-knöcherung der neugebildeten Massen geht nur langsam und nicht so regelmässig wie bei der physiologischen Knochenentwickelung von statten, sondern erfolgt meist netzförmig. Daher fühlt sich die Exostoso zunächst weich an, indem zwischen den verknöcherten Netzwerken noch nicht verknöcherte Massen liegen (primäre Spongiosität): im macerirten Zustande erscheint diese Neubildung porös, daher die Bezeichnung Osteophyt. Allmählich verknöchert auch die Zwischensubstanz, die Masse wird nun fester und dem normalen Knochen ähnlicher (Exostose s. Hyperostose, primäre Eburneation). Hört der Reizungsprocess auf, so kann ein Theil der Exostose ähnlich wie die Narbe durch Resorption verschwinden; es bilden sich Markräume in derselben (seeundäre Spongiosität), und genau so wie in der Narbe kommt es ZU einer allmäb liehen Verkleinerung der Knochenauflagerung. Während der Entwickelung des Knochensystoms trägt ein vermindertes Dickenwaclisthum an der betreffenden Stelle zum Ausgleich und zum Verschwinden der Exostose noch bei.
de langsamer die Periostitis abläuft, um so dichter und compacter
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Periostitis.
|
841
|
||
|
|
|||
|
wird die Exostose; je schneller die Entwickelung derselben, um so weniger fest erscheint dieselbe, um so grosser aber bleibt die Aussicht auf ein späteres Verschwinden oder doch Verkleinerung derselben.
Unter Umständen greift die entzündliche Reizung auf das umliegende Bindegewebe über, welches ebenfalls in einen Wucherungs-process versetzt wird und darauf verknüchem kann. Man spricht von einer Parostitis ossificans, die namentlich beiContinuitätstrennungen im Periost aufzutreten pflegt.
Die knochenbildende Periostitis bildet in der Regel die Folge mechanischer Reizungen, wie sie bei der exponirten Lage des Periosts bei Thieren nicht selten vorkommen; doch nur bei aseptischem Zustande tritt diese Form der Entzündung ein.
Der Reizungsprocess am Periost geht nicht selten von den Gelenken aus, setzt sich von hier aus auf das benachbarte Periost fort, z. B. beim Spat und der Schale, oder die EntzUndimg läuft in den Bändern und Sehnen ab, deren Ansatzstellen alsdann Sitz der Exostosenbildung werden. Barrier gelangt auf Grund seiner Untersuchungen zu dem Schlüsse, dass die meisten periarticuliiren Exostosen von den Insertionspunkten der Haftbänder ausgehen. Durch Zerrung der Bänder entsteht Reizung des Periosts, wodurch eine productive Entzündung in demselben angeregt wird. Mangelhafter Bau der Gelenke verleiht namentlich bei Pferden eine Prädisposition zu diesem Leiden, welche andererseits durch Benutzung der Thiere zu schweren Dienstleistungen unterstützt wird, namentlich wenn dieses im jugendlichen Alter geschieht, d. h. solange die Knochenbildung noch nicht abgeschlossen ist. Barrier geht so weit, aus dem Auftreten von Exostosen zu schliessen, dass es sich niemals um eine Sehne, sondern stets um die Wirkung von Haftbändern handele, eine Annahme, die in der bei weitem grösseren Anspannung der Bänder ihre Erklärung findet; durch Muskelaction kommt eine derartige Hcizwirlaing selten zu Stande, weil die Wirkung derselben im Vorgleich zur Zugkraft der Bänder nur gering ist.
|
|||
|
|
|||
|
Periostitis suppurativa. Treten in der Gambiumscbicht entzündliche Processe auf, die von Infectionen, namentlich mit Eiterkokken ausgehen, so kommt es auch hier zur Eiterung, es entstellt eine Periostitis suppurativa. In der an Zollen reichen Bildungsschicht entwickelt sich zunächst eiterige Infiltration, sodann erfolgt in der Regel Abscedirung. Durch den Eiter wird der Periost von der Tela ossca abgehoben (P. dissecans), die Gefässe, welche vom
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
;342nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Knochen.
Periost in den Knochen eindringen, zerreissen oder tlirombosiren, wodurch die Ernährung der llindcnschicht des Knochens gefährdet wird, und die Oberfläche desselben häufig nekrotisirt. Doch tritt dieser Ausgang nicht immer ein, weil zuweilen von den tieferen Knochenschichten eine ausreichende Ernährung des Knochens unterhalten wird. In letzterem Falle entwickeln sich auf der Oberfläche des Knochens sowohl wie auch an der von ihm abgehobenen Innenfläche des Periosts Qrauulatiousmassen, die mit einander verwachsen und später verknöchern können. War ein Stück Knochen abgestorben, wie es namentlich bei ausgebreiteter Periostitis und ausgedehnter Ge-fässtbrombose leicht vorkommt, so kann der Heilungsvorgang nur auf Umwegen erfolgen. Zunächst entstellt in der Umgebung des Sequesters eine rareficirende Ostitis, welche die Rolle der dernarkiren-den Entzündung in den Weichtheilen übernimmt und das nekrotische Kiiüchenstück ablöst; dann folgt nach Entfernung des Sequesters Ausfüllung des Defectes mit Granulation, welche mit dem Periost verwächst und verknöchert, so dass auch für das verloren gegangene Knochen stück ein Ersatz geleistet wird.
Die Periostitis fibrosa besteht in einer Verdickung der äusseren Periostschicht und entwickelt sich in der Regel durch Uebergreifen von Entzündungsprocessen von aussen auf diese Schicht, ohne dass die Bildungsschicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Der Vorgang ist chirurgisch nur von untergeordneter Bedeutung, kann jedoch durch Verknöoherung der neugebildeten Massen oder durch Uebergreifen der Entzündung auf die Cambiumschicht zur Bildung von Exo-stosen führen, wie es bei schweren entzündlichen i'roccssen in der äusseren Haut, z. B. bei der Brandmauke beobachtet wird.
Nekrose und Caries der Knochen. Im Verlaufe entzündlicher Processe sterben nicht selten kleinere oder grössere Stücke der Knochen ab. Erfolgt dieses in grüsserer Ausdehnung und mit Erhaltung der Form, so spricht man von Nekrose; stirbt dagegen die Knochenmasse in kleineren Partikeln langsam und unter Auflösung derselben ab, so bezeichnet man den Vorgang als Caries. Beides beruht auf einer Unterbrechung der Ernährung des Knochens, wozu sowohl vom Periost als auch vom Marke und der Tela ossea selbst der Anstoss ausgehen kann. In der Regel handelt es sich um eiterige Processe an dem einen oder anderen dieser Abschnitte des Knochens. Embolische Processe im Knochengewebe sollen nach den
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Nokrose und Caries der Knochen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;343
heutigen Anschauungen nicht durch die hiermit verbundenen Cir-culationsstörungen allein Knochennekrose bewirken, wohl aber durch die mit ihnen ablaufende metastatische Ostitis. Zuweilen leitet eine eiterige Periostitis an der Aussenfläche, den Generallamellen die Nekrose ein (periphere Nekrose); die vom Knochenmark ausgehende Nokrose nennt man centrale'. Wo auch immer die Nekrose einsetzen mag, überall leitet der abgestorbene Theil (Sequester) durch Reizung als Fremdkörper eine rareficirendc Ostitis ein, welche sich ebenso wie die demarkirende Entzündung in Weichtheilen verhält, d. b. den Sequester durch Einschmelzung von dem umliegenden Knochen allmählich loslöst; bei geringem Umfange der Nekrose kann hierdurch eine vollständige llesorption des Sequesters erfolgen, während anderenfalls bei peripherer Nekrose das abgestorbene Knochenstück auf diese Weise abgehoben und elhninirt wird, worauf Granulationsmassen den Defect ganz oder doch theilweise ausfüllen und schliesslich selbst verknöchern. Bei centraler Nekrose bildet die verknöcherte Granulation eine den Bindegewebskapseln in Weichtheilen entsprechende Umhüllung des Sequesters (Todtenlade), die in der Regel durch verschiedene Löcher und Kanäle (Kloaken) mit der Oberfläche des Knochens in Verbindung steht. Aber auch die centrale Nekrose kann schliesslich zur Ausstossung des Sequesters führen, indem eine rareficirendc Ostitis dem Sequester durch die ihn bedeckende Knochenmasse eine Bahn bricht. Während dieser Vorgang abläuft, stellt sich an der Knochenoberfläche durch entzündliche Reizung eine ossificirende Periostitis ein, wodurch immer neue Knochenmassen auf den alten gelagert werden (Knochenauftreibung).
Im Verlaufe infectiöser Entzündungen kommt es nicht selten zu einem allmählich fortschreitenden Abstorben kleinster Thoile des Knochens, ohne dass ein nachweisbares Sequester entsteht, ein Vorgang, der als Knochen caries bezeichnet wird. Hierbei entstehen Höhlen und Pistelgänge im Knochen, die in dor Regel nach ausson münden: rotzige, tuberculöse, aktinomykotische und ähnliche Infectionen pflegen den Ausgangspunkt dieses Vorganges zu bilden.
Ursachen. Als ursächliche Momente wirken bei den entzündlichen Erkrankungen des Knochens thcils dispositioneile Verhältnisse, z. B. bei der Periostitis jugendliches Alter, in welchem die physiologische Thätigkeit, namentlich die lebhafteren Ernährungsvorgänge entzündliche Processe im Periost begünstigen. Den Anstoss zur Periostitis geben theils mechanische Reize (Quetschung, Zerrung), theils
|
||
|
|
||
|
|
||
|
344nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Knochen.
Traumen mit Infection (complicirte Fracturcn, Knochcnvvunden). Endlich können entzündliche Processe aus der Nachbarschaft auf das Periost iihergreifen (Gelenkentzündung, Mauke). In gleicher Weise gesellt sich zur Osteomyelitis und Ostitis purulenta entzündliche Reizung des Periosts, welcher zunächst mit Knochenauflagerung, schliess-lich aber mit eiteriger Erkrankung und Perforation verbunden zu sein pflegt.
Die Ostitis gesellt sich häufig zur Periostitis (Osteoperiostitis) oder zur Osteomyelitis, doch köiineii Knochenwunden und complicirte Fracturcn direct eine Entzündung der Tola ossea hervorrufen.
Die Osteomyelitis suppurativa zerfällt in eine traumatische und eine spontane. Die letztere, welche beim Menschen vorzugsweise jugendliche, anämische Individuen befällt, wird nach den heutigen Anschauungen auf Infection mit Eiterkokken zurückgeführt (S. 338); zuweilen geht dieselbe von Wunden aus. Bei Thieren bildet spontane Osteomyelitis eine seltenere Erkrankungsform.
Klinische Erscheinungen. Am lebenden Thiere treten diese Processe mit ungleicher Deutlichkeit hervor. Während die Periostitis an oberflächlich gelegenen Knochen durch grosse Schmerzhaftigkeit auf Druck (an den Gliedmassen durch Lahmheit) sowie durch eine mehr oder weniger harte Anschwellung sich bemerkbar macht, lässt sich die Ostitis und Osteomyelitis in der Regel erst mit Sicherheit erkennen, wenn das Periost und die anliegenden Weichtheile Antheil an der entzündlichen Erkrankung genommen haben; d. h. wenn Knochen-auftreibung, Ab.scesse oder Fisteln entstanden sind, deren Zusammenhang mit dem Knochen durch Anwendung der Sonde regelmässig nachzuweisen ist.
Bemerkt sei indess, dass beim Menschen die eiterige Osteomyelitis in Röhrenknochen stets mit erheblichen Schmerzen und in der Regel auch mit Fieber verbunden ist. Lassen sich durch die Untersuchung entzündlicher Processe in den Weichtheilen sowie schmerzhafte Gelenk-erkrankungen an einer lahmen Gliodmasse ausschliessen, so gelangt man auch bei Thieren zur Diagnose eines derartigen Knochenleidens. Dabei bleibt zu beachten, dass die eiterige Osteomyelitis in das benachbarte Gelenk einbrechen und zu eiteriger Erkrankung desselben führen kann (S. 3:58).
Die Periostitis suppurativa pflegt ebenfalls mit lebhaften Schmerzen und zugleich mit Fieber verbunden zu sein. Die anfangs feste Anschwellung nimmt allmählich Fluctuation an, es kommt zur Perforation
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Diagnose und Therapie.
|
345
|
||
|
|
|||
|
nach aussen, und wo zugleich Ostitis oder Osteomyelitis besteht, entleert sich Eiter von übelriechender Beschaffenheit (Knocheneiter), Vorgänge, wie sie namentlich an den Kieferknochen bei Zahnleiden und Ladendruck, sowie auch am Brustbein der Pferde (Brustbein-fistel) beobachtet werden.
Bei Knochennekrose lassen sich die Sequester oft direct nachweisen, während die Sonde über die Gegenwart von Fisteln Aufschluss giebt. Der vom Periost entblösste nekrotische Knochen zeigt eine glatte Oberfläche und eine weisse Farbe. In manchen Fällen muss aus dem örtlichen Auftreten und dem chronischen Verlauf des Ent-zündungsprocesses auf die Gegenwart von Ostitis bezw. Nekrose oder Caries und Osteomyelitis geschlossen werden; bei Widerristfisteln lässt grössere Schmerzhaftigkeit Nekrose der Dornfortsätze der Wirbel ver-muthen.
|
|||
|
|
|||
|
Therapie. Abgesehen von der ätiologischen Indication fällt der Behandlung bei Periostitis ossificans die Aufgabe zu, den Wucherungs-process in der Bildungsschicht des Periosts zu bekämpfen. Im ersten Stadium kann daher wohl Kälte angezeigt sein, namentlich um grössere Schmerzen zu lindern; im ganzen aber wird hiermit nur wenig erreicht. Bei subacuten Formen leisten mehr als diese zertheilende Einreibungen (Ungt. einer.), Bepinselungen mit Tinct. jodi, und sobald die Schmerzhaftigkeit nicht gross ist, methodische Compression (Druckverband) ; wo sich der Anwendung derselben Schwierigkeiten entgegenstellen, findet alsbald eine scharfe Einreibung (Ungt. cantharid., Ungt. Hydrarg. bijodat. oder bichlorati 1 : 8) und selbst das Glüheiseu zweckinässige Anwendung. Die Wirkung dieser in der Praxis oft verwendeten und erprobten scharfen Hautreize muss auch hier vornehmlich auf den Druck zurückgeführt worden, den die entzündliche Anschwellung auf den Wucherungsprocess im Periost ausübt. Das Glüheisen kann auch in Form des Stiftes mit Nutzen verwendet werden. Die von Sewell in der Thierheilkunde eingeführte Periostomie mindert zwar durch Entspannung des entzündlich erkrankten Periosts die Schmerzen, auf den Ablauf des Processes pflegt sie jedoch keinen günstigen Ein-fluss auszuüben; dadurch, dass sie die ossificirende Periostitis leicht in eine eiterige verwandelt, kann die Periostomie unter Umständen sogar bedenklich werden; auch hüte man sich mit dem Stiftfeuer Gelenke oder Sehnenscheiden zu öffnen.
Die nach dem Ablaufe des entzündlichen Processes zurückgebliebene Exostose wird mit scharfen Hautreizen oder durch methodische
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
;{4()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Knochen.
Compression und Massage behandelt. Diese Mittel sollen durch Anregung der Resorptionsvorgänge eine Verkleinerung der Exostose herbeiführen. Es liegt auf der Hand, dass die Behandlung mit Ausdauer und frühzeitig erfolgen muss, wenn man sich erhebliches von ihr versprechen will. Exostosen mit schmaler Basis lassen sich wohl mit Hammer und Meissel oder mit Hülfe einer Säge entfernen. Die Peri-ostomie kann dagegen bei ausgebildeter Exostose nicht mehr empfohlen werden; sie regt von neuem Periostitis an und führt in der Regel nur zu einer Vergrösserung der Exostose.
Bei Periostitis suppurativa sind zunächst scharfe Hautreize zur Förderung der Zertheilung zu versuchen; sobald aber Fluctuation eintritt, erscheint die Spaltung des Abscesses angezeigt, der nunmehr eine möglichst sorgfältige Desinfection folgt, um den Ablauf der Entzündung zu beschleunigen und die Ausbreitung desselben zu verhindern.
Eiterige Ostitis und Osteomyelitis verlangen ebenfalls baldige Entleerung der Abscesse und Beseitigung der etwa vorhandenen Sequester; doch gelingt dieser Eingriff in der Regel erst, wenn die Eiterung bis zum Periost vorgedrungen ist. Alsdann punetire man die fluetuirenden Stellen und suche durch Ausspritzungen den Eiter nach Möglichkeit zu entfernen. Zur Förderung der Ablösung der Knochensequester und zur gleichzeitigen Desinfection dienen verdünnte Säuren (Salzsäure 1 : 10) oder Milchsäure (Greiner). In demselben Sinne erweist sich auch das Glüheisen nützlich; man führt in die Abscesse einen glühenden Löschspiess ein, der nicht nur desinficirend wirkt, sondern auch die Sequestration fördert.
Morris lässt bei Knochennekrose die Fistelgänge durch Einführen antiseptischer Gaze offen halten, injicirt 28 0;') Salzsäure und sucht diese Lösung möglichst lange in den Wunden zu belassen; bald darauf tritt Decalcination des nekrotischen Knochenstückes ein. Dann wird alle zwei Tage eine schwach angesäuerte Pepsinlösung injicirt. Diese Behandlung lässt Morris so lange fortsetzen, bis sich die Fistel von innen schliesst. Bei bestehender Eiterung wäscht M. die Wunde vor jeder Injection mit Wasserstoffsuperoxyd aus. Die Decalcination soll am nekrotischen Knochen schneller erfolgen als am normalen.
Bezüglich der Knochencaries gelten im allgemeinen dieselben Grundsätze, welche bei der Behandlung von Geschwüren (siehe diese) mass-gebend sind: Entfernung der abgestorbenen Massen, event, unter Beihülfe eines scharfen Löffels, Reinigung und Desinfection des Krankheitsherdes sollen eine normale Granulation und durch diese Heilung herbeiführen.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Knochenbrüche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^47
2. KnocheubrUclie. Fracturae.
Als Knochonbruch bezeichnet man das Zerbrechen oder den Zustand des Zerbrochenseins eines Knochens. Eine Fraotur kommt zu Stande, sobald die Elasticität oder die Festigkeit des Knochens durch die verletzende Gewalt überwunden wird. Die Elasticität der Knochen gestaltet sich verschieden; sie ist im jugendlichen Alter erheblich grosser als in den späteren Lebensjahren und wahrscheinlich proportional dem Gehalt der Knochen .an organischen Substanzen gegenüber den anorganischen.
Bezüglich der Festigkeit der Knochen wurden beim Menschen Versuche angestellt. Hiernach beträgt die Zugfestigkeit am Humerus 583 kg pro Quadratcentimeter, mit anderen Worten 533 kg sind erforderlich, um einen Quadratcentimeter Knochen zu zerreissen. Auch gegen Druck zeigen sich die Knochen ausserordentlich widerstandsfilhig und zwar ungofuhr ebenso wie Gusseisen und doppelt so widerstandsfähig wie Holz. Dagegen beträgt die Torsionsfestigkeit (Drehung um die Längsachse) nur ca. ö kg pro Quadratmillimeter.
Die Widerstandsfähigkeit der Knochen kann durch Erkrankungen derselben (Kachitis-Osteomalacie) und durch höheres Alter leiden; aueb will man, ähnlich wie beim Menschen, bei Thieren eine individuelle, zuweilen ererbte Fragilitas ossium (Osteopsathyrosis) beobachtet haben. So sah man (Dieckerhoff, Stockfleth) unter den Fohlen einer Familie multiple Knochenbrüche bei geringfügigen Gelegenheiten entstehen, ohne dass durch die Section krankhafte Veränderungen an den Knochen nachzuweisen waren. Dass örtliche Erkrankungen (Wunden, osteomyelitische Processe, S. .quot;{37, Tumoren) die Widerstandsfähigkeit eines Knocliens herabsetzen können, liegt auf der Hand; man bezeichnet solche Brüche als pathologische oder seeundilre.
Als äussere Gewalt wirkt bald ein Druck (Compressions-brücho), bald eine Combination von Zug und Druck (Bicgungs-brücbe), bald eine Drehung um die Längsachse (Torsionsbrüche).
Bricht der Knochen an der Stelle, wo die Gewalt einwirkt (z. B. ein Hufschlag), so nennt mau den Bruch einen directen, wobei in der Kegel die umliegenden Weichtheile mitverletzt werden (Contusionsfractur). Bei indirecton Brüchen hat die Gewalt entfernt von der Bruchstelle eingewirkt; indem sich die Wirkung derselben durch Knochen, Seimen, Bänder u. s. w. fortpflanzt, bricht der Knochen an der schwächsten Stelle, zuweilen selbst ein entfernt liegender Knochen, z. B. beim Fall auf das Maul bricht beim Pferde nicht selten
|
||
|
|
||
|
.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
348nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Knochen.
das Keilbein (Fracture par coutrecoup). Die fracturireude Gewalt kann von aussen einwirken (Hufschlag) oder durch plötzliche Hemmung des in der Bewegung befindlichen Körpers (Sturz, Durchgehen) entstehen (Contusionsfractur) oder endlich von den eigenen Muskeln des Körpers ausgehen. So entstehen bei Pferden durch heftige Muskelcontractionen nicht selten Wirbelbrüche.
Es handelt sich also in jedem Falle um eine Ueberdehnung oder um eine Ubermässige Druckwirkung auf den Knochen, welche zur Continuitätstrennung in demselben führt.
Nach dem Grade der Trennung unterscheidet man eine Frac-tura completa und incompleta. Bei der ersteren wird der Knochen vollständig und wenigstens in zwei Stücke getrennt. Je nach der Richtung der Trennung werden Längsbrüche (Fr. longitudinales), Querbrüche (Fr. transversales) und Schrilgbr liehe (Fr. obliquae) unterschieden. Die erstere Form beobachtet man häufig am Fesselbein des Pferdes, Querbrüche kommen an den Rippen, Schrägbrüche nicht selten an den grösseren Röhrenknochen vor. Die Abtrennung eines kleineren Stückes vom Knochen nennt man einen Rissbruch. Ist der Knochen nur in zwei Stücke getrennt, so spricht man von einem einfachen Bruch (Fr. simplex); beim Splitterbruch (Fr. comminutiva) ist der Knochen in eine grössere Anzahl Stücke zertrümmert. Findet die Zersplitterung durch Druckwirkung (Zermalmung) statt, so heisst der Bruch eine Fr. conquassata. Beim Doppelbruch ist der Knochen an zwei verschiedenen Stellen gebrochen ; brechen mehrere Knochen zugleich, so spricht man von einem mehrfachen Bruche.
An unvollständigen Brüchen werden unterschieden:
1.nbsp; nbsp;Subperiostale Fracturen, wobei das Periost nicht durchtrennt ist; sie kommen selten und nur im jugendlichen Alter vor, so lange das Periost noch dick, saftreich und lose mit dem Knochen verbunden ist.
2.nbsp; nbsp;Fissuren oder Spaltbvüche d. h. schmale Spalten, die nicht durch den ganzen Knochen gehen, etwa wie der Sprung in einem Teller. Sie werden am häufigsten am Fesselbein und Unterschenkelbein des Pferdes beobachtet.
Im Jahre 1891 kamen in der preussischen Armee Fissuren bei Pferden vor; am Fesselbein Oraal, am Unterschenkel 4inal, am Kronenbein 2mal, am Vorarm und Ellenbogenbein je einmal.
3.nbsp; nbsp;Bei Infractioncn (Knickbrüche), wird durch Biegung, z. B. eines langen Röhrenknochens, die Rinde an der coneaven Seite
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Knochenbrücho.
|
349
|
||
|
|
|||
|
eingeknickt oder an der convexeu durchrissen; sie bilden also unvoll-stimdige Querbrüche und kommen ebenfalls nur an den elastischen Knochen jugendlicher Individuen vor.
Trennungen eines Knochens im Epiphysenknorpel, wodurch die Epiphyse von der Diaphyse abgelöst wird, heissen Epiphysen-lösungen und kommen sowohl durch mechanische Einwirkungen an gesunden Knochen zu Stande (traumatische Epiphysenlosung), oder die Trennung wird durch Krankheitsprocesso am Knorpel, z. B. in Folge von Osteomyelitis, vorbereitet bezw. allein hervorgerufen (spontane Epiphysenlösung, S. 338). Der Vorgang steht also etwa zwischen einer Fractur und einer Verrenkung.
Praktisch wichtiger als die besprochenen Unterscheidungen ist die Trennung in subeutane und complicirte Brüche. Als sub-cutan bezeichnet man eine Fractur, wobei die Bruchstelle mit der äusseren Luft nicht communicirt. Besteht dagegen eine Trennung in den die Fractur bedeckenden Weichtheilen und zugleich in der äusseren Haut, so dass von aussen den Tnfectionsstoffen ein Zutritt zur Bruchstelle ermöglicht wird, so nennt man den Bruch einen complicirten. Die Verletzung der Weichtheile kann von derselben Gewalt ausgehen, welche den Bruch veranlasste, z. B. von einem Hufschlag, oder aber die Stücke des zerbrochenen Knochens führen diese Trennung herbei. Der erste Fall liegt bei jeder Knochenwunde vor; durchdringt eine solche die Tela ossea des Knochens, so spricht man wohl von einer .Durchstossungsfracturquot;.
|
|||
|
|
|||
|
Die Diagnose stösst bei vollständigen Brüchen selten aufgrössere Schwierigkeiten; bei Fracturen an den Gliedmassen lallt zunächst die abnorme Beweglichkeit und das Unvermögen auf, das Glied zu belasten. Die in der Kegel nach allen Seiten vergrösserte Beweglichkeit im Verein mit einer oft veränderten Stellung oder Haltung des Gliedes zeigt sich in den meisten Fällen geradezu als pathognoiuisch für den Knochenbnich, Bei Luxationen ändert sich zwar auch die Lage und Richtung der Gliedmasse oft, doch erscheint hier die Beweglichkeit nach der einen Richtung abnorm frei, nach der anderen dagegen eingeschränkt. Auch bei passiven Bewegungen zeigt sich das Glied beim Knochenbruch nach allen Seiten abnorm beweglich: bei Brüchen des Hufbeins, Beckens u. s. w. fehlt dieses Symptom allerdings. Hierzu gesellt sich die Crepitation, das Beiben der Bruchstücke an einander, welches sieb sowohl durch das Gehör, wie auch beim Erfassen des Gliedes als ein hartes, knarrendes Geräusch zu
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
:{50
|
Krankheiten der Knochen.
|
|||
|
|
||||
|
erkennuu giebt, am deutlichsten, wenn man den gebroclienen Knochen selbst erf'asst. Dieses Symptom tritt allerdings nur bei vollständigen Brüchen hervor und kann unter Umständen auch hier fehlen, so namentlich, wenn die Fragmente sich von einander entfernt haben oder Woichtheile zwischen dieselben gelagert sind; ebenso fehlt es oft bei älteren, bereits in der Heilung begriifenen Brüchen. Durch Palpation lässt sich in der Regel eine Verschiebung der Bruchstil ehe feststellen. Diese ,Dislocationquot; kann zwar durch dieselbe
|
||||
|
|
||||
|
Fisr. 58
|
||||
|
|
||||
|
Fig. 52.
|
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
IMslocatio ad axin.
|
Dislocatio ad bins.
|
|||
|
|
||||
|
Gewalt veranlasst sein, welche den Bruch hervorrief (primäre Dislocation), in der Regel aber entsteht sie durch die Wirkung der Muskeln, Sehnen und Fascien, indem die Bruchstücke dem Zuge derselben folgen, oder es ruft endlich die Schwere des Gliedes die Dislocation hervor (seeundäre Dislocation). Hiernach gestaltet sich auch die Dislocation verschieden. Man unterscheidet:
1.nbsp; nbsp;Dislocatio ad axin, wenn die Achsen der Bruchstücke einen Winkel bilden (Fig. 52), der zuweilen zu sehen, meist aber zu fühlen ist.
2.nbsp; nbsp;Dislocatio ad latus (Fig. 58), wenn die Bruchstücke seitwärts an einander verschoben sind. Die Erkennung dieser Lageverände-rung ist weniger leicht, macht sich indess bei oberflächlicher Lage des
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Knochenbrüche.
|
351
|
||
|
|
|||
|
Knochens durch eine grössere Dicke des Gliedes an der Bruchstelle bemerkbar. Rücken die Knochenstucke in seitlicher Richtung ganz von einander ab, so dass sie sich nicht mehr berühren, so spricht man von einer Disl. ad long, mit Diastase. Oft ist dieselbe verbunden:
'S. mit Dislocatio ad longitudinem, wobei die Stücke in der Längsrichtung des Knochens verschoben werden. Am meisten zeigt sich dieselbe an schrägen Brüchen der Röhrenknochen, indem die Elasti-cität der Muskeln, Sehnen und Bänder sowie die Contractionen der Muskeln einen Zug auf die Fragmente ausüben (Disloc. ad long.
|
|||
|
|
|||
|
Fig. 54.
|
|||
|
|
|||
|
|
Fig. 55.
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Dislocatio ad lonsitudinem cum con-tractiono.
|
Diglooiktio ad longitudinem oum distractione.
|
||
|
|
|||
|
cum contractione, Fig. 54); das Glied wird alsdann verkürzt oder die Bruchstücke entfernen sich von einander (D. ad long, cum distractione, Fig. 55), wobei die Gliedmasse eine Verlängerung erfährt. Zuweilen schieben sicli Knochenstücke in einander (Einkeilung, Implanation). Auch kann Dislocatio ad axin mit Disloc. ad longitudinem verbunden sein.
4. Praktisch wichtig zeigt sich die Dislocatio ad peripheriam, welche in einer Drehung des einen oder anderen Knochenstückes um seine Längsachse besteht. An den Gliedmassen kennzeichnet sich diese Verschiebung durch die veränderte Stellung (Pronation oder Supination) der unteren Abschnitte derselben, ein Umstand, der bei Anlegung des Verbandes nicht übersehen werden darf.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
352nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Knochen.
Die Dislocation trifft man natürlich niemals bei unvollständigen BrUohen, auch kann sie bei vollständigen fehlen; hier tritt sie jedoch regelnlässig ein und giebt sich durch die veränderte Stellung des Gliedes schon dem Auge zu erkennen ; bei oberflächlicher Lage des gebrochenen Knochens lilsst sich dieselbe auch fühlen, und führt hier leider oft zu Verletzungen der Weichtheile und der äusseren Haut, zur Bildung eines complicirten Bruches, dessen Fragmente oft direct gesehen werden können, so dass über dessen Gegenwart kein Zweifel besteht.
quot;). Zu diesen Symptomen gesellen sich Schmerz und Functions-störungen, welche an den Gliedmassen als Lahmheit, an den Rippen als Athembeschwerden, an den Wirbeln in Gestalt einer Lähmung hervortreten. Verletzungen des Periosts und der Weichtheile bedingen vornehmlich den Schmerz ; daher auch Bewegungen, die mit Verschiebungen der Fragmente verbunden sind, lebhafte Schmerzen hervorzurufen pflegen, ein Umstand, der ebenfalls bei der Untersuchung zu berücksichtigen ist. Die Functionsstörungen hängen theils von den Schmerzen ab, theils sind sie die Folge der gestörten Festigkeit der Knochen, z. B. an der Gliedmasse bei Belastung derselben, theils ruft der Bruch diese erst in weiterer Folge hervor, z. B. Lähmung beim Wirbelbruch durch Quetschung des Rückenmarkes.
Bei weitem schwieriger fällt die Diagnose der ineompleten Fractur. Fissuren geben sich indess durch die Ausbreitung der Schmerz-haftigkeit bei der Palpation in einer Linie von bestimmter Richtung zu erkennen; am Fesselbein des Pferdes z. B. von der Mitte des vorderen oberen Gelenkrandes gegen das untere Ende dieses Knochens. Doch kann bei Fissuren der Schmerz fehlen, wie es namentlich bei intactem Periost, z. B. bei Fissuren an der Tibia der Fall zu sein pflegt.
Infractionen, welche bei Thieren indess nur selten vorkommen, lassen sich noch seltener bei Lebzeiten genauer nachweisen, in der Regel jedoch aus den heftigen Schmerzen bei intacter Beschaffenheit der Weichtheile vermuthen.
Der Verlauf der Knochenbrüclie gestaltet sich bei den kleineren Thieren im ganzen günstig, indem bei entsprechender Behandlung regelmässig in 36 Wochen Heilung erzielt wird. Bald nach dem Auftreten des Bruches stellt sich durch Bluterguss aus den zerrissenen Gefässen Anschwellung ein, welche an den beiden folgenden Tagen noch zunimmt, dann einige Tage unverändert bleibt, um sich alsdann langsam wieder zurück/.uhilden. Etwa 8 Tage nach der Verletzung
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Knochenbrüche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 353
erscheint die Anschwellung an der Bruchstelle liart und ist weniger schmerzhaft, nach etwa 3 Wochen bereits knochenhart, während die abnorme Beweglichkeit verschwunden ist, und nach einigen Tagen findet oft schon die Belastung der gebrochenen Gliedmasse statt, ein Zeichen, class die Wiedervereinigung erreicht ist. Anders gestaltet sich das Verhältniss beim Pferde und Rinde. Vollständige Brüche der grösseren Eöhrenknochen Averden hier in der Regel nicht geheilt und zwar aus dem einfachen Grunde, weil die Anlegung eines festen Verbandes bei diesen Thieren auf grosse, oft unüberwindliche Schwierigkeiten stösst und dann, weil diese Thiere nicht im Stande sind, andauernd zu liegen noch auch mehrere Wochen hindurch unausgesetzt den gegenüberstehenden Fuss zu belasten. An letzterem stellt sich in Folge der andauernden Belastung Hufbeinsenkung und damit Unvermögen auf dem Fusse zu stehen ein; es entwickelt sich Decubitus, an dessen Folgen die Thiere alsbald sterben, wenn sie nicht früher getödtet werden, üass aber auch bei Pferden unter günstigen Umständen Brüche der verschiedenen Knochen der Gliedmassen heilen können, beweisen Beobachtungen, die in der Literatur mitgefcheilt wurden; die Wiedervereinigung verlangt jedoch eine Zeit von 612 Wochen, während bei den Vögeln dieser Vorgang selten mehr als 14 Tage in Anspruch nimmt.
Allerdings können auch bei kleinen Thieren der Heilung Schwierigkeiten entgegentreten. So gestaltet sich der Vorgang ungünstiger bei complicirten Fracturen und G elenkbr ü clicn, d. h. wenn die von der Gelenkkapsel unischlüssenon Theile des Knochens von der Trennung betroifen wurden.
Nachdem die Consolidation sich vollzogen und das Glied wieder gebraucht werden kann, verliert sich auch der während der Unthätig-keit in den Muskeln eingetretene Schwund sowie die Steifigkeit in den Gelenken, welche zum Theil eine Folge von Retractionen in Muskeln, Sehnen und namentlich in den Kapselbändern der Gelenke bildet.
Heilungsvorgänge. Die Heilung der subeutanen Knochen-brüche erfolgt nach dem Vorbilde des normalen Knochenwachsthumes und ebenso wie die Heilung einer Wunde per prim, intentionem. Das aus den zerrissenen Gefäs.sen zwischen die Knochenendeu und in die zerrissenen Weichtheile ergossene Blut gerinnt alsbald. Dieses Blut sollte nach den ehemaligen Anschauungen (Hunter) die Grundlage für die Heilung abgeben, eine Annahme, die iudess nicht zutrifft.
Möllor, Allgemeine Ohinirgle für Tliicrärztc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 23
|
||
|
|
||
|
|
||
|
354nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Knochen.
Der Bluterguss bildet stets etwas überflüssiges, wenn auch unvermeidliches. Das Blut zerfällt in den nächsten Tagen und durch Resorption seiner Zerfallsproducte entsteht häufig leichtes Fieber (Bruchfieber), welches dem aseptischen Wundfieber zur Seite zu stellen ist. Auch kommen durch Resorption des Blutes wohl Anschwellungen in den regio-nären Lymphdrüsen vor, die in diesem Zustande auf dem Durchschnitt oft rothbraun gefärbt erscheinen (S. 176). An dem Heilungs-process hat das ergossene Blut jedoch keinen Antheil; dieser geht vielmehr von dem zerbrochenen Knochen selbst aus, während die Wiedervereinigung der zerrissenen Weichtheile durch Regenerationsvorgänge in denselben zu Stande kommt. Lassen wir die letzteren, welche sich genau so, wie bei jeder Quetschung vollziehen, aus dem Auge, und richten wir unsere Aufmerksamkeit auf den gebrochenen Knochen, dessen Stücke wir uns in ihre früheren Lagen zurückgebracht denken. Schon am zweiten Tage macht sich in dem benachbarten Periost eine starke Gefässinjection und in der Bildungs- oder Cambiumschicht desselben Kerntheilung und lebhafte Vermehrung der Zellen bemerkbar. Die zelligen Elemente wachsen zu grossen, mehrkernigen, rundlichen oder polyedrischen Formen heran, welche ganz und gar den Osteo-blasten entsprechen. Diese scheiden theils direct eine Grundsubstanz aus, bilden so osteoides Gewebe, welches unter Einlagerung von Kalksalzen verknöchert, theils bilden sie zunächst ein dem embryonalen Knorpel analoges Gewebe, welches später gleichfalls verknöchert, so namentlich bei Thieren. Auch das Bindegewebe der Umgebung nimmt an den Heilungsvorgängen Antheil, indem es sich in osteoides Gewebe verwandelt und ebenfalls verknöchert. Auf diese Weise entsteht an der Aussenfläche des gebrochenen Knochens eine anfangs weichere, später durch Verknöcherung fest werdende Masse, Callus genannt. So lange derselbe weich ist, heisst er auch wohl provisorischer, vollständig verknöchert definitiverquot; Callus, Bezeichnungen, welche der ehemaligen Vorstellung entstammen, wonach der zuerst gebildete, provisorische Callus, mit dem später entstehenden definitiven nicht identisch war, sondern diesem Platz machen musste, von diesem verdrängt wurde. Heute bedeutet provisorischer und definitiver Callus' nur zwei Entwickelungsstadien derselben Producte eines regenerativen Processes.
Während diese Vorgänge am Periost ablaufen, trägt auch das Knochenmark zur Vereinigung des gebrochenen Knochens bei. Das gelbe Knochenmark erwachsener Thiere verwandelt sich zunächst, unter starker Füllung seiner Blutgefässe in rothes Mark; der Bluterguss
|
||
|
|
||
|
|
|||||
|
Knochenbrüche.
|
355
|
||||
|
|
|||||
|
wird resorbirt, ebenso die üahlreichen Fettzellen des gelben Markes, und an ihre Stelle treten Leukocyten, durch Wucherung und Theilung zahlreiche Markzellen; auch entwickeln sich Riesenzellen, welche die Rolle der Osteoblasten übernehmen, d. h. eine bald homogene, bald streifige Grundsubstanz abscheiden, welche in nächster Zeit verknöchert. Indem dieser Vorgang von der Peripherie des Markes zum Centrum desselben fortschreitet, entsteht ein anfangs hohler, später jedoch solider Knochenzapfen, welcher die Markhöhle ausfüllt und zur Verbindung der Stücke wesentlich beiträgt. Während das Product der Periost-wucherung periostaler oder Periost-Callusquot;, der von dem umliegenden Bindegewebe gebildete als parostaler Callus bezeichnet wird, nennt man diese vom Knochenmark gebildete Masse den endo-stalen, oder myelogenen Callusquot;; der
|
|||||
|
|
Fig. 50.
|
|
|||
|
selbe entsteht also nach dem Vorbilde der endo-
|
|||||
|
|
|||||
|
chondralen Knochenentwickelung.
Die Tela ossea kann sich diesem regenerativen Vorgange nicht so schnell anschliessen: ihre Oberfläche bleibt an den Bruchstellen zunächst reactionslos, während sich sowohl vom Periost wie auch von der Markhöhle aus Callus-massen über diese vorschieben. Von einigen wird der Corticalis sogar jede Betheiligung an
|
|
||||
|
dem Heilungsvorgange abgesprochen, doch kann
|
|||||
|
Callusliildung (soherrmtisch).
o periostaler, /' endostaler,
o intennediiiror Callus.
|
|||||
|
es wohl keinem Zweifel unterliegen, dass sie,
|
|||||
|
wenn auch erst später, in den Vorgang mit eingreift und nach dem Vorbilde der Ostitis ossificans eine Verbindungsmasse liefert, die wohl als .intermediärer Callus' bezeichnet wird.
Auf diese Weise werden also die Knochenstücke nach einiger Zeit wieder fest mit einander verbunden. Zwar zeigt sicli der Umfang des Knochens an der betreffenden Stelle noch vergrössert, allein auch diese Verdickung verliert sich allmählich, indem sowohl von den tiefsten Lagen des Periost Grefässschlingen und Osteoklasten in die Callus-massen hereinwachsen, als auch im Innern desselben Markräume entstehen, die sich allmählich vergrössern, wodurch mit der Zeit die nach vollständiger Heilung des Bruches überflüssig gewordenen Massen wieder resorbirt werden. Man nennt den Vorgang, der etwa mit der Narben-retraction zu vergleichen wäre. Aplan a ti on. Auch vorn Mark gehen ResorptionsVorgänge aus, so dass die Markhöhlo wieder frei werden kann; zuweilen bleibt sie aber dauernd geschlossen.
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||
|
|
356nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Knochen.
|
||
|
|
|||
|
Il ' !
|
Nicht in jedem Falle vollzieht sich dieser Vorgang in so voll-konnneuer Weise; bald tritt eine Verzögerung ein, bald fällt die Callus-bildung ganz aus, oder kommt erst auf Umwegen zu Stande. Bedingungen für die regelmässige Heilung bilden:
1,nbsp; ßuhige Lage der B ruchst iicke. Werden die Fragmente dauernd an einander bewegt, so wird eine feste Vereinigung derselben unmöglich, und es entsteht eine P s e u d a r t h r o s e, ein falsches Gelenk, oder aber ein sog. Callus fibrös us, d. h. es findet eine Neubildung von Bindegewebe statt, welches die Bruchstücke mit einander verbindet. Rippenbrüche heilen daher fast immer mit Bildung eines Callus fibrosus.
2.nbsp; nbsp;Die Entfernung der Fragmente von einander. Die Diastase darf nicht zu gross sein; auch dürfen nicht Weichtheile zwischen die Bruclienden liegen (Interposition). In solchen Fällen kommt es ebenfalls zur Bildung eines Callus fibrosus.
: gt;. A s e p ti s c h e r V e r 1 a u f d e s P r o c e s s e s. Sobald infectiöse Entzündungen an der Bruchstelle auftreten, wird der beschriebene Heilungsvorgang gestört, weshalb complicirte Brüche in der Regel auch bei weitem langsamer heilen. Wenn eine Infection, z. B mit Eiterkokken erfolgt, finden die Mikroorganismen in dem an der Bruchstelle ergossenen Blut einen günstigen Nährboden, auf dem sie sich schnell entwickeln und unter Umständen schwere entzündliche Pro-cesse mit bedenklichen Polgen veranlassen, zumal die verletzten und offen stehenden Gefilsse der Tela ossea tbrombosirt sind, und durch Zersetzung der Thromben leicht Pyämie und Septikämie entsteht. Ist diese Gefahr überwunden, so tritt an Stelle der Callusbildung am Periost und Knochenmark Eiterung ein; es entsteht eine Periostitis und Osteomyelitis suppurativa, wodurch der Knochen in Gefahr kommt zu nekrotisiren; dies findet sogar regelmässig an gewissen Abschnitten desselben statt. Die Sequester müssen nach erfolgter Dissection entfernt werden, worauf die Granulationsmassen, welche den Callus bilden und die Bruchstücke verbinden, verknöchern. Darüber vergeht aber eine längere, im allgemeinen die doppelte Zeit. Auch sind diese Vorgänge häufig mit Nekrose von Weichtheilen, mit Eiterversenkungen und anderen, noch bedenklicheren Folgen verbunden.
Eine Verzögerung oder mangelhafte Callusbildung beobachtet man ferner bei Thieren, die an Osteomaiacie oder Rachitis leiden; auch macht dieselbe während der Trächtigkeit oft nur langsame Fortschritte. Endlich kann die Callusbildung sich vurzögern oder an einzelnen Knochen-
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
Knochenbrüche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;357
stücken ganz ausfallen, wie es z. B. bei intracapsulären Frac-turen der Fall ist. Das abgebrochene Stück eines Grelonkkopfes oder einer Gelenkpfanne ist in der Regel von jeder Blut/.ufuhr abgeschnitten, kann also auch schwerlich productiv auftreten. Dasselbe gilt von Knochen, die wenig Periost besitzen, z. B. die Kniescheibe: ihnen fehlt die Hauptmatrix für die Callusbildung. damit der wichtigste Heilungs Vorgang.
Uebermilssige Bildung von Callus (0. luxurians) beobachtet man bei erheblicher Dislocatio ad longitudinem cum con-tractione, bei falscher Lage einzelner Fragmente (Difformität des Callus), sodann bei mangelnder Buhe der aneinander liegenden Bruchstücke; wir sehen Callus luxurians daher namentlich bei grösseren Thieren auftreten und die Arbeitsfähigkeit derselben mehr oder weniger stören.
Prognose. Die Prognose gestaltet sich bei den Knochenbrüchen, wie bereits oben angedeutet, verschieden; sie richtet sich insbesondere;
1.nbsp; Nach der T hi er art. Während bei Vögeln alle subcutanen Brüche in etwa 14 Tagen heilen, kommt bei Fleischfressern und den kleineren Wiederkäuern (Schaf und Ziege) sowie beim Schwein die Heilung eines subcutanen Bruches durchschnittlich in X4 Wochen regelmässig zu Stande. Weniger leicht erfolgt die Heilung beim Rinde und auf die grössten Schwierigkeiten stösst sie beim Pferde, einmal weil die Anlegung eines festen Verbandes in der Regel hier nicht gelingt, dann aber auch, weil dem Tliiere das andauernde Liegen ebenso unmöglich ist, wie andauerndes Stehen (S. 853). Von 37 Brüchen an den Gliedmnssen der Pferde wurden nach den Berichten der Armee-Veterinäre geheilt: 23 am Fcsselbein, 4 am Kronenbein, 3 am Unterschenkel, 2 am Hufbein, 1 am Schulterblatt, 1 am Armbein, 1 am Oberschenkel und je 1 an der Kniescheibe und den Sesambeinen. Bei Kälbern und Fohlen erfolgt die Heilung leichter als bei älteren Thieren, wie überhaupt die Ilegenerationsprocesse bei jungen. in der Entwickelung begriffenen Thieren selbstverständlich leichter und günstiger ablaufen, weil sich sowohl der Periost wie auch das Markgewebe noch in physiologischer Thätigkeit befinden.
Besondere Vorsicht gebietet die Prognose bei schlachtbaren Thieren; man vergesse nicht, dass dieselben während des Pleilungs-processes in ihrer Ernährung erheblich zurückgehen.
2.nbsp; nbsp;Nach dem Sitze des Knochenbruches. Es liegt auf der Hand, dass z. B. der Bruch eines Nasenbeines nicht die Gefahr ein-
|
||
|
|
||
|
.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
;{58nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Knochen.
schliesst, wie ein Bruch des Oberschenkelbeins; doch vergesse man nicht, dass auch an ersteren Bruch sich Gefahren knüpfen können, z. B. beim Pferde durch starke Schwellung der Nasenschleimhaut die Gefahr der Erstickung. Der Speciellen Chirurgie muss es Ubei'lassen bleiben, bezüglich der einzelnen Knochen auf das Nähere einzugehen.
8. Nach der Form und Beschaffenheit des Bruches. Suboutane Brüche sind bei weitem günstiger zu beurtheilen als compli-cirte; auch vorläuft eine Fissur in der Regel günstiger als ein completer Bruch. Im allgemeinen heilen Fracturen in der Diaphyse besser als in den Epiphysen ; durch reichliche Callusbildung an letzteren kann die Bewegung des Gelenkes gestört werden. Querbrüche zeigen sich günstiger als schiefe, weil die Reduction derselben leichter wird; eine Fraotura simplex heilt leichter als eine Fractura comminutiva. Kleine Knochensplitter können zwar resorbirt werden, grössere, namentlich wenn sie mit dorn Periost in Verbindung geblieben, anheilen, andernfalls aber werden sie der Heilung leicht hinderlich.
Ablösungen der Epiphysen heilen langsam und schwer, zuweilen mit Hinterlassung einer Verkürzung des Knochens.
4.nbsp; nbsp;Bei der Prognose ist ferner zu berücksichtigen, ob die Reposition und Retention der Fractur regelmässig zu bewirken ist; gelingt diese vollständig, so ist meist Heilung zu erwarten, andernfalls ist auf solche nicht zu rechnen; so namentlich bei unruhigen Thieren.
5.nbsp; nbsp;Endlich kommt die Dauer des Bestehens und das Auftreten von Complicationen in Betracht. Bei älteren, bereits in der Heilung begriffenen Brüchen lässt sich nicht mehr viel leisten. Unter Umständen mag es bei schlecht verheilten Brüchen kleiner Thiere gelingen, den Knochen von neuem zu brechen und eine vortheilhaftere Heilung zu erzielen; meist stösst man hierbei jedoch auf erhebliche Schwierigkeiten, namentlich auch seitens des Besitzers. Schwere fieberhafte Erkrankung trübt die Aussicht auf Heilung im hohen Masse; ebenso erscheint die Prognose bei Thieren mit organischen Leiden (Osteomalacie, Rachitis) zweifelhaft. Während der Trächtigkeit muss man auf eine Verzögerung der Heilung gefasst sein.
Der Behandlung fällt bei subeutanen Fracturen zunächst die Aufgabe zu, den gebrochenen Knochen in seine normale Lage zurückzubringen (Reposition oder Reduction) und in derselben zu erhalten (Retention), bis die Heilung erfolgt ist. Bei unvollständigen Brüchen (Fissuren und Infractionen) genügt in der Regel dem Thiere während des Heilungsprocesses Ruhe zu geben; dagegen verlangen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Knochenbriiche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;359
complicirte Fracturen noch besondere Massnahmen, die weiter unten besprochen werden sollen.
Da bei den meisten Brüchen an Röhrenknochen eine Dislocatio ad longitudinem besteht, so setzt die Reduction in der Regel eine gewaltsame Verlängerung des Gliedes voraus, welche durch einen Zug an dem peripheren Abschnitte (Extension) ausgeführt wird, während am centraleu Theile ein Gegenzug (Contraextension) stattfindet. Hierbei ist sowohl die Elasticität der Muskeln, Sehnen, Fascien und der übrigen Weichtheile als auch die Wirkung activer Contractionen der Muskeln zu überwinden. Die letztere lässt sich allerdings durch Narkose, bei Pferden zum Theil auch durch die Bremse ausscheiden; Mittel, welche sich daher besonders empfehlen, wo die Reduction auf grössere Schwierigkeiten stösst. Die Narkose gewährt noch den Vor-theil, dass sie dem Thicre Schmerzen erspart, und ein ruhiges Verhalten desselben herbeiführt, wodurch sowohl diese Operation wie aucli die Application des Verbandes erleichtert wird. Bei Pferden empfehle ich hierzu Chloroform, bei Hunden Morphium; für Pferde ist Morphium hier nicht angezeigt, weil die Thiere nach Anwendung desselben in der Regel Unruhe zeigen. Bei grösseren Thieren wird häufig auch die Anlegung eines provisorischen Verbandes nothwendig. namentlich sobald dieselben zur Reposition des Bruches und Anlegung des definitiven Verbandes niedergelegt werden müssen; soweit möglich, sucht man dieses jedoch zu umgehen.
In einer passenden Lage, eventuell am stehenden Thiere wird unter Anwendung der Extension und Contraextension die Reduction zu bewirken gesucht. Die Zugwirkung muss langsam und gleich-massig geschehen; bei grösseren Thieren kann ein improvisirter Flaschenzug (Rad) hierbei zweckmässige Verwendung finden; bei kleineren leisten die Arme von ein paar kräftigen Gehilfen diesen Dienst. Der Operateur sucht während der Extension durch Verschiebung der Bruchstücke die Reduction zu bewirken, wobei auf die Art der Verlagerung Rücksicht zu nehmen ist; diese muss daher auf Grund genauer Palpation vorher festgestellt werden; zuweilen lassen sich unter Berücksichtigung der Anheftung der Muskulatur und des Sitzes des Bruches auf die Art der Dislocation Schlüsse ziehen. Erschwert wird die Reduction durch Einschiebung von Knochensplittern oder Weichtheilen (Muskeln) zwischen die Bruchstücke, oder auch dadurch, dass der gebrochene Knochen nicht zu fassen oder zu fixiren ist; z. B. bei Brüchen am lateralen Darmbeinwinkel wird hierdurch die Reposition geradezu unmöglich. Zuweilen ist man darauf angewiesen,
|
||
|
|
||
|
|
||
|
360nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Knochen.
aus dor Stellung des unteren Endes der Grliedmasse und deren Länge auf die zweclanässigsto Art und Weise der Reduction Schlüsse zu ziehen. Man achte an den Gliedmassen insbesondere auf die Richtung der Zehe und suche durch Rotation des Fussendes jede Dislocation ad peripheriam zu beseitigen; andernfalls heilt der Bruch in einer falschen Stellung, wodurch erhebliche Gehranchsstörungen veranlasst werden.
Zur Retention genügt beim Menschen unter Umstünden eine zwechmilssige Lagerung der Glieder; bei Thieren sind wir zu diesem Zwecke auf einen sorgfältig angelegten Verband angewiesen, welcher der Reduction sofort folgen muss; deshalb werden die hierzu erforderlichen Materialien vorher bereit gehalten.
Besteht der Bruch bereits 24 Stunden, und ist eine erhebliche Schwellung nicht eingetreten, so kann alsbald der definitive Verband angelegt werden: im anderen Falle, oder wenn das Material zum definitiven Verband nicht zur Stelle ist, muss zunächst ein provisorischer Verband applicirt werden; letzterer erscheint in der Regel auch noth-wendig, wenn das Thicr zu transportiren ist, und zwar um zu vermeiden, dass durch die hierbei an dem gebrochenen Gliede unvermeidlichen Bewegungen weitere Verletzungen der Weichtheile und Perforation der äusseren Haut verhütet werden.
Der provisorische Verband besteht aus einfachen Binden oder in der ümwickclung der gebrochenen Stelle mit Tüchern, Säcken oder Stroh. Um eine grösserc Festigkeit zu erzielen, legt man auf diese Materialien Schienen (ein paar Stöcke oder Bretter), welche mit Bindfaden oder Stricken befestigt werden. Der Transport grösserer Tbiere mit Brüchen an den Gliedmassen erfolgt am besten im Liegen auf einem Schlitten, einer Thür oder Leiter, welche als Schleife benutzt werden. Auch nach Abnahme der Hinterräder lassen sich grössere Thiere auf einen Wagen schleifen; kleinere Tbiere werden am besten im Korbe getragen.
Sofern nicht eine starke Schwellung eingetreten sein sollte, lege ich bei kleineren Thieren (Hunden) alsbald den definitiven Verband an. Zuweilen wird man allerdings gezwungen, wegen der mit zunehmender Schwellung verbundenen Schmerzen oder wegen Einschnürung des Verbandes, diesen an den folgenden Tagen zu wechseln; in den meisten Fällen tritt jedoch bei Hunden diese Nothwendigkeit nicht ein. Die Anlegung einer Unterbinde ist bei diesen Thieren ebenfalls nicht erforderlich; dagegen umhülle man die Bruchstelle mit einer Lage Watte und schreite, nachdem man sich von der richtigen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Knochenbrüche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 361
Stellung der Gliedmasse, d. h. von der vollständigen .Reduction des Bruches überzeugt hat, zur Application des definitiven Verbandes. Hierzu eignen sich vornehmlich:
i. Gips oder Tripolith. Der Gips schwefelsaures Calcium leicht geglüht und trocken aufbewahrt, erstarrt innerhalb 3 bis 5 Minuten, nachdem er mit Wasser angefeuchtet ist, zu einer festen Masse. Am einfachsten wird der Gipsverband in der Weise angelegt, dass man 35 m lange, 5 10 cm breite Gazebinden während des Aufrollens mit feinem Gipspulver bestreut, dann einige Secunden lang in Wasser hält, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen, die Binde leicht auspresst und nun ohne Falten zu bilden um das gebrochene Glied wickelt. Während der Application der Binde lässt man ein wenig Gipspulver auf die einzelnen Touren streuen und diese erforderlichenfalls anfeuchten. lieber die letzte Binde wird noch etwas Gips gestreut und das Glied etwa 5 Minuten lang in seiner normalen Lage fixirt. Als Regel gilt, dass der Verband bis über die nächsten beiden Gelenke reichen muss, doch lässt sich dies nicht immer durchführen. Die beim Menschen übliche Unterbinde oder das Bestreichen der Haut mit Fett oder Vaseline halte ich für die mit dichtem Haar besetzte Haut der Thiere nicht allein für überflüssig, sondern im Interesse der festen Lage des Verbandes nicht einmal für zweckmässig. Sehr lange Haare werden natürlich vor Anlegung der Gipsbinden abgeschoren.
An Stelle des Gips ist neuerdings vielfach der Tripolith, eine Mischung von Gips, kohlensaurem Kalk und kohlensaurer Magnesia, Kohle und Sand empfohlen worden, welche noch schneller erstarren und eine noch festere Masse geben soll, als der Gips; ich habe mich von diesen Vorzügen nicht überzeugen können. Dagegen scheint er den Vortheil zu gewähren, dass er in Folge längeren Aufbewahrens nicht so leidet wie Gips, der namentlich vor der Einwirkung von Luft und Feuchtigkeit geschützt werden muss. Die früher üblichen Gipsgüsse sind unpraktisch, da sie weniger leicht zu appliciren sind und eine geringere Haltbarkeit besitzen. Die Festigkeit des Gipsverbandes lässt sich durch Einlegen von Hanf zwischen die einzelnen Touren noch erheblich erhöhen (Beely). was bei grösseren Thieren unter Umständen wünsch ens werth wird. Nach Anlegung des Verbandes gebe man dem Thiere möglichste Ruhe; grössere (Pferde und Rinder) werden zweckmässig in einen Hilngegurt gebracht. Die früher übliche, kühlende Behandlung ist nicht zu empfehlen, zumal wenn der Verband bereits angelegt ist. Durch die Feuchtigkeit
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
862
|
Krankheiten der Knochen.
|
||
|
|
|||
|
wird die Epidermis macerirt, wodurch es später leicht zu Erosionen der Haut kommt. Auch beim Menschen ist man von dem Kühlen vor Anlegung des Verbandes ganz und gar zurückgekommen und zieht hier zur Beseitigung der Geschwulst Priessnitz'sche Umschläge vor. Nach Anlegung des Gipsverbandes ist das Anfeuchten des Gliedes auf alle Fälle zu widerrathen.
Wurde der Verband am ersten Tage nach dem Auftreten der Fractur angelegt, so muss man sich 24 Stunden später von der Lage desselben und namentlich davon überzeugen, dass derselbe in Folge der aufgetretenen Schwellung das Glied nicht einschnürt. Man achte bei dieser llevision auf den peripheren Abschnitt der Gliedmasse, und sobald sich hier eine stärkere Anschwollung bemerkbar macht, ist der Verband alsbald zu erneuern. Ich lege, um diesem Ereignisse entgegen zu treten, das untere, periphere Ende des Verbandes nur lose an, und wenn eine Einschnürung befürchtet wird, placire ich an dieser Stelle eine Lage Watte auf die Haut, um nöthigenfalls durch Entfernung derselben die Blutcirculation wieder frei zu machen, und so der Erneuerung des Verbandes überhoben zu sein. Besteht indess neben der Anschwellung Kälte und Gefühllosigkeit in dem eingeschnürten Abschnitte der Gliedmasse, so muss unter allen Umständen der Verband abgenommen werden. Es ist wichtig, diese Revision etwa 24 Stunden nach Anlegung des Verbandes vorzunehmen, weil innerhalb dieser Zeit die etwa auftretende Einschnürung keine bedenklichen Folgen nach sich zieht, nach dieser Zeit aber nur selten noch eintritt. Im übrigen empfiehlt sich, den Besitzer oder Wärter auf das Erscheinen der Anschwellung an diesem Abschnitte der Gliedmasse aufmerksam zu machen und eventuell Benachrichtigung zu verlangen. Bei ganz frischen Fracturen lege man den Verband überhaupt nicht sehr fest an; befindet sich die Bruchstelle bereits in der Abschwellung, so muss der Verband fester angezogen werden.
2. Kleisterverbände finden nur noch in Ermangelung eines anderen Materials Verwendung; sie erhärten zu langsam und sind daher namentlich bei Thieren wenig brauchbar. Dagegen können bei kleineren Thieren, namentlich Vögeln
.'3. Wasserglasvcrbändo empfohlen werden. Das kieselsaure Natron bildet eine dickliche, klare, farblose Flüssigkeit, welche an der Luft Kohlensäure aufnimmt und durch Ausscheidung von Kieselsäure erhärtet. Man legt eine Gazebinde um die gebrochene Gliedmasse und bestreicht diese wiederholt mittelst eines Pinsels mit Wasserglas.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Knochenbrüche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Qfyj
4. Cruttaperclia. Bei kleinen Thieren (Vögeln) lassen sieb auch aus Gruttapercha leicht Verbände herstellen. Eine etwa 23 mm dicke Platte Guttapercha wird in warmem Wasser aufgeweicht, um die Bruchstelle gelegt und mit einem Faden umwickelt. Der Verband ist leicht, passt sich der Gliedmasse gut an, und liegt daher fest und bequem.
6, Harz verbände. Bei grösseren Thieren lassen sich die beschriebenen Verbände vielfach nicht genügend befestigen, namentlich an den oberen Abschnitten der Giiedmasse, wo sie leicht nach unten gleiten. Aus diesem Grunde wird in der Veterinär-Praxis von Harz verbänden oft Gebrauch gemacht. Ein starker Leinwand- oder Lederhippen, oder eine leinene Binde wird mit einer Mischung von 2 Thln. Harz und
1nbsp; Thl. Wachs (Stolz), oder mit einer solchen von 5 Thln. Guttapercha,
2nbsp; Thln. Schmalz und 1', i Thl. Harz (Fr ick er) bestrichen, und im angewärmten Zustande angelegt. Im Nothfalle kann Pech oder Tischlerleim hierzu benutzt werden, doch hilte man sich bei Anwendung derselben Verbrennung der Haut zu veranlassen. In Folge der Verklebung der Masse mit den Haaren wird das Rutschen des Verbandes verhindert, dem durch Schienen nöthigenfalls eine grössere Festigkeit verliehen werden kann.
6. Der Schienenverband besteht in der Anlegung fester, aus Holz oder Eisen, bei kleineren Thieren aus Pappdeckel, bei Vögeln aus einem Kartenblatt bestehenden Schienen, die mit Hülfe von Binden, Bindfaden oder Stricken befestigt werden. Selbstverständlicb darf man diese harten Gegenstände nicht unmittelbar auf die äussere Haut legen, sondern muss durch Unterlagen von Binden oder Watte namentlich die Stellen zu schützen suchen, wo die äussere Haut unmittelbar Knochen aufliegt. Es kommt darauf an, dass die Schienen der Oberfläche des Gliedes möglichst gleichmässig anliegen und an der Bruchstelle jede Bewegung verhindern. Unter Umständen eignen sich hierzu besonders die Beely'schen Hanfschienen, welche in der Weise hergestellt werden, dass man Hanfsträhnen von der Schiene entsprechender Länge in frisch bereiteten Gipsbrei taucht und mittelst Binden auf dem gebrochenen Glicde befestigt. Nach dem Erhärten des Gipses kann die Schiene nach Belieben entfernt und von neuem applicirt werden.
Eine wichtige Frage ist die: Wann soll der Verband abgenommen werden? Selbstverständlich wird dies nothwendig, sobald sich derselbe gelockert hat oder schlecht liegt oder einschnürt. In der Regel erkennt man dies schon aus dem Verhalten des Patienten, aus der Neigung den Verband zu entfernen. Einen weiteren Grund zur Abnahme des Verbandes bildet die erfolgte Heilung, welche man am sichersten aus
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
:)64
|
Krankheiten dor Knochen.
|
||
|
|
|||
|
der Wiederkehr der Belastung des Fusses erkennt; sobald die Gliedmnssc zum Stützen der Körperlast wieder Anwendung findet, stellt der Abnahme des Verbandes nichts mehr im Wege. Bei Gips-und Tripolithverbänden benutzt man hierzu mit Vortheil die sog. Gips-scliere; in Ermangelung einer solchen verdünne man den Verband mit Hülfe eines Messers (Itinnmcsser) von aussen, bis der Rest mit einer kräftigen Schere durchschnitten werden kann. Sobald sich der Verband gelöst hat, gehe man mit der geschlossenen Schere unter denselben und trenne, von oben nach unten die Haare von demselben ab. Auf diese Weise gelingt die Abnahme ohne erhebliche Schmerzen für den Patienten. Hierauf prüft man durch Drehbewegungen des Gliedes, ob die Verwachsung vollendet ist. Auch wenn diese erfolgt war, zeigen die Thiere in der Regel zunächst noch eine Lahmheit auf dem bebetreffenden Fusse, welche eine Folge der Muskelatrophie und der Retraotionen in den Sehnen, Fascien und Bändern, namentlich der Gelenkkapseln bildet, aber in kurzer Zeit bei leichter Bewegung sich verliert.
Bei Gelenkbrüchen können passive Bewegungen und Massage nützlich werden, auch beginne man damit bei kleinen Thieren nicht zu spät, womöglich schon in der zweiten Woche, und construire zu diesem Zwecke einen beweglichen Verband (Schienen), um diese Behandlung öfter wiederholen zu können. Auch nach Entfernung des Verbandes kann die Massago fortgesetzt werden.
|
|||
|
|
|||
|
Behandlung complicirter Fracturen. Das Bedenkliche der complicirten Brüche liegt in der Infection (S. ^56), daher kommt es bei der Behandlung in erster Linie darauf an diese zu verhindern. Bei frischen, d. h. erst wenige Stunden alten Brüchen gelingt es wohl durch strenge Antiseptik die Entzündung und Eiterung fern zu halten und so den Bruch in derselben Weise zur Heilung zu bringen wie subeutane Brüche; dies muss daher stets versucht werden, wo Aussicht auf Erfolg besteht. Man desinficire die Wunde nach den allgemeinen Regeln mit den besten der zu Gebote stehenden Mitteln und unter Anwendung grösstcr Strenge. Meist ist schon beim Auftreten des Bruches eine Infection der Wunde erfolgt, und in der regel-milssig mit Quetschung verbundenen Wunde bietet das vergossene Blut sowie die abgestorbenen Gewebe einen überaus günstigen Nährboden für die Entwickelung von pathogenen Mikroorganismen, namentlich von Eiterkokken. Daher empfiehlt sich andauerndes Ausspülen mit antiseptischen Mitteln, um zugleich mit den Tnfectionsstofien das Blut, nach
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Knochenbrüche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;865
Möglichkeit zu entfernen. Dabei untersucht man die Wunde wie iiucli den Bruch genauer, entfernt etwa vollständig losgetrennte Knochenstücke und Gewebstrümmer und legt sodann einen antiseptischen Occlusivverband an, erforderlichen Falls unter Anwendung von Drains.
Nach möglichst sorgfältiger Reduction wird ein Gips- oder ein beweglicher Schienenverband angelegt. Tritt hierauf kein Fieber ein, und bleiben die Schmerzen massig, so kann der Verband 810 Tage liegen bleiben. Durch tägliche Messungen der Temperatur muss der Zustand des Patienten allerdings controlirt werden. Beim Verbandwechsel werden die Drains, sofern sie überflüssig erscheinen, fortgelassen, das vorhandene VVundsecret entfernt, dann ein neuer Occlusivverband angelegt, wobei natürlich Rücksicht auf die Beschaffenheit der Wunde zu nehmen ist.
Sofern in einer kleinen Wunde die Weichtheile nicht erheblich verletzt sind, eine grössere Menge Wundsecret also nicht zu erwarten steht, kann auch bei complicirten Knochenbrüchen von vornherein ein Gipsverband angelegt werden, den man zweckmässig an der verletzten Stelle mit einer Oeffnung (Fenster) versieht. Um diese Stelle zur Herstellung des Fensters leichter wiederfinden zu können, legt man auf die Wunde einen Watte- oder Jutebausch, und nachdem der Verband fertig ist, lässt sich beim Klopfen auf denselben die Stelle ermitteln, wo die Watte liegt. Hier schneidet man mit einem scharfen Messer ein Stück aus dem Verbände, um die Wunde freizulegen, deren Behandlung nun in der gewöhnlichen Weise erfolgen muss. Es kommt über kurz oder lang zur Bildung von Granulationen, welche schnell verknöchern, doch dauert die Heilung stets längere Zeit als bei subeutanen Fracturen.
Tritt Eiterung ein, so wächst damit nicht nur die Aussicht auf baldige Heilung sondern auch die Lebensgefahr. In solchem Falle kommt alles darauf an, durch möglichste Reinhaltimg der Wunde und Vermeidung von Eiterretentionen sowohl eine allgemeine Infection (Fyämie u. s. w.) als auch Eiterversenkungen (Phlegmone u. s. w.) zu verhüten. Die Wunde muss daher täglich untersucht und mit Des-inficientien ausgespült werden. Abscesse werden gespalten, oder man macht Gegenöffnungen und lege Drains an. Nach einiger Zeit lösen sich nekrotische Knochenstücke los, die man entfernt. Mit Rücksicht hierauf muss die Wunde öfter untersucht werden, denn ein in derselben zurückgebliebener Sequester lässt die Granulation und Eiterung und damit auch die Heilung nicht zum Abschluss kommen. Abnahme der Eiterung und Anschwellung bilden daher auch hier günstige Zeichen.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
3(36nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Knochen.
Bei complicirten Brüchen, die mit Zertrümmerung des Knochens verbunden sind, wie man sie bei Hunden in Folge von Ueberfahren beobachtet, stösst die Heilung auf noch grössere Schwierigkeiten. Zuweilen sind selbst die Blutgefässe des Schenkels an der Bruchstelle zerquetscht, so dass das untere Ende der Gliedmasse nicht nur gefühllos, sondern auch kühl erscheint, und auf Einschnitte in die Weich-theile keine Blutung mehr erfolgt. In solchem Falle ist die Möglichkeit der Heilung vollständig ausgeschlossen, und kann nur durch Amputation des Gliedes das Leben des Thieres erhalten werden. Je früher diese Operation vorgenommen wird, um so günstiger die Aussicht auf den erwünschten Ausgang.
Verletzungen der Blutgefässe können ferner zu erheblichen, ja selbst tödtlichen Blutungen führen, z. B. bei Beckenbrüchen durch das eirunde Loch; Verletzungen der Nerven erzeugen Lähmungen oder heftige Schmerzen, nicht selten auch Krämpfe, Erscheinungen-, welche sowohl bei der Prognose wie auch Therapie der Fracturen Beachtung verdienen.
Verzögert sich bei subeutanen Brüchen die Callusbildung, so suche man zunächst nach der Ursache ihres Ausfalls und beseitige sie. Dasselbe gilt von der Bildung einer Pseudarthrose. Waren die Bruchstücke nicht gehörig in Berührung gebracht, so sorge man dafür, dass dies geschieht, sofern es möglich ist. Zuweilen scheint eine mangelhafte Reaction an den Bruchflächen die Ursache zu sein; hier führt ein einmaliges kräftiges Reiben der Bruchstücke an einander oft noch zum Ziele; nöthigenfalls lässt man dies wiederholen und die Bruchstelle massiren. Auch werden Injectionen von Jodtinktur, Milchsäure, Alkohol u. s. w. hierbei empfohlen. Dammann injicirte beim Pferde an der Hinterfessel Milchsäure mit Wasser zu gleichen Theilen und erzielte damit Erfolg. Ferner würde das Glüheisen in Anwendung kommen können. Die innerliche Behandlung mit Phosphor, Arsenik u. s. w. hat beim Menschen keinen besonderen Nutzen gehabt und dürfte daher auch bei Thicren wenig Erfolg versprechen.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
XII. Geschwülste. Tumoren.
|
||
|
|
||
|
Obgleich die Geschwülste in der Veterinär-Chirurgie nicht die Rolle spielen wie beim Menschen, so bleiben sie doch nicht nur wissenschaftlich in hohem Masse interessant, sondern auch für die Praxis wichtig genug, um hier eingehend besprochen zu werden. Es erscheint das um so mehr erwünscht, als diese Fragen eine genauere Berücksichtigung bisher nur selten gefunden haben. Viele Punkte bedürfen zwar auf diesem Gebiete noch der näheren Aufklärung, doch haben die Arbeiten Virchows, Lückes, Waldeyers, Cohnheims u. a. eine wissenschaftliche Grundlage geschaffen, die zugleich für die Geschwülste bei Thieren massgebend geworden ist. Was aber vor allem in der Veterinär-Chirurgie fehlt, ist eine genaue Statistik der Geschwülste, welche nicht nur ein theoretisches sondern zugleich ein in hohem Grade praktisches Interesse besitzt.
Schon die Definition des Wortes Geschwulstquot; stösst auf Schwierigkeiten. In Frankreich erklärten Cornil und Ranvier als Geschwulst eine jede Neubildung, welche die Tendenz hat zu bleiben und zu wuchern. Nach Lücke ist Geschwulstquot; eine Volumenzunahme durch Gewebsneubildung, welche keinen physiologischen Abschluss erhängt. Cohnheim nannte Tumor eine Geschwulst, welche vom morphologischanatomischen Typus der Localität abweicht. Diese Definitionen beweisen am besten, dass sich der Begriff Geschwulst bisher nicht scharf kennzeichnen lässt, weshalb Virchow auch auf eine Definition verzichtete und die Anwendung der Bezeichnung Geschwulst von praktischen Gesichtspunkten geleitet wissen will. Im allgemeinen kennzeichnen sich die Geschwülste als Anschwellungen, denen die Cardinalsymptome der Entzündung fehlen, die aber eine gewisse Selb-ständigkeit bekunden, indem sie ein abgeschlossenes Ganze bilden, eine selbständige Einrichtung besitzen, in der Hegel
|
||
|
|
||
|
|
||
|
;{()8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Tumoren.
unaufhaltsam weiter wuchson und nicht selten dem Organismus quot;'ef ährlich werden. Die Mehrzahl erscheint als rundliche oder knotige Bildungen mit oft unebener Oberfläche, welche sich auch durch ihre Consistenz von der Umgebung mehr oder weniger deutlich unterscheiden und oft in grösserer Zahl sowie an mehreren Stellen im Körper auftreten. Die grösste Schwierigkeit für die wissenschaftliche Beurtheilung der Tumoren liegt in der Unkenntniss über die Ursachen derselben. Seit alter Zeit sind hierüber zahlreiche Hypothesen aufgestellt, ohne dass bis heute volle Klarheit erzielt wurde. Althergebracht ist die Trennung der Ursachen in indirecte oder priidis-ponirende und directe. Zu den ersteren gehören theils angeborene, theils erworbene Anlagen für diese oder jene Geschwulstbildung. Er-fahrungsgeinüss entwickeln sich die Geschwülste mit Vorliebe in Narbengeweben und an Stellen, welche chronischen Heizungen ausgesetzt sind; manche Tumoren treten mit Vorliebe in jüngeren Jahren, andere im Alter auf; das erste gilt von den Sarkomen, das letztere von den Krebsen. Das eine Organ bildet den Lieblingssitz für diese, das andere für jene Geschwulst; zuweilen gehen Tumoren auch wohl aus entzündlichen Erkrankungen hervor.
Am meisten überraschend wirkte der Umstand, dass bei einzelnen Geschwülsten Gcwebselemente aufgefunden wurden, welche in dem Mutterboden nicht vorgebildet sind, z. B. Epithelzellen im Bindegewebe. Zur Erklärung dieser Thatsache griff Cohnheim auf die Entwickelungs-vorgänge des Individuums zurück und betrachtete die eigentliche Ursache der Geschwülste in einem Fehler der embryonalen Anlage. Durch ünregelmässigkeiten bei der Differenzirung der Keimblätter sollen nach ihm zellige Elemente an eine falsche Stelle gerathen und hier fort-wuchern. Obgleich diese Hypothese manche Thatsache leicht erklärt, wie z. B. die Prädisposition gewisser Organe für bestimmte Geschwülste, die Vererbung der Anlage u. s. w., so fehlt es zur Zeit doch an Beweisgründen für die allgemeine Gültigkeit dieser Lehre. Auch muss zugegeben werden, dass die Ursache der Geschwülste wahrscheinlich nicht als eine einheitliche aufgefasst werden darf. Dafür sprechen namentlich die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte, welche für verschiedene Bildungen, die früher zu den Geschwülsten gerechnet wurden, eine speeifische Ursache aufdeckten, z, B. für die Tuberkulose, Rotz, Aktinomycosc. Damit musste sich mehr und mehr die Ueberzeugung Babn brechen, dass auch bei anderen Tumoren speeifische Schädlichkeiten als Ursache wirken, ohne dass es bisher gelungen, solche genauer festzustellen. Diese Auffasssung findet noch durch eine Reihe
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Tumoren.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;369
von Thatsacheu eine weitere Unterstützung und erklärt zugleich verschiedene Vorgänge in der Geschwulstentwickelung, namentlich die Verbreitung der Geschwülste im Körper, welche sowohl durch active Fortbewegung oder Verschleppung der specifischen Substanzen im Parenchymsaft, als auch durch Contact, z. B. vom visceralen auf das parietale Blatt des Peritoneums oder der Pleura, oder aber durch die Gefässe erfolgen dürfte. Endlich finden auch die beim Menschen wie bei Thieren wiederholt beobachteten Uebertragungen von Geschwülsten in dieser Annahme eine natürliche Erklärung. Soweit aber der Beweis für die Richtigkeit der infectiösen Natur der Tumoren noch hinausgeschoben erscheinen mag, so muss der Chirurg diesen Grundsatz wenigstens für die malignen Tumoren zur Richtschnur seines Handelns machen und stets dahin trachten, derartige Keime bei der Behandlung von Geschwülsten zu entfernen oder zu vernichten.
Alle Tumoren bestehen wie die Organe des Körpers aus zelligen Elementen und Intercellularsubstanz; ihr Wachsthum erfolgt daher wie in physiologischen Geweben durch Zellenproliferation, bald schneller, bald langsamer, und zwar entweder central, indem die vorhandenen Zellen sich vermehren oder indem neue Zellen zwischen die alten gelagert werden, Wachsthum per intussusceptionem, oder aber peripher, d. h. es bilden sich in der Umgebung der Geschwulst neue Tumoren, welche schliesslich mit den älteren zusammenfliessen, so dass das Ganze ein Conglomerat von kleineren und grösseren Knoten bildet (Wachsthum per appositionem). Dieser letztere Entwickelungs-vorgang erinnert an die Ausbreitung infectiöser Neubildungen, wie der Tuberculose, des Rotzes u. s. w. und erklärt sich leicht, wenn man annimmt, dass von dem ersten Knoten aus Seminien in die Nachbarschaft gelangen und hier zu der gleichen Bildung Veranlassung geben (access or is ehe Knoten). Dass dieser letztere Vorgang eine besondere Gefahr für den Organismus einschliesst, liegt auf der Hand, und es verdient insofern schon hier Beachtung, als gerade die bösartigen Tumoren diesen Entwickelungsmodus einzuschlagen pflegen und sich auf diese Weise durch die Bildung von Metastasen auszeichnen. Metastasen können aber auch in Folge Verschleppung von Geschwulstkeimen zu Stande kommen, wie sie namentlich durch die Lymph- und Blutgefässe begünstige wird. Mit Ausnahme des Knorpels hat man in allen Geweben des Körpers Metastasen von Tumoren beobachtet. Von den Lymphgefässen aus werden zunächst die regionären Lymphdrüsen häufig in Mitleidenschaft gezogen, in denen neue Herde entstehen, die wiederum Ausgangspunkte weiterer Erkrankungen werden.
Möller, Allgemeine OhirnrgiS für Tliieviiiztc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;24
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
370
|
Tumoren.
|
||
|
|
|||
|
Gelangen die Keime in die Blutbahn, so können sie in die verschiedensten Organe verschleppt werden; doch erscheint es natürlich, dass die Lunge hierbei eine bevorzugte Rolle spielt, weil die Wand der venösen Gefässe von der wuchernden Geschwulst leichter durchsetzt wird als die stärkere Wand der Arterien; von den ersteren aber gehen die Embolien in den Lungen regelmässig aus. Die Metastasen wachsen wie die Primärgeschwulst unaufhaltsam weiter, eine Eigenschaft, welche den normalen Geweben abgeht. Bringt man Bestand-theile normaler Gewebe, z. B. Knorpel- oder Epithelmassen in die Blutbahn, so gehen sie, wie zahlreiche Versuche ergeben haben, bald unter; Partikel von Tumoren hierher verpflanzt wachsen dagegen oft fort und können zu ausgedehnten Neubildungen der gleichen Art führen, ein Umstand, der gleichfalls für die Specifltät der Bildung spricht. Auf dieser Neigung zur Metastasenbildung und zur allgemeinen Ausbreitung im Körper (Generalisation) beruht vor allem die Maligni-tät, wie sie besonders den Carcinomen und Sarkomen innewohnt. Mit dieser Ausbreitung verbinden sich allmählich Störungen in den Functionen wichtiger Organe, welche schliesslich durch Entkräftung (Cachexie) langsam zum Tode führen. Unter Umständen kann aber auch hierbei der Tod schnell eintreten, indem die Function eines Or-ganes (Gehirn) aufgehoben wird, oder endlich, indem sie zu Hämor-rhagien Veranlassung geben.
|
|||
|
|
|||
|
Eintheilung. Man theilt die Geschwülste vom anatomischen Standpunkte wie folgt ein:
I.nbsp; Tumoren, die vornehmlich nach dem Typus der Bindegewebs-substanzen aufgebaut sind (Desmoide Wald eye rs). Dazu gehören: Fibrome, Myxome, Chondrome, Osteome, Lipome, Gliome, Lymphome und Sarkome und das Endotheliom oder der Endo-thelkrebs.
II.nbsp; Geschwülste mit dem Typus des Muskelgewebes: Myome.
III.nbsp; Geschwülste vom Typus des Nervengewebes: Neurome. Diese drei Gruppen umfassen die histioiden Geschwülste Virchows.
IV.nbsp; nbsp;Geschwülste vom Typus des Epithelgewebes (Epitheliale Gewächse Waldeyers). Zu diesen zählen: Epitheliome, Carci-nome und Adenome.
V.nbsp; nbsp;Geschwülste, deren Aufbau mehreren Organen entspricht (teratoide Gewächse, Teratome Virchows), d. h. solche, die z. B. aus Haut, Haaren, Zähnen, Knochen oder Gehirnsubstanzen bestehen. Dahin gehören die Dermoid cysten oder Küstome. Zu-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Tumoren.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;371
weilen werden Mischgeschwülste, d. h. Tumoren angetroffen, die mehrere der oben genannten Gewächse enthalten.
Bei 3525 von E. Semmer an Thieren vorgenommenen Sectionen wurden in 354 Fällen (also 100(o) Tumoren vorgefunden und zwar : 140 Tuber-culose, 97 Rotz, 26 Carcinome, 32 Sarkome, 6 Aktinomykome, 0 Melanome, 6 Lipome, 4 Myxome, 9 Osteome und Exostosen, 7 Fibrome, 8 Adenome, 2 Myome, 14 Cysten, 10 Papillome, 1 Angiom, 1 Neurom und 1 Cholesteatom.
Vom klinischen Standpunkte unterscheidet man gutartige (benigne) und bösartige (maligne) Tumoren. Gutartig nennt man diejenigen Geschwulstbildungen, welche eine Neigung zur grösseren Verbreitung und Verallgemeinerung (Generalisation) im Körper nicht besitzen, eine Tendenz, die bei den bösartigen Geschwülsten mehr oder weniger ausgesprochen ist. Dass diese Trennung eine hohe praktische Bedeutung hat, liegt auf der Hand. Während die malignen Geschwülste in der Regel nur so lange mit Erfolg behandelt werden können, als sie noch auf den Primärherd beschränkt, und namentlich noch keine den operativen Eingriffen unzugängliche Metastasen eingetreten sind, lassen sich gutartige Tumoren in der Regel auch in späterer Zeit noch heilen, sobald ihr Sitz, Grosse und sonstige Beschaffenheit kein Hinderniss für die Operation bietet. Aber jede an sich benigne Geschwulst kann unter besonderen Umständen, z. B. durch ihren Sitz oder durch Zufall bösartig werden; z. B. kann auch ein gutartiger Tumor im Gehirn oder am Kehlkopfe schnellen Tod des Thieres herbeiführen. Obgleich hiernach die Frage, ob eine Geschwulst zu den malignen oder benignen gehört, klinisch zu entscheiden von höchster Wichtigkeit erscheint, so gelingt diese Trennung doch bei weitem nicht immer. Allerdings giebt es eine Reihe von Anhaltspunkten, die bei Entscheidung dieser Frage in Betracht kommen; dahin gehören:
1. Der Sitz der Primärerkrankung. Beim Menschen hat man im Laufe der Zeit eine umfangreiche Statistik über das Vorkommen der verschiedenen Geschwülste in den einzelnen Körperorganen und an bestimmten Stellen gewonnen. Diese sog. regionäre Geschwulstlehre ist bei Thieren erst in der Entstehung begriffen, doch lässt sich heute schon behaupten, dass dieselbe in vielen Punkten mit den Beobachtungen beim Menschen zusammenfällt. Nach den in dem letzten Jahrzehnt namentlich von Semmer, Johne und Plicque aufgestellten Statistiken ist anzunehmen, dass die Tumoren beim Thiere in dieser Hinsicht sich ähnlich verhalten wie beim Menschen: andererseits
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
|
$12nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Tumoren.
zeigt sich aber, dass diese Yerhältnisse bei den Thieren anders ausfallen können. Es würde hier zu weit führen auf diese Fragen näher einzugehen, doch sollen dieselben bei Besprechung der einzelnen Tumoren Berücksichtigung finden, soweit sie ein chirurgisches Interesse erlangt haben.
Wichtig bleibt ferner für die Diagnose das Gewebe, von welchem die Geschwulst ausgegangen ist. Entwickeln sich auch in reinem Bindegewebe unter Umständen Neubildungen, welche aus Epithelien bestehen (z. B. Krebs), so gilt doch als Regel, dass Carcinome mit Vorliebe da auftreten, wo bereits Epithelgewebe vorhanden ist, z. B. in der Haut, während von der rein bindegewebigen Subcutis häufiger Geschwülste ausgehen, die ebenfalls aus Bindegewebe bestehen (z. B. Fibrome, Sarkome). Natürlich gilt dieses nur für die Primärgeschwulst, nicht für die Metastasen.
2. Das Lebensalter. Beim Menschen treten in jugendlichen Jahren vornehmlich Bindegewebsgeschwülste auf, während im höheren Alter die epithelialen Neubildungen vorwiegen. Da nun die meisten Hausthiere ein höheres Lehensalter nicht erreichen, viele, z. B. Schweine schon in den ersten Jahren geschlachtet werden, so erklärt sich, dass bei Thieren die krebsigen Neubildungen im ganzen seltener vorkommen als Sarkome. Hund und Pferd machen allerdings in diesem Punkte eine Ausnahme, indem sie zuweilen ein höheres Alter erreichen; hei ihnen werden auch Carcinome häufiger angetroffen,
'A. Der Verlauf, namentlich die Schnelligkeit des Wachs-thums sowie die Grosse der Geschwulst. In den bindegewebigen Neubildungen (Sarkomen, Fibromen) liegen die Ernährungsverhältnisse in Folge der gut entwickelten Circulation und bei dem vorwiegend zelligen Bau günstig; deshalb wachsen diese Geschwülste in der Kegel schnell und erreichen oft eine bedeutende Grosse. Langsamer geht das Wachsthum in harten Fibromen, Lipomen, Chondromen, Osteomen von statten; am meisten verzögert sich die Entwickelung der epithelialen Neubildungen (Carcinome).
Mit der beschränkten Ernährung stehen ferner gewisse Degenerationsvorgänge der Geschwülste im Zusammenhange; so tritt nicht-selten im Innern von Tumoren Verfettung, Verkalkung oder an ihrer Oberfläche Ulcemtion ein. Die letztere mit Vorliebe da, wo der Tumor äusseren Verletzungen ausgesetzt ist, welche bei der mangelhaften Ernährung des Tumors leicht zu ulcerirenden Processen an demselben führen. Ulcerationen müssen daher insofern für verdächtig angesehen werden, als sie auf Krebsbilduna hindeuten. Ans demselben Grunde
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
Diagnose der Tumoren.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;373
erreichen Krebsgeschwülste in der Regel nicht die Grosse der Sarkome und wachsen stets langsamer als jene. Den grössten Umfang pflegen Lipome und Sarkome zu erreichen.
4.nbsp; nbsp;Die Beschaffenheit der Oberfläche. Wie bereits oben hervorgehoben, wachsen die malignen Tumoren zugleich durch Bildung von Secundärknoten in der Nachbarschaft, die sich unter allmählicher Vergrösserung schliesslich mit dem Primärknoten verbinden. Hierdurch muss der Tumor eine unebene, höckerige Oberfläche erlangen, während die durch centrales Wachsthum vergrösserten, benignen Neubildungen meist eine glatte Oberfläche beibehalten.
Lipome und Adenome zeigen in der Regel einen lappigen Bau; grosshöckerig erscheint die Oberfläche der Osteomo und Fibrome, kleinhöckerig die der Enchondrome und Carcinome, während Sarkome längere Zeit ihre glatte Oberfläche bewahren und erst später höckerig werden.
5.nbsp; nbsp;Die Consistenz. Am härtesten erscheinen Osteome, doch können auch andere Geschwülste durch Verknöcherung sehr hart werden. Elastisch hart sind ferner Chondrome, oft auch Fibrome und primäre Carcinome. Elastisch weich zeigen sich Adenome, Lipome, weiche Fibrome und Cysten mit dicken Wandungen; weich endlich Sarkome, Myxome, sowie die seeundären Carcinome und Metastasen anderer Geschwülste. Sarkome und Myxome können in Folge ihrer Weichheit wohl Fluctuation vortäuschen (Pseudofluctuation).
6.nbsp; Das Verhältniss der Geschwulst zu ihrer Umgebung. Bei centralem Wachsthum werden die nachbarlichen Gewebe und Organe bei Seite gedrängt und bilden häufig eine Kapsel um die Geschwulst, während die äussere Haut hervorgehoben wird, ohne mit der Geschwulst eine feste Verbindung einzugehen. Bei peri-pherem Wachsthum, also bei malignen Geschwülsten wird die Umgebung allmählich in den Kreis der Erkrankung gezogen und ebenso die äussere Haut, welche in Folge dessen bald mit dem Tumor verwächst; eine Erscheinung, die ebenso verdächtig ist, wie eine nicht scharfe Begrenzung der Geschwulst und das Auftreten von Secundärknoten in ihrer Nachbarschaft.
7.nbsp; nbsp;Das Verhalten der regionilren Lymphdrüsen, Die gutartigen Neubildungen üben in der Regel auf die Lymphdrüsen keinen Einfluss aus, während maligne zu Anschwellungen (S e c u n d ä r k n o t e n) in denselben führen. Das gilt in erster Linie von den Krebsen; bei dem nicht minder malignen Sarkom pflegen die Lymphdrüsen in der Regel intact zu bleiben. Selbstverständlich können Ulcorationen oder
|
||
|
|
||
|
|
||
|
374nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Tumoren.
Verwundungen an benignen Geschwülsten ebenfalls Anschwellung der Lymphdrüsen und Lymphgefasse voranlassen.
8. Schmerzhaftigkeit gilt seit alter Zeit als Zeichen für die krebsige Natur der Neubildung, doch kann dieses Symptom fehlen. Schmerzhaft auf Druckwirkung zeigen sich ferner dieNeurome, während Sarkome im ganzen wenig empfindlich sind.
Klinische Untersuchung. Bei der Untersuchung einer Geschwulst empfiehlt sich systematisch vorzugehen, etwa in folgender Weise:
Nachdem man sich durch Inspection über den Sitz, die Grosse, Abgrenzung, sowie über die Beschaffenheit der äusseren Haut im allgemeinen orientirt hat, soll die Palpation über den Sitz, die Ausdehnung, sowie Grosse, Form, Consistenz über die Beschaffenheit der Oberfläche und Nachbarschaft der Geschwulst, ferner über den Zustand der regionären Lymphdrüsen und die Gegenwart vom Secun-därknoten Auskunft geben.
Man beachte ferner das Alter der Geschwulst, ihren Entwicke-lungsgang, ob sie langsam oder schnell entstanden und endlich auch das Alter des Patienten.
Genauere Auskunft über die Zusammensetzung der Geschwulst vermag erst die mikroskopische Untersuchung zu geben, und kann es sich unter Umständen empfehlen mit Messer oder Schere oder mit Hülfe einer Harpune Partikel der Geschwulst zu diesem Zwecke abzutragen. Im allgemeinen greift man jedoch nur selten zu diesem Verfahren, weil die Verletzung einer bis dahin intacten Geschwulst leicht zu unangenehmen Ulcerationen führt, bei bereits in Ulcoration befindlichen die Untersuchung aber häufig keinen sicheren Aufschluss giebt, weil die entzündlichen Processe Veränderungen in dem Gewebe des Tumors hervorgerufen haben.
Bei der Beurtheilung kommt in erster Linie in Betracht, ob Nachtheile aus der Gegenwart des Tumors für das betreffende Thier zu erwarten sind, und ob die Geschwulst vollständig zu entfernen ist. Hierbei spielt allerdings die Natur der Neubildung eine Hauptrolle, sodann ihr Sitz, ihre Grosse und Abgrenzung. Eins muss festgehalten werden, dass nämlich eine dauernde Heilung in der Regel und auf operativem Wege zu erreichen ist.
Behandlung. Die früher zur Beseitigung von Tumoren in Anwendung gebrachten innerlichen Arzneimittel haben sich erfolglos er-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Behandlung der Tumoren.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 37 T)
wiesen; auch das beim Menschen vielfach versuchte Quecksilber, das Arsen, Jod, Eisen bleiben ebenso wirkungslos wie die in Frankreich ehemals üblichen Blutentziehungen und Ableitungsmittel. Bei gutartigen Geschwülsten wird eine Behandlung in der Regel erst verlangt, wenn die wirthschaftliche Ausnützung der Thiere durch die Geschwulst gestört wird. Für die bösartigen Tumoren gilt indess der Grundsatz, sie sobald und so vollständig als nur möglich zu entfernen. Je früher ein maligner Tumor beseitigt wird, um so grosser die Aussicht auf vollständige Heilung; ist bereits Generalisation erfolgt, so wird diese unmöglich. Doch kommt es bei Thieren oft darauf an, die das Aussehen oder den Gebrauch derselben störenden Geschwülste zu beseitigen, um das Thier, wenn auch nur für einige Jahre zu erhalten, z. B. bei den Geschwülsten in der Mamma der Hunde.
Zur Entfernung der Geschwülste dienen folgende Verfahren: 1. Die Unterbindung. Bei manchen, besonders den gutartigen Tumoren, z. B. Warzen kann die Unterbindung der Geschwulst mit Erfolg angewendet werden; sie empfiehlt sich besonders bei gestielter Form derselben; Geschwülste mit breiterer Basis lassen sich mit einer doppelten oder mehrfachen Massenligatur beseitigen. Wo die Haut mit in die Ligatur genommen wird, gestaltet sich das Verfahren sehr einfach; man durchsticht die Geschwulst an ihrer Basis mehrere Male und unterbindet mit starken Fäden aus Seide, Zwirn oder einem Bindfaden; seltener wird Metalldraht für den Zweck benutzt. Mit Hülfe von zwei Nadeln, von denen die eine in ihrer Mitte ein Oehr trägt, wird die Basis der Geschwulst in mehreren Abschnitten unterbunden. Gegenwärtig wird von diesem Verfahren nur selten Gebrauch gemacht. Die subeutane Unterbindung hat den Zweck, eine vollständige Absperrung der Circulation in den unterbundenen Geweben zu erzielen, die mit dem Druck der Ligaturen auf die an Empfindungsnerven reiche Haut verbundenen Schmerzen aber zu vermeiden. Beides lässt sich mit einer einfachen Nadel erreichen, die man nach ein paar Einstichen mit dem stumpfen Ende unter die äussere Haut fortschiebt, dann durch die Geschwulst fährt und so einen Abschnitt derselben unterbindet. Das Verfahren wiederholt man mit dem Rest der Geschwulst, event, in mehreren Abschnitten. Für gewöhnlich wird jedoch bei Thieren die Ligatur über die äussere Haut gelegt und möglichst fest angezogen. Die Schmerzen, welche hiernach auftreten, sind nicht gross, wie man dem Verhalten der Thiere entnehmen kann. Liegen grössere Massen von Geweben in der Ligatur, so muss dieselbe in den nächsten Tagen angezogen werden, wenn nicht eine elastische Ligatur benutzt
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
376
|
Tumoren.
|
||
|
|
|||
|
wurde. Aber auch diese macht bei grossen Tumoren nach 34 Tagen oft eine Erneuerung nothwendig, weil dieselbe nach Durchschneidung eines Theils der Geschwulst ihre Spannung verliert. Bei grösseren Tumoren verdient daher ein recht kräftiger aber nicht sehr dicker Bindfaden den Vorzug; mit demselben stellt man eine Castrations-schlinge her, die um den Tumor gelegt wird. Wenn sodann die zweite Schlinge in aufziehbarev Form hergestellt wird, so ist der Besitzer bezw. Wärter des Thieres im Stande, die Ligatur in den nächsten Tagen fester anzuziehen, bis der Tumor abfällt. Dauert dieses längere Zeit, so lasse man die Ligaturstelle mit Kaliumpermanganatlösung fleissig waschen, um die Zersetzungsvorgänge zurückzuhalten.
Zur elastischen Ligatur genügt bei kleinen Tumoren ein einfacher Gummifaden, wie er im gewöhnlichen Leben vielfach gebraucht wird. Bei grösseren Geschwülsten wird ein recht dickwandiger Gummischlauch zu dem Zwecke benutzt; das Lumen desselben beträgt kaum mehr als 2 mm, während der Schlauch einen Durchmesser von etwa 5 mm besitzt. Ein solider Gummifaden von derselben Stärke besitzt nicht die Festigkeit dieses Schlauches. Der Gummifaden oder Schlauch wird möglichst stark ausgedehnt um die Basis des Tumors gelegt; zur Befestigung der Ligatur legt man die stark angezogenen Enden derselben kreuzweise über einander und umschlingt sie hier mit einem dünnen Faden. Wenn diese Schlingf aufziebbar hergestellt wird, so fällt auch das Nachziehen der elastischen Ligatur nicht schwer, falls es erforderlich werden sollte.
|
|||
|
|
|||
|
2. Das Abreissen des Tumors. Manche Goschwülste, z. B. in der Rachenhöhle des Kindes, lassen sich mit den Fingern abkneifen und schliesslich abreissen; auch giebt es in der äusseren Haut bei Pferden und Rindern Fibrome und myxomatöse Neubildungen, die man bequem mit den Fingern abreissen kann; an anderen Stellen und bei derben Geschwülsten dient hierzu der Ecraseur, in den Kopfhöhlen, zur Beseitigung von gestielten Neubildungen auch wohl die sog. Polypenzange, die im Nothfalle durch eine einfache Kornzange ersetzt werden kann. Das Abreissen gewährt den Vortheil, dass die Blutung weniger lebhaft ausfällt, als beim Abtrennen mit Messer oder Schere. 3. Das Glüheisen, der Thormocauter und Galvanocauter. Die Glühhitze dient zum Zerstören von Neubildungen, welche einen geringen Umfang besitzen; doch lassen sich auch grössere mit Hülfe eines messerförmigen Brenneisens oder dem Thermocauter vom Körper abtrennen. Beim Menschen werden namentlich kleinere Geschwülste in Kopfhöhlen mit dem Galvanocauter entfernt; bei Thieren handelt es sich dagegen meist um grössere Tumoren, die sich nur mit kostspieligen Apparaten der Art beseitigen lassen würden, weshalb diese
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Behandlung der Tumoren.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;377
hier im ganzen wenig Anwendung gefunden haben. Dagegen werden auch heute noch chemische Aetzmittel (Kai. caust. Chlorzink, Arsenik, Chrom-Salpeter und Schwefelsäure) zur Zerstörung von Tumoren bei Thieren in Anwendung gebracht, indem man entweder concentrirte Lösungen oder Stücke dieser Substanzen in die Tumoren einführt oder dieselbe wiederholt damit bestreicht.
4. Das zuverlässigste Mittel bleibt ohne ZAveifel die Exstir-pation der Geschwulst mit schneidenden Instrumenten; gegen diese spricht nur die Gefahr der Blutung. Je nach der Form und dem Sitze der Geschwulst wird zunächst ein einfacher Längsschnitt oder ein verschieden gestalteter Hautschnitt gemacht. Bei malignen Tumoren muss die äussere Haut bezw. Schleimhaut soweit mit fortgenommen werden, als sich dieselbe mit der Geschwulst verwachsen zeigt. Sodann präparirt man die Geschwulst von ihrer Umgebung frei und unterbindet die dabei blutenden Gefässe sorgfältig. In lockerem Bindegewebe dienen die Finger zweckmässig zum Lostrennen der Geschwulst von ihrer Umgebung. Liegt der Tumor in der Nähe grösserer Gefässe, so präparire man sie zuerst von diesen ab, um gefährlicheren Blutungen sicherer und leichter entgegentreten zu können. Leichtere Blutungen werden mit dem Glüheisen oder Thermocauter gestillt. Ferner operire man bei malignen Tumoren womöglich 12 cm von der Geschwulst entfernt, um zugleich die etwa vorhandenen Secundär-knoten sämtlich zu entfernen. Wo die Vermuthung besteht, dass solche zurückgeblieben sind, kann unter Umständen das Glüheisen nützlich werden; zu demselben Zweck wendet man wohl Aetzmittel, z. B. Arsenik an, von dem vielfach behauptet wurde, dass es besonders weiche Sarkome vernichte.
Die Frage, wann die Operation erfolgen soll, hängt bei Thieren allerdings vielfach von wirthschaftlichen Forderungen ah, im übrigen gilt als Regel: je früher, desto leichter ist die Operation, und um so grosser die Aussicht auf Erfolg. Das gilt vor allem für die malignen Tumoren, welche sonst local reeidiviren (continuirliches Recidiv). Aber auch die gutartigen lassen sich in der Regel leichter entfernen, so lange sie noch klein sind. Allerdings giebt es Tumoren, welche sich überhaupt nicht operiren lassen, weil die mit dem operativen Eingriffe verbundenen Blutungen und anderweitige Folgen wenig Aussicht auf Erhaltung des Thieres gewähren. In solchen Fällen hat man früher die Weiterentwickelung der Geschwulst durch verschiedene Mittel zu verhindern gesucht, zunächst durch Unterbindung ihrer Blut-gefässe, insbesondere der Arterien, wie es von Röttger auch beim
|
||
|
|
||
|
|
||
|
378nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Tumoren.
Strahlkrebs empfohlen wurde. Das Verfahren hat jedoch wenig Nachahmung gefunden. Sodann wurden durch parenchymatöse Injectionen von Flüssigkeiten (Alkohol, Tinct. Jodi, Argent, nitric. Essigsäure, Er-gotin, Arsenik, Ueberosmiumsäure Terpentinöl, Papayotinum in neuer Zeit auch von Pyoctannin) zur Zerstörung der Geschwülste in Anwendung gebracht. Auch diese Mittel haben jedoch nur selten durchschlagenden Erfolg und für Thiere nur wenig Beachtung gefunden. Sollte indess ein Tumor inoperabel erscheinen, so dürften mehrere Wochen hindurch fortgesetzte Injectionen mit einer wässerigen l0/n Pyoctanninlösung zu versuchen sein, wodurch Thrombose und Absterben der Geschwulst bewirkt werden soll. Beim Menschen wurden neuerdings auch Impfungen mit Erysipel-Kokken gegen Sarkome und Carcinome in A'orschlag gebracht; welche hierdurch zuweilen der Fettmetamorphose anheim fallen und zur Resorption gelangen. Durch die hiermit für das Leben der Patienten verbundene Gefahr wird die Anwendung dieses Verfahrens beschränkt; bei inoperablen Neubildungen (Sarkomen u. s. w.) kann die Methode gelegentlich versucht werden.
Welches Verfahren in dem einzelnen Falle eingeschlagen werden muss, hängt zum Theil von der Natur der Neubildung, mehr aber noch von der Grosse, Form und dem Sitze derselben ab. Darüber lassen sich weitere allgemeine Grundsätze nicht aufstellen; diese Frage ist in der Speciellen Chirurgie bei Besprechung der Tumoren in den einzelnen Organen näher berücksichtigt.
|
||
|
|
||
|
A. Neubildungen nach dem Typus der Bindegewebssubstanzen.
1. Bindegewebsgcschwülste. Fibroma. Desmoide Gewächse
Waldeyers.
Geschwülste, welche im wesentlichen aus Bindegewebe bestehen, heissen Fibrome. Die Mehrzahl derselben sind bei Thieren aus festen Bindegewebsfasern aufgebaut und erscheinen als harte, feste Geschwülste (harte Fibrome, Fibroide); seltener sind die zellenreichen (weichen Fibrome, F. molluscum, Virchow), doch kommen solche in der Haut des Hundes zuweilen vor. Die Entwickelung der Fibrome geht am häufigsten vom Bindegewebe der äusseren Haut, Unterhaut, von Fascien, Periost oder aber von Schleimhäuten und dem interstitiellen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Fibrome.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 379
Gewebe der Organe aus. An der äusseren Haut bildet der Papillar-körper häufig den Ausgangspunkt derselben (Warzen, Papillome); die Geschwulst besteht alsdann auch noch aus grösseren Mengen Epithelgewebe, weshalb man neuerdings die Warzen zu den epithelialen Neubildungen rechnet und als Papillome bezeichnet. In der Unterhaut der Pferde und anderer Thiere treten bis gänseeigrosse Fibrome auf, die in einer besonderen Kapsel zu liegen scheinen, aus der sie sich nach Spaltung der Cutis durch leichten Druck hervorpressen lassen. In der Regel zeigen sich Fibrome als scharf abgegrenzte, harte, an ihrer Oberfläche glatte Geschwülste, doch kommen auch diffuse Hyper-plasien namentlich in der Unterhaut vor. Leisering beobachtete ein Fibrom in der Unterhaut einer Ratte; die Geschwulst wog 145 gr, während das Gewicht des Thieres 810 gr betrug.
Von den tiefer gelegenen Schichten der Cutis ausgehende Fibrome führen oft zu einer Verlängerung derselben, indem sie durch ihre Wucherung gleichsam die Haut hervordrängen, diese in Falten legen und von ihrer Unterlage abheben. Auf diese Weise entstehen namentlich bei Hunden nicht selten leicht bewegliche Hautfalten, ein Zustand, den man als Cutis pendulans bezeichnet. Auf Schleimhäuten nehmen Fibrome häufig eine mehr oder weniger gestielte Form an (Polype n).
Das Wachsthum der Fibrome erfolgt meist langsam; degenerative Processe sind hier selten, doch kommt Verknöcherung wie Verkalkung in ihnen vor, weniger häufig Erweichung. Ihr Gefässreichthum ist meist nicht gross, oft zeigen sich die Geschwülste auffallend gefüss-arm. Die Fibrome gehören zu den gutartigen Geschwülsten, doch treten sie nicht selten multipel auf, so namentlich an der Haut; auch können sie durch ihren Sitz nachtheilig werden, in der Sattel- oder Geschirrlage, den Gebrauch der Thiere stören, in den Luftwegen der Athmung hinderlich werden und selbst Erstickung hervorrufen, /,. B, am Kehlkopfe.
Zu den harten Fibromen gehört auch der K e 1 o i d, eine Wucherung der Haut und Unterhaut in Gestalt einer derben Wulst, welche meist von Narben ausgehen (Narbenkeloid) und mit Vorliebe in der Beugefläche der Gelenke auftreten (S. 116). Zu den Mischgeschwülsten des Fibroms gehören Myxofibrome, Fibromyome, Fibro-sarkome u. s. w.
Ueber die Ursachen der Fibrome ist bisher wenig bekannt, doeb steht soviel fest, dass manche derselben durch parasitäre Einflüsse veranlasst werden. So beobachtet man bei Pferden häufig Fibrome
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
nso
|
'rumoren.
|
|||
|
|
||||
|
am Rumpfe, namentlich an der Brust, die einer Eiterkokken-Infection ihre Entstehung verdanken, deshalb auch als Mykofibrome oder Mykodesmoide bezeichnet werden. Nachdem Kivolta und Mi-cellone 1870 zuerst auf diesen Punkt aufmerksam gemacht hatten, wurde die Frage von Johne und Rabe durch eingehende Untersuchungen und Experimente (Rabe) klargelegt. Bayer beobachtete zwei Fälle von Mykofibrom an der Brust der Pferde von collosaler Ausdehnung (Fi^. 59).
|
||||
|
|
||||
|
Fig. 58.
|
||||
|
|
||||
|
Fig. 57.
|
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
Botryomyoes (nach Rabe).
|
Hautvei'dickung durch Botryomyces (nach Jensen).
|
|||
|
|
||||
|
Botryomyoes (Mikrokokkus aseoformans Johne. Mikro-kokkus botryogenes Habe). Der von Bollinger (1870) zuerst beobachtete, von llivalta, Johne und Rabe näher beschriebene Parasit tritt in brombeerenfürraigen Klumpen oder in rundlichen Scheiben von glänzendem Aussehen und scharfen Conturen von 5-10-100 /.i. Durchmesser auf (Kitt). In diesen Conglomeraten stecken, von einer zooglöaartigen Grundmasse verbunden , die etwa nur 1 /x grossen runden Kokken, welche nach Rabe am besten auf Fleischwasserpeptongelatine und Kartoffeln gedeihen, auf Agar-Agar dagegen nicht gut fortkommen. Von verschiedenen Seiten ist dieser Parasit als mit Staphylokokkus identisch betrachtet worden. Hell gelang es in fünf Fällen aus Botryomycesrasen Staphylokokkus pyo-genes zu züchten und zwar viermal aureus und einmal allms. Botryomyoes wurde bisher nur bei Thieren, namentlich bei Pferden und Rindern in und unter der äusseren Haut, im Bindegewebe, Euter und namentlich häufig in den Samensträngen bei Pferden (Funiculitis chronica) beobachtet. In seiner Wirkung unterscheidet es sich von den vorhin genannten Parasiten dadurch, dass es anscheinend weniger intensiv reizt, aber wie jener
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Fibrome.
|
381
|
||
|
|
|||
|
zu chronischen Wucherungen im Bindegewebe und zur Bildung von oft umfangreichen Geschwülsten Veranlassung giebt, welche sich von kleinen, mehr oder weniger zahlreichen Eiterherden durchsetzt zeigen; er verhillt sich also dem Aktinomyces ähnlich. Bei Pferden beobachtet man ihn häufig in der Gesehirrlage, kleinere oder grössero Geschwülste bildend. Fig. 59 stellt eine derartige Neubildung dar, wie sie Bayer bei dem Pferde beobachtete; die Abbildung wurde nach einer von Prof. Bayer mir freundlichst überlassenen Photographic hergestellt. Aber auch an der Maul-sehleimhaut (Johne, Möller) und in den submaxillaren Lymphdrüsen der
Fig. 59.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Mylcoltbrom an der Brust (nach einer Photographie von Prof. Bayer),
|
|||
|
|
|||
|
Pferde ruft der Parasit zuweilen chronische, mit Eiterung und Pistelbii-dung verbundene Neubildungen hervor, die auch als Bot ryoiuy kome bezeichnet werden. Jenson fand Botryomyces in einer Hautverdickung der Köthe des Pferdes (Fig. 58)', Hell und Jensen in der Brustbeule und in Samenstrangfisteln des Pferdes; in letzteren wurde es häufig auch in hiesiger Klinik nachgewiesen. Kitt stellte Botryomyces in einem Tumor am Schweife des Pferdes, Rabe in einer Geschwulst im Becken des Pferdes fest. H
In ähnlichen Wucherungen werden bei Pferden entweder allein oder in Verbindung mit Botryomyces Staphylokokken gefunden (S. 109).
Dass von den genannten drei Bindegewebswucherung und Eiterung erregenden Parasiten bei Thieron ebenfalls Staphylokokkus am hilufi^sten vorkommt, ergaben auch die Beobaclitungen in hiesiger Klinik. Dagegen scheint
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||
|
382
|
Tumoren.
|
||||
|
|
|||||
|
soviel festzustehen, dass Botryomyces zu allgemeinen Infectionen, zu schweren fieberhaften Erkrankungen selten, vielleicht überhaupt nicht Anlass giebt. Möglicherweise liegt dieses jedoch nur allein in der eigenthümlichen Vegetationsform begründet.
Ein zweiter Parasit, der zu bindegewebigen Neubildungen führt, ist der sog. Strahlenpilz (Aktinomyces), welcher namentlich beim Rinde, aber auch bei Pferden und Menschen beobachtet wird. Er gehört nicht zu
den Bakterien, sondern zur Gruppe Cla-
|
|||||
|
|
|||||
|
Pilaquo; 60.
|
dothrixquot;, wurde 1877 von Bollinger
|
||||
|
|
|||||
|
|
in den als Winddorn bezeichneten Kiefergeschwülsten des Rindes nachgewiesen und später auch beim Menschen beobachtet, wo er ebenfalls zu chronischen Knochenleiden führt. Beim Rinde trifft man denselben vielfach in den subparo-tidealen Lymphdrüsen und an anderen Stellen, wo er neben geringer Eiterung eine chronische Wucherung und Neubildung von Bindegewebe hervorruft.
Makroskopisch giebt sich derselbe als sandkorngrosse, gelbliche, beim Rinde oft schwefelgelbe Körnchen zu erkennen, die dem dickflüssigen Eiter beigemischt sind. Unter dem Mikroskope zeigt Aktinomyces bovis einen strahligen Bau, daher der Name. Von einem körnigen Centrum strahlen rosettenartig, diehotomisch getheilte und an ihren Enden oft etwas aufgetriebene Fäden (Fig. 60), die bei 100SOOfacher Vergrösserung leicht zu erkennen sind.
|
||||
|
Der Aktinomycespilz lässt sich
|
|||||
|
|
Aktinomyces bovis (nach Ponfik).
|
|
|||
|
schwer färben, doch gelingt dies mit der Gram sehen durch Weigert modificirten Methode. Nach Weigert kommt das Präparat aus dem Jod-Jodkalium sofort in eine Mischung von 2 Thl. Anilinöl und 1 Thl. Xylol, dann in reines Xylol und Balsam. Picrokarmin färbt ihn gelb, während das umliegende Gewebe roth erscheint. Auf Blutserum und Gelatine gelingt die Züchtung, doch erfolgt das Wachsthum sehr langsam; erst nach 56 Tagen erseheint ein kleines, graues Pünktchen, das mit dem Wachsen ein gelbes Centrum erlangt. Die durch Aktinomyces erzeugten Geschwülste bezeichnet man als Aktinomykome. Sie bestehen aus Bindegewebe, in welchem sich oft zahlreiche kleinere und grössere Eiterherde finden, welche die Aktinomycesrasen in grosser Zahl enthalten. Lieblingssitz dieser Neubildungen bildet die Parotisgegend des Rindes, doch werden solche auch an anderen Stellen, namentlich am Kiefer dieser Thiere beobachtet, üeber-tragungsversuche sind von Johne, Bostroem u. a. mit Erfolg bei Thieren gemacht worden.
Die durch Botryomyces veranlassten Fibrome führen den Namen Botryomykome (Bollinger) oder Mykodesmoide (Johne). Nach den Zusammenstellungen von Claus zeigten sich in 105 Fällen von Akti-nomykomen des Rindes erkrankt: 87mal die Maul- und Rachenhöhle, 8mal der Respirationsapparat (primär erkrankt), 2mal die Baucheingeweide,
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||
|
Fibrome.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 383
3inal der Schädel und das Unterhautgewebe am Kopfe, Imal das Euter, in 4 Fällen fehlen nähere Angaben.
Die Uebertragung erfolgt vornehmlich durch scharfe Bestandttheile der Pflanzen, Grannen, Spelzen u. s. w., welche sich dem Einde häufig in das Zahnfleisch, die Zunge oder Rachenschleimhaut einbohren und so den Pilz gleichsam einimpfen, der sich vornehmlich in Niederungsgegenden, an den Meeresküsten findet.
Man trifft die Mykofibrome am häufigsten in der Geschirrlage bei Pferden, wodurch die Vermuthung nahe gelegt wird, dass Quetschungen und Verletzungen durch das Geschirr die Infection vermitteln und so indirect den Anlass zu der Neubildung geben.
In südlichen Gegenden (Italien) wurde in ähnlichen ßindegewebs-wucherungen ein Rundwurm Spiroptera cincinnata (Ercolani) (Onchocerca reticulata, Diesing) gefunden. Bassi, Vegezzi, Rivolta, Peroncito beobachteten solche in der gewucherten Sub-cutis bei Pferden, Eseln und Hunden an den unteren Abschnitten der Gliedmassen. Vegezzi fand diese Parasiten in etwa nussgrossen Geschwülsten an der Schulter, dem Vorarm und Carpalgelenk und konnte durch Exstirpation regelmiissig Heilung erzielen.
Langsames Wachsthum, die gleichmässige, meist elastische Härte, leichte Verschiebbarkeit, glatte Oberfläche und Schmerzlosigkeit deuten auf Fibrome. Gestielte Beschaffenheit und multiples Auftreten characterisirt besonders die Warzen.
Die Behandlung muss sich in erster Linie nach dem Sitz und der Gestalt der Neubildungen richten. Kleine, gestielte Fibrome werden am einfachsten unterbunden oder mit einer Schere abgetragen; solche mit breiter Basis entweder mit Hülfe des Messers entfernt, oder durch Aetzmittel zerstört. Wo diese Behandlung nicht durchführbar erscheint, muss man in anderer Weise die Entfernung des Tumors zu bewirken suchen; unter Umständen gelingt es mit der Hand oder mit einer Korn- oder Polypenzange den Tumor abzurcissen; so z. B. in der Nasen- und Rachenhöhle sowie in den übrigen Kopfhöhlen nach Eröffnung derselben. Recidive werden am sichersten durch vollständige Exstirpation des Tumors vermieden. Flache Geschwülste ohne bestimmte Basis lassen sich auch mittelst Aetzmittel (Chlorzink, Chromsäure, Sublimat u. s. w.) entfernen, indem man diese Mittel in con-centrirter Form auf die Geschwulst bringt. Auch das Glüheisen kann unter Umständen hier Anwendung finden.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
384
|
Tumoren.
|
||
|
|
|||
|
3. Die Fettgeschwulst (Lipoma)
besteht aus mehr oder weniger entwickeltem Fettgewebe. Bildet dasselbe fast ausschliesslich die Geschwulstmasse, so erscheint der Tumor weich (L. m olle); enthält derselbe mehr Bindegewebe, so spricht man von einem fibrimatösen Lipom (L. fibrosum s. Steatoma, Speckgeschwulst); zuweilen enthält derselbe Cholestearin (Chole-steatoma) oder reichliche Mengen Pigment (L. melanodes). Abgesehen von den an serösen Häuten wuchernden oder von der Syno-vialis der Gelenke und Sehnenscheiden ausgehenden Wucherungen von Fettzellen (Lipoma arboroscens) finden sich Lipome noch am häufigsten an der äusseren Haut und den Schleimhäuten; die vom Peritoneum ausgehenden Lipombildungen haben eine chirurgische Bedeutung bisher nicht erlangt. Lipome werden bei Pferden am Rumpfe (Kühne) sowie namentlich am Hinterschenkel in der Begio cruralis (Rohdo) beobachtet. Ich sah ein Lipom von grossem Umfang in der Gegend des unteren Endes von M. biceps fern, beim Pferde. Das Gewicht desselben betrug 2G,5 Kilo. Werner ermittelte bei einem Ochsen, der an Kolik litt, durch Untersuchung per anum eine Geschwulst am Darm, welche durch Laparotomie von der rechten Flanke aus entfernt wurde, und sich als ein Lipom erwies. Das Thier war hierauf hergestellt. Im ganzen kommen Lipome bei den Thieren nicht häufig vor. E. Semmer fand bei einem Hunde, welcher an Athem-beschwerden gelitten hatte, die Lungen mit zahlreichen kleinen Lipomen durchsetzt. Beim Pferde wurden gestielte Lipome am Gekröse beobachtet, welche zu tödtlich verlaufender Kolik Anstoss geben können; in einem Falle besass das Lipom einen 0,5 m langen Stiel. Auch bei Hühnern konnte Semmer Lipome in den Eierstöcken und am Darm nachweisen. Bei dem oft gleichzeitigen Auftreten von Fibromen und Lipomen vermuthet Semmer eine gemeinsame Ursache, vielleicht ein Mikroorganismus. Fürstenberg hat die Zusammensetzung und Entstehung der Lipome bei Thieren genauer beschrieben. Er fand die Fettzellen in der gleichen Grosse, wie in dem normalen Fettgewebe der Thiere, in denselben vielfach krystallinisches Margarin. Bei den in der Regel wenig vascularisirten Lipomen erklärt sich das häufige Auftreten von Degenerationen in denselben. Fürstenberg beobachtete Verkalkung in Lipomen; Verletzungen der Lipome führen zur Bildung jauchender Wunden, deren Heilung stets auf Schwierigkeiten stösst.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Lipome. Mixorae.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;385
Die klinische Diagnose der Lipome ergiebt sich aus dem meist lappigen Bau und langsamen Wachsthum, aus der Schmerzlosigkeit und mit Ausnahme der Steatome aus der weichen Beschaffenheit. Steatorae lassen sich intra vitam von einfachen Fibromen kaum unterscheiden.
Recidive treten nach der Exstirpation nicht selten auf, zumal die Lipome meist erst operativ behandelt werden, wenn sie bereits eine erhebliche Grosse erlangt haben, so dass es oft schwer fällt, sie gänzlich zu entfernen.
Die Behandlung verlangt operative Beseitigung, da die Anwendung von Aetzmitteln oder des Glüheisens in der Regel schlecht heilende Verletzungen erzeugt. Bald lassen sich Lipome abbinden oder abreissen, für gewöhnlich aber muss das Messer zur Entfernung derselben nach den oben geschilderten Grundsätzen angewendet werden. Bevor man zur Operation schreitet, überzeuge man sich, ob das Lipom nicht mit tiefer gelegenen Theilen in Verbindung steht, wodurch die Exstirpation erschwert wird, namentlich setzt sich das Lipom mit Vorliebe auf das intermuskuläre Bindegewebe fort. Im übrigen haben diese Geschwülste klinisch keine grösscre Bedeutung.
8. Schleimgaschwulst (Myxoma).
Das verhältnissmässig seltene Vorkommen dieser Gescbvvulstart bei den Hausthieren erklärt es, dass unsere Kenntnisse über dieselbe noch äusserst lückenhaft sind. Es handelt sich um eine Neubildung nach dem Typus des Schleimgewebes. Mikroskopisch zeigt das Myxoni ein fibrilläres Stützwerk, welches mit schleimiger Substanz und mit spärlichen rundlichen, spindel- oder sternförmigen Zellen angefüllt ist. Es erscheint indess fraglich, ob alle diese Neubildungen von vorn herein Schleimgewebe enthalten; wahrscheinlich werden zu dieser Gruppe vielfältig auch erweichte, ödematöse Fibrome und Lipome gerechnet, wie schon Roll vermuthete; man spricht daher auch von Myxo-fibromen und Mj'xolipomen. Ehlers beobachtete ein Myxoma gelati-nosum in der Subcutis des Pferdes; Koch und Martin wollen im Herzen bei Kühen Myxome gefunden haben; das eine wog 750 g, und war von der Scheidewand der Vorhöfe ausgegangen, das andere lag frei im Herzen (':'). B r a t s ch i k o w beschrieb eine sulzige Bindegewebs-wucherung im Lendentheil und Kreuzbein zwischen Dura und der Wirbelsäule, welche schliesslich zur Paraplegic führte. Hamburger
Möller, Allgemeine Chinirgie für Thicvävzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 25
|
||
|
|
||
|
|
||
|
386nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Tumoren.
stellte ein Myxofibrom in der Nasenscheidewand eines Pferdes fest, welches Athembeschwerden zeigte. Ich entfernte mehrfach Myxofibrome von der Nasenschleimhaut bei Pferden. Holzmann ermittelte bei einem Hunde, welcher vor einem halben Jahre überfahren war und an Diabetes insipidus litt, bei der Section ein Myxom, welches mit Ausnahme des Halsmarkes das ganze Rückenmark umgab und zwischen Periost und Dura mater lag. Ich hatte Gelegenheit, bei Kälbern in der äusseren Haut des Rumpfes, namentlich an der unteren Fläche des Bauches, hühner- bis enteneigrosse, weiche Geschwülste zu entfernen, die sich als Myxofibrome erwiesen.
Das Myxom gehört zwar zu den gutartigen Geschwülsten, doch geht aus dem oben Angegebenen hervor, dass dasselbe durch seinen Sitz zu bedenklichen Folgen Veranlassung geben kann.
Die Behandlung besteht in operativer Entfernung, welche sich namentlich in der äusseren Haut leicht gestaltet, indem es oft gelingt, die Neubildung mit der Hand abzustreifen. Sollte das nicht der Fall sein, so müssen Messer oder Schere in ihre Rechte treten.
4. Gliom.
Bindegewebige Neubildungen, welche dem Typus des Neuroglia-gewebes entsprechen und von diesem ausgehen, bezeichnet man als Gliome. Soweit mir bekannt, ist diese Geschwulstart bei Thieren noch nicht mit Sicherheit festgestellt, jedenfalls hat dieselbe eine praktische Bedeutung bisher nicht erlangt.
Gratia beschreibt als Gliom eine Neubildung beim Hunde, welche vom Ganglion Gasseri ausging, eine längliche, haselnussgrosse Geschwulst von röthlicher Farbe darstellte, von einer glatten, festen Hülle umgeben war und im Innern eine schlaffe, fast zerfliessende Masse bildete. Die Geschwulst dehnte sich bis auf die Wurzeln der 5 Nerven aus und begleitete den Unter- und Oberkieferast desselben auf einer Strecke von 12 cm. Die umliegenden Knochen zeigten sich geschwunden; auch hatte die Geschwulst an der Varolsbrücke eine Vertiefung veranlasst, und auf die Wurzeln der N. N. abducens , facialis und acusticus einen Druck ausgeübt. Dementsprechend war während des Lebens des Jagdhundes Atrophie der Temporal- und Orbitalgegend und Lähmung der linken Oberlippe beobachtet worden, in Folge dessen die Futteraufnahme behindert war und das Thier sich hierbei oft auf die Lippe biss.
Nach Ziegler würde man diese Geschwulst, welche wahrscheinlich von den Ganglienzellen ausging, als Neuroglioma ganglionare bezeichnen müssen.
Eine praktische Bedeutung haben diese Geschwülste bei Thieren bisher nicht erlangt.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Chondrome.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 387
5. Knorpelgeschwulst (Chondroma).
Das Chondrom stellt einen Tumor nach dem Typus des physiologischen Knorpelgewebes dar. Geht die Bildung von präexistirendem Knorpel aus, so nennt man die Geschwulst eine Ekchondrose (hyperplastisches Chondrom), in einem anderen Gewebe entstanden heisst sie E n c h o n d r o m; die letztere stellt somit eine hetero-tope Neubildung dar (heteroplastisches Chondrom). Wie der physiologische Knorpel tritt auch das Chondrom als hyaliner, Netzoder Faserknorpel auf. Häufig finden sich in diesen Neubildungen regressive Processe, insbesondere schleimige Erweichung, welche zu Cystenbildung Veranlassung giebt. Nicht selten findet Ossification des Chondroms statt. Auch werden Combinationsformen, wie Osteo-Chondrome und Chondro-Sarkome beobachtet.
Im ganzen sind diese Neubildungen bei Thieren nicht häufig, doch beobachtete Siedamgrotzky ein Osteochondrom am Fesselbein einer Kuh; Ekchondrosen werden an den Rippenknorpeln gefunden (Haydfelder). Heteroplastische Enchondrome beobachtete Peach in der Lunge eines Esels, Jan son in der Unterhaut des Rindes, Smith am Colon des Pferdes, sowie im Wirbelkanal des Hundes, Kitt am Wanste des Kalbes. Am häufigsten findet man Enchondrome im Euter des Hundes, wo dieselben oft multipel und als Misch-geschwülste, namentlich als Chondrosarkome auftreten. Beim Menschen bilden Parotisgegend und Hoden Lieblingssitz der Enchondrome, wo sie bei Thieren meines Wissens bisher nicht beobachtet wurden. Die Diagn ose ergiebt sich aus der elastisch harten Beschaffenheit, sowie der kleinhöckerigen Oberfläche der Geschwulst. Am leichtesten werden Chondrome mit Carcinomen verwechselt; doch fehlt hierbei meist die Erkrankung der regionären Lymphdrüsen, welche bei Carcinomen vorhanden zu sein pflegt. Eine Härte, wie Enchondrome können auch Fibrome annehmen.
Gehören die Chondrome, namentlich die Ekchondrosen auch zu den gutartigen Neubildungen, so können sie gleichwohl Störungen veranlassen , am Rückenmark Lähmung, an den Rippen Athembeschwerden hervorrufen. Die Enchondrome metastasiren nicht selten.
Die Behandlung besteht in operativer Entfernung nach den allgemeinen Regeln. Die Unterbindung wird durch die Festigkeit der Geschwulst erschwert, ihr geringer Gefilssreichthnm erleichtert dagegen die Exstirpation mit dem Messer.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
388
|
Tumoren.
|
||
|
|
|||
|
(gt;. KnocheiigetschwuM (ONteoma).
Osteome kommen ebenfalls sowohl als hyperplastische, d.h. von vorhandenen Knochen ausgehende wie auch als heteroplastische, d. h. in einem anderen Gewebe gelieferte Neubildungen mit dem Bau des Knochengewebes vor. Die ersteren sind uns als Exostosen, Hyperostosen, Osteophyten bereits bekannt (S. 337); sie werden am häufigsten bei Pferden am Metacarpus sowie am unteren Rande des Unterkiefers beobachtet und bilden genau genommen das Product einer entzündlichen Reinigung des Periost sowie des Knochens; sie verdanken ihre Entstehung also einer Periostitis und Ostitis ossi-ficans, gehören also genau genommen nicht, hierher. Bald bestehen
Fig. 61.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Kxostosis eburnea in der Oberkieferhöhle eines Pferdes (nach Ourlt).
|
|||
|
|
|||
|
die Osteome fast ausschliesslich aus Tela ossea und zeigen sich dicht wie Elfenbein (Osteoma eburneum); bald enthalten sie mehr Mark und spongiöses Gewebe (Osteoma spongiosum). Besitzt die Geschwulst einen Knorpelüberzug, so nennt man dasselbe eine Exostosis cartilaginea.
Kitt beschrie)) eine multiple Hyperostosenbildung beim Hunde. Bei Pferden und Rindern trifft man nicht selten Knochenneubildungen in der Kopfhöhle, in der Stirn-, Oberkiefer- und selbst Schädelhöhle. Gurlt theilte mehrere Fälle der Art mit. Fig 61 zeigt eine Osteoma eburnea in der Oberkieferhöhle eines Pferdes. Goubaux hat mehrere Beobachtungen von Osteoinen in den Kopfhöhlen bei Thieren gesammelt; von Voigtländer wurde ein Osteom aus der Oberkieferhöhle eines Pferdes operativ entfernt. Zu den hyperplastischen Oste-omen dürften endlich auch die bei Pferden zuweilen angetroffenen Stirnhörner zu rechnen sein.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Osteome. Angiorae.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 389
Von den Zähnen oder dem Alveolarperiost ausgehenden Knochenneubildungen nennt man Dental-Osteome, und je nachdem sie aus Dentin oder Cement bestehen, als Dentin- be/w. Cement-Odon-tome. Degive fand beim Pferde ein Odontom, das 475,0 wog.
Das Osteom gehört zu den gutartigen Geschwülsten und erlangt nur selten eine praktische Bedeutung. Der Palpation zugänglich, kennzeichnet sich dasselbe durch grosse Härte. Dadurch wird auch die Möglichkeit ausgeschlossen, den Tumor durch Unterbindung zu entfernen. Selbst dem Messer sind die meisten derselben nicht zugänglich. Am Unterkiefer lässt sich das Osteom in der Tiegel mit Hülfe von Meissel oder Säge entfernen. Aus den Kopfhöhlen weniger leicht, und nur dann, wenn dasselbe gestielt auftritt, oder bereits abgefallen war (todtc Osteome).
7. Oefässgeschwulst (Angioma).
Als Angiom oder Gefässgeschwulst bezeichnet man Tumoren, die neben geringen Mengen Bindegeweben vornehmlich aus neugebildeten Blutgefässen bestehen. Enthält die Geschwulst fast nur erweiterte Capillaren und kleine Gcfässe, so spricht man von einer Angioma plexiforme, oderNaevus vasculosus, ein Zustand, der an der pigmentirten Haut der Thiere nur selten beobachtet wird, beim Menschen die Grundlage des Muttermales bildet. Entspricht der Bau des Angioms der Einrichtung des Corpus cavernosum, so spricht man von einem cavernösen Angiom. Fibroangiome wurden wiederholt in der Haut bei Hunden beobachtet, wo sie als weiche oder mehr derbe Geschwülste von verschiedener Grosse auftreten (Johne, Möller). Grebe beobachtete ein diffuses Angioma cavernosum an der Lippe, dem Zahnfleisch und Gaumen eines Pferdes, welches hierdurch am Kauen gehindert war; nach der Exstirpation erfolgten Recidive. Von verschiedenen Seiten (Deigenüesch, Urban, Heyneu. a.) wurden Angiome der Nasenscheidewand beschrieben, doch bleibt es zweifelhaft, ob es sich hierbei um eine wirkliche Neubildung von Gefässen, oder um Erweiterung der geräumigen Venen im Centrum venosum der Schleimhaut handelte.
Ebenso gehört wahrscheinlich die Mehrzahl der als Fungus haematodes (Blutschwamm) bezeichneten Geschwülste nicht hierher; wahrscheinlich stellten dieselben stärker vascularisirte Neubildungen anderer Art dar. Die Angiome bilden zwar gutartige Neubildungen, können indess leicht zu erheblichen Blutunoea Anlass ({eben.
|
||
|
|
||
|
.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
390nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Tumoren.
Die Diagnose Angiom lässt sich klinisch in der Regel erst stellen, wenn die Geschwulst Pulsation zeigt oder deutlich compres-sibel ist. Während der Operation kennzeichnet sich das Angiom durch die lebhafte Blutung.
Die Behandlung besteht in Bxstirpation der Geschwulst, sofern dies möglich erscheint. Die Gefahr der hiermit verbundenen Blutung kann durch Umstechung und Umschnürung der Geschwulst gemildert werden. Lässt sich dem Tumor mit dem Messer nicht beikommen, so kann das Glüheisen oder der Thermocauter entweder in Strichform, oder als perforirendes Punktfeuer Anwendung finden. Auch werden Injection von Eerrum sesquichloratum unter Umständen nützlich, doch sind hierbei dieselben Vorsichtsmassregeln zu treffen, wie bei den Varicen (S. 30t), namentlich ist Sorge zu tragen, dass die geronnenen Massen nicht in die Circulation gelangen und Embolien erzeugen. Ich suche, wo nur möglich, die Geschwulst mit einem Bindfaden zu umschnüren, der so lange liegen bleibt, bis die Injection vollendet und anzunehmen ist, dass sich die Gerinnung des Blutes vollzogen hat. Lymph angiom nennt mau die gleiche Geschwulstbildung, welche von den Lymphgefässen ausgeht; sie wurde bei Thieren bisher nur selten beobachtet. Schindelka beschreibt einen Fall vom Euter der Katze. Eine klinische Bedeutung haben dieselben bisher nicht erlangt, zumal sie klinisch kaum als solche erkannt werden.
|
||
|
|
||
|
8. Flciscligeschwulst (Sarkoma).
Eine maligne Neubildung nach dem Typus des embryonalen Bindegewebes bezeichnet man als Sarkom (Fleischgeschwulst). Der Name ist oifenbar nach der fleischähnlichen Farbe des Tumors gewählt, welche derselbe oft aber nicht in jedem Falle zeigt. Das Sarkom entwickelt sich mit Vorliebe in Bindegewebssubstanzen und nimmt oft den Charakter des Mutterbodens an; so entsteht im Knochen regelmässig das Osteosarkom, in faserigem Bindegewebe das Fibro-sarkom, in der Chorioidea ein pigmentirtes Sarkom. Ausgezeichnet ist das Sarkom durch seinen Reichthum an Zellen bindegewebiger Natur, welche sich meist in einem aus Bindegewebsfasern und Blut-gefässen bestehenden Netzwerk gruppenweise anhäufen. Ihre Form erscheint bald rund, bald stern-, bald spindelförmig; demnach unterscheidet man ein Rundzellensarkom, welches wiederum in ein gross-und ein kleinzclliges zerfällt, und ein Spindelzellcnsarkom, das
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Sarkome.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;391
ebenfalls in ein gross- und ein kleinzelliges getrennt werden kann. Als Riesenzellensarkom bezeichnet man Neubildungen, welche zahlreiche Riesenzellen enthalten, d. h. runde oder polyedrische Zellen, die eine grosse Anzahl von Kernen enthalten; sie kommen am häufigsten im Knochenmarke vor. Sarkome mit netz- oder sternförmigen Zellen finden sich vornehmlich in schleimhaltigem Bindegewebe (Myxo-sarkome). Zuweilen enthalten Zellen und Intercellularsubstanz des Sarkoms ein braunes oder meist schwarzes Pigment (Melanosar-kome), Neubildungen, welche besonders bei Schimmeln häufig vorkommen (Melanome oder Melanosen).
Ueberwiegt in dem Sarkom die faserige Zwischensubstanz, so erlangt die Neubildung eine grössere Härte und wird als Pibrosarkom bezeichnet. Bei grossem Zellreichthum zeigt sich die Geschwulst weich, oft der Hirnmasse ähnlich (Markschwamm oder Medullarsarkom). Die harten Sarkome wachsen meist langsam, die weichen, namentlich kleinzelligen, sehr schnell; letztere sind auch bei weitem gefährlicher, als die ersteren.
Die Sarkome bilden bei Thieren die gefährlichste und dabei eine der am häufigsten vorkommende Neubildung. Nach B, S e m m e r vertheilten sich 54 Sarkome wie folgt: Pferd 12, Rind 4, Schwein 2, Hund 30, Geflügel 6, Goldfisch 2. Es entwickelt sich das Sarkom vornehmlich in jüngeren Jahren, daher erscheint es auch bei Thieren ungleich häufiger als das Carcinom. Man hat Sarkome an den verschiedenen Organen beobachtet, mit Vorliebe aber scheint diese Neubildung von den serösen Häuten auszugehen; das Sarkom tritt daher häufig zunächst an inneren Organen auf und wird auf diese Weise noch bedenklicher. Aber auch die äussere Haut und drüsigen Organe bilden bei Thieren nicht selten Sitz der Sarkome; am häufigsten trifft man es bei Hunden im Euter; seltener findet es sich in den übrigen Geschlechtsorganen, so in der Scheide und Scham bei Kühen (Dexler) und der Blase (Dieckerhoff), in den Hoden und im Samenstrange (Dammann u. a.). In der äusseren Haut stellte ich wiederholt bei Hunden Sarkome fest, Brouwier in der Unterhaut, Hink in der Trachea einer Kuh; Bruckmüller beobachtete Sarkome in der äusseren Haut bei Pferden; Dam mann sowie auch ich im Schlauch bei Pferden. An den Hirn- und Rückenmarkshäuten wurden Sarkombildungen bei Pferden (Matthews, Hollander), bei Kühen (Hil-dach, Kammer mann), bei Hunden (Cadeac u. a.) beschrieben. Manche derselben gingen von der Nachbarschaft (Wirbelsäule, Luftsack) aus und waren erst später in der Schädelhöhle bezw. den
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
392
|
Tumoren.
|
||
|
|
|||
|
Rückenmarkskanal eingebrochen. In den Rapporten der Armee von 1887 (I. S. 24) wird ein Fall mitgetheilt, in dem beim Pferde das Sarkom von der Pia mater des Grehirns ausging. In der Lunge des Pferdes (Martin), Leber der Kuh (Sodero) und Magen (Psalter) des Rindes (Pauli), Milz (Leisering) wurden wiederholt Sarkome angetroffen; zuweilen ist das retroperitoneale Gewebe Ausgangspunkt der Sarkombildung (St ick er); häufig auch der Knochen (Osteosar-kome). Dieckerhoff beobachtete beim Pferde eine diffuse Erkrankung des Knochengewebes, die als myelogenes Sarkom bezeichnet wurde; auffällig bleibt das Fehlen von Metastasen bei diesem Zustande. In den Gesichtsknochen beobachtete man Sarkome bei Pferden, Rindern und Hunden (Kuhnert, Sickert u. a.); manche derselben mögen von der Schleimhaut der Kopfhöhlen ausgegangen sein, wo man ebenfalls Sarkome antraf (Dammann, Dexler, Appenrodt). Dammann stellte ein Sarkom am Armbein eines Pferdes fest; ich sah ein solches an derselben Stelle beim Hunde; auch in den übrigen Skelettknochen hat man wiederholt Sarkome gefunden. Vom Zahnfleisch bezw. den Zahnalveolen ausgehende Sarkome (Epulis sarkomatosa) sah ich wiederholt bei Hunden und Pferden; in Dresden wurden solche ebenfalls bei Pferden und Rindern festgestellt. Man fand ferner Sarkome in der Zunge, Schilddrüse, im Auge und im retrobulbären Fettgewebe. Born beschrieb ein Sarkom der Retina beim Pferde. Bayer beobachtete ebenfalls beim Pferde ein Sarkom zwischen Chorioidea und Sclera.
Bei einem Pferde, welches seit längerer Zeit an einer allmählicli zunehmenden Athembeschwerde, verbunden mit allgemeiner Abmagerung litt, fand ich ein Medullarsarkom von gewaltiger Ausdehnung. Es ging von den mediastinalen Lymphdrüsen aus, erstreckte sich durch das Zwerchfell und an der Wirbelsäule entlang bis zum hinteren Ende der Beckenhöhle.
Unter den zahlreichen Mittheilungen der Literatur mögen diese wenigen genügen, um das häufige und vielseitige Vorkommen dieser Geschwulst bei Thieren zu zeigen. Rechnet man endlich das Melanosarkom hinzu, so erscheint die Geschwulstart noch bedenklicher.
Wiederholt wurden Fälle von allgemeiner Sarkomatose bei Thieren beobachtet; so von Leisering, Sticker und Cramer beim Pferde, Ostapenko und von mir bei Hunden, Porta beim Geflügel. Die Generalisation erfolgt, wie schon Leisering beobachtete, vornehmlich durch Hineinwachsen des Sarkoms in das Lumen der Blutgofässe,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Sarkome.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;j9B
besonders der Venen, also auf embolischem Wege; daher auch die Lunge häufig Sitz der Metastasen.
Diagnose. Die klinische Diagnose stösst nicht selten auf Schwierigkeiten und muss sich vornehmlich auf folgende Punkte stützen:
a)nbsp; Auf das schnelle Wachsthum, eines der am meisten charakteristischen Zeichen der Sarkome, besonders des sehr bösartigen weichen, zellenreichen; innerhalb 14 Tagen sah ich bei Hunden Geschwülste über Faustgrösse entstehen. Fehlen an solchen Anschwellungen entzündliche Erscheinungen, und ist die Gegenwart eines Häma-toms ausgeschlossen, so liegt stets der dringende Verdacht auf Sarkom vor. Die langsam wachsenden, härteren Sarkome (Fibrosarkome) sind klinisch weniger leicht als solche erkennbar.
b)nbsp; Die regionäron Lymphdrüsen bleiben bei den Primärknoten gewöhnlich intakt, oder schwellen doch erst in späteren Stadion an; bei Secundärknoten leiden sie häufiger mit.
c)nbsp; Bald tritt das Sarkom diffus, bald mehr abgegrenzt auf; seino Oberfläche erscheint anfangs glatt, später aber wird sie durch Degenerationen im Innern des Tumors oft höckerig; im Euter bei Hunden trifft man wohl Fluctuation durch cystische Entartung (Verfettung, Sarcoma cysticum).
d)nbsp; In der Nachbarschaft der Sarkome treten oft Secundärknoten auf; die äussere Haut wird nicht so schnell in Mitleidenschaft gezogen, verwächst daher erst später mit dem Tumor als beim Carcinom; auch kommen Ulcerationen hier nicht so regelmässig und frühzeitig vor wie beim Krebs.
e)nbsp; Die Consistenz des Sarkoms zeigt sich verschieden; zellenreiche erscheinen sehr weich, oft Fluctuation vortäuschend (Pseudo-fluctuation); solche sah ich wiederholt in der Unterbaut an der Vorder-fusswurzel bei Hunden. Die Fibrosarkome fühlen sich härter, unter Umständen knochenhart an; so auch manche Sarkome in der Mamma bei Hunden, namentlich Mischgeschwülste, z. B. Sarkom mit Enchon-drom oder Carcinom. In der Regel bleiben Sarkome vollständig schmerzfrei, wenigstens bis sie ulceriren. Die Melanosarkome lassen den schwarzen Farbstoff schon durch die äussere Haut erkennen.
f)nbsp; Das Auftreten in den jüngeren Jahren; daher auch wohl das häufigere Vorkommen bei Thieren (S. 372),
Die anatomische Diagnose wird zwar in erster Linie durch das Mikroskop gestützt und soll hier nicht näher behandelt werden.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
394nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Tumoren.
Bemerkt sei nur, dass die innige Verbindung der Zellen mit dem hindegewebigen Stroma einen Gegensatz zur Einrichtung der Car-cinome bildet. Mikroskopisch erscheint beim Sarkom die Schnittfläche mehr gleichmässig, und in Folge der festeren Verbindung der Zellen mit der Grundsubstanz liisst sich auf Druck wie auch beim Ueber-streichen mit dem Messer nicht so massenhaft trübe Flüssigkeit entleeren wie beim Carcinom (vergl. S. 405).
Die Beurtheilung fällt bei nicht schlachtbaren Thieren im allgemeinen ungünstig aus. Wie schon von Ellenberger betont wurde, erscheint die Prognose bei dieser Geschwulst im ganzen um so ungünstiger, als die Sarkome mit Vorliebe von serösen Häuten und inneren Organen ausgehen und zugleich eine grosse Neigung zur Generalisation besitzen. Die Sarkomatose kann schnell aber auch sehr langsam verlaufen. In dem von Ostapenko mitgetheiltem Falle hatte sich bei dem lüjährigen Hunde erst sechs Wochen vor dem Tode ein Schwächezustand eingestellt, welcher unter Marasmus schnell zum Tode führte. Bei Pferden verläuft der Zustand oft langsam, indem allgemeine Sarkomatose längere Zeit ohne Kachexie besteht (Sticker). Auch bei Hunden habe ich Jahre lang Sarkome beobachtet, ohne dass sich ein Nachtheil auf die Gesundheit der Thiere bemerkbar machte. Das gilt insbesondere von den harten Sarkomen des Euters. Die zellenreichen, also weichen und schnell wachsenden Sarkome müssen als besonders bedenklich angesehen werden. Schliesslich kommt es für die Prognose darauf an, ob die Primärgeschwulst vor der Bildung von Metastasen vollständig zu beseitigen ist, so dass Recidive vermieden werden. Im allgemeinen reeidiviren Sarkome leicht, daher erscheint stets Vorsicht geboten.
Die Behandlung verlangt möglichst baldige und vollkommene Entfernung des Tumors; dass dazu das Messer allen anderen Hülfs-initteln vorzuziehen ist, liegt auf der Hand. Bei der Exstirpation suche man die Schnitte möglichst in dem gesunden Gewebe der Nachbarschaft zu führen und alle sarkomatösen Massen zu entfernen. Wo die Vermuthung vorliegt, dass Reste zurückgeblieben sind, lassen sich diese zuweilen durch das Glüheisen oder mit Aetz-mitteln zerstören; Arsenikpulver wird zu dem Zwecke von verschiedenen Seiten mit der Behauptung empfohlen, dass das Arsen eine speeifische Wirkung auf die weichen Sarkomzellen habe und diese schnell zerstöre.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Lymphom. Endotheliom.
|
395
|
|||
|
|
||||
|
|
0, Lymphom.
Lymphome, d. h. hyperplastische Neubildungen von Lymph-drüsengewebe kommen unter dem Einflüsse cbronischer Reizungraquo;- bezw. Entzündungsprocesse in Lymphdrüsen vor; sodann finden sich bei der Leukämie diese Organe vergrössort (ieukämische Lymphome). Ob auch heteroplastische Lymphome, d. h. Neubildungen von Lymphdrüsengewebe, die nicht von Lymphdrüsen ausgehen, bei Thieren vorkommen, erscheint noch zweifelhaft. Die bisher als Lymphome beschriebenen Geschwulstbildungen in der Ohrdrüsengegend und Rachen-höhlenschleimhant des Rindes haben meist einen mykotischen Ursprung (Aktinomyccs, Botryomyces), und muss ich hier auf die Besprechung in der speciellen Cbirurgie verweisen. Andere als Lymphome aufgefasste Neubildungen gehören zu den Sarkomen (Lymphosarkom oder malignes Lymphom).
Hink beschreibt einen Fall von malignem Lymphom bei einer achtjährigen Kuh, welche 4 Wochen vorher eine septische Vaginitis tiberstanden hatte. Sämmtliche von aussen bezw. vom Kectum aus fühlbare Lymphdrüsen zeigten sich angeschwollen. Bei genauer Untersuchung erschienen dieselben weich, markig erweicht, auf der Schnittfläche vorquellend und enthielten zahlreiche, durch ihre Grosse auffallende Mikrokokken. Blut und Milz normal. Niere und Leber mit zahlreichen, erbsen- bis haselnuss-grossen, graugelben Herden durchsetzt.
Sigl fand in sechs Fällen maligne Lymphome der Zungen- und Kehl-gangsdrtisen beim Kinde. Die für aktinomykotische Erkrankungen angesehenen Geschwülste sollen bei der mikroskopischen Untersuchung sich als Lymphome erwiesen haben.
Dieckerhoff beobachtete beim Pferde Lymphosarkome und Lympho-sarkomatose. Lymphosarkome fand derselbe in den Schlundkopf- und Luftröhrendrüsen, bei einem anderen Pferde in zahlreichen Lymphdrüsen an der Körperoberfläche sowohl wie auch in den inneren Organen.
|
|||
|
|
||||
|
10. Kmlotheliom.
Als Endotheliom oder E n d o t h c 1 k r c b s bezeichnet man neuerdings eine sarkomähnliche Neubildung, welche grössere Mengen Endothelgewebc in Form von Knoten oder Strängen enthält. Die Entwickelung derselben geht vornehmlich von dem Endothel der Gefäss-bahnen oder vom Bindegewebe aus. Da diese Geschwulstbildung beim Menschen ähnlich wie der Krebs verläuft, so hat man sie Endothel-krebs genannt. Meines Wissens ist nur eine Beobachtung dieser Geschwulstart hei Thieren bekannt; Schindelka beschreibt nämlich ein Endotheliom am Brust- und Bauchfelle des Pferdes, welches an
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
;i96
|
Tumoren.
|
||
|
|
|||
|
Dämpfigkeit gelitten hatte. Bei der Section zeigten sich Metastasen. Klinisch dürften diese Neubildungen schwerlich von Sarkom oder Car-cinom zu trennen sein.
|
|||
|
|
|||
|
B. NeuMduiigen nach dem Typus des Muskelgewebes.
1. Myom.
Das Myom (Muskelgeschwulst) besteht entweder aus quergestreiften Muskelf'iisern (Rhabclomyom, Myoma striocellulare) oder aus glatten (Leiomyoin, Myoma laevicellnlare). Ein Rhabdo-inyoma melanodes fand Kollesnikow am Schweif und im perianalen Bindegewebe bei einem älteren Pferde. Johne stellte eine Misch-geschwulst: Adeno-Sarco Uhabdomyom in der Niere eines Schweines, Gratia ein Rhabdoinyom im Verlaufe des Vagus, etwa in der Mitte des Halses fest. Von Lothes wurde ein Myoma laevicellnlare an der Cardia des Pferdemagens, von Schütz ein Myom am Jejunum, von Oadeac am Duodenum gefunden. Kitt beschreibt ein Leiomyom von -50,0 Gewicht, welches bei einem Pferde am Kniegelenke aus der Unterbaut entfernt war; in der Bauchhöhle eines Mutterschweines fand Kitt ein 13,5 kg schweres Leiomyom, das mit dem Uterushorn verwachsen war. Fetzner sah beim Pferde durch ein Leiomyom in der Wand des Mastdarmes Invagination und Tod unter den Erscheinungen von Kolik auftreten. Am Uterus, dem Lieblingssitz der Myome beim Menschen werden diese Neubildungen bei Thieren nur selten beobachtet. Gratia stellte ein Fibromyom am Gebärmutterhalse einer Kuh fest. Brück in üller erwähnt zwei derartige Fälle; bei einer Kuh erreichte die Geschwulst ein Gewicht von zwei Centnern. Franck führt unter 12 Tumoren des Uterus 9 Myome auf. Neuerdings sind von Eber 0 weitere Beobachtungen gesammelt, so dass bisher etwa 20 Fälle von Leiomyomen bei Thieren bekannt sind, während in den Jahren 18881890 beim Menschen 2305 Fälle von Uterusmyomen in der Literatur mitgetheilt wurden (Eber).
Eine Zusammenstellung der bis 1880 bei Menschen und Thieren beobachteten Myome verdanken wir Johne; demnach waren am meisten die Nieren und in zweiter Linie die Skeletmuskeln Sitz derselben.
Eber stellte bei einem Rhinoceros submucöso Leiomyome des Uterus fest, welche Störungen der Defäcation und schliesslich Mastdarmvorfall veranlasst hatten, an dem das Thier zu Grunde gegangen war.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Myom. Neuron).nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 397
Nur weiten gelingt es, diese Natur der Neubildung klinisch nachzuweisen, daher haben diese an sich gutartigen Geschwülste in chirurgischer Beziehung kein besonderes Interesse.
|
||
|
|
||
|
C. Neubildungen nach dem Typus des Nervengewebes.
2. Neurom.
Als Neurome oder Nervenfaserge.schwUlsto bezeichnet man Neubildungen, welche aus Nervenfasern bestehen und unterscheidet wahre und falsche. Die wahren Neurome sind grösstentheils aus neugebildeten Nervenfasern zusammengesetzt und kommen namentlich an neurectomirten Nerven vor. Mauri und Trasbof, beobachteten mehrfach Neurome an durchschnittenen Nerven, in Folge deren die Pferde nach 1 2 Jahren von neuem lahm gingen. Ich sah solche in spindelförmiger Gestalt 84 cm lang, 11,5 cm dick, vornehmlich nach Durchschneidung des N. medianus am centralen Stumpfe desselben wiederholt auftreten und eine neue Lahmheit erzeugen; ebenso Hardy und Hugues am N. plantaris; der Zustand entspricht etwa den Am-putationsneuromen des Menschen. Braueil fand ein gleiches nach Verletzung des N. plantaris beim Aderlass aus der Fesselvene, welcher früher vielfach üblich war. Hey entfernte von hier ein Neurom, welches eine langwierige Lahmheit hervorgerufen hatte. Nicht ganz klar erscheinen dagegen die Mittheilungen Morot's über das Vorkommen multipler Neurome bei Kühen. Bei einer derselben will M. 1315 Neurome gefunden haben, von denen 134 an der Basis des Herzens, 30 am Kehlkopfe und Zungengrunde, 358 in den Armgeflechten und 811 in den Zwischenrippenräumen sassen. Ihre (irösse schwankte zwischen der einer Erbse bis zu der einer Nuss.
Andern Mittheilungen über das Vorkommen von Neuromen bei Thieren lagen offenbar falsche Neurome, d. h. Neubildungen zu Grunde, welche von den bindegewebigen Bestandtheilen der Nerven ausgehen, und vornehmlich aus Bindegewebe bestoben, daher wohl als Neuro-fibrome bezeichnet werden; auch die Amputationsfibrome gehören zum Theil hierher. Klinisch lassen sich dieselben vqn den wahren Neuromen nicht trennen und werden ebenso wie diese behandelt, d. h. wo sie Störungen, z. B. an den Gliedmassen Lahmheiten erzeugen, operativ entfernt. In präservativer Beziehung empfehle ich bei Neu-rectomien insbesondere des N. medianus, den Nerv möglichst wenig hervorzuziehen und recht hoch zu durchschnoiden. Durch die bei
|
||
|
|
||
|
|
||
|
398nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Tumoren.
Dehnungen der Nerven eintretende Verlängerung derselben ragt der Stumpf leicht in die Wunde hinein und bildet so die Grundlage zur Bildung eines Neuroms oder Neurolibroms.
|
||
|
|
||
|
D. Geschwülste nach dem Typus des Epithelgewehes. Epitheliale Gewächse (Waldeyer).
Die epithelialen Geschwülste zerfallen in drei Gruppen, nämlich: 1. Neubildungen nach dem Typus der Deckepithelien, welche man als Papillome bezeichnet; 2. die dem Typus der Drüsenepithelien angehörigen sog. Adenome und 3, die atypischen epithelialen Geschwülste, die Carcinome.
1. PaplIIom.
Die Papillome gehen aus einer Wucherung der Deckepithelien der äusseren Haut oder Schleimhaut unter Neubildung von Bindegewebe, namentlich des Papillarkörpers und der Gefüsse hervor. Mit Rücksicht auf die Hyperplasie des Bindegewebes rechnete Virchow dieselben zu den Fibromen (Fibroma papillare). Neuerdings pflegt man die Epithelneubildung als das wichtigere aufzufassen und nennt sie wie früher Papillome. Ihr physiologisches Analogen finden dieselben in dem Papillarkörper der äusseren Haut oder den Darmzotten. Nach der Beschaffenheit ihres Deckepithels unterscheidet man harte und weiche Papillome. Zu den ersteren gehören die bei Thieren häufig an der äusseren Haut vorkommenden Warzen (Verrucae). Sie finden sich theils als einzeln stehende, erbsen- bis faustgrosse Geschwülste vornehmlich am Schlauche, der Kopfhaut und am Rumpfe bei Pferden, wo sie namentlich in der Geschirrlage recht unbequem werden können; nicht selten treten sie in grösserer Zahl auf; ich entfernte bei einem Pferde auf einmal ÜO grössere und kleinere Warzen von verschiedenen Körperstellen. Da sich immer neue bildeten, musste die Operation später mehrmals wiederholt werden. Mehrfach zeigte sich die Neigung zu Warzenbildung vererbt. Pirl beobachtete bei einem neugeborenen Fohlen ausgedehnte Warzcnbildung an der linken Halsseite, die später operativ entfernt wurde. Lehnert sah eine Kuh, welche über und über mit Warzen bedeckt war, die zusammen ein Gewicht von 4t) Pfund haben mochten. Auch trifft man diffuse, warzige Hypertrophie in der Cutis bei Pferden an.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Papillom.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ;59()
Warzen werden ferner an Schleimhäuten, namentlich solchen mit cutanem Bau nicht selten beobachtet; so im Schlünde bei Wiederkäuern (Luschka, Gessler, Schütz u. a.). üts und Johne fanden multiple Papillome in der Haube einer Kuh, welche an chronischer Blähsucht gelitten hatte.
Diese Neubildungen stehen gleichsam in der Mitte zwischen den harten und den weichen Papillomen des Menschen. Dasselbe gilt von den als Huf krebs und als verrucöse Form der Mauke bei Pferden auftretenden Wucherungen des Papillarkörpers der Cutis. Nicht selten werden Warzen in der äusseren Haut bei Pferden von mehr oder weniger zahlreichen Fibromen in der Subcutis begleitet, die in einer bindegewebigen Hülle liegen, aus der sie sich nach Spaltung derselben leicht hervorpressen lassen.
Die weichen Papillome besitzen ein weicheres Stroma und eine dünne bezw. überhaupt nicht verhornte Epitheldecke. Beim Menschen finden sie sich vornehmlich an den Geschlechtstheilen und bilden die Folge von Infectionon; bei Thieren ist diese Ursache unbekannt. Zwar kommen bei Hunden längliche, spitze Warzen am Penis und Präputium, nicht selten gleichzeitig an den Lippen vor, so dass die Vermuthung einer Infection auch hier nahe liegt (Grarcia, Johne); als nachgewiesen ist dieselbe jedoch nicht zu betrachten; auch bilden sie keine weichen Warzen, schliessen sich vielmehr den auf Schleimhäuten mit cutanem Bau auftretenden an. Ueber das Vorkommen weicher Papillome bei Thieren ist bisher nur wenig bekannt. Esser fand eine Zottengeschwulst in der Harnblase einer Kuh und bezeichnet sie als Papillom, sie bestand indess grösstentheils aus Bindegewebe und war nur von einer zarten Epithelschicht überzogen. Hutyra hat eine papilläre Neubildung am Rückenmark beim Pferde und ein endotheliales Papillom von bedeutender Ausdehnung auf der Pleura des Hundes beobachtet. Mir begegneten wiederholt dendritisch verzweigte Wucherungen am Penis und der Vorhaut bei Pferden und Himden, die vielleicht hierher zu zählen sind, zum Theil aber carcinomatöser Natur waren.
Als echte Papillome müssen die sog. Hauthörner (Cornua cutanea) betrachtet werden. Sie bestehen fast ausschliesslich aus verhornten Epithelzellen, welche auf dem vergrösserten Papillarkörper durch Wucherung an einer scharf begrenzten Stelle entstanden sind. Am häufigsten wurden solche am Halse und im Kehlgange bei Rindern (Nörner, Lesbre und Falk), aber auch bei Pferden, Fleischfressern und dem Geflügel beobachtet. Lesbre sah ein Hautkorn von 27 cm Länge am Halse eines Rindes. Cocourek constatirte Hauthörner bei
|
||
|
|
||
|
|
||
|
400nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Tumoren.
drei ungarischen Kindern desselben Stammes; das eine Hauthorn hatte eine Länge von 16 cm und eine Dicke von 3 cm erreicht; Koiranski will bei Pferden Vererbung der Hauthornbildung beobachtet haben. Savares fand Hauthörner bei Hunden, Rindern und Ziegen. Falk beschreibt ein Hauthorn am Halse eines Ochsen, das 27 cm lang und 4,5 cm dick war und bezeichnet dasselbe wegen der klauenförmig gekrümmten Gestalt als Halsklauequot;.
Die Behandlung der harten Papillome und der Hauthörner gestaltet sich einfach, sobald sie überhaupt operabel, oder mittelst Aetz-mittel (Salpetersäure, Schwefel- oder Chromsäure, Arsenik, ölüheisen) zu beseitigen sind. Dabei bleibt zu beachten, dass der hypertrophische Abschnitt des Papillarkörpers mit entfernt werden muss. Sobald die Neubildung eine grössere Ausbreitung erlangt hat, fällt die Heilung schwer. Lehnhard behandelte Warzen bei einer Kuh mit Sublimatspiritus (1:5); es wurden täglich 1015 Warzen, nachdem sie wundgekratzt waren, mit der Lösung bepinselt. Der Erfolg war sehr günstig, selbst Warzen von enormerquot; Grosse verschwanden darauf. Bezüglich des Hufkrebses und der Dermatitis verrucosa muss auf die specielle Chirurgie verwiesen werden.
Es bleibt indess zu beachten, dass namentlich bei jungen Thieren selbst ausgebreitete Warzenbildung von selbst verschwindet; so namentlich bei Kühen am Rumpfe, bei Hunden und Pferden an den Lippen; ebenso beobachtete Lübke bei einem 13 Jahre alten Pferde, welches allerdings bereits früher Neigung zu Warzenbildung gezeigt hatte, plötzlich ohne nachweisbare Ursachen eine grosse Zahl von Warzen an verschiedenen Körperstellen auftreten, welche jeder Behandlung (?) trotzten, später aber von selbst verschwanden.
2. Adenome.
Neubildungen nach dem Typus des Drüsengewebes bezeichnet man als Adenome (Drüsengeschwülste), sofern diese nicht einfache hypertrophische Zustände sondern knotige Gewächse darstellen. Je nach ihrem Vorkommen werden Talgdrüsen-, Schweissdrüsen-, Leber- u. s. w. Adenome unterschieden. Sie gehören zu den selten vorkommenden Tumoren, doch wurden solche von Johne in den Nieren, von Martin in der Leber des Rindes, von Kitt in den Gallengängen und in Talgdrüsen, sowie am Ohr bei Pferden, von Sturm in der Portio pylorica des Pferdemagens, von Siedamgrotzky in den dir-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Papillom. Carcinom.
|
401
|
||
|
|
|||
|
OUOianaldrtisen des Hundes gefunden. Ich sah Adenome im Euter und Talgdrüvsenadenome in der äusseren Haut bei Hunden. Obgleich das Adenom zu den gutartigen Geschwülsten gehört, so giebt es doch auch unter ihnen maligne, welche zu Metastasenbildung neigen.
Klinisch lassen sich dieselben nicht bestimmt als solche erkennen. Die Geschwulst wird in der Regel nicht gross, ihre Oberfläche erscheint uneben, oft lappig, ihre Consistenz verschieden. Am meisten Aehnlichkeit besitzen sie mit den Carcinomen und werden daher auch wie diese behandelt. Anatomisch bildet der Nachweis eine Membrana propria, welche die Epitlieinlassen umgiebt, das Unterscheidungsmerkmal vom Cavcinom.
|
|||
|
|
|||
|
3. KrebsgcscImuM (Carcinoma).
Als (Jarcinom (Krebs, Cancer) bezeichnet man eine atypische Wucherung von Epithelzellen, wobei sich diese unaufhörlich vermehren und die Gewebe verdrängend oder zerstörend in Form von Nestern oder Zapfen in die Nachbarschaft dringen, insbesondere auch in die Lymph- und Blutgefässe. Indem von hier keimfähige Epithelzellen oder anderweitige Seminien verschleppt werden, entstehen in den re-gionären Lymphdrüsen und selbst in entfernteren Organen Metastasen, schliesslich eine allgemeine Infection des Körpers und Kachexie (Car-cinomatose). Ob die Krebszellen aus den Elementen des Bindegewebes und insbesondere aus Endothelien hervorgehen können, wie Virchow u. a. annehmen, oder ob dieselben stets von ptiiformirten Epithelien abstammen (Thiersch, Waldeyer) ist bisher nicht endgültig entschieden. In der äusseren Haut geht das Carcinom regel-mässig vom Stratum inucosum oder von den Drüsenepithelien aus. In letzteren soll sich häufig zunächst ein Adenom entwickeln, aus dem in Folge Durchbruchs der Wucherung in die Nachbarschaft ein Carcinom bervorgeht; so erklärt sich auch das häufige Vorkommen beider Neubildungen an derselben Stelle. Die verschieden gestalteten Krebszellen liegen in einem schwächeren oder stärkeren Bindegewebstroma, welches die Gcrüstsubstanz abgiebt und zugleich die meist schwach entwickelten Ernährungsgefässe führt; daraus erklärt sich auch das häufige Vorkommen regressiver Metamorphosen (fettiger, schleimiger, colloider Zerfall) mit Cystcnbildung und nabeiförmiger Einziehung der mit der Geschwulst verwachsenen äusseren Haut (Krebsnabel). Demselben Umstände verdankt die den Krebs oft begleitende Ulceration (Krebsgeschwdr) ihre Entstehung, namentlich da, wo Verletzungen MöiiiT, Allgemeine Ohlrnrgle für Thicnirzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2(5
|
|||
|
|
|||
|
^^
|
||||
|
|
||||
|
402
|
Tumoren.
|
|||
|
|
||||
|
I :l
|
der Geschwulst oder der mit ihr verwachsenen Haut vorkommen. Auf diese Weise können durch Arrosion der Gefässe selbst profuse Blutungen entstehen.
Nach der Gestalt der Krebszellen unterscheidet man: Plattenepithel-, Cylinderepithel- und Drüsenepithelkrebse. Die erste-ren finden sich vornehmlich in der äusseren Haut, Cylinderepifchel-krebse an Schleimhäuten, die letzteren in drüsigen Organen (Mamma, Nieren, Leber, Hoden u. s. w.). Enthält die Geschwulst viel derbes Bindegewebe, d. h. prävalirt die Gerüstsubstanz, so entsteht eine harte, derbe Geschwulst, die man auch als Skirrhus bezeichnet hat; treten dagegen die Epithelmassen in den Vordergrund, so erscheint der Tumor weicher, der Gehirnsubstanz ähnlich (Carcinoma medullare); durch Einlagerung schwarzer Pigmentmassen entstehen die Melanocarci-nome, durch schleimige Umwandlung der Epithelien der Gallertkrebs (Carcinoma gelatinosum). Als C. myxomatodes bezeichnet man Krebsgeschwülste, in denen die bindegewebige Grundsubstanz, zuweilen auch die Krebszellen eine schleimige Entartung erfahren haben. Nicht selten trifft man auch Mischgeschwülste, Carcinome mit Adenomen, Sarkomen, Enchondromen oder Myxomen an. Ob die in Indien bei Pferden vorkommende, von englischen Autoren (Burke u. a.) als Bursatti bezeichnete Erkrankung auf Carcinombildung beruht, wie von jenen angenommen wird, erscheint bisher zweifelhaft.
Im Jahre 1888 wurde der hiesigen Klinik ein Pferd mit dem Vorberichte zugeführt, dass sich seit einem halben Jahre am Halse eine Geschwulst allmählich entwickelt habe. Die Untersuchung der gut genährten, 12 Jahre alten Stute ergab in der Mitte der linken Halsseite eine diffuse Geschwulst, welche 10 cm vom hinteren Halsrande, 15 cm von der Drosselrinne entfernt einen Längendurchmesser von 25 cm zeigte und etwa die Mitte des Halses einnahm. Die Geschwulst war frei von entzündlichen Erscheinungen und Hess deutliche Pulsation erkennen, welche mit der Systole des Herzens zusammenfiel. Hiernach schloss ich auf ein Aneurysma und beabsichtigte dasselbe zu unterbinden. Es trat jedoch bei dem Versuche, den Tumor freizulegen, alsbald eine so starke Blutung ein, dass ich auf das Verfahren verzichtete, und da das Pferd in dem Zustande für den Besitzer werthlos erschien, wurde es getödtet. Die Section ergab ein ausgebreitetes Carcinom, welches auf dem glatten Theil des Nackenbandes lag und sich durch einen ausserordentlichen Reichthum an Blutgefilssen auszeichnete, die offenbar auch zu der Pulsation Veranlassung gegeben hatten.
|
|||
|
|
||||
|
Der Verlauf des Carcinoms ist chronisch; die Wucherung kann Monate und Jahre lang andauern: manche Krebse wachsen schneller, insbesondere die zellenreichen, andere, namentlich die harten Primärgeschwülste langsamer. Unter Metastasenbildung in wichtigen Organen
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Carcinom.
|
403
|
||
|
|
|||
|
kommt es schliesslicli zu Marasmus (Carcinomatose). Auch diese Vorgänge spielen sich hier wie beim Sarkom bald langsamer, bald schneller ab; offenbar üben hierauf die Infectionswege, die Dignität der von den Metastasen betroffenen Organe den hauptsächlichsten Einfluss aus. Ob bei der Carcinomatose der abnorm schnelle Stoffwechsel mit lebhaftem Zerfall von Eiweisskörpern durch bestimmte Giftstoffe veranlasst wird (Klemperer) harrt noch weiterer Bestätigung.
Wenn auch nicht so häufig wie Sarkome, so kommen doch auch Carcinome bei Thieren vor. Da sie indess vornehmlich in späteren Lebensjahren auftreten, so erklärt sich, dass Carcinome am häufigsten bei Hunden und Pferden beobachtet werden, während die übrigen Hausthiere aus wirthschaftlichen Gründen in der Regel ein höheres Lebensalter nicht erreichen.
Ueber die örtliche Verbreitung des Carcinoms bei Thieren liegen noch wenig zuverlässige Mittheilungen vor; soviel steht jedoch, wie schon Johne hervorgehoben hat, fest, dass nämlich diese Verhältnisse bei den Thieren sich anders gestalten wie beim Menschen; Uterus-carcinome gehören z. B. bei Thieren zu den Seltenheiten, ebenso selten beobachtet man bei ihnen Lippenkrebse; dafür kommen bei Thieren häufig Carcinome an den Geschlechtstheilen sowie im Euter und der Schilddrüse vor. Im Euter des Hundes werden neben Sarkomen und Enchondromen am häufigsten Carcinome angetroffen. Busse will im Euter der Kuh und Do et er in dem des Pferdes Carcinome beobachtet haben; die bezüglichen Mittheilungen erscheinen jedoch nicht ganz zuverlässig. Dagegen stellten Esser, Bang, Pflug und Siedam-grotzky Carcinome der Harnblase bei Pferden und Rindern fest; Roloff fand ein Melanocarcinom am Schlauch des Pferdes, Schütz ein Carcinom am Penis des Ochsen, Leisering und Möller wiederholt am Penis bei Pferden und Hunden. Mehrfach sah ich ebenso wie Trasbot, Roll, Guillebeau u. a. Carcinome der Hoden bei Pferden und Hunden; sie breiten sich oft auf den Samenstrang, die Prostata bis in die Bauchhöhle aus. In der Harnblase des Pferdes fand Stolz ein Carcinom, das gleichfalls zur Infection der Organe der Bauchhöhle geführt hatte. In der Gebärmutter der Rinder und Hunde will Gurlt, bei Kühen auch Forster Carcinome gesehen haben. Krüger stellte ein 11 kg schweres Carcinom am Eierstock einer Stute fest, welches zur Zerreissung des Mutterbandes, zu Blutungen und Entzündung des Bauchfells mit tödtlichem Ausgange geführt hatte. Am Verdauungstractus wurden ebenfalls C. bei Thieren gefunden; von Siedamgrotzky am Pansen des Rindes, üblich am Magen eines
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
404nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'rumoren.
iiltertm Pferdes, verbunden mit erlieblichon Verdauungsstörungen (periodische Kolik). Auch in der Bauchspeicheldrüse, Leber (Martin), Peritoneum (Weber und Barrier), an der hinteren Hohlvene (Blumberg) wurden Carcinome beobachtet. Hutyra beschreibt ein medul-läres Carcinom der Schilddrüse mit Adenommetastasen in den Lungen eines Hundes und glaubt, dass sich das Carcinom aus einem Adenom entwickelt habe, wie es beim Menschen beobachtet wird. Ebenso fand man am Zahnfleisch, am weichen Gaumen und in der Schilddrüse bei Hunden, in der Schleimhaut der Stirn- und Oberkieferhöhle bei Pferden (Roll, Dammann, Czako) sowie am Flotzmaul der Rinder Carcinome. Ich hatte wiederholt Gelegenheit am Schweife bei Pferden diese Geschwulstart zu beobachten. Bei Hunden bildet die äussere Haut nicht selten den Sitz von Carcinomen. Bei dem seiner Zeit weltbekannten Tyras II. hatte sich eine Mischgeschwulst, Carcinom mit Sarkom in der Rückenhaut entwickelt, welches von mir auf operativem Wege entfernt wurde und nicht recidivirte; der Hund starb drei Jahre später an Altersschwäche. Bayer beobachtete ein Carcinom des Auges beim Pferde, welches vom Rande der Cornea ausging.
Die Ursachen des Carcinoms sind bisher ebensowenig bekannt wie Ursachen der übrigen Tumoren. Prädilectionspunkte für die Ent-wickelung der Carcinome bilden bekanntlich Stellen, welche oft wiederholten Reizungen oder Verletzungen ausgesetzt sind, doch lassen sich für diese Thatsache bei Thieren nicht so prägnante Beobachtungen aufweisen wie beim Menschen. Neuerdings hat man auch geglaubt Mikroorganismen als Ursache des Carcinoms gefunden zu haben. Dass das Carcinom ansteckend ist, d. h. auf andere Individuen übertragen werden kann, wurde schon 1870 von Novinski experimentell nachgewiesen und hat sich bei späteren Versuchen bestätigt. Ob nun aber die Krebszelle als solche eine abnorme Wachsthumsenergie besitzt, oder ob mit derselben speeifische Mikroorganismen übertragen werden, welche den Anstoss zu dem Wucherungsprocesse abgeben, bleibt vorläufig unentschieden. 1887 wollte Scheuerlen einen Bacillus als Ursache des Carcinoms gefunden haben; durch Untersuchungen und Experimente anderer Autoren ist diese Annahme zweifelhaft und die Ver-muthung nahe gelegt worden, dass es sich um einen zufällig aufgetretenen Saprophyten handelte (Proteus mirabilis). R. Thoma beobachtete im Carcinom beim Menschen einzellige Gebilde, welche er für Coccidien und die Ursache des Carcinoms hielt. Aber auch diese Annahme stiess auf Zweifel; von Ribbert wurden die ver-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Carcinom.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;405
meintliclien Organismen als degenoru'te Epitholzellen, von Schütz als rothe Blutkörperchen oder Theile derselben gedeutet. Die Frage bleibt also vorläufig noch offen.
Die klinische Diagnose muss sich auf die langsam wachsende, meist harte, knotige Beschaffenheit der Geschwulst stützen, deren höckerige Oberfläche oft ulcerirt. Das Carcinom zeigt sich in der Regel nicht scharf begrenzt, zuweilen schmerzhaft, oft mit Secundärknoten und fast immer mit Anschwellung der regionären Lymphdrüsen verbunden.
Die anatomische Diagnose ergiebt sich bei makroskopischer Untersuchung aus der Gegenwart verschiedener Gewebsarten, die sich auf der Schnittfläche bemerkbar machen, sowie aus dem Abfliessen einer milchartigen Flüssigkeit (Krebsmilch), welche grösstentheils aus Krebszellen besteht.
Die Prognose erscheint beim Carcinom stets bedenklich; je älter der Zustand, desto geringer die Aussicht auf Heilung. Als bedenkliches Zeichen gilt die Anschwellung der regionären Lymphdrüsen; aussichtslos wird der Zustand, wenn schon Zeichen der Carcinomatose eingetreten sind. Die harten Krebse, namentlich die der äusseren Haut, verlaufen günstiger, indem sie nicht so leicht zu Metastasenbildung führen; daher wurden die Hautkrebse früher auch wohl als eine besondere Art betrachtet und als Cancroide bezeichnet.
Die Behandlung verlangt möglichst frühzeitige und vollständige Exstirpation der Geschwulst mit Messer und Schere. Man operire womöglich 1 cm von der Grenze der Geschwulst entfernt, um auch die hier etwa vorhandenen, makroskopisch nicht erkennbaren Secundärknoten zu entfernen. Wo diese Massrcgel nicht beachtet wird, treten regelmässig, nicht selten aber auch trotzdem Reeidive auf; dieselben pflegen bei Menschen nach 1;{ Jahren hervorzutreten. Wo die betreffende Stelle es zulässt, kann die Operations wunde alsbald mit dem Glüheisen oder einem Aetzmittel vortheilhaft behandelt werden (Arsenik vergl. S. 395). Erscheint die Krebsgeschwulst inoperabel, so vermeide man jeden chirurgischen Eingriff, weil Verletzungen derselben zu unangenehmen Ulcerationen führen. Innerliche Mittel nutzen ebensowenig wie die intraparenehymatöse Anwendung von Argent, nitr. oder Essigsäure: bei schlachtbaren Thioren würde sich in solchen Fallen das baldige Mästen und Schlachten derselben
|
||
|
|
||
|
|
||
|
406nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Tumoren.
empfehlen. Auch sollte man z. B. bei Lieblingshunden die Gefahr der üebertragung auf den Menschen wenigstens im Auge behalten und den Besitzer darauf aufmerksam machen. Wenn auch derartige TJebertragungen nicht direct beobachtet wurden, so erscheint diese Vorsicht liier ebenso geboten, wie bei blutigen Carcinomoperationen; Massnalunen zur Vermeidung von Infectionen der Wundfläche und des Operateurs. Als eine auffällige Thatsache sei hier noch erwähnt, dass die thierärztlichen Autoritäten der Neuzeit häufig an Carcinomen litten und starben.
4. Melaiioscu.
Als Melanosen, Melanome bezeichnete man früher alle pig-montirten Geschwülste; neuerdings hat Lücke beim Menschen diese Bezeichnung für diejenigen Geschwülste in Anspruch genommen, welche vornehmlich aus Pigmentzellen bestehen. Gurlt unterschied eine Melanosis maculosa und tuberculosa; während die erstere in Schwarzfärbung normaler Gewebe besteht, umschliesst die M. tuberculosa alle pigmentirten Neubildungen. Schwarzes Pigment trifft man nicht selten an den Hirn- und Rückenmarkshäuten beim Rinde, sowie in der Serosa des Dünndarmes bei Pferden, ohne dass sich gleichzeitig eine Neigung zu Wucherungen der Gewebe bemerkbar macht, daher bleiben diese Zustände auch ohne Nachtheil für die Gesundheit der Thiere. Dagegen bilden die melanotischen Geschwülste (Melanosis tuberculosa, Gurlt) mehr oder weniger knotige Neubildungen, welche sich vornehmlich in der Subcutis bei Schimmeln entwickeln, oft am After, Schweif sowie an den Geschlechtstheilen, am Penis, aber auch an anderen Stellen des Körpers auftreten. Nach Pouohet finden sich Melanome mit Vorliebe an Stellen ein, wo leicht Störungen im Bereiche des venösen Gefässsystems zu Stande kommen: so an der Schulter, am After und in der Beckenhöhle. Die Blutstauung soll nach P. die Entstehung der Melanome veranlassen (?). Nur ausnahmsweise werden melanotischc Geschwülste bei Pferden mit farbigem Haar (Hall, Harrison, Huelsen), bei Hindern (Macgil-livray, Adam, Morot, Perroncito) und Schafen (Worsley) angetroffen.
Der erste von Morot beobachtete Fall betraf eine ä'/j Jahre alte Kuh. Beim Schlachten derselben fand sich das parietale Blatt der Pleura im Bereiche der letzten sieben Rippen auf beiden Seiten der Brust schwarz gefftrbt, wie mit chinesischer Tusche geschwärzt: auch das subpleurale
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Melanosen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 407
Gewebe war zum Theil schwarz, ebenso der Periost der Rippen. Die Lungen waren mit schwarzen Flecken übersät. Ausserdern zeigten sich die acht letzten Rückenwirbel sowie die Epithelien an der Pharynxschleimhaut zum Theil melanotisch. In einem zweiten von Morot beobachteten Falle war das parietale Blut des Peritoneums Sitz derartiger Schwarzftlrbung.
Schon Gohier behauptete, dass die Melauosen beim Pferde vererbt werden, aber nur auf die weissen Nachkommen, nicht auf solche mit pigmentirtem Haar. Dexler beschreibt ein Mclanosarkom der Herz-lymphclrüsen heim Pferde.
Man trifft diese Tumoren am häufigsten bei Pferden in den mittleren oder höhereu Lebensjahren, doch sah ich solche wiederholt hei noch nicht ausgewachsenen Pferden. Ihr Wachsthum erfolgt bald schneller, bald langsamer; nach der Exstirpntion stellen sich oft Reci-dive, bei Verletzungen und nicht selten auch spontan Ulcerationcn ein; sehr häufig werden Metastasen beobachtet, so dass es keinem Zweifel unterliegt, dass es sich um eine maligne Geschwulsthildung handelt. Vom Schweif und dem perianalen Bindegewebe breitet sich die Geschwulst oft weiter aus, kann einerseits zu Störungen der Defäcation, andererseits zu Metastasen in den Organen der Bauchhöhle führen.
Zahlreiche Mittheilungeu der Literatur haben dieses bestätigt und zugleich gezeigt, dass die Thiere schliesslich in Kachexie verfallen und an allgemeiner Geschwulstbildung zu Grunde gehen. Wiederholt beobachtet man auch Paraplegien durch Eindringen der Geschwulstmasse in den Wirbelkanal oder durch Druck derselben auf den N. ischiadicus Lähmung der Hinterschonkel (Semmer), Besnard sah ein Pferd in Folge der Geschwulstbildung in den Lungen an Hämor-rhagie zu Grunde geben. Nach Bayer soll Klencke und Goujon die Uebertragung einer Melanose von Pferd auf Pferd und Hund durch [mpfung gelungen sein.
Obgleich eine genaue Statistik über die anatomische Zusammen* setzung dieser Tumoren zur Zeit noch fehlt, so darf man schon mit Rücksicht auf das Auftreten und den malignen Verlauf annehmen, dass es sich meist um Melanosarkome und Melanocareineme handelt.
lieber die Ursachen der Melanosen ist ebensowenig bekannt wie über die des Sarkoms und Carcinoins. Der Umstand, dass diese Geschwülste vornehmlich bei Schimniehi vorkommen, hat zu der Annahme geführt, dass der Organismus die Geschwulstbildung benutze, um sich des überflüssigen Pigmentes zu entledigen. Für diese Ansicht
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
I_
|
|||
|
|
|||
|
408nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Tumoren.
hat man noch die Thatsache herangezogen, dass im Blute der mit Me-lanosen behafteten Thiere Pigmentkörner angetroffen werden.
Aber schon Bollinger hat darauf hingewiesen, dass diese Pigmentmassen aus den zerfallenen Zellen der Geschwülste stammen, aus diesen erst in die Blutbahn gelangen. Grössere Wahrscheinlichkeit erlangt daher die Annahme, dass es sich bei der Pigmentbildung um eine specifische Thätigkeit der Gewebszellen handelt; dafür spricht auch das Vorkommen pigmentfreier und pigmentirter Tumoren bei ein und demselben Individuum, wie Beeger, Leisering u. a. beobachteten. In einem von Beeger und Leisering mitgetheilten Falle war das Pferd bereits längere Zeit am Schweif, After und der Scham mit Melanosen behaftet, als sich erst später eine menschenkopfgrossc, nicht pigmentirte Geschwulst (Fibrom?) am Schweif entwickelte.
Pouchet machte auf den Niederschlag aufmerksam, welcher sich hildet, wenn Blut mit einer alkoholischen Sublimatlösung zusammenkommt; derselbe soll die Eigenschaften des natürlichen Pigments besitzen, rautenförmig krystallisiren und die gleiche Reaction zeigen. Pouchet glaubt, dass der Bildung und Ablagerung des pathologischen Pigments gewisse transformative Vorgänge vorangehen, die jedoch unbekannt sind. Pouchet weist ferner darauf hin, dass bei Schimmeln Melanosen vornehmlich da auftreten, wo die Blutcirculation auf Schwierigkeiten stösst, namentlich in den Venen, wodurch ev. rückläufige Bewegungen zu Stande kommen können.
|
|||
|
|
|||
|
Bezüglich der Beurtheilung und Behandlung der Melanosen gelten daher die an betreffender Stelle erwähnten Grundsätze. Bemerkt sei noch, dass die mit dieser Geschwulstbildung verbundene Gefahr um so grosser erscheint, je schneller das Wachsthum der Neubildung und zwar einmal, weil der Tumor dann um so früher locale Störungen (Obstipation, Behinderung der Harnentleerung) hervorruft, dann aber auch, weil die schnell wachsenden Tumoren in der Kegel eine grössere Neigung zu Metastasenbildung besitzen.
|
|||
|
|
|||
|
|
5. Gysten.
Als Balggeschwülste bezeichnet man verschiedenartige Neubildungen, welche in zwei Gruppen zerfallen, nämlich 1, in Tumoren, i n d e n o n e r s t s e c u n d ä r d u r c h E r w e i c h u n g d e r G e s c h w u 1 s t-masse Hohlräume entstehen, welche mit einer schleimigen, fettigen oder einer anderen Flüssigkeit als Product des Zerfalls angefüllt sind; man spricht hier von einem Cysto-Fibrom, Cysto-Sarkom Ui s. w. oder von einem Fibroma, bez. Sarkoma cvsticuin. 2, diesen
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
Cyston.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 409
gegenüber gelten als Cysten im engeren Sinne des Wortes wirkliche Neubildungen von Cysten, bei denen ein hilutiger Sack mit mehr oder weniger flüssigem oder breiigem Inhalt von vorn herein gebildet war. Während bei den erstgenannten die Greschwulstmasse mit dem Inhalt der Cyste im engen Zusammenhange steht, ist bei letzteren die innere Fläche der Cyste frei; Cyste und Inhalt bilden verschiedene Massen, hier ist die Cyste das Primäre, ihr Inhalt das Secundäre. Nur diese letzteren sollen hier in Betracht kommen, weil die ersteren kein weiteres Interesse haben, als sich an die Natur der NeubildUQff knüpft. Abgesehen von den durch Blutergüsse (Blutcysten) und durch Einkapselung von Fremdkörpern oder abgestorbenen Gewebs-massen entstandenen Cysten, die an dieser Stelle ebenfalls nicht berücksichtigt werden können, lassen sich mit Rücksicht auf ihre Entstehung zwei Arten von Cysten unterscheiden:
1.nbsp; nbsp;Cysten, die durch Erweiterung normal vorkommender Hohlräume entstanden sind; bald bilden diese Hohlräume natürlich geschlossene Höhlen, wie #9632;/,. B. ein Graf'scher Follikel im Ovarium oder die Acini bezw. Follikel der Schilddrüse, bald entstehen dieselben durch Verschluss der Ausführungsgänge einer Drüse, z. B. einer Talg- oder Schleimdrüse. In dem einen wie anderen Falle führt die mit der behinderten Entleerung verbundene, allmähliche Zunahme des Inhaltes zu einer Ausdehnung der Wand des Hohlraumes. Die Verstopfung oder Verwachsung einer Talgdrüse hat nothwendig eine Anhäufung des Drüsensecretes, einer mit Epidermis-zellen untermischten Fettmasse zur Folge, welche eine der Grütze nicht unähnliche Masse bildet; die so entstandene Geschwulst heisst deshalb auch Grützbeutelquot; (Atheroma). Demselben Vorgänge an einer Schleimdrüse liegt die Entwickelung der H o n i g-ge seh willst (Me lie er is) zu Grunde. Diese Bildungen nennt man im allgemeinen Retentionsgeschwillste.
Nach den [Intersuchungen Ohiaris bildet eine Verlegung des oberen Endes z, B. des Haarbalges durch Hornmassen die erste Veranlassung zur Entstehung der Cysten aus physiologischen Pollikeln; darauf folgt Erweiterung des der Einmündung der Talgdrüse entsprechenden Stückes derselben, oder es kommt zu einer Erweiterung des Talgdrüsenausführungsganges. Die Zellen der Cysten platten sich ab; in den Haarbalgcysten kommt es ausser-dem zu einer Anhäufung von Haaren und Hornmassen mit dem Secret der Talgdrüsen. Cbiari bezeichnet diese als Follikelcysten.
2.nbsp; nbsp;In anderen Fällen stellt die ganze Cyste, lt;!. h. sowohl die Kapsel wie ihr Inhalt eine pathologische Neubildung dar. Entspricht
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
410
|
Tumoron.
|
||
|
|
|||
|
die Einrichtung der Kapsel dem Bau der äusseren Haut, so spricht m an von K y s t o m e n oder ü e r m o i d c y s t e n; diese enthalten daher oft alle Producte der äusseren Haut, Haare, bei Vögeln Federn, Epithel-massen und Hautf'ott, nicht selten noch andere Grebilde, wie Hörner, Zähne u. s. w. Eine besondere Art derselben bilden die Dermoid-cysten, welche nach ihrem Inlmlt in Zahn-, Haar- oder Federbälge zerfallen.
Die grossen, tiefer gelegenen (Jysten tragen nach Chiari eine vollständige Epidermis mit basalen (Jylinderzellen und einer mehrschichtigen Lage von Retezellen, welche direct, oder durch ein Stratum granulosum in Hornmasse übergeht; auch finden sich an dem sog. Cystenbalg ausgebildete Papillen. Der Inhalt besteht aus theilweise verkalkter oder breiig zerfallener Hornmasse, untermengt mit Talg und Haaren, von denen manche noch in der Wand wurzeln. Diese letzteren Cysten betrachtet Chiari als embryonal abgeschnürte Hautpartien und bezeichnet sie deshalb als Dermoidcysten.
Derartige Neubildungen kommen bei Thieren nicht selten vor; in der Schilddrüse bezeichnet man den Zustand klinisch als Struma. Atherome finden sich am häufigsten über dem falschen Nasenloche bei Pferden, Meliceris in der Lippenschleimhaut derselben. Die von Roloff als Ketentionsgeschwülste bezeichneten Bildungen in der Rachenhöhle des Kindes stellen wohl meist aktinomykotische Erkrankungen dar. Z a h n b a 1 gg e s c h w ül s t e beobachtet man bei Pferden am Schläfenbein, dicht unter dem Ohre, aber auch in den Hoden und Eierstöcken bei Thieren (odontopoetische Dermoide). Haarbälge finden sich an verschiedenen Stellen in der äusseren Haut; ebenso trifft man sie auf der Cornea des Auges.
Bietet auch das Auftreten einigen Anhalt für die klinische Diagnose dieser Neubildungen, so lässt sich die Natur derselben doch häufig erst durch Punction oder Incision oder nach der Exstir-pation mit Bestimmtheit nachweisen. Meist stellen diese Tumoren runde oder längliche, scharf begrenzte, elastische, fluctuirende, schmerzlose Anschwellungen von verschiedener Grosse dar. Sie sind an sich gutartig, stören aber oft mechanisch durch ihren Sitz oder ihre beträchtliche Grosso, oder endlich dadurch, dass sie Ausgangspunkt maligner Neubildungen werden. Grebe beschreibt ein Kvstoma carcinomatosum vom Pferde in Verbindung mit einer Zahncyste.
|
|||
|
|
|||
|
Die Behandlung verspricht nur Erfolg, wenn zugleich der Balg mit seinem Inhalte entfernt, be zw. zerstört wird;
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||
|
Cysten.
|
411
|
||||
|
|
|||||
|
einfache Function führt niemals zur Heilung und kommt nur in Betracht, um die Geschwulst zu verkleinern. Die Zerstörung der Wand der Cyste kann durch Injection reizender oder ätzender Flüssigkeiten (Jod, Zinc, clilorat., Weingeist u. s. w.) geschehen; grösseren Erfolg erzielt man in der Regel mit vollständiger Spaltung und darauf folgender Aetzung mit den genannten Mitteln oder dem Grlüheisen. Am sichersten bleiht die Exstirpation der ganzen Cyste. Im allgemeinen empfiehlt sich, den Balg geschlossen zu entfernen, was in der Regel nicht schwer fällt, da derselbe mit seiner Umgebung nicht verwachsen ist. Nach dem Anschneiden der Cyste stösst die Exstirpation derselben auf grössere Schwierigkeiten. Bei Cysten mit festem Inhalte (Haaren, Federn, Zähnen) bildet die Entfernung derselben natürlich eine nothwendige Bedingung für die Heilung.
|
|||||
|
|
|||||
|
Literatur.
|
|||||
|
|
|||||
|
1.nbsp; Fibrom.
Johnlaquo;, Dresd. Bor, 1880. S. 58. Conrad, öurlt u, Hartwig 5. 8. 91 (Polyp im Luftsaok). Krcolani, Her. Eop. 10. S. 177 (Nasunpolypen). Diericx, das. S. 73 (l'olyp im Sclilundkopfe beim Hunde). Roloff, Gurlt u. Hertwjg 34. S. 185 (Fibrom iim Schlauch des Pferdes). Martin, Jahresbericht 1884. S. 64 (Myxofibrom im Herzen einer Kuh). Utz, Jahresbericht 1890. S. 107 (Papillom des Magens als Ursache chroniacber Ulähsucht). Schütz, Borl. Arch. 1. S. 06 (Fibroma papillare des Schlundes beim Rinde). - Fessler, Jahrb. 1886. S. 109 (ebenfalls). May,- öurlt u. Hertwig 24. S. 822 (Fibroide und Aktinomykoso in der Ohrspoicheldrüsengegond). Habe, Deutsche Zeitschrift, für Thiermed. 1887. S. 138. Bayer, Oestcrr. Zeitschr. f. wiss. Vet. 1892. S. 202.
2.nbsp; nbsp;Lipom.
Pürstenberg, Gurlt u. Hertwig 17. S. 1 u. 147 (Lipoma melanodes von der Prostata dos Hundes ausgehend). Meyer, das. S. 181 (Lipom der Conjunctiva beim Pferde). Hob de, das. 3. S. 378 (Lipom in der Reg. eruralis beim Pferd mit starker Erweiterung der Vona femor. anterior). Köhne, Gurlt u. Hertwig 32. S. 58 (Lipom unter der Brusthautmuskcl beim Pferde). Semmer, Deutsche Zeitschr. f. Thiermed. 14. S. 247. Werner, B. T. W. 1893. S. 26.
|
|||||
|
|
|||||
|
3. Myxom.
|
|||||
|
|
|||||
|
höh.
bericht 1889.
|
Spec. Path. u. Therap. 4. S. 87. Khlers, Jahrb.
|
Aufl. S. 332. Bratschikow, Jahre*-I8gt;iy. 8. 84 (Mvxoma gelatinosum in der
|
|||
|
|
|||||
|
|
|||
|
412
|
Tumoren.
|
||
|
|
|||
|
Suljcutis des Pferdes), Martin, Münch. Jahresber. 1882/83. S. 125. Bruck-müller, Lehrb. der path. Anat. S. 318. - Koch, Jahresber. 1885. S. 85. Holzmann, Jahresber. 1887. 54. (iratia, Annal. de med. vöt. 1890.
4. Gliotn. (iratia, Jahresber. 1889. S. laquo;6.
5. Ghondrom.
Peach, The Veterinarian 1851. S. 126 (Enchondrom in der Lunge eines Esels), Kitt, Münch. Ber. 1885/80. S. 75 (Enchondrom am Wanste eines Kalbes). Siedamgrotzky, Dresd. Ber. 1814. S. 43 (Osteoidchondrom am Fesselbein einer Kuh). Janson, Berl. Arch. 7. S. 207. Heyl'elder, Wiener Vierteljahresschrift 11. S. 41. Smith, Jahresber. 1888. S. 86.
6.nbsp; nbsp;Osteom,
(iurlt, Gurlt u. Hcrtwig 4. S. 505, u. Lehrb. der pathol. Anat. GCuba ux, Her. Kep. 16. S. 227. Voigtländer, Dresd. Ber. 1870. S. 29. Kitt, Miinch. Ber. 1888/89. S. 10.
7.nbsp; nbsp;Angiom.
Urban, Jahrb. 1888. S. 41. Grebe, Berl. Arch. 9. S. 356. Heyne. Jahresber. 1885. S. 76. Deigendesch, Her. Uep. 43. S. 208. Schindelkraquo;, Oesterr. Zeitsohr. f. wiss. Vet. 1892. S. 139 (Lymphangiome).
8.nbsp; nbsp;Sarkom.
Dammann, Pütz. Zeitschv. 1871, S. 123. Pauli, Berl. Arch. 7. S. 214. Goldberg, das. 8. S. 447. Kunert, das. 13. S. 371. Sickert, das. S. 371. Martin, Jahresber. 1884. S. 03. Matthews Jahresber. 1885. S. 65. Cadoac, Jahresber. 1885. S. 60. Brouwicr, Jahresber. 1888. S. 85. Semmer, das. 1888. S. 86 u. 1887. S. 48. Kamniermann, das. 1888. S. 92. Sodero, das. 1890. S. 107. - Leisering, Dresd. Ber. 1860. S. 20 u. 22. Appenrodt, Vet.-San.-Ber. 1877. Born, Berl. Arch. 2. S. 405. Ellen-berg er, Jahresber. 1888. S. 86. D ex ler, Oesterr. Zeitschr. f. wiss. Vet. 1891. S. 114. Bayer, Bildliche Darstellung dos gesunden und kranken Auges. H i nk, Jahresber. 1889. S. 98. Dieckerhoff, Spec. Path. 2. Aufl. S. 39 u, 168. Sarkomatose: Ostapenko, Jahresber. 1883. S. 164 (Hund). Cramer, Jahresber. 1888. S. 85 (Pferd, 2 Fälle). Sticker, Berl. Arch. 1880. S. 373. Leisering, Dresd. Ber. 1866. S. 20 u. 22. Porta, Jahresber. 1888. S. 85. Pray, Jahrb. 1891. S. 70. Semmer, Deutsche Zeitschr. f. Thiermed. 1892.
9. Lymphom.
Hink, Jahresber. 1891. S. 69. Sigl, das. S. 70. - Dieckerhoff. Spec. Path. u. Therap. 2. Aufl. S. 509.
10. Endotheliom.
Schindelka, Jahresber. 1888. S, 86.
|
|||
|
|
|||
|
'
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Literatur.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 413
11. Myom.
a) Rabdomyomi Johne, Dresd. Ber. 188(3. H. oü. Kolesinikow Virch. Arch. 68. S. 554 (Zeitschr. f. Vet.-Mcd. 8. S. 309). - Gratia, Jahresber, 1884. S. 88. b) Lelomyom! Kitt, Münoh. Her. 1884/85. S. 74 u. 1885/86. S. 79. van Tright, Jahrcsber. 1884. S. 105 (Myom in der Harnblase beim Hunde). Lothes, Berl. Thior. Woch. 1890. S. 185 (an der Cardia beim Pferde). Schütz, Berl. Arch. 7. S. 14 (am Jejunum). Cadeac, Revue veter. 10. S. 6. (am Duodenum). Tet/.ner, Zeitschr. f. Vet. 1890. S. 421. Hamburger, Jahresber. 1889. 8. 97. Eber, Deutsche Zeitschr. f. Tbier-med. 1892.
12.nbsp; Neurom.
Rigot, Rec. de mod. vet. 1829. S, 624. - Brau eil, Gurlt u. Hertwig 11. S. 38 (am N. plantaris). Rey, Her. Rep. 14. S. 132 (daselbst). Morot, Jahresber. 1880. S. 87 n. 1888. S. 99.
13.nbsp; Papillom.
van Httffelen, Jahrb. 1886. S, 152. Koiranski, Jahrb. 1889. S. 187. Fessler, Deutsche Zeitschr. f. Thiermed. 1886. S. !V7. Schütz, Berl. Arch. 1876. S. 00. Uta U. Johne, Jahrb. 1889. S. 107. Hutyra, Oesterr. Zeitschr. f. wiss. Vet. t. S. 115 u. IV. S. 10. Garcia, Jahresber. 1886. S. 108. Pirl, B. T. W. 1892. S. 470. - Lehnort. B. T. W. 1892. S. 69. 1, übke, Zeitschr. f. Vet.-Med. 1892.
Hauthörner: Pauli, Jahrb. 1885. S. 162. Nörner. Schweiz. Arch. 29. S. 57. Hutyra, Oesterr. Zeitschr. f. Vet. 1. S. 132. Kocourek, Jahrb. 1888. S. 152. Savarese, das. 1889. S. 78. Lesbre, das. 1891. S. 139.
14.nbsp; Adenom.
Johne, Birch-Hirschfeld, i'athol. Anat. I. S. 174. Martin, Jahresber. 1884. S. 64. Kitt, das. 1887. S. 59. Sturm, das. 1889. S. 107. Sie-damgrotzky, Berl. Arch. 8. S. 438. Falk, Berl. Tb. W. 1892. S. 174.
15. Carcinom.
Martin. Jahresber. 1884. S. 68. Weber u. Barrier, Jahrb. 1888. S. 85. Burke, Jahresbor. 1884. S. 68 U. 1888. S. 86. Üblich, Jahresber. 1880. S. 76 U. HO. Blumberg, Deutsche Zeitschr. f. Thiermed. 1886. S. 415. -Stolz, Jahresber. 1886. S. 123. Milit. Vet. Zeitschr. 1889. S. 210. - Guille-beau, Schweiz. Arch. 18. S. 168. Scheuerlen, Deut. raed. Wochenscbr. 1887. Nr. 48. R. Thoma, Fortscb. der Med. 1881). S. 413. Esser, Tb. Mitth. 1875. S. 170. Siedamgrotzky, Dresd. Ber. 1877. S. 42. Burke, Jahresber. 1889. S. 79. Bayer, Bildliche Darstellung des gesunden u. kranken Auges. Hutyra, Oesterr. Zeitschr. f. wiss. Vet. IV. S. 20. Krüger, Zeitschr. f. Vet.-Kund. 1892 (Careinomatoso beim Muulthierc). Cadeac, Jahresber. 1881. S. 47. Trasbot. Jahresber. 1886. 8. 05 (beim Pferd). Wolff, Jahresber. 1886. S. 83.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
4^4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Literatur.
16. Melanosen.
Gurlt, Lehrb. der path. Anat. 1831. S. 26. (ioliier, Profes verbal de l'ecole veter. de Lyon 1809. Macgillivray, Porroncito, Worsley, Clifford, Jaliresber. 1888. S. 85. ~ Morot, das. 1887. S. 48. Le progr. vetcr. 1892. Laurent, das. Waltlier. Dresd. Ber. 18()9. S. 35. Beeger, das. S. 36. Besnard, .lahresber. 1881. S. 49. Huelsen, Jahresber. 1887. S_ 48. E. Semmev, das. 1883. S. 164. Adam, das. 1882. S. 50. Dex-ler, Oesterr. Zeitschr. f. wise. Vet. 1892. 8. 173. - Pouchet, Journal de med. vet. 1892. Semmer, Jahresber. 1883. S. 164 (Molanosarkom). 1887. S. 48. -Morot-Troyes, Le progres veter. 1892.
17. Cysten.
Grebe, Her). Aroh. VI. S. 87.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Allgemeine ()perationslehre.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
I. Einleitung.
|
||
|
|
||
|
Die Operationslehre (Akiurgie) bildet einen Theil der Chirurgie. Im weiteren Sinne des Wortes bezeichnet man als Operationen alle mechanischen Hülfeleistungen, bei welchen chirurgische Instrumente Anwendung finden und unterscheidet daher blutige und unblutige Operationen. Zu den letzteren gehört z. B. die Application eines Katheters, die Entfernung von Fremdkörpern aus dem Schlünde, die Reposition eines fracturirten Knochens u. s. w. Im engeren Sinne des Wortes gelten als Operationen nur die blutigen, welche auch hier vornehmlich in Betracht kommen.
Zweck der Operationen bildet entweder die Abwendung drohender Lebensgefahr, z. B. beim Luftröhrenschnitt der Erstickung, oder die Heilung von Krankheiten, z. B. beim Heften einer Wunde; endlich werden verschiedene Operationen an Thieren ausgeführt, um dieselben für bestimmte Zwecke brauchbar zu machen (Castration) oder das Aussehen derselben zu verbessern (Myotomie des Schweifes).
Zahlreiche Instrumente finden bei der Ausfübrung der Operationen Anwendung; die nähere Beschreibung ihrer Einrichtung und Handhabung bildet die Aufgabe der Instrumentenlehre (Akologie), während die Verbau dl ehre (Desmologie) sich mit der Anwendung der Verbandmittel beschäftigt. Eine eingehende Betrachtung dieser Lehrgegenstände muss den speciellen Lehrbüchern überlassen bleiben, hier sollen nur die praktisch wichtigeren Fragen in Bezug auf die Instrumenten- und Verbandlehre Besprechung finden.
Die Ausführung chirurgischer Operationen setzt in erster Linie genaue Kenntnisse der Anatomie, insbesondere der topographischen Anatomie, sodann ein wissenschaftliches Verständniss für die in Betracht kommenden chirurgischen Krankheiten, zum Theil auch der Möller, Allgemeine Chirurgie für Thierärztlaquo;,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 27
|
||
|
|
||
|
#9632;#9632;
|
||
|
|
||
|
418nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Allgemeine Operationslehre.
speciellen Pathologie voraus; sie verlangt ferner scharfe und geübte Sinne, manuelle Geschicklichkeit, Ruhe, Umsicht und Besonnenheit, um auch unerwartete Zufälle richtig zu beurtheilen und ihnen event, mit Erfolg entgegen zu treten. Ein scharfes Auge, ruhige Hand und feines Gefühl sind ebenso unentbehrlich für den Chirurgen, wie eine begeisterte Hingabe zu dieser Kunst. Natürliche Anlage bildet zwar ein mächtiges Unterstützungsmittel, doch spielt die Uebung in der Ausführung von Operationen eine noch grössere Rolle.
Vor der Operation sind zunächst die Indicationen und Contra-indicationen derselben sorgfältig zu erwägen. Bei Thieren kommt stets in Frage, ob die Operation nothwendig, oder oh die Heilung nicht auch ohne solche in entsprechender Zeit zu erwarten ist. Man vergesse nicht, dass der mit der Operation erzielte Vortheil den Aufwand an Unkosten mindestens decken muss, wobei auch die mit der Operation verbundenen Gefahren in Betracht zu ziehen sind. Dem praktischen Takt des Operateurs muss es überlassen bleiben, bei aufschiebbaren Operationen diese Berechnung mit dem Besitzer vorher anzustellen; dabei versäume man nicht, denselben auf die etwaigen Gefahren aufmerksam zu machen. Wenn die Operation noch so kunstgerecht und mit Erfolg ausgeführt wird, den Besitzer befriedigt dieselbe abgesehen von den an Lieblingsthieren ausgeführten nur, wenn die Operation directen Vortheil bringt. Eine derartige Aufklärung erscheint geboten, sobald der chirurgische Eingriff aufschiebbar und mit Lebensgefahr für das Thier verbunden ist; aber auch bei relativ ungefährlichen Operationen gebietet in der Regel die Klugheit, den Besitzer des Thieres vor der Ausführung der Operation über die Folgen derselben aufzuklären, sobald Zeit und Gelegenheit dazu gegeben ist. Handelt es sich um eine Operation, die keinen Aufschub gestattet, so müssen natürlich diese Rücksichten fortfallen. Im anderen Falle nehme man bei grösseren Operationen auch auf Witterung und Tageszeit Rücksicht; castrire z. B. nicht in Zeiten und an Orten, wo ansteckende Krankheiten herrschen, welche den Verlauf der Operation ungünstig zu gestalten geeignet sind. Im allgemeinen ist der Vormittag zur Ausführung eingreifender Operationen vorzuziehen, um den bald nach denselben etwa auftretenden Folgen, z. B. Blutungen während des Tages begegnen zu können; auch bietet der Vormittag in der Regel das beste Licht. Man wähle einen schattigen, aber möglichst hellen und staubfreien Platz für die Ausführung grösserer Operationen.
Wo es sich um eine seltener ausgeführte Operation handelt.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Einleitung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;419
muss sich der Anfänger vorher einen genauen Operationsplan machen. Fast jede Operation kann nach verschiedenen Methoden ausgeführt werden; es handelt sich also darum, diejenige auszuwählen, welche am einfachsten und sichersten, am schnellsten und leichtesten ausführbar ist, und dem Patienten die wenigsten Schmerzen bereitet, ohne dass der Erfolg der Operation darunter leidet. Darüber klar geworden, führe man sich den Gang der Operation im Geiste vor und versichere sich aller Instrumente, welche zu derselben erforderlich sind oder zufällig gebraucht werden; bei blutigen Operationen muss das nöthige Unterbindungsmaterial und eine Anzahl Schieberpincetten zur Stelle sein. Man orientire sich über die anatomischen Verhältnisse des Operationsfeldes, erwäge alle möglichen Zufälle und treffe die hierbei event, notwendigen Vorkehrungen. Sobald Thiere zur Operation niedergelegt werden, beachte man die Veränderung in der Lage der Theile und suche das Thier so zu placiren, dass die Ausführung auf möglichst wenig Schwierigkeiten stösst. Auch sorge man für die nothwendigen Gehülfen, theile denselben ihre Aufgaben zu und unterrichte sie in der Ausführung derselben. Im übrigen beschränke man die Zahl der überflüssigen Zuschauer nach Möglichkeit; sie beunruhigen den Patienten, lenken die Aufmerksamkeit des Gehülfen ab und stehen der Operation im Lichte wie im Wege.
Während der Operation ist dafür zu sorgen, dass man selbst und die Gehülfen eine gesicherte Stellung einnehmen, ohne der Operation hinderlich zu werden; wähle selbst eine Stellung, die zur Ausführung der Operation die grössto Bequemlichkeit bietet, ohne das Licht von dem Operationsfeldo abzusperren. Operirt man bei grösseren Thieren im Stehen, so vermeide man eine knieende Stellung, wähle, wo an den Gliedmassen operirt wird, stets eine gebückte Haltung, um unerwarteten Bewegungen des Thieres leichter ausweichen zu können. Besonders beachtenswerth ist diese Regel bei schmerzhaften Operationen. Auch am liegenden Thiere suche man sich selbst und seine GehUlfen so zu placiren, dass durch die sträubenden Bewegungen des Thieres Niemand verletzt werden kann, selbst dann nicht, wenn die Befestigungsmittel zerreissen sollten.
Jeder operative Eingriff soll vorsichtig, aber energisch erfolgen; wo z. B. ein Schnitt zur Trennung der Gewebe ausreicht, mache man nicht mehrere und suche jeden möglichst schnell auszuführen, um dem Thiere Schmerzen zu sparen und dasselbe möglichst wenig zu beunruhigen. Niemals lasse man sich durch unerwartete Zufälle aus der Fassung bringen, sondern überlege ruhig, aber wenn nöthig
|
||
|
|
||
|
mm
|
||||
|
|
||||
|
420
|
Allgemeine Operationslehre.
|
|||
|
|
||||
|
sclinell, wie denselben entgegen zu treten ist. Sollten sich der Ausführung der Operation unvorhergesehene Hindernisse entgegen stellen, so ändere man dementsprechend seinen Operationsplan. Vorsicht, Ruhe und Geschicklichkeit helfen über solche Schwierigkeiten am besten fort.
Nach der Operation ist der Patient möglichst günstig zu placiren, und wo etwa die Gefahr einer Nachblutung bestehen sollte, muss derselbe beaufsichtigt werden, Man unterrichte den Besitzer über die möglicherweise auftretenden Störungen und die hierbei zu leistende erste Hülfe, treffe die zur Nachbehandlung erforderlichen Anordnungen und suche alles von dem Thiere fern zu halten, was den Erfolg der Operation in Frage zu stellen geeignet erscheint. Dazu gehören namentlich Vorkehrungen, dass die Thiere die Operationsstelle nicht verletzen (zweckmässiges Anbinden event. Bewachung). Bleibt der Operateur nicht in der Nähe des Patienten, so empfiehlt sich, den Besitzer auf diejenigen Erscheinungen aufmerksam zu machen, welche ein sachverständiges Eingreifen erfordern.
|
||||
|
|
||||
|
|
1, Die zur Ausführung der Operationen in Anwendung kommenden Beruhigungs- und Zwangsmittel.
Da die meisten Operationen mit mehr oder weniger Schmerzen verbunden sind, so werden die Thiere bei Ausführung derselben unruhig, widersetzen sich und stören dadurch nicht allein die Operation, sondern gefährden sich selbst, den Operateur und seine Gehülfen; es werden daher Mittel erforderlich, welche das Gelingen der Operation sichern. Aengstliche, namentlich junge Thiere suche man durch Zureden, Klopfen oder Streicheln zu beruhigen; doch genügt dieses nur bei kurzen und wenig schmerzhaften Operationen. Bösartige Thiere, namentlich Pferde, die beissen oder schlagen, wenn sie berührt werden, lässt man einen Tag hungern und dursten, dabei aber, wenn möglich, tüchtig arbeiten oder bewegen.
Es liegt auf der Hand, dass diese Mittel bei den einzelnen Thier-arten verschieden ausfallen müssen.
a) Zwangsmittel, welche bei Pferden angewendet werden.
Bei Pferden kommt es nicht bloss auf die Schmerzhaftigkeit und Dauer der Operation, sondern mebr noch auf die Empfindlichkeit und das Temperament der Thiere an, welche Beruhigungs- und Bändigungsmittel erforderlich werden. Man überzeuge sich zunächst von dem Charakter
|
|||
|
|
||||
|
|
|||
|
Zwangsmittel bei Pferden.
|
421
|
||
|
|
|||
|
des Thieres, suche zu ermitteln, ob es besonders empfindlich oder kitzlich ist, indem man in der bekannten Weise die einzelnen Körpertheile des Thieres berührt und hierbei die Vorsichtsmassrcgeln beachtet, die in meiner Diagnostik der äusseren Krankheiten eingehend beschrieben sind. Nur selten lassen sich Operationen bei Pferden im Stalle ausführen, in der Regel ist dazu ein freier Platz erforderlich, weil Pferde auf schmerzhafte Eingriffe dadurch reagiren, dass sie gegen den Operateur drängen. Dieser muss sich daher stets den Rücken frei halten, um in der Lage zu sein, dem andrängenden Thiere auszuweichen. Schon aus diesem Grunde sucht er mit der einen Hand einen festen Stützpunkt am Pferdekörper, indem er die Mähne des Thieres oder den Deckgurt erfasst, oder die Hand gegen die Kruppe des Pferdes stützt. Mit einer Trense versehen der Kappzaum ist entbehrlich, lässt man bei Operationen am Vordertheil den Kopf des Thieres tief, bei solchen am Hintcrtheil dagegen hoch halten und bei Operationen am Rumpfe oder den Hintergliedmassen den Vorderfuss der Seite aufheben, an welcher operirt werden soll. Gegen das Beissen schützt man sich am sichersten durch Erfassen des BackenstUckes der Trense. Am meisten gefährdet ist man hinter und vor dem Pferde; man suche daher an der Seite des Thieres Stellung zu nehmen. Schmerzlose Operationen z. B. am Hufe lassen sich auf diese Weise in der Regel ausführen, sobald aber Schmerzen mit dem operativen Eingriff verbunden sind, werden weitere Hülfsmittel erforderlich. Dahin gehören:
1. Die Bremse '). Als solche bezeichnet man Instrumente, durch welche an dem einen oder anderen Körpertheile des Thieres ein heftiger Druck ausgeübt und Schmerz erzeugt wird, der die Aufmerksamkeit des Thieres von den operativen Eingriffen ablenkt. Wie jeder an sich selbst erfahren, lässt der lebhafte Schmerz den geringeren an einer anderen Körperstelle nicht zum Bewusstsoin kommen; auch übt die Bremse bei manchen, namentlich edel gezogenen, warmblütigen Pferden eine geradezu betäubende Wirkung aus; bei schweren Arbeitspferden zeigt sich die Bremse zuweilen fast wirkungslos.
Als Nasenbremsen verwendet man zwei Arten, nämlich 1. die Stock- oder Strickbremse und 2. die eiserne Bremse. Die erstere (Fig. 52) wird in der Weise angelegt, dass man die Strickschleife bis zur Handwurzel über die Finger der linken Hand schiebt,
|
|||
|
|
|||
|
') Die Bezeiclmung Bremsequot; hängt wahrschoinlich mit dem lat. premerequot; zusammen.
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
422
|
Allgemeine Operationslehre.
|
|||
|
|
||||
|
mit letzterer die Oberlippe des Pferdes erfasst, die Schleife auf diese schiebt und durch Umdrehungen des Stockes die Oberlippe kräftig zusammenpresst. Die Bremse wird nun von einem Gehülfen gehalten, der dieselbe auf Anordnung des Operateurs kräftiger anzieht und zeitweise lockert. Wo solche Hülfe nicht zur Hand ist, kann die Bremse mit Hülfe einer, am unteren Ende des Stockes befindlichen Strippe an der Trense befestigt werden. In Ermangelung einer Bremse bildet man aus einem Strick oder recht dicken Bindfaden eine 1520 cm weite Schlinge und schiebt durch diese, nachdem sie wie oben beschrieben über die Oberlippe des Pferdes gelegt, einen kurzen
|
||||
|
|
||||
|
Fig. 63.
|
||||
|
|
||||
|
Fisr. G2.
|
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
Htockbremse.
|
Eiserne Bremse.
|
|||
|
|
||||
|
Stock oder Stück Holz und schnürt so die Lippe des Thieres zusammen (Knebelbremse).
Die eiserne, ihrer Gestalt wegen auch wohl Zirkelbremse (Fig. 03) genannt, besteht aus zwei ca 20 cm langen, abgerundeten Eisenstäben, die an einem Ende durch ein Charnier beweglich mit einander verbunden sind. An dem freien Ende des einen Schenkels befindet sich ein beweglicher, länglicher Ring, der über das gekerbte Ende des anderen Schenkels geschoben werden kann. Die geöffnete Bremse wird senkrecht über die mit der linken Hand erfasste Oberlippe gelegt und mit der rechten Hand geschlossen, worauf die rechte Hand den Ring über den zweiten Schenkel der Bremse schiebt.
Die Wirkung ist bei beiden Bremsen die gleiche, und da die
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Anwendung dor Bremse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;423
Stockbremse leichter zu transportiren ist, so hat sie in Deutschland die eiserne Bremse mehr und mehr verdrängt. Wenn nach wiederholtem Gebrauch an demselben Pferde die Oberlippe wund geworden, oder zufällige Verletzungen oder Entzündungen die Anwendung der Bremse hier unmöglich machen, kann dieselbe auf die Unterlippe gelegt werden, doch ist die Wirkung hier nicht so gut wie an der Oberlippe. Wurde die Bremse an der Trense befestigt, so vergesse man nicht die Abnahme derselben, wodurch Absterben der Lippe eintreten kann. Im übrigen kann die Bremse während der Operation unter Umständen eine Stunde und darüber ohne Nachtheil liegen blieben. Allerdings lässt ihre Wirkung allmählich nach und hört schliesslich ganz auf, sobald die Lippe unempfindlich geworden ist. Am wirksamsten ist sie gleich nach dem Anlegen, daher empfiehlt sich, dieses erst kurz vor dem schmerzhaften Eingriff vorzunehmen, oder die Bremse in diesem Momente kräftiger anziehen zu lassen. Nach Abnahme der Bremse reibt man die Lippe des Thieres, um die gestörte Circulation in derselben wieder zu beleben.
Weniger gebräuchlich ist in Deutschland die Maulbremse, auch polnische oder ungarische Bremse genannt1). Ihre Anwendung beschränkt sich auf Fälle, in denen die Application der Nasenbremse auf Schwierigkeiten stösst; wenn z. B. die Thiere sich zu dem Zwecke nicht ankommen lassen, sondern schlagen und beissen. Die Maulbremse besteht aus einer 34 m langen Leine, die an einem Ende mit einer Oese oder besser noch mit einem Ringe versehen ist. Die durch Einschleifen des anderen Endes des Strickes durch diese Oese gebildete, etwa 1 m lange Schlinge wird dem Thier durch das Maul und über das Genick gelegt. Lässt man nun das Ende des Strickes anziehen, so presst die Schlinge die Backen des Pferdes gegen die Backzähne, wodurch dem Thiere erhebliche Schmerzen bereitet werden. Diese Methode erscheint vortheilhafter als das Zusammenschnüren des Strickes mittelst eines Knebels auf der Backe des Thieres. Nachtheilige Folgen habe ich nach Anwendung dieser Bremse niemals beobachtet, doch sollte man die Anwendung derselben auf jene Fälle beschränken, in denen das Thier nur auf diese Weise zu überwältigen ist, und solche Fälle kommen, wenn auch vereinzelt, vor.
Die Ohr bremse besteht aus einem einfachen, nicht zu dünnen Stock; ein Besenstiel kann dazu benutzt werden. Man sucht um das
|
||
|
|
||
|
') In Frankreich nennt man diese mit Unrecht deutsches Gebissquot; = Mors d'Allemagne.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
424nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
dünnere Ende des Stockes die Ohrspitze des Pferdes zu rollen, und indem man nun den Stock um seine Längsachse dreht, wickelt sich das Ohr weiter um den Stock und wird durch diesen mehr oder weniger gepresst. Die Wirkung der Ohrbremse zeigt sich bei den einzelnen Pferden sehr verschieden: bei manchen beruhigt sie sehr, bei anderen wirkt sie gar nicht. Der mit der Ohrbremse erzeugte Schmerz scheint nicht gross zu sein, dagegen das ungewöhnliche Gefühl zu wirken, das man in einfacherer Weise durch Einführen eines Fingers oder einer Bleikugel in das Ohr des Thieres hervorrufen kann; auch das Erfassen beider Ohren von zwei kräftigen Gehülfen ist namentlich bei Operationen am Kopfe des Pferdes zu empfehlen. Alle diese Mittel wirken bei unruhigen Thioren zuweilen überraschend, oft aber auch nicht.
Die Schenkelbremse kommt hauptsächlich am liegenden Pferde in Betracht und soll beim Werfen desselben besprochen werden.
2. Befestigung einzelner Körpertheile. Wie bereits erwähnt, lässt man das Pferd in der Regel von einem kräftigen und beherzten Manne am Trensenzügel halten, der sich mit dem Thiere beschäftigt, um die Aufmerksamkeit desselben von dem Operateur abzulenken. Bei manchen Pferden empfiehlt sich, dieses durch Drohungen mit einem Stock zu bewirken, mit dem erforderlichenfalls dem Thier von Zeit zu Zeit ein leichter Schlag versetzt werden kann. Bei bösartigen Pferden und solchen, welche die Neigung haben zu steigen, lasse man den Gehülfen zur Seite des Kopfes treten, weil er vor dem Pferde stehend, in die Gefahr kommt, von den Vorderfüssen desselben verletzt zu werden. Hiergegen schützt auch die Anlegung eines Strickes um beide Füsse oberhalb der Carpalgelenke (Kniefessel) oder einer Schlinge, die vom Bauchgurt aus über den einen oder andern Vorarm gelegt wird. Zu demselben Zwecke kann ein Vorderfuss mit dem Hinterfuss derselben Seite zusammengebunden werden.
a) Bei Operationen am Kopfe ist das Niederbinden desselben zu empfehlen. Ein langes, starkes Tau, .am Kinnstück der Halfter befestigt, wird durch einen in der Brusthöhe des Pferdes an der Wand befindlichen Ring gezogen und von einem Gehülfen gehalten. Oder man führt den Strick vom Kinn zwischen die beiden Vorderbeine des Thieres und unter den Bauchgurt hindurch, schlägt ihn hier um und führt ihn zur Halfter zurück, wo das Ende befestigt wird. Man benutzt diese Hülfsmittel bei Operationen am Kopfe und den oberen Theilen des Halses; ruhige Thiere lassen sich den Kopf und Hals durch Ergreifen der Ohren von ein paar kräftigen Männern
|
||
|
|
||
|
|
|||||
|
Befestigen der Füsse des Pferdes.
|
425
|
||||
|
|
|||||
|
leicht herunterdrücken. Zu vermeiden ist dagegen kurzes Anbinden, namentlich mittelst einer Kette; wenn sich die Thiere heftig sträuben oder gar niederwerfen, kommen sie in die Gefahr, sich einen Bruch der Halswirbel zuzuziehen, das Genick zu brechen.
b)nbsp; Das Hochbinden des Vorderfusses. Wenn es nicht gelingt, einen Vorderfuss andauernd hochzuhalten, so lässt sich derselbe mit Hülfe eines Strickes befestigen. Zu dem
|
|||||
|
|
|||||
|
|
Fig. 64.
|
|
|||
|
Zwecke legt man um die Fessel die Schlinge
|
|||||
|
|
|||||
|
eines Strickes und führt an dem wie zum Beschläge aufgehobenen Fusse den Strick in Achtertouren um Fessel und den oberen Abschnitt des Vorarms (Fig. 64), das Ende desselben wird von einem Gehülfen gehalten, um im Nothfalle, namentlich wenn das Pferd sich heftig bäumt oder gar stürzt, den Fuss schnell zu befreien. Aus diesem Grunde soll das Ende des Strickes nicht festgebunden werden.
c)nbsp; Befestigung der Hinterfüsse. Bei wenig schmerzhaften und kurzen Operationen an einem Hinterfüsse genügt das Aufheben desselben wie beim Beschläge, event, unter Anwendung eines Handtuches oder Gurtes, der um
|
|
||||
|
|
|||||
|
die Fessel gelegt wird und das Halten des Fussesnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;*=?^
erleichtert. Kann die Operation am belasteten Hochbinden des Vorderfusses
*nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;, , , ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (Kmeiessel).
Fusse ausgeführt werden, so empfiehlt sich,
denselben mit Hülfe eines Taues an den gleichseitigen Vorderfuss zu
befestigen, oder ein um die Fessel gelegtes Tau nach vorn zwischen
beide Vorderbeine hindurch zu führen, dann um den Hals zu
schlingen und von einem Gehülfen halten zu lassen (Spannen des
Hinterfusses). In gleicher Weise werden beide Hinterfüsse bei
Untersuchungen per anum c. vaginam und Operation am Hintertheil
befestigt (Fig. 66).
d)nbsp; Die Noth wände und Roth stände werden mehr zur Ausführung des Hufbeschlags, namentlich bei Pferden kaltblütiger Kassen (Belgien, Frankreich) in Anwendung gebracht als zu chirurgischen Operationen. Als Nothwand bezeichnet man eine Bretterwand, die in der Regel auf einer Seite gepolstert und mit Löchern und Ringen versehen ist, an welchen die Thiere befestigt werden. Man hat dieselben auch wohl beweglich eingerichtet, so dass die Wand durch eine Drehvorrichtung in horizontale Lage gebracht werden kann und
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||||
|
426
|
Allgemeine Operationslehre.
|
|||
|
|
||||
|
das zu operirende Pferd auf derselben liegt (Operationstisch). Auf diese Weise soll das Niederlegen der Thiere und die damit verbundene Gefahr vermieden werden (S. 435). In Frankreich werden diese Vorrichtungen auch gegenwärtig wohl noch benutzt, in anderen Ländern haben sich dieselben jedoch keinen Eingang verschaffen können. Wenn bei ruhigen, kaltblütigen Pferden diese Art der Befestigung auch gelingt, so stösst sie bei edleren Thieren auf grössere Schwierigkeiten als das Werfen.
|
||||
|
|
||||
|
Fig. 05.
|
||||
|
|
||||
|
|
|
|||
|
|
||||
|
Spannstock für dnn Hals und das Spannen der Hinterfüsse.
|
||||
|
|
||||
|
Aehnlich verhalten sich die sogen. Nothstände, welche aus vier starken Säulen bestehen, die durch Querbalken fest mit einander verbunden sind. Das in den Nothstand geführte Pferd wird zwischen diesen befestigt; mittelst Hollen lassen sich die Füsse des Thieres hochheben und fixiren. Auch sie finden in Deutschland wenig Anwendung.
Zur Bewältigung widerspenstiger Pferde wurde von zwei französischen Offizieren (R aab e und L u n e 1) eine Vorrichtung erfunden, den sie Lasso-dompteurquot; nannten. Der Apparat (Fig. 66) be-
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Werfen der Pferde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 427
steht aus einem starken ledernen Vorder- und einem Hinterzeug, welche durch Riemen zusammengehalten und so befestigt werden, dass sie in der Höhe der Vorarme bezw. der Unterschenkel liegen. Auf diese Weise wird den Pferden die Möglichkeit genommen auszuschlagen; auch soll durch diese Einschränkung der freien Bewegung ein psychischer Eindruck auf die Thiere ausgeübt werden, so dass selbst bösartige Pferde bei Anwendung des Apparates sich ruhig verhalten, Operationen sowie das Anlegen der Fessel zum Zwecke des Werfens sich ruhig gefallen lassen.
e) Das Werfen der Pferde. Die oben beschriebenen Methoden genügen bei Pferden für weniger schmerzhafte und kurze Zeit dauernde Operationen; bei zeitraubenden und schmerzhafteren Opera-
Fig. 66.
|
||
|
|
||
|
Lasso-domptour.
tionen wird aber in der Eegel das Werfenquot;, Abwerfenquot;, d. h. das Niederlegen derselben an die Erde nothwendig, denn nur auf diese Weise bekommt man volle Gewalt über das Thier. Das Verfahren ist indess keineswegs ungefährlich, indem hierbei zuweilen Brüche der Wirbelsäule oder der Schenkelknochen auftreten. Man hat verschiedene Methoden des Werfens der Pferde empfohlen; aber keine derselben gewährt absolute Sicherheit, derartige unliebsame Ereignisse zu vermeiden. Welche Methode man aber auch wählen mag, in erster Linie kommt es auf exacte Ausführung derselben an. Es würde zu weit führen, auf die verschiedenen Methoden des Abwerfens hier genauer einzugehen; ich beschränke mich vielmehr darauf, neben dem in hiesiger Klinik seit langer Zeit üblichen Verfahren, die übrigen in Kürze mitzutheilen und auf die wesentlichen Unterschiede aufmerksam zu machen.
In der Privatpraxis erfolgt das Abwerfen auf Stroh, welches auf
|
||
|
|
||
|
|
||||||||
|
428
|
Allgemeine Operationslehre.
|
|||||||
|
|
||||||||
|
|
einem möglichst weichen Boden ausgestreut ist; Düngerhaufen, Rasenplätze sind hierzu besonders beliebt. Je härter der Boden, desto stärker muss die Strolmnterlage sein, um namentlich Fracturen der Hippen und des Beckens zu verhüten. Je nach der Härte des Bodens ist ein Strohlager von 2050 cm Dicke erforderlich; auf hartem Boden, namentlich Pflaster, muss die Streu noch reichlicher ausfallen. Da wo der Kopf des Pferdes zu liegen kommt, breite man eine Decke aus, um Verletzungen des Auges zu verhüten. Handelt es sich um Operationen, bei denen Asepsis angestrebt werden soll, so feuchte man sowohl das Lagerstroh wie auch die Lagerstätte vorher an (S. 95). In hiesiger Klinik, wo man aus anderen Umständen gezwungen war, die Pferde auf Steinpflaster niederzulegen, benutze ich seit mehreren Jahren mit Vortheil eine Matratze von 3 m Länge und 2 m Breite, die, mit starkem Leder bezogen, dauerhaft ist und leicht gereinigt werden kann.
1. Das Berliner Wurfzeug nach Dieterichs besteht: a) aus einer sogen. Hauptfesselquot;, d.h. einem starken, mit einer Schnalle versehenen, innen gepolsterten Riemen, der in einem Ring ein ca. 6 m langes, starkes Seil trägt, und drei ebenso gebauten Fesseln jedoch ohne Seil;
ß) aus einem ca. 6 m langen, handbreiten Gurt, der entweder aus starkem Hanf oder doppeltem Lederriemen besteht;
Y) aus der sog. Schenkelbremse, einer ca. 50 cm langen Schleife, gebildet durch einen handbreiten Gurt und einem
|
|||||||
|
|
||||||||
|
|
||||||||
|
|
Fig. 67.
|
|
||||||
|
etwa 50 cm langen, 85 cm dicken, gut ge-
|
||||||||
|
|
||||||||
|
|
|
glätteten runden Stock (Fig. G7). (Ein Besenstiel lässt sich an Stelle desselben verwerthen.)
Es ist üblich, Pferde zum Niederlegen vorzubereiten, indem man ihnen 612 Stunden vorher das Futter entzieht, um die bei starker Füllung des Magens mit dem Werfen verbundene Gefahr der Zerreissung desselben zu umgehen. Allerdings ist diese Gefahr nicht so gross, wie oft angenommen wird, dagegen empfiehlt sich, Thiere, deren Harnblase übermässig angefüllt ist (Harnverhaltung) überhaupt nicht oder mit besonderer Sorg
|
||||||
|
falt niederzulegen. Unruhigen und bösartigen
|
||||||||
|
|
Schenkelbromsc.
|
|
||||||
|
Pferden wird zweckmüssig vorher Futter und Getränk entzogen, um sie ruhiger zu machen.
So vorbereitet wird das Pferd, mit einer Trense versehen, an das
|
||||||||
|
|
||||||||
|
|
|||
|
Werfen der Pferde.
|
429
|
||
|
|
|||
|
Lager herangeführt und demselben eine Nasenbremse angelegt; der hiermit beschäftigte Gehülfe bleibt vor dem Pferde stehen und richtet den Kopf des Thieres etwas seitwärts und abgewendet von der Streu. Sobald dies erfolgt ist, lässt man den von der Streu abgewendeten 1) Vorderfuss aufheben und unter dem Fesselgelenk die Hauptfessel anlegen, so dass die Schnalle lateralwärts liegt. Zu gleicher Zeit werden
Pig. 68.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Jiciliner Methode des Werfens.
|
|||
|
|
|||
|
die übrigen drei Fesseln in derselben Weise angelegt, so dass der Ring derselben nach dem Bauche des Pferdes, also an der Vorderfessel nach hinten, an den Hinterfesseln nach vorn, die Schnalle nach aussen gerichtet ist, während ein anderer Gehülfe den Gurt von der Streuseite aus über den Widerrist des Pferdes legt, von wo er zwischen beide Vorderbeine hindurch wieder zurückgeführt (Fig. G8) und von
|
|||
|
|
|||
|
') Der Kürze wegen wollen wir die Füsse dieser Seite mit Rücksicht auf die spätere Lage desselben die oberen, die der anderen Seite die unteren nennen.
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
430
|
Allgemeine Operationslehro.
|
|||
|
|
||||
|
|
24 Geliülfen gehalten wird. Während die Fesseln angelegt werden, hält ein Grehülfe das Ende des Taues von der Hauptfessel bereit und reicht es dem mit der Anlegung der Hinterfessel derselben Seite beschäftigten, welcher dasselbe durch den King zieht und zum anderen Hinterfusse weiter reicht; A^on hier aus wird das Ende des Taues durch diese Fessel gezogen und zunächst zum unteren, endlich auch zum oberen Vorderfuss, d. h. durch den King der Hauptfessel geführt. Alle vier mit der Application der Fessel beschäftigten Gehülfen suchen das Tau weiter zu führen, bis es schwach angespannt ist. Dann wird der aufgehobene Vorderfuss langsam heruntergelassen, und sobald der Operateur fertigquot; ruft, commandirt der Gehülfe, welcher den Schweif des Thieres erfasst hat, in gleichmässigem nicht zu langsamen Tempo: eins, zwei, drei. Auf das kommende dreiquot; ziehen die mit der Anlegung der Hauptfessel und der gleichseitigen Hinterfessel beschäftigt gewesenen Gehülfen, event, unterstützt von zwei kräftigen Leuten, das Tau der Hauptfessel kräftig an, und zwar etwas nach dem Hinter-theil des Pferdes zu, während die an der anderen Seite beschäftigt gewesenen Gehülfen mittelst des Gurtes den Kumpf des Thieres zur Seite ziehen. Der am Schweif angestellte Gehülfe sucht durch einen kräftigen Gegenzug oder durch Zurückdrängen der Kruppe während des Fallens zu verhindern, dass das Kreuz des Thieres zuerst auf den Boden kommt, wodurch leicht Brüche des Beckens eintreten. Ebenso hält der am Kopfe stehende Gehülfe diesen etwas zurück, um Halswirbelbrüche zu verhüten. So gelangt also zuerst die Schulter des Pferdes auf den Boden, darauf erst Kopf und Kreuz. Es ist zweck-mässig, dass die Füsse des Pferdes beim Werfen in gleicher Höhe stehen; jedenfalls vermeide man, dass der untere Hinterfuss weiter nach vorn (unter dem Leib) steht als der andere Hinterfuss; dadurch erlangt das Pferd eine Kraft in diesem Fuss, um im Moment des Fallens entweder nach vorn zu drängen oder sich in die Höhe zu heben. Aus demselben Grunde empfiehlt sich, dass Vorder- und Hinterfusse weit aus einander stehen. Sobald das Pferd liegt, setzt sich der am Schweif beschäftigte Gehülfe auf die Kruppe des Pferdes, um dieselbe zu belasten, während die bis dahin am Gurt beschäftigten im Verein mit dem Geliülfen am Kopfe, diesen und den Hals des Thieres zu strecken suchen, um die Kückenmuskeln zu entspannen. Durch die Belastung der Kruppe werden Seitwärtswendungen im Kücken, durch die Entspannung der Kückenmuskeln energische Krümmung der Wirbelsäule nach oben und auf diese Weise Brüche der Kücken-oder Lendenwirbel verhütet. Die am Kopfe beschäftigten Geliülfen
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
|||||
|
Werfen der Pferde.
|
431
|
||||
|
|
|||||
|
haben ferner darauf zu achten, dass das Auge des Thieres auf der Decke liegt und nicht von der Streu verletzt wird. Sobald die Füsse des Pferdes den Boden verlassen haben, ziehen die am Tau stehenden diese zusammen und verknoten das Tau, oder wenn dasselbe an der Fessel mit einer Kette versehen ist, legt einer derselben das Schloss oder einen Carabinerhaken (Fig. (59) durch eine der ersten Schaken derselben. Nunmehr wird die Schenkel
|
|||||
|
|
Fig. 69.
|
|
|||
|
bremse angelegt, indem ein Gehülfe die Gurtschleife
|
|
||||
|
|
|||||
|
etwa 12 Hand breit über dem Sprunggelenke des oben liegenden Fusses schlingt, den Stock hindurch-führt und durch Umdrehungen desselben die Schleife massig fest anzieht.
An den oben liegenden Körpertheilen, namentlich am Kopfe, Hals und Rumpf können nun die beabsichtigten Operationen ausgeführt, eventuell zunächst die
|
|||||
|
nothwendige Narkose eingeleitet werden. Bei Operationen
Ali-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ni' inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Carnbinevliakcn
an den unteren Abschnitten der Ghedmassen liisst man zur Befestigung j.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;iii.-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ii.,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;t'e1'Kottquot;-
diese noch besonders befestigen, wie später beschrieben
werden soll. Bei der nöthigen Anzahl geübter Gehülfen (67) und ruhigen Pferden gelingt das Niederlegen der Pferde auf diese Weise leicht, und nur selten ereignet sich dabei eine Beschädigung. Manche Pferde widersetzen sich jedoch schon dem Anlegen der Bremse, werden zuweilen durch dieselbe sogar beunruhigt; in solchem Falle lässt man sie fort.
Beim Anlegen der Fesseln muss der betreffende Gehülfe in gebückter Stellung, niemals knieend, mit der Hand zunächst an der Gliedmasse von oben nach unten streichen; Vollblutpferde lassen sich dieses leichter gefallen, wenn man während der Anlegung der Fesseln die beim Putzen derselben üblichen summenden Laute hören lässt; auch muss der am Kopfe stehende Gehülfe die Aufmerksamkeit des Pferdes durch Zureden von diesen Manipulationen abzulenken suchen. Einzelne Pferde werden durch Blenden mit Hülfe eines Handtuches, das man ihnen über die Augen legt, beruhigt; bei anderen übt die polnische Bremse einen günstigen Einfluss aus. Wichtig vor allem ist, dass jeder Gehülfe gehörig informirt wird und die von ihm erwarteten Hülfeleistungen schnell aber ruhig vollzieht, damit nicht durch längere Dauer des Verfahrens die Geduld des Pferdes zu früh erschöpft wird, und hastige Bewegungen das Thier nicht beunruhigen. Die mit dem Anlegen der Hinterfessel betrauten Gehülfen treten von vorn an den betreffenden
|
|||||
|
|
|||||
|
mm
|
||||
|
|
||||
|
432
|
Allgemeine Operationslehre.
|
|||
|
|
||||
|
Ill i|
|
Fuss heran, um nicht geschlagen zu werden und verharren hierbei in gebückter Stellung.
Die grössten Schwierigkeiten bieten Pferde, die sich Berührungen der Gliedmassen nicht gefallen lassen, daher auch das Anlegen der Fesseln nicht dulden. Zuweilen gelangt man bei ihnen zum Ziele, wenn etwa 2030 Minuten vor dem Werfen eine Morphiuminjection (0,5 auf 10,0 Wasser) applicirt wurde. Genügt auch dieses sowie angestrengte Arbeit, Hungern und Dursten nicht, so lasse ich das Pferd auf recht weichem Boden mit reichlicher Streu so aufstellen, dass die Vorder- wie Hinterfüsse desselben in der Schlinge zweier langer Taue oder Gurte stehen. Nachdem gleichzeitig ein Gurt, wie oben beschrieben, über den Rumpf gelegt worden ist, ziehen auf das Commando dreiquot; vier bis sechs Gehülfen den Gurt kräftig an, während die Schlingen der Taue durch eine schleudernde Bewegung um die Füsse des Thieres geworfen werden. Sobald das Pferd am Boden liegt, setzen sich mehrere Gehülfen auf den Rumpf desselben, und während die am Kopfe beschäftigten das Genick des Thieres gegen den Boden, das Maul nach oben zu richten suchen, dienen die beiden Taue zur vorläufigen Befestigung der Füsse. Das Thier sträubt sich natürlich zunächst und sucht die Füsse auf den Boden zu setzen, was mit Hülfe der Gurte verhindert werden muss, bald aber beruhigt sich auch das heftigste Pferd, worauf die Fesseln wie oben beschrieben angelegt und mit dem Tau befestigt werden.
2. Die Stuttgarter Methode. Der beschriebenen Wurfmethode ähnlich gestaltet sich die in Stuttgart nach den Angaben Hördt's übliche. Zwei Wurfseile und ein Brustgurt sind dazu erforderlich; letzterer trägt unter der Brust einen eisernen Ring. Soll das Pferd auf die linke Seite geworfen werden, so legt man das eine Wurfseil um die Fessel des linken Vorderfusses und führt dasselbe durch den Ring einer um den linken Hinterfuss gelegten Fessel und zwar von aussen nach innen, worauf das Ende des Seils an dem rechten Vorder-fuss vorbei nach der rechten Seite des Pferdes geführt wird. Umgekehrt wird das zweite Wurfseil angelegt; also um die Fessel des rechten Hinterfusses geschlungen, durch den Ring einer um den rechten Vorderfuss gelegten Fessel, aber von innen nach aussen gezogen, und dann auf die rechte Seite des Pferdes geführt (Fig. 70). Während die an einem um die Brust gelegten Gurt ziehenden Gehülfen den Rumpf des Pferdes zur Seite bewegen, üben an jedem der beiden Wurfseile stehenden zwei bis drei Gehülfen einen kräftigen Zug aus, um die Füsse zusammenzuziehen. Am liegenden Thiere können die bei-
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Werfen der Pferde.
|
433
|
||
|
|
|||
|
den Füsse jeder Seite zusammengebunden, event, an dem unter der Brust gelegenen Ringe des Brustgurtes befestigt werden.
Die Methode hat den Vorzug, dass bei Operationen am Bauche die Füsse mit Leichtigkeit auseinander gebracht werden können und das Ausbinden hierzu nicht nöthig wird, wie es bei dem hiesigen Wurfzeug der Fall ist. Statt der Stricke können auch Ketten benützt
|
|||
|
|
|||
|
Fig. 70.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Stuttgarter Methode (los Werfens.
werden. Im übrigen erfolgt das Werfen hier ebenso wie oben beschrieben.
3. Die dänische Methode ist der Berliner nicht unähnlich. Dem Pferde wird ein Brustgurt aufgelegt, welcher auf dem Rücken und unter der Brust oder auch wohl auf der Seitenwand des Brustkastens mit starken Ringen versehen ist. Nachdem sodann die beiden Vorderfüsse und der untere Hinterfuss wie oben beschrieben mit Fesseln versehen sind, durch welche das an der Fessel des oberen quot;Vordorfusses befestigte Tau gezogen wird, erhält der obere Hinterfuss eine Fessel mit besonderem Tau, welches mau durch den einen
Möller, Allgemeine Chirurgie für Tliicriirzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 28
|
|||
|
|
|||
|
.
|
|||
|
|
|||
|
T*amp;
|
|||
|
|
|||
|
:
|
434nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
oder anderen Ring des Brustgurtes zieht. Auf diese Weise wird z. B. das Ausbinden des Hinterfusses bei Castrationen nicht nothwendig. Auch lassen sich bei Operationen an den Geschlechtstheilen in der Rückenlage die Beine des Thieres leichter aus einander bringen. Nach der älteren (Abildgaard) Methode benutzt man drei Fessel mit Stricken, während nur der oben liegende Vorderfuss eine einfache Fessel trägt, durch welche der Strick des unteren Hinterfusses gezogen
Fig. 71.
|
||
|
|
|||
|
|
|
||
|
|
|||
|
Kussische Methode des Werfens
|
|||
|
|
|||
|
|
wird. Durch die Befestigung der Füsse an dem unter der Brust gelegenen Ringe des Gurtes, werden bei dieser Methode die Bewegungen derselben in unnützer und unter Umständen in gefährlicher Weise eingeengt. Wie bereits hervorgehoben, soll die freie Bewegung möglichst wenig beschränkt werden.
4. Die russische Methode. Abweichend von den bisher besprochenen ist die in Russland übliche Wurfmethode. Um den Hals des Pferdes wird ein etwa handbreiter, starker Ledergurt gelegt, dessen Enden mit einander verbunden sind und einen starken Eisenring tragen. Dieser Gurt wird z. B. beim Werfen auf die rechte Seite so um den Hals gelegt, dass sich der Ring etwa in der Höhe des linken Ellenbogen
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Werfen der Pferde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 435
befindet. Ein Strick oder ebenfalls Riemen wird in dem Ringe des Gurtes befestigt, um die Fessel des rechten Hinterfusses gelegt und zu dem Ringe wieder zurück, sodann über die Kruppe des Pferdes nach hinten geführt (Fig. 71). Bei den meisten Pferden ist der Operateur im Stande das Niederlegen ohne Hülfe zu bewirken, indem er zur Seite des Pferdes stehend, und zwar an derjenigen, auf welche dasselbe fallen soll, mit der einen Hand die von der entgegengesetzten Seite des Halses kommenden Trensenzügel, mit der anderen Hand das Wurfseil erfasst und den eingeschlungenen Hinterfuss etwas hoch heben lässt. Es gehört nur eine geringe Kraft dazu, die bloss von einem Hinter-fusse unterstützte Körperlast über ihren Unterstützungspunkt hinwegzuziehen , worauf sich das Pferd freiwillig niederlegt und die Füsse nun gefesselt werden. Die Methode hat allerdings einen Nachtheil, der darin besteht, dass man nicht im Stande ist genau zu bestimmen, wohin das Pferd fallen wird; man wühle daher weichen Boden und nicht zu kleinen Raum.
Im Princip mit diesem übereinstimmend ist die ungarische (Ba-lassa), sowie die Methode von Rohard; bei beiden genügt ein einfaches, langes Seil, mit welchem eine Schlinge gebildet wird, die mau um den Hals des Pferdes legen lässt, während das Ende des Seiles um den Hinterfuss geschlungen wird.
Mit einer gewissen Gefahr ist das Werfen der Pferde stets verbunden und ich kann Hirzel nicht zustimmen, welcher behauptet, dass das Werfen nie eine Gefahr involvire; allerdings setzt Hirzol hinzu: wenn durch festes Anziehen einer Brustgurte und durch intensives Spannen eines von einem Eückenring dieser Gurte zum Genickstück der starken Halfter gehenden Lederriemens die Muskulatur der Bauchpressequot; und diejenige der Rückenstrecker während der Dauer des Liegens aussei- Function gesetzt wird.quot; Abgesehen davon, dass selbst auch diese Methode keine sichere Gewähr bietet, Wirbelbrüche zu vermeiden, indem auch seitliche Bewegungen der Wirbelsäule solche veranlassen können, bleibt immer noch die Möglichkeit des Auftretens von Schenkelbrüchen nicht ausgeschlossen. Die Behauptung Hirzels erscheint um so bedenklicher, als nach seiner Darstellung der Operateur für jeden derartigen Unfall verantwortlich gemacht werden kann, eine Ansicht, die bisher in der Thierheilkunde nicht anerkannt worden ist und voraussichtlich nicht anerkannt werden wird. Das Nähere über diese Frage vergl. man Brüche der Rückenwirbel in meiner speeiellen Chirurgie.
Zur Ausführung bestimmter Operationen werden Aendcrungen in der Lage des Thieres, z. B. Rückenlage oder das Ausbinden des einen oder anderen Schenkels nothwendig. Diese Handhabungen sollen bei den betreffenden Operationen beschrieben werden, hier sei nur erwähnt, dass bei diesem Verfahren im allgemeinen zwei Punkte nicht
|
||
|
|
||
|
l
|
||
|
|
||
|
|
||||||
|
436
|
Allgemeine Operationslehre.
|
|||||
|
|
||||||
|
aussei- Acht gelassen werden dürfen: Erstens darf die betreffende Grliedmasse auf keinen Fall in eine Lage gebracht werden, zu der sie physiologisch nicht fähig ist, z. B. beim Ausbinden des Hinterfusses, bei der Castration, dieser nur soweit nach vorn geführt werden, dass der Huf nur bis zur Mitte des gleichseitigen Vorarmes gelangt. Zweitens beachte man beim Ausbinden namentlich der Hinter-füsse, dass diese nicht absolut fixirt werden. Ich halte des
|
||||||
|
|
||||||
|
|
Fig. 72.
|
|
||||
|
halb auch das Befestigen des Hinterfusses an einem Bauch-
|
||||||
|
|
||||||
|
|
|
gurt nicht für zweckmilssig, lasse denselben vielmehr in dieser Lage von Gehülfen halten, damit der Fuss bei heftigen Bewegungen keinen festen Punkt findet und so in die Möglichkeit versetzt wird, durch gewaltsame Contraction der Muskeln sich Fracturen des Ober- und Unterschenkels beizubringen. Trotzdem ich jährlich viele Pferde niederlegen
|
||||
|
lasse, ist mir eine solche Fractur noch nicht voi'gekommen. Gerade für die Castration in der Seitenlage scheint mir dieser Umstand besonders beachtenswerth zu sein.
Bei gewissen Operationen an den Füssen der Pferde leistet der sog. Spannstock (Fig. 72) gute Dienste; seine Anwendung ergiebt sich von selbst. Durch ihn wird es möglich, den einen oder anderen Fuss aus der Fessel zu
|
||||||
|
|
||||||
|
|
nehmen und dennoch ausreichend zu befestigen. Ich benutze an Stelle des Spannstockes bei Pferden und Hindern vielfach die sog. Latte, ein 10 cm breites und 3 m langes Brett, dessen Bänder gut gerundet sind; im Notlifall lässt sich eine starke Stange zu demselben Zweck verwenden. Der
|
|||||
|
|
||||||
|
|
||||||
|
Spamistock
|
betreffende Vorderfuss wird an der Fessel sowie über der
|
|||||
|
|
ZU(Ki^Fü3segen Vorderfusswurzel auf die Latte gebunden, welche man von zwei Gehülfen halten lässt. An den Hinterfüssen ist die Latte nicht, zu verwenden, weil die Kraft in denselben zu gross ist.
Ueber das Auftreten von Wirbelbrüchen an gefesselten Pferden muss ich auf das in meiner speciellen Chirurgie Gesagte verweisen.
|
|||||
|
|
||||||
|
|
b) Zwangsmittel bei Rindern. Kinder zeigen im allgemeinen eine geringere Empfindlichkeit und grösseres Phlegma als Pferde; auch verhalten sie sich sowohl beim Angriff wie bei der Abwehr von jenen verschieden. Bei ihnen sind in erster Linie die Hörner gefährlich, und das Schlagen mit den Hinterfüssen erfolgt vornehmlich nach vorn und seitwärts. Am meisten gefährdet ist man bei diesen Thieren also an der Seite derselben.
|
|||||
|
|
||||||
|
|
||
|
Zwangsmittel bei Rindern,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 437
Das Niederlegen wird bei liiiideru weniger oft nöthig; auch können viele Operationen an denselben im Stalle vorgenommen werden, wo sich die Thiere ruhiger zu verhalten pflegen, als wenn man sie an einen fremden Ort bringt. Für manche Operationen genügt es, die Thiere recht kurz und fest anzubinden, und gegen Verletzungen durch die Füsse derselben schützt man sich durch Umschlingen eines starken Strickes um beide Unterschenkel oder durch das Gogenhalten einer starken Stange oder Einschlagen eines Pfahls in den Erdboden.
Zum Anlegen einer Bremse benutzt mau die Nasenscheidewand, die Brust oder einen Hinterfuss. Eine zweckmässige Nasenbremse hat Harms con-struirt; ihre Einrichtung ergiebt sich aus Fig. 73. Man schiebt das Instrument so in die Nase des Thieres, dass die Nasenscheidewand von den beiden knopfförmig abgerundeten Enden desselben (a) ge-fasst wird, und drückt diese durch Vorschieben des Nasenbremse nach
. c .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Harms.
Ringes (0) fest gegen die Scheidewand. Die Brustbremse oder der Würgestrang besteht aus einem starken Strick, der um den Brustkorb des Thieres geschlungen und mittelst eines Knebels verkürzt wird, so dass der Brustkasten eine Einschnürung erfährt. Die Schenkelbremse ist ebenso wie beim Pferde eingerichtet und kann bei Operationen an den Hinterfüssen auch am stehenden Thiere angewandt werden. Das Aufheben eines Vorderfusses erfolgt bei ruhigen Thieren ebenso wie beim Pferde, bei unruhigen unter Zuhülfenahme eines Seiles oder Tuches, das man um die Fessel schlingt und über den Widerrist zur anderen Seite ziehen liisst.
Auch die Hinterfüsse lassen sich bei manchen Kindern wie beim Pferde hochheben; gelingt dies nicht, so wird ein Strick um den Unterschenkel geschlungen, ein Besenstiel durch denselben gesteckt, den man von zwei kräftigen Männern halten lässt. Der Hinterfuss wird auch wohl an einer Wagendeichsel befestigt.
Das Niederlegen der Rinder liisst sich ebenso wie beim Pferde bewirken, nur müssen die Fessel um die Schienbeine gelegt werden, weil die Fesselbeine hierzu in der Regel zu kurz sind. Ferner achte man darauf, dass das unten liegende Horn nicht beschädigt wird, lasse deshalb den Kopf seitwärts und nach oben richten.
Eine bequeme Methode bildet das N i e d e r s c h n ü r e 11 nach
|
||
|
|
||
|
.
|
||
|
|
||
|
^^
|
||||
|
|
||||
|
438
|
Allgemeine Operationslehre.
|
|||
|
|
||||
|
Her twig. Ein langes Seil wird mit dem einen Ende um die Hörner des Thieres gesclilnngen, nach hinten geführt, um Hals, Brust und Bauch je eine Schlinge gebildet (Fig. 74). Während nun zwei oder
Fig. 74.
|
||||
|
|
||||
|
|
|
|||
|
|
||||
|
Niedejscliiuiren des Kindes.
|
||||
|
|
||||
|
|
drei kräftige Männer an dem Ende des Seiles ziehen, hält einer den Kopf des Thieres fest. Durch das Zusammenschnüren des Körpers werden die Thiere veranlasst sich freiwillig niederzulegen, worauf die Füsse gefesselt werden können.
|
|||
|
|
||||
|
Fig. 75.
|
||||
|
|
||||
|
|
|
|||
|
|
||||
|
Befeatigung des Hundes.
c) Zwangsmittel bei den übrigen Thieren. Schafe, Ziegen, Schweine und Fleischfresser können in der Regel durch directe Handgriffe kräftiger Männer so befestigt werden, dass die meisten Opera-
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Narkose.
|
439
|
||
|
|
|||
|
tionen an ihnen auszuführen sind; erforderlichen Falls werden die Füsse durch Stricke festgebunden. Schweinen liisst man das Maul zubinden, um gegen Verletzungen durch die Zähne derselben gesichert zu sein. Ebenso wird bei Hunden verfahren, indem man ein Tuch oder einen Bindfaden um das Maul legt und auf dem Genick zusammenknotet (Fig. 75); während Katzen bei schmerzhaften Operationen mit Vortheil in einen Sack oder Stiefel gesteckt werden.
|
|||
|
|
|||
|
3. Die Narkose.
Mit Hülfe der vorhin besprochenen Befestigungsmethoden gelingen zwar die meisten Operationen, und da bei Thieren auf die mit denselben verbundenen Schmerzen nicht so grosse Rücksicht zu nehmen ist wie beim Menschen, so wird bei jenen von der Narkose nur ausnahmsweise Gebrauch gemacht. In der Praxis ist die Durchführung der allgemeinen Narkose noch dadurch erschwert, dass dem Thierarzte die hierzu nöthige Assistenz oft fehlt. Bei allen grösseren Operationen, die in der Narkose vorgenommen werden, ist ein sachverständiger GehUlfe meist unentbehrlich, die in der Regel nur von einem benachbarten Collegen geleistet werden kann. Ergeben sich hieraus mancherlei Schwierigkeiten, so wird die Operation auf diese Weise auch erheblich kostspieliger. Und doch giebt es Fälle, in denen die Narkose nicht entbehrt werden kann, z. B. bei gewissen Operationen an den Bauchorganen, um die störende Wirkung der Bauchpresse aufzuheben, in der Geburtshülfe um die Wehen zurückzuhalten. Auch bei subtilen Operationen am Auge, Kehlkopfe u. s. w., wo jede plötzliche Bewegung des Thieres den Erfolg der Operation in Frage stellen kann, empfiehlt sich die Narkose. Endlich benutze ich dieselbe bei der Castration der Pferde, namentlich des englischen Vollbluts, und bei Thieren mit sehr starkem Rücken, bei denen sich im Momente der Application der Kluppen leicht Wirbelbrüche ereignen, die durch die Narkose in der Regel vermieden werden können. Zuweilen erfolgt die Narkose auf den speciellcn Wunsch des Besitzers des zu operiren-den Thieres. Die Gefahren, welche mit der Narkose bei Thieren verbunden sind, hat man im allgemeinen überschätzt. Fehlerhafte Vorrichtungen, wie sie namentlich mit Rücksicht auf Ersparnisse an Arznei construirt wurden, haben zu den nachtheiligen Folgen derselben und zu der Scheu gegen die Narkose bei Thieren vornehmlich beigetragen.
Es ist eine allgemeine und locale Narkose zu unterscheiden. Bei ersterer wird das Empfindungsvermögen zugleich mit dem Be-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
440nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
wusstsein mehr oder weniger am ganzen Körper herabgesetzt bezw. aufgehoben, bei der localen Narkose dagegen nur die Sensibilität an der betreffenden Stelle. Beide finden unter bestimmten Umständen zweckmässige Anwendung; betrachten wir zunächst die erstere.
Durch Einführung eines Arzneimittels, welches auf das Gross-hirn wirkt, die Centralorgane der Empfindung lähmt, wird natürlich auch das Empfindungsvermögen in den peripheren Nerven aufgehoben, so dass schmerzhafte Eingriffe nicht zur Perception gelangen; gleichzeitig ist das Bewusstsein aufgehoben. Es liegt auf der Hand, dass diese Wirkung nicht urplötzlich sondern allmählich auftritt, so dass man den Grad der Narkose nach Belieben gestalten kann. Ebenso erscheint es natürlich, dass diese Mittel nicht nur auf die Empfindung und das Bewusstsein sondern auch auf andere Organe lähmend wirken, z. B. auf die Thätigkeit des Herzens und der Athmungsorgane, wodurch schliesslich der Tod herbeigeführt werden kann. Ferner kommt in Betracht, dass die einzelnen Mittel bei den verschiedenen Thieren verschiedene Wirkungen äussern; schon aus diesem Grunde empfiehlt sich die Narkose bei den einzelnen Thierarten gesondert zu besprechen.
a) Die Narkose bei Pferden. Da dem Eintritt der Narkose regelmässig ein Erregungszustand (Excitationsstadium), wahrscheinlich durch Lähmung der cerebralen Hemmungscentren hervorgerufen, vorangeht, in welchem die Pferde wiehern, unruhig werden und sich heftig sträuben, so müssen die Thiere zum Zwecke des Narkotisirens niedergelegt werden. Darin liegt eine grosse Unbequemlichkeit; könnte man die Narkose am stehenden Pferde durchführen, und auf diese Weise das Werfen der Thiere umgehen, so würde dieselbe viel häufiger verwendet werden, als es gegenwärtig der Fall ist.
Bei Pferden wird die Narkose noch am häufigsten angewendet und muss im allgemeinen als gefahrlos bezeichnet werden. An 3400 Pferde wurden von mir narkotisirt, ohne dass sich jemals nachtheilige Folgen einstellten; nicht ein einziger tödtlicher Ausgang wurde dabei beobachtet. Ich wende zur Narkose bei Pferden Chloroform an, und muss nach meinen Erfahrungen dieses Mittel allen übrigen vorziehen. Ueber die Methoden der Anwendung, Dosis u. s. w. habe ich bereits in Fröhners Monatsheften berichtet.
Bei einer grösseren Anzahl der ausgeführten Narkosen wurden statistische Beobachtungen angestellt; insbesondere Hess ich die Zeitdauer bis zum Eintritt der Narkose und. die Menge des verbrauchten Mittels
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Narkose bei Pferden.
|
441
|
|||
|
|
||||
|
bestimmen; ebenso #9632;wurde Kace, Alter, Geschlecht und Gewicht der Thiere verzeichnet. Da meines Wissens eine solche Statistik in der Ausdehnung bisher nicht bekannt ist, so will ich in dem Nachstehenden die von mir gesammelten Beobachtungen zur allgemeinen Kennt-niss bringen und zugleich die eingeschlagene Methode der Narkotisirung mittheilen.
Bei 126 Pferden (31 Hengste, 38 Stuten und 57 Wallache), welche ausschliesslich durch Inhalation von Chloroform betäubt wurden, waren bis zu dem Zeitpunkte, dass von der Conjunctiva Reflexbewegungen (Lidschluss) nicht mehr ausgelöst wurden, im Durchschnitt 110 g Chloroform und 20 Minuten erforderlich; auf 100 kg Körpergewicht kamen ca. 25,0 Chloroform. Die so erzielte Narkose hatte eine Dauer von etwa 20 Minuten.
Von den 12jährigen Fohlen abgesehen, welche in 78 Minuten mit 16^20 g Chloroform regelmässig in Narkose versetzt werden, betrug die kürzeste Frist beim Pferde in einem Falle 8, in einem anderen 9 und in zwei Fällen 10 Minuten. (Doch wurde früher einmal ein 4jähriger Wallach in 7 Minuten mit 35,0 Chloroform in vollständige Narkose versetzt.) Bei 12 von 120 Pferden waren 80 Minuten erforderlich, 4 verlangten sogar über 3040 Minuten. Bei Hengsten trat die Narkose durchschnittlich in 18, bei Stuten in 19 und bei Wallachen in 22 Minuten ein; es waren hierzu bei Hengsten 118,0 Chloroform im Durchschnitt erforderlich; 7 Pferde (3 Hengste, 2 Stuten und 2 Wallache) wurden mit weniger als 50,0 Chloroform betäubt. Dagegen verlangten 18 (5 Hengste, 4 Stuten und 9 Wallache) 150,0 und mehr Chloroform. Bei einem Wallach wurden 240,0, bei einem englischen Vollbluthengste 250,0 Chloroform verabreicht. Das Durchschnittsalter der narkotisirten Hengste betrug 5, das der Stuten 9, das der Wallache 7 Jahre.
Bemerkt sei, dass die Menge des erforderlichen Chloroforms zum Theil von der Application abhängt. Abgesehen von Verschüttungen und Verdunstung (namentlich in warmer Luft im Freien) braucht man bei langsamem Aufträufeln weniger Chloroform als bei schneller Application. Die Menge des verbrauchten Mittels steht daher oft im umgekehrten Verhältniss zur Zeitdauer bis zum Eintritt der Narkose.
Von geringem Einfluss auf die Wirkung des Chloroforms scheint die Race zu sein; sie übt weder auf die Chloroformmenge noch auf die Zeit bis zum Eintritt der Narkose einen wesentlichen Einfluss aus. Wallache verlangten dagegen durchschnittlich mehr Chloroform als Hengste und Stuten.
|
#9632;
|
|||
|
1
|
||||
|
gt;i
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
442nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
Bei 28 Pferden wurde l|8 Stunde vor Beginn der Narkotisirung 0,5 g Morphium subcutan applicirt. Der Verbrauch an Chloroform betrug hierauf im Durchschnitt 94,0, während bis zum Eintritt der Narkose 15,5 Minuten verstrichen.
8 Pferde wurden mit einer Mischung von gleichen Theilen Chloroform und Aether narcotisirt. Die hierzu erforderliche Menge stellte sich im Durchschnitt auf 210,0, die Zeit bis zum Eintritt der Narcose auf 30 Minuten.
Ein erheblicher Unterschied in der Wirkung des englischen und deutschen Chloroforms wurde nicht beobachtet.
Zähle ich zu den verzeichneten 162 Chloroformnarkosen diejenigen, welche ohne genaue Aufzeichnungen bereits früher von mir ausgeführt wurden, so darf ich behaupten, bei Pferden über 800 Chloroformnarkosen herbeigeführt zu haben. In keinem Falle wurde ein Nachtlieil von der Narkose beobachtet; es war weder ein Todesfall noch auch irgend welche Erkrankung nach derselben zu verzeichnen.
Wurde Morphium vorher verabreicht, so zeigten sich die Thiere zuweilen aufgeregt, was bei ausschliesslicher Anwendung von Chloroform oder von Chloroform mit Aether gemischt nicht der Fall war. Da diese Aufregung bei geAvissen Operationen leicht mit unbequemen Folgen verknüpft sein kann, und da die Morphiumgabe einen nur unbedeutenden Einfluss auf die Narkose selbst ausübt, weder die Zeit bis zum Eintritt derselben erheblich abkürzt noch auch eine Erspar-niss an Material gewährt, so habe ich später von dem Gebrauch des Morphiums Abstand genommen. Ebenso wurde die Anwendung der von verschiedenen Seiten empfohlenen Mischung von Chloroform und Aether aufgegeben, weil damit eine Verschwendung an Zeit und Material verbunden war.
An Stelle des früher allgemein benutzten Schwammes verwende ich ein 20 cm langes und ebenso breites Flanelltuch, welches auf das am gefesselten Pferde oben befindliche Nasenloch gelegt wird. Mittelst einer Tropfflasche lässt man das Chloroform auf das Tuch träufeln, so dassin etwa 10 Secunden 2030 Tropfen Chloroform fallen. Nach einer Unterbrechung von 10 Secunden wird dies wiederholt, auf diese Weise werden in der Minute ca. 8 5 g Chloroform verbraucht. In Zwischenzeiten von 23 Minuten wische man mit einem reinen Schwamm dem Thier die Nase aus, um etwa abgeflossenes Chloroform von der Schleimhaut zu entfernen und eine Anätzung derselben zu verhüten. Dies muss namentlich beachtet werden, wenn etwa reichlichere Mengen
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Narkose bei Pferden.
|
443
|
|||
|
|
||||
|
Chloroform das Tuch vollständig durchtränkt haben. Geschieht es nicht, so entstehen Verätzungen der Nasenschleimhaut, ja selbst die der Oberkiefer- und Stirnhöhle kann in Gefahr kommen, wenn Chloroform in diese gelangt, ja es kommt gelegentlich durch Pneumonic zu tödtlichem Ausgange, wie Jacobi beim Pferde erfahren musste. Ferner empfiehlt sich die äussere Haut in der Umgebung des Nasenloches mit Vasclin oder Fett zu bestreichen, um Anätzungen derselben durch Chloroform zu verhüten. Auch versuchte ich die andererseits empfohlene Flanellmaske, kehrte aber bald zu dem einfachen Tuch zurück, welches vor dem Schwamm noch den Vorzug hat, dass es den Inspirationsstrom nicht in dem Masse behindert, wie es durch den Schwamm geschieht; auch läuft man bei Anwendung des Tuches weniger Gefahr, die Nasenschleimhaut mit Chloroform anzuätzen.
Vermieden wurde die Nurkose bei Thieren mit Herzfehlern und fieberhaften Erkrankungen; eine Untersuchung auf solche Zustände vor Beginn der Narkotisirung halte ich für unerlässlich, und müssen die bei der Chloroformnarkose beobachteten Todesfälle zum Theil hierauf zurückgeführt werden. Kemp fand bei einem Pferde, das während der Narkose eingegangen war, Herzklappenfehler und ein Gewicht des Herzens von 11 Pfund.
Die Ausführung gestaltet sich wie folgt.
An dem niedergelegten Thiere, welches in den letzten 12 Stunden kein Futter erhalten hat, wird der etwa angelegte Gurt oder Brust-riemen gelockert und die Brust von jedem Druck freigelassen, um das Athmen nicht zu behindern. Während der Inhalation des Mittels achte man auf die Athmung und den Puls des Thieres. Beide werden während der Inhalation anfangs beschleunigt, bald aber wieder regelmässig. Ein deutliches Excitationsstadium stellt sich bei einigen Pferden, im ganzen aber selten ein. Es zeigt sich durch Wiehern und Sträuben der Thiere in den Fesseln und dauert selten länger als eine Minute. Dann beginnt das Stadium der Depression.
Die Mehrzahl der Pferde pflegt einige Zeit nach dem Beginn des Narkotisirens die Augen zu schliessen; zuweilen treten rollende Bewegungen derselben hervor (Nystagmus).
Mit dem Verschwinden der Empfindlichkeit und des Bcwusst-seins öffnen die meisten Thiere die Augen wieder. Nunmehr prüfe man die Conjunctiva oder Cornea in Zwischenzeiten von einer Minute auf ihre Ileflexerregbarkeit. So lauge die Berührung derselben regelmässig Lidschluss hervorruft, kann mit der Application des Chloroforms
|
I
|
|||
|
1
|
||||
|
'I
|
||||
|
I
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
444nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehro.
fortgefahren werden; erfolgt dies nicht mehr, so höre man mit der Verabreichung des Mittels auf.
Eine zu häufige Wiederholung dieses Versuches ist zu vermeiden, weil damit die Wirkung desselben abgeschwächt wird. Auch halte ich es für weniger zweckmässig, die Cornea als Prüfstein für diesen Zweck zu benutzen, da manche Thiere schon vor Eintritt der Narkose hier nicht regelmässig reagiren.
Sollten sich Störungen in der Athmung einstellen, so setze man mit der Application des Mittels aus. Weniger bedenklich erscheint ein unregelmässiger Puls, doch muss die Verabreichung von Chloroform unterbrochen werden, sobald der Puls klein und aussetzend wird. In einzelnen Fällen beobachtete ich bei Pferden allgemeines Muskelzittern, was mich ebenfalls zur Unterbrechung der Inhalation veranlasste. Das beim Menschen so bedenkliche Röcheln hat beim Pferde bei weitem nicht diese Bedeutung. Man lasse indess, wo es auftritt, die Zunge des Thieres aus dem Maule hervorziehen. Zuweilen, aber nicht immer wird das Geräusch hierdurch beseitigt, welches nach meiner Ansicht vom Gaumensegel herrührt, indem dasselbe bei dem Versuche des Pferdes, durch das Maul zu athmen, in Schwingungen gesetzt wird.
Sollten vor beendeter Operation Bewusstsein und Empfindlichkeit zurückkehren, so muss von neuem Chloroform nach Bedarf und unter Beachtung der oben erwähnten Vorsichtsmassregeln verabreicht werden. Auf diese Weise habe ich wiederholt Pferde 12 Stunden lang in voller Narkose erhalten und auch davon niemals einen Nachtheil beobachtet.
Nach vollendeter Operation lässt man das Thier alsbald entfesseln, aber ruhig liegen, bis es von selbst aufsteht, worüber zuweilen noch ^4 Stunde vergeht. Wird das Pferd vor vollständiger Wiederkehr des Bewusstseins zum Aufstehen veranlasst, so tritt schwankender Gang und ein ähnliches Drängen nach vorn ein, wie es bei gehirnkranken Thieren beobachtet wird. Zur Sicherung des Ganges erfasst ein Gehülfe den Schweif des Thieres, um den Körper desselben zurückzuhalten und bei etwaigem Schwanken zu stützen.
Bei länger andauernder und tiefer Narkose finden in den späteren Stadien, meist kurz vor der Wiederkehr des Bewusstseins Unterbrechungen des Athmens statt, die bei dem mit dieser Erscheinung Unbekannten wohl Besorgniss erregen können. Ich habe wiederholt bei Pferden das Athmen 1ja B/4 Minute (nach der Uhr controlirt) aussetzen gesehen. Ein Schlag mit der flachen Hand
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Narkose bei Pferden.
|
445
|
||
|
|
|||
|
auf die Brustwand löst regelmässig und sofort eine neue Inspiration aus.
Während der Inhalation durch das obere Nasenloch muss das unten liegende für den ungestörten Zutritt von Luft offen bleiben, worauf besonders zu achten ist. Ebenso sorge man dafür, dass die Brust des Thieres zum Athmen frei bleibt, und dulde nicht, dass sich ein Gehülfe auf diese setzt, noch auch dass der Brustgurt fest anliegt.
Mit dem neuerdings von Föhringer zum Chloroformiren von Pferden empfohlenen Apparate erzielt man allerdings eine Ersparniss von Chloroform, doch nimmt die Narkotisirung längere Zeit in Anspruch als bei dem beschriebenen Verfahren.
Geradezu gefährlich sind die von Zangger, Reisser u. a. empfohlenen Masken zur Ersparung von Chloroform. Sie verhindern den Zutritt von atmosphärischer Luft und veranlassen durch Erstickung leicht einen tödtlichen Ausgang. Diese Apparate sind zur Zeit allgemein aufgegeben, und es dürfte sich auch empfehlen, sie gänzlich der Vergessenheit zu überliefern und nicht mehr in die Lehrbücher aufzunehmen, wo sie wiederholt zu der falschen Ansicht Veranlassung gaben, dass man auch heute noch sich ihrer bediente, woraus Laien absprechende Urtheile über den Stand der wissenschaftlichen Thierarznei-kunde ziehen zu müssen glaubten (Lehndorf, Pferdezucht). Ihre Erfindung beruhte auf einem Irrthume, daher liegt kein Grund vor ihnen gegenüber Rücksichten zu gebrauchen.
Nach dem Angeführten kann die Narkose mit Chloroform bei Pferden empfohlen werden, wo solche zur Ausführung eingreifender Operationen nothwendig erscheint oder diese wesentlich erleichtert. Mögen auch bei Pferden ebenso wie bei Menschen einzelne Individuen eine besondere Empfindlichkeit gegen Chloroform besitzen, wodurch die Anwendung dieses Mittels gefährlich werden kann, im allgemeinen aber gestaltet sich die hiermit verbundene Gefahr bei weitem nicht so gross, wie auch gegenwärtig noch häufig angenommen wird.
Ein tödtlicher Ausgang kann sowohl durch Asphyxie als auch durch Herzsynkope eintreten. Erstere wird besonders im Excitations-stadium beobachtet; die Athmung steht still und bald darauf auch die Herzthätigkeit. Es wurde bereits erwähnt, dass man sich durch Unterbrechungen der Athmung nach beendeter Inhalation nicht ängstigen darf. Ebenso ereignet sich bei Thieren nur selten, dass die Zunge zurücktritt und die Rachenhöhle vcrschliesst, so dass Erstickung droht. Sollten sich Erscheinungen einstellen, die darauf hindeuten (Schnarchen u. s. w.), so ziehe man die Zunge schnell hervor. Im Nothfalle
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
446nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
wird künstliche Respiration eingeleitet. Herzlähmung kündigt sich durch Unregelmässigkeit des Pulses, ad maximum erweiterte Pupillen, schwache Herztöne, Stockung der Blutung an der Operationsstelle, Entleerung weniger Tropfen dunklen Blutes an. Tief'lagerung des Kopfes und künstliche Respiration ist auch hier zu empfehlen, daneben Be-giessen des Kopfes mit kaltem Wasser, Schlagen auf die Brust u. s. w.
Hirzel spricht sich ebenfalls für Chloroformnarkose bei Pferden aus und benutzt zur Application des Mittels eine Maske, wie sie ähnlich bei Menschen üblich, und auch für Pferde bereits im Gebrauch ist. Ein mit Flanell überspanntes Drahtgestell wird über die Nase und das Maul des Pferdes gelegt. Derselbe macht darauf aufmerksam, dass auch Pferde zuweilen beim Chlorofonuiren durch das Maul athmen, wodurch das Gaumensegel und die Wangenmuskulatur in Schwingungen versetzt, ein ähnliches Geräusch wie das Röcheln beim Menschen erzeugt wird und die Narkose eine Verzögerung erfährt. Hirzel erachtet die Narkose als vollständig, sobald Lidschluss eintritt. Für manche Fälle genügt dieses Stadium jedoch nicht, und wenn ich eine tiefe Narkose erzielen will, lasse ich die Inhalation fortsetzen, bis die Augen wieder geöffnet werden. Auch darin kann ich Hirzel nicht zustimmen, dass sich beim Pferde stets ein Excitationsstadium zeigt, wenn man nicht dasjenige Sträuben hierher rechnen will, welches bei gefesselten Pferden auch ohne Narkose selten vermisst wird. Nachtheilige Wirkungen hat Hirzel nach der Chloroformnarkose bei Pferden nie beobachtet, selbst nicht einmal Störung des Appetits; mir ist letzteres jedoch wiederholt in den nächsten Tagen begegnet; allerdings lässt sich oft nicht entscheiden, ob der Appetitmangel auf Kosten der Narkose oder der Operation geschrieben werden soll. Endlich muss ich bemerken, dass sich namentlich bei Vollblutpferden in den nächsten Tagen zuweilen Husten einstellt, der offenbar durch die Reizwirkung des Chloroforms auf die Respirationsschleimhaut veranlasst wird, jedoch bald von selbst verschwindet.
Auch Harms bezeichnet das Chloroform als souveränes Narko-ticum; er konnte bei einem Pferde mit 188,0 Chloroform eine zweistündige Narkose unterhalten.
Eine Mischung von Chloroform und Aether wurde auch für Pferde u. A. von Esser empfohlen; sie gewährt nach meiner Ueberzeugung jedoch keinen Vortheil, dagegen wird das Verfahren zeitraubender als bei der Anwendung von reinem Chloroform.
Seitdem das Chloralhydrat bekannt geworden, hat man dasselbe sowohl per os und per dysma wie auch subeutan und intravenös zur
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Niirkose boi Pferden.
|
447
|
||
|
|
|||
|
Erzielung von Narkosen in Anwendung gebracht. Harms versuchte das Mittel innerlich, gab Pferden 15 bezw. 16 g und will damit volle Narkose erzielt haben; bei einem Pferde wurde ein lebhaftes Excita-tionsstadium beobachtet. Häufig reichen die genannten Dosen jedoch zur Erzielung einer vollen Narkose nicht aus; dasselbe musste Esser bei rectaler Application des Chloralhydrats erfahren; Esser benutzte sogar 1001G0 g in schleimiger Flüssigkeit ohne Erfolg. Dagegen genügten 7080 g, wenn vorher eine Morphiuminjection gemacht war. Esser bemerkt jedoch, dass bei den grossen Hausthieren eine so vollständige Narkose wie mit dem Chlorofoi-m hiermit nicht zu erreichen sei; er empfiehlt diese Methode daher für Fälle, in denen eine Chloroformnarkose schwierig oder gefährlich erscheint.
Humbert, Cadiot u. a. haben intravenöse Injectionen von Chloralhydrat zur Erzielung von Narkose bei Pferden empfohlen; 30,0 bis 50,0, in 150,0 schwach alkalisirtem Wasser gelöst werden in die Vena jugularis gespritzt. Da man die erforderliche Dosis bei den grossen individuellen Abweichungen nicht genau bestimmen kann, so kommt es leicht vor, dass die hiermit erzielte Narkose entweder unvollständig ausfällt, oder dass die Wirkung des Chloralhydrats zu heftig wird. Bei älteren Anatomiepferden sah ich nach 45,0 Chloralhydrat intravenös applicirt unter Stillstand der Respiration den Tod eintreten. Aus den Verletzungen, welche die Venen an der der Einstichstelle gegenüber liegenden Wand leicht erfahren, gebt Venenthrombose, d. h. eine sog. Aderfistel hervor, wie ich selbst gesehen habe. Auch veranlasst Chloralhydrat in der Zusammensetzung des Blutes erhebliche Störungen, doch scheinen diese nicht die Bedeutung zu haben, welche man erwarten sollte. In Frankreich wie in Dänemark will man mit dem Chloralhydrat ohne nachtheilige Folgen volle Narkose erzielt haben. Subcutane Application von Chloralhydrat führt in der Regel zu schweren localcn Entzündungen.
|
|||
|
|
|||
|
Humbert, der mehr als 40 Narkosen mit Chloralhydrat intravenös bei Pferden ausführte, erklärt, dass dieselbe ungefllhrlich sei. Unmittelbar nach der Application von 30,0 fängt das Thier an zu schwanken und fällt bald darauf zu Boden, wie Humbert beobachtete, gewöhnlich auf diejenige Seite, wo man nicht injicirt hatte. Nach wenigen Minuten ist absolute ün-empfindlichkeit mit Erschlaffung der Muskulatur eingetreten. Nach 10 bis 20 Minuten macht das Thier Versuche aufzustehen und nach 12 Stunden sind alle Erscheinungen vorüber. Humbert zieht daher das Chloralhydrat dem Chloroform und Aether vor; doch solle man stets eine frisch bereitete und filtrirte Eösung anwenden. Wo 3035,0 nicht genügen, wird noch eine Dosis subeutan verabreicht. Auch Nocard hat sich für die Methode ausgesprochen, jedoch bei Hunden mit Herzfehlern von der Anwendung des
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
448
|
Allgemeine Operationslehre.
|
||
|
|
|||
|
Chloralhydrats abgerathen. Cadeac und Malet fanden, dass Chloralhydrat in die Vene gespritzt bei allen Hausthieren ein zuverlässiges Narcoticum bildet, doch sei das Verfahren für die Praxis nicht geeignet. Subcutan sei Chloralhydrat nicht zu empfehlen, ebensowenig intratracheal, wo es gefährliche Wirkungen äussere. Die beste Narkose erlange man nach subcutaner Anwendung von Morphium (Pferd 1,0, Hund 0,1) und einige Minuten später darauf folgendem Klystior von Chloralhydrat (Pferd 120,0, grosser Hund 20,0). Es bleibt zu beachten, dass in Prankreich vornehmlich schwere Pferde in Betracht kommen, von denen diese Dosis Morphium wohl ertragen wird; bei warmblütigen Thieren gehe man jedoch nicht über 0,5 g hinaus.
|
|||
|
|
|||
|
Cagny u. a. haben neuerdings Aether vom Mastdarm aus zur Narkotisirung bei Thieren und namentlich bei Pferden benutzt. Ein Glasrolir (Reagenzglas) 1014 cm lang, 1,15 cm breit und mit einem 1520 cm langen Gummischlauch nebst Kanüle versehen, wird mit Aether gefüllt. Nachdem die Kanüle in den Mastdarm eingeführt ist, bringt man das Glasrohr in ein Gefäss mit kochendem Wasser; die sich hierauf bald entwickelnden Aetherdämpfe dringen in den Mastdarm ein und werden hier resorbirt. Nachdem etwa 30,0 Aether verdampft sind, sollen sich die ersten Erscheinungen der Narkose bemerkbar machen, und mit 4050,0 Aether soll volle Anästhesie erzielt werden. Diese von Roux, Pirogoff u. a. seit 1847 beim Menschen versuchte Methode hat sich dort nicht bewährt, indem sie zuweilen zu schweren Darmreizungen, Cyanose und Collaps Anlass gab. Ebenso spricht sich Trasbot gegen dieselbe bei Pferden aus; er sah hierauf heftiges Drängen eintreten, das zu einer Inversio recti führte. Später benutzte Cagny eine Mischung von 20,0 Chloralhydrat und 100,0 Aether; auch wurden Chloral mit Morphium zusammen angewendet. Die Methode soll auch am stehenden Pferde ausführbar sein, doch zieht Cagny die Application der Mittel am liegenden Thiere vor.
Inhalationen von Aether bis zur Erzielung einer vollen Narkose nehmen längere Zeit und grössere Mengen des Mittels in Anspruch. H. Bouley brauchte über 100,0; nach meinen Versuchen reichen selbst diese oft nicht aus. Dagegen hat man subeutane Injectionen von Morphium, theils für sich allein, theils in Verbindung mit Chloroform, Aether und Chloralhydrat vielfach benutzt. Nachdem auch Gerlach dasselbe in Dosen von 12,0 empfohlen hatte, musste man sich bald überzeugen, dass das Mittel in diesen Mengen zuweilen den Dienst versagte, bald aber bedenkliche Excitationsersclieinungen hervorrief. Es erscheint gerathen, bei mittelgrossen Pferden nicht über 0,5 hinauszugehen, namentlich wenn die Thiere noch jung sind. Man erzielt damit zwar keine volle Narkose, aber doch einen gewissen Grad von
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Narkose bei Wiederkäuern.
|
449
|
||
|
|
|||
|
Eingenommenheit, so dass sich bösartige oder unruhige Thiere leichter ankommen lassen; auch verlangt die hierauf folgende Chloroformnarkose weniger Zeit und Stoff. Dagegen stellt sich bei den mit Morphium behandelten Pferden etwa 12 Stunden nach der Application des Mittels oft eine bedeutende Unruhe ein; die Thiere machen ununterbrochen Gehbewegungen, wenn sie nicht angebunden sind; auch angebunden benehmen sie sich unruhig, wobei leicht Verletzungen vorkommen. Handelt es sich um eine Operation, bei der es darauf ankommt, dass die Thiere sich nach derselben vollständig ruhig verhalten, z. B. bei Castrationen, so suche ich Morphium zu vermeiden und bewirke die Narkose ausschliesslich mit Chloroform.
Harms vorsuchte Benzin als Betäubungsmittel für Pferde. Nach 3 Minuten langer Inhalation traten Excitationserscheinungen auf, nach 10 Minuten war das Gefühl theilweise, nach 1520 Minuten vollständig verschwunden. Die Narkose, welche mitunter eine Stunde dauerte, konnte durch weitere Inhalation noch verlängert werden.
Fröhner prüfte bei Pferden Hypnon, Urethan und Paraldehyd, kann diese Mittel hier jedoch nicht empfehlen, weil dieselben erhebliche Veränderungen im Blute der Thiere hervorrufen. Nach den Versuchen Ni go tins hatte Bichlormothyl keinen Vorzug vor dem Chloroform, Bromoform und Amylenhydrat zeigten ätzende Eigenschaften.
|
|||
|
|
|||
|
b) Narkose bei Wiederkäuern. Da eingreifende Operationen bei den schlachtbaren Thieren selten ausgeführt werden, das Fleisch der Thiere durch die Mehrzahl der Betäubungsmittel wenigstens vorläufig einen üblen Geruch und Geschmack annimmt, so dass es nicht zum Genuss für Menschen verwerthet werden kann, so finden Narkoti-sirungen bei diesen Thieren nur ausnahmsweise statt. Dies gilt auch von Chloroform und Aether; letzterer wird von Nigotin für Binder sogar als gefährlich bezeichnet. Tab our in und Saunier, welche schon 1853 Versuche mit Chloroform und Aether bei grösseren Wiederkäuern anstellten, gelangten zu folgenden Schlüssen: 1. dass Binder ohne Schwierigkeit der Aetherisation unterworfen worden können; 2. dass die Anästhesie um so leichter, schneller und vollständiger eintritt, je öfter sie bei einem Thiere wiederholt wird, und 3. dass das Chloroform weit energischer als Schwefeläther wirkt und daher trotz seines höheren Preises zur Anwendung in der Praxis sich mehr empfiehlt. Vom Chloralhydrat beobachtete Fröhner nach Dosen von 4050 g keinerlei Wirkung; per os hatten 2540 g nach einer Viertelstunde Schwanken der Hintorhand, 5075 g Niederstürzen,
Möller, Allgomoinc Cliirurgiii für Tliiomvzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 29
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
450nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Üpenitionslehre.
Bewusstlosigkeit und Unempfincllichkeit zur Folge, welche 3 Stunden dauerte. 5075 g Chloroform per os verabreicht bewirkte nach den Versuchen Fröhners noch keine vollständige Narkose. Dagegen erzielte Harms mit Inhalation von Benzin auch beim Rinde nach 10 Minuten Abstumpfung des Gefühls, so dass Nadelstiche nicht mehr empfunden wurden. In der Geburtshülfo wird bei Rindern vielfacli von Chloralhydrat Gebrauch gemaclit, um Ubermässige Wehen zu bekämpfen, eine vollständige Narkose ist dazu allerdings nicht erforderlich. Ziegen und Schafe lassen sich durch Inhalation von 1020 g (üiloroform in 510 Minuten sicher betäuben.
Für Schweine gilt im allgemeinen dasselbe; wahrscheinlich würde man hier ebenfalls Chloroform anwenden können.
c) Narkose bei Fleischfressern. Wenn auch vereinzelte Fälle glücklich verliefen, so wurden doch gerade bei Hunden und Katzen durch Chloroformnarkose die meisten Todesfälle beobachtet. Guinard legt besonderes Gewicht darauf, dass Hunden während der Narkose das Maul durch ein Maulgatter offen gehalten wird; auch empfiehlt derselbe Combinationen des Chloroforms mit Morphium und Atropin. Nach meinen Beobachtungen verdient bei diesen Thieren das Morphium subeutan angewendet den Vorzug, doch zeigen die Thiere diesem Mittel gegenüber sehr verschiedene Empfindlichkeit. Man applicirt 0,10,4 Morphium in wässeriger Lösung und lässt zur Vervollständigung der Narkose Aetherinhalationen folgen. Auch Guinard empfiehlt Morphium und zwar von einer 2 quot;/o igen Lösung l/4 cem pro Kilogramm Körpergewicht; er lässt erforderlichen Falls ein Klystier von Chloralhydrat und zwar 1,0 pro Kilogramm Körpergewicht folgen. Cagny spricht sich für Aetherdilmpfe per clysma, wie oben beschrieben, angewendet aus, die Dosis soll 5060 g betragen, und regelmässig ein kurzes Excitationsstadium auftreten.
Mit 4,0 Chloralhydrat per os verabreicht, konnte Harms bei einem mittelgrossen Hunde keine volle Narkose erzielen, dagegen empfiehlt Esser nach einer Morphiuminjection von 0,050,1, Chloralhydrat (310 g) per clysma folgen zu lassen. Nach Fröhner erwies sich Urethan als eines der besten Narkotica beim Hunde; ebenso wurde von demselben Hypnon und Paraldehyd bei diesen Thieren mit Erfolg verwendet.
Die von Cadeac und Malet neuerdings versuchten intraperito-nealen Injectionen von Chloralhydrat scheinen keim' günstigen Resultate ergeben zu haben.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Locale Anilsthesic.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;451
Katzen zeigen sich gegen jede Narkotisinmg iiusserordentlicli empfindlich, und kommt bei ihnen oft ein tödtlicher Ausgang vor; doch will Gruinard durch Combination von Morphium und Chloroform gute Resultate erzielt haben. Er giebt vom Morphium 0,00050,005 pro Kilogramm Körpergewicht, und lässt nach 15 Minuten Chloroforminhalation folgen, zu welchem Zwecke die Katze unter eine Glasglocke gebracht wird, unter welcher das Chloroform verdunstet. Sobald das Thier Zeichen von Schwäche wahrnehmen lässt, wird es herausgenommen; man darf jedoch nicht bis zum Umfallen desselben die Narkose fortsetzen. Bemerkt sei noch, dass man auf diese Weise, aber ohne Morphium bei Kaninchen in kurzer Zeit eine ungefährliche Narkose erzielt.
d) Die locale Anästhesie. Im Laufe der Zeit ist eine Reihe von Mitteln bekannt geworden, welche im Stande sind, die Function sensibler Nerven an bestimmten Stollen herabzudrilcken oder vollständig aufzuheben. Zunächst verwendete man hierzu Kälte, die durch Umschläge von Eis oder durch Kältemischungen, mittelst Zerstäuben schnell verdunstender Flüssigkeiten (Aether, Kohlensäure, Schwefelkohlenstoff und eine Reihe anderer Stofle) erzielt wurden. Mit einem Spray auf die betreffende Stelle gebracht, erzeugen diese einen hohen Kältegrad und stumpfen die Empfindlichkeit in den sensiblen Nerven mehr und mehr herah. Diese Methode hat jedoch den Nachtheil, dass auch die übrigen Gewebe geschädigt werden, nicht selten Erfrierungen der Theile entstehen.
Später wendete man zu diesem Zwecke bestimmte Arzneimittel an, welche einen directen Einfluss auf die sensiblen Nerven ausüben. Das zunächst benutzte Chloroform eignet sich hierzu jedoch nicht, weil es auf die Oberfläche der äusseren Haut gebracht, diese Wirkung nicht entfalten kann; kommt es aber mit Wundflächen oder Schleimhäuten in Berührung, so ätzt das Mittel, ebenso wie bei subeutaner Injection.
Neuerdings hat man in dem Cocainum hydrochloricum ein Mittel gefunden, welches eine speeifisch lähmende Wirkung auf die Endigungen sensibler Nerven ausübt. Aber auch dieses Mittel wirkt nicht in hin-reichemler Weise, wenn es auf die Oberfläche der äusseren Haut gebracht wird. Auf Wunden und Schleimhäuten in 25 quot;niger wässeriger Lösung gepinselt, verschwindet die Empfindlichkeit in 35 Minuten und kehrt erst nach längerer Zeit wieder. Will man auf die änssere Haut oder tiefer gelegene Theile wirken, so spritzt man die Lösung in Abstftnden von 12 cm mit der Pravaz'schen Spritze ein, worauf
|
||
|
|
||
|
|
||
|
452nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslebre.
nach wenigen Minuten Einschnitte sowie Stiche und andere mechanische Läsionen nicht mehr empfunden werden.
Ich habe von dem Mittel häufig Gebrauch gemacht, wenn es sich darum handelt, hei empfindlichen Pferden kleinere Tumoren zu exstirpiren; ja es gelingt mit diesem Verfahren sogar, am stehenden Pferde die Neurectomie der Fesselnerven auszuführen; selbst bei der ] )urchschiieidimg der Nerven zucken die Thiere oft nicht im geringsten (S. 230). Ebenso leistet das Mittel bei Operationen am Auge, sowie beim Hefton von Wunden recht gute Dienste. Auch Labat erzielte mit dem Mittel gute Erfolge und gebrauchte für Pferde 0,080,1, bei Hunden 0,0030,09 Cocain.
Dagegen konnte ich mich von der Richtigkeit der Empfehlungen des Cocains beim Brennen des Pferdes nicht überzeugen. Wie bereits betont, wirkt es nicht durch die Epidermis; das einfache Bepinseln der Haut genügt daher keineswegs und subeutane Injectionen lassen sich für gewöhnlich nicht gut in der Ausdehnung anwenden, in welcher das Brenneisen applicirt wird.
Beim Menschen wurden als Ersatzmittel des Cocains neuerdings das Stenocarpin (20/o), Erytrophlein, Drumin, Cbloralmethyl u. a. empfohlen. Abgesehen davon, dass diese Mittel zum Theil recht theuer sind, gewähren sie auch bei Thieren keinen besonderen Vortheil.
Dagegen genügt beim Brennen der Pferde nicht selten eine subeutane Injection von Carbolsäure in 20/niger Lösung, die an der zu brennenden Stelle unmittelbar vor der Operation applicirt wird.
Beim Brennen benutze ich auch die Hitze als Anästheticum. Wenn sich die Thiere sehr empfindlich zeigen, so lasse ich mit Hülfe eines weissglühenden per distance angewendeten Eisens Hitze in die Haut einströmen, so viel es nur ertragen wird; darauf kann in der Kegel das Brenneisen ohne erhebliche Reaction des Thieres applicirt werden.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
II. Die Methoden der G-ewebstrennung.
|
||||
|
|
||||
|
1. Blutige und unblutige Trennung der Gewebe.
Die Trennung der Weichtheile kann auf blutigem sowie auf unblutigem Wege erfolgen; zur ersteren Methode dienen scharfe Instrumente (Messer, Scheren, Trokarts u. s. w.), zur letzteren die Li-
|
||||
|
|
||||
|
Pig. 76.
|
Pig. 77.
|
|||
|
|
||||
|
|
|
|||
|
|
||||
|
Geballtes und spitzes Hislonri.
|
I.iiiicette.
|
|||
|
|
||||
|
gatur, das GHüheisen, Tliermokauter, Galvanokaustik und das Ab-reissen.
Zu den chirurgischen Messern gehören: 1. Bistouris, an denen Heft und Klinge beweglich verbunden, daher zu schliessen, aber mit einer Vorrichtung versehen sind (Ring, Stift), um die Klinge festzustellen (Fig. 70), 2. Sealpelle mit unbeweglicher Verbindung zwischen Klinge
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
454
|
Allgemeine Operationslehre.
|
|||
|
|
||||
|
und Heft (Fig. 78 a und i), .'5. Lancet ten mit lanzenförmiger Klinge und beweglichem Hefte (Fig. 77); die letzteren finden neuerdings nur noch selten Anwendung (Aderlass). Dagegen haben 4. s c h a r f e L ö f f e 1 in der thicrilrztlichen Praxis vielfach Eingang gefunden (Fig. 78 e und f). Nach der Form der Klinge unterscheidet man gebogene (con-vexe) (Fig. 78a), gerade und concave Bistouris bezw. Scalpelle; solche mit schmaler Klinge heissen auch Tenotome (Fig. 78 c und rf), weil sie zum Durchschneiden von Sehnen und Muskeln unter der Haut benutzt
|
||||
|
|
||||
|
Fig. 78.
|
||||
|
|
||||
|
(7nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(lnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;('
laquo; geballtes, b spitzes Sealpell, c gebogenes, d gerados Tcnotom.
|
. /' seharfe Ijört'ol.
|
|||
|
|
||||
|
werden; diese sind entweder mit einer scharfen Spitze oder an Stelle dieser mit einem abgerundeten Knopfe versehen (spitze und g e-knöpfte Tenotome).
Die Stärke der Messer ist verschieden, doch empfiehlt sich namentlich für grössere Thiere kräftige Klingen und nicht zu schwache Hefte zu wählen, weil die Anwendung dieser Instrumente oft grösseren Kraftaufwand erfordert. Für aseptische Operationen empfehlen sich gut vernickelte Metallhefte, die sich leichter sterilisiren lassen, ohne dabei zu leiden. Der hiesige Tnstrumentenfabrikant Hauptner hält die hier verzeichneten Instruiuente stets vorräthig.
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
Trennung der Gewebe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 455
Bistouris und Scalpelle werden bald nach Art einer Schreibfeder (Fig. 79) gehalten, wie es namentlich beim Präpariren von Weich-theilen geschieht, oder mau erfasst das Bistouri wie ein Tischraesser, und zwar die Schneide entweder nach oben oder unten gerichtet (Fig. 80 und 81) oder mit der ganzen Hand (Fig. 82), so namentlich, wenn es sich um Ueberwindung grösserer Kraft handelt. Wird an Theileu, die sich bewegen, also besonders an nicht gefesselten Thieren ope-
Fig. 79.
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
Haltung des Messers wie eine Kchreibfeder.
rirt, so setzt man, wie Fig. 8ii zeigt, den Daumen der operirenden Hand in möglichster Abductionsstellung fest auf den Körper des Thieres, um etwaige plötzliche Bewegungen mit der Hand mitzumachen
Fig. 80.
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
Haltmif; wie ein Tischinesser, die Schneide nach unten gerichtet.
und eine Ubermässige Verlängerung des Schnittes zu vermeiden. Aus demselben Grunde wird beim Durchschneiden der äusseren Haut mit der linken Hand und Unterstützungnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,,.
r 'rT- 81i
|
||||
|
|
||||
|
eines Gehülfen eine Hautfalte gebildet und mit dem Messer gespaltet; natürlich kann dies nur an Stellen geschehen, wo die Haut auf
|
|
|||
|
|
||||
|
ihrer Unterlage verschiebbar ist, so Haitun
|
wie ein Tlsobmessei', die Schneide nach oben gerichtet.
|
|||
|
namentlich am Rumpfe der Thiere.
Man unterscheidet: Stich und Schnitt. Beim Stich erfasst man die Klinge des Messers mit Daumen und Zeigefinger da, bis wohin dieselbe eindringen soll: beim Schnitt dagegen wird das Messer au der
|
||||
|
|
||||
|
J
|
W,
|
|||
|
|
||||
|
|
|||||
|
450
|
Allgemeine Operationslehro.
|
||||
|
|
|||||
|
Klinge geführt, und /.war bald von aussen nach innen (Einschnitt), wobei man die leicht bewegliche äussere Haut zuweilen mittelst Zeigefinger und Daumen der linken Hand anspannt, bald von innen nach
|
|||||
|
|
|||||
|
Fig. 83,
|
|||||
|
|
|||||
|
|
Fig. 83.
|
||||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
Haltung mit der ganzen Hand.
|
AiUset/.cn des Daumens.
|
||||
|
|
|||||
|
fia, 84.
|
Fig. 85.
|
||||
|
|
|||||
|
|
A
|
|
r
|
||
|
|
|||||
|
Hohlsomlen.
|
Oeln'sonden.
|
||||
|
|
|||||
|
aussen, wobei zur sicheren Einführung z. B. in eine Abscesshöhle sog. Hohlsonden (Fig. 84) dienen. Aengstlicho und ungeschickte Operateure pflegen auch bei der Öchnittführung die Klinge des Messers zwischen Daumen und Zeigefinger zu halten, wodurch nicht nur der
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||||||
|
Trenmuig der Gewebe.
|
457
|
|||||
|
|
||||||
|
freie Gebrauch desselben erschwert, sondern auch die Uebersicht über die Ausdehnung, namentlich über die Tiefe des Schnittes beschränkt wird. Die Lancetto wird an der Klinge zwischen Daumen und Zeigefinger erfasst, das Heft nach oben, damit dasselbe weni
|
||||||
|
|
Fig. 80.
|
|
||||
|
|
||||||
|
ger verunreinigt wird und das Eindringen der Klinge nicht behindert (Fig- 8(5). Um sich zu überzeugen, wie tief der Schnitt gelegt werden muss, wie auch zum Zwecke der Untersuchung von Höhlen und i'öhrenförmigen Kanälen auf ihre Ausdehnung und die Gegenwart von Fremdkörpern dienen Sonden (Fig. 85), die gegen
|
|
|||||
|
|
||||||
|
wärtig meist aus Metall (Silber, Stahl) hergestellt
|
UaUuug der ijancettlaquo;.
|
|||||
|
werden mit einem abgerundeten Knöpfchen (Knopf-s on den), oft aber auch zur besseren Handhabung am entgegengesetzten Ende mit einer myrthenblattförmigen Verbreiterung versehen sind (Myrthenblattsonden); wieder andere tragen zur Befestigung
|
||||||
|
|
||||||
|
Pig. 88.
|
||||||
|
|
||||||
|
Ilt;%. ST.
|
|
|||||
|
|
||||||
|
Pinccttpn.
|
Kornzangen.
|
|||||
|
|
||||||
|
eines Fadens ein Oehr (Oehrsonden) (Fig. 85), oder einen Haken zur Unterbindung von Gefässen (Fig. 84). Elfenbeinsonden sind zwar biegsamer, lassen sich jedoch nicht gut reinigen und deshalb weniger zu empfehlen. Dagegen zeigen sich biegsame Zinnsonden für die Zwecke der Untersuchung sehr geeignet. Beim Gebrauche 'der
|
||||||
|
|
||||||
|
|
||||
|
458
|
Allgemeine Operationslelire.
|
|||
|
|
||||
|
Sonde ist auch noch die Vorsicht geboten, dass man mit derselben nicht künstliche Gewebstrennuugen herstellt.
Zum Erfassen der Gewebe, Fremdkörper, abgelöste Knochenstücke dienen Pincetten und Zangen, deren Einrichtung sich aus beifolgenden Zeichnungen (Figi 87 und 88) ergiebt. Man unterscheidet glatte und Hakenpincetten; sie dürfen nicht zu schwach gearbeitet
|
||||
|
|
||||
|
Fitr. 01,
|
||||
|
|
||||
|
Via. 89.
|
Fig. 90,
|
|
||
|
|
||||
|
|
||||
|
Winidliakeii.
|
Ilakenzange.
|
Hakenzange naoh Esser.
|
||
|
|
||||
|
sein, da ihre Anwendung, namentlich zum Entfernen abgestorbener öewebsmassen oder Fremdkörper, oft einigen Kraftaufwand voraussetzt. Von den Zangen ist die sog. Kornzange am meisten im Gebrauch (Fig. 88).
Wird bei der Operation priiparirend vorgegangen, so dienen sog. Wundhaken (Fig. 47 und 89) zum Auseinanderhalten der Wundränder. In verschiedenen Grossen werden sowohl scharfe wie stumpfe Haken benutzt, die letzteren mehr als die ersteren.
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Trennunsr dor (iewebe.
|
459
|
||
|
|
|||
|
Bei der Exstirpation von Geschwulstmasseu lassen sich sog. Haken-zangen mit grossem Vortheil verwcrtlieu (Fig. 90), indem man mit denselben die Geschwulst erfassen und vorziehen kann; die in Fig. 91 dargestellte, von Professor Esser construirte Zange ist für grössere Thiere besonders zweckmässig.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; i gt; gt; ^ ..
In Ermangelung solcher Instrumente legt man mit Hülfe der Gerlach'schen Heftnadel (S. G4) ein schmales Band durch die Geschwulst.
Trennungen der Weichtheile erfolgen endlich mit Trokarts und Hohlnadeln. Der Trokart (Fig. 98), aus dem Stilet mit Griff und einer Hülse bestehend, dient zum Einstich von Hohlräumen behufs Feststellung (Probetrokarts) oder zur Entfernung ihres krankhaften Inhaltes. Die Stärke derselben schwankt zwischen 2 14 mm, ihre Anwendung erfolgt in der in Fig. 92 dargestellten Haltung, indem der Zeigefinger die Grenze andeutet, bis wohin das Instrument eingeführt werden soll. Sobald der Trokart eingedrungen, zieht man das Stilet zurück. Bei Function von Körperhöhlen oder Gelenken muss
Fig. 92.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|
||
|
|
|||
|
lluitmiK des Trokarts.
|
Probetrokarts,
|
||
|
|
|||
|
das Instrument vorher sorgfältig sterilisirt werden, was am sichersten durch B 10 Minuten langes Kochen in Wasser oder besser noch l0/o Sodalösung erfolgt. Als Probetrokart lässt sieb unter Umständen eine Hohlnadel verwerthen, wie sie zur snbentanen Application von Arzneien benutzt wird.
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
4(50
|
Allgemeine Operationslehre.
|
|||
|
|
||||
|
Zur Grewebstrennung dienen endlich scharfe Löffel von vex-schie-deuer Grosse, bald rund, bald etwas länglich gestaltet (Fig. 78 e, f). Die Auslöf'felungquot; kann sowohl an harten Geweben (Knochen, Knorpel) als auch an Granulations- bezw. Geschwulstmassen vollzogen werden und erfolgt namentlich da, wo man diese mit dem Messer nicht ohne Gefahr erreichen kann.
Endlich können blutige Trennungen der Weichtheile mit der Schere geschehen; dieselbe gewährt den Vortheil, dass man nicht so leicht Ge-
Pltr, 94.
|
||||
|
|
||||
|
|
|
|||
|
|
||||
|
Chivurgische Sclieien.
|
||||
|
|
||||
|
fahr läuft, die Trennung über die Grenzen des Erwünschten hinaus zu bewirken, was namentlich bei unruhigen Thieren ins Gewicht fällt. Man unterscheidet geradequot; und gekrümmtequot; oder Cooper'sche Scheren. Die letzteren ermöglichen es, Theile von einer ebenen Fläche schärfer abzutrennen uud dienen daher auch zur Entfernung der Haare. Diese Form gestattet zugleich, die Führung der Schere mit den Fingern der linken Hand zu controliren und das Instrument unter skaff angespannte Membranen (Fascien, Bänder) zu schieben.
Früher glaubte man, dass die Trennung mittelst der Schere eine Quetschwunde darstelle, welche weniger leicht heile, als der Schnitt mit dem Messer. Sofern die Schere gehörig scharf ist, kommt dieser
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
Trennung der Gewebe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;461
Umstand nicht in Betracht, doch muss die Schere fest gebaut und darf nicht wackelig sein, wodurch nicht nur die Anwendung derselben erschwert wird, sondern der Schnitt auch uneben und schmerzhaft ausfällt.
Welches der Instrumente auch Anwendung finden mag, stets soll dasselbe möglichst scharf und rein sein und mit sicherer, ruhiger Hand schnell geführt werden. Vorsichtig, aber energisch, nicht zaghaft muss der Schnitt oder Stich ausfallen. Was mit einem Schnitt oder Stich ohne Gefahr zu trennen ist, soll nicht mit mehreren getrennt werden; je weniger Schnitte und je schneller sie erfolgen, um so geringer werden die damit verbundenen Schmerzen, ein Umstand, der namentlich bei Operationen au grösseren Thieren im Stehen ins Gewicht fällt, da dieselben nach längerem Gebrauch der Instrumente selbst bei Anwendung der Bremse unruhig werden.
Die unblutige Trennung der Gewebe erfolgt theils mit den Fingern, indem man namentlich lockere Bindegewebsmassen mit denselben losstösst; bei grösserer Widerstandsfähigkeit derselben wendet man hierzu das Heft eines Scalpells oder die geschlossene Schere an, ein Verfahren, das sich namentlich bei der Exstirpation von Geschwülsten empfiehlt.
Relativ unblutig gestaltet sich auch das Abreissen von Weich-theilen, namentlich Geschwülsten, Bindegewebe und Fett entweder mit den Fingern oder mit Hülfe besonderer Instrumente. Zu den letzteren gehört der Ecraseur, zuerst von Chassaignac empfohlen, später mehrfach modificirt und verbessert. Eine Kettensäge ohne Zähne bildet eine Schlinge, die in einer metallenen Röhre laufend durch eine Krückenvorrichtung allmählich verengert werden kann. An Stelle der Kette bat man später einen starken Draht gewählt (Drahtecraseur Fig. 95 ö) und die Verengung der Schlinge mittelst eines Schraubengewindes bewirkt (Schraubenecraseur Fig. 95amp;e). Nachdom die Kette bezw. der Draht um den abzulösenden Theil (Geschwulst) gelegt ist, wird durch die Schraube bezw. Krücke die Schlinge allmählich verengt, bis dieselbe alle in ihr liegenden Weichtheile durchschnitten, bezw. zerrissen hat (Ecrasement lineaire). Wo auch Blutgefässe zerrissen werden, schiebt sich die am meisten widerstandsfähige Ad-ventitia vor das Lumen derselben und verhindert auf diese Weise die Blutung.
Aehnlich verhält sich die Wirkung der galvanokaustischen
|
||||
|
|
||||
|
Sc,hlin
|
1 o
|
e, nur mit dem Unterschiede, dass der sie bildende l'latin-
|
||
|
|
||||
|
Iraht durch Elemente zum Glühen gebracht die Weichtheile abbrennt.
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
|
|||
|
462
|
Allgemeine Operationslehre.
|
||
|
|
|||
|
Für thierilrztliclie Zwecke bedarf es in der Regel einer grossen Schlinge, ZU deren Erhitzung starke Elemente erfoi-derlich sein würden; deshalb hat die Galvanokaustik, welche beim Menschen besonders zur Entfernung kleinerer Geschwülste aus den Kopfhöhlen dient, in der Thier-heilkunde wenig Anwendung gefunden, zumal eine ähnliche Wirkung mit dem bei weitem billigeren und einfacher construirten ,Thermo-
|
|||
|
|
|||
|
^
|
|
||
|
b^^^Klft1 fjtM j flC^^^^^
|
|||
|
|
|||
|
cl,
|
|||
|
|
|||
|
a Ketteneciascur nacli l'liii ssainnae. /#9632; Kettcnociaseur imcli Cluirrii'i'c. eDralitocvaseur nacli Jleyer. A Drahtecraseur, fianzösisclier. e Kettenecvaseur nach Luer.
|
|||
|
|
|||
|
kauterquot;, oft sogar auch mit dem Glüheisen zu erzielen ist. Das Nähere hierüber vergl. heim Kapitel Brennen.
Zur Trennung von Weichtheilen, namentlich zum Abtrennen von Geschwülsten dient endlich die Unterbindung, das Abbinden. Hierbei wird um den betreffenden Theil ein Faden (Zwirn- oder Bindfaden), ein Draht oder ein dickwandiger Gummischlauch (elastische Ligatur) gelegt und möglichst fest zusammengeschnürt. Die Ligatur wirkt einmal durch Absperren der Blutzufuhr, in Folge dessen der unterbundene Theil früher oder später abstirbt: dann aber durch-
|
|||
|
|
|||
|
i
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
rrennuiig der Gewebe.
|
463
|
|||
|
|
||||
|
schneidet dieselbe die Weichtheile direct und /war um so schneller, je weicher diese und je fester die Ligatur. Ganz besonders kommt die
Fig. 06.
|
||||
|
|
||||
|
|
|
|||
|
|
||||
|
|
|
|||
|
|
i
|
|||
|
|
||||
|
L'nterliiiulung mit Stielbildung.
letztere Wirkung bei der elastischen Ligatur in Betracht. Nicht elastische Ligaturen werden in dem Masse als sie die Weichtheile durchschnitten haben, locker, niiisseu alsdann von neuem angezogen oder durch eine engere Ligatur ersetzt werden.
|
||||
|
|
||||
|
_L
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
4.(54nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslohre.
Bei Geschwülsten mit breiter Basis kann die Unterbindung in mehreren Abschnitten erfolgen. In einfachster Weise wird dieses dadurch erreicht, dass man einen doppelten Faden durch die Basis des Tumors führt und denselben nach beiden Seiten unterbindet. Um mehrere Ligaturen anlegen zu können, braucht man zwei gerade Nadeln (Fig. 90laquo;), von denen eine in ihrer Mitte mit einem Oehr versehen ist. Diese wird zunilohst quer durch die Mitte der Geschwulstbasis gestochen, sodann die zweite mit einem langen, doppelten Ligaturladen versehen in der entgegengesetzten Kichtung und zugleich durch das Oehr der ersteren (Fig. !)ö/) und c). Sodann zieht man die erste Nadel mit dem Faden durch die Geschwulst (Fig. 9Qd) und schneidet in einiger Entfernung von dem Oehr den Faden durch. Wahrend nun das eine Fadenende festgehalten wird, zieht man den anderen Faden mit der Nadel wieder durch die EinstichöfFnung derselben zurück (Fig. 96 e) und durchschneidet auch diesen. Auf diese Weise erhält man vier Fäden, welche je ein Viertel der Geschwulst einfassen (Fig. 96 f) und nun fest geknotet, die Basis der Geschwulst umschnüren. Schiebt man die Fäden vor den Vorknoten unter die äussere Haut hindurch, so gelingt es, die Geschwulst sub-cutan zu unterbinden (Fig. 96 fl). Im ganzen wird jedoch von diesem, als Pediculisation der Geschwulst (Unterbindung mit Stielbildung) bezeichneten Verfahren in der thierärztlichen Praxis nur selten Gebrauch gemacht.
Der Umstand, dasw grössere Geschwülste bei der Unterbindung langsam abgetrennt werden, in Folge dessen schon vorher absterben, zerfallen und einen üblen Geruch verbreiten, lässt das Abbinden im allgemeinen bei kleineren Geschwülsten zweckmässiger erscheinen, wo man sich vor der Anwendung des Messers oder Schere scheut. Ebenso liegt auf der Hand, dass durch länger andauernde Eiterung das Auftreten von Starrkrampf begünstigt wird, und dass es sich auch aus diesem Grunde empfiehlt, die Stelle mit Desinfectionsmitteln zu behandeln. Der Umstand, dass gerade nach Unterbindung von Geschwülsten bei Pferden oft Tetanus beobachtet wurde, war die Veranlassung, dass man in der Wirkung der Ligatur die Ursache dieses Leidens erblickte, eine Auffassung, der man heute nicht mehr zustimmen kann (S. 138).
Die Trennung bezw. Zerstörung der Gewebe durch Chemikalien (Aetzmittel, Cauterium potentiale), die sowohl mit festen wie flüssigen Aetzmitteln geschehen kann, erfolgt nach den Grundsätzen der Pharmakologie. Man greift zu diesen Mitteln jedoch nur da, wo die Trennung mit chirurgischen Instrumenten auf Schwierigkeiten stösst oder mit Gefahren verbunden und unbequem ist; z. B. bei üppigen Wucherungen oder Geschwülsten mit breiter Basis und geringer Höhe.
Feste Gewebe, wie Knochen, lassen sich mit den oben geschilderten Hülfsmitteln nicht durchtrennen; hier sind stärkere und anders gestaltete Instrumente erforderlich; in erster Linie kommen hierbei Säge und M eis sei in Betracht, ausserdem K n ochen zangen
|
||
|
|
||
|
|
|||||
|
Trennung der Gewebe.
|
|||||
|
|
|||||
|
(Fig. 97) und Knochen seh er on (Fig, 98). Knochen dienen Bogensägen, Stichsägei
Fig. 97.
|
Zum Durchsägen von
|
||||
|
und
|
Kettensägen
|
||||
|
|
|||||
|
|
Kg. 98,
|
||||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
Knoolienzauge naoli l.isiou.
|
Knoolienschere.
|
||||
|
|
|||||
|
(Fig. 99). Bei der Eogeiisägo'_komnit es namentlicli darauf an, dass das Sägenblafct gehörig gespannt ist: die Htichsäge muss stark, darf aber nicht zu breit sein, um sie leichter anwenden zu können. Sie dient hauptsächlich zur Entfernung grös-
|
|||||
|
serer Knochenstücke.
Die Kettensftge (Fig. W), ans einerBeihe beweglich mit einander verbundenen Gliedern bestellend, trägt an beiden Enden zwei abnehmbare Griffe und wird beim Menschen vornehmlich zu Resectionen von Knochen angewendet; in der Thierhoilkunde benutzt man sie zum Absägen nekro-tischer Dornfortsätzc am Widerrist bei Pferden und unter ähnlichen Umständen, im ganzen aber nur selten.
Zu den Sägen gehören endlich
|
|
||||
|
|
|||||
|
auch die Trepane, Instrumente, die
|
Kettciisiig:e.
|
||||
|
|
|||||
|
Müller, AUgemelno Olilrnrgte für ThtorttTzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;30
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||
|
4()()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
in der speciellen Chirurgie genauer besclirieben sind. Chirurgische Meissel sollen aus gutem Stahl und in verschiedener Grosse gearbeitet sein. Man unterscheidet flache und Hohlmeissel je nachdem die Schneide gerade oder gekrümmt verläuft. Mit einem hölzernen oder eisernen Hammer wird der Meissel durch die Knochen getrieben. An Stelle des Meisseis benutzen wir in der Thierheilkunde vielfach die sog. Hauklinge' der Schmiede, z. B. beim Coupiren des Schweifes: dieselbe muss recht scharf sein: mit dem Klopfschlägel wird sie durch den betreffenden Theil, z. B. den Schweif getrieben.
|
||
|
|
||
|
3. Amputationen und Exnrticulationen. Couplreu des Schweifes.
Unter Amputation1) versteht man die operative Entfernung ganzer Extremitätentheile; geschieht diese in einem Gelenke, so spricht man von einer Ex articulation. Abgesehen von der Exarticulation einzelner Klauen bei Wiederkäuern und der Zehenglieder der Fleischfresser finden Amputationen bei Tliieren aus nahe liegenden Gründen nur selten statt. Gelegentlich wird indess bei Lieblingstbieren die Amputation einer Gliedmasse der Tödtung derselben vorgezogen; schwere Verletzungen, complicirte Knochenbrüche und gangränöse Entzündungen geben dazu Anlass. Um das Leben der Thiere zu erhalten, bleibt hier oft nur die Amputation übrig. Es empfiehlt sich jedoch, den Besitzer vorher darauf aufmerksam zu machen, dass sich nach der Amputation, auch wenn der Zweck derselben erreicht wird, mancherlei Unzutrilglichkeiten einstellen. Ich habe wiederholt die Beobachtung gemacht, dass die Besitzer nach erfolgter Amputation hierdurch veranlasst wurden, das Thier schliesslich doch tödten zu lassen. Eine Katze, bei der von mir ein Vorderfuss ampufcirt war, erregte bei der abergläubischen Bevölkerung derartigen Schreck, dass ein allgemeiner Aufruhr entstand und das Thier, in dem man den leibhaftigen Teufel venuuthete, mit Knitteln todtgeschlagen wurde. Bei grösscren Thieren wurden früher wohl noch Amputationen der Gliedmassen vorgenommen, um die Thiere für die Zuchtzwecke zu erhalten; bei den heutigen Unkosten, welche mit der Erhaltung derselben verbunden sind, verzichtet man jedoch für gewöhnlich auf derartige Operationen. Dass indess auch bei grösscren Thieren einzelne Gliedmassen amputirt werden können, beweisen zahlreiche Mittheilungen der Literatur. Erleichtert wird die Operation wesentlich durch
|
||
|
|
||
|
') Amputaie = wegsclineiilen.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Amputation.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .(f)7
Anwendung der Narkose und des Constrictionsschlauches, der es ermöglicht, in der Blutleere zu operiren.
Zu Amputationen an den Gliedmasson dienen: ein Amputations-messer, welches sich jedoch bei kleinen Thieren durch ein festes Scalpel, Bistouri oder Lorbeerblattmesser ersetzen lässt, bei grösseren Thieren durch ein Schliichtermesser, ferner eine Säge, Unterbindungs-pincetten, Schere, Heftnadeln und Faden nebst Verbandmatorial.
Ueber die Stelle, wo die Amputation vorgenommen werden soll, entscheidet in erster Linie der Krankheitszustand, welcher zu der Operation Veranlassung giebfc. Im allgemeinen verdient die Amputation vor der Exarticulation den Vorzug, weil die Wundheilung hierbei leichter und schneller von Statten zu gehen pflegt als bei der Exarticulation.
Nach der Schnittfilhrung unterscheidet mau zwei Methoden: 1. den Zirkelschnitt und 2. den Lappenschnitt.
Nachdem das Thier in eine passende Lage gebracht ist (kleinere placirt man auf einen Tisch), wird oberhalb der Oporationsstelle ein Esmarch'scher Schlauch angelegt und das Operationsfeld zuerst sorgfältig desinficirt, um womöglich einen aseptischen Wundverlauf zu erzielen; zu dem Zwecke müssen auch die übrigen Massnahnicn getroffen werden. Der Operateur stellt sich so, dass das zu amputirende Ende der Gliedmasse nach seiner linken Seite gerichtet ist.
Zur Ausführung des Zirkelschnittes lässt man die (rlicdinasse oberhalb der Amputationsstelle von einem Gehülfen mit beiden Händen umspannen und die Weichtheile mit der Hand soweit möglich nach oben ziehen. Sodann erfasst der Operateur das Ende der Gliedmasse mit der linken Hand, während die rechte 2 ;i cm unterhalb der Stelle, wo die Amputation vorgenommen werden soll, einen Zirkelschnitt durch die Haut führt. Nachdem letztere in der gleichen Entfernung von ihrer Unterlage lospräparirt ist, werden die Weichtheile in langen, gleicluuässigen Zügen bis auf den Knochen durchschnitten. Die Schnittfläche soll möglichst glatt und eben ausfallen, doch ziehen sich Muskeln, Sehnen, Fascien u. s. w. nicht gleichmässig zurück. Nun wird auch der Knochen durchtrennt, doch sucht man soweit möglich das Periost desselben zu erhalten. Etwa 1 2 cm unterhalb der Stelle, WO der Knochen durchsägt worden soll, spalte man zunächst mit einem Zirkelschnitt das Periost und präparire es sodann bis zur Amputations-stello frei, wo alsdann der Knochen durchsägt wird, .le dicker der Knochen, um so wichtiger erscheint diese Erhaltung des Periosts. Bei dünnen Knochen durcbsclmeidet man zuerst das Periost und setzt au derselben Stelle die Säü'e an.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
4(gt;8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
Beim Lappenschnitt geht man in ähnliclier Weise vor, doch werden zwei halbmondförmige Hautlappen gebildet und zurückgelegt, worauf die Trennung der Weichtheile und des Knochens erfolgt.
Nachdem der zu amputirende Theil entfernt ist, schreitet man zunächst zur Blutstillung und zwar durch Unterbinden aller grösseren Gefässe. Man suche namentlich in den Interstitien der Muskeln die offenen Gefässe auf und unterbinde sie soweit möglich isolirt. Glaubt man alle sichtbaren Gefässe gefunden zu haben, so lässt man den Constrictionsschlauch ein wenig lockern, um sich zu überzeugen, ob noch Gefässe spritzen, um event, auch diese zu unterbinden. Sollte sich ein Gefäss nicht hervorziehen lassen, so wird es umstochen. Kleinere Gefässe können auch durch Torsion zum Verschluss gebracht werden. Die parenehymatöse Blutung wird am besten in der Weise gestillt, dass man die hoch gehaltene Aniputationstiäche einige Minuten lang mit Schwämmen oder Tupfern comprimirt.
Nach erfolgter Blutstillung werden die dohnbaren Nerven hervorgezogen und möglichst kurz abgeschnitten, um die Bildung von Ampu-tationsneuromen zu verhindern. Die Wunde wird hierauf desinficirt und geheftet; wenn erforderlich werden auch Drains angelegt. Man legt zunächst ein paar Entspannungsnähte an, lässt dai'auf die Vereinigungsnaht folgen und applicirt schliesslich einen Occlusivverband. Die Nachbehandlung erfolgt nach den allgemeinen Grundsätzen.
Die Exarticulation wird in ähnlicher Weise ausgeführt. Nach Trennung der Weichtheile event, unter Bildung von Hautlappen, sucht man mit einem starken Messer die Gelenkbänder zu durchschneiden, wobei der abzutrennende Knochen nach der einen oder anderen Seite gedrängt wird, um den nöthigen Raum zu gewinnen. Nach Entfernung des Theiles wird der Gelenkknorpel an dem erhaltenen Knochen mit einem scharfen Löffel abgekratzt und im übrigen wie bei der Amputation verfahren.
üeber die Exarticulation bezw. Amputation der Klaue des Kindes vergl. man die Angaben der speciellen Chirurgie.
Eine der häufigsten Amputationen ist die des Schweifes bei Pferden, Hindern und Hunden.
Die Amputation der Schweifrübe bei Pferden geschieht vielfach, um ein besseres Tragen derselben zu erzielen (Arabisiren), oder die gekrümmte oder mit Krankheitszuständen behaftete Schweifrübe theilweise zu entfernen. Die Operation erfolgt für gewöhnlich in einfacher Weise. Nachdem festgestellt ist, wo die Amputation des
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Amputation des Schweifes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4-()!)
Schweifes erfolgen soll, scheitelt man das Schweifhaar an der betreffenden Stelle, schneidet dasselbe in einer Breite von 2 cm um den Schweif mit der Schere ab und schlingt dicht über dieser Stelle einen Bindfaden fest um die Schweifrübe. Nachdem sodann das Pferd gut gebremst und die Hinterfüsse event, gespannt sind (S. 425), wird der Schweif in wagerechter Lage mit einem Holzklotz an der Stelle unterstützt, wo die Amputation erfolgen soll. Südann stellt sich der Operateur zur Seite des rechten Hinterschenkels auf, setzt eine recht scharfe Hauklinge auf die betreffende Stelle des Schweifes und treibt durch einen kräftigen Schlag mit einem Klopfscblägel, wie er in der Schmiede gebraucht wird, die Hauklinge durch die Schweifrübe. In der Regel reagiren die Thiere hierauf kaum. Grössere Blutgefilsse, namentlich die untere Schweifarterie können unterbunden worden; doch erscheint auch das nicht nöthig, wenn man mit einem ring-förmigen Brenneisen die Blutung stillt. Nachdem man sich nach Abnahme des Bindfadens überzeugt hat, dass keine Gefässe mehr spritzen, wird die Wundfläche mit Jodoform bestreut, ein Wattebausch auf dieselbe gelegt und durch Zusammenbinden der untersten Schweifhaare mit einem schmalen Band befestigt. Auf diese Weise erlangt man einen einfachen Occlusivverband, der fest liegt und auch nicht sichtbar ist, so dass das Pferd alsbald wieder zur Arbeit verwendet werden kann. Der Verband wird nach etwa 8 Tagen abgenommen, worauf die Heilung ohne weiteres Zuthun, zuweilen sogar ohne jede Eiterung erfolgt; sobald bei der Abnahme des Verbandes Asepsis angetroffen wird, sucht mau dieselbe durch Erneuerung des Verbandes zu erhalten, im anderen Falle kann derselbe fortbleiben,
Nachtheilige Folgen werden hiernach selten beobachtet; es können zwar bedenkliche Nachblutungeu vorkommen, doch sichert der oben beschriebene Verband gegen diese Gefahr bei weitem mehr als das einfache Zusammenbinden der Schweifhaare, wie es von Gam gee vorgeschlagen wurde. Es empfiehlt sich indess, den Besitzer darauf aufmerksam zu machen, wie eine etwa eintretende Blutung durch Umlegen eines Bindfadens um die Schweifrübe gestillt werden kann. Auch gegen den nach dem Coupiren des Schweifes zuweilen auftretenden Starrkrampf bietet der Occlusivverband das zuverlässigste Schutzmittel.
Früher wurde besonderes Gewicht darauf gelegt, die Trennung zwischen zwei Schweifwirbeln vorzunehmen, also vorher genau zu untersuchen, damit eine solche Stelle getroffen wurde. Am unteren Ende der Schweifrübe gelingt dies zwar regelmässig. nicht aber so
|
||
|
|
||
|
|
||
|
470nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
an den oberen Abschnitten derselben. Ich lege hierauf keinen besonderen Werfch, denn oft genug konnte ich micli überzeugen, dass die Heilung ebenso gut von statten geht, wenn ein Wirbel durchtronnt wurde.
Cagny liisst zuerst eine elastische Ligatur anlegen, worauf die Amputation erfolgt; die Ligatur soll 14 Tage liegen bleiben, und das nokrotisehe Stück des Schweifes nach 2 Monaten abfallen. Es ist nicht recht ersichtlich, weshalb dabei noch die Trennung mit dem Messer erfolgt; die Ligatur würde ja allein ausreichen. Meines Er-achtens steht diese Methode der oben beschriebenen entschieden nach, entspricht auch nicht den heutigen Grundsätzen.
Ehemals benutzte man zur Amputation des Schweifes die sog. Coupirschere, doch eignet sich hierzu die Hauklinge in der oben beschriebenen Anwendung bei weitem mehr, und zwar schon deshalb, weil man mit derselben eine grössere Gewalt ausübt und eine schnellere Wirkung erzielt, im Falle die Durchtrennung nicht mit dem ersten Schlage gelingt und das Pferd unruhig wird, bleibt die Schere leicht am Schweife hängen und kann zu weiteren Beschädigungen Veranlassung geben, was bei der Anwendung der Hauklinge ausgeschlossen ist. Die Abtrennung der Schweifrübe mit dem Messer empfiehlt sich, wenn in der Nähe des Afters operirt werden soll, z. B. bei Tumoren an derselben oder um den Pferden das Leinefangen unmöglich zu machen.
Hierbei verfährt man im allgemeinen wie bei der Amputation der Gliedmassen, macht entweder einen Zirkelschnitt durch die äussere Haut und präparirt diese centralwärts 24 cm weit von ihrer Unterlage ab, oder man legt ein paar halbmondförmige Lappen (S. 4(58) an und durchschneidet nun die Schweifrübe zwischen zwei Wirbeln oder durchsägt einen Schweifwirbel. Nach Unterbindung der Gefässe wird die Haut über den Stumpf gelegt und geheftet; mit Hülfe der erhaltenen Seh weif haare legt man, wie oben beschrieben, einen Occlusiv-verband an. Die Heilung gelingt auch hierbei oft per prim. int.
In ähnlicher Weise erfolgt die Amputation des Schwanzes bei den übrigen Thieren. Beim Kinde bilden schwere entzündliche oder gangränöse Processe, wie sie bei dem sog. Sterzwurm oder nach Impfung der Lungenseuche wohl beobachtet werden, Anlass zu dieser Operation; Hunde werden coupirt, um das Aussehen der Thiere zu verbessern. Während bei ersteren die Amputation des Schwanzes nach der einen oder anderen der oben beschriebenen Methoden erfolgt, lässt sich bei jungen Hunden die Verkürzung in einfachster Weise
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Myotoraie des Schweifes.
|
471
|
||
|
|
|||
|
mit einer starken Schere bewirken. Hierbei kommt es selten zu einer Blutung, welche besondere Hülfe in Anspruch nimmt. Wird indess auf eine vollständige Behaarung der Schwanzspitze Gewicht gelegt, so empfehle ich ähnlich wie bei Pferden zuerst einen Zirkelschnitt durch die äussere Haut zu legen, diese alsdann centralwärts auf 12 cm von ihrer Unterlage abzupräpariren, darauf die Amputation mit einem scharfen Messer oder einer starken Schere vorzunehmen und nach Stillung der Blutung den Hautlappen auf dem Stumpfe zusammenzuheften. Hierbei kann unter günstigen Umständen Heilung auf dem ersten Wege erzielt werden; aber auch da, wo dieses nicht der Fall ist, kommt die Heilung leicht und ohne erhebliche Narbenbildung auf der Schweifspitze zu Stande; auf dem Amputations-stumpfe wachsen wieder Haare, worauf oft ein besonderes Gewicht gelegt wird.
Die Amputation der Hörner, des Euters, der Gebärmutter und des Penis ist in der speciellen Chirurgie beschrieben, worauf hier verwiesen werden muss.
|
|||
|
|
|||
|
3. Myotomle des Schweifes.
Die Myotomie der Schweifmuskeln bezweckt beim Pferde ein besseres Tragen des Schweifes, stellt also eine kosmetische Operation dar. Der Schweif des Pferdes, namentlich des Reitpferdes soll in der Verlängerung der Medianebene des Körpers, und zwar in einem nach oben gerichteten Bogen getragen werden. Zuweilen geschieht dies nicht, indem die Schweifrühe entweder nach links oder rechts gerichtet ist, oder dieselbe verläuft von ihrer Anfangsstelle direct abwärts, ohne einen Bogen zu beschreiben. In dem ersteren Falle spricht man von ,Schieftragen'', in letzterem sagt man, der Schweif wird schlecht getragenquot;. Während das Schieftragen eine Folge ungleichmässiger Entwickelung der Schweif-muskulatur bildet, indem die der einen Seite kräftiger ist, und somit das Uebergewicht erlangt (selten handelt es sich hier um eine Con-tractur), kann das mangelhafte Tragen auf verschiedenen Umstünden beruhen. Bald wird es durch eine schräge, abschüssige Kruppe (tiefer Schweifansatz), bald durch phlegmatisches Temperament, selten durch l/ahmung oder allgemeine Krankheitszustände veranlasst.
In vielen Fällen bildet es jedoch die Folge einer übermässigen Entwickelung der Niederzieher und des Uebergewichtes derselben gegenüber den Hebern. Dass nur in dem letzteren Falle von der Myotomie Nutzen zu erwarten ist, versteht sich von selbst, und man
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
472
|
Allgemeine Operationslchve.
|
||
|
|
|||
|
muss sich daher zunächst über die Ursachen des Zustandes orientiren, bevor man zur Operation schreitet.
Die feblerliafte Lage der Kruppe ergiebt sich aus der Berücksichtigung der Grundsätze des Exterieurs, ebenso das phlegmatische Temperament. Lähmung der Sclnveifmuskeln erkennt man an dem Fehlen jeden Widerstandes beim Versuche denselben zu lieben; auch baumelt die gelähmte Sclnveifrübe beim Gehen hin und her und wird von Urin und Mist beschmutzt. Nur wenn diese Zustände ausgeschlossen werden können, lässt sich von der Myotonüe etwas erwarten.
Die Durchti-ennung der Niederzieber des Schweifes kann mit einem offenen Schnitt oder subeutan erfolgen; bereits seit längerer Zeit wird die letztere Methode vornehmlich angewendet und in der Kegel am stehenden Pferde ausgeführt; bei ruhigen und kleinen Thieren kann aiick der offene Scbnitt im Stehen erfolgen; grössere und heftige, widerspenstige Pferde werden zu dem Zwecke auf die linke Seite oder auf den Rücken gelegt. Am bequemsten operirt rnan jedoch am stehenden Thiere; die Hinterfüsse desselben werden gespannt. Eine von Brücher empfohlene Modification dieser Befestigung besteht darin, dass das um die Hinterfessel der Seite, an welcher man steht, gelegte Tau zunächst durch den Ring eines an dem gegenüberliegenden Vorderschenkel liegenden Fesselriemens gezogen, und dann erst um den Hals des Thiores geschlungen wird; auf diese Weise wird dem Thiere das Schlagen nach der Seite unmöglich gemacht, und der zur Seite dieses Fusses stehende Operateur vor Verletzungen geschützt. Da hierbei die Thiere jedoch leichter niederstürzen, so empfiehlt sich auf weichem Boden zu operiren oder Kniekappen anzulegen.
Beim offenen Schnitt wird ein Stück der Niederzieber i-esecirt, indem man wie folgt vorgeht: Etwa 68 cm vom Schweifansatze beginnend, wird auf der Mitte der Niederzieher zu beiden Seiten der Mittellinie ein Längsschnitt von circa 5 cm durch die äussere Haut gemacht (Fig. 100c). Durch diese Hautwunde sucht man die Muskeln mit Hülfe von Pincette, Schere oder eines Messers soweit als möglich abzutragen. Von anderen wird empfohlen, zu jeder Seite der Mittellinie des Schweifes quer über die Niederzieher einen Hautschnitfc zu legen und durch diesen die Muskeln auszuschneiden. Wenn erforderlich, kann das Verfahren etwa 5 cm weiter nach hinten wiederholt werden (Fig. 100 laquo;) Nicht zu empfehlen ist dagegen ein Querschnitt über die ganze untere Schweiffläche, wobei die untere Schweifarterie leicht durchschnitten wird (Fig. 100 e). Ebenso hat man auch die T-för-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Myotomie des Schweifes.
|
47:!
|
||
|
|
|||
|
migen Schnitte aufgegeben (Fig. 100 d), welche /ai erheblicher Narbenlaquo; bildmig führen. Dagegen kann beim Längsschnitt durch ein paar an den Endpunkten desselben angebrachter kurzen Qucrsclinitto (Fig. 100fr) die Prilparation der Muskeln erleichtert werden. Die Wunden behandelt man nach den allgemeinen Kegeln. Wenn auch ein aseptischer Wundverlauf durch Anlegung eines OcclusivVerbandes oft nicht erzielt wird, so bleibt doch die Eiterung auf die Operationsstelle beschränkt und treten unangenehme Zufälle sehr selten ein.
Die subeutane Myotomie des Schweifes gestaltet sich einfacher, leichter, führt schneller und rcgelmässig auf aseptischem Wege zur Heilung. Zur Ausführung der Methode gehört ein spitzes Bistouri und ein massig gebogenes, schmales, geknöpftes Tenotom. Der ge-
Fiir. 100.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Myotomie des Sohwelfss,
|
|||
|
|
|||
|
übte Operateur kann ein spitzes Tenotom benutzen und braucht alsdann kein Bistouri. Nachdem die Schweif'haare zusammengeflochten sind, die untere Fläche des Schweifes sorgfältig abgeseift und mit Sublimatwasser abgespült ist, auch die übrigen Mässnahmen der Antisepsis getroffen sind, macht man an der von einem Gehülfen nach oben gebogenen Schweifrübe, etwa B6 cm von dem After entfernt, mit dem Bistouri da einen Einstich, wo das Schweifliaar mit der haarlosen Haut zusammenstösst. ßrücher empfiehlt, einen Fingerbreit hinter dem Winkel einzustechen, der von der Schenkclhautfalto mit der Schwoifrübe gebildet, wird, woselbst man den oberen Rand des Niederziehers fühlt. Den Daumen auf den Kücken des Schweifes gestützt, welcher während dieser Zeit etwas heruntergelassen wird, führt man das Tenotom zwischen Muskel und Haut mit flacher Klinge bis in die Nähe der Mittellinie des Schweifes ein, ohne letztere ganz zu
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
474
|
Allgemeine Operationslehi'o.
|
||
|
|
|||
|
erreichen, um die untere Schweif'urterie zu schonen. Nun wendet man die Schneide des Tenotonis gegen die Muskeln, hisst die Schweif-riibe wieder nach oben bewegen und schneidet die Muskeln mit einem kräftigen Zuge womöglich bis auf die Wirbel durch; erfordei-licben Palls muss der Schnitt wiederholt werden. Es ist vielfach empfohlen, etwa 154 cm weiter nach hinten dieselbe Operation zu wiederholen, doch muss ich Bruch er darin zustimmen, dass hiermit kein wesentlicher Vortheil erreicht wird. Wenn der erste Schnitt nur hoch genug angelegt wird, reicht derselbe vollständig aus, und ein zweiter nutzt wenig oder gar nichts.
Nachdem das Operationsfeld mit Sublimatwasser abgespült ist, wird auf die Operationsstelle, da wo sicli die Vertiefung in den Mus-Icein bemerkbar macht, ein Wergtampon gelegt, darüber folgt eine Lage Holzwollwatte, welche man mittelst einer Binde befestigt. Um das Abgleiten des Verbandes zu verhindern, lege ich einige Strähnen Seh weif haare von unten nach oben zwischen die Bindentouren. Auf diese Weise bedarf es keines sehr festen Anziehens der Binden, auch nicht des von Wichmann und Spinola empfohlenen Strohbündels, welches auf den Rücken der Schweifrübe gelegt wurde, um bei etwaiger Anschwellung durch Ausziehen von Strohhalmen das Einschnüren des Verbandes zu verhüten. Sobald die allgemeinen Regeln der Antisepsis auch nur einigermassen Beachtung finden, kommt es zu keiner entzündlichen Anschwellung.
Der Schweif wird mit Hülfe eines über eine Rolle gehenden und mit einem Gewicht (Ziegelstein) belasteten Strickes etwa 14 Tage lang nach oben zu richten gesucht. Der Verband kann nach 3 bis 4 Tagen entfernt werden, in der Regel ist in dieser Zeit die Hautwunde bereits geschlossen. Auch die Muskelwunde heilt ohne Eiterung und sonstige Zufälle. Zur weiteren Sicherung der Asepsis lässt man 1224 Stunden vor der Operation nach sorgfältiger Reinigung der Schweifrübe einen feuchten Sublimatverband um dieselbe legen. Sollte durch Unruhe des Pferdes beim Durchschneiden der Muskeln der Hautschnitt vergrössert worden sein, so legt man eine Knopfnaht durch dieselbe.
Gegen das Schieftragen wird die gleiche Operation, jedoch nur an der Seite vorgenommen, wohin der Schweif gerichtet ist. Nach der Operation lässt man den Schweif nach der entgegengesetzten Seite ziehen, mit Hülfe eines Bandes an dem Brustgurt befestigen und in dieser Lage etwa 14 Tage erhalten.
Bemerkt sei schliesslich, dass die Operation um so wirksamer
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Myotomie dos Schweifes.
|
475
|
||
|
|
|||
|
ist, jo holier, d. li. je näher dem Schweif ausätze sie vorgeuomnien wird. Man hat es daher in der Hand, je nach dem Grade dos Schief-trugens den Effekt der Myotomie zu bemessen. In der Kegel aber ist die Wirkung der Operation keine dauernde, indem sich nach etwa (i8 Monaten in dem Narbengewebe Retraction einstellt, wodurch die fehlerhafte Haltung des Schweifes zurückkehrt. Die Myotomie des Schweifes bildet daher eine Operation, die vorzugsweise im Interesse des Händlers liegt. Um eine längere Wirkung desselben zu erzielen, empfiehlt es sich auch später noch zeitweise, besonders während des Stehens im Stalle, den Schweif in derselben Weise zu befestigen, wie es unmittelbar nach der Operation geschieht. Auch mag der offene Schnitt eine länger andauernde Wirkung haben, wenn grössore Stücke aus den Muskeln entfernt werden.
|
|||
|
|
|||
|
'VI #9632;iiil
laquo;I
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
laquo;I
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
III. Methoden der Vereinigung der G-ewebe. Allgemeine Verbandlehre.
|
||
|
|
||
|
Nachdem sowohl die Vereinigung der Wunden durch die Wund-naht wie aucli die der Knochen durch Anwendung von Verbünden bei den Knochen brächen bereits in der allgemeinen Chirurgie abgehandelt sind, bleibt hier nur noch die allgemeine Verbandlehre zu besprechen.
Verbände finden namentlich bei grösseren Thieren nur beschränkte Anwendung, weil sie an vielen Körpertheilen der Thiere nicht anzubringen sind, häufig von denselben auch nicht geduldet werden. Die Thiere, namentlich Fleischfresser aber auch Pferde reissen die Verbände mit den Zähnen oft ab oder machen mit den betreffenden Gliedmassen quot;Bewegungen, welche zu einer Lockerung des Verbandes, nicht selten auch zu Beschädigungen der Theile führen, die man durch den Verband zu schützen beabsichtigte. Die schon frühzeitig angestellten Versuche (Bourgelat)1), für die einzelnen Körper-theile des Pferdes besondere Verbände zu construiren, haben in der Praxis wenig Beachtung gefunden. Es giebt iudess Fälle, wo ein Verband geradezu unentbehrlich wird und daher unter allen Umständen angewendet werden niuss: die Verbände bezwecken entweder Ab-schluss der kranken Stellen, z. B. Verbände gegen Infectionsstoffe (Occlusivverband) oder gegen mechanische Läsionen (Schutzverband), oder es soll durch den Verband ein andauernder Druck auf die erkrankten Stellen ausgeübt werden (Druckverband), um die betreffenden Theile in ihrer Lage zu erhalten oder durch den Druck heilend auf bestimmte Krankheitszustände zu wirken, Blutungen zu
|
||
|
|
||
|
') Bourgelat: Kssai sur les apparcils d 8Ur les bandnges propres anx 'juaclrupides. 181;?.
|
||
|
|
||
|
|
|||||
|
Verbandlehre.
|
477
|
||||
|
|
|||||
|
stillen, Entzündungsproducte zur Resorption zu bringen u. s. w. lieber den Occlusivvcrband ist bereits bei der Wundbehandlung (S. 80) das Nöthige gesagt.
Zur Anlegung eines Verbandes dienen vornehmlich Binden, d. h. 516 cm breite, 210 m lange Bänder aus Leinwand, Flanell, Gummi, Gaze u. s. w., welche entweder direct auf die äussere Haut applicirt werden oder noch Unterlagen (Deckmaterial) aus Werg, Jute, Watte, Holzwolle, Mull u. s. w. erhalten. Derartige Unterlagen finden namentlich bei den Wundverbänden Anwendung und wurden bereits oben (S. 80) besprochen. Wollene (Flanell-) Binden besitzen eine grössere Elasticität und scbmiegen sich in Folge dessen den Theilen besser an als leinene, verschieben sich und drücken daher weniger leicht als jene. In der Mitte zwischen beiden stehen baumwollene (Cambric-) und halbwollene (Tricot-) Binden. Gazebinden legen sich ebenfalls gut an, namentlich wenn sie wie gewöhnlich geleimt sind und angefeuchtet werden; dagegen besitzen sie eine geringere Widerstandsfähigkeit und Haltbarkeit als jene. Gummibinden werden mit Vorliebe benutzt, um einen kräftigen Druck auf die betreffende Stelle auszuüben; ihres hohen Preises wegen finden sie bei Thioreu nur beschränkte Anwendung.
Die Binden werden im aufgerollten Zustande angewendet, und man unterscheidet, je nachdem dieselben zu einer oder mehreren Hollen vereint sind, ein-, zwei- und mehrköpfige
|
|||||
|
|
|||||
|
|
101.
|
|
|||
|
Binden. Am meisten werden bei Thieren ein-
|
|||||
|
|
|||||
|
köpfige benutzt, selten zweiköpfige (Fig. 101). Das Aufrollen derselben geschieht in der Weise, dass
|
|
||||
|
|
|||||
|
man mit Daumen und Zeigfinger beider Hände
|
Zwsiköpflge Binde
|
||||
|
den Anfang macht; dann wird der massig dicke Bindenkopf so in die linke Hand gelegt, dass sich das noch aufzurollende Stück zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand befindet. Während nun die linke Hand den Bindenkopf rollt, glätten die beiden Finger der linken Hand das Material, indem sie die Binde zwischen sich hindurchgleiten lassen und dabei massig anspannen. so dass der Bindenkopf die nöthige Festigkeit erhält. Soll die Binde angefeuchtet werden, so empfiehlt sieh, dieses unmittelbar vor dem Anlegen zu thun; weilhiernach eine Verkürzung der Binde eintritt, in Folge dessen dieselbe leicht zu fest wird. Aus demselben Grunde müssen feuchte Binden fester angelegt werden als trockene, die man erst später feuchten lässt. Hauptsache bleibt, der Binde mit Rücksicht auf den Krankbeitszustand und die örtlichen Verhältnisse die richtige Festig-
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||||||||
|
478
|
Allgemeine Operationslehre,
|
|||||||
|
|
||||||||
|
keit zu geben; jedenfalls muss sie so fest liegen, duss sie sich nicht verschiebt, aber nicht so fest, um Störungen in der Circulation und Ernährung des betreffenden Theils hervorzurufen.
Im allgemeinen empfiehlt sich, die Binde in der Richtung des venösen Blutstromes, an den Gliedmassen also von unten nach oben
anzulegen. An cylinderischen Ab-
|
||||||||
|
|
Fig. 102.
|
|
||||||
|
schnitten, /,. B. am Metacarpus und
|
||||||||
|
|
||||||||
|
|
Metatarsus, genügt im übrigen daran festzuhalten, dass jede folgende Bindentour (Bindengang) die vorhergehende um ^a deckt. Bei kegelförmigen Schenkolabschnitten, z. B. am Vorarm oder Unterschenkel, würde bei diesem Verfahren der untere Bindenrand sich der Unterlage nicht an-
|
|||||||
|
|
||||||||
|
Das Aufrollen iier Binden.
|
schliessen, sondern abstehen. Hier
|
|||||||
|
|
||||||||
|
ist deshalb bei jeder oder einzelnen Touren ein Umschlagquot; (lienverse) nothwendig (Fig. 103). Sobald die Binde sich der Unterlage nicht mehr fest anlegt, fixirt man den oberen Rand des abgerollten Theils mit der linken Hand, nähert den Bindenkopf der letzten Tour und dreht denselben so herum, dass sich die Binde, da wo die Finger der linken Hand liegen, nach
unten umschlägt. Auf solche Weise wird
|
||||||||
|
|
Fiff. 108,
|
|
||||||
|
der obere Rand der Binde etwas verlängert
|
||||||||
|
|
||||||||
|
|
und legt sich die Tour gleichmässig der Unterlage an. Dieser Umschlag wird nach Bedürfniss, unter Umständen bei jedem Gange, an derselben Stelle der Gliedmasse wiederholt bis wieder ein cylinderischer Abschnitt kommt, der ein circuläres Auflegen gestattet (Fig. 103).
Um am Fesselgelenke beim Pferde eine Cirkelbinde anzulegen, beginne man mit Oirkeltouren am unteren Ende des Schienbeins, gehe dann auf das Gelenk über, um dasselbe in Achtertouren mit der Binde zu umgeben, und wenn auch die Fessel
|
|||||||
|
bandagirt werden soll, geht man nun auf
quot;--:nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; diese über, kehrt dann zum Fesselgelenke
Anlegen einer Binde, Bildung eluog ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; clt; i v, nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; . inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i Anr
tTmsohtages,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;und zum Sclnenoein zurück, um liier das
|
||||||||
|
|
||||||||
|
|
||||||
|
Vorbandlehre.
|
47!raquo;
|
|||||
|
|
||||||
|
Ende der Binde nach einigen Kreistouren mittelst eines Bandes zu befestigen ; die beim Menschen üblichen Sicherheitsnadeln eignen sich bei Thieren nicht.
Am Hufe war früher mehr als heute allgemein eine Art Knotenbinde (Fascia nodosa), der sog. Kettenverband, im Gebrauch (Fig. 104). Nachdem die leidende Stelle mit den nötliigen Verbandunterlagen (Tampon u. s. \v.) versehen ist, legt man
|
||||||
|
|
Fig, 104
|
|
||||
|
die Binde, etwa 20 cm vor ihrem Ende an einer
|
|
|||||
|
|
||||||
|
der erkrankten entgegengesetzten Stelle, womöglich auf der Hornwand gegen den Huf und fixirt dieselbe hier mit dem Daumen der linken Hand, das Ende der Binde mit derselben Hand haltend. Nun geht die erste Tour direct über die kranke Stelle und an der entgegengesetzten Seite zum Ausgangspunkte zurück. Hier schlingt man sie um das
|
||||||
|
|
||||||
|
fixirte Stück, zieht die Binde kräftig an und
|
Der so;;. Kettonvei'lmnd.
|
|||||
|
macht denselben Weg in umgekehrter Richtung, wobei jedoch an der kranken Stelle die erste Tour von der folgenden etwa um die Hälfte bedeckt wird. Schliesslich verknüpft man die beiden Enden der Binde mit einander. Auf diese Weise gelingt es nicht nur einen unverrückbaren Verband anzulegen, sondern auch auf die erkrankte Stelle des Hufes einen kräftigen Druck in der Richtung zu dem Knoten auszuüben, wie es bei Hufkrankheiten oft wünschenswerth erscheint. Bei Benutzung von Cambric- oder Graze-binden, namentlich wenn letztere angefeuchtet werden, lässt sich auch ohne Anwendung des Kettenverbandes ein gut passender Hufverband anlegen. Man legt am besten Achtertouren, lässt das äussore Ende der Binde frei, um es mit dem inneren zu verknoten.
Am Rumpfe grössercr Thiere lassen sich Binden nur selten befestigen; sollen hier Verbände angelegt werden, so empfehlen sich vielmehr Tücher, welche mit Bändern versehen sind. Eine Ausnahme macht in dieser Hinsicht der Hinterkopf des Pferdes. Hier gelingt es nicht schwer, einen Bindenverband in der Weise zu befestigen, dass man die Touren kreisförmig um die Ohren, ausserdem aber um das Genickstück der Halfter laufen lässt.
Eine nicht zu schmale Binde, in ihrer Längsrichtung und zwar entweder an einem oder beiden Enden gespalten und die einzelnen Enden aufgerollt, nennt man eine Spaltbinde. Ist nur ein Ende gespalten, so entsteht eine zweiköpfige, andernfalls eine vierköpfige
|
lium*
|
|||||
|
|
||||||
|
|
||||||
|
quot;lt;-
|
l
|
|||||
|
|
||||||
|
L
|
||||||
|
|
||||||
|
|
|||
|
480
|
Allgemeine Operationslehre.
|
||
|
|
|||
|
Binde. Man wendet solche mit Vortheil zu Verbünden an den Klauen der Thiere an, indem der nicht gespaltene Abschnitt der Binde in den Klauenspalt gelegt wird, während die Enden um die Fessel geschlungen und hier zusammengebunden werden.
Beim Abnehmen der Binde werden nach Lösung der Befestigung die zuletzt angelegten Touren zunächst abgerollt, die Binde zusammen-geknäuelt und während des Abwickeins rasch von einer Hand in die andere geworfen. Binden, die nicht wieder in Gebrauch genommen werden, durchschneidet man mit der Schere und entfernt sie.
An den Gliedmassen besonders bei grösseren Thieren, namentlich Pferden gelingt die Anlegung einer Binde nur bis zum Vorder-fusswurzel- bezw. Sprunggelenk. Zur Sicherung der Lage des Verbandes, namentlich um das Herabgleiten zu verhindern, muss der Verband bis zum Fesselgelenk reichen und sich gegen dieses stützen (Fig. lO.'i). Am Vorarm wie Unterschenkel gleitet der Verband regel-mässig nach unten und kann nur durch besondere Klebemittel befestigt werden, wie es z. B. bei Fracturen am Unterschenkel mit Hülfe von Harz u. s. w. geschieht. Auf der Vorderfusswurzel und dem Sprunggelenk lassen sich bei Pferden und Bindern Cirkelbinden in der Regel nicht befestigen, weil Bewegungen in diesen Gelenken unvermeidlich sind; das gilt namentlich vom Sprunggelenk. An der Vorderfusswurzel gelingt es namentlich bei entzündlichen Erkrankungen derselben, welche an sich schon eine Beschränkung der Bewegung in diesem Gelenke zur Folge haben, mittelst Binden aus dehnbarem Material (Flanell oder Cambric) einen Verband zu befestigen, doch darf derselbe nicht fest angelegt werden. Oft gelingt dieses auch dadurch, dass man das Gelenk mit dem Verbandstoff bedeckt, sodann ein Tuch um dasselbe schlingt, welches oberhalb und unterhalb des Gelenkes durch zwei nicht mit einander in Verbindung stehenden Binden befestigt wird. Bei den Fleischfressern lässt sich dagegen sowohl der Vorderfusswurzel mit dem Vorarm und selbst das Ellenbogengelenk und Sprunggelenk mit dem Unterschenkel und dem Knie mit Bindentouren umgeben, wie sie bei Knochenbrüchen, Erkrankungen der Gelenke und und anderer Tlieile wünschenswerth werden; durch Anlegung eines sog. Sattelsquot; wird der Verband noch weiter gesichert. Derselbe besteht darin, dass nach Einwickehmg der betreffenden Gliedmasse die Binde über den Bücken zu der entsprechenden Gliedmasse der anderen Seite geführt und auch diese mit einigen Touren versehen wird, worauf man zu dem erkrankten Fussc zurückkehrt. Durch mehrmaliges Wiederholen dieser Tour wird die feste Lage des Ver-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Verbandlehre.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 481
bandes gesichert und namentlich das Herabgleiten desselben verhindert, was besonders bei Gipsverbänden wichtig ist.
Bei den Fleischfressern gelingt es wohl, den Hals und Rumpf zu bandagiren; an der Brust und dem Bauche gleitet der Bindenverband leicht nach hinten, was indess durch eine Bindentour verhindert werden kann, die man zwischen beide Vorderbeine hindurch um den Hals des Thieres und wieder zurück zum Verbände führt. Dass die um den Hals gelegten Binden nicht fest angezogen werden dürfen, versteht sich von selbst. Am Rumpfe grösserer Thiere erzielt man einen Deckverband in einfacher Weise, indem man auf das Deckmaterial eine mehrfach zusammengefaltete wollene Decke legt und mittelst einer oder zweier Deckgurte, wie sie auch sonst bei Pferden benutzt werden, befestigt.
Ueber die Sicherung der Binden am Schweif der Pferde vergl. S. 474.
Es bedarf kaum der Erwähnung, dass die Binden bald mehr bald weniger fest angezogen werden müssen. Dabei kommt in erster Linie der Zweck des Verbandes und der Krankheitszustand in Betracht, gegen den der Verband applicirt wird; auch muss auf etwa in Aussicht stehende Zunahme oder Abnahme der Anschwellung Rücksicht genommen werden. In Bezug auf den Occlusivverband wurde bereits oben (S. 120) das Nähere hierüber erwähnt; ebenso bezüglich der gegen Knochenbrüche angewendeten Verbände (S. 300). Im übrigen gilt als Regel, dass je fester der Verband angelegt ist, um so kürzere Zeit kann derselbe ohne Nachtheil liegen bleiben; besondere Vorsicht ist daher mit Gummibinden geboten, welche zu fest angelegt, bei längerem Liegen leicht Nekrose der Haut veranlassen.
|
||
|
|
||
|
%-
|
||
|
|
||
|
Möller, Allgemeine Chirurgie für Tlüoiürztlaquo;quot;.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;31
|
||
|
|
||
|
l
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
IV. Der Aderlass (Venaesectio). Skariflcationen und Blutersparniss bei Operationen.
|
|||
|
|
|||
|
Die Blutentziehung mittelst Eröffnung eines Blutgefösses gehört zu den ältesten Operationen der Thierarzneikunde, die jedoch früher viel häufiger als heute ausgeführt wurde. Die Lehrsätze der Humoralpathologie waren dem Aderlasse günstig, daher hatte auch schon Hippokrates die Wirkungen des Aderlasses wissenschaftlich zu erklären und die Indicationen für die Ausführung desselben aufzustellen versucht und dabei Anschauungen entwickelt, die zwar zeitweise unterdrückt wurden, jedoch bis in die neuere Zeit hinein sich Geltung bewahrten. In Aegypten unter den Ptolemäern, welche im Blut den Sitz der Seele erblickten, war der Aderlass natürlich verpönt, ebenso von den Erasistrateern, die den Lebensgeist im Blute suchten; ihnen brachte dieser Standpunkt den Spitznamen Blutscheuequot; (laquo;t().op6{üot) ein. Die Empiriker erklärten sich meist für den Aderlass; auch Galen, der das Wesen der Entzündung im Blute vermuthete, machte ausgiebigen Gebrauch von demselben beim Menschen, während sein Zeitgenosse Colu-mella auch bei Thieren den Aderlass lehrte und anwendete. Absyrtus empfahl denselben bei der Rehe der Pferde und anderen Leiden; auch zeigte er die Stellen, wo der Aderlass der Thiere zu machen sei. In Strömen floss das Blut schon bei den Arabern, welche nicht nur bei bestimmten Krankheiten, sondern auch prophylaktisch von dem Aderlass Gebrauch machten. Zu gewissen Zeiten, unter diesem oder jenem Sternbilde musste Mensch und Thier zur Ader gelassen werden, sollte die Gesundheit derselben erhalten bleiben ; eine Anschauung, die sich in einzelnen Gegenden Deutschlands bis auf den heutigen Tag bei Laien erhalten hat. Als im Mittelalter die Medicin in den Klöstern gepflegt wurde, kam auch in Europa der Aderlass zu Ehren. Die Mönche Hessen sich selbst nicht nur bei verschiedenen Krankheiten, sondern auch gegen Vollblütigkeit zur Ader, bis Papst Bonifacius VIII. im 13. Jahrhundert nach dem Grundsatze die Kirche soll nicht nach Blut dürstenquot; den Mönchen und Geistlichen das Aderlassen sowie auch die Ausführung chirurgischer Operationen überhaupt verbot. Dieser Schritt, sagt Esser1), gab dem Baderhandwerk seine Existenz, das fortan auf seinen Saderstuben mit Schröpfkopf und Aderlassschnepper den ungezügeltsten Vampyrismus
|
i
|
||
|
|
|||
|
') Essor, Die Geschichte des Aderlasses. Inaug.-Diss. Halle 1872.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Aderlass.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;488
trieb. In Frankreich nahm sich ein berühmter Arzt, Peter Brissot (1478 bis 1522), des Aderlasses an, dessen heilsame Wirkungen er bei der damals in Paris herrschenden epidemischen Pleuritis erprobt haben wollte. Wenn auch erst nach dessen Tode, so brach sich doch die Lehre Brissots allmählich Bahn und führte, unterstützt von der Entdeckung und den Lehren Botallis schliesslich dahin, dass mit dem Aderlass ein gewaltiger Missbrauch getrieben wurde. Eine weitere Förderung fand diese Eichtung in der Entdeckung des Kreislaufes durch Boerhave (1728), der selbst so eifriger Anhänger des Aderlasses war, dass Tourtelle spöttisch von ihm behauptete: Plures occidit lanceola quam lancea.quot; Trotz der Mahnungen einzelner Aerzte (Bordeu u. A.) entwickelte sich in Prankreich eine wahre Aderlass-wuth. Seignez coup sur coupquot;, oder seignez k blancquot;, wurde leitender Grundsatz, obgleich einer falscben Darstellung über die Beziehungen der Entzündung zum Blute entsprungen. Man glaubte nämlich, dass die Entzündung in einer abnormen Vermehrung des Blutfaserstoffes seinen Grund habe, der mit dem Aderlass entfernt werden sollte. Die Dicke der Speckhaut (Crusta inflammatoria, s. phlogistica) deutete nach damaliger Ansicht die Menge des Faserstoffes im Blute an. Da diese aber nach dem Aderlasse stärker wird, so mussten sich mit der Ausführung des Aderlasses die Anzeigen für denselben steigern, und so kam es, dass man bei ein und demselben Patienten immer von neuem zur Fliete griff und mehrmals am Tage den Aderlass wiederholte. Noch im Anfange unseres Jahrhunderts Hess Bos-quillon im Hotel Dieu zu Paris 2130 Aderlässe an demselben Kranken ausführen, so dass man ironisch statt Aderlassenquot; den Ausdruck bosquillonirenquot; gebrauchte. Unglücklicherweise trat sodann Bouillard mit der irrigen Ansicht hervor, das Fieber bestehe in einer Entzündung des Endocardiums und der Gefässe, welches durch immer neue Aderlässe bekämpft werden müsse. Es gehört nicht zu den geringsten Verdiensten der Homöopathie, unterstützt von den Fortschritten physiologischer Forschung, diesem Missbrauch mit dem Aderlass entgegen getreten zu sein; sie zeigte, dass man auch ohne Aderlass innere Krankheiten heilen könne. In der Thierheilkunde traten namentlich Lafosse und Wolstein (17381820) der sinnlosen Anwendung des Aderlasses entgegen. Letzterer schrieb schon damals: Dies Mittel (Aderlass) allein hat in unseren Zeiten den Thieren gewisser Gegenden Europas mehr geschadet als alle Seuchen, Fieber und Pest.quot; Dennoch erhielt sich der Glaube an die vortheilhaften Wirkungen des Aderlasses noch lange Zeit, namentlich in Prankreich und Italien. Auch in Deutschland wurde bis zur Herrschaft der Cellularpathologie bei Mensch und Thier reichlich Gebrauch vom Aderlass gemacht. Hielt man doch vom Standpunkt hippo-kratischer Lehre vielfach an den Grundsätzen ihres Begründers fest. Erst mit der Verbreitung der Cellularpathologie verlor diese Lehre mehr und mehr ihren Boden, und wenn auch durch die neueren Forschungen auf dem Gebiete der Bakteriologie die Ansichten der Humoralpathologie nach manchen Richtungen ihren Ruf wieder erlangt haben, so ergab sich doch für den Aderlass hieraus keine erhebliche Unterstützung. Wir halten daher heute an dem Grundsatze fest: Blut ist ein ganz besonderer Saftquot;, mit dem sparsam umzugehen ist.
Man unterscheidet einen allgemeinen und einen örtlichen Aderlass. Bei ersterein wird ein grösseres Gefäss geöffnet und eine erheblichere Menge Blutes entleert, so dass das gesammte BlutgefÜss-system davon beeinflusst wird; bei letzterem übt die Blutentziehung
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
,v
|
|||
|
|
|||
|
']
|
484nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre. t
nui' an Ort und Stelle ihre Wirkung aus. Gegenwärtig benutzt man zum allgemeinen Aderlass nur noch Venen (Venaeseetio); die Eröffnung von Arterien (Arteriotomie) ist nicht allein der tieferen Lage dieser Gefässe wegen mit grösseren Gefahren verbunden, sondern stösst auch in Bezug auf die Blutstillung auf Schwierigkeiten; in der Regel gelingt diese nur durch Unterbindung der Arterien. Wird endlich in Betracht gezogen, dass die Ariotomie der Venaesectio gegenüber keine nennenswerthen Vortheile gewährt, so erscheint es natürlich, dass man sich gegenwärtig auf letztere Methode des Aderlasses beschränkt.
Bei den grösseren Thieren wählt man hierzu die Vena jugu-laris, weil sie für die Operation, welche hier leicht ausführbar ist, günstig liegt, und bei dem geringen Blutdruck in der Vene selten nachtheilige Folgen mit sich bringt; auch gelingt es hier mit Leichtigkeit, in kurzer Zeit grössere Mengen Blut zu entleeren.
Bei den übrigen Thieren werden Aderlässe seltener in Anwendung gebracht. Schafe und Schweine eignen sich hierzu schon wegen ihrer Constitution nicht; auch bei Hunden habe ich niemals Indica-tionen für den allgemeinen Aderlass gefunden.
Die Wirkungen der schnellen Entleerung einer grösseren Menge Blutes sind im wesentlichen folgende:
1.nbsp; Mit der Verkleinerung der Blutmenge sinkt sofort der Blutdruck in den Gefässen. Damit wird ein übermässiger Blutdruck beseitigt, und so können auch Circulationsstörungen, namentlich die Anhäufung abnormer Mengen Blutes in einzelnen Organen ausgeglichen werden; darin liegt auch heute eine der wichtigsten Indicationen für den Aderlass; bei Congestionen nach wichtigen Organen (Lungen, Gehirn) findet derselbe zweckmässige Anwendung.
2.nbsp; nbsp;Mit dem Blute werden grosse Mengen Nährsubstanzen und Blutkörper entleert, die dem Organismus namentlich im Kampfe mit infectiösen Substanzen ausserordentlich wichtig sind; bei solchen Leiden findet daher der Aderlass nur selten Anwendung. Da ferner bekannt ist, dass entzündliche Processe im Körper vorzugsweise auf infectiösem Wege entstehen, so lässt sich auch die Ansicht nicht aufrecht erhalten, dass der Aderlass ein wirksames Mittel gegen entzündliche Processe bildet.
Mit dem Blute werden indess auch die in demselben circulirenden schädlichen Beimischungen entleert; inficirende wie toxische Substanzen können also mit Hülfe des Aderlasses aus dem Blute entfernt werden. Es bleibt hierbei jedoch stets zu erwägen, dass der Aderlass eine
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
Aderlass.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;485
Schwächung des Körpers zur Folge hat, und class nachher eine lebhafte Resorption stattfindet, welche unter Umständen dem Blute grössere Mengen schädlicher Substanzen zuführt, als mit dem Aderlass beseitigt wurden. Im grossen und ganzen findet daher der Aderlass bei Infectionen und Intoxicationen nur ausnahmsweise Anwendung. Vielleicht lässt sich die günstige Wirkung des Aderlasses beim Lumbago und der Rehe des Pferdes auf diesen Umstand zurückführen.
3. Wie bereits erwähnt, findet nach Entleerung des Blutes eine lebhaftere Resorption aus den Geweben und Körpei-hühlen statt, wobei zunächst die flüssigen Bestandtheile des Blutes ersetzt werden. Darauf beruhte die frühere Anwendung des Aderlasses als Resorption beförderndes Mittel; dem steht jedoch das Bedenken entgegen, dass mit dem Aderlass der Wassergehalt des Blutes und damit auch die Neigung zu neuen Abscheidungen (Exsudationen) steigt. Die Erfahrung hat im übrigen gelehrt, class nach dieser Richtung mit dem Aderlass nur wenig erreicht werden kann.
Hieraus ergiebt sich, dass die therapeutische Wirkung des Aderlasses keineswegs eine ausgedehnte ist, und wenn man bedenkt, dass höheres Alter sowohl wie Jugend, schwächliche Constitution, Trächtigkeit und andere Umstände eine weitere Beschränkung in der Anwendung desselben fordern, so erklärt sich, dass man heutzutage nur selten zu dem Mittel greift. Wo es aber geschieht, handelt es sich darum, eine Circulationsstörung, die mit Lebensgefahr verbunden ist (z. B. in Lungen und Gehirn) zu beseitigen. Ferner kommen hierbei einige Krankheiten in Betracht, wie Rehe und Lumbago, bei denen man aus der Erfahrung weiss, dass bei ihnen der Aderlass eine günstige Wirkung besitzt, obgleich die Wirkungsweise selbst noch nicht vollständig aufgeklärt ist.
Die Menge des zu entleerenden Blutes beträgt für Pferde und Rinder 39 kg, für Schafe, Ziegen, Schweine 3001500,0, für Hunde je nach der Grosse von 30400,0. Geflügel erträgt nicht grössere Blutverluste; man sei bei diesem besonders vorsichtig; 5,020,0 können nach Hertwig hier entleert werden.
Der Aderlass bei Pferden wird gegenwärtig fast nur noch an der Vena jugularis ausgeführt, früher auch wohl an der Vena thoracica externa bei Brustleidcn, an der Vena epigastrica bei Euterkrankheiten, an den Angesichtsvenen bei Augenleiden und an den Fesselvenen bei Hufkrankheiten, doch hat man sich allmählich überzeugen müssen, dass ein Vortheil damit nicht erzielt wird. Die Vorzüge der Vena jugularis für den Aderlass wurden bereits oben erwähnt. Man wählt
|
||
|
|
||
|
|
|||||
|
480
|
Allgemeine Operationslehre.
|
||||
|
|
|||||
|
|
bei Pferden und Rindern die Grenze zwischen dem oberen und mittleren Drittheil des Halses, wo der Schulterzungenbeinrauskel zwischen der Jugularvene und der Carotis liegt und Verletzung der letzteren nicht so leicht auftreten lässt.
Die Eröffnung der Vene erfolgt durch einen 12 cm langen Längsschnitt bezw. Stich, wobei gleichzeitig der Halshautmuskel und die äussere Haut getrennt werden. Es kommt darauf an, dass diese Wunde möglichst in der Mitte der Venenwand liegt und recht glatt und eben ausfällt, damit die Heilung derselben auf keine Schwierigkeiten stösst.
Fig. 106.
|
||||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
Fig. 105.
|
|
||||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
Haltung der Lancette.
|
Aderlaas mit der Lancette.
|
||||
|
|
|||||
|
Drei verschiedene Instrumente sind zur Ausführung des Aderlasses construirt, nämlich: die Lancette, Fliete und der Aderlassschnepper.
1. Mit der Lancette (Fig. 105) operirt man beim Pferde an der rechten Halsseite; das Instrument muss jedoch recht scharf sein. Mit einer Trense event, auch Bremse versehen, wird das Pferd so aufgestellt, dass die rechte Halsseite gut beleuchtet ist, der Kopf des Thieres wird massig gehoben und etwas nach der linken Seite gewendet. Der Operateur stellt sich dicht vor der Schulter des Pferdes auf, um von dem Blutstrom nicht getroffen zu werden. Ein Grefäss zum Auffangen des Blutes lässt man bereit halten; hierzu dient am einfachsten ein Stalleimer. Nachdem an der oben bezeichneten Stelle die Haare geglättet und angefeuchtet, bei langhaarigen Thieren mit
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||
|
Aderlass mit der Lancette.
|
487
|
||
|
|
|||
|
der Schere entfernt sind, erfasst man mit der rechten Hand zwischen Zeigefinger und Daumen die Lancette und comprimirt mit dem Daumen der linken Hand dicht unter der Stelle, wo der Aderlass ausgeführt werden soll (Fig. 10(3), die Vene, ohne die äussere Haut zu verschieben. Die Vene schwillt hierauf an und tritt deutlich hervor. Bleibt man bei dickhalsigen Pferden über die Lage des Gefässes im Zweifel, so unterbricht man die Compression plötzlich, worauf die schnell eintretende Abschwellung über den Verlauf derselben Auskunft giebt. Nachdem von neuem in derselben Weise die Vene comprimirt ist, wird die Lancette, wie Fig. 105 zeigt, erfasst, dicht über dem Daumen der linken Hand da auf die äussere Haut gesetzt, wo die Vene am deutlichsten hervortritt und mit einem kurzen schnellen Stoss so eingestochen, dass die Schneide genau die Mitte des Gefässes in seiner Längsrichtung trifft. Unter leichter aber schneller Dorsalflexion im Handgelenk zieht man das Instrument sofort wieder zurück und erweitert durch diese Bewegung des Instrumentes die Gefässwunde ein wenig. Dicht über der comprimirten Stelle wird eingestochen, weil hier die Vene durch den Daumen der linken Hand fixirt ist, also dem Instrumente nicht so leicht ausweicht. Man hüte sich über den hinteren bezw. oberen Band der Vene abzugleiten, da hierbei leicht eine Carotisverletzung vorkommt. Die Klinge muss nahezu senkrecht zur Oberfläche der Halses aufgesetzt werden und eindringen.
Ist die Vene richtig getroffen, so stürzt alsbald ein Blutstrom hervor, den man in dem vorgehaltenen Gefässe auffangen lässt, welches gegen den Hals gedrückt wird, so dass es zugleich die Compression der Vene bewirkt. Nachdem die nöthige Menge Blut abgeflossen ist, was durch Einführen der Finger in das Maul und dadurch veranlasste Kaubewegungen des Thieres gefördert werden kann, wird das Gefäss mit dem Blute entfernt, worauf in Folge Unterbrechung der Compression der Vene die Blutung aufhört. Sodann nimmt der Operateur, mit einer Stecknadel und einer, aus einigen Mähnen- oder Schweifhaaren gebildeten Schlinge versehen, der üperationsstelle gegenüber Aufstellung, erfasst mit der linken Hand und zwar von oben die Ränder der Hautwunde, hebt dieselben ein wenig hoch, ohne die Haut von ihrer Unterlage abzuziehen, und sticht nun die Nadel etwa 3 mm vom Wundrande entfernt, quer durch die Hautwunde. Stärkeres Abheben der Haut begünstigt einen Bluterguss unter dieselbe, was aber vermieden werden soll. Sodann wird mit Hülfe der Haare eine umschlungene Naht angelegt, und die verknoteten Enden sowie die Spitze der Nadel mit der Schere abgeschnitten. Um das Herausfallen der
|
|||
|
|
|||
|
|
||||||||
|
488
|
Allgemeine Operationslehre.
|
|||||||
|
|
||||||||
|
ill
|
Nadel zu verhindern, kann das Ende derselben ein wenig umgebogen werden, doch ist dies nicht absolut nothwendig.
2. DerAderlass mit derFliete an der Vena jugularis wird beim Pferde an der linken Halsseite ausgeführt. Das Instrument, nach seinem Erfinder benannt, besteht aus einem 10 cm langen, 11,5 cm breiten eisernen Stiel, an dessen vorderem Abschnitte, 12 cm vom Ende entfernt, rechtwinklig eine 1,52 cm breite lancettförmige scharfe Klinge angebracht ist. Der Stiel ist durch ein bewegliches Charnier mit einer Messingschale verbunden, welche sowohl den Stiel, wie auch
|
|||||||
|
|
||||||||
|
Fig. 107.
|
||||||||
|
|
||||||||
|
|
|
Fig. 108.
|
||||||
|
|
|
|||||||
|
käraquo;\
|
%
|
|||||||
|
|
||||||||
|
Fliete, einfache.
|
Fliete, dreifache.
|
|||||||
|
|
||||||||
|
die Klinge aufzunehmen bestimmt ist. In der Regel enthält die Schale 23 Flieten verschiedener Grossen, von denen die grössere beim Rinde und bei schweren Pferden benutzt wird. Die Sticker'sche Fliete besitzt an ihrem Stiel, der Klinge gegenüber, einen breiteren Rücken, um den Schlag mit der Hand für den Operateur weniger empfindlich zu machen, während die englischen Flieten von den deutschen sich dadurch unterscheiden, dass die Klinge am Ende des Stiels sitzt, die Fortsetzung des Stiels über diese hinaus, der sog. Anschlag also fehlt, welcher den Zweck hat, ein zu tiefes Eindringen der Fliete zu verhindern. Die belgische Fliete besitzt einen kleineren Anschlag als die deutsche; die letztere verdient indess den Vorzug.
Beim Aderlass mit der Fliete an der Vena jugularis wird das
|
||||||||
|
|
||||||||
|
|
||||
|
Äderlass mit der Fliete.
|
489
|
|||
|
|
||||
|
Pferd, wie oben beschrieben, mit dem Kopf ein wenig nach rechts gewendet, aufgestellt; der Operateur erfasst die Schale der geöifneten Fliete mit der linken Hand, indem Zeigefinger und Daumen am Ende der Schale liegen (Fig. 109), und nimmt dicht vor der linken Schulter des Pferdes Aufstellung, die rechte Schulter gegen den Hals des Thieres gerichtet. Mit dem dritten und vierten Finger der linken Hand wird die Vene etwa 10 cm unter der Grenze des oberen und mittleren Drittheils des Halses comprimirt und die Fliete so auf die Vene gesetzt, dass der Stiel des Instrumentes dem Gefasse parallel liegt, die Klinge an der
|
||||
|
|
||||
|
Fig. 110.
|
||||
|
|
||||
|
Fig. 109.
|
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
Haltung der Fliete beim Äderlass.
|
Aderlasa mit der Fliete.
|
|||
|
|
||||
|
Grenze des oberen und mittleren Drittheils des Halses gegen die Vene gerichtet ist (Fig. 110). Man hüte sich auch hier, die Klinge nach oben gegen die Carotis zu richten. Sobald der Operateur sich von der richtigen Lage des Instrumentes überzeugt hat, schlägt er mit dem lateralen Rande der offenen Hand und zwar mit einer Bewegung, die vornehmlich im Handgelenk erfolgt, kräftig aber kurz gegen den Theil des Stieles der Fliete, welcher der Klinge gegenüber liegt. Früher bediente man sich hierzu eines Schlägels (Fig. 111), der zugleich mit einem kleinen Trichter zur Infusion von Arzneien in die Blutbahn, sowie mit Stecknadeln zum Verschliessen des Blutgefässcs versehen war. Auf diese Weise wird die lancettförmige Schneide des Instrumentes schnell durch die äussere Haut und bis in die Vene ge-
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
490
|
Allgemeine Operationslehre.
|
||
|
|
|||
|
trieben, worauf sich das Blut im Strahl entleert. Bei unruhigen Pferden
lüsst man im Momente des Schlages das linke Auge von dem Oehülfen
zuhalten, damit das Thier nicht scheut und durch eine Bewegung des
Halses die Operation stört. Von nun ab verfährt man
Fig. 111. genau so wie beim Aderlass mit der Lancette.
Die Fliete hat vor der Lancette den Vorzug, dass die Schneide kräftiger und namentlich schneller eindringt, und auf diese Weise das Abgleiten des Instrumentes von der Venenwand sicherer vermieden wird. Der früher benutzte Aderlassschlägel (Fig. 111) lässt sich durch einen Holzstab von 2030 cm Länge ersetzen; beide sind aber entbehrlich, sobald der Operateur über einige Geschicklichkeit und Uebung verfügt.
3. Ehemals diente zum Aderlass auch der Aderlass-schnepp er, ein in verschiedenen Constructionen angefertigtes Instrument, welches ähnlich wie die Fliete gebaut, jedoch eine Fodervorrichtung besitzt, durch welche die Schliigei zum Klinge in Bewegung gesetzt wird. Bei seiner mehr oder der Fliete. weniger complicirten Einrichtung bereitete die Reinigung des Instrumentes grössere Schwierigkeiten. Da der Schnepper nur den Zweck hat, die manuelle Geschicklichkeit zu ersetzen, so ist derselbe heute, wo der Aderlass von Ungeübten und Laien nur noch selten vorgenommen wird, überflüssig geworden und findet sich nur noch in den Sammlungen chirurgischer Instrumente.
Bei regelmässigem Wundverlauf kommt sowohl in der Venenwand wie auch in der iiusseren Haut Heilung auf dem ersten Wege zu Stande, so dass die Nadel nach 1224 Stunden entfernt werden kann, wobei jedoch Verschiebungen der Haut oder Abheben von ihrer Unterlage ebenfalls zu vermeiden sind, um die Bildung eines Hämatoms unter der Haut zu verhüten, wodurch nachtheilige Folgen entstehen (Aderfistel).
Beim Rinde wird der Aderlass an der Vena jugularis externa ausgeführt. Da die Haut der Thiere jedoch sehr dick ist, so verdient hier die Fliete vor der Lancette den Vorzug. Auch empfiehlt sich, die Compression der Vene mit Hülfe einer Schnur (Aderlass-schnur), die man durch einen Strick oder starken Bindfaden leicht herstellen kann, auszuführen, indem man diese fest um den unteren Theil des Halses schnürt. Das Thier wird mit aufgerichtetem Kopfe an den Hörnern festgehalten; lange Haare an der Operationsstelle schert man ab und lässt das linke Auge des Thieres durch die Hand
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Adorlass bei Rindern, Schafen u. a. Thieren.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;491
eines Gehülfen bedecken. Darauf tritt der Operateur mit einer breiten Fliete versehen an die rechte Halsseite, neigt sich über den oberen Halsrand des Thieres, setzt die Fliete an derselben Stelle wie beim Pferde auf das Gefäss und treibt dieselbe mit einem kurzen, nicht zu schwachen Schlag in die Vene. Nachdem eine entsprechende Blutmenge entleert ist, wird die Schnur abgenommen. Ein Verschluss der Hautwunde ist bei der grossen Verschiebbarkeit der Haut nicht erforderlich; doch kann dieser ebenso wie beim Pferde erfolgen.
An anderen Venen den Aderlass zu machen, muss als irrationell bezeichnet werden.
Bei Schafen und Ziegen finden sich nur selten Indicationen zur Ausführung eines Aderlasses, und wo dieses einmal der Fall sein sollte, wähle man ebenfalls die Vena jugularis externa, schere vorher beim Schafe die Wolle ab und öifne die Vene entweder mit der Lan-cette oder mit der Fliete. Der von Schilfern an der Augenwinkelveno vorgenommene Aderlass giebt nur wenig Blut, und man darf wohl sagen glücklicherweise, denn andernfalls würde zweifellos mit diesem Aderlass viel Nachtheil angerichtet werden.
Auch bei Schweinen bietet sich nur selten Gelegenheit, einen Aderlass zu machen, der bei der Widerspenstigkeit dieser Thiere zugleich mit Sclnvierigkeiten verbunden ist. Von dem Abschneiden des Schwanzes, oder Theile des äusseren Ohres, wie es von Laien oft ausgeführt wird, gilt das oben vom Schafe Gesagte. Auch aus der durchschnittenen hinteren Ohrvene entleert sich in der Regel nur so wenig Blut, dass von einer Aderlasswirkung nicht die Rede sein kann.
Bei Hunden und Katzen wird die Drosselvene und die Hautvene am Hinterschenkel zum Aderlassen in den Lehrbüchern empfohlen. Zweifellos wurde der Aderlass bei diesen Thieren häufiger beschrieben als ausgeführt. Ich habe bei Fleischfressern ebenso wenig wie beim Geflügel jemals Veranlassung zur Anwendung des Aderlasses gefunden (S. 485).
Unerwünschte Zufälle beim Aderlass kamen namentlich in früherer Zeit, als auch Laien sich mit demselben beschäftigten, nicht selten vor. Die häufigsten derselben sind:
1. dass kein Blut fliesst, nachdem das eine oder andere Instrument angewendet ist. Es kann dies dadurch vcranlasst sein, dass die Vene nicht getroffen wurde, oder dass sich die äusserc Haut auf derselben verschoben hat. und die Venenwunde deckt, wie es vorkommt, wenn das Thier während der Operation eine andere Kopfstellung angenommen hat, oder wenn beim Comprimiren des Gefässcs durch den
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
492nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
Operateur eine Verschiebung der äusseren Haut stattgefunden hatte; ferner kann durch Unterbrechung der Compression der Blutabfluss gestört werden. In solchem Falle suche man zunächst die Ursache festzustellen und leite die unterbrochene Compression wieder ein. Wenn dennoch kein Blut kommt, so gebe man dem Hals des Thieres die oben beschriebene Lage wieder, und wenn auch das nicht genügt, verschiebe man die äussere Haut an der Aderlassstelle hin und her, bis sich Blut entleert. Führt endlich auch das nicht zum Ziele, so ist anzunehmen, dass die Vene nicht getroffen wurde, und die Operation muss wiederholt werden. Da man jedoch nie sicher ist, dass eine Verletzung der Vene nicht stattgefunden hat, so gilt der Grundsatz, den zweiten Versuch niemals an derselben Stelle, sondern etwa 3 cm höher oder tiefer zu machen. Erfolgen nämlich in derselben Höhe mehrere Verletzungen der Gefässwand, so legen sich die Wundränder nicht genau an einander, und es kommt häufig zur Thrombosirung der Vene mit ihren unangenehmen Folgen (S. 496).
2.nbsp; In anderen Fällen fliesst das Blut in zu schwachem Strahl oder mit Unterbrechungen. Dies kann sowohl durch eine zu kleine Wunde als auch durch Verschiebung der äusseren Haut und endlich durch mangelhafte Compression der Vene bedingt sein; auch ist zuweilen ein abnorm geringer Blutdruck die Veranlassung, so namentlich, wenn der Aderlass kurz vor dem Tode vorgenommen wird. Wie bereits erwähnt, lässt sich durch Anregung von Kaubewegungen der Blutabfluss fördern, im übrigen muss, wie oben angegeben, verfahren werden.
3.nbsp; Eine unangenehme Ueberraschung beim Adei-lass bildet die Verletzung der Carotis. Da dieselbe dicht unter und etwas hinter der Vena jugularis liegt, so erfolgt eine Verletzung der Carotis leicht dadurch, dass das zum Aderlass verwendete Instrument entweder zu hoch, d. h. zu weit gegen den hinteren (oberen) Rand der Vene angesetzt oder schräg nach oben gerichtet wird. Auf diese Weise gleitet die Lancette von der Vene ab und trifft alsdann leicht die Carotis. Nicht die Stärke des Schlages beim Aderlass mit der Fliete trägt die Schuld an dieser Verletzung, wie man wohl behauptet hat, sondern die unrichtige Haltung des Instrumentes. Ja es gelingt sogar bei einiger Geschicklichkeit, die Carotis statt der Jugularis absichtlich zu treffen. Bei zu tiefem Eindringen des Instrumentes wird zwar die mediale Wand der Jugularis leicht mit verletzt, wie es nach den Untersuchungen Ilenaults sogar häufig bei Pferden vorkommt, aber keine weitere Bedeutung hat.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Carotisverletzung beim Aderlass,
|
493
|
|||
|
|
||||
|
Die Carotisverletzung giebt sich durch einen kräftigen Blutstrom und den Ahfluss von hellrothem Blute zu erkennen; bald zeigt sich auch, dass die Entleerung desselben stossweise erfolgt. Diese letztere Erscheinung lässt über die Verletzung der Arterie keinen Zweifel, kann aber fehlen. Wenn sich nämlich das Blut aus der Carotis zunächst unter die äussere Haut ergiesst, und hier ein Hämatora entsteht, so erfolgt der Ausfluss auch des arteriellen Blutes zuweilen in einem gleichmässigen, aber ungewöhnlich kräftigen Strahl, der auch nicht nachlässt, wenn die Compression der Vene unterbrochen wird. Besondere Beachtung verdient daher bei der Diagnose Carotisverletzung das hellrothe Blut und das Fortbestehen der Blutung ohne Compression selbst dann noch, wenn die Vene oberhalb der Aderlasswunde comprimirt wird. Zu bemerken ist hierbei zweierlei: erstens, dass man bei diesem Versuche vorsichtig zu Werke gehen muss, damit nicht Lufteintritt in die Vene stattfindet (S. 494), und zweitens, dass bei der sog. Hirschhalsbildung nicht selten ein Blutabfluss aus der Vena jugularis auch ohne Compression derselben von aussen erfolgt, namentlich wenn die Pferde den Kopf und Hals Ubermässig heben, wobei die Halsmuskeln einen Druck auf die Vene ausüben.
Endlich kann die Carotisverletzung durch Trennung einer kleinen Arterie vorgetäuscht werden, die quer über die Vene verläuft. In diesem Falle entleert sich das arterielle Blut in einem dünnen Strahl.
Sobald eine Verletzung der Carotis festgestellt ist, halte man sich mit dem hie und da empfohlenen Verfahren, das Gefäss zu com-primiren nicht auf, sondern schreite sogleich zur Unterbindung derselben. Zu dem Zwecke erweitere man die Aderlasswunde der äusseren Haut bis zu einer Länge von 8^10 cm, trenne ebenso den Halshautmuskel und gehe nun mit den beiden Zeigefingern in die Wunde ein, um sich durch Beiseiteschieben des Bindegewebes einen Weg bis zur Carotis zu vorschaifen. Sobald diese in der Tiefe Pulsation fühlen, umfasse man die Carotis mit einem Zeigefinger und ziehe sie hervor. Nachdem eine gekrümmte Schere unter das Gefäss geschoben ist, und die an der Arterie liegenden Nervenstämme (Vagus, Sympa-ticus und Recurrens) abgetrennt sind, unterbindet man das Gefäss unterhalb und oberhalb der verletzten Stelle. Die letztere Ligatur ist nothwendig, weil durch die Collateralverbindung von Seiten der tiefen Nacken- und anderer Arterien eine Blutung von der Peripherie aus unterhalten wird. Nach doppelter Unterbindung durchschneidet man das Gefäss zwischen beiden Ligaturen, um die Spannung desselben aufzuheben, die möglicherweise zur Zerreissung an der einen
|
|
|||
|
|
||||
|
|
|||
|
494
|
Allgemeine Operationslehre.
|
||
|
|
|||
|
oder anderen Unterbindungsstelle und dadurch zu einer gefährlichen Nachblutung führen könnte.
Die Unterbindung der Carotis ist an sich zwar unbedenklich, indem sich regelmässig ein ausreichender Collateralkreislauf entwickelt, dennoch aber bedenklich, weil hierbei nicht selten der N. recurrens leidet, gelähmt wird, und so Kehlkopfpfeifen entsteht. Man gehe deshalb recht sorgfältig hierbei vor und suche bei der Wundheilung durch Sorge für den regelmässigen Abfluss der Secrete den Heilungs-process möglichst günstig zu gestalten; dazu empfiehlt sich offene Wundbehandlung.
Die übrigen Verfahren, z. B. Compression der verletzten Carotis, dichter Verschluss der Hautwunde mittelst einer Kürschnernaht, sind nicht zu empfehlen. Die Compression vermag niemals die Blutung zu stillen; der Verschluss der Hautwunde aber erscheint bedenklich. Wie ich mich an Anatomiepferden überzeugt habe, entwickelt sich hiernach alsbald ein bedeutendes Hämatom am Halse; das Blut dringt bis an die hintere Wand der Trachea und bewirkt von hier aus eine Compression derselben, welche schliesslich zur Erstickung führen kann. Auf jeden Fall lasse man die Thiere nicht aus dem Auge, sobald eine Verletzung der Carotis vermuthet wird.
4.nbsp; nbsp;Die Verletzung der kleinen Arterie, die zuweilen quer über die Jugularis verläuft, ist in der Regel bedeutungslos. Gelingt es, das Gefäss zu fassen, so unterbinde man dasselbe, anderenfalls schliesst man die Aderlasswunde wie gewöhnlich.
5.nbsp; Verletzungen der Trachea, welche zu Emphysembildung führen, aber auch durch Einfliessen von Blut in die Lungen tödt-lich verlaufen können, finden bei der Ausführung des Aderlasses durch einen Sachverständigen kaum noch statt; als Laien sich mit dieser Operation befassten, waren sie häufiger. Das Nähere hierüber ist in meiner speciellen Chirurgie beschrieben.
6.nbsp; nbsp;Der Eintritt von Luft in die geöffnete Vene. Der geringe, oft negative Blutdruck in der Vena jugularis macht dieses Gefäss zwar zum Aderlass besonders geeignet, führt aber die Gefahr mit sich, dass Lufteintritt in die Vene erfolgt, wodurch plötzlicher Tod herbeigeführt werden kann. Wird nämlich die Compression der Vene unterhalb der Aderlassstelle unterbrochen, so strömt zwar in der Regel soviel Blut von oben nach, als nach unten abfliesst. Geschieht dieses aber nicht, z. B. durch eine Compression der Vene oberhalb der Venenwunde, so saugt das nach unten abfliessende Blut Luft in das Gefäss ein, ein Vorgang, der sich durch ein schlürfen-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Lufteintritt in die Blutbahn.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;495
des oder kluckerndes Geräusch bemerkbar macht, und bei einiger Aufmerksamkeit des Operateurs als eine bedenkliche Erscheinung bald erkannt wird. Heftige und tiefe Inspirationen des Thieres können ebenfalls den Abfluss des Blutes nach dem Herzen in dem Masse fördern, dass nicht hinreichend Blut nachströmt, und statt dessen Luft in das Gefäss eintritt. So lange ein regelmässiger Abfluss des Blutes stattfindet, ist die Möglichkeit des Lufteintrittes ausgeschlossen, erst mit dem Aufhören desselben stellt sich diese Gefahr ein. Darauf ist besonders zu achten, und sobald die genannton Symptome auftreten, suche man sofort unterhalb der Aderlassstelle die Vene zu comprimiren, und durch Streichen mit der Hand in der Richtung zur Aderlasswunde die etwa in der Vene noch befindliche Luft zu entleeren. Da die Thiere sich nach der Operation zuweilen, namentlich im kranken Zustande gegen die Krippe lehnen, oder durch den Druck der Halfter eine Compression der Vene herbeigeführt werden kann, so erscheint der Verschluss der Hautwunde beim Ader-lass aus der Vena jugularis stets erforderlich, um die hierdurch entstehende Gefahr des Lufteintrittes zu verhüten. Dass eine über-mässig grosse Wunde diesen Vorgang erleichtert, ist klar und bleibt beachtenswerth.
In manchen Fällen knüpfen sich an den Eintritt geringer Mengen Luft keine weiteren nachtheiligen Folgen. Oft aber fangen die Thiere sogleich an zu taumeln, stürzen nieder, bekunden eine erhebliche Dis-pnoe, schwitzen und können in kurzer Zeit zu Grunde gehen (vergl. S. 53).
Zu den nachtheiligen Folgen, die sich zuweilen im weiteren Verlaufe einstellen, gehören folgende:
1. Nachblutungen. Abgesehen von den durch Verletzungen der Carotis oder anderer, kleiner Arterien kommen Nachblutungen beim Aderlass aus der Jugularis selten vor. Ihre Entstehung verdanken solche in der Regel einer Compression der Vene unterhalb der Operationsstelle. Man beobachtet solche am häufigsten bei gehirnkranken Pferden, die sich mit dem Halse oder der Brust gegen die Krippe lehnen, sowie bei liegenden Thieren, z. B. wenn ein Aderlass bei der Rehe oder Kolik gemacht wurde. Auch kann der Druck des Kummets oder Sielengeschirrs dieses bewirken; daher gilt der Grundsatz, dass man die Thiere in den ersten 24 Stunden nach dem Aderlass nicht einspannen lässt.
Die Behandlung muss auf die Ursachen der Nachblutung Rücksicht nehmen, die zwar selten mit der Gefahr einer Verblutung ver-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
496nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
bunden ist, jedoch durch die Entstehung eines grösseren Hämatoms bedenklich wird, indem es die Grundlage zu der sog. Aderfistel abgiebt, ein Leiden, das sich ebenfalls an den Aderlass anschliessen kann, und in der speciellen Chirurgie bereits beschrieben ist.
2. Skarificationen. Als örtlicher Aderlass kommen bei Thieren nur noch die Skarificationen in Betracht. Man hat zwar versucht auch für Thiere Schröpf köpfe einzuführen; ihre Anwendung setzt jedoch ein sorgsames Abrasiren der Haare voraus, daher haben diese keinen Eingang in die Praxis gefunden. Dasselbe gilt von Blutegeln und dem von Leblanc empfohlenen Pdellometer oder Blutsauger, einem complicirten Schröpfkopf. Erwähnt sei nur, dass bei Anwendung der Schröpf köpfe durch verdünnte (erwärmte) Luft das Blut des betreifenden Theiles entweder in die äussere Haut gesogen (trockener S), oder aus kleinen Einschnitten entleert wird (feuchter S).
Die Skarificationen (ay.apt'fd(0|i,ai [scarifico], aufritzen), bestehend in mehreren oberflächlichen oder tieferen Einschnitten in den erkrankten Theil, wurden ursprünglich in der Absicht angewendet, aus den Capillaren und kleineren Gefässen des entzündlich erkrankten Gewebes das Blut zur Entleerung zu bringen und so Blutstockungen zu verhindern. Heute leiten uns dabei in der Regel noch andere und wichtigere Gesichtspunkte. Erstens handelt es sich zugleich um die Entleerung phlogogener Stoffe und der Entzündungsproducte, ferner um eine Ab-schwellung namentlich solcher Organe, die in Folge der Anschwellung entweder in sich selbst oder von benachbarten Theilen eine Quetschung oder Einklemmung erfahren. An der heftig angeschwollenen Zunge führt die Schleimhaut, welche viel weniger dehnbar ist als die Muskeln und namentlich das Bindegewebe der Zunge, bei acuten Entzündungen des Organes zu einer gewaltigen Spannung und Drucksteigerung in demselben, wodurch leicht Brand eintritt. Durch tiefe und lange Einschnitte in die Zunge wird diese Spannung und damit auch die Gefahr der Necrose aufgehoben. Dabei kommt noch in Betracht, dass sich aus den Einschnitten Blut und reizende Entzündungsproducte entleeren und nicht weiter schädlich wirken können. Auch lässt sich von den Schnittflächen aus eine Desinfection der erkrankten Gewebe bewirken. Thatsache ist, dass solche Skariflcationen bei der acuten Glossitis, weniger bei chronischen Erkrankungen (Actinomycose), ausserordentlich günstig wirken, wenn sie zur rechten Zeit und in der richtigen Weise angewendet werden. Starke, venöse Stauung, gekennzeichnet durch dunkle Färbung des Organes, heftige Span-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Skarifloationen,
|
497
|
||
|
|
|||
|
nung, starke Ansclnvellung des betreffenden Organes bilden die wicb-tigsten Indicationen für die Anwendung der Skarificationen. Ebenso finden dieselben bei heftigen entzündlichen Schwellungen am Penis, bezw. an der Vorhaut, am Euter bei acuter Mastitis sowie an der Conjunctiva Anwendung, wenn letztere in Folge der Anschwellung von den Augenlidern eingeklemmt wird. Auch Vorfälle des Mastdarmes, der Scheide und Gebärmutter können zu Skarificationen Veranlassung geben. Wenn die Schwellung der vorgefallenen Organe ein Hinderniss für ihre lieposition bildet, kann diese durch Skarificationen, welche mit Unterstützung von adstringironden Bähungen (Alaun) und Massage schnelle Abschwellung herbeiführen, erleichtert werden.
Von verschiedenen Seiten wurden bis in neuerer Zeit Skarificationen der Huf krone sowie der Fleischsohle bei Hufleiden, namentlich bei der liehe empfohlen. Ich habe von der Anwendung derselben niemals einen nennenswcrthen Nutzen gesehen, bezweifle diesen auch. Da gerade bei der liehe auch ohne Skarificationen oft plötzliche Besserung beobachtet wird, so kommen hier leicht Täuschungen vor.
Skarificationen an der Fleischsohle bei dieser Krankheit zu machen, erscheint sogar bedenklich, namentlich wenn man nicht sicher ist, Asepsis zu erhalten; der Eintritt von Eiterung führt bei diesem Leiden oft zu schweren Folgezuständen.
8, Blutersparniss bei Operationen. Blut ist ein gar kostbarer Saftquot;, so heisst der heutige Grundsatz, und mit Hecht suchen wir bei allen Operationen Blutverluste soweit nur möglich zu beschränken; das gilt namentlich bei schwächlichen, anämischen Patienten. Jeder Blutverlust schwächt das Individuum, insbesondere auch Krankheiten gegenüber, welche sich an die Operationen anschliessen; auch bietet das in die Operationswunde ergossene Blut ein vorzügliches Xährsubstrat für Bakterienentwickelung und wird auf diese Weise Ausgangspunkt schwerer Infectionskrankheiten. Dazu kommt endlich, dass das abfliessende Blut das Operationsfeld verdeckt, die Operation selbst stört und auch den Heihmgsvorgängen direct hinderlich ist. Die moderne Chirurgie fordert daher möglichste Beschränkung der Blutung bei allen Operationen. Dass der Verschluss blutender Gefässo mit Erhaltung der Circulation in denselben möglich und an bestimmten Gelassen für gewöhnlich zu erreichen ist, wurde bereits S. B5 erwähnt; in der Hegel wird hierzu aber der Verschluss des blutenden GefÜsses erforderlich. (Jeher die Methoden der Blutstillung und die hierzu in Anwendung kommenden Instrumente muss auf das S. 56 Gesagte verwiesen werden. Hier sollen nur noch die Mittel besprochen werden, Möller, Allgemeine Ohirnrgte für Thiertirzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;!2
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
498
|
Allgemeine OperationBlehre.
|
|||
|
|
||||
|
welche zur Verhinderung der Blutung bei Operationen dienen; dahin gehört in erster Linie:
Die künstliche Blutleere. Nachdem von Esmarch beim Menschen gezeigt hatte, dass durch Einwickelung der Glieder von der Peripherie gegen das Centrum das Blut aus denselben zurückzudrängen, sodann durch einen Gummischlauch der Blutzufluss abzusperren ist, hat man bei Thieren von dem Verfahren ebenfalls Gebrauch gemacht. Wird auf diese Weise die grösste Ersparniss au Blut erreicht, so hat die künstliche Blutleere auch noch den Nutzen, dass das Operationsfeld überall klar und trocken bleibt, so dass man keine Schwämme und weniger Gehülfen braucht, sich auch anatomisch leichter
Fig. 112.
|
||||
|
|
||||
|
|
|
|||
|
|
||||
|
Eamarn!i'seller Constiictionssclilaucli.
|
||||
|
|
||||
|
orientiren kann. Letzterer Umstand fällt für Thiere ganz besonders bei Operationen an den Hufen und Klauen ins Gewicht. Da das Zurückdrängen des Blutes in den Gefässen der Gliedmassen, namentlich aus den Hufen und Klauen nicht möglich ist, so beschränken wir uns darauf, durch Anlegung eines starkwandigen Gummischlauches (Con-strictionsschlauches Fig. 112) oberhalb der Vorderfusswurzel bezw. des Sprunggelenkes zu verhindern, dass das Blut in das untere Ende der zu operirenden Gliedmasse fliesst. Nachdem das in den Gefässen vorhandene Blut während der Operation abgeflossen ist, hört 'jeder weiterer Zufluss und damit auch die Blutung auf. Das Verfahren findet namentlich bei Pferden zum Zwecke der Resection des Hufknorpels und der Hufbeinbeugesehne Anwendung, muss auch bei Neurotomien und Amputationen empfohlen worden.
Man legt den Gummischlauch bei grössoren Thieren unter euer-
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
BlutersparniHs bei Operationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 491)
gischer Dehnung zweimal um die betreffende Gliedmasse, zieht die Enden nochmals, soweit es die Armeskraft gestattet, an, kreuzt dieselben und lässt an der Kreuzungsstelle einen Bindfaden oder 12 cm breites Band schlingen und hier fest verknoten (Fig. 112). ZurFixirung des Schlauches wurden auch wohl besondere Vorrichtungen (Klemmen) construirt; sie sind jedoch nicht nur entbehrlich und oft wenig haltbar, sondern genügen für die bei Pferden und Rindern erforderliche Stärke des Schlauches von circa 2 cm Durchmesser in der Regel nicht. Bei kleineren Thieren lässt sicli ein einfacher Drainschlauch zu demselben Zwecke verwenden.
Es versteht sich von selbst, dass man nach beendeter Operation die durchschnittenen Gefässo durch Ligatur, Tamponade oder andere Mittel zum Verschluss bringt, um auch die nach Entfernung des Schlauches auftretende Blutung zu verhindern, oder doch soweit einzuschränken, dass hieraus keine Gefahr entsteht. Der Schlauch kann bis zwei Stunden ohne Nachtheil liegen bleiben; ihn länger liegen zu lassen, dürfte indess Bedenken erregen, obgleich hierüber bei Thieren näheres bisher nicht bekannt ist. Beim Menschen sah man nach Anwendung des Schlauches zuweilen hochgradige Muskelatrophie eintreten, was bei Thieren, soweit mir bekannt, bisher nicht beobachtet wurde, auch weniger zu befürchten ist, weil starke Fascien und Sehnen den Druck des Schlauches auf die Muskeln erheblich abschwächen. Wo ein Constrictionsschlauch nicht zur Verfügung steht, kann ein Strick oder starkes Tuch an Stelle desselben angewendet werden; am Hinterschenkel übt bei grösseren Thieren die Schenkelbremsc eine ähnliche, wenn auch nicht so vollkommene Wirkung aus wie der Schlauch.
|
||
|
|
||
|
m
|
||
|
|
||
|
|
||
|
V. Die Injection von Arzneimitteln in die Blutbahn,
Unterhaut, Luftröhre, Rachenhöhle und den Kehlkopf,
sowie die parenchymatöse Injection.
|
||
|
|
||
|
1, Die intravenöse Injection. In früherer Zeit diente der Aderlass zugleich zur Einführung von Arzneien in die Bluthahn. Es wurde z. B. bei Pferden mit der Fliete eine Aderlasswunde in der Vena jugularis hergestellt und mittelst eines vom Thierarzt Helper construirten Trichters die Arznei in die Blutbahn gebracht. Abgesehen davon, dass dieses Verfahren mit der Gefahr des Lufteintrittes verbunden war, knüpften sich an dasselbe auch häufig sog. Aderfisteln. Gegenwärtig benutzt man zur Injection von Arzneien ins Blut nur noch Spritzen, die mit einer Hohlnadel versehen sind. Ich habe bereits 1877 l) eine grössere Spritze zu diesem Zwecke construirt und mich von der Zweckmässigkeit des Instrumentes überzeugt. Dasselbe fasst etwa 50 g Flüssigkeit, doch hat man neuerdings mit Vortheil Spritzen mit doppeltem Ansatz in Anwendung gebracht, wodurch nicht nur die Operation erleichtert, sondern es auch ermöglicht wird, die Injection vorzunehmen, ohne die in die Vene eingeführte Nadel viel zu bewegen und zugleich Verletzungen der Intima des Gefiisses aus dem Wege zu gehen, welche leicht den Grund zur Thrombosirung der Vene und zur Bildung einer Aderfistel abgeben. Auch liisst sich die Infusion leicht mit Hülfe eines Trichters und Gummischlauches bewirken, der mit einer Hohlnadel in Verbindung steht.
Nicht jedes Arzneimittel darf natürlich in die Blutbahu gebracht werden; es sind vielmehr folgende Forderungen an dasselbe zu stellen:
|
||
|
|
||
|
') Möller, Archiv für wis*. und piakt. Thierheilkunde 1877. S, 454.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Intravenöse Injection.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;501
1. class es flüssig ist, d. h. eine echte Lösung darstellt, also keine ungelösten Bestandtheile enthält; deshalb muss jede Flüssigkeit voider Anwendung sorgfältig filtrirt werden. Diese Forderung bedarf hier keiner weiteren Begründung. 2. Das Mittel muss sich mit dem Blute vermischen. Fette Gele u. s. w. können daher niemals in der Weise angewendet werden, zumal sie Thrombose erzeugen würden. 3. Die injicirte Substanz darf keine erheblichen Zersetzungen, namentlich keine Grerinnung des Blutes herbeiführen; Säuren, concentrirter Alkohol u. s. w. sind daher zu vermeiden. Die Application eines Mittels als intravenöse Injection setzt 4. voraus, dass es bereits in kleinen Quantitäten wirkt, weil man nicht grosse Mengen Flüssigkeit ohne Bedenken einführen kann. Eine Ausnahme macht hiervon allerdings die Infusion von 0,6 0/oiger Kochsalzlösung bei starken Blutverlusten. ' Endlich muss die Arznei etwa Bluttemperatur besitzen.
Bei diesen Anforderungen beschränkt sich die Anwendung der zur intravenösen Injection geeigneten Arzneien auf einige Alkaloide, und auch diese werden, seitdem die subcutane Injection mehr und mehr Eingang gefunden hat, nur noch selten intravenös applicirt. Allerdings erlangt man bei der letzteren Methode eine sofortige Wirkung des Mittels, während diese bei der subcutanen Anwendung etwa 35 Minuten auf sich warten lässt. Eine derartige Verzögerung kommt aber fast niemals in Betracht, zumal die Präparation der Arznei zur Infusion in die Blutbahn eine grössere Zeit in Anspruch nimmt. Stoffe, die jedoch örtlich heftig reizen, z. B. Chloral, Veratrin, und deshalb zur Erzielung einer allgemeinen Wirkung sich nicht in subcutaner Application eignen, können intravenös angewendet werden.
Die Injection mit einer einfachen Spritze erfolgt in folgender Weise: Nachdem die Arznei präparirt und ebenso wie die sorgfältig gereinigte Spritze und Hohlnadel auf Körpertemperatur gebracht ist, erfasst man die Hohlnadel zwischen Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand, während der Daumen sich gegen den Ansatz derselben legt (Fig. 113). Der Daumen der linken Hand comprimirt die Vena jugu-laris dextra an der Aderlassstelle (Grenze zwischen dem oberen und mittleren Drittheil des Halses). In einer Stellung wie beim Aderlass mit der Lancette stösst man die Nadel in etwas schräger Eichtung nach oben unmittelbar über der comprimirten Stelle, auf der Höhe der Venenanschwellung mit einer kurzen kräftigen Bewegung der Hand durch die äussere Haut (Fig. 118). Da das Thier hierbei wohl unruhig wird, so drücke man zunächst die rechte Hand gegen den Hals desselben, ohne die Nadel weiter einzuführen. Sobald Be-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
502
|
Allgemeine Operationslehre.
|
||
|
|
|||
|
ruhigung eingetreten ist, führt man in derselben Richtung den zweiten, ebenfalls kurzen Stich aus, der die Nadel in die Ven.e eintreten lässt, entfernt den rechten Daumen von dem Ansatz der Nadel, um zu sehen, ob sich Blut aus derselben entleert, ein BeAveis dafür, dass die Vene getroffen ist. Fliesst kein Blut durch die Nadel ab, so muss der zweite Stich wiederholt werden, bis die Nadel die (refässwand passirt hat. Auch hierbei ist es wichtig, die Compression der Vene dicht unter der Einstichstelle vorzunehmen, damit die Vene besser fixirt wird und der Nadel nicht so leicht ausweicht. Sobald der Blutabfluss zeigt, dass sich die Nadel in der Vene befindet, suche man dieselbe
Fig. 113.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Einlührmig der Hohlnadel in die Vina jugularis.
|
|||
|
|
|||
|
möglichst ruhig und in der Richtung der Vene zu halten, damit ihre Spitze nicht Verletzungen an der Intima des Gefässes veranlasst. Nachdem man sich nochmals überzeugt hat, dass die Spritze keine Luft enthält, wird diese angesetzt und mit gleichmässigem Druck auf den Stempel entleert.
Aehnlich verfährt man bei Anwendung der mit doppeltem Ansatz versehenen Spritze. Durch den Gummischlauch der Hohlnadel, welche in die Vene eingeführt ist, wird unter gleichmässigem Druck des Stempels die Flüssigkeit in die Blutbahn gespritzt, und nachdem dies geschehen, der Hahn gewendet, so dass beim Zurückziehen des Stempels die Spritze von neuem aus dem Gefässe gefüllt wird, worauf man den Hahn in seine frühere Stellung zurückbringt, und die Spritze in derselben Weise entleert. Dies wiederholt sich, bis die zu applicirende
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Intravenöse Injection.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;50r{
|
|
||
|
|
|||
|
Flüssigkeit in die Blutbahn gelangt ist. Das Verfahren ist sehr bequem, (loch liisst es sich am besten am gefesselten Thierc ausführen, während am stehenden Thiere ein Glastrichter sogar den Vorzug verdient, der zugleich bei weitem billiger ist als die complicirte Spritze.
Hierzu verbindet man die in die Vene einzuführende Hohlnadel mit einem Gummischlauch. Nach Einführung derselben setzt man den
|
|||
|
|
|||
|
Trichter an, überzeugt sich indess vorher, dass der Schlauch keine Luft
|
'XVt
|
||
|
|
|||
|
enthält. Aus diesem Grunde empfiehlt sich, dicht vor dem Ende desnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i
vorher gefüllten Schlauches eine Klemme anzulegen, die man löst, sobald der Schlauch mit dem Trichter in Verbindung gebracht ist.
Als nachtheilige Folge der intravenösen Injection verdient Thrombose des Gefässes genannt zu werden, die namentlich durch Verletzungen der Intima von Seiten der Spritze bezw. Hohlnadel veranlasst wird. Bei einiger Vorsicht lässt sich diese Complication jedoch stets vermeiden; ebenso die Gefahr des Lufteintritts in die Vene. Andere nachtheilige Folgen kommen hierbei nicht vor, sobald die oben beschriebenen Vorkehrungen und eine richtige Auswahl der Arzneien getroffen sind.
Die Transfusion von Blut hat bei Thieren bisher keine therapeutische Anwendung gefunden.
2. Bei der subcutanen oder hypodermatischen Application
|
|||
|
|
|||
|
von Arzneimitteln, einer Methode, die neuerdings mehr und mehr Auf-
|
ll
|
||
|
nahme gefunden und die intravenöse fast gänzlich verdrängt hat, wird mit einer Spritze nebst Hohlnadel die Arznei in das Unterhautgewebe gespritzt. Für thierärztliche Zwecke eignet sich hierzu eine nach dem Muster der Pravaz'schen Spritze gebaute, die etwa 510 g Flüssigkeit fasst. Man verwende eine graduirte Spritze, um jederzeit die Menge der injicirten Flüssigkeit genau controliren zu können, und wähle zur Injection eine Stelle, wo viel Subcutis liegt, d. h. wo die Haut leicht auf ihrer Unterlage zu verschieben und Falten in derselben zu bilden sind; am Halse, an der Schulter. an den unteren Partien des Rumpfes gelingt dies am leichtesten.
Die zur subcutanen Application bestimmten Flüssigkeiten sollten womöglich sterilisirt sein, jedenfalls dürfen sie nicht ätzend wirken. Auch hier kommen vornehmlich Alkaloide in Betracht. Die Spritze und namentlich die Hohlnadel muss rein, womöglich sterilisirt sein. Wo die Umstände es gestatten, sollte man vor der Anwendung Nadel und Spritze mit öligem Carbol- oder Creolinwasser, erstere event, durch 510 Minuten langes Kochen desinficiren. Unbedingt noth-wendig ist dieses Verfahren, wenn die Spritze vorher bei Thieren be-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||||||
|
504
|
Allgemeine Operationslehru.
|
||||||||
|
|
|||||||||
|
nutzt wurde, die mit Infectionskraukheiteu behaftet waren. Will man recht vorsichtig sein, so desinficirt man auch die äussere Haut an der Operationsstelle; notliwendig ist dieses jedoch im allgemeinen nicht. Nachdem mit dem Daumen und Zeigefinger der linken Hand eine Hautfalte gebildet ist, sticht man mit der rechten Hand die Hohlnadel entweder in der Richtung der Falte
|
|||||||||
|
|
|||||||||
|
|
Piff. 114.
|
|
|||||||
|
|
oder senkrecht zu derselben ein, lässt dann die Falte los und wartet einige Augenblicke, um zu sehen, ob sich nicht etwa Blut aus der Nadel entleert. Sollte das geschehen, so hat die Nadel ein Blutgefäss getroffen, und man würde unter Umstünden Gefahr laufen, wollte man jetzt die Arznei, z. B. nicht gelöste Flüssigkeiten, wie Veratrin in-jiciren. Man zieht also in solchem Falle die Nadel ein wenig zurück, und wenn sich kein Blut entleert, setzt man die Spritze an und treibt unter gleich-
|
||||||||
|
f
|
|
||||||||
|
massigem, nicht zu schnellem Druck des Stempels die Flüssigkeit in die Unterhaut, wo sie durch Streichen mit der
|
|||||||||
|
|
|
||||||||
|
Hand vertheilt und so schneller zur
|
|||||||||
|
|
|||||||||
|
|
ii-
|
|
|||||||
|
|
Resorption gebracht werden kann.
|
||||||||
|
Spritzen /uv sabontanen Application der
Arzneien.
|
|||||||||
|
3. Die intratracheale Injec-
|
|||||||||
|
|
|||||||||
|
tion wurde erst in neuerer Zeit bei Thieren ausgeführt und bezweckt, Krankheitszustände der oberen Luftwege, namentlich chronische Catarrhe des Kehlkopfes und der Luftröhre zu heilen, aber auch gegen eine Reihe anderer Leiden hat man dieselbe neuerdings versucht, z. B. gegen Morbus maculosus (Dieckerhoff), Hänioglobinämie (Luchau). Da die Resorption der Arzneimittel von der Schleimhaut der Trachea aus sehr schnell erfolgt, so erklärt sich, dass die Methode auch zur Erzielung einer allgemeinen Wirkung Anwendung finden kann, doch stehen für solche Zwecke in der Regel bequemere und ungefährlichere Wege zu Gebote. Allerdings hat sich bei diesen Versuchen gezeigt, dass die Luftröhrenschleimhaut bei weitem nicht so empfindlich ist, wie man früher annahm, so dass selbst reizende Mittel (Tincturen, Terpentinöl) ohne Nachtheil intratracheal applicirt werden können. Doch lässt sich ein aseptischer Verlauf der Einstichwunde schon aus dem Grunde nicht
|
|||||||||
|
|
|||||||||
|
|
|||||
|
Intratmcheale Injectionen.
|
505
|
||||
|
|
|||||
|
gewährleisten, weil man aussei- Stande ist, die Trachealsclileiinlumt zu desinficiren. Zwar zeigte die Erfahrung, dass bei vorsichtigem Vorgehen entzündliche Processe hiernach in der Hegel ausblieben; wenn sie aber auftreten, werden sie leicht gefährlich. Es wurden
|
|||||
|
|
['iquot;-.
|
|
|||
|
in neuerer Zeit verschiedene Beobachtungen mitgetheilt, welche beweisen, dass nach intratrachealer Injection brandige Entzündung der Trachealschleimhaut und selbst der Lungen entstehen kann. Endlich muss die Nadel vorsichtig angewendet und Sorgo dafür getragen werden, dass dieselbe bei plötzlichen Bewegungen des Thieres während der Injection nicht abbricht; daher empfiehlt sich eine stärkere Nadel. Sollte dies dennoch vorkommen, so würde man das abgebrochene Ende der Nadel schnell zu fassen, event, mit Hülfe eines Einschnittes in die Haut zu entfernen suchen.
Zur Ausführung der intratrachealen Injection dient entweder die für thierärztliche Zwecke vergrösserte Pra-vaz'sche Spritze oder die von Dieckerhoff construirte, 1020 g fassende, mit mehreren Hohlnadeln und einem
|
|||||
|
|
|||||
|
Trokart (Fig. 116) versehene Spritze. Der Kopf des Pferdes wird in die Höhe gehoben, und während die linke
|
Trachealtrokarl
(nach Dice, lf erhoff).
|
||||
|
Hand des Operateurs die äussere Haut an der vorderen Fläche der Luftröhre anspannt, wird mit der rechten Hand die Nadel bezw. der Trokart zwischen zwei Luftröhrenringo eingestochen. Nachdem sodann das Stilet des Trokarts entfernt ist, setzt man die mit der zu injicirenden Arznei gefüllte Spritze an, und entleert dieselbe durch einen langsamen und gleichmässigen Druck auf den Stempel derselben. Bei Pferden können .'gt;.'50 g Flüssigkeit auf diese Weise applicirt werden.
Von Dieckerhoff wurden ferner intralaryngeale uud intra-pharyngeale Injectionen empfohlen. Die Ausführung erfolgt in ähnlicher Weise, wie bei der intratrachealen Application. Die etwas gebogene Hohlnadel (Fig. lllt;)) wird zwischen dem Ringknorpel und dem ersten Trachealringe, also durch das Ligamentum cricotracheale eingestochen, die Spitze derselben nach oben gerichtet und durch diese die Flüssigkeit in den Larynx bezw. Pharynx gebracht. Dieckerhoff empfiehlt gegen chronische Laryngitis u. a. Bismuthum snbnitric, Lugol-sche Lösung und lässt die Injection in Zwischenzeiten von einigen Tagen wiederholen.
4. Die parenehymatöse Injection besteht in der Einspritzung von
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||
|
506
|
Allgemeine Operationslehre.
|
||
|
|
|||
|
Arzneien in das Parencliyni der Organe, in die Muskeln, Schilddrüsen, Lymphdrüsen, in pathologische Neubildungen u. s. w. Sie bezwecken das Arzneimittel mit dem erkrankten Gewebe in directe und un
|
|||
|
|
|||
|
Fig. 116.
|
mittelbare Berührung zu bringen. In der Thiei'heil-
|
||
|
kunde werden namentlich aktinomykotische Neubildungen, sowie andere Tumoren, Kropf u. s. w. auf diesem Wege mit verschiedenem Erfolge behandelt.
Lösungen von Essigsäure, Milchsäure, Jodtinctur, Chlorzink, Carbolsäure, Papayotin und anderen Mitteln wurden intraparenchymatös applicirt. Ich habe bei weichen Neubildungen und beim Kropf vom Papayotin und Jod in dieser Application wiederholt guten Erfolg gesehen.
Die Ausführung geschieht in der Weise, dass man eine nicht zu schwache Hohlnadel in das Organ einsticht; bei Tumoren sucht man die Mitte der Geschwulst zu erreichen, so dass die gewöhnliche Nadel hierzu zuweilen nicht iiusreicht und eine längere erforderlich wird. Sodann setzt man die Spritze an und sucht die Flüssigkeit meist genügen wenige Tropfen in das Gewebe einzuführen. Es empfiehlt sich, die Nadel allmählich zurückzuziehen, während man auf den Stempel der Spritze drückt und ihren Inhalt entleert. Zuweilen werden mehrere Einstiche nöthig. Die Wiederholung der Injection richtet sich nach dem Krankheitszustande und der auftretenden Reaction. In der Hegel wartet man mit der folgenden Injection, bis die sichtbaren Wirkungen der vorangegangenen
|
|||
|
|
|||
|
Spritze nach Dieckerliof f.
|
vorüber sind.
|
||
|
Bemerkt sei noch, dass die parenchymatöse Anwendung von Arzneien, wenn auch in anderen Formen in der Thier-heilkunde schon lange im Gebrauche gewesen ist; es darf nur an die Einführung von scharfen Substanzen (Arsenik etc.) in Tumoren oder in die sog. Stollbeule erinnert werden.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
VI. Die Impfung (Inoculatio).
|
|||
|
|
|||
|
Die Impfung, d. li. die absichtliche Uebertragung der Stoffe ansteckender Krankheiten auf gesunde Individuen, geschah ursprünglicli um einen milderen Verlauf der Krankheit oder schnelleren Ablauf der Seuche in der Herde zu erzielen. In neuerer Zeit wird die Impfung auch für die Zwecke der Diagnose mehr und mehr in Anspruch genommen.
Wahrscheinlich gaben zuerst lünderpest und Schafpocken zu Impfungsversuchen Anlass. Bei der Rinderpest sollen nach Semmor bereits 1744 in England, bald darauf auch in Frankreich und Deutschland Impfversuche angestellt worden sein. Wenn man im vorigen Jahrhundert das Fell eines pockenkranken Schafes im Stalle aufhing, um auf diese Weise die Krankheit zu übertragen, so kam es dabei wohl nur darauf an einen schnellen Seuchenverlauf zu erzielen. Aber schon 1763 soll nach den Angaben Forsters und Semmors Chn-lette die Impfung der Schafpocken zur Erzielung eines milderen Krankheitsverlaufes empfohlen haben. 1705 beschrieb Bourgelat diese Operation bereits genauer, so dass es keinem Zweifel unterliegt, dass die Pockenimpfung bei Thieren früher bekannt gewesen ist als bei Menschen. Wenn in Betracht gezogen wird, dass damals die Schafpocken enorme Verluste herbeiführten, so soll 1819 in Frankreich allein eine Million Schafe an dieser Krankheit gefallen sein so kann es nicht überraschen, dass man dem Gegenstande damals schon grosse Aufmerksamkeit schenkte. Beim Menschen lenkte ein englischer Arzt, E. Jenner, zuerst 1798 die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Scbutzkraft der Uebertragung der Kulipocken auf den Menschen (Vaccination), eine Entdeckung, die sich mit Windesschnelle über die ganze Kulturwelt verbreitete. Obgleich auch heute noch Gegner dieser
|
'i l
|
||
|
n
m
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
508nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
Impfung existiren, so besteht darüber kaum ein Zweifel, dass nämlicli die Impfung der Kulipocke auf den Menschen einen gewissen Schutz gegen die Erkrankung an Menschenpocken gewährt. Auch bei Schafen fand die Pockenimpfung bald allgemeine Anerkennung; und waren es namentlich Pessina, Wald, Waldinger und Toogl, Sick u. a., welche sich mit der Frage eingehend beschäftigten, während von anderen Versuche mit der Vaccination bei Schafen angestellt wurden. Nachdem man später aber mehr und mehr zu der Ueberzeugung gelangt war, dass die Impfung gerade das Mittel zur Erhaltung und Verbreitung der Schafpocken sei, gab man die Impfimg allmählich wieder auf und suchte die Seuche durch gesetzliche Massnahmen zu tilgen, was auch gelang.
Auch bei der Luugeuseuche des Kindes wurde bereits in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts durch Kersting, Hausmann u. a. die Impfung versucht, doch fand dieselbe erst nach den Veröffentlichungen des Dr. Willems in Hasselt 1861 grössere Anerkennung und Verbreitung. In neuerer Zeit hat man bei noch anderen In-fectionskrankheiten (Aphthenseuche , Milzbrand und Rauschbrand, Hühnercholera, Rothlauf der Schweine u. s. w.) Impfungen angewendet, um einen milderen Verlauf der Krankheit oder einen abgekürzten Seuchenverlauf zu erzielen.
Bei der Hundswuth, dem Rotz und anderen Krankheiten wurden Impfungen für die Zwecke der Diagnose ausgeführt, beim Menschen aber auch zu Heilzwecken z. B. als prophylactische Massnahme gegen Hydrophobie (Pasteur). Impfungen der Rotzkrankheit des Pferdes bezwecken Sicherung der Diagnose (Unterberger, E. Semmer, Trasbot u. a.), wobei namentlich Pferde, Esel, Kaninchen, Meerschweinchen und Hunde gewählt werden. Neuerdings verwendet man das Malle'm zu dem Zwecke und überträgt dasselbe auf das verdächtige Thier selbst. Ebenso verfährt man bei der Tuberculose mit dem Tuberculin.
Nach den Umständen, unter denen die Impfung vorgenommen wird, unterscheidet man:
1.nbsp; Nothimpfung. Als solche werden Impfungen bezeichnet, die erst ausgeführt werden, nachdem die Seuche bereits in der Herde ausgebrochen ist. Die Nothimpfung bezweckt bei den noch nicht inficirten Thieren einen milderen Krankheitsverlauf herbeizuführen, oder den Verlauf der Seuche in der Herde abzukürzen.
2.nbsp; nbsp;Die Präventiv-, Präcautions- oder Vorbauungsimpfung besteht in der Impfung einer Herde, die noch nicht erkrankt, aber durch Auftreten der Seuche in der Nachbarschaft bedroht ist; sie soll in der Regel einen milderen Krankheitsverlauf herbeiführen.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Impfung.
|
509
|
|||
|
|
||||
|
3. Schutzimpfungen finden bei Seuchen Anwendung, welche in der betreffenden Gegend häufig wiederkehren oder so regelmässig auftreten, dass eine Erkrankung der Thiere befürchtet werden muss. Auch durch sie will man einen milderen Verlauf der Krankheit erzielen.
|
||||
|
|
||||
|
Das zur Impfung angewendete Material (Impfstoff) bestellt in der Regel aus Flüssigkeiten (Lymphe), welche den erkrankten Organen (Pockenpustel, Lunge u. s. w.) entnommen wird. Neuerdings findet jedoch auch Blut Anwendung, das bei gewissen Krankheiten (Rauschbrand) besonderen Präparationsmethoden unterworfen wird, oder man impft bestimmte, aus künstlichen Kulturen der Bakterien gewonnene Substanzen (Tuberculin, Mallein). Audi Blutserum von Thieren gewonnen, welche die Seuche überstanden haben, wird neuerdings zu Impfungen verwendet.
Es würde zu weit führen, auf diese Fragen hier näher einzugehen; ebensowenig kann es als eine Aufgabe der Operationslehre betrachtet werden, die Präparationsmethoden der Impfstoffe genauer zu beschreiben. Während diese Fragen in der Pathologie
|
||||
|
|
Fiir. 117
|
|
||
|
besprochen werden, sollen hier nur die Methoden der Ueber-tragung der Impfstoffe, also das Impfverfahren berücksicli-tigt werden.
Als ehemals ausschliesslich eine unmittelbare Uebor-tragung des Ansteckungsstoffes von Thier auf Thier stattfand, wurden nur geringe Mengen benutzt, die man unter die Epidermis, in das Rete Malpighii brachte, damit sie von hier aus resoibirt würden. Auch die in kleinen Glasröhren (Haarröhrchen) aufbewahrte Pockenlymphe kam in so geringen Mengen zur Verwerthung, dass diese Methode benutzt werden konnte. Das Fehlen von Blutgefässen in diesem Gewebe, also auch der Blutung beim Impfen sichert hierbei die Uebertragung des Impfstoffes. Man benutzt dazu ursprünglich Nadeln mit lancettförmiger Spitze (Fig. 117), welche mit einer runden oder rinnenförmigcn Aushöhlung versehen war, um die Lymphe aufzunehmen. Die Impfnadel wird durch die Oberhaut bis ins Rete Malpighii gestochen, und indem man mit der Nudel eine Wendung macht, fliesst die Impfflüssigkeit in die kleine Hautwunde.
Auf diese Weise wird auch heute noch die Impfung nach
.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;I'ossinraquo;.
der Schafpocken am Ohr der Thiere vorgenommen. Beim Menschen ist man neuerdings zu längeren, mit einer Lancette hergestellten Schnitten übergegangen, von denen mehrere durch die
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
510
|
Allgemeine Operationslehro.
|
|||
|
|
||||
|
Epidermis bis in das liete Malpighii gelegt werden; die Lymphe lässt man sodann an der betreffenden Stelle einreiben.
Schon bei der Lungenseuche zeigte sich die mit einer Nadel verimpfbare Menge von Lymphe nicht ausreichend, und man construirte daher für die Impfung derselben besondere Instrumente. Zu den älteren derselben gehört eine vom Departementsthierarzt Sticker angegebene Spritze (Fig. 118); dieselbe besteht aus einer etwas gekrümmten Hohlnadel (a), einem kleinen Gummiballon, der in einer Holzkapsel liegt (b) und einem Hebel. Durch einen Druck auf letzteren konnte die Spritze gefüllt wie auch entleert werden. Beim
|
||||
|
|
||||
|
Fig. 118.
|
Fig, 111).
|
|||
|
|
||||
|
|
|
|||
|
|
||||
|
Impliiisti'ument nadi Sticker.
|
Impfiiistruineiit nach quot;0 e m 1 e r.
|
|||
|
|
||||
|
Impfen wurde die Nadel durch die äussere Haut bis in die Subcutis gestochen und durch Druck auf den Hebel entleert. Schon die Schwierigkeiten, welche mit der Reinigung des Gummiballons verbunden'waren, machten das Instrument unzweckmässig. 0emier construirte deshalb eine verbesserte Impfspritze (Fig. 119), die sich mit einer Hand leicht in Thätigkeit setzen liisst, indem der Daumen den mit dem Stempel der Spritze in Verbindung stehenden Grift (a) bewegt, während der Zeigefinger auf einer hakenförmigen Verlängerung der Hülse (b) einen Stützpunkt findet.
Aber auch dieses Instrument hat man neuerdings wieder verworfen und an Stelle desselben eine einfache Spritze, wie sie zur sub-cutanen Application von Arzneien Verwendung findet (Fig. 114), be-
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Impfling.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 511
nutzt. Sie gewährt den Vortheil, class man sie leichter rein zu erhalten im Stande ist, worauf selbstverstiindlicli besonderes Gewicht gelegt werden muss. Auch verdient die Spritze wegen ihrer feineren Nadel den Vorzug, welche einen aseptischen Wundverlauf au der Impfstelle sichert.
Die Forschungen der Neuzeit haben mehr und mehr gezeigt. dass es bei jeder Impfung besonders darauf ankommt, möglichst reines Material zu benutzen; Verunreinigungen desselben oder anderweitige Infectionen an der Impfstelle stören nicht nur den Erfolg der Impfung sondern bedrohen nicht selten die Gesundheit und das Leben des Impfthieres. Aus diesem Grunde müssen die in Anwendung kommenden Instrumente soweit möglich im sterilisirten Zustande benutzt werden; ebenso wird die Impfstelle nach den Regeln der Antisepsis behandelt, und die kleine Hautwunde entweder durch einen Oc-clusivverband oder mit Collodium, Jodoformcollodium u. s. w. geschlossen.
Im übrigen verfährt man wie bei der subcutaneii Application von Arzneien. Ohne Zweifel verdient diese Methode, soweit sie überhaupt anwendbar ist, vor allen anderen da den Vorzug, wo nicht etwa Theile eines Tropfens zur Impfung ausreichen, und das ist mit Ausnahme der Pockenimpfung bei keiner der übrigen Krankheiten der Fall.
Die Impfung der Lungenseuche wird auch heute wohl noch in der Weise ausgeführt, dass man ein mit der Lymphe getränktes wollenes Band von ü5 cm Länge nach Art eines Haarseiles in die Subcutis legt und hier 814 Tage liegen lässt. Es versteht sich von selbst, dass auf diese Weise das Verfahren weniger gesichert ist und leicht zu bedenklichen Folgen führen kann. Ebensowenig empfiehlt sich eine früher wohl benutzte Methode, welche darin bestand, dass man, ähnlich wie beim Fontanell, die Lymphe in eine Hautwunde brachte, nachdem die Blutung in derselben gestillt war.
Bei der Maul- und Klauenseuche wird gegenwärtig noch ein einfaches Impfverfahren eingeschlagen, nämlich ein mit dem Speichel eines erkrankten Thiercs getränktes, wollenes Tuch in das Maul des zu impfenden Thieres einzuführen und mit dein inficirten Tuch zu reiben. Achnlich verfuhr man früher auch bei der Binderpest.
T hie messe und Degive empfahlen den Impfstoff direct in die Blutbahn zu bringen. Zu dem Zwecke wird wie bei der intravenösen Application der Arzneien vorgegangen. Die Methode hat jedoch keine nllyemeine Aufnahme ffefunden.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
512nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operatiouslebre.
Bei der neuerdings in Anwendung gekommenen Serumtherapiequot; (Beliring) werden gewisse Substanzen, namentlich Serum, das aus dem Blute von Thieren gewonnen ist, welche die Knuikheit (z. B. Tetanus) überstanden haben, in grösseren Mengen in die Subcutis in-jicirt. Man verwendet dazu eine oder mehrere Hohlnadeln, die mit einem Gummischlauch und Glastrichter versehen sind. Nachdem die Nadeln an Stellen, wo sich reichliche Mengen Subcutis befinden, z. B. am Halse oder an der Brust eingestochen sind, lässt man die Flüssigkeit durch Hochhalten des Trichters in die Unterhaut fliessen, und sucht durch Streichen der Haut die Vertheilung und Resorption derselben zu fördern. Auf diese Weise können grössere Mengen Flüssigkeit (beim Pferde 150,0 und mehr) dem Organismus einverleibt wei'den.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
VII. Fontanell und Haarseil.
|
||
|
|
||
|
Als Fontanell (Fonticulus) bezeichnet man eine durch die Gegenwart eines Fremdkörpers künstlich unterhaltene Eiterung; wird hierzu ein kürzeres oder längeres Band benutzt, so spricht man von einem Haarseil (Setaceum1), weil ehemals mit Vorliebe Schweifhaare des Pferdes dazu benutzt wurden. In der humoralpathologischen Schule wendete man beide ursprünglich in der Absicht an, durch die Eiterung auf die Säfte und namentlich das Blut reinigend zu wirken; später glaubte man Entzündungsprocesse oder die sie begleitende Blutfülle mit Hülfe von Fontanellen und Haarseilen ableiten, d. h. aus tiefer gelegenen Theilen auf die äussere Haut übertragen zu können. Nachdem auch diese Wirkung nach späteren Forschungen zweifelhaft geworden ist, finden Fontanelle nur noch selten Anwendung. Haarseile dagegen werden noch vielfach benutzt, um Entzündungsproducten, namentlich dem Eiter aus Abscessen und in der Tiefe ablaufenden Entzündungsherden besseren Abfluss zu verschaffen; das Haarseil vertritt hier also die Stelle der Drains. Auch gelangt das Haarseil zuweilen noch bei chronischen Entzündungen und namentlich bei den durch solche bedingten Lahmheiten zur Anwendung. Der Nutzen derselben bleibt jedoch auch hier zweifelhaft; nach meiner Ueber-zeugung kommt es hierbei vornehmlich auf die längere Ruhe an, welche der Besitzer dem Thiere zu geben sich leicht entschliesst, wenn ein Haarseil gelegt wurde; wo Zeit und Ruhe für die Heilung erforderlich sind, da wirkenquot; Haarseile am besten.
Man könnte zwar versucht werden, die humoralpathologische Anschauung über die Wirkung dieser Ableitungsmittel den neueren An-
|
||
|
|
||
|
') Seta = das dicke Haar, dio Borste. Möller, Allgemeine Chirurgio für Thieriirzto.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 33
|
||
|
|
||
|
.
|
||
|
|
||
|
514nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
sichten über acute Infectionszustände anzupassen und anzunehmen, dass mit dem künstlich erzeugten Eiter die Infectionsstoffe aus dem Blute entfernt würden. Allein wenn berücksichtigt wird, dass die in den meisten Blutkörpern enthaltenen Bakterien in der Regel bereits abgestorben sind, so kann von der Heilwirkung der Eiterung auch hierbei nicht viel erwartet werden. Bei acuten Infectionskrankheiten gehen zuweilen von der Stelle, wo das Haarseil oder Fontanell gelegt wurde, schwere, mit Nekrose verbundene Entzündungen aus; daher ist hier Vorsicht geboten. Endlich kommt in Betracht, dass sich das Haarseil wie Fontanell in der thierärztlichen Praxis so eingebürgert hat, und ihre Anwendung vom Laien oft direct verlangt wird, dass sich der Thierarzt unter Umständen indirect gezwungen fühlt, zu diesen Mitteln zu greifen.
Zur Herstellung eines Fontanells benutzt man in der Regel ein rundes Stück Filz oder dickes Tuch von der Grosse eines silbernen Fünfmarkstückes, welches in der Mitte ein etwa 1,5 cm weites Loch besitzt. Früher verwendete man häufig Leder, und sprach daher von ,Ledersteckenquot;. Auch wurde namentlich bei Schweinen die Wurzel der grünen Niesswurz benutzt (Niesswurzstecken).
Das Fontanell wird am stehenden Thiere in folgender Weise applicirt: Nachdem an der betreffenden Stelle unter Bildung einer Hautfalte mit dem Messer ein senkrechter Hautschnitt von 46 cm Länge hergestellt ist, wird mit dem Zeige- und Mittelfinger die äussere Haut oberhalb des Schnittes von ihrer Unterlage soweit abgetrennt, dass das Filzstück unter derselben ausgebreitet werden kann. Letzteres tränkt man vor der Anwendung mit Terpentinöl, schiebt es zusammengefaltet unter die abgetrennte äussere Haut und breitet es hier aus. Die Anwendung des Terpentinöls geschah ursprünglich, um die Reizwirkung des Fontanells zu erhöhen; wichtiger erscheint jedoch die desinficirende Wirkung, welche bei Anwendung unreiner Filzstücke ganz besonders ^ortheilhaft werden kann.
Dieterichs schlug vor, die Abtrennung der Haut unterhalb des Hautschnittes zu bewirken, um das Herausfallen des Fontanells zu verhindern. Da dieses jedoch kaum zu besorgen ist, sobald der Hautschnitt nicht grosser als oben angegeben gemacht wird, der Eiter bei dem Dieterich'schen Verfahren jedoch stagnirt und leicht zu Versenkungen führt, so kann das Verfahren nicht empfohlen werden. Dasselbe gilt von dem Lospräpariren der Haut rund um die Hautwunde. Die von Sewell construirte Fontanellschere ist entbehrlich und wird heute kaum noch benutzt.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Fontanell und Haarseil.
|
515
|
|||
|
|
||||
|
Das Fontanell wurde früher mit Vorliebe bei entzündlichen Erkrankungen der Lungen vor der Brust oder unter derselben am Schaufelknorpel des Brustbeins applicirt. Die letztere Stelle ist bei Reitpferden zu vermeiden, weil durch den Druck des Sattelgurtes auf die zurückbleibende Narbe Schmerzen erzeugt werden, die das Tbier beunruhigen und die Verwendung desselben zum Reitdienst wenigstens eine Zeit lang stören können. Auch ist es vorgekommen, dass die Bauch decke
Fig. 120.
|
||||
|
|
||||
|
|
|
|||
|
|
||||
|
Haarseilnadeln, a einfache, b mit Knopf, c, d zweitheilige, e englische.
|
||||
|
|
||||
|
hier perforirt, ja selbst der Blinddarm beim Legen des Fontanells verletzt wurde.
Das Haarseil wurde ursprünglich aus Schweifhaaren des Pferdes, später aus 12 cm breiten Tuchstreifen oder einem ebenso breiten, leinenen oder baumwollenen Band hergestellt, welche man wie das Fontanell mit Terpentinöl zu tränken pflegte. Mit Hülfe besonderer, aus Stahl gefertigter Instrumente (Haarscilnadeln) werden diese Gegenstände in einer Entfernung von 520 cm unter die äussere
|
||||
|
|
||||
|
|
|||||
|
516
|
Allgemeine Operationslehre.
|
||||
|
|
|||||
|
Haut hindurchgeführt. Man unterscheidet durchgehende (Fig. 120 ffl bis d) und nicht durchgehende oder feststehende Haarseilnadeln (Fig. 120 e). Mit Hülfe der ersteren, welche mit einem Oehr versehen sind, wird das Haarseil auf eine Strecke von 520 cm unter die äussere Haut bezw. unter den Hautmuskel hindurchgeführt. Die feststehenden Haarseilnadeln tragen das Oehr zuweilen an ihrem spitzen Ende und sind mit einem Handgriff versehen; diese führt man eine Strecke unter die äussere Haut hindurch, legt sodann das Haarseil in das Oehr und zieht darauf die Nadel zurück. Zu den durchgehenden Haarseilnadeln gehören die deutsche, französische und dänische. Die
|
|||||
|
|
Fig. 121.
|
|
|||
|
deutsche (Fig. 120rf) besitzt eine stumpfe Spitze, die französische eine scharfe, während die dänische (Fig. 120 6) eine geknöpfte Spitze trägt. Um sie in der Verbandtasche transportiren zu können, werden die für grössere Thiere bestimmten Haarseilnadeln zum Auseinanderschrauben angefertigt. In England ist eine feststehende Haarseilnadel in Gebrauch, deren Spitze bald abgestumpft, bald scharf ist. Auch verwendete man hier früher eine Haarseilnadel, die aus zwei der Länge nach beweglich mit einander verbundenen Stahlblättern besteht, so dass entweder das stumpfe Ende des einen, oder die scharfe Spitze des andern Blattes vorgeschoben werden kann (Fig. 120 e). An Stelle des Oehrs ist das hintere Ende der Haarseilnadel auch wohl gespalten, um das Band hierselbst mit Hülfe eines platten Ringes befestigen zu können. Zur Anlegung von Haarseilen an bestimmten Stellen, z. B. durch den Huf hat man (Seweil) besondere Nadeln con-struirt (Fig. 121).
Die Application des Haarseils erfolgt mit der deutschen Haarseilnadel wie folgt: Das mit einer Trense versehene Pferd wird auf einen freien Platz geführt und gebremst. Nachdem man sich über die Lage und Ausdehnung des Haarseils klar geworden, wobei zu bemerken ist, dass man demselben womöglich eine senkrechte Lage giebt, wird an der unteren Grenze der betreffenden Stelle in senk
|
|||||
|
|
|||||
|
SP
Haarseilnadel nach Sewell.
|
rechter Richtung ein 23 cm langer Hautschnitt gemacht. Hierzu empfiehlt sich die Bildung einer Hautfalte,
|
||||
|
|
|||||
|
damit der Schnitt nicht zu gross ausfällt; dann schiebt man die mit dem Bande versehene Haarseilnadel von dieser Schnittwunde aus unter die äussere Haut fort, bis zu der Stolle, wo das Haarseil endigen soll, durchsticht hier die Haut mit dem Messer und
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||
|
Haarseil.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 517
zieht nun die Nadel mit dem Band hindurch. Da man namentlich bei unruhigen Pferden nie sicher ist, genau die beabsichtigte Austrittsstelle zu treffen, so empfiehlt sich, den zweiten Hautschnitt erst zu machen, wenn die Haarseilnadel bereits an der Stelle angekommen ist. Sollte wider Erwarten die Haarseilnadel eine falsche Richtung eingeschlagen haben, so scbadet das in der Regel nicht; man zieht alsdann die Nadel zurück und sucht dieselbe in der erwünschten Richtung durchzuschieben; würde man aber bei der Application des Haarseils von oben nach unten vorgehen, so könnten auf diese Weise leicht Eiterversenkungen zu Stande kommen. Deshalb und weil die Ausführung der Operation von unten nach oben im allgemeinen bequemer ist, geht man in der beschriebenen Weise vor.
Eine Modification besteht noch darin, dass das Haarseil nicht durch die Subcutis, sondern durch das unter dem Hautmuskel befindliche Bindegewebe gelegt wird. Bei Pferden mit dünner Haut verdient letzteres sogar den Vorzug, weil auf diese Weise nicht so auffällige Narben entstehen, und Eiterungen mit Abscessbildung in der Cutis vermieden werden.
Bei Anwendung einer Haarseilnadel mit scharfer Spitze wird der Hautschnitt entbehrlich, indem sowohl Einstich wie Ausstich mit der Nadel selbst erfolgen. Man muss sich jedoch hüten, dass die Nadel nicht zu tief geht oder die ilussere Haut an einer falschen Stelle per-forirt. Das wird allerdings durch die doppelte Haarseilnadel verhindert, indem man nach dem Einstich das stumpfe Ende der Nadel vorschiebt, das Instrument unter der Haut bis zur Durchstichstelle vorführt und unter Vorschieben der scharfen Spitze die äussere Haut zum zweiten Male perforirt. Diese Bequemlichkeit wird jedoch durch die Schwierigkeiten beim Reinigen des Instrumentes doppelt aufgewogen, so dass man heute, wo Haarseile nicht mehr so häufig angelegt werden wie früher, dieses Instrument kaum noch benutzt.
Bei Rindern und Hunden, deren Haut leicht beweglich ist, lassen sich Haarseile einfach in der Weise appliciren, dass man an der betreffenden Stelle eine Hautfalte bildet, deren Höhe die halbe Länge des Haarseils beträgt. Am Grunde dieser Falte wird eine scharfe Haarseilnadel quer durch die Hautfalte gestochen und das Band hindurchgezogen. Die hierzu dienenden Haarseilnadeln können daher kürzer sein, wie sie auch bei kleinen Thieren Anwendung finden (Fig. 120laquo; und h).
Um zu verhindern, dass das Haarseil von dem Thierc herausgezogen wird, lässt man Pferde kurz angebunden stehen oder mit
|
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
518nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
Spannstock (S. 434) versehen. Das Herausfallen kann durch Zusammenbinden der beiden Enden des Haarseils oder durch ein paar, an den Enden des Haarseils angebrachter Knebel verhindert werden. Letztere sind da zu empfehlen, wo das Haarseil durch Qeschirrtheile oder sonstige Gegenstände, die in die Schleife gelangen, leicht herausgerissen werden könnte.
Haarseile wie Fontanelle bleiben in der Regel 810 Tage liegen; ein längeres Liegenlassen hat jedoch im allgemeinen nur den Nachtheil, dass die Narbenbildung auffälliger wird. Während dieser Zeit muss das Fontanell wie auch Haarseil täglich 12mal von dem Eiter gereinigt werden; um dies vollständiger bewirken zu können, zieht man täglich das Haarseil hin und her. Deshalb soll das Haarseil bei Anwendung von Knebeln wenigstens um die Hälfte des unter der Haut gelegenen Abschnittes aus der äussern Haut hervorragen.
Das Fontanell wird in der Weise entfernt, dass man mit dem Zeigefinger in die Wunde eingeht, das Loch des Filzes zu fassen sucht und mit demselben das Filzstück hervorzieht. Das Haarseil wird durchschnitten, oder ein Knebel entfernt und schnell herausgezogen. Nach Entfernung des Haarseils oder Fontanells lässt man die Wunde noch einige Tage reinigen und den Eiter durch Drücken und Streichen aus derselben entfernen. Ueber die Application derselben an den einzelnen Körperstellen ist bei Besprechung der Krankheits-zustände in der speciellen Chirurgie das Nähere gesagt.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
VIII. Die Anwendung des Grlülieisens. Das Brennen.
|
|||
|
|
|||
|
Seit den ältesten Zeiten gehört die Glühhitze in der Thierarznei-kunde zu den geschätzten und häufig angewendeten Heilmitteln, und ihr Ruf hat sich bis in die neueste Zeit erhalten. Wird auch von der Anwendung des Glüheisens nicht mehr in dem Umfange wie früher Gehrauch gemacht, so gehört doch das Bronnen in der Thierheilkunde auch heute noch zu den beliebten Heilmethoden. Dass man beim Menschen nicht in dem Umfange wie bei Thieren von der Glühhitze Gebrauch macht, liegt in der Natur der Sache; theils Furcht, theils Schmerz bilden hier ein Hinderniss, doch greift man auch in der Menschenheilkunde neuerdings wieder mehr zu diesem Mittel.
Die Glühhitze wird gegenwärtig fast nur in Form des heissen Eisens oder als Thermocautcr bezw. Galvanocauter in Anwendung gebracht. Die früher benutzten Moxen, d. h. Cylinder aus Werg oder Watte, die, mit einer brennbaren Flüssigkeit getränkt, auf den kranken Theil gelegt und angezündet wurden, sind nicht mehr in Gebrauch. Abgesehen von der mit ihrer Anwendung verbundenen Feuersgefahr, lässt sich hierbei die Wirkung der Hitze weder in Bezug auf Intensität, noch auch auf Extensität so genau bemessen, wie es wünschens-werth und oft nothwendig ist. Das Gleiche gilt vom heissen Wasser, welches früher ebenfalls als ein entzündungerregendes Mittel verwendet wurde. Gegenwärtig lässt man die Glühhitze eines erwärmten Metalles einströmen, und wählt dazu in der Regel das Eisen oder Platin. Das erstere gewährt neben seiner Billigkeit noch den Vorzug, dass man die Temperaturgrade an demselben besser abschätzen kann als z. B. am Kupfer. Im übrigen bleibt es für die Wirkung des Brennens gleichgültig, von welchem Körper die Hitze ausströmt; ein hart gekochtes, in der Mitte durchschnittenes Hühnerei auf die äussere Haut gelegt
|
Ü
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
520
|
Allgemeine Operationslehre.
|
||
|
|
|||
|
wirkt nicht anders, wie ein ebenso hoch temperirtes Glüheisen; und doch glauben Laien nicht selten, dass dem Ei hierbei eine besondere Wirkung beizumessen sei.
Obgleich Cauteriumquot; eigentlich das Brenneisen bedeutet, so hat man doch ein Cauterium actuale und potentiale unterschieden. Unter ersterem versteht man das Glüheisen, den Thermo- und Galvanoteauter, sowie alle übrigen, durch ihre Hitze wirkenden Mittel, während als Cauterium potentiale die auf chemischem Wege zu Stande kommende, zerstörende oder entzündungerregende Wirkung bezeichnet wird (Aetzmittel).
|
|||
|
|
|||
|
Die Anwendung des Cauterium actuale kann zu verschiedenen Zwecken erfolgen; dasselbe soll entweder: 1. zerstörend oder 2. blutstillend oder 3. entzündungerregend bezw. die Resorption befördernd wirken.
Am einfachsten erklärt sich die erstere Anwendung; üppige Granulationen, krankhafte Neubildungen (Tumoren), Ansteckungsstoffe u. s. w. lassen sich mit Hülfe der Glühhitze leicht und sicher zerstören, sobald man ihnen mit derselben beikommen kann; es kommt nur darauf an, dass andere Theile durch die Hitze nicht geschädigt werden. Aus diesem Grunde muss die Wirkung hier möglichst schnell erfolgen, das Glüheisen nur kurze Zeit mit dem Körper des Thieres in Berührung bleiben. Es leuchtet ein, dass man hierbei hohe Temperaturen, ein weissglühendes Eisen, das etwa 1200deg; C. entspricht, wählt, welches noch deshalb den Vorzug verdient, dass der von ihm erzeugte Brandschorf nicht leicht an dem Eisen kleben bleibt, sondern die Heilung erleichtert und neue Infectionen verhindert. Eine inficirte Wunde kann auf diese Weise, namentlich wenn sie so oberflächlich liegt, dass das Glüheisen mit allen Theilen derselben in Berührung gelangt, leicht und zuverlässig desinficirt werden; allerdings wird die Heilung per prim. int. hierdurch ausgeschlossen. Auch Warzen und andere Geschwülste von nicht zu grosscm Umfange lassen sich mit dem Glüheisen oder dem Thermo- bezw. Galvanocauter bequem beseitigen.
Während für den genannten Zweck also Weissgluth den Vorzug-verdient, wählt man zur Erziclung einer blutstillenden Wirkung Rothglühhitze des Brenneisens. Bei hellkirschrother Farbe besitzt Eisen eine Temperatur von circa 800deg; C. Weissglühhitze ist hier nicht zu empfehlen, weil der durch hohe Temperatur entstandene Brandschorf keine Festigkeit besitzt, da die organischen Gewebe in demselben vollständig verkohlt werden; dieser Schorf kann daher
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Das Brennen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;521
auch dem andringenden Blute nicht hinreichenden Widerstand leisten, wird bald abgestossen und die Blutung kehrt wieder. Bei der Rothglühhitze tritt das nicht so leicht ein; trotzdem kommt die Brandschorfbildung verhältnissmässig schnell zu Stande, so dass die Application des Brenneisens nicht längere Zeit in Anspruch nimmt, dem Thiere also Schmerzen erspart bleiben, und erhebliche Verbrennungen in der Umgebung des blutenden Gefässes vermieden werden.
Anders liegen die Verhältnisse bei Anwendung des Brennens für den zuletzt genannten Zweck. Hier soll möglichst wenig zerstört, aber eine acute, in die Tiefe dringende Entzündung angeregt werden. Wie die tägliche Erfahrung lehrt, wirkt eine acute Entzündung in der äusseren Haut (unter Umständen auch der unter ihr gelegenen Theile) auf den Ablauf chronischer Erkrankungen, namentlich entzündlicher Processe vortheilhaft ein. Zur Erklärung dieser Wirkung hat man zahlreiche Theorien und Hypothesen herangezogen, die zu besprechen nicht hier der Ort ist; man vergleiche darüber S. 47 und die ableitende Behandlung in der allgemeinen Therapie bezw. Arzneimittellehre. Ohne Zweifel ist ein grosser Theil dieser Anschauungen über die Wirkung der ableitenden Methode unrichtig, dennoch aber kann ich denen nicht zustimmen, welche behaupten, dass die Anwendung des Brennens für solche Zwecke nutzlos sei. Welche ausgezeichnete Wirkung die Anwendung des Glüheisens bei Entzündungen der Sehnen, Bänder, Gelenke u. s. w. zu entfalten im Stande ist, davon kann sich jeder Praktiker täglich überzeugen. Mich dünkt indess, dass man die vielen Theorien über das Zustandekommen dieser Wirkung sehr wohl entbehren kann, wenn man nur eine und zwar rein physikalische Wirkung des Brennens würdigt, nämlich die der entzündlichen Anschwellung, welche mit dem Brennen erzielt wird, und den hiermit verbundene Druck auf die leitenden Organe. Durch kein anderes Verfahren lässt sich ein so anhaltender, gleichmässig wirkender Druck ausüben, wie mit dieser Methode. Man denke sich z. B. eine Distorsion irgend eines dicht unter der Haut liegenden Gelenkes; nehmen wir an, es handle sich um das Fesselgelenk. Nachdem die acut entzündlichen Erscheinungen (Hitze, Schmerz u. s. w.) etwas nachgelassen haben, bestehen in den Gelenkbändern, den Kapselbändern wie in den Soitenbändern die entzündlichen Vorgänge fort. Diese zu beseitigen und die Exsudate zur Resorption zu bringen, bildet nunmehr die wichtigste Aufgabe der Therapie. Jeder Thierarzt greift in solchem Falle zu einer scharfen Einreibung oder zum Brenneisen und mit Recht. Die hierdurch erzeugte Entzündung der äusseren Haut ist mit einer starken und an-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
522nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
haltenden Schwellung derselben verbunden, wodurch ein gleichmässig von allen Seiten wirkender Druck auf das entzündlich erkrankte Gelenk ausgeübt wird. Nicht allein die in die Crelenkhöhle ergossenen Exsudate sondern auch entzündliche Schwellungen in den Gelenkbändern werden auf diese Weise zur Resorption gebracht.
Vor den scharfen Einreibungen hat das Glüheisen noch den Vorzug, dass es tiefer wirkt, namentlich wenn es zweckmässig angewendet wurde; dann aber wird durch die Retraction des sich bildenden Narbengewebes gleichsam eine Nachwirkung erzielt, indem auch hierdurch ein gleichmilssiger, anhaltender und intensiver Druck auf die erkrankten Theilc ausgeübt wird.
Dazu kommt, dass unter der entzündlichen Schwellung der äus-seren Haut das Gelenk eine Immobilisation erfährt, und der Besitzer veranlasst wird, dem Thiere auf längere Zeit Ruhe zu geben. Diese Umstände genügen meines Erachtens vollständig, um die günstige Wirkung des Brennens in solchen Fällen zu erklären. Damit soll jedoch nicht behauptet werden, dass möglicherweise noch eine weitergehende Wirkung hierbei stattfindet.
Bei diesem Heilzwecke kommt es also darauf an, eine recht intensive und in die Tiefe greifende Entzündung anzuregen, auf der andern Seite aber möglichst wenig zerstörende Wirkung mit dem Brennen herbeizuführen. Diese letztere entspricht jedoch der Höhe der angewendeten Hitze. Daraus folgt, dass man mit Rücksicht hierauf möglichst niedrige Temperaturen in Anwendung bringen muss. Zur Erzeugung einer Entzündung genügen schon Temperaturen von etwa 70100deg; C. Eisen aber beginnt erst bei 500deg; C. zu glühen; daraus ergiebt sich, dass man für diesen Zweck mit einem noch nicht glühenden Eisen, oder mittelbar z. B. durch die Luft (Distancefeuer) oder durch einen anderen Gegenstand die Hitze in den Theil einströmen lassen kann. Noch aus einem anderen Grunde erscheint dieses geboten. Durch das glühende Eisen wird die Oberfläche der äussoren Haut, soweit sie mit demselben in Berührung kommt, zerstört und verschorft. Dieser Schorf aber bildet einen sehr schlechten Wärmeleiter, welcher das Eindringen der Hitze in die Tiefe verhindert, also der beabsichtigten Wirkung des Brennens im Wege ist. Je weniger man also die Oberfläche der Haut zerstört, um so besser die Wirkung des Brennens, um so geringer auch die das Aussehen des Thiores schädigenden Narben. Allerdings bleibt zu beachten, dass bis zu einem gewissen Grade die Narbenbildung nützlich werden kann. Will man daher eine recht intensive Wirkung vom Brennen erzielen, und braucht
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Das Brennen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;523
man auf das Zurückbleiben haarloser Narben keine Rücksicht zu nehmen, so brennt man zunächst mit niedrig temperirten Eisen und lässt zum Schluss ein Eisen in der Rothglühhitze oder kräftiges Distancefeuer folgen.
In früherer Zeit wurde das Glüheisen zum Oeffnen von Abscessen angewendet, weil man sich vor dem Gebrauch des Messers fürchtete; allerdings hatte diese Methode einen Vorzug, nämlich schwere Infec-tionen zu verhüten. Da jedoch wirksamere Mittel für diesen Zweck zu Gebote stehen (Antisepsis), so findet das Brenneisen hierzu nur noch ausnahmsweise Anwendung.
Es ist bisher nur vom Brenneisen die Rede gewesen, weil dieses auch heute noch für die verschiedenen der besprochenen Heilmethoden als das beste betrachtet werden muss. Die früher empfohlenen kupfernen Brennkolben eignen sich viel weniger, weil man an ihnen die Temperaturen weniger genau bestimmen kann. Das Eisen hat nur den Nachtheil, dass es in der Hitze schnell oxydirt und in Folge dessen an der Oberflüche bald rauh wird. Diesem Uebelstande lässt sich jedoch dadurch leicht begegnen, dass man vor der Application mit einer Feile über den Brennkolben streicht, oder diesen einige Male im Erdboden hin und her bewegt. Ueber die Anwendung des Thermocauter vergl. S. 529.
Man unterscheidet am Brenneisen a) den Brennkolben, b) den Stiel, welche beide von Eisen sind, und c) den hölzernen Griff. Nach der Form der Brennkolben trennt man:
1.nbsp; nbsp;Messerförmige oder beilförmige (Fig. 122/;, o). Sie besitzen eine 610 cm lange, 35 mm breite Kante, die bald gerade, bald mehr oder weniger convex ist; der Bücken soll 11,5 breit sein, damit der Kolben länger warm bleibt. Mit diesen Brennkolben werden Striche gebrannt, Neubildungen abgeschnitten, auch andere Gewebe (Samenstrang) durchschnitten; endlich eignen sich dieselben zur Anwendung von Distancefeuer.
2.nbsp; Kugel- oder knopfförmige. Der mehr oder weniger kugel-oder eiförmig, 35 cm dicke Brennkolben, steht in der Regel mit einem im rechten oder stumpfen Winkel gebogenen Stiel in Vorbindung (Fig. 112 rf, (-).
3.nbsp; Birnförmige und spitze Brennkolben. Beide laufen in eine Spitze aus, welche bei ersteren mehr abgestumpft, bei letzteren schärfer ist (Fig. 122 /', (f). Sie dienen zum Brennen grösserer oder kleinerer Punkte; mit den letzteren zuweilen auch zum Durchbrennen der äusseren Haut.
4.nbsp; nbsp;Cylindrische und konische Brennkolben werden im Ganzen nicht häufig benutzt; ihre Anwendung erfolgt unter ähnlichen Umständen wie bei den vorigen.
5.nbsp; Der ringförmige Brennkolben (Fig. 122raquo;)), entweder aus einem eisernen, 13 cm weiten Ringe, der im rechten Winkel mit dem Stiel verbunden ist, oder aus einem ebensoweiten eisernen Cylinder besteht und in derselben Weise mit dem Stiel verbunden ist. Man benutzt dieses Brenn-
|
i
|
||
|
|
|||
|
|
||||
|
524
|
Allgemeine Operationslehre.
|
|||
|
|
||||
|
eisen um einen kreisförmigen Brand zu erzeugen, z. B. bei der Amputation des Schweifes, um die Blutung aus den um die Schweifwirbel liegenden Gefässen zu stillen, ohne den betreffenden Wirbel selbst zu verletzen.
6. Stiftförmige Brennkolben (Glühnadeln) (Fig. 122h, i). Mit dem cylindrischen oder konischen Brennkolben steht ein 13 cm langer, 0,20,3 cm starker Eisenstift bald in unmittelbarer (unbeweglicher), bald in
|
||||
|
|
||||
|
Fig. 122.
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
Brenneisen: a flache, i und 0 messerfdrmige, rl und e olive bezw. birnlörmiffe, f und g spitze,
|
||||
|
h und i nadeiförmige, k und l walzenfönnige, m ringförmiges, n nadelforang
|
ges mit Isolator.
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
mittelbarer (beweglicher) Verbindung, indem der Stift entweder eine directe Portsetzung des Kolbens bildet, oder durch besondere Vorrichtungen mit diesem verbunden ist. Während mit den übrigen Brennkolben an der Oberfläche der Haut gebrannt wird (feu ancien), dient das stiftförmige Brenneisen dazu, durch die Haut hindurch bis in die Unterhaut und selbst bis in Knochen, Sehnen u. s. w. mit dem Glüheisen vorzudringen (feu perforant).
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
Das Brennen.
|
525
|
|||
|
|
||||
|
Methoden des Brennens. Man unterscheidet: 1. Das unmittelbare Brennen (Contactfeuer), wobei das Eisen mit dem Körper in unmittelbare Berührung gebracht wird, ein Verfahren, das zur Zerstörung von Gewebsmassen oder Infectionsstoffen, sowie zur Blutstillung fast immer, und als entzündungerregendes Mittel regel-mässig Anwendung findet. Während sich in den zuerst genannten beiden Fällen die Art der Application nach den obwaltenden Umständen ausserordentlich verschieden gestaltet, wird das Brenneisen für den letzteren Zweck in folgender Form angewendet:
a) Das Brennen in Strichen (Strichfeuer). Die einzelnen Striche werden durch Berührung der Hautoberfläche mit dem messer-oder beilförmigen Eisen und zwar zunächst im rothglühenden Zustande gebrannt, um die Haare abzusengen (vorbrennen). Weniger Geübten ist zu empfehlen, mit Kreide oder Holzkohle die Striche vorher zu markiren, damit dieselben in gleichmilssigen Abständen von 11,5 cm und wohl geordnet liegen. Um die Lage der Striche zu einander richtig beurtheilen zu können, beginnt man mit dem obersten, weil anderenfalls der Brennkolben den vorher gebrannten Strich verdeckt. Die Ausdehnung der Striche hängt zwar von dem Krankheitszustande ab, gegen den gebrannt wird, doch muss als Regel festgehalten werden, dass dieselben womöglich über die Grenzen desselben noch hinausreichen. Im allgemeinen benutzt man das Strichfeuer da, wo grössere Flächen gebrannt werden sollen; z. B. bei Entzündungen der Beugesehnen, bei ausgedehnten Gallen, besonders am Fessel-, Knie- und Sprunggelenk. Man legt die Striche zweckmässig in schräger Richtung zum Haarstrich, damit etwa entstehende Narben besser verdeckt werden. Grössere Schwierigkeiten bietet die Anlegung der Striche an den oberen Abschnitten der Gliedmassen (Schulter) sowie am Rumpfe, wo durch die Hautmuskeln Verschiebungen der Haut hervorgerufen werden.
Nach dem Vorbrennen empfiehlt sich ein weniger heisses, nicht mehr glühendes Eisen zu verwenden, um, wie oben erklärt, möglichst wenig Haarbälge und Haut zu zerstören, und dennoch eine tiefe und intensive Entzündung zu erzielen. Bei Berührung des Brennkolbens mit der Hautoberfläche darf nur wenig Rauch entstehen, und die gebrannte Stelle soll eine dunkelbraune, höchstens rothbraune Farbe zeigen. Durch Einwirkung höherer Hitzgrade entstehen strohgelbe, schliess-lich g r a u wr e i s s e Striche, ein Beweis, dass der Brennkolbon zu heiss war.
Zu beachten bleibt ferner, dass mit dem Brennkolbon die Oberfläche der Haut nur sanft berührt und jeder Druck auf dieselbe ver-
|
u
|
|||
|
U
|
||||
|
H
|
||||
|
tl
|
||||
|
t
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
526nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
mieden wird; ebenso soll das Brenneisen nicht ziehend über die Haut fortbewegt werden. Man setze die Spitze des messerförmigen Eisens am Ende des Striches auf und lasse durch eine langsame Bewegung der Hand die gebogene Kante desselben allmählich und gleichmässig, ohne Anwendung von Druck mit dem vorgebrannten Strich in Berührung treten. Je heisser das Eisen, um so vorsichtiger ist hierbei zu verfahren, damit die Haut nicht durchgebrannt wird, wodurch nicht allein hässliche Narben entstehen, sondern auch gefährliche Entzündungsund Eiterungsprocesse hervorgerufen werden. Ebenso vermeide man im allgemeinen, class die Striche in einander übergehen; nur bei oberflächlichem Brennen kann dies ohne Nachtheil geschehen; bei tiefem Brennen entstehen hierdurch ähnliche Gefahren, wie mit dem Durchbrennen der Haut. Die Berührung des Eisens mit der Hautoberfläche dauert je nach dem Hitzegrade jedesmal 3^5 Secunden.
In dieser Weise wiederholt man das Brennen der einzelnen Striche und zwar regelmässig abwechselnd, so dags, nachdem alle gebrannt sind, das Verfahren in derselben Reihenfolge wiederholt wird, bis auf den einzelnen Strichen sich eine klare, seröse Flüssigkeit bemerkbar macht, von deren Gegenwart man sich durch Aufdrücken der flachen Hand überzeugt. Je nach der Dicke der Haut, der Temperatur des Eisens und der Dauer der jedesmaligen Berührung vergeht hierüber eine verschieden lange Zeit. Im allgemeinen lässt sich annehmen, dass eine 20 30malige Berührung dazu erforderlich ist. Will man eine massige Wirkung, so hört man bei dem ersten Auftreten dieser Flüssigkeit mit dem Brennen auf; wird eine energische Wirkung der Brenneisen beabsichtigt, so setzt man das Verfahren fort, bis sich überall deutliche Exsudation auf den Strichen bemerkbar macht. Aus dem oben Gesagten orgiebt sich, dass derjenige in der Regel am besten brennt, der am meisten Zeit darauf verwendet; man brenne mit ,kaltem' Eisen,quot; heisst es ganz zutreffend.
Werden nur wenige Striche gebrannt, so muss man, nachdem der letzte mit dem Eisen berührt ist, eine Pause von etwa einer Minute eintreten lassen, bevor man mit dem ersten von neuem beginnt, weil bei schneller Aufeinanderfolge des Brennens an den einzelnen Strichen die Exsudation an denselben nicht eintreten kann, da die etwa ergossene Flüssigkeit mit dem Brenneisen beseitigt wird.
b) Das Brennen von Punkten geschieht in ähnlicher Weise mit dem birnförmigen oder stumpfkonischen Eisen. Es empfiehlt sich bei dünner Haut und da, wo nur kleine Stellen gebrannt werden sollen (Ueberbeine, Schale, kleinere Gallen u. s. w.). Die Zahl der zu
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Das Brennen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;527
brennenden Punkte richtet sich nach der Ausdehnung der Erkrankung und schwankt zwischen 1 10; dieselben werden bald in Form eines Kreuzes oder Kreises, oder eines Drei- oder Viereckes zusammengestellt, und zwar in einer Entfernung von 12 cm von einander.
Auch hier geschieht das Vorbrennenquot; mit dem rothglühenden Eisen, event, unter Zuhülfenahme von Kreide oder Kohle wie beim Strichfeuer, wobei darauf, namentlich des guten Aussehens wegen, zu achten ist, dass die Punkte regelmässig geordnet liegen. Im Uebrigen müssen die oben beschriebenen Vorsichtsmassregeln Beachtung finden; auch hier wähle man ein nicht mehr glühendes und bei Berührung der Haut höchstens wenig Rauch erzeugendes Eisen und übe mit demselben keinen Druck auf die Haut aus; auch in Betreff der Dauer des Brennens gelten die gleichen Grundsätze.
Bei sorgfältiger Beachtung der beschriebenen Grundsätze lässt sich die beabsichtigte Wirkung des Brennens beim Strich- und Punktfeuer in der Regel abmessen, doch kommt hierbei die Reactionsfähig-keit der Haut mit in Betracht, welche sich bei den einzelnen Individuen verschieden zeigt. Man warte daher die Wirkung 24 Stunden ab, und sollte dieselbe nicht genügend, d. h. eine dem Brennen entsprechende Anschwellung und Exsudation nicht eingetreten sein, so lässt man eine Scharfsalbe (Ungt. acre oder Hydrargyri bijodati 1:8) folgen. Dagegen kann ich die Anwendung dieser Salben gleich nach dem Brennen nicht empfehlen; dadurch gerade entstehen leicht über-mässig heftige Wirkungen mit bedenklichen Folgen (Nebrose der Haut u. s. w.).
c) Das Brennen mit dem Stift bezweckt nach Perforation der äusseren Haut die Hitze direct auf den erkrankten Theil einwirken zu lassen. Es empfiehlt sich namentlich bei Ueberbeinen von beschränkter Ausdehnung, verlangt indess besondere Vorsicht in der Nähe von Gelenken und Sehnenscheiden, deren Eröffnung mit Gefahren verbunden ist. Die rothglühende, etwa 3 mm dicke, gut abgerundete Nadel wird unter massiger Druckwirkung schnell durch die äussere Haut in den betreffenden Theil gedrückt und alsbald wieder zurückgezogen. In der Regel genügt die einmalige Einführung an derselben Stelle; auch reicht bei kleinen Exostosen ein Stich aus; sollen deren mehrere gebrannt werden, so müssen dieselben mindestens 1,52 cm von einander entfernt liegen. Dieser Methode des Brennens lasse ich, namentlich wo dieselbe in der Nähe von Gelenken oder Sehnenscheiden ausgeführt wird, alsbald eine sciiarfe Einreibung folgen, um entzündliche Erkrankungen jener Organe zu verhindern. Ueber die
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
528
|
Allgemeine Operationslehre.
|
||
|
|
|||
|
Anwendung des Stiftfeuers beim Spat und gegen Gallen vergleiche man das in meiner speciellen Chirurgie hierüber Gesagte.
Empfindliche Pferde müssen zum Zwecke ausgedehnter Anwendung des Glüheisens niedergelegt werden, doch versuche man zunächst die Thiere mit der Bremse zu beruhigen. Von der Anwendung von Cocain auf der äusseren Haut habe ich niemals erkennbaren Nutzen gesehen, wohl aber bei subcutaner Application desselben; auch eine subeutan applicirte 2n/oige Lösung von Carbolsäure erfüllt diesen Zweck. Ferner empfehle ich bei grosser Empfindlichkeit der Thiere nach dem Vorbrennen zuerst Distancefeuer zu geben; nicht selten lassen sich die Thiere alsdann die Anwendung des Contactfeuers ruhig gefallen. Bei
Fig, 123.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Brennflguren.
|
|||
|
|
|||
|
ausgedehntem Brennen, z. B. gegen Sehnenentzündung an mehreren Füssen, kann Chloroformnarkose angewendet werden, oder man brennt den zweiten Fuse 8 Tage später.
Als mittelbares Brennen bezeichnet man die Anwendung des Brenneisens ohne die Oberfläche des Körpers mit demselben zu berühren, indem man den heissen Brennkolben nur bis in die Nähe derselben bringt, die Hitze also durch die Luft einströmen lässt; dasselbe wird durch Auflegen eines Stückes Leder oder einer Speckschwarte auf den zu brennenden Theil erreicht. Die letztere Methode ist mit Recht ganz verlassen, weil sie keine besondereren Vortheile gewährt, dagegen kann Distancefeuer die Wirkung des Strich- oder Punktfeuers unterstützen. Für sich allein wird auch dieses nicht angewendet.
Ebenso hat man in Deutschland die subcutane Methode des
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Brennen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 529
Brennens mit Recht ganz und gar verlassen. Sie bestand darin, dass man einen Hautschnitt machte, die Ränder desselben mittelst Haken aus einander halten liess, und mit dem Brenneisen den Grund der Wunde brannte.
Das Distancefeuer empfiehlt sich namentlich, wo die Reaction der Haut schwach ist, oder wo man eine intensive Brennwirkung erzielen will ohne erhebliche Narben zu erzeugen. Man nähert zu dem Zwecke das schwach rothglühende Eisen der zu brennenden Stelle bis auf 25 cm und hält es wiederholt 515 Secunden in dieser Lage. Bemerkt sei jedoch, dass die Anwendung dieser Methode mit Vorsicht und unter wiederholter Prüfung der Stelle auf die Gegenwart von Exsudation geschehen muss; die Wirkung wird sonst leicht übermässig heftig.
Nach dem Brennen verbleiben die Thiere zunächst in einem genügend beleuchteten Stalle, um die Wirkung des Feuers beobachten zu können, ohne die Thiere aus dem Stande zu nehmen. Da Pferde nach dem Brennen oft mit den Füssen kratzen, so lässt man die Hufeisen erst 23 Tage später abnehmen, nachdem sich die Thiere beruhigt haben; um zu verhindern, dass sich dieselben an der gebrannten Stelle beissen, werden Pferde 23 Tage hochgebunden; seltenerzeigt sich auch später noch diese Neigung, doch lasse man darauf achten.
Sollten sich durch Unruhe, Nichtfressen und andauerndes Kratzen bedeutende Schmerzen zu erkennen geben, so empfiehlt sich die gebrannten Flächen mit einer 2n/oigen Cocainlösung zu bepinseln. Ueber-mässig heftige Entzündung kann durch Bestreichen mit Lanolinsalbe oder Kühlen mit Burow'scher Lösung bekämpft werden.
An nachtheiligen Folgen hat man schwere entzündliche Processe mit Nekrose der Haut, in die Tiefe greifende Eiterungen u. s. w. beobachtet. Bald führen diese nur zu einer hässlichen Narbenbildung, zuweilen aber auch zu schweren Folgezuständen, eiterigen Erkrankungen der Gelenke oder Sehnenscheiden und auf diese Weise nicht selten zu tödtlichem Ausgang. TJebermässige Hitzegrade beim Brennen, zu enge Lage der Striche und intensives Distancefeuer, sind die häufigsten Veranlassungen zu derartigen, den Operateur stets compromittirenden Folgen, welche sich fast immer vermeiden lassen, wenn man nach den oben angeführten Regeln brennt. Wenn Vegezzi hierfür besondere Arten von Bakterien verantwortlich macht, so mag das vielleicht in einzelnen Fällen zutreffen, doch genügen hierzu die überall verbreiteten Eiterkokken.
Das Brennen mit dem Thermocauter und Galvanocautor. Die Wirkung des von Paquelin construirten Thennocauters (Fig. 124)
Möller, Allgomeine Chirurgie für Thierarzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;34
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
530
|
Allgemeine Operationslehre.
|
||
|
|
|||
|
beruht darauf, dass erwärmtes Platin durch Zuleitung von Kohlen-wasserstoffverhindungen (z. B. die Gase des Petroleumäther) und atmosphärischer Luft zum Glühen gebracht und glühend erhalten werden kann. Der an einem hohlen Griff befestigte Platinstift {laquo;) steht mit einem Gummischlauch in Verbindung (b), welcher mit seinem anderen Ende in ein kleines Glasgefäss mündet, das etwa zur Hälfte mit Petroleumäther gefüllt ist (c). In dieses Gefäss mündet ein zweiter Gummischlauch, an dessen Ende sich ein Gummiballon (d) befindet, mit welchem die über dem Petroleumäther stehenden Gase in den vorher mit Hülfe einer Spiritusflamme erwärmten Platinstift geblasen werden. Indem die Kohlenwasserstoffverbinduugen in der angewärmten
Fig. 124.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Tlienmicauter nach Faquelin,
|
|||
|
|
|||
|
Platinspitze verbrennen, bringen sie diese zum Glühen. Das glühende Platin entzündet die nachströmenden Gase, und auf diese Weise hält sich das Metall glühend, so lange brennbare Stoffe nachströmen. Zur bequemeren Handhabung ist das Benzingefdss mit einem Haken versehen, um in einem Knopfloch befestigt, leicht getragen zu werden; die linke Hand setzt den Ballon in Bewegung, während die rechte Hand den Platinbrenner führt. In neuerer Zeit hat der Apparat mehrfache Aenderungen, zum Theil auch Verbesserungen erfahren. So bedarf es nicht mehr der Spirituslampe, indem das Benzin zugleich zum ersten Anwärmen des Platinbrenners benutzt wird. Manche dieser Aenderungen haben sich jedoch nicht bewährt; dazu gehört auch die, welche bei ihrer complicirten Construction leicht Betriebsstörungen auftreten lassen. Eine andere Modification besteht darin, dass Spiritusdämpfe in einem hohlen Brennkolben von Messing verbrannt werden, die den Kolben zum Glühen bringen.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Brennen mit dem Thermocauter.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;531
Geeignet erscheint der Thermocauter zum Zerstören von Infec-tionsstoffen und krankhaften Neubildungen von geringem Umfange; zur Vernichtung cariöser Geschwürsriinder, üppiger Granulationen u. s. w. Scharfen Instrumenten gegenüber besitzt er noch den Vortheil, dass Blutungen vermieden werden, und Infectionen nicht so leicht zu Stande kommen. Allerdings kann es sich immer nur um die Vernichtung geringerer Massen handeln, zur Entfernung ausgedehnter Neubildungen muss das Messer in seine Rechte treten. Ein oft störender Umstand liegt in dem Klebenbleiben der Gewebe am Brennkolben.
Der Thermocauter ist ferner zur Blutstillung zu verwenden, doch beschränkt sich die Zuverlässigkeit seiner Wirkung auf capilläre bezw. parenchymatöse sowie auf Blutungen aus kleinen Venen; aber auch hier ziehe ich das Glüh eisen vor. Der dünnwandige Platinmantel des Brenners wird durch das Blut leicht abgekühlt; letzteres bleibt an dem Brenner kleben und verhindert nicht selten den Brenner von neuem zum Glühen zu bringen.
Als Brennkolben zu derivatorischen Zwecken lässt sich der Thermocauter ebenfalls anwenden, doch muss die Anwendung mit Vorsicht erfolgen, damit die zerstörende Wirkung an der Haut nicht zu heftig wird. Da der Platinbrennkolben sehr bald Weissgluth annimmt, also eine Temperatur von etwa 1300deg; C. erreicht, so erklärt sich, dass die zerstörende Wirkung hierbei überwiegt.
Wenn Vogel annimmt, die Platingiuth erreiche nicht den Wärmegrad des kirschrothen Eisens, so beruht dies oifenbar auf einer Verwechselung der Warmecapacität (specifischen Wärme) mit dem Temperaturgrad der Metalle. Während allerdings die Warmecapacität des Platins geringer ist, als die des Eisens, so zeigen doch alle Metalle in Bezug auf ihre Temperatur in der Weissgluth eine grosse Uebereinstimmung (ca. 1300 Grad). Wenn nun auch die Ausstrahlung im umgekehrten Verhilltniss zum Absorptionsvermögen steht, so giebt dennoch Platin in der Weissgluth bei weitem mehr Hitze ab als kirschrothes Eisen.
Nach dem oben Gesagten erscheint also für dun in Rede stehenden Zweck des Brennens der Thermocauter weniger geeignet als das Brenneisen, welches entschieden auch noch deshalb den Vorzug verdient, weil es fast überall in der Praxis zu beschaffen ist. In der Hand eines Ungeübten wird der Thermocauter leicht gefährlich, oder man erzielt mit demselben keine ausreichende Wirkung.
Die Galvanocaustik wird in der Thierheilkunde sehr wenig benutzt; hierbei wird mittelst einer elektrogalvanischen Batterie ein Porzellankolben oder eine Platinschlinge zum Glühen gebracht. Seitdem der
|
||
|
|
||
|
|
||
|
532nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
Thermocauter bekannt ist, wird auch beim Menschen nur noch selten, z. B. bei Entfernung von Polypen aus den Kopfhöhlen, von der gal-vanocaustischen Schlinge Gebrauch gemacht. Der Porzellankolben verbindet mit den Nachtheilen des Platinbrenners noch erhebliche Unkosten und Schwierigkeiten, welche sich an die Herstellung und den Transport der Batterie knüpfen.
Acupunctur und Elektropunctur. Stecknadeln, am besten die mit lancettförraiger Spitze versehenen, langen Karlsbader Nadeln werden in grösserer Anzahl (etwa 515) neben einander und senkrecht in die Weichtheile (Muskeln, Fascien) gestochen (wobei grössere Gefilsse und Nervenstämme zu schonen sind); die Nadeln verbleiben hier einige Stunden. Die hierdurch hervorgerufene Reizwirkung soll Krankheitszu-stände, namentlich Lähmungen und chronische Bntzündungsprocesse (Rheumatismus) heilen. Zur Verstärkung dieser Wirkung taucht man die Nadeln vor dem Einstechen in Terpentinöl, Tinct. Veratri u. s. w., oder man setzt einen Inductionsapparat bezw. eine constante Batterie mit denselben in Verbindung (Elektropunctur), um den elektrischen Strom in die Tiefe zu leiten. Diese letztere Methode, welche früher gegen die genannten Leiden vielfach im Gebrauch war, wird neuerdings beim Menschen fast nur noch zur Zerstörung von Neubildungen (Tumoren) angewendet (Elektrolyse), denen man sonst nicht beikommen kann; auch wurde versucht, mit dieser Methode Aneurysmen zu behandeln, indem das Blut in ihnen zur Gerinnung gebracht wird (S. 297); bei Thieren hat dieses Verfahren fast gar keine Anwendung gefunden. Auch bei Lähmungen würde nur da ein Nutzen von der Acupunctur zu erwarten sein, wo die Muskeln den Sitz derselben abgeben (myo-pathische Lähmungen), was jedoch verhältnissmässig selten ist; dagegen wird die Wirkung dieses Verfahrens bei neuropathischen Lähmungen mit Vortheil durch die Anwendung des elektrischen Stromes ersetzt, dessen Application bei Pferden aber ebenfalls auf Schwierigkeiten stösst (S. 233).
Di eckerhoff hat neuerdings die Acupunctur gegen chronische Erkrankungen der Fascien empfohlen, welche nach ihm zu Lahmheiten Veranlassung geben sollen. Ich habe von der Wirkung dieses Mittels gegen derartige Leiden, die verhältnissmässig selten sind, keinen Erfolg gesehen.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
IX. Die Castration.
|
||
|
|
||
|
Die Castration, d. h. die Vernichtung der Geschlechtsfimctionen, wird namentlich aus wirthschaftlichen Gründen oft wünschenswerth. Der Wallach zeigt sich für die meisten Dienstleistungen brauchbarer als der Hengst; er ist im allgemeinen gefügiger und lässt sich auch neben Stuten zur Arbeit verwenden, was beim Hengste häufig nicht der Fall ist; das Fleisch der Thiere (Schwein, Geflügel) wird nach der Castration wohlschmeckender, und die Mastfahigkeit derselben zugleich erhöht. Bei Kühen lässt sich durch diese Operation die Milchproduc-tion auf längere Zeit erhalten, während für Zucht unbrauchbare Thiere auf diese Weise unschädlich gemacht werden. Bndlich können durch die Castration Krankhcitszustilnde der Geschlechtsorgane geheilt werden.
Es erscheint daher natürlich, dass man schon in frühester Zeit von der Castration der Thiere Gebrauch machte, und dass diese auch heute noch häufig in Anwendung kommt. Die hierzu erforderlichen operativen Eingriffe gestalten sich nicht allein bei den männlichen und weiblichen Thieren, sondern auch bei den einzelnen Thierarten sehr verschieden, so dass diese auch hier gesondert besprochen werden müssen.
A. Die Castration männlicher Thiere.
Wie die Erfahrung gelehrt hat, ertragen männliche Thiere die Castration am leichtesten im jugendlichen Alter; abgesehen von den ersten Lebenswochen erfolgt die Castration der meisten männlichen Haus-thiere schon im ersten Lebensjahre. Nur das Pferd macht hiervon eine Ausnahme, weil bei ihm die Hoden während des ersten Lebensjahres im Loistenkanal zu liegen pflegen und erst mit dem Ablauf
|
||
|
|
||
|
.
|
||
|
|
||
|
1
|
||
|
|
||
|
534nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
dieses Jahres in den Hodensack herabsteigen, wodurch die Castration wesentlich erleichtert wird. Möglich ist diese jedoch auch hier schon im ersten Lebensjahre und soll man in Amerika bei Traberpferden nicht selten davon Gebrauch machen, um sie früher zu Rennzwecken benutzen zu können. Das Verfahren muss sich alsdann ähnlich der Castrationen inguinaler Cryjjtorchiden gestalten.
Anatomie. Die Hoden, um deren Beseitigung oder Vernichtung ihrer Funetionsfähigkeit es sich bei der Castration handelt, hängen an den Samensträngen im Scrotum; beim Pferde liegen sie hier in horizontaler, bei den übrigen Thieren vielfach in senkrechter Lage.
Das Scrotum besteht von aussen nach innen betrachtet aus folgenden Hüllen;
1.nbsp; nbsp;Der äusseren Haut. Dieselbe ist zart, dünn behaart oder haarlos, beim Pferde schwarz, glänzend; sie zeigt sich sehr dehnbar und bildet eine unmittelbare Portsetzung der allgemeinen Decke. Bei den Wiederkäuern besitzt das Scrotum einen deutlichen Hals; die äussere Haut desselben ist meist hell gefärbt und wenig behaart. Beim Schwein liegt der breite, glatte Hodensack zwischen den Hinterschenkeln, dicht unter dem After, bei den Fleischfressern weiter nach vorn.
2.nbsp; nbsp;Unter der äusseren Haut und zwar fest mit ihr verbunden befindet sich die Tunica dartos (Fleischhaut), welche als eine modificirte, an glatten Muskelfasern, elastischen Elementen und Bindegewebe reiche Sub-cutis zu betrachten ist. Oben steht sie mit der gelben Bauchhaut in Verbindung, während das Septum scroti, eine mediale Fortsetzung der Tunica dartos, die Scrotalhöhle in zwei Abtheilungen trennt (Fig. 125 6).
3. Tunica vaginalis communis (gemeinschaftliche Scheidenhaut, Scheidenfortsatz) (Fig. 125 rf). Eine fibröse Membran, welche als Fortsetzung der Querbauchbinde oder als eine Verstärkung der Insertion des Hodenmuskels (Schmaltz) betrachtel wird; sie steigt aus dem Leistenkanal in den Hodensack herab; ihre äussere Fläche steht durch lockeres Bindegewebe mit der Tunica dartos in Verbindung und wird namentlich an der hinteren und lateralen Seite von M. cremaster externus umgeben, während ihre innere Fläche von dem parietalen Blatte der Tunica vaginalis propria ausgekleidet wird, welche wiederum eine unmittelbare Fortsetzung des parietalen Blattes des Peritoneums darstellt. Die Tunica vaginalis communis hat eine sackförmige Gestalt, ist oben, soweit sie im Leistenkanal liegt, erheblich enger als unten, wo sie den Hoden unmittelbar umgiebt. Während sie etwa 8 cm unterhalb des inneren Bauchringes am engsten ist, erweitert sie sich von da allmählich und erlangt auf diese Weise etwa die Gestalt einer Sanduhr. In dem vom Scheidenfortsatze eingeschlossenen Räume befindet sich der Hode mit dem Samenstrange, beim Pferde in horizontaler llichtung, bei den Wiederkäuern senkrecht, den Schweif des Nebenhodens nach unten gerichtet.
4. Der Samenstrang (Funiculus spermaticus), ein plattes, länglich fächerförmiges Organ (Fig. 125y) ist an seinem unteren, breiteren Ende (Basis) mit dem Hoden verbunden, während das obere bis in die Bauch- und Beckenhöhle reicht. Umschlossen von dem viseeralen Blatte der Tunica vaginalis propria, einer Fortsetzung des viseeralen Peritoneums, besteht der Samenstrang aus folgenden Theilen:
a) aus dem Samenleiter, einem dickwandigen Kanal, bei grossen Thieren
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Castration männlicher Thiere.
|
535
|
||
|
|
|||
|
von der Stärke eines dicken Bindfadens, der eine Fortsetzung des Nebenhodenkanals bezw. den Ausführungsgang des Hodens darstellt und von einer Bauchfellduplicatur umschlossen, am hinteren Rande und an der medialen Fläche des Samenstranges liegt; er dringt durch den Leistenkanal in die Bauchhöhle, um von einer besonderen Bauchfellduplicatur eingeschlossen nach hinten an die obere Fläche der Harnblase zu treten und in den Ausführungsgang der Samenblase zu münden (Fig. 125 e);
b) den Samengefässen. Die am vorderen Rande des Samenstranges in mehr gerader Richtung abwärts laufende Samenarterie wird von den Samenvenen in Gestalt des Plexus pampiniformis umsponnen. Vom inneren Bauchringe laufen die Blutgefässe des Samenstranges, eingeschlossen
Fig. 125.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Soliematische DatSteUlUUt dos Leistonkanals und Scvotums:
11 Hode, JV Ncbenhode, laquo; iiussere Haut, b Tunica davtos, c Bindegewebe, d Tunica vaginalis eom-
munis, e Samenleiter, f Arterie des Samenstranges, y Gekröse desselben.
|
|||
|
|
|||
|
von einer Bauchfellduplicatur, ihren Stämmen zu (hintere Aorta bezw. hintere Hohlvene, Fig. 125/');
c) dem Musculus cremaster interims; er besteht aus glatten Muskelfasern, welche namentlich am Schweif des Nebenhodens stark entwickelt sind und Reste des Hunter'schen Leitbandes bilden.
Der vordere Abschnitt des Samenstranges (vorderes Septum) enthält also die grösseren Blutgefässe, während das hintere Septum arm an Blut-gefässen ist, was für die Castration Beachtung verdient. Das parietale Blatt der Tunica vag. propria, welche wie das parietale Blatt des Perito-neums die übrigen Eingeweide, den Samenstrang umgiebt, springt von der hinteren Wand des Scheidenfortsatzes auf das hintere Septum des Samenstranges über, wodurch der Samenstrang mit dem Hodensack in Verbindung steht.
Der Leistenkanal stellt einen platten, trichterförmigen Raum in
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
536nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
der Bauchdecke dar, welcher oben durch den inneren Bauchring mit der Bauchhöhle, unten durch den ilusseren Bauchring oder Leistenring mit der Scrotalhöhle in Verbindung steht. Der letztere, eine eiförmige Oeffnung zwischen dem medialen und lateralen Sehnenschenkel des ttusseren schiefen Bauchmuskels, bei Pferden von ca. 10 cm Länge, wird durch Ab-ductionsbewegung des gleichzeitigen Hinterschenkels erweitert, namentlich wenn derselbe zugleich nach rückwärts gefühi't wird. Man fühlt den äusseren Bauchring beim Pferde, wenn man mit der Hand an der inneren Schenkelfläche nach oben geht, und kann so die Weite desselben ungemessen beur-theilen, was für die Castration unter Umständen wichtig ist.
Der innere Bauchring besteht aus einem beim Pferde 24 cm langen spaltförmigen Räume zwischen dem hinteren Rande des innen schiefen Bauchnmskels und dem Schenkelbogen; er liegt dicht vor dem Querast des Sehnenbeines, beim Pferde 10 15 cm von der Linea alba entfernt, schräg von hinten und innen nach vorn und aussen; 2 cm medial von seinem hinteren Winkel entfernt verlaufen die hinteren Bauchdeckengeftlsse.
Die Castration kann mit Erhaltung oder mit Entfernung der Hoden erfolgen. Bei der ersteren Methode kommt es darauf an, die Function der Hoden zu vernichten; dass diese nicht die Sicherheit gewährt wie die Castration mit Entfernung der Hoden, versteht sich von selbst. Man zieht daher auch bei den meisten Thierarten und besonders beim Pferde die letztere Art vor. Der Vollständigkeit wegen sollen jedoch die übrigen Castrationsmethoden kurz erwähnt werden.
|
||
|
|
||
|
I. Castration mit Erhaltung der Hoden.
1.nbsp; nbsp;Das Klopfen der Hoden. Eine früher namentlich in Spanien bei Pferden übliche Methode, welche darin bestand, dass man um den Hodensack eine Klammer legte, sodann die Hoden einzeln mit einem hölzernen Hammer eine Zeit lang klopfte. Auf diese Weise rief man eine heftige Entzündung der Hoden hervor, welche mit Degeneration derselben und Vernichtung ihrer Functionsfähigkeit verbunden war. Abgesehen von dem zweifelhaften Erfolge, der noch heute in der Bezeichnung Klopfhengst einen Ausdruck findet, muss diese Methode auch der grossen Schmerzhaftigkeit wegen verworfen werden. Dasselbe gilt von dem Brennen der Hoden, welches darin bestand, dass man dieselben mit glühenden Nadeln wiederholt durchstach.
2.nbsp; nbsp;Das Klopfen des Samenstranges. Um den Hals des Hodensackes wird eine hölzerne Klammer gelegt und auf dieser klopft man die Samenstränge mit einem hölzernen Hammer einige Minuten hindurch. Gelingt die Operation, welche früher vornehmlich bei Kälbern benutzt wurde, so atrophiren die Hoden nach einiger Zeit, was offen-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Castration mit Erhaltung der Hoden.
|
)37
|
||
|
|
|||
|
bar mit einer Thrombosirimg der Samengefässe in Verbindung gebracht werden muss. Die Lappländer sollen diese Zerstörung bei Pferden mit den eigenen Zähnen bewirken, indem sie die Samenstränge und den Hodensack mit den Zähnen bearbeiten und die Samengefässe zermalmen.
Aehnlich wirkte das von Selb old fürFarren und Ziegen empfohlene Verfahren. Eine ca. 20 cm lange, 3 cm breite, mit einer Schraube zum Schliessen versehene, hölzerne Kluppe, wird einige Minuten fest auf den Hodensack und die Samenstränge gelegt. Während der Hodenstock intact bleibt, thrombosiren die Samengefässe in Folge dessen die Hoden, atrophiren, was sich nach Seibold zuweilen schon nach 3 Wochen bemerkbar macht, oft aber erst später (10 Wochen). Beim Schlachten solcher Thiere wurden die Blutgefässe des Samenstranges obturirt gefunden. Das Verfahren wird auch heute wohl noch bei Kälbern angewendet.
3. Die Torsion des Samenstranges, ein in Frankreich beim Rindvieh vielfach angewendetes Castrationsverfahren wird als Bistour-nage bezeichnet. Nachdem der Kopf des Stiers durch kurzes Anbinden befestigt ist, nimmt der Operateur hinter dem Thiere Aufstellung, umfasst mit beiden Händen den Hodensack und sucht zunächst einen Hoden abwärts zu ziehen. Sobald er das Scrotum los-lässt, steigt der Hode wieder in die Höhe; indem das Verfahren jedoch öfter wiederholt ausgeführt wird, erlahmt der Crcmaster externus schliesslich, und der Hoden steigt nicht mehr in die Höhe.
Sobald dieses eingetreten ist, erfasst die linke Hand mit Daumen-, Zeige- und Mittelfinger den Samenstrang dicht über dem Nebenhoden, während die rechte Hand den Hoden so umzustülpen sucht, dass das untere Ende desselben nach oben gerichtet ist. In dieser Stellung wird der Hode mit beiden Händen erfasst, zweimal um seine Längsachse gedreht und dann in den Leistenkanal geschoben. Nachdem mit dem zweiten Hoden ebenso verfahren, legt man dicht unter dem äusseren Bauchringe eine Schnur um das Scrotum, welche die Hoden in dieser Lage 48 Stunden hindurch erhalten soll. Es stellt sich etwas Schwellung ein, welche jedoch bald wieder verschwindet, worauf die Hoden atrophiren. Das ursprüngliche Verfahren, das bei geschickter Ausführung kaum 5 Minuten in Anspruch nahm, ist später wiederholt modificirt worden. So empfahl Morot den Samcnstrang beim Bullen (59mal, beim Widder 912 mal zu umdrehen, sodann den Hoden wieder in seine natürliche Lage herabfallen zu lassen; die Anlegung des Bandes um das Scrotum ist hierbei überflüssig;
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
538nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
auch sollen die Thiere durch das Verfahren sehr wenig leiden, und alsbald wieder auf die Weide geschickt werden können. Dagegen verlangt diese Methode von dem Operateur grössere Anstrengung und Geschicklichkeit.
Huelsen versuchte die Torsion des Samenstranges hei einem 4jährigcn Pferde und machte etwa 15 Umdrehungen. Gleich darauf soll sich eine Hämorrhagie (?) eingestellt haben, welche erst nach zwei Tagen zu stillen war.
4. Die subcutane Unterbindung des Samenstranges, ein Verfahren, das zuerst von Martini für Farren, Widder und Hunde beschrieben wurde. Ich kann dasselbe für Ziegenböcke sehr empfehlen, sofern man mit den Hülfsmitteln der Antisepsis zu operiren im Stande ist, und verfahre dabei wie folgt: Das auf dem Rücken liegende Thier wird von zwei kräftigen Männern an den Beinen festgehalten; am Halse des Scrotums rasirt man die Haare zu beiden Seiten ab und desinficirt die Haut nach den allgemeinen Regeln. Dann drängt man mit dem Zeigefinger und Daumen zunächst einen Samenstrang gegen die laterale Wand des Scrotum und sticht eine etwa 5 cm lange mit einem sterilisirten, nicht zu schwachen Seidenfaden versehene Nadel von vorn nach hinten und zwar medianwärts an dem Samenstrang vorüber durch den Hals des Hodensackes. Dann wird der Faden in eine gleich starke, aber stumpfe Nadel gebracht und durch die Ausstichöffnung zurück in den Hodensack, dann an der lateralen Seite des Samenstranges entlang durch die Einstichöfihung zurückgeführt, so dass derselbe eine Schlinge in dem Samenstrang bildet. Diese zieht man fest zusammen, verknotet, schneidet den Faden kurz ab und lässt den Knoten in den Hodensack gleiten, worauf die kleinen Stichwunden mit etwas Jodoformtannin oder Jodoformcollodium geschlossen werden. Wenn man vorsichtig zu Werke geht, tritt keine Entzündung und Eiterung ein; auch leiden die Thiere wenig unter dem Verfahren. Die Hoden schwellen in den nächsten Tagen etwas an, aber schon nach 34 Wochen, zuweilen etwas später stellt sich eine deutlicbe Atrophie derselben ein, vorauf die Hoden allmählich, aber fast vollständig verschwinden. Nach der Unterbindung tritt Nekrose der Hodensubstanz ein, wie ich mich bei der Section eines Versuchs-thieres überzeugen konnte.
Wenn nicht Asepsis erreicht wird, sondern Eiterung eintritt, dann bleibt in der Regel nur übrig den betreffenden Hoden ganz zu entfernen, weshalb für solche Fälle diese Operation nicht zu empfehlen ist. Für Ziegenböcke, welche bei allen Methoden, die mit Fortnahme
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Castration männlicher Thiere.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;539
der Hoden verbunden sind, mehr leiden als andere Thiere, verdient dieses Verfahren den Vorzug.
Soll die Unterbindung bei Bullen ausgeführt werden, so lässt man den Hinterfuss an der zu operirenden Seite nach vorn ziehen, damit der hinter dem Thier knieende Operateur den Hals des Hodensackes erfassen kann; im übrigen wird wie oben verfahren.
Bei Kälbern und Ziegen wurde von Dentler die subeutane, besser intrascrotale Durchschneiduung des Samenstranges empfohlen, ein Verfahren, das sich jedoch in die Praxis nicht eingeführt hat, weil es häufig mit Blutungen, Eiterungen und anderweitigen schweren Störungen verbunden war.
Dass nicht die Unterbindung des Samenleiters allein den Geschlechtstrieb der Thiere vernichtet, ergiebt sich aus folgendem Versuche. Bei Cryptorchiden findet sich zuweilen der Schweif des Nebenhodens mit einem rudimentären Scheidenfortsatze im Leistenkanal, während der Hode selbst in der Bauchhöhle liegt. In einem solchen Falle unterband ich den ersteren und schnitt ihn ab, während der Hode nicht entfernt wurde. Damit war zwar die Entleerung der Samenflüssigkeit unterbrochen, nicht aber der Geschlechtstrieb, dieser sistirte erst, nachdem bei einer zweiten Operation auch der Hode entfernt war.
|
I
|
||
|
|
|||
|
II. Die Castration mit Entfernung der Hoden
ist heute die gebräuchlichere, namentlich bei Pferden und Rindern; hierbei werden entweder nur die Hoden entfernt, oder man nimmt zugleich den Hodensack fort; das letztere Verfahren wird jedoch fast nur noch von Laien an Kälbern ausgeführt und besteht in der Anlegung einer Ligatur um den Hals des Hodensackes. Man nimmt einen recht starken Bindfaden oder einen Strick, legt denselben in Gestalt einer sog. Castrirschlinge um den Hals des Hodensackes und schnürt diesen recht fest ein. War die Schlinge fest genug, so fällt der Hodensack mit seinem Inhalt nach einigen Tagen ab, anderenfalls muss die Schlinge in den folgenden Tagen angezogen werden, bis das Scrotum in 814 Tagen abfällt. Man hat auch wohl hölzerne oder eiserne Kluppen zu demselben Zwecke um den Hodensack ge-
|
|||
|
|
|||
|
legt. Beide Verfahren verursachen dem Thiere unnütze Schmerzen und werden im allgemeinen nur von Kälbern ertragen, welche aber auch hierbei mehr leiden als nach einer kunstgerechten Castration mit Eröffnung des Hodensackes.
Allerdings ist mit der directen Abtrennung der Hoden ein Bedenken verbunden, nilmlich die Gefahr einer Blutung. Um diese zu-
|
#9632;
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
540nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
verhüten, hat man verschiedene Methoden der Durchtrennung des Samenstranges empfohlen. Dahin gehören:
1.nbsp; nbsp;Das Abreissen der Hoden. Ein Verfahren, welches bei Kälbern, Lämmern und Schweinen wohl angewendet wird und darin besteht, dass man nach Eröffnung des Hodensackes mit dem Messer, den Samenstrang durch einen kräftigen Zug vom Hoden abreisst. Wo zahlreiche Lämmer castrirt werden müssen, z. B. in ßussland, bedient man sich selbst heute noch dieses Verfahrens; auch soll das Abreissen des Samenstranges bei Bullen in Süddeutschland von ge-werbsmässigen Castrirern noch vielfach ausgeführt werden. Wenn aber bei dem Abreissen der centrale Theil des Samenstranges nicht gehörig fixirt wird, so reisst durch den Zug am unteren Ende desselben die Bauchfellduplicatur entzwei, welche in der Bauchhöhle die Samengefässe umgiebt; oder es gleitet der Rest des Samenstranges in die Bauchhöhle zurück und verwächst hier in der Nähe des inneren Bauchringes; beide Zustände können zu Incarcerationen des Darmes Veranlassung geben. Man vergleiche hierüber das Kapitel Ueber-wurfquot; in der speciellen Chirurgie.
2.nbsp; Das Abschaben des Samenstranges wird namentlich bei jungen Thieren, Schweinen, Schafen angewendet und in der Weise ausgeführt, dass man nach Eröffnung der Scheidenhaut den Samenstrang auf den Zeigefinger der linken Hand legt und mit einem stumpfen Messer so lange schabt, bis er durchtrennt ist. Es findet dabei eine allmähliche Zerreissung der Blutgefässe statt, in Folge dessen die Blutung unbedeutend bleibt. Dawson und Hurford wollen das Verfahren auch bei Pferden mit Erfolg benutzt haben, doch wurden nur die Blutgefässe abgeschabt, das hintere Septum des Samenstranges einfach durchschnitten. In einigen Gegenden (Ostpreussen) soll man bei Pferden zuweilen den freigelegten Samenstrang so lange zwischen zwei Steinen klopfen, bis derselbe durchtrennt ist. Auch wird der Samenstrang wohl mit Kupfervitriol bestreut und zwischen den Fingern abgerieben.
3.nbsp; nbsp;Das Abquetschen mit Hülfe des Ecraseurs. In Amerika benutzt man in neuerer Zeit zur Castration der Hengste vielfach den Ecraseur, indem die Kette oder Schlinge desselben um den Samenstrang gelegt und durch Schliessung derselben durchtrennt wird. Neuerdings hat man auch in Deutschland und anderen Ländern (Belgien) vom Ecraseur mehr Gebrauch gemacht.
In ähnlicher Weise wirkt der in England unter dem Namen Emasculatorquot; empfohlene Apparat, dessen Zusammensetzung jedoch
|
||
|
|
||
|
|
|||||||
|
Castration männlicher Thiere.
|
541
|
||||||
|
|
|||||||
|
complicirter ist, wodurch die Reinigung des Instrumentes mit noch grösseren Schwierigkeiten verbunden ist als beim Ecraseur.
4. Das Abdrehen des Samenstranges, Hierbei wird der Samenstrang und zwar nur das vordere Septum so lange um seine
|
:
|
||||||
|
|
|||||||
|
Längsachse gedreht, bis es zerreisst. Nach
|
Fig. 126.
|
||||||
|
Eröffnung der gemeinschaftlichen Scheiden-haut legt man bei Pferden und Rindern eine Zange oder Klammer dicht über dem Körper des Nebenhoden um den Samenstrang, um ihn zu fixiren und mit Hülfe einer zweiten Zange oder einfacher noch mit den Händen das untere Ende mit dem Hoden abzudrehen. Bei Schafen, Schweinen und den Fleischfressern fixirt man den Samenstrang zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand, während die rechte Hand die Torsion bewirkt und zwar in einfacher Weise dadurch, dass man nach Durchschneidung des hinteren Septums mit der Schere den Zeigefinger der rechten Hand dicht über dem Körper des Nebenhodens durch
|
|
||||||
|
|
|||||||
|
Zangon zum Abdrehen der Hoden nach Renault.
|
|||||||
|
|
|||||||
|
Fig. 128.
|
Fig. 129.
|
||||||
|
|
|||||||
|
Fig. 127.
|
|
|
i
|
||||
|
|
|||||||
|
|
|||||||
|
Zunge nach Williams.
|
Zange naeh Tögl.
|
Zange nach Tügl, modillcirt durch Kaiser.
|
|||||
|
|
|||||||
|
Il
|
|||||||
|
|
|||
|
542
|
Allgemeine Operationalehre.
|
||
|
|
|||
|
den Samenstrang stösst, sodann mit diesem Finger kreisförmige Bewegungen ausführt.
Die gebräuchlichste unter den älteren Zangen zum Fixiren des Samenstranges ist die von Tögl (Fig. 128), welche in zwei verschiedenen Grossen für Pferde und Rinder sowie für
|
|||
|
|
|||
|
|
kleinere Thiere angefertigt wird und von Kaiser, Bayer u. a. verschiedentlich modificirt wurde. Ich Hess eine ähnliche Zange herstellen, welche mit längeren Schenkeln versehen und bequem zu arre-tiren ist, so dass man dieselbe recht fest anlegen und während des Abdrehens leichter halten kann. Auch werden vielfach eiserne Klammern (Fig. 132) zu diesem Zwecke verwerthet. In Frankreich sind die Renault'schen Unterbindungszangen meist in Gebrauch (Fig. 126). Auch Williams hat in England eine besondern Zange zu dem Zwecke con-struirt (Fig. 127); in Schweden benutzt man die in Fig. 130 dargestellte Zange.
Bei der Ausführung des Verfahrens kommt es natürlich darauf an, einen sicheren Verschluss der Blutgefüsse des Samenstranges zu erzielen. Dies wird einmal durch kräftige Wirkung der zur Fixi-
|
||
|
|
|||
|
Schwedische Zange zum
Abdrehen des Bamen-
stranges.
|
rung des Samenstranges dienenden Zange erreicht, indem durch dieselbe die Wände der Blutgefässe
|
||
|
fest in einander gepresst werden (Forcipressur), namentlich wenn das Maul der Zange rauh ist; dann aber auch durch die langsame Zerreissung der Gewebe, wobei die Gefässe zuletzt getrennt werden.
Die meisten Zangen (Fig. 129) leiden an dem Fehler, dass sie den Samenstrang ausgebreitet in sich aufnehmen, in Folge dessen fällt die Wirkung der Torsion ungleichmässig aus: indem die am vorderen und hinteren Rande des Samenstranges gelegenen Massen bald abreissen, werden die mittleren Abschnitte desselben von der Dehnung zunilchst weniger betroffen. Die in der Nähe des vorderen Eandes gelegenen Blutgefässe reissen hierbei auch zu früh ab, ziehen sich zurück und geben nun leicht zu Blutungen Anlass. Das kommt namentlich dann häufig vor, wenn man noch eine zweite Zange zum Abdrehen benutzt und mit derselben den Samenstrang zu kurz fasst. Wird der Samenstrang, wie es bei der Tögl'schen Zange der Fall ist, vor dem Abdrehen zusammengerollt, so kommt das nicht so leicht vor; es legen sich alsdann die zerrissenen Theile des Samenstranges vor das Lumen der G-efässe und schliessen dieselben vollständig ein, so dass eine Blutung nicht eintreten kann. Mit der Tögl'schen Zange ist man aber nicht im Stande einen kräftigen Druck auf den Samenstrang auszuüben. Deshalb verdient
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Castration männlicher Thiere.
|
543
|
||
|
|
|||
|
meines Erachtens von den bisher bekannten Torsionszangen die schwedische (Fig. 130) den Vorzug, -welche beide Vortheile mit einander verbindet; sie faltet den Samenstrang wie die Tögl'sche und gestattet zugleich eine energische Druckwirkung auf denselben.
|
|||
|
|
|||
|
Beim Abdrehen selbst gehe man langsam vor, erfasse den Hoden mit den Händen oder einer zweiten Zange, und drehe denselben gleich-massig und langsam bis der Samenstrang abreisst; dazu gehören im Durchschnitt 1520 Umdrehungen; zuweilen allerdings einige mehr. Wird eine zweite Zange zum Abdrehen benutzt, so lege man diese der ersteren, bezw. der Klammer zum Fixiren des Samenstranges nicht zu nahe, sondern bleibe wenigstens 23 cm von derselben entfernt.
Ich empfehle, den Samenstrang nachdem das Nebenhodenband mit der Schere durchschnitten ist etwa 23 cm über dem Körper des Nebenhoden mit der Zange zu fassen und diese recht fest zu schliessen. Dann ergreife man den Hoden mit beiden Händen und drehe den Samenstrang wie oben angegeben ab. Dabei pflegt zunächst der Samenleiter zu zerreissen, während die Blutgefässe, namentlich die Samenarterie bei ihrer grossen Dehnbarkeit zuletzt getrennt werden. Besondere Sorgfalt ist daher bei den letzten Drehungen zu empfehlen; man vermeide namentlich das Gefäsä abzureissen, sondern drehe langsam, bis die Trennung des Samenstranges vollständig ist. Durch Ab-reissen wird die dehnbare Arterie aus dem übrigen Gewebe hervorgezogen, und kann nicht von diesem umgeben und geschlossen werden, wie es zur sicheren Blutstillung erforderlich ist. Sobald die Trennung erfolgt ist, legt man den Hoden fort und lüftet langsam die Zange oder Klammer, wobei darauf zu achten ist, ob sich noch Blutung einstellt. Sollte dies der Fall sein, so schliesst man die Zange von neuem, sucht das blutende Gefäss mit dem Schieber zu fassen und torquirt es recht vorsichtig oder unterbindet dasselbe unter Beachtung der oben erwähnten Massnahmen. Falls der blutende Samenstrang der Zange entschlüpfen sollte, erfasst man ihn mit der rechten Hand, indem man den Processus vaginalis aufsucht und in diesen eindringt. Nach dem Abdrehen sorge man dafür, dass der Samenstrang in die gemeinschaftliche Scheidenhaut zurückgleitet, ziehe das Scrotum zu dem Zweck etwas nach unten. In Amerika und England wird neuerdings der Ecraseur vielfach zur Castration benutzt (S. 4(32).
5. Die Unterbindung. Die Unterbindung des Samenstranges bezw. des vorderen, die grösseren Blutgefässe enthaltenden Septum desselben ist wiederholt von verschiedenen Seiten empfohlen worden. Das Verfahren erscheint auf den ersten Blick auch als das natürlichste, und
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
544nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
doch hat sich dasselbe bei den grösseren Thieren nicht bewährt; selbst diejenigen Operateure, welche sich anfangs für dasselbe aussprachen, haben später die Unterbindung wieder aufgegeben.
Zum Zwecke der Unterbindung wird der Samenstrang freigelegt, sein hinteres Septum mit der Schere durchschnitten, und nachdem das vordere mit einem reinen Bindfaden oder besser mit Seide, Catgut oder der elastischen Ligatur unterbunden ist, schneidet man den Samenstrang 1 cm unterhalb der Ligatur ab. Andere durchstechen den Samenstrang, unterbinden das vordere Septum und durchschneiden dann den ganzen Samenstrang.
Lafosse empfahl die isolirte Unterbindung der Samenarterie. Er legte den Samenstrang ausgebreitet auf den Zeigefinger der linken Hand und suchte mit dem Daumen die Arterie auf, welche sich im vorderen Septum als ein bindfadenstarker Strang und durch ihre Pulsation bemerkbar macht. 35 cm über dem Hoden wird alsdann mit Hülfe einer Nadel das Gefäss eingestochen und unterbunden, worauf man den Samenstrang 3 cm unterhalb abschnitt.
ß. Von Lafosse wurde ferner empfohlen den Samenstrang einfach abzuschneiden. Die Versuche, welche von ihm, Barthelemy, Goubaux, Hering u. a. angestellt wurden, haben ergeben, dass man unter Umständen auch bei grösseren Thieren (Pferden) dieses Verfahren, ohne dass Verblutung eintritt, anwenden kann, keineswegs aber geht aus diesen Versuchen hervor, dass man gegen einen derartigen Ausgang gesichert ist. In manchen Fällen traten bei Pferden bedeutende Blutungen ein, die zwar nicht zum Tode führten, immerhin aber eine erhebliche Schwächung des Thieres zur Folge hatten. Ein Pferd verlor 13,5 kg Blut.
7. Das Durchbrennen des Samenstranges bildet eine der ältesten Castrationsmethoden, welche auch in neuerer Zeit bei Pferden und Rindern noch vielfach angewendet wird. Man benutzt dazu ein beii-förmiges Brenneisen, welches mit einem recht starken, etwa 1,52 cm breiten Rücken versehen ist, damit es sich längere Zeit heiss erhält, und der Rücken des Brennkolbons ebenfalls benutzt werden kann. Der wie oben beschriebene freigelegte Samenstrang wird dicht über dem Schweif des Nebenhodens in eine breite, eiserne (Fig. 131) oder hölzerne (Fig. 133) Kluppe gelegt, welche zugleich dazu dient, die übrigen Theile gegen die Hitze zu schützen. Etwa 2 cm unterhalb der Kluppe brennt man zunächst den Samenstrang mit der Schneide des roth-glühenden Brennkolbens durch; sodann wird der Stumpf des Samenstranges mit dem Rücken des Eisens wiederholt und so lange berührt.
|
||
|
|
||
|
|
|||||
|
Castration männlicher Thiere.
|
545
|
||||
|
|
|||||
|
bis nach vorsichtigem Lüften der Klammer keine Blutung mehr auftritt. Um das Verkleben des Sainenstranges mit dem Brennkolben zu verhindern, empfiehlt sich, den Stumpf mit etwas Oel zu begiessen, und dann das; Brennen fortzusetzen. Auch hat man wohl empfohlen, den Stumpf des durchbrannten Samenstranges mit Eisenvitriol zu bestreuen, wonach das Brennen fortgesetzt wird.
8. Die Castration mit Kluppen, das in Deutschland für Pferde, Rinder und ältere Schweine am meisten angewendete Operationsverfahren, zerftlllt in zwei Methoden:
|
|||||
|
|
|||||
|
Flg, 181,
|
Vig. 182.
|
Fig. 181
|
|||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
Eisernenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Hölzcmc
Klapperaquo; zum Abtrennen des Samenstranges,
|
|||||
|
|
|||||
|
a)nbsp; nbsp;die Castration mit blossgelegten Hoden (Castration ä testicule decouvert);
b)nbsp; nbsp; die Castration mit bedeckten Hoden (Castration a testicule convert).
a) Bei der ersteren Methode wird am Grunde des Hodensackes, parallel zur Mittellinie ein langer Schnitt durch die äussere Haut, die Tunica dartos und den Processus vaginalis geführt, und so der 'Hoden mit dem Samenstrange freigelegt. Alsdann wird der Samenstrang gut ausgebreitet in eine Kluppe, d. h. ein paar Hölzer von 1520 cm Länge gebracht, welche an einem Ende mittelst eines Bindfadens verbunden sind. Nachdem auch das andere Ende mit einer besonders dazu construirten Zange, Kluppenzange (Fig. 138) oder Kluppenschraubo (Fig. 136187) fest zusammen gesperrt ist, bindet man auch dieses Ende der Kluppe mit Möller, Allgemeine Olilntrgle für Thlertlrzte,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;35
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||||
|
546
|
Allgemeine Operationslehre.
|
|||
|
|
||||
|
einem Bindfaden möglichst fest zusammen. Nach 24 Stunden kann die Kluppe wieder abgenommen werden, doch liisst man sie häufig 28 Tage und selbst noch länger liegen.
Fig. 184,
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
Fig. 135.
|
Hölzerne Gutrationskluppe. Fig. 136,
|
Fig. 137.
|
||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
Klnpponsohranben,
|
||||
|
|
||||
|
Die Kluppen sollen aus einem mögliclist festen, zähen aber leichten Holz gefertigt werden; in Deutschland wählt man hierzu mit Vorliebe Eschen, Weissbuchen oder Birken; ich benutze neuerdings vielfach Hickoryholz, das sich bei geringem Gewicht durch grosse Zähigkeit
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Castration männlichev Thiere.
|
.r)47
|
||
|
|
|||
|
auszeichnet. Viele Praktiker benutzen kreisrunde Kluppen, so dass jedes Stück derselben auf dem Querschnitt einen Halbkreis bildet. Gerlach verwendete jedoch solche die auf die hohe Kante gearbeitet waren' (Fig. 134) d. h. deren Berührungsflächen (Klemmflächen) kleiner sind als ihr senkrecht durch diese Flg. 188. gehender Durchmesser. Sie verdienen auch nach meinen Erfahrungen insofern den Vorzug, als sie bei geringerer Schwere eine kräftigere Druckwirkung ermöglichen als kreis- fio runde Kluppen, zumal die Klemmfläche derselben kleiner ausfällt. Diese, mit einer rinnenförmigen Vertiefung versehen, wird vielfach mit einer Aetzpaste aus Kupfervitriol, rothem Präcipitat oder Sublimat und Mehlkleister bestehend, bestrichen, und die Kinne vollständig ausgefüllt. Man beabsichtigt damit eine vollständige Nekrotisirung des von der Kluppe eingeschlossenen Abschnittes des Samenstranges; wichtiger scheint jedoch die Imprügnirung desselben mit einem Des-infectionsmittel, welches Zersetzungsprocesse in dem nekro-tisirten Stücke des Samenstranges und Infectionen der Umgebung verhütet.
Ich benutze zu dem Zwecke eine concentrirte Lösung von Sublimat in Mucilago Gummi arabici, welche man entweder 23 mal wiederholt direct auf die Klemmfläche der Kluppe streicht, oder mau legt nach Schlampp zunächst einen Gazestreifeu auf die Kluppe und tränkt diesen mit der Ktoppw Sublimatlösung, worauf derselbe nach dem Eintrocknen der Lösung an der Kluppe festklebt. Das letztere Verfahren gewährt noch den Vortheil, dass die Abnahme der Kluppen erleichtert wird.
Die Rinne an der Klemmfläehe der Kluppen dürfte wahrscheinlich zuerst in der Absicht angebracht sein, das Abfallen der Kluppe zu verhindern, eine Wirkung, die ihr ohne Zweifel auch zukommt; andererseits eignet sich dieselbe zugleich zur Aufnahmo eines üesinf'ectionsmittcls und erhöht die Druckwirkung, indem die Klemmfläehe derKluppe verkleinert wird.
Zum Schliessen der Kluppen hat man verschiedene Zangen und Schrauben construirt (Fig. 135137), in hiesiger Klinik ist die in Fig. 138 dargestellte in Gebrauch. Wo bei der Castration mit Kluppen kein zuverlilssiger Gehülfe zur Stelle ist, um die Klupponzange zu halten, während der Operateur die Kluppe zusammenbindet, ist eine Arretirungsvorrichtung an der Zange erwünscht: dasselbe Instrument kann auch als eiserne Bremse benutzt werden. Auch die Kluppenschrauben (Fig. 135VM) sollen den Operateur in die Möglichkeit versetzen, ohne Gehülfen zu arbeiten. Die in Fig. 137 dargestellte geschlossene Kluppenschraube hat den Nachtheil, dass mit dem Anlegen derselben grössere Schwierigkeiten verbunden sind als bei Anwendung der offenen (Fig. 136); an letzterer aber muss das Seitenstück recht
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
r,^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
stark gebaut sein, wenn es den Zug der Schraube aushalten soll. Die hier abgebildete ist zu schwach, während die in Fig. 135 dargestellte, nach meinen Angaben verfertigt den Vorzug verdient; sie besitzt die nothige Widerstandsfähigkeit und lilsst sich leicht appliciren.
b) Bei der Castration mit bedecktem Hoden bezw. Samenstrang wird der Hautschnitt in derselben Weise ausgeführt, und zugleich die Tunica dartos durchschnitten; sodann trennt man mit leichten Schnitten das letztere mit dem Processus vaginalis verbindende lockere Bindegewebe, bis die gemeinschaftliche Scheidenhaut, durch ihre bläuliche Farbe gekennzeichnet, zu Tage tritt. Nunmehr wird mit dem Finger das lockere Bindegewebe, welches die gemeinschaftliche Scheidenhaut mit ihrer Umgebung verbindet, abgetrennt, bis der Hoden mit dem Sainenstrango soweit frei liegt, dass man oberhalb des Nebenhoden eine Kluppe auf den Processus vaginalis bringen kann, welche im übrigen wie oben beschrieben angelegt und befestigt wird. Darauf schneidet man den Hoden mit dem unteren Ende der gemeinschaftlichen Scheidenhaut mittelst einer Schere ab. Die Kluppe bleibt hierbei wenigstens 4S Stunden liegen; ich lasse sie erst am 3.5. Tage nach der Operation abnehmen (S. 555).
1. Die Castration der Hengste.
Aus den oben bereits angegebenen Gründen empfiehlt sich bei Pferden das 2. Lebensjahr für die Operation, welche in dieser Zeit am günstigsten verläuft; auch leiden jüngere Tlnere dabei weniger als ältere; im übrigen können Hengste jeden Alters ohne besondere Gefahr castrirt werden, sobald an den Geschlechtsorganen keine krank-hiiften Zustände bestehen.
Vor der Operation untersuche man das Scrotum auf die Gegenwart eines Bruches, achte namentlich auf die Stärke des Samenstranges und die Weite des äusseren Bauchringes.
Fohlen lässt man am Tage der Castration das Morgenfutter entziehen, ältere, unruhige und namentlich heftige Hengste einige Tage vorher knapp im Futter halten, aber regelmässig arbeiten. Bei Rennpferden empfiehlt sich die Castration, wenn sie aussei- Condition sind; unmittelbar von der Rennbahn kommend, besitzen dieselben gewaltige Muskelkraft, so dass während der Operation leicht Knochenbrüche entstehen. Man hat zwar, namentlich in Amerika Pferde im Stehen castrirt, aber jedenfalls nicht im Interesse der kunstgerechten Ausführung der Operation, wie selbst von Anhängern der Methode zugegeben wird (Sali-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Castration der Hongsto.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;549
nier). Leicht gelingt dieses bei Fohlen und ruhigen, kaltblütigen Thieren, die man jedoch auch ohne grosse Gefahr niederlegen kann. Meines Wissens castrirte zuerst Joyeux am stehenden Pferde; später wurde die Methode nach dem Vorbilde des iimcrikanischen Castrirers Miles in Amerika geübt, und neuerdings von Sal inier, Cagny u.a. empfohlen. Joyeux operirt von der rechten. Miles von der linken Seite, beide mit Kluppen, ersterer mit bedeckten, letzterer mit ent-hlössten Hoden.
Nach Joyeux wird das Pferd mit einer starken Halfter kurz und fest angebunden, geblendet und gebremst. Nachdem die Hinterfüsse gespannt sind, nimmt der Operateur an der rechten Flanke des Pferdes Aufstellung. Das Gesicht gegen diese gewendet, die linke Schulter etwas gesenkt, ergreift er den Hodensack und sucht die Hoden einzeln nach unten gegen den Grund desScrotums zu drängen, indem er mit der linken Hand (den kleinen Finger nach oben) den Samenstrang von vorn umfasst. Sobald dieser fest in der Hand liegt, werden die Hüllen des Hodensackes von vorn nach hinten und zwar in mehreren Tempos durchschnitten, wobei man den eigenen linken Daumen zu schonen sucht. Nach Durchtrennung der ilusseren Haut und der Tunica dartos soll der Testikel herabsinken, worauf der Operateur mit der rechten Hand die genannten Hilute vom Processus vaginalis abstösst, bis es gelingt durch den an der linken Seite des Pferdes stehenden Gehülfen die Kluppe von hinten her auf den Samenstrang schieben zu lassen. Sobald dies geschehen, ergreift der Operateur das vordere Ende der Kluppe, legt die Kluppenzange oder Schraube an, worauf der Gehülfe den Bindfaden um die Kluppe schlingt und anzieht. Hierauf überlilsst der Operateur die Klnppen-zange dem Gehülfen, er selbst verknotet den Bindfaden. Die Kluppenzange muss während der Operation gegen den Bauch und nach hinten gehalten werden, um Zerrungen des Samenstranges zu vermeiden. Nachdem der Hodo abgeschnitten ist, wird der linke in derselben Weise entfernt.
Salinier operirt ebenfalls mittelst Aetzkluppen, legt zuerst eine Binde um den Hals des Hodensackes; wilhrend der Operateur die Hoden nach unten drangt, wird die Binde von dem Gehülfen applicirt und zusammengeschnürt; je fester dieselbe angezogen wird, desto ruhiger soll sich das Pferd bei der Operation verhalten.
Blanleuil und Mesnard (Jahrb. 1889) castriren ebenfalls am stehenden Pferde und zwar mit bedecktem Samenstrange. Bei unruhigen Pferden werden Morphiuimnjectionen oder Aether angewendet. Trasbot spricht sich jedoch gegen die Castration am stehenden Pferde aus.
Miles castrirt Fohlen von der linken Seite, indem das Thiel' kurz angebunden mit der rechten Seite gegen eine Wand gestellt und au der linken Seite in der Höhe der Unterschenkel ein Lntirbaum gehalten wird, damit das Thier den Operateur durch Schlagen nicht verletzen kann. Die Kluppen werden über den unbedeckten Samenstrang gelegt und statt des Bindfadens mit einem ledernen Ring befestigt, welchen man auf das conische Ende der Kluppe schiebt.
Auch in England findet neuerdings vielfach die Castration am stehenden Pferde statt. Griffith beschreibt das Verfahren wie folgt: Ein Gehülfe stellt sich links neben dem Pferde auf; seine rechte Schulter gegen die linke des Thieres gelehnt, hillt derselbe das mit Halfter und Bremse versehene
|
||
|
|
||
|
|
||
|
550nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslelire.
Pferd; ein zweiter Geliülfo wird mit den erforderlichen Instrumenten versehen. Der Operateur, ebenfalls an der linken Seite des Pferdes stehend, lilsst seine linke Hand am Hauche des Thieres entlang bis zum Hodensack gleiten, ergreift zunüchst den rechten Hoden und zieht denselben auf den Grund des Scrotums, welches nunmehr mit der rechten Hand durch einen von vorn nach hinten geführten Schnitt geöffnet wird. Sofort erfasst die linke Hand den hervorgetretenen Hoden und zieht ihn abwärts, während die rechte Hand die geöffnete Kluppe zwischen beide Hinterbeine hindurch von hinten nach vorn über den Samenstrang schiebt. Darauf erfasst die linke Hand die freien Enden der Kluppe und drückt dieselbe zusammen. Nachdem mit der rechten Hand festgestellt ist, dass nur der Samenstrang und nicht zugleich Theile des Hodensackes in der Kluppe liegen, erfasst dieselbe nunmehr die Kluppenzange, um die Kluppe fest zusammen zu pressen. Darauf wird über das vordere Ende der Kluppe eine Ligatur gelegt und der Hode abgeschnitten, worauf man in derselben Weise mit dem linken Hoden verfahrt, (xriff'ith will auf diese Weise in einem Sommer 140 Pferde im Alter von 112 Jahren ohne bemerkenswerthe Zufälle castrirt haben.
In Deutschland ist es bisher allgemein üblicli, die Pferde zum Zwecke der Castration auf die linke Seite zu legen, so dass die Füsse und das Hinfcertlieil etwas höher liegen als der Rumpf. Der rechte Hinterfüss wird sodann ausgebunden, nach vorn gezogen und etwas abduoirt. Man vermeide sowohl den Fuss zu weit nach vorn zu führen quot; (der Huf darf höchstens bis zum Ellenbogen des gleichseitigen Vorder-fusses gelangen); auch empfiehlt sich, den ausgebundenen Fuss nicht zu befestigen, damit heftige Streckbewegungen mit demselben nicht auf grösseren Widerstand stossen und Schenkelbrüche veranlassen. Es empfiehlt sich vielmehr, den ausgebundenen Fuss mit einem um Fessel und Huf geschlungenen Strick in Beugestellung (Plantarflexion) halten zu lassen.
Die Castration in der Kückeniage, welche früher wohl empfohlen wurde, bietet keine nennenswerthen Vortheile: vielleicht den, dass ein Darmvorfall nicht so leicht eintreten kann. Bei sorgsamer Untersuchung vor der Operation ist man gegen einen solchen jedoch auch in der Seitenlage des Pferdes gesichert. Dagegen verlangt die Rückenlage eine grössere Zahl gewandter und zuverlässiger Gehülfen.
Bei englischen Vollblutpferden mit starkem Kücken und heftigem Temperamente lasse ich Chloroformnarkose anwenden, urn die besonders beim Zusammenpressen der Kluppen leicht auftretenden Wirbelbrüche zu vermeiden; seitdem ich dieses Verfahren beachte, ist mir eine Wirbelfractur hierbei nicht mehr vorgekommen. Röder will durch Einspritzungen von Coeain in die Subcutis des Scrotums selbst beim Anlegen der Kluppen Anästhesie erreicht haben.
a) Castration mit unbedecktem Hoden (C. h testicule decouvert). Der Operateur kniet hinter dem Pferde, und nachdem er sich nochmals von der normalen Beschaffenheit der Samenstränge und der
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Castration der Hengste.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;551
iiusseren Bauchringe durch Palpation überzeugt hat, wird der Hoden-sack und seine Umgebung abgeseift, event, mit Sublimatwasser abgewaschen. Darauf sucht man zunächst den linken Hoden so zu erfassen, dass die linke Hand von vorn nach hinten um den linken Samenstrang greift. Zur Ausführung dieses Griffes wird zunächst die geöffnete rechte Hand zwischen Hoden und linke Schenkelfläche geschoben, worauf die linke Hand von vorn her den Samenstrang zu umfassen und den Hoden auf den Grund des Scrotums zu drängen sucht. Man erkennt dieses daran, dass die Raphe scroti parallel zum Hoden an der medialen Seite derselben liegt. Um bei jungen Fohlen die Hoden leichter erfassen zu können, wurde vorgeschlagen, am stehenden Thiere eine Ligatur um das Scrotum zu legen. Man achte ferner darauf, dass das Scrotum auf dem Hoden straff angespannt ist. Mit einem geballten, scharfen Messer wird sodann ein recht langer Schnitt in der Längsrichtung des Hodens geführt, welcher sich je nach dem eingeschlagenen Verfahren verschieden gestaltet. Soll mit unbedeckter Schoidenhaut operirt werden, so werden alle drei Membranen mit einem schnellen Schnitt getrennt; dabei kann der Hoden selbst ohne Bedenken verletzt werden.
Andere führen den ersten Schnitt durch die äussere Haut und Tunica dartos, einen zweiten durch die geineinschaftliche Scheidenhaut. Auf diese Modificationen kommt es nicht an, wohl aber darauf, dass die Trennung in allen drei Membranen möglichst gross ausfällt, damit während des Heilungsvorganges das Wundsecret recht günstigen Abfluss findet. Bei der aseptischen Castration sollen dagegen die Schnitte klein ausfallen (S. 560); hier aber muss der Hoden gleichsam aus dem Hodensack hervorstürzen, auf keinen Fall darf derselbe durch die Schnittöffnung hindurch gequetscht werden.
Hierauf legt der Operateur das Messer bei Seite, erfasst den blossgelegten Hoden mit der rechten Hand und geht mit derselben etwas nach vorn, während die linke den Hodensack mit dem Processus vaginalis zurückschiebt. In der Regel ziehen die Thiere in diesem Momente mit dem Cremaster den Hoden kräftig nach oben; man warte daher einige Augenblicke und übe sodann einen kräftigen aber gleich-massigen Zug auf den Hoden aus, um denselben soweit hervorzuziehen, dass die Kluppe oberhalb des Schweifes vom Nebenhoden angelegt werden kann. Zu dem Zwecke muss mit der linken Hand der Hodensack nach oben geschoben werden, ohne jedoch weitere Abschnitte des Samenstrangcs bloss zu legen. Gegen andauerndes Aufwärtsziehen des Hodens durch den Cremaster wirkt ein Schlag auf die
|
||
|
|
||
|
lamp;
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
552
|
Allgemeine Operationalehre.
|
||
|
|
|||
|
Nase dos Pferdes; auch gelingt das Vorziehen des Hodens bald nachdem sich das Thier in den Fesseln gesträubt hat.
Der Operateur erfft881 alsdann die nach dem Alter und der Schwere des Pferdes ausgewählte Kluppe mit der linken Hand und schiebt dieselbe von vorn nach hinten auf den gehörig ausgebreiteten Samenstrang, so dass die Kluppe (das Pferd stehend gedacht) horizontal und wenigstens über dem Schweif des Nebenhodens liegt; bei längerem Samenstrange lege man dieselbe noch höher. Beim Anlegen der Kluppe kommt es weiter darauf an, dass man dieselbe soweit als möglich über den Samenstrang schiebt.
Hierauf werden die beiden Hälften der Kluppe durch einen leichten Druck der Finger der linken Hand zusammengepresst, so dass der Samenstrang nunmehr von der Kluppe fixirt wird. Man lässt sodann den Hoden los und unifasst mit der freigewordenen rechten Hand das hintere Ende der Kluppe, nähert durch einen massigen Druck die Hälften derselben einander und legt nun die Kluppenschraube an, oder lässt durch einen Gehülfen die Kluppenzange appliciren. Während der Wirkung des einen oder anderen dieser Instrumente werden die Thiere in der Regel unruhig und sträuben sich, sofern nicht Narkose angewendet war. um die hierbei leicht auftretenden Zerrungen zu vermeiden, lässt man während der Wirkung der Kluppenzange bezw. Schraube die Bremse fester anziehen und drückt die Kluppe gegen den Bauch des Thieres. Schon beim Anlegen der Kluppe muss man darauf sehen, dass nicht Theile des Hodensackes von derselben erfasst werden; auf jeden Fall aber untersucht man dieselbe nochmals, bevor das hintere Ende der Kluppe durch einen starken Bindfaden zusammengebunden wird. Auch achte man darauf, dass das hintere Septum des Samenstranges nicht über das hintere Ende der Klemmfläche der Kluppe hinausragt. Wenn beides nicht der Fall ist, wird mittelst einer Oastrirschlinge die Kluppe befestigt, wobei besonderes Gewicht darauf zu legen ist, dass die doppelte Schlinge recht fest angezogen wird. Nunmehr durchschneidet man den Samenstrang 1 2 cm unterhalb der Kluppe mit der Schere, wobei der Schweif des Nebenhodens am Samenstrange zurückbleibt; diesen pflegt man wohl mit der Schere an zwei oder drei Stellen einzuschneiden, was jedoch ohne besondere Bedeutung ist.
Nachdem der rechte Hoden in gleicher Weise entfernt ist, wobei die bereits angelegte Kluppe nicht verschoben, und auf diese Weise der linke Samenstrang vor Zerrungen bewahrt bleiben muss, tupft man das abgeflossene Blut von der Wunde und der Innenfläche des linken
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Castration der Hengste.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;56it
Schenkels ab, schiebt die Kluppen so über einander, dass sich ihre hinteren Enden kreuzen, und die straffer angespannt erscheinende Kluppe unten (ventral) liegt, zieht den Schlauch etwas vor, bepudert die unter den Kluppen frei liegenden Stümpfe des Samenstranges mit Jodoform und lässt das Pferd aufstehen.
Früher pflegte man vor Anlegung der Kluppe das Nebenhodenband zu durchschneiden, was aber nicht zu empfehlen ist, weil dann die Kluppe nur allein am vorderen Septum des Samenstranges hängt, welcher leicht gedehnt wird, in Folge dessen die Kluppe sich senkt, während dieselbe nach der beschriebenen Methode zugleich vom Cremaster und einem Theil der gemeinschaftlichen Scbeidenhaut getragen wird.
Man liisst das operirte Pferd in einen ruhigen, reinen Stall mit guter Luft stellen, hoch anbinden, um das Niederlegen zu verhindern und leicht verdauliches Futter verabreichen. Die Mehrzahl der Ope-rirten nimmt alsbald etwas Heu, wodurch die Aufmerksamkeit von der Operationsstelle abgelenkt und Unruhe verhütet wird. Sollte das Thier heftig drängen, d. h. die Bauchpresse wirken lassen, so muss eine Wache aufgestellt werden, die durch Anrufen und leichte Schlüge mit einer Peitsche dieses zu verhindern sucht.
Zeigen sich die Samenstränge bei der Castration sehr lang, so lege man die Kluppen recht hoch an. Als Grundsatz gilt, die Kluppen so hoch als möglich anzulegen, ohne jedoch eine gewaltsame Dehnung der Samenstränge herbeizuführen. Unter keinen Umständen dürfen die Kluppen nach der Castration so weit herabhängen, dass Theile der Samenstränge oberhalb derselben sichtbar werden, weil auf diese Weise Infectionen des Samenstranges begünstigt werden, die nicht allein Nachkrankheiten (Samenstrangfisteln), sondern auch schwere entzündliche Processe im Gefolge haben. Bei schlaffen Thieren tritt dies leichter ein, daher wähle man hier recht leichte Kluppen, lege sie hoch an und lasse dieselben mittelst einer durch die Wundränder des Hodensackes gezogenen Heftfadens tragen. Ueber die Abnahme der Kluppen soll weiter unten das Nähere mitgetheilt werden.
b) Zur Castration mit bedeckten Hoden (C. ä testicule convert) werden die Thiere in gleicher Weise vorbereitet und niedergelegt. Auch erfasst man ebenso, wie oben beschrieben zuerst den linken (unteren) Hoden bezw. Samenstrang, wobei jedoch besonders zu beachten ist, dass das Scrotum straff angespannt auf dem Hoden liegt. Der Schnitt wird hier ebenfalls recht lang, jedoch nur durch die äussere Haut und Tunica dartos bis in das lockere Bindegewebe
|
||
|
|
||
|
ifi.
|
||
|
|
||
|
554nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
gelegt, welches sich zwischen letzterer und der gemeinschaftlichen Scheidenhaut befindet. Erliebliches Klaffen der Wundränder beweist, dass der Schnitt bis dahin reicht. Nun wird mit leichten Präparir-schnitten in der Längsrichtung des Hodens dieses Bindegewebe bis auf die gemeinschaftliche Scheidenhaut getrennt, welche sich durch ihre graublaue Farbe zu erkennen giebt. Nachdem hierauf das Messer abgegeben ist, erfassfc der Operateur mit der rechten Hand, den Daumen nach oben, den Hoden und sucht mit der linken Hand die Tunica dartos von der gemeinschaftlichen Scheidenhaut so weit abzustossen, dass über dem Körper des Nebenhoden eine Kluppe auf den Samenstrang und die Scheidenhaut gelegt werden kann. Bevor er diese anlegt, überzeugt er sich nochmals durch Betasten des Processus, dass sich nur allein der Samenstrang in demselben befindet. Das Anlegen der Kluppe, die etwas grosser sein inuss als bei der Castration mit unbedeckter Scheidenhaut, erfolgt im übrigen, wie oben beschrieben. Man achte darauf, dass der Samenstrang gut ausgebreitet und vollständig von der Innenfläche der Kluppe erfasst wird. Nach sorgfältigem Verschnüren der Kluppe wird der Hode mit dem Grunde des Processes mittelst der Schere abgeschnitten. In gleicher Weise wird hierauf der zweite Hode entfernt, die Umgebung von Blut gereinigt, die Kluppen wie oben beschrieben zurecht gelegt und der Schlauch hervorgezogen. Sodann lässt man das Pferd aufstehen und behandelt es wie bei der Castration mit unbedeckten Hoden.
Eine Modification dieser Methode, welche Degive neuerdings eingeführt hat, hesteht darin, dass man den Hoden zwar von der Scheidenhaut entblösst, beim Anlegen der Kluppe jedoch das untere Ende der Scheidenhaut zu fassen sucht, um es in die Kluppe zu legen. Nachdem wie oben beschrieben der Processus vaginalis freigelegt ist, erfasst man mit der rechten Hand den Hoden und bewegt ihn langsam nach unten, in Folge dessen sich die iiussere Haut und Tunica dartos zurückziehen und ein Abschnitt des Processus vaginalis frei wird. Darauf umf'asst die linke. Hand von neuem den Samenstrang, während die rechte den Grund der Scheidenhaut soweit spaltet, dass sich der Hoden soeben hindurchpressen lässt. Hierdurch entsteht am Grunde des Processus vorn und hinten je ein Blindsack; in den hinteren derselben schiebt der Operateur alsbald den Zeigefinger der linken Hand, in den vorderen den Daumen der rechten und zieht mit dem Samenstrang zugleich die Scheidenhaut hervor, worauf ein Gehülfe die Kluppe von vorn nach hinten dicht über dem Nebenhoden auf den Samenstrang und die Scheidenhaut legt, die Enden derselben zusammendrückt und die Kluppe dann dem Operateur übergiebt, welcher dieselbe festbindet und den Samenstrang 2 cm unterhalb der Kluppe durchschneidet.
Es handelt sich hierbei also um einen Mittelweg zwischen der Castration mit bedockten und unbedeckten Hoden, um eine Castration mit unbedecktem Hoden aber bedeckter Scheidenhaut (Castration a cordon couvert).
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Castration der Hengste.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;555
Ich habe diese Methode wiederholt angewendet; sie vorlangt einige Uebung, weil die Scheidenhaut dem Operateur leicht entschlüpft und das Wieder-l'asson und Hervorziehen auf Schwierigkeiten stösst. Lässt sich dies auch durch Anlegung von ein paar Schieberpincetten oder arretirbarer Zangen verhindern, und so die Operation erleichtern, so Mit gegen dieselbe noch der Umstand ins Gewicht, dass ein geübter Gehülfe zur Ausführung derselben erforderlich ist. Vor der Castration mit bedeckten Hoden hat sie aber nur voraus, dass auch bei grösserer Kürze des Prooessus vaginalis nicht so leicht eine Dehnung desselben zu Stande kommt. Eei illteren Hengsten, bei denen ich die Castration mit bedeckten Hoden bezw. Samenstrange mit Vorliehe benütze, zeigt sich der Processus jedoch regelmässig so lang, dass die Kluppe bequem angelegt werden kann.
Kaum minder wichtig als das Anlegen ist das Abnehmen der Kluppen. Bei Castration mit unbedeckter Scheidenliaut pflegt man die Kluppen 24 Stunden nach der Castration abzunehmen; in manchen Gegenden noch früher; bereits 56 Stunden nach der Operation kann die Abnahme ohne besondere Gefahr erfolgen, namentlich bei jungen Thieren. Bei Castration mit bedeckter Scheidenliaut lässt man die Kluppen für gewöhnlich erst nach 48 Stunden abnehmen; ich ziehe es mit Degive jedoch vor, die Kluppen hier 85 Tage liegen zu lassen und habe gefunden, dass die örtlichen Erscheinungen alsdann schwächer auftreten, auch das Fieber seltener und weniger heftig erscheint, als wenn die Kluppen 24 48 Stunden nach der Operation entfernt werden. Dies erklärt sich theils aus dem Umstände, dass die nekrotisirten Stumpfe der Samenstränge nicht so leicht in die Höhe steigen und das Wundsecret in die oberen Abschnitte des Processus vaginalis verschleppen, wenn die Kluppen mehrere Tage gelegen haben; dann aber kommt in Betracht, dass die Wundränder nach drei Tagen bereits plastisch infiltrirt, daher zur Vermittelung von lufectionen weniger geeignet sind als nach 24 Stunden. Bei der Abnahme der Kluppen lässt sich aber bei aller Vorsicht nicht vermeiden, dass Zustände geschaffen werden, die der Resorption des Wundsecrets günstig sind. Man beobachtet daher auch regelmässig, dass erst mit der Abnalime der Kluppen entzündliche Anschwellung bezw. Fieber eintritt. Natürlich wird man die Kluppen nur dann länger liegen lassen, wenn sie gut liegen, anderenfalls, namentlich wo die Kluppen herunterhängen, müssen sie möglichst bald abgenommen werden. Die Abnahme der Kluppen lasse ich in folgender Weise bewirken:
Im Stande selbst wird ein Vorderfuss des Pferdes aufgehoben, welches mit einer Trense bekleidet und am Kopfe gehalten wird; man suche zunächst ohne Bremse fertig zu werden; sollte das nicht gelingen, so wird dieselbe dem Pferde aufgesetzt. Mit einem starken
|
||
|
|
||
|
iü
|
||
|
|
||
|
55tinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Opei-iitionslehre.
und reinen Taschenmesser versehen tritt der Operateur an die linke Seite des Pferdes, die linke Hand auf die Lende des Thieres gestützt, und sucht mit einer krummen Schere den unter der Kluppe liegenden Stumpf des Samenstranges abzuschneiden. Dann wird mit der rechten Hand, der Daumen gegen das vordere Ende der Kluppe gelegt, das Messer zwischen die beiden Kluppenschenkel geschoben und der Bindfaden durchschnitten. Sobald dies geschehen, wendet man das Messer zwischen den beiden Kluppenschenkeln, wodurch dieselben aus einander gedrängt werden. Nachdem hierauf das Messer abgegeben, erfasst der Operateur das vordere Ende der Kluppe mit beiden Händen und bewegt die beiden Hölzer langsam aber soweit nur möglich aus einander. Dabei bleibt der Sainenstrang in der Regel an einem der beiden Kluppen-schenkel kleben, der dadurch von demselben abgelöst wird, dass man mit dem Daumen von vorn nach hinten durch die Rinne an der betrettenden Kluppenhälfte streicht. Die nun frei gewordene Kluppe wird bei Seite gelegt, der Operateur spült seine Hände in Sublimatwasser oder einer anderen Desinf'eetionsfhissigkeit ab und sucht den Samenstrang von etwaigen Verklebungen mit dem Hodensack zu lösen, indem er mit dem Zeigefinger um den Stumpf des Samenstranges geht; war die Castration mit unbedeckter Scheidenhaut erfolgt, so geht der Finger um den Samenstrang, damit auch etwaige Verklebungen zwischen ihm und der Scheidenhaut gelöst werden. Erforderlichen Falls erfasst der Operateur die Scheidenhaut bezw. die Wundränder und zieht diese nach nuten. Auf jeden Fall muss der Samenstrang in die Scheidenhaut bezw. den Hodensack zurückgebracht werden. Das Abfliessen reichlicher Mengen Wundsecret ist als günstiges Zeichen anzusehen; es beweist, dass die Ver-klebungen gelöst sind, welche die Retention des VViindsecrets begünstigen.
Nachdem die zweite Kluppe in gleicher Weise abgenommen ist, nimmt man einen kleinen Kübel mit reinem, besser noch mit Sublimatwasser und entleert denselben in kräftigem Strahl gegen das Scrotum. Damit wird weniger eine Reinigung der Wunde bezweckt als vielmehr das Thier veranlasst die Samenstränge aufzuziehen.
Es empfiehlt sich, das Pferd nach Abnahme der Kluppen täglich eine halbe Stunde und selbst länger zu bewegen; auf dem Lande pflegt man ältere Thiere alsbald zu leichter Arbeit zu verwenden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass andauerndes Stehen im Stalle nicht vortheilhaft ist. Diese günstige Wirkimg der Bewegung erklärt sich, wenn in Erwägung gezogen wird, dass hiermit der Abfluss der
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Castration der Hengste.
|
5.quot;, 7
|
||
|
|
|||
|
Wundsecrete befördert wird. Aus demselben Grunde kommt es bei der Castration selbst wesentlich darauf an, dass der Schnitt durch die Hüllen des Hoden möglichst gross ausfällt und am Grunde des Hodensackes liegt. Die nach der Castration zuweilen auftretenden stärkeren Anschwellungen verdanken ihre Entstehung fast ausschliess-lich der Retention vom Wundsecrot.
Eine besondere Behandlung der Castrationswunden ist nicht noth-wendig; man lässt dieselben täglich einmal mit einem reinen Schwamm und vielleicht abgekochtem Wasser abwischen, bis die Eiterung aufhört. Nur wenn sich höheres Eicbor oder bedeutende Anschwellung einstellen sollte, gehe man mit desinficirten Fingern in die Wunde ein, suche etwa retinirtes Wundsecrot zur Entleerung zu bringen und lasse Ausspritzungen mit einer Desinfectionsflüssigkeit folgen. Bei regelmässigem Wundverlaufe unterbleibou derartige Manipulationen.
|
|||
|
|
|||
|
Die Castration mit Kluppen gehört bei Pferden zu den zuverlässigsten Methoden und wird daher in Deutschland allgemein angewendet. Bei jungen, namentlich zweijährigen Pferden beobachtet man nach diesem Verfahren höchst selten einen ungünstigen Ausgang, sofern nur die nötlüge Sorgfalt auf Reinlichkeit verwendet wird, Die grössten Bedenken liegen in der Benutzung nicht sorgfältig gereinigter Instrumente und Kluppen, namentlich, wenn diese mit virulenten Infectionsstoffen in Berührung gekommen sind. Thierär/.ten ist namentlich zu empfehlen, nach dieser Richtung die grösste Vorsieht walten /.u lassen, und die Instrumente auf jeden Fall sorgfältig zu desinfioiren, welche zu Operationen an septisch erkrankten Theileu benutzt waren. Auch sollte man Kluppen verwerfen, welche bei Thieren verwendet wurden, die in Folge der Castration an septischen Krankbeiton litten; die Desinfeotiou hölzerner Kluppen ist schwer ausführbar und bietet niemals volle Sicherheit. Nichtboachton dieser Grundsätze führt zu schweren Folgen, wie sie aus der Literatur bekannt sind (S. 103). So berichtet auch Dillon über einen Fall, in dem 30 Hengste innerhalb 8 bis 10 Tagen nach der Castration sämmtlich eingingen.
Bei Fohlen kann die einfachere Methode der Castration mit unbedeckten Hoden ohne Bedenken gewählt werden, sofern nicht Anzeichen eines Bruches vorliegen; bei älteren Hengsten und namentlich bei abnormer Weite dos äusseren Bauchringes empfehle ich die Castration mit bedecktem Hoden oder bedeckter Scheidenhaut nach De give, wobei man der Gefahr eines Darm-Vorfalles entgeht. Ich habe dieselbe in den letzten Jahren häufig und mit bestem Erfolg angewendet. Zeigt sich der Processus vaginalis recht lang, so operire man mit bedecktem Hoden; bei geringer Länge wird derselbe durch die Kluppe zuweilen übermässig angespannt, wodurch Schmerzen ver-anlasst werden: hier empfiehlt sich die Degive'sche Methode.
Gegen die Castration mit Kluppen spricht, dass der Operateur zur Abnahme derselben den Patienten nochmals besuchen muss; durch einen Laien die Abnahme bewirken zu lassen, muss dringend widerrathen werden, weil sowohl der günstige Wundverlauf, wie auch die Verhütung von Nachkrankheiten (Samenstrangfistel) von der kunstgerechten Abnahme der Kluppen wesentlich abhängt.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
558nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
1.nbsp; nbsp;Das Abbrennen der Samensträngo. Eine zweite, bei Pferden zweckmässige Methode ist in dem Abbrennen des Samenstranges gegeben. Sie wurde bereits oben (S. 544) bescbrieben und hat der Castration mit Kluppen gegenüber den Vortheil, dass die Operation mit einem Male beendigt ist. Wenn hierbei kunstgerecht vorgegangen wird, bleiben bedenkliche Blutungen wie auch anderweitige nachtheilige Folgen ausgeschlossen; auch habe ich nicht gefunden, wie vielfach behauptet wurde, dass die locale Reaction, namentlich die Anschwollung hiernach stärker ausfällt als nach anderen Methoden. Man beachte jedoch, dass der Schnitt durch das Scrotum und die Scheidenhaut gross genug ausfällt, und am Grunde derselben liegt, damit das Wundsecret freien Abfluss findet.
2.nbsp; nbsp;Die Torsion des Samenstranges bietet ebenfalls bei sorgfaltiger Ausführung, namentlich bei Fohlen ausreichende Sicherheit; bei älteren Pferden mit starken Samonsträngen treten wohl Nachblutungen auf, die in der Regel zwar nicht gefährlich werden, aber den Besitzer beunruhigen und ihn oft veranlassen, den Operateur in unnützer Weise zu belästigen. Darin liegt meines Erachtens die Schattenseite dieser Methode; die Heilungsvorgänge laufen im allgemeinen hierbei ebenso günstig ab, wie bei den oben beschriebenen Verfahren (vergl. S. 541).
3.nbsp; Castration mit dem Ecraseur. In Amerika und England wird in neuerer Zeit vielfach der Ecraseur zum Castriren der Hengste in Anwendung gebracht.
Nachdem der Hode mit dem Samenstrange frei gelegt ist, schiebt man die Kette bezw. Drahtschlinge des Ecraseurs über den Hoden auf den Samenstrang und schliesst dieselbe sodann langsam, um den Samenstrang in der Höhe des Schweifes vom Nebenhoden zu durchtrennen. Das Verfahren soll nach den Mittheilungen der Praktiker brauchbar sein, doch scheint mir dasselbe vor einer sorgfältigen Torsion keine besonderen Vorzüge zu besitzen.
4.nbsp; nbsp;Die Unterbindung des Samenstranges kann auch ich für Pferde nicht empfehlen. Der Nachtheil dieser Methode liegt in dem Zurückbleiben der Ligaturfäden in der Wunde, wodurch chronischentzündliche Processe angeregt und namentlich Samenstrangfisteln leicht veranlasst werden. Auch die Anwendung von Catgut schützt nicht gegen solche, weil dasselbe auf dem Samenstrangstumpfe, nicht wie von einer aseptischen Granulation resorbirt wird; wenigstens dauert dies 814 Tage, wie ich mich selbst durch Versuche an Pferden überzeugen konnte. Dazu kommt, dass die Unterbindung des Samen-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Castration der Hengste.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;559
Stranges mit einer Ligatur nicht so leicht ist, wie man glauben sollte; auch wenn diese fest genug angelegt zu sein scheint, fällt sie leicht wieder ab, indem der Knoten durch die elastische Beschaffenheit des Samenstranges gelöst wird. Auf diese Weise können unter Umständen bedenkliche Blutungen entstehen. Will man also unterbinden, so beachte man zweierlei: erstens durchstosse man den Samenstrang (mit dem Finger) in der Mitte und unterbinde das vordere und hintere Septum einzeln und sehe darauf, dass namentlich die vordere Ligatur gehörig fest angezogen bleibt. Zweitens nehme man sterili-sirtes Material (Catgut oder Seide) und schneide wenigstens das eine Ende des Untorbindungsfadens so lang ab, dass man denselben später erfassen und etwa acht Tage nach der Castration entfernen kann. Oder man wähle die elastische Ligatur. Ich ziehe indess das oben beschriebene Verfahren mit Catgut vor, weil auch die elastische Ligatur den Samenstrang langsam durchschneidet, also längere Zeit, zuweilen auch dauernd liegen bleibt.
Schliesslich sei noch erwähnt, dass es bei der Castration weniger auf die Methode als vielmehr auf die Ausführung derselben ankommt. Da die am meisten geübte Methode in der Regel auch am besten ausgeführt wird, so erklärt sich, dass mancher Praktiker beim Versuche einer ihm fremden Methode bald zu dem früheren Verfahren zurückkehrt. Geschicklichkeit und lleinlichkoit üben auf den Verlauf der Castration einen wesentlichen Einfluss aus. Bezüglich der Reinlichkeit kann man nie zu gründlich sein; wenn auch eine vollständige Asepsis nicht erreicht wird, bleibt Reinlichkeit dennoch ein wichtiger Factor für das Gelingen der Operation.
5. Die aseptische Castration. Es lag auf der Hand, dass man nach Kenntnissnah nie von der Wirkung der Antisepsis bald Versuche anstellte, auch die Castrationswunden auf dem ersten Wege zur Heilung zu bringen. Bayer prüfte diese Frage zuerst 1881, später auch Fr ick; ersterer erzielte bei 15 operirten Pferden vier mal, Fr ick bei 12 Pferden sieben mal aseptische Heilung. Auch ich habe die Operation mehrfach aber ebenfalls mit verscliiedeneni Erfolge ausgeführt. Es empfiehlt sich, die Thiere wie oben beschrieben, zur Castration vorzubereiten, ebenso nieder zu legen und Chlorofonnnarkose anzuwenden. Mit den nöthigen Hilfsmitteln der Antiseptik versehen, die Hände, Instrumente und das Unterbindungsmaterial sterilisirt, geht man zunächst an die Desinfection des Operationsfeldes. Der Iloden-sack und seine Umgehung wird sorgfältig abgesucht, mit etwas Alkohol abgerieben und mit Sublimatwasser oder einer anderen Desinfections-
|
||
|
|
||
|
i
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
5Ö0
|
Allgemeine Oponitionslehre.
|
||
|
|
|||
|
flüssigkeit abgespült. Den oben liegenden Hinterfuss mit dem um ihn gelegenen Ausbindegurt lässt man mit einem nassen Schwamm anfeuchten, damit nicht Staub auf die Operationsvvunde herabfällt; im übrigen wird wie bei anderen unter antiseptiseben Cautelen ausgeführten Operationen vorgegangen (S. 94),
Der Operateur erfasst zunächst den rechten Hoden, drängt ihn auf den Grund des Scrotums und macht hier den Einschnitt durch äussere Haut, Tunica dartos und Scheidenhaut, jedoch nicht grosser, als eben notbwendig ist, um den Durchtritt des Hodens zu gestatten. Sobald dieses geschehen, unterbindet der Operateur den Samenstrang je nach seiner Stärke mit zwei oder drei Ligaturen. Um dieses zu erleichtern, lege ich eine arretirbare Zange auf den Samenstrang und unterbinde unterhalb derselben, etwa in der Höhe des Nebenbodeiiscbweifes mit Catgut oder Seide, worauf der Samenstrang 1 cm unterhalb der Unterbindungsstelle abgeschnitten wird. Nachdem das etwa ergossene Blut mit sterilisirten Tupfern fortgenommen ist, wird die Hautwunde mittelst der Knopfnaht geschlossen, wobei man womöglich die Scheidenhaut mitzufassen sucht, was aber oft nicht leicht fällt. Man näbe jedoch tief, so dass die Subcutis in gegenseitige Berührung gelangt (S. 66). Nachdem der linke Hoden in derselben Weise entfernt ist, tupft man die Oberfläche mit einer Des-infectionsflüssigkeit ab, bestreut beide Wunden dick mit Jodoformtannin und bedeckt dieselbe mit einer dünnen Lage Watte, welche durch das Tannin mit der äusseren Haut verklebt wird und so auch nach dem Aufstehen des Thieres liegen bleibt.
Es empfiehlt sieb, den rechten, oberen Hoden hier zuerst zu nehmen, damit bei der Operation des zweiten Hodens die erste Operationswunde nicht so leiebt verunreinigt wird. Das Spülen der Wunden ist nicht erforderlich, nicht einmal zweckmässig, weil es die Heilung erschwert (S. üö). Sollte indess eine Verunreinigung der Wunde zu besorgen sein, so spüle man sie energisch aus.
|
|||
|
|
|||
|
Die aseptische Castration konnte sich bisher in die Praxis nicht einführen und wird schwerlich auch in der nächsten Zeit dazu im Stande sein; dies erklärt sich zum Theil aus den grösseren Sehwierigkoiten, welche mit diesem Verfahren verbunden sind. Während die einfache Castration mit unbedeckter Scheidenhaut kaum mehr als 6 Minuten in Anspruch nimmt, dauert die aseptische Castration '/a Stunde und darüber; auch verlangt sie umständliche Vorbereitungen (Narkose), welche bei der gewöhnlichen Castration in der Hegel fortfallen. Auf der anderen Seite wird mit der Asepsis hier kein erheblicher Vortheil erzielt. Die einfache Castration zeigt sich bei Pferden so wenig bedenklich, dass nur ganz ausnahmsweise ein ungünstiger
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Castration männlicher Thiere.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;561
Ausgang beobachtet wird; daher entspricht die mühevolle und zeitraubende aseptische Methode nicht den mit derselben zu erringenden Vortheilen. Der Schwerpunkt der Frage liegt meines Erachtens jedoch nicht hierin allein, sondern in dem Umstände, dass man niemals absolute Sicherheit hat, Asepsis zu erzielen, und wenn diese nicht erreicht wird, dann gestalten sich die Operationswunden für die Heilungsvorgiinge recht ungünstig. Die Schnitte sind zu klein, um dem Wundsecrete leichten Abfiuss zu verschaffen, welches daher leicht retinirt wird und nicht nur örtlich zu heftigen Entzündungen Veranlassung giebt, sondern auch die Ursache erheblicher fieberhafter Erkrankungen wird. Die Schwierigkeiten, welche die Asepsis hier mit sich bringt, liegen zum Theil in ilusseren Umständen, namentlich bei Anlegung eines Verbandes; viele Thiere dulden solchen überhaupt nicht. Ich beschränke mich deshalb neuerdings auf Bestreuen der Wunden mit Jodoformtannin und Bedecken mit ein wenig sterilisirter Watte. Dazu kommt endlich, dass man bei aller Sorgfalt Blutungen nicht verhindern kann. Diese treten meist erst ein, nachdem das Pferd wieder aufrecht steht, und zwar aus den venösen Gefässen der gemeinschaftlichen Scheidenhaut stammend. Das Blut ergiesst sich in das Scrotum und gefährdet den aseptischen Wundverlauf. Bei Cryptorchiden, denen die Scheidenhaut fehlt, gelingt daher die Antisepsis viel leichter als bei gewöhnlichen Hengsten. So lange diese Schwierigkeiten nicht überwunden sein werden, dürfte die aseptische Castration schwerlich Aussicht auf allgemeine Anwendung haben.
|
||
|
|
||
|
2. Die Castration männlicher Wiederkäuer.
Gelten auch bei der Castration der Wiederkäuer dieselben Grundsätze wie beim Pferde, so fordern die Verschiedenheiten in der anatomischen Einrichtung der Geschlechtsorgano sowohl als auch die ilusseren Umstände mancherlei Modificationen. Abgesehen vom Ziegenbock, der sich gegen die gewöhnlichen Castrationsmethoden sehr empfindlich zeigt, ertragen Wiederkäuer diese noch leichter als das Pferd. Bei Farren kann die Castration durch Abdrohen und Unterbinden event, mit elastischer Ligatur erfolgen; ältere Stiere werden am sichersten mit Kluppen castrirt und zwar in der Regel mit unbedecktem Samenstrange. Zu der oben beschriebenen Castration mit Anlegung der Kluppen auf den Hodensack oder zur Unterbhulimg desselben, greifen in der Regel nur Laien,
Rinder ertragen die Castration im ersten Lebensjahre am leichtesten; dieselbe ist in den ersten Lebensmonaten auch am bequemsten auszuführen; sollen die Thiere jedoch sils Zugochsen später verwendet werden, so pflegt man sie erst im zweiten Jahre zu castriren, weil sich alsdann namentlich das Vordertheil besser entwickelt.
Meist wird am stehenden Thiere oporirt; nur ältere und bösartige Bullen castrirt man in derselben Lage wie Pferde. Zur Operation am stehenden Thiere wird dasselbe möglichst kurz und fest an-
Möller, Allgemeine Chirurgie für Thieriirzto.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;36
|
||
|
|
||
|
|
||
|
562nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Allgemeine Operationslehre.
gebunden, eine Nasen- oder Ohrbremse angelegt und ein Vorderfuss aufgehoben; die Hinterfüsse können gespannt werden, doch ist das nicht unbedingt nöthig; dagegen stellen sich zu beiden Seiten des Hintertheils kräftige Leute auf, welche das Seitwärtstreten des Thieres zu verhindern suchen.
Der Operateur, hinter dem Thiere stehend, ergreift mit der linken Hand das Scrotum. Soll mit Kluppen castrirt werden, so spaltet er den Hodensack an seinem Grunde und ebenso die gemeinschaftliche Scheidenhaut; sodann wird wie beim Pferde die Kluppe angelegt und der Hode abgeschnitten. Die Kluppe nimmt man nach 24 Stunden event, auch später ab, doch können sich die Thiere während dieser Zeit ohne Bedenken niederlegen.
Das Abbrennen des Samenstranges geschieht am liegenden Thiere ebenso wie beim Pferde. Bei jungen Bullen kann die Castration auch durch Torsion oder Abschaben des Samenstranges erfolgen, wobei man wie oben (S. 540) beschrieben, verfährt.
In Süddeutschland, namentlich Bayern benutzt man zur Castration des Rindes vielfach sog. Aetzligaturen, d. i. starken Bindfaden, welchen man mit einer Mischung von gleichen Theilen Sublimat und Gummi arabic. in der doppelten Menge Wasser gelöst überzieht. Bürchner, Horn, Schauber, Antretter, Bergler u. a. haben die Methode warm empfohlen, geben jedoch zu, dass namentlich bei jüngeren Thieren zuweilen Erscheinungen von Quecksilberintoxication hiernach beobachtet werden; es entwickelt sich ein oft über den ganzen Körper verbreiteter Hautausschlag, der stellenweise mit Haarausfall verbunden ist und sich zuweilen erst nach 1 '/a Monat verliert. Es wird hervorgehoben, dass es darauf ankomme, ob man die Schnur stark mit Sublimat sättigt oder nicht und empfohlen, die Schnur ein- bis zweimal in eine Lösung von 3,0 Sublimat und 30,0 Collodium zu tauchen. Die Aetzligatur gewährt einmal den Vortheil, dass der Samenstrang schneller durchtrennt wird, so dass die Ligatur nicht so leicht liegen bleibt; sodann übt das Sublimat eine desinfleirende Wirkung sowohl auf den Bindfaden wie auch in der Wunde aus. Von anderen wird über starke Anschwellung nach dieser Castration mit Giftschnüren' geklagt (Grün). Eckmayer unterbindet den freigelegten Samenstrang mit carbolisirter Nähseide und schneidet den Hoden 1 cm unterhalb ab. Bei mehr als 100 Kälbern wurde hiernach kein Nachtheil beobachtet.
Eine andere Methodeder Castration wurde von Mangold und Grün empfohlen. Nach Eröffnung des Scrotums wird der Samenstrang zwischen dem vorderen und hinteren Septum mit einem Messer so durchstochen, dass ein Schlitz entsteht, in welchen man den Zeigefinger der linken Hand einführt; dann schneidet man den Hoden ab und schiebt den Samenstrangstumpf durch den Schlitz, so dass der Samenstrang durch sich selbst geschlungen wird; erforderlichen Falls kann diese Durchschlingung wiederholt werden, bis jede Blutung gestillt ist. Das Verfahren wird namentlich bei älteren Bullen empfohlen und in der Weise ausgeführt, dass man das Thier mit der rechten Seite an eine Wand drücken, den linken Hinterfuss mit einem Strick, der zugleich um den Hals des Thieres geschlungen wird, befestigen lüsst. Ein am Hinter-
|
||
|
|
||
|
i
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Castration männlicher Thiere.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;563
theil stehender Gehülfe hält mit der rechten Hand den Fuss an der Achillessehne und zieht denselben nach auswärts. Bei Stierkalbern soll die Durch-schlingung des noch wenig entwickelten Samenstranges auf Schwierigkeiten stossen. Auf grosse Reinlichkeit wird besonderes Gewicht gelegt.
Dass auch bei Bullen die aseptische Castration möglich ist, haben die Versuche von Wehrhahn gezeigt, der jedoch selbst zugiebt, dass das Verfahren mit zu grossem Aufwände an Zeit und Kosten verbunden ist.
Bei Schafen erfolgt die Castration am besten im Alter von 46 Wochen. Man legt das Thier auf einen Tisch; Lämmer werden von einem Gehülfen an den Beinen gehalten, die event, zusammengebunden sind, ältere Böcke lilsst man von ein paar kräftigen Männern in der Rückenlage halten. Bei Lämmern empfiehlt sich das Abschaben oder Abdrehen (S. 540); ältere Böcke können ebenfalls durch vorsichtiges Abdrehen aber auch durch Unterbindung castrirt werden; Kluppen wendet man bei Schafen selten an. Die EröiFnung des Hodensackes erfolgt ebenso wie beim Pferde, doch wird zuweilen der Grund des Hodensackes einfach abgeschnitten, ein Verfahren, das den Abfluss des Wundsecrets natürlich begünstigt.
Ziegen castrirt man am besten durch subcutane Unterbindung des Samenstranges, wie es S. 538 beschrieben wurde.
3. Die Castration männlicher Schweine.
Die Castration männlicher Schweine erfolgt, von der ersten Woche abgesehen, in den ersten Lebensmonaten, nicht selten aber auch an älteren Ebern. Eine besondere Gefahr ist für diese Thiere mit der Operation nicht verbunden, doch untersuche man vorher den Hodensack- und Leistenkanal auf die Gegenwart eines Leisten-bruches; der bei diesen Thieren ziemlich häufig vorkommt.
Das auf einem Tisch liegende Ferkel wird von einem oder zwei Gehülfen in der Rückenlage festgehalten, während der Operateur mit der linken Hand die Hoden gegen den Grund des Scrotums drängt. Dann durchschneidet er parallel zur Raphc scroti, etwa 1,01,5 cm von derselben entfernt, die Hüllen des Hoden, so dass dieser frei zu Tage tritt. Wenn nun auch bei jungen Thieren das einfache Abschneiden des Samenstranges mit der Schere ohne Gefahr geschehen kann, so empfiehlt sich dennoch die Torsion des Samenstranges, welche am einfachsten in der Weise ausgeführt wird, dass man nach Durchschneidung des hinteren Septums des Samenstranges den Zeigefinger dicht über den Nebenhoden durch den Samenstrang stösst, und, während Daumen und Zeigefinger der linken Hand den
|
||
|
|
||
|
A
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
564
|
Allgemeine Operationslehre.
|
||
|
|
|||
|
Samenstrang in der Höhe des Scliweifos vom Nebenhoden fixiren, macht man mit dem Zeigefinger der rechten Hand Drehbewegungen, wodurch der Samenstrang torquirt wird, bis der Hode abfällt. Oder man legt den Samenstrang nach Durchschneidung seines hinteren Septums auf den Zeigefinger der linken Hand und schabt denselben mit einem stumpfen Messer, bis er durchtrennt ist.
Aeltere Eber werden am besten mit Kluppen castrirt, was auch am stehenden Thiere erfolgen kann, doch muss der Kopf fest fin-gebunden und das Hintertheil so befestigt werden, dass das Thier sich weder legen noch nach links oder rechts ausweichen kann, was durch Einschlagen von ein paar Pfählen erreicht wird. Die Operation selbst erfolgt wie beim Pferde. Eine besondere Nachbehandlung ist nicht erforderlich, doch gebe man dem Thiere einen eigenen, kühlen und mit reiner Streu versehenen Stall. Die Kluppen können nach 24 Stunden abgenommen werden; in der Regel lässt man sie jedoch liegen, bis sie von selbst abfallen. Grün empfiehlt zur Castration der Eber die Unterbindung mit einem trockenen, dünnen Catgutfaden.
|
|||
|
|
|||
|
4. Die Castration männliclier Hunde und Katzen,
Hunde ertragen die Castration leicht und zwar in jedem Alter. Man lässt das Thier in der Rückenlage festhalten und öffnet den Pro-cessus vaginalis wie oben beschrieben. Bei jüngeren Thieren kann der Samenstrang einfach mit der Schere durchschnitten oder abgeschabt werden; beides soll jedoch dicht über dem Nebenhoden geschehen; bei älteren Hunden ist die Unterbindung vorzuziehen, weil durch das Belecken die Blutung unterhalten wird. Bei Katzen wird ebenso verfahren; zur Befestigung des Thieres lässt man das Vordertheil desselben in einen Sack stecken, die Hinterfüsse von einem Gehülfen festhalten. Auch hier kann Abschaben, Abdrehen und die Unterbindung angewendet werden.
|
|||
|
|
|||
|
5. Die Castration des Geflügels gestaltet sich im ganzen einfach, doch verlangt die Operation einige Uebung; am häufigsten werden Hähne castrirt (Kapaunen), deren bohnenförmigen Testikel in der Bauchhöhle liegen. Die Operation nimmt man bei Hähnen im Alter von 23 Monaten vor, wenn sie zu krähen anfangen, und der Kamm eine rothe Farbe annimmt. Ein Gehülfe hält den Hahn, auf dem Rücken in seinen flachen Händen liegend, so dass das Hintertheil des Thieres dem Operateur zugewendet ist, und die Füsse desselben von den beiden Daumen des Gehülfen niedergedrückt werden. Nun rupft man etwa 2 cm vor dem After die hier stehenden Federn aus oder schneidet sie ab, worauf ein etwa 3 cm langer
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Störungen bei der Castration miinnlicher Tliiere.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 565
Querschnitt durch die dünne Bauchwand geführt wird. Hierbei ist Vorsicht geboten, damit die Eingeweide nicht vorletzt werden. Der Schnitt erfolgt am besten mittelst einer geknöpften Schere, indem man die dünno Bauchdecke mit der Pincette zu einer kleinen Falte hochhebt, diese mit der Schere durchschneidet und den Schnitt entsprechend erweitert. Mit dem desinficirten Zeigefinger der rechten Hand geht der Operateur in die Bauchhöhle ein und zwar bis dahin, wo äusserlieh die hintere Spitze des Schulterblattes auf den Rippen zu fühlen ist und drängt die Baucheingeweide bei Seite. Hier liegen zu jeder Seite der Wirbelsäule die etwa bohnen-grossen, derben Testikel, welche der gekrümmte Finger zunächst von den Rippen abzulösen, dann nach hinten und durch die Wunde hervorzuziehen sucht, wo man dieselben einfach abkneift. Die Entfernung der Hoden ist jedoch nicht nöthig, es genügt, die Testikel aus ihrer Lage zu drängen. Der etwa vorgefallene Darm wird zurückgebracht und die Wunde der Bauchwand mit engen Stichen geheftet. Man giebt dem Thiere einen eigenen, trockenen Stall, weiches Putter und frisches Wasser. Die Heilung erfolgt in etwa 8 Tagen. Zuweilen wird als Zierde des Kapauns der Sporn auf den Kamm gepflanzt. Eine genauere Beschreibung der Operation von Günther findet sich in der Berl. Thierärztl. Woch. 1890, S. 99.
|
||
|
|
||
|
Störende Vorkommnisse während der Castration männlicher Thiere.
1.nbsp; Verwachsungen des Hodens mit der Scheidenhaut. Der Zustand erlangt nur bei der Castration mit unbedeckter Scheidenhaut Bedeutung und lässt sich zuweilen durch Trennung der Verbindung mittelst Daumen oder Schere in einfacher Weise hoben. Bei umfangreicher und fester Verwachsung, die sich dadurch zu erkennen giebt, dass nach dem Einschneiden der Hode nicht hervortritt, vielmehr selbst von dem Schnitt betroffen wird, versucht man einen zweiten Schnitt an der Seite des Hodens zu legen, der mit der geknöpften Schere vergrössert werden kann, bis der Hode frei wird. Gelingt das nicht, so kann über dem Hoden bezw. Nebenhoden die Scheidenhaut mit der Schere getrennt und der Grund derselben mit dem Hoden abgelöst werden. Sollte die Verwachsung sich auf den Samenstrang fortsetzen, so bleibt nur die Castration mit bedecktem Hoden übrig, die auch gleich erfolgen kann, sobald eine Verwachsung festgestellt ist.
2.nbsp; Netz verfall. Bei Pferden und Schweinen finden sich nicht selten Theile des Netzes im Hodensack. Während grösscre Abschnitte desselben bei der Untersuchung des Sorotums vor der Castration schon entdeckt werden, treten kleinere nach Eröffnen der Schoiden-haut zu Tage, vergrössern sich aber durch das Drängen des Thieres oft sehr schnell. Der Zustand bleibt in der Kegel unbedenklich; man wartet, bis das Drängen nachgelassen hat, zieht ohne Anwendung von Gewalt das Netz noch weiter hervor und schneidet kleinere Abschnitte
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
56(3
|
Allgemeine Operationslehre.
|
||
|
|
|||
|
mit der Schere ab; enthält das vorgefallene Netz grössere Gefässe, so unterbindet man das Ganze mit einem sterilisirten Catgut- oder Seidenfaden, schneidet ab und sucht den Rest soweit möglich in den Leistenkanal und die Bauchhöhle zurückzuschieben. Da das Netz wenig geeignet ist, entzündliche Processe fortzuleiten, so erscheint die hiermit verbundene Gefahr einer Peritonitis nur gering.
3.nbsp; nbsp;Darmvorfall. So ungefährlich der Netzvorfall, so bedenklicher wird ein Vorfall des Darmes. Um diesem Ereignisse aus dem Wege zu gehen, muss vor der Castration der Hodensack und Samenstrang untersucht werden. Ohne Zweifel können indess während der Castration Darmtheile in den Leistenkanal treten; auch kann eine so geringe Menge davon in dem Scheidenfortsatze sich befinden, dass der Darm nicht mit Sicherheit von aussen nachzuweisen ist; durch Drängen des Thieres während der Castration aber vergrössert sich der Vorfall bald. Begünstigt wird der Darmvorfall durch Zerrungen des Samenstranges, indem hierdurch der innere Bauchring eine Erweiterung erfährt. Am häufigsten ereignen sich Darm vorfalle bei älteren Hengsten; sie kommen entweder schon während der Castration zum Vorschein oder erst, nachdem das Thier aufgestanden ist; selten stellt sich der Vorfall beim Abnehmen der Kluppen ein.
Sobald ein Darmvorfall bemerkt wird, und sei er noch so klein, muss das Thier in die Rückenlage gebracht und das Hinter-theil möglichst hoch gelagert werden. In erster Linie ist dafür zu sorgen, dass der Darm nicht verunreinigt oder verletzt wird. Während der Umlagerung des Thieres sucht man durch festes Umfassen des Scrotums eine weitere Entwickelung des Vorfalles, die unter Umständen sehr schnell erfolgt, zu verhindern. Nachdem das Drängen aufgehört hat, bringe man den Darm durch den Leistenkanal in die Bauchhöhle zurück. Gelingt dies nicht gleich, so geht man mit einem Arm in den Mastdarm ein und unterstützt durch einen Zug auf den vorgefallenen Darm die Reposition desselben. Unter Umständen kann hierzu die Narkose und eine Erweiterung des inneren Bauchringes nothwendig werden. Letztere ist nach der in der speciellen Chirurgie bei der operativen Behandlung incarcerirter Leistenbrüche beschriebenen Methode vorzunehmen. Um einen neuen Vorfall zu verhüten, lege man die Kluppe auf die gemeinschaftliche Scheidenhaut, welche ebenso wie bei der Hcrniotomie des Leistenbruches um ihre Längsachse gedreht werden kann. Auch die Nachbehandlung ist wie bei jener Operation zu leiten.
4.nbsp; nbsp;Das Eindringen von Luft in die Bauchhöhle ist natür-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Nachtheilige Polgen der Castration.
|
567
|
||
|
|
|||
|
lieh nur bei der Castration mit unbedeckter Scheidenhaut möglich, kommt im allgemeinen selten vor und giebt sich durch ein schlürfendes oder gluckerndes Geräusch zu erkennen. Abnorme Weite des inneren Bauchringes begünstigt den Vorgang, der meist ohne Nachtheile bleibt und in der Regel nur dann gefahrlich wird, wenn zugleich Blut in die Bauchhöhle gelangt, welches sich unter dem Einflüsse der mit eingetretenen Infectionsstoffe zersetzt und eine acute Peritonitis ver-anlasst. Sobald sich das Geräusch bemerkbar macht, suche man die Operationswunde mit der Hand zu bedecken.
|
|||
|
|
|||
|
Nachtheilige Folgen der Castration männlicher Thiere.
Eine besondere Nachbehandlung ist bei der Castration männlicher Thiere nicht erforderlich. Man lässt ihnen einen ruhigen, mit guter Streu versehenen Stall geben, Pferde hochbinden und zunächst beobachten, ob sich nicht etwa Drängen (Bauchpresse) einstellt. Sollte das der Fall sein, so muss man das Thier durch Anreden oder einen leichten Schlag mit der Peitsche daran zu hindern suchen, denn durch heftiges Drängen wird der Entstehung eines Darmvorfalls Vorschul) geleistet. Vom nächsten Tage ab bei Castration mit Kluppen nach Abnahme derselben lässt man die Thiere täglich V2 1 Stunde im Schritt bewegen, auf dem Lande alsbald zu leichter Arbeit benutzen. Die Bewegung fördert den Abfluss des Wundsecrets und verhindert zugleich Verklebungen des Samenstranges mit der Hautwunde sowie der Ränder der letzteren mit einander; dadurch aber entstehen heftigere, entzündliche Processe, nicht selten mit Eiterverseukungen und Abscessbildung.
Es empfiehlt sich dalier auch, die Operationswunde in den nächsten Tagen mit reinem Wasser oder einer Desinfectionsflilssigkeit täglich abwaschen zu lassen; auch dadurch werden Verklobungen und Verwachsungen der Wundränder des Scrotums verhindert. Später erscheint diese Behandlung zur Entfernung des Eiters erforderlich und muss daher fortgesetzt werden, bis die Eiterung aufgehört hat, Sofern nicht erhebliche Anschwellung oder andere Störungen auftreten, können Pferde etwa 45 Tage nach der Castration wieder regclmässig zur Arbeit verwendet werden.
An bedenklichen Folgen der Castration sind zu beachten:
1. Blutungen. Abgesehen von leichten Blutungen aus den Hautgefässen werden bedenkliche Blutungen fast nur nach der Torsion, nach dem Abschaben bezw. Abreissen des Samenstranges, am selten-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
508
|
Allgemeine Operationslehre.
|
||
|
|
|||
|
sten nach der Castration mit Kluppen beobachtet. Aber auch bei jenen Castrationsmethoden kommt es selten zur Verblutung, indem die Hämorrhagie regelmässig von selbst aufhört. Sollte dies nicht bald der Fall sein, oder der Besitzer durch die Blutung beunruhigt werden, so sucht man mit der Hand den betreffenden Samenstrang zu fassen und eine einfache Castrirschlinge anzulegen, ohne dieselbe zu verknoten, damit der Faden in den nächsten Tagen abfallen oder doch leicht entfernt werden kann; zu dem Zwecke bleibt die Schlinge so lang, dass der Faden aus der Operationswunde hervorragt.
Zuweilen tritt bei Abnahme der Kluppen durch Verletzung der an die Kluppe festklebenden venösen Grefässe Blutung ein. Vorsicht bei diesem Geschäfte und Liegenlassen der Kluppen durch 23 Tage schützt am sichersten gegen dieses Ereigniss.
2.nbsp; nbsp;Abnorme Anschwellung in der Umgebung der Castrations-wunden, besonders am Schlauche. In der Regel entstehen stärkere Anschwellungen durch Retention des Wundsecrets in Folge Verklebung oder ungünstiger Lage bezw. zu geringer Ausdehnung der Hodensackwunde; andauerndes Stehen im Stalle begünstigt die Retention des Wundsecrets und Anschwellung. Durch Bewegung des Thieres wird nicht allein der Abfluss des Wundsecrets direct begünstigt, sondern auch Verklebungen des Samenstranges mit seiner Umgebung verhindert, die leicht Ursache der Retention des Wundsecrets werden. In anderen Fällen geht die Anschwellung aus einer intensiven Infection der Wunde hervor und muss daher durch peinliche Reinlichkeit verhütet werden; aus demselben Grunde vermeide man zur Operation staubige Plätze, lasse die Streu vor dem Niederlegen grösserer Thiere anfeuchten u. s. w.
Wo sich eine ungewöhnliche Anschwellung bemerkbar macht, gehe man mit sorgfältig desinficirten Fingern in die Operationswunden ein und verschaffe dem Wundsecret Abfluss. Am häufigsten stagnirt dasselbe da, wo der Samenstrang mit den Wundrändern verklebt ist; man suche daher den Samenstrang auf, führe einen Zeigefinger um denselben, um die Verklebungen zu lösen, spüle die Wunde mit einer Desinfectionsflüssigkeit aus und lasse das Thier im Schritt bewegen. Virulentere Infectionen werden am sichersten durch Beachtung der Grundsätze der Antisepsis verhütet.
3.nbsp; Wundfieber. Bei der Castration ohne streng antiseptische Massnahmen tritt häufig schon innerhalb der ersten 24 Stunden geringes Fieber auf. Nach den Beobachtungen Fröhners an 190 Pferden fehlte dasselbe nur bei 27n/o; 49% zeigten ein massiges, 18n/o ein mittelhohes und 5 0/o hohes Fieber. Am häufigsten knüpft sich das
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Nachtheilige Folgen der C'astnition.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;569
Auftreten des Fiebers an die Abnahme der Kluppen, namentlich wenn dies innerhalb der ersten 8 Tage nach dor Castration geschieht (S. 555). Es handelt sich hier offenbar um die Resorption zersetzten Wund-secrets. Bei massigem Fieber lässt man die Thiere eine halbe Stunde täglich im Schritt bewegen; steigt die Temperatur bei Pferden über 39,5, so empfiehlt sich, die Wunden mit sorgfältig gereinigtem Finger zu untersuchen, dem Wundsecret, wie oben beschrieben, Abfluss zu verschaffen und die Wunden mit einer Desinfectionsflüssigkeit auszuspülen. In der Regel fallt hiernach das Fieber schon in wenigen Stunden.
4.nbsp; nbsp;Septisches Fieber giebt sich neben bedeutender Temperatursteigerung und Pulsfrequenz durch schwere Störungen im Allgemeinbefinden zu erkennen. Der Puls, der beim Wundfleber kaum über die Norm hinausgeht, zeigt sich hierbei nicht nur sehr frequent, sondern auch klein und schwach; der Appetit liegt in der Regel vollständig darnieder; oft wird nicht einmal Wasser genommen. Anschwellung an der Castrationswunde pflegt hierbei zu fehlen, eine Erscheinung, die bei hohem Fieber stets bedenklich ist. Sobald diese Erscheinungen hervortreten, muss energisch eingeschritten worden. In erster Linie sucht man die Wunde möglichst zu reinigen und wiederholt mit einer lauwarmen Desinfectionsflüssigkeit sorgfältig aimusjäilen. Im übrigen muss der Zustand symptomatisch behandelt werden (vgl. Septikämie). Peinliche Reinlichkeit bei der Castration schützt am sichersten gegen dieses Leiden, und es verdient noch besonders hervorgehoben zu werden, dass auch bei dem vom Besitzer erfolgenden Abwaschen der Operationswunden hiergegen oft gefehlt wird. Ich empfehle demselben stets, einen noch nicht benutzten Schwamm zu nehmen, denselben in reinem Wasser gehörig auszukochen und mit diesem Wasser und Schwamm die Reinigung vorzunehmen, ein Verfahren, das leicht ausführbar und nicht kostspielig ist.
5.nbsp; Peritonitis. Entzündung des Bauchfells kommt nach der Castration entweder im Verlaufe septischer Infection oder dadurch zu Stande, dass das Wundsecret retinirt wird, am Samenstrangstuinpfe in die Höhe steigt und in die Bauchhöhle übertritt. Hohes Fieber, Unruhe, Kolikerscheinungen, mangelnder Appetit bilden die wichtigsten Symptome dieser Complication. Hie Behandlung besteht in energischer Reinigung der Wunden und Sorge für den Abfluss des Wund-secrets. In Begleitung von septischer Erkrankung bleibt hier nicht viel zu hoffen.
0. Vorfall des Samenstranges. Sobald der Samenstrang aus
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
570
|
Allgemeine Operationslehre.
|
||
|
|
|||
|
der Hodensackwunde hervorragt, spricht man von einem Vorfall desselben. Zerrungen der Samenstrilnge, zu niedrig angelegte oder zu schwere Kluppen, Durchschneiden des Nebenhodenbandes geben hierzu meist Veranlassung. Bei Thieren von schlaffer Constitution kommt der Vorfall häufiger vor, namentlich wenn bei Abnahme der Kluppen Verklebungen der Samenstränge mit der äusseren Haut nicht gelöst wurden. Wird der Samenstrang nicht alsbald in die Hodensack wunde bezw. Scheidenhaut zurückgebracht, so entsteht regelmässig eine Samenstrangfistel, oft zugleich Champignonbildung, Zustände, die in der speciellen Chirurgie näher beschrieben sind.
Tritt der Vorfall nach der Castration mit Kluppen hervor, so nehme man diese sobald als möglich ab und suche den vorgefallenen Samenstrang mit dem desinficirten Finger frei zu machen und in die Scheidenhaut bezw. den Hodensack zurückzuschieben. Kräftiges Be-giessen mit kaltem Wasser oder einer Desinfectionsflüssigkeit befördert das Aufziehen desselben. Führt dies nicht zum Ziele, so muss eine andere Kluppe höher angelegt oder der Samenstrang oberhalb der vorgefallenen Stelle unterbunden werden.
7. Abscesse im Hodensack oder dessen Umgebung. Sie bilden regelmässig die Folge von Retention des Wundsecrets und werden durch ungünstige Lage des Hautschnittes oder zu geringe Ausdehnung desselben begünstigt. Das stagnirende Wundsecret ruft in den an Bindegewebe reichen Weichtheilen eine Phlegmone hervor, welche zur Abscessbildung führt. Die Anschwellung tritt hierbei ungleich-massig, an einer Seite stärker und in kugelförmiger Gestalt hervor. Sobald diese Erscheinungen sich bemerkbar machen, untersuche man die Wunde und spalte event, die entstandene Höhle oder stelle eine Gegenöffnung her. Unter Umständen lässt sich ein Drain für den Abfluss des Eiters mit Vortheil verwenden.
|
|||
|
|
|||
|
B. Die Castration weiblicher Thiere.
Bei weiblichen Thieren findet die Castration seltener Anwendung als bei männlichen und besteht in der operativen Entfernung der Ovarien. Bald soll mit der Castration eine bessere Mastfähigkeit (Schwein, Rind) ei-zielt werden, bald dient sie zur Beseitigung eines krankhaft erregten Geschlechtstriebes (Stuten, Hunde); bei Kühen will man durch die Castration eine längere Zeit andauernde Lactation herbeiführen; Hündinnen werden endlich castrirt um sie von der Zucht auszuschliessen und den mit der Brunst verbundenen äusseren Unbe-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Castration weiblicher Thiere.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 571
quemlichkeiten zu entgehen. Am häufigsten findet die Castration bei Schweinen und Kühen statt, daher soll diese auch hier zuerst berücksichtigt werden.
1. Die Castration der Kühe wird sowohl zur Erzielung einer besseren Mast als auch einer anhaltenden Milchergiebigkeit angewendet. Charlier namentlich empfahl in den 50iger Jahren dieses Jahrhunderts die Kühe 3040 Tage nach dem 2. oder 3. Kalben zu castriren, in Folge dessen der Milchertrag andauernd auf der Höhe stehen bleiben soll, der zur Zeit der Castration bestand. Obgleich diese Hoffnung sich nicht erfüllt hat, so wird doch auch heute noch die Castration bei Kühen benutzt, um sie als Milchkühe auf längere Zeit auszunutzen. Das ältere Verfahren, die Eierstöcke von der rechten Flanke aus zu entfernen, wurde mit Recht aufgegeben, als man die von Charlier eingeführte Methode kennen lernte, nämlich die Operation von der Scheide aus. Dass die letztere namentlich den Vorzug verdient, wo eine strenge Antisepsis nicht geübt wird, geht auch aus den Beobachtungen Lancillotti's hervor. Die Charlier'sche Methode wird daher gegenwärtig fast ausschliesslich benutzt.
Die Eierstöcke liegen bei der Kuh unter den Querfortsätzen des 4.6. Lendenwirbel, in der Höhe des äusseren Darmbeinwinkels, etwa 5G cm medianwärts von demselben. Sie geben sich als reichlich walnussgrosse, plattrunde, durch derbe Beschaffenheit ausgezeichnete Organe zu erkennen; die namentlich in Folge der letzteren Eigenschaft leicht aufzufinden sind. Im krankhaften Zustande (Nymphomanie) zeigt sich der eine oder andere zuweilen bedeutend vergrössert.
Die Ovariofcomie erfolgt nach Charlier wie folgt:
Das zu operirende Thier, welches natürlich gesund sein muss, empfängt am Abend vor der Operation die halbe Ration und am anderen Morgen überhaupt kein Futter. Am besten operirt man am stehenden Thiere und im Stalle; der Kopf der Kuh wird kurz angebunden , während zwei Männer neben dem Hintertheile des Thieres stehen, um Seitwärtsbewegungen desselben zu verhindern; einer derselben hält den Schwanz zur Seite, während beide eine glatte Stange, welche unter dem Leib der Kuh hindurchgeführt ist, festhalten, um das Niederlegen des Thieres zu verhindern, oder falls heftiges Drängen eintreten sollte, die Stange quer über den Rücken zu legen und denselben herunter zu drücken. Der Mastdarm des Thieres wird vor der Operation ausgeräumt. Hoff mann lässt zu diesem Zweck 20,0 Glycerin in den Mastdarm spritzen. An Instrumenten sind erforderlich :
|
||
|
|
||
|
J
|
||
|
|
|||
|
572
|
Allgemeine Operationslehre.
|
||
|
|
|||
|
1.nbsp; Ein Scheidenspanner, Schcidenspeculum (Fig. 139).
2.nbsp; Eine Zange zum Abdrehen der Eierstöcke (Fig. 140) oder ein Fingerhut zum Abschaben derselben (Fig. 143) oder ein Ecraseur (Fig. 95).
3.nbsp; Ein Bistouri cache (Fig. 144).
Obgleich bei der Unmöglichkeit die Scheide vollständig zu des-inficiren eine absolute Asepsis nicht mit Sicherheit zu erreichen ist,
Fig. 139.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Sclieitlenspanner: n, b ältere, c, d neuere Construction nach Oharlier, e nach Haubner, f nach Harms.
|
|||
|
|
|||
|
so beachte man doch alle Massregeln der Antisepsis, lasse zunächst die Schani und den Scheideneingang abseifen und mit einer Desin-fectionsflüssigkeit abwaschen. Hürlimann empfiehlt eine 20/nige Car-bollösung in die Scheide einzuspritzen und diese nachher mit steriler Holzwolle auszutrocknen. Eine 0,1 quot;/quot;ige Subliniatlösung einzuspritzen ist nicht zu empfohlen, weil dadurch eine starke Heizung der Schleimhaut und Drängen der Thicre veranlasst wird, das die Operation stört. Selbstverständlich werden Hände und Instrumente desinficirt. Naclulem der Scheidenspanner geschlossen eingeführt, sodann
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||
|
Castration weiblicher Thiere.
|
573
|
||||
|
|
|||||
|
durch Schrauben an seinem Griff erweitert ist, geht die rechte Hand mit dem geschlossenen Bistouri cache in die Scheide ein, um in der oberen Wand derselben durch das vom Schcidenspiegel gebildete Oehr einen Einschnitt von 5(5 cm Länge zu machen. Sobald dies geschehen, gibt man das Bistouri ab, entfernt den Scheidenspanner und geht mit dem Zeige- und Mittelfinger der Hechten durch die Schoidenwunde in die Bauchhöhle ein, sucht zunächst den linken Eierstock auf und zieht
|
|||||
|
|
|||||
|
Fig. 140.
|
Fig. 141.
|
||||
|
|
|||||
|
|
Slaquo;
|
|
|||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
Zangen zum Abdrehen des Eierstockes:
laquo; nach Charlier, h nach Colin,
c nach Harms.
|
Scheren zum Abschneiden dos
Eierstocksbandes: anachCliar-
lier, b nach Kicliter.
|
||||
|
|
|||||
|
ihn in die Scheide. Nunmehr wird die Zange zum Abdrehen des Eierstockes von der linken Hand eingeführt. Während die rechte Hand, der Daumen mit dem metallenem Fingerhut versehen, das Eierstockband fixirt, macht die linke langsame Drehbewegungen mit der Zange, bis der Eierstock abfällt. Mit dem rechten Eierstock wird in gleicher Weise verfahren; dabei wechselt die Rolle der beiden Hände. Eine besondere Nachbehandlung ist nicht erforderlich; das während der Operation in die Scheide ergossene Blut wird mit der Hand oder einem reinen Schwamm entfernt; im übrigen genügt es, die Scham täglich
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
574
|
Allgemeine Operationslehre.
|
||||
|
|
|||||
|
12mal mit einer Desinfectionsflüssigkeit abwaschen zu lassen. Die Heilung erfolgt regelmässig ohne besondere Zwischenfälle. Auch stösst die Ausführung der Operation in der Regel auf keine Schwierigkeiten; sie ist im ganzen nicht schwer.
Nachdem diese Operationsmethode mehr in Aufnahme gekommen war, wurden manche Modificationen derselben in Vorschlag gebracht.
Charlier selbst construirte später eine andere Form der Scheidenspanner (Fig. 139 c, d), weil die Stäbe der früheren zuweilen nicht widerstandsfähig genug waren. Auch Haubner, Gerlach und Harms vereinfachten den Scheidenspiegel (Fig. 139e, f). Colin führte den
|
|||||
|
|
|||||
|
Fig. 144.
|
|||||
|
|
|||||
|
Fig. 142.
|
|||||
|
|
|||||
|
|
Fig. 143.
|
|
|||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
Klammern nach Colin.
|
Fingerhut nach Charlier.
|
a Bistouri cachö nach
Günther, b dasselbe
sichelförmig.
|
|||
|
|
|||||
|
Scheidenschnitt, den er dicht hinter dem Muttermund anlegte, ohne Scheidenspanner mit einem gewöhnlichen Bistouri aus, während Richter zur Vermeidung von Verletzungen des Mastdarmes empfahl, eine Querfalte in der oberen Scheidenwand zu bilden und mit einem Bistouri cache, welches an einem langen Stiel befestigt ist oder mit einer langschenkeligen Schere (Fig. 1416) zu durchschneiden. Hürlimann führt den Schnitt ebenfalls ohne Scheidenspanner aus; er drängt hierbei, um Mastdarmverletzungen zu verhüten, die untere Wand der Scheide nach unten gegen die Blase. Ostertag empfiehlt nur die Mucosa zu durchschneiden, die Musculari und Serosa mit den Fingern zu durchstossen.
Ein von Babendorf construirter Apparat, eine Art Luftpumpe mit welcher die obere Wand der Scheiden angesaugt, dann durchschnitten wird, ist entbehrlich. Die Gefahr den Mastdarm zu ver-
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||
|
Castration weiblicher Thiere.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 575
letzen ist nicht gross, sofern die beschriebenen Vorsichtsmassregeln einigermassen beachtet werden.
Beim Abdrehen des Eierstockes wurde der untere, dickere Theil, das Eierstocksband mittelst einer langen Schere (Fig. 141) zunächst durchschnitten, sodann die Torsion vorgenommen. Zum Fixiren des Bandes dienten besondere Zangen, wie sie von Charlier (Fig. 140a), von Colin (Fig. 140 6) und Harms (Fig. 140c) empfohlen wurden; Colin benutzt zu dem Zwecke auch eine eiserne Klammer (Fig. 142). Mit dem einen oder anderen dieser Instrumente wird das Eierstocksband erfasst und das Ovarium mit der Hand abgedreht. Sollte sich dasselbe nach 2030 Umdrehungen nicht lösen, so kann das Eierstocksband mittelst des stählernen Fingerhutes abgerieben werden. Letzterer ist hierzu jedoch meist entbehrlich, weil man mit der Torsion allein zum Ziele kommt. Neuerdings wird zum Abtrennen der Eierstöcke vielfach vom Ecraseur Gebrauch gemacht, der jedoch recht lang sein muss. Die Anwendung desselben ist ebenso einfach wie leicht und sicher. Dagegen hat man nach dem einfachen Abschneiden der Eierstöcke heftige Blutungen und selbst Verblutung (Götze) beobachtet. Hürlimann durchschneidet das Eierstocksband mit der Schere bis auf den die Arterie führenden Theil, der sich an der Pulsation bestimmen lilsst, und legt um letzteren eine Ligatur von sterilisirter Seide.
Um indess das Eindringen von Luft und Infectionsstoffen in die Bauchhöhle zu verhindern, zieht Hürlimann das Ovarium nicht in die Scheide, sondern geht mit der Ligatur, die ein kürzeres und ein längeres Ende hat, wie es in Fig. 145 abgebildet ist, über den Daumen, Zeige- und Mittelfinger der linken Hand gelegt,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Fig. 145.
in das Abdomen ein, schiebt die Schlinge über den Eierstock und schnürt dieselbe durch einen Zug mit der rechten Hand zu. Mit einer langen Schere werden die Enden ca. 1 cm vom Knoten abgeschnitten, sodann auch der Eierstock reichlich ebensoweit vom Knoten entfernt abgetrennt. Die Operation soll nach Hürlimann für beide Ovarien nur 1215 Minuten in Anspruch nehmen.
Ohne Zweifel gewährt diese Methode eine grössere Sicherheit in Bezug auf die Blutung; ob aber auch bezüglich der Peritonitis, erscheint mir zweifelhaft. Wenn auch die Unterbindungsfäden sorgfältig sterilisirt sind, so bleibt doch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass eine Verunreinigung derselben in der Scheide stattfindet, ugatou. näoh Bttdl und eine Peritonitis entsteht. Die Resection der Ovariennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;mann,
durch Abdrehen oder mit dem Ecraseur will mir aus diesem Grunde zweckmässiger erscheinen; die Blutung ist hierbei ebenfalls nicht zu fürchten.
Wenig empfehlenswerth ist offenbar die von Traclisler beschriebene
|
||
|
|
||
|
..
|
||
|
|
|||
|
S76
|
Allgemeine Operationslehre.
|
||
|
|
|||
|
Metbode; derselbe geht mit der Hand in den Mastdarm ein, sucht die beiden Eierstöcke zu erfassen und jeden für sich mit einem Stück Mastdarmwand zu unterbinden.
Detroye führte die Castration bei einer Kuh im 4. Monate der Trächtigkeit aus, ohne dass Abortus eintrat; das beweist, jedoch nicht, dass dies regelmlissig der Fall ist.
Hoffmann beschreibt ein Verfahren unter Beachtung antiseptischer Massnahmen. Die Scham und ihre Umgebung wird mit lauwarmem Seifenwasser kräftig abgebürstet, lauwarmes Wasser in die Scheide gebracht und diese mit der desinficirten Hand gereinigt. Nachdem das Wasser mit der Hand oder mit Hülfe eines Guramischlauches wieder entfernt ist, spült Hoffmann die Scheide mit einer Desinfectionstlüssigkeit (Creolinlösung 3 0/o) aus und wäscht dieselbe nochmals mit der Hand. Die hierzu benutzte linke Hand dirigirt sodann den eingeführten Scheidenspanner zum Muttermunde, worauf die rechte Hand mit einer Bistouri cache den Schnitt durch die obere Scheidewand führt. Nachdem hierauf die rechte Hand durch die Oeffnung in die Bauchhöhle gelangt ist, sucht sie den linken Eierstock auf und zieht ihn, zwischen Zeige- und Mittelfinger haltend, in die Scheide, wo er mittelst einer Zange durch Torsion abgetrennt wird. Mit der entgegengesetzten Hand entfernt man sodann den rechten Eierstock. Nach der Operation wird der Rücken heruntergedrückt, falls die Thiere drängen sollten. Die Temperatur stieg nach wenigen Stunden auf 390, fiel aber in den nächsten Tagen wieder auf die Norm. Sollte dies nicht der Fall sein, so lässt man die Scheide mit Creolinwasser ausspülen.
|
|||
|
|
|||
|
2.nbsp; nbsp;Weibliche Lämmer werden nur selten castrirt. Obich führte die Operation an 10 Wochen alten Thieren und zwar von der linken Flanke aus. Der Schnitt wird so gross gemacht, dass man mit dem Zeige- und Mittelfinger in die Bauchhöhle eindringen kann, um die Ovarien hervorzuziehen, welche mit der Schere abgeschnitten wurden. Bei 12 operirten Thieren ging die Heilung rcgelmässig von Statten; nur bei einem Lamm entwickelte sich ein Abscess an der Operationsstelle.
3.nbsp; nbsp;Die Castration der Stuten findet in der Eegel nur gegen Nymphomanie statt, ein Zustand, der bei kaltblütigen Rassen häufiger vorzukommen scheint als bei warmblütigen. Cadiot ^ hat sich in neuerer Zeit mit dieser Operation viel beschäftigt und anerkennens-werthe Resultate erzielt, wenngleich der Zweck, die Thiere ruhiger und fügsamer zu machen zuweilen nicht erreicht wurde, worauf schon Harms und Thomasson aufmerksam machten. Bei Stuten ist die Castration stets mit grösseren Schwierigkeiten und Gefahren verbunden als bei Kühen. Die Hauptgefahr beruht in der bekanntlich grossen Vulnerabilität des Peritoneums der Pferde; die Schwierigkeiten be-
|
|||
|
|
|||
|
') Do rovariotomie chez la jument et ohoz la vaohe Paris 1893. Asselin et Houzeau.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Castration weiblicher Thiere.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 577
stehen einmal darin, dass man bei unruhigen und namentlich edleren Thieren oft nicht im Stehen operiren kann; es gelingt dies in der Regel nur bei kaltblütigen Thieren, indem man dieselben in einen Zwangsstall bringt. Am liegenden Thiere ist die Operation aber schwieriger. Dazu kommt, dass die Eierstöcke bei Stuten erheblich weiter vom Scheideneingango entfernt liegen als bei Kühen, so dass es nicht wie bei diesen gelingt, den Eierstock in die Vagina zu ziehen, um hier die Abtrennung zu bewirken; man ist vielmehr gezwungen nicht nur mit der Hand sondern auch mit den betreffenden Instrumenten in die Bauchhöhle einzugehen, in Folge dessen die Scheidenwunde erheblich grosser ausfallen muss.
Am stehenden Thiere gestaltet sich die Operation ähnlich wie bei Kühen; steht ein Nothstand nicht zur Verfügung, so müssen die Hinterbeine gespannt und ein paar Latirbäume oder ein starker Sack unter den Leib 'gehalten werden, um das Niederlegen zu verliindern. Man sorge namentlich für eine vollständige Entleerung des Mastdarmes; feste Kothballen in demselben begünstigen Verletzungen des Darmes beim Schnitt durch die Scheidenwand. Dieser wird ebenso wie bei Kühen in der Nähe des Muttermundes ausgeführt, nachdem die Scheide sowohl wie die Vulva und ihre Umgebung sorgfältig gereinigt ist. Man vermeide hierbei, namentlich zu Einspritzungen in die Scheide, reizende Flüssigkeiten; selbst 0,l0|()iges Sublimatwasser, namentlich wenn es warm ist, reizt heftig die Schleimhaut und veranlasst Drängen, wodurch die Operation gestört wird; man benutze vielmehr eine kalte Creolinlösung (2 0/o). Nach Perforation der Scheide dringt die rechte Hand in die Bauchhöhle ein und sucht zwischen den Darmschlingen in der Höhe der letzten Lendenwirbel die Ovarien. Bei Stuten, die an Nymphomanie leiden, zeigen sich dieselben oft bis enteneigross. Die Ovarien kennzeichnen sich durch ihre derbe Beschaffenheit und leichte Beweglichkeit. Man umfasst zuerst den linken Eierstock mit der rechten Hand und führt mit der linken einen langen Ecraseur ein, dessen Kette über den Eierstock geschoben wird, was oft nicht leicht ist. Während die linke Hand des Operateurs den Ecraseur fixirt, setzt ein Gehülfe die Schraube bezw. Krücke desselben in Bewegung, um die Kette zu verengern. Die rechte Hand hat in dieser Zeit darauf zu achten, dass nicht Darmschlingen in die Kette des Ecraseurs gerathen. Sobald die Kette das Eierstocksbaml gefasst hat, macht sich ein grösserer Widerstand bemerkbar, und die Drehungen müssen alsdann langsamer erfolgen, bis der Eierstock in die Hand des Operateurs fällt, worauf diese sowohl wie auch der Ecraseur zurilck-MOller, Allgemeine OMinrgte luv Thlerärzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;87
|
||
|
|
||
|
.
|
||
|
|
||
|
578nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Operationslehre.
gezogen wird. Nachdem mit der linken Hand der rechte Eierstock in derselben Weise entfernt ist, sucht man das in die Scheide ergossene Blut mit der Hand soweit möglich zu entleeren und lässt das Thier in einen ruhigen, mit reiner Streu versehenen Stall bringen und womöglich so aufstellen, dass das Hintertheil etwas höher steht als das Vordertheil. Die Nachbehandlung ist ebenso wie bei Kühen zu leiten.
Der Ecraseur verdient hier offenbar den Vorzug vor der Torsion des Eierstockbandes mit einer Zange, weil letztere leichter zu Verletzungen des Darmes führt; doch muss der Ecraseur erheblich länger und stärker sein, als die bisher im Gebrauch befindlichen; Delamotte benutzt einen solchen von 60 cm Länge. Auch darf die Kette bezw. Schlinge des Ecraseurs nicht zu schwach sein; mir passirte es, dass die Kette hierbei zerriss.
Bei weitem unbequemer und schwieriger gestaltetquot; sich die Operation am liegenden Thiere; um das hierbei regelmässig auftretende Drängen zu verhindern, versäume man nicht tiefe Narkose anzuwenden; im übrigen gestaltet sich die Operation wie oben beschrieben. Ich habe auf diese Weise ein paar Stuten operirt; bei der einen handelte es sich um ein abgehungertes Versuchspferd mit kurzer Kruppe; die Operation gelang verhältnissmässig leicht; die zweite kräftige, mit langer Kruppe versehene Stute, welche an Nymphomanie litt, konnte erst castrirt werden, nachdem volle Chloroformnarkose eingetreten war. Trotz grosser Schwierigkeiten gelang die Operation. Auch stellten sich in den nächsten Tagen nur geringfügige Störungen ein; das Thier wurde geheilt. Cadiot, dessen Operation ich persönlich zu sehen Gelegenheit hatte, führte dieselbe im Zwangsstalle aus, wo sich dieselbe viel leichter gestaltet.
Bemerkt sei noch, dass sich an die Castration von Kühen und Stuten zuweilen chronisch entzündliche Processe mit Eiterung in der Umgebung der Scheide knüpfen, welche selbst nach Monaten noch einen tödtlichen Verlauf nehmen. Auch können Verwachsungen zwischen Scheide und Darm oder Bauchwaml zu Darmverschlingungen und tödtlicher Erkrankung Anlass geben. Bourges sah eine Stute 3 Monate nach der Castration an einem auf diese Weise entstandenen Volvulus zu Grunde gehen. Delamotte berichtet über die Castration einer Stute, wobei es zur Abscessbildung kam; der Eiterherd entleerte sich glücklicherweise in die Scheide, so dass Heilung eintrat.
4. Die Castration weiblicher Schweine wird gegenwärtig viel weniger als früher ausgeübt: mit der Einführung des englischen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Castration weiblicher Thiere.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;579
Schweines, bei dem der Geschlechtstrieb nicht in dem Masse ausgesprochen ist, wie bei den früheren Rassen (Zimmermann), wurde die Castration mehr und mehr überflüssig. Die Brunst dieser Thiere ist gering und stört die Mästung nur wenig, so dass man von der Castration der Thiere meist absieht. Auch wird die Operation, welche zwar leicht ist, aber viel Uebung verlangt, von Thierärzten selten vorgenommen. Da der Thierarzt mit der Ausführung derselben jedoch wenigstens theoretisch bekannt sein muss, zumal dieselbe vielfach Gegenstand gerichtlicher Streitfragen bildet, so soll die Castration der Schweine auch hier kurz erwähnt werden.
Sie wird meist im Alter von rt8 Wochen, selten bei älteren Zuchtschweinen ausgeführt, welche die Operation indess ebenfalls meist gut überstehen; nur darf dieselbe nicht während der Brunst der Thiere ausgeführt werden; es empfiehlt sich, die Castration älterer Thiere 46 Wochen nach dem Gebären vorzunehmen.
Die Eierstöcke des Schweines hängen au den langen, dannähnlich gewundenen Uterushörnern, während ein Uterushals hezw. -Mund fehlt; daher wird es möglich: 1. beide Eierstöcke von einer Planke aus zu erreichen und 2. eine Sonde in den Uterus einzuführen, um unter Führung derselben die Eierstöcke von der Linea alba aus aufzufinden. Dementsprechend sind zwei Operationsniethoden im Gebrauch, sowohl von der Flanke wie auch von der unteren Bauchwand aus; die erstere derselben wird in folgender Weise ausgeführt:
Das Ferkel lässt man in der rechten Seitenlage so placiren, dass sich Kopf und Hals desselben auf der Erde befinden, das Hiutertheil des (gestreckten) Körpers auf dem linken Knie des auf einem Stuhl sitzenden Operateurs liegt, der Rücken des Thieres gegen das rechte Knie des Operateurs gerichtet, welcher mit seinem rechten Fusse den Kopf und Hals des Thieres gegen den Boden drückt. Die unter dem linken Arm des Operateurs nach hinten gezogenen Hinterbeine des Thieres werden von einem Gehülfen gehalten.
Mit dem sog. Schweineschneidemesser (Fig. 146) (die breite geballte Klinge liegt lose in einem einfachen Heft, so dass man das Messer mit einer Hand leicht öffnen und schliessen kann) wird 84 cm vor dem äussereu Darmbeinwinkel in der linken Flanke, nachdem die Borsten hier abgeschoren sind, ein Hautschnitt in der Richtung des äussereu schiefen Bauchmuskels von oben und hinten nach unten und vorn laufend geführt, so gross, dass der rechte Zeigefinger des Operateurs hier eindringen und die Bauchmuskulatur und das Peritoneum durchstossen kann. Dieser Stoss muss schnell, senkrecht zur Bauch-
|
||
|
|
||
|
|
|||||||
|
580
|
Allgemeine Operationsielire.
|
||||||
|
|
|||||||
|
decke und während einer Inspiration erfolgen, um eine Ablösung des Peritoneums von der inneren Bauchwand zu verhüten, wodurch nicht nur die Operation erschwert wird, sondern auch leicht nachtheilige
|
|||||||
|
|
|||||||
|
Fig. 140.
|
Folgen entstehen. Der in die Bauchhöhle eingedrungene
|
||||||
|
Zeigefinger sucht zunächst das linke Ovarium auf, welches etwa in der Mitte zwischen dem lateralen Darmbeinwinkel und der Mittellinie des Kreuzbeines seine Lage hat, von etwa Bohnengrösse und derber Beschaffenheit ist, woran man den Eierstock erkennt. Mit gekrümmtem Finger umfasst, wird derselbe zur Wunde und nach aussen geführt und hier vorläufig von der linken Hand gehalten, während der Zeigefinger der rechten von neuem in die Bauchhöhle geht, um den rechten Eierstock zu suchen. Dieser Theil der Operation ist für den Ungeübten mit grösserer Schwierigkeit verbunden. Ein anhaltender Druck auf die rechte Flanke und Hervorziehen des linken üterushornes erleichtert das Aufsuchen, indem der Finger an diesem entlang zum rechten Uterushorn und so zum rechten Eierstock gelangt. Nachdem sohnelde- auch das rechte Ovarium in gleicher Weise wie das linke hervorgeholt ist, werden beide zugleich mit Hülfe der Fingernägel abgekniffen, abgerissen oder abgeschnitten, wobei es nicht darauf ankommt, wenn auch ein Btück vom Uterushorn mit entfernt wird; bei älteren Sehweinen ist hierbei jedoch Vorsicht geboten; man vermeide auch. den Uterus mit hervorzuziehen. Die Uterushörner werden sodann in die Bauchhöhle zurückgebracht, die Hautwunde
|
|||||||
|
|
|||||||
|
geheftet und die Thiere von den reinen, kühlen Stall untergebracht.
|
übrigen abgesondert, in einem In den nächsten 12 Stunden er-sodann leicht verdauliche Nah-folgenden Tagen giebt man dem
|
||||||
|
halten dieselben nur reines Wasser
|
|||||||
|
rung
|
in geringer Menge.
|
An (1
|
cn
|
||||
|
|
|||||||
|
Thiere etwas Bewegung.
Mancherlei Moditicationen dieser Methode wurden empfohlen. Es kann natürlich mit antiseptischen Massnahmen vorgegangen werden, obgleich das nicht notliwendig ist, wie die Erfahrung lehrt. Bei älteren Schweinen werden auch die Bauchmuskeln durchschnitten, so dass nur noch das Peritoneum rait dem Finger zu trennen bleibt. Das Abstossen desselben führt zur Bildung einer Tasche, in welche sich Darmtheile lagern, hier verwachsen und bald durch Peritonitis, bald durch Volvulnsbildung einen tödtlichen Ausgang veranlassen. Der erstere Zustand wird namentlich pro foro häufig falsch gedeutet.
|
|||||||
|
|
|||||||
|
|
|||||
|
Castration weiblicher Thiore.
|
581
|
||||
|
|
|||||
|
indem man .annimmt, dass die Eingeweide durch den Operateur an die Bauchwand geheftet wurden.
Dem Ungeübten ist zu rathen, zunächst eine Versuchsoperation zu machen, um sich zu orientiren; andernfalls kann es ihm passiren, dass er die Eierstöcke nicht findet. Welche Geschicklichkeit indess hier erlangt werden kann, beweisen die Castrirer; in England operirte der Thierarzt Bowman auf Grund einer Wette 100 weibliche Schweine in 160 Minuten.
Die Castration von der weisscn Linie aus wird in Deutschland seltener ausgeführt; für ungeübte Operateure gestaltet sich dieselbe jedoch leichter als die vorige. Man lässt das
|
|||||
|
|
Fig. 147.
|
|
|||
|
Schwein an den Hinterbeinen aufhängen und führt eine ca. 25 cm lange S-förmig gebogene Sonde (Fig. 147) in die Scheide und Gebärmutter ein und zwar au der oberen Wand dieser Organe entlang, um mit der Sonde nicht in die Harnröhre zu gelangen. Etwa 45 cm vor der Schambeinfuge drängt man die Sonde gegen die untere Bauchwand. Hier wird sodann ein spatenförmiges Messer (Fig. 147) entweder an der lateralen Seite der letzten linken Zitze oder dicht neben der Linea alba durch die Bauchwand gedrückt. Mit einem stumpfen Haken (Fig. 147) wird von hier aus zunächst der Uterus aufgesucht, der leicht gefunden wird, wenn man denselben mit
|
|||||
|
|
|||||
|
der Sonde an die Wunde führt. Vom Uterus ge-
|
quot;N/
|
||||
|
|
|||||
|
langt man zunächst zu dem einen Horn desselben, SpfttenförmleesMes-von welchem der Eierstock abgerissen wird, worauf Sonde zur Castration
.. ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ..nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; An i. t\' tt ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; n weibliclicr Schweine.
man mit dem zweiten ebenso verfahrt. Die Hautwunde wird mittelst der Knopfnaht geschlossen, und heilt in 56 Tagen meist auf dem ersten Wege, während die Nachbehandlung wie oben geleitet wird.
Diese Methode nannte man früher allgemein die chinesische, doch hat Hoffmann gezeigt, dass die gegenwärtig in China übliche Castrations-raethodo wesentlich verschieden von derselben ist und sich der Castration von der Planke aus ähnlich gestaltet; nur dadurch, dass mit einem spaten-förmigen Messer und Häkchen operirt wird, stimmt sie mit der zuletzt beschriebenen überein.
|
|||||
|
|
|||||
|
Als ungünstige Ausgänge kommen Verblutung und Peritonitis in Betracht; die erstere führt regelmässig in den nächsten 24 Stunden zum Tode, während Peritonitis zwischen 8 86 Tage nach der Castration
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||
|
582nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Allgemeine Operationslehre.
tödtlich zu werden pflegt (Lindenberg). Beide Ausgänge werden durch das in einigen Gegenden übliche Herumtreiben der Schweine bald nach der Castration begünstigt. Während sorgfältiges Abkneifen oder Abdrehen am sichersten gegen Verblutung schützt, wird Peritonitis durch Antisepsis, wie sie bei allen Operationen an der Bauchhöhle geboten ist, verhütet.
5, Die Castration der Hündinnen wird nur selten verlangt und bezweckt in der Kegel den mit der Brunst der Thiere verbundenen Unbequemlichkeiten zu entgehen. Auch diese Thiere ertragen die Operation in jugendlichem Alter und in nicht fettem Zustande am leichtesten; dagegen gestaltet sich die Ausführung fast noch schwieriger als beim Schwein und verlangt ebenfalls Uebung. Das gilt namentlich von dem Flankenschnitt, der ähnlich wie beim Schwein ausgeführt wird. Die Eierstöcke liegen beim Hunde weiter nach vorn in der Nähe der Nieren, sind klein, von Fett eingehüllt; das Eier-stocksband ist kurz.
Die Placirimg der Hündin kann wie beim Schwein erfolgen, oder es wird das Thior in der Seitenlage auf einem Tisch liegend castrirt. Der Hautschnitt erfolgt etwa 3 cm vom lateralen Darmbeinwinkel und ebensoweit von den Querfortsätzen des Lendenwirbels entfernt; derselbe soll 4 cm lang sein, in der Richtung des äusseren schiefen Bauchmuskels verlaufen und auch diesen zugleich trennen. Will man beide Eierstöcke von derselben Seite holen (wie beim Schwein), so lege man den Schnitt nicht zu weit nach vorn; umgekehrt verfahre man, wenn von beiden Seiten operirt wird.
Nachdem der Zeigefinger der rechten Hand die Bauchwand wie beim Schwein durchstossen hat, geht derselbe nach dem fünften und sechsten Lendenwirbel, um unter den Querfortsätzen derselben, dicht hinter der Niere den linken, etwa bohnengrossen Eierstock zu suchen. Findet man ihn nicht, so bemerkt man doch alsbald das Gebilrmutterhorn, welches hervorgezogen werden kann, um an demselben aucii den Eierstock zu erreichen, den man abkneift oder abschneidet. An dem linken Horn zieht man auch das rechte hervor und entfernt dessen Eierstock in gleicher Weise. Nachdem die Utenishörner sorgfältig in die Bauchhöhle zurückgebracht sind, wird die Hautwunde geheftet.
Das Hervorholen des rechten Eierstockes fallt oft schwer, namentlich wenn der Schnitt zu weit nach vorn gelegt wurde. Ich habe daher mehrfach nacli Entfernung des linken Ovariums und Heften der
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Castration weiblicher Thiere.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,r)8H
Wunde die Operation an der rechten Seite wiederholt und gleichfalls mit Erfolg operirt.
Die Castration von der Linea alba aus ist für den Ungeübten leichter und wird ähnlich wie beim Schwein ausgeführt; nur bei stark entwickeltem Euter und älteren Thieren stösst man wohl auf Schwierigkeiten. Schon Viborg hat dieselbe empfohlen; sie wird folgendermassen ausgeführt:
Auf einem Tisch befindet sich die Hündin in der Rückenlage, und womöglich in Narkose. Eine starke Sonde, deren Ende etwas gebogen ist, wird an der oberen Wand der Scheide in die Gebärmutter zu schieben gesucht. Das ist allerdings nicht so leicht wie beim Schwein, gelingt indess, wenn man das Ende der Sonde an die obere Wand der Scheide gedrückt eingeführt. Nunmehr wendet man das Ende derselben gegen die untere Bauchwand, so dass es sich etwa 35 cm vor der Schambeinfuge bemerkbar macht. Hier wird dicht neben der Linea alba ein Einschnitt von 36 cm Länge gemacht, das Peritoneum mit dem Finger durchstossen, und geleitet von der Sonde sucht man die Grebärtnutter und an dieser die Eierstöcke auf, um sie durch Abdrehen, Abkneifen oder Abreissen zu entfernen. Die Hautwunde muss sorgfältig geheftet und antiseptisch behandelt werden. Bei jungen Hunden wurde empfohlen, den Uterus dicht hinter der Bifux-cationsstelle doppelt zu unterbinden und zwischen beiden Ligaturen zu durchschneiden, ohne die Eierstöcke aufzusuchen. Ob damit bloss das Zeugungsvermögen oder auch die Brunst zerstört wird, erscheint zweifelhaft.
Hoff mann empfiehlt in der Linea alba zu operiren, das breite Mutterband zu durchstossen und den Eierstock nach Unterbindung mit Catgut abzuschneiden. Die Eauclimuskulatur lässt Hoff mann mit Catgut, die äussere Haut mit Seide heften, und mittelst Zirkelbinde einen Occlusivverband anlegen.
6. Die Castration des weiblichen Geflügels besteht in der Durchschneidung des Eierganges. Man lilsst die Thiere wie bei der Castration männlicher Hühner (S. 564) von einem Gehülfen halten und macht wie dort beschrieben 23 cm vor dorn After einen Querschnitt von derselben Länge durch die Bauchdecke. Mit dem desinficirten Zeigefinger schiebt man nun den Mastdarm bei Seite und erfasst mit einer Pincette den unter dem Rectum liegenden Eiergaug, der sich durch seine hellweisse Farbe bemerkbar macht. Derselbe wird etwas hervorgezogen und 2 cm vor seiner Einmündung in das Rectum mit der Schere quer durchschnitten ; Andere schneiden ein Stück aus demselben heraus. Nachdem die Enden zurückgebracht sind, heftet man die Wunde, wie S. 565 beschrieben wurde.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
584
|
Allgemeine Üperationslehre.
|
||
|
|
|||
|
Dei- Eierkanal kann auch durch einen Einschnitt über dem After her-vorgepresst werden, indem man einen langsamen Druck auf den Hinterleib des Thieres ausübt: sodann wird derselbe abgeschnitten und eine Naht angelegt.
Die Thiere erhalten in den nächsten 34 Tagen von den übrigen abgesondert einen kühlen, ruhigen Stall und leicht verdauliche Nahrung.
Die Exstirpation der Eierstöcke soll bei Hühnern gefährlich sein (Gourdon), und da die Castration mittelst Durchschneidung des Legekanals genügt, so wird von ihr kein Gebrauch gemacht.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Register.
|
|||
|
|
|||
|
Abscess 22, periarticulärer 250.
Abscessus articuli 249.
Abwerfen 5.
Acarusräude 318.
Achternaht 68.
Aciduin boricum 86. 89.
Aciclum tannicum als Wundhcilmittel 88.
Acufilopressur 58.
Acupressur 58.
Acupunctur 532.
Acutorsion 59.
Adenom 400.
Adeiiass 482, beim Pferd 485, mit der Laneette 486, mit der Fliete 488, bei Rind 490, Schaf und Ziege 491, Hund und Katze 491, Zufälle beim Ader-lass 491, Folgen 495.
Aderlassschlegel 490.
Aetzmittel, Wirkung derselben 322.
Afterfistel 196.
Akiurgie 418.
Aknc 811.
Akologie 418.
Aktinomyces 382.
Alaun 86.
Alteration der Gefässwilnde 23.
Aluminium aceticum 85.
Ameisensäure in Giftdrüsen der Insecten 168.
Amputation 466, des Schweifes 468.
Anästhesie 224, künstliche locale 451.
Aneurysma 296, arterio-venosum 296, 298, cylindrifonue 296, dissecans 296, fusiforme 296, sacciforme 296, traumatisches 296.
Angioma 386.
Anheilen vollständig abgetrennter Theilc 73.
Anschwellung, entzündliche 18, teigige Beschaffenheit derselben 18.
Antiphlogistische Therapie 41.
Antiphlogosis 40.
|
Antisepsis 77, Durchführung derselben
92, Anwendung derselben in derthier-
ärztlichen Praxis 104. Antiseptik 77, primäre und secundäre 81. Antiseptischo Mittel 83. Aplanation 355. Aplasie, entzündliche 38. Apostema 22. Arthritis 248, fungosa 262, chronica
deformans 268. Arthromeningitis 248. Arthrosporen 30. Arthrotomie 233. Asche als Verbandmittel 91. Asepsis 81. Aseptin 86.
Aspiration von Luft ins Blut 53. Atheroma 409. Atheromatose 296. Atrophie der Muskeln 204 und Nerven
230. Ausbinden der Püsse 436. Ausfesselung 460.
Bacillus oedematis maligni 28, 129, pyocyaneus 22, 110, pyogones footidus 110, erzeugt Phlegmone 151.
Bakterieide Wirkungen 83.
Bakterien als Ursache der Entzündung 26, Kugel-, Schrauben und Stäbchenbakterien 27, pathogenc 26, parasitäre 29, saprophytische 29, Pigmentbakterien 81, Dauer- und Wuehsform derselben 30, Cilien oder Geisseifäden derselben 31, ihreStoft'wochselproducte 31, phosphorescirendo 31, Kindringen 35 und Verbreitung derselben im Körper 36, ausserhalb desselben 82.
Bakterium Septikaemiae haemorrhagicae 129, Abschwächung ihrer Virulenz 83, aerobe und anaerobe 30, Dauerform ders. 30.
|
||
|
|
|||
|
|
||||
|
586
|
Register.
|
|||
|
|
||||
|
Beinhaut, Entzündung derselben 339.
Beruhigungsmittel bei Pferden 420.
Besteck, antiseptisches 106.
Biegungsbrüche 347.
Bienenstiche 167.
Bindegewebsgeschwülste 378.
Binden 476, Anlegen derselben 48, Aufrollen derselben 478, Spaltbinden 42i), zweiköpfige 478.
Hismutum subnitricum 88.
Bisswunden 161, von tollwuthkranken Hunden 170.
Bistourie 453.
Bleikolik 223.
Blitzfiguren 325.
Blitzschlag 325.
Blutboule 295.
Bluterkrankheit 52.
Blutersparniss bei Operationen 497.
Blntextravasat 175.
Blutgefässe, Krankheit derselben 293, Verletzung 293, suboutane 294, Bildung der Collateralgefässe 294.
Blutleere, künstliche 498.
Blutschwamm 389.
Blutstillung, künstliche 4455, spontane 52, durch Sympathie 57, durch Compression 57, Torsion 58, Unterbindung 59, durch Styptica 67.
Blutungen bei Wunden 57.
Borsäure 86, 89.
Botryomyces 29.
Botryomykome 381.
Brand 186, als Ausgang der Entzündung 39.
Brandblasen 188.
Brandemphysem 187.
Brandfieber 188, 190.
Brandjauche 193.
Brandmauke 158.
Bremsen 421, Brustbremse 437, eiserne 421, Maul- 423, Ohr- 423, polnische und ungarische 423, Schenkel- 423, Nasenbremse für Rinder 437.
Brennen 519, mit Stift 527.
Brenneisen 524.
Brennfiguren 528, Distancefeuer 529.
Bruchfieber 123, 354.
Brüche der Knochen 347, Torsionsbrüche 347.
Brustbeinfistel 345.
Brustbeule 201.
Buchweizenausschlag 308.
Bursatti 402.
Bursitis 290.
Callusbildung 354, C. fibrosus 356, Deformität desselben 357. ancroide 405. Carbolsäure H4.
|
Carbunkel 311.
Carcinoine 401.
Carcinomatose 401.
Caries des Knochens 342.
Caro luxurians 115.
Carotis, Aderlass an derselben 485.
Castration 533, männlicher Thiere 633, mit Erhaltung der Hoden 536, Klopfen der Hoden und Samenatrangs 536, Torsion des Saraenstranges 537, sub-cutane Unterbindung des Samen-strangos 538, subeutane Unterbindung der Samenleiter 539; mit Entfernung der Hoden 639, durch Abdrehen 541, Abquetschen 540, Abreissen 540, Abschaben 640, Durchbrennen des Samenstranges 644, Unterbindung 543.
Castration ä testicule couvert 546, 553, decouvert 660, der Hengste 548, im Stehen 549, mit Kluppen 650, durch Abbrennen 588, Torsion 558, mit dem Ecraseur 558, Unterbindung 568, aseptische 559; der Wiederkäuer 561, Schafe 663, Schweine 663, Fleischfresser 564, Geflügel 564.
Castration weiblicher Thiere, Kühe 576, Lämmer 576, Stuten 576, Schweine 578, Hündinnen 582, weiblichen Geflügels 683, nachtheilige Folgen 667.
Chlorzink 86.
Chondritis 248.
Chondrom 387.
Chondromalacie 260.
Chromsäure 86.
Cilien der Bakterien 81.
Coagulationsnekrose 21, 187.
Combustio 320, s. auch Verbrennung.
Compression, methodische gegen Entzündung 44, bei Zerreissungen 173 , bei Quetschungen 181.
Compressionsbrüche 347.
Gongelatio 328.
Congestion, entzündliche 16.
Constrictionsschlauch, Esmarch'scher Schlauch 58, 498.
Contusion 173, der Gelenke 267.
Corpora libra s. oryzoidea 272 bis 291.
Coup de Chaleur 326, de soleil 327.
Creolin 87.
Crepitation bei Knochenbrüchen 349.
Cutis pendulans 379.
Cysten 408.
Decubitus als Ursache des Brandes 188. Defervescenz, kritische 126. Degeneration, fibrinoide 21. Dehnung der Weichtheile 170. Demarkation 189.
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
Register.
|
gt;87
|
|||
|
|
||||
|
Dermatitis chronica, apostenmtosa 313,
verrucosa 313, erythematoaa 807, ekze-
matosa 309. Dermoidcyaten 410, odontopoetischeilO. Desmologie 418. Diapedesis 17.
Digitalcompression zur Blutstillung 57. Diphtherie der Granulation 116. Dislocation der Knochen bei Brüchen
350. Dissection 189. Distorsion 273. Dolor bei Entzündungen 19. Druck als Heilmittel gegen Entzündung
44. Drüsengeschwulst 400. Durchstossungsfractur 349.
Eburneation 340.
Ecrasement linöaire 461.
Ecraseur 461.
Effleurage 44.
Einkeilung der Knochen 351.
Einschmelzung, entzündliche 39.
Einschuss 153.
Eisballen 202.
Eiter 21, seine Zusammensetzung 22, Versenkung 112, Retention 112.
Eiterknoten in der Lunge 135.
Eiterkörperchen 21.
Eiterplasma 21.
Eiterserum 21, 22.
Eiterung 21, 107, ohne Mikroben 22, durch solche veranlagst 108, eiterige Infiltration 22.
Ekchondrose 387.
Ekchyraosen durch tiuotschung 175, durch Zerreissung von Blutgefassen 295.
Ekzema 809.
Elektropunctur 532.
Elephantiasis 150, eine chronische Dermatitis 312.
Emasculator 590.
Emigration 16.
Emphysem bei Soptikämie 132, bei l'hlog-mone 154, bei Brand 187.
Emprosthotonus 142.
Empyema articuli 249.
Endotheliom 393.
Endothelkrebs 395.
Entartungsreaction 281.
Entzündung 15, 16, acute 19, chronische oder productive 38, gefiissloser Theile 20, interstitiolle, parenehymatöse und superficielle 28, metn8tatische38,137, Ausgang derselben 38, Behandlung infectiöser Entzündung 46, Ursache derselben 25.
Entzündung der Muskeln 200, (ielenke
|
248, Sehnenscheiden 284, Schleimbeutel 290.
Entzündungsgeschwulst 18.
Entzündungshitze 18.
Epiphysenablösung, spontane 338, traumatische 399.
Epulis sarkomatosa 392.
ErfVierung32S, Tod durch Erfrierung332.
Ergotismus gangraenosus 188.
Erschöpfungshypotheso der Immunität 33.
Erosion 181.
Erysipelas 148, bullosum 199, gangrae-nosum 199, phlogmonosum 199.
Erythema 307, solare 308.
Exantheme 807.
Exarticulation 468.
Excitationsstadium der Narkose 440.
Excoriation 181.
Exostosu 340, extraarticuliire 200, sub-synoviale 270.
Exsudat, entzündliches 20, eiteriges 21, flbrinöses 21, hiiraorrhagisches 21.
Kxtravasat 175, Zersprengen desselben 184.
Fascia nodosa 479.
Faulbrand 187.
Foderbalg 410.
Fenster in Verbänden 866.
Fettgeschwulst 384.
Fibrinregeneratoren 54.
Fibroblasten 75.
Fibroide 378.
Fibrome 378.
Fieber, aseptisches 180, Brandfiober 190.
Pilarla Bankrofti 312.
Filtrirpapier als Verbandstoff 91.
t'ingcreindruck 18.
Fistelgang 197, -mund 197.
Fisteln 195.
Fissuren 348.
Flechte, fressende 314.
Fleischgeschwulst 390.
Fleisch, wildes 115.
Fliote 488, Haltung derselben 489.
Fluctuation 23.
Follikelcysten 409.
Fontanell 514.
Forcipressur 58.
Fomentation 41.
Fracturen 347, s. auch Knochenbrüche.
Fragilitas ossium 347.
Frostbeulen 881.
Function33törungenbeiKntzünduiigenl9.
Fungus haematodes 389.
Funiculitia ebronica 380.
Furunkel 811.
Furunkulosis 811.
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
588
|
Hegistcr.
|
|||
|
|
||||
|
Galle 249, acute 249, chromsche 252, verhärtete 260, 288.
Galvanocaustik 461.
Ganglion 285.
Gangrän 186, spontanes 189.
Gangrene foudroyante 152, 198.
Gaze 91.
Gefussgeschwulst 389.
Gehirnlähtming 126.
Gcisaelfäden der Bakterien 81.
Gelenkbänder, Entzündung derselben 274, Relaxität 274.
Gelenkbriiche 358.
Gelenke, Krankheiten derselben 245 Entwiokelung und Einrichtung der selben 245, Entzündung 248, Mäuse 272, Wassersucht 249, Galle 249, 252 Heugestellung derselben bei Entzün dung 254, Waehsthumsstörungen 246 Wunden und Quetschungen 264, Ver Stauchung 273.
Gelenkentzündung 248, Eintheilung 248, katarrhalische 250, secundäre 338.
Genius epidemicus 37.
Gerbsäure als Wundheilmittel 88.
Geschwülste 367, Wachsthum derselben
369,nbsp; Generalisation 370, Eintheilung
370,nbsp; Diagnose 371, Behandlung 375, Reoidive 377.
Geschwür 192, eallöses 193, fressendes oder phagedänisches 193, torpides oder atonisches 193, erethisches 193.
Gewächse, desmoide 378.
Gewebstrenming, Methode derselben 453.
Gips zu Verbänden 361.
Glaswolle als Verbandstoff 91.
Gliom 386.
Glüheisen, Anwendung desselben 519, Glühnadel 524.
Granulation 74, Anomalien derselben 107, ungleichinässige 114, mangelhafte 114, üppige 115, erethische 115, Diphtherie derselben 116, unvollständige Bcnarbung derselben 117.
Grützbeutel 409.
Guttaperchaverband 363.
Haarbalg 410.
Haarseil 618, Nadeln 515, nach Scwell
516. Haarseilschuss 164. Hämatom durch Qaetschung 175, durch
Zerrung von Gofässen 295. Ilämophilie 52.
Hämorrhagie, entzündliche 17. Hämorrhoiden sind Varicositäten 299. Hakenzangon 458. Harzverband 363. Haut, äussere, Krankheit derselben 307,
Exantheme 307, Erythem 307, Druck-
|
brand 320, Nekrose derselben 320, Verbrennung derselben 820.
Heften der Wunde 62, Zweck derselben 113.
Heftfäden, Material 64.
Heftnadeln 62, Gerlach'sehe 63.
Heilmethode, derivatorische 47.
Heilmittel, ableitende und zertheilende 46.
Heilungsvorgänge in Wunden s. Wundheilung.
Hemiplegie 227.
Herzlähmung 126.
Hinterfnss, Befestigen desselben 425, Spannen desselben 425.
Hirschkrankheit 141.
Hitzschlag 326.
Hoden, Lage derselben 535, Verwachsung mit Scheidenhaut 565.
Holzkohle als Wundheilmittel 89.
Holzwolle und Holzwollwatte 91.
Hornisse, Stich derselben 1C7.
Hornnarbe 110.
Hufknorpelfistol 157.
Hydarthros 259.
Hydrobenzol s. Carboisäure.
Hydrops articuli 249.
Hygroma 287, proliferum 285, 291, Sprengung desselben 289.
Hyperämie, entzündliche 17.
Hyperästhesie, Grundlage der Neuralgie 223.
Hyperostosen 340.
Hyperplasie, entzündliche 38.
Ichor 193.
Icterus 137.
Immersion 41.
Immunität 32, ihre Erklärung 33, Experimente 34.
Impfnadeln 509.
Impfung 32, 507, in die Blutbahn 511.
Implanation 351.
Induration, entzündliche 38.
Infarct 187.
Infection 31, atmosphärische 82, der Wunden 107.
Infectionskrankhoitcn 31, Heilung derselben 34.
Infiltration, eiterige 22, plastische und zelligo 18, hämorrhagische 115, 295.
Infractionen 348.
Injection von Arzneimitteln 500, in die Blutbahn 502, subeutan hypodermat. 508, intratracheal 504, intralaryngeal 505, parenehym. 305, vegetationsfähiger Keime 36.
Insolatio 327.
Instrumentenlehre 418.
Interposition 356.
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
Register.
|
589
|
|||
|
|
||||
|
[noculatio 507.
[rrigation 42, permanente 99.
Irrigator 42, einfacher 107.
Jodoform 87.
Jodol 89.
Jodtrichlorid zur Immunisirung 33, als
Wundheilraittel 87. Jute als Verbandstoff 91.
Kälte als Heilmittel bei acuter Entzündung 41.
Kältemisohungen 43.
Katfee als Wundheilmittel 89.
Kaliumalbuminat 22, bichromicum 86.
Kampfer als Wundheilraittel 86.
Kapselkokken 29.
Kephalhämatom 295.
Kettensäge 465.
Kettenverband 479.
Kleienkrankheit 339.
Kleisterverband 362.
Kloaken am Knochen 343.
Klopfen vergl. Massage.
Kluppen 545, -schraube 540, -zange 547, Abnehmen derselben 555.
Kniefessel 424.
Knochen, Krankheiten derselben 334, Brüche 347 , Eiter 345, Entzündung 334, Festigkeit derselben 347, Vas-cularisation derselben 336, Caries 342, Exfoliation 336, Auftreibung 338, Ne-krose, contrale 338, 342, Sequester 347, -geschwulst 388.
Knoohenbrüche 347, Fissuren 348, Spalt-brüohe 348, Infraction (Knickbrüche) 348.
Knochenmarkentziindung 337.
Knochenschere 465.
Knochenzange 465.
Knopflochwunde 198.
Krankheiten, septikilmische 130.
Krebsgeschwür 401.
Krebsmilch 405.
Krebsnabel 401.
Krüllgaze 91.
Krüschkrankheit 339.
Kugelzange 166.
Kystoma 410, carcinomatosum 410.
Lähmungen der Nerven 224, spastische
228, Diagnose der Lähmungen 236. Lanoetten 453. basso-dompteur 426. Lehmanstrieb gegen Entzündung 92.
Leuoin 22.
Ligaturzur Blutstillung 59, elastische 462. Lipoma 384. Löffel, scharfer 454. Lufteintritt in die Blutbahn 53, in die Bauchhöhle 666.
|
Luf'tombolie 53.
Luxativ 249, habituelle 281.
liuxationsmechanismus 280.
Lymph angieotasien 301.
Lymphangioitis acuta 301, purulenta
302, septica 303. Lymphdrüsen, Entzündung derselben
304,nbsp; seröse Durchtränkung derselben
305,nbsp; nbsp;Induration derselben 306. Lymphgefüsse, Krankheit derselben 301,
Entzündung, acute 301.
Lymphextravasat 175, Behandlung desselben 184.
Lymphom 395.
Lysis des Fiebers 126.
Lysol 87.
Makintosh 80.
Malum coxae senile 269.
Markschwamm 391.
Massage 44, bei Quetschungen 181, Einleitungsmassage 182.
Materia peccans 47.
Matralzennaht 69.
Maulsperre oder Maulklemme 141.
Melanocarcinome 407.
Melanome 406.
Melanosarkome 407.
Melanosen 406.
Melanosis 406.
Meliceris 409.
Messer 454, Haltung desselben 455, 456.
Metastasen 38, bei der Pyämie 137, secretorisehe und febrile 137, 263.
Mikroben s. Bakterien.
Mikrokokkus aseoformans 380, botryo-myces 380, pyogenes tennis 110, tetra-gonus 27, 110, erzeugt Pblegmone 151.
Mikroparasitcn s. Bakterien.
Milzbrandlmcillen und Sporen 28.
Mittel, ableitende und zertheilende 46.
Monoplegie 227.
Moostorf 91.
Mortiiicatio 186.
Mull 91.
Mumiticatio 186.
Mures articulorum 272.
Muskeln, Krankheit derselben 198, Verwundungen 198, Quetschungen 199, /.eiTeissungen 199, Entzündung 200, Pseudohypertrophie ders. 20t, Oontrac-turen 205, struppirte Beschaffenheit derselben 202.
Muskolbrueh 200.
Muskelgeschwulst 396.
Muskelbemie 200.
Muskel rheumatismus 203.
Muskelschwund 204.
Muskelübermüdung 199.
Muskelvorfall 200.
|
|||
|
|
||||
|
i
|
||||
|
|
||||
|
590
|
Register.
|
|||
|
|
||||
|
Muttermal 389.
Mykodesmoide 380, 382.
Mykofibrome 380.
Myoma 396.
Myosin 22.
Myositis 200, chronica 201, iibrosa 201,
interstitialis 202, ossiflcans 202. Myotomic des Schweifes 471. Myxoma 385.
Nadelhalter 02, 03.
Naevus vaseulosus 389.
Nähmaterial, Sterilisation desselben 95, Aufbewahrung 96.
Naht s. Wundnaht.
Naphthalin 88.
Narbe 72, Retraction und Schrumpfung derselben 77.
Narbenkeloid 116.
Narkose 439, bei Pferden mit Chloroform 440, Statistik 442, mit Chloral-hydrat 446, mit Aether 448, mit Benzin 449, bei Rindern 449, bei Fleischfressern 450.
Nearthrosis 280.
Nekrobiose 192.
Nekrose 186, als Ausgang der Entzündung 39, progressive 189.
Nerven, Krankheiten derselben 220, Dehnungen 222,224, Entzündung 223, Extraction 224, Geschwulst 397, Lähmung 224 , Naht 221, Quetschungen 222, Regeneration derselben 221, Schmerz 223, Schnitt 234, Wunden 221, Zerrungen 222.
Neuralgie 223.
Neurectomie 221, 234, des Medianus 24, des Plantaris 237, des Tibialis 243.
Neuritis 223.
Neurofibrom 399.
Neurolysis 222.
Neurom 397.
Neurotomic 221, 234.
Niedergebrochen 215.
Niederschnüren des Rindes 437.
Nothstilnde und Nothwände 425.
Nystagmus 443.
Oedem, entzündliches 18, malignes 152, Vorkommen des letzteren bei Thieren 155.
Oele, ätherische, in der Wundbehandlung 86.
Onchocorca reticulata 383.
Operationstisch für Pferde 426.
Opisthotonus 141.
Orthotonus 141.
Osteoblasten 340.
Osteochondritis dissecans 272.
Osteoklasten 336.
|
Osteoma 388.
Osteomalacie 838, 339, rothe 839.
Osteomyelitis 337, spontane diffuse 388.
Osteoperiostitis 840, 344.
Osteophyten 840.
Osteoporosis 335.
Osteopsathyrosis 347.
Osteosclerose 334.
Ostitis 334, condensirende 834, degenerative 335, fungosa 335, hämatogene 335, ossificans 334, regenerative 334, rareficirende 334.
Othämatoma 295.
Ovariotomie s. Castration.
Pachydermie 812.
Papayotin soll Septikämie erzeugen 130,
bei Tumoren angewendet 328. Parabursitis 290.
Parachondritis phlegmonosa 196. Paraglobulin im Eiter 22. Paralysis 228. Paraplegic 224. Parasiten s. Bakterien. Paresis 224. 228. Parostitis ossificans 341. Penghawar Djambi 57. Penghawarwatte 57. Perforation der Abscesse 23. Perilymphadenitis 305. Perilymphangioitis 302. Periostitis dissecans 341, fibrosa 342,
ossificans 339, suppurativa 341. Periostomie 345.
Peritonitis nach der Castration 569. Perlennaht 69. Perniones 331. Perplication der Gefässe 61. Petrisaago 44. Phagocytose 33. Phenol s. Carbolsäure. Phlebectasien 299. Phlebolithen 300. Phlegmone 150, eiterige 151, septische
152, 155, subfasciale 163. Pigmentbakterien 31. Pincetten 457. Pleurothotonus 142. Polyarthritis 251, 263, Priessnitz'schc Umschläge 44. Proteus 130. Pseudarthrose 356. Psorospermien 202. Ptomaine 26, 81. Pulsation, mitgetheilte 297. Pyämie 134, kryptogenetische 136. Pyoktannin 87. Pyo-Septikämie 136. Pyramiden-Seitenstrangbahnen 225.
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
Kegister.
|
591
|
|||
|
|
||||
|
Queckeilbersublimat 83. Quetschung 173. Quetschwunden 161, 174.
Rausehbrand, Wacillen desselben 28. Reduction der Knochen bei Fracturon
358. Refloxbogen 229.
Reflexe, Zustandekommen derselben 228. Reienabscesso 302. Reposition der Knochen bei Fracturen
358. Resolution der Entzündung 38. Retention der Knochen bei Fracturen 360. Retentionsgeschwülste 409. Retentionshypothese bei der Immunität
33. Rhabdomyom 396. Rose 148. Rothlauf 148, der Schweine 148.
Sägespäne als Verbandstoff 91.
Salicylsäure 85, 88.
Samenleiter,Unterbindungderselben539.
Samenstrang 534, Abschaben desselben 540, Durchbrennen desselben 544, Klopfen desselben 530, Torsion 537, 543, Unterbindung 538.
Scheintod 186.
Scheren, chirurgische 460.
Schienenverband 363.
Schlangenbiss 169.
Schleimbeutel, subcutane, Kinrichtung derselben 284, Krankheiten derselben 290, Entzündung derselben 290.
Schleimgeschwulst 385.
Schneeballenknirschen 255.
Schusskanal 164.
Schusswunden 164.
Schwämme, Sterilisation derselben 94.
Schwein^astration männlicher 563, weiblicher 578.
Schweinschnoidennesser 580.
Schwellung, entzündliche 18.
Schwiele, rheumatische 203.
Sehnen, Kinrichtung derselben 207, Krankheiten derselben 206, Entzündung 213, Verwachsung 214, Verwundung 208, Zorreissungen 208, Regenc-rationsvorgänge in denselben 209.
Sehnenscheiden, Krankheiten derselben 283, Entzündung 284.
Sehnenscheidcngalle 285, verhärtete 285.
Septikämio 128, durch Injection von Fermenten 130, baktoriel lo 130, krypto-gonetischo 131, toxische 130, nach der Castration 569.
Sequesterbildung 186, 343.
Serumalbuminat 22.
Serumtherapie 512.
|
Sharpoy'sehe Fasern 340.
Silk, protective 80.
Skariflcation 496.
Skirrhus 402.
Solutol 87.
Solveol 87.
Sonden 456.
Sonnenstich 327.
Spasmotoxin 139.
Speiehelfistel 196.
Spirillen 27.
Spiroptora cincinata 213. 383.
Splitterbruch 348.
Spongiosität 340.
Sporen 30.
Sporenhaut 30.
Spray 80.
Spritzen 504, 500.
Staphylokokken 27, 10raquo;.
Starre 186.
Starrkrampf 138, Verbreitung desselben) 140, nach der Castration 141, bei Wunden 143.
Stase, entzündliche 17, globulöse 16.
Sterilisation 82, der Hände 94, des Nähmaterials 95, der Schwämme 94.
Stichwunden 159.
Stielbildung bei Unterbindung der Geschwülste 463.
Streifschuss 165.
Streptokokken 27, 10raquo;,
Struma 410.
Styptica 56.
Subluxation 279.
Substanzen, chemotactische 17.
Suffusionen 175.
Suggillationen 175.
Sutura (s. auch Naht) circumvoluta 68. clavata 09, nodosa 64.
Synostosis ossca 253, extraarticuläre 277.
Synovitis 248, acuta 248, fibrosa 260, chronica 258, chronica suppurativa 261, proliferans 259, serosa und sero-fibrinosii 249.
Tamponade zur Blutstillung 58, aseptische 101.
Tampons 58, 120.
Tondalgia crepitans 288.
Tendinitis 212.
Tendosynovitis 284.
Tendovaginitis 284, catarrhalis 280. chronica fibrosa 285, metastatica 288. serofibrinosa 285.
Terpentinöl als Wmidheilmittel 86.
Tetanin 139.
Tetanotoxin 139.
Tetanus 138, Bacillen desselben 139, bei Hunden 143.
Tetrajodpyrrol 89.
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
592
|
Register.
|
|||
|
|
||||
|
Thennocauter nach Paquelin 630.
Thonerde, essigsaure 85.
Thrombose als Ursache derBlutstillung'54.
Thrombus 54, Veränderungen desselben 55.
Todtenlade 848.
Topotement 44.
Torf und Torfmull 91.
Torpor, localer 180-
Torsion der Gefässe 58, des Samen* Stranges 537.
Torsionsbrüche 347.
Tourniquet 57.
Toxalbumine 81.
Toxine 26, 31.
Transplantation 73, 117.
Transsudation, entzündliche 17.
Tripolith zu Verbänden 301.
Trokurt 459, Probetrokart 505.
Tubularnaht 221.
Tubulisation 221.
Tumoren 367.
Tumor, entzttndliohei 18, albus 262.
Tyrosin 22.
Ueberbein 340.
Ulceration 192.
Ulcus 192, elovatum s. f'ungosum 193.
ümkrempen der Wundränder 66.
l'mschläge, kalte 41, Priessnitz'scho 44,
bei Quetschungen 183. Unterbindung des Samenstranges 463. Unterbindungsnadel nach Dechamp 238.
Varieositäten 299.
Varix 299, aneurysmatious 296, serpen-tiniformis 299.
Venensteine 300.
Verbände, bei Wunden 80, bei inflcirten Wunden zu vermeiden 114, Occlusiv-verband 80, Zweck desselben 120, Lister'scher 80, modificirter 81, Dmck-verband 120, Schutzverband 120.
Verbandlehre 476.
Verbandstoffe 90.
Verbandwechsel 120.
Verblutung, bei Wunden 51, bei Muskel-zerreissung 199.
Verbrennung 320, Ursachen des Ver-bronnungstodes 323.
Vernähen 67.
Versohwärung 192.
Vorstauchung 273.
Vibices 175.
Vibrions septiques 12traquo;.
Vipera berus, Kedii und proster 169.
Vorderfuss, Hochbinden desselben 425.
Vorfall des Darmes bei Castration 566, des Netzes 565.
|
Wärme, als Heilmittel beiEntzündung 43.
Wasserglasverband 362.
Watte, blutstillende 56, als Verbandstoff 91.
Werfen der Pferde 427, der Rinder 437.
Werg als Verbandstoff 91.
Wespenstiche 167.
Widerristfistel 157.
Wismuthnitrat 88.
Wunden 50, ihre Kintheilung 50, Behandlung 107, 119, inflcirter 113, Grund derselben 50, Klaffen derselben 51, 61, aseptische und inficirte 50, vergiftete 50, 167, reinigen sich 75, benarben 76, Baden, Kühlen und Waschen derselben 101, Bisswunden 161, Stichwunden 159, Schusswunden 164, der Gelenke 264, der Muskeln 198, der Nerven 221, der Sehnen 208.
Wundfieber 122, aseptisches 123, toxisches 123, infectiöses 122, erzeugt Gehirn- und Herzlähmung 126, nach der Castration 568.
Wundhaken 458.
Wundheilung per prim. int. 70, per secund. int. 73, per tertiam int. 118, unter dem Schorf 97.
Wundnaht 61, Kntspannungsnaht 65, Ktagennaht 65, Knopfnaht 64, Kürschnernaht 67, Achternaht 68, Matratzennaht 69, Situationsnaht 65, Vereinigungsnaht 05, nach Bayer 66, Zickzacknaht 68, Zapfennaht 69, Perlennaht 69, subcutane und versenkte 64, unblutige 70, trockene 70, secun-däre 70.
Wundränder 50. Wundschmerz 51.
Wundsecret 73.
Wundstupor 162.
Wurfzeug, Berliner 428, Stuttgarter 432,
dänisches 433, russisches 434. Würgestrang 487.
Zahnbalg 410.
Zangen zum Abdrehen des Samenstranges 541 und 542.
Zapfennaht 69.
Zerreissung der Weichtheile 170, der Sehnen 208, der Muskeln 199.
Zerrung der Weichtheile 170, der Muskeln 199.
Zertheilung der Entzündung 38,
Zincum chloratum 85.
Zooglöa 27.
Zucker, als Wundheilmittel 89.
Zwangsmittel für Pferde 420, Rinder 436, Hunde 438.
|
|||
|
|
||||
|
jhv;v
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
||