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LEHRBUCH
DEB
SPECIELLEN OHIRUROIE
FÜR
THIERÄRZTE.
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BIBUOTHEEK UNIVERSITEIT UTRECHT
2911 5189
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LEHRBUCH
DER
SPECIELLEN CHIRURGIE
PUR
THIERÄRZTE.
VON
Professor Dr. H. MÖLLER,
DIRIGENT DER CHIRURGISCHEN KLINIK AN DER THIEHARZTL. HOCHSCHULE IN BERLIN.
MIT 120 IK DEM TEXT GEDRUCKTEN ABBILDUNGEN.
-!•!gt;!—#9830;-
\nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 'quot;-:#9632;
STUTTGART.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;__. ..^
VERLAG VON FERDINAND ENKE. 1891.
#9632;
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Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart.
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Vo r w o r t.
In dem Werke, welches hiermit der Oeö'entlichkeit übergeben wird, habe ich versucht, eine wenn auch gedrängte so doch abge­rundete Darstellung der iiusseren Krankheiten der Hausthiere vom Standpunkte unserer gegenwärtigen Kenntnisse und bisherigen Er­fahrungen zu liefern. Als Lehrbuch für Studierende und als liath-geber für den praktischen Thierarzt bestimmt, kam es darauf anj unter Ausscheidung alles Nebensächlichen und Zweifelhaften die für die thierärztliche Praxis wichtigeren Thatsachen zu sammeln, sie von dem heutigen Standpunkte der Wissenschaft aus zu beleuchten und mit ihm in Einklang zu setzen. Nächst den eigenen Beobachtungen raussten hierbei in erster Linie Mittheilungen aus der Praxis der Neuzeit verwerthet werden. Auch die ältere Fachliteratur enthält jedoch ein so überaus reiches und werthvolles Material, dass es un­gerechtfertigt gewesen wäre, es unberücksichtigt ZU lassen. In An­betracht der übergrossen Fülle des Gebotenen mussto ich mich aber darauf beschränken, die wichtigeren Beobachtungen aus der deutschen und ausländischen Literatur, soweit sie mir zu Gebote standen, zu sammeln und für die Bearbeitung des Werkes nach Möglichkeit zu verwerthen. Für diejenigen, welche den behandelten Gegenständen ein eingehenderes Studium widmen wollen, sind — abgesehen von den bekannten Lehrbüchern — die literarischen Quellen den einzelnen Kapiteln vorangestellt worden.
Der Schwerpunkt der Veterinär-Chirurgie liegt unleugbar in den Krankheiten des Pferdes. In Betreff derselben, sowie bezüglich der kleineren Hausthiere glaube ich über ein ausreichendes eigenes Be­obachtungsmaterial zu verfügen. Für die Bearbeitung der Krankheiten der Wiederkäuer und des Schweines hat mein Freund Professor Dr. Esser in Göttingen die Güte gehabt, mir seine reichen Er­fahrungen bereitwilligst zur Verfügung ZU stellen und die betreffenden Abschnitte der Arbeit zum Theil einer Durchsicht zu unterziehen, so dass ich hoffen darf, auch nach dieser Richtung etwas Abgerundetes ZU liefern.
Besonders eingehende Behandlung haben die bisher vernach­lässigten Liihmheiten der Pferde, welche unzweifelhaft einen der wich-
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VInbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Vorwort.
tigsten Abschnitte der Veterinär-Chirurgie bilden, unter Zugrunde­legung der in meiner „Diagnostik der ilusseren Krankheitenquot; aufge­stellten Lehrsätze erfahren. Dagegen mussten die Augenkrankheiten, welche man bisher regelinässig in der Veterinär-Chirurgie abhandelte, von der Besprechung ausgeschlossen werden. Abgesehen davon, dass dieselben bereits an anderer Stelle eine eingehende Bearbeitung durch mich erfahren haben, hat sich die Lehre von den Augenkrankheiten auch in der Thierheilkunde neuerdings mehr und mehr zu einem Speciallache ausgebildet. Ebenso wurden die Hufkrankheiten mit liücksicht auf die bereits von mir veröffentlichte Specialarbeit nur in gedrängter Form wiedergegeben und ihnen die Krankheiten der Klauen und Krallen angeschlossen.
Die dem Text eingefügten Abbildungen sind zum Theil nach Photographien angefertigt, welche in der hiesigen Klinik nach der Natur aufgenommen wurden. Die Figuren 36 und 39 verdanke ich der Güte Professor Dr. Essers, andere sind bekannten Lehrbüchern und Zeitschriften entnommen, während die Abbildungen der Instru­mente grösstentheils von Herrn Ha up tu er, Specialist in der Herstel­lung thierärztlicher Instrumente hierselbst freundlichst zur Verfügung gestellt wurden, daher mit den im Verzeichnisse der genannten Fabrik aufgeführten übereinstimmen.
Durch ein ausführliches Inhaltsverzeichnis und Sachregister glaube ich dem Leser des Werkes das Auffinden des Gesuchten nach Möglichkeit erleichtert zu haben.
Die Krankheiten sind nach den einzelnen Körnerthoilon abge­handelt; es bedarf wohl keiner näheren Begründung, dass diese An­ordnung des Stoffes nicht nur das Studium desselben erleichtert, son­dern auch dem praktischen Bedürfnisse am meisten entspricht.
Berlin im Oktober 1891.
H. Möller.
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Inlialtsverzeichniss.
Die Krankheiten des Kopfes.
I, Die Krankheiten der Lippen und Wangen.
Seite
1.nbsp; Wunden und Quetsoliungen der Lippen und Wangen.....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
2.nbsp; Acute Entzündungen der Lippen und Wangen.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
3.nbsp; Tumoren der Lippen und Wangen............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
4.nbsp; Lähmung der Lippen. Fnoialislillimung..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;6
II. Die Krankheiten der Maul höhle.
1.nbsp; Fremdkörper in der Maulhöhle.............nbsp; nbsp; nbsp; 12
2.nbsp; Krankheiten der Zunge................nbsp; nbsp; nbsp; 15
a)nbsp; Verletzungen ..................nbsp; nbsp; nbsp; 15
b)nbsp; Acute Entzündung ................nbsp; nbsp; nbsp; 16
c)nbsp; Chronische Entzündung...............nbsp; nbsp; nbsp; 18
d)nbsp; Lähmung der Zunge................nbsp; nbsp; nbsp;20
e)nbsp; Froschgeschwulst.................nbsp; nbsp; nbsp;22
f)nbsp; Fraktur des Zungenbeines..............nbsp; nbsp; nbsp; 22
3.nbsp; Brüche der Zwisohenldef'erbeine . . ,.........nbsp; nbsp; nbsp;23
4.nbsp; Verletzungen der Laden. Ladendruck..........nbsp; nbsp; nbsp; 24
5.nbsp; Krankheiten der Zähne................nbsp; nbsp; nbsp;27
A) Unregelmässigkeiten in der Entwickelung.
1.nbsp; Ueber/.ählige Zähne...............nbsp; nbsp; nbsp;28
2.nbsp; Unregelmässigkeiten im Zahnwcehsel........nbsp; nbsp; nbsp; 29
8. Fehlerhafte Stellung der Zähne..........nbsp; nbsp; nbsp;30
13) Unregelmässigkeiten in der Abreibung.
1.nbsp; Das kantige und scharfe Gebias..........nbsp; nbsp; nbsp; 32
2.nbsp; Das Scherengebiss...............nbsp; nbsp; nbsp;35
3.nbsp; Das glatte Gcbiss................nbsp; nbsp; nbsp; 37
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VIIInbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Inhaltsverzeichniss.
Seite
4.nbsp; nbsp;Vorzeitige Abnutzung des Gebisses.........nbsp; nbsp; nbsp; 38
5.nbsp; Das wellenförmige Gebiss.............nbsp; nbsp; nbsp; 39
6.nbsp; Das Treppengebiss...............nbsp; nbsp; nbsp; 40
C)nbsp; Die Krankheiten der Zähne selbst.
1.nbsp; nbsp;Spaltung und Zersplitterung............nbsp; nbsp; nbsp; 42
2.nbsp; nbsp;Hohle Zähne. Caries dentium...........nbsp; nbsp; nbsp; 43
3.nbsp; Weinstein..................nbsp; nbsp; nbsp; 44
D)nbsp; Die Krankheiten der Zahnalveolen.
Periostitis alveolaris................nbsp; nbsp; nbsp; 46
a)nbsp; Bei den Pflanzenfressern............nbsp; nbsp; nbsp; 46
b)nbsp; Bei den Fleischfressern ............nbsp; nbsp; nbsp; 58
E)nbsp; Zahnfistel...................nbsp; nbsp; nbsp; 59
F)nbsp; Neubildungen vom Zahnfleisch ausgehend........nbsp; nbsp; nbsp; 62
III.nbsp; nbsp;Die Krankheiten der Nase, Nasenhöhle und ihrer Neben­höhlen.
1.nbsp; Verletzungen der Nasenflügel..............nbsp; nbsp; nbsp; 63
2.nbsp; nbsp;Brüche des Nasenbeines................nbsp; nbsp; nbsp; 64
3.nbsp; Fremdkörper und Tumoren in der Nasenhöhle.......nbsp; nbsp; nbsp; 65
4.nbsp; nbsp;Empyem der Stirn- und Oberkieferhöhle..........nbsp; nbsp; nbsp; 68
6, Nekrose der Nasenmuscheln..............nbsp; nbsp; nbsp; 70
Die Trepanation der Oberkiefer- und Stirnhöhle.......nbsp; nbsp; nbsp; 70
6. Nasenbluten....................nbsp; nbsp; nbsp; 76
IV.nbsp; nbsp;Die K r an kh e i t e n der Speicheldrüse n.
1.nbsp; Verwundungen und Verletzungen............nbsp; nbsp; nbsp; 78
2.nbsp; nbsp;Entzündung der Speicheldrüsen.............nbsp; nbsp; nbsp; 79
3.nbsp; nbsp;Abscedirung der subparotidealen Lymphdrüsen.......nbsp; nbsp; nbsp; 83
4.nbsp; nbsp;Speichelsteine................* . . .nbsp; nbsp; nbsp; 85
5.nbsp; nbsp;Speichelfistel....................nbsp; nbsp; nbsp; 86
6.nbsp; nbsp;Tumoren der Speicheldrüsen..............nbsp; nbsp; nbsp; 88
7.nbsp; nbsp;Aktinomycesgeschwülste................nbsp; nbsp; nbsp; 90
V.nbsp; Die Krankheiten des Gesichtes und Unterkiefers.
1.nbsp; nbsp;Frakturen der Gesichtsknochen.............nbsp; nbsp; nbsp; 95
2.nbsp; nbsp;Frakturen des Unterkiefers...............nbsp; nbsp; nbsp; 97
3.nbsp; Luxation des Unterkiefers...............nbsp; nbsp; 100
4.nbsp; nbsp;Entzündung des Unterkiefergelenkes...........nbsp; nbsp; 101
5.nbsp; nbsp;Lähmung des Unterkieferlaquo;...............nbsp; nbsp; 102
6.nbsp; nbsp;Periostitis und Exostosen am Unterkiefer.........nbsp; nbsp; 105
7.nbsp; Tumoren am Unterkiefer...............nbsp; nbsp; nbsp;105
8.nbsp; nbsp;Aktinomykose des Kieferknochen............nbsp; nbsp; 106
9.nbsp; nbsp;Entzündung und Neubildungen in den submaxillaren Lymphdrüsennbsp; nbsp; 108
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#9632;
Inhaltsvorzeichniss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;IX
Seite VI. Die Krankheiton der Ohren und der Luftsäcke.
1.nbsp; nbsp;Verletzungen des äusseren Oliros............110
2.nbsp; nbsp;Das ßlutohr....................Hl
8. Entzündung des äusseren Gehörganges..........113
4.nbsp; nbsp;Ohrenflstel, Halakiemenfistel..............116
5.nbsp; nbsp;Chronischer Catarrh der Luf'tsäcke............117
6.nbsp; nbsp;Tympanitis der Luftsäcke...............125
#9632; ,'i VII. Die Krankheiten des Schädels.
1.nbsp; nbsp;Frakturen und Verletzungen der Schädelknochen.......nbsp; nbsp; nbsp;120
2.nbsp; nbsp;Gehirnerschütterung.................nbsp; nbsp; nbsp;129
3.nbsp; nbsp;Frakturen des Stirnheines...............nbsp; nbsp; nbsp;130
4.nbsp; nbsp;Ablösung der Hörner.................nbsp; nbsp; nbsp;132
5.nbsp; nbsp;Wunden und Verletzungen am Schädel..........nbsp; nbsp; nbsp;133
6.nbsp; nbsp;Trepanation und Trokarirung der Sclmdelhöhle . . •.....nbsp; nbsp; nbsp;134
Die Krankheiten des Halses.
1.nbsp; nbsp;Wunden und Quetschungen der Woichtheilo des Halses . .nbsp; nbsp; nbsp;142
2.nbsp; Frakturen der Halswirbel...............nbsp; nbsp; nbsp;140
3.nbsp; nbsp;Verkrümmung dos Halses...............nbsp; nbsp; nbsp;149
4.nbsp; nbsp;Der Kropf......................nbsp; nbsp; nbsp;150
5.nbsp; nbsp;Die Genickbeule...................nbsp; nbsp; nbsp;101
0. Die A der fist el....................nbsp; nbsp; nbsp;105
7.nbsp; nbsp;Die Krankheiten des Pharynx und Oesophagus.....nbsp; nbsp; 170
1.nbsp; nbsp;Fremdkörper in der Rachenhöhle und im Schlünde......nbsp; nbsp; 170
a)nbsp; Beim Pferde...................nbsp; nbsp; nbsp;172
b)nbsp; Beim Rinde...................nbsp; nbsp; 173
o) Beim Schwein.............. ...nbsp; nbsp; nbsp;180
d)nbsp; Bei FlcischtVossorn.................nbsp; nbsp; nbsp;181
e)nbsp; Verstopfung dos Kropfes beim GeHügel.........nbsp; nbsp; nbsp;182
2.nbsp; nbsp;Verletzungen dos Pharynx und Schlundes, Schlundfistol ....nbsp; nbsp; nbsp;183
3.nbsp; nbsp;Kctasien, Divortikol und Zerreissung des Schlundes......nbsp; nbsp; nbsp;185
4.nbsp; nbsp;Verengerung und Compression des Schlundes........nbsp; nbsp; nbsp;189
5.nbsp; nbsp;Lähmung des Schlundkopfes und Schlundes........nbsp; nbsp; nbsp;190
6.nbsp; nbsp;Tumoren in der Rachenhöhle und im Schlünde.......nbsp; nbsp; nbsp;193
8.nbsp; nbsp;Krankheiten des Kehlkopfes und der Luftröhre.
a)nbsp; nbsp;Verletzung, Mntzündung und Neubildung am Kohlkopfe . . .nbsp; nbsp; nbsp;197
b)nbsp; Neurosen des Kohlkopfes..............nbsp; nbsp; nbsp;204
c)nbsp; nbsp;Frakturen, Doformitäten und Stenosen der Luftröhre ....nbsp; nbsp; 207
d)nbsp; Fremdkörper und Parasiten in der Luftröhre.......nbsp; nbsp; 210
e)nbsp; Die Trachootomie.................nbsp; nbsp; 213
f)nbsp; Laryngotomie und Laryngotissur...........nbsp; nbsp; 225
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Xnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Inhaltsveraeichiiiss.
Seite
Die Krankheiten der Brunt.
1.nbsp; Bippenbrttohe...................nbsp; nbsp; 231
2.nbsp; Rippenflsteln....................nbsp; nbsp; 234
3.nbsp; Bruatbeinflstel...................nbsp; nbsp; 236
4.nbsp; Wundon und Quetschungen der Weichtheile........nbsp; nbsp; 238
a)nbsp; Nicht perforirende.................nbsp; nbsp; 238
b)nbsp; Perforirende...................nbsp; nbsp; 241
B. Die Brustbeule .... .............nbsp; nbsp; 246
6.nbsp; Der Sattel- und üesehirrdruck.............nbsp; nbsp; 253
A)nbsp; Satteldruck bei Pferden.............nbsp; nbsp; 253
B)nbsp; Quetschungen durch Kummet und Geschirr........nbsp; nbsp; 265
7.nbsp; Tumoren an der Brust................nbsp; nbsp; 267
8.nbsp; Der Bruststich...................nbsp; nbsp; 268
Die Krankheiten des Baucheraquo;.
1.nbsp; Quetschungen der Bauchdeckcn.............nbsp; nbsp; 275
2.nbsp; Bauchwunden...... ............nbsp; nbsp; 277
3.nbsp; Darm- oder Kothflstel.................nbsp; nbsp; 287
4.nbsp; Der Bauchstich...................nbsp; nbsp; 289
5.nbsp; Eingeweidebrüche..................nbsp; nbsp; 292
6.nbsp; Nabelbruch....................nbsp; nbsp; 304
7.nbsp; Leistenbruch...................nbsp; nbsp; 814
a)nbsp; Bei Pferden...................nbsp; nbsp; 814
b)nbsp; Der falsche Leistenbruch..............nbsp; nbsp; 327
o) Leistenbruch bei Wiederkäuern............nbsp; nbsp; 330
d)nbsp; Beim Schwein..................nbsp; nbsp; 830
e)nbsp; Bei Hunden...................nbsp; nbsp; 332
8.nbsp; Schenkelbruch...................nbsp; nbsp; 334
9.nbsp; Mittelfleisch bruch..................nbsp; nbsp; 330
10.nbsp; Bauchbrüche....................nbsp; nbsp; 337
11.nbsp; Innerer Bauch- oder Bauchfellsbruch...........nbsp; nbsp; 342
12.nbsp; Zwerchfellsbruoh..................nbsp; nbsp; 345
I
Die chirurgischen Krankheiten des Magens und Darmkanales.
1.nbsp; Fremdkörper im Verdauungstraotus...........nbsp; nbsp; 347
2.nbsp; Darmstich beim Pferde................nbsp; nbsp; 352
3.nbsp; Der Pansenstich und Pansenschnitt............nbsp; nbsp; 357
4.nbsp; Darminvagination..................nbsp; nbsp; 364
5.nbsp; Achsendrehung des Gfrimmdarmes beim Pferde.......nbsp; nbsp; 360
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Inhaltsveraeichnisx.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; XI
Seite
Die Kranklieitcii der hinteren Abschnitte des Mast­darmes sowie des Afters.
1.nbsp; nbsp;Fehlen des Afters und Kloakenbildung..........nbsp; nbsp; ;{71
2.nbsp; Verletzungen des Mastdarmes und der Analgogend......nbsp; nbsp; 375
3.nbsp; Entzündung der Mastdarmsclileimhaut und des Afters.....nbsp; nbsp; 378
4.nbsp; Phlegmono des Bindegewebes am Mastdarm........nbsp; nbsp; 380
5.nbsp; nbsp;Vorfall des Afters und Mastdarmes...........nbsp; nbsp; 382
6.nbsp; nbsp;Erweiterungen, Verengerungen und Lähmung des Mastdarmes . .nbsp; nbsp; 390
7.nbsp; Afterflstel und Afterscheidenfistel............nbsp; nbsp; 394
8.nbsp; Tumoren am After und Mastdarm............nbsp; nbsp; 396
Die Krankheiten der Harnorgane.
1.nbsp; Angeborene Formfehler................nbsp; nbsp; 398
2.nbsp; Harnsteine.....................nbsp; nbsp; 399
A)nbsp; nbsp;Beim Pferde...................nbsp; nbsp; nbsp;400
B)nbsp; nbsp;Bei Wiederkäuern ................nbsp; nbsp; 406
C)nbsp; Beim Sehwein..................nbsp; nbsp; 412
D)nbsp; Bei Hunden...................nbsp; nbsp; 412
3.nbsp; Der Harnblasenstich......'...........nbsp; nbsp; nbsp;414
4.nbsp; Verletzungen, Entzündung und Stricturen der Harnröhre ....nbsp; nbsp; 417
5.nbsp; Lähmung der Harnblase................nbsp; nbsp; 420
6.nbsp; Entzündung der Harnblase...............nbsp; nbsp; 423
7.nbsp; Vorfall und Umstülpung der Harnblase..........nbsp; nbsp; nbsp;425
8.nbsp; Tumoren in der Harnröhre und Blase...........nbsp; nbsp; 430
Die Krankheiten der mAnnllchen Geschlechtsorgane.
1.nbsp; Entzündung der Vorhaut...............nbsp; nbsp; 433
a)nbsp; nbsp;Beim Pferde...................nbsp; nbsp; 433
b)nbsp; Beim Rinde...................nbsp; nbsp; 435
c)nbsp; nbsp;Beim Schwein..................nbsp; nbsp; 438
d)nbsp; Bei Fleischfresseni ................nbsp; nbsp; nbsp;438
2.nbsp; Phimosis und Panvphiinosis. Lähmung der lluthc und Verletzungen
des Penis.....................nbsp; nbsp; 439
3.nbsp; nbsp;Tumoren am Sehlauch und Penis. Amputatio penis.....nbsp; nbsp; 444
4.nbsp; Krankheiten der Prostata...............nbsp; nbsp; nbsp;448
5.nbsp; Krankheiton des Scrotums...............nbsp; nbsp; 450
ß. Krankheiten des Hodens. Castration der Cryptorchidon ....nbsp; nbsp; 453
7.nbsp; Hydrocele, Hämatocele und Varicocele..........nbsp; nbsp; 462
8.nbsp; nbsp;Entzündung des Samenstranges, Samenstrauglistel......nbsp; nbsp; 405
#9632;
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XIInbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Inhaltsverzeichniss.
Seite
Die Krnnkheiten der weibliclicüi Geschlechtsorgane.
1.nbsp; Yerletzungeu und Entzündung der Sohara, Scheide und Gebärmutternbsp; nbsp; 471
2.nbsp; Vorfall der Scheide.................nbsp; nbsp; 474
3.nbsp; Vorfall der Gebilnmitter...............nbsp; nbsp; 476
4.nbsp; Tumoren der Vagina und des Uterus...........nbsp; nbsp; 480
5.nbsp; Die chirurgischen Kninkhcitcn der Milchdrüsen.......nbsp; nbsp; 482
Die Krankheiten der Kiickeuwirbelsiiule uml des Beckens.
1.nbsp; Frakturen der Rücken- und Lendenwirbel.........nbsp; nbsp; 491
2.nbsp; Frakturen des Kreuzbeines und der Schwanzwirbul......nbsp; nbsp; 497
3.nbsp; Verkrüminungen der Wirbelsäule............nbsp; nbsp; 499
4.nbsp; Frakturen der Heckenknochen.............nbsp; nbsp; 503
5.nbsp; Diastase s. Luxation des Kreuzdanabeingelenkes.......nbsp; nbsp; 512
6.nbsp; Luxation der Syinpbysis ossium pubis..........nbsp; nbsp; 514
7.nbsp; Ereuzlähmung...................nbsp; nbsp; 515
8.nbsp; Krankheiten des Schweifes...............nbsp; nbsp; 525
9.nbsp; Nekrosc der Rnckenfascie...............nbsp; nbsp; 529
Die Krankheiten der Yordergliedmassen.
A. Kranklieiten der Sclmltergegend.
1.nbsp; Frakturen des Schulterblattes..............nbsp; nbsp; 530
2.nbsp; Frakturen des Annbeinos...............nbsp; nbsp; 532
8. Krankheitszustand des Schultergelenkes..........nbsp; nbsp; 535
4.nbsp; Entzündung der Bursa des langen Vorannbeugers......nbsp; nbsp; 540
5.nbsp; Entzündung der Sehne des hinteren Grätenmuskels......nbsp; nbsp; 543
6.nbsp; Lähmung dos oberen Schulternerven...........nbsp; nbsp; 544
7.nbsp; Lähmung des Speichennerven..............nbsp; nbsp; 547
8.nbsp; Lähmung des Arnigeflechtcs..............nbsp; nbsp; 552
9.nbsp; Schulterlahmheit..................nbsp; nbsp; 554
B. Krankheiten des Ellenbogen und Vorarmes.
1.nbsp; Frakturen des Ellenbogenbeines.............nbsp; nbsp; 560
2.nbsp; Frakturen der Speiche................nbsp; nbsp; 562
3.nbsp; Luxation des Ellenbogengelenkes............nbsp; nbsp; 563
4.nbsp; Entzündung des Kllenhogengelenkcs...........nbsp; nbsp; 564
5.nbsp; Die Stollbeule...................nbsp; nbsp; 665
6.nbsp; Wunden und Quetschungen am Vorarm..........nbsp; nbsp; 571
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Inhalteverzeichniss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; XIII
Seite
C. Krankheiten der Vorderfusswurzel,
1.nbsp; Frakturen an den Knochen der Vorderfu.sswurzül......nbsp; nbsp; 574
2.nbsp; Verletzungen an der vorderen Fläche der Vorderfusswurzel . . .nbsp; nbsp; 575
A)nbsp; Bei Pferden...................nbsp; nbsp; 575 '
B)nbsp; Die Kniebeule des Rindes..............nbsp; nbsp; 578
3.nbsp; Chronische Entzündung der Vorderfusswurzel........nbsp; nbsp; 583
4.nbsp; Entzündung des sog. Kniebogens............nbsp; nbsp; 585
5.nbsp; Die Gelenk- und Sehnenscheidengallen am Vordorschenkel . . .nbsp; nbsp; 587
D. Krankheiten des Vordermittelfusses.
1.nbsp; Knochenbrüche...................nbsp; nbsp; 594
2.nbsp; Wunden.....................nbsp; nbsp; 596
3.nbsp; Zerreissung der Beugesehnen..............nbsp; nbsp; 600
4.nbsp; Entzündung der Beugesehnen..............nbsp; nbsp; 603
5.nbsp; Der Stelzfuss bei Fohlen ...............nbsp; nbsp; 615
6.nbsp; Die Ueberbeine am Metacarpus bei Pferden........nbsp; nbsp; 619
E. Krankheiten der Phalangen.
1.nbsp; Luxation der Phalangen...............nbsp; nbsp; 628
2.nbsp; Distorsion der Zehengelenke..............nbsp; nbsp; 629
3.nbsp; Knochenbrüche an den Zehengliedern...........nbsp; nbsp; 634
4.nbsp; Die Schale....................nbsp; nbsp; 640
5.nbsp; Die Entzündung der hinteren Bänder deraquo; Kronongelenkes . . .nbsp; nbsp; 649
6.nbsp; Frakturen der Sesambeine...............nbsp; nbsp; 652
7.nbsp; Die GleichbeinUilnne.................nbsp; nbsp; 654
8.nbsp; Brüche des Strahlbeines................nbsp; nbsp; 657
9.nbsp; Die Strahlbeinlahmhcit................nbsp; nbsp; 659
10. Die Mauke der Pferch;................nbsp; nbsp; 672
Die Krankheiten des Hintersclienkels.
A. Krankheiten der Hüftgegend.
1.nbsp; Verletzungen der Woichtheile am Oberschenkel.......nbsp; nbsp; 683
2.nbsp; Brüche des Oberschenkels...............nbsp; nbsp; 685
3.nbsp; Verrenkungen des Hüftgelenkes.............nbsp; nbsp; 693
4.nbsp; Entzündung des Hüftgelenkes..............nbsp; nbsp; 693
5.nbsp; Entzündung der Sehne und Sehnenscheide des M. glutaeus med. .nbsp; nbsp; 695
6.nbsp; Nervonlähmungen am Hinterschenkel...........nbsp; nbsp; 697
A) Lähmungen im Gebiete des N. ischiadicus........nbsp; nbsp; 698
a) Lähmung des N. peroneus.............nbsp; nbsp; 698
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XIVnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Inhaltsvei'zeichniss.
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b)nbsp; Lähmung des N. tibialis.............nbsp; nbsp; 698
c)nbsp; Lähmung des N. ischiadicus............nbsp; nbsp; 699
li) Lähmung des N. omralis und des M. quiidrieeps femoris. Zer-
reissung der Knicscheibonmuskeln und ihrer Bänder ....nbsp; nbsp; 701
C) Lähmung des N. obturatorius............nbsp; nbsp; 704
7.nbsp; Thromboso der hinteren Aorta und ihrer Aesto.......nbsp; nbsp; 704
8.nbsp; Luxation des M. biceps femoris.............nbsp; nbsp; 707
9.nbsp; Hüftlahmlieit....................nbsp; nbsp; 710
B. Krankheiten des Kniegelenkes.
1.nbsp; Luxation und Distorsion des Kniegelenkes.........nbsp; nbsp; 716
2.nbsp; Verrenkung der Kniescheibe..............nbsp; nbsp; 717
;5. Zerreissung der geraden Bänder der Kniescheibe.......nbsp; nbsp; 723
4.nbsp; Frakturen der Kniescheibe...............nbsp; nbsp; 724
5.nbsp; Verletzungen und Entzündung des Kniegelenkes.......nbsp; nbsp; 725
6.nbsp; Chronische Entzündung des Kniegelenkes.........nbsp; nbsp; 726
7.nbsp; Bursitis praepatellaris................nbsp; nbsp; 729
0. Krankleiten des Unterschenkels.
1.nbsp; Wunden und Verletzungen...............nbsp; nbsp; 730
2.nbsp; Frakturen des Untersohenkelbeines............nbsp; nbsp; 732
3.nbsp; Zerreissung des Zwischenknochenbandes..........nbsp; nbsp; 736
4.nbsp; Zerreissung des M. tibialis anticus............nbsp; nbsp; 737
5.nbsp; Continuitiltstrennungen in der Achillessehne und Wadenmuskeln .nbsp; nbsp; 741
D. Krankheiten des Sprunggelenkes.
1.nbsp; Frakturen der Sprunggelenksknochen...........nbsp; nbsp; 744
2.nbsp; Luxationen und Distorsionen am Sprunggelenk.......nbsp; nbsp; 746
3.nbsp; Verwundungen und acute Entzündung des Sprunggelenkes . . .nbsp; nbsp; 747
4.nbsp; Chronische Entzündung des Sprunggelenkes. Spat......nbsp; nbsp; 749
5.nbsp; Rehbein.....................nbsp; nbsp; 771
6.nbsp; Hasenhacke. Courbe.................nbsp; nbsp; 772
7.nbsp; Piephacke.....................nbsp; nbsp; 775
8.nbsp; nbsp;Luxation des Kronbeinbeugers.............nbsp; nbsp; 778
E, Krankheiten des Metatarsus.
1.nbsp; Erkrankungen der Sehnen und Sehnenscheiden.......nbsp; nbsp; 779
2.nbsp; Der Hahnentritt. Zuckfuss..............nbsp; nbsp; 788
3.nbsp; Die Verletzungen dunrh Streichen. Einschuss........nbsp; nbsp; 793
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Inhaltsvermchniss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; XV
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F. Krankheiten des Hufes.
A)nbsp; Die acute Entzündung der Huflederhaut. Pododerma-titisacuta....................nbsp; nbsp; 799
1.nbsp; Vernagelung....................nbsp; nbsp; 805
2.nbsp; Nageltritt.....................nbsp; nbsp; 807
3.nbsp; Kronentritt....................nbsp; nbsp; 811
4.nbsp; Steingalle.....................nbsp; nbsp; 815
5.nbsp; Hufknorpelfistel...................nbsp; nbsp; 819
6.nbsp; Rehe.......................nbsp; nbsp; 827
B)nbsp; D i e chronische Entzündung d e r H ufl e d e r h au t. P0 (10-dermatitischronica................nbsp; nbsp; 8i!3
1.nbsp; Hornsäulen....................nbsp; nbsp; 833
2.nbsp; Chronische Entzündung der Fleischwand..........nbsp; nbsp; 835
3.nbsp; Hufkrebs.....................nbsp; nbsp; 837
6. Krankheiten der Klauen.
1.nbsp; Quetschung der Ballen................nbsp; nbsp; 847
2.nbsp; Verletzungen der Klauen...............nbsp; nbsp; 848
3.nbsp; Panaritium....................nbsp; nbsp; 849
4.nbsp; Amputation der Klauen................nbsp; nbsp; 854
5.nbsp; Klauengeschwür der Schafe..............nbsp; nbsp; 856
H. Krankheiten der Krallen.
1,nbsp; Das Einwachsen der Krallen (Incarnatio unguis). Luxation der Krallen. Chronische Entzündung des Krallenbettes. Abfallen der Krallen......................nbsp; nbsp; 859
2.nbsp; Quetschungen und Verwundungen der Sohlen- und Zohenballen .nbsp; nbsp; 861
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Die Krankheiten des Kopfes.
I. Die Krankheiten der Lippen und Wangen.
1. Wunden und Quetschungen.
Verwundungen der Lippen kommen am häufigsten bei Pferden durch gegenseitiges Beissen und Schlagen, durch Gegenrennen und Niederstürzen auf festem Boden, sowie auch durch scharfe Gegenstände am Geschirr (Haken, Schnallen) oder Nägel und Haken an der Raufe oder Krippe zu Stande. Quetschungen entstehen hier unter ähn­lichen Umständen, dann aber auch durch gewaltsame und oft wieder­holte Anwendung der Bremse. Au den Maulwinkeln führen scharfe oder schlecht liegende Gebisse namentlich bei jungen und unempfind­lichen (gehirnkranken, hartmäuligen) Pferden zu Verletzungen, wäh­rend die Wangen durch Hufschläge, Hornstösse und scharfe Backen­zähne Continuitätstrennungen erfahren.
Es handelt sich also fast immer um Quetschungen oder Quetsch­wunden, deren Heilung durch die grosse Beweglichkeit der verletzten Theile, sowie durch Verunreinigung bei der Futteraufnahme ungünstig beeinflusst werden muss. Andererseits wird der Heilungsprocess durch den Reichthum an Blutgefässen und lockerem Bindegewebe begünstigt, und ist in diesen Wunden Heilung per primam intentionem selbst da noch möglich, wo dieselben mit erheblicher Quetschung verbunden, ihre Ränder bereits eingetrocknet sind, und die Wundlappen in grösserem Umfange losgetrennt erscheinen. Die grössten Schwierigkeiten bereiten tiefere Wunden am Maulwinkel, wobei zugleich die Maulschleimhaut getrennt, die Maulspalte verlängert ist. Auch perforirende Wunden der Wangen heilen weniger leicht und können Fistelbildung zur Folge haben. Ver­letzungen der grossen Venennetze an der Wange rufen zuweilen
Möller, Specielle Clunugie für Thicriivzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
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2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
erhebliche Blutungen hervor, welche jedoch selten gefährlich werden. Dagegen führen Trennungen des Stenson'schen Ganges wohl zu Speichelfisteln. Das bei Wangenwunden zuweilen am Kopfe auftretende Emphysem verdient keine besondere Beachtung, es verliert sich bald von selbst. Durch Absterben grösserer Wundlappen können an den Lippen und Wangen Defecte entstehen, welche nicht nur das Aussehen der Thiere, sondern auch die Futter- und Getränkaufnahme stören; dies gilt namentlich von Wunden am Maulwinkel, die zuweilen eine erheb­liche Verlängerung der Maulspalte (Makrostomie) zur Folge haben.
Behandlung. Bei oberflächlichen Verletzungen werden kleine Hautlappen mit der Schere entfernt, worauf regelmässig bald Heilung erfolgt. Zur Vermeidung von Deformitäten muss bei ausgedehnten Verletzungen Heilung per primam intentionem angestrebt werden, so­bald diese in Aussicht steht. Nach Entfernung der losen Fetzen wird die Wunde, weichein der Regel ausgetrocknet ist, angefrischt, d.h. ihre Oberfläche mit der Schere abgetragen, um die für die unmittel­bare Vereinigung nothwendigen regenerationsfähigen Flächen zu er­zielen; Blutung und feuchte Beschaffenheit der Schnittfläche spricht für diese Eigenschaft. Darauf reinigt man die Wunde und ihre Umgebung, entfernt die etwa vorhandenen langen Haare, spült die Wunde mit einer Desinfectionsflüssigkeit (Sublimat-, Carbol- oder Creolinwasser) ab und heftet dieselbe so, dass ihre Ränder möglichst vollkommen und gleich-massig einander berühren und fest liegen. Bei der grossen Beweg­lichkeit dieser Theile, namentlich der Lippen empfiehlt sich die um­schlungene Naht. Man lege die Nadeln tief und eng, in Zwischen­räumen von etwa 1—2 cm und umschlinge sie wiederholt mit einem fortlaufenden, nicht zu dünnen Faden. Unter Umständen können einige Entspannungsnähte zweckmässig werden. Zur weiteren Fixirung der Wundränder bedecke man dieselben mit Collodium oder Wundgelatine ') und etwas Werg oder Jute oder mit ein Paar Gazestreifen.
') Als „Wundgelatine' benutze ich eine Masse, welche an Stelle des Occlusiwerbandes gute Dienste leistet. Sie wurde von Frick (Arch, für pract. u. wiss. Thierheilkunde 1886. S. 397) als „Sublimatglyceringelatinequot; be­schrieben. Zur Herstellung derselben weiche man gewöhnliche Speisegelatine in möglichst wenig 1 0/o Sublimatwasser auf; nachdem der Rest des letzteren abge­gossen ist, wird die Gelatine geschmolzen und ihr 100/o (der trockenen Gelatine) Glycerin hinzugefügt. Hierdurch erlangt die Masse eine elastische Beschaffenheit und kann auf leichtem Feuer geschmolzen mit einem Pinsel auf die Wunde ge­bracht werden, wo sie in wenigen Augenblicken erstarrt und eine schützende Decke bildet, welche sich auch einer feuchten Oberfläche fest anlegt. Darin liegt
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Kntzünclung der Lippen und Wangen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
Besondere Sorgfalt verlangen tiefere Wunden am Maulwinkel und an der Wange. Hier muss die Knopfnaht gewählt und die nicht zu schwachen Heftfäden quer durch die Wange gelegt werden. Auch Blei- oder Messingdraht eignet sich hierzu.
Durch Anbinden zwischen zwei Pfeilern wird das Scheuern der Wunde verhindert. Wo auf Heilung per prim. int. Gewicht gelegt wird, lasse man in den ersten 24 Stunden nur reines Wasser, in den nächsten Tagen Mehl- oder Kleientränke verabreichen. Nach etwa 6—8 Tagen können an den Lippen die Hefte entfernt werden, am Maulwinkel sowie an der Wange bleiben dieselben womöglich ein paar Tage länger liegen.
Bei Fisteln an der Wange leistet nach Entfernung der callösen Ränder derselben durch Aetzmittel oder das Glüheisen die Schnür­naht vorzügliche Dienste. An den vorderen Abschnitten der Wange gelingt zuweilen die Anlegung eines Heftes durch die Schleimhaut, um die innere Oeifnung der Fistel zum Verschluss zu bringen.
2. Acute Entzündungen der Lippen und Wangen.
Ausser den durch Verwundung und Quetschung entstandenen kommen acut entzündliche Processe an den Lippen unserer Hausthiere vornehmlich durch Abwischen von Scharfsalben mit dem Maule, durch den Qenuss von scharf reizenden Beimischungen der Futterstoffe (Raupen), sowie bei Infectionskrankheiten vor (Aphthenseuche, Stomatitis pustu-losa). Die letzteren werden in den Lehrbüchern der inneren Krank­heiten abgehandelt. Bei Hunden beobachtet man phlegmonöse Er­krankungen der Ober- und Unterlippe nach geringfügigen Verletzungen. Gelegenheit zur Infection ist bei diesen Thieren hinreichend gegeben. Wiederholt sah ich Hautkrankheiten in Folge des Beleckens der er­krankten Stellen auf die Lippen übergehen (Ekzeme, Räude etc.), die sich mit Vorliebe auf den Nasenrücken fortpflanzen und in Gestalt einer Dermatitis chronica apostematosa der Behandlung grosse Schwierigkeiten bereiten, wenn die Ausbreitung nicht gestattet, die erkrankte Haut mit Messer und Schere ganz fortzunehmen.
Bei Hunden und Rindern kommt spontane Gangränbildung der Wange vor, ähnlich dem sogen. Wasserkrebs (Noma) der Kinder.
namentlich ein Vortheil dem Collodium gegenüber. Bringt man vor dem Erstarren etwas Werg oder einen Streifen Gaze auf die Masse, so wird ihre Festigkeit noch erhöht.
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4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
Das Leiden setzt bei Hunden am Maulwinkel mit Bildung eines un­scheinbaren Brandscborfes ein; die gleichzeitig bestehende erhebliche Anschwellung der Nachbarschaft lässt den Zustand vermuthen; die Gangrän schreitet schnell fort, erreicht in wenigen Tagen oft die Grosse eines Thalers. Die äussere Haut erscheint weich, graubraun und lässt sich leicht ablösen; die submaxillaren Lymphdrüsen sind dabei ge­schwollen , auch besteht Fieber und starke Salivation. Bei Hunden kommt der Process meist erst zum Abschluss, nachdem ein grosser Theil der Wange verloren gegangen ist. Das Auftreten von Granulation und Eiterung an der Grenze kennzeichnet die beginnende Heilung. Nach Ablösung des brandigen Stückes liegen die Backzähne oft frei zu Tage, so dass die Aufnahme flüssiger Nahrungsmittel durch den Defect erheblich gestört wird, indess erfolgt meist eine vollständige Verwachsung, so class jene Störungen verschwinden und auch das Aussehen des Thieres nicht erheblich leidet.
Ueber die Ursachen dieser bei Hunden seltenen Erkrankung ist ebensowenig bekannt wie über die der Noma des Menschen. Die Annahme, dass es sich um eine Infection mit specifischen Mikro-orffanismen handelt, lielt;gt;'t nahe.
Die Therapie besteht in recht frühzeitiger Desinfection, am besten mit dem Glüheisen. Wo dies nicht thunlich, wende man Bähungen von Kalium permanganicum oder Carbolwasser, Sublimat oder Creolin an. Dabei ist dünnflüssige Nahrung zu verabreichen, welche dem Thiere zweckmässig eingeflösst wird. Sobald die Aufnahme der­selben durch den Defect an der Wange gestört erscheint, muss dies geschehen, oder man lässt festweiche Nahrungsmittel (Fleisch etc.) geben,
Stockfleth beschreibt ein ähnliches Leiden als Folge von Ver­letzungen bei Kindern, doch erlaugt dasselbe nicht die Ausbreitung wie beim Hunde. Meist kommt es zur Abscessbildung in der Backe, und erholen sich die Thiere in wenigen Tagen.
Bei den übrigen entzündlichen Processen muss die Therapie nach der Art derselben eingeleitet werden. Man beseitige die Ursache und sorge dafür, class die erkrankten Theile weder durch Reiben, noch auch durch Bewegungen des Kauens mehr als unumgänglich nothwenclig gereizt werden, und treffe dementsprechende Massregeln bei der Auswahl der Futterstoffe wie der Pflege der Thiere. Im übrigen werden diese Zu­stände nach den allgemeinen Grundsätzen der Chirurgie behandelt.
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Tumoren der Lippen und Wangen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
Bei der apostematösen Hautentzündung zögere man nicht, bald zum Messer zu greifen und die kranken Theile zu entfernen.
3. Tumoren der Lippen und Wangen.
Lit.: Garcia, Annal. belgique. 1886.
a)nbsp; Warzen. Bei Hunden und Pferden sind die Lippen nicht selten Sitz einer grösseren Anzahl kleiner, gestielter Warzen. Sowohl an der äusseren Haut wie auch Schleimhaut finden sich dicht ge­drängt ' derartige Neubildungen von Stecknadelknopf- bis Linsenkorn-grösse. Oft fehlt der Bedeckung derselben das Pigment, in Folge dessen die Neubildungen an ihrer Oberfläche rötll gefärbt erscheinen und von dem Laien wohl für Parasiten gehalten werden. Sie finden sich fast nur bei jungen Thieren, ohne besonderen Nachtheil hervorzurufen, und verschwinden in der Regel von selbst, oft schon nach kurzer Zeit. Uebertragungsversuche blieben erfolglos (Garcia). Wo sie Störungen bei der Futteraufnahme hervorrufen, entferne man sie mit der Schere. Wenn auf die Gegenwart solcher Bildungen kein Gewicht gelegt wird, warte man das Abfallen derselben ruhig ab,
b)nbsp; Balggeschwülste finden sich nicht selten an den Lippen der Pferde; sie liegen dicht unter der Schleimhaut, erreichen die Grosse eines Taubeneies und enthalten eine dickflüssige, honig­ähnliche Masse. Sie stellen Retentionsgeschwülste (Meliceres) durch Verstopfung von Ausführungsgängen der Schleimdrüsen dar. Solange diese Bildungen nicht eine erhebliche Grosse erlangen oder der Sitz entzündlicher Vorgänge werden, bleiben sie meist verborgen. Zur Fest­stellung derselben lege man den Daumen auf die äussere Haut, die übrigen Finger auf die Schleimhaut der Lippe und lasse dieselbe langsam durch die Finger gleiten. Erkranken diese Neubildungen entzündlich, so stellt sich Anschwellung der submaxillaren Lymph­drüsen ein. Die entzündliche Schwellung der Lippe hat Schiefstel­lung derselben zur Folge, wodurch der Zustand eine gewisse Aehnlich-keit mit der Facialisparalyse erlangt. Sobald die Geschwulst das Kauen erschwert, oder im Falle sie entzündlich erkrankt, muss die Be­handlung eingreifen. In der Kegel genügt Spaltung der Balgge­schwulst und Aetzung ihrer Innenwand mit Höllenstein, Cuprum sul-furicum, 2n/o Sublimatlösung oder 100/o — 200/o Chlorzinklösung, um Heilunff zu erzielen.
V
igt;
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(3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Kopfes,
Aussei- den erwähnten werden Neubildungen an den Lippen und Wangen der Hausthiere nur selten angetroffen. Die verhältnissmässig derbe Schleimhaut mit ihrem dicken Epithelbelag bildet ein wirksames Schutzmittel gegen das Eindringen speeifischer Schädlichkeiten, doch kommen hier Carcinomc, Sarkome, sowie Aktinomyces- und Botryo-myceserkrankungen vor. Bei Pferden und Kindern halle ich mehrere Fälle der letzteren Art beobachtet. Es bilden sich mit Vorliebe da, wo die äussere Haut mit der Schleimhaut der Lippe zusammenstösst, meist in der Nähe des Maulwinkels, fibromähnliche, in der Regel scharf umschriebene, an der Oberfläche oft ulcerirende Knoten bis zur Grosse einer Faust und darüber, welche sich leicht mit dem Messer entfernen lassen und nicht recidiviren.
Bei Hunden werden Carcinome der Oberlippe ebenfalls mit Erfolg operativ behandelt. An der Wange kommen diese Tumoren häufiger vor. Bei den Wiederkäuern gehören geschwulstbildende Processe, ver-anlasst durch Aktinomyces, zu den gewöhnlichen Erscheinungen. Die­selben gehen jedoch meist von der Maulschleimhaut aus und sollen an anderer Stelle berücksichtigt werden (vgl. Seite 100).
Die Behandlung besteht in sorgfältiger Entfernung der Neubil­dungen , die in der Kegel auf keine grösseren Schwierigkeiten stösst, wenn man das Messer richtig anwendet.
4. Lähmung der Lippen, Facialislahmung. Paralysis N. facialis.
Lit.: Trofiiuow, Zeitschrift für vergl. Augenheilk. 1883. S, 158. Götze, Dresd. Bei'. 1861. S. 106. Zahn, Oester. Vierteljahrssohrift. 1866. S. 79. Günther, Yix u. Nebel. Bd. I. 8, 325. Eil enberge r, Archiv für wissensshaftl. u. praet. Thierheilkunde. Bd. YII. S. 811. Schöneherger, Schweizer Archiv. 1883. S. 181. Sölmgen, Thierilrztl. Mitthlg. 1874. S. 13(5. Degive, Rec. de mod. vet. Bd. XXX1T. S. 2. Lydtin, Jahresbericht. 1881. S. 70. Grebe, Jiihrh. 1884. S. 81. Thomassen u. Hamburger, Jahrb. 1889. S. 88. VoigtlUnder, Dresd. Ber. 1860. S. 51.
Der N. facialis ist motorischer Nerv für die Muskeln des Ohres, der Augenlider, Nase, Lippen und der Backen. Nach seinem Ursprung an der Vorbrücke der Medulla oblongata tritt er mit dem N. acusticus in den inneren Gehörgang, läuft durch den Fallopisehen Kanal und durch das Griffel/.itzenloch nach aussen, perforirt die Parotis und tritt nun über den hinteren Kand des Unterkiefers, um sich an der Aussenfiäche desselben zu theilen. Nach dem Ursprungsorte seiner Aeste lassen sich 8 Abschnitte unterscheiden:
I. Im Fallopisehen Kanal entspringen;
1. ein Nerv für den Muskel des Steigbügels,
8. ein Nerv für die Chorda tynipimi.
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Lähmung des N. facialis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
II. Am Griffelzitzeuloch:
1.nbsp; der hintere Ohr nerv, welcher Aeste für den Auswürtszieher, langen und mittleren Heber des Ohres liefert,
2.nbsp; der innere Ohr nerv für die Haut an der Innenfläche der Ohr­muschel.
III. Bis zur Ufnschlagstelle:
1.nbsp; der Griffelnerv, ein motorischer Zweig für den Griffelkinnbacken-, Griffelzungenbein- und den zweibiluchigen Muskel.
2.nbsp; Der Jochschläfennerv, dieser giebt ab:
a)nbsp; den vorderen Ohr nerven,
b)nbsp; Pasern für den Schlafenmuskel,
c)nbsp; Pasern für den Kreismuskel der Augenlider und den ilusseren Heber des oberen Augenlides.
3.nbsp; Der Halshautnerv. Von ihm gehen motorische Aeste an den Niederzieher des Ohres und den Halshautmuskel; darnach tritt er an die Aussenfläche des Unterkiefers, um sich als motorischer Nerv in den Muskeln der Nase, Lippen und Wangen zu verbreiten.
Lähmungen des N. facialis kommen namentlich bei Pferden ziemlich häufig vor. Meist handelt es sich um einseitige Unterbrechung der Leitung, die oft auf den Ast für die Oberlippe beschränkt bleibt, daher nur wenig Störungen nach sich zieht und in Folge dessen meist übersehen wird. Doppelseitige Lähmungen beliindern die Futterauf­nahme in der Regel ganz bedeutend.
Ursachen und Erscheinungen. Es handelt sich meist um traumatische Einwirkungen, welche eine Unterbrechung der Leitung in den Nerven zur Folge haben. Daher wird die Lähmung häufig bei lahmen und kranken Pferden beobachtet, die in Folge ihres Leidens (Kolik, Verschlag) viel liegen. Siedamgrotzky hat zuerst darauf aufmerksam gemacht, dass dieser Nerv an der ümschlagstelle auf den Unterkiefer oft gequetscht wird. Auch die von Grebe beobach­tete doppelseitige Facialisparalyse gehörte offenbar hierher und kann nicht als sog. Reflexlähmung aufgefasst werden, Früher gaben auch Verletzungen und entzündliche Processe, hervorgerufen durch Haar­seile, die an der Backe gegen Augenleiden applicirt wurden, zu Para­lysen des Facialis Veranlassung. Im Verlaufe schwerer Infections-krankheiten, Brustseuche, Petechialfieber u. s. w. wurde das Leiden beobachtet; auch muss zugegeben werden, dass noch andere Einflüsse, z. B. Erkältung wie bei Menschen so auch bei Thieren Lähmungs-zustände und Facialis erzeugen können.
Die Lähmung beschränkt sich meist auf die Gesichtsmuskeln und tritt durch Schiefstellung der Lippen und Verengerung des Nasenloches hervor; bald zeigt sich nur die Oberlippe, meist auch die Unterlippe nach der gesunden Seite verzogen. Durch Betrachtung der Lippen von vorn
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Krankheiten des Kopfes.
erkennt man diesen Zustand, der, so lange er einseitig auftritt, die Futteraufnalime nur wenig stört; bei doppelseitiger Lähmung (Diplegia facialis) hängen die Lippen schlaiF herunter, was sich am deutlichsten an der Unterlippe zu erkennen giebt. Dabei ist sowohl das Fressen wie das Trinken erheblich gestört, da das Futter nur noch mit den Zähnen erfasst werden kann, und beim Trinken das Maul bis über den Maulwinkel hinaus ins Wasser gesteckt werden muss, um das Zurück­laufen desselben zu verhindern. Die Folge davon ist, dass selbst bei sorgfältiger Pflege die Pferde in ihrem Nährzustande bald zurückgehen, zumal namentlich die Aufnahme des Kurzfutters behindert und das
Fig. 1.
Fig. 2.
Rechtsseitige centrale Facialis-lähmung.
Doppelseitige centrale Facialislahmung.
Zerkleinern desselben durch gleichzeitige Lähmung der Wangen er­heblich gestört ist. Die Bissen bleiben zwischen Wangen und Back­zähnen stecken. Auf diese Erscheinungen beschränkt sich das Bild, wenn die Unterbrechung der Leitung etwa da stattgefunden hat, wo der Nerv auf den Unterkiefer tritt. War zugleich der oberflächliche Schläfennerv (Ast des V. Nerven) mit betroffen, so lässt sich wohl Anästhesie in der äusseren Haut der betreffenden Seite nachweisen. Nicht nur verschieden in den Erscheinungen, sondern auch be­denklicher in den Folgen sind die central auftretenden Facialis­lahmung en. Findet die Unterbrechung der Leitung soweit central-
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Lähmung des N. facialis.
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wärts statt, class auch der Jochschlüfennerv (N. zygomatico-temporalis) mit betroffen ist, so tritt zu den oben beschriebenen Erscheinungen noch Lähmung einer Anzahl Ohrmuskeln und des äusseren Hebers des oberen Augenlides hinzu. Das obere Augenlid steht tiefer als normal (Ptosis), während der Kreismuskel nicht im Stande ist, das Auge regel-mässig zu schliessen, und das Ohr der leidenden Seite schlaff herabhängt (Fig. 1). Zahn fand den Bulbus der kranken Seite kleiner und die Cornea getrübt. Störungen des Gehörs konnten ebenfalls nachgewiesen werden.
Die Ursachen dieser Lähmungen sind verschieden; ich fand wiederholt melanotische Tumoren, die sich in und unter der Parotis entwickelt hatten, auf den Nerven drückten und dadurch das oben geschilderte Krankheitsbild hervorriefen. Ferner können Schwellungen im Fallopischen Kanal zu diesen Erscheinungen Anlass geben. Selten sind diese Lähmungen centralen Ursprungs. So wurde in hiesiger Klinik bei der Section eines Pferdes, welches an Diplegia facialis ge­litten hatte, Sarkombildung am Pons vorgefunden. Götze sah nach der Influenza Lähmung der Lippen und Ohren eines Pferdes auftreten und fand bei der Section einen Abscess im Kleinhirn. Lydtin beob­achtete bei Paralyse des N. facialis am Felsenbein Sarkombildung, welche vom Hinterlappen des Grosshirns bis zu den strickförmigen Körpern der Medulla reichte. Thomassen und Hamburger fanden eine Hämorrhagie im Facialiskern.
Ob auch bei Thieren rheumatische Paralysen des N. facialis vor­kommen wie beim Menschen, lässt sich schwer entscheiden. Jeden­falls ist die Mehrzahl traumatischen Ursprungs. Krankheiten des Mittelohres sind bei Pferden selten, können daher nicht oft Ursache der Lähmung werden. Trotzdem solche bei Hunden häufiger vor­kommen, habe ich doch niemals eine Lähmung des N. facialis bei diesen Thieren gefunden. Dagegen theilt Trofimow eine Facialis-lähnnmg bei einer Hündin mit, die in Folge von Erkältung einseitig auftrat, mit Lähmung des oberen Augenlides verbunden war und in 2 Monaten heilte. Später soll ein Recidiv eingetreten sein.
Dass Rinder selten an Facialisparalyse leiden, mag in dem Um­stände seine Erklärung finden, dass der Nerv durch die Hörner vor mechanischen Verletzungen geschützt wird.
Bei doppelseitiger Facialisparalyse sind beide Nasenlöcher ver­engt, doch genügt die Weite derselben für das Athmungsbedürfniss im Stande der Ruhe. Sobald aber das Athmen durch irgend welche Um­stände (Aufregung oder Körperbewegung) beschleunigt wird, stellt sich während der Inspiration ein schniebendes Geräusch ein. Da das
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10nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
Pferd nur durch die Nase athmet, genügt die Weite der Nasenlöcher nicht mehr, um die Luft aufzunehmen, der Inspirationsstrom drückt die Nasenränder in die Nasenhöhlen hinein, und so entsteht eine inspi-ratorische Dyspnoe. Dass hierdurch jedoch nicht immer Erstickungs-gefahr veranlasst wird, wie Claude Bernard hehauptete, ist durch die Versuche Günthers und Ellenbergers dargethan worden. Meine Beobachtungen stimmen mit den Ergehnissen der Versuche Ellen­bergers überein, doch muss zugegeben werden, dass, wie auch der von Schöneberger mitgetheilte Fall beweist, in Folge Aufregung oder gewaltsamen Antreibens ein mit derartiger Lähmung behaftetes Pferd an dyspnoischen Zufällen leiden und selbst zu Grunde gehen kann. Die Erkennung der centralen Facialisparalyse bietet keine Schwierig­keit, wohl aber die Ermittelung der Ursache und des Ortes ihrer Ein­wirkung. Ausschliessliche Lähmung einer oder ))eider Lippen beweist eine periphere Paralyse; leiden zugleich die Muskeln des Auges und Ohres, so muss die Ursache der Lähmung oberhalb der Umschlagstelle gesucht werden. Cen-tralo Lähmung giebt sich zuweilen in dem Fortbestehen der lleflexerregbarkeit in den gelähmten Theilen zu erkennen; sie beweist, dass die Leitung im Facialis nicht unterbrochen ist.
Prognose. Die Mehrzahl der peripheren Facialislähmungen heilt in 4 bis (3 Wochen. Wiederkehr der faradischen Erregbarkeit lässt baldige Heilung erwarten; diese tritt in der Regel nicht plötzlich, sondern nach und nach ein. Man beobachtet, dass die Lippe, wenn das Thier ruhig steht, allmälich in ihre normale Lage tritt, sobald es sich aber aufregt, wird die clmracteristische Schiefstellung wieder sichtbar. Man beurtheile daher den Zustand, wenn das Thier ohne jede Erregung im Stalle steht. Die mcompleten Paralysen heilen regelmässig. Wenig Aussicht auf Heilung besteht bei Mitleiden­schaft des Auges und Ohres, unheilbar erweist sich der Zustand, wenn Geschwülste als Ursachen der Lähmung nachzuweisen sind. Ebenso muss die Prognose schlecht ausfallen, wenn die Lähmung länger als 2—3 Monate bestanden hat. Im Allgemeinen sind doppel­seitige Lähmungen ungünstiger als einseitige, zumal die Ernährung der Thiere darunter leidet. Noch bedenklicher sind sie. wenn auf centralen Ursprung derselben geschlossen werden muss.
Behandlung. Bei einseitiger incomplete!' Paralyse des Facialis lasse man nach dem Fressen die Backen von den Futterstoffen reinigen,
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Lähmung des N. facialis.
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wenn solche hier liegen bleiben. Weiteres ist nicht erforderlich. Bei vollständiger Lähmung einer Seite gebe man weiches, leicht zu kauendes Futter und verordne Einreibungen mit zertheilenden Mitteln (Ugt. einer.), welche um oberen Rande des Unterkiefers an der Umschlagstelle des Nerven applioirt werden. Sie dienen einerseits zur Beruhigung des Besitzers, andererseits wirkt die mit ihrer Appli­cation verbundene Massage fordernd auf die Zertheilung des entzünd­lichen Processes. Die vielfach empfohlenen Veratrininjectionen an der Backe haben nach meinen Erfahrungen keinen Nutzen. Die Anwendung von Electricität wird durch die grosse Empfindlichkeit der Pferde gegen diese ausgeschlossen. Bei doppelseitiger Facialisparalyse bleibt Regelung der Ernährung die Hauptsache: Kleie- und Mehltränke, weiches Rauhfutter wird in der Krippe verabreicht. Körner gebe man in geschrotenem Zustande und in dicken Lagen, so class die Thiere das Futter leichter mit den Zähnen erfassen können (Ellenberger). Zur Beseitigung der Athemnoth Hess Schöneberger durch beide Nasen­flügel einen Messingdraht ziehen und auf dem Nasenrücken zusmmnen-binden. Aelmlich verfuhr Söhöngen schon 1874.
Voigtländer beobachtete beim Pferde im Bereiche des N. facialis periodisch auftretende Krämpfe: „Auf der rechten Seite begann das obere Augenlid zu zwinkern, ein leises Beben lief gleich einem Schatten über den Masseter bis zur Lippe, und nun begannen die ungefähr 5 Minuten an­dauernden heftigen Zuckungen, die die rechte Hälfte der Oberlippe nach oben und ausson zogen und die ganze Hälfte des Kopfes vom Auge ab­wärts in Bewegung setzten.quot; Nach Intervallen von 5 Minuten erneuerte sich der Anfall, der selbst während der Futteraufnahme hervortrat. Das Leiden soll nach den Angaben der Besitzer mehrere Jahre bestanden haben.
De give beobachtete bei 2 Pferden Lähmung der Zunge und Lippen, ein Leiden, das in Flandern öfter vorkommen soll und mit der progres­siven Bulbärparalyse des Menschen eine gewisse Aehnlichkeit hatte. Er fand eine allmälich fortschreitende Lähmung der Bvdbärnerven, besonders des Hypoglossus und Facialis mit Speichelttuss, Lähmung und Atrophie der Zungen-, Lippen und Kaumuskeln und in Folge dessen Störungen in der Futteraufnahme. Ein Theil des Futters fiel aus dem Maule, zuweilen trat Lähmung des Gaumensegels und Schlundkopi'es hinzu, wodurch auch der Schluckaet gestört wurde. Das Leiden endete stets mit dem Tode und zwar meist in 5—6 Monaten, zuweilen erst später. Bei der Section wurde neben gangränöser Pneumonie (Schluelqmeunionie). Atrophie der Wurzeln der Bulbärnerven (Hypoglossus, Vagus und Facialis) und Degeneration in den Muskeln der Zunge und Backe gefunden.
Offenbar liegen dem Zustande Krankheitsprocesse in der Medulla oblon-gata zu Grunde, welche zu einer Degeneration und Atrophie der hier ge­legenen motorischen Kerne des Hypoglossus, Facialis und Vagus führen. In Deutschland ist das Leiden meines Wissens bei Thieren noch nicht beobachtet worden.
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12nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Kopfes.
II. Die Krankheiten der Manlhöhle.
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1. Fremdkörper in der Maulköhle.
Lit.I Lindenborg, Mag. v. Gurlt u. Hertwig. Bd. 13. S. 436. Kirchner, da­selbst. Bd. 18. S. 339. Barrier, Bulletin. 1885. S. 193. Carrucci, La Clinic vet. 1885. S. 458. Kitt, Berl. Th. Woch. 1890. S. 293.
Bei allen Hausthieren, insbesondere beim Hund und Kind, werden nicht selten Fremdkörper im Maule angetroffen, die mit dem Futter oder aus Spielerei aufgenommen und beim Kauen an irgend einer Stelle stecken geblieben sind. Am häufigsten findet man bei Hunden Knochen und Nadeln, bei Kindern Holzstücke zwischen den Zähnen oder zwischen Wange und Zahnreihe; Nadeln nicht selten in der Zunge, wo sie mehr oder weniger Unbequemlichkeiten verursachen. Die Thiere speicheln, kauen oft ohne Futter im Maule zu haben; manche schütteln mit dem Kopfe und machen vorsichtige Schluckbewe-gungen. Wird der Fremdkörper nicht entfernt, so magern die Thiere in Folge unzureichender Futteraufnahme ab. Wo ähnliche Sym­ptome angetroffen werden, versäume man niemals das Maul der Thiere genauer zu untersuchen. Oft handelt es sich um kleine Gegenstände, wie Nadeln oder Holzsplitter, daher untersuche man recht sorgfältig. Befinden sich feste Körper zwischen den Zahnreihen, so kann das Maul weder activ noch passiv vollständig geschlossen werden. Bei Hunden trifft man im Grunde der Zunge oft Nähnadeln an.
Abgesehen von den Störungen in der Futteraufnahme und Er­nährung rufen solche Fremdkörper weitere Krankheitserscheinungen hervor. Mir begegnete ein Fall, in welchem das Pferd durch Ver­blutung aus der Gaumenarterie zu Grunde ging, die durch eine Steck­nadel in der Zunge veranlasst war. Auch entfernte ich mehrmals Knochenstücke zwischen den Backzähnen von Hunden, die nicht im Stande waren, das Maul zu schliessen und desshalb für wuthverdächtig gehalten wurden. Lindenberg beobachtete epileptiforme Krämpfe bei einer Kuh in Folge Verletzung der Zunge durch einen scharfen Backzahn. Sobald das Thier zu kauen versuchte, trat ein Krampfanfall ein.
Zur Entfernung des Fremdkörpers lasse man das Maul des Thieres weit öffnen und suche denselben entweder mit der Hand, oder mit Hülfe einer Kornzange oder Pincette zu fassen. Nadeln, besonders Nähnadeln werden regelmässig von hinten nach vorn in die Zunge eingebohrt angetroffen. weil dieselben bei dem Versuche der Thiere,
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Fremdkörper in der Maulhöhle.
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durch Würgen oder mit der Zunge die Nadeln zu entfernen, in dieser Richtung eindringen. Man muss also zum Zwecke der Extraction die Nadel aus der stark hervorgezogenen Zunge zuerst nach hinten gegen die Rachenhöhle bewegen. Daher bleiben auch die Versuche der Besitzer, Nähnadeln an dem noch vorhandenen Faden herauszuziehen, stets erfolglos.
Besondere Beachtung verdienen Verletzungen des harten Gaumens, welche zuweilen mit starker Blutung verbunden sind. Durch die Be­wegungen der Zunge wird die Bildung eines Thrombus erschwert, und so verbluten die Thiere sehr leicht bei Verletzungen der Gaumenarterie.
Bei Blutungen aus venösen Gefässen genügt in der Regel fol­gendes Verfahren: Man bedeckt die Oberfläche der Zunge mit einer fingerdicken Schicht Mehl, bindet darauf das Maul sofort mit einer Schlinge zu und lässt das Pferd damit 6—8 Stunden stehen (Hertwig). Bei stärkeren arteijellen Blutungen muss das Thier niedergelegt werden, worauf man nach Einsetzung eines Maulgatters womöglich das blutende Gefäss unterbindet. Oft gelingt dies erst mittelst Umstechung. An den vorderen Abschnitten des Gaumens kann unter Umständen auch Compression versucht werden. Nachdem auf die blutende Stelle ein fester Werg- oder Jutebausch (ev. mit Ferr. sesquichloratuin getränkt) gelegt ist, wird eine Binde, im Nothfall ein Handtuch zur Befestigung desselben um den Oberkiefer gelegt und auf dem Nasenrücken zu­gebunden. Durch ein Stück dickes Leder oder ein Brettchen, welches auf den Tampon gelegt oder zwischen die Zalmreihen geschoben wird, lässt sich die feste Lage des Verbandes noch weiter sichern, welcher 12 Stunden liegen bleiben muss. Unter Umständen kann auch durch Brennen mit einem knopfförmigen Eisen die Stillung der Blutung erzielt werden; im Allgemeinen aber ist die Wirkung desselben nicht zuverlässig; meist hört die Blutung nur vorübergehend auf und beginnt nach we­nigen Secunden von neuein; daher suche man diese Zeit auszunutzen, um einen Verband anzulegen. Auf jeden Fall muss dem Thiere in den nächsten 24 Stunden feste Nahrung entzogen werden.
Die hervorgerufenen Verletzungen heilen nach Entfernung der Fremdkörper im Allgemeinen sicher und schnell. Wo tiefere Verwun­dungen bestehen, lasse man das Maul nach jeder Futteraufnahme rei­nigen und durch einen Maulkorb oder durch Hochbinden verhindern, class die Thiere in der Zwischenzeit durch Futtermassen die Wunde verunreinigen. Trotz des üblen Geruchs aus der Maulhöhle gehen die Heilungsvorgänge meist ungestört von statten.
Eigenartig gestalten sich zuweilen Verletzungen der Zunge bei
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14nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
Einschnürung vermittelst fremder Gegenstände. Mir sind solche Fälle bei Pferden und Hunden wiederholt vorgekommen. Theils aus Bosheit, um den Besitzer zu schädigen, theils um das Pferd zum Stillstehen beim Putzen zu zwingen, oder das Herausstrecken der Zunge zu ver­hindern, wird eine Bindfadenschlinge um dieselbe gelegt. Kirchner stellte eine solche Einschnürung bei einer Kuh fest, die merkwürdiger Weise durch Fressen eines Bindfadens herbeigeführt war. Bei Hunden und Katzen werden Querschnitte von Blutgefässen oder Gummiringe um die Zunge liegend gefunden. In einem der beiden von Barrier beschriebenen Fälle hatte sich ein Querschnitt der Aorta über die Zunge gestreift und diese nekrotisirt. Carrucci berichtet über einen gleichen Fall, bei dem die Zunge bis auf das Vierfache ihres normalen Volumens geschwollen war. Kitt (München) fand bei der Section einer Ziege einen eisernen Ring von 1,5 cm Breite und 7 cm Umfang fest um die Zunge liegend. Das Thier hatte Störungen beim Fressen ge­zeigt, und war schliesslich getödtet worden. Ein solcher Zustand giebt sich auf den ersten Blick durch starke Anschwellung und eine blau-rothe Färbung der Zunge zu erkennen, die hinten scharf begrenzt ist, also an einen nicht erkrankten Abschnitt stösst, der dem Zungen­grunde bald mehr, bald weniger nahe liegt; bei näherer Untersuchung findet man hier den einschnürenden Gegenstand, der durch die An­schwellung zuweilen verdeckt wird.
Es handelt sich also um eine Strangulation, die, wenn sie nicht gehoben wird, nothwendig zum Absterben der Zunge führen muss, weil Circulation und Ernährung in ihr gestört sind. Doch tritt die Nekrose nicht so schnell ein. Man sieht oft da noch Heilung eintreten, wo die Zunge bereits unempfindlich und kalt erscheint und eine fast blau­schwarze Farbe zeigt. Die Oberfläche der Schleimhaut wird dagegen häufig nekrotisch und fällt später ab.
Behandlung. Das erste ist natürlich Beseitigung des Fremdkörpers. Zuweilen genügt dies schon, aber nicht immer. — Da die Schleim­haut der Zunge verhältnissmässig derb und fest ist, kann sie sich nicht in dem Masse ausdehnen, wie es die starken Stauungen und Anschwel­lungen erfordern, und die Zunge kommt in die Gefahr abzusterben. In solchem Falle werden mit Vortheil Scarificationen angewandt, d. h, man legt mit dem Bistouri Längsschnitte über die ganze Anschwellung und bis zur halben Tiefe der Zunge. Tiefere Schnitte verletzen die Unterzungenarterie und können durch profuse Blutungen gefährlich werden. Oft fällt die Geschwulst hiernach schnell bei, zuweilen ver-
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Verletzungen der Zunge.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;15
schwindet sie aber erst in einigen Tagen. Waschungen mit Alaun be­fördern den Vorgang und halten faulige Zersetzungen zurück. So lange die Zunge stark geschwollen ist, muss dem Thiere flüssige Nahrung gereicht werden. Kleinen Thieren (Hunden und Katzen) lässt man solche einflössen.
2. Krankheiten der Zunge.
a) Verletzungen. Lit: Osborne, The Veterinarian. 1841. Steffen, Ad. Woch. 15. S. 13.
Aussei4 den vorhin besprochenen Verwundungen durch Fremd­körper kommen Verletzungen der Zunge am häufigsten beim Pferde vor. Schon die Anwendung des Gebisses bringt Gefahren für die Zunge mit sich. Man sieht femer häufig, dass Pferdepfieger, um un­ruhige und kitzliche Pferde beim Putzen zum Stillstehen zu zwingen, den Thieren einen Strick oder Bindfaden als Schlinge durch das Maul und über die Zunge legen. Durch heftiges Ziehen an solchen wird die Zunge leicht eingeschnitten, und zwar um so leichter, je dünner der Bindfaden ist. Dieselbe nachtheilige Wirkung übt nicht selten eine Stricktrense aus, besonders wenn sie dünn ist. Ferner kommen Verletzungen der Zunge bei Pferden und Wiederkäuern durch scharfe Zähne und fehlerhafte Stellungen derselben zu Stande 1).
Die Erkennung bietet keine Schwierigkeit. Nachdem man durch Speicheln, Nichtfressen oder langsames, vorsichtiges Kauen auf die Gegenwart eines Reizzustandes in der Maulhöhle aufmerksam gemacht ist, lässt sich die Verletzung in ihrer Ausdehnung leicht ermitteln.
Im Allgemeinen heilen auch solche Verwundungen sicher und schnell, doch bleiben bei Quertrennungen der Zunge zuweilen tiefe Einschnitte zurück. Aber auch diese haben keine grössere Bedeu­tung und sind nur insofern nachtheilig, als die Thiere beim Fressen Futter verstreuen, sowie dadurch, dass die Zunge an dieser Stelle leicht abreisst, z. B. beim Festhalten derselben zum Zwecke der Untersuchung der Maulhöhle. Eine vollständige Quertrennung kann aber sowohl direct bei der Verwundung als auch erst später eintreten. Der so
') Steffen sah die Zungenspitze beim Fohlen brandig absterben, nachdem dieselbe bei einer Zahnoperation heftig gezerrt war. Nach den Mittheilungen S's scheint eine Gefässzerreissung eingetreten zu sein.
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1(Jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
entstandene Defect wird hei der Futteraufnahme nachtheilig, sobald derselbe über das Zungenbäudohen hinausreicht. Dass Pferde ohne Nachtheil ein 3—4 Zoll langes Stück von der Zunge entbehren können, haben schon die Versuche zur Heilung des Zungenstreckens ergeben. Geht dagegen mehr verloren, so sind die Thiere meist aussei- Stande, das Futter zwischen die Backzahnreihen zu bringen. Zuweilen be­nehmen sich die Pferde hierbei wie die Hühner beim Trinken, d. h. sie halten das Maul in die Höhe, damit das Futter zwischen die Back­zähne fällt. Dabei wird allerdings Futter verstreut. Bei Hunden stören Zungendefecte besonders die Aufnahme von Wasser, das zum Theil wieder zurückfliesst. Doch lernen sowohl Pferde wie Hunde mit der Zeit bei solchen Defecten regelmässig zu fressen und zu trinken. Solange die Arteria linguae profunda nicht mit durchtrennt war, und das ist nur selten der Fall, stösst die Ernährung des vorderen Zungenstückes auf keine Schwierigkeiten; wo dagegen die genannte Arterie mit veidetzt wird, kann es zur Nekrose der Zungenspitze kommen. Starke Blutung bei der Verletzung bildet daher eine ungünstige Erscheinung.
Die Behandlung besteht in sorgfältiger Reinigung der Maul­höhle nach jeder Futteraufnahme. Darauf lässt man das Pferd hoch­binden, oder einen Maulkorb anlegen, damit nicht durch Fressen von Streu neue Verunreinigungen eintreten. Reines Wasser muss dem Thiere stets zur Verfügung stehen. Tiefe, d. h. etwa bis zur Mitte reichende Wunden werden mit Vortheil geheftet. Man benutzt dazu recht starke Seide und legt die Hefte tief und eng zusammen; andern­falls reissen sie aus. Zuweilen gelingt es auf diese Weise sogar Heilung per prim. int. zu erreichen. Wo bei Querwunden das Ende der Zunge bereits abgestorben ist, muss Amputation desselben erfolgen. Man übereile sich damit jedoch nicht, sondern warte ab, bis in dem abge­trennten Theile sichere Zeichen der Nekrose aufgetreten sind, denn nicht selten bleibt das Ende auch da noch erhalten, wo die Trennung über 3;'i der Zungendicke reicht. Bei der Amputation entsteht häufig stärkere Blutung aus der Unterzungenarterie, die indess am liegenden Thiere mit der Unterbindungspincette leicht erfasst und durch eine
Ligatur g
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schlossen werden kann.
b) Acute Entzündung der Zunge.
Lit: Ollmann, Tb. Mitt. 1880. Singard, The Veterinarian. 1883. S. 340. Gresswell, The vet. journal. 188(3. S. 321. R ehr Si Mag. v. Gurlt u. Hertwig. 1841. S. 227. Anleitg. z. Verbaimung und Heilung d. Zungen-
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Acute Entzündung der Zunge.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;17
krebses, Detmold 1787. Kolb, Adams Woch. 1886. Fürstenberg, Th. Mitt. 1867. S. 163.
Abgesehen von den durch äussere Verletzungen entstandenen Ent­zündungen werden acut entzündliche Processe in der Zunge nur selten bei Thieren beobachtet. Doch hat die Erfahrung gelehrt, dass auf dem Wege der Infection specifische Entzündungen der Zunge na­mentlich beim Rinde und Pferde vorkommen. Der sog. Grlossanthrax, früher als eine Milzbrandform betrachtet, findet sich besonders bei der Wildseuche. Die Infectionen werden namentlich durch hartes, stach­liges Futter begünstigt. Rinder und Pferde leiden daher am häufigsten an acuter Glossitis und zwar nicht selten in enzootischer Verbreituuaquot; (Thölke, Ollmann); offenbar handelt es sich um das Eindringen patho-gener Mikroorganismen. Dass phlegmonöse und septische Processe vom Kehlgange aus auf die Zunge übergreifen und die gleichen Ver­änderungen hervorrufen können, beweist die von Fürstenberg mit-getheilte Beobachtung beim Schafe.
Die Zunge schwillt an einer bestimmten Stelle an, zeigt sich hart und schmerzhaft. In dem Masse die Anschwellung zunimmt, wird die Futteraufnahme erschwert. Bald stellt sich Speichelfluss ein. Beim Rinde bemerkt man frühzeitig starkes Oedem im Kehlgange, auch die Lymphdrüsen daselbst sind angeschwollen.
S i n g a r d beobaclitete beim Jungvieh ein solches Leiden, das zur Nekrose der Zunge führte. In den brandigen Theilen will Singard Bacillen gefunden haben, welche durch mehrere Generationen noch mit Erfolg impf­bar waren. Gr ess well stellte bei Rindern eine enzootisch auftretende Glossitis mit Ausgang in Nekrose fest und will als Ursache des Leidens Bacillen gefunden haben, welche mit denen des malignen Oedems identisch waren. Auch Stockfleth beschreibt eine )n-andige Glossitis der Rinder und Pferde. Schon hü Jahre 1787 erliess die Regierung zu Detmold eine Ver­ordnung zur Bekämpfung einer Zungenkrankheit bei Hornvieh und Pferden, welche nach der beigefügten Beschreibung einen nekrotisierenden, höchst acut verlaufenden Process darstellte. Die Thiere sollen oft schon in 24 Stunden an dem Leiden zu Grunde gegangen sein; Skarificationen waren in der Verordnung empfohlen. Kolb beobachtete beim Rinde eine mit starkem Speichelfluss und Oedem im Kehlgange, sowie mit tauben- bis hühnereigrossen, schmerzhaften Knoten am Zungenbändchen verbundene Entzündung der Zunge, deren Heilung durch Skarificationen der Knoten in kurzer Zeit erzielt wurde. Unterblieben diese, so gingen die Knoten in jauchige Geschwüre über.
Ohne Zweifel können verschiedenartige Infectionen hier vorkommen, daher beobachtet man nicht selten phlegmonöse Entzündungen der Zunge mit AbscedierunE;. Rehrs berichtet über solche Processe bei Pferden.
Die Beurtheilung und Behandlung müssen sich nach der Art
und der Ausbreitung der Krankheit richten. Im Allgemeinen sind auch
Möller, S^ecielle Chirurgie für Thierarzte.
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18nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
hier Skarificationen angezeigt, sowohl um die schädlichen Substanzen bald zur Entleerung zu bringen, als auch um Nekrose fernzuhalten. Zeigt sich Fluctuation, so zögere man nicht mit der Anwendung des
Messers.
c) Chronische Entzündung der Zunge und Neubildungen in derselben. Makroglossie.
Lit.: Gerlach, Mag. v. Gurlt u. Hartwig. Bd. XX. S. 297. Hollmann, das. Bd. XXIII. S. 40. May, das. Bd. XXIV. S. 324. Eberhardt, das. Bd. XXIX. S. 447 u. 449. Schlag, Drasd. Ber. 1884. S. 97. Johne, Deutsch. Zeitseh. für Thiermed. 1882. S. 169. Boll in gar, Ad. W. 1877. Thomassen u. Strebal, Schweizer Archiv. 1890. S. 16. Lesbre, Rec. da mad. vet. 1886. S. 605. Bass, Th. Rundschau. II. 36. Fürthmeyar, Monatsch. d. Vereins österr. Th. 1887. Pflug, Deutsche Zeitschrift für Thiermed. 1890. S. 190. I mm in g er. Deutsch. Zaitsohr. für Thiermed. 1888..S. 423.
Mit den Namen: Zungentuberculose, Zungendegeneration, Holzzunge, chronische Entzündung der Zunge wurden verschieden­artige, schon seit langer Zeit bekannte Krankheitsprocesse der Zunge belegt, welche das Gemeinsame haben, dass sich hierbei die Zunge allmälich vergrössert, verdickt und schliesslich zu Störungen der Futter-aufnahme und Athmung führt.
Ueber die Natur dieser Processe war man indess bis vor kurzer Zeit im Unklaren, und da die Section häufig zahlreiche Herde in Ge­stalt von Knoten in der Zunge ergab, so lag es nach der damaligen Auffassung nahe, das Leiden als Tuberculose zu bezeichnen. In neuerer Zeit wurden diese Processe genauer untersucht und festgestellt, dass es sich um verschiedenartige Leiden handelt. Häufig wurden Mikroorga­nismen (Aktinomyces — Bollinger) und Botryomyces, in seltneren Fällen Psorospermien (Siedamgrotzky) festgestellt; zuweilen lassen sich über­haupt keine ursächlichen Momente für die chronische Entzündung nach­weisen, bei der das Bindegewebe der Zunge auf Kosten der Muskulatur wuchert. Wahrscheinlich kommen auch maligne Neubildungen in der Zunge vor; bei dem Mangel genauerer Untersuchungen lässt sich jedoch hierüber bisher nichts Bestimmtes sagen. Jedenfalls sind Tumoren bei Thieren viel seltener als beim Menschen, wo Carcinome und Syphilis zu höchst bedenklichen Zungenleiden führen. Am häufigsten leidet das Rind und zwar an Aktinomykomen oder Botryomykomen der Zunge, seltener die übrigen Hausthierarten. Pflug hat besonders betont, dass die chro­nische, indurirende Glossitis nicht immer auf aktinomykotischer Infection
.
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Chronische Entzündung der Zunge.
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beruht. Damit stimmt auch die Beobachtung Immingers Uberein, welcher nur 4—80/o aller Fälle von Aktinomykose bei Zungener­krankung fand.
Erscheinungen und Verlauf. Die Zunge verdickt und vergrössert sich allmälich, namentlich an ihrem Grunde. Hierdurch entstehen mit der Zeit Störungen beim Fressen, weil die Zunge steif und weniger beweglich wird; beim Schlucken wird der Kopf und Hals abnorm gestreckt. Oft besteht Speicheln aus dem Maule (Sali­vation) und später stellen sich Athembeschwerden ein, die be­sonders während des Fressens hervorzutreten pflegen. Die Respi­ration wird dabei hörbar, pfeifend, röchelnd. Diese Störungen nehmen allmälich zu und veranlassen zur Untersuchung des Maules. Hierbei findet man die Zunge verdickt, an ihrem Grunde ungewöhnlich derb und' fest (Holzzunge). Die venösen Gefässe zeigen sich abnorm er­weitert, und die Zunge besitzt eine dunkle, bläuliche Färbung, wodurch eine gewisse Aehnlichkeit mit der Strangulation der Zunge entsteht. Bei genauer Untersuchung zeigt sich jedoch, daslaquo; acut-entzUndliche Erscheinungen (Schmerz, Oedem) fehlen; dafür lassen sich erbsen-bis taubeneigrosse Knoten in der Zunge nachweisen und am leichtesten erkennen, wenn man die Zunge durch die Hand gleiten lässt. Nicht selten treten diese Knötchen und Knoten schon sichtbar hervor und zeigen an ihrer Oberfläche geschwürige Veränderungen. Unter Um­ständen schwillt die Zunge auch gleichmässig an. Im Kehlgange stellt sich mit der Zeit Anschwellung der Lymphdrüsen und in späteren Stadien des Leidens Oedem ein. Mit Zunahme der Schlingbeschwerden magern die Thiere allmälich ab; oft können sie nur noch flüssige Nahrung aufnehmen.
Prognose und Behandlung. Die erstere ist selbstverständlich ungünstig; wo es sich um schlachtbare Thiere handelt, suche man sie auf diese Weise bald auszunützen. Unter Umständen erscheint Mästung mit flüssigen Nahrungsmitteln angezeigt. Im Allgemeinen gilt das Leiden als unheilbar. Allerdings wollen einige durch Skarificationen und Anwendung von Jod (Strebel) Heilung erzielt haben. Bass und Thomassen empfehlen Jodkali innerlich (10,(1 gr in V* Liter Wasser Ü Tage hinter einander gegeben). Dabei sollen aber auch Intoxicationen vorgekommen sein. Vielleicht lässt sich durch tiefe Skarification und Jodeinpinselung eine Beschränkung in der Entwickelung des Processes namentlich da erzielen, wo infectiöse Zustände (Aktinomykose) vorliegen.
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0()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Kopfes.
Strebel behauptet in 100 Füllen von Aktinoinykose mit Skarification und Jodeinpinselung etwa 1ja ganz geheilt und andere soweit herge­stellt zu haben, dass sie mit Erfolg gemästet werden konnten. Nur die Hälfte soll nach ihm unheilbar sein. Dahin gehören besonders die vorgeschrittenen und die Fälle, wenn Zungenwurzel hauptsächlich leidet. Bei Erkrankung der Spitze und des mittleren Abschnittes der Zunge soll sich die Prognose bei weitem günstiger gestalten, zumal hier tiefere Incisionen ohne Gefahr vorgenommen werden können. Die Be-pinselung mit Jodtinctur wird etwa 2—3 Mal täglich, nach dem Fressen vorgenommen. Bass beobachtete nach Jodpinselung ein liecidiv. Jeden­falls empfiehlt es sich da, wo ein infectiöses Leiden besteht, in Bezug auf vollständige, d. h. dauernde Heilung skeptisch zu urtheilen und schlachtbare Thiere nach eingetretener Besserung bald für das Schlacht-niesser vorzubereiten. Die Mast der Thiere erfolgt am leichtesten in Brennereien und Brauereien, weil hier an die Kauthätigkeit derselben nur geringe Anforderungen gestellt werden (Esser).
d) Lähmung der Zunge. Glossoplegie.
Lit.! Gerko, Gurlt u. Hertwig. 5. S. 03. Jürgens, daselbst. 12. S. 356. Kater, Thierärztl. Mitth. 1870. S. 171.
Sämmtliche Muskeln der Zunge und die meisten des Zungen­beines werden vom N. hypoglossus innervirt. Abgesehen von den durch entzündliche Veränderungen in der Zunge an diesem Organe veran-lassten Bewegungsstörungen, gehen Lähmungen der Zunge von dem genannten Nerven, bezw. seiner Ursprungsstelle an der ventralen Fläche des verlängerten Markes aus. Verletzungen, Geschwülste oder entzündliche Processe können den Nerven auf seiner Bahn treffen und Glossoplegie bewirken. Kater sah halbseitige Zungenlähmung beim Pferde, einem Fohlen, welches 8 Monate vorher mit dem Wirkmesser im Kehlgange verletzt worden war. An der linken Seite zeigten sich die Muskeln der Zunge so vollständig geschwunden, dass sich an der Spitze derselben die Schleimhaut gegenseitig berührte. Diese Lähmung ist ferner im Verlaufe schwerer Infectionskrankheiten beobachtet worden, z. B. nach der Brustseuche. Bei centraler Lähmung leiden meist beide Nerven, also auch beide Zungenhälften, weil die beiden Hypoglossi dicht neben einander entspringen. Daher stellt sich Zungenlähmung zuweilen bei acuter Meningitis und Hvdrocephalus acutus des Pferdes ein. Doch sind nicht alle Hypoglossuslähmungeu centraler Natur. Bei Pferden beobachtet man Diplegien auch nach heftigen Zerrungen
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Lähmung der Zunge.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;21
der 7Ainge, wobei natürlich Dehnungen in beiden Nerven leicht vor­kommen. Bei Hunden wird doppelseitige Zungenlilhmung regehnilssig bei der Hundswuth beobachtet, kommt bei diesen Thieren jedoch auch ohne jene Krankheit vor; zuweilen in Verbindung mit mastikatovischer Gesichtslähmung (S. 102). Wahrscheinlich handelt es sich hier um centrale Ursachen der Lähmung.
Ein grosser Theil der in der thierärztlichen Literatur als Zungen­lilhmung mitgetheilten Beobachtungen stellt Verwechselungen mit ent­zündlichen Erkrankungen der Zunge dar (Jürgens), doch sah ich aus einer acuter Entzündung der Zunge Lähmung derselben hervorgehen.
Die Erscheinungen des Leidens bestehen bei einseitiger Lähmung in Schiefstellung der Zunge, langsamem Kauen und Beschwerden beim Schlucken. Bei doppelseitiger Lähmung wird beides unmöglich, nament­lich das Schlucken. Meist hängt dabei die Zunge zum Maule heraus. Werden die Thiere längere Zeit erhalten, so stellt sich in der Zunge Atrophie ein, die bei einseitiger Lähmung auf die betreifende Hälfte derselben beschränkt bleibt.
Das Leiden darf nicht mit dem sog. Zungenstrecken, jener Untugend verwechselt werden, wobei die Thiere, namentlich Pferde ihre Zunge freiwillig aus dem Maule hängen lassen. Unvermögen
dieselbe zurückzuziehen und Schiefstellun
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beweist erst die
Lähmung.
Die Prognose gestaltet sich meist ungünstig, besonders bei doppel­seitiger Lähmung, weil die Thiere aussei- Stande sind, sich in dem Masse zu ernähren, wie es die wirthscbaftliche Ausnutzung derselben erfordert. Sobald daher das Leiden bereits einige Zeit besteht, thut man im Allgemeinen besser, die Thiere schlachten zu lassen. Kann sich das Thier bei einseitiger Zungenlähmung ausreichend ernähren, so
stört das Leiden nur weni
'B-
Die Behandlung vermag nicht viel zu leisten. Sollten äussere Verletzungen als Ursache vorliegen, so würden diese nach den unge­meinen Regeln zu behandeln sein; im übrigen heisst es: entweder abwarten oder schlachten. Bei gemästeten Thieren ist letzteres in der Regel vorzuziehen, Aveil dieselben in ihrem Nährzustande schnell zurückgehen.
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22 •nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
e)nbsp; Froscligeschwulst (Ranula).
Dieser Zustand erscheint am häufigsten bei Hunden und Rindern. Unter dem vorderen Ende der Zunge, am Zungenbändchen entwickelt sich langsam eine länglichrunde Anschwellung bis zur Dicke eines Tauben- selbst Hühnereies. Dieselbe ist in der Kegel graugelblich, ohne entzündliche Erscheinungen und weich. Auf Einstich entleert sich eine gelbliche, schleimige Flüssigkeit, worauf die dünnen Wan­dungen der Masse zusammenfallen. Erlangt die Geschwulst eine be­deutende Grosse, so entstehen Störungen beim Kauen verbunden mit Salivation. Beim Menschen nimmt die Stimme zuweilen einen quaken­den Ton an; daher auch der Name.
Ueber die pathologische Grundlage dieses Leidens ist man auch beim Menschen noch nicht einig. Früher wurde eine Verstopfung des Wharton'schen Ganges angenommen, der nachweislich jedoch bei diesem Leiden in der Regel frei ist. Neuerdings liisst man den Zustand aus einer Verstopfung von Schleimdrüsen hervorgehen (lietentionsge-schwulst). Auch beim Hunde liegen hierüber keine näheren Unter­suchungen vor.
Die Beurtheilung gestaltet sich günstig, doch genügt ein ein­facher Einstich zur Heilung nicht, indem sich hiernach die Geschwulst stets von neuem füllt. Dagegen führt das Ausschneiden der dünnen Wand in der Regel zum Ziele und lässt sich mittelst Schere und Pincette leicht bewirken. — Stockfleth beschreibt .als Ranula beim Rinde einen Zustand, der jedoch einen durchaus verschiedenen, weniger gutartigen Verlauf nimmt und wahrscheinlich als eine bösartige Ent­zündung der Unterkieferdrüse betrachtet werden muss (vgl. diese).
f)nbsp; Fractur des Zungenbeines.
Lit,: Schade, Gurlt u. Hertwig. 6. S. 310. Herraud, The Vet. 1853. Rupp-recht, Ber. Th. Woch. 1890. S. 329. Zipperleu, Rev. vet. 1880. S. 380. Bolle, Th, Mitth. 1881. S. 86.
Bei der geschützten Lage des Zungenbeines sind Brüche desselben selten, doch hat man solche bei Pferden, Rindern und Hunden beob­achtet. Bei letzteren geben Strangulationen, wie sie beim Einfangen der Thiere üblich sind, bei Rindern und Pferden Hornstösse und Huf­schläge, zuweilen auch heftiges Reissen an der Zunge hierzu Veran­lassung.
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Fraotur des Zungen- und Zwischenkieferbeines.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 23
Erscheinungen: Speicheln, Hervorhängen der Zunge, Beschwerden bei der Futteraufnahme, besonders beim Schlucken, Anhüufung von Futterstoffen im Maule, Anschwellung im Kehlgange; bei complicirtör Fraotur findet Blutung im Maule, unter Umständen starker Blutaus-fluss statt. Selten wird Crepitation bei Bewegungen der Zunge be­obachtet.
Bei subcutanen Brüchen erfolgt meist Heilung in 4 Wochen. Nicht selten aber perforiren die Bruchfragmente die Schleimhaut, es ent­wickelt sich eine heftige Phlegmone, an welcher die Thiere zu Grunde gehen können (Herraud), oder es entstehen hochgradige Störungen des Kauens und Schluckens, so dass die Thiere an Inanition eingehen, wenn sie nicht früher geschlachtet werden (Zipperlen). Auch können durch Verletzung von Blutgefässen seitens der Bruchstücke tödtlich verlaufende Blutungen zu Stande kommen. Rupprecht berichtet über einen Fall beim Pferde, in dem das gebrochene Zungenbein den Luft-sack perforirt und durch Verletzung eines grösseren Grefässes Ver­blutung herbeigeführt hatte. Auch Bolle sah ein Pferd in Folge der Blutung an Erstickung zu Grunde gehen. Das Blut hatte sich in Kehlkopf und Luftröhre ergossen. Dass andererseits auch complicirte Fracturen des Zungenbeines in (3—8 Wochen heilen können, selbst mit Exfoliation grösserer Stücke desselben, beweist die Mittheilung Schades.
Die Behandlung muss sich bei einfacher Fractur auf Regelung der Diät beschränken; weiches Futter, das wenig Kauen verlangt und leicht verdaulich ist. Im Anfange kann Wasserzufuhr durch den Mast-dann angezeigt sein, wenn die Schluckbeschwerden sehr gross sein sollten; im Nothfalle lüsst sich von hier aus auch künstliche Ernährung einleiten.
Bei complicirten Brüchen muss die Perforationsstelle öfter ge­reinigt werden. Sollte die Perforation ausnahmsweise die äussere Haut betreffen, so würde man mit antiseptischen Massregeln vorgehen. Die sich loslösenden Knochensplitter werden entfernt.
3. Brüche der Zwischenkieferbeine.
Durch Niederstürzen, Laufen gegen feste Gegenstände, bei Pferden durch Hufsclilag, bei Hunden Schläge mit einem dicken Stocke kommen Brüche der Zwiscbenkieferbeine zu Staude. Bald bricht nur der Nasen-
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24nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
fortsatz, bald der Zahnhöhlenraiul mit einem oder mehreren Schneide­zähnen, nicht selten kommen Querbrüche des Körpers beider Knochen vor.
Die Erkennung ergiebt sich aus der schmerzhaften Anschwellung und genauen Untersuchung des ziemlich frei liegenden Knochens. Quer­brüche am Körper desselben führen zu ähnlichen Veränderungen wie Querbrüche am Körper des Unterkiefers; die oberen Schneidezähne zeigen sich mit dem Alveolarrand des Knochens beweglich, oder sie sind mehr oder weniger gegen die Maulhöhle verschoben. Die Ober­lippe steht bei diesen Brüchen oft schief, so dass der Zustand bei ober­flächlicher Betraclitung wohl mit Facialislähmung verwechselt werdenkann.
Beschränkt sich der Bruch auf einzelne Zahnalveolen oder den Nasenfortsatz, so heilt der Zustand vollständig und schnell. Querbrüche des Körpers bieten dagegen grössere Schwierigkeiten, namentlich wenn sich der Zahnhöhlenrand mit den Schneidezähnen beweglich zeigt, oder eine complicirte Fractur vorliegt. Hier erscheint nur bei werthvollen und Lieblingsthieren eine Behandlung angezeigt. Steht der freie Rand fest, so lässt sich die Heilung bei weitem leichter erreichen.
Die Behandlung hat neben Regelung der Diät die reducirten Knochenstücke möglichst zu fixiren, was durch Draht in ähnlicher Weise geschehen kann, wie bei den Brüchen des Unterkiefers. (S. 99.) Bei complicirten Brüchen tritt die Antisepsis in ihre Rechte. Die gegen die Maulhöhle dislocirten Schneidezähne können zuweilen erst mit einiger Gewalt und nach längerer Zeit in die normale Lage zurückge­drängt werden.
4. Verletzungen der Laden. Ladendruck. Lit.! Grein er, Oesterr. Monatschrift für Thierh. 1890. S. 371.
Als „Ladequot; wird derjenige zahnlose Abschnitt des Unterkiefers bezeichnet, welcher zwischen dem Eck- bezw. Hakenzalm und dem ersten Backzahn liegt. Der Knochen ist hier mit einem mehr oder weniger scharfen Rande versehen und wird vom Periost und einer starken, derben Schleimhaut bedeckt. Bei Pferden haben die Laden das Gebiss auf­zunehmen. Ruht dieses zwar für gewöhnlich auf der Zunge und den Rändern der Lippen, so wird es doch durch die Wirkung der Zügel gegen die Laden gepresst und ruft hier namentlich bei Reitpferden nicht selten Verletzungen hervor. Je schärfer das Gebiss, um so leichter geschieht dies; bei hohen und scharfen Laden. dünner Zunge und
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Ladendruck.
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schlaffen Lippen kommen solche Verletzungen eher zu Stande als unter den entgegengesetzten Verhältnissen; auch begünstigt eine tiefe Lage des Gebisses solche. Ferner giebt eine sog. ,schwerequot; oder ,harte Faustquot; oder das „Rucken ins Maulquot;, wie es in der Keitersprache heisst, zum Ladendruck oft Anlass.
Wesen und Verlauf. Die hierbei auftretenden, krankhaften Veränderungen sind verschiedener Art. Nach dem Grade der Ver­letzung lassen sich folgende drei Arten unterscheiden:
1.nbsp; Die leichteste Läsion besteht in einer Erosion der Schleim­haut der Laden. Durch die Bewegungen des Gebisses wird das Schleim­hautepithel abgerieben. Dieser Zustand macht empfindliche Reitpferde zuweilen störrisch, heilt jedoch bei entsprechender Schonung des Pferdes in wenigen Tagen.
2.nbsp; Wirkte das Gebiss mit grösserer Gewalt ein, so kommt es nicht selten zur Quetschung oder Verwundung der Schleimhaut der Laden. Einfache Quetschung ohne Contimiitätstrennung endet ebenfalls meist mit Zertheilung; Verwundungen der Schleimhaut führen jedoch leicht zu eitriger Periostitis mit ihren Folgen (Nekrose).
3.nbsp; Bei sehr heftiger Wirkung scharfer Gebisse entsteht der La­dendruck mit Erkrankung des Periostes bez. des Knochens. Bald ent­wickelt sich eine Periostitis ossificans, welche zur Bildung von Exostosen führt (am Skelett älterer Reitpferde findet man solche öfter), bald entsteht eine Periostitis purulenta, welche regelmässig eintritt, wenn die Contimiitätstrennung bis auf den Knochen reicht. In solchem Falle kommt es zur Bildung von Knochennekrose, und diese führt weiter zur eiterigen Erkrankung des Knochenmarkes (Osteomyelitis suppurativa). Später erfolgt am unteren Rande des Unterkiefers Durch­bruch, und es entleeren sich hier zuweilen nekrotische Knochenstücke bis zur Grosse eines Fingers. Der letztere Vorgang nimmt zur Heilung natürlich längere Zeit, oft mehrere Monate in Anspruch, doch wird diese stets ohne nachtheilige Folgen für das betreffende Pferd erreicht.
Erscheinungen. Auf die Gegenwart einer Erosion der Schleim­haut wird man oft erst durch die Unruhe des Pferdes beim Gebrauche der Zügel aufmerksam. Die Locahmtersuchung giebt näheren Auf-schluss. Quetschungen der Schleimhaut geben sich durch Anschwellung, Schmerz und Röthung derselben zu erkennen; Verwundungen lassen sich direct nachweisen. Am zweckmässigsten erfolgt die Untersuchung zunächst mit dem Zeigefinger, der von der Seite in das Maul ein-
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26nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
geführt wird. Entdeckt derselbe Veränderungen, namentlich Schmerz, Anschwellung oder Continuitiltstrennungen, so wird durch In­spection die Untersuchung vervollständigt. Zur Ermittelung der Pe­riostitis ossilicans ist die Palpation geradezu unentbehrlich; daher bleibt dieser Zustand oft unbemerkt, indem man das widerstrebende Verhalten des Pferdes gegen den Zügel der Unruhe des Thieres oder dem Reiter zuschreibt. Ein massiger Druck mit dem Finger auf die betreffende Lade ruft bei Periostitis erhebliche Schmerzensilusserungen hervor. Directe Verletzungen oder Nekrose des Knochens lassen sich ebenfalls mit dem Finger nachweisen, der oft den blossgelegten Knochen fühlt. Ist die Trennung in der Schleimhaut klein, so eignet sich eine Metall­sonde zur Untersuchung. Die Osteomyelitis giebt sich durch Knochen-auftreibung zu erkennen, welche in der Kegel vom oberen bis zum unteren Bande des Unterkiefers reicht, später perforirt, eine blutig eiterige Flüssigkeit und nekrotische Knochenstücke entleert. Der dem Knocheneiter eigenthümliche unangenehme Geruch wird auch hier niemals vermisst. Oft dringt die Sonde vom unteren Kieferrande bis in die Maulhöhle des Pferdes.
Störungen beim Kauen und Speicheln aus dem Maule gehören zwar nicht zu den ständigen Erscheinungen des Leidens, kommen aber vor.
Die Behandlung muss sich in erster Linie nach den anatomischen Veränderungen richten. Besteht nur Erosion, so genügt Schonung des Pferdes oder Anwendung einer Trense bez. eines Nasenzügels, bis der Epithelersatz erfolgt ist. Zuweilen empfiehlt sich das Gebiss höher zu legen. Bei Verletzungen der Schleimhaut ist Schonung und Ver­meidung eines Stangengebisses erst recht geboten. Die Wunden müssen nach jedem Fressen sorgfältig gereinigt, und um Verunreinigungen zu vermeiden, dem Pferde bis zum nächsten Futter im Stalle ein Maulkorb aufgelegt werden; oder man bindet das Pferd hoch, so class es keine Streu fressen kann. Im Übrigen ist die Wunde nach ihrer Beschaffen­heit zu behandeln. Sobald der Knochen oder das Periost mitleidet, muss vor allem das Gebiss vermieden werden, nur wenn dadurch keine, Verletzungen entstehen, ist die Anwendung der Trense zulässig. Bei Periostitis ossificans genügt diese Behandlung in der Hegel, um das Pferd in einigen Wochen wieder arbeitsfähig zu haben. Die eiterige Erkrankung des Periosts und Knochenmarks macht die Entfernung der nekrotischen Knochenstücke unbedingt erforderlich. Zuweilen lässt sich dies von der Maulhöhle aus mit Hülfe einer guten Kornzange ausführen, wo nicht, muss dies nach erfolgtem Durchbruch durch die
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Krankheiten der Zilline.
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äussere Haut geschehen. Die Wunde sowie die Oeffnung im Knochen ist soweit möglich rein zu halten. Ausspritzungen mit Desinficientien, Carbol, Greolin, verdünnter Salz- oder Schwefelsäure finden geeignete Anwendung. Greiner empfiehlt bei Caries am Unterkiefer Milchsäure, die er concentrirt in die Fistelcanäle spritzen lässt, dann Tampons, die mit der Säure getränkt eingeführt werden. Die Reinigung soll nach jeder Futteraufnahme geschehen und zur Reinerhaltung der Wunde wie oben angegeben verfahren werden. Auch ist die Anwendung des Glüh­eisens in Gestalt eines Lüschspiesses zuweilen angezeigt (Desinfoction). Eine sorgfältige Vorbauung ist von grossem Werthe. Oft werden derartige Verletzungen erst entdeckt, wenn sich Anschwellung des Kiefers eingestellt hat. In der Armee kommen solche Verletzungen bei grösseren Uebungen, Manövern, bei denen die Leute viel ohne Aufsicht reiten, häufiger vor. Regelmässige Revisionen der Laden sind hier ebenso am Platze wie solche auf Satteldruck. Die Amvenduns von Gebissen aus Gummi oder Lederbekleidung empfehlen sich bei empfindlichen Pferden und sind geeignet, derartige Verletzungen zu ver­hindern. Auch werden sie mit Nutzen nach dem Abheilen des Laden­druckes benutzt. Solange aber Verletzungen noch bestehen, nützen sie wenig, bei Erosionen der Schleimhaut wirken sie sogar nachtheilig.
5. Krankheiten der Zähne.
In diesem Kapitel sollen nicht allein die an den Zähnen auftretenden pathologischen Processe sondern alle Unregelmässigkeiten des Gebisses Be­rücksichtigung finden, welche mit Störungen des Kauens verbunden sind. Hierdurch erlangen die Zahnfehler bei den Nutztliieren erst ihre volle Be­deutung; auch wird bei allen diesen Zuständen der Eath des Sachver­ständigen in Anspruch genommen, welcher ohne eine genaue Kenntniss derselben kaum im Stande ist, eine zuverlässige Diagnose zu stellen.
Bei den Herbivoren kommen vornehmlich die Krankheitszustände der Backzähne in Betracht, während die der Sehneidezähne bei weitem nicht so wichtig sind. Bei ihnen dienen die Schneidezähne nur zum Abreissen von Gras auf der Weide, während die Zerkleinerung des Futters ausschliess-lich den Backzähnen zufällt. Es sollen daher auch zunächst die Krank­heiten der Zähne bei den Pflanzenfressern betrachtet werden.
Die klinischen Erscheinungen zeigen zwar bei den einzelnen Krankheitszuständen einige Verschiedenheiten, doch besteht im Ganzen eine grosse Uebereinstimmung. Beim Pferde, welches hier hauptsäch­lich in Betracht kommt, weisen folgende Symptome auf die in Rede stehenden Leiden hin:
1. Langsames Fressen, vorsichtige Kaubewegungen, „ das Thier kaut nicht durch'quot;, zuweilen erfolgen plötzliche Unterbrechung
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28nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
des Kauens und Wühlen mit der Zunge, wobei der Kopf schief ge­halten wird.
2.nbsp; Fallenlassen des Futters aus dem Maule; namentlich findet man oft zusammengeballte Heumassen in der Krippe, die Thiere „priemenquot;, wie es heisst.
3.nbsp; nbsp;Eine wichtige Erscheinung ist die Gegenwart von Futter im Maule, ohne dass die Thiere unmittelbar vorher gefressen haben; man trifft Futterreste in den Backentaschen an. Ebenso sprechen Kau­bewegungen ohne Futteraufnahme für kranke Zähne.
4.nbsp; nbsp;Später gesellt sich hierzu Abmagerung und Abnahme der Kräfte. Bei Rindern wurden epileptiforme Krämpfe in Folge von Zahn­leiden beobachtet (S. 12). Bei Hunden fordert Salivation zur Unter­suchung der Maulhühle und besonders der Zähne auf.
5.nbsp; nbsp;Die häufigste Zahnkrankheit bei den Thieren bildet die Alveolar-periostitis, sie ist regelmässig mit einem penetrant üblen Geruch aus dem Maule verbunden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; lt;
Sobald derartige Erseheiimugen bestehen, versäume man niemals, das Maul und insbesondere die Zilhne genauer zu untersuchen. Zuweilen lassen sich bei Pferden schon durch Palpation der Wangen ünregelinässigkeiten am Oebiss nachweisen. Auftreibungen der Knochen und Fistelbildung be­gleiten solche häufig. Ueber die Beschaffenheit der Sohneidezähne verschafft man sich leicht Gewissheit, die Untersuchung der Backzähne setzt bei den verschiedenen Thierarten besondere Vorkehrungen voraus, welche in meiner Diagnostik näher beschrieben sind. Abweichungen der Zähne aus ihrer Stellung und aus der Reihe der übrigen beweist ebenfalls Erkrankung derselben.
Vom klinischen Standpunkte lassen sich die Zahnleiden in folgende 4 Gruppen bringen:
A.nbsp; Ünregelinässigkeiten in der Entwickelung der Zähne,
B.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „ „ Abnutzung der Zilhne, 0. Erkrankungen der Zähne selbst,
D.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; des Alveolarperiostes.
A. Ünregelinässigkeiten in der Entwickelung der Zähne.
Lit.: Roll, Wien, Vierteljahrsehrift. Bd. III. S. 102. Walther, Dresd. Ber. 1889. 8. 70. Günther, Exterieur des Pferdes.
1. Ueberzählige Zähne. Sie kommen sowohl an den Schneide- wie auch Backzähnen vor, pflegen jedoch nur an letzteren Störungen hervorzurufen. Wenn statt der ü, 7 oder 8 Schneidezähne vorhanden sind, so entsteht dadurch der Nachtheil, dass der überzählige Zahn nicht abgerieben, in Folge dessen zu lang wird und die Weichtheile des Maules verletzt. Zuweilen
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Ueberzilhlige Zähne.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 29
handelt es sich jedoch nur um einen Milchzahn, der zwischen den Eckzähnen eingeklemmt wurde.
Ueberzilhlige Backzähne trifft man entweder in der lieihe der übrigen an oder aber neben denselben und meist an der medialen Seite der Zahnreihe. Roll fand solchen, nachdem der Zahn den Gaumen fast durchbohrt hatte. Walt her beschreibt zwei überzählige Back­zähne beim Pferde, welche sich medial von den dritten Backzähnen im Oberkiefer fanden. Das Pferd wurde durch dieselben heim Kauen
gestört
Ich selbst beobachtete an der medialen Seite des vierten
Fiff. 4.
Fig. 3.
Normaler Stand der Backzähne beim Pferde.
Doppelzabu beim Pferde.
oberen Backzahnes einen überzähligen Zahn, welcher zugleich mit seinen Nachharn an Alveolarperiostitis litt. Diese hatte zum Durchbruch in die Oberkieferhöhle und zu chronischem Nasenausfluss geführt (Fig. 4). Solange die überzähligen Zähne das Kauen nicht stören, bleiben sie ohne Bedeutung; in der Regel aber findet, da ihnen kein Zahn gegenüber steht, keine oder nur unvollständige Abreibung derselben statt, sie werden zu lang und stossen schliesslich gegen die ihnen gegenüber liegenden Weichtheile, verletzen dieselben und stören so das Kaugeschäft in hohem Grade.
Die Behandlung besteht in der Entfernung oder Verkürzung des zu langen Backzahnes. Die Extraction stösst oft und namentlich da auf grosse Schwierigkeiten, wo der überzählige Zahn neben einem anderen Backzahn steht, und der Zahn alsdann schwer zu fassen ist. In solchem Falle kann man sich auf die Verkürzunfl des Zahnes
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30nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
(Seite 41) beschränken, oder der Zahn wird mit Hülfe des Stempels entfernt (Seite 50). Mir gelang es in solchem Falle mit einer Zange, welche ein dünnes Maul hatte, allmälich zwischen die beiden Zähne zu gelangen und dieselben einzeln zu extrahieren.
2. Unregelmässigkeiten im Zahnwechsel.
Zuweilen beobachtet man bei Pferden, dass die Milchzähne sitzen bleiben, und die Ersatzzähne in Folge dessen eine fehler­hafte Stellung annehmen. In solchen Fällen müssen die betreffenden Milchzähne entfernt werden, wozu man sich mit Vortheil der Zange von Günther bedient (Fig. 57); oft genügt eine einfache Kneif­zange. Man achte darauf, dass der vordere stets der Milchzahn, der hinter demselben stehende der Ersatzzahn ist. Beim Ausziehen des ersteren soll sich der über dem Maul der Zange befindliche Fortsatz auf den Ersatzzahn legen.
An den Backzähnen werden nur selten Störungen im Wechsel derselben beobachtet; doch zeigen die Pferde während des regelmässigen#9632; Wechsels oft erhebliche Schmerzen beim Kauen; in solchen Fällen ist weiches Futter zu empfehlen.
3. Fehlerhafte Stellung der Zähne. Lit.: Sehrader, Gnrlt u. Hertwig. 17. S. 102. Dose, das. Bd. 23. S. 92.
An den Backzähnen kommen Abweichungen von der normalen Lage in Folge Erkrankung des Alveolarperiostes mit Lockerung des Zahnes in seiner Alveole vor, welche an anderer Stelle besprochen werden. Hier sollen nur diejenigen Abweichungen Berücksichtigung finden, welche als Fehler in der Entwickelung auftreten.
So beobachtet man zuweilen, dass sich der eine oder andere der Ersatzschneidezähne nicht unter dem Milchzahn, sondern weiter nach hinten entwickelt und nach dem Durchbruch die Zunge verletzt. Stock-fleth theilt eine solche Beobachtung von Höyer mit. Hierher gehören ferner die als Hechtmaul und Karpfenmaul bezeichneten Abnormi­täten, wobei die Zahnreihen der Schneidezähne nicht auf einander liegen; beim Hechtmaul ragt die des Unterkiefers über die des Ober­kiefers hervor, beim Karpfenmaul ist das Umgekehrte der Fall. Diese Störungen liegen in der Knochenentwickelung begründet und sind oft mit den gleichen Abweichungen der Backzähne verbunden, indem beim Hechtmaul die Backzahnreihen des Unterkiefers zu weit nach vorn liegen, so dass der erste Backzahn über den des Oberkiefers nach vorn
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Fehlerhafte Stellung der Zähne.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 31
hinaus ragt, während der letzte Backzahn des Oberkiefers nicht mehr von dem gleichen im Unterkiefer erreicht wird. Beim Karpfenmaul verhalten sich die Backzähne umgekehrt.
Eine eigenartige Abweichung beobachtete Dose bei einer Kuh. Die Schneidezähne derselben standen paarweise hinter einander. Obgleich das Thier 3 Jahre alt war, hatte der Zahnwechsel noch nicht begonnen. Gleich­zeitig fand sich der Unterkiefer missgestaltet, was Gurlt als die primäre und die eigentliche Ursache der Abnormität des Gebisses betrachtet.
Beurtheilung. Solange diese Abweichungen geringgradig sind,, rufen sie keine erheblichen Störungen hervor; höhere Grade haben jedoch Nachtheile in verschiedener Kichtung zur Folge. Einmal wird dem Thier das Grasen erschwert, indem namentlich bei niedrigem Grase das Abreissen desselben behindert ist. Ferner können erhebliche Ab­normitäten an den Schneidezähnen selbst bei der Aufnahme des Rauh-und Kurzfutters stören und das Kauen erschweren. Die Backzähne werden in Folge der Abweichungen nicht regelmässig abgerieben, wachsen über die Kauflächen der Nachbarn hinaus und können schliesslich das Zahnfleisch oder den Gaumen verletzen und so das Kauen erheblich beeinträchtigen.
Schrader fand bei einem Pferde im Oberkiefer den ersten Backzahn linkerseits dicht hinter dem Hakenzahn, den zweiten an der medialen Seite des dritten, so dass zwischen den letzten beiden und dem ersten ein 2 Zoll grosser Zwischenraum bestand. In diesen waren die beiden ersten Back­zähne des Unterkiefers hineingewachsen und hatten beide den harten Gaumen perforirt, so dass beim Trinken das Wasser in die Nasenhöhlen eindrang und durch das Nasenloch abfloss. Das Pferd war sehr abgemagert und wurde getödtet.
Fehlerhaft und zugleich nachtheilig ist die zu weite Stellung, namentlich der Backzähne. Die Kronen derselben sollen dicht an einander liegen, damit die Zähne fest stehen und das Eindringen von Futter zwischen dieselben verhindert wird; das Gebiss soll gut geschlossen sein. Finden sich Lücken zwischen den Backzähnen, so wird bei dem mangelhaften Widerstand der Zähne das Kauen behindert und in die Zwischenräume dringen Futtermassen ein, welche sich schliesslich bis in die Alveolen vorschieben und eine entzündliche Er­krankung derselben (Alveolarperiostitis) herbeiführen; bei jungen Thieren die häufigste Ursache dieses Leidens (S. 47).
Die Behandlung besteht in der Verkürzung oder Entfernung des störenden Zahnes. Bei jungen Thieren schneide man nicht so viel auf einmal ab, weil sonst die Zahnhöhle freigelegt, und die Gefahr einer Alveolarperiostitis herbeigeführt wird.
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32nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
Der zu weite Stand der Zähne lässt sich nicht verbessern, dess-halb ist man auf eine Palliativbehandlung angewiesen, welche in der Verabreichung weicher Futterstoffe besteht. Das Kauen muss dem Thiere möglichst erleichtert oder überflüssig gemacht werden, indem man Schrot, Mehl u. s. w. verabreichen lässt.
B. Unregelmässigkeiten in der Abreibung der Zähne.
Im Unterkiefer des Pferdes bilden die Back/.alinreihen zwei fast gerade und schwach divergirend nach hinten, bezw. oben verlaufende Linien, indem die ersten beiden Backzähne bei mittelgrossen Thieren etwa 5, die letzten 10 cm von einander liegen. Im Oberkiefer gestaltet sich der Raum zwischen den beiden Zahnreihen, welche in einem lateral convexen Bogen verlaufen, er­heblich weiter, die beiden 3. Piilmolaren (ersten Backzähne) des Ober­kiefers stehen etwa 8, die gleichen Molaren (letzten Backzähne) 10 bis
11nbsp; nbsp;cm von einander entfernt. An der Grenze zwischen Molaren und Prä-molaren beträgt die Entfernung der Zahnreihen im Oberkiefer ca. 11 bis
12nbsp; cm, im Unterkiefer etwa 8 cm. Hieraus ergiebt sich, dass während der Euhestellung des Kiefers die Reibetlächen der entsprechenden Backzähne nicht einander decken, dass vielmehr der laterale Rand der Unterkiefer­backzähne von dem des Oberkiefers seitwärts überragt wird, wäh­rend andererseits der mediale Zahnrand der Unterkieferbackzälme die der Oberkieferzähne medianwärts überragt (Fig. 3). — Ferner kommt in Be­tracht, dass am normalen Gebiss die Reibeftäohen der Backzähne schräg liegen, indem (bei horizontaler Haltung des Kopfes) der laterale Rand so­wohl im Unter- wie Oberkiefer um 0,5—1,0 cm tiefer steht als der me­diale. Medianwärts würden also die Verlängerungen der Reibeflächen sich in einem stumpfen 'Winkel unter dem Gaumen treffen (Fig. 3).
Die regelmässige Abreibung der Zähne, welche bei den Pflanzenfressern erheblich ist, an den Schneidezähnen nach Günther jährlich etwa 2 nun beträgt, setzt voraus, dass die Reibeflächen des Ober- und Unterkiefers durch ausgiebige Bewegungen, namentlich des letzteren beim Kauen, gleichmässig in Berührung gelangen. Geschieht dies nicht, so bleiben einzelne Abschnitte der Reibefläche stehen, während andere abnorm schnell abgerieben werden. Daraus gehen zwei Abnormitäten hervor, nämlich:
1.nbsp; Das kantige oder scharfe GebissTund
2.nbsp; nbsp;Das Scherengebiss.
1. Das scharfe oder kantige Gebiss, die sog. Schieferzähue.
Lit.: Jessen, öurlt u. Hertwig. 36. S. 401. borge, Her. Rep. 31. S. 46. Günther, Exterieur des Pferdes.
Unter normalen Verhältnissen und beim regelmässigen Kauen wird die ganze Reibefläohe der Backzähne abgenutzt. Wo die Reibung beim Kauen durch irgend welche Umstände ausfällt, da muss der Zahn mit der Zeit zu laug werden. Die engere Stellung der Back-zahnreihen im Unterkiefer bringt es mit sich, dass an diesen der nie-
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Schieferzälme.
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diale, an den Zähnen des Oberkiefers der laterale Rand stehen bleibt. Das kann sowohl an einzelnen Zähnen, wie auch an der ganzen Reihe und selbst an mehreren Zahnreihen eintreten. Diese Hervorragungen der Reibefläche der Backzähne werden als „Schieferzähne' oder als scharfes Gebiss bezeichnet.
Ursachen. Veranlassung zur Bildung dieser Abweichung giebt, wie schon Defay (Jessen) erkannte und später von Günther u. A. bestätigt wurde, meist eine zu enge Stellung der Unterkieferäste. Unterstützt wird die Wirkung dieser Bildung durch Einschränkung der Kaubewegungen, welche nach Lorge auf einer unvollständigen Entwickelung der Kaumuskeln beruhen soll. Sobald sich erst scharfe Kanten am Gebiss gebildet haben, rufen sie beim Kauen oft Ver­letzungen an der Wange hervor. Die Folge davon ist, dass das Thier diese Bewegungen freiwillig einschränkt, wodurch wiederum die Aus­bildung der scharfen Zahnkanten unterstützt wird. So begünstigt das Leiden selbst seine fortschreitende Entwickelung.
Die Beurtheilung fällt insofern günstig aus, als es leicht ist, die scharfen Kanten und Spitzen von den Zähnen zu entfernen; da jedoch das Grundleiden damit nicht beseitigt wird, so muss dieses Verfahren nach einiger Zeit wiederholt werden. Die durch das scharfe Gebiss hervorgerufenen Störungen des Kauens liegen in Ver­letzungen theils der Zunge, theils der Wangen begründet. Die erstere wird von den scharfen Rändern der Unterkieferzähne, die letztere von denen des Oberkiefers betroffen. Nach längerem Bestehen dieser Störungen kann sogar Abmagerung und Abnahme der Kräfte ein­treten. Am häufigsten wird der Zustand bei älteren Pferden, selten bei den übrigen Thieren beobachtet.
Erscheinungen. Schlechtes Fressen, langsames, vorsichtiges, oft unterbrochenes Kauen mit Schiefhalten des Kopfes machen auf den Zustand aufmerksam. Häufig lassen die Thiere die Bissen aus dem Maule fallen , welche sich dann in der Krippe finden. Auch bleiben Futterreste zwischen den Backen und den Zahnreihen liegen, weil die Thiere ausgiebigere Bewegungen der Kaumuskeln wie der Zunge vermeiden, Verletzungen der Maulschleiinhaut rufen lebhafte Salivation hervor.
Während mau früher, wie schon Jessen beklagte, diesen Zustand oft übersah, wird die Bedeutung der sog. Schieferzähne heut zu Tage MttUsr, Speoiolle Cliimrgie far Thierärzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3
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Krankheiten des Kopfes.
überschätzt; sie dienen hilufig als Lückenlnisser bei unsicherer Diagnose. Man halte den Grundsatz fest, die vorhandenen Spitzen der Zähne nur da als Ursache der Störungen in der Futteraufnahme anzusehen, wo sich Verletzungen an der Zunge oder an den Wangen nachweisen lassen; häufig veranlassen sie keinerlei Beschwerden. Bei jüngeren Pferden und nur massiger Ausbildung lege man diesem Zustande nicht zu grosse Bedeutung hei.
Fig. 5.
Fig. 8.
Fig. 6 u. 7.
Zahnraspel.
Kahnmeissel.
Zahnhobel.
Behandlung. Die Beseitigung der Spitzen und scharfen Kanten erfolgt entweder mit der Raspel (Fig. 5) oder mit dem Hobel oder Meissel (Fig. (j, 7 U. 8). Die zu dem Zwecke besonders construirten können im Nothfalle durch eine einfache Hufraspel ersetzt werden. Oft zeigen Pferde instinctiv die Neigung, die Spitzen der Zähne abzustossen, indem sie frerwillig fest auf die zwischen die Zahnreihen geschobene Paspel beissen. Stärkere Hervorragungen werden mit Meissel und Ivlopfschlägel oder dem Hammer abgesprengt. An den hinteren Back­zähnen wende man den Meissel mit Vorsicht an und vermeide Ver­letzungen der Weichtheile. Der mit dem Hammer oder Klopfschlägel
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Scherengebiss.
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geführte Schlag muss energisch, aber kurz ausfallen; auch lässt sich das zu weite Vordringen des Meisseis durch eine sorgfältige Hand­habung desselben vermeiden, indem die linke Hand den Meissel so erfasst, dass sie sich während des Schlages gegen die Schneidezähne stützt. Daher sind die in Form von Knöpfen neben der Schneide des Meisseis angebrachten Vorrichtungen für den Geübten entbehrlich. Dasselbe gilt von dem von Brogniez construirten Odontriteur, ein Meissel, an dem der Schlag des Hammers durch die Bewegung eines mit jenem verbundenen und beweglichen Eisenbolzens ersetzt wird.
Ohne Zweifel ist die mit dieser Operation zuweilen verbundene Lockerung einzelner Zähne und daraus resultirende Störung der Futteraufnahme nicht selten das Mittel, um Erkrankungen des Magens zu heilen und so indirect nützlich zu werden.
Die Abnutzung der Schneidezähne zeigt sich bei älteren Pferden durch einseitiges Kauen oft in der Weise gestört, dass die eine Seite mehr verkürzt ist als die andere. Diese von Günther als Schief­maul bezeichnete Abnormität besteht meist ohne Nachtheil, ist jedoch nicht selten mit unregelmässiger Abnutzung an den Backzähnen ver­bunden und insofern beachtenswerth.
2. Das Scherengebiss. Lit.: Günther, Exterieur. S. 584. Esser, Thier. Mitth. 1877.
Eine erhebliche Steigerung der Schräglage der Backzahnreibefläche bezeichnet man als Scherengebiss. Bei ihm steht der laterale Rand der Reibeflächen am Unter- wie Oberkiefer zu tief, der mediale zu hoch, so dass die Verlängerungen derselben sich in einem mehr oder weniger spitzen Winkel über dem Gaumen treffen würden. Mit andern Worten, die Reibefläche der Backzähne liegen beim Scherengebiss nicht über, sondern neben einander, so dass sich das Gebiss wie bei Fleischfressern verhält (Fig. 9 U, 10 6), Die Reibeflächen der Back­zähne können daher nicht mahlend wirken, sondern sie treffen sich wie die Schenkel einer Schere, indem die Reibefläche am Unterkiefer gleichsam den medialen, die des Oberkiefers den lateralen Scheren-schenkel bildet.
Auf einzelne Zähne beschränkt findet sich diese Abweichung am häufigsten am 4. Backenzalmpaare, weil diese am meisten seitlich von einander abweichen; in der Kegel ist jedoch die ganze Zahnreihe betroffen (einfaches Scherengebiss), seltener kommt die Abnormität, an beiden Seiten zur Ausbildung (doppeltes Scherengebiss).
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Krankheiten des Kopfes.
Der fehlerhafte Zustand entsteht dadurch, dass an den Back-ziihnen des Unterkiefers der mediale, an denen des Oberkiefers der laterale Band nicht abgerieben wird; beide wachsen zu weit vor, bis endlich der erstere gegen den Gaumen, der letztere gegen das Zahn­fleisch des Unterkiefers stösst. Abgesehen von den Störungen beim Kauen (das Mahlen der Futterstoffe hört auf, und das Gebiss wirkt schneidend), halten die Verletzungen der Weichtheile das Thier noch mehr von der Futteraufnahme und vom Kauen ab. Die zu langen Zahnränder bohren sich zuweilen bis in die gegenüberliegenden Knochen ein, und sah ich auf diese Weise Perforationen des harten
Fig. 9.
Fig. 10.
Linksseitiges Scherengebiss, Nach einer PhotograpUe.
Reiliellächo
beim Sdierengebiss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; beim normalen Gebiss.
Gaumens zu Stande kommen. Durch die in seitlicher Richtung statt-flndende Kraftwirkung auf die Zähne entstehen Lockerungen derselben, während Verletzungen des Zahnfleisches entzündliche Prozesse am Alveolarperiost hervorrufen. Das Scherengebiss sitzt daher nament­lich bei älteren Thieren selten fest und zeigt häutig Erscheinungen der AJveolarperiostitis.
Ursachen. Dieselben Umstände, welche das kantige Gebiss ver­anlassen, liegen auch diesem Fehler zu Grunde. Zu enge Stellung der Zahnreihen des Unterkiefers und Beschränkung in der freien Kiefer­bewegung durch irgend welche Einflüsse geben zur Entstehung des Scherengebisses Veranlassung. 01) auch hier, wie Lorge annimmt, eine unvollständige Entwickelung der Kaumuskeln vorliegt, mag dahin­gestellt bleiben: ebenso die Behauptung (iünthers. dass eine ungleiche
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Seherengebiss — glattes Gebiss.
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Härte in den Backzähnen Ursache des Fehlers sei. Esser beobachtete Scherenyebisse durch Verletzung eines Kiefergelenks; die dadurch be­dingte Verkürzung der einseitigen Kaubewegungen veranlasst eine ungleiche Abreibung der Zähne.
Die Beurtheilung richtet sich nach dem Grade der Entwickelung, dem Zustande der Zähne und nach den bestehenden Complicationen. In den ersten Stadien der Entwickelung ruft das Seherengebiss keine erheblichen Störungen hervor, wird daher in dieser Zeit auch selten erkannt. Erst wenn das Kauen erschwert ist, überzeugt man sich von der Gegenwart des Leidens. Solange die Zähne noch gesund sind und fest sitzen, lässt sich wenigstens zeitweise Abhülfe schaffen; wo aber bereits Lockerung derselben oder gar Alveolarperiostitis ein­getreten ist, da wird die Aussicht auf Wiederherstellung des Kau­vermögens schlecht. Dass der Fehler bei jungen Pferden bedenklicher ist als bei älteren, liegt auf der Hand. Man vergesse dabei nicht, dass sich der Zustand allmälich verschlimmert, dass hierzu der Grund in ihm selbst liegt und dass eine dauernde Heilung unmöglich ist.
Behandlung. Früher beschränkte man sich darauf, die scharfen Kanten mit der Raspel oder dem Meissel abzustossen und durch weiches Futter dem Thiere das Kauen zu erleichtern. Wenn die Zähne bereits gelockert sind, sowie bei massiger Entwickelung des Scheren­gebisses kann man sich hierauf unter Umständen beschränken. Handelt es sich jedoch um werthvollere und jüngere Thiere, sitzen die Zähne noch fest, und sind ihre Wurzeln nicht erkrankt, so lässt sich durch Abschneiden der Hervorragungen mit der Zahnschere wenigstens für einige Zeit Abhülfe schaffen. Ich habe mehrere Scherengebisse bei Pferden auf diese Weise beseitigt und gefunden, dass die Thiere von Stunde an regelmässig ihr Futter aufnahmen und vollständig kauten. Die Operation ist auch nicht schwierig. Allerdings muss am liegenden Thier operirt werden, sobald es sich um die Verkürzung mehrerer Zähne handelt, doch habe ich mehrmals doppelte Scherengebisse in V* — V8 Stunde auf diese Weise verkürzt und die günstigsten Folgen danach gesehen. Ueber die Anwendung der Schere vgl. S. 41.
3. Das glatte Gebiss.
In Folge der ungleichen Widerstandsfähigkeit des Schmelzes und der Zahnsubstanz widersteht der erstere längere Zeit der Abreibung und bildet auf der Reibefläche faltenfÖrmiffe Erhabenheiten. Dadurch
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38nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
erliillt sich die zum Zennahlen der Futterstoffe erfordcrliclic rauhe Be-sohaffenheit der Beibefläobe der Ziihue. Wird aber der Schmelz mit der Zabnsubstanz zugleich abgenutzt, so erscheint die Oberfläche glatt und eben. Im höheren Alter findet dies regehmlssig statt, weil in den tiefen, der Wurzel näher gelegenen Zahnschichten die Schmelzmasse ab­nimmt. Zuweilen beobachtet man diesen Zustand aber auch bei jüngeren Pferden, und zwar wahrscheinlich in Folge unzureichender Festigkeit und Widerstandsfähigkeit des Schmelzes.
Das glatte Gebiss verhält sich beim Kauen wie ein unbehauener Mühlstein beim Mahlen. Die faltenartige Zusammensetzung der Back­zähne aus zwei Substanzen, deren Festigkeit verschieden ist, ersetzt das am Mühlstein von Zeit zu Zeit nöthige Bebauen: und so wie der unbehauene Mühlstein schlecht mahlt, so ungeeignet zeigt sich die glatte Reibefläche der Backzähne zum Kauen.
Desshalb ist das glatte Gebiss bei jungen Pferden von grösserer Bedeutung als bei alten; ebenso wird das Kauen weniger beeinträchtigt, wenn nur einzelne Zähne leiden, als wenn das ganze Gebiss diese Beschaffenheit zeigt.
Die Behandlung beschränkt sich auf Palliativmittel; durch weiches, gequetschtes oder gemahlenes Futter, durch Mehl- oder Kleietränke muss dem Thiere das Kauen erleichtert und ausserdem die zum Fressen nöthige längere Zeit gewährt werden.
Die entgegengesetzte Bildung bezeichnet man beim Pferde als Wieder käuer gebiss. Die Reibeflächen zeigen sich überraässig uneben. Dieser Zustand ist normal, solange der Backzahn noch nicht in Reibung getreten ist. Später wird er nur selten angetroffen und bleibt fast immer ohne Nachtheil.
4. Vorzeitige Abnutzung des Gebisses.
Lit.: Dralle, Thieriirztl. Mitth. 1875/70. Pallin, The vet. jour. 24.
Mangelhafte Widerstandsfähigkeit und hartes Futter veranlassen zuweilen eine vorzeitige Abnutzung der Zähne, so dass schliesslich das Gebiss nicht mehr genügt das Futter regehmlssig zu zerkleinern. Der Zustand wird bei Pflanzenfressern, selten bei Fleischfressern angetroffen. Dralle fand bei einem 12 Jahre alten Pferde sännntliche Backzähne verbraucht und lose, so dass man sie zum Theil mit den Fingern aus den Alveolen heben konnte. Mit Unrecht bezeichnete Pallin den gleichen Zustand bei einem 30 Jahre alten Pferde als Periodontitis;
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Wellenförmiges Gebiss.
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hier konnte es sich wohl nur um den naturgemässen Verbrauch des Gebisses handeln. Nur ausnahmsweise findet man schon in den mitt­leren Lebensjahren die Backzähne bis auf die Wurzel abgenutzt und in Folge dessen das Kauen erschwert. Diesem Zustande liegt offenbar eine individuelle Disposition, bestehend in mangelhafter Festigkeit des Schmelzes und der Zahnsubstanz, zu Grunde. Je früher diese abnorme Abnutzung auftritt, um so erheblicher werden die Beschränkungen in der wirthschaftlichen Ausnutzung der Thiere.
Das einzige, was bei dem Zustande zu leisten ist, bestellt in der Verabreichung von weichem Futter, um das Kauen zu erleichtern. Durch Quetschfutter oder Mehltränke suche man die Thiere so lange als möglich arbeitsfähig zu erhalten.
5; Das wellenförmige Gebiss.
Unter normalen Umständen liegt die Reibefläche der Backzalm-reihen in einer Ebene, indem die Kronen der einzelnen Zähne eine gleiche Länge besitzen. Wechselt diese, indem die Länge der einzelnen Zähne allmillich ab- und wieder zunimmt, so entsteht das sogen, wellenförmige Gebiss. Der Zustand kommt meist beiderseitig vor und zwar so, dass der 4. Backzahn im Unterkiefer die kürzeste, im Oberkiefer die längste Krone hat. Die Prämolaren und hinteren beiden Molaren nehmen dagegen an Länge zu bezw. ab; im Unterkiefer sind diese zu lang, im Oberkiefer zu kurz; zuweilen zeigt sich das um­gekehrte Verhältniss.
Diese Abnormität wird durch ungleiche Widerstandsfähigkeit der einzelnen Zähne , zuweilen auch durch Erkrankung der Alveolen der mittleren Backzähne hervorgerufen.
Solange der Zustand in geringem Grade besteht, sind erhebliche Störungen mit demselben nicht verbunden, bei hochgradiger Entwicke-lung und bei Erkrankung der Zahniilvoolen behindert derselbe das Kauen in hohem Maasse. Dazu tragen die an den hervorragenden Zähnen oft vorkommenden scharfen Spitzen und Kanten bei. Werden einzelne Zähne endlich bis auf das Zahnfleisch abgenutzt, so stossen die gegenüberliegenden, abnorm langen beim Kauen gegen dieses, wo­durch dem Thiere erhebliche Schmerzen bereitet werden. Bei jungen Thieren ist der Zustand um so bedenklicher, als er sich mit der Zeit mehr und mehr ausbildet.
Behandlung. Die scharfen Kanten und Spitzen müssen entfernt werden. Durch Verabreichen von Quetschfutter und Mehltränken sucht
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40nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten ties Kopfes.
man den Thieren das Kauen zu erleichtern. Abnorm lange Zähne, welche die Weichtheile verletzen, müssen verkürzt oder ausgezogen werden.
6. Das Treppengebiss.
Mit dem vorigen nahe verwandt ist das treppenförmige Grebiss. Zwischen beiden besteht nur ein Unterschied in der Form, indem beim Treppengebiss die ungleiche Länge der Backzahnkronen nicht allmä-lich, sondern plötzlich wechselt, so dass auf einen kurzen ein langer Zahn folgt und umgekehrt. Auch hier muss als Ursache eine ungleiche Festigkeit in der Zahnmasse vorausgesetzt werden. Vielleicht geht dieselbe aus nicht näher bekannten constitutionellen Störungen hervor, wofür das gleichmässige Vorkommen auf beiden Seiten spricht. Nicht selten führen Zalmverluste, also Lücken in der Zahnreihe, zu dieser Abnormität.
Die Beurtheilung hängt vom Grade und der Ausbreitung des Zustandes ab. Im Allgemeinen wird das Kauen durch diese Ab­weichung noch mehr gestört als durch das wellenförmige Gebiss, weil die Seitwärtsbewegungen des Kiefers durch das Treppengebiss mehr behindert werden. Bedenklich erweist sich das Leiden bei jüngeren Thieren und da, wo bereits mehrere Zähne verloren gegangen oder die Weichtheile bereits verletzt sind.
Die Behandlung bleibt auch hier auf Palliativmassregeln be­schränkt. Abnorm lange* Zähne werden verkürzt oder ausgezogen und durch weiches Futter dem Thiere das Kauen zu erleichtern gesucht.
Zuweilen beschränkt sich der Zustand auf einzelne Zähne, deren Kronen zu lang geworden sind, weil ihr Partner fehlt. Hierdurch wird die freie Kieferbewegung ebenfalls mehr oder weniger gestört. Auch kann durch die zu langen Zähne das Zahnfleisch verletzt und das Kauen zugleich schmerzhaft werden. Der Zustand ist indess weniger bedenklich, namentlich da, wo eine Zahnschere zur Verfügung steht, um die zu langen Kronen zu verkürzen. Das Ausziehen solcher Zähne stösst oft wegen Mangel an Baum (S. 56) auf grosse Schwierigkeiten, während das Absprengen mittelst Feile und Meissel eine zeitraubende und mühsame Arbeit bildet.
Die von mir construirte Schere (Fig. 11) hat mehrfache Aenderungen, aber nach meiner üeberzeugung keine erheblichen Verbesserungen erfahren. Die in der Mitte zwischen den Schenkelenden liegende Sehraube gestattet eine kräftige Anwendung, ohne die Lage des Instrumentes zu stören. Die-
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Treppengebiss.
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Schere muss recht stark und. cms bestem Stahl sorgfältig angefertigt sein, weil sie sonst bei der colossalen Kraftwirkung der Schraube leicht zerbricht oder verbiegt.
Bei ruhigen Pferden kann die Verkürzung der einen oder anderen Prilmolare am stehenden Thiere vorgenommen werden. Unruhige und empfindliche Thiere lilsst man besser niederlegen; dies ist auch anzurathen, wenn mehrere Zilhne oder die letzten Molaren abgeschnitten werden sollen; das Niederlegen erfolgt ebenso wie zur Extraction von Zähnen.
Nachdem ein recht breites Maulgatter angelegt und die Zunge nach
Fig. 11.
Fig. 12,
Zahnsohere.
Zalmschi'aube.
der entgegengesetzten Seite hervorgezogen ist, legt man das geöffnete Mnul der Schere an den zu verkürzenden Zahn und schliesst das von 1 oder 2 C4ehtilfen gehaltene Instrument mittelst der Schraube. Diese Bewegungen werden so lange und womöglich schnell fortgesetzt, bis der Zahn mit einem lauten Klang abspringt. In diesem Moment macht das Thier eine Bewe­gung mit dem Kopfe, die aber ohne Bedeutung ist, weil die Schere frei geworden ist. Ich habe zahlreiche und starke Oberkieferzähne mit der Schere abgeschnitten und niemals einen Unfall hierbei beobachtet. Der Zahn springt glatt ab. Bei alten Pferden kommt es vor, dass sich der Zahn durch die Kopfbewegung des Thieres lockert und selbst mit der Schere ausgezogen wird. Damit wird aber im Ganzen dieselbe Wirkung erzielt.
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42nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
Schwierigkeiten bietet die Anwendung der Schere zuweilen bei den letzten Backenzähnen oder wo die Seitenfiiichen des Zahnes schrilg abge­rieben sind. Im ersteren Falle muss der Maulgatter recht breit sein, um mit der geöffneten Schere weit genug vordringen zu können. Wenn das Instrument von den Seitenflächen des Zahnes abgleitet, kann die „Zahnsohraubequot; vortheilhal't angewendet werden (Fig. 12), welche von mir für derartige Fälle construirt wurde. An diesem Instrumente wird die Kraft durch den directen Druck der Schraube auf den beweglichen Scheren-Schenkel erzielt. Die oberen beiden Arme dienen zur Fixirung des Instru­mentes, welches im Ganzen ebenso wie die Schere benützt werden kann und gute Dienste leistet.
C. Krankheiten der Zähne. 1. Spaltung und Zersplitterung der Zälme.
Trennungen in dem Zusammenhange werden am häufigsten an den Backzähnen bei Pferden beobachtet. Meist ist der vierte Zahn betroffen, welcher in der Mitte der fächerförmig angeordneten Zahnreihe steht und unter den heftigen Druckwirkungen der Reibeflächen auf einander am meisten zu leiden hat. Ob unter Umständen eine mangelhafte Festigkeit hier mitwirkt, mag dahingestellt bleiben. Der Umstand, dass nicht selten beiderseits die gleichen Zähne zersplittert angetroffen werden, spricht dafür. Auch mögen harte Gegenstände, die mit dem Futter gelegentlich zwischen das Gebiss gelangen, Ursache zu solchen Trennungen werden können, namentlich bei Thieren, die energisch kauen.
Zuweilen bricht nur ein Stück von der Zahnkrone ab, oft aber reicht die Splitterung bis zur Zahnwurzel; nicht selten ist ein Zahn in mehrere Stücke zersprengt, welche auseinander weichen, die Zunge oder Wangen verletzen und so das Kaugeschäft schmerzhaft machen. Reicht der Kiss bis in die Alveole des Zahnes, so gelangen Futter­stoffe und Maulflüssigkeit in die Lücke und rufen eine Entzündung des Alveolarperiostcs hervor (S. 4(5).
Solange die Trennung auf die Kronen einzelner Zähne beschränkt bleibt, ist der Zustand von keiner besonderen Bedeutung; sobald aber Alveolarperiostitis hinzutritt, machen sich alle nachtheiligen Folgen geltend, welche mit jenem Leiden verbunden sind (S. 49).
Die Behandlung besteht in Entfernung des zersprungenen Zahnes, was in der Kegel mit grösseren Schwierigkeiten nicht verbunden ist. Zuweilen zeigen sich die Stücke zu klein, um sie mit der Zahnzange zu erfassen; in solchem Falle benutzt man die Günthersche Schnabelzange (Fig. 52).
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Ziiluicimes.
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2. Hohle Zilliue, Caries denfcium.
Lit.! Günther, Bourtheilungslehre. Lafosse, Her. Rep. 26. S. ;52;J. Varnell, The Vet. 1866, Wulff, Gurlt u, Hertwlg, 19. S. 437.
Dieses bei den Menschen häufigste Zahnleiden kommt, soweit meine Erfahrungen reichen, bei den Hausthieren nicht vor. Trotz umfangreicher Beobachtungen an lebenden Tlheren wie auch an den in Sammlungen aufbewahrten kranken Zähnen habe ich mich niemals von der Gegenwart dieses Processes überzeugen können. quot;Was in der thierärztlicheu Literatur unter diesem Namen bisher beschrieben wurde, ist weiter nichts als eine Entzündung des Alveolarperiostes. Günther beschreibt als bohle Zähne die Oeffnung des Wurzelkanals an der Reibefläche. Lafosse u. A. handeln unter diesem Namen eine Perio­stitis alveolaris ab. Da das Leiden indess anderswo möglicherweise auch bei Thieren vorkommt, so mag dasselbe hier nach seinem Auf­treten beim Menschen Besprechung finden.
Die Zahncaries beginnt stets an der Krone und zwar entweder an der Reibefläche oder an den Seiten, besonders in der Nähe des Zahnfleisches. Hier bildet sich zunächst ein kleiner, grauer oder brauner, bald schwarz werdender Fleck, an dem die Zahnsubstanz zer­fällt und ein kleiner Defect entsteht. Der Zerstörungsprocess setzt sich allmälich fort und vernichtet namentlich die Dentinsubstanz, während der Schmelz verschont bleibt. Es entsteht eine Höhle in der Zahnkrone, welche sich schliesslicli auch auf die Zahnwurzel fortsetzt.
Solange Wurzelkanal und Alveole intact bleiben, sind erhebliche Störungen mit dem Zustande nicht verbunden. Sobald aber die Alveole ergriffen wird, oder durch Freilegung der Zahnhöhle eine Entzündung der Pulpa (Pulpitis) angeregt wird, welche sich gegen die Wurzel des Zahnes ausbreitet, entsteht eine Alveolarperiostitis mit allen ihren be­denklichen Folgen (S. 47).
Ursachen. Beim Menschen werden Umsetzungen der Mund-flüssigkeit, Säurung der Speisereste, welche sich zwischen den Zähnen festsetzen, als Ursache der Caries angesehen. Auch sollen Parasiten, namentlich die Leptotrix buccalis hierbei mitwirken. Ohne Zweifel finden Ansteckungen der noch gesunden Zähne von den erkrankten statt.
Wenn sich an den Zähnen der Herbivorcn keine Caries ent­wickelt, so findet dies vielleicht in dem Umstände eine Erklärung, dass die schnellere Abnutzunff der Zähne das Auftreten des Zerstörungs-
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44nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
processes an den Reibefliichen verhindert. Dagegen würde die Caries an den Seitenflächen hierbei nicht ausgeschlossen sein. Möglicherweise bildet die stärkere Schnielzschicht ein Hinderniss für die Entstehung der Caries; vielleicht ist auch die Maulflüssigkeit bei den Thieren der Entwickelung der Caries weniger günstig.
Der Process verläuft sehr langsam; oft vergehen Jahr und Tag, ohne dass derselbe nachweisbare Fortschritte gemacht hat. Erst durch die Freilegung des Wurzelkanals oder der Alveole treten auffällige Störungen, Schmerzen, behindertes Kauen u. s. w. hervor.
Behandlung. Beim Menschen kann der Caries durch Plombiren des Zahnes eine Schranke gesetzt werden. Zu dem Zwecke wird die durch Caries entstandene Höhle ausgebohrt und gereinigt, d. h. alle von dem Zerstörungsprocesse erfassten Massen sorgfältig entfernt, die Höhle desinficirt und alsdann mit einer Masse ausgefüllt, welche die noch erhaltenen Tlieile des Zahnes gegen die Carieserreger schützt. Diese Masse (Plombe) besteht gewöhnlich aus Gold oder Amalgam. Das erstere wird durch Hämmern und Pressen in der Höhlung befestigt, die Amalgamplombe durch Wärmen erweicht, und in diesem Zustande in den cariösen Zahn gedrückt, woselbst sie bald erhärtet.
Varnell Avill beim Pferde eine Plombe aus Guttapercha angewendet haben; Wulff eine Harzplombe. Beide Fälle sind so wenig genau beschrieben, dass nicht mit Sicherheit .auf die Gegenwart von Caries geschlossen werden kann. Möglicherweise handelte es sich um das Fehlen eines Zahnes. Eine solche Lücke lässt sich allerdings mit Gutta­percha ausfüllen (vgl. S. 57).
3. Zahnstein, Weinstein.
Lit.; Fürstenberg, Qurlt U. Hertwig. 12, S, 120. Hertwig, Gurlt u. Hart­wig. 40. S. 845,
Auch bei Thieren werden wie beim Menschen aus den Flüssig­keiten in der Maulhöhle Substanzen an den Zähnen niedergeschlagen, welche sich in Gestalt eines graubraunen Belags zeigen und mit dem Namen Zahnstein belegt werden. Am häufigsten findet man ihn bei Hunden, aber auch bei Pflanzenfressern, sehr selten bei der Katze. Stubenhunde leiden häufiger als andere. Nach den Untersuchungen Fürstenbergs besteht der Zahnstein bei Pferden und Hunden vor­nehmlich aus Calciumcarbonat und -phospat, aus Magnesiumcarbonat und organischen Substanzen.
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Zahnstein.
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Der Niederschlag erfolgt vornehmlich an der äusseren, der Backe zugewendeten Seite der Zahnkrone, beginnt in der Nähe des Zahn­fleisches und setzt sich von hier aus allniillich nach oben und unten fort. Sowohl Schneide- wie Backzähne werden betroffen, die letzteren mehr als die ersteren.
Erscheinungen und Verlauf. Eine blassgelbe, oder grünbraune, kreideartige, an der Oberfläche rauhe Masse bedeckt zunächst die unteren, dein Zahnfleisch zunächst gelegenen Abschnitte der Zahnkrone. Von dem hellen Weiss des Hundezahnes hebt sich diese Masse deutlich ab. Zuweilen, nach Hertwig besonders bei Ziegen, erscheint der Zahn­stein schwarz und metallisch glänzend.
Die Ablagerung seizt sich vom Rande des Zahnfleisches nach oben wie nach unten fort. Nach oben kann dies zu einer vollständigen Einkapselung der Zahnkrone führen: nach unten bewirkt der allmälich sich ausbreitende Niederschlag Atrophie und Nekrose des Zahnfleisches; darin liegt die Gefahr. Sobald nämlich die Zahnalveole auf diese Weise freigelegt ist, rufen die Maulflüssigkeiten am Periost derselben eine Entzündung hervor. Bei Hunden ist diese Ursache der Alveolarperi-ostitis die bei weitem häutigste, überhaupt ein bei Stubenbunden weit
verbreitetes Leiden (S. Durch Zersetzung thümlicher, penetrante! eine graue, schleimige anhäuft und auf Drucl
.-.8).
ler Massen in der Alveole macht sich ein eigen-Geruch bemerkbar. Derselbe ist gebunden an Vlasse, welche sich in der freigelegten Alveole
/imi Theil entleert werden kann. Das Zahn­fleisch erscheint mehr oder weniger bläulich gerötbet und geschwollen, blutet bei leichter Berührung; zuweilen bilden sich kleine Geschwüre an demselben. Dieser Erscheinung verdankt das Leiden die Bezeich­nung „Skorbutquot; (Hertwig). Andererseits wurde dasselbe wegen des
widrigen Geruches auc'i Mit der Zahnsteiir zu verwechseln. welcl Trabern oder Sebliimi oberflächlichen Schiel d unbekannt.
wohl Maulfäule genannt (vgl- S, 58), [dung ist nicht jene Schwarzfärbung der Zähne bei Pflanzenfressern nach der Fütterung mit beobachtet wird. Diese Färbung betrifft die der Zahnkrone; ihre Bestandtheile sind bisher
Die Bedeutung veolenerkrankung. So fernung der abgelage jedoch die Zähne beiv
; Zahnsteins liegt in der Anregung zur Al­ge diese nicht eingetreten ist, kann durch Ent-i Massen Heilung erzielt werden. Haben sieb erheblich gelockert, so bleibt nur das Aus-
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40nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
ziehen derselben übrig. Durch den intensiv üblen Geruch wird der Hund für seine Umgebung oft unerträglich.
Behandlung. Mim stösst den Zahnstein mit einem stumpfen Messer oder ähnlichen Instrumente unter möglichster Schonung des Zahnfleisches und der Alveole ab und befreit den Zahn nach Möglich­keit von den Resten des Niederschlages. Zu diesem Zwecke habe ich oft die Zähne längere Zeit mit Bimstein putzen hissen. Da es sich meist um Schosshündchen handelt, so pflegen solche Anordnungen in der Regel ebenso sorgfältig wie pünktlich ausgeführt zu werden. Das Zahnfleisch schont man durch Ansetzen des Instrumentes in dessen Nähe und Bewegung desselben gegen (las Ende der Krone. Die er­krankten Stellen werden nach den S. 59 gegebenen Andeutungen be­handelt. Sobald der Zahn lose geworden ist, bleibt nur die Extraction desselben übrig. (S. 59.)
D. Erkrankungen der Zahnalveölen. 1. Periostitis alveolaris. Dieser Zustand bildet bei Thieren die bei weitem häufigste Er­krankungsform der Zähne und zwar sowohl bei den Herbivoren als auch bei den Fleischfressern, namentlich Hunden. In dem Auftreten wie auch in den Erscheinungen und Ursachen zeigt das Leiden jedoch bei den verschiedenen Thierarten mancherlei Abweichungen, so dass es sich empfiehlt, diese gesondert zu betrachten.
a) Die Entzündung des Alveolarperiostes bei den Pflanzenfressern.
Lit.: Günther, Nebel u. Vix. 1. S. 330 U. Beurtheilungslehre. Bouley, Rec. de med. vet. 1843. Haubner, Gurlt U. Hertwig. 25. S. 362. Schindler, Das. 28. S. 252. Plasse, Rec. de med. vet. 1832. S. 30. Garengeot, Herings Operationslehre. S. 147. Lafosse, Her. Rep. 16. S. 323. Bouley, Rec. de med. vet. prat. 185. Suth, Thierärztl. Mitth. 185C, S. 139. N. N. Her. Rep. 18. S. 178. Degive, An. de med. vet. Bruxelles. 1887.
Anatomie. Die Zahnwurzeln werden durch das Alveolarperlöst oder die Alveoldentalmembran im Zahnfach (Alveole) befestigt. Mit seiner iiusseren Fläche kleidet das P erlöst die Alveolen aus und um-schliesst mit seiner inneren die Zahnwurzeln. Da wo dasselbe auf die Aussenfläehe der Kieferknochen übertritt, legt sich das Zahnfleisch an, welches das Einschieben von Fremdkörpern (Futter und anderen StofFen) in die Alveole verhindert.
Als Alveolarperiostitis bezeichnet man die Entzündung des die Alveole auskleidenden l'eriostes. Eingeleitet wird der Process regel-
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Periostitis alveolaris bei rtlanzcnfressern.
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massig (lurch Verletzung des Zahnfleisohes oder Abtrennung desselben vom Zahne. Ausnahmsweise geben Spaltungen des Zahnes bis auf seine Wurzel und Freilegung des Wurzelkanals zu diesem Leiden Ver­anlassung. Bei der harten Beschatfenheit des Futters (besonders Häcksel) tritt leicht der Fall ein, dass sich Bestandtheile desselben zwischen Zahn und Zahnfleisch einschieben und hier stecken bleiben, da die Be­wegungen der Zunge und der Wangen oft nicht ausreichen, diese Massen zu entfernen. Der Fremdkörper ruft alsbald eine eiterige Periostitis mit Loslösung des Periost vom Zahn hervor. In die so vergrösserte Lücke dringen neue Massen ein und führen zu einer wei­teren Trennung des Periostes vom Zahn bez. von der Alveolarwand. So breitet sich die einmal eingeleitete, entzündliche Erkrankung des Periosts allmälich aus, bald schneller, bald langsamer. In Folge der Loslösung vom Periost verliert der Zahn seinen festen Sitz in der Alveole und weicht, dem Drucke seines Partners nachgebend, aus der Reihe der übrigen. Schliesslich kann diese Trennung so weit gehen, dass die Zahnwurzel von der Alveolenwand vollständig losgelöst wird und der Zahn mit den Fingern aus der Alveole gehoben werden kann. Ein so extrahirter Zahn erscheint an seiner Wurzel vom Periost vollständig entblösst und von Eiter umspült. Derselbe Process kann durch das Eindringen von Futtermassen zwischen die Zähnen eingeleitet werden und zwar geschieht dies namentlich dann, wenn die Zahnkronen nicht dicht aneinander (geschlossen) stehen (S. 31).
Schneller entwickelt sich die Alveolarperiostitis, wenn der Zahn gespalten war und auf diese Weise der Eintritt von Futterstoffen oder Maulflilssigkeit in die Alveole zu Stande kommt, oder wenn compli-cirte Fracturen der Kieferknochen bis in die Zahualveolen reichen.
Seltener geht das Leiden vom Wurzelkanal aus. Bei der regel-mässigen Abreibung der Zähne schliesst sich der Kanal durch Ausfüllung mit Cementmasse. Erfolgt aber die Abreibung so schnell, dass diese Füllung mit ihr nicht gleichen Schritt hält, so wird der Wurzelkanal mit der Zahnpulpa an der Reibfläche des Zahnes freigelegt, und es können nun Futterstoffe oder zersetzte Maulflüssigkeit in diesen ein­dringen, eine eitrige Entzündung der Zahnpulpa (Pulpitis puru­lent a) erzeugen, welche sich nach unten bis auf den Grund der Al­veole und das Alveolarperiost fortsetzt und eine eiterige Entzündung derselben herbeiführt.
Verlauf und Ausgang, in vielen Füllen bleibt die Alveolar-periostitis auf die Alveole beschränkt. Der Zahn lockert sich, in dem
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48nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
Masse als die Verbindung mit der Alveole gelöst ist, und kann schliesslicli ausfallen. Zuweilen aber greift die Entzündung auf jene dünne Knoclien-platte über, welebe die Wand der Alveole bildet, und von liier aus auf das Knocliemnark der Umgebung. So entstellt eine Osteom-myelitis purulenta, welebe ihrerseits das an der Aussenfläebe des Knocbens liegende Periost reizt, liier eine Periostitis anregt, wodurch der Knochen auftreibt. Nicht selten durchbricht die Eiterung den Knochen und es entstellt eine Zahnfistel, Nach Entleerung des Eiters kommt es zwar zur regelmäs.sigen Granulationsbildung, aber es heilt die Perforationsstelle nur hilaquo; auf einen engen Kanal aus, der zur Wurzel des erkrankten Zahnes führt (vgl. Zahnflstel). Bei den Molaren im Oberkiefer kommt es zuweilen zur Perforation der Oberkieferböhle, wodurch ein Enipyeni derselben entstellt (S. 08). Von den Prämolaren aus kann Perforation der Nasenhöhle erfolgen und chronischer Nasen-ausfluss erzeugt werden. Schon F. Günther hat derartige Fälle bei Pferden beschrieben,
Ursache. Eine Disposition zur Alveolarperiostitis besitzen fehler­hafte Gebisse; solche mit weitem Stande der Zähne und namentlich Scherengebisse werden oft davon betroffen. Die geringere Stärke und Festigkeit der Backzähne des Unterkiefers erklärt es, dass diese öfter leiden als die Zähne im Oberkiefer. Am häufigsten erkrankt der dritte und vierte Backzahn, was Günther darauf zurückführt, dass sich dieselben in der Mitte des fächerförmig gestellten Gebisses be­finden und von vorn wie von hinten heftigen Druckwirkungen aus­gesetzt sind (Fig. 20).
Als äussere Ursachen wirken hartes Futter, zufällige Verletzungen des Zahnfleisches, Zersprengen eines Zahnes bis in die Alveole, com-plicirte Fractureri der Kieferknochen, die in die Alveolen reichen, ferner abnorm schnelle Abnutzung der Zähne, so dass die Pulpa des Zahnes freigelegt wird. Ob auch Caries der Zähne die Veranlassung werden kann, wie es bei Menschen Pegel ist, muss ich bezweifeln (vgl. Caries).
An den Schneidezähnen der Pferde und Wiederkäuer wird eiterige Alveolarperiostitis selten und fast nur als Secundärleiden bei Laden­druck oder complicirten Fracturen beobachtet.
Oft erkrankt nur ein Zahn, nicht selten aber mehrere und zwar sehr häufig die correspondirenden Zähne, z. B. die beiden ersten Mo­laren des Unterkiefers. Wodurch dies Zusammentreffen bedingt wird, lässt sich nicht sagen: möglicherweise veranlasst die Entwickelungs-periode der Zähne diese Disposition.
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Alveolavperiostitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;49
Erscheinungen. Langsames, oft unterbrochenes, oder einseitiges Kauen; die Thiere „kauen nicht durchquot;, wie es wohl heisst, wühlen mit der Zunge im Maule; Speicheln und Fallenlassen von Futtermassen in die Krippe (Priemen) weisen auf die Gegenwart des Leidens hin. Die Loculuntersuchung ergiebt Folgendes:
Nicht selten lässt sich schon von aussei! eine unregelmässige Stellung des einen oder anderen Zahnes nachweisen; in den Backen­taschen finden sich Futtermassen. Die in die Maulhöhle eingeführte Hand stellt Abweichungen im Stande der Zähne fest. Besonders charakteristisch für Alveolarperiostitis ist der eigenthümlich widerliche, sog. cariöse Geruch, der namentlich den im Maule befindlichen Futtermassen an­haftet. Auch bei Hunden deutet ein sehr übler Geruch, der aber we­sentlich verschieden von dem beim Pferde ist, auf das Leiden hin. Bei näherer Untersuchung der Zähne ergiebt sich, class an dem einen oder anderen das Zahnfleisch vom Zahne abgelöst und der Zahn lose ist, so class man ihn zuweilen schon mit den Fingern bewegen kann. Derselbe ist in der Regel aus der Reihe der übrigen gewichen, oder er­steht tiefer als seine Nachbarn. Die Backzähne des Oberkiefers weichen meist gegen die Backe, die des Unterkiefers gegen die Zunge aus der Reihe der übrigen, was sich aus der Lage der Reibefläche erklärt.
Beim Rinde wurden in Folge derartiger Zahnleiden epileptiforme Krämpfe beobachtet. Nach längerem Bestehen des Leidens magern die Thiere ab.
An der Aussenfläche des Unterkiefers weisen Knochenauftreibungen und Fistelbildimg zuweilen auf den Sitz des kranken Zahnes hin. Bietet sich Gelegenheit mit Hülfe eines Spiegels oder Reflectors die Maulhöhle zu beleuchten, so können die Veränderungen der Zähne
sowie des Zahnfleisches oft direct
o^
sehen werden.
Die Beurt hei lung hängt vor allem davon ab, ob die Zähne aus den erkrankten Alveolen zu entfernen sind, denn die Extraction bildet das einzige, aber auch sichere Heilmittel der Alveolarperiostitis. Bei Pflanzenfressern stösst die Entfernung eines Zahnes besonders im ju­gendlichen Alter oft auf erhebliche Schwierigkeiten; bei älteren Thieren ist sie viel leichter. Noch schwieriger wird die Entfernung des Zahnes, wenn die Krone desselben abgebrochen ist, wie es nicht selten vor­kommt. Oft leiden mehrere Zähne zu gleicher Zeit oder bald nach­einander. Dass hierdurch die Prognose sich weniger günstig gestaltet, liegt auf der Hand, Es kommt darauf an, ob das Thier mit den ihm
Möller, Speck'lle Chinirgic für Thioriirzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4
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50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten ties Kopfes.
bleibenden Zähnen noch genügend kauen kann, was bei Pflanzenfressern oft nicht der Fall ist.
Behandlung. Das einzige Mittel bei grösseren Thieren eine Al-veolarperiostitis zu heilen bildet die Extraction des Zahnes. Verlangt diese Operation schon bei kleinen Thieren und dem Menschen erheb­lichen Kraftaufwand, so ist dies in bei weitem höheren Masse bei den grossen Pflanzenfressern, namentlich beim Pferde der Fall. Es gehört nicht zu den geringsten Verdiensten der beiden Günther, für die Zahn­operation an Pferden brauchbare Instrumente construirt und allgemein gültige Gesichtspunkte für die Anwendung derselben aufgestellt zu haben. In früherer Zeit trieb man den kranken Zahn mit einem (raquo;•egen die Wurzel desselben gesetzten Stempel aus, der gegenwärtig nur da noch Anwendung findet, wo die Application der Zange un­möglich geworden ist, z. B. beim Fehlen der Zahnkrone. Das Ver­fahren besteht in Folgendem:
Der betreffende Kieferknochen muss möglichst genau der Zahn­wurzel gegenüber, bei den Molaren des Oberkiefers die Highmorshöhle trepanirt werden. Von der richtigen Lage der Trepanationsstelle hängt das Gelingen der Operation in erster Linie ab. Am Oberkiefer richtet man sich nach dem unteren Ende der Jochleiste, welches an der Grenze zwischen dem dritten und vierten Backenzahn liegt. Mit der in das Maul eingeführten Hand sind in der Regel an dem erkrankten Zahn oder dessen Zahnfleisch Störungen nachzuweisen. Abweichende Stellung und Lockerung eines Zahnes lassen über die Erkrankung desselben keinen Zweifel.
Ein', runder, etwa 1,5—2,0 cm dicker Stempel mit abgeplat­teten Enden wird nunmehr durch eine Trepanationsöffnung auf die Wurzel des kranken Zahnes gesetzt und zwar so, dass sich der Stempel möglichst genau in der Richtung des Zahnes befindet. Einige kräftige Schläge mit nicht zu leichtem Hammer auf den Stempel treiben den Zahn aus der Alveole in die Maulhöhle. Die Schmerzhaftigkeit der Operation macht die Anwendung der Narkose wünschenswerth; manche Thiere reagiren auch in tiefer Narkose auf die Hammerschläge.
Das Ausstempeln gelingt nur an den Prämolaren und den ersten beiden Molaren des Oberkiefers, dessen letzte Molare mit ihrer Wurzel in quot;den hintersten Abschnitten der Oberkieferhöhle mit dem Stempel nicht zu erreichen ist. Dasselbe gilt von den Molaren des Unter­kiefers, weil sie vom unteren Rande dieses Knochens zu weit abliegen.
Man suche beim Ansatz des Stempels nur den kranken Zahn zu
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Alveolarpe riostitis.
treffen; was zuweilen nicht gelingt und zu Zersplitterungen des einen oder anderen Nachbarzahnes oder auch wohl des Ober- bez. Unter­kieferbeines führt.
Während des Ausstennnens ist ein Maulgatter anzulegen, um den gelockerten Zahn von einem Gehülfen mit der Hand in Empfang nehmen zu lassen und so das Abschlucken desselben zu verhindern. Bouley und Stockt'leth konnten den verschluckten Zahn noch durch den Schlund-schnitt entfernen; in einem anderen Falle bewirkte derselbe Perforation des Blinddarmes und Tod. Am Oberkiefer sind Verletzungen des siebenten, am Unterkiefer des fünften Hirnnerven zu vermeiden. Nach Entfernung des Zahnes verstopft man die Alveole mit einem Werg­oder Jutebausch, der womöglich täglich erneuert wird. Die so ent­standene Oeffnung schliesst sich in 3—6 Wochen, zuweilen erst später oder überhaupt nicht, so dass eine Fistel zurückbleibt. Wenn der be­treffende Zahn gut getroffen wird, sind nachtheilige Folgen mit dem Verfahren nur selten verbunden. Durch Zersplitterung des Zahnes und der Kieferknochen können jedoch bedenkliche Blutungen und Eiterungen veranlasst werden.
Dem beschriebenen Verfahren ist die Anwendung der Zahnzange entschieden vorzuziehen. Dieselbe verlangt allerdings die Berücksich­tigung vieler Umstände, einige Uebung und Kraft, gestaltet sich dann aber einfacher und weniger schmerzhaft als die Entfernung mit dem Stempel. Bei älteren Thieren stellen sich der Anwendung der Zange bei weitem nicht die Schwierigkeiten entgegen, wie bei jüngeren, deren Backenzähne noch wenig abgenutzt, also noch lang sind. Bei den letzteren müssen namentlich folgende Grundsätze berücksichtigt werden.
1, Wahl der Zange. Die von F. und K. Günther construirten und in ihrem „Exterieur des Pferdesquot; näher beschriebenen Zangen gehören zu den besten. Die Zahnzange muss recht stark sein, so dass sie nur wenig federt, sie darf aber im Maul nicht zu dick sein, um leicht angelegt zu werden. Endlich kommt es beim Zahnziehen auf die Zugrichtung an, und da die Backzähne des Pferdes nicht parallel zu einander stehen, so construirte Günther für die einzelnen Zähne besondere Zangen.
Man unterscheidet zunächst Zangen mit einarmigem und solche mit zweiarmigem Hebel, d. h. die Zange wirkt entweder als einarmiger oder als zweiarmiger Hebel. Bei den letzteren befindet sich das Maul am Ende der Zange (Fig. 18 u. 14), bei den ersteren in einiger Entfernung vom Ende derselben (Fig. 17 u. 18). Da die Backzähne des Pferdes fächerförmig stehen, so zwar, dass die Prämolaren mit ihrer Krone nach hinten, die Molaren aber nach vorn gerichtet sind, und da es quot;besonders darauf ankommt, dass der Zug (Führungslinie Günthers) in der Richtung des Zahnes erfolgt, so liegt auf der Hand, dass sich für die Prämolaren Zangen mit einarmigem, für die Molaren solche mit zweiarmigem Hebel eignen. Für die Prämo­laren des Oberkiefers muss die Zange gekröpft, d. h. dicht vor dem Maul
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Krankheiten des Kopfes.
etwas gebogen sein, damit beim Ziehen die Schenkel derselben nicht gegen die Schneidezilhne des Unterkiefers stossen (Fig. 18). Für die Backenzähne des Oberkiefers bedarf es einer Zange mit weiterem Maul oder mit ver­stellbarem Gelenke; für die Molaren müssen die Schenkel der Zange recht lang sein (Fig. 13).
Bei Anwendung dieser Zangen hat der Operateur eine doppelte Kraft zu entwickeln, einmal um den Zahn mit der Zange zu erfassen, sodann um
Fig. 13.
Fiquot;. 14.
Filaquo;. 15.
Fig. 18.
ip;:
ZiihnzaiiKe für Kx-
tmction der Molaren
des Oberkiefers nach
Günther.
ZahnzOUge zur Ex­traction der Molaren des Unterkiefers nach Günther.
Exporteur nach Günther.
Sclmabelzange nach Günther.
denselben aus seiner Alveole hervorzuziehen. Es ist daher mehrfach ver­sucht, die eine oder andere dieser beiden Leistungen durch Arorrichtungen an der Zange zu ersetzen. Den einfachsten Ersatz bietet ein S-förmiger Haken, der jedoch stets in sehr' verschiedenen Grossen vorräthig sein muss und schon desshalb nicht praktisch ist. Wen den bürg liess an dem einen Zangenschonkel eine eiserne Kette anbringen, deren einzelne Glieder Löcher hatten, so dass sie nach Anlegung der Zange auf den anderen Schenkel geschoben werden konnte. Gowing construirte einen Querstab
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Zahnextraction.
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mit Schraube, ähnlich Plasse. Diese Vorrichtungen sind jedoch zu com-plicirt und lassen sich schwer handhaben.
Pill wax versuchte die zum Ausziehen des Zahnes erforderliche Kraft durch Vorrichtungen an der Zange zu erleichtern. Aber schon Haubner erklärte die Einrichtung für unbrauchbar. Ein gleiches Schicksal hatte die
Fig. 19.
Fig. 17.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Fig. 18.
Zahuzange zur Ex­traction der Prämo­laren des Unter-kiefers nacli Günther.
Zalmzange für Prämo-
larcn des Oberkiefers.
nach Günther.
Zalmzange nach Frick und Hauptner.
Schindle r'sche Zange, sie war ebenso wie die von T r a u t w e 11 e r zu oomplioirt gebaut. Hoffentlich wird noch eine Vorrichtung erfunden, um durch Hebelwirkung an der Zange die Zugkraft zu ersetzen oder doch zu unterstützen; bisher aber müssen alle diesem Zwecke dienenden Er­findungen als unpraktisch bezeichnet werden.
Dagegen haben neuerdings Prick und Hauptner eine Zange con-struirt, an welcher die zum Festhalten des Zahnes erforderliche Kraft durch
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Krankheiten des Kopfes.
eine Schraube ersetzt wird. Diese Zange hat noch den Vorzug, dass sie sowohl als ein- wie nls zweiarmige Hehelzange gebraucht werden kann. Aus der Fig. 19 ergiebt sich ihre Einrichtung. Durch die am Ende ihrer Schenkel angebrachte Schraube wird der eine Zangenschenkel um seine Längsachse gedreht, und so das Maul der Zange geschlossen.
Die Anwendung der zweihebeligen Zangen erfordert Unterlagen von verschiedener Stärke (Eig. 22). Da bei jungen Pferden die Prämolaren mit ihrer Krone nach rückwärts, die Molaren nach vorn gerichtet sind und zwar die 2, und 8, mehr als die erste, so muss bei der Application der Zange, sowie bei der Wahl der Unterlage hierauf Rücksicht genom|men werden. Die Zugrichtung (Führungslinie) muss in der Verlänge­rung des Zahnes liegen. Wie aus Fig. 20, welche den Stand der Zähne eines Pferdes in mittleren Lebensjahren zeigt, zu ersehen ist, sind die Wurzeln der Prämolaren mehr oder weniger nach vorn gerichtet, während die Molaren eine entgegengesetzte Stellung einnehmen. Desshalb fasse man
Fig. 20.
die Prämolaren recht tief und wähle eine dicke Unterlage und verfahre umgekehrt bei den Molaren; die letzteren sind dicht unter ihrer Reibefläche zu fassen; die Unterlage soll dünn sein; besser noch zieht man sie mit einhebeliger Zange. Pei älteren und ruhigen Pferden kann der Zahn im Stehen gezogen werden, junge und unruhige Pferde werden besser hinge­legt und zwar auf die linke Seite, so dass möglichst viel Licht in das Maul fällt. Dem nur mit Halfter versehenen Pferde wird zunächst ein Maul­gatter aufgelegt. Ein Wärter setzt sich auf den Hals des Thieres und richtet den Kopf mit dem Maule in schräger Richtung nach oben gegen das Licht; ein anderer unterstützt denselben mit Hülfe eines Strickes, welcher um den zahnlosen Teil des Oberkiefers geschlungen, nach hinten und oben gezogen wird.
Nachdem sich der Operateur von dem Zustande des Gebisses über­zeugt hat, und mit der entsprechenden Zange, eventuell auch der Unterlage versehen ist, erfolgt das Ausziehen in drei Acten, nämlich:
a) Ansetzen der Zange: Dies geschieht mit Rücksicht auf das soeben Besprochenelaquo; Hierbei stösst man oft schon auf Schwierigkeiten;
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Zahnextraotion.
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bald fehlt es an Raum zwischen Backe und Zahn, weil entweder das Maul der Zange zu stark ist, oder weil sich Futter zwischen Zahn und Backe angehäuft hat, oder endlich, weil die Zahnkrone gegen die Backe gerückt ist. Im ersteren Falle wechselt mannbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Fig. 21.
die Zange, im zweiten wird mit einem Zahnstocher (Fig. 21) das Futter entfernt; im letzten suche man den
1
Zahn womöglich zurückzuschieben, oder man lässt das Maulgatter enger schrauben, und den Unterkiefer in der Richtung des verschobenen Zahnes seitwärts bewegen. Zuweilen fehlt es an Raum zwischen den beiden Zahn­reihen des Ober- und Unterkiefers. Ist das dicke Maul der Zange Schuld daran, so vertausche man diese; zeigt sich der dem auszuziehenden gegenüberstehende Zahn zu lang, so muss dieser zunächst abgeschnitten oder ent­fernt werden. Beim Anlegen der Zange ist darauf Rücksicht zu nehmen, dass nur der kranke Zahn erfasst wird. An den Prämolaren kann sich die ein­geführte Hand von der Lage der Zange überzeugen.
Oft erleichtert die veränderte Stellung des Zahnes das Anlegen der Zange und die Beurtheilung ihrer Lage. Bei der Frick-Hauptner'schen Zange (Fig. 19) zählt
L
man nach Anlegung derselben die vor dem Zangenmaul
Zahnstocher nach Günther.
befindlichen Zähne ab und kann sich auf diese Weise
von der richtigen Lage der Zange überzeugen.
b)nbsp; Lockern des Zahnes. Sitzt der zu ziehende Zahn noch sehr fest, so kann derselbe
Fig. 22
durch leichte Seitwärtsbewegungen mit den
Zangenschenkeln gelockert werden. Man muss hierbei aber langsam und vorsichtig zu Werke gehen, weil sonst die Krone des Zahnes abbricht,
selbst Frakturen der Kieferknochen entstehen können.
c)nbsp; Anlegen der Unterlage. Wie bereits erwähnt, muss bei Anwendung einer zwei-hebeligen Zange mit Rücksicht auf die Füh­rungslinie die Auswahl der Unterlage getroffen werden; auch empfiehlt sich, diese dem kranken Zahn möglichst zu nähern, um einen recht langen Hebelarm der Kraft zu erhalten.
d)nbsp; Nunmehr folgt die Extraction des Zahnes. Dazu nimmt der Operateur eine recht breitbeinige Stellung an, legt die Ellbogen an den Leib, und auf das Kommando „ Festhalten'quot;
oder „Kopf festquot; übt er einen gleichmüssigen, aber kräftigen Zug mit der Zange aus, indem er den einen oder anderen Fuss streckt. Die zum Ausziehen erforderliche Kraft wird also beim Zahnziehen am liegenden Pferde mit Hülfe der Schenkehnuskulatur entwickelt; die Kraft der Armmuskeln würde hierzu meist nicht ausreichen. Die Arme bezw. Hände haben durch kräftigen Druck auf die Zangenschenkel den Zahn festzu­
halten.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Unterlagen.
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56nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Kopfes.
War der Versuch von Erfolg, so fühlt man, dass der Zahn nachgiebt; ztiweilen macht sich durch das Einströmen von Luft in die Alveole ein laut hörbares, zischendes Gerilusch bemerkbar. In diesem Falle lälsst man einen Augenblick mit dem Ziehen nach, hält jedoch den Zahn mit der Zange fest. Nachdem hierauf eine stärkere Unterlage angebracht ist, ge­nügt meist ein leichter Zug, um den Zahn vollständig aus der Alveole zu entfernen. Bei den längeren Zähnen junger Thiere muss der Operateur den Zahn wohl zum zweiten Male und zwar tiefer fassen. Kürzere Zähne werden sogleich mit der Zange vorgebracht, bei längeren gelingt dies oft erst mit der Hand oder mit einem sog. Exporteur (Fig. 15). Zuweilen erschwert die gegenüberliegende Znhnreihe das Hervorholen des losen Zahnes. In solchem Falle muss man entweder durch weiteres Oefl'nen des Maul-gntters Platz zu gewinnen suchen, oder man lässt das Maulgatter schliessen und schiebt den Unterkiefer bei Seite, so dass die Zahnreihen des Unter-und Oberkiefers sich nicht gegenüberliegen. Auch hierbei darf die Zunge nicht losgelassen werden, damit, wenn der Zahn in das Maul fallen sollte, das Verschlucken desselben verhütet wird (S. 51).
Sobald das Pferd während des Ausziehens heftige Bewegungen mit dem Kopfe macht, unterbricht man das Ziehen und folgt mit der Zange den Bewegungen. Diese Vorsicht ist besonders am stehenden Pferde zu beobachten. Hält man nämlich in solchem Augenblicke die Zange fest, so kommen durch die eigenen Bewegungen des Thieres leicht Frakturen der Kieferknochen zu Stande.
Zuweilen gleitet die Zange vom Zahne ab, namentlich wenn dieselbe nicht festgehalten wurde. Dann muss das Instrument von neuem angelegt werden. Wiederholt sich das Abgleiten, und erfolgt auf energische Kraft­anwendung keine Lockerung des Zahnes, so suche man zunächst festzu­stellen, wodurch der Misserfolg bedingt ist. Unrichtiges Erfassen (falsche Führungslinie, Fassen mehrerer Zähne) bildet meist die Ursache. Oft er­weist sich ein Wechsel der Zange oder der Unterlage vortheilhaft. Man bedenke stets, dass, je weniger die Führungslinie der Richtung des Zahnes entspricht, um so mehr Kraft durch die Reibung des zu ziehenden Zahnes an seinen Nachbarn verloren geht. In einzelnen Fällen, namentlich bei Zahnfisteln, finden sich in der Alveole oder am Zahn Exostosen, welche die Zahnextraction sehr erschweren oder unmöglich machen können.
Von Blasse, Gillmeister, Delafond, Garengeot u. A. wurde zur Extraction der Backzähne des Pferdes ein aus der Zahnheilkunde ent­lehnter Schlüssel empfohlen. Ganz mit Recht hat aber schon Lafosse auf die Unzweckmässigkeit dieses Instrumentes aufmerksam gemacht und er­klärt, dass nur die kurzen Zähne alter Pferde mit demselben zu extra-hiren sind.
An dem extrahirten Zahne selbst lassen sich nunmehr in der Regel verschiedene pathologische Veränderungen nachweisen. Da wo eiterige Periostitis bestanden, zeigt sich die Wurzel vom Periost entblösst und rauh. An der übrigen Oberfläche der Wurzel hängen die Fetzen des Al-veolarperiostes, zuweilen lassen sich hier Exostosen nachweisen.
Eine Nachbehandlung ist in der Regel nicht erforderlich. Soll indess etwas geschehen, so kann nach Reinigung der Alveole ein mit Desinficientien getränkter Werg- oder Jutebausch in dieselbe eingeführt und eventuell täglich erneuert werden; bei Zahnfisteln ist dies namentlich zu empfehlen.
Sollen mehrere Zähne bei demselben Thiere gezogen werden, so beginnt man mit den am meisten unten und hintgn stehenden, damit die weiteren Handhabungen durch die Blutung nicht gestört werden. Fälle von unge-
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^#9632;i
Zahnextraction.
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wohnlich grossen Zilhnen sind in der Literatur mitgetheilt. De give zog einen solchen beim Pferde von 475 Gr.
Auch findet sich eine Mittheilung über Transplantation eines Zahnes; bei dem Mangel näherer Angaben dürfte der Bericht vorsichtig aufzufassen sein. South will 1886 den cariösen dritten Backzahn eines Pferdes durch den gleichen von einem gestorbenen Pferde ersetzt haben. Wie lange derselbe hier verblieben ist, wird nicht gesagt.
In hiesiger Klinik wurde im Jahre 1887 bei einem Wagenpferde die erste Molare von der Oberkieferhöhle aus mittelst des Stempels entfernt, weil die Zahnkrone bereits abgebrochen war. Im Jahre 1890 wurde das Pferd wiederum vorgeführt, weil es nach dem Vorberichte seit längerer Zeit an einem übelriechenden Nasenausfluss litt. Die Untersuchung ergab, class die linke Nasenhöhle mit Futterstoffen vollgestopft war, welche sich durch eine Oeffnung in der Alveole des früher entfernten Zahnes in die Nasen­höhle geschoben hatten. Die Oeffnung war so gross, dass man einen kleinen Finger in dieselbe einführen konnte. Die Oberkieferhöhle zeigte sich nach der Trepanation frei von krankhaften Veränderungen.
Nachdem alle Futtermassen sorgfältig aus der Nasenhöhle ent­fernt waren, und die zu lange 1. Molare des Unterkiefers mit der Schere verkürzt war, legte ich in die ebenfalls vorher gereinigte leere Zahnalveole ein entsprechend grosses Stück Guttapercha. Dasselbe wurde in warmem Wasser aufgeweicht und in die Alveole geknetet. Um den Sitz desselben zu sichern, hatte ich vorher
mit der Feile ein paar Rinnen in den benachbarten
Pitt. 23.
Fig. 24.
Backenzähnen angebracht. Nach dieser Operation hörte der Nasenausfluss auf, und ich konnte mich nach mehreren Wochen überzeugen, dass die Gutta­percha noch in der Alveole lag und ihren Zweck
erfüllte. Das Kauen erschien nicht im geringsten
;:;;5
gestört.
Als Kuriosum mag endlich noch eine Mit­theilung (aus Paris) erwähnt werden, wonach einem Elephanten der Stosszahn ausgezogen wurde. Zu­erst sägte man den l'/a Ellen langen Zahn ab, dann wurde die 18 Pfund (?) schwere Wurzel mit Zangen gezogen, worauf der Elephant zwar ver­stimmt aber von seiner Hypochondrie geheilt ge­wesen sein soll (Her. Rep. Bd. 18, S. 178).
Zum Ausziehen von Schneidezähnen liegt nur selten Grund vor; um so häufiger wird diese Ope­ration von Laien vorgenommen, um bei jungen Pferden den Zahnwechsel zu beschleunigen und den Thieren den Anschein eines vorgeschrittenen Alters zu geben. Auch bleiben die Milchschneidezähne zu­weilen zwischen den Ersatzzähnen eingeklemmt stehen,
so dass ihre Entfernung wünschenswerth erscheint.
Schneirte-
Sclmeide-zahnzange.
Endlich wird die Extraction von Schneidezähnen zaluusauge
nothwendig, wenn ihre Alveolen bei Brüchen der nacl1 Zwischenkieferbeine oder des Unterkiefers blossge- laquo;Unther, legt sind.
Die Extraction derselben erfolgt am leichtesten mit der von Günther construirten Zange (Fig. 28). Die dicht vor dem Maule derselben liegende Wulst dient als Lnterlage und soll sich auf einen benachbarten Zahn stützen.
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58nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
Im übrigen ergiebt sieb die Anwendung des Instrumentes von selbst. Auch lässt sicli die Entfernung der Sobneideziilme mit einer gewöhnlichen Zahn­zange bewirken, die etwas grosser und stärker gearbeitet ist, als die beim Mensehen übliche (Fig. 24). Dieselbe kann zugleich als Exporteur verwendet werden.
b) Die Alveolarperiostitis bei Fleisclifressern.
Von den Fleischfressern leiden am häufigsten Hunde gewisser liacen, mit besonderer Vorliebe Stubenlmnde. Bei ihnen verläuft das Leiden anders als bei den Pflanzenfressern, auch zeigt sich die Art der Entstehung verschieden. Meist erkrankt eine grössere Anzahl Zähne, zuweilen fast alle und zwar sowohl die Schneide- wie auch Backenzähne. Aeltere Hunde werden durch das Leiden nicht selten fast vollständig zahnlos.
Erscheinungen. Die Ränder des Zahnfleisches zeigen sich geschwollen, mehr oder weniger geröthet und bluten selbst bei leichter Berührung. Da wohin die Zunge nicht reicht, namentlich an den lateralen Rändern, erscheint das Zahnfleisch mit einer grauen, schmie­rigen, eigenartig penetrant riechenden Flüssigkeit bedeckt. Die Zahnkronen sind zum Theil mit einer grauen kalkartigen Masse (Zahnstein) belegt, welche sich bis unter das erkrankte Zahnfleisch in die Alveolen fortsetzt. Bald lockert sich der Zahn und fällt schliesslich aus. Bei grösserer Ausbreitung des Leidens speicheln die Thiere aus dem Maule, fressen schlecht, vermeiden namentlich Knochen zu kauen oder winseln zuweilen bei dem Versuche und verbreiten einen höchst üblen Geruch, der für die Umgebung oft unerträglich wird.
Der Zustand wurde früher wohl als ein Allgemeinleiden betrachtet und mit verschiedenen Namen, wie Scorbut, Maulfäule u. s. w. belegt. Dass es sich jedoch nur um ein Zahnleiden handelt, beweist am besten, dass keine allgemeinen Störungen (Fieber u. s. w.) damit verbunden sind und Heilung eintritt, sobald alle erkrankten Zähne beseitigt werden.
Die nächste Ursache der Alveolarperiostitis bei Hunden besteht in der Bildung von Zahnstein. Durch Ablagerung desselben (S. 44) und Fortsetzung bis auf das Zahnfleisch tritt an letzterem Entzündung und Nekrose ein, wodurch die Alveole freigelegt und nun den Fäulniss­erregern der Maulflüssigkeit zugänglich wird, welche hier die entzünd­lichen Vorgänge unterhalten. Die Untersuchung der grauen, stin­kenden Masse, die sich aus der Alveole oft durch Druck entleeren
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Alveolarperiostitis bei Fleischfressern.
59
lässt, ergiebt, dass sie fast nur aus Fäulnissbacterien besteht. Eine Anlage zur Bildung von Zahnstein findet sich bei gewissen, namentlicb kleineren Racen, besonders Stubenhunden. Möglicherweise hängt dies zum Theil mit der Ernährung der Thiere zusammen.
Behandlung. In präservativer Hinsicht muss die Ausbildung von Zahnstein verhindert werden. Man kratzt denselben rechtzeitig, d. h. bevor die Alveolenerkrankung eingetreten ist, in der S. 40 be­schriebenen Weise ab. Die erkrankten Stellen des Zahnfleisches werden zweckmässig mit einer 2—50/oigen Alaun- oder Kaliumpermanganat-lösung täglich bepinselt. Letzteres Mittel empfiehlt sich besonders zur Beseitigung des üblen Geruches.
Die bereits gelockerten Zähne müssen jedoch unter allen Um­ständen extrahirt werden; ohne diese Massregel gelangt man nie zum Ziele.
Bei Hunden stösst man hierbei auf
Fig. 25.
Für. 26,
keine Schwierigkeiten, doch muss Jemand
den Hund gehörig festhalten. Es können
hier dieselben Zangen verwendet werden,
welche beim Menschen in Gebrauch sind
(Fig. 25 u. 20). Man erfasst die Zahnkrone
mit einer der Grosse derselben entsprechenden
Zange und macht mit dem Instrumente eine
ziemlich schnelle, drehende Bewegung, in der
Regel gegen die Zunge, an der linken Seite
also nach rechts, an der rechten Seite nach
links. Bei diesen Thieren ist die Krone des
Zahnes in der Regel erhalten, die Wurzel
aber gelockert; desshalb gelingt das Ziehen
hier leicht und kann auch mittelst eines Zahn- „
.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Geiaae uml gebogene Zahuzange
Schlüssels geschehen, der jedoch entbehr-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;für Hunde.
lieh ist.
C. Zahnfistel.
Lit.: Reul, Airnal. de belg. 1885. S. 61. Hertwig, Gurlt u. Hertwig. 25. S. 510.
Als Zahnfistel bezeichnet man einen röhrenförmigen Kanal, welcher von einer Zahnalveole oder Zahnwurzel ausgeht. Das Leiden ent­wickelt sich fast immer aus einer Alveolarperiostitis, indem der Ent-zündungsprocess auf die Umgebung übergreift, eine Osteomyelitis
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00nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
purulenta entstellt, welche sehliesslich zur Perforation nach aussen führt. Diese Processe heilen dann his auf die Alveolarperiostitis und einen engen Kanal, der mit der Zahnalveole in Verbindung steht und nur wenig Eiter entleert. Am häufigsten trifft man Zahnfisteln bei jüngeren Pferden und zwar meist an der 1. und 2., selten an der 3. Prilmolare des Unterkiefers, weniger oft au den gleichen Zähnen des Oberkiefers, An den Molaren kommen Zahnfisteln sehr selten vor, weil die Wurzeln derselben im Unterkiefer von dicken Muskel-massen bedeckt sind, während die der oberen Backzähne in der Ober­kieferhöhle stecken. Doch können sich beim Pferde Zahnfisteln nach der Oberkiefer- bezw. Nasenhöhle bilden. In solchen Fällen entsteht ein Empyem der Oberkieferhöhle und chronischer Nasenausfluss, der den eigenartig üblen Geruch der Alveolarperiostitis zeigt; in ähnlicher Weise äussert sich die Perforation in die Nasenhöhle (S. 70).
Bei Hunden entwickeln sich Zahnfisteln am häufigsten von den Backzähnen des Oberkiefers aus. Die äussere Oeffnung derselben liegt in der Pegel nicht weit vom untern Augenlide entfernt, so dass man das Leiden wohl für eine Thränenfistel halten kann. Die Unter­suchung mit der Sonde ergiebt jedoch, dass der Kanal mit einem Backzahn in Verbindung steht.
Ursachen. Meist geht die Zalmfistel aus einer Alveolarperiostitis hervor; ausnahmsweise können auch äussere Verletzungen, namentlich complicirte Frakturen der Kieferknochen oder Knochenwunden hierzu Veranlassung geben. Hertwig glaubt das häufige Vorkommen von Zahnfisteln an den Präniolaven des Unterkiefers auf zu enge und scharfkantige Krippen zurückführen zu können, indem durch diese gerade hier leicht Verletzungen veranlasst werden. Damit stehen auch meine Beobachtungen in Uebereinstimmung, wonach bei den Zahnfisteln, die von den Präniolareu ausgehen, oft keine Erkrankung der Alveolen besteht; sie gehen nicht selten aus äusseren Ver­letzungen am hinteren Rande des Unterkiefers hervor.
Erscheinungen. An der äusseren Haut zeigt sich eine kleine trichterförmige Einstülpung, welche entweder in der Nähe des unteren Randes vom Unterkiefer, am Oberkiefer in der Höhe der Zahnwurzeln der Prämolaren liegt. Mit einer feinen Sonde gelangt man 6—10 cm weit in die Tiefe und stösst hier auf einen harten Gegenstand (Zahn oder Knochen). In der Umgebung der äusseren Oelfnung und im Verlaufe des Kanals zeigen sich die Kieferknochen aufgetrieben.
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Zahnfistel.
Gl
Störungen beim Kauen veranlasst die Fistel an sich nicht; sie fehlen daher, sofern nicht der Zustand des kranken Pferdes selbst diese zur Folge hat. Bei der Untersuchung des Maulea lassen sich an dem betreffenden Zahne in der Regel die Folgen einer Alveolar-periostitis nachweisen. Zuweilen besitzt der Fistelkanal am Zahnfleisch eine zweite Oeffnuns'.
Bei der Beurtheilung der Zahnfisteln kommt in Betracht, dass die Heilung von der Entfernung des kranken Zahnes ab­hängig ist. Her twig will zwar eine Zahnfistel durch das Glüheisen und Auspinseln mit Aloetinctur geheilt haben, doch gehören solche Fälle zu den seltenen Ausnahmen. An den Prämolaren des Unter­kiefers kommt zuweilen auch ohne Entfernung des Zahnes Heilung zu Stande, namentlich wenn äussere Verletzungen das Leiden erzeugt hatten. Doch bildet nicht selten auch hier die cariöse Zahnwurzel bei dem Mangel an Regenerationsvermögen zur Dissection des uekro-tischen Materials ein Hinderniss für den Abschluss des Eiterungs-processes. Gerade dieser Zustand ist in Bezug auf Heilung um so ungünstiger zu beurtheilen, weil die Extraction des Zahnes oft auf Schwierigkeiten stösst. Am Oberkiefer ist dieser Heilvorgang aber als ausgeschlossen zu betrachten. Die Beurtheilung muss sich daher nach den Umständen richten, die mit der Entfernung des Zahnes ver­bunden sind, sowie nach den Störungen, welche der erkrankte Zahn zur Folge hat. Wo die letzteren gering sind, kann es bei Arbeits­pferden gerathen erscheinen, von einer Behandlung überhaupt abzusehen, Mündet dagegen die Fistel in die Oberkiefer- oder Nasenhöhle, so wird die Entfernung des Zahnes nothwendig, zugleich aller auch die Trepanation der Oberkieferhöhle. Führte die Perforation in die Nasen­höhle zur Nekrose der Nasenmuscheln, so gestaltet sich die Prognose schlecht. Derartige Fülle habe icli wiederholt beobachtet. Nach Entfernung des Zahnes hört alsdann der Nasenausfluss nicht auf und zeigt auch fernerhin den eigenthümlicheu Geruch des Knochen­eiters. Nach einiger Zeit lösen sich einzelne Blätter der Nasennmscheln ab und werden mit dem Ausfluss entleert (S. 70).
Wo dagegen die Perforation der Nasenhöhle mit diesen Ver­änderungen nicht verbunden ist, tritt nach der Extraction des Zahnes meist in kurzer Zeit Heilung ein. Diese Frage lässt sich oft nicht sogleich entscheiden; es muss der weitere Verlauf des Leidens dies ergeben. Zum Nachweis der Perforation in die Nasenhöhle ver­wendet man zweckmässig den Güntherscheu Luftsackkatheter, den
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(32nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
man in den unteren Nasengang einfährt. Da wo die Fistel mündet, trifft man mit dem Instrumente auf eine Unebenheit und Erhabenheit
(S. 70).
Behandlung. Ist die Zahnfistel nachweislich durch äussere Ver­letzungen entstanden, d. h. zeigen die betreffenden Zähne keine krank­haften Veränderungen und bereitet die Zahnfistel sonst keine Unbe­quemlichkeiten , so kann die Heilung mit Erhaltung des Zahnes versucht werden. Spalten des Kanals, soweit dies möglich ist. Aus­kratzen desselben mit dem scharfen Löffel oder Ausbrennen mit dem Löschspiess oder Ausreiben mit Aetzmitteln, Zinc, chlorat. (1 : 10) und Behandlung nach den allgemeinen Grundsätzen der Chirurgie. Ist die Zahnalveole krank, so entferne man den Zahn; die Fistel heilt alsdann von selbst. Zur Beschleunigung der Heilung kann täglich ein Wergbausch mit einem Desinficiens getränkt eingeführt werden. Weniger geeignet ist hierzu der von Lafosse empfohlene Kork.
D. Neubildungen vom Zahnfleisch oder den Alveolen ausgehend. Epulis.
Lit.: Dammann, öurlt u. Hertwig. 31. S. 290. Roloff, das. Bd. 34. Keiper, das. 38. S. 53.
Mit dem Namen „Epulisquot; werden alle vom Zahnfleisch oder den Alveolen ausgehende Tumoren bezeichnet. Die Natur der Neubil­dung wird als Adjectiv hinzu gefügt, z. B. Epulis sarcomatosa, carcino-matosa. Dammann fand beim Pferde ein Cancroid, welches von den Schneidezähnen ausging; Knoten von beträchtlicher Grosse wucherten am Grunde der Zahnkrone. Roloff hat eine Epulis sarcomatosa beim Pferde und Rinde beschrieben. Ich habe sowohl beim Pferde wie bei Hunden wiederholt solche gesehen und behandelt.
Mit diesen Neubildungen nahe verwandt sind die bei Pflanzen­fressern, namentlich beim Pferd und Rind durch Aktinomyces und Botryomyces am Zahnfleisch oder an der benachbarten Schleimhaut des Maules veranlassten Geschwulstbildnngen. Ich hatte Gelegenheit solche beim Pferde zu beobachten.
Die Erkennung der Epulis gestaltet sich im übrigen nicht schwierig. Die Neubildung kann schliesslich eine Ausdehnung an­nehmen, dass das Kauen durch sie behindert wird. Keiper beobachtete nach einem Unterkieferbrueh beim Fohlen eine schnell wachsende Neu-
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Verletzungen der Nasenflügel.
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biklung, welche nach der Beschreibung als Sarkom aufzufassen war; sie erreichte in 14 Tagen die Grosse eines Kindskopfes, sass in der Gegend der Schneidezähne und störte das Kauen. Da sie nach der Exstirpation recidivirte, wurde das Fohlen getödtet.
Die Beurtheilung gestaltet sich im Allgemeinen wenig günstig. Sobald die Neubildung von der Alveole ausgeht, stösst die vollständige Entfernung derselben auf grosse Schwierigkeiten. Meist bleiben Reste zurück, von denen aus sich die Geschwulst regenerirt.
Behandlung. Hier kann nur vollständige Entfernung des Tumors helfen, die aber bei der Lage desselben auf Schwierigkeiten stösst. Da die Operation recht schmerzhaft ist, so narkotisire man das Thier und suche mit Messer und scharfem Löffel soviel als möglich auch die Eeste der Geschwulst herauszubringen; oder man zerstöre diese durch Glühhitze; hierzu eignet sich besonders der Paquelinsche Apparat.
III. Krankheiten der Nase, Nasenhöhle und Ihrer Nebenhöhlen.
Lit.: Günther, Nebel u. Vix, Zeitsch. Bd. I. S. 321. Dusseau, Her. Rep. 13. S. 844.
1. Verletzungen der Nasenflügel.
Sie kommen am häufigsten bei Pferden vor und zwar bei schnellen Bewegungen mit dem Kopfe durch Aufreissung des Nasen­loches an stumpfen Gegenständen, wie Haken, Nägel etc.; zuweilen auch durch gegenseitiges Beissen. Bei wilden Völkerschaften schlitzte man den Pferden wohl das falsche Nasenloch in dem Glauben auf, die Athmung zu erleichtern. Seltener sind Verletzungen der Nase bei den übrigen Thieren. Sie stellen also meist Risswunden dar, deren Heilung trotzdem regelmässig und in kurzer Zeit einzutreten pflegt, indem das lockere Bindegewebe diesen Vorgang fördert. So­bald aber die knorpeligen Bestandtheile der Nase mitverletzt sind, ent­stehen für die Heilungsvorgänge Schwierigkeiten. Es kommt leicht zur Knorpelnekrose, welche zu chronischer Entzündung und Verdickung führt. Auf diese Weise entstehen sogar unter Umständen Verenge­rungen der Nasenöffnungen, welche die Athmung beeinträchtigen, wie ein von F. Günther mitgetheilter Fall beweist.
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64nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Kopfes.
Die Behandlung besteht bei frischen Wunden in Massnahmen, welche zum Herbeiführen einer prim. int. Heilung geeignet sind. Be­sonders wichtig ist dies bei Verletzungen der Nasenknorpel. Reinigen, Anfrischen der Wundränder, Desinfection und Heften mit umschlungener Naht, die den Wundrändern eine feste Lage giebt. lieber die Naht streiche man Collodium oder Wundgelatine und lasse das Pferd so an­binden, dass es die Wunde nicht scheuern kann, am besten zwischen zwei Pfeilern. Bei Arbeitspferden schneidet man kleinere Hautlappen einfach fort. Die Vernarbung pflegt so günstig zu verlaufen, dass weder eine bedenkliche Verkleinerung des Nasenloches und Athem-beschwerden, noch auch eine auffällige Entstellung in dem Aussehen des Thieres entsteht.
2. Brüche der Nasenbeine.
Brüche der Nasenbeine ereignen sich am häufigsten bei durch­gehenden Pferden durch Gegenrennen. Auch durch Niederstürzen oder heftigen Schlag (Hufschlag) können solche hervorgerufen werden. Seltener finden sich diese Brüche bei den übrigen Thieren. Sie kommen sowohl ein- wie beiderseitig, als Längs- bezw. Querbrüche, subcutane und complicirte Frakturen vor. Die Knochenfragmente können sowohl die ftussere Haut, wie auch die Schleimhaut der Nasenhöhle perforiren und den Bruch zu einem complicirten machen.
Die Erkennung ist nicht schwer und stützt sich auf die Defor­mitäten an der Nase und den Nebenhöhlen, Nasenbluten, unter Umständen Athembeschwerden durch Verengerung der Nasenhöhle oder Blutanhäufung in derselben. Besteht Verletzung des Thränenkanals, so erscheinen blutige Thränen und Ekchymosen im inneren Augen­winkel. Nur bei starker Anschwellung kann die Diagnose auf Schwierig­keiten -stossen.
Die Prognose ist im Allgemeinen nicht ungünstig. Solange der Bruch suboutan und keine zu starke Verschiebung der Fragmente be­steht, wird vollständige Heilung erreicht. Bei starker Verschiebung und besonders wenn beide Nasenbeine frakturirt sind, bleibt zuweilen durch Verengerung der Nasengänge ein Asthma nasale zurück. Zu complicirten Brüchen gesellt sich zuweilen Caries der Nasenmuscheln.
Behandlung. Bei suboutanen Brüchen ohne erhebliche Dislocation gebe man dem Thiere etliche Tage Ruhe; weiteres ist nicht nöthig.
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Fremdkörper und Tumoren in der Nasenhöhle.
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Complicirte Brüche werden, so gut es geht, antiseptisch behan­delt, lose Splitter entfernt, die dislocirten reponirt. Bei den nach innen verlagerten Fragmenten stösst die Reposition auf die meisten Schwierig­keiten, doch kann sie bei grössereu Thieren dadurch erreicht werden, dass man mit einem Stock, dessen Ende mit einem Lappen oder Werg umwickelt ist, in die Nase eingeht und die Knochenstücke nach aussen zu drängen sucht. Doch hüte man sich hierbei, durch Verletzung der Nasenschleimhaut die subcutane Fractur zu einer complicirten zu machen. Unter Umständen kann es sich empfehlen, in die Nasen­höhle dislocirte Fragmente mit der Knochenschraube anzubohren und hervorzuziehen.
Man vergesse nicht, dass durch die erst allmälich eintretende Schwellung der Nasenschleimhaut Athembeschwerden hervorgerufen werden können, und sei daher in den ersten 48 Stunden auf die even­tuelle Notwendigkeit der Tracheotomie gefasst. Mit Rücksicht hierauf versehe man den Besitzer mit Anweisungen, namentlich wenn der Pa­tient sich an einem vom Wohnsitze des Arztes entfernten Orte befindet. Unter Umständen kann es sogar zweckmässig erscheinen, alsbald die Tracheotomie vorzunehmen.
3. Fremdkörper und Tumoren in der Nasenhöhle.
Lit.: F. Günther, Nebel u. Vix, Zeitsohr. Bd. I. S. 333. Hamburger, Virchow's Archiv. Bd. 117. S. 429. Dusseau, Her. Rep. Bd. XIII. S. 344. Lammer's Th. Mitth. 1881. S. 40. Kitt, Koch's Rev. 1887. S. 113. Ercolani, Her. Rep. 16. S. 177.
In die Nasenhöhlen des Pferdes und Kindes gelangen zuweilen Fremdkörper und bleiben hier längere Zeit liegen. Ehemals führte man wohl absichtlich Schwämme oder ähnliche Gegenstände in die Nase von Handelspferden ein, um den bestehenden Ausfluss (Rotz) zu verdecken. Herrmann fand einen Strohwisch, Körner ein Stück Band in der Nase des Pferdes. Bei einem von mir behandelten Pferde zeigte sich der untere Nasengang mit Futterstoffen vollgepfropft, welche durch die Alveole eines Molarzahnes hineingelangt waren (vgl. Seite 57).
Dusseau traf bei der Section eines Pferdes 40 bohnenälmliche, harte, weisse Körper in den Nasenhöhlen an; sie bestanden aus ein­getrocknetem Schleim und Epitbelien. Nach Ansicht Dusseaus stammten dieselben aus den Luftsäcken.
Müller, Specielle Chirurgie für Tliieriirzte,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0
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00nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
Neubildungen treten nicht selten in Form von Polypen in der Nasenhöhle auf. Nach Ercolani waren schon Cato und Absyrtus Nasenpolypen bekannt und 1784 soll Icart einen Nasenpolypen von 3/i Kilo beim Pferde entfernt haben. Meist sind es Fibrome und Myxome, aber auch Lipome und Carcinome (Roll) hat man in der Nasenhöhle be­obachtet. Oft geht die Neubildung von der Siebbeinplatte oder von der lateralen Nasenwand aus. Gurlt sah solche auch von der Nasen­scheidewand, Rizot von den Nasenmuscheln sich entwickeln. Ham­burger stellte ein weit verbreitetes Myxofibrom der knorpeligen Nasenscheidewand eines Pferdes fest, während Lammers in der ver­dickten Schleimhaut oeim Pferde Höhlenbildung antraf, die zahlreiche Strongylus armatus-Exemplure enthielten. Kitt beobachtete ein Sarkom in der Nasenhöhle des Hundes.
Zuweilen wuchern Neubildungen aus der Stirn- und Oberkiefer­höhle in die Nasenhöhle hinein.
Erscheinungen. Fremdkörper sowohl wie auch Tumoren der Nasenhöhle rufen schleimig-eitrigen Nasenausfluss hervor, der meist einseitig auftritt und oft mit Blutungen verbunden ist. Die Kehl­gangsdrüsen pflegen dabei anzuschwellen. Der Luftstrom aus dem be­treffenden Nasenloch wird abgeschwächt, und nicht selten stellt sich ein lautes Athmungsgeräusch ein (Asthma nasale). Durch Compres­sion des Thränenkanals entsteht Augenthränen. Im weiteren Ver­lauf des Leidens bildet sich an den Nasenbeinen eine Knochenauf-treibung. Die Untersuchung mit Spiegelbeleuchtung, mit dem Finger oder einer Sonde giebt über den Sitz und die Beschaffenheit der Ab­normität näheren Auf'schluss. Polypen wachsen zuweilen bis zum Nasenloche hinaus.
Behandlung. Die Heilung hängt von der Entfernung der Fremd­körper beziehentlich der Neubildungen ab, sodann von dem Umstände, ob bereits Folgezustände bestehen, deren Beseitigung gelingt oder nicht, z, B. Nekrose der Nasenmuscheln.
Fremdkörper können in der Regel mit der Kornzange oder einem ähnlichen Instrumente hervorgeholt und entfernt werden. Unter Um­ständen genügt das Ausspülen der Nase mit einem kräftigen Wasserstrahl. Beim Menschen werden Fremdkörper durch Einblasen in das andere Nasenloch entfernt.
Gehen die Neubildungen von den unteren Abtheilungen der Nasenhöhle aus, so lassen sie sich mit Hülfe einer sog. Polypenzange
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Rhinosclerom.
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ausreissen. Zu demselben Zwecke dienen auch die Levrett'schen Rohrchen. Sitzen die Polypen weiter oben, so muss die Trepanation der Nasenhöhle vorangehen. Oft wird die Ermittelung der Stelle, von wo die Neubildung ausgeht, schwierig; zuweilen gelingt dies mit einer langen Sonde oder dem Günther'schen Luftsackkatheter. Schreitet man zur Trepanation, so führe man diese lieber etwas zu hoch als zu niedrig aus und suche die Neubildung durch Abreissen oder Unter­bindung zu entfernen. Bei breiter Basis der Neubildung leistet ein scharfer Löffel gute Dienste. Die Hauptsache bleibt, die Geschwulst möglichst vollständig zu entfernen. Bei starker Blutung operire man am hängenden Kopfe oder verstopfe durch die Trepanationsöffnung die oberen Abschnitte der Nasenhöhle bezw. Choanen mit Werg oder Jute, um das Einfliessen von Blut in den Larynx zu verhindern, be­festige aber die Tampons an einem festen Bande, damit sie nicht in die Rachenhöhle hinabfallen und Erstickungsgefahr hervorrufen. Unter Umständen empfiehlt sich die Tracheotomie mit Anwendung einer Tamponkanüle.
Mit dem Namen „Rhinoscleromquot; wurde neuerdings beim Menschen eine Erkrankung der Nase belegt, welche meist im Anschluss an Nasen-catarrh zu einer alimillichen Anschwellung
sowohl der Nasenschleimhaut wie auch
Fig. 27.
der äusseren Haut führt. Die Anschwel­lung ist durch Härte ausgezeichnet, daher der Name, und kann eine Ausdehnung an­nehmen, dass die Nasenlöcher vollständig verlegt werden. Die Nase erscheint dabei livid gefärbt.
Anatomisch handelt es sich um eine elephantiastische Verdickung der äusseren Haut und der Schleimhaut, die nach den neueren Untersuchungen durch eine Infec­tion veranlasst werden soll. Man hat näm­lich in der Neubildung einen dem Fried­lände r'schen Pneumoniecoccus ähnlichen Mikroben gefunden.
Bei Thieren ist dieses Leiden noch nicht mit Sicherheit nachgewiesen. Die bisher mitgetheilten Fälle zeigten Eigen-thümlichkeiten, welche auf eine andere Natur der Neubildungen hinweisen. Beim Rotz der Pferde kommen Verdickungen an der Nase vor, die mit Rhinosclerom verwechselt werden können. Es muss weiteren Beobachtungen tiberlassen bleiben
ZU entscheiden, ob dieses Leiden auch bei
Oedem des Kopfes nach Verletzung-,
Thieren auftritt.
Dagegen stellt sich bei Pferden zuweilen umfangreiches Oedem am
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ßgnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
Kopfe ein, wie beim Peteehialfieber, der Pferdestaupe, beim Rinde im Ver­laufe des bösartigen Katarrhalfiebers. Bei Pferden und Hunden sah ich wiederholt ein bedeutendes Oedem am Kopfe, namentlich an dessen unteren Abschnitten nach Verletzungen am Halse auftreten. Wenn die Thiere in Polge Quetschung oder Dehnung der Halsmuskulatur oder schmerzhafter Erkrankung der Halswirbelsäule den Kopf dauernd gesenkt halten, und an diesem selbst etwa noch Quetschungen oder Verwundungen bestehen, so kann sich an demselben ein bedeutendes Oedem entwickeln, wodurch das Aussehen des Thieres unförmlich erscheint; durch Schwellungen in der Nasenschleimhaut und der Umgebung der Nasenöft'nungen entstehen sogar Athembeschwerden. Fig. 27 ist nach der Photographie eines Kopfes in diesem Zustande entworfen.
Der Zustand verdient um so mehr Beachtung, als er bei oberfläch­licher Untersuchung wohl zu Verwechslung mit den genannten infectiösen Leiden führen kann. Da derselbe oft von Fieber begleitet ist, so kommen solche Verwechselungen leicht vor, wenn man nicht auf die Anamnese und den Zustand der Halsmuskulatur be/.w. der Wirbelsäule Rücksicht nimmt.
Erhebliche Athemstörungen können die Tracheotomie erforderlich machen ; im Uebrigen sorge man dafür, dass sobald wie möglich der Kopf höher getragen wird, unterstütze denselben durch Anbinden des Thieres. Die Wirkung ist zuweilen überraschend; in wenigen Stunden verschwindet oft eine bedeutende Anschwellung der Art. Auch Massage unterstützt die Resorption der in die Gewebe ergossenen Flüssigkeit.
4. Empyem der Stirn- und Oberkieferhölüe.
Lit.: i'ürstenberg, Tli.Mitth.18U9/70. Gurlt, Gurlt-Hertwig. 4. S. 508. Voigt-Ulnder, Dresd. Ber. 04. S. GG. Probstmayer, Ad. W. 9. S. 201.
Mit den Nasenhöhlen stehen die Stirn- und Oberkieferhöhlen in dirccter Verbindung; die Schleimhaut setzt sich aus der Niisenhöhle unmittelbar in jene fort, ist in den letzteren beiden Höhleu dünn, fest mit dem Knochen verbunden, stellt zugleich das Periost derselben dar und enthält viele kleine acinöse Schleimdrüsen. Bei der geschützten Lage der Höhlen erklärt es sich, dass ihre Schleimhaut-Ausklei­dung nur selten Erkrankungen ausgesetzt ist. Wenn aber einmal an ihr Katarrh oder Entzündung eintritt, so wird das Leiden leicht chro­nisch , weil das Secret keinen regelmässigeu Abfluss findet, vielmehr in der Höhle liegen bleibt, sich zersetzt und die Schleimhaut reizt. Die Ohronicitilt erklärt sich zuweilen auch aus den Eigenthiiinlichkeiten der Ursachen.
Nicht selten erkrankt die Oberkieferhöhle in Folge eitriger Al-veolarperiostitis an den Molaren des Oberkiefers mit Dnrcbbruch in diese Höhle. Ferner geben Neubildungen und Fremdkörper in der­selben oft Ursache zu diesem Leiden ab,
Stockflcth fand beim Pferde in der Oberkieferhölüe ein Knochen-
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Empyem der Kopfhöhion.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 69
stück von einer Trepanation herrührend, Stenersen Exemplare einer Ciirexart, welche in Folge Erkrankung der Zahnalveolen in die Oberkieferhöhle gelangt waren, Nicht selten gelangen zersetzte Futtermassen durch die Zahnalveolen in die Oberkieferhöhle. Auch können complicirte Frakturen der Stirn- und Oberkieferbeine hierzu Veranlassung geben; so beobachtete Voigtländer in der Stirnhöhle einer Kuh eiterige Erkrankung, welche bereits am Grunde des Horn-fortsatzes zur Perforation geführt hatte und durch Verletzung des Hornes entstanden war. Beim Pferde wurden rotzige Erkrankungen hier fest­gestellt; bei Bindern geht die Erkrankung zuweilen von Brüchen des Homfortsatzes aus. Die Schleimhaut der Höhle erscheint verdickt, stark vasoularisirt, an ihrer Oberfläche rauh, nicht selten mit Wucherungen oder geschwürigen Veränderungen bedeckt. Der Inhalt besteht aus Eiter mit Schleim vermischt. Nicht selten zeigt sich die Höhle ver­engt, indem die als Periost dienende Aussenfläche der Schleimhaut unter chronischer Wucherung Knochenauflagerungen hervorgebracht hat, so dass die Höhle von dieser Neubildung mehr oder weniger ausge­füllt wird. Die seltene Beobachtung eines Hydrops der Oberkiefer­höhle machte Fürstenberg. Er fand beim Fohlen die Oberkiefer-höhle mit einer serösen Flüssigkeit angefüllt; die Schleimhaut war nicht erkrankt. Dagegen gehört die Bildung umfangreicher Exostosen namentlich in der Stirnhöhle des liindes und Schafes sowie in der Ober­kieferhöhle des Pferdes zu den nicht seltenen Vorkommnissen. Gurlt hat mehrere Fälle der Art beschrieben Die linke Oberkieferhöhle und ein Theil der Stirnhöhle war mit einer ca. 18 cm langen und 12 cm hohen Knochenmasse angefüllt, welche marmorhart, auf der Oberfläche glatt erschien und im Inneren kleine Höhlen enthielt. Nasenmuschel und Siebbein waren verdrängt, das Stirnbein und Nasenbein atrophisch und von der Wucherung fast perforirt. Probst-may er stellte bei einer 11jährigen Stute Cancroid der Highmors-höble fest.
Erscheinungen. Der Nachweis dieser Leiden kann oft erst auf dem Wege der Ausschliessung erfolgen. Einseitiger, schleimig-eitriger, zuweilen übelriechender Ausfluss aus der Nase bildet die erste Er­scheinung. Wurde das Leiden durch Alveolarperiostitis eingeleitet, so zeigt der Nasenausfluss den eigenthümlicheu Geruch des kranken Zahnes; bald schwellen die Kehlgangsdrüsen derselben Seite an, so dass selbst Hotzverdacht auftreten kann. Später treiben die jene Höhlen bildenden Knochen auf, und bei der Percussion entdeckt man an der
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70nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Kopfes.
erkrankten Seite einen weniger hellen, vollen Ton als an der gesunden Seite. Doch hüte man sich vor Täuschungen, achte stets darauf, dass hei der Percussion die gleichen Stellen getroffen werden und dass das Maul geschlossen ist. Man percutirt mit dem nicht Gummi tra­genden Ende des Percussionshammers oder mit einem starken Schlüssel am stehenden Thier die beiden Höhlen abwechselnd.
Behandlung. Der localen Behandlung muss selbstverständlich die Trepanation vorangehen. Man spüle den Inhalt aus, lasse sodann eine Desinfectionsflüssigkeit folgen, wie Carbolwasser, Sublimat, Creolin oder Alaun und verschliesse die Trepauationsöffnung mit einem Werg­oder Jutepfropf. Das Ausspülen muss täglich wiederholt werden, bis der Nasenausfluss sich verloren hat. Die Trepanationswunde verschliesst sich später vollständig. (Vgl. S. 75.)
5. Necrose der Nasenmuscheln.
Lit.: Jessen, Dorpat. Klinik. 1860/lt;il. Hering, Operationslehre. Haubner, Dresd. Bericht 1861. Stockfleth, Chirurgie.
Nachdem Jessen zuerst auf eine eigenthümliche, mit chronischer Verdickung verbundene Erkrankung der oberen Nasenmuscheln bei Pferden aufmerksam gemacht hatte, theilten Stockfleth, Haubner, Hoy er u. A. gleiche Erfahrungen mit. Im Ganzen ist das Leiden in Norddeutschland nicht häufig und wird meist nach Ablauf der Druse beobachtet. Mir selbst sind ein paar Fälle von Caries der Nasen­muscheln vorgekommen, welche durch Erkrankungen der oberen Backenzähne veranlasst war.
Erscheinungen. Einseitiger, oft stinkender Nasenausfluss, ver­bunden mit schnarchendem Athmen und Abschwächung des Luft­stromes aus dem betreffenden Nasenloche deutet zunächst auf das Leiden hin. Später folgt Auftreibung der Nasenbeine, und zuweilen lässt sich die Verdickung der Muscheln direct sehen oder selbst mit dem Finger fühlen. Da auch hierbei Anschwellung der Kehlgangs­drüsen einzutreten pflegt, so gestaltet sich die Trennung des Zustandes von Nasenpolypen zuweilen schwierig, und kann oft erst nach vollzogener Trepanation eine bestimmte Diagnose gestellt werden.
Die Trepanation der Oberkiefer- und Stirnhöhle.
Versuche, die Kopfhöhlen bei Thieren anzubohren und so einer directen Behandlung zugänglich zu machen, sind bereits frühzeitig ge-
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Trepanation.
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macht worden. Beim Pferde gab ehemals die Absicht, den Rotz zu heilen, hierzu Veranlassung. Gegenwärtig dient die Trepanation zur Behandlung localer Processe in der Stirn- oder Kieferhöhle, wie chro­nische Katarrhe, zur Entfernung von Tumoren und Fremdkörpern aus denselben, zum Ausstempeln kranker Backzähne und endlich zu diagno­stischen Zwecken, namentlich bei dem Rotzverdachfc. Haubner hat die Operation zu dem letztgenannten Zwecke warm empfohlen. Kann
Fig. 28.
Fig. 29.
Bogentrepan.
Hamltrepan.
sie auch nicht in jedem Falle zuverlässige Auskunft über die Natur der vorliegenden Krankheit geben, so empfiehlt sich die Operation docli in zweifelhaften Füllen. Bald giebt sie eine ausreichende Erklärung für den verdächtigen Nasenausfluss, bald wird durch die Abwesenheit von Krankheitsprocessen in diesen Höhlen der Rotzver­dacht unterstützt. Oft lassen sicli auch aus der Art der Erkrankung der Schleimhaut dieser Höhlen auf die Natur des Processes Schlüsse ziehen. Beim Kotz giebt sich Neigung zu geschwürigen Zerstörungen
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Ki-iinkheiten des Kopfes.
und Knötchenbildung zu erkennen, während die hier vorgefundenen Neubildungen den Rotzverdficht ausschliessen lassen.
Zum Anbohren der knöchernen Kopfhöhlen dienen folgende Instruinente:
1. Der Trepan, eine kreisförmige Säge, welche entweder an einem Bogen, ähnlich dem Tischlerbohrer (Bogentrepan, Fig. 28) oder an einem Handgriff befestigt ist (Handtrepan oder Trepbine, Fig. 29). Gegenwärtig wird nur noch die einfachere, letztere Art benutzt. Die „Kronequot;, ein Stahlcylinder von verschiedener Grosse, welcher die Säge darstellt, ist an ihrer Aussenfläche glatt: früher benutzte man zuweilen conische, wesshalb die Aussenfläche mit scharfen Sclmei-
Fig. 32.
Fig, 33.
Fig. 84.
Fig. 35.
Fig. 30. Fig. 31.
Jleissel.
Linsen-messer.
Exfoliativ-trepan.
Pert'orativ-trepan.
den versehen war, um das weitere Eindringen derselben in den Knochen zu ermöglichen. Im Centrum der cylindrischen Krone steht die „Pyra­midequot;, ein Stahlstück, welches sich mittelst einer Schraube feststellen lässt und etwas über den Zahnrand der Krone 1. ervorgeschoben wei­den kann.
2.nbsp; nbsp;Die Knochenschraube (Tirefond, Fig. 30) trägt an einem Ende einen Ring zur bequemen Handhabung des Instrumentes; das andere Ende läuft in ein conisches Schraubengewinde aus, welches in den Knochen eingeschraubt werden kann, um das losgebohrte Stück zu entfernen. Unter Umständen dient der Knochenbohrer auch dazu, dislocirte Knochenfragmente in ihre frühere Lage zu bringen (S. (35)-
3.nbsp; nbsp;Das Linsenmesser (Fig. 32). Mit demselben werden die
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Trepanation.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;73
scharfen Kanten an der Trepanationsöfl'nung entfernt, um den zum Zwecke der Untersuchung eingeführten Finger nicht zu verletzen.
4. Der sogen. Beinhautschaber (Fig. 33) dient zum Abtrennen des Periostes an der Operationsstelle, kann aber durch ein stumpfes Messer oder ein ähnliches Instrument ersetzt werden.
Ausserdem enthält das Trepanationsbesteck in der Regel noch einen Meissel (Fig. 31), um Knochenstücke z. B. zwischen zwei Trepa­nationsöffnungen zu entfernen und so eine grössere Oeffnung zu er­langen.
In Ermangelung eines Trepans kann die Eröffnung der Kopf­höhlen mit einem einfachen Centrurabohrer (Exfoliativtrepan) be­wirkt werden (Fig. 34). Handelt es sich bloss darum, eine kleine Oeffnung in den Knochen zu bohren, so findet der „Perforativ-trepanquot; (Fig. 35) Anwendung. Die zuletzt genannten Instrumente sind jedoch meist entbehrlich,
Die Trepanation der Stirn- und Kieferhöhle beim Pferde.
Um die Stirnhöhle zu öffnen, trepanirt man in der Höhe des Augenbogens, 2—3 cm von der Mittellinie entfernt, das Stirnbein. Hier legt sich die Haut unmittelbar auf das Periost des Knochens.
Die Oberkiefer höhle wird beim Pferde meist durch eine dünne Knochenplatte in eine obere grössere und untere kleinere Abtheilung getrennt. Wenn man etwa 8 cm über dem unteren Ende der Joch­leiste und 1—2 cm von dieser entfernt trepanirt, so trifft man in der Regel diese Scheidewand bezw. beide Abtheilungen der Oberkieferhöhle. Sollte man nur eine geöffnet haben, so kann die Scheidewand durchgestossen werden. Bei Fohlen operire man etwas weiter vom unteren Ende der Jochleiste entfernt, um die Wurzeln des 3. und 4. Backzahnes nicht zu verletzen, welche in der unteren Abtheilung der Oberkieferhöhle liegen.
Am besten trepanirt man am liegenden Thiere; bei sehr phleg­matischen kann die Operation auch im Stehen ausgeführt werden. Nachdem die Haare in einer Ausdehnung von 5—6 cm abgeschnitten sind, wird zunächst ein 0—8 cm langer Hautschnitt gemacht und zwar bei Eröffnung der Stirnhöhle parallel mit der Mittellinie und etwa 3—4 cm von dieser entfernt; bei der Trepanation der Oberkieferhöhle wird der Schnitt parallel mit der Jochleiste und 2—3 cm von dieser angelegt. Früher wurde empfohlen einen T- oder Vförmigen Haut-schnitt zu führen; doch machte schon Gerlach mit Hecht darauf
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74nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten dos Kopfes.
aufmerksam, class dies nicht zwecknülssig ist, weil der losgetrennte Hautlappen sich retrahirt und zu stärkerer Narhenbildung Veran­lassung giebt.
In der Mitte der beiden Wundränder wird je ein Heftfaden an­gelegt, um dieselben auseinander halten zu können. Nunmehr trennt man mit dem Messer die Haut von ihrer Unterlage, so dass die Trepan-krone zwischen beiden Wundrändern Platz findet. Sofern an der Ober-kieferhöhle etwas höher operirt wird, stösst man auf den Muskelbauch des Hebers der Oberlippe, der bei Seite geschoben werden muss.
Hierauf setzt man die Trepankrone auf den Knochen und um­schneidet dieselbe mit einem geballten Bistouri, um das zu entfernende l'eriost von dem zu erhaltenden leichter zu trennen; letzteres geschieht mit dem Knocheuschaber oder einem stumpfen Messer.
Auf das nun freiliegende Knochenstück setzt man den Trepan mit vorgeschobener Pyramide, so dass diese zuerst den Knochen trifft. Indem man leichte, drehende Bewegungen mit der Trephine macht, bohrt sich zunächst die Pyramide in den Knochen ein. Bald greifen auch die Zähne der Krone denselben an, und indem man mit dem Bohren fortfährt, dringt die Krone des Trepans in den Knochen ein, fixirt durch die Pyramide, im Nothfalle von dem Daumen und Zeigefinger der linken Hand des Operateurs unterstützt. Ohne tiefer einzubohren greift man zunächst zur / Knochenschraube, um die­selbe, so lange das Knochenstück noch in fester Verbindung mit seiner Nachbarschaft steht, in dasselbe einzuschrauben, was später nicht mehr gelingen würde. Alsdann wird der Trepan von neuem angesetzt und in derselben Weise bewegt, bis der Knochen perforirt ist. Sind dicke Knochenplatten zu durchbohren, so wird von Zeit zu Zeit die Reini­gung der Zähne des Trepans mit einer Bürste nothwendig. Allmillich macht sich eine grössere Nachgiebigkeit unter dem Trepan bemerkbar, worauf man mit der Druckwirkung der Hand nachlässt. Glaubt man den Knochen durchbohrt zu haben, so setze man wiederum die Kuochen-schraube an und suche das Stück herauszuheben. Gelingt dies nicht, so wird der Trepan abermals benutzt, und nun das runde Knochen­stück mit der Schraube entfernt. Gewöhnlich reisst die zu demselben gehörige Schleimhaut mit los, oder sie bleibt in Fetzen an dem nach­barlichen Knochen hängen.
Nachdem hierauf mit dem Linsenmesser die scharfen Ränder der Oeflhung geglättet sind, kann der Finger in die Höhle eindringen, um dieselbe zu untersuchen. Die bei der Operation auftretende Blu­tung ist meist gering. Sollte dieselbe den Einblick in die Hohle er-
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Trepanation.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 75
schweren, so spült man das Blut mit etwas Wasser, eventuell unter Be­nutzung einer Spritze ab, tupft die Höhle mit einem kleinen Schwamm aus, worauf die Schleimhaut derselben näher beurtheilt werden kann.
Bei Empyemeu quillt der Eiter gewöhnlich sogleich aus der Oeffnung hervor und kann ebenfalls durch Spülen entfernt werden. Ebenso werden etwa bestehende Neubildungen womöglich gleich be­seitigt. Hierauf wird die Oeffnung mit einem Werg- und Jutetampon geschlossen.
Die Nachbehandlung muss mit Rücksicht auf die Natur des Krankheitsprocesses erfolgen. Gegen chronische Catarrhe empfehlen sich tägliche Ausspülungen der betreffenden Höhle; und zwar zu­nächst mit Carbolwasser (2 0/o), bei starken Zersetzungsprocessen mit Kaliumpermanganatlösung (30/o); sodann werden adstringlrende Mittel (Alaun 2 0/o, Tannin 30/o) in Anwendung gebracht. Nach erfolgter Application derselben lasse man die Oefthung wieder mit einem Tampon verschliessen, damit die Schleimhaut der Höhle nicht dauernd der directen Einwirkung der Luft ausgesetzt ist. Diese Behandlung wird so lange fortgesetzt, bis sich der Nasenausfluss verliert. Dann lasse man die Wunde heilen, indem nur weiche Tampons in die Trepanationsöffnung eingeführt werden. In etwa 3—4 Wochen schliesst sich dieselbe, und nach 2—3 Monaten ist oft kaum noch eine Spur von der Operation vorhanden. Sind grössere Tumoren aus der Stirn- oder Oberkieferhöhle zu entfernen, so genügt häufig eine Trepan-öffnung nicht. In solchem Falle bohrt man neben der ersten eine zweite und entfernt die vorstehenden Knochentheile mit Hülfe von Meissel (Fig. 31) und Hammer.
Ich habe mehrfach Gelegenheit gehabt, in derselben Weise die Nasenhöhle zu trepaniren, um Tumoren oder nekrotische Theile der Nasenmuscheln aus derselben zu entfernen. Hier kann auch eine Säge (Stichsäge) zur Erweiterung der Trepanationsöffnung in Anwen­dung kommen.
Bei den Wiederkäuern kommen ähnliche Erkrankungen der Stirn­höhle vor, doch sind sie hier seltener als beim Pferde. Dagegen kann die Oeffnung der Stirn- und Kieferhöhle beim Schafe zur Entfernung der Schaf bremse (Oestrus ovis) erforderlich werden (Bremsen­schwinde 1). Hier tropanirt man in der Mittellinie. um zugleich die Höhlen beider Seiten zu öffnen und durch zweckentsprechende Einspritzungen in dieselben die Parasiten zu entfernen.
Da bei Wiederkäuern die Stirnhöhlen mit den Hornfortsätzen in Verbindung stehen, so lässt sich die Eröfthung derselben auch durch
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76nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
Absägen der Homer bewirken. Diese Operation ist jedocb nicht allein sohmerzhafter, sondern auch mit grösseren Blutverlusten verbunden, die bei schon geschwilcliten Thieren leicht nachtheilig werden können. Hoy er entfernte bei Nekrose der Nasenmuschel die ericrankte Partie mit Hülfe eines Muskelllakens und erzielte Heilung. Die von Jessen mitgetheilten Fälle wurden mittelst Resection der erkrankten Muschel durch eine Trepanationsöffiumg ebenfalls geheilt. Hering und Jessen empfehlen neben der Mittellinie einen Hautschnitt zu führen, wel­cher die ganze Länge des Nasenbeines einnimmt. Dann soll am oberen Ende dieses Schnittes trepanirt und von dieser Oeifnung ein 2—3 cm breites Stück mittelst Stichsäge aus dem Nasenbein entfernt werden. Durch diesen Spalt befördert man sodann die erkrankte Nasemnuschel nach aussen. Eine von mir in dieser Weise behandelte Caries der Nasenmuscheln war nach 8 Wochen noch nicht geheilt. Die voll­ständige Resection der Nasenmuscheln stösst auf nicht geringe Schwierig­keiten, ihre Reste geben leicht zur Fortsetzung des Processes Veran­lassung.
Im August 1888 wurde dem Spitale eine 41/2 Jahre alte Stute zur Behandlung überwiesen mit dem Vorberichte, dass sie seit einigen Wochen einen übelriechenden Nasenansfluss zeige.
Das gutgenährte Pferd war frei von den Erscheinungen innerlicher Leiden. Aus dem linken Nasenloche entleerte sich ein unangenehm, nach Knocheneiter riechender schleimig - eitriger Ausfluss in massiger Menge. Kehlgangsdrüsen linkerseits etwas angeschwollen. Bei Application des Günther'schen Katheters entdeckt man auf dem Boden des linken unteren Nasenganges in der Höhe des 3, Backzahnes eine geringe Unebenheit und Erhabenheit. Die hierauf angestellte Untersuchung der Maulhöhle ergiebt, dass im Oberkiefer dem 3. Backzahn linkerseits die Krone fehlt, und dass an demselben alle Erscheinungen einer eiterigen Alveolarperiostitis bestehen. Am .Stirn- und Oberkieferbeine der linken Seite zeigen sich die Narben von früher ausgeführten Trepanationen dieser Höhle.
Nachdem der kranke Zahn mit Hülfe des Stempels entfernt war, heilte die Operationswunde regelinilssig, aber der Nasenansfluss Hess nicht nach. Nunmehr wurde zur Trepanation der Nasenhöhle geschritten, worauf sich zeigte, dass die Nasenmuscheln an mehreren Stellen von ihrer Schleim­haut entblösst Und nekrotisch waren. Diese Stellen wurden zu entfernen ver­sucht, worauf indess keine Heilung eintrat. Bei dem verhältnissmässig geringen Werthe des Pferdes entschloss sich der Besitzer zur Tüdtung desselben.
6. Nasenbluten. Epistaxis.
Lit: Schind elk a, Wiener Viertclj. 188G. S. 121. Bigoteau, Jahrb. 1886. S. 102. Söhngen, Th. Mitth. 1882. S. 50. Jost, Th. Mitth. 1868, S. 91. Deigendesch, Her. Rep. 43. S. 208.
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Nasenbluten.
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In der Schleimhaut der Nasenhöhle, besonders der Scheidewand finden sich beim Pferde weite Vonennetze (Centrum venosum), deren Verletzung zu erheblichen Blutungen führen kann. Bei diesen Thieren wird Nasenbluten auch am häufigsten beobachtet. Bald geben ilussere Verletzungen dazu Veranlassung, wie ungeschicktes Auswischen der Nase mit einem rauhen Lappen, oder Fracturen der Nasenbeine mit Dislocation der Fragmente nach innen; bald sind zufällige Ver­letzungen die Ursache; so beobachtete Schindelka einen Bruch der Scheidewand. In anderen Fällen werden Fremdkürper und Tumoren in der Nasenhöhle angetroffen. Deigendesch fand bei einem 15 Jahre alten Pferde, welches seit 10 Jahren an periodischem Nasenbluten ge­litten hatte, das besonders nach starken Anstrengungen hervorgetreten war, ein Angiom der Nasenscheidewand, welches zu Ulcerationen ge­führt hatte. Zuweilen geben heftige Anstrengungen, z. B. auf der Rennbahn, sowie staubige, reizende Futterstoffe hierzu Veranlassung. Bigoteau beobachtete Nasenbluten bei einer grösseren Zahl von Pferden, welche mit staubiger Esparsette gefüttert worden waren.
Beachteuswerth bleibt ferner, dass auch geschwürige Verände­rungen an der Nasenschleimhaut, wie beim Potz, zu wiederholtem und profusem Nasenbluten führen können. Wenn daher bei Pferden Nasenbluten ohne nachweisbare Ursache stets bedenklich ist, so erweckt wiederholtes Auftreten ganz besonders Ver­dacht, namentlich bei solchen, die der Ansteckung durch Potz ausgesetzt waren.
Die Menge des abfliessenden Blutes und die Dauer der Blutung zeigt sich ausserordentlich verschieden. Es können namentlich beim Potz und anderen ulcerösen Processeu so starke Blutungen auftreten, dass die Gefahr einer Verblutung entsteht.
Behandlung. Sobald die Blutung ein therapeutisches Eingreifen erfordert, lasse man zunächst kalte Umschläge auf den Kopf machen und die leidende Seite der Nase mit kaltem Wasser ausspritzen oder mit dem Irrigator ausspülen, dem zweckmässig etwas Tannin oder Essig zugesetzt wird. Bei Blutungen aus den unteren Abschnitten empfiehlt sieh unter Umständen Tamponade der Nasenhöhle, doch lasse man den Patienten hierauf sorgfältig beobachten und die Tampons entfernen, sobald Athembesclnverden auftreten. Oder man führt zu­nächst die Tracheotomie aus, legt womöglich eine Tamponkanüle ein und kann nun selbst beide Nasenhöhlen tamponiren, aber auch damit nicht in allen Fällen die drohende Verblutung verhindern. Einblasen
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78nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Kopfes.
von fein gepulvertem Alaun in die Nasenhöhle wurde empfohlen und dürfte bei Blutungen aus den unteren Abschnitten zu -versuchen sein. Wo Verblutung droht, sollte man auch Seeale cornntum versuchen. Söhngen sah nach subeutaner Injection vom Extr. Secal. cornut. (0,75) beim Pferde Erfolg. Im Uebrigen nmss sich die Behandlung den ursäch­lichen Momenten anpassen. Die von verschiedenen Seiten empfohlenen Essigdämpfe sind von Anderen als unwirksam erklärt worden. Verblutung aus der Nase wurde zwar bei Pferden wiederholt beob­achtet (Jost u. A.), meist hört jedoch die Blutung auf, wenn man dem Thiere Hube giebt und der Blutdruck nach grösserem Blutverluste allmiilich gesunken ist.
IV. Krankheiten lt;ler Speicheldrüsen.
1. Verwundungen und Verletzungen der Speicheldrüsen.
Lit : Bas si, 11 med, vet. Turin 1873.
Die Lage der Parotis bringt es mit sich, dass sie häufiger von äusseren Verletzungen betroffen wird, als die übrigen Speicheldrüsen. So lange nicht grössere Blutgefässe oder Nerven mitverletzt sind, haben die Verwundungen derselben keine besondere Bedeutung. Selbst die Gefahr. dass eine Speichelfistel zurückbleibt, ist nicht gross, sobald rechtzeitig eine sachgemässe Behandlung eintritt. Am meisten sind solche zu befürchten, wenn ein Ausfühnmgsgang der Drüsen, besonders der Ductus Stenonianus verletzt ist. Bei Schafen und Hunden ver­läuft der Stenson'sche Gang quer über die Backe und wird daher leichter von äusseren Verletzungen betroffen, als beim Pferde und Rinde, bei denen er im Kehlgange eine geschützte Lage hat.
Meist handelt es sich um zufällige Verletzungen durch scharfe Gegenstände; früher gab das sog. Feifeibrechen hierzu Anlass. Sie geben sich durch die Lage der Wunde und durch den Ausfluss von Speichel, einer klaren Flüssigkeit zu erkennen, deren Absonderung beim Fressen und selbst beim Anblick von Futter gesteigert wird.
In vielen Fällen heilen diese Wunden regelmässig, in anderen bis auf eine kleine Oeflhung, aus der sich Speichel entleert (Speichel­fistel). Um diesen Ausgang zu vermeiden, ist die Heilung auf dem ersten Wege anzustreben, also nach der Blutstillung und sorgfältiger Reinigung der Wunde Heften derselben zu empfehlen. Auch lasse man das Thier in den ersten 24—48 Stunden nicht füttern und
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Entzündung der Speicheldrüsen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;70
stelle es allein, damit nicht durch das Fressen anderer Tliiere die Speichelsecretion angeregt wird. Diese soll auf ein Minimum herab­gesetzt und so die Heilung der Wunde erleichtert werden. Zu dem Zwecke empfiehlt sich eine kleine Dosis Atropin, welches auch bei subeutaner Anwendung die Speichelsecretion beschränkt und selbst auf­hebt. Im Uebrigen erfolgt die Behandlung nach den allgemeinen Regeln der Chirurgie.
2. Entzündung der Speicheldrüsen. Parotitis.
Lit: Bettinger, Her. Rep. 1. S. 30G. Thiernesse, Annal.de med. v6t. 1853. Meyer, Oesterreich. Vierteljahrsschrift. 1856. S. 87.
Die Speicheldrüsen bilden nicht selten Sitz entzündlicher Processe. Am häufigsten leidet die Parotis, doch wird auch die Unterkiefer-und Unterzungendrüse zuweilen betroffen. Fremdkörper, welche in die Ausführungsgänge der Drüsen gelangen, können entzündliche Reizungen derselben veranlassen. Meist sind es indess nicht näher bekannte Ursachen, wahrscheinlich Infectionsstoffe, welche entweder von den Ausführungsgängen oder durch die Blutbahn reizend auf die Drüsen einwirken. Beim Menschen wie bei Thieren zeigt sich eine endemische Parotitis; die des Menschen ist erwiesenermnssen an­steckender Natur und wird vulgär als „Ziegenpeter, Mumps, Bauernwenzelquot; bezeichnet. Bei Thieren, besonders bei Hunden wird Aehnliches beobachtet. Nicht selten stellt sieb Parotitis symptomatisch im Verlauf der Druse, Brustseuche der Pferde und Staupe der Hunde ein. Auch bei Katzen habe ich das Leiden wiederholt gesehen.
Der Entzündungsreiz geht vom Parenchym der Drüse aus. Das Organ schwillt an. Die Drüsenläppchen erscheinen cUmkelroth und ihre Epithelien körnig getrübt. Bald greift der Process auf das Binde­gewebe der Drüsen über, welches nach kurzer Zeit plastisch infiltrirt erscheint. Schliesslich kommt es hier sowohl wie in den Alveolen der Drüse zur Eiterung. Durch Zusammenfliessen kleinerer Herde bilden sich grössere Abscesse, die unter Zerstörung (Nekrose) zahlreicher Drüsenläppchen und des umliegenden Bindegewebes schliesslich nach aussen perforiren, wobei nicht selten ein grösseres Hautstück brandig abstirbt. Der Inhalt solcher Abscesse führt nekrotische Fetzen und besitzt einen überaus üblen Geruch,
Erscheinungen und Verlauf. Die acute Parotitis, die häufigste Art dieser Leiden, giebt sich durch eine ziemlich schnell eintretende.
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80nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
diffuse Anschwellung in der Parotisgegend zu erkennen; die Parotis erscheint hart, heiss, schmerzhaft. Die Thiere halten den Kopf ge­streckt und schief, nach der gesunden Seite. Dabei besteht oft Spei-chelfluss; Fieber fehlt ebenfalls im Anfange des Leidens selten. Bei sehr starker Anschwellung kommen wohl Dyspnoe und Schlingbeschwer­den hinzu. Man beobachtet zuweilen Facialislähmung durch Druck oder Uebergreifen des entziindlicben Processes auf diesen Nerven. All­mählich wird die Anschwellung auf der Höhe fluctuirend weich, und wenn nicht bald ein Einstich gemacht wird, so entleert sich in laquo;jrösserer Menffe eine übelriechende, mit nekrotischen Gewebsfetzen vermischte grauröthliche Flüssigkeit. Selten bildet sich die Geschwulst zurück, indem Zertheilung eintritt; meist erfolgt die Abscedirung in 8—10 Tagen, worauf in etwa 14 Tagen bis 8 Wochen vollständige Heilung erzielt wird. Der Ausgang in Genesung ist die Regel, Septi-cämie und Pyämie mit tödtlichem Ausgang selten. Durch hohes Fieber und Störungen bei der Futterauf nähme gehen die Thiere in ihrem Nilhrzustande erheblieh zurück; auch leidet die Milclisecretion. Nur selten werden Speichelfisteln oder Paralysen des N. facialis als Folge-Zustäude beobachtet. In einem von mir behandelten Falle hatte der Process sich auf den N. opticus fortgesetzt, und es blieb bei dem Pferde Sehnevvenatrophie mit Amaurosis zurück. In Folge von Eiter-versenkungen kann auch wohl ein tödtlicher Ausgang eintreten.
Differentialdiagnose. Zu Verwechselungen geben namentlich im Anfange des Leidens Schwellung der subparotidealen Lymphdrüsen leicht Veranlassung. wobei indess die Anschwellung nicht auf die regio parotidea beschränkt bleibt, sondern mehr diffus auftritt. Von einer Anfüllung des Luftsackes unterscheidet sich die Parotitis durch die entzündlichen Erscheinungen, welche bei der Luftsackerkrankung fehlen; dagegen ist letztere mit eiterigem Nasenausfluss verbunden, welche bei Parotitis nur ausnahmsweise vorkommt. Den Tumoren in der Parotisgegend fehlen ebenfalls die entzündlichen Erscheinungen; sie entwickeln sich stets langsam, niemals so schnell, wie die An­schwellung bei der Parotitis.
In ähnlicher Weise, .aber seltener, erkranken bei den Thieren die Unterkiefer- und Unterzungendrüsen. Audi hier bilden die Aus­führungsgänge der Drüsen meist den Ausgangspunkt des Leidens, das oft mit katarrhalischer Erkrankung der Maulschleimhaut auftritt. Bei Pferden will man enzootisches Herrschen der Krankheit beobachtet haben. Neben Salivation stellt sich im Kehlffanffe eine flache, länff*
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Parotitis.
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liehe Anschwellung ein, welche bis unter die Pavofcis nach oben reicht. Die Ausmündungsstelle des Wharton'schen Ganges erscheint am Zungen-bändchen nicht selten verstopft. Tritt Abscessbildung ein, so ergiesst sich der Eiter meist in die Maulhöhle, seltener nach aussen, worauf in 8—14 Tagen regelmässig Genesung folgt.
Bei Kühen hat Stockfleth unter dem Namen „Ranulaquot; einen Krankheitszustand beschrieben, welcher allem Anscheine nach eine hös-artige Entzündung der Unterkieferdrüse darstellte. Das Leiden begann mit Oedem im Kehlgange, und wenn man die Maulhöhle untersuchte, so zeigte sich am Frenulum eine hühnereigrosse Geschwulst von elastischer Be­schaffenheit. Wurde diese recht bald durch Incision geöffnet, so verloren sich die übrigen Erscheinungen bald. Wenn dies nicht geschah, nahmen die Erscheinungen, namentlich Anschwellung des Kopfes und Halses be­deutend zu, es entstanden Schling- und Athembeschwerden, an denen die Thiere oft in wenigen Tagen zu Grunde gingen.
Auch werden Entzündungen und Abscedirungen der Ausführungs­gänge der Speicheldrüsen, besonders des Stenon'schen und Wharton-schen Ganges beobachtet. Meyer fand im Ductus Stenonianus des Pferdes eine Aehre vom Timotheegras. Ebenso können Concremente entzündliche Erkrankungen der Ausführungsgänge veranlassen, welche abscediren und dann nicht selten Speicholfisteln hinterlassen.
Chronisch entzündliche Processe werden in der Parotis bei Rindern beobachtet, besonders in Niederungsgegenden. Stockfleth glaubt, dass ungünstige Weiden die Veranlassung bilden. Nach der Beschreibung Stockfleth's handelt es sich wahrscheinlich um Aktinomyces oder andere mykofibromatöse Zustünde.
Die entzündliehen Erscheinungen entwickeln sich hierbei langsam. In den Vordergrund derselben tritt die anfangs harte, feste, wenig schmerz­hafte und kaum vermehrt warme Anschwellung, welche später wiedei-holt abscedirt und einen dickflüssigen Eiter entleert. Meist schwellen auch die regionären Lymphdrüsen hierbei an und tragen dazu bei, dass schliesslich bedeutende Äthem- und Schlingbeschwerden zu Stande kommen. Dabei gehen die Thiere in ihrem Nilhrzustande schnell zurück und werden nicht selten noch durch die sich bildenden Speichelfisteln entstellt.
Wenn auch zuweilen mit dem Eintritt besserer Ernährungsverhält­nisse, mit dem Besuche vortheilhafter Weideplätze sich Besserung einstellte, so blieb doch die vollständige Heilung in der Regel aus, so dass es sich empfiehlt die Thiere rechtzeitig zur Schlachtbank vorzubereiten.
Ein ähnliches Leiden der Parotis beobachtete Thiernesse beim Hunde. Da dasselbe allen Heilversuchen Widerstand leistete, so nahm Thiernesse die Exstirpation der Parotis vor.
Mir sind gleiche Erkrankungen vom Pferde bekannt, die nur durch totale Exstirpation der Drüse geheilt werden konnten. Ebenso beobachtete ich eine chronische Entzündung der Unterkioferdrüse beim Pferde. Die langsam aufgetretene Anschwellung im Kehlgange hatte zur Perforation geführt, worauf eine Fistel zurückgeblieben war. Ich fand eine längliche, Möller, Speciellu ObilUrgle für Thierürzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ö
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g2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Kopfes.
schmerzhafte, harte Anschwellung, welche sich im Verlauf der Unterkiefer­drüse nach oben erstreckte, sowie unten im Kehlgange eine Fistelöffnung, welche durch einen grossen Theil der Anschwellung nach oben ging. Nach­dem mit Hülfe einer Haarseilnadel oben eine Gegenöffnung gemacht und ein Drainrohr applicirt war, heilte der Zustand.
Behandlung. Bei dem speeifischen Charakter der acuten Parotitis ist Killte im Allgemeinen nicht angezeigt. Mit Vortheil wird dagegen von Wärme, in Form von Priessnitz'schen Umschlägen, Oeleinreibungen und wannen Umhüllungen Gebrauch gemacht. Die Wärme fördert entweder die Zertheilung oder Abscedirung, beschleunigt also auf jeden Fall den Krankheitsverlauf.
Wenn deutliche Fluctuation eingetreten ist, empfiehlt sich ein Ein­schnitt; sobald sich zugleich bedrohliche Athemnoth einstellt, muss dieser alsbald erfolgen oder die Tracheotomie gemacht werden. Sonst lässt man es zur deutlichen Fluctuation kommen, um sowohl die mit der Incision verbundene Gefahr der Verletzung grösserer Gefäss- und Nervenstämme zu umgehen, als auch um Speichelfisteln zu vermeiden. Man führt die Schnitte parallel mit den grösseren Gefässen und Nerven und geht hierbei in gleicher Weise vor, wie bei Eröffnung subparo-tidealer Abscesse (S. 84). Vorsicht verlangt die Anwendung des hierzu wohl empfohlenen Trokarts, denn Gefässverletzungen und be­denkliche Blutungen sind dabei nicht ausgeschlossen und lassen sich auch durch vorsichtige Anwendung des Instrumentes nicht mit Sicher­heit vermeiden.
Da der Abscessinhalt oft unter hohem Drucke steht und sich im Bogen entleert, so empfahl Stockfleth, um sich selbst zu schützen, die Eröffnung von der anderen Seite und zwar auf einem Klotze stehend vorzunehmen.. Ich ziehe das S. 84 beschriebene Verfahren vor.
Gegen die chronische Parotitis ist wenig zu leisten. Binder lasse man für die Schlachtbank vorbereiten, und zögere damit nicht, weil später oft Athem- und Schlingbeschwerden hinzutreten, wodurch die Mästung unmöglich wird. Die Abscesse werden geöffnet und ihre Höhlen mit Chlorzink (10n/n) oder einem ähnlich wirkenden Desinficiens ausgewischt und ausgespült. Bei werthvollen Thieren oder solchen, die keinen Schlachtwerth haben, kann die totale Exstirpation der Pa-rotis Heilung bringen (S. 89).
Bei acuten Entzündungen der Unterkieferdrilse wird man ebenso verfahren, bei chronischen Erkrankungen kann die Exstirpation der Drüsen nothwendig werden, die aber namentlich bei Wiederkäuern mit grösseren Schwierigkeiten verknüpft ist (S. 89).
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Abscedirung der subparotidealen Lymphdrüsen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;83
Entzündliche Erkrankungen der Ausfilhrungsgänge dieser Drüsen werden nach Art des Zustandes behandelt. Zunächst versuche man die Ausmündung des Ganges freizulegen, so dass der Inhalt Abfluss findet. Auf diese Weise können Abscedirungen sowohl wie auch die Bildung von Fisteln vermieden werden.
3. Die Abscedirung der subparotidealen Lymphdrüsen.
Die unter der Parotis gelegenen Lymphdrüsen erkranken nicht selten, besonders bei Pferden im Verlaufe der Druse, Bräune und an­derer Leiden, indem sich in ihnen eine phlegmonöse Entzündung ent­wickelt, welche regelmiissig zur Abscedirung führt.
Erscheinungen. In der Parotisgegend stellt sich, bald dicht unter dem Ohre, häufiger jedoch in der Nähe des unteren, hinteren Randes der Drüse eine Anschwellung ein und breitet sich in der Kegel auf die oberen Abschnitte des Halses aus. In dem Masse die Ge­schwulst zunimmt, ruft sie Athem- und Schlingbeschwerden hervor; der Kopf wird gestreckt und nach der gesunden Seite gehalten. Die Athem-beschwerde, vornehmlich inspiratorische Dyspnoe, nimmt oft einen so hohen Grad an, class Erstickung droht und zur Tracheotomie ge­schritten werden muss; dies pflegt namentlich der Fall zu sein, wenn beide Seiten leiden. Mit den Schlingbeschwerden verbindet sich die Gefahr der Schluckpneumonie. In der Kegel besteht auch leichtes Fieber.
Die Geschwulst erscheint anfangs hart und fest, schmerzhaft bei Druck auf dieselbe; allmälich Avölbt sich die Mitte derselben hervor und in 8—14 Tagen zeigt sich undeutliche Fluctuation in der Tiefe. Erfolgt nicht künstliche Eröffnung, so tritt in einigen Tagen Perforation ein. In der Regel erfolgt diese nach aussen, doch findet zuweilen ein Durchbruch in die Kachenhöhle statt, wobei die Gefahr entsteht, dass der flüssige Inhalt des Abscesses in die Trachea und Bronchien fliesst und eine tödtlich verlaufende Pneumonie veranlasst. In seltenen Fällen findet der Durchbruch nach innen und aussen statt. Aus der äusseren Wunde entleeren sich dann neben Eiter mit nekrotischem Material, Speichel, Futterpartikel und Wasser, und es kann zur Bildung einer S c h 1 u n d k o p f f i s t e 1 kommen.
Differentialdiagnose. Die grösste Aehnlichkeit hat das Leiden demnach mit der Parotitis und Anfüllung des Luftsackes. Von ersterer unterscheidet es sich durch die nicht auf diequot; Ohrspeicheldrüse allein
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84nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
beschränkte, sondern mehr diffuse Anschwellung; von der Luftsack­erkrankung durch den Verlauf, das Fieber und die Abwesenheit der sonstigen Erscheinungen jenes Leidens (S. 118).
Behandlung. Aus dem Gesagten geht hervor, dass eine recht baldige Eröffnung des Abscesses anzustreben ist. Sowohl die aus der Parotisverletzung hervorgehenden Speichelfisteln, als auch die mit der Verletzung der grossen Blutgefiisse verbundene Gefahr der Verblutung lassen die Anwendung scharfer Instrumente zu diesem Zwecke ungeeignet erscheinen. Doch hat schon Viborg auf ein ebenso einfaches, wie ge­fahrloses Verfahren aufmerksam gemacht, welches sich hierzu besonders eignet. Es bestellt darin, dass man auf der Höhe der Geschwulst, womöglich am unteren Ende der Parotis, nach vorangegangener Rei­nigung und Desinfection der äusseren Haut, diese und die darunter liegende Fascie mit einem Bistouri durchschneidet, was am gut ge­bremsten Pferde .auf keine Schwierigkeiten stösst. Nunmehr muss der Finger den weiteren Weg durch das lockere Bindegewebe, ev. durch die Ohrspeicheldrüse bis zu dem Abscesse bahnen. Hierzu bedarf es oft einiger Gewalt, und wenn man mit der anderen Hand gleichzeitig stossweise einen Druck auf die Geschwulst ausübt, unterscheidet der eingeführte Finger zuweilen an der Fluctuation die Stelle, wo der Ab­scess seinen Sitz hat. Auf einen neuen, kräftigen Vorstoss entleert sich der rahmartige, dickflüssige Eiter meist im hohen Bogen, so dass nicht nur der Operateur, sondern auch die Nachbarschaft auf 8—4 Meter in die Gefahr kommt von demselben getroffen zu werden. Sich selbst schützt man am sichersten, indem man seinen Stand an der Seite des Halses nicht verlilsst. Es kann nöthig werden, die Perforation in dieser Weise an beiden Seiten zu bewirken.
Mit der Entleerung des Abscesses fallen sowohl das Fieber wie auch die Athem- und Schlingbeschwerden; die Heilung erfolgt in 8—14 Tagen, zuweilen dauert der vollständige Abschluss derselben 3—(i Wochen. Durch feuchte Wärme (Priessnitz'sche Umschläge) lässt sich die Zertheilung der Geschwulst und Abschwellung fordern. Während dieser Zeit sucht man täglich den etwa stagnirenden Eiter durch Drücken und Ausspülen mit Carbol- oder Sublimatwasser zu ent­leeren. Eine weitere Behandlung ist in der Regel nicht erforderlich.
Dieses Vorgehen verdient um so mehr den Vorzug vor der Anwen­dung scharfer Instmmonte, namentlich des zu dem Zwecke empfohlenen Trokarts, als es bei der bestehenden Anschwellung unmöglich ist, sich anatomisch so genau zu orientiren, uia Verletzungen grösserer Blutgefasse
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Speichelsteine,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 85
vermeiden zu können, da die Lage derselben durch die Ent/Äindungs-geschwulst oft erheblich verändert ist.
4. Speichelsteine.
Lit.: Duschaneck, Monatsschrift für östr. Th. 1887. S. 125. Kleuch, Amer. rev. 1882. S. 359. Portal, Journ. de med. vet. 1852. Schumann, Gurlt u. Hertwig. 1. S. 20.
In den Ausfülmmgsgüngen der Speicheldrüsen, namentlich der Parotis bilden sich zuweilen Niederschläge in Gestalt von kleineren oder grösseren Steinen, welche beim Pferde und Rinde den Umfang eines Gänseeies erreichen können. Am häufigsten trifft man solche bei den Pflanzenfressern (Pferd, Esel, Rind und Schaf). Schumann fand einen Speichelstein beim Pferde, der 225,0 g wog, Stockfleth einen solchen von 405,0 g. Nicht selten bilden sich mehrere zu gleicher Zeit; die Gestalt derselben ist länglichrund, wo mehrere vorhanden sind, zeigen sie Flächen; ihre Farbe ist graugelb, ihre Oberfläche glatt, selten uneben. Bei den Pflanzenfressern bestehen sie nach Lasaigne ans Calcinmcarbonat 80—90n/o, Calciumphosphat .'5n/o und organischer Substanz 9—100/o. Beim Menschen und Fleischfressern enthalten sie vornehmlich Calciumphosphat.
Die nächste Veranlassung zur Bildung von Speichelsteinen werden oft Fremdkörper, welche von der Mündimg oder durch die verletzte Schleimhaut in den Speichelgang gelangten. Man findet oft auf dem Durchschnitt der Concremente, welche einen geschichteten Bau zeigen, Aehren, Grannen, Strohpartikel u. dgl. Durch Entkalkung gewinnt man die organische Substanz, welche grösstentheils aus Speichelköi— perchen und Bacterien besteht.
Erscheinungen. Erst nach Erlangung einer gewissen Grosse wird das Concrement bemerkt. Es giebt sich als eine harte, scharf begrenzte, wenig verschiebbare Geschwulst zu erkennen, welche meist an der Aussenfläche des Unterkiefers, dicht vor der Mündung des Ductus Stenonianus liegt. Zuweilen trifft man den Stein in der Nähe des hinteren Randes des Unterkiefers. Der Speichelgang pflegt hinter der Geschwulst ausgedehnt zu sein; wenn zugleich der Abfluss des Speichels aus der Drüse abgesperrt wird, zeigt sich diese angeschwollen. Entzündliche Erscheinungen fehlen meist, doch kommen solche vor und können zur Abscedirung führen.
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86nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
Die Behandlung besteht in operativer Beseitigung der Concre-mente. Kleinere lassen sich zuweilen durch den Ausfuhrungsgang drängen, der nöthigenfalls etwas gespalten wird. Grössere entfernt man durch einen Einschnitt in den Gang. Hierzu empfiehlt sich ein Querschnitt, welcher leichter heilt und nicht so leicht zu Speichel­fisteln führt wie ein Lilngsschnitt. Durch sorgfältiges Heften der Wunde und Entziehung von Futter während der nächsten 24—48 Stunden wird die Heilung begünstigt.
5. SpeicMflstel.
Lit.! Rcynal, Her. Eep. II. S. 332. F. Günther, Han. Ber. 1872. S. 88. Harms, das. 1873. S. 74. Siedamgrotzky, Dresd. Ber. 1874. S. 03. Wüstefeld, Gurlt u. Hertwig. 4. S. 263. Linden ber g, das. S. 471. Haubner, das, Bd. 15. S. 248. Wannowius, das. Bd. 23. S. 236. Delamotte in Lab at, Rev. vet. 1887. S. 257. Bris sot, Recueil 1887. S. 487. Andre, Journ. de Med. vet. 1851. Diekens, The Veterinarian. 1852. Hanns, Her. Rep. 1891. S. 1.
Verletzungen der Speicheldrüsen und deren Ausfuhrungsgänge heilen oft unvollständig, indem der continuirlich ausfliessende Speichel die Granulation auseinander drängt und so den Abschluss der Heilung verhindert. Schliesslich verwächst das Drüsenepithel mit dem der äusseren Haut und aus der so gebildeten Oeffnung fliesst dauernd Speichel ab (Speichelfistel).
Man muss Speicheldrüsen- und Speichelgangfisteln unter­scheiden; die letzteren gehen meist vom Ductus Stenonianus aus. Wunden und andere Verletzungen sowie Abscedirungen geben zur Bil­dung dieser Leiden Veranlassung. Für den Gesundheitszustand der Thiere bleiben sie ohne Bedeutung; der namentlich beim Fressen reich­licher ausfliessende Speichel geht für den Zweck der Verdauung ver­loren, verklebt die Haare und bringt sie zum Ausfall, wodurch ein Schönheitsfehler entsteht. Für den Gesundheitszustand der Thiere ist die Fistel mit Nachtheilen nicht verbunden; doch stösst die Heilung auf Schwierigkeiten; Speicheldrüsen fisteln heilen leichter als Speichelgangfisteln, zuweilen ohne alles Zuthun.
Behandlung. Um Verwachsung herbeizuführen, ätzt man die Fistel mit Höllenstein, Salpetersäure, conc. Carbolsäure (Brissot) oder man applicirfc das Glüheisen. Der dadurch hervorgerufene Schorf soll den Speichelabfluss so lange verhindern, bis die Granulation und Ver-
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Speichelfistel.
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narbung zum Abschluss gelangt ist. Bisweilen gelingt das Verfahren nicht mit dem ersten Versuche und muss wiederholt werden.
Weniger leicht gestaltet sich die Behandlung der Speichelgang-fisteln. Vorbedingung für die Heilung bildet die Gegenwart des nor­malen Abflussweges für den Speichel. Oft besteht Verwachsung des Kanals zwischen der Fistel und seiner natürlichen Oeffnung. Hat man sich hiervon durch Anwendung einer Sonde überzeugt, so versuche man zu­nächst die Durchgilngigkeit desselben wieder herzustellen. Lindenberg gelang dies durch Einführen einer starken Sonde. Nachdem so der Kanal freigelegt ist, sucht man die Fistelwand durch Aetzmittel oder das Glüheisen anzufrischen. Die hierauf folgende entzündliche Schwel­lung kann nunmehr einen definitiven Verschluss herbeiführen. Noch mehr gesichert wird die Heilung durch Anlegung einer Naht. Hierzu empfiehlt sich die sog. Schnürnaht. Mit der stark gekrümmten Nadel wird ein Faden rund um die Fistelöffnung durch die äussere Haut ge­führt und unter Anziehen desselben die Oeffnung zum Verschluss gebracht.
Gelingt die Freilegung des natürlichen Ausführungsganges zur Maulhöhle nicht, so muss ein künstlicher Abfluss hergestellt werden. Stockfleth empfiehlt hierzu, den Speichelgang hinter der Fistel frei zu präpariren, dann mit einem Trokart die Wange in schräger Rich­tung zu durchstossen. In diesen Kanal wird das losgelöste Stück des Speichelganges eingeschoben und mit Nadel und Faden hier be­festigt. Hering legte mit Hülfe des Trokarts eine Schnur durch die Wange, deren Enden im Maulwinkel zusammengebunden wurden. Nachdem die Schnur einige Wochen gelegen, entfernte er sie und verschloss die Fistelöffnung durch eine Naht. Beim Menschen hat man (Kaufmann) in ähnlicher Weise ein dünnes Drainrohr oder einen Blei­draht benutzt. Labat hielt die künstliche Oeffnung beim Pferde mit einem kleinen Wergbausch frei und erzielte so die Heilung.
Gelingt der Verschluss auf diesem Wege nicht, so bleibt für die Therapie nur die Vernichtung der Drüsenthätigkeit übrig. Dazu dienen folgende Methoden:
1. Die Unterbindung des Speichelganges oberhalb der Fistel (Viborg). Zwischen Fistel und Drüse sucht man den Ausführungsgang auf und unterbindet denselben mit einem nicht zu dünnen Faden. Das Thier muss hierauf 24—48 Stunden fasten und erhält dann zunächst flüssige Nahrung. Es entsteht bald nach der Unterbindung eine An­schwellung (Tumor salvialis), worauf die Drüse atrophirt. Nicht selten aber zerreisst die Unterbindungsstelle, wesshalb kein zu dünner Faden gewählt werden darf.
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88nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
2.nbsp; Durchschneidung des Speichelganges in seiner Querrich­tung, Nachdem schon Reynal und F. Günther dieses Verfahren er­probt hatten, wurde es von Gerlach von neuem empfohlen. Auch Siedamgrotzky und Harms konnten die günstige Wirkung desselben experimentell bestätigen. Sie beruht darauf, dass der offen stehende Gang durch die entzündlichen Processe zum Verschluss gebracht wird, worauf die Drüse atrophirt. Zuweilen lässt jedoch auch diese Methode im Stich, wie ich mich überzeugen musste.
Ganz zutreffend hat bereits Harms darauf hingewiesen, dass das Er-gebniss dieser Versuche an gesunden Thieren noch keineswegs die Wirksam­keit des Verfahrens an kranken beweise. Schon E e y n a 1 konnte mittelst Durehschneidung bei letzteren nicht immer Verwachsung des Ganges erzielen. Es darf nämlich nicht ausser Acht gelassen werden, dass bei der Speichel­gangfistel die Ausmündung des Ganges meist verschlossen ist.
Der Verschluss des Ganges führt allmälich zur Atrophie der Parotis. Ich sah unlängst ein Pferd, dessen rechter Stenon'scher Gang bis Daumen­dicke erweitert und ohne Mündung war; die Drüse erschien vollständig geschwunden, indem die Eegio parotidea eine auffällige Vertiefung zeigte.
3.nbsp; Injection scharf reizender Flüssigkeiten in die Drüse. Haubner empfiehlt hierzu Liquor. Amm. canst. 10—15,0. Später wurde Tinct. Jodi, Creosot, Höllenstein u. s. w. benutzt. Bassi injicirte 30,0 Alcohol, Labat folgende Mischung: 20,0—40,0 Jodtinctur, 1,0 Jod-kalium und 60,0 Wasser, Delamotte 50,0 Tinct. Jodi. Concentrirte Jodtinctur bewirkt in der Regel eine heftige Entzündung der Drüse, zuweilen mit Ausgang in Nekrose; desshalb sind verdünnte Lösungen (Labat) von Jodjodkalium vorzuziehen. Die Injection kann erforder­lichen Falles wiederholt werden. Abscedirungen folgen auch hierbei häufig, stören indess den Erfolg in keiner Weise.
6. Tumoren der Speicheldrüsen.
Ueber die Natur der bei Thieren in den Speicheldrüsen auftretenden Neubildungen liegen bisher nur spärliche und wenig genaue Unter­suchungen vor. Beim Menschen überwiegen die bindegewebigen Tumoren, bes. Sarkome, Fibrome und Enchondrome. Die bei Schimmeln hier nicht selten vorkommenden „Melanosenquot; stellen meist Melanosarkome dar. Beim Rinde treten hier am häufigsten Aktinomykome auf.
Ueber die Ursachen dieser Neubildungen weiss man bisher ebenso wenig wie über die Entstehung der Tumoren überhaupt. Die Ent-wickelung der Enchondrome wurde von Cohnheim auf Partikel von
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Tumoren der Speicheklrüsen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;89
den knorpeligen Abschnitten des Kiemenbogens zurückgeführt. Die aktinomykotischen Neubildungen beruhen auf Infection (S. 90).
Erscheinungen. Eine scharf begrenzte Beschaffenheit, das Fehlen entzündlicher Erscheinungen und die langsame Entwickelung lassen nur selten Zweifel über die Diagnose Tumor aufkommen. Die Natur desselben wird erst in der Regel durch die mikroskopische Untersuchung bestimmt. Heber Aktinomykome vgl. S. 90.
Die Behandlung kann selbstverständlich nur eine operative sein. Kleinere, scharf umschriebene Geschwülste beseitigt man in einfacher Weise mit Messer und Schere. Durch sorgfältiges Heften und zweckmässige Wundbehandlung können Speichelfisteln vermieden werden.
Grössere und ausgebreitete Tumoren lassen sich nur mit der ganzen Drüse entfernen. Die totale Exstirpation der Parotis erfolgt jedoch nicht ohne Schwierigkeiten, daher entschliesst man sich zu derselben nur im Nothfalle, nainentlicli wenn Athembeschwerden durch den Tumor hervorgerufen werden, oder wenn es sich um be­sonders werthvolle und nicht schlachtbare Thiere handelt. Leblanc soll die Operation zuerst ausgeführt haben, und zwar sowohl zur Be­seitigung von Tumoren, als auch zur Heilung von Speichelfisteln. Die Schwierigkeiten liegen in der Nähe grösserer Gefässe und Nerven. Sowohl die Carotis wie auch die Jugularis mit ihren Aesten und die grösseren Nervenstämme (N. facialis) müssen bei der Operation um­gangen werden. Man sorge daher für die nüthigen Instrumente zur Unterbindung, sowie für genügendes Licht. Dass man ferner nach den allgemeinen Regeln der Antisepsis vorgeht, versteht sich von selbst. Zunächst wird ein Hautschnitt vom oberen bis zum unteren Ende der Parotis geführt. Soweit die äussere Haut mit der Geschwulst verwachsen ist, nimmt man sie mit fort. Bei grösseren Thieren empfiehlt sich senkrecht zu diesem und etwa von der Mitte desselben ausgehend einen zweiten Hautschnitt nach hinten zu führen. Hierauf spaltet man die unter der ilusseren Haut gelegene Fascie und prilparirt dieselbe, so gut es geht, von der Parotis ah. Nachdem auf diese Weise die Drüse freigelegt ist, beginnt die Lostrennung der­selben von ihrer Unterlage an ihrem unteren Ende, um in der Lage zu sein, etwaige Blutungen aus grösseren Gefässen leichter zu stillen. Es wird empfohlen, zu diesem Zweck einen Faden um die Carotis zu legen, der im Nothfalle zur Unterbindung dieses Ge-
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#9632;90nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
fässes dient. Wo hinreichend, d. h. 2—3 Schieberpincetten zur Hand sind, erscheint diese Vorsichtsmassregel überflüssig. Mit Rücksicht auf die hierbei leicht eintretende Verletzung des Nervus recurrens sucht man die Operation namentlich bei werthvollen Pferden zu ver­meiden, Soweit möglich erfolgt die Lostrennung der Drüse mit stumpfen Instrumenten (Schere) unter Beihülfe des Fingers. Die frei­gelegten Gefässe werden unterbunden, die grösseren doppelt, sodann durchschnitten. Auf diese Weise und unter Anwendung von Schwämmen oder Tupfern behält man einen klaren Ueberblick über das Operations­feld und kann die Drüse ohne gefährliche Blutung entfernen. Nachdem dies geschehen, wird die Wunde mit antiseptischen Flüssigkeiten ge­reinigt, etwas Jodoform aufgestreut, mit einem Jute- oder Holzwoll­wattebausch bedeckt und geheftet. Nach 24—48 Stunden werden die Hefte gelöst, die Verbandstoffe fortgenommen, die Wunde abgespült, mit Jodoform und Tannin bestreut und offene Wundbehandlung eingeleitet, welche in 3—4 Wochen zur Heilung führt. Um der äusseren Luft möglichst freien Zutritt zu der ganzen Wundoberfläche zu gewähren, lege man erforderlichen Falls mit Hülfe von einigen Heften die Wund­lappen zurück und bringe in etwa vorhandene Vertiefungen Holzwoll­watte, welche das Wundsecret schnell aufsaugt. Die üussere Haut muss soweit gespalten werden, dass der Abfluss des Wundsecrets leicht erfolgt. Auch kann die Anwendung eines Drainrohrs nützlich werden. Erscheinen in den nächsten Tagen einzelne Stellen der Wunde feucht, so betupfe man sie mit Watte und bepudere sie mit Jodoform und Tannin (1:3). Wo sich ein trockener Schorf gebildet hat, lasse man die Wunde unberührt; trockene, der Unterlage fest
aufUe
-oquot;
nde Schorfe dürfen niemals entfernt werden.
7. Aktinomycesgeschwülste. Aktluomykome.
Lit.: Bollinger, Deutsch. Zeitschr. f. Thiermed. 3. S. 334. Johne, das. 7. S. 141. Bang, das. 10. S. 249. Dunker, das. S. 236. Siedamgrotzky, Dresd. Ber. 1877. S. 28. Esser, Berl. Th. Woch. 1889. S. 307. Preusse, das. 1890. S. 17. Imminger, Adam's Wochenschr. 1888. S. 143.
Beim Rinde, seltener bei Pferden, Schweinen und Fleischfressern kommen an verschiedenen Körperstellen, besonders am Kopfe und den oberen Abschnitten des Halses Geschwülste vor, deren infectiöse Natur erst in neuerer Zeit festgestellt wurde. Nachdem Bollinger 1877 zuerst auf diese Krankheit aufmerksam gemacht und den „Strahlen­pilzquot; (Aktinomyces) als Infectionserreger bezeichnet hatte, fand
.
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Aktinomykome.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 91
seine Annahme bald allseitige Bestätigung und eingehende Begründung. Johne, Siedamgrotzky, Bang, Esser, Preusse u. A. haben sich um die Lösung dieser Frage besondere Verdienste erworben. Nach Johne werden diese Geschwülste gegenwärtig allgemein als Aktino­mykome bezeichnet.
Lieblingssitz bildet der Kopf des Rindes. Hier waren bereits zwei Stellen durch ihre typische Erkrankung bekannt, niimlich die hintere Wand der Rachenhöhle mit den sog. Rachenlymphomen und der Ober- wie Unterkiefer bei dem sog. Winddorn, Dazu kommt als dritte die Zunge mit ihrer chronischen Entzündung (Holzzunge, Makroglossie). Schliesslich wurde die Aufmerksam­keit auf die in der Parotisgegend beim Rinde häufig auftretende Geschwulstbildung gelenkt, welche sich ebenfalls als ein Aktinomykom erwiesen hat. In der Zunge finden sich auch andere Ursachen für die Entstehung des genannten Leidens (S. 10). Am meisten Interesse besitzen die parotidealen und retropharyngealen Aktinomykome, da sie einer operativen Behandlung zugänglich sind, was bei den gleich­artigen Erkrankungen des Kieferknochens aus naheliegenden Gründen nicht der Fall ist.
In den genannten Weichtheilen entwickeln sich langsam, aber gleichmässig fortschreitend nach Art der „Tumorenquot; zunächst scharf begrenzte Anschwellungen, welche nach einiger Zeit an verschiedenen Stellen Fluctuation zeigen, aufbrechen und eine eiterähnliche Flüssig­keit entleeren, in welcher sich bei genauer Betrachtung sandkorn-grosse, schwefelgelbe, harte Körnchen finden. Die Geschwulstmasse besteht grösstentheils aus derbem Bindegewebe; seltener zeigt sie eine zellenreiche Beschaffenheit. Auf ihrer Schnittfläche lassen sich zahlreiche bis erbsengrosse Herde nachweisen, die eine schmierige, eiterähnliche Flüssigkeit enthalten, in welcher sich die erwähnten Körnchen finden. Zuweilen confluiren diese Herde und bilden etwa wallnussgrosse Abscesse. Durch Ausspülen entleert sich der Inhalt und die Geschwulst zeigt den charakteristischen spongiösen Bau (Bollinger). Unter dem Mikroskope erkennt man, dass die gelben Körnchen aus einem Conglomerate von Aktinomyces bestehen, welche durch ihren strahlenförmigen Bau ausgezeichnet sind, woher auch ihr Name stammt.
Ohne Zweifel handelt es sich bei diesen Neubildungen um eine Infection mit dem genannten Parasiten, der wahrscheinlich mit dem Futter aufgenommen wird und durch zufällige oder durch die stachelige Beschaffenheit der Futterstoffe bedingte quot;Verletzungen einen Eingang
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Krankheiten des Kopfes.
in die Schleimhaut und tiefer liegende Gewebe findet. Schon der Umstand, dass vornehmlich Pflanzenfresser an dem Leiden erkranken, spricht dafür, dass auf diesem Wege die Infection erfolgt. Johne hat auch Pflanzenstoffe mit Aktinomyces besetzt in den Tonsillen des Schweines direct nachgewiesen, und Bang die Krankheit in grosser Verbreitung gefunden, .wo viel Gersteuspreu gefüttert wurde. Nach Imminger sollen Aphthenepizootien die Infection begünstigen, denn er fand, dass hiernach die Aktinomykose in grösserer Verbreitung auftrat.
Neuere Beobachtungen haben Fig. 3(i.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;auch das Vorkommen des Leidens
bei Pferden und Schweinen sicher­gestellt. Bei letzteren fand man (Dunker u. A.) die Muskulatur mit Aktinomyces durchsetzt. Bei Pferden wurde das Leiden in den Lymphdrüsen des Kopfes sowie auch in der äusseren Haut con-statirt. Ich selbst sah bei Pferden Aktinomykome von den Zalmalve-olen ausgehend eine Epulisform darstellen.
Findet sich die Krankheit auch in ganz Deutschland, so tritt die­selbe doch in gewissen Gegenden
in grösserer Verbreitung auf. Nach
Aktinomykom der Parotisgegcud beim Ochsen nach einer Photograpliie (Esser).
Preusse litten die Rindviehbe-
stände in den Marienburger und Elbinger Niederungen besonders stark; über 20 0/o der Thiere waren mit der Krankheit behaftet. Man vermuthet, dass namentlich durch Uebei-schwemmungeu mit Meerwasser die Verbreitung unterstützt wird.
Erscheinungen. In der Parotisgegend zeigt sich eine kleine, anfangs scharf begrenzte, schmerzhafte, mehr oder weniger harte Geschwulst, von der aus sich in der liegel eine strangförmige Ver-dickung in die Tiefe fortsetzt. Nachdem dieselbe alimälich grosser geworden, stellt sich an der einen oder anderen Stelle Fluctuation ein, welche namentlich an pigmentloser Haut den gelblichen Inhalt durchschimmern lässt. Auf Einstich entleert sich eine dickflüssige, schleimige Eitermasse, die bei genauer Untersuchung die oben beschrie­benen gelben Körner nachweisen lässt. Wenn diese Entleerung nicht
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Aktinomykome.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 93
erfolgt, so pevforirt die Geschwulst von selbst und ergiesst ihren Inhalt. Gerade diese Neigung, spontan aufzubrechen, soll nach Bang dem Leiden eigenthümlich, daher für die Diagnose wichtig sein.
Sehr selten erfolgt hierauf unter narbiger Schrumpfung Heilung. In der Regel schreitet die Wucherung fort, um, je nach ihrem Sitz früher oder später functionelle Störungen, Schlingbeschwerden, Athem-noth zu veranlassen und unter fortschreitender Abmagerung schliesslich zum Tode zu führen.
Ueber die mit den Rachenaktinomykomen verbundenen Stö­rungen vergleiche man bezüglich der Zunge S. 19, des Kiefers S. 107. In der Parotisgegend können die Geschwülste einen erheblichen, bis fast kindskopfgrossen Umfang erreichen. Darüber vergehen indess viele Monate.
Die Beurtheilung des Leidens hängt vornehmlich davon ab, ob es gelingt, die Neubildung und ihre Erreger vollständig zu beseitigen; im Allgemeinen gestaltet sich die Prognose ungünstig, weil dies meist nicht möglich ist. Nur da, wo rechtzeitig, d. h. bevor die Infection und Wucherung eine grössere Ausbreitung erlangt hat, eingegriffen wird, kann dauernde Heilung erzielt werden. Bei Erkrankung der äusseren Haut oder der Subcutis gelingt dies leichter als bei Aktinomykomen in der Tiefe, im pharynx oder der Zunge. Am wenigsten Aussicht bieten die Erkrankungen des Knochens, des Unter- oder Oberkiefers, welche nach Esser u. A. von den ersten Backzähnen ausgehen.
Man vergleiche das an der betreffenden Stelle hierüber Gesagte.
In Bezug auf die Aktinomykome der Parotisgegend sind die Praktiker darüber einig, dass nur bei frischer Erkrankung etwas zu erreichen ist. Esser, dem ausgedehnte Erfahrungen auf diesem Ge­biete zur Seite stehen, spricht sich ziemlich skeptisch aus, während Preusse bei 45 Thieren 41 Heilungen gesehen haben will. Es kommt vor allem darauf an, frühzeitig, so lange die Geschwulst nicht erheb­liche Ausdehnung gewonnen hat, nicht über handgross geworden und noch circumscript ist, operativ einzugreifen; später treten auch nach sorgfältiger Entfernung des Tumors regclmässig Uecidive auf, die sich in jedem Falle als unheilbar erweisen.
Behandlung. In präservativer Hinsicht würde Vermeidung von verdächtigen Futterstoffen anzuempfehlen sein, deren Durchführung jedoch nicht nur den wirthschaftlichen Interessen widerspricht, sondern geradezu unmöglich ist, weil man die schädlichen, d. b. mit Aktino-
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94nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
myces verunreinigten Stoffe nicht kennt. Dagegen würde man dafür sorgen können, dass die aus den Geschwülsten entleerten Massen und diese selbst nicht mit dem Futter der Thiere in Berührung kommen und der Infectionsstoff im Stalle verschleppt wird. Dem Operateur dürfte auch für seine Person Vorsicht anzurathen sein. Obgleich ein sicherer Nachweis derartiger Uebertragungen bisher nicht bekannt ist, so wurde doch das Vorkommen aktinomykotischer Erkrankungen beim Menschen von vielen Seiten festgestellt. Darauf würde auch der Besitzer und das Wiirterpersonal aufmerksam zu machen sein.
Die Versuche mit Injection von Jod oder Carbolsäure in die Geschwulst haben bisher kein vertrauenerweckendes Eesultat ergeben (Esser). Preusse will einmal nach intraparenchymatöser Anwendung von Jodtinctur Heilung gesehen haben. Versuche mit dieser Be­handlungsmethode dürften auf Fälle zu beschränken sein, wo aus ana­tomischen oder sonstigen Gründen das Messer nicht in seine Rechte treten kann.
Zum Zwecke der Operation lässt Esser das Thier in der bekannten Weise niederlegen, in der Seitenlage den Kopf auf die Hörner stellen und die Nase fest herunterdrücken. Beim Ausschälen sucht Esser stets im gesunden Gewebe vorzugehen und die Geschwulst mit den Fingern unter Beihülfe von Messer und Schere möglichst vollständig zu ent­fernen. Dabei sind grössere Blutungen leicht zu vermeiden; die Ge-fässe eventuell zu unterbinden. Zur Stillung parenchymatöser Blu­tungen empfehlen Esser und Preusse das Glüheisen und mit Recht, weil mit demselben zugleich etwa zurückgebliebene Infectionsstoffe zerstört werden. Nach Ausspülung der Wunde mit Carbolwasser wird die Höhle mit einem aseptischen Stoff (Salicylwatte, Esser) aus­gefüllt und die Haut geheftet. Nachdem am folgenden Tage die Hefte entfernt sind, besteht die Nachbehandlung in Ausspülung der Wunde mit Carbolwasser oder Bestreuen mit Garbo pulveratus (Esser), also in offener Wundbehandlung. Wo sich Recidive zeigen, erscheint die Wiederholung der Operation meist nutzlos.
T. Krankheiten des Gesichts und Unterkiefers.
Unter Gesicht soll hier jener Abschnitt des Kopfes aufgefasst werden, welchem der Oberkiefer, das Jochbein und Thrilnenbein als Grundlage dienen.
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Frakturen der Gesichtsknochen.
1. Frakturen der Gesichtsknochen.
Brüche der Oberkieferbeine kommen bei der geschützten Lage dieser Knochen selten vor. Am häufigsten entstehen sie bei Zahnopera­tionen (Pferd); bei Hunden in Folge heftigen Beissens, seltener durch Einwirkung ilusserer Gewalten, wie Hufschläge oder Gegenrennen. Bei Zahnoperationen geben plötzliche Bewegungen des Thieres Veranlassung, namentlich, wenn am stehenden Thier operirt wird und der Operateur den heftigen Bewegungen des Kopfes mit der angelegten Zange nicht folgt. Auch kann unvorsichtiges Lockern (S. 55) des Zahnes mit der Zange zu Brüchen des Oberkieferbeines führen.
Erscheinungen. Anschwellung, Speicheln, mangelhafte Futter-aufnalnne und Schmerzen beim Kauen weisen zunächst auf einen solchen Bruch hin. Bei genauer Untersuchung finden sich Backenzähne ge­lockert und das Zahnfleisch verletzt. Zuweilen lässt sich auch Crepi­tation nachweisen.
Die Beurtheilung hängt in erster Linie davon ab, ob die Fraktur eine subcutane oder complicirte ist. Bei ersterer tritt regelnnissig in 3 Wochen Heilung ein, bei letzterer bleibt diese zwar ebenfalls nicht aus, erfordert jedoch erheblich längere Zeit. Complicirt wird der Bruch nicht allein durch eine Verletzung der äusseren Haut, sondern auch der Schleimhaut des Maules und des Zahnfleisches.
Die Behandlung subcutaner Brüche verlangt nur Regelung der Diät, weiches Futter, um dem Thiere das Kauen zu ersparen, bezw. zu erleichtern. Gelockerte Zähne hüte man sich gleich auszuziehen, weil dadurch leicht aus dem einfachen ein complicirter Bruch wird. Wenn das Zahnfleisch erhalten und die Wurzeln nicht freigelegt sind, werden sie wieder fest. Durch Verletzungen der äusseren Haut complicirte Brüche der Oberkieferbeine müssen mit den Hülfsmitteln der Anti­sepsis behandelt werden. Ist bereits Eiterung vorhanden, so suche man die Wunden so gut als möglich rein zu halten und entferne die losen Knochensplitter. Gleiches erfordern die durch Verletzung des Zahnfleisches complicirton Brüche. Auch bei weichem Futter gehen die Thiere in ihrem Ernährungszustande bald zurück, desshalb lassen ökonomische Rücksichten bei schlachtbaren Thieren die Tödtung oft der Heilung vorziehen.
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96nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
Bei einer Vollblutstute sah ich einen Querbruch der Oberkiefer­beine unmittelbar über den Wurzeln der Schneidezähne. Der Bruch war durch Fallen auf das Maul entstanden, wobei sämmtliche Schneide­zähne aus ihrer Lage gedrängt, nach unten und hinten gegen die Zunge gerichtet waren. Die Reposition gelang an dem bereits mehrere Tage alten Bruche nicht sogleich, wurde jedoch dadurch erreicht, dass der Wärter nach meinen Anweisungen täglich einen Druck auf die dislocirte Zahnreihe ausübte. Sobald dieselbe mit der Eeibefläche der Unterkiefersclmeidezähne wieder in Berührung getreten war, ging die Reduction unter der Wirkung des Kauens ohne Hülfe weiter von statten und erfolgte vollständige Heilung.
Brüche der Jochbeine verhalten sich nach ihrem Sitze ver­schieden; am Jochbogen haben sie dieselbe Bedeutung wie Frakturen am Augenbogenfortsatz des Stirnbeines und Jochfortsatz des Schläfen­beines (vgl. diese). An den übrigen Abschnitten des Jochbeines werden dieselben dadurch bedenklich, dass sie die Anheftungsstellen der Kau­muskeln ablösen oder die Oberkieferhöhle öffnen. In letzter Be­ziehung gilt von ihnen das vom Stirnbein als Decke der Stirn­höhle Gesagte. Durch Lostrennung der Insertion der Kaumuskeln ent­stehen nicht nur Störungen in der Futteraufnahme, sondern die ab­getrennten Fragmente werden durch den Zug dieser Muskeln dislocirt und lassen sich nicht reponiren, wodurch die Heilung erschwert wird.
Erscheinungen. Die Erkennung der durch äussere Gewalten, Hufschhig etc. entstandenen Frakturen des Jochbeines bietet nur dann Schwierigkeiten, wenn bereits starke Anschwellung besteht. Sobald diese nicht phlegmonöser Natur oder nachweislich durch Neubildungen oder Erkrankung der Oberkieferhöhle bedingt ist, muss dieselbe stets den Verdacht auf einen Bruch erwecken. Erhebliche Kaubeschwerden unterstützen den Verdacht. Ist die Oberkieferhöhle freigelegt oder die Jochleiste verletzt, so kann über die Gegenwart des Bruches kein Zweifel bestehen. Verletzungen der Alveoleu der obersten Backen­zähne, sowie umfangreiche Lostrenuung der Insertion der Kaumuskeln geben zu Störungen in der Fufcteraufnahme Anlass.
Subcutane Frakturen des Jochbeines, die allerdings nicht oft vorkommen, heilen regelmässig und schnell. Auch die complicirten Brüche dieses Knochens bieten der Heilung nur dann grössere Schwierig­keiten, wenn Zahnalveolen freigelegt sind und eiterige Alveolarperio-stitis eintritt.
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Frakturen des Unterkiefers.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;97
Die Behandlung der suboutanen Brüche erfordert nur Regelung der DiEit. Complicirte heilen am schnellsten unter antiseptischem Vor­gehen, aber auch ohne dieses. Bei eitriger Alveolarperiostitis müssen die betreuenden Zähne entfernt worden. Zur Reposition der durch den Zug des Kaumuskels dislocirten Bruchfragmente wurde empfohlen, die Myotomie des Muskels vorausgehen zu lassen; dabei kommt jedoch nicht viel heraus. Denn bei subeutanem Bruche läuft man hierdurch Gefahr, den Bruch zu einem complicirten zu machen; war derselbe aber bereits complicirt, so pflegt auch nach erfolgter Myotomie das betref­fende Knochenstück exfoliirt zu werden. Im Uebrigen muss die Be­handlung nach den allgemeinen Grundsätzen geleitet werden. In Be­zug auf die Oberkieferhöhle gilt dasselbe, was bezüglich der Brüche des Stirnbeins zur Stirnhöhle gesagt wurde (S. 180).
Die Erkrankungen der Oberkieferhöhle haben bereits bei den Leiden der Nasenhöhle Berücksichtigung gefunden (S. 67).
2. Frakturen des Unterkiefers.
Lit.: Gielen, Gurlt u. Hertwig. 24. S. 376. Vormong, das. 8. S. 4. Mador, The Veterinarian. 1844. Hering, Her. Rep. 15. S. 4. Passerini, Jahres­bericht. 1883. S. 109. Popow, das. 1884. S. 112. Delamotte, das.
1887. S. 84.
Von den Kopf'knochen ist der Unterkiefer am häufigsten Frak-turirungen ausgesetzt und zwar bei allen Thierarten, am meisten aber beim Pferde. Aeusseve Gewalten, Hufschläge, Niederstürzen u. s. w. geben hierzu Anlass; doch will man diese Brüche auch durch heftige Wirkung der Kaumuskeln entstehen gesehen haben; namentlich, wenn bei gehirn­kranken Pferden das Maulgatter angewendet wurde, oder bei gleich­zeitiger Application von Maulgatter und Bremse. Hertwig meint, dass unter diesen Umständen die Thiere ausser Stande sind, die Ge­walt der Schliesser des Maules richtig zu schätzen. Hering beobachtete einen Bruch des Unterkiefers beim Pferde durch ungeschicktes Ab-stossen der Zähne. Bei Zahnoperationen können Unterkieferbrüche unter denselben Umständen entstehen, wie an den Oberkieferbeinen (S. 95).
Bei Hirtenhunden kommen Brüche des Unterkiefers dadurch zu Stande, dass grösserc Thiere in dem Moment ausschlagen, wenn der Hund das Hinterbein derselben erfasst hat.
Bald ist der Bruch subeutan und auf einen Ast des Unterkiefers beschränkt; nicht selten aber brechen beide Aeste, mit Vorliebe am
Möller, Specielle Chirurgie lür TUierärzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
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98nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
zahnlosen Halse des Knochens. Vormeng beobachtete eine Trennung beider Aesto in der Mittellinie, ein Bruch, der bei Fohlen häufiger vorkommt als bei älteren Pferden. Auch sind Brüche am Schneide­zahnrande des Unterkiefers nicht selten und können sowohl durch hef­tiges Beissen wie auch durch Hufschläge, Niederstürzen oder Gegen­rennen veranlasst werden. Weniger häufig kommen am Gelenk- oder Kronenfortsatz Brüche vor, doch wurden auch solche beobachtet.
Erscheinungen. Bei Querbrüchen am Körper des Knochens hängt das Kinn mit den Schneidezähnen des Unterkiefers schlaff herunter, zeigt sich abnorm beweglich und lässt Crepitation nachweisen. Brüche am Kronen- und Gelenkfortsatze oder in deren Nähe behindern das Kauen oft in hohem Grade und können mit Entzündung des Unter-kiefergelenkes verwechselt werden. Die vom Kronenfortsatze abge­trennten Fragmente werden durch den Schläfenmuskel nach oben dis-locirt und sind hier durch Palpation nachzuweisen.
Beurtheilung. Brüche in der Medianlinie heilen regelmilssig und vollständig in 3—5 Wochen, ebenso subcutane Brüche eines Astes. Doppelseitige Brüche bieten der Behandlung grössere Schwierigkeiten, auch stören sie das Kauen nicht selten, so class die Thiere wäh­rend der Heilung in ihrem Nährzustande erheblich leiden, was bei schlachtbaren Thieren wohl zu erwägen ist. Querbrüche des Körpers lassen sich schwer fixiren und führen zuweilen zur Bildung eines Callus fibrosus mit Senkung des Zahnhöhlenrandes und Hervorhängen der Zunge (Fig. 30). Am bedenklichsten sind Frakturen am Gelenk­fortsatz oder in dessen Nähe. Brüche des Kronenfortsatzes heilen, wenn auch mit Bildung eines Callus fibrosus.
Die Behandlung erfordert bei einfachen und einseitigen Brüchen nur weiches Futter für das Thier. Dislocirte Bruchstücke müssen reponirt werden. Solange der Bruch auf einen Ast des Knochens be­schränkt bleibt, verlangt die Retention ineist keine besonderen Hiilfsmittel. Um so schwieriger gestaltet sich diese bei doppelseitigem Bruch. Prinz empfahl eine keilförmige Schiene aus Holz, welche genau in den Kehl­gang des Thieres passt, mit Kiemen am Halse und Kopfe zu befestigen. Bei kleinen und werthvolleu grösseren Thieren lässt man solche aus Guttapercha herstellen, welche in aufgeweichtem Zustande in den Kehlgang gepresst wird, und so einen genauen Abdruck desselben bildet. Das hintere, breitere Ende dieser Schiene muss sich gegen
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Frakturen des Unterkiefers.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 99
den Hals des Thieres stützen. Eine andere Vorrichtung stammt von Mazza. Girard construh-te einen Apparat, der aus zwei., im spitzen Winkel — der Richtung des hinteren Randes des Unterkiefers entsprechenden — verbundenen Eisenstilben besteht und an der Ver­einigungsstelle eine löffelförmige Verbreiterung zur Aufnahme des Kinnes trägt. Die entgegengesetzten Enden sind mit Ringen versehen, durch welche der Apparat an der Halfter oder einem Halsriemen befestigt wird. Etwa in der Mitte desselben liegt ein Kiemen, welcher über die Nase des Thieres geführt wird, um dem unteren Theilo der Schiene eine feste Lage zu geben.
Fig. 37.
Unvollkommen geheilte Fraktur am Körper des Unterkiefers.
Statt der Eisenstäbe benutzte Marrel eine aus Eisenblech her­gestellte, rinnenförmige Schiene, welche sich dem hinteren Hände des Unterkiefers genau anpasst. An jeder Seite befinden sich 4 Kinge zur Befestigung des Apparates an die Halfter sowie auf der Nase und Stirn des Thieres.
Brüche am zahnlosen Theile des Unterkiefers lassen sich zuweilen mit Hülfe der Zähne fixiren, indem man um diese einen Draht legt. Delamotte bohrte zu dem Zwecke ein Loch zwischen den ersten und zweiten Backenzahn, um von hier den Draht um die Schneidezähne zu führen. Nachdem der Draht 3J/a Monate gelegen hatte, war der Splitter­bruch geheilt.
Bei Brüchen in der Höhe der ersten Backenzähne hat Ohlsen eine eiserne Schiene, in der Gestalt eines gewöhnlichen Magneten, von
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100nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
vom nach hinten über tue Backenzähne geschoben und hierdurch die Betention bewirkt. Die Lockerung der Zähne bildet leider oft ein Hinderniss für diese Methode.
Bei Brüchen in der Nähe ties öelenkfortsatzes liisst sich wenig ausrichten. Unter Regelung der Diät (weiches Futter) müssen die Heilungsvorgänge abgewartet werden. Daher ist bei schlachtbaren Thieren Vorsicht sai empfehlen; meist verdient baldiges Schlachten einem unsicheren Heilverfahren gegenüber den Vorzug. Daslaquo; bei allen coin-plicirten Brüchen auch hier nach den allgemeinen Regeln der Antisepsis zu verfahren ist, bedarf kaum der Erwähnung,
3. Luxation des Unterkiefers.
Verrenkungen des Unterkiefers kommen nur bei Fleischfressern vor, weil der lange Kronenf'ortsatz und die weniger ausgiebige Beweg­lichkeit im Kiefergelenk solche bei Pflanzenfressern unmöglich macht. Am meisten werden Hirten-, Jagd- und Schlächterhunde von dem Leiden betroffen; die ersteren beim Ergreifen und Apportiren des Wildes, die letzeren durch einen Schlag gegen den Unterkiefer in dem Moment, wenn der Hund einen Hinterf'uss der Thiere erfasst bat. Nicht selten ist die Verrenkung mit Kiiochenhruch complicirt. Bald beschränkt sich dieselbe auf eine Seite, doch kommen auch doppelseitige Luxationen des Unterkiefers vor, was beim Menschen sogar Kegel ist.
Erscheinungen und Verlauf. Das Maul steht offen und kann weder durch den AVillen des Thieres noch auch durch Druck von aussei! geschlossen werden. Dazu kommt Speichelfluss, Hervorhängen der Zunge und Unvermögen Nahrung aufzunehmen. Zuweilen wird durch den Druck des dislocirten Kronenfortsatzes der Augapfel nach vorn gedrängt (Exophthalmus). Bei einseitiger Verrenkung pflegt der Unter­kiefer nach der gesunden Seite gerichtet zu stellen.
Das Leiden kann mit Lähmung des Unterkiefers und Fremd­körpern im Maule, besonders zwischen den Zähnen verwechselt werden. Von ersterein Zustande unterscheidet es sich dadurch, dass bei Lähmung der Unterkiefer passiv beweglich ist, das Maul also durch einen Druck von aussei! leicht geschlossen werden kann, was hier nicht der Fall ist. (Jeher die Gegenwart von Fremdkörpern zwischen den Zähnen giebt die Localuntersuchuiig Aufschluss.
Das Leiden verläuft günstig, wenn rechtzeitig Hülfe gebracht wird und keine Complicationen bestehen, docii kommen leicht Recidive
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Entzündung des Kiet'ergelenkes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 101
vor, wesshalb die Thiere einige Zeit hindurch vor dor Einwirkung der ursächlichen Einflüsse geschützt werden müssen.
Behandlung. Die Reduction geschieht am einfachsten in der Weise, dass man zunächst einen 1—2 cm dicken Stock dem Thiere recht weit mich hinten quer durch das Maul legt. Sodann erfasst der Operateur das vordere Ende der beiden Kiefer und drückt diese zu­sammen. Indem der Stock als Hypomochlion des zweiarmigen Hebels dient, wird durch den Druck der Gelenkfortsatz des Unterkiefers vom Oberkiefer abgedrängt und kann nun in seine normale Lage zurück­treten, wenn man den seitwärts dislocirten Kiefer gegen die Mittel­linie drängt. Bei kleinen Thieren gelingt die [{eduction auch dadurch, dass man die beiden Kiefer mit den Händen erfasst und den nach vorn dislocirten Kronenfortsatz zuerst nach unten, dann nach hinten bewegt. Man muss sich hierbei gegen Beissen schützen, was oft nicht leicht ist; schon desshalb verdient die erste Methode den Vorzug.
Durch weiches Futter, unter Vermeidung von Knochen und durch Anlegen eines Maulkorbes werden Uecidive verhütet.
4. Entzündung des Kiefergelenkes.
Lit.: Bösenroth, Qurlt u. Hertwig. 2(J. S. ;54:!. Gurlt, das. S. 350. Siodam-grotzky, Dresd. Bericht. 1874. S. 43.; das. 1879. S. 85. Woiss, Ad. Woch. 8. S. 113.
Bei seiner exponirten Lage wird das Kiefergelenk nicht ganz selten von aussei! durch einen Schlag oder Tritt verletzt und kann auf diese Weise eine eitrige Entzündung desselben veranlasst werden. Auch greifen Phlegmonen der Nachbarschaft zuweilen auf das Gelenk über; gelegentlich erkrankt dasselbe bei Pferden im Verlaufe von schwerem Decubitus. Bei einer Ziege fand Gurlt das Kiefergelenk durch starke Exostosenbildung immobilisirt; der Zustand war durch eine heftige Quetschung entstanden.
Erscheinungen und Verlauf. Störungen beim Kauen bilden die nothwendigen und wichtigsten Folgen dieses Leidens. Das Maul lässt sich nicht regelnlässig ötthen (Kieferklemme), wodurch das Leiden wohl mit Trismus verwechselt werden kann. Die Anschwellung an dem einen oder anderen, selten an beiden Kiefergelenken bestätigt die Diagnose; auch steht der Unterkiefer meist etwas seitwärts, so dass die Röibeflächen der Zähne nicht genau aufeinander passen. Dabei magern
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102nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
die Thiere natürlich mit der Zeit in hohem Grade ah. Die Behinderung in der rutteraufnahme kann so hochgradig werden, dass die Thiere nicht im Stande sind, das Erhaltungsfutter aufzunehmen.
Bösenroth beobachtete den Zustand beim Pferde und bat auch die Ergebnisse der Section beschrieben. Mir sind ebenfalls bei Pferden mehrere Fälle dieser Art bekannt. Bei einem Hunde, welcher an Kieferklemme litt und mit hochgradiger Atrophie der Kaumuskeln behaftet war, fand ich an beiden Kiefergelenken Synostosenbildung, durch eine Arthritis clrronica ver-anlasst. Einen ahnlichen Fall hat Siedamgrotzky mitgetheilt.
Das Leiden erscheint äusserst bedenklich, besonders hei Thieren, die ein Productiousfutter zu verzehren haben, wie Arbeitspferde, Milch­kühe. Fälle wie der von Weiss mitgetheilte, dass ein Pferd selbst nach Abstossung des Zwischenknorpels wieder regelmässig zu kauen im Stande ist, gehören zu den seltenen Ausnahmen; vielleicht hat dem er­wähnten Falle ein Irrthum in der Diagnose zu Grunde gelegen.
Bei der Behandlung muss der Schwerpunkt auf Präservativ­massregeln sowie auf Regelung der Diät gelegt werden. Sorgfältige Behandlung der Wunden und eiitzüiidlichen Processe in der Nähe des Gelenkes und Schutz gegen Deoubitus kommen besonders in Be­tracht. So lange noch keine eitrige Arthritis besteht, kann noch Heilung erreicht werden, wie eine von Siedamgrotzky beschriebene Beobachtung zeigt.
5. Die sog. Lähmung des Unterkiefers. Kaumuskellähmung. Mastikatorische Gesichtslähmung.
Lit,: Roll, Spec. Path. u. Tb. II. Bd. S. 70. Lydtin, Bad. Mitth. 1881. S. 20. Körber, Gurlt u. Hertwig. I. S. 453. Waltrup, Th. Mitth. 1807. S. 147.
Mit Lähmung des Unterkiefers hat man bei Thieren einen Zu­stand belegt, wobei in Folge doppelseitiger Lähmung der Kaumuskeln das Maul nicht geschlossen werden kann. Eichtiger ist die Bezeich­nung „Kaumuskellähmung'' oder „mastikatorische Gesichts­lähmungquot;, wie der Zustand bei Menschen genannt wird. Man hat das Leiden bisher fast nur bei Hunden und Katzen beobachtet. Wal­trup sah es auch beim Pferde.
Die Masseteren sowie die Schläfenmuskeln werden vom 3. Aste des V. Hirnnerven mit motorischen Fasern versorgt. Diese entspringen am Pons Varolii. Einseitige Lähmungen dieser Nerven wurden bei Thieren bisher nicht direct beobachtet, entziehen sich in der Hegel auch
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Kaumuskellähinung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;103
der Erkennung. Dagegen wurden bei Hunden und Katzen wiederholt doppelseitige Paralysen desselben beobachtet. Fast regelmässig zeigt sich das Leiden im Verlaufe der Wuthkrankheit, seltener wird es ohne diese angetroffen, so dass die Lähmung zunächst den Verdacht auf Wuthkrankheit erwecken muss. Gerlach behauptete sogar, dass sie als ein sicheres Zeichen der Wuth gelten müsse; ich habe jedoch wieder­holt Hunde und Katzen mit dieser Lähmung behaftet gefunden, die nicht wuthkrank waren. Mehrfach genasen die Thiere vollständig, der sicherste Beweis gegen die Wuth. Gleiches beobachtete Körber beim Hunde.
Ueber die anatomischen Veränderungen, welche dem Leiden zu Grunde liegen, ist bisher nichts bekannt. Wahrscheinlich handelt es sich um Krankheitsprocesse an der Varolsbrücke. Da an diesem Gehirn­abschnitt eine grössero Anzahl Nervencentren entspringt, so kann es nicht auffallen, dass sich das Leiden oft mit anderen nervösen Störungen verbindet. In dem von Kör))er beschriebenen Falle gesellte sich Lähmung des Schlundes, der Hals- und Brustmuskeln zu demselben. Aber auch isolirte Lähmungen mit Ausgang in Heilung kommen vor, wie folgender Fall beweist.
Am 1. Februar 1883 wurde dem hiesigen Spital ein grauer Pintscher übergeben, welcher eine Paresis des in Rede stehenden Nerven zeigte. Nach dem Vorberichte hatte sich der Hund einige Tage vorher dem Biergenuss im Uebermass hingegeben und In Folge dessen lange geschlafen. Als der­selbe am nächsten Tage erwachte, bemerkte die Besitzerin, dass die Zunge aus dem Maule hing und der Hund das Maul nicht schllessen konnte. Meine Untersuchung bestätigte diese Angaben. Das Thiel' zeigte sich träge, die Psyche eingenommen; der Unterkiefer hing schlaft' herab und tiel in diese Lage zurück, wenn man denselben gegen den Oberkiefer gedrängt hatte. Die Zunge erschien trocken und hing aus dem Maule heraus. Futter konnte nicht aufgenommen werden, die auf den Grund der Zunge gebrachten Fleischstücke wurden mit grossem Appetit verschluckt.
In den nächsten Tagen zeigte sich der Hund vollkommen ruhig, etwas apathisch und lag dauernd in der Ecke des Käfigs. Am (3. Februar war das Leiden bei expectatlver Behandlung bereits soweit gehellt, dass das Thier wieder regelmässig Nahrung aufnehmen konnte.
Ein ähnlicher Fall, der sich aber als unheilbar erwies, wurde von mir im Jahre 1884 beobachtet. Ein 3/4 Jahr alter Ziehhund zeigte die Er­scheinungen einer completen Paralyse des Nerven. Das Thier konnte die Zunge in das dauernd offenstehende Maul nicht zurückziehen, und um flüssige Nahrung oder Wasser aufzunehmen, steckte es den Kopf bis an die Augen in die Flüssigkeit. Die Kaumuskeln, namentlich die Mm. tempo­rales zeigten bereits auffallende Atrophie. Zunge, sowie Maulschlelmhaut erwiesen sich gegen Verletzungen unempfindlieh. Zugleich bestanden in den Rumpfmuskeln Zuckungen, wie solche nicht selten nach der Staupe zurückbleiben. Nach längerer Beobachtung und Faradisation trat keine
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104nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
Besserung ein. Leider konnte die Section nicht ausgeführt werden, weil der Besitzer sich der vorgeschlagenen Tödtung des Thieres widersetzte.
Einseitige Trigeminuslähraung beobachteten Roll und Lydtin beim Pferde. Roll will sämmtliche 3 Aeste gelillnnt gefunden haben; die Haut und Schleimhäute der entsprechenden Kopflullfte zeigte sich unem­pfindlich, ebenso die Cornea; es bestand Salivation, Störung des Kauens; das Futter sammelte sieh zwischen Backen und Zähnen an. Die Schleimhaut der Nase, des Maules und die Conjunctiva war hyperämisch. Im weiteren Verlaufe bildeten sich Hornhautgescliwüre aus, wenn das Auge nicht durch entsprechenden Verband geschützt wurde, weil der Lidschluss nicht erfolgte und das Auge unempfindlich war. Heilung wurde nicht erzielt; bei der Section fand sich fettige Degeneration an den Wurzeln des Nerven und an der Gehirnbasis Meningitis.
Lydtin beobachtete das Leiden bei einem alten Pferde. Seit 10 Jahren hatte sich ein auffälliger Schwund des Masseter und Temporaiis der rechten Seite entwickelt. Das Schlucken war erschwert, auch bestand Salivation. Die Backenzähne zeigten ein partielles Scherengebiss.
Bei der Section des als unheilbar getödteten Pferdes fanden sich Masseter, Temporaiis und die Flügelmuskeln vollständig atrophiscli; das Gewicht der­selben betrug nur 'j* des der gesunden Seite. Auf der Basis der Felsen­beinpyramide, an Stelle des Gasser'schen Knotens lag ein Fibrosarkom von der Grosse des Kleinhirns, das demnach als Ursache der Lähmung betrachtet werden nmsste.
Erscheinungen. Durch Unfähigkeit das Maul freiwillig zu sohliessen, also auch zu kauen und Nahrung aufzunehmen, Siilivation, Hervorhängen der an ihrer Oberfläche oft trockenen Zunge giebt sich das Leiden zu erkennen und unterscheidet sich von der Verrenkung des Unterkiefers, sowie von dem durch Fremdkörper zwischen den Backzähnen bedingten Zustande dadurch, dass das Maul durch einen Druck gegen den Unterkiefer leicht geschlossen werden kann. Be-achtenswerth bleibt, dass diese Lähmung als ein constantes Symptom der Wuth beim Hunde auftritt.
Die Beurtheilung der idiopathisohen Kaumuskellähmung muss sich nach allgemeinen Grundsätzen richten. Besteht das Leiden erst kürzere Zeit, und ist die Lähmung unvollständig, so darf man den Patienten nicht aufgeben; im entgegengesetzten Falle erscheint jede Behandlung nutzlos, namentlich bei hochgradiger Atrophie und Hervor­treten der Entartungsreaction. Bei dem von Waltrup beobachteten Pferde trat allmälich Besserung ein.
Die Therapie verlangt zunächst eine zweckmässige Ernährung, eventuell unter Anwendung der Schlundsonde. Man muss den Thioren die Nahrungsmittel bis auf den Grund der Zunge bringen lassen. So­dann dürfte die Anwendung von Electricität in Form des Inductions-
.
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Exostosen am Unterkiefer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 105
oder des constanten Stromes zu versuchen sein, der auf die Kaumuskeln und die Mm. temporales zu appliciren ist.
6. Periostitis und Exostosen am unteren Rande des Unterkiefers.
Bei Pferden entAvickelt sich am unteren Rande des Unterkiefers, in der Höhe des ersten Backenzahns, zuweilen eine umschriebene Perio­stitis, welche zur Bildung von Exostosen führt. Aeussere Beize, be­sonders das Stossen gegen enge Krippen heim Fressen geben meist die Veranlassung zu diesem Leiden ab. Die Periostitis stört in der Kegel nicht, zuweilen äussern die Thiere Schmerzen durch langsames Kauen, meist wird aber die fertige Exostose erst Gegenstand der Behandlung.
Erscheinungen. Am unteren Rande des Unterkiefers zeigt sich eine harte, scharf begrenzte, runde, nicht selten gestielte, schmerz­lose Geschwulst, welche mit dem Knochen fest verbunden ist. Zu­weilen tritt die Anschwellung mehr flach auf und kann alsdann mit entzündlichen Processen in Folge von Alveolarperiostitis verwechselt werden. Die letztere kennzeichnet sich jedoch dadurch, dass die Knochen-auftreibung auf die Seitenflächen des Unterkiefers nach oben ausge­breitet ist, während die durch acute Einwirkungen entstandene Perio­stitis auf den unteren Band desselben beschränkt bleibt.
Die Beurtheilung gestaltet sich günstig, die fertige Exostose stellt einen wenig auffallenden Schönheitsfehler dar.
Die Behandlung muss gegen die Periostitis nach allgemeinen Grundsätzen erfolgen; gestielte Exostosen lassen sich leicht mit einem Meissel absprengen oder absägen. Man legt zunächst einen kreis­förmigen Schnitt durch die Haut und das Perlest und lässt dann den Meissel oder die Säge anwenden. Flache Aufh-eilningen des Knochens behandle man nicht.
7. Tumoren am Unterkiefer.
Lit.: Kciper, Gurlt u. Hertwig. 33. S. 63.
Theils von den Backenzähnen ausgehend (S. 106), theils vom zahn­losen Abschnitte des Unterkiefers aus entwickeln sich bei den grösseren wie bei den kleineren Tbieren zuweilen maligne Neubildungen. Keiper sah beim Pferde an dem zwischen Schneide-und Hakenzalm laquo;Gebrochenen
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Krankheiten des Kopfes.
Unterkiefer ein Osteosarkoni (?) entstehen, welches nach der Exstir-pation sich schnell regenerirte und in 22 Tagen eine Höhe von 6 und eine Breite von 4 Zoll erlangte. Bei Pferden hatte ich mehrmals Ge­legenheit, ähnliche Bildungen zu exstirpiren, die sich bei der näheren Untersuchung als Mykofibrome zu erkennen gaben (Fig. 38). Sie gehen meist von der Schleimhaut der Maulhöhle aus und besitzen eine gestielte Beschait'enheit, wodurch ihre Exstirpation erleichtert wird. Bezüglich der Prognose ist es wichtig, dass man diese Zustände nicht mit jenen Neubildungen verwechselt, welche von den Zahnalveolen ausgehen (vgl. S. 02) und bei weitem ungünstiger zu beurtheilen sind.
Fig. 38.
Mykollbroin am Unterkiefer.
Es kommt darauf an, von wo der Tumor entspringt und ob bereits Anschwellung der Kehlgangsdrüsen vorliegt. Von der Schleimhaut ausgehende Tumoren lassen sich leicht entfernen; grösscre Schwierigkeiten bieten die in den Knochen sich entwickelnden. Dahin gehören namentlich:
8. Actinomykose der Kieferknochen. Spina ventosa. Winddorn.
Bei Wiederkäuern, vornehmlich dem Kinde, aber auch Ziegen erfolgen am verletzten Zahnfleisch bezw. den Zahnalveolen aus In-fectionen mit Aktinomvces Keimen, welche eine Osteomyelitis und rareficirende Ostitis der Kiefer, meist des Unterkiefers, zuweilen auch gleichzeitig des Oberkiefers anregen. In der Kegel geht das Leiden von der einen oder anderen Prämolare aus.
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Aktinomykose der Kieferknochen.
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Erscheinungen. Am Unterkiefer entwickelt sich eine harte, derbe, anfangs wenig schmerzhafte Geschwulst, die sich bei genauer Untersuchung als eine diffuse Knochenauftreibung erweist. Die Ge­schwulst breitet sich weiter aus, nimmt alhiiählich an Grosse zu, während die Thiere bald Störungen des Kauens zeigen; sie kauen das Futter langsam, halten dabei den Kopf zeitweise schief und lassen auch wohl Futtermassen aus dem Maule fallen. Die nähere Unter­suchung ergiebt die Gegenwart einer eitrigen Alveolarperiostitis an einem oder mehreren Backenzähnen und zwar da, wo äusserlicli die Geschwulst liegt. Die kranken Zähne stehen abnorm tief oder
sie sind aus der Reihe der übrigen gewichen.
Die an denselben
Fiur, 39.
Spina ventosa (Aktinomykosis) der Kopl'kuoclien beim Oclisou (Esser),
eingekauten Futterstoffe besitzen den eigenthümlich penetranten, üblen Geruch, wie er bei Alveolarperiostitis der Pflanzenfresser beobachtet wird. Die äussere Haut verdickt und verwächst allmählich mit der Geschwulst. Später erfolgen an verschiedenen Stellen Perforationen derselben mit Entleerung eines dickflüssigen, gelben Eiters, in dem sich die Aktinomycesrasen feststellen lassen (S. 91), Mit der Sonde gelangt man bis tief in den Knochen, dessen dünne Bälkchen dem Drucke derselben leicht nachgeben. An den Perforationsstellen bilden sich Granulationen, die leicht bluten. In dem Masse das K'augeschäft gestört ist, stellt sich Abmagerung des Thieres ein.
Prognose und Verlauf. In der Natur und dem Sitze des Krank-heitsprocesses liegt es begründet, dass sich für die Therapie wenig
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108nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Kopfes.
Aussichten bieten. Zeigt sich der Aktinomyccs ziemlich widerstands­fähig, so ist dem Parasiten innerhalb des Knochens kaum beizukommen, dabei- muss das Leiden fast immer als unheilbar betrachtet werden. Die Prognose hängt mehr von dem Grade der Kaustönmgen und dem Umstände ab, ob sich das Thier noch wirtbschaftlich vortheilbaft ver-werthen liisst. Meist lässt man die Thiere, sobald die Ernährung an­fängt zu leiden, schlachten. Bei der Section findet sich der Knochen mit Granulationsmassen und Eiterhohlen durchsetzt. Am macerirten Knochen tritt die Osteoporose am deutlichsten hervor (Fig. 38) 1).
Da die Behandlung selbst in den Anfängen des Leidens wenig Aussicht bietet, so kann sie nur als Versuch gelten. Die losen Zähne müssen unter allen Umständen entfernt werden, worauf man ihre Alveolen mit einer Desinfectionsflüssigkeit ausspülen und einen Tampon mit Jodtinctur getränkt einführen kann. Wo bereits Perforationen der äusseren Haut erfolgt; sind, können Ausspritzungen mit den gleichen Mitteln versucht werden. Jodtinctur scheint bei diesen Leiden den Vor­zug zu verdienen (S. 94). Wichtiger als diese Therapien bleibt mög­lichst vortheilhafte Ausnutzung der Thiere durch die Mast, wozu sich besonders Brennereien und Brauereien eignen, weil die als Mastfutter verwendeten Rückstände die Kauthätigkeit der Thiere wenig in An­spruch nehmen (Esser).
9. Entzündung und Neubildungen in den submaxillaren Lymphdrüsen.
Sobald sich infectiöse Processe an den Lippen, Wangen, der Nase und in der Nasenhöhle entwickeln, pflegen die Kehlgangslyniphdrüsen anzuschwellen. Beim Kotz, der Druse und anderen inneren Krankheiten ist dies bekannt. Aber auch bei phlegmonösen Processen und gewissen malignen Neubildungen (Carcinom) stellt sich in der Regel eine An­schwellung dieser Lymphdrüsen ein. Ein Gleiches wird bei Myko-fibromen, Aktinomykomen beobachtet. Bei den zuletzt genannten Leiden bildet sich nicht selten eine chronische Lymphadenitis aus, welche mit bedeutender Anschwellung, Eiterung und Ulcerationen ver­bunden ist.
Erscheinungen. Die wenig schmerzhafte, massig feste An­schwellung tritt bald in Gestalt umschriebener Neubildungen, bald als
') Die Zeichnung ist nach einer Photographic angefertigt, die mir Prof. Esser freundlichst übcrlnssen Imt.
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Entzündungen der submaxillaren Lymphdrüsen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;109
diffuse Vergrössenmg einzelner Abschnitbe oder der stlmmtlichen Drüsen auf, entwickelt sich langsam und führt zu wiederholten Perforationen. Hierbei entleeren sich die strahlenförmigen Pilzrasen des Aktinomyces oder die bekannten Botryomycesfonnen und kann auf diese Weise unter Umständen die Natur der Erkrankung nachgewiesen werden. Ich fand indess wiederholt chronisclie Erkrankung dieser Lymphdrüsen heim Pferde mit Ulceration der äusseren Haut und multipler Abscess-bildung in den Drüsen ohne die oben genannten Parasiten; dagegen wurden Eiterkokken in denselben angetroffen. Es kann dieses nicht auffallen, wenn man erwägt, dass unsere Kenntnisse über die Wirkung der Mikroorganismen und namentlich über die Ausbreitung derselben bei den Eiterkokken noch unvollkommen sind.
Behandlung. Nur die Exstirpation hat hei diesen Leiden sicheren Erfolg. Die Anwendung von zertheilenden oder desinfleirenden Mitteln führt niemals zum Ziele, so dass, wenn überhaupt gegen das Leiden eingeschritten werden soll, nur die Exstirpation der Drüsen, soweit die Neubildung bezw. Entzündung in derselben reicht, übrig bleibt. Ich hatte mehrmals Gelegenheit, sämmtliche Kehlgangslymphdrüsen beim Pferde zu entfernen, auch einen Theil der Snblingualis mit fort-zunehmen und empfehle folgendes Verfahren:
An dem in der Rückenlage, womöglich chloroformirten Pferde wird die äussere Haut an der Grenze ihrer Verwachsung mit der Unter­lage durchschnitten. Nunmehr sucht man das lockere Bindegewebe auf, welches die Drüsen umgiebt, und trennt in diesem mit den Fingern unter Beihülfe von Schere und Messer die Geschvvulstmasse los; dabei hüte man sich, die äussere Gesichtsarterie und Vene, sowie den Sten-son'schen Gang zu verletzen, oder, wo dies nicht zu vermeiden ist, unterbinde man sie vorher. Wenn irgend möglich, beginne man hierbei an den hinteren Partien, um die etwa verletzten arteriellen Gefässe leichter unterbinden zu können. Zeigt sich die Unterzungendrüse mit erkrankt, so wird sie ebenfalls fortgenommen. Nach Entfernung der erkrankten Organe spüle man das Operationsfeld ab, l)epu(|ere die Oberfläche mit Jodofornitannin und hefte einen starken Werg- oder Jutebausoh zur Stillung etwaiger Blutung in der Wunde fest. Dieser wird nach 24 Stunden entfernt und offene Wundbehandlung eingeleitet, worauf regelmässige Heilung erfolgt. Das Auftreten von blutigem Speichel nach der Operation ist ebenso unbedenklich wie der Speichel-abflüss aus der Wunde. Beide verlieren sich mit dem Erscheinen der Granulation.
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110nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
YI. Die Krankheiten der Ohren und Luftsiicke.
1. Verletzungen des ausseien Ohres.
Lit.: L indenb erg, Gurlt laquo;. Hertwig. 13. S. 212.
Verletzungen der Ohrmuschel kommen am häufigsten bei Hunden, aber auch hei anderen Thieren vor. Absichtlich werden solche beim Beschneiden des Ohres veranlasst; ferner kommen hier Bisswunden oder Verletzungen durch Schütteln (bei Strafen) vor. Auch das frei­willige Schleudern der Thiere mit dem Kopfe kann bei langohrigen Hunden leicht zu Verletzungen f'ilhren. Grössere Thiere ziehen sich Verwundungen am ilusseren Ohre durch heftige Bewegungen des Kopfes gegen Nägel, Haken, zuweilen auch durch Bisswunden zu. Die früher häufiger als jetzt benutzte Ohrbremse gab Veranlassung zu solchen.
Beurtheilung. Sofern die Verwundung nur die äussere Haut betrifft, hat sie keine besondere Bedeutung. Bei der festen Verbin­dung derselben mit der Ohrmuschel leidet diese jedoch häufig mit und kann in verschiedener Richtung und Ausdehnung Trennungen erfahren. Bei Pferden sah ich eine vom Grunde bis zur Ohrspitze reichende Risswunde, welche das Ohr genau in zwei gleiche Hälften getheilt hatte. Auch findet man Querwunden; oder es werden Stücke der Ohr­muschel vollständig abgetrennt. Den Ohrknorpel erkennt man an seiner weissen Farbe in der Wunde. Bei Hunden mit langem Be­hänge reicht derselbe jedoch nicht bis zur Spitze des Ohres, sondern läuft in eine fascienartige Membran aus.
Oft wird die Heilung solcher Wunden durch die Unruhe der Thiere (Reiben, Scheuern, Schütteln) gestört; im übrigen erfolgt sie leicht. Längswunden heilen besser als Querwunden.
Bei den durch Schütteln mit dem Kopfe in der Nähe der Ohr­spitze hervorgerufenen Verletzungen wird die Heilung dadurch er­schwert , dass die Thiere immer von neuem die Wunden reizen. Es entsteht mit der Zeit in der Umgebung der Wunde eine Verdickung; an der Wundfläche bildet sich geschwüriger Zerfall, wodurch der Knorpel blossgelegt und exfoliirt wird. Meist findet sich die Ober­fläche mit einer braunen Kruste bedeckt und blutet leicht. Dieser Zustand, als ,äusserer Ohrwurmquot; bezeichnet, stellt ein chronisches Leiden dar (S. 118).
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Verletzungen des äusseren Ohres. Blutohr.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Hl
Behandlung. Wo es auf das äussere Aussehen der Thiere nicht ankommt, werden lose Fetzen mit der Schere gtlnzlioh entfernt, bei sorg­samer Behandlung heilen jedoch solche wieder an. Zu diesem Zwecke hefte man die Wunde unter Anwendung antiseptischer Grundsätze. Nach­dem die Oberfläche der Wundränder gereinigt, eventuell mit der Schere geglättet (angefrischt), die blossgelegten und vorstehenden Knorpel-ränder soweit als möglich abgetragen sind, legt man eine umschlungene Naht an, womöglich sowohl an der äusseren, wie auch an der inneren Ohrfläche. Es genügt, dass die Naht nur durch die äussere Haut gelegt wird, doch kann sich gelegentlich empfehlen, einzelne Hefte als Kopfnaht durch die Ohrmuschel zu legen. Nach nochmaliger Reinigung bedeckt man die Wunde mit Gelatine und Watte und sucht bei grösseren Thieren einen Verband um das Ohr zu legen. Bei Hunden werden die Ohren zweckmässig auf dem Kopfe zusammengebunden; bei Pferden verhindert man das Scheuern durch Anbinden zwischen zwei Pfeilern. Bleibt der Verband trocken, so lasse man ihn etwa 8 Tage liegen.
Bei ulcerösen Procei^sen an der Ohrmuschel muss vor allem das Schütteln mit dem Kopfe bezw. Schleudern mit den Ohren verhindert werden. Das geschieht theils durch Festbinden der Ohren auf dem Kopfe, wirksamer aber durch Behandlung der Entzündung des äusseren Ge­hörganges, welche hierzu meist Veranlassung giebt (S. 114).
Die wunden Stellen werden im übrigen nach den allgemeinen Grundsätzen der Chirurgie behandelt. Oft empfiehlt es sich, die ent­arteten Hautabschnitte fortzusclmeiden.
Eine seltene Beobachtung von Nekrose der Ohren machte Linden­berg. Bei einem Schweine, welches mehrere Tage an „gastrischem Fieberquot; verbunden mit Verstopfung gelitten hatte, trat 14 Tage später Nekrose der Ohren ein. Die Ohrspitzen zeigten sich trocken und schwarz. Nach 3—4 Tagen hatte sich der Zustand bis V2 Zoll vom Grunde der Ohrmuschel fortgesetzt. In den ersten Tagen fühlten sich die Ohren wie Pergament an, später wie hartes Leder. Dann begann die Dissection, welche am (3. Tage vollendet war, worauf in wenigen Tagen Vernarbung eintrat (Vergiftung mit Seeale cornutum?).
2. Das Blutohr der Hunde, Othaematoma.
Durch Keissen an den Ohren, sowie beim gegenseitigen Beissen, häufiger aber noch durch gewaltsames Schleudern mit den Ohren in Folge von .luckgefühl in denselben entsteht namentlich bei Hunden
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112nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten dos Kopfes.
mit langem Behang häutig eine Blutgefässzerreissung am Ohr und ein BlutergUSS zwischen Ohrmuschel und die sie bedeckende äussere Haut. In der Regel erfolgt die Zerreissung unter dem Perichontlrium der Ohrmuschel. Das sogen. Blutohr der Hunde bestellt demnach in einem subperichondralen BlutergUSS. Meist stellt sich das Leiden an der inneren Ohrf'liiche ein, seltener an der äusseren, zuweilen an beiden. Die Kesorption erfolgt sehr langsam und bleibt meist unvollständig, was bei der Lage des Blutes auf dem Knorpel natürlich erscheint. Oft zeigt sich das Blut hinge Zeit flüssig.
Erscheinungen. Wird man durch die schiefe Kopfhaltung auf ein Ohrenleiden bei dem Hunde aufmerksam gemacht, so zeigt sich bei näherer Untersuchung an der Innenfläche der Ohrmuschel eine scharf begrenzte bohnen- bis taubeneigrosse, runde oder längliche, fluetuirende, wenig schmerzhafte Geschwulst. Auf Einschnitte entleert sich flüssiges oder geronnenes Blut, worauf die gelbweisse Oberfläche der Ohrmuschel deutlich hervortritt, welche sich jedoch bei entsprechen­der Behandlung später mit Granulationsgewebe bedeckt. Diese stellt sich zunächst in. Form kleiner, einzeln stehender rother Flecke ein, die sich allmählich über die ganze freigelegte Fläche verbreiten. Darüber vergehen aber mehrere Wochen; die Heilung dauert längere Zeit. Auch bleibt regelmässig eine Verdickung am Ohre zurück. Spaltet man die Blutgeschwulst nicht, so kann dieselbe Jahr und Tag bestehen und führt zu grösseren Verunstaltungen des Ohres.
Behandlung. Nur bei kleinen Hämatomen kann Resorption unter Anwendung von Massage angestrebt werden; meist empfiehlt sich baldige Spaltung und zwar in der Längsrichtung des Ohres. Nach Entleerung des Inhaltes legt man einen kleinen Werg- oder Jutebausch in die Wunde, um die Wiedervereinigung der Haut zu verhindern. Geschieht dies nicht, so heilt die Hautwunde oft per prim, int., und die Höhle füllt sich mit einer blutig-serösen Flüssigkeit oder mit Eiter, und man ist gezwungen, von neuein zu spalten. Zu dem gleichen Zwecke und zur Reinhaltung der Wundfläche empfiehlt sich Bepinse-lung mit Jodtinotur und Einstreuen von Jodoform, um die Heilung zu beschleunigen; ferner Festbinden des Ohres auf dem Kopfe mit Hülfe eines Netzes oder einer breiten Binde.
in präservativer Hinsicht kommt bei dieser Krankheit folgendes Leiden in Betracht.
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Otitis externa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;113
3. Die Entzündung des ausseien Gehörganges. Otitis externa. —
Otorrhoe.
In der Thierheilkunde nennt man dieses Leiden auch „inneren Ohrwurm1', im Gegensatze zu den geschwürigen oder chronisch entzünd­lichen Processen an der Ohrmuschel, welche als „äusserer Ohrwurm' bezeichnet werden. Es dürfte sich zur Vermeidung von Verwechselungen empfehlen, diese Bezeichnungen fallen zu lassen, und zwar um so mehr, als sie der Otitis externa und interna gegenüber immer von neuem zu Ver­wechselungen führen.
Der äussere Gehörgang, vom Ohreingang bis zum Trommelfell reichend, hat aussen eine knorpelige Grundlage (Ohrmuschel), seine innere Abtheilung eine knöcherne. Ausgekleidet wird er von der ilusseren Haut, welche reich an grossen kntluelförmigen Talgdrüsen ist (Ohrenschmalzdrüsen).
Ursachen und Verlauf. Das in Rede stehende Leiden kommt am häufigsten bei Hunden mit langem Behänge, seltener bei anderen Thieren vor. Unter dem Einflüsse des Luftabschlusses (durch den Behang), der höhereu Temperatur und der mangelnden Verdunstung treten an dem Ohrenschmalz Zersetzungen ein, deren Produote die äussere Haut des Gehörganges reizen. Seltener wird die Entzündung durch Fremdkörper im ilusseren Gehörgange veranlagst; doch hat Hering Milben (Sarcoptes cynotis oder besser Dermatoplmgus canis) als Ursache des Leidens angetroffen. Obgleich viele Hunde mit Otitis externa hierauf von mir geprüft wurden, so habe ich doch niemals eine Milbe im ilusseren Gehörgange derselben gefunden. Dagegen beobachtete ich das Leiden bei Lapins, durch Dermatocoptes cuniculi veranlasst; nach Zürn soll Dennatophagus cuniculi dasselbe bewirken.
Bei Hunden greifen ferner Ekzeme des Kopfes zuweilen auf den ilusseren Gehörgang über; doch kann auch umgekehrt die Otorrhoe Ekzem unten am Ohr hervorrufen.
Es giebt eine acute und eine chronische Otitis externa.
Die acute Otitis entwickelt sich beim Hunde als Folge eines Ekzems der Nachbarschaft oder dadurch, dass bei Verletzungen in der Nähe des Ohreinganges das Wundsecret in das Ohr fliesst. Man findet alsdann im ilusseren Gehörgange lebhafte Secretion. Ein gelbbraunes, meist eiteriges Secret bedeckt die Hautoberflächo, fliesst aus dem Ohre ab und erzeugt unterhalb des Ohres in der Hegel Ekzem. Wird das Leiden vernachlässigt, so entwickelt sich aus demselben eine chronische Otitis; bei entsprechender Behandlung wird aber in 8 bis 14 Tagen vollständige Heilung erzielt.
Möller, Specielle Chirurgie für Tliierürzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;8
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114nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Koiif'es.
Die chronische Otitis liisst sich in eine superficielle und eine profunde Form trennen. Die erstere ist die häufigste Art der Otitis hei Hunden und entsteht durch die reizende Wirkung des zer­setzten Ohrsecrets. Anfangs zeigt sich nur abnormes .) uckgefllhl, die pigmentfreie Haut des Gehörganges erscheint etwas geröthet und ist mit einer schwarzbraunen, schmierigen Masse bedeckt. Leichter Druck auf den Grund der Ohrmuschel ruft ein angenehmes Gefühl hervor, welches die Thiere durch Anleimen und Schiefhalten des Kopfes zu erkennen geben. Zuweilen entsteht hierbei durch den flüssigen Inhalt des Ohres ein „quatschendes'' Geräusch. Nach einiger Zeit trifft man in der äusseren Abtheilung des Gehörganges ein gelbbraunes Secret und excoriirte Stellen an.
Bei der profunden Form besteht eiteriger Ausfluss (Otorrhoe); auf der Oberfläche des erkrankten Gehörganges zeigt sich Granu­lation, zuweilen mit Caries am Felsenbein verbunden. Bald überwiegt Eiterung, bald die Granulationsbildung; durch die letztere kann der äussere Gehörgang vollständig verlegt werden. Selten wird Perforation des Trommelfells und Otitis media beobachtet.
Während bei der chronisch-superficiellen Form das Juckgefühl in den Vordergrund der Erscheinungen tritt, pflegt die profunde Form mit grösseren Schmerzen verbunden zu sein. Fröhner beobachtete in Folge derselben bei Hunden Erbrechen und führt diese Erscheinung auf eine Reizung des Ramus auricularis des Nervus vagus zurück. Nach dem Uebergreifen auf das Mittelohr bezw. Gehirn kommen eben­falls Krämpfe und andere, cerebrale Störungen zur Ausbildung. Im Verhältniss zu dem so häufigen Auftreten dieses Ohrenleidens bei Hunden werden derartige Complicationen nur selten beobachtet.
Um einen grösseren Abschnitt des ilusseren Gehörganges übersehen zu können, macht man, die Ohrmuschel mit beiden Händen ergreifend, eine Supinationsbewegung, wobei der seitwärts gelegene Ohreingang etwas nach vorn gerichtet wird. Die Anwendung des Ohrenspiegels gewährt bei Hunden keinen sonderlichen Vortheil, zumal das Trommelfell mit demselben nicht sichtbar wird. Auch stört die Unruhe der Thiere sowohl das Einführen des Instrumentes wie auch dio Untersuchung mit demselben.
Beurtheilung. Die acute Otitis gehört zu den leicht heilbaren Leiden, während die chronische Otitis externa der Therapie grössere Schwierigkeiten bereitet. Bei der superticieilen Form führt Sorgfalt und Ausdauer meist zum Ziele; die profunde Form aber pflegt un­heilbar zu sein; je profuser die Eiterung, desto geringer ist die Aussicht auf Heilung.
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Otitis externa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 115
Behandlung. Bei der acuten Otitis genttgt in der Regel wieder­holte Reinigung des öehörgangea und Anwendung milder Ad.striu-gentien. Ein kleiner, weicher Schwumni, an einem Stückclien befestigt (Ohrenscliwamm), wird mit lauwanneni Wasser oder Bleiwasser getränkt, ausgedrückt und in den Gehörgang eingeführt. Unter lang­samen Drehbewegungen entfernt man mit demselben die Secrete aus dem Ohr. Nach dieser Reinigung lasse man den Gehörgang mit Bleiwasser ausspritzen, sorge indess dafür, dass die Flüssigkeit mit dem Schwamm möglichst vollständig wieder entfernt wird. Excoria-tionen bepinselt man mit Höllensteinlösung (2n/n). Bei hochgradigen Schmerzen leistet lauwarmes Bilsenkrautöl, ins Ohr geträufelt, gute Dienste. Diese Behandlung muss täglich mindestens einmal und so lange wiederholt werden, bis die Absonderung vollständig ver­schwunden ist.
Gegen die chronisch - superficielle Otitis empfiehlt sich zunächst sorgfältige Reinigung des Gehörganges mit lauwarmem Seifen­wasser und dem Ohrenschwamm, dann Auswischen des Gehörganges mit einer Lösung von Acid, tannic. und Acid, salicylic, in Spiritus (5 : 100). Auch leistet Alcohol gute Dienste. Diese Behandlung muss jedoch täglich, und wenn das Leiden nachgelassen hat, wödientlich einige Male wiederholt werden, um Recidive zu verhüten. Man sorge dafür, dass keine Flüssigkeit im Ohre zurückbleibt. Bei grösseren Schmerzen findet auch hier Bilsenkrautöl nützliche Anwendung.
Bayer lässt nach dem Reinigen Borsäure einstäuben; ebenso ist Resorcin, Jodoform und eine Reihe anderer Mittel empfohlen, doch kommt es wenjger auf das Mittel als auf eine recht sorgfältige An­wendung desselben an.
Grössere Wucherungen werden mit dem scharfen Löffel fortge­nommen; ihre gestielte Beschaffenheit erleichtert die Abtrennung.
Die Entzündung des Mittelohres, d. h. der Paukenhöhle, bezeichnet man als Otitis media, die des Labyrinths als Otitis in-tema. Beide Leiden sind bei Thieren selten Gegenstand der Be­handlung, weil sie in der Regel intra vitani nicht erkannt werden. Doch kommen solche vor, und zwar in Folge Ausbreitung der Ent­zündung vom äusseren Gehörgange, sowie durch eingedrungene Fremd­körper. Beim Rinde wurden durch Milben (Dermanyssus uvium) im Mittelohr tobsüchtige Erscheinungen beobachtet (Stadler, Schu­macher). Vereiterungen im Mittelohr (Kaninchen) erzeugen epilepti-
forme Krämpfe. Ich seihst beobachtete cerebrale Störungen bei Lapins
durch Dermatocoptes im Gehörgange und Mittelohre.
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11(5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten dos Kopfes.
Ein Pferd zeigte heftige krampfhafte Bewegungen, sobald man den Finger in das eine oder andere Ohr einführte. Nach dem Eindringen des­selben in das linke Ohr näherte das Thier zunächst willkürlich den linken Hinterfuss soweit als möglich dem Ohre, worauf zuckende Bewegungen in den Muskeln des Hinterfusses und Halses eintraten. Durch Druck am Grunde des Ohres konnten diese krampfartigen Bewegungen ebenfalls aus­gelöst werden. Dasselbe erfolgte an der rechten Seite. Da auch der Druck des Geschirrs diese Erscheinungen hervorrief, so war das Pferd vollständig arbeitsunfähig. Die Untersuchung des Gehörganges ergab keine Ver­änderungen. Das Gehör war ungestört. Leider bot sich mir nicht Gelegen­heit die Section zu machen; während des Lebens Hessen sich an den Ohren nicht die fferinffsten Veränderungen nachweisen.
4. Die Ohrflstel. Halskiemenfistel.
Lit : Verwey, Jahrb. 1880. S. 88.
Bei Pferden wird zuweilen am Grunde der Ohrmuschel, in der Nähe ihrer vorderen Fläclie, eine nach unten zum Schläfenbein sich er­streckende 8—5 cm lange Fistel angetroffen, aus der sich für gewöhnlich nur eine geringe Menge seröser Flüssigkeit entleert. Die eingeführte Sonde stösst am Grunde des Kanals auf einen harten Körper, welcher sich nach Spaltung der Fistel als ein Zahn erweist; zuweilen finden sich mehrere kleine Zähne in der Geschwulst. Genau genommen stellt der Zustand keine Fistel vor, sondern bildet den Rest der nicht vollständig zum Vorschluss gelangten Kiemenspalte. Desshalb commu-nicirt auch die Fistel zuweilen mit dem Luftsacke.
Derartige abnorme Zahnbildungen werden auch an anderen Stellen angetroffen, z. B. im Gaumen, am Oberkieferbein, im Hoden und dem Eierstock.
Am Schläfenbein bleiben sie oft lange Zeit hindurch unbemerkt, bis entweder durch eine acute Entzündung der Balggeschwulst stärkere Anschwellung und Absonderung entsteht, oder bis zufällig die Auf­merksamkeit auf die Fistelöffnung gerichtet wird. Hei genauer Unter-suchung von aussen findet sicli eine harte Geschwulst, welche mit dem Schläfenbein fest verbunden ist, und auf der die äussere Haut verschiebbar ist. Zuweilen entwickeln sich hier phlegmonöse Ent-Zündungen mit Abscedirungen, wodurch das Bild wesentlich verändert wird. Erhebliche Störungen ruft das Leiden jedoch nicht hervor, daher wird bei minderwerthigen Thieren von einer Entfernung des Zahnes meist Abstand genommen.
Soll der Zustand behandelt werden, so spalte man die Fistel bis auf den Grund des Balges, entferne den Zahn, ätze die Auskleidung
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Katarrh des Luftsackes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 117
der Geschwulst mit Zinc, ohiorat. oder Chronisilure (1 : 1*1), worauf die Heilung in 4—(3 Wochen einzutreten pflegt. Gefässunterbindung wird hierbei nur ausnahmsweise nöthig.
Bei den übrigen Thieren trifft man das Leiden sehr selten. Verwey fand 'eine Zalmkyste am Felsenbein des Hundes, welcher in Folge derselben an Otitis externraquo; litt.
5. Chronischer Katarrh der Luftsäcke.
Lit.! Kiritt) The Veterinarian 1872. Itosenkilde, Ekemann, Stockfleth Chirurgie. GUlnthev, Nebel u. Vix. 1. 8.889. Uhlieh, Dresd. Ber. 1881. S. 60. De give, Jahresbericht. 8i!. 8. 84. Weber, Berlin, thieriirzü. Wochenschrift. 1890. S. 75. Hahn, Ad. AVocli. 21. S. 157. Schi amp p, das. 28. 8. 21.
Die Schleimhaut der Luftsäcke des Pferdes, eine Fortsetzung der Rachenhöhlenschleimhaut und der Tuba Eustachii ist circa 0,3 mm dick, reich an acinösen Schleimdrüsen und mit Flhnmerepithel bekleidet. Sie besitzt eine grosso Dehnbarkeit und ist durch reichliche Mengen Bindegewebe mit ihrer Umgebung verbunden. Entzündliche Erkran­kungen derselben kommen bei der geschützten Lage selten vor, wenn solche aber angeregt werden, nehmen sie regehnässig einen chronischen Verlauf. Das entzündliche Secret stagnirt, zersetzt sich und reizt seinerseits die Sehleimhaut. Die flüssigen Bestandtheile desselben werden zum grössten Theil resorbirt, während die festen durch die Bewegungen des Luftsackes zu kastaniciiiihnlichen Körpern zusammen­geballt werden. Dieselben erlangen zuweilen die Grosse eines llülmer-eies, erscheinen an der Oberfläche gelbbraun, im Innern gelblich und werden ihrer knorpelartigen Märte wegen als „Chondroidequot; be­zeichnet. Ich fand eine grössere Menge derselben im Luftsack eines Pferdes. Uhlieh zählte 'Ü? Stück kleine Chondroide im (iesammt-gewicht von 040,0 gr. In anderen Fällen bildet eine trübe, grützeälmliche, d. h. mit vielen grauweisseu Gerinnseln versehene Flüssigkeit den Inhalt des erkrankten Lnftsackes; zuweilen linden sich auch Futterstoffe bei­gemischt. Die Schleimhaut, durch den abnormen Inhalt ausgedehnt, drängt den Kehlkopf und die Luftröhre bei Seite, und nicht selten entstehen auf diese Weise Athembe.schwerden. An der Oberfläche der Schleimhaut finden sich zuweilen Verdickungen oder polypenartige Neubildungen. Meist leidet der buftsaek einer Seite, selten beide.
Ursachen. Hervorgerufen wird das Leiden durch Fortsetzung entzündlicher l'rocesse von der llaclieiihöhlenschleimhaut durch die
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1X8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
Tuba EustaohÜ bei der Bräune, Druse U. S. w. Auch können Fremd­körper, Futterstoffe in den Luftsack gelangen und seine Erkninkuug veranlassen (Ivivitt, Hosenkilde, Ekemann). Ob in solchen Fällen angeborene Bildungsfehler an der Tuba Eustachii bestunden, (Schlampp) gellt aus den Mittheilungen der Berichterstatter nicht hervor. Möglicherweise gehen Schwellungszustände am Eingange der Eustachischen ROhre zu dem Eintritt von Futtermassen in den Luft­sack Veranlassung. Schlampp fand 8()8,() gr Fntterlirei im Luftsack des Pferdes, Kupprecht (S, 28) beobachtete eine Verletzung des Luftsackes durch ein nekrotisches Knochenstück, welches von einer Zungenbeinfractur herrührte, Hering und Hahn stellten bei rot/igen Pferden Narben, Knötchen und Geschwüre in der Schleim­haut des Luftsackes und Füllung desselben mit schleimartigen Se-creten fest,
Erscheinungen. 1) Der einseitige, schleimig-eitrige Nasen-ausfluss ist meist ohne üblen Ueruch, tritt periodisch stärker hervor und kann vorübergehend ganz, versehwinden. Druck auf den Luftsack, wie solcher beim Kauen und durch Beizäumung einwirkt, steigert den Auslluss; ebenso gesenkte Haltung des Kopfes.
2) Die Anschwellung ist bald unbedeutend, bald aber auf­fällig. Bei einem Pferde, dessen rechter Luftsack mehr als ein Kilo Chondroide enthielt, war äusserlich von Anschwellung kaum etwas zu bemerken. In anderen Fällen tritt die Anschwellung in der Parotis-gegend auffällig und namentlich bei gesenktem Kopfe deutlich hervor. Nicht selten verbreitet sich die Geschwulst bis auf die andere Seite und kann den Verdacht erwecken, class diese ebenfalls erkrankt sei. Je stärker die Anschwellung, um so mehr tritt die fluktuirende Beschaffen­heit derselben hervor. Durch gleichzeitiges Auftreten von Luft oder Gasen im erkrankten Luftsacke macht sich bei den Kopfbewegungen des Pferdes zeitweise ein klatschendes Geräusch bemerkbar; bei der Percussion lässt sich die Grenze zwischen Flüssigkeit und Gasen sogar ziemlich genau feststellen. Beim Fressen von der Erde, sowie beim Reiten und Fahren entleert sich ein Theil des Inhaltes, wodurch die Anschwellung sichtlich abnimmt.
8) Bei starker Ausdehnung wird Larynx, Trachea und Schlund Comprimirt; es entstehen Athem- und Schlingbeschwerden. Zunächst pflegt bei der Inspiration ein chiemendes Geräusch hervorzutreten, später wird auch die Exspiration laut. Der scheinbare Wider­spruch zwistdien den klinischen Beobachtungen und den Unter-
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Katarrh des Luftsackes.
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suchungen Günthers, wonach dio Anfiillung der Luf'tsilcke mit einer Gypsmasse keine Atlienibeschvverden hervorrief, erklärt .sich daraus, das.s nicht die Anfüllung des Luf'tsackes die Atluvmheschvverden erzeugt, sondern die Ausdehnung und der Druck des erweiterten Luftsackes auf Larynx und Trachea. Die Anfüllung der Luftsäcke mit grösseren Mengen Flüssigkeiten oder Gasen pflegt mit Athem-beschwerden verbunden zu sein, während feste Massen (Chondroide) solche nicht veranlassen. In den von mir beobachteten Fällen traf dies zu und steht diese Beobachtung auch mit den Angaben der Literatur in üebereinstimmung.
4)nbsp; Bei stärkerer Anfiillung des Luftsackes zeigen die Thiere die Neigung, den Kopf nach der gesunden Seite zu halten, was sich besonders beim Reitpferde oft in auffälliger Weise bemerkbar macht.
5)nbsp; Absolute Gewissheit über die Gegenwart des Leidens kann der Günther'sche Luftsackkatheter geben.
Differentialdiagnose. Nicht selten wird das Leiden mit An­schwellungen in der i'arotis oder den suhparotidealen Lymphdrüsen verwechselt; hierbei tritt die Anschwellung jedoch weniger scharf begrenzt hervor. Aelmlichen Ausfluss können ulcerative Prozesse in der Itachen­höhle erzeugen. In zweifelhaften Fällen muss der Günther'sche Ka­theter entscheiden, dessen Application bei einiger Uebung auch am stehenden Pferde nicht schwer fällt.
Die Beurtheilung des Leidens gestaltet sich im Ganzen un­günstig. Meist wird der Zustand erst erkannt, wenn die Schleimhaut des Luftsackes bereits erhebliche anatomische Veränderungen erfahren hat und dieser mit seiner Umgebung verwachsen ist, in Folge dessen alle Mittel ohne Erfolg bleiben. In anderen Fällen wird durch suchgemässe Behandlung Heilung erzielt. Spontane Heilung tritt kaum ein; Günther beschreibt jedoch einen solchen Fall.
Behandlung. Die mehrfach empfohlenen Dunstbäder sind worth­ies, wie schon Haubner betont hat; Irrthünier in der Diagnose haben ihren Buf begründet. Heilung wird nur durch vollständige Entleerung dos Inhaltes und direetc Einwirkung auf die Schleimhaut des Luftsackes erzielt. Der Zugang zum Luftsack kann durch die Tuba Eustacbii erreicht werden (Günther), oder man stellt auf opera­tivem Wege solchen her. Die erste Methode führt selten zum Ziele, denn sie gewährt in der Rreffel keinen genügenden Abfluss für den
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Krankheiten des Kopfes.
Fig. 40.
Inhalt des Luftsackes; wo sich Chondroidc gebildet haben,
\
bleibt die Methode ganz unwirksam. Der Günther'sche Katheter konnnt daher weniger für die Therapie als für
die Diagnose der Luftsackerkrankung in Betracht.
Derselbe besteht aus einer etwa 50 cm langen Messingröhre; das eine Ende derselben ist geschlossen, aber mit zwei Seiten-öfj'nungen versehen und etwas gebogen. Das andere Ende nimmt den Zapfen eines eisernen Griffes auf, welcher gleichfalls schwach gebogen ist und einen Längsspalt zur Aufnahme des sog. Zeigers besitzt.
Der Zeiger stellt eine circa 20 cm lange Feder dar und dient zur Feststellung der Entfernung der Eustachischen Röhre vom Naseneingang. Indem man die Entfernung des temporalen Augenwinkels, welcher in gleicher Höhe mit dem Eingang zur Tnba Eustachü liegt, vom Naseneingange mit der Feder markirt, erkennt man nach Einführung des Instrumentes, wann das obere Ende desselben bis zur Tuba Eustachü vorgedrungen ist. Die Application des Katheters erfolgt bei massig gestrecktem Kopfe. Nachdem die Feder gestellt und eine Bremse aufgesetzt ist, führt man die Bohre, das gebogene Ende gegen den harten Gaumen gerichtet, in den unteren Nasengang ein, bis der Zeiger andeutet, class das Ende des Instrumentes am Eingange der Tuba Eustachü angelangt ist. Sodann macht man mit dem Griff' des Instrumentes eine 'j' Wendung, so dass die Spitze desselben lateralwilrts ge­richtet wird. Darauf sucht man den Griff des Katheters gegen die Nasenscheidewand gedrückt, mit sondirenden Bewegungen in den Luftsack zu schieben. Das unbehinderte Vordringen des In­strumentes ohne zurückgedrängt zu werden beweist, dass es im Luftsacke angelangt ist. Nunmehr wird der Griff abgenommen, und der Inhalt kann durch die Röhre abfliessen, Auch lassen sich Flüssigkeiten durch die Röhre in den Ltiftsack spritzen. Soll der Katheter am liegenden Thier eingeführt werden, so lagere man das Maul etwas höher, um durch eine Bewegung des Hand­griffes gegen die Nasenscheidewand die gebogene Spitze des Katheters lateralwilrts in die Tuba Eustachü zu bringen.
Zur blutigen Eröffnung des Luftsackes sind verschiedene Methoden empfohlen, welche alle gewisse Vorzüge und Nach­theile haben.
Bei ruhigen Pferden kann die Operation zwar am stehenden Thiero ausgeführt werden, doch ziehe ich vor, in der Seitenlage zu operiren. Besteht hochgradige Athcin-beschwerde, so wird das Niederlegen wegen der Er-stickungsgefahr bedenklich; man halte desshalb alle Instru­mente zur Tracheotomie bereit. Diese Operation vorher Der Günther- auszuführen, wie Leblanc u. A. empfahlen, halte ich mit sehe Luftsack- Hertwig nicht für nothwendilaquo;?, wenn nur Alles vorbereitet
katheter.
ist, lim im Nothfalle sofort die Luftröhre öffnen zu können.
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Katarrh des Luftsackes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;121
1)nbsp; Das iiltosto Verfahren bei der Hyovertebrotomie staninifc von Chabert (1779), welcher durch den Griflelkimibiickennuiskel in den Luftsack vordrang. Man verfährt dabei wie folgt: Nachdem vor dem FlUgelfortsatze des Atlas die Haare in einer Ausdehnung von 5—10 cm abgeschoren sind, macht man etwa 1 cm vor dem vor­deren Rande des Flügelfortsatzes und parallel mit demselben einen Hautschnitt. Unmittelbar vor dem Flügelfortsatze liegt der vom zweiten Halsnervon stammende Ohrnerv, den man so vermeidet. Nachdem mit leichten Schnitten auch die Subcutis getrennt ist, erkennt man an ihrem gelblichen Aussehen die Parotis, welche nach vorn gelegt wird. Sodann stösst man auf eine von den Halsmuskeln stam­mende dünne Fascie, die ebenfalls in der Richtung und Ausdehnung des Hantschnittes mit dem Messer getrennt wird. Der nun zu Tage tretende Griffelkinnbackenmuskel wird mit einem spitzen Bistouri oder Skalpell durchstossen, und zwar so, class der Rücken des Messers gegen den F lüge 1 fo rt s atz des Atlas gerichtet, und das Heft desselben gegen diesen ein wenig geneigt ist. Auf diese Weise dringt die Spitze des Messers in dem Winkel ein, welcher vom ü. und 10. Hirnnerven mit der inneren Kopfarterie gebildet wird, ohne diese zu verletzen. Nachdem das Messer zurückgezogen ist, schiebt man sofort einen Finger in den Luftsack.
Abgesehen von der Gefahr für die genannten Nerven und Ge­lasse kann diese Operation auch desshalb nicht empfohlen werden, weil die Oeffnung zum Luftsack nicht gross genug wird, um festen Inhalt (Chondroide) aus demselben zu entfernen.
2)nbsp; Denselben Vorwurf trifft in noch höherem Grade die Methode von Lecoqu, welcher durch den Griffelzungenbeinmnsivel in den Luft­sack einzudringen empfahl. Das Verfahren gestaltet sich im Ganzen wie bei dem Ghabert'schen, nur wird der Schnitt etwas höher gelegt. Bei diesem Operationsverfahren kommt nicht nur die ilussere und innere Kopfarterie, sondern auch der Angesichts- und Zungennerv in Gefahr. Gegen diese beiden Methoden fällt ferner ins Gewicht, dass bei starker Anschwellung des Luftsackes in der anatomischen Anordnung der Theile oftmals eine bedeutende Verschiebung ein­getreten ist, und die Gefahr der Verletzung der genannten Gelasse und Nerven um so grosser wird. Bei den Operationsübungen, besonders am Cadaver lassen sich diese Methoden leicht ausführen.
3)nbsp; Viborg empfahl die Eröffnung des Luftsackes von unten, von dem Dreieck aus, welches durch die Sehne des Hrustkinnbncken-muskels und durch die ilussere Kimibackenvene mit dem Unterkieterrand
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122nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
gebildet wird. In der Mitte dieses Dreiecks und parallel mit dem genannten Muskel wird ein B —10 Olli langer Hiiutschnitt gemacht, welcher bis zum Baude des Unterkiefers reicht. Nach Spaltung des Halshautmuskela und Trennung des Bindegewebes gehingt man auf den Luftsack, der nach Viborg zunächst mit dem Trokart angestochen werden soll; die OeffilUllg kann sodann mit dem Finger erweitert werden. Diese Methode hat den Vortheil, class die Oeffmnig an der tiefsten Stelle des Luftsackes erfolgt, der Abfluss in Folge dessen erleich­tert wird. Audi lassen sich feste Inhaltsmassen durch dieselbe entfernen.
Wenn der Luftsack stark ausgedehnt ist, gelingt die Oeffnung desselben nach dieser Methode ziemlich leicht, doch ist die Operation nicht so einfach, wit' sie vielfach von Praktikern geschildert wurde. Offenbar sind, in dem Glauben die Hyovertebrotomie ausgeführt zu haheu, oftmals nur Parotisabscesse geöffnet worden; schon Hering hat hierauf aufmerksam gemacht.
4) Für die Praxis ist nach meinen Erfahrungen die Methode von Dieterichs am taeisten zu empfehlen. Hierbei wird zunächst ebenso vorgegangen wie bei dem Chabert'sohen Verfahren, der Haut­schnitt jedoch ein wenig tiefer gelegt, so dass derselbe über das untere Ende des Flügelfortsatzes etwas hinausreicht. Man legt ebenso wie dort die Parotis bei Seite, durchschneidet die Fascie der Hals­muskeln und gelaugt so an den hinteren Rand des Grifi'elkinnbacken-muskels. Ohne den Luftsack von der medialen Fläche dieses Muskels abzustossen, geht man mit den Zeigefingern beider Hände präparirend vor, schiebt das Bindegewebe bei Seite und sucht den Winkel auf, #9632;welcher durch den Abgang der Hinterhauptsarterie A'on der Carotis gebildet wird. Die pulsirenden Gefässe lassen sich leicht erkennen. Indem man den Zeigefinger der linken Hand so in den Gefäss-winkel bringt, dass die Volartläche desselben gegen die Theilungs-stelle gerichtet ist, schiebt man an der Dorsalfläche des Fingers entlang ein spitzes Bistouri in den Luftsack ein. Ohne die linke Hand zu entfernen, geht man sofort mit dem rechten Zeigefinger in den Luftsack ein und lässt den linken folgen, um erforderlichenfalls die Oeffnung im Luftsack durch Aufreissen desselben zu vergrossern.
Soll ein Haarseil oder Drainrohr durch den Luftsack gelegt werden, so wird in dem Viborg'schen Dreieck eine Gegenöffnung hergestellt. Dieterichs benutzte hierzu einen gekrümmten Trokart, doch gelingt dies einfacher, indem man mit einer stumpfen Haarseil­nadel vom Luftsack aus einen Druck gegen dieses Dreieck ausübt und hier den Einschnitt nach der Viborg'schen Vorschrift bewirkt.
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Katarrh des Luftsackes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;123
Ohne Zweifel verdient diese Methode den Vorzug. Sie vermindert die Gefahr grössere Gefiisse oder Nerven zu verletzen, giebt eine grosse Oefihung, um den Luftsaok vollständig zu entleeren und gewährt einen günstigen AJbfluss für das Secret. Wo hei starker Anfüllung des Luftsackes das Aufsuchen der Hiutgefilsse auf Schwierigkeiten stossen sollte, führe man eine stumpfe Haarseilnadel an der Theilungs-stelle der Gefiisse in den Luftsack ein.
Bei dem Dieterichs'schen Verfahren gelang es mir, mit der ganzen Hand in den Luftsack einzudringen und von hier aus die Tuba Eustachil zu untersuchen, Die Nachbehandlung besteht in Ausspülung des Luftsackes mit Desinficientien, Adstringentieu und anderen dem Krankheitszustande der Schleimhaut angepassten Mitteln. Beim Aus­spülen des Luftsackes hüte man sich jedoch, zu grosse Mengen Flüssig­keit einzuführen, welche durch die Tuba Eustaohii in die Itachen­höhle, Luftröhre und Lungen gelangen können. Degive verlor ein Pferd, dem Kalilauge auf diesem Wege in die Lungen geflossen war, an Pneumonie,
Casuistik: Am 11.März 1880 wurde demSpitale eine ältereSohimmel-
stute wegen einer Anschwellung am Halse überwiesen. Das dem gewöhn­lichen Arbeitssohlage angehörige Pferd zeigte sich frei von allgemeinen Krankheitserscheinungen. Der Kopf wurde gestreckt gehalten, Seitwärts­bewegungen mit demselben vermieden. Aus der Nase entleerte sich eine dickflüssige, gelblich-weisse, schaumige Flüssigkeit, welche bei tiefer Kopf­haltung vermehrt, dickflüssig, eiterähnlich wurde. Schon im Stande der Buhe konnte ein schniebendes Inspirationsgeräusch bemerkt worden, das bei der geringsten Erregung und Bewegung des Thiercs auch bei der Ex-spiratlon hörbar wurde. Das Schlucken machte dem Thiere sichtlich Be­sehwerden. Von dem aufgenommenen Wasser floss ein Theil durch die Nase zurück. In der Parotisgegond befand sich an beiden Seiten eine An­schwellung, welche rechterseits am stärksten hervortrat, hier eine birnen­förmige Gestalt besass, das schmälere Ende am Grunde des Ohres liegend, das untere breitere Ende den vorderen Halsrand um 5 cm überragend und sich bis in den Kehlgang erstreckend. Die Länge der Geschwulst betrug 3.rgt; cm, ihre grösste Breite 29 cm. An der linken Seite besass die Geschwulst eine mehr rundliche Gestalt, war hier von geringerer Grosso und weniger scharfer Begrenzung; ihre Länge betrug 12, ihre grösste Breite 15 ein. Die äussere Haut zeigte an beiden Seiten des Halses Spuren scharfer Einreibung. An der Anschwellung Hess sich deutliche Fluctuation erkennen. Die Percussion ergab an der rechten Seite in den unteren Abschnitten einen leeren, in den oboron einen tympanitisoben Ton. Links war der Percussionston überall leer. Bei Bewegungen des Kopfes und schnellem Druck auf die Geschwulst hörte man an beiden Seiton ein deutliches Plätschern. In der Mitte des Halses befand sich eine Tracheotonüe-Narbe. Der Kohlkopf schien seine normale Lage beibehalten zu haben, dagegen machte die Trachea unter der Anschwollung einen nach unten gekrümmten Bogen.
Bezüglich der Diagnose konnte in diesem Falle kein Zweifel bestehen, wosshalb zur Operation geschritten wurde, vind zwar nach der Methode von
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124nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten ties Kopfes,
Dieterichs mit der Modifikation, dass der Einstich mit einer Haarseilnadel erfolgte. Bei der starken Ansobwellung und Verschiebung der Organe war es unmöglich, die Theilungsstello der Arterien aufzufinden. Auf den Ein­stich entleerte sich sofort eine Menge unangenehm riechender Gase. Nach­dem in dem Viborg'schen Dreieck eine Gegenoffnung hergestellt war, er­gossen sich etwa 2,5 Liter trüber, weisse Klümpchen enthaltender Flüssigkeit. Der Luftsack wurde ausgespült und ein dickes Drainrohr durch denselben gelegt.
Nach dem Aufstehen war die Geschwulst an beiden Seiten verschwunden und das Athnien regelmiissig; auch konnte jetzt das l'utter ohne Störung aufgenommen werden.
Vom l!5. März ab wurde der Luftsack täglich einmal ausgespült und zwar abwechselnd mit einer •! 0/o Acidum tannicum und einer Kalium permaiiganicum-Lüsung von gleicher Concentration. Danach nahm der Ausünss aus der Nase erheblich ab, aus der unteren Operationswunde ent­leerte sich schleimiger Eiter. So hielt sich der Zustand lilngere Zeit, auch als eine Lösung von Alum, acoticum zum Ausspülen des Luftsackes benutzt wurde. — Nach Entfernung dos Drainrohrs schlössen sich die Wunden, mussten aber am 22. April wieder hergestellt worden, weil der Luftsack sieh von Neuem füllte. Dio hierauf angewandten Ausspülungen von Kai. permangan., Alumin. acetic, Sublimat 10)n blieben ohne Erfolg. Der Aus-fiuss bestand in beschränktem Masse fort.
Am !•. Juni wurde Patient niedergelegt, und die Operationswunden, namentlich die oberen so erweitert, dass man mit der Hand in den Luft­sack gelangen und die Einger in die Tuba Eustachii einführen konnte. Die Einger der durch die Maulhöhle eingeführten linken Hand konnten eben-i'alls in die Tuba Eustachii vordringen, so dass sich beide Hände hier be­rührten. Die Tuba erschien reichlich weit, doch wurde die mediale Wand derselben nach den Empfehlungen 13 as si's und Niebuhr's mit einem ge­knüpfton Tenotom gespalten. Das Ausspülen des Luftsackes wurde hierauf fortgesetzt; auch fanden von Zeit zu Zeit Auspinselungen mit einer 2 0/olgen Sublimatlösung statt. Alle diese Mittel blieben jedoch ohne Folge, die Absonderung bestand fort, in der Schleimhaut trat keine erhebliche Schrumpfung ein, so dass der Luftsack seine abnorme Grosse beibehielt.
Nachdem am 17. Juni festgestellt worden war, dass das Pferd auch bei der Bewegung keine Atbembeschwerden zeigte, wurde die Behandlung aufgegeben und Patient zunächst auf dio Weide geschickt. — Im Dezember 1S8(J war das Pferd vollständig arbeitsfähig, die Operationswunde indess noch nicht geschlossen. Diese hatte sich abgeglättet. Die Secretion war gering, und der Luftsack erheblich verkleinert.
Dieser Fall beweist, wie hartnäckig sich das Leiden gestalten kann. Besonders dürfte dies da zu erwarten sein, wo der Zustand bereits längere Zeit besteht, und der Luftsack eine starke Ausdehnung erfahren hat. in fester Verbindung mit seiner Umgebung kann der­selbe nicht wieder auf sein normales Volumen zusiimuienschrumpfen.
Möglicherweise bietet auch die durch den andauernden Äusfluss bewirkte Ausdehnung der Tuba Eustachii ein Hinderniss für das Zu­standekommen der Eieilunof,
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Tympanitis des Luftsackes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;125
6. Tympanitis der Luftsäcke.
Lit: Niebuhr, Her. Rep. 21. S. 74. Bassi, Her. Rep. 23. S, 347. Friebei u. Ktihnert, Thier. Mitth. 1882. S. 52. Stockfleth, Chirurgie.
Nachdeni von französischen Autoren, namentlich Vatel und öohier auf ein als „Tympanite gutturalequot; beschriebenes Leiden aufmerksam gemacht worden war, ist dasselbe wiederholt auch anderswo beobachtet worden (Bassi, Niebuhr, Friehel, Degive, Möller). Priebel und KUhnert fanden den Zustand bei Füllen bald nach der Geburt. Es handelt sich um Anhäufmiquot;- einer abnormen Menye Luft oder Gase in den Luftsäcken, welche hierdurch in einem Masse ausgedehnt werden, dass hochgradige Athembeschwerde eintritt. In der Parotisgegend macht sich eine Geschwulst bemerkbar, welche bei der Percussion einen tympanitischen Ton giebt. Ein kräftiger Druck auf die Goschwulst ruft in Folge Entweichens der Luft durch die Tuba Eustachii zuweilen ein pfeifendes Geräusch hervor.
Meist handelt es sicli um junge Thiere, Fohlen (Niehuhr, Stockfleth, Friehel), und in der Hegel waren beide Luftsäcke be­troffen. Wenn der Luftsack auf operativem Wege geöffnet wird, entleeren sich die Gase, häufen sich jedoch wieder an, sobald sich die Oeffnung schliesst.
Prüft man die in der Literatur mitgetheilten Fälle genauer, so ergieht sich, dass es sich hei diesem Leidem um zwei Zustände handeln kann, nämlich:
1) um das Eindringen von atmosphärischer Luft durch die Tuba Eustachii und allmäliche Anhäufung derselben im Luftsäcke. Wahrscheinlich erfolgt dies beim Schluckact, veranlasst durch Defor­mitäten an der Tuba, indem diese, als Ventil wirkend, den Eintritt be­günstigt, den Abfluss der Luft aber nicht gestattet. Der Luftaustritt scheint auch bei normaler Bildung erschwert zu sein.
Degive Hess am Cadaver durch einen Trokart Luft in den Luft­sack eintreten und Lkoiinte beobachten, dass diese längere Zeit darin verblieb. Gerlach führte diesen Zustand auf eine Lähmung der Heber des Gaumensegels zurück, welche nach ihm die Tuba Eustachii ver-schliessen sollen. Die so in den Luftsack eingedrungene Luft kann, wie Gerlach annahm, nicht zurücktreten, weil die Tuba gleichsam ventil­artig den Luftsack verschliesst. Die mit Hülfe des Kehlkopfspiegels beim Pferde ausgeführten Untersuchungen sprechen jedoch nicht für die Eichtigkeit dieser Annahme. Es lässt sich mit dem Instrument der
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120nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
ft'eiliegende Eingang zur Tuba Etistacliii direct beobachten. Ein Vei-schluss durch das Gfauiueosegel kann allerdings beim Schluckact ein­treten und der Lul'teintritt dadurcli veranlasst werden, dass das Gaumen­segel die Mündung der Eustacln'schen Röhre nicht gehörig deckt.
2) Andere der veröffentlicliten Beobachtungen lassen erkennen, dass es sich um Gasentwickelung in dem katarrhalisch erkrankten Luft­sack handelt (Bassi, Degive). Diese Fälle, mit Erkrankung der Schleimhaut und Anliiiuf'ung von flüssigem Secret verbunden, müssen nach den oben mitgetheilten Grundsätzen beurtheilt und behandelt werden.
Behandlung. Wo es sich um die Anhäufung atmosphärischer Luft handelt, dürfte zunächst die Application des Günther'schen Ka­theters zu empfehlen und, falls die Anhäufung von neuem eintritt, die Oeifnung des Lnftsackes mit Anlegung eines Haarseiles oder Drain-rohres ZU versuchen sein. Stockfleth erzielte auf diese Weise Heilung, Friebel durch Trokariruag des Luftsackes und darauf folgen­der Anwendung von Adstringentien (Zinc. sulf. in 2quot;'o Lösung). Wo das Verfahren erfolglos bleibt, empfiehlt es sich, die Tuba Eustachii zu spalten, wie es von Niebuhr mit Erfolg geschah. Möglicherweise wird hierdurch die ventilartige Wirkung der Tuba aufgehoben. Bezüglich der mit diesem Leiden verbundenen Athembeschwerden gilt dasselbe, was bereits bei Besprechung des Luftsackkatarrhs gesagt worden ist.
ATI. Krankheiten des Scliürtel*.
Bei den Tliieren hat das Gehirn und der als Schädel bezeichnete Abschnitt des Kopfes eine erheblich geringere Ausdehnung als beim Menschen. Ein Theil der Schädelhöhlo wird von der Stirnhöhle bedeckt, namentlich bei den Wiederkäuern. Verletzungen dieser Kopfgegend er-
lan
'n'
n daher bei weitem nicht die hohe Bedeutung wie beim Menschen.
1. Frakturen und Verletzungen an dea Schädelknochen.
Lit.: Meyer, Gurlt u. Hartwig. 17. S. ITS. Becker, das. 4. S. 261. Ourdt, das. 17. S. 300. Clebelen, Her. Eep. '68. S. 297. Fiöhn, Th. Mitth. 1879. S. 97. Mariot, Quaterly .journ. of vet. scion, in India. 1887. Textor, Vet. Sanit. Berichte. 1877/78. (Ironing, Zeitschr. für Votorinilr-kunde, II. S. 8.
Zur Bildung der Schädelhöhle tragen die Scheitelbeine, Schläfen­beine, das Hinterhauptsbein und die oberen Abschnitte der Stirnbeine bei; an der unteren Fläche das Keilbein,
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Verletzungen des Schädels.
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Niederstürzen, Ueberschliigen , Gegenrennen , Hufsclüäge , Horu-stässe, bei Fleischfressern können Bisse von anderen Thieren, Schlüge und ähnliche Verletzungen, welche mit grösserer Gewalt einwirken, Brüche der Schildelknochen veranlassen. Das Keilbein bricht zuweilen beim Niederstürzen durch Gegenstoss. Zwar kommen subcutano Brüche an den genannten Knochen vor, meist aber handelt es sich um complicirte Fracturen. In vielen Fällen besteht zugleich Erschütterung oder Ver­letzung des Gehirns bezw. verlängerten Markes durch dislocirte Bruchstücke.
Die Beurtheihmg gestaltet sich hiernach verschieden. Solange nur die äussero Platte der Schädelknochen verletzt ist, verläuft der Bruch meist günstig, namentlich wenn keine gefährlichen Oomplica-tionen vorliegen. 1st jedoch zugleich die innere Knochenplatte getrennt, so wird der Zustand höchst bedenklich, insbesondere da, wo ein com-plicirter Bruch besteht. Aber auch in solchen Fällen wird noch Heilung beobachtet. Uebelcn sah einen Hund und Meyer eine Kuh genesen, bei denen das Gehirn freigelegt und verletzt war. Ich habe mehrfach sowohl bei Pferden wie auch bei Hunden Verletzungen der Schädel­knochen bis auf das Gehirn reichen und heilen gesehen. Bei einein Hunde blieb Taubheit zurück, auch ging aus seinem Benehmen hervor, dass Störungen im Auffassungsvermögen bestanden. Nach dem einige Jahre später erfolgten Tode ergab die Section einen bedeutenden Defect am Schläfenbein sowie an den betreffenden Abschnitten der Hemisphäre des Grosshirns. Erfolgt eine Infection der Wunde, so gehen die Thiere in der Regel an eiteriger Meningitis zu Grunde (Fischer).
Bei Pferden behandelte ich wiederholt Verletzungen der Scheitel­beine, welche sich die Thiere durch {{(Minen gegen scharfe Gegenstände zugezogen hatten; bei einem derselben lag die Dura mater frei zu Tage. Da die Patienten bald nach stattgehabter Verletzung zur Behandlung kamen, so gelang es, Heilung per priinam int. zu erreichen. Ohne jedwede Störung im Allgemeinbefinden und ohne einen Tropfen Eiter heilten die Verletzungen in 3—4 Wochen. Durch eine sorgfältig durchgeführte Antisepsis lilsst sich hier vieles erreichen, doch ver­spreche man nicht zu viel und sei namentlich bei der Prognose vor­sichtig, sobald Hirnsymptome zugegen sind. Doppelt bedenklich wird die Prognose, wenn diese längere Zeit (mehrere Tage) anhalten, oder erst nach dieser Zeit auftreten. Die Beobachtung dieser allgemeinen Kegel ist um so wichtiger, als die Ermittelung der Ausdehnung der durch den Bruch bedingten Verletzung oft unmöglich wird.
Ein günstiger Ausgang steht aber in sicherer Aussicht, wenn
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128nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
sich in den ersten 8 Tagen nach dem Eintritt des Bruches keine Zeichen eines Gehirnleidens (Eingenommenheit, Tohsucht, Krämpfe u. s. w.) bemerkbar gemacht haben. Innerhalb dieser Zeit bleibt die Prognose auf jeden Fall zweifelhaft.
Gröning beobachtete beim Pferde durch Ueberschlagen einen Bruch des linken Scheitelbeines. Nachdem einige Tage hinduroh eine leichte Besse­rung eingetreten war, zeigte sich das Pferd periodisch aufgeregt und schreckhaft; das Fressen wurde oft unterbrochen. Am 6. Tage stellten sich Krainpfanfälle ein, und am 7. starb das Pferd. Bei der Section fand man Blutgerinnsel in der Schildelhöhle, in den Hirnkammern 44,0 gr einer klaren hellrothen Flüssigkeit und im linken Scheitelbeine einen 6 cm langen Spaltbruch.
Brüche des Keilbeines, in der Regel auch des Hinterhauptbeines, führen in kurzer Zeit, oft nach wenigen Augenblicken den Tod herbei. Ebenso Frakturen an den übrigen Schiidelknochen, sofern sie mit er­heblicher Blutung in der Schädelhöhle verbunden sind. Mariot sah ein Pferd unter Bewusstlosigkeit und zunehmender Athembeschwerde plötzlich sterben, nachdem es sich überschlagen hatte. Becker theilt eine Beobachtung mit, #9632;wonach ein Pferd, welches mit dem Kopfe gegen eine Wand geschlagen hatte, momentan verendete. Die Section ergab einen Splitterbruch des Hinterhauptbeines mit starkem Bluterguss auf die Medulla oblongata.
Behandlung. Bei subcutanen Brüchen ohne erhebliche Dislo­cation ist nur Ruhe erforderlich. Durch kalte Umschläge, leichte Ab­führmittel und magere Diät beugt man den Hirnerscheinungen vor. Wenn die Dislocation der Fragmente bei einfachem Bruch nur gering ist und keine Störungen in der Hirnfunction vorliegen, beschränkt man sich auf das gleiche Verfahren, Erscheint die Reposition ohne Her­stellung einer äusseren Verletzung, also ohne Gefährdung des asep­tischen Verlaufs möglich, so muss sie versucht werden. Vorsicht ist namentlich da geboten, wo die äusseren Umstände der Durchführung einer strengen Antisepsis ungünstig sind. Bei complicirten Schädel­brüchen muss diese in strengster Form eingeleitet werden, sofern die Verletzung noch frisch, d. h. nicht über 24 Stunden alt ist. Nach Abscheren oder Rasiren der Ilaare wird die Wunde mit desinficirten Fingern untersucht, Knochensplitter und Fremdkörper soweit möglich entfernt, sodann sorgfältig ausgespült. Man spare nicht mit der desin-ficirenden Flüssigkeit und lasse diese womöglich in starkem Strahl einwirken. Es schadet durchaus nicht, wenn sich hierbei in dem Binde­gewebe durch Eindringen der Flüssigkeit ein ödematöser Zustand bildet. Losgelöste Gewebsfctzen werden mit der Schere entfernt. Dann hefte
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Gtahirnersohütterung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 129
man die Wunde mit sterilisirtem Material (Catgut, Seide) und lege einen Oeclusivverband an. Dies gelingt namentlich beim Pferde recht gut mit Hülfe der Halfter, an der die Bindentouren befestigt werden. Man lässt das Pferd jetzt zwischen zwei Pfeilern so anbinden, dass es den Verband nicht abreissen kann; nur selten besteht hierzu beson­dere Neigung. In den ersten 48 Stunden darf man den Patienten nicht aus dem Auge verlieren oder, wo das nicht möglich ist, muss man den etwa eintretenden Gehirnstörungen gegenüber Massnahmen treffen lassen. Ruhe, magere Diät und ev. Abführmittel sind auch hier zu empfehlen.
2. GreMrnerscliütteruiig, Commotio cerebri.
Lit: Wilhelm, Dresd. Bericht. 1887. S. 07.
Bei Pferden werden Gehirnerschütterungen durch üeberschlagen. Niederstürzen oder Gegenrennen beim Durchgehen, seltener durch Huf-schlilge beobachtet. Wilhelm stellte den Zustand bei einer Kuh fest, welche von einer 4,5 m hohen Mauer gestürzt war. Bei Hunden und Katzen zeigen sich die Erscheinungen der Gehirnerschütterung nach dem Sturz aus einem Fenster, sowie durch Schlag auf den Schädel.
Erscheinungen, Eingenommenheit des Bewusstseins, Unver­mögen aufzustehen und zu gehen, zuweilen blasse Färbung der Schleim­häute des Kopfes und ein kleiner, oft retardirter Puls deuten auf den Zustand hin; bei Fleischfressern beobachtet man auch Erbrechen. Die Respiration wird zuweilen unregelmässig.
Ueber die hierbei am Gehirn bestehenden Veränderungen gehen die Ansichten noch aus einander; die Annahme molecularer Verschie­bungen genügt kaum, um den Zustand zu erklären, doch haben auch die neuen Versuche von Koch und Filehne eine vollständige Klar­legung der Vorgänge nicht erzielt.
Verlauf. Sofern die Erschütterung mit weiteren Verletzungen (Schädelbrüchen, Blutungen in der Schädelhöhle) nicht verbunden ist, verlieren sich die Krankheitserscheimingen nieist in kurzer Zeit; oft schon nach wenigen Stunden, spätestens in einigen Tagen. Zuweilen folgt ein sog. Heactionsstadium, d. li. die Schleimhäute röthen sich, der Puls wird beschleunigt und gespannt; ein Zustand, der als fieber­hafte Erkrankung uufgefasst wird.
Möller, Speoielle Ohlrurgle für ThievUrzte,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;9
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130nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Kopfes.
Behandlung. Eine medicamentöse Behandlung erscheint meist nicht erforderlich. Man gebe den Thieren absolute Huhe und leicht verdauliche Nahrungsmittel in massigen Quantitäten. Auch in dem von Wilhelm mitgetheilten Falle trat nach zwei Tagen vollständige Wiederherstellung ein.
3. Brüche des Stirnbeines.
Soweit diese an dem oberen Abschnitte desselben (Facies cere-bralis) bestehen, verlangen sie dieselbe Beurtheilung und Behandlung wie Schädelbrüche. Anders, wo diese die Stirnhöhle bilden oder der Bruch nur die äussere Blatte des Knochens einnimmt. Hier haben Frakturen je nach dem Sitze eine verschiedene Bedeutung.
Bruch des Augenbogenforfcsatzes bringt ebenso wie Frakturen am Jochfortsatz des Schläfenbeines das Auge in Gefahr, indem bald der dislocirte Knochen, bald die mit der Fraktur verbundene Blutung einen Druck auf den Bulbus ausübt, so dass Exophthalmus entsteht. Bei complicirten Brüchen an dieser Stelle kommt noch die Gefahr hinzu, dass die Phlegmone der Orbita unter Umständen auf den Options über­greift und durch Sehnerveuatrophie (Amaurosis) zur Erblindung führt. Zuweilen wird bei diesen Brüchen auch das Unterkiefergelenk ge­fährdet (S. 101).
Die Erkennung gestaltet sich meist leicht. Dislocation des frakturirten Knochenfortsatzes, Anschwellung, oft zugleich der Binde-iiaut des Auges geben hinlänglichen Aufschluss, Nur bei starker An­schwellung kann die Diagnose zweifelhaft bleiben.
Die Behandlung subeutaner Brüche des Augenbogenfortsatzes ohne erhebliche Dislocation verlangt nur kühlendes Verfahren, um die Blutung und die damit für das Auge verbundene Gefahr möglichst zu beschränken. Aus dem gleichen Grunde lasse man dem Thier in den ersten 24 Stunden kein Futter geben, um Kaubewegungen, welche nicht nur schmerzhaft sind, sondern auch die Blutung anregen würden, möglichst y.u vermeiden.
Besteht eine erhebliche Dislocation, so versuche man diese zu beseitigen; bei complicirten Brüchen ev. mit Hülfe der Knochen­schraube. Bei frischen Frakturen muss die Antisepsis in ihre Beeilte treten, doch ist bei der Auswahl der Flüssigkeiten Rücksicht auf die
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Brüche des Hornfortsatzos.
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Cornea geboten; man wühle Mischungen, welche diese nicht reizen. Sodann wird ein Occlusivverband angelegt.
Bei Wiederkäuern sind Frakturen des Hornf'ortsatzes nicht selten; abnorme Beweglichkeit des Hornes und Anschwellung ev. auch Crepitation kennzeichnen dieselben. Entstanden durch heftiges Stossen oder Festsitzen mit den Hörnern, verlaufen diese Brüche meist günstig. Sofern der Bruch subcutan bleibt, tritt regelmiissig Wieder­vereinigung ein; oft gelingt diese auch bei complicirten Brüchen, namentlich wenn sie noch frisch sind, so dass Asepsis erlangt werden kann. Anderenfalls empfiehlt sich oft, den Hornfortsatz ganz zu ent­fernen. Zuweilen hat man nach Brüchen des Hornfbrtsatzes bei Kühen
Fig. 41.
Verband beim Brach (los Hornfortsatzes.
bedenkliche Folgen beobachtet. Textor berichtet über eine Kuh, welche nach Heilung eines solchen Bruches an epileptiformeu Krämpfen litt, die aber beseitigt wurden, als man durch Trepanation den blutig­eitrigen Inhalt aus der Stirnhöhle entfernte. Ein Bulle war nach Heilung dieses Bruches ausser Stande Kühe zu decken. Obgleich regelmässige Erectionen eintraten, so fiel das Thier beim Versuche zu springen stets auf die kranke Seite und wurde zur Zucht unbrauch­bar. Bei complicirten Brüchen wird unter Umständen eine Ausbrei­tung des Eiterungsprocesses bis auf das Gehirn und Tod unter den Erscheinungen von Meningitis beobachtet.
Die Behandlung verlangt bei suboutanen Brüchen Fixation des Somfortsatzes, was durch Anlegen eines Verbandes mit Hülfe eines
,
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132nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten den Kopfes.
passenden HolzstUokes, das über beide Hörner reicht, gelingt (Fig. 41). Hiiutverletzungen müssen vorher desiaficirt werden. Diinn lasse man das Thier so anbinden, dass das Horn nicht aus seiner Lage gedrängt werden kann.
Erfolgte die Abtrennung des Hornfortsatzes so vollständig, dass eine Wiedervereinigung nicht zu erwarten steht, so nimmt man den­selben mit einer Säge fort und legt darauf einen Verband an.
Frakturen an den Abschnitten der Stirnbeine, welche die Stirnhöhle bedecken, sind oft mit Dislocation der Knochenstücke und Verletzung der Schleimhaut der Stirnhöhle verbunden. Anschwellung, Eindruck im der Stirn, anfangs blutiger, später eiteriger Nasenausfluss kennzeichnen diese Brüche, welche meist ohne weitere Störungen heilen, zuweilen indess eine chronische eiterige Erkrankung der Stirnhöhle zur Folge haben (vgl. diese).
Sobald der Knochenbruch subcutan bleibt, und kein blutiger Aus-fluss aus der Nase bestellt, erfolgt die Heilung ohne besondere Hülfe. Complicirte Brüche sind auch hier antiseptisch zu behandeln. Sofern die Complication durch Verletzung der äussereu Haut bedingt ist, er­langt man wohl vollständige Asepsis; zeigt sich aber eine Verletzung der Schleimhaut der Stirnhöhle durch blutigen Nasenausfluss, so darf auf aseptischen Verlauf nicht gerechnet werden. Doch wird auch hier regelnmssig Heilung erzielt und können die Thiere oft schon vor dem Abschluss derselben zur Arbeit verwendet werden.
Starke Dislocation nach innen lässt sich durch Anwendung der Kiioclienschraube oder mit Hülfe der Trepanation beseitigen. Die letztere findet auch da Anwendung, wenn nach Heilung des Bruches der Nasenausfluss nicht aufhört. Im übrigen kommen die allgemeinen Grundsätze der Chirurgie in Anwendung.
4. Ablösung der Hörner.
Unter denselben Umständen wie Brüche des Hornfortsatzes kommt beim Rinde Loslösung des einen oder anderen Homes vor. Bald ist die Verbindung zwischen Horn und Hornfortsatz nur gelockert, bald das Horn von letzterem vollständig getrennt. Das Horn kann sich zwar wieder vollständig regeneriren, doch erlangt das neugebildete nie die natürliche Form, somit entsteht immer ein Schönheitsfehler. Auf den sonstigen Zustand des Thieres übt der Verlust des Hornes kaum einen sichtlich naclitlieiliyen Einfluss aus.
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Schiulelwumlen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;133
Ist die Trennimg unvollständig, so lasse man das Horn gründ­lich reinigen und lege sodann einen Verband an. Hierzu eignet sich besonders Theer, mit welchem die Bindetouren bestrichen werden. Ebenso verfahre man bei vollständiger Ablösung.
5. Wunden und Verletzungen am Schädel.
Sofern Wunden und Verletzungen am Schädel nicht mit Frakturen verbunden sind, verlangen sie nur selten besondere Behandlung, Aller­dings kann durch Einwirkung grober Gewalten eine Gehirnerschütterung hervorgerufen werden, welche sich durch Betäubung, Zwangsbewegungen und dummkollerähnliche Erscheinungen zu erkennen giebt (S. 129). Da sich dummkollerige Pferde zuweilen Verletzungen am Kopfe zuziehen, so kann unter Umständen wohl ein Zweifel darüber entstehen, welches Leiden das primäre ist, die Hirnerkrankung oder die Verletzung.
Wo Störungen der Hirnfunctiou fehlen, haben Verletzungen am Schädel nur ausnahmsweise ein besonderes Interesse.
Beim Pferde verdient eine Verletzung besondere Beobachtung, nämlich die Ablösung des Schopfes. Durch plötzliche, ungeschickte Bewegungen des Kopfes gegen feste Gegenstände reisst zuweilen die den Schopf tragende Haut von ihrer Unterlage von unten nach oben ab, und bietet die Wiedervereinigung derselben oft nicht geringe Schwierig­keit. Erfolgt diese nänilich nicht auf dem ersten Wege, so schrumpft der abgelöste Hautlappen und zieht sich mehr und mehr zurück, wo­durch Luxuspferde entstellt und entwerthet werden können.
Bei Hunden habe ich zu wiederholten Malen chronische Eiterungen in den Schläfemnuskeln beobachtet, welche durch Fremdkörper unter­halten wurden. Bei einem Jagdhunde zog ich einen Holzsplitter von 8 cm Länge aus dem Muskel, der nachweislich :' t Jahr in demselben gesteckt und immer neue Abscedirungen veranlagst hatte.
Die beim Rinde durch das Stirnjoch veranlassten Verletzungen sollen bei den Druckschäden besprochen werden.
Die Beurtheilung wie Behandlung dieser Zustände gestaltet sich im ganzen einfach. Dass auf die etwa vorhandene (iehirner-schütterung Rücksicht ZU nehmen ist, versteht sich von selbst: Ruhe, Kühlen und Ahf'ülinnittel kommen hier in Betracht. Ablösungen des Schopfes müssen mit Hülfe der Antisepsis womöglich zur directen Wiedervereinigung gebracht werden. Man hefte nach sorgfältiger Des-infection der Wunde die Hautlappen mit enger Knopfhaht, ev. unter
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quot;134nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Kopfes.
Zuhülfenahmo von Entspiinnuiigsiiilhteu und applicire einen Occlusiv-verhand. Auch da, wo bereits Eiterung eingetreten ist, suche man durch gut angelegte, nicht zu dünne Hefte der Retraction des Haut­lappens entgegen zu wirken. Die bei Hunden in den Schlili'enmuskeln vorkommenden Eiterungen verlangen eine genauere Untersuchung, um etwa vorhandene FrenulkörpcT, Schrotkörner u. s. w. zu entfernen.
6. Die Trepanation und Trokarirung der Schädelliölile beim Schafe
und Rinde.
Lit.: Möller, Pütz Zeitschrift. 1877. S. 05. Nocard, Jahresbericht 1886. S. 85. Zürn, Thierisohe Parasiten. Stöhr, Th. Mitth. 1868. S. 119. Kohl­mann, das. S. 122. Scholz, das. 1871. S. 147. Damraann, Gurlt u. Hertwig. 1869. S. 18. Fürstenberg, Thierarzt. 1866. S. 8. Cooper, Jahrb. 1865. S. 152. Bertholdt, Corapt. rend, de l'ecole d'Alfoit ou de Lyon. 1885. Hartenstein, Jahrb. 1887. S. 52.
Im Gehirn des Schafes, seltener des Rindes und anderer Thiere entwickelt sich die Finne des bei Hunden parasitirenden Bandwurms, Taenia coenurus, oft bis zur Grosse eines Enteneies, so dass die Thiere an den Eolgezustiinden stets zu Grunde gehen. Die sog. Dreh­wurmkrankheit oder Drehkrankheit pflegt mit so auffälligen und siguiflcanten Erscheinungen und zwar fast ausschliesslich nur in den ersten beiden Lebensjahren bei Schafen aufzutreten, dass über die Natur derselben in der Hegel kein Zweifel besteht. In Bezug auf die Er­scheinungen dieses Leidens muss auf die Lehrbücher der speciellen Pathologie verwiesen werden. Ich beschränke mich auf eine kurze Darstellung der diagnostischen Anhaltspunkte bezüglich des Sitzes der Parasiten. Lassen unsere Kenntnisse auch über diese Frage manches zu wünschen übrig, so gelingt es doch in der Regel, aus den ilusseren Erscheinungen soweit zuverlässige Schlussfolgerungen zu ziehen, um auf operativem Wege die Heilung des Leidens versuchen zu können. Zwar stösst auch diese in vielen Fällen auf grosse Schwierigkeiten, so dass nur ausnahmsweise ein wirklicher Nutzen mit der Operation er­zielt wird, wie ich bereits an anderer Stelle zu begründen versucht habe. Da jedoch alle übrigen Mittel, welche gegen dieses Leiden in Anwendung gebracht sind, z. B. Pikrinsäure und andere Chemikalien, das Brennen (Neirac) sowie auch das neuerdings zuerst in England empfohlene Abkühlen des Schädels mit Eis (das unter Umständen drei Wochen lang erfolgen soll), sich unwirksam gezeigt haben, so bleibt als einziges Mittel die Trepanation oder Trokarirung des Scliä-
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Trokarirung der Schädelhöhle des Schafes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 135
dels übrig. Schon im vorigen Jahrhundert wurde diese von den Laien in primitiver Weise mit dem Taschenmesser versucht, doch konnte zuerst einiger Erfolg erzielt werden, als man zweckmilssigere Instru­mente construirt hatte; diese bestehen in einem kleinen, 1 cm breiten Trepan (liueff) oder in einem besonderen Trokarirungsbesteck, welches zuletzt von Zeh den vervollkommnet wurde.
Selbstverständlich handelt es sich zunächst um genauere Feststel­lung des Sitzes der Blase. In der Regel findet sich dieselbe in der Nähe der Oberfläche einer Grosshirn-Hemisphäre. Zuweilen giebt sich die betreffende Stelle durch grössere Weichheit, Nachgiebigkeit der Schädelknochen bei kräftigem Druck auf dieselbe zu erkennen. Bei der Percussion zeigt sich der Ton an der betreffenden Stelle oft we­niger laut, dumpf; eine Erscheinung, auf welche bereits im vorigen Jahrhundert Willburg aufmerksam gemacht hat. Häufig fehlen diese Erscheinungen aber gänzlich, und es kann nur aus den allgemeinen, namentlich den Locomotionsstörungen mit einiger Wahrscheinlichkeit der Sitz der Parasiten vermuthet werden. Hiertiber ist Folgendes zu bemerken:
1.nbsp; nbsp;Bei ausgesprochener Neigung zu Drehbewegungen pflegt die Blase an der Oberfläche einer Grosshirn-Hemisphäre zu liegen, und zwar an der Seite, nach welcher gedreht wird; dieses Symptom ist nach meinen Erfahrungen von allen noch das zuverlässigste. Ausnahmen von der Regel kommen namentlich bei grossen Blasen vor, welche zugleich auf die tiefer gelegenen Gehirnabschnitte einen Druck ausüben.
2.nbsp; nbsp;Drehungen des Vorderkörpers um das Hintertheil (Zeiger-bewegung) lassen die Blase in der Tiefe oder auf der Hemi­sphäre derselben Seite oder auf dem Boden des entgegengesetzten Ventrikels vermuthen.
3.nbsp; nbsp;Gesenkte Haltung des Kopfes und Neigung zur Trab­bewegung und auffälliges Heben der Vorderbeine spricht für den Sitz am vorderen Ende der Hemisphäre oder in der Tiefe auf dem Corpus striatum.
4.nbsp; nbsp;Taumeln, Unsicherheit des Ganges lässt das Kleinhirn oder die hinteren Lappen des Grosshirns als Sitz der Blase vermuthen.
5.nbsp; nbsp;Beim Niederstürzen mit rollenden Bewegungen um die Längsachse des Körpers bildet die Basis des Kleinhirns oder die Varolsbrücke oder die Medulla oblongata den Sitz des Parasiten.
('). Stolpern und Stürzen bei einem Gange mit hoch gehobenem Kopfe (Segler) spricht für den Sitz der Blase zwischen dem Gross- und Kleinhirn,
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13G
Krankheiten des Kopfes.
Hieraus ergiebt sich — so wenig zuverlässig auch die Schlüsse sind — dass vornehmlich bei der ersten Gruppe, den wirklichen Drehern auf operativem Wege etwas zu erreichen in Aussicht steht, und ferner, dass die Schiideldecke über den Hemisphären zur Ausführung der Opera­tion in der Kegel gewählt werden muss. Da die Bluse meist einen grösseren Umfang besitzt, so hängt der Erfolg der Operation auch nicht davon ab, ob man genau die Mitte derselben auffindet. Die Mehrzahl der Operateure hat sich dafür ausgesprochen, dass — so­fern die Schädeldecke selbst keine Anzeichen
Fig. 42.
für den Sitz der Bluse zu erkennen giebt
— bei Böcken die Stelle, welche etwa 1 cm hinter dem inneren Rande des Homes liegt, bei weiblichen 1—2 cm hinter
Fig. 43.
dem Hornfortsatze die meiste Aussicht
bietet) die Blase anzutreffen. Bleibt man
hierbei 2 cm von der Mittellinie entfernt, so trifft man das Centrum des Hinterlappens (Dammann). Jedenfalls darf man die Operationsstelle der Mittellinie nicht über 0,6 cm nähern, um Verletzungen des Sinus longitudinalis zu vermeiden.
Die Oeffhung der Schildelhöhle mit einem dünnen Trepan wird nach den allgemeinen
Regeln jedoch unter möglichster Wahrung der Asepsis ausgeführt. Nachdem die Schiideldecke perforirt ist, sucht man die meist verdünnte und sich vorwölbende Dura mater zu spalten und die unter ihr gelegene
Spritze nach Zclulen.
Trokart nach Zelulcn.
Blase mit Hülfe der Pincette zu entfernen.
Die Hautwunde wird hierauf durch eine Catgut- oder Seidennullt geschlossen, mit Jodoform bestreut und mit Terpentin oder Theer bedeckt. Auch würde sich hierzu Wundgelatine eignen (S. 2).
Meine Erfahrungen mit dem Trepan waren nicht günstig, und ich bin der Meinung, dass der Trokart den Vorzug verdient. Bei der Anwendung desselben verfährt man wie folgt:
Die Oberfläche des Schädels wird an dem auf einem Tische in der Seitenlage befindlichen Thiere abgeschoren, die Wolle entfernt und die Haut desinficirt. Bei stark gehörnten Böcken edler Bacen und der bei ihnen bestehenden Neigung der Haut zur Faltenbildung ist dies
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Tcokarirung dor Schiklelhöhle des Schafes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; •nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1^7
erschwert. Hierauf versieht man den Trokart mit einer Hülse, die der Dicke des Schädels entspricht, d. h. hei welchem sich die runde Scheibe nicht erheblich weiter vom' Ende der Hülse befindet, als die Dicke des Schädels beträgt, damit das Instrument nicht zu tief in das Gehirn eindringt (Fig. 48). Bei einiger Uebung und Vorsicht bedarf es jedoch dieser Vorrichtungen nicht. Auch kommt in Betracht, dass die Dicke des Schädels erheblich schwankt; bei weiblichen Lämmern zeigt er sich kaum wenige Millimeter, bei stark gehörnten Böcken oft über 1 cm dick. Die Spitze des Trokarts etwas medianwärts und nach hinten gerichtet, wird mit einigen leichten Hammerschlägen durch das Schädeldach getrieben.
Hiernach zieht man das Stilet zurück, und sofern die Blase ge­troffen ist, entleert sich der aus klarem Serum bestehende Inhalt derselben. Nachdem der freiwillige Abfluss desselben aufgehört hat, geht man mit der leeren Spritze (Fig. 42) durch die Hülse in die Schädelhöhle ein, um durch Anziehen des Kolbens das Wasser aus der Blase zu entleeren.
Nun wird die Hülse entfernt, doch lasse man durch einen Ge­hülfen die Haut in der Umgebung der Wunde fixiren, damit man bei dem späteren Eingehen mit der Spritze die Oeffnung im Knochen leicht wieder findet. Gebraucht man diese Vorsicht nicht, so dauert das Suchen nach der Trokart-Oeffnung oft unerwartet lange. Die Spritze wird mit der rechten Hand so erfasst, dass sich der Daumen im Ringe des Stempels befindet, die übrigen Finger das Instrument umfassen, so dass die Spitze dem kleinen Finger zunächst liegt. Nach­dem sie etwa ebensoweit wie der Trokart eingeführt ist, sucht man durch eine langsame Bewegung des Daumens den Kolben der leeren Spritze so zu bewegen, wie es zur Füllung derselben geschieht. Findet sich noch Wasser an der betreffenden Stelle, so tritt dies in die Spritze ein und wird entfernt, das Instrument aber in derselben Weise wieder eingeführt. Legt sich beim Anziehen des Kolbens ein Theil der Coenu-rusblase gegen die Oolfnung der Spritze, so zeigt sich beim Heben des Stempels ein Widerstand. Während durch weiteres Heben des Kolbens die Blase festgehalten wird, zieht man die Spritze langsam zurück, um so den Parasiten bis durch die Hautwunde hervorzubewegen. Sobald er sich hier zeigt, erfasst man ihn mit der in der linken Hand bereit gehaltenen Pincette, legt sofort die Spritze bei Seite und nimmt auch mit der rechten Hand eine Pincette, die nicht zu fein sein darf, um nun mit diesen beiden die Blase allmälieh und vorsichtig durch die Trokart-Oeffnung hervorzuziehen, was in der Regel auch dann
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Krankheiten des Kopfes.
leicht erfolgt, wenn die Blase einen grösseren Umfang hat. Ist der noch zurückgebliebene Tbeil der Blase mit Serum gefüllt, so liisst sie sich nicht ohne weiteres durch die Trokart-Oeffimng befördern. Deutet ein grösserer Widerstand beim Extvabiren hierauf hin, so schiebe man eine dünne Stahlsonde neben der Blase in die Tiefe und suche dieselbe zu durchstossen und so Abfluss für die Flüssigkeit zu schaffen. Die meiste Schwierigkeit pflegt mit dem Ansaugen und Hervorziehen der Blase verbunden zu sein; doch gelingt dies bei einiger Uebung stets.
Nach dem Entfernen des Parasiten wird die Hautwunde nochmals desinticirt und mit Terpentin, Theer oder Collodium bedeckt; die Heilung derselben erfolgt regelmilssig per prim. int. Dagegen stellen sich dein Heilerfolge der Operation oft andere Hindernisse entgegen. Nicht selten gehen die anscheinend glücklich operirten Thiere wenige Stunden darauf ein, und bei der Section zeigt sich eine Grehirnblutung, veran-lasst durch zufällige Verletzung eines grösseren Gefilsses der Meningen. Wurde nicht sorgfältige Antisepsis angewendet, so können auch ent­zündliche Processe im Gehirn entstehen; besonders gefährlich zeigt sich in dieser Beziehung die Verletzung eines Seitenventrikels, worauf leicht ein Hydrocephalus purulentus mit tödtlichem Ausgange folgt. Die Thiere lassen in den nächsten Tagen die zunehmenden Symptome des Hydrocephalus bezw. Meningitis erkennen.
Ein weiteres Hinderniss für den Erfolg liegt in der Gegenwart mehrerer Parasiten an verschiedenen Stellen des Gehirns; sie finden sich nicht selten im Kleinhirn, wo ihre Beseitigung unmöglich erscheint.
Endlich kommt auch der Fall vor, dass man die Blase nicht an der vermutheten Stelle antrifft; nach Entfernung des Stilets findet dann kein Abfluss von Flüssigkeit statt. In diesem Falle bleibt zu überlegen, ob der Trokart tiefer eindringen, oder ob an einer anderen Stelle die Ope­ration wiederholt werden soll. Wenn antiseptisch vorgegangen wurde, hat die Wunde in der Regel keine besondere Bedeutung, und es steht der Wiederholung des Versuches an einer anderen Stelle nichts entgegen. Oft liegt der Parasit indess in der Tiefe, wo ihm auf operativem Wege überhaupt nicht beizukommen ist. Auch mit Hülfe des zuerst von Störig construirten, später von Lebmann verbesserten Hirndurch­suchers lässt sich in solchen Fällen selten etwas erreichen. Dass die Verletzungen, welche mit der Anwendung dieses Instrumentes verbunden sind, keine so grosse Gefahr einschliessen, wie man früher wohl glaubte, haben die Versuche mit demselben ergeben. Auch kann der Hirndurch­sucher nicht, wie es von Roll geschehen, als eine Quälerei, aber
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Trokarii-uiig der Schädelhöhle des Schafes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 139
ebensowenig als ein nützliches Instrument bezeichnet werden, denn es lässt sich mit demselben die Blase nur anstecben, was jedoch nicht genügt (S. 140).
Die grössten Schwierigkeiten bieten Böcke mit starkem Gehörn; bei Urnen besitzen die Stirnhöhlen eine grosse Ausdehnung, bedecken einen erheblichen Theil des Schädels, so dass man nur die hinteren Lappen des Grosshirns direct von aussen treffen kann. Ich habe in solchen Fällen versucht, zunächst die Stirnhöhle zu trepaniren und von hier aus das Schädeldach mit dem Trokart zu öffnen. Es fällt jedoch schwer, die Stirnhöhle aseptisch zu machen, zumal grössere Wasser­mengen zum Ausspülen derselben in die Nasenhöhle abfliessen und Athembeschwerden herbeiführen können. Man muss daher am hängenden Kopfe operiren, was aber mit nicht geringen Unbequemlichkeiten ver­bunden ist. Dazu kommt, dass die dünne Schleimhaut der Stirnhöhle kaum aseptisch zu erhalten ist und daher von hier aus leicht entzünd­liche Processe in die Schädelhöhle fortgeleitet werden. Am leichtesten operirt sich bei weiblichen Schafen mit dünnem Schädeldache und nicht zu dicker Haut auf demselbenlaquo;
Im ganzen waren die Erfolge bisher keineswegs so, dass man durch die Operation grössere Verluste in einer Herde abwenden konnte. Meist werden nur an 10n/i) gerettet, von denen einzelne später noch an den Folgen des Leidens eingehen. Die Operation hat daher vor­nehmlich die Aufgabe, bei besonders werthvollen Thieren den Versuch zur Erhaltung derselben ZU machen. Dabei handelt es sich aber vor­zugsweise um Böcke, bei welchen die Aussicht auf Erfolg leider am geringsten ist. Einige Operateure wollen zwar günstigere Resultate auf­zuweisen haben, andere dagegen noch schlechtere. (Engelhard ö0/o, Stöhr 150/o, Scholz 250/o, Dammann 3H0/n, Reboul, der in primi­tiver Weise mit Schustei-pfriemen und Federpose operirte, will 600/o, Sutner sogar 700/o gerettet haben. Auch Kuhlmann giebt die Zahl der Geheilten auf '/d bis '/raquo; der Operirten an, wobei diejenigen nicht mitgerechnet wurden, bei denen eine Blase Oberhaupt nicht gefunden wurde.)
Die Verschiedenheit der Resultate hängt gewiss zum Theil von Zu­fälligkeiten ab, zum Theil mag die Geschicklichkeit des Operateurs dabei zum Ausdruck kommen. Soviel steht aber fest, dass heute in der Regel so verhältnissmässig günstige Erfolge nicht mehr zu erzielen sind. Dies liegt zum grossen Theil in den Schwierigkeiten begründet, welche bei dem Schädelbau und der Beschaffenheit der Kopfhaut der modernen Schafraceu erheblich grosser sind als bei dem früheren Landschaf. Auch
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140nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Kopfes.
darf nicht übersehen werden, dass manche Operateure die Entfernung der Blase nicht als nothwendig betrachtet und daher unterlassen haben (Kuhl-mann); damit wird nur eine vorübergohende Besserung, aber keine dau­ernde Heilung erzielt. Diese Verhältnisse und der Umstand, dass man sich bei den heutigen Flcischpreisen auf derartige unsichere Versuche nicht einlilsst, erklären es, dass die Operation nur selten von Thier-ärzten, dagegen zuweilen von Laien noch ausgeführt wird.
Die Beaufsichtigung der Hunde, Behandlung derselben mit Band-wurmmitteln, mehr aber noch die Einfithrung der Stallf'üttenmg für Lämmer und Jährlinge liefern bessere Resultate als die Operation.
Oft liegt es im Interesse des Besitzers, sobald sich die Erschei­nungen der Einwanderung der Brut zu erkennen geben, die säinmt-lichen jungen Thiere für die Schlachtbank vorzubereiten. Beim Rinde ist die Drehkrankheit im nördlichen Deutschland selten, dagegen kommt das Leiden im Süden häufiger vor. Im Schlachthause zu Salzburg wurden bei einer grösseren Anzahl Rinder Gehirnblasen angetroffen. Auch in Steiermark und Karaten sowie in Tirol, Bukowina und Dal-matien soll die Binder-Drehkrankheit nicht selten sein. Abweichend vom Schaf, bei dem die Krankheit fast nur in den ersten beiden Lebens­jahren auftritt, sieht man nicht selten auch ältere Kinder leiden. Die Erscheinungen sind im Wesentlichen dieselben wie beim Schafe. Eine eigenthümliche Haltung des Kopfes, Erweiterung einer oder beider Pupillen und ähnliche Bewegungsstörungen wie beim Schafe deuten auf den Zustand hin.
Eine erhebliche Verschiedenheit besteht im Schädelbau beider Thiere. Beim Rinde reichen die Stirnhöhlen bis über den grössten Theil des Schädels hinweg, so class man erst durch die Stirnhöhle auf die knöcherne Bedeckung der Grosshirn-Hemisphäre gelangt. Daher stösst nicht nur die Diagnose, sondern auch die Behandlung auf ähnliche Schwierig­keiten wie bei den stark gehörnten Schafböcken. Weichheit des Schil­deis kann selbstverständlich hier nicht vorkommen, dagegen soll die Percussion zuweilen ein positives Resultat bieten, weil nämlich die innere Stirnbeinplatte, welche das Gehirn deckt, sich so stark vor­wölbt , dass sie mit der äusseren Platte in Berührung tritt. Man benutzt das metallene Ende des Perciissionshaminers wie an den Stirn-und Oberkiefer höhlen, Um den Sitz des Parasiten näher zu bestimmen.
Bietet die Untersuchung über diesen Punkt anscheinend zuverlässige Anhaltspunkte, so kann die Operation versucht werden. Dazu bedarf es zunächst der Trepanation der Stirnhöhle. Erst nachdem diese geöffnet ist, lässt sich die Schädeldecke auf die Gegenwart einer weicheren Stelle
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Trokarirung der Schädelhöhlo des Rindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 141
prüfen, um die Trepanation oder Trokarirung derselben nach den vorhin beschriebenen Regeln vorzunehmen.
Die Krankheit nimmt beim Rinde oft einen acuten Verlauf, so dass die Operation zu spät kommt. Sicheren Erfolg kann dieselbe aucli hier nicht versprechen und es hängt viel von Zufälligkeiten ab, welchen Verlauf sie nimmt. Zwar liegen Mittheilungen vor, wonach die Operation von Erfolg war (Cooper, Bertholet u. A.), aber auch an Berichten über ungünstige Ausgänge fehlt es nicht. Der gegenwärtig hohe Werth des Fleisches lässt es meist Wünschenswerther erscheinen, das Thier bald zu schlachten, als sich auf eine Operation einzulassen, deren Ausgang stets zweifelhaft ist. Nur bei besonders werthvollen Zuchtthieren kann ausnahmsweise von dem Verfahren Gebrauch ge­macht werden.
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Die Krankheiten des Halses.
Anatomie. Die sieben bei den Hiiusthieren verhilltnissmässig langen Halswirbel sind von einer starken Muskulatur umgeben und auf diese Weise vor directen Verletzungen geschützt. Vor, bezw. iinter der Hnlswirbelsäule liegen Luftröhre und Schlund, Jugularis und Carotis mit den grossen Nerven-stilmmen, Vagus und Sympathicus, hinter derselben das zur Anheftung der zahlreichen Halsmuskeln dienende Nackenband, welches in einen, den oberen Halsrand bildenden runden und den platten Theil zerfilllt, der in der Medianebene derselben liegend, von dem ersteren zur Halswirbelsilule sich erstreckt. Uie gesammto Halsmuskulatur wird von zwei Sehnenplatten (Aponeurosen), der sog. Nackenbinde, umgeben, die sich als ein inneres und ilusseres Widerist-Schulterband auf Widerist und Rücken fortsetzen und mit dem runden Theil des Nackenbandes in Verbindung treten.
Beim Binde findet sich am vorderen (unteren) Halsrande die als Triel bezeichnete Hautduplikatur.
I. Wunden and Qaetsohnngen der VVeichtlieile des Halses.
Obcrfläclillclie Verwundungen, das heisst solche, die sich auf die ilussere Haut beschränken, haben keine besondere Bedeutung. Tiefer reichende Verletzungen können wichtige Organe treffen. Dahin gehören:
1. Quetschungen und Verwundungen der II alsfascien und des Nackenbandes. Solange hierbei Heilung per prim. int. erfolgt, bleiben auch sie bedeutungslos; tritt aber Eiterung ein, so sterben in der Regel die seimigen Apparate (Fascien, Nackenband) ab; die Dissection der nekrotischen Massen nimmt längere Zeit in Anspruch, und während derselben kommt es zu Eiterversenkungen und Bildung neuer Nekrose. Auf diese Weise zieht sich die Heilung derartiger Verletzungen oft in die Länge und bietet selbst einer sorg­fältigen Behandlung grosse Schwierigkeiten. In erster Linie gilt dies von Verletzungen am Nackenbande oder in der Nähe desselben, welche
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Wunden und Quetschungen am Halse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;143
oft chronische Eiterimgsprocesse mit Fistelbildung zur Folge haben, die als Halsfistel oder Nackenbandfistel bezeichnet werden. Nicht selten geht der Process vom Widerist aus, dringt von hier auf das Nackenband und die Halsnuiskuhitur vor; diese Zustände sollen bei der Betrachtung der Krankheiten des Rückens berücksichtigt werden (vergl. Druckschäden). Hier sei nur bemerkt, dass in allen Fällen, wo die Fascien des Halses oder Theile des Nackenbandes verletzt sind, der Wundbehandlung die Aufgabe zufüllt, soweit möglich Re­tention und Versenkungen von Wundsecret zu verhindern; am sicher­sten wird dies durch Asepsis erreicht.
2. Verletzungen der grösseren Blutgefilsse des Halses (Carotis und Jugularis). Carotisverlet/.ung durch Säbelhieb, Lanzen­stich oder andere scharfe (xegenstände, sowie beim Aderlass aus der .Ju­gularis müssen stets als lebensgefährlich angesehen werden, indem nicht nur Verblutung sondern auch Erstickung droht. Weniger bedenklaquo; lieh sind Verletzungen der Vena jugularis; vollständige Durchtrennung derselben kann indess zur Verblutung führen; hierzu kommt noch die Gefahr des Lufteintritts in die Blutbahn, welche sowohl durch den negativen Blutdruck in diesem Grefässe, wie auch durch die Anheftung ihrer Wandung an die Nachbarschaft und das hierdurch veranlasste Klaffen des Gefässes begünstigt wird.
Ausfluss eines dunkel gefärbten Blutes in starkem, aber gleich-massigem Strahl lässt eine Verletzung der Vena jugularis vermuthen und fordert bei Querwuuden oder rollständiger Durchtrennung des Ge­fässes zur Unterbindung desselben auf. Diese muss doppelt erfolgen, peripher, um die Blutung zu stillen, central, um den Lufteintritt in die Blutbahn zu verhindern.
Stossweise Entleerung hellrothen Blutes in starkem Strahle be­weist Verletzung der Carotis, bezw. einer anderen grösseren Arterie. Hier muss sogleich und auf jeden Fall zur Unterbindung des bluten­den Gefässes geschritten werden.
Der Verschluss einer nur kleinen Hautwunde beseitigt keines­wegs die Gefahr, weil das unter der Haut und in dem lockeren Binde­gewebe des Halses sich anhäufende Blut durch Druck auf die hintere Fläche der Trachea Erstickung herbeiführen kann. Man zögere daher nicht, das Gefäss zu unterbinden. Dazu wird au der Stelle der Blu­tung ein 6—8 cm langer Hautschnitt, parallel und dicht hinter der Jugularvene gemacht. Mit den Zeigefingern drängt mau hierauf das lockere Bindegewebe bei Seite und sucht das an seiner deutlichen Pul­sation leicht erkennbare Gefäss auf, zieht es hervor, löst den Vagus. Sym-
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Krankheiten des Halses.
pathious und Reourrens ab, unterbindet nun doppelt und durclischneidet das Gef'äss zwischen den beiden Ligaturen. Die periphere Ligatur wird durch die Collateralverbindung mit den Arterien der anderen Halsseite (Hinterhaupts- und tiefe Nackenarterie) erforderlich, die Durchschnei­dung soll das Abreissen an der Unterbindungsstelle verhüten, was durch die natürliche Spannung der Carotis begünstigt würde.
Bemerkt sei, dass auch bei Carotisverletzungen das Blut gleich-massig (nicht stossweise) abfliessen kann.' Dies ist der Fall, sobald sich das Blut nicht direct nach aussen, sondern zunächst unter die äussere Haut oder in Gewehslücken (Extravasaträume) ergiesst. Die rotlie Farbe und der kräftige Strahl lassen stets eine Verletzung der Carotis vernuithen.
'A. Von grösseren Nervenstämmen können Vagus, Sympa-thicus und liecurrens verletzt werden. Da einseitige Vagusdureb-schneidung, eventuell auch des Sympathicus und liecurrens noch keine Lebensgefahr einschliesstj so kommt nur die hiermit verbundene halb­seitige Kehlkopflähmung in Betracht. Ich sah wiederholt durch solche Verletzungen beim Pferde lloaren entstehen. Wo eine Nervenverletzung besteht oder vermuthet wird, erscheint mit Rücksicht auf den ge­nannten Ausgang strenge Durchführung der Antisepsis geboten, um eine Ausbreitung des entzündlichen Processes auf die genannten Nerven zu verhindern oder eine möglichst regelmässige Vereinigung der Nerven­enden zu erzielen.
4. Nicht selten sind Halswunden mit Continuitätstren-nungen an der Luftröhre complicirt, welche zwar an sich in der Kegel nicht lebensgefährlich werden, aber durch den Eintritt von Blut in die Trachea und Lunge Erstickungstod herbeiführen können. Auch bildet das nach der Luftröhrenverletzung am Halse sich entwickelnde Emphysem oft eine unangenehme, wenn auch nicht gefährliche Complication. Die Luftröhrenverletzung giebt sich durch blutigen Nasenausfluss, schaumige Beschaffenheit des Wundsecrets, bezw. des aus der Wunde sich entleerenden Blutes, sowie durch Emphysem in der Umgehung der Wunde zu erkennen. Blutausfiuss aus der Nase, Husten, Röcheln und Athembeschwerden lassen den Eintritt grösserer Mengen Blutes in die Trachea befürchten. Wo diese Erscheinungen auftreten, muss sofort die Unterbindung der blutenden Cefässe er­folgen. Patienten mit Verletzungen der Luftröhre oder in der Nähe derselben darf man daher nicht unbeachtet lassen, zumal auch Extravasate am Halse zu Compression der Luftröhre und Erstickung führen können. Wo solche droht, wird die Tracheotomie nothwendig.
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Verletzungen am Halse.
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Diese empfiehlt sich auch da, wo sich Erscheinungen des Bluteintrittes in die Lunge hemerklich nmclien. Man legt eine Tamponkanüle an oder tamponirfc die Trachea oberhalb der Kanüle, um das weitere Einfiiessen von Blut in die Lunge zu verhindern. Dass in solchen Fällen der Traclieotubus besonders sorgfältig befestigt werden muss, um das Herabfallen der Tampons in die Trachea zu verhindern, ver­steht sich von selbst. Zu dem Zwecke und um den Tampon leichter entfernen zu können empfiehlt sich, denselben mit einem Bande zu versehen, welches um den Hals befestigt wird. Im übrigen vergleiche man das über Tracheotomie Gesagte.
5.nbsp; nbsp;Seltener kommen bei Halswunden Verletzungen des Schlundes vor, am leichtesten im unteren Dritttheil an der linken Seite des Halses. Das Auftreten von Futterstoffen oder Speichel in der Wunde beweist die Schhmdverletzung, welche zwar nicht lebens­gefährlich ist, deren Heilung aber längere Zeit in Anspruch nimmt. Ueber die Behandlung derselben vergleiche S. 185.
6.nbsp; nbsp;Durch Gegenfahren mit der Deichsel oder Rennen gegen ähnliche Gegenstände kommen nicht selten an der unteren Halsabthei­lung und zwar meist von vorn nach hinten verlaufende Verwundungen vor; oft dringen die Gegenstände 20—80 cm tief zwischen Schulter­blatt und Thorax ein und veranlassen umfangreiche Zermalmungen in der Muskulatur der Schulter und Brust. Noch bedenklicher aber werden diese Verletzungen, wenn sie sich bis auf die ersten Kippen oder den Brusteingang erstrecken; icli sah hierbei wiederholt com-plicirte Rippenbrüche entstehen.
Solange die Verwundung auf die Muskulatur beschränkt bleibt, erlangt sie keine besondere Bedeutung, doch kann Eiterversenkung oder Septicäinie mit tödtlichem Ausgange eintreten. Oft gelingt es nicht sogleich, die Ausdehnung derartiger Verletzungen genau zu ermitteln, desshalb sei man namentlich in den ersten Tagen bei der Beurtheilung vorsichtig und leite, wenn irgend möglich, recht bald permanente Irrigation ein. Wo Verletzung der einen oder anderen Rippe vorliegt, lässt sich die eiterige Pleuritis und der Tod in der Regel nicht zurückhalten. Bei nicht schlachtbaren Thieren versuche man perma­nente Irrigation, eventuell mit Erweiterung der Haut- und Muskel­wunde, um regelmässigen Abfluss des Wumlsecrets ZU erzielen. Reicht die Verletzung in die Brustmuskulatur und unter die Schulter, so leite man das gleiche Verfahren ein. Oft werden Gegenüfl'iiungen mit Anwendung von Drainröhren erforderlich; im übrigen heilen diese Wunden regelmässig.
Möller, Spoclelle Chirurgie für Thieriirate.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 10
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Krankheiten ties Halses.
Bedenkliöh werden Verletzungen, die bis auf das Brustbein oder in dessen Nähe reichen; sie rufen häufig durch Nekrose an diesem Knochen die sog. Brustbeinfistel hervor, deren Heilung meist ausge­schlossen ist (vgl. Brustbeinflstel).
Zur Vermeidung dieser Complication dient sorgfältige Reinigung der Wunde und die Anwendung permanenter Irrigation oder häufig wiederholte Ausspülung; auch Drainrohre oder Haarseile finden hier vortheilhafte Anwendung.
II. Frakturen der Halswirbel.
Lit.: Schumann, Thieiihztl. Mitth. 18U9. S. 148 {1 Halswirbel). Köhne, Gurlt u. Hertwig, 27. S. 481 (1 Halswirbel). Hering, Her. Rep. 14. S. 11 (3 und 4 Halswirbel), l'ercival, das. 14. S. 328 (2 Halswirbel). Adenot, das. 15. S. 53 (3 Halswirbel). Armbrecht, Müller-Röll 5. S. 08 (2 Hals­wirbel). Vivcs, Her. Rep. 10. S. 58 (Luxation?). Rabe, Ad. Woch. 1879. 8.1. Niki as, Münoh. Her. 1856. S. 29.
Frakturen der Halswirbel gehören namentlich bei Pferden nicht zu den seltensten Vorkommnissen. Man beobachtet Brüche des Atlas und der Knopffortsätze des Hinterhauptbeines, wie auch der folgenden Halswirbel bald einzeln, bald brechen mehrere zugleich. Unglückliches Niederstürzen, Ueborschlagen oder Ueberfahrenwerden giebt meist die Veranlassung dazu ab; daher bilden Halswirbelbrüche (Geuickbrüche) auf der Rennbahn, besonders bei Hindernissrennen kein seltenes Er-eigniss. Auch werden solche durch Aulegen eines Strickes oder Kette um den Hals widerspenstiger Pferde veranlasst, indem an diese ein anderes Pferd gespannt wird, um das statische zum Ziehen y,u be­wegen. Bei Reitpferden, welche die Neigung haben zu bocken, führt Niederstürzen mit unter den Rumpf gebogenem Kopfe leicht zu Hals­wirbelbrüchen. Die hiermit verbundene excessive Beugung des Halses verursacht meist eine Fraktur des dritten oder vierten Halswirbels. Ich sah wiederholt bei Reitpferden auf diese Weise die in Rede stehende Fraktur entstehen. Wenn die Vorderfüsse hierbei nicht recht­zeitig aufgesetzt werden, um das Vordertheil zu stützen, so fallen die Tliiere mit dem Maule zunächst zur Erde. Unter solchen Umständen kann selbst beim Fall in weichem Sande ein Halswirbelbruch ent­stehen. Unter denselben Umständen will Hertwig Brüche der Zahn­fortsätze des zweiten Halswirbels beobachtet haben, die jedoch im ganzen selten sind. Nur ausnahmsweise geben Hufschläge oder Gegenfahren mit der Deichsel Veranlassung zu Halswirbelbrüchen.
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Frakturen der Halswirbel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 147
Bei kleinen Thieren entstehen sie beim Versuch, durch enge Oeff-nungen zu krieclien, indem die Thiere in denselben stecken blöiben und sich frei zu machen bemühen; bei ihnen geben auch wohl Schläge mit schweren Stöcken die Ursache ab. Rinder können sich Hals­wirbelbrüche durch heftiges, gegenseitiges Stossen zuziehen.
Erscheinungen. Bei Pferden folgt in der Regel augenblicklich der Tod unter Stillstand der Respiration und der Herzthätigkeit, was bei dem Ursprünge des Nervus phrenicus und der übrigen Respirations­nerven erklärlich erscheint. Bei Frakturen des ersten sowie der letzten beiden Halswirbel leben die Thiere zuweilen noch einige Zeit fort. Doch haben Frakturen der letzten beiden Halswirbel häufig Lähmung der Vor- und Nachhand zur Folge.
Ein Reitpferd, welches sich beim Fall einen Bruch des 6. Halswirbels zugezogen hatte, konnte noch eine Stunde weit geritten werden, ging aber 4 Tage später ein, worauf durch die Section diese Fraktur festge­stellt wurde (0. E, Scharfenberg mündl. Mittheilung). Ein Pferd fiel, nachdem es gegen eine Thür gerannt war. nieder, stand bald wieder auf und arbeitete noch 8 Stunden. Am nächsten Tage stellten sich jedoch Lilhmungs-erscheinungen und am dritten der Tod ein. Bei der Section zeigte sich der Körper des 2. Halswirbels quer gebrochen (Niklas). Ein von Kabe secirtes Pferd hatte sich am 21. August durch Fallen eine Fraktur des 1. Halswirbels zugezogen und zeigte steife Haltung des Kopfes, Anschwellung in der Gegend des Atlas und drohte niederzustürzen, sobald man den Kopf zu heben versuchte. Nachdem es bis zum 8. September ruhig im Stalle gestanden hatte, wurde es bewegt, worauf sich bald eine Verschlimmerung einstellte, in Folge deren alsbald die Tödtung erfolgte. Ein Rind konnte noch laufen, nachdem es im Kampfe mit einem anderen niedergestürzt war. Im Stalle aber stellte sich bald Lähmung ein und bei der Section wurde der 2. Halswirbel in viele Stücke zersplittert gefunden.
Köhne beobachtete beim Pferde einen Brneh beider Flügelfortsätze des Atlas durch Uebersohlagen. Am folgenden Tage fand sich angestrengte Respiration, schwankender Gang und auffällige Steiflgkeit des Genickes, sowie Zuckungen in den Muskeln des Halses und hochgradige Schmerzen bei der Berührung des Genickes.
Diese Erscheinungen bestanden auch an den folgenden Tagen, und als das Pferd sich am 22. Tage der Erkrankung abermals überschlug, konnte es sich nicht wieder erheben und starb am 25. Tage nach dem ersten Unfall. Bei der Section zeigte sich an den abgebrochenen ElUgelfortsätzen bereits Callusbildung; an den Meningen der Medulla oblongata bestanden entzünd­liche Erscheinungen.
Beim Menschen pflegen Verletzungen des Malsmarkes mit ab­normer Temperatursteigung (43—44deg; C.) verbunden zu sein; bei Thieren liegen hierüber keine Beobachtungen vor.
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Krankheiten des Halses.
Der Verlauf gestaltet sich also ähnlich wie beim Menschen, wo der Tod sogar meist noch später eintritt, weil die Medulla oblon-gata bezw. das Rückenmark häufig von vorn herein nicht mitverletzt wird; durch Verschiebung der Knochenstücke, Blutung in den Wirbel­kanal oder entzündliche Processe wird aber in der Kegel die Function des Rückenmarkes später gestört und der Tod herbeigeführt. Bei Brüchen des 3, bis 6. Halswirbels pflegt der Tod sofort unter Er­scheinungen der Suffocation einzutreten.
Da der Zwerchfellnerv aus dem 5., 0. und 7. Halsnerven zu-siimmengesetzt ist, so wird die Functionsfähigkeit desselben bei Brüchen der letzten Halswirbel bald vernichtet, wodurch nothwendig Erstickung eintreten muss.
Wo sich der Bruch auf den einen oder anderen Fortsatz be­schränkt, können die Thiere noch länger fortleben, unter Umständen sogar genesen.
Behandlung. Bei Brüchen am Körper der Halswirbel ist in
der Hegel von Behandlung keine Rede, weil der Tod fast unmittelbar der Frakturirung folgt.
Amlerenfalls sowie bei nicht schlachtbaren Thieren ist vor allem Sorge zu tragen, dass Verschiebungen der Bruchfragmente verhütet werden. Man gebe also, wo ein solcher Bruch vermuthet wird, dem Thiere absolute Ruhe und treffe Vorrichtungen, dass die Bewegungen des Kopfes und Halses möglichst vermieden werden. Ebenso wird es sich bei Brüchen an den Wirbelfortsätzen darum handeln, dem Thiere mög­lichste Ruhe zu geben und die Heilung abzuwarten. Liegen gleich­zeitig Verletzungen der Weichtheile vor, so muss ein antiseptisches Verfahren eingeleitet werden, um den Eintritt von Eiterung mit Ne-krose und die Ausbreitung der entzündlichen Processe zu verhüten.
Den Brüchen der Halswirbclkörper gleich zu erachten sind voll­ständige Verrenkungen derselben, wie sie bei Pferden vorkommen sollen. Auch sie rufen fast augenblicklich den Tod hervor, so dass während des Lebens eine genaue Diagnose kaum möglich wird. Den in der Literatur als Luxationen der Halswirbel beschriebenen Beob­achtungen haben jedoch zweifellos häufig Frakturen der Halswirbel zu Grunde gelegen.
Das gilt auch von einem von Vives mitgetheilten Falle. Das Maul-thier, welches sich im Freien befand, wurde, nachdem es noch unmittelbar vorher munter umhergesprungpii war, mit gesenktem und ausgestrecktem Kopfe unbeweglich angetroffen, Vives fand lebhaften Schmerz beim Versuche den Kopf zu heben, Anschwellung im Genick und Schiefstellung des Hinter-
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Torticollis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 149
Hauptes; der Kopf wurde nach links gehalten. Der rechte Flügel des Atlns ragte mehr hervor, der linke war unfühlbar. Am nilchsten Tage war starke Anschwellung des Kopfes (S. 07) eingetreten und am 35. Tage der Zustand im Wesentlichen derselbe.
III. Yerkriuimiung des Halses. Sehiefhals. Torticollis. Caput obstipum.
Lit.: I mine Im an n , Thicrilr/.tl. Mitth. 1873. S. 172. Farn bach, Dresd. Ber. 1889. S. 71. Sohrader, Zeitschrift von Busch. Bd. 111. S, 30. Youatt, The Veterinarian. 1839. Lebel, Rec. de med. vetcr. S. 391. Hurtrel d'Arboval, Dictionnaire, deutsch von Renner. Bd. III. S. 108. ttohier, Memoires et observations. Bd. II. S. 106. Ammon, Handbuch für an­gehende Thieriirzte. 2. Aufl. gt;S. 29. Auszug aus den Rapporten der Armee. 1887. I.Quartal. S. 24. Guituud, Journal de Vctcrinaires du midi. XXXI. Hering, Her. Kep. 29. S. 211. öerlaoh, Garlt u. Hartwig. 20. S. 208. Stöhr, Th. Mitth. 1870. S. 95. Spooner, The Vct. 1838. Jons, Ibidem. 1839. Busse, Cbirlt u. Hertwig. 16. S. 14. Kl euch, .labresb. 1884. S. 112. Uebele, Her. Rep. 43. S. 194.
In der humanen Medizin kommt seit alter Zeit der Sammel­name „Sehiefhals, Torticollis oder Caput obstipum für verschie­dene, oft erst bei genauer Untersuchung, nicht selten überhaupt nicht näher erkennbare Leiden in Anwendung. Auch bei Thieren finden sich zuweilen Verdrehungen des Halses, von denen es zweifelhaft bleibt, welche anatomischen Veränderungen denselben zu Grunde liegen. Desshalb erscheint es mir durchaus berechtigt, die obige Bezeichnung zu aeeep-tiren, wenn auch in jedem Falle die Natur des Leidens nach Mög­lichkeit ermittelt werden muss. Derartige Verkrümmungen oder Ver­drehungen des Halses können veranlasst werden:
1. Durch ivrilmpfe oder Contmcturen in den Hals­muskeln. Beim Menschen kommt hier in erster Linie der M, sterno-cleido mastoideus in Betracht. Die Verkürzung desselben ist oft an­geboren, oder sie entwickelt sich durch narbenhildende Vorgänge erst mich der Geburt. Bei Thieren wurden solche Zustände bisher nicht beobachtet.
Dagegen berichtet Uebele über ein 8 Tage altes Fohlen, welches in kurzen Zwischenzeiten Krämpfe der linksseitigen Halsmuskeln zeigte, so dass der Kopf nach links gezogen wurde. Wenn das Tliier nicht unterstützt wurde, fiel es zu Boden. Der Zustand verlor sich in 14 Tagen.
Ich sah wiederholt bei Pferden voriibeigehende Schiefstellung des Kopfes und Halses in Folge rheumatischer Afi'ectionen in den ge-
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Krankheiten dos Halses.
nannten und anderen Halsmuskelni flio Zustände waren mit einer aus-gesproohenen Schulterliih mheit verbunden.
Auch bei Hunden treten ilhnliche, rlicnuniitisclie Conti'actioneu in den Halsmuskeln auf und zwar meist beiderseits; sie geben sich durch grössere Schmerzhaftigkeit und scheinbare Anschwellung des Halses ZU erkennen. Das Leiden währt oft nur wenige Stunden; ich fand es namentlich bei Möpsen mit Neigung zu Hccidiven verbunden.
2. Durch Lähmungen der Halsmuskeln. Während die vorhin genannten Leiden an der concaven Seite des verbogenen Halses ZU suchen sind, liegt die Ursache des paralytischen Torticollis an der convexen Seite und wird bei Hunden und Kaninchen im Verlaufe von Mittelohrerkrankungen beobachtet. In den Rapporten der Armee wird über ein Pferd berichtet, bei dem durch Neubildungen (Sarkom) am Felsenbeine Lähmung der Muskeln und Schiefhalsbildung eingetreten war. Bei Pferden stellt sich Torticollis als Theilerscheinung allge­meiner Lähmung bei Meningitis cerebralis ein; ebenso bei Erkrankungen der Medulla oblongata und spinalis am Halse.
Heim Geflügel (Hühnern, Enten) sah ich mehrfach halbe Um-drehungen des Halses, so dass der Schnabel nacli hinten gerichtet war, in Folge von Gehirnleiden und Leucbtgiis-Intoxicationen. Aehn-liches beobachtet man bei Kanarienvögeln.
'A. Durch entzündliche Erkrankungen der Weichtheile, namentlich der Muskulatur in Folge heftiger Dehnungen, verbunden mit Zerreissungen. Bei Pferden werden solche Zustände durch Nieder­stürzen hervorgerufen und vielfach als Subluxationen der Halswirbel gedeutet. Fambach beobachtete bei einem Pferde durch Hängen­bleiben in der Halfterkette Zerreissung des runden Theils des Nacken-bandes unmittelbar hinter dem Occiput. Es trat Eiterung und Nekrose ein, woran das Pferd zu Grunde ging.
4. Subluxationen und Frakturen der Halswirbel. Voll­ständige Luxationen und Frakturen der Halswirbelkörper führen, wie oben beschrieben, meist alsbald den Tod herbei. Dagegen können Sub­luxationen derselben ohne Verletzung des Rückenmarkes vorkommen und mit Verdrehung des Halses verbunden sein. In Frankreich be­zeichnet man den Zustand als „Entorse vortebro-cervicalequot;. Es handelt sich hierbei um Subluxation des einen oder anderen schiefen Fort­satzes. Da die Wirbelkörper durch Faserknorpel mit einander verbunden sind, so würde ihre Trennung genauer als Diastase bezeichnet werden, ein Znstand, der nicht selten mit Frakturen an den schiefen Fort­sätzen der Halswirbel complicirt ist. Nach den Angaben Seh raders
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Torticollis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;151
soll schon Hippokl'ates erklärt haben, dass es sich bei den als Hals­wirbelverrenkungen bezeichneten Krankheiten vielfach um Muskelleiden handele, und in demselben Sinne soll sich Absyrtos bereits geäussert haben, indem er an seinen Zeitgenossen „Historicusquot; schrieb: sed te nolo latere, non luxationem esse sed perversionem (Sohl* ad er). Auch Lebel, Hurtrel d'Arboval und Andere bestritten die Möglichkeit der Halswirbelverrenkung und stützten sich namentlich auf die Beobachtung spontaner Heilungen. Von Hertwig wurde jedoch durch die Section nachgewiesen, dass unter Zerreissung der Bänder der schiefen Fort­sätze Verschiebungen der Halswirbelkörper eintreten können; Wil­liams fand Erweichungsprocesse in dem die Halswirbel verbinden­den Faserknorpel. Für diese Möglichkeit spricht ferner die Beobach­tung, dass derartige Zustände mit Hinterlassung deutlicher Verkrüm­mung heilen. Guitaud und Andere konnten ferner deutliche Crepita­tion bei dem Leiden feststellen; Busse will den abgebrochenen schiefen Fortsatz des Halswirbels direct gefühlt haben. Diesen That-sachen gegenüber kann der von Hering angestellte Versuch, den Zustand beim Pferde künstlich herbeizuführen, die Möglichkeit solcher Subluxationen und Frakturen nicht widerlegen. Aus den Beobachtungen Herings geht nur hervor, dass auch einfache Muskelverletzungen ähnliche Abweichungen in der Stellung des Halses herbeizuführen im Stande sind. Ger lach beobachtete das Leiden bei Kühen wie auch Pferden und bezeichnete es als Distorsion der Halswirbel.
Bei incompleter Verrenkung der Halswirbel wird der Kopf bald nach einer Seite gerichtet (Abductionsluxation), bald erfahrt der Hals eine mehr oder weniger ausgesprochene Drehung (Kotationsluxation). Genau genommen entspricht nur die letztere in ihren Erscheinungen dein Torticollis.
Man beobachtet den Zustand am häufigsten bei Pferden, die beim Versuche, sich mit dem Hinterfuss am Kopfe zu kratzen, mit dem Fusse in der Halfter hängen bleiben und niederstürzen, oder bei wider­spenstigen Pferden, denen ein Strick oder eine Kette um den Hals gelegt wird, um dieselben durch Vorspannen eines anderen Pferdes zum Ziehen zu zwingen.
Diagnose. Es liegt auf der Hand, dass die beschriebenen Krank-heitszustände selbst bei sorgfältiger Untersuchung nicht immer genau von einander zu trennen sind. Allerdings wird man nicht nur die Symptome, sondern auch die Umstände, unter denen das Leiden aufgetreten war, berücksichtigen. Bei dem durch Muskelleiden ver-
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Krankheiten des Halses.
anlassten Schief'hals lassen sich in der Regel Schmerzen, Schwellung und andere entzündliche Veränderungen nachweisen; auch gelingt es oft den Hals in seine normale Lage zu bringen; derselbe fallt aber nach dem Aufhören dieser Unterstützung in die fehlerhafte Stellung zurück. Fehlen unter solchen Umständen entzündliche Erscheinungen, so er­scheint die Annahme einer Lähmung berechtigt, namentlich, wenn die bei Thieren seltenen Narbenretractionen als Ursache des Zustandes aus­geschlossen werden können; die Lähmung ist an der convoxen Halsseite ZU suchen. Frakturen und Subluxationen der Halswirbel geben sich zuweilen durch Crepitation zu erkennen. Der durch sie hervorge­rufene Schiefhals besitzt ferner die Eigenthümlichkeit, dass er nicht leicht in die normale Lage zurückgebracht werden kann; sobald dies aber erfolgt ist, verharrt der Hals in derselben, wodurch sich der Zustand von den beschriebenen Muskelleiden unterscheidet. Viele Beobachter wollen bei Subluxationen eine abnorme Beweglichkeit des Halses ge­funden haben; wahrscheinlich ist damit die Ubermässige Bewegungs­freiheit nach einzelnen Richtungen gemeint; im Allgemeinen pflegt die Beweglichkeit bei allen diesen Leiden eingeschränkt zu sein.
Folgezustände. Geringfügige Verbiegungen des Halses rufen in der Regel keine weiteren Störungen hervor; stärkere Verlagerungen des Kopfes pflegen mit auffälligen Locomotionsstörungen verbunden zu sein. Die Thiere sind zuweilen unvermögend sich aufzurichten und zu stehen. Sobald jedoch der Kopf in seiner normalen Lage unter­stützt wird, gelingt beides. Andere machen Manegebewegungen und zwar nach der Seite, wohin der Hals verbogen ist. Erreicht die Ver­drehung des Halses einen hohen Grad, wie es bei Fleischfressern und Kaninchen nicht selten der Fall ist, so stürzen die Thiere bei jedem Versuche sich aufzurichten nieder und machen rollende Bewegungen des Körpers um seine Längsachse; ich sah dies häufig bei Hunden in Folge Erkrankung des Mittelohrs und bei Kaninchen, welche mit der Ohrräude behaftet waren.
Zuweilen wird der Kopf tief getragen oder stark gesenkt; so bei Pferden, welche sich eine stärkere Dehnung der gesanunten Hals-muskulatur zugezogen hatten. Die Folge der andauernden Senkung ist eine bedeutende ödematöse Anschwellung des Kopfes, wodurch der­selbe dem eines Nilpferdes ähnlich werden kann (S. 07). Zerreissungen des oberen Theils des Nackenbandes lassen sich direct erkennen und sind mit stark gesenkter Haltung des Kopfes verbunden. Die­selbe Erscheinung stellt sich bei Erkrankung der oberen Halswirbel
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Torticollis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 153
und deren Gelenke ein. Ich sah den Zustand bei eitriger Arthritis zwischen dem ersten und zweiten Halswirbel, veranlassfc durch den Einbruch eines retropharyngealen Abscesses. Das Leiden war noch da­durch ausgezeichnet, dass das Pferd den Kopf und Hals steif hielt. Machte man den Versuch, den Kopf in die Höhe zu heben, so drohte der Patient niederzustürzen. Während bei einer purulenten Arthritis meist Fieber besteht, fehlt dieses bei den auf mechanischem Wege entstandenen Muskelleiden in der Regel.
Verlauf und Beurtheilung. Der auf rlieumatischer Erkrankung der Muskeln beruhende Schiofhals verliert sich meist in wenigen Tagen; bei Hunden dauert der Zustand oft nur wenige Stunden, kehrt aber bei einzelnen Individuen öfter wieder und wird auf diese Weise für den Patienten wie auch für den Besitzer iiusserst lästig, da die Thiere während des Anfalls oft erhebliche Schmerzen äussern, dauernd winseln oder schreien. Das durch Paralysen veraulasste Caput obstipum kann ebenfalls in kurzer Zeit verschwinden, aber auch länger andauern und selbst unheilbar sein. Bei der Prognose kommt es darauf an, die Ursachen der Lähmung zu ermitteln; gegen die im Ver­laufe von Ohrleiden aufgetretenen Lähmungen zeigten sich in den von mir beobachteten Fällen alle Heilversuche erfolglos. Die Thiere wur­den später getödtet. Lähmungen, welche erst kurze Zeit bestehen, durch rheumatische oder traumatische Einflüsse hervorgerufen, also meist plötzlich entstanden sind, lassen eher Heilung erwarten, als die langsam ausgebildeten, auf centraler Erkrankung beruhenden, bei denen die Prognose stets zweifelhaft erscheint. Durch Complication mit Krämpfen nimmt der Zustand einen noch bedenklicheren Charakter an. Durch Muskelüberdehnungen entstandene Verbiegungen des Halses heilen dagegen in Zeit von 8 —14 Tagen, oft schon früher. Hert-wig betont mit Recht, dass man bei der Diagnose in den ersten Tagen Vorsicht walten lassen soll, und dass auch der Grad des Leidens einen Massstab für die Beurtheihmg nicht abgeben kann, indem oft schwere Störungen in kurzer Zeit verschwinden, während anscheinend leichte Fälle einen ungünstigeren Verlauf nehmen.
In der Regel hinterlassen die durch Muskelleiden veranlassten Zustände keine bleibenden Folgen, doch geben sich umfangreiche Zerreissungen später durch eine Vertiefung (Narbe) zu erkennen; Sehr ad er fand bei einem dreijährigen Füllen eine Grube am Halse, in welche man eine Faust legen konnte. Nach Luxationen bezw. Frak­turen werden durch Callusbildunff Verdickmm'en beobachteti llave-
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Krankheiten des Halses.
mann stellte solche bei Pferden tin der concaven Seite des erkrankten Halses fest.
Wichtig für die Prognose hleibt der Umstand, ob die Thiere im Stande sind, sich auf den Beinen zu erhalten und Futter aufzunehmen. Wenn dieses längere Zeit hindurch gestört ist, gehen sie an Decubi-tus zu Grunde oder verlieren derartig im Nährzustande, dass ihr Werth erhebliche Einbusse erleidet. Bei sohlaohtbaren Thieren sei man da­her besonders vorsichtig in der Beurtheilung des Leidens. Wenn in den nächsten Tagen keine erhebliche Besserung eintritt, liisst man sie sohlachten.
Noch ungünstiger gestaltet sich die Prognose da, WO eiterige Erkrankung des einen oder anderen Gelenkes namentlich zwischen dem Occiput und dem ersten Halswirbel vermuthot werden muss.
Behandlung. Beim 'rheumatischen Torticollis finden warme Ein­hüllungen, Einreibungen mit flüchtig erregenden Mitteln und innerlich Salicylsiiure. Antipyrin und ähnliche Mittel Anwendung. Vorbiegungen des Halses durch Dehnungen der Muskulatur sowie Erkrankungen an der Halswirbelsäule machen es zunächst wünschenswerth die Thiere aufrecht ZU erhalten. Zuweilen genügt die Anlegung eines Gurtes, Spannstockes oder eines schmalen Brettes, um den Hals gerade zu halten. Man befestigt diese; mit dem Brustgurt und einer starken Halfter an der concaven Halsseite; oft reicht einfaches Hochanbinden dazu aus.
Liegt eine Luxation vor, so muss die Reposition versucht werden. Bei grossen Pferden wird die Contraextension durch das Körpergewicht erzielt, WO nicht, lasse man mit Hülfe eines Kummetes oder Sielen­geschirrs den Körper fixiren. Mittelst einer starken gut passenden Halfter erfolgt die Extension durch mehrere kräftige Gehülfen oder mit Hülfe eines Flaschenzuges; Godine will dabei eine Verlängerung des Pferdehalses um 8 cm erzielt haben. Immelmann legte einen starken Hopfensack um den Kopf des Pferdes und liess 15 Personen an demselben ziehen. Während der Extension sucht der Operateur an der Mitte der Einbiegung durch Druck bezw. Drehung des Halses die Reduction zu unterstützen, die in der Hegel gelingt und sich dadurch zu erkennen giebt, class die Verdrehung des Halses zunächst beseitigt ist. Busse legte das Pferd mit der concaven Halsseite auf eine Ver­tiefung des Bodens und liess mit Hülfe eines Brettes auf die convexe Stelle einen starken Druck ausüben. Oft ist die Reduction jedoch nicht von Dauer, indem sich beim Aufstehen des Thieres die krank­hafte Verschiebuilff von neuem einstellt. In solchem Falle liegt meist
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Torticollis.
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eine Fraktur an den schiefen Fortsätzen vor, und wird die Anlegung eines Verbandes nothwendig.
Schon Horhvig machte hierauf aufmerksam und empfahl zwei Schienen von Holz oder Blech, welche den Seitenflächen des Halses genau angepasst, von der Schulter bis zum hinteren Kunde des Unter­kiefers reichen und am oberen und unteren Halsende durch Stricke und Bänder fest mit einander verbunden werden. Stockfleth empfiehlt eine von Knudsen construirte eiserne Schiene (Fig. 44); es ist klar, dass durch ihre Biegsamkeit die Anpassung erleichtert wird. Da wo die Schiene sich an der convexen Seite fest an den Hals legt, muss zur Vermeidung von Quetschung eine Unterlage von Werg oder Watte
Fig. 44.
Scliienelbci HalswirbelveiTenkung nach Knudsen (Stookttctli
angebracht werden. Beim Aufstehen wird das Pferd von Gehülfen am Kopfe unterstützt, sodann an einer Wand hoch angebunden.
Unter Umständen kann die Anwendung eines Hängegurts zweck-mässig werden. Bei Rindern verfährt man in derselben Weise. Der Verband bleibt etwa 8—14 Tage, zuweilen noch länger liegen. Wäh­rend der Zeit achte man darauf, dass kein Decubitus entsteht und polstere eventuell die Schienen.
Entzündliche Erscheinungen verlangen zuweilen die Anwendung kalter Umschläge; später kann Massage zur Förderung der Zertheilung nützlich werden.
Die mit dauernder Senkung des Kopfes verbundenen ödematösen Anschwellungen desselben können durch Verengerung der Nasenein­gänge Respirationsbeschwerden zur Folge haben; im Nothfalle wird die Tracheotomie ausgeführt. Durch Heben des Kopfes, Stützen des-
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selben mit einem Gurt oder Sack lilsst sich die Anschwellung meist in kurzer Zeit zum Verschwinden brinü'en.
IV. Der Kropf. Struma.
Lit; Lycltin, Bad. llitth. 1888. S. 11. Gurlt (Haubner), Mag. v. Gm-lt u. Hertwig. Bd. 1. S. 37. Massot, Schweiz. Arch. 1881. S. 181. Breisacher, Arthiv für Physiol. 1890. S. 509. Schmidt, Müll. Roll. Bd. 16. Jowse-jenko, Jaliresber. 1888. S. 126. Johne, Dresd. Ber. 1863. S. 88. Rydy-gier. Arch, für kl. Chir. 40. Heft 4. Johne, Dresd. Ber. 1881. S. 31. Massot, Kochs Revue. 1887. S. 63. Johne, Dresd. Ber. 1880. S. 44. Honert, Zeitschr. für Vetork. 1890. S. 228.
Die Schilddrüse bildet bei unseren Hausthieren zwar nicht so häufig Sitz von Erkrankungen wie heim Menschen, doch werden solche namentlich bei Fleischfressern, aber auch bei Pferden und Kindern angetroffen. Acute Entzündung derselben (Thyreoiditis) ist bei Thieren unbekannt, doch beobachtet man vorübergehende Schwellung der Drüse ohne sonstige entzündliche Erscheinungen bei Pferden und Hunden im Verlaute katarrhalischer Affectionen der Rachenhöhle; mit dem Ab­laufe dieser Leiden verschwindet auch die Anschwellung.
Häutiger treten bei Thieren Neubildungen in der Schilddrüse auf, welche in ihrem Wesen oft nicht näher erkannt werden; auch kommen hyperplastische Processe in der Drüse vor. Die letzteren werden seit alter Zeit mit dem Namen Struma belegt; doch lassen sich in den Organen auftretende Neubildungen von dieser Art Er­krankung oft kaum trennen und fallen daher klinisch meist unter den Begriff „Kropf, Es sind folgende Kropfarten zu unterscheiden:
Der eigentliche Kropf, beruhend auf einer Hyperplasie der Schilddrüsenfollikel mit colloider Metamorphose ihres grösstentheils aus Eiweisssubstanzen bestehenden Inhaltes. Geht die Anschwellung vornehmlich aus den stark vergrösserteu Follikeln hervor, so spricht man von einer Struma fol lieu lar is. Meist erstreckt sich diese Veränderung über das ganze Organ oder doch eine Hälfte desselben; seltener bleibt sie auf einzelne Abschnitte beschränkt.
Als „Faserkropfquot; bezeichnet man ein Bildung, wobei na­mentlich das Bindegewebe in der Schilddrüse vermehrt ist, die Follikel derselben dagegen in den Hintergrund treten. Diese Form findet sich öfter auf einzelne Abschnitte der Drüse beschränkt und scheint mehr entzündlichen Ursprungs zu sein.
Bei dem grossen Ueichthum der Schilddrüse an Blutgefässen
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Struma.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 157
kann es nicht auffallen, class diese gelegentlich eine starke Ausdehnung erfahren. Dies gilt besonders von den Venen, die zuweilen eine be­deutende Erweiterung erleiden und so zur Bildung der Geschwulst beitragen, ein Zustand, der als „Gefilsskropfquot; (Struma vari-cosa) bezeichnet wird.
Nicht selten tritt die Ausdehnung einzelner Follikel in den Vor­dergrund, wodurch der sogen. „Balgkropfquot; (Struma cystica) entsteht.
Von den specifischen Neubildungen in der Schilddrüse ist das Carci-nom zu nennen, welches Bruckmüller u. A. bei Hunden beobachteten; Gerlach fand beim Pferde Sarkom der Schilddrüse. Von Bruck­müller u. A. wurden bei Rindern tuberkulöse Wucherungen in der Schilddrüse angetroffen. Absolut zuverlässig sind diese Mittheilungen über die Natur jener Neubildungen jedoch nicht, weil damals noch keine so scharfe Trennung der Neubildungen bestand wie heute. Johne hat indessein Schilddrüsen-C arcinom mit secundärem Carcinom der Lungen beim Pferde genauer beschrieben; ebenso Honert ein Sarkom der Schilddrüse des Pferdes.
Ursachen. So wenig wie die Ursachen der Tumoren ttberhaupt sind auch die des eigentlichen Kropfes bekannt. Endemische Verbreitung will man ebenso wie beim Menschen auch bei Thieren gesehen haben (Baillanger beim Maulthier, Würz beim Rinde). Von französischen Veterinären wurde ferner behauptet, class in den Gegenden, wo der Kropf beim Menschen häufig auftrete, dasselbe auch bei Thieren der Fall sei. Dass Bodenverhältnisse hierbei eine Rolle spielen steht fest, allein über die nächste Veranlassung des Leidens herrscht noch volles Dunkel. Ob die Gegenwart magnesiabaltigen Bodens oder Mangel an Jod und Brom hierbei von Einfluss ist, wie behauptet wird, bleibt vorläufig dahingestellt. Ebensowenig ist über den Zusammenhang des Kropfes mit Cretinismus Näheres bekannt; bei Thieren liegen hierüber keine Beobachtungen vor.
Auch bei Thieren, namentlich Fleischfressern, sehen wir den Kropf vornehmlich in jüngeren Lebensjahren entstehen; auch wird das Leiden ohne Zweifel unter Umständen vererbt; ich sah mehrfach fast sämmtliche Hunde eines Wurfes am Kropf leiden. Lydtin be­richtet über einen Hengst, der den Kropf auf fünf seiner Nachkommen vererbte. Johne beobachtete erblichen Kropf beim Dromedar. Nach Haubner trat in einzelnen Jahren Kropfbildung bei Lämmern derselben Herde endemisch auf; in einem Jahre waren (3, im folgenden 10 neu-
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158nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten dos Halses.
geborene Lämmer mit Kropf behaltet. Haubiier glaubte, tluss Ver­erbung durch den Bock die Ursache gewesen sei. Aehnliche Beobach­tungen machte Gurlt hei Ziegen. Beachtenswerth ist jedoch die That-sache, daSB die Grosse der Schilddrüse bei den einzelnen Thieren, namentlich Pferden, erheblich schwankt. Nicht selten nehmen ihre Lappen, die beim Pferde und Kinde von Kastaniengrösse sind, den Umfang eines Enteneies an, während die Commissur schwach entwickelt bleibt. Diese Eigenthümlichkeit zeigt sich bei einzelnen Familien in grösserer Verbreitung und scheint in gewissem Grade erblich zu sein. Als Kropf kann der Zustand nicht immer bezeichnet werden, da eine Aenderung, namentlich fortschreitendes Wachsen der Geschwulst nicht erfolgt. Auf diese Erscheinung sind offenbar verschiedene Mittheilungen der Literatur über Vererbung und enzootische Verbreitung der Kröpfe bei Thieren zurückzuführen.
Symptome. Die auffälligste Erscheinung des Kropfes bildet die Anschwellung dicht unter dem Kehlkopfe zur Seite der Luftröhre. Bei Pferden tritt die normale Drüse zu jeder Seite als ein etwa kastaniengrosses Organ hervor, das hierbei den Umfang einer Doppel­faust erreichen kann. Bei Munden nimmt jeder Drüsenlappen zuweilen die Grosse einer starken Mannesfaust an. In dem Masse das Organ grosser und schwerer wird, pflegt es sich zu senken und dadurch noch deutlicher hervorzutreten. Bald leidet nur eine Seite, bald beide.
Bei Hunden besteht eine grössere Beweglichkeit des Tumors, in Folge dessen das zunehmende Gewicht zur Senkung desselben führt. Die Drüse steigt hier nicht selten bis zum unteren Halsende herab und liegt unmittelbar vor der Brust. Entziindungserscheinungen, Schmerz, vermehrte Wärme u. s. w. fehlen.
So lange die Schilddrüse nicht erheblich vergrössert ist, bildet die Struma bei Thieren in der Kegel nur einen Schönheitsfehler. Massot sali jedoch beim Pferde durch den Druck des Kropfes auf die Luftröhre Atbembeschwerde entstehen. Häufiger ist dies bei Hunden der Fall. Ich habe wiederholt Hunde gesehen, die in Folge starker Kropfbildung unfähig waren, sich niederzulegen, weil beim Liegen durch den Druck der Geschwulst auf die Trachea Athemnoth entstund. Die Thiere hielten sich nur dadurch noch einige Zeit am Leben, dass sie fortdauernd mit den Vorderfüssen eine stellende Haltung annahmen, bis sie schliesslich.durch Tödtung von dem unglücklichen Zustand befreit wurden. Johne berichtet über ein Dromedarkalb, welches schon wäh­rend der Geburt durch eine 6600 Gr. schwere Kropfgeschwulst an
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Struma.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;159
Erstickung zu Grunde ging. Beim Pferde führte ein Sarkom tier Schilddrüse, welches sich in l1/'^ Jahren über den Kehlkopf fortgesetzt hatte, schliesslich durch Suffocation zum Tode (Honert).
Beurtheilung. Aus dem Angeführten ergiebt sich, dass die Struma bei Thieren nicht immer bloss einen Schönheitsfehler darstellt; dies gilt namentlich bei Hunden in jüngerem Lebensalter, Die Be­deutung des Leidens hängt zwar in erster Linie von dein Grade der Vergrösserung der Drüse ab, doch darf nicht vergessen werden, dass diese allmiilich zuzunehmen pflegt. Es kommen indess nicht selten Kröpfe, namentlich bei Pferden vor, welche niemals Störungen veran­lassen. Die Prognose wird aber bei der Struma um so bedenklicher, als die Therapie keineswegs sichere Aussicht auf Heilung gewährt. Selbst die Exstirpsition der Geschwulst ist nicht nur wegen der Ge­fahr grösserer Blutungen bedenklich, sondern es entwickeln sich nach totaler Exstirpatlon der Schilddrüse häufig eigenthümliche Krank­heitserscheinungen, die man als Cachexia strumiprivu bezeichnet hat. Wir sehen dieses Leiden am meisten bei jungen Hunden nach Entfernung der Drüse auftreten. Einige Wochen nach der Operation stellt sich ein auffälliger Schwächezustand, verbunden mit Anämie und Abmagerung ein, an dem die Thiere schliesslich zu Grunde gehen, wenn sie nicht früher getödtet werden. Im Verlauf des Leidens wurde beim Menschen an verschiedenen Körperstellen Oedeiri (Myxoedoin) beobachtet.
Uober die Beziehung dieser Krankheit, die beim Menschen mit senso-riellen Störungen (Cretinismus) verbunden ist, zu der Entfernung der Schild­drüse fehlt zur Zeit noch eine nähere Aufklärung. Früher glaubte man, dass die Schilddrüse ein secretorisches Organ sei, dessen Function für das Leben nicht entbehrt werden könne. Durch G r ü t z n er wurde darauf hingewiesen, dass die arteriellen Gofilsse der Schilddrüse ebenso gross sind wie die des Gehirns, welches an 20mal umfangreicher ist als die Schilddrüse. Daraus hat man auf eine secretorische Function derselben geschlossen. Auch Horsley sprach sich neuerdings für diese Ansicht aus, die noch durch die Thatsacho anscheinend gestützt wird, dass das Leiden nicht eintritt, wenn eine Hälfte oder auch nur Theile der Drüse dem Körper erhalten bleiben. Andere (Munk) glauben, dass die nach der Schilddrüsenoxstirpation be­obachteten Störungen einfache Folgen des ungünstigen Wundverlaufe bilden. Nachdem Munk auf den Nachtheil der Fleischnahrung nach der Exstirpation der Schilddrüsen aufmerksam gemacht hatte, prüfte Breisacher diese Frage durch eine Eeihe von Versuchen an Hunden und fand, dass bei fortgesetzter Milchdiilt die strutnipriven Symptome, namentlich die klonischen und toni­schen Zuckungen sowie die respiratorischen Krämpfe wieder zurückgingen. Gab man den Thieren darauf Fleisch und Bouillon, so traten die Erschei­nungen von neuem hervor; gekochtes Fleisch erwies sich jedoch unschädlich.
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Krankheiten des Halses.
Rechnet man hinzu, dass die Exstirpation der Drüse mit Ge­fahren für den N. recurrens bezw. vagus verbunden ist, auch erhebliche Blutungen dabei vorkommen können, so erscheint das Leiden immer­hin bedenklich, sobald die Operation nothvvendig wird. Dass jedoch die Hoffnung auf Heilung nicht ausgeschlossen ist, beweisen ver-scbiedene Beobachtungen; Massot entfernte die Schilddrüse bei zwei Pferden ohne solche Nachtheile; die durch die Anschwellung bei dem einen Pferde hervorgerufene Athembeschwerde verschwand eben­falls. Ich selbst habe einmal die Operation beim Pferde ohne die beschriebenen Folgen vorgenommen, bei Hunden jedoch wiederholt Cachexia strumipriva beobachten können. Die Entfernung eines Lap­pens der Schilddrüse ist dagegen unbedenklich. Haubner berichtet, dass die mit Kropf behafteten Lämmer theils todt geboren wurden, theils bald nach der Geburt starben. Ein von H. operirtes Lamm blieb gesund, wie lange, ist jedoch nicht gesagt.
Behandlung. Innerliche Mittel sind meist ohne Erfolg; doch kann Jodkalium versucht werden. Das Gleiche gilt von Einreibungen. Man hat hierzu Jodkaliunisalbe oder Einpinselungen von Jodtinctur empfohlen. Augenscheinlichen Nutzen habe ich hiervon nur dann gesehen, wenn es sich um eine acute Schwellung der Schilddrüse bei Erkrankungen der llaclienhöhlenschleimhaut handelte. Gegen diese wurden auch von Siedamgrotzky Einreibungen von Jodoform mit Ungt. cinereum empfohlen. Wirksamer erweisen sich beim Kröpfe intrapiirenchymatöse Injectionen von Tinct. Jodi. Man applicirt die­selben mittelst der Pravazschen Spritze. Die Nadel wird bis in das Gewebe der Drüse eingeführt, sodann lässt man etwa 5—15 Tropfen Jodtinctur in diese fliessen.
In der Regel entwickeln sich hiernach entzündliche Erscheinungen, welche jedoch in 8—14 Tagen ablaufen; alsdann muss die Application des Mittels in derselben Weise und so mehrmals wiederholt werden. In einem Falle hatte ich beim Hunde günstigen Erfolg von der intra-parenehymatösen Injection einer wässerigen Papayotinlösung (1 ; 10). gegen 48 Stunden nach der Injection war die Kropfgeschwulst vollständig erweicht, und auf den Einstich entleerte sich eine milch-ähnliche Flüssigkeit, das verdaute Parenchym der Drüse. Wurde hierdurch auch die Geschwulst nicht ganz beseitigt, so erfuhr sie doch eine erhebliche Verkleinerung; auch Hessen die Athembe-schwerden nach.
Unlängst versuchte liydygier beim Menschen von neuem die
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Genickbeule.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 101
Unterbindung der zuführenden Arterien. Nur bei den parenchymatöson Kröpfen hatte die gleichzeitige Unterbindung aller Arterien guten Er­folg. Bei der Struma fibrosa und cystica zeigte sich die Operation wirkungslos.
Zur Exstirpation der Schilddrüse benutzte Schmidt beim Pferde den Ecraseur. Massot legte die Drüse frei, zog sie mit den Fingern hervor und machte mit derselben einige Torsionen, um alsdann eine Ligatur anzulegen. Ich habe nach Spaltung der äusseren Haut die Drüse mit den Fingern frei zu machen gesucht und die nun sichtbar werdenden Gefässe unterbunden, schliesslich wurde noch eine stärkere Ligatur angelegt und über derselben die Drüse abgeschnitten. Man hüte sich, dass die Abtrennung zu knapp ausfällt, und die Ligatur abgleitet, lasse lieber etwas Drüsengewebe sitzen, um der Ligatur einen festen Sitz zu geben.
Die Nachbehandlung erfolgt nach allgemeinen Gesichtspunkten. Nach den Mu nk-Breis ache r'schen Untersuchungen würde sich Milchdiät empfehlen. Wo nur eine Seite der Schilddrüse erkrankt ist, kann die Entfernung dieses Abschnittes ohne Bedenken erfolgen.
Beim Menschen wird der Kropf hilufig von der sog. Basedow'schen Krankheit begleitet, welche Jewsejenko auch bei Thieren (Hund und Pferd) beobachtet haben will. Eine 3 Jahre alte Mopshündin verfiel plötz­lich in einen epileptischen Anfall, zeigte auffilllige Pulsbeschleunigung und Verdauungsstörungen. Dazu gesellten sich Anschwellung der Schilddrüse, Exophthalmus und ülceration der Cornea. Die Behandlung der Augen be­stand in Waschungen mit Sublimatlösung, Einträufelung von Eserin und Compressen, angefeuchtet mit 2 quot;jo Borsäure. In die Schilddrüse wurde Tinct. Jodi (8 Tropfen pro dosi) eingespritzt und innerlich Jodkalium ver­abreicht; nach 6 Wochen folgte Besserung und Genesung.
Jewsejenko berichtet ferner über eine 4jilhrige englische Vollblut­stute, welche nach einem Wettrennen den Appetit verlor, starken Durst, Schwäche, Herzklopfen und Pulsbeschleunigung zeigte. Es gesellten sich hierzu Schwellung der Schilddrüse und Augenlider, sowie Röthung der Conjunctiva. 14 Tage später stellte sich Exophthalmus ein; die Schilddrüse zeigte Pul­sation. Das Pferd ging unter den Erscheinungen der Anämie und Erschöpfung nach etwa 4 Wochen zu Grunde. Ob hier eine Sympathicuslähmung, welche als Grundlage der Basedow'schen Krankheit beim Menschen vermuthet wird, vorgelegen hat, muss allerdings zweifelhaft erscheinen, immerhin aber für möglich gehalten werden.
V. Die Genickbeule. Maulwurfgeschwulst. Talpa. Mal de nnqne.
Lit.; Lafosse, Her. Rep. 16. S. i523. Vincent, das. 9. S. 164.
Der strangförmige Theil des Nackenbandes bildet auf dem Kamme des zweiten Halswirbels beim Pferde eine Bursa mucosa, welche die
Müller, Speciollo Ohlrnvgie i'iii' Tliioriii'zte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;tl
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Krankheiten des Halses.
Grosse eines Apfels erreicht und zu beiden Seiten des Nackenbandes von den durchflochteneii Muskeln (Muse, complexi) bedeckt wird. Lockeres Bindegewebe verbindet die medialen Flilchen dieser Muskeln mit dem Schleimbeutel. Die entzündlichen Prooesse dieser Bursa werden seit alter Zeit mit dem Namen Genickbeule, Genickfistel oder Maulwurfsgeschwulst (Talp'a) belegt, weil die Anschwellung in Grosse und Form einem Maulwürfe nicht unähnlich erscheint. Es handelt sich also um eine Bursitis, [die meist acut, selten chronisch auftritt, aber in der Hegel einen chronischen Verlauf nimmt.
Veranlassung zu dem Leiden geben Quetschungen, selten führen metastatische Entzündungen (Druse) zur Entstehung desselben. Ein heftiger Stoss gegen die unmittelbar über der Krippe liegende Kaufe oder gegen die Einfassung einer niedrigen Thür, Ueberschlagen oder ein Schlag mit einem schweren l'eitschenstock rufen solche Quetschungen hervor. Seltener besteht die Ursache im Druck der Halfter oder wie Hertwig glaubt, in der gewaltsamen Beugung des Halses beim Heran­nehmen des Kopfes der Reitpferde. Auch bei Weidepferden dürften äussere Verletzungen mehr in Betracht kommen als die Anstrengungen der Halsmuskeln beim Grasen (Hertwig).
Erscheinungen und Verlauf. Eine etwa 10—IB cm lange, länglich runde Anschwellung auf den ersten beiden Halswirbeln un­mittelbar neben der Mittellinie bezw. dem runden Theil des Nacken­bandes mit entzündlichen Erscheinungen verbunden, kennzeichnet das Leiden. Bald zeigt es sich nur an einer Seite, bald an beiden. Die Anschwellung erscheint zunächst fluktuirend und scharf begrenzt, so dass sie in Form und Grosse einem Maulwurf gleicht; später greift die Entzündung auf die umliegenden Weichtheilo über, wodurch die Anschwellung eine diffuse und zugleich feste, derbe Beschaffenheit annimmt. Anfangs besteht ein Erguss von entzündlichem Exsudat oder Blut in den Schleimbeutel, später bildet sich eine Par abur s i t i s aus, wodurch die Anschwellung ihre scharfe Begrenzung verliert. Die mit dem Leiden verbundenen Schmerzen veranlassen das Thier den Kopf ineist gestreckt, gesenkt und steif zu halten. Zuweilen stellen sicli Gehirnsymptome, dunnnkollerilhnliche Erscheinungen ein. Leichtes Fieber begleitet den Zustand von Anfang an oder findet sich im Ver­laufe desselben wohl ein.
Der Verlauf des Leidens hängt in erster Linie davon ab, ob der Zustand aseptisch bleibt oder ob Infection eintritt; letzteres bildet
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Genickbeule.
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die Kegel und wird häufig durch Verletzungen der ilusseren Haut, welche gleichzeitig mit der Quetschung der Bursa veranlasst wurden, ein­geleitet. Bei aseptischem Verlauf kann, durch zweckmässige Behand­lung unterstützt, Resorption der in die Bursa ergossenen Massen ein­treten und in einigen Wochen Heilung erfolgen. Nicht selten stellt sich jedoch eine chronische Entzündung der Bursa mit Verdickung ihrer Wand und Umgehung ein. Wucherungen an der Ohertiiiche der Bursa fallen mit der Zeit ah, und so kann sich dieselbe mit einer grossen Zahl reisförmiger Körper füllen, ich hatte wiederholt Gelegenheit, grosse Mengen dieser Corpora oryzoidea aus der Bursa zu entfernen, die- Vincent irrthümlich für Entozoen hielt. Durch die chronische Entzündung wird eine vollständige Heilung allerdings ausgeschlossen, die Arbeitsfähigkeit des Pferdes dennoch nicht erheblich gestört. Die Geschwulst bleibt alsdann mehr beschränkt und wird mit der Zeit härter und fester.
In der Mehrzahl der Fälle kommt es jedoch zu infectiösur Ent­zündung der Bursa. Die entzündliche Anschwellung nimmt allnullich zu, greift auf das um die Bursa gelegene Bindegewebe und die durch-flochtenen Muskeln über (l'arabursitis) und führt unter Zunahme der Schmerzen und des Fiebers endlich zur Abscedirung und Perfo­ration der äussercn Haut. Der in die Abscesshöhle bez. Bursa ein­geführte Finger stellt Nekrose des Nackenbandes und Vereiterung der Bursa fest. So kann sich das Leiden monatelang hinziehen, und ge­lingt es oft selbst einer rationellen Behandlung nicht, diesen Verlauf erheblich abzukürzen. Zeitweise treten die entzündlichen Erscheinungen, namentlich die Eiterung zurück, aber aus einer kleinen Fistelölfnung entleert sich eiterige, mit Synovia gemischte Flüssigkeit (Genick-fistel). Dieser chronische Verlauf wird theils durch die Nackenbaud-nekrose, theils durch die infectiöse Entzündung der Bursa und ihrer Umgebung bedingt. Die Nekrose kann sich auf die tiefer gelegenen Theile des Nackenbandes fortsetzen und zu [ntermuskulärer Phlegmone am Halse führen; zuweilen stellt sich auch Nekrose am Kamm des zweiten Halswirbels ein. In den meisten Fällen kommt Heilung zu Stande, allerdings oft erst nach längerer Zeit, namentlich wenn keine sorgfältige Behandlung eingeleitet wird. Die zurückbleibende Verdickung übt einen nachtheiiigen Einfluss auf Bewegung des Halses nicht aus; nur ausnahmsweise wurde durch Verwachsung der Halswirbel dauernde Steitigkeit des Halses veranlasst (Lafosse). Doch hat man auch tödt-lichen Ausgang beobachtet, und zwar entweder durch Embolie und die andauernde Wirkung des Fiebers oder dadurch, dass Eiter-
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Krankheiten des Halses.
Versenkungen zu einem Einbruch in den Wirbelkanal führten. In dem letzten Falle tritt der Tod plötzlich unter allg-emeinen Liihmungs-ersoheinungen und Krumpfen ein.
Der Verlauf richtet sich in erster Linie darnach, ob der Zustand aseptisch bleibt oder nicht. Im ersten Falle darf auf Heilung in 4—(gt; Wochen gerechnet werden; ist bereits Infection vorhanden, so lässt sich nur selten der chronische Verlauf des Leidens mit den oben beschriebenen (quot;oniplicationen fernhalten; die Prognose wird dann zweifelhaft.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Eiterung und Anschwel­lung stark und die Schmerzen erheblich sind. Bei tiefer greifenden Eiterversenkungen und Nekrose an den unteren Abtheilungen des Nackenbandes kann bei minderwerthigen Pferden die Tödtung ange­zeigt erscheinen,
Behandlung. Bei frisch entstandener, aseptischer Erkrankung der Bursa muss zunächst die Entzündung durch kalte Umschläge bekämpft werden. Den hierzu verwendeten Flüssigkeiten werden zweckmilssig Desiufectionsmittel hinzugefügt, um Infection zu verhüten. Auch wirkt ein gelinder, gleichmiissiger Druck günstig auf die Resorption der in die Bursa ergossenen Massen; mit Vortheil bedient man sich ZU diesen Umschlägen eines mehrfach zusammengelegten Tuches, das an der Mähne befestigt wird. Die Halfter muss entfernt, das Thier womög­lich unangebunden in eine Boxe gestellt und mit Arbeit verschont werden. Wo eine Boxe nicht zu Gebote steht, lasse man ein Hals­band anlegen. Sobald die acut entzündlichen Erscheinungen einiger-massen nachgelassen haben, findet eine scharfe Einreibung vortheil-hafte Anwendung. Um zugleich der Infectionsgefuhr entgegen zu treten, wähle man eine Salbe aus Sublimat mit Fett oder Vaselin (1 : !lt;raquo;). Die hierdurch erzeugte Anschwellung der Haut übt einen gleicbmiissigen und andauernden Druck auf die mit Entzündungspro­dukten gefüllte Bursa aus und begünstigt die Resorption ihres Inhaltes. Unter Umständen kann die Einreibung nach einiger Zeit wiederholt werden; zu demselben Zweck wurde auch das Glüheisen empfohlen.
Sobald durch Abscessbildung die Infection ausser Zweifel gestellt ist, empfiehlt sieh, den Eiter möglichst bald zur Entleerung zu bringen, doch hüte man sieh vor einer Verletzung der Art. occipitalis. Die mit 1 hircbselmeidung derselben oder ihrer Aeste verbundene Blutung lässt sich indess durch Unterbindung oder Tamponade in der
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Phlebitis venae jugularis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1(35
Hegel .stillen. Man mache die Incision weit und tief genug, damit der Eiter freien AMuss findet; unter Umständen können Gegenöft'nungen und Haarseile oder Drainröhren angelegt werden. In der Regel be­steht zugleich Nekrose des Nackenbandes, wobei die Durcbschneidimg des runden Theiles desselben stets angezeigt erscheint und mit Hülfe eines Tenotoms selbst am stehenden Pferde nicht schwer fällt. Die nekrotischen Massen werden entfernt und der Eiter durch Ausspülen des Abscesses sowie der Bursa täglich 1—2 Mal entleert. Zu der von La fosse empfohlenen subeutanen Durchscbneidung des Nacken­bandes kann so lange nicht gerathen werden, als noch Aussiebt auf aseptischen Verlauf besteht. Wo bereits Eiterung eingetreten ist, sollte die Operation nicht mehr subeutan ausgeführt werden. Man ver­meide indess auf jeden Fall, gleichzeitig die äussere Haut in der Querrichtung des Halses zu durchschneiden; dadurch entstehen immer schwer heilende Wunden. An der Seite des Halses dagegen muss das Messer in ausgiebiger Weise gehandhaht werden; insbesondere spalte man die Fistelkanäle womöglich bis auf den Grund. Dasselbe gilt von Eiterversenkungen zwischen den Halsmuskeln; auch hier erzielt nur der rücksichtlose Gebrauch des Messers Erfolg.
Tl. Die Aderflstel oder Aderlassfistel. Eutzüudung der Drossel* vene. l'hlebitis venae jugularis.
Lit.: Peters, öurlt u. Hertwig. (i. S. 318.
Bei Pferden wie auch bei Kindern beobachtete man namentlich in früherer Zeit, als die Venaesectio häufiger ausgeführt wurde, einen Folgezustand dieser Operation an der Vena jugularis, der als Ader­fistel bezeichnet wird. Ueber die Natur des Leidens herrschten lange Zeit hindurch unklare Vorstellungen. Obgleich schon Lafosse und Hunt er auf die hierbei auftretende Thrombosirung der Vene aufmerk­sam gemacht hatten, so war man doch über die Beziehung dieser Blutgerinnung zu dem in Rede stehenden Leiden nicht einig. Erst die Untersuchungen Virchow's haben auch hier Klarheit verschafft.
Bei normalem Verlauf der Wundbeilung schliesst sich nach dem Aderlass die Venenwunde, begünstigt durch den negativen Blutdruck in dor Vena jugularis, durch Verwachsung der Wundränder, ohne nachweisbare Veränderungen an dem Gefäss zu hinterlassen. Die durch umschlungene Naht zum Verschluss gebrachte Hautwunde heilt ebenfalls per primam intentionem. Die Grundlage zur Entstehung der Aderfistel bilden:
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Krankheiten des Halses.
1.nbsp; nbsp;Gerinnung des Blutes in der Vene und
2.nbsp; nbsp;eiterige Solamelzung oder jauchige Erveiohung des Thrombus,
Alle Umstände, welche die Thrombosirung des Gefässes begün* stigen, können dalier zur Entstehung- des in Kode stehenden Leidens führen. Dazu geholt vor allem:
1.nbsp; nbsp;unregelmäasige Beschaffenheit der Venenwunde, wie sie durch mangelhafte (stumpfe) Instrumente (Fliete, Lancette) erzeugt wiiil. Ist die Wand des Gefässes nicht glatt getrennt, son­dern zerrissen, so gieht die rauhe Oberfläche der Wuiulriinder leicht zur Gerinnung des Blutes an denselben Veranlassung, welche zur voll­ständigen Thrombosirung des Gefässes führt. Dasselbe tritt ein, wenn die Wunde nicht genau in der Längsrichtung der Vene, sondern schräg y.u derselben liegt, oder wenn durch wiederholte Anwendung des In­strumentes eine doppelte Wunde in der Gefässwand entstanden war. Auch muss zugegeben werden, dass die Verletzung einer Venenklappe Gerinnung des Blutes einleiten kann; doch erklärte schon Hertwig, dass die hierdurch veranlasste Gefahr nicht gross sei.
2.nbsp; nbsp;Zu Aderflsteln können ferner alle Umstände Veranlassung gehen, welche die gleichmässige Lagerung der Wundränder in der Venenwand stören; dahin gehören vor allem grössere Blutungen unter der äusseren Haut. Das Extruvasat bewirkt eine Verschiebung der Wundränder des Gefässes, und die Gerinnung des unter die Haut ergossenen Blutes setzt sich durch die offene Venen­wunde his in das Gefäss fort. Gerade dieser Umstand bildet die häu­figste Veranlassung zur Entstellung der Aderfistel. Durch das Ah-ziehen der äusseren Haut heim Anlegen der Naht, durch Druck des Geschirrs (Kummet wie Sielen) in den ersten 24 Stunden nach dem Aderlass, ferner durch das Anlehnen dummkolleriger Pferde gegen die Krippe oder das andauernde Liegen rehekranker Thierc wird da­her nicht selten der Anlass zur Entstehung des Leidens gegeben, weil alle diese Momente die Bildung umfangreicher Extravasate an der Ader­lassstelle begünstigen. Grössere Trennungen in der Venenwand, wie sie früher namentheh zum Zweck der Infusion von Arzneimitteln mit Hülfe des Trichters hergestellt wurden, waren oft die Ursache von Extravasaten und diesem Leiden. Daher fand Vihorg, welcher sich mit der Application von Arzneimitteln (Tinct. Voratri) mittelst eines Trichters in die Vene beschäftigte, Gelegenheit zu ausgedehnten Be­obachtungen über diese Krankheit. Dass unreine Instrumente die Ent­stehung des Leidens begünstigen können, soll nicht geleugnet werden,
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doch kann diesem Umstände nicht die hohe Bedeutung beigelegt wei­den, wie es oft geschehen ist.
Welche Veranlassung auch zur Entstehung des Thrombus in der Vene beim AderlftSS geführt hat, regelmässig tritt eiterige Schmelzung oder jauchige Erweichung desselben ein, und hierdurch wird zuuiichst an der Intima des Grefässes eine Entzündung hervorgerufen, welche sich bald auf Media und Adventitia fortsetzt und die Wand des Ge-fiisses an verschiedenen Stellen perforirt, wobei sich der eiterig-jauchige Inhalt zum Theil entleert.
Sehr selten kommt es bloss zur Gerinnung, aber nicht zum Zer­fall des Thrombusi es tritt vielmehr Organisation desselben ein. Da­durch wird zwar die Vene ebenfalls für immer geschlossen, aber der Process dauert kürzere Zeit. Leider kommt dieser Ausgang recht selten vor. Ohne Aderhisswunde wird das Leiden fast niemals be­obachtet; doch muss zugegeben werden, dass ein Entzündung.spro-cess von aussen auf die Venen wand übergreifen kann; ein solcher Fall ist von Peters beschrieben worden.
Erscheinungen. Beim Entfernen der Nadel erscheint die Wunde nicht, wie es gewöhnlich der Fall ist, verklebt und trocken, sondern angeschwollen, und aus der Hautwunde entleert sich etwas dunkles, flüssiges Blut; zuweilen treten diese Erscheinungen erst einige Tage nach dem Aderlass hervor. Die Umgebung der Hautwunde schwillt in den nächsten Tagen noch mehr an, und wenn man die Vene genauer un­tersucht, so lässt sich feststellen, dass dieselbe einen rundlichen, derben festen Strang bildet, der sich von der Aderlasswunde verschieden weit nach oben und unten erstreckt. Die letztere Erscheinung beweist die Gegenwart der Thrombose und stellt eine Aderfistel in sichere Aus­sicht. Der Abfluss des Blutes kann zwar durch ein Extravasat unter der Haut bedingt sein, desshalb ist die Untersuchung der Vene wich­tig. An- und Abschwellung derselben auf Druck schliesst anderer­seits die Gegenwart der Thrombose aus. Die Anwendung einer Sonde zur Feststellung des Leidens ist daher nicht nur überflüssig, sondern auch gefährlich, weil dadurch Blutgerinnung veranlasst und die Lungenembolie begünstigt werden kann.
In den nächsten Tagen entleert sich zerfallenes Blut aus der Aderlasswunde, dem sich bald Blutgerinnsel und Eiter beimischen. Nach dem Kopfe zu pflegt die Anschwellung bald zuzunehmen und nicht selten treten in der nächsten Zeit, namentlich beim Fressen, mehr oder weniü'er starke Blutungen aus der Aderlasswunde ein.
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Ißgnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Halses.
Zuweilen stellen sich auch durch Behinderung des Blutabflusses Störungen der Gehirnfunktionen, dununkollerilhnliche Erscheinungen ein; so namentlich, wenn der Venenverschluss durch den Thrombus schnell erfolgte. Nach einigen Tagen bilden sich im Verlaufe der Vene Abscesse aus.
Die Emlophlebitis septica greift schnell auf die übrigen Venen­häute und das umliegende Bindegewebe über, wodurch ebenfalls Abscesse entstehen. Wenn auch zugegeben werden muss, dass die faulige Zer­setzung des Venenthrombus zur Pyämie führen kann, so kommt diese jedoch nur selten zur Ausbildung. Dies erklärt sich, wenn man bedenkt, dass die Gerinnung des Blutes in dem Gefässe meist schnell erfolgt, so dass die Vene bereits vollständig verschlossen ist, bevor eine faulige Zersetzung des Thrombus eintritt; es findet sich also keine Gelegenheit, abgerissene, zersetzte Blutgerinnsel dem Herzen und weiter den Lungen zuzuführen, um hier Embolie zu erzeugen. Doch wurde embolische Pneumonie im Verlaufe des Leidens wiederholt beobachtet, woran die Thiere stets zu Grunde gingen.
Wo diese Complication nicht hinzutritt, nimmt das Leiden meist einen chronischen Verlauf. Der Thrombus wird durch eiterige oder faulige Zersetzung eingeschmolzen, die Verdickung der Venenwand führt schliesslich zu einer vollständigen Obturation bezw. Obliteration derselben. Hierüber vergehen in der Kegel 3—4 Monate; damit hören auch die entzündlichen l'rocesso, namentlich die wiederholten Absce-dirungen im Verlaufe der Vene auf. Die Circulationsstörungen ver­lieren sich, indem durch bedeutende Erweiterung der Vasa vasorum ein C'ollateralkreislauf zu Stande kommt; auch findet man zuweilen Hautvenen von der Stärke eines Fingers, welche die Abschnitte des durchgängig gebliebenen Gefilsses verbinden.
Beurtheilung. In Bezug auf das Leben des Thieres ist die Prognose im Allgemeinen günstig, weil sich nur selten bedenkliche Folgen an das Leiden anknüpfen. Wo Erscheinungen der Lnngen-embolie (Athembeschwerden, hohes Fieber u. s. w.) auftreten, wird sie allerdings schlecht. Mit Rücksicht auf die Erhaltung des Ge­lasses ist die Prognosis ebenfalls schlecht, doch pflegen mit der Ob-turirung desselben keine dauernden, nachtheiligen Folgen verbunden zu sein, dagegen muss berücksichtigt werden, dass das Thier während des Leidens zu erheblichen Arbeitsleistungen nicht herangezogen worden kann.
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Phlebitis venao jugularis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1(59
Behandlung. In prttservativer Hinsicht ist nach gemachtem Aderlass Ruhe und Vermeidung joden Druckes auf die Vene, beson­ders unterhalb der Aderlassstelle erforderlich; daher darf auch in den ersten 24 Stunden kein Geschirr aufgelegt werden. Ferner vermeide man alles, wodurch die Entstehung eines Extravasates an der Aderlassstelle begünstigt wird, namentlich das Abziehen der Haut bei Anlegung der Nadel und beachte die Regel der Operationslehre: an derselben Stelle niemals die Anwendung der Fliete oder Lan-cette zu wiederholen.
Findet sich bei Entfernung der Nadel die Hautwunde nicht ge­schlossen, so desinficire man dieselbe durch Waschungen mit Sublimat-oder Carbolwasser, um den Zerfall des ergossenen Blutes zu ver­hindern. Die einmal thrombosirte Vene ist nicht wieder frei zu machen; ebenso gelingt es selten die faulige Zersetzung des Thrombus zu ver­hindern; dies kann indess versucht werden, indem man die Haut­wunde und das Extravasat soweit möglich mit den genannten oder ähnlich wirkenden Mitteln wiederholt desinficirt. Sollte die ent­zündliche Reaction, namentlich die Anschwellung sehr heftig werden, so können feuchtwarme Umschläge die Spannung und Schmerzen her­absetzen, auch Einreibungen von Ungt. cinereum Anwendung finden. Man vermeide indess bei der Application der Salben durch starkes Drücken und Reiben den Thrombus zu zerstückeln und so eine Em-bolie zu begünstigen. Abscesse werden gespalten, dem Wundsecrete wenn erforderlich durch Erweiterung dor Hautwunde freier Abfluss verschafft; in Frankreich legt man ein Haarseil durch die Vene. Unter Umständen, namentlich wo wiederholt bedenkliche Blutungen auftreten, empfiehlt sich die Unterbindung des Geiasses unterhalb, und wenn der Thrombus nicht zu weit nach oben reicht auch ober­halb desselben. Die Operation erfolgt nach den allgemeinen Regeln; worauf das Gefäss über der Unterbindungsstello durchschnitten wird. Hat in gleicher Weise oberhalb der erkrankten Stelle eine Unter­bindung stattgefunden, so kann der isolirte Abschnitt der Vene ganz gespalten werden; von den französischen Thierärzten wurde die ent­artete Vene ausgeschält. Nach der Unterbindung der Gelasse muss dem Thiere einige Tage Ruhe und nur flüssige Nahrung verabreicht werden, um grössere Blutungen zu vermeiden.
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170nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten dos Halsos.
VII. Die Krankheiten dos Pharynx und Oesoplingrus.
1. Fremdkörper in der Rackenhöhle und im Schlünde.
Lit.; Dandrioux, Journal de im'd. vet. 187t). Mollereau, Jahrb. 1882. S. IG. 1 mmelmann, Bei'l. Th. Woch. 1890. S. 125. Tainturier, Lyon. Jouni. 1880. S. 88. Philippi, Dresd. Bor. 188G. S. 103. Dette, Thier. Mitth. 1875. S. 144. Schmidt, Vorträge für Thierärzte. I. Serie. Heft 6. Wal­ther, Dresd. Her. 1888. S. 7G. Diäter, das. 1879. S. 132. L. W. .Semmer, Die Schluiulmuskeln dor Hausthiere. tnaug.-Diss. 18G5. Rubelt, Ueber den Oesophagus dor Menschou und vorsohiedonor Hausthiere. Inaug.-Diss. Bern 18Ü0. Lothes, Beiträge zur Anat. u. Physiol. dos Schlundkopfes vom Schweine. Berl. Th. Woch. 1890. Schäfer, Berl. Arcli. 12. S. 280.
In der Rachen höhle werden am hiiufigsteii bei den Fleisch-fressem Fremdkörper angetroffen; Knochen, Fischgräten, Nadeln, Hol/stücke, die sich im Futter fanden, oder dem Thiere zum Spielen dienten, bleiben beim Schlucken zuweilen in der Rachenhöhle stecken. Namentlich werden bei Hunden und Katzen häufig Nähnadeln im Grunde der Zunge, dicht vor dem Kehldeckel angetroffen. In der dem Schweine eigenthümlichen Kachentasche können Kartoffel- und Rühenstüoke stecken bleiben (Franck, Lothes). Bei den Pflanzen­fressern bohren sich gelegentlich Holz- oder Knochenstücke, Haar­nadeln u. dgl. in die Schleimhaut der Rachenhöhle ein, häufiger noch finden sich bei ihnen Fremdkörper im Schlünde. Bei Wiederkäuern, be­sonders Hindern sind es meist Stücke von Knollengewächsen (Kartoffeln, Kuben), beim Pferde Leinkuchen oder Heu, selten ein beim Ausziehen verschluckter Zahn, Hühnereier oder Pillen. Auch können grob-stengelige Pflanzen, Holz- oder Knochenstücke sich hier festsetzen. Grimm fand im Schlünde der Kuh ein Stück Lampencylinder, Mö-bius einen 1.5 cm langen Dornstengel; ich selbst hatte Gelegen­heit beim Pferde einen nahezu meterlangen Peitschenstock aus dem Schlünde zu entfernen. Dandrieux behauptet, eine 10 Zoll lange Schlange aus dem Schlünde einer Kuli gezogen zu haben. Beim Rinde fand I wer sen einen vom Magen in den Schlund gelangten Haarball.
Die Fremdkörper bleiben stecken entweder weil sie scharf sind und sich in die Schleimhaut einbohren, oder weil sie zu gross sind um die engen Stellen des Schlundes zu passiren, oder endlich weil der Schlund Veränderungen erfahren hat, die den Durchtritt derselben verhindern.
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Fremdköriier im Schlünde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;171
Bei Pferden kommen durch Anschwellung dor Bronchialdrüsen und Tumoren (Melanosarkome) in denselben Verstopfungen dos Schlundes mit Heu ZU Stande. Auch wird zuweilen von diesen Thieren sub finom vitao Futter aufgenommen, welches im Schlünde stecken bleibt und grössere Abschnitte desselben verstosson kann, Ob unter Um­ständen auch Lähmung des Schlundes vorkommt, muss fraglich er­scheinen (S. 190). Zu eng für den Durchtritt grösserer Körper erweist sich oft am häufigsten:
1.nbsp; nbsp;der Anfangstheil des Schlundes gleich hinter dem Schlund­kopfe,
2.nbsp; nbsp;die unteren Abschnitte des Schlundes am Halse, 8, die Durchtrittstelle durch das Zwerchfell.
Sofern krankhafte Veränderungen des Schlundes zur Verstopfung desselben führen, sollen diese an anderer Stelle besprochen werden, hier können nur die ersten beiden der oben genannten Fälle Berück­sichtigung finden. Die verschiedenartige Bedeutung des Zustandes bei den einzelnen Thierarten macht eine gesonderte Betrachtung des­selben wünschenswerth.
Man unterscheidet a) „verletzendequot; Fremdkörper, d. h. solche, die sich in Folge ihrer rauhen Oberfläche in die Schleimhaut ein­bohren und stechen bleiben, und )gt;) „obturi rendequot; Fremdkörper, d. h. solche, die ihrer Grosse wegen den Schlund nicht passiren können. Erstere finden sich am häutigsten in der Rachenhöhle, die letzteren vornehmlich im Schlünde, doch kommen auch in ihm verletzende Fremdkörper vor.
Nach den Untersuchungen Kubeli's erstrecken sich die beim Menschen auf die ersten quot;ja des Schlundes beschränkten, quer gestreiften Muskel­fasern bei Thieren fast ausnahmslos bis gegen den Magen. Bei Wieder­käuern besitzt der Oesophagus überhaujit keine glatten Muskelfasern; diese treten erst am Pansen auf. Die Schleimhaut trägt bei allen Thieren starkes Pflasterepithel, welches die zahlreichen Papillen bedeckt. Neben Schleim­drüsen enthält die Mucosa Lymphfollikel.
Die Weite des Schlundrohres steht im umgekehrten Verhältnisse zur Stärke seiner Museulatur. Mit Ausnahme des Rindes und Hundes kommt bei allen Hausthieren eine Verdickung bezw. Verengung in der Nähe der Cardia vor.
Der Oesophagus des Pferdes ist absolut und relativ der längste, aber auch engste. Nach Franck beträgt seine Länge 121 cm: Rubeli fand in situ 125—130 cm; bei grösseren Pferden sogar 140—150 cm. Die Wandstärke ist bedeutend und wird vom Zwerchfell bis zur Cardia so be­trächtlich, dass das Lumen fast vollständig schwindet, ein Umstand, der das häufige Vorkommen von Divertikeln, Stenosen und Verstopfungen des Schlundes an dieser Stelle erklärt.
Der Schlund der Wiederkäuer hat ebenso wie bei Fleischfressern mehr cylindrische Gestalt. Am unteren Ende des oberen Drittthcils tritt
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172nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten ilos Halses.
beim Rinde eine Verengung ein, während er von hier aus nach unten an Weite zunimmt. Die Wand des Schlundes ist verhältnissirulssig dünn und verliert von oben nach unten an Stärke.
Beim Schaf nimmt die Wandstärke von unten nach oben zu, ist aber im Verhältniss zur Schleimhautoberfläche sehr dünn. Eine Verengung fehlt, welche sich bei der Ziege in der Mitte des Schlundes bemerklich macht.
Der Schlund des Schweines besitzt ebenfalls in der Mitte eine Verengerung; nach oben wie nach unten erweitert sich das Schlundrohr.
Beim Hunde liegt die engste Stelle in der Höhe des unteren Randes des Ringknorpels (ca. 4,5 cm). Das Schlundrohr erweitert sich von hier auf 7 cm; verengt sich, dann wieder auf 5 cm; erweitert sich zum zweiten Male, um etwa 15 cm hinter dem Schlundkopf einen Umfang von 7,2 cm zu erreichen. Die darauf folgende Verengung, 6 cm vor der Cardla, misst 5,5 cm. Von hier ab erweitert sich der Schlund trichterförmig bis zur Ein­mündung in den Magen. (Die Zahlen deuten die Breite der Schieimhaut an.)
Bei der Katze machen sich ebenfalls zwei Verengerungen bemerk­bar ; die obere liegt 2 cm hinter dem Schlundkopfe, die zweite an der Durch­trittstelle durch das Zwerchfell; die letztere ist noch deutlicher als die erste; der Umfang des Schlundlumens beträgt hier nur 0,55 cm.
Ueber den Mechanismus des Schluckens gehen die Anschauungen noch auseinander. Während man früher den Bissen vornehmlich durch pori-staltische Bewegungen des Schlundes nach unten befördern Hess, haben Kronecker und Meltzer den Pharynxmuskeln, namentlich den breiten Zungenbeinmuskeln diese Leistung zugeschrieben, wobei flüssige weiche Futterstoffe gleichsam in den Magen gespritzt werden. Feste Substanzen, sowie Reste, die in der Rachenhöhle zurückgeblieben, werden durch die Constrictoren nachgeschickt. Der Vorgang soll einen vom N. laryngeus superior ausgehenden, vom N. giossopharyngeus gehemmten Reflex-act bilden. (Wasilieff.)
A. Fremdkörper in der Uaclienhühle und im Schlünde
der Pferde.
Im Pharynx bleiben bei Pferden sehr selten Fremdkörper stecken; häufiger im Schlünde. Meist sind es ohturircnde Oelkuchenstücke, Kartoffeln, Eier, Pillen, Heu oder Grus. Gierige Fresser leiden öfter daran, besonders wenn weiches Heu verabreicht wird. Zuweilen ver­stopft sich hierbei ein grösserer Abschnitt des Schlundes; auch wieder­holt sich der Zustand nicht selten bei demselben Thiere in kurzen Zwischenzeiten. Mollereau beobachtete denselben innerhalb 14 Tagen mehrere Male bei demselben Pferde. Meist ist die Brustportion oder das untere Ende des Halses Sitz der Verstopfung (vgl. S. 171).
Erscheinungen. Die Thiere treten vom Futter zurück, speicheln aus dem Maule, zeigen Würgbewegungen, entleeren zuweilen Futter aus der Nase; das etwa aufgenommene Getränk, sowie der verschluckte Speichel fiiesst aus der Nase zurück; Husten mit stierem, ängst­lichem Blick und gestreckter Haltung des Haisos. Bei Anhäufung
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grösserer Mengen Futterstoffe in der Brustportion können durch den Druck derselben auf die Trachea Athembeschwerden entstehen. In der Halsportion gehen sich Fremdkörper zuweilen durch Anschwellung zu erkennen, oder sie können durch Palpation nachgewiesen werden.
Der Zustand ist bei Pferden nur selten mit Gefahr verbunden; meist weichen die Massen im Schlünde allmälich auf und gleiten herunter; so namentlich Pillen und Oelkuchenstücke; auch Heu und Gras wird auf diese Weise meist ohne Hülfe beseitigt. Bedenklicher wird der Zustand, wenn feste Gegenstände in der Brustportion stecken bleiben, z. B. Eier, Pillen oder Holzstücke; wiederholt sah man Pferde hieran zu Grunde gehen. Die Gefahr besteht theils in dem Drucke des Fremdkörpers auf die Trachea und dadurch veranlasster Erstickung, theils in dem Auftreten von Schluckpneumonie; beim Versuche Futter oder Getränk aufzunehmen, kehren diese durch rückläufige Bewegung des Schlundes in die Rachenhöhle zurück und gelangen nun leicht in die Luftwege.
Die Behandlung muss hierauf Hücksicht nehmen. Man ent­ziehe dem Pferde das Futter und wenn nach einiger Zeit versucht werden soll, ob das Thier im Stande ist zu schlucken, so lasse man reines Wasser reichen. Fremdkörper, die in dem oberen Ab-sohnitte des Schlundes stecken, können direct entfernt werden, indem man sie mit dem Finger in die Rachenhöhle zurückzuschieben sucht. Immelmann beseitigte einen Fremdkörper aus dem Schlünde des Pferdes durch Anwendung von Pilocarpin. Die starke Speichelsecretion machte den Schlund sowie den Fremdkörper schlüpfrig und bewirkte, dass er abgeschluckt wurde. Man vergesse jedoch nicht, dass hierbei die Gefahr einer Fremdkörperpneumonie gesteigert wird und sei nament­lich bei der Dosirung des Mittels vorsichtig. Im übrigen verfährt man ebenso wie beim Kinde, bei dem der Zustand öfter vorkommt; desshalb mag auf die dort beschriebene Behandlung verwiesen werden. Audi die Schlundröhre kann ohne Bedenken bei Pferden angewendet werden; wenn­gleich ihre Application mit etwas grösseren Schwierigkeiten verbunden ist als beim Kinde, so gelingt diese bei ruhigen Thieren selbst im Stehen. Walther entfernte mit Hülfe derselben eine Kartoffel aus dem Schlünde; Heu leistet der Sonde oft erheblichen Widerstand.
B. Fremdkörper im Schlünde des Rindes.
Häufiger als beim Pferde werden Fremdkörper im Schlünde des Rindes angetroffen; meist sind sie zu gross, um denselben zu passiren,
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174nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Halses.
In der Regel finden sie sich im Anfangstheil des Schlundes, dicht hinter dem Schhmdkopf, nicht selten aber auch im Halstheil oder in der Brustportion. Das häufigere Vorkommen des Zustandes beim Binde liegt vornehmlich in der Art der Ernährung desselben, theils in dem Umstände begründet, class bei diesen Thieren der Schlund vom Schlundkopfe bis gegen das untere Halsende erheblich enger wird.
Die Erscheinungen zeigen sich im Ganzen ebenso wie beim Pferde: Speicheln, Unvermögen zu schlucken. Würg- und Brechbewegungen u. s. w., dazu kommt aber bei den Wieder­käuern als bedenklichstes Symptom die Aufblähung. Diese Thiere sind darauf angewiesen, einen Thoil der in den ersten Mägen ent­standenen Gase durch den Schlund zu entleeren (Rülpsen). Sobald sich ein Fremdkörper von grössorer Ausdehnung im Schlünde befindet, hört die Möglichkeit des Rülpsens auf, die Gase häufen sich im Magen und Darm au, und SO entsteht bald eine gefährliche Tympanitis. In dem Masse diese nämlich zunimmt, wird die Respiration beengt, und schliesslich gehen die Thiere an Suffocation zu Grunde, weil durch den Druck des stark ausgedehnten Magens die Respiration in-sufflzient wird. Dies Alles kann sich sogar in wenigen Stunden vollziehen, desshalb muss unter allen Umständen recht bald eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden. Durch Verschlucken der Nachgeburt hat man (Schäfer) wiederholt beim Rinde plötzlichen Tod beobachtet, der in der Regel durch Erstickung eintritt, indem ein Theil der Masse im Schlünde und der Rachenhöhle stecken bleibt und Verschluss des Kehlkopfes veraulasst.
Behandlung. Folgende Hülfsmittel stehen zu Gebote: 1. Zurückbeförderung des Fremdkörpers in die Ra­chenhöhle. Diese gelingt in der Regel bei Knollengewächsen, welche dicht unter dem Sohlundkopf stecken. Ich kann zu dem Zwecke folgendes Verfahren empfehlen: Man trete an die linke Halsseite des Thieres, lege den rechten Arm über den Hals desselben und suche nun mit beiden Händen (am besten mit den Daumen) in der Schlund­rinne drückend den Fremdkörper nach oben zu schieben. Dies gelingt meist ohne grosse Schwierigkeit, wenn der Kopf des Thieres frei gelassen, d. h. nicht festgehalten wird. In dem Momente, in welchem der Fremdkörper in den Schhmdkopf eintritt, wird das Thier unruhig und streckt den Kopf. Lässt man in diesem Augenblicke den Kopf fest-halten, so widersetzt sich das Thier, wodurch die Weiterbeförderung dos
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Fremdkörper im Schlünde bei Rindern.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;175
Fremdkörpers leicht unterbrochen wird; bleibt aber der Kopf frei, so streckt ihn das Thier, während ein kräftiger Druck beider Hände in der Regel genügt, das Kartoffel- oder Rübenstück in den Schlund­kopf zu schieben, von wo es ausgebrochen wird. Gelingt der erste Versuch nicht, so wiederholt man denselben und bei einigem Geschick meist nicht ohne Erfolg. Sobald aber der Kopf des Thieres während dieser Manipulation festgehalten wird, stellt sich Unruhe und damit eine übermässige Streckung des Kopfes ein, wodurch die Ausstossung des Fremdkörpers verhindert wird.
Aus der Rachenhöhle oder dem Schlundkopfo lassen sich bei Rindern Fremdkörper von der Maulhöhle aus mit der Hand erreichen und entfernen. Dazu muss der Kopf des Thieres sorgfältig befestigt und ein Maulgatter angelegt werden. Schnelles und energisches Ein­gehen mit der Hand, die zum Schütze gegen scharfe Zähne eventuell mit einem Handschuh, am besten ohne Finger versehen ist, sichert hier namentlich den Erfolg. Die Hand darf sich nicht zu lange in der Rachenhöhle aufhalten, weil sonst durch Schluss der Stimmritze Athem-beschwerde und Unruhe entstehen.
Bei Pferden gelingt dieses Verfahren seltener, weil entweder die enge Stellung der Backzähne oder das Gaumensegel die Hand nicht passiren lassen. Doch kann auch bei ihnen zuweilen die Hand bis in den Schlundkopf vordringen; man mache diesen Vorsuch jedoch nur am liegenden Thiere.
2.nbsp; Zerkleinerung der Fremdkörper im Schlünde. Gekochte Knollengewächse (Kartoffeln) lassen sich in der Hals­portion des Schlundes zuweilen von aussen zerkleinern; man versuche es zunächst mit einem kräftigen Druck beider Hände. Auch Oel-kuchen, Pillen oder Heumassen können auf diese Weise zuweilen beweglich gemacht und zum Hinabgleiten in den Magen gebracht werden. Es wurde empfohlen einen Holzklotz gegen die eine Seite des Halses zu legen, und mit einem Hammer von der anderen Seite den Fremdkörper zu zerkleinern. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten, damit nicht Verletzungen des Schlundes oder Continuitätstrennuugen in der Luftröhre zu Stande kommen.
3,nbsp; Hinabstossen des Fremdkörpers in den Magen. Führt der eine oder der andere der beschriebenen Versuche nicht zum Ziele, so empfiehlt sich, den Fremdkörper in den Magen zu befördern, d. h. sofern die Beschaffenheit desselben Aussicht auf Er­folg gewährt. Das trifft allerdings nur für Fremdkörper mit glatter Oberfläche oder weicher Beschaffenheit ZU, z. B. Knollengewächsen,
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Krankheiten des Halses.
Oelkuchen, Heu u. s. w., nicht aber filr
Fig. 45,
scharfe Gegenstände wie Knochen u. s. w. Beim Rinde und Pferde dient hier­zu die M o n r o e'sche Schlundsonde. In Ermangelung einer solchen wählt man einen biegsamen Stock (Peitschenstock), umwickelt dessen dünnes Ende sorgfaltig mit einem Lappen, damit Verletzungen vermieden werden. Auch kann zu diesem Zweck ein starker, sorgfältig eingeölter Strick verwendet werden. Am leichtesten gelingt die Application dieser Instru­mente beim Rinde; doch habe ich mich wiederholt davon überzeugt, class sie sich auch bei Pferden am stehenden Thiere ap-pliciren lassen. Man lässt ein Maulgatter anlegen; beim Rinde dient hierzu auch ein einfaches Stück Holz, das in der Mitte ein Loch besitzt (Fig. 45). In Ermangelung eines solchen lässt man die Zunge durch einen Gehülfen (am besten mittelst eines Tuches) erfassen und möglichst weit zur Seite ziehen (Esser). Der Kopf des Thieres wird mit Hülfe eines um die Hörner ge­schlungenen und über einen Querbalken geführten Strickes (Esser) möglichst stark gestreckt und bei Pferden eine Bremse an-ffelefft. Sodann schiebe man die Schlund-sende über den Grund der Zunge in die Rachenhöhle und von hier in den Schlund-kopf und Schlund. Es besteht nur die Ge­fahr, dass das Instrument in den Kehlkopf und die Trachea geräth, was sich durch Husten und Störungen in der Athmung zu er­kennen giebt. Sobald diese eintreten, ziehe man die Sonde zurück und wiederhole den
Versuch, bis das Instrument ohne solche Er-
Sclilunilsoiule mit Maulholz für Binder und Pferde.
scheinungen hervorzurufen in die Tiefe ge-
hingt. Bald wird dasselbe an der linken Hals­seite in der Drosselrinne fühlbar, ein Beweis, dass es sich im Schlünde
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Fremdkörper im Schlünde des Rindes.
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befindet. Selbstverständlich muss die Einführung ohne grösseren Fig. 46 Kraftaufwand erfolgen, um Verletzungen in der Rachenhöhle zu vermeiden. Sobald man die Ueberzeugung gewonnen hat, dass die Sonde in den Schlund eingetreten ist, schiebt man sie langsam vor, bis der Fremdkörper erreicht ist, der sich durch den grösseren Widerstand zu erkennen giebt, welcher dem weiteren Einführen des Instrumentes entgegen gestellt wird. Nun suche man den Gegenstand vorsichtig, d. h. weder gewaltsam noch auch ruckweise hinabzudrängen. Sobald das Ende der Sonde in den Magen gelfingt, fällt das demselben entgegen­stehende Hinderniss fort; auch giebt die Länge des einge­führten Abschnittes der Sonde hierüber Auskunft. Zuweilen erscheint der Fremdkörper (Heu beim Pferde) so fest ein­gepfropft, dass auch mit diesen Instrumenten die Fortbewe­gung desselben nicht gelingt.
4. Extraction der Fremdkörper mittelst Instru­menten. Hierzu dienen verschiedene Instrumente, u. a. die Meier'sche Drahtsohlinge. Ein 8—4 mm dicker Messing­oder Kupfordraht doppelt gelegt und mit seinen Enden an einen Griif befestigt, soll etwa wirken, wie die Bindfadenschlinge zur Entfernung eines Pfropfens aus der Flasche. Sie wird wie die Schlundsonde eingeführt, bis hinter den Fremdkörper ge­schoben , welcher unter Drehung und Anziehen des Instru­mentes in den Schlundkopf bewegt werden soll. Die Methode gelingt meist nur bei Fremdkörpern in den oberen Halsab­schnitten und bei einer Beschaffenheit, welche das Abgleiten der Schlinge verhindert. In solchem Falle führen aber die oben beschriebenen einfacheren Verfahren meist sicherer und schneller zum Ziele. Die Schlinge hat daher in der Praxis wenig Anwendung gefunden.
Aehnliches gilt von dem sog. Scliluudbohrer, welcher eine korkzieherähnliche Einrichtung hat und vielleicht bei Kartoffel- oder Kübenstücken mit Erfolg angewendet, im ganzen aber entbehrt werden kann. Brauchbarer noch erweist sich die von Delvos und Hertwig construirte Schlundzange ( (Fig. 4(3), die mit geschlossenen Lippen eingeführt wird. Sobald man mit derselben den Fremdkörper fühlt, wird das Maul durch Drehen an der Schraube geöffnet, sodann I etwas vorgeschoben um den Fremdkörper zu umfassen, und
Möller, Speolelle Chirurgie für Tliieriirzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 12
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178nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Haisos.
nachdem die Lippen nunmehr wieder geschlossen sind, wird der Fremdkörper mit der Zange hervorgezogen.
Alle diese Instrumente haben einen beschränkten Werth, weil sie sich nur unter gewissen Umstünden brauchbar zeigen. Bei Fremd­körpern in der Brustportion des Schlundes, die sich nicht in den Magen liinabstossen lassen, bilden sie allerdings das einzigste Hüll'smittel zur Beseitigung derselben, welches aber nicht selten im Stiche lilsst; dazu kommt, dass die Biegung des Schlundes am Brusteingange namentlich bei Pferden für die Application der Instrumente störend wirkt. Immer­hin kann im Nothfalle das eine oder andere derselben versucht werden, wenn es zur Hand ist.
D i n t e r spricht sich gegen die foroirte Anwendung der Schlundsonde aus. Wenn die Application resultatlos bleibt, führt Dinter den Pansen­stich aus und wartet nun ab, bis in 6—8 Stunden der Fremdkörper von selbst lünuntergleitet, was mit wenigen Ausnahmen der Fall sein soll; dabei kommt es wohl wesentlich auf die Beschaffenheit desselben an.
5, Der Schlundschnitt, Oesophagotom i e. Die Operation liisst sich natürlich nur an der Malsportion des Schlundes ausführen und kommt da in Anwendung, wo die oben besprochenen Hülf'smittcl im Stiche lassen; dies pflegt namentlich bei scharfen Gegenständen (Knochen u. s. w.) der Fall zu sein. Hier bleibt als ultima ratio nur der Schlundscbnitt übrig.
Man öffnet den Schlund da, wo der Fremdkörper steckt, jeden­falls nicht höher, eher etwas tiefer. Die mit der Operation verbun­denen Schwierigkeiten und Gefahren werden meist überschätzt; die Ausführung ist weder schwierig noch auch lebensgefährlich, auch nur selten mit nachtheiligen Folgen verbunden. Bei ruhigen Thieren, namentlich Rindern, lässt sich die Operation am stehenden Thiere ausführen. Nachdem die Haare an der Stelle der linken llalsseite abgeschoren sind, wo sich der Fremdkörper nachweisen lässt, wird am vorderen bez. unteren Bande der Vena jugularis und zwar pa­rallel mit dem Gefäss ein Hautschnitt von etwa 10 cm Länge ge­macht. Nachdem auch der Halsliautmuskel bezw. dessen Fascie durch­trennt ist, gelangt man in lockeres Bindegewebe, durch welches man sich mit den beiden Zeigefingern einen Weg in die Tiefe bahnt. Hier sucht man zunächst die Carotis auf, welche sich durch ihr Pulsiren bald bemerklich macht; sodann gehen die Finger weiter in der Hichtung zur hinteren Fläche der Luftröhre vor, wo sich der Schlund leicht auffinden lässt, namentlich wenn ein Fremdkörper in demselben steckt; man zieht ihn hervor, und spaltet nun seine
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Schlundschnitt.
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beiden Häute, soweit notlnvemlig um den Fremdkörper ZU ent­fernen.
Wie schon Dotto riohtig bemerkte, empfiehlt sioh, den Eautsohnitt nicht wie vielfach angegeben wird über-, sondern unter der Vena jugularis anzulegen, um den Abfiuss sowohl des Wundsecretes, wie auch der Futterstoffe möglichst zu erleichtern; ferner soll der Schlund nicht mehr als nothwendig von seiner Umgebung getrennt und die Schlund-wunde nicht grosser gemacht werden, als durchaus noting ist. Unter Umständen lässt sich die Kartoffel oder Ifübo im Schlünde zerkleinern, und die Stücke durch eine kleinere Wunde entfernen.
Hiernach hefte man womöglich mit Catgut zuerst die Schleim­haut, sodann die Muskelhaut. Die Hautwunde bleibt am besten nn-geheftet, da eine Heilung derselben per prim, int. doch nicht zu er­warten steht. Während Catguthefte resorbirt, daher nicht entfernt worden brauchen. Die Wunde behandle man nach den allgemeinen Grund­sätzen. In den ersten 24 Stunden wird dem Thiere Futter und Ge­tränk ganz entzogen; wenn nöthig, gebe man reines Wasser. In den nächsten Tagen kann weiche Nahrung, eventuell auch Heu verabreicht werden.
Tainturier liess beim RÖnde ausschliesslieh Heu und reines Wasser geben und sah einmal nach 35, das andere Mal nach 25 Tagen Heilung erfolgen.
Nachtheilige Folgen werden nach dem Schlundschnitt nur aus­nahmsweise beobachtet; allerdings kommen die Thiere in der Er­nährung etwas zurück. Die von La fosse empfohlene suhcutano Zer­stückelung der Fremdkörper kann schon wegen der damit verbundenen Gefahr der Gefassverletzung nicht empfohlen werden. Auch hat die Operation meist Eiterung im Gefolge, welche weiteres Spalten der Wunde nothwendigquot; macht.
Es wurde bereits hervorgehoben, dass die beim Rinde auftretende Tympanitis beachtet werden müsse. Stellen sich daher der Ent­fernung des Fremdkörpers Schwierigkeiten entgegen, oder verzögert sich diese, und tritt die Tympanitis in bedenklichem Grade hervor, so muss zunächst die Punktion des Pansens vorgenommen werden, um die drohende Erstickungsgefahr zu beseitigen. Erst hiernach kann die Entfernung des Fremdkörpers aus dem Schlünde bewirkt werden.
Lässt sich der Fremdkörper nach den beschriebenen Verfahren nicht entfernen, wie es namentlich heim Sitze desselben in der Brust­portion zuweilen der Fall ist, so können, wenn keine Athembeschwerden bestehen, Eingüsse von schleimig öligen Mitteln versucht werden, um
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180nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Halses.
das Hinabgleiten des Fremdkörpers zu erleichtern. Vorsicht ist hierbei jedoch geboten, damit die Flüssigkeit nicht in die Trachea fliesst und Fremdkörperpneumonie veranlagst. Man lasse stets nur kleine Mengen auf einmal geben, und beobachte dabei das Verhalten des Thieres; sobald Husten entsteht, höre man mit dem Eingeben auf.
Im Nothfalle kann auch die subcutane Anwendung von Apo-morphin versucht werden, um durch Erbrechen den Fremdkörper zu beseitigen, doch wirkt dieses Mittel beim Rinde nur ausnahmsweise brechenerregend. Auch dürfte sich in solchem Falle empfehlen, nach vollzogener Punktion des Pansens 12—24 Stunden zu warten, bis eine Erweichung und Lockerung des Fremdkörpers eingetreten ist. Vielleicht könnte nach den Mittheilungen Inuuelmanns Pilocarpin in subcutaner Anwendung nützlich werden (S. 173).
C. Fremdkörper im Schlünde des Schweines.
Bei der in Deutschland üblichen Stallfütterung werden Knollen­gewächse, besonders Kartoffeln meist im gekochten Zustande oder sorg­fältig zerkleinert an Schweine verabreicht, so dass dieselben nur selten im Pharynx oder Schlünde dieser Thiere stecken bleiben, zumal beim Schwein meist halbflüssige Nahrung gegeben wird. Wo die Schweine daffeffen noch in afrösseren Herden gehalten und mit rohen Kartoffeln gefüttert werden, bleiben zuweilen Stücke derselben sowohl in der liachentasche wie auch im Schlünde stecken und erzeugen gleiche Störungen wie bei den übrigen Thieren. In der Rachentasche des Seh weines rufen Fremdkörper nach L o t h e s Schluck1)eschwerden, Speichel-fluss und eine eigenthümliche Veränderung der Stimme hervor. Statt des Grunzens lassen die Thiere einen hellen, gellenden Ton vernehmen; bei mageren Schweinen soll der Fremdkörper durch Palpation hier nach­zuweisen sein. Oft stellt sich bei Fremdkörpern im Schlünde Würgen ein, und findet auf diese Weise Entleerung derselben statt. Bleibt aber ein obturirender Fremdkörper längere Zeit im Schlünde des Schweines stecken, so entsteht ebenfalls bald Tympanitis, an der die Thiere in kurzer Zeit durch Erstickung zu Grunde gehen können. Schnelle Hülfe ist daher auch hier erforderlich.
Manuell lässt sich beim Schweine wenig ausrichten. Bei der Gegenwart von Fremdkörpern in der Rachentasche würde allerdings der Versuch zur Entleerung derselben zu machen sein. Zu dem Zwecke ist direct über dem Kehlkopfe von beiden Seiten zugleich ein Druck auszuüben und der Inhalt der Kachentasche nach oben in die
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Fremdkörper im Schlünde der Fleischfresser.
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Rachenhöhle zu entleeren. Steckt der Fremdkörper im Schlundkopf oder dicht unter demselben, so mag es, wie Stockfleth angiebt, zu­weilen gelingen, an dem auf einen Tisch gelegten Schwein den Fremd­körper mittelst eines stumpfen Hakens hervorzuziehen, oder aber, wenn derselbe tiefer sitzt, mit einem biegsamen Stock hinabzustossen. Beim Schwein würde Apomorphin als Brechmittel zu versuchen sein. Wo diese Mittel bei Mastschweinen nicht bald zum Ziele führen, lilsst man die Thiere am besten bald der Schlachtbank übergeben. Bei mageren Schweinen kann auch der Schlundschnitt versucht werden, der sich hier kaum schwieriger und gefährlicher gestaltet, als bei den übrigen Thieren. Hering berichtet über zwei Fälle, in welchen der Schlundschnitt mit Erfolg Anwendung fand, die Wunde heilte ohne geheftet zu werden.
D. Fremdkörper in der Rachen höhle und im Schlünde der Fleisch fr esse r.
Ueber das Vorkommen und die Behandlung der Fremdkörper in der Kachenhöhle beim Hunde und der Katze ist bereits S. 14 die Rede gewesen. Sie finden sich meist am Grunde der Zunge, oft dicht vor dem Kehldeckel, zuweilen aber auch hinter dem Gaumensegel, in der hinteren oder einer Seitenwand der Rachenhöhle. Die Entfernung derselben muss nach den dort angegebeneu Vorschriften erfolgen.
Nicht selten gelangen die Fremdkörper bis in den Schlund der Fleischfresser, und bleiben Knochen, namentlich Wirbel vom Geflügel und Wild, auch Fischgräten, Nadeln und andere scharfe Gegenstände dicht hinter dem Schluiulkopfe, zuweilen aber unmittelbar vor der Cardia stecken.
Unruhe, Angst, Speicheln aus dem Maule (meist fliesst fadenlaquo; ziehender Speichel ab). Würgen und Erbrechen, Verschmähen der Nahrung und des Getränkes, namentlich aber die Salivation lässt auch hier die Gegenwart von Fremdkörpern vermuthen. Beim Druck auf den Schlund giebt das Thier zuweilen Schmerzen zu erkennen.
Hat ein scharfer Gegenstand den Schlund in der Halsportion perforirt, so stellt sich Anschwellung mit entzündlichen Erscheinungen ein; bei Perforation der Brustportion Pleuritis mit schnellem, tödt-lichem Verlauf.
Da es sich fast immer um scharfe, spitze Gegenstände handelt, so gelingt die directe Extraction nur aus der Haclienliöhle, wobei man wie S. 13 beschrieben, verfährt. Beim Sitz des Fremdkörpers in den
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182nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Halses.
unteren Abschnitten des Schlundes kann versucht werden, denselben mit Hülfe eines biegsamen Katheters hinunterzustossen. Gelingt dies nicht, so hilft zuweilen noch ein Breclimittel (Apomorphin, subeutan) und wo auch dies im Stiche lilsst, muss man zum Schlundsclmitt schreiten, der bei Hunden ebenfalls ohne besondere Gefahr und in derselben Weise auszuführen ist, wie bei den übrigen Thieren. Ich habe die Operation wiederholt mit Erfolg in Anwendung gebracht. In einem Falle zeigte sich der Schlund durch den Fremdkörper bereits an zwei Stellen durch­bohrt, trotzdem gelang nicht nur die Entfernung des Knocbenstückes, sondern die Schlundverletzungen heilten auch ohne Hinterlassung von Stricturen und anderen nachtheiligen Folgen.
E. Die Verstopfung des Kropfes beim Geflügel.
Lit.: Friodboi'gor u. Fröhner, Spec. Path. II. Aufl. S. 41. Zürn, Krank­heiten des Hausgeflügels.
Der Kropf stellt ein physiologisches Divertikel des Schlundes dar, in welchem die Futterstoffe, ähnlich wie im Pansen der Wiederkäuer für die Verdauung vorbereitet werden. Verstopfungen desselben er­folgen durch iibermilssige Anfüllung mit schwer verdaulichen, nament­lich trockenen Nahrungsmitteln oder mit unverdaulichen Fremdkörpern. Unter Umständen soll auch die Verstopfung durch Compression des Schlundes bei Lungenerkrankungen veranlasst werden.
Die Erscheinungen des Leidens besteben in erster Linie in starker Anfüllung und Ausdehnung des Kropfes, wobei sich derselbe hart und fest anfühlt, in Appetitlosigkeit und nicht selten in Ausfluss einer Übelriechenden Flüssigkeit aus dem meist offen gehaltenen Schnabel. Nach längerem Bestehen oder öfterer Wiederkehr des Zu-standes stellt sich eine erhebliche Ausdehnung des Kropfes ein (Hänge-kropf). Dabei magern die Thiere allmälich ab und können an dem Leiden zu Grunde gehen. Der Zustand wird sowohl bei Hühnern, Enten und Gänsen wie auch bei Tauben beobachtet und nimmt durch Recidive oft einen chronischen Verlauf.
Die Behandlung besteht zunächst in Massage. Durch Drücken und Kneten suche man den Kropf zu entleeren oder den verhärteten In­halt zu zerdrücken. Von Zürn ist Sulzsäure empfohlen worden. Wo diese Mittel ohne Erfolg bleiben, wie es namentlich bei der Anfüllung mit Fremdkörpern (Sand, Steinen) oft der Fall ist, muss der Kropf auf operativem Wege entleert werden, ein Verfahren, das von den meisten
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Verletzungen des Pharynx und Schlundes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;183
Thieren, mit Ausnahme der Tauben (Zürn) leicht ertragen wird. Nach Entfernung der Federn spalte man den Kropf in der Richtung des Halses so weit, dass man mit dem Finger eindringen und den Inhalt entfernen kann. Die gereinigte Wunde wird geheftet und heilt in der Kegel per primam int. Tauben ertragen die Operation nach Zürn nicht gut, namentlich in der Brunstzeit, weil die den Kropf auskleidende Membran alsdann sehr blutreich und geschwollen ist (Zürn).
2. Verletzungen des Pharynx und Schlundes. Schlundflsteln.
Lit: Ouilmot, Her. Rep. Bd. 16. S. 72. Laser, Th. Mitth. 1874. S. 160. Hau bold, Dresd. Bericht. 1887. S. 02 U, 68. Stamm, Th. Mitth. 1882. S. 57.
An der fharynxwand kommen bei grösseren Thieren, namentlich Pferden Verletzungen beim Glätten der Zähne vor. Wenn der Meissel oder die Haspel nicht vorsichtig gehandhabt wird, können mit diesen Instrumenten schwere Verletzungen der llachenwand veranlasst wer­den, welche unter Umständen durch Verblutung oder schwere ent­zündliche Prooesse zum Tode führen. Dasselbe gilt von dem Ein­geben von Pillen mit einem Stocke, oder von der ungeschickten Ap­plication von Schlundinstrumenten, Sonden, Zangen u. s. w. Ferner werden sowohl bei grossen wie kleinen Thieren Verletzungen des Pharynx durch scharfe Fremdkörper veranlasst; Fleischfresser zeigen sich davon am häufigsten betroffen, doch hat man solche auch bei grossen Thieren beobachtet. Merkl fand eine Haarnadel im Schlund-köpfe des Pferdes.
Im Schlünde werden Verletzungen fast ausschliesslich durch scharfe Fremdkörper, Schlundinstrumente oder durch den Versuch, Fremdkörper im Schlünde zu zerkleinern veranlasst. Directe Ver­letzungen von aussen sind selten (S. 145). Diese Zustände können sehr verschieden verlaufen, je nachdem sich die Verletzungen gestalten. Wie bereits erwähnt, kommen Verblutungen vor, oder es tritt durch Einfliessen des Blutes in die Trachea Erstickung ein. Bleiben die entzündlichen Processe oberflächlich und wird der Fremdkörper ent­fernt, so tritt wohl Heilung ein; doch kann sich an solche Ver­letzungen phlegmonöse Erkrankung der Pharyngealschleimhaut und ihrer Nachbarschaft (Angina phlegmonosa) anschliessen und hierdurch Erstickungsgefahr entstehen. In der Ilachenhöhle und im Schlünde perforiren Fremdkörper nicht selten die Schleimhaut sowie ihre Unter­lage und rufen eine umschriebene Phlejnnone mit Abacessbildunff her-
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184nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Halses.
vor. Der Abscess bricht entweder nach aussen durch, und so ent­steht eine Communication des pharyngo-ösophagealen Rohres nach aussen oder die Perforation erfolgt vom Schlünde in die Brust- oder Bauchhöhle. In letzterem Falle führt stets und in kurzer Zeit eine septische Pleuritis oder Peritonitis zum Tode. Den seltenen Fall einer doppelten Zerreissung des Schlundes beobachtete Laser bei einem Re-montepferde, welches in Folge dessen zu Grunde ging. Ein Riss be­stand an der Halsportion, ein zweiter in der Brusthöhle. Die Per­foration nach aussen tritt am häufigsten am oberen Ende des Schlundes, dicht unter dem Pharynx ein. Ich sah den Vorgang mehr­mals bei Pferden. Nach Entleerung des Abscesses, welcher offc. Futterstoffe, stets aber ausserordentlich übelriechende Eitermassen ent­hält, gelangen beim Schlucken Speichel, Wasser und Futter durch die Oeffnung. Hierdurch wird der Ausgang des Abscesses vom Schlünde bez. der Rachenhöhle sicher erkannt. Die Perforationswunde heilt regel-mässig, doch bleibt meist ein kleiner Fistelkanal zurück, aus welchem sich Trinkwasser und Speichel entleert und dessen Heilung oft mit grossen Schwierigkeiten verbunden ist. Man bezeichnet den Zustand als Schlundfistel. Während des entzündlichen Processes und in Folge der hiermit verbundenen Schwellung bestehen Schluckbeschwerden, nicht selten auch fieberhafte Erkrankung (Angina). Die an der linken Halsseite sich entwickelnde Anschwellung nimmt allmälich zu, wird weich und bricht endlich auf; damit verlieren sich die Schluck­beschwerden und Fiebererscheinungen. Abscedirung in das Lu­men des Schlundes mit Heilung wurde von Guilmot bei einem Kalbe beobachtet, welches an Schluckbeschwerden, Erbrechen und Tympanitis litt. Als man sich entschloss, die Schlundsonde einzu­führen , entleerte sich mit derselben etwa 1 Liter Eiter, und nach einigen Tagen verschwanden die Krankheitserscheinungen. Haubold sah beim Pferde eine Schlundfistel durch Abscedirung der retropha-ryngealen Lymphdrüsen in den Schlund entstehen, welche in drei Wochen heilte; Stamm machte nach abgelaufener Druse eine gleiche Beobachtung.
Verletzungen der Rachenhöhlenwand durch Pillenstöcke oder Zahninstrumente können heilen, wenn sie nicht durch Blutungen oder durch die folgende Entzündung einen tödtlichen Verlauf nehmen. Salivation und Störungen beim Schlucken lassen solche vermuthen. Bei kleinen Thieren kann die Inspection genaue Auskunft über den Sitz und die Ausdehnung der Verletzungen geben.
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Ectasien und Divertilcel des Schlundes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;185
Behandlung. Vorsicht bei der Anwendung der genannten Schlund- und Zahninstrumente und Vermeidung scharfer Pillenstöcke ist in präservativer Hinsicht zu beachten. Entwickelt sich ein Abscess am Halse, so kann durch rechtzeitige aber vorsichtige Oeffnung des­selben die Erkrankung abgekürzt werden. Man spült denselben hier­auf aus und sorgt für regelmässigen Abfluss des Inhaltes sowie des Speichels und der Entzündungsproducte, die sich später bilden. Schwierigkeiten bieten zuweilen die Schlundfisteln. Gelingt es auch häufig, durch Einführung eines Sublimatfadens oder des Glüheisens definitiven Verschluss herbeizuführen, so ist dies doch nicht immer der Fall. Ich hatte Gelegenheit, alle diese und andere Mittel bei einem Pferde vergeblich anzuwenden. Erst die Erweiterung der Fistel und Heften ihrer Schhindöffnung führte schliesslich zum Ziele, ein Verfahren, das jedoch keineswegs leicht und auch nicht in allen Fällen von Erfolg ist.
3. Ectasien, Divertikel und Zerreissung des Schlundes.
Lit: Langrehr, Berl. Archiv. 1886. S. 285. Roloff, Th. Mitth. 1874. S. 161. Reichel, Gurlt u. Hertwig. III. S. 306. Schwerdtfeger, Dread, Ber. 1858. S. 100. Reinemann, Th. Mitth. 1858. S. 160. Moisant, Jahrb. 1869. S. 45. Laurent, Jahresbericht. 1886. S. 109. Hartenstein, Dresd. Ber.
1875.nbsp; nbsp;S. 104. Kehm, Berl. Thier. Woch. 89. S. 11. Harms, Han. Ber.
1876.nbsp; S. 57. Schleg, Dresd. Ber. 1889. S. 75. Leisering, Dresd. Ber. 1861. S. 21. Schäfer, Berl. Archiv. 1887. S. 364. Munkel, Th. Mitth. 1882. S. 56.
Als Ectasien sollen diejenigen Erweiterungen des Schlund-rohres bezeichnet werden, wobei beide Häute, Muscularis und Mucosa eine Ausdehnung erfahren haben. Sie bilden zuweilen die Folge von Stricturen des Schlundes und entwickeln sich alsdann wie diese meist langsam. Solche Ectasien, auch Pulsionsdivertikel genannt, treten bei grösseren Thieren sowohl wie auch bei Fleischfressern auf. Lang­rehr beobachtete eine Kuh, welche 8 Monate lang nach der Futter­aufnahme stets Erbrechen zeigte. Dies trat sofort ein, wenn dem Thier gleich nach dem Fressen Getränk gegeben wurde. Beim Schlachten' der stark abgemagerten Kuh fand sich unmittelbar vor dem Zwerchfell eine Erweiterung des Schlundes, welche etwa 3 Liter Flüssigkeit aufnehmen konnte und durch Ausdehnung aller seiner Häute entstanden war. Bald erscheinen Ectasien spindelförmig, bald scharf abgesetzt. In jedem Falle entstehen bei erheblicher Ausbildung derselben Störungen des Schlingens und später auch der Ernährung.
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1 8(5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Halses.
Als „Divei'tikel* bezeichne ich hier Ausdehnungen des Schlundrohros, welche dadurch zu Stande kommen, dass die Muscularis zerreisst, und die elastische Mucosa durch die so entstandene Oeffnung der Muskelhaut getreten ist. Dieser auch als Oesophagus ventri-culosus oder Schlundbruch (Ocsophagocele) bezeichnete Zustand wird am häufigsten bei Pferden und Rindern beobachtet. Ich sah ihn mehrfach durch gieriges Fressen grobstengeligen Klees entstehen; ebenso Munkel. Es bandelt sich also um eine Zerreissung der Muscularis, wobei die Mucosa intact blieb. Die grössere Elasticität der letzteren gegenüber der Muskelhaut erklärt die Entstehung des Zustandes in Folge Dehnung durch übergrosse Bissen. Er bildet sich zuweilen in der Jlalsportion, kommt aber häufiger noch dicht vor der Einpflanzung in den Magen vor (Schäfer).
In 26 von Ji u b e 1 i zusammengestellten Fällen fand sich bei Pferden das Divertikel 11 Mal dicht vor dem Zwerchfell, 7 Mal in der Brustportion, 8 Mal am Halse und zwar meist im unteren Theile desselben; dies Verhalten erklärt sich aus dem anatomischen Bau des Oesophagus bei Pferden (S. 171).
Es können auf diese Weise auch beide Häute des Schlundes zerreissen, oder ein Schlunddivertikel erst später zur Zerreissung der Mucosa fuhren. Zahlreiche Beispiele für das in Rede stehende Leiden finden sich in der Literatur. Buland fand den Schlund dicht vor seinem Durchtritt durch das Zwerchfell bei einem Pferde zerrissen, welches an Kolik mit starken Brechanstrengungen gelitten hatte. Harms, Hartenstein und Uoloff beobachteten Schlunddivertikel bei Kühen, das von Harms beschriebene befand sich G cm vor dem Pansen. Leisering beschreibt ein Divertikel beim Pferde, welches auf einem Transporte an Erstickung zu Grunde gegangen war; 3 Fuss vomSchlund-kopfe entfernt zeigte der aufgeblasene Schlund einen Umfang von ca. 40 cm, 20 cm hinter dieser Stelle betrug der Umfang noch ca. 30 cm; 30 cm vor derselben 33 cm. Dicht vor der Cardia fand sich ein zweites Divertikel.
Erscheinungen und Verlauf. In ihren Erscheinungen zeigen diese Krankheitszustände grosse Uebereinstimmung, nach ihrem Sitze jedoch einige Verschiedenheiten. Ectasien wie Divertikel geben sich durch Würgen und Reizung zum Erbrechen zu erkennen, Zufälle, die bald nach der Futteraufnahine hervorzutreten pflegen. Findet sich die Abnormität in der Halsportion des Schlundes, so entsteht während des Fressens an der linken Halsseite eine Anschwellung, die wenig
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Kutasien und Divertikel des Schlundes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;187
oder gar nicht schmerzhaft ist, überhaupt keine entzündlichen Sym­ptome zeigt und sich nach einiger Zeit (1—2 Stunden) wieder ver­liert. Durch Druck auf die Geschwulst lässt sich in der Regel Würgen und Erbrechen hervorrufen; die Geschwulst pflegt nach Auf­nahme von trockenem Kurzfutter stärker hervorzutreten als von Heu und Getränk. Der Zustand kann sich lange Zeit hindurch erhalten, ohne class die Thiere in ihrem sonstigen Gesundheitszustände darunter leiden. Grosse Divertikel, besonders in der Brustportion, können Athembe-schwerden hervorrufen, die ebenfalls nach der Futteraufnahme hervor­treten, indem das gefüllte Divertikel einen Druck auf die Trachea ausübt. In dem oben von Leisering beschriebenen Falle zeigte das Pferd, sobald es in der ersten halben Stunde nach dem Fressen, be­sonders von Heu, bewegt wurde, Athembeschwerden und Husten, die später nicht hervortraten. Das Thier ging an Erstickung zu Grunde, lieber einen ähnlichen Fall wird im Jahresbericht 18(30. S. 11 be­richtet.
Anders gestalten sich die Zufälle bei vollständiger Zerreissung des Schlundes. Hier sehen wir dieselben Erscheinungen wie bei Ver­letzungen des Schlundes hervortreten. Sofern die Halsportion Sitz der Zerreissung ist, entwickelt sich ein Abscess mit Emphysembildung am Halse, der nach einiger Zeit perforirt und mit Futterstoffen vermischte Eitermassen entleert. Derselbe kann wie eine Schlundwunde ver­heilen, aber auch durch erhebliche Eiterversenkungen und Sepsis zum Tode führen, wie eine von Laurent mitgetheilte Beobachtung be­weist; dass hierbei aber auch spontane Heilung möglich ist, zeigt eine von Schleg bei der Kuh gemachte Beobachtung.
Zerreisst der Schlund in der Brust- oder Bauchhöhle, so tritt bald in Folge septischer Pleuritis oder Peritonitis der Tod ein; Kehm berichtet über einen solchen Fall beim Pferde. In der Hegel wird dieser Zustand jedoch erst bei der Section erkannt. Aber auch der Oesophagus ventriculosus kann den gleichen Ausgang nehmen, sofern nämlich die Anhäufung der Futterstoffe in dem Ventrikel entzündliche Processe an der Schleimhaut mit Zerstörung derselben zur Folge hat. Dieses steht namentlich in der ersten Zeit zu befürchten, während die allmälich sich ausbildende Verdickung der Schleimhaut eine grössere Widerstandsfähigkeit derselben mit sich bringt.
Die Beurtheilung dieser Zustände gestaltet sich im allgemeinen ungünstig. Kufen die Ectasien auch nicht gerade lebensgefährliche Folgen hervor, so stören sie docli die Ernährung und wirthschaftliche
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188nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Halses.
Verwerthung des Thieres stets im hohen Grade, und da eine Heilung für gewöhnlich ausgeschlossen erscheint, so müssen diese Zustände ungünstig beurtheilt werden. Durch entsprechende Regelung der Diät suche man die Thiere so gut es geht arbeitsfähig zu erhalten, Mast-thiere für die Schlachtbank vorzubereiten. Unter Umständen kann das Leiden mit vollständiger Unbrauchbarkeit und selbst tödtlichem Ausgange verbunden sein, wie die Beobachtung von L e i s e r i n g u. A. beweist.
Behandlung. Während bei Ectasien, die über grössere Strecken verbreitet sind, ein therapeutischer Eingriff kaum Erfolg verspricht, lässt sich bei Divertikeln in der Halsportion des Schlundes auf ope­rativem Wege wohl etwas erreichen, wie schon die Beobachtungen von Reinemann, Seh werdtfeger, Moisant, Reichel u. A. bei Pferden und Rindern ergeben haben. Es würde darauf ankommen, die Ausstülpung der Mucosa entweder zu reponiren oder ganz zu entfernen, und den Riss in der Muscularis durch Heften oder Neben-gewebe zum Verschluss zu bringen. Reposition der Mucosa und Heften des Muscularis müsste demnach als nächster Weg zur Heilung bezeichnet werden und wird auch beim Menschen eingeschlagen. Man vergesse jedoch nicht, dass dies leichter beschrieben als ausgeführt ist, namentlich, wenn der Zustand bereits längere Zeit besteht, die Ruptur der Muscularis bereits vernarbt und mit reichhaltigem Narben­gewebe der Umgebung fixirt wird. Man könnte indess immerhin dies Verfahren versuchen, und wenn dabei einigermassen mit antiseptischen Cailtelen vorgegangen wird, bleibt die Operation verhältnissmässig ungefährlich.
Man würde zunächst wie beim Schlundschnitt vorgehen (S. 178). Sollten sich die Umstände zum Heften der Muscularis günstig zeigen, so muss dies nach erfolgter Reposition der Mucosa erfolgen und zwar mit Catgut oder Seide und recht eng gelegten Ligaturen. Aufreissen der Hefte zieht natürlich Misserfolg nach sich. Gelingt dies nicht, so wird das Divertikel geöffnet, ein Stück der abnorm ausgedehnten Schleimhaut excidirt, sodann mit der Muscularis in derselben Weise geheftet. Moisant legte zu dem Zwecke während der Futter- und Getränkaufnahme einen Apparat nach Art einer Kluppe an, und er­zielte damit sowohl beim Pferde wie aucli später bei zwei Kühen günstigen Erfolg. Sorgfältiges Heften der Schleimhaut event, auch der Muscularis würde sich jedoch nicht nur einfacher gestalten, son­dern auch denselben Erfolg haben, wie der Fall Reinemann zeigt,
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Verengerung und Compression des Schlundes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 189
obgleich die Hefte in Folge unzweckmässiger Fütterung zwei Tage später ausrissen. Die Granulation bewirkt unter solchen Umständen den Verschluss ebenso wie nach dem Schlundschnitt. Reichel führte die Operation beim Ochsen sogar im Stehen aus. Man würde allerdings in den nächsten 24 Stunden nur reines Wasser, in den folgenden Tagen flüssige Nahrungsmittel geben lassen, um das Ausreissen der Naht zu verhindern.
Bei vollständiger Zerreissung der Halsportion des Schlundes findet dieselbe Behandlung statt, wie bei Verletzungen desselben durch scharfe Gegenstände. Die in der Brust- und Bauchhöhle erfolgenden Zerreissungen sind jeder Therapie unzugänglich.
4. Verengerung und Compression des Schlundes.
Lit.: Andersen, Stockfleth Chirurgie. S. 302. Friedenreich, Mag. v. Gurlt u. Hortwig. 16. S. 282. Johne, Dresd. Ber. 1886. S. 56. Köhne, Mag. v. Gurlt u. Hertwig. 26. S. 424. Bailliet, Jahresbericht. 1886. S. 110. Felisch, Adams W. 1883. S. 345.
Verengerung (Stenose) des Schlundes kann durch chronisch entzündliche Processo in seiner Wandung entstehen. Andersen theilt einen solchen Fall am Pferde mit, welches während 4 Monaten wieder­holt an Schlundverstopfung gelitten hatte. Bei der Section fand sich etwa 8 Zoll unter dem Pharynx eine ringförmige Einschnürung des Schlundes; die über dieser Stelle gelegene Abtheilung des Schlundes war erweitert, ectatisch. Dem von Köhne als Schlundstrictur be­schriebenen Zustand scheint ein Divertikel zu Grunde gelegen zu haben.
Einen eigenthümlichen Fall beschreibt Friedenreich von einem Pferde, welches längere Zeit an Schlingbeschwerden gelitten hatte und schliesslich am Hungertode starb. Bei der Section fand sich in der Rachenhöhle eine Schleimhautduplicatur, welche von der oberen l'harynx-wand ausging und sich so auf den Schlundkopf legte, dass derselbe bis auf 2/3 geschlossen wurde; die Sehleimhautfalte erschien nicht krank­haft verändert.
Compressionen des Schlundes werden durch Tumoren in der Brusthöhle oder durch Anschwellung der bronchialen Lymphdrüsen veranlasst (Compressionsstenose). Johne u. A. berichten über der­artige Beobachtungen beim Rinde, in denen tuberculös entartete Bron­chialdrüsen zur Compression des Schlundes mit Störung des Schluckens und der Ernährung geführt hatten.
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190nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Halses.
Sohlundstenosen durch Selirumpfimg der Schleimhaut in Polye Aniltzimg, welche beim Meiisclien häufiger sind, kommen bei Thieren selten vor; ebenso die sog. Obturationsstenosen, d. h. Verengerungen des Lumens durch Tumoren oder Parasiten (Spiropteru sanguino-lenta) u. s. w.
Klinisch bieten diese Zustände um so weniger Interesse, als sie in der Kegel nicht mit Sicherheit zu diagnosticiren sind. Durch den chronischen Verlauf unterscheiden sich dieselben von den Störungen, die durch Fremdkörper oder Divertikel des Schlundes hervorgerufen werden. Rinder /.eigen bei diesen Leiden oft Erscheinungen der chronischen Tympanitis. Verbindet sich hiermit Husten und Abnmge-rung, so liegt Verdacht auf Tuberculose vor.
Für die Therapie sind nur selten Angriffspunkte gegeben, zumal die Diagnose erst bei der Section genau festzustellen ist. Die Kennt-niss der Zustände hat jedoch in ditferential-diagnostischer Beziehung Interesse.
5. Lähmung des Schlundkopfes und Schlundes.
Lit.; Anacker, Gurlt a, Hartwig. llJ. S. 478. Cadcac, Jalu-esber. 1888. S. 113. Straub, Her. Rcp. 1841. 8. 179. Fri e db e rger u. Frohner, Spee. Path. H. Aufl. S. 39. Wassilleff, Mitth. aus der naturforsoh. Gesellschaft in Bern. 1888. S. 170. Pu seh mann, Thierarzt. 1869. S. 210. Diecker-lioff, Spec. Path. S. 805. Kronecker u. Meltzer, Dubois-Roymond's Archiv. 1883. Sclnnidt, Uerl. Th. Woch. 1889. S. 145.
Die Muskeln des Schlundkopfes wie die Muscularis der oberen 2/3 des Schlundes empfangen ihre motorischen Nerven vom 1)., der letzte Drittheil vom 10. Nervenpaar. (Ueber den Schluckact und seine Innervation vgl. S. 172.) Es muss zugegeben werden, dass hier Func-tionsstörungen durch Norvenlilhmung hervorgerufen werden können; die Literatur enthält auch zahlreiche Mittheilungen über ,Läh­mung des Schlundesquot;, ohne jedoch einen stricten Beweis für die Gegenwart dieses Leidens zu liefern. Noch fehlt es an zuver­lässigen und eingehenden Beschreibungen der so bezeichneten Krank­heitsfälle. Ein Theil der bezüglichen Mittlieihmgen lilsst Lähmung des Schlundkopfes vernuithen, anderen lagen anatomische Verände­rungen oder Fremdkörper im Oesophagus ZU Grunde.
Eine strenge Trennung zwischen Pharynx- und Schlundlähmung wird sich überhaupt kaum durchführen lassen; bisher wenigstens fehlen arenaue ünterscheidunofsinerkinale. Daher müssen auch viele als
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Lähmung ties Schlundes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;JQJ
Schlumllühminig- aufgefasste Kraiikheitszustihule in die Ruclionliöhle verlegt werden. Ob eine Lähmung der Riichoiimuwkuliitur, namentlich der Rachenschnürer Schlingbeschwerden und welcher Art bedingen kann, ist bisher nicht bekannt.
Bei schweren Erkrankungen, namentlich Gelnrnleiden und Himds-wuth, sowie sub finem vitae leidet häutig die limervation des Schluck-actes, in Folge dessen die aufgenommenen Futterstoffe im Schlünde stecken bleiben. Dafür spricht ein bei Pferden nicht seltener Befund; man trifft nämlich bei der Section dieser Thiere den Schlund zuweilen mit Futterstoffen angefüllt, ohne dass ein Hinderniss im Schlünde nach­zuweisen ist. Diese Fülle haben jedoch klinisch kein weiteres Interesse.
Von mir wurde ein Pferd längere Zeit behandelt, welches dauernd Schlingbeschwerden zeigte, obgleich hierfür eine Ursache nicht aufzu­finden war und anderweitige Krankheitserscheinungen fehlten; auch die Section ergab nichts Abnormes. Es muss daher zugegeben werden, dass liier eine Lähmung des Pharynx vorgelegen hat, doch fehlte ebenfalls der stricto Beweis für die Gegenwart einer Sciilundläbmung. Gleiche Schluckbeschwerden sah ich einige Male nach der Resection des Aryknorpela; in einem Falle waren dieselben durch starke Wuche­rung des Bindegewebes um den Kehlkopf mit Vergrösserung desselben bedingt; in einem anderen verschwanden die Erscheinungen nach einigen Wochen vollständig. Möglicherweise waren entzündliche Schwellungen in der Rachenhöhle die Veranlassung, doch Hessen sich anderweitige Störungen bei dem Thiere nicht nachweisen. Aehu-liches sah Dieckerhoff beim Pferde. Puschmann berichtet über eine Beobachtung, die indess vermuthen lässt, dass eine Schlund­verstopfung die Ursache des Unvermögens zu schlucken bildete; 2 Zoll vor seiner Einmündung in den Magen war der Schlund mit zerkautem Heu vollgepfropft. Auch die von Cadeac u. a. als Schlundkrampf beschriebenen Störungen können wahrscheinlich ent­weder auf eine Verstopfung oder auf ein anderes Hinderniss für den Durchtritt des Futters (Divertikel, Verengerung u. s. w.) zurückge­führt werden. Mit der vollständigen Verstopfung des Schlundes hört selbstverständlich das Schluckvermögen auf; dies erklärt sich nament­lich) wenn man mit Kronocker und Meltzer annimmt, dass der Bissen vom Schlundkopfe gleichsam in den Magen gespritzt wird. Dagegen hat Schmidt neuerdings einen Befund geliefert, welcher auf einseitige Paralyse des Rachens und Schlundes schliessen lässt. Eine ältere Stute zeigte linksseitigen Nasenaustluss; die linke Nasenhöhle war mit Futterstoffen anffeftillt und beim Trinken floss der grösste
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192nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Halses.
Theil des Wassers durch die Nase zurück. Das Pferd ging bald ein und bei der Section fand sich neben Schluckpneumonie die linke Oberkieferhöhle mit Futterstoffen angefüllt; die linke Hälfte des Gaumen­segels erschien atrophisch („nur noch rudimentär vorhanden'), die Kachenwand linkerseits beuteiförmig ausgedehnt. Auch unter den Armeepferden (Zeitschr. f. Veterk. 1889. S. 214) wurde ein Fall von SchlundkopfUlhnuing beobachtet, der in 8 Tagen unter Anwendung von Strychnin heilte.
Räthselhaft erscheinen die Mittheilungen über Unvermögen Wasser aufzunehmen. Die Thiere (Pferde) können Futterstoffe regelmässig er­fassen, kauen und verschlingen, dagegen sind sie aussei- Stande, Trinkbe-wegungen zu machen. Sie gehen gierig an das Wasser, machen schnappende Bewegungen mit den Lippen, auch die Zunge wird hin und her bewegt, ohne dass sie einen Schluck Wasser aufnehmen. Friedberger und P r ö h n e r glauben einen angeborenen Defect in den nervösen Centralorganen (Sauge­centrum) annehmen zu müssen. Auffällig bleibt, dass die Thiere dabei so alt geworden waren. In dem Friedberger und Fröhner'schen Falle hatte das Pferd ein Alter von 8 Jahren erreicht.
Erscheinungen. Durch Unvermögen zu schlucken, zuweilen mit Verstopfung des Schlundes mit Futterstoffen verbunden, giebt sich der Zustand zu erkennen. Bei tollwuthkranken Hunden beobachtet man nicht selten, dass die Thiere sich bemühen Getränk aufzunehmen, ohne dass die Menge desselben in dem Trinkgefässe abnimmt, ein Beweis, dass wenig oder gar nichts verschluckt wurde. Ob hier die masticatorische Gesichtslähmung (S. 102) Ursache des Un­vermögens zu schlucken bildet, oder ob zugleich eine Lähmung des Schlundes vorliegt, lässt sich klinisch schwer entscheiden.
Bei der Behandlung der unter den beschriebenen Erscheinungen auftretenden Leiden würde es sich zunächst darum handeln, gegen die Beseitigung der etwa bestehenden Verstopfung vorzugehen; hierzu dient vor allem die Schlundsonde. Ferner muss die Diät dem Zu­stande entsprechend eingerichtet werden, wenn das Thier erhalten werden soll. Von innerlichen Mitteln (Strychnin) dürfte kaum erheb­licher Nutzen zu erwarten sein, dagegen muss gegen die dem Leiden etwa zu Grunde liegenden allgemeinen Erkrankungen therapeutisch eingeschritten werden.
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Tumoren in Rachenhöhle und Schlund.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;193
5. Tumoren in der Rachenhöhle und im Schlünde.
Lit.: Fessler, Deutsch. Zeitschr. fiir Thiermed. 188G. S. 37. Harms, Th. Mitth. 1877. S. 131. Beel, Jahresbericht 1888. S. 113. Zürn, Parasiten. II. Aufl. Degive, Jahresber. 1881.S.66. Schütz, Borl.Arch. 1875. S.C6. Prietsch, Drcsd. Ber. 1888. S. 70. Esser, Berl. Th. Woch. 1889. S. 307. Lorenz, Zeitschr. für Vet. 1890. S. 415. Diericx, Her. Rep. 16. S. 73.
In der Rachenhöhle worden namentlich beim Kinde, seltener bei den übrigen Thieren Tumoren angetroffen. Seit langer Zeit kennt man Neubildungen in der Rachenhöhle des Rindes, die bezüglich ihrer Natur verschieden beurthoilt wurden. Roloff hielt sie für Retentions-geschwülste, welche von den Schleimdrüsen der Rachenhöhle ausgehen; Harms erklärte sie für Lymphome. Neuerdings ist man mehr und mehr zu der Ueberzeugung gelangt, dass es sich hierbei in der Regel um Akfcinomykome handelt.
Die Geschwülste entwickeln sich meist solitär an der hinteren oberen Rachenhöhlen wand , unter dem Keilbein, oder dicht über und hinter dem Kehlkopfe. Harms nennt die ersteren, welche in der Regel die Grrösse eines Rorsdorfer Apfels erlangen, „vorderequot;, die letzteren, meist von erheblicher Grosse, „hintere Rachenakti no-m y k o m equot;.
Bei den im ganzen häufigen Aktinomyceserkrankungen des Rindes kann es nicht auffallen, das sich gerade hier die Infection mit den dem Futter anhaftenden Aktinomyceskeimen oft vollzieht. Die verhältnissniässig dünne, zarte Schleimhaut erleidet beim pas.siren des harten und scharfen Bissens leicht Verletzungen, welche die Eingangs­pforte für die Infection abgeben. Erst wenn die Wucherungen eine gewisse Grosso erreicht haben, rufen sie Krankheitserscheinungen hervor.
Erscheinungen. 1. Athembeschwerden. Die Respiration wird schnarchend, röchelnd, begleitet von Hustenreiz; dies tritt namentlich während des Fressens hervor; zuweilen stellt sich bei jedem Schluckukt Husten ein. Bei gebeugtem Kopfe werden diese Störungen deutlicher, ein Umstand, der für die Diagnose verwerthbar ist.
2. Schlingbeschwerden. Sobald die Geschwulst grosser ge­worden, muss sie selbstverständlich den Seiduckakt stören. Die Thiere strecken beim Schlucken den Kopf stark nach vorne, während Futter­stoffe, die in den Kehlkopf gelangen, einen Hustenanfall hervorrufen. Müller, Speolelle Obinirgle t'lir Thierilrzto.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 18
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Krankheiten des Halses.
'S. Zuweilen lilsst sich bei der Palpation von aussen eine grössere Fülle der Gegend über dem Kehlkopf nachweisen. Bei dieser Prü­fung wird der Kopf möglichst gestreckt, und beide Hilnde über den Kehlkopf nach oben geführt. Harms fand einmal eine Dislokation des Kehlkopfes. Die in die liachenhöhle eingeführte Hand kann sich über das Vorhandensein, sowie über Grosse, Gestalt und Sitz der Neu­bildung genau überzeugen.
Nach Harms enthalten die vorderen Kachenaktinomykome grau-röthliche, zuweilen verkalkte Massen, die im Innern Aktinomyces-haufen nachweisen hissen; die hinteren bestehen nach ihm aus einer glatten, fibrösen, derben Hülle mit grüner Zerfallsmasse als Inhalt. Die Entwickclung dieser Neubildungen erfolgt langsam; wie Harms constatirte, kann die Geschwulst länger als 5 Monate bestehen, ohne Er­stickungsgefahr herbeizuführen; doch pflegen die Krankheitserschei­nungen, namentlich die Respirationsstörungen zuzunehmen. An den hinteren Hachenaktinomykomen kann nach Harms auch ein Stillstand in der Bildung eintreten, so dass auch die klinischen Erscheinungen nicht zunehmen.
Die Beurtheilung füllt in Bezug auf vollständige Heilung un­günstig aus, doch kann durch operatives Eingreifen eine Erleichterung für längere Zeit erzielt und so die wirthschaftliche Ausnützimg des Thieres zuweilen noch ermöglicht werden.
Anschwellungen der retropharyngealen Lymphdrüsen geben zu ähnlichen Störungen Veranlassung. Sie sind zwar nicht so häufig, indess beim Binde öfter beobachtet worden. Prietsch beschreibt einen solchen Fall; bei einem gut genährten Binde stellte sich 4 bis 5 Monate nach dem ersten Kalben allmälich ein schnaufend-schnarchen-des Athmen ein, welches namentlich während des Heufressens hervor­trat und bisweilen so stark wurde, dass die Kuh das Kauen unterbrach und die Zunge herausstreckte, wobei der Kopf gestreckt gehalten wurde. Bei der Untersuchung erschien der Kehlkopf geschwollen, vergrössert. Die Section ergab Lungentuberculose sowie tuberculöse Veränderungen der retropharyngealen Lymphdrüsen.
Behandlung. Harms lässt das Thier niederlegen, stellt den Kopf auf das Genick und macht unter dem Kehlkopfe in der Mittel­linie einen Längsschnitt, durch welchen die Hand eingeführt und das Bindegewebe zur Seite des Kehlkopfes getrennt wird; darauf dringt die Hand bis zum Tumor vor und entfernt denselben durch Abreissen.
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Tumoren im Schlünde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 195
Meier operirt in der rechten Seitenlage von der Miiulhölile aus, den Kopf des Thieres auf das Genick gestellt. Nachdem ein Maul-gatter angelegt ist, geht die rechte Hand des Operateurs in die Maul-und liachenhöhle so ein, dass ihre Volarfläche gegen den harten Gau­men gerichtet ist. Die vorderen Rachenaktinomykome werden mit der Hand erfasst und abgerissen; an den hinteren gestattet die derbe Bindegewebshülle dies nicht, desshalb beschränkt Meier sich darauf, diese mit dem Pinger anzubohren und den Inhalt zu entleeren. Harms zieht die erstere dieser beiden Methoden der eigenen vor, die letztere dagegen nicht, weil sie schwerer ausführbar sei und auch die Athem-beschwerden nicht immer beseitige.
Meines Erachtens sollte hier der Ecraseur in seine Rechte treten, mit dem man ohne Zweifel auch unter Umständen den Balg zu besei­tigen im Stande sein wird. Esser gelangt nach seinen ausgedehnten Erfahrungen zu dem Schluss, dass nur selten eine dauernde Heilung durch die Operation erzielt wird.
Tumoren in der Rachen höhle hei Pferden hilden im all­gemeinen seltene Ereignisse. Heber ihre Natur ist bisher wenig bekannt. Die Erscheinungen werden dieselben sein wie beim Rinde, auch würde man ein gleiches Verfahren zu ihrer Beseitigung einschlagen können. Doch nicht immer gelingt es, die Hand in die Rachenhühle einzuführen.
D e g i v e stellte bei einem Pferde, welches wiederholt an plötzlich auf­tretenden Athembeschwerden, die sich bis zur Erstickungsgofahr steigerten, gelitten hatte, bei der Section am unteren Theil des Pharynx, dicht vor der Epiglottis, eine hülmereigrosse cystoide Geschwulst fest.
Ebenso finden sich im Schlundkopfe der Fleischfresser nur selten Tumoren. Diericx entfernte mit Hülfe einer Schlinge aus dem Schlund­kopfe des Hundes einen zweilappigen, 5 cm langen Polypen, der sich bei der mikroskopischen Untersuchung als ein Fibrom erwies. Trotz ausge­dehnter Erfahrungen sind mir ähnliche Erkrankungen bei Hunden nicht vorgekommen.
Im Schlünde werden am häufigsten bei Wiederkäuern, namentlich beim Rinde Geschwülste angetroffen, und zwar sowohl Aktinomykome (Sied amgrotzky, de Jong) wie auch Papillome (Schütz). Die er-steren treten meist solitär, die letzteren multipel auf. Fessler beschreibt einen Fall von multiplem Papillom im Schlünde des Rindes. Die ganze Oberfläche der Schlundschleimhaut war mit warzigen und pinseiförmigen Auswüchsen besetzt, welche in der Nähe des Pharynx nur gerstonkorngross, in der Mitte des Schlundes bohnengross waren und borstenfönnige Büschel bildeten; nach unten nahm die Zahl derselben wieder ab. Jedes Papillom bildete einen Borstenhaufen, welcher pinseiförmig auf der konischen Basis wucherte. Die Zahl der Fäden betrug 30 und mehr.
Bei der mikroskopischen Untersuchung ergab sich Folgendes;
Die Propria mueosae enthält unter dem Papillom förmliche Gefäss-kniiuel, in denen die Venen grosse, cavernöse Räume darstellen. In jedes Papillom geht ein solider, mit Gefasssohlingen versehener Zapfen, von dem ans bindeaewebiffe Zü^e in die Fäden und Borsten ziehen: uni das Binde-
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#9632;^H
19(3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Halses.
gewebe sitzt der Epithelmantel. Ebenso beobachtete B e e 1 multiples Pa-pillom im Schlünde des Rindes. iSchlingbesehvverden, Anschwellung an der linken Halsseite, ein Hinderniss beim Einführen der Schlundsoncle und chroni­sche Aufblähung bezeichneten das Leiden, wodurch das Thier in seinem Nähr­zustande sehr litt. Die Section ergab eine „intraoesoplmgeale Stenosequot; mit Erweiterung vor der Stelle; die gleichinilssige Dilatation begann unter dem Schlundkopf und endete in der Höhe der 2. Rippe, hatte eine Länge von 17 cm. Der grösste Umfang betrug 24 cm, die Dicke der Muscularis 3 mm. Die Schleimhaut war mit einer grossen Zahl kleinerer und grösserer Pa-pillen besetzt, die wie Warzen aussahen; ihre Grosse wechselte zwischen einem Stocknadelkopfe und einer Haselnuss; man zählte 45 von 2—3 cm Länge. In der Höhe der 2. Rippe war eine Abschnürung des Schlundes zu bemerken, welche indess die Sonde passiren liess. Beel glaubt, dass die Periodioität in den Erscheinungen des Leidens durch zeitweise Verstopfung dieser Stelle durch Futtermassen voranlasst sei. Die mikroskopische Unter­suchung ergab einen ähnlichen Refund wie Pessler ihn beschrieben.
Bei Ziegen und Schafen wurden wiederholt Psor o spermi en in der Sohlundwand angetroffen. Nachtheiligo Polgen für das Schlucken scheint mit dem Zustande nicht verbunden zu sein. Möglicherweise sind einige der als Schlundläbmung beschriebenen Beobachtungen auf solche Parasiten zu­rückzuführen. Koch fand tuberculose Abscesse in der Schlundwand bei Kühen. In tropischen Gegenden (Java) hat man in der Schlundwand bei Hunden Cysten gefunden, welche mit Spiroptera sanguinolenta gefüllt waren und den Schlund obturirt hatten. Harms fand in den Herbstmonaten im Schlünde bei Schafen unter dem Epithel Pilarien weib­lichen Geschlechts, welche von Zürn als mit Spiroptera soutata ooso-phagea bovis identisch erklärt wurden. Bei Hunden kommt Spiroptera sanguinolenta im Schlünde vor.
Je nach der Grosse und Gestalt dieser Neubildungen rufen dieselben mehr oder weniger Schlingbeschwerden hervor. Oft können nur flüssige Stoffe mit Gewalt geschluckt werden. Nicht selten stellt sich dabei Würgen und Erbrechen ein; Abmagerung ist eine regelmässige Polge dieser Zu­stände. Ob solche zu heilen sind, hängt gleichfalls von der Beschaffenheit und Zahl derselben, sowie von dem Umstände ab, ob man dieselben er­reichen kann.
Zuweilen zeigen sich Polypen stark gestielt und können unter Um­ständen durch heftiges Erbrechen abgerissen und entleert werden. Bei Fleischfressern ist dies um so mehr zu versuchen, als bei diesen Thieren die Polypen ähnlich wie beim Menschen /umeist im Schlundkopfe oder dicht unter demselben sitzen. Durch Erbrechen tritt der gestielte Tumor zu­weilen in die Rachenhöhle und lässt sich dann entfernen ; auch in dem Pali Diericx fand dies statt. Sollte sich die Geschwulst ilusserlich an der Hals­portion des Schlundes deutlich nachweisen lassen, was jedoch nur selten der Pali ist, so erscheint der Scblundschnitt angezeigt. Der Mangel einer sicheren Diagnose intra vitam verbindert in der Regel eine rationelle Be­handlung. L o r o n z sah ein Pferd an Pleuritis eingehen und fand ein Carcinom des Schlundes, welches zur Zerreissung desselben Veranlassung gegeben hatte.
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Entzündung, Neubilcliuigen am Kehlkopfe und Luftröhre.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;197
8. Krankheiten des Kehlkopfes und der Luftröhre.
a. Verletzungen, Entzündung und Neubildungen am'Kehlkopfe. — Laryngitis. — Perilaryngitis. — Tumoren in der Luftröhre.
Lit.: Kühnert, Borl. Archiv. 1889. S. 294. Hutchinson, Jahresbericht 1888. S. 103. Gurlt, Gurlt u. Hartwig. 17. S. 446. Werner, Thieriirztl. Mitth. 1876. S. 102. Lee, Jahresbericht 1889. S. 98. Mecke, Gurlt u. Hortwig. 5. S. 258. Meer, Thieriirztl. Mitth. 1860. S. 168. Ehrhardt, das. 1800. S. 168. Gurlt, Gurlt u. Hcrtwig. 33. S. 23. Feschol, Dresd. Ber. 1885. S. 56. Johne, das. 1880. S. 48. Dieck, The Voter. 1842. S. 3. Row­land, Jahresbericht 1884. S. 91. Prietsch, Dresd. Her. 1888. S. 70. Besnard, Jahrb. 1885. S. 75. Degive, das. 1886. S. 102. Gut tier, Th. Mitth. 1881. S. 42. Gurlt, Gurlt u. Hortwig. 28. S. 287. Gorlach, das. 20. S. 307. Siodamgrotzky, Dresd. Ber. 1873. S. 13. Hink, Jahresbericht 1889. S. 98. Benjamin, das. 1883. S. 83. Leise ring, Dresd. Ber. 1863. S. 18.
Einleitung. Nur bei den Fleischfressern ist der Kehlkopf der directen Untersuchung durch Inspection zugänglich. Wird bei diesen Thieren die Zunge hervoi-gezogen und der Grund derselben mit einem stumpfen Instru­mente (Schere) herabgedrückt, so gewinnt man einen directen Einblick in den Kehlkopf, der für die klinische Untersuchung in der Regel aus­reicht. Der von Nawratil und Schmidt hierzu in Anwendung gebrachte [Kehlkopfspiegel liisst sich bei der Widersetzlichkeit dieser Thiere für die Praxis kaum verwerthen, da derselbe nur ausnahmsweise ohne Narkose zu benutzen ist. Bei den grösseren Thieren erschien die Inspection dos Kehl­kopfes bis in neuerer Zeit unmöglich. Polansky und Schindelka ge­bührt indess das Verdienst, auch beim Pferde den Kohlkopf dieser Unter­suchung zugänglich gemacht zu haben. Mit Unterstützung des genialen Wiener Opticus Leiter haben dieselben unter anderen zur Untersuchung der Kopfhöhlen dienenden Instrumenten das Rhin o-Laryngoskop con-struirt, welches in die Rachenhöhle und den Kehlkopf des Pferdes einen Einblick gestattet und nicht nur klare, sondern auch übersichtliche Bilder dieser Theilo liefert. Selbstverständlich konnte dies nur mit Hülfe eines complicirten Apparates und des elektrischen Lichtes geschehen, wesshalb die Ausnutzung dieser Erfindung für die thierarztliche Praxis bisher eine be­schränkte geblieben ist, und schon aus diesem Grunde hier nicht eingehend besprochen werden kann. Dagegen eignet sich der Apparat vorzüglich für klinische Zwecke, wie ich mich oft überzeugt habe, und leistet namentlich für den Unterricht ausserordentlich gute Dienste. Die Boschreibung dieser Instrumente findet sich in der österreichischen Zeitschrift für wissenschaftliche Veterinürkunde, II. Bd., S. 295.
Bei der geschützten Lii^'e des Kehlkopfes zwischen den Unter-kiefeviisten kommen Verletzungen von uussen nur sehr selten an dem­selben vor. Dagegen können scharfe Fremdkörper, welche mit der
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Krankheiten des Halses.
Nahrung verschluckt worden, in die Schleimhaut des Kehlkopfes ein­dringen und hier entzilndliche Processe hervorrufen. Rowland ent­fernte aus der Riiclienhöhle des Pferdes einen Angelhaken, welcher wich am Kehlkopfe eingebohrt hatte. Obgleich solche Verletzungen nicht so häutig sind, wie am Schlundkopfe, so kommen sie doch zweifellos häufiger vor, als sie beobachtet werden, und führen entweder zu einer acuton Laryngitis, oder sie veranlassen chronisch-entzündliche Processe am Kehlkopfe. Fälle der ersteren Art werden klinisch der acuten Laryngitis zugezählt, (leren Betrachtung den Lehrbüchern der speciellen Pathologie und Therapie zufällt, während die chronisch-ent­zündlichen Processe entweder Wucherungen des Bindegewebes in der Umgebung der Kehlkopfknorpel (i'eri laryngitis chronica fibrosa) oder Eiterung und Abscessbildung veranlassen. Kühnert beobachtete eine Perichondritis suppurativa laryngea beim Schwein; am rechten Ary-knorpel hatte sich in der Submucosa ein Abscess gebildet und die Stimmritze erheblich verengt, wodurch Athemnoth entstanden war, welche zum Schlachten des Thieres Veranlassung gegeben hatte. Leise ring stellte bei einem Hunde, welcher an heftigem Husten ge­litten hatte, Schwellung der Stimmbänder und der Schleimhaut der Kehlkopftaschen fest.
ilutchinson berichtet über ein ähnliches Leiden beim Schwein, das wegen Athemnoth geschlachtet worden war; hier zeigte sich Nekrose des Bingknorpels.
Die Perilaryngitis chronica fibrosa wurde am häufigsten beim Pferde gesehen. Es kommt hierbei zu einer fortschreitenden Wucherung des Bindegewebes; zuweilen verknöchert dasselbe. Auf jeden Fall stellt sich Retraction der gewucherten Massen ein, wodurch die Arykuorpel tixirt werden, die Stimmritze sich verengt, und so ent­stehen mehr oder weniger starke Athembeschwerden. Gurlt berichtet über einen derartigen Befund beim Pferde, das an Pfeiferdampf'gelitten hatte; der Kehlkopf wurde verknöchert angetroffen, Werner be­schreibt eine Neubildung am Kehlkopfe beim Ochsen, welcher bereits über ein Jahr an einer allmillich zunehmenden Athembeschwerde litt. Die Wucherung hatte sich bis in die Luftröhre fortgesetzt. Ich habe wiederholt Gelegenheit gehabt, chronische Perilaryngitis beim Pferde zu beobachten, in 4 Fällen Hess sich eine Ursache derselben nicht nach­weisen ; in anderen trat das Leiden nach der itesection des Aryknorpels auf und wurde Ursache des Misserfolges der Operation.
Chronisch-entzündliche Erkrankungen der Schleimhaut des Kehlhopfes gehören gleichfalls nicht ZU den Seltenheiten. Bei
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Laryngitis und Perilaryngitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 199
Kühen treten hierselbst tuberculöse Processe auf (G üttler). Bei Pferden wie Hunden werden nicht selten chronische Katarrhe des Kehlkopfes beobachtet, doch selten Gegenstand chirurgischer Belmudlung. Dagegen kommen chronische Reizungen in den tiefen Schichten der Schleim­haut mit Verdickung und Wucherung derselben und zwar am häu­figsten an den Stimmbändern vor. Ich habe diese wiederholt bei Pferden knotig verdickt angetroffen. Lee fand heim Pferde beide Stimmbänder mit knorpelartigen Auswüchsen besetzt.
Erscheinungen. Die chronische Laryngitis und Perilaryngitis giebt sich zunächst durch Athembeschwerden zu erkennen, welche bei eiterigen Processen schneller, bei den bindegewebigen Erkrankungen langsam, in der Itegel ganz allmälich entstehen. Anfangs macht sich nur eine inspiratorische, später zugleich eine exspiratorische Dyspnoe bemerkbar. So lange ersteres der Fall, lässt sich das Leiden von den durch Lähmung des N. recurrens bedingten Athembeschwerden oft nicht trennen und fällt somit klinisch unter den Begriff der Hart-schnaufigkeit bezw. des Kehlkopfpfeifens.
Nur selten gelingt es, von aussen am Kehlkopfe Veränderungen nachzuweisen; wenn der Process jedoch bis an die Aussenfläohe des Ring- und Schildknorpels vorgedrungen ist, fällt eine abnorme Stärke des Kehlkopfes auf: seine Formen erscheinen verschwommen; Verknöcherung giebt sich durch eine ungewöhnliche Härte und Wider­standsfähigkeit beim Zusammendrücken dos Kehlkopfes, wie es bei grosseren Thieren um Husten zu erregen üblich ist, zu erkennen.
Laryngitis chronica mit Verdickung der Schleimhaut ruft ebenfalls mit der Zeit Athembeschwerden hervor. Auch liier stellt sich Kehlkopfpfeifen, zuweilen im hohen Grade, ein, welches entweder von dem durch RecuiTenslähmung bedingten durch nichts zu unter­scheiden ist, oder zugleich bei der Exspiration hervortritt. Ein weiteres Merkmal dieser Art Erkrankung der Stimmbänder ist auffallende Heiserkeit oder Stimmlosigkeit (Aphonie).
Tumoren wurden am häufigsten beim Rinde, aber auch bei Pferden und anderen Thieren am Kehlkopfe angetroffen. Ueber ihre Natur liegen bisher nur wenig genaue Untersuchungen vor. Eine grosso Zahl wurde als „Breigeschwillstequot; (Atheromo) beschrieben (Mecke, Meer). Schon ihr Lieblingssitz an der Basis des Kehldeckels lässt vermuthen, dass manche derselben aktinoraykotischer Natur sind. Vielleicht gilt das Gleiche von den als Halggeschwülste beschriebenen Neubildungen am Kehlkopfe (Ehrhardt). Gurlt bezeichnet die
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Krankheiten des Halses.
Mehrzahl der Greschwülste am Kehlkopfe als „Polypenquot;. Auch sie dürften zum Theil mykotischen Ursprunges sein, namentlich die mit Eiterung verbundenen. Eine von Peschel beim Kinde gefundene Kehlkopfgesclnvulst wurde von Johne als Schleimdrüsenadenom bestimmt.
Besnard verlor eine 6jtlhrige Stute an Erstickung, welche durch einen wallnussgrossen, gestielten Cystenpolypen veranlasst war, der am Grunde des' Kehldeckels sass. Derselbe hatte während des Fressens Schlingbeschwerden mit Hustenanfilllen und hochgradige Dyspnoe veranlasst. De give glaubt, dass die , Apnoequot; dadurch entstehe, dass der Kehldeckel beim Schluckakte durch die Geschwulst in die Kehlkopfshöhle gedrängt werde, nicht aber durch „Vorschluckenquot;, wie Besnard meint.
In der Trachea sind Tumoren nicht häufig, wurden jedoch hei den verschiedenen Thierarten, am meisten beim Rinde beobachtet. In der Kegel zeigen sie eine gestielte Beschaffenheit, die offenbar durch die Bewegung des Tumors mit der Kespirationsluf't veranlasst wird. Gurlt, Ger lach, Hink u. a. fanden in der Luftröhre hei Ochsen Polypen; Kiek ein Kundzellensarkom (?). Siedamgrotzky beschreibt eine Colloidcyste in der Luftröhre des Pferdes, welches dicht unter den Kingknorpel in losem Bindegewebe eingebettet war. Benjamin stellte beim Pferde an der vorderen Wand der Luftröhre einen Tumor fest, welcher zu Athenibeschvverden Veranlassung ge­geben und sich im Anschluss an Bräune entwickelt hatte.
Beim Rinde beobachtete man wiederholt Kehlkopftuberculose. Mögen auch hier Verwechselungen mit Aktinomykose vorgekommen sein, so wurde doch von Johne eine Neubildung im Kehlkopfe beim Kinde als tuberculös erkannt. J. machte bereits auf die Aelmlichkeit mit Aktinomykose aufmerksam. Prietsch u. a. stellte bei Kühen Kehl­kopftuberculose durch die Section fest.
Symptome und Verlauf. Die ersten Stadien in der Entwicke-lung der Neubildungen entziehen sich natürlich der klinischen Beob­achtung. Erst nachdem dieselben eine gewisse Grosse erlangt haben, rufen sie Athem-, unter Umstünden auch Schlingbeschwerden hervor. Am Kehldeckel können die Neubildungen eine erhebliche Grosse er­reichen, bevor sie auffällige Störungen veranlassen; dann aber pflegen sowohl Schluck- als Atliembeschwerden mit ihnen verbunden zu sein. Oft stellen sich die Atliembeschwerden vornehmlich bei der Futter-aufnahme ein, ähnlich wie bei Zungeiierkrankung (S. 19) und dem sog. Rachenlymphomen (S. 10;{). Zuweilen zeigen beide Störungen auffälligen
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Laryngitis, Perilaryngitis und Tumoren im Kehlkopfe.
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Wechsel in ihrem Auftreten, wie Fr ick er und Dieck beim Pferde beobachteten. Die Section ergab in solchen rällen gestielte Ge­schwülste auf dem Zungengrunde, die sich bis auf den Kehlkopf ver­lagern können und dann plötzlich die Erscheinungen einer heftigen inspiratorischen Dyspnoe hervorrufen, wobei die Thiere unter Um­ständen niederstürzen und zuweilen an Erstickung zu Grunde gehen. Das plötzliche Auftreten der Dyspnoe ohne Fiebererscheinungen und sonstige Allgemeinstörungen spricht für die Gegenwart von solchen Tumoren. Am leichtesten kann der Zustand mit Glottiskrampf oder Oedem verwechselt werden.
An der Aussenseite des Kehlkopfes lassen sich in der Kegel keine Veränderungen nachweisen; nur da, wo die Neubildung auf die Aussenfläche desselben übergegriffen oder in der Wand der Trachea zu erheblichen Veränderungen geführt hat, zeigt sich die Kehlkopf­gegend voller und tritt Anschwellung hervor. Prietsch fand dies auch bei Kühen, die an Kehlkopftuberculose litten.
Oft giebt die Untersuchung durch die Maulhöhle Auskunft. Bei Fleischfressern erlangt man nach kräftigem Vorziehen der Zunge (mit einem Tuch) und durch Herabdrücken des Zungengrundes mit einer Schere oder einem Löffelstiel einen Einblick in den Kehlkopf, um sich von der Gegenwart von Tumoren am Eingänge desselben zu über­zeugen. Bei Pferden gelingt dies mittelst des von Polansky und Sohindelka oonstruirten Laryngoskopes (S. li)7). Wo diese Instrumente nicht zur Hand sind, kann am liegenden Pferde die Bachenhöhle zu­weilen mit der Hand untersucht werden, d. h, wenn die Stellung der Backzähne und des Gaumensegels den Durchtritt derselben gestatten. Nicht immer ist dies möglich und hängt von der Stärke der Hand und der Bildung jener Theile ab. Leichter gelingt diese manuelle Untersuchung beim Kinde; hier auch am stehenden Thiere, wenn der Kopf desselben gehörig befestigt ist.
In zweifelhaften Fällen kann die Laryngoflssur (S. 225) benutzt werden, um einen Einblick in die Kehlkopfhölile zu erlangen. Die Operation ist durchaus ungefährlich und sollte stets in Anwendung konnnen, wo ein besonderes Interesse vorliegt, solche Zweifel zu heben.
In der Trachea macht sich der Tumor erst benierklich, wenn er das Lumen derselben erheblich verengt und Atlienibeschwerden erzeugt, die in der Regel mit lautem, dyspnöischem Geräusche verbunden sind, und zwar sowohl bei der In- wie Exspiration, zuweilen aber nur bei einem der Akte. Charakteristisch für Tumoren in der Trachea ist Hervortreten des Geräusches vornelnnlich oder ausschliesslich bei
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202nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Halses.
der Exspiration. Die Lage und Gestalt der Neubildung erklärt diese Verschiedenheiten. Die Athembeschwerde nimmt mit der Ver-grössemag der Geschwulst zu und kann die Thiere durch Suffocation zu Grunde richten.
Nur in den Fällen, wo maligne Tumoren die Luftröhrenwand durclibreclien und an ihrer Aussenfläche weiter wuchern, lässt sich ihre Gegenwart direct nachweisen; sonst giebt die Palpation der Luftröhre nur selten Aufschluss; doch kann es vorkommen, dass durch Druck auf dieselbe an einer ganz bestimmten Stelle die Athembeschwerde vergrössert oder vermindert wird.
Die Prognose gestaltet sich im allgemeinen ungünstig. Die mit Eiterung verbundenen Erkrankungen des Kehlkopfes rufen die Gefahr einer l'neumonie hervor, indem sich der Abscessinhalt in die Trachea ergiesst. Bei chronischer Laryngitis mit Verdickung der Schleimhaut kann nur an den Stimmbändern auf operativem Wege etwas geleistet werden und zwar durch Resection derselben. An den übrigen Abtheilungen des Kehlkopfes hängt die Beurtheilung dieser Zustände, sowie auch der Perilaryngitis fihrosa von den Störungen der Respiration ab, welche mit dem Leiden verbunden sind; hier kann allerdings die Traeheotoniie Linderung verschaffen.
Bei Tumoren am Kehlkopf fällt die Beurtheilung nach den bisherigen Erfahrungen ebenfalls ungünstig aus, doch lassen sich ge­stielte, im Kehlkopfe selbst sitzende Neubildungen nach Spaltung des Bingknorpels und der ersten Tracheairinge zuweilen dauernd ent­fernen. Wo dies nicht gelingt, können die Thiere durch die Traeheo­toniie für einige Zeit brauchbar erhalten werden.
Behandlung. Beim Rinde sowie auch Hunde gelingt zuweilen die Entfernung des Tumors vom Kehldeckel (ähnlich wie bei Eaclien-tumoren, S. 1!)4) durch Abreissen mit der Hand (Bind) oder mit Hülfe von Instrumenten (Hund). Di eck will mittelst eines hierzu besonders construirten hakenförmigen Messers eine hülmereigrosse Geschwulst vom Kehldeckel eines Pferdes entfernt haben.
Verdickungen und Goschwulstbildungen an den Stimmbändern können durch Resection entfernt werden. Hier muss natürlich die Spaltimg des Ringknorpels, des Ligamentum conoideum und der ersten Trachea!ringe vorangehen. Man bringt das Thier zu dem Zwecke in die Rückenlage; unruhige Pferde werden narkotisirt.
Nachdem die Haare unter dem Kehlkopfe abrasirt, reinige man
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Liiiyngofissur.
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das Operationsfeld und führe in der Mittellinie einen Schnitt, der vom Schildknorpel bis über die ersten 2—8 Trachealringo reicht. Nach Unterbindung der etwa blutenden Hautgefässe erfolgt der zweite Schnitt, welcher die Brustzungenbein- und Brustschildmuskeln genau in der Mitte trennt. Sodann liegt der llingknorpel und die Trachea frei, welche gleichfalls gespalten werden. Die AVundrilnder lässt man mittelst breiter Wundhaken oder dem Spann­haken auseinander halten. Wo eine Tarn-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Fig. 47. ponkanüle (Fig. 47) zur Hand ist, schiebt man diese in die Trachea, um die durch den Eintritt des Blutes in dieselbe bedingte Er­stickungsgefahr zu beseitigen.
Der in den Kehlkopf eingeführte Finger untersucht die Stimmbänder, und wenn sich an ihnen die oben beschriebenen Verände­rungen vorfinden, resecire man dieselben. Zu dem Zwecke wird das Stimmband zu­nächst tixirt, indem man dasselbe mit einer Schieberpincette oder einer arretirbaren Zange erfasst; wo diese Instrumente nicht zur Hand sind, lege man mittelst einer gekrümmten Nadel eine Ligatur in der Nähe des unteren, vorderen Endes durch das Stimmband. Mit Hülfe der einen oder anderen dieser Vor­richtungen wird das Stimmband angespannt und mit der Schere abgeschnitten. Die dabei auftretende Blutung bleibt, wie ich mich wiederholt überzeugte, gering und ist ohne jede Bedeutung, wenn eine Tampon-kanüle angelegt werden kann, zumal die Blutung durch Tamponade des Kehlkopfes (S. 228) gestillt werden kann. Beide, Tarn-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Tamponkanüle,
ponkanüle wie Tampons, dürfen am nächsten
Tage wieder entfernt werden, doch lässt mau der Sicherheit wegen die Kanüle einige Tage liegen. Dies ist namentlich zu empfehlen, wenn man den Patienten nicht unter Aufsicht behält. Zwar kommen nur selten erliebliche Anschwellungen der Schleimhaut nach dieser Operation zu Stande, sodass Athembeschwerden entstehen, allein die Möglichkeit, dass sich solche entwickeln, bleibt nicht ausgeschlossen. Wenn man sich der festen Lage eines gewöhnlichen Traclieotubus
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204nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Halses.
vergewissert hat, genügt atich dieser. Lee beseitigte auf solche Weise die stark verdickten Stimmbänder eines Pferdes und erzielte damit vollständige Heilung der Athembeschwerde. Auch ich habe die Ope­ration wiederholt mit demselben Erfolge ausgeführt.
Zur Beseitigung von Tumoren aus der Kehlkopfshöhle muss ebenfalls die Laryngofissur vorangehen. Nachdem hierauf der Sitz und die Gestalt des Tumors näher festgestellt ist, kann die Jie-section namentlich bei gestielten Tumoren mit der Schere und mit Hülfe des Ecraseurs erfolgen. Wichtig ist die vollständige Entfernung der Neubildung; unter Umständen leistet hierzu der Paquelin'sche Brenner gute Dienste und unterstützt zugleich die Blutstillung. Be­stehen erhebliche Athembescbwerden oder treten diese periodisch hervor, so muss entweder vor dem Werfen des Thieres die Tracheotomie ge­macht und eine Kanüle angelegt werden, oder man halte alle Instru­mente bereit, um im Nothfalle am liegenden Thiere die Luftröhre schnell öffnen zu können.
Gegen Perilaryngitis chronica fibrösa, sowie gegen Neu­bildungen im Kehlkopfe mit breiter Basis bleibt nur die Tracheotomie zur Beseitigung der Athembescbwerden übrig (S. 218).
Sobald die Gegenwart eines Tumors in der Luftröhre festgestellt ist oder als wahrscheinlich gilt, sollte die Tracheotomie ausgeführt werden, um entweder die Geschwulst direct zu entfernen oder durch Application eines Tracheotubus unterhalb derselben die Athem-beschwerden zu beseitigen.
b. Neurosen des Kehlkopfes. Der Stimmritzenkrampf. Spasma glottidis. Laryngismus stridulus, Laryngospasmus und die Hemiplegia
laryngis.
Lit.: Kbinger, BcrI. Archiv. 1880. S. 281. Neumann, Th. Mitth. 1877. S. 80. Hblzendorf, das. 1875. S. 102. Esser, das. 1883. S. 87.
Als „Stimmritzenkrampfquot; bezeichnet man klinisch alle meist periodisch auftretenden, anscheinend durch krampfhaften Verschluss der Stimmritze veranlassten Athembescbwerden. In der Kegel zeigt sich eine hochgradige inspiratorische Dyspnoe, die in höherem Grade zur „Apnoequot; wird, d. h. die Inspiration ist vollständig unterbrochen.
Die Ursachen bestehen entweder in einer directen Reizung der Kehlkopfschleimhaut oder in reflectoriscber Reizung der die Verengerer des Kehlkopfes beherrschenden Nerven (Vagus, Recurrens).
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Neurosen des Kehlkopfes.
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Unsere Literatur enthiilt zwar über derartige Athmungsstörungen einige Beobachtungen, doch fehlen genauere Angaben über Entstehungen und Verlauf derselben, um ein bestimmtes Urtheil über die Natur der den beobachteten Zuständen zu Grunde gelegenen Ursachen zu gewinnen. Ohne Zweifel haben in vielen Fällen peracut verlaufene entzündliche Veränderungen, Katarrhe, Glottisödem oder Fremdkörper (Futterstoffe) in den oberen Luftwegen vorgelegen; in anderen ergab die Section Tumoren in der Kachenhöhle, im Kehlkopfe oder der Luftröhre (S. 200). Dass jedoch auch bei Thieren Neurosen des Kehlkopfes vorkommen, beweist eine von Ebinger mitgetheilte Beobachtung.
Ein Pferd wurde plöt/.licli von einer heftigen, bis y.ur Erstickungs­gefahr sich steigernden und mit Kehlkopfpfeifen verbundenen Athemnoth befallen, welche sich bei der geringsten Arbeit einstellte. Im Stande der liuhe war das Athmen normal, auch zeigten sich sonst keinerlei Störungen der Gesundheit an dem Thiere. liebte man jedoch mit der Hand einen gelinden Druck auf den Kehlkopf oder bis zur Mitte des Halses in der Drosselrinne aus, so trat sofort heftige Athembeschwerde mit starkem Kehl-kopf'pfeifen ein, welches während der nächsten 8—10 Atheinzüge anhielt, dann wieder verschwand; durch leisen Druck liess sich die Störung sofort wieder hervorrufen. Nach subcutanor Anwendung von Morphium acet. verschwanden die Erscheinungnn in 8 Tagen. Die Annahme Ebingers, dass es sich hierbei um eine Neurose der N. recurrens gehandelt habe, er­scheint nicht unbegründet, dagegen dürften die von Holzendorf und Neu­mann als „Kehlkopfkrämpfe, bezw. Krampf der Glottismuskelnquot; beschriebenen Erscheinungen auf anderweitige Zustände zurückzuführen sein. In dem von Holzendorf beobachteten Ealle lag offenbar eine entzündliche Erkrankung des Kehlkopfes vor; während die längere Zeit andauernde Dyspnoe bei dem von Neumann behandelten Pferde gleichfalls als eine neuropathische Störung schwerlich aufzufassen sein dürfte.
Wenn Erstickungsgefahr mit diesen Zuständen verbunden ist, muss die Tracheotomie zunächst Hülfe bringen (S. 213). Es bleibt ferner beachtenswerth, dass die inspiratorische Dyspnoe durch die mit derselben verbundene Angst und Unruhe gesteigert wird. Man suche daher jede Aufregung der Thiere zu vermeiden und ihnen einen ruhigen Stall mit reiner, entsprechend temperirter Luft zu geben. Mit Morpliium sei man in der Dosirung vorsichtig; grössere Gaben (über 0,5) rufen bei Thieren oft Unruhe und Aufregung hervor. Aus diesem Grunde verdienen Clystiere von Chloralhydrat den Vorzug. Um den Hals und Kehlkopf werden Priessnitz'sche Umschläge applicirt, doch dürfen diese nicht schwer sein; unter Umständen können trockene Einhül­lungen vortheilhafter erscheinen.
Myopathische Paralysen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen des Kehlkopfes sind bei Thieren nicht bekannt, obgleich sie auch hier
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206nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Halselaquo;.
vorkommen mögen. Um so häufiger beobachtet man bei Pferden eine neuropathische Lähmung der sämmtlichen Muskeln einer Seite des Kehl­kopfes (Hemiplegia laryngis). Die Mehrzahl, wenn nicht alle Muskeln des Kehlkopfes, welche auf die Stellung der Stimmbänder einen Einfluss ausüben, werden vom N. recurrens innervirt. Neuerdings wurde von Exner ein zweiter Ast des Vagus als motorischer Nerv des Kehl­kopfes nachgewiesen, doch lässt sich noch nicht übersehen, wie weit dessen Einfluss auf die Muskelthätigkeit des Kehlkopfes reicht.
Im Bau des Kehlkopfes als ein nach aussen sich öttnendes Ventil liegt es begründet, dass bei gleichzeitiger Lähmung der Erweiterer und Verengerer die Respirationsstörung bei der Inspiration hervortreten muss. Nur beim Krampf in den Verengerern wäre eine exspiratoriscbe Dyspnoe als möglich zu denken; sie kommt aber fast gar nicht vor, denn die Kraft der Exspirationsmuskoln, event, unterstützt von den Bauchpressen, ist so gross, dass ihrer Wirkung gegenüber jene Mus­keln des Kehlkopfes sich zu schwach zeigen, um den Austritt der Luft zu verhindern; die Exspirationsluft würde auch den gelähmten Kehl­kopf mit Gewalt öfi'nen. Anders liegt es beim Einathmen. Von der Inspirationsluft werden die Aryknorpel in den Aditus ad laryngem gepresst, sobald die Erweiterer des Kehlkopfes nicht im Stande sind, dies zu verhindern; es entsteht Kehlkopfpfeifen, dem mit seltenen Ausnahmen eine Lähmung des N. recurrens zu Grunde liegt, ein Leiden, das in den Lehrbüchern der speciellen Pathologie sowie der gerichtlichen Thierarzneikunde besprochen wird, auch von mir an anderer Stelle behandelt worden ist. Ich verzichte deshalb, hier auf diese Fragen näher einzugehen und bemerke nur, class die Lähmung sich in der Regel unheilbar zeigt. Zur Beseitigung der mit derselben verbundenen Athembeschwerden kann daher nur die chirurgische Be­handlung mit Erfolg eintreten und zwar muss entweder der in das Lumen des Kehlkopfes herabsinkende Aryknorpel entfernt werden oder es wird mit Hülfe der Tracheotomie (S. 213) unterhalb dos Kehlkopfes der Luft ein directer Zugang zu den Lungen verschafft. Die erstere dieser beiden Operationen findet sich unter „Laryngof'issurquot; näher beschrieben.
Bemerkt sei noch, dass in seltenen Fällen das Kehlkopfpfeifen auch bei anderen Thierarten beobachtet wurde; Utz und Ollmann fanden es bei Kühen. Esser hat eine Kecurrenslähmung beim Hunde beschriebeni von mir wurde das Leiden hei zwei Hunden fest­gestellt.
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c. Frakturen, Deformitäten und Stenosen der Luftröhre.
Lit: Oajöry, Th. Mitth. 1874. S. 184. Schwanefolcl, das. 1870. S. lö(3. v. Hookum-Dolffs, das. S. 150. Gurlt, Gurlt u. Hertwig. 38. S. 23. Harms, Th. Mitth. 1879. S, 41. Hagen, das. 186C. S. 132 u. Hid. Johne, Dresd. Ber. 1881. S. 57. Bartenstein, das. 1885. S. 33. Johne, Dresd. Bor. 1885. S. 35. Richolson, The Veterinarian. 1839. Vigezzi, Jahrb. 1882. S. 68. Tiede, Th. Mitth. 1881. S. 42. Dietrich, Th. Mitth. 1866.
Nachdem die Verletzungen der Luftröhre als Complication von Verwundungen am Halse bereits S. 144 Besprechung gefunden haben, erübrigt hier noch die Betrachtung der subeutanen Continuitätstren-nungen der Trachea, welche, soweit sie die Knorpel betreffen, als Frak­turen der Luftröhre bezeichnet werden. Sie entstehen durch Ein­wirkung stumpfer Körper auf die Luftröhre; bei Pferden durch Gegen­
fahren mit der Deichsel oder Laufen ge
gvn uvi ,wiilt;iHc
nde Gegenstände.
Auch beim Niederstürzen des mit einer festen Halfter angebundenen Pferdes sowie beim Einfungen der Hunde mittelst der Drahtschiingo können Brüche der Luftröhrenringe oder Zerreissung des sie verbindenden Ligamentum interannulare veranlasst werden. Cajöry fand die Luft­röhre bei einem Pferde, welches im Stalle nach plötzlich aufgetretener Athemnoth verendet war, fast vollständig vom Kehlkopfe abgerissen, v. Bockum-Dolffs sah ein Pferd, welches beim Durchgehen gegen die Deichsel eines anderen Wagens gerannt war, an heftiger Athem­noth leiden; am Halse hatte sich ein starkes Emphysem gebildet. Durch die Tracheotomie wurde nicht nur die Athembeschwerde gehoben, son­dern das Thier auch zur Arbeit wieder brauchbar.
Nicht immer gelangen solche Verletzungen zur Behandlung; auch können sich trotz derselben Deformitäten der Trachea entwickeln, die, wenn sie eine grössere „Narbenstenosequot; der Trachea zur Folge haben, mit Athemheschwerden verbunden sind. Schwane­feld beschreibt die Trachea eines Pferdes, welche in der Mitte des Halses kahnförniig eingebuchtet und erheblich verengt war; das Thier ging an Erstickung zu Grunde , als es im Stalle durch einen Hengst aufgeregt worden war.
Nicht alle Deformitäten der Trachea stammen von solchen Ver­letzungen; ein Theil derselben stellt offenbar angeborene Anomalien dar. Nicht selten zeigen sich die Tracheairinge mit ihrem hinteren Ende nach innen umgebogen, oder sie sind abgeplattet, so dass das Lumen der Luftröhre einen spaltförmigen Baum bildet. Gurlt fand
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208nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Halses.
eine starke Abplattung der Luftröhre heim Hunde; ähnliches beob­achteten Harms und Hagen bei Kühen. Eine über (30 cm Länge ausgedehnte Deformität beschreibt Johne beim Pferde; ähnlich ge­staltete sich die von Barten stein gefundene Luftröhre vom Pferde und eine zweite ebenfalls von Johne beschriebene. Vegezzi fand die dorsale Fläche der Luftröhre eines Pferdes durch Unibiegung der Ivnorpelenden und Zerreissung des Ligamentum interannulare mit einer llimie versehen, in welcher Schlund, Carotiden, Vagus und Sympa-thicus lagen.
Die intacte Beschaffenheit der Schleimhaut und die Ausbreituno-der Veränderung auf eine erhebliche Länge der Trachea spricht für die angeborene Natur des Leidens.
C o mpr essionen mit Verengerung der Trachea können ferner durch Kropfbildung und stark vergrösserte Hronchialdrüsen oder geschwulst­bildende Processe entstehen. Johne theilte solchen Fall von einer Giraffe mit, und Dietrich machte die Section eines Fohlens, welches unter suffocatorischen Erscheinungen eingegangen war; zwischen dem ersten Rippenpaar bestand eine „Drüs enverhärtun g', welche die Trachea zusammengepresst und Erstickung veranlasst hatte,
Stenosen der Luftröhre bilden endlich nicht selten Folgezustände der Tracheotomie; am häufigsten bei Fohlen, oder wenn der Tubus längere Zeit liegen bleibt und der Halsform nicht gut angepasst oder sonstwie mizweckmässig gebaut ist (S. 221). Durch dauernde Reizung entsteht eine chronische Perichondritis mit Bildung von Narbengewebe, welches das Lumen der Trachea sowohl durch seine Masse als auch spätere Retraction erheblich verkleinern kann; nicht selten erscheinen die Massen verknöchert. Tie de fand hierdurch die Trachea bis auf einen kaum mein- als gänsekielweiten Raum verengt.
Erscheinungen und Verlauf. Verletzungen (Frakturen) der Trachea rufen A t h e m h e s c h w e r d e und E m p h y s e m b i 1 d u n g am Halse hervor. Dazu kommen entzündliche Erscheinungen, Anschwel­lung, Schmerz u. s. w. an der verletzten Stelle. Die Respirations­störung steht im graden Verhältnisse zur Verengerung, welche das Lumen der Trachea durch die Hämorrhagie, Dislocation der Luftröhren-knorpel, oder durch die entzündliche Schwellung erfahren hat. Sie kann so gross werden, dass alsbald Erstickung eintritt (Cajöry). Andernfalls geben sich dyspnoische Geräusche und zwar in der Regel sowohl während der In- wie Exspiration zu erkennen. Bei gering­fügigen Veränderungen der Trachea können sie fehlen. Zuweilen
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Krankheiten der Luftröhre.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 209
wird durch Drücken auf eine bestimmte Stelle der Trachea das Ge­räusch verstärkt bezw. abgeschwächt. Beim Anlegen des Ohres an die Luftröhre lässt sich ebenfalls unter Umständen der Sitz der Ste­nose genauer bestimmen; Täuschungen sind hierbei indess nicht aus­geschlossen. Das Emphysem pflegt sich, namentlich wenn Husten be­steht , in den nächsten Tagen über den Körper auszubreiten, doch verliert es sich später meist ohne nachtheilige Folgen.
Vom Umfange der Verletzung und der dabei auftretenden Blu­tung hängt der Verlauf ab; entweder kommt es zur Wiederherstel­lung der vollen Grebrauchsfähigkeit der Thiere, oder es bleiben Ke-spirationsbeschwerden zurück (Asthma tracheale). Dies hängt in erster Linie von dem Grade der Verengerung, welche die Trachea er­fährt, dann aber auch von der Gebrauchsart der Thiere ab. Bei Pferden bleiben aus naheliegenden Gründen häufiger störende Athembeschwerden zurück.
Deformationen der Trachea können erfahrungsgemäss ebenfalls eine verschiedene Bedeutnng erlangen und, wie der von Schwanefeld beobachtete Fall beweist, zum Tode der Thiere führen. Häufiger fehlen trotz auffälliger Formabweicliung der Luftröhre Athembeschwerden; in anderen Fällen rufen anscheinend geringfügige Deformitäten erhebliche Störungen der Respiration hervor. Dies erklärt sich daraus, dass nicht die an der Aussenfläche der Trachea wahrnehmbare Deformität, sondern der Grad der Stenosirung über die Athembeschwerde entscheidet. Zur Beurtheilung der Bedeutung dieser Zustände dient daher die Be­obachtung der Respiration bei angestrengter Arbeit. Die hierbei her­vortretenden Störungen geben zuverlässigeren Aufschluss über die Be­deutung des Zustandes als die sorgfältigste Untersuchung der Trachea. Dazu kommt allerdings in Betracht, dass bei Stenosen an den oberen Abschnitten der Trachea durch die Tracheotomie das Athmen freier ge­macht werden kann, was bei Stenosen an den unteren Halsabschnitten sowie in der Brusthöhle ausgeschlossen ist. Auch darf nicht aussei-Acht gelassen werden, dass solche Zustände sich oft mit der Zeit ver­schlimmern.
Behandlung. Sobald sich bei frischen Verletzungen der Luft­röhre erhebliche Athembeschwerden einstellen, ist die Tracheotomie angezeigt. Mit Hülfe der Trachealkanüle können sowohl die drohen­den Erstickungszufälle beseitigt, als auch das Einfliessen von Blut in die Trachea verhindert werden. Beides gelingt sicher, sobald eine Tamponkanüle zur Hand ist. Im Notbfalle kann dieselbe durch sorg-
Muller, Speoielle Chirurgie für Tlüerärzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 14
L
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210nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiton des Halses.
faltige Umwickelung der Röhre eines Barthelemy'schen Traclieotubus ersetzt werden; nur sorge man dafür, dass die umgewickelte Masse (Binden, Werg, Watte, ein Stück Badeschwamm) nicht von der Röhre abgleitet und in die Trachea fällt.
Auch hochgradiges Emphysem kann zur Tracheotomie Veran­lassung geben; obgleich dasselbe in der Regel keine lebensgefährliche Complication darstellt, so empfiehlt sich doch oft, die weitere Ent-wickelung desselben durch diese Operation zu verhindern.
Stenosen der Trachea bilden nur selten Gegenstand directer Behandlung. Beim Menschen gelingt es, durch elastische Röhren, welche vom Kehlkopfe aus eingeführt werden, die Luftröhre zu er­weitern (Tubage der Luftröhre). Abgesehen von den Schwierig­keiten, die mit der Application der Röhren verbunden sein würden, dürfte hier wohl selten bei der Durchführung der Methode die Ausdauer gefunden werden, welche zu den Heilerfolgen derselben nothwendig ist, zumal nicht nur die Narbe, sondern auch die Tracheairinge an der Stelle häufig ossificirt sind. Uns steht hier nur ein Mittel zu Gebote, um die Athembeschwerden zu beseitigen, nämlich die Tracheotomie, und es hängt in erster Linie von dem Sitze und der Ausdehnung der Ste­nose ab, ob diese anwendbar und von Erfolg sein wird; dies ist der Fall, sobald die Tracheotomie unterhalb der stenosirten Stelle aus­geführt werden kann. Richolson gelang es, durch Entfernung des dislocirten Knorpelstückes die Athembeschwerden dauernd zu beseitigen; ein Fall, der sich wohl nicht häufig wiederholen dürfte.
d. Fremdkörper und Parasiten in der Luftröhre.
Lit.; Henderson, Jahresbericht. 1862. S. 57. Paulicki, Gurlt u. Hartwig. 38. S. 48. Grüll, das. 10. S. 117. Werner u. Leisering, Th. Mitth. 1857. S. 139. Rost, Dresd. Her. 1888. S. 70.
Nur selten gelangen Fremdkörper während des Lebens in die Luftröhre. Bei der hochgradigen Empfindlichkeit der Kehlkopfschleim-haut erregen solche sofort Husten und werden dadurch zurückgeworfen. Dennoch wurden namentlich bei Rindern und Pferden wiederholt Futtennassen in der Trachea beobachtet. Zuweilen begünstigen Tu­moren in der Rachenliöhle, die das Schlucken stören, den Eintritt von Futterstoffen in die Luftröhre, besonders beim Rinde. Bei Pferden gelangen flüssige Arzneistoffo durch unzweckmässiges Eingeben in die Trachea und Bronchien. Besonders gefährlich erweisen sich in dieser Hinsicht die fetten Oele. Das Eingeben von Leinöl war früher eine nicht
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Fremdkörper und Parasiten in der Luftröhre.
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seltene Medication, deren Folgen zu der Vernmtlnmg Anlass gaben, dass das Leinöl eine specifische Wirkung auf die Lunge besitze, indem es eine Entzündung derselben veranlasse (Leinöl-Lungenentzün­dung); Ursache derselben war jedoch ausschliesslich das Einfliessen des Oeles in die Bronchien und Lungen. Staubförmige Körper werden namentlich bei schwerkranken Pferden, die dauernd am Boden liegen, mit der Inspirationsluft durch die Trachea in die Lungen geführt und erzeugen gleichfalls Fremdkörperpneumonien. Abscesse in der Wand der Rachenhöhlo oder Luftröhre, welche die Schleimhaut perforiren, er-giessen ihren Inhalt in die Luftwege und erzeugen so tödtliche Pneu-monien. ßosfc sah in Folge solcher Perforation eine Kuh an Suf­focation zu Grunde gehen. Bei Tetanuskranken fliessen nicht selten grössere Mengen Speichel und Getränk in die Athmungswege und haben eine gleiche Wirkung. Ebenso findet bei Wunden und blutigen Operationen an den Luftwegen oder im Maule, sowie bei Halswunden mit Verletzung der Trachea (Aderlass aus der Jugularis) zuweilen Einfliessen von Blut in die Trachea und Bronchien statt, welches durch Gerinnung eine Verstopfung derselben und Erstickung veranlassen kann.
Endlich wurde beobachtet, dass Stücke defector Tracheotuben in die Luftröhre fielen; so namentlich bei der Barthelemy'schen Kanüle, wenn die Röhre nicht fest mit dem Schilde verlöthet war; Henderson berichtet über einen solchen Fall. Bei der Tracheotomie kann das abgetrennte Knorpelstück leicht in die Luftröhre fallen, wenn dabei nicht vorsichtig zu Werke gegangen wird (S. 218).
Abgesehen von den bei Wiederkäuern und Schweinen meist in grosser Anzahl in den Bronchien vorkommenden Strongylusarten, welche jedoch kein chirurgisches Interesse haben, wurden Milben in der Luftröhre beobachtet; Paulioki fand solche bei einer Meerkatze.
Erscheinungen und Verlauf. Die mit diesen Zuständen ver­bundenen krankhaften Erscheinungen zeigen sich sehr verschieden. Durch Aspiration staubförmiger Substanzen, oder durch die beim Verschlucken in die feineren Bronchien gelangten Flüssigkeiten ent­stehen Fremdkörperpneumonien mit regelmässig tödtlichem Ausgange. Die Lungenentzündung tritt hierbei natürlich in den Vordergrund der Erscheinungen. Grössere Gegenstände bleiben in der Trachea oder den Bronchien stecken und können durch Erstickung zum Tode führen. Einen Fall der Art beschreibt Grüll von einer Kuh, die bis dahin völlig gesund gewesen und plötzlich im Stalle unter Symptomen
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212nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Halses.
der Suffocation verendet war; bei der Section fanden sich die Bron­chien mit Futter verstopft. Aehnliche Beobachtungen wurden wieder­holt gemacht, doch hat schon Leisering darauf hingewiesen, dass bei Thieren mit unvollständigem Verschluss der Cardia (und dazu ge­hören vor allen die Wiederkäuer) oft erst nach dem Tode das Futter in die Luftwege gelangt. Veranlasst durch den Transport der Cadaver oder durch Gährungen im Magen kann ein Theil seines Inhaltes durch den Schlund in die Kachenhöhle und von hier in die Trachea und Bronchien gedrängt und diese unter Umständen vollständig verstopft werden. Ein von Werner beschriebener Fall gehört offenbar hierher. Das Fehlen einer entzündlichen Reaction und die vollständige Ver­stopfung der Luftwege weist auf diesen Vorgang hin; denn wäre der Eintritt während des Lebens erfolgt, so würden die Thiere früher verendet sein, bevor eine so vollständige Anfüllung erfolgt.
Athembeschwerde muss stets eintreten, sobald durch die Fremd­körper die Wegsamkeit der Luftwege erheblich eingeengt wird. Zu­weilen können die Bewegungen des Fremdkörpers in der Trachea von aussen gehört oder gefühlt werden. Bei der geringeren Weite der Stimmritze gelangen sie nicht so leicht wieder nach aussen, und wenn die Mittheilung Hendersons richtig sein sollte, dass das Rohr einer Trachealkanüle durch das Maul des Thieres wieder aus­geworfen wurde, so gehört der Fall entschieden zu den grössten Seltenheiten.
Die Behandlung verlangt aus präservativen Rücksichten beim Eingeben von Flüssigkeiten besondere Vorsicht bei Pferden und Hunden, namentlich wenn die Thiere sich hierbei unruhig zeigen. Der Kopf derselben darf nicht in eine ungewöhnliche Lage gebracht, weder zu sehr in die Höhe gezogen, noch auch verdreht werden. Welche Bedeutung solche Kopfstellung hat, davon kann man sich selbst über­zeugen, wenn man versucht, bei stark nach links oder rechts gedrehtem Halse zu schlucken. Weniger gefährlich ist dies beim Rinde. Ganz besondere Vorsicht ist geboten, wenn die Arzneien keine vollständige Lösungen darstellen, fette Oele oder scharf reizende Substanzen ent­halten. Sobald ein Thier beim Eingeben von Flüssigkeiten Husten zeigt, soll man zunächst damit aufhören. Aus diesem Grunde nmss auch das Streichen des Halses beim Eingeben von Flüssigkeiten nicht nur als nutzlose sondern auch gefährliche Manipulation bezeichnet werden, indem gerade dadurch leicht Husten erregt wird.
Bei blutigen Operationen, welche Gelegenheit zum Einfliessen
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Tracheotomie.
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von Blut in die Luftwege geben können, wende man eine Tampon-kanüle (Fig. 47) an, oder operire am hängenden Kopfe. Die Unruhe der Thiere macht das letztere Verfuhren weniger zuverlässig. (Vgl. S. 225.)
Grössere, feste Gegenstände lassen sich in der Kegel erst nach erfolgter Tracheotomie aus den Luftwegen entfernen; wenn erforder­lich, kann die Spaltung der Luftröhre verlängert werden. Mit Hülfe einer passenden Zange oder einer Kinderhand gelingt es zuweilen, den Fremdkörper zu beseitigen; oft genügt dazu die Eröffnung der Trachea allein schon, indem der Fremdkörper durch den Exspirations-strom entleert wird.
e. Die Tracheotomie.
Lit.: Günther, Myologie. S. 88 u. 91. Lafossc, Dictionnaire d'hip. 1775. S. 161. Dainoiseau, Rec. de med. vct. 1828. 8. 585. Brogniez, Ohir. vet. Tom. III. S. 246 u. 204. Leblanc, Journal de med, vet. 1838. S. 05. Dieterichs, Beiträge. 1844. S. 100. Renault, Rec.de med. vet. 1848. S. 884. Hilmer, Zeitschrift von Vix u. Nebel. 1848. S. 233. Do give, Annal. de med. vet. 1871. S. 376. Vachete, Peuoh u. Toussaint. II. AuH. S. 473. Beuch, das. S. 475. Strauss, Chirurgie. S. 114. Krieshaber, Acad. de Med. vet., seance. 29./10. 1878. Wo hl that, Gurlt u. Hortwig. 39. S. 444.
Stellen sich in den oberen Luftwegen (Nase, Kehlkopf, oberer Abschnitt der Luftröhre) Hindernisse für den Durchtritt der Luft ein, so kann durch Oeffnung der Trachea der Luft ein director Zugang zur Lunge verschafft werden. Diese Operation, Tracheotomie, früher fälschlich auch „ B r o n c h o t o m i eg genannt, wurde beim Menschen schon in den ältesten Zeiten (Asclepias) ausgeführt, gerioth indess wiederholt in Vergessenheit und fand erst in neuerer Zeit beim Menschen wie bei Thieren häufiger Anwendung; Viborg namentlich machte auf die Gefahrlosigkeit derselben aufmerksam.
Die Tracheotomie besteht in der operativen Eröfiimng der Trachea, wobei in der Kegel eine Röhre (Tracheotubus, Trachealkanüle) eingelegt wird, die den Luftverkehr durch ihre Oeffnung vermittelt. Die Operation findet Anwendung; 1. bei Erstickungsgefahr, welche durch entzündliche Schwellung der Nasenschleimhaut, des Kehl­kopfes oder durch andere Hindernisse für den Luftwechsel in den oberen Luftwegen veranlasst wird (Angina, Druse u. s. w.); 2. um bei chronischen, durch Verengerung der Luftwege entstandenen Athem-beschwerden die Arbeitsfähigkeit der Thiere wiederherzustellen;
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214nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Halses.
dahin gehört namentlich die Henhplegia laryngis; 3. um Fremd­körper aus der Luftröhre zu entfernen und den Eintritt von Blut oder Entzündungsproducten in dieselbe zu verhindern. 4. In seltenen Füllen bezweckt die Operation eine directe Behandlung der Kehl­kopf- und Trachealschleimhaut oder die Entfernung von Neubildungen aus den oberen Luftwegen.
Die Tracheotomie kommt fast nur bei Pferden in Anwendung, bei denen derartige Athembesch werden am häufigsten auftreten. Bei Wieder­käuern sind diese seltener, und wo sie vorkommen, werden die Thiere meist geschlachtet. An dem verhältnissmässig langen Halse und bei der oberflächlichen Lage der Trachea des Pferdes gestaltet sich die Operation bei weitem leichter als an der vom Triel bedeckten Luft­röhre des Kindes. Dazu kommt, dass der Isthmus der Schilddrüse beim Pferde so schwach entwickelt ist, dass man auf denselben keine Rück­sicht zu nehmen braucht. Beim Menschen unterscheidet man dagegen, je nachdem die Operation oberhalb oder unterhalb des Isthmus oder durch denselben ausgeführt wird, eine Tracheotomia superior, inferior und media.
Bei den Thieren, namentlich beim Pferde, bietet sich daher ein weites Operationsfeld, nämlich vom oberen Ende der Luftröhre bis zum Eintritt derselben in die Brusthöhle. An ihrem oberen Drittheil wird die Trachea vom Halshautmuskel, Brustzungenbein- und Brustschild­muskel sowie vom Schulterzungenbeinmuskel bedeckt. Da der letztere schon an der unteren Grenze des oberen Drittheils des Halses lateral-wärts läuft, so liegen von hier an nur die zuerst genannten Muskeln auf der vorderen Wand der Trachea. Günther will desshalb diese Grenze für die Operation benutzen, doch kann dieselbe ohne Nachtheil auch höher und tiefer ausgeführt werden. Lafosse operirte zwischen dem 3. und 4. Luftröhrenringe, Kricshaber zwischen Kehlkopf und Luft­röhre (S. 223). In der Kegel benutzt man die Grenze zwischen dem oberen und mittleren Drittheil des Halses, theils weil sie für die Ausführung der Operation bequem liegt, theils um das Aussehen des Thieres weniger zu stören und endlich, um, falls sich an der Operations­stelle Stenosen der Trachea bilden sollten, die Operation weiter unten wiederholen zu können.
Das aus der Menschenheilkunde stammende Vorurtheil, die Tracheotomie als eine lebensgefährliche Operation zu betrachten, hat zu einer Reihe von Modificationen derselben geführt, die jedoch fast alle unpraktisch sind. Dahin gehören die verschiedenen Tracheotome oder Bronchotome, d. h. Instrumente, welche zur Eröffnung der Luft-
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Traclieotouiie.
wege besonders construirt sind (Brogniez, Marty, Thompson u. a.). Bestimmt die Operation zu vereinfachen und zu erleichtern, bewirkt ihre complicirtc Zusammensetzung für den nicht Geübten gerade das Gegentheil. Da sie für den geübten Operateur entbehrlich sind, so erklärt sich, dass alle diese Instrumente wenig Beachtung gefunden haben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Fig. 48.
Man unterscheidet 1. den „Luftröhrenstichquot; und 2. den „Luftrührenschnittquot;. Der Luft­röhrenstich wurde von Pilger, Growing, Hayne u. A. empfohlen. Am meisten Anwendung hat noch die von Hayne vorgeschlagene Methode gefunden, welche darin besteht, dass man die mit Seitcnötfnungen versehene Hülse eines Trokarts (Fig. 48) quer durch die Trachea legt. Die Ap­plication des Instrumentes verlangt bei Pferden mit starkem Halse Geschicklichkeit mul Vorsicht, denn es entsteht die Gefahr, die grossen Halsgefässe (Jugularis und Carotis) zu verletzen. Dazu kommt, dass auch der zu diesem Zwecke vergrösserte Tro-kart für schwer arbeitende Pferde nicht genügend Luft zuführt. Nur unberechtigte Scheu vor der Anwendung des Messers konnte das Verfahren empfehlen, welches nicht einmal den Vortheil schneller Ausführung gewährt. Dasselbe gilt von dem Thompson'schen Tracheotome und ähnlichen Instrumenten.
2. Der Luftröhrenschni tt, gegenwärtig
fast nur noch ausgeführt, kann mit und ohne Sub­stanzverlust erfolgen, indem die Luftröhre entweder nur gespalten oder ein Stück aus derselben excidirt
wird. Die erstere Methode erschwert das Ein-
führen der Kanüle, führt aber nicht so leicht zu
Lultriilircnlroknit nach Hayne.
Deformitäten und Stenosen der Trachea, ver­dient daher den Vorzug, wo die Kanüle nur kurze Zeit liegen bleibt: sie wird daher vornehmlich bei acuten Krankheitszuständen (Angina, Druse u. s. w.), sowie bei Fohlen und Rennpferden angewendet, bei denen selbst geringfügige Stenosen der Trachea zu Athembeschwer-den führen. Bei chronischen Krankheitszuständen (Lähmungen und Verengerungen des Kehlkopfes, der Nase oder Luftrühre) operirt man besser mit Substanzverlust, um bei dem häufigen Wechsel der Kanüle
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Krankheiten des Halses.
die Einführung derselben zu erleichtern. Auch wurde meines Er-achtens mit Unrecht dieser Operation ein erheblicher Antheil an der Entstehung von Trachealstenosen zugeschrieben (S. 221).
Die Ausführung gestaltet sich bei beiden Methoden nicht wesent­lich verschieden. Man operirfc in der Kegel am stehenden Thiere, weil dies nicht allein bequemer ist, sondern das Niederlegen derselben bei der Gegenwart von Athembeschwerden unzulässig erscheint. Das Thier wird so hingestellt, dass die vordere Halsfläche gut beleuchtet ist. Zeigt sich das gebremste Pferd noch unruhig, so lasse man es von zwei kräftigen Männern an den Ohren festhalten. Bei massig gehobenem Kopfe bezeichne man sich die Operationsstclle, indem man genau in der Mittellinie des Halses in Form eines 8—10 cm langen schmalen Streifens die Haare abschert. Mit der linken Hand und Unterstützung eines Gehülfen bildet man hierauf eine 8—4 cm hohe Hautfalte, welche genau in der Querrichtung des Halses liegt und von dem geschorenen Strich in zwei Hälften getheilt wird, sodass man bei der Durchschnei-dung derselben an dieser Stelle genau die Mittellinie des Halses trifft. Versucht man den Hautschnitt ohne diese Faltenbildung zu machen, so fällt derselbe in Folge plötzlicher Streckung des Halses oft erheb­lich grosser aus als beabsichtigt wurde. Bei ruhigen, schwerkranken oder mit hochgradiger Athemnoth behafteten Thieren ist dies weniger zu befürchten und steht der einfachen Schnittfülirung nichts entgegen. Die etwa blutenden Gefässe werden unterbunden.
Nachdem hiermit der schmerzhafteste Abschnitt der Operation vollendet ist, trennt man den Halshautmuskel und die unter demselben gelegenen Muskelpaare genau in der Mittellinie, welche sich durch ihre hellere Farbe (Bindegewebe) leicht zu erkennen giebt. Trifft man genau die Mitte, so kommt fast gar keine Blutung zu Stande, und die Luftröhre liegt frei zu Tage. Bei mageren Pferden mit leichterem Halse gestaltet sich die Blosslegung sehr einfach; mit etwas mehr Schwierigkeiten ist dieselbe zwar bei fetten und dickhalsigen Thieren verbunden, doch bleibt sie auch hier durchaus gefahrlos. Die Wund­ränder werden mit ein Paar breiten Wundhaken oder mit Hülfe der Finger der linken Hand oder eines sog. „Spann li a kensquot; aus einander gehalten. Bis dahin ist das Vorgehen bei beiden Methoden dasselbe.
Bei der Operation ohne Substanzverlust spaltet man nun­mehr die Trachea und zwar entweder senkrecht durch ܗ4 Luft-röhrenringe, oder man macht einen horizontalen Schnitt und trennt das Lig. interannulare zwischen zwei Ringen. Die letztere Methode giebt zwar am wenigsten Kaum für die Trachealkanüle, bietet andererseits aber
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Tracheotomie.
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die grosste Garantie, dass keine Stenosen der Trachea entstehen. Sie ist daher namentlich bei Vollbluttbhlen vorzuziehen, wenn es sich darum handelt, eine vorübergehende Erstickungsgefahr zu beseitigen. Mehr Raum gewährt der verticale Schnitt, wobei das Messer am unteren Wundwinkel, mit der Schneide nach oben in die Luftröhre ge-stossen und der Schnitt durch 3—4 Trachealringe nach oben verlängert wird (Fig. idb). Beim entgegengesetzten Vorgehen läuft man, ebenso wie bei dem Hautschnitt, Gefahr, eine unerwünscht lange Wunde zu er­halten. Nunmehr werden die Wundhaken in die Trachea gelegt, oder man hält mit dein in die Luftröhre eingeführten Zeige- und Mittel-
Fig. 41).
Traclieotomie: a. mit Sulistiinzverlust. in (Junclratfonii, b. mit Spaltung ilor Trachea, 0, mit Substanzverlust In ovalev Form (nach Hering).
finger der linken Hand die Wundränder auseinander und setzt die Trachealkaniile ein. Bei der erheblichen Grosse der Trachea des Pferdes stösst man hierbei kaum auf Hindernisse. Die Luftröhre älterer Thiere zeigt sich zuweilen starr, doch gelingt dem Operateur die Application der Kanüle auch hierbei ohne Schwierigkeiten. Anders gestaltet sich diese Aufgabe für den Laien. Wenn der Tubus daher längere Zeit liegen bleiben soll, so verdient das zweite Verfahren den Vorzug, bei dem ein viereckiges oder ovales, selten rundes Stück aus der vorderen Luftröhrenwand entfernt wird.
Viborg empfahl zuerst die Quadratform der Oeffnung (Fig. 40a). Zur Herstellung derselben durchsticht man die Trachea zwischen zwei Knorpeln und zwar in der Nähe des oberen Wundwinkels, erweitert den Schnitt, sodass er reichlich quot;J cm lang und von der Mittel-
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218nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Halses.
linie des Halses lialbirt wird; dann wendet man die Schneide des Messers nach nuten und durchschneidet, von beiden Enden des Quei--schnittes ausgehend, 2 Luftröhrenknorpel. Das losgetrennte Stück der Trachea, welches nur noch durch das Zwischenringband mit dem nächst­folgenden Hinge nach unten in Verbindung steht, wird mit einer Pincette oder einer Zange erfasst und abgeschnitten. Man hüte sich, dasselbe in die Luftröhre fallen y,u lassen. Sodann wird die Tracheal-kanüle applicirt.
Lafosse, Brognioz und Günther haben sich für eine ovale Oeffmmg in der Trachea ausgesprochen, die dadurch hergestellt wird, dass man zunächst ein Zwisoheni'ingband trennt, sodann aus den ober­halb und unterhalb desselben gelegenen Knorpeln ein halbrundes Stück excidirt, ohne diese jedoch ganz zu durchtrennen (Fig. 49ö), Dadurch sollen Verbiegungen der Tracheairinge und Stenosen der Luftröhre verhütet werden, welche durch Verkrümmung der vollständig durch­schnittenen Luftröhrenknorpel entstehen können.
Das von Brogniez construirte Bronchotom liefert ebenfalls einen ovalen Schnitt, lässt sich jedoch leicht und ohne Nachtheil durch ein von geschickter Hand geführtes Bistouri ersetzen. Das­selbe gilt von dem Marty'schen Tracheotom, welches einem Trepan ähnlich ist und ein rundes Stück aus zwei Knorpelringen schneidet, sowie von ähnlichen Instrumenten. Für sie alle trifft das oben Ge­sagte zu.
Die Tracheotomie gehört bei Pferden zu den einfacheren Ope­rationen, welche sich hei einiger Sorgfalt leicht ausführen lassen. Ihr Erfolg hängt zunächst von der Richtigkeit der Diagnose, sodann von den an der Operationsstelle auftretenden Veränderungen ab. Hier entstehen nicht selten Wucherungen mit Stenosen der Trachea, doch giebt dazu weniger das Operationsverfahren als vielmehr die in Anwendung kommende Trachealkanüle Veranlassung. Letztere verdient daher auch besondere Beachtung.
Eine grosse Anzahl von Modollen wurde im Laufe der Zeit empfohlen, von denen einige nur in Verbindung mit den zugehörigen Tracheotomen angewendet, daher nach dem oben Gesagten hier Übergängen worden können. Zu den gebräuchlichsten Trachoalkanülen gehören folgende:
1. Das älteste Modell von Barthelemy besteht aus einem 10—20 cm langen Metallrohr von 2.5—3,0 cm Weite, das an einem Ende gebogen ist und eine Platte (Schild) trägt, wodurch das Hineingleiten in die Luft­röhre vorhindert wird. Die händer dos Schildes und namentlich des unteren Endes der Röhre sollen gut abgerundet sein, damit sie nicht die Haut he/.w. Schleimhaut verletzen. Ferner muss die Krümmung der Köhro auf das obere Ende derselben beschränkt und dor Stärke der Weichtheile zwischen
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#9632;
IVacheotoinie.
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ilusserer Haut und vorderer Wand der Trachea angcpasst sein. Die Röhre der Kanüle soll mögliebst frei im Traehealräume liegen, ohne auf die Schleim­haut einen Druck auszuüben; auch dürfen die Weichtbeile am Halse nicht gequetscht werden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; p;iTi jq
Ist die Krümmung zu schwach, d. h. das /.um Schilde sich umbiegende Stück der Röhre zu kurz, so finden nicht nur Quetschungen der äusseren Haut und Muskulatur statt, sondern es stösst das untere Ende der Röhre gegen die hintere Wand der Luftröhre und unterhält hier entzündliche Processo mit Wucherungen, die schliesslich zur Stenosenbildung führen. 1st jener Abschnitt der Bohre zu lang, so legt sich der Schild der äusseren Haut nicht an, und wenn es durch Bänder oder Kiemen gegen diese gedrängt wird, so quetscht das obere Ende der Bohre die hintere, ihr unteres Ende die vordere Wand der Trachea, und so ent­stehen an zwei Stellen Verengungen der Luft­röhre.
Früher wurden die Trachootuben aus Eisen-
blech hergestellt, besser sind die gegenwärtig
Tnicliealkiuüilo nach Bartholomy.
aus Neusilber gearbeiteten. Das von Vatel
gegen die Barthelemy'sche Kanüle ausgesprochene liedenken, dass sie leicht herausfalle, lässt sich durch gut angepasste Bänder oder Riemen
Fig. 51.
Tradicalkamilo inicli Leblano.
umgeben, die in den Oesen des Schildes befestigt, um den Hals des Tlüeres gelegt und hier zusammongobunden, resp. zusammengeschnallt werden. Sie müssen in der Querrichtung über den Hals gelegt, dürfen jedenfalls nicht nach
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Krankheiten des Halses.
vorn zum Genick geführt werden, wodurch beim Husten oder bei heftigen Exspirationsbewegungen das Herausfallen der Kanüle begünstigt wird.
Uebelstilnde, die mit der Anwendung des Barthelemy'schen Tracheotubus verbunden sind, bestehen darin, dass das Aussehen des Thieres entstellt, die Expectoration von Schleim, Eiter, Blut u. s. w. erschwert und eine sorg-
Fig. 52.
Traeliealkfinüli; nach Leblano.
faltige Anpassung an die Hulsfonn nothwendig wird, um bei längerem Liegen derselben Verdickungen und Verengungen der Luftröhre zu vermeiden.
Um diesen Uebelstiinden zu begegnen, wurde eine Reihe anderer Modelle empfohlen (Damoiseau, Dietcriuhs, Brogniez, Leblanc,
Fiff. 68.
Tracliealkamilo nach Peuche.
Hertwig, Renault, Kilmer, Degive, Vachete, Trasbot, Peuchu. a.). Durch Vermeidung eines Riemens wird das Aussehen des Thieres weniger geschädigt, ohne den festen Sitz der Kanüle zu stören; Quetschungen und Reizungen sollen vermieden, die Trachea nach oben zum Kehlkopfe frei er­halten und endlich das Reinigen der Kanüle möglichst erleichtert werden. Leblanc suchte für die verschiedenen Halsformen einen und denselben
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Trachcotomie.
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Tubus benutzen zu können. Dies wurde mit der von ihm construirten Kanüle (Fig. 51 u. 52) allerdings erreicht, dagegen läuft man bei Anwen­dung derselben Gefahr, dass Theile desselben in die Trachea fallen.
Nach meinen Erfahrungen gehören die von Degive, Vachete, Peuch und Trasbot construirten Tracheotuben, welche im Prinzip übereinstimmen, zu den empfehlenswerthesten (Fig. 53). Sie bestehen aus zwei Stücken, die einzeln angelegt werden, indem man zunilchst das weitere Rohr in die Trachea schiebt, darauf das engere, so dass die Fortsätze derselben, welche theils offene Eöhren, theils in gut abgerundete Rinnen auslaufen, nach oben und unten in das Lumen der Luftröhre hineinragen, ohne die Schleim­haut desselben zu drübken. Der von Vachette construirte Tubus hat die längsten, der von Degive und Peuch die kürzesten Fortsätze; ich gebe der letzteren Form den Vorzug, weil sie die Einführung der Kanüle erleichtert, ohne ihren festen Sitz zu gefährden, sofern die Trachealwunde eine passende Grosse besitzt.
Wiederholt sah ich Pferde mehrere Jahre hindurch diesen Tubus tragen, ohne dass sich Schwierigkeiten bei der Application noch auch Stenosen in der Trachea eingestellt hatten. Natürlich muss die Länge der Kanüle, d. h. die Entfernung zwischen dem Schilde und der Krümmung derselben der Dicke der vorderen Halswand ent­sprechen. Hauptner hat neuerdings den von Trasbot konstruirten Tubus etwas modifizirt; das innen liegende Stück desselben wird schwächer ge­arbeitet und lässt sich desshalb leichter einführen; dagegen findet es keine so breite Unterlage und führt daher leichter zu Wucherungen der Schleim­haut der Luftröhre.
Das Einführen dieser, meist aus Neusilber gearbeiteten Kanülen wird noch dadurch erleichtert, dass man das erste Stück unter Leitung des in ihm liegenden Zeigefingers in die Luftröhre schiebt, und zwar entweder nach oben oder unten; am besten dahin, wo sich der Einführung die grössten Schwierigkeiten entgegenstellen, welche mit Hülfe des Pingers leichter überwunden werden; dann lässt man die zweite Hälfte folgen.
Die Kanülen sollen leicht, ihre Ränder gut abgerundet sein. Da in-dess an die Widerstandsfähigkeit derselben immerhin einige Anforderungen gestellt werden müssen, so bleibt die Herstellung derselben aus einem leichteren Metall sehr zu wünschen übrig. Wahrscheinlich wird das Aluminium ein Material bilden, d. h. sobald der Preis desselben zurückgegangen sein wird. Ich sah bereits Trachealkanülen von diesem Metall nach dem Modell Peuch, die sich selbst bei Rennpferden vorzüglich bewährten.
Handelt es sich um Beseitigung der bei vielen, namentlich bei In-fectionskrankheiten auftretenden Erstickungsgefahr, so verdient bei der Aus­wahl der Kanüle ein längeres Format den Vorzug, damit jede Quetschung der hierbei moist stärker anschwellenden Weichtheile in der Umgebung der Operationsstello vermieden wird. Um zunächst, d, h. so lange diese An­schwellung noch nicht eingetreten ist, die Kanüle dem Halse anzupassen, legt man eine oder mehrere Lederschoiben unter das Schild derselben, oder umwickelt den etwa vorstehenden Theil der Kanüle mit Jute oder Werg.
Durch das Secret der Schleimhaut sowohl wie der Operationswunde wird die Kanüle allmälich verstopft; desshalb muss dieselbe öfter, in der ersten Zeit sogar täglich gereinigt werden. Bei längerem Liegen lässt die Abson­derung mit der Zeit nach, doch muss auch hier die Reinigung alle ;i—4 Tage erfolgen. Es empfiehlt sich daher, zwei gleiche Kanülen vorräthig zu halten ; während die eine in der Trachea liegt, kann die andere gereinigt werden.
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Krankheiten des Halses.
damit lieim Wechsel kein Zeitverlust stattfindet. Dies ist schon desshalb nothwendig, weil sich die Wunde sehr schnell, in einer Nacht sogar soweit verengern kann, dass die Einführung der Kanüle erschwert oder unmöglich wird. Im Stalle kann die Oeft'nung der Kanüle mit einem Korkpfropfen verstopft werden, wodurch die Secretion und Verunreinigung derselben etwas zurückgehalten wird.
Um den Wechsel der Kanüle ganz zu umgehen, hat man eine Doppel­röhre empfohlen, wie sie beim Menschen üblich ist (l^ig. 54). Wilhrend die ilussere Röhre in der Trachea liegen bleibt, wird die innere von Zeit zu Zeit gereinigt. Diese in Fig. 54 dargestellte Form des Tubus muss jedoch als mangelhaft bezeichnet werden, weil die Krümmung an der oberen Abthei­lung der Röhre zu schwach, an der unteren zu stark ist; die letzte Abtheilung sollte vollstilndig gerade sein. Weil bei den Doppelröhren diese gleichmilssige Krümmung nicht zu umgehen ist, müssen dieselben als' unzweckmilssig be­zeichnet werden; sie können nur bei sehr oberflächlicher Lage der Luftröhre
Traclicalliiumle, DoppelrOhre.
Anwendung finden. Auch besitzt das Modell noch den Fehler, dass die Mün­dung des Rohres an der Seite liegt; damit sollen allerdings Verletzungen durch den unteren Rand des Rohres vermieden werden, aber beim Anlegen der seitlichen Mündung an die Schleimhaut der Trachea tritt eine Störung der Luftbewegnng durch die Röhre und damit auch beim Athmen ein. Um die Anwendung einer Trachealkanüle überflüssig zu machen, empfahl Strauss die Schleimhaut der Luftröhre mit der äusseren Haut zu vernühen. Nachdem unter Schonung der Schleimhaut ein ovales Stück aus der Trachea ausgeschnitten ist, soll erstere mit der tlusseren Haut /.usammengeheftet. werden. Doch hat Hering schon bezweifelt, dass dies Verfahren mit Er­folg auszuführen sei, und ich kann nach meinen Beobachtungen dem nur zustimmen.
Zum Ersatz der Trachealkanüle hat man auch Haken construirt, die zu beiden Seiten in die Trachealwunde gelegt und durch ein um den Hals des Thieres geschlungenes Band soweit angezogen werden, dass die Tracheal­wunde offen steht. Im Nothfalle lassen sich diese Vorrichtungen benützen, und in einfacher Weise durch ein Paar umgebogene starke Drilhte oder
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Tracheotomio.
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Löffelstiele ersetzen. Auch kann in Ermangelung einer Traehealröhre der abgeschlagene Hals einer steinernen Kruke oder Flasche eingesetzt und so die drohende Erstickungsgefuhr beseitigt werden.
Unter Umstünden fehlt es auch wohl an Zeit, um die Tracheotomie vorschriftsmilssig ausführen zu können. Oft bleibt kaum soviel Zeit, um mit dem Bistouri den Einschnitt direct bis in die Luftröhre zu machen, wobei man so gut es geht die Mittellinie des Halses zu treffen sucht. Ich hatte wiederholt Gelegenheit, auf diese Weise in vollständig dunklem Stalle die Tracheotomie bei Pferden auszuführen und die Thiere vom drohenden Erstickungstode zu retten. Der Verlauf der Heilung war nicht minder günstig wie bei regelrechter Operation.
Unter der Bezeiclmung: Traclieotomie sous cricoidienne hat Kriesbaber eine Operationsmothode empfohlen, wobei die Er­öffnung der Trachea unmittelbar unter dem Kingknorpel erfolgt, indem das etwa 2—8 cm breite Ringknorpel-Luftröhrenband in der Mittel­linie des Halses gespalten, und durch die so entstandene Oeffnung eine doppelarmige Kanüle (nach Vachete, Peuch, Degive) einge­führt wird. Die Lage dieses Bandes lässt sich durch das Gefühl leicht feststellen, namentlich bei Pferden mit nicht zu starker Halsbildung. Ob­gleich weniger bequem so lässt sich die Operation bei stark gestrecktem Kopfe und ruhigem Thiere doch ohne grosse Schwierigkeiten ausführen, wie ich mich wiederholt überzeugte. Die Vorzüge dieses Verfahrens sollen darin bestehen, dass das Aussehen des Pferdes weniger leidet; ferner dass es die Möglichkeit gewährt, den Kehlkopf direct zu unter­suchen und zu behandeln; auch soll durch den Tracheotubus der La­rynx allmälich erweitert werden. Wie mir von anderer Seite mitge-theilt wurde, verschwindet zuweilen nach längerem Tragen der Kanüle das Kehlkopfpfeifen, eine Wirkung, die vielleicht auf die mit den von der Kanüle ausgehenden lieizungsprocessen verbundene Fest­stellung des Aryknorpels der gelähmten Seite zurückgeführt werden kann. Ob die Befürchtung Bouley's begründet ist, dass bei Pferden, welche nach diesem Verfahren operirt sind, gewaltsame Beugung des Kopfes, Verletzungen im Kehlkopfe veranlassen kann, vermag ich aus eigener Erfahrung nicht zu beurtheilen, möchte es aber bezweifeln, sofern die Kanüle dem Halse gut angepasst ist.
Zu den nachtheiligen Folgen der Tracheotomie gehören: 1. Fremdkörperpneumonien durch Aspiration entzündlicher Secrete bei infectösen Erkrankungen (Petechialfiober, maligner Angina u. s. w.) oder durch den Einbruch von Abscessen in die Uachenhöhle oder Luftröhre. Zur Vermeidung dieser Complication empfiehlt sich die Tarnponkanüle nach dem beim Menschen von Trendelenburg und Hahn angegebenen Muster. Die erstere trägt einen Gummi-
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quot;
224nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Halses.
ballon, welcher mit Hülfe eines Gebläses nach erfolgter Application aufgeblasen wird (Fig. 47). Finden sich bereits derartige Massen in der Trachea, so suche man dieselben mit Hülfe einer Feder, weichen Flaschenbürste oder eines Schwammes, der vorsichtig an einem Draht befestigt ist, soweit möglich zu entfernen, wobei man ohne Bedenken bis zur Theilungsstelle der Trachea vordringen kann. Sodann wird die Tamponkantile eingesetzt und massig aufgeblassen, d. h. nur soweit, dass der Ballon das Lumen der Trachea ausfüllt, ohne einen erheb-lichen Druck auf die Schleimhaut auszuüben und Nekrose derselben zu erzeugen.
Die Hahn'sche Tamponkanülo trägt einen Pressschwamm. Im Nothfalle lässt sich eine solche' durch Umwickelung des unteren Endes der Bartheleiny'schen Trachealkanüle mit Werg, Jute oder einem Schwanini herstellen. Diese Gegenstände müssen mit Hülfe eines Bindfadens so befestigt werden, dass sie nicht von der Kanüle ab­gleiten und in die Luftröhre fallen.
2. Wucherungen und Verdickung der Schleimhaut mit Ver­engerung des Lumens der Luftröhre (Tracheostenose); seltener stellen sich sclerosirende Entzündungen in der äusseren Haut und der unter ihr gelegenen Weichtheile ein. Während die letzteren meist den Ausgang einer Fhlegmone bilden, entstehen stenosirende Wucherungen in der Trachea vornehmlich durch fehlerhafte Beschaffenheit der Kanüle, indem diese zu schwer oder nicht gut gearbeitet ist, oder aber zur Halsform des Thieres nicht passt: zu lange, zu enge, zu wenig oder zu stark gebogene Röhren (S. 21fl); auch eine zu grosse Oeffnung in der Luftröhre kann die gute Lage der Kanüle verhindern. Bei Stenosen der Trachea wird das Einführen des Tubus dem Besitzer des Pferdes allmälich schwieriger und schliesslich unmöglich. Die Tracheal-öffnung muss alsdann erweitert werden, was durch die bereits einge­tretene Ossification der neugebildeten Massen zuweilen erschwert wird. Gewährt der Hals unterhalb der Ootfming noch Kaum, so kann unter Umständen die Wiederholung der Operation an einer tieferen Stelle
zweckmässig werden. Schon aus diesem Grunde ist die Ausführung
B
der Traoheotomie besonders bei jungen Thieren an den oberen Ab' theilungen des Halses zu empfehlen.
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Laryngotonüe.
f. Die Laryngotomie. Laryngofissur.
Lit.: Grünther, Myologio dos Pferdes. Stockfloth, Chirurgie. Möller, Das Kehlkopfpfeif'en der Pferde. Stuttgart (Knke) 1888. Fleming, Roaring in horses. 1889. Cadiot, Traitement chir. du Cornagc chron. 1891.
Die Eröffnung des Kehlkopfes zum Zwecke operativer Eingriffe wurde neuerdings beim Mensclicn vielfach und zwar namentlich zur Be­seitigung von Tumoren aus demselben in Anwendung gebracht. Bei Thieren kommen, wie bereits S. 199 erwähnt, geschwulstbildende Pro-cesse im Xehlkopfe nur selten vor. Die Eröffnung desselben ist hier namentlich zur Behandlung der halbseitigen Kehlkopf!iihmung bei Pferden in Anwendung gebracht worden.
K. (lüntlior, der sich zuerst mit dieser Frage beschäftigte, trug Be­denken, den Eingknorpel des Kehlkopfes zu durchschneiden, weil er Ver­engerungen desselben befürchtete, und operirte desshalb von der Luftröhre aus. Später empfahl Stockfleth den llingknorpel zu spalten, und damit wurde die Laryngotomie in der Thierheilkunde eingeführt. Man unter­scheidet in der Chirurgie eine Thyreotomie und Cricotomie; bei ersterer wird der Schildknorpel, bei letzterer der Eingknorpel in der Mittellinie durchschnitten; folgt darauf eine Trennung der oberen Luftröhrenringe, so spricht man von einer Crico-Tracheotoniio; Crico-Thyreotomio nennt man die Trennung des King- und Schildknorpels mit dem beide verbindenden Ligamentum crieothyreoideum s. conoideum. Beim operativen Vorgehen gegen die Hemiplegia laryngis erfolgt die Crico-Trachootomie, wie sie in Folgendem unter Hinweis auf die von mir veröil'entlichte Brochure in Kürze beschrieben werden soll.
Am chloroformirten und in der Rückenlage befindlichen Pferde
kniet der Operateur zur rechten Seite des Halses und rasirt zu­nächst unter dem Kehlkopfe und der oberen Abtheilung der Trachea die Haare ab. Durch Palpation überzeugt mau sich leicht von der Lage des Jlingknorpels und seiner Nachbarschaft. Nach Desinfection des Operationsfeldes wird genau in der Mittellinie ein Hautschnitt ge­führt, welcher vom Körper des Schildknorpels, über das Ligamentum crieothyreoideum, den llingknorpel, das Ligamentum cricotracheale bis über die ersten 2 —8 Luftröhrenringe reicht. Nachdem die etwa blu­tenden Hautgefässe unterbunden sind, trennt ein zweiter Schnitt die unter der Haut gelegenen Muskeln ebenfalls genau in der Mittellinie. Auf diese Weise wird die Luftröhre und der llingknorpel fast ohne jede Blutung freigelegt; sollten einige (lefässe spritzen, so werden sie alsbald unterbunden.
Möller, Speolelle Chiravgicj tttv Thiomrzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 16
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Krankheiten des Halses.
Nachdem man sich nunmohr einer mit dem Gebläse armirten Tamponkanüle versichert hat, macht man mit dem spitzen Bistouri, die Schneide desselben nach dem Kopfe des Tbieres gewendet, einen Ein­stich durch die ersten beiden Luftröhrenringe und erweitert die Oeifnung, indem man das Messer nach vorn führt und die Trennung bis zum Schild­knorpel fortsetzt. Sollten hiernach einige Gefässo bluten, so lege man zunächst die Tamponkanüle ein, und erst nachdem dieselbe wie S. 224
Fig. 50.
Fig. 57.
Skalpell zurnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kehlkopf vom Pferde von
Resection desnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;unten geöffnet.
Aryknorpols.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Sk. Schildknorpel. — K.S.B.
Kinsseliildband. — S.b. Stimm-baml. — S.bf. Stiramliandforl-raquo;atz. — K.k. Ringknorpel. — L.G.k. Linke Giesskonnenknor-pel. - L.R. I. II. IH. 1. 2. 3. Lut'trölirenring.
erklärt, aufgeblasen ist, gehe man an die Unterbindung der Gefässe. Das Einfliessen von Blut in die Trachea muss auf alle Fälle verhindert werden. Durch ein paar stumpfe Wundhaken oder den „Spannhakenquot; lässt man die Wunde offen halten, und gewinnt nach Entfernung des etwa angesammelten Blutes nunmehr einen Einblick in den Kehlkopf. Sollten Tumoren zu entfernen sein, so gelingt dies meist ohne grosso Schwierigkeit, sofern sie nicht mit sehr breiter Basis aufsitzen. Die Eesection der Stimmbänder wurde bereits S. 203 beschrieben. Hau-
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Laryngotomic.
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delt es sich um Recurrenslilliimmg, so muss dor Aryknorpel der go-liihmten Seite entfernt werden. Nachdem Günther und Stockfleth die partielle Resection angewendet hatten, wurde von mir die totale in Vorschlag gebracht. Audi heute muss ich diese der ersteren vor­ziehen. Man verfährt dabei wie folgt:
Mit einem für diesen Zweck besonders construirten Skalpell (Fig. 56) wird an der Peripherie des Aryknorpels die Schlehiiliaut durchtreimt. Man beginnt an der Vereinigungsstelle der Aryknorpel, am sog. Schnäuzchen derselben, führt das Messer dicht neben der Mittellinie durch die Schleimhaut und das Ligamentum intorarytliaonoi-deum nach hinten und folgt nun dem hinteren Rande des Aryknorpels nach oben bis zum Stimmbandansatze (Fig. 57. Die punktirte Linie zeigt den Verlauf des Schnittes an).
Nunmehr wird das Stimmband an seiner Ansatzstollo vom Ary­knorpel mit der Schere abgetrennt und der Knorpel mit Hülfe des Fingers, der Schere oder des Skalpells von den seine Aussenflächo be­deckenden Weichtheilen (Muskeln) abgelöst. Hält man sich hierbei dicht am Knorpel, so bleibt die Blutung unbedeutend. Sodann wird auch am vorderen oberen Rande des Aryknorpels die Schleimhaut ab­getrennt und zwar unter möglichster Schonung derselben. Zu dem Zwecke führt man den Zeigefinger der linken Hand in die Stimmtasche und schneidet mit der Schere die Schleimhaut dicht am Rande des Knorpels ab; man muss sich hierbei in erster Linie von dem Gefühl der linken Hand leiten lassen. Hierauf wird mit dem Skalpell der Ary­knorpel möglichst nahe an seinem Gelenkfortsatze durchschnitten, so dass nur eine dünne Knorpelscheibe zurückbleibt. Dieser Akt ist der schwierigste, indem sich namentlich bei älteren Pferden der Gelenkfortsatz des Aryknorpels oft verknöchert zeigt. Man setze das Messer innen und unten an und schneide nach oben und aussen. Da oft eine erhebliche Gewalt zur Trennung des Knorpels erforderlich ist, so bedarf es der Vorsicht, dass man nicht unerwartet mit dem Messer abgleitet. Mir begegnete jedoch hierbei trotz zahlreicher Operationen dieser Art nie­mals ein Nachtheil.
Sobald der Aryknorpel durchtreimt ist, verliert derselbe seinen Halt und lässt sich mit Hülfe einer langen und starkgekrüinmteii Schere leicht von den ihn umgebenden Weichtheilen befreien und so herausnehmen. Auch hierbei folgt man genau den Rändern des Knor­pels , welcher von einer arretirbaren Zange (Fig. 58) gehalten wird.
Während dieses Vorgehens lässt man durch einen (icliülfcn den Kehlkopf mittelst kleiner Schwämine, die an dünnen Stöcken befestigt
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Krankheiten des Halses.
sind, vom Blut befreien und ebenso nach Entfernung des Aryknorpels zunäohst das Operationsfeld wieder frei machen. In der Jiegel ist die Blutung gering, nur ganz ausnahmsweise fand ich Veranlassung, das Ge-fäss mit einer Arterienklemme durch Torsion zu verschliessen. Nach­dem die Blutung einigermassen gestillt ist, betupft man die Wund-fläolie mit 100/o Chlorzinklösung, welche mit einem von dem Mittel durchtränkten Schwamm auf dieselbe gebracht wird. Darauf folgt
Bepudem der Wunde mit Jodoform-Tannin
Fig. 59.
(1 : 3).
In den letzten Jahren habe ich hierauf die Schleimhaut zu heften versucht, was mit Hülfe einer gestielten krummen Nadel (Fig. 59) bei einiger Geschicklichkeit und Uebung gelingt. Die Nadel, mit einem Catgutfaden versehen, wird zuerst durch die obere Schleimhautfalte geführt, welche man sodann nach unten zieht und an den unteren VVundrand befestigt. Man ver­meide hierzu Seide, die ohne resorbirt zu werden, monatelang im Kehlkopfe liegen bleibt. Drei Hefte geniigen in der Regel, die Schleimhaut in der Weise zu fixiren, die Vernarbimg zu begünstigen und zu verhüten, dass die schlaffe Plica aryepi-glottica nach erfolgter Heilung die Athmung
stört.
Nunmehr wird ein der Grosse des
Zange zum Erfassen des Aryknorpels,
Nadel zum
netten der Kehlkopfes entsprechender Tampon oder sciiieimiiaut. Gizebeutel eingeführt und unmittelbar auf die Operationstelle gelegt, sodann die äussere Haut mit ein paar provisorischen Heften versehen, um das Heraus­fallen des Tampons und Tubus zu verhindern. Beide finden durch zwei um den Hals gelegte Bänder eine weitere Befestigung.
Das auf die Seite gelegte und entfesselte Pferd lasse man so lange liegen, bis es von selbst aufsteht, sorge aber dafür, dass durch die Trachealkanüle keine Fremdkörper (Stroh etc.) aspirirt werden. Zu dem Zwecke wird eine reine Decke unter den Hals und die Ope­rationsstelle gelegt.
In eine Boxe geführt, kann dem Pferd unmittelbar nach der Operation weiches Heu und Wasser gegeben werden; das Anbinden ist
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Lavyngotomie.
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allerdings zu vermeiden. Während ich früher die Tracheiilkuniilo nach 24 Stunden mit dein Tampon herausnahm und letztere wechselte, habe ich mich später davon überzeugt, dass auch dies nicht uöthig ist. Beide können ohne Bedenken 3—4 Tage liegen bleiben, so­fern kein erhebliches Fieber eintritt. Ich glaube, dass dies Verfahren dem Wechsel der Kanüle vorzuziehen ist. Wenn in dieser Zeit etwas Wundsecret abfliesst, so lasse man es mit einem reinen Schwamm, Watte oder Holzwollwatto abtupfen und die Wunde mit Carbolwasser anfeuchten. Letzteres empliehlt sich auch, wenn dieselbe trocken bleiben sollte. Das Getränk wird dem Thier in dieser Zeit aus einem nicht zu hoch stehenden Eimer nach Belieben verabreicht, ebenso weiches Heu und eine kleine Ration Hafer mit Kleie.
Am 4. Tage werden nach sorgfältiger Reinigung der Aussen-fliiche die Hefte der äusseron Haut gelöst; darauf zunächst der Tam­pon entfernt und der Kehlkopf mittelst Stockschwämme und Carbol­wasser gereinigt, wobei man darauf achtet, dass die Schwämme gut ausgedrückt sind, damit nicht Flüssigkeit in grösserer Menge in die Trachea fliesst. Auch die über dem Tubus etwa befindlichen Secrete und Blut müssen mit dem Schwamm sorgfältig abgetupft werden. Sodann wird auch die Kanüle entfernt, wobei man den Kopf des Thieres recht hoch heben (strecken) lässt. Nach abermaliger Reinigung des Kehlkopfes und der Trachea wird dem Pferde aus einem etwa 50—70 cm hoch gehaltenen Eimer reines Wasser gereicht und darauf geachtet, ob viel Wasser aus der Nase zurückfliesst. Ist dies nicht der Fall, d. h. entleert sich beim Trinken von V-i Eimer nicht mehr als etwa '/i Liter durch die Nase, so kann der Tubus fortbleiben, andernfalls, oder wenn sich nach dem Herausnehmen Athembeschwerden einstellen sollten, muss ein neuer Tracheotubus eingelegt werden.
Die Hautwunde muss in der nächsten Zeit täglich vom Secrete ge­reinigt werden; sobald sich ein trockener Sehorf einstellt, hört man auch damit auf und lässt die Hautwunde wie auch die des Kehlkopfes ohne Behandlung, falls keine besonderen Zufälle (Fieber, Athemnoth) eintreten.
In der Regel wird die Behandlung der Wunde nach etwa 8 Tagen überflüssig. Man hält das Pferd jedoch im Stalle mit guter, reiner Luft und lässt leicht verdauliches Futter verabreichen.
In etwa -'.5—4 Wochen pflegt sicli die äussere Wunde vollständig zu schliessen; sie hinterlässt eine Narbe, welche in 5—(i Monaten oft soweit schrumpft, dass der Nachweis derselben selbst dem Sachver­ständigen schwer fällt. Etwa 4 Wochen nach der Operation kann der Patient bei mildem Wetter täglich an die Luft geführt werden, doch
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230nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Halses.
bedarf derselbe auch während der folgenden 4 Wochen noch der Sohommg von jeglicher Arbeit. Nach dieser Zeit kann das Pferd so weit geritten be/.w. gefahren werden, bis lauter Athem eintritt; man vermeide jedoch darüber hinaus zu gehen, weil durch das gewaltsame Einströmen der Luft Dehnung des Narbengewebes voranlasst und damit der Erfolg der Operation in Frage gestellt wird. Gerade in diesem Punkte schaden sich die Besitzer leider zu oft und tragen durch vor­zeitige Verwendung des Thieres zur Arbeit zu Misserfolgen bei. Im Sommer empfiehlt sich für die Operirten ein (i—Swöchenfclicher Weidegang.
Die Athembeschwerden sind zuweilen schon etwa 8 Wochen nach der Operation verschwunden, nicht selten aber nimmt der Vernarbungs-process lungere Zeit in Anspruch; wiederholt beobachtete ich, dass das Ifoaren erst •! 6 Monate nach der Operation sistirte.
Ein endgültiges Urtbeil über den Erfolg der Operation zu geben bin icb zur Zeit noch nicht in der Lage, hoffe indess die Statistik bald so Aveit vervollständigt zu haben, um auch diese Frage zu beant­worten. Es kann sich nur darum handeln, die durch das Leiden in ihrer Gebrauchsfähigkeit erheblich beeinträchtigten Pferde wieder arbeitsfähig zu machen. Dass dies nicht nur möglich ist, sondern auch bei der Mehrzahl derselben erreicht wird, davon habe ich mich überzeugt. Eine grössere Anzahl der von mir operirten Pferde dient auch heute noch, nachdem mehrere Jahre nach der Operation verflossen sind, zum Reitdienst und selbst als Rennpferde. Wenn in Betracht gezogen wird, dass, abgesehen von der mit vielen Unbequem­lichkeiten verbundenen, für manche Gebrauchszwecke absolut unzu­lässigen Anwendung einer Trachealkanüle, kein Mittel bekannt ist die Arbeitsfähigkeit solcher Pferde wieder herzustellen, so lässt sich der Operation ihre Berechtigung nicht absprechen. Dagegen muss zuge­geben werden, dass dieselbe nicht geeignet ist, um das nur lästige, laute Athmen zu beseitigen; dieser Anforderung gegenüber gewährt sie nicht ausreichende Sicherheit.
Cadiot, der eine grössere Anzahl Pferde nach dieser Methode operirte, bezeichnet den Erfolg als sehr ermuthigencl. In den glück­lich verlaufenen Fällen erzielte Cadiot nicht nur vollständige, sondern auch dauernde Heilung. Solchen Erfahrungen gegenüber können einzelne Misserfolge nichts beweisen.
Die gleichzeitige Abtragung des Stimmbandes (Fleming) halte ich für naebtheilig.
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Die Kraiiklieiten der Brust.
1. RippenbrUche. — Fractnrae costamnii
Lit.: Stockfleth, Her. Rep. 15. S. 2UÖ. Charpen tier u. L afourcade, Jahresbericht 1884. S. 110. Kohno, Ourlt u. Hertwig. 83. S. 282, Gross-wend, Berl. Thieriirztl. Woohensohr. 1889. S. 9.
Bei grösseren BaustHeren werden Rippeabrüche meist durch öe-waltoinwlrkungen von aussen veranlasst, /.. B, durch das öegenfahi'en mit der Deichsel, durch Hufschlag, Niederstürzen auf unebenein, hartem Boden, ungeschicktes Werfen, hei durchgehenden Pferden durch Gegen­rennen gegen Bäume U. s. w. Bei Wiederkäuern gehen Hornsfcösse, bei kleineren Thieren Fusstritte oder Herabstürzen uns erheblicher Höhe, z. B. aus dem Fenster hierzu Veranlassung. Es handelt sich also in der Regel um Contusionst'rakturen; selten erfolgt der Bruch durch heftige Muskelwirkung. Stockfleth hat indess einige Fälle beobachtet, in denen sich Thiere während des Ziehens schwerer Lasten eine Fraktur der ersten Rippen zuzogen. Am häufigsten scheinen Rippenfrakturen heim Schweine vorzukommen, doch werden sie hier meist erst nach dem Schlachten festgestellt. Charpentier und Lafourcade fanden 15n/o aller geschlachteten Schweine mit mehr oder weniger vollständig verheilten Hippenhrüchen behaftet.
In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich um einfache Quer-brüche, zuweilen um Infractionen, wobei die concave Fläche eine Ein-knickung erfährt und das Periost zuweilen unverletzt bleibt (subperi-ostealer Bruch).
Complicirte Bippenbrüche sind seltener und verdanken ebenfalls meist directer Einwirkung heftiger Gewalten ihre Entstehung, indem der fraktuirende Gegenstand zugleich eine Verletzung der äusseren Haut veranlasst; doch kann die Perforation der Haut auch von dis-
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232nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Brust.
looirten Knoohenstüoken lierbeigofülirt werden. Rippenbrüohe können endlich diulurch zu complicirtcn werden, dass die Pleura und Lunge bezw. das Peritoneum und Eingeweide der Bauchhöhle mitverletzfc sind. GrossAvend stellte beim Pferde einen Bruch der letzten Rippe fest, dessen Fragmente das Netz und den Magen gleichsam aufge-spiesst hatten.
Verlauf. Dass bei solchen Abweichungen der Verlauf der Kippenbrüche sehr verschieden ausfallen muss, liegt .auf der Hand. Günstig gestaltet er sich im Allgemeinen bei allen Infractionen und einfachen (subeutanen) Brüchen. Sie heilen in der Kegel ohne erheb­liche Krankheitserscheinungen und zwar meist vollständig. An den hinteren Rippen stört die grössere Beweglichkeit die Heilung, und es kommt hier oft zur Bildung eines Callus fibrosus oder einer Pseu-darthrose. Doch bleiben auch diese meist ohne nachtheiligen Ein-fluss auf den Gesundheitszustand des betreffenden Thieres und werden erst nach dem Tode desselben erkannt.
Anders gestalten sich die complicirten Frakturen. War die äussere Haut perforirt, so tritt in der Kegel Eiterung mit Knochennekrose ein; doch kommt die Heilung, wenn auch erst nach längerer Zeit, zu Stande. Werden die Sequester nicht entfernt, so entwickelt sich wohl eine Kippenfistel (S. 234). Noch bedenklicher zeigt sich die Complication durch Verletzung der Pleura, Lungen oder der Peritonoalhöhle; die der letzteren führen regehnässig durch Peritonitis zum Tode, die der Brusthöhle verlaufen günstiger, indem die so entstandene Lungen-verletzung nicht selten noch Heilung zulässt. Die aus der Lunge in den Pleurasaok getretene Luft wird in der Kegel ebenso schnell resorbirt wie das Emphysem, welches hierbei unter der äusseren Haut auf der Kipponwandung entsteht. Dies erklärt sich aus dem Um­stände, dass die Luft als Träger von Infectionsstoffen nicht so gefähr­lich ist, Avie man früher annahm, und dass ein Theil der in derselben enthaltenen Schädlichkeiten an der Oberfläche der Respirationsschleim­haut niedergeschlagen werden. Man darf daher in solchen Fällen nicht sogleich eine schlechte Prognose stellen; dies gilt namentlich da, wo die äussere Haut nicht perforirt ist. Hier kommt bei Menschen und bei Thicren nicht selten ein unerwartet günstiger Ausgang zu Stande. Zuweilen führt die Pleuritis und Pneumonia oder eine Verletzung von Blutgefässen (Aa. intercostales et thoracicae internae) und Verblutung in die Brusthöhle zum Tode. Besonders gefährlich zeigen sich Brüche der ersten Kippen in dieser Hinsicht, zumal von
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Rippenbrüchc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 233
hier aus noch andere grössere Gefiisse leicht verletzt werden. Mir begegnete der Fall, dass ein Pferd, welches beim Durchgehen gegen einen Baum lief, sich mehrere Bippen brach und in wenigen Minuten verendete. Bei der Section zeigten sich nicht nur die grösseren Blut-gefässe an der vorderen Brustapertur zerrissen, sondern auch das Herz von den Bruchfragmenten verletzt. Aehnliche Verletzungen entstehen durch Gegenfahren mit der Deichsel gegen die Brust.
Köhne beobachtete beim Pferde einen complicirten llippenbruch, welcher durch Gegenfahron mit der Deichsel entstanden und wobei gleichzeitig eine grössere Wunde in der äusseren Haut entstanden war. Der Bruch heilte in zwei Monaten und scliloss sich in dieser Zeit auch die Hautwunde. Sechs Monate später bildete sich jedoch an der Stelle eine neue Anschwellung aus, die perforirto und eine grosso Menge Eiter entleerte. Köhne gelangte mit dem Finger zwischen die igt;. und 10. Rippe in den Brustraum und konnte hier eine grössere Höhle fest­stellen, aus welcher der Eiter stammte. Das Thier genas, wurde aber später von einem chronischen Husten geplagt. In vereinzelten Fällen werden Verletzungen des Zwerchfelles und Zwerchfellsbrüche als Com­plication von llippenfrakturen beobachtet,
Erscheinungeii. Bei Infractionen und subeutanen Rippenbrüchen zeigen die Thiere etwas beschleunigten vVthem, ohne weitere Störungen. Zuweilen lässt sich beim Atbmen Crepitation als einzig zuverlässiges Zeichen für die Rippenfraktur nachweisen. Verletzungen der Pleura geben sich durch Hustenreiz und grössere Athemfrequenz zu er­kennen; solche der Lunge sind mit Hustenreiz und blutigem AusHuss aus der Nase oder dem Maule verbunden; bei Lungenverletzung ent­wickelt sich unter der äusseren Haut Emphysem.
Nur die Frakturen an den ersten Rippen, welche den Schenkel-und liespirationsmuskeln als Anheftungspunkt dienen, pflegen mit auf­fälligen Bewegungsstörungen der Vordergliedmassen und erheblichen Athembeschwerden verbunden zu sein. Bei Perforation der äusseren Haut lassen sich die Bruclifragmente oft direct nachweisen.
Auffälligere Störungen finden sich in der Regel bei Hunden mit multiplen Rippenbrüchen, und zwar um so mehr, je grosser die Zahl der gebrochenen Bippen und die Verschiebung der Bruchstücke ist.
Behandlung. Bei einfachen Brüchen und Infractionen genügt es, dem Thiere Ruhe zu geben, namentlich mit Arbeit und Bewegung zu verschonen. Ein Weiteres ist auch bei ffleiohzeitiffer Verletzung der
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234nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Brust.
Pleura und Lungen (oomplioirten Brüchen) oft nicht nöthig; die Re­duction füllt in solchen Filllen meist schwer. Hertwig empfiehlt grössere Thiere mit der gesunden Seite gegen einen Baum zu stellen und durch Biegung des Humpfes gegen diese Seite die Reposition zu bewirken^ Bestehen gleichzeitig Verletzungen der iiusseren Haut, so können von hier aus unter Umständen die nach innen dislocirten Bruch-fragmente reducirt werden, indem man einen Finger oder Haken unter die Rippe schiebt und das Stück in seine normale Lage zu ziehen sucht. Man gehe hierbei womöglich um den vorderen Rand der Rippe, um die am hinteren Rande verlaufenden Gefässe und Nerven zu schonen, beachte ferner die Grundsätze der Antisepsis und suche auch die Wunde nachträglich durch Anlegung eines Verbandes vor Infection zu schützen. Da durch gleichzeitige Verletzung der äusseren Haut die Gefahr erheblich gesteigert wird, so lasse man sich auf keinen Fall darauf ein, hier erst nachträglich eine Wunde herzustellen, um durch diese die Reposition zu bewirken. In solchen Fällen ist Abwarten vorzuziehen.
Vilette fand von 100 geschlachtoten Schweinen fünfzehn mit ge­heilten Kippenbrüchen behaftet und zwar 10n|() ohne weitere Störungen; bei ö0/laquo; bestanden Adhäsionen der Lunge, bfii3quot;/onur pleuritische Schwarten. Selten war nur eine Rippe gebrochen, meist betraf die Fraktur zwei bis drei Kippen. In der Kegel fand sich der Bruch in der Mitte der Kippe oder an ihrer unteren Abtheilung. Nur die ei-sten Rippen brechen nach Stockfleth öfter am oberen Ende,
2. Rippenfisteln.
Lit.: Bar. Rep. 5. S. 373. Schwalenberg, Gurlfc u. Hertwig. 86. 8, 419. Fer­guson, das. 5. S. 373.
Am häufigsten treten beim Pferde, seltener bei den übrigen Thiercn chronisch entzündliche Processe mit Fistelbildung an der Rippenwand auf. In der Regel liegt dem Zustande Nekrose einer oder mehrerer Rippen zu Grunde, die bald durch directe Verletzung, bald durch phlegmonöse Entzündung auf der Brustwand veraulasst wird. Zuweilen bildet der Zustand eine Folge von Eiterversenkungen im Anschluss an Widerristfistelni selten leiten spontane Abscessbildung (Druse) oder rotzige Erkrankungen das Leiden ein, doch wurden von mir mehrere Fälle dieser Art beobachtet.
Knochennekrose bildet die Grundlage des Leidens. Indem der hier entstandene Sequester liegen bleibt, ruft derselbe eine chronische Entzündung mit Eiterung und Verdickung der Rippe wie ihrer Um-
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Rippenfistel.
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gebung hervor, die Monate, selbst Jahre lang fortbestehen kann. Nur ausnahmsweise führt der Znstand durch Pleuritis zum Tode; die Fascia endothoraoica und Pleura verdicken sicli an der betreifenden Stelle ulhnälich, und verhindern diese Complication.
Erscheinungen. Eine mehr oder weniger ausgebreitete, in der Regel nicht scharf begrenzte, harte, derbe Anschwellung ohne acut entzündliche Erscheinungen bildet das am meisten in die Augen fallende Symptom des Leidens. In der Mitte der Geschwulst findet sich eine enge Oeffmmg, durch welche die Sonde bis auf einen harten, rauhen Gegenstand (Rippe) vordringt. Allgemeine Störungen werden in der Regel vermisst; nur selten stellen sich Erscheinungen der Pleu­ritis, damit aber auch fast immer der Tod ein.
Die Beurtheilung des Zustandes fällt zweifelhaft aus, da die Heilung stets die Entfernung des Knochensequesters voraussetzt. Ob dies gelingt, hängt theils von der Grosse des nekrotischen Studies, theils von der Lage desselben ab. Die genaue Untersuchung kann hierüber oft erst nach operativem Eingreifen Aufschluss geben. Wo sieb der Process auf die äussere Fläche der Rippe beschränkt, gestaltet sich die Prognose meist günstig; geht derselbe aber auf die innere Fläche derselben über, so muss man auf die Entwickelung einer Pleuritis, zum mindesten auf einen chronischen Verlauf gefasst sein. Im Uebrigen können die Thiere mit diesem Leiden oft noch Jahr und Tag zur Arbeit brauchbar bleiben.
Behandlung. Zunächst muss die Richtung und Ausdehnimg der Fistel ermittelt werden. Dabei lässt sich von vornherein annehmen, dass der Mittelpunkt der Anschwellung die Stelle bildet, WO in der Tiefe die hauptsächlichsten Veränderungen bestehen. Die Fisteln spalte man soweit möglich, namentlich, wenn sie sich nach unten erstrecken. Hierbei ist auf die Blutgefässe, besonders auf die Vena und Arteria thoracica externa Rücksicht zu nehmen. Die etwa freiliegende Rippe kratze man mit dem scharfen Löffel ab, entferne das uekrotische Stück und suche die Heilvorgänge nach allgemeinen Grundsätzen zu leiten.
Bei Fisteln, die ihrer Lage wegen nicht ZU spalten sind, können Haarseile Anwendung finden, oder mau spritze sie mit antiseptischen und adstringirenden Mitteln aus (Liquor Villati, Carbol- oder Subli­matlösung). Dies kann auch erfolgen, wenn sich die Fistel auf die mediale Kippenfläche fortsetzt, doch wähle man in solchem Falle nicht
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236nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Brust.
scharf ätzende Substanzen. Nach Entfernung grösserer Knoohenstüoke bleiben oft tiefe Narben auf der Brustwand zurück.
Unter Umständen kann vielleicht auch die iicsection eines Rippen­stückes nothwendig werden; dass diese Operation beim Pferde mög­lich ist, haben die schon vor 50 Jahren angestellten Versuche Fer­gusons bewiesen. Doch dürfte diese Operation nicht leicht und mit grosser Vorsicht auszuführen sein, um die Pleura nicht zu perforiren.
3. Die BrustbeinHstel.
Lit.i Marooux, Hering Rep. 14. S. 328. Landel, das. lü. S. 211. Bril, Jahresbericht 1886, S. 186. Dette, Thiertlrztl. Mitth. 1870. S. 98.
Sie stellt ein Leiden dar, welches fast nur beim Pferde beob­achtet wird, aber nicht so selten vorkommt und in einer chronischen mit Fistelbildung verbundenen Eiterung besteht, der eine partielle Nekrose des Brustbeines zu Grunde liegt.
Das Brustbein besteht aus einer schwammigen Knochenmasso und ist Verletzungen von aussen namentlich beim Pferde ausgesetzt. Niederstürzen auf unebenem, hartem Boden oder auf die geschärften Stollen eines Vordereisens geben oft die Veranlassung zur Entstehung des Leidens ab. Auch Verletzungen durch Deichselstangen oder ähn­liche Gegenstände können eine Brustbeinfistel hervorrufen, indem die Wunde entweder direct bis auf das Brustbein reicht und durch Er­zeugung einer eiterigen Periostitis Nekrose dieses Knochens hervorruft oder eine plilegmonöse Entzündung in der Nähe derselben erzeugt, welche auf das Brustbein übergreift und die Knochennekrose veranlasst.
Der Zustand verläuft stets chronisch, weil die Entfernung der nekrotischen Knochenstücke bei der dicken Muskelbedeckung des Brustbeines meist auf unüberwindliche Schwierigkeiten stösst, jeden­falls aber längere Zeit in Anspruch nimmt. Unterdessen hat sich in der Regel eine neue Phlegmone mit Eiterversenkung und ein neuer nekrotischer Herd gebildet. So dauert der Process regelmässig Monate, nicht selten Jahr und Tag. Von Zeit zu Zeit stellt sich acute Phlegmone ein, die nach erfolgter Perforation zwar ver­schwindet, aber dazu beiträgt, die unter der Brust auftretende; Ver­dickung zu vergrössern. Bril beobachtete bei einem 2'/n .Jahre alten Fohlen eine fistula sterni, welche unter der Brust 2, an den Seiten, und zwar in der Höhe der Rippenknorpel noch 15 Oeffnungen zeigte. In seltenen Fällen wurde ein ähnlicher Zustand beim Rinde
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Hrustbeinflstel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 237
beobachtet; Dctte beschreibt einen solchen. Die Kuh hatte einen Fremdkörper (Glassplitter) verscbluckt, der den Pansen und die Brust-wand in der Nähe des Sternuni perforirt und hier einen Abscess erzeugt hatte, der zur Fistelbildung führte. Nach Entfernung des Glassplitters trat jedoch in fünf Monaten Heilung ein.
Erscheinungen. Zwischen den beiden Vorderbeinen findet sicli eine festweiche, wenig schmerzhafte Anschwellung, die bald an einer, bald an mehreren Stellen Fistelöffnungen zeigt, in welcher die ein­geführte Sonde bis auf die rauhe Oberfläche der nekrotischen Brust­beinpartie gelangt. Aus der Fistelöffnung entleert sich eine geringe Menge übelriechenden Eiters (Xnocheneiter). Lahmheit pflegt mit dem Zustand sich erst zu verbinden, wenn die Bewegung der Vorderlaquo; schenke! durch die starke Anschwellung behindert wird; die Thiere gehen alsdann auffallend breitbeinig. Während der acuten Phleginone besteht wohl Fieber, und erscheint die Bewegung in derselben Weise, aber in noch höherem Masse gestört.
Der Verlauf des Leidens ist stets chronisch und Heilung in der Kegel nicht zu erwarten. Schon Günther machte auf die Unheilbar-keit des Leidens aufmerksam. Auch ich habe mich nach wiederholten und mühevollen Versuchen durch Spaltung, Abkratzen der nekrotischen Theile des Brustheines und sorgfältiges Spülen mit Anwendung von .Jodoform und anderen Mitteln zum Ziele zu gelangen, von derUnheilbar-keit des Zustandes mehrfach überzeugen müssen. Damit soll nicht behauptet werden, dass nicht in vereinzelten Fällen Heilung ZU Stande kommen kann; solche Fälle sind aber so selten, dass es sich nicht lohnt, eine zeitraubende, mühevolle und kostspielige Behandlung einzuleiten. So berichtet Marcoux über einen Zustand, der nach längerer erfolgloser Behandlung mit Liquor Villati und Glüheisen durch Anwendung von Opodeldoc geheilt wurde. Wahrscheinlich wäre die Heilung auch ohne dieses Mittel eingetreten. Lau del vorsuchte das­selbe Mittel andauernd, aber ohne Erfolg und erreichte durch wieder­holte Anwendung des Glüheisens Heilung. Ein Löschspiess, wie er in der Schmiede benutzt wird, wurde weissglüheiul in die Fistelgänge eingeführt und diese sodann mit Brunnenwasser öfter ausgespült. Ob die Heilung eine dauernde gewesen ist, geht aus der Mittheilung Lau dels nicht hervor,
Die Prognose muss daher schlecht ausfallen, und wenn eine Be­handlung eingeleitet werden soll, kann dieselbe nur als ein Versuch be-
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238nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Brust.
trachtet und nacli den allgemeinen Grundsätzen geleitet werden. Oft beschränkt man sich auf die Behandlung der von Zeit zu Zeit auf­tretenden Phlegmone,
Behandlung. Man suche dem eiterigen Sekret regelmiissigen Abflugs ZU erhalten und wo Eiterretention besteht, diesen zu ver-schatfen. Wo Spaltungen der Fistelöffnungen nothwendig werden, sollten diese möglichst in der Längsrichtung des Körpers erfolgen. Aus­spritzungen mit Desinfloientien können den Heilungsvorgang fördern. Womöglich kratze man die erkrankten Stollen des Knochens mit dem scharfen Löffel ab; dies gelingt oft erst am liegenden Thiere. Auch kann das Glüheisen unter Umständen nützlich werden, wie die Mit-theiluugen Landeis zeigen. Hat sich eine acute Phlegmone ein­gestellt, so spalte man die etwa auftretenden Abscesse.
Im Allgemeinen empfiehlt sich, die Behandlung auf die acute Phlegmone zu beschränken, und in der übrigen Zeit die Thiere arbeiten zu lassen, so lange dies möglich ist. Während des acuten Phlegmone-anfalles wird durch die Bewegungsstörungen die Arbeitsfähigkeit aus­geschlossen ; in dieser Zeit kann feuchte Wärme den Ablauf des Pro­cesses beschleunigen und die Verdickung beschränken, die mit solchem Anfall von Phlegmone verbunden zu sein pflegt.
4. Yerwnndangen and Quetschungen der WeloMhelle an der
Briiistwaud.
Lit.: Thlenemann, Dresd. Ber. 1862. S, 108. Hübner, das. 1879. S. 131.
a) Wunden der Brustwand ohne Perforation derselben.
Die an der unteren Brustfläche mit Verletzung des Brustbeines verbundenen Wunden sind bereits erwähnt worden, ebenso sollen die durch Geschirrdruck veranlassten Erkrankungen besonders abge­handelt werden. Hier bleiben also nur die Verwundungen der Weich-theile zu besprechen, welche am häufigsten bei grösseren Thieren (Pferd, Rind), seltener bei den übrigen vorkommen. Beim Pferde wer--den derartige Verletzungen durch Gegenfahren mit der Deichselstange oder Gegenrennen, in der Armee durch Lanzenstiche veranlagst. An den Seiten kommen solche durch Niederstürzen auf unebenem, hartem Boden, Fallen auf den Sporen des Reiters und unter ähnlichen Um­ständen vor.
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Verletzungen der Weichtheile an der Brustwand.
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Bald findet die Verletzung an der vorderen Brustfliiehe statt, wobei durch Vordringen gegen die Mittellinie sowohl die Trachea, die liier gelegenen grösseren Gefilsse und die ersten Kippen in Gefahr kommen. Richtet sich der verletzende Körper nach der einen oder anderen Seite, so finden oft umfangreiche Trennungen in den Brust-und Schultcrmuskeln statt; nicht selten bahnt sich derselbe einen Weg zwischen Brustwand und Schulterblatt bezw. Armbein , wo er unter Umständen an den grösseren Gefäss- und Nervenstämmen be­denkliche Zerstörungen anrichten kann.
Thieneinann fand bei einem Pferde, welches sich dicht über dem Ellenbogen eine Wunde zugezogen hatte und nach zwei Tagen gestorben war, die Achselvene zerrissen; während Hübner nach dem Sturz eines Pferdes und dem 45 Minuten später eingetretenen Tode die Achselarterio zerrissen antraf. Gleich nach dem Fallen hatte sich eine fluctuirende, allmälich wach­sende Anschwellung eingestellt, welche sich über den Hals und die firust des Thieres ausbreitete.
Die Beurtheilung hängt in erster Linie von dem Sitze und der Ausdehnung der Verletzung ab. Oberflächliche Verwundungen, d. h. solche, die nur die Haut und oberflftchliohen Muskellagen betreffen, haben in der Hegel keine besondere Bedeutung und heilen im Allge­meinen gut, namentlich wenn sie für den Abfluss des Wundsecrets günstig liegen. Bedenklich werden tiefer reichende Verletzungen am unteren Halsrande. In dem lockeren Bindegewebe, welches die grossen Halsgefässe sowie die Luftröhre und den Schlund umgicbt, kommen Versenkungen des Wundsecrets bis zur vorderen Brustapertur und durch diese bis an die Pleura vor, wodurch die Gefahr septischer Pleuritis eintritt. Namentlich werden Wunden, die mit Frakturen der ersten Kippen complicirt sind, leicht Ursache des gleichen Aus-
Endlich können die grossen Halsgefässe und Nervenstämme (Vagus) betroffen sein und die Gefahr einer Verblutung oder Kehl­kopf lähmung eintreten (S. 144).
Die von der Seite vordringenden groben Gewalten veranlassen zuweilen durch Verletzung der Achselgefässe und Nerven, Lähmung der Gliedmassen und damit einen oft unheilbaren Zustand; ebenso verlaufen die in Frakturen am Schulterblatt und Armbein bestehenden Coinpli-cationen bei Thieren meist tödtlich. Kälte des betreffenden Gliedes und Lähmung desselben lässt auf Verletzung und Tlirombosinmg der Gefässe schliessen, während Lähmung allein auf Verletzung der Nerven-
stämnie hinweist.
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240nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Brust.
Im Allgemeinen ist diese Gefahr jedoch nicht so gross, indem die starken Fascien am Thorax einen Schutz gewähren, und so kommt es hier nicht selten zu ausgedehnten Muskel wunden, ohne dass jene Theile mitbetroffen werden. In solchen Fällen pflegt hochgradige Lahmheit zu fehlen, der Fuss wird wenigstens belastet, wenn auch die Bewegung erheblich gestört ist (Hangbeinlahmheit). Sofern nicht eine Verletzung des Schultergelenkes vorliegt, heilen derartige Muskel­wunden oft wider Erwarten gut. Selbst da wo der verletzende Körper unter der Schulter hindurch an den Anconaeen eine Gegenöffnung be­wirkt hat, kommt meist Heilung ohne Hinterlassung von Störungen in der Bewegung der Gliedmasse zu Stande.
Bei der Prognose ist besonderes Gewicht auf die Lahmheit zu legen; so lange diese nicht erheblich ist, und keine schweren Fieber­erscheinungen bestehen, darf man die Hoffnung auf Heilung selbst da nicht aufgeben, wo umfangreiche Verletzungen der Muskulatur vorliegen. Die Gefahr einer Pleuritis tritt hierbei in den Hintergrund. Sowohl die Schulterfascien, wie auch die Fascia eudothoracica stellen sich der Ausbreitung des Entztindungsprooesses und dem Uebergreifen desselben auf der Brusthöhle entgegen.
Audi lasse man sich bei diesen Verletzungen durch das Auf­treten von Emphysem in der Nachbarschaft nicht verleiten, auf die Gegenwart einer perforirenden Brustwunde zu schliessen; dasselbe verdankt seine Entstellung dem Abschluss von Luft in der grossen Wundhöble. Auch eine massige Athemfrequenz beweist bei solchen Verletzungen noch keine Pleuritis, weil diese durch Läsionen der acces-sorischen Athmungsmuskeln veranlasst werden kann.
Behandlung. Nach vollzogener Blutstillung untersuche man die Wunde genau bezüglich ihrer Ausdehnung und namentlich auf die Gegenwart von Fremdkörpern, die sorgfältig entfernt werden müssen. Unter Umständen erscheint auch die Untersuchung des verletzenden Gegenstandes augezeigt, um zu sehen, ob Stücke desselben abgebrochen und in der Wunde stecken geblieben sind.
Ganz besondere Sorgfalt ist auf den Abfluss des Wundsecrets bei tiefen Verletzungen an der vorderen Brustfläche 7Ai verwenden, die sich gegen die Mittellinie erstrecken, um der Entstehung einer Brust-beinflstel vorzubeugen. Spaltung der etwa bestehenden Taschen, oder Gegeiiött'nungen und Application von Drains oder Haarseilcn sind nach sorgfältiger Reinigung und Blutstillung angezeigt. Wo grössere Ge-
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Penetrirende Brustwunden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;241
lassstiimnie, besonders Venen freigelegt sind, muss man auf eine Nach­blutung gefasst sein, die gewöhnlich in den ersten drei Tagen, selten später eintritt. Man treffe Vorkehrungen, um diesen wirksam be­gegnen zu können (Unterbindung, Tamponade). Bei werthvollen Thieren erscheint daher eine dauernde Uebervvachung derselben ange­zeigt. Daneben wird, wenn irgend möglich, permanente Irrigation mit verdünnten antiseptischen Mitteln (Sublimat 1 : 3000, Carbolsiiure, Creolin etc.) eingeleitet. Man wähle jedoch eine kalte Lösung dieser Mittel nur so lange, als noch Blutung besteht; vom nächsten Tage ab sind lauwarme Irrigationen vorzuziehen. Lassen sich diese nicht an­wenden, so muss die Wunde alle 1—2 Stunden mit einem Desinficiens sorgfältig ausgespült werden.
Bezüglich der Untersuchung und Blutstillung gilt das von Brust­wunden, die sich unter die Schulter erstrecken. Gesagte. Auch hier suche man die Wunde so zu gestalten, dass das Secret leicht und mög­lichst vollständigen Abflusa findet. Spaltungen, Gegenöffnungen, Drains u. s. w. finden auch hier in Verbindung mit permanenter Irrigation vorthei lliafte Anwendung.
))) Verwundungen der Pleura und Brusthöhle. Lit.: Perosino, Her. Rep. 15. S. 169. Wiesner, Zeitsohr. für Vet. 1890. S. 508.
Zu den sog. penetrirenden Brustwunden geben vornehmlich Verletzungen Anlass, welche die Seitenwandungen des Brustkastens treffen; Bajonett-, Lanzen- oder Säbelsticbe, Eggenzinken, Stürzen auf den Sporn des Reiters, Hornstösse beim Rinde, Holzsplitter u. s. w. können Wunden erzeugen, die durch die Pleura costalis roichen, unter Umständen selbst die Organe der Brust- oder Bauchhöhle ver­letzen. Im Kriege rufen Geschosse derartige Verletzungen hervor. Absichtlich wird beim Bruststich zur Entleerung von Flüssigkeiten aus den Pleurasäcken eine penetrirende Brustwunde erzeugt.
Zu den Gefahren, welche mit jeder erheblichen Verletzung der Weiohtheile verbunden sind (Blutung, Infection), gesellen sich hier noch: Pneumothorax, llilmothorax, Pleuritis und Pneumonie.
1) Pneumothorax. Lufteintritt in den Pleurasack kann so­wohl von aussen durch die Brustwand als auch von den Lungen aus erfolgen. Sobald von der äusseren Haut aus eine grössere Wunde bis in den Thorax, also durch die Pleura costalis reicht und offen steht, pflegt die ausgedehnte, elastische Lunge zu collabiren und so gleichsam die Luft durch die Oeffnung in den Pleurasack einzusaugen.
Möllor, Speciellc Cliirurgie für Thinrürzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ltgt;
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Die Athrmmg hört damit in dem betreffenden Lungenabsobnitt auf, Da aber die Brustwand ihre Athmungsbewegungen fortsetzt, so wird beim Ausatlimen die Luft aus der Brusthöhle wieder nach aussen strömen, um bei der nächsten Inspiration von neuem in die Brusthöhle zu treten. Wird die Oeffnung in der Thoraxwand während der Exspira-tion theilweise oder ganz geschlossen, so entsteht Emphysem, indem die austretende Luft in das lockere Bindegewebe der Umgebung der Wunde gedrängt wird.
Der Pneumothorax kann aber auch einer Verletzung der Lunge, bezw. eines Bronchus seine Entstehung verdanken. Allerdings ist eine Verletzung dieser Theile meist mit stärkerer Blutung verbunden, so dass gleichzeitig Hämotborax eintritt. Auch in diesem Falle collabirt der betreffende Lungenflügel in dem Masse, als sich Luft oder Blut im Pleurasaoke anhäuft.
An sich bildet die Gegenwart von Luft im Pleurasacke noch kein tödtliches Moment, sobald nicht beide Lungenflügel collabiren, wo­durch selbstverständlich Erstickung entstehen müsste. Es ist bekannt, dass die im Pleurasack befindliche Luft in verhältnissmässig kurzer Zeit resorbirt werden kann, wie man sich namentlich beim Menschen klinisch oft überzeugen konnte, und wie auch die Versuche von Trous­seau, Leblanc und Perosino bei Pferden ergeben haben. Perosino öffnete beim Pferde zwischen der 10. und 11. Hippe den Pleurasack, liess durch eine Bohre Luft in denselben einströmen, bis so heftige Störungen der Respiration eintraten, dass Erstickungstod drohte. Schon am Abend desselben Tages waren alle Erscheinungen verschwunden. Immerhin aber stellt der Pneumothorax einen höchst bedenklichen Zu­stand dar, indem mit der Luft zugleich Infectionsstofl'e in den Pleura­sack gelangen und hier Entzündung hervorrufen. Besonders gefährlich zeigt sich in dieser Hinsicht die durch die Thoraxwand eingetretene, weniger die von der Lunge aus eingedrungene Luft. Offenbar werden die in der Athmungsluft befindlichen Infeotionsstoffe zum Theil an der Oberfläche der Respirationsschleimhaut niedergeschlagen, und die Luft auf diese Weise ähnlich wie durch den Wattepfropf einer Flasche gleichsam liltrirt. Die grösste Gefahr beim Eintritt der Luft durch die Wunde liegt jedoch darin begründet, dass sie inficirtes Secret in den Pleurasack verschleppt.
Das in der Umgebung solcher Verwundungen auftretende Em­physem bleibt in der Regel eine bedeutungslose Erscheinung.
2. Der Uämothorax, eine Blutung in den Pleurasack, geht entweder von den getrennten Gelassen der Brustwand (Intercostules)
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Penetriremle Brustwunden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;243
oder aus der verletzten Lunge bezw. dem Herzen hervor. Grössere Blutansammlung in der Brusthöhle kann allerdings plötzlichen Tod, nämlich durch Compression der Lunge Erstickung hervorrufen. Aber auch geringere Mengen Blut werden hier gefährlich, weil in ihm leicht Fäulniss eintritt, deren Produkte zu einer septischen Pleuritis führen. Andererseits bleibt zu beachten, dass Blut aus dem freien Brustraum leicht resorbirt werden kann; daher hängt die Gefahr auch hier vor­nehmlich von dem gleichzeitigen Eindringen von Fäulnisserregern oder anderen Infectionsstoft'en ab. Da diese oft mit der Luft hinein ge­langen, so gestaltet sich bei gleichzeitigem Bestehen von Hämothorax und Pneumothorax die Prognose doppelt bedenklich.
8. Pleuritis. Diese hängt nicht unmittelbar von der Verletzung, sondern von der Infection der Wunde ab. Daher ist die Gefahr der­selben um so grosser, je geringer die Aussicht, einen aseptischen Wundverlauf zu erzielen. Sie tritt also von zwei Seiten heran, sobald gleichzeitig die äussere Haut und die Lunge verletzt ist. Dass die Pleuritis durch das Zurückbleiben von Fremdkörpern in der Wunde begünstigt wird, liegt auf der Hand.
Erscheinungen. Bei der Beurtheilung der Frage, ob eine pene­triremle Brustwunde vorliegt, greife man nicht sogleich zur Sonde. Auch vermeide man mit dem nicht desinticirten Finger sofort einzu­gehen. Abgesehen davon, dass mit der Sonde leicht eine Perforation der noch intacten Pleura costalis herbeigeführt werden kann, findet heim Sondiren der nicht sorgfältig gereinigten Wunde leicht ein Ver­schleppung von Infectionsstoffen in die Brusthöhle statt. Man suche dalier zunächst aus den anderweitigen Erscheinungen ein Urtheil über diese Frage zu erlangen, dazu dient:
1.nbsp; nbsp;Berücksichtigung des Sitzes und der Beschaffenheit der Wunde, sowie der Art und Wirkung des verletzenden 'Körpers. Nicht selten lässt sich hieran schon die Gegenwart oder Abwesenheit einer penetrirenden Brustwunde bestimmen.
2.nbsp; nbsp;Das Athmen. Athembeschwerden können hierbei durch Pneumo-, Hämothorax und Pleuritis, unter umständen aber auch durch Verletzung der Respirationsmuskeln.entstehen; im letzten Falle treten dieselben jedoch meist nur in geringem Grade hervor.
Die septische Pleuritis verbindet sich bald mit hohem Fieber; die Percussion lässt sowohl den Pneumothorax, wie auch die Gegen­wart des Hämothorax erkennen.
8. Blutiger Auswurf aus Nase oder Maul beweist in der Regel
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Verletzung der Lunge; das Fehlen derselben kann jedoch nicht das Gegentheil darthun.
4. Ein- und Ausströmen von Luft in der Wunde beim Athmen lässt in der Kegel keinen Zweifel über das Bestellen einer penetrirenden
Brustwunde. Doch bleibt zu beachten, dass bei grossen Lappenwunden
die Luft auch aus diesen stummen kann. Dasselbe gilt vom Emphysem in der Umgebung der Wunde.
B. Bei grösseren Oeffnungen in der Thoraxwand tritt zuweilen ein Prolapsus pulmonum ein, ein kleines oder grösseres Stück Lunge erscheint in der Wunde und wird hier durch Stauungsschwellung bald incarcerirt und nekrotisch.
G. Wenn unter Berücksichtigung der genannten Umstände die Frage nicht zu entscheiden ist, ob die Wunde penetrirt, so kann die Localuntersuchung mit dem Finger oder der Sonde erforderlich erscheinen. Ehe man zu einer solchen schreitet, überlege man, ob es sich überhaupt empfiehlt, eine Entscheidung der Frage herbeizuführen, oder ob es nicht vorzuziehen ist, sie offen zu lassen und die Behand­lung so einzuleiten, wie wenn eine penetrirende Wunde vorliegt. Im ersten Falle desinfleire man zunächst sowohl den einzuführenden Gegen­stand (Finger, Sonde), sowie auch die Wunde selbst, um Verschleppung von Infectionsstoifen in den i'leurasack zu vermeiden. Auch zur Unter­bindung etwa noch blutender Gefässe kann die genauere Untersuchung der Wunde erforderlich werden, ebenso zur Reposition der Fragmente gebrochener Hippen, wobei selbstverständlich dieselben Vorsichtsmass-regeln Platz greifen müssen.
Bemerkt sei noch, dass Thiere mit penetrirenden Brustwun­den zuweilen instinetiv den Rumpf nach der Seite der Verletzung krümmen, um das Klaffen der Wunde zu vermeiden (Viborg, Hertwig).
Beurtheilung. Obgleicli jede penetrirende Brustwunde als eine lebensgefährliche Verletzung angesehen werden muss, so hat doch die Erfahrung bei Thieren gezeigt, dass keineswegs alle einen tödtlichen Verlauf nehmen. Die Prognose hängt vor allem davon ab, ob Pueumo-bezw, Hämothorax vorhanden ist, und tune Pleuritis in Aussicht steht. Hierbei kommt in Betracht:
1. Die Beschaffenheit der Wunde, Jede Wunde, die per priniam intentionein zur Heilung zu bringen ist, lässt Aussicht auf Erhaltung des Thieres zu; anderenfalls geht dasselbe oft schon in 2 bis 3 Tagen zu Grunde. Schnittwunden durch Sensen, Lanzen etc.
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Penetrirende Brastwundon.
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heilen leichter als die durch Mistgabeln und Eggenzinken veran-hissten gequetschten Stichwunden.
2.nbsp; Bei Pferden ist erfahrungsgemilss die Gefahr der Pleu­ritis im Allgemeinen am grössten; weniger bedenklich zeigen sich diese Verletzungen beim Rinde, noch weniger bei den Fleischfressern.
3.nbsp; Weiterhin hängt die Prognose von den etwa schon hestehenden Complicationen ab. Beachtenswert!! bleibt, dass massiges Fieber auch direct von der Wundinfection abhängen kann, also die Heilung noch nicht ausschliesst, während Symptome der Pleuritis regehnilssig einen letalen Ausgang erwarten lassen.
Dass solche Verletzungen auch bei Thieren einen wider Erwarten günstigen Verlauf nehmen können, beweisen zahlreiche Mittheilungen aus der Praxis. So sah Jacobin eine penetrirende Brustwunde beim Pferde in kurzer Zeit heilen , welche durch einen Sporn erzeugt war, der nicht nur die Thoraxwand perforirt, sondern auch eine Hippe ver­letzt hatte. Mir sind aus eigener Erfahrung Fälle bekannt, in denen der Finger bis in die Brusthöhle gelangte und die Bewegungen der Lunge fühlen konnte, und dennoch Genesung eintrat. Umgekehrt verlaufen aber zuweilen anscheinend weniger bedenkliche Brustwunden in kurzer Zeit tödtlich. Dies gilt besonders von unscheinbaren Stich­wunden, namentlich mit Mistgabeln. Am grössten ist die Gefahr der Infection in den ersten 3—4 Tagen. Sobald erst Eiterung eingetreten ist, gestaltet sich die Prognose günstiger, wenn bis dahin keine be­drohlichen Symptome aufgetreten sind.
Behandlung. Aus dem oben Gesagten ergehen sich die Grund­sätze für die Behandlung von selbst; die erste und wichtigste Aufgabe derselben bildet die Antisepsis. Nach erfolgter Blutstillung, womöglich durch Unterbindung mit sterilisirtem Material, und nach sorgfältiger Desinfection der Wunde suche man, wo Heilung per primam nicht ausgeschlossen erscheint, die Wunde mit Beobachtung antiseptischer Rücksichten möglichst sorgfältig zu heften. Sind Ansammlungen von Wundsecret zu erwarten, so werden Drains angelegt, event, weitere Spaltungen oder Gegenöftnungen hergestellt. Ueber die Wunde appli-cire man einen Occlusivverbaiid, der sich auch bei Thieren meist anbringen lässt. Bei grösseren eignet sich hierzu besonders Moos­pappe; in Ermangelung solcher lasse man eine Strohmatte herstellen, welche über die Verbandstoffe gelegt und durch Gurte getragen wird; auch leistet eine mehrfach zusammengelegte Decke diesen Dienst. Bei kleinen Thieren erreicht man dasselbe mittelst Binden. Der
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Krankheiten der Brust.
Verband muss erforderlichen Falles (Durclitriinknng mit Wundsecret, hohes Fieber etc.) in den nächsten Tagen gewechselt werden.
Lässt sich ein solcher Verband aus irgend welchen Gründen nicht herstellen, so empfiehlt sich permanente Irrigation mit Desinflcientlen. Man sei hiermit jedoch vorsichtig, wenn die penetrirende Wunde often und Lufteintritt in den Plcurasack in Aussicht steht. Zuweilen können beide Methoden der Behandlung verbunden werden. Man legt zunächst einen Occlusivverband an und lilsst durch die einge­fügten Drains die desinficirenden Flüssigkeiten laufen. Auch öfter wiederholtes Anfeuchten des Occlusivverbands mit diesen Mitteln leistet zur Erhaltung der Antisepsis gute Dienste.
Gegen Pneumothorax ist in der Kegel nichts auszurichten, auch bietet der lläniothorax der Behandlung meist keine besonderen An-grift'spunkte. Die Entleerung des Blutes stösst auf Schwierigkeiten, zumal dasselbe in der Kegel bereits geronnen ist. Bei Pleuritis sep-tica führt auch das Ausspülen des Thorax sehr häufig nicht zum Ziele, doch kann dies im Nothfalle als ultima ratio versucht werden. Dazu würde man beim Pferde und Fleischfresser stark verdünnte Sublimatlösung (1 : 3000) benutzen können. Bei Wiederkäuern Bor­säure (1 : 700) oder gleiche Lösung von Alum, aceticum. Die von Wiesner mit l0/oo Salicylsäurelösung bei zwei Pferden angestellten Versuche, um die in Folge Verwundung entstandene septische Pleuritis 7,u heilen, fielen erfolglos aus.
5. Die Bmstbeule oder Schulterbeule.
Lit.: Schimmel, Oeaterr. Monatschr. 1888. S. 135. Schmidt, Berl. Thiertetl. Woohensohr, 1890. S. 47. Siedamgrotzlsy, Dresd. Bar. 1889. S. 21.
Schon seit alter Zeit werden mit dieser Bezeichnung verschiedene, durch Quetschungen veranlasste Anschwellungen an der vorderen Brust­fläche belegt. Hertwig unterschied zwei Arten: eine oberfläch­liche Brustbeule, bestehend in entzündlicher Erkrankung der Subcutis oder durch Bildung von Tumoren veranlasste, und eine tiefer sitzende oder Brustbeule im engeren Sinne des Wortes. Ich bin der Ansicht, dass die erstereu hier ganz auszuschalten sind, weil sie sich im Verlauf, sowie auch in der Behandlung von den gleichen Krankheitszuständen an anderen Körperstellen nicht unterscheiden; dagegen stellt die zweite Form ein Leiden eigener Ai-t dar, einen Zustand, der nur beim Pferde vorkommt und kaum ein Analogou findet.
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ürustbeule.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;247
Erscheinungen und Verlauf. Dicht über dem Schultergelenke entsteht bei Pferden, und zwar fast ausschlicsslich bei solchen, die im Zugdienst Verwendung finden, plötzlich eine bis kindskopfgrosse, be­grenzte, harte, wenig schmerzhafte Anschwellung, welche in oder unter dem gemeinschaftlichen Kopf-Hals-Armmuskel liegt. Die äussere Haut erscheint nicht mit erkrankt und ist auf der Geschwulst verschiebbar. Nicht selten werden die Thiere trotz dieses Zustandes zur Arbeit benutzt.
Auffällige Veränderungen pflegen auch in der nächsten Zeit an der Geschwulst nicht aufzutreten; zuweilen nimmt sie ein wenig an Umfang zu. So kann dieselbe Wochen und Monate lang fortbestehen. Mit der Zeit — oft erst nach einigen Monaten — zeigt sich auf der Höhe der­selben Fluctuation und auf den Einstich entleert sich dickflüssiger Biter.
Charakteristisch für die Geschwulst und ihre Entstehung ist die Thatsache, dass sich gleich nach dem Auftreten im Centrum derselben ein kleiner Eiterherd findet. Dieser vergrössert sich mit der Zeit, doch können viele Monate darüber vergehen, bis spontaner Durchbruch erfolgt. Wird der Abscess bald nach dem Auftreten der Brustbeule gespalten und entleert, so fällt die Geschwulst in kurzer Zeit zusammen und vorschwindet; je später die Function vorgenommen wird, desto langsamer verliert sich die Anschwellung. Geschah dies erst nach einigen Monaten, so verschwindet sie überhaupt nicht mehr vollständig, sondern es bleibt eine Verdickimg zurück, die nur auf operativem Woge zu entfernen ist.
Wesen und Ursachen. Die besprochenen Tbatsachen werfen ein eigenthiimlichos Licht auf die Natur und Entstehung des Zustan­des. Pranck glaubte, dass die Bugdrüsen den Ausgangspunkt des Leidens bilden. Viborg fasste sie als Metastasen der Druse auf. Her twig lässt sie dagegen aus dem andauernden Druck schlecht passender Kummete oder Sielengeschirre hervorgehen.
Dass die Entstehung des Leidens mit der Wirkung des Zug-geschirrs in Verbindung steht, geht schon daraus hervor, dass sie nur bei Zugpferden und meist bei schweren Lastpferden beobachtet wird. In hiesiger Klinik werden alljährlich viele Patienten mit Brustbenion behandelt, trotzdem habe ich dieselbe niemals bei Reitpferden ge­sehen. Dem gegenüber kann ein einzelner Fall, wie Stockfleth ihn mittheilt, nur als Ausnahme von dieser liogel gelton. Stockfleth beobachtete nämlich eine Brustbeulo beim Pferde, welches mehrere Monate weffOD Lahmheit im Stalle ü'estanden hatte.
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Krankheiten der Brust.
Beaohtenswerfch ist ferner die Thatsache, class sich in der Brust­beule, und zwar vom ersten Tage ihrer Entstehung an, Eiter findet, der immer Eiterkokken enthält. Die zahlreichen, in hiesiger Klinik während der letzten Jahre geöffneten Brustbeulen Hessen diese stets nachweisen. Meist fanden sich Staphylokokken, aber auch Strepto­kokken werden in dem Eiter angetroffen.
Hieraus ergiebt sich, dnss nicht die mechanische Wirkung des Geschirrs alleinige Ursache des Leidens bildet, sondern dass dem­selben eine Infection zu Grunde liegt. Bei dem tiefen Sitze des Abscesses und der vollständig intacten Beschaffenheit der sie bedecken­den äusseren Haut wie Unterhaut inuss eine Infection durch diese als ausgeschlossen betrachtet werden. Schimmel glaubt daher, dass die Infection von den unteren Theilen der Gliedmassen durch die Lymphbahnen zu Stande komme, und theilt zum Beweise hierfür einen Fall mit, in dem sich bei einem Pferde, welches an einer eiternden Hornspalte litt, eine Brustbeule entwickelte, als durch einen Vorband der Eiterabfluss am Hufe behindert wurde.
Zweifellos wirken bei der Entstehung des Leidens zwei Momente neben einander, nämlich Quetschung und Infection, üass die erstere in der Regel vom Geschirr ausgeht, unterliegt keinem Zweifel; weniger klar erscheint der Infectionsweg. Auf der einen Seite muss zugegeben werden, dass die mit der Quetschung verbundene Zermal­mung von Weichtheilen, sei es im gemeinschaftlichen Kopf-Hals-Arm­muskel oder in den Lymphdrüsen unter demselben, die Entwickelung, bezw. Vermehrung der Infectionserreger begünstigt und geeignet ist, als Nährboden für die Vegetation desselben zu dienen. Möglicher­weise gelangen die Mikroorganismen gelegentlich mit der Lymphe in die so veränderten Lymphdrüsen und finden hier Gelegenheit zu ihrer Vermehrung. Nicht ausgeschlossen erscheint aber auch die Annahme, dass sie mit dem Blute hierher gelangen, bezw. aus den zerrissenen Blutgefässen in den durch Quetschung entstandenen Krankheitsherd ergossen werden.
Für einen derartigen Entwickelungsgang sprechen aucli Bcobachtnngen auf anderen Gebieten. So berichtet Schmidt von einem Rinde, welches mit Kitt'scher Kauschbrandlymphe geimpft war, dass an der Stelle sich Kausch­branderkrankung einstellte, welche mit einem Stock geschlagen worden war, wflhrend alle übrigen Thioro keine Localorscheinungen zeigten.
Endlich bleibt die Möglichkeit bestehen, dass die Infcctionsstoffe zuerst in den Lymphdrüsen zu entzündlichen Veränderungen führen und die geschwollene Drüse nunmehr den Anstoss zu der Quetschung
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Brustboulo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 249
abgiebt. In einzelnen von mir behandelten Fällen bildeten die unteren Luftröhrendrilsen den Ausgangspunkt der Erkrankung, und stellte das Leiden eine Lymjihadenitis suppurativa dar. Die Geschwulst zeigt sich alsdann medianwärts vom gemeinschaftlichen Kopf-Hals-Armmuskel.
So interessant die Entscheidung dieser Fragen in wissenschaft­licher Beziehung auch sein mag, so hat sie doch in praktischer Hin­sicht keine besondere Bedeutung.
Nach meinem Erachten geht der Process entweder vom gemein­schaftlichen Kopf-Hals-Armmuskel aus und stellt eine Myositis apo-stematosa dar, oder es bilden die unter demselben gelegenen Lymph­drüsen den Ausgangspunkt des Leidens, welches in diesem Falle als Lymphadenitis suppurativa zu bezeichnen sein würde. Von hier aus kann die Entzündung auf den genannten Muskel übergreifen und eine Myositis chronica fibrosa erzeugen.
Beurtheilung. Im Allgemeinen gestaltet sich die Prognose günstig, und zwar um so mehr, je früher die Behandlung eingreift. Je länger der Process ohne diese verläuft, um so mehr bildet sich die chronische Entzündung mit Production von derben Bindegowebsmassen aus, und um so schwieriger wird die Heilung. Hat das Leiden bereits Monate lang bestanden, so wird die Zertheilung unmöglich, und zur Beseitigung der Geschwulst bleibt nur noch die stets schwierige Ex-stirpation derselben übrig. Erfolgt diese nicht, so führt die Geschwulst unter dem Einflüsse weiterer Quetschungen durch das Geschirr immer von neuem zu entzündlichen Anschwellungen. Je früher der Eiter durch Incision entleert wird, um so sicherer und schneller steht voll­ständige Zertheilung zu erwarten.
Behandlung. Es wird von verschiedenen Seiten empfohlen, die Behandlung mit einer Scharfsalbe einzuleiten und nach etwa 8 bis 10 Tagen die Function der Geschwulst vorzunehmen. Stockfleth benutzte hierzu das Brenneisen, welches nach Spaltung der ausseien Haut in die Abscesshöhle eingeführt wurde. Auch andere wollen den Abscess erst reifen lassen. Nach meinen ausgedehnten Er­fahrungen kann ich nur empfehlen, sofort zur Spaltung der Geschwulst und zur Entleerung des Eiters zu schreiten. Oft liegt der Abscess allerdings bis 10 cm tief unter der Oberfläche, doch lasse man sich dadurch von der Anwendung des Messers nicht abhalten. Dirigirt man dasselbe gegen das Centrum der Geschwulst, so werden gefährliche Blutungen vermieden, und wird der Abscess sicher
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Krankheiten der Brust.
getroffen. Man hüte sich gegen die Mittellinie des Körpers zu weit vorzudringen und die hier liegenden grösseren Gefässe zu verletzen. Wo dies beuchtet wird, ist die Blutung nicht zu fürchten.
Nach Entfernung der Haare und Reinigung der Hautoberfläche überzeugt man sich nochmals durch Palpation von der Lage der Ge­schwulst : dann wird am stehenden, event, gebremsten Pferde das spitze Bistouri, die Schneide nach oben gerichtet, etwa 5—7 cm tief eingeführt. Tu der Kegel fliesst alsdann der Eiter ab. Sollte dies nicht der Fall sein, so gehe man mit dem Finger ein und suche zu ermitteln, wo Fluctuation besteht, um in der Richtung, entweder mit dem Messer oder mit dem Finger, die Wand des Abscesses zu durch­bohren. Nachdem der Eiter zum Vorschein gekommen, überzeugt sich der Finger von der Lage und Ausdehnung des Abscesses sowie der Geschwulst. Die letztere wird nun womöglich in ihrer ganzen Länge senkrecht gespalten, so dass zugleich die Abscesshöhle vollständig freigelegt ist. Die hierbei etwa auftretende Blutung lässt sich mittelst Tamponade stillen; einzelne Gefässe können auch unterbunden werden. Durch feuchtwanne Umschläge erreicht man alsdann in 8—14 Tagen Zertheilung der Anschwellung, d. h. sofern in den ersten Tagen nach Entstehung des Leidens eingeschritten wurde. Die Umschläge werden in einfacher Weise durch ein zwei-bis dreifach zusammengelegtes Tuch applicirt, welches mit einer Binde um den Hals des Thieres befestigt und von Zeit zu Zeit mit warmem Wasser angefeuchtet wird.
Besteht die Brustbeule bereits mehrere Wochen und findet sich keine grössere Abscesshöhle in derselben, so wird zur vollständigen Entfernung derselben die Exstirpation nothwendig. Diese kann par­tiell oder total erfolgen. Nach meiner Ansicht verdient die letztere im Allgemeinen den Vorzug. Partielle Exstirpation hat oft nicht den erwünschten Effect; meist bleibt zu viel von der Geschwulst zurück, auch können hierbei bedrohliche Blutungen entstehen. Ich benutze die Methode nur da, wo sich keine scharfe Begrenzung der Geschwulst bemerklich macht und in Folge dessen die totale Exstirpation auf grössere Schwierigkeiten stösst. Sofern dies nicht der Fall ist und das Alter der Geschwulst eine Resorption nach der Spaltung der­selben nicht erwarten lässt, ziehe ich die gänzliche Ausschälung des Tumors vor.
Die totale Exstirpation erfolgt am liegenden Thiere. Vielleicht gelingt sie unter Umständen, namentlich bei kaltblütigen Pferden auch im Stehen. Man ist indess niemals sicher, dass die Ruhe des Pferdes
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Brustbeulo.
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bis zur Beendigung der Operation vorhält und erforderlichen Falles die Stillung gefährlicher Blutungen gestattet.
Einige Unterbindungspincetten müssen zur Stelle sein, womöglich auch eine arretirbare Unterbindungszange. Ferner sind dünnere und dickere Unterbindungsfäden und einige Wergbäusche erforderlich. Nachdem das Thier auf die entgegengesetzte Seite und auf einem hellen Platze niedergelegt worden ist, schere mau die Haare auf der Geschwulst ab und mache den Hautschnitt mitten über die Geschwulst und zwar in der Hichtuug des Halses. Dann wird an der Oberfläche der Geschwulst die Haut nach beiden Seiten zurückgelegt, was bei der lockeren Beschaffenheit der Subcutis keine Schwierigkeiten bereitet. Sollte sich ein Thoil der Haut mit der Geschwulst verwachsen zeigen, so wird diese mit fortgenommen. Nachdem ein Band durch die Ge­schwulst geführt ist, um dieselbe hervorziehen zu können, suche man auch fernerhin die Lostrennimg stets in dem umgebenden lockeren Bindegewebe vorzunehmen, und beginne damit an der unteren und inneren Seite, um die Carotis und ihre Aeste zu umgehen, oder, im Falle eine Verletzung derselben eintreten sollte, diese unter­binden zu können. Am oberen Ende der Geschwulst kann dies unter Umständen unmöglich werden und so eine bedenkliche Blutung entstehen. Die gleiche Gefahr tritt ein, wenn der Operateur nicht die Grenzen der Geschwulst beachtet, sondern Theile derselben zurücklässt. Die durchschnittenen Gefässe ziehen sich zuweilen in die Gewebsmasse zurück, so dass ihre Unterbindung unausführbar wird, und da auch das Glüheisen seine styptische Wirkung bei arteriellen Blutungen oft versagt, so kann unter den Augen des Operateurs Verblutung eintreten. Vermieden wird diese Gefahr, wenn man in dem lockeren Bindege­webe mit Hülfe von Finger und Schere operirt und die frei werdenden Gefässe sofort und zwar doppelt unterbindet. Der liest der Geschwulst lässt sich, wenn nöthig, mit einer starken Schlinge unterbinden, so­dann abschneiden. Nachdem hierauf die Höhle mit einer Desinfections-flüssigkeit ausgespült und etwa noch blutende Gefässe unterbunden sind, bepudere man die Wundfläche mit Jodoformtanuin (1 : JJ), stopfe die ganze Höhle mit Carboljute aus, hefte darüber die Flaut und lasse das Pferd aufstehen.
Nach 24 Stunden werden die Hefte gelöst, das Material aus der Wunde entfernt, diese mit Sublimatwasser ausgespült und nun offene Wundbehandlung eingeleitet.
Zu dem Zwecke finden zuweilen ein paar Hefte Anwendung, welche zu beiden Seiten durch die Wundrämler ffeleffi; und an den Gurt
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252nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Brust.
oder die Mähne befestigb werden, um die äussere Haut zurückzulegen und der Luft überall freien Zutritt zur Wundfliiche zu verschaffen. Die letztere bepudere man mit Jodoformtannin.
Das Anbinden kann in gewöhnlicher Weise geschehen, weil nur selten Neigung besteht, die Wunde zu scheuern. Sollte dies jedoch der Fall sein, so lasse man das Pferd zwischen zwei Pfeiler anbinden oder lege einen Spannstook in der bekannten Weise an Gurt und Halfter.
An den folgenden Tagen erscheint die Wundfläche grösstentheils mit einen; trockenen, schwarz gefärbten Schorf bedeckt. Nur an den Stellen, wo sich die Wundränder gegenseitig berühren, findet sich wohl eine geringere Menge Wundsecret, welches mit etwas Watte oder Holz­wolle abgetupft wird, worauf diese Stellen von neuem mit Jodoform-tannin bepudert werden. Weiteres geschieht an der Wunde nicht. Löst sich der trockene Schorf an einzelnen Stellen los, so nimmt man ihn fort und pudert die Oberfläche mit demselben Mittel. In den ersten 6 Tagen erleidet das Aussehen der Wunde bei dieser Behand­lung keine besonderen Veränderungen. Dann aber verkleinert sich die Wundfläche; von Tag zu Tag tritt dieses auffälliger hervor, und in etwa 3 Wochen ist die kopfgrosse Wundhöhle oft vollständig aus­gefüllt.
Eine am 16. Juli exstirpirte Brustboule hinterliess eine Höhle von 18 cm Länge, 10 cm Breite und 7 cm Tiefe. Bis zum 22. Juli war keine erhebliche Veränderung hierin eingetreten, an den folgenden Tagen gestalteten sich die Verhältnisse wie folgt:
TaS-:
Länffc:
Breite :
Tiefe :
28
16,5
0.0
6,6
24
16,2
7,8
5,3
25
16,5
7,2
5,0
26
12,5
7,0
5,0
27
12,0
6,8
4,8
80
9,9
-1,7
4,3
81
0,4
4,5
4,2
Die offene Wundbehandlung bildet hier nicht nur den kürzesten, sondern auch den bequemsten Weg zur Heilung. Wenn es gelingt überall einen trockenen Wundschorf zu erreichen, so ist überhaupt nichts weiter nöthig. Nach dem vollständigen Verheilen kann das Thier wieder in Arbeit genommen werden.
Das Umlegen der Wundränder nach aussen mittelst der Ligatur hat neben Erzielung der Heilung unter dem Schorf noch einen anderen Zweck. Geschieht dies nämlich nicht, so tritt durch Narbenretraction an der Wundoberfläche leicht ein Umkrempen der Hautränder gegen die Wundfläche ein, wodurch die Heilung eine Störung ei'leidet.
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Sattel- und Geschirrdruck.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 253
(5. Der Sattel- und Gescliirrdruck. Druckschiidoii.
Lit: Peters, Beil. Aroli. 2. S. 237.
Sowohl beim Ziehen von Lasten, wie auch unter dem Reiter wird auf den Körper der Thiere ein bedeutender Druck ausgeübt, der oft zu Verletzungen der ausseien Haut und unter ihr gelegenen Theile führen kann. Meist handelt es sich hierbei um Quetschungen, selten um scheuernde Wirkung des Geschirrs und Excoriationen der äus-seren Haut. Das grösste Interesse haben die Verletzungen bei Reit­pferden durch den Sattel, die mit dem Namen Satteldruck belegt werden und hier zunächst besprochen werden sollen.
A) Verletzungen durch den Sattel bei Reitpferden. —
Sattel druck.
Um den erheblichen Druck, der vom Sattel, Gepilck und Reiter auf den Rücken des Pferdes ausgeübt wird, unschädlich zu machen, muss:
1.nbsp; nbsp;Die Druckwirkung auf eine recht grosse Flüche und möglichst gleichmässig vertheilt werden;
2.nbsp; nbsp;Dürfen nur solche Abschnitte des Körpers belastet werden, welche diesen Druck ohne Nachtheil ertragen;
3.nbsp; nbsp;Die Theile des Sattels, welche mit dem Körper in Berührung kommen, müssen gepolstert oder mit weichen Unterlagen, Decken etc. ver­sehen werden. Diesen Grundsätzen entspricht die Konstruktion der ver­schiedenen Sättel.
Im Allgemeinen gilt der Grundsat/., dass nur solche Abschnitte des Rumpfes ohne Nachtheil den Druck ertragen, wo die ilussere Haut eine weiche Unterlage (Muskeln, Fett) hat. Wo dagegen eine knöcherne Unterlage vorhanden ist, erzeugt der Druck leicht Quetschung. Das erstere ist zu beiden Seiten der Wirbelsäule der Fall, in der sog. Sattellage. In der Mittellinie des Rückens, sowie am Widerrüst entstellt auf jeden erheblichen Druck Quetschung. Dies zu vermeiden, dient die Sattelkammer, die also in ihrer Höhe und Form jenen Theilen entsprechen muss.
Um eine gleicbmässige Uebertragung des Drucks auf eine möglichst grosse Fläche der Sattellage zu erzielen, dienen beim .Hocksattel die mit dem Vorder- und Hinterzwiesel verbundenen „Trachtenquot;, deren Form der Oberfläche des Pferderückens entsprechen muss. Am deutschen Sattel erfüllen diesen Zweck die Stege, welche vom Vorder- und Hintergestell getragen werden. Die Polsterung erfolgt endlich beim Bocksattel durch den Woilach, beim deutschen und englischen Sattel durch die mit Kuh­haaren gefüllten Sattelkissen und Decken als Unterlage.
Anatomie. Der Abschnitt des Rumpfes, der beim Pferde den Sattel trägt, besitzt folgende Einrichtung (Fig. 60):
A) In der Mittellinie (Widerrüst und Bücken) liegt unter der straff angespannton äussoren Haut (a) die Fascio des Schultor-Hautmuskels (Widerrüstbinde, Franck) (b), unter dieser die ilussere Schultorbinde
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Krankheiten tier Brust.
(Schulterarmbeinfascie, Pranck), welche sich unmittelbar auf die mit den Auslilui'ern des Nackenbandes bedeckten Dornfortsiltze der Rückenwirbel (5.—10.) legt (d). Ein weiches Muskelpolster fehlt hier.
B) In der Sattellage, also zu beiden Seiten neben der Mittellinie bedeckt die äussere Haut, mit einer stark entwickelten Subcutis versehen, die Fascia des Schulterhautmuskels (b), welche durch lockeres Binde­gewebe mit der Schulterarmbeinfascie oder ilusseren Schulter­binde (c) verbunden ist. Unter dieser liegt ein Muskelpolster, an dessen Bildung namentlich betheiligt sind: die Mm. latissimus und longissimus dorsi, der lange Stachelrauskel, (M. spinalis und semispinalis dorsi), der M. cueularis, rhomboideus inferior, sowie der M. ileo-costalis (gemeinschaft­licher Bippenmuskel).
Der Kürze halber soll in Folgendem die erste Parthie als Wider-rüst, die letztere als Sattellago bezeichnet werden, Namen, die aus dem Exterieur bekannt sind.
Fig. Ü0.
Quersohultt etaroh den Thorax des Pferdes (Halbschematisch nach Franck). raquo;. Aenssere Haut. h. Fascie des Sohultoi'hantmuskels. e. SclmUerarmlieintaseie. d. Jluskellagcn. e. Aeussevo Wlderrüst Sohnlterbtnde, f. Jluskellagc. g. Innere
Sohultetblnde,
DruckscMden kommen am häufigsten in der Suttellage durch ungleiche Druckwirkung namentlich dann vor, wenn diese sich längere Zeit geltend macht. Der übermässige Druck führt zunächst zur Com­pression der Blutgefässe in der äusseren Haut, sodann zur Dehnung und Zerreissung derselben. Solange der Druck fortbesteht, kann eine erhebliche Extravasation nicht eintreten; sobald dieser jedoch aufhört (der Sattel abgenommen wird), findet ein Austritt von Blut, eventuell auch von Lymphe aus den zerrissenen Gefässen, und zwar vornehmlich in die perivasculären Räume statt. Es entsteht eine hämorrhagische Infiltration; und wenn die Haut nicht pigmentirt wäre, würde man, wie bei anderen Quetschungen eine Rothfärbung der Haut erkennen. Mit der Störung der Circulation verbindet sich allmälich Exsudation;
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Satteldruck.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 255
in den Lücken des Gewebes der äusseren Haut sammelt sich zunächst eine seröse Flüssigkeit an, später finden sich mehr und mehr Rund­zellen ein (seröse und plastische Infiltration).
War die Läsion erheblich, so kommt es auch zur Zerreissung der Gewebe mit Anhäufung von Flüssigkeit der plasmatischen Circula­tion und Blut in den so entstandenen Räumen.
Wir haben also eine Quetschung der äusseren Haut vor uns, ein Zustand, der sich in der Regel erst einige Zeit nach dem Abnehmen des Sattels als eine circumscripte, ziemlich derbe Anschwellung zu er­kennen giebt, die einer Urticariabeule nicht unähnlich erscheint und in einer Schwellung der Cutis durch Extravasation und Infiltration besteht.
Seltener kommt es in der Sattellage zu grösseren Blut- oder Lymphergüssen in die lockere Subcutis, wodurch eine nicht scharf begrenzte, weichere, zuweilen fluctuirende Anschwellung entsteht. Ent­wickelt sich dieser Zustand unter den Fascien, so erscheint die Ge­schwulst noch weniger scharf begrenzt und mehr gespannt.
Da am Widerrüst die weiche Unterlage fehlt, so erträgt die äussere Haut hier einen einigermassen erheblichen Druck überhaupt nicht; selbst der andauernde Druck der weichen Sattelunterlagen (Decke) wird an dieser Stelle nachtheilig, weil die äussere Haut bezw. Unterhaut durch die Dornfortsätze der Rückenwirbel von unten gequetscht wird. Ist dies geschehen, so entsteht ein Erguss von Blut oder Lymphe in die Subcutis und eine Anschwellung, die nicht so scharf begrenzt erscheint, mehr ausgebreitet auftritt und oft Fluctua­tion zeigt. Was also in der Sattcllage Ausnahme ist, bildet hier die Regel; dort finden sich meist cutane Läsionen, hier subeutane. Gerade in der Unterhaut kommen leicht grössere Lymphergüsse zu Stande (Lymphextravasate). Ausnahmsweise entstehen auch am Wider­rüst cutane Schwellungen.
Erhebliche Schmerzen sind mit diesen Zuständen anfangs nicht verbunden, später treten solche hinzu, namentlich am Widerrüst, wenn die Dornfortsätze der Rückenwirbel mit verletzt sind.
Neben diesen cutanen und subeutanen Schwellungen kommen in der Gurt- und der übrigen Geschirrlage sog. „SeheHerstellenquot; vor; durch fortdauernde Bewegung des Geschirrs an der Oberfläche der äusseren Haut werden Haare und Epidermis allmälich abgescheuert; es entsteht eine Excoriation. Die Haut erscheint alsdann blutrünstig und von Haaren entblösst. Hatte gleichzeitig eine Quetschung statt­gefunden, so entsteht an der exeoriirten Stelle zugleich eine cutane Schwellung; meist fehlt diese jedoch.
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250nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Brust.
Es handelt sich also um cutane oder subcutane Quetschun­gen, welche bald nur in Zerreissungen des Gewebes und kleiner Gefässe bestehen, seltener mit Trennungen von grös-seren Gelassen und Extravasatbildung verbunden sind.
Erscheinungen. Die Untersuchung auf die Gegenwart von Druckschiiden erfolgt am besten 1k — 1 Stunde nach dem Absatteln, weil namentlich die cutanen Schwellungen erst in dieser Zeit sich aus­zubilden pflegen. Diese erscheinen als derbe, wenig schmerz­hafte, vormehrt warme und scharf begrenzte Anschwel­lungen von der Grosse eines Fünfpfennig- bis Fünfmark­stückes und darüber; die grösseren sind stets flach.
Waren die Haare in der Sattellage durchfeuchtet, so trocknen diese Stellen an der Druckstelle zunächst, so dass hier eine kleine trockene Insel hervortritt. Nicht selten äxissern die Thiere an der verletzten Stelle Juckgefühl, kneifen oder scheuern dieselbe.
Quetschungen der Subcutis treten als diffuse, bald ödematöse, bald fluetuirende Anschwellungen hervor und pflegen schmerzhafter zu sein, namentlich gegen Druck von missen. Die Constatirung der Druckschiiden erfolgt daher am besten mit der Hand, die man über den Rücken und durch die Sattellage des Pferdes gleiten lässt. Geben sich die cutanen Schwellungen durch grössere Derbheit der äusseren Haut zu erkennen, so äussern die Thiere durch Einbiegen des Rückens oder Ausweichen Schmerzen, wenn die subeutanen Schwellungen von der Hand berührt werden. Diese Erscheinung ist am Widerrüst be­sonders wichtig, wo der Nachweis solcher Schwellungen sonst nicht leicht fällt und namentlich dem Gefühl sich oft keine grosse Ver­schiedenheiten bemerklich machen.
Miterkrankung des Nackenbandes giebt sich durch stärkere An­schwellung (Phlegmone) und profuse Eiterung zu erkennen, während die Mitleidenschaft der Dornfortsätze von grosser Schmerzhaftigkeit begleitet zu sein pflegt.
Der Uebergang cutaner Schwellungen in Hautnekrose zeigt sich durch eine harte, lederartige Beschaffenheit der Haut; auch pflegen die Haare an der betrefl'enden Stelle gesträubt zu stehen; auf jeden Fall liegen sie der Oberfläche nicht so glatt an, wie im normalen Zustande. Die durch Scheuern auftretenden Excoriationen können nicht leicht übersehen werden.
Verlauf. Der regelmässige Ausgang dieses Leidens ist der
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in Resolution. Die Zertheilung kommt immentlich bei cutanen Schwellungen oft schnell und stets zu Stande, sofern keine grösseren Extravasationen entstanden sind. Die in die Gewebslücken der Cutis ergossenen Flüssigkeiten (Blut, Serum, Lymphe) werden resorhirt, auch die hier angesammelten Leukocyten gelangen in die Circulation zurück, während die zerrissenen Gewebe reparirt werden. Damit ist der Status quo ante wiederhergestellt. Durch zweckmässige Behandlung lilsst sich eine derartige Schwellung schon in wenigen Stunden beseitigen; in der Regel verschwindet sie in 24 Stunden, selten dauert der Vorgang mehrere Tage. Da das anfangs aus Blut bezw. Serum bestehende In­filtrat allmälich durch Einwanderung von zelligen Elementen ersetzt wird, so erklärt sich, dass die Resorption der cutanen Schwellungen um so laugsamer von Statten geht, je längere Zeit sie bestanden haben.
1.nbsp; nbsp;Bei subcutanen Blutergüssen und Lymphextravasationen vollzieht sich die Resolution nicht so schnell, dauert nicht selten 8—14 Tage und länger. Je grosser die fluctuirende Geschwulst, um so längere Zeit pflegt die Resorption derselben in Anspruch zu nehmen. Noch langsamer vollzieht sich die Resorption solcher Ergüsse unter den Fascien. Daher währt auch die Beseitigung der Schwellungen am Widerrüst stets längere Zeit als bei solchen in der Sattollage.
2.nbsp; Bei den cutanen Schwellungen kommt es nicht selten zur Nekrose der äusseren Haut. Durch andauernde beftigo Druck­wirkung kann die Circulation in der Cutis in dem Masse leiden, dass sie abstirbt. Dies pflegt vornehmlich einzutreten, wenn bei bereits vorhan­denen Schwellungen das Pferd von neuem geritten wird. Die kranke Stelle erfährt dann eine besonders starke Druckwirkung; und es tritt Mumification ein. Der trockene Brand erklärt sich aus dem Um­stände, dass beim Sistiren der Lebensvorgänge die Flüssigkeit grössten-theils aus den Geweben und Gelassen herausgepresst war. Nekrose pflegt gern an alten Narben in der Haut aufzutreten; die mangelhafte Ernährung derselben erklärt dieses.
Sobald Mumification erfolgt ist, dauert der Krankheitszustand längere Zeit; die Demarcation nimmt regelmässig 14 Tage bis 3 Wo­chen, zuweilen noch längere Zeit in Anspruch. Der Vorgang vollzieht sich zunächst in der lockereu Subcutis, später im Corium.
3.nbsp; nbsp;Ein dritter Ausgang ist der in Eiterung. Bei den cutanen Schwellungen kommt diese jedoch fast niemals vor, wohl aber bei subcutanen, namentlich wenn sie mit grösseren Extravasationen ver­bunden sind. Gleichzeitige Verletzungen der Hautoberfläche (Excoria-tionen) begünstigen diesen Ausgang, nicht selten auch die unzweck-
Möller, Spocielle Cliirui'Bic für Thiorärzte,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 17
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massige Anwendimg des Messers bei der Behandlung. Wer hier Fluctuation als Zeichen von Abscedirung betrachtet und incidirt, wird diesen namentlich am Widerrüst bedenklichen Ausgang häufig be­obachten. Bedenklich wird der Vorgang dadurch, dass die Eiterung zur Nekrose der hier gelegenen Fascien, des Nackenbandes und selbst der Dornfortsätze führt, wodurch ein Zustand entsteht, der unter der Bezeichnung Widerrüstfistel bekannt ist. Die hierbei leicht auf­tretenden Eiterversenkungen führen zur Phlegmone und diese wieder zu Eiterretentionen, so class ein Circulus vitiosus geschaffen ist, und die Heilung selbst bei aller Sorgfalt der Behandlung oft Jahr und Tag auf sich warten lässt. Hübner beobachtete im Verlaufe eines solchen Processes an 250 Abscesse, von Erbsen- bis Kindskopfgrösse am Kamm des Halses und an der Schulter eines Pferdes.
4. Bei schweren Verletzungen, Zertrümmerungen der Dornfort­sätze , Zermalmung der Haut und Weichtheile kommt es wohl zur Verjauchung und ähnlichen noch bedenklicheren Zuständen. Dieser Ausgang ist jedoch im Ganzen nicht häufig.
Als Complicationen treten bei den verschiedenen Zuständen nicht selten ausgebreitete Phlegmone und Lymphangitis auf, die sich bald in der Subcutis, nicht selten aber auch unter den Fascien aus­breitet. Auch kommt Nekrose am Nackenbande, den Dornfortsätzen und seihst an den tiefer gelegenen Theilen der Wirbel, ausnahms­weise auch an den Rippen und an dem Schulterblatte zur Ausbildung.
In einem von mir beobachteten Falle hatte sich die Phlegmone nicht bloss im Verlaufe der Ilückenfascie bis zum Darmbein fortgesetzt und Nekrose dieser Faseie herbeigeführt, sondern auch die untere Fläche des langen Eückermmskels erfasst, diesen zum grossen Theil vom Rippenkörper gelöst und an einigen Rippen Nekrose hervorgerufen. Auch bildeten sich Eiterver­senkungen unter dem M. serratus anticus major.
Die Beurtheilung dieser Leiden muss hiernach ausserordentlich verschieden ausfallen; sie richtet sich:
1.nbsp; Nach dem Sitze: Alle cutanen Schwellungen sind günstiger zu beurtheilen als die subeutanen, namentlich am Widerrüst. Diese alte Erfahrung erklärt sich aus dem oben Besprochenen.
2.nbsp; Nach dem Alter: Je länger die cutane Schwellung bestellt, um so härter, derber erscheint sie, um so mehr ist plastische In­filtration eingetreten, um so langsamer geht die Resolution vor sich, um so weniger Aussicht ist auf baldige Beseitigung der Schwellung vorhanden. Auch bei älteren Widerrüstfisteln bildet längeres Bestehen im Allgemeinen ein ungünstiges Zeichen.
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3.nbsp; nbsp;Sobald sich Phlegmone oder Lymphangitis hinzugesellt, muss das Leiden für bedenklich erklärt werden. Am günstigsten ge­stalten sich noch die Verhältnisse bei aseptischem Verlaufe; schon die Complication mit Eiterung ist unangenehm, doppelt bedenklich am Widerrüst.
4.nbsp; Bei der Beurtheilung der sog. Widerrüstfistel achte man besonders auf den Grad der Anschwellung, die Menge des Eiters und Sohmerzhaftigbeit. Starke Anschwellung und profuse Eite­rung deuten auf ausgebreitete phlegmonöse Processe; die Anschwellung lässt namentlich Eiterversenkungen vermuthen, wenn die Entleerung des Eiters erst auf Druck von aussen oder während der Bewegung des Thieres erfolgt. Hochgradige Schmerzhaftigkeit deutet auf Mitleidenschaft der Dornfortsätze und erscheint daher doppelt bedenklich.
Ursachen. Bekanntlich leiden einzelne Pferde häufitrer an Druckschäden als andere. Diese Prädisposition liegt bald in einer grösseren Vulnerabilität der äusseren Haut, theils begünstigen Narben, Schorfe, geringfügige Knötchen in der Sattellage die Entstellung von Quetschungen. Bei Pferden, die stark schwitzen, sowie bei Regen­wetter treten Druckschäden häufiger auf als unter den entoesren-gesetzten Umständen. Ferner werden solche durch, alle Eigenthüm-lichkeiten im Bau der Thiere begünstigt, welche die regelmässige Lage des Sattels stören (schlechte Sattellage). Dazu rechnet man ein abnorm hohes oder niedriges, kurzes Widerrüst, Flachrippigkeit, eine keil­förmige Brust und kurzes Brustbein, Heubauch, Grasbauch, wobei der Gurt leicht nach vorn oder hinten gleitet. Aeltere Pferde zeigen zuweilen Schwund der Muskeln in der Sattellage und werden desshalb leicht von Druckschäden betroffen. Krippensetzer und unruhige Pferde, die sich nicht sorgfältig satteln lassen, erleiden oft solche Verletzungen. Auch begünstigen unregelmässige Gangarten, Unruhe, Lahmheit die Entstehung dieser Leiden. Lahme Pferde werden nicht selten schon bei Führen an der Hand durch den unbelasteten Sattel und zwar nicht selten am Widerrüst schwer gedrückt, weil bei dem ungleichen Auffallen der Körperlast der Sattel sich nach der Seite des gesunden Fusses ver­schiebt.
Die äusseren Ursachen hissen sich in 3 Gruppen bringen: 1. Fehlerhafte Beschaffenheit des Sattels: Das beste Präservativmittel gegen Druckschäden ist ein geschickter und sorg­fältiger Sattler. Den Druck gleichinässig auf eine möglichst grosse,
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260nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Brust.
mit weichem Muffelpolster ausgestattete Fläche zu übertragen, erscheint im Princip sehr einfach; um so schwieriger ist die Ausführung. Der Sattel darf weder zu eng noch zu weit sein. Aenderung im Nähr-zustande der Thiere ist wohl zu beachten. Ein zu weiter Sattel bringt den Widerrüst in Gefahr, der zu enge quetscht mit der äusseren Kante seiner Trachten den Rippenkörper. Die vordere Sattolkammer muss der Höhe des Widerrüsts angcpasst sein; ist sie zu niedrig, so entstehen schwere Verletzungen am Widerrüst. BrUcho und Verbie-gungen der Trachten, Zwiesel, des Sattelbaumes, schlecht gepolsterte Kissen, wiederholte Durchnässung derselben führen leicht zu Druck-schiiden. Theile des Sattels oder Geschirrs, die dem Körper nicht fest anliegen, erzeugen zuweilen Excoriationen der Haut.
2.nbsp; Fehler beim Satteln oder Anschirren: Falten, Fremd­körper in der Decke, und seien sie auch noch so klein, geben oft zu Quetschungen Anlass. Wird die Decke nicht gehörig in die Kammer gezogen, so entstehen schwere Widerrüsterkrankungen. Mit Kecht ist es üblich, die Unterlage (Decke) so aufzulegen, dass sie etwas von vorn nach hinten geschoben werden muss, bevor der Sattel aufgelegt wird, damit die Haare in der Sattellage ihrer Richtung entsprechend o-clagcrt geglättet werden. Liegt der Sattel zu weit nach vorn, so wird der Widerrüst direct gequetscht; zu weit nach hinten gelegt, rutscht er nach vorn, wodurch der Gurt sich lockert und leicht Quet­schung entsteht. Der lose Gurt, sowie das spätere Nachgurten, das unglcichmässige Anziehen der Gurtstrippen beim deutschen Sattel giebt ebenso zu Druckschäden leicht Veranlassung.
3.nbsp; Fehler beim Reiten: Schiefer Sitz, Schlafen zu Pferde und dauerndes Neigen nach vorn, Verschiebung des Sattels beim Auf­sitzen, unruhiges Reiten werden oft naebtheilig.
Die Hauptsache ist, dass diese nachtbeiligen Einflüsse längere Zeit einwirken; nach kurzen Ritten entstehen selten Druckschäden.
Behandlung. In präservativer Hinsicht empfiehlt sich nach dem Absitzen nicht sogleich den Sattel zu entfernen, denselben vielmehr etwa V2—1 Stunde auf dem Rücken des Pferdes liegen zu lassen. Durch vielfache Erfahrung ist diese Thatsache bestätigt worden, welche sich einfach aus dem Umstände erklärt, dass der Druck des Sattels nicht plötzlich ganz aufgehoben werden darf. Hat eine Verletzung stattgefunden, so sind die betreffenden Blutgofässe comprimirt und blutleer. Wird nun plötzlich der Gegendruck vollständig aufge­hoben, so dringt das Blut aus der Nachbarschaft mit Gewalt in die
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Satteklruck.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2(51
leeren Gefiisse ein, wodurch natürlich leicht Continuitätstrennungen in ihren Wandungen eintreten. Bleibt dagegen der Sattel einige Zeit liegen, so kommt allmälich ein Ausgleich ohne solche Nachtheile zu Stande. Der Umstand, dass die Schwellungen erst nach dem Absatteln erscheinen, spricht für die llichtigkeit dieser Erklärung. Bei cutanen Schwel­lungen kommt es zunächst darauf an, die weitere Extravasation zu verhindern und die extravasirten Flüssigkeiten zur Re­sorption zu bringen. Das Erste wird am wirksamsten durch Kälte erreicht, welche die Gefässe zur Contraction bringt; die Resorption aber fördert feuchte Wärme am wirksamsten. Daher erklärt sich der Nutzen dieser so difforenten Modificationen. Nach meinen Erfahrungen verdient in frischen Fällen, d. h. gleich nach dem Auftreten der Schwellung, die Kältewirkung, nach 12—24 Stunden dagegen die feuchte Wärme den Vorzug. Wo ferner die Anwendung • der Kälte nicht sorgfältig durchgeführt wird, kann von vornherein dem Priess-nitz'schen Umschlage der Vorzug gegeben werden. Die Kältewirkung lässt sich zweckmässig mit einem gleichmässigen, gelinden Druck oder besser noch mit Massage verbinden. Ein mehrmals zusammengelegtes Tuch oder ein mit kleinen Eisstückchen angefüllter Beutel ist bei frischen Zuständen sehr empfehlenswerth. Das früher vielfach geübte Aufschnüren von Steinen oder Rasenstücken kann nicht empfohlen werden; erstere erzeugen leicht Nekrose der Haut, durch letztere wird der Rücken verunreinigt, und so der Grund zu neuen Quetschungen gelegt. Die gleichzeitige Anwendung von Massage in Form gelinden Streichens mit den Fingern beschleunigt die Resorption in hohem Masse. Durch Kälte, in Verbindung mit Massage, lassen sich die meisten cutanen Schwellungen innerhalb 12—24 Stunden beseitigen, sofern die Behandlung bald nach dem Auftreten in Anwendung kommt. Nach dieser Zeit verdient die feuchte Wärme in Form Priessnitz'scher Umschläge den Vorzug, die ebenfalls durch Massage unterstützt werden kann. Sofern nicht Nekrose eintritt, führt diese Behandlung stets zum Ziele. Der Zusatz von Arnicatinctur, ein Mittel, das früher zu diesem Zwecke viel benutzt wurde, übt keine nennons-werthe Wirkung aus, zumal die antiseptische Eigenschaft bei der meist angewendeten hohen Verdünnung nicht in Betracht kommt.
Bei Nekrose muss die Demarcation zu beschleunigen gesucht werden. Auch dazu dient in erster Linie feuchte Wärme in Form Priessnitz'scher Umschläge oder warmer Cataplasmen von Leinsamon-mehl. Sobald sich einzelne Abschnitte der nekrotischen Haut loslösen, versuche man durch einen kräftigen Zug event, unter Anwendung der
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262nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Brust.
Kornzange das Hautstück zu entfernen. Gelingt dies nicht, so wird die Behandlung fortgesetzt; das Ausschälen der mumificirten Haut-stückc fördert den Heilungsvorgang nicht erheblich, weil dabei die Grenze zwischen dem lebenden und todten Gewebe nicht getroffen wird. Nach Entfernung des Hautstlickes muss der Defect durch Granulation gedeckt werden. Die Behandlung erfolgt daher genau nach den für die Wundhoilung geltenden Grundsätzen. Bemerkt sei, dass, sobald sieb ein trockener Schorf gebildet hat, Nichtsthun das beste Heil­mittel bildet.
Ist die Ausfüllung des Defectes, Vernarbung und Abschwelhmg der Umgebung eingetreten, so kann unter Anwendung von Schutz­vorrichtungen der Sattel wieder aufgelegt werden. Diese bestehen in der Anwendung eines sog. Talglappens oder besser eines Stückes glatter Wachsleinwand, welche da in die Decke genäht werden, wo diese auf die kranke Stelle zu liegen kommt. Hierdurch sollen Ver­letzungen, namentlich Scheuern der noch von Haaren entblössten und mit einer dünnen Epidermis bedeckten Haut verhütet werden.
Anders gestaltet sich die Behandlung der Widerrüstdruckschäden, namentlich der auf Suifusionen* und Extravasationen in die Subcutis beruhenden Anschwellungen. Handelt es sich auch hier um Beschrän­kung weiterer Extravasation und Förderung der ergossenen Massen, so verlangt ihre Therapie doch besondere Rücksichten.
In frischen Fällen findet auch liier Kälte, aber ohne Druck und ohne Massage, Anwendung. Die letztere würde weitere Blu­tungen in die Unterhaut begünstigen; auch pflegen die Zustände zu schmerzhaft zu sein, um einen erheblichen Druck ertragen zu können. Nach 24 Stunden muss feuchte Wärme vorgezogen werden. Um Infection und Eiterung zu verhüten, kann ein Antisepticum den Umschlägen hinzugefügt werden. Man lässt z. B. Priessnitz-sclie Umscbläge mit 0,3 n/00 Sublimatwasser herstellen. Bei ge­ringerer Schmerzhaftigkeit und grossen Hämatomen kann auch hier die Massage später vortheilhaft eingreifen. Auch empfiehlt sich zuweilen die künstliche Entleerung des Inhaltes mittelst einer Pra-vaz'schen Spritze (Peters), doch muss hierbei streng antiseptisch vorgegangen werden. Man desinficire vorsichtig sowohl die üussere Haut als auch das Instrument und lasse nach der Entleerung des Extravasats (nicht selten Lymphextravasat) durch den Umschlag einen massigen Druck auf die betreffende Stelle ausüben, um die Wieder­füllung zu verhindern. Besondere Vorsicht ist bei Anwendung des Messers geboten: Man spalte fluetuirende Schwellungen erst, nachdem
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Satteldruck.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;263
man sich bestimmt überzeugt hat, class ein Abscess vorliegt. Vortbeil-hafter zeigt sich in zweifelhaften Fällen eine scharfe Einreibung (Can-thariden, Sublimat, Hydr. bijodat.), indem die damit hervorgerufene Anschwellung einen gleicbmässigen Druck auf die ergossenen Massen ausübt und ihre Resorption fördert.
Besondere Schwierigkeiten bieten Eiterungsprocesse am Wider-rüst. Beseitigung der Eitorretentionen und nekrotischen Massen, sowie Verhütung des Auftretens neuer Phlegmone und Nekrose bildet hier die Grundlage der Behandlung. Oft muss in ausgiebiger Weise vom Messer Gebrauch gemacht werden. Fisteln sind womöglich bis auf den Grund zu spalten, alle Versenkungen freizulegen, die nekrotischen Theile des Nackenbandes, der Fascien und Dornfortsätzo möglichst bald zu entfernen. Zur Förderung des Abflusses und Verhütung neuer Eiterversenkung dienen Haarseile und Drainröhren. Geht die Eiter­versenkung unter die Muskeln, so werden diese ebenfalls gespalten. Man hüte sich jedoch, die Spaltung der Haut quer über die Mittellinie des Rückens vorzunehmen; dadurch entstehen schwer heilbare Trennungen, indem die Wundr'ander sich nach innen um­legen.
Zuweilen setzt sich der Process auf die Halsmuskulatur fort, die alsdann ebenfalls gespalten wird, meist zugleicii mit dem Nackenbande, welches in solchen Füllen, ebenso wie bei der Genickbeule, quer durch­schnitten werden muss.
Die grössten Schwierigkeiten für die Heilung ergeben sich aus der Nekrose der Dornfortsätze der Rückenwirbel. Die Dissection nimmt längere Zeit in Anspruch, während welcher meist neue Eiter­versenkungen und neue Nekrose auftreten. Werden die nekrotischen Spitzen der Dornfortsätze mit einem scharfen Instrument fortgenommen, so kommt es an der Oberfläche der Knocben leicht von neuem zur Ne­krose, so dass mit dieser Operation nichts erreicht wird. Nur da, wo nach Entfernung der Dornfortsätze durch permanente Irrigation Asepsis er­langt worden kann, zeigt sich die Resection der Dornfortsätze oft über­raschend günstig und führt schnell zur Heilung. Leider gestattet die bestehende Phlegmone und Eiterung dieses nur selten. Auf solchen Erfolg darf daher nur da gerechnet werden, wo die Eiterung fast ganz verschwunden ist, und keine erhebliche Anschwellung mehr besteht.
Noch bedenklicher als diese gestalten sich Eiterversenkungen unter dem Schulterblattc; hierbei tritt sowold am Schulterblatt, wie auch an dessen Knorpel leicht Nekrose ein. Besondere Schwierigkeiten bietet hierbei die Sorge für den regelmässigen Abfluss des Eiters.
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2C4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Brust.
Durch Fortpflanzung der Eiterung und Nekrose auf das innere Widei;-rilst-Schulterband greift der Process leicht auf die mediale Fläche des Schulterblattes über und entzieht sich somit einer directen Behandlung immer mehr. Hier bleibt nur noch der Versuch übrig, am hinteren Rande des Schulterblattes eine Gegenöffnung zu machen und ein Drainrohr einzulegen. Oft führt auch diese Therapie nicht zum Ziele.
Bei Quetschungen am Widcrrüst kommt es nicht selten zu ent­zündlicher Erkrankung der auf den Dornfortsätzen der 5—7 Rücken­wirbel gelegenen Bursa mueosa, unter gleichzeitiger Füllung und Ver-grösserung derselben. Alsdann erscheint am Widerrilst neben der Mittellinie bald an einer, bald an beiden Seiten eine reichlich hand-tellergrosse, Hache, iluctuirende Anschwellung, begleitet von massigen Entzündungserscheinungen. Der Zustand stellt eine Bursitis mit serösem oder blutigem Erguss (Hydrops oder Hämatom der Bursa) dar, der mit einem Extravasat oder Abscess leicht verwechselt werden kann. Das langsame und beiderseitige Auftreten lässt ihn jedoch von den meist schnell sich entwickelnden Lymph- oder Blutextravasaten trennen. Leichter und zugleich bedenklicher wird die Verwechselung mit einem Abscess, weil die Incision regelmässig eine Phlegmone zur Folge hat, die also vermieden werden muss. Die durch plastische Infiltration harte Umgebung charakterisirt auch hier den Abscess gegenüber der meist weichen Umgebung der Bursitis. Entstehen Schwierigkeiten bei der Diagnose, so kann die unter antiseptischen Cautelen ausgeführte Probepunction entscheiden. Nach sorgfältiger Desinfection der äusseren Haut macht man mit sterilisirter Nadel oder einem Probetrokart den Einstich. Entleert sich bloss Serum oder Blut, so besteht eine Bursitis, bezw. ein Extravasat. Nach Entfernung des Inhalts werden Compressen angewendet, um einen massigen Druck auf die erkrankte Stelle auszuüben und die Erneuerung des Ergusses zu verhindern. Zur Vermeidung von Infection benutzt man Desinficien-tien bei der Herstellung der Umschläge. Wo diese nicht anwendbar sind, findet eine scharfe Einreibung mit Sublimatsalbe (1 : 8) vor-theilhafte Anwendung.
Excoriationen der Haut werden sorgfältig gereinigt, sodann die Oberfläche mit einem deckenden Mittel bepudert (Jodoformtannin, Stärkemehl) oder mit einem indifferenten Fett oder einer Salbe bestrichen (Ugt. Vaselini). Letztere verdienen den Vorzug, wenn die exeoriirte Stelle zugleich Schwellung zeigt; es lässt sich alsdann nach Application des Fettes, bezw. der Salbe entweder Kälte oder ein Priessnitz'scher Umschlag anwenden. Nach der Abheilung solcher Stellen muss das
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Geschirr mit einem weichen Polster (Hasenfell) oder glatten Wachs­tuch als Schutzdecke versehen werden.
Ein Hinderniss für die Heilung oherflächlicher, d. h. auf die oberen Fascien beschränkter Processe bildet zuweilen die lebhafte Bewegung des Hautmuskels, namentlich im Sommer, zur Abhaltung von Fliegen; auch hierbei leistet eine scharfe Einreibung in der Um­gebung der leidenden Stelle vorzügliche Dienste.
B) Quetschungen durch das Kummet oder andere Ges chirr th eile.
Am Kummet der Pferde unterscheidet man den Deckel, die beiden Federn, welche meist aus Eisen hergestellt sind, das Kummetkissen, so­wie eine obere und untere Kammer.
Das Kummet soll parallel mit dem Schulterblatt liegen, ohne das­selbe zu berühren. Letzteres findet statt, wenn es zu weit ist; dabei entstellen leicht Excoriationen der Haut auf dem Schulterblatt. Am häufigsten wirkt die obere Kammer nachtheilig; ist diese zu eng, so kommt es zu Quetschungen, ist sie zu weit, zum Scheuern der Haut am Halskamme. Als Regel gilt, dass bei angezogenen Zugsträngen die flache Hand zwischen Kummet und Halskamm gelegt werden kann. Das Kummet muss ferner so breit sein, dass es bequem über den Kopf des Pferdes geschoben werden kann und der Schulter fest anliegt, d. h. sich weder nach links noch nach rechts verschiebt.
Die Kummetverletzungen gestalten sich ähnlich wie Satteldrücke; am oberen Halskamme haben sie dieselbe Bedeutung wie Widerrüst-druckschäden, werden indess erst bedenklich, wenn die Subcutis mit leidet. So lange die Schwellung verschiebbar und scharf begrenzt bleibt, leidet nur die Cutis. Bei diffusen Anschwellungen greift die Eiterung leicht auf das Nackenband über, erzeugt hier Pblegmono mit Nekrose und führt zur Eiterversenkung zwischen den Halswirbeln, ein Zustand, der bei der Behandlung grosse Schwierigkeiten bietet. Dies gilt namentlich von der Nackenbandnekrose, die auf den glatten Theil desselben übergreift. Solche Leiden sind stets hartnäckig, zu­weilen unheilbar, indem die zwischen die Halsmuskeln sich fortsetzende Phlegmone zur Abscedirung führt, und die Herstellung einer Gegen-öffuung für den Abfluss des Eiters oft unmöglich wird. Umfang­reiche Anschwellung und profuse Eiterung gehören auch hier zu den bedenklichen Symptomen.
Die Behandlung dieser Zustände muss nach denselben Grundsätzen erfolgen, welche bei der Widerrüstfistel bereits besprochen wurden. Auch hier vermeide man, die Haut quer über den Kamm des Halses
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206nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Brust.
zu spalten. Die Seitenflilchen desselben schone man jedoch nicht; die von der Eiterung unterminirten Muskeln müssen gespalten werden, so weit sie getrennt sind und die Eiterung reicht.
Cutane Schwellungen durch Kummetdruck sind wie die gleichen Veränderungen bei Satteldruck zu bcurtheilen und zu be­handeln.
Verletzungen durch Zugstränge, den Schwanzriemen, Um­gang- und Bauchriemen bestehen in der Hegel in Excoriationen der Haut. Sie worden dadurch veranlasst, dass diese Geschirrtheile nicht fest­liegen, sondern sich während der Arbeit der Tbiere fortdauernd an der Oberfläche der Haut bewegen und so Haar und Epidermis abscheuern. Harte und rauhe Beschaffenheit derselben begünstigt natürlich solche Verletzungen, deren Behandlung nach denselben Grundsätzen erfolgen muss, welche beim Satteldruck besprochen wurden. Zum Schutz der verletzten Stellen werden die betreffenden Geschirrtheile mit einem glatten Stück Wachsleinwand überkleidet. Dieses Material zeigt sich vortheilhafter als Felle von Hasen oder Kaninchen, die im übrigen eben­falls brauchbar sind.
Beim Rinde entstehen durch das Kummet, bezw. „Jochquot; ähnliche Verletzungen am oberen Halsende wie bei Pferden. Ihre Benrtheilung und Behandlung gestaltet sich ebenso, wie dort angegeben. Auch bei diesem Tbiere kommen am Halskamme tiefer greifende Eite­rungen vor, welche gleichfalls zu intermusculärer Phlegmone und schwer heilbaren Zuständen führen können.
Durch das Stirnjoch des Kindes werden endlich Quetschungen am Kopfe der Tbiere hervorgerufen, namentlich wenn die Hörner tief angesetzt sind, oder die Stirn eine stark gewölbte Form besitzt. Der entzündliche Process greift hier leicht auf das Periost über und erzeugt Nekrose am Stirnbein, die sich auf den Hornfortsatz ausbreitet und zur Lockerung und Abfall der Hörner führen kann. Schwellung, vermehrte Wärme und Schmerz stellen sich im verschiedenen Umfange und Gi-ade ein. Die Beurtheilung bleibt jedoch meist günstig, wenn auch die Arbeitsfähigkeit der Tbiere auf einige Zeit eine Unter­brechung erfährt. Bei der Behandlung dieser Zustände müssen die Grundsätze der allgemeinen Chirurgie Platz greifen. Nekrotische Knochentheile sowie vollständig gelöste Hörner sind zu entfernen und durch Anwendung relativer Antisepsis die Ausbreitung der entzünd­lichen Processe zu verhindern.
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Tumoren an der Brust.
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7. Tumoren au der Brust.
Lit.; Wilhelm, Dresd. Bor. 1883. S. 84. Pflug, Oesterr. Monatssohr. für Th. 1891. S. 298.
In und unter der äusseren Haut bilden sich namentlich bei Zug­pferden in der Geschirrlage Tumoren, welche bald vereinzelt, bald aber multipel auftreten und eine bedeutende Grosse erlangen können. Bei Schimmeln trifft man hier die bekannten melanotiscben Geschwülste an, aber auch bei andern Pferden werden hier geschwulstbildeudo Pro-cesse beobachtet, die sich bei näherer Untersuchung als Mykofibrome erweisen, also auf Infection mit Botryomyces, Staphylococcus und anderen Eiterkokken beruhen.
Wilhelm fand in den unter der äusseren Haut der Brust auf­tretenden Knoten, welche vergeblich mit Jod und Quecksilberprilparaten behandelt waren, regelmässig einen kleinen Eiterherd.
Von Pflug wurden neuerdings krankhafte Veränderungen der Haut in der Kummetlage als „Tylomataquot; besclirieben, welche eben­falls hierdier gehören dürften. Bei frischen Erkrankungen zeigt sich die Schnittfläche der Geschwülste oft ödematös, so dass man sie wohl bei oberflächlicher Betrachtung für myxomatöse Bildungen halten könnte; die älteren sind derb und hart (Tylomata tibrosa, Pflug). Auch kann es nicht auffallen, wenn die Neubildung bald von der Cutis, bald von der Subcutis ausgeht. Gelegenheit zur Infection ist gerade hier hin­länglich gegeben, indem unter dem Kummet die Epidermis macerirt und nicht selten verletzt wird.
In einzelnen Fällen sah man Pferde desselben Stalles in grosserer Zahl an diesem Zustande leiden, der namentlich dann Störungen ver-anlasst, wenn die Tumoren in der Geschirrlage auftreten und durch Quetschung von Seiten des Kummets oder des Seitengeschirrs zu ent­zündlichen Schwellungen Veranlassung geben.
Ihre Beurtheilung und Behandlung hängt von der Aus­dehnung und dem Sitze ab. Kommen sie rechtzeitig zur Behandlung, so führt die Exstirpation in der Kegel zur vollständigen Heilung. Wird der Zustand jedoch vom Besitzer vernachlässigt und erlangt die Geschwulst einen grösseren Umfang, so kann die Beseitigimg auf Schwierigkeiten stossen, welche im Uebrigen nach den allgemein gül­tigen Grundsätzen erfolgen muss. Bei kleineren und noch frischen Knoten führt die Spaltung derselben zuweilen zum Ziele, doch stellen
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208nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Brust.
sich hiernach nicht selten Recidivo ein. Das einzig zuverlässige Mittel bildet die Exstirpation, die bei kleinen Geschwülsten mit der Schere, bei grösseren mit Hülfe des Messers erfolgt. Erheblichere Schwierig­keiten entstehen durch grösseren Umfang der Neubildungen, durch eine breite Basis derselben oder durch Uebergreifung der Bildung auf die Bugdrüsen. Ich habe wiederholt mit diesen Neubildungen, welche von der Cutis ausgegangen waren, die Bugdrüsen zugleich exstirpirt und mich von der Mitleidenschaft derselben überzeugt. Bei genauer Pal­pation liisst sich diese Complication durch eine in die Tiefe gehende Fortsetzung der Geschwulst leicht erkennen. Bei einiger Vorsicht ge­lingt jedoch die Entfernung derselben, sowie der bereits veränderten Lymphdrüsen ohne besondere Mühe und Gefahr.
8. Der Bruststloh. Thoracocentesis.
Diese seit den ältesten Zeiten beim Menschen ausgeführte Ope­ration soll in der Thierheilkunde zuerst vonLafosse (1772) gemacht worden sein. Sie bezweckt Flüssigkeiten, namentlich pleuritische Er­güsse aus der Brusthöhle zu entfernen, selten handelt es sich um Be­seitigung von Luft aus derselben (Pneumothorax). Die Entfernung pleu-ritischer Exsudate ist zuweilen erforderlich, um drohende Lebensgefahr zu beseitigen, indem die Flüssigkeit einen starken Druck auf die Lungen und das Zwerchfell ausübt und die Athmungsbewegungen in hohem Grade stört. Auch können bedrohliche Circulationsstörungen, welche durch den Druck der Flüssigkeit auf das Herz und die Gefässe ent­standen sind, durch diese Operation beseitigt werden.
Eine weitere Indication für die Thoracocentese besteht in der Entfernung nicht resorbirbarer Exsudate, um die Lunge wieder frei zu machen. Obgleich die Bedingungen zur Resorption auf der Pleura äusserst günstige sind, so bleibt diese doch zuweilen längere Zeit aus, bis durch Beseitigung, wenn auch nur eines Theiles der Flüssigkeit die Circulationsverhältnisse verbessert und die Resorptions­vorgänge erleichtert werden.
Bei eiterigem oder septischem Inhalte kann die baldige Entfer­nung desselben nicht nur auf den Ablauf des localen Entzündungs-processes, sondern auch auf das Allgemeinleiden einen günstigen Ein-fluss ausüben, namentlich wenn der Pleurasack zugleich mit einer Desinfectionsflüssigkeit ausgespült wird. So klar diese Frage bei theo­retischer Betrachtung erscheint, so hat die Operation für solche Fälle bei Thieren bisher doch wenig praktischen Werth erlangt.
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Der Bruststich.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;269
Dass man mit derselben die drohende Erstickungsgef'ahr abwen­den kann, steht fest, aber damit ist dem Besitzer des Thieres meist wenig gedient. Ihm kommt es darauf an, dass es zugleich für die wirtlischaftliche Ausnutzung wieder geeignet, d. h. vollkommen geheilt wird. Das lässt sich aber häufig nicht erreichen und hängt von einer Reihe von Bedingungen ab, die sich einer genauen Beurtheilung oft entziehen. Daher muss die Operation nicht selten als Versuch be­trachtet werden. Am wenigsten leistet die Function der Pleumhöhle bei chronischem Hydrothorax, welcher aus Circulationsstöi-ungen oder Veränderungen in der Blutmischung hervorgegangen ist; hier trägt die Entleerung des Inhaltes der Brusthöhle in der Regel nur zur Be­schleunigung des tödtlichen Ausganges bei.
Auch mit Entfernung von Blut aus der Pleurahöhlo ist selten ein dauernder Erfolg verbunden. Sofern die Pleura nicht schwer er­krankt ist, wird dieses selbst in grösserer Menge leicht und schnell resorbirt. Vielleicht lässt sich unter Umständen bei perforirenden Brustwunden das in Zersetzung begriffene Blut der Brusthöhle auf diese Weise unschädlich machen; in der Regel kommt jedoch diese Operation zu spät.
Bezüglich der Diagnose dieser Zustände muss auf die Lehrbücher der speciellen Pathologie und Therapie verwiesen werden. Bemerkt sei nur, dass die Gegenwart eines Hydrothorax in der Regel auch ohne Probepunction festgestellt werden kann. Die Anwendung des Probe-trokarts kann dagegen beim Empyem zuweilen angezeigt erscheinen.
1, Die Function der Brusthöhle bei serösem, pleuriti-schem Exsudat. Man verwendet hierzu Trokarts, die nach der Grosse der Thierart verschiedene Stärken besitzen. Der für grössere Thiere hat einen Durchmesser von etwa 4—5 mm; kleinkalibrige sind im Allgemeinen vorzuziehen; Seitenöffnungen an der Hülse erscheinen auch hier nicht zweckmässig. Man sorge dafür, dass:
1.nbsp; nbsp;Instrument sowie Operationsstelle sorgfältig des-inficirt sind, damit nicht durch Infection des pleuritischen Ergusses der Zustand noch verschlechtert wird,
2.nbsp; nbsp;dass kein Luftcintritt in die Brusthöhle stattfindet, und
3.nbsp; nbsp;dass durch langsame Entleerung des Inhaltes die Aen-derung der Circulationsvcrhältnisso in der Brusthöhle ohne nachtheilige Folgen bleibt.
Die Thoracocentesis wird regehnilssig am stehenden Thiere aus­geführt; das Niederlegen würde nicht nur die Ausführung derselben erschweren, sondern auch bedenkliche Störungen der Athmung zur
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270nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiton der Brust.
Folge haben; dies gilt auch von kleineren Thieren, namentlich wenn erhebliche Kespirationsbeschwerden bestehen. Ich hatte einmal Gelegen­heit, diese nachtheiligo Wirkung kennen zu lernen; der zu operirende Hund ging in wenigen Minuten an Erstickung zu Grunde.
Die früher empfohlene Ausführung der Operation an der unteren Brust-, bezw. Bauchflächo kommt mit Recht nicht mehr zur Anwen­dung. Man applicirte den Trokart zwischen Schaufelknorpcl des Brustbeines und dem Knorpel der letzten Kippe. Dabei musste der Trokart die Bauchhöhle passiren, wodurch zu den unvermeidlichen noch die Gefahr einer Peritonitis und üarmverletzung kam. Auch die früher zu Gunsten dieser Methode angeführte vollständige Entleerung des Pleurasackes erscheint nach dem oben Gesagten nicht nur bedeu­tungslos sondern sogar naclitheilig.
Man wählt gegenwärtig bei allen Thieren die Seitenwand des Brustkastens in der Höhe der Vena thoracica externa, und operirt etwas unter oder über derselben; um die unterhalb der genannten Vene liegenden starken Brustmuskeln zu umgehen, meist über derselben. Sind beide Pleurasäcke gefüllt, so wird die Operation an der rechten Seite vorgenommen, um Verletzungen des Herzens zu ver­meiden. Die horizontale Grenze für die Function liegt beim Pferde zwischen der 5.—8. Kippe, beim Kinde zwischen der 6.—9., beim Schwein von der 7.—9. und bei Fleischfressern zwischen der 5. und 9. Kippe.
An der Operationsstelle werden zunächst die Haare, am besten mit dem Kasiermesser abgeschoren, die äussere Haut abgeseift, mit Aether abgerieben und schliosslich mit einer Desinfections-(Sublimat-) Flüssigkeit abgespült. Ebenso grosse Sorgfalt ist auf die Desinfection des Trokarts zu legen. Man erreicht diese in der Privatpraxis am einfachsten und sichersten durch Kochen desselben in Wasser oder durch Einlegen in 8 — 50/oiges Carbolwasser.
Um das Eindringen des Instrumentes zu erleichtern, was nament­lich bei Thieren mit dicker Haut nicht leicht ist, macht man zunächst mit dem spitzen Bistouri oder der Lancctto einen Einstich. Alsdann wird der Trokart so erfasst, class das Heft desselben in der hohlen, rechten Hand liegt. Mit dem Daumen und den übrigen Fingern um-fasst man das Instrument, während der Zeigefinger, mehr oder weniger ausgestreckt, da auf der Hülse liegt, bis wohin der Trokart eindringen soll. Dieses richtet sich nach der Dicke der Brustwand und schwankt bei grösseren Thieren zwischen '6—0 cm.
Zeigt sich die äussere Haut auf ihrer Unterlage verschiebbar, so
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Bruststich.
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suche man diese etwas nach oben zu drängen und stosse nun mit einer leichten Drehbewegung der Hand den senkrecht zur Brustwancl gerichteten Trokart in der Nähe des vorderen Randes der Rippe bis an den Zeigefinger in die Brustwand ein.
Hierauf wird mit der rechten Hand das Stilet zurückgezogen, während die linke die Hülse des Trokarts festhält, und der linke Zeige­finger bereit ist, die Ausflussöffnung der Hülse zu verschlicssen, sobald sich die Gefahr des Lufteintrittes bemerkbar macht; diese tritt erst ein, wenn der Abfluss der Flüssigkeit aufhört, wie es bei heftiger In­spiration, Husten u. s. w. der Fall ist.
Solche Unterbrechung kann jedoch auch durch Verstopfung der Hülse mit Faserstoff- oder Blutgerinnsel oder durch Anlagerung der Lunge veranlasst worden. Man mache, sobald der Abfluss sistirt, einige leichte Seitwärtsbowegungen mit dem vorstehenden Theil der Hülse, schiebe das Stilet oder eine sorgfältig desinficirte Sonde in die­selbe ein, um etwaige Verstopfung durch Gerinnsel zu beseitigen. Während dieser Operation muss der Zeigefinger der linken Hand stets bereit sein, die Oeffnung der Hülse zu verschliessen, sobald Luf'fc-eintritt erfolgt.
Um diese Gefahr zu umgehen und zugleich Abfluss der Flüssig­keit zu fördern, hat man verschiedene Vorricbtungen getroffen, die bei Anwendung der oben beschriebenen Massregeln zwar entbehrt wer­den können, immerhin aber geeignet sind, die Operation zu erleichtern. Dahin gehören:
1.nbsp; Der Trokart von Schuh, welcher an dorn äusseren Ende einen Behälter (Trog oder Bad) trägt, so class sich die Ausfluss­öffnung unter dem Niveau der entleerten Flüssigkeit befindet. Diese Vorrichtung ist nicht zuverlässig und wird wenig benutzt.
2.nbsp; Einfacher erreicht man denselben Zweck, wenn man über das Ende der Hülse ein passendes Gummirohr schiebt, dessen zweites Ende sich unter Wasser befindet. Durch diese Vorrichtung wird zugleich der Abfluss gefördert, indem die herabfallende Flüssigkeitssäule eine ihrer Länge entsprechende Saugkraft auf den Inhalt des Thorax aus­übt. Sie hat allerdings den Nachtlieil, dass man den Abfluss nicht genau controlliren kann; auch können durch die forcirte Entleerung Zerreissungen pleuraler Gefässe begünstigt werden.
Wenn der Operateur bei Anwendung des einfachen Trokart den Zeigefinger der linken Hand in der oben erwähnten Weise aufmerk­sam gebraucht und namentlich bei etwa eintretender Unruhe, heftigen Atbmungsbewegungen und Husten die Hülse verschliesst, so kommt
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272nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Brustraquo;
man mit demselben vollständig aus und kann den Eintritt von Luft in die Brusthöhle verhindern.
Es kommt ferner darauf an, dass die Entleerung des Inhaltes nicht zu schnell erfolgt. Schon aus diesem Grunde sind dünnere Tro-karts vorzuziehen. Rasche Entleerung grösserer Flüssigkeitsmengen führt zu plötzlicher Aenderung des intrathoracischen Druckes und kann bedenkliche Kroislaufsstörungen herbeiführen, welche geeignet sind, nicht nur zu neuen Ergüssen, sondern auch zu Blutungen in den Lungen, zu Ohnmächten und selbst plötzlichem Tode Veranlassung zu geben. Am grössten ist diese Gefahr bei linksseitigen Ergüssen, durch welche das Herz nach der rechten Seite verschoben wird. Bei Pferden und Rindern empfiehlt sicli dosshalb, zunächst nur 3—6 Liter und nach einigen Stunden oder am folgenden Tage weitere Mengen zu ent­leeren.
Betont sei nochmals, dass es nicht darauf ankommt, eine voll­kommene Entleerung des Pleurasackes zu erzielen, wie dies bei der Lage der Operationsstelle auch nicht möglich ist; in der Regel findet bald wieder neue Füllung statt. Der Nutzen der Function muss viel­mehr auf die Veränderung des intrathoracischen Druckes, auf die Aus­dehnung der Lungen und die so erzielten besseren Resorptionsverhält­nisse zurückgeführt werden.
Glaubt man eine genügende Menge Flüssigkeit entleert zu haben, so wird das Stilet (vorher goreinigt) wieder eingeführt und nun der Trokart vorsichtig entfernt, die äussere Wunde mit einem Desinficiens abgespült, mit Jodoform bestreut und mit Wundgelatine oder Collo-dium geschlossen. Im Nothfalle genügt ein Theeranstrich. Bietet sich die Gelegenheit, so kann ein Heft angelegt werden. Auch das Glüh­eisen wurde hierzu empfohlen (Hoffmann).
2. Bei eitrigen oder jauchigen Ergüssen in die Brust­höhle, sowie bei Abscessen in der Lunge kommt die Thoraco-centeso für Thiere nur selten in Anwendung, und hat noch seltener einen günstigen Erfolg. Sollte sich indess hierzu Gelegenheit bieten, so würde man in derselben Weise vorgehen, namentlich auch die gleichen antiseptischen Massnahmon treffen. Da hier die Diagnose unter Um­ständen auf Schwierigkeiten stossen kann, so erscheint die Probe-punetion event, gerechtfertigt, doch lasse man auch hierbei die Grund­sätze der Antisepsis nicht ausser Acht.
Nach möglichst vollständiger Entleerung des Inhaltes kann hier­bei das Ausspülen der Brusthöhle bezw. des Abscesses zwischen den Plourablättern oder in der Lunge angezeigt erscheinen. Schon La-
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fosse hat Ausspülungen der Brusthöhle mit aromatischen Flüssig­keiten versucht. Gegenwärtig würde man hierzu selbstverständlich nur Desinficienticn benutzen. Hoff mann lässt durch das zum Abfluss der Flüssigkeit benutzte Schlauchende mit Hülfe eines Trichters Kochsalz (0,5 n/o), Sublimat (1:5000), Carbolsäure (0,5deg;/quot;) oder concentrirtes Salicyl- oder Thymolwasser bei etwa Bluttemperatur in den Thorax einfliessen. Welche Erfolge damit erzielt wurden, ist nicht angegeben. In der Menschenheilkunde greift man unter solchen Umständen zur Incision der Brust (Thoracotomie), eventuell mit Resection eines Rippen­stückes, und lässt permanente Irrigation des Pleurasackes anwenden. Meines Wissens sind bei Thieren derartige Versuche bisher nicht gemacht worden und dürften auch schwerlich in der Praxis häufig Anwendung finden. Handelt es sich doch bei ihnen nicht bloss um die Erhaltung des Lebens, sondern meist auch um die nutzbare Verwendung zu den wirthschaftlichen Zwecken, oft sogar um Arbeitsfähigkeit. Hier müssen also andere Forderungen an die Operation gestellt werden, welche sie meist nicht erfüllt, zumal ihre exacte Durchführung in der Privatpraxis auf Schwierigkeiten stösst.
Dasselbe gilt vorläufig von der neuerdings beim Menschen in Angriff genommenen „Lungenchirurgiequot;, der directen operativen Behandlung von Krankheitsprocessen in diesen und anderen Organen der Brusthöhle.
Uöller, SpedelU Oldiiirgle für Thlerttaste.
18
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Die Krankheiten des Bauches.
Einleitung. Die Bauchhöhle wird von der elastisch weichen Bauch­decke umgeben, die aus den Bauchmuskeln, der ilusseren Haut und dem Bauchfelle besteht. Die Fasern der Bauchmuskeln kreuzen sich vielfach, während sie von sehnigem Ciluwebo durchsetzt werden. Dieses sowohl wie die jene Muskeln bekleidende gelbe Baucbhaut, welche bei den Pflanzenfressern besonders stark entwickelt ist, unterstützen die Bauchmuskeln beim Tragen der schweren Baucheingeweide. Bei den Pflanzenfressern erscheinen daher auch die Bauchdecken immer stärker gespannt. Dieser Bau wie auch ihre erhebliche Dicke macht die Untersuchung der Baucheingoweido durch diese fast unmöglich. Von aussen bedeckt die mit starker Subcutis versehene und daher leicht verschiebbare äussere Haut die Bauchdecken, während das Peritoneum ihre Innenfläche, die Bauchhöhle auskleidet und die in ihr liegenden Organe überzieht. So lange das Peritoneum intact ist, er­scheint es an seiner Oberfläche glänzend und glatt, wodurch die Bewegungen der Baucheingeweide in der Peritonealhöhle erleichtert werden. Bei ent­zündlichen Erkrankungen kommt es aber schnell zu Exsudationen an seiner Oberfläche und zur Verklebung und später zur Verwachsung seiner Blätter mit einander oder mit anderen Organen.
Die grössere Derbheit der Bauchdecken bei Pflanzenfressern erklärt ferner, dass Verletzungen der Baucheingoweide fast nur bei penetrirenden Wundon des Bauches vorkommen, doch hat man ausnahmsweise auch solche ohne Verwundung der Bauchdecke in Folge heftiger Quetschung gesehen. Voulton (Stockfleth) beobachtete bei einem Ochsen Zerreissung des Pansens durch einen Tritt vom Pferde. Das Thicr ging bald darauf an Peritonitis ein.
Die Bauchdecken empfangen ihr Blut von zwei Seiten: die Lenden­arterien, welche zwischen den Lendenmuskeln hervortreten, laufen quer über den Bauch zwischen dem ilusseren und inneren schiefen Bauchmuskel sowie zwischen letzterem und dem Querbauchmuskel. Diese Gefasse communioiren vielfach mit den Bauchdeckengefässen, Die Arteria epigastrica superior stammt aus der Arteria thoracica interna und läuft von vorn nach hinten; die Arteria epigastrica inferior, aus der Oberschenkolarterie stammend, läuft dicht unter dem Peritoneum medial am inneren Bauchring vorbei nach vorn und verbindet sich mit der superior sowie mit den Art. lumbales.
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Quetschungen der Bauchdecken.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 275
1. Quetschungen der BauclHleckeu.
Lit. i Curdt, Gurlt u. Hertwig. 3. S. 450.
Quetschungen der Bauchdecke kommen hei den Hausthieren nicht selten vor; Hufschliige, Hornstösse, Pusstritte, Gegenlaufen oder Gegenfahren gehen hierzu Veranlassung. Von der Beschaffenheit des verletzenden Körpers und der Gewalt der Einwirkung hängt es in erster Linie ah, welche Art von Verletzungen entstehen. Bald zerreisst die Bauchdecko, während die mit grösserer Elasticität ausgestattete äussere Haut intact bleibt; es entsteht ein Bruch, ein Zustand, der an anderer Stelle eingehende Besprochung finden wird. Schärfere Gegen­stände erzeugen Verwundungen, die bald auf die Oberfläche beschränkt bleiben, bald die Bauchdecke porforiren und selbst die Baucheingeweide treffen können. Auch sie werden an anderer Stelle Gegenstand der Betrachtung sein. Hier sollen nur diejenigen Zustände besprochen werden, wobei nur eine Quetschung in den Weichtheilen der Bauch­decke besteht.
Wie überall charakterisirt sich auch hier die Quetschung durch subeutane Continuitätstrenmmgen der Gefässe und Gewebe. Bei der straff angespannten Beschaffenheit der Baucli decken der Pflanzenfresser kommen diese gerade bei ihnen vor. Bald sind nur kleine Blut-gefässe neben den Geweben durch die quetschende Gewalt zum Zer-reissen gebracht; es entstellt eine mehr oder weniger harte, derbe Ent-zündungsgeschwulst. Zerreissungen grösserer Gefässe rufen Häma-tome hervor, welche durch ihre fluetuirende Beschaffenheit grosse Aehnlichkeit mit Hermen erlangen; umfangreiche Extravasate ent­wickeln sich bei den grösscren Thieren vorzugsweise in der Subcutis oder unter dem Bauchhautmuskel, während solche unter der wenig elastischen gelben Bauchhaut selten entstehen.
Unter Umständen zeigt sich die Tunica abdominalis ebenfalls getrennt und der Riss in derselben kann wohl für die Pforte eines Bruches erklärt werden. Diese Verwechselung ist jedoch weniger be­denklich, als wenn umgekehrt eine Hernie für ein Extravasat gehalten und dem entsprechend operativ behandelt wird.
Verlauf. Einfache Entzündungsgeschwülste werden selbstverständ­lich leichter resorbirt als grossere Hämatome; obgleich die Lage derselben auf der gelben Bauchhaut diesen Vorgang erschwert, so beobachtet
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27(jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Bauches.
man diesen Ausgang namentlicli bei massigen Anschwellungen doch nicht selten und kann damit vollständige Heilung eintreten. Es kommt aber auch vor, class mit dem Verschwinden der Geschwulst an ihrer Stelle sich eine Hernie zeigt. Die Baucheingeweide können, so lange eine Geschwulst besteht, verhindert werden, aus der Peritoncalhühle hervor­zutreten; mit dem Verschwinden derselben gelangen sie unter die äussere Haut. Der Umstand ist um so mehr beachtenswerth, als die Entwickeluug der fluetuirenden Beschaflenheit der Geschwulst leicht zu der in ihren Folgen bedenklichen Annahme eines Abscesses führen kann. Abscedirmigen kommen zwar in solchen Quetschgeschwülsten ebenfalls vor, da die Oberhaut häufig mitverletzt ist, und die Tnfections-stoffe Zutritt zu den entzündlich erkrankten Geweben finden. Die so entstehende fluetuirende Geschwulst zeigt jedoch in ihrer Peripherie stets einen mehr oder weniger deutlich ausgebildeten, derben Ring, welcher durch eiterige Infiltration der Gewebe entsteht, den Hernien zwar in der Regel fehlt, aber auch hier vorkommt, so lange diese in frischem Zustande sich befinden.
Nach Spaltung solcher Abscesse tritt meist bald Heilung ein; findet dies nicht statt, so perforirt der Abscess regelmässig nach aussen, selten findet die Entleerung in die Bauchhöhle bezw. in den Darm­kanal statt. Da mit dem Vordringen des entzündlichen Processes das Peritoneum verdickt und in der Regel mit dem Darmtractus verwächst, so erfolgt der Durchbruch meist in letzteren (vgl. Anus praeternatu-ralis), wie Curdt beim Pferde beobachtete.
Ein gleiches Schicksal zeigen Hämatome, nur dass die Aussicht auf Resorption noch geringer ist. Bei ihrer Spaltung oder Perforation nach aussen entleert sich oft eine stinkende, zuweilen Gase enthaltende Flüssigkeit.
Beim Rinde, seltener bei den übrigen Hausthieren, kommen in den Bauchdecken sog. „kalte Abscessequot; vor. Sie entwickeln sich meist aus gleichen Läsionen. Die Verletzung bleibt oft unbekannt und so machen die sich langsam entwickelnden Eiterungen in der Bauch­decke den Eindruck einer spontanen Erkrankung. Auch letztere kommt hier unter Umständen vor, wie bei der Druse und anderen Leiden; sie entstehen auf metastatischem Wege.
Die kalten Abscesse können in ihrer weiteren Entwickehmg, die oft Monate lang in Anspruch nimmt, zu acuten Entzündnngsvor-gängen führen. Beim Rinde wird nicht selten nach längerem Be­stehen plötzlich eine Aenderung in ihrem Verhalten beobachtet. Die Anschwellung nimmt schnell zu, wird schmerzhaft, zeigt zuweilen Gas-
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Bauchwunden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 277
entwickelung und führt zu erheblichem Fieber, worauf die Perforation bald folgt, wenn nicht die Oeffnung des Abscesses auf operativem Wege vorgenommen wird.
Erscheinungen. Das hervorragendste Symptom bildet die An­schwellung, die sich, wie aus dem Gesagten hervorgeht, verschieden verhalten kann; bald ist sie derb, fest, schmerzhaft, bald zeigt sie eine fluctuirende Beschaffenheit. Frisch entstandene sind in der Umgebung und namentlich an den tiefer gelegenen Stellen mit Oedem verbunden, das zuweilen in grosser Ausbreitung unter dem Bauche auftritt. Schwierigkeiten bietet zuweilen die Unterscheidung von einer Hernie. Man halte als Regel fest, dass nicht eher operativ vorgegangen werden darf, als bis die Gegenwart eines Bruches mit Bestimmtheit ausge­schlossen werden kann. Die Compressibilität, d. h. die Möglichkeit, durch Druck die ganze Geschwulst zu verkleinern, kennzeichnet zwar die Hernie, doch können hierbei leicht Täuschungen vorkommen. In zweifelhaften Fällen mache man unter antiseptischen Cautelen eine Probepunktion.
Behandlung. Frisch entstandene Anschwellungen werden zu­nächst gekühlt, um weitere Extravasationen zu verhindern; sodann wendet man zur Förderung der Zertheilung feuchte Wärme in Form eines Priessnitz'schen Umschlages an. Durch Zusatz von Desinfec-tionsmitteln zu der hierbei verwandten Flüssigkeit kann unter Um­ständen die Infection und Eiterung verhindert werden. Ist letztere ein­getreten, so empfiehlt sich baldige Spaltung; je früher diese gemacht wird, desto schneller verschwindet die Anschwellung; doch sei man vorsichtig.
Auch die sog. kalten Abscesse werden am besten gespalten, so­bald man sich überzeugt hat, dass kein Bruch vorliegt, und die Spal­tung ohne Gefahr erheblicher Blutungen erfolgen kann.
2. Bauchwuiulen.
Lit; Rodloff, öurlt u. Hovtwig. 18. S. 212. Parkes, Königs Chirurgie. Tl. S. 125. (V. Aufl.). Kleinpaul, Berl.Aroh. 1890. S. 221. Kaden, Zeitsohr, für Vet. 1890. S. 868. Drolshagen, Th, Mitth. 1854. S. 73. Humbert, Rec. de Med. vet. 1885. S. 54. Popow, Jahrb. 1884. S. 96. Her bot, das. S. 96. Jewaejenko, das. 1884. 8. 95. Richter, Qurlt U. Hertwig, 20. S. 341.
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Krankheiten des Bauches.
Die an den Bauchdecken vorkommenden Wunden lassen sich vom klinischen Standpunkte trennen in:
a)nbsp; nbsp;oberflächliche, d. h. solche, die nicht durch die Bauchtlecken roichen,
b)nbsp; nbsp;penetrirende, die das parietale Blatt des Peritoneums ge­trennt haben,
c)nbsp; Bauchwunden mit Vorfall der Baucheingeweide,
d)nbsp; nbsp;Bauchwunden mit Verletzung von Baucheingeweiden. a) Wunden der ersten Gruppe haben keine besondere Bedeutung,
sobald sie nicht sehr gross sind und ein Zerreissen der noch erhal­tenen Lagen der Bauchdecke befürchten lassen. Man behandelt sie nach den allgemein gültigen Grundsätzen, sorgt für Reinerhaltung, da­mit nicht phlegmonöse Erkrankungen eintreten, wodurch Leiden, wie sie vorhin besprochen wurden, entstehen.
Da die Anlegung von Verbänden am Bauche mit Schwierigkeiten verknüpft und hierbei meist entbehrlich ist, so kann an Stelle der­selben die Wunde nach sorgfältiger Reinigung mit einem Theeranstrich versehen werden. Man sorge für reine Streu und lasse, wenn Anhäu­fung von grösseren Mengen Wundsecret in der Wunde in Aussicht steht, diese öfters mit desinfloirenden Flüssigkeiten reinigen. Bei um­fangreichen Unterminirungen können Gegenöffnungen, Drains- oder Haarseile nöthig werden.
Laben ausgedehntere Trennungen der Bauchdecke stattgefunden, so dass die Gefahr der Zerreissung der noch erhaltenen Lagen zu be­fürchten steht, so muss die Wunde sorgfältig geheftet und mit einem Verbände verseilen werden. Man lege die starken Hefte tief an; unter Umständen findet die Zapfen- oder Etagennaht zweckmässige An­wendung; auch wird in solchen Fällen strenge Ruhe für das Thier er­forderlich.
b) Penetrirende Bauchwunden entstehen bei Thiei-en mei­stens durch Hornstösse, Stiche mit scharfen Instrumenten, wie Mist-und Heugabeln, Lanzen, Säbeln, Bajonett, Messer, Scheren, Geschosse oder dadurch, dass die Thiere beim Springen über Hecken oder Zäune sich Holzsplitter in die Bauchwand treiben oder beim Niederstürzen auf scharfe Gegenstände, wie Eggenzinken, Sporen u. s. w. fallen. Bei Hunden können auch Bisswunden bis in die Bauchhöhle reichen.
Die perforirendo Eigenschaft der Wunde kann zuweilen schon aus der Beschaffenheit des verletzenden Körpers erkannt oder doch vermuthet werden. Wo dies nicht der Fall ist, vermeide man sofort zum Sondiren der Wunde zu schreiten und dadurch die Go-
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liauchwunden.
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fahr der Peritonitis noch zu vergrüssern, indem man hierbei In-fectiousstoffe bis in die Bauchhöhle verschleppt. Dazu kommt, dass . die Abwesenheit einer penetrirenden Bauchwunde auch mit Hülfe der Sonde nicht festgestellt werden kann, indem sich die verschiedenen Muskellagen übereinander schieben; dies gilt namentlich von Stich­wunden. Wo der Verdacht einer Perforation vorliegt, treffe man dieselben Massnahmen, als wenn diese nach­gewiesen wäre.
Im weiteren Verlauf lassen die Erscheinungen der Peritonitis keinen Zweifel über die Diagnose: der kleine, schwache, f'requonte Puls, die Blässe oder schmutzigrotho Beschaffenheit der sichtbaren Schleim­häute, leichte, aber andauernde Kolikerscheinungen, bei Fleischfressern auch Erbrochen. Durch das Fehlen dieser Symptome wird indess nur die Abwesenheit der Peritonitis, nicht aber der Perforation der Bauch-decken bewiesen. Vorfall von Baucheingeweiden oder Austritt von Darminhalt lassen über die perforirende Eigenschaft der Wunde keinen Zweifel.
Beurtheilung und Verlauf. Jede penetrirende Bauchwunde muss als lebensgefährlich betrachtet werden, doch hängt es von der Beschaffenheit der Wunde ab, wie gross diese Gefahr ist. Dass nicht jede perforirende Bauchwunde tödtlich verlaufen muss, beweisen schon die zu operativen Zwecken absichtlich erzeugten Verletzungen (Darmstich, Bauchstich, Pansenstich, namentlich die Castration der weiblichen Thiere sowie der Cryptorchiden).
Aber auch zufällige Verletzungen mit Perforation der Bauch-tlecken heilen oft, wie zahlreiche Beispiele der Literatur beweisen, auch dann noch, wenn die Umstände der Heilung nicht günstig er­scheinen. Stockfleth berichtet über einen Hund, der mit einer Heu­gabel quer durch den Bauch gestochen war; die Heilung ging trotz­dem ohne Eiterung von statten.
Humbert sah bei einer Stute eine Bauchwunde heilen, welche 10 cm hinter dem Processus typhoides lag, 5 cm lang und mit einem Netzvorfall von 50 cm Länge verbunden war; über einen ähnlichen Fall berichtet Kaden. Bei einer Kuh heilte Popow eine 15 cm lange penetrirende Bauchwunde hinter den letzten Rippen.
Derselbe beobachtete beim Fohlen eine 23 cm lange Wunde zwischen Nabel und Euter neben der Linea alba. Das Peritoneum ragte hervor, war beschmutzt, brandig, ein Theil davon war vorgefallen und eingeklemmt; trotzdem erfolgte die Heilung in 4 Wochen. Ich
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280nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Bauches.
selbst habe wiederholt solche Verletzungen mit Darm- oder Netzvor­fall geheilt; auch hat die Literatur zahlreiche Fälle der Art aufzu­weisen. Meist war die untere Bauchwand verletzt und nicht selten der Grimm- oder Blinddarm vorgefallen.
Die Beurtheilung hängt vor allem davon ab, ob ein Vorfall des Darmes und Peritonitis verhindert werden kann. Ersteres stüsst bei Thieren, die nicht wie der Mensch längere Zeit auf dem Rücken liegen können, auf Schwierigkeiten, namentlich bei grösseren Wunden. Die Peritonitis wird mit Hülfe antiseptischer Behandlung der Wunde ferngehalten. Sobald Asepsis in Aussicht steht, darf man die Hoffnung auf Erhaltung des Thieres nicht aufgeben. Aber auch da, wo Eiterung auftritt, ist diese nicht ausgeschlossen; es kommt nur darauf an, dass sich die entzündliche Erkrankung nicht auf das Peritoneum fortpflanzt; Anlass dazu giebt vornehmlich Retention von Wundsecret und Eindringen desselben in die Bauchhöhle. Je wirk­samer dieser Complication entgegengetreten werden kann, um so gün­stiger gestaltet sich die Prognose.
Endlich kommt in Betracht, class sich das Bauchfell der ver­schiedenen Thierarten nicht gleich empfindlich zeigt. Am ehesten überstehen Fleischfresser und Wiederkäuer solche Verletzungen, weni­ger leicht das Pferd, bei dem die Gefahr der Peritonitis stets grosser ist. Stichwunden, besonders mit unreinem Instrumente (Mistgabel) müssen stets mit besonderer Vorsicht beurtheilt werden; sie führen oft wider Erwarten zu einem tödtlichen Ausgange.
Dass anderweitige Complicationen bei der Prognose in Betracht gezogen werden müssen, liegt auf der Hand.
Behandlung. Antisepsis und Verhinderung eines Vor­falles bilden die Hauptindicationen. Erstere besteht in sorgfältiger Reinigung und Desinfection der Wunde und ihrer Umgebung. Nach Stillung der etwa noch fortbestehenden Blutung, wobei nach Möglich­keit durch Unterbindung eine Ansammlung von Blut in der Wunde zu vermeiden gesucht, daher nur im Nothfalle zur Tamponade gegriffen wird, entfernt man die etwa noch vorhandenen Fremdkörper aus der Wunde sowie die losgetrennten Fetzen der Weichtheile, deren Absterben in Aussicht steht. Man spüle möglichst sorgfältig die Wunde mit Desinficientien, nach meinen Erfahrungen am besten mit Sublimat­wasser aus.
Darauf folgt die Naht mit sterilisirter Seide; Catgut zeigt sich
II
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Ponetrirende Bauchwunden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 281
hier zu wenig haltbar. Man hefte, wenn es gelingt, die Bauchmuskeln und äussere Haut tief und jede für sich, um später nur die äussere Naht lösen zu brauchen, wenn eine erneute Ausspülung der Wunde nothwendig erscheinen sollte. Bei der grossen Widerstandsfähigkeit, welche die Naht namentlich bei Pflanzenfressern besitzen muss, em­pfiehlt sich zur Vereinigung der Bauchdeclce die Zapfen- oder Etagen­naht. Steht die Anhäufung grösserer Mengen Wundsecrets in Aus­sicht, so müssen Drains angewendet werden. Nach nochmaliger Ab-spülung mit der Desinfectionsflüssigkeit wird ein Occlusivverband angelegt. Das sterilisirte Material (Watte, Holzwolle, Jute u. s. w.) lässt man bei grösseren Thieren mit Hülfe von Moospappo oder einer Strohmatte durch darüber gelegten Gurt tragen; im Nothfalle leistet ein Sack oder eine wollene Decke diesen Dienst. Bei kleinen Thieren wird mittelst Binden ein Occlusivverband angelegt, doch versäume man nicht, denselben über die ganze Brust- und Bauchfläche auszu­dehnen; nur so kann verhindert werden, dass der Verband bei den Athmungsbewegungen nach hinten gleitet. Eine in der Längsrichtung des Körpers in den Verband eingefügte Binde, welche zwischen beiden Vorderbeinen und über den Hals des Thieres geführt wird, sichert die feste Lage des Verbandes.
Müssen grössere Thiore zur Anlegung der Naht und des Ver­bandes niedergelegt werden, so ist Vorsicht geboten, um einen Vorfall zu vermeiden und die beim Werfen vorfallenden Theile zu schützen; hierzu kann die Anlegung eines provisorischen Verbandes nothwendig werden. Unter Umständen erleichtert die Narkose diese Hülfe-leistungen. Nach Anlegung des Verbandes muss dem Thiere möglichst Ruhe gegeben werden. Hunde, die sich unruhig zeigen und den Ver­band abzureissen suchen, müssen unter dauernder Aufsicht verbleiben oder man giebt ihnen eine starke Dosis Morphium, um sie womöglich mehrere Stunden schlafend zu erhalten; Pferde können unter Umständen in einen Hängegurt gebracht werden.
Das Futter wird in der nächsten Zeit, soweit möglich, entzogen und Getränk nur in massiger Menge gereicht. Man beobachte in den folgenden Tagen das Fieber; wenn dieses nicht in erheblichem Grade eintritt, auch Kolikerscheinungen fehlen, so darf man auf einen günstigen Ausgang hoffen und den Verband liegen lassen, vorausgesetzt, dass er nicht von Wundsecret durchtränkt ist. Im anderen Falle wird der­selbe unter antiseptischen Cautelen erneuert und die Wunde abermals gereinigt.
Gestatten die Umstände keinen Verband, so lasse man nach sorg-
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282nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten dos Bauches.
fältiger Reinigung und Heften der Wunde permanente Irrigation mit antiseptisoben Flüssigkeiten einleiten. Auch kann namentlich bei ver­unreinigten Wunden wiederholtes Anfeuchten des Verbandes mit solchen Mitteln nützlich werden.
In den ersten drei Tagen ist die Gefahr am grössten; sie mindert laquo;ich erheblich, wenn diese Zeit ohne Hinzutreten von Erscheinungen der Peritonitis überstanden ist; doch beobachte und bebandele man auch nach dieser Zeit die Wunde in gleicher Weise und sorge nament­lich dafür, dass keine Retention von Wundsecret eintritt; Steigerung des Fiebers deutet darauf hin und fordert daher zur näheren Unter­suchung der Wunde resp. zum Verbandwechsel auf.
c. Baucbwunden mit Vorfall von Eingeweiden. Der Vor­fall von Netz- oder Darmtheilen, des Uterus oder anderer Organe der Bauchhöhle bildet eine Complication der penotrirenden Bauchwunden, welche die Gefahr erheblich steigert. Doch nicht der Vorfall an sich, sondern die Schwierigkeiten denselben zurückzuhalten und die Ver­unreinigung und Verletzung der vorgefallenen Theile ist es, wodurch die Gefahr der Verschleppung von Infectionsstoffen in die Bauchhöhle gesteigert und das Eintreten der Peritonitis begünstigt wird.
Am wenigsten bedenklich zeigt sich ein Netzvorfall, weil selbst ein grösseres Stück Netz ohne Nachtheil entfernt werden kann, also nicht in die Peritonealhöhle zurückgebracht werden braucht. Den besten Beweis hierfür liefern die Erfahrungen bei der Castration männlicher Thiere, wobei ein Netzvorfall nicht selten vorkommt, aber den Praktiker nicht in Verlegenheit bringt, weil er weiss, dass ein­faches Abschneiden des vorgefallenen Stückes unbedenklich ist; das gilt auch von Baucbwunden mit Netzvorfall. Handelt es sich um ein grosses Stück mit stärkeren Blutgefässen, so kann eine Ligatur mit sterilisirtem Material angewendet werden; nach dem Abschneiden schiebt man den Stumpf in die Peritonealhöhle zurück, oder, was in der Regel noch besser ist, nur bis in die Bauchwunde, wo der Stumpf verklebt, später verwächst und so nicht nui den Vorfall von anderen Eingeweiden, sondern auch den Eintritt von inficirtem Wundsecret in die Bauchhöhle verhindert. Das Netz besitzt keine grosso Nei­gung, entzündliche Processe fortzuleiten, daher ist das Liegenbleiben desselben in der Wunde unbedenklich.
Die Reposition des vorgefallenen Netzes muss unter allen Umständen vermieden werden, sobald dasselbe beschmutzt oder gar abgestorben ist, weil dadurch die Peritonitis nur begünstigt würde. Die Praktiker haben dieses bei Thieren schon längst erkannt. Alle empfehlen, zunächst
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Penetrirende Bauchwunden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 283
das vorgefallene Notz noch etwas weiter hervorzuziehen und dann ab­zuschneiden. Es liegt auf der Hand, class hierdurch die Verschleppung von InfectionsstofFen in die Bauchhöhle am sichersten vermieden wird.
Ich habe wiederholt bei Fleischfressern (Hunden und Katzen) Bauchwunden angetroffen, bei denen das vorgefallene Netz durch Ver­unreinigung zu einer schwarzen, schmierigen, stinkenden Masse umge­wandelt war. Durch Anwendung der oben empfohlenen Massregel ging die Heilung ohne Störungen von statten.
Ungünstiger zeigen sich Darmvorfalle, weil sie in die Bauchhöhle zurückgebracht werden müssen. Aus dem oben Gesagten ergiebt sich ihre Beurtheilung und Behandlung von selbst. Gelingt es, die vorge­fallenen Tiieile vollständig zu reinigen und zu reponiren, sowie einen neuen Vorfall zu verhindern, so heilen auch solche Wunden, wie Be­obachtungen bei allen Thierarten bewiesen haben.
Am günstigsten gestalten sich Vorfalle des Dickdarmes, bei Pferden meist des Grimindarmes oder Blinddarmes in Folge Ver­letzungen an der unteren Bauchwand, einestheils, weil diese sich leichter zurückbringen und zurückhalten lassen, dann aber auch, weil diese Darmtheile eine festere Lage haben und nicht, wie der Diinndarni, die demselben anhaftenden Infectionsstoffe durch die Bauchhöhle ver­schleppen.
Drolshagen behandelte ein Fohlen, das sieh durch den Homstoss einer Kuh eine Bauchwunde mit Netz- und Darmvorfall zugezogen hatte. Der vorgetretene Darmkanal hatte den Umfang eines Bienenkorbes, „er­schwerte dorn Thiere das Laufen und zwang es, sich oft niederzulegen.quot; Nach sorgfältiger Reimgung wurde es operirt, ein Theil des Netzes ab­geschnitten, die Wunde geheftet und ein Verband angelegt. Nach einigen leichten Kolikanfällen erschien das Pferd in drei quot;Wochen hergestellt, ging jedoch 4 Monate später zu Grunde. Bei der Section fand sich der Dünn­darm von einem Itiss im Gekröse eingeschnürt.
Kleinpaul fand bei einer Stute in der Nabelgegend eine penetrirende Bauchwundo, die zwölf Stunden vorher durch Verletzung an einem Eggen­zahn entstanden war; ein faustgrosses Stück ödematös geschwollenen Dünn­darmes war vorgefallen. Nach Reposition desselben wurde ein „Jodoform­verbandquot; angelegt, 4 Tage hindurch dem Thiere das Futter entzogen, worauf vollständige Heilung eintrat. 14 Tage später gebar die Stute ein Füllen in normaler Weise.
Behandlung. Beim Vorfall von Darmtheilen oder anderen Bauch­eingeweiden, z. B. des Uterus, ist zunächst dafür zu sorgen, dass diese nicht verletzt und verunreinigt werden. Hierzu wird unter Umständen, namentlich, wenn grössere Thiere niedergelegt werden müssen, ein Nothverbaud erforderlich. Ein breites Tuch, womöglich mit einer
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284nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Bauches.
Desinfectionsflilssigkeit getränkt, wird um den Leib des Tlüeres gelegt. Sodann reinige man die Wunde und ihre Umgebung sowie die vor­gefallenen Theile sorgfältig mit einer lauwarmen Desinfectionsflilssig­keit (Carbol-, Salicyl- oder Sublimatwasser) und sucho nunmehr die Re­position zu bewirken. Darauf wird die Wunde nochmals gereinigt, etwa zurückgebliebene Fremdkörper (Haare) sorgfältig entfernt, sodann geheftet. Die weitere Behandlung erfolgt ebenso, wie oben bei der punetrironden Bauchwunde beschrieben wurde. Zeigt sich der vorge­fallene Darm bereits nekrotisch, so ist meist jede Aussicht auf Heilung ausgeschlossen. Hier könnte nur die Resection desselben unter Um­ständen versucht werden (vergl. Fremdkörper im Darme).
d) In noch höherem Masse bedenklich werden Bauchwunden mit Verletzung von Bauchorganen. Am häutigsten wird hiervon der Dickdarm bei Pflanzenfressern betroffen, und zwar theils seines grossen Uinfanges, theils seiner Anfülluug mit festen Futterstoffen und der fixirten Lage wegen. Der beweglichere, meist mit flüssigem Inhalt versehene Dünndarm weicht den verletzenden Gegenständen leichter aus. Daher können, wie Versuche erwiesen haben, spitze Instrumente tief in die Bauchhöhle eindringen, ohne Verletzungen des Darmes zu er­zeugen; selbst Geschossen weichen diese Darmabschnitte oft aus. Der oben erwähnte Fall von Verletzung eines Hundes erklärt sich ebenfalls auf diese Weise. Bei Pferden wurden wiederholt Verletzungen des Grimm- und Blinddarmes mit günstigem Ausgange beobachtet.
Guilholm (Stockfleth) fand bei einem Pferde 13 cm vor dem Nabel eine durch Hornstoss entstandene Wunde, durch welche die untere Lage des Griinnulannes in der Grosse eines Menschenkopfes hervorgefallen war. Aus derselben entleerten sich Puttermassen. Die 8 cm lange Darm­wunde wurde genäht, der Dann gereinigt und reponirt; ebenso heftete man die Wunde der Dauchdecke und legte einen Verband an, Trotz bedeuten­der Anschwellung kam in 2h Tagen Heilung zu stände.
Herbet stellte in dieser Frage beim Schwein Versuche an. Er durch-stiess absichtlich beim Castriren eines weiblichen Schweines den Grimmdarm mit dem Pinger, zog die verletzte Stelle in die Hautwunde und heftete sie mit gewachstem Faden. Das Thier erhielt einige Tage kein Putter und genas.
Wie weit die Naturheilung unter Umständen gehen kann, beweist eine von Richter mitgethcilte Beobachtung. Beim Versuche, ein Haarseil unter dem Bauche eines Pferdes anzulegen, wurde das Thier unruhig, und da der zur Ablösung der Haut eingeführte Pinger dieses nicht bewirken konnte, das geballte Bistouri angewendet, die Haut mit einer Haarseilnadel abgetrennt und das Fontanell applicirt. Gleich nach Vollendung dieser Opera­tion floss eine „gelbe Brühequot; aus der Wunde, die Richter als Futterstoffe er­kannte. Die Untersuchung mit dem Pinger ergab, dass der Blinddarm in einer Länge von 3/.i Zoll von vorn nach hinten durchtrennt war. Es flössen bald nach der Operation 6—7 Quart Flüssigkeit ab, da das Pferd in den
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Penetrirende Bauchwundeii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;285
letzten Tilgen nur Schrottriinke erhalten hatte. Auf die Bemerkung Richters, das Pferd würde zu Grunde gehen, hatte sich der Besitzer entschlossen, dasselbe wenigstens noch so lange als möglich zur Arbeit zu benutzen. Er spannte das Pferd in einen Düngerwagen und liess es schwere Arbeit verrichten. Als R. acht Tage darauf zu dem Besitzer kam, fand er das Pferd im Pfluge arbeitend und durchaus wohl. Zwanzig Tage spilter wurde das Pontanell entfernt und das Pferd blieb dauernd gesund.
Ein so glücklicher Verlauf bildet leider die Ausnahme; in der Regel gehen die Thiere bei derartigen Verletzungen zu Grunde. Man sieht indess, dass die Hoffnung nicht gleich aufzugeben ist und ein Versuch gemacht werden kann, das Thier zu erhalten.
Die Behandlung besteht in zwccknülssiger Heftung ilcs vorletzten Darmes bezw. Gebärmutter mit storilisirtem Catgut oder Seide; über die Methoden vergleiche man „Darmnahtquot;. Hierauf lässt man eine möglichst sorgfältige Reinigung und Desinfection der verletzten Ein­geweide, der Wunde und ihrer Umgebung folgen. Unter Umständen gelingt es auch, das Peritoneum mittelst einer Dcsinfectionsflüssigkeit zu reinigen. Bei weiterer Verunreinigung der Bauchhöhle könnte Aus­spülen mit lauwarmem Salicylwasscr oder Sublimatwasser (1 :5000) versucht werden. Im übrigen verfährt man ebenso, wie oben be­schrieben wurde.
Bedenklicher noch als Verletzungen des Darmes und der Gebär­mutter sind diejenigen des Magens; bei Fleischfressern rufen sie Er­brochen hervor. Verletzungen des Pansen der Wiederkäuer gestalten sich bekanntlich unter Umständen (Trokart, Pansenschnitt) ungefährlich. Dass auch beim Pferde nicht jode Magenverletzung tödtlich vorläuft, beweist die Anwendung des Hey n e'schen Magentrokarts. Auch von den Fleischfressern wurden Magenverletzungen zuweilen leicht über­standen.
Sollte eine Magenverletzung Gegenstand der Behandlung werden, so müsste man ebenso verfahren wie bei Dannwundeu.
ßauchwunden mit Verletzung der Nieren complicirt geben sich durch Blutharnen zu erkennen und sind meist auch mit Paraplegic verbunden. Rechtzeitiges Schlachten der Thiere würde hier dem wirthschaftliclien Interesse entschieden am meisten entsprechen,
Blasen Verletzungen führen zum Austritt von Harn in die Bauchhöhle und gehen sich durch Anurie zu erkennen; zuweilen fliesst auch aus der Bauchwunde Urin ab. Sie vorlaufen fast ausnahmslos tödtlich und werden daher kaum Gegenstand der Behandlung. Dass jedoch namentlich bei Fleischfressern die Heilung nicht ausgeschlossen ist, beweist eine Mittheilung von Rodloff. Bei einem Hunde war die penetrirende Bauchwunde mit Vorfall des Darmes verbunden und nach
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286nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Bauches.
Reposition desselben von einem Laien geheftet worden. Es blieb aber ein Bruch zurück und bei der Operation desselben wurde die Harnblase angeschnitten. Nachdem dieselbe genäht und um den Bruch­sack eine Ligatur gelegt war, heilten beide.
Verletzungen der Leber sind, wie die neuen Versuche von Ponfik ergeben haben, keineswegs absolut tödtlich, doch nimmt die Mehrzahl derselben einen letalen Ausgang.
Stookfleth hat eine Statistik des Verlaufes der Banchwunden mit Vorfall des Darmes gesammelt, 13ei 27 Jianohwunden wurde 15 mal Darm-verfall beobachtet. Von 14 Pferden, 2 Maulthieron, 2 Kühen und 1 Hunde starben 4 (2 Pferde, 1 Kuh, 1 Maulthier). Diese Zusammenstellung giobt indess kein klares IJild über die Bedeutung der Bauchwunden, weil mit Vorliebe die günstig verlaufenen Fälle veröffentlicht werden. Im Allgemeinen gestaltet sich der Verlauf zweifellos erheblich ungünstiger.
.lewsejenko beobachtete im russisch-türkischen Kriege 31 Bauch­wunden bei Pferden. Am bedenklichsten erwiesen sich die durch grössere Geschosse; je kleiner diese, desto geringer die Gefahr. Acht Schiesswunden waren mit Verletzung des Darmes vei'bunden, von denen fünf mit Peri­tonitis tödtlich verliefen, drei heilten, nachdem die Wunde geheftet war. Zwei klagen wunden durch Granatsplitter führten zum Tode. Eine Kugel­wunde des Magens wurde geheftet und heilte.
Von vier Leherwunden endeten drei mit dem Tode, eine mit Genesung, von drei Kugelwumlen der Milz zwei tödtlich, eine mit Genesung, nach­dem das Geschoss mit der Kornzange entfernt war (?).
Zuweilen gehen Thiere wie Menschen bei penetrirenden Bauch-wunden unter Collapserscheinungen in kurzer Zeit zu Grunde. Früher glaubte man in diesem peracuten Verlauf die Wirkung des Shok er­blicken zu können. Neuerdings hat sich jedoch mehr und mehr ge­zeigt, dass hierbei meist profuse Blutungen in die Bauchhöhle wirksam sind. Auch auf solche muss man bei frischer Verletzung gefasst sein und dosshalb nicht unterlassen, die Schleimhäute und den Puls zu unter­suchen, ehe man sich zu einem eingreifenden Heilverfahren anschickt, das eventuell von dem Besitzer des Thieres als die Ursache des un­erwarteten Verlaufes angesehen wird.
Parkes stellte bei 37 Hunden Versuche an, um die Wirkung der Verletzung durch Pistolenkugeln zu studiren. Drei Hunde starben nach dem Schuss in die Bauchhöhle sofort an Verblutung aus der Aorta bezw. Nieren- oder Milzarterie. Zwölf lebten einen Tag und starben ebenfalls an Verblutung unter den Erscheinungen des Shok. Die übrigen lebten länger, doch liess sich bei fast allen Austritt von Daminhalt in die Bauch­höhle, aber nicht in die Hautwunde feststellen. Von den 21 Stück, welche nicht sogleich erlagen, starben noch zwei an Peritonitis; von 21 durch Laparotomie behandelten starben zehn in drei Tagen bis drei Wochen, neun wurden geheilt.
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Anus pnieternaturalis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 287
3. Die Darm- oder KotMstel. Anus praeternaturalis.
Lit.: Howard, The vet. journal. Vol. 27. S. 329. Körb er, Guilt u. Hartwig. 2. S. 82 u. 380. Arndt, dalaquo;. 3. 8. 456. Linden berg, das. 8. S. 55. Dainmann, Adam Wochenscbr. 1877. S. 309. Fürstonberg, Rindvieh­zucht. II. Aufl. Bd. 1. S. 140. Urban, Busch, Thierheilkuude. B. I. Heft 3. S. 128. Haubnor, Ueber Mageuverdauung der Wiederkäuer. 1887. Bayer, Müller Roll. 1885. S. 27. Napp, Th. Mitth. 1870. S, 140. Strecker, Th. Mitth. 1877. S. 117. Curdt, Gurlt u. Hertwig. 3. S. 456.
Als Darm- oder Kothfistel bezeiclmot man eine directe Com­munication zwischen dem Darmlumen mit der äusseren Luft und zwar durch die Dannwand. Die in die Fistel eingeführte Sonde gelangt durch die Bauchdecke direct in den Darm. Der Zustand kann sieh an den verschiedensten Stellen des Bauches bilden, findet sich jedoch bei Thieren am häufigsten an der unteren Fläche desselben oder in deren Nähe, bei Pferden meist dicht hinter der letzten liippe. Zu physiologischen Zwecken werden nicht selten absichtlich Darm- bezw. Magenfisteln angelegt. Sie können aber auch durch zufällige Ver­letzungen und Quetschungen der Bauchdecken entstehen; Fälle der Art hat Curdt vom Pferde und Rinde mitgetheilt. Howard legte bei einem Ferkel, welches mit Atresia ani behaftet war, eine Grimmdarm-fistel an, um das Thier zu retten. Wenn bei penetrirendon Bauch-wunden der Darm mitverletzt ist, so kann es vorkommen, dass die Wundränder des Darmes mit denen der Bauchdecke und äusseren Haut verwachsen; es entstellt auf diese Weise eine Darmfistel. Arndt, Lindenberg, Dam mann u. A. haben solche Beobachtungen bei Pferden und Rindern beschrieben. Die Verletzung kann aber auch von der Magen- oder Darmschleimhaut ausgehen. Die Serosa ver­klebt und verwächst in Folge der Entzündung mit dem Bauchfell, und wenn nun Abscedirung eintritt, so findet unter Umständen Per­foration der Bauchdecke statt; die Folge davon ist eine Darmfistel. Körb er beobachtete diese Entwickelung beim Pferde im Anschluss an Kolik; es hatte eine Perforation der Bauch decke neben der Mittel­linie, hinter dem Nabel stattgefunden. Urban thcilt eine ähnliche Beobachtung beim Füllen mit; hier war ein Nabelbruch angeschnitten worden, in Folge dessen sich die Darmfistel entwickelte. Auch Bay er sah nach der Behandlung eines Nabelbruches mit Salpetersäure den Zustand entstellen. Fürstenberg beschreibt eine Labinagcnfistel bei der Kuh. 7 bis 10 Minuten nach der Getränkaufnalnne wurde aus
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288nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Bauches.
der am Pförtner gelegenen Fistelöffnung Flüssigkeit mit Futterstoffen
gemischt in einem mehrere Fuss weit reichenden Strahle hervorge­schleudert. Pansen- und Haubenfistoln wurden schon von Flourens (Haubner) zur Erforschung des Wiederkauens bei Kindern und Schafen künstlich angelegt. Haubner sah bei Schafen Magenfisteln durch Verabreichung von Arsenik in Stücken entstehen. Auch die vom Rinde verschluckten Fremdkörper perforireu zuweilen die Bauchwand und er­zeugen Magenlistelu, die jedoch regelmässig heilen (Napp und eigene Beobachtung); Strecker fand in dem Abscess einen Scherenschenkel. Meist findet hierbei die Perforation an der vorderen Abtheilung der Brustwand, etwas hinter dem Ellbogen statt.
In einem von Dam mann mitgetheilten Falle, welcher eine neun­jährige Stute betraf, bestand als Complication eine Hernie; der Zu­stand war durch eine Verletzung von aussen entstanden.
Erscheinungen und Verlauf. Mit einer Darmfistel kann das Thier längere Zeit leben, und wenn der durch Ausfluss aus der Fistel eintretende Verlust an Nährstoffen und Verdauungsflüssigkeit ersetzt wird, so hält sich das Thier in gutem Nährzustande. Dieses findet jedoch nicht immer statt; auch wird das Aussehen des Thieres durch die andauernde Absonderung aus dem Fistelkanal mehr oder weniger entstellt. Urban beobachtete das Fohlen zwei Jahre hindurch; trotz guter Fütterung blieb es mager und wurde desshalb getödtet. In anderen Fällen (Körb er) wurde Heilung erzielt.
Behandlung. Die Heilung der Magen- bezw. Darmfistel wird vornehmlich durch den Ausfluss von Darminhalt aus der Oeff'nung verhindert; diesen aufzuheben bildet also die Grundlage der Therapie. Körber erzielte durch Anwendung des Glüheisens Heilung; ein glühender Draht wurde in die Fistel eingeführt, worauf in 12 Tagen Vernarbung eintrat. Lindenberg empfiehlt eine Schnürnaht an­zulegen. Man muss dieselbe womöglich so tief zu legen suchen, dass der innere Mund der Fistel, d. h. die Oeffnung in der Darra-wand zum Verschluss gebracht wird. Ein Verschluss der äusscren Fistelöffnung durch Zusammenschnüren der Haut würde nicht genügen, sondern neue Abscedirungen veranlassen. Dam mann beobachtete, dass nach dem Heften Kolikanfälle eintraten und die Ligaturen zerrissen; der Erfolg blieb aus und nach 5 Monate langer Behandlung wurde das Thier als unheilbar getödtet. Bei enger Oeffnung versuche man zunächst durch Aetzung mit einem scharfen Mitfei oder dein Glüh-
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üauchstich.
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eisen eine Schwellung und dadurch den Vcrschluss und die Verwachsung des Fistelganges zu erreichen. Wo dies nicht gelingt, kann ein starkes Heft durch die Bauchmuskulatur gelegt werden. In dem zweiten Falle erzielte Dam mann bei einer Kuli durch Anwendung von Liquor Vallai, welches durch einen Wergbausch applioirt und durch einen Verband getragen wurde, in zwei Monaten Heilung.
4. Der Ikuelisticli. Fimotlo s. Paraoenthesls abdomlnis.
Indication zum Bauchstioh bildet die Ansammlung seröser Flüssig­keit im Peritonealsacke (Hydrops ascites), wie sie nach chronisch ent-zündlicben Processen arn Peritoneum, häufiger aber in Folge von Nieren­leiden oder Circulationsstörungen entsteht. Das Bauchfell besitzt zwar, wie die Versuche von Wegner gezeigt haben, die Fälligkeit, iu kurzer Zeit grossero Mengen Flüssigkeit zu resorbiren, bezw. in die Circulation überzuführen; dem entspricht auch die klinische Erfahrung und die Auffassung der Bauchhöhle als einen grossen Lymphraum. Wenn also Flüssigkeiten in der Peritonealhöhle längere Zeit zurück­gehalten werden, so müssen dazu besondere Ursachen gegeben sein, und da mit der Entfernung derselben auf operativem Wege das Grundleiden in der Regel nicht geheilt wird, so kehrt meistens die Ansammlung von Flüssigkeit bald wieder. Die Operation hat daher meist nur eine sympto­matische Bedeutung; sie kann unter Umständen die durch den Druck der Flüssigkeit auf das Zwerchfell entstandene Erstickungsgefahr be­seitigen und dem Thiere Linderung seiner Athembeschwerdcn verschaffen; eine dauernde Heilwirkung übt sie dagegen nur selten aus. Beim Hydrops ascites erscheint ihre Wiederholung häufig nach kurzer Zeit nothwendig. und da hierbei dem schon geschwächten Organismus immer mehr Ei-weisssubstanzen entzogen werden, so trägt die Operation oft nur zur Beschleunigimg eines tödtlichen Ausganges der Krankheit bei.
Die Diagnose des Ascites stösst in der Kegel auf keine Schwie­rigkeiten, sobald so grosse Mengen Flüssigkeit sich hier vorfinden, dass man zur Function schreiten kann. Am häufigsten trifft man der­artige Leiden beim Hunde, dessen weiche Bauchdecken zugleich eine genauere Untersuchung der Organe der Bauchhöhle durch Palpation gestatten. Diese Untersuchung ist aber um so wichtiger, als sie zuweilen auch über die Ursachen der Wassersucht Auskunft giebt. Man findet hierbei oft chronische Veränderungen (Tumoren u. s. w.) in der Leber, wodurch die Aussicht auf einen dauernden Erfolg der Operation höchst Möller, Specielle Ohlinrgle für Tlileitlrztenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; l'J
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290nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Bauches.
ungünstig wird. Dasselbe gilt von den bei Hunden nicht selten vor­kommenden Herzleiden.
Bei diesen Thieren zeigt der Bauch oft eine bedeutende und auf­fällige Ausdehnung, welche zuweilen mit Athembeschwerden verbunden ist. Am stehenden Thiere lässt sich die Wellenbewegung der Flüssig­keit durch einen leichten Schlag an der einen Seite des Bauches an der anderen Seite mit der Hand meist deutlich fühlen. Diese als „Sucussio Hippocratisquot; bezeichnete Erscheinung stellt das zuverlässigste Symptom der Bauchwassersucht dar.
Die Entleerung des flüssigen Inhaltes des Peritoncalsackes, eine Operation, die an sich sehr einfach ist, geschieht mit Hülfe eines Trokart von derselben Stärke, wie ei1 beim Darmstich angewendet wird (vergl. diesen). Da man hierbei nicht wie beim Darmstich Gefahr läuft, vom Darm aus eine Infection herbeizuführen, an der äusseren Haut aber für Asepsis sorgen kann, so erscheint die Operation bei vorsichtiger Ausführung durchaus unbedenklich und ungefährlich in Bezug auf die Entstehung von Peritonitis. Selbst früher, als man strenge Antisepsis noch nicht kannte, wurde die Operation in der Regel ohne jeden Nachtheil vorgenommen.
Zur Ausführung des Bauchstiches benutzte man ehemals ver­schiedene Stellen, von denen die durch den Mastdarm und die Scheide bald verlassen wurden, weil hierbei niemals eine sichere Garantie für Asepsis besteht. Gegenwärtig wird die Operation entweder in der Nähe des Nabels, unmittelbar neben der Linea alba, oder an der einen oder andern Seitenfläche der Bauch wand vorgenommen. Bei kleinen Thieren wählt man in der Begel die erstere, bei grösseren, die im Stehen operirt werden, die letztere, weil bei ihnen die Operation an der unteren Fläche des Bauches unbequem ist. Beim Rinde operirt man an der rech ton Seite, um den links liegenden Pansen nicht zu verletzen; beim Pferde an der linken Seite, weil rechts dasselbe vom Blinddarm gilt.
Da beim Hydrops ascites die zum Theil mit Gasen angefüllten Gedärme auf dem Wasser schwimmen, so hält sich die Flüssigkeit in den untersten Abschnitten der Bauchhöhle auf; deshalb werden auch diese zur Punction gewählt. Uni sicher zu gehen, percutirt man die Stelle, WO man zu operiren gedenkt. Darmthoile geben sich durch tympanitischen, Flüssigkeit durch einen absolut leeren Ton zu erkennen. Bei grösseren Thieren gestaltet sich das Operationsverfahren wie folgt: Nachdem die Haare an der Operationsstelle abrasirfc und diese desinficirt (abgeseift und mit einem Desinficiens nachgespült) ist,
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Bauchstich.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;291
kann mit dem spitzen Bistouri oder der Lancette ein Hautstich gemacht werden, was namentlich bei unruhigen Thieren und bei dicker Haut zu empfehlen ist, um die Einführung des Trokarts zu erleichtern. Diese erfolgt in derselben Weise wie bei der Punction der Brusthöhle. Das Heft des sorgfältig dosinficirten Trokarts liegt in der rechten hohlen Hand des Operateurs und der Zeigefinger da auf der Hülse, bis wohin das Instrument eindringen soll. Es richtet sich dies nach der Thierart und der Stärke der Bauchwandung. Im Allgemeinen rechnet man bei grösseren Thieren auf 3—5 cm, bei kleineu auf 2 bis 3 cm. Hierauf wird das Stilet zurückgezogen und die Flüssigkeit ab­gelassen. Findet eine Unterbrechung des Abflusses statt, so bewege mau die Hülse des Trokarts nach verschiedenen Seiten und halte sie so, das-; die Entleerung recht lebhaft erfolgt. Zuweilen wird es nothig, Gerinnsel mit Hülfe des Stilets oder einer Sonde aus der Hülse zu entfernen.
Nachdem die Flüssigkeit entleert ist, wobei hier nicht die Vor­sichtsmassregeln wie beim Bruststich erforderlich sind, entfernt man den Trokart. in derselben Weise wie dort und behandelt auch die Wunde ebenso wie daselbst angegeben (S. 208).
Bei Hunden wird mit Vortheil am liegenden Thiere operirt und zwar in der Seitenlage; in der Rückenlage sammeln sich an der un­teren Bauchwand Darmtheile an, daher ist die Seitenlage vorzuziehen. Grössere Hunde, die sich ruhig verhalten, können auch im Stehen operirt werden. Welche Stelle neben der Mittellinie gewählt wird, ist gleichgültig; gewöhnlich zieht man die hintere Abtheilung des Bauches vor, operirt zwischen Nabel und dem vorderen Rande des Schambeines, weil man in den vorderen Abschnitten eher Gefahr laufen würde Ver­letzungen des Magens oder der krankhaft vorgrösserten Leber herbei­zuführen. Hier wird die untere Bauchfläche ebenso wie oben be­schrieben desinficirt und in derselben Weise weiter vorgegangen.
Nach der Operation kann versucht werden, durch Binden und Bandagen den Hinterleib zusammenzuschnüren, um durch Steigerung des intraabdominalen Druckes die Abscheidung neuer Flüssigkeit zu verhindern. Leider liegen solche Verbände beim Hunde sehr selten fest, sondern gleiten nach hinten, selbst wenn man durch über die Brust gezogene Binden dieses zu verhindern sucht.
Um die Wirkung des Bauchstiches zu sichern, die Wiederkehr des Ascites zu verhindern, wurde empfohlen, nach Entleerung der Flüssigkeit .Todlösung oder Spiritus in den Peritonealsack zu injiciren. Man hat sich jedoch schon beim Menschen nicht allein von der Nutz-
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292nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Bauches.
losigkeit sondern auch von der Gefährlichkeit dieses Verfahrens über­zeugt, und wendet es jetzt kaum noch an. Dagegen wird nicht selten die Wiederholung der Punction auch bei Thieren erforderlich.
5. Eliigeweidobriiclie. Heruiae.
Als „Bruchquot; (Hernia) bezeichnet man den Zustund, wobei Baiicheingeweide durch die Bauchdecken unter die äussere Haut ge­treten sind. Gelangen sie auch durch die äussere Haut, so spricht man von „Vorfallquot; (Prolapsus). Nach einem älteren Sprachge-brauch bezeichnet man auch den Austritt von Buucheingeweiden durch das Zwerchfell in die Brusthöhle als Bruch (Zwerchfellsbruch) und ebenso beim Kinde die Einklemmung des Darmes im Samenstrange als „inneren Bauchbruchquot;, Zustände, die hier besprochen werden sollen, obgleich sie den Brüchen im eigentlichen Sinne dos Wortes weniger entsprechen als den Incarcerationen.
Die Ursachen der Hernien bestehen theils in angeborenen Abnormitäten, wie z. B. in zu weitem Leistenringe oder einem offenen Nabel; solche Brüche sind daher entweder angeboren oder sie entwickeln sich bald nach der Geburt. Steigerung des intraabdominalen Druckes, häufiger Husten, Athcmboschwerden, heftige Bauchpresse, Gasentwick­lung im Darm (Tympanitis) fordern ihre Entstehung. Andererseits geben Zerreissungen der Bauchdocken die Veranlassung zu Brüchen ab, wie solche beim Gebären, heftiger Anstrengung, starker Bauch­presse, aber auch durch gewaltsame Einwirkung stumpfer Körper auf die Bauchwand hervorgerufen werden. Beim Menschen können Ein­flüsse, die von aussei! auf die Bauchdecken einwirken, z. B. der Zug lipornatöser Neubildungen, Ausbuchtungen der Bauchhöhle erzeugen, und so Brüche entstehen; bei Thieren ist diese Ursache meines Wissens bisher nicht beobachtet worden
Wesentliche Theile eines Bruches bilden:
1. Die Bruchöffnung oder Bruchpfoi'te, d. h. ein Loch in der Bauchdecke, durch welches die Eingeweide aus der Bauchhöhle getreten sind. Dieselbe besteht entweder in einer natürlichen, aber ab­norm weiten Oelfnung, wie der Nabelring oder der Leistenkanal, oder sie stellt eine krankhafte Trennung in der Bauchdecko dar, welche in der Hegel durch Zerreissung der Bauchmuskulatur ohne Continuitäts-trennung in der äusseroi Haut entstanden ist.
Die Begrenzung der Bruchpforte wird „Bruchringquot; genannt.
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Ilernien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 293
Tn Bezug auf Grosse und Form zeigt die Bruchpforte bezw. der Bruch-ring grosse Verschiedenheiten; bald innfasst der Bruchring nur einen Raum in der Grosse eines kleinen Fingers; er,kann aber, namentlich bei grösseren Thieren, den Umfang einer Mannesfaust annehmen. Bald zeigt sich die Bruchpforte rund, bald länglich oder schlitzförmig. An Nabel- und Leistenbrüchen ist der Bruchring vom Peritoneum beklei­det, bei frischen Bauchbrüchen stellen die Bänder des Hisses in der Bauchdecke den Bruchring dar.
2. Die „Bruchgeschwulstquot;, deren Grosse zwischen einer Hasel-nuss und einem Menschenkopf schwankt und zuweilen noch umfang­reicher wird, besteht ans den hervorgetretenen Baucheingeweiden, dem „Bruchinhaltquot; und seiner Umhüllung, dem „Bruchsackquot;. An letz­terem unterscheidet man einen „Halsquot; und einen „Grundquot;. Der Bruchsack besteht aus der äussoren Haut und der meist verdickten Unterbaut, zuweilen aus Lagen von Muskeln und Fascieu der Bauch­decken; unter Umständen kommen hierzu noch andere Bedeckunü'eu, wie z. B. die Tunica vaginalis communis und der Hodensack bei Leistenbrüchen. Solche besonderen Bedeckungen werden auch als „accessorische Hüllenquot; des Bruches bezeichnet.
Bei Brüchen, deren Pforte abnorm erweiterte physiologische Oeffnungen der Bauchwand darstellen, wie bei Nabel-, Leisten- und Schenkelbrüchen, wird der Bruchsack vom Peritoneum ausgekleidet. Bei den durch Zerreissungcn in den Bauchdecken entstandenen Bauch-brüchen wird in der Pegel auch das Peritoneum getrennt; die Einge­weide treten alsdann oft bis in die Unterhaut und sind nur von dieser sowie der äusseren Haut bedeckt.
Der „Bruchinhaltquot; besteht entweder aus Darmschlingen oder Netz; dementsprechend bezeichnet man den Bruch als „Fnterocelequot; oder „Epiplocelequot;. Sehr selten finden sich andere Baucheingeweide, wie Magen (Gastrocele) oder Leber im Bruchsack. Zuweilen enthält der Bruchsack ausserdem eine seröse Flüssigkeit (Bruchwasser).
Bei beweglichen Bruchei.' Hegt der Bruchinhalt frei im Bruch-sack, so dass man denselben in die Bauchhöhle zurückbringen kann (Reposition, Taxis); bald sind Bruchinhalt und Bruchsack mit ein­ander verwachsen. In diesem Falle gelingt die vollständige Reposition erst nach Loslösung der Verbindung; man spricht alsdann von einem unbeweglichen Bruch. Die Unbeweglichkeit kann aber auch durch Einklemmung und andere Umstände, z. B. durch starke Anfülhing der hervorgetretenen Darmtheile mit festen Fäcalmassen entstehen.
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294nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Bauches.
Diagnose. Die Erkennung eines Bruches bietet in der Kegel keine Schwierigkeiten, so lange derselbe reponibel ist; er charakterisirt sich als eine Groschwulst mit folgenden Eigenschaften:
a)nbsp; frei von entzündlichen Erscheinungen (besonders Schmerz) elastisch, weich und comjiressibel, d. h. auf Druck lässt sich die Geschwulst verkleinern;
b)nbsp; ihre Grosse pflegt zeitweise zu wechseln; durch Husten, starke Körperanstrengung während der Wirkung der Bauchpresse wird die Bruchgeschwulst grosser und verkleinert sich nach dem Aufhören dieser intraabdominalen Drucksteigerung;
c)nbsp; ihre Reponibilität, d. h. die Möglichkeit, bei entsprechen­der Lage des Thieres oder auf Druck von aussen ganz zu verschwin­den, aber nach Aufhebung des Druckes und Aenderung der Lage von neuem hervorzutreten.
d)nbsp; Absolute Sicherheit erlangt die Diagnose erst durch den directen Nachweis der Oeffnung in der Bauchdecke, der Bruch-pforte, die sich bei den meisten Brüchen fühlen lässt, wenn man einen oder zwei Finger in die Tiefe des Bruchsackes schiebt oder nachdem man den Bruchinhalt reponirt hat.
Dass bei Aufstellung der Diagnose Vorsicht geboten und nament­lich die Verwechslung eines Bruches mit einem Abscess oder Hämatom bedenklich werden kann, wurde bereits bei Besprechung der Quetschungen des Bauches erwähnt (S. 275).
Beurtheilung. An sich bildet der Bruch keinen lebensgefähr­lichen Zustand; sobald aber Einklemmung eintritt, wird derselbe höchst bedenklich. Die Beurtheilung hängt daher in erster Linie von dem Grade der Gefahr der Einklemmung ab, welche bei den verschiedenen Brüchen besprochen werden soll. Die Gefahr der Einklemmung ist um so grosser, je kleiner die Bruchpforte zur Grosse des Bruchsackes sich gestaltet. Besteht der Bruchinhalt aus Dünndarm, so erfolgt die Einklemmung leichter, als wenn sich Dickdarm - oder Netz im Bruch-sack befinden. Ferner kommt bei der Beurtheilung die Grosse des Bruches und die Verwendung des Thieres in Betracht. Bei Arbeits-thieren tritt leichter Einklemmung ein; grössere Brüche stören zuweilen die Arbeitsfähigkeit der Thiere.
Manche, namentlich kleine Nabel- und Leistenbrüche heilen bei jungen Thicrcn von selbst, andere bestehen das ganze Leben hindurch, ohne einen direkten Nachtheil in der wirthschaftlichen Ausnutzung der Thiere zu veranlassen.
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Hermen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;295
Irreponible Hernien sind ungünstiger zu beurtheilen als mobile, frisch entstandene bedenklicher als ältere, weil die Gefahr der Incarceration bei ersteren grosser ist. Netzbrüche erscheinen weniger bedenklich als Darmbrüche, da an ihnen selten Incarceration vorkommt. Das Nähere hierüber soll bei den einzelnen Brüchen besprochen werden.
Als „Brucheinklemmungquot; (Incarceratio) bezeichnet man den Zustand, wobei der Bruchring auf den Bruchinhalt einen Druck ausübt, so dass die regelmässige Circulation des Blutes und Darminhaltes im Bruchsacke gestört wird. Es besteht also eine Einschnürung des Bruch­inhalts durch den Bruchring, wodurch im Bruchsacke nicht nur Fücal-stase, sondern auch Störungen der Blutcirciilation und der Ernährung eintreten. Durch die Einschnürung des Bruchiuhaltes seitens des Bruch­ringes wird zunächst in den venösen Gefässen der Rückfluss des Blutes behindert; in ihnen ist der Blutdruck geringer, ihre Wandungen sind schwächer, und es kann daher die Circulation leichter gestört werden als in den arteriellen Gefässen, deren stärkere Wandungen und höherer Blutdruck der Compression grösseren Widerstand leisten. Durch die arteriellen Gefässe wird daher bei der Einklemmung zunächst noch Blut zugeführt und die Füllung der Gefässe mit Blut immer grosser. Die nächste Folge bildet also eine starke venöse Stauung, welche mit mehr oder weniger Zerreissungen von kleinen Gefässen und Hämorrhagien verbunden zu sein pflegt. Eine weitere Folge der Circulationsstörung bildet die Exsudation von blutigem Serum; das Bruchwasser vermehrt sich und nimmt in Folg-e von Blutbeimischunff eine rothe Farbe an. Der Bruchinhalt, namentlich die Serosa des Darmes erscheint dunkelroth bis schwarz, eine Färbung, welche sich an der meist ringförmigen, grauen, anämischen Compressionsstelle deutlich und meist scharf abhebt, weil hier der Druck zu Anämie geführt hat. Sowohl diese Anämie, wie auch die venöse Stauung führen zur Störung der Ernährung in den eingeschnürten Theilen, welche schliosslich nekrotisch werden können.
Zu den hierdurch veranlassten Störungen trägt die Fäcalstase bei, indem die Zersetzungsprodukte des stauenden Darminhaltes reizend auf die Schleimhaut einwirken und unter der Mitwirkung der behinderten Circulation Nekrose der Schleimhaut (Dyphtherie) hervorrufen; viel­leicht spielen auch Infectionsstoile und ihre Produkte hierbei eine Bolle.
Die Nekrose stellt sich zuerst an zwei Stellen ein: einmal an den tiefsten Abschnitten des Bruchinhaltes, wo die Circulation am meisten leidet, sodann an der Eiuschnürungsstelle. Klinisch ist wohl zu be­achten, dass die Schwarzfttrbunff noch nicht als Zeichen des Brandes
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Krankheiten des Bauches.
angesehen werden kann. Letzterer giebt sich gewöhnlich durch graue Punkte an der Oberfläche des Peritoneums zu erkennen, oder es bilden sich graue Flecken und geschwürige Zerstörungen am Bruch-inhalte aus.
Der zuführende, d. h. vom Magen kommende Darm­abschnitt zeigt sich von Inhaltsmassen stark angefüllt und erweitert, während die abführende Darmschlinge leer und enger als normal erscheint.
Beurtheilung. Die Einklemmung eines Bruches führt meist in kurzer Zeit, nicht selten schon nach 24 Stunden zum Tode. Daher muss auch der Zustand als gefährlich angesehen werden, und zwar um so mehr, als die Reposition oft schwer fällt oder zu spät kommt, d. b. erst erfolgt, wenn bereits Nekrose eingetreten ist.
Sjjontane Lösung der Incarceration kommt höchst selten vor. Dies erklärt sich theils aus dem Umstände, dass die bedingenden Momente, namentlich die Anhäufung von Fäcalstoffen im Bruchsacke mit der Zeit zunimmt; ferner kommt in Betracht, dass der eingeschnürte Darmabschnitt in Folge der mangelhaften Blutzufuhr bald gelähmt wird und dann erst recht nicht im Stande ist, sich seines abnormen Inhaltes zu entledigen, auch wenn die Ursachen der Incarceration beseitigt wurden.
Die Diagnose der Incarceration gestaltet sich meist nicht schwer. In der Regel wird der Zustand durch Kolikerscheinungen angekündigt, bei Fleischfressern zugleich durch Erbrochen. Die Kolik pflegt sich mit gleichmässigen, andauernden Schmerzen zu äussern. Als Grundsatz muss daher gelten, bei jedem mit einem Bruch behafteten Thiere, welches an Kolik erkrankt, den Bruchsack zu untersuchen. Besteht Einklemmung, so hat der Bruch an Umfang gewöhnlich zu­genommen, zeigt sich schmerzhaft, härter und gespannter als vorher. Bald gesellen sich Symptome der Peritonitis hinzu, unter denen die Thiere sclmell zu Grunde gehen, wenn die Reposition nicht bald er­folgt. Das Auftreten von Albuininurie bei Brucheinklemmung ist zwar wissenschaftlich interessant, klinisch jedoch kaum von Bedeutung.
Als Ursachen der Incarceration nahm man früher eine krampfhafte Contraction des Brucbringes an, wodurch eine Verengung der Bruchpforte entstehen solle. Abgesehen davon, dass bei den meisten Brüchen eine solche Verkleinerung kaum denkbar ist, lässt sich auch
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Hcrnien.
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nicht annehmen, dass cine active Verengerung des Bruchringes so lange anhalten würde. Man Hess daher diese Ansicht fallen und macht gegenwärtig in erster Linie den Bruchinhalt hierfür verantwort­lich, Es muss zwar zugegeben werden, dass ausnahmsweise einmal eine entzündliche Schwellung in der Umgehung des Bruchsackhalses Incarceration veranlassen kann, doch sind derartige Fälle ausserordent-lich selten. Den ersten Anstoss zu Incarceration pflegt eine Zunahme des Bruchinhaltes abzugeben, doch kann umgekehrt die Incarceration diese Vermehrung erst zur Folge haben. Denken wir uns Folgendes: Ein Pferd, mit einem Bruch behaftet, erkrankt an Tympanitis, Der gesteigerte intra-abdomiuale Druck drängt eine grosse Menge Darm und Netz aus der Bauchhöhle in den Bruchsack hinein. Mit der Zu­nahme des Bruchinhaltes wird der Bauchring zu eng, er drückt auf
Via. 61,
Pig, 02.
Sdiomatischc Darstellung dos Turaiveralionsmeolianisinus. a) Abfülirendo, z) zuführendo, Dannschlingu,
den vergröss erteil Inhalt und stört die Circulation in den von ihm um­schlossenen Theilen, es entsteht Incarceration (Fig. (il). Oder stellen wir uns vor: In dem abführenden, d. h. demjenigen Darmrohr, durch welches der Darminhalt aus dem Bruchsack in die Bauchhöhle zurück­kehrt, trete ein Hinderniss ein, wodurch Fäcalstase bedingt würde. Notwendigerweise muss sich der Bruchsack alhnälich mehr und mehr mit Darminhalt füllen, welcher vom zuführenden Darmrohr hinein­gelangt. Diese Füllung kann endlich so gross werden, dass der Bruch-ring den Hals des Bruchsackes einschnürt, und es entsteht so eben-
falls Incarceration. Derartige Stauunffen
der Fortbeweatunsc des
Darminhaltes können durch verschiedene Umstände veranlasst werden. So kommt es nicht selten vor, dass das abführende Darmrohr entweder im Bruchsacke oder in der Bauchhöhle namentlich an seiner Austrittstelle uns dem Bruchringe eine Knickung erfährt, indem dasselbe z. B,
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298nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Bauches,
durch andere Darmtbeile im rechten Winkel von seinem Verlauf im Bauobring abweicht (Fig- 62 a). Dieser Zustand, der ähnlich wie die A hknickung eines Giunmischhuiclies wirkt, erzeugt Fäcalstase im Bruch-sucke und Incarceration (Theorie von Busch). Ebenso kann eine allmäliciie Aniiillung des im Bruch sacke liegenden Darmes durch Verschiebung oder Compression des abftibrenden Darmrohres Fäcalstase und Incarceration bewirken; durch Gasanhäufimg kann /. B. diese Wirkung entstehen. Nach Kose sollen unter Umständen Schleimhautfalten in dem abführenden Darmrohre die Passage stören und so die gleiche Wirkung ausüben. Beim Menschen sind über die Frage des ,,Einklemmungs-Me chani sm u squot; Statistiken aufge­stellt; auch hat man dieselben auf dem Wege des Experimentes bei Tbieren zu lösen gesucht; doch geht aus allem hervor, dass die nilchste Ursache der Incarceration verschieden sein kann. Ebenso liegen die Verhältnisse jedenfalls bei Tbieren, Erwähnt sei noch, dass der Incar-cerations-Mechanismus sich klinisch in der Kegel nicht genauer nach­weisen lässt; deshalb hat diese Frage auch keine grössere Bedeutung.
Ebenso bestehen noch über Netzeinklemmuug Meinungsverschieden­heiten. Soviel steht fest, dass Netzbrüche viel seltener eingeklemmt werden als Darmbrüohe, Von einigen (Rose) wurde das Vorkommen überhaupt in Zweifel gezogen und diese Annahme durch Versuche mittelst. Unter­bindung des Netzes zu stützen gesucht. Von anderen wird ihr Auftreten zugegeben und behauptet, dass auch die Erscheinungen die gleichen sind, wie bei Danneinklenimnngen; doch sollen die Symptome weniger heftig sein, was sich aus dem Umstand erklärt, dass hier nur Störungen der Blutcircnlation, nicht aber die der Fäcalstase in Betracht kommen.
Die Behandlung nicht in carcerirter Brüche. In vielen Fällen, namentlich bei kleinen Brüchen jüngerer Thiere sieht man oft von jeder Behandlung ab, weil spontane Heilung zu erwarten und Einklemmung nicht zu befürchten ist. Die Einzelheiten der thera­peutischen Behandlung sollen bei den verschiedenen Brüchen genauer beschrieben werden, daher beschränke ich mich hier auf eine allge­meine Darstellung derselben. Man unterscheidet eine Palliativkur und eine Radikalkur; bei der ersteren wird die alhnälicho Ver­kleinerung dos Bruchsackes angestrebt, die Radicalkur besteht in dem Verschluss der Bruchpforte.
Zur Palliativkur dienen neben entsprechendem diätetischem Verfahren: nicht voluminöse und leicht verdauliche Nahrungsmittel, Verschonen mit schwerer Arbeit, bei grösseren Tbieren zweckmässige Aufstellung, d. h. so, dass beim Stehen im Stalle die Baucheingeweide
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Hoinien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 200
möglichst von der Stelle des Bruches entfernt werden, folgende Hülfs-mittel:
1.nbsp; nbsp;Das Bruchband. Dieses bei Menschen namentlich zur Ver­hinderung von Einklemmung vielfach benutzte Mittel kann bei Haus-thieren selbstverständlich nicht in demselben Masse Anwendung finden. Bei Leistenbrüchen erscheint die Application eines Bruchbandes für Thiere geradezu ausgeschlossen; auch bei den meisten Bauchbrüchen lässt sich ein solches nicht dauernd in Anwendung bringen. Dagegen hat man beim Nabelbruch der Fohlen von Bruchbändern Gebrauch ge­macht. Im hiesigen zoologischen Garten trug sogar das männliche Nil­pferd längere Zeit hindurch ein solches Bruchband. Diese Vorrichtungen sollen bei Besprechung der Nabelbrüche näher beschrieben werden.
2.nbsp; Verkleinerung des Bruchsackes durch Z urückdrängon des Bruchinhaltes in die Bauchhöhle mit Hülfe von entzündlichen und narbenbildenden Processen in der äussoren Haut des Bruohsackes. Hierzu dienen Einreibungen mit Schwefel-, Salpeter- oder Chromsäure oder die Application dos Glüheisens. Auch subcutane Injectionen von Kochsalz, Alkohol u. s. w. sind zu dem gleichen Zwecke empfohlen worden. Die artifizielle Entzündung, verbunden mit Schwellung in der äussercn Haut und Unterhaut soll den Bruchinhalt allmälich in die Bauchhöhle zurückdrängen. Die scharfen Mittel er­zeugen zugleich Narbenrotraction in der Cutis und können so eine Verkleinerung des Bruchsackes und selbst der Bruchpforte bewirken. Denselben Einfluss hat das neuerdings auch beim Menschen von Nuss-baum empfohlene Glüheisen.
Die Radikalheilung besteht in der Entfernung des Bruch­sackes mit Verschluss der Bruchpforte. Sie kann dadurch erreicht wer­den, dass man den Bruchring oder den Bruchsackhals zur Verwachsung oder in anderer Weise zum Verschluss bringt, ein Verfahren, das bei Thieren erheblich grössere Schwierigkeiten bietet als beim Menschen. Einmal gelingt es nicht so leicht, Asepsis zu erlangen; auch kann das Thier, nicht so wie der Mensch nach der Operation in der oft noth-wendigen Rückenlage erhalten werden. Hieran knüpft sich eine Reihe von Gefahren, welche oft von einer derartigen Behandlung Abstand nehmen lassen.
Zur Radikalkur kommen folgende Methoden in Anwendung:
1. Unterbindung des Bruchsackes. Diese lässt sich nur
bei gestielter Form in toto anwenden. Um das Abgleiten der Unter-
bindungsschnur zu verhindern, hat man empfohlen, Nadeln quer durch
den Bruchsackhals zu stecken und über 'denselben die Ligatur an-
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300nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiton des Bauches.
zulegen. Es versteht sich von selbst, dass man zunächst den Bruch-inhalt reponiren muss, bevor dieses Verfahren eingeleitet wird.
2. Bei Brüchen mit breiter Basis empfiehlt sich Abnähen. Nach Reposition des Bruches legt man mittelst Durchstechung des Bruch­sackes in der Nähe seines Halses und zwar möglichst nahe der Bruch­pforte starke Heftfäden von stcrilisirter Seide um die einzelnen Ab­schnitte des Bruchsackes. Das Verfahren besteht demnach in multipler Unterbindung. Die äussere Haut des ßruchsackes kann auch zunächst gespalten und von ihrer Unterlage abpräparirt, sodann die Übrigen Hüllen des Bruchsackes abgenäht und darüber die äussere Haut ge­heftet werden. Dieses bei Nabelbrüchen vielfach angewendete Ver­fahren gestattet unter Umständen Heilung per primam intentionem und sichert somit den Erfolg.
Zuweilen gelingt es auch den Bruchsack nach Ablösung der Cutis mittelst einer Schnürnaht am Halse desselben zum Verscbluss zu bringen.
Ferner kann der Bruchsaok geöffnet und nach Vernähnng seines Halses abgeschnitten werden, worauf die äussere Haut wie vorhin durch die Vereinigungsnaht geheftet wird; auch hierbei erlangt man oft Heilung ohne Eiterung. Das Heften des Bruchringes bietet aber bei grösseren Thieren, namentlich Pflanzenfressern meist unüberwind­liche Schwierigkeiten, weil die Bauchdecke zu derb und widerstands­fähig ist, um eine Vereinigung und Verwachsung zu gestatten. Bei Bauclibrüchen mit spaltförmiger Bruchpforte stösst das Verfahren oft noch auf ein weiteres Hinderniss, nämlich auf Verwachsung des Bruch­inhaltes mit dem Bauchsacke, deren Lösung nicht nur mit grossen Schwierigkeiten sondern auch Gefahren verknüpft ist. Nach Los-präparirung des Darmes, bezw. nach dem Abschneiden des Netzes, wenn nöthig mit Unterbindung desselben, wird der Bruchinhalt in die Bauchhöhle zurückgedrängt und der Bauchring geheftet. Um die Verwachsung der vernarbten Ränder des Bruchringes zu erleichtern, schabt man die Oberfläche der Bruchpforte mit dem Messer oder der Schere ab, oder man macht hier dichtstehende, oberflftchliche Einschnitte. Beim Heften muss die linke Hand die Eingeweide zurückhalten und vor Verletzungen durch die Nadel schützen. Mittelst starker, sorgfältig stcrilisirter Seide sucht man die Bänder des Bruchringes einander zu nähern, so class die Bruchpforte möglichst vollständig verschlossen wird. Bei grosser Spannung kann die Etagennaht zweckmässige Anwendung finden. Nach Vollendung dieser Naht wird die äussere Haut für sicli ebenfalls mit festem Material und tiefen Stichen lt;roheftet.
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Hevnien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 301
Es braucht kaum erwähnt zu werden, Juss hierbei strengste Anti­sepsis beobachtet werden muss. Wo diese nicht erreicht wird, tritt die Gefahr einer Peritonitis ein; auch erfolgt der Verschluss bei weitein nicht so schnell und sicher wie bei aseptischem Wumlvorlauf. lieber die Einzelnheiten dieses Verfahrens soll bei den verschiedenen Brüchen die Rede sein.
Endlich kann die lladikalkur durch Anlegung einer Kluppe um den Hals des Bruchsackes erzielt werden, ein Verfahren, das nament­lich bei Nabelbrüchen oft Anwendung findet und dort beschrieben werden soll.
Behandlung der incarcerirten Brüche.
Dass bei Incarceration stets Gefahr im Verzüge ist, und die Be­handlung sofort eingeleitet werden muss, wurde bereits erwähnt. Diese besteht in der Beseitigung der Incarceration und zwar zunächst durch den Versuch, den Bruch zu roponiren. Zu dem Zwecke wird das Thier so gelagert, dass sich der Brach möglichst hoch oben befindet, damit der Bruchinhalt durch seine Schwere in die Bauchhöhle zurückzutreten neigt. Ein wesentliches Hhulerniss bei der Reposition bildet die Un­ruhe des Thieres und die Neigung in gefesseltem Zustande die Bauch­presse wirken zu lassen; zur Verhinderung derselben dient die Narkose, ohne welche bei grösseren Thieren die Reposition in der Kegel nicht erreicht wird. Bei Pferden wende ich Chloroform, bei Hunden Morphium an. Bei schlachtbaren Thieren muss stets überlegt werden, ob es nicht vortheilhafter erscheint, das Schlachtmesser in seine Kochte treten zu lassen; durch die Anwendung von Chloroform und Aether kann das Fleisch ungeniesshar werden.
Es ist stets zu beachten, dass das Hhulerniss in der Nähe der Bruchpforte zu liegen pflegt. Von hier aus muss daher auch die Hülfeleistung ausgehen und als fehlerhaft bezeichnet werden, wenn man diese am Grunde des Bruchsackes durch Druck gegen den­selben eintreten lässt; damit erreicht man niemals die Taxis. Bei grösseren Brüchen unifasst man den Bruchsack mit beiden Händen, SO dass die Pingerspitzen in der Nähe der Bruchpforte liegen. Mit diesen sucht man nun den dicht über der Bruchpforte befindlichen Inhalt durch gleichmässigen Druck zu verkleinern oder zu verschieben und auf diese Weise das Hinderniss für die Portbewegimg des Darm-Inhaltes zu lösen.
Da wo eine Darmabknickung an der abdominalen Weite des Bruchringes vermuthet wird, empfiehlt sich den Brucksack seitwärts zu
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302nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Bauches.
bewegen, um die Knickung ZU heben und den Darminhalt frei zu machen. Natürlich muss dies ebenfalls langsam, aber andauernd und nach verschiedenen Richtungen erfolgen, weil man nicht wissen kann, wo das Hinderniss liegt. Zuweilen stellt sich hierbei ein gurrendes Cxeräusch ein, welches auf Entleerung des im Bruchsack gelegenen Darmrohres schliessen lässt; noch günstiger erscheint eine Verklei­nerung des Bruchsackes unter den Fingern. Stellungen, unter denen diese Erscheinungen auftreten, suche man daher wiederzuerlangen und mit dem Bruchsacke länger einzunehmen.
Gelingt es auf diese Weise nicht innerhalb einer halben Stunde die Taxis zu bewirken, so kann in der Hegel nur der Bruchschnitt noch etwas leisten, der unter Umständen von vornherein Anwendung finden inuss. Wenn man nämlich annehmen muss, dass der vorge­fallene Dann bereits mürbe oder im Bruchsacke zerrissen ist, so darf eine Reposition nicht eintreten, weil in beiden Fällen Peritonitis zu befürchten steht. Je länger daher die Einklemmung gedauert, desto vorsichtiger müssen die Manipulationen bei den Repositionsversuchen ausfallen. Entzündung des Bruchsackes, Emphysem unter der äusseren Haut desselben, lassen auf bereits erfolgte Zerreissung schliessen, ein Zustand, der bei Thieren im Allgemeinen als unheilbar gelten kann.
Der B r u c h s c h n i 11 (H e r n i o t o m i e) bezweckt die Einklemmung zu lösen und kann in verschiedener Weise ausgeführt werden. In der Menschenheilkunde unterscheidet man einen Bruchschnitt ohne Er­öffnung der Bauchhöhle, den sog. äusseren Bruchschnitt und einen solchen mit Durchschneidung des Peritoneums, also mit Eröffnung der Peritonealhöhle (Herniotomia interna). Der erstere fand früher häufigere Anwendung als heute, weil man bei Anwendung der Anti­sepsis die Peritonitis nicht mehr in dem Masse zu fürchten hat; das Gleiche gilt für Thiere. Da auch hier strenge Antisepsis oft durch­führbar ist und der äussere Bruchschnitt im Allgemeinen grössere Schwierigkeiten bietet, so wird derselbe weniger angewendet als früher. Das Verfahren beim äusseren Bruchschnitt ist folgendes:
Nach sorgfältiger Desinfection des Operationsfeldes und zweck-mässiger Lagerung des narkotisirten Thieres wird in der Längsrich­tung ein Hautschnitt über die Bruchgeschwulst geführt, welcher sich über den ganzen Bruchsack erstrecken muss. Nachdem auch der Haut­muskel in der gleichen Ausdehnung durchtrennt ist, stösst man beide von der Bruchgeschwulst ab und sucht möglichst nahe bis an den Bruchring zu gelangen. Grössere Gefässe werden unterbunden, um ein klares Operationsfeld zu bewahren, derbe Bindegewebsstränge
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Herniotomie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;308
mittelst Schere und Messer getrennt. Die nun in die Tiefe vorge­schobenen Finger können in der Kegel die engste, also strangulirto Stelle ermitteln, welche alsdann mit einem Herniotom oder Tenotom erweitert wird, und zwar ohne das Peritoneum zu verletzen. Sobald diese Trennung erfolgt ist, gelingt die Taxis leicht und muss die Wunde nunmehr sorgfältig gereinigt und geheftet werden.
Der innere Bruchschnitt verlangt dieselbe Vorbereitimg. Der Hautschnitt wird in gleicher Weise angelegt und die unter der­selben befindlichen Hüllen des Bruchsackes bis auf das Peritoneum mit dem Messer gespalten. Alsdann hebt man von letzterem mit der Pincette am Grunde des Bruchsackes eine kleine Falte in die Höhe und schneidet diese mit horizontal gehaltenem Messer dicht unter der Pincette so ein, dass eine kleine Oeffnung entsteht. Mittelst einer geknöpften Schere lässt sich diese Oeffnung erweitern, so dass der Zeigefinger in den Bruchsack geschoben werden kann, auf welchem man mit der Schere das Bauchfell bis an den Bruchsackhals spaltet. Der Finger muss den Bruchinhalt zurückdrängen und vor Verletzungen schützen. Nunmehr kann derselbe bis in die Bruchpforte vordringen. An ihm führt man das Herniotom ein und spaltet den Bruchring bezw. den Hals des Bruchsackes da, wo sich die Einschnürung zeigt. Ein leichter Einschnitt genügt, um den Inhalt des Bruches in die Bauch­höhle zurückzubringen, sofern der Bruch nicht verwachsen ist.
Bei Nabel- und Bauchbrüchen ersetzt ein geknöpftes Tenotom das Bruchmesser, welches in verschiedener Gestalt construirt worden ist. Nur beim Leistenbruch des Pferdes kann ein besonderes Hernio­tom nothwendig werden (vgl. S. 320).
Der innere Bruchschnitt hat vor dem äusseren den Vorzug, dass man sich von der Beschaffenheit des eingeklemmten Darmes überzeugen kann, um falls derselbe bereits nekrotisch ist, entweder auf eine wei­tere Behandlung zu verzichten oder zur Resection des brandigen Stückes zu schreiten. Die Reposition desselben würde jede Hoffnung auf Heilung ausschliossen. Man beachte hierbei, dass die schwarze Farbe noch nicht die Gegenwart von Nekrose beweist (S. 205).
Man entscheide sich in solchen Fällen, ob man die Resection des nekrotischen Darmes versuchen soll, welche bei Fleischfressern aller­dings eine grössere Aussicht auf Erfolg verspricht als bei Pflanzen­fressern, namentlich Pferden; doch gestaltet sich auch bei jenen die Prognose ungünstig. Incarcerirto Netztheile, die jedoch selten angetroffen werden, würde man nach Unterbindung mit aseptischem Material ab­schneiden und die Wunde wie vorhin beschrieben behandeln; in erster
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304nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten dos Bauches.
Linie kommt es darauf au, Asepsis zu erreichen und einen Darmvorfall zu verhüten. Reinlichkeit gewährt, das erstere, eine sorgfältig angelegte Etagennitht führt zu einer festen Vereinigung der Wundränder.
Soll die Resection eines nekrotischon Darmstücks versucht werden, so kommt es vor Allem darauf an, Verunreinigungen der Bauchhöhle mit Darminhalt zu vermeiden und eine sorgfältige Vereinigung der üarmendon zu erzielen. Man ziehe den Darin soweit nöthig hervor und schütze denselben durch Unterlagen von Tüchern, die mit einer warmen Desinfectionsflüssigkeit getränkt sind.
Nachdem mittelst der Schere das brandige Stück abgetrennt ist, spüle man die Enden mit Carbol- oder Sublimatwasser aus und suche ihren Inhalt soweit möglich zu entfernen ohne die Wunde zu verunreinigen. Das Nachdringen von Darminhalt aus dem vorderen Ende kann durch Digitalcompression von einem Gehülfen verhindert, werden. Dann wird der Darm so zusammengelegt, dass sich die Serosa berührt. Dazu krempt man die Ränder des hinteren Stückes nach innen um, schiebt das vordere Darmende in dieses hinein und nähe beide mit engen Stichen zusammen. Nach abermaliger sorgfältiger Reinigung wird der Darm versenkt, die Wunde gereinigt und die Naht wie oben be­schrieben ungelegt. Dass unter Umständen, namentlich beim Rinde Darmresectionen Aussicht auf Erfolg haben, beweisen die bei Invagi-nation schon vor vielen Jahren mit einfachen Hülfsmitteln angestellten Versuche. Man vergleiche Darmnaht.
(J. Der Nabelbruch. Hemm umbilicalis. Omplialocele. Exomphalos
Lit.: Kaiser, Vet. Sa, Hur. 1876/77. Kölling, Th. Mitth. 1854. S. 74. Esser, das. 1888, S. 47. Hupe, Vet. San. Her. 1875/70. Dagot, Rec. de med. vet. 1848. Storry, The Veterinaria. 1839. lloche-Lubin u. Weber, Mo. de med. vet. 1849. Marbot, das. 1857. S. 681. Mangot, Journal pract. 1820. Imminger, Deutsehe Zeitschr. für Thiermed, 1890. S. 298. Sanson, Kec. de med. vet. Bd. 10. Siedaingrotzky, Dresd. Bei'. 1879. S, 80 U, 1880. S. 25. Wiesner, Tierl. Th. Woch. 1890. S. 177. Hendriokx, Ännal, de med. vet. belg, 1890. S. 867. Degive, Her. Eep. Bd, 46. S, 69. Fröhner, Adams Wooh, 1884. IS. 105. Cagny, Jahresbericht 1880. S, 111. Pütz, Oesterr, Zeitschr. f. wiss. Vet. 1891. S. 05.
Durch Vereinigung der Visceralplatten in der Linea alba schliesst sich während des intrauterinen Lebens die Bauchhöhle bis auf den Anulus umbilicalis, welcher für den Nabelstrang offen bleibt und durch Obliteration seiner Gefässe nach der Geburt verödet, vernarbt. Nicht
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Nabelbruch.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 305
selten zeigt sich bei neugeborenen Thieren der Nabelring abnorm weit, so dass er von dem Nabelstrang nicht vollständig ausgefüllt wird, in Folge dessen die äussere Haut und das Peritoneum entweder sogleich oder in den ersten Wochen nach der Geburt dem Drucke der Bauch-eingeweide nacbgeben, und diese durch den abnorm weiten Nabelring unter die äussere Haut treten lassen. Man nennt diesen Zustand, der bei den verschiedenen Thierarten, am meisten beim Pferde, Kinde und Hunde beobachtet wird, Nabelbruch, und unterscheidet demnach „angeborenequot; Nabelbrüche und solche, die in den ersten Wochen nach der Geburt entstellen (erworbene).
In der Kegel findet sich eine Abtheilung des Colons oder Cöcums, zuweilen auch Netz in dem von der Cutis und dem Peritoneum ö-e-bildeten Bruchsacke, dessen Grosse von der einer Haselnuss bis zu der eines Menschenkopfes schwankt.
Die beim Menschen übliche Trennung zwischen „Nabelbrüchenquot; und „Nabelschnurbrüchenquot; hat bei Thieren bisher noch kein praktisches Interesse erlangt. Bemerkt sei jedoch, dass bei den letzteren die Eingeweide in einer Erweiterung der Nabelschnur liegen und nur zum Theil oder über­haupt nicht von der iiusseren Haut bedeckt werden. Daraus ergiebt sich, dass die Beurthcilung dieses Zustandes im Allgemeinen ungünstiger ausfallen muss als beim Nabelbruch; die ausgebildeten Fälle kommen voraussicht­lich nicht zur Behandlung, denn sie führen selbst beim Menschen in der Regel zum Tode.
Erscheinungen. Der Nabelbruch giebt sich durch eine Geschwulst von der angegebenen Grosse zu erkennen, die unter dem Nabelringe liegt, frei von entzündlichen Erscheinungen, elastisch, weich und scharf begrenzt ist. Meist zeigt sie die Gestalt einer grösseren odor kleineren Halbkugel, selten ist sie gestielt. Schiebt man mit ein oder zwei Fingern die Bruchgeschwulst nach oben, so fühlt man in der Tiefe den Bauchring (Nabelring), in den oft kaum ein Finger, bei grösseren Thieren zuweilen die Hand eingeschoben werden kann. In der Kücken­lage verschwindet die Geschwulst, auch lässt sich dieselbe meist durch Druck mit der flachen Hand zum Verschwinden bringen.
Eine Verwechselung kann nur bei jungen Thieren mit entzünd­licher Erkrankung des Nabels vorkommen. Man sei daher mit der Anwendung dos Messers hier vorsichtig; in der Absicht, einen Abscess zu öffnen, wurde schon öfter ein Nabelbruch angeschnitten. Sobald man den Nabelring nicht fühlen und sich von dem Verschluss des­selben nicht überzeugen kann, muss jede fluctuirende Anschwellung hierselbst den Verdacht auf Nabelbruch erwecken.
Müller, Spedelto Cliimvgio für Thionirzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 20
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306nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Bauches.
Ursachen. Eine abnorme Weite des Nabelringes bildet stets die Grundlage des Leidens; je grosser dieser, um so leichter entsteht der Bruch. Hiernach erklärt sich auch die Erblichkeit des Nabelbruches, wie Viborg, Eleonet bei Pferden und Benkert bei Hunden be­obachteten (S t o c k f 1 e t h); bei angeborenen Nabelbrüchen sind die Baucheingeweide oft erst gar nicht in die Bauchhöhle eingetreten, indem sie von den Visceralplatten nicht umschlossen wurden. Nach der Geburt wird die Entstehung der Nabelbrüche einerseits durch heftige Dehnungen der äusseren Haut am Nabel, z. B. durch gewaltsames Abreissen der Nabelschnur ohne Fixirung derselben am Nabel be­günstigt; andererseits kann in dieser Zeit ein Nabelbruch durch alle Umstände veranlasst werden, welche mit einer Steigerung des intraab-dominalen Druckes verbunden sind: Tympanitis, heftige Wirkung der Bauchpresse bei Verstopfung (z, B. Atresia ani), Anstrengung in schwerem Zuge, andauernder Husten führen oft zur Ausbildung eines Nabelbruches und zwar um so leichter, je grosser der Nabelring und je schlaffer die äussere Haut ist. Sehr selten bildet sich bei älteren Thieren ein Nabelbruch aus.
Beurtheilung. Nur ausnahmsweise entsteht am Nabelbruch In­carceration, wahrscheinlich weil Dickdarm und Netz in der Regel den Bruchinhalt bilden.
Aus dem gleichen Grunde tritt häufig spontane Heilung ein, und zwar um so leichter, je kleiner der Bruch, je enger der Bruchring und je jünger das Thier ist. Bei Pflanzenfressern verschwinden kleine Nabel­brüche regelmässig, sobald die Thiero mehr feste Nahrung (Rauhfutter) aufnehmen, womit nicht nur eine Ausdehnung des Dickdarmes und Füllung desselben mit festen Futterstoffen herbeigeführt wird, sondern auch eine Ausdehnung der Bauchwand mit Anspannung des Perito-neums wie der äusseren Haut stattfindet, wodurch der Bruchinhalt in die Bauchhöhle gedrängt wird. Es liegt auf der Hand, dass dieser Vorgang vornehmlich in der ersten Zeit nach der Geburt wirkt; bei Fohlen und Kälbern erfolgt daher spontane Heilung meist in den ersten 6 Lebensmonaten, oft auch noch in der zweiten Hälfte des ersten Lebens­jahres. Nach dieser Zeit sieht man höchst selten spontane Heilung eines Nabelbruches eintreten.
Die Beurtheilung ist in erster Linie von dem Alter des Thieres, sodann von der Grosse des Bruchsackes und Nabelringes abhängig: denn auch für den Heilerfolg kommt es hierauf besonders an. In­carceration wird nur ausnahmsweise bei Thieren beobachtet, welche
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Nabelbruch.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 307
an Tympanitis erkranken, bei gierigen Fressern und solchen, die zu Verdauungsstörungen mit Aufblähung neigen. Bei Pferden können heftige Anstrengungen in schwerem Zuge zur Entwickclung von Incarcerationen wie Recidiven Veranlassung geben.
Behandlung. Zahlreiche und in ihrer Wirkung sehr verschie­denartige Mittel sind gegen Nabelbrüche empfohlen worden. Die meisten derselben verdanken ihren Ruf der spontanen Heilung. Dahin gehört z. B. die Application von Adstringentien auf die äussere Haut (Jacobs) oder Kochsalzlösung in subcutaner Anwendung. Diese Mittel haben nur da Erfolg, wo die Heilung ohne sie eingetreten wäre, wie es bei kleinen Brüchen jüngerer Thiere, namentlich bei Pflanzen­fressern in der Regel der Fall ist.
Zu den gebräuchlichsten Palliativverfahren gehören:
1.nbsp; nbsp;Die Anwendung von Bruchbändern. Fleischfresser und Schweine dulden solche in der Regel nicht, daher kommen sie fast nur für Pflanzenfresser und namentlich das Pferd in Betracht. Man legt einen Wergbausch auf den reponirten Bruch und lässt diesen durch einen Gurt tragen, der um den Rumpf geschnallt wird. Um die feste Lage des Wergbausches zu sichern, bestreicht man denselben mit dickem Terpentin. Kölling heilte auf diese Weise Nabelbrüche bei Fohlen in 6 Wochen. Marbot will durch Bandagen 10 derartige Fälle in .'52 Tagen geheilt haben.
Als Ersatzmittel für das Bruchband können Heft- oder Pech­pflaster sowie Bepinselungen des Bruchsackes mit Collodium dienen, Mittel, die nach erfolgter Reposition des Bruches applicirt werden. Ihre Wirkung ist jedoch nicht zuverlässig, namentlich auf der sehr dehnbaren Haut des Hundes; auch bleiben die Pflaster in der Regel zu kurze Zeit liegen, um einen dauernden Erfolg zu haben.
2.nbsp; nbsp;Bei grösseren Thieren (Pferd, Rind) ist von sehr vielen Prak­tikern die Application scharfer, ätzender Substanzen auf den Bruchsack empfohlen worden. Man reibt den Bruchsack mit Cantha-ridensalbe ein, oder bepinselt denselben mit anorganischen Säuren, Schwefel- oder Salpetersäure. In Frankreich wurde die Salpetersäure 1848 zuerst von Dagot empfohlen; um dieselbe Zeit kam sie neben der Schwefelsäure in Deutschland in Gebrauch. Die letztere wird meist mit 8—5 Theilen Wasser oder Spiritus verdünnt und •gt;—8 Tage hin­durch täglich zweimal auf dem Bruchsacke eingerieben. Concentrirte Schwefel- oder Salpetersäure applicirt man mit einem Glasstab in Strich­form. Die Striche müssen mindestens 1—2 cm von einander entfernt
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308nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Bauches.
liegen; auch darf die Anwendung der Säure in der Regel nur zweimal erfolgen. Andere lassen die concentrirfce Salpetersäure mit einem Pinsel oder Wergbauscb. zweimal auf die ganze Bruchsackfläche streichen, wobei man an der Peripherie beginnt und dafür sorgt, dass der ab-hänffiff geleffeue Grund des Bruclisackes nicht zu viel Säure bekommt. Besonders Vorsicht verlangt die Anwendung der concentrirten Salpeter­säure; man gebe sie nie dem Besitzer zur Benützung in die Hand, sondern appliciro sie selbst. Wird nämlich die ätzende Wirkung zu heftig, so wirkt die starke Anschwellung in hohem Grade spannend auf die äussere Haut, und so kann diese leicht zerreissen oder nekro-tisiren, bevor eine Verwachsung am Bruchsackhalse zu Stande ge­kommen ist. Dann tritt ein Dann verfall ein, wie Kaiser und Weber bei Fohlen, Roche-Lubin auch beim Hunde beobachteten. Je dünner der Bruchsack, namentlich die äussere Haut desselben, um so vor­sichtiger sei man mit der Anwendung der concentrirten Säuren. Duriaux und Cagny haben neuerdings die Anwendung eines Sina-pismus an Stelle der Säuren empfohlen; der Senf soll dieselbe Wir­kung haben wie jene, aber weniger gefäluiich sein. Im übrigen eignen sich gerade Säuren für diesen Zweck, weil sie das Gefügc der Haut nicht in dem Masse lockern wie Alkalien; sie geben einen festen Schorf, Alkalien einen weichen. Salpetersäure wirkt noch heftiger als Schwefelsäure; ihre Anwendung ist daher auch schmerzhafter und gefährlicher. Dasselbe gilt von der Chromsäure und dem Kalium-bichromat (1 : 3), welche leicht zu tief wirken. Man beobachte stets die Anschwellung, welche nach der Application eingetreten ist; sobald diese genügend erscheint, höre man mit der weiteren Application des Mittels auf.
Auch das Glüheisen ist zu dem gleichen Zwecke empfohlen und in Strichform angewendet worden. In Frankreich und Belgien hat man gleichzeitig Bruchbänder und Schorfsalben benutzt.
De give empfiehlt ein von Martin constrairtes Bruchband für Pferde, welches eine 35 cm lange und 10 cm breite Blechplatte trügt, deren Form sich der unteren Bauchflüche gut anschmiegt und die mit zwei Deokgurten befestigt wird. An der Bauchseite besitzt die Platte eine kuppelfönuige ErhalDenheit von 5—0 cm Höhe, welche in den Bruch­ring eingedrückt den Bruchinhalt zurückhält. In dieser Lage soll das Bruch­band 4—8 Tage getragen werden, und eine Anschwellung im Brucliringc erzeugen. Nach Abnalmic des Verbandes wartet man ab, ob der Bruch wieder hervortritt. In' diesem Falle soll derselbe in seiner ganzen Aus­dehnung entweder mit verdünnter Salpetersäure bestrichen oder gebrannt werden. Hiernach legt man eine zweite Bandage an, deren Gurte eine starke 35 cm lauge und 22 cm breite Blechplatte tragen, auf welcher eine
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Nabelbruch.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 309
getheerte Leinwandcorapresse liegt. Drei Tage später reibt Martin Cantha-ridenöl ein, um die Abstossung der Eschara zu befördern, was nach acht Tagen erfolgen soll. Hiernach werden die Gurte etwas gelockert und nach­dem der Bruch mit Theer bestrichen, wieder angelegt. Auf diese Weise will Martin Nabelbrüche innerhalb 20 Tagen zur Heilung bringen.
Ohne Zweifel wirkt der Druck des Verbandes auf den entzündeten Bruclisack fördernd auf die lleposition des Inhaltes wie auch auf die Schrumpfung des Bruchsackes, doch sei man vorsichtig, damit nicht zu früh Nekrose am Bruchsacke entsteht; der Verband nvuss deshalb öfter untemicht werden.
Alle diese Mittel sollen durch die Anschwellung, welche sie er-zeugen, den Bruchinhalt in die Bauchhöhle zurückdrängen; eine gleicho Wirkung ist später mit der Schrumpfung in der ilusseron Haut ver­bunden, welche durch die Narbenstriktur veranlasst wird. Ohne Zweifel verdienen daher die Säuren auch den Vorzug vor den Schorfsalben, wie z. B. den spanischen Fliegen. Hupe behauptet, bei Fohlen in den ersten (3 Lebensmonaten durch Bestreichen rait Acid, sulfur, angl. Nabelbrüche sicher zu heilen.
Nur kleinere Brüche bei jüngeren Thieren eignen sich zu dieser Behandlung; bei grösseren gewährt sie keine Aussicht auf Heilung, üegive will sie auf solche Nabelbrüche beschränkt wissen, bei denen man nicht mehr als zwei Finger in die Bruchpforte schieben kann und der Bruclisack nicht grosser als ein Hühnerei ist. Die vergebliche Anwendung der scharfen Mittel führt leicht zu Verwachsungen des Bruchinhaltes mit dem Bruchsacke, woraus sich später Schwierigkeiten für operative Eingriffe ergeben.
3. Als Radikalverfahren haben sich folgende Methoden bewährt:
a) T3as Abbinden oder Abnähen des Bruchsackcs. Bei Brüchen mit nicht zu breiter Basis wird nach sorgfältiger Reposition (in der Rückenlage mit gebeugten Hintersohenkeln) um den Hals des Bruch­sackes eine Ligatur gelegt; Esser empfiehlt hierzu die elastische Ligatur. Wenn diese nach 10—12 Tagen mit dem Bruclisack abfällt, ist die von ihr zusammengeschnürte Stelle des Bruchsackcs verwachsen, so dass ein Darmvorfall vermieden wird. Die elastische Ligatur ziehe man indess nicht zu fest an, weil sie sonst zu schnell den Bruchsack durchschneidet. Um das Abgleiten der Ligatur zu verhindern, kann eine starke Nadel oder ein Drahtnagel unterhalb derselben durch den Bruclisack gestochen werden.
Degive räth, so viel Haut als möglich in die Ligatur zu nehmen und diese recht fest anzuziehen. Die Methode soll nach ihm 'bei Brüchen, deren Pforte nicht über Daumenstärke weit ist, sicheren Erfolg
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310nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Bauches.
haben. Bei breitem Halse gleitet die Ligatur leicht ab, daher ist hier das Abnähen vorzuziehen, welches gleichsam nur eine Unter­bindung in Abschnitten darstellt. Ich habe bei Fohlen von dem Verfahren häufig in folgender Weise mit gutem Erfolge Gebrauch gemacht:
An dem mit gespreizten und gebeugten Hinterbeinen auf dem Rücken liegenden Thier werden die Haare auf dem Bruchsacke ab-rasirt, dieser abgeseift und mit einer Dosinfectionsfiüssigkeit gewaschen. Nach vollzogener Taxis durchsticht man mit einer schwach gekrümmten Nadel, welche mit einem starken sterilisirten Seidenfaden (doppelt gelegt) versehen ist, den in seiner Längsrichtung zusammengelegten Bruchsack in der Nähe der Bauchwand, etwa 2 cm vom Rande der Hautfaltc. Der Faden wird nlsdann in der Nähe der Nadel durchschnitten und die eine Hälfte zusammengebunden, während man den Bruchsack ein wenig (nicht zu stark) anziehen lässt. Danach sticht man die Nadel mit der zweiten Fadenhälfte etwa 2 cm vor der ersten Einstichstelle aber­mals durch den Bruchsack und unterbindet auch diesen Abschnitt in gleicher Weise. So fährt man fort, bis der ganze Bruchsack unterbunden ist. Wenn das Thier sich sträubt, lege man beim Durchstechen der Nadel die Finger der linken Hand auf den Nabelring, um das Hervor­treten und Annähen des Darmes zu vermeiden, oder man warte, bis Beruhigung eingetreten ist. Alsdann spült man den ganzen Bruchsack nochmals mit Sublimat- oder Carbolwasser ab und bestreut die Naht an beiden Seiten des Bruchsackes mit einer Mischung von Jodoform und Tannin (1 : 3); auch kann der ganze Bruchsack nunmehr mit Wundgelatine bepinselt werden. Darauf lässt man das Thier auf­stehen und in einen Stall mit reiner, guter Streu bringen. Wird hier­bei wie beschrieben vorgegsmgen, so erlangt man meist aseptischen Wundverlauf. In etwa 10—14 Tagen fällt der abgenähte Bruchsack ab, auch die Wunde zeigt sich alsdann geheilt.
An der Brüsseler Anstalt wird in ähnlicher Weise operirt; man verwendet starke und gewachste Zwirn- oder Hanffäden (Hcndrickx). Um die Unterbindung zu erleichtern, wurde von französischen Vete­rinären (Hamont, Bernard u. A.) eine eiserne Klammer empfohlen, die man über den leeren Bruchsack, dicht an der Bauchwand des Thieres anlegte. Sie verhindert, dass Darmtheile, welche bei dem Drängen des Thieres in den Bruchsack gelangen sollten, von der Nadel erfasst werden. Durch die Narkose des Thieres oder mit dem oben erwähnton Verfahren lässt sich dies indess ebenso sicher verhindern.
Um einen Vorfall der Baucheingeweide beim Abnähen zu ver-
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Nabelbruch.
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hüten, wandte Man got eine länglich viereckige Bleiplatte an, welche in der Mitte eine Oeffnung hatte, durch welche der leere Bruchsack gezogen und nun abgenäht wurde. Hierauf stiess man zwei hölzerne Stifte unterhalb der Naht durch die Haut; der Bruchsack wurde ab­geschnitten, und die Bleiplatte mit Hülfe von 4 Riemen, die durch 4, an den Ecken der Platte vorhandene Löcher gezogen, auf dem Bücken
Fig. 03.
Fig. 04.
Bruchkluiipe nach Bordonimt.
des Thieres befestigt. Neuerdings ist Imminger für dieses Verfahren bei Fohlen eingetreten. Derselbe wendet jedoch Silberdraht zum Abnähen an. Wenn die Ligatur- | fäden nicht zu dünn sind und nicht zu stark angezogen werden, tritt ein Darmvorfall nicht ein.
4. Abschnürung des Bruchsackes mittelst einer Kluppe. Die Wirkung der Kluppe ist dem Ab­nähen ähnlich und empfiehlt sich besonders bei Brüchen mit breiter Basis. Das Verfahren gestaltet sich noch einfacher als das Abnähen, schliesst jedoch in der Regel die Heilung per primam int. aus. Eine weitere Schwierig­keit bei der Anwendung der Kluppe besteht darin, dass dieselbe von dem Bruchsack leicht abgleitet. Um dies zu verhindern, werden unterhalb der Kluppe Stifte durch den Bruohklnppe nach Bruchsack gestochen oder eine Kluppe angewendet, Oombe. welche selbst den Bruchsack durchsticht. Bordonnat construirte zu diesem Zwecke die in Fig. 63 abgebildete, eiserne Kluppe. Zu dem gleichen Zwecke Hess Combe die Kluppe durchlöchern (Fig. 04), welche dadurch sowohl die Durchführung von Ligaturen wie auch starker Nadeln gestattet. Nach Reponirung des Bruchiniialtes wird die Kluppe am Bruchsackhalse, möglichst nahe der unteren Bauch­fläche in der Hichtung der Linea alba, angelegt und mittelst Schrauben (Bordonnat und Combe) oder wie bei der Castration durch einen Bindfaden befestigt. Die unterhalb der Kluppe befindliche Abtheihmg
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Krankheiten des Bauches.
des Bruclisackes kann abgeschnitten werden, odei- sie bleibt mit der Kluppe liegen, bis diese abfällt, was nach 10—12 Tagen erfolgt. Das letztere ist entschieden da vorzuziehen, wo das Abgleiten der Kluppe zu befürchten steht. In der ersten Zeit zeigen sich die Thiere nach Anlegung der Kluppe wohl unruhig, doch verliert sich dieses am 2. Tage. Bei sehr weitem Nabelringe sah man auch nach Anwendung der Kluppe den Bruch von neuem auftreten (Sanson).
Hauptsache bei der Anwendung von Kluppen ist genügend Haut zu fassen und die Kluppe fest und gleichmässig anzulegen. Hölzerne Kluppen mit Bindfäden befestigt eignen sich hierzu weniger als eiserne mit Schrauben, weil sie sich bei der einseitigen Zuschnürung nicht so gleichmässig anlegen.
Bei Benutzung hölzerner Kluppen hat man auch wohl zwei über einander gelegt, um das Abfallen derselben zu verhindern. De give empfiehlt dieses Verfahren besonders bei grossen Brüchen, wobei die obere Kluppe eine Länge von 30 cm haben soll, während die untere um 10 cm kürzer sein kann. Die obere wird so dicht als möglich gegen den Bauch gelegt, so dass nach dem Aufstehen des Thieres der Bruchsack verschwunden erscheint, was mit zwei Kluppen sicherer erreicht wird als mit einer; selbst kopfgrosso Hernien sollen bei dieser Behandlung völlig geheilt werden. Demesse will auf diese Weise sogar einen Bruch geheilt haben, bei dem der Nabelring so gross war, dass man mit beiden Händen zugleich eindringen konnte. Reicht bei männlichen Thieren der Schlauch so weit nach vorn, dass er von der Kluppe be­rührt wird, so kann die Kluppe auch in der Querrichtung des Rumpfes angelegt werden.
5. Der Bruch schnitt. Wo die oben genannten Methoden im Stich lassen, wie es bei sehr grossen Brüchen wohl vorkommt, kann das Heften des Bruchringes unter Umständen noch Heilung be­wirken. Die Operation erfolgt nach dem oben näher beschriebenen Verfahren unter Anwendung antiseptischer Massimhmen. An dem narkotisirteu und auf dem Kücken liegenden Thier wird der ganze Bruchsiick rasirt, sorgfältig abgeseift und desinficirt. Darauf spaltet man die äussere Haut in der Längsrichtung des Bruches bezw. des Bruchringes. Die weitere Operation kann mit oder ohne Oeffnung der Bauchhöhle erfolgen. Siedamgrotzky zieht den letzteren Weg vor und präparirt zunächst die äussere Haut vom Bruchsack ab, welcher sodann in die Bruchpforte eingestülpt wird. Die aufgefrischten Ränder des Nabelringes heftet man mit starken Catgut- oder Seidenfäden und darüber ebenso die entsprechend verkürzten Hautlappen. Lässt man
.
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Nabelbruch.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 31^
den Occlusivverbaiul durch Bandagen oder einige Nähte tragen, so er­folgt die Heilung in 18 bis 25 Tagen vollständig.
Aehnlich ging auch Storry vor. Er heftete den Bruchsaclc, nachdem die Haut von demselben abgetrennt war, mit einem Streifen weissen Leders, schnitt denselben dann ab und vernähte sodann die äussere Haut.
Dieses Verfahren verdient der mit Eröffnung des Peritonoalsackes verbundenen Herniotomia interna gegenüber den Vorzug, und zwar ein­mal, weil die Gefahr der Peritonitis geringer und die Operation nicht durch Vorfall von Darm- und Netztheilen gefährdet wird.
Dass jedoch auch das Peritoneum ohne Nachtheil durchschnitten werden kann, haben verschiedene Beobachtungen bewiesen; auch D e-give operirt auf diese Weise; neuerdings berichtet Wiesner über einen so operirten Fall, doch geht aus den Mittheilungen desselben hervor, dass der Heilungsprocess nicht so einfach verlief, wie bei der von Siedamgrotzky angewendeten Methode. Das operirte Fohlen zeigte sich in den nächsten Tagen erheblich krank, während bei der Herniotomia externa kaum eine fieberhafto Erkrankung eintrat. Fröhner operirte unter strenger Antisepsis, heftete die Bauchwunde und erzielte Heilung per priinam intentionum in 10 Tagen. Beim Durchschneiden des Peritoneums gehe man nach den Angaben auf S. 303 vor.
Zeigt sich der Nabelbruch verwachsen, wie es nicht selten nach Anwendung von Säuren oder anderen scharfen Mitteln vorkommt, so verdient die Methode ohne Oeffhung der Bauchhöhle entschieden den Vorzug. Degive (Hendrickx) verfährt in solchen Fällen wie folgt: Unter antiseptischen Cautelen wird der Bruchsack geöffnet; auch das Peritoneum soweit durchschnitten, dass ein Finger eindringen kann, um die verwachsene Stelle eventuell mit Hülfe der Schere zu lösen. Darauf wird der Bruchsack wie oben beschrieben abgenäht.
Die blutige Operation eignet sich nicht für Brücbe mit sehr weitem, namentlich rundem Bruchring, weil die Vereini­gung des Nabelringcs hierbei unmöglich werden kann. In solchem Falle ist die Anwendung scharfer Mittel, eventuell unter Mitwirkung von Bandagen vorzuziehen.
Bei allen diesen operativen Vorgehen, namentlich aber bei der blutigen Operation sollte das Thier diätetisch vorbereitet werden. Ent­ziehung voluminöser Nahrung und Abführmittel, um den Darm mög­lichst zu entleeren, bilden Massnalnnen, welche der Operation einige Tage; vorangehen; nach derselben setze man das Thier für einige Tage auf halbe Ration und gebe leicht verdauliche Nahrungsmittel. Dass für
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314nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Bauches.
gutu, reine Streu Sorge zu tragen ist, versteht sich von seihst; aucli empfiehlt es sich, Pferde womöglich einige Tage hochgebunden stehen zu lassen.
Bei kleineren Thieren (Hunden) können scharfe Mittel wegen des Beleckens nicht angewendet werden. Die operativen Eingriffe gestalten sich hier zwar leichter, doch vergesse man nicht, dass manche Thiere Bandngen, Kluppen, Hefte u. s. w. nicht dulden, sondern alsbald ab-reissen. Ich ziehe daher hei diesen Thieren die Kadikaioperation vor und zwar soweit möglich, ohne Oeffnung der Peritonealhöhle. Um die Thiere zu beruhigen, gebe man Hunden eine kräftige Morphiumdosis, wonach die meisten 24 Stunden schlafen; mit dieser Zeit verschwinden auch die grössten Schmerzen. Unter Umständen ist eine dauernde Be­wachung des Thieres erforderlich.
7. Der Leistenbruch, Hodensackbruch. Hernia iiiguinalis
s. scrotalis.
Treten Baucheingeweide durch den inneren Bauchring in den Processus vaginalis, so nennt man den Zustand einen Leistenbruch und gelangen sie bis in das Scrotum, so spricht-man von einem Hoden­sackbruch. Da nur bei männlichen Thieren und Hündinnen der innere Bauchring offen bleibt, so kann der Leistenbruch auch nur hei diesen vorkommen. Die horizontale Lage des Rumpfes unserer Thiere ist der Entstehung des Leistenbruches weniger günstig als die senk­rechte des Menschen. Am häufigsten tritt derselbe bei Pferden und Schweinen, seltener bei Wiederkäuern und Hunden auf. Meist findet sich Darm, seltener Netz im Bruchsacke, Der Leistenbruch zeigt bei den verschiedenen Thierarten manche Eigenthümlichkeiten; daher soll derselbe auch hier einzeln besprochen werden.
Der Leistenbruch des Pferdes.
Lit.; H. Bouley, Dictionaire. S. 224 u. Pouch-Toussaint, Chirurgio vüt. 8. 493. De give, An. de med. vet. 1890. S. 129. Borde/., Enoyolopaed. S. 419. Vogel, llering's Operationslehre. S. 463. üerlach, Gerichtliche Thier-hoilkunde. 11. Aufl. S. 705. Lafosse, .lourn. de Mcd. v6t de Midi 1850. Gross, Her. Rpp. 44. S. 104. Jessen, Gurlt u. Hertwig. 0. S. 20, 240 U. 400. Kruckow, Berl. Archiv. 1880. S. 285. Lindquist, Jahresbericht 1886. S. 83. Lorenson, Stockfleth Chirurgie. S. 428. Klingun, Müller Roll. 18. S. 45. Reiser, Her. Rep. 39. S. 284. Colson, Annul, de nukl. vct. bolg. 1889. Sieger, l'euch-Toussaint Chirurgie vct. 8. 494. Strecker, Thierürztl. Mitth. 1877. S. 119.
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Leistenbruoli.
81{
Beim Hengst und Wallach stellt der Leistenkanal einen ca. 10 cm langen, platten Trichter dar, dessen obere, engere Ootinung, der „Bauch­ringquot; (Annulus abdominis), einen unter normalen Verbältnissen 2—i cm, nicht selten aber erheblich weiteren Spalt bildet, welcher in schräger llichtung von hinten und innen nach aussen und vorn, 3—5 cm von dem Querast des Schambeines und 10—15 cm von der Linea alba entfernt liegt. Vorn und innen wird der Bauchring vom hinteren Bande des inneren schiefen Bauchmuskels, hinten und aussen vom Cremaster bezw. Samen­strang begrenzt. Ca. 2 cm vom hinteren Winkel entfernt verlaufen an seiner medialen Seite die hinteren Bauchdeckengefässo. Der Leistenring (oder äussere Bauchring), Annulus ingui-
nalis, stellt einen Spalt zwischen dein medialen und lateralen Sehnenschenkel des äusseren schiefen Bauchmuskcls dar, dessen hinterer, medialer Winkel 3 cm vor dem Schambeinaste und etwas weiter von der Medianlinie des Bauches liegt. Er ist normal ca. 10 cm lang, liluft ebenfalls nach vorn und aussen und öffnet sich namentlich bei rück­wärts gerichteter und abduoirter Schen­kelstellung. Die vordere mediale Wand des Leistenkanals wird zum grüssten Theil vom inneren schiefen Bauchmuskel, die laterale vom Schenkel-bogen gebildet.
Ursachen. Bei Hengsten, seltener bei Wallachen findet ein Austritt von Dünndarni oder Netz in den Leistenkanal statt, sofern der Bauchring abnorm weit ist. Nach Berdez, Vogel, Stockf'leth u. A. liegt dem Zustande stets eine abnorme Weite des An. abdominalis zu Grunde, während Laf'esse, H. Bouley und Ger­lach behaupteten, dass auch bei normaler Weite desselben ein Leistenbruch entstehen könne. Sollte letzteres princlpiell auch zugegeben worden
müssen, so steht doch soviel fest, dass in der bei weitem grössten Mehrzahl der Fälle eine abnorme
Hernia IngulnaUs vom Pferd (nach Hering).
Weite des Bauchringes die Ursache zur Ent­stehung des Bruches abgiebt. Der Annulus abdominalis kann unter Um­ständen eine Oeffnung von 10—IB cm darstellen. Ich sah aber auch Leisten­brüche bei Pferden, bei denen der innere Bauchring kaum drei Finger einführen liess, während in der Regel nur zwei neben dem Sanienstrange hineingelangen, oft nur ein einziger. Es fällt daher schwer, die normale Weite zu bestimmen und diese Frage zu entscheiden. Dazu gehören zahlreiche Messungen bei verschiedenen Racen. Hiernach erklärt sich, dass Leistenbrüche meist angeboren sind oder mit dem Descensus der
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310nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten den Bauches.
Testikol auftreten und die Anlage dazu von den Eltern auf die Nach­kommen vererbt werden kann (Viborg). Begünstigend wirken auf Entstehung der Leistenbrüche alle Umstände, welche mit andauernder Steigerung des intraabdominalen Druckes verbunden sind, wie Tympanitis (Kolik), starke Anstrengung, besonders im schweren Zuge auf weichem Boden, wobei die Muskelwirkung zum lieben der Filsse mit einer Er­weiterung des Bauchringes verbunden ist; ferner heftig wirkende Bauch­presse, sowie auch Sträuben in den Fesseln bei Operationen. Ebenso können alle Bewegungen, welche eine Erweiterung des Bauchringes ver­anlassen, wie heftiges Ausschlagen und Ausgleiten besonders nach aussen Und rückwärts zur Entstehung eines Leistenbruches führen. Dahin ge­hört auch Zerrung des Samenstranges beim Kastriren, der Zug schwerer Kluppen, sowie stark entwickelte Hoden älterer Hengste. Bei letzteren giebt der Deckakt zuweilen den Anstoss zur Bildung eines Leisten­bruches, indem durch die aufrechte Stellung die Baucheingeweide gegen die Beckenhöhle und in den Leistenkanal gedrängt werden, dieser aber in Folge der gespreizten Schenkelstellung eine Erweiterung erfährt.
Bei Wallachen zeigt sich der Zustand seltener, weil er bei der Kastration entweder geheilt wird, oder zum Tode des Thieres führt, und sehr selten eine Erweiterung des Bauchringes erst später entsteht. Je früher der Hengst kastrirt wird, desto kleiner wird der innere Bauchring; er ist daher bei den meisten Wallachen von geringer Weite. Doch wird auch bei diesen zuweilen ein Leistenbruch angetroffen. In der Regel handelt es sich hierbei um Netztheile, aber auch Darm­brüche kommen hier vor, welche bei Hengsten die Regel bilden. Zuweilen findet sich Darm und Netz zugleich im Bruchsacke, der vom Processus vaginalis, der Tunica dartos und der äusseren Haut gebildet wird.
Verlauf. Bei Fohlen tritt oft spontane Heilung ein (Girard, Stockfleth u. A.), meist jedoch nur im ersten Lebensjahre, selten später. Gross glaubt, class kräftige Ernährung diesen Vorgang be­günstige, indem die Gewebe eine grössere Straffheit erlangen; dabei wirkt offenbar die Füllung des Darmes mit festerem Inhalt mit. Oft zeigt sich umgekehrt eine allmäliche Vergrösserung des Bruches, be­sonders bei angestrengter Arbeit und voluminösem Futter, und nicht selten wird auch Incarceration an demselben beobachtet.
Ausnahmsweise entstehen bei älteren Thieren Leistenbrüche (Her­nies inguinales recentes im Gegensatze zu den H. ing. anciennes s. chroniques der Franzosen), welche regelmässig bald incnrceriren. Nicht selten dürfte es sich hierbei nur um die Ausbildunff eines Leisten-
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Leistenbruch bei Pferden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 317
hmches zum Hodonsackbrucli handeln, indem der erstore Ubersehon wurde. Bei Hengsten können Hodensackbrüche einen bedeutenden Um­fang annehmen und sogar die Bewegung der Hinfccrschenkel stören, oder durch diese verletzt werden, und dadurch neue Gefahren herbeilaquo; führen. Da endlich die Heilung des Leidens immerhin mit Schwierig­keiten und Geiahren für das Leben der Thiere verbunden ist, so liegt es auf der Hand, flass der Leistenbruch stets einen bedenklichen Zu­stand darstellt.
Erscheinungen. Treten Baucheingeweide in den Processus vagi-nalis und bis in den Hodensack, so muss dieser im Umfang zunehmen; die Grosse des Bruchsackes zeigt sich indess sehr verschieden. Bald lässfc sich der Bruch nur bei genauer Untersuchung nachweisen, bald reicht die Bruchgeschwulst bis über die Sprunggelenke nach unten und erlangt die Grosse eines Zuckerhutes. De give beobachtete einen Bruchsack, der in senkrechter Richtung 40, in horizontaler 20 cm mass und 12 Liter Flüssigkeit fasste; ähnliche Grossen sah auch ich beim Pferde.
Die Geschwulst besitzt die allgemeinen Eigenschaften eines Bruches, ist elastisch, weich, bei Netzbrüchen etwas fester, teigig; sie lilsst sich comprimiren und verschwindet auf Druck, sowie in der Kücken­lage bis auf den Hoden, der bei älteren Leistenbrüchen gewöhnlich atrophisch und schlaff erscheint. Zuweilen lässt sich eine Darmschlinge im Hodensacke nachweisen, welche nach Bouley stets an der medialen Seite des Samenstrangs liegt. Durch angestrengtes Ziehen, während der Wirkung der Bauchpresse und durch Husten wird die Geschwulst grosser. Kollern und tympanitischen Ton bei der Percussion giebt die Gegenwart von Luft oder Gasen zu erkennen. Bei Wallachen besitzt die Bruchgeschwulst am Halse eine grössere Breite und erscheint in Folge der Einlagerung von Netz fester.
Grössere Schwierigkeit bietet die Feststellung des sog. unvoll­ständigen Leistenbruches. Hier zeigt sich der Samenstrang meist ab­norm stark,- und zwar entweder durch Oedem, eine Folge des Druckes des Bruchinhaltes auf die Gefässe des Samenstranges, oder durch hypertrophische Zustände am Cmnaster, als Ergebnis vermehrter Arbeit; erstore Erscheinung findet sich also bei frischen, letztere bei älteren Leistenbrüchen.
In zweifelhaften Fällen giebt die Untersuchung per anuin sichere Auskunft.
Bei frisch entstandenen Leistenbrüchen beobachtet man in der
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;5iynbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Bauches.
Kegel einen steifen, schleppenden, gespreizten Gang, beschleunigtes Athmen, liiiutiges Strecken, leichte Kolik und öfteres Anziehen des Hodens der betreffenden Seite; die letztere Erscheinung wird von Girurd geradezu als pathognomischo bezeichnet. Diese Zufälle verschwinden entweder in einigen Tagen, oder es gesellen sich zu ihnen die Sym­ptome der Brucheinklemmung.
Die Incarceration zeigt sich hier in ähnlicher Weise wie bei anderen Brüchen; meist wird man bei Pferden durch Kolik zuerst auf dieselbe aufmerksam. Daher gilt die praktische Regel, wenn bei Hengsten Kolik auftritt, stets den lloclensack auf die Gegenwart eines Leistenbruches zu untersuchen. Die Pferde pflegen hierbei eine ge­streckte Stellung einzunehmen, oder sie setzen sich wie die Hunde auf das Hintertheil. Jessen beobachtete auch beim Pferde Erbrechen, das jedoch in der Kegel erst auftritt, wenn eine Magenzerreissung statt­gefunden hat, welche sich hierbei nicht selten ereignet.
Eine zweite Gruppe von Erscheinungen der Incarceration bilden die Veränderungen am Hodensacke. Die Bruchgeschwulst wird grosser, härter, gespannt und schmerzhaft; auch gelingt die Compression und das Keponiren derselben nicht mehr. Mir fiel bei solchen Pferden mehrfach das deutliche Hervortreten des Schweifes vom Nebenhoden in der gespannten Scheidenhaut auf. Der Gang der Thiere zeigt sich beim frischen Bruch steif, schleppend mit Abductionsstellung des Schenkels der leidenden Seite.
Die Diagnose: Leisten- oder Hodensackbruch, sowie die Erkennung einer Incarceration bietet daher in der Kegel keine Schwierigkeiten. Am leichtesten kommen Verwechslungen vor:
1.nbsp; nbsp;mit dem sog. interstitiellen Leistenbruch; auf dieses Leiden soll später eingegangen werden (S. 327);
2.nbsp; mit einer krankhaften Vergrösserung des Hodens, der sog. Sarcocele; die grössere Härte der ganzen Geschwulst lässt hier nicht leicht einen Irrthum zu.
8, Hydrocele. Eine Ansammlung von Serum im Processus vaginalis kennzeichnet sich durch die leichte Verschiebbarkeit; auch beschränkt sich die abnorme Füllung mehr auf den unteren Abschnitt des Hoden­sackes. Hydrops des Samenstranges lässt sich durch grössere Derbheit und Unverschiebbarkeit leicht erkennen und nur mit einem incarcerirten Bruch verwechseln.
4. Hämatocele, d. h. Füllung des Hodensackes bezw. der Tunic, vaginalis mit Blut, gestaltet sich wie der Hydrops, ist aber oft mit Oedem der äusseren Haut des Hodensackes verbunden.
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5. Entzündung dor iiussercn Haut des Scrotums; diese kann unter Umständen den Nachweis der Abwesenheit eines Leistenbruches er­schweren, daher muss in allen zweifelhaften Fällen die Untersuchung per anum entscheiden. Hierbei überzeugt man sich zugleich von der Grosse des Bauchringes und der Beschaffenheit der in ihm eingetretenen Eingeweide.
(i. Beim Wallach können Sa m ens trän gfi stein oder andere krankhafte Vergrösserungen des Samenstranges kaum zu Verwechs­lungen führen; die einigermassen sorgfältige Untersuchung liisst diese Leiden sicher erkennen.
Beurtheilung. Der Leistenbruch bildet stets einen bedenklichen Zustand, weil die Heilung schwierig und nicht ohne Gefahr ist, und durch Incarceration leicht eine tödtliche Complication eintreten kann. Das Alter der Thiere, Grosse und Beschaffenheit des Bruches bieten die wichtigsten Anhaltspunkte für die Prognose.
Kann bei jungen Fohlen spontane Heilung eintreten, so bildet diese doch eine Ausnahme (Stockfleth). Bei der Castration des Fohlens aber entstehen bereits Schwierigkeiten, indem diese, sonst unbedenkliche Operation gefährlich wird. Der frische Leistenbruch älterer Thiere ist doppelt bedenklich, weil an ihm häufig Incarceration eintritt. Um­fangreiche Brüche, namentlich solche mit weiter Bruchpforte, entstellen nicht nur das Aussehen der Thiere, sondern quot;können auch beim Ge­brauche derselben hinderlich werden; sie bieten zugleich bei der Be­handlung die grössten Schwierigkeiten.
Netzbrüche zeigen sich im Allgemeinen weniger bedenklich als Darmbrüche; schon deshalb sind Leistenbrüche bei Wallachen gün­stiger zu beurtheilen, doch kommen bei ihnen auch Darmbrüche vor, welche iucarceriren. Ich reponirte bei einem Wallach in Zeit von 0 Wochen 4 Mal den incarcerirten Leistenbruch. Bedenklicher erscheinen auch verwachsene Brüche, weil sie bei der Operation grössere Schwierig­keiten bereiten. Bemerkt sei schli.'sslich, dass das Eintreten der incar­ceration nicht von der Grosse des Bruches abhängig ist; kleine und unvollständige Leistenbrüche werden häufiger eingeklemmt als um­fangreiche Brüche mit weitem Bauchringe.
Behandlung. Die Länge der Bruchpforte (Leistenkanal) sowie die Lage des Bruches bieten den Heilverfahren besondere Schwierigkeiten. Mit Recht hat schon Hering betont, dass man bei Tbieren, die keine Beschwerden in Folge des Zustandes zeigen, am besten von einer
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320nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Bauches.
Therapie überhaupt absieht, Diese wird aber zur Nothwendigkeit, wenn der Hengst castrirt werden soll; auch giebt die Incarceration nicht selten Anlass zum therapeutischen Eingreifen, welches sich anders gestaltet als die Operation nicht incarcerirtcr Brüche; deshalb soll die Therapie der letzteren zunächst besprochen werden.
1. Behandlung- nicht incarcerirtcr Leistenbrüche.
Verschiedene Methoden sind in Vorschlag gebracht; zu den wichtigsten gehören: '
1, Vorschluss des inneren Bauchringes durch entzünd­liche Schwellung des Samenstranges und Verwachsung mit demselben. Wird nach erfolgter Reposition des Bruchinhaltes der Samenstrang künstlich in einen Schwellungszustand versetzt, so kann er den Bauchring ausfüllen oder denselben soweit verkleinern, dass ein Durchtritt von Dann oder Netz sich nicht wiederholt. Dieses wird erreicht:
a)nbsp; nbsp;Nach den Mittheilungen Stockfleth's in Spanien durch an­dauerndes lleiben des Hodensackes und Samenstranges. Nachdem der Hengst 2—3 Tage gehungert hat, und der Mastdarm durch Klystire entleert ist, wird das Pferd auf den Rücken gelegt und das Hinter-theil hochgezogen. Während nun die eine Hand den Hoden hervor­zieht, reibt die andere zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger den Samenstrang, bis eine deutliche Anschwellung desselben eingetreten ist. Nach dem vorsichtigen Aufstehen wird das Pferd in den ersten ;5 Tagen sparsam gefüttert und nur im Schritt bewegt. In 12 Tagen soll das Pferd geheilt sein; die Möglichkeit wird man zugeben können, aber an Misserfolgen wird es gewiss hierbei nicht fehlen.
b)nbsp; Aelmlich gestaltet sich das von Bagge empfohlene Verfahren. Nach der Reposition des Bruchinhaltes wird ein wollenes Band in der Nähe des Leistenringes um den Hodensack geschnürt und bleibt hier 8 Stunden liegen. In dieser Zeit hat sich eine Anschwellung einge­stellt, worauf das Band entfernt wird. Die Heilung soll in ti bis 8 Tagen erfolgen. Auf diese Weise will Bagge an einem Tage (• Hengste geheilt haben(?).
Hier mag auch eine Beobachtung Kruckow's mitgetheilt werden, wenngleich das Verfahren für gewöhnlich nicht ausführbar sein dürfte. Bei einem frischen Leistenbruche schob K. die vorgefallene Darmschlinge mit dem Hoden in die Bauchhöhle zurück, worauf sich der Bruch nicht wieder einstellte; der Hodensack wurde mit verdünnter Schwefelsaure eingerieben. Diese Mittheilnnff muss nach zwei Richtungen Bedenken erregen: einmal
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gelingt es doch nur ausnahmsweise, den Hoden durch den Leistenkanal in die Bauchhöhle zu schieben; wenn dies aber möglich war, so musste die Ent­fernung des Samenstranges aus dem Bauchringe erst recht den Eintritt eines neuen Bruches begünstigen.
2. Heilung durch Verschluss oder Verengerung des Processus vaginalis.
a)nbsp; Analog der Behandlung des Nabelbruches hat Foelen eine scharfe Einreibung in der Nähe des Leistenringes auf den Hoden­sack empfohlen. Die Salbe besteht aus 1 Theil Canthariden, 1,5 Grün­span, 2,5 Euphorbium und 15 Theilen Fett; ihre Application geschieht am stehenden Thiere, indem man den Hoden nach unten zieht, so dass die Haut des Hodensackes gespannt wird, und zwar täglich einmal, bis die Oberhaut sich ablöst, was nach 8—10 Tagen der Fall ist. Dann wird die Stelle mit lauwarmem Wasser abgewaschen, und wenn die Entzündung abgelaufen ist, beginnt man mit der Einreibung von neuem, bis der Bruch in 4—(i Wochen verschwindet. Auch Degive hat diese Methode empfohlen; die Hauptsache wird dabei sein, dass man sie wie Foelen bei 4—6 Monate alten Fällen in Anwendung bringt. Muss auch zugegeben werden, dass die so erzeugte Schwellung des Hodensackes einen günstigen Einfluss auf den Rücktritt der Bauch­eingeweide in die Bauchhöhle auszuüben vermag, so dürfte bei älteren Thieren doch nicht viel von dem Verfahren zu erwarten sein.
b)nbsp; Anlegung von Kluppen. Sie bildet die am meisten be­liebte Methode und besteht in einem ähnlichen Verfahren wie bei der Castration mit bedeckter Scheidenhaut. Die Kluppe wird möglichst hoch, d. h. dem Leistenringe so nahe als möglich über die Scheiden­haut und den Samenstrang gelegt, nachdem der Bruchinhalt reponirt ist. Um die Kluppe recht hoch legen zu können, hat man wohl eine gekrümmte Form derselben empfohlen. Diese ist jedoch nicht zweck-milssig, weil das auf der Scheidenhaut liegende Mittelstück nicht fest genug drückt. Einen Verschluss der Scheidenhaut über die Kluppe hinaus nach oben erreicht man dagegen in einfacherer und wirksamerer Weise durch eine halbe, eventuell auch ganze Umdrehung der Scheidenhaut und des Samenstranges vor Anlegung der Kluppe. Meines Wissens ist dieses Verfahren zuerst von einem Pfuscher aus­geführt und von Curdt 1856 beschrieben worden; später hat Hering dasselbe warm empfohlen. In Belgien scheint dies Vorgehen erst später bekannt geworden zu sein, denn Degive schreibt im Jahre 1890 diesen neuen „procedä ingönieux* einem französischen Veterinär zu.
Möller, Speoielle Ohinirgie für Thierärzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 21
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322nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Bauches.
Durch Verschluss des Processus vaginnlis soll das Hervortreten der Bniicheingewoide verhindert werden. Dies gelingt um so sicherer und leichter, je kleiner der Bauchring ist; denn bei grösserer Weite desselben drücken die Eingeweide wirksamer auf den Verschluss, und es kann dabei zur /erreissung des Processus vaginalis kommen. Diese Gefahr wird allerdings durch das Umdrehen des Processus vaginalis vermindert, aber nicht aufgehoben; deshalb habe ich neuerdings das Verfahren etwas abgeändert. Das hauptsächlichste Hinderniss für das Hochlegen der Kluppe bildet nämlich die äussere Haut und die unter ihr liegenden Weichtheile; ich nahm deshalb eine kürzere, aber sorg­fältig desinficirte Kluppe. Bei der in Narkose vollzogenen Operation wurde antiseptisch vorgegangen und der Hautschnitt so gross gemacht, dass die Kluppe bis auf den Grund der Wunde gebracht, also un­mittelbar unter dem Leistenringe angelegt werden konnte. Alsdann wurde die äussere Haut über dieselbe gezogen und geheftet, so dass die Kluppe in der Wunde eingeschlossen lag und von der Haut ge­tragen wurde. Da sich in den nächsten Tagen weder Fieber noch anderweitige Störungen zeigten, und nur unbedeutende Anschwellung eintrat, Hess ich die Kluppe 8 Tage liegen. Bei der Abnahme der­selben zeigte sich in zwei Fällen überall gute Granulationsbilduug ohne Eiterung, also aseptische AVundheilung, deren Vollendung nur kurze Zeit in Anspruch nahm.
Aebnlich verfuhr J. F. Stockfleth. Er zog die Hauthippen mittelst einer Schnürnaht über die Kluppe, löste dieselbe aber am nächsten Tage und legte dann eine Ligatur um den Processus vaginalis oberhalb der Kluppe. Auf jeden Fall empfiehlt sich, die Kluppe mittelst einer Ligatur von der benachbarten Baut tragen zu lassen.
Wichtig bleibt, die Kluppe nicht zu früh abzunehmen; je länger sie liegt, desto grosser die Gewissheit, dass die Blätter des Processus vaginalis miteinander verwachsen oder doch so fest verklebt sind, dass sie von dem Andrängen der Bancheingeweide nicht wieder gelöst werden; J essen fand 8 Tage zu kurz und Hess die Kluppe später 5 Tage liegen. Verfährt man wie oben beschrieben, so kann dieselbe noch länger ohne irgend welchen Nachtheil liegen bleiben. Unter Um­ständen, namentlich wenn kein Fieber eintritt, darf dies auch bei nicht aseptischem Wundverlauf geschehen; ein Verfahren, das ich nur empfehlen kann. Auf jeden Fall sollte man die Kluppe nicht vor dem 4. oder 6. Tage abnehmen. Auch ein wie bei der Castration der Cryptorcliiden (vergl. diese) angelegter Verband hilft die Kluppe tragen und verhindert die Zerreissunot der Scheidenbaut.
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Um den Versoliluss des Processus vag, möglichst hoch zu erzielen, em­pfahl Dieterichs, einen Badeschwamm anzuwenden. Er öfl'nete die Scheiden­haut, unterband die Samenarterie und schob alsdann einen in der Mitte mit einem Loch versehenen Schwamm über den Samenstrang möglichst weit nach oben, um den Bauchring gleichsam zu verstopfen. Dann wird auf den bedeckten Samenstrang die Kluppe gelegt, aber schon nach 24 Stunden wieder abgenommen, während der Schwamm liegen bleibt, bis er von selbst abfällt. Wenn der Schwamm nicht sorgfältig sterilisirt war, was bekanntlich sehr schwer ist, tritt bei diesem Verfahren leicht Peritonitis ein, wovon sich Bassi u. a. tiberzeugen mussten. Es kann daher das Verfahren nicht empfohlen werden; jedenfalls ist das oben beschriebene vorzuziehen.
Sörenscn (Stockfletli) u. a. legen zu demselben Zwecke ober­halb der Kluppe eine Ligatur an. Wiilirond die erstere um nächsten Tage abgenommen wird, lilsst man die Ligatur liegen, bis sie abfällt; man will indess hiernach Tetanus wiederholt beobachtet haben.
c)nbsp; nbsp;Die Unterbindung der Scheidenhaut mit dem Samen-strange hat wenige Anhänger gefunden; sie wurde nur vereinzelt empfohlen (Reiser, Jessen). Es liegt auf der Hand, dass die Ligatur keinen so sicheren Verschluss abgiebt wie die Kluppe. Vielleicht liesse sich mit aseptischem Material (Seide) die Unterbindung des Processus noch holier im Leistenkanal bewirken.
d)nbsp; Verwerflich scheint dagegen das Verfahren Bouissy's, wel­ches in einfachem Abnähen des Hodensackes besteht, schon des­halb, weil man nie sicher ist, dass nicht ein Üarmstück mit gefasst wird. Um dies zu vermeiden, wollen andere auch beim Anlegen der Kluppe über den Processus vagiualis diesen zuerst anschneiden und sich mit dem eingeführten Finger überzeugen, dass kein Dann in demselben liegt. In zweifelhaften Fällen würde man dazu ratlien müssen; meist kann diese Sicherheit jedoch schon durch die Untersuchung des Pro-cessuss von aussei! erlangt werden.
3, Verschluss des Bauch-bezw. Leistenriuges. Mehrfach ist behauptet worden, den inneren Bauchring geheftet zu haben (Verrier, Colson u. a.). Da jedoch der Modus procedendi niemals so genau beschrieben wurde, um daraus die Hichtigkeit jener Angaben zu erkennen, so muss ich nach meinen Beobachtungen über die Lagen­verhältnisse jener Theile mit Degive und Hendrickx die Richtigkeit dieser Behauptungen in Zweifel ziehen. Bei älteren Hengsten liegt die engste Stelle des Leistenkanals 2—3 cm unterhalb des inneren Bauch­ringes, und schon dadurch entsteht ein kaum zu überwindendes Hinder-niss. Sollte es einmal möglich gewesen sein, den (inneren) Bauchring zu heften, so haben offenbar abnorme Verhältnisse vorgelegen. Da­gegen muss zugegeben werden, dass die Lage des Leistenriuges ein
da
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324nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Bauches.
Heften desselben wohl zulassen würde, doch dürfte die Herstellung eines Verschlusses wegen der starren Ränder (Sehnenschenkel der Ms. obliq. extern.) beim Pferde kaum möglich sein. Jedenfalls erzielt man hiermit nicht die Wirkung wie bei dem oben beschriebenen Verfahren; daher erklärt sich auch die vereinzelte Empfehlung dieser Methode.
Beim Wallach ist das operative Einschreiten etwas zu modi-ficiren: hier muss zunächst der Processus vaginalis aufgesucht werden. Am einfachsten geschieht dies in folgender Weise: An dem in der Rückenlage und Narkose befindlichen Pferde sucht man die Castrations-narbe auf und umzieht diese mit einem elliptischen Hautschnitt, so dass die mit dem Grunde des Processus bezw. dem Ende des Samen-stranges verwachsene äussere Haut mittelst eines durch dieselbe ge­zogenen, schmalen Bandes mit ihrer Unterlage in die Höhe gehoben werden kann. Alsdann präparirt man wie hei der Samenstrangfistel auf den Processus vaginalis los und legt ihn auf eine grössere Strecke nach oben frei. Nunmehr kann die Kluppe in gleicher Weise wie oben beschrieben über die Scheidenhaut und den Samenstrang gelegt werden, sobald man sich überzeugt hat, dass sich kein Darm in der Scheidenhaut befindet. Beim Wallach muss man indess auf eine Verwachsung stets gefasst sein, und wo nur der geringste Zweifel besteht, öffne man den Processus vaginalis und überzeuge sich durch den eingeführten Finger von der Abwesenheit von Darm oder Netz. Das Lospräpariren des Darmes muss mit grösster Sorgfalt geschehen, um Verletzungen desselben zu vermeiden. Ich benutze dazu mit Vor­liebe die Schere und suche soweit möglich die Grenzen des verwach­senen Darmes auf. Wo diese undeutlich hervortreten, lasse ich Theile des Processus auf der Darmoberfläche sitzen und repouire sie mit dem­selben. Netztheile werden mit sterilisirtem Material unterbunden und abgeschnitten; dasselbe würde ohne Bedenken mit in die Kluppe ge­nommen werden. Auch hier empfiehlt sich, den Processus vaginalis 7laquo;—1 Mal umzudrehen, oder man legt eine kleine Kluppe mög­lichst hoch innerhalb der Wunde an, und lässt sie von der äusseren Haut tragen.
Strecker bediente sich bei der Operation eines Wallachs der Ligatur zum Verschliessen des Processus vaginalis.
II. Behandlung des incarcerirten Leistenbruches.
Dieselbe muss nach den allgemeinen Regeln (S. 'M)\) und zwar möglichst bald erfolgen. Das Pferd wird vorsichtig niedergelegt,
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narkotisirt und in die llückenlage gebracht, so dass das Hintertheil höher liegt als das Vordertheil, was nach dem Vorschlage Jessen's durch Eingraben des Vordertheils am einfachsten erreicht werden kann. Die Hinterfilsse liisst man in Beugestellnng und wenn möglich den der kranken Seite nach aussei! und hinten halten. Sodann sucht man zunächst durch Druck auf den Hals des Brucksackes, durch ziehen und drehen desselben, wie oben (S. 301) näher beschrieben, die Taxis zu bewirken; der Hode wird dabei hervorgezogen. Vom Mastdarm aus kann durch einen vorsichtigen Zug auf die in den Leistenkanal getretenen Theile die Reposition unterstützt werden; gleiche Vorsicht nuiss bei den Manipulationen am Bruchsacke geübt werden und zwar um so mehr, je älter die Einklemmung ist.
Nach vollzogener Taxis lasse man das Thier auf die gesunde Seite wälzen, in dieser Lage die Fesseln lösen, und wenn sich der Patient ruhig verhält, eine viertel bis halbe Stunde liegen; doch soll das Aufstehen nicht mit Gewalt verhindert werden.
Erreicht man die Taxis in einer halben Stunde nicht, so bleibt meist nur die Herniotomie übrig. Dazu lasse man die Narkose wiederholen oder vervollständigen, die Hufe der Hinterfilsse sorgfältig reinigen und eventuell mit einem angefeuchteten Lappen umwickeln, ebenso die Haare an dem unteren Theile der Füsse anfeuchten, um das Herabfallen von Staub auf das Operationsfeld zu verhindern. Nachdem dieses gereinigt, desinficirt und alle übrigen Massregeln der Antisepsis getroffen sind, durchschneide man vorsichtig die äussere Haut und Tunica dartos auf dem Grunde des Hodensackes und pril-parire mit den Fingern, eventuell unter Beihülfe der Schere; diese vom Processus vaginalis los und zwar womöglich bis zu der Stelle, wo sich der Hals des Bruchsackes am stärksten eingeschnürt zeigt. Diese Stelle liegt im Leistenkanal, einige (Zentimeter unter dem Bauchringe, wie schon tiering und französische Veterinäre beobach­teten. Mit dem einen oder anderen in den Leistenkanal eingeführten Finger gelingt zuweilen die Taxis durch Drücken und Kneten an dieser Stelle, namentlich wenn ein Gehülfe oder die zweite Hand diese Arbeit vom Mastdarm aus unterstützt. Ich ziehe es vor, diese Hülfe selbst zu leisten, wobei es darauf ankommt, dass man nur auf den im Leistenkanale befindlichen Darm einen langsamen und gleichmiissigen Zug ausübt, nicht aber zugleich den Samenstrang erfasst, wodurch diese Hülfeleistung eine Absclnvächung erführt, indem der Samenstrang der Zugbewegung gegenüber ein Hinderniss bildet. Bei einiger Uebung lassen sich diese Theile vom Mastdarm aus leicht unterscheiden.
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Krankheiten des Biiuclies
Zeigt die Incarceration bei diesen Versuchen grösseren Widerstand, 80 bleibt nur noch die Herniotomia intermi, die Spaltung des Frocessus vaginalis eventuell auch des Bauchringes übrig.
Zunächst fragt sich, wo soll die Spaltung erfolgen?
Fig. 66.
Das hängt von den Umständen ab und muss durch den
eingeführten Finger festgestellt werden. Die Stelle der Incarceration lässt sich hierbei in der Regel fühlen und diese spalte man.
Nach meinen Beobachtungen liegt diese Stelle bei älteren Hengsten regelmiissig 2—8 cm unterhalb des inneren Hauchringes; bei Wallachen fand ich dagegen meist den An-nulus abdominalis am engsten. Möglicherweise übt der dauernde Zug schwerer Hoden auf den in der Bauchhöhle sich fächerförmig ausbreitenden Samenstrang einen Einfluss auf die trichterförmige, oder wie man sie in Frankreich nennt, „sanduhrförmigequot; Erweiterung des Processus vaginalis aus, welche dieselbe gegen den inneren Bauohring zeigt. Der dauernde Zug kann ohne Zweifel eine derartig erweiterndlaquo;1 Wirkung ausüben, wodurch sich auch die grössere Disposition älterer Hengste zu Darmvorfällen an dieser Stelle erklären würde.
Girard construirtezu dieser Operation einPaar lange Bruchmesser in Gestalt eines bedeutend vergrösserten, geraden und eines gekrümmten Tenotoms. Man kann auch das gewöhnliche Herniotom (Fig. G6), im Nothfalle ein geknöpftes Bistouri verwenden. Die Spaltung des Bauchringes inuss in der Nähe seines vorderen Winkels und zwar nach aussen erfolgen. Medial liegen in der Nähe des hinteren Winkels die Bauch-deckengefässe, welche verschont werden müssen. Die Trennung im vorderen Winkel würde leicht mit einer weiteren Spaltung im inneren schiefen Bauchmuskel ver­bunden sein. Sobald die Incarcerationsstelle auch nur Herniotom. um wenige Millimeter eingeschnitten ist, gelingt die Reposition leicht und erfolgt durch den Zug der Bauch­eingeweide meist von selbst. Paty empfiehlt 90 —100,0 Belladonna-und Opiumextract in Oel gelöst in den Processus vaginalis zu giessen. Dass dadurch der Bruchinhalt schlüpfrig gemacht und die Reposition erleichtert werden kann, ist nicht zu leugnen. Einfaches, aber durch Kochen sterilisirtes Oel würde denselben Dienst leisten. Hierauf wird ebenso verfahren, wie beim nicht incarcerirten Bruch, d. h. Über
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Samenstrang und Scheiclonhaut (einmal um ihre Längsachse gedreht) und möglichst hoch eine Kluppe gelegt.
Wo es darauf ankommt den Hoden zu erhalten, kann das von H. Bouley als suhcutane Bruchoperation empfohlene Verfahren Anwendung finden; doch gehe man dabei streng antiseptisch vor. Hodensack und Scheidenhaut werden an ihrer lateralen Seite und zwar in der Nähe des Leistenringes vorsichtig gespalten, so dass eine Hohl­sonde in die engste Stelle des Processus vaginalis eingeführt und dieser mit dem Bruchmesser gespalten werden kann. Andere (Siegen) bedienen sich des Fingers an Stelle der Hohlsonde und führen an diesem das Bruchmesser zum Spalten des Bauchringes ein. Siegen will auf diese Weise ein Pferd in 12 Tagen wieder arbeitsfähig gemacht haben. Die Hautwunde wird geheftet und die Asepsis durch einen zweck-mässigen Verband gesichert. Wo man mit der Durchführung der An­tisepsis nicht sicher ist, dürfte die Methode grosse Bedenken er­wecken, wie auch Peuch hervorhebt.
Im übrigen zeigt sich die Operation des Leistenbruches nicht so bedenklich. Bouley will nach 24 Stunden andauernder Einklem-mung noch Heilung erzielt haben. Nach Stockfleth starben von .r)5 Pferden nach Erweiterung des Bauchringes 13, in Alfort von 20 8 Stück; Benjamin verlor von 28 nur -quot;J.
Mittheilungen über Anwendung von Bruchbändern sind selten. Kling an will beim Fohlen durch einen complicirten Verband Heilung erzielt haben; offenbar hat die Natur hierbei wesentlich mitgewirkt.
b) Der falsche Leistenbruch. Hernia inguinalis interstitialis.
Lit.: Hildaoh, Gurlt u. Hevtwig. 13. S. 83. Stockfleth, Chirurgie.
Hiermit bezeichnet man Leisten- bezw. Hodeusackbrüche, bei denen der Bruchinhalt ausserhalb des Processus vaginalis liegt. Der Dünn- oder Mastdarm, selten das Netz gelangen nicht durch den inneren Bauchring, sondern durch eine pathologische Oeffnung, welche meist dicht vor dem Bauchringe liegt, in den Leistenkanal bezw. Hodensack. An dieser Stelle befindet sich eine Lücke in der Bauch­muskulatur des Pferdes, welche von Bindegowebe ausgefüllt und daher offenbar weniger widerstandsfähig ist. Dieser vom Peritoneum überzogene Abschnitt der Bauchdecke wird von Franck als Schnen-haut des Querbauchmuskels aufgefasst; Schmaltz nennt ihn „Lei-stenringquot;.
Durch Zerreissung des Peritoneums und dieses Bindegewebes ge-
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Krankheiten des Bauche?.
langt Darm oder Netz ausserhalb ties Processus vaginalis in den Leistenkanal, ein Zustand, der auch als Peritoneal-Scrotalbruch bezeichnet wird (Fig. 67).
Es liegt auf der Hand, dass der Zustand grnsse Heimlichkeit mit dem echten Leistenbruch besitzt; die Bruchgeschwulst dehnt sich jedoch bei dem in Rede stehenden Leiden mehr in den oberen Abthei­lungen dicht unter dem Leistenringe aus, weil der Bruchinhalt nicht vom Processus vaginalis eingeengt wird; infolgedessen erscheint der
Fig. 07.
Pentoneal-Scn'otalbruch diaeli Hering).
Grund des Bruchsackes mehr zugespitzt und kann die Gestalt einer Zipfelmütze erlangen (Hildach). Die Taxis zeigt sich schwieriger als bei jenem. In zweifelhaften Fällen kann die Untersuchung per anum über die Bruchnatur der Anschwellung Auskunft geben.
Der Zustand wurde von Hildach bei einem Hengste durch die Section festgestellt. In Frankreich ist das Leiden von H. Beuley als Her nie extra-vaginale beschrieben worden. Man erkannte ihn zuweilen erst bei der Operation des Leistenbruches, indem nach Durchschneidung der Scrotalhaut und der Tunica dartos nicht die
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Peritoneal-Scrotalbruch.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 329
Scheidenhaut, sondern der Bruchinhalt zum Vorschein kam. Stock-fleth beohachtete den Zustand beim männlichen Schwein; bei den übrigen Thieren ist derselbe unbekannt.
Die nächste Ursache des Leidens besteht in einer Zerreissung der oben bezeichneten Stelle der Bauchdecke, welche durch abnorme Steigerung des intraabdominalen Druckes, vielleicht auch durch heftige Bewegung entstehen dürfte; Hildach sah den Bruch plötzlich nach' dem Reiten auftreten.
Die Beurtheilung gestaltet sich noch ungünstiger als beim echten Leistenbruch, weil die Gefahr der Incarceration grosser ist, und die Heilung auf erheblichere Schwierigkeiten stösst, indem der Processus vaginalis zum Verschluss der Bruchpforte nicht herangezogen wei­den kann.
Behandlung. Sofern keine Einklemmung des interstitiellen Leistenbruches bestellt, lasse man sich auf eingreifende Behandlung nicht ein. Die Reposition des incarcerirten Bruches kann am stehenden Thiere versucht werden, gelingt aber meist nicht, auch wenn der Operateur vom Mastdarm aus unterstützt wird. Und doch muss unter allen Umständen zunächst die Taxis ohne operatives Eingreifen ange­strebt werden, wobei man sich derselben Hülfsniittel (Rückenlage, Narkose) bedient wie beim echten Leistenbruch. Ist die Herniotoinie nicht zu umgehen, so verfahre man wie folgt:
Unter Anwendung antiseptischer Massnahmen wird der Hoden­sack vorsichtig geöffnet. Nach Durchschneidung der äusseren Haut und Tunica dartos tritt der Bruchinhalt zu Tage, den man zunächst durch reine, mit Desinfectionsflüssigkeit getränkte Tücher vor Ver­unreinigung schützt, dann sucht man mit dem Zeigefinger die Bruch-pforte auf; der Finger inuss dabei vor dem Brocessns und vom Bruchinhalte geleitet vordringen.
Gelingt es nicht, mit dem Finger den Hruchring zu erweitern und den Darm in die Bauchhöhle zurückzubringen, so mnss die Oeffming mit dem Herniotom erweitert werden, wonach die Taxis bald erfolgt. Sodann versuche man, den Bauchring mit sterilisirtem Catgut oder Seide zu heften und schliesse die änssere Haut durch eng angelegte Knopfnähte. Danach reinige man die Umgebung der Wunde, streue Jodoform auf und lege einen Verband an, wie bei der Castration der Cryptorchiden. Dass eine derartige Naht im Leistenkanal auszu­führen ist, davon habe ich mich bei Cryptorchiden überzeugt.
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330nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Bauches.
L u n d operü'te einen interstitiellen Leistenbruch mit Erfolg (Stockfleth). Hering beobachtete nacli der Operation Darm Vorfall und tödtliclien Ausgang.
c) Der Leistenbruch bei den Wiederkäuern.
Lit.: Löble, Her. Hei). 15- s- 221. Youatt, Stockfleth's Chir.
Bei Wiederkäuern gehören Leistenbrüche zu den Selten­heiten. Nur wenige Fälle finden sich in der Literatur verzeichnet; Youatt sah einen beim Stierkalb, Löble bei Ochsen.
Die Erscheinungen und der Verlauf des Leidens gestalten sich ähnlich wie beim Pferde, doch erlangt der Zustand hier bei weitem nicht die Bedeutung wie dort, weil die Verworthung der Thiere durch den Bruch nicht in dem gleichen Masse beschränkt wird; im Nothfalle würde selbst bei Incarceration eines Bruches rechtzeitiges Schlachten nicht mit so grossen Verlusten verbunden sein wie beim Pferde.
Bei der Behandlung müssen dieselben Gesichtspunkte leiten und die gleichen Hülfsmittel in Anwendung kommen, welche oben be­schrieben sind. Bei Incarcerationen lässt sich die blutige Operation auch von der rechten Flanke aus durchführen, wie es von Löble ge­schah. Er liess den Ochsen an eine Wand drängen, machte unter dem äussern Darmbeinwinkel einen Einschnitt durch Haut und Mus­keln, drang mit der Hand in die Bauchhöhle ein, wo er die doppelte Darmschlinge im linken Leistenkanal eingeklemmt antraf. Diese frei zu machen, gelang jedoch nicht sogleich, ebensowenig das Einführen eines Fingers in den Leistenkanal, weshalb Löble ein gerades Bistouri, die Spitze mit einem Heftpflasterstreifen verklebt, zwischen Zeigefinger und Daumen haltend, einführte und hiermit den Bauchring erweiterte. (Ein Tenotom würde sich hier empfehlen, welches man, wie auch Löble das Bistouri, an einem Bindfaden befestigt, um es in der Bauchhöhle nicht zu verlieren.) Nachdem der Darm frei gemacht war, wurde die Bauchwunde geheftet, worauf in (i Wochen vollstän­dige Heilung eintrat.
d) Der Leistenbruch beim Schwein.
Lit: Stockfleth, Chirurgie. Gerlach, Gurlt u. Hartwig. 20. S. 807. Eber-hardt, das. 17. S. 266. Meyer, das. 15. S. 440. Degive, Her. Rep. 88. S. 177.
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Leistenbruch beim Schwein.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;331
Eber sowohl wie Oastraten leiden nicht selten an Leistenbrüchen; man spricht von einem „Brucheherquot; oder „Bruchferkel'. Der In­halt des meist einseitigen, selten doppelseitigen Bruches besteht in der Regel aus Darmtheilen und zeigt sich bei Castraten oft mit dem Bruch­sacke verwachsen; Netzbrüche sind seltener. Auch bei Schweinen bildet der Leistenbruch in der Kegel einen angeborenen und vererbten Fehler, oder er entwickelt sich in den ersten Lebenswochen, selten später.
Erscheinungen und Verlauf. Die Bruchgeschwulst kann bei Ferkeln die Grosse eines Gänseeies erreichen. Auf dem Grunde des in Folge der dünnen und nachgiebigen Beschaffenheit der äusseren Haut vergrösserten Scrotums liegt der Hode. Durch Aufheben der Thiere an den Vorderbeinen findet eine Vergrösserung, an den Hinter­beinen eine Verkleinerung der Geschwulst statt, die in der Tiefe den erweiterten Bauchring erkennen lässt. Zuweilen zeigt sich der Bruch so klein, dass er erst bei der Castration entdeckt -wird. Die Thier-chen bleiben in der Entwicklung zurück, während der Bruch allmälich an Grosse zunimmt; doch kommt bei Ferkeln auch spontane Heilung vor. Incarcerationen sind nicht häufig, aber sowohl bei Ebern wie Castraten beobachtet worden und mit denselben Erscheinungen ver­bunden wie bei den übrigen Thieren : Leibsohmerzen, Anschwellung des Bruches, grössere Härte und Schmerzhaftigkeit desselben, sowie Schwierigkeiten beim Versuche den Bruch zu reponiren.
Die Beurtheilung gestaltet sich beim Schwein weniger un­günstig als beim Pferde, da die Empfindlichkeit des l'eritoncuins nicht so gross ist wie bei jenem, die operativen Eingriffe daher leichter ertragen werden. Immerhin verlangt die Castration eines Bruchebers besondere Rücksichten und gewährt nicht die Sicherheit eines gün­stigen Ausganges wie bei gesunden Thieren.
Behandlung. Zur Castration eines Bruchferkels lasse man dasselbe einige Tage hindurch mager füttern und 10—12 Stunden vor der Ope­ration fasten. Alsdann wird die Castration mit bedeckter Scheiden­haut und mittelst Unterbindung ausgeführt, wobei die Ligatur möglichst hoch anzulegen ist. Auch empfiehlt es sich, den nicht zu dünnen Faden massig fest anzuziehen, um die Scheidenhaut nicht ZU durchschneiden und die Gefahr eines Darm Vorfalles herbei­zuführen. Stockfleth heftete die äussere Haut, während Gerlach zugleich eine Entspannungsnaht anlegte, um Darmvorfall zu verhüten.
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332nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Bauches.
Vei'waohsungei) ties Bruchinhaltes mit dem Processus vaginalis müssen vorsichtig getrennt und Verletzungen des Darmes hierbei ver­mieden werden. Dass aber selbst das Anschneiden des Darmes bei diesen Thieren nicht immer tödtlich verläuft, beweist eine Beobachtung Eberhiirdt's. Meyer Hess bei der Ablösung der Verwachsung ein Stück vom Processus vaginalis am Dann sitzen und erzielte gleich­falls einen günstigen Verlauf. Durch Verwachsung gestaltet sich die Bruchoperation bei Castraten im Allgemeinen schwieriger als bei Ebern. Der zweite Hoden kann gleich darauf entfernt werden, doch empfiehlt Stockfleth den Bauchring zuerst zu untersuchen. Wenn derselbe nicht so gross ist, dass man mit den Fingern hineingelangt, kann die Castration in der gewöhnlichen Weise vorgenommen werden: anderenfalls muss sie auch hier mit bedeckter Scheidenhaut erfolgen. Bei doppelseitigem Leistenbruch der Ferkel können beide Hoden in derselben Weise und zu gleicher Zeit entfernt werden.
Aeitere Brucheber castrirt man mit bedeckter Scheidenhaut und Kluppen, welche so lange liegen bleiben, bis sie von selbst abfallen, was in 1—2 Wochen erfolgt; um diese Zeit können dieselben auch abgenommen werden. Man lege die nicht zu grosse Kluppe möglichst hoch an und nehme den zweiten Hoden in gleicher Weise, auch wenn hier kein Bruch bestehen sollte.
Degive öffnet den Processus vaginalis, um sich von der voll­ständigen Reposition des Bruchinhaltes zu überzeugen und legt die Kluppe ebenfalls recht hoch au.
Nach der Operation gebe mau dem Thiere einen mit reiner Streu versehenen, trockenen Stall, und lasse es in der ersten Zeit dürftig ernähren. Eine Localbehandlung ist nicht erforderlich, wegen der damit verbundenen Aufregung des Thieres nicht einmal zweck-mässig.
Stockfleth beobachtete einmal beim Eber einen Peritoneal-Scrotal-bruch; bei der Operation wurden die Darmtheile ausserhalb des Processus vaginalis gefunden. S. erweiterte deshalb die Hautwunde, reponirto den Bruchinhalt, unterband die aus derbem Bindegewebe bestehende innere Hülle des Bruches zugleich mit der Scheidenhaut und erzielte Heilung. Der Fall beweist, dass beim Eröffnen des Bruchsackes auch hier Vorsicht ge­boten ist, um Verletzungen des Darms zu vermeiden, wenn ein solcher Bruch bestehen sollte.
e) Der Leistenbruch bei Hunden.
Männliche Hunde leiden sehr selten an Leistenbrüchen, häufiger dagegen Hündinnen, bei denen der Bauchring ebenfalls offen bleibt,
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Leistenbruch bei Hunden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 333
durch welchen das von einer „Peritonealacheidequot; umgebene runde Mutterbiind tritt. Der Bruchinhult besteht meist aus der Gebärmutter, zuweilen im trächtigen Zustande; Stockfleth fand vier ausgewachsene Junge in derselben. Man trifft jedoch zuweilen auch Darm- oder Netztheile und selbst die Harnblase und Milz in dem Bruchsacke, der vom Peritoneum, dem Euter und der il u s s e r e n Haut ge­bildet wird.
Der Leistenbruch kommt nur bei Hündinnen vor, welche bereits geboren haben. Dies erklärt sich aus der mit der Trächtigkeit und dem Gebärakte verbundenen Verlängerung des runden Mutterbandes, der Erweiterung des Bauchringes und der Wirkung der Wehen beim Gebärakte.
Erscheinungen und Verlauf. Die Bruchgeschwulst erscheint bei Hündinnen in Folge ihrer Bedeckung vom Euter weniger charakte­ristisch; sie ist nicht so scharf begrenzt und weich wie bei männlichen Thieren; die reichlich faustgrosse Geschwulst liegt an den hinteren Abtheilungen des Euters und erscheint auch bei doppelseitiger Hernie als eine gleichmässige, diffuse Anschwellung. Bei mageren Thieren und schwach entwickeltem Euter lässt sich der Uterus zuweilen in der Tiefe fühlen; bei fetten Thieren und starker Mamma fällt die Diagnose oft nicht leicht. Die Keponirbarkeit, das Verschwinden oder die Ver­kleinerung der Geschwulst während der Rückenlage bleibt das diagno­stisch wichtigste Merkmal.
Mit Tumoren im Euter kann nur eine oberflächliche Unter­suchung den Zustand verwechseln; bemerkt sei, dass Tumoren fast niemals so tief liegen wie die Bruchgeschwulst. Schwieriger ist der Bruch von einem verdickten runden Mutterbande ZU trennen, welches sich jedoch als ein harter Strang zu erkennen giebt, der mit dem vordem Bande des Schambeines in Verbindung steht.
In zweifelhaften Fällen untersuche man die Scheide. Liegt die Gebärmutter im Bruchsacke, so zeigt sich die Scheide verlängert, verengt und nach der kranken Seite oder nach unten verzogen; oft kann kaum ein Finger eindringen. Auch finden sich die vor­deren Scheidenabschnitte weniger beweglieh als unter normalen Um­ständen.
Incarcerationen und sonstige Nachtheile für das Leben der Thiere knüpfen sich nur selten an den Bruch; selbst der Gebärakt pflegt trotz des Bruches ohne Störung zu verlaufen (Stockfleth). Sollte einmal Incarceration vorkommen, so würde sich dieselbe durch
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;};{4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Bauches.
die gleichen Ersoheinuugen wie bei den übrigen Thieren zeigen und unter Umstilnden mit Erbrechen verbunden sein.
Behandlung. In der Regel beschränkt man sich auf Regelung der Ernährung und wartet ab, bis Incarceration eintritt, auf deren Erscheinungen man den Besitzer aufmerksam macht. In Frankreich wurden ehemals Jodinjectionen versucht, doch machte schon Lafosse trübe Erfahrungen mit denselben; es folgten schwere Entzündungs-zufiille mit tödtlichem Ausgange. Wenn überhaupt vorgegangen wer­den soll, so empfiehlt sich die Radikaloperation, die hier jedoch nicht so leicht ausfüllt wie bei männlichen Thieren. Sie besteht in der Unterbindung des Bruchsackes, bezw. seiner inneren Hüllen, des Peri-toneums und des umliegenden Bindegewebes. Die Operation erfolgt in der Narkose und unter antiseptischen Cautelen. Zunächst wird ein Schnitt durch Haut und Euter geführt; sodann präparirt man die inneren Bruchhüllen frei und unterbindet möglichst nahe am Bruchringe. Sollte die Reposition nicht gelingen, so kann der Uterus amputirt werden. Zu vermeiden ist die Operation während der Träcbtigkeit und bald nach dem Gebären sowie auch während der Brunstzeit; man wartet ab, bis diese Vorgänge abgelaufen sind.
8. Der Schenkellmicli. Hernia cruralis.
Lit.: tHrard, Arch, general de mid, vet. III. S. 67. Tied ho Im, Stockfletli, Chirurgie. Lafosse, C'ours d'hip. 1112. Lafond, Journ. de mcd. vit. 1823. S. 41. Dandricux, K'ec. do Mod. vet. 1827. S. 504.
Der Schenkelbruch gehört zu den Seltenheiten, so dass schon Girard sein Vorkommen bei Thieren bezweifelte; trotz ausgedehnter Erfahrung ist mir der Zustand ebenfalls noch nicht begegnet. Doch behauptet Lafosse mehrmals Gelegenheit gefunden zu haben, den Schenkelbruch zu operireu; am meisten will man denselben bei Pferden und Hunden gesehen haben.
Der Sehe u kolk anal (Canal is cruralis) bildet einen dreieckigen Raum zwischen dem breiten und langen Einwärts/jeher des Oberschenkels und dem Poupart'schen Bande, liegt dicht hinter und etwas medianwürts vom inneren Bauchringe und ist für gewöhnlich von der Arterie und Vena cruralis, von Lymphdrüsen und Bindegewebe ausgefüllt und vom lateralen Sehnenschenkel des inneren schiefen Bauclnnuskels sowie dem Peritoneum be­deckt, wodurch der Eintritt von Bauftheingeweidon in den Kanal verhindert wird. Stülpt sieh aber diese Decke aus, und treten Darm- oder Net/.theile in den Kanal, so entsteht ein Schenkelbruch. Derselbe bildet somit einen
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Schenkelbruch.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ;{^5
Uauchbruch, zu dessen Hüllen noch die Fascia cruris kommt; zuweilen findet sich in der Fascie ein Schlitz, durch welchen der Bruchinhalt hervortritt.
Erscheinungen. Die meist nur kleine und flache Brucligeschwulst findet sich an der Iimeufliiche des Oberschenkels, da wo die Vena saphena in die Tiefe tritt. Die Geschwulst, reponirbar in Rückenlage, veranlasst oft einen gespreizten Gang, bei Incarcerationen auch Lahm­heit, Kolik u. s. w. Durch Untersuchung per anuni erhält man über die Gegenwart des Bruches zuverlässige Auskunft.
Ursachen und Verlauf. Der Zustand soll entweder angeboren sein, oder während der Geburt entstehen, wenn das llintertheil des Jungen längere Zeit in den Geburtswegen steckt und der Bauch des­selben heftig gepresst wird. Im späteren Leben kann Ausgleiten, das Ziehen schwerer Lasten, grosse Heftigkeit der Wehen die Ursache zur Entstehung des Leidens abgeben, Dandrieux sah einen Schenkel­bruch bei der Kuh während des Gebarens entstehen.
Spontane Heilungen dürften kaum vorkommen, dagegen sind Incarcerationen nicht selten, welche mit denselben Störungen wie bei anderen Brüchen verbunden sind; daher muss der Schenkelbruch mindestens als ebenso bedenklich betrachtet werden wie der Leisten­bruch.
Behandlung. Bei Pferden will Lafosse in der Rückenlage die Taxis versuchen, und wenn diese nicht gelingt, bei Incarcerationen den Bruchschnitt ausführen. Es soll durch den Bruehsack ein Schnitt ge­führt werden, gross genug, um das Ligament. Poupart. mit dein M. sartorius zusammen heften zu können.
Mehrfach wurden bei nicht incarcerirtem Bruch scharfe Ein­reibungen empfohlen (Cantharidensalbe). Nach Anwendung derselben soll das Thier 8 Tage stehen bleiben und nach 14 Tagen bewegt werden.
Tidborn öflhete beim Fohlen den incarcerirten Bruch, reponirte die bereits verklebten Dünndarmschlingen und heftete die Wunde; das Thier ging indess zu Grunde. Lafond will bei Eselstuten Schenkel­brüche mittelst der Kluppe geheilt haben. In Deutschland scheint das Leiden sehr selten zu sein; ob die Ernährung der kaltblütigen Pferde oder die Arbeit im schweren Zuge die Ursache des häufigeren Vorkommens desselben in Frankreich abgiebt, ist unentschieden.
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\). Mlttelfleisclihruch. Hernia perinetilta.
Lit.: Sledamgrotzky, Dresd. Ber. 1877. S. 63.
Die hintere Wand der Bcckonhöhle besitzt bei niiinnlichen Thieren nur eine Aussuckung, nünilich die Excavatio recto-vesicalis, bei weiblichen dagegen zwei, eine obere, die Excavatio recto-uterina, und eine untere, die Excavatio A'esico-uterina. Durch Ausdehnung der einen oder anderen dieser Begrenzungen der Beckenhöhle und Ein­tritt von Bauchoingeweiden in die so entstandenen Bäume bezeichnet man als Mittelfleischbruch.
Am häufigsten wird das Leiden beim männlichen Hunde, seltener bei der Kuh, dem Mutterschafe und der Hündin beobachtet, bei denen es sich in der Regel um eine Ausdehnung der Excavatio vesico-uterina handelt, welche durch ihre tiefere Lage dazu prädestinirt ist. Bei männlichen Thieren findet sich entweder Darm oder die Harnblase in der Excavatio recto-vesicalis; bei weiblichen Thieren enthält der Bruch meist Dünndarm.
Erscheinungen. In der Kegel leidet nur eine Seite, daher macht sich beim] Hunde neben der Schwanz würze 1, unmittelbar über dem Sitzbeinhöcker eine mannesfaust- bis kindskopfgrosse Ge­schwulst mit den bekannten Eigenschaften eines Bruches bemerkbar. Beim weiblichen Schaf erscheint eine etwa gänseeigrosse Bruchgeschwulst neben der Vulva, bei der Kuh eine bis kopfgrosse Geschwulst von rundlicher Gestalt unmittelbar unter der Scham, wobei die Labien mit vorgedrängt werden. Durch Druck von aussen, Auf­richten des Hintertheils sowie Bergabgehen lässt sich der Bruch repo-niren und die Geschwulst zum Verschwinden bringen, dagegen wird die Anschwellung durch Heben des Vordertheils und alle Umstände ver-grössert, welche mit Steigerung des intraabdominalen Druckes ver­bunden sind. Incarcerationen kommen bei diesen Brüchen sehr selten vor, doch beobachtete Siedamgrotzky beim Hunde eine Einklemmung der Harnblase in demselben.
Ursachen und Verlauf. Obgleich zugegeben werden muss, dass andauernde Wirkung der Bauchpresse, schwere Geburten, Arbeit im schweren Zuge, Gehen auf den Hinterbeinen (Hund), tiefer Stand mit dem Hintortheil (Kind) die Entstehung dieses Leidens begünstigen, so ist doch etwas Näheres hierüber nicht bekannt.
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Bauch brilche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;337
Der Mittelflei.schbruch kann ohne Nachtheil Jahr und Tag be­stehen, da Incarcerationen bei der grossen Weite der Bruchpforte selten sind, doch soll nach Stockfleth der Bruch beim Schafe den Gebärakt stören können, weil die Scheide durch die Wehen in den Bruohsaok gedrängt und geknickt wird. Von der Zucht würde man auch Kühe mit diesem Leiden ausschliessen.
Behandlung. In präservativer Hinsicht empfiehlt sich, Kühe mit dem Vordertheil nicht höher zu stellen als mit dem Hintertheil. So lange keine Incarceration eintritt, würde man von jeder Behandlung absehen, und die beim Gebären auftretende Beschwerde durch Streckung der Scheide zu beseitigen suchen. Zu operativem Eingreifen ent-schliesst man sich um so weniger leicht, als nicht selten der Bruchquot; inhalt mit dem Brucbsacko verwachsen ist; starkes Einsinken des letzteren beim Hochheben des Hiutortbeiles lässt dieses vermuthen. Sollte in Folge von Incarceration die Operation nothweudig oder vom Besitzer vorlangt werden, so würde man in der Narkose und unter anti­septischen Massnahmen den Bruchschnitt ausführen, die äussere Haut spalten, den Bruchsack direct abnähen, wenn eine Verwachsung des Inhaltes ausgeschlossen werden kann; im anderen Falle auch die inneren Hüllen vorsichtig durchschneiden, den Dann resp. die Blase freipräpa-riren, sodann den Bruchsack mit einigen Ligaturen versehen und ebenso die äussere Haut nach entsprechender Verkürzung heften. Dass dabei selbst unter ungünstigen Umständen Heilung erzielt werden kann, beweist ein in der Dresdener Klinik behandelter Fall; es wurde die Harnblase angeschnitten, aber alsbald geheftet. Auch kann die Schnürnaht hierbei unter Umständen zweckmässige Anwendung finden (S i e d a in g r o t z k y).
10. Bauchbrttche. Uerniae ventrales.
Lit.: Rademachor, Gurlt U, Hertwig. 7. S, 476. Jürgens, das. 14. S. 494. Meyer, das. 17. S. 88. Gerlaoh, das. 7. S, 211. Schmiele, das. 16, S. 824.
Während die bisher besprochenen Brüche durch natürliche Oeff-nungen in den Bauchdecken sich entwickelten, bezeichnet man als Bauchbrtiche alle Übrigen, durch Oontinuittltstrennungen in den Bauchdecken entstandenen. Hire Grundlage bildet also eine patholo­gische Oefihung in der Bauchwand mit Erhaltung der Continuität in der Möller, Speolelle Chirurgie für Tlilerttrsste.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 22
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338nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Bauches.
äusseren Haut. Derartige Trennungen verdanken ihre Entstehung ent­weder von aussei) durch stumpfe Körper einwirkenden Gewalten, z. B. Hufschlag, Fusstritt, Hornstoss, Gegenfahren mit der Deichsel, Hängen­bleiben mit dem Bauch auf Pfühlen (Kastenstand), Niederstürzen auf einen stumpfen Gegenstand, oder die Zerreissung in der Bauchdecke erfolgt durch heftige Muskelwirkimg, z. B. beim Gebärakte und nimmt zuweilen einen bedeutenden Umfang an, wie Eberhard und Dette sahen und aucii ich bei Stuten beobachtete. Her twig glaubt, dass zuweilen angeborene Spaltbildungen in den Bauchdecken Anlass zur Entstehung von Bauchbrüchen geben.
In der Regel besteht der Bruchsack nur aus der äusseren Haut und dem Hautmuskel, indem die Baucheingeweide (Darm, Netz) durch die Lücke in den Bauchmuskeln bis unter diese treten und daher oft mit denselben verwachsen sind.
Erscheinungen. Frisch entstandene Bauchbrüche zeigen neben den Kennzeichen eines Bruches die Folgen der Zerreissung bezw. Quetschung; die letzteren können unter Umständen sogar in den Vordergrund treten und den Bruch verdecken. Sie finden sich am häufigsten in der Nähe der letzten Rippen, beim Rinde vornehmlich rechts, beim Pferde links. Die Geschwulst zeigt die Erscheinungen einer acuten Entzündung, sie ist schmerzhaft, in Folge Oedembildung mehr oder weniger fest oder teigig, zuweilen durch Blutergüsse fluc-tuirend. Bei älteren Hernien fehlen solche Erscheinungen; diese geben sich durch die Eigenschaften der Bruchgeschwulst, Compressibilität, Fluctuation, Weichheit, wechselnde Grosse (S. 294) u. s. w. zu er­kennen. Meist lässt sich bei ihnen in der Tiefe die Bruchpforte von runder oder länglicher Gestalt direct fühlen.
Die Grosse der Bruchgeschwulst kann ausserordentlich ver­schieden sein. Bei kleinen Thieren erreicht dieselbe oft nur die eines Taubeneies, während Bauchbrüche bei Pferden und Rindern grosser als ein Zuckerhut werden können. Ein von mir bei der Stute beob­achteter Bruch ist in Fig. 68 nach einer Photographic dargestellt. In der Regel beschränkt sich jedoch auch hier die Bruchgeschwulst auf die Grosso einer Doppelfaust bis Menschenkopfes.
Nach dem Sitze unterscheidet man Herniae lineae albae, Flanken­brüche (H. iliacae); in der Nähe des Nabels nennt man sie H. par-umbilicales. Meist findet sich Darm oder Netz, selten andere Organe der Bauchhöhle wie Uterus, Leber (Gerlach, Schmiele) im Bruch­sacke.
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Bauchbrüchc.
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Differentialdiagnose. Nur bei frisch entstiiiulenen Bauch-brüchen kann über die Diagnose Zweifel bestehen und eine Verwechse­lung mit entzündlichen Anschwellungen oder Hämatomen in der ßauch-decke vorkommen, bei älteren Brüchen lilsst sich die Bruchpforte stets durch Palpation nachweisen, sofern nicht zufällig entzündliche Frocesse in der Nähe des Bruchsackes bestehen. Das plötzliche Hervortreten der
Fig. G8.
Hernia ventralis boim Werde (nach einer Photogra]iliie).
Geschwulst, ihre wenn auch nur undeutliche Compressibilitilt muss den Verdacht auf einen Bruch erwecken. Auf jeden Fall ist bei operativen Eingriffen Vorsicht und der Grundsatz geboten, dasa in zweifelhaften Fällen die Abwesenheit des Bruches nachgewiesen werden muss, bevor man mit scharfen Instrumenten vorgeht. Zuweilen kann die Unter­suchung per anum Auskunft geben; im Nothfalle muss die unter antiseptischen Cautelen ausgeführte Function mit dem Trokart ent­scheiden.
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340nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Biiuclies.
Besondere Vorsicht ist bei der Gegenwart von Kolik geboten, die durch Incurceration, bei frischen Verletzungen aber auch durch die mit der Entzündung verbundenen Schmerzen veranlasst werden kann. Das letztere ist jedoch Ausnahme, ersteres die Regel.
Im allgemeinen incarceriren'Hauchbrüche nicht hiluhg; Wollstein leugnete das Vorkommen derselben überhaupt. Doch habe ich mich ebenso wie Hertwig wiederholt überzeugt, dass auch Bauchbrüche und nicht bloss frische, sondern auch ältere incarceriren können. Je kleiner die Bruchpforte und je grosser der Bruchsack, desto leichter tritt In­carceration ein, welche hier besonders durch schwere Arbeit, Auf­treibung, Kolik und den öebärakt veranlasst werden kann. Dünndarm wird leichter eingeklemmt als Dickdarm. Die Gefahr der Incarcera­tion gestaltet sich bei Bauchbrüchen geringer als bei Nabel- und besonders Leistenbrüchen, die Erscheinungen sind dieselben (S. 29ß). Kleine Bauchhrüche heilen unter Umständen spontan, auch wird bei grösseren oft mit der Zeit eine Verkleinerung beobachtet.
Hieraus ergiebt sich, dass Bauchbrüche im allgemeinen günstiger zu beurtheilen sind, als Leistenbrüche, doch können auch sie die Arbeitsfähigkeit namentlich in anstrengenden Dienstleistungen erheb­lich stören und bei etwaiger Erkrankung an Kolik, Tympanitis oder beim Gebärakt gefährlich werden. Von der Zucht sind weibliche Thiere mit Bauchbrüchen daher auszuschliessen.
Behandlung. Bei frisch entstandenen Bauchbrüchen beschränkt man sich auf Bekämpfung der entzündlichen Erscheinungen, sofern keine Incarceration vorliegt. Unter Umständen lässt sich durch vor­sichtige Anbringung eines Compressivverbandos der Bruchinhalt zurück­halten oder doch das weitere Vordringen desselben verhüten. Man vergesse jedoch nicht, dass ein heftiger Druck leicht Nekrose der Haut veranlasst und der Entstehung eines Prolapses Vorschub leistet. Aeltere Bauchbrüche gelangen in der Kegel nur dann zur Behandlung, wenn sie die wirthschaftliche Ausnutzung der Thiere stören. In solchen Fällen finden dieselben Hülfsmittel Anwendung, welche früher (S. 299) besprochen worden sind. Da Bruchbänder auch hier nur selten an­wendbar sind, so beschränkt sich die Therapie auf folgende Mittel:
1.nbsp; nbsp;Application scharfer Einreibungen oder anorgani­scher Säuren. Hierbei müssen dieselben Grundsätze gelten, die beim Nabelbruch besprochen wurden (S. .'507). Rademacher empfahl Schwefelsäure.
2.nbsp; Unterbindung, Abnähen oder Kluppen. Diese Be-
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Bauchbniche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 341
hiindlungsmethoclcn setzen voraus, dass keine Verwachsung des Bruchinhaltes besteht, die aber, wie bereits erwiilmt, nieht selten vorliegt. Die einfache Unterbindung gelingt bei der grüsseren Basis des Bruches nur ausnahmsweise, daher muss entweder zum Abnähen oder zur Klappe gegriffen werden, wenn man sich von der Abwesenheit einer Verwachsung (Leere des Bruchsackes nach erfolgter llejoosition) überzeugt hat. Es können sowohl hölzerne (Castrirkluppen) wie auch die S. 311 beschriebenen eisernen Kluppen Anwendung finden, wobei man ebenso verfährt, wie beim Nabelbruch.
3. Die Herniotomie. Dieselbe verspricht am ehesten bei spaltförmiger Bruchpforte Erfolg, wenn es gelingt, diese zu heften. Jürgens theilte mehrere Beobachtungen der Art mit; in einem Falle kalbte die Kuh bald nach der Operation ohne jede Störung. Mojer heftete den frisch entstandenen Bauchbruch bei einer Kuh in der Nähe des Euters, nachdem bereits Erscheinungen der Incarceration hervor­getreten waren. Es wurde der Grimmdarm und ein Convolut Dünn­darm reponirt und sowohl der Bauchring wie auch die äussere Haut geheftet. Man vergesse jedoch nicht, dass das Heften der von Blut und Entzündungsproducten durchtränkten Gewebe oft auf Schwierig­keiten stösst, und dass Pferde derartige Eingriffe bei weitem nicht so gut ertragen wie Kinder und Fleischfresser. Bei der Operation älterer Bauchbrüche bieten die oft umfangreichen Verwachsungen des Bruch­inhaltes mit dem Bruchsacke grosse Schwierigkeiten. Jedenfalls muss man auf solche gefasst sein und die Trennung mit der grössten Vor­sicht zu bewirken suchen.
Bei älteren BauehbrUchen gelingt zuweilen der äussere Brucli-schnitt, wobei im allgemeinen nach denselben Vorschriften vorge­gangen wird, die S. 302 beschrieben worden sind. Nicht selten bleibt der Erfolg indess unvollkommen. Die mittelst der Schnürnaht- in die Bruchpforte eingestülpte innere Bruchhülle verwächst y.uweilen nicht, und der Bruch kommt nach der Operation wieder zum Vorschein. Je grosser die Bruchpforte, desto geringer die Aussicht auf Heilung.
Incarcerationen lassen sich zuweilen durch einen glelchnuissigen Druck von aussen lösen, und kann selbst der Laie mit der Ausführung vertraut gemacht werden. An den hinteren Abschnitten des Bauches sollte bei grösseren Thieren die in den Mastdarm eingeführte Hand die Reposition unterstützen.
Gerlach und Schmiele oporirten beim Hunde Leberliernion, com-plioirt mit liippenbrüclinn. Man fand eine plötzlich entstamleno, harte Geschwulst In der linken Unterrippengeyeiid, die fast mannesfaustgross war und
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342nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Bauches.
sich zusaminendmeken Hess. Nach Spaltung des Bruchsackes wurde der zwischen den Rippen eingeklemmte Leberlappen reponirt, die Wunde ge­heftet und Heilung erzielt.
Bei der in Fig. ti8 dargestellten Stute, welche trotz des umfangreichen Bruches regelmässig und ohne jede Hülfe abfohlte (wobei sich das Thier instinktiv auf den Bauch legte), dann aber getödtet wurde, ergab die Section, dass der gerade Bauchmuskel eine Handbreit vor dem Schambein quer durchrissen und eine Lücke entstanden war, die einen Mediandurch-inesser von 50, einen Frontaldurchmesser von 00 cm zeigte. Ausserdem waren sowohl die schiefen wie auch der Querbauchmuskel zerrissen. In dem Risse lag ein grosser Theil des Blinddarmes, dessen Spitze nach hinten gerichtet war. Ueberall hatte sieh in grossen Mengen Bindegewebe ge­bildet ; auch zeigten sich die Pascien an beiden Hinterschenkeln bis zum Sprunggelenk bedeutend verdickt; Lahmheit hatte während des Lebens nicht bestanden.
11. I)(ir innere Bauch- und Baiiclifellbrucli. Ueberwurf, Versdinüren, Knopf. Hernia interna aluloininalis.
Lit.: Oesterlen, Teuffels Mag. 1. Eisele, Her, Rep, 1. S. 217. Lindenberg, Qurlt u. Hertwig. 13. S. 4U5. Reichertcr, Her. Rep. 35. S. 30. Gierer. Th. Wochenbl. 1855. Schenk, das. 1854. Anker, Prakt. Abhandl. 1824.
Das in Eede stehende Leiden kommt fast nur in Gebirgsgegenden vor, wurde vornehmlich in der Schweiz, aber auch in England und Dänemark beobachtet. Von Oesterlen zuerst beschrieben, hat Anker den Zustand und seine Entstehung klar gelegt. Derselbe wird fast nur bei 2—3jährigen Ochsen, meist an der rechten Seite beobachtet und entsteht dadurch, dass ein Theil des Grimmdarmes, seltener des Dünndarmes oder Netzes vom Gekröse des Saraenstranges eingeschnürt wird (Ueberwurf). Meist werden diese Theile in der Nähe des Kreuzbeines von einem Loch im Gekröse des Samenstranges aufge­nommen und incarcerirt, doch kann auch das in die Bauchhöhle zurück­geschnellte Ende des Samenstranges Darmabschnitte in der Nähe des Bauchringes einschnüren (Verschnüren, Eisele).
Ursachen und Verlauf. Vorbedingung zur Entstehung des Zustandes bildet also eine Continuitätstrennung im Samenstranggekröse oder die Verlagerung des Sameustrangstumpfes in die Bauchhöhle; ersteres ist die Regel, letzteres Ausnahme. Beide Zustände werden durch unzweckmilssige Castration der Thiere, namentlich durch heftige Dehnungen ohne Fixirung des Samenstranges beim gewaltsamen Ab-reissen der Hoden veranlasst, wie es in südlichen Gegenden vielfach noch üblich sein soll.
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Innerer Bauchbruch.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;343
Für den sog. Ueberwurf bildet schwere Arbeit in hügeligem Gelände ein begünstigendes Moment. Beim Ersteigen von Anhöhen werden die Baucheingeweide nach hinten gedrängt, treten leicht durch den im Samenstranggekröse bestehenden Riss, können möglicherweise denselben auch erzeugen und werden hier incarcerirt. Da der links gelegene Pansen wegen seiner Grosse weniger gefährdet ist, so erklärt sich das häufige Vorkommen des Zustandes an der rechten Seite. Sofern nicht rechtzeitig Hülfe geleistet wird, gehen die Thiere in 4—8 Tagen an den Folgen der Incarceration, Darmzerroissung und Peritonitis zu Grunde.
Nur in den ersten Tagen des Bestehens gestaltet sich die Pro­gnose günstig. So lange noch keine Erscheinungen der Peritonitis auf­getreten sind, führt ein zweckentsprechendes Heilverfahren in den meisten Fällen zum Ziele.
Erscheinungen. Der Zustand kündet sich durch Kolik an (Appetitlosigkeit, Unruhe, Schlagen mit den Füssen gegen den Bauch, laquo;fteres Niederlegen, plötzliches Aufspringen, Hin- und Hertrippeln). Bei reichlicher Grünfütterung wird auch Tympanitis beobachtet.
Nach 12 Stunden pflegt eine scheinbare Besserung in dem Be­finden der Thiere einzutreten; sie werden ruhig, kauen wieder und nehmen auch wohl etwas Futter auf. In den nächsten Tagen aber macht sich indess eine Verschlimmerung bemerkbar; die Kolik tritt von neuem auf, oft stellen sich blutige Darmentleerungen und Athem-beschwerden ein; der Puls wird klein und frequent. Sobald sich diese Zeichen der Peritonitis bemerklich machen, erscheint der Zustand höchst bedenklich.
In der rechten Flanke äussern die Thiere zuweilen auf Druck Schmerzen und bei der Untersuchung per anum zeigt sich beim Ueber­wurf dicht vor dem Beckeneingange an der Seitenwand der Bauch­höhle eine etwa kopfgrosse, schmerzhafte, teigige, anfangs weiche, später derbere Geschwulst, welche medianwärts von einem straff an­gespannten Strang begrenzt wird. Beim „Verschnürenquot; lässt sich eine ähnliche Geschwulst auf der unteren Bauchwand in der Nähe des Bauchringes nachweisen.
Bei diesen Erscheinungen bleibt über die Natur des Leidens in der Regel kein Zweifel bestehen. Zu verwechseln ist dasselbe mit Darm-invagination (vergl. diese) oder einer anderweitigen Incarceration. Eine solche fand Anker einmal durch ein Loch im runden Mutterbande be­dingt. Lindeuberg will ähnliche Erscheinungen bei Mastdurinver-
m
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344nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Bauches.
stopfungen beobachtet haben. Die Untersuchung des Mastdarmes giebt stets die nöthige Auskunft.
Behandlung. In frischen Fällen kann versucht werden durch Hochstellen des Hintertheils oder Bergabführen die lieposition zu be­wirken, doch verliere man damit nicht viel Zeit, zumal die Taxis um so schwieriger und gefahrlicher wird, je länger das Leiden besteht.
1.nbsp; Von lieicherter u. a. wurde empfohlen, die Taxis vom Mast­darm aus vorzunehmen. Sobald der incarcerirte üarmtheil nicht zu stark angefüllt ist, gelingt dies wohl, später jedoch nicht mehr. Wäh­rend Reichcrter auf diese Weise IG Thiere geheilt haben will, wird von anderer Seite die Zweckmässigkeit bezw. Ausführbarkeit des Ver­fahrens bestritten. Zur Ausführung derselben soll man das Thier mit dem Vordertheil niedriger stellen lassen, durch Druck auf die Lenden­partie eine Einbiegung des Rückens bewirken und nun mit der in den Mastdarm eingeführten Irland den eingeschnürten Darm nach vorn schieben und so zu befreien suchen.
2.nbsp; nbsp;Eisele, Metzger, Schenk u. a. empfehlen durch Zer-reissung des Samenstranges vom Mastdarm aus die Incarceration zu lösen. Schenk will den Strang mit der linken flachen Hand umfassen und so lange nach hinten ziehen, bis derselbe zerreisst. Andere empfehlen den Daumen gegen den einschnürenden Strang zu setzen und durch Drängen nach voni die Zerreissung zu bewirken. Auf jeden Fall kommt es darauf an, den Mastdarm zu schonen; das dürfte durch die breitere Unterlage bei dem Schenk'schen Verfahren am sichersten erreicht werden.
3.nbsp; Während Anker behauptet mit diesem Verfahren stets zum Ziele gekommen zu sein, gelang anderen die Zerreissung zuweilen nicht; sie schritten deshalb zur Eröffnung der Bauchhöhle. Hierzu wird in der rechten Flanke ein 10—12 cm langer Hautschnitt in der llich-tung des äusseren schiefen Bauchmuskels angelegt. Nachdem in der­selben Ausdehnung die Bauchmuskeln durchtrennt sind, durchstösst man das Peritoneum. Die nunmehr in die Bauchhöhle eindringende Hand perforirt das Netz und sucht den incarcerirenden Samenstrang auf, welcher mit einem Bistouri cache oder einem zu dem Zwecke construirten hakenförmigen Messer durchschnitten wird. Nachdem sich der Operateur überzeugt hat, dass an der anderen Seite der Zustand nicht vorliegt, wird die Wunde geheftet und nach den allgemeinen Grundsätzen bohiindelt. Rechtzeitig ausgeführt, soll die Operation un­gefährlich sein. Strauss verlor von 110 nur 11 Stück.
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Zwerchfelllmich.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;{45
12. Der Zwerclifollbruch. Hernia diaphra^inatica.
Lit,i Lehnhardt, Gurlt u. Hertwig. 15. S. 325. Sohraer, das. 27. S. 97.
Bei Pferden, seltener bei Hunden und den anderen Thieren kommen zuweilen durch plötzliches Niederstürzen, Ueberschlagcn, starke Tympanitis, ausnahmsweise als Complication hei Rippenfrakturen, Zerreissungen des Zwerchfelles zu Stande, wodurch den Organen der Bauchhöhle Gelegenheit geboten wird, in die Brusthöhle überzutreten, ein Zustand, der als Zwerchfellbruch bezeichnet wird; Lehnhardt beobachtete das Leiden bei einer Kuh; die Haube war in die Brust­höhle getreten. So lange der Darm in dieser Oeffnung nicht incarcerirt wird, übt der Zustand nur geringfügige Störungen auf die Respi­ration aus; mit dem Auftreten dor Incarceration verläuft derselbe bald tödtlich.
Erscheinungen und Verlauf. Wenn grosse Mengen Bauch-eingeweido in die Brusthöhle gelangen, können sie durch Compression der Lungen plötzlichen Erstickungstod veranlassen. Incarcerationen geben sich durch die gleichen Erscheinungen zu erkennen, wie bei anderen Brüchen, und führen bei der Unmöglichkeit der Taxis ebenfalls bald zum Tode. Sofern beides nicht eintritt, äussern die Thiere zuweilen Athembeschwerdeu, zeigen sich dämpfig; bei Wiederkäuern wurden auch Verdauungsstörungen beobachtet.
Man sollte meinen, dass der Zustand durch Auscultation sicher nachzuweisen sei, doch ist das nur selten der Fall. Ob das peristal-tische Geräusch von der Bauch- oder Brusthöhle ausgeht, lässt sich sehr selten mit Sicherheit entscheiden; daher gelangen Anfänger leicht zur irrthümlichen Annahme eines Zwerchfellbruches. Auch das Auf­treten eines tympanitischen Percussionstones kann nicht als Beweis für die Gegenwart des Leidens gelten, weil derselbe eine lleihe von Ver­änderungen in der Lunge begleitet. Absolute Sicherheit der Dia­gnose bietet daher die klinische Untersuchung in der Regel nicht. Aus dem Auftreten und dem Verlauf der Krankheitserscheinungen und der Abwesenheit von Fieber kann immer nur mit mehr oder weniger Wahr­scheinlichkeit auf die Gegenwart des Zustandes geschlossen werden.
Die Prognose ist immer schlecht und die Therapie ohnmächtig. Wenn auch die Reposition bewirkt werden könnte, bliebe die Wahr­scheinlichkeit bestehen, dass sich der /Zustand bald von neuem ein-
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wm^mm
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346nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Bauches.
stellen würde, da die Oeffnung im Zwerchfell zum Verschluss zu bringen unmöglich ist.
Eine seltene Complication beobachtete Seh rader beim Pferde. Das Fragment der gebrochenen 7. Rippe hatte eine Perforation des Zwerchfells bewirkt, und durch die so entstandene Oefthung war Darm, Netz und Milz in die Brusthöhle und durch die Brustwand unter die äussere Haut ge­treten, wodurch sich über dem linken Ellenbogen eine kopfgrosse Hernie gebildet hatte. Trotzdem lebte das Pferd noch mehrere Jahre, ging später jedoch an den Polgen einer Incarceration des Bruches zu Grunde.
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Die chirurgisclien Krankheiten des Magens und
Darmkanals.
1. Fremdkörper im Verdauungstractus.
Lit: Hahn, Adama Wochonsclir. 1874. I wer sen, Thicräratl. Mittli. 1871/72. S. 187. Borger, Had. Mittli. 1888. S. 94. Meyer, Gurlt u. Hertwig. ;50. S. 257. Ob ich, Müller Roll. 20. S. 157. Eppole u. Seloz, Stock-fleth. S. 49(1. Siedamgrotzky, Dresd. Her. 1887. S. 62. Nichoux, Her. Rep. S. 101. Adam, Ad. Woch. 20. 8.864, Avril, das. 21. S. 409.
Vom liinde, weniger vom Schafe und der Ziege werden zuweilen mit dem Futter scharfe Gegenstände, wie Nadeln, Draht, Nägel U. s. w. aufgenommen, welche nicht nur zu Verletzungen des Verdauungs­schlauches, sondern auch anderer Organe, wie des Herzbeutels und Herzens Veranlassung geben. Seltener verschluckt das Pferd solche Fremd­körper; doch wurden im Colon eines Pferdes zahlreiche Nägel, Knöpfe und Schrauben vorgefunden, deren abgeglättete Beschaffenheit zeigte, dass sie hier bei-eits längere Zeit gelegen hatten (The Vet. 1875 S. 508).
Bei der Section eines Pferdes fand Hahn in einem Milz-Abscess einen Stock von 83 cm Lilnge und 1,5 cm Dicke. Von einem Schwein wird berichtet, dass es ein 10 cm langes Castrinnosser verschluckt hatte, welches zwei Monate im Magen liegen blieb, ohne erhebliche Störungen zu veranlassen. Eine ähnliche Beobachtung thoilt Iwersen vom Hunde mit; ein Jagdhund hatte beim Apportiren ein Taschenmesser verschluckt, welches nach 19 Tagen durch Erbrechen wieder entleert wurde.
Von Hunden werden nicht selten Steine, Pfropfen, Kugeln, Münzen u. s. w. beim Spielen oder beim Apportiren derartiger Gegenstände verschluckt. Gelangen diese nämlich bis auf den Grund der Zunge, so erfolgt das Hcrabschlucken derselben unwillkürlich. Bei Hindern und Pferden hat man Stücke von Scblundsonden oder Pillenstücke im Magen vorgefunden.
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348nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Magens und Darmkanals.
Die hiermit verbundene Gefahr ist eine doppelte: Scharfe Fremd­körper, wie Nadeln, Nftgelu. s. w. führen durch Perforation der Magen­oder Danmvand zu einer tödtlich verlaufenden Peritonitis, oder sie durchbohren, wie es beim Kinde von der Haube aus Regel ist, das Zwerchfell und rufen eine septische Pericarditis herbei. Auch kommt es zuweilen an der verletzten Stelle zur Verwachsung des Magen-und Darmkanals mit der Eauchwand und zur Perforation nach aussen mit Entleerung des Fremdkörpers. Beim Rinde sah man wiederholt Nilgel, Haarnadeln, Drahtstücke und zwar meist an der linken Seite dicht hinter dem Ellbogen oder in der Nabelgegend durchbrechen. Avril entfernte von hier aus eine Tabaksnadel, welche (• Monate im Pansen des {{indes gelegen hatte. In der Hegel tritt darauf Heilung ein, nur selten kommt es zur Bildung einer Magen- oder Darmfistel fS. 287). Weniger häutig werden von Schafen und Ziegen derartige Fremdkörper verschluckt, doch sah man auch bei diesen Thieren durch Nadeln, Nägel u. s. w. Perforation der Bauchdecke mit tödtlicher Bauchfellentzündung entstehen.
An ihrer Oberfläche glatte Fremdkörper bleiben entweder in Folge der Schwere oder ihrer dlrösse im Magen oder Darmkanale liegen; schwere Fremdkörper, wie Metallkugeln, Messer u. s. w. gelangen oft nicht über den Magen hinaus. Bald ruft ihre Gegenwart im Magen keinen Nachtheil hervor, bald stellen sich Verdauungsstörungen ein. Eine Kartätschenkugel erzeugte im Magen eines Hundes keine Krank-heitserscheimmgen. Ein anderer Hund beherbergte 12 Jahre hindurch in seinem Magen ein silbernes ö Frankstück und einen grosscn Sou ohne jede nachweisbare Störung (Nichoux).
Weniger schwere Fremdkörper gelangen in den Darm und bleiben oft an der engen Ileocoecalklappe stecken; besonders gefährlich sind in dieser Hinsicht Korkpfropfen, welche im Darme aufquellen.
Erscheinungen. Nur ausnahmsweise wird das Verschlucken der Fremdkörper direct beobachtet; meist giebt sich ihre Gegenwart im Verdauungstractus erst durch krankhafte Störungen zu erkennen. Vom Magen des Kindes ausgehende Verletzungen rufen zunächst und zwar plötzlich und ohne nachweisbare Ursachen Verdauungs­störungen hervor. Die Thiere zeigen periodisch auftretende Kolik mit Tympanitis; dazu gesellen sich bald Athembeschwerden in Folge Ver­letzung des Zwerchfells und der Lungen, sodann Unrcgelinässigkeit in der Herzaction; der Herzschlag wird pochend, aussetzend: bei der Aus­cultation treten pericardiale Geräusche hervor, während die Herztöne
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Fremdkörper im Verdauungstraotus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;J49
selbst vorllluflg noch normal erscheinen. Häufig maoben sich bald Reibegerftusohe, wie Sohaben, Schwirren, Knirschen und Flüssigkeits-geräusobe: Gurgeln, Quatschen am Herzen, bemerkbar. Zu diesen Stö­rungen gesellen sich solche der Blutcirculation, in Gestalt von Oedem unter der Brust und am Triel sowie Vonenpuls an den Jugularvenen. Auch lassen sich wohl bei der Palpation des Bauches links neben dem Schaufelknorpel (Haube) und in der Herzgegend Schmerzen nach­weisen.
Durch Fremdkörper veranlasste Obturation des Darmes giebt sich bei Hunden durch vollständige Appetitlosigkeit und Erbrechen ZU erkennen; die Thierc brechen jede Nahrung, selbst reines Wasser bald nach der Aufnahme wieder aus. Dabei fehlen schwere fieberhafte Erscheinungen, welche entzündliche Erkrankungen der Magen-Darm­schleimhaut regelmässig begleiten. Unter Beachtung dieses Umstandes bleibt die Diagnose nur selten zweifelhaft.
Bei der Palpation des Darmkanals lässt sich der Fremdkörper direct fühlen. Zu dem Zwecke stelle man den Mund aufrecht hin, umfasse den Leib desselben von oben und lasse die Baucheingeweide durch die Finger der beiden Hände gleiten, indem man diese streichend von der unteren Bauchwand gegen die Wirbelsäule bewegt, eine Mani­pulation, die häutig wiederholt werden muss, um den Fremdkörper zu entdecken. Zuweilen gelingt der Nachweis nicht beim ersten Versuche, wohl aber, wenn man ihn nach kurzer Zeit, z. B. nach einer Stunde wiederholt; der Fremdkörper kann zeitweise soweit nach vorn, gegen das Zwerchfell unter die Rippen treten, dass er sich der Palpation entzieht.
Verwechselungen mit Kothballen im Mastdarm sowie mit den Nieren oder mit Tumoren in der Bauchhöhle sind leicht zu vermeiden. Die ersteren geben sich als längere, wurstförmige Stränge von weicherer Beschaffenheit zu erkennen. Von den Nieren unterscheidet sich ein Fremdkörper dadurch, dass man den Gegenstand gegen die untere Bauchwand drängen kann, was mit den Nieren nicht gelingt. Am schwierigsten wird die Unterscheidung von einem Tumor; bei dem so seltenen Vorkommen derselben von vorn herein kann man einen solchen in der Bauchhöhle schon als ausgeschlossen betrachten.
Hunde gehen an den Folgen der Darmobturation regelmässig in 8—1lt;) Tagen unter den Erscheinungen hochgradiger Schwäche ein. Auch Rinder sterben nach einem verschieden langen Krankheitsverlauf fast immer an (den Verletzungen der Bauch- und Brustorgane. Nur da, wo der Fremdkörper die Bauchdecke perforirt, kommt in der Regel Eeilunff zu Stande.
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350nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Magens und Darmkanals.
Die Behandlung kommt meist zu spät. Bei Hindern raquo;sind wieder-liolt Versuche gemacht worden, die scharfen Fremdkörper durch den Fansenschnitt zu entfernen. Ob ich erzielte in 18 Füllen 4 Mal Heilung, ;i Mal bildeten sich Abscesse und 5 Mal kam die Hülfe zu spät. Auch Meyer hat mit Erfolg operirt. Nachdem in der gewöhn­lichen Weise der Fansenschnitt gemacht ist, geht der Operateur mit dem Arm ein und zwar in der Fichtung nach vorn und abwärts, um die rechts gelegene Haube aufzusuchen, diese genauer abzutasten und eventuell den Fremdkörper zu entfernen.
Die Schwierigkeit liegt vor allem in der sicheren und rechtzeitigen Diagnose. So lange der Fremdkörper das Zwerchfell und den Herz­beutel noch nicht verletzt hat, fällt seine Gegenwart überhaupt nicht auf. Die mit der Verletzung der Magenwand und des Zwerchfells ver­bundenen Verdauungs- und Athmungsstörungon bieten für die Diagnose zu wenig sichere Anhaltspunkte, als dass man sich zu einem dei-artig eingreifenden Verfahren entschliesst. Ist aber das Ferciardium bereits verletzt, so erzielt auch die Operation kaum noch Heilung; die Schlach­tung ist dann meist vorzuziehen. Meyer will allerdings bei bereits eingetretener Herzbeutelentzündung noch günstigen Erfolg erzielt haben. Eppele und Seloz entfernten mittelst Fansenschnittes ein Stück Schlundrohr und Handschuhe aus dem Magen einer Kuh. Ueber die Operation selbst vergleiche man S. 861,
Bei Hunden wird das Verschlucken eines Fremdkörpers zuweilen direct beobachtet. In solchem Falle versuche man zunächst ein Brech­mittel und zwar bei vollem Magen. Man lasse den Hund zunächst eine grösscre Menge fester Nahrungsmittel (Fleisch) aiifnehmen und gebe darauf das Mittel. Bereits eingetretene Fäcalstase ist unter Umstünden ZU lösen und der Fremdkörper durch Infusionen von lauwarmem Wasser in den Mastdarm zu entfernen. Man lasse möglichst viel Flüssig­keit in den Mastdarm einfliesseii, um den Darm auszudehnen und die Fassage für den Fremdkörper freizumachen. Zuweilen wirkt auch eine durch Anwendung von Eserin erzeugte, heftige j-'eristaltik günstig. Dagegen bleiben die per os gegebenen Abführmittel unwirksam, weil sie regelmässig wieder ausgebrochen werden.
Als letztes Mittel kann die Laparotomie versucht werden, doch kommt auch sie in der Hegel zu spät, indem der Kräftezustand des Thieres schon in hohem Grade gelitten hat, bevor man sich zur Operation entschliesst. Siedamgrotzky führte dieselbe jedoch bei einem Hunde mit Erfolg aus, der einen grösseren Kieselstein verschluckt hatte. Adam entfernte eine Kartätschenkugel mittelst Gastrotomie aus dem
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Fremdkörper im Verdauungstractus.
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Magen und erzielte gleichfalls Heilung. Strenge Antiseptik ist hierbei jedoch dringend zu empfehlen. Nachdem der Hund durch Morphium eventuell unter Mitwirkung von Aether nurkotisirt ist, wird zunilchst die untere Bauchfliicho zwischen Nabel und Schlauch bezw. Sitzbein rasirt und desinficirt. Sodann durchschneidet man die äussere Haut neben der Linea alba und trennt ebenso die Muskulatur in einer Ausdehnung von 5—8 cm. Das Peritoneum wird hierauf nach dem S. 303 vor­geschriebenen Verfahren durchschnitten und auf dem in die Bauchhöhle eingeführten Finger (der die Verletzung des Darmes verhindern soll) das Bauchfell nahezu in derselben Ausdehnung getrennt, wie die Bauchdecke. Nunmehr geht man mit zwei oder drei Fingern in die BauohhOhle ein und sucht den Fremdkörper auf. Um bei etwa ein­tretender Bauchpresse einen Darmvorfall zu verhindern, legt man die
Fig. 69.
Fig. 70.
Fig. 71.
Darmnaht nach Oely.
Darmiiaht nach Lembert.
üannnalit nach Wölfler.
linke Hand auf die Wunde, oder mau benutzt hierzu mit Vortlieil ein mit einer Desinfectiousfliissigkeit getränktes Tuch, welches um die eingeführten Finger gelegt wird.
Da das Auffinden des betreffenden Darmabschnittes oft einige Zeit in Anspruch nimmt, so darf man hierbei nicht die Geduld und Ruhe verlieren. Sobald man denselben fühlt, sucht man ihn durch die Bauchwunde hervorzuziehen. An seiner stärkeren Füllung erkennt man alsbald das vom Magen kommende (zuführende) Darmrohr, welches womöglich von einem Gehülfen durch Digitalcompression geschlossen gehalten wird. Man durchschneidet mm unmittelbar auf dein Fremd­körper den Darm in seiner Längsrichtung soweit, als zur Entfernung des ersteren erforderlich erscheint. Nach dem Hervorziehen des Fremd­körpers wird die Wunde in der Darmwand gereinigt. Wichtig ist, dass hierbei das zuführende Rohr sorgfaltig geschlossen gehalten wird.
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diiiiüt nicht der nsiclidringeiule Danninhalt die Wunde von neuem verunreinigt; im Nothfalle kann dies durch eine provisorische Ligatur erzielt werden, die indess nicht fest angelegt werden darf. Schliess-lich wird die Dannwunde mit Hülfe einer Darmnaht (S. 851) geschlossen. Hierbei kommt es darauf an, die Serosa in gegenseitige Berührung zu bringen und einen möglichst dichten Verschluss herzustellen; hierzu dienen die von Gely, Lembert und Wölfler empfohlenen Verfahren. Darauf folgt nochmalige Reinigung der Darmoborflächo wie der Wunde in der Bauobdeoke; dann wird die Bauchmuskulatur und schliesslich auch die äussere Haut mit sterilisirtem Material geheftet, und ein Occlusivverband angelegt, der bei gehöriger Narkose in der Regel liegen bleibt. Handelt es sich um ein besonderes werthvolles Thier, so empfiehlt sich, durch eine dauernde Bewachung zu verhindern, dass der Verband sich verschiebt oder vom Patienten abgerissen wird. Ein von mir operirter Hund entfernte nicht nur den Verband, sondern löste auch die Naht, worauf Darmverfall eintrat und der Tod des Thieres unabwendbar wurde.
2. Der Darmsticli beim Pferde. Pimotio iutestini.
Lit.; Hourgolat, Instruct, et Observ. von Barrier u. Horrouard. 1780. V. S. 321. Bainard, Lyoner Klinik. 1881. Schaak, Journ. des Vet. du Midi 1839. S. 233. Friedberger, Kolik der Pferde. Föhringer, Ad. Wochonschr. 1880. S. 81. Peters, das. 1883. S. 443. Brogniez, Traite de cliir. vet. 111. 8. 82. Imtninger, Ad. Wooh. 1890. Nr. 41.
Unter den Erscheinungen der Kolik tritt bei Pferden nicht selten eine lebhafte Gasentwickelung im Dickdarm, namentlich im Blind- und Grimmdarm auf, wodurch das Zwerchfell in dem Masse nach vorn gedrängt, und die Respiration zugleich durch Ausdehnung und Fest­stellung der hinteren Rippen in dem Masse gestört wird, dass Er­stickung droht. Audi können die mit der starken Ausdehnung der Baucheingeweide verbundenen Störungen der Blutcirculation lebens­gefährlich werden. Von der Entleerung der Gase hängt daher oft die Erhaltung des Thieres ab. Die Gefahr ist um so grosser, je auf­fälliger die Bespirationsstörungen hervortreten, je oberflächlicher und frequenter die Athnumg wird. Schliesslich stellt sich Schwanken und Taumeln ein, die Thiere stürzen nieder und verenden in wenigen Augen­blicken. Aelmliche Erscheinungen, wenn auch nicht in dem Grade, stellen sich bei Krippensetzern ein, die grössere Mengen Luft verschluckt haben; doch sieht man nur selten, dass die Thiere an den Folgen dieser Untugend
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Dannstioh beim Pferde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 353
eingehen, während die durch Gährungsvorgiinge im Darmkanal ent­standene Windkolik häufig einen tödtlichen Verlauf nimmt. Dies erklärt sich, wenn man bedenkt, dass beim Krippensetzer das Luf'tschlucken aufhört, sobald dem Thiere Unbequemlichkeit, bezw. Schmerzen daraus erwachsen, während bei Gährungsprocessen die Gasentwickelung selbst bei erheblicher Steigerung des Druckes in der Bauchhöhle fortschreitet. Die zur Absorption der Darmgase empfohlenen innerlichen Mittel wirken meist zu langsam; sie gelangen ebenso wie die gährungswidrigen zu spät in den Dickdarm, wo sie ihre Wirkung entfalten sollen. Da ferner die Entleerung der Gase durch die natürlichen Oeffnungen, namentlich den Mastdarm häufig in Folge starker Füllung dieser Darni-abschnitte verhindert ist, so bleibt zur Beseitigung der Erstickungs-gefahr oft nur der Darmstich, d. h. die Entleerung der Gase mit Hülfe eines Trokarts übrig.
Die Operation bezweckt dasselbe wie die Punction des Pansens beim Rinde; sie unterscheidet sich indess von ihr dadurch, dass sie nicht in dem Masse als ungefährlich bezeichnet werden kann wie jene. Der Darnistich des Pferdes bildet einen bedenklicheren Eingriff als der Pansenstich beim Kinde, doch haben die neueren Erfahrungen nament­lich Friedbergers gezeigt, dass diese Gefahr durch sorgfältige Be­achtung der Regeln der Antiseptik erheblich abgeschwächt werden kann. Diese besteht in der den Verletzungen des Bauchfelles bei Pferden oft folgenden Peritonitis. Worin die grössere Vulnerabilitilt des Peritoneums beim Pferde begründet ist, entzieht sich auch heute noch der näheren Kenntniss; soviel steht aber fest, dass die Perito­nitis nur allein durch Uebertragung von Infectionsstoffen in den Peri-tonealsack veranlasst wird. Diese Uebertragung mit dem Trokart von aussen, durch die Bauchdecken zu vermeiden, bildet eine wichtige Aufgabe der Operation, die meist erfüllt werden kann. Dagegen bleibt die Gefahr nicht ausgeschlossen, dass die Infection von dem aus dem Darm zurückgezogenen Trokart bewirkt wird. Um diese Gefahr nach Möglichkeit zu umgehen, muss ein kleinkalibriges Instru­ment gewählt werden, ein Trokart, das nicht grosser ist, als zur schnellen Entleerung der Gase genügt. Der von Fried berger für diesen Zweck construirte hat sich überall bewährt (Fig. 72); zu ver­meiden sind Hülsen mit Seitenöffnungen, welche Infectionen des Pe­ritoneums begünstigen.
Man halte daran fest, dass der Darmstich beim Pferde niemals als ungefährlich bezeichnet werden kann, daher auch nur da An­wendung finden darf, wo eine dringende Veranlassung dazu vorliegt,
Möller, Specielle Chhurgie für Thierarzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 23
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Krankheiten des Magens und Darmkanals.
und diese besteht in der Abwendung der Lebensgefahr, welche durch die Respirationsstörung bedingt wird.
Der Grimmdarm des Pferdes liegt zum grossen Theil nicht der Bauchwand auf sondern ist von Dünndannschlingen bedeckt. Er liisst sich daher am stehenden Thiere, — und an solchem wird die Function des Darmes in der Kegel nur vorgenommen, weil die Thiere in diesem Zustande liegend bald an Erstickung eingehen — Fig. 72. nicht bequem erreichen; auch kommt in Betracht, dass die unteren Abschnitte der Dickdärme meist feste Futterstoffe enthalten, während sich die Gase in den oberen Partien anhäufen, von wo also auch ihre Entleerung mit dem Trokart nicht nur erleichtert, sondern auch weniger gefähr­lich wird. Deshalb eignet sich für den Darmstich beim Pferde in erster Linie der Blinddarm, dessen Grund in der Höhe des rechten äusseren Darmbeinwinkels angeheftet ist. Vor und unter dieser Stelle trifft mau das Coecum am sichersten. Auch ist hier ein weiter Spielraum für die Aus­wahl der Operationsstelle gegeben, nämlich jenes Dreieck, welches oben von den Querfortsätzen der Lendenwirbel, vorn von dem hinteren Hände der letzten Kippe und unten von einer
Linie begrenzt wird, die man sich von der Mitte der letzten Kippe gezogen denkt. In diesem Dreieck wähle man eine Stelle aus, die stark hervorgewölbt erscheint und beim Percutiren einen tympanitisohen Ton giebt. Sollten diese Erscheinungen hier ausnahmsweise fehlen, dagegen an einer anderen Stelle deutlicher hervortreten, so kann auch die letztere ohne Bedenken gewählt werden. Es kommt nur darauf an eine mit Gasen gefüllte Darmschlinge zu treffen;
Darin trokart
für Pferde
nacli Friert-
berger.
allerdings je grosser diese ist, um so besser.
Der Schwerpunkt bei der Ausführung liegt auch hier in sorgfältiger Anwendung der Grundsätze der Antisepsis;
deshalb muss nicht nur der Trokart, sondern auch die Ope­rationsstelle zunächst vorsichtig desinficirt werden, sobald der Zustand des Thieres die hiermit verbundene Versäumniss an Zeit gestattet. Das Instrument legt man 5—10 Minuten in 50/o Carbolsäure oder in kochendes Wasser; die Haare werden mit dem Rashmesser abgeschoren, darauf die Haut altgeseift und mit einem Desinficiens (Sublimatwasser) abgewaschen. Wo Zeit und Gelegenheit es gestatten, empfiehlt sich, die Operationsstelle mit Aether oder Spiritus abzureiben, sodann Waschungen mit einem Desinficiens folgen zu lassen.
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So vorbereitet wird der Trokart an der oben bezeichneten Stelle durch die Banclulecke in den Durin gestossen. Um das Eindringen des Instrumentes zu erleichtern, macht man wohl mit der Pincette i oder dem spitzen Bistouri zunächst einen Hautstich. Wenn es die Spannung der Haut gestattet, sucht man dieselbe auf ihrer Unterlage etwas zu verschieben und macht nun den Einstich, damit die Wunde der Bauchdecke durch die äussere Haut bedeckt wird; oft gelingt dies wegen der starken, durch die Auftreibung bedingten Anspannung der Haut nicht. Das Instrument wird beim Einstich auf den linken Ellbogen zu gerichtet und soweit eingeführt, dass man sicher ist, den Darm perforirt zu haben; es hängt dies also namentlich von der Dicke der Bauchdecke ab. In der Hegel kann der Trokart ohne Gefahr 8—10 cm und selbst noch tiefer eindringen. Das Stilet wird nunmehr entfernt, worauf die Darmgase sich oft mit pfeifendem Tone durch die Hülse des Trokarts entleeren, welche so lange liegen bleibt bis die Auftreibung beseitigt und die Gasentwickelung nicht von neuem eintritt. Um letzteres zu prüfen, verstopft man die Hülse mit einem Kork; tritt hierauf die Tympanitis nicht wieder auf, und zeigt das Thier keine Unruhe mehr, so kann die Hülse entfernt werden. Man verfährt dabei ebenso wie beim Pansenstiche der Kinder.
Die Wunde wird abermals gereinigt, desinticirt, mit Jodoform bestreut und mit einem Heftpflaster oder mit Collodium geschlossen. So lange die Hülse in der Bauchdecke liegt, muss das Herausfallen des­selben sowie Wälzen des Thieres durch Bewachung verhindert werden.
Haut- und Darmwunde schliesst sich stets per prim, int., wenn die Grundsätze der Antiseptik sorgfältige Anwendung gefunden hatten.
Um das ZurückweieliGn des Darmes von der Hülse des Trokarts und den Eintritt vom Darminhalt in den Peritonealsack zu verhindern, hat ßrogniez das sog. Enterotom construirt. Es besteht aus einem Trokart, dessen Hülse mit ein Paar Flügeln versehen ist, die nach dem Einführen des Instrumentes durch einen Druck von aussen geöffnet werden können. Mit Eecht hat schon Hertwig darauf hingewiesen, dass diese Gefahr sehr gering ist; ein Zurückweichen der Darm wand ist nur dadurch möglich, dass andere Darmpartioen oder Gase zwischen den punctirten Darm und die Bauchdecke treten, was namentlich an der Operationsstolle kaum vor­kommen kann, wenn man nach Entfernung des Stilets die Hülse bis zu ihrer Endscheibe in die Bauchdecke schiebt. Da das B r o gn i e z'sche Enterotom einen grössereu Umfang besitzt, und seine Oberfläche nicht so glatt und eben ist, wie beim Darmtrokart, so verdient das Instrument nicht bloss keine Empfehlung sondern ist geradezu als unzweckmässig zu be­zeichnen; durch seine unebene Oberfläche wird eine Verschleppung von Darminhalt in die Wunde und Peritonealhöhle begünstigt und die Ge­fahr der Operation gesteigert. Auch ist es vorgekommen, dass die Klappen des Trokarts nicht functionirten, in Eolge dessen die Entfernung
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des Instrumentes aus der Bauchhühle mit grossen Sehwierigkeiten ver­knüpft war (Cartier).
Ebensowenig empfehlenswerth scheint mir das schon von Bourgelat, phabert u. A. vorgeschlagene, neuerdings von Föhringer und Imminger von neuem empfohlene Verfahren, den Darmstich vom Mastdarm aus vor­zunehmen. Hierbei findet sehr leicht eine Infection der Wunde von der Darmschleimhaut aus statt und kann auch durch antiseptische Massnahmen nicht verhindert werden.
In dem von Imminger besclmebenen Falle hat vielleicht eine Axen-drehung des Colon vorgelegen, die sich nach Entleerung der Gase spontan reponirte. Hier würden indoss Repositionsversuche zunilclist zu machen sein (S. 'HIG), und wo diese nicht zum Ziele führen sollten, könnte vielleicht die Function des Colons angezeigt erscheinen; doch würde ich auch dazu die Bauchdecken dem Mastdarm vorziehen, zumal man sich vom Mastdarm aus über die Lage des Grimmdarmes in solchem Falle vergewissern kann.
Sollte man sich jedoch aus irgend einem Grunde zur Function vom Mastdarm aus entschliessen, so würde man denselben möglichst vollständig leeren und mit Sublimatwasser sorgfältig ausspülen, wie es auch Imminger empfiehlt. Sodann geht die linke Hand in den Mastdarm ein, während die rechte den Trokart mit zurückgezogenem Stilet einführt und, geleitet von der linken Hand auf die mit Gasen angefüllte Beckenflexur des Grimm­darmes setzt. Mit einem kurzen Stoss wird alsdann das Stilet vorgeschoben und der Trokart in den Grimmdann hineingetrieben. Hierzu ist allerdings ein längerer und gebogener Trokart erforderlich; der von Imminger be­nutzte hatte eine Länge von 2(gt; cm, eine Stärke von 3',2 mm, entspricht also dem Flou rant'schon Instrumente, nur class er weniger stark ist als dieses. Im übrigen wird ebenso wie bei der Function durch die Bauch­decken verfahren.
Zuweilen stellt sich an der Operationswunde Eiterung ein, wo­durch die Gefahr der Peritonitis vergrössert und die Heilung verlang­samt, aber nicht ausgeschlossen wird. Kaiuard und Schaak sahen im Verlaufe derselben Eiterversenkungen bis zum Hodensack eintreten. Brogniez beobachtete bei der Bnterotomie eines Pferdes Verblutung aus einer verletzten Coecalarterie. Auch heute noch gehen die An­sichten der Autoren über die Zweckmilssigkeit des Darmstiches aus­einander; ohne Zweifel hat die Operation zuweilen deshalb keinen Erfolg, weil das Grundleiden nicht gehoben werden kann. In der Lyoner Klinik machte man ebenfalls schlechte Erfahrungen mit dem Darmstich; dass diese jedoch nicht der Operation zur Last fielen, er­gab sich schon daraus, dass die 25 versuchsweise operirten Pferde den Eingriff leicht überstanden. Zuweilen kommt an der Operations­stelle eine lokale Peritonitis mit Abscessbildung zu Stande, an welcher die Thiere in einigen Wochen zu Grunde gehen (Peters).
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3. Der Pauseustloh und L'anKcnschiutt bei den Wiederkäuern.
Lit.: Bräuer, Drosd. Ber. 1879. S. 132 u. 1889. S. 75. Reiset, Thierarzt. 1868. 8. 112. Rocho-Lubin, Rec. 1849. S. 921. Obicli, Müll. Roll. 20. S. 157. Meyer, üurlt u. Hertwig. 30. S. 257. Hayne, Oest. med. Jahrb. 1839.
Bei Schafen sowie bei Rindern kommt es nicht selten zu lebhafter Gasentwickelung im Pansen, wodurch der Hinterleib eine so gewaltige Ausdehnung erfahren kann, dass durch Druck auf das Zwerchfell und Behinderung der Kespirationsbewegungen das Leben der Thiere ge­fährdet wird. Meist handelt es sich um die Aufnahme grösserer Mengen zu Gilhrung neigender Futterstoffe; Grünfutter, namentlich rother Klee, welcher in frisch bethautem oder welkem, oder erhitztem Zustande von den Thieren aufgenommen wurde, üppig gewachsenes, saftiges Grünfutter, daher erweist sich das auf schwerem Boden ge­wachsene besonders gefährlich. Aber auch anderes, leicht gilhrendes Futter wie Traber, Schlempe, Knollengewächse u. s. w. können zu lebhafter Gasentwickelung und Auftreibung des Magens Veranlassung geben. Einen häufigen Grund zur Entstehung der Tympanitis bildet die Gegenwart von obturirenden Fremdkörpern im Schlünde, welche die regelmässige Entleerung der im Pansen sich entwickelnden Gase verhindern (S. 174). Diese bestehen nach den Untersuchungen von Reiset bei Rindern die durch Klecgenuss aufgetrieben waren aus 74 n/o Kohlensäure, 24 n/o Kohlenwasserstoff und 20/o Stickstoff; bei Hammeln fanden sich 70 0/o Kohlensäure.
Die Erscheinungen der acuten Tympanitis sind sehr auffallend. Eine mehr oder weniger plötzlich auftretenden Vergrösserung des Leibesumfanges, namentlich der linken Flanke, welche unter Umständen über die Mittellinie des Rückens hinaus nach oben i'eicht, lässt über die Gegenwart der Tympanitis keinen Zweifel. Die Bauchdecken zeigen sich oft aufs äusserste gespannt und geben bei der Percussion einen tympanitischen Ton. Dabei hört die Futteraufnahme auf, die Thiere werden unruhig, zeigen Kolik, und in dem Masse die Auftreibung zu­nimmt, steigert sich die Athembeschwerde; die Respiration wird ober­flächlicher, und nicht selten tritt Suffocation ein. Der Blick erscheint ängstlich, die Venen am Kopfe, Halse und Bauche (Milchvenen) sind stark angefüllt, der Puls wird immer frequenter und kleiner, der Herz­schlag pochend, unter krümmenden Bewegungen stürzen die Thiere nieder und ü'elien alsbald ZU Grunde.
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358nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Magens und Dannkanals.
Dor Verlauf des Leidens ist acut; der Tod kann innerhalb einer Stunde eintreten; bald dauert der Zustand wohl 12—24 Stunden, selten länger. Je sobneller die Entwickelung der Tympanitis, um so grosser die Gefahr; leichte Fälle gellen wohl ohne ))esondere Hülfe in Genesung über, schwere führen regelinässig zum Tode, wenn nicht bald Hülfe gebracht wird. Nicht selten erkrankt eine grössere Anzahl, wenn nämlich die Thiere denselben schädlichen Einflüssen ausgesetzt waren.
Behandlung, Zur Absorption der Gase und zur Verhütung weiterer Entwickelung derselben sind innerliche Mittel empfohlen worden; so namentlich Kalkwasser, Salmiakgeist, Terpentinöl, Petro­leum, Kalium cliloricum, unterscliwefligsaurcs Natron u. a. Im ganzen leisten diese nicht viel, und finden nur bei weniger acut verlaufender Tympanitis Anwendung.
Ferner ist empfohlen, die Gase durch den Schlund zur Entleerung zu bringen, indem man die Thiere zu rülpsen veranlasst, oder die Schlundsonde applicirt. Ersteres wird dadurch erzielt, dass man dem Thiere ein Strohseil durch das Maul legt, welches eventuell mit Theer bestrichen wird; auch stärkeres Hervorziehen der Zunge soll die Ent­leerung der Gase durch den Schlund fordern.
Wirksamer noch ist ein kräftiger Druck auf die linke Flauken­gegend; hierdurch können die Gase direct entleert und die Wanstbe-wogungen zugleich angeregt werden.
Zeigen sich diese Mittel auch in leichten Fällen ausreichend, so ist es bedenklich, bei schwerer Erkrankung mit ihrer Anwendung viel Zeit zu verlieren; sobald die Athemnoth einen höheren Grad er­reicht, halte man sich mit ihnen nicht lange auf, sondern greife bald zur Schlundröhre oder zum Trokart.
Die Schlundröhre für Kinder besteht meist aus einer Stahl­spirale, welche mit einem Ledorbezug versehen ist; (Fig. 46) auch die einfache Stahlspirale wird dazu verwendet (Frauenholz). Bei Schafen bildet der Harnröhrenkatheter für Pferde eine brauchbare Schluudsonde. Die Application muss am stehenden Thiere erfolgen, was namentlich bei stärkerer Athemnoth wegen der Unruhe desselben oft nicht leicht ist; beim Rinde gelingt die Einführung meist ohne grössere Schwierigkeiten,
Um dem Instrumente die entsprechende Richtung zu sichern, legt man in das Maul zunächst ein Holz (Maulholz), welches in der Mitte mit einer Oetthung versehen ist, durch welche die Röhre geschoben wird;
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Pansenstioh und Pansenschnitt.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;359
sodann wird der Kopf des Thieres gestreckt und das abgerundete Ende der Schlundrölire am Gaumen entlang in die liaclienhöhle geschoben, wo es an der hinteren Kachenhöhlemvand vorbei in den Schlund gleitet. Man hüte sich, mit dem Instrumente in den Kehlkopf und die Trachea einzudringen; heftiger Hustenreiz, Unruhe und Athenmoth geben diese falsche Richtung zu erkennen; in solchem Falle muss die Röhre so­fort zurückgezogen werden. Hat man den Schlund getroffen, so gleitet die Schlundröhre leicht und ohne diese Zufälle hinunter und ist an der linken Seite des Halses zu fühlen. Nachdem das Ende den Magen erreicht hat, wird die Sonde aus der Röhre entfernt, um den im Ma­gen befindlichen Gasen den Durchtritt durch die Schlundsonde zu ge­statten; doch nicht immer tritt dieses ein. Bald verstopft sich das Rohr, und es muss die Sonde von neuem eingeführt werden; häufig finden sich diese Gase nicht frei an der Oberfläche des Panseninhaltes, sondern sind mit den gährenden Futterstoffen vermischt. Daraus er­klärt sich, dass auch die Schlundröhre nicht immer den erwünschten Erfolg haben kann.
Ein zweites Mittel bildet der Pansenstich. Mit einem Trokart wird in der linken Flanke die Bauchdecke und der Pansen durch­stochen, um den in letzterem befindlichen Gasen Abfluss zu verschaffen. Die Operation ist sehr einfach und wird oft von Laien ausgeführt, wenn Erstickungsgefahr droht. Wo kein Trokart zur Hand ist, kann bei Kühen und Schafen selbst ein Taschenmesser angewendet werden.
Mit Recht sind zur Zeit fast nur noch runde Trokarts ohne Seitenöffnungen an der Hülse im Gebrauch; zum Pansenstich bei Rindern dienen die grössten Formen 5—8 nun Durchmesser, für Schafe verwendet man etwas kleinere (;i—5 nun).
Die Operation wird in der Mitte der Flanke ausgeführt, welche sich an dem aufgetriebenen Thiere stark hervorgewölbt. Zur ge­nauen Bestimmung der Stelle denke man sich vom ilusseren Darmbein-Avinkel aus eine Linie nach vorn gezogen, welche mit der Wirbelsäule parallel läuft. In dieser Linie und zwar beim Rinde etwa 10—15, bei Schafen 5—(i cm vor dem äusseren Darmbeinwinkel wird der Tro­kart applicirt. Da nicht selten Gefahr im Verzüge ist, so bleibt oft keine Zeit übrig, um erst eine Reinigung des Operationsfeldes eintreten ZU lassen, wie es bei Operationen mit Eröffnung der Peritonealhöhle sonst nothwondig erscheint. Bei dicker Haut empfiehlt sich zunächst einen Stich oder kurzen Schnitt mit dem Bistouri zu machen; ältere Praktiker bedienten sich hierzu der Aderlassfiinte. Hierauf wird, um das Ein­dringen zu erleichtern, der Trokart angefeuchtet und unter kräftigem
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3(50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Mngens und Dannkanals.
Druck mit einer leichten Drehbewegung etwa senkrecht durch die Bauchdecke und die Pansenwand gestossen. Wenn der Operateur klein ist, gelingt dies zuweilen leichter durch einen kräftigen Schlag mit der Hand auf das Instrument. Bei der Grosse und Ausdehnung des Pansens kommt es nicht darauf an, wie weit man den Trokart vorschiebt; Verletzungen können dadurch kaum entstehen, daher lässt man denselben meist bis zur Endplatte in den Pansen eintreten.
Nachdem das Stilet nunmehr entfernt ist, strömen durch die Hülse die Gase aus, zuweilen unter hohem Drucke und mit Futter­partikeln vermischt. Durch letztere wird daher die Hülse nicht selten verstopft, die alsdann mit dem Stilet oder einem anderen Gegenstande wieder frei gemacht werden muss.
Die Hülse bleibt zunächst liegen, bis mit dem Nachlassen der Gährung die Gefahr aufhört; um sich davon zu überzeugen, verstopfe man die Hülse mit einem Kork oder ähnlichem Gegenstande und achte darauf, ob sich die Tympanitis von neuem entwickelt. Geschieht dies nicht, so kann die Hülse entfernt werden. Zu dem Zwecke führt man das Stilet wieder ein und zieht unter Fixirung der äusseren Haut mit den Fingern der linken Hand den Trokart langsam heraus. Durch das vorherige Einfuhren des Stilets wird die Verschleppung von Futter-' massen in die Bauchhöhle verhütet.
Eine besondere Behandlung verlangt die Hautwunde nicht; doch empfiehlt sich, dieselbe reinigen zu lassen, mit einem Pechpflaster zu versehen oder mit Collodium bezw. Theer zu bestreichen. Wenn Zeit gegeben ist, muss auch die Desinfection der äusseren Haut wie des Trokarts vor seiner Application empfohlen werden.
Nachtheilige Folgen kommen beim Rinde durch Anwendung des Trokarts nur selten vor; zuweilen werden durch Verwachsung des Pansens mit der Bauchwand Verdauungsstörungen veranlagst.
Weniger ungefährlich ist die Operation bei Schafen, doch muss sie auch liier empfohlen werden, sobald Erstickungsgefahr eintritt; lang gewachsene Wolle wird hier natürlich zuerst allgeschoren, sofern dazu noch Zeit übrig bleibt.
Wurde die Function des Pansens mit einem Messer ausgeführt, so kann für den Abfluss der Gase gleichsam als Hülse dienend ein dünnes Bohr (Hollunder) neben der Messerklinge in den Pansen ein­geführt werden; im Nothfalle finden hierzu ein paar starke Strohhalme Anwendung. So lange diese oder die Hülse des Trokarts in der Baucb-wand liegt, muss das Thier bewacht worden, um das Herausfallen der Instrumente durch die Pansenbewegungen zu verhindern.
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Pansenstich und Pansenschnitt,
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Ist der Pansen mit von Gasen durchsetzten, gährenden Futter­stoffen angefüllt, so kann auch der Trokart oft keine Hülfe bringen, und es bleibt nur noch der Pansenschnitt übrig. Bei der grossen Widerstandsfähigkeit des Rindes gegen derartige Eingriffe bildet diese Operation hier keineswegs einen lebensgefährlichen Eingriff.
Das Thier wird mit der rechten Seite an eine Wand oder Mauer gestellt und kurz angebunden; ein vor dem linken Hinterfusse des­selben in schräger Richtung gehaltene Stange oder in die Erde ge­stampfter Pfahl schützt den Operateur gegen Verletzungen mit diesem Fusse.
Hierauf wird in der linken Flanke das Haar abgeschoren und die Haut gereinigt; sodann stösst man nach Hertwig ein starkes Bistouri, dessen Rücken nach der Wirbelsäule des Thieres gerichtet ist, da ein, wo der Pansenstieb gemacht wird; die Klinge des Messers soll dabei bis an das Heft in die Flanke eindringen. Nun wird mit kräftigem Zuge die Wunde nach unten erweitert und zwar beim Kinde auf 10—15, beim Schafe auf 3—10 cm. Um den Eintritt von Futter­stoffen in den Peritonealsack zu verhindern, achte man darauf, dass die Hautwunde nicht kleiner ausfällt, als die Trennung in der Pansen­wand.
Die Operation liisst sich auch in der Weise ausführen, dass man zunächst an der bezeichneten Stelle einen Hautschnitt macht, darauf die Muskeln der Bauchwand durchtrennt, endlich das Peritoneum und die Pansenwand durchschneidet.
Sobald der Pansen geöffnet ist, strömen die Gase aus, und quellen gährende Futtermassen aus der Wunde hervor. Durch die Entleerung des Pansens fallen seine Wandungen zusammen, wodurch die Gefahr entstellt, dass Futterstoffe in die Bauchhöhle gelangen. Um dieses zu verhüten wird ein Tuch (Handtuch, Serviette) so placirt, dass die eine Flälfte desselben vom unteren Wundwinkel in den Pansen reicht, die andere auf der Aussenfläche der Bauchwand liegt. Horsburgh heftete zu demselben Zwecke den Pansen an die Bauchdecke. Aelni-lich verfährt Koche-Lubin. Mit einem Bistouri, und zwar etwas über der Stelle, wo der Trokart applicirt wird, durchsticht iioche-Lubin wie Hertwig die Bauchdecke und Pansen wand. Nachdem hierauf Luft und einige Futtermassen entwichen sind, wird der Schnitt auf etwa 10 cm nach unten verlängert. Nun zieht man mit einer gekrümmten Nadel und zwar an beiden Seiten, etwa .'i cm vom Wund-ende entfernt durch Bauchdecke und Pansenwand ein Band, welches an einem Ende einen Wergbausch gleichsam als Knoten trägt. Werden nun
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3()2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Magens und Diirmkanals.
die freien Enden dieser Biinder nach fiussen gezogen. so öfl'net sich die Wunde, während der Pansen nicht zurückweichen kann.
Nachdem die eine oder andere dieser Sicherheitsmassregeln angewandt ist, entleert man den Pansen soweit möglich mit der Hand oder mittelst einer Zange. Es soll dies nur allinälich, nicht mit einem Male geschehen; nicht selten stellen sich hierbei nämlich Ohnmachts-anf'älle ein, wobei die Thiere niederstürzen und wieder aufgerichtet werden müssen. Einige Gaben Excitantien (Wein, Branntwein) wirken alsdann günstig; man liisst durch die Pansenöffnung 2—3 Liter Wein eingiessen, oder Aether, Alcohol u. s. w. in derselben Weise verab­reichen.
Nachdem die Entleerung vollendet, die Wunde gereinigt und Sorge getragen ist, dass keine Futterstoffe in die Peritonealhöhle gelangen, event, aus derselben wieder entfernt sind, heftet man zunächst die Pansenwunde mit Catgut und Seide, und zwar mittelst Knopfnaht. Die Hefte werden so eng gelegt, dass keine Futterstoffe durchtreten können; auch achtet man darauf, dass sich die Wundränder gut an einander legen. Die Bauchmuskelwunde wird in gleicher Weise ge­heftet; dagegen kann die Hautwunde ohne Bedenken offen bleiben (Haubner). Wo Aussicht auf Heilung per prim. int. besteht, würde man auch die Hautwunde nach den allgemeinen Kegeln heften. Zu­weilen heilt die Operationswunde in wenigen Tagen; oft aber dauert dieses Wochen und Monate; auch bleibt zuweilen eine Pansenfistel zurück.
Von Obich wurde empfohlen, die Pansenwand an die Bauchdecke zu heften und die Nähte erst nach 7—8 Tagen zu entfernen. Meyer aber spricht sich dagegen aus und behauptet, dass dadurch Zerrungen entstehen können. Durch umfangreiche Verwachsungen des Pansens mit der Bauchwand Verdauungsstörungen veranlasst werden.
Um die Verunreinigung der Bauchhöhle mit Putterstoifen zu verhindern, hatte 1889 schon Sajoux (Hering) einen Trokart mit Klappen angewendet, durch welchen der Pansen an der Bauchwand festgehalten werden sollte. Zu derselben Zeit wurden von Brogniez drei verschiedene Instrumente construirt und als Gastrotome bezeichnet.
In Deutschland fanden diese complieirten Apparate daher auch keine grüssere Verbreitung, Eine absolute Gewähr gegen Verunreinigungen der Bauchhöhle geben sie nicht; dagegen verlangt die Erhaltung der Functions-fahigkeit dieser Instrumente grosse Aufmerksamkeit und Reinlichkeit. Daher kommt es, dass sie gerade da, wo man sie nothwendig gebraucht, oft im Stiche lassen.
Einfacher und praktisch brauchbarer erscheint dagegen ein von Brauer construirtes Trokart (Fig. 73), dessen Hülse so weit ist, dass man durch dieselbe die Futterstoffe mit einer Zange aus dem Pansen holen kann.
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Pansensclinitt.
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Der Handgriff, sowie der grössere Theil des Stilets besteht aus Holz;
letzteres ist abgeflacht, geht in eine Schneide über, welche durch die Ver­bindung zweier messerförmiger, unten in eine Spitze
zusammenlaufender stählerner Ansätze gebildet wird. Die Hülse besteht aus Eisenblech und besitzt oben ein Lumen von 12 cm Länge und 4 cm Breite, unten ein solches von 10 cm Länge und 3,3 cm Breite (Fig. 74), Nachdem die Haare an der Oporationsstelle abgeschoren sind und die Haut gereinigt ist, wird das Instrument wie ein Trokart applicirt, doch orfordert das Hinein­treiben in den Pansen grössere Gewalt; man bedient sich dazu erforderlichenfalls eines massig schweren Hammers oder Klopfschlägels, wie er in der Schmiede gebraucht wird.
Nachdem ungefähr ein Drittel des Panseninhaltes ^mittelst der (i mm breiten und 40 cm langen Löffel­zange herausgenommen ist, lässt Bräuer durch einen, auf die Hülse seines Trokarts gesetzten Trichter 10 bis 15 Liter Salzwasser in den Pansen fliessen.
Fig. 74.
inilsc zu demselben,
Pansentioltart nach Brauer.
Die Nachbehandlung der Wunde beim Pansen-
schnitt sowie bei dor Anwendung des Bräuer'schen Instrumentes erfolgt nach den allgemein gültigen Grundsätzen.
Da diese Operationen vornehmlich im Sommer, also zu einer Zeit Anwendung finden, in der die Tlnere oft von Fliegen geplagt werden, so empfiehlt es sich, die Wunde durch Auflegen einer Decke gegen Insecten, sowie gegen Verletzungen und Verunreinigungen bei der Ab­wehr derselben mit dem Schwänze oder Maule zu schützen; auch das Bestreichen der Wunde mit Theer muss hierzu empfohlen werden.
Dass bezüglich der Diät in der ersten Zeit Massregeln getroffen werden, um Recidive zu vermeiden, liegt auf der Hand, und muss in dieser Beziehung auf die Lehrbücher der Pathologie verwiesen werden.
Von Hayne wurde 1836 beim Pferde ein Punctio ventriculi empfohlen, um Gase aus dem Magen zu entfernen. Abgesehen davon, dass die Diagnose hierbei auf grössere Schwierigkeiten stösst, kommen tympani-tische Zustände im Magen der Pferde seltener und meist in Folge von Fäcnlstase im Dünndarm vor, wobei die Operation nur selten einen dauernden
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364nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten ties Magens und Darmkanals.
Erfolg hat. Rechnet man hinzu, (lass die Function des Magens beim Pferde stets eine lebensgefährliche Operation darstellt, so erklilrt sich, dass sich dieselbe in der Praxis nicht einbürgern konnte.
4. Danninvagination.
Lit.: Meyer, Ciurlt u, Hertwig, 8. S. 122. Ruchte, Her. Rep. 14. S. 312. Meyer, Gurlt u. Hertwig. 29. S. 64. Siebert, Thierarzt. 1809. S. 201. Merten, Gurlt u. Hertwig. 30. S. 825. Degive, Annal. de Brux. 1870. Taccoen, Jahrb. 1882. S. 79.
Beim liiiule bilden Darminvagiimtionen eine der häufigsten Ur­sachen der Kolik mit tödtlichem Verlauf, llebermässige und ungleiche Peristaltik kann veranlassen, dass sich mehrere Fuss lange Ab­schnitte des Dünndarmes in einander schieben (,einscheidenquot;). Das iiussere („invaginirendequot;) Darmstück schnürt das innere (,invagi-nirtequot;) ein und erzeugt eine hochgradige Störung der Blutcirculation in demselben. Ausserdem wird die Fortbewegung des Darminhaltes unter­brochen, so dass hierbei im ganzen ähnliche Verhältnisse bestehen, wie beim incarcorirten Bruch. Pferde gehen in kürzester Zeit an solchem Zustande ZU Grunde; beim Kinde verläuft das Leiden lang­samer. In der Regel sterben die Thiere erst nach einer Krankheits-dauer von 5—10 Tagen, zuweilen noch später. Ausnahmsweise will man beobachtet haben, dass das invaginirto Darmstück nekrotisirte, durch das invaginirende fortbewegt und so schliesslich mit dem Kothe entleert wurde. Die Invagination erfolgt meist am Mastdarm oder Dünndarm; Merten beobachtete indess eine Einschiebung des Blind­darmes in den Grimmdarm.
Erscheinungen. Die Erkrankung beginnt plötzlich, und zwar mit einem Kolikanfall, welcher bis 12 Stunden dauert. Darauf folgt in der Regel Nachlassen der Schmerzen; aber die Thiere zeigen keine Fresslust, das Wiederkäuen fehlt, und fast immer stellt sich Tympa­nitis mit blutig-schleimigen Entleerungen ein, oder es folgt eine, allen Mitteln trotzende Verstopfung. Die Peristaltik liegt ganz darnieder, der Puls wird frequent und klein, während die Temperatur keine auf­fällige Steigerung zeigt. Bei der Untersuchung per anum lässt sich die invaginirte Stelle oft als eine strangförmige, schmerzhafte Ge­schwulst in der Bauchhöhle fühlen. Leichte Kolikerscheinungen, Drängen auf Kothabsatz, wobei kleine Mengen Schleim oder Blut ent­leert werden, bestehen fort; Merten will bei solchen Thieren die Neigung sich auf den Rücken zu legen beobachtet haben.
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Darminvagiuation.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3G5
Behandlung. Die meclicainentöse Behaudlung lilsst bei diesen Zuständen in der Regel im Stich; dass Abführmittel die Einschiebung des Darmes nicht zu heben im Stande sind, liegt auf der Hand.
Siebert versuchte beim Rinde die mechanische Wirkung der im Darm entwickelten Kohlensäure zur Lösung der Invagination. Nachdem innerlich Aloe mit Natriumsulfat in Leinsamenschleim gegeben waren, Hess Siebert 750,0 Natriumbicarbonat mit Wasser verrührt in den Mastdarm spritzen, der vorher mit der Hand, sowie durch Tabaksklystiere möglichst von seinem Inhalte befreit war. Darauf wurde verdünnte Salzsäure in den Mastdarm gebracht und der After mit der Hand soweit möglich verschlossen gehalten. Nach kurzer Zeit stellte sich starke Auftreibung ein, zuerst an der rechten, später auch an der linken Seite. Damit verband sich Neigung zum Drängen, wobei der Verschluss des Afters grosse Schwierigkeiten bot, aber so lange wie möglich aufrecht erhalten wurde. Sobald derselbe gelöst war, entleerte sich eine grosse Menge Kohlensäure und mit ihr auch Dana­inhalt, worauf Heilung erfolgte. Siebert will auf diese Weise eine Kuh gerettet haben, die bereits seit fünf Tagen an Darmeinschiebung gelitten hatte. Doppelt bedenklich erscheint es jedoch, dass Siebert in den Koth-massen die abgestossenen Darmabschnitte gefunden haben will. Wenn in dem erwähnten Falle eine Darminvagiuation bestanden hätte, wäre die Heilung nicht dem eingeschlagenen Verfahren, vielmehr der vis naturae medicatrix zuzuschreiben gewesen. Immerhin würde das Verfahren zu ver­suchen sein, wo die Operation aus irgend welchem Grunde nicht zulässig und andere Mittel wirkungslos bleiben sollten.
Das operative Verfahren besteht in der Eröffnung der Bauch­höhle und Lösung des invaginirten Darmstiickes oder Resection des­selben. An der rechten Seite wird in der Flankengegeiul der Bauch­schnitt nach den allgemeinen Regeln ausgeführt (S. 301). Zu dem Zwecke lilsst Meyer das Thier mit der linken Seite an eine Bretterwand stellen und hier mit Stricken und Bäumen befestigen. Die eingeführte Hand entdeckt bald die erkrankte Stelle und zieht die betreffende Darmpartie hervor, um zunächst den Versuch zu machen, die In­vagination zu lösen. Häufig gelingt dies nicht, weil bereits eine feste Verklebung der sich berührenden Blätter der Darmserosa eingetreten ist. Sollte dieses jedoch möglich sein, wie Degive beobachtete, so würde man damit nicht zögern und die Bauchwunde nach den allgemeinen Regeln schliessen. Gelingt die Trennung des invaginirten Darmes nicht, so bleibt nur die Resection des invaginirten Abschnittes übrig. Meyer führte die Operation beim Rinde mit Erfolg aus. Die beim Durchschneiden des Darmes und namentlich des Gekröses auftretenden Blutungen werden mittelst Torsion gestillt; man kann die Gefässe auch mit aseptischem Material unterbinden. Besondere Schwierigkeiten ver­anlassen die in dem vorderen Darmstück nachdrängenden Inhalts-massen, welche immer von neuem eine Verunreinigimg nicht nur der
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3GtJnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Magens und Darmkanals.
Wunde sondern auch der Bauchhöhle lierbeiführen, sofern man den Darm nicht comprimiren lässfc oder leicht unterbindet, Ins die Ope­ration vollendet ist. Nach Entfernung des invaginirten Ahschnittes hefte man die Darmenden nach den allgemeinen Hegeln mittelst der Darmnahfc (S. 351); die Bauchdecken und äussere Haut werden eben­falls jede für sich geheftet und die Wunde möglichst antiseptisch be­handelt.
Taccoen operirte Danninvaginationen bei zwei Kühen mit Erfolg. Bei einer wurde ein 95 cm langes Darmstück resecirt, ohne class eine er­hebliche Reaction eintrat. Nach 35 Tagen war auch die äussere Wunde geheilt, und bei der Schlachtung die regolmässige Vernarbung' der Dann­wunde constatirt. In einem zweiten Falle bildete sich ein anus praoter-naturalis, dessen Behandlung zwar erfolglos blieb, der jedoch im Gesund-heitszustande des Thieres keine erheblichen Störungen veranlasste.
5. Die Ach send rehung der linken Colonlnge beim Pferde.
Lit.! J elk man n, Uerl. Th. W. 1890. S. ;313. Immiuger, Ad. Wocli. 1890. S. 41.
Auf der Naturforscherversainuilung zu Bremen 1890 hat Jellc-mann zuerst auf die Möglichkeit hingewiesen, die nicht selten bei Pferden vorkommende und wohl stets zum Tode führende Torsion des Grimm­darmes nicht nur intra vitam festzustellen sondern auch operativ zu behandeln. Die Bedeutung dieser Frage geht schon aus dem häufigen Vorkommen des Leidens hervor. Nach dem Berichte Jelkmanns sollen in München von 102 an Kolik umgestandenen Pferden 70 an Achsendrehungen, bezw. Verlagerungen des Grimmdarmes gelitten haben; von 2'.\ Koliksectionen im Jahre 1887/88 Hessen sich 10 Achsendre­hungen des Grimmdarmes nachweisen. Jelkmjann schliesst daraus, dass das Leiden in Mittel- und Süddeutschland häufiger vorkomme, was vielleicht auf das Vorwalten kaltblütiger Schläge zurückgeführt werden darf. Nach den statist. Veterinär-Sauitätsberichten über die preussische Armee fielen im Jahre 1886: 13, 1887: 27, 1888: 37 und 1889 sogar 84 Werde an Verlagerung, bezw. Achsendrehuug des Grinnmhirmes. Es muss entschieden als ein Verdienst Jelkmanns bezeichnet werden, auf diesen Punkt die Aufmerksamkeit gelenkt zu haben, und wenn seine Mittheilungen auch von einigen Seiten mit Misstrauen entgegen­genommen wurden, so mag dieses zum Theil damit entschuldigt werden, dass man sicli nicht eingehend genug mit den anatomischen Verhält­nissen oder den Methoden chirurgischer Behandlung vertraut ge­macht hatte.
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Achseiulreliung des Colons.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;5(57
Die in Rede stehende Lageveriimlerung, welche nach Jelkniunii in der Kegel auf einer Torsion nach rechts beruht, soll nach ihm vornehmlich durch starke Füllung der oberen Grimmdarmluge veranlasst werden. Wenn die Thiere hierbei aus der rechten Seitenlage des Körpers aufstehen, so soll an dem gegen die Mittellinie des Bauches verschobenen Darme die obere Lage nach unten gedrängt und schliess-lich um ihre Längsachse gedreht werden. Diese Erklärung hat meines Erachtens viel für sich, doch dürfte zuzugeben sein, dass auch einmal das Umgekehrte eintreten, d. h. die Torsion nach links erfolgen kann. In einem von mir beobachteten Falle bestand die Umdrehung nach der linken Seite. Auch die Sectionsprotokolle der hiesigen patho­logischen Anatomie bestätigen dieses; bald zeigte sich die obere Grimmdarmlage medianwärts, bald gegen die linke Bauchwand ver­lagert. Die relative Länge des mit Futtermassen angefüllten Darmes, sowie seine freie Lage erklärt das häufige Vorkommen der Achsen­drehung desselben.
Die Erscheinungen des Zustandes sind zwar nicht charakte­ristisch, doch gelingt die Feststellung desselben ohne grosso Schwie­rigkeiten mittelst Exploration vom Mastdarm aus. Nachdem die zu­nächst anscheinend leichte Kolik mit continuirlichen Schmerzen verbunden sich von Stunde zu Stunde verschlimmert hat, das Darmgeräusch immer schwächer, der Puls schneller und kleiner geworden ist, so dass auf eine Obstipation geschlossen werden muss, giebt die in den Mastdarm eingeführte Hand nähere Auskunft über die Ursache derselben. Dicht vor dem After fühlt man den hierbei stark ausgedehnten (Trimmdarm, der in dem ersten Moment wohl mit einer stark angefüllten Harnblase verwechselt werden kann. Untersucht man indess genauer, so erkennt man bald, dass es sich um die hochgradig ausgedehnte Beckenflexur des Colons handelt. Hierbei bieten namentlich die deutlich hervor­tretenden Bandstreifen des Darmes nicht nur einen Anhaltspunkt da­für, dass man das Colon vor sich hat, sondern sie zeigen zugleich, in welcher Richtung die Torsion erfolgt ist.
An dem regelmässig gelagerten Darm verlaufen diese in der Richtung des Rumpfes, während bei der Achsendrehung der Colon-lagen eine Abänderung in dem Verlauf ihrer Bandstreifen deutlich hervortritt: Bei der Torsion nach rechts ziehen dieselben von vom und aussen nach hinten und innen, und umgekehrt bei Drehung des Darmes nach der linken Seite.
Nach Jelkmann soll sich das DUnndarmgekröse, dessen Wurzel
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Krankheiten des Magens und Darmkanals.
uu den Lendenwirbeln zu fühlen ist, stark gespannt zeigen, und bei Kechtsdreliung des Darmes nicht senkrecht nach unten, sondern nach links verlaufen und die Berührung derselben dem Thiere Schmerzen bereiten. Wichtiger scheint mir für die Diagnose die genaue Beachtung des Verlaufes der Bandstreifen des Colon zu sein; sobald man diese fühlt, kann weder über die Gegenwart noch auch über die Kichtung der Torsion ein Zweifel bestehen. Man verwechsle hiermit nicht den bei stärkerer Fällung des Blinddarmes deutlich hervortretenden hinteren Bandstreifen desselben. Dieser lässt sich als solcher leicht erkennen, wenn mau seinen Verlauf aus der Gegend des rechten äusseren Darm-beinwinkels in einem nach hinten gerichteten Bogen etwa zum linken Kniegelenk beachtet.
Ich habe mich von diesen Lagenverhältnissen an Versuchsthieren überzeugen können; denselben wurden nach dem Tode, in aufrechter Stellung das zwischen der letzten Rippe, dem äusseren Darmbeinwinkel und den Querfortsätzen der Lendenwirbel gelegene Stück der linken Bauchwand entfernt. Damit erlangte man eine klare Uebersicht über die Lagenverhältnisse der in dem hinteren Abschnitte der Bauchhöhle sowie der in der Beckenhöhle gelegenen Organe. Der Grimmdarm wurde in situ stark aufgeblasen oder nach erfolgter Umwälzung mit Wasser gefüllt. Die vom Mastdarm aus untersuchende Hand konnte man nunmehr leicht controlliren, und der Untersuchende sich überzeugen, welche Theile die Hand berührte. Dieser in Gegenwart der Studireuden ausgeführte Versuch erwies sich als ein ausserordent-lich instructives Demonstrationsverfahren.
Nach Ausführung einer künstlichen Umdrehung bot sich der Hand Gelegenheit, vom Mastdarm aus die veränderten Lagenverhält­nisse festzustellen und die Reposition zu versuchen. Dabei habe ich mich überzeugen können, dass namentlich die Lage der Bandstreifen des Colons beachtenswerth ist, und zwar um so mehr, als Torsionen an den hinteren Abschnitten des Colons die Gekröswurzel und die Lage des Diinndarnigekröses wenig beeinflussen. Dagegen liess die Untersuchung der Bandstreifen des Colons über dessen Lageverände-rung keinen Zweifel, so dass die Diagnose auf Schwierigkeiten niclit stossen konnte.
Die Beurtheilung des Zustandes, der sich •wahrscheinlich höchst selten spontan verliert, vielleicht unter Umständen durch das Wälzen des Thieres beseitigt wird, kann bei rechtzeitig eingeleiteter Behand­lung nicht nls aussichtslos bezeichnet werden. Zwar fehlt es noch an
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Achsendrehung des Grimmdarmes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 309
ausreichenden Beobachtungen, um die Frage zu entscheiden, oh die Lösung der Torsion in jedem Falle möglich ist, hezw. wie oft die­selbe gelingen mag, doch geht aus den Mittheilungen Jelkmanns hervor, dass die Reposition in vielen Fällen gelingt; class dieselbe mög­lich ist, davon habe auch ich mich überzeugen können.
Diese Hülf'eleistung verlangt allerdings einige Muskelkraft des Armes, unter Umständen auch Ausdauer, doch wird dieselbe bei grös-serer Uebung wahrscheinlich leichter gelingen.
Die Behandlung lässt man mit der Verabreichung eines Kly-stieres von lauwarmem Wasser einleiten, um den Mastdarm möglichst vollständig zu entleeren, und für die Arbeit der in das liectum ein­geführten Hand den nöthigen Kaum zu gewinnen. Jelkmann geht mit der linken Hand ein, dringt nach der linken Bauchwand vor und sucht die linken Colonlagen mit den hier gelegenen Mastdarmschlingen nach vorn gegen die Mitte der Bauchhöhle zu schieben. Hier ange­langt führt Jelkmann die Hand langsam nach oben, wobei die Colonlagen über die eingeführte Hand in ihre normale Lage zurück­fallen; indem die nach der linken unteren Bauchwand dislocirten Mastdarmschlingen nach oben geschoben werden, kann das Colon in seine normale Lage zurücktreten. Nach den von mir angestellten Versuchen dürfte diese Erklärung zutreffen.
Ich hatte Gelegenheit eine Drehung des Colons nach links in folgender Weise zu reponiren: Nachdem der Mastdarm ausgeräumt war, fühlte die In denselben eingeführte rechte Hand die Bandstreifen des Grimmdarmes von vorn und innen mich hinten und aussen, bezw. nach links verlaufen. Den oben gelegenen Bandstreifen des Colons benutzte ich nun um die Reposition zu bewirken. Während die Hand im Mastdarm eine starke Adductionsstellung annahm, legte ich die Volarfläche derselben, bezw. der Finger gegen den Bandstreifen, und nach wiederholten, mühevollen Versuchen gelang es schliesslich. den­selben so weit nach rechts zurückzudrängen, dass er seine mit der Medianlinie des Rumpfes parallele Richtung wieder erlangt hatte. Wie ich mich an Versuchspferden überzeugte, bildet bei Drehung des Colons nach links der Bandstreifen der unteren Lage des Darmes den Angriffspunkt dieser Retroversion. Nachdem dieselbe gelungen war, fiel die mit Gasen angefüllte Beckenrtexur des Darmes als­bald zusammen; auch hörten die Erscheinungen der Kolik auf; wäh­rend sich die fast vollständig danieder liegende i'eristaltik wieder einstellte; auch der kleine frequente Puls verschwand in kurzer Zeit;
Möller, Specielle Olllrnrgle für Thierärzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;24
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Krankheiten des Magens und Darmkanals.
eine halbe Stunde später konnte die Genesung in sichere Aussicht gestellt werden.
Ohne Zweifel lassen sich nicht alle Verlagerungen des Grimm-darmes nach einem und demselben Verfahren behandeln; die Verschieden­artigkeiten in tier Dislocation werden Modificationen erforderlich machen. Nachdem aber einmal die Aufmerksamkeit auf den Punkt gelenkt worden ist, werden weitere Erfahrungen auf diesem Gebiete nähere Anhaltspunkte für das chirurgische Eingreifen gewinnen lassen. Viel­leicht lässt sich durch Function des stark aufgetriebenen Grimmdarmes die Reduction unter Umständen erleichtern (vergl. S. 35C).
Zur weiteren Bestätigung des oben Gesagten möge der von mir be­obachtete Fall hier folgen.
Am 8, Juni er. wurde ich zu einem schweren Arbeitspferde gerufen, welches bereits seit 20 Stunden an Kolik litt. Die Untersuchung ergab: Milssige aber andauernde Unruhe des Thieres; das Pferd legte sich hilufig, stand bald wieder auf, trat im Stande hin und her und zeigte alle Symptome einer Verstopfungskolik. Der Puls, 65 p. M., war klein und schwach, die Schleimhäute schmutzig gerOthet, Respiration oberflächlich, 30 Mal in der Minute. Massige Gasauftreibung des Hinterleibes, Peristaltik nur noch an der rechten Seite in langen Zwischenpausen schwach hörbar; allgemeiner Schweissausbruch. Defäcation seit 20 Stunden unterdrückt; nur drei harte Kothballen waren entleert worden. Die Putteraufnahme war seit derselben Zeit verringert und Getränke nur in kleinen Quantitäten genommen. Die Unter­suchung per anum ergab eine starke Anfüllung der Beckenflexur des Colon mit Gasen, wodurch dieselbe bis an die hintere Beckenwand gedrängt war. An der lateralen Fläche des Grimmdarmes machte sich ein stark angespannter Strang bemerkbar, der von vorn, unten und innen, nach hinten, oben und hinten verlief; ein gleicher Strang zeigte sich in derselben Richtung an der medialen Fläche des Grimmdarmes. Die Blase war nur schwach gefüllt.
Die in den Mastdarm eingefüln'te Hand wurde in der oben beschriebe­nen Weise gegen den lateral gelegenen Strang gelegt und nach verschiedenen Versuchen gelang es unter erheblicher Kraftanwendung den Bandstreifen des Grimmdarmes nach der Mittellinie der Bauchhöhle zu bewegen. Sobald dies erfolgt war, trat lebhafte Peristaltik und Abgang von Gasen ein, dem bald feste Excremente folgten. Die Unruhe des Thieres Hess nach; hörte nach kurzer Zeit ganz auf, während der Puls seine normale Beschaffenheit annahm; auch die Röthung der Schleimhaut verlor sich. Nach einer Stunde konnte die Kolik für beseitigt erklärt werden.
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Die Krankheiten der hinteren Abselmitte des Mastdarmes sowie des Afters.
Bei den grösseren Thieren ist das hintere Ende des Mastdarmes in einer Ausdehnung von 20—50 cm, bei den kleineren auf entsprechend kürzerer Strecke nicht von Peritoneum bekleidet, sondern durch ein lockeres (paraproctales s. pararectales) Bindegewebe mit seiner Umgebung verbunden. Dieser Abschnitt liegt also ausserhalb der Peritonealhöhle und steht oben mit dem Kreuzbein, unten bei milnnlichen Thieren mit der Blase, bei weib­lichen mit dem Uterus in Verbindung.
Die dünne und haarlose ilussere Haut des Afters besitzt viele Talg-und Sehweissdrüsen. Bei den Fleischfressern findet sich zu jeder Seite des Afters ein vom Schliessmuskel des Afters umgebener, etwa haselnussgrosser „Aftersackquot; oder ,Afterbeutelquot;, welcher eine grüne, schmierige Flüssig­keit enthält. Neben Talgdrüsen besitzen Fleischfresser noch die flaschen-förmigen mit gelblichem Inhalte gefüllten „Analdrüsenquot; oder Perianal-drüsen.
1. Angeborene Missbildungeu. Fehlen laquo;les Afters und Kloaken-bildnng. Atresia ani und recti. Fistula recto-vaginalis.
Lit.: Waltrup, Thierärzü. Mitth. 1877. Landel, Gurlt u. Hartwig. 8. S. 252. Bull, das. 6. S. 83. Burmeister, das. 21. S. 248. Howard, The vet. .Journal. Vol. 27. S. 329. Johne, Dresd. Ber. 1877. S. 71. Volk, Gurlt u. Hertwig. 11. S. 329. Piepenbrok, Thieiilrztl. Mitth. 1874. S. 182.
Schon in den frühen Perioden des intrauterinen Lebens bildet sich der After durch Einstülpung der ilusseren Decke. Beim Pferde und Rinde erfolgt dies in der 8., beim Schafe, der Ziege und dem Schweine in der 7. und bei Fleischfressern in der 5. Woche. Bei Hunden und Schweinen, seltener bei den Wiederkäuern und Pferden fällt dieser Vorgang aus. Dem neugeborenen Thiere fehlt alsdann die Afterötfnung. Bald beschränkt sich dies Vitium primae formationis
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Krankheiten des Mastdarmes und Afters.
auf den After (Fig. 75), zuweilen zeigt sich auch das Endstück des Mastdarmes verschlossen (Atresia recti, Fig. 76); noch seltener zeigt
Fisr. 75.
Atresia ani bei der Hündin (halbschematisch).
sich der After offen, ein Theil des Mastdarmes aber geschlossen. Der Schliessmuskel des Afters entwickelt sich dabei regelmässig und zeigt in der Mitte eine Vertiefung an Stelle der Afteröffnung.
Fig. 76.
Atresia ani et recti bei der Hündin (halbschematisch).
Bei weiblichen Thieren mündet der Mastdarm zuweilen in die Scheide, ein Zustand, der als Kectovaginalfistel (Anus vaginalis)
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Atresia ani et recti.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 373
oder Kloakenbildung bezeichnet wird. Seltener besteht eine Com­munication mit der Blase (Anus vesicalis).
Erscheinungen. Das Fehlen der Af'teröffnung fallt bei Thieren nur selten gleich nach der Geburt auf; in der Regel entdeckt man den Zustand erst, wenn sich die Folgen der behinderten Defäcation bemerklich machen. Der Leib der Thiere erscheint aufgetrieben; diese lassen mit der Nahrungsaufnahme (Saugen) nach; bald stellen sich Kolikerscheinungen ein, die Thierchen drängen auf Kothabsatz und wenn der After untersucht wird, so zeigt sich, dass die Oeifnung fehlt. Ist nur der After geschlossen, so wölbt sich die iiussere Haut im Centrum des Sphinkter ani hervor; zuweilen lässt sich unter der­selben der Mastdarminhalt deutlich fühlen. Bei gleichzeitigem Verschluss des Mastdarmes pflegt diese Vorwölbung zu fehlen. Entweder ist hierbei auch die Afterötfnung geschlossen, oder man stösst beim Ein­führen des Fingers oder einer Sonde nicht weit vom After entfernt auf ein Hinderniss. Besteht eine Rectovaginalfistel, so gehen die Ex-cremente zum Theil durch die Scheide ab; mit dem Finger bez. Sonde ist die Communication der oberen Scheidewand mit dem Mastdarm in der Regel direct nachzuweisen.
Mit dem letzteren Zustande können die Thiere fortleben, sofern die Afterscheidenöffnung gross genug ist, um dem Danninhalt einen Ausgang zu bieten. Burmeister beobachtete bei einem 0 Wochen alten Ferkel eine Afterscheidenfistel von Strohhalmstilrke. Pieperbrok fand bei einer tragenden Sau neben Verschluss des Afters eine Rectovaginalfistel.
Bei Atresia ani oder recti gehen die Thiere bald zu Grunde, wenn nicht auf operativem Wege für Entleerung der Excremente gesorgt wird. Da die Muttermilch nur wenig Koth bildet, so leben die Thiere indess nicht selten mehrere Wochen mit verschlossenem After. Wal-trup stellte den Zustand bei einem 20 Tage alten Ferkel fest. Ich sah Atresia ani bei einem 2G Tage alten Hunde. Wiederkäuer leben meist nicht so lange; bei ihnen treten schon nach 4- -8 Tagen die bedenklichen Folgen der gestörten Defäcation hervor. In einem von Bull beschriebenen Falle lebte ein Kalb 5 Tage; bei der Section desselben zeigte sich der Mastdarm in einer Ausdehnung von 6—ti Zoll verwachsen.
Die Beurtheilung des Zustandes ist im ganzen nicht ungünstig; es kommt darauf an, dass nicht zu spät operativ eingegriffen wird.
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Krankheiten des Mastdarmes und Afters.
Die Prognose hängt aber namentlich davon ab, ob bloss der After oder zugleich ein grösseres Stück Mastdarm verschlossen ist; im letzteren Falle bietet nicht nur die Freilegung des Verdauungsweges, sondern auch die Offenhaltung desselben grössere Schwierigkeiten. Nicht selten verengt sich die künstlich hergestellte Oeffnung später so erheblich, dass von neuem Störungen in der Defacation eintreten. Dazu kommt, dass der Mastdarm durch die starke Ausdehnung ge­lähmt werden, unter Umständen selbst zerreissen kann; auch nach der Operation tritt alsdann keine Entleerung ein. Beim. Menschen hat man in solchen Fällen auf Tabakrauchklystiere zurückgegriffen (Hüter), die auch bei Thieren zu versuchen sein dürften. Wo sie nicht wirken, kann Eserin Anwendung finden, doch sei man bei bereits geschwächten Individuen mit der Dosimnaf des Mittels vorsichtig.
Behandlung. Nur auf operativem Wege lässt sich hier etwas erreichen. Man hat jedoch empfohlen, nicht gleich nach der Gehurt damit vorzugehen, damit durch stärkere Füllung des Mastdarmes die Ausführung erleichtert wird. In der Regel findet der Thierarzt hierzu auch nicht früher Gelegenheit, häufiger viel später, nicht selten zu spät. Bei Atresia ani vcrschliesst nur eine Platte der äussern Haut den After, die man daher mit einer Pincette erfasst und mit der Schere einfach fortschneidet. Tritt hierauf nicht sogleich Entleerung ein, so suche man der Unterhaut Bindegewebe bei Seite zu schieben, welches zuweilen noch den Verschluss unterhält. Durch Bestreichen mit einem milden Fette lässt sich die Wiederverwachsung in der Regel ver­hindern. Zu demselben Zwecke hat mau beim Menschen die Schleim­haut des Mastdarmes mit der äusseren Haut vereinigt. Hierzu wird von oben nach unten quer über den After ein Längsschnitt durch die äussere Haut geführt, die Unterhaut auf dem sich vorwölbenden Mast­darmende zu beiden Seiten getrennt, dann die Schleimhaut in derselben Richtung durchschnitten und mit der äusseren Haut durch einige Knopf­nähte verbunden. Auf diese Wreise sollen auch Verengerungen des Afters verhütet werden.
Schwieriger gestaltet sich die Operation der Atresia recti, nament­lich wenn die Verwachsung tiefer geht. Je weniger sich der Darm­inhalt durch Hervorwölben des Afters bemerklich macht, um so un­günstiger liegen diese Umstände. In solchem Falle muss auch die verwachsene bezw. nicht getrennte Schleimhaut gelöst werden, wobei die Blase männlicher Thiere, bei weiblichen die Scheide geschont werden muss. In die Harnröhre männlicher Thiere wird ein Katheter, in
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Atresia ani et recti.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;375
die Scheide dei- Zeigefinger der linken Hand während der Operation eingeführt. Sodann erfolgt der erste Schnitt wie oben beschriebenraquo; indem man entweder mit der Schere ein Stück Haut fortnimmt, oder die Trennung quer über den After vornimmt und diese durch all-mäliches Vordringen in die Tiefe bis auf das Lumen des Mastdarmes führt. Die Lage der Sonde bezw. des Fingers lilsst dabei die Rich­tung nicht leicht verfehlen.
Bei Thieren hat man auch wohl den Trokart zum Oeffnen des ver­schlossenen Mastdarmes empfohlen; meines Erachtens verdient aber die beschriebene Freilegung den Vorzug. Nach erfolgter Entleerung ver­suche man auch hier die Schleimhaut mit der äusseren Decke zu ver­nähen und durch Einführung von Oel eine Verwachsung zu verhindern. Klystiere erleichtern in der ersten Zeit den Kothabsatz.
Howard legte beim Ferkel mit Atresia recti eine Grimmdannfistel an, wie es wohl beim Menschen geschieht. Meist dürfte diese Operation jedoch nicht im wirthschaftlichen Interesse geschehen und daher selten ge­wünscht werden. Ueber die Behandlung der Recto-Vaginalfistel vergleiche man S. 394.
2. Verletzungen des Mastdarmes und der Analgegend.
Lit.; Fr ick, Thierärztl. Mitth. 1875. S. 187. Mozer, Her. Rep. 30. S. 12. Kirchner, Gurlt u. Hartwig. 16. S. 423. Wilhelm, Diesd. Ber. 1887. 1887. S. 04. Hengst, das. 1885. S. 77. Martin, Münch. Jahrb. 1884/85. S. 53. Schwanefeld, Thierärztl. Mitth. 1877. S. 139. Jansen, das. 1874. Kirchner, Gurlt u. Hertwig. 12. S. 78.
Verletzungen des Mastdarmes kommen namentlich bei grösseren Thieren nicht selten vor; sie werden am häufigsten bei Stuten und Kühen durch den Penis heim Begattungsakt veranlasst (Ueberspringen). Auch bei unvorsichtiger Exploration des Mastdarmes mit der Hand und den von Laien zuweilen angestellten Versuchen, aus der Schleim­haut des Mastdarmes etwas Blut zu entleeren, um die bestehende Kolik zu heilen, kommen nicht selten perforirende Verletzungen des Mastdarmes vor. Ebenso kann auch die unvorsichtige Anwendung der Klystierspritze gefährlich werden. Auch hat man absichtlich, in böswilliger Absicht gegen den Besitzer, Thiere durch Verletzungen des Mastdarmes zu tödten gesucht (Frick).
Seltener werden Zerreissungen des Mastdarmes durch abnorm grosse und feste Kothballen beobachtet. (Mayer, Stockfleth.) Da­gegen kommt es beim Gebärakte öfter zu Verletzungen des Mastdarmes
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376nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Mastdarmes und Afters.
durch den Fötus oder in Folge gewaltsamer Hülfeleistungen. Bei Stuten und Kühen durchbohren die Füsse der Jungen zuweilen die obere Wand der Scheide bezw. Uterus und zugleich die untere Wand des Mastdarmes.
Endlich können sich unverdauliche, harte Gegenstände, die mit dem Futter aufgenommen wurden, in die Schleimhaut des Mastdarmes oder Afters einbohren und eine mehr oder weniger heftige Entzündung hervorrufen; bei Hunden wurden hier Knochen, Fischgräten ange-troffen. Bei einem Pferde, welches eine grössere Menge Tannennadeln verzehrt hatte, fand Kirchner Entzündung des Mastdarmes, welche durch zahlreiche in die Schleimhaut eingebohrte Nadeln bedingt war. Stockfleth entleerte aus dem After der Katze eine Fischangel, welche den Verdauungstractus passirt hatte. Jansen fand im Mastdarm einer Sau den Schädel eines Ferkels, das sich bei der Geburt durch die Scheide bis in den Mastdarm durchgebohrt hatte.
Am After entstehen bei grösseren Thieren ebenfalls während des Gebäraktes leicht Verletzungen, Zerreissung des Perineums (Dammriss) unter Umständen auch des Sphincter ani; beim Rinde geben Horn-stösse hierzu wohl Veranlassung.
Der Verlauf dieser Verletzungen richtet sich vor allem nach ihrem Sitze und ihrer Ausdehnung. Penetrirende, d. h. mit Er­öffnung der Peritonealhöhle verbundene Mastdarmwunden enden regelmässig tödtlich; dies gilt auch von den bei Stuten und Kühen durch Eindringen des Penis entstandenen; doch sah man bei Kühen in einzelnen Fällen Heilung eintreten. Andererseits wurde zuweilen plötzlicher Tod beobachtet, den man wohl auf die Wirkung des Chok zurückgeführt hat. Stuten gehen in der Regel innerhalb 24 Stunden an der Verletzung ein; Kühe oft erst später. Bemerkt sei indess, dass das Eindringen des Penis in den Mastdarm keineswegs immer mit Verwundung desselben verbunden ist; es hängt dieses wesentlich von dem Grade der Anfüllung des Mastdarmes mit Kothmassen ab. Ver­letzungen mit der Klystierspritze verlaufen ebenfalls meist tödtlich, namentlich wenn hierbei noch Arzneisubstanzen in die Peritonealhöhle gespritzt wurden.
Verletzungen des hinteren, d. h. ausserhalb der Peritonealhöhle gelegenen Endstückes des Mastdarmes zeigen sich zwar nicht in dem Masse wie jene gefährlich, führen jedoch leicht zu septischer Phleg-mone im paraproctalen Bindegewebe, welche oft mit tödtlichen Folgen verbunden ist. Am wenigsten bedenklich zeigen sich die Verletzungen
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Verletzungen des Mastdarmes und Afters.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;377
von der Scheide aus beim Gebären; sie führen zuweilen zur Bildung einer Afterscheidenfistel (S. 394).
Die Erkennung bietet in der Regel keine Schwierigkeit, sofern eine Untersuchung per anuin vorgenommen wird. Kolik, Tenesmus und blutige Entleerungen aus dem After weisen auf solche Verletzungen hin. Die in den Mastdarm eingeführte Hand giebt über den Sitz und die Ausdehnung der Wunde näheren Aufschluss. Ehe man jedoch zur Constatinmg des Zustandelaquo; die Hand in das Rectum einführt, erkundige man sich, ob nicht bereits Manipulationen in demselben stattgefunden haben und mache ev. auf das vermuthliche Bestehen einer tödtlichen Verletzung den Besitzer vorher aufmerksam, um nicht selbst in den Verdacht zu kommen, diese veranlasst zu haben. Die Complication mit Peritonitis giebt sich durch Fieber, kleinen frequenten Puls, leichte aber andauernde Kolik zu erkennen; sie führt bei Pferden in wenigen Tilgen zum Tode, oft schon nach einigen Stunden.
Verwundungen des Afters werden erst bedenklich, wenn der Schliessmuskel oder das Perineum durchtrennt ist. (Dainmriss.) Wenn sich im ersteren Falle später keine Schwierigkeiten für den Afterverschluss einstellen, heilen derartige Wunden leicht und voll­ständig. Ausnahmsweise kommt es zur Bildung einer Afterfistel (S. 394).
örössere Schwierigkeiten bieten der Heilung die Damm­risse; sie sollen bei Stuten zuweilen Unfruchtbarkeit zur Folge haben. Bei rechtzeitiger und vorsichtiger Heftung der Wunde kommt jedoch auch hier meist vollständige Vereinigung zu Stande; unter An-frischung der Narbe lässt sich auch später oft noch Heilung erzielen.
Behandlung. Bei perforirenden Mastdarmwunden lohnt sich eine Behandlung in der Regel nicht. Schlachtbare Thiere werden am besten bald getödtet. Soll ein Heilversuch gemacht werden, so räume man vorsichtig den Mastdarm aus, entziehe das Futter und lasse dem Thiere nur kleine Quantitäten Wasser geben. Klystiere sind hier zu vermeiden, weil sie den Uebertritt von Darminhalt in die Peri-tonealhöhle, also auch die Peritonitis begünstigen. Vielleicht können Opiumgaben nützlich werden, indem sie die Fortbewegung des Darm-inhaltes zu der verletzten Stelle verlangsamen.
Anders gestalten sich die Aufgaben der Therapie bei Verletzungen der Beckenportion. Die Diät würde allerdings ebenso zu regeln sein; nahrhafte Substanzen können in kleinen Mengen (Mehltränke) gegeben werden. Zur Reinigung der Wunde dienen hier Klystiere. Man lasse
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Krankheiten des Mastdarmes und Afters.
durch Wasserklystiere den Inhalt ausspülen, sodann solche mit Des-infectionsmitteln folgen (Salicylsäuro, Carbolsilure, Creolin), beim Pferde auch verclünnte Suhlimatlösung (1 ; 5000).
Wunden in der Nähe des Afters müssen unter Umstünden ge­heftet und die blutenden Gefässe unterbunden werden. Auch Kalt-wasserklystiere dienen zur Stillung von Blutungen, die weiter nach vorn liegen. Man hat ferner empfohlen eine Blase oder einen Gummiballon (Colpeurynter) in den Mastdarm einzuführen und durch Aufblasen oder Füllen mit Wasser eine Compression auf die blutenden Gefässe auszuführen. Ihre Anwendung wird jedoch bei Thieren dadurch be­schränkt, dass sie heftiges Drängen veranlassen, und so unter Um­ständen eher'quot; gefährlich als nützlich erscheinen. Dasselbe gilt von der Tamponade des Mastdarmes. Im Nothfalle würde man allerdings auch diese Hülfsmittel nicht unbenutzt lassen.
Ueber die in Folge von Verletzung des Mastdarmes entstehenden A bscesse in der Umflfebunflt desselben vergleiche man Seite 380.
3. Entzüiidungeii der Mastdarmschleimhant und des Afters.
Proctitis.
Lit.: Scb wan of old, Thierärztl. Mitth. 1877. S. 189.
Abgesehen von den durch gröbere Verletzungen veranlassten, ent­zündlichen Erkrankungen des Mastdarmes und Afters werden hier ent­zündliche Processe bei schweren Darmcatarrhen, bei der Dysenterie sowie nach andauerndem Durchfall besonders bei jungen Schweinen und Hunden nicht selten beobachtet. Auch können zu heisse oder scharf reizende Klystiere, sowie Fremdkörper, eingedickte und stagnirende Kotinnassen entzündliche Erkrankung der Mastdarmschleimhaut ver­anlassen. Schwanefeld fand im Mastdarm eines Ochsens ein 20 cm langes Stück Besenstiel. Bei Hunden erzeugen Knochen und feste Kothmassen häufig lieizung der Schleimhaut.
Am After hat man bei Pferden nach dem Abreissen der Bremsen­larven entzündliche Erkrankungen beobachtet; bei Fleischfressern ent­stehen solche durch Scheuern des Afters beim Pruritus ani. Bei langhaarigen Hunden verkleben zuweilen die in der Umgebung des Afters stehenden Haare mit einander, und bewirken Verschluss des Afters und entzündliche Reizungen an demselben. Hunde leiden nicht selten an entzündlichen Processen der Analdrüsen mit Absce-dirungen derselben (Siedamgrotzky).
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Proctitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;379
Erscheinungen. Entzündliche Erkrankung der Mastdannschleini-haut geben sich durch Tenesmus, d. h. wiederholtes aber resultat­loses Drängen auf Kothabsatz zu erkennen. Die Thiere stehen mit gekrümmtem Rücken und nicht selten führt das andauernde, heftige Drängen zum Prolapsus ani oder recti. Die Schleimhaut des Mastdarmes zeigt mehr oder weniger intensive Rothung und Schwellung.
Verletzungen am After lassen sich direct nachweisen; ebenso Verklehungen der Haare, welche die Defäcation erschweren oder un­möglich machen; die äussere Haut in der Umgebung des Afters er­scheint geröthet und oft excoriirt.
Die Erkrankung der Perianaldrüsen giebt sich durch entzünd­liche Anschwellung derselben zu erkennen; dabei ist der Kothabsatz schmerzhaft und wird unterdrückt. Nach einiger Zeit stellt sich Fluc­tuation und Perforation ein, worauf Abschwelhmg erfolgt; nicht selten finden sich Recidive ein, was bei Laien zuweilen den Verdacht auf Hä-morrhoiden erweckt.
Grössere Bedeutung erlangen diese Erkrankungen für gewöhn­lich nicht. Bei jungen Thieren können jedoch durch chronische Ka­tarrhe des Mastdarmes Verwachsungen derselben sowie des Afters zu Stande kommen (S. 374). Verletzungen führen zuweilen zu phleg-monösen Entzündungen des perianalen und paraproetalen Bindegewebes und können dadurch bedenklich werden.
Behandlung. Gegen entzündliche Processe der Mastdarmschleim­haut finden schleimige und ölige Klystiere Anwendung. Bei grösseren Thieren eignet sich hierzu Stilrkekleister; Hunden lässt man lau­warme Oelklystiere verabreichen. Bei hochgradigem Tenesmus kann ein Zusatz von Opium nützlich werden. Fremdkörper und eingedickte Inhaltsmassen werden selbstverständlich in schonender Weise entfernt. Die am After verklebten, langen Haare schneide man mit der Schere fort, lasse den After reinigen, darauf mit einem deckenden Mittel be-pudern; Jodoform mit Tannin eignet sich auch hierzu.
Abscedirendc Anschwellungen der Analdrüsen werden gespalten, der Inhalt entleert und die Wundfläche nach erfolgter Reinigung mit Jodofonnpulver bestreut. Gegen die durch Abreissen der Bremsen-larven entstandenen entzündlichen l'rocesse sind lauwarme Lösungen und deckende Mittel empfohlen.
Bei allen diesen Leiden kommt es darauf an. den Kothabsatz möglichst zu erleichtern. Man richte hiernach die Nahrung ein, und
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380nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Mastdarmes und Afters.
lasse durch aufweichende Klystiere und innerliche Mittel wo erforder­lich nachhelfen.
4. Phlegmone des um den Mastdarm gelegenen Bindegewebes. Periproctitis, s. Paraproctitis apostematosa.
Lit.: Bachstildt, Bari. Thierärztl. Woch. 1889. S. 82. Roloff, Thierilrztl. Mitth. 1871. S, 174. Schmidt, das. 1887. S. 141. Wilke, das. 18C8. S. 144. Wilhelm, Dresd. 13er. 1887. S. 64. Krüger, Thierilrztl. Mitth. 1857. S. 125.
Das Leiden gehört zwar nicht zu den häufigen Vorkommnissen, wird jedoch zuweilen bei grösseren Thieren beobachtet und es kommt durch Verletzungen der hinteren Abschnitte des Mastdarmes sowie in der Nähe des Afters zu Stande, indem sich an diese eine Infection anschliesst. Auch metastatische Abscesse wurden hier im Verlaufe der Druse beobachtet (Bachstildt). Bei weiblichen Thieren kann die Periproctitis bezw. Paraproctitis aus Verletzungen der Scheide her­vorgehen.
Das um das Endstück des Mastdarmes gelegene lockere Binde­gewebe zeigt sich zur Entstehung einer phlegmonösen Entzündung be­sonders geeignet, und es hängt zunächst von der Wirkung der infectiösen Substanzen vornehmlich ab, welchen Verlauf das Leiden nimmt. Im ganzen werden jedoch septische Phlegmonen hier seltener beobachtet, als man es erwarten sollte. Möglicherweise erklärt sich dieses aus dem Umstände, dass septische Infectionsstoffe im Verdauungstractus ver­nichtet wurden. Vielleicht liegt darin auch der Grund für das ver-hältnissmässig seltene Vorkommen des Leidens. Die in der Literatur verzeichneten und von mir beobachteten Fälle stellten einfache eiterige Phlegmonen dar, welche zur Abscessbildung führten.
Der Verlauf des Leidens hängt in erster Linie davon ab, wohin der Abscess perforirt; erfolgt diese in den Peritonealsack, so ist der Tod durch eiterige Peritonitis unausbleiblich.
Günstiger gestaltet sich der Verlauf, wenn die Perforation in den Mastdarm erfolgt oder von hier aus die Function des Abscesses be­wirkt wird. Noch geringere Bedenken knüpfen sich an eine Perfora­tion neben dem After nach aussen. Wilke konnte von der Scheide aus die Oeffnung des Abscesses bewirken, ein Fall, der um so günstiger betrachtet werden muss, als hierbei nicht leicht bedenk­liche Folgen eintreten, während bei dem Durchbruch nach aussen oder
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Periprootitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;381
in dem Mastdarm immerhin die Gefahr der Bildung einer Afterfistel bestellt.
Erscheinungen. Die Periprootitis zeigt sich in der Regel erst durch die mit der Anschwellung und Abscessbildung verbundene Be­hinderung des Kothabsatzes. Die Thiere äussern leichte aber an­dauernde Kolikerscheinungen; die Defacation ist erschwert und schmerz­haft, und wird in Folge dessen unterdrückt, oder sie findet unter schmerzhaftem Stöhnen der Thiere statt. Dabei besteht in der Regel leichtes Fieber. Nur wo die Fhlegmone bis dicht unter die äussere Haut sich ausdehnt, tritt Anschwellung in der Umgebung oder an der Seite des Afters hervor. Von hier aus kann auch Eiterversenkung nach unten im Verlaufe der Oberschenkelmuskulatur erfolgen (Bach-stildt, Wilhelm). In solchem Falle zeigt sich die Anschwellung emphysematös und mit Lahmheit verbunden.
Die Exploration per anum giebt näheren Aufschluss über Grosse und Sitz der Erkrankung. Den hinteren Abschnitt des Mastdarms findet man leer, dagegen besteht vor dieser Stelle Anschwellung mit Ver­engerung des Darmlumens. In einem von mir beim Pferde beobach­teten Falle konnte an der oberen Wand des Mastdarmes, etwa 20 cm vom After entfernt eine fast kindskopfgrosse, Huctuirende, schmerz­hafte Anschwellung ermittelt werden, welche das Lumen des Mast­darms so verlegt hatte, dass man kaum noch mit zwei Fingern unter­halb der Geschwulst vordringen konnte. Durch das schnelle Hervor­treten der Beschwerden, die weiche fluctuirende Beschaffenheit, die Schmerzhaftigkeit der Anschwellung und das massige Fieber unter­scheidet sich das Leiden vor specifischen Neubildungen.
Behandlung. Da man in der Regel erst auf den Zustand auf­merksam wird, wenn sich bereits ein Abscess gebildet hat, so bleibt der Therapie meist nur die Eröffnung desselben übrig. Es kommt darauf an, diese in möglichst ungefährlicher Weise zu bewirken. Wie bereits erwähnt, gestaltet sich die Perforation in die Scheide und direct nach aussen am wenigsten bedenklich. Liegt der Abscess daher nicht sehr tief, d. h. nicht weit von der äusseren Haut neben dem After entfernt, so würde sich empfehlen, von hier aus die Function zu bewirken. Dabei ist möglichst tief zu operiren, um günstigere Be­dingungen für den Abfluss des Eiters zu erzielen. Soweit möglich, vermeide man den Schliessmuskel des Afters zu durchschneiden. Hei weiblichen Thieren bietet die Scheide einen bequemen und ungefährlaquo;
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382nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Mastdarmes und Afters.
liehen Zugang zu den an der unteren Mastdarmwand liegenden Ab-scessen. Wilke perforirte von hier aus die Abscesswand mit dem Finger und entleerte bei einer Stute einen Abscess von der Grosse eines Strausseneies, welches an 20 cm vom After entfernt lag.
Bei abscedirender Phlegmone an der oberen Wand des Mast­darmes bleibt nur die Entleerung durch diesen übrig, sofern nicht von aussen die Perforation bewirkt werden kann. Ich punktirte in dem oben erwähnten Falle den Abscess mit einem gekrümmten (Flourant-sclien) Trokart und entleerte durch denselben etwa 2 Liter dickflüs­sigen, übelrieclienden, mit abgestorbenen Gewebsfetzen versehenen Eiter. Da sich der Abscess am folgenden Tage von neuem gefüllt hatte, wurde die Oeffnung mit einem geknöpften Tenotom, welches von der Hand gedeckt in den Mastdarm eingeführt war, gespalten, darauf in 8 Wochen vollständige Heilung eintrat.
Dass nach der Spaltung des Abscesses in jedem Falle die Höhle sorgfältig und mit kräftigem Strahl ausgespült wird, um die etwa in derselben befindlichen, nekrotischen Gewebsfetzen zu entfernen, und dass ferner für den regelmässigen Abfluss des Eiters Sorge getragen werden muss, liegt auf der Hand.
5. Vorfall des Mastdarmes und Afters, l'rolapsis recti et ani.
Lit.: Frey, Gurlt u. Hertwig. 15. S. 320. Wells, Her. Rep. 13. S. 831. Grolt, Thierärztl. Mitth. 1774. S. 145. Weber, Dresd. Ber. 1871. S. 125. Volk, Gurlt u. Hertwig. 11. S. 329. Haubner, Dresd. Ber. 1858. S. 46. Johne, das. 1877. S. 71. Tetzner, Zeitsehr. für Vet. 1890. S. 421.
Als „Prolapsus aniquot; bezeichnet man das dauernde Her­vortreten der Schleimhaut des Mastdarmes durch den After. Da die Schleimhaut während der Defäcation stets hervortritt, so bildet der Aftervorfall genau genommen nur ein krankhaftes Fortbestehen ihrer physiologischen Stellung. Am deutlichsten zeigt sich die gefaltete Schleimhaut (Darmrose) bei Pferden, bei denen Aftervorfälle nicht selten beobachtet werden; sie kommen indess auch bei Hunden und den übrigen Hausthieren vor.
Wenn nicht bloss die Schleimhaut, sondern die ganze Darmwand den After passirt hat, so spricht man von einem „Prolapsus rectiquot;. Dabei kann nur das hintere Ende des Darmes durch den After hervor­treten, indem das periproctale Bindegewebe nachgiebt; aber auch die vom Peritoneum umkleideten Abschnitte der Mastdarmwand gelangen zuweilen durch das Beckenstück und den After nach aussen, indem
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Vorfall des Afters und Mastdarmes).
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sich die ersteren in das letztere invuginiren. Hier besteht also Pro­lapsus mit Invagination. Es sind also drei Zustände zu trennen: 1. Prolapsus ani, 2. Prolapsus recti, 3. Prolapsus recti cum invagi-natione. Sowohl der Vorfall des Afters wie auch des Mastdarmes kommt meist im Verlaufe von heftigem Durchfall zu Stande, besonders wenn dieser mit Tenesmus verbunden war. Begünstigt werden diese Leiden durch schwächliche oder stark geschwächte Constitution mit Erschlaifung oder Lähmung der Sphincter ani.
Als nächste Ursache wirkt in der ßegel heftige Bauchpresse; doch kann auch entzündliche Schwellung der Mastdarmschleimhaut
Fig. 77.
Prolapsus recticum invaginatione beim Hunde.
Aftervorfall veranlassen. Nach der Application zu heisser oder reizen­der Klystiere sah man sowohl After- wie Mastdarmvorfall entstehen. Beide Leiden treten im Verlaufe von Kolik oder Obstruction, zuweilen auch bei Schwergeburten auf; beim Rinde nicht selten in Verbindung mit Scheidenvorfall. Auch Drängen der Pferde beim Liegen in Fesseln ruft zuweilen Mastdarmvorfall hervor (Larsen).
Erscheinungen. Beim Prolapsus ani erscheint eine rothe, wenig schmerzhafte, halbkugelförmige Schleimhautwulst vor dem After, die in der Mitte mit einer seichten Vertiefung versehen ist; zuweilen treten nur einige Falten an einer Seite hervor. Werden vom End­stücke des Mastdarmes Abschnitte mit vorgelagert (Prolapsus recti), so erscheint die Geschwulst grosser und derber; aber auch in diesem
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Krankheiten des Mastdarmes und Afters.
Falle erlangt sie meist nicht die Grosse wie beim Vorfall mit Invagina-tion, welcher meterlange Darmstücke durch den After hervortreten lässt. Bei Hunden sah ich wiederholt 30—50 cm lange Vorfälle (Fig. 77). Durch die Anspannung des Gekröses wird dem vorgefallenen Theile zuweilen eine KrUmmung nach oben gegeben (Fig. 77). Bei derartiger Ausdehnung kann bezüglich der Diagnose kein Zweifel bestehen. An­ders, wenn nur wenig Darmtheile sich ausserhalb des Afters befinden. Bei einfachem After- oder Mastdarm Vorfall zeigt die ringförmige Ge-
Filaquo;. 78.
Prolapsus rccti mit Invagiimtion beim Pferdi;.
schwulst in der Mitte eine Oeffuung, durch welche auch der Koth­absatz stattfindet; an der Peripherie derselben gelingt es nicht mit dem Finger gegen die Beckenhöhle vorzudringen. Anders beim Vorfall mit Invagination; hier gelangt man neben dem Vor­fall mit dem Finger, bei grösseren Thieren selbst mit der Hand in das Beckenstück des Mastdarmes. Diese Untersuchung ist wichtig, weil das Ergebniss derselben Anhaltspunkte für die Therapie ge­währt.
Verlauf. Ein Vorfall des Afters wird gewöhnlich schon von einem kundigen Laien zurückgebracht, ohne Gegenstand einer thier-
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Prolapsus ani et recti.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 38!;
ärztlichen Behandlung zu wer Jon. Kehrt das Leiden aber bald wieder, oder besteht eine krankhafte Schwellung der Mastdarmschleiinhaut, so kann der Vorfall auch längere Zeit anhalten. Frey fand den­selben bei einem Pferde, welches in Folge dessen bei der Defäcatiou behindert war. Andere (Wells) haben chronische Vorfälle irrthüm-
lich für Hämorrhoiden erklärt. Selbstverständlich erleidet die Schleim­haut unter der dauernden Einwirkung der Luft Veränderungen; sie verdickt, trocknet ein, stirbt ab, und so kann selbst spontane Heilung eintreten, indem das vorgefallene Stück abgeschnürt wird. Groll sah beim Schwein den Vorfall nach 20 Tagen von selbst abfallen, worauf Genesung erfolgte.
Dasselbe gilt vom Mastdarmvorfall mit Invagination, allein hier­mit verbindet sich in der Hegel eine bedenkliche Störung der Defäca­tiou, da die Passage in dem invaginirten Darmstück behindert ist; die Thiere lassen die Bauchpresse heftig wirken, wobei immer mehr Darmmassen vorgedrängt werden, welche bald ödematös anschwellen; ihre Schleimhautfalten verstreichen, und die Oberfläche des Vorfalls erscheint in Folge dessen glatt. Allnüllich trocknet die beschmutzte, nicht selten beim Liegen oder durch Scheuern verletzte Oberfläche ein, erscheint dunkelroth bis schwarz und kann absterben. Schweine fressen die vorgefallenen Theile nicht selten gegenseitig an.
Ein tödtlicher Ausgang tritt in der Regel dadurch ein, dass die vollständige Obstipation bei den schon geschwächten Thieren schliess-lich zur Erschöpfung führt. Nur ausnahmsweise hat man Zerreissung des paraproctalen Bindegewebes und Vorfall anderer Darmabschnitte beobachtet. Von dem Mastdarmvorfall unterscheidet sich dieser Zu­stand durch die seröse Bedeckung ihrer Oberfläche.
Es bedarf keiner besonderen Begründung, dass ein Prolapsus ani weniger Gefahren einschliesst als ein Prolapsus recti. namentlich wenn bei letzterem zugleich Invagination besteht. Kommt auch hier zuweilen spontane Heilung durch Abstossung des nekrotisirten Darmabschnittes zu Stande, so bildet dieser Ausgang doch eine Ausnahme. Am leichtesten heilbar sind Aftervorfalle, die erst kurze Zeit bestehen und nicht mit erheblicher Veränderung der vorgefallenen Schleimhaut verbunden sind. 1st der Mastdnrmvorfall mit Invagination compllcirt und bereits mehrere Tage alt, so wird die Reposition überhaupt un­möglich, weil die sich gegenseitig berührenden Peritonealblätter der einzelnen Lagen mit einander verklebt bezw. verwachsen sind.
Pflanzenfresser überstehen das Leiden bei weitem besser als Fleischfresser. Bei Hunden liegt regelinüssig zugleich Invagination
Möller, Siiefielllaquo; Chirurgie l'iir Thierarzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 25
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38(5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Mastdarmes und Afters.
vor; auch pflegt bei diesen (las Leiden vornehmlich scliwilchliche und durch anhaltenden Durchfall (Kunze) geschwächte Thiere zu treffen, welche demselben fast immer erliegen, wie schon Haubner beob­achtete. Leichter ertragen Schweine den Vorfall; noch seltener gehen grössere Thiere an demselben zu Grunde. Bei Pferden und Kindern wird meist vollständige Heilung erzielt. Tetzner sah jedoch ein Pferd mit Mastdarmvorfall unter den Erscheinungen von Kolik zu Grunde gehen; bei der Section fand sich ein Leiomyom als Ursache des Vorfalls.
Behandlung. Beim frisch entstandenen Aftervorfall schiebt man nach Reinigung der etwa verletzten Oberfläche die Schleimhaut durch einen gleichmässigen und langsamen Druck der Hand, bei kleinen Thieren eines Fingers langsam zurück. Unter Umständen muss diese Manipulation wiederholt werden, weshalb mau den Besitzer oder Wärter des Thieres damit vertraut macht; empfindlichen Personen empfehle man, sich dabei eines reinen Tuches zu bedienen. Bei Tenesmus werden Klystiere von schleimigen oder öligen Flüssigkeiten event, unter Zusatz von Opium applicirt. Gegen den etwa bestehenden Durchfall muss mit entsprechender Diät und innerlicher Behandlung vorgegangen werden. Zeigt sich die vorgefallene Schleimhaut angeschwollen, so wende man Skarificationen und Bähungen mit adstringirenden Mitteln (Alaun 2—50('o) an, wodurch die Beposition erleichtert wird. Besteht der Aftervorfall bereits längere Zeit, und ist die Schleimhaut er­heblich verändert, so kann der vorgefallene Theil mit dem Messer oder Schere fortgenommen werden.
Ebenso verfährt man bei einfachem Prolapsus recti. Grössere Schwierigkeiten bietet dagegen der Prolapsus recti mit Invagination. Hier muss sobald als möglich die Reposition bewirkt werden, denn je länger der Vorfall dauert, desto grosser werden die hierbei auf­tretenden Schwierigkeiten und um so geringer die Aussicht auf dauernden Erfolg. Doch gelingt es zuweilen auch hierbei dauernde Heilung herbeizuführen. Larsen (Stockfleth) brachte einen 80 cm langen Vorfall, der während des Kastrirens eines Pferdes entstanden war, sofort zurück, liess durch einen Gehülfen den After zuhalten und vollendete die unterbrochene Operation. Nach dem Aufstehen des Thieres war der Prolapsus verschwunden und trat auch nicht wieder ein. Bei der Reposition ist zu beachten, dass auch die Invagination gelöst wird. Hier genügt daher nicht, den vorgefallenen Darm durch den After zurückzuschieben, sondern das äusserste Ende des-
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Prolapsus ani et recti.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 387
selben muss mindestens in seiner doppelten Länge nach vorn gebracht werden, um eine vollständige Lösung der Invagination zu erzielen. Bei grösseren Thieren gelingt dieses am besten mit dem Arm, bei kleineren Thieren (Hund) empfehle ich zu dem Zwecke ein Talglicht. Stockfleth benutzte einen Stock, dessen Ende mit Werg umwickelt und mit Fett eingerieben war. Man lagere die Thiere während der Reposition mit dem Hintertheil möglichst hoch; kleinere werden an den Hinterbeinen hoch gehalten. Gegen heftiges Drängen bleibt nur die Narkose übrig, zu der ich bei Hunden auch hier Morphium empfehlen kann. In dem heftigen Drängen der Thiere liegt meist die grösste Schwierigkeit. Grössere Thiere lässt man deshalb einige Stunden dauernd bewachen, und einen Druck auf die Lendenpartie derselben ausüben. Milde Klystiere und Kühlen bei entzündlichen Erscheinungen am After und Mastdarm finden zuweilen vortheilhafte Anwendung.
Zum Zwecke der Retention wurde auch empfohlen, den After zu heften; Strebel legt durch die äussere Haut in der Nähe des Sitzbeinhöckers zwei Hefte aus Leder an, welche sich auf dem After kreuzen; durch Unterlagen von Werg oder Schwämmen soll alsdann der Darm zurückgehalten werden; bei Pferden hat man den Schweif mit ein Paar Bändern so nach vorn gebunden, dass er einen Druck auf den After ausübte. Nach meinen Beobachtungen schaden diese Mittel oft mehr als sie nutzen, indem sie das Drängen der Thiere unterhalten. Bei gleichzeitiger Invagination würde ihre Anwendung ganz irrationell sein.
Sobald der Vorfall mit Invagination mehrere Tage bestanden hat, gelingt die Ileposition nicht mehr; ebenso muss dieselbe bei erheblichen Structurveränderungen an dem vorgefallenen Darm als unzulässig be­trachtet werden. In solchen Fällen bleibt nur noch übrig, das vor­gefallene Stück zu entfernen; dazu sind verschiedene Mittel in Vor­schlag gebracht worden, nämlich:
1. DasAetzen. Jessen üiess eine Mischung von Kupfersulfat und Kohlenpulver zu gleichen Theilen täglich 4—5 Mal auf die vor­gefallenen Theile streuen. Hiernach tritt Entzündung und nach einigen Tagen Schorfbildung (Nekrose) ein, worauf der Vorfall in 8 —14 Tagen abfallen soll. Auch in Dänemark hat man bei grossen Thieren und Schweinen von diesem Mittel mit Erfolg Gebrauch gemacht (Stock-fleth); andere wendeten es vergebens an. Weber erzielte mit dem­selben beim Fohlen keinen Erfolg und war schliesslicb zum operativen Vorgehen gezwungen. Bei Schweinen wird spontanes Abfallen des
GH
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388nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Mastdarmes und Afters.
Vorfalles beobachtet (Volk). Abgesehen davon, dass auf diesen Aus­gang nicht ZU rechnen ist, kommt in Betracht, dass hiernach oft erhebliche Verengerungen des Afters und Störungen beim Mistahsat), auftreten; deshalb haben sich die meisten Praktiker in solchen Fällen für die Amputation des Vorfalls entschieden, und zwar ent­weder :
2.nbsp; nbsp;durch Abbinden. Schon Viborg und Stockfleth führten diese Methode bei Schweinen, Hunden und Fohlen aus. Dabei ist zu be­achten, dass der After für den Durchgang des Darminhaltes frei bleiben
muss. Zu dem Zwecke lässt Stockfleth einen Holzring von 2,5—0,0 cm Weite im After einbin­den; um das Abgleiten der Ligatur zu vermeiden, besitzt der Ring an seiner Oberfläche eine seichte Rinne (Fig. 79). Die Application geschieht in fol­gender Weise: Man spaltet den Vorfall bis zum After, schiebt sodann den Ring ein und legt um diesen und den vorgefallenen Darm eine nicht zu dünne Ligatur, welche den Darm langsam durch­schneidet; das über den Ring hinaus reichende Darm­stück wird abgeschnitten. In der nächsten Zeit Hölzerner King zum musa die Defäoation durch Klystiere unterstützt
Abbinden des Mast-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; i •nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;n
darmes bei grösseren werden, und sind voluminöse und schwer verdauliche
Thierenameh stock- Futtei.mittei zu vermeiden. Die Röhre fällt nach tletli).
5—(5 Tagen von selbst ab, womit in der Regel
Heilung erzielt ist. Sörensen (Stockfleth) amputirte auf diese
Weise ein Darmstück beim Pferde, welches 720 Gramm wog. Dass
aber nach der Unterbindung Verengerung und selbst vollständiger
Verschluss des Afters eintreten kann, beweist eine Beobachtung
John es beim Schwein.
3.nbsp; nbsp;Das Abnähen verlangt so lange Ijesondere Vorsicht, als die Darnilagen noch nicht vollständig mit einander verwachsen oder doch fest verklebt sind, weil hierbei die Peritonealhöhle geöffnet wird. Mehr­fach wurde die einfache Schusternaht hierzu empfohlen; dicht hinter dem After macht man einen Querschnitt an der oberen Fläche des her­vorgetretenen Darmes etwa bis zur Mitte desselben und vereinigt die vor dem Schnitte befindlichen Darmlagen durch eng angelegte Liga­turen; dann trennt man weiter mit dem Messer und lässt alsbald die Naht folgen, bis schliesslich das vorgefallene Darmstück ganz durch­trennt und entfernt ist. Dieses gleichzeitige Vorgehen beim Abtrennen und Heften verhindert, class sich die noch nicht fest verbundenen Darm-
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Prolapsus ani et rocti.
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enden loslösen und in die Bauchliöhle znrückschlüpfen, wodurch eine tödtliche Peritonitis herbeigeführt würde.
Ich habe bei Hunden in solchen Fällen mehrfach folgendes Ver­fahren benutzt: Das vorgefallene Darmstück wird dicht hinter dem After kreuzweise mit zwei Nadeln durchstochen, welche mit zwei langen Fäden versehen sind (Fig. 80). Dann schneidet man den Vorfall etwa 1—2 cm hinter den Fäden ab und zieht aus der Darmöffnung die beiden Fäden hervor. Nachdem diese in der Mitte durchschnitten sind, hat man 4 Heftfäden (Fig. 81), die vereint 4 Nähte bilden, welche in der Regel genügen. Sollte sich bei der Durchschneidung zeigen, dass die Verwachsung noch unvollkommen ist, so kann zwischen je
Fig. 80.
Fig. 81.
Ligatur bei Prolajisiis recti.
zwei der vorhandenen Hefte noch eins gelegt werden, so dass 8 Liga­turen entstehen, welche auch bei grösseren Thieren genügen. Selbst­verständlich wird man sowohl bei der Auswahl der Fäden wie auch bei der Operation und ihrer Nachbehandlung soweit möglich antisep­tisch vorgehen.
4. Bei älterem Prolapsus genügt einfaches Abschneiden der vor­gefallenen Theile. Wenn nämlich die Verwachsung zwischen den Lagen des Peiitoneums eine vollständige geworden ist, so wird hierbei die Peritonealsohle nicht geöffnet. Man hat von dem Verfahren bei Schweinen zuweilen Gebrauch gemacht; doch sei man hierbei vorsichtig. Die Unterbindung sowie die Naht verdienen entschieden den Vorzug.
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390nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Mastdarmes und Afters.
lt;raquo;. Erweiterung, Verengeruiig und Lähmung des Mastdarmes
und Afters.
Lit.: Johne, Dresd. Ber. 1877. S. 71. Volk, Gurlt u. Hertwig. 11. S. 329. Johow, Thierärztl. Mitth. 187laquo;. S. 146. Johne, Dred. Ber. 1881. S. 62. Roger son, Gurlt u. Hertwig. 7. S. 492 u. 8. S. 482. Meyer, das. 17. S. 88. Gurlt, das. 17. S. 449. Hengst, Dresd. Ber. 1885. S. 77. Martin, Münoh. Ber. 1884/85. S. 53. Stock fleth, Chirurgie. Friedberg er, Adams Wochenschr. 1889. S. 193. Peters, Gurlt u. Hertwig. 10. S. 70. SchwarKnecker, das. 30. S. 225. Deigendesch, Her. Rep. 43. S. 192. Hönisch, Thierärztl. Mitth. 1858. S. 172. Harms, Han. Ber. 1871. S. 56.
Nach Operation der Atresia ani, nach Amputation des Mastdarm-oder Aftervorfalls scwie nach Verletzungen des Afters kommen zu­weilen narbige Stricturen zu Stande, welche eine erhebliche Verengerung des Afters und dadurch Beschwerden bei der Defäcation zur Folge haben. Unter Umständen entwickelt sich hieraus ein vollständiger Wiederverschluss des Afters, wie Johne bei einem 0 Monate alten Schwein nacli Unterbindung des prolabirten Mastdarmes beobachtete; ähnliches sail Volk beim Schwein nach spontanem Abfall des Mast­darmvorfalls. Bei diesen Thieren sowie bei Hunden kommen auch Verwachsungen des Mastdarmes nach andauernden Durchfällen nament­lich im jugendlichen Alter vor; das Epithel wird abgestossen, worauf die Schleimhautflächen mit einander verkleben und verwachsen.
Verengerungen des Mastdarmes können ebenso durch narbige Schrumpfungen nach Verletzungen oder ulceröse Processe an seiner Schleimhaut entstehen. Neubildungen in und ausserhalb der Darm-wsind verkleinern durch Compression das Lumen des Darmes.
Johow fand bei einer Kuh, die andauernd mit gekrümmtem Rücken stand und ohne Erfolg auf Mistabsatz drängte, eine ringförmige Verenge­rung des Mastdarmes' am Beckeneingange, so dass man die Stelle nur mit drei Fingern passiren konnte. Vor der 1 cm breiten Stelle war der Mast­darm stark ausgedehnt. Nach Durchschneidung der Verengerung und An­wendung von Klystieren wurde Heilung erzielt. Es ist nicht genau zu entscheiden, was Johow in dem Falle vor sich gehabt hat.
Rogerson constatirte bei einer Stute und einem Füllen, die an Ver­stopfung litten, etwa 20 Zoll vom After entfernt eine starke Verengerung des Mastdarmes. Bei der Section zeigte sich der Mastdarm in grosser Ausdehnung verdickt, knorpelhart und zum Theil verknöchert.
Aehnliche Beobachtungen machten Johne bei der Kuh, Meyer beim Pferd. Gurlt fand den Mastdarm eines Fohlens so eng, dass nur eine starker Gänsekiel durchgeführt werden konnte.
Krankhafte Erweiterung des Beckenstückes des Mastdarmes
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Erweiterung, Verengerung und Lähmung des Mastdarmes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;391
werden nicht selten bei Pferden angetroffen. In der Regel handelt es sich nicht um partielle Ausdehnungen, um sog. Divertikel, doch wurden auch solche beobachtet; häufiger kommen Erweiterungen des ganzen Beckenstückes des Mastdarmes vor und zwar vornehmlich bei älteren Pferden, welche andauernd voluminöse Nahrung erhielten so­wie bei Hunden, die an habitueller Obstipation leiden, oder bei Ver-grüsserung der Prostata, wodurch ebenfalls die Defäcation gestört wird. Hunde zeigen diese Erweiterung auch bei der Hernia perinealis. Aeltere Pferde leiden häufig an Erweiterung des Beckenstückes, zuweilen in sehr bedeutendem Umfange, ohne dass damit Störungen verbunden sind; doch kommen auch bei ihnen durch abnorme Erweiterungen Beschwerdon beim Kothabsatz vor.
Hengst berichtet über ein altes Pferd, das an Kolik litt und 30 cm vor dem After eine Aussackung des Mastdarmes zeigte, welche mit Excrementen gefüllt einen Urnfang von zwei Fäusten hatte. Nach Ent­leerung und Ausspülen derselben trat Heilung der Kolik ein. Martin beobachtete Divertikelbildung beim Pferde nach Mustdarmverletzung; circa 40 cm vom After entfernt bestand eine 15 cm lange und 5 cm breite Wunde, die mit schweren fieberhaften Erscheinungen und Kolik verbunden war. Nach Infusion von Borsäure- und Kaliumpermanganatlösung, später von Carbolwasser trat Vernarbung ein; doch bildete sich ein faustgrosser Divertikel, aus dem der Kotb täglich entleert werden mnsste. Stockfleth beschreibt einen Divertikel beim Pferde, welcher 14 cm vom After ent­fernt an der oberen Mastdarmwand lag und mit einer engen Oeffnung in das Darmlumen mündete. Ich selbst fand bei einem Dalmatiner Hunde an der linken Mastdarmwand, dicht vor dem After einen reichlich hühnerei-grossen Divertikel, der sich bei der Defäcation vorstülpte und mit weichen Fäces angefüllt war; möglicherweise handelte es sich hier um die Ver-grösserung eines Aftersackes. Da der Hund nur bei Lebzeiten beobachtet wurde, Hess sich diese Frage nicht entscheiden.
Lähmungen des Mastdarmes, meist in Verbindung mit Läh­mung des Schweifes zuweilen auch der Blase und der Hinterhand werden, abgesehen von den in Begleitung acuter Kreuzlähmung in Folge von Wirbelbrüchen u. s. w, auftretenden, am häufigsten bei Pferden und meist bei Stuten beobachtet. Harms stellt bei einer Kuh als Ursache einen Bruch zwischen Kreuzbein und dem ersten Schwanzwirbel fest. Oft können die ursächlichen Momente genauer ermittelt werden, z. B. heftige Quetschung oder Verletzung der Kruppe; meist aber entwickelte sich der Zustand spontan. In den Berichten der Armee wird folgender Fall mitgetbeilt: Es bestand Lähmung des Mastdarmes und der Blase bei einer 17jährigen Stute mit Schwund der Kruppen- und Schenkelmuskeln. Die Section ergab Verdickung der Dura mater splnalis vom dritten Kreuz­wirbel ab nach rückwärts; die graue Substanz des Rückenmarkes er-
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392nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Mastdarmes und Afters.
schien verfärbt und weicher als normal. Zwischen den Kiickeninarks-häuten fand sich eine beträchtliche Menge einer röthlichen Flüssigkeit. Friedberger sah den Zustand im Verlaufe der Brustseuche ent­stehen. Mir sind wiederholt Fälle spontaner und ganz allmälich sich entwickelnder Paralysen des Mastdarmes, Schweifes und der Blase, später auch der Hinterhand vorgekommen, und zwar nur bei Stuten, die nicht trächtig waren; meist waren es gut gezogene, edle Pferde. Meines Erachtens handelt es sich hier zunächst um Lähmung der Kreuznerven, in Folge deren die Kothanhäufung im Mastdärme all­mälich zur abnormen Erweiterung desselben führt.
Der Mastdarm empfängt seine Nerven von verschiedenen Seiten. Der N. haemorrhoidalis medius, ein Ast der Schamnerven, gieht zu­gleich Zweige an dem Seitwiirtszieher des Schweifes und den Heber des Afters. Der N. haeinorrhoidalis posterior entspringt aus den 4. und 5, Krenz-nerven und geht in das Endstück des Mastdarmes, zugleich in den After­ruthenmuskel. Aus dem 5. Kreu/.nerven beziehen die Niederzieher des Schweifes ihre motorischen Fasern, und aus den letzten Zweigen der Rücken­marksnerven , dem sog. Pferdeschweif, werden endlich die Heber des Schweifes versorgt. In den von mir beobachteten Fällen begann das Leiden mit Lähmung der Heber des Schweifes; erst nach mehreren Monaten zeigte su-h eine Beschränkung in den Punktionen des Mastdarmes und der Harn­blase, bis schliesslich die allmälich entwickelte Paraplegia zur Tödtung der Thieve oder zur Veräusserung derselben Anlass gab. Sectionen habe ich leider nicht ausführen können, doch lässt sich der Entwickelung des Leidens schon entnehmen, dass es sich um eine progressive Degeneration der hinteren Zweige des Rückenmarkes handelt. Auch die von anderer Seite ge­machten Beobachtungen, sowie der oben erwähnte Sectionsbefund stimmen damit überein. Peters sah das Leiden mit Blasenlähmung verbunden bei einer Stute; ebenso Schwarznecker bei einer tragenden Stute, welche später an Paraplegic zu Grunde ging; die Section ergab ein negatives Resultat. Dei gen de seh berichtet über einen ähnlichen Fall bei einer Stute, welche an den Folgen einer Blasenruptur einging.
Erscheinungen. Abnorme Erweiterung des Mastdarmes macht sich zunächst durch die grossen Mengen Koth bemerkbar, welche in grösseren Zwischenräumen abgesetzt werden; erst wenn Lähmung ein­tritt, stellen sich Beschwerden bei der Defäcation ein. Der Mastdarm zeigt sich mit Mist angefüllt und kann nur durch Beihülfe von aussei! entleert werden; ich kannte Pferde, die täglich auf diese Weise unter­stützt werden mussten. Zuweilen besteht in dieser Zeit schon Läh­mung der Heber des Schweifes, in Folge dessen das Schweifhaar von Urin und Koth verunreinigt wird und beim Gehen des Thieres hin und her baumelt. Nach einiger Zeit pflegt sich auch Incontinentia urinae einzustellen; die Blase ist gefüllt und lässt unausgesetzt Harn abfliessen. Hierzu gesellen sich später Symptome der Kreuzlähmung
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Erweiterung, Verengerung und Lähmung des Mastdarmes.
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mit Schwiuul der Kruppenmuskeln (vergl, Kreuzlilhraung). Zuweilen wurde Hautjucken am Hintertheil beobachtet.
Das Leiden setzt ineist chronisch ein; auch der weitere Ver­lauf zeigt sich chronisch, ohne dass die Behandlung einen nachweis­lichen Einfluss darauf auszuüben vermag. Wenngleich oft erst über Jahr und Tag, so werden die Thiere docli regelmilssig durch das Leiden unbrauchbar und gehen wohl daran ein.
Erweiterungen des Afters begegnet man am häufigsten bei Thieren, die längere Zeit au heftigem Durchfall gelitten haben oder in Folge innerlicher Ivrankheiten im liehen Grade geschwächt sind. Ebenso bleibt nach längerem Verweilen des Annes im Mastdarm für die Zwecke der Untersuchung und Behandlung der Sphinkter ani zuweilen mehrere Tage hindurch gelähmt; der After steht offen, und die beim Atlnnen ein- und ausströmende Luft veranlasst ein lautes Geräusch.
Verengerungen des Afters sowie des Mastdarmes bedingen bald Störungen beim Kothabsatz und werden daran erkannt. Die Localuutersucliuiig muss über Sitz, Grad und Ausdehnung des Zu-standes nähere Auskunft geben. Höllisch beobachtete ein Pferd, welches bereits seit längerer Zeit Beschwerden beim Mistabsatze ge­zeigt hatte; es stellte dabei die Hinterfüsse möglichst nach vorn und entleerte stets nur einzelne, kleine, harte Kothbälle. Die Section ergab narbige Stricturen mit Verdickuug des Mastdarmes, welche vom After etwa 12 cm weit nach vorn reichte. Man sollte glauben, dass chronisch-entzündliche Processe im paraproctalen Bindegewebe zu solchen Zu­ständen führen können; über die Beschaffenheit desselben haben die Obducenten nicht belichtet.
Die Beurtheihmg dieser Zustände ergiebt sich aus dem Gesagten von selbst; im allgemeinen muss die Prognose als ungünstig bezeichnet werden, doch billigt es von dem Grundleiden und der Verwendung des Thieres ab, ob sich aus dem Leiden erhebliche Störungen ergeben. Auf eine vollkommene und dauernde Heilung darf man in der Regel nicht rechnen, Die von Harms nach einem Wirbelbruch beobachtete Mastdarmlähmung ging jedoch in Heilung über.
Behandlung. Narbige Stricturen am After und in den hinteren Abschnitten des Mastdarmes können zwar durch forcirte Dehnungen vorübergehend gehoben werden; beim Menschen benützt man dazu Bougis, deren Anwendung bei Thieren aber auf Schwierigkeiten stossen
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Krankheiten des Mastdarmes und Afters.
dürfte. Wenn es sich z, B. um einen Lieblingshund handelt, auf dessen Erhaltung alles verwendet werden soll, so können diese versucht wer­den. Es sind cylindrische, hohle oder solide Stäbe aus Hartgumnii oder ähnlichem Material, aus welchem die Harnröhrenkatheter her­gestellt werden. Natürlich muss die Application öfter wiederholt werden. Auch lassen sich Verengerungen mit Hülfe einer Zange zuweilen dehnen. Johow will die im Mastdärme eines Pferdes festgestellte, ringförmige Strictur mit dem Messer durchschnitten haben, worauf die Erweiterung mit der Hand gelang. Bei einem Schwein, dessen After nach einem Mastdarmvorfall verwachsen war, erzielte Volk durch einen Kreuz­schnitt über den After und Lösung der verwachsenen Stelle Heilung. Durch zweckmässige Diät und Anwendung von Abführmitteln bezw. Klystieren muss der Obstipation entgegengetreten werden. Das gleiche Verfahren würde auch bei krankhaften Erweiterungen Anwen­dung finden, sobald sich Neigung zur Verstopfung einstellt; mittelst reichlicher Infusionen von lauwarmem Wasser lassen sich die Inhalts­massen für die Entleerung vorbereiten. Später bleibt oft nichts übrig, als den Mastdarm täglich 1—2 Mal ausräumen zu lassen. Gegen die oben beschriebene Lähmung des Mastdarmes wurden von mir die ver­schiedensten Mittel, auch der Inductionsstrom, aber ohne jeden Erfolg angewendet. Ebenso versuchte Deigendesch Strychnin, ohne Nutzen damit zu erzielen.
7. Afterftstel lind Afterscheidenflstel.
Lit.! Sohrader, Gurlt u. Hertwig. 3. S. 361. Meer, das. 5. S. 395. Muukel, das. 10. S. 64. Roupp, Re. de med. vet. 1824. S. 261.
Alle Fisteln in der Nähe des Afters werden als Afterfisteln bezeichnet. Liegt eine Oeffnung derselben in der äusseren Haut, die zweite im Mastdarm, so nennt man die Fistel „vollständigquot;. En­digt das eine Ende derselben aber blind, so wird die Fistel als „un­vollständig1' bezeichnet. Befindet sich das eine Ende im Mastdarm, das andere in der Scheide, so besteht eine Fistula rectovaginalis. Die letztere ist zuweilen angeboren, kann aber auch durch Verletzungen, namentlich beim Gebären entstehen.
Sohrader beobachtete eine Afterscheidenfistel bei einem 6 Jahre alten Pferde, circa 10 cm vor dem After mit einem Durchmesser von etwa 3 cm; Meer fand solche ebenfalls bei der Stute 6 bis 10 cm vor dem After; sie war nacli dem Gebären aufgetreten. Eine vollkommene After­fistel, welche l.rgt; cm vor dem After in den Mastdarm, mit ihrem anderen Ende an der unteren Schwanzfläche mündete, sah Munkel beim Ochsen.
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After- und Afterscheidenfistel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;305
Unvollkomiuene Afterfisteln stellt Hertwig bei Pferden fest, die eine an 30, die andere an 40 cm lang; beide waren durch Abscedirungen entstanden.
Zur Feststellung des Leidens dient die Sonde, event, unter gleichzeitiger Verwendung des Fingers, um die Oeffmmg der Fistel im Mastdarme zu ermitteln.
Verletzungen und phlegmonose Entzündungen des parsiproctalen Bindegewebes geben in der Kegel die Ursache zur Entstehung der Al'terfisteln ah. Heilung gelingt nur auf operativem Wege und stösst namentlich bei den Rectovaginalfisteln häufig auf Schwierigkeiten.
Behandlung. Wichtig ist zunächst die sachgemässe Behandlung von Wunden und Verletzungen zur Verhütung von Af'terfistein; auch Verletzungen der Scheidenwand beim Gebären kommen hierbei in Betracht.
Nur selten gelingt es, die Fistel durch Einspritzungen von ätzenden oder desinficirenden Flüssigkeiten, wie Liquor Villati zur Hei­lung zu bringen. Reicht sie bis in den Mastdarm hinein oder weit in das paraproctale Bindegewebe nach vorn, SO ist die Anwendung scharfer Aetzmittel nicht einmal ungefährlich, indem sie eine Perfo­ration in die Peritonealhöhle und damit einen tödtlicben Ausgang herbeiführen kann. Man muss daher auch bei Thieren so weit möglich das operative Eingreifen, namentlich die vollständige Spal­tung der Fistel vorziehen. Kann dieses ohne Durchsclmoidung des Sphinkter ani erfolgen, so schone man denselben. Aber auch die Durch­schneidung des Muskels bleibt oft ohne dauernden Nachtheil, indem mit der Verwachsung ein regelmässiger Afterschluss wieder eintritt. M u n-kel durchschnitt den Schliessmuskel ohne nachtheilige Folgen; Hert-wig schonte denselben. Soll eine vollständige Afterfistel gespalten werden, so führe man eine Hohlsonde in dieselbe ein, suche mit dem Zeigefinger der linken Hand das Ende der Fistel im Mastdarme auf und spalte nun auf den Finger los, wobei die Weichtheile möglichst geschont, und ein leichter Abfluss für das Wundsecret erzielt werden muss. Roupp zog durch die vollständige Mustdarmfistel einen Blei­draht, führte das eine Ende durch den After zurück und spaltete die Fistel dadurch, dass er die Enden des Drahtes täglich etwa um einen Zoll anzog.
Sofern Recto-vaginalfisteln nur kurz sind, könnte versucht wer­den, mit Hülfe eines Haarseils Heilung zu erzielen: grössere, in der Nähe des Scheidenausganges liegende lassen sich heften. Wo dies nicht gelingt, sind sie regelmässig unheilbar.
i
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39laquo;
Krankheiton des Mastdarmes und Afters.
8. Tumoren am Mastdarm uml After.
Lit.: Frey, Gurlt U. Hertwig. 15. S. 320. Kühne, das. 32. 8. 00 u. 29. S. 372. Siedamgrotzky, Dresd. Ber. 1879. S. 80.
Bei Hunden werden nicht selten im paraproctalen Bindegewebe Warzen, Sarkome, Carcinome und Adenoma beobachtet; bei Pferden, namentlich Schimmeln bildet dieses häufig den Sitz von Melanosar-komen oder Melanocarcinomen.
Im Mastdarme fand man ebenfalls wiederholt Tumoren.
F r e y will beim Pferde dicht vor dem After zwei hühuereigrosse Sarkome (?) beobachtet haben, welche Prolapsus aui erzeugten. Köhne entfernte mittelst der Ligatur 10 bis 12 cm vor dem After einen 7 cm starken Polypen aus dem Mastdarme des Pferdes; beim Mistabsatz trat das Gebilde aus dem After hervor. Bei einem zweiten Pferde wurde von K ü h n e ein doppelfanstgrosser Polyp, etwa 40 cm vor dem After aus dem Mastdarm mit dem Eorasenr beseitigt. Stookfleth will bei alten Rindern Krebs des Mastdarmes beobachtet haben; Siedamgrotzky stellte bei einem Wallach Iß cm vor dem After an der unteren Mastdarmwand eine faust-grosse Cyste fest, die auf Anstich mit dem Trokart eine klare Flüssigkeit entleerte. Nach Injection von Tinctnra jod. trat Heilung ein. Einen ilhn-lic-hen Fall beschrieb Hi erholzer.
Erscheinungen und Verlauf. Die in der Nähe des Afters, dicht unter der äu.sseren Haut sitzenden Geschwülste erkennt man direct, doch wird die .suchverständige Hülfe in der Kegel erst in Anspruch genommen, wenn die Defäcation durch Verengerung bezw. Verlegung des Mastdarmes oder Afters gestört ist. Die in den hinteren Abschnitten des Mastdarmes gebildeten Tumoren treten zuweilen beim Kothabsatz nach aussen und werden so sichtbar; nicht selten veranlassen sie Pro­lapsus ani. Sitzen die Geschwülste weiter nach vorn, so erfährt man von ihrer Anwesenheit entweder zufällig bei einer Untersuchung des Mastdarmes, oder sie geben sich durch andauernde und allmälich zu­nehmende Störungen beim Kothabsatze zu erkennen.
Die manuelle Untersuchung des Mastdarmes muss über Grosse, Form und Sitz derselben nähere Auskunft geben. Vielleicht lässt sich unter solchen Umständen auch von einem Mastdarm- oder Scheiden-spiegel Gebrauch machen.
Verwechselungen können mit entzündlichen Schwellungen der Analdrüsen, wie sie namentlich bei Hunden vorkommen, entstehen; die Schrnerzhaftigkeit unterscheidet diese jedoch von den Tumoren. Bei
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Tumoren am Mastdärme und After.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;397
den letzteren lassen sich nicht selten Seeimdärknoten sowie Anschwel­lungen der Lymphdrüsen in der Beckenhöhle nachweisen.
Die Beurtheilung hängt vornehmlich davon ab, oh die Ge­schwulst leichter oder schwerer zu entfernen ist. Darüber entscheidet nicht allein die Natur der Neubildung und die Frage, ob bereits Seeimdärknoten oder Infection der Lymphdrüsen vorliegen, sondern auch Sitz und Grosse des Tumors. In der Umgebung des Afters lassen sie sich so lange leicht entfernen, als sie nicht mit der Schleim­haut des Mastdarmes verwachsen sind. Man versäume daher nie, durch Einführung des Fingers bezw. der Hand sich hiervon zu Überzeugen. Die im Mastdarm befindlichen Tumoren können leicht entfernt werden, sofern sie eine gestielte Beschaffenheit haben; bei breiter Basis fällt dieses schwer oder wird ganz unmöglich.
Behandlung. Warzen und andere gutartige Neubildungen, die
von der äusseren Haut ausgehen, werden in einfacher Weise mit Messer oder Schere beseitigt; die aus der Unterhaut und dem paraproctalen Bindegewebe stammenden ebenfalls, sofern sie nicht zu gross und mit der Schleimhaut des Mastdarmes nicht verwachsen sind. Nachdem der Hautschnitt nach den allgemeinen Grundregeln angelegt ist, suche man mit Hülfe einer Schieberpincette oder eines durch die Geschwulst gezogenen Bandes diese so weit möglich hervorzuziehen und ohne Verletzung der Mastdarmschleimhaut auszuschälen. Im Mastdarm seihst kann je nach der Gestalt und dem Sitze des Tumors entweder durch Unterbindung oder mit dem Ecraseur die Trennung bewirkt werden. Eine erhebliche Blutung steht nicht in Aussicht und lässt sich even­tuell durch kalte Klystiere oder Tamponade stillen.
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Die Krankheiten der Harnorgane.
1. Angeborene Formfehler.
Lit.; Frick, Berlin. Areh. 1885. S. 466. Burmeister, Gurlt u. Hertwig. 21. S, 248. Lancelot u. (ireve, Gurlt prakt. Anat. S. 213.
a) Spaltungen der männlichen Harnröhre. Hypospadie und
Epispadie.
In Folge fötaler Hemmungsbildung bleibt die Harnröhre männlicher Thiere in ihrem Verlauf von der Blase zur Eichel an der einen oder anderen Stelle zuweilen often und erscheint gleichsam gespalten. An der hin­teren, unteren Wand derselben nennt man den Zustand Hypospadie, an der oberen, vorderen Wand Epispadie. Beide haben bei Thieren aus nahe­liegenden Gründen nicht die Bedeutung wie beim Menschen. Meist werden die mit solchen behafteten Thiere bald vernichtet, oder sie bleiben ohne Behandlung, zumal diese Missbildungen am häufigsten beim Schafe und Hunde, seltener beim Pferde vorkommen. Die abnorme Oefftmng liegt bald dicht hinter der Eichel, bald im Verlaufe der Harnröhre zur Blase. Bei der dicht unter dem After liegenden Hypospadie werden die Thiere wohl für Zwitter gehalten. Nicht selten ist die Hypospadie mit Cloakenbildung verbunden, die auch von mir bei einem Hunde beobachtet wurde, der sich dauernd geschlechtlich erregt zeigte (Frick).
Eine Behandlung wird in der Regel erst verlangt, wenn der Zu­stand mit Harnbeschwerden verbunden ist. Nicht selten zeigt sich nämlich die natürliche Harnröhrenmündung hierbei geschlossen, und wenn die abnorme Spalte für den Abfluss des Harnes nicht genügt, kann eine Erweiterung der Spaltöffnung indicirt erscheinen. Um das Wiederverwachsen zu verhindern, spalte man die Harnröhre von unten nach oben in Gestalt eines Y und hefte den Hautlappen nach oben an.
b) Das Offenbleiben des Urachus.
Bis zur Geburt wird der Harn durch den Urachus entleert, der nun obturirt, während der Harnabfluss durch die Harnröhre erfolgt. In seltenen Fällen hat man bei Thieren den Urachus offen gefunden, so dass auch nach der Geburt durch ihn Harn abfloss. Burmeister stellte den Zustand
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Harnsteine.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;399
bei einem drei Wochen alten Fohlen fest; beim Uriniren floss stets etwas Harn aus dem Nabel ab. Lancelot beobachtete bei Kälbern und Ziegen eine Anschwellung des Nabels, die den Eindruck eines Nabelbruches machte. Mehrere Thiere starben, weil der Harn durch die Harnröhre keinen Abfluss fand; da der Urachus sich ebenfalls geschlossen hatte, so sammelte sich der Harn in dem erweiterten Ende desselben und unter der Haut am Nabel an. Auch Greve fand bei einem Füllen den Urachus offen.
Die nächste Veranlassung zu dem Leiden liegt in Behinderung des Harnabflusses durch die Urethra; man würde also bei der Behandlung auf diese zunächst seine Aufmerksamkeit richten und das Hinderniss zu be­seitigen suchen. Lilsst sich ein solches nicht nachweisen, so gentigt die Application einer scharfen Einreibung in der Umgebung des Nabels, um den Verschluss des Urachus zu erzielen; auch Burmeister hatte damit Erfolg. Sollte dagegen die Harnröhre nicht frei zu legen sein, so würde man bei Thieren, die bald zur Mast gestellt werden können, den Ausfluss durch den Urachus mittelst Spaltung desselben zu erreichen suchen.
3. Harnsteine.
Nur soweit Harnsteine in der Harnröhre oder Harnblase vor­kommen, haben sie ein chirurgisches Interesse. Sie entstehen durch Niederschläge aus dem Harn, die sich mit Vorliebe an feste Gegen­stände, zufällig in die Harnwege gelangte Fremdkörper, Blutgerinnsel, Schleimpfröpfe u. s. w. absetzen; Katarrhe oder Entzündungen der Harn­wege geben daher oft den Anstoss zur Bildung derselben. Auch ist ein abnorm hoher Salzgehalt des Urins, veranlasst durch kalkreiche Nah­rung und Wasser, zuweilen auch eine specifische Neigung zu Nieder­schlägen und Steinbildung (Lithiasis) als Ursache angeklagt. Von grösserer Bedeutung ist die Thatsache, dass Anstauungen und Um­setzungen des Harns in den Harnwegen, besonders in der Blase leicht zu alkalischen Gährungen und Steinbildung Veranlassung geben. Solche Störungen sind daher zu verhüten oder baldigst zu beseitigen, und bei Einführung von Instrumenten (Katheter u. s. w.) in die Harnwege ist Sorge ZU tragen, dass diese soweit möglich desinficirt sind, damit nicht durch sie Keime zu alkalischen Gährungen und Zer­setzungen in die Harnblase übertragen werden. Zuweilen entwickeln sich im Nierenhecken Niederschläge, die später in die Blase gelangen, um sich hier zu vergrüssern, oder mit dem Harn entleert, in der Harnröhre stecken zu bleiben. Daher erklärt sich, dass die Störungen durch Harn­röhrensteine meist plötzlich hervortreten, sich wiederholen, und dass die Steine an den engsten Stellen der Harnröhre vorgefunden werden. Selten treten Harnsteine vereinzelt auf, meist in grösserer Zahl, zu­weilen als sogenannter Harngries.
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400nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten dei' Hamorgane.
Bei Pflanzenlressern bestehen die Harnsteine vornehmlich aus Tripel-phosphat und Calciumcarbonat; bei Schafen werden auch solche aus Kieselsäure mit Calcium- und Magnesiumphosphat angetroffen. Nicht selten erscheinen die Harnsteine der Pflanzenfresser von Eisensalzen röthlich gefärbt; ihre Oberfläche ist meist glatt, zuweilen aber durch Auf­lagerung von kleesaurem Kalk rauh und uneben. Hei den Fleischfressern untorschoidet man:
a)nbsp; U rätst eine, welche vorzugsweise aus Calciumphosphat und Car-bonat sowie aus harnsaurem Ammoniak bestehen, oft eine erheb­liehe Grosse erreichen und an ihrer Oberflilche glatt und weiss erscheinen;
b)nbsp; Oxalatsteine, solche aus oxalsaurem und kleesaurem Ammoniak sind meist gelb gefärbt, ihre Oberfläche rauh, maulbeerförmig;
c)nbsp; Cystinsteine, welche grösstentheils aus Cystin zusammengesetzt, gelblich, weich, getrocknet brüchig sind und sich fettig anfühlen.
Da Harnsteine bei den einzelnen Thierarten eine verschiedene Be­deutung erlangen und für die chirurgischen Eingriffe besondere Rücksichten verlangen, so mögen diese hier gesondert betrachtet werden.
A) Harnsteine beim Pferde.
Lit.: Landvatter, Her. Rep. 39. S. 285. Reicherter, das. 35. S. 30. Peuch u. Toussaint, Chirurgie., II. Aufl. Schmitz, Zeitschr. f. Vet. 1890. S. 432.
In der Harnröhre wie auch Blase des Pferdes finden sich nur selten Harnsteine; noch weniger in der Harnröhre, weil diese verhältniss-mässig weit ist. Nach Bang beträgt das Lumen derselben beim männ­lichen Pferde im Beckenstück 2,5—3,5 cm, in der Bauchportion 6 bis 10 mm, hinter der Mündung 12 mm. Bei Stuten bleiben in der weiten Harnröhre Steine wohl niemals stecken, daher kommen bei ihnen nur die Blasensteine in Betracht.
Harnröhrensteine geben sich beim Hengst und Wallach zu­nächst durch Harnbeschwerden zu erkennen. Die Thiere stellen sich zum üriniren und entleeren den Harn nur tropfenweise oder in dün­nem Strahl. Zuweilen macht sich eine abnorme Anfüllung der oberen Abschnitte der Urethra bemerkbar, oder der Stein ist in der Hai-n-röhre selbst zu fühlen; der eingeführte Katheter stösst auf einen harten Gegenstand. Bei der Untersuchung per anum zeigt sich die Harn­blase stark angefüllt, doch entleert sich auf Druck entweder kein Harn oder nur wenig.
Harnblasensteine rufen ebenfalls, aber erst später Harnbe­schwerden hervor; auch hier beobachtet man häufige Entleerung des Harnes, der nicht selten blutig ist. Diese Erscheinung tritt namentlich nach der Bewegung der Thiere, besonders in schnellen Gängen hervor.
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Harnsteine beim Pferde.
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wobei Verletzungen der Blasenschleimhaut durch den Stein begünstigt werden. Nach der Arbeit wird daher der Urin oft blutig ange­troffen, welcher später ganz normal erscheint. Die Exploration per vaginam lässt den Stein in der Regel als harten, festen Gegenstand nachweisen, bei Stuten fühlt man denselben durch die Harnröhre mit dem Finger direct.
Alle in der Absicht den Stein aufzulösen in Anwendung gebrach­ten innerlichen Mittel blieben erfolglos; nur operative Eingriffe können hier Nutzen bringen. Aus der Harnröhre einen Stein zu entfernen bietet allerdings nicht die Schwierigkeit wie die Beseitigung eines solchen aus der Blase; immerhin gehören diese Operationen weder in ihrer Aus­führung noch auch in ihren Folgen zu den leichten und unbedenklichen.
Der Blasensteinsohnitt wurde zuerst beim Menschen ausgeführt; in der Thierheilkunde soll derselbe von Lafosso und zwar versuchsweise beim Pferde gemacht worden sein. Ercolani behauptete allerdings, dass schon im 14, Jahrhundert derartige Versuche angestellt worden seien. Wahr­scheinlich hat l$ouley die Operation beim Pferde ZU therapeutischen Zwecken zum ersten Male und mit Erfolg ausgeführt.
Die ehemals angewendeten Methoden sind zum Theil veraltet; dahin gehört namentlich die Cystotomia rectalis, wobei durch die untere Wand des Mastdarmes ein Einschnitt in die Harnblase gemacht, der Stein also durch den Mastdarm und After entfernt wurde. Hierauf folgen oft schwere entzündliche Processe der Blase, weshalb die Methode beim Menschen wie bei Thioren aufgegeben worden ist.
Ein zweiter Zugang zur Blase lilsst sich durch die unteren Abschnitte der Bauohdecke, dicht vor dein Schambein, erreichen, eine Methode, die beim Menschen als Cystotomia suprapubica oder Soctio alta be­zeichnet wird und auch heute noch Anwendung findet. Bei den Thieren ist diese ebenfalls nicht brauchbar und zwar einmal, weil die Peritoneal-höhle hierbei geöifnet werden muss, wodurch die Gefahr der Peritonitis grosser wird, dann aber auch, weil bei der horizontalen Lage und der Un­möglichkeit, die Thiere dauernd auf den Blicken liegen zu lassen, leicht Darmvorfall eintritt. Wir sind daher auf den dritten Weg, nämlich durch das Mittolfleisch angewiesen, auf die Cystotomia perinealis. Der Harn-rührenschnitt (ürethrotomio) kann dagegen an verschiedenen Stellen im Verlaufe der Harnröhre vorgenonunen werden.
Nur ausnahmsweise Hndeu sich beim Pferde Harnröhrensteine dicht hinter der Eichel (Eichelsteine), und bietet ihre Entfernung keine grösseren Schwierigkeiten; sie gelingt zuweilen sogar auf un­blutigem Wege, indem man, an der rechten Seite des Thieres stehend, den Penis des Pferdes hervorzieht, mit Hülfe eines Tuches festhält oder durch einen üehülfen halten lässt. Mit einer nicht zu starken Kornzange oder Pincette kann man oft den Stein fassen und ent­fernen; unter Umständen genügt dazu ein kräftiger Druck mit der ibind auf den Penis. Im Nothfalle spalte man die llarnröhren-Uöller, Speolelle Ohlrnrgle für Thioiürztcnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 26
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4(j2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Haraorgane.
inüiulung und suche alsdann die Entfernung des Steines zu bewirken. Niich Beseitigung des Hindernisses fliesst der Harn in grösserer Menge und dickem Strahle alj; erfolgt dies nicht, so wird der Katheter ap-plicirt, um festzustellen, ob sieb noch mehr Steine in der Harnröhre vorfinden.
Landvatter entfernte beim Wallach mittelst Pincette einen 3,8 cm langen und 2 cm dicken Stein aus dem Endstück der Harnrühre und zwei Jahre später bei demselben Tbiere einen noch grösseren, welcher 10 cm vom After entfernt in der Harnröhre sass. Eeichorter fasste einen Stein, der sieh -t cm vor der Harnröhrenmündung befand, mit der Kornzange und zerkleinerte denselben, worauf die Stücke mit dem Harn entleert wurden.
In der Hegel liegt der Stein beim Pferde in der Höhe des Sitzbeinausschnittes, da wo sich die Harnröhre nach vorn und unten krünunt. Da das Niederlegen bei der stark gefüllten Blase bedenklich erscheint, so operirt man am stehenden, aber gut gebremsten Thiere, dessen Hinterfüsse gespannt werden. Auch empfiehlt es sich Vorkeh­rungen zu treffen, dass sich das Tbier während der Operation nicht hinlegen kann (Hängegurt, Zwangsfall). Bei sehr unruhigen Pferden muss das Werfen eventuell möglichst vorsichtig, auf einem recht dicken Strohlager (Düngerhaufen) erfolgen. Am liegenden Thiere operirt man am besten in der linken Seiten- oder in der Rückenlage; ich ziehe die letztere vor.
Nachdem der Schweif des Tbicres eingeflocliten und die äussere Haut gereinigt ist, wird ein Katheter applicirt und auf dem Sitzbein­ausschnitt oder da, wo man den Stein fühlt, also am Ende des Katheters ein Hautscbnltt von 5—10 cm Länge unmittelbar auf der Harnröhre, bezw. in der Mittellinie des Körpers gemacht und auch die Unterhaut bis auf den Afterruthenmuskel getrennt. Nahezu in gleicher Ausdeh­nung durchschneidet man sodann den Afterruthenmuskel, ferner den Harnröhrenmuskel, den cavernösen Körper der Harnröhre und schliess-lich die Harnröhre selbst. Man lasse den Schnitt in der Tiefe all-niälicb kleiner werden, um dem Wundsecret und eventuell auch dem Urin möglichst freien Abfluss zu verschalten. Der Schnitt der Harn-röbrenwand darf nicht grosser ausfallen, als zur Entfernung des Steines erforderlich ist. Zuweilen liisst sich der Stein durch einfachen Pinger-druck entfernen, wenn nicht, so hilft man mit einer Pincette, Sonde oder dem Ende einer stumpfen Schere nach. Sobald die Urethra frei geworden ist, muss sich Harn in grösserer Menge entleeren; ge­schieht das nicht, so suche man mittelst der Sonde festzustellen, ob nicht etwa ein zweiter Stein oberhalb der Operationsteile liegt.
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Harnsteine beim Pferde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 403
Wo passendes Material (Catgut, Seide) zur Hand ist, kann die Harnrölirenwunde alsbald geheftet werden; dies ist jedoch nicht noting, denn die Heilung kommt erfahrungsgeuiäss auch so zu Stande.
Die Nachbehandlung gestaltet sich sehr einfach. Entweder ilber-lässt man die Wunde sich ganz und gar selbst, bestreut dieselbe viel­leicht mit etwas Jodoform, oder man lässt sie täglich ein- bis zweimal reinigen. Die Heilung erfolgt nach der Heftung etwas schneller, aber auch ohne diese in etwa 14 Tagen bis 3 Wochen.
Nachtheilige Folgen werden nur selten nach dieser Operation beobachtet, obgleich eine Heilung per primam int. in der Regel nicht erreicht wird. Bei guter Schnittführung ist auch keine Harninfiltra­tion zu befürchten; ebensowenig schwere entzündlicbe l'rocesse, wenn solche nicht schon bei der Operation bestanden. Im ganzen gestaltet sich der Verlauf dieses Eingriffes günstig. Wenn genau in der JVIitte des Körpers operirt wird, kommen auch keine Blutungen von Bedeu­tung vor.
Der HarnblaseiiHchnitt kann bei ruhigen Pferden ebenfalls im Stehen ausgeführt werden, wobei man ebenso wie vorhin beschrieben vorgeht. Viele empfehlen in der linken Seitenlage zu operiren, ich ziehe auch hier mit H. Bouley die Rückenlage vor, und wenn irgend möglich lasse ich das Thier chloroformiren. Zunächst muss die Harnröhre auf dem Sitzbeinausschnitt ebenso geöffnet worden wie beim Harnröhrenschnitt. Um dieselbe im nicht angefüllten Zustande leichter aufzufinden, führt man zunächst einen elastischen Katheter ein, der bis zur Blase reicht. Nachdem die Harnröhre gespalten ist, lässt man den Katheter zurückziehen und schiebt nun eine Hohlsonde in den Blasenhals ein. Man versäume nicht in dem Moment, wo der Katheter zurückgeht, sofort eine Sonde einzuführen, weil das Auffinden der Harnröhre Schwierigkeiten bereitet.
Wenn der in der Blase befindliche Stein von nur geringem Um­fange ist, oder wenn es sich um Beseitigung von Harngries handeln sollte, so wäre zunächst zu versuchen, mit der Steinzange den Blasen-hals zu passiren und auf unblutigem Wege den Stein zu erreichen; wenn man die Zange im Blasenhalse allmälich öffnet, lässt sich der­selbe ohne Nachtheil so erheblich ausdehnen, um kleinere Steine zu entfernen.
Gelingt dieses nicht, oder handelt es sich um Steine von grösserom Umfange, so wird der Blasenhals gespalten, indem man in einer Hohl­sonde ein Tenotom oder Bistouri bis in die Blase gelangen lässt und beim Zurückziehen den Blasenhals einschneidet. Das hierzu empfohlene
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Krankheiten dor Harnorgane,
Blasoiiselniittuu'sser ist entbehrlidi. In Frankreich benutzt man ein [nstrument (Lithotom), welobes im Bau dem Hemiotom (Fig, lt;)(3) ent­spricht. Um Verletzungen des Mastdarmes zu vermeiden, wird dieser vor der Operation ausgeräumt und der Schnitt nicht in der Mittel­linie, sondern etwas nach links oder rechts geführt. Bei grossen Steinen kann der Einschnitt des Blasenhalses nach beiden Kicli-tungeil erfolgen.
Nunmehr wird die Steinzange (Fig. 82) geschlossen
'if
Pig, 82.
eingeführt und der Stein mit derselben aufgesucht. Man halte die Operationswunde hierbei y.u und verhindere, dass sich die Blase entleert; bei grösseren Steinen legt sich sonst, wie ich mich selbst überzeugen musste, die Blasenwand so fest auf den Stein, dass das Erfassen desselben die grössten Schwierigkeiten bietet. Sobald man in der Blase mit der Zange auf den harten Stein stösst, öffne man die Zange und suche denselben zu fassen. Gelingt dieses nicht, so kann man den Stein vom Mastdarm aus in die Zange dirigiren. Sobald derselbe gefunden ist, dreht man die Zange einmal um ihre Längs­achse, um sich ZU überzeugen, dass nicht zugleich die Blasenwand erfasst ist. Gelingt die Drehbewegung leicht, so befindet sich nur der Stein in der Zange, den man hervorzieht; wenn nunmehr erst die linke Hand den Earnabfiuss frei lässt, so wird die Entfernung des Steines erleichtert. Man gehe nochmals mit der Zange ein, oder untersuche die Blase vom Mastdarm aus, um sich zu überzeugen, dass nicht noch mehrere Steine oder Gries in der Blase vorhanden sind, welche eventuell alsbald entfernt werden) anderenfalls verführt man ebenso wie
Stoinziiiif;!'-
beim Harnröhrenschnitt. Auch hier ist, das Heften der Wunde zwar nicht, erforderlich, doch wird dadurch die Heilung etwas abgekürzt: nuzweckmiissiges Heften d. h, Offenbleiben der Harnröhre und Verscbluss der äusseren Wunde begünstigt HarninHItrationen. Die Heilung kommt in derselben Zeit zu Stande wie beim I larnröluvn-schnitt. In den ersten Tagen wird der drin zum Tbeil durch die Operationswunde entleert, später verschliesst sieb diese; nur selten bleibt eine llarnrölireiilistel zurück.
Zur Entfernung grösserer Steine muss die Erweiterung des Blasenhalses erheblich, unter Umständen so gross werden, dass man mit der Ranzen Hand in die Blase des Pferdes gelangt, wie ich mich
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Harnsteine beim Pferde.
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seihst hei der Operation eines 650 g schweren Blasensteines tiberzeugt habe. Fliesst duhei der Harn vollständig ab, SO legt sich die Bhise fest auf den Stein, so dass man denselben seihst mit der Hand nicht mehr erfassen kann. In solchem Falle injioire man eine lauwarme Flüssigkeit, verdünntes Oarbolwasser in die Blase. Dieses gelingt jedoch nicht immer, namentlich, wenn die durch Spaltung des Blasenhalses entstandene Oeffnung sehr gross ausgefallen war.
Es liegt auf der Hand, dass die Gefahr der Operation mit der Grüsse des Steines wächst, allein auch solche von bedeutendem Umfange künnon gltioklioh beseitigt werden. Ich entfernte aus der Harnblase eines 9 Jahre alten Wallachs zwei Steine,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; l'''H'- 813.
von denen der eine 85, der zweite 050 g wog. Die Heilung der Operationswunde nahm drei Wochen in Anspruch, ßei einem zweiten Pferde wurde ein 650 g schwerer Stein entfernt; hier trat gangräniise Cystitis mit septischer Paraproctitis und Peritonitis ein, woran das Thier am fünften Tage nach der Operation einging.
Grosse Steine lassen sich zuweilen zerklei­nern, doch sind die hierzu construirten Instru­mente auf derartige Grossen der Steine nicht berechnet. Oft gehen die Harnsteine schon dem kräftigen Druck einer Zange nach und zerspringen, deshalb kann namentlich die Bouley'sche Stein­zange zugleich als „lithoklastisehesquot; Instru­ment mit Vortheil verwendet werden. Sie hat noch den Vorzug, dass sie sich nach dem Er­fassen des Steines feststellen liisst, wodurch die Extraction grössererConcremente erleichtert wird. Ich kann das Bouley'sche Instrument empfehlen (Fig. 88); in den meisten Fällen genügt aller­dings die ältere „Steinzangequot; (Fig. 82); im
Nothfalle eine Feuerzange (Schmitz).
Steinzange nach Bonley.
Bei Stuten kommen Haniröhrensteine schwerlich vor, während Harnblasensteine bei ihnen meist durch die unblutig erweiterte Harnröhre zu entfernen sind. Ich habe Steine von reichlich Hülinereigrösse auf diese Weise aus der Blase hervorgeholt. Die Harnröhre wird zu dem Zwecke mittelst der Steinzange langsam, aber unter Kraftanwendung erweitert, bis der Stein passireu kann. Man muss dabei Geduld haben; oft dauert die erforderliche Dehnung der Harnröhre eine halbe Stunde und darüber, so dass man sich hierbei
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Krankheiten der Harnorgano.
von einem Gehülfen ablösen lassen muss. Noch unlängst beförderte ich auf diese Weise bei einer Stnte einen ungefähr hülmereigrossen raquo;Stein im Gewichte von nahezu 70 a aus der Harnblase.
B) H a rnste in
i Wiederkäuern.
Lit.: Stöhr, Thicrärztl. Mittli. 18G7. Jacobi, Ourlt u. Hertwig. 18. S. 218. Reiohlis, Her. Rep, 36. S. 30. Pflug, Kranich, der uropoet. Organ, Peuoh-Toussaint, Chirurgie. IT. Aufl. S. 547. Hader, Her. Rep. 8. S. 3(10. Deiainger, Stockfleth Chirurgie. S. 588. Dainmann, Her. Rep. 06. S. 427. Read, Her. Rep. (i. S. 482. LütheiiK, das. 36. S. 449. Hermann, Deutsch. Zeitschr. für Thienned. 1890. S. 229. Schell, Thierärztl. Mitth. 1876. S. 107. Meisel, Ad. Wooh. 1877. S. 28. Reiber. Schweiz. Arch. 1. Esser, Thienned. Rundschau. 1888. S. 7.
Von allen Thieren leidet am häufigsten das männliche Hind an Harnsteinen und zwar meist an Harnröhrensteinen. Gebildet in der Blase, pflegen sie erst Störungen hervorzurufen, wenn sie bei
Fig. 84.
Verlauf der 1 hmiröhre beim Rinde (nach Bering).
a Harnblase, b. Harnleiter (abgeschnitten), c. Samenblase. il.il. Beokenstttoke der Harnröhre.
f, Anfang iier Oorpns cav. der Etuthe. g. umbiegung der HamrShre auf den Sitzbelnaussohnitt.
ii. erste, i. ssweite Krttnunung, k. Vorderes Ende der Bntbe. 1. Afterrnthenmuskel.
der ürinentleerung in die Harnröhre gelangen und hier stecken bleiben.
Beim männlichen Kinde geschieht dieses um so leichter, als die Harn
röhre eim
verhältnissmässig geringe Weite und einen eigenartigen
Verlauf besitzt (Fig. 84).
i
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Harnsteine beim Rinde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;407
Das Beckenstück gestaltet sich wie bei den übrigen Thieren und besitzt eine Weite von 5—10 mm. In der Baucliportion verengt sich die Harn­röhre bis auf 3 mm, an ihrer Mündung sogar bis auf 2 mm. In der Gegend des Hodensackes macht sie mit dem Penis die sog. S-förmige Krümmung. Bei der ersten derselben, in der Nähe der vorderen Fläche des Hoden­sackes (h), wendet sich der Penis wieder nach hinten, um etwa eine Hand­breit hinter und über der hinteren Pläche des Hodensaokes die zweite Krümmung (i) nach vorn zu machen; an der letzteren heftet sich der Aftor-ruthenmuskel (1) an, welcher beim Rinde sehr stark ist. Dieser ge­krümmte Vorlauf und die geringe Weite der Harnröhre erklären es, dass selbst Stoinchen und Concromonte im Gewichte von wenigen Grammen und kaum Erbsen grösse in derselben stecken bleiben und das Lumen verlegen können. Bei Ochsen pflegt der Penis mit der Harnröhre noch kleiner, bezw. enger zu sein, und erklärt das häufige Vorkommen von Harnsteinen bei diesen Thieren. Die erste Krümmung (h) bildet in der Kegel den Sitz des Steines, seltener die zweite oder das Ende der Ruthe.
Diagnose. Die Gegenwart eines IJnraröhrensteines giobt sich auch hier erst zu erkennen, wenn Hambeschwerden durch ihn ent­stehen. Das Thier wird unruhig, tritt mit den Hinterfüssen hin und her, stampft mit denselben auf die Erde, hebt öfter den Schwanz und macht mit der Schwanzwurzel häutige, kurze Seitwärtsbewegungou (Jensen); es legt sich hin, steht alsbald wieder auf und seiilägt oft mit den Hinterfüssen gegen den Leib.
Beim männlichen Binde müssen solche leichten Kolikerschei­nungen stets den Verdacht auf einen Harnstein erwecken und fordern zur Untersuchung der Harnblase und Harnröhre auf. Die Blase zeigt sich im hohen Grade gefüllt; die Urethra ist in ihren oberen Alischnitten ebenfalls zuweilen angefüllt und lässt von Zeit zu Zeit stossweise Bewegungen erkennen, welche durch das Drängen des Thieres auf den Harn veranlasst werden. Zuweilen fliessen dabei wohl einige Tropfen Harn ab. Streicht man mit den Fingern über die Harnröhre ihrem Verlaufe folgend, so äussert das Thier an der Stelle, wo der Stein sitzt, Unruhe und Schmerzen; nur selten lässt sich der Stein direct fühlen.
Wenn in den nächsten 12—24 Stunden kein Harnabfiuss bewirkt wird, so tritt Blasenruptur ein, und das Thier geht alsdann meist in wonigen Tagen zu Grunde. Zwar lassen mit dem Eintritt der Blasen-zerreissung die Schmerzen nach, zuweilen nehmen die Thiere sogar wieder etwas Futter auf, allein bald stellt sich Tympanitis ein, und unter den Erscheinungen der Peritonitis und Urilinie (Pulsfrequenz, Schüttel­frost, Eingenommenheit des Kopfes) tritt der Tod ein. Man will in­dessen beobachtet haben, dass Ochsen noch einige Wochen mit zerrissener Blase lebten; Stöhr berichtet über einen Ochsen, der noch 6 Wochen
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408nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der HiU'norgane.
lebte, und .liicobi will sogai' Geiu'sung beobachtet haben. Tu der Regel werden die Thieve in diesem Zustande möglichst bald geschlachtet) um das Fleisch noch zu verwertlien, welches durch Resorption des Harnes aus der Bauchhöhle einen üblen Geruch und (reschmack an-niinint. Franck empfiehlt deshalb den Harn durch einen Trokart /,ii entleeren, indem an der tiefsten Stelle die Bauchhöhle punktirt wird.
Beim llinde kommt es ebenfalls darauf an, bald einzugreifen, und zwar giebt es bei dem eigenthünilichen Verlauf der Harnröhre gegen Steine in derselben nur eine Hülfe, nämlich den Harnröhren-schnitt. Mit seltenen Ausnahmen sitzt der Stein an der ersten Krüm­mung und würde am nächsten von der vorderen Fläche des Hodensackes /,u erreichen sein. Da jedoch die Ausführung der Operation hier we­niger bequem ist, so haben die meisten Praktiker den Schnitt hinter und etwa eine Handbreit über dem Hodensack vorgezogen.
Zu dem Zwecke lässt man das Thier am besten vorsichtig nieder-schnüron und auf die linke Seite legen; ruhige Thiere können auch im Stehen operirt werden. Der rechte Hinterfuss des liegenden Thieres wird mit einem Strick nach vorn gezogen und so das Operations­feld frei,
Nachdem man sieb durch Untersuchung per anum überzeugt hat, dass keine Blaseuruptur eingetreten ist (Esser), und nochmals durch Palpation den Sitz des Steines genauer festgestellt oder nachgewiesen hat. dass sich derselbe an den oberflächlich gelegenen Abschnitten der ilarurölnv nicht, befindet, macht man einen Hautschnitt von 5—10 cm Länge in der Richtung der Harnröhre entweder da, wo sich der Harn­stein durch grössere Empfindlichkeit des Thieres oder durch seine Härte bemerklich macht, anderenfalls eine Handbreit hinter und über dem Hodensack. Hierauf wird der beim Rinde stärker als beim Pferde entwickelte Afterruthenmuskel in derselben Ausdehnung getrennt. So­dann lässt sich die Harnröhre fahlen, und wenn man an der Stelle operirt, wo der Stein seinen Sitz hat, wird derselbe auch dem Gefühl deutlich. Nach Durchschneidung des cavernösen Körpers der Harnröhre sowie dieser selbst ist der Stein leicht zu entfernen. Sitzt derselbe jedoch in der ersten Krümmung der Harnröhre (h), so holt man nach der Trennung des Afterruthenmuskels den Penis mit den Fingern hervor, durchschneidet nunmehr den Muse, bulhocavernosus und die Harnröhre, um den Stein alsdann durch den Druck der Finger, erforderlichen­falls mit Hülfe einer Pincette; zu entfernen. Bei rauher Beschaffen­heit liegt derselbe zuweilen in der geschwollenen Schleimhaut der Urethra so fest, dass die Pincette oder selbst das Messer zu Hülfe
.
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Uliisensteine beim Hindu.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 409
genoiumou worden muss. Die Treiiiunig in der Hai'nröhre soll jedoch nicht grosser als tiothwendig ausfallen, um dio Heilung zu erloiclitem und der Bildung von Stricturen vorzubeugen! Ist mit der Entfernung des Steines das llindeniiss für den Harnaldluss beseitigt, so tritt als­bald reichliche Entleerung und zwar theils aus der Operationswunde, tlieils ans der Mündung der Harnröhre ein. Man untersuche in-dess auf alle Fälle mit der Sonde das untere Ende der Harnröhre, um die Gegenwart weiterer Steine festzustellen und diese ebenfalls zu entfernen. Die llarnröhrenwunde braucht nicht geheftet zu werden; Reichle und Pflug haben indess empfohlen, einige Seidon­ligaturen anzulegen, um die Heilung ZU erleichtern. Sodann lilsst man den Penis in seine natürliche Lage zurücktreten, üie ilusscre Wunde wird nicht geheftet, um llarninHItrationen zu vermeiden, welche oft trotz dieser Massregel eintreten. Deshalb empfiehlt Esser für den Ab-duss dos Harnes wie des Wundsecrets durch Anlegung einer Drain­röhre alsbald Sorge zu tragen. Dieselbe wird an den Hodensack vor­bei nach vorn gelegt, so dass das vordere Ende des Drains vor dem Hodensacke liegt. Esser will auf diese Weise die, nicht nur den Heilungsprocess störenden, sondern auch für den allgemeinen Gesund­heitszustand dos Thieres oft bedenklich werdenden Harninfiltnitionon stets vermieden haben. Die Heilung der Operations wunde kommt bei regelniässigem Verlauf in etwa 14 Tagen zu Stande.
2. Der Harnröhrenschnitt vor dem Hodensack. Wie be­reits bemerkt, liegt der Stein fast immer in der ersten Krümmung der Harnröhre unmittelbar vor dem Hodensack, also hier der Husseren Haut am nächsten. Bei der unbequemen Lage dieser Stelle für die Ope­ration hat man dieselbe in Deutschland nieist nicht gewählt; in Frank­reich scheint sie gebräuchlicher zu sein. Nach Peuch-Toussa int wird hierbei das Thier auf die linke Seite gelegt und der rechte Hinter-fuss nach vorn gegen die Schulter gezogen. Der Operateur geht mit der linken Hand in den Schlauch ein und zieht den Penis hervor, um die S-förmige Krümmung zu strecken. Gedingt es nunmehr den Stein zu fühlen, so macht man einen Längsschnitt in die Harnröhre und entfernt den Stein mit Hülfe einer Pincette oder Hohlsonde. Fühlt man denselben nicht, so liegt er weiter nach hinten und oben. In diesem Falle werden vor dem Hodensacke die Haare abgeschoren, und unter Bildung einer Querfalte Haut und Präputium gespalten. Der Operateur führt in die Oett'nung den Zeigefinger der linken Hand ein, mu\ indem er mit dem gekrümmten Finger den Penis umt'asst, zieht er denselben durch die Wunde hervor, um mm wie oben he-
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410nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Harnorgane.
sollrieben vorzugehen, Dupont (Peuoh) trennt nach Durohsohneidung
der äusseren Haut zugleich die Hurnrölire, um den Stein zu entfernen. Wenn hierauf kein reichlicher Bamabfluss eintritt, soll man die Harn­röhre sondiren und sofern erforderlich die Operation weiter oben wie­derholen, llarninliltrationen sind nach Bouley hei diesem Verfahren kaum ZU befürchten, und wenn sie einmal eintreten sollten, durch tiefe Einschnitte zu heilen; die gleiche Behandlung erfahren Absces.se, welche hierbei zuweilen entstellen,
M. Der Harnröhrenschnitt am Sitzheine. Bei der grösseren Weite der Harnröhre an dieser Stelle bleibt hier mir selten ein Harn­stein sitzen, und wenn beim Kinde an dem Sitzbeiuaussohnitt operirt wird, so geschieht es meist, um schnelle Hülfe zu bringen, die drohende Blasenruptur zu verhindern; auch ist die Operation für den weniger Gte-iibteii an dieser Stelle leichter. Man lässt, nachdem dem Harn durch die Operationswunde Abfluss verschafft ist, den etwa tiefer unten sitzen­den Stein liegen. Das Verfahren empfiehlt sich daher besonders für Tbiere, die bereits für die Schlachtbank reif sind.
Auch kann diese Methode angewendet werden, wenn einmal der Stein nicht zu linden bezw. zu beseitigen sein sollte, oder wenn bereits schwere Veränderungen an der Harnröhre bestehen, welche dem Harn­abflüsse hinderlich sind.
Man verfährt hierbei im allgemeinen wie beim Pferde; auch die Nachbehandlung bleibt dieselbe. Soll das Thier noch einige Zeit erhalten werden, so muss ein Rohr in die Urethra eingelegt werden, Um die Wunde offen zu halten. Man vergesse indess nicht, dass die Wirkung dieses Hiilfsmittels selten von langer Dauer ist, indem bald entzündliche Schwellung entstellt, welche den llarnablluss stört. Dupont (Peuch) hat deshalb empfohlen, falls sich an dieser Stelle der Stein finden sollte, denselben in die Blase zurückzuschieben, wozu es keiner so weiten Oeifnung in der Harnröhre bedarf.
Bader, welcher an 100 Steinoperationen beim Ochsen machte, fand den laquo;Stein fast immer in der ersten (unteren) Krümmung der Harnröhre: die meisten Thiere standen im 1. oder 2. Lebensjahre, wenige im 8. und nur eines im 4. In den von Deisinger operirten 26 Füllen wurde der Harnstein 24 Mal in der unteren Krümmung der Harnröhre gefunden.
Der Harnröhrenschnitt beim Schaf.
Die enge Harnröhre des männlichen Schafes liegt meist in Fettge­webe eingebettet, ist daher noch schwieriger aufzufinden als heim Kinde. Auch kommen Steine und Sedimente beim Schafe nicht häufig vor, und wenn es der Fall ist, finden sie sich meist dicht vor der Ausmttncluiig
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Harnröhronschnitt beim Schaf.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 411
des über den Penis hinausragenden, freien und in der Regel S-förmig ge­krümmten Endes dor Harnröhre, Dammann hat mehrere Beobachtungen der Art beschrieben.
Die Erscheinnngen gestalten sich ähnlieh wie beim Kinde. Sobald Harnverhaltung eintritt, zeigen die Thiero Unruhe, Drängen mit gekrümmtem Rücken auf den Harn, und bei der Untersuchung per aiium fühlt man die Blase stark angefüllt. Durch Zuhalten der Nase mit der Hand kann das gesunde Schaf zum Uriniren veranlasst werden; der Versuch fällt hier er­folglos aus, oder es werden nur wenige Tropfen Harn abgesetzt.
Wie in Deutschland ist es nach Peuch auch in Frankreich üblich, das freie Ende der Harnröhre abzuschneiden, wenn sich hier Steine oder Concremente finden und Harnverhaltung bewirken. Das gleiche wird in Eng­land empfohlen; Read sah hierauf 5—61 Harn abfliessen.
Liegt das Hinderniss für die Harnentleerung weiter nach hinten, so empfiehlt Peuch bei werthvollen Thieren die Anwendung des Harnröhren­katheters oder eine Sonde. An dem auf dem Rücken liegenden Schafe zieht der Operateur den Penis aus dem Präputium hervor, um die S-förmige Krümmung der Harnröhre verstreichen zu lassen. Dann führt er eine biegsame Metallsonde in die Harnröhre ein, zu welchem Zweck dieselbe dicht hinter ihrer Mündung, am Ende des Penis in der Querriohtung gespalten wird. Mit Hülfe der Sonde soll es gelingen, die Sedimente zu zerstossen und mit dem eingeführten Katheter den Weg für den Abüuss des Harnes frei zu legen.
Andere empfehlen Spaltung der Harnröhre am Sitzbeinausschnitt, wobei auch die in der Blase befimllichen Concremente beseitigt werden sollen. Liithens machte beim Schaf den Harn roh renschnitt an der S-för­migen Krümmung wie beim Kinde; der Bock ging jedoch an weiteren Nachschüben von Steinen zu Grunde,
Gomplicationen der ürethrotomie bei Wiederkäuern,
1.nbsp; Abgesehen von den Füllen, in denen die Harnblase bereits vor der Operation zerrissen war oder während derselben zerreisst, findet nach Entfernung des Steines meist alsbald reichlicher Hamabfluss statt. Zuweilen ist dies jedoch nicht der Fall, weil die Binse in Folge der üeherdehnung gelähmt ist; der Detrasor ixrinae ist während der starken AnftUlung überdehnt und funktionsunfähig geworden. Man gehe in solchem Falle beim Rinde mit der Hand in den Mastdarm ein und suche durch einen langsamen Druck auf die Blase ihre Ent­leerung zu bewirken und zwar möglichst vollständig. .M ei sei em­pfiehlt die Thiere führen zu lassen, hält im übrigen den Zustand für sehr bedenklich.
2,nbsp; Eine zweite ungünstige Complication besteht in der Ausbildung von Stricturen der Harnröhre an der Operationsstelle; diese kommen häufig vor, wenn die Thiere nach der Operation noch längere Zeil am Leben bleiben. Heim Kinde ist dieses meist nicht der Fall. Weil man zuffleich ein Recidiv befürchten tnuss, lässt man das Thier
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412nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der llarnorgano.
ulsljiild für die Schliiclifbank vorljoreitcn. SUuflger werden daher Narbenstrioturen beim Pferde beobaoh.tetgt; Hollen die Thiere in diesem Zustande erhalten werden, wo bleibt nur die Wiederholung des Harn­röhrenschnittes an einer Stelle übrig, die der Blase näher liegt. Man hat zwar empfohlen, eine Metallröhre in die Urethra zu legen (Rftber), allein eine dauernde Hülfe wird damit nicht erreicht, weil durch die Reizung von Seiten des Rohres Verengungen der Barnröhre entstellen.
3, Die an der Operationsstelle etwa auftretenden Abscesse sind zu spalten und nacL allgemeinen Grundsätzen zu behandeln.
11 arnblasensteine gehören bei den Wiederkäuern zu den Selten­heiten; die meisten werden hier zufällig beim Sohlachten angetroffen, ohne dass sie während des Lebens Störungen veranlasst hatten. Blasen­steine werden erst naebtheilig, wenn sie eine bedeutende Grosse erlangt haben. Die dazu erforderliche Zeit wird bei dem Durchschnittsalter dieser Thiere in der Regel nicht erreicht. Dass im übrigen die Be­dingungen zur Entstehung von Blasensteinen auch liier bestehen, beweist schon das hauKge Vorkommen von Harnröhrensteinen. Her­mann fand in der Blase und Harnröhre eines .'5 Monate alten Kalbes mehrere Steine im öesammtgewichte von 20,0 g.
Die Erscheinungen gestalten sicli liier ebenso wie beim Pferde und wenn ein operatives Verfahi'en nothwendig werden sollte, würde man im allgemeinen nach den dort beschriebenen Grundsätzen vorgehen können.
C) Harnsteine beim Schwein.
Beim Seh wein haben diese Leiden weniger Interesse. Wo ein­mal bedenklielie Folgen durch Harnsteine eintreten sollten, würde bei diesen Thieren das Schlachten gerathen erscheinen. Auch bei ihnen finden sich zuweilen beim Schlachten Steine und Concremente in der Blase. Schell traf bei einem l'/a Jahre alten Schwein, das stets gesund gewesen war, nach dem Schlachten weisse, erdige Concremente im Gewichte von 52 g in der Harnblase an.
D) Harnsteine heim Hunde.
Die bei älteren Hunden nicht selten vorkommenden llarnröhren-steine stammen aus der Blase und bleiben bei der Entleerung fast immer in der Kinne des Ruthenknochens oder dicht hinter demselben stecken. Drängen auf den Harn, Entleerung von wenigen Tropfen, Unruhe u. s. w. lassen auch hier den Zustand erkennen.
Die in die Harnröhre leicht einzuführende Metallsonde giebt niebt nur über die öetrenwart des Steines sondern auch über den Sitz
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lliinistoiuo beim Hunde.
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desselben genaue Auskunft. Zum Zwecke dieser Untersuchung legt man den Hund auf den Rücken, so duss die linke Seite des Thieres dem Operateur zugewendet ist. Alsdann schiebt man mit Zeigefinger und Daumen die Vorhaut, welche etwa 2—3 cm hinter ihrem Ende er-fasst wird, bis über die üuthenwulst zurück, und indem mun dieselbe fest gegen diesen drückt, lilsst sich der Penis leicht aus der Vorhaut hervorschieben. In die jetzt sichtbare Mündung der Harnröhre wird die Sonde bis auf den Stein eingeführt, der sich durch seine Härte bald zu erkennen giebt. Lässt die linke Hand nun die Vorhaut frei, so kann das Ende der Sonde sowie auch der Stein unter der ilussereii Haut deutlich gefühlt werden.
Trotzdem bietet die Operation grössere Schwierigkeiten, als bei den übrigen Thieren und ist häufig mit tödtlichem Ausgange ver­bunden; auch hat sie oft erhebliche Stricturen zur Folge. Deshalb muss ich nach meinen Erfahrungen empfehlen, womöglich den Stein in die Blase zurückzuschieben, was zuweilen mit Hülfe eines elastischem Katbeters gelingt.
Sollte in Folge der weichen Beschaffenheit des Steines und der bereits bestehenden Schwellung der Harnröhrenschleimhaut dieses nicht gelingen, so bleibt nur die baldige Operation zur Rettung des Thieres übrig. Blasenruptur führt bei Hunden in 24—48 Stunden zum Tode, und diese ist um so mehr zu fürchten, je vollständiger der Bamabsatz verhindert erscheint.
Der Harnröhrenschnitt wird beim Hunde in der oben be­schriebenen Kückenlage ausgeführt, indem man von einem Oehülfen die in die Harnröhre eingeführte Sonde halten liisst. Ein 2—4 cm langer Eautschnitt, unmittelbar auf den Stein, sodann ein zweiter Schnitt, welcher denselben bereits freilegt, sind leicht ausgeführt, doch nun erst beginnen die Schwierigkeiten. Da nämlich die Rinne im Ruthen­knochen unten enger ist, also gleichsam eine gespaltene Röhre bildet, so gelingt es häufig nicht, den vollständig freigelegten Stein zu ent­fernen. Man muss oft zu einer starken, aber nicht breiten Pincette greifen, um den Stein erst zu zertrümmern, und die Stücke uns der ge­schwollenen Harnröhre zu entfernen. Dass die letztere dabei leicht verletzt wird, liegt auf der Hand. Nicht selten linden sich hinter dem ersten noch mehrere Steine, deren Beseitigung ebenfalls auf Schwierigkeiten stösst. Man untersuche daher nach Entfernung des Steines stets die Harnröhre mittelst der Sonde oder eines elastischen Katheters, namentlich wenn nicht sofort und in reichlicher Menge llaru abfliesst.
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414nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der lliirnorgane.
Weitere Bedenken ergeben sich aus der bei Hunden regelmilssig eintretenden Haniinliltration, die fast immer mit gangriinescirender Ent­zündung verbunden ist. Eine Hauptrolle spielt hierbei vielleicht die saure Ueaction des Fleischfresserharnes; möglicherweise handelt es sich um Zersetzungsproduote, die durch alkalische Giihrung des Harnes entstanden sind. Von Simon wurde nachgewiesen, dass auch der saure menschliche Harn in die Subcutis injicirt keine entzündliche Veränderungen hervorruft, wohl aber der in alkalischer Gährung be-Kndliche. Thatsache bleibt indess, dass die Harninfiltration beim Hunde immer entzündliche Processe veranlasst, welche zu Gangrilnbildung neigen; auch habe ich mehrfach von der Einführung vegetabilischer Nahrung und der Verabreichung reichlicher Mengen kohlensaurer Alka­lien bei Hunden günstige Wirkung gesehen. Oft wiederholtes Waschen der Wunde mit alkalischen Lösungen (Natl*. carb. 5—10n/o) erweist sich gleichfalls nützlich; ebenso das Aufstreuen von einem Pulver aus Natr. bicarbonium und Jodoform. — Wird auch diese Complication glücklich Überwunden, so entstellen nach einiger Zeit Narbenstricturen der Harn­röhre, wodurch die Harnentleerung erheblich gestört werden kann. Im allgemeinen gehört die Operation der ilarnröhrensteine bei Fleisch­fressern nicht zu den dankbaren Aufgaben der Therapeuten.
Bezüglich der Harnblasensteine gilt für den Hund dasselbe, was bereits von den Wiederkäuern und Schweinen gesagt ist. Trotz aus­gedehnter Erfahrungen in der Bundepraxis habe ich noch nie Ge­legenheit gefunden, den Harnbiasensteinschnitt bei diesen Thieren aus­zuführen, wohl aber Blasensteine bei Sectionen angetroffen.
3. Der Harnblasenstichlaquo; Functio vesicae.
Das Anstechen der Harnblase mit einem Trokart, um durch die Hülse desselben den Urinabfluss zu bewirken, wenn sich der Entleerung auf dem natürlichen AVege Hindernisse entgegenstellen, soll vor allein die Gefahr der Blasenruptur beseitigen. Die Operation wurde zuerst beim Menschen und wird hier auch heute noch bei Dysurie, be­sonders in Folge von Prostata Vergrösserung angewendet. Der von Flour an t zu diesem Zwecke construirto Trokart wurde für die betr. Thiere vergrössert (Fig. So). Pilger beschrieb die Operation genauer, und später ist sie häutiger, namentlich bei Hindern, dio an Harn-röhrensteinen litten, vorgenommen worden. Vor der Ausführung muss man sicli durch Untersuchung per anum überzeugen, dass An-
.
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Ilarnblascnstich.
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t'üllung der Bluse besteht. Bemerkt sei, dass sicli die gefüllte Harn­blase beim Pferde nach unten und vorn, also nach der Bauchhöhle zu ausdehnt; bei Ochsen und Bullen erfolgt dies mehr nach den Seiten. Die untere Bauclnvand erreicht die Harnblase jedoch auch beim Pferde nicht, sondern nur beim Schwein und den Fleischfressern, bei denen die stark angefüllte Blase zum grossen Theil in der Bauchhöhle liegt. Es bedarfnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Fig- amp;'#9632;
Kaum der Erwähnung, dass man sich ferner davon über­zeugt, ob die Entleerung der Blase nicht durch einfachere Mittel, z. B. durch Application des Katheters möglich ist.
Die Harnblase liisst sich von verschiedenen Seiten mit dem Trokart erreichen, der nach dem Vorbilde des Flour aufsehen eine massige Krümmung besitzt (Fig. 85).
Es sind drei verschiedene Methoden des Blasen­stiches zu unterscheiden:
1.nbsp; nbsp;Die beim Menschen zur Zeit am meisten ge­bräuchliche Punctio vesicao suprapubica liisst sich bei Pflanzenfressern nicht ausführen, weil die untere Wand der Blase nicht in der Ausdehnung nach vorn mit der Bauchdecke verbunden ist. Man würde beim Pferde und Rinde nur durch die Bauchhöhle die Blase erreichen. Bei Schweinen und Hunden kann indess die Function der Blase von der unteren Banchwand erfolgen und ist hier um so mehr zu empfehlen, als die bei den grösseren Thieren bequemere Operationsmethode durch den Mast­darm bei den kleineren Thieren auf Schwierigkeiten stösst. Hering, welcher diese Methode für Hunde empfiehlt, liisst das Thier auf die Seite legen und sticht, nachdem ein Hautschnitt gemacht ist, mit einem dünneu Trokart „auf den gespanntesten Theil der Geschwulst in der unteren Flankengegend einquot;. Beim Menschen wird in der Rückenlage unmittelbar neben der Liuea alba ope-
rirt, und man sollte glauben, dass sich dieses Vorgehen
Kloiiniiit'siiiOT
Trokart,
auch beim Hunde empfehlen dürfte. Hering will mit
seiner Methode zwei Hunde dauernd geheilt haben, hat allerdings nicht angegeben, worin die Harnbeschwerden beruhten.
2.nbsp; nbsp;Bei grösseren Thieren wird der Stich vom Mastdarm ausd'unc-tio rectalis) vorgezogen. Diese Methode ist leichter als die folgende und wenn es, wie oft bei Ochsen, nur darauf ankommt, die momentane Gefahr der Blasenruptnr zu vermeiden, da die baldige Schlachtung
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41()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Harnorgane.
des Tbieres in Aussicht genommen ist, so erscheint die Methode durch-iius empfehlenswert]!, wol)ei der Flourant'sche Trokart unentbehr­lich wird. Mit zurüclvgezogenem Htilet (ggedeokf) wird das Instru-nient von einer Hand geleitet in den Mastdarm eingeführt und so dirigirt, dass es möglichst senkrecht zur Blase gerichtet ist. Man gehe dabei nicht weit über den Blasenhals hinaus, lasse den Trokart vielmehr dicht vor demselben in die Binse eindringen, um auf diese Weise die Eröffnung des Peritonealsaokes zu vermeiden.
;i. Die Punotio perinealis verdient bei grösseren Thieren den Vorzug, wenn dieselben noch längere Zeit am Leben erhalten werden sollen. Hierbei drohen nicht in dem Masse wie bei der Punctio rectalis entzündliche Processe der Harnblase, welche durch Infection vom Mast­darm aus leicht eintreten. Dicht unter dem After und etwas seitwärts von der Harnröhre wird ein Hautschnitt gemacht, und von hier aus his zum Blasenhalse vorzudringen gesucht, indem man mit dem Finger unter Beihülfe des Messers und der Schere sich einen Weg nach vorn bahnt. Sobald man die gespannte Harnblase; fühlt, schiebt man einen geraden Trokart gedeckt bis zu derselben vor, drückt das Stilet vor und dringt mit dem Instrument in die Harnblase ein. Nachdem das Stilet zurückgezogen ist, findet durch die Hülse Harnentleerung statt. Man schiebt den Trokart langsam nach vorn, um der Bewegung der zusammensinkenden Blasenwand zu folgen. Genügt die einmalige Entleerung, .so wird der Trokart alsbald entfernt; das Heften der Haut­wunde ist nicht erforderlich. Hering empfiehlt, nachdem der Haut­schnitt gemacht ist, ohne Trennung des Bindegewebes direct in der Richtung der Harnröhre mit dem Trokart zur Harnblase vorzudringen; bei starker Füllung ist dieselbe kaum au verfehlen.
Etwaige Verletzungen der Prostata oder der Samenblasen bleiben in der Begel ohne Bedeutung, besonders bei castrirten Thieren. Auf der anderen Seite liegt aber kein Grund vor, dem Trokart nicht so­weit möglich einen sicheren Weg zu bahnen. Wenn das Thier nach der Operation längere Zeit erhalten werden soll, dürfte diese Methode entschieden den Vorzug verdienen, zumal die Wiederholung des Ver­fahrens erforderlichen Falles erleichtert sein würde.
Die Hülse des Trokarts kann 1—2 Tage liegen bleiben, hei Ochsen, die der Schlachtbank übergeben werden sollen, ist dieses immer zu empfehlen, und da der Trokart sich hier leichter befestigen lässt, als im Mastdarm, so verdient die Methode auch noch aus diesem 0runde den Vorzug.
Bei ruhigen Thieren lassen sich diese Operationen, nachdem die
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Verletzung, Entzündung und Stricturen der Harnröhre.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;417
Hinterftisse gespannt sind, und eine Bremse angelegt ist, im Stehen ausfuhren. Rychner empfiehlt die Uilckenlage, weil hierbei die Blase vom Mastdarme aus noch leichter zu treffen sein soll. Dass das Niederlegen bei stark gefüllter Blase vorsichtig erfolgen muss, wurde bereits erwähnt.
4. Verletzungen, Entzündung und Stricturen der Harnröhre.
Lit.; Adam, Ad. Wochenschr. 1877 u. 1888. Bluhm, Thierilrztl. Mitth. 1877. S, 139. Mo us su, Jahresbericht. 1887. S. 17.
Abgesehen von den operativen Eingriffen kommen Verletzungen der Harnröhre selten vor. Adam beschreibt eine Verwundung der Harnröhre beim Pferde durch einen eisernen Haken; die Heilung war mit Schwierigkeiten verbunden.
Entzündliche l'rocesse der Harnröhre können durch Fremd­körper veranlasst werden, die zufällig in dieselbe gelangen oder ab­sichtlich z. B. zu Heilzwecken in diese eingeführt wurden.
Fremdkörper, wie Kornähren (Bluhm), die in Folge ihrer rauhen Beschaffenheit sich allmälich weiter verschieben, wenn sie in eine enge Ocffmmg gelangen, erzeugen Verletzungen der Schleimhaut und ent­zündliche Processe derselben. Specifische Zustände, wie die Gonorrhoe des Menschen, sind bei Thieren bisher nicht bekannt; nur bei männ­lichen Hunden trifft man zuweilen chronisch-eiterige Katarrhe der Harnröhre an; meist aber besteht der sog. Tripper des Hundes in eiterigem Vorhautkatarrh (S. 4^8).
Harnröhrenstricturen wurden am häufigsten nach operativen Eingriffen, nach dem Harnröhrenschuitt, nach Amputation der Ruthe U. s. w. beobachtet; auch können zufällige Verletzungen dazu Veran­lassung geben (Adam).
Perforirende Wunden der Harnröhre geben sich durch Harn-abfluss aus derselben beim Uriniren zu erkennen; oft gesellen sicli hierzu Erscheinungen der Harninfiltratioii, nämlich entzündliche l'ro­cesse, verbunden mit starker Schwellung und Neigung zur Gangrän-bildung, Diese entstehen am leichtesten, wenn die Schleimhaut­wunde grosser ist als die in der ilusseren Haut, oder wenn letztere überhaupt nicht getrennt ist (Quetschungen). Durch entzündliche Schwellung der Schleimhaut der Harnröhre kommen ähnliche Harn-beschwerdeu zu Stande wie bei Harnröhreusteinen (S. 400), Beim Rinde will man auch Zerreissungen der Urethra in Folge von Harn­röhrensteinen beobachtet haben.
Möller, Speolelle Ohlrnvgle für Thletätzte,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;27
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418nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Harnorgane.
Gleiche Erscheinungen veranlassen Fremdkörper in der Harn­röhre. Bluhm berichtet über ein Pferd, welches an Kolik litt, Harn­verhaltung zeigte und die liuthe aus dem Schlauche hervorhängen liess; bei genauer Untersuchung fand sich ein 4 Zoll hinger Stroh* hahn mit Aehre in der Harnröhre.
Strictur^sn keimzeichuen sich durch allnmlich zunehmende Harnbeschwerde; der Absatz des Urins erfolgt in immer kleiner werdendem Strahle und dauert in Folge dessen längere Zeit; schliess-lich kann der Harn nur noch tropfenweise entleert werden. Der Katheter muss über den Sitz und die Ausdehnung der Strictur nähere Auskunft geben. Die durch Harnröhrensteine erzeugten Beschwerden treten in der Kegel plötzlich hervor.
Eiterige Katarrhe der Schleimhaut der Harnröhre lassen sich bei Hunden in einfacher Weise dadurch nachweisen, dass man das Thier auf den Hucken legt, die Ruthe hervorzieht (S. 413) und nun mit einer Sonde von dem Wulst des Penis zur Harnröhren-nüindung streicht. Bestellt Urethritis, so entleert sich hierbei eiteriges Secret aus der Mündung der Urethra.
Die Beurtheilung dieser Zustände gestaltet sich sehr verschieden.
Bei Verletzungen hängt die Bedeutung davon ab, ob mit den­selben Störungen in dem Harnabsatz verbunden sind, oder ob Harn­infiltrationen bestehen bezw. zu erwarten sind. Die ersteren können sowohl durch entzündliche Schwellung als auch durch Stricturen veranlasst werden. Je weniger solche zu befürchten sind und je geringer die Gefahr der Harninfiltration, um so günstiger wird die Pro­gnose. Aus diesem Grunde sind Harnröhrenverletzungen bei Fleisch­fressern bedenklicher, da sie sich leicht mit einer gangränescirenden Phlegmone verbinden (S. 414).
Intraurethrale Verletzungen durch unvorsichtige Appli­cation des Katheters zeigen sich im allgemeinen ungefährlich. Da die Wunde sich nach vorn öffnet, so kommt es nicht so leicht zur Harn­infiltration. Dagegen geben Verletzungen durch Fremdkörper leicht zur Harnverhaltung und entzündlichen Processen der Schleimhaut mit Bildung von Harnröhrensteinen Veranlassung, indem sie den Keim zu Niederschlägen aus dem Harn abgeben.
Höchst bedenklich sind Stricturen bei Thieren, die noch längere Zeit am Leben erhalten werden sollen (Pferd); sie werden um so gefährlicher, je grosser die mit ihnen verbundenen Harnbosch wer­den sind.
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Verletzung, Entzündung und Stricturen der Harnröhre.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 419
Behandlung. Erste Aufgabe der Therapie bei Verwundungen der Harnröhre besteht in der Verhütung von Harnbeschwerden und Harninfiltrationen sowie Begünstigung des Heilungsvorganges. Je regelmässiger und schneller die Heilung verläuft, und je weniger Narbengewebe entsteht, um so geringer die Aussicht auf Stricturen durch Narbenretraction. Die Leitung des Heilungsprocesses erfolgt nach allgemeinen Grundsätzen, doch sorge man dafür, dass die Wunde möglichst wenig durch Harn verunreinigt wird. Glatte Wunden der Schleimhaut lassen sich mit Catgut oder Seide heften und bei Pflanzenfressern unter Umständen selbst per primam intent. zur Heilung bringen. Noch wichtiger ist das Heften der Schleimhaut bei Fleischfressern, um Harninfiltrationen vorzubeugen. Aus demselben Grunde bleibt die Hautwunde am besten offen, es sei denn, dass auch hier ausnahmsweise Aussicht auf prim. int. Heilung bestände. Wo dies nicht der Fall ist, sorge man dafür, dass die Wunde in der äusseren Haut grosser ist als in der Schleimhaut der Harnröhre, erweitere die erstere nöthigenfalls und lasse bei Fleischfressern die verletzte Stelle oft wiederholt (stündlich) mit einer alkalischen Flüssigkeit waschen (Natr. carb. 50/0); 0^ev Kian streue Jodoform mit Natr. bicarbon. (a) auf die Wunde und verordne ausschliessliche Pflanzennahrung, bis die Wunde geheilt ist. Die grösste Sorgfalt ist in den ersten Tagen erforderlich; mit der Granulationsbildung wird die Gefahr der Harn-infiltration geringer. Vorsichtig sei man auch bei Verletzungen mit dem Katheter; wenn in den ersten 24 Stunden starke Anschwellung und Harnverhaltung auftritt, kann der Harnröhrenschnitt oder die Function der Blase nothwendig werden, um Ruptur derselben zu ver­hindern. Fremdkörper sind möglichst bald aus der Harnröhre zu ent­fernen und die durch sie veranlasste Entzündung und Verletzungen nach den Umständen zu behandeln.
Bei Harninfiltrationen muss für den Abfluss des Urins Sorge ge­tragen werden; am sichersten erreicht man dies mit Hülfe von Haar­seilen oder besser noch von Drainröhren; auch können Scarificationen nützlich wirken.
Stricturen der Harnröhre lassen sich zwar mittelst Ka­theter oder Bougis dehnen und so eine Erleichterung in der Harnent­leerung erzielen, allein die Wirkung dieser Mittel ist meist schnell vor­übergehend. Daher muss die Application derselben oft wiederholt werden, wodurch ihre praktische Brauchbarkeit bei Thieren in Frage gestellt wird. Bei grösseren Thieren kann unter Umständen der Harnröhrenschnitt wenigstens vorläufig [larnbescliwerden beseitigen.
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420nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Harnorgane.
auf ilio Dauer wirkt auch diese Operation in der Hegel nicht, weil sich in Folge derselben neue Harnröhrenstricturen ausbilden. Bei Stricturen in der Nähe der Hamröhrenmündung kann Spaltung der­selben das Hinderniss hohen.
Heilen Verletzungen der Urethra nur unvollständig, so dass eine kleine Oeffnung in ihrer Wand Uhrig hleiht, durch welche beim Harn­absatz Urin entleert wird, so spricht man von einer Harnröhren-fistel. Ihre Heilung gelingt zuweilen mit Hülfe von Aetzmitteln oder des Glüheisens; der Znstand bietet aber der Therapie oft grosse Schwierigkeiten und wird noch dadurch hedenklich, dass er mit der Zeit zu Stricturen der Harnröhre führt. Moussu beobachtete solche heim Hunde nach Verletzung der Harnröhre.
5. Lähmung der Harnblase. Cystoplegie. — Katheterismus.
Lit.: Barts, Jahresbericht 1887. S. 77. Grintzcr, das. 1887. S. 77.
Durch L ä h m u n g des D e t r u s o r u r in a e entsteht Unvermögen, den Harn aus der gefüllten Blase zu entleeren, ein Zustand, welcher bei Thieren am häufigsten durch Ueherdehnung des Muskels bei länger andauernder Harnverhaltung herbeigeführt wird, z. B. bei Harn­röhrensteinen.
Lähmung des Sphinkter vesicae bedingt unfreiwilligen Abfluss des Harns (Enuresis, Incontinentia urinae). Nicht selten bestehen beide Zustände neben einander, z. B. bei schweren inneren Leiden, Kalbefieber, Gehirnkrankheiten, Hämoglobinurie u. s. w. Aber auch bei Erkrankungen des Rückenmarks, Frakturen der liücken-und Lendenwirbel kommen Blasenlähmungen zu Stande und zeigen sich zuweilen in Verbindung mit Lähmung des Schweifes und Para-plegie (vergl. diese).
Erscheinungen. 1st nur der Detrusor gelähmt, so füllt sich die Blase alhnälich, worauf Harn in kleinen Mengen entleert wird (Ischurie); gesellt sich SphinkterlBhmung hinzu, so tritt unfreiwilliger Abfluss ein; die Blase iliesst ebenso wie ein gefülltes Gefass über. Man bezeichnet den Zustand als Ischuria paradoxa. Durch Druck vom Mastdarm aus lässt sich hierbei die Blase entleeren. In Folge ausschliesslicher Lähmung des Sphinkter iliesst der Harn auch aus der nicht gefüllten Blase ununterbrochen ab (Enuresis); doch füllt sich bei männlichen Thieren hierbei die Blase bis zu einem gewissen Grade.
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Lähmung der Blase.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;421
Eine häiitige Folge andauernder Blasenlähmung besteht in Gbies-bildung in derselben.
Die Beurtheilung hängt von der Art der Ursachen üb. Als Grundsatz gilt auch hier, dass die Prognose um so ungünstiger wird, je länger der Zustand andauert.
Die Behandlung hat sich nach den Ursachen zu richten; diese zu beseitigen bildet die erste Aufgabe der Therapie. Innerlich finden Strychnin, Cantlmriden u. s. w. Anwendung. Bei starker Füllung in Folge Detrusorlähmung kann die Entleerung durch Druck auf die Blase vom Mastdarm aus erfolgen; gelingt diese nicht, so muss der Katheter applicirfc werden.
Die Anwendung des Katheters — Katheterisiren — verlangt nach zwei Richtungen Vorsicht; es müssen sowohl intraurethrale Ver­letzungen als auch die Uebertragung von Infectionsstott'en und Fäul­nisserregern in die Blase vermieden werden. Die durch letztere ver-anlasste Zersetzung des Harns regt nicht nur entzündliche Prooesse in der Blase an, sondern führt auch zu einer oft tödtlichen Pyelo­nephritis, indem sich die entzündlichen Vorgänge bis in das Nieren­becken fortsetzen. Man benutzt in Deutschland meist elastische Kautschnkröhren, deren äussere Ausflussöffnung etwas erweitert ist (Trichter oder Pavillon), während das entgegengesetzte Ende eine oder zwei seitliche Oeffnungen (Augen oder Fenster) besitzt, durch welche der Harn in den Katheter eintreten kann. Eine passende Sonde dient zur Erleichterung der Einführung und zugleich zur Reini­gung des Instruments.
Bei grösseren, männlichen Thieren genügt in der Regel eine Grosse, bei Hunden muss man Katheter von verschiedener Stärke vor-räthig halten. Für Stuten und l\ühe kann eine gerade oder schwach gebogene, an ihrem Ende gut abgerundete Röhre, iniNothfalle selbst der Zeige- oder Mittelfinger den Katheter ersetzen. Auch stösst die Ein­führung des Katheters bei diesen Thieren selten auf Schwierigkeiten, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die äussere Oeffnung der Harn­röhre auf der unteren Scheidenwand liegt, auf welcher mau also das Instrument in die Harnröhre gleiten lässt. Bei Hengsten und Wal­lachen stellt man sich zur Application des Katheters an der rechten Bauchseite des Thieres auf, sucht den Penis im Schlauche und zieht denselben hervor; um ihn leichter und sicherer halten zu können, wird ein Tuch um denselben geschlungen und nun der Katheter eingeführt.
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422nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Harnorgane.
Derselbe muss vorher sorgfältig gereinigt werden, um Infectionen des Harnes in der Bliisu zu vermeiden. Durcli Bestreichen der Oberfläche mit Oel oder Anfeuchten mit Wasser wird die Application des Instru­mentes erleichtert; — dies ist oft sogar notlnvendig. In den vorderen Abschnitten der Harnröhre gleitet der Katheter leicht vorwärts, indem man das Instrument langsam schiebend vorwärts bewegt.
Schwierigkeiten entstehen erst beim l'assiren der Krümmung der Harnröhre auf dem Sit/beinaussclmitt. Hier muss ein Gehülfe durch Druck auf das Ende des Katheters diesem die Richtung nach vorn zur Blase gehen, während der Operateur das Instrument vorsichtig nach­schiebt; heftige Bewegungen veranlassen hier leicht Verletzungen der Harnröhre, die unter allen Umständen vermieden werden müssen.
Sobald das vordere Ende des Katheters diese Stelle passirt hat, gleitet er wieder leichter nach vorn und erreicht nun alsbald den ßlasenhals, welcher der Einführung meist keinen erheblichen Wider­stand entgegensetzt. Man zieht alsdann die Sonde aus dem Katheter zurück und lässt den Urin abfliessen.
Bei Bullen und Ochsen lässt sich nur das untere Ende der Harn­röhre bis zur S-förmigen Krümmung katheterisiren, wozu nur selten Veranlassung gegeben ist. Dasselbe gilt von männlichen Schafen, bei denen die Einführung noch durch den freien Abschnitt der Harnröhre erschwert wird, im Kothfalle wird das Ende abgeschnitten oder man schneidet die Harnröhre hinter dieser Stelle ein (S. 411).
Am leichtesten gestaltet sich das Katheterisiren beim Hunde. Man lässt das Thier auf einem Tisch in die Rückenlage bringen, so dass die linke Seite des Thieres dem Operateur zugewendet ist. Als­dann entblösst man den Penis in der S. 413 beschriebenen Weise und schiebt nun den sorgfältig präparirten Katheter in die Harnröhre ein. Um Verletzungen der Urethra an ihrer Krümmung über dem Sitz-beinausschnitt zu vermeiden, zieht man, sobald das Instrument bis zu dieser Stelle vorgedrungen ist, die Stahlsonde des Katheters in dem­selben Masse zurück, wie letzterer vordringt; wenn die Blase erreicht ist, entfernt man sie ganz.
Durch den Katheter können unter Umständen Flüssigkeiten in die Blase eingeführt, die Schleimhaut derselben also direct behandelt, oder zersetzter Urin u. s. w. entfernt werden. So injicirte Baertz bei Harnzwang ein Infusum Belladonnae mit gutem Erfolge. Grrintzer will beim Katheterisiren eines Pferdes eine krankhafte Contractur des Blasenhalses durch Clysmata von Chloralhydrat, welche in Intervallen von 1li Stunde angewendet wurden, beseitigt haben.
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Entzündung der Harnblase.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 423
(i. Eutzümluiig der Harnblase. Cystitis.
Lit: Geben, Thierftratl. Mltth. 1858. S. 171. Siedamgrotzky, Dresd. Bei-. 1886. S. 23. Priedberger, Münoh, Ber. 1877/78. S. 110. Fttnfstüoh,
Dresd. Ber. 18(39. S. 27.
Entzündliche Processe der Schleimhaut der Harnblase bilden meist die Folge von Zersetzungen des Harnes (alkalische Gährung) und Heizung durch die schildlichen Produkte derselben; oder sie entstehen durch mechanische Läsionen von Seiten harter Gegenstände, wie namentlich Blasensteinen. Hei weiblichen Thieren setzen sich schwere, infectiöse, z. B. diphtheritische oder septische Entzündungen von der Gebärmutter und Scheide auf die Harn­blase fort; so namentlich bald nach dem Gebären. Endlich können reizende Substanzen durch den Harn aus dem Blute abgeschieden werden und bei ihrem längeren Aufenthalte in der Blase entzündliche Reizungen ihrer Schleimhaut veranlassen (Canthariden, Terpentinöl und giftige Sub­stanzen). Vielleicht finden auch die im Verlaufe von Infectionskrankheiten auftretenden Blasenentzündugon auf diese Weise ihre Entstehung.
Entzündung der Aussenfläche der Blase, der sie bekleidenden Serosa (Pericystitis) stellt sich bei diffuser Peritonitis nach der Castration und ähnlichen Veranlassungen ein. Sie kann aber auch local auftreten, indem sich chronisch entzündliche Processe von der Gebärmutter, dem Mastdarm, Samensträngen auf die Serosa der Blase ausbreiten.
Oeben fand bei einem Pferde, welches vier Tage lang an Kolik ge­litten hatte, unter massenhafter Kothentleerung und fortgesetztem Drängen zu Grunde gegangen war, die Wand der Harnblase etwa 5 cm dick; ebenso waren der Mastdarm, sowie die Schenkelarterien bis fingerdick in ihren Wandungen verstärkt ohne Verkleinerung des Lumens; wahrscheinlich war der entzündliche Process vom Mastdarm ausgegangen.
Siedamgrotzky konnte bei einem Wallach, welcher an Enuresis paralytica litt, auf den Harn drängte, aber nur geringe Mengen stoss-weise entleerte, während in der übrigen Zeit unfreiwilliger Abflugs erfolgte, mittelst Ausspülung der Blase eine grosse Menge Sedimente entleeren. Das Pferd ging jedoch zu Grunde und bei der Section fand sich eiterig-diphthe-ritische Cystitis, Pyelonephritis und Peritonitis. Priedberger berichtet über eine chronisch-hämorrhagisch-purulente Cystitis beim Pferde, welche eine Folge von Blasensteinen bildete.
Katarrhalische Erkrankungen der Blasenschleimhaut können wahr­scheinlich auch durch Erkältungen veranlasst werden.
Erscheinungen. Oef'teres Drängen auf Harn und Entleerung kleiner Mengen, zuweilen krankhaft veränderten Urins deuten auf das Leiden hin. Die Thiere schachten häufig aus, ziehen die Hoden in die Höhe; männliche zeigen zuweilen Erectionon, weibliche sog. „Blitzenquot; der Scham. Bei Druck vom Mastdarm aus auf die meist leere Blase äussern die Thiere lebhafte Sehmerzen; Fleischfresser zeigen dasselbe beim Druck auf die hinteren Abtheilungen der Bauchdecken. Nicht selten sind hiermit leichte Kolik­erscheinungen verbunden. Der entleerte Harn zeigt eine trübe Be­schaffenheit und lässt bei der mikroskopischen Untersuchung zahlreiche Blasenepithelien, Blut- und Eiterkürperchen, Schleimflocken und nicht selten
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424nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Harnorgane.
auch Tripelphosphatkrystalle in der bekannten Sargdeckelform nachweisen. Bei Fleischfressern nimmt der Harn hierbei alkalische Keaction an.
Reichliche Eiterbeimischung bewirkt ein gelbes Sediment (Eiter), wilhrend bei der Blasendiphtherie Croupmenbranen mit dem Harn entleert werden. Die infectiösen Erkrankungen der Blase pflegen auch mit Fieber verbunden zu sein, dessen Höhe über die Natur und Bedeutung der Leiden Aufschluss giebt. Bei der Gegenwart von Blasensteinen finden die blutigen Entleerungen namentlich nach der Arbeit statt (S. 400).
Die chronische Pericystitis verliluft in der Regel ohne auffallige Krankheitserscheinungen und führt zu allmillicher Verdickung der Blasen­wand. Bei der Section zeigt der Zustand grosse Aehnlichkeit mit hyper­trophischen Processen der Harnblase, welche in Folge von andauernden Harnbeschwerden (Dysurie) auftreten und mit abnormer Erweiterung der Blase verbunden sind. Fünfstück fand bei einer Ziege die Harnblase von enormer Grosse; sie fasste an 30 1 Flüssigkeit.
Der Verlauf dieser Leiden zeigt sich verschieden. Während die eiterig-diphtheritische Cystitis entweder direct oder in Folge von Com­plication mit Pyelonephritis in kurzer Zeit zum Tode führt, können chro­nische Entzündungen durch Blasensteine oder Sedimente und ebenso wie Pericystitis Jahr und Tag bestehen, wenn die Ursache der Erkrankung nicht beseitigt wird. Katarrhalische Cystitis endigt meist in wenigen Tagen mit Heilung. Die genauere Untersuchung des Harnes in Verbindung mit den Krankheitserscheinungen muss daher vornehmlich zur Beurtheilung des Zu-standes herangezogen werden. Dieses erscheint um so mehr nothwendig, als sich aus dem Ergebniss derselben wichtige Grundsätze für die Therapie ergeben. Zu beachten bleibt, dass manche dieser Erkrankungen grosse Neigung zu Recidiven besitzen.
Behandlung. Gelingt es auch durch innerliche Arzneien auf diese Blasenleiden heilend einzuwirken, indem gewisse Substanzen mit dem Harn wieder ausgeschieden werden, also mit der Schleimhaut dor Harnblase in Berührung kommen, so muss doch die directe Behandlung noch wirksamer ausfallen. Man hat innerlich Borsäure, Salicylsäure und borsaures Natrium, ferner Kalium chloricuin, Tannin, welches als Pyrogallussäure ausgeschieden wird, in Anwendung gebracht, und können auf diesem Wege einfache katarrhalische Entzündungen mit Erfolg bekämpft werden.
Sobald sich jedoch Zersetzungsvorgänge, namentlich alkalische Gäh-rung des Urins bemerkbar machen, rauss die Localbehandlung eintreten. Ausspülungen der Blase unter Anwendung des Katheters, bei Stuten und Kühen eines Gummischlauches mit Salicylsäure (concentrirte wässerige Lösung), Carbolsäure (0,5 quot;/o), Sublimat (l,00quot;/oo), Borsäure (20/o), Creolin (1—3quot;/c1), Höllenstein (0,5—1,0 quot;/o), Tannin (1—2quot;/.,) finden zweckmässige Anwendung und müssen mindestens täglich einmal applicirt werden. Die Schwierigkeit der Therapie liegt aber darin, dass diese Anwendung bei männlichen Thieren nur von Sachverständigen ausgeführt werden kann. Selbstverständlich müssen die Lösungen nahezu Bluttemperatur besitzen. Bei der Gegenwart von Concrementen und Sedimenten wendet man entweder kräftige Spülungen der Blase an, oder es muss zunächst die Entfernung des krankhaften Blaseninhaltes erfolgen. Die bei der Application des Ka­theters erforderlichen Vorsichtsmassregeln wurden bereits erwähnt (S. 421).
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Vorfall und Umstülpung der Harnblase bei weiblichen Thieren. 425
7. Der Vorfall und die Umstülpung der Harnblase bei weiblichen Thieren. Prolapsus et inversio vesicae.
Lit. I Chariot, Gurlt path. Anatom. S. 211. C rüg er, Gurlt u. Hertwig. 14. S. 78. Lönnecker, das. 31. S. 10. Hurzawa, Thieriirztl. Mitth. 1874. S. 145. Leistikow, Jahrb. 1887. S. 77. Riviere, Her. Rep. 28. S. 329. Mann, Thierärztl. Mitth. 1859. S. 101. Holgen, Her. Oporationslehre. 111. Aufl. S. 291. Degive, Her. Rep. 39. 8. 177. Gaullet, Gurlt path. Anatom. S. 211.
Bei Kühen und weiblichen Schweinen, selten bei Hündinnen kommen während des Gebilraktes Zerreissungen der unteren Wand der Scheide vor, wodurch die Möglichkeit entsteht, dass die Harnblase durch diese Oeffnung in die Scheide und durch die Schani selbst bis nach aussei! tritt. (Prolapsus vesicae.) Der Zustand kennzeichnet sich dadurch, dass das vorgefallene Organ an seiner Oberfläche mit der Serosa be­kleidet erscheint. Durch allmälich zunehniende Füllung der Blase ver-grössert sich die meist kugelförmig gewölbte Geschwulst, welche auf Druck kleinere oder grössere Mengen Harn entleert. Geht man mit der Hand oder dem Finger neben derselben in die Scheide ein, so lilsst sich der ßiss in der unteren Wand derselben oft direct nach­weisen.
Die Diagnose des Vorfalls stösst somit in der Regel auf keine Schwierigkeiten. Da jedoch der Zustand beim Gebären auftritt, so kann bei oberflächlicher Untersuchung wohl eine Verwechselung mit hervortretenden Eihäuten vorkommen und bedenklich werden, wenn der Hülfeleistende in diesem Glauben die Harnblase perforirt (Chariot).
Als Inversio, Umstülpung der Harnblase wird ein Zustand bezeichnet, bei dem sich die Blase durch die Harnröhre nach aussei! gestülpt hat, etwa wie eine umgewendete Tasche. Das Leiden wurde bisher fast nur bei Stuten zur Zeit des Gebarens beobachtet, und zwar entweder während oder bald nach Ablauf desselben. C rüger beob­achtete den Zustand bei einer Stute, welche kurz vorher eine Fehl­geburt überstanden und dabei einenDaminriss erlitten hatte. Lönnecker sah die Umstülpung bei Stuten sowohl während der Trächtigkeit sowie auch nach dem Gebären entstellen. Esser (mündliche Mittheilung) constatirte das Leiden beim Schweine ebenfalls nach dem Gebären. Es scheint hiernach, dass nur um diese Zeit die abnorme Erweiterung der Urethra besteht, welche zur Umstülpung der Blase erforderlich ist. Mann beobachtete jedoch das Leiden bei einer Stute erst ^Wochen
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Krankheiten der Haniorgane.
nach dem Grebiiren. Vielleicht kann auch eine fbreirte Erweiterung der Harnröhre, wie sie zur Entfernung von Blasensteinen bei Stuten stattfindet, namentlich dann zu dem Leiden Veranlassung geben, wenn die Bauchpresse heftig wirkt. Beim Wallach habe ich wiederholt be­deutende Erweiterungen des Blaseuhalses zum Zwecke der Entfernung von Blasensteinen erzielt, so dass ich mit der ganzen Hand in die Blase gelangte (S. 404), ohne jedoch den Zustand zu beobachten. Die Um-
Fig. 8ö.
Umstttlpung der llanililaso bei einer State (nach Giult).
stülpung der Harnblase giebt sich durch eine kolbenförmige Geschwulst zu erkennen, die entweder in der Scheide liegt, oder durch die Vulva nach aussen hervorgetreten ist (Tig. 80). Die Gre-schwulst erscheint elastisch, ist von der Schleimhaut der Blase bekleidet, an der sich die Einmündungen der Harnleiter in Form von zwei Falten bemerklich machen. Durch Aufheben der Greschwulst oder Druck auf dieselbe sowie beim Gehen des Thieres entleert sich oft der Harn in hohem Bogen und doppeltem Strahle (Fig. 8(gt;).
Die Schleimhaut wird ullmälich durch die andauernde Wirkung der äusseren Luft trocken, durch Schmutz und Staub verunreinigt
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Vorfall und Umstülpung der Harnblase.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 427
und kann schliesslich nekrotisiren. Nach längerem Bestellen tritt auch wohl durch Verengerung der Harnröhre Abschnilrung der Blase ein, welche sich durch starke Blutstauung äussert und seihst zur Zerreis-sung derselben führen kann. Durch Verletzungen des Organes fällt die Geschwulst zusammen.
Beurtheilung. Es liegt auf der Hand, dass ein Prolapsus vesicae bedenklicher wird als die Umstülpung. Bei jener ist nämlich die Peritonealhöhle geöfthet, wodurch die Gefahr der Peritonitis grosser wird, bei dieser nicht. Nur hei frischem Vorfall, so lange die Serosa der Bluse noch keine erhehlichen Veränderungen erfahren hat, darf die Reposition ausgeführt werden; anderenfalls würde man hierdurch eine septische und regehnässig tödtlich verlaufende Peritonitis ver­anlassen.
Günstiger gestaltet sich die Prognose bei der Inversio vesicae. Ihre Schleimhaut hesit/.t grössere Widerstandsfähigkeit, und wenn auch nach erfolgter Reposition entzündliche Heizung derselben eintritt, so bleibt dadurch die Heilung doch nicht ausgeschlossen. Von dem Zu­stande der Schleimhaut hängt daher in erster Linie die Prognose ab, so­dann von der Weite der Harnröhre. Solange diese die Reposition ge­stattet, muss dieselbe versucht werden. Gelingt die Reposition nicht, so bleibt nur die Amputation der Blase zur Erhaltung des Thieres übrig. In Bezug auf Verwechselung mit den Eihäuten gilt dasselbe, was vom Blasenvorfall gesagt wurde. Auch bei der Umstülpung hat die Annahme, dass es sich um Eihäute handele, zuweilen zu fatalen Consequenzen für den Patienten und den Operateur geführt. (Rang.)
Behandlung. Wenn an der Serosa der prolabirten Blase keine erhehlichen Veränderungen eingetreten sind, reinige man dieselbe sorg­fältig mit Desinticientien, entleere den Inhalt durch Druck auf (las Organ, oder mit Hülfe eines feinen, sorgfältig desinticirten Trokarts, der an der oberen Wand in der Nähe des Blaseugrnndes applicirt wird, und suche, nachdem auch die Scheide gereinigt und desinficirt ist, die Blase zu reponiren. Hierbei muss auf die Wunde in der Sciieide Rücksicht genommen werden. Sofern kein heftiges Drängen besteht, ist eine Wiederholung des Vorfalls kaum zu befürchten, der man noch durch Einspritzen einer lauwarmen Flüssigkeit in die reponirte Blase ent­gegentreten kann. Riviere constatirte Rlasenvorfall bei einer Kuh bald nach dem Gehären und zwar durch einen 8 cm langen Riss in der Scheide. Nach Entleerung des Blaseninhaltes wurde die Reposition
mm
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428nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten dor Hiirnorguno.
mit Hülfe eines Hollunderrohres bewirkt, und obgleich starkes Drängen bestand, trat der Vorfall doch nicht wieder ein; es erfolgte Heilung. Sollte der Kiss in der unteren Scheidenwand nicht weit von der Scham entfernt liegen, so würde man den Versuch machen können, denselben zu heften, um nicht nur den Wiedereintritt des Prolapsus sondern auch das Einfliessen von Urin in die Bauchhöhle zu verhüten.
Auch bei der Blasenumstülpung würde man möglichst bald die Reposition bewirken, bevor die Blasenschleimhaut erhebliche Verände­rungen erfahren hat. Nach Entleerung der Blase durch Druck und Reinigung der vorgefallenen Theile lässt man das Thier mit dem Hintertheile hoch stellen und gehörig bremsen. Unter Umständen zeigt sich die Harnröhre so weit, dass man mit der Hand die vor­gelagerte Blase durch dieselbe reponiren kann. (Mann, Lönnecker, Hurzawa). Sollte die Harnröhre zu eng sein, so wähle man einen stumpfen Stock, der an einem Ende gut abgeglättet ist, um Verletzungen der Harnblase zu vermeiden; Lönnecker bediente sich hierzu einer Schlundsonde. Die Hand bez. der Stock wird auf den Grund der Blase angesetzt und in diese hinein durch die Harnröhre geschoben. Man verfuhrt also umgekehrt wie bei der Reposition eines Prolapsus. Durch Einspritzung einer lauwarmen Flüssigkeit, verdünnten Alaun­lösung (1 — 50/n) oder Tannin (1—2 n/o) lässt sich die Wiederkehr der Umstülpung verhindern und die entzündliche Reaction bekämpfen; auch wird die Verengerung der Harnröhre durch diese Mittel gefördert. Durch langsames Führen, Druck auf das Kreuz oder Bewachung des Thieres muss event, das Drängen derselben und die abermalige üm-stülpung verhindert werden.
Lönnecker heftete bei einem Kecidiv die Harnröhrenmündung mit Hülfe eines Bleidrahtes am 5. Tage nach dem Hervortreten des Leidens. Er fasste die Schloinihautfalte mit der linken Hand, hob sie in die Höhe und legte einen Bleidraht durch dieselbe, worauf Heilung erzielt wurde. Holgen will seihst 5 Wochen nach dem Eintritt des Leidens noch die Reposition mit Erfolg ausgeführt haben ; wahrscheinlich hat jedoch die Ulase während dieser Zeit nicht dauernd vorgelegen. Das (Deiche dürfte von dem durch Degive mitgetheilten Falle gelten, in dem die Reposition, bezw. He-version erst nach 14 Tagen erfolgte.
Für gewöhnlich erfährt die Blasenschleimhaut in dieser Zeit so erhebliche Veränderungen, dass ihre Oberfläche nekrotisirt. In solchem Falle ist die Reposition contraindicirt, und man muss, wenn das Thier erhalten werden sollte, zur Amputation der Blase schreiten. Damit fehlt dem Thiere allerdings das natürliche Reservoir für den Harn, welcher daher fortdauernd abfliesst oder in kleinen (Quantitäten aus
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Vorfall und (JmBtülpUUg der Harnblase.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 429
der Scheide entleert wird. Du indess gewülmliche Arbeitspferde und Kühe dadurch noch nicht unbrauchbar werden, kann die Ampu­tation angezeigt erscheinen.
Die Amputation der Blase erfolgt in der Kegel mit Hülfe der Unterbindung und zwar am besten mittelst elastischer Ligatur. Die Schwierigkeiten, welche hiermit verbunden sind, bestehen darin, zu verhindern, class die Ligatur nicht zugleich die Harnleiter verschliesst, was um so leichter erfolgt, als die kolbenförmige Form der Geschwulst die Ligatur leicht nach vorn, über die Einmttudung der Harnleiter gleiten lilsst. Um diese Verschiebung zu verhindern kommen zwei verschiedene Verfahren in Anwendung: einige empfehlen, die Blase zu durchstechen und nach beiden Seiten zu unterbinden, also zwei Ligaturen anzulegen; damit wird aber der Peritouealsack geöffnet und die Gefahr einer Peritonitis vergrössert. Andere ziehen daher die einfache Ligatur vor, indem sie vor derselben die Blase mit einem Metallstift durchstechen, welcher die Lage der Ligatur sichert. Bang will eine zweite Ligatur vor der ersten legen und nachdem die Blase abgeschnitten ist, kreuzend, nach hinten führen. Noch einfacher liesse sich dieselbe Wirkung ohne Durchstechung der Blase dadurch erreichen, dass man ein Band von hinten nach vorn über die Blase legt, von der Ligatur einschliessen lilsst und nachher wieder nach hinten führt und hier zusammenbindet. Wenn die Harnblase nach der Unterbindung nicht alsbald amputirt wird, fällt sie nach einigen Tagen von selbst ab; doch muss, wenn keine elastische Ligatur gewählt wurde, der Faden in den nächsten Tagen ein paar Mal von neuem ungezogen werden, ein Umstand, aus dem sich der Vorzug der elastischen Ligatur von selbst ergiebt. Bestellt bereits Verklebimg oder Verwachsung der sich berührenden l'eritoneal-blätter der Blase, so genügt einfaches Abschneiden der Blase, wie es von Gaul let bei der Stute ausgeführt wurde. Die Blutung war unbedeutend und es trat bald Heilung ein. Da mau jedoch niemals sicher ist, dass bereits eine so feste Verbindung stattgefunden hat, so verdient die Ligatur den Vorzug. Der nicht abgeschnürte Theil der Harnblase zieht sich nach dem Abfallen der Abgebundenen in die Scheide zurück, so dass das Aussehen des Thieres nicht erheblich ge-scbädifft wird.
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Krankheiten der Harnorgane.
8. Tumoren in der Harnröhre nnd Blase.
Lit.: Matthias, Thieriirztl. Mitth. 1875. S. 147. Vorberg, das. 1858. S. 140. Pflug, Krankh. der uropöt. Organ. S. 26(j. Siedamgrotzky, Drcsd. Bei'. 1877. S. 42. Stolz, Jahresbericht 1886. S. 123. Esser, Thierärztl. Mitth. 1875. S. 170. Wulff, das. S. 171. Leisering, Dresd. Ber. 1863. S. 30. Gurlt, Path. Anat. S. 116. Schmidt, Münch. Ber. 1862. Mog­ford, The Veterinär. 1843. Schmid, Jahrb. 1862. S. 57. Heyne, Berl. Th. W. 1890. S. 396. Barnick, Zeitschr. für Veter. 1890. S. 322.
Neubildungen in der Harnröhre rufen frühzeitig Störungen der Urinentleerung hervor, weshalb die Thiere entweder bald geschlaclitet werden, oder sie gehen an dem Zustande schnell zu Grunde. Nur selten bietet sich Gelegenheit einen Tumor in der Harnröhre während des Lebens zu beobachten bezw. zu behandeln. Matthias fand indess beim Wallach einen Polypen der Harnröhre, Vorberg beim Ochsen 10 —12 polypenähnliche Wucherungen, welche 1—3 cm lang und an einer Stelle dicht gedrängt standen. Der von Matthias beobachtete Polyp war 15 cm lang, i cm breit und sass nicht weit von der Mündung der Harnröhre entfernt, so dass er mit einer Kornzange erfasst und entfernt werden konnte.
Oefter wurden in der Harnblase Neubildungen beobachtet und zwar sowohl gutartige (Fibrome, Lipome, Myxome) wie auch maligne Tumoren, namentlich Krebse.
Die Sammlung in Kopenhagen besitzt eine Harnblase von der Kuh mit , Fas er krebsquot; (Bang). Pflug will bei Pferden Carcinoma der Harnblase beobachtet haben. Siedamgrotzky beschreibt ein Cancroid der Harnblase beim Pferde, welches auf das Peritoneum übergegriffen und zur Bildung von Secundilrknoten am Netz geführt hatte. Derselbe fand beim Binde loukiimische Infiltration der Blasenwand, des Uterus und der Matterbänder. Esser konnte schon während des Lebens bei einer Kuh durch Untersuchung vom Mastdarm aus in der Harnblase eine grosse Zotten­geschwulst (Papillom) ermitteln. Wolff und Leisering constatirton Myxome. Kühe scheinen öfter von Neubildungen in der Blase betroffen zu sein als Pferde. Carcinome werden nicht selten bei ihnen gefunden; wahrscheinlich kommen auch tuberkulöse Processe hier vor; tuberkulöse Geschwüre wurden öfter und zwar meist in der Nähe der Harnleitermlindung, im Trigonum Lieutaudii gefunden. Harnick stellte beim Pferde, welches unter Harn­beschwerden und Kolikerseheiimngen zu Grunde gegangen war, einen Tumor von doppelter Grosse eines Menschenkopfes fest, welcher auf der Harn­blase sass.
Erscheinungen. In der Harnröhre geben sich Tumoren ähnlich wie Stricturen durch allmälich zunehmende Hai'nbeschwerden zu erkennen. Beim Uriniren wird der Strahl immer kleiner, bis schliesslich der Harn
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Tumoren der Harnröhre und Blase.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;431
nur noch tropfenweise abfliesst. Durch Verlagerung der Geschwulst, leichte Schwellung der Sclileimhaut, Bildung eines Blutgerinnsels kann die Hurnbeschwerde auch plötzlich hervortreten. Bei Application des Katheters stösst man auf ein mehr oder weniger weiches Hinderniss, wodurch sich die Geschwulst von dem harten Harnstein unterscheidet.
Geschwulstbild ung in der Harnblase bewirkt eine all-mäliche Verkleinerung des Lumens der Blase, in Folge dessen der Harn in kurzen Zwischenzeiten abgesetzt wird. Nicht selten geben Neubildung in der Blasenschleimhaut zu profusen Blutungen Anlass; der Harn nimmt eine blutige Beschaffenheit an; meist werden kleinere oder grössere Blutgerinnsel entleert; auch kann hier Dysurie vorkommen, namentlich beim Sitze des Tumors in der Nähe des Blasenhalses. Ferner beobachtet man eiterige Entziindungsprocesse in Begleitung von Neubildungen; der Urin zeigt sich trübe und bildet beim Stehen einen Bodensatz. Auch bei der Gegenwart von Geschwülsten in der Blase kommt es oft zu Niederschlägen von Salzen, zu Sedimentbildung, wes­halb die mikroskopische und chemischo Untersuchung zu näherer Erken­nung der Trübung erforderlich wird. Lassen diese Symptome die Gegen­wart eines Tumors in der Blase vernmthen, so gelingt die genauere Feststellung derselben bei grösseren Thieren durch Untersuchung vom Mastdarm oder der Scheide aus. Sobald die Neubildung eine erheblichere Grosse erlangt hat — und erst dann glcbt sie zu Störungen und dieser Untersuchung Veranlassung —, fühlt man in der Harnblase eine weichere Masse als bei der Gegenwart von Steinen. Bei Stuten und Kühen ge­lingt es zuweilen die Geschwulst von der Harnröhre aus direct zu fühlen.
Mit Tumoren zu verwechseln sind entzündliche Schwellungen der Harnröhrenschleimhaut sowie Harnsteine,
Die Beurtheilung dieser Zustände gestaltet sich im allgemeinen ungünstig; nur da wo die Neubildung in der Nähe der Harnröhren-mündung sitzt, so dass sic direct nach aussei! entfernt werden kann, erscheint die Prognose günstig. Obgleich die Möglichkeit zugegeben werden muss, dass auch aus den übrigen Abschnitten der Harnröhre Ge­schwulste mit Hülfe der Urethrotomie entfernt werden können, so ist doch nur selten der Sitz derselben so genau zu bestimmen und die Gegenwart des Tumors so sicher zu stellen, dass man sich zur Operation entscldiesst, die stets mit mehr oder weniger unbequemen Folgen verbunden ist.
Die Beseitigung von Tumoren aus der Harnblase stösst ebenfalls auf grössere Schwierigkeiten, daher sind auch diese im ganzen un­günstig zu beurtheilen.
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432nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Harnorgane.
Behandlung. In der Nähe der Harnrcihrenmündung entfernt man gestielte Tumoren durch Abreissen mit Hülfe einer Pincette oder Konizange. Liisst sich der Tumor nicht fassen, so spalte man bei männlichen Thieren die untere Wand der Harnröhre. Sobald man sich von dem Sitz der Geschwulst an einer, der Operation zugäng­licheren Stelle Überzeugt hat, kann die Entfernung derselben unter Umständen nach Eröffnung der Harnröhre bewirkt werden. Als Pallia­tivmittel findet die Urethrotomie da Anwendung, wo es gilt, die Thiere kurze Zeit am Leben ZU erhalten, um sie dann der Schlachtbank zu überliefern, oder wo der Transport oder andere umstände die Beseitigung hochgradiger Harnbesohwerden erforderlich machen. Gegen Blasen­geschwülste wird selten operativ eingeschritten, weil man sie meist zu spät erkennt und die Heilung zweifelhaft erscheint. Schmidt und Mogford haben jedoch empfohlen bei Stuten die Blase umzustülpen, um den Tumor zu entfernen; Schmidt will dieses beim Pferde aus­geführt und eine Gesellwulstmasse von 1250,0 Gewicht mit günstigem Erfolge entfernt haben. Mogford erklärt die ümstülpung der Harn­blase bei Pferden für eine leichte Operation. Nach Entleerung des Tumors soll die Blase ausgespült, die Concremente, welche sich hierbei oft einfinden, entfernt werden. Eine genauere Beschreibung seines Vorgehens hat Mogford indess nicht geliefert.
Immerhin würde es sich empfehlen bei der Stute sowie bei Kühen den Versuch zu machen, die Harnröhre zu dehnen (S. 405), um st) entweder mit einer Polypenzange oder mit der Hand in die Blase y,u gelangen. Dass im Falle des Gelingens auf diese Weise unter Um-stiiiulen Tumoren entfernt und Heilungen erzielt werden können, erscheint nicht zweifelhaft, das yerfahren aber nicht leicht. Die Ümstülpung der Harnblase wird sich wahrscheinlich bei diesen Manipulationen in der­selben von selbst ergeben, wenn nicht in der Narkose operirt wird, was daher bei Pferden zu empfehlen, beim Binde oft angezeigt sein dürfte, namentlich wenn auf baldige Schlachtung des Thieres nicht gerechnet werden braucht.
Beim Wallach entfernte Seh mid einen Blasenpolypen in der Weise, dass er am Sitzbeinausschnitt die Urethrotomie machte, die Wunde bis /.um Blasenhalse erweiterte, worauf es gelang, die gestielte Geschwulst abzu­schneiden und zu extrahiren; die Ojierationswunde heilte in 18 Tagen.
Ueber einen seltenen Befund bei einer Kuh berichtet Heyne; es be­stand eine Dünndarm-Harnblasenfisteh Der Dünndarm war mit dem Grunde der Blase verwachsen, und aus demselben führte eine 2—3 cm weite Oeffnung direct in die Harnblase. Das Thier hatte an Schwäche, mangel­haftem Appetit und Durchfall gelitten und zeigte sich bei der Section stark abgemagert.
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Die Krankheiten der männlichen Geschlechtsorgane.
1. Entzündung der Vorhaut. Balanitisi.
Int.: Esser, Han. Ber. 1871. S. 126.
Das Prüputium, oine Hautduplicatur, besitzt ))ei den einzelneu Thierarten eine verschiedene Einrichtung, in Folge dessen auch die entzündlichen Processe an demselben mancherlei Abweichungen in ihrem Auftreten, Verlauf und Bedeutung nachweisen lassen.
A. Die Vorhautentzündung beim Pferde.
Beim Pferde besitzt die Umhüllung des Penis einen eigenartigen Puu, indem sie aus einer doppelten Einstülpung der llusseren Haut bestellt, nilmlich aus der inneren Duplicatur (Vorhaut im engen Sinn des Wortes) und der ilusseren, dem sog. Sohlauoh. Das viscerale Platt der ersteren bekleidet das Ende des Penis, uiuschliesst diesen eng und liegt am nicht eregirton Gliede in Palten, welche bei dor Erection verstreichen. Das äussere Blatt stellt eine fingerdicke Wulst dar, welche an der unteren Fläche des Gliedes mit dem inneren Blatte des Schlauches verbunden ist. Letzterer bildet eine zweite, erheblich weitere Umhüllung, die sieh an dem ebenfalls gerilumigen Eingänge des Schlauches nach hinten umschlägt, um in die Haut des Scrotums überzugehen. Das innere Blatt des Schlauches und das äussere der Vorhaut sind mit vielen Talg- und Schweissdrüsen versehen, deren Secrete mit den abgestossenen Epidormisschuppen eine schwarzgraue Fett-masso (Smegma praepatii) bilden.
Bei Pferden entstehen entzündliche Processe an der Vorbaut nicht seiton dadurch, dass die Thiere beim Uriniren nicht ausschach­ten, sondern den Harn in die Vorhaut absetzen (Hosenpisser). Durch die hiermit verbundene, andauernde Reizung bilden sich Verdickungen dieser Hautfalten mit Schrumpfung ihrer Gewebe, und es kann schliess-lich eine Verengerung der ilusseren Schlauchfalte entstehen, welche das Ausschachten unmöglich macht (Phimosis). Da bei diesem Zustande Möller, Speolelle Ohlrurgie für ThlertestOinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 28
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Krankheiten der mi'innliohen Geschlechtsorgane.
immer mehr Sniegma angehäuft wird, so kann endlich auch der Urin-abfluss aus dem Schlauche gestört werden. Zuweilen sammelt sich diese Masse in der Eicheigruhe in grösserer Menge an, wodurch ein Druck auf die Harnröhre ausgeübt wird und Harnbeschwerden entstehen; Esser hat einen derartigen Fall beim Wallach beschrieben. Alsdann tritt bald Kolik, Anfüllung der Blase, erfolgloses Drängen auf Harnentleerung ein; zuweilen findet tropfenweise Entleerung von Urin statt.
In der Regel leiden an diesem Zustande nur Wallache, wenn derselbe aller beim Hengste auftritt und Erectionen erfolgen, so stösst der Penis gegen die Hantfalten des Präputiums, wie Hering beim Pferde be( gt;bachtete.
Die Localuntersuchung ergiebt zunächst Verengung des Schlauch-einganges und massenhafte Anhäufung von Präputialsmegma.
Bei rechtzeitig eingeleiteter Behandlung kann der Zustand geheilt werden, anderenfalls gehen die Thiere entweder an den Folgen der Harnbeschwerden (Blasenruptur) oder an Erschöpfung ZU Grunde.
Die Behandlung besteht in Reinigung der Vorhaut und nament­lich der Eicheigruhe, um freien AbHuss für den Urin zu schaffen. Einspritzungen von lauwarmem Seifenwasser können die Entfernung des Sinegnia erleichtern. In der Pegel genügt dies, um wenigstens für einige Zeit Linderung zu erreichen, und wenn die Reinigung des Schlauches durch den Besitzer regelmässig wiederholt wird, lassen sich nachtheilige Folgen vermeiden. Sollten bereits heftige Entzündungs­erscheinungen aufgetreten sein, so finden Einspritzungen mit schleimi­gen Mitteln, Oel oder Adstringentien (Alaun) vortheilhafte Anwendung; bei stärkerer Anschwellung des Schlauches lege man ein Suspensorium an (S. 442).
Bei starker Verengerung der Schlauchöffnung kann Spaltung desselben noting werden; diese gelingt hei ruhigen Tbieren im Stehen. Um die Wiederverwachsung der Wundränder zu verhindern, hefte man dieselben so an die nachbarliche Haut, dass sie klaffen. Am besten gelingt dieses, wenn die Spaltung an der unteren Fläche des Schlauches voru'enommen wird.
Hering spaltete beim Hengste die Hautfalte des Prilputhuns, welche bei der Erection des Penis hinderlich war; 4 Monate später schnitt er sie ganz heraus. Nach der Vernarbung wurde der eregirte Penis durch Sehrnrapiung des Prilputimns nach hinten gezogen und das Decken er­schwert. Nachdem die Narbe von neuem aufgetrennt und ihre Wiederver­wachsung verhindert war, konnte das Thier auch zu Znchtzwecken weiter verwendet werden.
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Voi'hautentzündung beim Pferde und Rinde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4B5
In manchen Gegenden wird den an Kolik oder Harnbeschwerden leidenden Pferden der Penis und Schlauch mit scharfreizenden Substan­zen (Pfeifer) und zwar in dem Glauben eingerieben, damit das Leiden zu heilen. Danach entstehen oft umfangreiche Anschwellungen des Schlauches wie des Penis, verbunden mit Schmerzen und exsudativen Vorgängen an der Oberfläche, die zu nlcorativeii Processen führen können. Wurden die Substanzen in grösserer Menge und energisch applicirt, so kann es sogar zu Nokrotisirung der äusseren Haut kommen. Der Penis hängt mehr oder weniger angeschwollen aus dem Schlauche hervor; an seiner Oberfläche erscheint die Vorhautwulst oft gänseeigross. Die ge­schwollenen Theile nehmen Piugereindrücke an, zeigen sich schmerz­haft und vermehrt warm. Wenn der Penis selbst bezw. das ihn bedeckende Blatt der Vorhaut bedeutend geschwollen ist, können selbst durch Verengerung der Urethra Harnbeschwerden entstehen. Nähere Ermittelungen geben in der Regel Aufschluss über die Natur der an­gewendeten Substanz.
In der Regel lassen sich diese entzündlichen Vorgänge ohne dauernde Folgen beseitigen; es hängt von dem Grade und Umfange derselben ab. So lange keine Harnbeschwerden eingetreten sind, wird -der Zustand nicht bedenklich. Ein Ausgang, der bei der Behandlung oft viel Schwierigkeiten bereitet, wird allerdings nicht selten beobachtet, nämlich Vorfall der Ruthe (Parapbimosis). (S, 439.)
Die Behandlung besteht in sorgfältiger Reinigung der Oberfläche des Penis und Schlauches, sowie in Bähungen derselben mit adstringi-renden Flüssigkeiten, z. B. Alaun oder Burow'schör Lösung; Bedeckung
der exeoriirten Stellen mit einem milden Fett, mit Zink- oder Bleisalbe oder Bepudern desselben mit Jodofonntannin, Lycopodium und ähn­lichen Mitteln. Zur Beförderung der Resorption und Abschwellung lässt man ein Suspensorium (S. 442) anlegen und dem Thiere einen reinen, trockenen Stand geben,
B. Die Vorhautentzündung beim Rinde. Raumschlauoh.
Nabelgeschwulst.
Lit.; Lanotte, Qurlt u, Hartwig. 7. S. 82. Gurlt, das. 22. IS. 320. Pflug, Die Krankheiten der uropoet. Organe. S. 350.
Die Vorhaut des Kindes, eine einfache Hautduplioatnr, bildet eine lange, enge Scheide. Der Eingang derselben ist eng, und der Schlauch hier mit einem Büschel langer, starker Haare besetzt. Das innere Blatt be­steht aus einer Schleiinhaut mit cutanem Ban, welche mit vielen Follikeln
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Krunkheiten tier männlichen Geschlechtsorgane.
und Papillen versehen ist und in Längsfalten liegt. Durch zwei Muskeln wird das Präputium bewegt sowie das Aus- wie Einschachten bewirkt.
Beim Binde leiden fast nur Ochsen an üntzündlichon Zuständen der Vorhaut, selten der Bulle. Die Thiere schachten beim Uriniren oft nicht aus, namentlich wenn die Vorhautöfibung bereits durch ent­zündliche Prooesse schmerzhaft und enger geworden ist. Das mit dem Urin vermischte und zersetzte Smegma häuft sich mehr und mehr in der Vorhaut an, bis schliesslich Harnbeschwerden entstehen. Auch können zufällige Verletzungen am Schlauche das Ausschachten Ver­bindern und Anlass zu dieser Erkrankung geben; Gurlt fand eine Korniibre in dem entzündeten Schlauch. Audi hat man wohl eine abnorme Schärfe des Urins als Ursache des in Rede stehenden Leidens angenommen.
Erscheinungen und Verlauf. Am vorderen Ende des Schlauches macht sich zuerst eine Anschwellung von länglicher Gestalt bemerkbar, die schmerzhaft, vermehrt warm ist und sich zuweilen bis zum Hodensack ausbreitet. Bald erfolgt Drängen auf den Harn, welcher nur tropfen­weise oder in feinem Strahle abgesetzt wird. Die Vorhaut lilsst sich nicht über den Penis zurückziehen; es besteht Phimosis. Im Präpu­tium findet sich ein grauschwarzes, schmieriges, stinkendes Smegma, welches nur unter Schmerzen aus demselben entfernt werden kann. Die Harnblase zeigt sich bei der Untersuchung per anum stark ange­füllt und auf Druck schmerzhaft. Bald tritt auch Kolik ein, die Thiere lassen mit dem Fressen nach und liebern.
Wenn der Zustand nicht bald gehoben wird, gehen die Thiere an den Folgen desselben zu Grunde. Zunächst liegt die Gefahr vor, dass Nekrose an der Vorhaut und dem Penis eintritt; mehrfach wurde selbst Absterben eines grösseren Stückes der Ruthe beobachtet. Dazu kommen die aus den Harninliltrationen im Unterhautgewebe entstehenden Bedenken; auch diese können zu septischer Phlegmone mit Gangrän­bildung, sodann durch Resorption der entzündlichen Producte und septischen Massen zu schweren allgemeinen Störungen führen; endlich droht Blasenruptur. Der Zustand ist daher keineswegs unbedenklich und verlangt namentlich rechtzeitiges Eingreifen.
Die Behandlung wird mit einer Reinigung und Freilegung des l'räputiums für den ürinabfluss eingeleitet. Gelingt dies nicht, weil der Schlaucheingang zu sein- verschwollen ist, so muss das, Präputium gespalten werden. Da die Thiere bei jeder Berührung des Penis
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Vorhautentzümlung beim Rinde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;437
heftig schlagen, so ist es vor allem nothwemlig, eine Scbenkolbremse anzulegen oder den Patienten in einen Nothstall zu bringen. Wo ein solcher nicht vorhanden ist, stellt man unruhige Thiere an eine Wand und lilsst laquo;ie durch mehrere kräftige Männer in dieser Stellung festhalten (Esser). Pflug empfiehlt unruhige Thiere niederzulegen. Bei erheblichen Schmerzen gelingt an dem stehenden Thiere oft nicht einmal die Freilegung des Schhiucheinganges. Man schneidet zunächst den Haarpinsel am Ende des Schlauches fort, macht Einspritzungen von lauwarmem Oel in das Prilputium und reibt auch die äussere Fläche damit ein. Wenn keine drohenden Harnbeschwerden besteben, und sonst keine Grefahr im Verzüge ist, lässt man das Thier wieder auf­stehen, um am nächsten Tage die Entleerung der Vorhaut vorzu­nehmen (Pflug). Zur Erleichterung dieser Procedur werden nach Pflug zunächst Einspritzungen von lauwarmem Wasser oder Bleiwasser oder Goulard'sches Wasser (Bleiessig 1, Weingeist 4, Aqua 45) ge­macht; von anderen wurde Chlorkalkmilch empfohlen; auch kann Kalium permanganat. (3—5n/o), Zinc, sulf.. Acid, tamiic. (3—5quot;/quot;) hierzu verwendet werden. Es kommt darauf au, den Schlauch möglichst vollständig zu reinigen, die Zersetzungserreger und ihre Producte zu beseitigen oder durch Desinfectionsmittel unschädlich zu machen und die entzündlichen Vorgänge zu bekämpfen. Lauwarme Ballungen des Schlauches oder öfteres Abwaschen seiner Aussenhäche muss daher auch in der nächsten Zeit fortgesetzt werden. Die etwa nekrotisirten Theile werden entfernt oder die Demarkation derselben unterstützt. Hierzu dienen namentlich Bähungen mit lauwarmen, aromatischen Flüssigkeiten oder häufige Waschungen mit warmem Carbolwasser.
In den weitaus meisten Fällen lässt sich das Spalten der Vorbaut nicht umgehen (Esser). Hierzu gehe man mit einem starken geknöpf­ten Tenotom in dieselbe ein und durchschneide das Prilputium entweder nach unten oder nach einer Seite. Pflug zieht die letztere Richtung vor, weil dabei nicht so leicht Verunreinigungen durch Urin vorkommen sollen, welche zu neuen Stricturen führen.
Bei Harninfiltrationen des Unterhautgewebes in der Nähe des Schlauches werden Einschnitte gemacht, der Inlmlt durch Drücken zu entleeren gesucht und die Aussenfläche und Wunden soweit möglich gereinigt.
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438nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der milnnlichen Geschlechtsorgane.
0, Die Vorhautenfczündung beim Schwein.
Die Vorhaut des Schweines besteht ebenfalls aus einer Hautduplicatur, deren inneres Blatt von einer mit vielen Lymphfollikeln versehenen Schleim­haut gebildet wird. An der oberen Wand des Schlauches, dicht vor seiner engen Mündung findet sich ein durch Ausstülpung der Schleimhaut gebil­deter Anhang, der „Nabelbeutel', welcher im aufgeblasenen Zustande reichlich Hühnereigrüsse besitzt. Die denselben auskleidende Schleimhaut trägt geschichtetes Plattencpithel und besitzt zahlreiche Talg- und Schweiss-drüson; daher sammelt sich hier nicht selten Smegma an, welches durch Ein-dickung zur Entstehung von „Vorhautsteinenquot; führen kann.
Auch beim Schwein leidet fast nur der Castnit, selten der Eber an Entzündung der Vorhaut, im allgemeinen verhalten sich die Vor­gänge iilmlich wie beim Ochsen, Anhäufung von Smegma in der Vorhaut oder im Nabelheutel giebt auch hier die Ursache ab, welche durch den Nabelbeutel begünstigt wird. Dieses Leiden würde gewiss häufiger beobachtet werden, wenn nicht die Schweine früher ge-schlaohtet würden.
Erscheinungen. Die Vorhaut zeigt sich geschwollen, schmerz­haft, heiss, ihre Oefihung durch die Anschwellung verengt; nicht selten bestehen Harnbeschwerden. Auf Druck entleert sich eine stinkende, schmierige Masse, welche die Vorhaut zuweilen verstopft; auch der Nabelbeutel kann mit solchen angefüllt sein und sich als eine runde Geschwulst über dem Ende des Penis in der Tiefe bemerklich machen.
Die Behandlung wird nach denselben Gesichtspunkten geleitet wie beim Binde: Entleerung des Schlauches event, auch des Nabel­beutels, Reinigung und Desinfeotion, so gut sie durchführbar erscheint. Man würde sich hierbei derselben Mittel bedienen können wie beim Rinde; auch wird die Spaltung dos Schlauches unter Umständen noth-wendig.
D. Die Vorhautentzündung hei den Fleischfressern
verhält sich anders wie bei den übrigen Thierou. Abgesehen von zu­fälligen Verletzungen kommen entzündliche Erkrankungen des Prä-putiums bei ihnen nur selten vor. Dagegen beobachtet man um so häufiger bei Hunden chronische Katarrhe der Tnnenfläche der Vorhaut (Vorhaut-Tripper); in geringem Grade leiden die meisten I lunde an demselben.
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Vorliautuntzüiulung b. d. Fleischfressern. — Phimosis u. Paraphimosis. 430
Erscheinungen. Die Haare, welche um die Oeffnung des Schlauches stehen, erscheinen verklebt, und aus dem Präputium entleert sich eine eiterige Masse, wodurch Stubenhunde beim Hinlegen zu lästigen Verunreinigungen Anlass gehen. Oft zeigen die Thiere Neigung den Locus afi'ectus zu belecken, im übrigen aber treten keine weiteren Störungen, namentlich keine Harnbeschwerden hervor. Auch an der Schleimhaut der Vorhaut und an der Eichel lassen sich in der Kegel keine erhebliche Veränderungen nachweisen; deshalb wird das Leiden fast nur bei Stubeubuuden Gegenstand der Behandlung. Die Ursachen sind unbekannt; die von den Besitzern oft gehegte Vermuthung, dass die Erkrankung mit ähnlichen Leiden der Menschen in Beziehung stehe, erscheint unbegründet.
Die Behandlung verlangt vor allem Ausdauer. Injectionen von Adstringentien (Zinc. sulf. oder sulfocarbolic. 1—20/o) Acid, tannic. 8—5 0/o) beschränken zwar die Secretion, doch kehrt diese sofort wieder, sobald man mit der Anwendung der Mittel aufhört, Auch das Be­pinseln der Innenfläche des Präputiums mit 1—50/oiger Höllenstein­lösung hat meist nur vorübergehenden Erfolg. Wenn also nicht von jeder Behandlung Abstand genommen werden soll, so muss der Be­sitzer oder Wärter des Thieres mit der Application der Mittel vertraut gemacht werden, und demselben die unausgesetzte, d. h. wöchentlich 8—4 Mal wiederholte Anwendung derselben empfohlen werden.
2. Die l'liimosis, l'araphiinosis. Lähmung der Muskeln der llutlie. Verletzungen des renis.
Lit: Oagni, Jahrb. 1885. S. 92. Haubner, Dresd. Her. 1803. 8. 48. Haase, Berl. Th. Wooh, 1890. 8. 285. Bang, Stockfleth Chirurgie. Kirillow, Jahrb. 1885. S. 98. Rödiger, Th. Mitth. 1881. 8. 09. Gtrinzer, Jahrb. 1887. S. 28. Gallimore, Her. Oporationslehre. III. Aufl. S. 276. Lambert, Th. Mitth. 1871. S. 158. Kober, Her. Rep. 89. S. 286.
Als Phimosis bezeichnet man eine abnorme Enge der Vorbaut-(iffmmg, wodurch die Eutblössung der Eichel bezw. des Penis behindert wird. Die Verengerung kann so stark sein, dnss der Urinabsatz er­schwert oder unmöglich wird. Als angeborenes Leiden kommt die l'himosis bei Thieren nur selten vor; meist gehen hier entzündliche Schwellungen der Vorhaut oder Narbenstricturen zur Entstehung der­selben Veranlassung. Man vergleiche darüber das S. 4:{;5—438 Gesagte. Bemerkt sei nur, dass unter Umständen auch die l'himosis das primäre
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440nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der männlichen Geschlechtsorgane.
Leiden bilden kann, und durch Eindickung des sich ansammelnden Smegmas sog. Vorhaut steine entstehen.
Als Paraph im os is wird der Zustand bezeichnet, wobei die Eichel in die Vorhnufc nicht zurücktreten kann, weil die Schlauch-Öffnung zu eng oder die Eichel zu gross ist. Der verschiedene Bau des Penis und der Vorhaut bei den einzelnen Thierarten bringt es mit sich, das die Paraphimosis fast nur beim Hunde beobachtet wird. Bei Pferden gestattet die weite Oetfnung der äusseren Schlauchfalte fast immer den Rücktritt des Penis, doch kann hier die Vor haut willst in dem Masse anschwellen, dass dadurch der llücktritt des Penis ver­hindert wird, ein Zustand, den man ebenfalls als Paraphimosis oder als Lähmung des Penis bezeichnet hat. Ob eine selbständige Läh­mung der die Uuthe in die Vorhaut zurückziehenden Muskeln vorkommt, muss unentschieden bleiben. Es würde sich hierbei vornehmlich um den Afterrutbenmuskel handeln, der vom vierten Kreuznerven seine motorischen Fasern erhält. Bei Kückenmarkleiden sehen wir daher auch Lähmung der fraglichen Muskeln auftreten.
Wiederkäuer und Schweine leiden höchst selten an Paraphimosis, weil die Eichel beim Rinde sehr klein ist, beim Schaf und Schwein ganz fehlt.
Bei Hunden wird der Zustand nicht selten nach dem Begattungs­akte beobachtet, und seine Entstehung besonders durch die am Präpu-tium stehenden langen Haare begünstigt. Legen sich diese nämlich auf den eregirten Penis, so treten die Enden derselben leicht mit dem Penis in die Vorhaut zurück, rollen diese um, und indem das äussere Blatt sich nach innen umschlägt, wird ein weiteres Zurücktreten der GHans penis verhindert. Hierdurch entsteht eine Anschwellung des­selben, welche das Leiden begünstigt. Anschwellungen der Eichel durch entzündliche Processe oder Neubildungen können dasselbe ver­anlassen. Bang fand um den Penis eines Hundes ein Band, welches eine starke Schwellung desselben bewirkt hatte.
Man findet die Eichel entblösst und mehr oder weniger ödematös geschwollen; sie erscheint glasig, hellroth, zuweilen dunkelroth, oft mit Schmutz und Staub bedeckt und nicht selten angetrocknet. Die Vor­haut liegt hinter der angeschwollenen Eichel dem Penis fest an, schnürt diesen ein. Nach längerem Bestehen des Leidens kommt es zu Ver­letzungen und Ulceration der Glans. Haubner beobachtete einmal Nekrose der Eichel, welche mit dem Ruthenknochen amputirt werden musste; die Heilung erfolgte in 14 Tagen.
Von den durch maligne Neubildungen an der Huthe entstandenen
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Phimosis und Paraphimosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 441
oder mit schweren Verwundungen am Penis verbundenen Paraphimosen abgesehen, verläuft die Mehrzahl der Fülle günstig und wird in der Itegel in einfacher Weise Heilung erzielt.
Behandlung. Nach erfolgter Reinigung der Eichel und Vor­haut suche man die etwa in dieselbe eingetretenen Haare zurückzu­ziehen oder mit der Schere abzuschneiden. Darauf lilsst man einige Tropfen Oel auf die Eichel und die sie einschnürende Vorhaut fallen. Dann erfasse man mit Zeigefinger und Daumen die Vorhaut des auf dem Rücken liegenden Hundes von beiden Seiten und suche dieselbe über die Eichel zu ziehen. Meist gelingt dieses ohne weiteres; unter Umständen hilft man durch einen Druck auf die Eichel nach. Sollte die Eeposition auf diese Weite nicht zu erreichen sein, so wird die Vorhaut an der unteren Fläche gespalten, worauf der Penis meist von selbst zurücktritt. Entzündliche Processe, welche sich darauf ent­wickeln sollten, werden durch Bähungen mit Bleiwasser, Alaunlösung u. s. w. bekämpft; in der Regel ist dies nicht einmal nöthig.
Beim Pferde wird das Unvermögen die lluthe in die Vorhaut zurückzuziehen nur selten durch Verengerung der äusseren Vorhaut­falte veranlasst; ihre Weite und Einrichtung lässt ein Paraphimosis kaum ZU. Dagegen können bei diesen Thieren Anschwellungen der inneren Vorhautfalte, namentlich die sog. Vorhautwulst (S. 488) die Ur­sache zum Vorfall des Penis (fälschlich als Lähmung des Penis be­zeichnet) und Unvermögen in die äussore Schlauchfalte zurückzutreten abgeben. Solche Anschwellungen kommen vorübergehend bei entzünd­lichen Erkrankungen des Schlauches und seiner Nachbarschaft z. B. nach der Castration der Thiere oder bei Verletzungen des Penis vor. An unbedeutenden Wunden schliessen sich zuweilen phlegmonöse Entzün­dungen des Schlauches an, wie Haase z. B. nach einem Peitschen­schlag beobachtete.
Ich sah solche Zustände wiederholt nach Einreihungen des Penis und Schlauches mit scharfen Substanzen (Pfeffer S. 486). — Bang constatirte bei einem Wallach Thrombose der Venen des Schlauches.
Nach Ablauf der entzündlichen Erkrankungen bleibt häufig eine Anschwellung der Vorhautwulst zurück, welche dem Eintritt dos Penis in den Schlauch hinderlich wird. Da entzündliche Krankheitserschei­nungen hierbei fehlen, hat man das Leiden wohl als Lähmung des Penis aufgefasst. Es kommen indess Fälle vor, in denen weder an der liuthe noch auch an der Vorhaut krankhafte Veränderungen nachweisbar sind, und trotzdem wird die Huthe nicht zurückgezogen, oder wenn sie
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442nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der männlichen Geschlechtsorgane.
mit fremder Hülfe in die Vorhaut gebracht wurde, fällt sie sofort wieder vor; hierbei mag' ein Lilhmungszustand in den Afterruthen­muskeln bestehen. Möglieherweise finden darin auch jene Beobach­tungen eine Erklärung, wonach zuweilen schwere Infectionskriinkheiten (Petechialheher, Caguy) diesen Zustand zurücklassen; Näheres ist hierüber jedoch bisher nicht bekannt. Als Folgezustände der Läh­mung treten oft Verletzungen und Ulcerationen der Kuthe auf; die­selbe kann soweit hervorhängen, dass sie beim Gehen von den Hinter-füssen getroffen und verletzt wird.
Die genauere Localuntersuchung nmss über die Natur der ver­schiedenen Knmkheitsprocesse Auskunft geben, welche die Paraphimosis veranlassen. Finden sich keine nachweisbaren Veränderungen und zeigt sich die lluthe zugleich empfindungslos gegen Nadelstiche, so ist die Annahme einer Paralyse derselben berechtigt. Bei Lähmung der Afterruthenmuskeln bestellt die Sensibilität in der liutho natürlich fort. Besondere Aufmerksamkeit ist der Vorluiutwulst zu schenken; sie leidet häufiger als allgemein angenommen wird.
Die Beurtheilung ergiebt sich aus der Natur des Leidens. Para­lysen des Penis bezw. der Afterruthenmuskeln sind meist unheilbar. Nur die im Verlaufe schwerer Infectionskrankheiten aufgetretenen ver­schwinden in der Hegel nach einiger Zeit. Je länger sie bestehen, desto weniger Aussicht auf Heilung liegt vor. Schwellungen der Vorhaut-wulst bieten der Behandlung oft grosse Schwierigkeiten; auch bei ihm gilt der Grundsatz, je älter sie sind, desto schwieriger ihre Heilung. Harte, derbe Anschwellungen lassen sich weniger leicht beseitigen als weiche, ödematöse.
Behandlung. Gegen entzündliche Leiden der Vorhaut werden die S. 436 beschriebenen Verfahren eingeschlagen; sollte einmal beim Pferde eine Verengerung des äusseren Blattes des Schlauches bestehen, so kann dieses gespalten werden (S. 434), Zur Beschleunigung der Resorption und baldiger Beseitigung der Anschwellung dient ein Sus­pensorium , welches auch bei älteren Schwellungen der Vorhautwulst zu empfehlen ist. Man stellt es in einfacher Weise aus einem drei­eckigen Stück Leinwand her, wie es auch zu Verbänden (Castration von Cryptorchiden) angewendet wird. Zwei Zipfel der Leinwand liegen neben dem Penis und werden durch breite Bänder befestigt, die man auf dem Kücken des Thieres zusammenbindet; mit diesen vereinigt man den nach hinten gerichteten Zipfel ebenfalls durch ein oder zwei Bänder.
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Phimosis und I'itraphiiuosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 443
Es empfiehlt sich mittuist Unterlagen von Werg, Jute oder Watte den Penis zu stützen, um Verletzungen (Scheuern) desselben zu verhin­dern; durch Urin verunreinigt, müssen sie erneuert werden. Von Zeit zu Zeit ist auch die Leinwand ZU reinigen oder zu erneuern. Die Unter­lagen lassen sich auch zur Application von Arzneimitteln verwenden, in­dem man das Werg oder die Jute mit Alaunlösung, Bleiwasser u. s. w. tränkt und von Zeit zu Zeit mit diesen Flüssigkeiten hegiesst.
Bei älteren, schmerzlosen Anschwellungen, namentlich der Vor­hautwulst, kann ich die Massage empfehlen, die mehrmals täglich 5—10 Minuten lang durch Kneten der Geschwulst ausgeübt wird; vor­heriges Einfetten verhindert hierbei Verletzungen. Nach Beendigung der Procedur sucht man den Penis in den Schlauch zurückzuschieben, und wenn derselbe nach einiger Zeit wieder vorfällt, kann er mit ein paar Heften zurückgehalten werden, die man durch den Schlaue]i legt(Rö d iger).
Aehnlich wirkt die von Kirillow empfohlene elastische Binde, welche nach erfolgter Keinigung in mehreren Touren, an der Glans anfangend, um den Penis gelegt wird und hier einige Minuten liegen bleibt. Bei sehr starker Anschwellung muss das Verfahren 2—3mal wiederholt werden, so dass es etwa 20—25 Minuten in Anspruch nimmt. Die (Hans soll darauf zurückgezogen oder nach Begiessen des Penis mit kaltem Wasser vom Operateur in die Vorhaut zurückgeschoben werden. Ein von mir beob­achteter Fall bestätigte die Angaben KirillowS,
Gelingt es auf diese Weise nicht die Anschwellung des Vorhaut-wulst zu beseitigen, so helfen zuweilen Scarificationen derselben und nachfolgende Bähungen mit Adstringentien {Alaun, Bleiwasser). Selbst­verständlich muss auch hierbei, wie während der Massagekur, ein Sus­pensorium getragen werden. Bleiben diese Verfahren erfolglos, so kann die Amputation der Vorhautwulst nothwendig werden; ich habe diese Operation wiederholt mit Erfolg ausgeführt. An dem in der Rücken­lage befindlichen Thiere zieht man den Penis möglichst weit hervor, reinigt die Vorhaut und näht die Wulst in der bei Brüchen und Neu­bildungen üblichen Weise mit Seidenligaturen ab, worauf die Wulst selbst mit Hülfe von Messer und Schere abgeschnitten wird; ich sah hiernach mehrmals sofortigen Erfolg; der Penis trat nicht mehr hervor; auch blieben die entzündlichen Folgen des operativen Eingriffs so gering, dass eine Behandlung derselben nicht noting war.
Gegen Lähinungsznstände würde man Massage der Afterruthen­muskeln zwischen After und Hodensack versuchen können; vielleicht auch Injectioneii von Veratrin, Strychnin u. a. Mitfein. Durch An­legung des Suspensoriums schützt man den äussere Verletzungen.
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Krankheiten der männlichen Goschlechtsorgiine.
Wo sich das Leiden unheilbar /.eigt, bleibt noch die Amputation des Penis übrig (S. 445).
Verletzungen des Penis. Beim Pferde kommen solche am häufigsten im Verlaufe der oben beschriebenen Vorfillle oder durch zufilllige Gewalt-einwirkungen, z, B. Peitschenschlag vor. Noch erheblichere Verwundungen werden am eregirten Penis bei Hengsten beobachtet, wenn beim Deckakt die Stute nicht gespannt war. Bei Bullen finden gleichfalls Verletzungen des eregirten Penis durch Stoss desselben gegen die Sitzbeine der Kuh statt, wenn die Huthe nicht in die Scheide eingeführt wurde. Hierbei er­folgen nicht selten Frakturen des Penis, d. h. derselbe erfahrt durch Zerreissungen seiner Corpora cavernosa und Blutungen gewaltsam Knickungen und Verbiegungen. Auch bei Pferden hat man solche gesehen (Grinzer), Bei ihnen wurden auch Verletzungen dos Penis durch irrthümliche, d. h. in dem Glauben einen Hoden vor sich zu haben vom Castrirer auf denselben gelegte Kluppen veranlasst. Lambert und Kobert berichten über solche Fälle; in dem einen derselben lag der Hoden in der Bauchhöhle. Da sich in der folgenden Nacht Kolik bei dem Pferde einstellte und fruchtloses Drängen auf Urinabsatz bestand, so wurde die Kluppe abgenommen, worauf zwar Heilung erzielt wurde, aber erst mit Amputation des Penis. Bei Hunden kamen Verletzungen des Penis durch Bisse und gewaltsames Trennen der Thiere während des Coitus zu Stande.
Die nächsten Bedenken, welche sich aus diesen Zuständen ergeben, bestehen in Harnbeschwerden; durch die Verletzung selbst oder die ent­zündliche Schwellung kann die Harnröhre comprimirt oder verlegt und dadurch der Harnabsatz behindert werden; oft gehen Narbenstricturen aus solchen Läsionen hervor.
Frakturen des Penis heilen zwar meist, d. h, die Krümmung oder Knickung verliert sich mit den entzündlichen Erscheinungen; doch hat man auch beobachtet, dass dies nicht eintrat, und das Thier in Folge dessen zur Zucht unbrauchbar wurde; wie Gallimore berichtet, wurde das Ende des Penis später nicht mehr eregirt.
Die Behandlung muss nach den allgemeinen Grundsätzen erfolgen. Zur Förderung der Circulation und Heilungsvorgänge sowie zur Vermei­dung von Verunreinigungen der Wunden wird bei Pferden ein Suspensorium angelegt, welches zugleich die Application der Arzneimittel, Kälte, Bleiwasser, Alaunlösung, Creolin u. s. w. erleichtert. Auch die zurückbleibenden Schwel-lungszustände werden auf diese AVeise am schnellsten beseitigt. Hierzu kann ferner Massage dienlich werden.
;i. Tumoren am Schlanche laquo;ml Penis. Ampntatio penis.
bit.: Roloff, Ciurlt u, Pertwig. 34. S. 185. Schütz, das. 32. 8. 319. Vavre, das. 6. S. 107. Bayer, Müll. u. Roll. 1885. S. 86. Fellenberg, Gurlt u. Hertwig. 5. S. 320. Rubinski, Jahrb. 1885. S. 93. Leisering, Dresd. Ber, 1804. S. 30. Hering, Operationslehre. III. Aufl. S. 12C. No card, Jahrb. 1885. S. 92. Harrison, Jahrb. 1885. S. 92. Haase, Herb Tb. Wocli. 1890. S. 285. GiiUler, Tb. Mitth. 1881. S. 70.
Am Schlauch der Pferde werden Fibrome (Warzen) beobachtet; auch kommen hier Carcinome (eigene Beobachtung), Melanosarkonic-
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Amputation des Penis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 445
und Carcinome (Rolof'f) vor. Am Prilputium des Hundes wie aueli anderer Thiere finden sich ebenfalls Warzen, und zwar nicht selten in grösserer Anzahl; sie sitzen meist auf dem inneren Blatte, nicht selten zugleich am Penis. Ob es sich hierbei zuweilen um Condylome handelt, wie Bayer glaubt, muss ich dahingestellt sein lassen. Das gleich­zeitige Vorkommen von Warzen am Maule kann die specifische Natur der Neubildung noch nicht beweisen, weil gerade auch hier Warzen häufig vorkommen. Eine „knotenförmigequot; Geschwulst am Penis des Hundes beobachtete Pellenberg; liubinski will Krebs bei Wallachen gefunden haben.
Die Bedeutung dieser Leiden hängt zwar in letzterer Linie von ihrer Natur und Ausbreitung ab, doch geben sie zu verschiedenen Stö­rungen und Unbequenilichkeiten Veranlassung, die bei der Beurtheiluug des Zustandes Beachtung verdienen. Einmal entsteht bei Tumoren an: l'räputium leicht Verengerung seines Einganges mit Phimosis oder Paraphimosis (Gilttler); ferner können Tumoren einen Druck auf die Uretbra ausüben, oder sie wachsen in diese hinein und erzeugen liarn-beschwerden; maligne Tumoren führen endlich zu Metastasen.
Behandlung. Gestielte Warzen entfernt man in einfacher Weise mit der Schere; die geringe Blutung wird mit dem Döllensteinstift oder dem Glüheisen gestillt und zugleich die Reproduction der Neu­bildung zurückgehalten. Grössere, gestielte Tumoren lassen sich unter­binden oder mit dem Ecraseur beseitigen; auch empfiehlt sich hier die elastische Ligatur. Warzen mit breiter Basis und andere gut­artige Geschwülste können, so lange sie noch klein sind, durch Aetz-mittel (Chromsäure, Salpeter- oder Schwefelsäure) entfernt werden, grössere beseitigt man in zuverlässiger Weise mit dem Messer; dies gilt namentlich von allen Geschwülsten, die den Verdacht auf Mali-gnität erwecken. Hier kann selbst die Amputation des Penis noth-wendig werden, um das Thier zu retten oder doch einige Zeit arbeits­fähig zu erhalten.
Die Amputation des Penis,
Der grösste Tlieil des Penis besteht aus den cavernösen Körpern, welche mit der Harnröhre und den Gefilssen von der derben, fibrösen Tunica albuginea umkleidet werden. An der unteren Flüche des Penis liegt in einer Kinne die Harnröhre, umgeben von ihrem cavernösen Körper und Muskel, Die. Arteria und Vena dorsal penis bilden die grössten Blut-gefüsso. Kei Hunden kommt endlieh noch der Uuthenknoehen bei der Ope­ration in Betracht.
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44(3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der milnnliclien Geschlechtsorgane.
Bei der Amputation des Penis ist mit 8 Factoren zu rechnen, nämlich: 1. mit der Blutung, 2. mit der Harnröhre und .'5. mit der Sohmerzhaftigkeit. Anlass zur Amputation können, wie oben erwähnt, sowohl Tumoren, wie auch Paralysen und entzündliche Pro-cesse mit Nekrose geben. Folgende Methoden sind hierzu in Vor­schlag gebracht:
1.nbsp; nbsp;Die Unterbindung. Sie gewährt die grösste Sicherheit gegen Blutung, ist jedoch sehr schmerzhaft und verlangt besondere Rück­sicht auf die ürothru. Die letztere muss entweder vorher zurückgelegt werden, damit sie nicht verschlossen wird, oder man schiebt ein Me­tallrohr in dieselbe, um sie in der Ligatur offen zu erhalten. Zur Unterbindung eignet sich vorzugsweise die elastische Ligatur; bei an­deren Materialien wird das Nachziehen der Schlinge in den folgenden Tagen erforderlich. Hertwig empfiehlt die Castrirschlinge. Bei täg­lichem Nachziehen wird der Penis des Pferdes in (J—8 Tagen durch­schnitten. Muss die Ligatur hoch oben angelegt werden, so spaltet man vorher die Vorhaut.
Unzulässig ist die Unterbindung bei Hunden, so weit der Ruthen­knochen reicht.
2.nbsp; Das Glüheisen. Zur Venneidimg der Blutung wurde das messerförmige GHüheisen empfohlen; gegen dasselbe spricht die Scbmerz-haftigkeit, die sich allerdings durch Narkose umgehen lässt. Die Harnröhre wird freigelegt, sodann unterhalb dieser Stelle mit dem Glüheisen die Huthe durchschnitten. Um diese hierbei bequem halten zu können, werden zwei Ligaturen angelegt und zwischen beiden die Trennung vorgenommen. Besondere Vorsicht verlangen die Dorsal-gefässe. Bei kleinen Thieren empfiehlt Nocard die galvanocaustische Schlinge; dazu gehört allerdings ein kostspieliger Apparat, der nur grösseren Kliniken zu Gebote stehen dürfte.
'A. Das Abschneiden. Auch bei grösseren Thieren hat man mehrfach die Beobachtung machen können, dass bei dem einfachen Abschneiden keine gefahrdrohende Blutung eintritt. Einige wollen zunächst die Dorsalgefässe unterbinden, andere durchschnitten auch diese ohne weiteres; Barthelemy und Chariot operirteu so beim Pferde, Pellenberg beim Munde. Man legte auch hierbei zwei Liga­turen an, zwischen denen die Trennung vorgenommen wurde; die obere Ligatur verhinderte zunächst die Blutung. Dass selbst diese nicht immer nöthig ist, beweist eine Beobachtimg Huntings, welcher beim Pony den Penis einfach durchschnitt, sodann eine halbe Stunde durch einen Gehülfen den Stumpf comprimiren liess, worauf eine erhebliche Blutung
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Amputation dos Penis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 447
nicht mehr eintrat. Wenn am liegenden Thier operirt wird, lilsst sich beim Pferde das den Penis umkleidende Blatt der Vorhaut vor dem Stumpf zusammenheften. Haase operirte in der Weise mit Catgut und will Heilung per prim. int. erzielt haben. Auch hierbei empfiehlt sich, die Harnröhre freizulegen, ihre Schleimhaut zu spalten und seit­wärts anzuheften, um Verengerungen zu vermeiden (Chariot).
Nach dem Abschneiden kann am liegenden Thier im Notlifalle das Brenneisen zur Blutstillung verwendet werden. Im allgemeinen sei man mit diesem Verfahren jedoch vorsichtig und vergesse nicht, dass das, was in dem einen Falle gut geht, sich nicht so in jedem anderen Falle gestaltet.
Es würde sich daher empfehlen, die blutenden Gefässe nach Mög­lichkeit in eine isolirte Ligatur zu bringen, und beim Pferde das l'ril-putium über den Stumpf zu ziehen und hier zu heften.
4, Der Ecraseur. Neben dem Abbrennen und der Unter­bindung dürfte diese Methode die schmerzhafteste sein, doch kann hier die Narkose um so mehr helfen, als die Operation nur von kurzer Dauer ist. Nachdem sowohl der Penis wie der Schlauch gereinigt sind, legt man um das Ende des ersteren eine Schlinge, um denselben be­quemer halten zu können; die Harnröhre wird nun auf 8—4 cm frei präparirt und durchschnitten. Sodann setzt man den Ecraseur da an, wo die Trennung erfolgen soll, und lüsst denselben langsam wirken. Anfangs bietet das Gewebe nur wenigquot; Widerstand, indem die Cor­pora cavernosa leicht comprimirt und zerrissen werden, (regen Ende der Operation macht sich ein um so grösserer Widerstand bemerkbar, wenn nämlich nur noch die Tunica allniginea in der Schlinge oder Kette des Ecraseurs liegt. Mir passirte es einmal, dass hierbei die Kette gesprengt wurde. Ich entschloss mich deshalb zur Unterbindung des Restes und schnitt das Ende des Penis ab. Der Erfolg war ein vorzüg­licher, indem die Heilung ohne alle Störung in kurzer Zeit zu Stande kam. Später habe ich stets so operirt und kann diese Methode nur empfehlen. Man schont nicht nur das Instrument, sondern vermeidet jede Blutung und erzielt leichte Wimdheilung. Die Harnröhre lässt sich bei diesem Verfahren vortheilhuft an die durch die Ligatur fixirte Abuginea heften, und wenn dieses mit (sterilisirteni) Catgut oder Seide geschieht, so verwächst dieselbe hier schnell, und die Gefahr späterer Stricturen gestaltet sich so am geringsten. Gerade aber diese bildet die häufigste und unangenehmste Folge der Amputation des l'enis, welche Methode auch in Anwendung kommt.
Die Anlegung einer Metallröhre in die Urethra schützt zwar in
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448nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der männlichen Geschlechtsorgane.
der ersten Zeit vor Huriibescliwerden, welelie dureh die entzündliche Schwellung veranlasst werden; für spätere Zeit bewirkt sie aber ge­rade das Gegentlieil; wenn man solche Röhren also vermeiden kann, ist es um so besser. Die Stricturen können so gross werden, class sie zur Blasenrnptur führen, wie Cagny beobachtete.
Bei Hunden lilsst sich die Amputation entweder hinter dem Uuthenknochen mit dem Messer oder dem Ecraseur oder mittelst Durchsägen des Kuthenknochens ausführen. Nach dem letzteren Ver­fahren kommen Stricturen und Verschluss der Harnröhre offenbar leichter zu Stande, doch habe ich sowohl die Amputation hinter dem liuthenknochen mit Unterinndung der Blutgefässe, Freilegung und Anheften der Urethra wie auch die Durchsilgung des Kuthenknochens mit gutem Erfolge ausgeführt. Ein in letzterer Weise operirter Hund ging ein Jahr später an einem Darmleiden zu Grunde; bei der Section zeigte sich der Stumpf regelmässig und ohne erhebliche Strictur der Harnröhre vernarbt.
Die Nachbehandlung bleibt bei allen Methoden dieselbe und bestellt in Reinerhaltung des Schlauches durch Spülen oder Ausspritzen mit desinflcirenden Flüssigkeiten.
4. Die Krankheiten der Prostata.
Lit.: Johne, Dresd. Ber, 1884. S. 28. Bang, Slockfleth Chirurgie. S. 597. Haubner, Dresd. 15er. 1803. S. 49. Förster, Path. Anat. II. S. 868. Simon eis, Oaust. Jahrb. 1847. S. 29. Sickert, Th. Mitth. 1879. S. 70. Oacliot u. Pournier, Jahrb. 1888. S. 129. Frauen hol-/., Tb. Mith. 1881. S. 69. Reine mann, das. 1882. S. 65.
Die Vorsteherdrüse bestellt beim Pferde aus zwei Lappen, welche gegen 8 cm lang und 5,5 cm breit sind. Beim Kinde und Schwein ist das Organ sehr verkrümmt, gross dagegen bei den Fleisch­fressern, deren Harnröhre von der Prostata umgeben wird.
Erkrankungen dieser Drüse sind bei Thieren viel seltener als beim Menschen, doch hat man bei Fleischfressern (Hunden) nicht nur acute Entzündungsprocesse mit Abscessbildung (Johne, Bang), sondern auch chronische Verdickungen und Neubildungen in derselben beob­achtet. Die ersteren entstehen offenbar durch Fortpflanzung entzünd­licher Frocesse aus der Urethra; Haubner konnte einen Abscess der Drüse durch die Harnwege, Reinemann aus einer unter dem After eines Stieres entstandenen Geschwulst entleeren. Bang beobachtete
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Krankheiten der Prostata.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;449
heim Pferde acute Prostatitis; bei Rindern wird die Prostata zuweilen Sitz der Tuherculose (Frauenholz).
Hypertrophie der Prostata, ein Leiden, das hei älteren Leuten so häufig vorkommt, und in Neubildung von Drüsen- und muskulärem Zwischongewehe in der Prostata besteht, wird fast nur hei Hunden und auch hier nicht häufig gesehen; Forster hat indoss mehrere Fälle der Art untersucht. Simonds will die Prostata eines Hundes lO1^ Pfund schwer gefunden haben, während der ganze Hund ebne diese Ge­schwulst nur lö1^ Pfund (?) wog. Sickert abducirte ein Pferd, dessen Prostata ein Gewicht von 21ja Pfund hatte.
Auch Tumoren sind mehrfach in der Prostata beobachtet (Ca-diot fand Krebs).
Bei Schafen beschreibt Gurlt sog. Prostatasteine, welche zum Theil durch Niederschläge aus dem Drilsensecret entstehen, zum Theil als Harnsteine aus der Blase stammen.
Alle diese Zustände erlangen dadurch erst Bedeutung, dass sie durch Druck auf die Urethra den Harnabsatz erschweren. Die acut-entzündlichen Processe können wahrscheinlich auch auf die Harnwege übergreifen und zu Erkrankungen der Harnröhre führen, welche weiter­bin durch Pyelonephritis oft tödtlich verlaufen.
Erscheinungen und Verlauf. Harnbeschwerden machen zuerst auf das Leiden aufmerksam; die Thiere drängen bald erfolglos, hahl unter Entleerung des Urins in dünnem Strahl oder tropfenweise; zu­weilen besteht unwillkürlicher Harnabgang. Wird bei Hunden unter solchen Umständen kein iiarnröhrenstein vorgefunden, so muss die Untersuchung per anum vorgenommen werden; dabei lässt sich die angeschwollene Prostata dicht hinter der Blase fühlen. Bei acut ent­zündlichen Erkrankungen erscheint die Anschwellung weich und schmerzhaft, bei chronischen schmerzlos und hurt; bei Prostatasteinen fühlt sich das Organ zuweilen wie ein Schrotbeutel an. Ahscesse lassen sich unter Umständen durch die Harnwege entleeren. Durch Druck auf die hiiimereigrosse Prostata eines Hundes konnte Haubner eine eiterige, übelriechende Flüssigkeit aus der Harnröhre entleeren, worauf Heilung eintrat, während in dem von lieinemann beob­achteten Falle der Stier an Cystitis einging. I'rostatahypertrophie und Tumoren führen in der Kegel durch Störungen in der Harn­entleerung zum Tode, oder sie geben zur Tödtnng des Thieres Ver­anlassung.
Müller, Speoiello Chirurgie tttt ThierSrzto.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 29
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Krankheiten der männlichen Geschlechtsorgane.
Behandlung. Bei acuten Krankheitsvorgängen empfehlen sich Abführmittel und Klystiere, um jede Verstärkung des Druckes auf die Harnröhre, welche mit der Füllung des Mastdarmes verbunden sein würde, zu vermeiden. Man könnte ferner den Versuch machen, vom Rectum aus eine Entleerung der abscedirenden Drüse vorzunehmen. Auch dürften Einspritzungen mit Hülfe des Katheters zu versuchen sein, wozu Desiniicientien sich eignen.
Bei chronischen Erkrankungen bleibt nur der Versuch der Ex-stirpation übrig, eine Operation, die meines Wissens bei Thieren noch nicht ausgeführt worden ist, als aussichtslos aber nicht bezeichnet werden kann.
6. Die Krankheiten des Serotnms.
Lit.; Rainard u. Sotiaak, Journ. de mud. vet. de Mid. 1879. Bang, Stock-lleth Chirurgie, llosonbaum, Gurlt u. Hertwig. 12. S. 148. Eber-hardt, das. 14. S. 381. Harms, Th. Mitth. 1808. S. 145.
a) Verletzungen, Wunden und Quetschungen des Hoden­sackes kommen abgesehen von den zu operativen Zwecken (Castra­tion) erzeugten in Folge der geschützten Lage des Organs bei Thieren im ganzen nur selten vor; doch beobachtet man bei Hunden Bisswunden, sowie Verletzungen durch Glasscherben und Holz (Dornen) bei miss-glückten Versuchen über Hecken und Zäune zu springen. Das Scro­tum des Pferdes wird zuweilen durch die Wagendeichsel verletzt; am Hodensack des Hundes tritt nach längerem Liegen (Paraplegic, Staupe) Decubitalgangrän auf.
Die Beurtheilung dieser Zustände hängt vornehmlich davon ab, ob die Verletzungen penetrirend und event, mit Verletzung des Hodens verbunden sind oder nicht. Als penetrirend müssen hier die Wunden bezeichnet werden, welche bis in den Processus viiginalis reichen. So lange mit solchen keine diffuse Peritonitis verbunden ist, gestaltet sicli die Prognose bezüglich der Erhaltung des Thieres günstig; der Hoden ist jedoch meist nicht zu erhalten. Sobald die Scheidenhaut geöffnet wird, erscheint auch der Versuch den Hoden zu erhalten nicht unbe­denklich, weil sich leicht eine infectiöse Peritonitis anscbliesst. Als gefährlich müssen ferner diejenigen Verletzungen des Scrotums an­gesehen werden, welche mit umfangreicher Gangränbildung verbunden sind, wie sie nach schweren Quetschungen vorkommt. Oberflächliche liodensackwunden heilen dagegen meist ohne naclitlieilige Folgen.
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Krankheiten des Scrotums.
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Behandlung. Zunüclist muss eine sorgfältige Reinigung ein­treten, alsdann untersuche man die Wunde genauer, um sich von ihrer Ausbreitung ZU überzeugen. Liegt Aussicht vor, den Hoden zu erhalten, so leite man antiseptische Behandlung ein. Bei grösseren Thieren empfiehlt sich der S. 442 beschriebene Verband. Die Antisepsis muss namentlich bei tieferen, bis zum Processus vaginalis vordringenden Wunden Anwendung finden, wenn dabei der Hode erhalten werden soll, um das Uebergreifen der Entzündung auf den Processus und das Peritoneum zu verhüten. Oft ist die Castration des Thieres vorzu­ziehen, dabei spaltet man das Scrotum so, dass das Wundsecret mög­lichst freien Abflnss findet, und treffe dieselben Massregehi, welche bei der Castration Anwendung finden. Oberflächliche Verletzungen des Scrotums werden nach den allgemeinen Grundsätzen der Chirurgie be­handelt.
b) Entzündungen der Scrotalhaut sah man wiederholt in nördlichen Gegenden beim Kinde durch Erfrieren eintreten (Bang); es soll dies namentlich leicht vorkommen, wenn Bullen im Schnee­gestöber transportirt werden. Nachdem die Thiere in den Stall ge­kommen, stellt sich Köthung und Schwellung der Scrotalhaut ein; die Falten verschwinden in Folge dessen am Scrotum. Bald tritt Exsu­dation ein, und nicht selten kommt es zum oberflächlichen Absterben der Scrotalhaut. Es handelt sich also um eine Erfrierung zweiten oder dritten Grades.
Das Leiden verläuft fast immer günstig, obgleich zuweilen ein langwieriges Ekzem zurückbleibt, welches der Behandlung besonders zu trotzen pflegt, wenn sich profuse Absonderung einstellt.
Nur ausnahmsweise entwickeln sich Entzündungsprocesse des Scrotums durch Fortsetzung von der Nachbarschaft; Rainard be­obachtet solches nach dem Darmstich.
Bei Hunden verbreitet sich nicht selten ein acutes Ekzem über den ganzen Hodensack; es ist mit Anschwellung, bei weisser Haut auch mit liöthung, ferner mit Exsudation, Seil merz oder ducken verbunden, wodurch die Thiere veranlasst werden, die erkrankte Stelle fortdauernd zu belecken und so die Heilung zu stören und die Behandlung zu erschweren. Zuweilen zeigen die Thiere in Folge steter Anschwel­lung einen breitbeinigen Gang.
Die Behandlung bei Erfrierung des Scrotums besteht in An­wendung aromatischer Bähungen und deckender Mittel. Mehlpiilver, Acid, tannic. event, mit Jodoform senüffen in der Regel. Beim Ekzem
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Krankheiten der männlichen Geschlechtsorgane.
empfehlen sich Bepuderungen mit Pulv. Lycopod., Tannin, Jodoform, wodurch die Thiere zugleich vom Belecken der erkrankten Stelle ah-gelialteu werden. Wenn die Exsudation nicht sehr stark ist, finden Einpinselungen mit Jodoform-Collodium zuweilen vortheilhafte Anwen­dung. Vielleicht liesso sich auch hier vom Cocain unter Umständen Gebrauch machen.
Die Scrotalhaut ist ferner nicht selten Sitz von Neubildungen. Rosenbaum fand eine Geschwulst am Hodensack eines Stieres; ebenso Eberhardt bei einem 1 ^jährigen Bullen einen gegen 40 cm langen 'rumor. Die Natur dieser Neubildungen lässt sich ans der Beschrei­bung des Berichterstatters jedoch nicht erkennen.
Beim Hunde wurde von mir eine ausgedehnte „Varicositätquot; (diffuse Erweiterungen der Hautvenen, Varices) beobachtet, welche mit Ulceration der Haut und recidivirenden, profusen Blutungen verbun­den war.
Welches Leiden dem von Anacker bei Bullen als Pneumatose des Hodensackes beschriebenen Zustande zu Grunde gelegen hat, lässt sich aus den Mittheilungen desselben nicht ersehen; wahrscheinlich handelte es sich um eine Hernie. Ebensowenig geben die Angaben Eberhardts über den „zu langen Qodensaokquot; beim Bullen ein Bild von dem Zustande desselben. Bemerkt sei jedoch, dass bei Hun­den das Herabhängen des Hodensackes und das nicht Anziehen der Hoden beim Anfassen des Scrotums als ein bedenkliches Zeichen zu betrachten ist, welches bei letalem Ausgange schwerer, innerlicher Leiden zuweilen auch bei den übrigen Thieren beobachtet wird, und diagnostisch zu verwerthen ist.
Die Behandlung dieser Zustände ergiebt sich von selbst. Neu­bildungen lassen sich in der Regel leicht entfernen, wenn sie keine zu grosse Basis haben und bis auf die Tunica vaginalis vordringen. Die Beweglichkeit des Tumors giebt hierüber Aufschluss. Im Noth-falle kann indess ohne Gefahr das ganze Scrotum mit den Hoden fort-genomnien werden, wie die primitiven Methoden der Castration bei Wiederkäuern am besten zeigen.
Im Ilodensacke bezw. in der Scheidenhaut wurden mehrfach Parasiten beobachtet, nämlich alle diejenigen, welche im l'eritoneal-sacke vorkommen, Sclerostomuiu armatum, Filaria papillosa u. a. (Gresswell). Sie haben keine besondere Bedeutung und werden meist nur zufällig bei der Castration oder bei Sectionen angetroffen.
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(). Die Krankheiten laquo;les Hodens. Castration der Cryptorehiden.
Lit: Leisering, Dresd. Ber. 1872. S. 27 u. 1804. S. 35. Kaiser, Th. Mitth. 1879. S, 72. Cox, Gurlt u. Hertwig. 10. S. 383. Olivier, das. 7. S. 499. Gurlt, das 22. S. 826 u. 17. S. 99 U. 6. S. 391. Preusso, Jahrb. 1878. S. 110. Wallraff, Her. Rep. 7. S. 219. Ludwig, Dresd. Ber. 1856. S. 54. Lowaok, Th. Mitth. 1858. S. 161. Hess, Jahrb. 1888. S. 129. Knese, Th. Mitth. 1879. S. 72. Johne, Dresd. Ber. 1885. S. 24. Meiss-nor, das. 1885. S. 84. Hartwig, Gurlt u. Hertwig. 25. S. 488. Fünf-stück, Dresd. Ber. 1862. S. 22. Fambach, das. 1880. S. 78. Siedam-grotzky, das. 1871. S. 78 u. 1873. S. 25. Martin, Münch. Her. 1882/88. S. 119. Trasbot, Jahrb. 1885. S. 92. Gresswell, das, 1886. Peters, Gurlt u. Hertwig. 7. S. 48. Wosehe, das. 19. S. 47Ü. Möller, Monats­hefte f. pr. Th. 1890. S. 385. l'angoue, Her. Rep. 14. S. 47.
ii) Angeborene Dufecte und Retention der Hoden Beim Pferde und Hunde, seltener bei den übrigen Tbierarten wird eine rudimentäre Entwickelung oder vollständiges Feblen (Anorcbidie) eines oder beider Hoden beobaebtet. Leisering fand die Hoden eines Hengstes, welcher an 40 Stuten obne Erfolg gedeckt hatte, von fast normaler Grosse, aber scblaff; sie zeigten nicht die pralle l(1illlung nor­maler Hoden; ihre Arterien waren erweitert, das Bindegewebe verdickt, der Samen wässerig; durchsichtig, enthielt nur vereinzelte Samenfäden, da­gegen viele liundzellen. Eine gleiche Beschaffenheit trifft man an den in der Bauchhöhle retinirten Hoden der Pferde. Dieser Zustand (Retentio testis) wird nicht selten bei Hengsten, namentlich der kalt­blütigen, schweren Racen, aber auch bei anderen Thieren beobachtet. Leisering und Gurlt fanden beim Hunde die Hoden in der Bauch­höhle, ebenso Preusse beim Schwein und Kaiser beim Bullen. Man spricht von einer Retentio abdominalis, wenn der Kode an der oberen Rauchwand liegt, von einer R. iliaca, wenn er sich in der Nähe des Innern Bauchringes und von einer R. inguinalis, wenn er sich im Leistenkanal befindet. Dieses scheinbare Fehlen eines oder beider Hoden heisst „Monorchismusquot; bezw. raquo;Cryptorohismus*, Klopf-, Spitz­oder Urhengst. In den ersten Lebensmonaten liegen beim Fohlen die Hoden im Leistenkanale und steigen erst gegen Ende des ersten Jahres in das Scrotum herab.
Eine seltene Lage des Hodens constafirte Gurlt heim Pferde; er fand denselben am Zwerchfell befestigt. Zuweilen liegen die Hoden zwar aimerhalb der Bauchhöhle, aber nicht im Hodensack (Ectopic des Hodens). So fand man ihn unter dem Bauchfell oder im Schenkel-
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Krankheiten der miinnlichen Geschlechtsorgane.
kaiiul; den evsteren Zustand nennt man Ectopia abdominalis, den letzteren E. cruralis. Ich fand bei Hunden einen oder beide Hoden unter der Haut neben der Glaus penis liegend; bei Bullen wurde ein Hoden in der Subcutis der Flankengogend angetroffen.
Ueberzählige Hoden will man beim Pferde und Maultlüere gesellen haben. Cox fand beim Pferde drei Hoden und Olivier beim Maulthier sogar vier. Gegen die Eichtigkeit dieser Mittheilungen lassen sich indess Bedenken erheben; es liegt der Gedanke nahe, dass es sich um Verwechselungen mit anderen Gebilden gehandelt hat, da eine eingehende Beschreibung der überzähligen Organes fehlt.
Hie Bedeutung aller dieser Zustände ergiebt sich von selbst. Hie Anorchidie sowie die mangelhafte Ausbildung beider Hoden macht das Thier zu Zuchtzwecken unbrauchbar. Das gilt im allgemeinen auch vom Cryptorchisnms, denn die in der Bauchhöhle retinirten Hoden zeigen sich meist atrophisch, schlaff und enthalten keine oder verkümmerte Samenfäden; doch habe ich wiederholt in der Bauchhöhle des Pferdes vollkommen entwickelte Hoden mit reichlichem Gehalt an Spermatozoen angetroffen, Die Frage der Zeugungsfähigkeit der Cryptorchiden wurde von Gurlt zur Beurtheilung der Bedeutung der Samenfäden zuerst aufgeworfen und musste nach seinen Untersuchungen verneint werden, denn er konnte keine Spermatozoiden in den retinirten Hoden nachweisen; später ist dieselbe verschieden beantwortet worden. Peters gelangte auf Grund seiner Beobachtungen an sog, Klopfhengsten ZU der Ansicht, dass sie unfruchtbar seien, wohl aber den Begattungsakt ausführen könnten. We sehe dagegen will Fruchtbarkeit bei Cryptor­chiden gefunden haben; er beschreibt indess einen Cryptorchismus in-guinalis. Die Frage wird sich prineipiell kaum entscheiden lassen; es hängt offenbar von der Entwickelung des Hodens ab, ob Zeugungsfähig-keit besteht. Die grosso Mehrzahl der retinirten Hoden zeigt sich allerdings hochgradig verkümmert und enthält keine Spermatozoiden. Dagegen berichtet Pargoue über einen Hengst, dessen Hoden beide nicht sichtbar waren, unter dessen Söhnen jedoch fünf Cryptorchiden bezw. Monorchiden sich befanden; danach wäre der Zustand zugleich vererblich.
An den retinirten Hoden kommen oft krankhafte, nicht selten maligne Neubildugen (Sarkome, Carcinome u. s. w.) vor. Beim Hunde fand Leisering den in der Bauchhöhle liegenden Hoden krebsig ent­artet; auch bei Pferden hat man dasselbe gesehen. Häufiger noch erkranken beim Menschen solche Hoden, so dass man sich zur baldi­gen Entfernung derselben entschliesst.
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Cryptorcliismus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;455
Für das Pferd hat die Entfernung des retinirten Hodens diese Bedeutung nicht, dagegen wird dieselbe häufig nothwenclig, weil die geschlechtliche Erregung der Thiere, namentlich im Frühjahr, die wirthschaftliche Verwendung derselben oft erheblich stört; manche Klopfhengste zeigen sich SO bösartig, dass der Umgang mit ihnen gefährlich wird.
Die Castration der Cryptorchiden verlangt einige Hebung und sorgsame Beachtung der Antisepsis. Nachdem diese Operation durch Stockfleth und Nielsen in Dänemark, Degive in Belgien besonders gepflegt worden war, hat neuerdings auch Bang sich mit derselben beschäftigt. Mit Hülfe der Antisepsis ist die Castration der Cryptorchiden be/,\v. Monorchiden bei weitem nicht mehr so gefährlich, dass mau, wie Hering vorschlägt, besser darauf verzichtet. Unter antiseptischen Massnahmen gestaltet sich die Operation zu einer recht dankbaren und hat unter umständen grosse Bedeutung.
Früher und vereinzelt auch in neuerer Zeit hat man empfohlen, die Eröffnung der Bauchhöhle von der Flanke aus vorzunehmen. Fast alle mit der Operation mehr beschäftigten Operateure haben sich je­doch für den Leistenkanal als Operationsfeld ausgesprochen; auch ich muss diesen Weg empfehlen. Indem ich bezüglich der Modifi­cation der Operation auf meine Arbeit in den Monatsheften für prak­tische Thierheilkunde verweise, soll hier in Kürze das gegenwärtige Verfahren beschrieben werden, wie ich es ausserhalb der Klinik anwende. Womöglich operire man im Freien; das zum Niederlegen benutzte Stroh wird Abends vorher ausgestreut, um das Stauben desselben zu vermeiden. Bei Pferden, welche einige Wochen hin­durch dürftig ernährt wurden und mager geworden sind, gelingt die Castration am sichersten. Einige Tage vor der Operation giebt mau eine Aloepille, um den Darm zu entleeren, und von da ab möglichst wenig aber conceutrirtes Futter (Hafer mit wenig Heu, aber kein Stroh).
Das so vorbereitete Pferd wird niedergelegt, so dass die zu ope-rirende Seite oben, das Hintertheil in halber Rückenlage und etwas höher liegt als das Vordertbeil; der obere Hinterfuss wird sodann wie bei der gewöhnlichen Castration nach vorn ausgebunden, in Abductions-und Heugestellung zu halten gesucht. Durch Umhüllung der vorher gereinigten Hufe mit feuchten Tüchern und Anfeuchten der Haare an dem oben liegenden Hinterschenkel werden Verunreinigungen des Ope­rationsfeldes verhütet.
Drei Schalen mit Carbolwasser (2—30/o) sind erforderlich: die
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Krankheiten der männlichen Geschlechtsorgane.
eine nimmt die Instrumente auf, die zweite Unterbiiulungsfilden und Nadeln, die dritte dient dem Operateur zum Eintauchen seiner Hände vor dem Eingehen in die Bauchhöhle. In einer vierten Schüssel werden Tupfer aus aseptischer Watte vorrüthig gehalten. Zweokmässig ist endlich ein Gefäss mit Ausguss, um als Irrigator zu dienen.
So Torbereitet wird das Pferd chloroformirt, und während der Zeit das Operationsfeld gewaschen und desinficirt (Abseifen und Spülen mit Carhol oder Suhlimatwasser). Sobald die Narkose vollständig ist, stellen sich die Gehülfen mit den Schalen in der Nähe des Opera­teurs auf, dessen Hände sorgfältig desinficirt und dessen Aermel bis über das Ellbogengelenk zurückgeschoben sind. Man nimmt die­selbe Lage wie bei der Castration ein.
Die Operation zerfällt in folgende Akte:
1.nbsp; nbsp;Der Einschnitt. Unmittelbar auf dem äusseren Leistenringo, vielleicht etwas mehr nach der medialen Seite und parallel mit dem­selben macht man einen 6—7 cm hingen Hautschnitt mit dem geballten Bistouri und trennt in derselben Ausdehnung die Unterhaut und die hier liegende Fascie. Die etwa blutenden Gefässe werden alsbald unter­bunden.
2.nbsp; nbsp;Die Freilegung des Leistenkanals. Mit beiden Zeige­fingern, eventuell unter Zuhülfenahme der Daumen sucht man das lockere Bindegewebe im Leistenkanale bei Seite zu schieben und bahnt sich einen Weg in der Richtung zum inneren Bauchring. Sodann geht man mit Zeige- und Mittelfinger der Hand, welche der oben liegenden Seite des Thieres entspricht, in den Leistenkanal ein, um sich zu Überzeugen, ob ein Processus vaginalis, eventuell mit Be-standtheilen des Samenstranges in demselben liegt. Trifft man hier den Hoden an (Retentio inguinalis), so gestaltet sich die weitere Operation sehr einfach, d. h. ebenso wie bei der gewöhnlichen Castra­tion. Zuweilen findet sich ein mehr oder weniger verkümmerter, etwa handschuhfingergrosser Scheidenfortsatz mit dem Schweif des Neben­hodens im Leistenkanal. In solchem Fallt untersuche man den inneren Bauchring durch Einführen des Zeigefingers und überzeuge sich von dessen Weite. Meist ist derselbe gleichfalls abnorm eng und gestattet selbst dem rudimentären Hoden keinen Durchgang. Da aber die Er­weiterung desselben mit Schwierigkeiten verknüpft ist, so ziehe ich in solchem Falle vor, den Scheidenfortsatz unbeachtet zu lassen, und neben demselben einen Zugang zur Bauchhöhle zu suchen. Sollte der innere Baucbring weiter erscheinen, so würde man den Processus
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Castration der Cryptorchiden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;457
vag. spalten und dann ebenso wie bei der einfachen Castration ver-t'aliren.
3.nbsp; nbsp;Die Perforation der Bauclidecke. Wenn die Finger etwa bis zu den letzten Knöcheln in den Leistenkanal eingedrungen sind, fühlen sie die Biiuchdecken in der Tiefe. Zuweilen erkennt man deutlich den hinteren Hand der Querbruclnnuskeln oder die Fasern des M. obliquus internus. Dicht hinter dem inneren Bauchringe stösst man auf lockeres Bindegewebe; Degive nimmt hier die Perforation vor. Ich ziehe nut Bang die Perporation der inneren schiefen Bauch­muskel an der inneren Wand des Leistenkanals, etwas medianwärts vom inneren Bauchringe vor. Man erhält auf diese Weise eine „Knopf-lochwundequot;, die nicht klafft, sondern sich bald wieder verschliesst und so einen Darmvorfull verhindert. Ein energischer Stoss mit Zeigefinger und Mittelfinger während der Inspiration des Pferdes führt diese bald durch die Bauchdecken in die Bauchhöhle. Man trifft indess grosse Verschiedenheiten; bei manchen Thieren gelingt die Per­foration sehr leicht, bei anderen verlangt sie energische Kraftanwendung.
4.nbsp; Das Aufsuchen des Hodens. Dieser Akt bietet für den weniger Geübten die grüssten Schwierigkeiten, denn das Auffinden des Hodens oder Samenstranges zeigt sich zuweilen nicht leicht; doch gelingt dieses meist mit den beiden ersten Fingern, ohne Einführung der ganzen Hand. Sobald die Baiichwand perforirt ist, sucht man mit den beiden Fingern nach allen Seiten, um den Hoden, Nebenhoden oder Samen­strang zu treffen. Der Hode wird leicht mit einer leeren Darmsohlinge verwechselt, von der or sich durch seine Begrenzung und grössere Festigkeit unterscheidet; beim Druck auf denselben werden die Thiere unruhig; der Schweif des Nebenhodens zeigt eine eigenthümliche Beschaffenheit: in der im allgemeinen weichen Masse fühlt man härtere, derbere Stränge. Der Samenleiter giebt sich den Fingern als ein bindfadenstarker, harter Strang zu erkennen. Letzterer eignet sich besonders zum Autsuchen des Hodens, denn er wird an seiner geringen Grosse und fadenförmigen Härte leicht erkannt und lässt sich ohne grosse Schwierigkeit mit den Fingern hervorziehen, was beim Hoden selbst oft missglückt, zumal die Thiere bei diesem Versuche in der Regel unruhig werden. Man suche also nach einem möglichst kleinen Gegenstande, der im Innern einen derben, bindfaden­artigen Strang (Samenleiter) erkennen lässt. Das Auffinden dieser Gebilde, des Samenstmnges zeigt sich weit leichter als das Suchen des Hodens selbst; hervorgezogen giebt sich der Samenstrang durch seine hellere Farbe alsbald zu erkennen. Man zieht an ihm den Moden durch
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KnuiHieiten der mürmliohen Geschlechtsorgane.
die Oeffnung rmch aussen, \vol)ei nur eine abnorme Grosse des Hodens hinderlich werden kann, die jedoch selten vorkommt.
Sobald der Hoden ausserhnlb der Wunde Hegt, unterbindet man den Samenstrang mit zwei, bei grosser Stärke desselben mit drei sorg­fältig desinficirten Catgut- oder Seidenfäden. Darauf schneide man 1 cm unterhalb der Unterbindung ab, spüle den Stumpf mit Sublimat-oder Carbolwasser und lasse ihn nun in den Leistenkanal zurückgleiten. Die Wunde wird nochmals gespült und mit 6—8 Heften von Seide ge­schlossen. Auf diese streue ich Jodoformtannin (1 : 3) und bedecke die Wunde mit einem Blatt Salicyl- und Carbolwatte.
Damit ist die Operation vollendet, und das Thier kann aufstehen. Sobald es steht, wird der Verband nach Art eines Suspensoriums an­gelegt (S. 442). Das l'ferd bleibt bei halber Kation 4 Tage hochge­bunden, kann sich dann mit dem Verbände niederlegen, welcher nach
6—8 Tagen entfernt wird.
In der Hegel tritt keine
oder nur geringfügige Eiterung ein.
Ill I i
Wo letzteres der Fall sein sollte, löse man das vorderste und hinterste Heft der Hautwunde und spüle diese mit Carbol-, Creolin- oder Sublimat­wasser täglich einmal aus. So lange kein erhebliches Fieber und Appetit­losigkeit eintritt, ist eine Nachbehandlung nicht nöthig, und kann das Pferd nach etwa 14 Tagen wieder zur Arbeit verwendet worden.
Nach der im vorigen Jahre von mir veröffentlichten 1(3. Operation habe ich im letzten Jahre noch acht Stück operirt und zwar alle mit günstigem Erfolge. Die ausserhalb des Spitals vollzogenen Operationen nahmen den günstigsten Verlauf.
Schwierigkeiten ergeben sich zuweilen beim Aufsuchen des Hodens. Man darf nur nicht die Geduld und Ruhe verlieren; im Nothfalle gebe man mit der anderen Hand in den Mastdarm ein und suche mit dieser den Hoden in den inneren Bauchring zu drängen. Nachdem derselbe SO entbunden ist, lege man einen Faden um denselben, bedecke ihn mit Watte und reinige nun zunächst die in den Mastdarm eingeführte Hand, worauf alles weitere wie oben beschrieben erfolgt.
Eine andere Schwierigkeit stellt sich ein, wenn der Samenstrang sehr kurz ist; die Unterbindung fällt alsdann schwer. Degive (münd­liche Mittheilung) benutzt in solchen Fällen den Ecraseur.
In einem Falle war der Hode nicht zu finden; ich ging deshalb mit der ganzen Hand in die Bauchhöhle ein und entdeckte einen doppelfaust-grossen, weichen Körper, den ich zuerst für die Harnblase hielt. Die weitere Untersuchung ergab jedoch, dass sich diese in der normalen Lage befand, während der weiche Körper in der Nähe des inneren Bauchringes lag, he-
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Entzündung des Hodens und Nebenhodens.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 450
weglich war und an seinem Ende einen festen Körper nachweisen Hess, welcher Aehnlichkeit mit einem Hoden zeigte, üeberzeugt, dass ich es mit einem degenerirten Hoden zu thun hatte, wurde die Oefi'nung in der Uusseren Haut und Bauchdecke soweit vergrössert, dass der Hoden mit dem Samenstrang zu entbinden war. Nachdem der Hode entfernt und nicht nur die äussere Haut, sondern auch die Hauchdecke mit starker Seide geheftet (Knopfnaht) war, ging die Heilung regelnuissig von Statten.
Die quot;nähere Untersuchung ergab, dass der Hode fast vollständig ge­schwunden und im Samenstrange eine Cyste, mit 500,0 g Serum gefüllt bestand; der Umfang der Cyste betrug 36 cm. Am unteren Ende des Samenstranges lag ein etwa enteneigrosses Lipom, welches zum Theil ver­knöchert war. Ich war zuerst geneigt, diese Geschwulst für den degenerirten Hoden zu halten, wurde jedoch durch Degive, welcher derartige Eälle bei seinen zahlreichen Cryptorchiden-Castrationen wiederholt sah, auf die eigen­artige Veränderung aufmerksam gemacht. Nach den Mittheilungen Degives lilsst sich die Behandlung solcher Zustände dadurch erleichtern, dass man die Hydrocele mit einem Fingernagel so lange kratzt, bis der Inhalt ab-fliesst, wonach die Extraction des Hodens leicht erfolgt.
b) Die E n t z ü n d u n g des Hodens u n d N e b e n hode n s. Orohitis. Periorchitis. Epididymitis.
Entzttndliche Pl'OCesse des Hodens sind zwar nicht hilufig; doch hat man sie bei den verschiedenen Tliieren beobachtet, lieber Ent­zündungen des Nebenhodens, welche beim Menschen häufig vorkommen, liegen keine genaueren Beobachtungen vor.
Bald geben ilussere Einflüsse, Quetschungen und Verletzungen, die unter den S. 450 beschriebenen Umständen zu Stande kommen, bald entzündliche Vorgänge, welche von den Harnwegen aus auf die Samen­leiter und von hier auf den Hoden übergreifen, die Ursache ah. Endlich werden metastatische Entzündungen des Hodens bei Pyftmie, Kotz u. s. w. beobachtet. Wallraff behauptet eine enzootische Orohitis und Abscedirung bei Pferden und Hindern gesehen zu haben; über die Ursache wurde Näheres nicht bekannt. Ludwig fand bei einem gehirn­kranken Pferde in beiden Hoden Abscesse; Ivneese sah ähnliches beim Schwein. Entzündliche Processe und käsige Herde werden bei der Zuchtlähme der Pferde in den Hoden angetroffen.
Erscheinungen und Verlauf. Anschwellung bildet das erste Symptom, welches bald schnell bald langsam auftritt, stets, nament­lich bei acuter Entzündung recht schmerzhaft ist; der Gang wird oft breitbeinig und zuweilen veranlassen die Schmerzen Koliksym-ptome. Das Scrotum leidet so lange nicht mit, als der Processus vaginalis intact bleibt; kommt aber Periorchitis hinzu, so stellt sich
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Krankheiten dor männlichen Geschlochtsoi-gane.
Ot'dem des Scrütums ein. Intectiöse Orohitis ist regelmässig von Fieber begleitet.
Die aseptische Entzündung des Hodens, wie sie durch Quetschungen entsteht, verläuft meist günstig. Zwar kommen zuweilen Blutungen mit Bildung einer Hämatocele vor (S. 403), doch tritt auch hierbei meist Zertiieilung mit Wiederherstellung normaler Funktionsfähigkeit ein. Die durch die Harnorgane vermittelte, oder auf metastatischem Wege entstandene Orchitis führt oft zur Eiterung oder Nekrose. Die Neigung zum Absterben ist gerade im Hoden sehr gross, wie man sich nach subcutaner Unterbindung des Samenstranges zum Zwecke der Castration leicht überzeugen kann: bei Wiederkäuern und Pferden sah man auch Verkalkung und Verknöcherung der Hoden. Diese Vorgänge haben jedoch für das Leben des Thieres nicht die Bedeutung wie die Eiterung; die letztere setzt sich leicht auf den Samenstrang fort und führt zur eiterigen Peritonitis mit tödtlichem Ausgange. Meist entsteht nur eine Periorchitis, die zur Verwachsung mit der Sche.idenluiut und schliess-lich zur Perforation durch die Scrotalhaut nach aussen führt (Lowack). Hess beobachtete bei einem Wurf Ferkel und einem Zuchtstier Peri­orchitis plastica haemorrhagia. Die Periorchitis führt oft zu Hydro-cele oder Haematocele (S. 1(32).
Behandlung. Zunächst ist Buhe für das Thier nothwendig, namentlich wenn durch eine starke Anschwellung die Bewegung gestört wird. In solchen Fällen lasse man auch ein Suspensorium anlegen (S. 442); bei frischer, traumatischer Orchitis würde man damit Um­schläge von kaltem Wasser oder von Bleiwasser und ähnlichen Flüssig­keiten verbinden.
fn der humanen Medicin werden Compressionen mit Heftpflaster angewendet, die bei grossen Thieren zu versuchen sind, bei Hunden durch Bepinselung des Scrotmns mit (Jollodium ersetzt werden können. Die mehrfach empfohlene Scarification ist werthlos; nur oberflächlich angewendet, bleibt sie ohne Wirkung, bis in den Processus vaginalis reichend, würde sie aber mit der Castration identisch sein. Diese kann allerdings iudicirt erscheinen, namentlich bei infectiöser Orchitis und Miterkrankung des Samenstranges. Sobald sich Zeichen der Perforation des Scrotmns bemerklich machen, spalte man dieses, und wenn schwere Zufälle (hohes Fieber u. s. w.) damit verbunden sind, kann die Castration angezeigt sein, die man in der üblichen Weise vornimmt; soweit möglich werden auch die miterkrankten Theile des Samenstranges entfernt.
ITertwig will bei spontaner Orchitis des Pferdes durch magere
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Tumoren im Hoden.
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Diät, Blutentziehung und Laxanzen Heilung gesehen haben! äusserlioh wurden Ungt. Hydrarg. ein. un. mit Kai. jodat. und Umseliläge von
Belladonna angewendet.
c) Tumoren im Hoden. Sarcocele.
Seit alter Zeit nennt man jede krankhafte Vergrösserung des Hodens „Sarcocelequot; oder „Pleisohbruch.* Derartige Zustände wurden bei den verschiedenen Hausthieren beobachtet. Bei Schweinen
mg. 87.
Carcinom des Hodens Ijehvi l'lerdo (naeh einer Pliotograpliie).
und Kindern kommen tuberculöse Neubildungen in den Hoden vor (Fambach); bei Pferden wurden Sarcome (Bang, Möller), Carci-nome (Stockfleth, Trasbot) Myome (Siedamgrotzky), Dermoid-cysten (Martin, Bang) mit Haaren und Zähnen (Grurlt), bei Hunden sowohl Sarcome wie Carcinome im Hoden angetroffen (Siedamgrotzky, Müller).
Erscheinungen und Verlauf. Die Vergrösserung eines oder beider Hoden vollzieht sich langsam; die Anschwellung erscheint schmerzlos. Bald behält die Oberiliiche des Hodens ihre ebene Be-
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Krankheiten der männlichen Geschlechtsorgane.
sohaffenheit) buk! erscheint sie liöckerilaquo;?, knotig. Die Vergrösserung des Hodens kann bedeutend werden; in Ali'ort fand man beim Pferde einen Hoden, der 20 Pfund wog.
Maligne Neubildungen breiten sich oft auf den Samenstrang aus, so dass auch dieser angeschwollen, hart, uneben, oft mit Knoten ver­sehen erscheint. Ebenso schwellen bei Carciuomen die Lymphdrüsen in der Lendengegend der Bauchhöhle an. Ich fand diese bei dem in Fig. 87 dargestellten Carcinom des Hodens so bedeutend vergrössert, dass man kaum noch Platz fand, um mit der Hand in die Bauch-höhle vorzudringen.
So lange die Neubildung auf den Hoden beschränkt bleibt, kann durch Castration Heilung erzielt werden. Man zögere damit nicht zu lange, wenn die Geschwulstbildung schnell verläuft oder Zeichen malignen Charakters an sich trägt, wenn der Samenstrang bereits miterkrankt ist, aber die Ausführung der Operation noch möglich er­scheint.
Behandlung. Nur die Castration kann hier Heilung bereiten. Sie empfiehlt sich auch bei den gutartigen Neubildungen, nament­lich wenn diese sehr gross werden. Man beachte, dass die Gefässe des Samenstranges hierbei oft abnorm erweitert sind; daher empfiehlt sich die Castration mit Kluppen, welche starke Blutungen am sichersten verhindern. Ist der Samenstrang bereits weit nach oben miterkrankt, so kann die Anlegung der Kluppe unmöglich werden. In solchem Falle unterbinde man entweder mit Catgut, oder man lasse den Li­gaturfaden zur Wunde heraushängen, um denselben nach 5—6 Tagen entfernen zu können. Wo die Wucherung bereits bis in die Bauch­höhle reicht, lässt man das Thior für die Schlachtbank vorbereiten, oder so lange es geht, zur Arbeit verwenden.
7. Der Wasserbrneh, Blutbruch und Krampfadorbruch. Hydrocele, Hilmatocele und Variocele.
Lit.: Richter, Th. Mittb. 1863. S. 183. Steffen, das. 1874. S. 144. Steiner, Gurlt u. Hertwig. 2. S. 253. Martin, Jahrb. 1884. S. 100. Hess, das. 1888. S. 129. Prinz, Gurlt u. Hertwig. 2. S. 425. Meyer, das. 15. S. 428. Q urlt, das. 39. S. 180.
Wegen der Aehnliclikeit mit einem Leistenbruch bezeichnet man seit alter Zeit den Hydrops des Processus vaginalis als Hydrocele. Zwischen dem parietalen und visceralen Blatte der Tunica vag. pro-
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Hydi-ocele, Hilmatoeele und Variocele.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;463
prisi kann sicli eine grössere Menge Serum ansmnineln, wo sonst nur wenige Tropfen Flüssigkeit vorhanden sind. Der Zustund entspricht also in seinem Wesen dem Hydrops ascites. Zuweilen sammelt sich die Flüssigkeit im Samenstrauge selbst an, liegt also zwischen der üuplicatur der Tunica vagimilis propria, ein Zustand, der als Hydro-cele des Samenstranges bezeichnet wird.
Beide Leiden wurden wiederholt bei Pferden, Rindern und Schaf­böcken beobachtet. Steiner fand bei Wallachen, namentlich unter den jungen Pferden Hydrocele des Samenstranges; die seröse Flüssig­keit war in mehreren, kleinen „Säckchenquot; eingeschlossen. Gleiches beschreibt Richter bei Böcken und Pferden. Mir selbst begegnete eine Hydrocele des Samenstranges bei der Castration eines Cryptorchi-den. In einer grossen Cyste des Samenstranges waren Ubeiquot; 500 g rütli-liches Serum enthalten. Die Operation wurde durch den Zustand er­heblich erschwert, gelang indess trotzdem (S. 458). Steffen be­obachtete ein Hydrocele des Processus vag. beim Schafbocke.
Ursachen, Beide Zustände können aus entzündlichen Erkran­kungen des Processus vaginalis, des Hodens oder Sameastranges her­vorgehen, daher sowohl acut wie chronisch auftreten. Hess fand bei Ferkeln und einem Zuchtstier nicht nur Serum, sondern auch Fibrin und Blut in der Scheidenhaut (S. 4(30). Ohne Zweifel können äussero Verletzungen (Quetschungen) zu derartigen Erkrankungen Anlass geben. Führen diese zu starker Blutung im Samenstrange oder im Processus, so nennt man den Zustand „H ämatocelequot;. Die Hydrocele des Pro­cessus vag. kommt in Verbindung mit Hydrops ascites und Hydro-thorax als Theilerscheinung allgemeiner hvdropischer Zustände vor. Martin glaubt aus dem häufigen Vorkommen von Filaria papillosa in dem hydropischeu Scheidenfortsatz schliessen zu können, dass diese Parasiten als Ursache der Hydrocele zu betrachten seien, eine An­nahme, die jedoch zweifellos unrichtig ist.
Erscheinungen. Hydrocele wie Hämatocele des Processus vagi­nalis können grosse Aehnlichkeit mit einem Leistenbruch erlangen. Die mit diesen Leiden verbundene Anschwellung, welche unter umständen eine bedeutende Ausdehnung erlangt (Steffen sah den Hodensack bei einem Bocke fast bis zur Erde herabhängen), ist weich, elastisch, schmerzlos und frei von entzündlichen Erscheinungen. Von dem Bruch unterscheiden sich beide dadurch, dass die Geschwulst hauptsäch­lich den unteren Tluii des Hoden sackes einnimmt; nach oben
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verengt sich das Scrotum und zeigt hier leeinen abnormen Inhalt, weil die Flüssigkeit leicht verdrängt wird. Lässt man aber den oberen Theil des Hodensackes durch einen Gehülfen mit der Hand umspannen und festhalten, so kann am Grunde desselben Fluctuation festgestellt werden.
Bei grösseren Thieren ist endlich durch Untersuchung per anum die Gegenwart oder Abwesenheit eines Leistenbruches festzustellen; diese Exploration kann namentlich bei Hydrocele des Samenstranges zu einer sicheren Diagnose nothwendig werden, da sich bei diesem Zu­stande auch die Form der Geschwulst oft nicht von einem Bruche verschieden zeigt. Im Nothfalle giebt die Probepunotion des Scrotums Auskunft über den Zustand.
Von der Sarcocele unterscheiden sich diese Leiden durch die geringere Härte und Festigkeit der Geschwulst sowie durch die ge­ringere Grosse des fühlbaren Hodens, der in der Regel sogar atro-phisch erscheint.
Die Beurtheilung gestaltet sich in Bezug auf Erhaltung des Lebens günstig, bezüglich der Heilung mit Erhaltung des Hodens da­gegen zweifelhaft. Am ehesten führt noch die Behandlung der Hä-matooele und Hydrocele des Processus vaginalis zum Ziele. Bedenk­lich ist die Complication mit einem Leistenbruch.
Behandlung. Gegen die Hydrocele machte Velpeau zuerst seine Versuche mit Jodeinspritzungen; auch jetzt werden diese noch beim Menschen ausgeführt. Die einfache Punction hat jedoch selten Erfolg. Steffen entleerte die Scheidenhaut des Schafbockes 14 Mal, es trat bald die Füllung von neuem auf. Punction mit nachfolgender Ein­spritzung von Lugol'scher Lösung führt ebenfalls nicht immer zum Ziele. Wenn diese jedoch z. B. bei werthvolien Zuchtthieren versucht werden soll, muss selbstverständlich antiseptisch vorgegangen werden. Man benutze frisch bereitete Jodtinctur, spritze die Lösung nach Ent­leerung des Inhaltes in den Processus vag. und lasse dieselbe hier zurück. Es folgt eine stärkere Anschwellung, die aber nach sechs bis acht Tagen wieder zusammenfällt.
Zuverlässigere Erfolge gewährt die Castration, wenn mit dem Hoden zugleich der erkrankte Theil des Samenstranges entfernt wird. Sobald dieses zulässig, wird regelinässig Heilung erzielt. Man warte damit jedoch, bis die acut entzündlichen Vorgänge abgelaufen sind. Hess verlor bei der Castration von vier, mit Periorchitis und Hydrocele
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Samenstrangfistol.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4(35
behafteten Ferkeln 2 Stück; uuff'iilleiul war, daslaquo; von den 5 Ferkeln eines Wurfes 4 Stück an Hydrocele litten.
Als Variocele, Cirsocele oder Krani]it'aderbrucli bezeichnet man eine abnorme Erweiterung und Verlängerung der Venen des Samenstrangos, ein Zustand, der bei älteren Thieren nicht selten vor­kommt, jedoch nur ausnahmsweise in dem Masse entwickelt ist, dass er besondere Hülfe noting macht. Meist wird derselbe erst bei der Castration entdeckt und erlaimt auch hier keine besondere Bedeutunff. Prinz, Meyer und Gurlt beobachteten bei Ochsen Einmündung der Samenarterie in die Samenvene unter Bildung eines Varix auenrysmaticus. Die hiermit verbundene Ausdehnung des Plexus pampiniformis kann so gross werden, dass der Hodensack eine ähnliche Vergrösserung erfährt wie beim Leistenbruch und den oben beschriebenen Zuständen. Beim Virix aneurysmaticus lässt sich am Scrotum oft Pulsation nachweisen (Wagenfeld), oder man fühlt Schwirren unter der Haut, Erscheinungen die sich verlieren, sobald der Hodensack oben comprimirt wird. Meyer honnte die Arterie sogar direct fühlen.
Der in Rede stehende Zustand kann nur durch die Castration geheilt werden, wobei Sorge zu tragen ist, dass die stark erweiterten Gefässe nicht zerreissen. Die isolirte Unterbindung mit nicht zu feinem Faden würde sich ebenso wie Anwendung von Kluppen empfehlen.
8. Die Entzündung dew Samonstrango.s. Samenstrangflstel. Tiiiüculitis ciironica.
Lit: liosenbaum, Gurlt u. llortwig. 12. S. 143. Johno, Dread. Ber. 1884. S. 40 u. 1885. S. 41. Deutsch. Zeitsohr, für Thiermed. 12. S. 73. Habe, das. 12. S. 137. Trianon, Jahrb. 1887. S. 78. Uingk, Th. Mitth. 187laquo;. S. 80.
Bei seiner geschützten Lage erkrankt der Samenstrang nur selten entzündlich, so lauge das Scrotum nicht geöliuet wird; docii können Quetschungen und Zerrungen acut entzündliche Processe am Samen-strange Hiliuatocele veranlassen. Dass chronisch-entzündliche Vor­gänge zur Bildung einer Hydrocele führen können, wurde bereits er­wähnt. Alle diese Zustände sind jedoeb der sog. Samenstrangf istel, einer mit Fistelbildimg verbundenen Funiculitis ebronica gegenüber selten. Das letztere Leiden kommt nur bei Castraten vor, denn es bildet eine Folge der Castration.
Miillor, Speolelle Ohiruigie für Thicriirzto.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;30
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Krankheiten dor männlichen CTCschlechtsorgane.
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Nachdem bei der Castration der Hoden mit einem Theil des Samenstranges entfernt ist, schwillt der letztere an und zwar theils in Folge der Circulationsstörungen, theils der entzündlichen Heizung. Dieser Schwelhmgszustand verliert sich jedoch regelmässig in etwa 8—14 Tagen, zuweilen etwas später, in der Regel aber vollständig. Beim Pferde, selten bei den übrigen Thieren, z. B. Ochsen (llosenbaum) erfolgt diese Abschwellung zuweilen nur unvollständig; es vergrössert sich vielmehr die Geschwulst allmälich, und so kann der Samenstrang-stmnpf bis zum Umfange eines Menschenkopfes anschwellen. Bald be­schränkt sich die Veränderung auf das Ende, meist aber reicht die Ge­schwulst weiter nach oben, zuweilen selbst durch den Leistenkanal bis in die Bauchhöhle. Eine ungewöhnliche Ausdehnung des Processes beim Pferde beobachtete Ringkj bei der Section zeigte der linke Samen­strang ein Gewicht von 24, der rechte von 30 Pfund. Dabei kommt die Heilung der Operationswunde nicht zum Abschluss; es bleibt vielmehr eine kleine Oettinmg zurück, aus der sich eine geringe Menge Eiter entleert; mit der Sonde gelangt man durch diese Oeffnung oft 10 bis 20 cm tief in den Samenstrang; daher auch der Name.
i )ass der Krankheitszustand in einer chronischen Entzündung des Samenstranges besteht, war bereits lange bekannt; die Ursachen der­selben wurden jedoch erst neuerdings klargelegt. Nachdem 1871 durch Rivolta zuerst die Vermuthung ausgesprochen war, dass es sich hier­bei um die Wirkung der Infection mit Mikroparasiten (Discomyces equi) handele, erklärte unabhängig von Rivolta Johne das Leiden zuerst für eine Funiculitis aktinomycotica; später stellte derselbe je­doch Mikrokokkeu als Ursache des Leidens fest und bezeichnete den Zustand als Mykodesmoid oder Mykofibrom, veranlasst durch die Einwanderung eines Mikrococcus, den Johne als M. aseoformans, Wabe als M. botryogenus bezeichnete.
Hiernach steht fest, dass es sich um ein infectiöses Leiden han­delt, das wahrscheinlich durch verschiedene Infectionsstoffe veranlasst werden kann; die in hiesiger Klinik operirten Samenstrangfisteln ent­hielten meist Staphylokokken. Dafür spricht auch der verschiedene Verlauf. Bald geht die Wucherung und Verdickung schnell von Statten, d. h. der Samenstrang kann in wenigen Monaten den Umfang eines Gänseeies annehmen; bald besteht der Process Jahr und Tag, ohne dass sich eine erhebliche Zunahme in der Grosse der Geschwulst be­merkbar macht.
Die Samenstrangfistel kommt in manchen Gegenden häutiger vor; zum Theil weil die Bedingungen der Infection günstiger liegen, doch
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Saraenstrangflstel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 407
spielt iiuch die Castration hierbei eine wichtige Rolle insofern, als sie 'das Zustaudekommeu der Infection begünstigt.
Als Ursachen der Sameiistrangfistel sind daher bekannt:
1.nbsp; nbsp;Die Entblössung des Samenstranges nach der Castra­tion, das Heraushängen desselben üiis der Scheidenhaut und der Haut­wunde. Bald geben hierzu schwere oder zu tief angelegte Kluppen oder das Abschneiden des Nebenhodenbandes Veranlassung; öfter noch wird der Samenstrang nach dem Abnehmen der Kluppen nicht sorg­faltig in den Frocessus vaginalis zurückgebracht; der Luft ausgesetzt, schwillt das hervorhängende Stück des Samenstranges an und wird von der engen Schnittwunde in der Scrotalhaut und im Prooessus vaginalis zuweilen eingeschnürt. Nun beginnt das ausserhalb der Castra­tions wunde liegende Stück zu wuchern; es entsteht ein Zustand, den man als „Champignonquot; bezeichnet hat, und welcher die Samenstrang-fistel oft einleitet. In anderen Fällen gelangt der infloirte Samenstrang zwar in die Scheideiihaut zurück, erkrankt jedoch entzündlich und wird durch Infection in den Wucherungsprocess versetzt.
2.nbsp; Alle Einflüsse, welche die Eiterung in der Castrationswunde unterhalten und die entzündlichen Vorgänge unterstützen, begünstigen die Entwickelung des in Eede stehenden Leidens. Dahin gehören zu kleine oder nicht arn Grunde des Scrotums angelegte Castratiouswun-den, welche den Abfluss des Wundsecrets verhindern. Die zu kleine Castrationswunde begünstigt zugleich Einschnürung des Samenstranges und Champignonbildung; Trianon hat durch zwölf Versuche diese Beziehungen demonstrirt. Doppelt nachtheilig wirkt die Castration mittelst Ligatur, sofern sie nicht mit resorbirbarem Material, sondern mit dem ersten besten Bindfaden ausgeführt wird. Der Faden bleibt oft lange Zeit liegen, unterhält die Eiterung und damit die Gefahr der Infection.
Die Entzündung greift auf die Innen Hache des Frocessus vagi­nalis über, welcher mit dem Samenstrang bald verwächst; dagegen wird das zwischen Scheidenhaut und Tunica dartos gelegenen Binde­gewebe selten niitergrill'en.
Erscheinungen und Verlauf. Der Samenstrang schwillt nach der Castration nicht vollständig ab, nimmt vielmehr unter Fortbestehen der Eiterung allmälicb an Umfang zu. Meist wird dem Zustande zu­erst keine besondere Beachtung geschenkt und sachverständige Hülfe erst in Anspruch genommen, wenn dem Besitzer die Eiterung ZU lange dauert, oder wenn sich eine acute Fhlegmone hinzugesellt, die von
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Krankheiten der männlichen Geschlechtsorgane.
Zeit zu Zeit reoidivirt. Sobalil sich die AMussöffnuiig der Fistel ver-sohliesst, nimmt die Ansoliwellung plötzlich zu, breitet sich auf die Nachbarschaft, oft bis auf den Schlauch aus und fällt mit dem Auf­treten einer neuen Perforation wieder ab. Solche acute Phlegmonen wiederholen sich in verschiedenen Zeiträumen; sie können aber auch ganz fehlen und das Leiden Jahr und Tag- bestehen, ohne erhebliche Fortschritte zu machen und auffällige Störungen zu veranlassen.
Die derbe, feste, wenig schmerzhafte Anschwellung bleibt zuweilen auf das untere Ende des Samenstranges beschränkt; oft aber setzt sich dieselbe weiter nach oben fort und kann selbst bis in die Bauchhöhle reichen. Seltener bleibt das untere Ende frei und die Anschwellung beginnt einige Centimeter über demselben. Da wo die Geschwulst bis an die äussere Haut reicht, sind beide mit einander verwachsen.
Die Fistelöfihung, klein, trichterförmig eingezogen, entleert eine geringe Menge eiteriger Flüssigkeit. Mit der Sonde gelangt man 10 bis 20 cm weit in dieselbe, d. h. in den Samenstrang hinein.
Beurtheilung. Da in der Kegel nur auf operativem Wege Hei­lung zu erwarten steht, so hängt die Prognose wesentlich davon ab, ob der Zustand operabel ist. Darüber entscheidet die Ausbreitung des Processes nach oben, die Frage, ob man bis zur oberen Grenze der Erkrankung vordringen kann. Reicht die Veränderung ausnahms­weise bis in die Bauchhöhle, so ist der Zustand unheilbar. Ueber 0quot; von mir behandelte Fälle zeigten sich sämmtlich operabel. Die Unter­suchung von aussen wie auch vom Mastdarm aus giobt hierüber Auskunft.
Behandlung. Wichtig sind die präservativen Massregeln: Man sorge für günstige Lage und Beschaffenheit der Kluppe, vermeide die Ligatur und bei Anwendung der Kluppen die Durchschneidung des Nebenhodenbandes. Nach dem Abnehmen der Kluppe muss der Samenstrang vollständig in den Scheidenfortsatz zurückgebracht und durch Bewegung der Thiere der Abfluss des Wundsecrets gefördert werden.
Wo die chronische Entzündung einmal eingeleitet ist, genügen selten Einspritzungen, SubUmatfäden und selbst die Anwendung des Glüheisens oft nicht; hier kann nur noch die Resection der erkrankten Abtheilung des Samenstranges helfen. Man zögere damit nicht lange, wähle jedoch eine Zeit, in der keine acute Plilegmone besteht. Die Operation gestaltet sich einfach, und sofern man sich bezüglich der Blutstillung vorsieht, auch inmcfälirlilaquo; h.
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Siimenstrangfistel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4()i)
Mau lasse das Pferd auf den Blicken logon, die Püsse jeder Seite tost zusammengebunden. Darauf kniet der Operateur hinter dem Thiere. Nach Reinigung des Operationsfeldes wird ein ovales Hautstück, welches mindestens so gross sein muss, dass die Geschwulst durch die Oeffmmg hervorgeholt werden kann, mit dem Messer abge­trennt. Jedenfalls nuiss die äussere Haut soweit mit fortgenommon werden, als sie mit der Geschwulst verwachsen ist; man schone hierbei nicht, um günstige Bedingungen für den Abtluss des VVundsecretes zu erzielen.
Durch die Subcutis des isolirten llautstückes event, auch durch die Gesehwulst wird ein Band gelegt, an welchem ein Gehülfe den Samenstrang hervorzieht. Der Operateur bahnt sich nun einen Weg bis unmittelbar auf die Geschwulst. Unter horizontaler Messerführung durchschneidet er die Bindegewehsmassen, welche den vom Processus vaginalis umgebenen, kranken Samenstrang bedecken. Die etwa blu­tenden Gefässo werden alsbald unterbunden. Sobald der an seiner bläulichen Farbe und glatten Oberfläche leicbt erkennbare Scheiden­fortsatz erreicht ist, trennt man denselben von dem ihn umgebenden Bindegewebe durch Abstossen mit der Hand event, mit Unterstützung von Messer und Schere. Der Processus vaginalis muss mindestens soweit freigelegt werden, als er sich mit dem Samenstrange verwachsen zeigt; wenn eine Kluppe über die Scheidenhaut gelegt werden soll, so erfolgt die Freilegung bis zur oberen Grenze der Erkrankung. Ich ziehe diese Methode vor und lege, sobald das obere Ende der Anschwellung erreicht ist, eine starke Kluppe über Samenstrang und Scheidenhaut und verfahre wie bei der Castration h testicule convert.
Beicht die Erkrankung so weit nach oben, dass diese Stelle der Scheidenhaut nicht zu erreichen ist, so spalte man den Processus da, wo er sich auf der Geschwulst verschiebbar zeigt. Der Samenstrang lässt sich dann vorziehen, und ein nicht erkrankter Theil desselben in die Kluppe bringen. Im anderen Falle muss zur Ligatur oder zum Ecraseur gegriffen werden. Ich ziehe die Ligatur vor, benütze dazu einen starken Bindfaden, dessen Enden nach möglichst fester Ver­schnürimg zur Hautwunde herausragen, um ihn entfernen zu können, wenn die Lösung nicht von selbst erfolgen sollte. Auch die elastische Ligatur ist hier zu empfehlen. Die Anwendung des Eoraseurs schützt nicht vor Blutungen.
Um diese zu vermeiden, wird nach erfolgter Reinigung die Wunde mit Jodoformtannin bepudert und mit Carboljute austampolaquo;
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Krankheiten der männliehun (xeachlechtsorgane.
Ill
nirt; nötbigenfalls legt man einige Hefte an, welche die Tampons in der Wunde befestigen.
Auf diese Weise werden zugleich Nachblutungen am sichersten verhindert, welche oft mit der nach dem Aufstehen veränderten Lage der Gefässe im Zusammenhange stehen.
Verband und Kluppe bleiben 48 Stunden liegen; nachdem sie abgenommen, wird die Wunde mit Sublimat- oder Carbolwasser aus­gespült, von neuem mit Jodoformtannin bepudert und nun offen be­handelt. Nach etwa 8 Tagen suche man event, die Ligatur zu ent­fernen, wenn sich dieselbe nicht gelöst haben sollte. Tägliche Bewe­gung des Thieres fördert den Ahfluss des Wundsecrets. Die Heilung erfolgt regelmilssig in 14 Tagen bis 4 Wochen ohne Störung. In der beschriebenen Weise wurden über (in Pferde von mir operirt und sämmtlich geheilt.
Die als Champignon bezeichneten Wucherungen des Samen­stranges ausserhalb des Processus vaginalis können zuweilen durch die Ligatur mit Unterstützung von Aetzmittelu entfernt werden; in der Kegel empfiehlt es sich jedoch recht bald das untere Ende des Samen­stranges in der oben erwähnten Weise fortzunehmen, weil sich fast immer eine Samenstranffflstel aus dem Zustande entwickelt.
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Die Krankheiten der weiblichen Geschlechtsorgane.
Da die Mehrzahl dieser Leiden in der specielleu Pathologie und Geburtshülfe Berücksichtigung findet, so beschränke ich mich auf eine kurze Besprechung derjenigen Ivninklieiten dieser Organe, welche zu operativen Heilverfahren Veranlassung geben.
1. Verletzungen und Entzündungen der Srliam, Scheide und
Gehärmutter.
bit.; Giese, Th. Mittli. 1876. S. 05. Buhl, Gurit u. Heitwlg. 8. S. 480. Siedamgrotzky, Drosd. Bor. 1885. S. 20. Baumgärtel, das. S. 70.
Die Schamlefzen werden am häufigsten bei Kühen durch Horn-stösse, seltener bei Stuten durch Gegenfahren, bei allen Thierarten wäh­rend des Gebäraktes durch gewaltsame Hülfeleistungen oft verletzt. Hierbei ereignet sich nicht selten ein Dammriss. Bei Kühen führt die Anlegung des sog. Scheidenringes zum Zwecke der Retention einer vorgefallenen Scheide laquo;der Gebärmutter zu einer jedoch meist unbe­deutenden Verwundung der Scham; zuweilen entwickeln sich jedoch von hier aus schwere diphtheritische Processe und breiten sich auf die Scheide aus (S i e da mg r otzk y). Diese Z u s t ä n de e r 1 a n g e n i n d e r Regel keine chirurgische Bedeutung und müssen nach allgemeinen Gesichtspunkten behandelt werden. Buhl werden zur Erzielung eines besseren Abflusses für das Wundsecret Spaltungen oder Gegen-öffnungen nothwendig; bald lässt sich die Heilung der Wunden durch gut angelegte Hefte fördern.
Ausgedehnte Wunden und Exooriationen der Schleimhaut der Scham­lefzen können zur Verwachsung der Schani führen; so dürfte auch eine Beobachtung Gieses gedeutet werden. Bei l1/laquo; Jahre altem Stutfohlon be­stand Verwaohsuna dor Scham von ihrem oberen Winkel bis In die Nuho
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472nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der weiblichen Geschlechtsorgane.
des Kitzlers, wo nur eine gilnsekielgros.se Oeft'nnng geblieben war, aus der sieh der Urin in diuinem Strahle entleerte. Giese spaltete die Verwachsung, doch trat dieselbe von neuem ein, wurde aber nach abermaliger Trennung dadurch verhindert, dass man tilglich einmal die Hand in die Scheide ein­führte und die SchamoH'imng zu dehnen suchte.
Verwundungen der Scheide kommen am häufigsten an dem vorgefallenen Organ bei Kühen vor (S. 274). Ferner giebt der Gebär­akt bei Thieren, namentlich bei Erstgebärenden hierzu nicht selten Ver­anlassung. Bald bandelt es sich um oberflächliche Verletzungen oder Excoriatiouen der Schleimhaut; doch werden nicht selten auch tiefere öewebstrennungen und selbst perforirende Wunden der Scheide beob­achtet; so namentlich hei den grösseren Thieren; Baumgilrtel con-statirte eine perforirende Scheidemvunde, welche der Stute beim Deck­akt durch don Penis des Hengstes beigebracht war. Hierbei ist zu beachten, dass der hintere Abschnitt der Scheide von lockerem Binde­gewebe umgehen ist, welches das Organ oben mit dem Mastdarm, unten mit den Schambeinen verbindet. Bei der Stute reicht diese Ver­bindung etwa 13 cm nach vorn, unten noch etwas weiter (Franck). Perforirende Scheidenwunden liegen also in der Regel weiter nach vorn und müssen stets als bedenkliche Verletzungen angesehen werden, weil sie nicht bloss die Gefahr einer Peritonitis, sondern auch noch die eines Darmvorfalles herbeiführen. Bei Pferden ist die Peritonitis am meisten zu befürchten; der Darmvorfall wird namentlich durch das mit solchen Verletzungen fast immer verbundene Drängen der Thiere und den Eintritt von Luft in die Bauchhöhle begünstigt, der zu einer starken Auftreibung führen kann.
Weniger bedenklich erscheint die Blutung, obgleich auch diese, besonders bei perforirenden Wunden unter Eintritt des Blutes in den Peritonealsaok gefährlich werden kann, indem die Zersetzung desselben zu einer jauchigen Peritonitis führt. Oberflächliche Scheidonverletzungen erfordern nur bei gebärenden Thieren grösserc Berücksich­tigung, indem sie bei der Gegenwart fauliger, iufectiöser Substanzen, wie sich solche in der Nachgeburt stets entwickeln, leicht Ausgangspunkt septischer Erkrankung werden (ihierperalfieber). Im Sommer ist diese Gefahr noch grosser als im Winter, namentlich wenn die Nachgeburt zurückgeblieben war. Aus demselben Grunde zeigen sich Verwun­dungen an der unteren Wand der Scheide noch bedenklicher als an der oberen. Dass an der oberen selbst perforirende Wunden meist ohne nachtheilige Folgen heilen, beweist die Castration der Thiere nach der Methode von Charlier.
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Wunden der raquo;.iebärmutter.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;478
Die Behandlung nicht perforirender Soheidenwunden verlangt
imnnmtlich bei trächtigen Tliieren und in cltsr ersten Zeit nach dem Gebären besondere Sorgfalt. Die retinirte Nachgeburt nehme man womöglich bald ab, lasse die Scheide und den Uterus wiederholt mit Creolin-Carbol- oder Alauulösung ausspülen; bei Pferden kann dazu auch eine verdünnte Sublimatlösung (1 : 5000) benutzt werden. Verletzungen an oder in der Nähe der Scham werden mit einer Lösung von Chlorzink (1 : 10) ausgewischt, um durch Versohorfung die Uesorp-tionsfilhigkeit der Wundfläche herabzusetzen.
Bei perforirenden Wunden sind Ausspülungen zu vermeiden, weil damit die Gefahr der Peritonitis nur vergrössert würde. Soweit solche Wunden zugänglich sind, wie z. B. an dem prolabirten Organe, kann das Heften derselben vor der Reposition zweckmässig werden.
Verwundungen der Gebärmutter entstehen beim Gebärakt durch Instrumente oder die Füsse des Fötus, kommen ferner an dem vorgefallenen Organe vor. Auch wurden Zerreissungen der trächtigen Gebärmutter beobachtet. Ob hydropische Zustände der Eihäute hierzu Veranlassung geben können, wie man behauptet hat, möge dahin ge­stellt sein. Ililutiger kommen Zerreissungen des Orgunes durch ge­waltsame Hülfeleistungen bei fehlerhafter Lage oder Haltung des Fötus zu Stande. Buhl fand die Gebärmutter bei einer Kalbin während der Trächtigkeit vollständig von der Scheide abgerissen und mit dem Mastdarm verwachsen; zwischen dem letzteren und dem abgerissenen Uterus bestand eine Communication; in den Uterus waren Excremente getreten, während die durch Fäulniss von Weichtheilen fast vollständig entblössten Knochen des Fötus in den Mastdarm eingedrungen waren.
Bezüglich der Beurtheilung und Behandlung gilt für Gebär-mutterverletzungen im allgemeinen das von Scheidenwunden Gesagte, So lange durch den geschlossenen Muttermund Intectionen verhindert werden, nehmen Verletzungen (Zerreissungen) des Uterus für gewöhn­lich keinen bedenklichen Verlauf. Allerdings führen sie zuweilen zur Entstehung von ßauchschwangerschaft, welche beim Gebärakt meist den Tod des Thieres zur Folge hat; umfangreiche Zerreissungen können auch durch Verblutung einen tödtlichen Verlauf nehmen. Anders gestalten sich Verletzungen zur Zeit der Geburt; hier müssen selbst oberflächliche Verwundungen des Uterus als bedenkliehe Zu­stände betrachtet werden; perforirende Wunden desselben führen fast immer zum Tode, namentlich bei Pferden.
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474nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der weiblichen Geschlechtsorgane.
Verletzungen der vorgefallenen Gebärmutter werden nacli ihrer Ausdehnung und sonstigen Beschaffenheit sowie nach den bestehenden allgemeinen Störungen beurtheilt und behandelt. Wo bereits Kolik. Fieber, andauerndes heftiges Drängen besteht, bei Fleischfressern Er­brechen auftritt, da bleibt wenig zu hoffenj doch kann auch hier noch die Heilung versucht werden.
Nach sorgfältiger Reinigung der etwa vorgefallenen Theile müssen Blutungen selbst da nach Möglichkeit gestillt werden, wo eine Gefahr der Verblutung nicht besteht, denn je mehr Blut sich in der repo-nirfcen Gebärmutter anhäuft, desto grosser wird die mit der Zersetzung desselben verbundene Gefahr der Peritonitis und Sepsis. Die etwa noch zurückgebliebene Nachgeburt wird entfernt, die Wunde geheftet, sodann zur Reposition geschritten (S. 478).
2. Dor Yorfiill der Scheidet Prolapsiis vaginae.
Am häutigsten werden Scheidenvorfälle bei Kühen und Schweinen beobachtet. Bedingung zur Entstellung derselben bildet eine Verlage­rung des Uterus nach hinten unter Dehnung seiner Bänder, Zustände, die sich in der Kegel als die Folge wiederholter Trächtigkeit einstellen. Begünstigt wird der Prolapsus durch tympanitische Auftreibung des Hauches und andauernde Stallfütternng namentlich mit Schlempe (Bang); selten wird das Leiden bei Weidegang beobachtet. Starke Anfül-lung des Hinterleibes, Druck des Fötus, starkes Drängen der Thiere (falsche Wehen) und namentlich ein abschüssiger Stand bilden be­günstigende Momente für die Entstehung des Scheidenvorfalls. Am häutigsten wird das Leiden bei trächtigen Thieren und zwar in der letzten Zeit vor dem Gebären beobachtet; doch kommt der Schei­denvorfall auch nach dem Gebären vor. Bei trächtigen Thieren tritt die Scheide während des Biegens aus der Scham hervor, verschwindet aber, sobald das Thier aufsteht (habitueller Scheiden Vorfall). Genau genommen bildet das Leiden eine Ausstülpung der Scheide, wobei die obere Wand derselben am meisten verlagert ist. Gelangt die Scheide nur bis in die Schamspalto, so erscheint hier eine runde, rothe mit Schleimhaut bekleidete Geschwulst von verschiedener Grosse (incompleter Prolapsus). Seltener stülpt sich ein grösserer Theil der Scheide durch die Scham hervor; dabei wird auf der Mitte der etwa kopfgrossen Geschwulst der Muttermund sichtbar, während sich an der unteren Hälfte derselben die Mündung der Urethra zeigt.
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Vorfall der Scheide.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 475
Die anfangs rosaroth gefärbte Schleiiuhautoberfläobe der 6c-
soliwulst trocknet bei undiiiifriideni Vorfall allniillicb ein; aucb finden nicht selten Verletzungen derselben beim Liegen der Tbiere oder durch Treten auf die vorgefallenen Theile, zuweilen auch beim Versuche die­selben zu reponiren statt. Dabei pflegt der Patient andauernd zu drängen und in kurzen Zwischenzeiten Urin abzusetzen. Der nach dem Gebären auftretende Scheidenvorfall reponirt sich in der Regel nicht von selbst, sondern die Scheide bleibt dauernd vorgelagert, bis entsprechende Htilfeleistung eintritt.
Beurtbeilung. Der unvollständige habituelle Vorfall erlangt in der Regel nur bei Zuchtthieren grössere Bedeutung, indem sich der Zustand bei jeder Trächtigkeit wiederholt und sowohl die Ernährung wie auch die Milobergiebigkeit der Tbiere nachtheilig beeinflusst; auch können sich an Verletzungen des Organes entzündliehe Processe anschliessen und einen gefahrdrohenden Charakter annehmen.
Der vollständige Seheidenvorf'all ist stets bedenklicher, nament­lich bei tragenden Tbieren, weil er fast immer den Grebärakt erheblieh stört. Ebenso führt der Vorfall bei nicht trächtigen Tbieren leicht zu Verletzungen und entzündlichen Processen an der Scheide, welche die Milchergiebigkeit herabsetzen und auch den Zuchtwertb des Thieres erbeblich beeinträchtigen.
Ungünstiger noch als beim Binde gestaltet sich die Prognose beim Schwein, zumal die Hülfeleistungen hier auf grössere Schwierig­keiten stossen.
Behandlung. In präservativer Hinsicht muss für eine passende Aufstellung der Tbiere Sorge getragen werden; man richte den Stand so ein, dass das Hintertheil mindestens ebenso hoch steht wie das Vordertheil. Alle übrigen, dem Krankheifs/.nstande entsprechenden Massnalmien collidiren in der Regel mit den wirthsebaf'tlichen Inter­essen, so duss man auf ihre Durchführung meist verzichten muss. Das zuverlässigste Mittel gegen das Leiden bildet die Ausschliessung des Thieres von der Zucht.
Zur Reposition des vollständigen Scheidenvorf'alls — der unvoll­ständige reponirt sich in der Regel von selbst — wird die Kuh mit dem Vordertheil niedriger gestellt als mit dem Hintertheil. Durch Einfuhren des Fingers in die Urethra entleere man zunächst die Blase soweit möglich, reinige die Theile, hefte die etwa bestehenden Wunden und suche nun die Scheide durch die Scliam zurückzuschieben, indem man
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47(jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der weiblichen Geschlechtsorgane.
y.unilcli.st die tlaclic Hand gegen die Greschwillst legt und diese mich vom bewegt. Am Sobeideneingauge angekonunen, wcliliesst man die Hand, ohne mit dem Drucke nachzulassen und drängt so die vorge­fallene Scheide in ihre normale Lage. Man benutze hierzu Perioden, in welchen die Bauchpresse nicht wirkt und lasse die Hand so lange in der Scheide, bis das Drängen aufgehört hat.
Zur Sicherung der Retention werden bei tragenden Thieren so­genannte Trachtenzwinger nöthig, Vorrichtungen, welche die Scham theilweise verschliessen. Zu denselben gebort auch der Sauberg'sche Scheidenring, ein Metallring, der durch die Schamlefzen geführt wird. In Ennangelung solcher Vorrichtungen legt man ein Paar Drahtligaturen durch die Scham; doch darf der Draht nicht zu dünn sein, damit die Hefte weder ausreissen noch auch die vorgedrängte Scheide verletzen.
Mutterschweine werden zum Zwecke der Reposition au den Hinterbeinen hochgehalten. Nach Reinigimg des Vorfalls sucht man in den Momenten, in denen das Thier weder drängt noch schreit, den Vorfall zurückzuschieben. Die Scham kann auch hier mittelst ein Paar Drahthefte geschlossen werden.
Bei starker Anschwellung der vorgefallenen Scheide erleichtern Bähungen derselben mit einer 2—30/oigen Alaunlösung die Reposition.
Bei Hündinnen kommt ein partieller Vorfall der oberen Scheide­wand vor, welcher meist für einen Tumor gehalten wird (S. 480).
:J. Der Oebärmuttorvorfall. Prolapsus vaginae.
Das Leiden, welches ebenfalls meist bei Kühen und Schweinen beobachtet wird, bei den übrigen Thieren sehr selten ist, stellt eine Ausstülpung der Gebärmutter dar, wobei also die Oberfläche des vor­gelagerten Organes von der Schleimhaut bedeckt erscheint. Der Zustand verhält sich demnach ähnlich wie die Ausstülpung der Blase, kann nur bei offenem Muttermunde vorkommen und wird daher ausschliesslich zur Zeit des Gebarens beobachtet. Eine partielle Verlagerung des Uterus ist allerdings auch bei geschlossenem Cervix denkbar, indem das eine oder andere Horn gleichsam wie das Ende eines Handschuh* Angers sich nach innen einstülpt. Ein solcher Zustand lässt sich am lebenden Thiere nicht nachweisen, bildet wahrscheinlich aber den An­fang des sogenannten Vorfalls, indem derselbe zum Drängen des Thieres Anlass gieht, wodurch sohliesslioli das ganze Organ die als Prolapsus bezeichnete Vorlagerung erfährt.
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Vorfall der Gebärmutter.
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Auf Juden Fall setzt das Zustandekommen dos letzteren Vorganges eine Verlängerung' der Mutterbänder voraus, weshulb die­selben Einflüsse, welche zur Entstehung eines Scheidenvorfalls führen, prädisponirende Momente für dieses Leiden abgeben, namentlich: ab­schüssiger Stand, wiederholte Trächtigkeit u. s. w.; als Ursachen wirken ferner heftiges Drängen und starke Wehen. Ein llauptmoment bildet das Zurückbleiben der Nachgeburt, und zwar, weil damit der Cervix längere Zeit offen bleibt, und das Ziehen zur Entfernung der­selben die Ausstülpung des Uterus begünstigt. Auch gewaltsame Hülfeleistungen beim Gebären können zum Vorfall der Q-ebärmutter Anlass geben.
Erscheinungen. Wie bereits bemerkt wird der unvollständige Vorfall d. h. die Einstülpung eines Theiles der Gebärmutter in der Regel nicht direct bemerkt, doch kann der Zustand zu entzündlichen und tödtlich verlaufenden Vorgängen in dem Organe Veranlassung geben; er kann den Anfang zu einem vollständigen Vorfall bilden, aber auch aus diesem hervorgehen, indem die Entfaltung des einge­stülpten Uterus bei der Reposition unvollständig ausfiel, Ben Stuten wird der nach hinten verlängerte vordere Abschnitt des Uterus vom Muttermunde zuweilen eingeschnürt, wodurch ein tödtliclier Zustand geschaffen ist; die in die Scheide eingeführte Hand würde denselben entdecken können.
Beim vollständigen (xebärmuttervorf'all zeigt sieb ähnlich wie beim Prolapsus vaginae ausserhalb der Scham eine von Schleimhaut bekleidete Geschwulst, die bei Kühen wie ein halbgefüllter Sack erschei­nen kann, bei Stuten eine mehr cylindrische Form besitzt, aber zuweilen bis zum Sprunggelenke der Thiere nach unten reicht. Nicht selten bedeckt die Nachgeburt ihre Oberfläche; war diese bereits entfernt, so treten die Mutterkuchen, beim Rinde die knopfförmigen Cotyledonen zu Tage. Mit der Zeit trocknet die Oberfläche ein und zeigt vielfach Verletzungen und Verunreinigungen. Bei Schweinen wird der vor­gefallene Uterus von den Stallgenossen nicht selten angefressen.
Die Beurtheilung gestaltet sieh am günstigsten bei Kühen, so­fern der Uterus noch keine erheblichen Verletzungen erfahren bat. Hier ist die Reposition, wenn auch nicht leicht, so doch meist aus­führbar, und wo dieses nicht der Fall sein sollte, lässt sich durch Am­putation des Organes das Leben der Kuh in der Regel noch retten. Bei den übrigen Thieren. namentlich bei Stuten, gestaltet sich die
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Ki-iinklieiton der weiblichen (ieschlechtsorgiuie.
Prognose bei weitem ungünstiger, besonders wenn erhebliche Verletzungen des vorgefallenen Organes bestehen. Penner erzielte bei einer Stute Heilung, nachdem er die ca. 9 em lange Wunde, welche durch die Schleimhaut und Musoularis reichte, geheftet hatte. Nicht selten treten aber Zerreissungen der Gebärmutter oder Scheide ein und geben zu Darmvortallen Veranlassung, woran die Thiere regelnlässig zu (mmdo gehen, wenn nicht sofortliült'e gebracht wird, nicht selten auch dann noch.
Behandlung. Zuerst ist das Organ durch Gegenhalten eines reinen Tuches vor Verletzungen zu schützen, Sofern nicht bereits schwere Verletzungen und Gewebsveriinderungen an demselben be­stehen, muss die Reposition versucht werden. Am leichtesten gelingt diese am stehenden Thiere, namentlich wenn dasselbe mit dem Vorder-theil tiefer gestellt werden kann; anderenfalls, d. h. wenn das Thier nicht zum Stehen zu bringen ist, muss die Rückenlage für die Reposition gewählt werden, wobei der Hintertheil möglichst hoch gelagert wird.
Wesentlich unterstützt wird die Reposition durch Narkose. Bang
empfiehlt hierzu Morphium (0,5—1,5 beim Rinde); ferner
ftfi.
-40,0
Chloralhvdrat per os oder als Ivlystier. In Ermangelung dieser Mittel lasse man der Kuh 0,5—1,0 Liter Branntwein geben. Um das starke Drängen einigermassen zu vermindern, wird ein anhaltender, kräftiger Druck auf die Kreuzgegend ausgeübt, am stehenden Thiere ein Sand­sack auf den Kücken desselben gelegt (Esser).
Nach sorgfältiger Reinigung des Vorfalls, bei stärkerer Anschwel­lung mit Alaunlösimg (20/o) und Ablösung der etwa noch restirenden Nachgeburt beginnt die Reposition mit den Theilen, welche der Scham am nächsten liegen, namentlich dem oberen Abschnitte des Vorfalls; während die übrigen vorgelagerten Massen unterstützt werden, suche man zunächst diese durch die Scham in die Scheide zu schieben, sodann das Ganze soweit möglich nach vorn zu bringen, d. h. soweit der Arm des Operateurs reicht. Um Zerreissungen zu vermeiden und diese Manipulation zu erleichtern, wähle man Zeiten, in denen die Bauch­prosse desThieres ruht. Durch Auseinanderspreitzen der Finger im Ute­rus lilsst sich die Entfaltung desselben noch vervollständigen; auch dienen Infusionen von lauwarmem Wasser diesem Zwecke; bei Kühen können unter Umständen mehrere Eimer Flüssigkeit applicirt werden.
Zur Sicherung der Retention bleibt der Arm zunächst einige Zeit in der Scheide und wird erst zurückgezogen, wenn das Drängen aufgehört hat, sodann lässt man ein Lager herrichten, auf dem das
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Amputation der Gebärmutter.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;479
Kiutertlieü höhor liegt als das Vordevtheil; auch enipHehlt sich, dasThier sich Langsam bewegen zu lassen. Durch Einführen von einigen Stück-ciien Eis oder etwas kaltem Wasser werden Contractionen des Uterus angeregt und damit ein neuer Vorfall verhindert. Auch können die­selben Hülfsmittel wie beim Scheidenvorfall angewendet werden, wie der Trachterhalter, Sclieidenring und die Naht.
Wo die Reposition nicht gelingt, oder wo schwere Texturver-änderungen an dem vorgefallenen Organe bestellen, da bleibt nur die Amputation der Gebärmutter übrig, eine einfache und bei Kühen wenig gefilhrliche Operation; nach St. Cyr starben von 2.quot;) (i; Franck berichtet über 30 Amputationen, von denen 4 (2 Kühe und
'2 Ziegen) geschlachtet werden mussten. Soll am stehenden Tliiere operirt werden, so sind Vorkehrungen zu treffen, dass es sich nicht hinlegen kann, und der Operateur gegen das Schlagen desselben ge­schützt ist. Nach erfolgter Reinigung der Oberfläche, und nachdem man sich durch genaue Palpation überzeugt hat, dass sich kein Darm in dem umgestülpten Uterus befindet, legt man um den Hals desselben und zwar unter Schonung der Harnröhre ein festes Band oder eine starke Schnur, in Form einer chirurgischen Schlinge und lilsst diese recht fest anziehen. Dabei muss, wie überall, wo grosse Massen abgebunden werden sollen, Geduld geübt, d. b. langsam vorgegangen werden. Nach kräftigem Anziehen der Schnur mittelst Knebel warte man einige Se-eunden, um den Gewebsflüssigkeiten Gelegenheit zu geben, abznlliessen. Dann ziehe man die Schnur von neuem an und fahre so namentlich bei starker Anschwellung des vorgefallenen Uterus einige Zeit fort. Von Esser und Brugel wurde die elastische Ligatur hierzu empfohlen. Bei den grösseren Thiereu sowie bei starker Anschwellung wurde auch empfohlen die Amputation mittelst Abnähen zu bewirken, oder die Schleimhaut zu durchschneiden und die Ligatur nur um Miiscularis und Serosa zu legen. Bei dem oben beschriebenen Vorgehen dürften diese Massnahmen jedoch in der Regel leeinen besonderen Vortbeil ge­währen. Avch Bang zieht die Ligatur vor. Der abgebundene Theil kann sofort abgeschnitten werden; sollte jedoch das Abgleiten der Li­gatur befürchtet, oder ein weiteres Anziehen derselben notliwendig werden, so kann die Abtrennung des Organes bis auf die nächsten Tage verschoben werden. In diesem Falle müssen jedoch Vorkehrungen getroffen werden, dass der Uterus durch sein Gewicht keine Zerreissungen veranlasst, was oft mit Schwierigkeiten verbunden ist. Hering em­pfiehlt am stehenden Tliiere den Vorfall auf die Kruppe des Pa­tienten zu leffen. Vorzuziehen Ist zweifellos baldiffes Abschneiden, auch
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480nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der weiblichen Geschlechtsorgane.
noch deshalb, um augleioh die Reposition der Scheide nach sorgfältiger Beinigung derselben bewirken ZU können. Zur Entfernung der entzünd­lichen Produote, des Wundseorets sowie auch des unterbundenen Stumpfes muss die Scheide in den folgenden Tagen wiederholt ausgespült werden. Bei starker Anschwellung kann die Application eines .Harnröhren­katheters uothwendig erscheinen. Sollte durch starkes Drängen ein neuer Seh ei den Vorfall drohen, so lege man den Trachtenzwinger, einen Sauherg'schen Scheidenring oder einige Metallhefte durch die Scham. Audi bei Hündinnen wurden wiederholt üterusamputationen mit Erhaltung des Thieres ausgeführt. Hier kann auch die Lage des trächtigen Organes im Leistenbruch Anlass ZU dieser Operation geben. In solchem Falle würde man mit den Hülfsmitteln der Antisepsis vorgehen, wie sie bei Ihiuchverletzungeu üblich, beim Vorfall aber nur unvollständig durchführbar sind.
L Tumoren der Vagina und des Uterus.
Lit.: Hookmann, Her. lieji. 13. S. ;!85. Zipperlen, das. 14. S. 118. Le-blanc, Qurlt u. Hertwig. 1. S. 252. Martin, Borl. Th. Woch, 1890. S. C57. l'ranck, Qeburtshülfe. S. 240. Müller, Dresd. Ber. 1884. S. 30 U. 1887. S. 18. .Stephan, Qurlt U, Hertwig. 1. S. 100. Lindenberg, das. 12. S. 84. Kg geling, Th. Mitth. 1882. 8. 67. Esser, das. S. 27. Röd er, Dresd. Ber. 1889. S. 77.
Im ganzen finden sich in diesen Organen nicht so häufig krank­hafte Neubildungen wie beim Menschen; namentlich erlangen die Fi-bromyome hier nicht die Verbreitung wie bei jenem. Doch hat man sowohl Fibrome, Sarkome, Carcinome und namentlich Keteutions-geschwülste in der Scheide bei Kühen wiederholt beobachtet. Auch bei Hunden kommen öfter Tumoren (Fibromyome, Müller) an diesem Organe vor, selten bei den übrigen Thieren.
Bei Hunden bildet sich von der oberen Scheidewand aus zuweilen ein partieller Prolapsus mit starker Anschwollung des vorgefallenen Theiles, der meist für eine fibröse Neubildung gehalten und wie ein solches Leiden auch behandelt wird. Es erscheint bei diesen Thieren ziemlich plötzlich eine eiförmige blussrothe Gesehwulst in der Schanispalte, welche die Grosse eines Hühnereies zu erreichen pflegt und sich nicht zurückbringen lässt, oder bald wieder hervortritt. Man beobachtet das Leiden am häufigsten während der Brunstzeit nach vollzogenem Coitus.
Heckmann fand einen gestielten Polypen in der Scheide einer Hün­din, welcher der rechten Seitenwand aufsass und durch Unterbindung be­seitigt werden konnte. Zipperlen beschreibt einen Polypen am Cervix der Kuh, Leblanc bei einer Hündin.
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Tumoren dor Vagina und Gebärmutter.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;481
Bei Kühen werden am hilufigsten Cystengescliwülste angetroffen, die im Scheidenvorhof, vornelnnlich links auftreten. Sie sollen nach Müller und Köder aus den Bartholinisdien Drüsen durch Retention ihres Inhaltes her­vorgehen, wilhrend die dicht hinter der Harnröhrenmündung entstehenden nach Martin Abschnürungen der Wolff'schen Gänge bilden. Eggeling stellte bei der Kuh ein Sarcoma telangiectodes fest, das beim (iebärakte durch Verblutung zum Tode führte. Bei Kühen wie Hündinnen wurden wiederholt ulcerirende Carcinome, im Scheidenvorhofe einer Kuh von Bang Oarcinombildung beobachtet.
Abgesehen von der Tuberoulose, bildet der Uterus nur selten Sitz von Tumoren und noch seltener Gegenstand chirurgischer Be-Imndlung. Die als Skirrhus mehrfach beschriebenen Veränderungen dürften meist Folgezustände einer Endometritis chronica gewesen sein; doch kommen hier polypöse Neubildungen und zwar von bedeuten­dem Umfange vor; Budenberg fand bei der Kuh eine Geschwulst im Uterus, die 14—15 Kilo wog; bei Hündinnen konnte ich mehrfach Carcinome und Sarkome feststellen; Esser fand bei der Kuh ein Uterus-Fibroid.
Erscheinungen. Gesehwülste der Scheide treten beim Urinabsatz zuweilen durch die Schamspalte hervor und werden hier eingeschnürt, so dass man sie direct erkennen kann; Über ihren Sitz und ihre Ausdehnung muss die Palpation nähere Auskunft geben. Das gleiche gilt für die im Innern der Vagina wuchernden Neubildungen. Stö­rungen veranlassen sie in der Regel erst bei erheblicher Grosse, indem sie das Aussehen des Thieres schädigen, oder beim Gebärakt be/.w. bei der Harnentleerung hinderlich werden. Oft rufen sie einen chronischen Austhiss aus der Scheide hervor, der bei ulcerirenden Neubildungen einen jauchigen Charakter annimmt. Die bei Kühen vorkommenden Cysten ragen zuweilen in Gestalt klarer oder getrübter Wasserblasen von Hühnereigrösse aus der Scham hervor.
Gebärmuttertumoren erkennt man in der Kegel erst, wenn sie beim Gebärakt ein Hiuderniss abgeben; oft aber werden die Thiere nicht tragend. Durch Untersuchung per anum können Geschwülste des Uterus bei grüsseren Thieren genauer erkannt werden. Auch bei der Tuberculose zeigt das Organ zuweilen eine bedeutende Ver-grösserung, welche sich bald mir auf ein Horn derselben beschränkt, bald über grössere Abschnitte der Gebärmutter ausdehnt. Die Eileiter treten dabei oft als fingerdicke, harte, in Windungen liegende Stränge hervor.
Möller, Speotelle Oblrnrgie für Tblerttrzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 31
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482nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der weiblichen öeschlechtsorgane.
Die Beurtheilung dieser Zustände gestaltet sich sehr verschieden, und hängt namentlich davon ab, oh es möglich ist, die Geschwulst vollständig zu entfernen; in der Scheide gelingt dieses leichter als im Uterus. Noch bedenklicher erscheinen Tumoren am Uterus trächtiger Thiere; gefährlich sind auch solche, die heftiges Drängen veranlassen, wodurch Entstehung eines Vorfalls begünstigt wird. Blutgefässreiche Tumoren können zur Verblutung filliren (Eggeling).
Die Behandlung besteht in der operativen Entfernung des Tumors. Dazu dient bei gestielten die Unterbindung; auch der par­tielle Scheidenvorfall der Hündin wird durch Abnähen arn einfachsten geheilt. Tieferliegende Tumoren können unter Umständen mit dem Ecraseur erfasst, Cysten zuweilen mit der Hand zum Platzen gebracht werden; erforderlichenfalls lässt sich dieses wiederholen und der Aus­gangspunkt der Geschwulst unter Umständen ätzen. Müller be­handelte ein mit Scheidenvorfall verbundenes Fibromyom bei der Hündin durch Injectionen von Ergofcin (Extr. sec. corn. 0,5, Spirit, dil. et Glycerin ä 5,0). Hiervon wurde täglich an beliebiger Stelle des Körpers 1,0 unter die äussere Haut gespritzt, worauf bereits nach 4 Wochen eine bedeutende Verkleinerung der Geschwulst und später vollständige Heilung eintrat.
5. Die chirurgischen Krankheiten der Milchdrüsen.
Lit.: Fürstenberg, Die Milchdrüsen. 1868. Bang, Stockfleth Chirurgie. Docter, Gui'lt u. Hertwig. 10. S. 44:3, Deupser, Uerl. Th. Wooh. 1891. S. 107.
1. Wunden und Quetschungen des Euters und der Zitzen linden sich am häufigsten bei Kühen, und zwar durch gegenseitiges Treten; Thiere mit starkem tief herabhängendem Euter treten sich auch wohl selbst auf die Zitzen. Ferner geben Bisse von Hunden oder die Einwirkung scharfer Gegenstände, z. B. von Dornen beim Laufen durch Gestrüppe zu solchen Verletzungen Veranlassung. Bald ist die Haut mit verletzt, bald handelt es sich um Quetschungen.
Oberflächliche Wunden, d. h. solche, die weder in die Drüsen­substanz noch auch in die Milchwege (Zitzenkanal) hineinreichen, haben keine besondere Bedeutung und müssen nach den allgemein gültigen Gesichtspunkten beurtheilt und behandelt werden. Am Grunde der Zitze kommen Jedoch zuweilen erhebliche Blutungen vor. Reicht die Trennung bis in die Drüse hinein, so liegt die Gefahr vor, dass sich
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Wunden und Quetschungen des Euters.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 483
ein Milchflstel bildet. Wenn auch die Heilung solcher Wunden anscheinend regehnilssig von Statten geht, so kommt doch die Ver­narbung derselben in Folge des fortdauernden Milchabflusses oft nicht zum Abschluss; die Wunde schliesst sich bis auf eine kleine, später trichterförmig eingezogene Oeff'nung, ein Zustand, der als Milch­fistel bezeichnet wird. Dieser Ausgang ist .also nur während der Lactationsperiode zu befürchten. An den Zitzen können Verletzungen zu Narbenstricturen mit Störungen beim Melken der Thiere führen.
Quetschungen des Euters erzengen Blutungen und zwar ent­weder in die Drüsengänge, in Folge dessen der Milch Blut beigemischt wird, oder in das Gewebe der Drüse und in die Haut und Unterhaut. Hier kann das Häniatom ebenso wie in anderen Weichtheilen resorbirt werden, aber auch vereitern bezw. verjauchen.
Behandlung. Alle tieferen Euterwunden suche man womög­lich per prim. int. zur Heilung zu bringen, wodurch die Bildung einer Milchfistel am sichersten verhindert wird. Sofern die Verletzung noch frisch und von einer Beschaffenheit ist, dass man diesen Aus­gang erwarten kann, hefte man die Wundränder nach sorgfältiger Desinfection derselben. An den Zitzen kann zuweilen das Klaffen der Wunde wie auch der Milchabfluss aus derselben durch Anlegung eines passenden, d. h. nicht zu sehr drückenden Gummiringes verhindert werden; an dem haarlosen oder vorher rasirteu Euter dient hierzu auch Heftpflaster, Collodium oder Wundgelatine. Hertwig empfahl ein Liniment aus Alaun mit Ei weis, welches er 3—5 nun dick auf­tragen Hess. Während der Lactationsperiode haften alle diese Mittel in der Regel nicht, weil durch die Füllung des Euters Verschiebungen in der äusseren Haut eintreten, welche sich allerdings durch Appli­cation eines Milchkatheters verhindern lassen. Im allgemeinen wird Heilung per priinam, namentlich an den Zitzen unschwer erreicht, sobald die Milch aus dem betreffenden Euterabschnitt mit dem Milcb-katheter entleert werden kann.
Steht die Heilung auf dein ersteren Wege nicht mehr in Aus­sicht, so muss die Behandlung nach den allgemeinen Grundsätzen er­folgen. Durch eine soweit möglich durchgeführte relative Antisepsis beugt man Eiterversenkungen und phlegmonösen Entzündungspro-cessen in der Milchdrüse vor. Fisteln suche man durch Aetzen oder Anwendung des Ferruin candens zum Verschluss zu bringen. Ge­lingt dieses nicht, so muss das Ende der Lactationsperiode abgewartet werden; alsdann heilt die Fistel meist nach Anwendung von Argent.
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Krankheiten der weiblichen Geschlochtsoi'sane.
nitric, anderenfalls leg't man während der Behandlung einen Milch-katheter an.
Quetschungen, welche mit Ahsoheidung blutiger Milch ver­bunden sind, verlangen eine sorgfältige Reinhaltung des Euters sowie der Zitzen, um Infeotionen ZU vermeiden. Die Entleerung des Blutes wie der Milch erfolgt am besten mit dem Katheter. Zur Förderung der Resorption findet feuchte Wärme in Form von Umschlägen Anwendung.
'2. Verengerung und Verschluss des Zitzenkanuls. Bei Kühen — und diese kommen hier fast nur in Betracht — besitzt der Zitzenkanal nur eine Mündung, in welche sich die iiussere Haut umschlägt, um das untere Ende des Zitzenkanals (Milchkanals) auszukleiden. Am oberen Ende des etwa 5—8 mm langen Milchkanals beginnt die Schleimhaut, welche die bis in die Zitze hineinragende Milchcysterne auskleidet. An der Uebergangsstelle der ilusseren Haut in die Schleimhaut, also etwa 1 cm oberhalb des Zitzenendes, liegt der Schi iessapparat, der ebenso wie der grüsste Theil der Zitzen aus organischen Muskelfasern besteht.
Verengerungen des Milchkanals kommen bei Kühen ent­weder durch Wucherung des starken Epithelbelags seiner Aus­kleidung oder aber durch Retraction von Narbengewebe zu Stande und erzeugen das sogenannte „Hartmelken''. Der erstere dieser Zu­stände entwickelt sich oft, während die Thiere trocken stehen; dann zeigt sich die Verengerung beim nächsten Kalben.
Verschluss der Zitzenöffnung ist bei Kühen zuweilen angeboren (Fürstonberg), oder er entsteht durch entzündliche Pro-cesso am unteren Ende der Zitze. Hautleiden, Pocken, Aphthen, Ver­letzungen u. s. w. können die Ursache zur Verklebung und Verwach­sung der Mündung des Milchkanals wie auch seiner Wandung weiter nach oben abgeben.
In den oberen Abtheilungen des Zitzenkanals kommen geschwulst­bildende Processe vor, oder es legen sich Falten der Schleimhaut ventil­artig in das Lumen des Kanals und bringen diesen zum Verschluss. Häutiger noch veranlassen chronisch entzündliche Processe im Verlaufe von Mastitis zur Verengerung oder vollständiger Verlegung des Zitzen­kanals ; schliesslich kann nicht nur der Milchkanal, sondern auch der untere Abschnitt der Cysterne verwachsen.
Die Erkennung dieser Zustände bietet keine Schwierigkeiten. Der angeborene Verschluss der Zitze zeigt sicli beim ersten Kalben durch starke Füllung des Euters sowie der Zitze, ohne dass beim Vorsuch zu molken Milch abfliesst. An der Zitzenöffnung wölbt sich das die Oeffnung verschliessende 11 Hütchen oft stark hervor, und beim Versuche! eine Sonde einzuführen zeigt sieb, dass die Zitzen-
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Verengerung und Vei'sohluss des Zitzenkaniiles.
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öfthung fehlt. Lctzeres ist auch bei Verwachsungen der Fall; doch sieht man hier eine Andeutung zur Oeffnung.
Bei Verengerungen oder Verwachsungen des Milchkanals lässt sich entweder eine Sonde überhaupt nicht einführen oder es gelingt dieses nur schwer. Die Milch wird in dünnem Strahl entleert, wobei die Thiere oft durch Unruhe Schmerzen verrathen. Verengerungen durch Verdickung des Epithels oder Wucherungen in der Schleimhaut gehen sich beim Befühlen (man rollt die Zitze zwischen Zeigefinger und Daumen) als strangförmige Anschwellungen ZU erkennen. Ebenso können sogenannte M ilchknoten in den oberen Abtheilungen der Zitze durch das (xefühl nachgewiesen werden, während beim Verschluss der Zitze durch Schleimhantfalten die Palpation ein negatives Resul­tat giebt; die Sonde aber stösst hierbei in der Tiefe auf ein etwas nachgiebiges Hinderniss. Dieser ventilartige Verschluss der Zitze zeichnet sich auch noch dadurch aus, dass die unter demselben liegen­den Abtheilungen der Cysterne sich allmälich anfüllen; von Zeit zu Zeit lässt sich dann eine kleine Quantität Milch regelmässig entleeren. Zuweilen gelingt es mit der Sonde das Ventil bei Seite zu schieben und so freien Milchabfluss zu erzielen.
Behandlung. Der verengte Milchkanal lässt sich bei einiger Ausdauer durch oft wiederholte Einführung von Bougies erweitern; 2—8 cm lange, starke Catgutfäden, welche an einem Ende mit einem Knoten versehen sind, damit sie nicht vollständig in den Zitzenkanal gleiten, werden ein paar Stunden vor dem Melken oder gleich nach dem­selben eingeführt und bleiben einige Stunden liegen. Das Material kann zwar wiederholt benutzt werden, allein um Infectionen des Euters und schwere Mastitisformen zu vermeiden, müssen die Bougies sorgfältig gereinigt und getrocknet werden, bevor man sie von neuem benutzt. Das gilt auch für andere Instrumente, wie Milchkatheter, Sonden n. s. w.; alle diese Gegenstände sind vor ihrer Application sorgfältig zu reinigen, und wenn man absolut sicher gehen will, zu „sterili-sirenquot;. Besondere Vorsicht ist in dieser Hinsicht bei entzündlichen Processen an den Zitzen (Pocken, Aphthen u. s. w.) geboten.
Wenn aus irgend einem Grunde die Erweiterung des Milchkanals auf solche Weise nicht zu erreichen ist, kann derselbe gespalten oder das Ende der Zitze amputirt werden. Zum Spalten benutzt man ein schmales, gerades Tenotom oder die zu dem Zwecke besonders con-struirte .Milchnadel'', ein schmales, y.sveischneidiges Pistolmesser. Am besten gelingt die Spaltung bei gefülltem Euter. Man lässt das
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480nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der weiblichen Geschlechtsorgane.
Thier gut bremsen, erfasst die Zitze mit der linken Hand und sucht sie mit Milch stark zu füllen. Darauf wird das Instrument etwa 1 cm weit eingeführt und der Milchkanal gespalten. Da später die Milch in schrägt'!- Richtung abfliesst, so empfiehlt Bang, an den vorderen Zitzen die Spaltung mich hinten, an den hinteren aber nach vorn vor­zunehmen, um den Strahl stets nach dem Melkeimer zu dirigiren.
Das Resultat des Spaltens befriedigt oft nicht auf die Dauer, indem die Wunde wieder verwächst, und die Verengerung womöglich noch grosser wird. Am sichersten gelingt noch die Beseitigung einer angeborenen Atresie; hier genügt oft ein Kreuzschnitt, oder die Func­tion mit einer Impfnadel oder einem ähnlichen Instrumente.
Bang empfiehlt daher das untere Ende der Zitze zu amputiren und zwar unmittelbar über dem Milchkanal, wobei also die eigentliche Warze entfernt wird. Indem der Schliessapparat hier deutlich zu fühlen ist, lässt sich diese Stelle leicht bestimmen. Nachdem die Hinterfüsse des Thieres gespannt sind, wird das Ende der Zitze unter möglichster Schonung der äusseren Haut mit einer starken Schere abgeschnitten. In Dänemark benutzt man hierbei eine Zange (Hahn), die, ähnlich wie die Tögl'sche Castrirzange construirt, zum Fixiren der Zitze dient. Man erfasst damit die Zitze so, dass mit Hülfe eines scharfen Messers die Trennung unmittelbar unter der Zange in einem kräftigen Schnitte ausgeführt werden kann. Die Blutung bleibt unbedeutend. In der ersten Zeit fliesst die Milch dauernd ab, was durch Anlegen eines passenden Gummiringes verhindert werden kann. Alhnälich soll aber durch Narben-strictur soweit eine Verengerung zu Stande kommen, dass der unfrei­willige Abfluss aufhört, und das Melken wieder regelmässig erfolgen kann.
Beim Verschluss der oberen Abschnitte der Zitze durch Milch­knoten lässt sich durch einen dünnen Trokart der Abfluss der Milch erzielen. Die Hülse desselben kann einige Zeit liegen bleiben, um die Wiedervereinigung zu verhüten, während der Milchabfluss durch Aufstecken eines Korkes auf das Ende der Hülse verhindert wird. Auch da wo Schleimhautfalten den Ausgang verlegen, kann der Tro­kart nützlich werden; allerdings ist auch hier der Erfolg oft nur vorübergehend. Man hat ferner empfohlen, diese Hindernisse durch Spaltung mit der „Milchnadel* zu beseitigen (Stockfleth, Bang); doch ist der Erfolg auch hierbei meist nicht von Dauer.
Liegt das Hinderniss in der unteren Hälfte der Zitze, SO kann die Amputation derselben zweckmässig werden. Man sorge für mög­lichste Reinlichkeit, um entzündliche Processe zu vermeiden, welche sich in der betreffenden Euterabtheihmg an die Operation leicht anschliessen.
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Clironische Entzündung und Tumoren der Milchdrüsen.
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3. Chronische Entzündung und Tumoren der Milch­drüsen (Mastitis chronica). Da die acuten Entzündungen des Euters in den Lehrbüchern der specicllen Pathologie Berücksichtigung finden, sollen hier nur die chronischen Processe behandelt werden. Betont sei die neuerdings mehr und mehr bestätigte Annahme, dass auch die acut entzündlichen Vorgänge in den Milchdrüsen vornehm­lich aus Infectionen hervorgehen. Diese Thatsache erklärt zugleich manche Eigenthümlichkeiten der chronischen Entzündungsprocesse. Sie bilden nämlich in der Regel den Ausgang acuter Vorgänge und bestehen bald in local auftretenden, imluratiYen Vorgängen (Milch­knoten), bald in diffusen Wucherungen des interstitiellen Binde­gewebes (Mastitis chronica interstitialis). Diese letzteren interes-siren auch in chirurgischer Beziehung und bilden gleichsam den Ueber-gang zu den Tumoren des Euters. Sie werden meist durch gewisse Inf'ectionserreger veranlagst, namentlich durch Tuberculose, Akti-nomyces und andere Mikroorganismen.
Die Tuberculose des Euters kommt am häufigsten bei Kühen in dem einen oder anderen der hinteren Hälften, seltener in den vor­deren vor (Bang). Bald erfolgt die Infection vom Zitzenkanal, bald vom Blute aus. Auf jeden Fall bilden sich in einer, selten in mehreren Abtheilungen des Euters harte, massig schmerzhafte Knoten, welche in der Tiefe sitzen, allmälich an Ausdehnung zunehmen, fester und derber werden. Besteht die Erkrankung in einer der hinteren Euterhälften, so liisst sich die Anschwellung der über derselben gelegenen Lymph­drüse meist deutlich fühlen. Anfangs zeigt die Milch keine erhebliche Abweichungen, weder in Quantität noch Qualität. Die erstere lässt jedoch allmälich nach; auch nimmt das Secret bald eine flockige Be­schaffenheit an und bildet schliesslich eine trübe gelbliche Flüssigkeit, in welcher durch mikroskopische Untersuchung Tuberkelbacillen nach­zuweisen sind. Zu diesen Erscheinungen gesellen sich Abmagerung, Husten, und wenn die Thiere nicht geschlachtet werden, gehen sie unter hektischen Erscheinungen zu Grunde.
Anders gestaltet sich die Aktinomycose des Euters, welche ebenfalls bei Kühen und Schweinen nnchgewiesen, bei ersterem von Johne sogar durch Impfung erzeugt wurde. Das Euter vergrössert sich durch Bildung von Knoten, die zuweilen bis unter die äussere Haut vordringen und der Oberfläche eine höckerige Beschaffenheit geben. Nach einiger Zeit macht sich an verschiedenen Stellen Fluc­tuation bemerkbar, und bei Eröffnung oder spontanem Durchbruch ent­leert sich eine schleimig-eiterige Flüssigkeit, in welcher die Schwefel-
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488nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der weiblichen Geschlechtsorgane.
gelben, sandkomgrössen Körnchen naohweisen bissen, welche aus Aktinomyoes-Congloraeraten bestehen.
Dieser letzteren Erkrankung nicht unähnlich sind mykofibroma-tüse Leiden, die icb bei Stuten wiederholt zu sehen Gelegenheit hatte, und zwar nach Botryoinyces- und Staphylococcusini'ection. Die Ober­fläche des Organs erscheint uneben, höckerig, stellenweise fest und hart, an anderen weicher, zuweilen fluetuirend; auf Einstich entleert sich dickflüssiger Eiter. Nach längerem Bestehen des Leidens bilden sich oft zahlreiche Fisteln, welche mehr oder weniger tief in das Euter hineinreichen. Während einzelne derselben sich mit Hinterlassung einer deutlichen Narbe schliessen, bilden sich andere, nicht selten unter dem Ablauf einer ausgebreiteten Phlegmone.
Die Beurtheilung dieser Zustände fällt begreiflicherweise un­günstig aus; am meisten bei der Tuberculose, weil diese nicht nur am schnellsten den allgemeinen Ernährungszustand des Tbieres stört und schliesslich zum Tode führt, sondern auch noch für den Menschen durch den Genuss der Milch gefährlich werden kann.
Aber auch die Aktinomycose und Botryomycose des Euters bietet wenig Aussicht auf Heilung mit Erhaltung der Milchdrüse. Da­gegen kann hier namentlich bei werthvollen Pferden auf operativem Wege das Leben und die Arbeitskraft der Thiere erhalten werden, näm­lich durch Amputation der erkrankten Euterabtheilung, even­tuell des ganzen Euters. Ich habe diese Operation wiederholt bei Pferden mit Erfolg und zwar in folgender Weise ausgeführt:
In der Rückenlage, die Füsse an beiden Seiten zusammengebun­den, wird das Operationsfeld gründlich gereinigt. Soweit die Haut mit der Unterlage verwachsen erscheint, muss sie mit fortgenommen wer­den, indem man die betreffende Stelle umschneidet. Die nicht ver­wachsenen Abschnitte der äussern Haut werden vom Euter abprägnirt und dieses selbst, bezw. die erkrankte Hälfte desselben von der Anheftung an die Bauchdecke losgetrennt. Es gelingt dieses leicht, wenn man die Trennung im lockeren Bindegewebe mit Hülfe der Finger bewirkt und die hierbei auftretenden, grösseren Gefiisse unterbindet. Um auch in der Tiefe das Operationsfeld Übersehen und die hier liegenden, starken Arterienstämmo aufsuchen und unterbinden zu können, muss man von vorn herein jede stärkere Blutung durch Unterbindung stillen. Den Rest der Verbindung des Euters mit der Bauchdecke kann in eine Massenligatur gelegt, sodann abgeschnitten werden.
Nach Abspülung mit Carbol- oder Suhlimatwasser werden die
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Chronische Entzündung und Tumoren des Euters
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otwii noch blutenden kleineren Gefilsse unterbunden, sodann die Höhle mit Ciirboljute oder einein ähnlichen, aseptischen Material ausgefüllt und die äussere Haut zur Fixirung desselben mit einigen Ligaturen versehen. Am folgenden Tage entfernt man die Hefte und Tam­pons, spült die Blutreste ab und bepudert die Oberfläche der Wunde mit Jodoformtannin. Darauf folgt offene Wundbehandlung, d. h. nur das sich etwa bildende, flüssige VVnndsecret wird entfernt; oft fehlt aber auch dieses; es entsteht ein trockener Schorf, unter dem die Heilung in etwa 14 Tagen ohne alle Störung und ohne jede weitere Hülfeleistung erfolgt. Aus den günstigen Umständen für den Abfluss des Wundsecretes erklärt es sich, dass in der Regel nicht ein­mal Wundfieber beobachtet wird. Deupser amputirte auf diese Weise ein Kuheuter wegen gangränöser Mastitis.
Euter-Tumoren werden bei Kühen und Hunden
alte
den übrigen Thieren in Gestalt von Warzen beobachtet. Meist treten sie an den Zitzen, seltener an der äusseren Haut des Euters auf. Sie erscheinen länglich, oft gestielt, 1 — 1quot;) mm lang; an der Euteroberfläche kommen auch grössere mit breiter Basis vor; bei Kühen hat man bis kopfgrosse beobachtet (Fürstenberg). Ihre Oberfläche erscheint rauh, hornartig, durch Verletzungen heim Melken zuweilen feucht und entzündet.
Seltener treten Warzen (Polypen) auf der Schleimhaut der Milch­kanäle bezw. im Zitzenkanal auf, doch können sie hier Störungen in der regelmässigen Entleerung der Milch veranlassen.
Im Euter der Kühe werden beim Schlachten nicht selten Cysten von Haselnnss- bis Hiihnereigrösse angetroffen. Sie stellen meist Uetentionsgeschwülste durch Verschluss einzelner Drüsengänge dar und enthalten bald einen klaren, bald einen durch Fettmassen getrüb­ten Inhalt. Bei Lebzeiten der Thiere werden diese Bildungen selten erkannt, da die Fluctuation nur an der oberflächlich gelegenen nach­weisbar ist; die in der Tiefe liegenden lassen sich von Milchknoten kaum unterscheiden.
Sarkome sollen hier nach Fürstenberg bei Kühen vor­kommen; bei Hündinnen bilden sie häufige Leiden. Auch finden sich im Euter der Hunde Carcinome, Enchondronie. Bei Pferden will man ebenfalls krebsartige Bildungen hier beobachtet haben (l)octer). Diese malignen Tumoren treten oft multipel auf; Carcinome sind in der Regel mit Anschwellung der Lymphdrüsen verbunden. Bei Hündinnen wird die äussere Haut oft sehr gedehnt, die Geschwulst senkt sich
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490nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der weiblichen Geschlechtsorgane.
und bildet einen Tumor pendulans; durch die hierbei begünstigten Verletzungen koiunien oft Ulcerutionen an ihrer Oberflüche vor.
Die Beurtheilung gestaltet sich nach der Natur, dem Sitze und der Grosse der Neubildung verschieden. Warzen an den Zitzen stören bei Kühen das Melken, indem die hiermit verbundenen Zerrungen dem Thiere Schmerzen bereiten. Auch pflegen sie nicht wie an anderen Stellen (Maul) von selbst zu verschwinden; die operative Entfernung stösst zwar nur selten auf Schwierigkeiten, allein die Thiere em­pfinden hiernach beim Melken erst recht Schmerzen und zeigen sich in Folge dessen unruhig. Man wartet daher, bis die Lactation unter­brochen ist. Wo dieses nicht angeht, schneidet man die gestielten Warzen mit der Schere dicht an der Haut ab, ätze die Oberfläche mit Argent, nitr., um gleichzeitig die unbedeutende Blutung zu stillen. Falls sich hierdurch Schmerzen beim Melken entwickeln sollten, muss die Milch bis zur Abheilung der Wunden mit Hülfe des Katheters ent­leert werden.
Die an der Oberfläche des Euters sitzenden Warzen werden in der Kegel nur behandelt, wenn sie das Melken stören. Beim Ausschälen vermeide man Verletzungen der Drüsensubstanz, suche die Operation bis nach der Lactationsperiode zu verschieben oder lasse auch hier die Milch mit dem Katheter entleeren; bei Anwendung desselben müssen die S. 485 besprochenen Rücksichten gebraucht werden.
Bei Hündinnen lassen sich maligne Tumoren meist ohne Gefähr­dung des Lebens der Thiere entfernen, auch wenn dieselben bereits eine grosse Ausdehnung erlangt haben. Hierbei geht man nach den allge­meinen liegeln vor, operirt im lockeren Bindegewebe, entfernt soweit möglich auch die Secundärknoten und heftet nach Tamponage der Höhle die äussere Haut. Eine Morphiumgabe verhindert, dass das Thiel' die Hefte löst, welche am nächsten Tage entfernt werden. Hierauf folgt vortheilhaft offene Wundbehandlung; das Lecken des Thieres macht die Reinigung der Wunde in der Regel überflüssig, und kommt die Heilung fast immer ohne Störung zu Stande, auch wenn es sich um maligne Tumoren handelt. Zwar treten häufig regionäre Recidive auf, die dann ebenfalls operirt werden können. Wird auch eine vollständige Heilung oft nicht erzielt, so ist der Besitzer doch zufrieden, wenn er das Thier auf diese Weise für einige Jahre erhalten sieht, was in der Regel gelingt.
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Die Krankheiten der Rückenwirbelsänle und des Beckens.
1, Frakturen der Rücken- und Lendenwirbellaquo; Luxation und Diastase derselben. Commotio spinalis.
Lit.: Rauschning, Gurlt u. Hertwig. 89. S. 91. Ercolani, Jahrb. 18(J0. S. 11. Dogive, .Taln-b. 1889. 8. 127. Moussu, Rec. do mod. vet. 1889. S. 788. Thümmler, Dresd. Ber. 1808. S. 110. Lehnort, das. 1871. S. 126. Götze, das. 1861, S. 119. Bouley, Her. Rep. 13. S. 140. Spinola, Spec. Path. u. Thor. S. 1474. Thiome, Th. Mitth. 1881. S. 86. Trasbot, Jahrb. 1889. S. 189. Demarbaix, Her. Rep. 14. S. 325. Lebol, das. S. 40. Hey, das. S. 131. Vives, das. 16. S. 325. Voigt-1 und er, Dresd. Ber. 1804. S. 66. Thieme, Th. Mitth. 1881. S. 86. Körber, Gurlt u. Hertwig. 16. S. 393. Dieckorhot'f, Adam. Wooh. 24. S. 107. Mittmann, Zoitschr. f. Vot. 1889. S. 352. Straube, Zeitsohr. f. Veterinärk. 1891. S. 451.
Dio Kücken- und Lendenwirbel frakturiren nicht selten nament­lich bei Pferden, indem entweder einzelne Fortsätze abgetrennt wer­den, oder es bricht der Körper und Bogen des Wirbels. Die ersteren haben keine besondere Bedeutung und sind auch selten. So beobachte­ten Bouley und Götze Frakturen der Dornfortsätze der Brustwirbel. Brüche der Quer- und schiefen Fortsätze gelangen meist nur mit solchen an den Wirbelkörpern zur Ausbildung. Die letzteren erlangen eine be­sondere Bedeutung dadurch, dass sie Verletzungen des Rückenmarkes oder Blutungen in den Wirbelkanal und damit meist schwere Druck­lähmungen des Rückenmarkes zur Folge haben. Sie werden am häufigsten beim Pferde beobachtet und entstehen durch verschieden­artige Ursachen. Oft kommen sie durch unzweckmässig befestigte Latirbilume, welche das Aufstehen der Thiere stören, indem sie auf dem Bücken desselben liegend nicht nachgeben, zu Stande. Diese Brüche können ferner durch Gegenrennen (Kauschning), Ueberschlagen, ge­waltsames Pariren oder plötzliches Wenden (Trasbot) hervorgerufen
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402nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten tier Rüokenwirbelsäule und des Beckens.
werden. Haubner hüIi einen Leiidemvirbelbrucli beim Pferde durch heftiges Ausschlagen mit beiden Hinterfüssen entstehen, Mittmann während des Laufens im Galopp, Häufiger noch werden durch die eigene Muskeluction Wirbelbrilche an gefesselten Thieren veranlasst und bilden unbequeme Complic-itionen namentlich grösserer Operationen. In Frankreich und Belgien besteht noch vielfach die Meinung, dass der Bruch hierbei im Momente des Werfens und zwar durch exces­sive Beugung der Wirbelsäule (Krümmung nach oben) verunhisst werde (l)egive). Nach meiner Ueberzeugung kommt jedoch die Mehrzahl dieser Frakturen erst am liegenden Thiere während der Operation zu Stande; auch Mo US SU und Lebel haben sich dahin ausgesprochen. Meist begleitet ein dumpfes Krachen ihren Eintritt. Zwei Bewegungen werden in dieser Hinsicht am gefesselten Pferde besonders gefährlich und müssen daher verhindert werden: 1. Starke Krümmung des Rückens. Wird der Kopf des Thieres gegen das Brustbein bewegt, so findet eine passive Dehnung der Rückenstrecker (namentlich der Mm. longissimi dorsi) statt. Erfolgt nun eine energische Contraction derselben im Verein mit dem M. iliopsoas, so kann eine so gewaltige Druckwirkung entstehen, dass der eine oder andere Rücken- oder Lendenwirbel zermalmt wird. Comminutivbrüche bilden daher die Regel; auch bricht fast immer der Wirbelkörper.
2. Eine zweite Action, welche diese Frakturen leicht veranlasst, besteht in excessiver Seitwärtsbewegung der Wirbelsäule durch einseitige Wirkung der Bückenmuskeln. Diese kommt unter Auf­richten der Gruppe; vom Erdboden zu Stande und wird vielleicht durch Anchylosirung der Wirbel bezw, Ossification der Zwischenwirbelknorpel begünstigt. Den Einfiuss einer starren Verbindung der Wirbel auf das Zustandekommen von Frakturen am gefesselten Pferde haben schon Ercolani, Gamillo, Demarbaix u. A. betont; sie bildet meines Erachtens den Grund, weshalb namentlich bei älteren Pferden auf diese Weise oft Wirbelfrakturen zu Staude kommen. Am häufig­sten ereignen sich bei Zahnoperationen und bei der Castration von Voll­blutpferden diese Brüche. Zahnoperationen werden vornehmlich bei älteren Werden ausgeführt; beim Cnstriren tritt der Bruch meist in dem Momente ein, in welchem die Kluppe auf den Samenstrang gepresst wird; hier bildet in der Regel die Gewalt der Muskelcontraction die Ursache der Fraktur. Am häufigsten kommen Wirbelbrüche bei Pferden in der Seitenlage, selten bei Operationen in der Rückenlage vor; mir selbst ist nur einer begegnet, auch Dieckerhoff sah unter 14 Fällen nur einen in der Rückenlage entstehen.
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Frakturen der Rücken- und Lendenwirbel.
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Möglicherweise kommen zuweilen Kninkheitszustilmle an der Wirbelsäule vor, die den Eintritt des Bruches erleichtern. Thiinun-ler will bei einer lOjillirigen Stute eine abnorme Fragilitiit der Rippen und Wirbel gefunden haben. Lehnert berichtet über eine VVirbel-t'raktur, die durch Caries in Folge eines Abscesses begünstigt wor­den war. Auch Degive nimmt eine solche Disposition an.
Mit seltenen Ausnahmen findet sich die Fraktur an den letzten liücken- oder Lendenwirbeln. Diese sind nicht nur die schrägsten, son­dern liegen auch in der Mitte der biegsamen Säule, welche bei der ge­waltsamen Verbiegung oder Krümmung wie ein Stock in der Mitte bricht. Durch Ueberscblagun und andere Gelegenheiten kommen auch wohl Frakturen der vorderen Kücken- oder Lendenwirbel zu Stande.
Beim Kinde giebt der Begattungsakt zuweilen zur Entstehung einer W.irbelfraktur Veranlassung, und zwar bei der Kuh durch einen zu schweren Bullen, bei letzeren durch Stürzen. Kleine Thiere er­leiden solche durch Ueberfalirenwerden, heftige Schläge oder Stösse.
Von den Wirbelbrüchen lassen sieh Luxationen, d. h. Verschiebungen
in den gelenkigen Verbindungen und Diustasen, Verschiebung der Wirbel in Folge Zerreissung der Zwischenvvirbolbiinder klinisch nicht trennen. Voigtländer und Grillmeister beobachteten Diastase zwischen dem letzton liücken- und ersten Lendenwirbel bei einer Kuh, Thieme beim Pferde.
Erscheinungen und Verlauf. Frakturen, die sich auf die Wirbelfortsätze beschränken, rufen oft keine auffälligen Störungen her­vor. An Ort und Stelle tritt Anschwellung ein, die unter Umständen zur Eiterung führt (Götze). An den Dornfortsätzen der Wirbel des Widerristes, welche verschiedene Muskeln des Vorderschenkels zum Ansatz dienen, gehen Frakturen zu erheblichen Bewegungsstörungen Veranlassung, wie Bouley heim Pferde beobachtete; Kopf und Hals wurden wie beim Starrkrampf steif gehalten; ebenso Kücken und Len­den; die Vorderfüsse nahmen eine Stellung wie bei dem Rehe an; am Widerrist bestand Anschwellung. Schmerz und Crepitation. Erst nach 4 Wochen konnte sich das Thier wieder hinlegen; allmälich kehrte auch das Gebvermögen zurück, doch wurden in der ersten Zeit die Füsse nur unvollständig aufgehoben.
Frakturen der Wirhclkörper sind in der Regel mit Ver­schiebung der Bruchfragmente und Verletzungen des Rückenmarkes verbunden, oder es tritt eine Blutung in den Wirheikanal ein. in Folge dessen sich Paraplegie einstellt. Die Thiere zeigen sieh un-vennöü'end aufzustehen, und wenn sich das Vordertheil erhebt, bleibt
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494nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Kückenwirbelsäule und deä Beckens.
das Hintertheil wie ein todter Körper unbeweglich am Boden liegen. Unter umständen tritt die Verletzung des liiickenmarkes nicht so­gleich ein; auch muss die Möglichkeit zugegeben werden, dass Fis­suren an den Wirbeln vorkommen (Spinola). Wiederholt sah man (Spinola, Kauschning, Dieckerhoff, Möller), class sich die Thiere mit steifer Haltung des Rückens noch fortbewegten, und erst nach einigen Tagen die Erscheinungen der Paraplegic hervortreten. Spinola glaubt beobachtet zu Laben, dass Pferde mit einer Wirbelfissur noch geritten wurden und im schweren Zuge arbeiten konnten. Straube beschreibt einen Fall, in dem das Pferd, welches mit einer solchen Fissur oder einer Fraktur ohne Verschiebung der Fragmente behaftet war, noch als Jagdpferd zum Springen benutzt werden konnte.
Ausnahmsweise können die Thiere zwar stehen, aber sie sind unvermögend zu gehen. Dieses zeigt sich, wenn nur der N. ischiadicus, nicht aber zugleich der N. cruralis gelähmt ist. Bombach beobach­tete den Zustand beim Bruch des zweiten Lendenwirbels; ich selbst fand die Funktionsfälligkeit des N. cruralis beim Bruch des fünfzehnten Uückenwirbeis erhalten.
Die Localuntersuchung ergiebt bei grösseren und gut genährten Tliieren meist ein negatives Resultat; zuweilen lässt sich Crepitation, Schmerzhaftigkeit oder eine Verschiebung der Dornfortsiltze der be­treffenden Wirbel nachweisen, am leichtesten gelingt dies bei kleinen, mageren und muskelarmen Thieren. Mit der Paraplegic ist Anästhe­sie des Hintertheils verbunden, welche sich nach vorn oft genau ab­grenzt; mehrfach wurden auch Krämpfe bei Wirbelbrüchen beobachtet.
Diese Schwierigkeiten für die Diagnose sind um so wichtiger, als die Prognose schlecht ausfällt, daher die Tödtung der Thiere em­pfohlen werden muss, sobald eine Wirbelfraktur nachzuweisen ist.
Verwechselungen können namentlich mit der sogen. Hilmoglo-binämie der Pferde vorkommen. Meist entscheidet hierüber jedoch schon der Vorbericht; anderenfalls muss der Harn untersucht wer­den, der jedoch nicht immer bei jenem Leiden verändert ist. Blut­farbstoff oder Eiweiss in demselben würde jedoch für H. sprechen. Dazu kommt, dass sich bei dem letzten Leiden die Muskeln, nament­lich der Kruppe hart und fest anfühlen, welche bei dieser Druck-lähmung gerade auffällig weich erscheinen. Die sichtbaren Schleim­häute zeigen sich bei Hämoglobiuurie mehr oder weniger geröthet, was bei Wirbelbrüchen, wenigstens in der ersten Zeit nicht der Fall ist. Noch grössere Schwierigkeiten bietet oft die Diagnose, wenn be­reits Decubitus und in Folge dessen Fieber eingetreten ist.
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Bl'ttohe der Rücken- und Lendenwirbel.
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Es können ferner Obturntionen der hinteren Aorta bezw. der Becken- oder Schenkelgefilsse ülinliche Erscheinungen hervorrufen; dieser Zustand pflegt jedoch bei seiner Entwickelung mit klonischen und tonischen Krämpfen verbunden zu sein; später stellen sich die Be­wegungsstörungen erst allmälich, während der Bewegung der Tbiere ein. In zweifelhaften Fällen würde hierbei die Untersuchung per anum Aufschluss geben.
(rrössere Schwierigkeiten bietet die Diagnose anderen Verletzungen des Rückenmarkes gegenüber, z. B. durch heftig oontundrende Ge­walten. Ohne dass die Wirbelsäule Continuitätstrennungen erfährt, können auf diese Weise Zerreissungen im Uückeninarke oder Blutungen im Vertebralkanal oder endlich Erschütterungen der Medulla, d. h. Läsionen derselben ohne nachweisbare anatomische Veränderungen ent­stehen. Den letzteren Zustand bezeichnet man klinisch als Oommotio medullae spinalis. Ich habe solche wiederholt bei Fleischfressern, namentlich bei Hunden beobachtet, die zum Fenster herausgefallen, überfahren oder mit einem schweren Stock geschlagen waren. Sofern derartige Gc walteinwirkungen mit Continuitätstrennungen (Zerreissungen) im Bückenmarke oder mit iliünorrhagien im Wirbelkanale verbunden sind, nehmen sie denselben Verlauf wie Wirheibrüche und haben daher für die Diagnose keine besondere Bedeutung. Anders gestaltet sich die Prognose bei der Commotio medullae spinalis, welche in der Kegel mit den Erscheinungen einer completen Paraplegic verbunden ist, die aber meist in kurzer Zeit wieder verschwinden, zuweilen schon inner­halb weniger Stunden. Hierbei muss die Diagnose nicht selten offen gelassen und der weitere Verlauf abgewartet werden. Nach meinen Beobachtungen verschwinden die durch Erschütterung des Rücken­markes bedingten Störungen in 8—14 Tagen; in dieser Zeit bleibt also die Aussicht auf Heilung nicht ausgeschlossen. Bemerkt sei, dass derartige Erschütterungen bei Pferden selten, dagegen häufiger bei kleinen Thieren, Hunden und Katzen vorkommen.
Sobald vollständige Paraplegic mit dem Wirbelbruche verbunden ist, fällt jede Aussicht auf Heilung fort. Sind die Thiere noch im Stande zu stehen, so kann ein Heilversuch gemacht werden, obgleich man auch hier auf einen Misserfolg gefasst sein umss, da sich die Paraplegic erst später einstellt. Körb er sah diese erst am quot;gt;. Tage nach der Verletzung eintreten. In solchen Fällen pflegt aber die Dia­gnose keine absolute Sicherheit zu bieten, und deshalb kann hier, namentlich bei nicht schlachtbaren oder werthvollen Zuohtthieren Ab­warten angezeigt erscheinen. Man will in einzelnen Fällen Heilung
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Krankheiten der Rückenwirbelsäule und des Beckens.
beobachtet haben, doch lassen die bezüglichen Mittheilungen (Vives) einige Zweifel an der Richtigkeit der Beobachtung aufkommen. Muss auch die Möglichkeit einer solchen Heilung zugegehen werden, so hängt dieselbe doch beim Pferde von so verschiedenen Bedingungen ab, dass man nicht darauf rechnen kann.
Die Behandlung beschränkt sich meist auf die Prophylaxis. Zweckmilssige Befestigung der Latirbäume, damit sie dem Pferde
Fig. 88.
Apparat vmi Bemadot und Butel zur Verhütung von Wlrbslbrttohen bei Operationen am
liegenden Pferde.
beim Aufstehen nicht hinderlich werden, Vorsicht beim Werfen der Pferde bilden die wichtigsten Punkte derselben. Das erste gehört nicht hierher, dagegen sei in Bezug auf den zweiten Punkt Folgendes bemerkt. Ein weiches Lager (Streu u. s. w.) ist zum Werfen grosser Thiere erforderlich, um namentlich Frakturen der Kippen und Becken­knochen zu vermeiden. Das Pferd muss beim Fallen zuerst mit der Brust auf den Boden gelangen. Im Liegen soll Kopf und Hals von eini­gen krftftiflen Männern dauernd srestreokt gehalten werden. Ich habe zur
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Brüche des Kreuzbeines und der Schweifwirbel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 497
Sicherung dieser Haltung, namentlich bei edlen Pferden mit starkem Rücken, den Apparat von Bernadot und Butel mit gutem Erfolge angewandt (Fig. 88). Derselbe besteht aus einer starken Halfter, deren Kiemen gepolstert sind, und aus einem breiten, festen Gurt nebst Schwanzriemen. Halfter und Gurt sind durch starke Lederriemen mit einander verbunden, so dass excessive Beugebewegungen dos Halses ausgeschlossen sind (Fig. 88).
Um Seitwärtsbewegungen der Kückenwirbelsäule zu verhindern, wird die Kruppe belastet, am einfachsten dadurch, dass sich Jemand auf dieselbe setzt. Aus demselben Grunde empfiehlt sich das Pferd so zu lagern, dass der Rumpf tiefer liegt als die Füsse. Bei schmerz­haften Operationen (Castration) habe ich, namentlich wenn es sich um edle Pferde handelte, neuerdings die Chloroformuarkose in Anwendung gebracht und seitdem hierbei keinen Wirbelbruch mehr beobachtet.
Sollte ein Verdacht auf Fissur vorliegen, so würde mau das Thier von jeder Arbeit verschonen, das Niederlegen durch Anbringen eines Hängegurtes oder durch Hochbinden verhindern. Diese Behand­lung würde event, etwa 4 Wochen lang fortzusetzen sein.
Bei Commotio medullae spinalis muss ein Expectativverfahren eingeschlagen werden. Man gebe den Thieren ein möglichst weiches Lager und lasse sie von Zeit zu Zeit umwälzen, um Decubitus zu ver­hüten. Besteht gleichzeitig Lähmung des Mastdarmes, so müssen die Kofchmassen künstlich entleert werden. Auch empfehlen sich Klystiere von lauwarmem Seifenwasser, wenn nicht gerade Durchfall bestehen sollte.
2. Frakturen des Kreuzbeines und der Sclnvanzwirbel,
Lit.: Harms, Han. Her. 1871. S. 66. l'alagi, Jahrb. 1887- S. 85. Albreoht, fturlt u. Hertwig. 29. S. 235. Wiener Klinik, Müller u. Roll. 1858. S. 125. Harms, Hnn. Her. 1871. S. 5(1.
Brüche des Kreuzbeines werden am häufigsten bei Kühen beob­achtet, und zwar entweder durch Einwirkung äusserer Gewalten, Auf­fallen schwerer Gegenstände oder Abstürzen von einer Anhöhe (l'a­lagi), oder sie entstehen beim Fötus während der Geburt durch un­geschickte, gewaltsame Hülfeleistungen. Albrecht sah durch Be­springen bei einer Kuh Abtrennung des Kreuzbeines vom letzten Lendenwirbel entstehen. In der Wiener Klinik beobachtete man beim Pferde einen Bruch des ersten und zweiten Kreuzwirhels durch Gegenrennen.
Möllor, Siicciello ChirurRic für Thierärztc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; :!'2
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498nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Rückcnwirbelsiuile und dos Beckens.
Frakturen der Schwanzwirbel ereignen sich am hilufigsten bei Fleischfressern durch Ueberf'aliren, Einklemmung des Schwanzes in eine Thüre, bei grösseren Tliieren durch Ueberschlagen, wenn sich der Schwanz dabei auf den Rücken des Thieres legt. Bei Kühen können solche durch gewaltsames Biegen des Schwanzes veranhisst werden, wie es zuweilen beim Transport der Thiere geschieht, um sie zum Vorwärtsgehen zu bewegen. An den Schwanzwirbeln zerreissen zuweilen die Zwischenwirbelscheiben (Luxation der Wirbel), ein Zustand, der klinisch einer Fraktur gleich zu erachten ist.
Erscheinungen und Verlauf. Da der Plexus ischiadicus, wel­cher aus dem letzten Lendennerven und den beiden ersten Kreuz­nerven zusammengesetzt ist, die Muskulatur der Hintergliedmassen mit motorischen Fasern versorgt, so muss eine Fraktur der ersten Kreuz-wirbel mit denselben Störungen verbunden sein, wie die Brüche der Lendenwirbel (Paraplegie). Der Plexus pubo.-coccygeus giebt mo­torische und sensible Fasern an den Mastdarm, die Ruthe (N. dorsalis penis) und an das Mittelfleisch und verlässt den Wirbelkanal durch das dritte und vierte Kreuzbeinloch. Daraus erklärt sich, dass Frakturen am Kreuzbein regelmässig mit Lähmung des Schweifes und des Mast- #9632; darmes, zuweilen auch der Blase sowie mit Paraplegie verbunden sind. Es hängt dies vom Sitze der Fraktur und den Veränderungen ab, welche im Verlaufe derselben auftreten. Da es hierbei in dem Wirbelkanal oft zu Blutungen kommt, so erklärt sich, dass auch die weiter rückwärts, an den letzten Kreuzwirbeln bestehenden Frakturen mit ausgedehnten Störungen verbunden sein können. Die Mehrzahl der beim Rinde beobachteten Brüche des Kreuzbeines waren von Schwäche im Hintertheil, manche sogar von vollständiger Lähmung desselben be­gleitet. Meist bestand eine Deviation der Knochenstücke nach unten, immer aber Unvermögen den Koth, zuweilen auch den Harn abzusetzen. Frakturen der Schweifwirbel rufen dagegen Unfähigkeit den Schwanz zu bewegen nur dann hervor, wenn die ersten Wirbel betroffen sind. Regelmässig zeigt sich eine abnorme Beweglichkeit des Schweifes, oft auch Crepitation; nicht selten finden Verletzungen der äusseren Haut statt (complicirte Fraktur); zuweilen hängt das Ende des Schweifes nur noch an wenigen Sehnenfasern der Schweifmuskeln.
Sobald diei Thiere mit einer Kreuzbeinfraktur stehen können, ist Heilung in Aussicht, welche dagegen bei vollständiger Paraplegie, nament­lich beim Pferde als ausgeschlossen, beim Kinde und Fleischfressern als zweifelhaft angesehen werden muss. Lähmungen der Harnblase
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Verkrümmungen der Wirbelsäule.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 499
lassen die Prognose ebenfalls ungünstig erscheinen, weil in Folge der gestörten Entleerung Zersetzungen des Harnes in der Blase und schwere Cystitis aufzutreten pflegt. Eine Kuh, die in Folge einer Ablösung des ersten Schwanzwirbels vom letzten Kreuzwirbel an Lähmung des Mast­darmes litt, genas vollständig (Harms). Frakturen der oberen Schwanzwirbel führen auch wohl zu Deformitäten und Beschränkung in der freien Bewegung desselben. Ich sah ein Kalb, dessen Schwanz in Folge eines Bruches nach einer Seite gerichtet und zum Abwehren von Ungeziefer unbrauchbar war. Complicirte Frakturen der Schweif­wirbel führen leicht zum Absterben des Schweifes, was bei Zermal­mung der Wirbel regelmässig eintritt. Der Schwanz fühlt sich dann kalt an, ein Zeichen, dass auch die Blutgefässe obturirt sind. Auch bleiben oft dauernde Lähmungen des Schwanzes zurück, die um so unangenehmer werden, als Beschmutzungen desselben durch Koth und bei weiblichen Thieren auch durch Urin stattfinden.
Behandlung. Bei Kreuzbeinbrüchen mit completer Paraplegic dürfte nur selten ein Heilversuch eingeleitet, event, auf Verhinde­rung von Decubitus gerichtet werden. Liegen die Thiere andauernd in Folge completer Paraplegic, so muss das gleiche geschehen. Für die Entleerung von Koth sowie auch des Harnes ist Sorge zu tragen; erforderlichen Falles müssen diese täglich manuell entfernt werden. Bei häufiger Application des Katheters achte man auf die S. 421 empfohlenen Vorsichtsmassregeln.
Brüche der Schweifwirbel, die mit heftiger Quetschung bezw. Zermalmung verbunden sind, machen die Amputation des'Schweifes erforderlich. Auch bei complicirten Frakturen bildet die Amputation meist das kürzeste Heilverfahren. Nur bei werthvollen Thieren würde man hier nach den allgemeinen Regeln vorgehen und einen antisepti­schen Verband anlegen.
'i. Verkrümiinmgeii der Wirbelsäule.
Lit.: Vivos, Her. Rep. lü. S. 825. Gurlt, Pathol. Anat. II. S. 868. Pütz, Deutsch. Zeitsohr. für Thiermed. 13. 8. 101. Rehrs, Gurlt u. Hertwig. 18. S. 806. Goubaux, Ree. de mikl. vet. 1851 u. 1880. Vatol, Jahrb. 1882. S. 90. Preusse, Berl. Th. Woch. 1889. S. 403.
Die häufigste dieser Art Erkrankung bildet der sog. Senk­rücken, ein Zustand, den man nach der in derMedicin üblichen Nomen-
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500nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten tier Hückenwirbelsäule und des Beckens.
klatur als nLorclosisu 1) bezeichnen würde. Verkrüniniung der Wirbel-nilule nach oben nennt man Eyphose8), nach der Seite Skolioses). GHeiohzeitige Verbiegung nach oben und nach der Seite als Kypho-Skoliose bezeichnet.
Die normale Rückenwirbelsilule macht bei allen Hausthieren eine leichte Krümmung nach oben, während der erste Kückenwirbel etwas tiefer liegt als der letzte Lendenwirbel. Die stärkste Erhebung be­trifft den letzten Kücken- oder ersten Lendenwirbel, Am meisten ent­wickelt zeigt sich die Krümmung beim Schwein und den Fleischfressern, am wenigsten beim Kinde. Auch Kacenverschiedenheiten machen sich hier bemerkbar.
Ein Theil der Abweichungen von diesem regelmilssigen Verlauf entsteht bereits während des intrauterinen Lebens, doch werden die als Krüppel geborenen Thiere bald vernichtet. Nach der Geburt sah man wiederholt auffällige Verkrümmungen der Wirbelsilule beim Schwein entstehen. Kehrs beobachtete Verkrümmungen (Buckelbildung) im Verlauf der Khachitis beim Schwein. Verkrümmungen der Wirbelsilule entstehen bei diesen Thieren auch durch Verletzungen (gegenseitiges Treten). Pütz beschrieb Kypho-Skoliose eines l1/raquo;jährigen Füllens; die Kückemvirbelsilule war nach rechts, die Lendenwirbel nach links verbogen; auch das Becken zeigte eine unregelmilssige Lage. Der von Preusse beschriebene Zustand (Kypho-Skoliose) eines Fohlens dürfte als angeborenes Leiden aufzufassen sein. Vives beobachtete beim Pferde eine fast rechtwinkelige Knickung der Lendenwirbel nach unten, in Folge dessen Brust und Bauch tief herabhingen, letzterer beinahe die Erde berührte. Dem Thier war ein Baum auf den Kücken gefallen, worauf sich Erscheinungen eines Wirbelbruches (Paraplegie) eingestellt hatten. Nach einiger Zeit erholte sich dasselbe, doch blieb die erwähnte Knickung der Wirbelsilule zurück.
Wenn auch die ursächlichen Momente für die Entstehung solcher Abnormitäten keineswegs klar gelegt sind, so lassen sich doch folgende Gruppen trennen: 1. Belastungsdeformitäten, 2. Folgezustände von Frakturen und Luxationen der Wirbel­säule und 8. Khachitis, Osteomalacie, Caries u. a. locale Erkrankungen der Wirbelsäule. Am meisten Interesse besitzen die ersteren, welche sich bei Pferden in der Bildung von Senkrücken
') Xip8tt)9l{ = die Biegung.
2)nbsp; xtJTdij'.? = die Krümmung.
3)nbsp; nbsp;-v.oX'.w-'.? = die Krümmung.
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Verkrümmungen der Wirbelsäule.
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ilussern. Obgleich dieser Zustand erst bei höherer Ausbildung Be­deutung erlangt und therapeutisch wenig bei demselben zu leisten ist, so hat das Leiden doch in präservativer Beziehung ein besonderes Interesse.
Die Lordose (Senkrücken) entwickelt sich oft schon in den ersten Lebensjahren, zuweilen aber erst später. Das prädisponirende Moment liegt, wie jedem Pferdekenner bekannt ist, in einer grossen Länge des Kückens und erklärt sich aus der geringen Tragfähigkeit dieser Form. Als äussere Ursachen wirken alle Momente, welche mit einer andauernden, starken Belastung der Rückenwirbelsäule ver­bunden sind. Dahin gehören: das Gewicht des Keiters, starke An-füllung des weiten Dickdarmes bei voluminöser Nahrung oder des Uterus während der Trächtigkeit. Alte Mutterstuten, die wiederholt trächtig waren, besitzen daher regelmässig einen Senkrücken.
Bei Fohlen wird Lordosenbildung erfahrungsgemäss durch Fressen aus hohen Krippen und Raufen begünstigt, womit eine stärkere Anspannung der Kückeustrecker und Senkung der Wirbelsäule nach unten verbunden ist.
Die Wirkung aller dieser Umstände bleibt dieselbe, nämlich: andauernde Krümmung der Wirbelsäule nach unten. Hiermit ver­bindet sich eine Dehnung in den ventralen und eine Compression in den dorsalen Abschnitten, den Bogen der Rückenwirbel. — An den ersteren werden besonders bei den noch im VVachstlunn begriffenen Thieren die Bildungsvorgänge angeregt, in den letzteren aber durch die Druck­steigerung gehemmt. So passt sich mit der Zeit die Form der Wirbel­säule jener Haltung mehr und mehr an. Daraus erklärt sich auch, dass die Beschäftigung beim Menschen zu Kyphosen-, bei den Thieren zu Lordosenbildung führen muss. Dass gewisse Krankheitsprocesse, wie lihachitis, die Entstehung solcher Belastungsdeformitäten begün­stigen kann, liegt auf der Hand, doch ist bei ben Thieren hierüber bisher wenig bekannt.
Ein zweiter Faktor für das Zustandekommen von Kiickgrats-verkrümmungen liegt in dem Auftreten von localen Erkrankungen der Wirbel, wie Caries, d. h. chronischer Processe, welche mit entzünd­lichen Veränderungen verbunden sind (Osteomyelitis granulosa). Beim Menschen spielt die Tuberculose hierbei eine Hauptrolle; auch lernte man aktinomycotische Erkrankungen als Grundlage dieser Leiden kennen. Bei Thieren fehlt es noch an genauen Beobachtungen. Ferner können Frakturen und Lnxationen der Wirbel zu derartigen Ver-biegungen Anlass geben, wie der von Vives beobachtete Fall be-
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502nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten dor Rikkonwirbelsiiule und des Beckens.
weist. SoIcIk1 gelungen jedoch nur selten zur Ausbildung, weil die Thiere in der Kegel früher getödtet werden.
Endlich mögen auch Kranklieitsvorgilnge in den Intervertebral-soheiben ZU derartigen Abnormitäten führen können. Vatel beschreibt einen Zustand beim Pferde, der auf diese Weise seine Erklärung finden dürfte.
Die Rücken Wirbelsäule eines 25 Jahre alten Pferdes, welches von Jahr zu Jahr immer mehr senkrückij,' geworden war, zeigte sieh bis zum 3. Lenden­wirbel stark nach unten convex, Die aneurysmatischo Aorta, deren Wan­dungen sehr verdünnt waren, folgte diesem Verlauf, während die Gelenk­verbindungen des letzten Lendenwirbels mit dem Kreuzbein die Verände­rungen einer Arthritis zeigten. Zwischen den Lenden- und Kückenwirbeln waren die Intervertebralknorpel in der Mitte geschwunden, ihre peripheren Abschnitte verknöchert, bildeten Exostosen sowohl im Wirbelkanal wie auch an der unteren Fläche. An den Dornfortsätzen der Rückenwirbel fanden sich ebenfalls Knochen Wucherungen, welche die Beweglichkeit derselben ein­geschränkt hatten. Die Körper der Lendenwirbel zeigten sich grösstentheils durch Knochonmassen fest mit einander verbunden.
Erscheinungen und Verlauf. Erst wenn die in Ivede stehen­den Abnormitäten eine grössere Ausbildung erlangen, treten sie deutlich hervor. Die als Senkrücken des Pferdes bezeichnete Lordosen-bildung zeigt graduell grosse Verschiedenheiten. Plötzlich entstanden war sie zuweilen mit Störungen der Respiration verbunden. In der Hegel entwickelt sich das Leiden aber allmälicb und erreicht nur aus­nahmsweise einen so hohen Grad, dass die Gebrauchsfähigkeit der Thiere darunter leidet. An der Verkrümmung nimmt die Mehrzahl der Ifückon- und Lendenwirbel in der Regel Antheil. Wo Erkrankungen einzelner Wirbel, z, 13. Caries die Veranlassung zu der Deformität geben, bildet sich eine Knickung der Wirbelsäule und zwar ebenfalls meist langsam aus, während die durch Frakturirung bedingten schnell entstehen. So lässt sich in der Regel auch über die Natur dieser Leiden ein Urtheil abgeben.
Behandlung. Die Wiederherstellung der normalen Lage der Wirbelsäule dürfte bei Thiereu nur selten gelingen. Das einzige Mittel, die Orthopädie, ist in ihrer Anwendung mit vielen Schwierig­keiten verknüpft und nimmt lange Zeit in Anspruch, so dass der da­mit erzielte Nutzen dem Aufwände an Zeit und Unkosten nicht ent­sprechen würde.
Wichtig dagegen erscheint die präservative Therapie, namentlich bei Fohlen. Bis zum gewissen Grade kann der Entwickclung des Senk-
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Beckenbrüche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;503
rüokens vorgebeugt werden, indem die ursächlichen Momente soweit möglich vermieden werden. Dahin gehört, namentlich junge, liing-rilckige Pferde mit schweren Reitern zu verschonen. Auch empfiehlt sich für solche concentrirte Nahrung und die Aufnahme derselben aus niedrigen Krippen oder von der Erde. Der Weidegang, welcher die Thiere zwingt, den .Rücken nach oben zu krümmen, ilussert auch in dieser Hinsicht eine vortheilhafte Wirkung.
4. Frakturen dor Beckeiikiiochcn.
Lit.: Laser: TU. Mitth. 1877. S. 119, ßriluor, Dresd Ber, 1889. S. 21. Hess, Her. Rep. 78. S. 299. Ehrmann, das. 40. S. 171. Trasbot, Jahrb. 1888. S. 139. No card, Peuch u. Toussain, Chir. S. 447. Savre, Jahrb. 1888. S. 139. Prietsch, Dresd. Ber, 1883. S. 83.
Frakturen der Beokenknoohen kommen um häufigsten bei den grossen Hausthieren, namentlich bei Pferden durch Fallen auf glattem I'Haster, durch Gregenrennen, zuweilen auch durch blosses Ausgleiten und bei plötzlichen Wendungen unter dem Heiter zu Stande. Seitdem Asphaltpflaster in Berlin üblich geworden, haben Beckenbrüche beim Pferde eine bedeutende Steigerung erfahren und erfolgen oft, ohne dass die Thiere niederstürzen. Trasbot sah einen Bruch der Darmbeiu-silule, der beim Kennpferde während des Laufens entstanden war. Auch können Beckenbrüche beim Werfen der Thiere auftreten, wenn das Becken zuerst oder zugleich mit dem übrigen Rumpf auf harten Boden fällt; die Brust des Pferdes soll hierbei mit dem Boden zuerst in Berührung kommen. Stockfleth beobachtete einen Beckenbruch durch heftiges Sträuben in den Fesseln. Am äusseren Darmbeinwinkel giebt auch wohl ein Hufschlag oder das Herabfallen eines schweren Kör­pers zur Fraktur Veranlassung; hierbei wird die äussere Haut oft mitverletzt, es entsteht ein complioirter Bruch, während die übrigen Beckenbrüche mit seltenen Ausnahmen subeutan bleiben. Bei einer Stute fand ich Perforation der Vagina durch einen Knochensplitter des Sitzbeines.
Bei Kühen werden während der Trächtigkeit, sowie beim Ge­bären durch gewaltsame Hülfeleistungen Beckenbrüche veranlasst. Auch beim Begattungsakt und Niederstürzen treten solche bei diesen Thieren auf.
Während also bei grösseren Thieren die Schwere des Körper­gewichtes oder heftige Muskelaktionen diese Brüche veranlassen, bil­den bei kleineren Thieren (wie beim Menschen) meist äussere Ge-
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Krankheiten der Wirbelsäule und des Beckens.
wnlteimvirkungen, Ueberf'ahren, heftige Schlüge oder Klemmen in engen Durchgängen oder zwischen Thüren die häufigste Ursache zur Entstehung von Beckenbrüchen. Hieraus erklärt sich zugleich, dass hei kleinen Thieron häufig multiple Frakturen des Beckens ent­stehen, während bei den grossen solche nur ausnahmsweise beobachtet werden.
Mit Rücksicht auf die Diagnose und Prognose lassen sich die Beckenbrüche in zwei Gruppen trennen, nämlich in:
Fig. 89.
Sohematlsohe Darstellung dar Beokenbrttolte boim Pferde, i. Aeusseve, 2. Innere Darmbeinwlulcel, 8. Darmbeinstlule, i, (juerast des Sohambelnes,
la. lateraler Ast des Sitzbeines. 6, durch das Aceta buluin, ti. am Tuber isehii, 7. neben
der Syinpliysis pubis.
1.nbsp; nbsp; Beckenbrüche ohne Trennung des Beckengürtels. (Fig. 80). Dahin gehören Brüche am lateralen (l) oder medialen (2) Darmbeinwinkel, am Tuber isehii ((i), (juerast des Schambeines (4) und lateralen Ast des Sitzbeines (4quot;); am äusseren Darmbeinwinkel sind diese Brüche am häufigsten. Es liegt auf der Hand, dass diese Trennungen nicht die Bedeutung haben, wie die folgende Gruppe, doch können Frakturen am Pfannenrande des Hüftgelenkes unheilbare Lahmheit zur Folge haben (Prietsch).
2.nbsp; nbsp; Beckenbrüche mit Trennung des Beckengürtels. Zu diesen zählen: Frakturen der Darmbeinsäule (3) oder Schaufel, in
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Beckenbrüche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 506
der Gelenkpfanne (6), durch das eirunde Loch (d. h. gleichzeitige Trennung des Querastes des Schambeines und des lateralen Astes des Sitzbeines (4 und 4quot;) und endlich Brücbe parallel zur Schambeinfuge durch Sitzbein und Schambein (7). Nicht selten kommen multiple, zuweilen auch Splitterbrüche an den Beckenknochen vor; mehrfach sah ich neben Frakturen durch das eirunde Loch Brüche am Darm­bein; bei einem Pferde bestand gleichzeitig ein doppelseitiger Bruch des inneren Darmbeinwinkels und eine Fraktur des Oberschenkelbeines. Es darf jedoch nicht übersehen werden, dass diese multiplen Frak­turen nicht immer gleichzeitig auftreten, sondern oft erst beim Trans­porte der Thiere entstehen. Sobald nämlich der Beckengürtel durch­trennt ist, besteht die Gefahr, dass weitere Frakturirungen bei der Belastung der kranken Seite eintreten; am häufigsten ist hiervon der mediale Darmbeinwinkel betroffen.
Erscheinungen. Die Diagnose eines Beckenbruches ist nicht schwer, sobald Crepitation besteht, anderenfalls verlangt sie unter Um­ständen eine genaue Untersuchung, eventuell vom Mastdarm oder von der Scheide aus. Zu den wichtigsten Erscheinungen gehören;
1. Lahmheit. Sie stellt sich plötzlich ein, fehlt bei frischen Beckenbrüchen fast nie, bietet aber manche Verschiedenheiten. Bei Brüchen vor der Gelenkpfanne, namentlich am lateralen Darmbein-winkel tritt eine deutliche Hangbeinlahmheit mit Verzögerung der Bewegung und Verkürzung des Schrittes nach vorn ein. Dieselbe erklärt sich aus der Anheftung der den Schenkel vorführen­den Muskeln an dem lateralen Darmbeinwinkel. Eine ähnliche Lahm­heit wird jedoch auch bei Frakturen am Tuber iscliii beobachtet. Die Belastung der Füsse erfolgt bei beiden oft regelmässig. Frakturen in und hinter der Gelenkpfanne mit Trennung des Beckengürtels rufen eine ausgesprochene Stützheinlahmheit hervor. Am augenfälligsten ist diese Lahmheit bei Frakturen in der Gelenkpfanne. Brüche am Sitz- und Schambeine sind oft mit Neigung zu Ad-ductionsstellung des Schenkels verbunden. In den vorgeschrittenen Stadien des Heilungsprocesses dieser Brüche, sowie bei Frakturen am Sitzbein beobachtete ich wiederholt Stützbeinlalunbeit mit Abductions-stellung des Schenkels. Stützbeinlahmheit begleitet auch Frakturen durch das Foramen ovale, sowie Trennungen eines Sitzbein- oder Scbain-beinastes. In 2 Fällen beobachtete ich Fehlen der Lahmheit; einmal bei einer Fraktur des Querastes des Schambeines, einmal bei solcher des lateralen Sitzbeinastes. An letzterein besteht die Fraktur häutig ohne
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rr
506nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Wirbelsäule und des Beckens.
Lahmheit) in Folg'o dessen die Knochenstücke bei den Bewegungen des Thieres im Stulle dauernd versclioben werden und die Heilung auf Schwierigkeiten stösst, unter Umständen überhaupt niclit zu Stunde kommt.
Eine eigenthlimliobe Lahmheit boschreibt Nocard nach einer Fraktur durch das Foramen ovale. Der Fuss des Pferdes wurde steif (tout d'un piece) vorgeführt, nur der Oberschenkel machte regelmüssige Bewegungen, während die übrigen Abschnitte des Schenkels jenem scheinbar passiv folgten. Der Huf beSchrieb dabei einen nach aussen gerichteten Dogen, während der Schritt erheblich kürzer war. Diese Lahmheit, welche Nocard auf den Druck der Callusmassen im eirunden Loche auf die Nerven zurückführt, zeigt eine grosse Aehnlichkeit mit der von mir als Paralyse des Nervus tibialis beschriebenen Bewegungsstörung; es kann nicht auf­lallen, dass der Nerv unter solchen Umstünden Funktionsstörungen erfährt.
Eine Stute war vor ü Tagen gefallen und zeigte bei ihrer Einliefe-rung in die hiesige Klinik ausgesprochene S tu tzbei n lulimheit mit Abductionsstellung. Selbst im Stande der Hube wurde der rechte Hinter-lüss abduoirt gehalten. Bei der Section fand sich ein Bruch am inneren und äusseren Ast des Sitzbeines, welcher sich über die Symphysis pubis auf die andere Seite erstreckte. Am rechten Sitzbein war der äussere Ast dicht Imitor der Gelenkkapsel frakturirt, der innere vom Schambein abgetrennt, von wo aus der Bruch sich in der Richtung der Symphysis pubis nach vorn fortsetzte.
Bei einem Wallach stellte sich nach einem Fülle bei geringfügiger Lahmheit auffällig deutliche Crepitation ein; selbst im Trabe fiel nur die etwas steife Haltung des Rückens und schwache Abductionsstellung beider Kinterfüsse auf. Legte man die Hand auf die Kruppe und veranlasste die leiseste Seitwärtsbowegung, so trat deutliche Crepitation hervor. Die Untersuchung per anum ergab einen Bruch parallel zur Schambeinfuge.
2. Crepitation, Sie tritt namentUch bei Bcckenf'mkturen mit Trennung im Beckengürtel hervor, so dass man das Geräusch niclit selten mehrere Schritte weit hört; bei Brüchen am Sitzbein und Schambein erscheint die Crepitation zuweilen weniger stark, nicht selten aber gerade sehr deutlich; bei solchen am lateralen und medialen Darmbeinwinkel fehlt sie ganz. Zur Untersuchung lege man die eine Hand auf den ilussercn Darmbeinwinkel, die andere auf die Hinter­backe in der Gegend des Sitzbeinhöckers und suche den Rumpf von einer Seite zur anderen zu bewegen, um die Hinterfüsse abwechselnd zur Belastung zu bringen; oder man legt die Hund auf den äusseren Darmbeinwinkel und lilsst das Thier führen. Bei Stuten und Kühen fühlt man die Crepitation namentlich bei Scham- und Sitzbeinbrüchen auch vom Mastdarm und der Scheide aus, wenn man die Hand auf den Sitzbeinausschnitt legt. Du das Geräusch von den festen Knochen besser fortgeleitet wird, als von den Wcichtheilen, so untersuche man am besten von liier aus. Beim Anlegen des Obres gegen die Kruppe
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Beckenbmclio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 507
wird selbst geringe Crepitation wahrnehmbar. Am liegenden Thier tritt dieselbe zuweilen durch Druck auf den äusseren Darmbeinwinkel oder durch Bewegungen der Hinterschcnkel hervor; letzteres wird namentlich bei Frakturen am Tuber ischii beobachtet.
Geht die Fraktur durch die Gelenkpfanne, so hört man oft schon Crepitation am stehenden Pferde durch Anspan­nung der Kruppenmuskelii, ohne Belastung des betreffen­den Schenkels. Dies erklärt sich darin, dass die Kruppemnuskeln theils vor, theils hinter der Fmlcturstelle angeheftet sind und bei ab­wechselnder Contraction Verschiebung der Knochenstücke veranlassen; eine Erscheinung, die diagnostisch wie auch prognostisch gleich werth-voll ist.
.quot;gt;. Auffällige Deformitäten am Becken werden in der Regel nur bei Frakturen am Darmbein beobachtet. Bei Brüchen am äusseren Darmbeinwinkel rückt das losgetrennte Knochenstück, von den schiefen Bauchmuskeln und dem Spanner der breiten Schenkelbinde gezogen nach vorn und unten, so dass es in der Bauchdecke liegt und der äusserc Darmbeinwinkel ZU fehlen scheint (Einhüftigkeit). Man stelle sich bei der Untersuchung hinter das Thier und vergleiche bei gleichmässiger Belastung beider Hinterschcnkel die Lage der beiden äusseren Darmbeinwinkel. Je grosser das abgebrochene Knochenstück, um so auffälliger wird die Asymmetrie des Beckens.
Bei Frakturen der Darmbeinsäule senkt sicli das Darmbein, namentlich sein lateraler Winkel, ein Zeichen, das sich ziemlich un­trüglich erweist, wenn man den Patienten veranlassen kann, beide Füsse gleichzeitig zu belasten.
Eine eigenthümliche Formabweichung erfährt das Becken bei Frakturen am lateralen Sitzbeinaste, indem sich eine Abflachung der Hinterbacke in der Höhe der Tuber ischii, dagegen eine etwas stärkere Hervorwölbung der Partie des Hüftgelenkes mit schwacher Senkung des Darmbeines bemerklich macht. Zur Feststellung dieser Erscheinungen betrachtet man das Becken einige Schritte hinter dem Thier stehend.
Frakturen im Acetabulum, sowie am Schambeine pflegen mit Formabweichungen an der Kruppe nicht verbunden zu sein.
4. Abnorme Beweglichkeit stellt sich fast nur bei gleich­zeitiger Trennung des lateralen und medialen Darmbeinwinkels, aus­nahmsweise auch Frakturen der Darmbeinschaufel und Säule ein. In solchen Fällen giebt der äussere Darmbeinwinkel dem Drucke nach, wobei zuweilen Crepitation hervortritt.
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Krankheiten der Rückenwirbelsilule und des Beckens.
5. Anschwellung. Bei SchanibeinbrUchen stellt sich zuweilen eine ödenmtöse Schwellung unter dem Bfiucli, am Euter oder Scrotum ein; Fehlen derselben schliessfc jedoch den Bruch nicht aus. Sitzbein-brüche verbinden sich oft mit Anschwellung in der Umgebung der Scheide; am Schani- und Sitzhein können die Knochenstücke die Scheidenwand durchbohren und Blutungen aus der Scham zur Folge haben. Bei Brüchen am Tuber ischii zeigt sich auch wohl Anschwel­lung in der benachbarten Schenkelmuskulatur. Dagegen fehlt bei Brüchen am Darmbein in der Kegel jede Spur einer sichtbaren An­schwellung.
lt;). Abnorme Beweglichkeit des Schenkels. Bei allen Brüchen, welche den Beckengürtel hinter der Gelenkpfanne trennen, namentlich bei Brüchen im Acetabulum mit Zerreissung des Ligamen-tum teres, macht sich eine abnorme Freiheit für Abductionsbewegungen an dem Schenkel der leidenden Seite bemerkbar.
7.nbsp; Die Untersuchung per anum oder vaginam giebt näheren Aufschluss über Frakturen am Schambein und Darmbein, namentlich ihrer Säule, so lange die Anschwellung noch nicht gross ist; wenn man den Rumpf des Patienten hin und her schieben lüsst, so fühlt die ein­geführte Hand oft deutlich die Bewegungen der Knochenfragmente.
8.nbsp; nbsp;Fieber findet sich bei Beckenbrüchen, wie bei anderen Frak­turen zuweilen im geringen Grade ; durch Verletzungen grosserer Blut-gefässe können endlich die Erscheinungen einer Verblutung hervortreten. Diese Gefahr besteht immer bei Brüchen, welche durch das eirunde Loch gehen.
Hiernach gestaltet sich die Diagnose bei den häufigsten Becken­brüchen wie folgt:
1.nbsp; Fraktur am lateralen Darmbeinwinkel: Einhüftigkeit, reine Hangbeinlahmheit, Fehlen der Crepitation, zuweilen Anschwellung und Schmerz auf Druck.
2.nbsp; Fraktur der Darmbeinsäule: Tiefere Lage der Krup­penseite, Hangbeinlahmheit, Crepitation, Belastung der Hinterfüsse der leidenden Seite, Untersuchung per anum. Diese Fraktur wird auch bei Kühen beobachtet und kommt beim Ge­bären aber auch durch unglückliches Niederstürzen zu Stande (Hess, Ehr mann).
8. Fraktur durch das Acetabulum: Hochgradige Stütz- und Hangbeinlahmheit (oft unter Stöhnen); Crepita­tion auch ohne Belastung des Schenkels und ohne Bewe­gungen desselben; Formabweichung gering.
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Beckenbrüche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 509
4.nbsp; nbsp;Fraktur durch das eirunde Loch (4 und 4ta): Stützbein­lahmheit, Crepitation, keine Formabweichung, zuweilen Anämie.
5.nbsp; nbsp;Schambeinfraktur (4): Stüfczbeinlahmheit mit Nei­gung zur Adduction, Schmerz bei Abductionsbewegungen. (Rückwärts- und Seitwärtstreten.) Crepitation bald fehlend oder sehr schwach, bald deutlich, Anschwellung unter dem Bauche (kann fehlen), Untersuchung per anum.
(i. Sitzbeinfraktur: a) Tuber ischii (6): Hangbeinlahmheit, Anschwellung in der Scheide oder im Mastdarm, oft auch der Muskeln. Crepitation bei Bewegung des Hinterschenkels. b) Bei Frakturen am lateralen Aste (4a), zuweilen Perforation der Scheide und Blutung aus der Scheide. Crepitation bei Bewegung des Hinterschenkels oft bedeutend. Geringfügige Lahmheit oder Fehlen derselben bei intactem Schambein und lebhafte Crepitation lässt auf diese Fraktur schliessen, namentlich wenn die oben beschriebene Formabweichung am Becken besteht.
Unter Berücksichtigung dieser Umstände und mit Unterstützung sorgfältiger Exploration per anum bezw. per vaginam lässt sich bei grossen Thieren nicht nur der Sitz, sondern auch die Ausdehnung der Fraktur in der Kegel genauer bestimmen; sobald bei bestehender Crepitation eine Fraktur der Schenkelknochen ausgeschlossen werden kann, so muss die Diagnose Beckenbruch als gesichert betrachtet werden.
Die Eeurtheilung gestaltet sich ausserordentlich verschieden; Sitz, Ausdehnung und Oomplicationen entscheiden hierüber. Die Ge­fahr nimmt etwa in folgender Beihenfolge zu:
1. Frakturen an den Darmbeinwinkeln. Sobald am medialen Darmbeinwinkel der Bruch nicht mit Trennung vom Kreuz­bein verbunden ist, tritt keine Bewegungsstörung hervor, und die Heilung erfolgt sicher. Die Bedeutung der Brüche am lateralen Winkel hängt von der Grosse des abgebrochenen Knochenstückes, also von dem Grade der Deformitiit der Kruppe ab. Bricht nur der vordere oder hintere Höcker, so verschwindet die Lahmheit in 8—(i Wochen vollständig; bei Lostrennung beider oder eines grösseren Stückes ver­liert sich die Lahmheit zwar oft in lt;) Wochen ebenfalls, kehrt aber nach grösseren Anstrengungen nicht selten wieder. Bei Frakturen, die auf die Darmbeinschaufel übergreifen, bleibt die Bewegung zu­weilen dauernd gestört, die Hangbeinlahmheit gestattet oft nur
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Krankheiten der Rückemvirbelsilule und des Beckens.
die Benutzung des Pferdes im langsamen Schritt. Complicirto, d. li. mit Verletzung der ihisseren Haut verbundene Darmbembrüclie heilen bei entsprechender Behandlung regelmüssig, wenn auch erst nach längerer Zeit (6—10 Wochen).
2.nbsp; Brüche der Darmbeinsäule führen bei geringer Dis­location und ruhigen Thieren zuweilen zur völligen Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeiti unter den entgegengesetzten Umständen bleibt dauernde oder nach grösseren Anstrengungen immer von neuem hervor­tretende Lahmheit zurück und gestattet dem Thier nur Schrittarbeit. Da dieser Ausgang vornehmlich von dem Grade der Deviation und der Nähe des Gelenkes abhängt, so muss die Untersuchung per anum die nöthigen Anhaltspunkte für die Prognose liefern, welche im allgemeinen zweifelhaft und um so ungünstiger ausfällt, je auffälliger die Deformität der Kruppe ist, je grosser die Senkung des Darm­beines, je näher der Bruch dem Hüftgelenke liegt, um so weniger ist zu erwarten. Starker Muskelschwund bildet gleichfalls ein ungünstiges Zeichen. Stockfloth sah dauernde Lahmheit in Folge starker Callus-büdung in der Nähe des Hüftgelenkes, wodurch die Bewegungen des oberen Trochanters behindert wurden.
3.nbsp; Frakturen am Querast des Schambeines und lateralen Ast des Sitzbeines müssen ebenfalls als bedenklich bezeichnet werden, und zwar namentlich wegen der Gefahr, dass sich beide verbinden, wodurch ein Bruch durch das eirunde Loch entsteht. Aber auch die Heilung erfolgt hier meist langsam und oft unvollkommen, so dass nicht selten Kecidive vorkommen, namentlich wenn die Thiere bald darauf gebären. Am lateralen Sitzbeinaste bleibt die Heilung oft aus, und die Thiere sind nur zu langsamen Dienstleistungen brauchbar. Bei einem von mir beobachteten Werde war die lebhafte Crepitation beim Bruch des lateralen Sitzbeinastes nach 8 Wochen noch nicht ganz verschwunden. Durch die geringen Schmerzen werden Verschiebungen der Knochenfragmente begünstigt, und so verzögert sich die Heilung. Trennungen des Beckengürtels neben und parallel zur Symphysis pubis rufen zwar oft wenig auffallende Störungen hervor, heilen aber eben­falls langsam und unvollkommen; Laser fand bei einem Pferde die Harnblase von den Knochenstücken eingeklemmt; auch kommen hier Becidive vor, insbesondere wenn die Thiere zu früh bewegt werden, sowie auch durch den Gebärakt.
4.nbsp; Frakturen durch das eirunde Loch bilden in Bezug auf Lebensgefahr die bedenklichsten, weil sie nicht selten zu Verletzungen der grossen Blutgefässe und innerer Verblutung führen. In Bezug
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Beckenbrüche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 511
auf Heilbarkeit stehen sie etwas günstiger als die folgenden, indem das Zustandekommen der Vereinigung mit Wiederherstellung der Ar­beitsfähigkeit im langsamen Dienst zwar nicht ausgeschlossen, aber auch nicht wahrscheinlich ist.
5. Frakturen durch das Acetabulum müssen als die un­günstigsten angesehen werden, zumal die Gelenkpfanne in der liegel in mehrere Stücke gesprengt wird. Die Prognose fällt bei ihnen stets schlecht aus. Als unheilbar muss im allgemeinen auch die Trennung des Beckens in der Symphysis sacro iliaca betrachtet worden, zumal bei einseitiger Luxation derselben die Gefahr besteht, dass unter der Wirkung der Körperlast auch an der anderen Seite das Darmbein sicli vom Kreuzbein trennt oder der innere Darmbeinwinkel bricht; dabei werden die Thiere unfähig zu stehen und gehen in Folge dessen regel-mässig an Decubitus zu Grunde (S. 512).
Behandlung. Wo ein Heilversuch gemacht werden soll, ist vor allem Ruhe erforderlich. Bei Frakturen am Darmbeinwinkel genügt es oft die Pferde einige Zeit mit Arbeit zu verschonen; wo den Thieren das Stehen auf dem Fuss der leidenden Seite schwer fällt, lasse man einen Hängegurt anbringen. Dieser wird um so mehr nothwendig, als die Pferde sich beim Niederlegen leicht weitere Frakturen oder Ver­schiebungen der Bruchstücke zuziehen. Besondere Vorsicht ist in dieser Hinsicht bei Brüchen durch das eirunde Loch geboten, um tödtliche Blutungen zu vermeiden.
Nach 4—(5 Wochen versuche man den Patienten etwas führen zu lassen; zeigt sich hierbei die Belastung des Pusses noch erheblich gestört, so muss der Hängegurt weiter in Anwendung kommen. We­niger wichtig sind Störungen der Bewegung, die zum Theil auf die längere Unthätigkeit der Muskulatur zurückgeführt werden können und mit weiteren Gehversuchen sich allmälich verlieren. Sofern nicht er­hebliche Schmerzen bestehen, empfiehlt sich Massage der Kruppen- und Schenkelnmskulatur, da die Atrophie um so schneller Portschritte macht, je grosser die Lahmheit, d. h. auch die stützende Thätigkeit des Schenkels gestört ist. Durch täglich wiederholtes Klopfen werden die Ernährungsvorgänge in den Muskeln aufrecht erhalten. Mit dem Eintritt regelmässiger Muskelarbeit verliert sich auch der Muskel­schwund; denn es handelt sich nur um Inactivitätsatrophie. Zuweilen bleibt jedoch eine gewisse Schwäche in der Muskulatur zurück, welche die Arbeitskraft der Thiere stören kann.
Die Anwendung kalter Umschläge halte ich nicht nur für über-
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Krankheiten der Riickenwirbelsäule und des Beckens.
flüssig, sondern sugar für scliiUllich, weil dieselben leicht zu Druck­wirkung seitens des Hängegurtes führen, auch die Thiere beunruhigen, so dass sie nicht einmal schmerzstillend wirken.
5. Diastase 8. Luxation des Kreuzdarmbcingelenkes.
Lit.: Golis, Her. Bep. 20. S. 11Ü. üerdez, Schweiz. Archiv. 1882. S, 188. Albrecht, Clurlt u. Hertwig. 20. S. 35. Guillebeau, Schweiz. Archiv. 1887. S. 155. Stockfleth, Chirurgie.
Die Verbindung zwischen Kreuzbein und Darmbein erfolgt durch ein straffes, fast unbewegliches Gelenk, dessen kurzes Kapselband von der oberen Fläche der Flügelfortsätze des Kreuzbeines an die untere Fläche der Darmbeine geht; das untere Kreuzdarmbeinband trägt zu dieser Verbindung bei, unterstützt von den oberen und seitlichen Kreuzdarmbeinbändern. Beim Pferde bildet dieser Bandapparat eine so feste Vereinigung beider Knochen, dass eine Trennung der­selben sehr selten vorkommt; eher brechen die Dannbeine. Weniger fest zeigt sich diese Verbindung beim Rinde, bei dem das obere Kreuz-darmbeinband zuweilen fehlt (Berdez), Daher kommt bei diesen Thieren eine unvollständige und eine vollständige Loslösung des Kreuz­beines von dem Darmbeine vor, und zwar namentlich zur Zeit des Gebarens. Stockfleth und Berdez haben über das Leiden ein­gehende Beobachtungen und Mittheilungen gemacht, denen ich bei der Darstellung im wesentlichen folge. Berdez legt bezüglich der Ent­stehung der Trennung besonderes Gewicht auf die zur Zeit des Ge­barens eintretende Atonie der Bauchmuskeln, von denen namentlich der M. rectus abdominis gleichsam als Antagonist jenes Bandapparates wirkt. Sobald dieser erschlafft, wie es zur Zeit des Gebarens der Fall ist, tritt die Gefahr der Loslösung ein. Stockfleth glaubt, dass auch die Beweglichkeit in der Symphysis pubis die Entstehung des Leidens begünstigt. Wenn sich in derselben eine Trennung ein­stellt, so wird auch jene Verbindung gefährdet; dadurch erklärt sich das gleichzeitige Vorkommen beider Leiden, wie es von Golis beobachtet wurde. Auch liegt auf der Hand, dass die Diastase an einer Seite leicht zu Trennung der Verbindung der anderen Seite führen kann. Das doppelseitige Auftreten des Leidens bildet daher die Kegel und wurde auch von vVlbrecht, Guillebeau u. A. beobachtet.
Nach Stockfleth giebt das Aufheben der trächtigen Kuh am Schwänze zu einer unvollständigen Luxation Veranlassung, während die vollständiffe aus dieser hervorgeht und durch heftige! Muskelwirkung
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Diastase des Kfeuzdarmboingelenkes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;513
veranliisst wird. Der Iliopsous und Longissiinus dorsi sowie ein Thcil dor Schcnkelmuskeln ziehen das Kreuzbein mich unten, wäh­rend die Glutilen und andere Schenkelnmskeln den inneren Darm-heinwinkel nach aussen führen. Kräftige Contractionen in diesen Muskeln, wie sie beim Aufstehen der Thiere oder beim Gehen ver-anlasst werden, können eine Trennung beider Knochen bewirken.
Bei der unvollständigen Luxation findet man die Verbindung zwischen Darm- und Kreuzbein getrennt, die Muskeln zum Theil blutig iufiltrirt, oft partiell zerrissen und die Scheiden der grossen Nervenstämme nicht selten blutig infiltrirt; die übrigen Bänder bleiben dabei intact. Bei vollständiger Luxation besteht Zerroissung des ganzen Bandapparates, in Folge dessen das Kreuzbein zwischen den inneren Darmbein winkeln sinkt, und der vordere Abschnitt des Kreuzbeines sich in die Beckenhöhle herabsenkt, so dass die Darm­fortsätze desselben zuweilen 5 —10 cm tiefer stehen als die medialen Darmbeinwinkel. Hierdurch werden natürlich die Organe der Becken-höhle comprimirt, zuweilen auch verletzt; der Mistabsatz kann dabei mit Schwierigkeiten verbunden sein.
Erscheinungen und Verlauf, Bei der unvollständigen Ver­renkung zeigt das Thier Neigung dauernd zu liegen; das Aufstehen fallt ihm schwer und bei Gehversuchen machen die Hinturfüsse kurze (trippelnde) Bewegungen. Bald stellt sich Ueberkötben ein, eine Erscheinung, die Stookfleth als Zeichen der beginnenden Loslösung und als ein charakteristisches Symptom bezeichnet, Beim Druck zwischen die medialen Darmbeinwinkel äussert das Thier Schmerzen; vom Mastdarm aus lässt sich die Trennung zuweilen direct fühlen.
Die complete Luxation giebt sich durch tiefes Herabsinken des Kreuzbeines ZU erkennen, in Folge dessen der vordere Band der Darmbeine eine scharfe Kante bildet. Die Anschwellung und Em­pfindlichkeit in der Medianlinie, das Unvermögen aufzustehen und sich stellend zu erhalten, lässt keinen Zweifel über die Diagnose auf­kommen. Vom Mastdarm aus zeigt sich die Beckenhöhle verengt, so­wohl der senkrechte wie auch der Breitcmlurchmesser hat abgenommen. Der Absatz der Excrementc ist in Folge der Compression des Mast­darmes zuweilen erschwert.
Bei der unvollständigen Verrenkung kann in 3 I Wochen Heilung eintreten, doch findet dies in der Begeh namentlich bei dop­pelseitiger Trennung nicht statt. Meist stellt sich am 2. oder '#9632;'gt;. Tage Paraplegic ein, die Thiere sind unfähig aufzustehen, und wenn die Möller, Speolelle Ohlnirgle für Tliioriirztc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;•Ii'^
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Krankheiten der Ritckenwirbclsilule und des Beckens.
Geburt noch erfolgen soll, so muss dabei eine kräftige Unterstützung eintreten, zumal die Wehen oft schwach bleiben. Nicht selten stellt sich durch Peritonitis ein tödtlicher Ausgang ein.
Weniger bedenklich ist nach Stockfleth die vollständige Luxation. Die Thiere sollen sich von derselben unter Umständen so weit wieder erholen können, dass sie, wenn auch wegen des engen Beckens nicht mehr zur Zucht tauglich, zur Milcbnutzung doch vorläufig weiter verwendet werden können. Unter entsprechender Ruhe kann durch Bindegewebswucherung eine Wiedervereinigung des Kreuzbeines mit den Darmbeinen erreicht werden, wodurch die Thiere sogar wieder so weit gehen lernen, um die Weide besuchen zu können.
Die Behandlung gestaltet sich bei beiden Zuständen im Wesent­lichen gleich. Bei der unvollkommenen Luxation ist vor allem Bulie nöthig. Man gebe dem Thiere ein möglichst gutes Lager; tiefe Jaucherinnen sind zu verdecken, um das Hineintreten zu verhindern, wodurch leicht weitere Trennungen herbeigeführt werden könnten. Fällt dem Thiere das Aufstehen schwer, so muss ihm dabei Hülfe ge­leistet werden, doch darf di es niemals am Schwänze geschehen. Auch beim Gebären ist das Thier zu unterstützen.
Die complete Luxation verlangt ebenfalls andauernde Buhe. Am besten gestaltet sich der Verlauf, wenn die Thiere andauernd liegen. Daher gebe man möglichst gute Streu und lasse erst Hülfe eintreten, wenn das Thier Anstrengungen zum Aufstehen macht. Ferner darf der Patient nicht vor Ablauf von 2—.'5 Monaten getrieben wer­den. Dass die Kuh von der Zucht auszuschliessen ist, liegt auf der Hand. Bei gut genährten Thieren bedenke man, dass auch im Ver­laufe der Heilung nicht selten Störungen vorkommen, an denen die Thiere sogar zu Grunde gehen können.
(gt;. Luxation der Sj'iuphvsis ossium pubis.
Lit.: Oolis, Her. Rep. 20. 8. 119. Prietsch, Dresd. Ber. 1859.
Das Leiden kommt ebenfalls fast nur beim Binde vor und ist noch seltener als das vorige. Die Trennung ereignet sich meist wäh­rend des Gebarens, zuweilen auch erst nach demselben. Golis fand dieselbe in Verbindung mit Luxation der Darmbeine.
Eine 8 Jahre alte hochtragende Kuh wurde während der Arbeit plötz­lich lahm und konnte wenige Stunden darauf sich weder erheben, noch
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Kreuzlilhmung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,r)15
finch aufgerichtet auf den Hinterfüssen stehen. Beim Versuche zu gehen, hob und senkte sich der innere Dannbeinwiiikel der betreffenden Seite. Auch konnte hierbei eine Verschiebung der Schani- und Sitzbeine in der Syinphysis pubis gefühlt werden. Die Kuh wurde geschlachtet, und ergab die Übduction eine Luxation des Darmbeines sowie Trennung in der Schambeinfuge.
Priotsch sah das Leiden bei einer zweijährigen Färse durch Ausgleiten mit den Hinterbeinen auf glattem Pflaster entstehen; das Thier konnte sich nicht wieder erheben und wurde nach dem Schlachten die Schambeinfuge in ihrer ganzen Länge getrennt angetroffen.
Beim Pferde verknöchert die Symphysis pubis meist vollständig, daher entstehen hier eher Frakturen als Trennungen in der Scham­beinfuge.
Die Diagnose lässt sich durch Untersuchung per anuni absolut sicherstellen. Bei der ünheilbarkeit des Leidens ist baldiges Schlachten das zweckmässigste.
7. Läliinung der hinteren Extremitäten. Kreuzliilimiing.
Paraplegic.
Lit.: Axe, Jahresber. 1885. S. 60. Comeny, Jaln-esber. 1888. S. 95. Signol, Her. Rep. 15. S. 229. Kitt, Jahresbor. 1883. S. 80. Nooard, Jahresber. 1885. S, (i(i. Friodberger, Zeitschr. für Veterinärwiss. 1873. S. 121. Dieckerhoff, Spec. Path. S. C73. Aruch, Jahrb. 1889. S. 88. Hagen, öurlt u. Hertwig. 39. S. 381. Damitz, Gurlt u. Hrrtwig. 11. S. 49. f. Hürlimann, Jahrb. 1888. S. 95. Pröger, Dresd. Ber. 1886. S. 110. Vatel, Jahrb. 1882. S. 30. Haubner, Dresd. Bor. 1860. S. 52 u. 1861. S. 61. Voigtliinder, das. S. 04. Hertwig, Gurlt u. Hertwig. 1. S. 350. Dieckerhoff, Ad. Woch. 32. S. 1. Siodamgrotzky, Dresd. Ber. 1871. S. 31 u. 1873. S. 37. Johne, das. 1879. S. 15 u. 1885. S. 40. Wolff, Th. Mitth. 1807. S. 148. Kamp manu, Gurlt u. Hertwig. 5. 8, 484. Völlers, Th. Mitth. 1878. S. 35. Johow, das. S. 95. Pf ist er, Schw. Archiv. 1884. S. 18. Priis, Jahrb. 1888. S. 141.
In der Thierheilkunde bezeichnet man seit alter Zeit als Kreuz-liihinung nicht allein die vollständige oder unvollständige Lähmung der Muskulatur beider Hinterschenkel, sondern auch eine Reihe von Störungen in der Function derselben, deren Ursachen bisher noch wenig aufgeklärt sind. Streng genommen bedeutet Paraplegic doppelseitige Lähmung, und gilt im allgemeinen als Ausdruck eines Uückenmarks-leidens. Lähmung der vorderen Gliedmassen nennt man Paraplegia hrachialis s. anterior, die der hinteren Paraplegia posterior, in der Thierheilkunde kurzweg Paraplegic. Genau genommen niüsste eine
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Krankheiten der Rückenwirbolsilule und des Beckens.
Paraplegie der motorischen Nerven (motorische Parapleg'ie) und eine sensible Paraplegie, d, h. Herabsetzung oder Vernichtung der Empfin-dungsfähigkeit in den correspondirenden Theilen unterschieden werden. Die letzteren bezeichnet man kurz als Anästhesie der Hinterhand und unterscheidet dagegen eine complete und incomplete Paraplegie. Die erstere wird beobachtet:
1.nbsp; nbsp;Bei Verletzungen dos Rückenmarks oder Druck auf dasselbe durch Frakturen der Wirbel in der Kücken- und Lendengegend einschliesslioh der vorderen Abschnitte des Kreuzbeines (S. 491 u. 497).
2.nbsp; nbsp;Durch entzündliche Processe im Rückenmark und seinen Häuten in der bezeichneten Gegend; sie bilden meist Complicationen anderer Leiden, namentlich von Infectionskrankheiten (Kalbefieber, Brustseuche, Staupe der Pferde und Hunde).
Dagegen ist die bei der Hämoglobiniimie auftretende Lähmung der Naebhand weniger vom Rückenmark als von einer Erkrankung der Muskulatur abhängig, Der Umstand, dass sich dieses Leiden rogelmilssig mit Lähmung der Hinterhand verbunden zeigt, hat nicht nur zu der unrichtigen Bezeich­nung „rheumatische Kreuzlähmung', sondern auch zu der irrigen Anschauung geführt, dass Nierenleiden zur Kreuzlähmung Veranlassung geben, daher auch die Namen „ N ieren verschlagquot;, „ Rückenmarks-typhusquot; u. a.
I d iop athische En tzündun gen des Kückenmar kes und seiner Häute wurden wiederholt bei Pferden beobachtet. Eriedberger fand bei einem 18—20 Jahre alten Pferde, welches seit einigen Tagen mit Paraplegia incompleta behaftet war, später auch am Kopfe (Lippen, Zunge) Lähmungs-erscheinungen zeigte, im Rückenmark, etwas vor der Lendenanschwellung zwei Erweichungsherde und im Arachnoidealraum daselbst eine wasser-hßlle Elüssigkeit. Dieckorhoff besehreibt eine Meningitis spinalis puru-lenta beim Pferde. Axe stellte bei der Section eines Pferdes, das nach üborstandener Druse an Paraplegie gelitten hatte, Oedem und capilläre Hämorrhagien der Pia mater spinalis sowie Infiltration des Rückenmarkes mit Eiterkürperchen fest, während die Wirbelsäule vollständig intact war. Möglicherweise handelt es sich in solchen Fällen zuweilen um Metastasen. Johne ermittelte bei einem Pferde, welches plötzlich im Stalle an voll­ständiger Lähmung der Naebhand erkrankt war und in 24 Stunden daran zu Grunde ging, luiinorrhagische Pachymeningitis und Leptomeningitis im Lendenmark; die Medulla war zwischen dem ersten und zweiten Lenden­wirbel bis über die Hälfte quer durchgerissen, die Wirbel zeigten sich frei von Verletzungen. Die in der Literatur als seuchenartige Kreuzlillnnung bezeichneten Leiden gehören wohl zum grössten Tbeil der Hämoglobinäniie an; das gilt wahrscheinlich auch von dem von Comeny näher beschriebenen Zustande, welcher in einzelnen Trupponthoilen und zwar vorzugsweise bei Stuten auftrat. Signol berichtet über souchenartige Kreuzlähmung bei den Pferden eines Araberstammes, welche gleichfalls vorzugsweise Stuten betraf. Die Section ergab keinen näheren Aufschluss.
Bei Hunden, welche mit Paraplegie und Anästhesie des Hintertheils sowie Lähmung der Blase behaftet gewesen waren, fanden Kitt und Stoss im Lendenwirbelkanalo circuinscripte Pachymeningitis externa chronica mit
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Kreuzli'ihraung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 517
Bildung von Knorpeleinlagevungen, Verdickungen der Dttl'ft, telcangiectatischen Zuständen an den Gef'ilssen, Stauung der Spinalflüssigkeit bis zur prallen Spannung der Dura mater; am Rückenmark selbst konnten keine Ver-Änderungen nachgewiesen werden.
3.nbsp; nbsp;Paraplegien durch Tumoren im Wirbelkanale. Pfister fand bei einer Kuh, welche allmülich zunehmende Erscheinungen der Paraplegie gezeigt hatte, eine 8 cm lange und 3 cm dicke Geschwulst (Lipom) am vorderen Ende des Kreuzbeines im Wirbelkanal, welcher erweitert war, während das Rückenmark sich abgeflacht zeigte. Johne stellte im Lendenmark eines Rindes Meningomyelitis tuberculosa fest, während Hertwig bei einem Pferde, welches unter den Erscheinungen von Paraplegie eingegangen war, eine melanotische Geschwulst beobach­tete, die von den Lymphdrüsen der Lendengegend ausgegangen war, die letzten 8 Lendenwirbel und das Kreuzbein zum Theil zerstört hatte und in den Wirbelkanal eingedrungen war.
4.nbsp; nbsp;Als Theilerseheimnig begleitet die Paraplegie allgemeine Läh­mungen, wie sie durch meningitische Processe (Johne) oder ander­weitige entzündliche Processe des Gehirns, der Medulla oblongata und des Rückenmarkes veranlasst werden. Diockerhoff fand beim Pferde eine Gastruslarve im Halsmarke.
Vollständig unaufgeklärt erscheinen die Mittlieilungen über psycbiseho Paraplegie oder nervöse Apoplexie des llückennmrks. Wenn bei der Section der an Paraplegie gestorbenen Thiere keine krankhaften Veränderungen gefunden werden, so beweist das noch keineswegs, dass solche nicht be­standen haben. In dieser Hinsicht muss auf das Zustandekommen der Paraplegie durch Erschütterung des Rückenmarkes hingewiesen werden (S. 41)5). Aruch beschreibt 8 Fälle von psychischen Paralysen bei Hunden durch Eifersucht und in Folge von Strafe. Hagen sah bei einem älteren Pferde durch den Anblick einer Locomobile Paraplegie entstehen, die nach 3 Tagen wieder verschwand. Wahrscheinlich handelt es sich in diesen Fällen um andere, nicht näher aufgeklärte Ursachen. Das Gleiche dürfte von jenen Mittheilungen gelton, ' wonach Paraplegien in Folge der Gegen­wart von Parasiten im Darme (Hürlimann durch Bandwürmer, Damitz durch Spulwürmer beim Pferde) aufgetreten sein sollen. Dagegen werden nach heftigen elektrischen Reizen (Blitz) complete Paraplegien bei Thieren beobachtet (P r ö g e r) #9632;
Als unvollständige, chronische Krouzlähmung oder Kreuz-schwache wird bei Thieren seit alter Zeit, jede andauernde Beschränkung in der Funktionslahigkeit der Hinterschenkel bezeichnet. In der Regel sind diese Zustände mit eigenthümlichen Unregelmässigkoiten in der Bewegung der Hinterschenkel sowie mit Schwankungen des Rumpfes beim Gehen verbunden. Als einheitliches Leiden lassen sich diese Erscheinungen nicht betrachten, sie können vielmehr durch verschiedene Krankheitsprocesse ver­anlasst werden. Ohne Zweifel spielt hierbei das Rückenmark eine Haupt­rolle, doch haben eingehende Obdnctionen bei diesen Leiden bisher leider nicht stattgefunden. Die Beweffunffsstörunffen sowie auch der Verlauf der
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Krankheiten der Rückenwirbelsiiulc und des Beckens.
Zustände weisen auf chronische Krankheitsiirocesse im Rückenmarke hin. Bei Pferden tritt meist zugleich Störung in der Coordination der Bewe­gung hervor, wie sie die Tabes dorsalis des Menschen charakterisirt und als Ataxio bezeichnet wird. Die Funktion der einzelnen Muskolgruppen greift nicht in normaler Weise in einander, die Harmonie der Funktionen fehlt gleichsam (S. ö21). Zustände, die namentlich bei Pferden oft unter diesen Störungen hervortreten, können nicht, wie Dieckerhoff glaubt, auf Deh­nungen der Fascien zurückgeführt worden. Für die Beschälseuche, die mit progressiver Lähmung der Nachhand verbunden ist, wurden von Than-hoffer Veriinderungen am Rückenmark festgestellt. Man fand hämorrhagi-sche Myelitis mit Höhlenbildung im lUickenmark (Syringomyelitis) mit herdförmig auftretenden degonerativen Processen. Auch bei der Kreuz-lähmung, die nicht im Verlaufe dieser Krankheit auftritt, wird man zweifel­los öfter am Rückenmarke Veränderungen nachweisen können, sobald diese Untersuchungen in den vorgeschrittenen Stadion der Krankheit und mit Hülfe der erforderlichen Methoden ausgeführt werden. Wolff sah in Folge eines Schweifwirbelbruches schleppenden Gang beim Pferde entstehen; offenbar handelte es sich um Veränderungen am Rückenmark, welche sich von der Frakturstelle aus entwickelt hatten. Andererseits muss zugegeben werden, dass nicht in allen Fällen eine primäre oder im Anschluss an infectiüse Zustände (Influenza, Dnxse) auftretende Erkrankung des Rücken­markes der incompleten Paraplegie zu Grunde liegt; wahrscheinlich können auch Krankheitsprocesse der Wirbelsäule diese Störungen im Gefolge haben. In Frankreich lässt man die Kreuzlähmung (l'effort de reins) zumeist aus einer Läsion der Rücken- bezw. Lenden Wirbelsäule entstehen und bezeichnet sie gerade­zu als eine Verrenkung derselben (Entorse dorso-loinbaire). Schon Vatel liefert einen eingehenden Fundbericht über die Section eines Pferdes, das mit diesem Leiden behaftet war. Nach Peuch und Toussaint zeigen sich die Intervertebralscheiben an den Rücken- oder Lendenwirbeln zuweilen an beiden gelbgrün, zum Theil zerstört, in vorgeschrittenem Stadium zuweilen ganz geschwunden, und an den Enden der einzelnen Wirbel erscheinen Granu­lationen, welche sich mit einander verbinden, verknöchern und so zu Syno-stosonbildung führen. Zuweilen erscheinen Exostosen im Wirbelkanale, welche einen Druck auf das Rückenmark ausüben, Diese Veränderungen sollen unter Umständen mit Zerreissungen in den Muskeln verbunden sein. Rigot will im Iliopsoas Hilmorrhagien und Goubaut Abscosse in den langen Beugern des Halses gefunden haben; oft scheinen allerdings Verwechse­lungen mit anderen Leiden vorgelegen zu haben.
Bei Pferden sah ich wiederholt incomplete Paraplegie nach Erkältung auftreten und nach kurzer Zeit wieder verschwinden; wahrscheinlich han­delt es sich in diesen Fällen um Muskelrheumatismus.
Periodische Lähmung der Nachhand wird in Folge Verstopfung der Schenkel- und Beckengefässe beobachtet (vgl. diese). Forner können Tumoren, die sich entweder im Wirbelkanal entwickeln oder in denselben eindringen und einen Druck auf das Rückenmark ausüben, Ursache der Paraplegie werden. In der Alforter Klinik wurde beim Pferde Carcinom-bildung mit Metastasen in der Bauchhöhle und Drucklähmung des Rücken­marks beobachtet; Kamp mann stellte beim Fohlen Paraplegic in Folge Perforation des zweiten Lendenwirbels fest, welche von einer Balggeschwulst, die ihren Inhalt in den Wirbelkanal entleert hatte, ausgegangen war.
Beim Rinde bezeichnet man als unvollständige Kreuzlähmung auch einen Zustand, der in den letzten Perioden der Trächtigkeit auftritt und nach dem Gebären wieder verschwindet. Hierbei handelt es sich oft nur
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Kreuzlilhmung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,r)19
um un/ureichende Muskelkraft, um die erheblich vergrössorte Last des Kumpf'es zu heben, ein Zustand, der durch höheres Alter, mangelhafte Er­nährung oder vorgeschrittenen Mastzustand und andauerndes Stehen im Stalle begünstigt wird. Aber auch Lilsionen der Wirbelsäule und des Ueckens (Fissuren), welche beim Gebärakt entstehen, veranlassen bei diesen Thieren nicht selten complete und incomplete Paraplegic. Ob hierbei soge­nannte Keflexlähmungen vorkommen, wie Franok vermuthet, muss vorläufig unentschieden bleiben. Eine grosse Zahl der bei diesen Thieren als „Kreuz­lähmequot; beschriebenen Erkrankungen muss endlich auf schmerzhafte Zustände in den Hinterschenkeln und Klauen zurückgeführt werden.
Bei Schafen beobachtet man Kreuzlähmung durch Cönurusblasen im Rückenmark; auch hat man diese bei anderen Thieren (Kind) beobachtet. In den späteren Stadien der Traberkrankheit leiden die Schafe regelmilssig an allmälich zunehmender Lähmung der Nachhand mit ataktischen Bewe­gungen der Hinterfüsse.
Bei Hunden wird Paraplegie theils durch Verletzungen (Erschütte­rungen) des Eückenmarkos oder Wirbelfrakturen veranlagst, meist aber bilden sie einen Eolgezustand der Staupe und beruhen auf chronischen Erkran­kungen des Gehirns oder Rückenmarkes. Acute oder chronische Myelitis und atrophischo Zustände wurden am Rückenmark festgestellt; Siedam-grotzky fand Oedem des Rückenmarks, Johne gelbe Erweicbungsherde in demselben.
Auch bei Schweinen werden complete und incomplete Paraplegien beobachtet; die ersteron meist bei Ferkeln durch Läsionen des Rückenmarkes, wenn die Thierchen von der Mutter getreten wurden; bei älteren Schweinen können rhachitische Erkrankungen die Ursache zu denselben abgeben. Beim Geflügel werden ebenfalls Paraplegien beobachtet, von Sicdamgrotzky bei Papageien; über die Ursache derselben ist Näheres bisher nicht bekannt.
Erscheinungen und Verlauf. Es liegt auf der Hand, class diese in ihren anatomischen Grundleiden so verschiedenartigen Zustände in ihrem Auftreten nicht übereinstimmen können.
Andererseits zeigen die klinisehen Erscheinungen dieser Leiden meist keine so scharf ausgesprochenen Eigenthüinlichkeiten, um auf Grund derselben eine genaue anatomische Diagnose stellen zu können. Es muss daher der Zukunft vorbehalten bleiben, durch eingehende Untersuchungen die Natur dieser Zustände und die mit ihnen verbun­denen Störungen festzustellen, wie es beim Menschen bereits zum Theil gelungen ist. Dies gilt in erster Linie von der incompleten Paraplegie, während hei vollständiger Lähmung der Nachhand die ge­naue Diagnose des Grundleidens nicht in dem Masse interessirt, weil die Thicre in diesem Zustand regelmilssig als unheilbar getödtet wer­den, anderenfalls an den Folgen des meist unvermeidlichen Decubitus bald zu Grunde gehen, doch kommen Ausnahmen vor, wie bei der Commotio niedullae spinalis; hier muss der weitere Verlauf ent­scheiden.
Die vollständige Lähmung der Nachhand kennzeichnet sich:
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Krankheiten der Rückonwirbelsäulo und des Beckens.
1,nbsp; nbsp;Durch das Unvermögen zu stellen. An der Erde liegend sind die Thiere unfähig sich zu erheben und zu gehen. Sehr selten bleibt die Funktionsfähigkeit der N.n. crurales und damit die Fähig­keit zu stehen erhalten, während das Gehen den Thieren unmüglich ist. Dies kann dadurch veranlagst sein, dass die Unterbrechung der Leitung im liückenmark hinter dem Austritt der genannten Nerven (4—Ü Lendenwirbel) erfolgte, kommt aber auch bei Frakturen der Kückemvirbelsäule vor, wie ich mich bei Pferden überzeugte. Hunde lernen zuweilen auf den Vorderfüssen zu gehen, wie N o c a r d beobachtete. Die Thiere beben durch kräftige Contractionen der Kückenstrecker das Hintertheil in die Höhe, wie es diesen Thieren wohl künstlich bei­gebracht wird.
2.nbsp; nbsp;Die Keflexerregbarkeit zeigt sich meist vollständig auf­gehoben, auch macht sich passiven Bewegungen gegenüber kein Wider­stand bemerklich (schlaffe Lähmung). Dies ist stets der Fall, wenn die Ursache des Leidens im Lendenmarke oder hinter demselben ihren Sitz hat. Fand die Unterbrechung der Leitung vor dieser Stelle, also im Bereiche der Kückenwirbel oder noch weiter nach vorn statt, so bleibt die Reflexerregbarkeit nicht nur erhalten, sondern sie ist oft sogar krankhaft gesteigert, so dass Reize der äusseren Haut, Sehnen und Knochen (leichtes Klopfen oder Nadelstiche) lebhafte Contractionen in den gelähmten Mus­keln auslösen. Es können sogar andauernde Contractionen ( Krämpfe) in den gelähmten Muskeln bestehen (spastische Lähmungen). Auch Nocard beobachtete bei seinen Hunden Steigerung der Sehnenreflexe.
Diese Verschiedenheit erklärt siclr, wenn man berücksichtigt, dass vom Lendenmark ausgehend reüexheinmonde Fasern mit den motorischen Nerven der Hinterhand in Verbindung stehen (Reflexhogen). Ist die Leitung im Rückenmark vor diesem Reflexbogen unterbrochen, so bleibt die Reflex-erregbarkeit erhalten, sie kann selbst gesteigert sein. Das Erlöschen der Refiexerregbarkeit spricht demnach für Liisionen im Lendenmark oder hinter demselben. Die Untersuchung erfolgt in der Weise, dass man bei Fleischfressern die Sohlenballen kitzelt oder ebenso wie bei grOsseren Thieren, die äussoro Haut bezw. Sehnen mit dem Stiel eines Percussions-hammers leicht klopft.
•i. Die Sensibilität erscheint bei erheblichen liäsionen dos Rücken­markes vollständig aufgehoben; bei Myelitis ist sie anfangs oft nicht nachweisbar gestört; ihr Fortbestehen spricht für Affection der Hinter­stränge und der grauen Hinterhörner. Bei Drucklähmung zeigt sich zuweilen Steigerung der Sensibilität, wie es Nocnrd bei Hunden
beobachtete; die Berührung der gelähmten Hinterhand rief Schmerzen hervor (Paraplegia dolorosa).
)hafte
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Kroiizlilhmung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;521
Bei den grössereu Thioren stösst diese Untersuchung auf Schwierig­keiten, weil die Sensibilität bei ihnen nicht genau zu kontroliven ist, indem Reflexbewegungen von den durch schmerzhafte Empfindungen veranlassten Bewegungen oft schwer zu trennen sind.
4. Zu diesen Cardinalsymptomen der Paraplegie gesellen sich oft Lälnnungserscheinungen an der Blase, am Mastdarm, sowie Schweif-lähnmng (S. 527). Es besteht in der Regel Incontinentia urinae, während die Faces nicht ohne fremde Hülfe entleert werden können. Dieser Symptomencomplex begleitet bei Thieren in der Regel Druck-lähmnng durch Frakturen der Wirbel oder des Kreuzbeines, durch Blut­ergüsse in den Wirbelkanal, seltener durch Tumoren, kommt aber auch bei Erschütterungen des Rückenmarkes vor. Die Diagnose muss sich auf die Art der Entstehung und den Verlauf der Lähmung stützen. Bei Wirbelfrakturen lässt sich zuweilen Verschiebung der Fragmente oder Crepitation nachweisen. Noch grössere Verschiedenheiten in ihren Sym­ptomen bieten die incompleten Paralysen. Wenn auch in jedem Falle eine sichere Trennung nicht durchführbar ist, so empfiehlt sich doch vom klinischen Standpunkte zwei Arten zu unterscheiden, nämlich:
1. eine Paraplegia incompleta vera s. spinalis und 2. eine Rar. incompleta spuria. Die Ursachen der ersteren liegen in, die der zweiten ausserhalb des Wirbelkanales.
Incomplete l'arapiugien der ersten Gruppe, die durch acute oder chronische Entzündung des Rückenmarkes und seiner Häute, durch Druck und degenerative i'rocesse der Medulla spinalis veranlasst wer­den, aussein sich durch folgende Symptome:
1. Bewegungsstörungen, die
a)nbsp; durch Abschwächung der Kraftäusserungen,
b)nbsp; durch Unregelmässigkeit der Bewegung gekennzeichnet sind. Die Thiere zeigen Schwäche und frühzeitige Er­müdung; die llinterschenkel tragen zwar den Rumpf, aber fördern die Vorwärtsbewegung nur wenig und machen dabei oft unregelmässige, ataktische Bewegungen.
Als Ataxie bezeichnet man Bewegungsstörungen, die auf einer mangel­hafter Coordination beruhen, Die regelmftssige Innervation der einzelnen Muskelgruppen ist hierbei gestört, in Folge dessen greifen ihre Actionen nicht hariuonisch in einander; einzelne Gruppen arbeiten zu vii'l oder zu früh, andere ZU wenig oder zu spilt.
Diese Störungen beobachtet man häufig beim Pferde und Munde als Symptom der unvollständigen Kreuzlähnnuig, indem die Hinterfüsse zögernd und unvollständig vom Erdboden abgehoben
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~,.r
522nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten dor Rttokenwirbelsäule und des Beckens.
werden! die Zehenwand des Hufes berührt dabei oft den Boden und schleift sich ullinälich an ihrer Aussenfliiche ab. Im nächstfolgenden Moment wird der Fuss abnorm hoch gehoben und ungeschickt „tap­pendquot; niedergesetzt; oft beschreibt derselbe hierbei einen Bogen nach aussen, so dass die Füsse kreuzweise über einander gesetzt werden; dabei schwankt das tlintertheil nach links und rechts („wackelig im Kreuzequot;, „tour de bateau'quot;). Diese ataktischen Bewegungen treten besonders bei Wendungen hervor; auch das Hückwärtstreten füllt den Thieren namentlich schwer.
2.nbsp; nbsp;Sensibilität und Reflexerregbarkeit bleiben meist er­halten, letztere zeigt sich zuweilen erhöht, indem Sehnenreflexe leb­haft ausgelöst werden. Im Uebrigen gilt hier das von der completen I'araplegie Qesagte.
3,nbsp; nbsp;Muskelatrophie. Sie fehlt bei spinalen Lähmungen meist oder beschränkt sich auf eine leichte, an beiden Seiten gleichmässig hervortretende Inactivitätsatrophie; degenerative Atrophie und die Ent-artungsreaction fehlen stets.
Bald nach dem Eintritt einer peripheren Nervenlähmung sinkt die faradisohe und galvanische Erregbarkeit in den gelähmten Nerven und hört
nach 8 — 14 Tagen ganz auf. Die Erregbarkeit der Muskeln gegen den faradisohen Strom verschwindet in dieser Zeit gleichfalls, während sich in ihnen dem galvanischen Strom gegenüber eine Steigerung der Erreg­barkeit bemerkbar macht; schwache Ströme lösen lebhafte Contractionen aus, die bald blitzartig schnell, bald träge (wurmlonnig) ablaufen. Erst wenn schwere Lähmungen längere Zeit bestehen, verschwindet auch die galvanische Erregbarkeit in den Muskeln. Anderenfalls kehrt mit der Funktion.st'ähigkeit allmälich auch das normale Verhalten gegen elektrische Heize zurück; die erstere oft früher als letztere. Das Wieder­auftreten faradischer Erregbarkeit ist daher ein sicheres Zeichen der vorschreitenden Heilung der Lllhmung.
Dieses Verhalten findet seinen Grund in einer eigenthümlicbon Degeneration der Nerven und Muskeln, verbunden mit Atrophie, welche deshalb auch degenerative Atrophie genannt wird. In den Nerven iritt zunächst Zerfall der MarkÄcheide, dann auch des Achsoncylinders ein, so dass die Schwann'sche Scheide schliesslich nur noch flüssigen Inhalt führt, der später resorbirt wird. In der Scheide tritt Vermehrung der Kerne und bei längerer Dauer zugleich eine Vermehrung des interstitiellen Binde­gewebes ein. Dabei verfallen auch die Muskeln der Atrophie; ihre Quer­streifung wird undeutlich, ihr Inhalt fällt zum Theil der fettigen Degene­ration anheim und ihr Umfang wird erheblich kleiner; dagegen vermehren sich die Muskelkerne sowie das interniuskuläro Bindegewebe.
Diese funktioneilen und anatomischen Störungen entwickeln sich bei Lähmungen, deren Ursache von der Peripherie der Nerven bis zu ihren trophischen Centren in den grauen Vorderhörnern des Kückenmarkes ihren Sitz hat. Allen vor dieser Stelle (ins zu den centralen Endigungen der motorischen Nervpn im Gehirn) ent­standenen Lähmungen fehlt die degenerative Atrophie wie auch
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Ki'ouzlälimung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 523
die Entartungsroaction. So berichtet Priis über eine gekreuzte LiÜi-müng beim Pferd (rechter Vorder- und linker Hinterfuss); nach 3 Monaten waren noch keine Erscheinungen der Atrophie eingetreten.
Das Fehlen von Atrophie bei der spinalen Form der unvollstän­digen Kreuzlähmung beweist also, dass die Ursache vor dem trophi-schen Centrum der Muskeln, also in den Hintersträngen der Medulla liegt, da die vom Gehirn ausgehenden Lähmungen meist als Hcini-plegien auftreten.
Die Ursachen der Paraplegia incompleta spuria liegen ausserhall) des Rückenmarkes hezw. des Wirbelkanales und können von verschiedenen Theilen ausgehen. Bald sind Wirbelfissuren oder Krank­heiten an den Intervcrtebralscheiben (S. 518) Veranlassung zu diesen Störungen, häufiger noch Muskelleiden. Hier kann es sich um rheu­matische Erkrankungen (Erkältung) handeln, oder es haben mecha­nische Einflüsse die Störungen veranlasst. Bei Pferden ist letzteres am häufigsten der Fall, indem gewaltsame, passive oder active Deh­nungen der Muskulatur (z. B. schwere und ungewohnte Arbeit) einen ähnlichen Zustand veranlassen, wie er uns aus Erfahrungen an uns selbst bekannt ist. Werden die Thiere andauernd mit angestrengter Arbeit überbürdet, so stellt sich mit der Zeit eine dauernde Herabsetzung der Funktionsfähigkeit ein, indem die Hubhöhe eingeschränkt, die Hub­kraft abgeschwächt erscheint. Die mit diesen Zuständen verbundenen Erscheinungen hat man wohl auf Erkrankungen der Fascien zurück­geführt; nachgewiesen wurden solche bisher nicht. Da die Verände­rungen sich hier ähnlich gestalten werden, wie in den Sehnen, also nicht so leicht wieder verschwinden, so will es mir zweifelhaft er­scheinen, dass die Fascien eine hervorragende Bolle bei diesen Stö­rungen spielen.
Nur die Einschränkung in der freien Bewegung wird man zunächst auf diese Zustände beziehen können; überhaupt dürfen nur diejenigen Störungen hierher gerechnet werden, welche periodisch hervortreten, sei es, dass sie im Anfange der Bewegung oder nach stärkerer Anstrengung besonders deutlich werden, oder dass sie sich durch Abschvvächung der Bewegungsgrösse bezw. Kraftleistimg be-inerklich machen. Dagegen müssen alle mit ataktischen Bewegungen verbundenen Zustände der echten Kückemnarkslähnumg zugezählt werden.
Völlers besehreibt eine Krou/.lilhinung, die sich beim Gebären einer Stute plötzlich und /.war zugleich mit einer Einknickung der Wirbelsäule
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Krankheiten der Rückenwirbelsi'uüe und des Beckens.
zwischen dem 14. und 16, Rückenwirbel entwickelt hatte. Die anfangs erheblich gestörten Bewegungen (das Thier konnte stehen, aber nur schwer gehen, wobei sehwankende Bewegungen mit dem Kreuze gemacht wurden) liessen später allmälich nach, während die Deformität der Wirbelsäule fortbestand. Johow beobachtete ein 16 Jahre altes Pferd, welches seit einem halben Jahre an Schwäche in der Hinterhand litt, die sich nament­lich Morgens beim Aufstehen und bei den ersten Schritten deutlich zeigte. Eines Tages verfiel dasselbe plötzlich in complete Paraplegie. Die Section ergab, dass der Körper des ersten Lendenwirbels um ein Dritttheil stärker als die anderen war. Die Verdickung hatte zur Verengerung des Wirbel-kmales und Druck auf das Rückenmark geführt, welches um ein Drittel seiner Dicke geschwunden war.
Die Prognose gestaltet sich bei der conipleteu Paraplegie fast immer ungünstig; nur da, wo eine Commotio spluaUs als Ursache der­selben zu vermuthen ist, bleibt die Möglichkeit der Heilung nicht aus­geschlossen. Bei grösseren Thieren stellt sich die Prognose noch viel ungünstiger als bei kleinen, weil sie regelinilssig buhl an Decubital-gangriin zu Grunde gehen; Pferde noch schneller als Rinder.
Bei der incompleten Paraplegie hängt natürlich die Prognose vornehmlich von der Natur des Krankheitsprocesses ab, welche der Lähmung zu Grunde liegt. Plötzlich und erst vor kurzer Zeit, namentlich in Folge von Erkältung entstandene Lähmungen bieten mehr Aussicht auf Heilung als die chronisch verlaufenden, denen meist un­heilbare Krankbeitszustilndo zu Grunde liegen. Ungünstig gestalten sich ferner alle Lähmungen, die mit „Entartungsreactionquot; und hochgradiger Muskelatrophie verbunden sind. Hier wird nur ausnahms­weise Heilung beobachtet; zuweilen schreitet die Entvvickelung des Leidens allmälich weiter und führt schliesslich zur Arbeitsunfähigkeit, seltener zu vollständiger Lähmung, weil diese Thiere in der Regel früher beseitigt werden. Häufig bleibt der Zustand .Jahr und Tag auf derselben Stufe stehen und gestattet bei Pferden nur die Verwen­dung im langsamen Dienst.
Behandlung. Bei completer Paraplegie muss zunächst für ein passendes, weiches Lager gesorgt und der Körper öfter umgewendet werden, um Decubitus zu vermeiden. Leicht verdauliches Futter, Ent­leerung des Mastdarmes mit der Hand, bei Harnverhaltung auch der Blase mittelst Katheter; unter Umständen können Abführmittel an­gezeigt erscheinen. Im übrigen wird die Behandlung nach der Natur des Grundleidens einzuleiten sein; Ruhe bei mechanischen Läsionen und kalte Umschläge, wenn diese oberflächlich liegen. Wo rheuma­tische Einflüsse vermuthet werden, Priessnitz'sche Umscliläge oder
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Verletzungen des Schweifes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 525
Eindeokungen mit heissem Sand oder Kleie; dcineben Frottirungen (Massage) der Muskulatur und Einreibungen mit flttolitig erregenden Mitteln.
Bei incomplete!' Paraplegie muss ebenfalls die vermuthliche Ursache derselben die Therapie bestimmen. Wo mechanische Einflüsse mitgewirkt haben, Ruhe event, mit Anwendung eines Hilngegurtes; rheumatische Einflüsse sind wie oben angegeben zu behandeln. Wo entzündliche Processe des Kückenmarkes oder seiner Häute vermuthet werden, finden scharfe Ableitungsmittel (Senfteig, Canthariden u. s. w.) Anwendung. Um die Muskelatrophie zurückzuhalten, dient leichte Bewegung, sofern diese möglich ist, und Massage in der Form des kräftigen Klopfens (Topotement). Ich sah bei Pferden wiederholt von der subcutanen Injection von Veratrin günstigen Erfolg.
Bei Hunden kann auch der elektrische Strom in Anwendung kom­men; bei Pferden ist wenigstens der faradische Strom wegen der grossen Empfindlichkeit und Widersetzlichkeit dieser Thiere nicht anzuwenden.
8. Die Krankheiten des Schweifes.
Lit.: Prietsoh, Dresd. Ber, 1884. S. 105. Kaiser, Gurlt u.Herfcwig, 81, S. 486. Cumlander, das. 33. S. 829. Popow, Jahrb. 1884. S. 129. Schwarz-necker, (lurlt u. Hartwig. 30. S. 225. Peters, das. lü. S. 70. Dcigen-desch, Her. Rep. 43. S. 193. Friedberg er, Ad. Wooh, 1889. S. 198. Lehnhardt, Gurlt u. Hertwig. 9. S. 472. Rosenbaura, das. 27. S. 124. Gabbey, Th. Mitth. 1878. S. 93. Block, Perl. Th. Wooh, 1891. S. 215.
1. Verletzungen des Schweifes bezw. Schwanzes kommen, ab­gesehen von den operativen Eingriffen am häufigsten bei Hunden und Bindern vor. Bei ersteren durch Quetschungen, Treten, üeber-fahren. Gegenschlagen gegen die Wand des Käfiges oder andere Gegenstände. Mangelhafte Empfindung scheint hierbei eine Holle zu spielen; Parästhesien, d. h. abnorme subjective Empfindungen veran­lassen Hunde zuweilen, ihre Schwanzspitze zu benagen, so dass selbst die Wirbel blossgelegt werden; Prietsch beobachtete dasselbe vom Löwen.
Bei Kühen geben Stockschläge, heftige Verbiegungen des Schwan­zes beim Treiben häufig zu Quetschungen des Schwanzes Veran­lassung; ebenso das Klemmen desselben zwischen zwei Stöcken, was zu demselben Zwecke und oft in roher Weise ausgeführt wird. Früher fanden auch wohl Verletzungen der Schwanznibe zum Zwecke der Heilung verschiedener Krankheiten statt, wie solche auch heute noch
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Krankheiten der Rückenwirbelsäule und des Beckens.
beim Schweine vielfach zur Blutentloerung üblich sind. Beim Rinde giebt die Impfung der Lungenseuche nicht selten zu schweren entzünd­lichen Processen iiin Schwänze Anhiss, nainontlich wenn nicht reines Material verwendet wurde. Verunreinigung des Schwanzes mit Mist und heftiges Schlagen mit demselben führt bei diesen Thieren zu Verletzungen mit nachfolgenden entzündlichen Processen.
Werden derartige Verletzungen beim Rinde nicht rechtzeitig be­handelt , so gesellt sich unter dem Einflüsse von Verunreinigungen (Infection) leicht eine phlegmonöse Entzündung hinzu, oder es kommt zu ulcerativen Processen, die selbst bis auf die Wirbel übergreifen und zu chronischen Leiden führen, die ehemals als eine besondere Krankheit betrachtet und mit dem Namen „Sterz wurmquot; belegt wurden.
Bald handelte es sich hierbei um uleerative und cariöse Vor­gänge, bald um unter dem Einflüsse von Phlegmone entstandene Ne-krose, wobei Abschnitte des Schwanzes abfallen können. Da die äussere Haut sich hier unmittelbar auf die Schweifwirbel legt, so tritt, wenn eine starke Anschwellung zu Stande kommt, die Gefahr der Nekrose ein; genau so wie an anderen Organen, z. B. der Zunge; unter dem Drucke der stark gespannten Haut wird die Bluteirculation hoch­gradig gestört und schliesslich ganz unterbrochen. Dasselbe erfolgt nicht selten, wenn bei Impfungen mit den Instrumenten oder der Lymphe septische Substanzen unter die Haut gebracht werden. Dass der­artige Processe bei mangelhafter Pflege der Thiere leichter vorkom­men, liegt auf der Hand und erklärt zugleich, dass der „Sterzwurmquot; in einzelnen Ställen grössere Ausdehnung fand und früher als eine speeifische Krankheit angesehen wurde. In Finnland wurden zur Zeit sogar amtlicherseits Massregeln gegen das Leiden in Anwendung ge­bracht (C u m 1 an d e r).
Erscheinungen und Verlauf. Verletzungen sind hier leicht nachzuweisen: die Phlegmone äussert sich durch eine diffuse Anschwel­lung , welche sich bis auf den Rumpf ausbreiten und zu fieberhaften Erkrankungen und selbst tödtlichem Ausgange Anlass geben kann. In anderen Fällen führt die entzündliche Schwellung zum Absterben eines Schwanzstückes oder zur Nekrose der äusseren Haut, worauf leicht cariöse Veränderungen an den Schwanzwirbeln eintreten.
Durch fortgesetztes Schlagen zeigt sich bei Hunden die Schwanz­spitze oft wund, bald mit Schorfen bedeckt, bald eine secernirende Fläche bildend, welche von den Thieren beleckt oder auch wohl benagt und
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Krankheitdll ties Schweifes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;527
zerfressen wird, so dass die letzten Schwanzwirbel frei liegen. Man trifft den Zustand am häufigsten bei grossen, kurzhaarigen Thieren. Zu­weilen tritt bei entsprechender Behandlung Heilung ein, oft muss das Schwänzende amputirt werden. Aber auch damit erreicht man häufig keinen Stillstand des Processes, sondern die Thiere benagen den frei­gelassenen Stumpf weiter, so dass wohl empfohlen wurde, den Schweif dicht hinter den Ohren zu coupiren, d. ii. das Tlüer tödten zu lassen. Beim Löwen erzielte Prietsch nach zweimaliger Amputation Heilung, die auch bei Hunden beobachtet werden kann.
Behandlung. In präservativer Hinsicht muss Reinlichkeit, na­mentlich bei Impfungen Antisepsis empfohlen werden. Wo eine phleg-monöse Anschwellung eintritt, können Skarificatiou der Haut in der Längsrichtung des Schwanzes angezeigt erscheinen; daneben eine ent­sprechende (antiseptische) Behandlung eventuell unter Anlegung eines Verbandes, Block lässt Skariflcationen bis auf die Knochenhaut machen und Kochsalz oder Terpentin einreihen.
Bei Hunden empfiehlt sich, die Wunden mit .Jodoform, Collo-dium oder Theer zu bestreichen oder mit einem Verband zu bedecken und so die Thiere vom Lecken und Benagen abzuhalten. Gelingt dies nicht, so bleibt meist nur die Amputation übrig. Zuweilen zeigt sich auch Cauterisation des Stumpfes nützlich.
Hier möge noch kurz des sog. Rattenschweifes gedacht wer­den, der beim Pferde in allmälichem Ausfall der Schweifhaare besteht; welche Ernährungsstörungen dem Leiden zu Grunde liegen, ist bisher nicht bekannt, ebensowenig ein sicheres Mittel, den Ausfall der Haare zu verhüten und das Wiederanwachsen derselben zu fördern. Von Popow wurden neuerdings Skariflcationen der Haut des Schweifes empfohlen, eine Mittheilung, die jedoch weiterer Bestätigung bedarf.
2. Lähmung der Schweifmuskeln. Störungen der freien Beweglichkeit der Schweifrübe können durch Frakturen der Kreuz­wirbel sowie durch entzündliche Processe und Neubildungen veranlasst werden, doch kommen auch primäre Innervutionsstörungen der Schweif­muskeln und zwar am häufigsten bei Pferden und Hunden vor, und zwar sowohl in Verbindung mit Paraplegic als auch ohne diese. Ich sah das Leiden wiederholt bei Stuten; auch die aus der Literatur be­kannten Fälle betrafen vornehmlich Stuten (Schwarznecker, Deigen-desch, Friedberger, Peters); doch beobachteten Gabbey u. A. den Zustand auch bei Wallachen. Das Leiden beginnt meist langsam; der Schweif wird beim Gehen nicht in regelmilssiger Weise gehoben (ge-
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528nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Rückenwirbelsilulp und des Schweifes.
tragen)) sondern hüngt mehr oder weniger schlaft' zwischen den Hinter­schenkeln und baumelt heim Gehen hin und her (Hanimelschwanz). Derselbe wird von Harn und Koth heschmutzt, zumal sich nach einiger Zeit (Monaten) Lähmung der Blase und habituelle Mastdarm-Verstopfung hinzugosellt. Es entstellt Incontiuentia urinae, während zur Entleerung des sich allmälicli stark erweiternden Endstückes des Mastdarmes manuelle Hülfe erforderlich wird. Schliesslich gesellt sich hierzu Paraplegia incompleta mit Schwund in den Muskeln der Kruppe und der ilinterschenkel.
Die Prognose gestaltet sich ungünstig, da sich die Therapie dem allmälicli fortschreitenden Leiden gegenüber machtlos erweist. Sowohl erregende Mittel wie auch Strychnin und Elektricität blieben in den von mir heohachteten Fällen ohne jeden Nutzen. In Folge der allmälich schwindenden Arbeitskraft und der mit der Haltung der Thiere verbundeneo Unbequemlichkeiten entschliesst man sich in der Hegel zur Tödtung derselben, In dem von Deigendesch heoh­achteten Falle soll die Stute an Blasenzerreissung zu Grunde ge­gangen sein.
8. 'rumoren treten bei Pferden, Bindern und Hunden am Schweife auf. Bei Pferden sah ich wiederholt Carcinome und Sar­kome, namentlich bei Schimmeln als sog. Melanome. Von Lehn-hardt und Bosenbaum wurden heim Binde gcfässreiche Neuhil-dungen, sog. Blutsohwämme am Schwänze beobachtet. Bald gehen dieselben von der äusseren Haut, bald von den Schwanzwirhein aus und führen in der Regel zu Ulcerationen oder setzen sich auf das perianale Bindegewehe fort und veranlassen Verstopfung (S. 398).
Die Diagnose bietet keine Schwierigkeit, um so mehr aber die Therapie. Oberflächlich, d. h. in der äusseren Haut sitzende Tu­moren lassen sich auf operativem Wege leicht entfernen. Gehen sie von den Wirbeln aus, so bleibt nur die Amputation des Schweifes ührig. Diese kann an den äusseren Abschnitten nach den allgemeinen Regeln des sog. Ooupirens erfolgen. Liegt der Tumor au der Seh weif wurzel, so muss eine regelrechte Amputation eintreten. An dem niedergelegten Thiere wird nach erfolgter Reinigung des Operations­feldes zunächst die äussere Haut mit einem Kroisschnitt gespalten und soweit fortgenommen, als sie mit dem Tumor verwachsen ist. So­dann mache man an der unteren Fläche des Schweifes einen gegen den After gerichteten Längsschnitt von 3—B cm Länge und präparire in derselben Ausdehnunff die äussere Haut von ihrer TJnterlaffe ab, Nun
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Nekrose der Rückenfascie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 529
wird die Schweifrübe entweder in einer Zwischenwirbelscheibe durch­schnitten oder ein Wirbel durchsägt. Nach Unterbindung der blu­tenden Gef'ässe spült man die Wundflächc mit Sublimatwassor, näht die Haut über dem Stumpf zusammen und legt einen Occlusivver-band an. Auf diese Weise habe ich wiederholt die Schweifrilbo bei Pferden amputirt und in 8—14 Tagen entweder auf aseptischem Wege oder mit geringer Eiterung Heilung gesehen. Die Methode verdient auch bei Hunden angewendet zu werden, namentlich wenn auf die Behaarung des Stumpfes Werth gelegt wird.
8. Nekrose der llückeuftisde.
Lit.: Schmidt, Tb, Mitth. 1S77. S. 116.
Die Rückenbinde oder llückenlendonfascie (Fascia lumbo-dorsa-lis) liegt unmittelbar unter dem Hautmuskel und umgiebt die Eückenstrecker scheidenartig. Ihr oberflächliches Blatt geht vom ilusseren Darmbein­winkel aus, heftet sich an die Dornfortsätze der Lenden- und Rückenwirbel und das Nackenband, geht abwärts in die Sehnenhaut des Uauchhautmuskels, vorn in die Nackenbinde (Franck) und Schulterarmbeinbinde über. Ihr tiefes Blatt bleibt auf die Lendengegend beschränkt, verbindet die Querfortsätze der Lendenwirbel mit einander und dem äusseren Darmbein­winkel (Darmbein-Lendenband, Günther). Die Büokenbinde dient verschiedenen Muskeln als Ansatz (breiter Kückenmuskel, vorderen gezahnten u. s. w.) und vermittelt die Association der Hüekenstrecker mit den Muskeln der Hinterschenkol.
Eiterungsprocesse unter der äusseren Haut des Kückens führen zu­weilen zu Nekrose der Büokenbinde; äussere Verletzungen und phloginonüse Processe können dazu Veranlassung geben. Bei der erheblichen Stärke dieser Fascie nimmt die Dissection des nekrotisirten Stückes längere Zeit in Anspruch, während dem neue Abschnitte durch die fortschreitende Eiterung absterben.
Es entsteht eine, bald langsamer, bald schneller um sich greifende Zer­störung der Büokenbinde. Ich hatte bei Pferden wiederholt Gelegenheit, diesen Vorgang zu beobachten, der wochenlang anhielt und der Behandlung erhebliche Schwierigkeiten bot. Diese wurde erst erreicht, als ich mich entschloss, das krankhaft veränderte Stück der Büokenbinde mit dem Messer abzutragen und durch permanente Irrigation mit Desiiiiicientien dem Eite­rungsprocesse eine Grenze zu setzen. Schmidt beobachtete bei einem Fohlen jauchige Zerstörung der Fascie, welche' sich vom Widerrist bis zum Becken erstreckte. Aus Einschnitten entleerten sich nekrotischo Massen und übel­riechender Eiter. Trotzdem der eingeführte Finger die Kippen blossgelegt fand, erfolgte dennoch auf Anwendung von Carbolwasser in (1 Wochen Heilung. Doch nicht immer verlaufen derartige Processe so günstig (vergl, S. 258).
Möller, Speclelle Oblruvgle Wir Thtsvärzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;-'4
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Die Krankheiten der Vorderffliedmassen.
A. Krankheiten der Schultergegend.
1, Frakturen des Schulterblattes.
Lit.! Trasbot, Jahresbericht 1888. S. 139. Straub, Gnrlt u, Hertwig. Bd. X. S. 444. Binz, Knodienbmche der Hausthiore. 1824. Strauss, Vet. Chirurgie. 1845.
Bei der geschützten Lage und geringen Beweglichkeit des Schulter-liliittes sind Brüche desselben bei Hausthieren im allgemeinen selten, doch beobachtet man solche in Folge Einwirkung stumpfer Körper (Gegenfahren, Hufschlag, Pusstritt), sowie durch Gegenrennen und Niederstürzen, besonders mit untergeschlagenen oder gespreizten Beinen. Trasbot sah eine Schulterblattfraktur beim Pferde durch Sträuben in den Fesseln; Rinder ziehen sich solche durch ungeschicktes Nieder­stürzen auf die Vorderfusswurzel zu. Heftiges Pariren auf der Vor­hand veranlasst bei Pferden zuweilen Bruch des Schulterblattes und /.war meist am Collum.
Bald frakturirt der vordere oder hintere Schulterblattwinkel, bald die Gräte oder der Körper, nicht selten der Hals oder die Gelenk­pfanne. Die Mehrzahl dieser Brüche bleiben subcutan, selten findet eine Perforation der äusseren Haut statt (complicirter Bruch). Zu­weilen beschränkt sich die Trennung auf eine Fissur, doch kommen auch Splitterbrüche vor. Mir begegnete ein Comminutivbruch beim Pferde, welches im Winter in einer Sandgrube gearbeitet hatte; das Schulterblatt war durch Herabfallen gefrorener Erde in mehr als 80 Stücke zersplittert.
Diagnose. Bei gut genährten Thieren, namentlich Pferden und wo bereits stärkere Anschwellung eingetreten ist, kann die Diagnose
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Brüche des Schulterblattes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 53 J
auf Schwierigkeiten stossen. Dislocation der Bruchfragmente ist oft gering, und Crepitation kann ganz fehlen. Daher gilt der Grundsatz: Jede erhebliche, plötzlich entstandene Lahmheit, welche sowohl bei der Bewegung wie auch Belastung des Fusses hervortritt, erregt den Verdacht auf Fraktur des Schulterblattes, sobald eine andere Ursache für dieselbe nicht aufzufinden ist.
Nur beim Bruch der Gräte wird der Fuss zuweilen regelmässig belastet, während die Bewegung in hohem Grade schmerzhaft ist (Hangbeinlahmheit). Bei diesem, sowie bei Brüchen am vorderen und hinteren Winkel des Schulterblattes lässt sich die Verschiebbarkeit der Fragmente auch wohl direct nachweisen. Frakturen am Collum sca­pulae sind mit abnormer Beweglichkeit des Fusses, namentlich für Ab- und Adduction verbunden. Am schwierigsten gestaltet sich die Diagnose der Frakturen am Körper. Crepitation bei intactem Armbein deutet auf solche hin.
Verlauf und Prognose. Schulterblattbrüche zeigen sich um so bedenklicher, je näher sie sich dem unteren Ende des Knochens befinden. Dieser schon von Binz aufgestellte Satz ist beachtenswerth und erklärt sich aus dem Umstände, dass bei Frakturen an den oberen Abschnitten des Schulterblattes die Fragmente nicht so leicht verschoben werden und die Schmerzen geringer bleiben.
Am ungünstigsten gestaltet sich die Prognose bei Frakturen durch die Gelenkpfanne, namentlich bei Arbeitsthieren und besonders bei Pferden. Brüche am Collum scapulae schliessen die Wiederher­stellung der Arbeitsfähigkeit der Thiere nicht immer aus, nament­lich dann nicht, wenn die Deviation der Fragmente keine erliebliche ist. Nicht selten kehrt die volle Brauchbarkeit zurück; häutiger wird dies bei Brüchen am Körper und regelmässig bei solchen an der Gräte und den oberen Abschnitten der Scapula beobachtet, sobald dieselben subcutan bleiben. Complicirte Schuiterblattfrakturen erweisen sich stets bedenklich, zumal unter den hier gelegenen Fascien leicht Eiterver-senkungen vorkommen. Je geringer die Schmerzen (Lahmheit), desto mehr Aussicht auf Heilung. Sobald diese erheblich sind, lasse man minderwerthige Pferde und Rinder, die nicht einen besonderen Zucht-werth besitzen, schlachten, denn während der Heilung gehen die Thiere in ihrem Nährzustande erheblich zurück. Zwingen heftige Schmerzen das Pferd, fortdauernd den anderen Fuss zu belasten, so tritt noch die Gefahr der Senkung des Hufbeines hinzu, iiamentlich wenn das Thier sich gar nicht oder wenig niederlegt. Verstärkte
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532nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Vordergliedmasaen.
Pulsation der Schienbeinarterie und Versuche, den Fuss zu entlasten, deuten auf die (Complication hin, die mit erheblichen Schmerzen ver­bunden, das Thier oft zwingt andauernd zu liegen. Meist tritt als­dann Decubitus und Tod ein, wenn die Thiere nicht früher geschlachtet werden.
Bei kleineren Thieren, namentlich Fleischfressern, heilen sub-cutane Schulterblattbrüche regelmässig in 4—6 Wochen; zuweilen bleibt jedoch auch hier Lahmheit zurück.
Behandlung. Besteht eine Verschiebung der Bruchstücke, so muss zunächst die Beduction so weit möglich bewirkt werden. Sie erfolgt am besten am liegenden Thiere in der Narkose, stösst iudess bei grösseren Thieren häufig auf Schwierigkeiten; wo sie gelingt, erweist sich die Retention oft unmöglich. Die hierzu empfohlenen Verbände lassen sich meist nur bei kleinen Thieren mit Nutzen ver­wenden. Bei Pferden erfüllen weder die von Binz empfohlenen Kissen noch auch das Schenkelmieder von Strauss diesen Zweck; auch halten die von G o d i n e und D e 1 w a r t mit Hülfe von Harz und Pech angelegten Verbände wenig Nutzen. Wenn die Thiere nicht durch Schmerzen gezwungen werden, den kranken Fuss ruhig zu halten, und wo erhebliche Lahmheit besteht, ist in der Regel das baldige Schlachten zweifelhaften Heilversuchen vorzuziehen. Man gebe den Thieren, die sich hinlegen, eine möglichst weiche Streu; legen sie sich nicht, so bringe man sie in einen Hängegurt und sorge dafür, dass sie sich möglichst ruhig verhalten. Sollen bei complicirfcen Brüchen Heilversuche angestellt werden, so suche man vor allem einen aseptischen Wundverlauf zu erreichen, wozu allerdings ein Ver­band unentbehrlich ist.
Bei kleinen Thieren lassen sich passende Verbände leichter an­wenden, wobei indess der Brustkorb und der untere Abschnitt des Halses mit eingelegt werden muss, wenn ein fester Sitz desselben er­reicht werden soll.
2. Fraktnreu des Armbelneslaquo;
Lit.: Peeoh, Hör. Rep. 25. S. 43. Rossignol, Kec. de mid. vet. IHbb. Mere­dith, The vet. journal, Vol. 27. S. 19. I)rosse, Th. Mitth. 1854, S. 76.
Auch Armbeinbrüche sind bei Thieren selten und kommen noch am häufigsten bei Hunden vor, indem der eine oder andere Condylus am unteren Ende des llumerus abbricht. Peech und Rossignol
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Brüche des Annbeines.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 533
beobachteten auch bei Pferden doppelseitige Armbeinbrüche. Nach dem Sitz der Fraktur gestalten sich Erscheinungen und Prognose verschieden. Drosse stellte beim Pferde eine Fraktur der äusseren oberen Erhabenheit des Armbeines fest und entfernte das Knochenstück, worauf in 14 Tagen Heilung eintrat. ֗7 Wochen später stolperte das Pferd und brach dabei das Armbein in der Längsrichtung.
Frakturen der Armbeindiaphyse werden am häufigsten beim Kinde und Hunde durch ilussere Gewalten, Hufschläge, Gegenfahren, Fusstritte, sowie durch unglückliches Niederstürzen veranlasst. Bei Pferden sah man solche auch während plötzlicher Wendung heim Reiten auftreten (Ernes).
An den unteren Gelenkfortsätzen geben Fehltritte die Ursache zu Frakturen ab, namentlich beim Hunde; aber auch bei Pferden sah ich solche. Bald wird der Beuge-, bald der Streckknorren abgesprengt, indem der belastete Fuss eine energische Rotationsbewegung macht oder der entlastete Fuss zu einer excessiven Abduction oder Adduction gezwungen wird. Hunde erleiden solchen Bruch am häufigsten beim ungeschickten Herabspringen von einem Stuhl oder Tisch. Von den 20 Armbeinbrüchen, welche Stockfleth beim Hunde behandelte, fielen 7 auf die Diaphyse und 19 auf die Gelenkknorren.
Die Erkennung- eines Diaphysenbruches bietet in der Regel keine Schwierigkeiten; hochgradige Schmerzen (Stütz- und Hangbein­lahmheit), Anschwellung und Crepitation bei festgestelltem Schulter­blatt und intactem Zustande der übrigen Schenkelknochen lassen keinen Zweifel darüber bestehen. Weniger leicht gelingt der Nachweis eines Condylenbruches. Zuweilen zeigt sich der abgebrochene Gelenkfortsatz beweglich, seltener ist Crepitation nachzuweisen; am häufigsten gelingt der Nachweis beim Hund. Beim Pferde besteht neben Unvermögen den Fuss zu belasten eine hochgradige Hangbeinlahniheit mit Seitwilrts-stellung des Schenkels vom Ellbogengelenk abwärts und zwar mit Ad-ductionsstellung bei Frakturen am Streckknorren, mit Abductionsstellung bei solchen am Beugeknorren; bei ersterer verharren die Zehengelenke in excessiver Volarfiexion, so dass die Aussenfläche der Zehenwand zuweilen den Fussboden berührt. Dies erklärt sich, wenn man bedenkt, dass die Streckmuskeln ihren oberen Insertionspunkt gleichsam verloren haben, also aussei- Spannung gesetzt werden. Im weitereu Verlaufe des Heilungsprocesses verschwinden diese abnormen Stellungen oft plötz­lich, und wenn der Fuss wieder belastet wird, so zeigt sich bei Frak­turen am Beugeknorren abnorme Dorsalflexion der Vorderfusswurzel
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534nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Vordorgliedmassen.
(rtlokbiegige Stellung), welche besonders im Moment der Belastung bei Trabbewegung hervortritt. Verbunden mit abnormer Flexion des Ellbogengelenkes erklärt sich diese Erscheinung aus der Entspannung der Beuger der Vorderfusswurzel, welche mit der Lostrenmmg ihres oberen Insertionspunktes nothwendig verbunden ist. Bei Frakturen des inneren Condylus gilt dies zugleich für die Zehenbeuger. Diese Erscheinung kommt ausserdem nur noch bei Zerreissung in den Beugern, sowie bei Frakturen am Erbsenbein vor und hat daher diagnostisch eine besondere Bedeutung; bei den kleinen Thieren fehlt sie.
Verlauf. Wenn auch mit Hinterlassung einer gewissen Be­schränkung der Beweglichkeit im Ellbogengelenk heilen Brüche der Condylen bei Fleischfressern regelmässig in G—8 Wochen. Stock-fleth sowie auch ich sahen bei Hunden diesen Bruch gleichzeitig auf beiden Füssen auftreten und heilen. Ein von mir beobachteter Fall betraf einen Jagdhund, der später wieder benutzt werden konnte. Beim Pferde dauerte die Heilung in dem von mir beobachteten Falle 2—3 Monate, doch wurde vollständige Wiederherstellung der Brauch­barkeit erzielt. Williams scheint weniger günstige Erfahrungen gemacht zu haben, denn er fand, dass in der Kegel eine Wieder­vereinigung des getrennten Condylus nicht eintrat und dauernde Lahm­heit zurückblieb.
Bei Brüchen der Diaphyse gestaltet sich die Aussicht auf Hei­lung bei allen Thierarten weniger günstig, namentlich beim Arbeits­pferde; in der Hegel lohnt sich ein Heilversuch überhaupt nicht. Bei werthvollen Zuchtpferden, namentlich solchen mit ruhigem Tempera­ment, sowie bei kleinen Thieren gelingt die Heilung, sofern die Devia­tion nicht sehr erheblich ist, und der andere Fuss die andauernde Belastung aushält. Unter diesen Umständen sind mehrfach Heilungen beobachtet worden. Warnecke sah einen Armbeinbruch beim Hengste, Meredith sogar einen complicirten Längsbruch des Armbeines beim Pferde in 10 Wochen heilen; es wurden mehrfach Knochensplitter entfernt und ein antiseptischer Verband angelegt. Auch Lafosse, Aubry und Peuch berichten über ähnliche Beobachtungen. Günstiger gestaltet sich die Prognose bei kleinen Thieren, namentlich wenn keine erhebliche Verschiebung der Knochenstücke vorliegt. Hier lässt sich nicht nur die Reposition leichter bewirken, sondern die Lage des Armbeines gestattet bei den Fleischfressern auch die Anlegung eines Verbandes, namentlich wenn der Bruch in der Nähe des unteren Endes besteht.
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I
Krankheiten des Schultergelenkes.
Behandlung, Beim Pferde und Rinde lässt sich ein zweck-mässiger Verband nicht in Anwendung bringen, daher mus bei diesen Thieren die Heilung der Natur überlassen bleiben. Auch die in Frankreich mehrfach empfohlenen Verbände tragen zur Retention der Bruchfragmente nur wenig bei. Dagegen lässt sich das untere Ende des Humerus bei Fleischfressern durch Binden fixiren, welche zugleich um den Rumpf gelegt werden. Bei diesen Thieren gelingt es auch, den gebrochenen Condylus mit Hülfe von Binden zu fixiren. Man lege einen Gypsverband von der Vorderfusswurzel ab soweit nach oben als möglich, sorge dafür, dass sich das Ellbogengelenk hierbei in massiger Bcugestellung befindet, damit die Einschränkung seiner Be­wegung weniger nachtheilig wirkt. Auch achte man darauf, dass der Unterfuss nicht bei einer abnormen Supinations- oder Pronations­stellung eingegypst wird. Nach 3—4 Wochen fangen die Tiiiere an den Fuss wieder zu belasten, worauf der Verband entfernt werden kann. Meist zeigt sich zunächst eine Beschränkung in der Bewegungs­freiheit des Ellbogengelonkes, welche durch passive Bewegungen all-mälich beseitigt oder doch erheblich vermindert werden kann.
Grrössere Thiere, besonders Pferde, bringe man in einen Hänge-gurt. Sobald indess an dem andauernd belasteten Fusse Pulsation der Schienbeinarterie auftritt, muss dem Thiere Gelegenheit sich hin­zulegen, gegeben werden; man sorge für ein möglichst weiches Lager und einen geräumigen Stall (Boxe); legt sich das Thier nicht, so bleibt kaum noch Hoffnung auf Heilung (vcrgl. S. 041).
3. Krniiklieitszuständc des Schultergeleukes.
Lit.: Smith, The vet. journal. Mai 1887. Lodezzano, Giornale dl vet. 1855. Delorme, Rec. de med. vöt. 1855. Romant, Oesterr. Vierteljahssohr. Dd. XVII. Williams, The Prino. and Praot. of vet. surg. S. 230.
Anatomie. Das Schulter- oder Huggelenk, ein bei allen Haustbieren freies Gelenk, besitzt nur ein schlaffes Kapselband. Seitliche Verstärkung der Kapsel durch feste Hindegewebsfasern, sowie die von beiden Seiten an­gelagerten Muskeln beschränken die Bewegungen in dem Gelenke und ge­statten neben ausgiebiger Beugung und Streckung nur schwache Abduction, Adduction und Rotation. Die Beugung wird im Schultergelenk vornehm­lich durch den Biceps, die Streckung durch die Ellbogenstrecker, Abduction durch den Unterschultermuskel, Adduction durch die Griltenmuskel gehemmt, so dass das Schultergolonk bei den Haustbieren bei weitem nicht die freie Beweglichkeit besitzt, wie beim Menschen. Die ovale, flache Gelonkgrube der Scapula ist erheblich kleiner als der Gelenkkopf des Armboines. Beim Schwein und den Fleischfressern wird dieselbe durch Knorpelscheiben (La-
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Krankheiten tier Vorderglieclnmssen.
brnni glenoideum scapulae kom.) vergrossert. Bei diesen Thieren steht auch das Sehultergelenk mit der Bursa intertubei'cularis in Verbindung.
a) Luxation des Schultergelenkes. Unvollständige Luxa-tionen der Schulter kommen hei Thieren sehr selten vor, weil der Ge­lenkkopf' auf dem scharfen Rande der Gelenkgruben der Scapula nicht leicht stehen bleibt. Auch vollständige Verrenkungen werden viel seltener, als beim Menschen beobachtet, kommen aber sowohl beim Pferde, wie auch bei Wiederkäuern und Hunden vor; sie gehören zu den Seltenheiten; bei den Fleischfressern und dem Schwein sichert das Labrum glenoideum die Lage des Caput humeri.
Der Luxationsmechanismus besteht meist in excessiver Beugung des Gelenkes, daher erfolgt die Verrenkung des Armbeines regelmässig nach vorne und oben, so dass sich der Golenkkopf desselben vor und über die Gelenkpfanne der Scapula stellt. Da der M. biceps brachii dieser Bewegung entgegenwirkt, so kann die Verrenkung nur zu Stande kommen, wenn der genannte Muskel erschlafft ist, also nur bei gleich­zeitiger Beugung im Ellbogengelenk. Die Luxation des Schulter­gelenkes erfolgt daher am häufigsten beim Niederstürzen mit unter­geschlagenen Beinen. Auch plötzliche Unterbrechung der Bewegung in den unteren Abschnitten des Fusses kann eine Luxation der Schulter bewirken. Bei Pferden sahen H e r t w i g und Smith auf diese Weise mehrfach Verrenkungen entstehen, indem die Thiere wäh­rend des Sprunges mit dem Hufe gegen ein Hinderniss anstiessen. Auch können excessive Ahductionsbewegungen den Gelenkkopf des Armbeines medianwärts aus der Gelenkpfanne der Scapula gleiten hissen.
Erscheinungen. Plötzlich eintretende, hochgradige Hangbein-hihmheit mit auffälliger Einschränkung auch der passiven Bewegungen im Sehultergelenk kennzeichnet das Leiden. Während Beugung und mehr noch Streckung im Sehultergelenk fast ausgeschlossen erscheint, besteht zuweilen abnorme Freiheit für Abduction und Adduction; dabei erscheint der Fuss oft verkürzt. So lange keine erhebliche Schwellung besteht, lässt sich die Dislocation des Gelenkkopfes wohl direct durch Palpation erkennen. Beim Druck auf diese Stelle äussern die Thiere Schmerz. Nicht selten bestehen Complicationen mit Frak­turen am Schulterblatt oder Armbein.
Prognose und Verlauf. Nach einer Reihe von Beobachtungen kann eine vollständige Luxation in 2—3 Wochen heilen, wenn die
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Krankheiten des Scluütergelenkes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 537
Reposition rechtzeitig erfolgt. Smith konnte nach der in Chloroform­narkose erfolgten Reduction das Pferd führen lassen, ohne dass das­selbe im Schritt erhebliche Lahmheit zeigte; 8 Tage später ging die Stute kaum noch lahm. In anderen Fällen blieb chronische Lahm­heit zurück. Bei Arbeitsthieren wartet man nach der Reduction etwa 8—14 Tage ab, und wenn in dieser Zeit keine erhebliche Besse­rung eingetreten ist, so empfiehlt sich in der Regel die Schlachtung des Thieres.
Da bei kleinen Thieren die Reposition leichter ist, so gestaltet sich hier die Prognose günstiger,
Behandlung. Bei grossen Thieren, die sich ruhig verhalten, versuche man die Reposition zunächst im Stehen. Nach Siedam-grotzky hält hierbei ein Mann den Kopf des Thieres, ein anderer zieht den Schenkel vorwärts, ein dritter drückt auf das Carpalgelenk, um den Fuss zu strecken, während der Operateur den Kopf des Ann­beines mit kräftigem Druck in die Gelenkhöhle zurückzubringen sucht. Gelingt dies nicht, so lasse man das Thier vorsichtig niederlegen und wiederhole den Versuch. Hierbei wird ein Strick um den Schenkel gelegt, an dem die Extension durch 2—ii kräftige Männer erfolgt; die Contraextension geschieht durch einen Gurt, der um den Rumpf des Thieres geschlungen ist. Der am Gelenk stehende Operateur leitet die Richtung der Extension und sucht den Gelenkkopf zu reponiren. Die erfolgte Reduction giebt sich durch einen lauten Ruck sowie durch freie Beweglichkeit des Schenkels zu erkennen. Sollte die Re­duction auf diese Weise nicht gelingen, so würde man sie bei stark flektirtem Ellbogengelenk versuchen und hiervon namentlich dann Er­folg erwarten können, wenn der Gelenkkopf des Armbeines vor der Ge­lenkpfanne des Schulterblattes liegt. Die Retention erfolgt durch die Schultermuskeln, so dass ein Verband in der Regel nicht erforderlich ist. Lodezzano liess einer Kuh ZU diesem Zwecke die Haare ab­scheren und die Haut der Schulter mit einem Gemisch von Pech, Harz und Wachs bestreichen und darüber ein festes Stück Zeug legen. Nach Erstarrung der Masse wurden neue Lagen darüber gelegt. Bei stärkerer entzündlicher Reaction wird in der bekannten Weise gekühlt. Absolute Ruhe ist unbedingt so lange erforderlich, als noch erhebliche Lahmheit besteht. Um Recidive, welche leicht beim Aufstehen des Thieres eintreten, zu verhindern, bringe man Pferde 8 Tage hindurch in einen Hilngegurt, Auch kann eine scharfe Einreibung die freien Bewegungen in der Schulter etwas einscliränlscn und so die Ge-
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538nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Vordergliedmassen.
fahr eines Recidivs vermindorn. Von Bourgolat wurde eine eiserne Schiene nach Art eines Kummets angewendet, um die Retention zu bewirken. Der Apparat ist in der Kegel unnöthig, wenn man das Niederlegen verhindern kann.
b) Contusion und Distorsion des Schultergelenkes. Auch diese Leiden sind im ganzen selten. In Ernmngclung eines straffen Bandapparates können Distorsionen hier nicht leicht eintreten, wäh­rend die Schultermuskulatur, namentlich der Biceps das Gelenk vor Contusionen schützt. So lange also der Schenkel in normaler Stellung zum Etiunpfe vorharrt, bleiben auch heftige Beugungen beim Einfallen der Körperlast unschädlich; die namentlich an der Peripherie des Ge­lenkkopfes starken Knorpellagen wirken hierbei offenbar günstig. Da­gegen kann sowohl excessive Abduction als auch Adduction und Ro­tation, wie solche beim Ausgleiten, Niederstürzen sowie durch gewalt­same Befreiung des am Boden fixirten Fusses vorkommen, eine Dis­torsion des Gelenkes zur Folge haben. Die Mehrzahl der unter dieser Bezeichnung beschriebenen Leiden stellte jedoch Erkrankungen im Biceps und der Bursa intertubercularis dar (S. 540).
Erscheinungen. Die entzündliche Erkrankung des Schultfirge-lenkes giebt sich durch plötzlich entstandene Dangbeinlahmheit mit Abductionsstellung und Vermeidung der Belastung des Fusses bezw. Abkürzung der Belastung zu erkennen. Der Schritt ist nach vorn verkürzt, die Bewegung des Fusses verlangsamt; das llüclcwärtstreten erfolgt schleppend, so dass der Huf über den Boden geschleift wird. An der Schulter finden sich entzündliche Schwellungen, vermehrte Wärme, Schmerz. Oft bleibt die Diagnose unsicher und fällt das Leiden dann unter den Bogriff: Buglahmhoit (S. 554).
Prognose und Verlauf. Der Grad und die Ausdehnung der mit der Distorsion verbundenen Verletzungen sind sehr verschieden, und doch hängt die Heilung von dem Ausgleich derselben ab. Die Prognose wird sich daher in erster Linie nach dem Grade der Lahm­heit und dem Umfange der localen Krankhoitsorsclieinungon, sowie nach dem Alter des Leidens richten müssen. Sind die Schmerzen ge­ring, so kann in 3—4 Wochen vollständige Heilung eintreten. All-mäliche Abnahme derselben in dieser Zeit lässt auf diese rechnen. Chronische Arthritis bildet selten die Ursache andauernder, unheilbarer Bewegungsstörungen. Je hochgradiger die Lahmheit, und je länger sie besteht, desto ungünstiger die Prognose. Starker Muskelschwund
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Krankheiten des Schultergelenkes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 539
an der Schulter spricht für beides und erscheint daher äusserst be­denklich.
Behandlung. Das Leiden verlangt zunächst vollständige Ruhe für das Thier. So lange die entzündlichen Erscheinungen fortbestehen, lasse man in Form von Irrigation und Umschlägen Killte anwenden. Später werden scharfe Ableitungen, Scharfsalben und Haarseile nützlich.
c) Verwundung und Entzündungen des Schultergelenkes (Omarthritis). Gelenkwunden werden an der Schulter nur selten beobachtet, weil die Lage des Gelenkes geschützt ist; doch hat man solche beobachtet. Rom a at berichtet über eine Risswunde am Schultergelenke beim Maulthier, welche unter Anwendung von Subli­mat ohne Hinterlassung einer Lahmheit heilte. Im allgemeinen aber verlangen Verletzungen des Schultergelenkes eine vorsichtige Beurthei-lung und Behandlung.
Spontane Entzündungen des Schultergelenkes kommen beim Rinde und Hunde als rheumatische Arthritis, bei Fohlen, Kälbern und Lämmern als Complication der sog. Lähme vor. Das Schultergelenk wird jedoch von diesen Leiden nicht bevorzugt, wie Dieterichs meint; viel häufiger erkrankt hierbei das Knie- und Sprunggelenk.
Die im Verlaufe der Septicämie auftretende Omarthritis kann hier nicht berücksichtigt werden. Selten erfolgen Einbrüche eiteriger Processe in der Nähe der Schulter (Bugdrüsen) in das Gelenk.
Chronische Omarthritis bildet die Folge von Distorsionen und Luxationcn, kann auch rheumatischen Ursprungs sein. Williams giebt von Pferden 2 Abbildungen, welche den Hand des Gelenkes mit Exostosen besetzt darstellen, die Synovialmembran war verdickt und zum Theil verknöchert. In dem einen Fall war Synostosenbildung eingetreten.
Beurtheilung. Bei den grossen Verschiedenheiten in den patho­logischen Veränderungen, welche hier auftreten, lassen sich weder für die Prognose, noch für die Behandlung bestimmte Grundsätze auf­stellen. Eine sorgfältige Untersuchung und die Berücksichtigung des Grades der Lahmheit sowie der Zeit des Bestehens des Leidens muss hierbei in erster Linie leitend sein. Hochgradiger Muskelschwund mit Fortbestehen der Lahmheit bilden bedenkliche Zeichen.
Die Erscheinungen gestalten sich ebenso verschieden. Man ver­gleiche hierüber ,Scliulterlahmheit*.
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540nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten dor Vordergliedmassen.
4. EntzUndimg laquo;lev Burssi des langen Vorarmbengers (Bursitis
intertnbercnlaris).
Lit.: Williams, The princ. and pract. of vet. surg. 1880. p, 250. Villate, Rec. de med. vet. 1855. Dietorichs, Gurlt u. Hertwig. 14. S. 16, Brau eil, das. 11. S. 40. K. Günther, Myologie. Djeterichs, Vet. Chirurgie. 1822. Becker, Gurlt u. Hertwig. 4. S. 274. Dominik, Th. Mitth. 1850. S. 90.
Anatomie. Auf den überknorpelten Ilollfortsät/.en des Armbeines gleitet der sehnige Bleeps brachii, eine geräumige Bursa (Bursa intertuber-eularis) bildend, bei der Beugung und Streckung des Schultergelenkes auf und nieder. An der lateralen Seite bedecken die unteren Insertionsschenkel des vorderen Grätenmuskels die Bursa, welche hinten durch ein Fettpolster von der Kapsel des Schultergelenkes getrennt ist (Eichbaum). Beim Schwein und den Fleischfressern steht die Bursa mit dem Schultergelenk in Ver­bindung (Pranck).
Die geräumige Bursa intertubercularis bildet beim Pferde zu­weilen Sitz acuter wie chronisclier Entzündungen, an welchen der lange Vorarmbeuger meist Theil nimmt. Die acute Bursitis intertuber­cularis entstellt fast nur durch heftige Quetschungen, wie sie durch Gegenrennen oder Fahren herbeigeführt werden, wenn solche den belasteten Schenkel treffen, also ihre ganze Wirkung auf den Biceps geltend machen (S. 544). Durchgehende Pferde ziehen sich das Leiden daher nicht selten zu.
Eine chronische Bursitis, welche auch wohl an beiden Füssen zugleich auftritt, ist meist die Folge andauernder, schneller Gänge hei Zugpferden (Pferdebahn, Omnibus). Williams will das Leiden am häufigsten hei Ackerpferden, die andauernd im Pfluge arbeiten, be­obachtet haben und zwar an dem in der Furche auftretenden Fusse.
Bei der acuten Bursitis stellen sich dieselben Veränderungen ein, wie sie hei acuter Tendovaginitis an anderen Stellen auftreten, näm­lich seröse und fibrinöse Exsudate. Dieterichs stellte bei einein frisch erkrankten Pferde die Erscheinungen einer acuten Entzündung, Hy­perämie und Exsudation fest. Ein Fall von Carionekrose an der Bursa wurde von mir beim Pferde beobachtet.
Die chronische Bursitis führt zur Enorpelusur, Exostosenbildung am Humerus und Verknöcherungen im Biceps. Williams fand den Muskeifast ganz verknöchert; Dietericlis ebenfalls, gleichzeitig aber Verwachsung desselben mit dem Armbein. Die Gleitfläche des Muskels erscheint nicht selten durch Reibunff auf der rauhen Unterlage zer-
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Bursitis intertubercuhiris.
341
fasert. Villate traf ebenfalls Verknöcherung des Muskels mit Usur seiner Gleitfläche an.
Erscheinungen. Die acute Bursitis intertubercularis zeigt sich durch eine auffällige Hangbeinlahmheit. Beim Versuche zu gehen, wird der Fuss nicht vorgeführt, sondern bleibt hinter dem der anderen
Filaquo;. 90.
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liur.sitis Intertuberoulorls.
Seite zurück; es niacht den Eindruck, als ob der Fuss nicht voin Boden gehoben werden könnte. Zwingt man das Pferd vorwärts zu gehen, so wird der lahme Fuss überhaupt nicht belastet {Fig. 00).
Das Zurücktreten erfolgt ohne erhebliche Störung; der Fuss wird dabei auch wohl gehoben, Ilaben die Schmerzen nachgelassen, so bleibt der Fuss beim Gehen zurück, der Schritt erscheint nach vorn erheblich verkürzt. Im Stande der Ruhe wird der Fuss rück­wärts gestellt und nicht selten vollständig belastet: eine Er-
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)42
Krankheiten der Voi-dergliedmassen.
scheinung, die Braueil und K. Günther auch nach Durchschneidung des Biceps beim Pferde beobachteten. Am Muskel und seiner Um­gebung machen sich zuweilen entzündliche Erscheinungen (vermehrte Wilrme, Schwellung, Schmerz) bemerkbar, doch stehen diese in der Regel in keinem Verhältnisse zu der hochgradigen Bewegungsstörung. Bei der chronischen Bursitis intertubercularis fehlen diese ent­zündlichen Erscheinungen, doch zeigt sich eine Hangbeinlahmheit mit Verkürzung des Schrittes nach vorn. Tritt das Leiden bilateral auf, so erscheint der Gang gebunden. Zuweilen lässt sich neben der Atrophie noch Contractur des Muskels beobachten.
Prognose und Verlauf. Die acute Bursitis nimmt häufig einen ungünstigen Verlauf; bei hochgradiger Erkrankung gehen die Thiere an Decubitus zu Grunde; anderenfalls dauert die Heilung meh­rere Monate und bleibt nicht selten chronische Lahmheit zurück, so dass Heilversuche sich nur bei werthvolleu Pferden empfehlen. Treten die Localerscheimmgen mit geringerer Heftigkeit auf, wird der Fuss noch belastet, und ist die Lahmheit nicht erheblich, so kann in (gt; bis 8 Wochen Heilung erwartet werden.
In Bezug auf die Prognose gestaltet sich die chronische Bursitis noch ungünstiger; allein die Pferde können oft noch längere Zeit, wenn auch im beschränkten Masse ihren Dienst verrichten; Williams fand, dass solche im Pfluge nicht mehr zu gebrauchen waren.
Die Behandlung muss nach den allgemeinen Grundsätzen und mit Rüoksioht auf die bestehenden Veränderungen erfolgen: Bei acuter Bursitis absolute Ruhe, in der ersten Zeit Kälte, am besten in Form von Eisumschlägen oder permanenter Irrigation mit kaltem Wasser. Nachdem die Schmerzen nachgelassen, zeigen sich Priessnitz'sche Umschläge nützlich; später Ableitungen, Scharfsalben und eventuell Haarseile.
Von Dieterichs wurde behauptet, dass eine Dislocation des Biceps brachii beim Pferde vorkomme und Lahmheit erzeuge. Mir ist ein solches Leiden nie begegnet, auch H e r t w i g beobachtete es in seiner langjährigen und ausgedehnten Praxis niemals. Nach der Beschreibung Dieterichs' bleibt es auch zweifelhaft, ob ein solcher Zustand vorkommt. Dasselbe gilt von einer gleichen Mittheilung Beckers und Dominiks. Aus den Beschreibungen der letzteren ergiebt sich, dass eine Verschiebung des Schulterblattes bestanden hat, die wahrscheinlich jedoch aus Muskel-zerreissungen hervorgegangen war.
^
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Entzündung dei1 Sehno des hinteren Grätenmuskels und ihrer Bursa. 543
5i Entzündung der Sehno des hinteren Cfrätenmuskels und
Ihrer Bursa.
Lit.: K. Günther, Myologie. S. 273.
Auf dem lateralen Muskelliöcker des Armbeines findet sich unter der Insertionsstelle des hinteren Griltenmuskels constant eine Bursa tendinea, welche mit ihrer Sehno zuweilen beim Pferde entzündlich erkrankt. K. Günther machte zuerst auf diesen Zustand aufmerksam, der sowohl durch Quetschung (Hufsohlag, Gegenfahren, Niederstürzen) als auch durch intensive Anspannung der Sehne hervorgerufen werden kann. Werden bodeneng gestellte Pferde viel in schneller Gangart, namentlich im gestreckten Trabe verwendet, so kann diese Sehne durch Abductionsbewegungen der Schulter eine Dehnung erfahren und das Leiden veranlasst werden; Pferde mit bodenenger Stellung zeigen sich zu demselben prädisponirt.
Erscheinungen. Die Krankheit giebt zu einer eigenthümlichen Lahmheit Veranlassung, nämlich zu einer Stützbeinlahmheit mit Abductionsstellung des ganzen Schenkels. Der Fuss wird zwar belastet, aber in möglichster Auswilrt.sstellung. Diese bezweckt, eine Abduction der Schulter und die damit verbundene Dehnung der er­krankten Sehne zu vermeiden. Auf Druck zeigt das Pferd an der betreffenden Stelle Schmerz; oft ist auch vermehrte Wärme und An­schwellung nachweisbar. Zuweilen lässt sich bei der Bewegung durch Auflegen der Hand Crepitation nachweisen (Tendovaginitis crepitans).
Prognose und Verlauf. In der Natur des Leidens liegt es be­gründet, dass die Heilung stets einige Wochen (4—8) in Anspruch nimmt, aber regelmässig eintritt, wenn dem Thiere hinreichend Ruhe gegeben wird.
Therapie. Solange acut entzündliche Erscheinungen bestehen, wendet man Kälte an, später feuchtwarme Umschläge (Priessnitz)) und wenn damit nicht Heilung eintritt, lasse man Scharfsalben oder Haarseile, im Nothfalle das Glüheisen folgen.
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Krankheiten iler Vordersrliedmassen.
laquo;gt;. Liiliimum dos oberen (vorderen) Sclnilteruerven. I'aralysis N. supi'ascapularlslaquo; Abbladeu.
Lit.: Siedamgi-o tzky, Dresd. Ber. 1878. S. 09. Günther, Gurlt u. Hertwig. 81. S. 215. Williams, The princ. und pract. of vet. surg. Roloff, Thieitetl. Mitth. 1874. S. 187. Hansen, Jahrb. 1889. S. 89. Müller, Bc.l. Arch. Bd. 11. S. 300. Kattner, Zeitschr. für Veterin. 1891. S. 1.
Dieses Leiden wurde schon 1785 von Bohlwes gesehen, 1854 von Bouley iils Zerreissung der Endseline des hinteren Grätenmuskels aufgefasst und zuerst von K. Günther richtif)' erkannt und beschrieben; später ist dasselbe mehrfach bei Pferden beobachtet worden.
Der obere Sohulfcernerv, ein starker Ast des Plexus brachialis, welcher vornehmlich aus dem 7. Halsnerven stammt, tritt zwischen dem vorderen Gräten- und Unterschultennuskel an die Aussenlläche des Schulterblattes, um sicli in den beiden Griitenmuskeln und den Auswärtsziehern des Arm-beines zu verzweigen. Er versorgt also diejenigen Schultermuskeln mit mo­torischen Fasern, welche dem Schultergclenk als laterale Seiteubänder dienen.
Die Ursache zu Lähmungen desN. suprasoapularis geben heftige Klick wärtsbewegungen der Schulter bezw. Schenkels, indem auf diese Weise eine Dehnung des Nerven veranlasst wird. Laufen gegen einen Baum, gegen die Krippe oder andere feste Gegenstände, oder gegen einander, wie hei Kavallerieattacken, bildet die regelmässige Ursache dieses Leidens. Man beobachtet es daher öfter bei Kavalleriepferden sowie bei Durchgängern. Auch Gegenfahren mit der Deichsel kann die Lähmung veranlassen. Hansen sah dieselbe durch den Schlag einer Thttr entstehen. Der Zustand entsteht also unter ähnlichen Umständen wie die Bursitis intertubercularis (S. 540); der Unterschied liegt nur darin, dass, wenn solche Gewalten den entlasteten Schenkel treffen, durch Rückwärtsbewegung der Schulter diese Lähmung veranlasst wird; an dem belasteten Schenkel rufen sie eine Contusion der Schulter her­vor, da die zur Lähmung führende Kückwärtsbewegung nicht eintreten kann. Es liegt ferner auf der Hand, dass langsamer einwirkende und mit grösserer Oberfläche die Schulter treffende Gewalten ober diese Lähmung erzeugen, während durch die plötzliche Einwirkung stumpfer Körper der Biceps mit seiner Bursa in Gefahr kommt.
Die Erscheinungen des Leidens erklären sich durch den Aus­fall der als laterale Seitenbänder des Schultergelenkes dienenden Mus­keln. Während an dem unbelasteten Schenkel nichts Krankhaftes zu
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Lähmung des oberen Schulternerven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 545
bemerken ist, tritt an dem belasteten eine plötzliche Abductions-bewegung der Schulter hervor und zwar in dem Moment, in dem der Fuss senkrecht unter dem Rumpfe steht; Schulterblatt und Armbein schnellen mit sichtbarem Ruck von der Brustwand ab. Das Leiden wird daher auch als , Abb ladenquot; oder „Abblatten' bezeichnet, weil das Schulterblatt vulgär wohl „Blattquot; genannt wird. Man überzeugt sich von dieser Bewegung am besten, wenn man das Pferd in gerader Richtung und im langsamen Schritt auf sich zuführen lässt. Also eine Stützbeinlahmheit mit Abductionsstellung des Schenkels und ruckweiser Bewegung der Schulter nach aussen im Moment senkrechter Belastung kennzeichnet das Leiden. Später tritt Atrophie in den gelähmten Muskeln ein, welche sich am deut­lichsten im vorderen Grätenmuskel und in den beiden Auswärtsziehern zeigt, während der hintere Grätenmuskel in der Regel einige Zweige vom N. axillaris empfängt. Der Schwund giebt sich durch stärkeres Hervortreten der Schulterblattgräte zu erkennen.
Koloff beobachtete bei einem Pferde, welches sich im schweren Zuge plötzlich eine doppelseitige Schulterlahmheit zugezogen hatte, später auf­fallende Atrophie der Grätemnuskoln. Das Pferd hatte seitdem französische Stellung angenommen, und waren die Schultergelenke vom Rumpfe abge­stellt. Wahrscheinlich hat hier eine doppelseitige Lähmung des K supra-scapularis bestanden.
Beurtheilung und Verlauf. Durch mechanische Einflüsse ent­standene Nervenlähmungen pflegen bekanntlich weniger günstig zu verlaufen als rheumatische Paralysen. Daher erklärt sich, dass auch hier nicht selten die Heilung ausbleibt. Im allgemeinen gestaltet sich die Prognose bei weitem ungünstiger, als bei Paralyse des N. radialis; doch kann in etwa 6—8 Wochen die Heilung zu Stande kommen. Ist dieselbe aber in dieser Zeit nicht erreicht, die Lähmung noch eine complete, d. h. haben die Bewegungsstörungen noch nicht erheblich ab­genommen, so bleibt wenig zu hoffen. Von den drei von mir beob­achteten Fällen heilte nur einer; Kattner sah in (i Wochen vollständige Heilung eintreten. Die von 1875—1800 an der hiesigen Hochschule constatirten zehn Suprascapularislähnuingen ergaben drei Heilungen, drei Pferde wurden als gebessert und vier als angeheilt entlassen. Ebenso muss hochgradige Atrophie der gelähmten Muskeln als ein un­günstiges Zeichen angesehen werden, [m übrigen finden die allge­meinen Hülfsinittel zur Präcisirung der Prognose Anwendung. So ist die Wiederkehr der faradischen Erregbarkeit als sicheres Zeichen für den günstigen Ausgang zu betrachten. Während die mit dieser Läh-Mölier, Spedelle Ohirnrgle für Tliieriirzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 35
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Krankheiton der Vordergliedmassen.
niiing behafteten Pferde in schnellen Gangarten nicht zu verwerthen sind, wird die Brauchbarkeit derselben im langsamen Zuge nicht auf­gehoben. Im Zugdienst begünstigt das Leiden jedoch das Durchziehen, weil sich die Schulter unter dem Geschirr verschiebt.
Die Behandlung muss nach allgemeinen Grundsätzen erfolgen. Auf den Ablauf der in dem Nerven bestehenden pathologischen Ver­änderungen hat man im ganzen keinen grossen Einfluss. Wir geben dem Thiere in der ersten Zeit Ruhe und suchen durch Massage der Muskeln (Klopfen derselben täglich 1—2 Mal) die Ernährungsvorgänge in denselben aufrecht zu erhalten, d. h. Atrophie zu verhindern. Wahrscheinlich kann die Massage auch auf die Beseitigung der in dem Nerven bestehenden anatomischen Störungen günstig einwirken. Zu demselben Zwecke empfehlen sich von Zeit zu Zeit Injectionen von Veratrin. Man nimmt dazu am besten das in Wasser unlösliche Veratrinum, verreibt 0,1 mit etwa 5,0 Wasser ohne Zusatz von Alkohol und spritzt das Gemisch auf den gelähmten Muskeln unter die Haut. Hansen will von subcutaner Terpentinölinjection Erfolg gesehen haben.
Die wiederholte Anwendung der Electricität, namentlich des In-(luctionsstroines ist bei der grossen Empfindlichkeit der Pferde gegen diesen meist mit so grossen Schwierigkeiten verbunden, dass man davon absehen muss. Im übrigen gehört dieser zu den wirksamsten Mitteln zur Erhaltung der Muskel- und Nervenerregbarkeit und kann bei werthvollen Thieren unter Umständen Anwendung finden. Wo gleichzeitig Erscheinungen einer Quetschung bestehen, findet Kälte­wirkung vortheilhafte Anwendung.
Im Frühjahre 1875 wurden mir kurz nach einander 3 Pferde mit dieser Lahmheit zugeführt. Bei zweien Hessen sich noch die Spuren der gewalt­samen Einwirkung auf die Schulter nachweisen, das eine war beim Durch­gehen mit der betreffenden Schulter gegen einen Baum gelaufen, bei dem anderen hatte ein Gegeneinander reiten stattgefunden. Die Erscheinungen der Lähmung waren gleich nach diesen Ereignissen hervorgetreten und sind von mir bereits näher beschrieben. Das eine der 8 Pferde wurde nach kurzer Zeit gesund, bei den beiden anderen erwies sich die Lähmung un­heilbar. Später sah ich noch eine Suprascapularis-Lähmung heilen, ob­gleich sie mit Muskelzerreissung an der Schulter verbunden war.
Williams beschreibt unter dem Namen „Shoulder slipquot; eine Krankheit, welche sich bei Pferden entwickeln soll, die andauernd im Pfluge arbeiten und hierbei mit dem einen Pusse in der Purche tiefer gehen als mit dem anderen. Nach den Angaben Williams scheint hierbei eine Lähmung der oberen Schulternerven zu bestehen, doch will derselbe auch pathologische Veränderungen an den Grätenmuskeln und Auswärtsziehem,
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Lähmung des oberen Sohulternerven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;547
sowie am Schultergelenk, namentlich Usur an der Bursa des hinteren Griiten-inuskels mit Zerreissang der Sehne desselben beobachtet haben (S. 540). Dass durch Zerreissung der Sehne, welche auch als ein Folgezustand der Ent­zündung ihrer Scheide auftreten kann, dieselben Störungen in der Bewegung veranlasst werden, wie sie mit der Lähmung dieser Muskeln verbunden sind, lilsst sich direct nachweisen. Durchschneidung der Sehne des hinteren Grätenmuskels führt namentlich bei bodeneng gestellten Pferden zu den­selben Bewegungsstörungen, wie ich mich wiederholt überzeugt und meinen Zuhörern demonstrirt habe.
Es liegt auf der Hand, dass sich das Leiden gelegentlich mit ander­weitigen Verletzungen complicirt. So hatte ich Gelegenheit bei einem Reitpferde, welches beim Durchgehen mit der Schulter gegen einen Baum gelaufen war, neben der Lilhmung des N. suprascapularis eine Zerreissung im gemeinschaftlichen Kopfhalsarmmuskel, sowie im kleinen Brustmuskel zu beobachten; wahrscheinlich lagen auch Zerreissungen in noch anderen Brust­muskeln vor. Bei dem Patienten zeichnete sich gleichzeitig eine Hautstello aus, an welcher bald nach der Verletzung die Haare ausfielen, nachdem sich ein starkes Ekzem daselbst gebildet hatte. Diese lilnglich ovale Stelle, etwa eine Handbreit unter dem Buggelenk beginnend, erstreckte sich ziem­lich senkrecht nach oben bis fast zur Mitte des Halses. Sie war in der Mitte, dicht über dem Schultergelenk etwa 20 cm breit und verschmillerte sich sowohl nach oben wie nach unten. Das später an der Stelle neu ent­standene Haar zeichnete sich durch eine hellere Farbe aus, und sobald das Pferd etwas erregt oder nur wenig angestrengt wurde, stellte sich hier von neuem lebhafte Schweisssecretion ein, während die ganze übrige Körperober­fläche trocken blieb. Auch zeigte sich die Stelle gegen Nadelstiche unem­pfindlich. Zweifellos handelte es sich um gleichzeitige Paralyse des Schulter-hautnerven (N. superficialis scapulae), eines Zweiges vom (i. Halsnerven.
7. Lähmung des Speichennerven (Paralysis Nervi radialis).
Lit.; Böther, Buschs deutsche Zeitsohr. f. ges. Thiorheilk. 2. S. 8. Harms, Han. Ber. 1871. S. 44. Möller, Berl. Arch. 1. S. 147. Hübner, Dresd. Bei-. 1884. S. 92. Munkel, Thierärztl. Mitth. 1883. S. 34. Lesser, Aus der Volkmannsehoii Klinik in Hulle. 1884. Bormann, Berl. Arch. 188(i. S. 298. Werner, Thierärztl. Mitth. 1875. S. 148. Lustig, Han. Ber. 1870. 8.51. Friis, Jahrb. 1889. S. 423. llertel, Th. Mitth. 1872. S. 157. Strauss, Vet. Chirurgie. S. 141.
Der Speichennerv geht aus den hinteren Abschnitten des Armgeflechtes hervor, läuft nach unten, giebt zunächst einen Zweig an den dicken Vor­annstrecker ab und theilt sich sodann in zwei Aeste; der obere derselben versieht die sämmtlichen Vorannstrecker mit motorischen Fasern; der untere giebt die oberen äusseren Hautnerven (N. outanei ext. sup.) ab, welche an der äusseren-vorderen Flüche des Vorarms die Haut innervimi. Der fortlaufende Stamm versorgt den kurzen Vorarmbeuger sowie die sämmt­lichen Streckmuskeln des Schenkels mit motorischen Fasern.
Lähmungen dieser Nerven wurden schon früher beobachtet, je­doch als solche nicht erkannt. So beschreibt Bother eine Lahmheit
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Krankheiten der Vordergliedmassen.
beim Pferde, die nur auf dieses Leiden bezogen werden kann; ebenso Strauss. Harms will die Liilnnung bei einer Kuh festgestellt haben. Nachdem von mir dieselbe 1875 wiederholt beim Pferde beobachtet und zuerst genauer beschrieben war, wurde das Leiden mehrfach bei Pferden festgestellt. Auch die von Hilbner als Neurasthenie aufge-fasste Lahmheit eines Pferdes gehört zweifellos hierher. In den letzten Jahren hatte ich wiederholt Gelegenheit, diese Lähmung bei Pferden zu sehen; auch ist mir ein Fall beim Hunde begegnet.
Ueber die Ursachen der Ihulialislilhmung ist noch wenig be­kannt. Zuweilen treten die Erscheinungen derselben bei Pferden auf, die zum Zwecke von Operationen länger in Fesseln gelegen haben, namentlich wenn die Unterlage aus Sand oder Erde bestand. Es muss jedoch zweifelhaft bleiben, ob es sich hierbei nicht vornehmlich um eine myopathisohe Lähmung handelt, welche durch den andauernden Druck auf die Ellenbogenstrecker und die damit verbundene Störung der Blut-circulation in denselben veranlasst war; das schnelle Verschwinden spricht dafür; auch steht diese Annahme mit ähnlichen Beobachtungen am Menschen in Uebereinstimmung. Seitdem in der hiesigen Klinik die Pferde auf einer weichen Matratze geworfen werden, ist mir eine solche Beobachtung nur noch selten vorgekommen. Lustig hat dagegen nach einer Zahnoperation am liegenden Pferde eine längere Zeit an­haltende Radialislähmung beobachtet. Erst am 38. Tage konnte der Patient als Keconvalescent entlassen werden.
Meist entsteht die Padialislähmung plötzlich, während der Arbeit im schweren Zuge, so dass auf einen traumatischen Ursprung ge­schlossen werden kann. Im Sommer 1887 hatte ich Gelegenheit, in kurzer Zeit eine grössere Anzahl von Pferden mit diesem Leiden zu beobachten, welches im allgemeinen selten ist. Es scheint hiernach eine speeifische Ursache wirksam gewesen zu sein, eine Annahme, die in den gleichzeitig bei anderen Pferden auftretenden Schüttelkrämpfen in den Ellenbogenstreckern noch unterstützt wurde. Diese Krämpfe sistirten während der Arbeit, traten in der Ruhe aber sofort von neuem hervor und konnten durch Schnellen mit dem Finger gegen die Mus­keln hervorgerufen werden. Bormann constatirte bei zwei Pferden eine ebenfalls plötzlich eingetretene Kadialisparalyse. In einem von Werner beobachteten, als Lähmung des langen Zehenstreckers be­schriebenen Falle trat die Lähmung in Folge heftiger Muskelarbeit zur Befreiung des am Boden festsitzenden Fusses ein.
Im Jahre 1890 hatte ich Gelegenheit eine Diplegia n. radialis beim
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Lähmung des Spoiohcnnerven.
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Pferde zu beobachten. Nachdem sich auf dem linken Fusse das Leiden plötzlich, während einer Fahrt eingestellt hatte, in Folge dessen das Thier viel lag, zeigte sich eines Tages auch der N. radialis am rechten Fusse gelähmt. Friis beschreibt eine Radialislähmung, welche mit Lähmung des Hinterfusses der anderen Seite verbunden war (Hemi-plegia cruciata).
Die Erscheinungen des Leidens gestalten sich je nach dem Grade und der Ausdehnung der Lähmung vorschieden.
Fig. 91.
Oomplete Paralyse des N. radialis.
Bei vollständiger Lähmung des Speichennerven nimmt der Schenkel eine ähnliche Stellung an, wie bei sehr schmerzhaften Hufleiden. Schultor- und Ellenbogengelenk werden gestreckt, während alle übrigen Gelenke in Volarilexion verharren, die der Phalangen oft in dem Masse, dass die VorderHäche der Zehenwand des Mnfes fast mit dem Boden in Berührung kommt (Fig. 91); der Fuss erscheint in Folge dessen zu lang. Beim Versuche zu gehen wird der Schenkel zwar regehnilssig vorgeführt, kann aber nicht als Stützbein dienen,
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Krankheiten der Vordergliedmasaen.
weil ihm die Kraft fehlt, seine Gelenke in die hierzu erforderliche Streckstellung zu bringen. Der Schenkel bricht daher bei jedem Ver­suche der Belastung in sihnmtlichen Gelenken zusammen.
Das Leiden charakterisirt sich also durch eine: Stützbeinlahm­heit mit Flexion aller Gelenke vom Ellenbogen abwärts, durch Unvermögen, den Fuss in die zur Belastung erforderliche Streckstellung zubringen; nach passiver Streckung erfolgt die Belastung.
Die Anconäen erscheinen bei der Bewegung des Pferdes schlaft', ihre Contraction fällt aus, und nach einiger Zeit stellt sich Atrophie in ihnen ein.
Bei incompleter Kfidialislälmamg gelingt die Belastung, sobald die Muskelkraft hinreicht, die Gelenke genügend zu strecken. In lang­samer Gangart und auf ebenem Boden fehlt daher oft jede auffallige Störung, die aber hervortritt, sobald man das Pferd über leichte Boden­erhebungen oder Gegenstände treten lässt. Hierbei erreicht der Fuss die nöthige Streckstellung nicht, stösst au und bricht deshalb unter der Last zusammen, wobei das Pferd selbst zum Falle kommen kann. Je nach dem Grade der Funktionsstörung in dem Nerven bezw. Muskeln zeigt sich dieser „stolperndequot; Gang entweder häufiger oder nur bei einzelnen Schritten; zuweilen stellt sich derselbe erst nach einiger An­strengung des Thieres und auf weichem und unebenem Boden ein. Lässt die Lähmung nach längerem Bestehen allmälich nach, so nehmen die Thiere instinktiv einen eigenthümlichen Gang an: sie schleudern nämlich den Fuss beim Ausschreiten mit stärkerer Action der Schulter­muskeln nach vorn, um dadurch die mangelnde Streckwirkung zu er­setzen. Charakteristik der Lahmheit: Stolpern, besonders auf unebenem Boden, zuweilen schleudernde Bewegung des Fusses nach vorn.
Nicht selten bleibt die Lähmung partiell. Die Mehrzahl del-im Sommer 1887 und auch später von mir beobachteten Fülle war dadurch ausgezeichnet, dass die Funktion des äusseren Streckers (M. anconaeus externus) erhalten geblieben war, wie man sich leicht überzeugen konnte; während die übrigen Anconäen bei der Belastung des Fusses schlaff blieben, traten in diesem Muskel regel-mässige Contractionen ein. Dadurch erlangte die Lahmheit eine be­sondere Eigenthümlichkeit: während der Belastung des Schenkels er­folgt im Momente seiner senkrechten Stellung eine plötzliche Bewegung der Schulter nach vorn. Schulterblatt und Annbein verschieben sich mit sichtbarem Kuck nach vorn, wodurch das Leiden gewisse Aehn-
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Lähmung des Speichennerven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;551
lichkeit mit der Suprascnpularislähmung erlangt. Durch die Richtung dieser unwillkürlichen Bewegung nach vorn, welche sich am besten bei Betrachtung des im langsamen Schritt geführten Pferdes von der Seite zu erkennen giebt, unterscheidet sich das Leiden von jenem, welches mit einer Abductionsbewegung der Schulter verbunden ist (S. 544). Charakteristik der Lahmheit: Stützbeinlahmheit mit ruckweiser Bewegung der Schulter nach vorn im Mo­mente senkrechter Belastung des Schenkels.
Der Grund, weshalb der M. unconaeus extenms zuweilen von der Lilh-mung verschont bleibt, dürfte in der Verbreitung der Nerven gesucht werden. Von seinem Stamme gehen zunächst die Aeste für den dicken und langen Elienbogenstrecker ab, welche verbaltnissinässig kurze Fasern bilden, wäh­rend der fortlaufende Stamm, welcher sich im Anc. externus, internus sowie in den am Vorarm gelegenen Zehenstreckern verbreitet, erheblich länger ist und in Folge dessen von den etwa auftretenden Dehnungen nicht in dem Masse betroffen, bezw. geschädigt wird, wie die kurzen Fasern der übrigen Strecker. Für die Richtigkeit dieser Annahme spricht nicht nur der Umstand, dass die partielle Lähmung vorzugsweise nach mechanischen Insulten (Ausgleiten u. s. w.) auftritt, sondern auch noch der, dass in diesen Fällen die Funktionsfähigkeit in den Streckern der Vorderfusswurzel, des Vordermittelfusses und der Zehe stets erhalten bleibt.
Wie bereits erwähnt, überzeugt man sich während des Ganges von der Unthätigkeit dieser Muskelgruppe sowohl durch das Gesicht wie auch Gefühl. Nach einiger Zeit tritt ferner Muskelatrophie auf, welche nach dem Grade der Funktionsstörung sich früher oder später und in verschiedenem Grade entwickelt. Zuweilen lässt sich auch an der vorderen äusseren Fläche des Vorarms Unthätigkeit der vom Ra­dialis stammenden Hautnerveu nachweisen; doch nicht immer fehlt hier die Empfindlichkeit der Haut.
Die Diagnose der Radialislähmung ist hiernach leicht und gelingt schon von weitem.
Differentialdiagnose. Zu Verwechselungen mit diesem Leiden können myopathische Lähmungen der Anconäengruppe sowie alle Zu­stände Veranlassung geben, bei denen der Einfluss dieser Muskel­gruppe auf die Bewegung des Thieres aufgehoben oder beschränkt ist. Dieses gilt namentlich von Querfrakturen des Ellenbogenbeines, des unteren Insertionspunktes dieser Muskeln, sowie von Continuitäts-trennungen in den Zehenstreckern. Hertel beobachtete eine Zer-reissung aller, an das Elleubogenbein sich anheftenden Strecker beim Pferde. Die Looaluutersuohung giebt jedoch hierüber sicheren Auf-schluss.
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552nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Vorclergliedmassen.
Prognose und Verlauf. Die bisher von mir beobachteten 20 Fälle von Radialisliihmungen gingen sümmtlich in Heilung über. Die Dauer des Leidens zeigte sich zwar sehr verschieden; bei einigen incompleten Paralysen hörten die Bewegungsstörungen schon nach 14 Tagen auf, bei der Mehrzahl der conipleten Paralysen dauerte dieses 6—6 Wocheni einzelne schwere Fälle gebrauchten 0—9 Monate; doch werden selbst nach dieser Zeit noch Heilungen beobachtet. In drei Fällen trat nach einigen Wochen durch angestrengte Arbeit ein Recidiv ein, das aber gleichfalls günstig verlief. Die Prognose ist daher im allgemeinen günstig. Der Gang des Pferdes bleibt zuweilen auch nach dem Verschwinden der Lahmheit noch unsicher, was sich jedoch mit der Zeit ebenfalls verliert. Je länger der Zustand besteht, desto bedenklicher wird derselbe. Hochgradige Muskelatrophie muss daher als ungünstiges, Wiederkehr der faradischen Erregbarkeit als ein gün­stiges Zeichen betrachtet werden. Auch Munkel sah in 8 Wochen Heilung eintreten.
Behandlung. Bei der Mehrzahl der von mir beobachteten Fälle wurde eine besondere Behandlung nicht eingeleitet. Ueber die An­wendung der Electricität gilt das S. 54(3 Gesagte; dagegen ist zur Erhaltung der Ernährungsvorgänge in den Muskeln Massage dringend zu empfehlen, namentlich bei completer Lähmung. Bei incompleten zeigt sich aus demselben Grunde tägliches Führen des Patienten auf weichem Boden und im langsamen Schritt vortheilhaft. Wo beson­dere Umstände vorliegen, namentlich um zugleich das Vertrauen des Besitzers zu stärken, können subeutaue Injectionen von Veratrin und Strychnin Anwendung finden. Die Application kräftiger Douchen dürfte wohl nur eine Wirkung als Massage haben. Bormann wendete Stryoh. nitr. 0,025—0,05 subeutan mit Erfolg an, doch nahm die Hei­lung 5—6 Wochen in Anspruch, in der das Leiden oft auch ohne jede Medication regelmässig verschwindet.
8. LiUimung des Ariugeflechtcs (Paralysis plexus brachial is).
Lit.; Hollmann, Gurlt u. Hertwig, 17. S. 284. Trasbot, Arch. vet. d'Alfort. 1884. AVilson, The Veterinarian. 1842. An acker, Gurlt u. Hertwig. 9. 8. 488.
Hollniaiin beobachtete beim Pferde in Folge eines Sturzes Lähmung der sämmtlichen Muskeln des Vorderschenkels und fand bei der Section eine starke Blutung, welche das Armgeflecht umgab. Aus der Beschreibung
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Lähmung des Armgeflechtes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;553
ergiebt sich jedoch, dass gleichzeitig eine Zeixeissnug des breiten gezahnten Muskels bestand. Denn das Pferd war nicht nur unfähig, den Fuss zu be­wegen, sondern es sank der Rumpf bei jedem Versuche denselben zu be­lasten um mehrere Zoll zwischen den Vordorschenkeln herab. Ausserdem war abnorme Abductionsstellung des Schenkels zugegen.
Eine Lähmung des Achselgeflechts, an welche sich später Hemiplogie anschloss, beschreibt Trasbot. In 16 Tagen trat Heilung ein. Auch dieser Fall liegt nicht ganz klar, Wilson will Hemiplegie beim Pferde in Folge üeberschlagens. An acker bei einem Ferkel beobachtet haben.
Bei Hunden sind Lähmungen des Achselgeflechtes nicht so selten und treten sowohl als periphere Paralysen als auch als Hemiplegien auf. Bei letzteren sah ich mehrfach spastische Lähmungen, die sich zwar an der ganzen Schultermuskulatur, am deutlichsten aber in der Anconäen-gruppe bemerklich machten und länger andauernde Bewegungsstörungen zur Folge hatten.
Einige interessante Mittheilungen über Lähmung des Armgeflechtes finden sich in dem Auszüge aus den Rapporten der Armee vom Jahre 1887. Eine 7jährige Stute zeigte im December rechterseits Facialislähmung; im Januar trat linksseitige Hemiplegie ein. Die Hufzehe des linken Vorder-fusses wurde nur mit Mühe über den Boden geschleppt. Bald darauf trat am rechten Auge Cataractbildung ein, welche punktförmig begann und sich allmälich über die ganze Linse erstreckte. Bei der Section fand sich zwischen dem Felsentheil des rechten Schläfenbeines und dem Kleinhirn eine wallnussgrosso C4eschwulst, welche bis auf die Varolsbrücke und die strick-förmigen Körper der Medulla reichte und im Innern einen Eiterherd enthielt.
Bei einem anderen Pferde war plötzlich Lahmheit des rechten Hinter-fusses eingetreten; zwei Tage später stellte sich Lähmung des rechten Vorder-fusses ein. Die Ohduction ergab in der rechten Hälfte des Gross- wie auch Kleinhirns hämorrhagische Herde. Gleiche Störungen wurden bei einem 3. Pferde beobachtet, vorschwanden indess nach 25 Tagen.
Die Erscheinungen, welche die Lähmung des Achselgeflechtes beglei­ten, gestalten sich verschieden, je nachdem die Paralyse eine vollständige ist oder nicht. Complete Paralysen des ganzen Aohselgoüeehtes haben Un­vermögen des Schenkels zu jeder Art Bewegung zur Folge. Sobald der Kuss in die entsprechende Stellung gebracht ist, vermag derselbe (wenigstens beim Pferde und Hunde) die Last zu stützen, knickt aber bei der Ent­lastung in seinen (ielenken zusammen. Ist die Funktion im N. radialis erhalten, so gestaltet sich das Stützen sicherer, dagegen bleibt die aus­schreitende Bewegung gestört. Treten in den Anconäen Contractionen ein, so wird der Fuss andauernd in extremer Streckstellung seiner Gelenke vom Ellenbogen ab gehalten und verharrt auch während der Bewegung in dieser Lage.
Prognose und Verlauf. Nur die allgemeinen Grundsätze können hier als Anhalt dienen, da unsere Erfahrungen über diese Lähmungen noch zu unvollständig sind. Die bei Hunden von mir beobachteten spastischen Lähmungen des Plexus brachialis nahmen einen ungünstigen Verlauf, wie der cerebrale Ursprung schon vermuthen liess.
Behandlung, Es gilt dasselbe, was bei den übrigen Lähmungen, ins­besondere über Radialislähmung bereits gesagt worden ist. Massage der Muskeln zur Förderung ihrer Ernährung und Fernhaltung der Atrophie leistet auch hier mehr als die Anwendung von Arzneimitteln.
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554nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Vordergliedmassen.
0. Schulterlahmheit.
Lit.; Bouley, Her. Rep. 18. S. 136. Siedamgrotz ky, Landwirtlischaftliehe Thierheilkundo u. Dresd. ]ier. 1874. S. 42. Bassi, Her. Hep. 23. S. 347. Pütz, Vircliow's Archiv. Bd. 109. Voigtlände r, Dresd. Ber. 1871. Di Nasso, Jahresb. 1883. S. 109. Kigot, Journal de med. vet. 1827. S. 197. Gerke, Gurlt u. Hartwig. H. S. 223. George, Rec. de mod. vet. 1802. S. 970. Sehr a ml, Öestorr. Vierteljahresschr. 1887. 8. 107. Scholz, Thierärztl. Mitth. 1881. u. Zeitschr. für Veterk. ft89. S. 1U!.
Ausser den vorhin beschriebenen Leiden kommen an der Schulter noch verschiedene Kriinkheitszustilnde vor, die aber nicht so genau bestimmt werden können wie jene. Manche derselben entziehen sich selbst bei sorgfältigster Untersuchung einer näheren Erkennung und Beurtheilung. Nur die Lahmheit lässt auf die Gegenwart solcher Zustände schliessen und wird daher in Ermangelung einer klaren Einsicht in die Natur derselben als „Schulterlahmheit'' be­zeichnet. Da sich an der Schulter die hauptsächlichsten Organe für die Bewegung des Schenkels befinden, so kann es nicht auffallen, dass diese Lahmheiten in ihren Erscheinungen eine gewisse Uebereinstim-mung zeigen, Sie stellen fast ausschliesslich Hangbeinlahmheiten dar, d. h. die ausschreitende Bewegung des Schenkels erscheint in erster Linie, oft nur allein gestört. Der betreffende Fuss wird beim Gehen nur langsam und unvollständig vorgeführt. Nach dem Sitze, der Natur und Ausbreitung dieser Leiden gestalten sich die Bewegungs­störungen indess verschieden, worauf bei der Besprechung der einzelnen Zustände eingegangen werden soll. Zu diesen gehören:
1. Krankheitsprocesse am Schultergelenk und dessen Um­gebung. In der Kegel sind es chronisch entzündliche Leiden, die sich objeetiv nicht direct feststellen lassen; Arthritis chronica mit Knorpel-usur und periarticulären Exostosen werden bei alten, abgetriebenen Pferden angetroffen; beim Binde und Hunde kommen rheumatische Erkrankungen des Schultergelenkes vor, die sich oft nur durch Lahm­heit bemerklieb machen; dabei bereiten passive Bewegungen der Schul­ter, Heben und Senken des Fusses dem Thiere Schmerzen und durch Abspannung der Sclinltermuskulatur tritt der äussere Rollhügel deut­licher hervor. Nach längerem Bestehen stellt sich Muskelschwund ein. In Bezug auf die Lahmheit ist zu bemerken, dass sich in der Kegel auch bei der Belastung des Schenkels und namentlich bei kurzen Wendungen Schmerzen zu erkennen geben.
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Schultei-lahmheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 555
Siedamgrotzky fand bei einem Pferde, welches längere Zeit an Schulterlahmheit gelitten hatte, die vordere Fläche des Gelenkes stark ver­dickt und eine chronische Entzündung der Bursa intertubercularis sowie des M. biceps brachii. Die Synovialniembran des Schultergelenkes war schwarten-urtig verdickt und mit zahlreichen fadenförmigen Wucherungen besetzt, die Grelenkfiäche des Schulterblattes durch einen ringförmigen Knochen-kamm um 1—2,5 cm vergrössert. Auf der Gelenkfläche fand sich ein Knorpeldefect, ebenso an der Gelenkfläche des Arrabeines.
2, Krankheitszustände in der Muskulatur der Schulter sind theils traumatischen, theils rheumatischen Ursprungs. Sowohl mechanisclie Einwirkungen von aussen als auch heftiges Pariren oder Niederstürzen können schmerzhafte Processe in der Schultermuskulatur hervorrufen. Gerlach und Günther verlegten diese Zustände nament­lich in den Biceps. Wenn auch nicht in Abrede zu stellen ist, dass solche vorkommen, wie eine Beobachtung Günthers beweist (durch plötzliches l'ariren war ein Stück von der Schulterblattheule abgebrochen), so sind diese Leiden doch ausserordentlich selten. Fast immer machen sich bei genauer Untersuchung entzündliclie Erscheinungen bemerkbar; vermehrte Wärme, Schmerz bei Druck oder Dehnung der erkrankten Muskeln. Die Untersuchung verlangt jedoch Sorgfalt und Umsicht, um sich nicht täuschen zu lassen.
Einem kräftigen Druck gegen die Schulter weichen die meisten Pferde aus; wenn aber eine schmerzhafte Lahmheit besteht, findet dies oft nach der kranken Seite zu nicht statt, so dass auf solche Weise leicht die unbegründete Vermuthung aufkommt, dass es sich um eine ungleiche Empfindlichkeit handelt. Dazu kommt, dass die leidende Seite häufig durch die Untersuchungen seitens der Besitzer wie auch wohl durch reizende Einreibungen empfindlicher geworden ist. Anderer­seits lässt sich jedoch nicht leugnen, dass durch Quetschungen und Dehnungen entzündliche Erkrankungen einzelner Muskeln (ivopfhals-armmuskel) wie auch ganzer Muskelgruppen, so der Brustmuskeln bei jungen Pferden in Folge starker Anstrengungen vorkommen, aber nur auf Grund genauer Palpation sind diese nachweisbar. Beim Ziehen dos Fusses nach hinten äussern die Thiere dabei oft Schmerzen.
Diese Zustände charakterisiren sich in der Pegel als echte Hang­beinlahmheiten, indem die stützende Thätigkeit des Schenkels nicht Nachweisbar gestört ist. Nach längerem Bestehen stellt sich Muskel-atrophie ein, welche in dem zunächst erkrankten Muskel gebiete den höchsten Grad erreicht.
Aehnlich verhalten sich rheumatische Erkrankungen der Schulter­muskulatur, wie sie am Kopfhalsannmuskel des Pferdes auftreten.
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,r)r)6nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Vordergliedmassen.
Während der Bewegung pflegen hierbei die Schmerzen nachzulassen, nach dem Schweissausbruch wohl ganz zu verschwinden. Remittiron und Intermittiren sprechen stets für rheumatische Erkrankungen; ebenso un­gewöhnliche Schmerzhaftigkeit bei leichter, plötzlicher Berührung der Muskeln, z. B. durch Gegensclmellen mit dem Finger, während ein kräftiger Druck weniger schmerzhaft ist.
Zuweilen werden in einzelnen Muskeln, z. B. im gemeinschaft­lichen Kopfhalsarmmuskel durch leichtes Gegenschnellen eines Pingers in grosser Ausbreitung Contractionen beobachtet.
Bei derartigen Erkrankungen des gemeinschaftlichen Kopfhals-armmuskels zeigt sich der Hals des Thieres oft nach der leidenden Seite und unten verbogen (Torticollis), der Muskel erscheint stark gespannt und springt deutlicher hervor (Bassi und eigene Beobachtungen).
Pütz sah durch Entwickehmg Miescher'scher Schläuche in den Schultermuskeln eine eigenthümliche Lahmheit entstehen. Die Be­wegung war schwerfällig, dagegen bekundete das Pferd bei der Unter­suchung keine Schmerzhaftigkeit. Die Muskeln waren goschwollen, aber erschlafft, so dass der Rumpf zwischen den Schenkeln herabsank, und das Schultergelenk sich vom Brustkasten entfernte. Die Section ergab eine Myositis chronica fibrosa, hervorgerufen durch die An­wesenheit der genannten Parasiten.
Mehrfach wurden auch Zerreissungen in der Schultermuskulatur beim Pferde beobachtet. Di Nasso fand nach Gegenlaufen gegen einen Baum beim Pferde eine Zerreissung der Mm. serrat. antic, maj., subscapularis und der pectoraies. Bei der Belastung der Füsse trat ,Abbladeuquot; ein, ein Zeichen, class zugleich eine Paralyse des N. suprascapularis vorlag. Ein ähnlicher Fall ist bereits S. 547 er­wähnt. Ebenso beobachtete ich bei Pferden durch Niederstürzen oder Ausgleiten Dehnungen und partielle Zerreissungen im oberflächlichen Brustmuskel verbunden mit Schulterlahmheit.
Rigot fand bei mehreren Pferden Zerreissung des M. subscapularis durch Ausgleiten nach aussen, In der Regel bestand die Trennung in der Nähe der unteren Insertion und war mit Exostosonbildung am Armbein ver­bunden. Ueber Zerreissungen in den Ellbogenstrcckern berichtet Voigt-1 und er. Ein Reitpferd war während einer scharfen Wendung auf der Vor­hand plötzlich auf dein rechten Pusse lahm geworden. Die Lahmheit, wolcbo während der Bewegung zunahm, äusserte sich dadurch, dass der lahme Fuss so stark adducirt wurde, dass er den anderen Euss kreuzte. Das Pferd wurde 7 Wochen später als unheilbar getudtet.
Solche Fälle bieten in Bezug auf Diagnose der Lahmheit zwar keine Schwierigkeit, wohl aber in Bezug auf Prognose. Nur unter
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Sohulterliihmheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;557
Berilcksiclitig'ung der unatoinischen Veränderungen liisst sich diese einigenmissen zuverlässig aufstellen.
3. Schulterlahmheiten können ferner durch Krankheits-processe an Schulterblatt und Armbein veranlasst werden. Frakturen lassen sich als solche meist nachweisen (S. 530), dagegen entziehen sich die hier vorkommenden Fissuren oft der directen Er­kennung. Auch wird am Schulterblatt wie Armbein Periostitis und Exostosenhildung beobachtet.
Gerke fand bei der Section eines 2 Jahre lang sclmlterlahm ge­wesenen Pferdes an der inneren Seite vom Gelenkkopfe des Armbeines eine Exostose. Das umgebende Bindegewebe erschien verdickt und bildete mit der Exostose eine „eigenthüniliehe Gelenkflilchequot;. Per Speichennerv war dünner als an dem gesunden Pusse. Pas Pferd machte beim Gehen kreis­förmige Bewegungen mit dein Fusse, konnte aber den Schenkel belasten. Die Lahmheit zeigte sich nur im Trabe, versehwand während der Bewe­gung nicht. Aehnliche Beobachtungen wurden wiederholt gemacht.
. 4. Obturation der Brachialarterien haben eine während der Bewegung regelmässig wiederkehrende Lahmheit zur Folge, die dadurch leicht erkannt wird, lieber eine solche berichtet George.
Eine ältere Percheron-Stute zeigte sich bei schneller Bewegung sowie im angesti-engten Zuge lahm. Nachdem zuerst der Gang mühsam und ge­spannt erschienen, trat nach 10 Minuten auf beiden Vorderfüssen Zittern ein. Das Thier gab durch heftige Bewegungen mit dem Kopfe und Halse Angst zu erkennen und wusste nicht, mit welchem Eusse es den Körper stützen sollto. Respiration und Herzsohlag waren beschleunigt. Bald folgte allgemeiner Schweissausbruch, wobei die Vordergliedmassen trocken blieben. Diese Erscheinungen verloren sich nach ',4—'/raquo; Stunde Buhe, kehrten aber bei der Bewegung stets wieder. Die Section ergab Thrombosirung beider Brachialarterien, welche stai'k verdickt waren. Einen ähnlichen Fall beob­achtete ich bei einer 7jährigen Stute. Im Stande der Ruhe zeigte die­selbe keinerlei Abweichungen, nur die Untersuchung der Brustorgane ergab massige Herzhypertrophie. Nach 10 Minuten Trabbewegung setzte das Pferd die Vorderfüsse abnorm weit nach vorn und aussen und nahm einen tastenden Gang an. Namentlich wurde der linke VorderftlSS ungenügend vorgeführt, oft stiess es mit demselben an, stolperte und brach wiederholt zusammen. Nach dem Aufstehen stand es breitbeinig; in den Muskeln des Sehenkels, namentlich den Anconüen, traten zitternde Bewegungen ein. Nach etwa 6—10 Minuten verschwanden alle diese Symptome, kehrten aber nach jeder Anstrengung wieder.
Schrainl und Bouley hatten Gelegenheit, ähnliche Befunde durch die Section zu bestätigen. Ein Pferd litt an Verstopfung der Schenkel­arterie, zu der sich die Erscheinungen dieser Obturation gesellten, welche jedoch bei der Bewegung später hervortraten, als die Störungen am Hinterschenkel; sie dauerten dagegen länger, bis zu einer halben Stande an. Bei der Section fanden sich in der Arteria subclavia zwei cylindrische Pfropfe; solche wurden auch in der Arteria axillaris, brachialis und radialis
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558nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Vordergliedmassen.
bis zu den Fesselarterien angetroffen. Die Muscularis der Gefasse war ver­dickt, die Intima erheblich verändert (Endoarteritis).
quot;gt;. Endlich können entzündliche Anschwellungen sowie gesohwulstartige Neubildungen eine in ihren Ursachen oft nicht näher erkennbare Lahmheit veranlassen; so werden acute und chro­nische Anschwellungen der Bug- und Achseldrüsen Ursache von Schulterlahmheiten, z. B. beim Rotz, Druse und infectiösen Local-erkrankungen an den Vordergliedmassen. Gerke theilt mehrere der­artige Fälle mit.
Ein Pferd, das ä'/a Jahr lahm gewesen, zeigte bei der Section eine faustgrosse Geschwulst unter dem Schulterblatte, welche das Armgeflecht eingeschlossen hatte. Bei einem anderen, welches 4 Jahre an Schulterlahm­heit gelitten hatte, fand Gerke eine Vergrösserung und Entartung der Achseldrüsen. Bei beiden war bereits hochgradige Atrophie, nicht nur der Muskulatur sondern auch an den Knochen und Hufen eingetreten.
Mit diesen Zuständen ist häufig Abduction des Schenkels sowohl bei der Bewegung, wie auch bei der Belastung verbunden. Mir sind wiederholt periodisch auftretende Schulterlahmheiten begegnet, welche durch Schwellungen der Achseldriisen veranlasst waren. Chronisch­entzündliche Prooesse mit Eiterung in der äusseren Haut an der • Schulter können solche Anschwellungen der Lymphdrüsen anregen. Scholz fand bei einem an metastatischer Druse leidenden und in Folge dessen lahm gewordenen Pferde einen Abscess in der Nähe der Achselarterie.
Die Diagnose der Schulterlahmheit muss sich in erster Linie auf den negativen Befund bei der Localuntersuchung stützen; je sorg­fältiger daher diese, um so seltener jene. Man hüte sich auf Grund einzelner Erscheinungen die Diagnose Schulterlahmheifc zu stellen und dem Ergebnislaquo; der Palpation ein zu grosses Gewicht beizulegen. Da die ausschreitende Bewegung vornehmlich von der Schulter ausgeht, so erscheint diese natürlich auffällig gestört. Die Schulterlahmheit charakterisirt sich im allgemeinen als Hangbeinlahmheit. Das Ausschreiten wird verkürzt und in der Kegel verzögert, der Fuss mangel­haft gehoben, stösst daher leicht an, namentlich auf unebenem Boden und beim Ueberschreiten von Hindernissen. Beim Führen bergauf wird die Lahmheit in der Jiegel auffälliger; ebenso beim Reiten im Kreise, wenn sich der lahme Fuss aussen befindet. Nicht selten wird der Fuss mit einer Abductionsbewegung vorgeführt. Die Lahm­heit pflegt auf hartem und weichem Boden gleichmässig hervorzutreten.
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Schulterlahmheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 559
auf letzterem zuweilen sogar stärker. Häufig finden im Trabgange lebhafte Nickbewegungen des Kopfes statt; „das Pferd geht mit den Ohren lahmquot;, wie man in Frankreich zu sagen pflegt. Auch dieses Symptom ist nicht constant; es findet sich namentlich hei Er­krankungen im gemeinschaftlichen Kopfhalsarmnuiskel und in den Hebern der Schulter. Dehnungen in diesen Muskeln zu vermeiden, ist nämlich der Grund der Erscheinung.
Beim Kückwärtstreten wird der lahme Schenkel zuweilen nicht regeln) ässig gehoben sondern über den Boden geschleift. Erkrankungen im Heber des Vorarms erregen bei passiven Bewegungen des Fusses nach vorn, hinten, innen oder aussen deutliche Schmerzen; doch ist hierbei Vorsicht geboten. Bei länger bestandenen Lahmheiten lege man nicht so grosses Gewicht auf Atrophie der Muskeln bezw. der Diagnose, sowie des Hufes. Beide sind oft secundäre Erscheinungen,
ohne den Sitz der Erkrankun
B
zu bilden.
Prognose und Verlauf. In Ermangelung genauer Einsicht in das Wesen dieser Leiden bleibt die Beurtheihmg stets unsicher, die Prognose muss sich in erster Linie auf den Verlauf der Lahmheit stützen. Je älter die Lahmheit, je grosser die Atrophie der Muskeln, um so bedenklicher wird der Zustand. Während entzündliche Krankheitszustände in einzelnen Muskeln im allgemeinen günstig zu beurtheilen sind, gestaltet sich die Prognose bei den rheumatischen Er­krankungen bedenklicher. Alle Gelenkleiden bieten geringere Aussicht auf Heilung, und zwar um so weniger, je älter sie sind. Günstiger ge­stalten sich Schulterlahmheiten, die bereits eine erhebliche Besserung erkennen lassen; wenig Aussicht auf Heilung bieten dagegen alle, die trotz längerer Ruhe und zweckmässiger Behandlung gleichmilssig fort­bestehen. Manche Schulterlahmheiten verlieren sich bereits in 2 bis 8 Wochen, andere bestehen Jahr und Tag.
Behandlung. Ebenso unsicher wie die Prognose ist die Therapie. Wo acut entzündliche Erscheinungen und Zeichen äusserer Verletzungen zugegen sind, empfiehlt sich Ruhe und Kühlen, womöglich mit dem Irrigator, sonst mit Lehmanstrichen oder Umschlägen. Tritt hiemach in 8—14 Tagen keine wesentliche Besserung ein, so zeigt sich eine kräftige Douche oft vortheilhaft. Später greift man zu scharfen Ein­reibungen, und wo diese nicht zum Ziele führen, zu Hiiarseilen. Die hiermit für das Thier erzielte längere Ruhe hat an der günstigen Wirkung derselben gewiss nicht geringen Antheil. Wo Gelegenheit zu
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5G0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Vordergliedmassen.
sorgfältiger Ausfülirung von Massage gegeben ist, muss dieser nament­lich bei Leiden der Weichtbeile der Vorzug gegeben werden. Sie wirkt nicht allein anregend auf die Resorption der Entzündungspro-ducto sondern fordert auch die Ernährungsvorgänge in den Muskeln und hält die Atrophie zurück.
Vortheilhaft erweisen sich auch Priessnitz'sche Umschläge, sowohl bei den auf trauniatischem Wege zu Stande gekommenen Ent­zündungen, wie auch bei rheumatischen Leiden. Oft lassen sich beide Methoden mit einander verbinden. Dasselbe gilt von subcutanen Veratrininjoctionen (S. 546). Die Wirkung des Veratrins auf die Funktionsthätigkeit der Muskeln steht aussei- Zweifel; es fördert den Stoffwechsel in denselben und trägt dazu bei, nicht nur den Er­müdungszustand, sondern auch krankhafte Ernährungsvorgänge im Muskel zu beseitigen. Bei Muskelrheumatismus und dadurch bewirkter Schulterlahmheit habe ich nach den Empfehlungen Gerlachs oft ausserordentlich günstige Wirkungen vom Veratrin gesehen. Doch empfiehlt sich auch liier das in Wasser unlösliche Veratrinuni, welches nicht so schnell resorbirt wird, daher mehr örtlich wirkt. Dagegen habe ich von der subcutanen Anwendung von Kochsalz keine besondere Wirkung beobachten können. Spritzt man nämlich eine reine Lösung ein, so kommt überhaupt keine sichtbare Wirkung zu Stande; war aber die Lösung verunreinigt, oder wurde sie mit einer unreinen Spritze applicirt, so treten zuweilen umfangreiche Eiterungen mit Abscess-bildungen ein. Diese aber bilden das allein Wirksame der Injection, stellen laquo;jdeichsam ein Fontanell dar.
B. Die Krankheiten des Ellenbogens und Vorarmes, 1. Frakturen des EUenbogenbeiiies.
Lit.: Jansen, Thierämtl. Mitth. 1878. S. 117. Biirenbach, das. 1875. S. 148. Armbrecht, Vot. Chirurgie. Percivall, Lameness in the horse. S. 229. Adam, Ad. Woch. 27. S. 133. Lungwitz, Dresd. Ber. 1873. S. 34. Kühne, das. 1862. S. 109. Günther, Exterieur. S. 392. Salchow, Berl. Arch. 1889. S. 301.
Frakturen des Ellenbogenbeines werden zwar bei allen Thierarten, aber selten beobachtet, am häufigsten noch beim Pferde
1
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Frakturen des Ellonbogenbeines.
S61
Hier bricht meist der Ellenbogenhöcker, bei den übrigen Thieren auch der stärker entwickelte Körper und zwar meist veranlasst durch Gewalt­einwirkungen von aussen (Hufschlag, Fusstritt, Niederstürzen). Jansen berichtet über drei Fälle bei Pferden, von denen einer durch Fall und Fortschleifen, zwei durch Hufscliläge veranlasst waren. Ein beider­seitiger Ellenbogenbruch wurde bei einem Pferde beobachtet, welches mit den Vorderfüssen durch eine englische, d. h. in der Höhe der Krippe gelegene Haufe getreten war. In der Regel bricht das Ole-cranon vollständig ab, wodurch die Ellenbogenstrecker ihren unteren Insertionspunkt verlieren, und die Erschei­nungen einer Radialislähmung hervortreten.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Fig. 92.
Birrenbach fand einen Querbruch etwa 11l2 Zoll unter der Spitze. Liegt die Frak­tur tiefer und geht sie durch das Ellen­bogengelenk, was in der Regel der Fall ist, so tritt hochgradige Lahmheit auf, wobei auch die Belastung des Schenkels gestört ist. Die Verschiebung des Knochens lässt sich zuweilen direct nachweisen.
Prognose und Verlauf. Heilungen sind bei Ellenbogenbeinbrüchen sehr selten. Die meisten Thiere worden früher oder später getödtet. Nach Günther soll bei Fohlen die Heilung leichter erfolgen. Be­kanntlich heilen auch beim Menschen Quer­frakturen des Olecranons nur mit binde-
gewebigem Callus. Man führt dies auf die
Bruch des Ellenbogcnbeines vom Pferd.
durch den Muskelzug bewirkte, erhebliche Diastase der Bruchfragmente sowie auf die bei dem Mangel an Periost beschränkte Callusbildung zvmick. Auch hat schon A. Cooper durch Versuche an Hunden nachgewiesen, dass bei Längsfrakturen des Ole­cranons regelmässig Knochencallus entsteht. Der ungünstige Verlauf der Ellenbogenbeinbrüchc bei Pferden muss vielmehr darauf zurück­geführt werden, dass die Fraktur fast immer bis auf die Gelenk­fläche des Knochens reicht. Fig. 92, nach der Natur gezeichnet, zeigt die typische Fraktur, wie ich sie mehrmals bei Pferden beob­achtet, aber niemals heilen gesehen habe. Unter besonders günstigen Umständen kann bei Ellenbogenfrakturen Wiederherstellung eintreten, wie Armbrecht beim Pferde beobachtete.
Möller, Specielle Chirurgie l'lir Thierärzto.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 36
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562nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Ellenbogens und Vorarmes.
Behandlung. Da bei Pferden und Wiederkäuern ein wirksamer Verband an dieser Stelle nicht zu appliciren ist, so beschränkt sich die Therapie darauf, dem Thiere Ruhe zu geben, dasselbe eventuell in einen Hängegurt ZU bringen. Die Thätigkeit in den Ellcnbogen-streckern stört natürlich den Heilungsprocess, deshalb empfiehlt sich bei Pferden das Niederlegen zu verhindern, was bei minderwerthigen Thieren in einfacher Weise durch Hochbinden, anderenfalls durch einen Hängegurt erreicht wird. Bei Fleischfressern lässt sich ein Gipsverband anlegen, wodurch die Heilung zwar erleichtert wird, aber auch hier auf Schwierigkeiten stösst.
2. Frakturen der Speiche.
Sie kommen bei Pferden in der Regel ohne Bruch des Ellen­bogenbeines vor, bei den übrigen Thieren treten sie bald mit, bald ohne diesen auf. Am häufigsten beobachtet man Brüche des Vorarmes bei Hunden durch üeberfahren, Stoss, Schlag, bei den grösseren Thieren in Folge von Hufschlägen, Niederstürzen und Ausgleiten beim Aufstehen u. s. w.
Die Erkennung kann nur bei Wiederkäuern und Fleischfressern auf Schwierigkeit stosscn, wenn das Ellenbogenbein intact geblieben ist und Crepitation fehlt. Die genaue Untersuchung ergiebt jedoch eine abnorme Beweglichkeit, Crepitation, Anschwellung und Schmerz. Nicht selten perforiren die Bruchenden die Weichtheile und äussere Haut (complicirter Bruch).
Beurtheilung und Verlauf. Suboutane Frakturen des Radius bei intactem Ellenbogenbein heilen bei Fleischfressern und Wiederkäuern regelmässig in ;5—(J Wochen. Ist gleichzeitig das Ellenbogenbein fraktu-rirt, SO führt bei Fleischfressern die rechtzeitig eingeleitete Behandlung ebenfalls fast immer in 4—8 Wochen zur vollständigen Heilung; schwieriger ist diese bei Wiederkäuern und Schweinen, kommt je­doch auch hier zu Stande. Bei Pferden müssen dagegen alle voll­ständigen Vorarmbrüche als relativ unheilbar angesehen werden, namentlich in der Nähe der Epiphyson des Knochens; in der Dia-pliyse wird bei ruhigen Pferden wohl Heilung erzielt (S a 1 c h o w), sofern die Thiere im Stande, sind, den anderen Fuss so lange aus-schliesslich zu belasten (S. 041).
Complicirte Frakturen am Radius müssen durchweg als unheilbar
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Bruch dor Speiche.
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betrachtet werden; doch gelingt bei kleinen Thieren nicht selten ihre Heilung.
Behandlung. Die Reduction erfolgt nach den allgemeinen Vor­schriften und zwar am leichtesten in der Narkose. Bevor der Gyps-verband angelegt wird, überzeuge man sich, dass sich der Fuss in normaler Lage, weder in Suppinations- noch auch in Pronationsstel­lung befindet. Bei Fleischfressern legt man den Gipsverband un­mittelbar auf die Haut und in der Ausdehnung, dass Ellenbogen- und Vorderfusswurzelgelenk von ihm eingeschlossen sind. Bei grösseren Thieren muss der Verband mindestens bis zur Pusswurzel nach unten reichen, um hier einen Stützpunkt zu finden und nicht herabzugleiten.
Complicirte Frakturen werden nach den allgemeinen Grundsätzen behandelt. Grosse Thiere bleiben während der Heilung im Hiingegurt. Die Binz'sehe Binnenschiene hat selten einen praktischen Nutzen. Dagegen benützte Salchow mit Vortheil einen Filzverbaiul; bei einem schrägen Bruch wurde am 2. Tage das Pferd in einen Hiinge­gurt gebracht, die Reduction bewirkt, und nachdem Watte und Gazebinden angelegt waren, wurde darüber ein angefeuchtetes Stück Filz mit Leinwandbinden fixirt; die vollständige Heilung erfolgte in 3 Monaten.
8. Luxation des Ellcnbogcngclcnkes.
Lit.: Docroix, Jahrb. 1858. S. 50.
Ohne Zerreissung der starken Seitenbänder ist bei grossen Thieren eine Luxation im Ellenbogengelenk nicht möglich; beim Pferde tritt in der Regel zugleich ein Bruch des Ellenbogenbeines hinzu. Nach Bigot soll Luxation während der Beugestellung eintreten können und zwar durch Gewalteinwirkungen auf das Ellenbogenbein. Jedenfalls ge­hören Luxationen des Ellenbogengelenkes bei Thieren zu den grössten Seltenheiten.
Selbst Distorsionen werden bei dem wirksamen Henmumgs-apparate des Gelenkes, namentlich den starken Seitenbändern mul dem Schnabel des Ellenhogenhöckei-s sehr selten bei Thieren beobachtet.
Hertwig behauptet, dass bei Fleischfressern sowohl vollkommene wie unvollkommene Verrenkungen im Ellenbogengelenke nach innen wie aussen auch ohne Knochenlmich vorkommen, ich kenne solche nur als angeborene Zustände, die meist an beiden Fiissen zugleich vor-
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5(j4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Ellenbogens und Vorarmes.
kommen und mit Deformitäten nicht nur des Ellenbogen-, sondern oft auch des Fusswurzelgelenkes verbunden ist. Meist werden solche Thiero als Krüppel -vertilgt.
Der Nachweis einer Verrenkung fällt nicht schwer, zumal regel-mässig umfangreiche Zerreissung mit derselben verbunden ist.
Beurtheilung und Verlauf. Bei angeborenen Luxationen lohnt sich ein Heilversuch in der Regel nicht. Die bei Fleischfressern später entstandenen und rechtzeitig behandelten Fälle verlaufen gün­stig, sofern sie nicht mit Knochenbrüchon verbunden sind. Gerechten Zweifel erregt indess die Mittheilnng Decroixs, dass nach S1/raquo; Mo­naten noch eine Reduction beim Pferde erzielt worden sei. Ungünstig müssen auch die angeborenen Luxationen im Ellenbogengelenk beur-theilt werden und zwar um so mehr, je grosser die gleichzeitig be­stehenden Deformitäten der Knochen sind. Gelingt auch die Repo­sition, so zeigt sich die Retention um so schwieriger. Meist wird auf eine Behandlung verzichtet.
Behandlung. Sowohl die Reposition wie auch die Retention er­folgt nach den allgemeinen Regeln. Bei Fleischfressern lässt sich das Gelenk auch eingypsen, was bei den grösseren Thieren in der Regel nicht gelingt.
i. Entzündung des Ellenbogengclcnkes.
Acute wie chronische Entzündung des Ellenbogengelenkes wird bei allen Hausthieren gelegentlich beobachtet. Bald geben hierzu Gelenk­wunden die Veranlassung ab, bald handelt es sich um metastatische Erkrankung •/.. B. bei der sog. Lähme der jungen Thiere. Bei Hunden wird das Gelenk nicht selten durch Bisswunden, bei Pferden durch Hufschläge oder Stiche mit der Mistgabel geöffnet. Auch führt nicht selten eine Verletzung der mit dem Ellenbogengelenk communi-cirenden Sehnenscheide des Muse, extensor carpi ulnaris zu dem Leiden. Nach Franck soll die genannte Sehnenscheide stets, nach Eich-banm häufig durch einen 1,5—2 cm breiten Spalt mit dem Ellen-bogengelenk in Verbindung stehen.
Chronische entzündliche Processe kommen an diesem Gelenke selten vor. Roloff beobachtete fungöse Arthritis des Ellenbogengelenkes beim Pferde, Dammann die Bildung eines Cystenchondromes. Im ganzen sind auch geschwulstbildende Processe an dieser Stelle
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Entzündung des Ellenbogengolenkcs.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 565
nicht häufig. Die Arthritis chronica lilsst sich am Ellenbogen oft nicht mit Bestimmtheit nachweisen und füllt daher meist in die Gruppe Schulterliihmheit.
Percival beobachtete bei einem Pferde chronische Lahmheit, welche mit der Rehe Achnlichkeit hatte. Die Section ergab chronische Entzündung beider Ellenbogengelenke, wobei die Hälfte der Gelenk-flilche usurirt und mit Granulationen besetzt war.
Acute Entzündungen des Ellenbogengelenkes, meist durch Gelenk­wunden veranlasst, geben sich durch hochgradige Schmerzen bei der Bewegung zu erkennen. Oft nimmt Patient die Last noch auf, während jede Bewegung in dem Gelenke ängstlich vermieden wird; so namentlich im Anfange der Erkrankung, so lange bloss eine acute Synovitis besteht; hierzu gesellt sich oft Fieber und bedeutende An­schwellung um das ganze Gelenk.
Der Verlauf gestaltet sich ungünstig; da die acuten Entzündungen dieses Gelenkes fast immer tödtlich enden, die chronischen aber un­heilbare Lahmheit zur Folge haben.
Die Behandlung ist daher vornehmlich eine präservative und rauss nach den allgemeinen Regeln geleitet werden: Sorgfältige Anti­sepsis bei Wunden, welche das Gelenk oder die, Sehnenscheide getroffen haben oder auch nur den Verdacht erwecken, dass diese verletzt sind. Besteht bereits eiterige Erkrankung des Gelenkes, so lässt sich selten noch etwas erreichen. Ausspülungen derselben stossen bei der dicken Muskulatur und dem engen Kapselbande stets auf Schwierig­keiten und haben daher meist keinen Nutzen. Auch die von Percival beobachtete Arthritis chronica zeigte sich unheilbar; das Pferd wurde nach längerer, resultatloser Behandlung getödtet.
5. Die Stollbeule, der Stollsclnvaium der Pferde.
Lit.! Binz, Busoha Zeitsohr. Bd. I. H. 2. S. 20. Stookfleth, Handbuch d.
th. Chir. S. 195. Scliradur, Gurlt u. Hortwig. 8. S. 218.
Der Bursa olecrani des Menschen entsprechend findet sich beim Pferde und Hunde an der hinteren Fläche des Ellenbogenhöckers zwar nicht constant, aber sehr häufig (Eichbäum) unter der Haut eine wallnuss- bis apfelgrosse Bursa mueosa. Die entzündlichen Erkran­kungen derselben mit ihren Folgezuständen, welche in der Regel durch
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Krankheiten lt;ies Ellenbogens und Vorannes
Quctscliungou seitens der Stollen des Hufeisens verunlasst werden, hat man seit alter Zeit als Stollbeule bezeichnet.
Pathologisobe Anatomie. An der Bursa treten in Folge der Quetschung acute Entzündungsprocesse auf; bald erfolgt eine Blutung in dieselbe, bald handelt es sich um eine Bursitis sero-fibrinosa, bezw. haemorrhagica; wenn Eiterungserreger Zutritt finden, stellt sich eine B. suppurativa ein. Auf jeden Fall aber leidet gleich­zeitig das die Bursa umgebende Bindegewebe mit (Parabursitis); seine Erkrankung tritt sogar in den Vordergrund; es besteht anfangs ödematöse Schwellung des Bindegewebes, welche später einer plasti­schen Infiltration Platz macht und schliesslich zu einer umfang­reichen Bindegewebsneubildung führt, die unter Umständen ver­knöchert.
Das Leiden stellt also eine Bursitis und Parabursitis ole-crani dar; die letztere bewirkt vornehmlich die Anschwellung.
Erscheinungen. Je nach den pathologischen Veränderungen zeigen sich die klinischen Symptome etwas verschieden. Constant ist nur die Geschwulst, welche sich mehr oder weniger scharf von ihrer Umgebung abhebt. Im frischen Zustande fühlt sich dieselbe vermehrt warm an, ist von teigiger Beschaffenheit und wenig schmerzhaft. Später wird sie immer härter, in dem Masse sich nämlich die plastische Infiltration und Induration des parabursalen Gewebes ausbildet. Tritt ausnahmsweise die Füllung der Bursa in den Vordergrund, so zeigt die Geschwulst Fluctuation, und auf Einstich entleert sich blutige Flüssigkeit; oft findet man die bis zur Grosse einer Mannesfaust erwei­terte Bursa mit Fibringerinnsel angefüllt. Wird dieselbe nicht geöffnet, so kann ihr Inhalt resorbirt werden, und M'ährend die Parabursitis in Zer-tbeilung übergeht, bleibt ein schlaffer Hautsack zurück. Lahmheit ist mit dem Leiden fast niemals verbunden, und zu verwechseln ist der Zustand nur mit entzündlichen Veränderungen in der Subcutis. Diese zeigen jedoch niemals so scharfe Begrenzung wie die Erkrankung der Bursa.
Ursachen. Das Leiden wird durch Quetschung veranlasst, welche fast ausnahmelos von den Stollen des Hufeisens ausgeht, daher der Name. Wenn die Thiere aus irgend welchen Gründen (Schwäche, zu kurzes Anbinden, enger Stand, Athembeschwerde bei dämpfigen Pferden) mit untergeschlagenen Füssen auf dem Brustbeine ruhen, so kommt namentlich bei dem kurzen Vorarm kaltblütiger Pferde die
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Stollbeule.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;507
hintere Fläclie dos Ellenbogens genau gegen das hintere Ende des Hufes zu liegen und wird von dem Stollen des Hufeisens leicht ge­quetscht. Auch will man im Verlaufe der Druse metastatische Er­krankungen der Bursa beobachtet haben.
Verlauf. Der Zustand entwickelt sich in der Regel schnell, ent­steht meist über Nacht. Bei sofortiger Behandlung gelingt zuweilen die Zertheilung, häufiger aber wird das Leiden chronisch, indem sich die Resorptionsvorgänge verzögern, und in dem parabursalen Gewebe Induration eintritt. Kommt nach längerem Bestehen einer stärkeren Anschwellung Zertheilung zu Stande, so bleibt oft als Schönbeits-feliler eine schlaffe Hautfalte zurück. Die Resorptionsvorgänge werden aber nicht selten durch das Fortwirken der Ursache verhindert. Indem die Thiere immer von neuem die beschriebene Lage einnehmen und die Bursa mit ihrer Umgebung verletzen, entwickelt sich schliesslich eine chronische Bindegewebswucherung im parabursalen Grewebe, welche nicht mehr resorptionsfähig ist.
War die Haut mit verletzt, so kommt es wohl zur Eiterung in der Bursa; dann stellt sich nach einiger Zeit Fluctuation und Perforation ein. Bei der im Verlaufe der Druse auf metastatischen Wege ent­standenen Bursitis ist stets Eiterung vorhanden, Da das Leiden fast niemals Lahmheit zur Folge hat, so bleibt die Prognose bei Arbeits­pferden und in Bezug auf Brauchbarkeit günstig. Je älter der Zu­stand , um so geringer ist die Aussicht auf vollständige Heilung, doch lassen sich auch ältere Stollbeulen in der Regel auf operativem Wege noch beseitigen.
Behandlung. Frische Erkrankungen der Bursa werden gekühlt, und sofern weitere Quetschungen fern zu halten sind, erzielt man da­mit oft vollständige Zertheilung. Unterstützt wird die Resorption durch Anwendung einer Scharfsalbe. Besonders empfehlenswerth zeigen sich wiederholte scharfe Einreibungen. Mögen diese auch günstig auf die Resolutionsvorgänge wirken, so ist ihr Nutzen wohl noch mehr darauf zurückzuführen, dass sie in der Cutis einen schmerzhaften Zustand unterhalten und die Thiere zwingen, neue Verletzungen der erkrankten Stelle beim Liegen zu vermeiden. Es empfiehlt sich daher, eine massig concentrirte Quecksilberbijodatsalbe (1:10) alle 2—3 Tage zu appliciren.
Schon Binz machte darauf aufmerksam, dass sich die Incision nur bei Eiterung in der Bursa empfehle; ist durch diese der Schleim-
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Krankheiten des Ellenbogens und Vorarmes.
beutel zerstört, so kann Heilung- eintreten, anderenfalls bleibt diese lange Zeit auf, weil die Bursa keinen geeigneten Boden für die Granu-lationsbildung abgiebt. Man beobachtet alsdann lebhafte Secretion einer serösen Flüssigkeit, welche die von der Schnittwunde stammenden Granulationen nicht zum Abschluss gelangen lässt und so eine Fistel­bildung zur Folge hat. Soll Heilung auf diesem Wege erzielt werden, so muss nach der Incision die Bursa durch Aetzmittel oder mit dem Glülieisen zerstört werden.
Stockflcth empfiehlt hierzu Kalilauge (1 Theil Aetzkali auf 4 Theile Wasser), womit der Sack täglich ausgepinselt werden soll; es ist dafür zu sorgen, dass die übrigen Theile des Schenkels vor dem Aetzmittel geschützt werden. Einfacher gestaltet sich daher zu diesem Zwecke die Anwendung des Glüheisens. Stockfleth benutzte das­selbe zum Oeifnen der erkrankten Bursa, wodurch gleichzeitig die nach der Incision zuweilen auftretende Emphysembildung verhütet wird. Mau entschliesse sich jedoch zum Oeifnen der Bursa nur dann, wenn entweder bereits Eiterung in derselben bestellt, oder wenn die Wand derselben dünn ist, und die Anschwellung hauptsächlich durch die Füllung der Bursa bedingt wird. Zeigt die Härte der Geschwulst, dass sie vornehmlich aus indurirtem Bindegewebe besteht, so kann nur die Zerstörung oder unmittelbare Beseitigung desselben zum Ziele führen. Der erstere Weg wurde früher häufiger eingeschlagen, indem man Aetzmittel in die Geschwulst einführte. Hertwig empfahl dazu Arsenik, welcher in Pulverform oder in Stücken auf den Grund eines bis zur Mitte der Geschwulst gemachten Einstiches gebracht wurde. Hierdurch erfolgte Mortification der Bursa und ihrer Umgebung; nach 8—14 Tagen schält sich die Geschwulst von der äusseren Haut los und fällt ab; sodann erfolgt durch Granulation die Ausfüllung des Defectes und Heilung. Hat diese Methode auch den Vorzug, dass die Pferde während derselben nicht nothwendig von der Arbeit zurück­gehalten werden, so können doch leicht unwillkommene Störungen ein­treten. Daher zieht man neuerdings die Entfernung der Geschwulst auf mechanischem Wege vor, und zwar entweder durch Ausschälen oder Abbinden. Das von Schrader zuerst empfohlene Abbinden, die einfachere und leichtere Methode führt fast immer zum Ziele und findet nach meinen Erfahrungen überall da zweckmässige Anwendung, wo sie sich ausführbar erweist, d. h. wo der Tumor in dem Masse gestielt erscheint, dass sich eine Ligatur anlegen lässt. Hierzu eignet sich besonders die elastische Schlinge; ein etwa federkielstarker, dick­wandiger Gummischlauch wird nach dem Abscheren der Ilaaro und nach
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Stollbeulo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; quot;) (JO
Reinigung der Haut um den Grund der Geschwulst gelegt und so fest als möglich angezogen. Mittelst eines um die Enden der Ligatur ge­legten Fadens wird diese befestigt. Die Ligatur schneidet bald ein, und je nach der Dicke der Masse wird dieselbe in 4—10 Tagen durch­schnitten und fällt dann ab. Bei grossen Stollbeulen kann nach 2 oder 3 Tagen eine Erneuerung der Schlinge nothwendig werden, die in der gleichen Weise applicirt wird. Während die Ligatur wirkt, lasse man die Wundflächo täglich reinigen und mit Desinficientien (Sublimat, Greolin, Carbolsäurelösung) behandeln. Seiner desodorisironden Wir­kung wegen empfiehlt sich hierzu Kai. permanganicum. Man will zwar nach der Unterbindung Tetanus beobachtet haben; mir ist jedoch diese Complication nie vorgekommen. Da es sich beim Tetanus um eine Infectionskrankheit handelt, so erscheint die sorgfältige Desinfec-tion beachtenswerth, wodurch zugleich der mit der Fänlniss der abge­storbenen Massen verbundene üble Geruch zurückgehalten wird. Ich empfehle die Ligatur auf die äussore Haut zu legen und diese nicht vorher zu durchschneiden. Durch die Ligatur wird die äussere Haut zusammengezogen und auf diese Weise die Narbenbildung vermin­dert; schon Have mann wies auf diesen Vorzug der Ligatur hin. Sollte die Anlegung einer elastischen Schlinge bei dem Mangel ge­stielter Beschaffenheit des Tumors auf Schwierigkeiten stossen, so ver­suche man zunächst einen dünnen Bindfaden anzulegen, der nicht so leicht abgleitet wie die elastische Ligatur. Nachdem hierdurch in wenigen Stunden eine Anschwellung des Tumors eingetreten ist, gelingt die Application der elastischen Ligatur leichter. Im Nothi'allc kann das Abgleiten durch eine lange Nadel verhindert werden, welche man quer durch die Geschwulst sticht.
Man hüte sich, bei der Unterbindung den Rest der Geschwulst mit dem Messer oder der Schere zu entfernen; dieser enthält stets die grösseren Gefässe, namentlich Arterien, und es entsteht daher leicht eine, wenn auch selten gefährliche, oft aber unbequeme Blutung. Wird die Stollbeule mit Bindfaden oder Draht unterbunden, so ist ein Nachziehen oder die Erneuerung der Schlinge nach ein paar Tagen nothwendig.
Die Nachbehandlung gestaltet, sich einfach. Nachdem die Ge­schwulst abgefallen ist (was durch langsame Torsion etwas beschleunigt werden kann), lässt man die Wnndfläche täglich mit Desinficientien reinigen, bis sich ein trockener Schorf gebildet hat, unter dem die Heilung in 8—14 Tagen von Statten geht, und zwar in der Regel ohne Hinterlassunff einer erhebliehen Narbe. Die Schorfbildunff wird
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Ki-ankhuiten des Ellenbogens und Vorarmos.
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durch Bepudern mit Jodoform und Tannin oder Zucker (ana) be­schleunigt.
Das von einigen Seiten empfohlene Ausschälen der Geschwulst gestaltet sich nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint. In der Regel muss das Pferd hierzu auf die Seite gelegt werden. Am besten operirt man bei unruhigen Thieren in Chloroformnarkose. Nach­dem der Fuss ausgebunden, an zwei Stricken oder mittelst einer langen Stange nach vorn gehalten ist, führt man eine Schlinge durch die Geschwulst, um dieselbe bequemer halten zu lassen. Die Haare werden zweckmiissig schon am stehenden Thicre da entfernt, wo der Schnitt geführt werden soll. Bei der Verschiebung der Haut am liegenden Thiere verfehlt man sonst leicht die richtige Schnittführung. Hierauf wird der Tumor nach den allgemeinen Kegeln lospräparirt. Man hüte sich jedoch die Vorarmfascie und Muskulatur zu verletzen, wodurch leicht unangenehme Phlegmonen veranlasst werden. Auch vermeide man, den Ellenbogenhöcker frei zu legen. Nach Entfernung der Geschwulst wird die Wunde nach den allgemeinen Grundsätzen behandelt. Asepsis lilsst sich in der Regel nicht erzielen, daher beschränkt man sich darauf, nach Unterbindung der grösseren Gefässe durch Einheften eines festen Wergtampons die Blutung zu stillen. Das Pferd erhält Ruhe und darf sich in den ersten 8 Tagen nicht niederlegen; deshalb em­pfiehlt sich ein Hängegurt.
Prophylaktisch empfiehlt sich die Anwendung eines Kissens, welches um den Huf gelegt wird, oder eines mit Stacheln versehenen, um die Fessel gelegten Lederriemens. Von letzterem lässt sich im allgemeinen nur bei kaltblütigen Pferden Gebrauch machen; bei warmblütigen schützt ein zweckmiissig construirter Lederschuh. Diese Hülfsmittel finden auch während der Behandlung der Stollbeule vortheilhafte Ver­wendung, da die sonst immer von neuem eintretenden Quetschungen das grössto Hinderniss für die Zertheilung der Geschwulst abgeben.
Ein ähnlicher Krankheitszustimd kommt bei Hunden vor; an dem­selben leiden namentlich grosse, schwere Hunde, welche die Neigung haben, sich beim Liegen auf hartem Loden auf das Lrustbein und den Ellen­bogen zu stützen. Hie hierdurch bewirkte Verletzung beschränkt sich zu­weilen auf die äussore Haut, welche eine Verdickung mit Schwielenbildung an der betreffenden Stelle zeigt. Nicht selten aber kommt es zur Er­krankung der Bursa olecrani. Von der Stollbeule des Pferdes unterscheidet sich das Leiden dadurch, dass der entzündliche Process fast immer auf die Bursa beschränkt bleibt und höchst selten mit einer Parabursitis verbun­den ist. Daher fehlt auch die Härte der Anschwellung; dieselbe erscheint dagegen fluctuirend; zuweilen lassen sich an ihr entzündliche Erscheinungen (Wärme, Schmerz) nachweisen; in der Regel fehlen aber auch diese, und
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Stollbeule.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 571
das Ganze beschränkt sich auf eine haselnuss- bis hühnereigrosse, fiuctuirende Geschwulst von länglicher oder runder Gestalt.
Es handelt sich beim Hunde um eine Füllung der Bursa olecrnni mit Serum, welches zuweilen auch Fibrin enthillt (Bursitis sero-fibrinosa); nur selten trifft man Blut in dem Schleimbeutel. Auch hier ruft das Leiden niemals Störungen bei der Bewegung hervor, sondern bildet einen Schön­heitsfehler, dessen Beseitigung jedoch auf Schwierigkeiten stösst. Zerthei-lung wird um so weniger erreicht, als die Ursache immer von neuem wieder einwirkt. Thiere, welche sich die beschriebene Lage einmal angewöhnt haben, legen sie nicht leicht wieder ab, zumal der Zustand schmerzlos ist. Daher genügt auch die einfache Function der Geschwulst und die Entfernung ihres Inhaltes nicht. Bei der mehr flachen Beschaffenheit desselben lässt sich auch eine Ligatur nicht anlegen. Soll daher etwas geschehen, so muss die ver-grösserte Bursa auf operativem Wege entfernt werden, was jedoch nicht leicht ist; auch bleibt in der Kegel Narbenbildung und Verdickung zurück. Soll die Geschwulst beseitigt werden, so operirt man am besten in Mor­phiumnarkose. Nach Entfernung der Haare wird ein Hautschnitt in der Richtung der Gliedmasse über die Geschwulst geführt. Nunmehr prilparirt man in dem lockeren Bindegewebe die Bursa von ihrer Umgebung los, ohne dieselbe jedoch anzuschneiden, wodurch die Fortsetzung der Operation wesentlich erschwert wird. Am meisten Schwierigkeit bietet die Ablösung der Bursa vom Ellenbogenbein, mit welchem sie fest verbunden ist. Dabei vermeide man, den Knochen frei zu legen, um die Heilung nicht zu verzögern und die Narbenbildung zu beschränken. Gelingt die Excision, so kann bei ruhigen Thieren zuweilen Asepsis und Heilung per primam erreicht werden. Darauf hin behandle und verbinde man die Operations­wunde, lege eine dicke Lage Watte oder Holzwatte auf die hintere Fläche des Ellenbogens, um Quetschungen desselben beim Liegen des Thieres zu ver­hüten. Tritt die Heilung auf dem ersten Wege ein, so ist das möglich Beste erreicht; gelingt sie nicht, so wird die Wunde nach den allgemeinen Regeln behandelt. Man sorge während der Heilung für ein weiches Lager.
Reste der Bursa, welche beim Ausschälen am Ellenbogenboin zurückge­blieben sind, können durch oberflächlich wirkende Aetzmittel (Höllenstein) zerstört werden, um eine gleichmässige Granulationsfläche zu erzielen.
(gt;. Wunden und Quetschungen am Vorarm.
Lit.: Bassi, Her. Rep. 25. S. 170.
Wunden, welche sich auf die Haut dos Vorannes beschränken, haben keine besondere Bedeutung; horizontal verlaufende klaffeil stärker als Längswunden. Sobald dieselben aseptisch bleiben oder voll­ständig desinfloirt worden, können sie per primam heilen, wenn ein Occlusivverband angelegt wird, was bei kleinen Thieren wohl gelingt, seltener bei grösseren.
Ist die Vorarmfascie und Muskulatur von der Verletzung be­troffen, so kommt es leicht zu Eiterversenkungen und anderen Stö­rungen, weshalb die Erlangung eines aseptischen Zustamles hier
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Krankheiten des Ellenbogens und Vorannes.
doppelt wünsohenswerth ist. AndereHfalls wird oft weiteres Spalten oder die Anlegung eines Haarseils oder Drains notliwendig. Dies gilt namentlich von Stich wunden, die bereits inficirt, mit stärkerer An­schwellung verbunden und schmerzhaft sind. Doppelte Vorsicht ist bei Gegenwart von Fieber geboten.
Tiefer gehende Muskel wunden klaffen namentlich sehr stark, wenn sie in der Qucmchtung des Schenkels liegen. Die Thiere zeigen dabei meist eine auffällige Hangbeinlahmheit, während die Belastung des Fnsses zu­weilen ancli dann nicht erheblich gestört ist, wenn die Streckmuskeln zum grössten Theil durehtronnt sind. Sowohl das Klaffen der Wunde wie auch die Contractionen in den durchtrennten Muskeln bilden Schwierigkeiten bei der Heilung. Dazu kommt, dass bei grösseren Wunden die äussere Haut sich alsbald retrahirt. Es empfiehlt sich daher, solche Wunden auch dann möglichst bald zu heften, wenn eine Aussicht auf aseptische Heilung ausgeschlossen erscheint. Man nehme hierzu etwa 3—6 mm breites Hand, und suche namentlich die äussere Haut zu iixiren und Hetractionon derselben zu verhüten. Werden die Ligaturen zugleich durch die Muskclkörper ge­legt, so erlangen sie nicht nur grössore Festigkeit, reissen weniger leicht aus, sondern können auch zur Befestigung eines Verbandes dienen. Man achte auf Üppige Granulationen, die rechtzeitig mit Adstringentien und Aetz-mitteln bekämpft werden müssen.
Quetschungen der Muskulatur und Fascie am Vorarni werden am häufigsten bei Lastpferden durch Gcgenschlagen der Deichsel­stange beobachtet; auch können Hufschläge solche erzeugen. Schmerz, Anschwellung und Störung der Bewegung (Hangbeinlahmheit) hissen diese Zustände bei sorgsamer Untersuchung leicht nachweisen.
Meist erfolgt in 8—14 Tagen Zertheihmg mit Beseitigung der Lahmheit, doch kommt es zuweilen zur Abscessbildung, und so­bald diese deutlich hervortritt, säume man nicht mit dem Einstich und sorge für den regehnässigen Abfluss des Eiters. Anderenfalls bilden sich leicht Eiterversenkungen, die namentlich in Folge von Nekrose an der Vorarmfascie bei der Behandlung grosse Schwierig­keiten bereiten können; oft werden ausgiebige Spaltungen erforder­lich. Am unteren Ende des Vorarmes kommen unter Umständen Ver­letzungen der Speiche vor, welche meist dicht über der Vorderfuss-wurzel erfolgen. Auch hier wird sorgfältige Entleerung des Wundsecretes nothwendig, zuweilen mit Hülfe von Spaltungen oder Drainröhren, Haarseilen u. s. w. Erhebliche Schmerzen bei geringfügiger An­schwellung lässt die Mitleidenschaft des Knochens (Periostitis, Nekrose) vermuthen. Erst mit dem vollständigen Aufhören der Eiterung kann diese Complication ausgeschlossen werden.
Bei Pferden beobachtet man zuweilen Verletzungen (Quetschungen) an der Innenfläche des Ellenbogengelenkes, durch Uebertreten über
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Quetschungen des Vorarmes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;573
don Latirbaum, über die Deichsel oder ähnliche Gegenstände. Die damit verbundenen Schmerzen sind oft ungemein gross, so dass die Thiere den Puss gar nicht belasten. In solchen Fällen liegt oft eine Quetschung des N. medianus vor, deren Wirkung bald nur wenige Minuten, unter Umständen aber auch ein paar Tage anhalten kann. Unempfindlichkeit unterhalb des Ellenbogengelenkos, namentlich an der hinteren Fläche des Schenkels, spricht für diesen Zustand, welcher jedoch meist in kurzer Zeit verschwindet.
Bassi fand bei einem Maulthiere Bewegungen des linken Vorderlaquo; fusses wie beim Hahnentritt. Der Vorderfuss wurde ungewöhnlich hoch gehoben, in Folge dessen stolperte das Thior häufig. Die Störung machte sich namentlich beim ßückwilrtstreten deutlich bemerkbar. An der äusseren Plilche dos Vorarms, dicht unter dem Ellenbogen wurde eine Verdickung festgestellt, die frei von entzündlichen Erschoinungeu und seit einigen Wochen durch einen Fall entstanden war; 12—14- Tage später hatte die Lahmheit ihren Anfang genommen. Auf Durchschneidung des äusseren Beugers der Vorderfasswurzel trat Heilung ein, und kehrten die Zufälle nicht wieder.
C. Die Krankheiten der Vorderfusswurzel.
Anatomie. Die Vorderfusswurzel, ein complicirtes Gelenk, besteht aus 3 Abtheilungen: 1. der Articulatio antibrachio-carpealis, 2. der Art. intercarpea und 3. der Art. carpo-metacarpea. Die beiden ersten stellen nicht ganz vollkommene Wechselgelenke dar, indem sie neben Beugung und Streckung schwache Seitwärtsbewegungen und in der Beugelage auch Drehbewegungen zulassen; bei Pleisohfressern sind diese am ausgiebigsten. Die untere Knochenroihe bildet mit dem Vordormittelfuss ein straffes Gelenk, dessen Beweglichkeit mit Ausnahme der Fleischfresser bei allen Thieren gleich Null ist.
Jedes dieser 3 Gelenke wird durch eine eigene Synovialmembran ab­geschlossen, doch steht das untere mit dem mittleren durch einen schmalen Spalt in Vei'bindung. Das gemeinsame Kapselband geht von den Vorarmknochen aus, legt sich an die beiden Knochenreihen und endet am Metacarpus. Zwei lange Seitenbänder verbinden den Radius mit dem Vordermittclfuss, während die einzelnen Knochen der Fusswurzel durch besondere Bänder unter einander, sowie mit den Verarm- und Vorder-mittelfussknochen verbunden sind, wodurch ihre Bewegung in der Fusswurzel regulirt werden.
Umgeben ist das Gelenk 1. von der tiefen Kniebin de (Fascia carpi profunda s. propria), einer Fortsetzung der Vorarmfascie; sie stellt eine starke Sehnenplatte dar und bildet an der vorderen Fläche des
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574nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Carpus und Metacarpus.
Gelenkes vier Sehnenscheiden für die hier gelegenen Strecker. Diese liegen also zwischen der Fase. carp. prof, und der Gelenkkapsel. Zu beiden Seiten liegt die Fascie dem Gelenke fest an und bildet an der hinteren Fläche das sog. „Ringbandquot; oder „Kniebogenbandquot; eine geräumige Sehnen­scheide für sännntliche Beuger. Dieselbe beginnt beim Pferde etwa 10 cm über der Vorderfusswurzel und reicht bis zum mittleren Dritttheil des Metacarpus.
2. Von der „oberflächlichen Kniebindequot; (Fase, carpi super-ficialis s. Fase, carpea musc. cutan.), eine verstärkte Fortsetzung der Fascie des Hautmuskels. Sie überzieht das ganze Vorderfusswurzelgelenk und ist an der vorderen Fläche desselben mit der vorigen vielfältig ver­wachsen.
8, Auf dieser liegt die ilussere Haut, welche dick, straff angespaniit und mit einer massig entwickelten Subcutis versehen ist. Auf dem Os curpale III, sowie auf der unteren vorderen Radiuslläche medianwärts neben der Sehnenscheide des langen Zehenstreckers finden sich zuweilen subeutane Schleimbeutel (Eichbaum).
1. Frakturen an den Knochen der Vorderfusswurzel.
Der geringe Umfang und die geschützte Lage dieser Knochen lassen Frakturen nicht leicht aufkommen. Bei grösseren Thieren, nament­lich hei Pferden erfolgen solche am häufigsten durch Niederstürzen auf hartem, unebenen Boden; sie sind daher meist mit Verwundung und Verletzungen der Gelenke verbunden und stellen complicirte Brüche dar. Daher heilen sie selten, und wenn dies erfolgt, bleibt das Ge­lenk in Folge Synostosenbildung in der Regel steif, oder in seiner freien Beweglichkeit mehr oder weniger beschränkt.
Eine Ausnahme macht in Folge seiner isolirten Lage das Erbsen­bein. Ich sah wiederholt Frakturen dieses Knochens bei Pferden. Bei einem Lastpferde stellte sich der Bruch während dos schweren Ziehens ein. Offenbar war hierbei die von den Beugern der Vorderfusswurzel ausgehende Zugwirkung die nächste Ursache. Auch kommt Zerreissung des einen oder anderen Bandes des Erbsenheines vor.
Erscheinungen. Unvermögen, den Fuss zu belasten, schmerz­hafte Haltung desselben in Beugestellung, ähnlich wie bei voll­ständiger Itadialislälimuiig deuten auf den Zustand hin; die Palpation und namentlich der Nachweis abnormer Beweglichkeit des Erbsen­beines und der Crepitation lassen über den Bruch keinen Zweifel.
Verlauf. Die Heilung einer Erbsen beinfraktnr stösst auf Schwierig­keiten. Einerseits wird der Knochen durch den Zug der sich an ihn anheftenden Muskeln nach oben gezogen; andererseits bestehen die-
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Frakturen an der Vorderfusswurzel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;575
selben ungünstigen Ernährungsverluiltnisse, wie bei Brüchen des Ellen-bogenböckers, wodurch die Callusbildung erschwert wird. Es ent­wickelt sich ein Bindegewebscallus, der oft nicht genügende Festig­keit besitzt, und wenn das Thier zu früh wieder in Arbeit gestellt wird, so kann eine Zerreissung, gleichsam ein Recidiv eintreten. In anderen Fällen sah ich in Folge dieser Fraktur starke Dorsal­flexion in der Vorderfusswurzel (rückbiegige Stellung) ein­treten. Bei günstigem Verlauf darf man in 2—3 Monaten Heilung erwarten. Viele Pferde ertragen aber die unausgesetzte Belastung des anderen Fusses nicht und müssen in Folge der mit der Senkung des Huf beines an demselben auftretenden hochgradigen Schinerzhaftig-keit getödtot werden.
Behandlung. Nach Anbringung eines Hängegurtes sucht man soweit möglich die Reposition zu bewirken; dieselbe bleibt indess meist unvollständig. Bei phlegmatischen Tbieron mag versucht werden einen Verband anzulegen; in der Kegel scheitert die Anwendung des­selben an der Unruhe der Thiere. In solchen Füllen sorge man für einen geräumigen Stall (Boxe) mit recht weichem Lager, damit das Thier viel liegt, wodurch Senkung des Hufbeines an dem anderen Fusse am sichersten und jedenfalls mehr verhütet wird als durch An­wendung eines Hängegurtes (S. 041).
2. Verletzungen an der vorderen Fläche der Vorderfusswurzel.
Die vordere Fläche der Vorderfusswurzel ist in Folge der ana­tomisch-physiologischen Eigentbümlichkeit der Gliedmassen, namentlich bei Pferden und Wiederkäuern, Verletzungen durch Quetschung aus­gesetzt. Beim Pferde entstehen solche in der Pegel durch Nieder­stürzen auf hartem, unebenen Boden, beim Uinde werden sie ansser-dem durch den andauernden Druck der Körperlast beim Liegen auf hartem Boden, sowie durch die eigenthümliche Art des Niederlegens und Aufstehens der Thiere hervorgerufen. Diese Verschiedenheit in den ursächlichen Momenten erklärt es, dass sich die Krunkheitszu-stände bei den einzelnen Thierarten verschieden gestalten, weshalb sie auch hier eine gesonderte Betrachtung erfahren sollen.
A) Verletzungen an der Vorderfusswurzel bei Pferden, Beim Niederstürzen während der Bewegung fallen Pferde regel-mässig auf die Vorderfusswurzel, wodurch bald Quetschungen, d. h.
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57(jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Carpus und Metacarpus.
Verletzungen ohne Trennung in dem Zusammenliange der üusseren Haut, bald aber (Quetschwunden entstehen, die je nach ihrer Ausdehnung eine verschiedene Bedeutung erhingen. Pferde, die in Folge mangel­hafter Bauart, Altersverilnderungen in der Muskulatur oder anderer Umstände auf den Vorderfüssen unsicher gehen und so leicht fallen, verletzen sich häufig die Vorderfiäche der Vorderfusswurzel an einem oder an beiden Füssen. In der lieget beschränkt sich die Wirkung auf eine oberflächliche Quetschung der Haut. Rutschen die Thiere beim Fallen während einer beschleunigten Gangart auf die Vorder­fusswurzel gestützt weiter, so finden Excor'iationen der üusseren Haut statt, wobei die Haare zum Theil abgerieben werden. Diese Zustände haben keine weitere Bedeutung und werden erst bedenklich, wenn die äussere Haut perforirt wird; so lange dies nicht der Fall ist, heilen die Verletzungen oft ohne Störungen in der Dienstleistung des Pferdes. Sobald aber die Haut perforirt ist, verlangt der Zustand eine sorgsame Behandlung, namentlich Ruhe des Thieres, und trotzdem bleiben nicht selten Verdickungen und haarlose Stellen zurück.
Wenn die Weichtheile an der vorderen Fläche des Carpal-gelenkes stärker angeschwollen sind, erscheint die Beugung desselben mehr oder weniger erschwert. Wird unter diesen Umständen die Beugung in der Vorderfusswurzel, z. B. durch Niederstürzen forcirt, so kommt es leicht zu Zerreissungen des entzündlich infiltrirten Ge­webes der Cutis und Subcutis und zur Bildung tiefer, horizontal an der vorderen Fläche des Carpalgelenkes verlaufender Wunden, die bei der Heilung stets grosse Schwierigkeiten bereiten.
Bedenklicher noch wird der Zustand, wenn zugleich die Fascien verletzt oder auch nur freigelegt wurden. Da beide Fascien an dieser Stelle fest mit einander verbunden sind, so werden in der Regel beide zugleich betroffen. Die Untersuchung der Wunde ergiebt dann eine grössere Tiefe derselben; oft lassen sich Fetzen der zerrissenen Fascien in derselben nachweisen.
Es liegt auf der Hand, dass hierdurch die Heilung erheblich verzögert wird, doch kommt diese in der Regel bei entsprechender Behandlung zu Stande. Sie stösst so lange auf keine grösseren Schwierigkeiten, als die Sehnenscheiden der Strecker nicht geöffnet sind, die Anschwellung also beschränkt bleibt, und die Schmerzen nicht erheblich werden.
Sobald die Sehnenscheiden frei gelegt sind, erlangt das Leiden eine besondere Bedeutung. Die Anschwellung wird alsdann stärker und breitot sich weiter nach unten und oben aus; aus der Wunde
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Verletzungen der Vordorfusawurzel bei Pferden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 577
entleert sich Synovia in Gestalt geleeartiger Massen; Bewegungen des Fusses rufen lebhafte Schmerzen hervor; das Belasten pflegt weniger schmerzhaft zu sein, so dass die Thiere beim Gehen den ver­letzten Fuss oft nur ein wenig steif halten.
Beim Niederstürzen auf scharfem Pflaster oder unebenem, hartem Boden können selbst die Strecksehnen verletzt werden, die Verwun­dung kann sogar bis in die eine oder andere Abtheilung des Gelenkes reichen. Gehört auch die Vorderfusswurzel zu den sog. indolenten Gelenken, d. h. zu denen, welche auf ilussere Insulte nur wenig rea-giren, so folgen doch auf solche Verletzungen schwere Störungen. Die Schmerzhaftigkeit nimmt zuweilen einen so hohen Grad an, dass der Fuss gar nichtlaquo; oder nur vorübergehend belastet wird. Die Anschwel­lung erstreckt sich über das ganze Gelenk und dessen Umgebung; regelmässig gesellt sich auch Fieber hinzu. Oft lässt sich der Finger oder die Sonde in das eine oder andere Gelenk einführen, und in späteren Stadien fühlt man die rauhen, von Knorpel entblössten Ge-lenkfiiichen. Auch wird zuweilen bei passiven Bewegungen des Ge­lenkes Crepitation beobachtet.
Verlauf. So lange die Sehnenscheiden nicht mitbetroffen sind, heilen diese Quetschungen in 2—3 Wochen, wenn auch häufig mit Hinter­lassung von Narben. Wo die Sehnenscheiden verletzt sind, dauert die Heilung länger, sofern nicht Asepsis erreicht wurde 4—6 Wochen. Verletzungen des Gelenkes können zwar mit Bildung von Exostosen heilen, rufen aber in der Kegel so schwere Störungen, andauernde Lahmheit, Fieber u. s. w. hervor, dass man sich entschliesst, die Thiere vertilgen zu lassen, anderenfalls gehen sie an Septicämie zu Grunde. Die Prognose ist daher in erster Linie von der Ausdehnung der Ver­letzung abhängig. Wird Asepsis erreicht, so gestaltet sich die Aus­sicht auf Heilung selbst bei Gelenkwunden um vieles günstiger; in der Kegel tritt alsdann Heilung ohne Hinterlassung nachtheiliger Folgen ein; leider wird nur selten ein aseptischer Zustand erlangt.
Behandlung. So lange die Haut nicht perforirt ist, genügt Reinigung der Ezcoriationen und Bestreichen derselben mit einem neutralen Fett (Vaseline, Bleisalben etc.). Reicht die Läsion durch die Haut, so muss dem Thier vor allem Ruhe gegeben werden, um grösserer Narbenbildung vorzubeugen; im übrigen behandle man die Wunden nach allgemeinen Grundsätzen. Sind die Fascien mit ver­letzt oder doch freigelegt, so suche man womöglich Asepsis zu er-
Möller, Specielle Chirurgie für Thierärzto.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 37
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Krankheiton der Vorderfusswurzel.
reichen. Durch eine Cirkelbincle, welche über dem Gelenke fester, auf und unter demselben aber etwas lockerer angelegt wird, liisst sich bei ruhigen Thieren ein Occlusivverband herstellen, namentlich, wenn man das Pferd in einen Hängegurt bringen kann oder hoch an­binden liisst, so dass es sich nicht hinlegt. Wo auf Asepsis nicht mehr zu rechnen ist, leite man offene Wundbehandlung ein. In den ersten Tagen zeigt sich die permanente Irrigation mit lauwar­mer, verdünnter Sublimat- oder Bleizucker-Alaunlösung vortheilbaft, namentlich, wo reichliche Secretion in der Wunde besteht. Später empfehlen sich Digestivsalben, um die Granulation anzuregen, doch greife man nicht zu früh zu diesen und achte darauf, dass sich die Granulation möglichst gleichmässig entwickelt. Jodoform mit Tannin oder Zucker dient zum Zurückhalten stärkerer Wucherungen und zur Herbeiführung eines trockenen Schorfes, unter dem die Heilung am schnellsten und sichersten zu Stande kommt.
Sobald das Gelenk geöffnet ist, muss mit allen Mitteln Asepsis angestrebt werden. Sorgfältiges Waschen und Ausspülen der Wunde wie des Gelenkes mit Sublimat-, Carbol- oder Creolinwasser und An­legung eines antiseptischen Occlusivverbandes ist so lange dringend geboten, als noch keine eiterige oder septische Erkrankung des Gelenkes vorliegt. Wo diese besteht, gelingt es nur noch selten durch sorg­fältige Reinigung und permanente Irrigation Asepsis zu erlangen. Dieses kann jedoch versucht werden, anderenfalls liisst man die allge­meinen Grundsätze für die Behandlung ähnlicher Leiden eintreten. Bei minderwerthigen Thieren und bei grosser Schmerzhaftigkeit lohnt sich die weitere Behandlung in der Regel nicht.
II
B) Die sog. Kniebeule oder der Knieschwamm des Kindes.
Lit; Lafosse, Jahrb. 1868. S. 52. Leisering, Dresd. Ber. 1801. S. 80. Johne, das. 1879. S. 01 u. 1880. S. 50. Haubner, Gurlt u. Hertwig. 21. S. 414. Rychner, liuiatrik. 1841. Piesohol, Gurlt u, Hertwig.
21.nbsp; S. 417. Gurlt, das. 22. S. 327. Rosenbaum, das. 21. S. 215 u.
22.nbsp; S. 144.
Beim Rinde, selten beim Pferde entstehen in Folge oft wieder­holter Quetschung an der vorderen Fläche der Vorderfusswurzel beim Hinlegen, Liegen und Aufstehen der Thiere zuweilen chronisch ent­zündliche Processe, welche mit starker Anschwellung (Verdickung) verbunden sind. Diese Zustände werden seit alter Zeit als Knie­schwamm oder Kniebeule bezeichnet. Ausnahmsweise können auch
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Die Kniebeule.
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durch Niederstürzen auf unebenen, harten Boden acut entzündliche Processe entstehen und die Bildung des Knieschwammes einleiten.
Die Kniebeule stellt keineswegs einen einheitlichen^Krankheits-zustand dar, wie z. B. die Stollbeule, sondern sie besteht bald in einer chronischen Entzündung und Verdickung der äusseren' Haut, bezw. Unterbaut, bald in entzündlichen Vorgängen an den Sehnenscheiden der Strecker; ausnahmsweise stellt das Leiden einen Tumor albus,
Fig. 93.
Kniebcule (cutanc Form mit Keratose) nach Stockfleth.
d. h. eine chronische, mit fibröser Verdicknng verbundene Entzündung des um das Carpalgelenk liegenden Bindegewebes dar. Früher trennte man diese Leiden in harte und weiche Knieschwämnie. Ich möchte vorschlagen a) eine cutane, b) eine synoviale und c) eine articuläre bezw. periarticuläre Form derselben zu unterscheiden. Ob­gleich diese Trennung klinisch nicht immer durchführbar erscheint, so erleichtert sie doch die Betrachtung der Zustünde.
Bei der cutanen Form kommt es entweder zu starker Ver­dickung der äusseren Haut und Unterhaut an der vorderen Fläche
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580nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Vorderfusswurzel.
des Garpalgelenkes, nicht selten in Verbindung mit lebhafter Epi-dermisbildung an ihrer Oberfläche (Fig. 93), wodurch eine harte, häufig kopfgrosse Geschwulst entstellt; oder es entwickeln sich in der Subcutis Hohlräume, welche mit seröser, oft Fibrinflocken enthaltender Flüssig­keit angefüllt sind. Nach diesem Befunde erklärten Kychner und Haubner das Leiden für eine Balggeschwulst und stellten das­selbe mit der l'iephacke der Pferde in Parallele. Durch die von Leisering, Pieschel, Johne u. a. gelieferten Befunde wurde fest­gestellt, dass es sich in manchen Fällen um Cystenbildung in der Cutis und Subcutis handelt, wobei ebenfalls zuweilen eine lebhafte Wucherung der Epidermis besteht. Johne bezeichnete diese Art als „Dermoidcyste mit diffuser Keratosequot;.
Der synovialen Form liegt eine Tendovaginitis chronica serosa oder flbrosa zu Grunde, welche zuweilen die Sehnenscheiden der Zeheu-streoker, häufiger die Scheide der M. extensor carpi radialis betrifft. Bald besteht die Geschwulst vornehmlich aus der erweiterten, mit Serum angefüllten Sehnenscheide (Tendovaginitis chron. serosa), bald aus dem stark verdickten Bindegewebe der Scheide und ihrer Um­gebung (Tendovag. chron. flbrosa).
Hiernach kann allerdings eine weiche und eine harte Form unter­schieden worden. Die Füllung der Sehnenscheiden nimmt oft einen bedeutenden Umfang an; Gurlt fand in einer solchen 17 Pfund Flüssig­keit. Dass es hierbei zuweilen zu Wucherungen an der Oberfläche der Sehnenscheide und durch Abfallen der gewucherten Papillen derselben zur Anhäufung reiskornähnlicher Körper, d. h. zur Bildung eines Hygroma proliferum kommt, liegt nahe. Ebenso kann das Auftreten von Eiterung nicht auffallen.
Die articuläre Form stellt einen echten Tumor a 1 b u s, d. h. eine progressive Wucherung und Induration des peri- und paraarti-culären Bindegewebes dar und ist häufig mit Exostosenbildung an den Knochen der Vorderfusswurzel, des Vorarmes und Mittelfusses verbun­den. Die so entstandene Anschwellung erscheint demnach stets hart und geht aus einer chronischen Entzündung des Carpalgelenkes her­vor. In dem gewucherten Bindegewebe kommt es gleichfalls oft zur Ossiflcation, wodurch die Härte der Geschwulst noch zunimmt.
Erscheinungen und Verlauf, Die klinische Diagnose „Knie­beulequot; stösst selten auf Schwierigkeiten. Eine bald schneller bald langsamer entstandene, aber allmälig sich vergrössernde Anschwellung an der vorderen Fläche der Vorderfusswurzel bildet den Mittelpunkt
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Die Kniebeule ties Rindes.
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der Erscheinungen. Die Geschwulst kann einen bedeutenden Umfang (1 Meter) annehmen und bis zur Erde herabreichen. Ihre Schmerz-haf'tigkeit ist verschieden, zuweilen grosser, meist aber gering. Dies hängt vornehmlich von der Entstehung des Leidens ab. Durch ein­malige heftige Quetschung veranlasste Zustände sind in der ersten Zeit schmerzhaft; je langsamer das Leiden sich entwickelt, um so weniger Schmerzen treten an der Geschwulst hervor. Diese zeigt sich bald, besonders in den späteren Stadien fest, derb, bald, namentlich im An­fange weich, fiuctuirend, nicht selten mit dicken Hornmassen bedeckt. Bei der cutanen Kniebeule bleibt die Geschwulst längere Zeit auf ihrer Unterlage verschiebbar; bei der synovialen nimmt sie eine der Sehnenscheide entsprechend längliche Gestalt an; von den langen Zehenstreckern ausgehend breitet sich dieselbe über den Mittelfuss aus. Die articuläre Form tritt mehr diffus auf, breitet sich auf die Seitenflächen aus und zeigt sich mit ihrer Unterlage fest verbunden. Durch Ossification nimmt die Geschwulst eine ungewöhnliche Härte an und beschränkt die freie Bewegung im Carpalgelenke mehr als die beiden ersten Formen. Im übrigen pflegt die mit diesen Leiden ver­bundene Lahmheit gering zu sein; nur wenn bei acuten Processen grössere Schmerzen bestehen, oder wenn der Umfang der Geschwulst die Bewegungen dos Fusses mechanisch erschwert, findet eine erheb­liche Beschränkung der freien Bewegung desselben statt.
Ursachen. In erster Linie kommen die mit dem Liegen, Hin­legen und Aufstehen auf schlechtem (harten unebenem) Standboden, bei mangelhafter Streu erzeugten Insulte in Betracht. Die hier­durch immer von neuem verbundenen (Quetschungen können zu Blut­ergüssen in und unter die Haut sowie in die Sehnenscheiden führen, oder zu chronischer Wucherung des Gewebes Veranlassung geben, Dass hierbei oft Blutungen vorkommen, beweist nicht nur die Gegen­wart von Faserstoffgerinnsel in den serösen Flüssigkeiten, sondern auch die regehnässig pigmentirte Beschaffenheit des neugebildeten Bindegewebes. Es muss auch zugegeben werden, dass vorübergehende, selbst einmalige heftige Quetschung durch Niederstürzen auf unebenem, hartem Boden, z. B. bei Arbeitsochsen, den Anstoss zur Entstehung des Leidens geben kann. Dass dem Tumor albus besondere Krank-heitsprocesse des Carpalgelenkes (Tuberculose) zu Grunde liegen, er­scheint nicht ausgeschlossen, lässt sich aber aus den bisherigen Mit­theilungen nicht genauer ersehen.
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Krankheiten der Vorderfusswurzel.
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Behandlung. Dass bei der grossen Verschiedenartigkeit der dem Knieschwanim zu Grunde liegenden Leiden eine einheitliche Therapie nicht zum Ziele führen kann, liegt auf der Hand. Die Natur des Processes und die anatomischen Veränderungen müssen hierbei in erster Linie Beachtung finden.
Bei frischen Quetschungen sowie acut entzündlichen Processen (grosse Schmerzhaftigkeit u. s. w.) können kalte Umschläge, später feuchtwarme Bedeckungen (Umlegen eines angefeuchteten Tuches) nützlich werden. Bei gleichzeitiger Verletzung der äusseren Haut muss auf die Gegenwart von Fremdkörpern (Glassplitter, Steincheu u. s. w.) geachtet werden. In solchen Fällen wird man die Um­schläge mit einer Desinfectionsflüssigkeit (Creolin oder Carbolwasser) anfeuchten lassen, auf jeden Fall aber für eine reichliche und reine Streu Sorge tragen. Ein weiches Lager (Torfstreu, Sand) ist hartem Steinpflaster vorzuziehen.
Bestellt oberflächliche Fluctuation, so ist bei den cutanen Er­krankungen Spaltung der Höhlen an der tiefsten Stelle angezeigt. Rosenbaum lässt hierzu das Thier mit dem Kopfe an einen festen Gegenstand binden und von einem kräftigen Manne in der Weise fest­halten, dass derselbe mit den Fingern in die Nase des Thieres fasst. Dann wird mit einem Bistouri oder spitzem Tenotom die Geschwulst gespalten. Da das Thier hierbei den Fuss aufzuheben pflegt, muss die Schneide des Messers nach oben gerichtet bleiben, um tiefere Ver­letzungen zu vermeiden. Nachdem die Gerinnsel mit dem Finger aus der Höhle entfernt sind, lässt man das Thier auf weiche und reine Streu stellen und die Wunde täglich reinigen. In 8—4 Wochen tritt meist Heilung ein (Kosen bäum). Her twig empfiehlt ein Haarseil durch die Geschwulst zu legen, welches 14 Tage liegen bleiben soll, worauf eine scharfe Einreibimg folgt.
Obgleich auch bei der synovialen Form des Leidens diese Be­handlung ohne grosse Bedenken Anwendung finden kann, so dürfte doch, so lange ein aseptischer Zustand besteht, die Function mit dem Trokart unter antiseptischen Massnahmen event, mit nachfolgender Einspritzung von Jodjodkaiiumlösung (Lugol'sche Lösung) vorzuziehen bezw. zunächst zu versuchen sein (Lafosse). Führt dieses Verfahren nicht zum Ziele, oder sollte sich eine eiterige Erkrankung der Sehnen­scheiden einstellen, so kann die Spaltung und nachherige Reinigung nothwendig werden.
Gegen die harte Kniebeule lässt sich in der Kegel nicht viel ausrichten, es sei denn, dass die Geschwulst begrenzt, in geringem
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Die Kniebeule des Rindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 583
Umfange und mit nicht zu breiter Basis auftritt, in welchen Fällen unter Umstünden die Exstirpation gelingen mag. Doch dürfte hierbei wohl seltener Asepsis erhalten bleiben, als Hoffmann glaubt. Vielleicht Hesse sich ähnlich wie bei der Stollbeule durch wiederholte Appli­cation von Scharfsalben ein schmerzhafter Zustand unterhalten, der das Thier veranlasst, den kranken Fuss beim Liegen und Aufstehen ZU schonen, und so eine Zertheilung herbeiführen. Bedenklich er­scheint dagegen die Einführung scharfer Aetzmittel (Sublimat, Säuren, Euphorbium) in die Geschwulst, wodurch das Carpalgelenk in Gefahr kommt.
3. Chronische Entzündung der Vorderfusswurzel.
Lit.: Schrader, Gurlt u. Hartwig. 20. S. 133. Williams, The Principles and practice of vet. surg. II. Aufl.
Während die acuten Entzündungsprocesse dieses Gelenkes bereits besprochen worden sind, bleibt hier noch die Arthritis chronica des Carpalgelenkes zu berücksichtigen. Sie kommt nicht selten bei Pferden vor und ist bereits lange bekannt. Nach Schrader hat schon Solleyselauf dasLeiden aufmerksam gemacht. Cherry aber dasselbe zu­erst und zwar als „Spat am Vorderkniequot; beschrieben. Schrader fand die Gelenkflächen mehr oder weniger „entartetquot;, die Knoi-pel usurirt und Exostosen an den Knochen. Derselbe beschreibt auch Ulceration am Gelenkknorpel mit Caries und Exostosen an den Knochen und Anchylose. Nach Cherry soll zuweilen nur das Os carp, primum mit dem Kopfe des medialen Griffelbeines leiden, oft aber die Entzündung eine weitere Ausdehnung gewinnen.
Prädisponirt zeigen sich zu diesem Leiden besonders Pferde mit kurzer, schmaler Vorderfusswurzel, kurzem Vorarm und steiler Schulter. Möglicherweise begünstigt die diesem Bau eigenthümliche, ausgiebigere Bewegung im Carpalgelenk die Entstehung der Krankheit. Der russische Traber zeigt diesen Bau und Gang in hervorragendem Masse und leidet auch häufig an dem in Rede stehenden Processe. Nicht selten beob­achtet man das Leiden auf beiden Füssen, bei kaltblütigen Pferden öfter als beim Vollblut (Cherry), besonders wenn die jungen Thiere früh­zeitig zur Arbeit herangezogen werden. Zuweilen greifen entzündliche Processe vom Periost aus auf das Gelenk über. So namentlich bei Pferden mit fehlerhaften Stellungen, welche zum Streichen Veraulas-
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Krankheiten der Vorderfusswurzel.
sung geben, wie es ebenfalls bei russischen Trabern nicht selten der Fall ist.
Erscheinungen. Hauptsymptom des Leidens ist die Anschwel­lung des Gelenkes. Diese zeigt sich zuweilen so erheblich, dass das ganze Gelenk deformirt erscheint. Die Anschwellung ist hart und fest und besteht vornehmlich in Exostosenbildung und Bindegewebswuche-rungen, zuweilen zeigt sich dieselbe weich und fluctuirend, indem die Sehnenscheiden an der Erkrankung theilnehmen und sich anfüllen; häufig wird auch die Beweglichkeit des Gelenkes eingeschränkt. Im Stande der Ruhe nehmen die Tliiere vorbiegige Stellung an, bei der Bewe­gung zeigen sie einen steifen Gang. Extreme Beugebewegungen in den Gelenken bereiten den Thieren entweder Schmerzen, oder man stösst hierbei auf ein Hinderniss, indem sich das Gelenk nicht in dem Masse beugen lässt wie am anderen Fusse. Man achte jedoch darauf, diese Prüfung durch Vergleichung beider Füsse in derselben Stel­lung des Ellenbogengelenkes vorzunehmen.
Lahmheit kann bei dem Leiden fehlen. Wenn aber Gerlach, und schon vor ihm Coleman, behaupteten, dass diese Erkrankungen der Vorderfusswurzel niemals Lahmheit veranlassen, so ist das nicht richtig; die Lahmheit kommt sogar häufiger vor, als man glaubt und zeigt sich durch Verlangsamung und Verkürzung der aus­schreitenden Bewegung mit mangelhafter Flexion im Carpalge-lenke und Abductions Stellung des Schenkels bei der Belastung. Leiden beide Füsse oder beschränkt sich der Process auf die untere Gelenkabtheilung, welche beim Pferde eine geringe Beweglichkeit be­sitzt, so fehlt oft Lahmheit. Nach Cherry soll der Reiter auf solchem Pferde die Empfindung haben, als ob die Brust aus ihrer Lage gerückt sei und bei jedem Schritt nach oben steige. Am leichtesten findet eine Verwechselung mit chronischer Hufgelenkslahmheit statt. Der Schenkel wird gestreckt nach vorn gebracht mit Neigung zur Abduction; oft gelangen die Trachten zuerst auf den Boden, daher winde der Zu­stand in England Chest founder (Schulterverschlag) genannt. Es besteht Neigung zu kurzem Galopp, der aber unangenehm stossend wirkt. Sehr häufig zeigt sich der Schritt des kranken Fusses kürzer als der des gesunden, wodurch das Leiden eine gewisse Aehnlichkeit mit Schulterlahmheit erlangt. Der Unterschied besteht aber:
a) in der kreisförmigen Bewegung des Fusses nach vorn; b) im Auftreten zuerst mit den Trachten; c) in Schmerzen bei forcirter Beugung des Gelenkes.
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Entzündung des Kniebogens.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;585
Verlauf. Die Natur des Leidens erklärt es, class es sich um einen chronischen und oft unheilbaren Zustand handelt. Es kommt vor allem darauf an, ob das Pferd trotz des Leidens noch brauchbar ist oder nicht. Je geringer die Deformationen und je weiter nach unten dieselben ihren Sitz haben, desto günstiger gestaltet sich die Prognose. Dass das Leiden bei schweren Arbeitspferden nicht die Bedeutung besitzt wie bei Luxuspforden, liegt auf der Hand.
Die Behandlung beschränkt sich in der Regel auf die Anwen­dung scharfer Salben oder des Glüheisens. In der Pegel ist jedoch auch hiervon nicht viel zu erwarten, doch beobachtet man zuweilen in 2—8 Monaten Abnnlnne der Lahmheit. Geht der Process vom Periost des Metacarpus aus, so zeigt sich auch wohl das Brennen mit dem Stift wirksam. Durch Nenrotomie dos N. medianus wird die Lahmheit unter Umständen beseitigt; ich sah dieselbe in mehreren Fällen nach der Neurotomie verschwinden , so class die Thiere selbst für den Luxuswagendienst wieder vollständig brauchbar wurden.
4. Entzündung des sog. Kniebogens.
Die an der hinteren Fläche des Carpalgelenkes gelegene Sehnen­scheide des Huf- und Kronbeinbeugers ist beim Pferde sowohl acuten wie chronischen Entzündungen unterworfen. Die letzteren sind jedoch noch seltener als die ersteren, welche meist durch Verletzungen, Wunden veranlasst werden. Beim Hängenbleiben in der Kette, durch Stiche mit der Mistgabel oder anderen scharfen Gegenständen kann die Sehnen­scheide geöffnet werden. Zuweilen greifen pblegmonöse Erkrankungen vom Metacarpus auf dieselbe über. Besonders gefährlich zeigen sicli in dieser Hinsicht Verjauchungen nach Tenotomien. Die chronische Entzündung geht meist vom Unterstützungsbande des Bufbeinheugers aus und führt zur Bildung einer Sehnenscheidengalle, welche sich in reichlich doppelter Handbreite nach unten und ebenso weit über das Carpalgelenk hinaus nach oben erstreckt (S. 588).
In der Regel tritt hierbei die Anschwellung sowohl über wie unter dem Carpalgelenke an der lateralen Seite, unten auch wohl medial hervor; die erstere kann die Grosse eines kleinen Kindskopfes er­reichen; am Metacarpus bleibt sie meist kleiner. Durch abwechseln­den Druck auf beide lässt sich der Zusammenhang derselben leicht nachweisen.
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586nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Vordcrfusswurzel.
Während die Galle durch eine fluctuirende Anschwellung im Be­reiche der Sehnenscheide hervortritt, die weder mit Lahmheit noch mit Schmerzen verbunden zu sein pflegt, zeigt sich die acute Entzündung des Kniebogens durch folgende Erscheinungen:
1.nbsp; nbsp;Starke Lahmheit; der Fuss wird in steifer Haltung vorsichtig und unvollständig vorgeführt.
2.nbsp; Durch eine vermehrt warme, auf Druck schmerzhafte, mehr oder weniger feste, derbe Anschwellung, welche das ganze Gelenk umgiebt und sich auf die Nachbarschaft ausbreitet. Eiterige Erkran­kungen führen zur Bildung von periarticuliiren Abscessen.
;gt;. Aus der etwa vorhandenen Wunde entleeren sich grosse Mengen Synovia, die später mit Eiter vermischt sind und in Folge dessen strohgelb erscheint; auch finden sich in dem Ausfluss zuweilen nekrotische Fetzen der Beugeseimen.
4. In der Regel besteht Fieber, bei septischer Erkrankung pflegt dasselbe sogar hochgradig zu werden,
Verlauf. Die acute Entzündung nimmt selten einen günstigen Verlauf; besonders gefährlich zeigen sich die durch den Einbruch septischer Fhlegmonen oder durch Verwundungen entstandenen; hier ist in der .Regel nichts zu erreichen und Tödtung des Thieres das Vor-theilhafteste. Fieberhafte Erkrankung im Verlauf des Leidens bildet daher stets ein übles Zeichen. Günstiger sind die entzündlichen Er­krankungen ohne Verwundungen zu beurtheilen, wobei in der Regel Heilung erzielt wird, wenn auch mit Hinterlassung einer Galle.
Die chronische Entzündung, verbunden mit Gallenbildung bietet der Therapie zwar grossen Widerstand, stört indess die Gebrauchs­fähigkeit namentlich bei Arbeitspferden in der Regel nicht.
Behandlung. Gegen die chronische Erkrankung sind Scharf­salben wie auch das Glüheisen zu versuchen; viel wird hiermit indess nicht erreicht. Auch methodische Compression und Massage bringen meist nur geringen Nutzen; die erstere erzielt man durch über und unter dem Gelenice fest angelegte Binden, die von Zeit zu Zeit er­neuert werden müssen.
Bei Verwundungen der Sehnenscheide suche man mit allen zu Gebote stehenden Mitteln Asepsis zu erreichen und lege event, nach dem Heften der Wunde einen Occlusivverband an (S. 578). Besteht bereits eiterige Synovitis, so führen Ausspülungen der Scheide nur noch selten zur Asepsis; doch kann man sie versuchen. Dnss Pferde hierbei
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Gallon am Vorderschenkel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;587
in einen Hängegurt gebracht werden müssen, bedarf kaum der Er­wähnung. Wo ein Verband nicht zu appliciren ist, empfiehlt sich permanente Irrigation mit reinem Wasser oder antiseptischen Flüssig­keiten. Die vorsichtige Punktirung und Entleerung des Inhaltes der Sehnenscheidengalle ist zwar nicht gefährlich, meist aber ohne beson­deren Nutzen. Man hüte sich vor Incisionen, denn wo nicht Asepsis erlangt wird, führen sie in der Regel durch eiterige Synovitis zu unheilbaren Zuständen.
5. Die Oelenk- und Sehncnscheidengallcn am Vorderschenkel.
Lit.: Ei eh bäum, Berl. Arch. 9. S. 79. Siedamgrotzky, Landwirth. Thierh. S. 510. Günther, Beurtheilungslehre. Ger lach, Han. 15er. 18G9. S. 114. Günther, das. 1873. S. 77.
Seit alter Zeit nennt man in der Thierheilkunde hydropische Zu-stünde der Gelenke und Sehnenscheiden „Gallenquot; und unterscheidet Gelenk- und Sehnen sehe id eng allen. Der acute Hydrops derselben wird wohl als heisse oder hitzige, der chronische als kalte Galle be­zeichnet. Aus praktischen Gründen empfiehlt sich, die septischen Erkran­kungen dieser Apparate hier auszuschliessen und bei den Gelenkverwun­dungen zu berücksichtigen.
Am Vorderschenkel haben mehrere Gelenke und Sehnenscheiden eine Lage, dass hydropische Zustände an denselben nicht leicht äussorlich hervortreten; so am Schulter- und Ellenbogengelenk. Dagegen werden andere Gelenke, Sehnenscheiden und Schloimbentel namentlich beim Arbeits­pferde nicht selten Sitz sekretorischer Processe mit Ausscheidung von Flüssigkeit in den freien Raum, d. h. mit Gallenbildung. Die wichtigsten derselben sollen hier im Zusammenhange betrachtet werden, um Wieder­holungen zu vermeiden. Es empfiehlt sich 3 Gruppen zu bilden, nemlich: A) Gelenkgallen, B) Sehnenscheidengallen im Beugeapparat und 0) solche der Strecksehnen.
A. Gelenkgallen.
1.nbsp; Vorderkniegelenkgalle. Während Schulter- und Ellenbogen­gelenk so von Muskeln und Fasern umschlossen sind, dass Gallenbildung an ihnen nicht leicht vorkommt, zeigt auch die Vorderiüsswur/.el keine günstigen Bedingungen zur Entstehung derselben. Doch findet zuweilen beim Pferde an der zwischen Vorarm und der oberen Knochenreihe des Carpalgelenkes gelegenen Abtheilung eine Ausdehnung der Synovalis und des Kapselbandes statt. Hierdurch entsteht eine Gelenkgalle, welche sich entweder an der vorderen Fläche des Carpalgelenkes als eine runde, oder durch die hier verlaufenden Strecksohnon in meh­reren Abtheilungen getheilte Geschwulst zu erkennen giobt, zu­weilen auch lateralwärts, dicht über dem Erbsenbein hinter der Speiche bis hühnereigross erscheint.
2.nbsp; nbsp;Die Fesselgelenkgalle. Durch Ausdehnung der Synovialis und des Kapselbandes des Fesselgelenkes bedingt, zeigt sich eine Anschwellung
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Krankheiten der Vorderfusewurzel.
zwischen Metacarpus und dem Fesselbeinbeuger von rundlicher Gestalt (runde Fesselgalle) bis zu Enteneigrüsse, bald nur an einer, meist an beiden Seiten des Gelenkes. Zuweilen setzt sich dieselbe auf die vordere Fläche des Gelenkes fort und wird von den Strecksehnen hier oft in zwei Abtheilungen getheilt. Am aufgehobenen Fusse lüsst sich die Galle leicht verdrängen, tritt aber bei der Belastung desselben bald wieder hervor.
ß. Sehnensclieulengallon im Beugcapparat.
Schon F. Günther hat darauf aufmerksam gemacht, dass Gallen an den Sehnen der Beugemuskeln bei der Behandlung grössere Vorsicht
verlangen, als an den Strecksehnen;
Fig. 94.
dem kann ich nur zustimmen und theile
deshalb die Gallen hiernach ein. Zu den ersten gehören:
1. Die Knieb ogengalle. Für den Huf- oder Kronbeinbeuger findet sich an der hinteren Flächo des Carpal-gelenkes eine gerilumige Sehnenscheide, welche etwa 10 cm über dem Gelenk beginnt und sich bis zum zweiten Dritt-theil des Metacarpus nach unten er­streckt. Ihren Seltonwilnden fehlen nach E i c h b a u m oberhalb und unterhalb des Gelenkes die fibrösen Verstärkungs-schichten, und so erklärt sich das Auf­treten der Geschwulst bei abnormer Fül­lung dieser Sehnenscheide oberhalb und unterhalb des Carpalgelenkes bald me­dial, bald lateral. Die Anschwellung kann einen bedeutenden Umfang an­nehmen (Fig. 94), beschränkt sich jedoch in der Eegel auf eine längliche, weiche Geschwulst, welche bis zu den Enden der Sehnenscheide reicht. Am aufge­hobenen oder doch entlasteten Fusse
Kiiiebogcngalle mit starker Aiisdchming nach der Seite.
lässt sich die Communication der An­schwellung oberhalb und unterhalb des
Carpalgelenkes an der Fluction leicht nachweisen.
2. Die Flussgallon, Sebnenfesselgallen, Fesselsehnen­galle (Günther). Während die eben besprochene Sehnenscheide bis zum zweiten Dritttheil des Metacarpus nach unten reicht, werden Huf-, und Kronbeinbeuger am mittleren Dritttheil desselben von lockeren Bindegeweben umgeben (daher hier die Tenotomie). Mit dem unteren Dritttheil beginnt eine andere Sehnenscheide für den Huf- und Kronbeinbeuger, welche sich über die hintere Fläche des Fesselgelenkes bis zum Strahlpolster (Eich-b a u m) nach unten erstreckt. Ihre hintere Wand steht mit dem Kronbein­beuger in fester Verbindung, während unter dem Fesselgelenk eine fibröse Seimenausbreitung (Sehnengurt, Leisering) die Sehnenscheide so fest um-giebt, dass zu einer Ausdehnung derselben nur über dem Fesselgelenke nach beiden Seiten Gelegenheit gegeben ist. Hier bedeckt nur lockeres
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Gallen am Vorderschenkel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 589
Bindegewebe die Scheide und erleichtert das Zustandekommen zweier lilnglicher Geschwülste, welche zu beiden Seiten des unteren Endes des Metacarpus neben der Hufbeinbeugesehne liegen und sich bis zum mittleren Dritttheile desselben nach oben er­strecken. Ihre Grosse schwankt erheblich; bald ist die Galle nur bei genauer Betrachtung nachweisbar, zuweilen erreicht dieselbe die Grosse eines Gänseeies. Nur selten tritt die Galle auch unter dem Fosselgelenke in der Köthe hervor. Sie gehören zu den häufigsten Vorkommnissen, gehen meist aus einer chronischen Synovitis hervor; zuweilen, namentlich an den Hinterfüssen bilden sie eine T e n d o v a g i n i t i s ehr. f i b r o s a (ver­härtete Galle).
C. Strecksehnensehoidenga 11en.
Ihre Zahl ist eine grosse, zu den wichtigsten derselben gehören:
1.nbsp; nbsp;Galle des Fesselbeinstreckers am Carpalgelenk (Vorderknie-sehnenscheidengalle). 8—10 cm über der Vorderfusswurzel und zwar an der lateralen Seite des Vorarms beginnend, erstreckt sich die bis gänseeigrosse Geschwulst nach unten und tritt oft auf die vordere Fläche des Carpalgelenkes über.
2.nbsp; nbsp;Seh nenscheid engallen der Strecker an der vorderen Fläche der Fusswurzel. Der gemeinschaftliche Zehenstrecker wie auch der Fessel- und Schienbeinstrecker führen an der vorderen Fläche des Car­palgelenkes Sehnenscheiden, deren Erkrankung durch Verletzung bereits früher erwähnt wurde (S. 577); oft leiden sie aber auch an Gallen, und zwar:
a)nbsp; nbsp;Die Sehnenscheide des gemeinschaftlichen Zehenstreckors beginnt 15 cm über dem Carpalgelenk, verläuft in der lateralen Seh­nenrinne des unteren Radiusendes und über die vordere Fläche der Fusswurzel bis zum oberen Ende des Metacarpus. Von der Vorarmfascie bedeckt kommen hydropische Zustände nur selten an ihr vor.
b)nbsp; nbsp;der Strecker des Vordermittelfusses besitzt in gleicher Höhe eine Solmenscheide, welche in der medialen Sehneurinne des Vorarmes bis zur unteren Knochenreihe der Vorderfusswurzel reicht.
c)nbsp; nbsp;Die Sehnenscheide des schiefen Streckers der Vorderfuss­wurzel beginnt 8 cm über der lateralen Seite des Carpalgelenkes, geht schräg nach unten und medianwärts über die vordere Fläche des Gelenkes zum medialen Grift'elbeinköpfchen. Ihre Galle bildet eine wurst-förmige Anschwellung in der beschriebenen Lage und wird von den Zehen­streckern oft in mehrere Abtheilungen gethoilt.
d)nbsp; nbsp;Für die Zehenstreckor liegt über dem Fesselgelenko an der vor­deren Fläche des Schienbeines eine Bursa mueosa, deren obere bezw. vordere Wand die Sehne des langen Zehenstreckers bildet. Im gesunden Zustande 2—25 cm lang, 1,5—2 cm breit (Eichbaum) erlangt die Scheide wenn sie erkrankt, an der vorderen Fläche des Metacarpus, dicht über dem Fesselgelonk zuweilen über Gänseeigrosse. Nach Franck soll die Bursa zuweilen mit dem Fesselgelonke communiciren.
e)nbsp; nbsp;An der vorderen Fläche des Fesselgelenkes befindet sich unter dem Fesselboinstrecker und auf der Gelenkkapsel eine Bursa mueosa von Haselnussgrösse (Eichbäum); dieselbe erkrankt zuweilen und dehnt sich bis zur Grosse eines Enteneies in runder Gestalt aus.
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590nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Vordorfusswurzel.
Zur Abkürzung der Darstellung werde ich folgende Bezeichnungen wühlen:
A.nbsp; Vorderkniegelenkgalle und Fes selgelenkgalle.
B.nbsp; Kniebogengalle und Flussgalle (Fesselbeugesehnengalle). G, Für die Streoksehnengallen: Vor derkn lest recksehn engallen
und zwar:
a)nbsp; als obere = des Fesselbeinstreckers über dem Carpalgelonke;
b)nbsp; als laterale = des gemeinschaftlichen Zehenstreckers;
c)nbsp; als mediale = des Streckers des Vordernüttelfusses;
d)nbsp; als schiefe = des schiefen Streckers der Vorderfusswurzel. Die an der vorderen Fläche des Metacarpus und Fesselgelenkes würden
als Fesselstrecksehnengal len zu bezeichnen und in eine obere, des gemeinschaftlichen Zehenstrcckers, und eine untere, des Fessolbeinstreckers zu trennen sein.
Die Erscheinungen ergeben sich aus den Grundsätzen der all-gemeinen Chirurgie und dem oben Gesagten; unter Berücksichtigung der anatomischen Lage der Theile können in Bezug auf die Diagnose nicht leicht Zweifel aufkommen. Bemerkt sei noch, dass die Gelenkgallen sowohl an Carpal- wie am Fesselgelenk am entlasteten und flectirten Fasse zurücktreten, während die der Sehnenscheiden hierbei deut­licher werden und praller gefüllt erscheinen. Die Gelenkgallen pflegen sich in horizontaler Richtung auszubreiten, die der Sehnen­scheiden mehr in vertikaler. So lange acut entzündliche Processe be­stehen, sind sie oft mit Lahmheit verbunden.
Verlauf und Beurtheilung. Gelenk- wie Selmenscheidengallen bilden bei Pferden chronisch-hydropiselie Zustände (kalte Gallen), die sich in der Regel aus chronischen Reizungsprocesson entwickeln, aus­nahmsweise als Folgezustände eines acut entzündlichen Processes ent­stehen. Mit Erscheinungen einer acuten Entzündung verbunden, nennt man sie „heisse oder hitzige Gallen1': die obere Vorderknic-strecksehnengalle ruft aus diesem Grunde in der ersten Zeit ihres Bestehens nicht selten Lahmheit hervor. Die obere Fessclstreck-sehnengalle enthält auch nach längerem Bestehen häufig Fibrin­gerinnsel, welche auf Hämorrhagien schliessen lassen. Dagegen ent­wickeln sich sowohl Gelenk- wie Sehnenscheidengallen im Beugeapparat mit seltenen Ausnahmen aus einem chronischen Reizungsprocess der Synovialmembran. Bald füllt helles, klares Serum die Höhle, seltener finden sich reiskornähnliche Körper in derselben; zuweilen zeigt die Sehnenscheide eine mehr oder weniger starke Verdickung (Tendo-vaginitis chron. fibrosa, verhärtete Galle); hierbei ist die Sehne in der Regel mitleidend.
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Gallen am Vorderschenkel.
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Im allgemeinen werden Gallen beim Pferde als Schönheits­fehler betrachtet und bei älteren Thieren nur selten vermisst. Oft bestehen sie Jahr und Tag, ohne einen nachtheiligen Einfiuss auf die Gebrauchsfähigkeit des Thieres auszuüben; dagegen stösst die Heilung meist auf nicht geringe Schwierigkeiten. Frisch entstanden und von geringem Umfange lassen sich die Flüssigkeiten zuweilen durch ent­sprechende Behandlung dauernd entfernen; das gilt namentlich von den im Sommer durch angestrengte Arbeit hervorgerufenen, sofern den Thieren im folgenden Winter anhaltende Ruhe und entsprechende Be­handlung zn Theil wird (Armee).
Am wenigsten bedenklich zeigen sich Streckselmeiischeideugallen, weil sie selten Lahmheit veranlassen und auch operativen Eingriffen leichter zugänglich sind. Gallen der Sehnenscheiden im Beugeapparat bieten weniger Aussicht auf Heilung und noch weniger die der Gelenke.
Die Fesselbeugesehnengalle zeigt sich nicht selten (besonders an den Hinterfüssen) verhärtet und ist alsdann nicht zu beseitigen; noch bedenklicher wird diese, wenn sie mit Erkrankung der Hufbeinbeugesebnen und Lahmheit verbunden ist, was ebenfalls am Hinterfusse häufiger als hier beobachtet wird. Bei nicht ver­härteter Galle tritt die Anschwellung der Sehne deutlich hervor und liegt in der Regel unmittelbar über den Sesambeinen.
Ursachen. Mit wenigen Ausnahmen bilden die Gallen beim Pferde das Ergebniss eines chronischen lieizungsprocesses, welche sich aus angestrengter namentlich andauernder Arbeit der Thiere er­geben und allmälich zu hydropischen Ergüssen in die Gelenke bezw. Sehnenscheiden führen. Man trifft diese Leiden daher fast nur bei Arbeitspferden.
Eine Disposition besteht bei einzelnen Thieren ; diese beruht auf individuellen Zuständen, welche nicht selten vererbt werden. Offenbar handelt es sich dabei um mangelhafte Widerstandsfähigkeit der Ge­webe; welcher Art diese sind, ist bisher nicht bekannt. Ausnahms­weise geben äussere Veranlassungen, heftige Distorsionen oder Con-tusionen der Gelenke die Ursache der Gallenbildung ab; so können durch Quetschungen Blutungen in ein Gelenk oder in die Sehnen­scheiden erfolgen und zu Bildung der Zustände Anlass geben. Nicht selten trifft man nach Jahr und Tag noch Fibringerinnsel in den er­krankten Gelenken oder Sehnenscheiden.
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592nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Vorderfusswurzel.
Die Behandlung muss nach den allgemeinen Grundsätzen ge­leitet werden, hiev sei nur Folgendes bemerkt: Bei frischen und schmerzhaften Zustiuulen findet Killte in Form von Umschlägen, Im­mersion oder Irrigation Anwendung, und zwar womöglich in Verbin­dung mit methodischer Compression (Bandagiren). Sobald die acut entzündlichen Erscheinungen nachlassen, treten Priessnitz'sche Einwicke-lungen an Stelle der Kälte, während die methodische Compression energischer fortgesetzt, und wo es angängig erscheint, mit Massage verbunden wird. Leichte Arbeit ist dabei zweckmässig und erleichtert die Resorptionsvorgänge. Lassen sich massige Anschwellungen in frischem Zustande auf diese Weise zuweilen auch fortschaffen, so gelingt dies jedoch nur selten für die Dauer; die Galle kehrt meist bei der ersten Arbeit wieder und man ist gezwungen, zur Anwendung eines .scharfen Hautreizes zu greifen: Cantharidensalbe, Ugt. Hydrarg. bijo-dat. (1:8), Schwefelsäure, Sublimat u. s. w. oder besser noch das scharfe englische Pflaster, Collodium canthuridatum und das Glüheisen. Die Wirkung dieser Mittel ist vornehmlich auf den mit der Anschwel­lung verbundenen, gleichmässigen und andauernden Druck auf die Sehnenscheide oder Gelenkkapsel zurückzuführen, wodurch die Re­sorptionsvorgänge gesteigert werden. Das scharfe Pflaster wirkt durch den Gegendruck noch energischer als die Scharfsalbe, das Glüheisen zugleich durch Narbenretraction. Die energische Anwendung des letz­teren zeigt sich daher auch am wirksamsten, doch bleiben oft Narben zurück, und wenn der eine Schönheitsfehler beseitigt ist, tritt der andere an seine Stelle. Deshalb scheut man sich oft zum Glüheisen zu greifen, obgleich es von allen diesen Mitteln am meisten leistet.
Die Bedeutung der künstlichen Entleerung des Inhaltes ist oft überschätzt worden. Die einfache Extraction mit dem Trokart muss zwar als eine ungefährliche Operation bezeichnet werden, wenn sie unter Anwendung antiseptischer Massregeln ausgeführt wird; aber ihre Wir­kung ist selten von Dauer; schon nach wenigen Stunden füllt sich die Sehnenscheide bezw. das Gelenk von neuem. Zuweilen erzielt man erst nach wiederholter Entleerung, dass die Abscheidung nicht wieder eintritt. Auch die nachfolgende Einspritzung von Jodjodkaliumlösung gewährt keine Sicherheit. Im ganzen ist das Verfahren wenig leistungsfähig und bei verhärteten Gallen unausführbar, bei der Gegen­wart von Fibrinmassen in denselben werthlos. Die letzteren lassen sich nur durch den Einschnitt entfernen. Muss dieser auch im Prinzip als ungefährlich bezeichnet werden, sofern Asepsis erreicht wird, so lässt sich die letztere beim Thiere niemals garantiren, da man
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Gallen am Vordorschenkel.
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keine Oewilhr dafür hat, dass der Verband liegen bleiben wird. Auch da, wo die Pferde den vor der Operation zur Sterilisation angelegten Verband ruhig liegen lassen, wird derselbe nach der Operation nicht selten mit Gewalt abgerissen. Dasselbe gilt von anderen Thieren. Ich muss den Angaben Günthers zustimmen, und das Oeffnen der Gelenk-sowie Sehnenscheidengallen im Beugeapparate als gefährlich bezeichnen; dagegen ist mit dem Oeffnen der Strecksehnenscheiden in der Kegel eine besondere Gefahr auch dann nicht verbunden, wenn keine Asepsis erreicht wird. Das schliesst allerdings nicht aus, class man auch am Beugeapparato einmal operirt, allein man muss hier vorher auf die Gefahr aufmerksam machen und alle Hülfsmittel der Antisepsis streng durchführen. Ich lasse zu dem Zwecke 24 Stunden vor der Operation das Haar abschneiden (rasiren), die Haut abseifen, sodann einen mit Sublimatwasser 1 00/oo angefeuchteten Verband an­legen. Nachdem das Pferd zur Operation niedergelegt, und der Ver­band abgenommen ist, erfolgt unter antiseptischen Cautelen der Ein­schnitt auf der Höhe der Geschwulst. Mit dem eingeführten Finarer überzeugt man sich von dem Zustande der Scheide, entfernt eventuell die Fibrinmassen u. s. w., spült die Höhle mit Jodjodkaliundösung (1:3:16) aus, worauf man Sublimat oder Carbollösung folgen lilsst. Die stark ausgedehnte Haut kann unter Umständen zum Theil abge­tragen werden, worauf der Verschluss der Wunde mittelst Seide erfolgt, und ein Verband angelegt wird, der sowohl als Occlusiv- wie als Druckverband wirkt und etwa 8 Tage liegen bleibt. Nach 3—4 Tagen ist die Wunde zwar bereits geschlossen, doch besitzt die Narbe noch nicht die nöthige Festigkeit; die Wunde reisst daher bei den Bewegungen des Thieres leicht wieder auf. Bei Gallen im Streckapparat können auch Haarseile angewendet werden, allein ich ziehe hier die Ope­ration vor.
Von Bosco wurde das Oeffnen der Selinenscheideu-Gallen mit dem glühenden Eisen empfohlen und später auch von anderen Seiten die günstige Wirkung desselben bestätigt. Der glühende Stift eines Brenneisens wird bis in die Sehnenscheido geführt, worauf ihr Inhalt abfliesst, eine mehr oder weniger starke Entzündung entsteht, und unter Umständen Heilung erfolgt. Da nicht nur der Stift selbst sterilisirt ist, sondern auch eine aseptische Wunde erzeugt, welche durch die entzündliche Schwellung bald zum Verschluss kommt, so erklärt sich, dass das Oeffnen mit dem Glüheisen weniger bedenklich erscheint als mit einem Messer; die Wirkung bleibt indeslaquo; auch hier unzuverlässig. Entwickelt sich nach der Punction der Grad von Entzündung in der
Mo 11 or, Speolelle Chirurgie für Tliieriirzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;38
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594nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Vordennittelfusses.
Synovialis, welche die spätere Absclieidung der Flüssigkeit verhindert, so tritt Heilung ein; allein diese Wirkung so genau abzumessen ge­staltet sich nicht bloss schwierig, sondern ist in der Eegel unmöglich.
D. Krankheiten des Vordermittelfusses.
Der Mittoliuss besteht bei den Einhufern aus dem sog. Schienbein und den beiden Griffelbeinen. An seiner vorderen Fläche liegen die Sehnen der beiden Zehenstrecker, hinten die drei Beugesehnen zwischen den beiden Griffelbeinen. Das Ganze wird von einer straff angespannten, auf ihrer Unterlage wenig verschiebbaren äusseren Haut bekleidet.
Bei den Wiederkäuern verschmelzen die beiden Schienbeine bald nach der Geburt mit einander und bilden nur einen Knochen, an dessen hin­teren, lateralen Fläche das rudimentäre Griffelbein liegt und durch ein kleines Gelenk mit diesem verbunden ist; zur Bildung der Fusswurzel trägt das letztere nicht mehr bei.
Beim Schwein bilden die beiden mittleren oder wahren Schienbeine mit den seitlichen oder falschen den Mittelfuss. Die Fleischfresser besitzen 5 Mittelfussknochen, von denen die der dritten und vierten Zehe am stärksten sind.
Diese Verschiedenheiten im Bau des Metacarpus bedingen es, dass die hier auftretenden Krankheitszustände eine verschiedene Bedeutung haben und mancherlei Abweichungen in ihrem Verlauf zeigen; das gilt nament­lich von den Frakturen.
1. Knochenbrüclie am Vordermittelfusse.
Lit.! Bauer, Adams Woch. 1882. S. 393. Stolz, öurlt U. Hcrtwig. 12. S. 829. Pujos, Jahresbericht 1883. S. 109.
Bei den Einhufern und Wiederkäuern erstrecken sich die Frak­turen meist auf alle Knochen des Mittelf'usses, selten bleiben die Gritfelbeine intact, noch seltener frakturiron diese allein. Bei den übrigen Thieren, namentlich den Fleischfressern kann jeder Knochen für sich allein Continuitätstrennungen erfahren; oft aber brechen auch hier mehrere, nicht selten alle zugleich. Bei dem Mangel an Weich-theilen wird die straftquot; angespannte Haut von den Bruchstücken leicht perforirt, es entstehen complicirte Brüche, deren Heilung mit grösseren Schwierigkeiten verknüpft ist.
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Knochenbrüche des Vordermittelfusses.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;595
Hufsohläge, Niederstürzen, bei kloinen Thieren Schläge mit schweren Stöcken, Ueberfahrenwerden u. s. w. bilden die hiiufigsten Ursachen. Sofern sämmtliche Mitteliussknochen frakturirt sind, stösst die Diagnose selten auf Schwierigkeiten; die abnorme Beweglichkeit, das Unvermögen, den Fuss zu belasten, und die Crepitation lassen über das Bestehen eines Bruches keinen Zweifel.
Schwieriger gestaltet sich die Diagnose bei Brüchen einzelner Knochen; hier giebt indess eine sorgfältige Palpation in der Kegel den nöthigen Anhalt, zumal sich gewöhnlich auch Crepitation nach­weisen lässt. Am schwierigsten sind Frakturen zu bestimmen, die auf das eine oder andere Griffelbein beschränkt blieben oder bereits zu stärkerer Anschwellung geführt haben. Als unmöglich gestaltet sich oft der Nachweis von Fissuren; sie lassen sich meist nur ver-muthen. Bauer beobachtete eine Fissur der Vorderröhre beim Pferde, welche einige Tage später zur vollständigen Frakturirung führte.
Verlauf. Heilung ist bei allen diesen Frakturen möglich und folgt bei den kleinen Thieren leichter als an den meisten übrigen Knochen. Complicirte Frakturen des Schienbeines lassen indess beim Pferde nur aus­nahmsweise Heilung zu. Auch die subeutanen Brüche dieses Knochens müssen bei den grösseren Hausthieren als relativ unheilbar betrachtet werden. Nur bei werthvollen und ruhigen Thieren lohnt sich ein Heil­versuch. Dass die Wiederherstellung der vollen Arbeitsfähigkeit mög­lich ist, beweisen viele Mittheilungen der Literatur (Stolz u. a.). Beim Rinde gelingt die Heilung leichter als beim Pferde , auch stört die etwa zurückbleibende Lahmheit hier nicht in dem Masse wie dort. Bei den übrigen Thieren heilen subeutaue Frakturen am Metacarpus in .'!—G Wochen. Brüche der Diaphyse der Metacarpalknocben heilen leichter als solche in der Nähe der Knochenenden; ungünstig wird die Prognose, wenn sich der Bruch bis in das eine oder andere Gelenk erstreckt.
Behandlung. Die Reposition erfolgt nach den allgemeinen Grundsätzen und gestaltet sich meist nicht schwer. Vor Anlegung des Verbandes sorge man dafür, dass der Fuss in die richtige Stellung gebracht ist, achte dabei namentlich auf den Huf bezw. die Klauen. Ein Gypsverband verdient auch hier den Vorzug, besonders bei kleinen Thieren.
Stolz wandte eine nach ihm benannte Salbe aus 2 Tbeilen Harz und 1 Tbeil Wachs an, welche auf eine leinene Binde gestrichen und auf die Bruchstolle gebracht wurde, um als Unterbinde ZU dienen. Darüber wird
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59(3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Vordevmittolfusses.
ein Schienenverband gelegt. Pferde müssen in den Hängegurt gebracht werden. Die von Binz und Tennecker empfohlenen Standmaschinen haben keinen besonderen Werth. Pujos sah einen Querbruch des Schien­beines beim Pferde dicht über dem Pesselgelenke heilen, nachdem ein Gyps-verband angelegt worden war. Schon nach 8 Tagen (?) begann es den Puss zu belasten. Als nach 45 Tagen der Verband abgenommen war, wurde der Fuss schon regelmilssig belastet. 66 Tage nach dem Auftreten des Bruches konnte das Pferd wieder in Arbeit gestellt werden.
2. Wunden am Mittelfuss.
Lit.: (ierlach, Guilt u. Hertwig. 20. S. 304. Frick, Berl. Arch. 1888. S. 82.
Die straff angespannte und mit ihrer Unterlage fest verbundene Bussere Haut bildet eine der Ursachen, weshalb Wunden, namentlich bei grösseren Thieren hier oft einen ungünstigen Verlauf nehmen. Nicht selten sind Knochen, Sehnen und Sehnenscheiden mit verletzt. Wo letzteres der Fall ist, muss mit allen zu Gebote stehenden Mitteln Asepsis angestrebt werden. Nach Entfernung der Haare, loser Fetzen und Fremdkörper spüle man die Wunde sorgfältig mit desinficirenden Flüssigkeiten aus, und reinige ebenso die Umgebung. Wenn die Ver­hältnisse es gestatten, gebe man zunächst ein Sublimat-, Carbol- oder Creolinbad, spüle sodann unter kräftigem Strahle die Wunde mit Sublimatwasser aus, so class sich womöglich in den Rändern der Wunde ein „Wundwasserödemquot; bildet. Klaffende Wunden hefte man mit aseptischem Material und lege sodann einen Occlusiv-verband an. Zur Vervollständigung der Desinfection empfiehlt sich in den nächsten Tagen den Verband täglich 2—.'5 Mal mit Sublimat­wasser anzufeuchten. Sobald derselbe vom Wundsecret oder Blut durchfeuchtet erscheint, muss er unter antiseptischen Cautelen ge­wechselt werden. Auf diese Weise gelingt es oft, nicht nur Ver­letzungen der Knochen sondern auch der Sehnen und Sehnenscheiden per primam int. zur Heilung zu bringen, wie auch die Mittheilungen von Frick sowie eigene Beobachtungen gezeigt haben. Ein gleiches Verfahren empfiehlt sich bei allen Verletzungen, die mit grösseren Hautverlusten verbunden sind , oder wo grössere Hautlappen abzu­sterben drohen. In solchen Wunden stösst die Benarbung auf Schwierig­keiten ; infolge ihrer straffen Beschaffenheit und festen Lage kann die Haut durch die Narbenretraction nicht genügend herangezogen werden, und wenn auch der Defect ausgefüllt wird, so fehlt oft der Epidermisersatz; es stellen sich in Folge dessen üppige Granulationen ein, die von vornherein durch Anwendung von Adstringentien (Tannin,
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Wunden der Sehnen und Sehnenscheiden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;597
Zucker mit Jodoform), sowie durch einen gut angelegton Druckverband zurückgeluilten oder durch passende Aetzmittel zerstört werden müssen. Das Gleiche gilt bei Operationen sowie für umfangreiche Nekrose der ilusseren Haut. Man schone hierbei die Haut soweit möglich, suche durch antiseptische Verbände das Absterben derselben zu verhindern und bedenke wohl, dass alle Wunden, die hier nicht per primam heilen, regelmässig starke Narben (Hornnarben) hinterlassen.
Quetschungen am Metacarpus durch Gegenschlagen u. s. w. führen oft zur Bildung von wallnuss- bis hühnereiergrossen Extra-vasaten. Werden diese in den nächsten Tagen geöffnet, so erfolgt nicht selten eine unangenehme Blutung. Die Resorption solcher Ex-travasate (nicht selten Lymphextravasate) bleibt längere Zeit aus; dies pflegt namentlich am Köpfchen des medialen Griffelbeines der Fall zu sein, wenn der Erguss in die hier gelegene Bursa sub-cutanea erfolgt war. Lahmheit fehlt hierbei in der Kegel, daher können die Thiere ungestört zum Dienst verwendet werden, während man durch methodische Compression (Cirkelbinde) und tägliche Mas­sage die Resorption anzuregen sucht. Soll hierbei operativ einge­griffen werden, so muss es bei werthvollen Thieren unter Anwendung von Antisepsis geschehen. Nachfolgende Eiterungen führen leicht zu subfascialen Phlegmonen mit unangenehmen Folgen; Lymphextravasate hinterlassen zuweilen Fistelbildungen.
Wunden der Sehnen und Sehnenscheiden am MittelfüSS und der Zehe. Sobald die Beugesehnen bei der Verwundung getroffen werden, und Eiterung eintritt, stellen sich Störungen in der Heilung ein. Die von Eiter umspülten Sehnentheile nekrotisiren, und da die Demarcation hier längere Zeit in Anspruch nimmt, so entwickeln sich während derselben üppige Granulationen, welche starke Narbenbildung und Verdickungen zur Folge haben. Nicht so bei aseptischem Verlauf, welcher daher auch bei allen Verletzungen der Sehnen so weit möglich angestrebt werden muss. Noch wichtiger ist Asepsis bei Verletzungen der Sehnenscheiden, welche die­selbe Bedeutung haben wie Gelenkwunden; das gilt namentlich von den Sehnen­scheiden des Beugeapparates.
Am Mittelfuss sowohl des Vorder- wie Hinterschenkels kommen Verwundungen der Sehnen und Sehnenscheiden namentlich bei Pferden nicht selten vor. Auf dem Lande geben Sensen, Glasscherben u. s. w. hierzu oft Veranlassung ab; ebenso das Ausschlagen der Pferde gegen scharfe Gegenstände. Am häufigsten werden die Beugesehnen von der Verletzung betroffen, seltener die Zehenstrecker. Wunden der letzteren haben auch keine grosso Bedeutung und heilen regelmässig, wenn sie nach den allgemeinen Grundsätzen behandelt werden. Die gleichen
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5t)8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Vordeimittelfusses.
Verletzungen der Beugesebnen bilden dagegen im hohen Grade be­denkliche Zustände.
Ihre Erkennung bietet keine Schwierigkeit, der genauere Nach­weis der Ausdehnung der Wunde gestaltet sich dagegen oft nicht leicht, doch kommt es hierauf weniger an. In der Regel sind gleichzeitig die Schienbeingefilsse durchtrennt, und die nächste Gefahr liegt in der Blutung, welche meist schon von dem Besitzer durch Umlegen von Tüchern u. s. w. wenigstens theilweise zu stillen versucht wird. Dehnt sich die Verletzung auf die drei Beugesehnen aus, so gestalten sich die Bewegungsstörungen verschieden. War nur der am meisten ex-ponirt liegende Kronbeinbeuger durchtrennt, so bleibt die Lahmheit oft gering; auch kann der Fuss regelmässig belastet werden. Ist je­doch zugleich der Hufbeinbeuger durchtrennt, so stellt sich bei jedem Versuche, den Fuss zu belasten, excessive Dorsalflexion im Hufgelenke ein (Fig. 97). Bei Trennung aller drei Beugesehnen tritt diese in sämmtlichen Zehengelenken in dem Masse ein, dass sich das Fessel­gelenk bis zur Erde senkt.
Nach Stillung der Blutung zeigen sich in der Wunde die ge­trennten Sehnenenden; auch kann man sich durch Palpation und Son­diren mit dem Finger von der Ausbreitung der Verletzung überzeugen. Die Frage, ob Sehnenscheiden mit verletzt sind, muss mit Rücksicht auf den Sitz der Wunde entschieden werden.
Verlauf. Der Wundverlauf hängt in erster Linie davon ab, ob Asepsis erlangt werden kann. Wo dieses der Fall ist, heilen die Wun­den in etwa 14 Tagen bis 8 Wochen regelmässig; tritt Eiterung ein, so dauert die Heilung mindestens 4—ö Wochen, oft sogar mehrere Monate. Natürlich heilt eine Verletzung, welche auf den Kronbein­beuger beschränkt geblieben ist, leichter und schneller als solche, die sich auf alle Beugesehnen erstreckt. Verletzungen der Sehnenscheiden im Beugeapparate sind höchst gefahrlich, indem eiterige oder septische Tendovaginitis droht, namentlich bei Pferden. Daher gelten Wunden dicht über dem Fesselgelenk sowie in der Köthe für bei weitem gefähr­licher als solche in der Mitte des Schienbeines, wo sich keine Sehnen­scheiden befinden. Beim Rinde liegen die Verhältnisse ähnlich wie beim Pferde. Hier kommt jedoch die Heilung oft ohne besondere Hülfeleistung zu Stande. Ger lach sah eine vollständige Durch­trennung des Krön- und Hufbeinbeugers bei einer Kuh in 4 Wochen vernarben. Es blieb zunächst abnorm starkes Durchtreten (Dorsal-flexion) zurück, welches sich indess nach 3 Monaten verlor.
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Wunden der Sehnen und Sehnenscheiden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;509
Bei den kleinen Thieren gestalten sich diese Leiden im ganzen günstiger, weil der Fuss besser geschont werden kann.
Behandlung. Frische Wunden fordern Antisepsis mit allen zu Gebote stehenden Mitteln; leider sind dieselben durch die zur Blut­stillung angelegten Verbandmaterialien oft schon inficirt, doch lässt sich eine Desinfection in den ersten 12—24 Stunden nach der Ver­letzung noch erreichen. Zu dem Zwecke muss zunächst die etwa be­stehende Blutung gestillt werden; zur Unterbindung wird natürlich sterilisirtes Material angewendet. Sodann seife man den Fuss sorg­faltig ab und spüle die Wunde sowie ihre Umgebung mit Sublimat­oder Carbolwasser ab. In die Wunde selbst lasse man einen kräftigen Strahl dringen und entferne alle Fremdkörper aus derselben. Lassen die Verhältnisse Asepsis erwarten, so hefte man die Wunde soweit möglich, event, auch die Sehnenenden, und lege einen feuchten Occlu-sivverband aus aseptischen Materialien an. Dieser Verband wird in der ersten Zeit dauernd feucht erhalten, indem man denselben täglich 3 Mal mit Sublimatwasser begiessen lässt. So lange der Verband nicht von Blut- oder Wundsecret durchfeuchtet erscheint, bleibt er liegen und wird erst abgenommen, wenn das Thier den Fuss wieder belastet, d. h. die Wunde geheilt ist. Anderenfalls wird derselbe unter antiseptischen Cautelen gewechselt.
Wo Asepsis nicht zu erreichen ist, suche man einerseits die Ab-stossung der nekrotischen Seimenmassen zu beschleunigen, und anderer­seits die Wucherung in der Umgebung zurückzuhalten. Die theilweise dissecirten Massen entferne man event, mit Hülfe von Schere und Messer. Ueppige Wucherungen müssen durch Adstringentien, Zucker oder Tan­nin mit gleichen Theilen Jodoform, Alaun oder Zinc, sulfur, in Pulver­form zurückgehalten werden; auch wirkt ein gut angelegter Druck-verband vortheilhaft. Zuweilen ist die Entfernung der Wucherungen mit dem Messer oder scharfen Löffel angezeigt. Man sorge jedoch dafür, dass die so entstandenen Verletzungen möglichst rein gehalten werden, damit von hier aus keine Infection erfolgt.
Dass den Thieren während der Heilung dieser Wunden Ruhe gegeben werden muss, versteht sich von selbst.
Doppelte Sorgfalt verwende man auf die Antisepsis, wo Sehnen­scheiden mit verletzt sind, verfahre im übrigen nach den gleichen Grundsätzen. Dass selbst bei schweren Verletzungen der Sehnen und Sehnenscheiden unter sorgfältiger Anwendung antiseptischer Mass-nahmen die Heilung nicht ausgeschlossen ist, beweist der von Frick
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(300nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Vordermittelfusses.
mitgetheilte Fall. Aehnliche Beobachtungen habe ich wiederholt machen können.
3. Zerrelssuug der Beugeseimen und Anfhilngebänder.
Lit.: Sehellhase, Gmlt u. Hertwig. 29. S. 241. Johne, Jahresbor. 1882. S. 88. Smith, The vet. journ. 1881. Kay, Amer. vet. rew. 1884. Schraml, Osterr. Mitth. 1888. Saint-Cyr, Her. Rep. 15. Sie damgrotzky, Dresd. Aer. 1870. S. 44 u, S. 246; Boil. Arch. 1891. 11.3. Maillet, Rec. de med. vet. 1830. S. 402. Rodet, das. 1826. S. 97. Grämlich, Zeitschr. f. Veter. 1890. S. 323.
Continuitätstrennungen durch äussere Gewalten, namentlich durch heftige Dehnungen der Beugesehnen bei Belastung der Vorderfüsse werden fast nur am Einhufer beobachtet, denn nur bei diesen Thieren kommen so erhebliche Dehnungen während der Körperbewegungen (Springen, Laufen) vor; bei Wiederkäuern schützt ausserdem das Knie­klauenband (F. Müller) gegen solche.
Begünstigt werden diese Continuitätstrennungen durch Ernährungs­störungen in den Sehnen. Nach Infectionskrankheiten und selbst nach längerer Buhe der Thiere hat man häufiger Zerreissungen der Beuge-sehnen selbst bei geringer Anstrengung beobachtet.
Schellhase sah eine totale Zerreissung des unteren Aufhängebandes bei einem Pferde auf beiden Füssen zugleich auftreten, welches längere Zeit im Stalle gestanden hatte. Auch Johne beobachtete die Zerreissung desselben Bandes bei einem Fohlen, welobes sich im Kranken stalle befand, und vermuthete eine verminderte Resistenz im Knochen, welcher bei der Zerreissung zum Theil abgelöst war. Das obere Gleichbeinband fand St. Cyr nahe an der Theilung in seine Aeste heim Pferde zerrissen, welches ge­stürzt war. Smith berichtet über ein Pferd, dem beim Aufspringen alle drei Beugesehnen an einem Vorderfüsse plötzlich durchrissen, worauf der Metacarpus sich 4 Zoll tief in den Boden einbohrte.
K a y beobachtete Zerreissung aller 3 Beugesehnen auf 3 Füssen beim Pferde. Der lange Zehenbeuger war vom Hufbein und der Fesselbeinbeuger von den Sesambeinen abgerissen, wobei sich Theile der Knochen abgetrennt zeigten. Auch hier war das Pfei'd bereits einige Zeit lahm und unthätig gewesen. Im verflossenen Sommer wurde der hiesigen Klinik ein Pferd mit einer plötzlich hervorgetretenen Lahmheit übergeben, welches kaum im Stande war sich wenige Augenblicke aufrecht zu erhalten; zum Aufstehen gezwungen setzte es die Hinterfüsse weit nach vorn; auch die Vorder­füsse nahmen eine Stellung wie bei der Rehe ein. Bei der Section fand sich an allen 4 Füssen die Hufbeinbeugesehne zerrissen und zwar unmittelbar vor ihrer Anheftungsstelle an das Hufbein, zum Theil an diesem selbst. Ueber die Ursachen des Leidens konnten keine nähere An­haltspunkte gewonnen werden, als dass das Pferd bereits einige Tage wegen Lahmheit eines Fusses im Stalle gestanden hatte. Maillet sah den Huf- und Kronbeinbeuger beim Pferde zerreissen. Rodet an beiden Vorder-
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Zerreissung dor Beugesehnen.
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füssen zugleich wilhrend eines Galopps. In dein von Mail let erwähnten Falle hatte wahrscheinlich eine illtere Erkrankung (partielle Zerreissung) der Sehnen vorgelegen. Schraml berichtet über Abreissen der Hufbeinbeuge­sehnen von ihrem Ansätze am Hufbein, so dass Theile des letzteren an der Sehne hingen. Zugleich wurde das Strahlbein zertrümmert gefunden, und zwar wie Schraml annimmt, durch die übermilssige Belastung desselben nach erfolgter Zerreissung der Sehne.
Ich habe wiederholt ähnliche Beobachtungen machen können. Der Fesselbeinbeuger war fast immer an seinem unteren Ansatzpunkte von den Sesambeinen abgerissen, wobei Stücke dieser Knochen mit losgelöst waren. Man macht derartige Beobachtungen meist bei Pfer­den, die aus irgend einem Grunde längere Zeit unthätig im Stalle ge­standen hatten. Bei Wagenpferden wurden Zerreissungen des einen oder anderen Schenkels des Fesselbeinbeugers von mir auch an den Hinterschenkeln beobachtet.
An den Vorderfüssen findet man diese Zerreissungen am häufigsten bei Kennpferden; sie treten hier namentlich beim Springen über Hinder­nisse hervor. 1st die Sehne des Huf- und Kronbeinbeugers betroffen, so lässt sich bald darauf eine Anschwellung in denselben nachweisen. Die Stellung der Fessel wird stets verändert, und zwar verschieden, je nachdem der eine oder andere Beuger getrennt ist (S. 598).
Ferner kommen Zerreissungen der Beugesehnen in Folge Er­krankung ihrer Gleitflächen auf den Sesambeinen oder dem Strahlbein vor; an letzterem bei der chronischen Hufgclenkslahmheit sowie bei eiterigen Processen im Strahlpolster mit Nekrose am Hufbeinbeuger. In gleicher Weise sah ich wiederholt Zerreissungen des Huf- und Kronbeinbeugers in Folge eiteriger Entzündung der Sehnenscheiden, so­wie der Gleitfläche auf den Sesambeinen. Hier wird die Trennung durch die entzündlichen Processe der Sehnenscheide vorbereitet, dort durch die Neurotomie begünstigt. Die bei der Hufgelenklahmheit rauh gewordene Strahlbeingleitflilche bewirkt eine Zerfaserung der Hufbein­beugesehne, während das rücksichtslose Auftreten nach der Neuro­tomie gewaltige Dehnungen in der Sehne zur Folge hat.
An den Hinterfüssen sah ich wiederholt totale Zerreissungen des Krön- und Hufbeinbeugers in Folge Nekrose der Sehnen. Bricht hier eine eiterige oder septische Phlegmone in die Sehnenscheide der Beuger ein, so kommt es neben einer purulenten Tendovaginitis zur Nekrose der Sehnen. Hierauf tritt nicht selten in Folge der andauernden Belastung an dem anderen Fusse Senkung des Hufbeines ein; dabei steigern sich oft die Schmerzen in dem Masse, dass der zuerst erkrankte Fuss trotz des Sehnenleidens belastet wird; diese scheinbare Besserung wird aber durch die Sehnenzerreissung plötzlich wieder unterbrochen. Gewöhnlich trifft
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(502nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Vordermittelfusses.
man den Patienten morgens mit der abweichenden Stellung des Hinter-fusses an.
Grämlich berichtet über eine ähnliche Beobachtung beim Pferde, welches im Verlaufe der Brustseuche an allen 4 Püssen an Sehnenentzün­dung gelitten hatte; Huf- und Kronbeinbeugesehne zerrissen an einem Vorderfuss und wurden bei der Section zum Theil nekrotisch gefunden.
Auch ich hatte wiederholt Gelegenheit die zerrissenen Sehnen zu untersuchen und mich von der Gegenwart der Nekrose zu überzeugen, welche sich durch matte, gelbe Farbe derselben zu erkennen giebt und oft bei bereits eingeleiteter Dissection durch die rothe Granulation von dem normalen Sehnengewebe deutlich abhebt.
Fasciculilre ZeiTeissungen kommen bei fast allen Entzün-dungen der Beugeseimen vor, welche durch heftige Dehnungen ent­standen wind (vgl. S. 605).
Erscheinungen. Die Zerreissung giebt sich sofort durch Lahm­heit zu erkennen; der Fuss wird entweder gar nicht belastet, oder wenn dies vorübergehend geschieht, mit abnormer Dorsalflexion in dem betreffenden Gelenke. So lange keine erhebliche Anschwellung ein­getreten, ist die Trennung direct durch Palpation nachzuweisen. Schon die Abänderung in der Stellung der Gelenke lässt den Sachverständigen über die Diagnose nicht im Zweifel.
Verlauf. Trennungen in den Beugeseimen heilen regelmässig und vollständig, wenn: 1. die Enden nicht zu weit von einander ent­fernt sind und 2. wenn die Zerreissung an einer Stelle stattfand, WO keine Sehnenscheide liegt.
Zerreissungen innerhalb einer Sehnenscheide vereinigen sich äusserst langsam und unvollkommen, weil hier das Paratendineum fehlt, von dem die Heilung vornehmlich ausgeht. Aus der Abweichung in der Stellung der Fessel erlangt man ein einigermassen sicheres Urtheil über den Grad der Dislocation der Sehnenenden. Im günstigen Falle heilen Zerreissungen des Hufbein- oder Fesselbeinbeugers in 6 Wochen; oft dauert es jedoch 2—8 Monate, bis das Pferd wieder gebrauchsfähig wird. Bei einem Rennpferde, welches sich eine lluptur des Fessel­beinbeugers am Vorderfusse zugezogen hatte, war nach 6 Wochen keine nennenswerthe Besserung eingetreten. Man Hess das Pferd tödten, und ich fand bei der Section die Heilungsvorgänge zwar eingeleitet, doch war an den abgetrennten Stücken der Sesambeine keine makro­skopisch nachweisbare Callusbildung eingetreten. Offenbar trug die unterbrochene Ernährung hieran die Schuld. Zerreissungen des einen oder anderen Schenkels des Fesselbeinbeugers heilen unter Ruhe in
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Entzündung der Beugesehnen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ()()3
Zeit von G—8 Wochen meist ohne dauernde Bewegungsstörungen zu hinterlassen.
Im allgemeinen müssen diese Leiden ungünstig beurtheilt werden, sobald die Trennung an den Sesambeinen erfolgt ist. Schlecht wird die Prognose bei Zerreissung von Sehnen, die durch anderweitige Pro-cesse, /.. B. bei Podotrochilitis acuta oder chronia bereits verändert waren.
Die Behandlung beschränkt sich darauf, die getrennten Theile möglichst nahe zusammen zu bringen und festzustellen. Zu dem Zwecke können feste Gypsverbände nützlich werden. Bei ruhigen Pferden kann eine Eisenschiene, welche am Steg eines geschlossenen Hufeisens be­festigt und der normalen Stellung des Fusses entsprechend gebogen wird, Anwendung finden. Nachdem diese mit einem Polster, der Fuss zum Schütze gegen Druck mit einer Binde versehen ist, wird die Schiene mittelst Cirkelbinden befestigt. Zur Anwendung des Appa­rates ist in der Regel ein Hängegurt erforderlich.
4. Die EntzUiidung der Beugescliiien. Tendinitis.
Lit: Siedamgrotzky, Dresd. Bor. 1876. S. 44 u. Berl. Arch. 1891. Marbel-neke, Gurlt u. Hortwig. 7. S. 230. Zsohokke, Schweizer Arch. 1887. S. 173. Roloff, Gurlt u. Hertwig. 34. S. 271. Tsohulowski, Jahresb. 1884. S. 70. Ferguson, The vet. 1838. Fogliata, Jahresb. 1884. S. 123. Di dot, Her. Rep. 18. S. 219. Schrader, Buschs Zoitschr. 2. H. 4. S. 111. Oourdon, Jahresb. 1857. S. 01. Defay, Annal. de müd. vet. Bruxelles. 1860.
Die Entzündung der Beugesehnen bildet ein häutig vorkommendes Leiden der Pferde. Meist tritt sie an den Vorderfüssen auf, weil diese in viel höherem Grade heftigen Dehnungen und partiellen Zerreissungen ausgesetzt sind, welche die häufigste Ursache zu der Erkrankung ab­geben. Siedamgrotzky lieferte eine genaue Beschreibung von Zer­reissung der Hufbeinbeugesehne mit seoundttrer Erkrankung der Sehnen­scheide.
Ursachen. Prädisponirt zu Sehnenentzündungen sind zunächst Pferde mit schwachen Beugesehnen und schwerem Körperbau. Die innere Einrichtung und die dadurch beeinflusste Widerstandsfähigkeit der Sehnen spielt hierbei eine grosse Rolle, allein ihre absolute Dicke entscheidet dabei nicht; im Gegentheil, Sehnen von grösserem Umfange, dicke, aber von Paratendineum sich wenig abhebende leiden häutiger
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()()4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten dea VordcrmiUelfusses.
als dünne, scharf begrenzte und sich fest anfühlende. Wie bereits Seite 601 erwähnt, scheint andauernde Kühe des Thieres die Wider­standsfähigkeit seiner Sehnen herabzusetzen. Darauf ist auch das häufige Vorkommen nicht nur der Zerreissungen sondern auch der Entzündungen nach schweren Krankheiten wenigstens zum Theil zurückzuführen. Ferner wirken alle Umstände, welche die Belastung des Schenkels vergrössern und stärkere Dehnungen in den Beugesehnen hervorrufen, begünstigend auf die Entstehung von Entzündungen in denselben. Dahin gehören namentlich:
1. Lange, weiche und schmale Fessel. Wird durch die zu­nehmende Länge und Schräglage der Fessel die Belastung der Sehnen ver-grössert, so funktioniren diese um so ungünstiger, je schmaler das Fessel­gelenk von der Seite des Pferdes betrachtet erscheint. Aus demselben Grunde disponiren Pferde mit „geschnürterquot; Vorderfusswurzel zur Tendinitis, denn diese Bildung ist regelmilssig mit schmalem Fesselgelenk verbunden. Ferner befördern alle Momente, welche die Dorsalflexion in den Gelenken der Phalangen vergrössern, die Entstehung von Entzündung der Beugesehnen; niedrige Trachten und lange Zehe des Hufes werden deshalb oft Ursache dieses Leidens. Dies gilt namentlich von der zu langen Hufzehe, welche im letzten Momente der Belastung des Fusses eine starke Dehnung der Beugesehnen zur Folge hat. Auch die Gebrauchsweise der Thiere spielt hierbei eine grosse Holle. Renn- und Jagdpferde sind diesem Leiden am meisten unterworfen; aber auch solche, die andauernd schnelle Trabbewe­gung ausführen, leiden nicht selten. Am meisten erkranken leistungsfähige Thiere j je wirksamer die Muskelarbeit der Hinterhand, um so grosser gestalten sich natürlich die Prellungen, welche die nach vorn geworfene Körperlast in den Vorderschenkeln hervorruft. Temperamentvolle Pferde leiden deshalb auch häufiger als phlegmatische. Bei Lastpferden stellt sich das Leiden aus nahe liegenden Gründen öfter an den Hinterfüssen ein.
Solche Dehnungen im Beugeapparat kommen einerseits durch das Einfallen der Körperlast auf den stützenden Vordorschenkel beim springen oder plötzlichen pariren zu Stande (passive Dehnungen); andererseits werden sie durch andauernde heftige Wirkungen in den Beugemuskeln (active Dehnungen) hervorgerufen. Von ersteren wird in der Regel der Pesselbeinbeuger betroffen; bei der geringeren Länge desselben muss die in den Phalangen forcirte Dorsalflexion hier am ehesten nach­theilig wirken. Seltener leidet unter solchen Umständen der Hufbeinbeuger und fast niemals der verhältnissmässig lange Kronbeinbeuger. Als Länge muss hierbei der Abstand der unteren Insertion von der oberen, beim Huf-und Kronbeinbeuger von der oberen Insertion ihrer sog. Unterstützungs­bänder gerechnet werden.
Sehnenentzündungen durch anstrengende Thätigkeit der Muskulatur (active Dehnungen) haben mit seltenen Ausnahmen ihren Sitz im Huf­beinbeuger, weil der Muskelkopf dieser Sehne die bei weitem grösste Kraft besitzt, ihre Sehne also den stärksten Dehnungen ausgesetzt ist. Die Er­krankung geht hier regelmässig vom Unterstützungsbande aus und setzt sich allmälich auf die unteren Abschnitte der Sehne fort. An den Hinter­füssen leidet am häufigsten der dicht über dem Fesselgelenke gelegene Ab­schnitt der Hufbeinbeugesehne.
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Entzündung der Beugesehnen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; G05
Selten geben Quetschungen von aussen die Veranlassung zu Sehnenentzünclungen ab, und zwar nur im Kronbeinbeuger, weil die oberflächliche Lage desselben Verletzungen, z. B. durch Gegenschlageu der Hinterfüsse (Sehnenklapp) zulässt. Von Siedamgrotzky wurde diese Entstehungsart in Zweifel gezogen; ich habe jedoch wiederholt bei Reitpferden die Wirkung solcher Verletzungen beobachten können.
Nicht selten kriecht die Entzündung von den Sehnenscheiden bezw. den Gleichbeinen auf die Beugesehnen über. Die nach Infectionskrank-heiten, in der Reconvalescenzperiode der Brustseuche auftretenden Entzündungen gehen meist von den Sehnenscheiden aus. Schrader und Marheineke haben dieses Leiden eingehend beschrieben und gefunden, dass die Entzündung dicht über dem Fesselgelenke als eine „weichhartequot; Anschwellung beginnt und sich von hier aus auf die Sehnen des Huf- und Kronbeinbeugers fortsetzt. Schrader sah den 6. Theil der „Brustkrankheitquot; Reconvalescenten leiden, die Erkrankung aber zuweilen schon in 12—24 Stunden wieder verschwinden. Viel­leicht handelt es sich in solchen Fällen um secretorische Meta­stasen. Zuweilen tritt jedoch die Entzündung bei Reconvalescenten dieser Krankheiten direct im Hufbeinbeuger auf, namentlich wenn die Thiere zu früh angestrengt werden. Offenbar liegt hier eine besondere Disposition vor, welche durch die während der Krankheit gestörten Brnährungsvorgänge bedingt ist; wahrscheinlich handelt es sich dabei um partielle Zerreissungen und damit verbundene reparatorische Vor-
Es erscheint mir nicht zweifelhaft, class die Mehrzahl der als Sehneu-entzünduug bezeichneten Leiden nur Hoilungsvorgilnge von partiellen Zerreissungen darstellen. Auch dor Verlauf und der Ausgang der Leiden würden sich bei dieser Auffassung leichter er­klären. Das Zurückbleiben einer Verdickung deutet auf umfangreiche Con-tinuitätstrennungen hin; sie muss daher als ein ungünstiges Zeichen be­trachtet werden, erscheint andererseits aber nothwendig, um den Sehnen einigermassen ihre Widerstandsfähigkeit zurückzugeben. Dass die verdickte Sehne geringere Festigkeit besitzt als die normale, liegt ebenfalls auf der Hand.
Von diesem Standpunkte erklärt sich zugleich die Beurtheilung der Festigkeit der Sehnen. Sich fest anfühlende, scharf conturirte Sehnen be­sitzen eine grössere Widerstandsfähigkeit, weil sie weniger Bindegewebe (Tendilemma) enthalten, als solche mit verschwommenen Conturen. Das Verhältniss gestaltet sich hier ebenso wie am Muskel. Befindet sieh viel Bindegewebe und verhilltnissmässig wenig Sehnenfasern in der Sehne, so wird sie natürlich weniger widerstandsfähig sein. Die Menge des Ten­dilemma aber stellt im gradon Verhältniss zur Menge des Poritondineum. Je fester sicli die Sehne anfühlt und je schärfer sie conturirt erscheint, um so weniger Peritendineum und Tendilemma besteht an derselben, um so fester und widerstandsfähiger ist sie also.
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Krankheiten iles Vordermittelfusses.
Erscheinungen. Die Entzündung der Beugeseimen giebt sich lt;liircli folgende Erscheinungen zu erkennen:
1,nbsp; Lahmheit. Diese ist nach dem Sitze und Grade des Leidens verschieden. Am schmerzhaftesten pflegen die nach der Brustseuche auftretenden Entzündungen zu sein, weniger die durch mechanische Einflüsse entstandene Erkrankung des Hufbeinbeugers; geringgradig ist die Lahmheit meist bei Leiden des Fesselbeinbeugers. Leidet nur ein Schenkel desselben, so fehlt die Lahmheit oft, ebenso wie bei der Entzündung des Kronbeinbeugers.
Die Erkrankung der Beugesehnen ruft Stützbeinlalmiheit hervor; nur die Belastung ist schmerzhaft; es werden namentlich die letzten Momente derselben, während die Phalangen in Volarflexion (steiler Stellung) verharren zu verkürzen gesucht. Weder passive Drehbewe­gungen noch Wendungen zeigen sich schmerzhaft, wodurch diese Leiden von Gelenkkrankheiten zu unterscheiden sind. Also: Stütz-beinlahmheit mit Abkürzung der Belastung nach hinten, Volarflexion der Phalangen und Fehlen der Schmerzen bei Rotationen charakterisirt diese Leiden. Zuweilen versuchen Pferde die kranke Gliedmasse zu belasten, indem sie die Trachten-theile des Hufes auf eine Erhöhung des Bodens, z. B. auf einen Stein stellen, um durch die so erreichte, steilere Fesselstelhmg die An­spannung der Sehnen zu vermindern; so namentlich an den Hinter-füssen. Im übrigen findet bei stärkerer Lahmheit auch im Stande der Ruhe keine so vollständige Belastung des Fusses statt, wie es bei Er­krankungen der Gelenke (Distorsion) zeitweise beobachtet wird.
2.nbsp; nbsp;Die Localuntersuchung ergiebt: Vermehrte Wärme, Schmerz und Anschwellung. Die erstere tritt nur undeutlich im Anfange des Leidens hervor. Am Unterstützungsbande des Kronbein­beugers lässt sich der Schmerz schwer feststellen, indess leidet dieses selten. Bei Anwendung des Druckes auf die Sehnen sei man vorsichtig und lasse sich nicht durch grössere Empfindlichkeit der Thiere täuschen. (Man vergleiche meine Diagnostik der chir. Krank­heiten S. 142).
Die Anschwellung gestaltet sich dem Grade und der Aus­dehnung nach verschieden; am Kronbeinbeuger sowie am Unterstützungs­bande ist sie bei sogen, trockenen Beinen oft schon deutlich sichtbar, sonst aber nur bei der Palpation festzustellen. Im Anfange des Leidens erscheint die Geschwulst festweich und diffus, später wird sie härter und tritt nicht selten in Form von Knoten auf.
Die Untersuchung auf Schmerz!
iftigkeit und Anschwellung
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geschieht am aufgehobenen Fusse; die Unterstiltzungsbiinder lassen sich nur in dieser Stellung genauer beurtheilen.
3. Zu den genannten Erscheinungen gesellt sich später oft V e r-kürzung der erkrankten Sehne und damit andauernde Dorsalflexion (Stelzfuss) mit Ausbildung einer steilen Hufform (Bockhufj. Von der durch die Schmerzen bei der Belastung hervorgerufenen Volar-flexion zeichnet sich diese dadurch aus, class sie auch bei voll­ständiger Belastung des Fusses fortbesteht. Zur Entscheidung dieser Frage lilsst man den anderen Fuss aufheben. Während die Verkürzung im Huf beinbeuger Volarflexion der ganzen Zehe zur Folge hat, richtet die Retraction im Fessel und Kronbeinbeuger nur die Fuss-achse auf; der Huf verharrt in seiner normalen Lage.
Bei Rennpferden kommt es nicht selten zur Zerreissung einer grösseren Anzahl Sehnenfascikel im Hufbeinbeuger, wodurch abnorme Dorsalflexion der Phalangen hervorgerufen wird, welches zu der Be­zeichnung ,Niedergebrochenquot; (broken down) geführt hat. Am häufigsten tritt dies ein, wenn beide Füsse leiden, oder wenn die Thiere gezwungen sind, den kranken Fuss andauernd zu belasten.
Aelmliche Verlängerungen der Beugesehnen beobachtet man zu­weilen, wenn bei entzündlichen Leiden derselben die Neurotomie gemacht worden war. Schon die regelmässige Belastung des kranken Fusses kann hier zur Dehnung der Sehne hezw. des in derselben entstandenen Narben­gewebes führen. Ich sah solche Folgen namentlich nach der Neurotomie des N. tibialis bei Sehnenentzündungen am Hinterschenkel der Pferde.
Verlauf. In der Natur der ursächlichen Momente liegt es be­gründet, dass diese Leiden plötzlich eintreten; die anatomische Einrich­tung der Sehnen erklärt zugleich den chronischen Verlauf derselben. Nach erfolgter Dehnung bezw. Zerreissung in dem Sehnengewebe stellt sich zunächst neben vereinzelten Hämorrhagien und hyperämi-schen Zuständen der Gefässe eine seröse Infiltration des interfascicu-lären Bindegewebes und des Paratendineums ein. Die Sehnenfiisern werden hierdurch auseinandergedrängt und lassen sich leichter trennen (Siedamgrotzky). An die Stelle der serösen Flüssigkeit treten später mehr und mehr Leukocyten (plastische Infiltration), wodurch die anfangs weichere Anschwellung eine grössere Härte iinnimmt. Auf der Schnittfläche erscheinen grauweisse, zuweilen grauröthliche Bin.de-gewebsmassen. Unter Umwandlung der Leucocyten in fixe Binde-gewebszellen entsteht die Selmenverdickung, welche durch Retraction des neugebildeten Gewebes zur Verkürzung der Seime führen kann,
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Krankheiten des Vöi-clennittelfusses.
während die Paratendinitis zu Verwachsungen mit der Nachbarschaft AulftSS giebt. Allmälich findet auch Vascularisation der Sehne statt; zuweilen bat man in den entzündlich erkrankten Sehnen Verknöcherungen und Parasiten angetroffen.
Zschokke beschreibt einen Fall beim Pferde, in dem die Gleichbein-bänder ossificirt waren, llüloff fend Verknorpelung des Fesselbeiubeugers. Nach Tschulowski enthalten diese Verdickungen im Kasan'schen Gouver­nement hilufig Filaria cincinata, die Bassi auch in der Subcutis bei Pferden
Pitf. 90.
Excussive Stelzfussbllduug beim Pferd (nach einer Pliotographio).
antraf. Wahrscheinlich muss der von Ferguson beschriebene Fund ebenso gedeutet werden.
Stelzfussbildung Kann sowohl in Verkürzung der Sehnen durch Narbenretraction als auch in Muskelcontractur begründet sein. Im ersteren Falle nehmen nur die Gelenke der Phalangen Volarflexion an; bei Muskelcontractur tritt diese zugleich im Carpalgelenke ein (Vorbiegigkeit). Die Tendenz zur Narben­retraction bezw. Verkürzung ist in der Sehne wie in jedem Narbenge­webe stets vorhanden. Bedingung für das Zustandekommen derselben bildet jedoch andauernde Entspannung der Sehnen durch Nichtbelastung
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des leidenden Fusses. Wie weit diese mit der Zeit fortschreiten kann, zeigt die Fig. 95, welche nach einer Photographic hergestellt ist. Wird der Fuss bald wieder — und wenn auch nur vorübergehend — belastet, so kann weder das eine noch das andere zu Stande kommen, und die Stelzfussbiidung tritt nicht ein. Wo die Retraction erfolgt ist, zeigen die Sehnenfasern einen geschlangelten Verlauf (Siedam-grotzky).
Nach den Eigenartigkeiten des pathologischen Processes gestaltet sich der Verlauf der Sehnenentzündung verschieden. Im günstigen Falle kommt es in Zeit von 8—14 Tagen durch Kesorption der ent­zündlichen Producte zur restitutio ad integrum. Doch ist dies nur bei Kühe, rechtzeitiger und sorgfältiger Behandlung der Fall; meist bleibt eine Vordickung der Sehne zurück. Obgleich die Lahmheit sich in 3—4 Wochen zu verlieren pflegt, erlangt das neugebildete Gewebe doch nicht die Widerstandsfähigkeit der normalen Sehne, in Folge dessen besteht ein locus minoris resistentiae, und so erklären sich die häufisr eintretenden llecidive. Andauernd grössere Schmerzen veranlassen Stelzfussbiidung. Die Prognose muss daher in erster Linie von dem Grade der Schmerzhaftigkeit abhängig gemacht werden. Doch ge­stalten sich die Erkrankungen in den einzelnen Abschnitten des Beuge­apparates verschieden. Am bedenklichsten sind die des Fesselbein­beugers und der Unterstützungsbänder, in denen sehr selten vollständige Resolution zu Stande kommt. Darauf folgt der Hufbeinbeuger; am wenigsten bedenklich gestaltet sich die Entzündung des Kronbein­beugers. Bleibt hier auch eine oft sogar sichtbare Vordickung zurück, so wird doch die Gebrauchsfähigkeit des Thieres dadurch nur selten gestört. Es liegt auf der Hand, dass je älter der Zustand ist, um so geringer die Aussicht auf Heilung. Hört bei älteren Leiden die Lahmheit nicht auf, so wird die Prognose schlecht. Bedenklicher ge­staltet sich das Leiden, wenn beide Füsse betrofl'en sind. Bei Reit­pferden erscheint die Prognose ungünstiger als bei leichten Wagen­pferden. Bei Stelzfussbiidung entscheidet in erster Linie die Frage, ob sich mit der Tenotomie Heilung erzielen lässt. Dieses hängt davon ab, ob eine Verwachsung der Beugeseimen mit einander oder ihrer unteren Sehnenscheide besteht. Günstiger gestaltet sich die Prognose, wenn der Hufbeinbeuger mit dem Kronbeinbeuger nicht verwachsen ist, doch schliesst diese Verwachsung den Erfolg der Operation nicht aus. Die im Verlaufe von Infectionskrankheiten auftretenden Erkrankungen der Beugesehnen zeigen ^ich hartnäckiger, als die durch äussere Einflüsse bei sonst gesunden Pferden entstandenen. Grosse Schmerzhaftigkeit
Möller, Spociello Oliivurgio für ThicriirKte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; no
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tjlQnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Vordermittelfusses.
und Hartnäckigkeit der Behandlung gegenüber zeichnet diese aus, docli kann unter Unistilnden beobachtet werden, dass die entzündliche Schwellung schon nach 12 — 24 Stunden wieder verschwindet. In solchen Fällen lag offenbar nur eine leichte Erkrankung der Sehnen­scheide vor. Ich sah das Leiden bei ein und demselben Pferde innerhalb weniger Tage seinen Sitz wechseln; von den Hinterfüssen ging es auf die Vorderfüsse über und umgekehrt.
Behandlung. Das wichtigste Mittel bildet die Schonung von der Arbeit; womöglich gebe man absolute Ruhe und lasse die Huf­eisen abnehmen. Bei frischen auf mechanischem Wege entstandenen Erkrankungen findet in den ersten 24—48 Stunden Kühlen des Fusses vortheilhafte Anwendung, und zwar am besten als Immersion oder Irrigation. Ueber diese Zeit hinaus habe ich von der Anwendung der Kälte selten Nutzen gesehen, ziehe alsdann die feuchte Wärme in Verbindung mit einem zweckmässig angelegten Druckverbande vor und empfehle folgendes Verfahren: Nachdem der Fuss sorgfältig gereinigt ist, lege man zwei längliche Wergbäusche in der Dicke eines starken Daumens und angefeuchtet zu beiden Seiten in der Längsrichtung der erkrankten Beugesehnen gegen den Metacarpus und fixire diese durch eine angefeuchtete, leinene Binde, welche massig fest angelegt wird. Darttber lege man eine trockene, wollene Binde so, dass sie einen gleichmässigen Druck auf ihre Unterlage, bezw. auf die leidenden Theile ausübt. Wo sich Gelegenheit bietet, kann mit Vortheil ein Stück Gummipapier oder Wachsleinwand zwischen beide Binden ge­legt werden. Dieser Verband wird etwa alle 4 Stunden gewechselt. Sowohl die feuchte Wärme, wie auch der gleichmässige Druck üben einen vortheilhaften Einfluss auf den Ablauf der reparatorischen Vor­gänge in den erkrankten Sehnen aus. Uebermässige Extravasationen und Neubildungen werden auf diese Weise zurückgehalten, und später die Resorption derselben befördert. Die Wergbäusche sollen den Druck gleichmässig auf die erkrankten Sehnen übertragen.
Sobald die Schmerzen nachgelassen haben, tritt vortheilhaft Massage hinzu. Beim Wechsel des Verbandes streiche man etwa .') Minuten lang mit Daumen und Zeigefinger unter massigem Druck über die erkrankten Sehnen von unten nach oben. Durch Anwendung von etwas Pauspapier werden die Haare geschont. Man sei indess vorsichtig mit der Massage und forcire diese nicht zu sehr. Sobald die Schmerzhaftigkeit oder Anschwellung hiernach '/imimmt, lasse man mit derselben nach.
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Bei vorsichtiger und frühzeitiger Anwendung dieser Methode kommen viele Erkrankungen zur vollständigen Heilung, d. h. auch zur Beseitigung der Anschwellung, wo nach der früheren, antiphlogistischen Methode regelmiissig Verdickungen zuriickblieben. Es kann dies nicht befremden, wenn man bedenkt, class der geringen Zahl von Blut-gefässen in den Sehnen für die Kältewirkung kein Angriffspunkt gegeben ist. Feuchte Wärme und methodische Compression wirken aber in der gleichen Richtung und fördern zugleich die ßesorptions-vorgänge. Den reparatorisehen Processen gegenüber, welche die statt­gehabten Zerreissungen nothwendig machen, können sie nicht so leicht nachtheilig werden wie Kälte. Nach meinen Erfahrungen verdient diese Behandlung entschieden den Vorzug.
Die vielseitig angewendeten Einreibungen in Form von Salben oder Flüssigkeiten wirken in der Hauptsache als Massage, den Queck­silber- und Jodpräparaten wird noch eine resolvirende Wirkung zu­geschrieben, weshalb man diese vielfach bevorzugt. Ich wende mit Vorliebe Ungt. cinereum und Sapo viridis aa mit der doppelten Menge Lanolin als Salbe an, namentlich wo bereits Massage ein­zuleiten ist. Auch die andauernde Anwendung von warmen Bädern (Seifenwasser, Pottasche) kann die Resorptionsvorgänge wesentlich unterstützen.
Die Wirkung der Scharfsalben beruht zum grossen Theil auf dem mechanischen Moment des Einreibens und des Druckes der geschwollenen Haut auf die entzündlich erkrankte Sehne. Wo daher die angegebene Behandlung nicht durchführbar ist, da zögere man nicht lange, sondern greife bald zur Scharfsalbe, oder noch besser zum scharfen Pflaster.
Aeltere Verdickungen werden am sichersten mit dem Glüheisen beseitigt. Auch hierbei spielt der mechanische Efi'ect der entzünd­lichen Anschwellung sowie die Narbenretraction in der Cutis eine Hauptrolle; daher empfiehlt sich besonders Strichfeuer. Die Striche, in schräger Richtung von vorn und oben nach unten und hinten dürfen nicht zu weit, sondern nur 1,5 cm aus einander liegen, ohne an der hinteren Fläche der Kronbeinbeugesehne in einander zu laufen.
Nach dem Abfallen der Schorfe kann der oben beschriebene Druckverband von neuem angewendet werden.
Wo aus irgend welchem Grunde das Glüheisen nicht zulässig, empfiehlt sich auch bei älteren Verdickungen in der Sehne ein Com-pressivverband, z. B. aus Wasserglas; derselbe ist namentlich bei kleinen Knoten und da zu empfehlen, wo die Thiere nicht mit Arbeit
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(3^2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Vordemiittelfusses.
verschont werden können. Man sorge indess dafür, dass kein Sohrautz oder Sand unter den Verband gelangt und Scheuern veranlasst.
Müssen die Thiere auch mit schwerer Arbeit verschont werden, so können sie nach vollständigem Verschwinden der Lahmheit zu leichter Arbeit vorsichtig verwendet werden. Bei Reitpferden ver­meide man in diesem Stadium und auch später noch das Springen sowohl wie auch scharfes Pariren; ebenso sind andauernde, schnelle Trabgänge bedenklich.
Bei Erkrankungen des Huf- und Kronbeinbeugers sorge man dafür, dass beim Beschläge die Tracht geschont, die Zehe dagegen nach Möglichkeit verkürzt wird, dass Zehenrichtung und Eisen mit Stollen oder verdickten Schenkelenden in Anwendung kommen. Seit langer Zeit streitet man zwar darüber, ob die Erhöhung der Trachten des Hufes durch Stollen einen Einfluss auf die Gelenkwinkel der Pha­langen ausübt. Ohne Zweifel muss ein solcher für das Huf- und Kronengelenk eingeräumt werden, für ersteres in höherem Masse als für das letztere. Die Lage des Fesselbeines und der Fesselwinkel da­gegen wird durch die damit verbundene Dorsalflexion des Hufes und Hufbeines kaum beeinflusst, daher bleibt das Verfahren für den Fesselbeinbeuger wirkungslos. Dass aber diese Behandlung des Hufes auf den Ablauf der Sehnenentzündung vortheilhaft einwirkt, davon habe ich mich oft genug überzeugt.
Gegen Sehnenverkürzung kann nur die Tenotomie etwas leisten und zwar auch nur dann, wenn die Gelenke nicht mit erkrankt und die verkürzte Sehne mit der unterhalb der Operationsstelle ge­legenen Sehnenscheide nicht verwachsen ist. Das untere Ende der durchschnittenen Sehne muss sich zurückziehen, um eine Aonderung in der Stellung des Fesselgelenkes eintreten zu lassen. Bei gleich­zeitiger Vorbiegigkeit ist das Zurücktreten des oberen Stumpfes Be­dingung für die Beseitigung dieser Abnormität; meist aber bietet die Operation nach jener Richtung keinen erheblichen Nutzen.
Man operire ferner nicht, so lange erhebliche Lahmheit besteht, denn für das Gelingen der Operation ist Bedingung, dass das Pferd nach derselben den Fuss belastet; anderenfalls tritt von neuem Ver­kürzung ein. Mein Verfahren besteht in Folgendem:
Die Tenotomie bezweckt eine Verlängerung der verkürzten Seime und kann in verschiedener Weise vorgenommen werden; Aussicht auf Er­folg hat jedoch nur die subeutane Methode. Einige wollen von der äusseren Seite operiren und richten den Schnitt bald gegen die Fesselbeinbeuger, bald gegen die ilussere Haut. Ich ziehe die Operation von der medialen Seite aus vor, weil man hier mit grösserer Sicherheit Verletzungen der
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Tenotomie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(313
grossen Schienbeinarterie vermeiden kann. Die Operation bietet jedoch nur bei jüngeren und werthvolleren Thieren einigen Erfolg, da die Heilung, d. h. Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit der Thiere G—8 Wochen in Anspruch nimmt.
Nachdem an der inneren Seite, etwa in der Mitte des Schienbeines, wo die Operation ausgeführt werden soll, die Haare mit der Schere oder dem Kasirmesser sorgfältig entfernt sind, liisst man den ganzen Metacarpus abseifen und mit Sublimatwasser abwaschen. Hierauf wird eine Lage Sublimatholzwolle um den Pitss gelegt und mittelst einer Binde befestigt. Dieser Verband wird 3 Mal am Tage mit Sublim atwasser angefeuchtet. Auf diese Weise erzielt man nach 12—24 Stunden vollständige Asepsis am Mittelfuss, so dass mit Sicherheit auf einen aseptischen Wundverlauf gerechnet werden kann, sobald die übrigen Grundsätze der Antisepsis bei der Ope­ration Beobachtung finden. Hände und Instrumente müssen desinficirt und sterilisirtes Verbandmaterial in Anwendung gebracht werden.
Das Pferd wird auf die kranke Seite gelegt und der betreffende Puss auf das Schienbein des oben liegenden Hinterfusses ausgebunden, sodann erst der Verband abgenommen. Wo eine Latte zur Befestigung des Pusses zur Verfügung steht, kann diese vorwendet werden. In der Mitte zwischen Pusswurzel und Pesselgelenk wird mit dem spitzen Bistouri ein Hautstich unmittelbar auf der Hufbeinbeugesehne eventuell bis in diese hinein gemacht. Besteht gerade hier die Sehnenverdickung oder Verwachsung mit dem Kronbeinbeuger, so operirt man etwas tiefer, doch meide man die untere Sehnenscheide. Durch die Stichwunde wird ein stumpfes Tenotom mit seiner Plächc der Hufbeinbougesehne dicht anliegend, zwischen diese und den Pesselbeinbeuger eingeführt und zwar bis das Instrument an der an­deren Seite gefühlt wird. Nunmehr wendet man die Schneide des Tenotoms gegen den Hufbeinbeuger, lässt mittelst eines Strickes die Phalangen strecken (Dorsalflexion) und drückt durch eine langsame Senkung der Hand gegen das Rührenbein das Messer durch die Seime. Ziehen sich nach vollstän­diger Durchtrennung die Sehnenenden nicht zurück, so besteht Verwachsung mit dem Kronbeinbeuger, der alsdann in derselben Weise durchschnitten werden muss.
Wird das Tenotom dicht am Hufbeinbeuger eingeführt, so kann eine Verletzung der grossen Schienbeinarterie nicht eintreten. Zuweilen werden kleine Venen der Haut und Unterbaut durchschnitten, wodurch zwar eine Blu­tung entsteht, die man jedoch nicht weiter beachtet. Man spült die Oberfläche mit Sublimatwasser ab und legt einen Jutetampon auf die kleine Stich­wunde, umgiebt den Puss mit Sublimatholzwollwatte oder einem anderen Material, legt eine Cirkelbinde an und lässt das Pferd aufstehen. Dasselbe rauss nunmehr mit dem Pesselgelenke einigermassen durchtreten, wenn Aussieht auf Erfolg vorhanden sein soll.
Solange der Verband nicht durchfeuchtet erscheint, bleibt er liegen und wird erst nach etwa 8 Tagen abgenommen; die Hautwunde zeigt sich alsdann vollständig geschlossen. Man kann den Verband auch mit Sublimat­wasser begiessen und am nächsten Tage wechseln lassen. Dieser Wechsel wird aber erforderlich, sobald sich der Verband von Blut durchfeuchtet zeigen sollte. Nach Abnahme desselben spüle man den Mittelfuss mit Su­blimat- oder Carbol- oder Creolinwasser ab, beseitige die etwa vorhandenen Blutgerinnsel und erneure den Verband.
Bei diesen Vorsichtsmassregeln der Antisepsis ist selbst die üurch-schneidung der Schienbeinarterie ohne erhebliche Bedeutung. Man lege in solchem Palle den Verband recht fest an, lasse ihn 24—48 Stunden mit
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Krankheiten des Aroi-dermittelfu.sses.
Sublimatwasser feucht erhalten sodann mit Vorsicht einen Wechsel des­selben eintreten.
Im allgemeinen gestaltet sich der Heilungsproeess bei weitem günstiger, wenn nur der Hufbeinbeuger durchschnitten wird; die Wiederherstellung der Arbeitsfilhigkeit erfolgt hierbei erheblich früher; auch sind bei der bald erfolgenden Belastung des Fusses Retractionen des Narbengewebes weniger zu befürchten. Wurde die Tenotomie auf den Kron­beinbeuger ausgedehnt, so kommt es oft zu übermässiger Dorsalflexion, oder der Fuss wird nicht belastet, und es entsteht von neuem eine Verkürzung. Darauf sind viele Misserfolge der Tenotomie zurückzuführen. Namentlich kann ich aberFogliata nicht zustimmen, welcher zunächst den oberfläch­lichen Zehenbeuger durchschneidet, und wenn dieses nicht genügt, auch an dem tiefen die Tenotomie vollzieht.
Wenn das Pferd schon im Stande der Kühe den Fuss genügend be­lastet, so darf es im Stalle verbleiben, namentlich wo eine Boxe zur Ver­fügung steht. Anderenfalls lässt man den Patienten vom zweiten Tage nach der Operation ab täglich 'ji — '/a Stunde im langsamen Schritt und womöglich auf weichem Boden führen. Zur Vermeidung der Narben-retraction und zur Sicherung der Herstellung der normalen Fessellage ist dieses fast unentbehrlich. Auf die Unterlassung dieses schon von Gour-don, Didot, Delwart und Ger lach empfohlenen Verfahrens müssen viele Rocidive zurückgeführt werden. Aus dem gleichen Grunde muss die Operation aufgeschoben werden, bis die Schmerzen grüsstentheils verschwunden sind, damit die für das Gelingen erforderliche Belastung erfolgt.
Es bedarf kaum der Erwähnung, dass der Bockhuf vor oder bald nach der Operation durch Beschneidung in die normale Hufform zurückgeführt werden muss. In der Regel sind die Operirten nach (i Wochen wieder zur Arbeit zu verwenden. Zuweilen bleibt indess eine länger dauernde Schmerz-haftigkeit zurück, weshalb die Thiere zu schnellen Dienstleistungen erst später Verwendung finden können. Lässt diese indess nicht bald nach, so kann bei Pferden, die man nicht länger unthätig lassen will, durch Neuro-tomie des N. medianus die Lahmheit in der Regel schnell beseitigt werden.
Bei einem hiesigen Fuhrwerksbesitzer, der auf regelmässigo Arbeit seiner Pferde grosses Gewicht logt, habe ich wiederholt die Neurotomie und Tenotomie in einer Sitzung ausgeführt. Namentlich da, wo die Lahmheit noch erheblich war, wurde nicht nur diese, sondern auch der Stelzfuss mit einem Male entfernt und die Pferde oft schon nach 4—5 Wochen arbeits­fähig. Man führt zunächst die Neurotomie des N. medianus, sodann die Tenotomie aus. Da die erstere Operationswunde in der Regel nicht per prim, intent, heilt, so muss in den nächsten Tagen durch häufigeres Rei­nigen derselben verhindert werden, dass das Wundsekret bis auf die untere Operationsstelle herabläuft und hier inficirt. Die nach der gleichzeitigen Durchschneidung der Huf- und Kronbeinbeugesehne namentlich bei schweren Pferden auftretende übermässige Dorsalflexion (Fig. 90) lässt sich zuweilen durch ein recht langes, womöglich geschlossenes Hufeisen beseitigen. Im Noth-falle befestigt man an dem Stege desselben eine Eisenstange mit gabel­förmigen Annen, auf welche sich das Fesselgelenk stützen kann. Das von Defay 1859 construirte sog. Orthosom stellt ein ähnliches Hülfsmittel dar. Zuweilen handelt es sich um Verkürzung des Fesselbeinbeugers, welcher nach vollzogener Tenotomie des Krön- und Hufbeinbeugers die steile Fessel­lage unterhält, ein Zustand, der nach meinen Versuchen unheilbar und
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Stelzfuss bei Fohlen.
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nicht nur bei Verdickungen im Pesselbeinbeuger, sondern auch mich lüugevein Bestehen eines hochgradigen Stelzfusses zu erwarten ist.
Pferde mit Stel/.fussbildung können auf weichem Boden und in langsamer Gangart durch ein Schnabel­eisen wohl eine Zeit lang arbeitsfähig erhalten wer­den. Eine Besserung oder gar Heilung des Leidens erzielt man jedoch damit nicht.
Seimenentzündungen, die im Verlaufe von In-fectionskrankheiten namentlich der Brustseuche auf­treten, verdienen besondere Beachtung. Tn prä­servativer Hinsicht gilt der Grundsatz, die Pferde nicht zu früh wieder in Arbeit zu stellen oder ander­weitig anzustrengen; imßeoonvalescenzstadiumdieser Krankheit ist besondere Vorsicht geboten. Auch kann während derselben das Bandagiren der Sehnen nützlich wirken.
Zeigt sich im Verlaufe dieser Krankheiten eine Entzündung der Sehnen und Sehnenscheiden, so lasse man alsbald flüchtig erregende Mittel anwen­den und die Gliedmassen, wie oben beschrieben, bandagiren. Bei heftigeren Schmerzen wirkt ein lauwarmes Pussljad von Eichenrindendecoet oder Heu-sameninfusum oft lindernd. Anderenfalls wähle man Priessnitz'sche Einwickelungen unter gleich­zeitiger Anwendung eines gleichmässigen Druckes auf die erkrankten Sehnen. Zuweilen verschwinden die Zufälle unerwartet schnell, kehren aber cft an der­selben oder an einer anderen Stelle auch wohl am an­deren Fusse bald wieder. In solchem Falle scheinen die anatomischen Veränderungen geringfügig zu sein. Je erheblicher die Anschwellung und der Schmerz,
um so bedenklicher wird das Leiden, welches auch uebermftssise Dorsalflexlon den scharfen Einreibungen und selbst dem Glüheisen K^^H^blfZu e' oft hartnäckigen Widerstand leistet, nicht selten als BeiZi, wamp;hrend laquo;quot;oonteM-unheilbar bezeichnet werden muss, weil nach jeder tur ;,„ Fessoibeinbcusev den Anstrengung die Lahmheit zurückkehrt.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;SteMuss nntorhtllt.
5. Per Stelzfuss bei Fohlen.
Lit.: Frank, Gobmishülfe. Lafosse, liee. de möd. vet. 1876. .lohne, Dresd. Ber. 1883. S. 26. Khrle- Adams Woeh. 1889. Nr. 5. Träger, Gurlt u. Hertwig. 6. S. 448. Eichbaum, das. 9. S. 144. Matz, das. 10. S. 21(3. Brunet, Roc. de med. vet. 1881. Foringer u. Weiskopf, Adams Woch. 1888. Nr. 8 u. 15. Earsie, The vet.journ. Vol. 27. S. 158. Hofer, Deutsche Zeitsohr. f. Thiermed. 1890. S. 298. Oster tag, Jahrb. 1888. S. 140. Möller, Diagnostik chirurgischer Krankheiten. S. 155.
Beim englischen Vollblut, seltener bei anderen Raoen zeigen sich die neugeborenen Fohlen in Folge excessiver Volarflexion (Stelz-fuss) zuweilen unfähig zu stehen. Die steile Fessellage verhindert
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Krankheiten des Vordermittelfusses.
die Anspannung des Beugeapparates am Schenkel, somit fehlt die nothwendige Bedingung für die Belastung desselben. Das Leiden, wel­ches in der Kegel an beiden Vorderfilssen zugleich auftritt, zeigt sich oft in dem Masse, dass die Thiere beim Versuche aufzutreten, mit der vorderen Fläche der Phalangen den Boden berühren und unfähig sind, sich stehend zu erhalten. Seltener entwickelt sich diese Stellungs­anomalie im Verlaufe der ersten beiden Lebensjahre bei Fohlen an den Vorderschenkeln, bildet sich jedoch in diesem Alter nur selten bis zur Unfähigkeit der Belastung des Schenkels aus.
Die Ursachen dieses Zustandes sind noch nicht klar. Franck glaubt für die bereits bei der Geburt vorhandene Abnorniität eine ange­borene Contraktur der Beugesehne annehmen zu können. Andere schreiben fehlerhaften Lagen des Fötus die Verkürzung des Beugeapparates zu (Johne), während Lafosse in einem Missverhilltniss der Grosse zwischen Hengst und Stute die Ursache sucht; durch den zu grossen Hengst soll die Knochenentwickelung bei dem jungen Thiere übermilssig gefördert wer­den. Zuzugeben ist, dass grosse Thiere vornehmlich von den Leiden betroffen werden. Da in der Regel nur die Stellung der Phalangen eine erheb­liche Abänderung erfahrt, so muss die Ursache zwischen den Anheftungs-stellen der Hufbeinbeugesehne und ihres Unterstützungsbandes liegen. Zwei Möglichkeiten bestehen: entweder die Sehnen sind zu kurz, oder der Metacarpus zu lang; das erstere könnte wiederum auf einer mangelhaften Ausbildung oder auf einer nachträglichen Verkürzung der Sehne beruhen. Ob hierbei eine, durch die Haltung im Mutterleibe bedingte, mangelhafte Ausbildung der Beugeseimen (Johne), oder eine Contraktur wirkt (Franck), oder ob der Metacarpus in seinem Lilngswachsthum eine derartige För­derung erfahren hat, dass die Länge der Beugesehne nicht mehr für den­selben ausreicht, muss vorläufig zweifelhaft bleiben. Vielleicht können ver­schiedene Momente das Leiden hervon-ufen.
Eine abnorme Lage im Uterus würde voraussichtlich mit Störungen in der Entwickelung der Gelenke verbunden sein. Die durch andauernde Volarfiexion bedingte Steigerung des Druckes an den hinteren Abschnitten der Gelenke inüsste hier ebenso eine Beschränkung in dem Knochenwachs-thum zur Folge haben, wie die Herabsetzung des Druckes in den vorderen Gelenkpartien eine gesteigerte Production des Knochens veranlassen würde; damit müsste der Fuss in den Phalangengelenken mehr und mehr in Volar-tlexionsstellung gebracht, die Entstehung des Leidens gefördert werden, und der Zustand eine gewisse Aehnlichkeit mit dem pes equinus beim Menschen erlangen. Ob auch hier Mangel an Raum im Uterus (zu wenig Frucht­wasser) oder beschränkte Ausbildung des Bauches des Mutterthieres eine Rolle spielt, mag dahingestellt bleiben. Auffallig erseheint allerdings das häufige Vorkommen des Leidens beim Vollblut.
Erscheinungen. Das wichtigste Symptom des Leidens stellt die abnorme Volarflexion in den Zehengelenken dar; in den Sehnen und Muskeln lassen sich keine Krankheitszustände nachweisen. Die­selben fühlen sich auch bei steiler Fessellage stark gespannt an. Wenn dieser Zustand im hohen Grade auftritt, so wird die Belastung
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Stekfuss bei Fohlen.
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der Schenkel unmöglich; die neugeborenen Fohlen brechen bei jedem Versuche sich aufzurichten zusammen und gehen wohl an Decubital-gangrän zu Grunde, wenn sie nicht früher getödtct werden. Zuweilen belasten die Thierchen die vordere Fläche des Fesselgelenkes und ziehen sich hierselbst erhebliche Verletzungen zu. Tritt das Leiden später auf, so wird das Stehen zwar nicht behindert, der Gang aber unsicher. Die Hufe nehmen mit der Ausbildung des Leidens eine
Fig. 97.
Doppelseitige Stelzfussbildung bei einem uweljälirigen Fohleu (nach einer Pliotographie).
steile Form an (Bockhuf). Das beiderseitige Auftreten und das Fehlen von Veränderungen in den Beugesehnen, keimzeichnet dieses Leiden von dem durch Tendinitis entstandenen.
Verlauf und Prognose. An neugeborenen Fohlen zeigt sich die Stellungsanomalie in der Hegel gleich bei der Geburt, bei den ersten Versuchen zu stehen, verliert sich aber, wenn eine entspre­chende Behandlung eingeleitet wird, meist nach 8—14 Tagen. Nicht
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Kianklieiten des Vordermittelfusses.
selten werden aus den scheinbaren Krüppeln später recht leistungs­fähige Pferde. Zuweilen tritt /unächst an einem Fusse diese Besserung ein, während der andere in der abnormen Stellung vorläufig verharrt, wie der von Johne beschriebene Fall beweist.
Im zweiten Lebensjahre pflegt das Leiden einen weniger gün­stigen Verlauf zu nehmen; häufig verliert sich der Zustand überhaupt nicht mehr; in anderen Fällen tritt auf entsprechende Behandlung wohl Besserung, selten aber vollständige Heilung ein.
Eehaudlung. Die
grössere Dehnbarkeit der Sehnen neu-
geborener Fohlen erinöglicht in der Kegel bald vollständige Heilung des Leidens. Hierbei kommt es darauf an, die Sehnen so weit zu dehnen, dass unter Schräglage der Fessel eine Belastung der Sehnen erfolgt. Zu dem Zweck wird das Fohlen niedergelegt und der Fuss in seinen Zehengelenken so weit möglich passiv gestreckt (dorsal-flectirt) und in dieser Lage zu fixiren gesucht, was sowohl mit Hülfe eines Gypsverbandes als auch durch Anlegung einer starken Leder­schiene erreicht wird. Ehrle benutzte einen Gypsverband, aber auch Leimverband mit Schienen. Durch reichliche Unterlagen von Watte wird Druck verhütet. Der Erfolg ist in der Kegel überraschend und um so sicherer, je früher diese Behandlung eingeleitet wird. Schon nach einigen, zuweilen erst nach 10—14 Tagen werden die Füsse regel-mässig belastet, und sobald dieses erreicht ist, kann der Verband ent­fernt werden, indem nunmehr die Körperlast bei der schrägen Fessel­lage die Sehnen dehnt und eine Retraction derselben verhindert.
Sehr praktisch gestaltet sich auch der von Friebel constrnirte Streck-apparat (Pig. 98). Derselbe besteht aus einem kleinen Lederschuh, von welchem vorn die mit einem Polster versehene Eisenschiene ausgeht. Diese Schiene kann durch eine Schraube so verstellt werden, dass sie einen Druck gegen das Fesselgelenk ausübt und dieses nach hinten bewegt, also in seine normale Lage drängt. Aehnliche Vorrichtungen sah ich in ungarischen Gestüten. Ganz mit Unrecht behauptete Träger von ihnen, dass sich die Mühe ihrer Erfindung nicht einmal lohne, geschweige denn ihre An­fertigung; sie haben sich im Gegentheil überaus brauchbar und nützlich erwiesen.
Entwickelt sich in den ersten beiden Lebensjahren, der Stelzfuss ohne entzündliche Erkrankung der Sehnen so liisst sich derselbe nur selten so voll­ständig heilen, dass die Thiere arbeitsfähig werden. Träger will dieses jedoch durch Tenotomie des Huf- und Kronbeinbeugers erreicht haben.
Eichbaum empfahl die Anwendung eines Schnabeleisens. Bom­bach, welcher das Leiden als ein secundäres und zwar von dem Bockhufe ausgebend betrachtete, heilte dasselbe durch starke Beschneidung der Trachten. Matz applicirte scharfe Einreibungen und verordnete Weidegang.
Brunet wendete einen eigenartigen Streckapparat an, welcher vom Hufeisen ausging und gegen die vordere Fläche des Carpalgelenkes einen
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Ueberbeine am Metacarpus,
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Druck ausübte. Aehnliche Apparate sind von F ö r i n ge r, \Veis81c Op f lli a^ construirt. Nacli meinon Beobachtungen muss die Behandlung- von dem Grade der Abweichung abhängig gemacht werden. Bei
geringer Entwickelung der Abnormität genügt in der
Fig. 98.
Regel eine starke Beschneidung der Trachten. Führt diese nicht zum Ziele, so kann zugleich ein Schnabel­eisen vortheilhafte Anwendung finden. Im Nothfalle schreitet man zur Tenotomie, wobei zuweilen die Durch­schneidung der Hufbeinbeugesehne genügt. Jedoch wird diese Operation nur ausnahmsweise nothwendig und empfiehlt sich erst, wenn die übrigen Hülfsmittel längere Zeit vergeblich in Anwendung gebracht wurden.
Eassie beobachtete bei einem 6 Monate alten Füllen an allen 4 Füssen Stelzfussbildung. An den Vorderfüssen wurde das Leiden durch Tenotomie, an den Hinterfüssen durch geeigneten Huf besohlag gezeitigt. Ostertag heilte die angeborene Beugcsehnencontraktur bei Fohlen in 4 Wochen durch Anlegen eines Holz-schienengypsverbandes, der mehrere Male gewechselt wurde. Damit der Verband sich der allmälichen Verbesserung in der Fessellage anpasst, hält Oster­tag einen 2—3maligen Wechsel für erforderlich.
Auch Hofer lässt aus Fichtenholz eine dach-rinnenlorrnige Schiene, welche bis zur Fusswurzel reicht, anlegen, und will in 1—3 Wochen volle Heilung er­
reicht haben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Streokappavat von Filebol,
(gt;. Die Ueberbeine am Metacarpus des Pferdes.
Lit,! Havemann, Anleitung zur Beurtheilung des Pferdes. 1805. Peroival, Lameness in horses. 1849. S. 252. Haubner, Ourlt u. Hertwig. 4. S, 251. Dudf'ield, The Veterinarian. 1854. Eroolani, Giomale di Veterinario. 1855, Dieokerhoff, Adams Wooh, 1884. S. 1. Dammann, Landwirth-sohaftliolie Thierzucht. 1887. Frier, Dresd. Ber. 18G0. S. 51.
Pathogenese. Es handelt sich um das Product einer Periostitis, welche hierseihst häufig bei Pferden, selten bei den Wiederkäuern beobachtet wird. In der Regel entwickelt sich die Entzündung zwischen den Röhrenknochen und dem medialen Grittelhein oder an der me­dialen Fläche des Schienbeines allein; selten finden sich Ueherbeiuo an der lateralen Seite des Metacarpus, Bei der Häufigkeit dieses Leidens — bei den meisten Pferden werden Ueberbeine angetroffen - und der mit demselben verbundenen Gebrauchstörungen kann es nicht auffallen, class schon zur Zeit der ersten Entwickelung der Thieriirznei-kunde dieser Zustand die Aufmerksamkeit der Praktiker und Schrift­steller auf sieh gelenkt hat. Jordanus Ruffus bezeichnete die Ueber­beine als Supraossa und Soleysel unterschied 6 verschiedene Arten
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Krankheiten des Vordermittelfusses.
derselben. Ursprünglich liess man das Leiden aus einer entziindlichen Ausschwitzung am Knochen hervorgehen, die durch äussere Veranlassung entstehen sollte; erst in unserem .lahrhunderfc wurde namentlich durch Haubner, Ereolani u. A. die Entwickolung desselben aus einer Periostitis klargelegt. Das eigentliche, d. h. mit Lahmheit ver­bundene Leiden stellt eine Periostitis ossificans dar, welche zur Bil­dung von Hyperostosen führt. Man kann daher zwei Stadien unter­scheiden, nämlich das erste, entzündliche, das der Periostitis, als zweites die vollendete Entwickolung des Ueberbeines, wobei die Er­scheinungen entzündlicher Erkrankungen fehlen. Im ersten Stadium besteht daher regelmilssig Lahmlieit, welche in dem zweiten zu fehlen pHegt. Die Entwickehmg geht meist von demjenigen l'oriost und Bindegewebe aus, welches das mediale Gritfelbein mit der Röhre ver­bindet. Keizungsprocesse in den tieferen Schichten (Cambium) des­selben rufen Knochenwucherung und Anschwellung hervor, deren gallertartiges Aussehen bei den älteren Schriftstellern zur Annahme eines Exsudates Veranlassung gegeben hat. Durch Ossification der gewucherten Massen vollendet sich die Bildung des Ueberbeines. Die Grosse des letzteren hängt von der Ausbreitung und Dauer der Peri­ostitis ab und schwankt zwischen der eines Fünfpfennig- und der eines Fünfmarkstückes. Meist besitzen sie eine längliche Gestalt, parallel mit dem Griflelbeine liegend. Nachdom die Periostitis abgelaufen und die Bildung des Ueberbeines vollendet ist, pflegen die Störungen (Lahmheit) aufzuhören; das TJeberbein selbst bleibt aber als Schön­heitsfehler für immer zurück. Nicht selten tritt nach angestrengtem Gebrauch von neuem Lahmheit ein, und so kann sich das Leiden in die Länge ziehen. Die fertige Exostose verkleinert sich allmälich, theils durch Aplanation, theils durch das Dickenwachsthum der benach­barten Knochenabschnitte; sie kann sich unter Umständen so weit zurückbilden, dass eine genaue Untersuchung zur Constatirung der­selben erforderlich wird.
Die Ursachen der Periostitis bestehen in Ueizungsprocessen, von denen das Periost und die Knochen betroffen werden und die wohl immer traumatischen Ursprungs sind. Durch das fast ausnahms­lose Vorkommen an der medialen Seite liess man sich zu der Ansicht verleiten, dass die Ueberbeine durch Gegonschlagen (Streichen) ver-anlasst würden. Have mann hat zuerst auf die Unrichtigkeit dieser Annahme aufmerksam gemacht. Er wies bereits auf die längliche Gestalt der Ueberbeine sowie darauf hin, dass fast niemals Ver-
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Ueberbeino am Metacarpus.
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letzungen an der iiusseron Haut hierbei zu beobachten seien. H. richtete die Aufmerksamkeit auf den Bau der Vorderfusswurzel, namentlich auf die Lage des kleinen vieleckigen Beins (Os multangulum minus hoini-nis, Os carpale 2, G.) und glaubte hier die Ursache des Leidens suchen zu müssen. Während nämlich an der lateralen Seite das Hakenbein (Os hamatum hom. Os carpale 4) zum Theil auf dem lateralen Griffelbein, zugleich aber auf dem Röhrenbein ruht, stützt sich au der medialen Seite des Gelenkes das kleine vieleckige Bein ausschliesslich auf das mediale Griffelbein. Hieraus ergiebt sich, dass Fehltritte, bez. ungleiche Belastung der Vorderfusswurzel leicht zu abnormen Druckwirkungen auf das mediale Griffelbein fuhren und damit zu Zerrungen in dem das Griffelbein mit dem Schienbein ver­bindenden Periost Veranlassung geben können. Bei jungen Pferden ist diese Verbindung der Knochen noch keine feste, und so erklärt sich das häufige Auftreten der Ueberbeine im jugendlichen Alter der Thiere; in den späteren Lebensjahren zeigt sich die Verbindung meist verknöchert und das Leiden daher selten.
Diese Erklärung liavemanns wurde allgemein als begründet aner­kannt, bis neuerdings Dieckerhoff Zweifel dagegen erhob und be­hauptete, die Erkrankung des Periostes werde durch eine Zugwirkung der Vorarmfascien eingeleitet. Dieckerhoff bezeichnet die so entstandenen Ueberbeine als „spontanequot; im GJegensatze zu den durch Gegensohlagen veranlassten „traumatischenquot;. Die Vorarmfascie endigt unten zum Theil am Knochen, namentlich am inneren Griffelbein, thoils verliert sie sich in dem ünterhautgewebe. Zerrungen derselben namentlich ihrer Anhef­tung an die Knochen sollen den Anlass zu dem in Kede stehenden Leiden geben, welches nach Dieckerhoff stets im subfascialen Bindegewebe einsetzt und im weiteren Verlaufe auf das Periost übergreift. Die That-sachen, welche Dieckerhoff zur Bekräftigung dieser Modification der Ha veman n'schen Ansicht beigebracht hat, genügen meines Erachtens je­doch nicht, um die Richtigkeit seiner Ansicht ausser Zweifel zu stellen. Manche Beobachtungen sprechen entschieden zu Gunsten der Havemann-sehen Anschauung. Die Erkrankung beginnt meist in dein Zwischenknochon-bande, /.wischen Griffel- und Röhrenbein, während an den Fascien keinerlei Krankheitsprocesse nachweisbar sind. Eine ödomatöse .Schwellung der Sub-cutis kann ebenfalls nicht als ein sicheres Zeichen hierfür angesprochen werden, denn diese Erscheinung wird auch an anderen Stollen bei Periostitis fast niemals vennisst. Hierzu kommt, dass durch heftige Anspannung die übrigen, an das mediale Griffelbein sich ansetzenden Bänder (wie dos langen und kurzen radialen Seitenbandes) ebenfalls Rei/.ungsprocesse an der be­treffenden Stelle eingeleitet werden können. Für die Beurtheilung und Behandlung des Leidens bleibt es übrigens gleichgültig, welcher Ansicht man sieh anschliessen will.
Die ungleiche Belastung bildet auf jeden Fall den Ausgangs­punkt dieses Leidens, während nur selten Gegenschlagen (Streichen) die Veranlassung zur Entstehung der Ueberbeine abgiebt.
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Krankheiten des Vordermittelfusses.
Beide Arten lassen sich klinisch leicht trennen. Die ersteren, meist von länglicher Gestalt, finden sich stets am Griffelbein; nicht selten liegen mehrere übereinander, welche entweder zu gleicher Zeit oder nach einander entstanden sind. Die durch Gegenschlagen hervor­gerufenen treten in der Kegel mehr nach vorn am Röhrenknochen, also vor dem Griffelbein auf; sie sind meist von runder Gestalt und bleiben häufig vereinzelt. Selten lassen sich bei ihnen Narben oder Verletzungen in der äusseren Haut nachweisen.
Pferde mit fehlerhaften Stellungen streichen sich oft; ihre Gelenke erfahren aber ebenso leicht unregelmässige Belastungen; daher besitzen diese Thiere in zweifacher Richtung eine Anlage zur Entstehung von Ueberbeinen. Dieses gilt namentlich von der zehenweiten und zehen­engen, sowie von der bodenweiten und bodenengen Stellung. Nicht selten trägt ein fehlerhafter Beschlag zur Entstehung von Ueberbeinen bei, indem hierdurch nicht allein das Streichen, sondern auch die ungleiche Belastung der Gelenke begünstigt wird. Während der Dressur ent­stehen Verletzungen durch Streichen, wie auch durch ungleiche Be­lastung häufiger, namentlich bei temperamentvollen, unruhigen Pferden. Aber auch bei Ermüdung und bei schwachen Pferden kommen der­artige nachtheilige Wirkungen öfter vor als unter entgegengesetzten Umständen. Andauernde angestrengte Arbeit auf dem Pflaster grösserer Städte begünstigt erfahrungsgemäss die Entstehung von Ueberbeinen. Kaltblütige Pferde leiden häufiger als warmblütige; auch pflegen die Ueberbeine bei ersteren eine grössere Ausdehnung anzunehmen. Das Auftreten derselben ohne ilussere Verletzung hat zu der irrigen Annahme geführt, dass auch Erkältungen Ueberbeine veranlassen könnten. Insofern als ein fehlerhafter Bau Veranlassung zur Bil­dung von Ueberbeinen wird, ist die Vererbung einer Disposition erklärlich, ohne zu der Annahme Dudfields gezwungen zu sein, dass das Trinkwasser bei der Entstehung derselben einen Einfluss ausübe.
Erscheinungen und Verlauf. 1. Lahmheit. Die mit der Periostitis verbundenen Schmerzen geben Anlass zur Lahmheit, welche daher eine regelmässige Begleiterin der Entwickelung des Leidens ist. Zuweilen wird die Lahmheit auch vermisst; es hängt dieses einestheils von dem Orte der Entstehung, der Ausbreitung und Heftigkeit des Processes ab, andererseits von der Gebrauchsart und der Empfindlichkeit der Thiere. Bei kaltblütigen Pferden fehlt die Lahmheit häufiger als bei edlen Luxuspferden. Sofern die Periostitis durch Verletzungen
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von aussen (Streichen) veranlasst wurde, verschwindet die Lahmheit mit dem Ablauf des Entzündungsprocesses im Periost und kehrt nur dann wieder, wenn sich die Insulte wiederholen. Ihre Dauer beträgt in solchen Fällen etwa drei Wochen. Zerrungen am Zwischenknochen­bande wiederholen sich selbstverständlich sehr leicht, weshalb die Lahmheit hierbei nicht nur länger anhält, sondern auch oft wieder­kehrt. Die in länglicher Gestalt am Griffelbein auftretenden Ueber­beine stören daher die Gebrauchsfähigkeit der Thiere auf längere Zeit, oft durch mehrere Monate. Setzt die Periostitis in der Nähe des Carpal-gelenkes ein, so liegt die Gefahr vor, dass die Entzündung auf das Ge­lenk übergreift. Auch in diesem Falle pflegt die Lahmheit längere Zeit fortzubestehen; in Ausnahmefällen wird dieselbe chronisch, und zwar sowohl durch Veränderungen am Carpus, welche die Arthritis deformans charakterisiren (S. 583), wie auch in Folge mechanischer Einschränkung seiner Beweglichkeit durch starke Exostosenbildung in dessen unmittelbarer Nähe. Ich habe mehrfach nach Verletzungen an dieser Stelle Ueberbeine auftreten sehen, welche mit chronischer Lahm­heit verbunden waren.
Aus dem Angeführten ergiebt sich, dass die Lahmheit 1. durch Periostitis, 2. durch Entzündung des Carpus und 3. durch Einschränkung der freien Beweglichkeit des letzteren in Folge umfangreicher Exostosen bedingt sein kann. Die Annahme, dass durch den Druck des Ueber-beines auf die Beugesehnen die Lahmheit veranlasst werde, beruht auf einem Irrthum.
Im allgemeinen charakterisiren sich diese Bewegungsstörungen als „Hangbeinlahmheit mit Abduktionsstellungquot;, und treten auf hartem Boden stärker hervor als auf weichem. Die Belastung er­scheint in der Regel weniger gestört, auch wird der Huf regelmässig und meist fest aufgesetzt. Die stärkere Anspannung der Vorarmfascie während der letzten Momente der Belastung sowie während der aus­schreitenden Bewegung des Schenkels veranlasst einen schmerzhaften Druck auf das entzündlich erkrankte Periost. Die Abduktionsstellung tritt namentlich bei gleichzeitiger Erkrankung des Gelenkes hervor. Stört ausgebreitete Exostosenbildung die freie Beweglichkeit des Carpalquot; gelenkes, so lässt sich diese Einschränkung durch passive Bewegungen desselben wahrnehmen (S. 584). Nicht selten macht sich dieselbe schon durch steife Haltung der Vorderfusswurzel, mangelhafte Flexion derselben im Gange bemerkbar.
2. Localuntersuchung. Während der Entwickelung der Pe­riostitis tritt geringe Schwellung, vermehrte Wärme und Schmerz auf
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Krankheiten des Vorclennittelfusae.s.
Druck hervor. Die Anschwellung zeigt von vornherein eine gewisse Härte, besitzt jedoch infolge von Hautödem anfangs teigige Beschaffenheit. Während diese allmälich verschwindet, nimmt die Festigkeit und Härte der Geschwulst zu. Zur Ermittelung des Schmerzes lege man die Hand so an den aufgehobenen Fuss, dass sich der Daumen aussen, die übrigen Finger an der Innenfläche des Metacarpus befinden. Unter streichender Bewegung von oben nach unten prüfe man die Empfind­lichkeit des Penostes. Zur Beseitigung von Zweifel dient der Ver­gleich mit dem gesunden Fuss. Für den Geübten bietet diese Unter­suchung keine Schwierigkeiten; auch sind bei einiger Vorsicht Irr-thümer leicht auszuschliessen, wie Verwechselungen mit physiologischen Verdickungen am unteren Ende des Griffelbeines. Dagegen lassen sich entzündliche Erkrankungen in der Haut zuweilen nicht sofort von der Periostitis trennen. In der Kegel fehlen hierbei jedoch erheb­liche Schmerzen sowie die eigenartige Lahmheit. Auch können Ver­wechselungen mit der Strahlbeinlahmheit nicht so leicht vorkommen, wie Günther annimmt, zumal die durch Periostitis bedingte Lahm­heit während der Bewegung zuzunehmen pflegt; die Strahlbeinlahm­heit dagegen nimmt bei der Bewegung ab und verschwindet oft ganz und gar. Man versäume jedoch niemals eine genaue Untersuchung der übrigen Abtheilungen des Schenkels vorzunehmen, um die Diagnose per exclusionem zu sichern. Diese Vorsicht muss namentlich beobachtet werden, wenn die Schmerzhaftigkeit des Ueberbeines bei der Palpation gering erscheint.
Die Beurtheilung fällt im allgemeinen günstig aus, besonders da, wo der Sitz und die sonstige Beschaffenheit der Periostitis auf eine Entstehung durch äussere Verletzung schliessen lässt. Exostosen von länglicher Gestalt müssen namentlich am Gbiffelbein und bei jüngeren Pferden mit Vorsicht beurtheilt werden, weil hierbei die Lahmheit oft reeidivirt. Ebenso gestaltet sich die Aussicht auf Heilung da weniger günstig, wo eine entschiedene Anlage zum Streichen besteht, oder ein schlechter Bau des Schenkels die Entstehung neuer Insulte begünstigt. Ungünstig wird die Prognose endlich bei gleichzeitiger Erkrankung der Vorderfusswurzel (Auftreibung derselben) sowie bei umfangreicher Exostosenbildung in nächster Nähe derselben. Derartige Zustände verlangen selbst da Vorsicht, wo das Pferd längere Ruhe ge­nossen hat, und keine Lahmheit besteht. In solchen Fällen geben namentlich bei jungen Pferden die nach der Periostitis zurückbleiben­den Ueberbeine nicht selten nach jeder anstrengenden Arbeit von neuem
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zu Lahmheit Veranlassung, während die Zurückbildung der Exostosen in der Regel unvollständig bleibt.
Die Behandlung kann gegen die Periostitis, die Lahmheit oder gegen die Exostose gerichtet sein. Die Therapie der Periostitis ver­langt zunächst mijglichste Beseitigung ihrer Ursachen. Wichtig ist ferner ein zweckentsprechender Beschlag zur Vermeidung des Strei­chens und zur Herbeiführung einer möglichst gleichmässigen Belastung des Schenkels; hierbei müssen die allgemeinen Grundsätze des Huf­beschlages Anwendung finden. Ferner ist Ruhe erforderlich, nament­lich da, wo äussere Verletzungen als Ursache des Leidens ausge­schlossen erscheinen.
Die örtliche Anwendung von Kälte (Umschlägen etc.) bringt nur selten Nutzen; dasselbe gilt von den zertheilenden Einreibungen, wie graue Salbe, Jodtinktur etc. Wo Verletzungen der äusseren Haut fehlen, ist dagegen die Anwendung eines scharfen Hautreizes ange­zeigt. Die hierzu empfohlene Cantharidensalbe hat jedoch nicht die Wirkung der scharfen Quecksilberpräparate, namentlich des Sublimat. In Hannover wird letzteres Mittel schon lange in concentrirter Lösung angewendet; ein Theil Sublimat auf vier Theile Spiritus werden mit einer Feder aufgetragen und mit einem Korke kräftig eingerieben. Die hierdurch erzeugte Anschwellung der Haut und Unterhaut bewirkt einen gleichmässigen Druck auf das entzündlich erkrankte Periost und beschränkt die exsudativen wie auch vegetativen Vorgänge in demselben. Zu gleichem Zwecke kann auch das Glüheisen Anwendung finden. Ohne Zweifel wirkt die hierbei gewährte Ruhe wesentlich mit.
Wo Bedenken gegen diese Medication vorliegen, kann ein Druck­verband für dieselbe eintreten. Man lässt eine Salbe aus gleichen Theilen Ungt. einer, und Lanolin täglich einmal energisch einreiben und legt in der Zwischenzeit einen zweckmässigen Druckverband an (vgl. S. (310). Die von Sewell (nach Ercolani schon im 13. Jahrhundert von Rusius) empfohlene Periostomie hat sich keinen Eingang in die Praxis ver­schaffen können, obgleich auch Haubner seiner Zeit für die Operation eintrat, und in neuerer Zeit Dam mann sich für dieselbe ausgesprochen hat. Unter Umständen kann durch die mit der Spaltung verbundene Beseitigung der schmerzhaften Anspannung des Periostea die Lahm­heit abgekürzt werden, wie auch eine Beobachtung Erlers beweist. In der Regel lässt sich jedoch durch diese Operation weder der Ablauf des Krankheitsprocesses noch auch die Lahmheit abkürzen; dazu kommt, dass nach derselben nicht selten erhebliche Verdickungen zu-Möllov, Speoielle Chirurgie für Thierärzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 40
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Krankheiten der Phalangen.
rückbleiben, zuweilen selbst Knochennekrose eintritt. Vielleicht lassen sich diese unangenehmen Complicationen der Periostomie durch strenge Antisepsis vermeiden; mir fehlte es bisher an Gelegenheit diese Frage zu prüfen.
Günstig wirkt oft das Brennen mit Perforation der Haut, wie es namentlich von französischen und englischen Autoren (Williams) empfohlen wurde.
Zur Beseitigung der Exostose dient Massage und methodische Compression. Die erstere lässt sich nur selten mit der erforder­lichen Ausdauer durchführen; wo aber die nöthige Hülfe zur Ver­fügung steht, kann durch täglich wiederholtes Streichen mit einem weichen Holze oder — wie es früher üblich war — mit einem zinnernen Löffel eine Verkleinerung des Ueberbeines erzielt werden, sofern das Verfahren monatelang fortgesetzt wird. Bequemer und ebenso wirk­sam zeigt sich ein permanenter Druckverband. Ein Stück Blei — platt geschlagene Bleikugel — oder ein Stück dickes Sohlenleder wird mittelst Binden massig fest auf die Exostose geschnürt. Der hier­bei energisch und einige Wochen anhaltend auf das Ueberbein aus­geübte Druck bewirkt oft eine bedeutende Verkleinerung der Knochen-auftreibung. Man hüte sich jedoch, durch zu starke Druckwirkung Hautnekrose zu erzeugen; aus dem Grunde empfiehlt sich, den Ver­band öfter, womöglich täglich zu wechseln und die Haut zu unter­suchen. Durch gleichzeitig angewendete Massage kann die Resorption weiter gefördert werden.
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E. Krankheiten der Phalangen.
Anatomie. Als „Zehequot; bezeichnet man die Phalangen mit ihren Gelenken. Bei den Einhufern besteht dieselbe aus je einem Fessel-, Kron-und Hufbein mit den beiden Sesambeinen und dem Strahlbein. Bei den Wiederkäuern finden sich zwei vollkommen entwickelte und zwei rudimen­täre Zehen, mit 4 oberen Sesambeinen und 2 Strahlbeinen.
Das Schwein hat 4 Zehen, 2 wahre und 2 Afterzehen, 8 obere und 4 untere Sesambeine (Strahlbeine).
Von den 5 Zehen der Fleischfresser besteht die erste aus 2, die übrigen aus 3 Gliedern; jede derselben hat 2 obere Sesambeine, während die unteren fehlen. Dagegen findet sich in den Sehnen des längeren Zehenstreckors an der vorderen Flilcbe der Gelenke zwischen Mittelfuss und erstem Gliodo
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Luxation der Phalangen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 627
sowie zwischen diesem und dem zweiten ein kleiner linsenförmiger Knochen (vorderes Sesambein).
Die 3 Gelenke der Phalangen des Pferdes (Fessel-, Krön- und Huf­gelenk) bilden theils unvollkommene, theils vollkommene Wechselgelenke.
Das Fesselgelenk des Pferdes, ein vollkommenes Wechselgelenk, besitzt ein Kapselband, welches an den Seiten durch fibröse Faserzüge ver­stärkt wird, hinten eine Ausbuchtung besitzt, die sich zwischen den beiden Schenkeln des Fesselbeinbeugers ziemlich weit nach oben erstreckt, wo sie sich mit der Sehne des langen Zehenbeugers verbindet. Die beiden Seiten­bänder (das laterale s. ulnare und mediale s. radiale) sind stark und verhindern im Verein mit der walzenförmigen Gelenkflilche jede Seit­wärtsbewegung. Ausserdem finden sich am Fesselgelenke die beiden Seiten­bänder der Sesambeine, welche, unterstützt von den gekreuzten Bändern, diese mit dem Schienbein und dem ersten Zehengliede verbinden.
Das Zwischengleichbeinband verbindet die beiden Sesambeine mit einander. Durch das obere nnd untere Gleichbeinband wird das Fesselgelenk so fixirt, dass übermässige Dorsalllexion verhindert und die Thätigkeit der Beugesehnen unterstützt wird. Das obere Gleichbein­band (Fesselbeinbeuger) geht vom oberen Rande der Sesambeine nach oben bis zur unteren Reihe der Vorderfusswurzelknochen und zum oberen Ende des Metacarpus. Das untere Gleichbeinband besteht aus 3 Schenkeln. Die beiden seitlichen laufen vom unteren Rande der Sesambeine nach unten zusammen, um sich an der hinteren Fläche des Fesselbeines, von dessen Mittel­stück bis zum unteren Ende anzusetzen; der mittlere Schenkel geht bis zur Kronbeinlehne nach unten.
Das Kronengelenk, 1—2 fingerbreit über der Huf krone gelegen, bildet ein unvollständiges Wechselgelenk, dessen mehr ebene Gelenkfläche beschränkte Seitwärtsbewegungen namentlich bei Volarflexions-stellung zulässt. Sein straffes Kapselband steht vorn mit der Strecksehne, an den Seiten mit den Bändern in fester Verbindung; hinten ist es dünn und weit und tritt hier an die Beugesehnen. Die beiden kurzen Seiten­bänder sind stark, Während die 4 hinteren KronfesselbeinbUnder dieselbe Rolle spielen, wie die Gleichbeinbänder am Fesselgelenk; sie verlaufen von der hinteren Fläche bezw. den Seitenrändern des Fesselbeines zur Kronbein-lehne bezw. zum Bandhöcker des Kronbeines.
Das Hufgelenk liegt in der Höhe des unteren Randes der Huf-.krone; sein Kapselband geht vom Rande der Gelenkrolle des Kronbeines zum Huf- und Strahlbein. Vorn und an den Seiten straff, zeigt es sich nach hinten dünnwandig und ausgebuchtet; es steht mit der Sehne des langen Zehenbeugers in Verbindung. Durch das äussere und innere Seitenband wird das Hufgelenk zu einem unvollständigen Wechselgelenk. Die beiden Strahlfesselbeinbänder sind physiologisch mit den Gleichbein­bändern und den hinteren Kronbeinbändern identisch. Sie entspringen am oberen Rande des Strahlbeines und laufen nach oben, um sich an die Seitenflächen des Kronbeines und an das untere Ende des Fesselbeinos zu heften.
An der vorderen Fläche der Phalangen verlaufen die Sehnen der bei­den Zehenstrecker, an der hinteren die beiden Beugesehnen, welche hier fast überall von Sehnenscheiden umgeben sind. Die letzteren bewirken im Verein mit den Gleiehbeinbändern Feststellung des Pesselgelenkes; mit den hinteren Bändern des Kronengelenkes stellen sie auch dieses fest und mit den Strahlfesselbeinbändern fixiron sie das Hufgelenk während der Be­lastung des Fusses.
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An der lateralen und medialen Seite der Phalangen verlaufen die grösseren Blutgefässe und Nerven.
Für die in den Phalangen erfolgenden Bewegungen wollen wir die Bezeichnung Dorsal- und Volarflexion willilen. Die erstere bedeutet die Bewegung der Zehe in der Richtung der Wirkung ihrer Strecker, die letztere in der ihrer Beugemuskeln.
1. Luxatiou der Phalangen.
Lit.: Wilhelm, Dresd. Bei-. 1889. S. 72. Johne, das. 1884. S. 68. Schellhase,
Th. Mitth. 1859. S. 163.
Die Verbindung der drei Phalangen in ihren Gelenken ist eine so straffe und feste, dass andauernde Abweichungen derselben von einander (Luxationen) äusserst selten vorkommen und stets mit ausgedehnten Zerreissungen in den Gelenkbändern oder Sehnen ver­bunden sind. Luxationen des Fesselgelenkes trifft man wohl bei Renn­pferden in Folge totaler Zerreissung der Beugesehnen; das untere Ende des Metacarpus tritt alsdann über den hinteren Rand der Ge­lenkpfanne des Fesselbeines nach unten und es entsteht im Fessel­gelenk excessive Dorsalflexion. Noch seltener gleitet der Meta­carpus nach vorn aus der Gelenkfläche; diese Bewegung setzt eine Zerreissung der Seitenbänder sowie auch der Bänder der Gleichbeine voraus. Luxationen nach der Seite sind äusserst selten und nothwendig mit Zerreissung der Seitenbänder verbunden. Solche erfolgen zuweilen durch heftige Anstrengungen, um den durch irgend welche Umstände (z. B. Steckenbleiben zwischen Eisenbahnschienen) am Boden fixirten Fuss zu befreien. Wilhelm beobachtete eine solche Luxation am Hinterschenkel eines Pferdes, welches durchgegangen und gestürzt war. Der Fessel war nach aussen gerichtet.
Bei den übrigen Thieren sind Luxationen der Phalangen noch seltener.
Die Erkennung des Leidens ist leicht. Die veränderte Gelenk­stellung wie auch die bei der manuellen Untersuchung nachweisbaren Abänderungen in der Gestalt des Gelenkes lassen über den Zustand keinen Zweifel.
Der Verlauf der Luxationen ist in Folge der mit denselben ver­bundenen umfangreichen Zerreissungen fast ausnahmlos ein ungün­stiger. Wenn grössere Thiere nicht an Decubitus zu Grunde gehen,
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so bleibt doch meist eine mehr oder weniger erhebliche Lahmheit zurück, welche die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit ausschliesst.
Wilhelm will in dem oben erwähnten Falle allerdings in 8 quot;Wochen Heilung erzielt haben. Er Hess das Pferd in einen Hängegurt bringen, und nachdem mit Hülfe einer Holzschiene, welche am Schienbein des Thieres mittelst Riemen befestigt war, die Einrenkung erreicht war, wurde eine entzündungswidrige Behandlung eingeleitet, sodann ein Holzschienenverband applicirt, welcher im Fesselgelenke ein Charnier besass. Auf diese Weise erreichte man in 8 Wochen Heilung.
Schellhase berichtet über ähnliche Beobachtungen. In einem Falle konnte man nicht nur das Fesselbein seitwärts im rechten Winkel zum Schienbein stellen, sondern es bestand gleichzeitig eine Gelenkwunde, so dass Schellhase mit dem Finger zwischen das Fessel- und Schienbein gelangte; dennoch wurde Heilung erzielt. Man vergesse aber nicht, dass solche Be­obachtungen die Ausnahmen bilden.
Johne theilt das Ergebniss der Section einer Luxation des Huf beines beim Pferde mit, wobei das untere Ende des Kronenbeines über das Strahl­bein nach hinten und unten getreten war. Das Kapselband war in Folge dessen zerrissen, auch fanden sich in der Sehne des Hufbeinbeugers Zer-reissungen und entzündliche Processe.
Wo eine Behandlung eintreten soll, muss dieselbe nach den allgemeinen Grundsätzen erfolgen. Die Reposition macht oft grosse Schwierigkeit, ebenso die Beschränkung der entzündlichen Processe.
2. Distorsion der Zehengelenke.
Lit.: Percival u. Williams, The principl. and pract. of vet. surgerie. Aufl. VI. S. 288. Möller, Arch, für wiss. u. pract. Thierh. Bd. II. S. 308. Föh-rin'ger, Adams Woch. 1Ö88. Nr. 8.
Während Luxationen der Phalangen selten sind, werden Distor-sionen um so öfter, namentlich am Krongelenke beobachtet, und zwar entweder durch excessive Dorsal- oder Volarflexion, oder durch forcirte Seitwärtsbewegungen (Ab- und Adduction) in diesen Ge­lenken, wie solche in der Regel durch Fehltritte veranlasst werden. Starke Dehnung in den Bandapparaten, zuweilen verbunden mit par­tiellen Zerreissungen in denselben, liegen dem Leiden zu Grunde.
Begünstigt wird die Entstehung desselben:
1. Durch mangelhafte Einrichtung der Gelenke. Schmale Gelenkflächen bieten eine weniger sichere Unterstützung bei der Be­lastung und besitzen meist einen schwachen Bandapparat; dieses gilt namentlich von einer geringen Breite in der Richtung der Frontal­ebene (von vorn gesehen).
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2.nbsp; Durch fehlerhafte Stellungen. Hier kommen in erster Linie zehenweite und zehenenge Bildungen in Betracht. Sobald die Gelenkachsen der Phalangen nicht senkrecht zur Mittelebene des Kör­pers stehen, muss bei jeder Belastung des Pusses während der Be­wegung eine Dehnung der Bandapparate eintreten. Dazu kommt, dass hiermit eine ungleiche Belastung der medialen und lateralen Hälfte der Zehengelenke und ein unsicherer Gang verbunden ist.
3.nbsp; Schmale Hufe und unzweckmässige Beschneidung der Hornwand. Sobald die eine Wandhälfte beim Auftreten früher mit dem Boden in Berührung kommt als die andere, müssen Unregehnässig-keiten in der Vertheilung der Last und Dehnungen im Bandapparate dieser Gelenke entstehen. Pferde, die längere Zeit unter solchen Um­ständen gearbeitet haben, zeigen regelmässig eine abnorme Verlänge­rung der Bandapparate, welche sich namentlich bei Volarflexion zu erkennen giebt (schlotternde Gelenke).
Die nächste Veranlassung zu Distorsionen sind Fehltritte, wie sie durch Ausgleiten, Niederstürzen, ungleiches Auftreten entstehen. Unebenes Pflaster, hohe Stollen und Griife, schmale Brust und strup-pirte Beschaffenheit der Füsse begünstigen das Leiden, welches daher auch in grösseren Städten und im Winter häufig beobachtet wird. Seltener kommen heftige Dehnungen in den Bandapparaten durch Steckenbleiben der Hufe in tiefem Boden oder zwischen festen Gegen­ständen (Eisenbahnschienen) zu Stande.
Als Complicationen werden Frakturen an den Phalangen be­obachtet. Am häufigsten leidet das Kronengelenk, seltener das Fessel­gelenk. Als unvollkommenes Wechselgelenk sind namentlich die Seitenbänder des ersteren der Gefahr stärkerer Dehnungen ausgesetzt.
Erscheinungen. Meist tritt plötzlich, an einen Fehltritt sich an­knüpfend Lahmheit ein. Vornehmlich ist die Belastung gestört, doch auch die Bewegung oft schmerzhaft (Stütz- und Hangbeinlahm­heit). In der Ruhe wird der Fuss meist entlastet und in Volar­flexion gehalten (Ueberköthen). Schmerzen bei Drehbewegungen in den Gelenken sowie bei Wendungen. Später findet im Stalle auf der Streu oder auf ebenem Boden zeitweise vollständige Belastung des Fusses statt; beim Versuche, den Patienten im Stande umzuwenden, tritt die Lahmheit aber deutlich hervor. Es beruht diese Erscheinung darauf, dass auf ebenem Boden eine Belastung des kranken Fusses ohne erhebliche Anspannung des Bandapparates der Gelenke erfolgen kann. Ferner zeigt sich vermehrte Wärme und Anschwellung an dem be-
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treffenden Gelenke. Oft äussert das Thier auf Druck an einzelnen Stellen des Gelenkes lebhafte Schmerzen.
Durch genaue Prüfung der einzelnen Gelenke lässt sich der Sitz des Leidens in der Regel näher bestimmen, namentlich durch Dreh­bewegungen des Krongelenkes bei fixirtem Fesselgelenke und um­gekehrt. Doch sei bemerkt, dass passive Drehbewegungen am Fessel­gelenke nicht so auffällige Wirkung zeigen, wie an den unteren beiden Gelenken, weil die Gelenkfläche desselben einen kräftigen Hemmungs­apparat bildet. Schwierig gestaltet sich oft der Nachweis, ob das Huf­oder Krongelenk von der Distorsion betroffen ist, doch bleibt die Frage practisch bedeutungslos.
Verlauf und Ausgang. Die mit einer Distorsion verbundenen Läsionen können eine verschiedene Ausdehnung erreichen; damit auch die aus denselben hervorgehenden entzündlichen Processe. Ein leichter Fehl­tritt ist zwar oft momentan mit heftigen Schmerzen verbunden, die aus der Dehnung und Zerrung des Bandapparates hervorgehen, allein diese pflegen bei entsprechender Ruhe in 24—48 Stunden wieder zu ver­schwinden, und der Zustand kann als geheilt betrachtet werden. Fand eine stärkere Dehnung mit Zerreissungen im Bandapparato statt, so zeigen sich nach dem Fehltritt grössere Schmerzen, welche oft bald nachlassen, zuweilen in kurzer Zeit wieder verschwinden, aber nach einigen Stunden von neuem hervortreten, um nun längere Zeit anzuhalten. Diese letzteren Schmerzen sind die Folge der entzündlichen Processe und stehen im allgemeinen mit der Höhe ulid Ausbreitung desselben in gradem Verhältnisse. War die mit der Distorsion verbundene Zer­rung und Zerreissung im Bandapparate noch erheblicher, so halten die hiermit verbundenen Schmerzen längere Zeit an, und es folgen alsbald die entzündlichen Vorgänge. Mit letzteren stellt sich vermehrte Wärme und Schwellung ein.
Bei geringeren Läsionen tritt in der Regel vollständige Heilung ein, und zwar je nach dem Grade derselben in Zeit von wenigen Tagen bis zu einigen Wochen. Zwar bleibt auch hier eine mangelhafte Wider­standsfähigkeit und damit eine Disposition zu neuen Erkrankungen zurück; diese gestaltet sich um so grosser, je erheblicher die bei der Distorsion am Gelenke aufgetretenen Veränderungen waren. Folgt auf eine stärkere Verletzung im Bandapparate eine ausgedehnte und heftige Entzündung in demselben (Periarthritis), so dauert das Leiden in der Regel 8—G Wochen. Es kann aber auch dann noch vollständige Heilung eintreten. Nicht selten kommt es jedoch zu He-
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tractionen in dem entzündlich erkrankten Bandapparat und damit zu einer abnormen Stellung und Einschränkung der freien Beweglichkeit des Gelenkes (Gelenksteifigkeit); dabei bildet sich excessive Volar-flexion aus (Crelenkstelzfuss), namentlich wenn das Fesselgelenk Sitz des entzündlichen Processes war. Die Gelenksteifigkeit bekundet sich gleichfalls durch Lahmheit und steilen Fesselstand. Entzündliche Processe im Bandapparate greifen nicht selten auf die Knochen über und so entstehen Exostosen, namentlich an den Bandhöckern des Fessel- und Kronbeines.
Schon Percival stellte anatomische Untersuchungen über das Vor­kommen dieser Gelenkleiden an und fand in 5 Fällen das Fesselgelenk, in 40 Füllen das Kronengelenk, in IG Fällen das Hufgelenk verwachsen. Am Krongelenk pflegt man einen solchen Zustand als Sehale zu bezeich­nen (vergl. S. (540).
Das seltenere Vorkommen von Verstauchungen am Fesselgelenke muss auf den wirksameren Hemmungsapparat desselben, welcher in der Form der Gelenkfläche gegeben ist, zurückgeführt werden. Als unvollständiges Wechselgelenk leidet das Kronengelenk leichter unter dem Einflüsse einer abnormen Bewegung (Fehltritt).
Zuweilen erkrankt die Synovialis mit; dann stellt sich ein ent­zündlicher Erguss in die Gelenkhöhlo ein (Hydrops articuli), der zu einer chronischen Gelenkgalle führen kann. Selten kommt es zu Carionekrose und damit zu schweren Folgezuständen, welche oft mit tödtlichem Ausgange enden.
Die Beurtheilung muss sich also in erster Linie nach dem Grade der Verletzung und der Dauer des Leidens richten; über den Grad der ersteren geben wiederum die Schmerzen Auskunft. Die mit dem Fehltritte zugleich auftretenden Schmerzen sind indess nicht von so grosser Bedeutung wie diejenigen, welche sich mit den entzünd­lichen Processen einstellen. Jene nehmen oft einen hohen Grad an, so class die Thierc über den ganzen Körper schwitzen, allein sie ver­schwinden oft ebenso schnell, da sie die Folge der mechanischen Läsion sind, während die später auftretenden Schmerzen im geraden Verhältnisse zu den hierdurch hervorgerufenen Entzündungen stehen; diese erscheinen daher für die Beurtheilung des Leidens von viel grösserer Wichtigkeit. Die erst 12—24 Stunden nach der Distorsion auftretende Schmerzhaftigheit beweist, dass erhebliche Verletzungen stattgefunden haben, deren Heilung längere Zeit in Anspruch nimmt. Kommen hierzu gar noch erhebliche Fiebererscheinungen, so wird die Prognose bedenklich.
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Je länger das Leiden besteht, desto langsamer bilden sich die anatomischen Veränderungen zurück. Daher auch die alte Regel der Praktiker' Eine Verstauchung, welche in 14 Tagen nicht geheilt ist, braucht dazu 4 Wochen, und die in 4 Wochen nicht heilt, 8 Wochen u. s. w. Mit der längeren Dauer des Leidens nimmt auch die Anlage zu neuer Erkrankung zu, weil diese ebenfalls auf der geschwächten Widerstandsfähigkeit dos Band­apparates beruht. Aus dem Grunde gestaltet sich der Process bei allen Thieren, die Fehltritten mehr ausgesetzt sind, ungünstiger, z. B. bei Arbeitsthieren, besonders Reitpferden.
Behandlung. Die wichtigste Aufgabe der Therapie bildet Ruhe für das erkrankte Gelenk. Leider ist diese bei grossen Thieren nicht vollständig zu beschaffen; doch suchen wir solche nach Möglichkeit herzustellen, und zwar durch Vermeidung jeder Körperbewegung und Anlegung eines zweckmässigen Verbandes; eine starke leinene Binde wird in festen Touren um das Gelenk gelegt. In den ersten 3 Tagen dient ein kühlendes Verfahren zur Zurückhaltung der entzündlichen Processe und zur Milderung der Schmerzen. Nach dieser Zeit kann nur noch hochgradige Schmerzhaftigkeit eine Indication für die wei­tere Anwendung der Kälte abgeben. Vom vierten Tage ab geht man im allgemeinen zur zertheilenden Behandlung über. Hierzu empfehlen sich in erster Linie Priessnitz'sche Umschläge, wobei zugleich durch Bandagiren ein Druck auf das erkrankte Gelenk ausgeübt wird. Dieser Druck soll nicht nur die Ruhestellung fördern, sondern auch die Resorp­tionsvorgänge anregen; hierzu können Einreibungen mit üngt. einer, beitragen. In vielen Fällen kommt man hiermit zum Ziele. Wenn die Entzündungserscheinungen nachlassen, aber stärkere Schwellung zurückgeblieben ist, kann auch Massago Anwendung finden, wobei mit Vortheil Einreibungen von Ungt. einer, und Sap. virid. (ä) verbunden werden. Wo diese Mittel nicht zum Ziele führen, finden scharfe Haut­reize Anwendung: Einreibungen von Cantharidon, Hydrarg. bijoclat., Sublimat u. s. w., oder noch besser das Brenneisen, welches in Strich-form applicirt wird. Bei längerer Dauer der Krankheit lüsst man mit Vortheil einen Wechsel in der Anwendung dieser Mittel eintreten, auf den scharfen Hautreiz feuchte Wärme und methodische Compression folgen, die sich besonders da empfiehlt, wo Verdickungen zurückzu­bleiben drohen.
Während der ganzen Behandlung ist Ruhe für das Thier er­forderlich; selbst das Probiren des Ganges sollte auf das Nöthigste.
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beschränkt bleiben. Zur Vermeidung von Dehnungen des Band-apparates dient ferner ebenes Pflaster und weiche Streu. Mit dem Verschwinden der Lahmheit lasse man das Thier langsam auf weichem Boden, am besten im Sande bewegen und sorge, daas nicht neue Fehl­tritte stattfinden.
Die früher empfohlene Anwendung eines Schnabeleisens gegen das Ueberköthen ist durchaus zu verwerfen. So lange noch entzünd­liche Processe in dorn Bandapparate entstehen, werden diese durch das Schnabeleisen vermehrt. In späteren Stadien können die bestehen­den Betractionen am besten durch langsame und vorsichtige Bewegung des Thieres beseitigt werden.
Zur Fixirung des erkrankten Gelenkes dient unter Umständen auch ein Gypsverband. Für das Fesselgelenk eignet sich hierzu am meisten der von Beely zuerst benutzte Hanfschienenverband, dessen Anwen­dung bei Pferden von mir bereits beschrieben worden ist. Ein ähn­licher Verband wurde von Föhringer empfohlen. Das Krongelenk lässt sich auf solche Weise kaum fixiren, hier muss strenge Ruhe in Verbindung mit scharfen Salben diese Wirkung ersetzen.
3. KiiochenbrUchc un deraquo; Zehengliedern.
Lit: Wentworth, Her. Eep. 1861. S. 332. Williams, The princ. and pract. S. 130. Peters, Vorträge für Thierilrzte. Schrader, Gurlt u. Hertwig. 3. S. 88. Wüstefeld, das. V. S. 289. Slesarewski, Jahresb. 1885. S. 112. Popow, Jahresb. 1884. S. 112. Halder, Her. Rep. 19. S. 37. Kretowicz, Jahresb. 1882. S. 88. Wilhelm, das. 1883. S. 110. Johne, Dresd. Ber. 1871. S. 128. Dressler, Th. Mitth. 1867. S. 153.
Am häufigsten werden beim Pferde Fissuren und Frakturen des Fesselbeines, selten des Krön- und Hufbeines beobachtet; heftige Fehl­tritte oder plötzliche Wendungen geben meist die Veranlassung zur Entstellung derselben ab; daher sehen wir solche namentlich bei Rennpferden auftreten. Beim Springen über Höhenhindernisse oder Stürzen im llennlauf kommen sie leicht zu Stande. Doch treten solche auch bei schweren Wagenpferden im langsamen Zuge auf, namentlich im Winter bei Glatteis. Plötzliche Wendungen auf der Vorhand sind bei Reitpferden häufig die Ursachen. Zuweilen werden Frakturen des Fessel­beins an mehreren Füssen zu gleicher Zeit beobachtet. Wentworth berichtet über einen Bruch beider Vorderfessel bei einer Stute. Ob hier besonders ausgebildete dispositioneile Verhältnisse vorlagen, oder ob die in Folge der plötzlichen Lahmheit erfolgte schnelle Belastung
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des anderen Fusses als Ursache wirkt, muss dahingestellt bleiben. Tuson will in dem eben erwähnten Falle einen Mangel an anorgani­schen Substanzen in den gebrochenen Fesselbeinen gefunden haben; ob sich diese Annahme auf eine chemische Analyse stützte, wird jedocli nicht angegeben. Bei Einhufern, namentlich bei Kennpferden, treten nicht selten Fissuren des Fesselbeines ein und wurden zuerst in Eng­land beobachtet; nach Williams bilden „split pasternquot; gewöhn­liche Vorkommnisse. Auch bei uns sind solche nicht selten, wie ich mich wiederholt überzeugt habe. Oft werden sie jedoch nicht erkannt und mit Distorsion des Gelenkes verwechselt. Peters hat eine Reihe von Beobachtungen dieser Art mitgetheilt und auch die Thatsache er­klärt, dass die Fissuren des Fesselbeines fast immer von der mittleren
Fig. 99.
Fig. 100.
Fiasur des Fesselbeincs.
Querfraktur des Fesselbeines.
Gelenk Vertiefung des Knochens ausgehen (Fig. 99). Nach ihm er­zeugt der an der unteren Gelenkrolle des Schienbeines befindliche Kamm bei ungleicher Belastung der beiden seitlich von ihm gelegenen Gelenkflächen des Fesselbeines eine Spaltung dieses Knochens. Ebenso müssen heftige Drehbewegungen des belasteten Fusses wirken, daher das Auftreten dieser Fissuren in Folge plötzlicher Wendungen auf der Vorhand. Bald reicht die Trennung durch den ganzen Kno­chen bis zum unteren Gelenkende desselben, bald läuft dieselbe nach der einen oder anderen Seite desselben; nicht selten aber findet der Spalt im Knochen selbst sein Ende (Fissur).
Vollständige Brüche treten ebenfalls meist bei Pferden bald am oberen, bald am unteren Ende des Fesselheines auf (Fig. 100). Sie werden gleichfalls durch ungleiche Belastung bei Fehltritten hervor
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gerufen. In einem von mir beobachteten Falle konnte intra vitam nachgewiesen werden, wie an der oberen Gelenkflilche der innere Eand durch eine heftige Zugwirkung des medialen Seitenbandes, der äussere Rand aber durch eine gewaltsame Druckwirkung des Schienbeines von der Gelenkflilche des Fesselbeines abgesprengt war (Fig. 101). Ferner habe ich mehrere Fälle beobachtet, in denen die Fraktur in der Quer­richtimg des Knochens lag, also vom lateralen zum medialen Seiten­band reichte und sich mehr oder weniger weit nach unten fortsetzte (Fig. 102). Hier hatte plötzliches Pariren mehrfach zur Entstehung des Bruches geführt. Gelegentlich werden auch Quer- und Splitter­brüche der Fesselbeine beobachtet. Johne sah einen Querbruch des
Fig. 102.
Fig. 101.
Doppelte Fraktur am oberen Ende des Fesselbeines.
Transversale Fraktur des Fesselbeines.
Fesselbeines in acht Wochen ohne bedeutende Callusbildung heilen, während Dressler das Fesselbein eines Rennpferdes in 19 Stücke ge­brochen fand.
Die Diagnose bietet bei vollständigen Frakturen keine Schwie­rigkeiten, weil hierbei Crepitation nachzuweisen ist. Da wo die Band­höcker abgebrochen sind, treten abnorme Seitwärtsbewegungen im Fesselgelenk auf. Dagegen verlangt der Nachweis einer Fissur des Fessel­beines oft eine eingehende Untersuchung. Die plötzlich hervorgetretene hochgradige Lahmheit mit volarflectirtcr Stellung der Fessel er­regt zuerst den Verdacht einer Distorsion. Man muss daher in solchen Fällen stets den Fuss auf die Gegenwart eines Knochenbruches prüfen, sobald die Lahmheit plötzlich hervortrat und von vorn herein einen
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hohen Grad erreichte. Lässt sich bei Drehbewegungen an dem auf­gehobenen Fusse keine Crepitation nachweisen, so übe man mit den Fingern einen Druck auf die vordere Fläche des Fesselbeines aus und beginne damit in der Mitte des oberen Endes des Knochens. Von hier ausgehend lässt sich oft eine schmerzhafte Linie nachweisen, die etwa dem Verlaufe der Strecksehne entspricht und sich bald nach der einen oder anderen Seite des Knochens erstreckt. In den meisten Fällen läuft die Fissur gegen die laterale Seite des Knochens, was in der geringen Stärke der lateral vom Kamme des Metacarpus gelegenen Hälfte des Fesselbeines seinen Grund haben mag. Dass während dieser Untersuchung jedwede Bewegung der Zehe vermieden werden muss, um in der Beurtheilung der Schmerzhaftigkeit nicht getäuscht zu werden, hegt auf der Hand.
Frakturen des Eronenbeines entstehen bei Einhufern unter ähnlichen Umständen wie die des Fesselbeines. Wiederholt sah man solche bei dem Versuche entstehen, den zwischen Eisenbahnschienen festsitzenden Fuss zu befreien. Meist stellen sie Längs- und Sphtter-brilche dar. Henon fand das Kronbein in 7, Sclirader in (5 und Lafosse in 20 Stücke gebrochen. Henon beobachtete Bruch des Kronenbeines an allen vier Füssen eines Pferdes; zuweilen bricht nur der Bandhöcker ab. Mir selbst ist ein Fall vorgekommen, in dem das Kronenbein durch einen in den Strahl getretenen Nagel in mehrere Stücke zersprengt war. Fissuren sind aus naheliegenden Gründen hier seltener als am Fesselbein, ebenso einfache Frakturen.
Der Nachweis des Bruches erfolgt in derselben Weise wie am Fesselbein und bietet bei vollständiger Fraktur keine Schwierigkeit. Crepitation an der Zehe bei intactem Fesselbein rechtfertigen die Diag­nose , Kronenbeinbruchquot;.
Brüche des Hufbeines gehören zu den seltenen Vorkomm­nissen, doch wurden solche schon von Lafosse, Have mann, Ker-sting, Huzard u. A. gesehen. Sclirader hat eine Reihe solcher Beobachtungen mitgetheilt. Sie entstehen unter ähnlichen Umständen wie Brüche der übrigen Phalangen, durch Fehltritte, besonders beim plötzlichen Parieren, aber auch nach Nageltritten hat man wiederholt Frakturen des Hufbeines gesehen. Mehrfach wurden Hufbeinbrüche bei Pferden beobachtet, bei denen die Neurotomie ausgeführt worden war. Hier erklärt sich das Zustandekommen derselben theils aus dem rücksichtslosen Auftreten des Fusses, theils aus den in Folge des aufgehobenen Nerveneinflusses entstandenen Ernährungsstörungen in
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dem Knochen; class die Ernährung der Knochen an einem längere Zeit gelähmten Gliede leidet, ist bekannt. Nach Williams entstehen sie auch, wenn der Stollen des Eisens am Boden festsitzt, z. B. in Eisenbahnschienen, ferner beim Niederstürzen schwerer Pferde. Schra-der beobachtete auch Frakturen der verknöcherten Hufbeinknorpel.
Die Erkennung bietet grössere Schwierigkeit, da Crepitation meist nicht nachweisbar ist. Zuweilen tritt sie bei Drehbewegung des Hufes oder beim Zusammendrücken der Trachten des Hufes hervor. Wo sie fehlt, muss die Diagnose per exclusionem und mit Rücksicht auf die Anamnese gestellt werden. Plötzliches Auftreten einer hoch­gradigen Stützbeinlahmheit mit starker Volarfloxion beim Fehlen acuter Entzündungsprocesse im Beugeapparat und im Hufe lässt einen Bruch des Hufbeines vermuthen. Dazu kommt, class in den ersten 24 Stunden nach dem Auftreten des Bruches die verstärkte Pulsation der Arterien fehlt; nachher stellt sie sich ein. Wüstefeld fand die Hautvenen am Fusse stark angeschwollen. Die Untersuchung mit der Hufzange lässt zuweilen Schmerzen nachweisen; diese können aber fehlen.
Unter gleichzeitigem Abreissen eines grösseren Theils des Hufes durch Festsitzen des Fusses sah Slesarewsky eine Fraktur des Huf­beines eintreten, wobei verschiedene Stücke desselben mit dem Hufe abgetrennt waren. Die Heilung erfolgte unter Carbolbehandlung.
Die Beurtheilung gestaltet sich noch am günstigsten bei Fissuren des Fesselbeines. Viele Thiere werden hiernach wieder arbeitsfähig, wenn man ihnen eine G—Swöchentliche Kube geben kann, und wenn der andere Fuss die andauernde Belastung ohne Senkung des Huf­beines aushält. Auch hat man vollständige Frakturen des Fesselbeines heilen sehen. Popow berichtet über 5 Fälle von Fesselbeinbrüchen, welche durch Anlegung eines Gypsverbandes heilten; doch blieb 2 Mal Verwachsung des Fesselgelenkes, 2 Mal des Krongelenkes und 1 Mal beider Gelenke zurück. In dem von Halder beschriebenen Falle konnte das Pferd schon nach 4 Wochen zu leichter Feldarbeit verwendet werden; es blieb jedoch geringe Lahmheit und Verdickung des Fessel­beines zurück. Kretowicz sah einen Querbruch des Fesselbeines am Hinterfusse in einigen Monaten vollständig heilen. Wilhelm machte eine ähnliche Beobachtung. Im allgemeinen lohnt sich indess der Heilversuch nur bei werthvollen Pferden namentlich Zuchtthieren und da, wo die Unterhaltung der Thiere mit wenig Unkosten ver-bunden ist. Complicirte Brüche müssen als unheilbar betrachtet werden.
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Noch weniger günstig gestalten sich Kronenheinbrüche. Nur bei ruhigen Thieren und einfachen Brüchen ist unvollkommene Heilung, d. h. mit Zurückbleiben von Lahmheit zu erreichen. In der Regel stellt sich eine bedeutende Knochenauftreibung mit excessiver Volarflexion besonders im Fesselgelenke ein und ist mit dauernder Lahmheit verbunden.
Am Hufbein verlaufen Knochenbrüche günstiger, weil die Dis­location durch den Huf beschränkt wird. Die Heilung hängt hier in erster Linie davon ab, ob der andere Fuss die andauernde Belastung erträgt, was sich erst im weiteren Verlauf zeigen muss, die Prognose richtet sich daher namentlich nach dem Grade der Schmerzen. In dem von Wüstefeld beschriebenen Falle trat später eine Vergrösserung des Hufes hervor, die durch Auseinanderweichen der Bruchfragmente bedingt war.
Complicirte Brüche, wie sie z. B. durch Nageltritt am Kronen-und Hufbein entstehen, müssen als unheilbar angesehen werden, zu­mal Asepsis in der Regel nicht zu erreichen ist. In ganz frischen Fällen gelingt indess auch hier zuweilen die Heilung in verhältniss-mässig kurzer Zeit, wenn ein aseptischer Zustand hergestellt wird.
Die Behandlung der Knochenbrüche an den Zellengliedern ver­langt in erster Linie möglichste Ruhe, eventuell unter Anwendung eines Hängeapparates. Bei Fesselbeinfissuren genügt in der Regel eine gut angelegte Cirkelbinde; auch lässt sich ein Gypsverband anwenden, namentlich wenn das Pferd in ein Hängegurt gebracht werden kann. Stolz sah nach Anwendung seines Salbenverbandes (S. 590) vollständige Heilung eines Fesselbeinbruches eintreten. Bei wertvolleren Pferden empfiehlt sich nach erfolgter Reposition ein gleiches Verfahren zu ver­suchen. Die Application von kaltem Wasser zum Kühlen gewährt in der Regel keinen Nutzen, wohl aber den Nachtheil, dass die Oberhaut aufgeweicht wird, und so leicht Excoriationen der Haut durch den Verband entstehen.
Eine gleiche Behandlung lässt sich bei Kronenbeinbrüchen an­wenden, doch nützt der Verband hier weniger. Bei Hufbeinbrüchen genügt es, dem Thier absolute Ruhe zu geben. Heftige Schmerzen können hier durch kalte Bäder oder Umschläge unter Umständen ge­mildert werden. Das früher in Frankreich übliche Abreissen der Horn-sohle ist hierbei entschieden zu widerrathen, da hierdurch leicht In-fectionen und Eiterungsprocesse hervorgerufen werden.
Ich habe wiederholt durch Neurotomie des N. medianus die nach
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(340nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Phalangen.
Knochenbrüchen an den Phalangen zurückgebliebenen Lahmheiten be­seitigt und so die Thiere für einige Zeit arbeitsfähig erhalten.
In Bezug auf die Anwendung des Hilngegartes bei diesen wie anderen Leiden sei Folgendes bemerkt:
Der Hilngegurt dient vornehmlich dazu, das Niederlegen der Thiere zu verhindern und ihnen bei schmerzhaften Zuständen (Lahmheiten) zeitweise eine Unterstützung zu geben, oder das Stehen zu erleichtern und zu sichern. Der Gurt zwingt das Thier jedoch andauernd zu stehen, so dass bei schmerzhaften Lahmheiten einzelner Füsse die correspondirenden dauernd belastet werden. Dadurch entsteht aber an diesen die Gefahr der Huf­beinsenkung, die leider zu oft eintritt. Wenn daher die Pferde krilftig und im Stande sind, sich unter Schonung des kranken Fusses hinzulegen, so ziehe ich es vor, dieses durch eine gute Streu zu begünstigen und sehe von der Anwendung des Hilngegurtes ab.
Die Hufbeinsenkung giebt sich durch das Auftreten von Schmerzen und verstärkter Pulsation der Schienbeinarterie zu erkennen; Sobald diese sich zeigen, lasse man den Patienten aus dem Gurt nehmen und sich auf einer weichen Streu hinlegen, auch hüte man sich, die hierbei erfolgende Belastung des kranken Fusses als ein Zeichen von Besserung zu betrachten.
4. Die Schale. Lcist. Bingbein.
Lit.: Träger, Gurlt u. Hertwig. 5. S. 206. Ammon, das. 11. S. 60. Schrader, das. 26. S. 1 u. 137. Hertwig, das. 37. S. 94. Andre, Her. Rep. 13. S. 146. Nocard, Jahresb. 1883. S. 109. Dieckerhoff, der Spat. S. 184. Peters, Berl, Arch. 9. S. 71. Havemann, Beurtheilung des Pferdes. II. Aufl.
Mit dem Namen „Schalequot; belegt man seit alter Zeit alle mit Anschwellung (Auftreibung) verbundenen chronischen Krankheitspro-cesse am Kronengelenk der Pferde. Anfangs glaubte man ein ein­heitliches Leiden vor sich zu haben, als aber eingehende anatomische Untersuchungen dieser Zustände angestellt wurden, gelangte man bald zu der Ueberzeugung, dass es sich hierbei um verschiedene Leiden handele. Namentlich brachte Schrader zuerst einige Klarheit in diese Frage.
Die Auftreibung am Kronengelenk kann durch verschiedenartige Processe entstehen, daher lassen sich folgende Formen der Schale unter­scheiden.
1. Die articuläre Schale. Bei dieser handelt es sich um eine Arthritis chronica. Von Gerlach und Haubner wurde auf diesen Zustand zuerst aufmerksam gemacht. Bald handelt es sich um eine Arthritis chronica deformans, wobei der Gelenkknorpel den Mittel­punkt der Erkrankung bildet, bald um Folgezustände einer Synovitis.
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Schale.
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Dabei wird der Grelenkkuorpel des Fessei- und Kroncnbeines je nach der Dauer des Leidens mehr oder weniger zerstört vorgefunden, wäh­rend an den Rändern des Gelenkes sich Knochenauftreibungen (Ex-ostosen) zeigen (Fig. 103). Es handelt sich hierbei meist um die Processe der Arthritis sicca s. deformans, wie sie von Sehr ad er hier zuerst be­schrieben wurden. In späteren Stadien finden sich Fesselbein und Kronenbein oft mit starken osteophytischen Auflagerungen besetzt, während der Gelenkknorpel total zerstört ist. Es kann selbst zur Verwachsung des Gelenkes (Synostose) kommen.
Fig. 108.
Ai'ticuUirc Schalt'.
Pemrticuliirc Sohalö.
2. Die periarticuläre Schale. In Folge von chronischer Periarthritis, wie sie durch Distorsionen oder andauernde Zerrungen im Henimungsapparate des Gelenkes hervorgerufen werden, entstellen namentlich an den Insertionsstellen der Seitenbänder Verdickungen, welche sich als Auftreibungen an der medialen oder lateralen Seite des Gelenkes zu erkennen geben. Bei der Section findet man die Ge­lenkfläche gesund, nur der Bandapparat wird verdickt angetroffen, und an seinen Insertionsstellen bestehen mehr oder weniger stark ausge­bildete Exostosen; so namentlich an den Ansatzstellen der Seiten-blinder, nicht selten aber auch da, wo sich die hinteren Bänder des Kronengelenkes an das Fesselbein anheften; zuweilen wird auch die
Müllci', Specii'llc Cliirurgie fiü'ThiCTiirzto.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 41
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()42nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Phalangen.
InsertkmssteUe des Kapselbandes aufgetrieben gefunden (Fig. 104). Da der Gelenkknorpel hierbei frei von krankhaften Veränderungen ist, hat man wohl von einer falschen Schale gesprochen (Williams).
3.nbsp; nbsp;Die rachitische Schale. In Folge rachitischer Erkrankung im jugendlichen Alter bleiben nicht selten Verdickungen am unteren Ende des Fessel- und am oberen des Kronenbeines zurück, die sich als eine Auftreibung des Gelenkes zu erkennen geben, daher als Schale bezeichnet werden. Hierbei bestehen weder an der Gelenkflilche noch auch in dem Bandapparate pathologische Zustände.
4.nbsp; Als traumatische Schale lassen sich alle diejenigen Auf­treibungen am Kronengelenk zusammenfassen, welche in Exostosen-bilduug am Fessel- und Kronenbein bestehen und durch ander­weitige, meist traumatische Entzündungsprocesse veranlasst wurden. Die vorangegangene Periostitis kann sowohl durch Kronentritte wie auch durch andere, acut-entzündliche Erkrankung der Nachbarschaft (Brandmauke u. s. w.) veranlasst werden.
Diese Eintheilung der Schale entspricht auch dem praktischen Interesse; denn die klinische Diagnose ist nicht nur im Stande, die einzelnen Formen von einander zu trennen, sondern die Beurtheilung der Zustände muss hiernach auch verschieden ausfallen.
Erscheinungen. Das Gemeinsame dieser Leiden besteht in der chronischen Auftreibung am Kronengelenke, welche oft so gering­fügig-ist, dass sie sich erst auf Grund genauer Betrachtung und Vergleichung der einzelnen Füsse erkennen lässt. Dass bei dieser Untersuchung die Gliedmassen sich in möglichst gleicher Lage (Be­lastung) befinden müssen, versteht sich von selbst. Die Auftreibungen der Seitenflächen des Gelenkes erkennt man bei Betrachtung von vorn, die an der vorderen Fläche, indem man sich in der Höhe des betreffenden Fusses neben dem Pferde aufstellt. Durch Palpation und Vergleichung der Gelenke an beiden Ftissen wird das Urtheil weiter gesichert.
Bei der articulären Schale dehnt sich die Auftreibimg von beiden Seiten über die vordere Fläche des Gelenkes aus, erscheint also ringförmig und wird deshalb auch als Ringbeiu bezeichnet. Die hintere Fläche ist durch die Lage der Beugeseimen verdeckt und entzieht sich daher der Untersuchung. Bald geht die Auftreibung vor­nehmlich vom Fesselbein aus und liegt dann etwas höher, bald vom Kronenbein und befindet sich unmittelbar über der Krone des Hufes. In England und Frankreich hat man hiernach eine hohe und eine
.
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Schale.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;643
tiefe Schale getrennt (high and low Ring-bone, formes du päturon et formes de la couronne). Die Anschwellung zeigt sich hart, schmerzlos auf Druck, die äussere Haut auf derselben verschiebbar.
Die periarticulilre Form der Sehale verhält sich ähnlich, nur dass die Verdickung auf die Seitenflächen des Fessel- und Kronen­beines beschränkt zu sein pflegt, und die vordere Fläche in der Regel nicht krankhaft verändert ist. Auch hier kann die Knochenauftreibung höher oder tiefer auftreten, und gilt auch von dieser Form das oben Gesagte.
Mit diesen beiden Formen der Schale ist in der Regel Lahmheit verbunden, welche namentlich bei der Belastung des Fusses hervortritt, bald erheblich, bald nur unbedeutend ist. Bei der rachitischen Schale fehlt die Lahmheit, welche auch bei der traumatischen Form oft vermisst wird. Dieselbe kann aber auch durch längere Ruhe des Thieres zeitweise zurücktreten; ebenso verschwindet geringe Lahmheit bei temperamentvollen Pferden oft während der Bewegung. Nach längerem Bestehen derselben macht sich Muskelschwund am Schenkel bemerkbar und zwar um so mehr, je älter und je hochgradiger die Bewegungsstörung.
In der Regel findet eine auffällige Abkürzung des Schrittes nach hinten statt und zwar mit Volarflexion in den Zehengelenken (steile Fessel). Bei der periarticulären Form treten die Bewegungsstörungen besonders bei kurzen Wendungen nach der kranken Seite hervor. Auch dem Grade nach verhält sich die Lahmheit ausserordentlich verschieden. Dieses erklärt sich aus den verschiedenen Zuständen, welche der Bewegungsstörung zu Grunde liegen : Bald hängt die Lahmheit von den entzündlichen Processen auf den Gelenkflächen oder im Bandapparate ab, bald ist sie die Folge der durch die Exo-stosen veranlassten mechanischen Behinderung in der freien Be­wegung des Gelenkes. Dies gilt namentlich für Synostosenbildung, welche oft mit excessiver Volarflexion verbunden ist (Gelenkstelz-fuss). An dem aufgehobenen Fuss lässt sich die Verwachsung des Gelenkes direct nachweisen, indem man Drehbewegungen sowie Beu­gung und Streckung in demselben vergeblich auszuführen versucht. Aus dem Angeführten erklärt sich zugleich, dass der Grad der Lahm­heit nicht von der Grosse der Auftreibimg abhängt; dieselbe ist bei starker Verdickung oft gering und umgekehrt.
Die Diagnose der Schale gestaltet sich recht schwierig, wenn die Auftreibung nur geringfügig ist. Bei Fohlen erscheinen die
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()44nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Phalangen.
Epiphysen der Phalangen immer auffallend stark und das Kronen­gelenk liegt bei der noch nicht vollendeten Entwickelung des Hufes höher; das gleichmiissige Auftreten an allen 4 Fassen und das Fehlen von Lahmheit kennzeichnet diesen Zustand. Verdickungen in der Haut lassen sich durch Palpation als solche erkennen; ebenso können Verknöcherungen der Hufbeinknorpel nicht leicht mit Schale verwechselt werden, wenn die Untersuchung sorgfältig ausge­führt wird.
Schwieriger wird die Trennung der Schale von der Distorsion des Kronengelenkes. Diese letztere Erkrankung ist jedoch meist von acut entzündlichen Erscheinungen (vermehrte Wärme, Schmerzen beim Druck) begleitet und als solche gekennzeichnet. Da jedoch die in Folge der Distorsion auftretenden chronischen Erkrankungen auch unter den Begriff der Schale fallen, so kommen hier Zustände vor, die sowohl mit dem einen wie auch dem anderen Namen belegt werden können.
Durch Anschwellungen der Haut in der Umgebung des Ue-lenkes kann das Leiden zeitweise vollständig verdeckt werden; ein Hülfsmittel, das auch in betrügerischer Absicht wohl angewendet wird und um so leichter gelingt, als Laien immer geneigt sind, die Lahmheit auf die Hautverletzung zurückzuführen.
Ursachen. Dasa das Kronengelenk so häufig Sitz derartiger Erkrankungen ist, liegt in der anatomisch-physiologischen Einrichtung desselben begründet. Um als unvollständiges Wechselgelenk zu dienen, war eine beschränkte Ausdehnung und flache Gestalt der Gelenkfläche erforderlich. Diese aber begünstigt sowohl das Zustandekommen von abnormen Dehnungen im Bandapparate als auch von ungleicher Be­lastung der Gelenkdäche; Umstände, die oft den Grund zu diesem Leiden abgeben. Hieraus erklärt sich zugleich, dass die periarticuläre Form der Schale die häufigste ist.
Peters sowohl wie Williams betonen, dass die Schale mit Vorliebe an langen und weichen Fesseln auftrete, und führen die Ent­stehung auf die hiermit verbundene stärkere Dehnung des Band­apparates zurück. Nach Peters beginnt der Process am mittleren Theil des dorsalen (vorderen) Gelenkrandes und zwar durch eine ent­zündliche Erkrankung des Kapselbandes veranhisst. Percival (Williams) glaubt dagegen, dass eine steile Fesselstellung die Entwickelung der Schale begünstige, weil hierbei die Stosswirkung heim Einfallen der Körperlast auf die Knochen grosser sei. Die Disposition des Jugend-
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Schale.
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lichen Alters /au- Erkrankung an Sclmle erklärt sich aus der grösscren
Vuliiembilität der Knochen und Gelenke.
Bei der Verschiedenartigkeit der Zustände, welche der Sclmle ZU Grunde liegen, kann es nicht auffallen, dass auch die ursächlichen Momente zur Entstehung derselben sehr verschieden sind. Das Auf­treten an mehreren Füssen hei demselben Pferde beweist ferner, dass eine Prildisposition zu dem Leiden bestehen kann, welche oft vererbt wird. Dieselbe hat ihren Grund in schmalen, schlecht eingerichteten Gelenken sowie in fehlerhaften Stellungen der Gliedmassen. Die Mehrbelastung der Vorderfüsse erklärt das häufigere Vorkommen der Schale an diesen. Unregelmässige Stellungen, namentlich Zehenweite und Zehenenge führen nicht nur zu ungleicher Belastung des Gelenkes, sondern auch zu abnormen Dehnungen des Bandapparates und geben daher oft zur Entstehung der periarticulilren Form der Schale Ver­anlassung. Da solche Zustände auf die Nacbkonnnen übergehen, so kann es nicht auffallen, dass das Leiden vererbt wird. Schon Have-mann hat hierauf aufmerksam gemacht und die Ausschliessung der mit Schale behafteten Thiere von der Zucht verlangt. Von der Be­hauptung , dass gemeine (kaltblütige) Pferde häufiger an der Schale leiden, habe ich mich nicht überzeugen können. Sollte diese Annahme
richtig sein, so dürfte die grössere Verbreitung zum Theil wohl auf
ffe-
ringere Sorgfalt bei der Zuchtwahl zurückzuführen sein.
Als äussere Ursachen wirken Distorsionen und damit
Momente, welche die Entstehung solcher Läsionen begünstigen,
wie
fehlerhafte Stellungen, ungleichmässige Bescbneidung der Hufe, die Benutzung der Thiere in schnellen Gängen und auf unebenem Boden. Namentlich muss hier auf den unzweckmässigen Beschlag hingewiesen werden. Sobald die eine Wandhälfte des Hufes höher ist als die andere und in Folge dessen beim Gehen früher auf den Boden kommt, muss sowohl eine ungleiche Vcrtheilung der Last im Gelenke als auch eine Dehnung im gegenüberliegenden Seitenbande eintreten. Die rachitische Form entwickelt sich unter den Einflüssen, welche die Rachitis hervorrufen, aber noch wenig bekannt sind. Hierauf dürfte wohl das von Träger, Annnon u. A. beobachtete Vorkommen der Schale nach der Druse, und ihre grössere Verbreitung in einzelnen Zuchten zurückgeführt werden können. Dass es sich hierbei um Mangel an Kalksalzen handelt, ist bisher nicht bewiesen. Die Ent­stehung der traumatischen Form ergiebt sich aus dem Uebergreifen der entzündlichen Processe der Nachbarschaft auf das Periost.
Nach Dieckerhoff soll die Schale ans entzündlichen Erkran-
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046nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Phalangen.
klingen eines kleinen Schleinibeutels hervorgehen, welcher zwischen den Schenkeln des Kronenbeinbeugers und den Huf'knorpel-Fesselhein-biindern liegt. Es ist richtig, dass eine Anschwellung dieses Schleini­beutels gelegentlich wohl als Schale auf'gefasst werden kann, dass aber auf diese Weise eine Gelenkerkrankung und Lahmheit hervorge­rufen werde, konnte von mir trotz sorgfältiger Beachtung dieses Um-standes niemals festgestellt werden.
Verlauf und Beurtheilung. Im Allgemeinen handelt es sich um ein chronisches Leiden, doch zeigen die einzelnen Formen der Schale Eigenthümlichkeiten des Verlaufes. Die articuläre Form setzt in der Hegel langsam ein; seltener bildet sie den Ausgang einer acuten Synovitis; im letzteren Falle lässt sich eine scharfe Grenze zwischen den beiden Leiden nicht ziehen. An Heilung ist bei diesem Zustande nicht zu denken , daher hängt die Beurtheilung namentlich von dem Grade der Lahmheit und der Gebrauchsart des Pferdes ab. Sobald das Pferd in Folge der Lahmheit nicht benutzt werden kann, bleibt nur die Neurectomie übrig. Wo die Knochenauftreibung sich auf die vordere Fläche des Gelenkes erstreckt, da ist noch weniger zu erwarten.
Die periarticuläre Schale geht bald aus einer schnell ent­standenen Periarthritis des Kronengelenkes hervor, oder sie entwickelt sich langsam aus häufig wiederkehrenden Zerrungen des Bandapparates. Ob Heilung oder Besserung erzielt wird, hängt von der Art der be­stehenden pathologischen Processe und dem Umstände ab, ob die ursächlichen Momente zu beseitigen sind. Bestehen erhebliche Ver­dickungen an dem Gelenke und hat die Stellung der Fessel in Folge der Schale bereits erhebliche Abweichungen erfahren, so ist nicht mehr auf Heilung zu rechnen. Je näher die Verdickungen dem Gelenke liegen, desto ungünstiger, daher die „hohequot; Schale im Allgemeinen weniger bedenklich als die in der Nähe der Hufkrone auftretenden Auftreibungen. Ebenso wird die Prognose bei unregelmässigen Stel­lungen weniger günstig. Wo dagegen fehlerhafter Beschlag, namentlich ungleiche Beschneidung der Hufe mit dem Leiden in Zusammenhang gebracht werden kann , bringt die Beseitigung dieser Schädlichkeiten oft Besserung, zuweilen selbst dauernde Beseitigung der Lahmheit; die Verdickungen am Gelenke bilden sich jedoch nicht wieder vollständig zurück. Ungünstig muss die Prognose natürlich auch bei Synostosen-bilchmg ausfallen. Die rachitische Form entwickelt sich stets langsam und verschwindet nicht wieder, ist aber als solche mit Lahm-
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Sclmle.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(347
heit niemals verbunden. Wenn hierbei Lahmheit besteht, so haben äussere Ursachen dieselbe hervorgerufen und es hängt die Prognose davon ab, ob sich diese beseitigen lassen.
Die traumatische, aus einer Periostitis hervorgegangene Schale bildet eine Folge localer EntzUndungsprocesse in der Nachbarschaft des Kronengelenkes. Die in Folge der Periostitis anfangs auftretende Lahmheit kann sich später vollständig verlieren. Bei grösseren Exo-stosen in der Nähe des Gelenkes bleibt aber nicht selten eine dauernde Bewegungsstörung zurück.
Es entspricht ferner einer allgemeinen Erfahrung, dass die gleichen Veränderungen an den Hinterfüssen weniger oft Lahmheit erzeugen als an den Vorderfüssen; an den Hinterfüssen erlangt die Schale überhaupt nicht die Bedeutung wie an den Vorderfüssen. Be­steht hochgradige Lahmheit bereits längere Zeit, so wird die Prognose ungünstig; starker Muskelschwund bildet daher ebenfalls ein schlechtes Zeichen.
Dass die Beurtheilung bei Reitpferden ungünstiger ausfallen muss als bei gewöhnlichen Arbeitspferden, liegt auf der Hand, doch habe ich Pferde gekannt, die mit hochgradiger Schale noch ausge­zeichnetes selbst im Hinternissrennen leisteten. Vorsicht ist nament­lich bei jüngeren Pferden geboten, und doppelte, wenn die Schale schon auftritt, bevor die Thiere erhebliche Arbeit geleistet haben: sobald bedeutende Lahmheit hiermit verbunden ist, bleibt selten noch etwas von dem Pferde zu erwarten. Wo dagegen bei älteren Pferden die Schale längere Zeit ohne Lahmheit besteht, liegen die Verhältnisse ungleich günstiger; wenn nicht ungewöhnliche schwere Arbeit von dem Pferde verlangt werden sollte, ist auch Lahmheit für spätere Zeit nicht zu befürchten.
Behandlung. Wie durch eine entsprechende Haltung und Er­nährung der Thiere, sowie durch eine sorgfältige Beschneidung der Fohlenhufe und später durch sorgfältigen Beschlag das Auftreten dieses Leidens zurückgehalten werden kann, ergiebt sich aus obiger Be­sprechung von selbst. Bei der articulären Form der Schale ist von einer Behandlung überhaupt nichts zu erwarten und es bleibt nur die Neurectomie übrig, um die Lahmheit zu beseitigen.
Bei der periarticulären Schale kommt es dagegen in erster Linie auf Fernhaltung von Zerrungen und ungloichmässiger Belastung der Gelenke an. Also sorgfältige Beschneidung der Hufe, so dass die Last möglichst gleichmässig auf das Kronengelenk übertragen
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(548nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Phalangen.
und jede Zerrung in seinem Bandapparate vermieden wird. Daher müssen die Abschnitte des Tragerandes, welche beim Auftreten früher mit dem Boden in Berührung kommen, verkürzt werden. Gilt dieses in erster Linie von den beiden seitlichen Hufhälften, so empfiehlt sich doch auch die Beziehungen der Hufzehe zu den Trachten zu herück-sichtigen. Zu lange Trachten müssen verkürzt werden; Williams empfiehlt hier Hufeisen ohne Stollen, die an den Schenkelenden ver­dünnt werden, und da wo die Trachten zu niedrig sind, ein Eisen mit Stollen oder besser mit verdickten Stollenenden. Man achte stets darauf, dass die Fessel mit der Zehenwand des Hufes parallel liegt, und wo dies nicht der Fall ist, passe man die Hufrichtung der Fessel­stellung an. Dieses zu beachten ist aus doppeltem Grunde wichtig: einmal weil die Fessellage hei dem in Rede stehenden Leiden oft Veränderungen erfahrt; dann aber auch, weil derartige Abweichungen stets mit mehr oder weniger Zerrungen im Bandapparate des kranken Gelenkes verbunden sind. Ich glaube nicht zu weit zu gehen, wenn ich behaupte, dass die Beachtung dieser Verhältnisse bei weitem mehr gegen die Lahmheit leistet als .alle Arzneimittel. Auf diese Weise habe ich oft Lahmheiten geheilt, die bereits längere Zeit mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln vergeblich behandelt waren. Das in einigen Lehrbüchern empfohlene Kühlen, sowie Einreibungen mit zertheilenden Mitteln können nur durch die gleichzeitig gewährte Ruhe wirklichen Nutzen bringen, oder sie verdanken ihre Heilwirkung Irrraquo; thümern in der Diagnose. So lange noch entzündliche Processe im Bandapparate und am Periost bestehen, können scharfe Hautreize Erfolg haben: Canthariden- und Quecksilborjodit finden in den be­kannten Mischungen vortbeilhafte Anwendung, namentlich, wenn man es an der nöthigen Ruhe nicht fehlen lässt. Womöglich sollten die Patienten 4—0 Wochen auf demselben Fleck stehen bleiben. Wo dieses Verfahren vergeblich Anwendung gefunden hat, kann das Glüh­eisen unter Umständen noch helfen, welches am besten in 2—ü Reihen von Funkten applicirt wird. Beim sog. Leist genügen einige Funkte auf der Anschwellung. Man halte als Regel fest, dass das Brennen bei Schale nicht oberflächlich erfolgen darf, wenn man einen Nutzen von demselben seilen will. Andre will durch Brennen mit einem weissglühenden knopffönnigen Eisen einige Centimeter tief in die Knochen auftreibung selbst alte Fälle von Schale geheilt, d. h. die Lahm­heit beseitigt haben. In Frankreich hat man auch wohl das Brennen mit dem Stift empfohlen; es ist jedoch hierbei Vorsicht geboten, damit nicht das Gelenk aeüffaet wird.
i
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Schale.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;, (349
Wo durch diese Mittel die Lahmheit nicht zu beseitigen ist, sowie bei mindenverthigen Thieren, bei denen sich ein längere Zeit dauernder und in seinem Erfolge probleimitischer Heilversuch nicht mehr lohnt, da schreite man zu Neurectomie. In der Kegel ist die Burchschneidung beider Aeste des Fesselnerven oder des N. me-clianus erforderlich. Der Erfolg bleibt nur da aus, wo in der Syno-stosenbildung ein mechanisches Hinderniss für die Bewegung gegeben war. Nachtheilige Folgen, wie Ausschuhen, werden hiernach nur selten, am häufigsten noch beobachtet, wenn starke Exostosen an der vorderen Fläche des Gelenkes und in der Nähe der Hufkrono liegen. Es scheint, als ob hierbei Quetschungen der Kronenwulst zwischen den Exo­stosen und der Hornwand an dem Zustandekommen des Ausschuhens betheiligt sind. Zur Vermeidung dieses Ausganges lasse ich daher die Hufzehe stark beschneiden, die Trachten aber schonen; nötbigenfalls werden Hufeisen mit verdickten Scbenkelonden oder langen Stollen in Anwendunü- urebracht.
5. Die Entzündung der hinteren Bänder des Eronengelenkes.
Lit,; Pambaoh, Deutsch. Zeitsohr. f. Thiermecl. 1886. S. 249. Fambach, Der Hufschmied. 1887. S. 131. (iutonäckov, Jahresb. 1887. S. 90.
Die hinteren Kronenfesselbeinbänder entsprechen physiologisch den beiden Atif'hilngebiindern des Fesselgelonkes. Dasselbe gilt von den Strahl-bein- und Hufknorpelfesselbelnbiindern. Im Verein mit dem Kapselbando und den Seitenbiindern fixiren sie das Kronengclenk, die letzteren zugleich das Hufgelenk, während der lielastung des Schenkels. Hei der geringen Ausdehnung und der flachen Beschaft'enheit der oberen Gelenkflilche des Kronenbeines verlangt die Feststellung des Fessel- und Kronenboines grosse Widerstandsfähigkeit im Hemmungsapparate dieser Gelenke. Allerdings werden hierbei in erster Linie die Seitenbilnder in Anspruch genommen, welche daher auch oft erkranken (Schale). Häufiger aber als allgemein an­genommen wird leiden auch die hinteren Bänder dieses Gelenkes,
Ausgangspunkt der Erkrankung bilden abnorme, zuweilen mit partieller Zerreissung verbundene Dehnungen, welche aus excessiver Dorsalflexion des Kronengelenkes hervorgehen. Hierbei kommt in erster Linie die Stellung des Hufes in Betracht. Zu niedrige Trachten und zu lange Zehe geben fast immer das schädigende Mo­ment ab. Sobald die Richtung der Fessel (Fussachse) nicht mit der Zehenwand des Hufes (Hufachse) parallel läuft, sondern eine mehr senkrechte Stellung annimmt, gerathen die hinteren Kronenbein-bilnder sowie die Strahlbein- und Hufknorpelfesselbeinbänder mit der
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Krankheiten der Phalangen.
Hufbeinbeugesehne auf dem Strahlbein in Gefalir. Auf die letztere hat Fauibach zuerst aufmerksaiii gemacht und die damit verbundenen Nachtheile zutreffend geschildert (S. 6G3). In Folge des Missverhält-nisses zwischen Huf- und Fesselrichtung leiden aber nicht selten auch die in liede stehenden Bänder. Den Zustand sah ich wiederholt her­vortreten, wenn im Winter an Griffeiseu die Stollen entfernt wurden. Begünstigt wird das Leiden ferner durch Arbeit auf hartem, unebenem Boden, namentlich bei Reitpferden. Steile Fessel und enge Hufe er­kranken häufiger. Gutenäcker hat neuerdings auf dieses Leiden hin­gewiesen und au den Ansatzstellen der Bänder am Fesselbein Osteo-phytenbildung gefunden.
Bei der Section zeigen sich die hinteren Bänder des Kronen-gelenks verdickt und an ihren Insertionsstellen nicht selten mit Exo-stosen besetzt (Fig. 104).
Symptome. Das meines Wissens zuerst von Fambach näher beschriebene Leiden giebt sich zunächst durch Lahmheit zu erkennen, und zwar durch eine ausgesprochene Stützbeinlahmheit mit Annahme einer vorständigen Stellung. Da die hinteren Kronengelenkbänder am meisten an dem rückwärts, unter den Körper gestellten und be­lasteten Schenkel angespannt werden, so meidet das Pferd diese Stel­lung und hebt den belasteten Fuss auffallend schnell vom Boden ab. Der Schritt wird in auffälliger Weise nach hinten verkürzt, wodurch die Lahmheit eine gewisse Aehnlichkeit mit der Rehe und der chronischen Hufgelenklalmiheit erlangt, und zwar um so mehr, als bei der letzteren auch steile Fesselstellung angenommen wird.
Nur die Localuntersuchuug kann diese beiden von einander tren­nen. Die Hufknorpelfesselbeinbändor sowie die seitlichen der hinteren Bänder des Kronengelenkes lassen sich direct durch Palpation auf Schmerzhaftigkeit prüfen. Man lässt den Fuss wie zum Beschläge aufheben und übt mit den Daumen beider Hände abwechselnd einen Druck auf diese Bänder aus, welche zum Theil unter, zum Theil dicht neben der Hufbeinbeugesehne an der hinteren Fläche der Fessel liegen. Vergleiche mit der Empfindlichkeit am anderen Fusse schützen vor Täuschungen. Bei dieser Untersuchung lassen sich zu­weilen auch Verdickungen im Bandapparate nachweisen; unter Um­ständen nehmen sie eine erhebliche Ausdehnung an. Ein weiteres Hülfs-mittel der Diagnose besteht in Dehnungen des Bandapparates. Hierzu wird an dem aufgehobenen Fusse die Hufzehe kräftig dorsalfiectirt, d. h. in der Richtung der Wirkung der Strecker zu bewegen gesucht,
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Entzündung des Kronengelenkes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Q51
wie auch Farn bach beschrieben hat. Derselbe fand in einzelnen Fällen, und zwar bei zehenenger Stellung nur das ilussere Hufknorpel-fesselbeinband erkrankt.
Während bei der chronischen Hufgelenklahmheit ein Druck auf den Strahl Schmerzen hervorruft, zeigt sich hier der Huf schmerz­frei. Auch fehlen die bei der Hufgelenklahmheit sich ausbildenden Deformitäten des Hufes. Die Abwesenheit von Symptomen einer Huf-entzilndung, namentlich das Fehlen verstärkter Pulsation lilsst die Dia­gnose „Rehequot; ausschliessen.
Im Staude der Ruhe wird die Belastung des lahmen Fusses ver­mieden, zuweilen stellen die Pferde instinktiv die Trachten desselben auf die Hornwand des gesunden Fusses und vermeiden so Anspannungen der erkrankten Bänder. Bei grösserer Schmerzhaftigkeit wird der Fuss in starker Beugestellung hochgehoben.
Verlauf und Beurtheilung. Die in Hede stehende Erkrankung kommt fast nur an den Vorderfttssen vor, bald an einem, nicht selten an beiden. Bei schweren Zugpferden beobachtete ich das Leiden auch wohl an den Hinterfüssen. Bald stellen sich die Erscheinungen plötz­lich ein, zuweilen aber ganz allmälich. Je nach dem Grade und der Aus­dehnung der pathologischen Veränderungen an den Bändern, gestaltet sich der Verlauf verschieden. Da sich diese klinisch nicht direct nach­weisen lassen, so muss aus dem Grade der Schmerzhaftigkeit, bez. Lahmheit und aus der Dauer des Leidens das Urfheil über die Be­deutung des Leidens gewonnen werden. Damit steht auch die Er­fahrung in üebereinstimmung, wonach bei hochgradiger Lahmheit das Leiden in der Regel (3—8 Wochen andauert; bei frischen Zuständen und geringer Schmerzhaftigkeit kann unter Umständen durch Abstellung der veranlassenden Ursachen, zweckmässigen Beschlag u. s. w. in wenigen Tagen Heilung erzielt werden. Im allgemeinen empfiehlt sich bei der Beurtheilung die Vorsicht, die Wirkung der Verbesserung des Beschlages abzuwarten.
Behandlung. Verkürzung der Zehe, Zehenrichtung am Huf­eisen und Verlängerung der Trachten durch Unterlagen, Stollen oder verdickte Stollenenden am Hufeisen und Hube bilden die wirksamsten Heilmittel. Durch Bandagen event, mit Priessnitz'schen Umschlägen werden die Zertheilungsvorgängc in den erkrankten Bändern unter­stützt. Scharfsalben und Glüheisen lassen sich hier nicht gut an­wenden; bei der tieferen Lage der Bänder ist von ihnen auch kein
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(J52nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Phalangen.
grosser Nutzen zu erwarten. Nach Beseitigung der Lahmheit sollten forcirte Gänge, sowie Arbeit im schweren Zug vermieden und das Pferd zunächst nur auf weichem Boden benutzt werden.
(5. Frakturen der Sesambeiiio.
Lit.: Williams, The Principles and Practice u. S. W, Ho we 11, The Veterinär. 1864. Rutherford, The vet. journal. 1888. Schöneck, Borl. tliier. Woch. 1890. S. (JO. Field, Auszüge aus den hinterlassenen thierärztl. Aufzeichnungen. Aus dem Kngl. von lioddien. Baut/.eu 1860. Leisering, Dresd. Per. I860. S. 29.
Sind diese auch selten, so hat man sie doch wiederholt bei Pferden beobachtet. Williams fand die Sesambelne in viele Stücke zerbrochen. Der Bruch war während des Galoppirens in tiefem Sande eingetreten. Unter ähnlichen Umständen sah How eil den Bruch eines Sesambeines in fünf Studie entstehen; der sandige Strand von Portobello soll nach ihm in dieser Hinsicht berüchtigt sein. Transversale Frakturen be­obachteten Williams und Leisering. Da die Fraktur gleichsam eine Zerreissung der Knochen durch den Zug des oberen und unteren Gleichbeinbandes darstellt, so erscheint das häufige Vorkommen dieser Bruchrichtung natürlich. Rutherford fand bei einem Pferde, das nach wenigen Galoppsprüngen sehr lahm geworden war, die Sesam­beine aller vier Füsse quer gebrochen. Mir sind mehrmals Frakturen der Sesambeine begegnet, welche mit Zerreissung ihrer Aufhänge-bänder verbunden waren. Bei Rennpferden beobachtet man theilweise Zerreissung der oberen Aufhängebilnder mit Abtrennung kleinerer oder grösserer Stücke der Sesambeine. Bei einem Arbeitspferde, welches einige Zeit wegen Lahmheit im Stalle gestanden hatte, stellte ich einen Bruch beider Sesambeine mit partieller Zerreissung des oberen wie auch des unteren Aufhängebandes fest. Einen ähnlichen Fall beschrieb Schön eck von einem russischen Traberpferde.
Es scheint, als ob durch andauerndes Stehen im Stalle die Festig­keit in Knochen und Sehnen abgeschwächt würde (S. 601); denn die Behauptung, dass übermüthiges Springen ausschliesslich die Veran­lassung abgegeben habe, möchte ich bezweifeln.
Die Erscheinungen dieser Frakturen sind meist auffälliger Art. Bei horizontalen Brüchen weichen die Fragmente aus einander und das Fesselgelenk senkt sich zur Erde, da es durch die Aufhängebänder nicht mehr fisirt wird; die Hufzehe richtet sicli dagegen in die Höhe.
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Frakturen der Sesambeme.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;053
Dabei besteht hochgradige Laliinbeit und Schmerz beim Druck auf die f'rakturirten Knochen. Zuweilen liisst sich auch schwache Crepi­tation nachweisen. Bei ganz frischen Brüchen kann gelegentlich eine Lücke in dem Knochen gefühlt werden.
Die Beurtheilung fällt sehr ungünstig aus. Abgesehen davon, dass eine Reposition und Uetention kaum möglich ist, tritt noch das Bedenken hinzu, dass die schaffen Kanten der Knochenstücke nicht nur die hintere Gelenkflilche des Metacarpus, sondern auch die Beuge­sehnen in Gefahr bringen; die letzteren zerfasern an den Rauhigkeiten der Bruchstücke.
Ein Rennpferd, welches von mir wegen eines solchen Bruches mehrere Monate vergeblich behandelt war, wurde später getödtet, wobei sich zeigte, dass eine Vereinigung der Bruchstücke nicht eingetreten war; wohl aber bestanden die oben angegebenen, bedenklichen Folgen, Field will einen Längenhruch beider Sesambeine gesehen haben, welcher in Heilung überging. Von der mit dem Bruch verbundenen Schmerz-haftigkeit hängt es vornehmlich ab, ob sich später eine abnorme Volar-tlexion (Stelzfussbihlung) oder eine übermässige Dorsalflexion (abnormes Durchtreten) einstollt. Die erstere tritt bei grossen Schmerzen und dauern­dem Nichtbelasten des Fusses ein, während da, wo diese fehlen, und der Fuss während des Heilimgsprocesses belastet wird, eine excessive Dorsalflexion eintritt. Sehr selten kommt es zur regelmässigen Fessel­stellung und Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit. Daher lohnt sich die Behandlung meist nur bei werthvollen Zuchtpferden.
Behandlung. Soll ein Heilversuch .ingestellt werden, so muss das Fesselgelenk durch einen Gypsverband in massiger Volarfiexion flxirt oder wenigstens eine starke Binde um dasselbe gelegt werden; dabei gebe man dem Pferde vollständige Buhe. Bei leichten Pferden mit kräf­tigem Bücken, welche sich leicht hinlegen und aufstehen, empfiehlt sich ein recht weiches Lager; anderenfalls muss der Patient in einen Hängegurt gebracht werden (S. (MO).
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Krankheiten der Phalangen.
7. Die Oleichbeiiilähme.
Lit.; Brauell, öurlt u. Ilertwig. 11. S. 130 u, 62. Mascher, (las. 21. S. 3C0. Günther, Beurtheilungslehre. S. 419. Sehrader, Gurlt u. Hertwig. 26. S. 184. James, The Vet. journ. 22. S. 154. Siedamgrotzky, Dresd. Her. 1870. S. 44. Born u. Möller, Pferdekunde.
Bei den Einhufern unterliegt sowohl die vordere, mit dem Schien­beine iirticulirende öelenkfliiehe der Sesambeine, wie auch ihre hintere Fläche, an welcher die Beugesehnen auf- und niedergleiten, nur selten acuten und chronischen Entzündungen. Brauell hat 1845 auf die letzteren zuerst aufmerksam gemacht und nachgewiesen, class es sich hierbei um dieselben Krankheitsprocesse handelt, wie bei der chroni­schen Fussrollenentzündung. 10 Jahre später beschrieb der hannover­sche Regiments-Pferdearzt Mascher dieses Leiden, für welches Gün­ther den Namen Gleichbeinlähme einführte. Schrader lieferte sodann genauere pathologisch-anatomische Befunde dieses Leidens.
Acut entzündliche Processe treten an der hinteren Gleitfläche der Sesambeine zuweilen secundär und zwar in Folge acuter Tendovaginitis am Beugeapparate auf.
James will bei einem Lastpferde in (?) den Sesambeinen einen fast wallnussgrossen (?) Abscess gefunden haben, welcher durch eine Verletzung bedingt und mit acuter Entzündung der Sehnenscheide verbunden war. Wahrscheinlich lag eine eiterige Tendovaginitis vor. Bei zwei von mir an Brandmauke behandelten Pferden trat eine eiterige Erkrankung der Sehnen­scheide der Zehenbeuger mit Zerreissung der Beugesehne ein. Die Section ergab Necrose der Sehne sowohl an der hinteren Fläche der Sesambeine als auch auf dem Strahlbein. Der Process war im Verlauf des Huf beinbeugers nach unten fortgeschritten und hatte zugleich die Strahlbeinbursa erfasst. Diese acuten Entzündungen sind in klinischer Beziehung von weniger Be­deutung als die chronischen Processe, welche im Wesen mit der chronischen Hufgelenklahinheit identisch sind, also eine Arthritis chronica darstellen, die bald mit, bald ohne gleichzeitige Erkrankung der über dem Pesselgelenke gelegenen Sehnenscheide der Zehenbeuger auftritt.
Pathologische Anatomie. An der einer, oder anderen Gleitfläche der Sesambeine finden sich diejenigen Veränderungen, welche die Arthritis chronica charakterisiren: Usuration des Knorpels und Wucherungen an den Bändern desselben. Bildet die vordere Fläche den Sitz des Leidens, so zeigt diese wie auch die hintere Gelenkrolle des Schienbeines Schlift'flächen und usurirte Stellen. Dabei findet man die Beugesehnen oft zerfasert (Fig. 105); diese können unter Umständen selbst vollständig zerreissen; Brauell konnte in einzelnen Fällen Verwachsung der Beugesehnen mit den Sesambeinen beobachten. Die Seitenabschnitte der Knochen zeigen osteophytische Auflagerungen. Die Sehnenscheide sowie der Bandapparat
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Gleichbeinlähmc
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der Sesambeine ist ebenfalls verdickt; zuweilen werden vollständilt;,' losgelöste Knochenstücke in derselben angetroffen (Cox).
In der Kegel werden beide Sesambeine von dem Leiden be­troffen; Mascher fand indess auch nur das eine oder andere derselben mit der zugehörigen Gleitfläche des Schien­beines krank.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Vie- 108.
Ursachen. Alle Momente, welche eine starke Dehnung im Beugeapparate und eine Ver­stärkung der Druckwirkung seitens der ßeuge-sehne auf die Sesambeine herbeiführen, können Ursache dieses Leidens werden. Brauell sowohl #9632;wie Mascher klagen daher in erster Linie lange und weiche Fessel als prädisponirende Einflüsse an. Bei dieser Bildung ist nämlich nicht allein die Sehnenbelastung und ihre Anspannung ge­steigert, sondern es muss auch bei dem stärker gewinkelten Verlauf derselben an den Sesam­beinen die Druckwirkung auf diese grosser werden (vergl. S. 664). Hieraus erklärt sich zugleich die Beobachtung Maschers, dass bei zehenenger Stellung das laterale, bei zehenweiter Stellung das mediale Sesambein häufig allein erkrankt. Diese Abweichungen in der Stellung der Gliedmassen müssen nothwendig eine ungleiche Druckwirkung auf die Sesambeine nach sich ziehen.
Ein schwerer Körper und schmale Fessel-
gelenke begünstigen gleichfalls das Leiden, welches am häufigsten bei Reit- und schweren Wagenpferden und zwar ausschliesslich an den Vorderfüssen beobachtet wurde.
Huf- und Kronbcinlieuge-sehnen liei der Gloiclibiün-lähmo; der Hufbeinbeiißer zeigt sieh da, wo er den Sesambeinen anliegt, zer­fasert (nacb Brauell).
Als äussere Ursachen wirken heftiges Pariren auf der Vorhand, Springen, namentlich Hochsprünge. Wahr­scheinlich finden bei solchen Gelegenheiten oft partielle Zerreissungen der Beugesehnen statt, wodurch das Leiden eingeleitet wird; Siedam-grotzky theilt eine derartige Beobachtung mit. In solchen Fällen kann das Leiden ausnahmsweise mit einer acuten Entzündung ein­setzen, während die Entwickelung in der Kegel langsam stattfindet, wobei die Sehnenscheide der Beuger über dem Fesselgelenke mitleidet.
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(J5()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Phalangen.
Dor Verlauf gestaltet sich clironiscli; nur selten geht die Ent-ZÜnchmg der Sehne in Zertheilung üljor, meist besteht das Leiden Jahr und Tag, wenn die Thiere nicht früher vertilgt werden. Nach stärkeren Anstrengungen tritt Verschlimmerung, nach längerer l{uhe scheinbare Besserung mit Abnahme der Lahmheit ein. Vollständige Heilung ist bei vorgeschrittener Erkrankung ausgeschlossen.
Erscheinungen. Bei chronischen Erkrankungen lenkt die Lahm­heit zuerst die Aufmerksamkeit auf den Zustand und charakterisirt sich wie bei allen schmerzhaften Leiden des Beugeapparates als Stütz­beinlahmheit mit Volarflexion der Phalangen und vorstän­diger Stellung der Gliedmasse. Die Volarflexion zeigt sich hier meist in hohem Grade. Im Anfange der Bewegung pflegt die Lahm­heit deutlicher hervorzutreten und kann während derselben sogar ganz verschwinden; längere Ruhe vermindert, stärkere Anstrengung ver­mehrt dieselbe; auf unebenem und festem Boden tritt sie stärker hervor als auf weichem. Manchmal ist die Lahmheit so gering, dass sie nur bei genauer Beobachtung im Trabe festgestellt werden kann; oft zeigt sie sich schon im Schritt.
Bei der Baipation lassen sich an der hinteren Fläche dos Fessel-gelenkos Schmerzen nachweisen. Hier stellt sich nach einiger Zeit auch eine knochenharte Anschwellung ein, deren Ausdehnung der Lage der Sesambeine entspricht. Später, oft erst nach Jahr und Tag (Mascher), entwickelt sich auch in den Beugesehnen um zwar in der Höhe der Sesambeine eine Anschwellung. Wie bereits erwähnt, kann hierdurch das Leiden auch eingeleitet werden. Wo die Krankheit acut einsetzt, wird wohl vermehrte Wärme beobachtet, welche bei chronischem Ver­laufe fehlt. In den späteren Stadien des Leidens bildet sich oft in Folge Sehnenverkürzung Stelzfuss aus. In einem solchem Falle fand Brauell Verwachsung der Sesambeino mit dem Metacarpus; durch starke Volarflexion waren die Sesambeiue über die Gelenkfläche des Röhrenbeines hinaus nach oben verschoben und mit diesem verwachsen. Mir sind mehrfach Patienten vorgekommen, bei denen sich an dem aufgehobenen Fusse die freie Bewegung im Fesselgelenke deutlich eingeschränkt zeigte. Crepitationsgeräusch lässt sich nur selten nach­weisen.
Die Diagnose bietet hiernach in der Regel keine Schwierig­keiten ; oft genügt schon die Berücksichtigung der eigenthUmlichen Lahmheit, wenn gleichzeitig andere Krankheitsprocesse im Beugeapparat,
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Gleichbeinlilhme.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 057
wenn namentlich die chronisclie Hufgelenklulunheit ausgeschlossen werden kann. Weniger entscheidend ist die Anschwellung, welche nämlich in ganz ähnlicher Weise auch ohne dieses Leiden angetroffen wird. An den Sesambeinen, namentlich den seitlichen Abschnitten der­selben kommen zuweilen chronische Verdickungen ohne jede Spur von Lahmheit vor und machen durch ihr gleichmässiges Auftreten an bei­den Füssen oft den Eindruck, als ob es sich um abnorme Entwicke-lungsvorgänge handele. Bei der Beurtheilung von Pferden dürfte jedoch auch hier Vorsicht geboten sein; man prüfe sorgfältig sowohl die Beugesehnen wie auch die Beweglichkeit des Fesselgelenkes.
Behandlung. So lange acut entzündliche Erscheinungen bestehen, und namentlich da, wo die Beugoschnen frische Schwellungen nach­weisen lassen, gebe man dem Thiero Ruhe und suche das Fesselgelenk durch eine fest angelegte Cirkelbinde nach Möglichkeit zu immobilisiren. Hiermit lassen sich vortheilhaft Priessnitz'sohe Einwickelungen, bei grösseren Schmerzen kalte Umschläge oder Irrigationen verbinden, Mascher will mit der Anwendung von Schtirfsalben und des Glüh­eisens einige Male günstigen Erfolg gesehen haben; doch war eine 6- bis Swöchentlicho Ruhe erforderlich. Bei älteren Leiden darf von dieser Behandlung kaum ein Erfolg erwartet werden. Hier bleibt in der Regel nur die Neurectomie zur Beseitigimg der Lahmheit übrig, die mit Rücksicht auf den Sitz des Leidens am N. medianus grössere Aussicht auf Erfolg gewährt, als an den Fesselnerven.
8. Brüche des Strahlheines.
Lit.; Üblich, Dresd. Ber. 1872. S. 325. So lira ml, Gesten'. Vicrteljahrsschr. 1888. Humbert, Kec. de med. vet. 1885.
Am Strahlbein kommen nur selten Frakturen vor, doch beob­achtet man solche bei Pferden sowohl durch plötzliches Pariren und ähnliche, mit heftiger Anspannung und Druckwirkung der Huf-beinbeugesehne auf das Strahlbein verbundene Bewegungen. Üblich fand dasselbe hierbei in drei Stücke gebrochen. Durch chronisch-entzündliche Erkrankung, z. B. bei der chronischen Hufgelenklahmheit wird die Widerstandsfähigkeit des Strahlbeines geschwächt und ein Bruch desselben begünstigt, namentlich wenn die Neurotoinic ausgeführt war. Da hierbei ohne Rücksicht auf den Kranklieitszustand am Strahlbein ein festes Auftreten stattfindet, so kommen leicht C'ontiuuitätstren-
Müller, Specielle Chiruvgie für Thiorärzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;42
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muigen in dem Knoclion zu Stande, welche nicht selten mit Zerreis-sung des Hufbeinbeugers complicirt sind. Auch kann das Strahlbein beim Nageltritt frakturirt werden, wie ich wiederholt beobachtete. Bei Phlegmone des Strahlpolsters greift die eiterige Erkrankung nicht selten auf Huf beinbeugeselme und Strahlbein über, und wenn nicht bald eine entsprechende Behandlung eintritt, so kommt es nicht nur zu Nekrose der Sehne sondern auch des Strahlbeines. Ich habe wiederholt bei dies­bezüglichen Operationen solche Zerstörungen angetroffen. Schraml beobachtete Bruch des Strahlbeiues in Verbindung mit Zerreissung der Hufbeinbeugesehne, bezw. Abreissen derselben vom Hufbein und nimmt an, class die Fraktur nach der Selmenzerreissung durch heftige Be­lastung des Strahlbeines Seitens des Kronenbeines entstanden sei. Wahrscheinlich hatte die Fraktur zur Zerreissung der Sehne geführt.
Die Diagnose muss sich in erster Linie auf die charakteristische Lahmheit stützen, wie sie allerdings auch bei acut entzündlichen Pro-cessen der Strahlbeingleitflilche beobachtet wird. Der Fuss wird näm­lich dauernd zu entlasten gesucht und wenn derselbe vorübergehend die Last aufzunehmen gezwungen wird, so findet das Stützen mit excessiver Volarflexion der Zehengelenke statt; die Zehen-waud des Hufes steht hierbei oft schräg nach hinten und unten ge­richtet. Bei dem Versuche, an dem aufgehobenen Fusse durch Druck auf die Zehe Dorsalflexion auszuführen, äussert das Thier lebhafte Schmerzen. Hierzu gesellt sich später eine entzündliche Anschwellung in der Ballengrube.
Durch plötzliches Auftreten der Lahmheit und das anfängliche Fehlen der Anschwellung in der Ballengrube unterscheidet sich diese Fraktur von acnten Erkrankungen der Strahlbeinbursa.
Die Beurtheilung gestaltet sich ungünstig, besonders bei Frak­turen, die durch Nageltritt veranlasst sind, weil es sich hier um einen complicirten Bruch handelt. Auf jeden Fall kommt die Hufbeinbeuge­sehne in die Gefahr, von den scharfen Kanten der Bruchstücke oder dem Callus verletzt zu werden und später zu zerreissen, oder doch chronische Lahmheit hervorzurufen. In Bezug auf Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit ist daher die Prognose geradezu als schlecht zu bezeichnen.
Behandlung. Ein Heilversuch empfiehlt sich nur bei werthvollen, eventuell zur Zucht brauchbaren Pferden; Hube bildet hierbei die
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Brüche dos Strahlbeines.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(359
Hauptsache, sofern der Bruch subcutan ist. Bei durch Nageltritt complicirter Fraktur kann unter Umständen die Resection der Huf-beiubeugesehne versucht werden. Humbert will bei solchem Bruch das Strahlbein vollständig resecirt und so Heilung erzielt haben. Nach der Operation wurde der Fuss einen Monat lang Tag und Nacht irrigirt. Nach 21ji Monat war auch im Trabe keine Lahmheit mehr vorhanden. Meine Versuche nach dieser Richtung haben bisher kein so günstiges Resultat ergeben, und ich hege vorläufig einige Bedenken gegen die Möglichkeit einer Strahlbeinresoction mit Wieder­herstellung der Arbeitsfähigkeit des Thieres.
9, Die Sti'iihlbeinlahinlieit. Bursitis portotrochlesiris. Chronische
FiissrolleiicntziiiKlimii. l'odotrocliilitis (Braucll). Chronische
Hiifgclenklahinlicit oder hintere Hufgelenkentzümiinig.
Lit.: Gilison, Treat, on the disease of horse. 1751. Bridges, No foot no horse. 1752. Colemann, Observations. 1802. trirard, Reo. de med. vet. 1824. Turner, The Veterinarian. 1829. Sticker, Gurlt u. Hertwig. 2. S. 134. Hausmann, UoberEntzündung. 1837. Renner, Abhandlungen. Brauoll, Gurlt u. Hertwig. 11. S. 1. öerlcc, das. 11. S. 218. Matz, das. 13. 8. 204. l'ercivall. Lameness in horse. 1849. Rainsford, The Veteri­narian. 1852. Holloway, das. 1858 Anonymus, das. 1859. Schrader, Gurlt u. Hertwig. 26. S. 1 u. 129. Peters, Berl. Arch. 9. S. 55 u. 293. Leisering u. Lungwitz, Huf des Pferdes. 1886. Pambaeh, Deutsche Zeitschr. für Thiermed. 1880. Smith, The Vct. journ. 1880.
In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wurde man zuerst in England auf eine Krankheit aufmerksam, die in der Vollblutzucht eine be­denkliche Verbreitung gefunden hatte. Anfangs hielt man dieselbe für ein Leiden des Hufgelenkos und verwechselte sie vielfaltig mit Zwanghuf. Ob das von Bridges und Gibson als „Grain of the coffin jointquot; beschriebene Leiden mit dem in Rede stehenden identisch war, muss zweifelhaft bleiben. Dagegen geht aus den Mittheilungen Moorkrofts hervor, dass er die Krankheit bereits beobachtet, wenn auch nicht direct erkannt hatte. In einem Briefe (1804) warnt Moorkroft vor der Verwechselung des ein­fachen Zwanghufes mit der „coffin joint lamenessquot; (Hufgelenk­lahmheit); der Zwanghuf wurde als „Contractionquot; bezeichnet und trete nur accidentell bei jenem Leiden auf. Genauer erkannten und beschrieben Colemau und Turner diese Krankheit und zwar zunächst unter dem Namen „coffin joint lamenessquot;, später als navicular disease oder navicular lameness; hiernach ist auch das französische „maladie navi-culairequot; gebildet.
In Deutschland wurde die Krankheit ebenfalls zuerst Hufgelenk-lahmheit genannt. Kenner suchte den Sitz des Leidens dadurch genauer zu bezeichnen, das er eine vordere und eine hintere Hufgolonklahmheit trennte und nur die letztere für das in Rede stehende Leiden anwendete. Stick er schlug die Bezeichnung P odarth rocac e vor. Mit Arthrocaco
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bezeichnete man damals verschiedene, chronisch verlaufende Gelenkkrank­heiten. Eingehend beschrieben wurde die Krankheit zuerst von Brau eil; er nannte sie Fussrollenentzündung (Podotrochilitis). Diese sowie die Bezeichnung „Strahlbeinlahinheitquot;, dürften sich am meisten em­pfehlen, weil sie wenigstens den Sitz des Leidens genauer angeben; nämlich die Bursa t endin ea, welche die Hufbeinbeugesehne kurz vor ihrer un­teren Insertion mit der unteren Fläche des Strahlbeines bildet (Bursn p o-d o t r o c h 1 e a r i s, E i c h b a u m).
Anatomie. Dicht vor ihrer unteren Insertion breitet sich die Sehne des Hufbeinbeugers aus und liegt an der unteren Fläche des Strahlbeines, auf welchem sie, von einer Scheide umgeben, bei der Bewegung des Pusses auf und nieder gleitet. Dieser Apparat, der genau genommen eine Sehnen­scheide darstellt, ist acuten wie chronischen Entzündungen unterworfen. Die acuten Processe knüpfen sich meist an Hufleiden, namentlich an Nageltritte und Steingallen, indem entweder beim Nageltritt direct eine Verwundung des Apparates erfolgt, oder durch Fortsetzung acut eatzündlicher Processe aus dem Strahlpolster ein Einbruch derselben in die Bursa podotrochlearis stattfindet. Diese acuten Zustände sind bei den Hufkrankheiten be­sprochen worden.
Die chronisch entzündlichen Processe in der Bursa podotrochlearis werden unter dem oben bezeichneten Namen zusammengefasst. Es liegt auf der Hand, dass auch diese sehr verschiedenen Ursprungs sein und mancherlei Abweichungen bezüglich ihrer In- und Extensität zeigen können, doch lassen sich diese Verschiedenheiten klinisch nicht so genau trennen, und recht­fertigt sich dieser Sammelname, der also die aseptischen und namentlich chronisch verlaufenden Ent/.ündungsprocesse an dieser Stelle umfasst.
Pathogenese und Aetiologie. Folgende Apparate betheiligen sich an dem Krankheitsprocesse: 1. das Strahlbein, 2. die Huf­beinbeugesehne und 3, die Bursa podotrochlearis. Ueber den Ausgangspunkt der Erkrankung sind die Ansichten getheilt. Nach Turner soll es die Abtheilung der Bursa sein, welche die Sehne be­kleidet. Fambach lässt den Process aus fasciculären Zerreissungen der Sehne hervorgehen. Nach Schrader u. A. ist die Gleitfläche des Strahlbeines Sitz des Primärleidens. Schon Braueil hat indess betont, dass bald der eine, bald der andere Abschnitt zuerst erkrankt. Der Umstand, dass die Hufbeinbeugesehne regehnässig verändert an­getroffen wird, beweist indess noch nicht, class von ihr aus der Vor­gang eingeleitet wurde, denn sobald die Oberfläche des Strahlheines erhebliche Veränderungen erfahren hat, kommt auch diese Sehne in Gefahr. Den regelmässigen Ausgangspunkt bildet wohl die Gleit­fläche des Strahlbeines; dafür spricht sowohl der Verlauf wie auch der Charakter des Processes. Hier finden sich und zwar meist in der Nähe der medianen Erhöhung, hirsekorngrosse Stellen, an denen der Knorpel verfärbt erscheint. Smith hält die Veränderungen für kal-
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Strahlbeinlahmheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;061
kige Ablagerungen, doch ergiebt die mikroskopische Untersuchung, dass es sich um jene Zustände am Knorpel handelt, welche die Arthritis deformans charakterisiren: Wucherung der Knorpelzellen mit Zerfaserung der Intercellularsubstanz. Der so veränderte Knorpel hat seine Festigkeit verloren und zerfällt (usurirt) (Fig 100).
Sobald dieser Zerstörungsprocess bis auf die Tela ossea reicht, kommt es zu Granulationsbildimg, wodurch weiterer Untergang sowohl der benachbarten Knorpolmassen wie des Knochens selbst veranlasst wird; in letzterem entwickelt sich eine rareficirende Ostitis. Die normal gelbweiss gefärbte Tela ossea nimmt unter fortschreitender Wucherung des Markgewebes eine rothe Farbe an und schwindet mehr und mehr. Das Strahlbein kann scliliesslich so weit zerstört werden, dass der Rest durch die Druckwirkung der Sehne frakturirt (Smith). In einzelnen Fällen will Smith die krankhafte Veränderung an der Tela ossea
Fig. 10G.
Stralilbein bei to clironiäclien Hut'gelenklahmheit (nach Hrauell).
früher gesehen haben als am Knorpel, und wo beide Füsse leiden, sollen dieselben mit grosser Gleiclunässigkeit an beiden Strahlbeinen auftreten. An den Rändern desselben, namentlich am oberen, da wo die Bursa von der Sehne auf den Knochen Übertritt, lassen sich in der Regel jene der Artritis deformans eigenthümlichen, wie aufgegossen erscheinenden Osteophyten nachweisen, während die Bänder des Strahlbeines verdicken und zuweilen verknöchern (Günther). An diesen Veränderungen nimmt die obere, zur Bildung des llut'gelenkes beitragende Fläche des Strahlbeines niemals Antheil.
Leitet eine Bursitis den Vorgang ein, SO wird an der Bursa eine mehr oder weniger ausgesprochene Injectionisröthe beobachtet, die nach Williams häufig .auftritt; die Bursa scheint verdickt und an ihrer Oberfläche rauh. Dass diese Erkrankung nicht ohne Einfluss auf die Seime, wie auch auf das Strahlbein bleibt, liegt auf der Hand.
Endlich kann die Fussrollenentzündung auch von der llufbein-bengesehne ausgehen; nach F a m bach soll dies sogar Regel sein.
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I
DÜrob gewaltsame Dehnungen entstehen Zerreissungen von Sehnen-fascikeln, und damit wird der Process eingeleitet. Der Verlauf des Leidens, namentlich die regelmässig langsame Entwickelung desselben, spricht jedoch nicht für diese Annahme. Thatsache ist allerdings, dass mit seltenen Ausnahmen die Sehne hei diesen Leiden stets verändert angetroffen wird; Smith will sie in 99 0/o krank gefunden haben. An dem Abschnitte derselben, welcher das Strahlbein bedeckt, finden sich zunächst braunsefärbte Stellen. Hier hat die Oberfläche der Sehne
ihren Glanz verloren; selben ein. Einzelne
Fijr. 107.
bald darauf treten Continnitätstrennungen in der-Fasem erscheinen an der Oberfläche der Sehne zerreissen (Fig. 107); diese lösen
.sich ab und rollen sich gewöhn-
lich nach oben auf. Bei der mikroskopischen Untersuchung der abgetrennten Fasern liisst sich fettige Degeneration in denselben nachweisen (Smith). Nach länge­rem Bestehen deÄ Leidens kann die Seime soweit zerfasern, dass sie schliesslich zerreisst.
Offenbar müssen diese Ver­änderungen an der Sehne zum grössten Theil als secundäre auf-gefasst werden. Sobald das Strahl­
bein an seiner Oberfläche durch
Hufbelnbeugeselme ijei der ohronlBohen Uuf-solenklahmlieit (mich liraucll).
Usurirung des Knorpels rauh ge-
worden, tritt in Folge der Bewe­gung zwischen der rauhen Strahlboinoberfläche und der Sehne an der letzteren dieselbe Schleifwirkung hervor, wie an den Gelenkflächen bei der Arthritis deformans. Die Thatsache, dass gerade der Abschnitt der Sehne am meisten leidet, welcher dem Strahlbein aufliegt, spricht für diese Entstellung; doch soll nicht geleugnet werden, dass sowohl die Granulationen am Strahlbein wie auch andere Einflüsse mit den Veränderungen der Sehne in Verbindung stehen können. Auch muss die Möglichkeit fasciculärer Zerreissungen als primärer Vorgang zu­gegeben werden; derselbe dürfte namentlich da vermuthet werden, wo die Krankheit plötzlich und mit stärkerer Lahmheit aufgetreten ist. Unter günstigen Umständen, namentlich durch andauernde Buhe, kommt es wohl zu einer Verwachsung der Hufbeinbeugesehne mit dem Strahlbein, indem die Granulationen des letzteren diese Ver-
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Strahlbeinlahmheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 6(33
bituUmg hefbeifUhl'en; die so veränderten Sohnenabschnitte ossificiren später nicht .selten.
Ursachen. Bei der Entstehung der Strahlbeinlahmheit wirken dispositionelle Verhältnisse wesentlich mit; daher auch die Vererbquot; bai'keit des Leidens und das Auftreten an mehreren Füssen zu gleicher Zeit oder hald nach einander. Smith will in einer mangelhaften Entwickelung der Tela ossea des Strahlbeines eine Anlage zu dieser Krankheit erblicken. Theoretisch lässt sich gegen diese Annahme nichts einwenden, doch müssen weitere Untersuchungen erst feststellen, in wie weit solche Verschiedenheiten Ursache des Leidens werden können.
Thntsacho ist dagegen, class das Leiden fast ausschliesslich auf warmblütige Pferde und namentlich auf solche mit engen, hohennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;|
Hufen beschränkt bleibt; kaltblütige ergreift es dagegen nur aus­nahmsweise und unter ganz besonderen Umständen. Auch leiden nur die Vorderfüsse und zwar meist nur einer, zuweilen auch beide.
Nur zwei Beobachtungen liegen in der Literatur vor, wonach dienbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;
Krankheit auch an den Hinterfüssen vorkommt. Diese von iiains-ford und Farn bach mitgetheilten Fälle sind durch die Section be­stätigt, so dass es keinem Zweifel unterliegt, dass ein chronischer EntzUndungsprocess an der Gleitfläche des Strahlbeines, sowie an der Sehne des langen Zehenbeugers bestanden hatte; über die Entstehung desselben liegen jedoch keine näheren Mittheilungen vor. Farn))ach sah das Pferd in Folge dieses Leidens 8/4 Jahr lahmen. Es suchte das Belastungsmoment möglichst abzukürzen und sowohl beim Gehen als auch in der Ruhe mit dem Schenkel in Beugestellung zu ver­harren.
Die Mehrbelastung der Vorderfüsse, sowie die gewaltigen Deb-nungou, welche die Beugesehnen in schnellen Gangarten und auf hartem Boden, besonders unter dem Reiter auszuhalten haben, geben ausreichende Gelegenheit zu Erkrankungen in dem Beugeapparate der Vorderschenkel, und dazu gehört auch die Bursa podotrochlearis. Bei jeder stärkeren Belastung des Schenkels wird das Strahlbein zwischen dem Kronenbein einerseits und der Hufbeinbeugesehne andererseits einer heftigen Druckwirkung ausgesetzt. Auch sind Quetschungen dieses Apparates von unten beim Gehen auf unebenem Boden nicht ausge­schlossen, obgleich diese wohl viel seltener die Ursache der Krank­heit abgeben wie die gewaltsame Belastung von oben. Unter welchen Umstünden letztere besonders gefährlich wird, bedarf noch mancher
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#9632;
Aufklärung; gerade in diesem Punkte bestehen Meinungsverschieden­heiten, die jedoch nicht selten aus einer Verwechselung von Ursache und Wirkung hervorgegangen sind. Auch kommen wohl bei keiner Krank­heit so viel Fehler der Diagnose vor wie bei der Strahlbeinlahmheit.
Nach Ansicht der englischen Autoren soll der kleine, enge Huf deshalb oft in das Leiden verfallen, weil die stark gewölbte Sohle gegen das Strahlbein drücke. Dieser Annahme liegt offenbar eine Verwechselung mit dem Sohlenzwanghuf zu Grunde, worauf schon Brau eil aufmerksam gemacht hat.
Williams glaubt in der steilen Fessellage ein prädisponirendes Moment erblicken zu müssen, eine Ansicht, die insofern zutrifft, als die Fessellage im Vergleich zur Huflage berücksichtigt wird.
Peters und Fambach haben zuerst den Einfluss dieser Abnor­mität auf die Entstehung der Krankheit in vortrefflicher Weise klargelegt. Sobald die Trachten der Hufe übermässig beschnitten werden, und die Lage der Fessel (Fussachse) steiler wird als die Zehenwand (Hufachse), muss nothwendig bei jeder Belastung eine starke Anspannung der Hufbeinbeugesehno eintreten. Der hierdurch auf das Strahlbein ausgeübte Druck wird noch dadurch erhöht, dass die Beugesehne in Folge der schrägen Huflage auf dem Strahlbein einen kleineren Bogen beschreibt.
Aus diesem Grunde kann auch die zu lange Hufzehe eine Ver­anlassung sowohl zur Entstehung dieses Leidens, wie der entzündlichen Erkrankungen in den Beugeseimen abgeben. Die steile Fessellage übt hiernach nicht als solche, sondern dadurch den nachtheiligen Einfluss aus, dass sie mit einer fehlerhaften Beschneidung des Hufes verbunden ist. Die Ansicht Williams, dass die mangelhafte Brechung des Stosses hierbei den wirksamen Factor abgebe, kann um so weniger als zu­treffend anerkannt werden, als hierdurch gerade der sehnige Theil des Trageapparats geschont wird. Endlich darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass die steile Fesselstellung oft nicht Ursache, sondern eine Folge des Leidens bildet.
Thatsache ist ferner, dass Pferde mit rückständiger Stellung häufiger an Fussrollenentzündung erkranken. Peters hat bereits diesen Zusammenhang mit der grösseren Belastung der Beugeseimen und dem schärfer gewinkelten Verlauf des Hufbeinbeugers auf dem Strahlbein wissenschaftlich erklärt und darauf aufmerksam gemacht, dass die bei der Belastung des Schenkels stattfindende Senkung des Strahlbeines, die Zugwirkung auf die Sehne und den Druck derselben auf das Strahl­bein erhöht.
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Strahlbeinlahmheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;GG5
Aus der mit langen Fesseln verbundenen Mehrbelastung der Beugesehnen erklärt sich das häufige Vorkommen der Krankheit bei diesem Bau. Dagegen wirkt die schräge Fessellage bei weitem niclit so nachtheilig, weil hierbei die Hufbeinbeugeselme auf dem Strahlbein einen mehr geradlinigen Verlauf nimmt.
Nach Günther incliniren zeheneng gestellte Füsse zu dem Leiden. Auf einer Verwechselung von Ursache und Wirkung beruht offenbar die von Hertwig vertretene Ansicht, dass hoho Trachtenwilnde die Entstehung der Fussrollenent/ündung begünstigen, doch muss an­erkannt werden, dass die hiermit verbundene Entfernung des Strahles vom Boden eine stärkere Anspannung der Beugesehnen veranlassen kann. Dasselbe gilt von dem als Ursache des Leidens beschuldigten Zwanghuf (Hertwig); dieser stellt sich im Verlaufe der Krankheit stets ein, doch geht andererseits durch das Abrücken des Strahles vom Boden ein Stützpunkt für die Körperlast verloren.
Ohne Zweifel vermag eine plötzliche, mit partieller Zerreissung in der Hufbeinbeugeselme verbundene Ueberlastung den Anstoss zur Ent­stehung des Leidens geben, wie Fambach als Kegel annimmt; doch muss ich mich mehr noch der Ansicht Peters anschliessen, wonach vor­nehmlich dauernde, durch Missverhältnisse in der Stellung der Glied-massen zur Hufform veranlasste Insulte als Ursache in Betracht kommen. Dafür spricht namentlich die in der Regel langsame Entwickelung der Krankheit. Dass dieselbe vornehmlich bei Reit- und Luxuspferden durch plötzlich Pariren, Springen, andauernde Bewegung im scharfen Trabe und Galopp begünstigt wird und gelegentlich durch einen Fehl­tritt eingeleitet werden kann, lässt sich nicht bezweifeln.
Von englischen Autoren (Turner, Goodwin) wurde auch län­geres Stehen im Stalle als ursächliches Moment angeklagt. In Folge Eintrocknung soll die Elasticität der Hufe leiden und so die Krank­heit begünstigt werden. Wenn Smith glaubt, dass andauernde Be­lastung eines Fusses diese Krankheit erzeugen kann, so muss ich das bezweifeln; oft sah ich Erkankungen durch diesen Einfluss ent­stehen, aber noch nie die Strahlbeinlahmheit. Zum Theil mögen auch hier Fehler in der Diagnose und Verwechselung mit dem Sohlenzwanghuf vorliegen; dafür spricht der von älteren englischen Autoren als günstig bezeichnete Verlauf des Leidens, wonach an 900/o geheilt werden sollen. Quetschungen von der Sohle und dem Strahl aus bilden nur selten Ursache der llufgelenklahmheit.
Ausnahmsweise sah man dieselbe auf metastatischem Wege nach der Influenza und dann auch wohl bei kaltblütigen und flachhuflgen
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0(56nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Phalangen.
Pferden entstehen. Möglielienveise findet in diesem Umstände auch die Beobachtung Brauells ihre Erklärung, wonach Pferde in dieses Leiden verfielen, welche wiederholt an Durchfall gelitten hatten. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um secretorische Metastasen, um eine Erkrankung der Pursa in Folge Abscheidung des speeifischen Krankheitserregers in dieselbe.
Erscheinungen und Verlauf. Zu den wichtigsten Symptomen gehören:
1. L a h m h e i t. Pei der in der Kegel langsamen Entwickelung des pathologischen Processes wird der Anfang des Leidens meist über­sehen ; erst mit dem Auftreten schmerzhafter Empfindungen und da­durch bedingter Lahmheit wird man auf dasselbe aufmerksam. Auch diese beginnt allmälich und zeigt sich zunächst nur im Anfange der Bewegung, besonders auf hartem Boden, um während derselben oft ganz zu verschwinden. Leiden beide Füsse, so bietet die Erkennung der Lahmheit noch mehr Schwierigkeiten; zuweilen wird bloss ein stolpern­der Gang beobachtet (Smith). Der Sitz des Leidens erklärt ferner, dass namentlich die Belastung des Hufes schmerzhaft ist (StUtzbeinlahm-heit); schon im Stalle wird der Fuss zu entlasten gesucht. Da ferner bei der Stellung der belasteten Schenkel nach rückwärts der Druck auf das erkrankte Strahlbein wie auch die Anspannung der Hufbeinbeugesehne am stärksten wird, so sucht das Pferd diese Phase der Belastung besonders abzukürzen (Stützbeinlahmheit mit vor­ständiger Stellung). Zur Entlastung des Trageapparates nimmt der Fuss ferner Volarfiexion an (steile Fessel); dieses erfolgt zuweilen in dem Masse, dass die Trachtenwände kaum den Boden berühren. Dabei wird der Gang steif und unsicher, die Thieve stolpern leicht. Bei Erkrankung beider Füsse werden diejenigen Momente der Bewegung abgekürzt, in denen die Last nur auf einem derselben ruht, daher erfolgt das Vorführen des entlasteten Fusses schnell und in steifer Haltung (gespannter Gang); Spooner vergleicht den Gang mit dem eines hölzernen Beines. Verlangsanumg des Ganges, frühzeitiges Er­müden und Schwitzen ist die nothwendige Folge der schmerzhaften Empfindungen.
Bald verschwinden diese Bewegungsstörungen schon nach wenigen Schritten, oft halten dieselben längere Zeit an; zuweilen bestehen sie dauernd; es hängt dies offenbar von dem Sitze, der Art und Aus­breitung der Erkrankung ab. Nach grösseren Anstrengungen pflegt die Lahmheit stärker zu werden; nach läimerer üuhe tritt sie zuweilen
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auf kurze Zeit rollständig zurück, wodurch der Nachweis des Leidens erschwert und vielfach der Glaube an erfolgte Heilung erweckt wird. Die Bewegungsstörungen lassen sich hiernach kurz dahin charakteri-siren: Stützheinlalnnheit mit Volarflexion der Phalangen und vorstand ige Stellung, welche sich vornehmlich im An­fange der Bewegung kund giobt, nach stärkerer An­strengung deutlicher, durch andauernde Ruhe abge­schwächt wird.
2. Veränderungen am Hufe. Der entzündliche Process lässt sich durch Druck auf den Strahl nachweisen. Zu dem Zwecke legt man den einen Schenkel der Untersuchungszange auf die Mitte des Strahles, den anderen gegen die Zehen wand. Die von Hertwig für die Untersuchung des Hufes bei dieser Krankheit constrnirte Zange ist entbehrlich. Eine sehr dicke Sohle oder den starken Strahl schneide man vor Anwendung der Zange gehörig aus. Zuweilen geben sich bereits auf Druck mit dem Finger in die Balleugrube Schmerzen zu er­kennen (Haubner). Brauell empfiehlt in zweifelhaften Fällen ein ge­schlossenes Eisen aufzulegen, dessen Steg der Mitte des Strahles auf­liegt. Lässt man das Pferd mit solchem Eisen arbeiten, so pflegt die Lahmheit zuzun ehmen,
Zuweilen erzeugt forcirte Dorsalflexion Schmerzen. An dem wie zum Beschlagen aufgehobenen Fusse übe man auf die Zehe des Hufes einen allmäliehen aber kräftigen Druck in der Richtung nach unten aus; dasselbe wird erreicht, wenn man das Pferd so auftreten lässt, dass die Hufzehe eine Erhabenheit des Bodens (z. B. die Unter-suchungszange) berührt, und in Folge dessen die Trachten bei der Be­lastung des Fusses abnorm gesenkt werden. Da beim Gehen auf un­ebenem Pflaster diese iluflage öfter vorkommt, so erklärt sich, dass die Lahmheit bei einzelnen Tritten besonders auffällig wird.
Verstärkte Pulsation und vermehrte Wärme fehlen in der Regel. Schon Hausmann, Brauell und Haubner haben auf das Irrthümliche der Annahme englischer Autoren (Turner u. A.) hin­gewiesen, wonach verstärkte Pulsation zu den Symptomen dieses Leidens gehöre. Hausmann erklärt das Fehlen derselben geradezu als patho-gnomisch für die in Rede stehende Krankheit. Wie bereits erwähnt, wurden in England häufig andere Leiden, welche mit verstärkter Pul­sation verbunden sind, z. B. Sohlenzwanghuf mit der Fussrollenent-zündung verwechselt. Bei dem Fehlen acut entzündlicher Verände­rungen kann die Abwesenheit vermehrter Wärme ebenso wenig auf­fallen wie das Fehlen verstärkter Pulsation.
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Im weiteren Verlaufe des Leidens stellt sich Verkleinerung des Hufes mit Verengerung und Verlängerung seiner Trachtenwilnde ein. Diese Abänderung in der Grosse und Form des Hufes gaben Sticker zur Erfindung seines Podometers Veranlassung, eines Instru­mentes , dns für die Diagnose entbehrlich, event, durch einen Zehen­winkelmesser leicht zu ersetzen ist.
In Folge der unvollständigen Belastung leidet mit dem Huf­mechanismus die Ernährung und somit auch die Horuproduktion; der Huf wird mit der Zeit atrophisch, in Folge dessen die Kronenwulst oft deutlicher hervortritt, geschwollen erscheint.
In Folge der steilen Fessellage muss auch der Huf mit der Zelt eine mehr steile Stellung annehmen. Die hiermit verbundene Entlastung des Strahles bildet unter Mitwirkung des mangelnden Hufniechanismus einen weiteren Grund für die Verengerung der Trachten und die Atro­phie des Strahles, d. h. für die Ausbildung des Zwanghufes, an dem die Hornsohlo abnorm gewölbt erscheint.
Dass alle diese Formabweichungen der mangelhaften und ver­änderten Belastung des Hufes ihre Entstehung verdanken, geht aus der bereits von Williams und Brau eil beobachteten Thatsache hervor, dass dieselben nach Beseitigung der Lahmheit z. B. durch Neurotomie allmälich wieder verschwinden.
So wichtig auch der Nachweis der Verkleinerung des Hufes ist, so kann dieses Symptom allein bei der Diagnose niemals entscheiden, da, wie bereits Schliemanu 1889 nachgewiesen hat, der linke Fuss oft schon physiologisch kleiner ist als der rechte.
Auch die Qualität des Hufhornes leidet unter dem Processe; die Aussenfläche der Hornwand erscheint häufig uneben, rauh und mit Pingen versehen; nicht selten wird das Horn brüchig.
In den späteren Stadien der Krankheit stellt sich Schwund der Muskulatur des Schenkels ein, und zwar je nach dem Grade der Lahmheit früher oder später (Inactivitiltsatrophie).
Die ersten Stadien der Krankheit verlaufen meist unbemerkt, bis die Lahmheit auf die Gegenwart derselben aufmerksam macht; nur ausnahmsweise tritt diese plötzlich hervor. Nach längerer Ituhe kann die Lahmheit wohl verschwinden, kehrt aber rcgelmässig wieder, so­bald grössere Anforderungen an das Pferd gestellt werden. So ver­gehen oft Wochen und Monate, bis man sich entschliesst, entweder das Pferd zu veräussern, oder die Neurotomie ausfuhren zu lassen. Heilung gehört zu den grössten Seltenheiten, und die beobachteten Er­folge der Therapie beruhen meist auf Fehlern in der Diagnose oder
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Strahlbcinlahmheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;009
auf Verwechselungen von Remissionen mit Heilungen. Das gilt nament­lich von der Behauptung älterer englischer Autoren, wonach 90 his 95 Prozent geheilt wurden. Bracy Clark, ein genauer Hufkenner, schätzt dagegen die Heilung 1:10. In der Natur des Krankheits-processes liegt es begründet) dass so selten Heilung erzielt werden kann, und zwar nur in den Anfangsstadien, so lange die Erkrankung auf die Bursa der Beugosehne beschränkt gehliehen ist; nur die acute Entzündung derselben lässt Heilung zu. Doch wird, wie schon bemerkt, das Leiden sehr selten von hier aus eingeleitet. Nicht absolut schlecht erscheint also die Prognose da, wo durch plötzliches Einsetzen der Lahmheit die Vermuthung an Raum gewinnt, dass die Entzündung auf die Sehne und Bursa beschränkt geblieben, die Gelenkfläche noch nicht verändert ist. Sobald aber Veränderungen am Hufe oder Muskelatrophie auf eine längere Dauer der Krankheit hinweisen, bleibt jede Aussiebt auf Heilung ausgeschlossen. In einzelnen Fällen will man auch nach längerer Zeit durch andauernde lluhe die Lahmheit noch verschwinden gesehen haben (Gerke). Hier kann es sich jedoch nur um Beseitigung der Lahmheit gehandelt haben, vielleicht durch Verwachsung der Sehne mit dem Strahlbein, welche Gerke in einem Falle zwei Jahre nach dem Verschwinden der Lahmheit durch die Section feststellte. Bei so ungünstigem Verlaufe und dem voizugsweisen Auftreten des Leidens bei edlen und werthvollen Pferden konnte Turner mit Recht die Krankheit einen „Fluch über gutes Pferdefleischquot; nennen.
Wurden durch Neurotomio die Schmerzen beseitigt, so kommt es wohl zur Zerreissung der Hufbeinbeugesehno. Die Sehne zerfasert an der rauhen Gleitfläche des Strahlbeines mehr und mehr, bis sie end­lich bei einer stärkeren Belastung plötzlich zerreisst. Damit ist die Brauchbarkeit des Pferdes vollständig vernichtet. Man lasse sich durch vorübergehende Besserung nicht täuschen, namentlich wenn die Thiere andauernde Ruhe genossen haben.
In Deutschland kommt die Krankheit bei weitem nicht so häufig vor, wie wohl angenommen wird. Eine Reihe von Hufkrankheiten, wie auch andere Lahmheiten werden nicht selten mit der Fussrollen-entzündung verwechselt. Bei oberflächlicher Untersuchung können solche Irrthümer leicht vorkommen, zuweilen aber bietet die Diagnose selbst für den Geübteren Schwierigkeiten.
Differentialdiagnose: Anlass zur Verwechselung geben: l. Der Sohlenzwanghuf. Die Form des Hufes, namentlich die stark ge­wölbte Sohle, die Einbiegung des Tragerandes nach innen, die blutigen
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Krankheiten der Phalangen.
Sonuuassen in der weissen Linie und am Sohlengewölbe kennzeichnen diesen. Auch werden die Schmerzen mehr durch Application der Zange auf die Sohle als am Strahl hervorgerufen. Endlich pflegt die Lahm­heit beim Sohlenzwangliuf einige Zeit nach dem Beschläge aufzutreten, nach sorgfältigem AiiKSclmeiden der Sohle und zweckmässig abgeän­dertem Beschlag zu verschwinden. Nicht selten gehen Pferde mit Sohlen­zwangliuf auf weichem Boden mehr lahm als auf hartem; bei dem in Rede stehenden Leiden ist das Umgekehrte der Fall.
2. Nicht wenig Schwierigkeiten bietet zuweilen der Trachten­zwanghuf, zumal sich derselbe im Verlauf der Strahlbeinlahmheit regelmässig einstellt. Meist besteht hierbei jedoch verstärkte Pulsation und Schmerzhaftigkeit gegen Druck auf die Trachten; doch kann der secundilr entstandene Zwanghuf zur Lahmheit beitragen. In solchen Fällen nmss die Untersuchung des Strahles mit der Zange entscheiden.
;'). Schinerzhafte Dehiiungon in den hinteren Bändern des Kroneiigelenkes, Meist sind die hierdurch erzeugten Lahmheiten hochgradiger; auch bildet die hintere Fläche des Kroneiigelenkes den Mittelpunkt der Schmerzhaftigkeit, während der Druck auf den Strahl keine Schmerzen auslöst (vgl. S. (gt;4il).
-1. Einige Vorsicht ist auch bei Gegenwart von Strahlfäule zu empfehlen. Wenn die letztere vorgeschritten, und der grösste Theil des Hornstrahles zerstört ist, so kann ein kräftiger Druck auf den Strahl wohl ähnliche Schmerzensäusserungen hervorrufen wie bei der Fuss-rollenentzümhnig. Man drücke daher langsam und versuche die Wir­kung forcirter Dorsalflexion, welche bei dem Strahlleiden nicht schmerz­haft ist.
5. Gewisse Aelmlichkeiten in den Erscheinungen bietet auch die sogen. Gleichbeinlähme (S. 054); die locale Untersuchung muss hier entscheiden.
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Behandlung. Aus dem Angeführten ergiebt sich, dass eine dauernde Heilung nur so lange denkbar ist, als die pathologischen Veränderungen an dem leidenden Apparate reparabel sind. Setzt das Leiden mit einer acuten Bursitis oder Tendinitis ein, so muss die Möglich­keit der Wiederherstellung zugegeben werden. Doch greifen die ent­zündlichen Prozesse bald auf die Knorpeloberfläche des Strahlbeines über, und damit wird der Zustand ebenso unheilbar, als wenn er von dieser Stelle ausging. Immerhm kann bei frischer Erkrankung ver­sucht werden, durch längere und absolute Ruhe, sowie durch ein kühlendes Verfahren den Entzündinigsprocess zu coupiren und die re-
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Strahlboinlahmheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (J71
paratorisohen Vorgänge zu unterstützen. Weicher Stand (Sägespfthne, Lohe, Torfstreu) und Feuchterhalten der Hufe können erfahnmgsgemiiss ausnahmsweise eine Heilung bewirken. Die von den Engländern (Turn er, Goodwin) empfohlenen Aderlässe verdanken Irrthümern in der Dia­gnose ihren Ruf. Dagegen empfiehlt sich, den Huf namentlich Sohle und Strahl tüchtig auszuschneiden, um der Feuchtigkeit und Kälte den Zugang zu den erkrankten Theilen zu erleichtern.
Ein Gleiches gilt von dem von Sew eil empfohlenen Haarseil durch den Strahl. In frischen Fällen übt die hiermit verbundene Ruhe einen vortheilhaften Einfluss auf den Heilungsprocess aus. Mit Recht hat aber schon Brau eil den Nutzen der ableitenden Wirkung des Haarseiles bezweifelt. Die andauernde Ruhe führt nur zu einer vor­übergehenden Beseitigung der Lahmheit, welche vom Besitzer oft be­nutzt wird, um den Patienten in den Handel zu bringen. Nach meiner Ueberzeugung ist die chronische Fussrollenentzündung mit sehr seltenen Ausnahmen unheilbar. Wenn in den ersten (3 bis 8 Wochen ihres Bestehens durch Ruhe und kühlendes Verfahren keine dauernde Hei­lung erzielt wird, so bleibt nur die Neurectomie zur Beseitigung der Lahmheit übrig. Durch operative Eingriffe, z. B. Resection der Hufbein­beugesehne Heilung zu erzielen, muss ich nach meinen Erfahrungen ebenfalls als ausgeschlossen bezeichnen. Luxuspferde bleiben nach der Operation in der Regel dauernd oder doch so lange lahm, dass bei diesen ein wirthschaftlicher Nutzen hiermit nicht erreicht wird.
Ein werthvolles Wagenpferd, welches seit längerer Zeit an chronischer Strahlbeinlahmheit litt, erkrankte in Folge von Steingallen an einer acuten Entzündung in diesem Apparate. Bei der sodann vorgenommenen Operation fanden sich Strahlbein und Hufbeinbeugesehne mit den chronischen Ver­änderungen des erstgenannten Leidens behaftet. Die Operation verlief günstig; das Pferd wurde wieder zur Arbeit brauchbar, zeigte im Trabe jedoch noch monatelang eine leichte Lahmheit.
Sowohl in priiserativer Hinsicht, wie auch zur Beseitigung des entzündlichen Processes findet ein zweckentsprechender llufbeschlag vortheilhafte Anwendung. Im allgemeinen empfiehlt sich Verkürzung der Zehe und Verlängerung der Trachten des Hufes durch Schonung beim Beschneiden, durch Lederunterlagen oder verdickte Stolleuendeu am Hufeisen.
Wo ein ausgesprochener Zwanghuf vorliegt, finden Gummi- oder Korksohlen sowie Erweiterungseisen vortheilhafte Anwendung. Das Defay'sche Eisen kann hier unter Umständen, wenn auch keine voll­ständige Beseitigung, so doch eine wesentliche Verminderung der Lahm-
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Krankheiten der Phalangen.
heit herbeiführen.
Massige Bewegung auf weichem Boden und Weich-
halten der Hufe unterstützt diese Wirkung.
Die von Smith versuchte Tenotomie, um die Verwachsung der Hufbeinbeugesehne mit dem Strahlbein ZU unterstützen, blieb, wie vor­auszusehen war, ohne Erfolg.
10. Die Mauke der Pferde.
Lit.: Nunuin, Gurlt u. Hartwig. 5, S. 59, Cock, Her. Rep. 13. S. 3G0. Del-piato, Her. Rep. 16. S. 275. Straub, Her. Rep. 14. S. 213. Le-blanc, Gurlt u, ITortwig. 17. S. 238 u. 18. S. 42 u. 214. Sie dam-grotzky u. liom, Zeitsohr. f. Thiermed. 188(3. S. 180. Möller, Monats-sohrifl 1889. S. 39. Dieckerhoff, Spec. Path. u. Therapie. Straube, Zeitsohr. f. Veterk. 1890. S. l.
„Maukequot; bildet seit ältesten Zeiten ein Sammelname für eine Reihe von Kraukheitsprocessen, an welchen die äussere Haut an der Fessel, namentlich der Beugefläche derselben (Köthe) leidet; das Wesen und die Entstehung derselben ist ausserordentlich verschieden. Als ausgeschlossen von diesem Begritf gelten zunächst äussere Verletzungen. Eins ist allen Formen der Mauke gemeinsam, nämlich der Sitz in der Köthe und die entzündliche Natur, so dass man das Grundleiden als Deimatitis bezeichnen kann. Mit Rücksicht auf die Verschiedenheiten derselben in Bezug auf die Beurtheiluiig und Behandlung lassen sich 4 Arten von Mauke beim Pferde unterscheiden, nämlich: 1. Eine ery-thematöse, 2. eine ekzematöse, 3. eine gangränöse, 4. eine verrueöse. Die ersten drei bilden ihrem Wesen nach acut verlaufende Processe, sind jedoch nicht selten mit Complicationen verbunden, die einen chronischen Verlauf nehmen; dieser ist bei der letzteren Form die Regel.
1. Dermatitis crythematosa. Sie bildet die leichteste Form der Mauke und tritt vornehmlich bei Pferden mit feiner, dün­ner Haut auf (warmblütigen). Die äussere Haut in der Köthe zeigt sich bei manchen dieser Pferde ausserordentlich empfindlich, so dass selbst der Sand bei der Arbeit in weichem Boden eine Reizung der­selben herbeiführen und zur Entstehung dieser Art der Mauke Ver­anlassung gelien kann. Die pigmentfreie Haut erscheint geröthet und etwas schmerzhaft. Nach ein paar Tagen Ruhe verschwinden diese Erscheinungen, während sich an der Oberfläche eine etwas lebhaftere Desquamntion bemerkbar macht. Das Leiden besteht in einer Hy­perämie des Papillarkörpers, hinterlässt keine dauernden Ver-
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Mauko der Pferde.
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ünderungen und bildet nur selten Gegenstand chirurgischer Behand­lung; wo dieses aber der Fall sein sollte, müssen die allgemeinen Grundsätze Anwendung finden. Wenn der Zustand jedoch nicht be­achtet und den Pferden keine Kühe gegeben wird, so geht aus ihm zuweilen die folgende Form der Mauke hervor, nämlich:
2. Die Dermatitis ekzematosa, oder ekzematöse Form der Mauke. Das Ekzem, ein entzündlicher Process der äusseren Haut, welcher spontan auftritt, mit Schwellung und Köthung eingeleitet wird, im weiteren Verlaufe zu Exsudation an die Oberfläche führt und im allgemeinen einen typischen Verlauf nimmt, tritt an dieser Stelle weniger deutlich hervor als an anderen. Schwellung und Röthung werden oft kaum sichtbar, dafür zeigt sich aber Lahmheit, nament­lich im Anfange der Bewegung, während sich die Oberfläche der Haut mit einer gelbröthlichen, bald zu schwarzbraunen Krusten ein­trocknenden Flüssigkeit bedeckt. Das Stadium papulosum tritt nicht deutlich hervor, dagegen wird das Stadium vesiculosum, d. h. die Bildung kleiner Bläschen zuweilen beobachtet. Deutlicher erscheint das Stadium madidans, auf welches bald das Stadium crustosum folgt. Bei entsprechender Behandlung lösen sich die Krusten los, es folgt eine lebhafte Descpiamation an der Oberfläche (Stadium squa-mosum), worauf normale Epidermisbildung eintritt. Bei regelmässigom Verlauf dauert der Process etwa 8—14 Tage und geht in vollständige Heilung über. Nicht selten machen sich jedoch Störungen bemerkbar, namentlich wenn die Thiere während der Erkrankung nicht Ruhe er­halten. Durch die Bewegung der Haut beim Gehen des Thiores, unter­stützt durch Verunreinigungen wird die regelmässige Heilung oft ge­stört und die Bildung von Falten, Kissen (Rhagaden) und Schrunden veranlasst (Schrundenmauke). Von solchen Schrunden geht nicht selten ein chronischer Wucherungsprocess des Hautgewebos aus, wo­durch fingerdicke Narbenmassen in der Köthe entstehen können, deren Beseitigung oft nur auf operativem Wege gelingt.
So lange der entzündliche Process fortbesteht, gehen die Thiere namentlich im Anfange der Bewegung sehr lahm; nach einiger Zeit hört dieses jedoch auf.
Ursachen. Pferde mit langem „Behangquot; erkranken oft an dieser Form der Mauke, sobald sie andauernd auf nassem Boden ar­beiten. Die Epidermis wird hierdurch aufgeweicht (maceril't), und die Haut unter dem Einflüsse von infectiösen Substanzen leiclit in einen entzündlichen Zustand versetzt. Bei dem Mangel an nachweisbaren
Möller, Specielle Chirurgie für Thicrärztc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;43
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ilusseren Ursachen sowie durch das gleichzeitige Auftreten des Leidens an mehreren Füssen bezw. bei mehreren Pferden desselben Stalles fand die Annahme Unterstützung, dass es sich um den Ausdruck einer Blut­krankheit handele, dass die Mauke gleichsam als eine Metastase zu betrachten sei. Man übersah dabei, dass die ursächlichen Momente regelmiissig auf eine grössere Anzahl von Thieren einwirken.
Von Jenner wurde die Mauke der Pferde mit der Kuhpocke iden­tisch erklärt! seit der Zeit spricht man auch wohl von Schutzmauke (Equine), doch haben weder die Versuche Jenners noch auch die später angestellten den Beweis für die Richtigkeit dieser Behauptung erbracht. Auch fand dieselbe bereits vor langer Zeit und von verschiedenen Seiten Wider­spruch (Leblanc, Delprato), so dass es heute keinem Zweifel unterliegt, dass die ekzenuitüse Mauke mit der Pockenkrankheit nicht identisch ist. Es kann sich nur um die Frage handeln, ob überhaupt Pferdepocken unter dem Bilde der Mauke vorkommen. In Frankreich wollte man von ärztlicher Seite üebertragungen der Mauke auf den Menschen beobachtet und damit die Pockennatur des Leidens bewiesen haben. Aber schon Leblanc hat auf die Unhaltbarkeit dieser Folgerung hingewiesen. Er stellte fest, dass die Mauke, von der die Uebertragung ausgegangen sein sollte, bereits seit (3 Monaten bei dem Pferde bestanden hatte, also zweifellos nicht in einer Pockenerki-ankung bestanden haben konnte. Nach der Beschreibung handelte es sich um die vermoose Form der Erkrankung. Di eckerhoff machte bereits darauf aufmerksam, dass es sich bei der von Bouley als Schutz­mauke betrachteten Erkrankung wahrscheinlich um Stomatitis pustulosa gehandelt hat. Auch schlugen die in Frankreich angestellten Versuche, die Kuhpocke auf Pferde und die Mauke auf Kühe zu übertragen, silmmt-lich fehl. Dass die Zersetzungsproducte der als Mauke bezeichneten Leiden entzündliche Processe beim Menschen hervorzurufen im Stande sind, kann nach unseren heutigen Kenntnissen über die Wirkung derartiger Substanzen nicht überraschen, aber keineswegs den Charakter der Specifität beweisen.
Die ekzematöse Mauke wird in der Regel durch äussere Reize in Form mechanischer, chemischer odor specifischor Schädlichkeiten (Sand und Schmutz) veranlasst. Nicht selten entsteht das Leiden bald nach Einführung des Stollenbeschlages, indem die veränderte Stellung des Hufes zur Bildung von Falten in der Haut über den Ballen Ver­anlassung giebt, in denen sich Sand und Schmutz lagert und zu Ex-coriationen führt. Bei der Arbeit der Pferde auf Stoppelfeldern, auf frisch geschütteten Chausseen und Waldwegen kommen leicht Ver­letzungen der Haut zu Stande, die den Ausgangspunkt der Erkrankung bilden, indem das Wundsecret in der Nachbarschaft das Epithel macerirt, die Haut reizt und Entzündung veranlasst. Bei Hunden gehen acute Ekzeme der ilusseren Haut häufig von Bisswunden aus, deren Ausbreitung in derselben Weise stattfindet.
Zu den chemischen Reizen gehört Kalkstaub, dessen Wir­kung namentlich in der Armee oft lästig wird, indem die Pferde, so-
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Mauke der Pferde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(375
bald sie in Gegondeii mit Kalkboden kommen, zahlreich an dem in Rede stehenden Leiden erkranken, wie ich wiederholt zu sehen Ge­legenheit hatte. Für die chemische Wirkung des Kalkstaubes spricht noch der Umstand, dass durch Waschen der Füsse die Entstehung des Leidens begünstigt wird, während trockenes Abreiben derselben die Thiere am sichersten gegen die Erkrankung schützt.
Auf der anderen Seite muss nach den Beobachtungen, welche beim Menschen wie an Hunden und anderen Thieren gemacht wurden, die Möglichkeit zugegeben werden, dass ekzematöse Erkrankungen mit Zuständen und Vorgängen des Körpers in Verbindung stehen können, die sich einer näheren Beurtheilung bisher entzogen haben.
Verlauf, Sofern eine dem Zustande entsprechende Behandlung rechtzeitig eintritt, wird die ekzematöse Form der Mauke in der Regel in 8—14 Tagen vollständig geheilt; selten nimmt die Behandlung län­gere Zeit in Anspruch. Wurde jedoch dem Leiden keine Aufmerk­samkeit geschenkt, und besteht dasselbe bereits längere Zeit, so wird die Heilung immer schwieriger und zwar namentlich durch die Bildung von Rhagaden und Narbengewebe, welches in der Köthe zuweilen in Form dicker Querwülste immer weiter hervorwuchert. Während ein­fache Risse bei entsprechender Hube und Behandlung in der Regel bald heilen, bieten diese Wucherungen der Therapie oft grosse Schwierig­keiten, namentlich wenn sich dieselben mit ihrer Unterlage (Beuge­sehne und deren Scheiden) verwachsen zeigen, wodurch die operativen Eingriffe erschwert werden. Bei der Prognose muss daher nament­lich dem Resultate einer eingehenden Localuntersuchung Rechnung ge­tragen werden.
Die Behandlung der ekzematösen Mauke verlangt zunächst Ruhe für das Pferd, weil durch Bewegung die Entzündung unterhalten und die Bildung von Rhagaden und Wucherungen gefördert wird. Nach sorgfältiger Reinigung der Haut mit lauwarmem Wasser (Seifenwassor) wird die Oberfläche mit Sublimat-, Carbol- oder Creolinwasser abge­spült, sodann abgetrocknet und mit Jodofonntannin (1:3) verbunden. Auch kann ich eine Salbe von Hydrarg. oxydat. rühr, mit Ungt. Parafin. oder Lanolin (1 : 5) empfehlen, welche auf Watte gestrichen, auf die wunde ilautflilche gelegt und mittelst einer Binde befestigt wird. Der Verband soll zugleich die Luft abhalten, und sofern der­selbe in den nächsten Tagen nicht durchfeuchtet erscheint, kann er
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liegen bleiben, anderenfalls wird die Reinigung der kranken Hautstelle wiederholt und der Verband erneuert.
Bei dieser Behandlung erzielt man regelmässig in ungefähr 8 Tagen Heilung; auch wo Rhagadenbildung eingetreten ist, wird die Heilung mit dieser Methode, namentlich dem Salbenverbande oft in kurzer Zeit erzielt, sofern dem Tbiere dauernde Ruhe gewährt wer­den kann.
Gegen Wucherungen der Haut versuche man zunächst austrock­nende Substanzen (Alaun, Tannin, Zucker); füliren sie nicht zum Ziele, so werden Aetzmittel (Höllenstein, Cupr. sulfuric. u. s. w.) oft noch mit Erfolg angewandt; die Application anorganischer Säuren muss mit Vorsicht geschehen, damit die Aetzwirkung nicht zu tief reicht, d. h. die Sehnenscheiden nicht geöffnet werden.
Wird die äussere Haut von diesen Wucherungen erheblich über­ragt, oder zeigt ihre Härte und scharfe Begrenzung an, dass bereits erhebliche narbige Schrumpfung in denselben eingetreten ist, so muss das Messer in seine Rechte treten, denn von Arzneimitteln ist hier keine Hülfe zu erwarten.
Soweit die Wucherung die benachbarte Haut überragt, wird sie mit dem Messer oder der Schere fortgenommen, allerdings unter Be­achtung der Grundsätze der Antisepsis. Mittelst Sublimat-, Creolin-oder Garbolbädern, sorgfältigen Waschungen und nachfolgendem feuchten Verbände mit diesen Mitteln erlangt man in 24—48 Stunden ein reines Operationsfeld. Bei ruhigen Pferden kann die Abtragung im Stehen, event, unter Anwendung von Cocain erfolgen; unruhige Thiere werden zu dem Zwecke niedergelegt; der Fuss wird möglichst ge­streckt, der Hinterfuss zweckmässig auf den Vorderfuss gebunden. Die Schnittfläche soll möglichst glatt und eben ausfallen. Die Blutung bleibt meist unbedeutend und wird unter dem Druckverbande gestillt, welcher zugleich neue Wucherungen zurückhalten soll. Bei trockener Streu und Ruhe für das Pferd vollzieht sich die Heilung meist in 8—14 Tagen, sofern die Wucherungen nicht umfangreich, d. h. nicht über 3—B cm gross sind; anderenfalls stösst die Benarbung auf Schwierigkeiten, und kommt es leicht zu neuen Wucherungen. Ich hatte in den letzten Jahren wiederholt Gelegenheit, derartige Neubildungen aus der Ivöthe der Hinterfüsse bei Pferden zu entfernen und auch da noch Heilung zu erzielen, wo die medikamentöse Behandlung sich er­folglos erwiesen hatte.
3. Die Dermatitis gangraenosa (Brandmauke) besitzt vor allem ein chirurgisches Interesse, zumal sich im Anschluss an dieselbe
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Brandmauke der Pferde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 677
eine Reihe von Erkrankungen entwickelt, die eine chirurgische Be­handlung verlangen. Die Brandmauke stellt ein spontanes Haut-gangriln an den Phalangen der Einhufer dar, kommt besonders im Winter (Frostmauke) und in grösseren Städten vor.
Erscheinungen und Verlauf. Das Leiden tritt plötzlich, ge­wöhnlich über Nacht auf. Heftige Lahmheit des einen oder anderen Pusses, verbunden mit entzündlicher Anschwellung der unteren Ah-schnitte desselben, zuweilen auch höher herauf, werden in der Hegel von Fieber begleitet. Bei genauer Untersuchung zeigt sich die Haut an einer bestimmten Stelle im Umfange von 3—0 cm eigenthUmlich weich, nachgiebig und mit ihrer Umgebung geschwollen. Auf Druck äussert das Thier an dieser Stelle heftige Schmerzen und quillt aus der er­krankten Haut eine röthlicho, trübe Flüssigkeit. Lieblingssitz dieser Erkrankung bildet die ilussere Haut der Kötho, namentlich dicht über den Ballen, aber atich an der vorderen Fläche und in der Nähe der Huf-krone entwickelt sich dieselbe häufig. Unter anhaltenden Schmerzen und zunehmender Anschwellung des Schenkels löst sich das brandige Haut­stück in 2—3 Tagen von seiner Umgebung los und erscheint als eine grüne, schmierige, weiche Masse. Die so entstandene Wundfläche bedeckt sich alsbald mit Granulation, welche allmillich den Defect aus­füllt und im günstigen Falle in 2—3 Wochen mit Hinterlassung einer Narbe zur Heilung gelangt.
Doch nicht immer nimmt das Leiden einen so günstigen Ver­lauf. Zuweilen greift die nekrotisirende Entzündung in die Tiefe und erfasst entweder die Hufbeinknorpel oder das Kronenbein, oder sie dringt in die Sehnenscheide des Beugeapparates ein. In ersterem Falle entsteht eine Huf'knorpclfistel, in dem zweiten eine Knochenauftreibung, die gewöhnlich unter den Begriff Schale (S. 642) fällt. Führen diese Zustände bei entsprechender Behandlung in der Kegel auch zur Heilung, d. h. zur Beseitigung der Lahmheit, so wird durch die Miterkran­kung der Sehnenscheiden ein unheilbarer Zustand geschaffen, der meist in kurzer Zeit durch Septicämie einen tödtlichen Verlauf nimmt. Auch kann sich im Verlauf der gangränösen Mauke durch Vermittelung der grossen Venen Pyaemia ausbilden, die ebenfalls in kurzer Zeit zum Tode führt. In der Nähe der Huf krone setzt sich die Gangrän oft auf die Huflederhaut fort und führt zu schweren entzündlichen Processen, welche zuweilen mit Ausschuhen verbunden sind.
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078nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Phalangen.
Ursachen. Der Umstand, class die Brandmauke fast nur hu Winter und vornelimlicli in kälteren Gegenden vorkommt, hat zu der Annahme geführt, dass es sich bei der Entstehung der Gangrän um Erfrierungstod der Haut handelt (Frostmauke). Wenn dagegen ein­gewendet wurde, dass die Krankheit weniger während strenger Kälte, als vielmehr zur Zeit des Thauwetters auftrete, so konnte damit jene Ansicht nicht widerlegt werden; denn es erscheint natürlich, dass be­sonders die feuchte Killte schädlich wird, indem hierbei die Schutz­wirkung der Haare aufgehoben ist, die Kälte also bis unmittelbar an die Haut gelangt. Weniger lässt sich mit dieser Auffassung die locale Beschränkung des Leidens in Einklang bringen. Wäre Kälte allein das schädigende Princip, so müsste sich in der Umgebung der gangrä­nösen Stelle Erscheinungen der Erfrierung zweiten und ersten Grades bemerklich machen, Da diese aber in der Regel fehlen, so kann schwerlich die Kälte allein als Ursache der Brandmauke angesehen werden. Auch wurde durch die Versuche von Siedamgrotzky, Born und .lelkmann der Nachweis geliefert, dass die durch das Salz­streuen erzeugte Kältewirkung für die Entstehung des Leidens nicht verantwortlich gemacht werden kann, wie es namentlich in grösseren Städten vielfältig geschehen ist; dazu kommt endlich, dass zur Zeit des Herrschens der Brandmauke auch andere Wunden Neigung zur Gangränbildung zeigen.
Hiernach kann es sich also nicht allein um Erfrierungstod han­deln, sondern es muss noch ein anderes Moment hinzukommen, wahr­scheinlich eine Infection. Leichte Verletzungen leiten an den unteren Theilen der Füsse eine septische Infection ein, welche zu entzünd­licher Erkrankung und unter Mitwirkung von Kälte zur Gangrän­bildung führt. Auch lässt sich die Vorstellung nicht zurückweisen, dass durch Kälte in Wunden leicht Nekrose entsteht, wodurch den septi­schen Substanzen ein zu ihrer Entwickelung günstiger Nährboden ge­schaffen wird. Welche Voraussetzung auch richtig sein mag, soviel steht fest, dass Infectionsvorgänge im Verein mit der Kälte­wirkung den Anstoss zur Entstehung der Brandmauke Inder Regel abgeben. Dass ausnahmsweise auch in warmer Jahreszeit diese Form der Mauke zur Entwickelung gelangt, beweist nur, dass Hautgangrün auch ohne Kältewirkung entstehen kann.
Die Beurtheilung des Leidens richtet sich nach der Ausbrei­tung, dem Sitze und dem Charakter desselben. Je grosser das gan­gränöse Hautstück, um so erheblicher sind nicht allein die Schwierig-
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Brandmauke.
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keiten für den Heilungsprocess, sondern auch die Gefahren für die tiefer gelegenen Theile. In der Nähe der Hufkrone an der Zehe kommt das Hufgelenk in Gefahr, in der Köthe die Sehnenscheiden der Beuger. Sobald die letzteren in Mitleidenschaft gezogen sind, erscheint die Prognose schlecht. Dasselbe gilt von der Complication mit Septi-ciimie und Pyämie. Breitet sich die Anschwellung schnell nach oben aus, reicht sie gar bis zum Ellenbogen bez. Knie, ist sie sehr schmerz­haft und mit hohem Fieber verbunden, so bleibt nicht viel zu hoffen. Auch zeigt sich der Charakter des Processes zeitweise verschieden. In manchen Jahren tritt die Brandmauke mit besonderer Malig-nitiit auf und führt häufiger zu den genannten unheilbaren Compli-cationen. Fortbestehen erheblicher Schmerzen nach erfolgter Dissection des brandigen Hautstückes bildet ein sehr ungünstiges Zeichen.
Behandlung, In präservativer Hinsicht empfiehlt sich im Winter und namentlich bei Thauwetter die Füsse soweit möglich trocken zu halten, dahin zu wirken, dass dieselben nicht mehr als unvermeidlich mit dem feuchten Strassenschmutz in Berührung kommen; denn durch an­dauernde Einwirkung der Feuchtigkeit wird das Epithel macerirt. In­fection und Gangränbildung begünstigt. Deshalb empfiehlt sich, die Haare an der Fessel und besonders in der Köthe mit Fett einreiben zu lassen, welches das Schmutzwasser von der Haut fern hält. Diese in grösseren Pferdebeständen mehrfach von mir angewendete Massregel hat überall vorzügliche Dienste geleistet. Aus demselben Grunde müssen die Füsse nach der Arbeit sorgfältig gereinigt und womöglich abgetrocknet werden. Abreiben mit trockenen Sägespähuen oder Holzwolle, Torfstreu u. s. w. zeigt sich hier vortheilhaft. Wenn Pferde mit Verletzungen (Streichwunden u. s. w.) an den Fassen unter solchen Umständen arbeiten sollen, so lasse man nach sorgfältiger Reinigung die Wundfläche mit Theer oder Creolin bestreichen.
Besteht bereits Gangrän, so kommt es darauf an, die Brand­jauche soweit möglich zu entfernen oder unschädlich zu machen. Zunächst findet ein lauwarmes Fussbad von Sublimat, Creolin oder Carbolwasser vortheilhafte Anwendung, wobei die kranken Stellen öfter zu waschen sind. Während der Nacht muss ein Verband mit Kampferbrei oder mit Chlorzinklösung (10l)/o) angefeuchtet applicirt werden. Neuerdings sah ich von dem Pyoktannin in 1—50/o Lösung mittelst eines Wergbausches auf die erkrankte Stelle gebracht und durch einen Verband getragen, vorzügliche Dienste,
Das brandige Hautstück suche man sobald als möglich durch
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080nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Phalangen.
Abreissen zu entfernen. Liisst sich das ganze Stück nicht alsbahl lostrennen, so schneide man wenigstens die abgelösten Theile desselben mit der Schere fort. Die Granulation zeigt sich in der Kegel recht productiv, nicht selten durch die Bewegungen des Fusses gereizt, üppig und ungleichmässig. In solchen Fällen müssen Aetzmittel, Tannin und ein zweckmässiger Druckverband den Ausgleich herbeiführen. Im allgemeinen liegt mehr Anlass zur Zurückhaltung als zur An­regung der Granulation vor. Werden die Thiere zu früh bewegt, so kommt es zu übermilssiger Granulation und Bildung von Wucherungen (Keloid), die bei Zeiten zurückgehalten werden müssen. Bei starker Anschwellung an der Hufkrone ist die Hornwand unter derselben durch Abraspeln zu verdünnen.
Ueber den Ballen bleiben zuweilen Fisteln nach der Brand­mauke zurück, die dadurch entstehen, dass in der Tiefe nekrotische Gewebspartikel liegen, welche die chronische, mit Eiterung verbun­dene Entzündung unterhalten. Solche werden durch Sublimatfäden oder Einspritzungen von Liqu. Villat. zur Heilung gebracht; nicht selten ist jedoch Spaltung derselben erforderlich, worauf meist Heilung erzielt wird.
#9632;I. Dermatitis chronica verrucosa. Dieses im vierzehnten Jahrhundert als „Raspequot;, „Strupfenquot;, „Wasserquot;, in England als grease (Fett), in Frankreich als Phymatosis (Vatel) oder grappe (Traube) bezeichnete Leiden verläuft stets chronisch, aber progressiv.
Von einer beschränkten Stelle an der Fessel ausgehend, breitet sich der Process allmälich aus und kann selbst bis über das Carpal-bez. Tarsalgelenk nach oben vordringen. Er besteht in einer lebhaften Wucherung der Reteelemento, welche jedoch nicht verhornen, sondern zerfallen und eine schmierige, übelriechende, graue Masse an der Ober­fläche der erkrankten Haut bilden. Bei langsamer Production stellen die gewucherten Zellen eine graue, mehlartige Masse dar. Gleich­zeitig vollzieht sich im Papillarkörper ein Wucherungsprocess, der zu einer bedeutenden Vergrösserung der Papillen, zur Bildung zahl­reicher Warzen führt. In der Regel lassen sich diese schon mit unbewaffnetem Auge erkennen, erlangen zuweilen die Grosse einer Erbse und darüber. Auch die unteren Abschnitte der Cutis und selbst die Subcutis nehmen an dem Wucherungsprocess oft Antheil, wodurch es zu bedeutenden elephantiastischen Verdickungen kommt. Durch üeberkriechen des Processes in die Haarbälge fallen die Haare aus, während die vereinzelt zurückbleibenden gesträubt stehen (Straub-fuss, Igelfuss).
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Verrucöse Mauke.
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Von Leblanc wurden bereits 1850 mikroskopische Untersuchungen der so erkrankten Haut angestellt und der Zustand für eine Hypertrophie erklärt; die Haarbälge und Talgdrüsen zeigten sich vergrössert. Ich habe bereits an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass dieser Process eine grosse Uebereinsthnmung mit dem Huf krebs besitze, und mit jenem als identisch bezeichnet werden könne; eine Ansicht, die meines Wissens bisher auf Widerspruch nicht gestossen ist. Auch werden nicht selten Uebergänge beider Leiden in der Weise beobachtet, dass sich zum Straubfuss der Hufkrebs und zum Hufkrebs der Straubfuss hinzugesellt.
Das Leiden findet sich häufiger an den Hinterfüssen, namentlich bei Pferden mit langem Behänge (Clydesdale) und erfasst oft mehrere Füsse nach einander. Ob demselben specifischo Ursachen zu Grunde liegen, muss vorläufig als nicht bewiesen, aber als wahrscheinlich an­gesehen werden. Zuweilen geht das Leiden aus der ekzematösen Form der Mauke hervor, nicht selten auch aus unbedeutenden Streich­wunden.
Beurtheilung. Spontane Heilung erscheint ausgeschlossen; der Zustand verlangt ebenso wie der sog. Hufkrebs eine sorgfältige und mühevolle Behandlung; oft vergehen Wochen und Monate, ehe man Herr desselben geworden ist. Je grosser die Ausbreitung, je lebhafter die Wucherung (Absonderung und Verdickuug) und je weiter die Wucherung iml'apillarkörper vorgeschritten ist, desto grössero Schwierig­keiten stellen sich der Behandlung entgegen. Haben die Bapilleu bereits eine bedeutende Grosse erlangt, und sich Falten in der Haut gebildet, so kann der Zustand als unheilbar betrachtet werden. Je lebhafter die Wucherung und Absonderung, desto schlechter die Prognose; die trockene Form bietet am ehesten Aussicht auf Heilung-
Behandlung. Da es sich zweifellos um ein locales Hautleiden handelt, so kann von einer innerlichen Behandlung abgesehen werden, tieinigung und Reinerhaltung der erkrankten Hautstelle, baldige Ent­fernung des zerfallenen Secretes oder Zerstörung der in demselben bestehenden Zersetzungsvorgänge bilden die Indicationen für die The­rapie. Zeigt sich der Process auf eine kleine Stelle beschränkt, so findet nach erfolgter Reinigung das Glüheisen vortheilhafte Anwendung. Mit dem weissglühenden Brenneisen fährt man einige Male über die kranke Fläche und legt danach einen Verband mit Desinfectionsmitteln an. Bei grösserer Ausbreitung lässt man einige Tage nach einander
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ß82nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Phalangen.
lauwarme Fussbäder von Chlorkalk (Hertwig), Creolin oder Sublimat­wasser anwenden und die leidenden Stellen im Bade öfter abwaschen.
Zu dem hierauf in Anwendung kommenden Verband empfiehlt sich ganz besonders eine Mischung von Creosot und Spiritus (1:6) oder Chlorzink (1:10) oder Creolin (50/n).
Grössere Warzen werden mit der Schere fortgenommen. Der Verband muss täglich erneuert und unter massiger Compression der kranken Theile angelegt werden. Salben sind zu vermeiden; erst wenn die Oberfläche trocken geworden, können zur Nachbehandlung Salben aus Hydrarg. oxydat. rubr. mit Paraffin oder Lanolin An­wendung finden.
Straube hat neuerdings den Kampfer empfohlen. Derselbe soll in Aether gelöst, mit der dreifachen Gewichtsmenge Vaselin zur Salbe vermischt auf die kranke Haut gerieben werden. Um die schnelle Verdunstung zu verhindern, lässt Straube die erkrankten Abschnitte mit Carbolwatte einschlagen und mit einer Flanellbinde umwickeln. Anfangs soll der Verband täglich, später alle 2—8 Tage gewechselt werden. Gegen heftiges Juckgefühl will Straube Arsenik innerlich mit Erfolg angewendet haben.
Wichtig erscheint der Grundsatz, nicht früher mit der Behand­lung auszusetzen, als bis auch die geringste Spur von Secretion an der Hautoberfläche verschwunden ist. Nachdem dieses erreicht ist, empfiehlt es sieb, die unteren Abschnitte der Füsse soweit möglich trocken zu halten und etwa eintretende Recidive sofort wieder in der­selben Weise zu behandeln.
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Die Krankheiten der Hintergliedmassen.
A. Krankheiten des Oberschenkels.
1. Yerletzimgen der Weiclitlieilo am Oberschenkel.
Quetschungen sowohl wie auch Wunden werden am häufigsten beim Pferde beobachtet, und /.war durch gegenseitiges Schlagen und Treten be­sonders im Winter mit scharfen Stollen, ferner durch Gegenfahren mit der Deichsel und Niederstürzen auf unebenem, harten Boden oder vor dem in der Bewegung befindlichen Wagen; Pferdebahn-und Ornnibuspferdo erleiden hierbei oft umfangreiche Verletzungen der Oberschenkel- und Kruppen­muskulatur. Bei Militilrpferden kommen hier Lanzenstiche, Säbelhiebe und Verletzungen mit den Sporen beim Sturz vor.
Bald handelt es sich um Quetschungen, welche mit Zerreissung grösserer Blutgefässe und Bildung umfangreicher Hämatome verbunden sind; bald entstehen ausgedehnte Trennungen in der ilusseren Haut und der Mus­kulatur. Am häufigsten wird der M. biceps femoris hiervon betroffen, nicht selten bilden die Mm. semitondinosus und semimombranosus den Sitz um­fangreicher Continuitätstrennungen. Auch beobachtet man bei grosseren Thieren in Folge von Stichen mit Mistgabeln septische, mit tieferen Zer­störungen verbundene internmskuläre Phlegmonen an der Hinterbacke.
Finden auch bei der Beurtheilung und Behandlung dieser Zustände die allgemeinen Grundsätze Anwendung, so sei hierüber doch Folgendes bemerkt: Die in Folge von Quetschungen, seltener durch gewaltsame Muskel­dehnungen entstandenen Extravasate bleiben in dor Eegel ohne besonderen Nachtheil, wenn man die früh/.oitigeEröffnung derselben vermeidet, wodurch leicht bedenkliche Nachblutungen zu Stande kommen, die zuweilen selbst durch energische Tamponade der Höhle nicht zu slillen sind. In frischen Fällen lasse man die verletzte Stelle energisch kühlen und gebe dem Thiere vollständige Euhe. Werden die Thiere weiter zur Arbeit ver­wendet oder transportirt, so findet nicht selten eine neue Blutung und Vergrösserung des Hämatoms statt. Kleinere Extravasate können vom 3. bis 4. Tage ab massirt werden, um die Resorptionen zu fördern, bei grosseren (etwa kopfgrossen) Hämatomen kommt in der Regel die Resorption nicht zu Stande oder sie dauert längere Zeit als die Heilung nach erfolgter Punk­tion. Doch schreite man zu dieser Operation nicht vor dem 5. bis (i. Tage nach dem Auftreten der Geschwulst, und zwar thcils um die Gefahr der Nach-
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(384nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Oberschenkels.
hlutung zu vermeiden, theils um Ini'ectionen und phlegmonöse Erkrankungen zu verhindern. In 5—(i Tagen ist die Thrombenbildung jedoch so vollstilndig, dass eine Blutung nicht mehr zu befürchten steht; auch sind in dieser Zeit die Wandungen des Hi'unatoms so weit plastisch inflltrlrt, dass die Zer-setzungsproducte des Blutes nach Eröftnung des Hämatoms nicht so leicht in die Nachbarschaft eindringen. Von diesem Gesichtspunkte aus empfiehlt sich auch die Oefi'nung der Geschwulst an ihrer tiefsten Stelle zu bewirken, die Höhle so weit möglich von dem geronnenen Blute zu reinigen und mit einer Desinfectionsflüssigkeit auszuspülen; auch kann die Application eines Brainrohres zweckmässig werden. Unter Beachtung dieser Massnahmen sieht man oft schnelle Heilung eintreten, zuweilen unter un­mittelbarer Vereinigung der Wandungen des Hämatoms. Dass hierzu die Anwendung von Desinficientien wesentlich beiträgt, versteht sich von selbst.
Wunden, die sich auf die ilussere Haut der Hinterbacke beschränken, heilen oft per priraam int., wenn dieselben alsbald und unter Beachtung antiseptischor Massnahmen sorgfältig geheftet und mit einem Des-inficienz (Jodoform und Tannin ,1:3) bedeckt werden. Dieser Vorgang kann durch Auflegen eines mit Hülfe des Schweifriemens befestigten reinen Tuches, welches man von Zeit zu Zeit mit einem Desinficienz anfeuchten liisst, unterstützt werden. Dass hierzu Kühe für das Thier erforderlich ist, versteht sich von selbst.
Muskel wunden heilen an dieser Stelle im allgemeinen leicht und am schnellsten unter dem Schorf. Sobald die Bedingungen hierzu ge­geben sind, nämlich: Einwirkung der äusseren Luft auf die ganze Wund­fläche, wie es bei Wunden mit Substanzverlust nicht selten der Fall ist, empfiehlt es sich diesen Hoilungsvorgang anzustreben. Man lasse die Wunde sorgfältig reinigen, entferne die losen Fetzen, spüle mit einem Desinficienz nach, und nachdem die etwa blutenden Gefässe unterbunden sind, bepudere man die Wunde mit Jodofonntannin. Hierauf entsteht in der Regel ein trockener, schwarzbraun gefärbter Schorf, welcher sich der VVundfläche fest anlegt. Wo dieses eingetreten ist, kann von jeder weiteren Behandlung Abstand genommen und dem Thiere nur Euhe gegeben werden; die Hei­lung erfolgt alsdann schnell und ohne alle Störungen. Löst sich der Schorf an einzelnen Stellen ab, so entferne man denselben, tupfe das Wundsecret mit etwas Watte oder Holzwolle ab und wiederhole das Verfahren. Zu­weilen tritt nur an den oberen Abtheilungen Heilung unter dem Schorfe ein, während die übrigen von dem abfliessenden Wundsecret verhindert werden auszutrocknen, daher unter Eiterung heilen.
Berühren sich die Wundflächen, oder bestehen Taschen und tiefere Verletzungen, so heilt die Wunde in der Regel mit Eiterung, weil es nur selten gelingt einen aseptischen Zustand derselben zu erhalten. In solchen Fällen sorge man durch Spaltung, Gegen Öffnungen, event, unter Anwendung von Haarseiion und Drains, sowie durch öfteres Reinigen für die regel-mässige Entfernung des Wundsecretes und verhüte so Eiterversenkungen.
Wenn auch die Heilung per priinam intent, ausgeschlossen erscheint, so kann das Heften der Wundränder dennoch zweckmässig werden, um die Heilungsvorgänge abzukürzen. Dies ist namentlich der Fall, wenn die äussere Haut in grüsserer Ausdehnung von ihrer Unterlage abgetrennt war. Werden die Hautlappen mit Hülfe eines nicht zu dünnen Fadens oder besser noch mit einem Bande geheftet, das nicht so leicht durchschneidet, so tritt weniger leicht Retraction der Haut ein, wodurch namentlich bei grösseren Defecten die Heilung verzögert wird.
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Brüche des Oberschenkelbeines.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(381:
2. Brüche des Oberschenkelbeines.
Lit: Drosse, Th. Mitth. 1867. S. 152. Schrader, Her. Rep. 9. S. 91. Die­terichs, Gurlt u. Hertwig. 22. S. 402. Stockfleth, Chirurgie. S. 515. Hanzo, Th. Mitth. 1878. S. 118. Wilhelm, Jahrb. 1889. S. 122. Hess, Her. Rep. 38. S. 299. Sohwerdtfeger, Dresd. Bor. 1861. S. 120. Lichte, Gurlt u. Hertwig. 17. S. 369. Dieckerho ff. Ad. Wooh. 24. S. 95. Fiedler, Th. Mitth. 1879. 8. 87.
1 Trotz der geschützten Lage des Oberschenkels werden Frakturen
desselben bei den verschiedenen Thierarten nicht selten beobachtet. Bei kleinen Thieren, Hunden, geben Fusstritto, beim Pferde Hufschläge und ebenso wie beim Kinde Niederstürzen zur Entstehung desselben Ver­anlassung. Bei Pferden können heftige Muskelactionen am gefesselten Thier den Bruch erzeugen und zwar namentlich, wenn der Fuss zu hoch ausgebunden (der Huf über das Ellenbogengelenk hinaus geführt) war und in dieser Lage energisch gestreckt wurde. Nach Gurlt soll auch das Ausbinden des Hiiiterfusses auf den Vorderfuss Ursache von Femurfrakturen werden können; ich lasse diese Befestigung auf dem Schienbein oft vornehmen, sah jedoch niemals einen Bruch dabei auf­treten. Dagegen halte ich das Ausbinden auf den Vorarm oder an den Ring eines Brustgurtes nicht für unbedenklich. Jede absolute Fixirung des Hinterfasses in der Beugestellung giebt leicht zu diesem Bruche Anlass, weil für gewaltsame Streckung des Schenkels bedeu­tende Muskelkräfte zur Verfügung stehen. Je weniger Hindernisse dieser Streckung entgegengestellt werden, desto sicherer hissen sich Schenkelbrüche vermeiden. Lichte berichtet über eine Oberschenkel­fraktur beim Pferde, welches mit horizontaler Luxation der Patella behaftet war.
Frakturen am Collum femoris sind bei Thieren viel seltener als beim Menschen, weil die Halsbildung am Femur nicht wie dort ausgeprägt ist; doch wurden auch beim Pferde derartige Brüche beobachtet. Schrader berichtet über einen solchen, wobei der Gelenk­kopf in der Höhe des unteren Umdrehers mit dem Femur wieder ver­wachsen war. Häufiger werden Brüche am Gelenkkopfe beobachtet; Dieterichs sah sogar beim Pferde einen doppelseitigen Bruch des Oaput femoris. Selten treten Frakturen an den Umdrchern auf; ich selbst fand einmal den unteren ümdreher beim Pferde durch Fallen auf unebenem Boden frakturirt; nicht häufig stellen sich Brüche an den unteren Gelenkfortsätzen ein, doch wurden solche von Stockfleth
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(j8()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Oberschenkels.
wie auch von mir beobaclitet; hierbei handelt es sich zuweilen um einen intracapsulilren Bruch. Am häufigsten sind Brüche der Diaphyse, und zwar bei Hunden meist in der Nähe des unteren Endes. Auch kommen nicht selten Splitterbrüche vor; Greve (Hertwig) fand das Oberschenkelbein eines Pferdes in 85 Stücke gebrochen. Hering und D rosse wollen Fissuren des Oberschenkels beim Pferde gesehen haben, welche durch Hufschläge entstanden waren; bei der Section fand sich ein Querbruch des Femur; es scheint demnach eine In­fraction vorgelegen zu haben. Fiedler sah beim Fohlen Ablösung der oberen Epiphyse von der Diaphyse in Verbindung mit Luxation des Femur.
Die Erscheinungen lassen über die Gegenwart des Zustandes keinen Zweifel, sobald die Fraktur durch die Diaphyse oder den Kopf bezw. Hals des Knochens geht: Hochgradige Schmerzhaftig-keit (Stütz- und Hangbeinlahmheit) mit abnormer Beweglichkeit des Schenkels, namentlich nach aussei! (Abduction) und Crepitation, kennzeichnen eine Oberschenkelfraktur; die Crepitation fehlt nicht selten bei Hunden in Folge starker Deviation der Bruchstücke. In der Regel macht sich schon von weitem eine schlotternde Beweglichkeit des ganzen Schenkels bemerkbar, und es kann nur in Frage kommen, ob die Fraktur am Femur oder der Tibia ihren Sitz hat.
Fraktur eines Umdrehers ruft Anschwellung und ausgespro­chene Hangboinlahmheit mit Verlangsamung der Bewegung und Verkürzung des Schrittes nach vorn hervor und ist oft mit Adductionsstellung des Schenkels verbunden. An dem einen oder andern der unteren Condylen ruft der Bruch heftigen, localisirten Schmerz hervor und veranlasst starke Bcugestellung des Schenkels, wie bei der Gonitis. Auch die übrigen Erscheinungen der Kniegelenk­entzündung machen sich in den nächsten Tagen bemerklich.
Der Verlauf gestaltet sich im allgemeinen ungünstig, namentlich beim Pferd und Binde, sobald erhebliche Stützbeinlahniheit mit dem Zustande verbunden ist. Frakturen an der Diaphyse können durch Ver­letzung der grossen Scheukelgefässe unter den Erscheinungen einer Verblutung zum Tode führen. Am Caput und am Collum femoris kommt ebenfalls nur selten Wiedervereinigung zu Stande. Hess fand selbst nach einem Jahre den abgelösten Gelenkkopf ohne feste Verbindung mit dem Femur, ebenso Schwerdtfeger nach einem halben .fahre. Wo aber Heilung eintritt, bleibt fast immer Lahmheit
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Frakturen ties Oberschenkelbeines.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;087
zurück. Sehr ungünstig verlaufen auch Frakturen an den unteren Condylen, günstiger dagegen gestalten sich Brüche der Diaphyse bei kleinen Thieren, wenn keine starke Deviation (Verkürzung des Schenkels) besteht. Leider ist diese bei Hunden meist erheblich, indem das obere Bruchstück durch die Muskulatur nach hinten, das untere nach vorn bewegt wird, wobei es leicht zu einer bedeutenden Interposition von Muskelmassen kommt, welche die regelmiissige Callusbihlung sehr erschwert bezw. unmöglich macht. Dass incless selbst bei grösseren Thieren die Heilung nicht ausgeschlossen ist, be­weisen die Beobachtungen von Hanzo, Wilhelm u. A. Wilhelm sah sogar eine Femurfraktur beim Pferde heilen, welche mit einem Schambeinbruch an der anderen Seite verbunden war. Nachdem das Pferd 10 Wochen im Hängegurt gestanden hatte, konnte es zu leichter Ackerarbeit verwendet werden. Der betreffende Fuss war jedoch um 8 cm zu kurz. Bei Hunden sah ich wiederholt nach Frakturen der Diaphyse Bildung von Callus flbrosus und dauernde Lahmheit, aber auch umgekehrt vollständige Heilung mit Beseitigung der Lahmheit eintreten. Am wenigsten Bedeutung haben diese Brüche beim Schwein und den kleinen Wiederkäuern; hier heilen sie leichter, weil die Thiore den Fuss mehr zu schonen im Stande sind. Am günstigsten müssen noch Frakturen der Umdreher beurtheilt werden. Da sie keine Stützbeinlalnnheit veranlassen, kommt der andere Fuss nicht in die Gefahr, Senkungen des Hufbeines zu erleiden. Die vollkommene Heilung stösst jedoch auch hier oft auf Schwierig­keiten und bleibt nicht selten Lahmheit zurück, die den Gebrauch des Pferdes nur in langsamem Schritt gestattet. Die Beurtheilung hängt hier vornehmlich von dem Grade der Bewegungsstörung ab, die mit dem Bruch verbunden ist.
Die Behandlung beschränkt sich im ganzen darauf, dem Tliiere absolute Buhe zu geben; Pferde werden in den Hängegurt gebracht. Die mehrfach beschriebene Einrenkung ist für gewöhnlich nicht aus-fiihrbar; selbst bei Hunden stösst man hierbei auf den Widerstand der verhilltnissmässig starken Muskeln des Oberschenkels und damit häufig auf grosse Schwierigkeiten. Wird hier die Extension und Contraextenslon versucht, so weichen die Bruchfragmente oft noch weiter aus einander. Bei Hunden empfiehlt sich die Jiepositlon SO gut es geht zu versuchen, sodann einen Gypsverband, vom Metatarsus ausgehend soweit nach oben zu legen, als es möglich 1st, und diesen durch Anlegung eines sog. „Sattelsquot; zu fixiren, d. h. man lässt die
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Krankheiten des Oberschenkels,
Binclentouren über den Rücken gehen und schlingt dieselben zugleich um den Oberschenkel der anderen Seite, um so das Herabgleiten des Verbandes zu verhindern. Auf diese Weise habe ich wiederholt bei Hunden Heilung erzielt; in andern Fällen blieb sie trotzdem aus.
Bei weitem grössere Schwierigkeiten stellten sich bei den grossen Thieren der Keduction entgegen (man würde dazu womöglich Narkose anwenden) und nicht geringere auch der Retention. Die mehr­fach beschriebenen Bandagen wie Schienenverbände u. s. w. habe ich niemals so zu befestigen vermocht, um eine sichere Lage derselben ZU erzielen, ohne Druckwirkung zu erzeugen. Bei den heutigen Unter­haltungskosten lohnt sich auch ein Heilversuch beim Pferde höchst selten.
Den Wiederkäuern und Schweinen würde man Ruhe und einen bequemen Stall mit möglichst weicher und ebener Streu (Torfstreu) geben. Um Beunruhigungen durch andere Thiere zu vermeiden, müssen Schweine separirt werden.
Zur Vermeidung von Schenkelbrüchen am gefesselten Pferde kann ich in Uebereinstinnnnng mit Dieckorhoff die sogen. Schenkelbremse em­pfohlen. Ein Gurt oder starkes Seil wird mit Hülfe eines 3|4 m langen starken Stockes (Besenstiel) um den oben liegenden Hinterscbenkel und zwar etwa 1—2 Hand breit über dem Sprunggelenke so geschnürt, dass die Achillessehne gegen den Unterschenkel gepresst wird. Sobald das Pferd nun eine gewaltsame Streckung des Schenkels versucht, entstehen durch den Druck der Bremse erhebliche Schmerzen, welche es von weiteren Ver­suchen abhalten; auch wird die Wirkung der Strecker direct gehemmt.
Ferner ist zu empfehlen, don Puss beim Ausbinden nicht vollständig zu fixiren, so dass der etwaigen Streckung kein absolutes Hinderniss ent­gegensteht. Deshalb lasse ich den Gurt oder Strick zum Ausbinden über den Unterschenkel schlingen, zwischen beide Vorderschenkel nach vorn, unter den Hals und über den Widerrüst zum Schenkel zurückführen, nun­mehr unmittelbar unter der ersten Schlinge zweimal um den Puss logen und das Ende über den Eumpf hinweg geführt von zwei Gehülfen halten. Man ziehe den Gurt nicht zu fest an, so dass der Hinterfuss beweg­lich bleibt.
Eine Praktur des unteren Trochanter wurde von mir 1875 bei einem älteren Pferde am rechten Hinterfusse beobachtet. Dor Schritt war um '/i seiner normalen Länge nach vorne verkürzt; Beugungen der Gelenke wurden ängstlich vermieden, deshalb streifte beim Gehen die Zehe des Hufes den Boden. Beim Vorführen beschrieb der Schenkel einen nach aussen gerichteten Bogen, wobei der Puss oft bis zur Höhe der Medianobeno des Körpers nach innen geführt wurde. Während der Belastung der kranken Seite senkte sich die entgegengesetzte Seite der Kruppe, so dass der linke laterale Darm­beinwinkel etwa 5 cm tiefer stand als der rechte; ein Gleiches konnte beob­achtet werden, wenn der rechte Vorderfuss aufgehoben wurde.
An der Stelle, wo der untere Trochanter liegen sollte, inachte sich eine 3 Pinger breite Vertiefung bemerkbar, welche am vorderen Eande des langen Auswärtsziehers beginnend (i cm lang horizontal verlief, dann
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Verrenkung des Hüftgelenkes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (jgp
in leichtem Bogen nach aufwärts stieg und sich am hinteren Rande des Tensor fasciae latae verlor. Dicht vor dem langen Auswärtszieher Hess sich der untere Umdreher bei genauer Untersuchung feststellen; seine Be­wegungen veranlassten ein schwaches Crepitationsgerilusch. Da das Pferd der Beobachtung entzogen wurde, so können über den Verlauf des Leidens keine nilheren Mittheilungen gemacht werden.
3. Verrenkung des Hüftgelenkes. Luxatio femoris.
Lit.: Lafos.se, Her. Rcp. 13. S. 247. Hanns, Qurlt U. Hortwig. 37. S. 141. Derselbe, Han. Ber. 1876. u. 1879/80. Dieterichs, Chirurgie. S. (155. Derselbe, Gurlt u. Hortwig. 23. S. 200. Falko, das. 23. S. 04 u. 24. S. 378. Schirlitz, Th. Mitth. 79. S. 88. Bossi, Her. Rep. 18. S. 167. Eilert, Gurlt u. Hortwig. 22. S. 253. Fiedler, Th. Mitth. 1879. S. 87.
Die Tiefe der Gelenkpfanne wie auch die Stärke des Ligamentum teres lassen OberschenkelveiTenkungen beim Pferde nicht leicht ein­treten. Von lligot u. a. wurde ihr Vorkommen überhaupt in Zweifel gezogen, doch liegen verschiedene Mittheilungen vor (Sehr ad er, Falke u. a.), welche die Möglichkeit derselben bestätigt haben. Ebenso steht aber fest, dass eine complete Luxation ohne Zerreissung des Ligamentum teres nicht eintreten kann, so class in dieser Streit­frage mit Falke Dieterichs entschieden Recht hatte; nur der vom geraden Bauchmuskel stammende Schenkel dieses Bandes kann bei der Luxation intact bleiben. Dagegen zerreisst hier regelmässig das Kapsel' Land sowie die nachbarliche Muskulatur. Incomplete Luxationen dürften beim Pferde kaum vorkommen; auch die von Harms hei Kühen hierüber gemachten Mittheilungen erscheinen nicht ganz klar gestellt.
Während beim Pferde das Oollum und der Grelenkkopf leichter bricht als luxirt, liegen die Verhältnisse beim Binde und den übrigen Thieren für das Zustandekommen von Obersehenkelhixatkmen günstiger. Die Gelenkpfanne ist hier flacher und das Ligamentum teres schwächer; so erklärt sich das bei weitem häufigere Vorkommen des Leidens bei diesen. Auch beim Hunde sah ich wiederholt llüftgelenkluxa-tionen. Fiedler beobachtete Luxation des Femur in Verbindung mit Epiphysenablösung bei einem Füllen.
Als Ursachen wirken forcirte Bewegungen des Schenkels im Hüftgelenke; bald excessive Beugung besonders beim Niederstürzen, bald übennässige Streckung beim Ausgleiten, bald starke Seitwärts-bewegungen (Abduction und Adduction). Daher erklärt sich, dass der
Möller, Speolelle (üiirurglo für Thierarzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;44
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(390nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Hüftgegend.
Gelenkkopf nach verschiedenen Seiten aus dein Acetabulum schlüpfen und verschiedene abnorme Stellungen annehmen kann, wodurch nicht nur Eigenthümlichkeiten in dem Krankheitsbilde entstehen, sondern auch die Beurtheilnng und Behandlung beeinflusst werden muss.
Erscheinungen. Der luxirte Schenkel zeigt sich bald ver­längert, bald verkürzt, bald verharrt derselbe in Adduction, bald in Abduction. Seine Beweglichkeit ist bald für diese, bald für jene Be­wegungen eingeschränkt, während andere in ungewöhnlicher Freiheit ausgeführt werden können. Diese Einschränkung der passiven Be­weglichkeit unterscheidet die Luxation von der Fraktur. Auch das Fehlen der Crepitation spricht für Luxation. In jedem Falle zeigt sich eine erhebliche Gebrauchsstörung an dem Schenkel. Die Luxation ist stets von einer ausgesprochenen Hangbeinlahmheit begleitet; doch er­scheint auch die stützende Thätigkeit des Schenkels aufgehoben oder im hohen Grade beeinträchtigt (Stützbeinlahmheit).
Am Hüftgelenk macht sich nach einiger Zeit eine Anschwellung, zuweilen auch eine Vertiefung bemerkbar, während die Stellung des oberen Trochanters verändert erscheint; bald tritt derselbe deutlicher hervor, bald verschwindet er in den Weichtheilen. Die äussere Haut erscheint am Hüftgelenk und dessen Umgebung entweder stärker an­gespannt oder schlaff. Bei Luxationen in das eirunde Loch lässt sich der Kopf des Oberschenkels vom Mastdarm oder der Scheide aus fühlen und besonders bei Bewegungen des Schenkels deutlich nach­weisen.
Die Prognose erscheint bei grösseren Thieren stets zweifelhaft, meist ungünstig. Nur bei frischer Verrenkung (in den ersten 3 Tagen) gelingt wohl die Reduction, aber auch hier nur mit Ueberwindung grös-serer Schwierigkeiten. Leichter lässt sich diese bei kleinen Thieren, namentlich in der ersten Zeit bewirken; sobald jedoch erhebliche An­schwellung eingetreten ist, treten Weichtheile sowie das ergossene Blut in die Gelenkpfanne und bieten der Reduction oft unüberwind­liche Hindernisse, Dazu kommt, dass in Folge Zerreissung des Liga-mentum teres namentlich bei grösseren Thieren leicht Recidive ein­treten. Hier ist daher Heilung die Ausnahme, indem namentlich Arbeitsfähigkeit der Thiere selten wiederhergestellt wird. Nach län­gerem Bestehen der Luxation bildet die Muskelcontractur ein weiteres Hinderniss für die Reduction.
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Verrenkung des Hüftgelenkes.
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Behandlung. Zur Reduction müssen grössere Thiere auf die gesunde Seite gelegt und narkotisirt werden; da Menschenkraft zur Extension der Glieder nicht ausreicht, so müssen Hebelkräfto in An­wendung kommen, #9632;/.. B. ein Flaschenzug. Während mit Hülfe solcher Vorrichtungen die Extension erzielt ist, fallt dem Operateur die Auf­gabe zu, je nach der Lage des Gelenkkopfes die Reposition zu be­wirken , wobei bald Abduction, bald Adduction wie Rotation des Schenkels erforderlich wird. Bei kleinen Thieren (Hund) lässt man von Gehülfen die Extension und Contraextension bewirken, während der Operateur unter Berücksichtigung der abnormen Lage des Caput femoris die Reposition ausführt.
Nach vollzogener Einrenkung werden Pferde in einen Hängegurt gebracht, um das Niederlegen zu verhindern, wobei leicht eine neue Verrenkung eintreten kann. Ruhe ist für tille Thiere in der ersten Zeit erforderlich.
#9632; #9632;
Da die anatomische Lage des Oberschenkels zum Becken bei den Thieren sich anders gestaltet wie beim Mensehen, so muss auch die Nomen-clatur so wie die Behandlung der Verrenkungen hier anders ausfallen. Mir scheint folgende Eintheilung empfehlenswerth:
Luxatio femoris nach:
vorn := L. iliaca.
hinten = L. isohiadioa.
innen:
a)nbsp; L. pubioa.
b)nbsp;L. obturatoria.
aussen ss L. s u-p r a c o t y 1 o i d e a.
Caput femoris steht auf dem D a r m b e i n.
Caput femoris steht unter dem lateralen Ast des Sitz­beines.
a) Luxatio pu-
b i c a. Caput femoris steht unter dem Q u e r a s t des S c h a m-beines.
Ursachen. Exces-siveAbduction, beim Rind und Pferd (Bossi und Lafosse) durch Reiten auf Standbaum, Aus­gleiten u. s. w.
Caput femoris steht über der Gelenkpfanne.
I
I isaclicn. Ab­norme Adductionsbe-
wegung, Stoss, Schlag, Fall. Meist bei Hunden.
Ursachen! For-
eirte Streckung mit Rotationnach aussen (Supination). Meist bei Kühen, auch Pferden (Schrador); durch plötzliches Wenden im Stalle.
Ursnehen. For-cirte Abduction mit Rotationnach innen (l'ronation). Aus­gleiten, meist beim Rinde.
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(392
Krankheiten der Hüttgegend.
vorn = L. iliaca.
hinten = L. i s c h i a d i c a.
innen: a) L. pu bioa. b)L. obturator! an
aussen = L. su-praootyloidea.
Erscheiiiungen.
Abduction mit
Rotation nach aussen. Bei Be­lastung der kranken Seite senkt sieh die Hüfte, der Trochan-ter tritt deutlich hervor und setzt die äussere Haut in Spannung, welche
am Oberschenkel und Knie in Falten liegt. Der Schenkel erscheint verkürzt, derKniewinkel offen, das Femur stellt fast senkrecht.
Stockfleth sah diese Verrenkung bei der
Kuh doppelseitig auftreten.
Erscheinungen. Das Thier legt sich mit Vorliebe auf den Bauch bei ab-ducirtem und nach
innen rotirtem
Schenkel. Beim
Stehen bildet sich
vor dem M. biceps
eine Furche und am
Trochanter eine Vertiefung, Haut auf derKruppe straff angespannt. An­schwellung und Schmerz gering. Durch Schlag gegen den Umdreher oder schnelles Zurück­schieben des ge­streckten Schenkels wird ein lauter Ton erzeugt, welcher durch das Gegen­schlagen des Caput femoris gegen das Sitzbein entstellt. Stütz- und Hang-boiiilahmheit, Gang schleppend, im Bo­gen, Zehe schleift oft den Hoden.
Prognose ungün­stig. Stockfleth konnte von ü Rin­dern nur 2 erhalten.
b) Luxatio obtu­rate r i a. Caput femoris stellt im eirunden Loch.
Erscheinungen.
a)nbsp; Bei L. pubica. Abduction und
Ro t atio n nach aussen. Schwan­kender , unsicherer Gang, Trochanter undeutlich; über dem Hüftgelenk eine Vertiefung; pas­sive Beweglichkeit, Abduction abnorm, für Adduction ein­geschränkt.
b)nbsp; Luxatio obtu-
rator i a. Im allgemeinen dieselben Sympto­me. Die Untersu­chung per anum oder vaginam lässt das Caput beson­ders bei Bewegun­gen des Schenkels deutlich erkennen.
Erscheinungen.
Verkürzung des Schenkels und Adduction. Ab­duction und Bewe­gungbeschränkt. An­schwellung über dem HUftgelenk.Trochan-ter deutlich hervor­tretend.
Prognose. Beim Pferde und boim
Rinde schlecht. Wenn Einrenkung nicht erfolgt, kann
Prognose eben­falls schlecht, nur in ganz frischen Fällen Reposition möglich.
Prognose. Bei Hunden nur anfangs
günstig; später dauernde Lahmheit; beigrösserenTliiereu
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Entzündung des Hüftgelenkes.
698
vorn s= L. iliiica.
hintun = L. i s c h i a d i c a.
innen;
a) L. p u b i c a.
b)L. obturatoria.
aussen = L. su-pracotyloide a.
bei leichten Thieren wohl einige Bewe­gungsfreiheit durch ein künstliches Ge­lenk wieder erlangt werden, doch bleibt Lahmheit zurück. Nach Reduction erraquo; folgen leicht Reci-dive.
Kehandlnng wie
im allgemeinen. Ex­tension und Ver­schiebung des Ge­lenkkopfes nach hin­ten.
Itehnndliing. Zur
Reposition: Exten­sion in abducirter Schenkellage, dann schnelle Adduction mit Rotation nach aussen.
noch weniger Aus­sicht auf dauernde Heilung.
HcliaiKlliiue-. Starke Extension in abducivtcrSchenkol-lage, darauf ist unter Rotation nach aussen und Adduc­tion die Reduction /,u bewirken.
Belinndllliig. Ex­tension am flektirten Schenkel in Abduc-tionsrichtung.'darauf muss unter Adduc­tion die Einrenkung erfolgen.
4. Entziimlimg rtes Hüftgelenkes. Coxitis.
Lit.; Harms, Rindviehkrankheiten. S. 285 u. 288. Eberhardt, Gurlt u. Hert-wig. 22. S. 42. Noack, Dresd. Der. 1889. S. 78. Falke, Gurlt u. Hert-wig. 23. S. 04 u. 378.
Neben dem Ellenbogen besitzt das Hüftgelenk anscheinend die grösste Widerstandsfähigkeit und erkrankt namentlich beim Pferde nur selten; doch kommen bei diesen Thieren und mehr noch bei Rindern Distorsionen des Hüftgelenkes vor, welche, wie bereits besprochen, mit partieller oder totaler Zerreissnng des Ligamentuni teres sowie des Kapselbandes verbunden sind; in Bezug auf das Uind hat Harms um­fangreiche Beobachtungen mitgetheilt; am Caput femoris fanden sicli abgeriebene Stellen. Eberhardt berichtet ebenfalls über dieses Leiden bei Ochsen; die Section ergab Zerreissnng des Ligamentum teres wie auch einiger Muskeln in der Umgebung dos Gelenkes.
Es muss ferner das Vorkommen von Coutusionen des Hüftgelenkes durch Niederstürzen auf hartem, unebenem Boden zugegeben werden; häufiger erkrankt allerdings unter diesen Umständen die Bursa trochan-terica (S. (595).
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Ü94
Krankheiton der Hüftgegend.
Spontane Entzündungen des Hüftgelenkes gehören zu den Seltenheiten; beim Bände wurde eiterige Coxitis beobachtet, von Noack sogar an beiden Gelenken; dieselbe war wahrscheinlich in Folge einer traumatischen Pericarditis auf embolischem Wege entstanden. Auch bei der sogen. Lähme entwickeln sich eiterige Entzündungen des Hüft­gelenkes, wenn auch nicht so oft wie an anderen Gelenken. Bei Kin­dern dürften wie beim Menschen die eiterigen Processe am Hüftgelenke zum Theil auf tubcrculösem Boden entstehen.
Die chronische Entzündung, welche beim Menschen als Malum coxae so häutig beobachtet wird, findet sich bei den Thieren höchst selten; dass solche aber vorkommen, geht alis den Angaben Falkes hervor. Schrader, welcher sich mit dieser Art der Erkrankung beim Pferde besonders beschäftigte, bezeichnet sie bereits als sehr selten. Auch trifft man sie nur selten bei Sectionen an.
Erscheinungen. Je nach dem Grade der Entzündung zeigt sich die Lahmheit mehr oder weniger stark. Hinder stellen bei der üistor-sion den kranken Fuss nach vorn, während die Zehe nach aussei! ge­richtet ist (Harms). Der Gang ist schwankend, der Schenkel wird in einem nach ausscn gerichteten Bogen schleudernd vorgeführt. Bei der Belastung knickt derselbe oft zusammen, besonders bei Wendungen auf dem kranken Fusse (Harms). Aelmliche Erscheinungen werden bei Pferden angetroffen; in der Regel besteht eine Hangbeinlahmheit, verbunden mit Abductionstellung. Bei eiteriger Erkrankung machen sich phlegmonöse Processe in der Gegend des Gelenkes bemerkbar.
Verlauf. Die von Harms beobachtete Erkrankung der Hüft­gelenke beim Rinde nahm in der Regel einen ungünstigen Verlauf; nur in einzelnen Fällen trat Besserung, aber in keinem vollständige Heilung ein. Bei hochgradiger Lahmheit ist das Schlachten des Thieres vorzuziehen. Contusionen des Hüftgelenkes bei Pferden führen regel-mässig in etwa 14 Tagen zur Heilung. Eiterige Erkrankungen sowie Arthrit. chron. deformans bilden dagegen unheilbare Zustände.
Behandlung. Ruhe ist vor allem nothwendig. Wenn die Thiere in dem Zustande nicht ohne Hülfe aufstellen können, lilsst man Pferde am besten in einen Hängegurt, anderenfalls in einen möglichst weichen, bequemen Stand bringen.
Frische Contusionen und Distorsion werden namentlich bei grös-seren Schmerzen anhaltend aektlhlt. Wenn sich nach etwa 8 Tagen
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Bursitis glutaei raedii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 005
keine erhebliche Besserung bemerkbar macht, findet eine scharfe Ein­reibung (Sublimat oder Hydrarg. bijodat. mit Fett von Vaselin 1; 8) VOI'quot; theilhafte Anwendung. Auch können Haarseile und Fontanelle hier nützlich werden. Ihre Wirkung beruht jedoch vornehmlich auf der mit ihnen gewährten, andauernden Ruhe für den Patienten. Auch das Fer-rum candens übt hierbei oft einen günstigen Einfluss aus.
5. Entziinduug der Sehne und Sehnenscheide des M. glutaeus medius. Bnrsitis glutaei inedii, s. trochauterica.
Lit.: Günther, Myologie. S. 201. Renner, Qurlt u. Hertwig. 3(!. S. 470. Kettritz, The vet. journ. 22. S. 158. Williams, Chirurgie. 6. Aufl. S. 292.
Anatomie. Der grosso Gosiissmuskel (M. glutaeus medius h.), wolelier gleichsam eine Verlängerung des M. longissimus dorsi darstellt (Günther), besitzt beim Pferde zwei Sehnen, von denen sich die eine an den oberen Unidreher des Oberschenkels anheftet, während die zweite über den mitt­leren Umdreher hin wegzieht, auf der üherknorpolten Fläche desselben eine umfangreiche Sehnenscheide bildet und sich unter dem unteren Umdreher an das Oberschenkelbein anheftet. Die Entzündung der Sohne und ihrer Scheide auf dem mittleren Umdreher ruft zuweilen bei Pferden eine eigen-thümliche Lahmheit hervor, welche zuerst von K. Günther beschrieben, später von Kenner u. A. sowie auch von mir wiederholt beobachtet wurde. In England bezeichnet man das Leiden als Trochanteric lameness (Williams).
Ursachen. Veranlassung zu diesem, nur bei Pferden beobach­teten Leiden geben Quetschungen oder heftige Dehnungen der Sehne und ihrer Scheide. Die ersteren entstehen durch Niederstürzen auf hartem Boden, durch Gegenfahren mit der Deichsel oder Schläge mit einem schweren Gegenstande; Dehnungen erleidet die Sohne nicht nur bei der Arbeit im schweren Zuge, sondern namentlich beim Nieder­stürzen mit untergeschlagenem Hinterfuss, wie es beim Hängenbleiben des Fusses im Anbindestrick nicht selten vorkommt. Ferner soll plötz­liches Pariren den Zustand veranlassen können. Pferde mit abschüs­siger Kruppe und schwacher Muskulatur scheinen eine besondere Dis­position zu dem Leiden zu haben.
Verlauf. Die Krankheit stellt zunächst eine acute Bursitis bez. Tendinitis dar, welche aber in der Regel einen chronischen Verlauf nimmt; sie kann auch von vorn herein chronisch auftreten. Dieses hängt vornehmlich von den veranlassenden Ursachen, dann aber auch davon ab, ob der Zustand entsprechend behandelt wurde; findet letzteres
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090nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Hüftgegend.
statt, so kann die Lahmheit in 4—ü Wochen beseitigt werden, anderen­falls, und wenn die Läsion eine schwere war, entwickelt sich nicht selten ein unheilbarer Zustand, in Folge dessen die Thiere dauernd unbrauchbar werden.
Die Prognose hängt vorzugsweise von der Dauer des Bestehens und dem Grade der Erkrankung ab. Bei leichter Lahmheit und in frischen Fällen kann dieselbe günstig gestellt werden, sofern dem Thiere die nöthige Ruhe gewährt wird. Bei schweren Lastpferden, wie auch bei Beitpferden gestaltet sich die Aussicht auf vollständige Heilung weniger günstig als bei Pferden, die nur zu leichter Arbeit verwendet werden. Muskelschwund, starke Auftreibung und erhebliche, bereits längere Zeit bestandene Lahmheit lassen die Prognose zweifelhaft er­scheinen. Dies ist namentlich der Fall, wenn sich auf dem Trochanter periostitische Processe mit Exostosenbildung und Usuration seines Knorpelüberzuges entwickeln, wie Williams beobachtet und beschrieben hat. Dagegen scheint mir die Behauptung Kettritz's, dass die Bursa unter Umständen mit dem Hüftgelenk connnunicire und die Gefahr der Mitleidenschaft desselben vorliege, unbegründet.
Erscheinungen. Bei frischer, acuter Entzündung zeigt sich am mittleren Umdreher vermehrte Wärme, Anschwellung und Schmerz auf Druck. Im Stande der Buhe wird der Schenkel in Beugestellung ge­halten, oft aber bemerkt man im Stalle keinerlei Störungen an dem Pferde. Bei der Bewegung zeigt sich der Schritt ein wenig nach vorn verkürzt; zuweilen wird die Belastung des Schenkels nach hinten ab­gekürzt. Das Pferd geht schief, wie der Hund (Günther), indem die gesunde Seite vorgeschoben und der Fuss in Pronationsstellung (Ro­tation nach innen) gehalten wird. Legt man während der Bewegung die Hand auf den mittleren Umdreher, so wird zuweilen deutliche Crepitation wahrgenommen (Tendovaginitis crepitans). Später stellt sich Schwund in der Kruppenmuskulatur ein.
Bei leichter, namentlich chronischer Erkrankung zeigt sich die Lahmheit oft nur bei Wendungen oder im schweren Zuge, indem das Pferd mit dem gesunden Fusse anzieht und die Belastung des kranken abzukürzen sucht.
Diese Bewegungsstörungen können nach meinen Beobachtungen jedoch auch bei anderen Leiden, z. B. bei älteren Beckenbrüchen vor­kommen, weshalb sich die Diagnose in erster Linie auf die localen Veränderungen stützen muss. Am meisten zuverlässig erscheint der
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Nervenlilhmungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (J97
Nachweis des Crepitationsgerilusches, denn sowohl die Anschwellung wie auch die Schmerzen können vom oberen Umdreher herrUliren (S. 090).
Behandlung. Bei frischer, mit acuten Ent/ündungserscheimingen verhunclener Erkrankung ist neben absoluter Ruhe die Application von Kälte zu empfehlen, und zwar entweder in Form von Umschlägen, Lehmanstrichen oder von Irrigationen. Später finden Scharfsalben zweckmüssige Anwendung, und wo auch diese nicht zum Ziele führen, können Haarseile und das GHüheisen unter Umständen noch Heilung bewirken. Man gebe dem Thiere jedoch auch nach dem Verschwinden der Lahmheit noch einige Zeit Ruhe und verschone es namentlich mit schwerer Arbeit, weil sonst leicht Recidive auftreten; manche Pferde lassen sich nur noch in leichtem Dienste verwenden.
6. NervciilUhimiiigcn am Hinterschenkel.
bit: Möller, Berl. Arch. 2. S. 300 u. ff, u, 6. S. Cü. Pfister, Schweizer Aroh. 1884, S. 18. Nocard, Peuch u. Toussaint, Chir. vot. 2. Aufl. S. 447. Boel, Deutsch. Zcitschr. für Thiermed. 17. S. 41. Friis, Jahrb. 1888. S. 141. Günther, Myologie. S. 190, 235 u. 194. Fr. Günther, Vix u. Nebel. 61. S. 389. Haubner, Dresd. Her. 1858. S. 55. Leos, Jahrb. 1888. S. 140. Hollmann, Gurlt tt, Hertwig. 21. S. 203. Dolwart, Jahrb. 1802. S. 53. Schmidt, Th. Mitth. 1874. S. 140. Haubner, Dresd. 13er. 1858. S. 55. Meyer, Gurlt n. Hertwig. 17. S. 70. Voigtl iln d e r, Dresd, Bcr. 1800. 8. 57 u. 1803. S. 57. Dieckerhoff, Spec, l'athol. S. 078. Albert, Ad. Woch. 1877. S. 389.
Die Innervation der Hintersehenkelmuskulutur erfolgt von 8 Seiten, nämlich vom N. isebiadicus, cruralis und obturatorius.
Der Isebiadicus, aus dein 0. Lenden-, dem 1. und 2., zuweilen auch 8. Kreuznerven gebildet, theilt sich, nachdem er mehrere Muskel/.weige ab­gegeben hat, in den N. peroneus und N. tibialis. Der Peroneus gibt einen Ast an den M. biceps femoris und verzweigt sich sodann in den Beugern des Mittelfusses und den Streckern der Zehe, also in den an der vorderen Flüche des Unterschenkels gelegenen Muskeln.
Der Tibialis liefert motorische Fasern besonders für die Einwilrts-zieher Zehenbeuger und Wadenmuskeln, also für die an der hinteren Flilche des Unterschenkels liegenden Muskeln; er ist endlich Em-pfindungsnerv für die unteren Abschnitte des Hinterschenkels.
Der N. cruralis setzt sich aus dem 3., 4. und 5. Lendennerven zusammen, geht zwischen dem kleinen und grossen Lendenmuskel hindurch, giebt Zweige an den üiopsoas und äusseron schiefen Bauchinuskel, theilt sich dann in mehrere Aeste, welche den M. quadriceps femoris versorgen; kleine Zweige gehen noch an den Sartorius und Schienbeinmuskel, während der fortlaufende Stamm Einpfindungsnerv für die Haut an der inneren Flilche des Unterschenkels bildet.
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ms
Krankheiten der Hüftgegend.
Der N. obturatorius, aus dem 5, und 0. Leiidennerven gebildet, tritt am vorderen Bande des eirunden Loches aus der Beckenhöhle, um den ilusseren Verstoptungsmuskel, die Einwärtszieher und den Schambein* muskel mit niotorischen Pasern zvi versehen.
A. Liilimungen Im Gebiete des N. ischiadieus.
a)nbsp; Ueher Lähnuingeu des N. peroneus liegen bei Thieren bisher keine nilheren Mittheilungen vor; auch ich hatte keine Gelegenheit, solche zu beobachten. Gelähmt würden sich hierbei die an der vorderen Fläche des Unterschenkels gelegenen Muskeln zeigen, in Folge dessen der Fuss nicht dorsalflectirt, d. h. im Sprunggelenke nicht gebeugt, in den Zehengelenken nicht gestreckt werden kann; dabei würde Unfilhig-keit für Abduction bestehen, der Schenkel also adducirt gehalten worden. Beim Gehen würde der Oberschenkel ähnlich wie bei der Tibialislähmung abnorm gehoben (Hüftgelenk gebeugt) und der Fuss tappend niedergesetzt werden. K. Günther gibt an, dass Lähmung des Wadenbeinnerven steilen Fesselstand, selbst Ueberköthen zur Folge hat, so dass das Pferd auf dem unteren Ende der Röhre geht. Diese Bemerkung bezieht sich violleicht auf Vorsuche, die bereits Fr. Günther mit Durchschneidung des N, peroneus anstellte und worauf Lähmung der Strecker des Fessel-, Krön- und Huf-beinos eintreten soll. Vielleicht lag der von K. Günther beschriebenen, ,,eigenartigenquot; Lahmheit beim Pferde eine Poroneuslähmung zu Grunde. Beim Menschen macht sich später Contractur in den Wadenmuskeln bemerk­bar. Mit der Zeit tritt Atrophie in den Muskeln an der vorderen Fläche des Unterschenkels ein; diese zeigen sich auch bei der Bewegung der Füsse schlaff.
b)nbsp; Lähmung des N. tibialis wurde einmal von mir beim Pferde beobachtet und bereits beschrieben. Es besteht hierbei Unthätigkeit der an der hinteren Fläche des Unterschenkels gelegenen Muskeln mit Unfähigkeit zu Plantnrflexion, d. h. zur Streckung des Sprunggelenkes und zur Plantarflexion der Zehen. Da aber beim Pferde Beugung des Sprunggelenkes mit Anspannung der beiden Zehen­beuger, namentlich der sehnigen Kniebeinbeuger notbwendig verbunden ist, SO werden auch die Phalangen gezwungen, bei dieser Lösung in Plantarflexion zu verharren. Diese abnorme Haltung macht sich namentlich bei Belastung des gelähmten Schenkels bemerkbar, indem das Sprunggelenk excessiv gebeugt wird. Die Belastung des Fusses erscheint aber nicht unmöglich, weil die Achillessehne, welche die Gastrocnemii durchsetzt, das Sprunggelenk fixirt.
Das Vorführen des Schenkels erfolgt mit abnormer Beugung aller
Gelenke desselben, wobei der Fuss ungewöhnlich hoch gehoben, dann
tappend niedergesetzt wird. Die Bewegung erlangt einige Aehnlich-
keit mit dem Hahnentritt. Schnellere Gangart (Trab) ist oft unmöglich.
An der hinteren Fläche des Unterschenkels zeigen sich die Mus-
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Lähmung des N. tibialis und ischiiulicus.
(399
kein, namentlich die Wadenmnskeln und der Hufbeinbeuger, schlaft' und später iitrophiscli.
Eine dieser Lähmung .sehr ähnliche Bewegungsstörung beobachtete Nocard nach einem Beckenbruch heim Pferde. Wahrscheinlich hatten sich Callusmassen gebildet, welche durch Druck auf den N. tibialis die eigenthümliche Lahmheit veranlassten (S, 506),
Bei einem Versuchspferdo wurde der N.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Fig. 108.
tibialis dicht vor seinem Eintritte zwischen die Gastrocnemii von mir durchschnitten. Es stellte sich sofort die beschriebene Abände­rung in der Stellung ein; das Pesselgolenk nahm deutliche Plantarflexion an; auch er­folgte die ausschreitende Bewegung mit stiir-korem Heben des Fusses, wenn auch nicht in der plumpen Weise, wie hei dem oben be­schriebenen Falle von Lähmung. Demnach lässt sich wohl annehmen, dass die Ursache der Lähmung mehr centralwärts ihren Sitz gehabt hat.
c) Paralysen des Ischiadicus-stammes sind mit Lähmung einer noch grösseren Anzahl Muskeln, namentlich auch der Semitendinosus, Semimenibranosus und Biceps femoris verbunden. In Folge dessen ist die freie ßewegungsfilhigkeit des Fusses aufgehoben; es können namentlich keine Beugungen im Hilft-, Knie- und Sprunggelenk ausgeführt werden, in Folge dessen der Schenkel schlaff herabhängt und weder beim Erfassen hochgehoben,
noch auch beim Gehen vorgeführt werden
Paralyse des N. tibialis.
kann. Beim Versuche zu gehen schleift der Fuss mit den gebeugten Zehengelenken über die Erde, wodurch namentlich bei Fleischfressern bald Excoriationen an der Dorsalfläche der Zehen veranlagst werden. Sobald der Fuss in die nöthige Stellung gebracht wird, kann die Belastung regelnlässig erfolgen, weil die l\nie-scheibenstrecker das Kniegelenk und damit auch die übrigen Gelenke des Schenkels feststellen. (Man vergl. meine Diagnostik II. Aufl. S. 181). Ausserdem bestellt meist vollständige Anästhesie in der äusseren Haut des Fusses.
Ischiadicuslähmung wurde von mir dreimal beim Hunde beobachtet; bei einem Bernhardiner, einer Dogge und einem Ziehhunde, also nur bei
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Krankheiten ilor Hüf'tgogend.
grossen Hunden. In einem Falle war der Hund zum Fenster hinaus­gefallen und zeigte zuerst complete Paraplegie, welche sich jedoch in den nächsten Tagen verlor, während an einem Eusse Ischiadicusliihmung zurück­blieb, welche ebenfalls bald verschwand. Ein zweiter Hund erkrankte in der lieconvalescen/periode der Staupe an dem Leiden, so dass der Gedanke an eine metastatische Form nahe lag. Bei dem dritten hatte sich die Lähmung ohne jede nachweisbare Veranlassung eingestellt.
Ausserdem wurden von mir mehrfach gekreuzte Lähmungen bei Hunden beobachtet, von Andern auch bei Pferden; am Hinterfuss war der Ischiadicus, am entgegengesetzten Vordcrfnss das Achselgefiecht gelähmt. Hier handelte es sich oti'enbar um cerebrale Lähmungen. Der von Beel als Lähmung des Hüftnerven beschriebene Zustand kann nur als Paraplegie gedeutet werden. Dagegen sah Friis beim Pferde Lähmung des rechten Vorder- und linken Hinterfusses, welche auch nach 3monatlicher Behand­lung nicht gebessert wurde. Das Fehlen dor Anästhesie sowohl wie auch der Muskelatrophie beweist den cerebralen Ursprung des Leidens (S. 522).
lieber den Verlauf dieser Löimmngen ist bisher weniftquot; bekannt. Während sich die von mir beobachtete Tibialisparalyse als unheilbar erwies, besserte sich eine durch mechanische Ursachen (Fall) entstandene Ischiadicuslfthmung eines Hundes in II Tagen so erheblich, dass eine vollständige Heilung ZU erwarten war. Die beiden anderen Fälle ent­zogen sich der weiteren Beobachtung, was jedoch im allgemeinen als nicht ungünstig gedeutet werden kann, zumal das Leiden noch nicht alt war.
Die Ursachen können in Rückenmarksleiden, aber auch in Lä­sionen der Leitungsbahnen der Nerven bestehen. Die ersteren veran­lassen in der Kegel eine doppelseitige Lähmung (Paraplegie). Die von mir beobachtete Tibialislähnnmg schien aus anatomischen Verände­rungen im Verlaufe der Nerven zwischen den Gastrocnemii hervor­gegangen zu sein. Bei Hunden können sowohl traumatische Einflüsse wie auch Allgemeinleiden (Staupe) zu Isohiadicuslähmung Veranlassung geben. Albert fand bei der Section des nach dreimonatlicher Behand­lung als unheilbar erklärten Pferdes die Residuen eines Blutextravasates da um den Nerven liegen, wo derselbe die Beckenhöhle soeben ver­lassen hatte. Unterhalb dieser Stelle zeigten sich Erscheinungen der Atrophie, die Schenkelmuskeln, namentlich der M. rectus femoris im hohen Grade ,verfettetquot; (vergl. S. 522).
Die Prognose muss sich also nach allgemeinen Grundsätzen richten. Bei frischen, ohne nachweisbare Ursachen (ErkBltungP) oder durch Dehnungen (Fallen) entstandenen Lähmungen erscheint dieselbe günstiger als bei älteren, namentlich wenn schon starke Muskelatrophie
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Liihmung des N. cruralis. Zerreissung der Kniuscheibenmuskeln. 701
besteht. Jede incomplete LähmUQg muss als bei weitem günstiger beurtheilt werden; die complete Ischiadicusliilnnung erscheint nament­lich ungünstig, wenn sie mit Anästhesie verbunden ist. Aufrecht-erhaltung der Sensibilität •wie der faradischeu Erregbarkeit bildet ein günstiges Zeichen für die Prognose.
ß. Lähmung des N. cruralis und des M. quadriceps femoris.
Zerreissung der Knieschei))enmiis]veln und ihrer geraden
B ii n d e r.
Obgleich Lähmungen des N. cruralis niclit häufig sind, so kom­men sie doch aucli bei Thieren öfter vor, als man im allgemeinen glaubt. Bald bilden sie einen Folgezustand der Hämoglobinämie, bald veranlassen Dehnungen und Zerrungen durch Ausgleiten, Fall, heftiges Ausschlagen nach hinten u. s. w. (Günther) dieselben. In 8 Fällen sail ich die Lähmung bei Arbeitspferden während des Ziehens schwerer Lasten und wiederholt nach dem oben genannten Leiden entstehen. Das Auftreten nach der Hämoglobinämie kann nicht überraschen, wenn man bedenkt, dass der Stamm des Nerven seinen Auslauf durch die hierbei in hervorragendem Masse veränderten Muskeln, den lleopsoas nimmt. Es muss zwar zugegeben werden, dass auch myopathische Lähmungen der Kniescheibenmuskeln bei der Hämoglobinämie vor­kommen, doch dürfte die Mehrzahl dieser Störungen auf Erkrankung der genannten Nerven zurückgeführt werden, weil die Unthiltigkeit sowohl wie die sich hieran schliessende hochgradige Atrophie fast immer gleichmässig auf alle Kniescheibenmuskoln verbreitet auftritt, was bei Muskelleiden kaum zu erwarten wäre. Möglicherweise können auch andere Frocesse, z. B. Psoas-Abscesse, Tumoren, llämorrhagien u. s. w. die Funktionsfälligkeit in diesen Nerven für einige Zeit oder für immer aufheben.
Erscheinungen. Es besteht Unvermögen den Fuss zu belasten, weil das Kniegelenk nicht fixirt werden kann; die Thütigkeit des M. quadriceps femoris bildet eine nothwendige Bedingung für die stützende Thütigkeit des Schenkels (vergleiche meine Diagnostik S. 181 u. ff.). Bei jedem Versuche den Fuss zu belasten, stellt sich in allen Gelenken desselben Beugung ein; auch in den Phalangen erfolgt IMantarüexion. Das Kniegelenk wird am Hangbein nicht vollständig gestreckt und an der medialen Fläche des Unterschenkels geben sich Sensibilitäts-störungen zu erkennen. Später stellt sich Atrophie im (Quadriceps
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7Q2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Hüftgegend.
femoris ein, dessen Untlüitigkoit auf den ersten Blick beim Gehen hervortritt und durch Auflegen der Hand constatirt werden kann.
Bei incompleten Paralysen des N. cruralis sinkt der Rumpf am belasteten Schenkel unter Beugung aller Gelenke etwas nach unten, in Folge dessen der Schritt nach hinten verkürzt wird (Fig. 109). Die TWere lernen mit der Zeit bei diesem Leiden besser gehen, indem sie die Aus- und Einwärtszieher des Schenkels in Anspruch nehmen, um das Kniegelenk zu fixiren. Man kann sich von dieser Thätig-
Fig. 109.
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Unvollständige Lähmung des N. cruralis (nach einer Momentaufnahme).
keit jener Muskelgruppe, wodurch nicht nur das obere Ende des Unterschenkels nach hinten und oben gedrängt, sondern auch die Pa­tella auf den Condylen des Oberschenkels fixirt wird, leicht überzeugen, wenn man das Pferd im recht langsamen Schritt an sich vorüber
führen lässt.
Lähmungen des N. cruralis bezw. des Quadriceps femoris können sowohl mit Zerreissungen in dieser Muskelgruppe wie auch mit der horizontalen Luxation der Kniescheibe (S. 717) verwechselt werden.
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Lähmung des N. cruralis. Zerreissung der Kniescheibenstvocker. 708
Zerreissungen an den verschiedenen Kniescheibenstreckern wurden von Del wart, Meyer, Hauhner, Schmidt u. A. beobachtet. Delwart sah 3 Fälle von Zerreissungen des M. rectus femoris beim Pferde, die sämmtlich durch Ausgleiten oder Niederstürzen veranlagst waren, und von denen sich zwei als unheilbar erwiesen. Die Erscheinungen stimmten mit denen der oben beschriebenen Lähmung vollständig überein; nicht selten beobachtete man auch eine Lücke in der Muskelgruppe; bei der Section fand Delwart die Muskeln blass, wie gekocht, leicht zerreisslich, die Muskelbündel zerfasert und zum Theil aufgelöst. Möglicherweise lagen hier nur Eolgezustände einer Crumlislähmung vor.
Schmidt besehreibt eine Zerreissung des M. vastus externus. Ein Pferd hatte in ein tiefes Geleise getreten, und da der Hoden gefroren war, so konnte der Hinterfuss erst mit Zuhülfenahme einer Axt aus dieser Lage befreit werden. Es stellte sich alsbald hochgradige Lahmheit ein; die in Elexionsstellung gehaltene Gliedmasse knickte bei Jedem Versuche, die Körperlast zu stützen, unter starker Beugung des Knie- und Sprunggelenkes zusammen. Anfangs Hessen sich an der Muskulatur keine auffälligen Ver­änderungen nachweisen, nach einigen Tagen machte sich jedoch eine 10 cm tiefe Vertiefung an der äusseren Seite der Kniescheibenstrecker bemerkbar. Nachdem das Pferd 14 Tage gelegen hatte, konnte es in der 3. Woche den Puss wieder etwas belasten und nach 8 Wochen zu leichter Arbeit ver­wendet werden; nach 3 Monaten erlangte es seine volle Gebrauchsfähigkeit wieder. In seinem Verlaufe zeigt auch dieser Fall einige Aelmlichkoit mit der Cruralislähmung, und es erscheint die Annahme nicht ausgeschlossen, dass es sich um eine solche Lähmung gehandelt hat.
Hollmann berichtet über eine Zerreissung des M. rectus femoris bei einer Kuh, welche dauernde Lahmheit zur Folge hatte; Haubner über Verletzungen der Knieschoibenstrecker beim Pferde; Lees über eine doppel­seitige, vorübergehende Entzündung des Quadriceps fern, beim Pferde (Hämo-globinämie?). Meyer sah Zerreissung der Mm. rectus femoris, vastus in-ternus und externus bei einer Kuh, wobei sich etwa 20 cm über der Knie­scheibe eine deutliche Lücke in den Muskeln feststellen Hess. Die Störungen waren ähnlich wie bei Cruralislähmung.
Voigtländer stellte bei einem Ochsen Zerreissung der geraden Knie­scheibenbänder durch die Section fest; Unvermögen zu stehen, bedeutende Entzündung des Kniegelenkes, starke Flexionsstellung und Unvermögen, den Schenkel zu strecken und zu belasten, sowie Entspannung der betreffenden Bänder Hessen über den Zustand schon während des Lebens keinen Zweifel. Bei einer Kuh fand derselbe Zerreissung des inneren und mittleren geraden Bandes, sowie des inneren Seitenbandes mit Luxation der Patella nach aussen. Der Zustand war beim Aufspringen auf eine andere Kuh plötzlich entstanden.
Die Beurtheilung dieser Zustände hängt vornehmlich von den mit denselben verbundenen Gebrauchstörungen ab. Sobald diese so erheblich sind, dass der Schenkel auch in der nächsten Zeit nicht belastet werden kann, fällt die Prognose ungünstig aus, namentlich beim Pferde.
Die Behandlung der Continuitätstrennungen bleibt auf absolute Kühe, Sorge für ein weiches Lager und Verhinderung des Durchliegens beschränkt.
Verlauf. Die Zahl der klinischen Beobachtungen ist zur Zeit noch zu klein, um ein Urthcil über den regelmilssigen Verlauf der Cru-
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704nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Hüftgegend.
mlislilhinung zu gewinnen, clocli zeigt .sich die im Verlaufe von Hümoglobinilmie auftretende Liilnnung in der Regel hartnäckig, oft sogar unheilbar! Die durch heftige Dehnung des Nerven veranlassten Lähmungen verlieren sich dagegen häufig in wenigen Tagen; die drei von mir beobachtetet! heilten in (i, 20 und 42 Tagen. Unvollkommene Lähmungen, sofern dieselben noch frisch sind, lassen baldige Hei­lung erwarten. Hieraus ergeben sich die wichtigsten Anhaltspunkte über die Prognose.
C. Lähmung des N. obturator!us.
Die Lähmung dieses Nerven ist bisher nicht beobachtet worden und düri'te sich aucli wohl der Erkennung leicht entziehen, weil mit derselben nicht so auffallende Störungen verbunden sein werden, wie mit den oben besprochenen Leiden. Unthätigkeit in den Einwärts/.iehern und dem ilusseren Schanibeinmuskel, sowie Unvermögen, den Fuss zu adduciren macht sich beim Menschen bemerkbar. Vielleicht gelingt es, die Lähmung in den ge­nannten Muskeln, namentlich den Einwärtsziehern direct festzustellen.
Die Behandlung der Lähmungen muss nach allgemeinen Grund­sätzen erfolgen. Da bei Pferden die Anwendung der Elektricität, nament­lich des faradischen Stromes auf grosse Schwierigkeiten stösst, so muss man in der Regel hierauf verzichten. Die Lage der in Betracht kommenden Nerven schliesst auch eine directe Einwirkung auf dieselben aus, daher bleibt in der Regel nur übrig, die degenerativen Vorgänge und Er­nährungsstörungen in den gelähmten Muskeln nach Möglichkeit zurück­zuhalten. Dazu dient in erster Linie die Massage, welche sich bei werthvollen Thieren durch Kneten und Klopfen anwenden lässt und womöglich täglich erfolgen muss. Auch empfiehlt sich, sobald als möglich das Thier zu bewegen, um auf diese Weise die Blutcircu-lation und Ernährungsvorgänge in den Muskeln sowie die regenera-torisehen Vorgänge in dem leidenden Nerven zu fördern. Bei Hunden kann auch vom Inductionsstromc Gebrauch ffemacht werden.
7. Thrombose der hinteren Aorta und ihrer Aeste.
Lit.! Raynal, Her. Rep. 14. S. 299. Jacob, das. IG. S. 148. I'röger, Dresd. Bor. 1875. S. 108. Heckmeyer, Gurlt u. Hertwig. 11. S. 484 Rühling, das. 33. S. 182. Terrillon, Fortscbr. der Mcd. 1887. S. 82. Bayer, Jahrb. 1880. S. 88.
Von dem beim Pferde fast regclniilssig vorkommenden Aneurysma der vorderen Gekrösarterie leisen sich nicht selten Partikel los und
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Thrombose der hinteren Aorta und ihrer Aeste.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 705
werden mit dem Blutstrome in die hintere Aorta und ihre Aeste ge­tragen, welche auf diese Weise thrombosiren. Bei einer Kuh beobach­tete Proeger denselben Zustand in Folge einer Endocarditis. Sofern nur kleine Embolie Gefässe von geringerer Weite im Bereiche der Schenkel- oder Beckenarterie verstopfen, kann der Zustand ohne nachtheilige Folgen bleiben; werden aber grössere Gefässbezirke verlegt, so empfängt das betreffende Muskelgebiet nicht die zu ihrer Funktion erforderliche Blutmenge. Dieser Mangel stellt sich daher während energischer Leistungen ein und kann schliesslich vollständige Funktionsunfähigkeit zur Folge haben; es tritt Lahmheit und endlich eine myopathische Lähmung der betreffenden Muskeln ein.
Für den Ruhezustand genügt in der Regel die auf Umwegen zu Stande kommende Blutzufuhr, daher beobachtet man während der Buhe keine Krankheitserscheinungen; diese treten vielmehr erst während der Bewegung hervor und zwar um so früher, je grosser die mit der Thrombose verbundenen Circulationsstörungen, und je intensiver die Arbeitsleistung in den Muskeln. Bei Verstopfung kleinerer Schenkel-gefässe gehen die Pferde oft mehrere hundert Meter selbst in schärfster Gangart, dann erst treten die Bewegungsstörungen hervor, die sich je nach dem Ausfall der Thätigkeit in der einen oder anderen Muskel­gruppe verschiedenartig gestalten. Bei Verstopfung der grossen Ge­fässe stellen sich die Erscheinungen der Muskellähmung oft schon nach 3—5 Minuten Trabbewegung und natürlich auch in grösserem Umfange ein. Wird dem Thiere hierauf kurze Zeit Ruhe gegeben, so verschwinden die Störungen in der Regel nach wenigen Minuten. Auf diese Weise entsteht eine inter mittlren de Lahmheit, über deren Ursache kein Zweifel obwalten kann. Setzt sich die Thrombosirung auf die Aorta fort, so können die Circulationsstörungen selbst den Tod des Thieres zur Folge haben. Von Raynal, Jacob Heckmeyer u. a. sind derartige Beobachtungen mitgetheilt.
Das Leiden entwickelt sich selten plötzlich, meist unmerklich; erst die Lahmheit macht auf dasselbe aufmerksam. Werden von vorn herein grosse Gcfässgebiete verlegt, so kommt es wohl zu auffälligen Störungen, zu Athembeschwerden, Krämpfen in den betreffenden Muskelgebieten, die oft mit allgemeinem Schweissausbruch verbunden sind. Die Thrombose lässt sich nicht wieder beseitigen, zuweilen tritt sogar durch allmäliche Vergrösserung des Thrombus eine Stei­gerung der Lahmheit ein; in anderen Fällen macht sich mit der all-mälichen Ausbildung des Collateralkreislaufes eine gewisse Besserung bemerkbar.
Möller, Speciello Chirurgie für Thieriirzte,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 45
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Krankheiten der Hüftgegend.
Erscheinungen. Charakteristisch ist die intormittirende, während der Bewegung regelmässig wiederkehrende und in der Ruhe bald wieder verschwindende Lahmheit. Die Art der Bewegungsstörungen hängt vom Sitze und der Grosse des Thrombus bezw. der thrombosirten Gefässe ab. Verlegung der Schenkelartorie hat in erster Linie Funktionsstörung im Iliopsoas und Tensor fasciae latae zur Folge, welche von dieser vornehmlich ihr Blut beziehen. Es entsteht in Folge dessen eine Hangbeinlahmheit mit Verzögerung der ausschreitenden Bewegung und Verkürzung des Schrittes nach vorn, weil diese Action vornehmlich von den genannten Muskeln abhängt.
Thrombose der B ecken art erie, welche die Glutäen und den Quadriceps femoris mit Blut versorgt, ruft Stützbeinlahmheit hervor, welche einige Aehnlichkeit mit der Cruralislähmung (S. 701) hat. Unvermögen des Fusses als Stütze zu dienen, weil bei dem Versuche, ihn zu belasten, sämmtliche Gelenke in Beugestellung treten, kenn­zeichnet den Zustand. Durch Lähmung der Glutäen hört zugleich die Fähigkeit auf, das Gleichgewicht zu erhalten, in Folge dessen schwankt das Hintertheil, namentlich bei doppelseitiger Verstopfung hin und her. Nicht selten tritt bei Verstopfung der Schweifarterien Schiefstellung des Schweifes hervor.
Werden Pferde mit beiderseitiger Obturation der Beckenarterien andauernd im Galopp bewegt, so macht sich mit der Zeit eine immer mehr abnehmende Funktionsfähigkeit beider Hinterschenkel bemerkbar; die Hinterfüsse rücken immer näher zusammen, so class die Hufe derselben fast neben einander auf die Erde gelangen; schliesslich lassen sich die Thiere mit dem Hintertheil zunächst auf den Boden und legen sich nieder.
Bei Obturation beider Aeste oder der Aorta selbst combiniren sich diese Störungen; auch können sie einen so hohen Grad an­nehmen, dass die Thiere selbst im Stande der Ruhe nicht fähig sind, das Hintertheil zu stützen. In solchen Fällen zeigen sich ferner nicht selten Krämpfe in der Hinterschenkelmuskulatur und nach der Anstrengung zuweilen über den ganzen Körper ausgebreitete epileptiforme Krämpfe. Nach den mit diesen Leiden beim Menschen gemachten Beobachtungen (Terrillon) besteht während der Lahmheit das Gefühl schmerzhafter Erstarrung und lebhaften Brennens. Die Respiration wird bei umfang­reicher Verstopfung ebenfalls gestört, und wenn allgemeiner Schweiss-ausbruch eintritt, bleiben die erkrankten Bezirke trocken und kalt. Zuweilen lässt sich schon während der Ruhe an dem erkrankten
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Luxation des M. biceps femoris.
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Schenkel eine geringere Hautwärme nachweisen als an dem ge­sunden.
Bei Deckhengsten sah ich Unvermögen den Begattungsakt aus­zuführen; es traten zwar Erectionen hervor, aber die Absamung erfolgte nicht, so dass die Thiere bei Verstopfung der Aorta auch hierzu unbrauchbar wurden.
Die Beurtheilung hängt von dem Grade der Gebrauchsstörung ab, doch vergesse man nicht, dass eher auf eine Verschlimmerung als auf Besserung zu rechnen ist.
Behandlung. Eine Auflösung oder Entfernung des Thrombus muss als ausgeschlossen betrachtet werden; auch die früher wohl empfohlenen kohlensauren Alkalien innerlich gegeben, haben keinen Nutzen. Die von Bayer vorgeschlagene Massage muss ich nach meinen Erfahrungen als geradezu bedenklich bezeichnen. Wenn man vom Mastdarm aus durch Streichen die Lösung des Thrombus ver­sucht , so kommt es leicht zu weiterer Gerinnung, und mir passirte es, dass das Pferd in der nächsten Nacht in Folge der Behandlung zu Grunde ging. Die Section ergab vollständige Thrombosirung der hinteren Aorta und zwar mit frischen Thromben. Das Einzige, von dem hier etwas zu erwarten ist, bestellt in Anregung des Colla-teralkreislaufes durch regelmässige Arbeit des Thieros. Man lässt das Pferd, wie auch Bayer empfiehlt, bis zu dem Zeitpunkte arbeiten, in dem sich die ersten Bewegungsstörungen bemerkbar machen, sodann ausruhen; oder man giebt demselben andauernde, leichtere Arbeit. Die hiermit verbundene Anregung der Blutcirculation fördert die Ent-wickelung des Collateralkreislaufes. Man knüpfe jedoch auch an diesen Heilvorgang keine zu grossen Hoffnungen.
8. Luxation des M. biceps femoris.
Lit.: Vatel, Hiindbuch übersetzt von Pestel. Bd. I. S. 348. Meyer, Gurlt u. Ilortwig. 4. S. 70. Winkler, Ad. Woch. 1872. S. 193. Harms, Han. Ber. 1874. S. 83. Fröhlich, Jahrb. 1883. S. 108. Elotti, Jahrb. 1858. S. 50. Strobel, Schweiz. Arch. 1891. S. 1. Desmarteaux, Her. Rep. 15. S. 332. Wilhelm, Dresd. Ber. 1881. S. 114.
In der anatomischen Einrichtung liegt es begründet, dass dieses Leiden vornehmlich beim Rinde und nur ausnahmsweise beim Pferde vorkommt. Der Auswärtszieher des Hinterschenkels besteht beim
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Krankheiten der Hüftgegend.
Rinde aus zwei Köpfen, besitzt auf den Umdrehem einen grossen Schleimbeutel und ist mit den unter ihm gelegenen Muskeln nur lose verbunden. Wenn daher die ihn umgebende Fascie zerreisst, so gleitet der obere Kopf dieses Muskels von den Umdrehern ab, hakt gleichsam hinter denselben fest und veranlasst eine eigenthümliche Lahmheit. Nur ausnahmsweise wird ein ähnlicher Zustand beim Pferde beobachtet (Eletti, Strebel, Möller).
Ursachen. Das Leiden kommt fast nur bei Grebirgsvieh mit abschüssigem, nach hinten zugespitztem Kreuze und stark hervor­tretenden Umdrehern, daher namentlich bei mageren Thieren vor; auch sollen eng gestellte Sprunggelenke eine Disposition zur Ent­stehung desselben verleihen. Gelegenheitsursachen geben Ausgleiten, besonders nach rückwärts, wie es während der Arbeit und beim Coitus vorkommt (Harms).
Erscheinungen. Das Leiden, welches in der Regel nur an einem, selten an beiden Hinterschenkeln (Harms, Winkler) auftritt, giebt sich durch plötzliche Lahmheit zu erkennen. Sobald der ge­nannte Muskel hinter dem Trochanter festhakt, wird beim Gehen die regelmässige Beugung und Vorwärtsbewegung des Fusses unmöglich; derselbe verharrt in Streckstellung ähnlich wie bei der Luxation der Kniescheibe nach oben (Harms, Winkler, S. 719), oder er wird mähend nach aussen und vorn bewegt, indem die Klauen den Boden streifen. Winkler will in den von ihm beobachteten 20 Fällen diese mähende Bewegung nicht gesehen haben, macht aber auf die Aehnlichkeit mit der Kniescheibenverrenkung aufmerksam, von der sich das Leiden nur dadurch unterscheidet, dass die Feststellung des Schenkels in der Strecklage nicht so vollständig erscheint wie bei jener Luxation. Zuweilen dauert die Dislocation nur einen Moment, indem der Muskel sofort in seine normale Lage zurückspringt, eine Er­scheinung, die sich bald bei jedem Tritt, bald nur bei einzelnen wiederholt. Sobald der Muskel in seiner abnormen Lage verharrt, zeigt sich derselbe stark angespannt und treten seine Conturen deut­licher hervor, während vor dem Trochanter eine Vertiefung erscheint.
Verlauf. Spontane Heilung tritt niemals auf die Dauernbsp; nbsp;ein;
wird ein operatives Verfahren nicht eingeleitet, so bildet sichnbsp; eine
habituelle Luxation aus, d. h. der Zustand kehrt häufig wieder,nbsp; oder er besteht auch wohl dauernd fort.
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Luxation des M. biceps femoris.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 709
Behandlung. Nur die Myotomie kann die beschriebenen Be­wegungsstörungen heilen. Bisher wurde die Operation fast stets mit offenem Schnitt und in folgender Weise ausgeführt:
Am stehenden Thiere lässt man den gesunden Fuss etwas nach vorn ziehen, damit der leidende belastet wird. Sodann macht man etwa 5 cm unter und dicht vor dem Trachanter einen 5 cm langen Hautschnitt in der Richtung des Muskels, also fast senkrecht. Nach­dem sodann der Muskel mit Hülfe des Fingers oder des Skalpellheftes vom vorderen Rande aus von seiner Unterlage getrennt ist, hebt man ihn in die Höhe, schiebt eine Hohlsonde in der Querrichtung unter denselben und durchschneidet ihn mit dem Skalpell von innen nach aussen, bis die gespannten Fasern desselben sämmtlich durchtrennt sind. Die Heilung der Wunde erfolgt in 16—18 Tagen unter ge­wöhnlicher Behandlung. Schon Hering machte darauf aufmerksam, dass die Durchschneidung wahrscheinlich auch subcutan geschehen könne. Unter Anwendung antiseptischer Cautelen würde die Heilung zweifellos noch schneller erfolgen.
Beim Pferde verlauft der Muskel nicht über den oberen Trochanter, sondern zwischen diesem und dem Kreuzbein nach hinten, heftet sich mit einer Sehne an den oberen Rand des Sitzbeinhöckers, welcher zum Theil von ihm bedeckt wird, um sich dann mit dem mittleren und kurzen Aus-wiirtszieher zu verbinden. Der Muskel beschreibt also in seinem Verlaufe einen Bogen, dessen peripheren Abschnitte auf dem Sitzbeinhöcker liegen und mit diesem durch Sehnengewebe verbunden sind.
Bei Frakturen des Sitzbeines kann durch den Zug dieses Muskels das Tuber ischii dislocirt werden, wodurch eine Abflachung der Hinter­backe, zuweilen auch eine ähnliche Erscheinung entsteht, wie bei dem be­sprochenen Leiden des Rindes. Im Jahre 1891 wurde in hiesiger Klinik ein derartiger Fall von mir beobachtet.
Ein 10 Jahre alter Schimmelwallach, welcher nach dem Vorberichte vor dem Wagen gefallen und in Folge dessen lahm geworden war, zeigte im Stalle keine Krankheitserseheinungen. Betrachtete man jedoch das Becken genauer, so fiel sofort eine abnorme Abflachung der linken Hinterbacke in der Höhe des Sitzbeines auf. Von der Seite gesehen, wurde die linke Seite von der rechten erheblich überragt; das Maximum der Abflachung, welches etwa 3—5 cm betrug, lag am Tuber ischii und verlor sich nach oben wie unten, sowie auch lateral und medial. Während der rechte Sitzbeinhöcker deutlich zu fühlen war, Hess sich von dem linken nichts erkennen; an seiner Stelle trat eine weiche Muskelmasse hervor; erst in der Tiefe machte sich der Knochen bemerkbar. In der Gegend der Umdreher zeigte sich eine schwache Wölbung der Kruppenmuskeln, so dass von hinten betrachtet der Schenkel breiter erschien als der rechte. In den unteren Abtheilungen war am Mittelfleisch die Medianlinie um ca. 2 cm nach links verschoben, so dass diese im ganzen von oben rechts nach unten und links verlief.
Bei der Schrittbewegung machte sich auf dem linken Hinterfusse eine massige Stützbeinlahmheit bemerkbar. Sowohl bei der Belastung wie auch beim Vorführen wurde der Fuss abducirt. Legte man während des Führens
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Krankheiten der Hüftgegend.
die Hand dicht hinter dem oberen Unidreher auf die Kruppe, so hatte man im Momente des Entlastens des Schenkels das Gefühl, als ob ein strang-lormiger Körper in der Richtung von hinten nach vorn rutschte und dann alsbald wieder zurückglitte. Bei aufmerksamer Betrachtung erkannte man auch mit dem Auge diese ruckweise Bewegung des M. biceps femoris, welche sich ca. 20 cm aufwärts und seitlich vom oberen Umdreher nach oben und bis zum zweiten Dritttheil des Femur nach unten erstreckte. Schmerzen waren mit dem Zustande nicht verbunden, und als Ursache der Lahmheit wurde eine Distorsion des Kronengelenkes erkannt, welche in 14 Tagen heilte, während die beschriebenen Veränderungen ohne Lahmheit fortbestanden.
Es handelte sich also wahrscheinlich um eine alte Fraktur des Tuber ischii, wobei der Insertionspunkt des M. biceps femoris gelöst war, und dieser Muskel eine Dislocation erfahren hatte, welche im Gegensatze zu der beim Rinde nach vorn erfolgte.
Der Umstand, dass Lahmheit mit dem Zustande nicht verbunden war, erklärt, dass derselbe bisher nicht bekannt geworden ist. Die von Eletti beschriebene Lahmheit hat, wie schon Hering erwähnte, offenbar in einer Kniescheibenluxation bestanden. Ob der von St rebel mitgetheilten Beob­achtung eine Dislocation des M. biceps femoris zu Grunde gelegen hat, scheint mir um so mehr zweifelhaft, als in 5 Tagen Heilung erfolgte.
Wilhelm beobachtete acute Atrophie der Auswärtszieher beim Pferde. Nachdem die plötzlich aufgetretene abnorme Empfindlichkeit und heftiges Juckgofühl, welche das Pferd zum Beissen der Stelle veranlassten, in etwa 8 Tagen verschwunden war, trat in den schlaffen Muskeln innerhalb 14 Tagen ein auffälliger Schwund ein; Bewegungsstörungen fehlten. Ob hier, wie Wilhelm annimmt, eine Neuritis oder localisirte Myositis vor­gelegen hat, lässt sich schwerlich entscheiden. Vielleicht handelte es sich um Thrombosenbildung in den betreffenden Muskeln.
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9. Hüftlahmhcit.
Lit.: Günther, Myologie. S. 19ü. Vachetta, Jahrb. 1883. S. 110. Roloff, Thier. Mitth. 1874. S. 138. Prietsch, Dresd. Ber. 1883. S. 83. Siedam-grotzky, das. 1874. S. 49. Eberhardt, Gurlt u. Hertwig. 22. S. 42. Noak, Dresd. Ber. 1889. S. 78. Mayer, Gurlt u. Hertwig. 7. S. 111. Falke, das. 23. S. 18. Falko, das. 23. S. 78. Bayer, Chirurgie. 2. Aufl. S. 427. Dressler, das. 11. S. 301.
Die im Vorigen betrachteten Erkrankungen lassen sich in der Regel bei sorgfältiger Untersuchung nachweisen. Nicht selten aber treten die Erscheinungen derselben weniger ausgesprochen hervor, so dass 6s nicht gelingt, die Ursache der Lahmheit klar zu ermitteln; auch kommen noch andere Krankheitszustände an der Kruppe und den oberen Abschnitten des Hinterschenkels, namentlich in der Gegend des Hüftgelenkes vor, deren Natur nachzuweisen auch der sorgfältigsten Untersuchung eines Geübten nicht gelingt. Die Dicke der Muskulatur macht eine genaue Palpation der tiefer gelegenen Theile unmöglich;
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Hüftlahmheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 711
an ihnen können dalier nicht nur entzündliche Anschwellungen, son­dern auch andere anatomische Veränderungen oft nicht ermittelt wer­den, und so bleibt die Ursache der Lahmheit verborgen. In solchen Fällen spricht man von Hüftlahmheit. Diese Bezeichnung umfasst also alle, in ihren Ursachen nicht näher bestimmbaren Lahmheiten, deren Erscheinungen jedoch darauf hinweisen, dass die Bewegungs­störungen von der Hüftgegend ausgehen. Der Name verhält sich zu den Lahmheiten des Hinterschenkels, wie die „Schulterlahmheitquot; zu denen des Vorderschenkels.
Die Krankheitszustände alle aufzuführen, welche Hüftlahmheit zu erzeugen im Stande sind, würde unmöglich sein, da die mannigfaltigsten Leiden Ursache von Bewegungsstörungen in den Gliedmassen werden können. Ich beschränke mich daher auf die Darstellung der wichtigsten derselben.
Die Hüftlahmheit kann von folgenden Stollen ausgehen: 1. vom Hüftgelenk. An ihm können mechanische Insulte, Quetschungen beim Niederstürzen auf unebenem, hartem Boden, Gegenfahren oder Schlagen, Distorsionen durch Ausgleiten, Stecken­bleiben mit dem Fusse am Boden u. s. w. zu entzündlichen Erkran­kungen und damit zu Hüftlahmheit Veranlassung geben. Zuweilen handelt es sich weniger um Contusion des Gelenkes als vielmehr um Quetschung der äusseren Haut und der oberflächlich liegenden Muskeln. Dabei tritt in der Regel eine mehr oder weniger deutlich ausge­sprochene Entzündung in der Gegend des Hüftgelenkes oder des äus­seren Darmbeinwinkels auf.
Wiederholt traf man das Ligamentum tares theilweise zerrissen und Blutergüsse in dem Gelenke (Eberhardt). Siedamgrotxky fand bei einem Pferde, welches über ein Jahr hüftlahm gewesen war, das Hüftgelenk von fibrösen Bindegewebsmassen umgeben; auch zeigten sich Osteophyten in der Nähe des Gelenkes. Die Synovialmembran war auf 4 cm verdickt, der Knorpelüberzug in der Gelenkpfanne zum Theil verschwunden, an den Bändern gewuchert. Es handelte sich also um eine Arthritis chron. sicca {Coxitis chronica). Prietsch stellte bei der Section eines hüftlahmen Pferdes eine Fraktur an der Gelenkpfanne fest, die sich bei Lebzeiten nicht er­kennen Hess.
Beim Rinde können Luxationen des Femur verborgen bleiben. Harms will Subluxationen bei demselben beobachtet haben (S. 689). Noak fand bei einer 8 Jahre alten Kuh doppelseitige, purulente Hüftgelenkentzündung; bei der Section entleerten beide Gelenke etwa eine Tasse voll Eiter, der sehr dick, fast breiartig, graubraun und von unangenehmem Geruch war. Noak bezeichnet das Leiden als metastatisch; es sollte von der gleichzeitig bestandenen, traumatischen Pericarditis ausgegangen sein. Wahrscheinlich entwickelt sich bei diesen Thieren eiterige Coxitis zuweilen auf tuber-culösem Boden. Auch bei der Lähme junger Thiere werden eiterige Erkran-
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Krankheiten der Hüftgegend.
kungen der Hüftgelenke angetroffen (Mayer). Mit Unrecht behauptete seiner Zeit Falke, dass eine Arthritis chronica sicca, die beim Menschen als Ma-lum coxae senile bekannt ist, bei Pferden häufig vorkomme. Sowohl die klinischen Beobachtungen wie auch der anatomische Befund stehen mit dieser Annahme im Widerspruch. Doch soll damit nicht behauptet werden, dass das Leiden bei Thieren nicht vorkomme. Dass das vielmehr der Fall sein kann, beweist die von Siedamgrotzky mitgetheilte Beobachtung. Bei Hunden habe ich wiederholt das Leiden als Ursache chronischer Htift-lahmheit constatiren können; auch sah ich dasselbe bei Fohlen, die an sogen. Eisballen litten (siehe unten).
2.nbsp; Hüftlahmheit kann ferner durch Krankheitszustände an den Knochen (Kreuzbein, Becken und Oberschenkelbein) veranlasst wer­den. Zuweilen geben alte Beckenbrüche zu einer Lahmheit Ver­anlassung, deren Ursache schwer zu diagnostisiren ist; Bayer stellte einen Bruch des Schambeines fest. Bei oberflächlicher Untersuchung können Frakturen am äusseren Darmbeinwinkel für Hüftlahmheit an­gesprochen werden (S. 508). Auch geben Frakturen des Umdrehers leicht zur Diagnose Hüftlahmheit Veranlassung, wie ich mich selbst überzeugt habe (S. 088). Williams beschreibt als „Trochanteric lamenessquot; eine Erkrankung des oberen Umdrehers beim Pferde, wobei chronische Entzündung und Exostosenbildung an demselben bestanden.
3.nbsp; nbsp;Häufiger aber noch als am Hüftgelenke und den Knochen beruht die Lahmheit auf Erkrankungen der Muskeln, welche meist durch äussere Insulte, Quetschungen, Dehnungen, unter Umständen auch durch partielle Zerreissungen (Niederstürzen, Schlag, Gegenfahren, Ueberanstrengung) veranlasst werden; daher bilden vornehmlich die an der äusseren Seite gelegenen Muskeln den leidenden Theil.
Besonders zu berücksichtigen ist in dieser Hinsicht die Erkran­kung der Sehne und Sehnenscheide des M. glutaeus medius (S. 095), sowie die Luxation des M. biceps femoris beim Kinde, ausnahmsweise auch Pferde (S. 709), sowie Thrombosen der Schenkel- und Becken­arterien (S. 704).
Roloff beschreibt eine Lähmung des grossen Gesässmuskels bei schweren Arbeitspferden. Im Schritte wurde der kranke Fuss weiter als der gesunde Fuss vorgeführt und über die Medianlinie hinaus adducirt, so dass bei jeder Belastung das Hintertheil auf den gesunden Hinterschenkel fiel. Rückwärtstreten wurde dem Pferde besonders schwer; dabei schleifte der Fuss den Boden und trat kaum über den anderen Fuss hinaus. Beu­gung des Oberschenkels erfolgte stark, Streckung mangelhaft. Dabei äusserte das Pferd keinerlei Schmerzen. Allmälich stellte sich starke Atrophie des Muskels ein, so dass an seiner Stelle eine muldenförmige Vertiefung entstand.
K. Grünther beschreibt eine ähnliche Bewegungsstörung und führt dieselbe auf Lähmung des Kreuz gefl echt es zurück. Dabei wurde
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Hüftlahmheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;713
der Schenkel in extremer Streckstellung vorgeführt, so dass der Huf sogar bis neben die Brust, selbst bis an den Ellenbogen gelangte. Die Belastung des Schenkels war nicht gestört. Später stellt sich hochgradige Atrophie in der Kruppenmuskulatur ein.
Vachetta will Erkrankung des M. psoas major als Ursache einer eigenthümlichen Lahmheit gefunden haben. Die Mittheilung liisst jedoch noch anderweitige Veränderungen vermuthen.
4.nbsp; So lange die typischen, peripheren Nervenliihmungen nicht bekannt waren, fielen auch diese oft unter den Begriff „Hüftlahmheit''. Möglicherweise kommen in den Aesten der Ischiadicus, Cruralis und Obturatorius Funktionsstörungen vor, die nicht näher zu erkennen sind, also der Hüftlahmheit zugezählt werden. Man vergleiche hierüber S. 097. Dass Günther Lähmung der Kreuznerven als Ursache gefunden haben will, wurde bereits erwähnt.
Zweifelhaft erscheinen die Mittheilungen über Ischias beiThieren. Mit diesem Namen wird eine Neuralgie des N. ischiadicus bezeichnet, welche bei Thieren jedoch bisher nicht sicher nachgewiesen ist. Das­selbe gilt von einer Entzündung des Hüftuerven (Dressler).
5.nbsp; Endlich können Krankheitszustände in der Umgebung des Hüftgelenkes zu einer Lahmheit Veranlassung geben, deren Ursache überhaupt nicht, oder doch erst bei genauer Untersuchung festzustellen ist. Anschwellungen des Samenstranges (Samenstrangfistel) oder der Leisten­drüsen, sowie Leisten- und Schenkelbrüche rufen nicht selten ähnliche Bewegungsstörungen hervor, wie Krankheiten des Hüftgelenkes, der Knochen und Muskeln. Ebenso kann durch entzündliche Ansclnvellung der Subcutis in der Nähe des Hüftgelenkes eine klinisch nicht näher definirbare Lahmheit hervorgerufen werden.
Erscheinungen. Es liegt auf der Hand, dass so verschieden­artige Krankheitsprocesse nicht dieselben Störungen in der Bewegung des Schenkels zur Folge haben, dass vielmehr die Lahmheit bei ihnen mancherlei Abweichungen zeigen. Nichtsdestoweniger tritt doch bei allen eine gewisse Uebereinstiinmung in den Symptomen hervor. Dahin gehört, dass in erster Linie die Bewegung des Schenkels ge­stört zu sein pflegt, dass es sich um eine Hangbeinlahmheit han­delt, welche meist mit Verzögerung der Bewegung und Verkürzung des Schrittes nach vorn verbunden ist; oft wird die Gliedmasse in steifer Haltung und verlangsamt (schleppend) nach vorn geführt. Bei Ei-krankungen des Hüftgelenkes zeigt sich auch die Belastung schmerz­haft und wird in Folge dessen abgekürzt, während diese bei den meisten Muskelleiden oft keinerlei Störungen erfahrt. Die Lahmheit
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Krankheiten der Hüftgegend.
zeigt sich vornehmlich bei Wendungen, sowie beim Rilckwärtstreten und pflegt besonders nach stärkeren Anstrengungen hervorzutreten. Bald zeigt sich dieselbe mehr im Anfange der Bewegung und nimmt während derselben allmälich ab, bald ist das Entgegengesetzte der Fall. Obgleich bei rheumatischen Aöectionen die Lahmheit im Ver­laufe der Bewegung nachzulassen pflegt, so lässt sich aus dem ent­gegengesetzten Verhalten doch keineswegs auf traumatische Einwir­kungen als Ursache des Leidens schliessen. Einflüsse der letzteren Art sind hierbei ohne Zweifel viel häufiger wirksam als rheumatische. Zuweilen lassen sich anatomische Veränderungen nachweisen, wie Muskelschwund, Anschwellung, vermehrte Wärme, wodurch allerdings die Diagnose sehr unterstützt wird und meist mit einiger Wahrschein­lichkeit zu stellen ist, so dass man auf diesen Collectivbegriff ver­zichten kann.
Je eingehender und umsichtiger die Untersuchung, um so seltener die Diagnose Hüftlahmheit, welche stets ein Zugeständniss an die Unwissen­heit des betreifenden Sachverständigen bildet. Ein Recht, diese Diagnose zu stellen hat man erst, wenn die sorgfältige Untersuchung dargethan hat, dass eine Ursache für die Lahmheit nicht nachzuweisen ist, mit anderen Worten, die Diagnosis muss per exclusionem gestellt werden. Dass das selbst bei dem geübtesten Sachverständigen vorkommt, kann nicht geleugnet werden, denn es giebt Lahmheiten, deren Ursache Niemand genauer festzu­stellen vermag.
in
Verlauf und Beurtheilung. In Bezug auf den Verlauf müssen sich die Zustände, welche der Hüftlahmheit zu Grunde liegen, ver­schieden verhalten. Bald treten dieselben plötzlich auf, bald entwickelt sich das Leiden langsam; bald verschwindet die Lahmheit in kurzer Zeit, bald hält sie monatelang an oder zeigt sich oft unheilbar.
Aus diesem verschiedenartigen Verlaufe ergeben sich wichtige Anhaltspunkte für die Diagnose und Prognose; oft müssen sich diese ausschliesslich auf den Verlauf stützen. Im Allgemeinen gelten daher folgende Grundsätze:
1.nbsp; nbsp;Plötzlich aufgetretene Hüftlahmheit lässt auf traumatische Einflüsse schliessen und die Prognose günstiger stellen als Lahmheiten, die sich langsam, aber progressiv entwickeln,
2.nbsp; nbsp;Sobald eine fortschreitende Besserung zu constatiren ist, er­scheint die vollständige Heilung um so wahrscheinlicher, je schneller die Lahmheit abgenommen bat. Aus der allmälichen Zunahme der Lahmheit muss auf eine pathologische Veränderung geschlossen wer­den, welche voraussichtlich nicht so bald beseitigt werden kann.
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Hüftlahmheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;715
3.nbsp; Je älter die Lahmheit und je auffälliger die anatomischen Veränderungen (Muskelschwund), um so bedenklicher wird die Prognose.
4.nbsp; Ungünstig erscheint dieselbe auch hei intermittirender und remittirender Lahmheit namentlich, wenn dem Thiere Ruhe gegeben und eine entsprechende Behandlung zu Theil geworden ist.
5.nbsp; Auch die Dienstleistung ist zu berücksichtigen, indem bei Thieren, die schwere Arbeit zu verrichten haben, wie Reit- und schwere Lastpferde, weniger Aussicht auf dauernde Heilung besteht als bei Pferden, die im leichten Dienst Verwendung finden.
6.nbsp; nbsp;Sprechen die Bewegungsstörungen für die Gegenwart einer Gelenkerkrankung, so erscheint die Prognose weniger günstig als bei Muskelleiden, namentlich wenn keine hochgradige Atrophie derselben vorliegt.
Behandlung. Bei frisch entstandenen, namentlich von entzünd­lichen Erscheinungen begleiteten Hüftlahmheiten ist neben möglichster Ruhe Kälte angezeigt. Man lässt kalte Umschläge appliciren, Lehm­anstriche machen oder leitet, wo Vorrichtungen dazu gegeben sind, permanente Irrigation mit kaltem Wasser ein; auch kann das Auflegen von Eisbeuteln zweckmässig werden. Sprechen die Erscheinungen für einen rheumatischen Ursprung des Leidens (Nachlassen der Lahmheit während der Bewegung, intermittirender Vei'lauf, Auftreten ohne äussere Veranlassung), so finden Priessnitz'sche Einpackungen vortheilhafte Anwendung, welche mit flüchtig erregenden Einreibungen (Terpentinöl, Kampferspiritus, Linimentum volatile u. s. w.) zweckmässig verbunden werden. Auch hierbei ist dem Thiere Ruhe zu geben und für einen zugfreien Stall Sorge zu tragen. Bei Muskolleiden leistet die Massage in Form von Streichen oft gute Dienste; wo Lähmungen vermuthet werden, Klopfen der Muskulatur, um die degenerativen Vorgänge in derselben zurückzuhalten.
Tritt in 8—14 Tagen keine wesentliche Besserung ein, so zögere man nicht mit der Application einer Scharfsalbe (Canthariden, Queck­silberchlorid oder -jodit 1:8 Fett oder Spiritus). Soll die Salbe auf das Hüftgelenk applicirt werden, so bezeichne man dem Besitzer oder Wärter des Thieres die Stelle genauer mit Kreide oder durch Ab­schneiden der Haare, weil anderenfalls die Salbe von Laien regelmässig auf dem ausseien Darmbeinwinkel eingerieben wird.
Führt auch diese Medication nicht zum Ziele, so können Haar­seile, subeutane Injectionen von Veratrin (S. 560) oder das Glüheisen Anwendung finden. Zu den Injectionen wurde neuerdings Kochsalz
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Krankheiten der Kniegegend.
(1:10 Wasser) empfohlen (S. 500). Nach Beseitigung einer länger andauernden Lahmheit lasse man das Pferd nicht sogleich wieder arbeiten, namentlich nicht im schweren Dienste verwenden. Dies gilt besonders von solchen Lahmheiten, die nachweislich oder vermuthlich durch mechanische Insulte entstanden waren.
B. Krankheiten des Kniegelenkes.
Anatomie. Während die beiden mit Zwischenknorpeln versehenen Abtheihingen des Kniegelenkes, d. h. des Gelenkes zwischen Ober- und ünterschenkelbein oftmit einander communiciren, bildet das Kniescheib en­gelenk auf den Condylen des Oberschenkels eine geräumige Höhle, welche nach Frank immer mit jenen in Verbindung steht und zwar meist mit beiden. Mit der lateralen Abtheilung des Kniegelenkes communicirt auch die Sehnenscheide des Schienbeinbeugers und langen Zehenstreckers. An der vorderen Fläche der Kniescheibe findet sich beim Pferde in der Hälfte der Fälle (Eichbaum) eine bohnen- bis wallnussgrosse Bursa praepatellaris.
1. Luxationen und Distorsionen des Kniegelenkes.
Lit.: Stolze, Gurlt u. Hertwig. 14. S. 121. Meyer, das. 18. S. 313 (auch Liter.). Richter, das. 18. S. 304. Violet, Jahrb. 1885. S. 107. Santo, das. 1883. S. 109. Guigas, das. 1888. S. 138. Waters, Jahrb. 1854. S. 58. Stockfleth, Chirurg. S. 690.
Das Kniegelenk besitzt breite Gelenkflächen und einen starken Bandapparat. Ausserdem wird dasselbe von fast allen Seiten von starken Muskeln und Sehnen umgeben, während der Zahnfortsatz des Unterschenkels zwischen die beiden Condylen des Femur nach oben ragt. Die Lage der beiden Knochen ist daher sehr gesichert, und kommen Luxationen bei Thieren an diesem Gelenke höchst selten vor. Man hat indess vereinzelte Fälle bei Kühen beobachtet.
So beschreibt Stolze eine complete Luxation der Tibia nach vorn. Die Kuh war unvermögend den Schenkel vorzuführen; derselbe erschien in allen Gelenken unbiegsam und zugleich verkürzt. Die Belastung des Fusses war nicht ganz ausgeschlossen, und am Kniegelenke Hess sich bei der Palpation die Verschiebung der Knochen nachweisen.
Die Eeposition stiess auf Schwierigkeiten, gelang schliesslich, doch stellte sich bald die Luxation von Neuem ein, trotzdem das Thier in einen Hängegurt gebracht war. Nachdem die Reposition 5mal ausgeführt war, die später immer leichter gelang, wurde eine scharfe Einreibung angewendet, worauf Retention und in 3 Monaten soweit Heilung erzielt wurde, dass
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Luxatio patellae.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 717
das Thier sich ziemlich gut fortbewegen und die Weide besuchen konnte. Im Jahresbericht von 1860 wird ein gleicher Fall beschrieben.
Disfcorsionen des Kniegelenkes mögen durch forcirte Be­wegungen wohl vorkommen, häufig sind sie bei den grösseren Thieren jedoch nicht. Möglicherweise verdankt die bei Hunden nicht selten auftretende Gonitis chronica derartigen Insulten ihre Entstehung.
2. Verrenkung der Kniescheibe. Luxatio patellae.
Die Kniescheibe wird durch zwei starke Seitenbänder sowie durch ihre geraden Bänder, von denen beim Pferde und Rind drei, bei den übrigen nur eins vorhanden ist, und endlich durch den Zug der M. quadriceps femoris in ihrer Lage erhalten. Luxationen derselben werden am häufigsten bei Pferden, Rindern und Hunden beobachtet und erfolgen entweder
a)nbsp; nach oben über den medialen Condylus der Femur, oder
b)nbsp; nach der Seite, und zwar stets nach aussen.
Beide Zustände zeigen sich nicht allein in ihren Erscheinungen, sondern auch bezüglich der Beurtheilung und Behandlung ausserordentlich ver­schieden, und sollen daher auch hier gesondert betrachtet werden.
Bei der Luxation der Patella nach oben handelt es sich streng genommen nur um eine Verschiebung der Kniescheibe inner­halb ihrer Gelenkkapsel, indem dieselbe nach oben über den medialen Condylus tritt und nicht wieder nach unten zurückgleiten kann. Sie wird dadurch festgestellt, dass ihr unterer Rand sich gegen den oberen Rand des medialen Condylus vom Femur legt. Diese Luxation erfolgt demnach nur bei excessiver Streckung des Kniegelenkes. Von Violet wurde neuerdings behauptet, dass die Arretirung der Kniescheibe durch ihre Querbänder, besonders durch das mediale derselben er­folge. Um die tibiale Insertionsstelle des medialen Querbandes bildet die Gelenkfläche des Condylus internus gleichsam einen Kreisabschnitt. Es lässt sich daher wohl denken, dass unter Umständen die oberen Abschnitte der Gelenkfläche der Insertionsstelle dieses Bandes näher liegen können, als die unter ihnen befindlichen Abtheilungen derselben. Die Folge davon würde sein, dass die Kniescheibe in ihrer Lage auf jener, nach Violet beim Pferde concaven, beim Rinde ebenen Fläche des medialen Condylus leicht verharrt, und dass es einer gewissen Gewalt bedarf, um sie nach unten zu bewegen. Durch diese Form der Gelenkoberfläche des Condylus internus, sowie durch die An­spannung der Querbänder festgestellt, wird die Patella zuweilen für
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Krankheiten der Kniegegend.
einige Momente auf ihre Unterlage arretirt und hemmt so die Be­wegungen des Schenkels. Der Zustand könnte demnach als eine über-mässig gesicherte Ruhelage der Kniescheibe angesehen werden.
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Ursachen und Erscheinungen. Nach dem oben Gesagten wirken also zwei verschiedene Luxationsmechanisraen, nämlich: 1. eine Abflachung der Gelenkfläche des Condylus internus, beziehungsweise eine abnorme Anspannung ihrer Querbänder, oder 2. das Festhaken des unteren Randes der Kniescheibe auf dem oberen Rande des inneren Condylus des Femur. In dem ersten Falle würde demnach die Ursache in einer fehlerhaften Bildung der Condylusoberfläche, oder einer abnormen Anspannung der Querbänder zu suchen sein (Violet). Sehr natürlich, dass die hierdurch veranlassten Bewegungsstörungen sich bei demselben Thiere häufig wiederholten, oft aber nur wenige Augenblicke andauern (habituelle Luxation). Deshalb wollen wir diese als momentane Luxation der Patella nach oben bezeichnen, jene durch Festhaken des unteren Randes der Kniescheibe auf dem oberen Rande des medialen Condylus dagegen stationäre Luxation nach oben nennen. Nun werden aber Knie- und Sprunggelenk durch den M. tibia-lis an der vorderen, durch die Achillessehne an der hinteren Schenkel­fläche und durch die schrägen Einlagerungen der Zehenstrecker und Beuger (Kronbeinbeuger) auch die übrigen Gelenke des Hinterschenkels mit alleiniger Ausnahme des Hüftgelenkes von den Bewegungen des Kniegelenkes abhängig. Wenn daher durch Arretirung der Kniescheibe das Kniegelenk festgestellt wird, so sind alle übrigen Gelenke ge­zwungen; in der von ihnen eingenommenen Lage zu verharren; dadurch wird namentlich die Beugung und ausschreitende Bewegung des Schenkels unmöglich. Sobald also die Kniescheibe auf den Condylen des Femur nicht regelmässig auf- und niedergleiten kann, muss die Bewegung des Fusses unterbrochen werden. Dies zeigt sich bei den mit der momentanen Luxation behafteten Thieren durch eine augenblickliche Unterbrechung der Bewegung des Schenkels beim Gehen. Sobald der Fuss den Boden verlassen hat und seine aus­schreitende Bewegung als Hangbein ausführen soll, erfolgt in der Regel eine momentane Unterbrechung derselben, worauf alsbald ein plötzliches Emporschnellen des Fusses folgt, ähnlich wie beim Hahnen­tritt. Bassi glaubt daher auch die Ursache für das zuletzt genannte Leiden in dieser momentanen Luxation suchen zu müssen (vgl. Hahnen­tritt). Oft zeigt sich diese Störung schon im Stalle beim Herumtreten, und zwar bald nur an einem, nicht selten aber an beiden Schenkeln.
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Luxatio patellae.
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Während der Arbeit pflegt die Störung allrnälich zu verschwinden; zuweilen tritt dieselbe nur bei den ersten 20—30 Schritten hervor. Die mit dem Zustande verbundene plötzliche Beugebewegung des Schenkels hat zu der irrigen Annahme eines Krampfes in den Muskeln der Kniescheibe geführt und zu der Bezeichnung „Rammquot; Ver­anlassung gegeben.
Graduell zeigen sich diese Störungen verschieden; bald gehört eine aufmerksame Betrachtung der Bewegung der Hinterschenkel dazu, um sich von der Abweichung zu überzeugen, nicht selten aber sieht man deutlich, wie die Kniescheibe momentan feststeht und plötzlich nach unten springt.
Anders gestalten sich die Störungen, wenn die Kniescheibe längere Zeit hindurch auf dem medialen Condylus feststeht, bei der stationären Luxation nach oben. Dieser Zustand kommt nur beim Pferde und Rinde vor, weil der Condylus internus bei den übrigen Thieren mehr abgerundet und das Festhaken der Patella über demselben nicht mög­lich ist. Die Kniescheibe tritt hierbei zu weit nach oben, und zwar in der Regel durch heftige Contractionen oder passive Dehnungen des M. quadriceps femoris, z. B. beim Aufstehen, Ausschlagen, Recken und Strecken der Tliiere, sowie durch Ausgleiten. Dabei muss allerdings eine abnorme Verlängerung der geraden Bänder der Kniescheibe vorausgesetzt werden, die durch andauerndes Stehen im Stalle besonders bei trächtigen Thieren (Violet) veranlasst werden kann, als Schwäche­zustand nach schweren Krankheiten (Brustseuche) oft einige Zeit zurück­bleibt, nicht selten auch als angeborener Fehler beobachtet wird. Schlaffe, schwächliche Fohlen leiden an diesem Zustande häutiger als kräftige Pferde. Die nächste Folge der Immobilisirung der Patella auf der oberen Abtheilung des medialen Condylus besteht in Strock-stellung aller Gelenke des Schenkels und Unvermögen zu Beuge-bewegungen; auch die passive Flexion der Gelenke erscheint aus­geschlossen. Die Folge davon ist, dass der Schenkel in gestreckter Haltung nach hinten gerichtet wird und nicht vorgeführt werden kann. Leiden beide Füsse, so steht das Thier wie gebannt auf der Stelle und ist unfähig vorwärts zu gehen. 1st nur ein Fuss betroffen, so springt das Thier beim Versuche zu gehen auf dem anderen vorwärts. Hang-beinlahmheit mit excessiver Streckstellung aller Gelenke kennzeichnet das Leiden.
Wenn der M. quadriceps fern, bei dieser Lage der Kniescheibe ruht, so kann sich die letztere auf den Condylus des Femur aufrichten und auf ihren unteren Rand stellen, ein Zustand, den man heim
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720nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Kniegegend.
Menschen verticals Luxation der Patella genannt hat. Diese Er­scheinungen sind so charakteristisch, dass man die stationäre Luxation schon von weitem diagnosticiren und beim Rinde nur mit der Dis­location der M. biceps femoris (S. 707) verwechseln kann; bei dem zuletzt genannten Leiden besteht jedoch keine so absolute Streck­stellung; der Schenkel kann, wenn auch nur wenig, immerhin etwas gebeugt werden; dabei lässt sich der Trochanter unmittelbar unter der äusseren Haut fühlen und die Kniescheibe wenigstens seitwärts verschieben, welche bei der Luxation absolut unbeweglich ist und zu hoch liegt.
Wenn auch wohl angenommen werden kann, dass der mo­mentanen Luxation nach oben in der Regel eine Abflachung der Gelenkfläche, oder eine abnorme Anspannung der Querbänder zu Grunde liegt, während die länger dauernde Feststellung auf dem oberen Rande des medialen Condylus eine Verlängerung der geraden Bänder voraussetzt, so soll damit nicht behauptet werden, dass der letztere Zustand nicht auch bei dem sog. Ramm wirksam sein kann. Es ist sogar wahrscheinlich, dass auch hierdurch die Kniescheibe auf den oberen Abtheilungen der Condylen des Femur eine Ruhelage finden kann oder hier durch die Querbänder, namentlich durch das mediale Querband fixirt wird. Das Auftreten der momentanen Luxation bei schlaffen Thieren und nach schweren Krankheiten spricht für diese Annahme.
Die Beurtheilung hängt einerseits von dem Grade der Be­wegungsstörung und der damit verbundenen Beschränkung in der Gebrauchsfilhigkeit des Thieres ab, andererseits richtet sich die Pro­gnose nach dem Alter der Krankheit wie des Thieres. Bei schwäch­lichen Fohlen verlieren sich in der Regel beide Zustände mit dem Eintritt einer besseren Ernährung. Dasselbe gilt von Reconvalescenten, die mit dem einen oder anderen der beiden Leiden behaftet sind. Je länger indess der Zustand bereits besteht, je häufiger und je heftiger die Anfälle, desto geringer wird die Aussicht auf Heilung.
Behandlung. Junge Thiere und Reconvalescenten lasse man kräftig ernähren und verschone die Patienten mit schwerer Arbeit. Durch längere Ruhe und viel Liegen werden die geraden Bänder der Kniescheibe entspannt und auf ihre normale Länge zurückgeführt. Namentlich muss alles vermieden werden, was Recidive begünstigt. Bei der momentanen Luxation lässt sich für gewöhnlich nichts weiter
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Verrenkung der Kniescheibe.
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thun, dagegen verlangt die stationäre Verrenkung baldige Reposition, welche auf verschiedene Weise erreicht werden kann:
1.nbsp; Oft springt die Kniescheibe bei plötzlichem Rückwärts- oder Seitwärtstreten in ihre normale Lage zurück; energische Contraction in den Kniescheibenmuskeln durch einen unverhofften Schlag oder Begiessen des Thieres mit kaltem Wasser führt ebenfalls die Reduc­tion zuweilen herbei.
2.nbsp; Wo diese Mittel nicht genügen, versuche man durch Druck auf den oberen äusseren Rand der Patella den unteren Rand dei'-selben frei zu machen; man drückt nach hinten und innen. Meyer will die Kniescheibe mit der ganzen Hand umfassen und in die Höhe heben, während das Thier geführt wird.
Erleichtert wird die Reposition durch Streckstellung des Knie­gelenkes, 'welche man durch ziehen des unteren Fussendes nach vorn erzielt. Um die Fessel wml ein Strick gelegt, der über den Hals zur anderen Seite des Thieres gezogen, den kranken Fuss vom Boden ent­fernt. Dann lässt man das Thier von hinten vorwärts schieben und drückt in diesem Momente die Kniescheibe zurück (Richter). Liegt das Thier, so lasse man den Fuss wie zum Castriren einbinden und versuche in dieser Haltung die Reposition.
Wichtig ist, dass nach der Einrenkung dem Thiero einige Zeit, 8—4 Wochen Ruhe gegeben wird; die weitere Behandlung, wie Application von Scharfsalben, Haarseilen u. s. W., kann nur dadurch nutzen, dass der Schenkel ruhig gehalten wird. Stellen sich beim Hin­legen und Aufstehen Recidive ein, so wird ein Hiingegurt zweckmässig. Violet, Santo und Guigas haben neuerdings empfohlen, das innere Querband der Kniescheibe zu durchschneiden; man will damit nament­lich die momentanen Luxationcn auch da noch geheilt haben, wo das Leiden jahrelang bestand (Guigas). Die Ausführung der Operation ist jedoch nicht einfach , wie ich mich an Versuchsthieren überzeugt habe, weil das mediale Querband der Kniescheibe bei den Pflanzen­fressern keine scharfe Begrenzung besitzt und mit dem Kapselbande innig verschmolzen ist.
Die Luxation der Kniescheibe zur Seite und zwar fast immer nach aussen (laterale Luxation) findet sich ebenfalls bei Pferden und Rindern, aber häufiger noch bei Hunden; bei letzteren ist das Leiden meist angeboren und besteht an beiden Füssen, indem eine Deformation in der Knochenentwickelung demselben zu Grunde liegt. Die erworbene Luxation nach aussen setzt eine erhebliche Dehnung oder Zerreissung des medialen Querbandes der Kniescheibe
Möller, Siwcielle Ohlrurgie für Thieriirzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 40
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722nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Kniegegond.
voraus. Da der mediale Coudylus des Femur bei weitem stärker ist und mehr hervorragt, so kommt eine Luxation nach innen bei Thieren höchst selten vor; Stockfleth will jedoch eine solche bei der Kuh beobachtet haben. Bald liegt die Patella zum Theil noch auf dem lateralen Condylus (incomplete L.), meist ist sie auf die äussere Fläche desselben gerückt (complete L.). Die Kniescheibe des Pferdes wird durch den an der medialen Seite befindlichen Knorpel­fortsatz, welcher sich über den inneren Condylus des Femur krümmt, zwar in ihrer Lage gesichert, doch wird ihr Abweichen nach aussen hierdurch nicht unmöglich.
Ursachen. Gerade Schenkelstellung, schräge Lage der Kruppe und jugendliches Alter verleihen für diese Art der Luxation eine be­sondere Disposition. Schon das Auftreten an beiden Gliedmassen deutet auf eine derartige Anlage hin. Ein schlaffer, schwacher Bandapparat mag dabei mit in Betracht kommen. Bei Hunden ist das mediale Querband der Patella erheblich schwächer als das laterale.
Alle Einflüsse, welche eine Zerreissung oder heftige Dehnung des medialen Querbandes herbeiführen, können Ursache des Leidens werden. Meyer glaubte, dass eine rheumatische Contraction oder übermässige Action in dem Auswärtsziehen das Leiden veranlasse, konnte jedoch mit der Durchschneidimg derselben keine Heilung erzielen.
Die Beurtheihmg gestaltet sich ungünstiger als bei der Luxa­tion nach oben; am schlechtesten ist sie bei Hunden, wenn der Zu­stand angeboren war; Seidenpintscher und Möpse fand ich nicht selten mit demselben behaftet. Im übrigen kommen die allgemeinen Grund­sätze in Betracht: je älter die Luxation, je grosser die Schwierig­keiten bei der Reduction und Retention, desto weniger Aussicht auf Heilung. Die unvollständige Luxation nach aussen kann selbstverständ­lich günstiger beurtheilt werden als die vollständige.
Erscheinungen. Die klinischen Symptome gestalten sich ähn­lich wie bei Cruralislähmung und Continuitätstrennungen in den Knie­scheibenstreckern, es besteht Stützbeinlahmheit mit excessiver Beugung aller Gelenke des Schenkels. Durch Verlagerung der Patella an die laterale Seite des Femur wird die Funktion des Quadriceps femoris und damit die stützende Thätigkeit des Schenkels gestört. Aber auch beim Vorführen sind die genannten Muskeln
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Zerreissung der Kniescheibenbilmler.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;723
thätig, weshalb der Schritt etwas kürzer ausfällt. Unter dem Knie tritt das Kapselband deutlicher hervor, während die Patella in ihrer fehlerhaften Lage oft direct zu fühlen ist. Bei der incompleten Luxation treten diese Erscheinungen weniger auffällig hervor; hier zeigt sich zuweilen die Lahmheit im Schritt auffälliger als im Trabe; eine im übrigen seltene Erscheinung.
Bei Hunden lässt sich die Patella leicht reponiren, worauf die Lahmheit sofort verschwindet, jedoch mit der sich bald wiederholenden Luxation von neuem einstellt (habituelle Luxation). Weniger leicht gelingt die Reduction bei Pferden, die in der Regel auch hiernach den Fuss nur langsam und in steifer Haltung vorbewegen.
Behandlung. Wie bereits erwähnt, gelingt bei Fleischfressern die Reposition leicht; um so schwieriger gestaltet sich bei allen Thier-arten die Retention. Hertwig will die Kniescheibe beim Pferde durch Druck mit der Hand 48 Stunden gestützt haben; die dazu verwendeten Männer mussten sich gegenseitig ablösen, sodann wurde eine scharfe Einreibung applicirt. Da ein Verband zum Zwecke der Retention nicht anzubringen ist, so beschränkt sich die Behandlung meist mif Verord­nung von Ruhe und scharfen Hautreizen, welche die Thiere veranlassen sollen den kranken Fuss möglichst wenig zu bewegen. Auch würde für grosse Thiere ein Hängegurt nützlich sein.
3. Zerrelssung der geraden Eiimlcr der Kniescheibe.
Zerreissung des ilusseren geraden Bandes der Knie­scheibe wurde von mir 2 Mal beim Pferde beobachtet. Einmal war die­selbe durch Gegenfahren mit der Deichsel veranlasst, in dem zweiten Falle wahrscheinlich beim Aufstehen im Stalle eingetreten. Beide Patienten zeigten eine ausgesprochene Stützbeinklinibeit. Anfangs wurde der betreffende Puss überhaupt nicht belastet, später nur unvollkommen. Unter der Kniescheibe Hess sicli nur das mediale und mittlere gerade Band fühlen, an Stelle des lateralen war eine Lücke nachzuweisen. Auf Druck äusserten die Thiere an dieser Stelle erhebliche Schmerzen. Die Kniescheibe befand sieb in ihrer natürlichen Lage. Bei einem der Patienten war nach 3 Wochen, bei dem anderen nach 4 Wochen unter absoluter llnhe soweit Besserung eingetreten, dass sie aus der Behandlung entlassen werden konnten.
Voigtländer (Dresd. Ber. 18()0 S. 57) beobachtete bei einem Ochsen Zerreissung der geraden Bänder der Kniescheibe. Unvermögen zu stehen, bedeutende Entzündung in der Gegend des Kniegelenkes, Flexionsstellung, Unvermögen das Knie zu strecken und Entspannung der geraden Bänder kennzeichneten das Leiden. Das Thier wurde geschlachtet, worauf sich die Zerreissung direct nachweisen Hess.
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724nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Kniogegend.
4. Frakluren der Kniescheibe.
Lit.; Renelt, Th. Milth. I860. S. 151. Steffen, Stockflcths Chirurgie. S. 619. Renault, Her. Rep. 17. S. 39.
Brüche der Kniescheibe kommen selten vor und wurden bisher nur bei Pferden beobachtet. Hufscliliige, Gregenfahren, Niederstürzen mit stark Hectirtem Kniegelenk geben meist hierzu Veranlassung. Wollstein will den Bruch beim Pferde durch Sträuben in den Fesseln beobaohtet haben (Hertwig), während Renault einen doppelseitigen Bruch der Kniescheibe beim Pferde entstehen sah, dessen Hintertheil im Hängegurt durch den zurückgerutschten Bauchriemen in die Höhe Behoben war, so dass die Füsse den Boden nicht mehr berührten. Ein anderes soll sich beim Ausgleiten beide Kniescheiben gebrochen haben.
Die durch äussere Gewalten veranlasstcn Frakturen stellen nicht selten Splitterbruche dar und sind oft mit Verletzungen des Gelenkes verbunden. Heftiger Muskelzug bewirkt in der Regel eine horizontale Fraktur.
Erscheinungen und Verlauf. Hochgradige Lahmheit, Unver­mögen den Fuss zu belasten und heftige Schmerzen bei den Bewe­
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ungen desselben kennzeichnen das Leiden; dazu gesellt sich die An-
schwellung und Schmerz an der Kniescheibe. So lange die An­schwellung noch nicht stark entwickelt, lassen sich die Knochenstücke zuweilen direct fühlen. Crepitation fehlt dagegen in der Regel.
Die Prognose ist im ganzen ungünstig. Obgleich beim Menschen die Bedingungen zur Heilung sich bei weitem günstiger gestalten, so kommt es auch hier meist nur zu einer ligamentösen Vereinigung, weil die Diastase erheblich, der Knochen bei dem mangelnden (nur seine Oberfläche bedeckenden) Periost zur Callusbildung wenig leistungs­fähig ist, zumal das untere Stück von seinen, grösstentheils aus den Muskeln stammenden Blutgefässen abgeschnitten ist. Ebenso muss bei Querbrüohen und solchen, die mit Oeffnung des Gelenkes verbunden sind, für grössere Thiere die Prognose schlecht ausfallen. Die mehr­fach in der Literatur mitgetheilten und günstig verlaufenen Fälle be­ruhen offenbar zum Theil auf IiTtlnimern in der Diagnose (Renelt). Nur wo ein kleines Stück z. B. mit einem der geraden Bänder ab­gerissen ist (Steffen), kann in etwa vier Wochen Heilung erwartet werden.
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Verletzungen und Entzündungen des Kniegelenkes.
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Die Behandlung ist nach allgemeinen Grundsätzen zu leiten. Grrössere Thiei-e bringt man in einen Hängegurt, hei kleinen kann ver­sucht werden, einen Verband anzulegen und zwar in möglichster Streckstellung des Gelenkes.
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5. Yerletzungen und Entzündungen des Kniegelenkes. Gonitis.
Lit.: Rohling, Gurlt u. Hertwig. 10. S. 135. Seh rader, Gurlt n. Hertwig. 20. S. 145.
Bei den grossen Hausthieren, namentlich dem Pferde, erfolgen nicht selten Verletzungen am Knie, namentlich der Kniescheibe durch Hufschläge, Stiche mit Düngergabeln, Lanzenstiche, Säbelhiebe, durch gegenseitiges Treten mit scharfen Stollen u, S. w., und geben zu eiteriger Erkrankung der Gelenke Veranlassung. Auch setzt sich diese zuweilen von der Seimenscheide des Schienbeinbeugers und des langen Zelienstreckes an der lateralen Seite auf das Gelenke fort, und da beide Abtheilungen des Kniegelenkes mit einander in Verbindung stehen, so pflanzt sieb der Process regelmässig auf alle fort und geht auch auf das Kniescheibengelenk über. Aseptische Entzündungen werden bei Thieren seltener beobachtet, können indess aus heftigen Quetschungen und Distorsionen hervorgehen und führen zur Bildung von Hilmarthron oder einer Gonitis acuta serosa (Hydrops Genu) (Rohling).
Erscheinungen. Das Leiden ist mit heftiger Lahmheit ver­bunden, wobei sowohl die Belastung wie auch die Bewegung ängstlich vermieden wird. Sämmtliche Gelenke des Schenkels verharren in Flexionsstellung (Fig. 110), während sich am Knie eine diffuse An­schwellung und bei Gelenkwunden Ausfluss von eiteriger Synovia be­merklich macht. Dabei besteht Fieber, Mangel an Appetit; die Thiere liegen viel und gehen, wenn sie nicht getödtet werden, unter Auftreten von Decubitus an den Erscheinungen der Septicämie zu Grunde. Die aseptische Erkrankung verläuft langsamer und ist mit weniger hef­tigen Störungen verbunden. Bei massiger Entzündung erlangt dieses Leiden mit Gonitis chronica eine grössere Aehnlichkeit.
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Beurtheilung. Aus dem angeführten ergiebt sich, dass die Pro­gnose bei der septischen bezw. eiterigen Gonitis acuta schlecht aus­fallen muss. In der Regel ist die Wiederherstellung ausgeschlossen und die Tödtung gerathen, und wenn es sicli um schlachtbare Thiere
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720nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Kniegegcnd.
handelt, zögere man damit nicht, weil dieselben in Folge des Leidens schnell in ihrem Nährzustande zurückgehen, und das Allgemeinleiden die Verwerthung des Fleisches ausschliessen kann. Bei aseptischer Erkrankung können Heilversuche besonders bei werthvollen Pferden angestellt werden. Wo hochgradige Schmerzen bestehen, urtheile man nicht zu optimistisch, weil die ausschliessliche Belastung des anderen Fusses oft zu Hufbeinsenkung führt, in Folge dessen die Thiere nicht mehr stehen können und an Decubitus zu Grunde gehen.
Die Behandlung. Sofern es sich um frische Gelenkwunden oder Verletzung der genannten Sehnenscheide handelt, muss mit den Hülfs-mitteln der Antisepsis vorgegangen werden. Da ein Occlusivverband bei grösseren Thieren nicht anzubringen ist, lasse man die Wunde soweit möglich desinficiren und wende bei kleinen Wunden alsbald eine Scharf­salbe (Sublimat mit 10 Th. Spiritus) oder das Glüheisen an, um durch die entzündliche Schwellung die Gelenkwunde möglichst bald zum Beschluss zu bringen. Grössere Trennungen können nach erfolgter Desinfection geheftet und durch permanente Irrigation aseptisch er­halten werden.
lt;gt;. Chronische Entzündung des Kniegelenkes. Oonitis chronica
sicca.
Die chronische Entzündung des Kniegelenkes Gonitis chronica sicca, kommt vornehmlich bei schweren Lastpferden und solchen vor, die andauernd im gleichen schnellen Tempo arbeiten. Omnibus-, Pferdebahn- und Droschkenpferde werden von dem Leiden häufig betroffen. Aber auch bei Hunden habe ich die Krankheit oft beobachten können und zwar besonders bei grösseren Racen und Zieh­hunden. Bei Hunden tritt das Leiden meist einseitig, bei Pferden oft beiderseitig auf.
Die Section ergiebt Veränderungen, wie sie die Arthritis chro­nica sicca s. deformans charakterisiren: Wucherung der Gelenkknorpel an den Rändern mit Auftreibung der Knochen, namentlich des Unter­schenkelbeines; die Gelenkflächen zeigen sich stellenweise usurirt und mit Schlifffiilchen versehen; dabei besteht zuweilen ein massiger Hydrops genu. In der Regel beschränkt sich der Process auf die mediale Abtheilung des eigentlichen Kniegelenkes, während die la­terale sowie das Kniescheibengelenk intact bleiben.
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Gonitis chronica sicca.
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Verlauf und Erscheinungen. Das Leiden pflegt allmälich ein­zusetzen und langsam, aber unaufhörlich fortzuschreiten, bis man sich entschliesst, die Thiere vertilgen zu lassen. Darüber vergehen jedoch oft Monate, nicht selten Jahr und Tag; anfangs zeigt sich nur geringe Lahmheit, welche namentlich bei beiderseitiger Erkrankung oft längere Zeit übersehen wird. Im Stalle wird der kranke Fuss in Flexionsstel­lung gehalten (Fig. 110); leiden beide, so erfolgt dieses abwechselnd;
na. 110.
Linksseitiglaquo; (jonitis clironica.
(Jonitis chronii'a bilal ernlis (nach piuev Phütogiapliic).
beim Herumtreten hebt das Thier den kranken Fuss oft zuckend in die Höhe, ähnlich wie beim Spat und Hahnentritt. Lilsst man den Patienten im Schritt führen, so zeigt sich namentlich im Anfange der Bewegung eine ausgesprochene Hangbeinlalnnheit mit Verzö­gerung der ausschreitenden Bewegung und Verkürzung des Schrittes nach vorn. Beim Ueberschreiten von Unebenheiten des Bodens stösst der lahme Fuss leicht an; im Trabe erlangt die Lahm­heit wohl eine gewisse Aehnlichkeit mit Spat.
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728nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Kniegegend.
Durch Palpation lassen sich keine Schmerzen nachweisen, da­gegen macht sich nicht selten unter der Kniescheibe eine etwas stär­kere Füllung ihrer Gelenkkapsel bemerkbar, und in den späteren Stadien zeigt sich auch der mediale Gelenkknorren des Unterschenkels oft deutlich angeschwollen. 7a\ dieser Untersuchung muss man unter An­wendung der nöthigen Vorsichtsmassregeln hinter dem Pferde Auf­stellung nehmen und die Kniegelenke von hinten mit beiden Händen umfassen, um dieselben mit einander vergleichen zu können; ebenso verfährt man bei Hunden. Bei Abductions- und Rotationsbewegungen des Schenkels nach innen (Pronation) äussern die Thiere zuweilen lebhafte Schmerzen.
Die Krankheit ist unheilbar, und da hier das an anderen Stellen unter solchen Umständen in Anwendung gebrachte Mittel, die Neuro-tomie nicht ausführbar ist, so wird in der Kegel von einer Behandlung abgesehen; Arbeitspferde nutzt man so gut aus, als es eben geht. Soll etwas versucht werden, so wende man Scharfsalbe, Glüheisen und andere Ableitungsmittel an. Ich habe diese wiederholt versucht, aber niemals Erfolg von ihnen gesehen, und wo sie solchen gehabt haben sollen, dürften wohl Fehler in der Diagnose vorgelegen haben.
Casuistik. Ein ca. 12 Jahre alter Wallach hatte 2 Jahre hindurch in schwerem Zuge gearbeitet und während dieser Zeit abwechselnd auf den Hinterfüssen eine geringe Lahmheit gezeigt. Hierbei entwickelte sich all-nuilich an beiden Hinterfüssen eine steile Schenkelstellung (Fig. 111), wilhrend die Bewegungen derselben immer steifer wurden, und die Kruppe eine stark abschüssige Lage angenommen hatte. Die Gelenkkapseln der Kniegelenke zeigten an beiden Püssen deutliche Ausbuchtungen, welche am deutlichsten unterhalb der Kniescheibe hervortraten (Fig. lila). Im Stalle wurden in kurzen Zwischenzeiten die Hinterlüsse abwechselnd hoch gehoben, stark ge­beugt; schon seit lilngerer Zeit hatte sich das Pferd nicht mehr niedergelegt. Bei der Bewegung wurden die Hinterfüsse steif und in kurzen Schritten vorgeführt. Die Arbeitsfähigkeit hatte in hohem Grade gelitten , so dass man sich zur Tödtung des Thieres entschloss.
Bei der Section fanden sich in der Kruppen- und Schenkelmuskulatur, namentlich in den GlutUen starke Bindegewebswucherungen, welche im Ferimysium externum in Form breiter, weisser Streifen hervortraten (Myo-sitis chronica fibrosa). In der Bursa glutaei medii bestand chronische Ent­zündung mit starker Wucherung der Zotten, welche zum Theil 2-—3 cm lang und 5—8 mm dick waren.
Die Kniescheibengelenke zeigten sich mit einer klaren, gelblichen, zähen Flüssigkeit angefüllt, ihre Kapselbänder ausgedehnt und die Synovialis mit langen, zottigen Wucherungen besetzt. An den eigentlichen Knie­gelenken fehlte der medialen Abtheilung der Gelenkknorpel fast vollständig; auch am Zahnlbrtsatze des Unterschenkels waren vom Knorpel kaum noch Spuren nachzuweisen, dagegen zahlreiche Schliffflächen vorhanden. Die
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Bursitis praepatellaris.
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Ktlncler der medialen Gelenkabtheilung, insbesondere am Unterschenkel zeigten sich von wallartigen, überknorpelten Verdickungen umgeben. Die Knie­scheibengelenke Hessen keine auffälligen Veränderungen nachweisen.
7. Bursitis praepatellaris.
Bursitis praepatellaris. Die an der vorderen Fläche des Knie­gelenkes liegende Bursa praepatellaris, welche nach den Angaben Eich­baums bei der Hälfte aller Pferde vorkommt, erkrankt zuweilen entzünd­lich und veranlasst eine bald fluctuirende, bald mehr derbe Anschwellung bis zur Grosse einer Doppelfaust und darüber. Schmerzen und Lahmheit sind mit dem Zustande in der Kegel nicht verbunden, daher bildet derselbe ebenso wie die Stollbeule nur einen Schönheitsfehler.
Offenbar geben Quetschungen und anderweitige Verletzungen dieser Bursa mucosa zu dem Leiden Veranlassung, welches daher bald mit acut entzündlichen Erscheinungen verbunden ist, bald ohne solche auftritt. Im letzteren Falle gehen die Thiere an dem Zustande auch nicht lahm, was für die Diagnose anderer Krankheitszuständo beachtensworth erscheint.
Soll eine Behandlung eintreten, so werden fluctuirende Anschwellungen (Bygrome der Bursa) mit Vortheil wiederholt mit der Hohlnadel oder einem dünnen Trokart punktirt und entleert; auch können Jodinjectionen versucht werden. Spaltungen derselben führen ebenso wie bei der Stollbeule zu langwierigen Eiterungen lind sind daher nur zu empfehlen, wenn gleichzeitig die Bursa mit dem Glüheisen oder einem Aetzmittel zerstört werden kann. Scharfsalben und Glüheisen führen auch hier eine allmäliche Schrumpfung herbei; doch muss ihre Anwendung öfter wiederholt werden. Beim Gebrauch des Messers hüte man sich, den Zustand nicht mit einem Hydrops genu zu verwechseln; die Geschwulst liegt beim Kniewasser tiefer und lässt sich unter der äusseren Haut nicht so frei verschieben wie bei dem in Rede stehenden Leiden.
C. Krankheiten des Unterschenkels.
Anatomie. Der Unterschenkel ist von einer, namentlich beim Pferde straff gespannten äusseren Haut umgeben, die an seiner lateralen Fläche stark, an der medialen nur dünn ist. Mit der schwach entwickelten Subeutis legt sich dieselbe an der vorderen Abtheilung der medialen Fläche des Unterschenkels direct auf die Tibia, welche hier also eine oberflächliche Lage besitzt, daher äusseren Verletzungen ausgesetzt ist. Etwa 8/4 des Knochens, nämlich die ganze laterale und die hintere Abtheilung der medialen Seite wird von den Unterschenkelmuskeln bedeckt, welche einzeln von Fascien umkleidet, alle aber von der Fascia oruris s. lata umgeben werden. Die letztere geht von den Muskeln der Kruppe und des Oberschenkels aus und setzt sich zum Thoil an die Crista tibiae, zum Theil läuft sie unter­halb des Sprunggelenkes in die Sehne des langen Zehenstreckers ans. Diesen
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730nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Unterschenkels.
Einrichtungen verdanken die Krankheitszustilnde am Unterschenkel besondere Eigen thümlichkeit en.
1. Wunden und Verletzungen.
Wunden und Verletzungen, An der vorderen Abtheilung der medialen Flüche des Unterschenkels beobachtet man namentlieh bei Pferden durch Hufschlilge, Reiten auf Latirbilumen oder Deichsel­stangen und unter ähnlichen Umständen nicht selten Verletzungen der Tibia. Bald entsteht hiernach bloss eine Entzündung der äusseren Haut, zuweilen mit umfangreichen Excoriationen derselben, nicht selten aber kommt es hierbei zu (Quetschungen und Verletzungen des Periostes und selbst des Knochens. An dem letzteren entstehen durch heftige mechanische Insulte (Hufschläge) leicht Fissuren, die an anderer Stelle besprochen werden sollen (S. 732). Aber auch Knochenwunden kommen hier vor und führen regelmässig zu einer diffusen Periostitis, welche aber auch ohne Verletzung des Knochens in Folge Quetschung des Periostes eintreten kann.
Periostitis am Unterschenkelbein erzeugt eine ausgesprochene Hangbeinlahniheit mit Verzögerung der Bewegung des Schenkels und Verkürzung des Schrittes nach vorn, hält meist drei bis vier Wochen an und führt zu Verdickungen der Tibia. Bei der Palpation zeigt sich dieselbe schmerzhaft, so dass die sorgfältige Untersuchung über die Natur der Lahmheit keinen Zweifel aufkommen lässt.
Die Behandlung dieses Zustandes erfolgt nach den allgemeinen Grundsätzen. So lange die Sclmierzhaftigkeit gross ist, finden kalte Umschläge (Umwickelungen mit Stroh und kalte Begiessungen) oder Be­rieselungen) zweckmässige Anwendung, bei Wunden, namentlich des Knochens, verwendet man hierzu antiseptische Mittel. Später fördern scharfe Einreibungen den schnellen Ablauf der Periostitis. Knochen­sequester müssen entfernt werden, sobald sie sich mobil zeigen. Handelt es sich nur um Quetschung und Excoriation der äusseren Haut, so lasse man laquo;lie Stelle nach erfolgter Reinigung mit Blei- oder Zink­salbe bestreichen.
An den mit Muskeln bedeckten Abschnitten des Unterschenkels erlangen Verwundungen durch die Gegenwart der starken Fascien eine besondere Bedeutung. Wo diese nicht mit verletzt sind, heilen die Wunden auch hier ohne besondere Störungen. Sobald aber eine
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Verletzungen am Unteischenkel.
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Continuitfttstrennung dor Fa.scie stattgefunden hat, stösst die Heilung regolmiissig auf Schwierigkeiten, und zwar einmal dadurch, dass die Muskelmasse in Folge entzündliche!- Schwellung durch die Lücke der Fascie hervorquillt (Muskelhernie oder Muskelvorfall) und von der Fascie eingeschnürt lebhaft zu wuchern beginnt. Andererseits kommt in Betracht, dass unter dem Einflüsse der Eiterung die Fascie nekro-tisirt, und bevor es zur Dissection des nekrotischen Abschnittes der­selben gekommen ist, treibt die Muskelmasse bereits üppige Granu­lation; ein Vorgang, der zugleich durch die Bewegungen (Contmc-tionen) der Fascien und Muskeln gefördert wird. Die Folge hiervon ist, dass sich die Granulationen in Form pilzförmiger Massen vor­drängen, und die Heilung gestört wird. Dieser Zustand entwickelt sich mit Vorliebe an den unteren Abschnitten des M. biceps femoris. kommt aber im ganzen Bereiche der Unterschenkelmuskulatur vor. Eine zweite Störung bei der Heilung von ünterschenkelver-letzungen, welche die Fascia lata perforiren, besteht in der Entwickelung einer subfascialen Plilegmone. Diese gesellt sich mit Vorliebe ZU Stichwunden, namentlich zu solchen, die mit Düngergabeln veranlasst wurden, wie sie beim Ordnen der Streu nicht selten vorkommen. Hoch­gradige Schmerzhaftigkeit bei der Belastung sowohl wie auch bei der Bewegung des Fusses, massige Anschwellung, aber Miterkrankung der Lyinphapparate und Fieber geben den Zustand zu erkennen. In der Unterhaut besteht nur massiges Oedem, später treten hierselbst urplötzlich, pilzfönnige Anschwellungen hervor, welche in Folge der Perforation der Fascie von Seiten der abscedirenden Entzündung zu Stande kommen. Der Zustand wird um so bedenklicher, als die oft septische Fhlegmone leicht ZU umfang­reicher Nekrose führt und Septicämie mit tödtlichem Ausgange hervor-ruftj hierzu trägt die starke Drucksteigerung unter der unnach­giebigen Fascie wesentlich bei.
Behandlung. In Folge von Muskelvorfall entstandene tippige Granulation muss mit Hülfe des Messers, Glüheisens oder durch Aetz-mittel entfernt werden. Um die Neubildung derselben zu verhindern, erscheint oft eine weitere Spaltung der Fascie geboten. Zuweilen gelingt es ein Stück derselben zu excidiren und auf diese Weise die Einschnürung der Granulationsmassen zu verhindern. Während ein Druckverband an dieser Stelle kaum anzubringen ist, lassen sich unter Umständen ein Paar Heftpflasterstreifen vortheilhaft verwerthen. Man bestreicht ein Stück Leder oder starke Leinevvand mit einem
ocr page 754
732nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Unterschenkels.
Harzpflaster aus '/e Harz und '/a Wachs (Stolz) bestehend, und legt laquo;las angewärmte Pflaster so auf die leidende Stelle, dass nicht nur die üppige Granulation, sondern auch die Nachbarschaft von demselben bedeckt wird. Absolute Hube des Thieres ist unbedingt nothwendig. Die subfasciale Phlegmone verlangt frühzeitige Incisionen, Desinfectiou und event. Drainage. Wo auch immer ein Abscess sich in der Tiefe bemerkbar machen sollte, suche man ihn zu öffnen. Zeigen sich namentlich die beschriebenen pilzförmigen Anschwellungen der Haut, so säume man nicht, zum Messer zu greifen und diese zu spalten, um den Eiter zu entleeren.
2. Frakturen des Untersclienkclbeines.
Lit.; A lb recht, Gurlt u. Hertwig. 29. S. 238. Kickelbosch, das. S. 238. Kretschmar, Dresd. Ber. 1866. S. 69. Vitry, Jahrb. 1843. Gerlach, Gerichtliche Thierhoilk. 1. Aufl. S. 398. Schmidt, Her. Rep. 17. S. 202. May, (iurlt u. Hertwig. 24. S. 318. Leisering, Dresd. Ber. 1872. S. 30. Walter, Gurlt u. Hertwig. 29. S. 337. Eberhardt, das. 22. S. 42. Rivolta, Her. Rep. 18. S. 226. Bohnke, Gurlt u. Hertwig. 12. S. 82.
Neben Beckenfrakturen gehören Brüche des Unterschenkelbeines bei Pferden zu den häufigsten Continuitiltstrennungen der Knochen. Von 1082 in vier Jahren unter den Armeepferden beobachteten Frak­turen fielen 189 auf diesen Knochen. Veranlassung zur Entstehung derselben geben in erster Linie Hufschläge von Nachbarpferden, wenn dabei die vordere Abtheilung der medialen Fläche der Tibia getroffen wird, die unmittelbar unter der äusseren Haut liegt. In den meisten Fällen bewirkt der Schlag zunächst eine Knochenwunde, die häufig mit einer Fissur der Tibia verbunden ist, während der vollständige Bruch erst später beim Aufstehen, Niederlegen, Ausgleiten oder beim Harn- bezw. Kothabsatz entsteht. Meist erfolgt dies in den nächsten acht Tagen nach der Verletzung, doch liegen Beobachtungen vor, welche beweisen, dass der Bruch selbst vier bis fünf Wochen nach der Verletzung noch eintreten kann (Eickelbosch, Kretschmar). Wahrscheinlich hatten in solchen Fällen zuweilen Infractionen vor­gelegen; dafür spricht noch der Umstand, dass die Bruchfragmente nach den Angaben der Berichterstatter in der Hegel keine Callus-bildung zeigten (Schmidt). Es lässt sich daher annehmen, dass die Knochenwunde, eine Lochfraktur bezw. Infraction zur Abscliwächuug der Festigkeit der Tibia geführt hatte, welche bei einer energischen Muskelaction, wie solche beim Niederlegen oder Aufstehen und unter
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Frakturen des Unterschenkelbeines.
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iilmlichen Umständen stattfinden, zur Entstehung einer Fractura com-pleta führt. Wo die Bruchfragmente Abreibung zeigen, muss diese entweder nach dem Eintreten des vollständigen Bruches erfolgt sein, oder es hat eine subperiostale Fraktur vorgelegen, welche eine zwar nur geringfügige, aber zum Zustandekommen der Abreibung aus­reichende Bewegung der Bruchstücke gestattet. Das Fehlen der Ab­glättung schliesst andererseits nicht aus, dass der Grund zur Ent­stehung des Bruches bereits längere Zeit bestanden hatte, ein Umstand, der für die forensische Beurtheilung dieser Frage nicht unwichtig erscheint. Ein Hufschlag, welcher die mediale Seite des Unterschenkels trifft, also von dem an der entgegengesetzten Seite stehenden Pferde aus­geht, kann aber den Knochen alsbald vollständig trennen, so dass sofort1 eine complete und meist complicirte Fraktur entsteht. In seltenen Fällen giebt Ausgleiten (Eberhardt), Niederstürzen oder Gegenfahren mit der Deichsel bei Pferden zu diesem Bruch Veranlassung. Auch hat man denselben durch heftiges Sträuben der Pferde in den Fesseln, z. B. bei Castrationen beobachtet (Walter). Häufiger bricht hierbei jedoch das Oberschenkelbein oder die Wirbelsäule. — Nächst dem Pferde kommen Unterschenkelbeinbrüche am häufigsten bei Hunden durch Schläge, Ueberfahrcn und bei ähnlichen Gelegenheiten vor. Bei weitem seltener findet sich der Bruch beim Rinde und den übrigen Thieren; doch trifft man Frakturen der Tibia selbst bei den Vögeln (Papageien und Kanarienvögeln).
Die Erscheinungen gestalten sich verschieden, je nachdem eine complete Fraktur oder nur eine Fissur bezw. Infraction vorliegt. Der vollständige Bruch führt Unfähigkeit den Schenkel zu belasten herbei und macht sich schon von weitem durch abnorme Beweglichkeit des Schenkels bemerkbar; sobald der Fuss aufgehoben wird, schlottert derselbe, so dass der Zustand beim Pferde einige Aelinlichkeit mit der Zerreissung des M. tibialis erlangt (S. 73(5). Durch die Unmöglich­keit der Belastung des Schenkels, welche bei der Zerreissung nicht gestört ist, zeigt sich ein wesentlicher Unterschied in den Symptomen beider Leiden.
Ferner lässt sich bei der completen Fraktur stets Crepitation nachweisen, nicht selten die Bruchstelle genauer bestimmen und zwar um so leichter, je weiter nach unten sich die Fraktur befindet. Besteht ein COmpUcirter Bruch, dessen Splitter die Haut durchbohrt haben, so kann über die Diagnose kein Zweifel bestehen; ebenso zeigen sieb oft Spuren der ilusseren Verletzung.
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734nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Unterschenkels.
Fissuren führen zuweilen zu bedeutender Lahmheit, bei der sowohl die Belastung wie auch die Bewegung des Schenkels schmerz­haft erscheint. Von der verletzten Stelle des Unterschenkels aus­gehend, macht sich in einer bestimmten Richtung Schmerz bemerkbar. Liegt die Fissur an der vorderen Abtheilung der medialen Schenkel-flache, so kann dieselbe hieran wohl mit Sicherheit erkannt, sonst immer nur vermuthet werden, denn unter der Muskulatur lilsst sich diese strichförmige Ausbreitung des Schmerzes, das alleinig zuverlässige Symptom für die Fissur nicht feststellen. In den Fällen, wo keine Lahmheit bestand, lag wahrscheinlich eine subperiostale Fissur vor. Infractionen, Lochfrakturen und Knochenwunden, welche gleichfalls zur completen Fraktur führen können, sind in Folge der Periostitis eben­falls mit erheblicher Lahmheit verbunden. Sofern also die letztere fehlt oder nur in geringem Grade auftritt, können die Bewegungs­störungen unbedeutend ausfallen und die Thiere sowohl bei Fissuren wie auch bei Infractionen und Knoclienwunden noch einige Zeit ar­beiten, bis sich später die vollständige Fraktur einstellt. Dagegen lässt sich sowohl bei der Infraction wie auch bei Knochenwunden die Verletzung erkennen und in der Nachbarschaft Periostitis nachweisen, so lange die Anschwellung der Weichtheile noch keinen grösseren Umfang erreicht hat. Im übrigen muss bei jeder schmerz­haften Lahmheit, welche in Folge der Einwirkung einer gröberen Gewalt auf die innere Fläche des Unterschenkels entstanden war, die Gegenwart einer Fissur oder Infraction vermuthet werden. Diese Vermuthung scheint um so mehr begründet, wenn bei stärkerer Lahmheit keine erhebliche Periostitis mit localem Schmerz nachzuweisen ist.
Die beim Menschen häufig beobachteten Brüche derMalleolen am unteren Ende dor Tibia kommen bei Thieren selten vor. Es wurde indess von Leise ring ein solcher Bruch durch die Section bei einem Pferde festgestellt, welches längere Zeit ohne Erfolg an Lahmheit behandelt war. Der laterale Knöchel war in einer Lilnge von 35 und in einer Höhe von 15 mm abgebrochen; ausserdem zeigte sich an der mittleren Erhabenheit der Gelenkgrube die vordere Spitze abgetrennt.
Verlauf und Beurtheilung. Während complete Frakturen der Tibia bei Pferden sich fast immer unheilbar erweisen, weil die Thiere in der Regel nicht im Stande sind den anderen Fuss bis zur Heilung des Bruches andauernd zu belasten, auch die Anlegung eines Verbandes nur an den unteren Abschnitten des Knochens möglich ist. wurden bei Rindern wiederholt Heilungen beobachtet. Rivolta
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Frakturen des Unterschenkels,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;735
berichtet über einen solchen Fall, in dem der Schienenverband von einem Schmied angelegt war. Nach ܗ7 Wochen konnte das Thier den Fnss wieder belasten und ohne erhebliche Lahmheit gehen. Andere sahen bereits nach vier Wochen Heilung eintreten. Sofern es sich um ein werthvolles und ruhiges Pferd handeln sollte, wäre namentlich bei Brüchen am unteren Ende der Tibia ein Heil­versuch angezeigt, da die Möglichkeit der Heilung nicbt ausgeschlossen ist. Fohlen und leichte Pferde ertragen andauerndes Liegen besser als Thiere schweren Schlages, weshalb bei den ersteren eher noch Heilung zu Stande kommt.
Bei Schafen und Ziegen, sowie bei Fleischfressern heilen diese Brüche regelmässig, wenn sie nicht zu weit nach oben sitzen, so dass ein passender Verband angelegt werden kann. Hunde mit Frakturen der Tibia habe ich häufig in 8—4 Wochen vollständig geheilt, auch bei complicirten Brüchen derselben Heilung eintreten gesehen.
Fissuren und Infractionen heilen bei allen Thieren in 14 Tagen bis 4 Wochen, sofern sich nicht ein completer Bruch hinzugesellt. Die Prognose hängt einerseits davon ab, ob man dem Thiere 3—4 Wochen absolute Ruhe geben und es in einen Hängegurt bringen kann. Je geringer die Lahmheit, um so günstiger gestaltet sich die Aussicht auf Heilung. Ungünstig müssen Frakturen an den Malleolen beurtheilt werden, besonders bei Arbeitsthieren. Da die hierbei bestellende Lahm­heit in der Regel sehr stark ist, so bleibt abzuwarten, ob die an­dauernde Belastung des anderen Hinterfusses ohne Senkung des Huf­beines ertragen wird.
Behandlung. Hierbei ist zunächst an dem oben ausgesprochenen Grundsatze bezüglich der Vermuthimg einer Fissur oder Infraction festzuhalten und bei jeder Verletzung des Unterschenkels und seiner medialen Fläche, welche entweder bis auf den Knochen reicht oder mit erheblicher Lahmheit verbunden ist, das betreifende Pferd 3 bis 4 Wochen lang mit jeder Arbeit zu verschonen und das Niederlegen durch Hochbinden oder einen Hängegurt zu verhindern. Sofern in Folge Periostitis heftige Schmerzen bestehen, können anfangs kalte Beriese­lungen, Lehmanstriche, später scharfe Einreibungen nützlich werden. Im übrigen muss man die Heilung abwarten. Soll ein Versuch mit der Heilung einer coinpleten Fraktur bei Pferden gemacht werden, so lasse man den Patienten möglichst bald in einen Hängegurt bringen, suche die Reposition mit den zu Gebote stehenden Hiilfsmitteln y.u er­reichen und lege einen ttyps-, Tripolith- oder Heftpflasterverbami an. Der
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73Gnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Unterschenkels.
lotztere verdient liier insofern den Vorzug, als er leichter zu befestigen ist. Von Stolz wurde eine Mischung von 2 Thl. Harz mit 1 Thl. Wachs, von Fricker 5 Thl. Guttapercha, 2 Thl. Schmalz und 1'/i Thl. Harz empfohlen. Diese Mischungen werden auf starke Leinwand oder Leder gestrichen und im angewärmten Zustande auf die event, vorher gereinigte, aber wieder getrocknete ilussere Haut gebracht. An den unteren Ab­schnitten der Tibia kann bei Kühen auch ein Gypsverband angewendet werden. Bei diesen Thieren wurden auch wiederholt Heilungen ohne jeden Verband beobachtet.
Leichter gelingt die Anlegung des Gyps- oder Tripolithverbandes bei den kleineren Wiederkäuern und Fleischfressern, docb muss der­selbe über das Sprunggelenk hinaus nach unten und möglichst weit nach oben reichen. Bei diesen Thieren lässt sich in der Regel auch das Kniegelenk mit eingypsen, was für die sichere Lage des Verbandes ausserordentlich wichtig ist; die Anlegung eines sog. Sattels wird da­durch in der Kegel überflüssig, anderenfalls ist derselbe kaum zu ent­behren und wird mittelst Bindentouren hergestellt, die man über den Bücken führt und um den Schenkel der anderen Seite schlingt (vgl. Armbeinbrücbe). Besondere Aufmerksamkeit verdient die Stellung des Fusses bei der Application des Verbandes, damit nicht die Verwach­sung in einer fehlerliaften Lage, besonders in Rotationsstellung zu Stande kommt, wodurch der Gang der Thiere in hohem Grade gestört würde; man überzeuge sich hiervon stets vor Anlegung des Verbandes. Bei complicirten Brüchen muss dem Verbände eine sorgfältige Desinfection der Wunde vorausgehen und ein Blatt sterilisirter Watte auf dieselbe gelegt werden. Sollte keine Aussicht auf Asepsis vorhanden sein, so kommt ein gefensterter Gypsverband in Anwendung, wobei die Wunde nach allgemeinen Grundsätzen, d. h. unter relativer Antisepsis be­handelt wird.
3. Zcrreissung des Zwischoiiknochcnbandets.
Frakturen des Wadenbeines sind meines Wissens bei Thieren bisher nicht beobachtet worden, lassen sich auch schwerlich intra vitam feststellen. Dagegen stellte Behnke bei einer Stute Zerreissung des Z w i s c h e n k n o c h e n b a n d e s mit Abtrennung der Fibula von der Tibia fest; der Zustand war in Folge eines heftigen Sprunges unter dein Heiter entstanden und hatte plötzlich zu einer hochgradigen Lahmheit geführt, welche anfangs allmälich nacbliess, nach dem Niederlegen und Aufstehen aber wieder heftiger hervortrat, der Schenkel wurde steif gehalten und nicht belastet. Bei der Section fand sich das untere Ende dos Wadenbeines
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Zerreissung des Schienbeinbeugeis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 737
von der Tibia abgerissen, es lag in der Unterschenkelmuskulatur, welche erhebliche Zerreissungen erfahren hatte.
4. Zerreissung des Scliienbeinbeugers. (Muse, tibialis anticus.)
Lit.: Hertwig, Gurlt u. Hertwig. 13. S. 221. Meyer, das. 17. S. 77. Ruohte, Hör. Rep. 15. S. 291. Hollmann, Gurlt u. Hertwig. 21. S. 203. Spilthe, St. Oyr u. Key, Jahrb. 1854. S. 59. Peters, Jahrb. 1889. S. 128. Petor, Zeitschr. f. Veterinärk. 1889. S. 25. Goubaux, Her. Rep. 15. S. 229. Alb recht, Gurlt u, Hertwig. 29. S. 243.
Bei den Pflanzenfressern bildet die sehnige Portion des Schienbein­beugers ein biarthrodiales Band, welches beim Pferde das Kniegelenk mit dem Sprunggelenke so verbindet, dass die Bewegungen des einen Gelenkes auf das andere übertragen und namentlich Streckungen des Sprunggelenkes durch die auf der Kruppe und am Oberschenkel gelegenen Muskeln unter­stützt werden. Es entspringt gemeinschaftlich mit dem langen Zehenstrecker zwischen dem lateralen Condylus und der Knieerhabenheit am Oberschenkel, geht über das Kniegelenk hinweg, liegt vor der Tibia, ist an deren oberen Ende von einem Schleimbeutel umgeben und endigt mit drei Schenkeln am Sprunggelenk und Metatarsus. Bei den Wiederkäuern entspringt der eben­falls schräge Muskel am Unterschenkel. Bei den Fleischfressern wird der­selbe durch ein Sehnenband ersetzt, welches von der medialen Plilche der Tibia an die Knochen des Sprunggelenkes geht. Auch bei diesen Thieren soll der Apparat übermässige Streckung des Sprunggelenkes verhindern.
Die Zerreissung dieses sehnigen Muskels ist mit so auffalligen Er­scheinungen verbunden, dass man schon frühzeitig auf den Zustand auf­merksam wurde. Solleysel beschrieb bereits das Leiden, hielt jedoch den sehnigen Apparat für einen Nerven. Ende des vorigen Jahrhunderts wurde der Zustand von Louchard für eine Verrenkung im Sprunggelenke erklärt. Nachdom Bouley 1833 das Leiden richtig erkannt hatte, machte Eigot Versuche mit der Durchschneidung des Muskels. Hertwig hat nicht nur deren Zustand zuerst genauer beschrieben sondern auch die Ge­schichte desselben mitgetheilt.
Ursachen. Die Zerreissung dos Schienbeinbeugers entstellt durch forcirte Streckbewegung im Sprunggelenke, wie sie sowohl durch hef­tiges Ausschlagen mit den Hinterfüssen, Sträuben in den Fesseln (Bouley, Böter, Hertwig) als auch durch passive Extension des Sprunggelenkes entstehen, z. B. beim Beschlagen widerspenstiger Pferde im Nothstalle oder beim Aufziehen des Hinterfusses mittelst eines durch einen King geführten Strickes. Wenn im Nothstalle der Hintcr-fuss aufgehoben ist und das Tliier in dieser Haltung des Fusses nach vorn drängt, kommt die Trennung leicht zu Stande. Bei der oben erwähnten Befestigung des Fusses durch einen King tritt die Zer­reissung häufig durch Niederfallen des Thicres ein, wenn die Gehilfen in diesem Momente nicht sofort den Strick frei lassen. Ebenso hat man Möller, Spcoielle Chirurgie für Thierärzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 47
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738nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Unterschenkels.
das Leiden durch Sitzenbleiben mit dem Schenkel auf einem Latierbaume, durch Gegenfahren oder Ausgleiten nach hinten (Peter) beobachtet. Auch bei heftigen Bemühungen den am Boden, z. B. zwischen Eisen­bahnschienen, ja selbst in tiefem weichen Boden (Meyer) festsitzenden Huf zu befreien, entsteht zuweilen diese Zerreissupg. Selten bilden Verwundungen die Veranlassung zu dieser Trennung, doch sah Späthe, dass der Muskel von einem scharfen Steine durchschnitten wurde. Klemm hat neuerdings die Durchschneidung als ein Heilmittel des Spat empfohlen. Ausnahmsweise wurde das Leiden an beiden Füssen beobachtet (Peters, Peter). Viel seltener als beim Pferde kommt das Leiden bei den übrigen Thieren vor, doch hat man es wiederholt bei Kühen beobachtet (Ruchte, Hollmann). Bei Hunden fand ich öfter das sehnige Band, welches jenem Muskel entspricht, bei Verwun­dungen durchtrennt.
Verlauf. Es liegt in der Natur des Leidens, dass dasselbe plötzlich auftritt und sich alsbald durch eine eigenthümliche Lahmheit zu erkennen gibt. Da hierbei die Belastung des Schenkels nicht ge­stört ist, und bei der vollständig sehnigen Beschaifenheit des zerrissenen Gewebes die Enden sich nicht sehr weit zurückziehen, so erscheint es erklärlich, dass die Heilung in der Regel auf keine grösseren Schwierig­keiten stösst. Nach den zahlreichen Erfahrungen, welche bei Pferden gemacht wurden, kommt die Heilung fast immer in 4 bis 8 Wochen zu Stande und zwar auch da, wo die Zerreissung auf beiden Füssen bestand; in dem von Peter berichteten Falle konnte das Reitpferd jedoch erst nach 3 Monaten in Dienst gestellt werden. Ausnahms­weise tritt die Heilung nicht ein oder sie erscheint unvollständig, in­dem eine schlotternde Bewegung im Sprunggelenke zurückbleibt. Dieser Ausfall der Wiedervereinigung ist theils durch den Ort der Zerreissung bedingt, theils von dem Mangel an Ruhe für das Thier während des Heilungsprocesses abhängig. Findet die Trennung nämlich in dem Schleimbeutel oder an der Ansatzstelle am Femur statt, so stossen die Reparationsvorgänge auf grössere Schwierigkeiten, indem die Neu­bildung hier unvollkommen bleibt. In der Sehnenscheide bezw. Schleim­beutel fehlt ein Paratendineum, von welchem die Heilung vornehmlich ausgeht. Reisst aber die Sehne an ihrer Insertionsstelle vom Femur ab, was allerdings bei der vertieften Gestalt derselben nur selten be­obachtet worden ist (Goubaux), so stellen sich der Heilung ebenfalls Hindernisse entgegen, weil die Neubildung vom Femur aus erfolgen muss. Es erscheint zweifelhaft, ob Goubaux den sehnigen oder mus-
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Zerreissung des Schienbeinbeugers.
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kulösen Abschnitt des Schienbeinbeugers vom Backbein abgerissen gefunden hat; das ändert an dieser Auffassung jedoch wenig. Auch H. Bouley will ähnliche Fälle beobachtet haben. In der Regel kommt auch hier die Heilung zu Stande, aber sie dauert länger, oft ebenso viele Monate, wie in anderen Fällen Wochen; deshalb zieht man es häufig vor, die Thiere tödten zu lassen.
Unvollständige Heilung bildet ferner zuweilen die Folge mangeln­der Ruhe. Werden die mit der Zerreissung behafteten Thiere nicht
Fig. 112.
ZeiTeissung des Jr. tilnalis (nach einer PhotOgraphle),
geschont, sondern vor dem Abschluss der Heilung wieder zur Arbeit benutzt, so erfolgt in dem neugebildcten Narbengewebe eine all-mäliche Dehnung mit dauernder Verlängerung des sehnigen Bandes, womit nothwendig auch die Bewegungsstörung (Lahmheit) für immer fortbesteht (Rey). Die in der ersten Zeit zuweilen noch hervor­tretende, abnorme Streckung des Sprunggelenkes (schleppender Gang) verschwindet regelmässig mit der Zeit vollständig (Albrocht, Peter). In seltenen Fällen war schon nach 25 Tagen vollständige Heilung eingetreten, eine Beobachtung, die das Vorkommen von unvollstän­digen Zerreissungen der Sehne wahrscheinlich macht.
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740nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Unterschenkels.
Erscheinungen. Eine Hiingbeinlalnnheit mit abnormer Beugung im Kniegelenk und excessiver Streckung im Sprung­gelenk kennzeichnet das Leiden in dem Masse, dass man dasselbe schon von weitem mit absoluter Sicherheit diagnosticiren kann. In Folge der Zerreissung der als biarthrodiales Band wirkenden Sehne bleibt am ausschreitenden Schenkel der Unterfuss vom Sprunggelenk ab zurück, während die Entspannung der Sehne eine Ubermiissige Flexion des Kniegelenkes veranlasst. Durch diese Disharmonie in der Bewegung beider Gelenke wird die Bewegung des Schenkels schlot­ternd, und kann wohl bei Unkundigen den Eindruck erwecken, als handle es sich um einen Knochenbruch. Für einen solchen wurde das Leiden ehemals auch von Bouley, Ghanas u. a. gehalten (Hartwig). Die regelmässige Belastung des Fusses aber beweist, dass eine Fraktur nicht vorliegt. Bei der Belastung des Schenkels kommt dieses Band nicht zur Wirkung, wohl aber die als Antagonist desselben zu betrachtende Achillessehne (S. 141), welche daher bei der Zerreissung des M. tibialis entspannt erscheint und sich am entlasteten Schenkel in Falten legt. Diese Erscheinung bildet ein weitaus significantes Symptom des in Rede stehenden Leidens, das nur noch bei Zerreissung der Achillessehne und bei Frakturen der Tibia beobachtet wird. An dem wie zum Beschläge aufgehobenen Fusse tritt diese Erscheinung ebenfalls deutlich hervor, und gestattet hierbei das Sprunggelenk eine unnatürliche Streckung.
In frischen Fällen macht sich an der vorderen Fläche des Unter­schenkels bald nur ein leichtes Oedem, oft aber überhaupt nichts Auf­fälliges bemerkbar; nur ausnahmsweise findet man im Verlaufe des M. tibialis eine stärkere Anschwellung mit deutlichen Schmerzen auf Druck.
Behandlung. Dieselbe verlangt nur Kuhestellung des Schenkels; man verschont das Thier etwa 4—(3 Wochen hindurch mit jeder Ar­beit und lässt es womöglich auf ebener, nicht zu dicker Streu stehen. Wenn auch durch einzelne Fälle bekannt ist, dass die Heilung trotz der Verwendung des Thieres zur Arbeit eintreten kann, so wird hier­durch der Heilungsprocess doch zweifellos gestört, dauert längere Zeit und kann selbst unvollkommen ausfallen, so dass eine Verlänge­rung des Bandes mit dauernden Störungen der Bewegung verbunden bleibt. Bei werthvoüen Pferden erscheint daher die Buhe doppelt wünschenswerth. Von Bouley u. a. wurden im Verlaufe des erkrankten Muskels scharfe Einreibungen applicirt; sie sind jedoch überflüssig und
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Continuitiltstrennungen in der Achillessehne.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;741
können höchstens das Vertrauen des Besitzers zu der Behandlung stärken und die Versuchung zurückhalten, den Patienten zur Arbeit ZU verwenden. Sobald die Bewegungsstörungen verschwunden sind, steht der Benutzung des Thieres zur Arbeit nichts im Wege.
5. Contimütiitstrcnimugen in der Achillessehne und den Wadennmskeln.
Lit.: St. Oyr, Her. Rep. 15. S. 243. Uhlich, Dresd. Bor. 1887. S. 66. Field, Posthumous Extracts from the Vet. Records. 1843. S. 34. Dieokerhoff, Spec. Path. laquo;. Therap. S. 47G. Siodamgrotzky, Dresd. Ber. 1882. S. 19. Martens, Berl. Arch. 12. S. 439. Schrader, Gurlt u. Hcrtwig. 15. S. 303. Tombs, das. 6. S. 350. Bor maun, Berl. Arch. 1885. S. 304. Detroye, Reo. de Mod. vet. 1891. S. 20.
Bei weitem seltener als die Zerreissuug des M. tibialis werden bei Thieren Continuitätstrennungen in den Gastrocnemii und der Achilles­sehne beobachtet. Am häufigsten treten Zerreissungen dei'selben bei Kühen auf, zuweilen gleichzeitig an beiden Füssen (Schrader, Bor­mann); aber auch bei Pferden kommen sowohl Zerreissungen wie Ver­wundungen der Sehne und ihrer Muskeln vor. In der Mehrzahl der Fälle erfolgte die Zerreissung an der unteren Insertionsstelle der Achillessehne, indem Theile vom Sprungbein mit derselben abgelöst wurden. Bei Kühen fand man die Zerreissung wiederholt an der Uebergangsstelle der Muskeln in ihre Sehnen (Bormann); doch auch in den Muskeln selbst wurden Zerreissungen beobachtet.
Ursachen. Die Zerreissungen treten entweder durch forcirte active Streckung des Sprunggelenkes seitens der Muskeln am belasteten Schenkel ein, z. B. bei Bindern durch Aufspringen auf andere, bei Pferden während des Reitens, sowie beim Ausgleiten, wenn der Schenkel die im Fallen begriffene Körperlast mit aller Gewalt zu stützen sucht. Passive Dehnungen erfährt die Sehne beim Abstürzen von einer Höhe sowie beim Fallen mit untergeschlagenen Beinen, wobei man wieder­holt die Zerreissung eintreten sah. Dieselbe kann sich auf beide Muskeln bezw. die ganze Sehne ausdehnen oder auf einzelne Abschnitte derselben beschränkt bleiben; letzteres bildet jedoch eine Ausnahine, die vollständige Zerreissung ist die Regel. Bei kleinen Thieren (Hun­den) kommt die Trennung durch Einklenimung in eine Thür oder in Folge Durchschneidung zu Stande. Bei Pferden hat man Durch­schneidungen der Achillessehne ebenfalls beobachtet (Martens). Auch
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Krankheiten des Unterschenkels.
können entzündliche Processe (Wunden) auf dem Sprungbeinhöcker oder an der Achillessehne eine Zerreissung der Sehne vorbereiten. St. Cyr unterschied hiernach primäre und consecutive Zerreissungen derselben. Uhlich beobachtete die Zerreissung bald nach überstandener Influenza.
Erscheinungen. Bei vollständiger Trennung in den genannten Muskeln oder der Achillessehne entsteht Stützbeinlahmheit mit Unvermögen den Fuss zu belasten und Beugestellung aller Gelenke desselben. Die Achillessehne, welche sich bis zum oberen Insertionspunkte ihrer Muskeln fortsetzt, hat am belasteten Schenkel die Aufgabe die Gelenke, namentlich das Sprung- und Kniegelenk zu
Fig. 118.
Zerreissung der Achillessehne (nach Stockfleth).
fixiren. Mit einer Zerreissung in diesen Theilen hört jene Thätigkeit und die Fähigkeit des Schenkels auf, die Körperlast zu stützen; der Fuss bricht unter dem Körpergewichte zusammen, das Thier wird gleich­sam ein Sohlen treter (Fig. 113). Da mit der abnormen Beugung im Sprunggelenke die Insertionspunkte der Zehenbeuger auseinander rücken, so müssen die Phalangen beim Pferde in excessive Plantarflexion treten (Ueberköthen). Auch lässt sich am entlasteten Schenkel das Sprung­gelenk passiv in die abnorme Beugestellung bringen. In der Regel ist dabei entweder eine Lücke in der Sehne oder in den Waden­muskeln eine Anschwellung nachzuweisen. Die Achillessehne er­scheint schlaff, auch wenn der Schenkel am Boden steht. Bei un­vollständiger Zerreissunfl macht sich ebenfalls eine Stützbeinlahm-
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Continuitiltstrennungen in der Achillessehne.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 743
heit mit mehr oder weniger starker Flexion der Gelenke des Schenkels bemerkbar.
Die Beurtheilung dieser Zustände hängt vor allem davon ab, ob das Thier im Stande ist, den kranken Fuss bis zur Wiederher­stellung desselben zu entbehren; bei kleineren Thieren, namentlich Fleischfressern ist das immer der Fall, daher gestaltet sich hier die Prognose günstig. Bei grösseren Thieren liegen die Verhältnisse da­gegen ungünstiger, worauf schon St. Cyr aufmerksam gemacht hat. Hier fragt es sich, ob die Thiere das andauernde Stehen oder Liegen ertragen, wobei in Betracht gezogen werden muss, dass die Heilung an 4—(5 Wochen, unter Umständen aber auch ebenso viele Monate in Anspruch nimmt. Andauerndes Liegen ist noch am ehesten dem Rinde möglich, während bei Pferden die Widerstandsfähigkeit des gesunden Hinterfusses gegen die andauernde Belastung in Frage kommt. Wie bereits früher erörtert, stehen uns bei dieser Beurtheilung fast keinerlei Anhaltspunkte zur Seite; man muss es in der Regel abwarten, ob Hufbeinsenkung eintritt oder nicht. Im allgemeinen zeigen sich hier­bei die Hinterfüsse des Pferdes noch weniger widerstandsfähig als die Vorderfüsse, denn obgleich sie eine geringere Belastung als jene er­fahren, kommen an ihnen in Folge andauernder Belastung Hufbein-senkungen noch häufiger vor als an jenen (S. 640).
Da die im Verlaufe der Sehne erfolgton Zerreissungen leichter heilen als diejenigen, bei denen die Sehne am Sprungbein abgelöst war, so müssen die letzteren in Bezug auf die Prognose als weniger günstig angesehen werden. Partielle Zerreissungen lassen eine bessere Prognose zu, wenn der Fuss, und sei es auch nur vorübergehend zum Stützen der Körperlast in Anspruch genommen wird. Im allgemeinen kann der Grundsatz gelten: je auffälliger die Beugestellung, desto geringer die Aussicht auf Heilung.
Behandlung. Wo bei Zerreissungen ein Heilversuch gemacht werden soll, gypse man bei kleinen Thieren das Sprunggelenk in möglichster Streckstellung ein; grössere Thiere, namentlich Pferde, werden in einen Hängegurt gebracht, um das Sprunggelenk in dauern­der Streckstellung zu erhalten und die Enden der getrennten Sehne bezw. Muskeln möglichst einander zu nähern. Bei ruhigen Pferden ge­lingt dies mittelst Binden, ev. mit Anwendung von Heftpflaster (S. 735). Dieser Verband gestattet zwar immer noch leichte Bewegungen, wird aber gerade deshalb eher von den Thieren geduldet als der vollständig
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744nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Sprunggelenkes.
unbewegliche Gyps- oder Schienenverband. Schon St. Cyr machte darauf aufmerksam, dass solche Verbände zur Fixirung des Sprung­gelenkes leicht Druck und Excoriationen veranlassen, und dass es oft besser sei, die Bewegungen desselben nicht zu behindern. Auch Martens heilte die durchschnittene Achillessehne beim Pferde ohne Hängegurt in 2 Monaten. Es liegt auf der Hand, dass leichte Pferde, die im Stande sind, beim Aufstehen und Niederlegen den kranken Fuss mehr zu schonen als schwere, womöglich unangebunden in einer Boxe bleiben können. Ein Verband muss aber auch hier empfohlen werden, sobald die Thiore denselben dulden und nicht durch heftige Beugebewegungen des Fusses die Lage desselben stören. Detroye legte bei der Kuh eine dachrinnenförmige Schiene an die hintere Fläche des Sprunggelenkes und befestigte dieselbe mittelst liiemen am Unter­schenkel und Metatarsus. Bei Fleischfressern würde sich ein Gyps-verband empfehlen.
Wunden der Beugesehne erschweren die Heilung noch mehr, wenn es nicht gelingt Asepsis zu erzielen. Dass dies möglich ist, hat der von Martens beschriebene Fall bewiesen; hierzu müssen die allgemeinen Grundsätze der Wundbehandlung Anwendung finden.
D. Krankheiten des Sprunggelenkes.
1. Frakturen der Sprunggelenksknochen.
Lit.: Brauer, Dresd. Ber. 1871. S. 140. Rosenkranz, das. 1858. S. 101. De­troye, Rec. de mod. vöt, 1891. S. 20. Rey, Her. Rep. 18. S. 297.
'•laquo;. Brüche des Sprungbeines.
Brüche der Knochen des Sprunggelenkes gehören zu den Seltenheiten, doch hat man solche wiederholt und namentlich am Sprungbein und Roll­bein beobachtet. Abgesehen von den oben beschriebenen Ablösungen der Achillessehne vom Tuber calcanei (S. 741) kommen Frakturen dieses Kno­chens durch äussere Gewalten, Hufschläge oder Schlag mit einem Hammer (Rosenkranz) zu Stande. Detroye beobachtet 3 Fälle beim Pferde, Stier und Kalbe; das Pferd hatte sich den Bruch beim Aufstehen im Stalle zugezogen und zwar durch Ausgleiten. Der Bruch zeigte sich dicht über der Verbindung mit dem Rollbein; bei dem Stier war das Bespringen einer Kuh, bei dem Kalbe Fallen in einen Graben die Veranlassung. Es erklärt sieh leicht, dass dieselben Einflüsse, welche eine Zerreissung der Achilles­sehne veranlassen, auch Brüche dieses Knochens erzeugen können.
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Frakturen der Sprunggelenksknochen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 745
Erscheinungen und Verlauf. Auch in diesen Punkten besteht eine grosse üebereinstimmung mit den besprochenen Continuitiltstrennungen in der Achillessehne, welche bei diesem Bruch gleichsam ihren unteren In-sertionspunkt verloren hat; doch pflegen beim Bruch des Sprungbeines die Schmerzen grosser üu sein. Das abgebrochene Stück wird von der Sehne nach oben gezogen, während die Belastung des Fusses unmöglich erscheint, oder wenn sie versucht wird, mit excessiver Beugestellung aller Gelenke, namentlich des Tarsus verbunden ist. Am aufgehobenen Fusse lassen sich mit dem Metatarsus auch die Zehenglieder schleudernd nach vorn be­wegen, wobei die Achillessehne schlaft' erscheint, und zuweilen Crepitation hervortritt. Bei Splitterbrüchen sind oft Knochensplitter in der Wunde direct nachzuweisen.
Ein Versuch der Heilung ist beim Pferde und Rinde selten angezeigt; bei kleineren Thieren würde sie zu versuchen sein. Die mit dem Zuge der Achillessehne verbundene, erhebliche Verschiebung der Bruchstücke, ihre mangelhafte Ernährung und die Unfähigkeit der grüsseren Thiere, den anderen Hinterfuss andauernd zu belasten, erschweren die Heilung eines solchen Bruches, doch will auch Bräu er beim Ochsen durch Anlegung eines Gypsverbandes in 4 Wochen vollständige Heilung erzielt haben; ebenso Detroye beim Stier; die zunächst fortbestehende Lahmheit verlor sich später vollständig.
Die Prognose muss sich daher einerseits nach dem Grade der Ver­schiebung der Knocbenfragmento, welche zuweilen durch die Anheftung des Kronbeinbeugers beschränkt wird, andererseits nach der Fähigkeit des Thieres, den kranken Puss längere Zeit zum Stützen der Körperlast zu ent­behren, insbesondere nach dem Grade der mit der Belastung desselben ver­bundenen Störungen richten. Complicirte Frakturen können als unheilbar betrachtet werden.
Die Behandlung ist nach denselben Grundsätzen zu leiten, welche bei Zerreissung der Achillessehne besprochen wurden. Auch hier kommt es darauf an, das Sprunggelenk in möglichster Streckstellung zu fixiren. Bei kleinen Thieren kann ein Gypsverband nützlich werden.
ß. Frakturen des Rollbeines werden ebenfalls nur selten beob­achtet und kommen durch forcirte Rotationsbewegungen des belasteten oder am Boden fixirten Fusses zu Stande, indem hierbei die mittlere Gelenk­erhabenheit der Tibia das Rollbein gleichsam aus einander sprengt. Ein von mir beobachteter Fall war bei einem schweren Arbeitspferde in Folge plötz­licher Wendung auf dem Pflaster entstanden.
Erscheinungen. Plötzlich aufgetretene, heftige Lahmheit mit bald darauffolgender, fiuktuirender, schmerzhafter Anschwellung des Talo-Crural-gelenkes, ähnlich wie bei Sprunggelenkentzündung lassen den Zustand ver-muthen.
Zuweilen ist Crepitation nachzuweisen, wenn man beide Hände um das Gelenk legt und den Unterfuss bewegen lässt; dieses Symptom kann jedoch auch fehlen und der Zustand mit heftiger Distorsion des OJelenkes, die jedoch sehr selten vorkommt, sowie mit einer schweren subfascialen Phlegmone (S. 748) verwechselt werden. Die letztere wird jedoch von An­schwellungen der regionären Lymphapparate und fieberhaften Erscheinungen begleitet, die zur Sicherung der Diagnose herangezogen werden müssen.
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Krankheiten des Sprunggelenkes.
Die Prognose ist absolut schlecht, weil die Fraktur stets in das Ge­lenk reicht, die Heilung lilngere Zeit in Anspruch nimmt und während derselben die Belastung des Fusses ausgeschlossen ist. Grössere Thiere lässt man besser alsbald schlachten, bei Fleischfressern kann mittelst eines Gyps-verbandes Heilung versucht werden; doch lege man denselben in massiger Streckstellung an, um die mit der event. Verwachsung des Gelenkes ver­bundenen Bewegungsstörungen soweit möglich zu beschränken.
#9632;(#9632; Frakturen der übrigen Knochen des Sprunggelenkes sind noch seltener als die beschriebenen und werden entweder durch Huf­schläge , Ueberfahren oder ähnliche gewaltsame Einwirkungen von aussen veranlasst, oder sie treten in Verbindung mit heftigen Distorsionen bezw. Luxationen auf. So fand Rey bei einem Pferde, welches mit dem Hufe zwischen zwei Eisenbahnschienen stecken geblieben und hierbei niedergestürzt war, das Sprunggelenk zwischen der mittleren und unteren Knochenreihe getrennt, das laterale Griffelbein von der Hinterröhre abgelöst und das Würfelbein zermalmt.
Die Diagnose kann bei solchen Leiden kaum auf Schwierigkeiten stossen, wenn auch die Peststellung des Sitzes der Fraktur oft erst durch die Section möglich wird. Die abnorme Beweglichkeit im Sprunggelenke namentlich nach der lateralen oder medialen Seite zeigt sich oft in Ver­bindung mit Crepitation.
Die Prognose, im allgemeinen schlecht, muss mit Rücksicht auf den Grad der Lahmheit und unter Berücksichtigung der sonstigen Störungen, sowie der Gebrauchsart des Thieres gestellt werden. Bei kleineren Thieren kann ein Heilversuch nach den allgemeinen Grundsätzen erfolgen.
2. Luxationen und Distorsionen am Sprunggelenke.
Lit.: Schradcr, Busch's Zeitsohr. 3. S. 81. Townshand, Jahrb. 1883. S. 109. Stockf'letli, Chirurgie. S. 694. Louohard, Peuch-Toussaint, Chirurgie. 2. S. 345. Rüffert, Th. Mitth. 1854. S. 74. Haubner, Dresd. Ber. 1859. S. 54.
Der starke Bandapparat im Verein mit den Hervorragungen an den Gelenldlächen der Tibia und des Eollbeines stellen eine so feste und ge­sicherte Vereinigung beider Knochen dar, dass Luxationen am Talo-Crural-gelenke höchst selten vorkommen. Bei Pferden ist das Leiden meines Wissens bisher nicht festgestellt, dem. auch der von Louchard beschriebene Fall spricht für eine heftige Distorsion, die möglicherweise von einem Knochenbruch an den Maleolen des Unterschenkels oder am Rollbein be­gleitet war. Stockfleth will beim Schafe die Luxation des Rollbcines nach innen durch die Section festgestellt haben; die Gelenkkapsel war zerrissen. Ebenso beobachtete Stockfleth eine Verrenkung zwischen dem Rollbein und der oberen Reihe der kleinen Sprunggelenksknochen bei einer Katze, welche aus einer erheblichen Höhe mit den Hinterfüssen zuerst auf die Erde gefallen war. Das Rollbein lag an der medialen Gelenkfläche frei, während der Metatarsus lateral hervorgetreten war. Die Luxation wurde alsbald reponirt, eine Gummibandage angewendet und das Thier geheilt. Auch
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Acute Entzündung des Sprunggelenkes.
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beim Kaninchen, welches von einer grösseren Anhöhe gefallen war, fand Stockfleth eine Luxation des Rollbeines. Haubner stellte bei einem Pferde, welches mit dem linken Hinterfusse durch eine hölzerne Brücke getreten war, Zerreissung der Bänder fest, welche das Schienbein mit dem unteren Ende des Sprunggelenkes verbinden. Der Puss war in dem Gelenke abnorm beweglich und zeigte da, wo die Hasenhacke sitzt, eine Vertiefung.
Nach den Mittheilungen Schrader's soll schon ein Schüler Ha ve­in an n's eine Luxation des Metatarsalknochen bei einer Kuh geheilt haben.
üeber eine gleiche Beobachtung berichtet Townshand: Das Schien­bein war bei der Kuh nach vorn luxirt. Es trat zwar Heilung ein, aber das Thier blieb dauernd lahm. In dem oben von Hey mitgetheilten Palle war die Verbindung zwischen den Sprunggelenksknochen getrennt, aber keine Luxation eingetreten; einen ähnlichen Pali beschreibt Stockfleth; llollbein und Sprungbein waren vom Würfelbein und Kahnbein abgetrennt; das Pferd wurde geschlachtet. Auch Eüffert fand beim Pferde die medialen Seitenbänder und einen Theil der Bänder an den kleinen Sprung­gelenksknochen zerrissen.
Zwischen Pusswurzel und Metatarsus scheint die Verbindung am festesten zu sein; ich finde nur einen Pali ebenfalls von Stockfleth mit-getheilt, welcher beweist, dass diese gelöst werden kann. Es zeigten sich bei einem Hunde sämmtliche Bänder und Beugesehnen, sowie auch die äussere Haut am Sprunggelenke zerrissen, so dass der Unterfuss nur noch an den Strecksehnen hing.
Es bedarf kaum der Begründung, dass alle diese Zustände mit schweren Störungen verbunden sind und in der Regel nicht so vollständig heilen, dass die Thiere wieder arbeitsfähig werden. Man lässt dieselben daher in der Regel bald tödten. Bei schlachtbaren Thieren erscheint dies erst recht empfehlenswerth.
3. Yerwuudiingen und acute Ent/iiiilt;1img des Sprunggelenkes,
Lit.: Sanson, Her. Rep. 15. S. 301. Andrieux, Jahrb. 1887. S. 83. Lorenz, Zeltsohr. für Veter. 1890. S. 21. Blecke rhoff, Der Spat. 8. 112.
Die bei weitem häufigste Ursache acuter Entzündungen des Sprung­gelenkes bilden Gelenkwunden, die entweder zufällig durch Stiche mit Mist­oder Heugabeln, Lanzen, Säbel, durch Hufschlag oder gegenseitiges Treten, bei Hunden durch Beisson entstehen oder bei Operationen (Spat, Galle) er­zeugt werden. Das Brennen mit dem Stift gibt zuweilen Veranlassung zu eiterigen Entzündungen des Sprunggelenkes. Ferner setzt sich nicht selten die Entzündung der Sehnenscheide des dicken Kopfes vom Hufboinbeuger an der medialen Seite des Sprunggelenkes auf dieses fort; ebenso greifen septische oder eiterige Phlegmonen in der Umgebung des Gelenkes auf dieses über. Auch kann durch Decubitalgangrän die Gelenkkapsel perforirt werden. Acute Entzündungen des Talo-Cruralgelenkes entstehen aber auch auf meta-statrschem Wege; wiederholt wurden solche nach der Druse bei Pferden beobachtet (Sanson); ebenso bei pyämischen Zuständen. Bei Kühen sah man acut entzündliche Processe bald nach dem Kalben an den Sprunggelenken auftreten (Andrieux) und zwar nicht selten an beiden Püssen zugleich; wahrscheinlich handelte es sich auch hierbei um Meta­stasen. Dieckerhoi'f beschreibt mehrere Pälle von spontan aufgetretener
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748nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Sprunggelenkes.
Entzündung des Sprunggelenkes, welche sich bei der Section als eiterige Erkrankungen erwiesen. Ob die in der Literatur als rheumatische Ent­zündungen des Sprunggelenkes mehrfach beschriebenen Beobachtungen durch Erkältung (Rheumatismus) verursacht waren, muss unentschieden bleiben,
Erscheinungen. Bei Gelenkwunden lässt die im Bereiche des Ge­lenkes bestehende Verletzung in der Hegel keinen Zweifel über die Natur des Leidens, zumal wenn sich zugleich Ausfluss von Synovia zeigt. Hiermit verbunden ist stets eine mehr oder weniger starke Anschwellung, welche sich um das Gelenk erstreckt und nach oben wie auch unten ausbreitet. Dieselbe erscheint anfangs weich (entzündliches Oedem), später wird sie fest und derb (Phlegmone). Die hiermit regelmässig verbundene Ausdehnung der Gelenkkapsel des Talo-Cruralgelenkes wird oft durch die periarticuläre Schwellung verdeckt. Das Leiden ist von vornherein mit einer bedeutenden Lahmheit verbunden, wobei sowohl die Bewegung als auch die Belastung des Fusses gestört ist (gemischte Lahmheit). Zu eiteriger oder septischer Erkrankung gesellt sich Fieber und kommt es stets zur Bildung von peri-artikulären Abscessen.
Zu verwechseln ist das Leiden nur mit einer schweren Plegmone, namentlich wenn dieselbe subfascial verläuft. Da dieselbe von den oben beschriebenen Symptomen begleitet erscheint, so kann die Diagnose zuweilen erst aus dem weiteren Verlaufe gestellt werden. Ich beobachtete solche Zustände wiederholt bei Pferden und Hunden, ohne in der Lage zu sein, sofort ein endgültiges Urtheil abzugeben. Tritt mit dem Aufbruch von Abscessen Besserung des Zustandes, namentlich Abnahme der Lahmheit ein, so darf man hotlen, dass das Gelenk intact geblieben ist. Doch überzeuge man sich, dass nicht etwa eine mit der andauernden Belastung des anderen Fusses verbundene Senkung des Hufbeines zu einer scheinbaren Besserung Veranlassung gegeben hat. Die verstärkte Pulsation der Schien­bein arte rie deutet den Eintritt der Dislocation des Huf­beines an (S. ()40).
Ferner sind Frakturen an den Malleolen des Unterschenkels sowie am Kollboin mit ähnlichen Erscheinungen verbunden. Sofern keine Crepi­tation nachzuweisen ist, bleibt auch hier die Diagnose oft zweifelhaft.
Verlauf und Prognose. Der Verlauf hängt in erster Linie davon ab, ob der Zustand aseptisch verläuft oder nicht; im letzteren Falle ist auf Heilung nicht zu rechnen und bei schlachtbaren Thieren die Tödtung in der Kegel angezeigt, bevor dieselben in ihrem Nährzustande ei-heblich leiden. Zweifelhaft erscheint die Prognose daher bei allen Entzündungen, die aus äusseren Verletzungen hervorgegangen oder auf raetastatischem Wege entstanden sind, doch zeigen sich diese in den unteren, straften Ab­theilungen des Sprunggelenkes weniger bedenklich als im Talo-Cruralgelenke; in dem letzteren führt die Zerstörung des Gelenkknorpels regelmässig zu einer schweren und andauernden Lahmheit, welche von Decubitus begleitet, bei grösseren Thieren fast ausnahmelos zum Tode führt. Für die kleinen Gelenke bleibt die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass die Entzündung unter Synostosenbildung zur Heilung gelangt.
Weniger bedenklich zeigen sich die aseptischen Zustände, wie man sie besonders bei Kühen bald nach dem Gebären beobachtete. Leichte Grade, d. h. solche, bei denen die entzündlichen Veränderungen nicht heftig hervortreten, können in 14 Tagen, schwerere Fälle in 4—G Wo­chen heilen.
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Die Behandlung muss nach allgemein gültigen Grundsätzen geleitet werden. Bei Gelenkwunden bildet die Präservativkur den Schwerpunkt der Therapie. Kleinere, namentlich Stichwunden lasse man zunächst sorgfältig reinigen und desinficiren und applicire sodann eine Scharfsalbo aus Sub­limat mit Fett oder Paraffin (1:10); auch kann das Glüheisen hier vortheil-haf't angewendet werden. Die mit dieser Behandlung verbundene Anschwel­lung führt zu einem schnellen Verschluss der Wunde und verhindert die Infection des Gelenkes. Grössere, namentlich Schnittwunden hefte man nach gründlicher Desinfection. Bei ruhigen Thieren lässt sich ein Occlusiv-verband anwenden, namentlich wo ein Hängegurt zur Verfügung steht. Wenn ein Verband nicht zu appliciren, das Heften der Wunde nicht mög­lich ist (Quetschwunden), bildet die permanente Irrigation ein oft wirksames Hülfsmittel die Infection des Gelenkes zu verhindern. Lorenz heilte eine Sprunggelenkwunde beim Pferde durch Irrigation mit Sublimatwasser (1 : öOUÜ) und nach Application einer Scharfsalbe.
Besteht bereits eine eiterige oder septische Entzündung dos Talo-Cruralgelenkes, so bleibt nicht viel zu hoffen. Versuchsweise kann auch hier Berieselung mit einer Desinfectionsflüssigkeit eintreten. Von den Aus­spülungen des Gelenkes habe ich bisher keinen erheblichen Nutzen gesehen, doch können sie versucht werden, sobald das Gelenk geöffnet ist. An den unteren straffen Gelonkabtheilungon sind Ausspritzungen mit desinfi-cirenden Mitteln zu empfohlen.
4. Die chronische Entzündung des Sprunggelenkes. Der Spat. Arthritis chronica deformaus tarsi.
Lit.: Havemann, Anleitung zur Beurtheilung des Pferdes. 2. Aufl. 1805. S, 18(i. Lafosse, Journ. des vet. du med. 1840. S. 489. Dieokerhoff, Der Spat d. Pferde. Berlin 1875. Schrader, Gurlt u. Hertwig. 8. S. 257 u. 5. S. 95. Peters, Bericht des Vereins moold. Thier. 1854. S. 11 u. 1857. S. 10. Möller, Berl. Arcli. 6. S. 182. Schutt, Gurlt u. Hertwig. 19, S. 255. Knob loch, Lehrbegriff der Pferdearznei. Bd. 3. S. 229. Schubert, Dresd. Ber. 1866. S. 74. Schutt, Gurlt u. Hertwig. 1853. S. 255.
Dass ein so verbreitetes Leiden wie der Spat schon frühzeitig die Aufmerksamkeit auf sich lenken musste, liegt auf der Hand. Wir linden die Krankheit schon von Jordanus Ruffus und Marx Fugger beschrieben und von fast allen thierilrztlichen Autoren abge­handelt. Bei dem Mangel eingehender Kenntnisse der Krankheits-processe im allgemeinen legte man natürlich den äusseren Erschei­nungen eine nicht vordiente Bedeutung bei und Hess sich durch ihre Verschiedenartigkeit veranlassen, eine grössere Zahl von Spatkrank* heiten zu unterscheiden. Daher stammt auch die seit Solleysei noch heute in Frankreich übliche Eintheihmg in einen „cparvin calleuxquot; und einen „eparvin secquot;, sowie der englische „Bog-spavinquot; (Sprunggelenksgalle) und „bone spavinquot;. In Deutschland stellte KerSting 5 Arten von Spat auf (Ochsen-, trockenen-, Blut-,
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Krankheiten des Sprunggelenkes.
Lenden- und Hahnenspat). Demselben Umstände ist auch die längere Zeit hindurch erfolgte Identificirung des Spat mit dem Hahnentritt zu­zuschreiben.
Nachdem man längere Zeit über die Natur des Leidens im un­Maren gewesen, dasselbe bald für ein Knochenleiden, bald für eine Affection des Bandapparates gehalten hatte, wurde von Havemann zuerst auf die Erkrankung der Gelenkflächen hingewiesen; Schrader und Schütz haben dieselbe später näher beschrieben. Heute besteht kein Zweifel mehr darüber, dass es sich um eine chronische, defor-mirende Gelenkentzündung beim Spat handelt, Streitfrage ist nur, von wo die Erkrankung ausgeht.
Die anatomische Untersuchung ergiebt:
1.nbsp; Veränderungen am Gelenkknorpel der schiffförmigen Beine sowie am oberen Ende des Metatarsus, zuweilen auch am Pyramiden­bein und anderen Knochen des Sprunggelenkes. Makroskopisch zeigen sich Knorpeldefecte, Schliffflächen und Usurationen und an den Rän­dern der Gelenkflächen höckerige, drusige Erhebungen, bestehend in Wucherungen des Knorpels, die später verknöchern. Mikroskopisch lässt sich Zerklüftung der Interzellularsubstanz und Wucherung der Knorpel­zellen nachweisen, Vorgänge, welche der Arthrit. chron. deformans eigenthümlich sind.
2.nbsp; Die genannten Knochen zeigen Auflagerungen (Osteophyten-bildung), welche theils von den verknöcherten Wucherungen des Knorpels ausgehen, theils durch das Uebergreifen des entzündlichen Processes auf das nachbarliche Periost der genannten Knochen ent­stehen (Periostitis). Diese Knochenauftreibung bildet das äusserlich sichtbare Zeichen der Spatkrankheit, den Spatknochen, und ent­wickelt sich in der Regel erst seeundär, d. h. nachdem der entzünd­liche Process von der Gelenkfläche auf das Periost übergegriffen hat.
3.nbsp; nbsp;Veränderungen am Bandapparat und an den Synovial-membranon. An der Synovialis erscheinen namentlich die Zotten sowie die Ränder verdickt und vascularisirt; zuweilen hat eine reichlichere Secretion von Synovia stattgefunden. Die Gelenkbänder zeigen sich gleichfalls verdickt; ebenso das Bindegewebe, welches das Gelenk umgiebt.
4.nbsp; In den vorgeschrittenen Stadien des Leidens finden sich die kleinen Gelenke verwachsen, so namentlich die Artikulationen zwischen dem grossen und kleinen schiffförmigen Bein, sowie zwischen dem letzteren mit dem Metatarsus. Die Gelenkbänder zeigen sich alsdann häufig ossificirt, von neugebildeten Knochenmassen oft so eingeschlossen,
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Spat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;751
class sie kaum noch als solche nachweisbar sind. Zuweilen erkrankt auch die Sehnenscheide des medialen Schenkels vom M. tibialis.
In manchen Fällen beschränken sich die genannten Veränderungen auf die untere Abtheilung der medialen Seite des Sprunggelenkes, nicht selten aber breitet sich derselbe weiter aus, greift auf das Pyramidenbein sowie das Köpfchen des medialen Griffelbeines und selbst auf das Rollbein und die laterale Seite des Gelenkes über. Die Fran­zosen unterscheiden hiernach einen dparvin tarso-metatarsien im Gegensatz zu der Erkrankung der schiffförmigen Beine und des Meta­tarsus, welche als „eparvin metatarsienquot; bezeichnet wird.
Pathogenese. Während über die Arthritis chronica als Grund­lage des Spat gegenwärtig kein Zweifel mehr besteht, gehen die An­sichten bezüglich der Entwickelung des Leidens noch auseinander. Dass die Entzündung fast ausnahmslos an der medialen Seite des Ge­lenkes einsetzt, musste zunächst auffallen, und hat diese Thatsache zur Aufstellung verschiedener Hypothesen Veranlassung gegeben. Wäh­rend Ryebner die Gelenkbänder hierfür verantwortlich machte, von diesen die Krankheit ausgehen und auf das Gelenk übergreifen soll, wurde von Lafosse die Aufmerksamkeit auf den medialen Sehnen­schenkel des M. tibialis gelenkt. Nach ihm sollten Zerrungen dieses Bandapparates den Process einleiten, weshalb Lafosse auch die Durch­schneidung desselben empfahl. Dieckerhoff behauptete sodann, dass der Spat überhaupt aus einer Erkrankung der Scheide dieses Sehnen­schenkels hervorgehe, das Gelenk also erst seeundär ergriffen werde. Auch Peters suchte die Ursache für die Erkrankung der medialen Gelenkhälfte in der anatomischen Einrichtung derselben. Obgleich die Verbindung zwischen Unterschenkel und Rollbein ein Wechselgelenk oder richtiger ein Schraubengelenk darstellt, an welchem die starken Seitenbänder jede Abduction und Adduction verhindern, also nur in der Richtung der Mittelebene des Körpers Bewegungen zulassen, so sollte man voraussetzen, dass die Gelenkachse senkrecht zu dieser bezw. zur Projectionsebene stehe. Das ist jedoch nicht der Fall; die Gelenkachse liegt schief und zwar von innen und vorn nach aussen und hinten; sie bildet also mit der Medianlinie des Körpers keinen rechten Winkel. Dazu kommt, dass die Unterschenkel nicht senkrecht, sondern von oben nach unten convergirend verlaufen, während die Metatarsal-knochen beider Füsse bei normaler Stellung parallel verlaufen. Da­durch ist es bedingt, dass die Muskelwirkung nicht senkrecht zur Gc-lenkachse des Rollbeines erfolgt, und dass dieselbe am belasteten
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752nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Sprunggelenkes.
Schenkel nicht bloss streckend auf das Gelenk wirkt, sondern zugleich eine Rotation anstrebt. Diese Einrichtung erleichtert zwar die Ueber-tragung der Körjjerlast auf den anderen Hinterfuss und sichert die Unterstützung des Schwerpunktes, aber die damit verbundene, rotirende Bewegung des Schenkels involvirt in erster Linie eine Verschiebung des Knochen des Sprunggelenkes und begünstigt auf diese Weise das Auftreten von Zerrungen am Bandapparate und von Krankheitsprocessen an den Gelenken. Das Talo-Crurnlgelenk wird durch seine starken Seitenbünder und die Rollerhabenheiten gegen eine derartig nach­theilige Wirkung geschützt, während die mediale Abtheilung der unteren Gelenke, welche, wie man sich durch einen Versuch am Präparat leicht überzeugen kann, dieser Einwirkung gegenüber die geringste Widerstandsfähigkeit besitzt, jene Rotationsbewegung in erster Linie zulässt. Hier kommt es daher zunächst zu Dehnungen und Zerrungen der Seitenbänder wie des fibrösen Kapselbandes, wo­durch entzündliche Processe in denselben sowie Reizungsvorgänge in dem angrenzenden Periost veranlagst werden, die sodann eine Er­krankung der Gelenkknorpel zur Folge haben. Je nachdem diese so­wie die Synovialmembran früher oder später mitleiden, wird entweder bald Lahmheit hervorgerufen, oder dieselbe entsteht erst später, nach­dem sich bereits eine Knochenauftreibung ausserhalb des Gelenkes ein­gestellt hat. Diese Verschiedenheit hängt vornehmlich davon ab, ob die Insulte von vornherein mit einer grösseren Heftigkeit einwirken, oder ihre nachtheilige Wirkung allmälich geltend machen.
Es lässt sich nicht leugnen, dass diese Theorie der Spat­entwickelung beachtenswerth erscheint, zumal dieselbe nicht nur die Wirkimg der ätiologischen Momente sondern auch manche Erschei­nungen der Krankheit zu erklären geeignet ist. Alle Einflüsse, welche diese physiologische Rotation im Sprunggelenke hemmen, namentlich die Fixirung des Hufes am Boden (schwerer Boden, unebenes Pflaster) müssen hiernach die Entstehung des Leidens begünstigen. Es soll jedoch nicht behauptet werden, dass in diesem Umstände die aus-schliessliche Ursache der Erkrankung erblickt werden müsse. Nach meiner Ansicht lässt sich die Entwickelung des Spat nicht auf ein einheitliches Moment zurückführen, es muss vielmehr zugegeben werden, dass die Erkrankung des Gelenkes, der Mittelpunkt des Leidens, von verschiedenen Seiten ausgehen kann. Ohne Zweifel bildet aber die von Peters betonte Einrichtung des Gelenkes hierbei einen der wichtigsten Faktoren, doch kann die Möglichkeit nicht abgeleugnet werden, dass der Process auch einmal von einer Erkrankung der Bursa
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Spat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 753
des M. tibialis (Dieckerhoff) ausgehen, oder auf den Gelenkflächen selbst einsetzen kann. Nach den von mir angestellten Untersuchungen trifft man die Bursa jedoch sehr häufig intact an; selbst da, wo sich das Gelenkleiden bereits in den vorgeschrittenen Stadien der Entwickelung befindet, zeigt die Bursa oft keinerlei pathologische Veränderungen. Wo sich aber die Bursa miterkrankt findet, darf man dieselbe nicht ohne weiteres als Ausgangspunkt der Spaterkrankung betrachten, denn in vielen Fällen wird die Bursa erst secundär in Mitleidenschaft gezogen, indem der Entzündungsprocess vom Gelenk auf diese übergreift.
Verlauf. Die Natur der Erkrankung erklärt den chronischen Verlauf des Leidens. Nur ausnahmsweise geben gröbere Insulte zur Entstehung desselben Veranlassung; in der Regel bilden wiederholt einwirkende leichtere Schädigungen die Ursache desselben, dem­entsprechend geht die Ausbildung der Erkrankung auch langsam von Statten. Die Wirkung derartiger Insulte giebt sich für gewöhnlich zuerst durch eine schmerzhafte Empfindung zu erkennen, daher tritt häufig zuerst Lahmheit auf, und zwar bevor noch an dem Gelenk anatomische Veränderungen nachzuweisen sind. Es kommt indess vor, dass die veranlassende Ursache so allmälich ihre Wirkung geltend macht, dass mit den ersten Veränderungen überhaupt keine Lahm­heit verbunden ist, und vor dem Auftreten derselben am Gelenk be­reits eine Knochenauftreibung festgestellt werden kann. In dieser Hinsicht verhält sich der Spat wie eine Reihe anderer Leiden, z. B. der Zwanghuf. Geht die Entwickelung desselben langsam von Statten, so kann auch der Zwanghuf eine erhebliche Ausbildung erfahren, ohne dass Lahmheit mit demselben verbunden ist; sobald aber die Ent­wickelung rasch erfolgt, übt die dislocirte Trachtenwand des Hufes einen schmerzhaften Druck auf die Weichtheile desselben aus und ruft alsbald Lahmheit hervor. In der Regel entwickelt sich zunächst eine allmälich zunehmende Lahmheit (unsichtbarer Spat), worauf nach 2—4 Wochen die Knochenauftreibung (Spatknochen) bemerklich wird. Es liegt auf der Hand, dass mit der fortschreitenden Aus­bildung des Krankheitsprocesses die Lahmheit deutlicher hervortritt. War dieselbe anfangs nur im Beginne der Bewegung bemerkbar, so hält sie später dauernd an. Ebenso kann bei der Natur des Processes nicht auffallen, dass die Bewegungsstörungen periodisch hervortreten, zeitweise vollständig verschwinden, sowie dass wenn auch nur aus­nahmsweise ohne entsprechende Behandlung Heilung eintritt; hierzu ist, wie die Erfahrung gelehrt hat, vor allem andauernde Ruhe noth-
Möller, Spccielle Cliirurgio für Tliicvärzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;48
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754nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Sprunggelenkes.
wendig. Theoretisch muss zwar zugegeben werden, dass die Liisionen am Gelenk heilen und das Gelenk seine normale Einrichtung wieder erlangen kann; doch gehört ein solcher Ausgang zu den Seltenheiten. In der Regel kommt nur eine relative Heilung zu Stande und zwar unter Synostosenbildung. Sobald die Gelenkflächen krankhaft verändert sind, der Gelenkknorpel zerstört ist, wird eine Reparation überhaupt unmöglich, und es kann die Lahmheit nur durch Verwachsung der er­krankten Gelenkfiächen verschwinden. Darüber vergehen in der Regel ü—8 Wochen, unter Umständen Jahr und Tag, oder die Synostosen­bildung kommt überhaupt nicht zu Stande; dann zeigt sich das Leiden bezw. die Lahmheit unheilbar. Welcher Ausgang eintreten wird, lässt sich in dem concreten Falle mit Sicherheit niemals vorausbestimmen, doch ergeben sich aus der Berücksichtigung des Zustandes und anderer Umstände einige Anhaltspunkte für die Beurtheilung des Leidens, die bei der Prognose besprochen werden sollen.
Ursachen. Wohl bei keinem Leiden ist die Eintheilung der Ursächlichen Momente in eine Causa ex tern a und interna so ge­rechtfertigt und praktisch wichtig wie beim Spat. Die Causa interna besteht in einer Anlage, welche theils im Bau des Sprunggelenkes, thetls in der Einrichtung anderer Abschnitte des Körpers zu suchen ist. Schliesst doch die complicirte Zusammensetzung des Sprunggelenkes schon eine Disposition zu Läsionen und daran sich knüpfenden, ent­zündlichen Erkrankungen ein, so ist dies in noch höherem Grade bei einem mangelhaften Aufbau des Gelenkes der Fall. Es liegt auf der Hand, dass schmale und kurze (kleine) Gelenkflächen unter der heftigen Wirkung der Muskulatur der Hinterhand eher leiden als stark entwickelte, breite und tiefe Sprunggelenke. Ganz besonders naclitheilig zeigt sich eine schwache Ausbildung der unteren Abschnitte des Gelenkes sowie des oberen Endes des Metatarsus, jener Bau, der in der Exterieur-Sprache als „schlecht eingeschientquot; oder als „ge­schnürtes Sprunggelenkquot; bezeichnet wird. Ebenso natürlich er­scheint der nachtheilige Einfluss einer starken Winkelung des Gelenkes, der sog. säbelbeinigen Stellung. Bei dieser Bauart ruft die Wirkung der Streckmuskeln des Hinterschenkels ausgiebige und ener­gische Bewegungen im Sprunggelenk hervor, also nicht nur gewaltige Druckwirkungen auf die Gelenkflächen, sondern sie bringt auch den Bandapparat des Gelenkes in die Gefahr Läsionen zu erfahren.
Diese in den sichtbaren Formen des Sprunggelenkes sich aus­sprechende Anlage ist es jedoch nicht allein; auch die innere Ein-
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Spat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 755
richtung der Knochen sowie des Bandapparates kann die Disposition zur Erkrankung des Gelenkes verleihen. Als Beweis hierfür braucht nur auf die Erblichkeit des Leidens, auf das Vorkommen des Fehlers selbst in Familien verwiesen werden, die mit Sprunggelenken aus­gestattet sind, welche nach den Grundsätzen des Exterieurs als tadel­los bezeichnet werden müssen. Auf der anderen Seite spricht hierfür auch das seltene Auftreten der Erkrankung bei liaccn, deren Sprung­gelenke nach ihren äusseren Formen eine weniger günstige Einrichtung zeigen, '/.. B. bei dänischen und liolsteinischen Pferden. Ganz mit Recht wird daher in der Zucht auf dieses Leiden besonders Gewicht gelegt. Worin die unsichtbare Prädisposition beruht, entzieht sich unseren Kenntnissen, doch steht nichts entgegen, eine nnvollkommeno Ausbildung der Bestandtheile des Gelenkes, namentlich seiner Knochen und Bänder hierfür verantwortlich zu machen.
Bei der Frage der Disposition kommt nicht allein das Sprung­gelenk in Betracht, sondern auch der Bau der übrigen Schonkclabschnitte und selbst des Rumpfes übt auf die Entwickelung des Leidens einen nicht geringfügigen Einflnss aus. Erfalmmgsgemäss wird eine steile Knielagc und steile Fesselstellung in dieser Minsicht bedenklich. Da­bei ist indess zu berücksichtigen, class jene Bildungen nicht selten erst seeundär auftreten, eine Folge der Spaterkrankimg darstellen. Klemm glaubt namentlich die kuhhessige und xbeinige, rückständige und bärenfüssige Stellung als ursächliches Moment für den Zustand an­klagen zu müssen und begründet darauf die heilsame Wirkung hoher Trachten und langer Stollen am Hufeisen.
Von Peters wird der breitbeinigen (sprunggelenkweiten) Stel­lung eine besondere Anlage zum Spat zugeschrieben. Dass hierbei leicht unregelraässige Bewegungen im Sprunggelenke auftreten, und damit die Gefahr der Erkrankung herbeigeführt wird, kann nicht be­zweifelt werden.
Es entspricht ferner der Erfahrung, dass häufig recht leistungs­fähige Pferde, namentlich solche mit breitem Becken und starker Muskulatur der Hinterhand in dieses Leiden verfallen. Dieses Zu­sammentreffen erklärt sich einfach aus den grösseren Ansprüchen, wel­che bei solchen Pferden an die Sprunggelenke gestellt werden. Denn je leistungsfähiger die Muskulatur der Hinterhand, um so ausgiebiger die Bewegung, um so grosser werden auch die Angriffe auf die Wider­standsfähigkeit dieses Gelenkes. Ein Gleiches gilt für überbaute Pferde und solche mit langem Rücken; zur Erzielung gleicher Leistungen bedarf es bei ihnen einer intensiveren Muskelwirkung, wobei höhere An-
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forderungen an die Festigkeit der Sprunggelenke gestellt werden. Aus demselben Grunde leiden heftige, temperamentvolle Pferde häufiger als ruhige, phlegmatische. Dass endlich im jugendlichen Alter oft Spaterkrankung vorkommt, muss in erster Linie auf eine geringere Widerstandsfähigkeit des Knochengerüstes und der Bänder zurückge­führt werden; doch kommt zugleich in Betracht, dass mit der Einstel­lung der jungen Thiere in den Dienst die vorhandene Disposition sich bald bemerkbar macht, während ältere Pferde in der Kegel nur dann er­kranken, wenn an ihre Arbeitsfälligkeit höhere Anforderungen gestellt werden oder wenn die Sprunggelenke durch Zufall heftige Läsionen erfahren.
Als Causa externa wirken wohl ausschliesslich mechanische Ein­flüsse. In der Regel bestehen diese in leichten aber häufiger wieder­kehrenden Insulten, welche das Sprunggelenk bei angestrengter Arbeit namentlich unter dem Reiter, in schnellen Gangarten oder im schweren Wagendienst erleidet. Nach Peters zeigt sich weicher, sumpfiger Boden und unebenes Pflaster besonders nachtheilig, indem gerade hier die bis zum gewissen Grade nothwendig werdenden Drehbewe­gungen des Hufes am Boden gehemmt, folglich auf die Gelenke, namentlich das Sprunggelenk übertragen werden.
Ohne Zweifel können auch einzelne, heftige Läsionen, wie z. B. bei kurzen Wendungen auf der Hinterhand oder plötzlichem Pariren den Anstoss zu der entzündlichen Erkrankung des Sprunggelenkes ab­geben. Im Ganzen kommt dieses jedoch nur selten vor, und noch seltener geht der entzündliche Process von äusseren Verletzungen (Wunden oder Quetschungen) aus.
Es liegt mir ferne, die Frage der Pathogenese des Spats hiermit als erledigt zu betrachten; ich hin vielmehr überzeugt, dass dieselbe noch wei­terer Untersuchungen bedarf, um vollständig klar gelegt zu werden. Dabei wird aber mit der Aufstellung neuer Theorien ebenso wenig für die Wissen­schaft erreicht, wie mit der Empfehlung neuer Heilverfahren für die Praxis. Es fehlt vor allem an einer klaren Einsicht in die Physiologie der Be­wegung, die sich jedoch nicht durch die Betrachtung einzelner Abschnitte der Gliedmassen, wie des Sprunggelenkes allein erledigen lassen; es muss viel­mehr der ganze Schenkel dabei ins Auge gefasst werden; gewiss eine lohnens-werthe, aber keine leichte Aufgabe, der sich hoffentlich bald Jemand unter­ziehen wird.
Ausgang und Prognose. Wie sich aus der Besprechung der Ent-wickelung des Leidens ergibt, nimmt der Spat in der Regel von vornherein einen chronischen Verlauf. Die anfangs geringe Lahmheit wird häufig übersehen, daher kommt es, dass sich beim Nachweis derselben oft
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laquo;pat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 757
schon deutlich nachweisbare Veränderungen am Sprunggelenke vorfinden. Es muss auch zugegeben werden, dass die ersten Krankheitsprocesse am Gelenke so wenig schmerzhaft sein können, dass sie keine Bewegungs­störungen veranlassen. Nicht selten aber zeigt sich bereits Lahmheit, bevor an dem Gelenke krankhafte Veränderungen nachzuweisen sind. Einmal eingeleitet schreitet der Process in der Regel unaufhaltsam weiter und führt im günstigsten Falle zu einer Verwachsung zwischen den schiffförmigen Beinen, dem Pyramidenbein und dem Metatarsal-knochen. Der damit verbundene Ausfall in der Bewegung des Sprung­gelenkes ist nur geringfügig und wird von den übrigen Gelenken so vollkommen compensirt, dass eine Lahmheit hierdurch nicht entsteht. Der Zeitpunkt, wann diese Synostosenbildung zu Stande kommt, zeigt sich sehr verschieden; bald erfolgt dieselbe schon nach wenigen Wochen, bald lässt sie Jahr und Tag auf sich warten.
Es hängt dieses in erster Linie davon ab, ob dem Thiere Ruhe gegeben und eine Behandlung eingeleitet wird. Wo dies überhaupt nicht stattfindet, kommt die Verwachsung sehr selten zu Stande, die Lahmheit besteht daher dauernd fort. In anderen Fällen bleibt dieser Vorgang trotz der Ruhe und einer energischen Behandlung aus; die Lahmheit erweist sich unheilbar. Die Zurückbildimg der entzündlichen Veränderungen am Sprunggelenke, also ein Ausgang in Resolution gehört offenbar zu den seltensten Vorkommnissen.
Irrthümer in der Diagnose haben wohl zu der Annahme geführt, dass auch hier eine Zertheilung häufiger vorkomme, und dass man im Stande sei, durch die Therapie den Resorptionsvorgang zu unterstützen. Nach meinen Erfahrungen muss ich dies entschieden bezweifeln. Wenn nicht die verschiedenartigsten, mit Lahmheit verbundenen Krankheitsprocesse am Sprunggelenk als Spat bezeichnet werden sollen, sondern wenn man diesen Ausdruck auf jene typische Erkrankung des Gelenkes (Arthritis chronioa) beschränkt, so kann dieses auch nicht zweifelhaft erscheinen. Es muss zwar zugegeben werden, dass es unter Umständen schwer fällt, diese Diagnose bei der ersten Untersuchung mit Bestimmtheit zu stellen, namentlich wenn kein zuverlässiger Vorbericht vorliegt. Trotzdem erscheint eine solche Trennung dringend geboten, denn nur auf diese Weise erlangt die Eeur-theilung und Behandlung der Krankheit eine sichere Basis.
Nicht selten beobachtet man nach längerer Schonung des Pferdes Besserung, Verschwinden der Lahmheit oder doch erhebliche Verminderung derselben, ein Zustand, der jedoch meist nicht von längerer Dauer ist, denn sobald das Thier seine frühere Thätigkeit wieder aufnimmt, stellt sich auch die Lahmheit von neuem und zwar nicht selten in noch höherem Grade ein als zuvor. Es ist klar, dass mit eintretender Ruhe die Intensität der entzündlichen Vorgänge am Gelenke nachlassen wird. Da diese aber selten ganz verschwinden, so treten sie von neuem hervor, sobald sich die veran­lassenden Ursachen wieder geltend machen. Kann daher der Spat auch als eine typische Erkrankung des Sprunggelenkes bezeichnet werden, so zeigt
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758nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Sprunggelenkes.
sein Verlauf docli mannigfache Abweichungen, welche theils durch die Ein­richtungen dos Gelenkes, den Grad und die Ausbreitung des Krankheitspro-cesses bedingt sind, vornehmlich aber von äusseren Umstünden, und in erster Linie von der dem Thiere zu Theil werdenden Behandlung abhängt.
Bei der Prognose müssen daher alle Umstünde Berücksichtigung finden, welche den Ausgang in relative Heilung fördern, d. h. welche zur Beseitigung der Bewegungsstörungen beitragen, oder die anderer­seits dem Hcilungsprocesse hindernd entgegen stehen. Hierbei kommen namentlich in Betracht:
1.nbsp; nbsp;Die Dienstleistung des Thieres. Je grosser die An­strengungen, also die Ansprüche an die Widerstandsfähigkeit des Sprung­gelenkes, desto weniger lässt sich auf eine dauernde Heilung rechnen. Reitlaquo; und schwere Zugpferde bieten deshalb die geringsten Aussichten auf volle Wiederherstellung ihrer Arbeitsfähigkeit.
2.nbsp; Die Dauer und der Grad der Lahmheit. Sobald die Bewegungsstörungen trotz entsprechender Behandlung fortbestehen, muss angenommen werden, class die Bedingungen zum Zustandekom­men der Synostosenbildung sich ungünstig gestalten; die Aussicht auf Heilung wird alsdann gering; hochgradige Muskelatrophie bildet des-lialb auch ein ungünstiges Zeichen. Starke Lahmheit lilsst auf um­fangreiche Veränderungen am Gelenke schliessen und muss ebenfalls als ein ungünstiges Zeichen angesehen worden, zumal geringe Lahm­heit die Verwendung des Pferdes zu gewissen Dienstleistungen nicht ausschliesst, wenn man dabei auf die vollständige Beseitigung desselben auch verzichten muss.
8, Der Bau des Thieres. Je mehr sich im Bau des Schenkels, namentlich aber des Sprunggelenkes eine Disposition zu Spaterkrankung ausspricht, um so grosser wird die Gefahr, class ein Ausgleich des ent­zündlichen Processes nicht zu Stande kommt. Es ist leicht begreiflich, dass an dem mangelhaft eingerichteten Sprunggelenk selbst massige Anforderungen neue Reizungsprocosse einleiten, welche dem Eintreten der Verwachsung der Knochen hindernd entgegenstehen.
4. Der Sitz der Erkrankung. Es entspricht einem alten Er­fahrungssatze: dass der Sitz der Exostosen an der Beugefläche des Gelenkes prognostisch als ungünstige Erscheinung aufzufassen ist; wäh­rend die Aussicht auf Heilung grosser wird, wenn der Spatknochon sich auf die hinteren Abschnitte des Gelenkes, auf die Gegend des Pyra­midenbeines beschränkt. Diese Thatsache mag zum Theil darin ihre Erklärung finden, dass die Knochenneubildung an der vorderen Fläche des Gelenkes leichter eine mechanische Behinderung der Bewegung
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lierbeiführen kann, die unter Umständen selbst durch Verwachsung des Gelenkes nicht beseitigt wird; andererseits kommt in Betracht, class der Sitz der Erkrankung an dieser Stelle für das Zustandekommen dieses Heilvorganges weniger Aussicht bietet, indem gerade hier die unvermeidlichen Bewegungen am ausgiebigsten erfolgen.
Weniger Bedeutung hat die Grosse der Knochenauftreibung. Wie schon Havemann zutreffend bemerkte, gehen Pferde mit auffälliger Spaterhöhung oft nicht lahm, während solche mit einem „kleinenquot; Spat zuweilen zu jedem Dienst unbrauchbar bleiben.
5. Das Alter desThieres. Das Auftreten von Spat bei jungen Pferden, die noch wenig gearbeitet haben, beweist eine hohe Entwick­lung der dispositioneilen Verhältnisse und muss natürlich die Prognose ungünstig beeinflussen. Gorade bei ihnen pflegt die Lahmheit nur für einige Zeit ZU verschwinden und wiederkehren, sobald die Thiere von neuem zur Arbeit verwendet werden.
Lässt sich unter Berücksichtigung dieser Umstände die Prognose einigermassen präcisiren, so bleibt dieselbe dennoch stets unsicher. Absolute Gewähr, dass die Lahmheit verschwinden wird, ist niemals vorhanden, sobald die Diagnose aussei- Zweifel steht. Die verschiede­nen Gebrauchsarten, der Bau der Sprunggelenke und Schenkel bei den verschiedenen Racen, sowie andere Umstände (nicht selten aber auch Irrthümer in der Diagnose) waren die Ursache, dass der Procont-satz der Geheilten von den einzelnen Sachverständigen sehr verschieden veranschlagt wurde. Im Durchschnitt dürfte die Zahl der Heilungen etwa 50 0/o betragen.
Dass eine 4—Gwöchentliche Ruhe und entsprechende Behandlung zur Beseitigung der Lahmheit erforderlich ist, wurde bereits bemerkt. Wenn auch nicht ausgeschlossen ist, dass die Heilung unter rogel-mässiger Arbeit zu Stande kommt, so beruhen doch manche der hier­über gemachten Mittheilungen auf Irrthümern bei der Diagnose.
Erscheinungen. 1. Die Spatlahmheit, Die Diagnose der Arthritis chronica an den kleinen, straffen Abtheilungen des Sprung­gelenkes bietet keine Schwierigkeiten, sobald sich die Wirkung dieser Erkrankung aussorhalb des Gelenkes bemerkbar macht, d. h. wenn bereits Knochenauftreibung (Spatknochen) besteht. So lange diese aber fehlt, bleibt die sichere Erkennung des Leidens unsicher, und zwar um so mehr, als die Funktionsstörungen (Lahmheit) keineswegs als so charakteristisch bezeichnet werden können , um jeden Zweifel zu lieben. Dadurch ist es aber bedingt, dass gerade hier oft Irr-
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7 COnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Sprunggelenkes.
thümer vorkommen, class nicht selten anderweitige Erkrankungen, ja selbst Hufleiden zu der Diagnose Spat Veranlassung geben. Aber auch andere Leiden des Sprunggelenkes, z. B. leichte Distorsionen können unter Umständen sogar den geübten Sachverständigen täuschen. Derartige Irrthümer der Diagnose sind gar nicht selten und veran­lassen zugleich falsche Anschauungen bezüglich des Werthes der Heil­methoden.
Zur Sicherung der Diagnose „Spatquot; genügt die das Leiden begleitende Lahmheit fast niemals, sondern erst in Verbindung mit anatomischen Veränderungen am Sprung­gelenk können die Bewegungsstörungen den sicheren Nach­weis dieser Erkrankung liefern.
Sagte doch schon Knobloch: „Wenn man keine Geschwulst entdeckt, woher will man denn wissen, dass ein Spat kommen werde?quot; Damit soll allerdings nicht behauptet werden, class nicht auch aus der Lahmheit allein mit einiger Wahrscheinlichkeit auf Spat geschlossen werden kann, doch kommt hierbei weniger die Art der Bewegungsstörung, als vielmehr das Auftreten und der weitere Verlauf der Lahmheit, endlich auch das Fehlen nachweisbarer pathologischer Ver­änderungen in Betracht, auf welche die Lahmheit in dem betreffenden Falle zu beziehen ist.
Am meisten beachtenswerth bleibt das Auftreten und der Ver­lauf der Lahmheit, viel weniger die Art der Bewegungsstörungen. Die letzteren zeigen mancherlei Verschiedenheiten, die theils von dem Sitze und der Ausbreitung des entzündlichen Processes abhängen, theils mit anderen Umständen in Verbindung stehen mögen. In der grossen Mehrzahl der Fälle entsteht eine Lahmheit, die mit unvollständiger Streckung des belasteten Fusses verbunden ist. Die Belastung des Fusses wird nach hinten abgekürzt, anscheinend in Folge der mit der Streckung desselben verbundenen Schmerzen. Nachdem der Huf den Boden verlassen hat, wird die Gliedmasse abnorm schnell vorge­führt, so class die Bewegung derselben wohl den Eindruck des Zuspät-kommens macht, woher man auch wohl den Namen Spat abgeleitet hat. Die plötzliche Beugung des Schenkels gestaltet sich nicht selten zu einer Zuckfussbewegung (S. 788); eine Erscheinung, die sich vor­nehmlich im Anfange der Bewegung und bei kurzen Wendungen be­merkbar macht.
Eine weitere Folge der unvollkommenen Streckung des belasteten Fusses ist die auffällige Bewegung der Hüfte, welche selten vermisst wird. Der Ausfall in der Schrittlänge nach hinten soll durch eine
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Spat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 761
ausgiebige Mitbewegung der Kruppe ausgeglichen werden. Zuweilen beobachtet man Abductionsstellung des Schenkels, namentlich bei dop­pelseitigem Spat; hier zeigt sich oft ein auffällig breiter Gang; bald tritt in Folge der unvollkommenen Streckung des .Sprunggelenkes steiler Fesselstand ein, wodurch die Thiere veranlasst werden, auf un­ebenem Pflaster die Trachten des Hufes höher zu stellen.
Viel wichtiger als die Art der Lahmheit bleibt der Verlauf der­selben. In der Regel entwickelt sich die Bewegungsstörung ganz allmälig, beschränkt sich zunächst auf die ersten Schritte und verliert sich bald während der Bewegung; oft beobachtet man hierbei wie auch im Stalle beim Herumtreten nach der gesunden Seite hahnen­trittähnliche Bewegungen des leidenden Fusses, welche sich ebenfalls während der Arbeit meist verlieren. Dieses Verschwinden der Lahm­heit während der Bewegung und das stets erneute Hervortreten der­selben nach der Ruhe gehört zu den wichtigsten Eigonthümlich-keiten des Leidens. Hass das Herumtreten nach der gesunden Seite sich schmerzhafter gestaltet als nach der kranken Seite, erklärt sich einfach aus der hiermit verbundenen grösseren Druckwirkung auf die medialen Abschnitte des Sprunggelenkes. Unter Umständen beobachtet man aber auch das Gegentheil; so kommt es nicht selten vor, dass sich die Lahmheit während der Bewegung nicht verliert, sogar immer stärker hervortritt; man trifft dieses namentlich bei erheblicherer Lahm­heit und im weiteren Verlaufe des Leidens. Das stärkere Hervortreten der Bewegungsstörungen bei kurzen Wendungen ist offenbar die Folge der hierbei erfolgenden Rotationsbewegungen und Verschiebungen der Knochen an den leidenden Abschnitten des Gelenkes.
Nicht unwichtig für die Diagnose der Spatlahmheit ist endlich die Spatprobe, welche darin besteht, dass man den Fuss l Minute lang in Beugestellung halten lässt, sodann das Pferd zur Trabbewegung veranlasst. Die Bewegungsstörungen machen sich alsdann in auffallen­der Weise bemerkbar.
Diese Untersuchungsmethode erfordert indess besondere Vor­sicht, namentlich bei alten, steifen Pferden, welche nach einer längeren Beugestellung des Schenkels auch ohne Spat ähnliche Bewegungs­störungen zeigen können.
üeber die nächste Ursache der Lallmheit haben im Laufe der Zeit verschiedene Ansichten ihre Vertreter gefunden. Während die älteren Thiorärzte den Schmerz aus dem Druck der Exostose auf das Periost her­vorgehen Hessen, und ihre Ansieht auf die unebene Beschaffenheit der Ober­fläche des macerirten Knochens stützten, weiss man seit Havemann, dass die Gelenkerkrankung nicht nur das Wesen der Krankheit, sondern
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702nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Sprunggelenkes.
auch die Ursache der Lahmheit bildet. Wenn Hering dagegen einwendete, dass zuweilen auch ohne Erkrankung des Gelenkes Spatlahmheit beobachtet, werde, so können nur Irrthümer der Diagnose da/u Veranlassung gegeben haben. In der Eegel entspricht das Auftreten und der Verlauf der Lahm­heit ganz und gar den Beobachtungen, die beim Menschen gemacht werden, welche an Arthritis chronica leiden; auch hier zeigt sich die Be­wegungsstörung zunächst nur im Anfange der Bewegung. Wahrscheinlich gehen diese Störungen theils von den Veränderungen an den Gelenktlilchen, theils von den Erkrankungen des Bandapparates aus. Hierzu rechnet Di eck erhoff noch die Erkrankung der Bursa des Tibialis. Ich bezweifle, dass eine chronische Entzündung derselben überhaupt Lahmheit zur Folge hat. Unter Umständen können Exostosen auf mechanischem Wege eine Einschränkung der freien Bewegung des Sprunggelenkes zur Folge haben.
2. Die Knochenauftreibung (Spaterhöhung, Spatknochen). Bei der langsamen Entwickelung der Krankheit macht sich oft schon vor dem Eintritt auffälliger Lahmheit, in der Kegel mit dieser zugleich, zuweilen erst zwei bis drei Wochen später eine Anschwellung (Ver­dickung) an der unteren Abtheilung der medialen Seite des Sprung­gelenkes bemerkbar. Die Feststellung derselben setzt einige Uebung in der Beurtheilung der normalen Configuration des Sprunggelenkes voraus und kann sowohl bei der Betrachtung der Gelenke von vorn wie auch von hinton erfolgen. Zu dem Zwecke nimmt man entweder einige Schritte vor oder hinter dem Pferde Aufstellung und vergleicht die mediale Fläche der beiden Sprunggelenke mit einander. Der Ge­übte stellt hierbei selbst die geringste Verschiedenheit fest, doch kann daraus allein noch keineswegs die Frage entschieden werden, o]) Spat vorliegt oder nicht. Dieses gilt namentlich vom englischen Vollblutpferde, dessen Sprunggelenke selten einen absolut symmetrischen Bau besitzen, wie ich an anderer Stelle zu begründen Gelegenheit hatte. Aber auch bei den übrigen Werderacen kann eine Abweichung in der Form der Sprunggelenke allein noch nicht als sicheres Zeichen für Spat angesehen werden. Die in der Exterieursprache Üblichen Bezeichnungen „scharf abgesetztquot; u. s. w. sollen derartige Zweifel in der Diagnose zum Ausdrucke bringen; oft aber bilden sie nur Um­schreibungen des von jedem Pferdebesitzer gefürchteten Leidens.
Die anatomischen Veränderungen am Sprunggelenke lassen in der Regel keinen Zweifel darüber, ob eine Arthritis doformans vorliegt oder bereits abgelaufen ist; für die Diagnose „Spatlahmheitquot; genügt jedoch auch sie nicht allein. Gar häufig kommt durch Verwachsung des Gelenkes Beseiti­gung der Lahmheit zu Stande, während andere Krankhoitszustände Be­wegungsstörungen an dem Schenkel veranlassen. Wollte man solche auf die Veränderungen am Sprunggelenke zurückführen, so würde man sich täuschen. Dieser Schluss ist nur dann gerechtfertigt, wenn:
1. diese Veränderungen von durch ihren Verlauf und sonstige Eigen-
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Spat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7C3
thümlichkeiten ausgezeichnete Spatlabmheit begleitet werden, oder wenn: 2. Muskelatrophie oder andere Umstände auf eine chronische Lahmheit hin­weisen, die wahrscheinlich mit den anatomischen Verilnderungen in Ver-biudung steht. Wie bereits hervorgehoben wurde, kann Knochenauftreibung um so eher als Ursache der Lahmheit angesehen werden, je näher sie der vorderen Gelenkiläche liegt. Zuweilen lassen sich auch Spuren statt­gehabter Behandlung nachweisen, welche auf einen chronischen Zustand hin­weisen und so die Diagnose „Spatquot; unterstützen.
Es sei hier noch ausdrücklich betont, dass acut entzündliche Erschei­nungen (vermehrte Wärme, Schmer/, auf Druck u. s. w.) bei diesem Leiden meist fehlen. Sollten indess heftig wirkende Gewalten einmal den Zustand hervorgerufen haben, so kann ihre Gegenwart natürlich nicht auffallen und die Annahme des Spat nicht direct ausschliessen.
Differentialdiagnose. Unter Beachtung der oLon beschrie­benen Grundsätze wird man sich in der Regel vor Yerwechselungen schützen, doch kommen hier ganz besonders folgende Zustände in Betracht:
1.nbsp; nbsp; Der Hahnentritt oder Zuokfuss, eine Krankheit, welche an anderer Stelle noch behandelt werden soll; hier sei nur bemerkt, class das periodische Hervortreten, das allmäligo Verschwinden dieser Bewegungsstörung während der Arbeit den Verdacht auf Spat er­weckt.
2.nbsp; nbsp; Hüftlahmheit. Hierbei zeigt sich regolmässig eine aus­gesprochene Hangbeinlahmheit, während beim Spat eine gemischte Lahmheit besteht. Dasselbe gilt
•'5. von der Gonitis chronica, welche atisserdem mit aus­gesprochener Neigung zu Beugestellung des Schenkels in der Ruhe verbunden ist (S. 727).
4. Die Entzündung der Sehnenscheide des dicken Kopfes vom Hufbeinbeuger an der medialen Fläche des Sprunggelenkes kann bei der auffälligen Anschwellung von einem Sachverständigen kaum mit Spat verwechselt worden (S. 781).
B. Tendinitis und Tendovaginitis der Zehenbeuger führen auch am Hinterschenkel zu einer ausgesprochenen Stützbeinlahmheit und lassen sich bei genauer Untersuchung namentlich durch Palpation direkt nachweisen.
0. Mit Hasenhacke kommt eine Verwechselung um so weniger leicht vor, als dieser Zustand nur in Verbindung mit Spat Lahmheit hervorzurufen pflegt (S. 712).
7. Schwieriger gestaltet sich die Unterscheidung von Schale und Distorsionen des Kronengelenkes. Dabei kommt jedoch in Betracht, dass Schale am Hinterschenkel verhiiltnissmässig selten
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7G4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Sprunggelenkes.
Lahmheit zur Folge hat, während Distorsionen sich in der Regel durch Schmerzen bei Drehbewegungen in den Gelenken (kurzen Wendungen) zu erkennen geben.
8.nbsp; nbsp;Von einer Huflahmheit lilsst sich das Leiden durch den Nachweis der Abwesenheit krankhafter Processe im Hufe trennen; die Untersucliungszange muss hier entscheiden; auch beachte man die Pulsation der iiusseren Zwischenknochenarterie.
9.nbsp; nbsp;Bei doppelseitigem Spat kann die Trennung von einem strup-pirten Zustand der Hinterfüsse unter Umständen Schwierig­keiten bereiten. Man achte auf den steifen Gang verbrauchter Pferde, die in der Itegel keine wirkliche Lahmheit zeigen, lege da­gegen bei ihnen kein zu grosses Gewicht auf das Ergebniss der Spatprobe (S. 7(31).
Behandlung. Sobald die Diagnose „Spatquot; im Sinne der oben erwähnten Auffassung sichergestellt ist, lässt sich eine spontane Hei­lung nicht erwarten. Zum Zustandekommen derselben gehört minde­stens eine längere Buhe, wie vielfache Erfahrungen ergeben haben und bereits erwähnt wurde. Havemann, Strauss u. a. erklärten jede Behandlung des Leidens für erfolglos, eine Annahme, der man jedoch nicht beipflichten kann. Denn dass viele spatlahme Pferde dauernd von der Lahmheit befreit werden, weiss jeder beschäftigte Praktiker. Es liegt jedoch in der Natur der Erkrankung begründet, dass nur eine rela­tive Heilung eintritt; da die Veränderungen an den Gelenkflächen irreparabler Natur sind, so kann beim ausgebildeten Spat die Besei­tigung der Lahmheit nur durch Verwachsung der Gelenkflächen er­folgen. Dass auf diese Weise die Beseitigung der Bewegungsstörungen möglich ist, beweisen die Sectionsbefunde; gar häufig zeigen sich die unteren Abtheilungen des einen oder anderen Sprunggelenkes, nicht selten auch beider Gelenke vollständig verwachsen, ohne dass vor dem Tode eine Spur von Lahmheit bestanden hatte.
Das Zustandekommen dieser Verwachsung erfordert in erster Linie eine längere und anhaltende Kühe, d. h. Schonung des Thieres von jedweder Arbeit. Welche Behandlung im übrigen eingeleitet werden möge, diese Ruhe ist unerlässlich, und zwar für die Zeit von etwa 4—8 Wochen.
Zur Unterstützung und Sicherung des Heilvorganges sind ver­schiedene Mittel in Vorschlag gebracht und angewendet worden. Sie alle stimmen in ihrer Wirkung darin überein, dass sie einerseits zur Ruhe­stellung des Gelenkes beitragen und eine acute Entzündung in der
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Spat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7C5
Umgebung der leidenden Stelle hervorrufen, wodurch die Synostosen-bildung ebenfalls begünstigt wird. lieber die Wirkungsweise dieser Mittel und Heilverfahren gehen die Ansichten auseinander. Von verschie­denen Seiten wurde angenommen, dass es sich um eine Ableitung des entzündlichen Processes aus dem Gelenke handele, eine Vorstellung, die sich mit den heutigen Anschauungen über derartige Vorgänge nicht mehr in Einklang bringen lässt. Dasselbe gilt von der Behauptung, dass die artificielle, acute Entzündung in der Umgebung des Gelenkes den Krankheitsprocess auf den Golenkflächen zum Abschluss bringen könne. Diese Vorstellung erscheint nur insofern gerechtfertigt, als man hierbei die Synostosenbildung im Auge hat; auf einen Ausgleich der chronischen Arthritis durch die artificielle Entzündung kann dagegen nicht gerechnet werden. Wollte man gegen die obige Behauptung ein­wenden, dass beim Menschen die Arthritis chronica deformans keine Neigung zur Synostosenbildung besitzt, so wird dabei aussei- Acht gelassen, dass dieses Leiden beim Menschen vornehmlich an Gelenken auftritt, an denen eine Verwachsung der leidenden Knochen unmöglich erscheint (Hüftgelenk); das Gleiche beobachtet man auch am Knie­gelenke des Pferdes (S. 72(5). Nach meiner Ueberzeugung giebt es nur eine Möglichkeit der Heilung, nämlich durch Anchylosirung der Gelenkflächen zwischen den schift'förmigen Beinen, sowie zwischen diesen und dem Metatarsus. Zur Förderung dieses Vorganges können ver­schiedene Heilmethoden dienen, insbesondere:
1. Scharfe Einreibungen. Die Wirkung derselben bleibt in der Regel zu oberflächlich, als dass ihnen ein erheblicher Einfluss auf die Verwachsung zuerkannt werden könnte. Je energischer die durch sie veranlasste Entzündung und je tiefer diese reicht, desto mehr ist von dem Mittel zu erwarten. Concentrirte Quecksilbersublimatlösung, Arsenik, Euphorbium, Crotonöl (Schubert) zeigen sich daher auch erfolgreicher als Einreibungen von Cantharitlensalbe. Wenn von letz­terer zuweilen ein günstiger Einfluss beobachtet wurde, so inuss der­selbe entweder auf die mit ihrer Anwendung verbundene Ruhe des Thieres oder auf Irrthümer in der Diagnose zurückgeführt werden. Nur diesen Umständen können auch die in der Armee mit den Schai'f-salben erzielten Erfolge zugeschrieben werden. Ich hatte vielfach Gelegenheit, auf besonderen Wunsch der Besitzer scharfe Einreibungen gegen Spat zu versuchen, habe aber sehr selten eine günstige Wir­kung von denselben gesehen. Mohr dürfte vielleicht von ihrer sub-cutanen Anwendung erwartet werden, wie sie Busch und Bassi neuer­dings empfohlen haben. Bassi macht an der leidenden Stelle 2—i\
,
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Krankheiten des Sprunggelenkes.
nach unten convergirend verlaufende Hnutsclmitto, lockert die Sub-cutis und füllt die so erzeugten Taschen mit der Scharf'salbe aus.
Die in früherer Zeit wohl empfohlenen Haarseile gegen Spat kommen in neuerer Zeit nicht mehr in Anwendung. Sie werden leicht durch Scheuern mit dem anderen Fusse herausgerissen und hinterlassen starke Narben.
2. Das Gluheisen. Bei der intensiveren und tiefer greifenden Entzündung, welche mit dem Glüheisen erzielt wird, muss dasselbe wirksamer sein als Scharfsalben, und zwar um so mehr, je in- und extensiver die mit der Anwendung desselben verbundene Heizung des Periostea wird. Ob man daher Striche oder Punkte brennt, ist ziemlich
gleichgültig;
artificiellen Entzünduna- in die Tief
die Ausdehnung der
e an.
Viele
raktikc
ziehen daher vor, die Maut mit dem birnförmigen Glttheisen zu per-foriren; in Frankreich ist die Anwendung des Stiftes üblich (feu per-foraut). In Deutschland wurde das letztere Verfahren u. a. auch von Gerlach versucht, allein bald wieder aufgegeben, weil häufig eine tödtlich verlaufende Gelenkentzündung entstand. Die Perforation der Haut sowie der Bursa des M. tibialis (s. unten) mit dem birn­förmigen Brenneisen zeigt sich in der liegel ungefährlich und gehört ohne Zweifel zu den wirksamsten Methoden der Spatbehandlung. Da­gegen folgt auf eine unvorsichtige Anwendung des Stiftes nicht selten eine bedenkliche Arthritis, namentlich wenn der Stift zu lang ist und eine Abtheilung des Gelenkes geöffnet wird (Gerlach). Der in Frankreich benutzte Stift besitzt eine Länge von 1—1,6 cm, reicht daher nur selten bis in das Gelenk. Diese Möglichkeit ist jedoch nicht ausgeschlossen, sobald keine erhebliche Exostose besteht. Wo ein starker Spatknochen vorhanden ist, bringt auch die Perforation mit dem Stifte fast niemals einen Nachtheil. Ich habe von demselben vielfach und zum Tlieil mit vorzüglichem Erfolge Gebrauch gemacht, aber stets nur in Fällen, wo die stark entwickelte Spatexostose das Eindringen des Stiftes in das Gelenk unmöglich machte. Dass man bei warmblütigen Pferden mit zarter Haut in dieser Hinsicht besonders vorsichtig sein muss, liegt auf der Hand.
Bei geringerer Ausbreitung der Knochenauftreibimg lasse ich den rothglühenden Stift nur einmal und zwar auf der Höhe der An­schwellung unter kräftigem Druck der Hand durch die Haut bis in den Knochen eindringen; bei ausgedehntem Spatknochen werden zwei oder selbst drei Stellen perforirt. In der Hegel lasse ich alsbald eine scharfe Einreibung (Sublimatsalbe 1 : 6) folgen. Zuweilen kommt
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Spat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 707
eine acute Entzündung der Sehnensclieide des M. tibialis zu Stande und führt zu einer mehrere Tage anhaltenden erheblichen Lahmheit Man lasse sich dadurch nicht beunruhigen und warte den Ablauf dieses Processes ab. Bei geringer Knoohenauftreibung halte ich die An­wendung des stiftförmigen Brenneisens für bedenklich.
3, Die Spatoperationen. Seit Abildgaard und Lafosse sind verschiedene operative Verfahren zur Heilung des Spats empfohlen worden. Abildgaard beschrieb zuerst die Durchsclmeidung des inneren Astes der Endsehne des M. tibialis, welche später von La­fosse vielfach ausgeführt wurde. Dieclcerhoff hat sodann die Er­öffnung der Bursa dieser Endsehno empfohlen. Es unterliegt keinem Zweifel, dass diese operativen Eingriffe einen günstigen Eintluss auf das Zustandekommen der Heilung der Lahmheit ausüben können. Meines Erachtens beruht ihr Nutzen jedoch ebenfalls auf der mit den folgenden, ucut-entzündlicheii IVocessen verbundenen Förderung der Synostosenbildung, und nicht wie Abildgaard und Lafosse an­nahmen, auf der Entspannung der Sehne und Beseitigung des Druckes derselben auf das Gelenk. Deshalb dürfte es auch weniger auf die Durchsclmeidung des Sehnenschenkels ankommen, als auf die Herbei­führung einer acuten Entzündung seiner Bursa, welche sich auf die Umgebung ausbreitet, und so nicht nur eine längere Ruhestellung des Gelenkes veranlasst, sondern auch durch die sich anschliessende Perio­stitis die Verwachsung fördert. Das Verfahren gestaltest sich sehr einfach; ruhige Pferde können im Stehen operirt werden, unruhige oder bösartige werden niedergelegt, so dass der kranke Fuss unten liegt. An dem gut gebremsten, gegen eine Wand gestellten Pferde wird der gesunde Hinterfuss wie zum Beschlagen aufgehoben, während der Operateur ein geballtes Bistouri in die Bursa des kranken Fusses eindringen lässt. Nachdem man sich mit einer Sonde überzeugt hat, dass dieselbe wirklich geöffnet ist, wird das Pferd in den Stall geführt. Eine Nachbehandlung zeigt sich in der Regel nicht noth-wendig; etwa auftretende üppige Granulationen werden mit passenden Aetzmitteln entfernt. Die Vernarbung der Wunde kommt in der Regel in 3 Wochen ZU Stande und nach weiteren 2 Wochen kann das Pferd event, wieder in Dienst gestellt werden.
Dass dieses Verfahren in manchen Fällen einen günstigen Erfolg hat, davon habe ich mich überzeugt; in anderen Fällen bleibt die Heilung aber aus und in noch anderen — wenn auch seltenen — ent­wickelte sich eine acute Sprunggelenksentzündung, die unter Um­ständen einen letalen Ausgang nehmen kann. Trifft man nämlich
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Krankheiten des Sprunggelenkes.
bei tieferem Einschneiden, wie es zuweilen nicht zu vermeiden ist, zu­fällig die Grenze zwischen dem kleinen schiffförmigen und dem Pyra­midenbeine, so wird das Gelenk geöffnet, und es entsteht eine eiterige oder septische Arthritis. Man thut daher gut, nicht zu weit nach hinten den Einschnitt zu machen. D. empfiehlt die Mitte zwischen dem vorderen und hinteren Rande des Gelenkes.
Die Bursa kann auch mit einem nicht zu stumpfen birnförmigen Brenneisen geöffnet werden. Für den Werth der Operation dürfte es gleichgültig sein, welche Methode man wählt, doch muss beim Brennen die Vorsicht gebraucht werden, dass man nicht das Gelenk öffnet. Je stärker die Knochenauftreibung, desto geringer ist diese Gefahr.
Wenn in Betracht gezogen wird, dass das Zustandekommen der Synostose vornehmlich von der Knochenwucherung ausserhalb des Ge­lenkes abhängt, da die Gelenkfiächen selbst erst nach umfangreicher Zerstörung ihres Knorpels hierzu gelangen können, so erscheint es natürlich, dass die Anregung der Periostwucherung in der Umgebung des Gelenkes die Hauptaufgabe der Therapie bildet. Am wirksamsten erreicht man diese durch die Periostomie, welche auch von vei'schie-denen Seiten zur Heilung des Spat empfohlen worden ist (Sewell, Peters, Moulden, Hintermayer u. a.). Die von den Autoren ein­geschlagenen Verfahren weichen in den wesentlichen Punkten nicht von einander ab. Ich habe seit mehreren Jahren Gelegenheit gehabt, die Peters'sche Operationsmethode zu versuchen und muss bekennen, damit noch die günstigsten Resultate erzielt zu haben. Das Verfahren besteht in Folgendem:
An dem auf die kranke Seite niedergelegten Pferde wird der oben liegende Fuss mit einem, um den entsprechenden Vorderschenkel geschlungenen Strick ein wenig nach vorn gezogen, um das kranke Sprunggelenk für die Operation frei zu machen. Dann schert man an den unteren Abschnitten des Sprunggelenkes, in der Mitte zwischen seinem vorderen und hinteren Bande auf einer Fläche von etwa 2 qcm die Haare ab, seift die Oberfläche ah, spült mit etwas Sublimat­oder Carbolwasser nach und beachtet hei dem weiteren Vorgehen die Vorschriften der Antisepsis (Reinigen der Hände, Einlegen der Instrumente in Carbolwasser u. s. w.). Mit einem geballten Bistouri oder Skalpell wird nun au der desinficirten Stelle ein Einstich durch Haut und Fascie gemacht und zwar in der Querrichtung des Schenkels. Durch die so erzielte, etwa 1 cm lange Oeffnung geht man mit einer gekrümmten Schere ein und trennt die Haut von ihrer Unter­lage in Form eines V, indem man das Instrument von der Hautöffnung
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Spat.
7(59
aus zunächst nach vorn, dann nach hinten bis zu seinem Gelenk in die Subcutis schiebt. Darnach wird das hierzu besonders stark ge­arbeitete und leicht gekrümmte Messer (Fig. 114) zunächst in die vordere Hauttasche geschoben, die Schneide desselben nach hinten gerichtet, um eine Verletzung der Vena saphena zu vermeiden. Sobald das Instru­ment bis zum Heft eingedrungen ist, richtet man die Schneide des­selben gegen das Gelenk und drückt es unter Beihülfe der Finger der linken Hand und unter wiegenden Bewegungen des
Griffes bis in die Knochen des Gelenkes. Unter laut
Fig. 114.
knirschendem Geräusch wird hierbei der Sohnenschenkel der M. tibialis sowie das Periost durchschnitten. Ebenso verfährt man mit der hinteren Hauttasche, wobei die Schneide des Messers nach vorn gerichtet wird. Nachdem nunmehr mittelst der Schere die ge­ringe Menge Blutes aus der Wunde gedrängt ist, spült man die Oberfläche mit einer Desinfectionsflüssigkeit ab und legt einen antiseptischen Verband fin. Hierbei ist zu beachten, dass der Verband bis zum Fessel­gelenk nach unten reichen muss, um von diesem gestützt eine feste Lage zu erhalten. Sodann lässt man das Pferd aufstehen und in den Stall führen. Sollte sich der Verband am nächsten Tage mit Blut durchtränkt zeigen, was jedoch keineswegs immer der Fall ist, so wird derselbe erneuert, anderenfalls bleibt derselbe etwa 6—8 Tage liegen. Alsdann kann der­selbe entfernt werden, da sich die Hautwunde bis dahin geschlossen hat.
Wenn bei der Ausführung der Operation die
Grundsätze der Antisepsis einigennassen Berücksichti­gung finden, so kommt Eiterung nicht ZU Stande,
Spatmesser.
a. scliwiicher,
b. starker gekrümmt.
und wenn diese einmal eintreten sollte, knüpfen sich auch daran keine bedenklichen Folgen, denn bei der flachen Lage des Messers während der Schnittfüll rung bleibt eine Eröffnung des Gelenkes und die Gefahr einer Gelenkentzündung auf joden Fall aus­geschlossen.
Nach der Operation muss dem Pferde mindestens 4—ti Wochen Ruhe gegeben werden. Während dieser Zeit vermeide man soweit möglich jede Bewegung des Thieres. Von einigen wurde sogar em­pfohlen, durch Hochbinden das Niederlegen des Pferdes zu verhindern.
Wie ich mich an Versuchspferden überzeugte, wird bei dieser Müller, Speoielle Chirurgie für Thieriirzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 49
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Krankheiten des Sprunggelenkes.
Operation nicht nur der mediale Sehnenschenkel des M. tibialis, son­dern auch der Periost auf den schiffförmigen Beinen durchschnitten; nicht selten erfährt auch das mediale Seitenband einige Trennungen. Diese Eingriffe führen zu einer lebhaften Periostwucherung und Ver­dickung des medialen Bandapparates des Gelenkes, wodurch selbst­verständlich die Bildung paraarticulärer Synostosen nnd damit die Verwachsung der kleinen Gelenke in höherem Grade begünstigt werden muss, als bei der einfachen Eröffnung der Bursa und den anderen Operationsmethoden. Nachtheilige Folgen habe ich bei den zahlreichen Operationen niemals beobachtet. Es entwickelt sich in der nächsten Zeit zwar eine erhebliche Knochenauftreibung, welche jedoch in den folgenden Monaten wieder bedeutend zurückgebildet wird, so dass später oft keine Spur von der Operation nachzuweisen ist.
Dass auch mit diesem Verfahren nicht alle spatlahmen Pferde geheilt werden, kann nicht befremden, daher sind auch die von Schutt u. a. gegen dieselben erhobenen Vorwürfe nicht geeignet, den Werth derselben in Frage zu stellen.
Bemerkt sei noch, dass man beim Gebrauche des Spatmessers nicht ängstlich sein darf, auch da nicht, wo die Exostose noch gering ist. Um in solchen Fällen recht ergiebige Trennungen des Periostes zu erzielen, benutzt man ein etwas stärker gebogenes Messer, welches leichter in die Tiefe dringt (Fig. 114 b). Ich habe mich oft davon über­zeugt, dass das Messer beim Eindringen in den Knochen ausgebrochen war; trotzdem wurden keine nachtheiligen Folgen beobachtet.
Eine zuverlässige Statistik des Erfolges solcher Operationen zu erlangen, bietet gerade eine Klinik am wenigsten Gelegenheit. Wenn man annimmt, dass hier das Nichtwiedersehen im allgemeinen als ein günstiges Zeichen zu deuten ist, so muss ich das Verfahren als ein wirksames bezeichnen. Nur wenige Patienten wurden mir nach der Operation als nicht geheilt wieder zugeführt, sehr viele aber konnte ich noch jahrelang als geheilt beobachten. Wo ein solcher Erfolg nicht erzielt wurde, leistete die Application des Glüheisens in Form des Stiftes regelmässig noch gute Dienste. Die Anwendung erweist sich gerade hier unbedenklich, weil die starke Knochenauftreibung das Eindringen des Stiftes in das Gelenk verhindert.
Die von Klemm empfohlene Durchschneidung des M. tibialis eine Handbreit über dem Sprunggelenke hat nach meinen Beobachtungen keinen Nutzen. Erfolgt diese vollständig, so entsteht die gleiche Be­wegungsstörung wie bei der Zerreissung des Muskels (S. 789). Lässt man nun eine 4—Gwöchentliche Ruhe folgen, so kann allerdings eine
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Rehbein.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 771
Verwachsung des Gelenkes und damit eine Heilung der Lahmheit zu Stande kommen; diese bleibt aber häufig aus. Eine theilweise Durch­schneidung kann unter Umständen die hahnentrittartige Lahmheit ver­decken, eine Heilung der Gelenkerkrankung ist damit nicht zu erreichen; dem entspricht auch meine Erfahrung mit der Operation. Regelnlässig kehrten die Besitzer nach einiger Zeit mit den Patienten zurück, um eine anderweitige Behandlung einleiten zu lassen.
In der preussischen Armee wurde in den letzten Jahren vornehmlich das Brenneisen gegen Sput in Anwendung gebracht und mit demselben nahezu an 60 quot;/o Heilungen erzielt. Besonders vortheilhai't zeigte sich die Perforation der Bursa mit einem birnförmigen Eisen; man brannte mit demselben bis auf den Knochen. Weniger Erfolg hatten die Operationen. Es darf jedoch nicht übersehen werden, dass bei keinem äusseren Leiden so häufig Irrthümer der Diagnose vorkommen wie hier; gar lulufig gelangt auch die sorgfältigste Untersuchung zu keinem sicheren Resultate. Nun entschliesst man sich aber zu einem complicirteren Heilverfahren in der Regel erst, wenn volle Gewissheit über die Natur des Krankheits­zustandes vorliegt, während man eher zu dem Glüheisen greift, und zwar um so mehr, als dasselbe gerade in der Armee besonderes Vertrauen geniesst.
Wie schon Hertwig betonte, lässt sich von der Anwendung der Neurotomie beim Spat nicht viel erwarten; die Durchschneidung des N. tibialis über dem Sprunggelenke, wie auch des medialen und langen hinteren Hautnerven sowie des N. peroneus blieb auf die Be­seitigung der schmerzhaften Empfindungen bezvv. der Lahmheit ohne Einfluss. Diese Thatsache ist um so mehr zu bedauern, als alle die genannten Heilversuche unter Umständen ohne Erfolg und die Pferde dauernd lahm bleiben.
Nicht unwichtig ist der Beschlag bei diesem Leiden; es empfiehlt sich an dem spatlahmen Fusse hohe Stollen anzubringen, also lange Trachten mit kurzer Zehe. Dieser Empfehlung Klein ms kann ich nur zustimmen.
5. Als Rehbein
werden seit alter Zeit alle umschriebenen Verdickungen an der lateralen Sprunggelenksfläche bezeichnet; dieselben liegen zum Theil im Bandapparate, besonders im lateralen langen Seiten bände, oder sie gehen von den Sprung-gelenksknochen, besonders dem Würfelbein und lateralen Griffelbein, aber fast niemals vom Gelenk aus. Chronische Verdickungen der äusseren Haut werden nicht selten mit diesen Zuständen verwechselt; auch der bei der säbelbeinigen Stellung stärker hervortretende Contur des lateralen Malleolus oder des Griffelbeines wird von Laien vielfach als llehbein aufgefasst. Die nähere Untersuchung giebt Aufschluss über den Zustand, welcher in der
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Krankheiten des Sprunggelenkes.
Kegel durch Gegenschlugen oder anderweitige Verletzungen entstundeneii Beizungsprocessen an der lateralen Sprunggelenksfläche seine Entstehung verdankt. Zuweilen zeigt sich Eehbein in Vorbindung mit Spat, bildet eine Complication jenes Leidens, indem die chronische Arthritis sich auf die laterale Gelenkfläche ausbreitet.
Her twig behauptete, dass die Pferde an diesem Leiden häufig lahm gehen, dass mit demselben zuckende Bewegungen des Fusses verbunden seien, ilhnlich wie beim Spat. Ich habe diese Lahmheit nur da beobachtet, wo das Behbein in Begleitung mit Spat auftrat. Für sich allein ruft der Zustand ntrr da Bewegungsstörungen hervor, wo derselbe mit acut ent­zündlichen Processen in den lateralen Seitenbändern oder am Periost ver­bunden ist.
Diagnose. Zum Nachweis des Behbeins stellt man sich ähnlich wie bei der Untersuchung auf Spat und vergleicht die lateralen Flächen beider Sprunggelenke mit einander. Die Palpation lüsst in der Begel leicht unterscheiden, ob es sich bloss um Verdickung in der äusseren Haut handelt, oder ob die tiefer gelegenen Theile leiden.
Die Beurtheilung gestaltet sich im allgemeinen günstig, nur da wo das Leiden als Complication des Spat auftritt, muss die Prognose zweifel­haft ausfallen, und sind alle die Umstände zu berücksichtigen, welche bei diesem Leiden besprochen wurden.
Eine Behandlung wird in der Begel nicht erforderlich. Sollten acut entzündliche Zustände am Bandapparate oder Periost vorliegen, so werden diese ihrer Art nach behandelt. In den meisten Fällen führt unter ent­sprechender Buhe eine scharfe Einreibung Beseitigung der Lahmheit herbei, während die Verdickung in der Begel nicht wieder verschwindet, vielmehr als ein unbedenklicher Schönheitsfehler für das ganze Leben des Thieres fortbesteht.
(i. Die sogenaimte Hasenhacke. Courbe.
In der Exterioursprache umfasst dieser Name alle an der hinteren Fläche des Sprunggelenkes auftretenden Anschwellungen. Von der Seite betrachtet erscheint am normalen Sprunggelenke die hintere Begrenzung als eine absolut gerade Linie, die sich vom Tuber calcanei bis auf das Fesselgelenk erstreckt. Etwa eine Handbreit unter dem Sprungbeinhöcker stellt sich hiervon bei Pferden nicht selten eine Abweichung ein, indem diese Linie einen mehr oder minder deutlichen convexen Bogen bildet („verletzte Liniequot; oder Courbe) ')• Verschiedenartige Veränderungen können diese Abweichung hervorrufen. In vielen Fällen und namentlich beim englischen Vollblut liegt derselben eine starke Entwickelung des late­ralen Grift'elbeines zu Grunde; bald handelt es sich um eine Verdickung in
') In Frankreich wird seit Bourgelat als „Courbequot; eine, durch abnorme Entwickelung des Malleolus intornus oder durch Verdiokung der Haut bezw. des medialen Seitenhandes entstandene abnorme Krümmung im C'ontur der medialen Gelenkfläche bezeichnet. In Deutschland identificirt man seit alter Zeit den Aus­druck mit Hasenhacke.
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Hasenhacke.
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der ilusseren Haut oder in den Sehnen des Krön- und Hufbeinbeugers, zu­weilen um eine stärkere Füllung der hier liegenden Bursa tendinea des Hufbeinbeugers, welche mit dem Lig. tarsi plantare im Zusammenhange steht (Courbengalle). Diese Zustünde, die sich in der Regel genauer nachweisen lassen, sollten jedoch soweit möglich von dem in Rede stehenden Leiden getrennt und die Bezeichnimg „Hasenhackequot; ausschliesslich für eine Verdickung des hinteren langen Bandes des Sprunggelenkes (Lig. tarsi plantare) gebraucht werden. Mit seinem oberen Ende heftet sich dieses Band an die hintere Fläche des Sprungbeines, verläuft von hier nach unten, um sich an das Würfelbein und laterale Grifl'elbein, sowie an die beiden schiifförmigen Beine und das Schienbein anzusetzen. In dem­selben entwickeln sich unter dem Einflüsse heftiger Dehnung nicht selten entzündliche Processe, die zu einer chronischen Ver­dickung des Bandes und so zu der fraglichen Gestalt-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; pig. j]^ veränderung des Gelenkes führen. Die von der Huf-
beinbeugeseline, namentlich dem Unterstützungsbande derselben ausgehenden Verdickungen lassen sich von denen des langen Bandes in der Regel dadurch leicht trennen, dass diese sich weiter nach unten fortsetzen, also in der Sehne selbst nachzuweisen ist.
Ursachen. Eine Anlage zu dieser Erkrankung besitzen erfahrungsgemäss Pferde mit geschnürten (schlecht ein geschienten) und säbelbeinigen Sprung­gelenken. Werden Thiere mit solchem Bau in der Jugend nicht sehr geschont, so stellt sich regelmässig das Leiden ein. Diese Thatsache erklärt sieh leicht, wenn in Be­tracht gezogen wird, dass das hintere lange Band be­stimmt ist, das Sprungbein, welches einen gewaltigen Hebelarm für die Strecker des Gelenkes, namentlich die Zwillingsmuskeln abgiebt, mit dem Metatarsus in eine feste Verbindung zu bringen. Je mehr sich der Sprung­gelenkswinkel einem rechten nähert, um so wirksamer greifen jene Muskeln ein, und um so grössere Ansprüche werden an das genannte Band gestellt. Daraus erklärt sich die Disposition der säbelbeinigen Stellung.
An dem geschnürten Sprunggelenk ist die
Entwickelung der unteren Knochenreihe, sowie des
Hasenhacke.
oberen Endes des Metatarsus zu schwach. Ihre Breite, d. h. die Entfernung der Insertion jenes Bandes von der vorderen Begrenzung des Gelenkes bildet gleichsam einen Hebelarm für dieses Band; je geringer diese Entfernung, um so leichter müssen selbst­verständlich bei forcirter Streckung des belasteten Fusses üeberdehnungen und entzündliche Reizungen des Bandes eintreten.
Als äussere Ursachen wirken heftige Anstrengungen, namentlich forcirte Streckbewegungen des in starker Flexion belasteten Schenkels. Springen, plötzliches Pai'iren mit der Hinterhand (Jagd- und Rennpferde), sowie auch Arbeit im schweren Zuge, namentlich bergan geben daher häufig den Anstoss zur Entwickelung der Hasenhacke. Je kräftiger die Muskulatur der Kruppe und des Schenkels, um so grosser werden die Ansprüche an die Festigkeit dieses Bandes; ein Umstand, der das häufige Auftreten der Hasenhacke bei recht leistungsfähigen Pferden erklärt.
Endlich ist bekannt, dass die Hasenhacke zuweilen als Complication
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Krankheiton des Sprunggelenkes.
des Spat auftritt. Die entzündliche Erkrankung des Gelenkes beim Spat kann sich auf die hinteren Abschnitte desselben und selbst auf das lange hintere Band fortsetzen. Zu dieser Gruppe gehören die als „knöcherne Ha sen hackequot; bezeichneten Erkrankungen, welche jedoch besser dem Spat zugezählt werden.
Erscheinungen. 1. Veränderungen in der Form des Ge­lenkes. Das Leiden giebt sich bei Betrachtung des Gelenkes von der Seite als eine nach hinten gerichtete Krümmung der normal geraden Begrenzungs­linie leicht zu erkennen (Fig. 115), Durch nähere Untersuchung unter An­wendung der Palpation lassen sich die oben erwähnten Formanomalien im Bau sowie die Leiden der Sehnen, Sehnenscheide und äusseren Haut von der eigentlichen Hasenhacke ohne Schwierigkeit trennen. Weniger leicht gestaltet sich die Unterscheidung dieses Leidens und der knöchernen Hasen­hacke; bei der letzteren zeigen sich jedoch in der Hegel auch an der me­dialen Gelenkfiäche Knochenauftreibungen.
2. Lahmheit. Bewegungsstörungen werden bei der Hasenhacke nur selten angetroffen, daher gilt das Leiden beim Gebmuchspferde in der Regel nur als Schönheitsfehler. Wenn Lahmheit dieselbe begleitet, so rührt die­selbe entweder von dem gleichzeitig bestehenden Spat her, oder sie wird durch ucut entzündliche Processe in dem langen hinteren Bande veranlasst. Daher erklärt sich, dass die Lahmheit häufig dieselben Eigenthümlichkeiten zeigt wie beim Spat (Hasen spat), sowie dass dieselbe oft nur während der Entwickelung der Hasenhacke auftritt. Findet die Ausbildung dieses Leidens langsam statt, so kann die Lahmheit ganz und gar fehlen, wo dagegen heftige Insulte den Anstoss zur Entstehung desselben geben und mit Ueber-dehnung bezw. Zerreissung in dem genannten Bande oder dem üntersttitzungs-bande des Huf beinbeugers verbunden sind, da pflegt die Lahmheit plötzlich und zuweilen heftig aufzutreten. Sie äussert sich dann als eine Störung der normalen Belastung des Fusses, verbunden mit mangelhaftem Durch­treten im Fesselgelenke (Stützbeinlahmheit mit Plantarflexion in den Gelenken der Phalangen). In solchen Fällen pflegt sich an der leidenden Stelle Schmerz auf Druck und vermehrte Wärme bemerkbar ZU machen, Erscheinungen, die wie die Lahmheit in der Eegel auf einige Zeit (2—4 Wochen) verschwinden, während die Anschwellung fortbesteht. Bei jungen Thieren, die schwer arbeiten, werden indess auch Recidive der Lahmheit beobachtet.
Beurtheilung. Es liegt auf der Hand, dass dieser Zustand eine sehr verschiedene Bedeutung haben kann. In der Regel und namentlich bei älteren Gebrauchspferden bildet die Hasenhacke bloss einen Schönheitsfehler; von der Zucht schliesst man die Thiere jedoch aus; es erscheint dies um so mehr nothwendig, je weniger günstig sich der Bau des Sprunggelenkes zeigt. Bei jungen Thieren und da, wo eine chronische oder intermittirende Lahmheit das Leiden begleitet, hängt die Prognose theils von den Ge­brauchsstörungen, theils vom Bau der Sprunggelenke und der Gebrauchsart des Thieres ab. Schwache Sprunggelenke (geschnürt, säbelbeinig) und schwere Arbeit veranlassen oft wiederkehrende Lahmheiten und erhebliche Gebrauchsstörungen. Dieses gilt in noch höherem Masse von der aus Com­plication des Spat auftretenden (knöchernen) Hasenhacke.
Die Behandlung muss sich in jedem Falle nach den vorliegenden Veränderungen richten. Bei acuten Entzündungsprocessen können anti-
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Piephacke.
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phlogistische Mittel, Kühlen (Umschläge, Lehmanstriche) neben zertheilenden Salben und Massage nützlich werden. Später empfehlen sich scharfe Ein­reibungen (Canthariden, Quecksilbersublimat oder -bijodat); unter Umstün­den greift man zum Glüheisen. Es sei jedoch ausdrücklich bemerkt, dass alle diese Mittel nur dazu dienen können, bei acuten Processeu die Lahm­heit zu heben; einen erheblichen Einfluss auf die Beseitigung älterer An­schwellungen haben sie dagegen nicht; noch viel weniger darf man sich der Hoffnung hingeben, mit ihnen veraltete Hasenhacken vollständig zu besei­tigen. 80 lange Lahmheit besteht, muss dem Thiere selbstverständlich Ruhe gegeben werden. Bei der knöchernen Hasenhacke tritt die gleiche Behand­lung wie beim Spat ein.
7. Die Piephacke.
Ebenso wie die Hasenhacke bildet auch die Piephacke für Laien einen Sammelnamen, der eine Keihe von Zuständen umfasst, welche mit einer Anschwellung auf dem S p r u 11 g b e i n h ö c k e r verbunden sind. Unter der das Tuber calcanei bedeckenden äusseren Haut findet sich beim Pferde in der Kegel eine Bursa subcutanea, welche auf der oberen, bezw. hinteren Fläche des sehnigen Kronbein b e ugers liegt; unter diesem befindet sich eine Bursa tendinea für die genannte Sehne, welche auf dem mit einer Knorpellage bekleideten Tuber calcanei auf und nieder gleitet. Von allen diesen Theilen kann der Zustand ausgehen, den man als Piep­hacke bezeichnet. Diese kann also bestehen:
1.nbsp; nbsp;in einer entzündlichen Erkrankung oder chronischen Verdickung der Cutis bezw. Subcutis; nicht selten stellt ein Senkungsödem bei entzündlichen Processen am Unterschenkel eine ähnliche Anschwellung dar (falsche Piep hacke, Günther);
2.nbsp; nbsp;die Geschwulst wird durch einen Hydrops der Bursa sub­cutanea veranlasst, eine der häufigsten Ursachen derselben;
3.nbsp; nbsp;es besteht eine Anschwellung des Kr on beinbeuger s, da wo derselbe mit seiner kappenförmigen Ausbreitung auf den Sprungbein-höcker liegt (sog. Eiergalle, Günther);
4.nbsp; nbsp;ein Hy drops der Bursa tendinea dieser Sehne ruft die An­schwellung hervor, oder endlich
5.nbsp; nbsp;es liegt eine Verdickung des Sprungbeinböckors dem Leiden zu Grunde, wie sie nicht selten neben der Verdickung in dem sehnigen Kron-beinbeuger vorkommt.
Symptome. Macht sich die Anschwellung schon auf den ersten Blick dem Geübten bemerkbar, namentlich bei der Betrachtung des Sprungbeines von der Seite, so muss die genauere Untersuchung, insbesondere die Pal­pation darüber entscheiden, welcher von den genannten Zuständen in dem gegebenen Falle vorliegt. Oedem und entzündliche Erkrankung der ilusseren Haut lässt sich hierbei leicht nachweisen. Das Hygrom der Bursa subcu­tanea giebt sich durch seine elastische, fluctuirende Beschaffenheit, dicht unter der äusseren Haut liegend zu erkennen, während der Hydrops in der Sehnenscheide tiefer liegt und vom Kronbein­beuger bedeckt wird. Die Anschwellung in diesem selbst zeichnet sieh durch ihre gross ere Härte aus; noch mehr ist dies bei Auftreibun gen des Tub er calcanei der Fall.
Sofern die Zustände von acut-entzündlichen Processen begleitet werden,
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Kmnkheiten dos Sprunggelenkes.
lilsst sich auch vermehrte Wärme und Schmerz nachweisen. Bemerkt sei, dass namentlich phlegmonöse (eiterige) Erkrankung der Bursa subcutanea zu bedeutenden und ausgedehnten Anschwellungen führen kann; man be­obachtet zuweilen auf dem Sprungbeinhöcker eine kugelförmige, bis fast kindskopfgrosse Geschwulst. Die aseptischen Zustilnde in dieser Bursa bleiben stets örtlich beschränkt.
Lahmheit pflegt nur selten mit den Leiden verbunden zu sein; bei den Erkrankungen der äusseren Haut und ihres Schleimbeutels fehlt sie regelmässig; selbst bei der eiterigen Entzündung in diesen Theilen wird Lahmheit meist vermisst. Dagegen können entzündliche Leiden im Kron­beinbeuger, seiner Sehnenscheide sowie am Sprungbeinhöcker zu erheblichen Bewegungsstörungen Veranlassung geben; infectiöse Zustände in denselben sind sogar regelmässig mit schwerer Lahmheit verbunden; bei allen asep­tisch verlaufenden Processen fehlt sie ganz, oder sie tritt nur während der Entwickelung derselben hervor.
Ursachen. Wo die Piephacke auch ihren Sitz haben möge, ihre Ent­wickelung geht regelmässig von ilusseren Verletzungen aus. Meist handelt es sich um Quetschungen durch Hufschläge oder Schlagen gegen harte Gegenstände; gewohnheitsnulssige Schläger und kitzliche Stuten zeigen sich häufig an beiden Füssen mit Piephacke behaftet, ein Umstand, der beim Umgange mit Pferden beachtenswerth erscheint. In früherer Zeit hat man bei Stuten den Urin irrthümlich als Ursache des Leidens beschuldigt. Eisenbahn- und Schitt'stransporte geben oft zu Quetschungen der Sprung­beinhöcker und zwar dadurch Veranlassung, dass die Pferde sich gegen die Wand des Wagens oder Schilfes stossen.
Beurtheilung. In Bezug auf Heilbarkeit fällt die Prognose bei der eigentlichen Piephaoke im allgemeinen ungünstig aus; nur die Erkrankungen der äusseren Haut lassen sich meist beseitigen. Weniger sicher gelingt dies beim Hygrom der Bursa subcutanea, doch wird unter Umständen auch hier noch eine wesentliche Besserung oder selbst vollständige Beseitigung des Zustandes erzielt. Bei weitem ungünstiger gestalten sich die Erkrankungen des Kronbeinbeugers und der Bursa tendinea; diese sind für gewöhnlich ebenso unheilbar, wie die Erkrankung des Sprungbeines selbst; doch soll nicht behauptet werden, dass nicht bei frischen Erkrankungen durch ent­sprechende Heilverfahren eine Verbesserung des Zustandes erreicht wer­den kann.
Bezüglich der Gebrauchsfähigkeit der Thiere sind diese Zustände günstig zu beurtheilen, da nur selten Lahmheit durch dieselben hervorgerufen wird; auch bei Zuchtpferden haben sie bei weitem nicht die Bedeutung wie die Hasenhacke u. s. w.; sie können bei sonst tadellosem Bau des Sprunggelenkes den Ausschluss von der Zucht nicht begründen. Bedenklich werden nur die infectiösen Processe am Kronbeinbeuger und seiner Sehnenscheide (siehe unten),
Behandlung. Bei frischen acuten Entzündungen wendet man ebenso wie bei der Hasenhacke Kälte an und verbindet diese bei der Gegenwart von Wunden mit Desinficientien. Auch können zertheilende Einreibungen und Massage besonders bei den Leiden der äusseren Haut und ihres Schleim­beutels nützlich werden.
Gegen den Hydrops sowohl in der Bursa subcutanea wie auch Bursa tendinea applicire man Schurfsalben, nnmentlich so lange dieser
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Piephacke.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 777
noch nicht alt ist. Besonders wirksam erweisen sich Emplastrum anglicum und Collodium cantharidatum. Beide bilden auf der Ober­fläche der äusseren Haut eine feste, unnachgiebige Decke, welche bewirkt, class die entzündliche Anschwellung einen andauernden Druck auf die kranke Stelle ausübt und so namentlich die Resorptionsvor­gänge in den Bursen unterstützt. Die Anwendimg des Collodium cantharidatum gestaltet sich noch bequemer als die des englischen Pflasters; man muss jedoch die Bepinselung mit diesem Mittel wieder­holt und zwar gleich hintereinander vornehmen und sie bis auf die Nachbarschaft der Geschwulst ausdehnen, um eine gehörige feste Decke zu erzielen.
Ueber die Zweckmässigkeit operativer Eingriffe gehen die An­sichten der Praktiker auseinander, weil man die verschiedenen Zustände nicht getrennt hat.
Die Function des Hygroms mit einer Hohlnadel oder einem dün­nen Trokart hat in der Regel keinen Nutzen, indem sich der abnorme Inhalt bald wieder einstellt. Vielleicht liesse sich das Verfahren mit der Anwendung des Pflasters oder Collodiums verbinden, derselben zweckmässig vorausschicken.
Mit der Anwendung des Messers gegen Piephacke hat man sehr verschiedene Erfahrungen gemacht. Die Spaltung der Bursa sub-cutanea gestaltet sich durchaus gefahrlos, und es kann hierdurch unter Umständen eine Beseitigung des Hygroms erzielt werden; sicher ist diese Wirkung aber nicht. Es hängt dieses vornehmlich von dem Grade der entzündlichen Erkrankung ab, welche dem operativen Eingreifen folgt. Geradezu gefährlich zeigt sich aber das Oeffnen der Bursa tendinea; auch beim Einschnitt in die B. subcutanea muss man sich hüten, den Kronbeinbeuger zu verletzen. Die trüben Erfahrungen, welche mit dem Operiren der Piephacke gemacht sind, lassen sich vornehmlich auf die Eröffnung der Sehnenscheide zurückführen. Hier muss man sich auf die Anwendung äusserlicher Mittel beschränken.
Corps-Rossarzt Hell (mündliche Mittheilung) will Hygrome auf dem Tuber calcanei mit Gewalt gesprengt haben. Es wird zu dem Zwecke um das Sprunggelenk des belasteten Fusses eine Binde gelogt, während der andere Hinterfuss hoch gehoben wird. Liisst man den Fuss nun los, so macht das Pferd mit dem bandagirten Schenkel heftige Beugebewegungen, die zu einer Zersprenguug der Bursa führen können, worauf sich ihr Inhalt entleert, und das Leiden nicht wiederkehrt. In der Zeitschrift für vet. Kunde (1800 S. 64) wird über einen günstigen Erfolg dieses Verfahrens berichtet. Ich habe nicht Gelegenheit gefunden dasselbe
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Krankheiten des Sprunggelenkes.
zu versuchen, halte ea uher keineswegs für aussichtslos; hat man doch beim Menschen schon lange Hygrome nach demselben Prinzip behandelt.
An dieser Stelle möge auch der Verwundungen auf dem Sprung-beinhöcker gedacht werden, y.uinal diese Frage bei der Behandlung der in Kede stehenden Leiden wichtig erscheint. Wie bereits erwähnt, verlaufen die infectiösen Processe in der Haut und ihrer Bursa fast immer günstig; hinterlassen sie auch meist eine Verdickung, so geben sie doch zu weiteren Störungen selbst da nicht Veranlassung, wo die Geschwulstbildung einen bedeutenden Umfang erreicht. Das gilt auch von Wunden. Ganz anders gestalten sich Verletzungen des Kronbeinbeugers und seiner Bursa auf dem Sprungbeinhöcker. Sobald sich hierbei Eiterung oder septische Infection einstellt, kommt es zu bedenklichen Zufallen. Es machen sich bald erhebliche Schmerzen bemerkbar, die das Thier zwingen, den kranken Puss andauernd zu entlasten; auch wird jede Bewegung mit demselben nach Möglichkeit vermieden. Die Anschwellung breitet sich über das Gelenk auf den Unterschenkel aus, es entsteht Fieber, bald auch Senkung des Huf­beines auf dem anderen, ununterbrochen belasteten Pusse, und damit hört das Vermögen des Thieres zu sieben auf; es liegt dauei-nd und geht in kurzer Zeit am Decubitus zu Grunde, wenn man dem Leiden desselben durch die Tödtung nicht bald ein Ende macht.
Diese Zufälle stehen in Aussicht, sobald eine Verletzung bis in den Kronbeinbeuger oder gar in dessen Sehnenscheide reicht. Dass man bei frischen Verletzungen der Art alle Hülfsmittel der Antisepsis anwenden wird, um die Infection der Wunde zu verhindern, versteht sich von selbst.
8. Luxation des Kronbeinbeugers.
Lit.: Hagen, Thier. Mitth. 1807. S. 151. Vogler, das. 1872. S. 160. Günther, Exterieur u. Myologie.
Der beim Pferde fast vollständig sehnige Kronbeinbeuger verläuft über den Sprungbeinhücker, auf dem er mit seiner kappenartigen Ausbreitung bei den Bewegungen des Hinterschenkels auf und nieder gleitet, während zu jeder Seite ein kurzer, aber starker Sehnenschenkel desselben dicht vor dem Ansätze der Achillessehne an das Fersenbein geht, um das Abgleiten der Sehne vom Tuber calcanei zu verhindern. Das eine oder andere dieser Bänder zerreisst zuweilen,' und gleitet der Kronbeinbeuger alsdann entweder nach der inneren oder äusseren Seite vom Fersenbein ab und auf die be­treffende Sprunggelenksfläche. Günther beschreibt die Dislocation an die mediale Fläche, andere (Stockfleth, Bayer, Hagen, Vogler, Müller) sahen sie auch nach aussen eintreten. Es hängt dieses nämlich davon ab, an welcher Seite das Vorbindungsband der Sehne mit dem Fersenbein zer­reisst. Bei dem Verlaufe der Sehne oberhalb des Sprunggelenkes sollte man vermuthen, dass die Zerreissung häutiger am lateralen Bande, die Dislocation also nach der inneren Seite eintreten würde; denn die Kronbeinbeugesehne windet sich hier von innen nach aussen um die Achillessehne. Solche Zerreissungen sah man während der Arbeit im schworen Zuge (Vogler), aber auch durch äussere Verletzungen (Hufschlag, Hagen) entstehen. An der medialen Seite bleibt die Sehne entweder auf der halben Höhe des Sprungbeins liegen, oder sie gleitet bis auf den Rollfortsatz desselben herab (Q ü n th er).
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Krankheiten der Sehnen und Sehnenscheiden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 77(*
Erscheinungen. Das Leiden ist in der Kegel mit einer leichten Lahmheit verbunden; der Gang des Thieres wird unsicher, kraftlos, schlot­ternd (Günther); der Schenkel zeigt eine mangelhafte Festigkeit in seiner Haltung. Bei jeder Streckung des Sprunggelenkes sieht man bei der Be­trachtung des Fusses von hinten die Sehne vom Tuber calcanei abgleiten, wilhrend sie bei der Beugung desselben oft in ihre normale Lage zurück­kehrt. Wo durch äussere Verletzungen (Sehlag u. s. w.) entzündliche Pro-cesse in der Sehne und deren Nachbarschaft entstanden sind, zeigt sich An­schwellung und Schmerzhaftigkeit, wodurch die Lahmheit deutlicher hervor­tritt, welche ohne diese Zufälle nur durch die mechanische Störung in der Bewegung des Fusses hervorgerufen wird. Bei der Belastung des Fusses stellt sich in Folge der Entspannung des Kronheinbeugers in den Phalangen-gelenken Dorsalflexion (weiche Fesselstellung), im Sprunggelenke Streckung (steile Stellung) ein.
Beurtheilung. Eine Heilung des Leidens ist ausgeschlossen, weil das Sprunggelenk bei diesen Thieren nicht auf lungere Zeit iimnobilisirt, und so die Enden des zerrissenen Bandes nicht auf die Dauer einander ge­nähert werden können. Wenn auch am tlectirten Schenkel die Reposition gelingt, so stellt sich bei der nächsten Streckung und Belastung desselben von neuem die Verschiebung ein. Selbst eine erhebliche Besserung wird in der Regel nicht erzielt. Nur da, wo gleichzeitig entzündliche Frocesse locale Schmerzen erzeugen, kann auf eine Verminderung der Lahmheit ge­rechnet werden.
Der Zustand muss daher nach den bestehenden Gebrauchsstürungen beurtheilt werden; in der Regel sind die Thiero nur in leichter Schrittarbeit zu verwerthen, als Reitpferd aber wie auch im schweren Zuge unbrauchbar.
Die Behandlung beschränkt sich daher in frischen Fällen auf die Bekämpfung des etwa vorhandenen entzündlichen Processes.
E. Krankheiten des Tarsus und Metatarsus.
1, Erkraiiknngen der Sehnen und Sehnenst-heiden am Tarsus
und Metatarsus.
Am Sprunggelenk wie auch Büntermittelfuss entwickeln sich namentlich bei Pferden nicht selten Öallen, welche ein hervorragend praktisches Interesse besitzen. Zu den wichtigsten derselben gehören:
a. Die Sprunggelenkgalle, Kreuzgalle, durchgehende Galle. Sie bestellt in einer abnormen Füllung der Kapsel des Talo-cruralgelenkes. Das Kapselbaiul und die Synoviaiis setzen sich einerseits in der Umgebung der Gelenkfläche des Unterschenkelbeines, andererseits an das Kollbein und bilden vorn und innen eine kleinere, hinten und aussen eine grössere Ausstülpung, welche nach Franck
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Krankheiten des Tarsus und Metatarsus.
mit der geräumigen Sehnenscheide des dicken Hufbeinbeugers an der medialen Fläche des Gelenkes comnnmicireii. Zuweilen tritt die Galle vornehmlich an der inneren Seite hervor und wurde früher wohl als Wasserspat bezeichnet.
Die Sprunggelenkgalle kommt mit Vorliebe an stumpfgewinkelten Gelenken und bei jungen Pferden vor, wird aber nicht selten bei älteren Beschälern und tragenden Stuten beobachtet (Günther). Meist führt eine chronische Synovitis zur Entstehung derselben, namentlich in Folge grösserer Anstrengung, Auch hat man zuweilen bei der Fohlen-lähme eine chronisch-eiterige Synovitis an diesem Gelenke beobachtet, an welcher die Thiere in der Regel zu Grunde gehen.
Erscheinungen. Eine fluotuirende Anschwellung, die sich nach vorn und hinten verschieben lilsst, kennzeichnet den Zustand. Acut-entzündliche Erscheinungen fehlen in der Regel, daher besteht das Leiden auch meist ohne Lahmheit. Für die Erhaltung der Thiere und ihrer Arbeitsfähigkeit wird der Zustand nur bei der Fohlenlühme be­denklich; bei aussergewöhnlioh starker Entwickelung derselben stellt sich auch wohl namentlich nach grösseren Anstrengungen der Thiere Lahmheit ein.
Die Behandlung muss nach allgemeinen Grundsätzen erfolgen; frische, mit schmerzhafter Entzündung verbundene Gallen werden mit Kälte behandelt, später scharfe Einreibungen oder das Glüheisen ap-plicirt. Das letztere ist bei intensiver Anwendung am ehesten im Stande, eine Verkleinerung der Geschwulst herbeizuführen, doch bleiben hiernach in der Regel sichtbare Narben zurück, so dass nur ein Schön­heitsfehler mit einem anderen wechselt. Auch Stokfleth spricht sich für das Brennen aus. Bei jungen Thieren und massiger Entwickelung der Galle führen längere Zeit fortgesetzte Bepinselungen mit Jodtinctur oder Massage wohl eine Verkleinerung, selten aber eine vollständige Beseitigung des Zustandes herbei.
Mit operativen Eingriffen sei man vorsichtig. Die Extraction des Inhaltes mittelst der Pravaz'schen Spritze oder mit einem dünnen Trokart hat in der Regel keinen dauernden Erfolg; auch die nachträg­liche Einspritzung von Jod vermag nur selten Erhebliches zu leisten; die Eröffnung der Galle durch einen Einschnitt bleibt auch da nicht un­gefährlich, wo alle Hülf'smittel der Antisepsis zu Gebote stehen, weil man niemals sicher ist, dass der Patient den Occlusivverband liegen lässt. Von einigen (Gloag) wurde die Acupunctur der Galle empfohlen.
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Gallen am Sprunggelenke.
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Vier, an einem Kork befestigte Nadeln wurden zu beiden Seiten 1,6 cm tief eingestochen, worauf der Inhalt der Galfe abfliessen soll. Nach 5 Tagen wird das Verfahren wiederholt, dann eine Jodeinreibimg appli-cirt und eine elastische Binde angelegt, welche 24 Stunden liegen bleibt.
b. Die Sprunggelenks-Beugesehnengalle (Courbengalle) besteht in einem Hydrops der an der medialen und hinteren Flilche des Sprunggelenkes liegenden, geräumigen Sehnenscheide des dicken Hufbeinbeugers. Die Scheide beginnt etwas über
dem medialen Malleolus, geht über die Gelenkkapsel hinweg, mit der sie zuweilen communicirt (Franck) nach unten, breitet sich hier aus und folgt nun­mehr dem Verlauf der Sehne, um an die hintere Fläche des Gelenkes zu treten und etwa 5 cm unter­halb desselben zu enden.
Erkrankungen dieser Sehnenscheide sind namentlich bei Pferden nicht selten, wodurch zu­weilen eine halbkugelförmige Galle bis zu Kinds-kopfgrösse entsteht (Fig. 116). Nicht selten er­scheint dieselbe an beiden Füssen zugleich, ohne erhebliche Lahmheit zu veranlassen. Mit der Zeit tritt wohl eine allmäliche Verkleinerung ein, unter Umständen verschwindet sie sogar ganz und gar, namentlich wenn eine entsprechende Behandlung stattfand.
In anderen Fällen dehnt sich Vornehmlich die an der hinteren Fläche des Sprunggelenkes gelegene
Abtheilung dieser Sehnenscheide aus und kann zu Venvecl r'ang mit Hasenhacke bezw. Courbe füh­ren, weshalb man sie in dieser Form wohl als
Spranggnlenkslicuge-
selmcngiille, rechter Hin-
terschcnkcl (nach einer
Photographie).
Courbengalle oder weiche Hasenhacke be­zeichnet hat (Günther).
Auch kommen acut entzündliche Processe in dieser Sehnenscheide bei Pferden vor; nach Quetschungen und Verletzungen stellt sich nicht selten eine eiterige bezw. septische Tendovaginitis derselben ein, welche mit schwerer Lahmheit und hohem Fieber verbunden, leicht einen letalen Verlauf nimmt. Der Zustand wird um so bedenklicher, wenn die Entzündung auf das Gelenk selbst übergreift (S. 770), oder mit Necrose der Hufbeinbeugesehne sich verbindet, wie Johne beobachtete; die Sehne war in Folge dessen zerrissen. Zu den aseptischen Er­krankungen der Sehnenscheide geben namentlich starke Anstrengungen
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Krankheiten des Tarsus und Metatarsus.
im schweren Zuge Anlass; daher beobachtet man das Leiden vornehm­lich bei Lastpferden.
Die Beurtheiluug gestaltet sich hiernach bei den infectiösen Ent­zündungen der Sehnenscheide im ganzen ungünstig, doch habe ich auch solche wiederholt heilen gesehen. Je höher das Fieber und je erheblicher die Schmerzen, desto ungünstiger wird die Prognose. Bei der aseptischen Erkrankung kommen für die Beurtheiluug vornehmlich die Bewegungsstörungen (Lahmheit) in Betracht. Diese können in Folge acut entzündlicher Processe auch hier so erheblich werden, dass die Thiere den Fuss dauernd entlasten, und für den anderen Hinterfuss die Gefahr der Hufbeinsenkung eintritt. In der Kegel ist dies jedoch nicht der Fall; oft können die Thiere trotz erheblicher Entwickelung der Galle ungestört weiter arbeiten, ohne zu lahmen. Gänzliche Be­seitigung der Geschwulst ist in der Regel nicht zu erwarten; nur aus­nahmsweise kommt im Verlaufe von 'S—ü Monaten, zuweilen sogar spontan vollständige Heilung zu Stande.
Die Behandlung muss sich nach dem Zustande richten. In präservativer Hinsicht kommen Wunden in der Nähe der Sehnen­scheide in Betracht, denen man die gleiche Behandlung wie Gelenk­wunden zu Theil werden lässt, d. h. strenge Antisepsis. Bei infec-tiöser Entzündung können Ausspülungen der Sehnenscheide mit Des-inficientien nützlich werden, wie ich mich überzeugte.
Gegen acut entzündliche, aber aseptische Erkrankung muss zu­nächst ein dem Zustande entsprechendes antiphlogistisches Verfahren eingeleitet werden; wo dieses nicht zum Ziele führt, sah ich wieder­holt von der energischen Anwendung des Glüheisens (Strichfeuer) aus­gezeichneten Erfolg. Auch gegen chronischen Hydrops kann dasselbe benutzt werden. Hier zeigt sich auch die in Zeiträumen von 4 bis G Wochen wiederholte Entleerung des Inhaltes mittelst Pravaz'scher Spritze oft sehr wirksam, doch lasse man die Massnahmen der Anti­sepsis hierbei nicht ausser Acht, um die Gefahr einer infectiösen Er­krankung der Sehnenscheide zu umgehen.
c. Die Sprunggelenks-Strecksehnengalle. In der Höhe-der unteren Begrenzung des Sprunggelenkes und zwar an der lateralen Seite desselben besitzt die Sehne des Seitenstreckers der Zehe eine kleine Scheide, welche im hydropischen Zustande eine meist nur wall-nuss-, selten faustgrosse, elastische Geschwulst bildet; man bezeichnet den Zustand als Sprunggelenks-Strecksehnengalle und beobachtet sie
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B-ersengalle und Gallen des Metatarsus.
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am häufigsten bei Reitpferden; sie soll durch heftiges Pariren auf der Hinterhand entstehen. Da Lahmheit mit dem Zustande nicht ver­bunden ist, so erlangt derselbe in der Regel keine weitere Bedeutung und muss als Schönheitsfehler betrachtet werden.
Soll die Behandlung der Galle versucht werden, so empfiehlt sich eine scharfe Einreibung, mehr noch das Glüheisen in Strichform. Die operativen Eingriffe werden bei dieser Galle zwar nicht gefährlich, aber wo Eiterung eintritt, bleibt regelmässig eine stärkere Verdickung an der betreffenden Stelle zurück, die namentlich bei Hundelspferden in der Regel unbequemer ist als die Galle, von der Jedermann weiss, dass sie für das Pferd keine Bedeutung hat.
d. Die Fersen- oder Sprungbeingalle. Da wo der Kron­beinbeuger auf die hintere bezw. obere Fläche der Achillessehne tritt, beginnt etwa 10 cm über dem Sprungbeinhöcker eine Sehnenscheide, welche bis zu diesem nach unten reicht und zuweilen Sitz einer um­fangreichen Galle bildet. Ich sah dieselbe wiederholt bei kaltblütigen Pferden, zuweilen an beiden Füssen. Eine durch die Achillessehne und den Kronbeinbeuger in zwei Abtheilungen getrennte, längliche Geschwulst bis zu Kindskopfgrösse erscheint etwa eine Hand breit über dem Tuber calcanei. Bei der Betrachtung des Thieres von hinten lässt sich die Lage und Grosse der Galle am besten erkennen. Bald tritt die Geschwulst mehr an der medialen, bald mehr au der lateralen Seite der Sehne hervor, welche in der Tiefe stets zu fühlen ist. Diese Galle geht in der Regel aus einer chronischen Bursitis hervor, ent­wickelt sich daher langsam und ist fast niemals mit Lahmheit verbunden.
Die Beurtheilung fällt daher in dieser Hinsicht günstig aus, allein die Beseitigung der Galle stösst regelmässig auf grössere Schwierigkeiten. Zuweilen führt die in Zeiträumen von 3—4 Wochen wiederholte Extraction dos Inhaltes zum Ziele. Die Eröffnung der Galle ist nicht unbedenklich; ich selbst verlor auf diese Weise ein Pferd an den Folgen einer infectiösen Entzündung der Sehnenscheide. Dagegen erzielt man durch Strichfeuer eine Verkleinerung, wenn auch nicht vollständige Beseitigung des Leidens.
e. Die Gallen des Metatarsus gestalten sich ähnlich wie am Vorderschenkel; dieses gilt namentlich von den Gelenk- und Sehnen­scheidengallen am Fessel. Hier sei nur bemerkt, dass die Bursa der Zehenstrecker an der vorderen Fläche des Metatarsus dicht über dem Fesselgelenk häufiger noch als am Vorderschonkel am Hinterfusse eine bedeutende, bis kindskopfgrösse Erweiterung erfährt und eine
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734nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Metatarsus.
Galle erzeugt, die zwar keine Lahmheit zur Folge hat, aber das Aus­sehen des Thieres in hohem Masse stört; zuweilen auch zu entzünd­lichen Processen in der äusseren Haut führt. Ich habe wiederholt Gelegenheit gehabt, diese zu öffnen und stets grössere Mengen Fibrin­gerinnsel in denselben angetroffen. Bemerkt sei, dass diese Gerinnsel sich durch Palpation von aussen nicht leicht nachweisen lassen. Hier­nach erklärt sich, dass weder die Anwendung von Scharfsalben oder des Glüheisens, noch auch die einfache Extraction des flüssigen Inhaltes der Galle Erfolg haben kann, sondern dass hier nur die Eröffnung und Entfernung der festen Inhaltsmassen zum Ziele führt. Dieser operative Eingriff zeigt sich auch ungefährlich; selbst wenn keine Asepsis erreicht wird und Eiterung eintritt, bleibt der Zustand gefahr­los und kommt Heilung zu Stande, allerdings mit Hinterlassung einer grössereraquo; Verdickung, als wenn die Heilung auf aseptischem Wege erfolgt. Aus der stark ausgedehnten Bursa sowie auch aus der äusseren Haut nimmt man bei erheblicher Ausdehnung der Galle ein ent­sprechendes Stück heraus und sucht die Wundränder möglichst sorg­fältig zu vereinigen. Im übrigen erfolgt die Operation nach dem S. 594 beschriebenen Verfahren.
f. Am Metatarsus stellt sich ferner bei Pferden und zwar häu­figer noch als am Metacarpus die Fesselbeugesehnengalle (Fluss­galle) ein. In der Regel geht dieselbe langsam aus einem Reizungs-processe der Bursa hervor, ist in solchen Fällen daher mit Lahmheit, nicht verbunden, sondern bildet nur einen Schönheitsfehler, dessen Be­seitigung jedoch auf Schwierigkeiten stösst. Lahmheit stellt sich hierbei mir ein, wenn zugleich die Beugesehnen leiden; die Palpation giebt hierüber Aufschluss und ist bei der Beurtheilung dieser Zustände um so wichtiger, als durch andauernde Ruhe die Lahmheit vorübergehend sich verlieren kann. So lange der Zustand noch nicht alt ist, em­pfiehlt sich kräftiges Bandagiren nach jeder Arbeit; auch wirkt nach­drücklich angewendete Massage besonders bei jungen Pferden hierbei wohl günstig. Sicherer allerdings wird diese Galle mit dem Glüheisen entfernt oder verkleinert. Die operative Eröffnung derselben ist ent­schieden zu widerrathen; führt dieselbe auch nicht immer zu bedenk­lichen Folgen, so ist dieses doch oft der Fall (vgl. S. 593). Die Ex­traction des Inhaltes mittelst Pravaz'scher Spritze oder mit einem Trokart hat nur einen vorübergehenden Erfolg; auch die Injection von Jod schützt nicht vor neuen Abscheidungen, die oft in wenigen Minuten eintreten. Bezüglich der Eröffnung dieser Galle mit einem glühenden Stift vergleiche man Seite 594,
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Flussgalle am Hinterfuss.
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Am Hinterfusse zeigt sich die in Rede stehende Galle nicht selten verhärtet, d. h. es besteht eine chronische Verdickung der Sehnen­scheide, die unter Umständen eine Wandstärke bis zu 1—2 cm er­langen kann. In der Regel ist der Zustand mit gleichzeitiger Er­krankung der Beugesehnen und Lahmheit verbunden, welche namentlich nach grösseren Anstrengungen als Stützbeinlahmheit mit Plantar­flexion der Phalangen hervortritt. Bei der Palpation zeigt sich die Galle hart, fest; die Beugesehnen sind in der Tiefe kaum fühlbar; auf kräftigen Druck verräth das Thier Schmerz.
Dieser Zustand erscheint namentlich bei Reit- und Lastpferden bedenklich, veranlasst indess auch bei anderen Pferden nicht selten länger andauernde Störung ihrer Arbeitsfähigkeit; derselbe kann unter Umständen das Pferd unbrauchbar machen, zumal die Therapie diesem Leiden gegenüber im ganzen wenig leistungsfähig ist. Nur so lange der Zustand noch frisch, erst wenige Wochen alt ist, lässt sich vom bandagiren, von scharfen Einreibungen und dem Glüheisen wohl etwas erwarten, später bleibt nur ein Mittel zur Beseitigung der Lahmheit übrig, nämlich die Neurectomie des N. tibialis. Ich habe diese Opera­tion wiederholt mit gutem Erfolge bei solchen Gallen ausgeführt, musste aber in einzelnen Fällen die Beobachtung machen, class sich hiernach eine Verlängerung (Dehnung) der Beugesehnen einstellte; es trat mit Vergrösserung des Sprunggelenkwinkels bärenlüssige Stellung ein, bei einem Pferde in dem Masse, dass es zum Luxusdienst unbrauchbar wurde.
An der fraglichen Sehnenscheide hatte ich wiederholt Gelegen­heit, chronisch-eiterige Entzündungen zu beobachten, die durch äussere Verletzung (Streichwunden) veranlasst waren. Bekanntlich be­reiten die acut entzündlichen Processo, welche mit Infection verbunden sind, gerade hier besondere Gefahren; daher sind auch Verwundungen dieser Sehnenscheide ebenso bedenklich, wie das Uebergreifen ander­weitiger Entzündungsprocesse auf dieselbe. So werden nicht selten Phlegmonen in Folge von Streichwunden oder Hautentzündungen (Brand­mauke) Ursache dieser Erkrankung (S. 793).
Die Diagnose derselben stösst zuweilen nuf Schwierigkeiten, weil hierbei in der Umgebung der Bursa fast immer eine mehr oder weniger starke Anschwellung besteht. Daher verdient eine Erscheinung her­vorgehoben zu werden, welche sich regolmässig einstellt, sobald die Ent­zündung auf die Sehnenscheide übergegriffen hat, nämlich das Aufheben des Schenkels ähnlich wie bei der Gonitis; doch wird liier der Fuss mehr nach vorn gehalten, der Huf dem Vorderfusse derselben Seite
Möller, Specielle Cliinirgie für ThiCTiirzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; TiO
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Krankheiten des Metatarsus.
zu nähern gesucht (Fig. 117). Ich habe diese Abweichung der Stellung wiederholt angetroffen und halte sie geradezu für pathognomisch und um so wichtiger, als sich in solchen Fällen nur bei werthvollen Pfer­den ein Heil versuch lohnt. Die Behandlung, bestehend in täglichem Reinigen, Ausspritzen mit Desinficientien und Verbinden, führt bei den meisten Pfei-den schon deshalb nicht zum Ziele, weil bei der längeren Dauer des Leidens auf dem anderen Fusse Senkung des Hufbeines
Haltung
des Fusses bei iiifectiöser Kutzundun^ der Sclinensclieido der Zehenbeuger am Fesselgelenk (nach einer Photographie).
eintritt. In einzelnen Fällen erzielte ich jedoch Heilung, wenn auch mit Hinterlassung etwas steilerer Fesselstellung.
Es kommen aber auch chronisch verlaufende, infectiöse Ent­zündungen dieser Sehnenscheide bei Pferden vor. Die klinischen Er­scheinungen derselben zeigen hierbei eine geringere Heftigkeit; die Anschwellung ist massig, die Schmerzen sind nicht so gross wie bei dem acuten Processe; dabei besteht Ausfluss von trüber (mit Eiter vermischter) Synovia. Die Sehnenscheidenwunde zum Abschluss zu bringen bietet grosse Schwierigkeiten; der Zustand zieht sich daher
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Hahnentritt.
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fast immer in die Länge und nicht selten trifft man eines Morgens das Pferd mit stark ausgebildeter bärenfüssiger Stellung und aufge­richteter Hufzehe im Stalle an, ein sicheres Zeichen dafür, dass die Hufbeinbeugesehne zerrissen ist (Fig. 118). Dieser Zustand kann nach meinen Erfahrungen als unheilbar betrachtet werden, denn die nekrotischen Sehnenenden sind zu regenerativen Processen unfähig. An ihnen muss zunächst das nekrotische Stück, welches sich bei der Section durch seine gelbe, opake Farbe deutlich von dem atlasglän­zenden, gesunden Sehnengewebe abhebt, erst abgestossen werden; nicht selten lässt sich die bereits eingeleitete Demar­cation an der stark vascularisirten Beschaffenheit der Sehne mit blossem Auge erkennen. Wo daher diese Erscheinungen der Zerreissung des Huf bein-beugers vorhanden sind, empfiehlt sich das Thier bald tödten zu lassen.
Zerreissung der Kronbeinbougesehne wird unter ähnlichen Umständen aber auch bei Verwundungen am Metatarsus beobachtet. Hierbei ändert sich die Stellung der Phalangen weniger; nur die Fessel nimmt eine etwas schrägere Lage an. Dagegen beobachtet man beim Gehen des Pferdes, dass die Phalangen nicht die normale Festigkeit besitzen; sie schlottern bei jedem Vor­führen des Fusses; ein sicheres Zeichen dieser Zer­reissung.
Dieser Zustand ist weniger bedenklich; sobald die Trennung auf die Ki'onbeinbeugesehne beschränkt bleibt, und wenn keine anderweitigen üblen Zufälle zerreissung der Hufbeln-eintreten, heilt die Trennung unter Wiederherstel- quot;raquo;eugesehne (nach einer
0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Photographie).
lung normaler i unktionsfähigkeit des betreffenden Schenkels. Die Behandlung muss nach den allgemeinen Regeln er­folgen; man vergleiche hierüber S. 595.
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Hahnentritt.
2. Der Hahnentritt oder Zuckfnss.
Lit.; Sewell u. Spooner, Gurlt u. Hartwig. 5. S. 29Ö. Falke, Krankh. der Hausthiere. S. 272. Renner, Abhandlungen u. s. w. Jena 1844. Boccar, Her. Rep. 8. S. 172. Fölen, das. 15. S. 77. Goubaux, das. S. 268. Günther, Exterieur. S. 864. Schrader, Gurlt u. Hertwig. 7. S. 490. Dieckerhoff, Der Spat. S. 109. Bassi, Jahrb. 1885. S. 103. Siedara-groUky, Dresd. Ber. 1875. S. 50. Chelchowsky, Hufschmied. 4. S. 74. Haies, Gurlt u. Hertwig. 7. S. 108. Ascheberg, das. 16. S. 414. Haubner, Dresd. Ber. 1858. S. 57. Pal at, Her. Rep. 26. S. 254.
Als Hahnentritt bezeichnet man seit alter Zeit jene eigenthüm-liche, unwillkürlich erfolgende Bewegung des einen oder beider Hinter­schenkel, wobei der leidende Fuss unter excessiver Beugung aller seiner Gelenke ungewöhnlich schnell und hoch emporgehoben wird; die Belastung desselben erfolgt regelmässig. Bald zeigt sich das Leiden nur im Trabe, oft auch im Schritt; in der Regel besteht die abnorme Bewegung während der Arbeit dauernd fort, zuweilen verschwindet sie nach einiger Zeit, kehrt aber nach der Ruhe regelmässig wieder; häufig tritt dieselbe nur bei kurzen Wendungen hervor.
Die nächste Veranlassung zu dieser Bewegungsstörung wurde in ver­schiedenen Organen gesucht, ist aber bis heute noch nicht aufgeklärt. Abildgaard hielt das Leiden für eine „Affectionquot; der Muskeln und Nerven des Hinterschenkels. V i 11 a t e glaubte die Ursache desselben in einer ab­normen Entwickelung der Gräte des Unterschenkelbeines suchen zu müssen. Sewell und Spooner fanden bei der Section eines Pferdes, das mit Hahnentritt behaftet gewesen war, die Austrittsstelle des Ischiadicus aus dem llückcnmarke blutig infiltrirt und erklärten diese Veränderungen als Ursache des Leidens. Falke identificirte dasselbe mit der Ischias des Menschen; ebenso nahm Kenner eine chronische Entzündung im N. ischia­dicus an, während Hochstetter das gerade Sprunggelenk als Ursache des Hahnentritts betrachtete; Boccar suchte diese in einer Veivkürzung des seitlichen Zehenstreckers, nachdem die Durchschneidung dieser Sehne den Hahnentritt beim Pferde beseitigt hatte. Ihm stimmten F oele n und viele andere zu, und berichteten gleichfalls über günstige Resultate mit der Durch­schneidung der Sehne. Goubaux lenkte dagegen die Aufmerksamkeit auf die Gelenke, namentlich das Hüftgelenk, welches sich nach seiner A'.i-sicht beim Hahnentritt in einer chronischen Entzündung befinde.
Nachdem man bis dahin nach einer einheitlichen Ursache des Hahnen­trittes gesucht hatte, trennten K. u. F. Günther zuerst verschiedene Arten und zwar: 1. den Hahnenspat, d. h. Hahnentritt durch Spat veranlasst; 2. den falschen Hahnenspat, durch schmerzhafte Zustände an irgend einem Theile des Schenkels hervorgerufen und 3. den eigentlichen Hahnenspat oder unwill­kürlichen Zuckfuss, welcher auf einem antagonistischen Missverhältniss in der Thätigkeit der Nerven des Kreuzgeflechtes und des Beckengeflechtes beruhen sollte. Günther will häufig Hyperämie des Ischiadicus ohne
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Hahnentritt.
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Hahnenspat, bei demselben aber eine Erschlaffung im M. semitendinosus beobachtet haben. K. und F. Günther machten auch zuerst auf die Ent­stehung des Hahnentrittes in Folge von chirurgischen Leiden, z.B. Hufkrank-heiten aufmerksam. In ähnlichem Sinne trennte Dieckerhoff: 1. den selbständigen, idi o pathische n Hahnentritt, welcher von ihm auf eine Verkürzung der Schenkelfascie zurückgeführt wurde; 2. den c o m p 1 i-cirten Hahnentritt, welcher beim Spat, Hasenhacke, bei der Schale und anderen Leiden auftritt; und 3. den symptomatischen Hahnentritt, welcher entzündliche Processe am Hufe oder in anderen Theilen des Schenkels begleitet. Bassi unterscheidet zwei Formen: 1. den echten oder Knie-s ch eibenzuckfuss, welcher durch Störung in der Bewegung der Knie­scheibe veranlasst werden soll, und 2. den falschen Zuckfuss, welcher in Folge einer Anzahl äusserer Leiden (Spat u. s. w.), besonders aber in Folge Verkürzung des Tensor fasciae latae, der Unterschenkelfascie sowie der Zehenstrecker hervorgerufen werde.
Ich möchte ebenfalls einen icliopathischen und einen sympto­matischen H. trennen und zu dem ersteren jene Fälle rechnen, bei denen eine Ursache nicht nachzuweisen ist, als symptomatischen H. diejenigen bezeichnen, wo eine solche Ursache festzustellen oder doch als wahrscheinlich angenommen werden kann. Welche Ursache auch vorliegen mag, so viel muss als feststehend angenommen werden, dass die Bewegung unwillkürlich erfolgt. Der Anstoss zu derselben muss also entweder von einem mechanisch wirkenden Momente ausgehen, z. B. von einer Verkürzung der Sehnenfascien oder des Bandapparates (Boccar, Dieckerhoff, Bassi), oder die Bewegung stellt einen reflectorischen Vorgang dar, welcher entweder vom Rückenmarke (central) oder von den peripheren Nerven ausgelöst wird, also in einer Innervationsstörung bestehen würde. Meines Erachtens können beide Momente bei der Entstehung des Hahnentrittes wirksam sein, doch gelingt es in der Regel nicht, die nächste Veranlassung klinisch genauer festzustellen. In Bezug auf die mechanisch wirkenden Ursachen — man könnte diesen H. auch als mechanischen bezeich­nen — kommt ohne Zweifel in erster Linie der Zehenstrecker, die Schenkelfascie und die Kniescheibe bezw. ihr Bandapparat (Bassi) in Betracht. Wenn auch der von Siedamgrotzky angestellte Ver­such, eine Verkürzung des seitlichen Zehenstreckers künstlich herbei­zuführen (er legte denselben frei und schob ein Stück Holz unter die Sehne), ein negatives Resultat hatte, so steht doch nach vielfältigen Erfahrungen fest, dass mit der Durchschneidung dieser Sehne in vielen Fällen der H. beseitigt werden kann; auch ich habe diese Beobach­tung sehr häufig machen können. Aber schon der Umstand, dass das Mittel nicht immer zum Ziele führt, beweist, dass es noch andere Ur­sachen des Hahnentrittes geben muss. Dazu soll nach Dieckerhoff
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Hahnentritt.
die Verkürzung der Schenkelfascie, nach Hertwig das M. Tensor fasciae latae und nach Bassi die Querbänder der Kniescheibe gehören. Ueber die letzteren stehen mir keine praktische Erfahrungen zur Seite, doch habe ich wiederholt bei der habituellen Luxation der Kniescheibe nach oben (S. 718) hahnentrittartige Bewegungen bei Pferden beobachtet, und es muss zugegeben werden, dass hierbei die Form der Oberfläche an den Condylen des Oberschenkels möglicherweise eine Rolle spielt (S. 718), so dass auch die Durchschneidung des medialen Querbandes der Knie­scheibe nützlich werden kann. Die Schenkelfascie habe ich wieder­holt durchschnitten, wenn die Trennung des seitlichen Zehenstreckers nicht genügte, aber einen wirklichen Erfolg hiernach nur selten ge­sehen. Wo die Durchschneidung der Sehne nicht ausreichte, blieb auch die der Fascie regelmässig ohne die günstige Wirkung. Zuweilen führt die Durchschneidung aller dieser Theile nicht zum Ziele, so dass man zu der Vermuthung gelangen muss, in solchen Fällen einen reflectorischen Zuckfuss vor sich zu haben, welcher etwa mit dem Chorea minor des Menschen zu vergleichen oder als eine Störung der Coordination der Bewegung als Ataxie aufzufassen sein würde (S. 521). Beim symptomatischen Hahnentritt z. B. in Folge von Huf­leiden (Einklemmung der Hufbeinknorpel, Watrin, Chelchowsky), erklärt sich das Zustandekommen der Bewegungsstörung noch am leichtesten, indem der Reflexakt von hier ausgeht.
Dass sich die Wirkung der peripheren Reizung vornehmlich in den Beugemuskeln geltend macht, kann nicht auffällig erscheinen, wenn man bedenkt, dass die Strecker vornehmlich bei der Belastung des Schenkels in Action treten, also in ihrer Contraction leichter ge­hemmt werden. Möglicherweise kommen aber auch centrale Inner-vationsstörungen vor, welche sich auf bestimmte Muskelgebiete geltend machen, zuweilen erst secundärer Natur sind, indem die peripheren Reflexe mit der Zeit Veränderungen in den centralen Innervations-organen hervorrufen. Es geben nämlich von der Peripherie aus nicht selten vorübergehende Leiden zum chronischen Hahnentritt Veranlas­sung. So beobachtete man nach Verletzungen am Hufe (Vernagelung, Kronentritt, Rehe), oder nach solchen am Sprunggelenk (Haies), nach Frakturen des lateralen Darmbeinwinkels (Haubner), selbst nach Appli­cation von scharfen Einreibungen Hahnentritt; obgleich das ursprüngliche Leiden vollständig geheilt wurde, bestand die Bewegungsstörung dauernd fort. Ascheberg sah aus Starrkrampf Hahnentritt hervorgehen. Offenbar darf man sich hier der Vorstellung hingeben, dass der periphere Reiz eine dauernde Innervationsstörung hervorgerufen hat, dass hier
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Hahnentritt.
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also der schon von Jordanus Ruff'us gebrauchte Ausspruch: „Cessante causa cessus effectusquot; nicht zutrifft. Es muss der Zukunft überlassen bleiben, über diese Fragen nähere Aufklärung zu verschaffen.
Der Verlauf dos Leidens gestaltet sich verschieden; der den Spat begleitende symptomatische Hahnentritt entwickelt sich langsam und wird mit dem Grundleiden zuweilen geheilt; durch äussere Ver­letzungen entsteht der Hahnentritt oft schnell; auch ohne solche sah man denselben plötzlich entstehen, und liess sich dadurch zu der unwahrscheinlichen Annahme verleiten, dass Erkältung die Ursache des Leidens sei (Hertwig).
Die Prognose gestaltet sich verschieden. Am günstigsten er­scheint noch der H., welcher erst kurze Zeit und in Folge nachweisbarer Verletzungen entstanden war. Hier liegt die Aussicht vor, dass mit der Heilung des localen Krankheitszustandes das Leiden beseitigt werde. Beim symptomatischen H. muss die Prognose in erster Linie von dem Grundleiden abhängig gemacht werden, doch vergesse man nicht, dass hiernach der Zustand zuweilen dauernd fortbesteht. Lassen sich für den H. keinerlei ursächliche Momente auffinden (idiopathischer H.), so bleibt die Prognose erst recht zweifelhaft, weil man niemals im Voraus beurtheilen kann, ob mit den bisher bekannten Heilverfahren ein Erfolg erzielt werden wird oder nicht. Schon hier sei bemerkt, dass alle bis auf den heutigen Tag empfohlenen Mittel und zwar unter Umständen, die bisher unbekannt geblieben sind, häufig im Stiche lassen.
Die Behandlung kann daher immer nur als ein Versuch gelten. Nach den bisherigen und auch meinen Erfahrungen verdient beim idiopathischen H. die Tenotomie des seitlichen Zehenstreckers (Boccar) noch am meisten Vertrauen. Die Operation empfiehlt sich auch des­halb, weil sie leicht auszuführen ist. Ich operire in der Regel am stellenden Thiere in folgender Weise:
An dem wie zum Boschlage aufgehobenen Hinterfusse werden dicht unter dem Sprunggelenke an der lateralen Fläche des Metatarsus, da wo man die fragliche Sehne unter der Haut fühlt, die Haare ab-rasirt, die Haut abgeseift und mit etwas Carbol- oder Sublimatwasser abgespült. Nachdem das Pferd nunmehr gut gebremst ist, mache ich mit einem spitzen Bistouri oder Skalpell einen Einstich unmittelbar auf der Sehne und parallel zu derselben. Um auch die unter der
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792nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Hahnentritt.
Haut gelegene Fascie zu perforiren, lässfc man die Spitze des Messers bis in die Sehne eindringen. Alsdann wird ein schmales, geknöpftes Tenotom unter die Sehne, also zwischen Sehne und Knochen geführt und die erstere, die Schneide des Tenotoms gegen die iiussere Haut gerichtet, durchschnitten. Man überzeugt sich durch Palpation sehr leicht, ob die Durchschneidung eine vollständige ist. Da die Blutung in der Regel minimal ist, so wird nach dem Abspülen der Operations­stelle mit dem einen oder anderen Desinficiens ein Occlusivverband an­gelegt, unter dem die Heilung der Hautwunde in 4—5 Tagen so voll­ständig erfolgt, dass der Verband nunmehr entfernt werden kann. Wenn Instrumente und Hände sowie das Verbandmaterial gehörig sterilisirt waren, kommt die Heilung stets per prim. int. zu Stande, während durch die etwa eintretende Eiterung regelmässig eine Ver­dickung an der Operationsstelle zurückbleibt; doch hat auch diese keinen besonderen Nachthoil. Wie bereits erwähnt, tritt nach der Operation zuweilen vollständige Heilung ein, und zwar entweder sofort mit der Durchschneidung, oder erst nach Ablauf von einigen Tagen oder Wochen. Nach meinen Beobachtungen empfiehlt es sich, dem Patienten auf jeden Fall 8—14 Tage nach der Operation Ruhe zu geben; entweder ganz im Stalle zu belassen oder auf weichem Boden langsam zu bewegen. Mehrmals habe ich auch im Stehen die Schenkelfascie (Dieckerhoff) kurz vor ihrer Anheftung an den langen Zehenstrecker durchschnitten; bei unruhigen Pferden müssen beide Operationen am liegenden Thiere ausgeführt werden. Nachdem der seitliche Zehenstrecker getrennt ist, führt man das Tenotom unter die Fascie, durchschneidet diese von innen nach aussen und legt den gleichen Verband an, welcher bis zum Fesselgelenk nach unten reichen muss, um nicht herabzusinken. Die Nachbehandlung bleibt dieselbe.
Her twig empfahl seiner Zeit den Spanner der breiten Schenkel­binde etwa eine Handbreit unter dem äusseren Darmbeinwinkel zu durchschneiden. Diese Operation ist weniger leicht und führt oft zu Eiterversenkung, da Asepsis hier nur schwer zu erreichen ist; der Erfolg ist immer zweifelhaft; man will indess zuweilen Heilung dar­nach gesehen haben; diese trat aber auch ein, als ein Praktiker wegen der eingetretenen Blutung sich auf den Hautschnitt beschränkte.
Bassi empfiehlt das mediale Querband der Kniescheibe zu durch­schneiden. Mir war bisher keine Gelegenheit gegeben, diese Operation gegen Hahnentritt in Anwendung zu bringen, doch habe ich mich an Versuchspferden überzeugt, class dieselbe nicht leicht ist, weil das frag­liche Band keine scharfe Begrenzung zeigt, Das Verfahren dürfte indess
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Streichverletzungen.
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zu versuchen sein, wo die Vermuthung vorliegt, class die Ursache des Hahnentrittes im Kniegelenke ihren Sitz hat (S. 718).
Von der Annahme ausgehend, dass in einem Falle der Hahnen­tritt durch eine entzündliche Reizung sensibler Nervenfasern verursacht werde, machte ich die Neurectomie des Tibialis; die Operation hatte jedoch keinen Erfolg. Ebenso zeigten sich subcutane Injectionen von Morphium und Veratrin, sowie auch die Durchschneidung der medialen Insertion des M. tibialis gegen H. wirkungslos (Siedamgrotzky).
Ein dem Hahnentritt ahnlicher Zustand wird als Streukrampf be­zeichnet. Hierbei stellen sich beim Stehen im Stalle, auf der Streu iihn-liche Erscheinungen ein, namentlich wenn man die Thiere herumtreten lässt. Der betreffende Hinterf'uss wird dabei krampfhaft in die Höhe ge­hoben, nicht selten in dem Masse, dass die Thiere in Folge dessen nieder­stürzen. Schmerzhafte Empfindungen, namentlich entzündliche Processe in der Haut der Köthe oder an der Beugefliiche des Sprunggelenkes rufen den Anfall zuweilen hervor, der somit eine einfache Erklärung findet; es kommt aber auch bei Pferden, namentlich kaltblütiger Eaoen (Holsteinern) ohne jede nachweisbare Localerkrankung vor; selbst bei der sorgfältigsten Unter­suchung lassen sich an dem betreffenden Schenkel nirgends Schmerzen nach­weisen. Auch hierbei habe ich die Neurectomie der Tibialis versucht, ohne damit einen nennenswertben Erfolg zu erzielen. Bemerkt sei noch, dass auch bei der Luxation der Kniescheibe ähnliche Störungen beobachtet wer­den (S. 718).
Bei einem anderen Pferde ging die Reizung von den Ohren aus. Führte man den Finger in das eine oder andere Ohr, so wurde der be­treffende Hinterschenkel alsbald aufgehoben und unter krampfhaften Be­wegungen in fast horizontaler Lage nach vorn geführt. Obgleich der Zu­stand jedesmal nur wenige Secunden dauerte, so war das Pferd dennoch arbeitsunfähig, weil durch den Druck der Trense oder der Halfter auf die Ohren immer von neuem solche Anfälle hervorgerufen wurden. An den Ohren waren nicht die geringsten anatomischen Veränderungen nachzuweisen.
!{. Die Verletzungen durch Streichen und ihre Coinplicntionen.
Der Eiiiscliuss.
Als „Streichenquot; oder „Streifenquot; bezeichnet man das Gegen­schlagen der Füsse der einen Seite an die der anderen. Am häufigsten kommt dieser fehlerhafte Gang an den Hinterfüssen, besonders im Trabe vor, wobei in der Hegel die mediale Fläche des Fesselgclenkes von dem Hufe der anderen Seite getroffen wird; seltener finden die Verletzungen an der Hufkrone statt. An den Vordcrfüssen kommen dieselben, namentlich bei Pferden kaltblütiger Hacen ausnahmsweise auch an Carpus und Metacarpus vor.
Das Streichen erlangt einerseits eine besondere Bedeutung, als
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Streichverletzungen.
der Gang der mit demselben behafteten Pferde unsicher wird; Reit­pferde stolpern nicht selten in Folge heftiger Quetschung des N. plan-taris, welcher hierbei an der medialen Fläche des Fesselgelenkes leicht getroffen wird. Aber auch in chirurgischer Beziehung interessiren diese Verletzungen, indem sich von ihnen aus verschiedene Krankheits-processe entwickeln, die zum Theil bedenklicher Natur sind. Zu den häufigsten derselben gehört die Phlegmone, welche bald in diffuser Ver­breitung im Unterhautgewebe auftritt und als „Einschussquot; bezeichnet wird, bald auf das subfasciale Bindegewebe übergreift und nun durch Einbruch in das Fesselgelenk oder in die Sehnenscheiden der Zehen­beuger leicht zu unheilbaren Complicationen Veranlassung giebt. Ferner bilden Streichwunden nicht selten den Ausgangspunkt von gangränösen Processen (Brandmauke), wie auch von chronischen Entzündungen der Cutis; die vermoose Form der Mauke entwickelt sich, wie bereits S. (381 bemerkt, häufig von Streichwunden aus.
Erscheinungen. Die durch das Streichen entstandenen Ver­letzungen geben sich in der Regel schon durch ihren Sitz am Fessel­gelenke, an der Huf krone oder dem Mittelfuss bezw. Fusswurzel zu erkennen. Bald erscheinen nur die Haare an diesen Stellen gesträubt oder abgerieben, bald zeigen sich Excoriationen der Haut, wobei die Oberfläche derselben entweder mit Blut oder mit den Producten ent­zündlicher Reizung bedeckt ist; nicht selten lassen sich jedoch Wun­den feststellen, welche die Cutis perforiren. So lange die Verletzungen auf die Oberfläche der äusseren Haut beschränkt bleiben, fehlt eine Anschwellung, oder dieselbe ist nur unbedeutend; in solchen Fällen pflegt die Schmerzhaftigkeit gering zu sein, so dass auch keine Lahmheit besteht, und die Thiere oft längere Zeit trotz des Zustandes regel-mässig zur Arbeit benutzt werden können.
Sobald aber der entzündliche Process auf die Subcutis übergreift, entwickelt sich eine umschriebene Geschwulst, welche nicht selten zur Abscedirung führt. Damit nehmen die Schmerzen einen hohen Grad an; die Thiere zeigen sich sehr lahm, belasten unter Umständen den Fuss gar nicht, schwitzen über den ganzen Körper und erkranken auch wohl fieberhaft. Wahrscheinlich besteht hierbei zuweilen eine entzündliche Mitleidenschaft des N. plantaris, häufiger aber handelt es sich um eine Phlegmone unterhalb der Fascie. Diese letztere wird um so bedenklicher, als sie die Gefahr des Einbruches in das Fessel­gelenk oder in die Sehnenscheide der Zehenbeuger mit sich bringt. Ist die letztere erkrankt, so nimmt der Fuss die Seite 785 beschriebene
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Stroichverletzungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 795
Haitungan; die Anschwellung erstreckt sich weiter nach oben auf den Metatarsus bezw. Metacarpus, und bei dem Versuche, passive Dorsal­flexion in den Zehengelenken auszuführen äussern die Thiere heftige Schmerzen; auch fehlt bei dem Zustande nur selten Fieber.
Entwickelt sich von der Streichwunde aus eine diffuse Phlegmone der Subcutis, so breitet sich die Anschwellung bis zum Sprunggelenke, nicht selten sogar bis zum Knie aus, nimmt vornehmlich die mediale Schenkelfläche ein, an welcher sich regelmässig auch die Lymphgefässe angeschwollen zeigen; ebenso stellt sich Anschwellung der Leistendrüsen und Fieber ein. Man bezeichnet diesen Zustand, der auch aus ander­weitigen Verletzungen hervorgehen kann, als Einschuss. Dass hier­bei gelegentlich die Vena saphena miterkranken und thrombosiren kann, ist einleuchtend, doch kommt diese Complication nach meinen Beobachtungen nicht so häufig vor, wie man früher wohl annahm. Offenbar hat man die Anschwellung der Lymphgefässe mit einer sol­chen der Vene oft verwechselt. Ebensowenig erscheint die Auffassung des Leidens als Erysipelas nicht berechtigt; denn es handelt sich weniger um eine infectiöse Entzündung der Cutis als vielmehr des subeutanen Bindegewebes.
Da wo die Verletzung zu localer Nekrose der Haut führt, ent­wickelt sich ein Zustand, der mit der Brandmauke (S. 676) identisch ist. Endlich breitet sich von der Streichwunde zuweilen eine chronische Entzündung der Cutis aus, die bereits als verrueöse Form der Mauke beschrieben wurde (S. 080).
Der Verlauf der durch das Streichen herbeigeführten Verletzungen gestaltet sich hiernach ausscrordentlich verschieden. So lange die­selben nicht mit infectiösen Vorgängen complicirt sind, bleiben sie bedeutungslos und heilen in der Regel in kurzer Zeit, sofern sich die Läsionen nicht wiederholen, was jedoch häufig der Fall ist.
Auch die diffuse Pllegmone der Subcutis (Einschuss) vorläuft in der Kegel günstig. Nachdem die meist plötzlich aufgetretene An­schwellung 2—;{ Tage hindurch an Umfang zugenommen hat und zu­weilen mit erheblichen Schmerzen und Fieber verbunden war, pflegt sowohl die Geschwulst wie auch der Schmerz und das Fieber wieder zurückzugehen, so dass in etwa 8—10 Tagen der Process abläuft ohne nachtheilige Folgen zu hinterlassen. Unter Umständen, nament­lich wenn die Phlegmone von einer Infection mit besonders deletär wirkenden Mikroorganismen ausging, kommt es wohl zu Abscedirungen an den oberen Abtheilungen des Schenkels oder zu schweren lieber-
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Streichverletzungen.
haften Zuständen, die gelegentlich durch Septicilmie oder Pyämie zu einem letalen Ausgange führen können. Im ganzen sind solche Zu­stände jedoch selten.
Bedenklicher gestaltet sich die subfasciale Phlegmone und zwar sowohl die local am Fesselgelenke oder der Hufkrone auftretende wie auch am Unterschenkel. Am Fesselgelenk entwickelt sich eine um­schriebene, sehr schmerzhafte Anschwellung, die zuweilen 8—14 Tage, unter Umständen noch längere Zeit fortbesteht, bevor sie zum Durch-bruch kommt. Erfolgt die Perforation nach aussen, so entleert sich jauchiger, mit nekrotischen Gewebsinassen vermischter Eiter, worauf in der Regel die Schmerzen nachlassen und Heilung erfolgt. Zuweilen wiederholt sich dieser Vorgang, und das Leiden kann sich auf diese Weise in die Länge ziehen. Findet dagegen eine Perforation in das Fesselgelenk statt, so entwickelt sich eine eiterige Gelenkentzündung; die Schmerzen und das Fieber nehmen alsdann zu, der Fuss wird über­haupt nicht mehr belastet und selbst leise Drehbewegungen der Zehe lösen heftige Schmerzempfindungen aus. Dieser Zustand erweist sich ebenso unheilbar, wie ein Einbruch in das Huf- oder Kronengelenk bei Streichwunden an der Fleischkrone, oder beim Uebergreifen der Phlegmone auf die Sehnenscheiden des Huf- und Kronbeinbeugers.
Die Complication mit Hautgangrän gestaltet sich in ihrem Ver­laufe verschieden, je nachdem der Process eine geringere oder grössere Ausdehnung gewinnt. Gefährlich wird namentlich die Fortsetzung der Nekrose in die Tiefe, wobei die genannten Apparate ebenso in Mit­leidenschaft gezogen werden können, wie bei der Phlegmone. Ueber die Complication mit der verrucösen Form der Mauke vergleiche man S. 080.
Ursachen. Fehlerhafte Stellungen und zu grosse, flache Hufe gehen eine Anlage zum Streichen ab. Dahin gehört in erster Linie die zu enge Stellung, sowie die bodenenge und zehenweite Stellung der Schenkel. Mit diesen Abweichungen sind nothwendig unregel-mässige Bewegungen der Füsse verbunden, wobei derartige Verletzungen leicht vorkommen; dieselben können ferner durch Ermüdung der Thiere, sowie durch unebenen Boden, schlechtes Pflaster begünstigt werden. Junge Pferde streichen sich häufig während der Dressur, oder wenn sie in den Luxusdienst gestellt, vor dem Wagen stark beigozäumt werden, namentlich so lange die Thiere noch nicht gewöhnt sind, auf dem Pflaster zu arbeiten. Eine der häufigsten Ursachen des Streichens bildet indess der Beschlag; in erster Linie kommt hierbei eine fehlerhafte Beschneidung
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Streiehverletzungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;797
der Hufe in Betracht. Wenn die innere Seite des Tragrandes zu sehr verkürzt, die äussere Wand dagegen zu lang wird, so rückt das Fesselgelenk am belasteten Fusse gegen die Mittel­linie des Körpers und wird alsdann von dem in der Bewegung befind­lichen Fusse verletzt. . Da bei den Schmieden vielfältig noch die An­sicht herrscht, dass durch Verkürzung der inneren Seitenwand das Streichen zu verhindern sei, so giebt gerade dieses Missverhilltniss häufig zum Streichen Veranlassung. Dass eine schlechte Lage des Hufeisens, das TJeberragen desselben über den Tragrand an der inneren Hufhälfte, sowie zu lange Nieten dieselbe nachtheilige Wirkung äussern können, liegt auf der Hand; doch spielen diese der erwähnten fehler­haften Beschneidung der Hufe gegenüber eine untergeordnete Rolle.
Behandlung. In präservativer Hinsicht ist Regelung des Huf­beschlages Haupterforderniss, wobei nach dem oben Angegebenen ver­fahren werden muss. Hierzu dient namentlich an den Hinterfüssen das sog. Streicheisen. Nachdem die laterale Seitenwand wenigstens soweit beschnitten ist, dass sie auf keinen Fall früher mit dem Boden in Berührung kommt als die mediale, lilsst man den Tragrand an der letzteren etwas abrunden und ein möglichst bodeneng geschmiedetes Streicheisen aufschlagen. Sollte die mediale Seitenwand zu sehr verkürzt sein, so müssen hier Unterlagen von Leder u. s. w. angebracht werden.
Die durch Streichen veranlassten Verletzungen behandele man nach ihrer Art. Durch möglichste Reinhaltung wird am sichersten den besprochenen Gomplicationen vorgebeugt. Nach erfolgter Reini­gung der Wunde lässt man dieselbe mit Theer oder Creolin bestreichen, oder man wendet andere Antisepticn an, Diese Vorsichtsmassregeln verdienen namentlich im Winter und auf schmutzigen Wegen Beach­tung (vergl. S. ()79). Doppelte Vorsicht erscheint geboten, sobald die äussere Haut perforirt und das Eindringen der Infectioiisstofi'e in die Subcutis erleichtert ist.
Besteht bereits eine phleginonöse Entzündung, so lasse man zunächst die Wunde sorgfältig reinigen und soweit möglich desin-ficiren, um weitere Infectionen zu verhüten, im übrigen müssen diese Zustände nach allgemeinen Grundsätzen behandelt werden. Bekanntlich ist Kälte contraindicirt, dagegen feuchte Wärme angezeigt. Warme Bäder von aromatischen Aufgüssen (Heilsamen oder Desinfectionsflüssigkeiten) finden hier zweckmässige Anwendung. Wo die PMegmone höher nach oben reicht, lilsst man den Schenkel mit Stroh bewickeln und mit diesen Flüssigkeiten in kurzen Zwischenzeiten begiesaen. Sollte
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Streichverletzungen.
die Anwendung dieser Methode auf Schwierigkeiten stossen, so können Einreibungen des Schenkels mit Unguent, einer, applicirt werden. Sobald die Schmerzen nachlassen und die Anschwellung abfällt, em­pfiehlt sich zur Beschleunigung der liesorptionsvorgänge langsame Be­wegung der Patienten.
Doppelte Vorsicht ist bei der subfascialen Phlegmone geboten. Sofern sich diese am Fesselgelenk oder in der Nähe der Sehnen­scheiden zeigt, empfehlen sich permanente, lauwarme Fussbäder mit Desinficientien (Sublimat, C'arbol, Creolin, Burow'sche Lösung) und sobald sich Fluctuation bemerkbar macht, ein Einstich. Man gehe jedoch hierbei vorsichtig zu Werke und vermeide sowohl Verletzungen der grösseren Blutgefässe und Nervenstämme wie der Gelenkkapsel und Sehnenscheide. Auch hüte man sich vor operativen Eingriffen, sobald das Gelenk oder die Sehnenscheiden bereits miterkrankt sind, da in solchem Falle auch hiermit nichts mehr zu erreichen ist, und bei dem Besitzer leicht der Verdacht entsteht, dass die Anwendung des Messers Ursache des letalen Ausganges war.
Bei starker Anschwellung der Huf krone muss die Hornwand an der betreffenden Stelle verdünnt werden. Die gangränösen Processe sowie die verrueöse Form der Mauke sind nach den bei Besprechung dieser Leiden angegebenen Grundsätzen zu behandeln.
Die gegen das Streichen vielfUltig angeordneten Streichriemen leisten im ganzen wenig. Es giebt allerdings Pferde, bei denen die Disposition zum Streichen so gross ist, dass alle Hülfsmittel, auch die des Beschlages nicht ausreichen, um derartige Verletzungen zu vermeiden. In solchen Fällen können Streichriemen vortheilhafte Anwendung finden. Dieselben müssen jedoch so construirt sein, dass sie einerseits bei dem Gegenschlagen nicht verschoben werden und andererseits durch zu festes Schnüren nicht Quetschungen veranlassen. Dieses erreicht man am sichersten durch An­wendung eines Streichriemens, der eine Metallfeder enthält, welche sich dem ovalen Querschnitt des Metatarsus genau anpasst und gut gepolstert ist.
Die bei gewöhnlichen Arbeitspferden vielfältig gebräuchlichen Stroh­seile und Gummiringe wirken nur so lange, als sie in Anwendung kommen, indem die Thiere durch sie veranlasst werden, einen breiteren Gang anzu­nehmen. Nach ihrer Entfernung beginnt das Streichen regelmässig von neuem.
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F. Die Krankheiten des Hufes.
Obgleich der Huf, die Klauen und Krallen physiologisch homo­loge Gebiete darstellen und auch in ihrer inneren Einrichtung grosse Uebereinstimmung zeigen, so weichen die Erkrankungen derselben doch in manchen Punkten von einander ab. Dieses erklärt sich vornehm­lich aus den verschiedenen Einflüssen, welche auf diese Organe ein­wirken; der Huf des Pferdes ist anderen und zahlreicheren Schäd­lichkeiten ausgesetzt als die Klauen der Wiederkäuer; er erkrankt daher nicht nur häufiger, sondern auch in anderer Weise als jene.
Es erscheint daher zweckmässig, hier zunächst die Krankheiten des Hufes voranzuschicken, zumal diese bereits genauer untersucht sind. Indem ich auf die von mir veröffentlichte Specialarbeit „Die Hufkrankheiten' verweise, beschränke ich mich hier auf eine kurze Darstellung der entzündlichen Processe im Hufe, soweit dieselben ein Interesse für die thierärztliche Praxis haben.
A. Die acute Entzündung der Huflederhaut. Pododermatitis aeuta.
Acut-entzündliche Processe in der Hnflederhaut sind mit wenigen Ausnahmen infectiöser Natur, da in vielen Fällen zugleich gröbere Ver­letzungen bestellen. Auf der einen Seite von der harten, unnachgiebigen Horn-kapsel, auf der anderen vom Huf boin eingeschlossen, müssen entzündliche An­schwellungen, und namentlich solche, die aus einer Infection hervorgegangen sind, schmerzhaft und mit der Tendenz zur Nekrosn verbunden sein. Die letztere wird zwar zum Theil durch den grossen Gcfiissreichthum der Huf­lederhaut zurückgehalten, kommt indess trotzdem nicht selten zu Stande.
Die Oberfläche der Hufloderhaut trägt bekanntlich ein stark ent­wickeltes Stratum inucosum aus zahlreichen, unverhornten Epithellagen be­stehend. Nicht selten läuft in diesem allein der entzündliche Process ab, ohne auf das Corium überzugreifen; ein Zustand, der als Pododermatitis superficialis bezeichnet wird, während man die entzündliche Erkrankung der tiefen Schichten, d. h. des Corium und des subeutanen Bindegewebes Pododermatitis parenehymatosa s. profunda nennt.
1. Die Pododermatitis superficialis kommt in der Regel durch Freilegung des Retegewebes und durch Eindringen von Infectionserregern zu Stande. Stellen wir uns vor, ein Nagel ist bis auf diese Schicht in den Huf vorgedrungen, aber bald wieder entfernt worden, so gelangen durch den Nagelkanal Fäulnisssubstanzen und andere Entzündungserreger leicht bis in das Retelager und erzeugen hier eine oft über weite Strecken aus-
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800nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Hufes.
gebreitete Entzündung. Man spricht in solchem Falle von einer Vernage-lung; war dagegen eine lose Wand Eingangspforte für die infectiösen Sub­stanzen, so nennt man den Zustand ein Hufgeschwür, im Eckstreben-winkel eine Stoingalle.
Nur selten werden aseptische Entzündungsprocesse in diesem Gewebe beobachtet, doch treten solche bei der Kehe sowie bei der Bildung von Hornsäulen und unter ilhnlichen Umstilnden auf; dabei erscheint das Rete-lager bald verdickt (z, B. bei der Rehe die weisse Linie), das während des entzündlichen Processes producirte Horn zuweilen verändert, gelb ge­färbt oder blutig infiltrirt (Steingalle). Bei der infectiösen Podo-dermatitis superficialis tritt dagegen Eiterung ein, wenn man das Produkt derselben so nennen will. Genau genommen handelt es sieh vor­nehmlich um eine Einschmelzung der dicken Retelagen durch die Infections-stotfe, welche allerdings von exsudativen Proeessen in dem benachbarten Corium begleitet wird. Das erklärt auch die Neigung sich auf die Ober­fläche zu beschränken und in der Richtung derselben auszubreiten, an der Pleischwand /.. B. stets gegen die Krone vorzurücken, in der weissen Linie dem Verlauf derselben zu folgen, weil gerade hier sich starke Lager un-verhornter Betezellen vorfinden.
Während bei der aseptischen Pododermatitis superficialis Resolution oder chronische Verdickung den Ausgang des Leidens bilden, stellt sich hier selten Resolution, sondern entweder Perforation nach aussen oder Einbruch in die Cutis und Subcutis mit Entzündung derselben ein. Die stattgehabte Resorption der eingoscbmolzenen Retemassen erkennt man später an den im Hufhorn sich vorfindenden Hohlräumen, wie sie auch an den Klauen der Wiederkäuer häufig beobachtet werden; zuweilen liegen mehrere der­selben übereinander und zeigen dadurch, dass der Process wiederholt auf­getreten und von Perioden regelmässiger Hornbildung unterbrochen ge­wesen war.
In der Regel kommt es zur Perforation nach aussen und zwar meist unter chirurgischer Beihülfe. Nachdem das Leiden festgestellt ist, schneidet man nach, entleert die graue oder schwärzliche, als Hufeiter bezeichnete Flüssigkeit, worauf Heilung erzielt wird, wenn man den Horndefect durch passende Verbandmittel ersetzt, oder wenigstens einen wirksamen Schutz gegen das Eindringen von Schädlichkeit eintreten lässt. Wird aber eine künst­liche Entleerung nicht herbeigeführt, so breitet sich dor Process aus und sucht sich einen Weg nach aussen. An der Fleischwand bahnt sich der Ein-schinelzungsvorgang seinen Weg stets in der Richtung der Blättchen zur Kronenwulst, um am oberen Rande derselben unter Lösung des Saumbandes vom Fleischsaume seine Produkte nach aussen zu ergiessen. Der Durch­bruch erfolgt also an der unteren Haargrenze, über der Krone; daher die alte Bezeichnung: „Der Eiter ist ins Haar gestiegenquot;. Am unteren Bande der Fleischwand bezw. an der Peripherie der Floischsohle breitet sich dieser Vorgang vornehmlich in der Richtung der weissen Linie aus und kommt häufig an den Ballon zur Perforation. Das dünnflüssige, graue odor schwärzliche Material (Hufeiter), welches sich unter Loslösung des Saumbandes bezw. der Hornballen ohne Anschwellung an der Krone ergiesst, kennzeichnet die superflcielle Natur des Leidens.
2. Die Pododermatitis parenchymatosa läuft in dem Corium oder der Subcutis ab und ist in der Regel mit Erkrankung der Oberfläche verbunden; sie kann aus dieser hervorgehen, aber auch durch tiefere Ver­letzungen, Vornagelung u. s. w. entstehen. In dem zusammenhängenden Ab­schnitt der Huflederhaut bezw. ihrer Subcutis entwickeln sich die bekannten
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PododiTumtitis parenohymatosiunbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;801
Vorgänge der ucuten Entzündung, Exsudation. Emigration u. s. w. Regel-
mllssig handelt es sich um Vorgänge, die mit Eiterung verbunden sind, welche sich auch in ihrem l'roducte von denen an den übrigen Abschnitten der äusseren Haut nicht unterscheiden. Der Eiter erscheint dickflüssig, gelb rahmartig; auch kann derselbe durch Untergang von Gewebe (Nekvose) eine jauchiglaquo; Eeschall'enheit annehmen. Der Ausgang dieses Vorganges ist entweder Resolution oder Abscedirung oder Brand. Der erstere derselben wird nur selten beobachtet, um so häufiger Abscessbildung, welche sich hier ebenso wie an anderen Orten gestaltet und mit den gleichen Folgen verbunden ist, nämlich a. Nekrose der Huflederhaut, b. Phlegmono und c. S e p t i c il m i e resp. P y il m i e.
Der Ausgang in Nekrose kommt in der Regel unter dem Einflüsse besonders virulenter Infectionen zu Stande und wird durch die Lage der Huflederhaut zwischen den unnachgiebigen llonitheilen und dem Hufe be­günstigt, indem acute Schwellungen auf diese Weise sich leicht mit bedeu­tender Compression und mit Circulationsstürungen verbinden. Dass jedoch die Wirkung der Infectionsstoffe hierbei eine besondere Rolle spielt, zeigt das oft enzootische Auftreten der Nekrose; auch mag im Winter bei Conti-nuitätstrennungen dos Hufes die Wirkung der Killte hierbei eine Rolle spielen. Zur Zeit des Herrschens der sog. Brandmauke beobachtet man häufig diesen Ausgang, der gerade hier um so bedenklicher wird, als die Dissection des nekrotisohen Gewebes auf Schwierigkeiten stösst, die Zer-setzungsproduete der Gangrän sich in die Nachbarschaft ausbreiten und zu einer diffusen Entzündung der Huflederhaut führen, welche nicht selten eine Loslüsung des ganzen Hufes (Ausschuhen) zur Folge hat. Hoch­gradige Sehmerzen, Fieber und ausgedehnte Ablösung des Saumbandes deuten auf diesen Vorgang hin. Die Nekrose reicht fast immer bis auf das Hufbein, sofern eine Stelle betroffen war, an welcher die Huflederhaut dein Knochen unmittelbar anliegt, wie es an der Horn-sohle und Hormvand zum grüssten Tlieil der Fall ist.
Der Ausgang in Phlegmone stellt sieh häufig ein, wenn die paron-chymatöse Entzündung Abseimitte der Huflederhaut erfasst, die eine Sub-cutis führen, wie es an den hinteren Abschnitten der Wand und Sohle sowie an der Fleischkrone und dem Strahl der Fall ist. Durch Uebergreifen des infectiösen Ent/.ündungsprocesses auf das unter der Fleischkrone ge­legene Bindegewebe entsteht eine subcoronäre Phlegm one, welche sieh in der Regel über die eine Hälfte des Hufes, ausnahmsweise aber über die ganze Kronenwulst ausbreitet. Starke Anschwellung der Kronen-wulst und heftige Schmerzen kennzeichnen den Zustand, der um so gefährlicher wird, als nicht selten Einbruch der Eiterung in das Hufgelenk erfolgt. An den hinteren Abschnitten der Krone führt die Phlegmono regolmässig zur Bildung der sog. llnfknorpelfistel; noch häufiger entwickelt sich die letztere aus Eiterungsprocessen an den hinteren Abschnitten der Fleischsohio und Fleischwand, deren Subcutis mit dem para-chondralen Bindegowebe in director Verbindung steht.
Am Fleischstrahl kommt es bei parenehymatüser Entzündung leicht zur Phlegmone des Strahlpolsters, Gorade diese Complication erscheint be­sonders bedenklich, da dor Process regolmässig auf die Hufbeinbeugesehne übergreift und Nekrose derselben zur Folge hat. Die Phlegmone des Strahlpolsters kennzeichnet sich durch heftige Schmerzen, welche namentlich bei Dorsalflexion des Fusses hervortreten. Deshalb findet die Belastung dos kranken Fusses stets bei exeossiver Volar-bezw. Plantarflexion statt; die Thiere stellen den Fuss bei vorübergehender MOller, Speolelle Ohlrurgie für Thierärzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;61
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Krankheiten des Hufes.
Belastung so, dass die Zehen wand senkrecht steht oder nach unten und hinten gerichtet wird; auch passive Dorsalflexion ruft lebhafte Schmerzen hervor. Hierzu gesellt sich alsbald eine Anschwellung in der Ballengrube, welche bald ausgefüllt erscheint; hier kommen in der Regel nach einiger Zeit Abscesse zum Durohbruch; zuweilen zerreisst die Hufbeinbeuge-sebne,
8, Der Ausgang in Septicilmie und Pyilmie steht in erster Linie bei nekrotisirenden Processen an der Pleischwand und Pleischsohle in Aus­sicht, und zwar sobald die Nekrose bis auf das Hufbein reicht. Die hier­bei arrodirten Blutgofilsse können nicht zusammenfallen, sondern stehen offen und gestatten den divecten Eintritt der Infectionsstoffe in die Blut­bahn. Auf die häufige Complication dieser Processe mit Pyilmie hat bereits Spinola hingewiesen. Septicilmie droht hierbei aber noch aus einem anderen Grunde, nämlich als eine Folge des mit den heftigen und andauernden Schmerzen verbundenen Decubitus.
Ursachen. Abgesehen von der Kehe, welche später Gegenstand der Betrachtung werden wird, verdanken die acuten Entzündungsprocesse in der Huflederhaut directen ilusseren Schädlichkeiten ihre Entstehung. Theils sind es mechanische Reize, wie Quetschungen (Steingallen), theils Verwun­dungen (Vernagelung, Nageltritt), theils Continuitiltstrennungen in der Hornkapsel, welche den Infectionserregern Zutritt zur Huflederhaut ge­statten (Hornspalten). Thermische Reize kommen als Entzündungserreger nur selten in Betracht, da der Hornschuh ein ausserordentlich wirksames Schutzmittel sowohl gegen Hitze wie Killte abgiebt. Verbrennungen durch das zum Zwecke des Beschlages aufgelegte Hufeisen finden heutzutage höchst selten statt. Oefter wird Kältewirkung bei bestehenden Continuitiltstren­nungen in der Hufkapsel nachtheilig. Vernagelungen oder starkes Aus­schneiden der Steingallen kann im Winter, namentlich bei Schmutzwetter auf diese Weise nachtheilig werden. Auch hat man an den Ballen wohl Erfrierungen beobachtet. Chemische Entzündungsreize bilden nicht selten scharfe Substanzen (Säuren), welche namentlich von Schmieden zu Heil­zwecken angewendet werden. Die bei weitem häufigste Ursache der acuten Entzündungsprocesse besteht in Infection mit Eiterkokken und anderen Mikroparasiten. So lange die Hornkapsel intact bleibt, werden dieselben von den Weichtheilen ferngehalten, sobald aber Continuitätstrennungen bestehen, wie sie durch Verwundung (Nageltritt, Vernagelung, Hornspalt, lose Wand u. s. w.) hervorgerufen werden, tritt die Gefahr der Infection ein, die um so grosser sich gestaltet, als der Huf in dem Schmutz am Boden mit infectiösen Substanzen stets in Berührung kommt; von der Malignität derselben hängt auch zum grossen Theil der Verlauf und Ausgang des durch sie veranlassten Entzündungsprocesses ab.
Diagnose. Die Gegenwart einer acuten Entzündung der Hufleder­haut giebt sich oft schon durch die Art der Lahmheit zu erkennen. Da die Belastung des kranken Kusses mit einer Drucksteigerung im Hufe ver­bunden ist, so muss eine ausgesprochene Stützbeinlahmheit eintreten, welche sich oft schon im Stande der Ruhe durch andauernde Entlastung des Pusses bemerkbar macht; dieselbe erscheint auf hartem Boden (Steinpflaster) in der Regel auffälliger als beim Gehen auf weichem Boden.
Die Untersuchung des Hufes durch Inspection richtet sich vornehm­lich auf den Nachweis von krankhaften Formabweichungen oder Continui­tätstrennungen und muss nach den in meiner Diagnostik näher beschriebe-
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Pododermatitis — Behandlung derselben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;803
nen Grundsätzen erfolgen; ebenso die Untersuchung durch Palpation, welche bestimmt ist, den Nachweis von vermehrter Wärme und Schmerz zu führen. Zu den indireeten Symptomen gehört namentlich die verstärkte Pul­sation und das Auftreten von Oedem in der äusseren Haut an den unteren Abschnitten der Gliedmasse. Bezüglich der Anwendung der Untersuchungs­zange und des Hufmessers zur Feststellung entzündlicher Processe muss hier auf die an anderen Stellen gemachten Angaben verwiesen werden.
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Beurtheilung. Die Gefahr, welche mit den in Rede stehenden Pro-cessen verbunden ist, richtet sich in erster Linie nach dem Sitze und dem Charakter derselben. Wahrend die Pododermatitis superficialis im allge­meinen zu den leicht heilbaren Zuständen gehört, ruft die parenchymatöse Entzündung oft schwere Complicationen hervor; die erstere erscheint nur an den Eckstreben bedenklich, weil hier leicht Retention des Eiters und Einbruch desselben in das Strahlpolster erfolgt. Ferner müssen alle Pro­cesse an den hinteren Abschnitten des Hufes als bedenklicher angesehen werden, indem von hier aus sich leicht diffuse Phlegmonen entwickeln und zur Bildung von Hufknorpelflstel oder Erkrankung des Strahlpolsters und der Sehnenscheiden Veranlassung geben.
Da weder die Ausbreitung des Processes noch auch der Charakter desselben häufig nicht direct festzustellen ist, so müssen indirecte Anhalts­punkte für die Beurtheilung herangezogen werden. Dabin gehört in erster Linie der Grad und die Dauer der Schmerzen. Als Regel gilt, je hoch­gradiger und andauernder die schmerzhaften Empfindungen, um so bedenklicher die Prognose und zwar namentlich dann, wenn eine directe Ursache derselben nicht festzustellen ist, wenn z. B. kein schmerz­hafter Vorfall von Weichtheilen besteht. Höchst gefährlich gestaltet sich sowohl Nekrose wie auch die Complication mit Phlegmone im Strahlpolster oder im subcoronären Bindegewebe, Ebenso bedenklich erscheint der Zustand, wenn sich in Folge der andauernden Betastung an dem anderen Fusse Huf­beinsenkung eingestellt hat (S. 040).
Behandlung. Muss dieselbe auch nach den allgemeinen Grundsätzen erfolgen, so verlangt die Therapie der acuten Entzündung in der Hufleder­haut noch besondere Rücksichten. Dass zunächst die ursächlichen Einflüsse soweit möglich zu entfernen sind, liegt auf der Hand. Bei der aseptischen Pododermatitis genügt in der Regel neben Ruhe die Anwendung von Kälte in Form von Umschlägen, Immersion, permanenter Berieselung u. s. w. Hier­durch wird nicht nur der schmerzhafte Druck der Hornkapsel auf die entzündlich erkrankten Weichtheile durch Aufweichen des Hornes gemildert, sondern auch die entzündlichen Processe direct bekämpft. Bemerkt sei noch, dass nach längerer Einwirkung von Feuchtigkeit der Huf eingefettet werden muss, um das Austrocknen desselben zu verhindern. Sodann lasse man einen zweckmässigen Beschlag einführen.
Bei der mit Eiterung verbundenen superticiellen Entzündung ist eine baldige Entleerung des Eiters zu bewirken; hierzu dient die sorgfältige Anwendung des Hufmessers. Es genügt eine Oefthung von 0,5—1,0 cm Umfang, um dem dünnflüssigen Eiter Abfluss zu verschaffen, worauf man die Höhle auswaschen und mit Desinficientien ausspritzen lässt. Unter Um­ständen können auch Fussbäder nützlich werden, doch vorwende man reines Wasser event, unter Zusatz von Desinfectionsmitteln. Wichtig bleibt, durch einen entsprechenden Verband die Oeffnung so zum Verschluss zu bringen, dass weder Sand und Erde noch auch Schmutz in dieselbe eindringen kann.
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804nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten fies Hufes.
Aus diesem Grunde ist reine trockene Streu erforderlich. In der Regel genügen diese Massregeln, um derartige Processe in 5—8 Tagen zur Heilung zu bringen. Dass an den Eckstreben besondere Vorsicht geboten ist, wurde bereits erwähnt; dieses gilt namentlich für den rogelmässigen Abfluss des Eiters.
Grössere Sorgfalt verlangt die Therapie der parenchymatüsen Pododer-niiititis, welche mit Eiterung verbunden ist. Auch hier muss zunächst jede Eiterretontion nach Möglichkeit verhindert werden, um die Gefahr der Phlegmone zu bekämpfen. Man lege deshalb den Erkrankungsherd so weit möglich, aber mit Schonung des Hufhornes frei und verdünne das letztere in der Nachbarschaft; diese Massregel erscheint namentlich mit llücksicht auf die entzündliche Schwellung in der Umgebung der Eiterung erforder­lich. Die zweite Indication besteht in Aufhebung der Zersetzungsvorgiingo in dem Entzündungsherde. Dazu dienen einmal sorgfältige Waschungen, event, unter Anwendung von Pussbüdern, sodann Desinficientien. Man lässt die Stelle mit Subliniat-Carbol oder Creolinwasser abspülen, sodann wird ein mit dem einen oder anderen dieser Mittel getränkter Tampon auf die freiliegenden Weichtheile gebracht. Auch Ausspritzungen mit diesen Mitteln oder mit Chlorzink (1: 10) erweisen sich oft nothwendig.
Der nunmehr anzulegende Druckverband hat einmal die Aufgabe, die erkrankte Stelle vor Verunreinigungen oder neuen Infectionen zu schützen, dann aber auch den Vorfall der Weichtheile zu verhindern. Theils durch die Entfernung der Hornpartien, grösstentheils aber in Folge der entzünd­lichen Schwellung zeigen blossgelegte Weichtheile die Neigung, durch die in der Hornkapsel hergestellte Oeffnung vorzuquellen, wobei sie durch die Ränder des Hufhornes gereizt anschwellen und schliesslich von diesen eingschnürt werden. Auf solche Weise entstehen nicht nur erheb­liche Schmerzen, sondern es stösst auch der regelmässige Abfluss des Eiters auf Schwierigkeiten, in Folge dessen Eiterretention mit ihren Folgen (Phleg­mone) herbeigeführt wird. Daher ist zur Beseitigung derartiger Vorfälle ein Druckverband event, unter Application von Adstringentien (Alaun, Tannin) oder selbst von Aetzmitteln (Höllenstein u. s. w.) oft nothwendig. Durch Bestreuen der Granulation mit Jodoform und anderen, pulver-förmigen Desinficientien kann den entzündlichen Processen weiter entgegen­getreten werden. Ganz besondere Vorsicht verlangt dieses Verfahren, wo der Eiter jauchige Beschaffenheit zeigt; hier werden andauernde Fussbäder besonders wirksam, indem sie reinigend auf den Erkrankungsherd wirken.
Sobald die Eiterung verschwunden ist, sorge man für den nöthigen Schutz, damit sich die Weichtheile mit neuem Horn bedecken ; dazu dient ebenfalls ein passender Occlusivverband event, unter Anwendung von Theer und ähnlichen Mitteln. Erst nach erfolgter Benarbung kann der Verband entfernt und ein Beschlag wieder eingeführt werden, der nicht nur den allgemeinen Anforderungen entsprochen , sondern auch die erkrankte Stelle so lange schützen muss, bis sieh dieselbe wieder mit einer starken Hoin-lage bedeckt hat.
Ist Nekrose der Huflederhaut festgestellt, so muss die betreffende Stelle vollständig freigelegt werden , um das abgestorbene Gewebe zu ent­fernen und der Brandjauche möglichst freien Abfluss zu verschaffen. Die Gangrän giebt sich hier durch eine graugelbe Farbe der Huflederhaut, sowie durch das Fohlen von Schmerz und Blutung beim Berühren der Stelle zu erkennen. Zum Zwecke der Entfernung nokrotischer Gewebsmassen er­fasse man dieselben mit einer Pincette oder Zange und suche sie abzu-reissen. Nachdem dieses geschehen, muss die oben beschriebene Behand­lung eintreten.
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Vernagelung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;805
lieber die Behandlung der Complicationen mit Phlegmone im Strahllaquo; polst ei- vergleiche man das Kapitel Nageltritt; auch soll die Phlegmone im subcoronären Bindegewebe an anderer Stelle besprochen werden.
1. Die Vernagelunglaquo;
Verletzungen der Huflederhaut durch einen heim Beschlagen in dieselbe eingedrungenen Nagel kommen bekanntlich sein- häufig vor und zeigen sich in ihren Folgen ausserordentlich verschieden. In erster Linie hängt dieses von dem Grade der Verletzung ab, dann aber auch von den mit derselben verbundenen Infecfcionsvorgängen. War der Nagel nur bis in die Nähe der unverhornten Ketelager vor­gedrungen oder ist nur dieses verletzt, so entsteht eine superficielle Entzündung mit den oben beschriebenen Folgen. Wurden aber die bindegowehigen Abschnitte der Cutis von demselben getroffen, so entwickelt sich in der Kegel eine parenchymatöse Entzündung; doch ist dieses nicht immer der Fall. Wenn nämlich der verletzende Nagel alsbald wieder entfernt und der Nagelkanal durch Theer, Wachs oder Brennen des Homes geschlossen und auf diese Weise eine Infection der Wunde verhindert wurde, so kommt bekanntlich nur selten eine Entzündung zu Stande, ein Beweis, dass nicht die Verletzung an sich, sondern die mit derselben verbundene Infection die Entzündung ver­anlagst. Daher bleibt auch die alte Regel beachtenswerth, in solchen Fällen an derselben Stelle keinen zweiten Nagel einzuschlagen, weil hierdurch die Gefahr der Infection vergrössert wird.
Unter Umständen kommen durch den eingeschlagenen Hufnagel Verletzungen des Hufbeines zu Staude; doch hüte man sich, die im Verlaufe des Ent/.ündungsprocesses eintretende Nekrose des Hufbeines als eine durch den Nagel verursachte Fraktur desselben aufzufassen.
Der Verlauf gestaltet sich verschieden. Leichte, d. h. ober­flächliche Verletzungen heilen zuweilen ohne zur Eiterung zu führen in 9—10 Tagen unter kühlender Behandlung und Buhe. Die durch Vernagelung erzeugte Pododermatitis superficialis führt regelmässig zur Eiterung, wobei der Eiter, wenn nicht eine künstliche Entleerung desselben vorgenommen wurde, an der Stelle der Krone zum Durch­bruch gelangt, welche in der Verlängerung der Hornröhrchen liegt, wo die Vernagelung eingetreten war. Wenn auch meist spontane Hei­lung erfolgt, so kann es doch keinem Zweifel unterliegen, dass die schnelle Entleerung des Eiters in der weissen Linie den Vorzug verdient.
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80(5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Hufes.
Da Vernagelungen fast nur an den Abschnitten eintreten, wo die Huf lederhaut sich unniittelbar auf das Hufbein legt, also keine Subcutis besitzt, so wird auch nur selten Phlegmone als Complication derselben beobachtet; häufiger dagegen Nekrose der Fleischwand und selbst des Hufbeines mit ihren Folgen (S. 801). Wie bereits oben be­merkt, hängt dieses mehr noch von der Art und dem Grade der In­fection als von der Ausdehnung der Verletzung ab.
Die Diagnose ergiebt sich theils aus dem Umstände, dass das Pferd bald nach dem Beschläge lahm wurde, theils aus der Unter­suchung des Hufes. Zu dem Zwecke lasse man nach Abnahme des Hufeisens die Bodenfläche des Hufes und namentlich die weisse Linie in ihrer ganzen Ausdehnung ausschneiden, um sich von dem Sitze der Nagellöcher überzeugen zu können. Im übrigen verfahre man hierbei wie S. 802 angegeben, und wenn ein Nagelkanal freigelegt werden soll, so muss dieses zu­nächst in dem Sohlenhorn und in der weissen Linie, unter Schonung des Wandhorns erfolgen, um für den neuen Beschlag eine genügende Tragefläche zu erhalten.
Ursachen. Unvorsichtigkeit und Ungeschicklichkeit der Schmiede bildet zwar in der Itegel die Ursache der Vernagelung, doch können derartige Verletzungen besonders an schlechten Hufen und bei un­ruhigen Pferden auch ohne ein Versehen des Schmiedes eintreten. Das Versehen ergiebt sich aus dem falschen Sitze des Nagelloches an einem Hufe, bei dem ein derartiger Nagelansatz nicht erforderlich war. Zu eng gerichtete und zu tief gelochte Eisen, fehlerhafter Nagel­ansatz bilden in der Regel den Ausgangspunkt der Vernagelung, sehr selten im Hufe zurückgebliebene Eisenstifte, welche den Nagel von seiner normalen Richtung ablenken.
Die Behandlung verlangt zunächst Entfernung des Nagels wie auch des Hufeiseirs. So lange keine Eiterung besteht, wird Kälte ir. Form von Fussbädern oder Umschlägen angewendet. Sobald Eite­rung eingetreten ist, findet die Behandlung nach den oben (S. 803) geschilderten Grundsätzen statt.
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Nagoltritt.
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2. Der Nageltritt.
Verletzungen durch Gegenstände irgend welcher Art. die durch die Körperlast in die Weichtheile des Hufes gedrängt (eingetreten) sind, fasst man unter dem Namen „Nageltrittquot; zusammen. Meist bilden Nägel oder Draht, nicht selten aber Eisen- oder Glasstilcke den verletzenden Gegenstand. Da die Hornsohle ihnen meist genügen­den Widerstand leistet, so dringen solche Fremdkörper fast ausschliess-lich am Strahl ein, verletzen also den Fleischstrahl und das Strahl­polster, ausnahmsweise aber auch die Hufbeinbeugesehne, Hufbein oder Strahlbein, oder selbst das Kronenbein (S. 637), Meist gleitet der Fremdkörper an der einen oder anderen Eckstrebo ab und dringt in Folge dessen von der seitlichen Strahlfurche aus in den Huf ein.
Wenn man diese Verletzungen von der Vernagelung getrennt hat, so lag dieses vornehmlieh in der verschiedenen Bedeutung be­gründet, welche jedoch auch beim Nageltritt von der Tiefe der Verletzung und der Art der Infection abhängt. Beschränkt sich die Continuitätstrennung auf die Oberfläche des Fleischstrahles, so bleiben in der Kegel bedenkliche Folgen aus; sobald aber das Strahl­polster mit betroffen ist, tritt die Gefahr einer diffusen Phlegmone desselben ein; die Eiterung greift auf die Huf beinbeugesehne über, es entsteht Nekrose derselben und eiterige Entzündung der Strahlbein­bursa. Damit wird ein Zustand geschaffen, der höchst bedenklich erscheint, an dem die Thiere häufig zu Grunde gehen, wenn nicht bald Hülfe eintritt. Dass bei der langsamen oder schnellen Aus­breitung des Processes auch die Art der Infection eine Rolle spielt, bedarf nicht der Begründung.
Die Beurtheilung hängt in erster Linie von' dem Sitze und sodann von dem Umfange der Verletzung und der Art der Infection ab. Die Tiefe der Wunde lässt sich an dem entfernten Fremdkörper selbst, zuweilen auch mit Hülfe der Sonde feststellen. Die Anwen­dung der letzteren verlangt jedoch Vorsicht, denn leicht werden durch dieselbe Infectionsstoffe in die Tiefe der Wunde verschleppt. Wichtig für die Beurtheilung ist ferner der Sitz der Verletzung. Am bedenk­lichsten wird der Nageltritt in der Mitte des Strahles. wo die Huf-beinbeugeselme dem Strahl am nächsten und zugleich die Bursa mit dem Strahlbein liegt. An der Strahlspitze erfolgt leicht eine Ver­letzung der untern Fläche des Hufbeines, wodurch Nekrose desselben
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808nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Hufes.
entsteht; diese zeigt sich jedoch selten so gefährlich, wie die Erkran­kung der Sehne und ihrer Scheide, weil die Nekrose des Knochens meist örtlich beschränkt bleibt und unter Exfoliation Heilung er­folgt, wenn siuch oft erst nach längerer Zeit (3—4 Wochen). Hoch­gradige Lahmheit, sowie Erscheinungen einer diffusen Phlegmone des Strahlpolsters bilden bedenkliche Zeichen, also: excessive Volar-flexion beim Versuche, den Fuss zu belasten, Anschwellung zwi­schen den Ballen und Schmerzen bei forcirter Dorsalflexion der Zehe.
Behandlung. Verhinderung der Infection sowie der Ausbreitung des entzündlichen Processes bilden die Hauptaufgabe der Therapie. Nacli sorgfältiger Entfernung des Fremdkörpers, wobei man sich überzeugt, dass nicht Theile desselben zurückgeblieben sind, muss der ganze Huf zunächst wie zum Beschläge ausgeschnitten werden. So­dann entfernt man auch das Horn um den Nagelkanal, so dass dieser wenigstens bis in die Nähe der verletzten Weichtheile freigelegt, bezw. entfernt ist. Nunmehr wird die trichterförmige Oeffnung und soweit möglich auch die Wunde mit reinem Wasser oder besser noch mit einer Desinfectionsflüssigkeit sorgfältig gereinigt; hierzu eignet sich eine Spritze, die jedoch vorher gereinigt werden muss; auch Aus­wischen mit einem Tampon, der mit 100/niger Chlorzinklösung getränkt wunle. Es handelt sich vor allem darum, die Wunde zu desinficiren, deshalb lässt man auch einen mit einer Desinfectionsflüssigkeit an­gefeuchteten Occlusivverband folgen.
Nehmen in den nächsten Tagen die Schmerzen zu, so sondire man vorsichtig die Wunde, um etwaige Retention von Wundsecret zu beseitigen; auch empfiehlt sich unter solchen Urnständen, täglich 2 Mal 1—2 Stunden hindurch ein Fussbad anzuwenden; steht ein Desinfectionsmittel hierzu zu Gebote, um so besser. Selbstverständlich muss für eine reine, trockene Streu gesorgt werden. Den Verband lasse man täglich 5—0 Mal begiessen und so feucht erhalten.
Es handelt sich also darum, den entzündlichen Process auf die verletzte Stelle möglichst zu beschränken und eine Ausbreitung des­selben zu verhindern; sorgfältige lieinerhaltung, Vermeidung von Keteution des Eiters, bezw. Wundsecretes und Beschränkung der Zersetzungsvorgänge in der Wunde geben hierzu die wirksamsten Mittel ab.
Lassen die Schmerzen nach, so genügt ein trockener Verband, und wenn die Entzündung, bezw. Eiterung aufhört, wird zum Schütze der
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Nageltritt.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;809
nur mit einer dünnen Hornmasse bedeckten Weichtheile ein sog. Splintverband angelegt, indem man die betreffende Stelle mit Tlieer bestreicht, mit Werg bedeckt und ein Paar Holzspilne, kreuzweise über einander gelegt, mit ihren Enden unter das Hufeisen schiebt-Hiermit kann das Pferd arbeiten, sofern der Boden trocken ist, bei Schmutzwetter muss der Patient noch einige Tage im Stalle bleiben-.
Beschränkt sich die Eiterung im Strahlpolster auf eine bestimmte Stelle, so verhüte man eine neue Infection oder die Retention von Eiter, wodurch eine diffuse Phlegmons des Strahlpolsters entstehen würde.
Wenn daher die Hufbeinbeugesehne mit ihrer Bursa noch nicht mitleidet, kann unter Umständen das Auskratzen der Wunde mit dem scharfen Löffel nützlich werden. Man beseitigt mit demselben die in-flcirten, nicht selten üppigen Granulationsmassen, also nicht allein ein Hinderniss für den Abfluss, sondern auch die nekrotischen Massen aus der Tiefe. Nach dem Auswischen mit Chlorzink wird ein mit dem­selben Mittel getränkter Tampon in die Wunde geschoben und ein Verband angelegt.
Sobald die Hufbeinbeugesehne erkrankt ist, bleibt nur die Re­section derselben zur Wiederherstellung des Patienten übrig, wobei man wie folgt verfährt: Nachdem Sohle, Strahl und namentlich die Eckstreben des Hufes recht tief ausgeschnitten sind, wird am nieder­gelegten Pferde der Strahl mit dem Strahlpolster freigelegt, um die nekrotischen Abschnitte desselben, sowie auch der Hufbeinbeugesehne zu entfernen. Ich habe diese Operation häufig an schweren Wiigenpferden mit dem besten Erfolge vorgenommen: weniger Aussicht bietet sie bei Luxuspferden, weil die Trabbewegung oft noch längere Zeit nach der Operation gestört bleibt. Der zu operirende Fuss wird ausgelumden, ein Gummischlauch über der Vorderfusswnrzel, bezw. dem Sprunggelenke fest angelegt, um in der Blutleere zu operiren. Zunächst führt man durch die seitlichen Strahlfurchen zwei Schnitte, welche sich an der Strahl­spitze treffen. Hierdurch wird der Fleischstrahl mit einem Theil des Strahlpolsters frei und mittelst eines durch die Spitze des Strahles gezogenen Bandes zurückgelegt. Die regelmässig bestehenden Fistel­gänge müssen bei der Schnittführung beachtet werden, um auf dem Grunde derselben die nekrotischen Herde zu treffen. Leidet bloss das Strahl­polster, so entferne man die nekrotischen Theile desselben, kratze die Umgebung mit dem scharfen Löffel ans, wische mit Chlor/.inklösung nach und lege alsdann einen feuchten Desiufectionsverband an. Meist besteht jedoch Nekrose der Hufbeinbeugesehne mit eiteriger Erkran­kung der Bursa podotrochlearis. In solchem Falle empfiehlt sich die
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810nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Hufes.
totale Resection des unteren Insortionsstückes der Sehne. Zu dem Zwecke trenne ich zunächst ihre Ansatzstelle vom Hufbeine ab, wor­auf die Gleitfläche des Strahlbeines sichtbar wird, wenn man die Sehne zurücklegt; in der Regel findet sich bereits Maceration des Knorpels, nicht selten auch Nekrose desselben. Nunmehr wird die Sehne in der Höhe des oberen Strahlbeinrandes mit dem lorbeerblatt-förmigen Messer abgeschnitten, und zwar möglichst glatt; ein recht scharfes Messer mit langem Hefte ist hierzu erforderlich. Höher nach oben darf diese Trennung nicht vorgenommen werden, weil man sonst das Hufgelenk öffnet. Nach Entfernung des Seimenstumpfes wird das Strahlbein mit dem scharfen Löffel abgekratzt, um durch Entfer­nung des Knorpels eine productionsfähige Oberfläche zu erzielen. Darauf wischt man die Höhle mit einer 100/nigen Chlorzinklöamp;ung ans, spült mit Carbol- oder Sublimatwasser nach und legt mehrere, mit Carbolwasser angefeuchtete Wergbäusche in die Höhle, worauf der Strahl in seine normale Lage zurückgebracht und ein feuchter Occlussivverband angelegt wird. Die Ausfüllung der Höhle mit Werg muss erfolgen, um die nach dem Abnehmen des Gummischlauches auf­tretende Blutung ZU beschränken. Am nächsten Tage wird dieser Verband abgenommen, die Wunde mit einer Desinfectionsflüssigkeit ausgespült und ein gleicher Verband angelegt; doch wird die Höhle nur lose mit Carbolwerg oder Jute ausgefüllt. Dieser zweite Verband bleibt 8—10 Tage liegen, falls keine Durchfeuchtung desselben oder anderweitige Störungen (Fieber, heftige Schmerzen) eintreten. Nach dieser Zeit findet man die Wände der Höhle überall mit Granulation bedeckt, in günstigen Fällen ohne jede Spur von Eiterung. Der Ver­band wird nunmehr alle 4—5 Tage erneuert, und in dem Masse sich die Höhle mit Granulation füllt, nuiss man mit dem Verbände für dieselbe Platz machen, indem immer weniger Stoff' in die Höhle ein­geführt wird. Schliesslich heilt dieselbe vollständig aus; der Strahl erscheint zwar oft etwas verkürzt, im übrigen bleiben keine Defor­mitäten zurück. Oft habe ich die Thiere 4—(i Wochen nach der Operation wieder arbeiten lassen; hierbei empfiehlt sich ebenfalls der Splintverband.
Die partielle Resection der Beugesehne ist nach meinen Erfah­rungen nicht ZU empfehlen, da regelmiissig die Bursa podotrochlearis mitleidet. Wenn daher auch das nekrotische Sehnenstück entfernt wird, so bleibt doch die eiterige Bursitis bestehen und führt zu neuer Nekrose an der Sehne. Die Mittheilungen über partielle Resectionen des Hufbeinbeugera sind mit Vorsicht aufzunehmen. Schon der Um-
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Kronentritt.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;81J
stand, duss man in solchen Fällen bereits nach 8—14 Tagen, oft noch früher, Heilung gesehen haben will, beweist nach meiner Ueber-zeugung, class man nicht Nekrose der Beugeseime sondern nur des Strahlpolsters vor sich gehabt hat. Bei dieser genügt aber häufig Auskratzen mit dem scharfen Löffel.
8laquo; Der Kronentritt.
Verletzungen an der Krone des Hufes und deren Nabe durch Treten eines anderen Fusses bezeichnet man als Kronentritt. Dabei erfährt entweder die Kronenwulst, ins Saumband oder die äussere Haut Trennungen des Zusammenhanges, welche sich nicht selten auf die unter der Haut gelegenen Theile, auf die Sehne des langen Zehenstreckers, die Huf knorpel und selbst auf das Hufbein ausdehnen und mit Eröffnung des Hufgelenkes verbunden sein können. Die bei dem Kronentritt bestehende Gefahr wird noch dadurch gesteigert, dass die Verletzung eine Quetschwunde bildet, welche schon bei ihrer Entstehung stark inficirt wird. Daraus erklärt sieb, dass der Kronentritt niemals per primam heilt, vielmehr mit Neigimg zur Nekrose verbunden ist. Hierzu trägt allerdings die Einrichtung' und Lage der verletzten Theile mit bei; die Sehne sowohl wie auch das Hufbein und seine Knorpel sterben leicht ab, während an der Fleischkrone die (refahr der Nekrose noch durch ihre Lage gesteigert wird, indem bei acut-eiitzündlichen Schwelhmgeii durch den Gregendruck der harten Hornwand die Er­nährungsvorgänge in derselben erhebliche Beeinträchtigungen erfahren. Dazu kommt endlich, dass sich die Mehrzahl dieser Verletzungen im Winter ereignen, und die Wirkung \7oii Kälte und Schmutz einen nachtheiligen Einfiuss nach der Richtung ausübt. Durch Vernach­lässigung geringfügiger Verletzungen im der Krone entstellen in dieser .Jahreszeit nicht selten schwere gangränöse Processe an der Krone, welche sich auf die Fleischwand ausbreiten. Glücklicherweise laufen die Regenerationsvorgänge an dieser Stelle mit einer grossen Voll­kommenheit ab; siebt man doch nicht selten, dass grössere Abschnitte der Fleischkrone so vollständig ersetzt worden, dass ein Defect in der Wandbildung nicht zurückbleibt. Dieses wird dadurch ermöglicht, dass die Papillen des Saumbandes und der benachbarten äusseren Haut zum Ersatz für die verloren gegangenen herangezogen werden. Man vergleiche hierüber meine Hufkrankhoiteu 11. Aufl. S. 59,
Eine Unterbrechung in der Funktion der Fleischkrone tritt natür-
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gl2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Hufes.
lieh bei jeder erheblichen Verletzung an der betreffenden Stelle ein. So lange dieselbe acut-entzündlich erkrankt ist, bildet sie kein Wand-horn, daher inuss an der leidenden Stelle eine Lücke in der Hornwand entstehen, welche man seit alter Zeit als „Hornkluft4 bezeichnet und deren Ausdehnung von der räumlichen und zeitigen Unterbrechung der Hornproduction an der Krone abhängt. Je länger die Entzündung anhält, um so grosser wird die senkrechte Ausdehnung der Lücke, je weiter dieselbe an der Krone ausgebreitet war, um so breiter wird der später auftretende Defect. Bleibt die Hornproduction dauernd gestört, so bildet sich eine Lücke in der Hornwand, welche allmälich nach unten wächst und schliesslich vom Kronen- bis zum Tragerande reicht. Zur Beurtheilung der Frage, ob eine vollständige Wiederher­stellung der Integrität der Hornwand eintreten wird oder nicht, muss also das Horn dicht unter dem Saumbande beachtet werden.
Eine weitere Störung der regelmässigen Heilung dieser Ver­letzungen bestellt zuweilen darin, dass die Papillen der Floischkrone in einer fehlerhaften Lage an ihrer Oberfläche verhoraen und in Folge dessen ihre normale Stellung nicht wieder erhingen. Die während der acuten Entzündung ungeordnet durch einander liegenden Kronenpapillen müssen natürlich in ihre normale Lage gebracht werden, wenn sie zur Bildung einer normalen Hornwand später wieder beitragen sollen. Dies geschieht offenbar durch die benachbarten, in ihrer regel­mässigen Lage nicht gestörten Papillen. Da nämlich die Bedeckung der Oberfläche mit Horngewebe von der Peripherie der Verletzung ausgeht, so werden die erkrankten und verlagerten Papillen von der Hornproduction auf den benachbarten in ihre frühere Lage zurück­gebracht, und da sich dieser Vorgang der Benarbung bis zum Centrum der Wunde allmälich fortsetzt, so findet eine Wiederherstellung des normalen Zustandes statt. Zuweilen aber verhornt die Oberfläche nicht so regelraässig, indem dieser Vorgang bereits zu einer Zeit eintritt, in der die Anschwellung noch nicht verschwunden ist, die Papillen also ihre normale Lage unmöglich einnehmen können; oder die Ver­hornung erfolgt nicht regelmässig und gleichmässig von der Peripherie zum Centrum der Verletzung. Dann müssen die in einer abnormen Lage verhornten Papillen nothwendig in dieser verharren, und es ent­steht an der Krone eine abnorme Hornwucherung, d. h. eine Anzahl Papillen trägt nicht zur regelmässigen Wandbildung bei, sondern pro-ducirt für sich Hornmassen, welche mit der Wand nicht im Zusammen­hange stehen. Die Hornwand aber zeigt alsdann an der betreffenden Stelle einen Defect, wodurch die Festigkeit derselben leiden kann.
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Kronentritt.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;811:5
Durch Verhonumg der noch angeschwollenen Krone kommt zuweilen eine abnorme Verdickung an der Aussenfläche der Hornwund zu Stande; ausnahmsweise erfolgt dieser Vorgang an der inneren Fläche der Wand und zwar unter Bildung einer sog. Hornsäule.
Aussei- diesen Störungen in dem Heilungsvorgange verbinden sich mit dem Kronentritt noch bedenklichere Gefahren. Erkrankt z. B. das Hufgelenk eiterig oder septisch, so ist ein unheilbarer Zustand ge­schaffen; dieses kann sowohl durch directe Verletzung des Gelenkes als auch durch den Einbruch einer an die Verletzung sich anknüpfen­den Phlegmone des subcoronären Bindegewebes in dasselbe, endlich auch durch Ausbreitung der Nekrose in die Tiefe veranhisst werden.
Nekrose der Sehne des langen Zehenstreckers giebt zwar zu einer auffälligen Bewegungsstörung Veranlassung, indem der Fuss beim Ausschreiten und dem Versuche ihn zu belasten, in excessive Volar-bezw. Plantarflexion tritt; doch hat dieser Zustand keine dauernden Störungen zur Folge, indem der Sehnendefect durch Bindegewebe aus­gefüllt wird, die Enden der Sehne wieder mit einander verwachsen. Bedenklich wird das Uebergreifen der Nekrose auf die Fleischwand, weil dieselbe sich hier leicht ausbreitet oder zu einer diffusen Ent­zündung der Huflederhaut führt, welche nicht selten mit Ausschuhen verbunden ist. Nekrose der Hufbeinknorpel giebt stets zur Bildung von Knorpelfisteln Veranlassung.
Prognose. Aus dem Angeführten ergiebt sich, dass die Be-urtheilung der als Nageltritt bezeichneten Verletzungen ausserordent-lich verschieden ausfallen muss. Folgende Anhaltspunkte kommen hierbei in Betracht:
1. Ort und Ausdehnung der Verletzung. Je mehr sich die Verletzung dem Hufe nähert, um so bedenklicher wird dieselbe; ist nur die äussere Haut und das Saumband betroffen, und reicht die Trennung nicht in die Tiefe, so heilt der Kronentritt regelmässig und in kurzer Zeit; an der Fleischkrone stossen nicht allein die Heilungs­vorgänge auf grössere Schwierigkeiten, sondern es entsteht hier zu­gleich die Gefahr der Miterkrankung des Hufgelenkes; bei den kleinen, feinen Hufen edler Pferde ist diese Gefahr am grössten.
In der Mitte der Zehe liegt das Hufgelenk kaum melir als 2 cm vom Kronenrande der Hornwand entfernt, im weiteren Verlaufe nach hinten tritt dasselbe jedoch immer weiter von der Krone zurück, liegt hier also tiefer und wird nicht so leicht mitverletzt. Verletzungen au der Zehe sind daher stets bedenklicher als solche an der Seiten wand.
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814nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Hufes.
und zwar um so mehr, als auch die Sehne des langen Zehenstreckers hier nicht selten mitgetroffen wird.
2. Grosse der Anschwellung und Grad der Lahmheit. Da die Anwendung der Sonde keine zuverlässige Auskunft über die Ausdehnung der Verletzung giebt, andererseits aber mit der Gefahr verbunden ist, das Hufgelenk zu perforiren oder septische Substanzen in die Tiefe zu verschleppen, so muss der Anschwellung und Schmerz-haftigkeit bei der Prognose eine besondere Bedeutung beigelegt werden. Denn je grosser diese, um so schwerer und ausgedehnter pflegt die Erkrankung zu sein. Besondere Vorsicht empfiehlt sich bei der Prognose, wenn erhebliche Schmerzhaftigkeit ohne starke Anschwel­lung, überhaupt ohne eine nachweisbare Ursache auftritt. Dass bei der Beurtheilung das Allgemeinbefinden, Appetit, Körpertemperatur u. s. w. in Betracht gezogen werden muss, versteht sich von selbst.
Die Diagnose bietet nur selten Schwierigkeiten. Bei Pferden mit langem Behang wird jedoch eine nähere Untersuchung oft noth-wendig, um die Verletzung zu entdecken. Wo bereits Nekrose besteht, können Zweifel auftauchen, ob es sich um einen Kronentritt oder um eine spontane Gangrän (Brandmauke) handelt. Streichwunden und anderweitige Verletzungen führen wohl zu ähnlichen Veränderungen wie der Kronentritt, müssen dann aber ebenso wie bei diesem Leiden beurtheilt werden.
Behandlung. Die erste und wichtigste Aufgabe der Therapie be­steht in Keinigung und Desinfection der Wunde. Sowohl die mit dem Stollen in die Wunde gedrängten Haare als auch lufectionsstoffe, welche regelmässig in grosser Menge in dieselbe übertragen wurden, müssen zunächst nach Möglichkeit entfernt werden. Zu dein Zwecke schneide man in der Umgebung der verletzten Stelle die Haare fort und entferne die etwa vorhandenen losen Fetzen von den Wund-rändern. Sodann lilsst man den ganzen Huf, namentlich die Krone desselben sorgfältig abwaschen, und die Wunde mit Carbol-Sublima^-oder Creolinwasser ausspülen. Wo Zeit und Gelegenheit dazu gegeben, empfiehlt sich ein Fussbad mit den genannten Mitteln. Auch das Auswischen oder Ausspritzen mit einer Chlorzinklösung (1 : 10) zeigt sich vortheilhaft. Nachdem sodann bei Gegenwart einer stärkeren Anschwellung der Fleischkrone die entsprechenden Abschnitte der Hornwand durch Abraspeln verdünnt sind, legt man einen Verband an. Ich ziehe den feuchten Carbol- oder Sublimatverband vor, lasse
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Steingalle.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;815
die Wunde nut Jodoform bestreuen, einen mit den genannten Mitteln angefeuchteten Werg- oder Jutebausch auf die verletzte Stelle legen und mehrere grössere Bäusche folgen, die mittelst einer Binde be­festigt werden, welche man massig fest anzieht. Der Verband soll zugleich einen leichten Druck auf die entzündete Krone ausüben und diese von der Hornwand abdrängen; dementsprechend wird derselbe applieirt und durch wiederholtes Begiessen mit einer Desinfections-flüssigkeit einige Tage hindurch feucht erhalten. Lassen die Schmer­zen nach und findet keine Durchfeuchtung des Verbandes statt, so kann derselbe 2—3 Tage liegen bleiben, anderenfalls muss alsbald eine Erneuerung desselben eintreten. Sobald regelmässige Eiterung erfolgt, lässt man an Stelle des feuchten einen trockenen Verband anlegen.
Besondere Aufmerksamkeit verdient, wie sich aus obiger Be­trachtung orgiebt, der Benarbungsprocess. Wie bereits erklärt, darf die Verhornung an den Papillen der Krone nicht früher eintreten, als bis Abschwellung derselben eingetreten ist. Hierauf ist besonders zu achten, und wenn sich vor dieser Zeit bereits Neigung zur Horn­bildung zeigen sollte, so lasse man 0,50/oige Kalibäder oder solche von Seifenwasser anwenden, um das Erhärten der verhornten Massen zu verhindern, bis die entzündliche Anschwellung sich verloren hat. In gleicher Weise muss auch das unregelmässige Fortschreiten der Benarbung behandelt werden.
Gegen abnorme Horn Wucherungen an der Krone bleibt nicht viel auszurichten; ist dieselbe auf eine kleinere Stelle beschränkt, d. h. nimmt ihre Basis etwa nur die Grosse eines 3—Ö-Markstückes ein, so erzielt man durch vollständiges Abtragen der gewneherten Massen erhebliche Besserung des Zustandes, unter Umständen vollständige Heilung. Dieses operative Eingreifen wird nothwendig, wenn die Wucherung sich gegen die Hornwand legt und an ihrer Basis chronische Eiterung entsteht. Man schneide die Masse von Grund aus fort, ver­sehe sich aber mit Verbandmaterial, um die zuweilen stärkere Blutung alsbald stillen zu können; auch das Glüheisen kann hierzu nütz­lich werden.
4. Die Steiiigiille.
Die Bezeichnung „Steingallequot; bildet einen Collectivbegriff für verschiedenartige Krankheitszustände, welche an den hinteren Ab-theilungcn des Hufes, namentlich in den Sohlenwinkeln vor-
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81(jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kmnkhoitcn des Hufes.
kommen. Sitz der Leiden bildet entweder die Fleischwand der Trachten­oder Eckstrebenwand, oder aber die Fleiselisohle. Demnach hat man auch wohl Wand-, Sohlen- und Eckstrebensteingallen unterschieden. In der Kegel handelt es sich um intracapsuläre Blutungen in Folge von Druck oder Zerrung. So lange der hilmorrhagisclie Herd nicht inticirt wird, tritt auch keine Entzündung ein; war dieses der Fall, so kommt es zu einer Fododermutitis, und zwar bald zu einer superflciellen, bald ZU einer parenchymatüsen. In jedem Falle stellt sich Eiterung ein, weshalb man diese Art als „feuchtequot; Steingalle, im Gegensatz zu der ohne Entzündung ablaufenden trockenen Steingalle bezeichnet hat. In der Fleischwand oder Sohle findet die Blutung am häufigsten an der Oberfläche des Papillarkörpers statt. Das Blut ergiesst sich zum grössten Theil zwischen diesen und das Hufhorn, welches an seiner inneren Fläche von demselben durchtränkt wird; auch die nun­mehr sich neubildenden Ilornzellen werden von dem Blute roth gefärbt. So entstehen rothe Flecke, bald in Gestalt feiner Funkte — wenn die Blutung auf die Papillen beschränkt blieb —, meist aber in Form grösserer rother Flecke, die sich allerdings erst später beim Aus­schneiden des Hufes zeigen. sobald nämlich die so gefärbten Horn-schiehten bis an die Oberfläche des Hufes vorgerückt sind. Findet aber eine Infection des ergossenen Blutes statt, so folgt der entzünd­liche Process, welcher namentlich dann oft bedenklich wird, wenn die Pododermatitis parenehymatosa von den Eckstreben aus auf das Strahl­polster übergreift und eine diffuse Phlegmone desselben herbeiführt; auch durch Infection des Parachondriums und Bildung einer Huf­knorpelfistel (s. diese) kann sich der Zustand zu einem unangenehmen Leiden gestalten. Leider kommen diese Complicationen ziemlich häufig vor.
Ursachen. In der unmittelbaren Verbindung der blutgefäss-reichen Huflederhaut mit dem harten Hufhorn liegt es begründet, dass gerade hier so leicht Blutungen vorkommen; sehr selten werden ent­zündliche Vorgänge ohne Hämorrhagien beobachtet. Man findet indess zuweilen Spuren derselben in den Sohlenwinkeln; das Sohlenhorn zeigt sich hier glänzend, halbdurchsichtig, etwas gelblich gefärbt; Ver­änderungen, die auf eine entzündliche Erkrankung der Hufmatrix zurückgeführt werden müssen.
Dass die hinteren Hufabschnitte von solchen Läsionen am häufig­sten betroffen werden, liegt theils in der grösseren Beweglichkeit der­selben; der Hufmechanismus macht sich gerade hier am lebhaftesten
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Steingalle.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;817
bemerkbar und kann daher leicht zu Zerrungen in den Weichfcheilen führen. Dann aber kommt in Betracht, dass die Trachten im höheren Grade belastet werden, trotzdem das Hufhorn hier am wenigsten stark erscheint. Das häufigere Vorkommen der Steingallen im medialen Sohlenwinkel und an den Vorderfüssen muss gleichfalls auf die Mehr­belastung und die bedeutendere Stosswirkung bei der Bewegung namentlich in schnellen Gängen zurückgeführt werden.
Begünstigt werden Steingallen durch lange und weiche Fessel und andere fehlerhafte Stellungen, namentlich an den Vorderfüssen; bei bodenweiter Stellung leidet meist die innere, bei bodenenger die äussere Tracht. Je schwächer das Hufhorn an den Trachten, um so leichter treten derartige Verletzungen ein; die Gegenwart von Ring­bildung an der Aussenfläche der Trachtenwand lässt Stein­gallen vermuthen. Ebenso leiden abnorm enge Hufe regelmässig an Steingallen; beim Trachtenzwanghuf fehlen sie fast niemals. Doch sind auch weite Hufe häufig mit solchen behaftet; während hier vornehm­lich Sohlensteingallen vorkommen, bilden sich an engen Hufen mit Vorliebe Wandsteingallen aus.
Als äussere Ursache wirkt vor allein ein fehlerhafter Hufbe­schlag, namentlich das unrichtige Beschneiden, zu kurze oder zu enge Eisen, oder zu langes Liegen der Hufeisen. Da an unbeschlagenen Hufen Steingallen fast niemals beobachtet werden, so lag der Gedanke nahe, dass dieselben stets durch den Druck des Hufeisens veranlagst würden. Deshalb suchten vielfach Schmiede dem Leiden entgegen­zutreten , indem sie die innere Tracht soweit verkürzten, dass diese mit dem Eisen nicht mehr in Berührung kam. Der Erfolg zeigte aller, dass dieser Schluss nicht richtig war, denn jetzt traten die Stein­gallen erst recht hervor, und zu ihnen gesellte sich noch ein Horn-spalt am Kronenrande des Hufes. Man hatte nämlich dabei übersehen, dass die Tracht auf dem Hufeisen einen Stützpunkt finden muss; wenn das nicht geschieht, so senkt sich die Tracht in abnormer Weise und führt zu Zerrungen und Zerreissungen in der Huflederhaut.
Beurtheilung. Im Allgemeinen gehören Steingallen zu den besonders von Laien gefürchteten Leiden, obgleich sie sehr häufig vorkommen; in grösseren Städten ist das Fehlen derselben geradezu als eine Ausnahme zu betrachten. Dieser Umstand beweist schon, dass sich an diese Leiden bedenkliche Folgen knüpfen können. Solche treten aber erst ein, wenn eine Infection des Krankheitsherdes statt­gefunden hat, und da diese mit seltenen Ausnahmen immer von aussen
Müll er, Spocielle Cliirui'gie (iir Tliiorärzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 52
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Krankheiten des Hufes.
erfolgt, so kommt es vor allem darauf an, die hämorrhagischen Herde gegen das Eindringen von Infectionsstoffen zu schützen. Sobald dieses möglich ist, erscheint die Prognose günstig. Nur da, wo sich die Beschaffenheit des Hufhornes so mangelhaft zeigt, dass selbst alle Vorsichtsmassregeln zur Beseitigung der Steingallen nicht genügen (habituelle St.) fällt die Beurtheilung ungünstig aus. War bereits Eiterung eingetreten, so muss man auf die oben beschriebenen Compli-cationen gefasst sein, namentlich wenn es sich um eine Pododermatitis parenchymatosa handelt. Anschwellung der Krone lässt eine Hufknorpelfistel erwarten, während hochgradige Lahmheit, Schmerzen bei Dorsalflexion der Zehe und Anschwellung zwi­schen den Ballen für Phlegmone des Strahlpolsters und Mitleidenschaft der Hufbeinbeugesohne sprechen (S. 808).
Beim Gebrauche der Pferde auf Steinpflaster wird die Aussicht auf vollständige Heilung weniger günstig als auf weichem Boden.
Die Behandlung muss nach den oben (S. 803) beschriebenen Grundsätzen geleitet werden. Zunächst sind die ursächlichen Momente soweit möglich zu entfernen und der Beschlag zu regeln. Bei den sog. trockenen Steingallen wird weiter nichts nöthig, ja nicht einmal zweckmässig. Das gilt namentlich von dem Ausschneiden der Stein­gallen, wie es bei den Schmieden und Besitzern so allgemein beliebt ist. Gerade hierdurch wird viel geschadet, indem nach Entfernung der rothgefärbten Hornmassen die Weichtheile blossgelegt und so den [nfectionsstofi'en direct zugänglich gemacht werden. Aufgabe der Thier-ärzte bleibt es, namentlich auf die Besitzer einzuwirken, damit diesem Unfug gesteuert wird.
Die entzündlichen Processe, welche sich im Verlaufe der Stein­gallen einstellen, müssen nach den S. 803 u. ff. entwickelten Grundsätzen behandelt werden. Man sorge namentlich bei parenchymatöser Er­krankung für regehnässigen Abfluss des Eiters; wo etwa Nekrose ein­getreten sein sollte, sind die abgestorbenen Massen baldigst zu ent­fernen und die Infectionsvorgänge möglichst zu beschränken, indem man durch antiseptische Behandlung die Infectionserreger entweder zu vernichten oder doch ihre Entwickelung zu hemmen sucht.
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Hufknoi-polflstel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 819
ö. Die Hufknorpelfistel.
Lit.: G-iesecke, Zeitsohr. f. Vet. Kund. 1890. Nr. 6. Koch, B. T. W. 1890. S. 307. Sieclamgrotzky, Dresd. Ber. 1890. S. 21. Winkler, Zeitachr. f. Thiermed. 1890. S. 297.
Eine chronische, mit Nekrose und Fistelbildung verbundene phleginonöse Entzündung der Hufbeinknorpel und ihrer Umgebung bezeichnet man als Hufknorpelfistel oder kurz Knorpelfistel. Jene knorpeligen Verlängerungen der Hufbeinäste liegen in einem derben, mit vielen elastischen Fasern versehenen Bindegewebe (Parachondrium), welches mit dem subcoronären Bindegewebe sowie aucli mit dem Strahl­polster in unmittelbarer Verbindung steht. Sobald sich in dem Para­chondrium eine eiterige Entzündung entwickelt, kommt der Knorpel in die Gefahr durch die Einwirkung von Eiter zu nekrotisiren. Die abgestorbenen Theile desselben werden nur schwer eliminirt, sie bleiben längere Zeit liegen und unterhalten einen Eiterungsprocess, dessen Produkt durch enge Kanäle (Fisteln) nach aussen entleert wird. Von Zeit zu Zeit stellt sich von neuem eine acute Phlegmone ein, welche weitere Knorpelmassen zur Nekrose bringt, und so erhält sich der Zustand in der Hegel 8—5 Monate, wenn nicht eine energische Be­handlung eintritt.
Ein in seinem Wesen ähnlicher Vorgang kann von dem sub­coronären und subcutanen Bindegewebe oberhalb der Krone ausgehen und wird nach Haubner als „Kronenfistelquot; bezeichnet. Ebenso unterscheiden die Franzosen einen „Javart cutanequot; und einen „Javart cartilagineuxquot;.
Eingeleitet wird der Process durch eine Infection des Bindegewebes mit Eitercoccen, und zwar kann diese direct von der äusseren Haut ausgehen, wie es bei Kronentritten, bei der Brandmauke und ähnlichen Leiden zuweilen der Fall ist; seltener geben jedoch directo Verletzungen der Hufknorpel die Veranlassung zur Entstehung des Zustamles ab, sofern eine entsprechende Behandlung der Wunde rechtzeitig einge­leitet wird. In der Kegel bildet bei der Steingalle das über der Fleisch­sohle oder bei Hornspalten das unter der Fleischwand liegende Binde­gewebe den Ausgangspunkt der Krankheit.
Bei der anatomischen Untersuchung zeigt sich das Parachondrium verdickt, mit kleineren oder grösseren Abscessen durchsetzt, und am Knorpel finden sicli theils noch adhärente, theils bereits vollständig abgelöste nekrotisirte Partien, welche in der Pegel grün gefärbt sind.
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g20nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Hufes.
Der Verlauf des Leidens gestaltet sich immer chronisch; die Entwickelung geht entweder von einer Steingalle oder Hornspalte, selten von Verletzungen an der Krone aus. In der Mehrzahl der Fälle tritt zwar schliesslich Heilung ein, meist jedoch erst nach vollstän­diger Zerstörung des Knorpels. In der Regel bleiht der Process auf eine Hälfte des Hufes, d. h. auf einen Hufbeinknorpel beschränkt, sehr selten greift derselbe auf die andere Seite des Hufes üher. Am häufigsten leidet der mediale Knorpel, weil an dieser Seite die als Primärerkrankungen bezeichneten Zustände vornehmlich auftreten. Aus demselben Grunde schreitet die Zerstörung des Knorpels von seinem hinteren Ende gegen das vordere vor und kommt hier erst zum Abschluss.
Als Complicationen treten zuweilen Nekrose am Hufbein, eiterige Entzündung des Hufgelenkes oder Phlogmone des Strahlpolsters auf. Durch die erstere wird nur der Ablauf des Processes verzögert, während die Hufgelenkentzündung regelmässig zum Tode führt, die Phlegmone des Strahlpolsters mit bedenklichen Folgen verbunden ist. (S. 801.)
Erscheinungen. Da eine Phlegmone des Parachondriums die Grundlage der Knorpelfistel abgiebt, so tritt als erstes Symptom der­selben eine diffuse Anschwellung der Hufkrone und des Ballens her­vor, wie sie sich im Verlaufe der oben genannten Leiden in der Regel plötzlich einstellt. Zwar kann die Phlegmone in Zertheilung über­gehen, doch beobachtet man dies nicht häufig; in der Regel kommt es zur Abscessbildung, die Anschwellung perforirt an der einen oder anderen Stelle; es ergiesst sich mit Blut gemischter Eiter, worauf zwar eine iinvollkommene Abschwellung folgt, .aber ein Fistelkanal zurückbleibt, in welchen die Sonde 2—6 cm tief eindringen kann. Nach einiger Zeit schliesst sich auch dieser Kanal, worauf jedoch bald eine neue Anschwellung (Phlegmone) eintritt: dieses wiederholt sich in verschiedenen Zeiträumen; häufig zeigen sich auch mehrere Fisteln, die mit einander in Verbindung stehen.
Die mit dem Zustande verbundene Lahmheit ist nur selten sehr stark, oft sogar so gering, dass die Thiere während des Leidens zu langsamen Arbeitsleistungen wohl brauchbar bleiben. Mit dem Auf­treten einer neuen Phlegmone vermehren sich jedoch die Schmerzen, und wo es zur Mitleidenschaft des Hufgelenkes oder des Strahlpolsters kommt, nehmen die Schmerzen stets einen hohen Grad an und zeigen jene Eigenthilmlichkeiten, welche bei den genannten Leiden beschrieben sind.
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Hufknorpelfistel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;821
Prognose. Die Beurtheilung des in Rede stehenden Zustandes bietet nicht geringe Schwierigkeiten, namentlich insofern, als es sich um die Bestimmung der voraussichtlichen Dauer desselben handelt, Im allgemeinen heilen Kronenfisteln schneller als Knorpelfistoln.
Da der Process in der Regel vom hinteren zum vorderen Ende des Knorpels verläuft, so erscheint die Aussicht auf baldige Wieder­herstellung der Arbeitsfähigkeit des Thieres um so grosser, je mehr sich die Erkrankung dem vorderen Ende des Knorpels genähert hat; als günstig muss hierbei das Fehlen einer Anschwellung vor der Fistel betrachtet werden. Starke Anschwellung und erhebliche Lahm­heit lassen auf noch längere Dauer des Leidens schliossen und unan­genehme Complicationen befürchten. Die aus Hornspalten hervor­gegangene Knorpelfistel nimmt in der Regel einen verzögerten Verlauf, weil sie häufig mit Nekrose am Hufbein verbunden ist. Ferner er­scheint die Aussicht auf baldige Heilung um so grosser, je länger das Leiden bestanden hat. Bei unruhigen und widerspenstigen Pferden stösst die Behandlung auf Schwierigkeiten und verzögert sich die Heilung ebenfalls. Endlich erscheint die Gefahr der Complication mit einer eiterigen Entzündung des Hufgelenkes bei Pferden mit kleinen, zarten Hufen grosser als bei schweren Pferden; bei letzteren zieht sich das Leiden jedoch oft noch mehr in die Länge als bei ersteren, namentlich an den Hinterfüssen.
Behandlung. Von besonderer Wichtigkeit ist zunächst die Prophylaxis, welcher die Aufgabe zufällt, infectiöse Erkrankungen des Parachondriunis zu verhüten. Sorgfältige Behandlung der Stcingalle, Hornspalten und anderer mit parenehymatöser Erkrankung der 11 uf-lederhaut an den hinteren Abschnitten derselben verbundener Leiden kommt in erster Linie in Betracht. Man sorge für den regelmässigen Abfluss der Entzündungsprodukte, verhindere das Auftreten von Eiter-retention und suche den Krankheitsherd soweit möglich rein zu er­halten.
Deutet die Anschwellung des Parachondriunis auf die Gegenwart einer Phlegmone hin, so muss der Huf weich gehalten und ein lau­warmes Fussbad, wonniglich unter Zusatz eines Desinticiens Anwen­dung finden um den Ausgang in Zortheilung zu unterstützen; auch versuche man den Ausgangspunkt der Phlegmone aufzufinden, den retinirten Eiter zur Entleerung zu bringen. Obgleich durch Absce-dirung der Phlegmone die Knorpeltistel in sichere Aussicht gestellt ist, so kann doch versucht werden, durch Auswischen der Abscess-
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Krankheiten des Hufes.
höhle mit Ohlorzink (10 0/o) oder anderen Desinficientien das Ueber-greifen der Eiterung auf den Knorpel zu verhindern. Wo dieses nicht gelingt, kommen die verschiedenen Methoden der Knorpelflsteltherapie in Anwendung, welche alle darauf abzielen, die nekrotischen Ge-websmassen möglichst bald zu entfernen, dem Eiter einen günstigen Abfluss zu verschaffen und die Vegeta­tion von Mikroorganismen (Eitercoccen) im Parachondrium zu zerstören. Hierzu dienen :
1. Einspritzungen von Desinficientien. Einen alt be­währten Ruf geniesst in dieser Hinsicht der Liquor Villati. Wil­liams empfahl Quecksilbersubliniat in 10 0/n alkoholischer Lösung, auch Carbolsilure kam neuerdings in Anwendung. Bei der Application dieser Mittel kommt es darauf an, dieselben mit den erkrankten Ge­weben in möglichst innige Berührung zu bringen. Aus diesem Grunde empfiehlt sich zuerst mit Hülfe einer kleinen, zinnernen Spritze reines Wasser oder Carbolwasser in die Fistelkanäle zu spritzen, um den Eiter soweit möglich zu entfernen; alsdann übe man auf die An­schwellung einen glcichmässigen Druck aus, damit auch diese Flüssig­keit wieder entleert wird. Nun folgt das eigentliche Mittel, Liquor Villati oder Sublimat in Spiritus (1:10) oder 5n/o Carbolsäure. Damit dieselben bis auf den Grund der Fisteln gelangen, muss die Spritze mit einem nicht zu starken, aber langen Ansätze (Kanüle) versehen sein.
Solche Einspritzungen können täglich einmal gemacht und so lange fortgesetzt werden, bis sich grössere Schmerzhaftigkeit einstellt, welche zur Unterbrechung derselben auffordert, oder bis die Eiterung vollständig aufgehört hat.
Zuweilen tritt schon nach wenigen Tagen als ein günstiges Zeichen Abschwellung ein; ebenso ist das Nachlassen der Eiterung als ein Symptom der fortschreitenden Heilung zu betrachten.
W i n k 1 e r empfiehlt neuerdings anfangs spirituöse Sublimat­lösung, später Plumb, acet. ebenfalls in Spiritus gelöst; Wasser will Winkler dagegen ganz vermieden haben.
Zeigen sich die Fistelkanäle zu eng, um mit der Spritze ein­zudringen, so kann ein Sublimatfaden bis auf den Grund derselben ein­geführt werden, ein Verfahren, das sich namentlich bei alten Fisteln mit callösen Rändern empfiehlt. Nach 24 Stunden wird der Faden ent­fernt und durch Fussbäder die Exfoliation der nekrotisirten Fistelwand zu befördern gesucht. Zu dem gleichen Zwecke wurde von Anderen das Glüheison empfohlen; ein Löschspiess wird im rothglühenden Zustande in den Fistelkanal eingeführt. Hiermit kann allerdings unter
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Hufknorpelfistel.
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Umstünden dasselbe erreicht werden, bei edlen Pferden mit kleinen Hufen empfehle ich jedoch Vorsicht; man dringe nicht zu tief ein und vermeide eine Eröffnung des Hufgelenkes; besondei-e Vorsicht ist hierbei am vorderen Ende des Knorpels geboten.
Von Koch wurde die Anlegung von Haarseilen empfohlen. Nach Application eines Fussbades von Creolinwasser (8 0/0) sucht K. mit Hülfe einer G e r 1 a c h'schen Nadel unterhalb der Krone eine Gregenöffnung herzustellen, und legt einen mit Terpentinöl getränkten Bindfaden durch die Weichtheile. An den folgenden Tagen sollen Creolinbäder und Einspritzungen mit Liquor Villati angewendet und nach 16—18 Tagen die Eiterbänder entfernt werden. Ich habe in früheren Jahren diese Behandlung wiederholt versucht, jedoch keinen besonderen Erfolg davon gesehen; auch stösst die Application der Eiterbänder oft auf Schwierigkeiten.
6 i e s e c k e empfiehlt zur Beseitigung des Druckes der Hornwand auf die angeschwollene Partie der Krone Creolin-Leinkuchen-Cata-plasmen, worauf das erweichte Wandhorn entfernt wird. Die Pistel-gänge oberhalb der Krone sollen mit dem scharfen Löfl'el ausgekratzt, sodann mit einer 8 n/n Chlorzinklösung ausgespritzt und ein mit Cuprum sulfuric. bepuderter Wergpfropf eingeführt werden. Das Verfahren wird unter Umständen wiederholt; die Nachbehandlung besteht in Aus­spritzungen mit antiseptischen Flüssigkeiten.
Was zunächst die Verdünnung der Hornwand betrifft, so stimme ich dem Vorschlage zu; doch lasse ich dieses bereits vor dem Puss­bade mit Hülfe der Raspel vornehmen und zwar soweit die Anschwel­lung an der Krone reicht. Auch das Auslöffeln der Pistelgänge zeigt sich unter Umständen recht wirksam, ist aber in anderen Fällen mit erheblicher Steigerung des entzündlichen Processes und der Schmerzen verbunden, weshalb ich zur Erweiterung der Fistel den Sublimatfaden und Löschspiess vorziehe.
In manchen Fällen führt das eine oder andere der beschriebenen Verfahren nach kurzer Zeit zum Ziele, in anderen aber bleiben alle Mittel erfolglos. Es ist ungemein schwer, die Bedingungen zum Zustande­kommen der Heilung hierbei genauer ZU bestimmen, deshalb habe ich mich in den letzten Jahren immer mehr den operativen Eingriffen zu­gewendet. Weit entfernt zu behaupten, class jede Knorpelfistel operirt werden soll, muss ich nach meinen Erfahrungen doch erklären, dass die Operation im ganzen grosse Vortlieile bietet, vor allem eine Ab­kürzung des Krankheitsverlaufes. Liegen die Verhältnisse für die Heilung anscheinend günstig, so verzichte man auf die Operation, wo
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824nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Hufes.
dieses aber nicht der Fall, und zugleich die Möglichkeit einer sorgsamen Nachbehandlung gegeben ist, sollte man sich zu derselben entschliessen. Besteht z. B. der Prozess schon lange Zeit, und ist derselbe bereits an den vorderen Knorpelabschnitten angekommen, sind die Schmerzen gering und kann das Pferd trotz des Leidens arbeiten, so versuche man die eine oder andere der beschriebenen Behandlungsmethoden; unter den entgegengesetzten Verhältnissen erscheint die Operation an­gezeigt. Man wähle hierzu jedoch eine Zeit, in der eine acute Phleg-mone nicht besteht, die Schmerzhaftigkeit nicht erheblich und die Eiterung gering ist; denn nur unter diesen Umständen besteht die Aussicht auf aseptischen Wundverlauf, unter dem die Heilungsvorgänge bei weitem schneller ablaufen. Auch ziehe ich die totale Exstirpation des Knorpels der partiellen im allgemeinen vor; die letztere kann indess bei um­schriebener Erkrankung, bei circumscripter Anschwellung der Krone versucht werden. Häufig wird jedoch der Process hierdurch nicht coupirt, und man ist zur Entfernung auch der übrigen Abschnitte desselben gezwungen.
Die von mir geübte Methode der totalen Exstirpation wurde be­reits von Prick genau beschrieben und zerfällt in eine Vorbereitung des Operationsfeldes, in die Kesection des Knorpels und in die Nach­behandlung. Schon hier sei bemerkt, class die letztere mindestens ebenso viel Sorgfalt verlangt, wie der operative Eingriff selbst, und wo Nachbehandlung nicht sachgemäss durchgeführt werden kann, ver­ziehte man lieber auf die Operation.
Nach sorgfältiger Reinigung und Beschneidung des Hufes wird die Hornwand im Bereiche des erkrankten Knorpels dünn geraspelt, bis die Weichtheile durchscheinen. Auf diese Weise wird das sonst nothwendige, sehr schmerzhafte Abreissen der Wand vermieden. Hier­auf folgt ein Sublimatbad, und wenn die Operation sich nicht gleich anschliesst, lässt man den Huf in Sublimatholzwolle einschlagen und mit Sublimatwasser 24 Stunden feucht erhalten. An dem niedergelegten Pferde binde man sodann den kranken Vorderfuss auf das Schienbein des diagonalen, oberen Fusses; also den linken Vorderfuss auf den rechten Hinterfuss, wenn der innere Knorpel des ersteren erkrankt ist. Nachdem nunmehr ein Esmarch'scher Schlauch über der Fusswurzel angelegt ist, wird der Verband abgenommen und der Fuss mit Sublimat­wasser abgespült. Mit einem lorbeerblattfönnigen Messer führt man zunächst einen Schnitt im Verlaufe des unteren Randes der Krone, soweit der Knorpel reicht, und entfernt die etwa noch störenden Horn-massen. Dann wird mit dem Messer die laterale Fläche des Knorpels
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Hufknorpelfistel.
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von der Krone sowie der iiusseren Haut abgetrennt, wobei die convexe Fläche der Klinge gegen die letztere gerichtet bleibt, und die Finger der linken Hand den Bewegungen des Messers folgen, um eine Durch­schneidung der Kronenwulst zu verhüten. Man vermeide namentlich am hinteren Knorpelende die Ballen zu durchschneiden. Der nun folgende Akt besteht in der Lostrennung der medialen Knorpelfläche von seinem Parachondrium. Zu dem Zwecke wird zunächst der Knorpel etwa in seiner Mitte durchschnitten und das hintere Ende desselben losgelöst. Sobald dieses geschehen, lässt man zur Entfernung der vorderen Hälfte des Knorpels die Zehe des Fusses durch einen um Fessel und Huf gelegten Strick möglichst strecken, wodurch das Kapselband des Hufgelenkes vom Knorpel zurücktritt und so der Gefahr der Verletzung entgeht. Unter flacher Führung des Messers, dessen convexe Fläche nach unten ge­richtet ist, schneidet man den liest des Knorpels von seiner Unterlage ab und entfernt denselben mit Hülfe einer Hakenpincette oder Zange. Der nun unter die Krone geschobene Finger kann sich leicht über­zeugen, ob noch Reste des Knorpels zurückgeblieben sind, die eventuell mit einem scharfen Löffel abgetrennt werden. Besondere Sorgfalt ist hierbei am vorderen Knorpelende geboten, um auch die letzten Par­tikel desselben zu entfernen. Nunmehr spüle man die Wunde mit Sublimatwasser aus, und wo sich etwa lose Fetzen oder Knorpeltheile vorfinden, entferne man sie mittelst Schere und Pincette. Wenn dieses erfolgt ist, reibe ich die Wundfläche mit einer 100/oigen Chlorzink­lösung aus, kratze die Fistelgänge mit dem scharfen Löffel, sodann mit Chlorzink aus, spüle mit Sublimatwasser nach, und lege sodann den Verband an. Ein Paar mit r)0/n Carbolwasser getränkte Wergbäusche werden mit der Schere unter die Krone geschoben, so dass die Höhle, welche durch die Entfernung des Knorpels entstanden ist, gehörig aus­gefüllt erscheint, und die nach Lösung dos Esnmrch'schen Schlauches auftretende Blutung gestillt wird. Der Huf muss sodann mit Carbol-jute oder Sublimatholzwollwatte eingehüllt und eine Binde zur Be­festigung des Verbandes angelegt werden. Hierüber kommt ein Lein­wandlappen, welcher von einem, um die Fessel geschlungenen Strohseile getragen wird. Hiermit ist die Operation beendet, welche natürlich unter antiseptischen Massnahmen (Reinigen der Hände, Desinfection der Instrumente) vorgenommen wird.
Der erste Verband bleibt 24—48 Stunden liegen. Bald nach dem Aufstehen des Thieres erscheint er von Blut durchfeuchtet, doch bleibt die Blutung unbedenklich, namentlich wenn das Thier nicht beunnihifft wird; man stellt es deshalb am besten in einen Stall allein.
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826nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Hufes.
Bei empfindlichen Pferden operirt man in Chloroforninarkose; bei an­deren erscheint die Narkose nicht erforderlich, da die Operation nicht sehr schmerzhaft ist.
Nach Abnahme des ersten Verbandes wird der Huf mit einer Desinfectionsflüssigkeit abgespült, die Wunde vom Blut gereinigt, eben­falls ausgespült, und nun ein Jute- oder Werghausch in dieselbe ge­schoben. Der übrige Verband erfolgt in derselben Weise wie bei der Operation. Mit dem nächsten Verbandwechsel kann 8—10 Tage ge­wartet werden, sofern sich kein erhebliches Fieber oder grössere Schm erzhaftigkeit einstellt. Hierbei wird in gleicher Weise verfahren, doch ist zu beachten, dass mit dem Fortschreiten der Granulation die Menge des unter die Krone geschobenen Verbandmaterials geringer ausfallen muss, um für die fortschreitende Neubildung Raum zu schaffen. Von besonderer Wichtigkeit ist hierbei, dass die Neubildung vom Grunde der Wunde aus erfolgt; auf keinen Fall dürfen sich die un­teren Abschnitte der Krone auf die Fleischwand legen, bevor nicht oberhalb der Stelle alles ausgefüllt ist, weil sonst auf dem Grunde der Wunde ein todter Raum entsteht, und bei Eiterung Retention des Eiters eintreten würde. Aus dem Grunde muss auch das an der Krone neugebildete Horn zunächst mit dem Messer wieder entfernt werden. Sollten sich an der Fleischwand üppige Granulationen ein­stellen, so beseitige man dieselben mit austrocknenden oder Aetz-mitteln.
Diese Behandlung ist so lange fortzusetzen, bis der Defect voll­ständig ausgefüllt erscheint, und die Fleischkrone in ihrer ganzen Ausdehnung sich der Unterlage fest angelegt hat. Sobald dieses erfolgt ist, kann ein Theerverband applicirt werden. Zu dein Zwecke bepinsele man die noch übrig gebliebene Wundflächo mit Theer, lege eine Binde um den Huf, die ebenfalls mit dem Mittel bestrichen wird. Wenn keine erheblichen Schmerzen bestehen, kann der Beschlag mit einem geschlossenen Eisen eingeführt und das Pferd zu langsamen Dienstleistungen herangezogen werden. Darüber vergehen vom Zeit­punkte der Operation in der Regel 3—0 Wochen, so dass die Operation im Allgemeinen doch eine erhebliche Abkürzung des Leidens bewirkt. Die von Siedamgrotzky im letzten Jahre ausgeführten 8 Operationen hatten eine Heilungsdauer von durchschnittlich 31 Tagen.
Die mehrfach ausgesprochene Behauptung, dass die operirten Thiere für den Dienst auf dem Pflaster nicht wieder brauchbar würden, muss ich nach zablreichen Beobachtungen als durchaus unbegründet bezeichnen. Viele der von mir operirten Thiere gehen in Berlin
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Rehe.
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bereits Jahre lang im Luxusdienst; an ihren Hufen lassen sich auch nicht die geringsten Spuren der Operation erkennen.
6. Die Rehe, der Yerschlag.
Lit.: Vergl. mein Handbuch der Hufkiankheiten S. 92.
Als Rehe oder Verschlag bezeichnet man seit alter Zeit eine spontane, diffuse Dermatitis superficialis der Huflederhaut. Bald geben Erkältungen, bald Diätfehler und andere Umstände zu dem Leiden Veranlassung, welches meist an beiden Vorderfüssen, zuweilen gleich­zeitig an den Hinterfüssen, selten an diesen allein auftritt.
Eine starke Hyperämie der Huflederhaut leitet den Zustand ein, worauf bald exsudative Processe folgen, welche sich mit einer leb­haften Wucherung in den starken Retelagern verbinden. Die nächste Folge hiervon ist eine Lockerung der Verbindung des Hufes mit seiner Matrix, und da eine Trennung beider, namentlich an der Fleischwand durch den Druck der Körporlast begünstigt wird, so sieht man liier die wichtigsten Krankheitsvorgänge ablaufen. Schon 24 Stunden nach dem Auftreten des Leidens findet sich neben stärkerer Rothung und Schwellung eine Wucherung der jüngsten Epithelien an der Oberfläche der Fleischwand und zwar namentlich an der Zehe. Wie Siedam-grotzky zuerst nachgewiesen, wird durch den Druck der Körperlast auf das Hufbein und den Zug der Huf beinbcugesehne das Huf bein im Hufe nicht nur in toto nach unten gedrängt, sondern auch durch den Zug der durch die Belastung angespannten Beugeseime um seine Querachse gedreht, so dass der Zehentheil desselben sich herab­senkt, die Huf beinäste dagegen in die Höhe steigen. In dem Masse nun an der Zehenwand das Hufbein von der Hornwand abrückt, in demselben Masse pflegt die Fleischwandoberfiilche zu wuchern und sich oft bis auf das 10fache ihrer natürlichen Stärke zu verdicken. Diese Verdickung besteht vornehmlich in einer Verbreitung der weissen Linie, welche sicli später an der Bodenfläche des Hufes deutlich zu erkennen giebt. Da die Spitze des Hufbeines hierbei nach unten rückt, so muss sich die Hornsohle an der Zehe allmälich abflachen und schliesslich eine convexe Form annehmen, welche in Verbindung mit gewissen Veränderungen an der Hornwand als Rehliuf oder Knollliuf be­zeichnet wird. Früher nahm man an, dass die entzündliche Wucherung das Hufbein nach unten verdränge; Dominik behauptete, dass hier­durch die Zehenwand nach oben dislocirt werde, das linthein aber in
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828nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Hufes.
seiner normaleu Lage verharre. Beides lüsst sich aber mit unseren gegenwärtigen Vorstellungen über derartige Vorgänge nicht mehr in Einklang bringen, und heute kann es keinem Zweifel mehr unterliegen, dass sich die Vorgänge so gestalten, wie sie Siedamgrotzky erklärt und in meinen Hufkrankheiten eingehend beschrieben ist, worauf ich hier verweisen muss. Ich habe an der Stelle zugleich darauf aufmerk­sam gemacht, dass die dauernde Unterhaltung dieser abnormen Huf­form zugleich von dem Gegendruck des Bodens gegen die Zehenwand beim Gehen abhängig ist. An dem Rebhufe zeigt nämlich die Zehen-wand dicht unter der Krone eine abnorm senkrechte, in der Nähe des Tragerendes eine mehr horizontale Richtung, während die Trachten­wand nicht nur länger, sondern auch steiler wird. Diese abnorme Hufbildung hat man auch wohl als chronische Rehe bezeichnet.
Werden die Thiere durch die hochgradigen Schmerzen gezwungen andauernd zu liegen, so stellt sich häufig Decubitus ein, wodurch nicht selten ein tödtlicher Ausgang unvermeidlich wird; dieses er­folgt regelmiissig, wenn das Hufbein die Hornsohle perforirt und eine eiterige oder septische Entzündung der Huflederhaut die Schmerzen in hohem Grade steigert und Decubitus oder l'yämie bezw. Septicämie sich hinzugesellt.
Ursachen. Eine besondere Anlage zu dieser Erkrankung be­sitzen zunächst alle fehlerhaft gebauten, namentlich flache und spitze Hufe. Begünstigt wird das Leiden durch andauernde mechanische Reizung der Huflederhaut, wie sie in Folge schwerer Arbeit, namentlich in schnellen Gangarten, durch andauerndes Stehen, unzweckmässigen Beschlag u. s. w. veranlasst werden. Ferner erhöhen alle Umstände, welche leicht zu Erkältungen führen, wie Haarwechsel, Verweichlichung der Haut, andauernde Ruhe (Stallrehe) die Anlage zur Entwickelung der Rehe. Als äussere Ursache kommen auf der einen Seite Diät­fehler (Futterverschlag), auf der anderen Erkältung (rheumatische Rehe) in Betracht. Schweres Kornfutter, namentlich Roggen, Weizen und Gerste zeigen sich hier ganz besonders in frischem Zustande gefähr­lich ; aber auch frischer Hafer und Heu können die Rehe veranlassen. Worin die schädliche Wirkung dieser Futtermittel besteht, lässt sich bisher nicht mit Sicherheit entscheiden, doch spricht der Umstand, dass durch Kochen und Dämpfen die Schädlichkeit derselben abge­schwächt wird, für die Gegenwart speeifischer Bestandtheile und gegen die Ansicht, dass es sich nur um die Menge der mit einem Male in die Circulation gelangten normalen Nährstoffe handelt. Es ist welter
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Rehe.
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bekannt, duss diese Futtermittel besonders Thiereu gefdlu-lich werden, die an den Genuss derselben nicht gewöhnt sind und wenig arbeiten. Häufig geben Erkältungen die Ursache des Leidens ab; plötzliche Abkühlung namentlich des erhitzten Körpers und zwar sowohl von seiner Aussenflilche wie auch durch Aufnehmen grösserer Menge kalten Wassers. Endlich wird Rehe als Complication von Kolik sowie im Verlaufe der Brustseuche beobachtet.
Erscheinungen und Verlauf. Das Leiden tritt plötzlich auf, zeigt sich meist beim Herausnehmen aus dem Stalle durch eine aus­gesprochene Stützbeinlahmheit mit vorständiger Stellung der Gliedmassen. Die Vorderfüsse werden weit nach vorne gesetzt und machen beim Gehen schnelle Bewegungen, um die Zeit der ausschliess-lichen Belastung eines derselben möglichst abzukürzen (gespannter Gang). Die Hinterfüsse werden, auch wenn sie nicht mitleiden, nach vorne gestellt, um mehr Körperlast auf ihnen aufzunehmen, die Vorder­füsse zu entlasten.
Wenn die Schmerzen weniger lebhaft auftreten, so zeigt sich dieser eigenthümliche Gang am deutlichsten bei kurzen Wendungen; leiden zugleich die Hinterfüsse, so erscheint der Gang ausserordentlich schmerzhaft; oft sind die Thiere kaum von der Stelle zu bewegen und stöhnen beim Versuche zu gehen.
Die leidenden Hufe zeigen sich gegen den Druck mit der Unter­suchungszange schmerzhaft, namentlich an der Zehe, während die Schienbeinarterie stark pulsirt. Dabei besteht während des acuten Anfalles Fieber; die Temperatur steigt auf 39—40deg; C; an der Aussen-fläche des Körpers erscheint die Temperatur unregelmässig ver-theilt.
Bei günstigem Verlaufe können sich diese Erscheinungen in Zeit von 3—4 Tagen wieder verlieren; in der Regel halten sie jedoch länger au; es macht sich bald Senkung des Hufbeines bemerkbar und zwar an dem deutlich fühlbaren Einsinken der Krone und der Hervorwölbung der Sohle. Sobald diese Dislocation eingetreten ist, kommt ein Ausgang in vollständiger Heilung nicht mehr zu Stande; es entwickelt sich vielmehr ein Rehhuf oder Knollhuf, welcher die Thiere zur Arbeit auf dem Pflaster, sowie in schneller Gangart un­brauchbar macht. Der Gang der mit Rehhufen behafteten Pferde gestaltet sich eigenartig: durch die mit der Drehung des Hufbeines um seine Queraxse verbundene Annäherung der Insertionspunkte der Hufbeinbeugesehne erfolgt bei jedem Ausschreiten eine abnorme.
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830nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Hufes.
Dorsalflexion im Hufgelenko, in Folge dessen die Trachten früher auf den Boden gelangen als die Zehe und die Seitenwände.
Als Comp licationen der Rehe werden Muskelrheumatismus, Pleuritis, Pneumonie und Kolik beohachtet, und zwar die ersteren beiden Leiden vornehmlich bei der rheumatischen liehe, die letztere beim Futterverschlag. Oft wird die Rehe erst bemerkt, nachdem die Kolik, Pneumonie oder Pleuritis gehoben ist.
Differentialdiagnose. Verwechselungen des in Rede stehenden Leidens erfolgen am häufigsten:
1.nbsp; mit Quetschung der Sohle bei barfüssigen Pferden; die Untersuchung der Hufe muss hier Auskunft geben.
2.nbsp; Mit Muskelrheumatismus; hierbei stellt sich zuweilen ein ähn­licher Gang wie bei Rehe ein; die Schritte sind kurz und gespannt, doch pflegt die vorständige Stellung zu fehlen, ebenso die Erschei­nungen der Hufentzündung; dafür zeigt sich die Schenkelmuskulatur abnorm gespannt und auf Druck schmerzhaft.
Beurtheilung. Der Ausgang des Leidens hängt einestheils von dem Grade der Erkrankung, andererseits von dem Umstände ab, ob rechtzeitig eine entsprechende Behandlung eingeleitet wurde; endlich auch von der Beschaffenheit der Hufe und den etwa aufgetretenen Complicationen. Die Intensität der Erkrankung zeigt grosse Ver­schiedenheiten und lilsst sich einigem!assen an der Höhe der Schmerz-haftigkeit beurtheilen; je grosser diese, um so bedenklicher der Zustand.
Ferner entspricht es einer alten Erfahrung, dass zur Herbeifüh­rung der Zertheilung eine frühzeitige Behandlung erforderlich ist. Tritt diese in den ersten 24—48 Stunden ein, so wird in der Regel vollständige Heilung erzielt, wobei allerdings zu beobachten bleibt, dass auch nach dem Verschwinden sämmtlicher Erscheinungen für mehrere Wochen eine Disposition zu neuer Erkrankung fortbesteht; daher gehören Recidive zu den häufigsten Vorkommnissen.
Sobald sich die Erscheinungen der Huf beinsenkung bemerklich machen, ist auf eine vollständige Wiederherstellung des Thieres nicht mehr zu rechnen; es bildet sich alsdann stets Rehhuf aus.
Ungünstiger gestaltet sich auch die Prognose bei Hufen mit mangelhafter Einrichtung, namentlich bei Rehhufen. Der Futter­verschlag verläuft in der Regel weniger günstig als die rheumatische Rehe; ebenso bietet die Erkrankung aller 4 Füsse geringere Aussicht auf vollständige Heilung, als wenn nur die Vorderfüsse leiden. Endlich
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Rehe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 831
beeinflusst schweres Körpergewicht den Verlauf des Leidens in nach­theiliger Weise.
Behandlung. Seit den ältesten Zeiten wurde gegen liehe ein kräftiger, allgemeiner Aderlass empfohlen; derselbe wirkt auch nach meinen Beobachtungen vorzüglich, wenn er rechtzeitig in Anwendung kommt. In den ersten 3 Tagen der Erkrankung führt ein Aderlass aus der Vena jugularis regelmässig baldige Abnahme der Schmerzen wie der Entzündung herbei. Dieses gilt namentlich für den Futter-verschlag, aber auch bei der rheumatischen Rehe erweist sich der Aderlass vortheilhaft. Weniger wirksam sind örtliche Aderlässe, wie sie an der Krone oder Sohle des Hufes empfohlen wurden. An der letzteren halte ich die Herstellung einer Wunde für geradezu bedenk­lich, weil sie leicht den Ausgangspunkt eiteriger oder septischer Ent­zündung abgiebt. Will man einen Aderlass an der Sohle versuchen, so wende man die Hülfsmittel der Antisepsis an, um eine solche Complication zu verhüten. Weniger bedenklich erscheinen Aderlässe an der Fleischkrone oder aus der Seitenvene am Fesselgelenke; an der ersteren sind Skarificationen von verschiedenen Seiten empfohlen worden.
Das zweite Hülfsmittel der Therapie besteht in Kälte. Man lässt kalte Umschläge um die Hufe anwenden oder stellt das Pferd in Wasser; die ersteren verdienen bei grosser Schmerzhaftigkeit den Vor­zug; das Einstellen in Wasser sollte auf Fälle mit geringerer Lahm­heit beschränkt bleiben. Man vergesse nicht, class andauerndes Stehen die Senkung des Hufbeines fördert; deshalb erscheint es vortheilhafter, wenn die Thiere viel liegen und die Anwendung der Kälte während des Liegens stattfinden kann. Zu dem Zwecke muss auch für eine möglichst weiche Streu und einen bequemen, zugfreien Stand der Thiere Sorge getragen werden. Auch empfiehlt sich die Hufeisen abzuneh­men und einen weichen Stand zu geben, um durch den Gegendruck des Bodens Senkungen des Hufbeines zu verhindern.
Beim Futterverschlag gebe man gut genährten Thieren ein kräftiges Abführmittel (Aloe), nicht allein um ableitend von der Huf­lederhaut zu wirken, sondern auch um die etwa noch im Darme be­findlichen Schädlichkeiten auf dem kürzesten Wege zu entfernen und ihre Resorption zu verhindern. Bei der rheumatischen Rehe finden dagegen spirituöse Einreibungen und Eindeckungen des Körpers vor-theilhafte Anwendung.
Von Friis wurde neuerdings Pilocarpin (0,3—0,5) in subeutaner Anwendung empfohlen. Die von mir mit diesem Mittel angestellten
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832nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Hufes.
Versuche ergaben ein verschiedenes .Resultat; in einzelnen Fällen trat hiernach sichtliche Besserung ein, in anderen blieb dieselbe aus. Immerhin verdient dieses Mittel Beachtung, namentlich wenn sich der Process in die Länge zieht, und von einer Senkung des Hufbeines noch nichts zu bemerken ist. Zur Linderung hochgradiger Schmerzen können auch subcutane Injectionen von Morphium zweckmässig werden.
Von besonderer Bedeutung ist Regelung der Diät, und zwar empfiehlt sich Hungerkur; doppelt wichtig wird diese beim Futter­verschlag. Man entziehe dem Thiere vom Augenblicke der Erkran­kung an Körnerfutter ganz und gar, lasse auch keinen Hafer, dafür im Sommer Gras, im Winter Heu und Kleiensaufen verabreichen.
Nach einer wiederholt gemachten Beobachtung aus alter und neuerer Zeit kann namentlich bei der rheumatischen liehe sofortige Bewegung der Thiere nützlich werden. Zuweilen stellt sich die Rehe während einer kurzen Ruhe auf der Reise ein, und wenn das Thier alsbald wieder in Bewegung gesetzt, bis zum Schweissausbruche an­gestrengt, dann aber sorgfältig vor neuer Erkältung geschützt wird, kommt nicht selten vollständige Heilung zu Stande. Abgesehen von den erheblichen Schmerzen, welche hiermit verbunden sind, kann unter Umständen durch dieses Verfahren auch eine bedeutende Verschlim­merung des Zustandes herbeigeführt werden. Die in der englischen Armee mit diesem Vorgehen gemachten Erfahrungen sprechen nicht zu Gunsten desselben; doch können äussere Umstände das Verfahren zweckmässig erscheinen lassen, z. B. während eines Feldzuges.
Die Behandlung des Knollhufes gehört in das Gebiet des Huf-beschlages; hier sei nur bemerkt, dass mit den bisher bekannten Me­thoden wohl eine Besserung der Hufform, aber kein wesentlicher Nutzen für die Brauchbarkeit der Thiere erreicht wird. Dagegen muss ich nach meinen Erfahrungen der Empfehlung l'eters zustim­men, den rohekranken Pferden, sobald die acuten Entzündungserschei­nungen nachgelassen haben. Eisen mit verdickten Stollenenden zu geben und die Trachten der Hufe nach Möglichkeit zu verlängern. Wiederholt sah ich nach solchem Beschläge eine erhebliche Besserung des Ganges selbst bei Thieren, die bereits viele Monate mit den ver­schiedensten Mitteln ohne Erfolg behandelt worden waren.
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Chronische Entzündung der Hufledorhaut.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 883
B. Die chronische Entzündung der Huflederhaut. Fododermatitis chronica.
Die chronischen Entzündungsprocesse in der Huflederhaut gehen theils von leichten, aber häufig wiederkehrenden, mechanischen Reizen aus, z. B. dem Druck dislocirter Hornmassen, theils aus Schädlichkeiten hervor, deren Natur bisher nicht genügend bekannt ist. Die ersteren sind von Lungwitz genauer verfolgt und beschrieben worden. Es handelt sich bald um Wucherungen und Verdickungen bestimmter Hufabschnitte, wodurch nicht selten chronische Lahmheiten entstehen, wie es z. B. bei den Hornsäulen der Fall ist; bald um chronische Entzündungsprocesse in der Huflederhaut, welche mit Unterbrechung der Horn production verbunden sind, wie z. B, beim Strahlkrebs. Im Allgemeinen zeichnen sich diese Processe dadurch ans, dass sie der Behandlung grosse Schwierigkeiten bereiten. Ein Theil dieser Zustände hat bisher kein chirurgisches Interesse erlangt und kann daher an dieser Stelle unberücksichtigt bleiben, wie z. B. die Verknöcherung der Hufknorpel.
1. Horn sänleii.
Lit.: Fröhner, Deutsch. Zeitsohr. f. Th. 10. S. 576. Gutenäcker, Monats­hefte. 1890. S. 10.
Durch Auflagerung von Hommassen an der inneren Fläche der Hornwand, da, wo diese mit der Fleischwand verbunden ist, entwickeln sich zuweilen Verdickungen, welche ehemals als Hornbruch (Kerato-phylocele), neuerdings nach Fröhner als Hornsäulen bezeichnet werden. Dieselben gehen entweder von der Kronenwulst aus, indem durch Kronentritte oder anderweitige Verletzungen an den unteren Papillen der Fleischkrone ein chronischer Entzündungsprocoss mit Hyperplasio entsteht. Die krankhafte Verdickung wächst allmälich nach unten, gegen den Tragerand und erzeugt durch Druck auf die Fleischwand nicht selten chronische Lahmheit.
In anderen Fällen bildet die Blattschicht der Fleischwand den Ausgangspunkt der Hornsäulen; hier geht der Heizungsprocess von der weissen Linie aus und kann sowohl durch Vernagelung, durch lose und hohle Wand sowie auch durch Hornspalten eingeleitet werden. Die so entstandene Horiisäule beschränkt sich auf die unteren Ab­schnitte der Wand, reicht aber zuweilen bis in die Nähe der Krone nach oben; selten erreicht sie diese selbst.
Es liegt auf der Hand, dass derartige Verdickungen mir unter Verdrängung der Fleischwand und des Hufbeineamp; auftreten können. In
Möller, Speciclle Ghinirgie für Tliierilrztcnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 63
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834nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Hufes.
dem letzteren findet man daher an der betreffenden Stelle eine Ver­tiefung, welche der Form der Hornsäule entspricht.
Die Erkennung der Hornsäule gelingt bei Lebzeiten erst, wenn dieselbe bis zur Tragerande des Hufes heruntergewachsen ist. Sie er­scheint alsdann in der weissen Linie, welche an der betreffenden Stelle gegen das Centrum der Sohle gerückt ist; die mediale Grenze der Hornsäule bildet eben die weisse Linie. War eine Hornspalte die Veranlassung zur Entstehung der Hornsäule, so erscheint das auf der­selben liegende Wandhorn getrennt.
Obgleich die Hornsäulen nicht immer mit Lahmheit verbunden sind, so ist dieses doch die Regel. Die Lahmheit zeigt alle Eigen-thümlichkeiten der Huflahmheit, nur fehlen die acut-entzündlichen Symptome, wie vermehrte Wärme und verstärkte Pulsation. Ausnahms­weise können jedoch auch diese auftreten.
Die Beurtheilung des Zustandes hängt in erster Linie davon ab, ob Lahmheit mit demselben verbunden ist, sodann von der Möglichkeit, die krankhafte Wucherung zu entfernen. Hierbei kommt in Betracht, ob die Hornsäule von der Krone oder von den unteren Abschnitten der Fleischwand ausgeht. In dem ersteren Falle bietet die Entfernung der Hornsäule grössere Schwierigkeiten, weil der Huf hierbei er­hebliche Trennungen in seinem Zusammenhange erfährt; in dem letz­teren Falle wird die Heilung um so leichter, je geringer die Ausdehnung der krankhaften Wucherung nach oben. Die von der Krone aus­gehenden sind nicht selten mit Deformitäten an der äusseren Fläche der Wand verbunden, welche also als ungünstige Zeichen gelten müssen.
Behandlung. Nur die operative Entfernung der Hornsäulen kann Heilung der etwa bestehenden Lahmheit bewirken. Von Mayer wurde zu dem Zwecke empfohlen, die Hornwand an der betreffenden Stelle mit der Raspel zu verdünnen, sodann die Hornsäule mit Hülfe von Messer und Pincette zu entfernen.
Fröhner und Gutenäcker wollen mit einem Rinnmesser die Wand in der Umgebung der Hornsäule trennen, diese sodann heraus­nehmen und die Heilung der Operationswunde unter antiseptischem Verbände eintreten lassen.
Die Schwierigkeit, welche mit diesem Verfahren verbunden ist, besteht darin, dass man nur selten an der Aussenfläche der Hornwand die Ausdehnung der Hornsäule genau bestimmen kann; zuweilen ge-
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Chronische Entzündung der Fleischwand.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;835
lingt es unter Berücksichtigung der Beschaffenheit der Hornwand. Wo dieses nicht der Fall ist, empfiehlt Gutenäcker, die Wand an­zubohren, gleichsam zu sondiren, wie weit die Verdickung reicht. Man kann indess auch vom Tragerande der Hornwand mit dem Abtragen ausgehen und im weiteren Verlaufe der Trennung die Grenzen der Säule aufsuchen. Die Heilung der Operationswunde erfolgt unter antiseptischem Verbände. Dass aber eine volle Wiederherstellung des Hufes hiermit gesichert erscheint, muss ich mit Bayer in Zweifel ziehen. Es lässt sich zwar annehmen, dass die Lücke im Hufbein wieder ausgefüllt werden kann, allein an der Fleischwand wird die Neigung zu neuen Wucherungen mit der Beseitigung der Hornsäule nicht gehoben werden, daher die Neigung zur Bildung einer neuen Hornsäule.
2. Die chronische Entzündung der Fleischwand.
Lit.: Schleg, Der Hufschmied. Bd. 4. S. 85. Lungwitz, Dresd. Ber. 1873. S. 126.
An einer räumlich beschränkten Stelle der Fleischwand entwickelt sich eine Trennung von der Hornwand, während die Oberfläche der ersteren mit einem trüben, dünnflüssigen Secret bedeckt erscheint. Die Fleischblättchen zeigen sich an dieser Stelle vergrösserfc und in Un­ordnung; ihre Oberfläche, zum Theil vollständig von Epithel entblösst, bedeckt sich mit einem dünnflüssigen, eiterigen Secret und zeigt nicht selten Granulationsbildung. Der Process, welcher von Schleg als chronisches Hufgeschwür oder Pleischwandgeschwür be­schrieben wurde, beschränkt sich in der Regel auf eine etwa mark-stückgrosse Stelle an den unteren Abschnitten der Fleisch wand; zu­weilen breitet sich die Erkrankung in der Richtung der Blättchen nach oben aus und kann selbst bis zur Fleischkrone hinaufreichen; dagegen besteht keine Neigung, sich in die Tiefe auszubreiten. In der Umgebung des Krankheitsherdes kommt es zuweilen unter dem Einflüsse der chronischen Reizung zur Bildung einer Hornsäule (S. 833).
Ohne Zweifel handelt es sich um chronische Reizungsprocesse, und da dieselben mit entzündlichen Erscheinungen verbunden sind, habe ich geglaubt, den Zustand mit dem oben gewählten Namen belegen zu sollen. Von einem Geschwür kann hier ebenso wenig die Rede sein wie beim Hufkrebs. Beide Processe zeigen oft so grosse
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Krankheiten des Hufes.
üebereinstimmung. dass man aussei- Stande ist, auf den ersten Blick eine sichere Entscheidung der Frage herbeizuführen. Die hauptsäch­lichste Verschiedenheit heider Leiden liegt darin, dass die in Rede stehende gutartiger Natur und leicht heilbar ist, während der Huf­krebs eine sehr sorgfältige und ausdauernde Behandlung verlangt. Auf Verwechselungen mit diesem Leiden sind zweifellos zum Theil die Berichte über schnelle Heilung des Hufkrebses zurück­zuführen.
Der Zustand entwickelt sich in der Regel aus acuten Entzün-dungsprocessen, z. B. aus einer Vernagelung, losen Wand oder Horn-spalte; auch Seh leg sah denselben aus einer losen Wand hervor­gehen. Durch Verum-einigungen des Entzündungsherdes kann die Heilung des Processes gestört und der Zustand auf längere Zeit er­halten bleiben. Dass dieses häufig der Fall ist, dafür spricht der Umstand, dass man nach Entfernung der betreffenden Abschnitte der Homwand und nach sorgfältiger Reinigung der Oberfläche der Pleisch-wand regelmässig in 8—4 Wochen Heilung erzielt.
Erscheinungen. Nachdem man durch Lahmheit oder beim Hufbeschlagc durch das krankhafte Secret auf den Zustand aufmerksam gemacht worden ist, überzeugt man sich mittelst der Sonde leicht über die Ausdehnung des Processes. Lahmheit ist nicht immer mit dem Zustande verbunden; sie tritt aber ein, wenn durch Fremdkörper acute Reizungsprocesse angeregt wurden.
Nur die Unterscheidung von Huf krebs bietet einige Schwierig­keit; mit absoluter Sicherheit ist diese Frage oft erst im weiteren Verlaufe der Erkrankung zu entscheiden. Sobald nämlich das Wand-horn, welches die erkrankte Fleischwand bedeckt, entfernt wird, tritt bei dem in Rede stehenden Leiden schnelle Heilung ein; beim Huf­krebs beobachtet man hiernach in der Regel eine lebhafte Anschwel­lung der Fleischwand; dieselbe drängt sich durch die so entstandene Lücke hervor, und leostet es oft viel Mühe, dieselbe zurückzudrängen oder zurückzuhalten.
In diesem Verhalten liegt ein wichtiger klinischer Unterschied zwischen den beiden Leiden.
Behandlung. Zur Heilung des Zustandes ist zunächst die Ent­fernung der Hornwand, soweit diese den Krankheitsherd bedeckt, un­bedingt erforderlich. Mit Hülfe von Raspel und Rinnmesser löst man dieselbe sorgfältig ab, ohne Verletzungen der erkrankten Fleischwand
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Hufkrebs.
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zu veranlassen; auch suche man sorgfaltig- die Grenzen der Trennung zwischen Horn- und Fleischwand auf. Nach möglichster Reinigung der erkrankten Fleisch wand bepinsele man dieselbe mit Liquor Ferri sesquichl., lege einen mit diesem Mittel getränkten Werg- oder Jute­bausch ziemlich fest auf die Fleischwand und lasse die Tampons durch eine Binde tragen. Sollten etwa stärkere Wucherungen an der Floischwand bestehen, so findet Plumbum nitric, nach Schleg auch das Glüheisen (Thermokauter) zweckmässige Anwendung, worauf man den oben beschriebenen Verband folgen lässt. Der Verband kann einige Tage liegen bleiben; beim Wechsel desselben achte man auf etwaige weitere Untenninirungen der Hornwand, und wo diese ange­troffen werden, nehme man die Wand fort. In der Regel besteht bei diesem Leiden keine solche Neigung zur Ausbreitung wie beim Huf­krebs, und unterscheidet es sich auch hierdurch von jenem.
8. Der Hufkrebs und Strahlkrebs. Pododermatitis chronica verrucosa s. migraus.
Eine chronisch verlaufende, mit ausgesprochener Neigung zur Ausbreitung verbundene Entzündung der Huflederhaut bezeichnet man seit alter Zeit als Huf krebs oder Strahlkrebs, weil der Zustand am häufigsten vom Strahl ausgeht. Das Leiden stellt einen chroni­schen Wucherungsprocess dar, welcher im Papillarkörper und Rete-gewebe abläuft, in jenem eine Vergrössorung der Papillen, in diesem eine lebhafte Proliferation veranlasst. Hierdurch wird die Hornpro-duktion unterbrochen, während die nicht verhornten Epithelien bald zerfallen und eine schmierige, stinkende, graue Flüssigkeit bilden. Es ist bereits (S. 081) darauf hingewiesen, dass das Leiden im Wesen mit dem sog. Straubfuss identisch ist, .also eine Dermatitis verru­cosa bildet; auch wurde bereits hervorgehoben, class beide Zustände oft aus einander hervorgehen, dass sich aus dem Huf krebs der Straub­fuss und aus diesem das in Rede stehende Leiden entwickeln kann. Auch in ihrer Hartnäckigkeit der Therapie gegenüber stimmen beide Leiden mit einander überein.
Erscheinungen und Verlauf. Der Zustand entwickelt sich un­merklich; in der Regel macht sich zunächst am Strahl eine kleine Erhabenheit bemerkbar, welche an ihrer Basis jene graue, schmierige, sehr übelriechende Masse entdecken lässt. Genauer betrachtet, erkennt
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838nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Hufes.
man oft schon mit blossem Auge die vergrösserten Strahlpapillen, aus welchen die Anschwellung besteht. Lahmheit pflegt im Anfange des Leidens zu fehlen, eine Erscheinung, die für die Diagnose beson­ders wichtig wird; denn bei derartigen acut entzündlichen Er­krankungen besteht immer grössere Schmerzhaftigkeit und Lahmheit. An der Fleischwand veranlasst der Process ähnliche Veränderungen wie bei der S. 835 beschriebenen Entzündung derselben.
Allmälich, bald indess schneller, bald langsamer breitet sich die Erkrankung auf die Nachbarschaft aus, greift vom Strahl auf die Eckstreben und Sohle, von dieser auf die Wand und selbst bis auf die Krone über, überall die Horntheile von ihrer Matrix ablösend. An der Fleischwand wuchern die Fleischblättchen zu federbartartigen Bildungen, und sobald die Homwand entfernt ist, drängt sich die Fleischwand schnell hervor (S. 836).
Mit der Ausbreitung des Processes auf die Eckstreben und Sohle pflegt eine Erweiterung des Hufes an den Trachten einzutreten, wäh­rend der Strahl eine ungewöhnliche Grosse erlangt. Bei dieser Aus­breitung stellt sich auch wohl Lahmheit ein. namentlich beim Gehen auf weichem Boden. Wenn eine Behandlung des Zustandes nicht eintritt, so schreitet der Process immer weiter, verbreitet sich schliesslich über die ganze Hufraatrix und kann selbst zum Ausschuhen führen.
Ursachen. Ueber die Ursachen des Leidens ist bisher wenig bekannt, daher erklärt sich auch, dass sich über die Natur der Krank­heit so verschiedene Anschauungen geltend machen konnten. Die Be­zeichnung „Krebsquot; stammt aus einer Zeit, in der man verschieden­artige, durch Malignität ausgezeichnete Krankheitsprocesse mit diesem Namen belegte. Wahrscheinlich handelt es sich um specifische In-fectionsvorgänge; dafür spricht nicht nur der Verlauf, sondern auch die Erfahrungen, welche mit der Behandlung des Leidens gemacht werden. Diese lassen zugleich vermuthen, dass es sich nicht um eine einzige Schädlichkeit, sondern um verschiedene handelt, die auch in ihren Wirkungen nicht übereinstimmen. Worin diese bestehen, muss der zukünftigen Forschung festzustellen überlassen bleiben. Ich ver­weise in diesem Punkte auf die eingehende Betrachtung in meinem Handbuch der Hufkrankheiton.
Beurtheilung. Obgleich sich der Verlauf des Huf krebses stets chronisch gestaltet, so zeigt derselbe doch mancherlei Verschiedenheiten, welche in erster Linie für die Prognose in Betracht kommen. Diese
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Hufkrebs.
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erscheint zwar in jedem Falle zweifelhaft, doch lilsst sich die Mehr­zahl der Fälle heilen. Als Anhaltspunkte für die Beurtheilung dienen folgende Umstände:
1.nbsp; nbsp;Die Beschaffenheit der Wucherung. Je lebhafter die Production, d. h. die Wucherung im Retegewebe und Papillar-körper, je weicher die Neubildung, um so bedenklicher die Prognose. Ausgesprochene Neigung zur Bildung papillärer Wucherungen erscheint weniger günstig als die Bildung zusammenhängender Massen.
2.nbsp; nbsp;Die Ausbreitung. Je grosser die Neigung zur Ausbrei­tung, und je weiter das Leiden vorgeschritten ist, um so bedenklicher wird der Zustand. Besondere Schwierigkeiten bietet die Erkrankung der Eckstreben und Fleischwand; leichter ist der Zustand am Strahl und an der Sohle zu heilen. Schnelle Ausbreitung muss ebenfalls als ungünstiges Zeichen betrachtet werden.
3.nbsp; nbsp;Zeigt sich durch Auftreten des Hufkrebses an mehreren Füssen, dass eine besondere Anlage zu dem Leiden besteht, so darf man auf grossen Widerstand gegen die Behandlung rechnen.
4.nbsp; nbsp;Bei widerspenstigen und empfindlichen Thieren stösst die Application der Heilmittel und die Ausführung der operativen Eingriffe auf grosse Schwierigkeiten, und wird die Prognose ungünstiger. Die Behandlung erfordert viel Geduld, nicht allein vom Patienten, sondern auch von seinem Besitzer und dem behandelnden Thierarzte.
Behandlung. Wohl bei keinem zweiten Leiden ist die Zahl der als wirksam empfohlenen Mittel so gross wie beim Hufkrebs. Wie schon an anderer Stelle von mir betont, spielt allerdings die Auswahl des richtigen Mittels auch bei diesem Leiden eine grosse Rolle, eine grössere aber noch die Art und Weise der Application desselben. Im allgemeinen haben sich neben den Aetzmitteln zur Zerstörung der gewucherten Massen, Adstringentien und Desinficientien am meisten wirksam gezeigt. Sublimat, Chlorkalk, Creosot, Chlorzink, Carbolsäure, Kampfer, Jodoform, Eichenrinde, Jodtinctur und noch viele andere haben ihre Vertreter gefunden, doch schon Haubner sagte ganz zu­treffend: „Es giebt gegen den Huf krebs kein Specificmnquot;. Dem stimme ich zu und bemerke zugleich, dass es immerhin einer aufmerksamen Beobachtung bedarf, um in dem gegebenen Falle das richtige Mittel auszuwählen.
Neben der Desinfection des Erkrankungsherdes handelt es sich 1. um Zerstörung der Wucherungen im Papillarkörper, und 2. um Be­schränkung der Proliferation und der Absonderung im Retegewebe.
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840nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Hufes.
Die erste Aufgabe hängt von der Grosse der gewucherten Massen ab und verlangt die Anwendung von Aetzmitteln oder des Messers. Welches Mittel man auch wählen möge, stets bleibt zu beachten, dass die Zerstörung niemals bis auf die tieferen Schichten des Coriums vordringen darf, sondern auf die gewucherten Papillen beschränkt bleiben muss; daher ist das Messer zu diesem Zwecke auch weniger beliebt als Aetzmittel, zumal die Blutung bei dieser Beurtheilung hinder­lich wird. Unter den Aetzmitteln verdient in erster Linie das von Pütz zuerst empfohlene Plumbum nitricum Beachtung. In Pulver­form auf die kranken Stellen gestreut, bildet es mit den zerstörten Gewebsmassen einen trockenen Schorf, welcher den fortschreitenden Wucherungen hinderlich wird; das Mittel trocknet gleichzeitig in inten­siver Weise aus und beschränkt zugleich die Secretion und Proliferation in dem Iletegewebe. Zuweilen entwickelt sich der Process unter der trockenen Kruste von neuem, deshalb muss diese in den nächsten Tagen daraufhin untersucht werden. Als Aetzmittel können auch anorganische Säuren, namentlich die rauchende Salpetersäure Anwen­dung finden, allein ihre Application gestaltet sich schwieriger und ihre Wirkung ist jedenfalls nicht besser als beim Plumbum nitri­cum. Erscheint die Wucherung nicht bedeutend, tritt vielmehr die Secretion in den Vordergrund, so können Liquor ferri sesquichlorat., Sublimat (1 n/n), Chlorzink (100/o), Tinctura Jodi, Kupfer- oder Zink­sulfat, sowie Alaun, Tannin (Eichenrinde) Anwendung finden; Mittel, dio auch von verschiedenen Seiten empfohlen wurden. Welches aber auch von diesen angewendet werden möge, stets ist ein gut ange­legter Druckverband mit denselben zu verbinden.
Eine weitere Forderung der Therapie besteht in der Entfernung aller untermiuirten Horntheile; diese bildet eine Condition sine qua non für die Heilung und verlangt nicht geringe Geschicklichkeit wie auch üebung in der Handhabung des Rinnmessers.
In der Regel leitet man mit der Entfernung des Homes die Be­handlung ein, giebt, wo der Huf sehr trocken und hart sein sollte, zunächst ein warmes Fussbad. Auch dann gelingt es nicht immer, das losgelöste Horn mit einem Male zu entfernen. Sobald hierbei nämlich Blutung eintritt, verliert man die Uebersicht und muss in der Regel aufhören, um am nächsten Tage diese Operation fortzu­setzen. Hierauf lässt man ein Fussbad folgen, welches mit einer Des-infectionsflüssigkeit (Creolin, Carbol, Chlorkalk, Sublimat) hergestellt ist. Nach l—2stündlicher Einwirkung desselben, wobei es sich em­pfiehlt, die kranken Stellen wiederholt im Bade abwaschen zu lassen,
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Huf'krebs.
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wird das dem Zustande entsprechend ausgewählte Mittel angewendet und ein Druckverhand angelegt. Am nächsten Tage muss der Ver­band erneuert werden, wobei man sich überzeugt, ob der Process weiter vorgeschritten ist; sollte dieses der Fall sein, so muss das unter-minirte Horn alsbald entfernt werden; anderenfalls und wenn die Ober­fläche trocken geblieben ist, erneuere man deij Verband mit demselben Mittel; das Gleiche muss geschehen, wenn die Oberfläche Secretion zeigt.
In dieser Weise wird zunächst eine tägliche Erneuerung des Verbandes erforderlich. Bei Neigung zu lebhafter Wucherung findet neben Plumbum nitricum ein Druckverband nützliche Anwen­dung; hierzu leistet bei Erkrankungen des Strahles, der Eckstreben und Sohle ein Deckeleisen oder ein Gypsguss vorzügliche Dienste. Zur Herstellung der letzteren füllt man die Bodenfläche des Hufes mit frischem Gypsbrei aus und lässt denselben hier erstarren; durch Einlage von etwas Werg oder Hanf wird die Gypsplatte dauerhafter, die man mit Unterlagen von Werg auf die Sohle legen lässt, um einen möglichst gloichmässigen Druck auf die wuchernden Massen auszuüben. Ein gut gearbeitetes Deckoleisen erfüllt denselben Zweck. Wichtig bleibt jedoch auch später, den Verband wenigstens alle 2 bis 3 Tage zu wechseln, und sich von der Beschaffenheit des Hufes zu überzeugen. Man untersuche besonders die Grenzen sowie die trockenen Scheine, und wo sich auch nur die geringste Menge jener grauen, schmierigen Masse zeigt, muss sofort nachgesehen werden, ob nicht der Process in der Tiefe neue Fortschritte gemacht hat.
Ferner gilt auch hier der Grundsatz, das Leiden nicht eher als geheilt zu betrachten, bis alle Stellen absolut trocken sind und wieder normale Hornbildung erkennen lassen. Trotzdem kommen lle-cidive nicht selten vor; daher müssen solche Hufe auch nach erzielter Heilung noch einige Wochen unter Aufsicht bleiben, um den neuen Erkrankungsherd sofort zu behandeln.
Die grössten Schwierigkeiten bietet der Process an den Eck­streben; hier wuchert die Eckstrebenfleischwand und der Fleischstrahl gegen einander, wodurch die vollständige Freilegung des Krankheits­herdes besonders erschwert wird. Oft muss ein Theil der gewucherteil Massen mit dem Messer abgetragen werden, worauf man die seitliche Strahlfurche tamponirt, so zwar, dass zunächst ein recht kleiner Tam­pon in die Tiefe geschoben wird; darauf kommen immer grössere, so dass sich der Verband wie ein Keil in die seitliche Stialilfurche schiebt.
Von verschiedenen Seiten wurde neuerdings empfohlen, mit dem Hufkrebs behaftete Pferde während des Taffes in einen dicken Lehm-
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842nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Hufes.
brei und nach erfolgter Reinigung des Hufes während der Nacht auf Lohe zu stellen. So einfach dieses Verfahren auch erscheint, so ist es doch mit einer Reihe von Unbequemlichkeiten verbunden. Abge­sehen von der täglichen Reinigung und dem Wechsel des Standes, wird in Folge der Verunreinigung des Lehmbreies durch Mist und Urin eine häufige Erneuerung desselben nothwendig. Wo auf Ziegeleien Gelegenheit gegeben ist, das Pferd vor einem Thonschneider arbeiten zu lassen, erreicht man diese Wirkung viel leichter und noch mehr, denn auch die tägliche Bewegung des Thieres wird dem Heilungsvor­gange vortheilhaft. Diese Behandlung empfiehlfc sich namentlich, wo nur die Bodenfläche des Hufes, also nur Strahl, Sohle und Eckstreben, nicht aber zugleich die Fleischwand leidet. Offenbar spielt der gleich-massige Druck des Lehmes auf die wuchernden Abschnitte der Huf­matrix hierbei eine Hauptrolle, und wiederholt habe ich auf diese Weise Heilung beobachtet, die auch von verschiedenen anderen Seiten gesehen wurde. Eine ähnliche Wirkung hat sogar die Benutzung des Pferdes auf weichem Boden, besonders wenn dasselbe barfuss gehen kann.
Von No card wurde vor einigen Jahren energische Behandlung mit einer Sublimatlösung empfohlen. Nachdem die kranken Stellen sämmtlich freigelegt und sorgfältig gereinigt sind, lässt man mit Hülfe eines Pulverisateurs 21.'ä Stunden lang eine l0/nige Sublimatlösung auf die leidenden Theile einwirken. Darauf wird der Huf abgetrocknet und seine Oberfläche 10 Minuten lang mit Jodoformäther bestäubt; innerlich wurde Fowler'sche Solution (40,0 in 8 Tagen) verabreicht. Dass jedoch auch dieses Verfahren zuweilen im Stich lässt, haben die späteren Mittheilungen Nocard's und Anderer bestätigt.
Hier möge noch wiederholt werden, dass es auf eine sorgfaltige Durchführung der operativen Eingriffe und auf Geschicklichkeit bei der Anlegung des Verbandes mehr ankommt, als auf die Auswahl des Mittels, doch spielt das letztere eine nicht zu unterschätzende Rolle. Geben auch die aufgestellten Grundsätze hierbei die nöthigen Anhalts­punkte, so muss man doch in vielen Fällen auf den Erfolg Rücksicht nehmen, und nicht selten bleibt man auf Versuche mit den verschie­denen Mitteln angewiesen.
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Krankheiten der Klauen.
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G. Die Krankheiten der Klauen des Rindes und Schafes.
Lit.: Harms, Rindviehkrankheiten. S. 294. Hess, Fusskrankheiten des Rindes. Siedamgrotzky, Haubners Thierheilkunde. 10. Aufl.
Obgleich die dem Hufe der Pferde homologen Klauen der Wieder­käuer und des Schweines in ihrer äusseren Form erhebliche Abweichungen von jenen zeigen, so gestaltet sich doch die innere Einrichtung derselben nicht wesentlich verschieden von der des Hufes. Daher besitzen auch die Krankheitsprocesse der Klauen im Ganzen eine grosso Uebereinstimmung mit den Hufkrankheiten, doch zeigen sie eine Reihe von Eigenthümlichkeiten, welche vornehmlich durch die Doppelbildung der Klauen und ihre Ver-
Fig. 119.
Längäsclinitt durch die Klaue eines Rindes.
einigung durch eine starke Haut (Haut des Klauenspaltes) veranlasst werden, #9632;/.um Theil aber in dem Fehlen des Strahles und Eckst.reben sowie in den sonstigen Einrichtungen der Klauen ihren Grund haben.
Die Klaue besteht aus der Hornwand mit dem Saumbande und der Horn-sohle mit dem Ballen; die letzteren übernehmen die Funktionen des Strahles, der ebenso wie die Eckstreben den Klauen fehlt. Die Hornwand erlangt bei mittelgrossen Rindern an ihrer lateralen Seite eine Dicke von reichlich 0,5 cm, wilhrend die innere, einander gegenüberliegende Wand der Klauen kaum 2—3 mm stark und bedeutend kürzer ist als jene, indem die nach oben strebende Hornsohle in diesen Abschnitt der Wand übergeht.
Die Hornsohle zeigt ebenfall eine Stiirke von etwa 0,5 cm und reicht von der Klauenspitze bis zum hinteren Dritttheil dor Bodontliiche der Klaue, wo sie ziemlich scharf in die Ballen tibergeht, üeber dem Ballen, zwischen diesem und der Sehne des langen Zehenbougers liegt ein derbes Binde­gewebe, welches etwa dem Strahlpolster entspricht und viel Pottgewebe enthillt.
Das Klauengelenk liegt etwa in der Mitte zwischen der Zehe und dem Ballen, sein tiefster Punkt (b) der Zehe etwas näher als der Tracht und unge­fähr 2 cm unter dem Kronenrande der Seitenwand. Eine gerade Linie vom vorderen Ende der Klauenspalte in schräger Richtung zur Uebergangsstelle der Hornsohle in den Ballen gezogen trifft die untere Grenze des Gelenkes.
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H44nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Klauen.
(Fig. 119 und 120 b.) Das hintere Ende des Klauenbeines befindet sich zwischen c und d in Fig. 119 und 120; über c liegt das Strahlbein etwas nach hinten, um die Bildung des Klauengelenkes zu vollenden.
Das Kronengelenk befindet sich reichlich 2 cm über dem Kronem-and der Seiten wand der Klaue; die Lage des Fesselgelenkes lässt sich durch Palpation genauer feststellen.
Die Sehne des langen Zehenbeugers bildet an jeder Klaue dicht vor ihrem Ansatz an das dritte Zehenglied mit dem Strahlbeine eine der Bursa podotrochlearis des Pferdes entsprechende Sehnenscheide, welche über dem hinteren Abschnitte der Hornsohlo liegt, etwa da wo diese in den Ballen übergeht.
Fig. 120.
Klaue eines Kindes. Die Bnshstaben a-d liegen In gleiclier Höhe wie auf Fig. 119.
Pleischwand und Fleischsohle /.eigen keine erheblichen Verschieden­heiten von den gleichen Huf'abschnitten beim Pferde, dagegen besitzt die Fleischkrone eine grosse Breite und reicht fast bis zur Mitte der Hornwand nach unten. An der medialen Wand geht dieselbe oben in die Zwischen­klauenhaut über, welche haarlos, dafür mit einer dicken, aber wenig verhornten Epidermis bedeckt ist. Ueber derselben, also zwischen den Kronen­beinen liegt ein starkes Fettpolster, welches sich unter die mediale Wand fortsetzt und offenbar die Bewegungen der Klauen an einander erleichtert. Oben umfasst das Saumband die Klaue ringförmig, indem es hinten in den Ballen übergeht.
Durch je zwei mediale und laterale Fesselklauen band er, sowie durch das vordere mit dem Zehenstrecker in Verbindung stehende Band und das Knieklauenbeinband wird das Klauenbein mit dem Kronen- und Fesselbein verbunden, während die gekreuzton Zwischenklauenbilnder
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EntzünduDK tier Klauen.
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oder das Querband der Klaue die beiden Klauen des Fusses so mit einander verbinden, dass dieselben nicht abnorm weit aus einander weichen. Diese letzten Bilnder liegen zwischen den Kronenbeinen, über der Zwischenklauen-haut. Bemerkenswerth ist endlich, dass diese Bänder durch das Fettpolster der Ballen laufen, um sich in der Fleischsohle zu verlieren.
Durch diese eigenthümliche Einrichtung des Fussendes wird namentlich das Rind weniger geeignet, auf hartem und unebenem Boden zu marschiren, und wenn sie dazu gezwungen werden, ziehen sie sich leicht Verletzungen der Weichtheile der Klauen zu. Ferner ist zu beachten, dass die Belastung der Klaue sich anders gestaltet, wie die des Hufes. Während am Hufe der Tragerand der Wand vor­nehmlich die Last trägt, die Hornsohle dagegen mit hartem Boden über­haupt nicht in Berührung kommt, muss die letztere an der Klaue den grössten Theil der Körperlast tragen; das gilt auch für die beschlagene Klaue und erklärt das häufige Vorkommen von Quetschungen der Sohle.
Auch die fortdauernde Einwirkung von Stalljauche und Dünger auf die Klauen verleiht den Krankheitszuständen derselben gewisse Eigenthümlichkeiten. Es handelt sich in der Kegel um acute Bnt-zündungsprocesse, die unter dem Einflüsse von Infectionsvorgilngen mit Nekrotisirung der Weichtheile und Knochen, nicht selten auch mit eiteriger oder septischer Entzündung des Klauen- oder Kronen­gelenkes verbunden sind.
Die Erscheinungen acuter Entzündungsprocesso, nennen wir sie kurz „Klauenentzündung1quot;, treten bei dem weniger empfindlichen Rinde nicht so deutlich hervor, wie die Hufentzündung beim Pferde; auch stösst die Untersuchung der Klauen auf gi'össere Schwierigkeiten, als die des Hufes. Durch Mist und die Stalljauche meist aufgeweicht, zeigen sich namentlich die Klauen der Hinterfüsse bei derartigen Er­krankungen weniger schmerzhaft als die gleichen Erkrankungen am Hufe des Pferdes. Dazu kommt, dass der Nachweis geringfügiger Schmerzen beim Rinde schwer fällt. Bei hochgradigen Schmerzen liegen die Thiere viel und sind schwer zum Aufstehen zu bewegen, so dass bei Laien wohl die Vennuthung auftaucht, es handle sich um eine Lähmung im Kreuze. Werden die Thiere zum Gehen gezwungen, so kürzen sie die Belastung des erkrankten Fusses mehr oder weniger ab, bei hochgradigen Schmerzen findet die Belastung nur auf wenige Augenblicke oder überhaupt nicht statt. Dabei nimmt das Thier mit dem Fusse zuweilen abnorme Stellungen an. belastet bei Schmerzen an der Zehe vornehmlich die Ballen und umgekehrt; im letzteren Falle erfolgt das Durchtreten hei der Belastung nur unvollkommen.
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84(5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Klauen.
Besondere Schwierigkeiten bereitet bei diesen Thieren die Local-untersuchung, und doch ist dieselbe zur genauen Erkennung der Leiden unbedingt erforderlich. Am stehenden Thiere gelingt es zuweilen, die Füsse wie beim Pferde aufzuheben, um diese Untersuchung auszu­führen. Bei unruhigen oder widerspenstigen Thieren lässt man um die Vorderfessel einen Strick schlingen, der über den Widerrist zur anderen Seite geführt wird, um mit Hülfe desselben den Vorderfuss aufzuheben; am Hinterfuss wird ein Strick um den Unterschenkel oder das Schienbein geschlungen und ein starker Stock (Besenstiel) hin­durchgeführt, an dem von zwei kräftigen Männern der Fuss gehalten werden kann; auch lässt sich der Hinterfuss an eine Deichselstange schnüren und auf diese Weise befestigen. Auf jeden Fall ist das Thier mit dem Kopfe kurz und fest anzubinden.
Am liegenden Thiere muss der zu untersuchende Fuss mit Stricken befestigt werden, doch empfiehlt es sich im Allgemeinen, das Thier zunächst zum Aufstehen zu bewegen. Häufig zeigen dieselben solcher Aufforderung gegenüber eine absichtliche Widersetzlichkeit, welche zuweilen durch Begiessen der Füsse mit Terpentinöl, Eingiessen von Wasser in ein Ohr oder durch Heranholen eines Hundes überwunden wird. Bleiben diese Mittel erfolglos, so empfiehlt sich ein von Johne beschriebenes Verfahren die Thiere aufzuheben, welches darin besteht, dass man einen Gurt oder ein starkes Tau so um den Rumpf des Thieres schlingt, dass dasselbe vorn unter dem Habichtsknorpel des Brustbeines, hinten unter dem Sitzbeine liegt, also wie ein Reifen den Rumpf umgiebt. An diesem Tau kann eine grössere Anzahl von Per­sonen, an jeder Seite 3—4, das Aufheben des Thieres am leichtesten bewirken. Hierbei bleibt zu beachten, dass vor dem Thiere ein 1 bis 1,5 m weiter freier, Raum sich finden muss, damit dasselbe die zum Aufstehen nöthige Streckung des Halses ausführen kann.
An dem aufgehobenen Fusse untersucht man die Klaue durch Drücken und Bewegen auf die Gegenwart von Schmerz, achtet ferner auf Anschwellung, Röthung der nachbarlichen Haut, auf etwaige Con-tinuitätstrennungen an der Klaue sowie auf die Gegenwart von Eiter. Dabei ist namentlich die Krone sowie die Haut des Klauenspaltes genau zu prüfen. In der Regel muss dieser Untersuchung eine Reini­gung der Klaue vorangehen.
Bezüglich der Behandlung sei schon hier bemerkt, dass die An­wendung von Fussbädern bei den meisten Rindern auf grosse Schwierig­keiten stösst, daher in der Regel keinen grossen Nutzen hat. Man muss sich deshalb auf eine sorgfaltige Reinigung und Reinerhaltung
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Quetschung der Fleischsohle und der Ballen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;847
durch trockene Streu, sowie auf die Anwendung von Umschlägen und Verbänden beschränken.
1. Quetschungen der Fleischsohle und Ballen beim Binde.
Bei den kleineren Wiederkäuern besitzen die Klauen im Ver-hältniss zur Körperschwere eine grössere Widerstandsfähigkeit, so dass hei ihnen diese Leiden nur selten vorkommen, um so häufiger aber beim Rinde. Hier leiden vornehmlich die weicheren Klauen der Hinter-füsse und in erster Linie die mediale. Längere Fusstransporte auf hartem und unebenem Boden geben hierzu in der Regel Veranlassung, namentlich wenn die Thiere hochtragend, in der Mast vorgeschritten, längere Zeit hindurch im Stalle gestanden haben und nicht beschlagen sind. Da die Hornsohle bei den Klauenthieren den grössten Theil der Körperlast tragen muss, so erklärt sich dieser Nachtheil leicht. Dazu kommt, dass längere Transporte bei barfussgehenden Thieren zugleich mit einer allmälichen Abnutzung der Hornsohle verbunden sind, wo­durch dieselbe sowie auch die Ballen an Widerstandsfähigkeit ein-büssen.
Erscheinungen und Verlauf, In der Regel macht sich der Zu­stand schon auf dem Transporte bemerkbar, indem die Thiere all-mälich anfangen zu lahmen, den Gang verkürzen, sich niederlegen oder während der Ruhe trippelnde Bewegungen mit den Füssen machen. In den Stall gebracht, legen sie sich bald nieder, versagen wohl das Futter und sind zum Aufstehen schwer zu bewegen. Untersucht man die Klauen, so zeigt sich die eine oder andere, zuweilen mehrere zu­gleich schmerzhaft gegen Druck auf die Hornsohle und den Ballen; oft findet man später Rothfärbung des Sohlenhornes, zuweilen auch Eiterung mit Perforation an den Ballen oder der Krone.
Bei geringgradiger Quetschung, und wenn dem Thiei-e bald Ruhe und ein weicher Stand gegeben wird, erfolgt in einigen Tagen Heilung; entwickelt sich jedoch Eiterung unter der Sohle oder dem Ballen, so entsteht einerseits die Gefahr, dass die Thiere durch das andauernde Liegen an Decubitus zu Grunde gehen, andererseits wird der Zustand dadurch bedenklich, dass sich eine phlegmonöse Entzün­dung mit Nekrose der Fleischballen und des unter denselben gelegenen Bindegewebes einstellt; hierzu gesellen sich oft schwere Erkrankungen, eiterige Entzündung mit Nekrose der Sehne des langen Zehenbeugers sowie septische Erkrankung des Klauengelenkes (S. 852).
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84lt;Snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Klauen des Kindes.
Die Beurthoilung muss daher namentlich auf den Grad der Schmerzen Rücksicht nehmen und sich nach den bestehenden Verün-derungen richten. Bei Nekrose der Sehne und eiteriger, bezw. septi-soher Entzündung des Gelenkes erscheint die Prognose ungünstig, aber nicht absolut schlecht, weil die Amputation der Klaue noch Heilung herbeiführen kann. Doppelt bedenklich aber wird der Zustand, wenn mehrere Klauen oder gar mehrere Füsse zugleich leiden.
Behandlung. Besteht noch keine Eiterung, so genügt oft einige Tage Ruhe und ein weicher Stand; bei grosser Schmerzhaftigkeit können kalte Umschläge angewendet werden. Wo Eiterung eingetreten ist, sorge man für regelmilssigen Abfluss des Secretes, doch schone man hierbei nach Möglichkeit nicht nur das Wandhorn, sondern auch die Sohle. Dieses gilt besonders für die superficiellen Processe, welche dieselben Eigen-thiimlichkeiten zeigen, wie am Hufe (S. 799); hier genügt im allge­meinen eine kleine Oeffnung, welche dem durchlässigen Secrete Ab­fluss verschafft. Nach sorgfältiger Reinigung der Klauen und Aus­spritzen der unterminirten Hornabschnitte legt man einen Verband an, der durch Bestreichen mit Theer undurchlässig gemacht werden kann, und so gegen Verunreinigungen der erkrankten Stelle durch Stall-jauche schützt. Bestellt Nekrose der Sehne oder Erkrankung des Kliiuengelenkes, so kann nur noch die Amputation der Klaue helfen (S. 854).
2. Verwundungen der Weichtlieile der Klauen.
Verletzungen der Weichtheile der Klauen kommen nicht selten heim Beschläge der Thiere vor, weil die Hornwand verhältnissmässig dünn ist; ferner als Nageltritt, d. h. Verletzungen durch Eintreten frem­der Gegenstände, wie Nägel, Draht, Eisenstücke, Eggenzinken oder der Kappe des Eisens. Da die so entstandenen Verwundungen meist die hinteren Abschnitte der Sohle und die Ballen betreffen, so er­scheinen sie ebenso bedenklich wie der Nageltritt beim Pferde, in­dem auch hier die Sehne des langen Zehenbeugers sowie das Klauen­gelenk leicht miterkranken, während bei der Vernagelung in der Regel nur die Fleischwand verletzt wird. Daraus ergeben sich zugleich Anhaltspunkte für die Beurtheilung dieser Zustände.
Erscheinungen. In der Regel stellt sich bei diesen Leiden die Lahmheit plötzlich ein; dieselbe ist bald nur gering, bald erheblich. Der Untersuchung muss eine Reinigung der Klauen des leidenden
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Panaritium.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 849
.Fusses vorangehen. Bei Verletzungen der Beugesehne treten hoch­gradige Schmerzen hervor; der Fuss wird entweder gar nicht, oder nur auf Augenblicke belastet, und bei Dorsalflexion der Klaue äussern die Thiere lebhafte Schmerzen. Ebenso giebt sich die Mitleidenschaft des Gelenkes durch grosse Schnierzhaftigkeit, namentlich gegen leichte Drehbewegungen der Klaue, durch Anschwellung an der Krone, be­sonders am Zehentheil derselben, zu erkennen. Unter TJmständeu besteht Ausfluss von eiteriger Synovia.
Die Behandlung verlangt zunächst Entfernung des etwa zurück­gebliebenen Fremdkörpers, Reinigung der verletzten Stelle, Sorge für den Abfluss des Eiters, wobei die oben beschriebenen Rücksichten zu nehmen sind, und endlich Schutz vor Verunreinigungen, trockene, reine Streu und nöthigenfalls einen Verband. Verletzungen oder secundäre Erkrankungen der Beugesehne sind nach den beim Ballenpanaritium beschriebenen Massnahmen zu behandeln.
3t l'anaritiuni.
Als Panaritium bezeichnet man eine acute, schnell zur Eiterung führende, regehnässig mit Nekrose verbundene Entzündung, welche beim Menschen zunächst an der Vorderfläche der Finger auftritt, sich über oft auf entferntere Theile ausdehnt. Diese Bezeichnung für ge­wisse Leiden der Klauen zu ucceptiren, erscheint durchaus berechtigt, denn einerseits handelt es sich um homologe Theile des Thierkörpers, andererseits gestalten sich die Vorgänge der Entwickelung hier genau ebenso wie dort. Don Ausgangspunkt des Panaritiums bildet nämlich stets eine Wundinfection mit nachfolgender Phlegmone, welche theils unter der Wirkung der Infectionsstofl'e, theils der anatomischen Ein­richtung der erkrankten Theile zur Nekrose neigt. Dass die Klauen des Kindes solchen Infectionsvorgängen gegenüber eine günstige Lage einnehmen, unterliegt keinem Zweifel. Fast unausgesetzt von Schmutz umgeben, bieten kleine Verletzungen der Haut, wozu es ebenfalls an ursächlichen Momenten nicht fehlt, den Infectionsstoffen Gelegenheit, in grosses Mengen einzudringen und schwere Störungen zu veran­lassen. Der Process beschränkt sich daher nicht auf die äussere Haut, sondern greift in die Subcutis, nicht selten auch die Seimen, Sehnen­scheiden, Knochen und Gelenke über, wodurch Zustände der bedenk­lichsten Art entstehen.
Möller, Spociolle Chirurgie für Tliiorärzte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ;quot;'4
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850nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Klauen.
Nach dem Sitze hat man beim Rinde ein Zehen-, Ballen-und Zwischenklauenpanaritium unterschieden; Zustände die von Harms am eingehendsten beschrieben wurden; die früher übliche Be­zeichnung Geschwür ist nicht zutreffend.
Da es sich um die Wirkung von Infectionen handelt, so kann es auch nicht auffallen, dass diese Leiden unter Umständen eine grössere Verbreitung finden, dass sie in gewissen Ställen häufiger vor­kommen und selbst enzootisch auftreten; dass ferner sowohl schmutzige Ställe wie auch das Gehen auf hartem Boden die Entstehung der­selben begünstigt.
1. Beim Zehenpanaritium entwickelt sich der Process am vorderen Ende des Klauenspaltes. Hier entsteht ohne nachweisbare äussere Veranlassung eine schmerzhafte, entzündliche Anschwellung, welche sich nach beiden Seiten auf die Krone, sowie auch auf die Zwischenklauenhaut und die benachbarte äussere Haut ausbreitet. Die pigmentfreie äussere Haut zeigt sich geröthet, angeschwollen, schmerz­haft; der Fuss wird nur vorübergehend, oft unter Stöhnen belastet; dabei besteht, namentlich im Anfange des Leidens, Fieber und Appetit­losigkeit. Nach einigen Tagen löst sich das Saumband in der Nach­barschaft los, und endlich erfolgt Perforation, worauf sich ein dick­flüssiger Eiter entleert. Hierauf lassen die Zufälle bald nach, es tritt Granulationsbildung und Heilung ein. Auch wenn ein Stück Haut nekrotisirte, kommt in 2—8 Wochen Heilung zu Stande.
Es handelt sich um eine mit Nekrose verbundene Phlegmone der Cutis und Subcutis, weshalb ich das Leiden als Panaritium subcutaneum bezeichnen möchte. Harms schildert diesen Vorgang als ersten Grad des Panaritiums.
Oft greift die Entzündung jedoch auf das über der Klauenspalte gelegene Binde- und Fettgewebe sowie auf die Sehnen und Bänder der Klauen- und Kronenbeine über. In solchem Falle treten die Erschei­nungen auffälliger hervor; sowohl die Schwellung und llöthung wie auch der Schmerz ist erheblicher; die Thiere belasten den Fuss fast gar nicht; die Anschwellung breitet sich weiter nach oben wie auch auf die Haut des Klauenspaltes aus; auch besteht in der Regel Fieber mit Appetitlosigkeit, Nachlassen der Milchsecretion und Abnahme des Körpergewichtes. Nachdem die Haut porforirt oder nekrotisirt ist, entleert sich eine grössere Menge jauchigen Eiters, worauf die Er­scheinungen zurückgehen und bei entsprechender Behandlung in etwa 8 Wochen Heilung erfolgt. Man könnte diesen Process als ,Pana­ritium profundumquot; bezeichnen.
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Panaritium.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; sect;51
Findet dieser Zustand jedoch nicht genügende Beachtung oder hat eine Infection mit besonders virulenten Substanzen stattgefunden, so greift der entzündliche und nekrotisirende Process auf das Kronen­oder Klauenbein oder auf das eine oder andere Gelenk derselben über; es entwickelt sich eine septische Arthritis, ein Panaritium ossiuin s. articulare. Damit wird der Zustand äusserst schmerzhaft; sobald das eine oder andere der Gelenke miterkrankt, breitot sich die An­schwellung oft bis auf das Schienbein aus; bei Erkrankung des Klauen­gelenkes erscheint dieselbe hauptsächlich in der Nähe des Klauen­spaltes; die Thiere fiebern heftig und zeigen die geschilderten Er­scheinungen in noch höherem Grade. Auch zeigt sich grosso Schmerzhaftigkeit bei leichten Drehbewegungen der Klauen. Bemerkt sei indess, dass das letztere Symptom hier nicht von so ausschlug­gebender Bedeutung für die Diagnose .Arthritisquot; ist wie beim Pferde, weil auch die in der Haut und Unterhaut, namentlich am Klauenspalt und dessen Nähe auftretenden Schwellungen bei Drehbewegungen der Klaue heftige Schmerzen veranlassen können. Diese Erscheinung gewinnt aber eine besondere Bedeutung, wenn solche Zustände in der Haut nicht nachweisbar sind oder nur geringfügig erscheinen. Sobald eine Arthritis oder Nekrose am Kronen- oder Klauenbein festgestellt ist, wird die Prognose in Bezug auf die Erhaltung der Klaue un­günstig; in der Regel kann nur durch Amputation derselben noch Heilung erzielt werden (S, 854).
2. Das Zwischenklauen-Panaritium besteht in einer infec-tiösen Entzündung der die beiden Klauen verbindenden Haut und ihrer Unterlage, namentlich des in reichlicher Menge hier vertretenen Fettgewebes. Man findet das Zwischenklauen-Panaritium am häufigsten an Klauen mit gespreizter Stellung und bei Arbeitsthioron. Die Zwischenklauenhaut erscheint angeschwollen, schmerzhaft und tritt als ein schneckenförmiger Wulst zwischen den beiden Klauen hervor, was offenbar zu der französischen Bezeichnung „Limacequot; (Schnecke) Ver­anlassung gegeben hat Die Schmerzen werden hochgradig, der Fuss wird nicht belastet, die Thiere liegen andauernd, zeigen Fieber und Appetitlosigkeit. Schon nach wenigen Tagen pflegt die Haut zwischen den Klauen zu zerreissen; zuweilen erfolgt auch eine Trennung dos Zwischenklauenbandes, in Folge dessen die Klauen unter Zunahme der Geschwulst weiter aus einander weichen.
Bei rechtzeitiger und dem Zustande entsprechender Behandlung kommt auch hier in der Hegel Heilung zu Stande, anderenfalls geht der Process auf das Kronenbein oder das Klauengelcnk über; im Ganzen
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852nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Kinnen.
ist die letztere Gefahr hier nicht so gross wie beim Zehenpnna-ritium.
3. Das Ballenpanaritium stellt sich am häufigsten am medialen Ballen des einen oder anderen Vorderfusses ein, zuweilen leiden beide Ballen, sehr selten der laterale allein (Harms). Nur ausnahmsweise beschränkt sich die phlegmonöse Entzündung auf den Fleischballen und das über demselben gelegene Binde- und Fettgewebe; in der Regel greift dieselbe auf die Beugesehne, häufig auch auf das Klauen­gelenk über. An der Beugesehne entsteht Nekrose mit eiteriger oder septischer Erkrankung ihrer Scheide auf dem Strahlbein; man könnte hier von einem „Panaritium tendineum* sprechen.
Die Erscheinungen bestehen in erheblichen Schmerzen bei dem Versuche, den Fuss zu belasten, wie auch auf Druck gegen den er­krankten Ballon. Der letztere und seine Umgebung erscheint stark angeschwollen. Bei Nekrose der Beugesehne mit Erkrankung ihrer Bursa zeigen sich Streckbewegungen (Dorsalflexion), bei Arthritis Drehbewegungen (S. 851) der Klaue besonders schmerzhaft, Diese grosse Schmerzhaftigkeit, sowie die starke und weiter verbreitete An­schwellung dient zur Unterscheidung dieses Zustandes von einer ein­fachen Quetschung des Ballens.
Auch hier hängt der weitere Verlauf von dem Umfange der Erkrankung ab. Beschränkt sich der Process auf den Ballen und seine Unterlage) so erzielt man in 2—4 Wochen Heilung. Wo die Beuge­sehne oder das Klauengelenk mitleiden, bleibt in der Hegel nur die Amputation der Klaue übrig.
Behandlung. In präservativer Hinsicht empfiehlt sich, Ver­letzungen an der einen oder anderen der genannten Stellen nach Mög­lichkeit rein zu halten und mit Hülfe von Verbänden oder Theer-anstrichen und Einführung einer trockenen Streu gegen weitere Infectionen zu schützen. Wo sich ein Panaritium bemerkbar macht, ist auf Zertbeilung des Entzündungsprocesses nicht mehr zu rechnen, und Entleerung der eiterigen und nekrotischen Massen auf dem kürzesten Wege und möglichst bald anzustreben. Das wirksamste Mittel bildet allerdings das Messer, doch lässt sich dasselbe oft nicht sogleich anwenden, sondern es muss zunächst durch erweichende, lau­warme Umschläge von Leinsamenmehl oder ähnlichen Substanzen, event, unter Zusatz von Desinficientien die Perforation unterstützt werden. So­bald sich aber irgendwo Abscedirung bemerkbar macht, und der Ab­scess mit dem Messer zu erreichen ist, muss die Punction vorgenommen
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Panaritium.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 853
werden, woi-auf eine antiseptische Behandlung der Wunde eintritt: Auswischen mit Chlorzinklösung (10n/n), oder Ausspritzen mit Carbol-säure (5n/n) oder Creolin (30/o). Esser empfiehlt auch hier die An­wendung des scharfen Löffels, Ausspritzen mit 5deg;/quot; Carbollösung und einen Verband mit Jodoform, der mit Theer augestrichen wird und 8—10 Tage liegen bleibt. Um das Klauenhorn weich zu erhalten, ver­dienen feuchte Verbände den Vorzug. Brandige Theile der Haut sind mittelst Messer und Schere zu entfernen.
Am wenigsten Bedenken gegen die Anwendung des Messers zum Oeffneu des Herdes erregt das Zwischenklauenpanaritium; wie auch Harms empfiehlt, nmss die äussere Haut in ihrer ganzen Ausdeh­nung zwischen den Klauen gespalten werden, sofern sie nicht bereits getrennt ist. Beim Ballenpanaritium suche man den Ballen zu schonen, vermeide namentlich, denselben in der Längsrichtung der Klaue voll­ständig zu spalten, damit die Regeneration des Hornballeus möglichst vollkommen ausfällt. Beim Zehenpanaritiuni wird die äussere Haut senkrecht gespalten, so dass der Krankheitsherd frei liegt, und die Secrete günstigen Abfluss finden.
Besondere Sorgfalt lege man auf den Verband. Beim Zehen-nnd Zwischenklauenpanaritium fülle man den Raum zwischen beiden Klauen mit Werg oder Jute aus, welches vorher mit Carbol- oder Creolinwasser getränkt war, so dass die Klauen möglichst immobilisirt werden, bedecke sodann beide Klauen mit denselben Substanzen und umhülle dieselben mit einem Tuch, welches durch Bestreichen mit Theer undurchlassend gemacht ist.
In der Regel hören die Schinerzen nach erfolgter Perforation oder Function bald auf; in solchem Falle kann der Verband mehrere Tage liegen bleiben, worauf eine Erneuerung desselben nach den obigen Vorschriften erfolgen muss. Sollten sich hierbei üppige Granulationen zeigen, so finden Adstringentien (Lösungen von Alaun, Cupr. sulfur., Zucker oder Holzkohle) zwcckmässige Anwendung.
Am vorderen Ende der Klauenspalte entstehen beim Rinde zu­weilen entzündliche Erkrankungen der äusseren Haut, die sich auf die Cutis beschränken, daher nicht mit so erheblichen Schmerzen verbunden sind wie das Zehenpanaritiuni, aber bei den unvermeidlichen Be­wegungen der Klauen schwer heilen. Die äussere Haut erscheint etwas angeschwollen, schmerzhaft, an ihrer Oberfläche finden sich Krusten von eingetrockneten Secreten oder diese selbst; während das Saumband in der Nachbarschaft losgelöst ist. Findet dieser Zustand keine Beachtung, so entwickelt sich aus ihm wohl ein Zehenpanaritium.
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854nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Klauen.
Schon deshalb empfiehlt sich, das Thier auf eine trockene Streu zu stellen, die kranken Stellen sorgfältig zu reinigen, mit Jodoform zu bestreuen und zwischen den Klauen ein, der Weite des Spaltes angepasstes dreieckiges Holzstück zu legen und mittelst eines starken Bindfadens oder eines Drahtes, der um die Klauen geschnürt wird, zu befestigen, damit die Bewegungen der Klauen, das wesentliche Hinderniss für die Heilung, aufhören. Zur Sicherung der Lage des Bindfadens oder Drahtes werden mit dem Kinnmesser ein Paar seichte Kerbe am un­teren Bande der Klauen angebracht.
i. Die Anipululion der Klauen beim Kinde.
Sobald bei dem einen oder anderen der beschriebenen Panaritien oder durch Verletzungen beim Eintreten von Fremdkörpern das Klauen­gelenk in eine eiterige oder septische Entzündung versetzt ist, oder wo umfangreiche Nekrose an den Phalangen besteht, empfiehlt sich, die betreifende Klaue zu amputiren. Geschieht dieses nicht, so werden die Schmerzen längere Zeit unterhalten, und die Tliiere gehen an den Folgen von Decubitus oder an Septicämie bezw. Pyümie zu Grunde; wo dieses nicht der Fall sein sollte, leidet in der Regel doch der Nährzustand derselben im hohen Grade.
Die Beobachtungen, welche von Harms u. a. mit dieser Operation gemacht worden sind, ermuthigen zu derselben, indem der Heilungs-process verhältnissmässig schnell und so vollkommen von Statten geht, dass eine erhebliche Gebrauchsstörung in Folge des Defectes selten zurückbleibt.
Esser (briefliche Mittheilung) betrachtet die Klaucnamputation als ultima ratio bei umfangreicher Nekrose der Phalangen. So lange die Thiere noch regelmässig aufstehen und nicht stark abmagern, zieht Esser die conservirende Behandlung vor.
Die Klauenamputation kann entweder durch Exarticulation im Klauengelenke oder durch Resection (Durchsägung) des Fesselbeines erfolgen. Harms zieht die erstere Methode vor und legt dabei ein Hauptgewicht auf die Erhaltung des Ballens, um die Regeneration mög­lichst günstig zu gestalten. Auch darf hierbei das Strahlbein nicht mit entfernt werden.
An dem niedergelegten und gut gefesselten Thier wird der zu operirende Fuss befestigt und ein Esmarch'scher Schlauch um den Unterschenkel bezw. Vorarra gelegt, um in der Blutleere zu operiren. Harms bringt sodann mit dem Rinnmesser zu beiden Seiten sowie an
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Amputation der Klaue.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;855
der unteren Fläche der Klaue in einander laufende Schnitte an, die bis auf die Weichtheile reichen. Sodann wird die Kronenwulst gelöst und das Klauenbein mit dem Horn der Klaue entfernt.
Eggeling (mündliche Mittheilung) verdünnt zunächst mit dem Rinnmesser das Horn an der hinteren Hälfte der Seitenwand der Klaue sowie auch die Ballen. Dann wird mit einem lorbeerblattförmigen Messer unmittelbar unter der Krone und zwar vom Klauenspalte aus­gehend ein Schnitt geführt, welcher das Klauengelenk freilegt und die Richtung von a bis b und c (Fig. 120) einschlägt. Am hinteren Ende des Klauenbeines (Fig. 120 c) angekommen, setzt sich die Trennung im rechten Winkel nach unten (Fig. 120 d) fort, so dass also das Strahlbein geschont wird. Wenn man während dieser Schnittfülining den Zehentheil der Klaue nach unten und hinten drängt (Volar- bezw. Plantarflexion), so öffnet sich das Klauengelenk und gestattet mit dem Messer auch die innere Wand der Klaue sowie die Zwischenklauen­bänder zu durchschneiden.
Nach vollständiger Abtrennung der Klaue in ihrem Gelenke werden die losen oder nekrotischen Theile mit Schere oder Messer entfernt, alle Unterminirungen und Granulationen sorgfältig desinficirt, ein mit Theer getränkter Tampon auf die Operationswunde gelegt und darüber ein Verband applicirt, der bis über die Afterklauen reicht. Durch Vernähen der Bindentouren erlangt der Verband eine feste Lage und wird sodann durch wiederholtes Bestreichen mit Theer un­durchlässig gemacht; derselbe kann 8—10 Tage liegen bleiben. Bei seiner Erneuerung findet sich gute Granulation, nicht selten ohne Eiterung. Die Heilung nimmt 4—(i Wochen in Anspruch, wobei die Hornbekleidung des Stumpfes vornehmlich von der zum Theil erhal­tenen Fleischkrone und dem Ballen aus und so vollständig erfolgt, dass die Thiere selbst zum Besuche der Weide wieder fähig werden.
Besteht umfangreiche Nekrose am Kronenbein oder eiterige Ent­zündung des Kronengelenkes, so kann die Resection des Kronenbeines mit dem unteren Ende des Fesstdbeines nothwendig werden. Zu dem Zwecke wird das Thier ebenso wie oben beschrieben befestigt, ein Esmarch'scher Schlauch angelegt, sodann die üussere Haut über dem Ballen entweder nn der äusseren, oder an der vorderen und hinteren Fläche der Phalangen gespalten und von ihrer Unterlage getrennt, sodann das Fe*sselbein in schräger Richtung von oben nach unten durchsägt. Nach Stillung der Blutung reinigt und desinficirt man das Operations­feld, beschneidet die Hautlappen und heftet dieselben unter dem Stumpfe zusafnmen. Der ebenso wie oben beschriebene Verband kann auch
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86önbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Klauen.
hier 8—10 Tage liegen bleiben, worauf unter zwei- bis dreimaliger Erneuerung desselben regelmässig Heilung erfolgt (Esser).
5. Die KlauenspaltentzUndung beim Schafe. Klauenentzündung.
Moderhinke.
Abgesehen von der Aphthenseucbe und den als bösartige Klauen­seuche der Schilfe auftretenden krankhaften Veränderungen, welche in den Lehrbüchern der speciellen Pathologie abgehandelt werden, kom­men an den Klauen der Schafe nicht selten chronisch-entzündliche Processe vor, welche unter den oben genannten Bezeichnungen be­kannt sind. Es handelt sich dabei um Entzündungsvorgänge mit chro­nischen Eiterungsprocessen und deren Folgezuständen an der Krone oder im Klauenspalte, namentlich um Loslösung des Saumbandes, TJnterminirungen des Klauenhornes, zuweilen auch um Nekrose der unteren Phalangen und ihrer Bänder; seltener als beim Kinde kommt hier Mitleidenschaft des Klauen- oder Kronengelenkes vor.
Ursachen. Im allgemeinen wirken hierbei ähnliche Vorgänge wie beim Panaritium des Kindes; andauernde Nässe auf der Weide oder im Stalle erweicht das Klauenhorn, führt zur Maceration der Epi­dermis an der Krone oder an der Zwischenklauenhaut und begünstigt nicht allein das Auftreten entzündlicher Processe an der Oberfläche, sondern führt durch infectiöse Vorgänge zuweilen zu tiefer greifenden Eiterungsprocessen. Wenn das Saumband der Klaue sich einmal los­gelöst hat, oder an der Zwischenklauenhaut eine Entzündung ein­getreten ist, so stösst die Heilung dieser Zustände unter dem Einflüsse mangelnder Ruhe und der Einwirkung von Verunreinigungen nament­lich an der Krone auf Schwierigkeiten, zumal hier leicht Eiterver-
senkun
'nv
n vorkommen.
Erscheinungen und Verlauf. Durch das Lahmen der Thiere auf das Leiden aufmerksam gemacht, zeigt sich bei näherer Unter­suchung die Haut des Klauenspaltes sowie die Krone geröthet und angeschwollen. Bald darauf wird die Oberfläche feucht, indem sich zunächst eine seröse, später eiterige Flüssigkeit hierselbst anhäuft. In der Eegel bleibt der entzündliche Process auf die Cutis beschränkt, führt aher zur Lostrennung des Saumbandes sowie der Klauenwand von der Krone, nicht selten auch zur Unterminirung der Hornwand und Sohle, so dass selbst Ausschuhen eintreten kann, wenn eine
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Klauenent/.ündung beim Schafe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;857
zweckentsprechende Behandlung nicht rechtzeitig eingreift. Nur aus­nahmsweise stellt sich ein Panaritium mit tiefer greifender Nekrose an den Bändern, Sehnen und Knochen ein.
In dem Masse die Anschwellung steigt und der Process sich ausbreitet, pflegen die Schmerzen zuzunehmen; die Thiero liegen viel, belasten den kranken Fuss schliesslich nicht mehr und gehen in ihrem Ernährungszustande erheblich zurück. In solchen Fällen, oder wenn der oberflächlichen Erkrankung keine Beachtung geschenkt wird, die ursächlichen Einflüsse fortwirken, zieht sich das Leiden in die Länge und kann monatelang andauern.
Die Beurtheilung richtet sich nach den localen Veränderungen, dann aber auch dem Grade der Schmerzhaftigkeit; besondere Vor­sicht ist bei der Beurtheilung geboten, wenn die Thiere andauernd grosse Schmerzen äussern, mit der Futteraufnalime nachlassen und abmagern.
Behandlung. Neben Einführung eines trockenen Standes, Frei­haltung von Feuchtigkeit muss bei Lostrennungen des Homes und ünterminirungen desselben zunächst für den regelmässigon Abfiuss des Eiters Sorge getragen werden. Hierzu entferne man das Horn soweit nothwendig und reinige die erkrankten Stellen sorgfältig; bei oberflächlicher Erkrankung bestreiche man dieselben mit Theer oder Carbolöl oder Carbolglycerin (5—10 0/o) oder bestreue die kranke Fläche mit Jodoform oder ähnlicben Desinficientien. Bestehen üppige Granulationen, so finden Adstringentien (Kupfersulfat, Alaun, Ferr. sesquichlorat.) zweckmässige Anwendung, wobei jedoch die etwa noch fortbestehenden Ursachen dieser Wucherungen, z. B. abgestorbene Ge-webstheile oder vorstehende Hornmassen zu entfernen sind,
Bei tiefer greifenden Processen muss das beim Panaritium des Rindes beschriebene Verfahren eingeschlagen werden. Auch die da­selbst empfohlene Fixirung der Klauen durch einen Verband, bezw. durch ein Stück Holz, welches in den Klauenspalt geschoben und mit Hülfe eines Bindfadens befestigt wird, lässt sich hier zweckmiissig verwerthen.
An den Klauen des Schafes kommen ferner durch Verbiegungen des Wand- und Sohlenhornes zuweilen Eiterungsprocesse an der Sohle vor. Man beobachtet dieses namentlich, wenn die Klauen nicht regel-mässig abgelaufen und zu lang werden. Die Behandlung besteht in Verkürzung der Wand, Verdünnung der Sohle und Einführung
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S'jSnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Krallen.
trockener Streu; im übrigen müssen dieselben Grundsätze Anwen­dung finden, welche bei der Besprechung der Entzündungsprocesse im Hufe der Pferde erwähnt wurden.
Endlich beobachtet man in dem dem Schafe eigenthümlichen Klauensäckchen eine Anhäufung eines grauen, schmierigen Inhaltes, der sich auf Druck sowie durch Zusammenpressen der Klauen als eine wunnförmige Masse entleeren lässt. Der Zustand, welcher hiernach wohl als K1 a u e n w u r m bezeichnet worden ist, hat nur selten eine praktische Bedeutung, wird aber von Laien wohl irrthümlich als die Ursache anderer schmerzhafter Zustände angesehen. Unter Umständen kann allerdings die Retention des Secretes zu einer entzündlichen Er­krankung des Klauensäckchens führen. In diesem Falle erscheint am vorderen Ende des Klauenspaltes eine schmerzhafte Anschwellung, welche auf Druck eine mehr oder weniger eiterige Flüssigkeit ent­leeren lässt. Wiederholtes Ausdrücken führt jedoch auch hier in der Kegel bald Heilung herbei.
H, Die Krankheiten der Krallen bei den Fleischfressern.
Lit.: Sicdamgi'o t zky, Uebor die Struktur und das Wachsthum der Krallen der Fleischfresser. Dresden 1871. Sßhönfeld'sche Buchhandlung. Ellen­berg er, Anatomie des Hundes. Berlin 1891. Parey.
Die Krallen umgeben das letzte Zehenglied der Fleischfresser, welches ebenso wie das Huf- bezw. das Klauenbein mit der Matrix der Kralle bekleidet ist. Die Phalanx tertia des Hundes steht zu der Phalanx secunda, mit welcher sie gelenkig verbunden ist, fast im rechten Winkel nach oben (Siedamgrotzky), besitzt dicht vor dieser Verbindung einen falzförmigen King zur Aufnahme der Basis der Krallen; die Cutisabtheilung, welche als Matrix der Kralle dient, bildet hier eine Art Vorhaut, die F1 e i s c h k r o n e, die Matrix der Krallenplatte. Das Krallenbett bekleidet die vorderen Abschnitte des dritten Zehengliedes und trägt kleine Leistchen (Blättchen). An der Volarfläche der Phalanx tertia liegt die Fleisch so hie. Die Krallenplatte bildet eine harte, an beiden Seiten zusammengedrückte Hornplatte, welche den grössten Theil der Kralle darstellt; sie steckt mit ihrer Basis (Kronenrande) in dem Knochenfalze. Zwei elastische Bänder gehen vom oberen Ende der zweiten Phalanx zur oberen Fläche des
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Einwachsen und Luxation der Krallen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; H-jU
Falzes, um die Kralle zu heben und vor übermässiger Abnutzung zu schützen. Während diese also bei der Belastung des Fusses mit dem Boden nicht in Berührung kommen, dient zum Tragen der Körperlast der Sohlenballen und die Zehenballen, welche mit einer starken Epidermis versehene Wülste aus Bindegewebe, elastischen Fasern und Fettgewebe darstellen und durch Bänder mit den Phalangen in Ver­bindung stehen. Sie besitzen eine schwarze Farbe, enthalten weder Haare noch Talgdrüsen, dagegen zahlreiche Schweissdrüsen.
1. Das Einwachsen dor Krallen (lucarnatio nnguiis).
Luxation der Krallen. Chronische Entzündung des Krallenbettes.
Abfallen der Krallen.
Bei Hunden und Katzen wachsen die Afterklauen, welche mit dem Boden nicht in Berührung kommen, daher auch nicbt abgenutzt werden, zuweilen unter abnormer Verlängerung und Krümmung mit ihrer Spitze in den zugehörigen Ballen hinein und erzeugen schmerzhafte Empfindungen mit Lahmheit, zuweilen auch eiterige Entzündungen des Ballens und seiner Umgebung. Die Behandlung besteht in Verkürzung der Kralle mittelst einer starken Schere, wobei Verletzungen der letzten Zehenglieder vermieden werden, wenn man nicht zu viel fortnimmt. Zur Orientirung kann die Kralle des anderen Fusses dienen, sofern dieselbe nicht in gleicher Weise verlängert ist. wie es nicht selten beobachtet wird. Ebenso zeigen sich bei Vögeln, welche andauernd im Käfig sitzen, die Pussnägel oft zu lang und müssen in gleicher Weise verkürzt werden.
Bei Hunden beobachtete man nicht selten ein gewaltsames Los-reissen der Kralle von ihrer Matrix (Luxation der Kralle). Bald ist nur ein Theil der Krallenplatte von dem letzten Zehengliede ge­trennt, bald der grösste Theil derselben abgelöst, so dass die Kralle nur noch an einem Theil der Fleischkrone hängt, bald ist sie voll­ständig entfernt. Durch Hängenbleiben mit der einen oder anderen Kralle in einem Strick, Netz oder an anderen Gegenständen er­folgt diese Lostrennung am häufigsten bei grossen Hunden; sie ist schmerzhaft, daher regelmässig mit Lahmheit verbunden. Namentlich zeigt sich die unvollständige Ablösung auffällig schmerzhaft, wenn die Kralle dabei nach unten gerichtet ist und beim Gehen mit dem Boden in Berührung kommt. Die nähere Untersuchung lässt über den Zu­stand keinen Zweifel. Beschränkt sich die Ablösung auf einen kloinen Abschnitt der Krallenplatte, so kann wohl eine Wiedervereinigung
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Krankheiten der Krallen.
eintreten, anderenfalls empfiehlt sich die Kralle ganz zu entfernen. Dieses kann in einfacher Weise durch Abreissen geschehen; wenn aber das letzte Zehenglied zugleich Verletzungen erfahren hat oder sonstige Erkrankungen zeigt, oder wenn am Nagelbette bereits umfangreiche Veränderungen bestehen, so empfiehlt sich die Amputation der Phalanx tertia. Zu dem Zwecke kann eine Exarticulation im letzten Zehen­gelenke vorgenommen werden, wobei zu beachten ist, dass dieses Ge­lenk etwas hinter dem Nagelfalze bezw. dem Kronenrande der Krallen­platte liegt. In der Regel genügt hierzu eine kräftige Schere, die man schnell handhabt, wodurch die Operation weniger schmerzhaft wird. In derselben Weise erfolgt das Abschneiden eines zum grössten Theil von ihrer Matrix losgelösten Kralle. Eine besondere Nach­behandlung ist in der Kegel nicht erforderlich; man vermeide Ver­unreinigungen der Wunde; manche Hunde lassen einen Verband liegen, andere allerdings nicht. Der Verband zeigt sich besonders nützlich, wenn nur die Kralle amputirt, das dritte Zehenglied aber erhalten war. Im Nothfalle bestreicht man die Wunde bezw. die Krallen­matrix mit Theer oder Creolin.
Bei grösseren Hunden beobachtete ich wiederholt chronisch-ent­zündliche Processe auf der Krallenmatrix, namentlich auf dem Krallen­bette, welche zu einer allmälichen, aber vollständigen Loslösung der Krallen führten. Geht der Process vom Krallenfalz (Fleischkrone) aus, so ist mit demselben oft eine Verdickung und Entartung der Krallen­platte verbunden; bildet dagegen das Nagelbett den Primärherd der Er­krankung, so lässt sich an der Kralle selbst nichts Krankhaftes nach­weisen, während ihre Matrix und besonders das Krallenbett an der Oberfläche eine trübe Flüssigkeit abscheidet. Die Hornproduction ist hierbei eingestellt und in Folge dessen die Krallenplatte mehr oder weniger losgelöst. Diese Veränderungen an der Matrix der Kralle sind zuweilen so geringfügig, dass sich makroskopisch an derselben nichts Abnormes feststellen lässt; oft besteht aber eine chronische, mit Eite­rung oder Ulceration verbundene Entzündung des Krallenbettes, wo­durch die Krallenplatte losgelöst wird. Indem der Process auf die Sohle und Fleischkrone übergreift, fällt schlicsslich die Kralle vollständig ab.
Ueber die Ursachen dieses der Onychia malign a (Pitha) am menschlichen Nagel ähnlichen Leidens habe ich Genaueres nicht fest­stellen können. In einzelnen Fällen hatten herpetische oder ekzema-töse Processe der nachbarlichen Outis auf die Krallenmatrix über­gegriffen, in anderen konnte eine Veranlassung zu dem Leiden nicht ermittelt werden. Bei mehreren Hunden trat der Vorgang an
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Quetschungen und Verwumlungon der Krallen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8(jl
allen 4 Fussen und zwar auch an den Afterklauen ein, so dass man auf eine allgemeine Ernährungsstörung schliessen musste; der Zustand betraf meist grössere Thiere (Jagdhunde) in mittleren Lebensjahren.
Die Thiere zeigen einen kurzen, schmerzhaften Gang, liegen viel und stehen ungern auf. Bei der Localuntersuchung überzeugt man sieb bald von dem Leiden.
In der Uegel lässt sich der Process nicht aufhalten; derselbe führt schliesslich zur vollständigen Ablösung der Kralle. Daher hängt die Beurtheilung in erster Linie von der Zahl der erkrankten Zehen ab. Beschränkt sich das Leiden auf einzelne Krallen, so kann zur baldigen Herstellung des Thieres die Amputation derselben mit dem letzten Zehengliede angezeigt erscheinen; anderenfalls suche man die losen Krallen zu entfernen, reinige und desinheire die Matrix, be­streiche dieselbe mit Theer oder einem anderen Desinficiens und lege einen Vorband an. Der Versuch einer Heilung mit Erhaltung der erkrankten Krallen schlägt regelmässig fehl; auch in dieser Hin­sicht zeigt das Leiden eine grosse Aehnlichkeit mit dem Hufkrebs und der clironischen Fleischwandentzündung beim Werde; mit letzterem ganz besonders noch dadurch, dass eine Neigung zu Wucherungen an der Krallenmatrix vermisst wird.
3. ({uetschungen und Verwundungen der Sohlen- und Zelumballcn.
Während der Carpalballen beim Gehen mit dem Erdboden nicht in Berührung kommt, wird sowohl von den Sohlen- wie auch den Zehenballen die Körperlast getragen. Durch anhaltendes Laufen auf unebenem, hartem, namentlich auf feuchtem Boden können die Ballen eine derartige Abnutzung ihrer starken, hornigen Epidermisdecke er­fahren , dass die Thiere Schmerzen bei der Belastung der Püsse empfinden. Man beobachtet dieses am häufigsten bei Jagdhunden, namentlich im Winter. Ferner kommen bei Hunden zuweilen Ver­letzungen der Ballen durch Treten auf scharfe Gegenstände, Glas, Holzsplitter u. s. w. vor, wodurch grössere oder kleinere Verwundungen an den Ballen entstehen.
Die natürliche schwarze Farbe der Ballen geht in dem Masse verloren, als eine übermässige Abnutzung derselben stattgefunden hat; ihre Oberfläche erscheint alsdann mehr oder weniger roth, auf Druck empfindlich und vermehrt warm. Die Thiere liegen viel, machen namentlich auf unebenem, hartem Boden kurze schmerzhafte Tritte und zeigen Neigung die Ballen zu belecken. Wird die Epidermis-
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802nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten dor Krallen.
decke au einer Stelle vollstiindig sibgenutzt, so stellen sich auch wohl Eiterungsprocesse ein, die unter Umständen mit Nekrose an den Ballen verbunden sind. Damit entsteht auffällige Lahmheit, Störung der Fresslust und selbst Fieber. Auch Verwundungen der Ballen führen regelmässig zur Eiterung, zuweilen auch zur Nekrose derselben.
Die Beurtheilung dieser Zustände fällt im Allgemeinen günstig aus, sofern dem Thiero Ruhe gegeben werden kann und umfangreiche Nekrose nicht eingetreten ist; in letzterem Falle kann es selbst zu eiteriger oder septischer Entzündung der Gelenke der Phalangen kommen, doch bildet ein solcher Ausgang die Ausnahme.
Behandlung. Bei übermässiger Abnutzung der Ballen gebe mau dem Thier Ruhe und ein trockenes, reines Lager. In 8—14 Tagen pflegt der Ersatz an Epidermis eingetreten zu sein. Bestehen Wunden oder Eiterungsprocesse an den Ballen, so kann eine sorgfältige Ent­fernung der unterniinirten Epidermis mittelst der Schere nothwendig werden; auch empfiehlt sich, die Wunde zu reinigen, etwa zurück­gebliebene Fremdkörper zu entfernen und bei Abscessbildung durch Einschnitte dem Eiter Abfiuss zu verschaffen. Eine weitere Behand­lung ist in der Regel nicht nothwendig, zumal diese vom Patienten durch Lecken der Wunde selbst erfolgt. Unter Umständen lassen Hunde auch wohl einen Verband liegen, der namentlich bei starker Wucherung des Granulationsgewebes nützlich wird; denn obgleich das Belecken der Verletzungen seitens der Hunde zur Reinigung der­selben auch vortheilhaft erscheint, so beobachtet man andererseits doch nicht selten, dass gerade hierdurch der Abschluss der Heilung, besonders die Benarbung gestört wird; in solchem Falle suche man durch Verbände oder Bestreichen der erkrankten Stellen mit bitter schineckenden Substanzen (Aloetinctur u. s. w.) das Lecken zu ver­hindern und die Heilung zu unterstützen; hierzu können auch Be­pinselungen mit einer Coca'i'nlösung nützlich werden.
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Sachregister.
A,
Abbladen und Abblatten 545. Absatteln, Nachtheil des zu frühen 20. Abscedirung, dersubparotidealenLyinph-
drüsen 83, des Schlundes 184.
Aderfistel und Aderlassfistel 165.
After, Entnündung des 378, Fehlen des­selben raquo;Tl, Fistel 371, 394, Scheiden-fistel 372, 394, Tumoren desselben 390, Verletzungen 375, Vorfall 382, Wieder-vorschluss 390.
Aktinomyces 90.
Aktinomyeose des Euters 487, des Kehl­kopfes 199, der Kieferknochen 100, Lippen 0, Parotisgegend 92, des Sa­menstranges 400, Schlundes 195, der Zunge 18.
Alveolarporiostitis bei Pflanzenfressern 46, bei Fleischfressern 58.
Alveoldentalmembran 46.
Amaurosis bei Parotitis 80.
Amputation des Euters 488, der Klauen 854, der Krallen 800, des Penis 445, des Schweifes 528, derVoi,hautwulst443.
Analdrüsen, Schwellung derselben 390.
Analgegend, Verletzungen derselben 375.
Anorcbidie 453.
Anulus abdominalis und inguinalis 315.
Anus, praeternaturalis 287, vaginalis 372.
Aorta, hintere Thrombose derselben 704.
Aphonie 199.
Arthritis, chron. des Carpalgelcnkes 583, des Kronengeleukes 640, des Schnlter-gelenkes 539, Sprunggelenkes 749, der Sesambeine 055, des Stiahlbcines 660.
Arthrocace 659.
Asthma, nasale 64, trachealo 209.
Ataxie 521.
Atherom des Kehlkopfes 199.
Atresia ani et recti 871.
Atrophie, degenerative 522, Inactivitäts-522, der Grätenmuskeln 545.
Ausbinden bei Pferden 088.
Ausschuhen, in Folge von Mauke 677, von Nekrose 801.
Ausziehen der Zähne 51, bei Fleisch­fressern 59.
It.
Backe, Abscessbildung in derselben 4.
Balanitis 433.
Balgkropf 157.
Ballen, Quetschung derselben beim Rinde 847, bei l^leischfressern 861, Panari-tium 852.
Bauch, -brüche 337, -ring 315, Vorschluss desselben 323, -stich 285, Wunden, obcrflächliclio 278, penetrirende 278 und 376, mit Vorfall der Eingeweide 282, mit Verletzung derselben 284, Versuche mit Bauchwunden 284.
Batichdecken, Abscesse in denselben 278, Quetschungen 275.
Bauernwenzel 79.
Becken, Frakturen desselben 503.
Behang, als Ursache der Mauke 673.
Beinhautschaber 73.
Beinhautsohnitt bei Ueberbeinen 626. beim Spat 768.
Belastungsdoformitäten 500.
Beugesehnen, Durchschneidung 612, Ent­zündung 003, Parasiten in denselben 008, Verknöcherung derselben 608, Verkürzung 607, Wunden 597, Zer-reissung 600, 605.
Binz'sche Buminasohine 503.
Blasenruptur 392, 434.
Klutolir der Hunde 111.
Bog-spavin 749.
Bone-spavin 749.
Botryomycose der Lippen 0, der Zunge 18, dos Samenstranges 400.
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864
Sachregister.
Biiiehialarterie, Thrombose derselben 557.
Brandmauke 670, 794.
BreigeschwiilstB am Kehlkopfe 199.
Bremsensohwindel 75.
Brennen, mit dem Stift bei Gallen (i94, bei Schale 048, beim Spat 766.
Broken down 007.
Bronchotome 214.
Bronchotoraie 2115.
Bruch (siehe auch Hernia und Fraktur) 292, Behandlung incarcerirtcr 301, beweglicher 29;i, -eher und -ferkel 3;!1, Einklemmung 259, Geschwulst 29:!, lnhalt29o, Kluppen 811, Oeffnung 292, Palliativkur 298, Pforte 292, Radikal­kur 209, Heponibilität desselben 294, Ring 292, Schnitt 302, Wasser 293.
Bruchband 299, 307, 308.
Bruchsack 293, Hüllen desselben 293.
Brust, Krankheiten derselben 231, Ver­letzungen 238, Tumoren an derselben 238.
Brustbeinflstel 230.
Brustbeule 240.
Brustwunden, oberflächliche 23^, per-forironde 241.
Bursa podotrochlearis 000, chrou. Knt-zündung derselben 060, acute Ent­zündung und Phlogmone 809.
Bursitis glutaei medü s. trochanterica 695, olecrani beim Pferde 505, beim Hund 570, podotrochlearis 659, bei der Genickbeule 162, praepatollaris 729.
C.
Cachexia stnimipriva 159.
Canalis cruralis 334.
Caput obstipum 149.
Carcinom der Schilddrüsen 156.
Caries dentium 43, der Wirbel 501.
Centrum venosum 77.
Champignonbildung am Samenstrange
407. Chest founder 5iS4. Ohondroide im Luftsacke 117. Cirsocele 405. Coffin joint Lameness 059. Colon, Achsendrehung desselben 300. Commotio cerebri 129, spinalis 495 und
519. Compression der Luftröhre 144, 208,
des Schlundes 189. Compressionsstenose 189. Corpora oryzoidea bei Geuickfistel 163. Conrbe 772. Courbengalle 773. 781. Coxitis 093. Cretinismus 159.
Cricothyreotomic 225.
Cricotomie 225.
Cricotracheotomie 225.
Cryptorchiden, Castration derselben
455. Cryptorchismus 453. Cystinsteinc 400. Cystitis 428. Cystotomie 401. Cystoplegie 420.
D.
Dammriss 377, 421.
Darmfistel 287, Invagination 304, -naht
301, -stich 352, -Verletzungen 284,-Vor­fall 282. Dermanyssus avium, Ursache der Otitis
115. Dermatitis ekzematosa 073, gangraenosa
070, verrueosa 680. Dermatophagus cam's, als Ursache der
Otitis 118. Dermoidcyste 580. Diastase der Rücken- und Lendenwirbel
491, des Kreuzdarmbeingelenkes 512. Diplegia N. facialis 8, radialia 548. Discomyoes equi im Samenstrange 466. Divertikel des Schlundes 186. Drehkrankheit der Schafe 134. Dreieck, Viborg'sches 122. Dünndii rm-Harnblascnfistel 432. Dyspnoe l)ei Facialislähmung 10, bei
Knmkheiten der Luftröhre 209, der
Nase 64. Dysurie 424.
£.
Kctasie des Schlundes 185.
Eichelsteine 401.
Eiergalle 775.
Eingeweidebruch (siehe auch Bruch) 292.
Einklemmung der Bruche 295, Mecha­nismus desselben 297.
Einschuss 794.
Ellenbogenbein, Fraktur 560, Luxation 563.
Ellenbogengelenk, Entzündung 504, Lu­xation 563.
Emphysem, durch Verletzung der Tra­chea 208, bei Brustwunden 240, bei der Stollbeule 568.
Endometritis 481.
Endophlebitis septica bei Aderfistel 108.
Entzündung des Afters 378, der Drossel­vene 195, des Euters 487, chronische der Fleisch wand 835, Gehörganges 113, der Bänder des Kronengelenkes
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Sachregister.
865
049, der Harnblase 417, 42:3, der Huflcderhaut, acute 799, clironische 833, des Kehlkopfes 197, Kniobogens 585, Kniegelenkes, vorderes ,,)84, hin­teres 725, der Lippen und Wangen 8, des Luftsackes 117, Mastdarmes 378, des Ohres 110, Schultergelenkes 539, der Sehnenscheide des mittleren Ge-sässmuskels 1195, Sprunggelenkes 747.
Entartungsroaction 523.
Knterocele 293.
Enuresis 420.
Eparvin calleux et sec 749, metatarsien 751, tarso-metatarsien 751.
Epididymitis 459.
Epiplocele 293.
Epispadie 398.
Epistaxis 70.
Epulis 02.
Equine ()74.
Erbrechen bei Otitis 114, bei QeMvn-ersohtttterung 129.
Erregbarkeit der Muskeln und Nerven bei Lähmungen 522.
Erfrierung der Ballen des Hufes 802, des Hodensackes 451.
Erschütterung des Gehirnes 129, des Kückenmarkes 495, 519.
Euter, Aktinomycose desselben 482, Am­putation desselben 4^8, Entzündung desselben 487, Milchflstel 483, Tuber-culoso 487, Tumoren 489, Verengerung und Verschluss des Zitzenkanals 484, Wunden und Verletzungen desselben 482.
Exfoliativtrepan 23.
Exomphalos 304.
Exostosen am Metacarpus 619, in der Stirn- und Oberkieferhöhle 09, beim Spat 750, bei der Schale 041, am Unterkiefer 105.
Exporteur 52.
Extraction der Zähne bei Pferden 51, bei Fleischfressern 59.
Fistel, Adorf. 105, Afterf. 394, 372, Brust-boinf. 236, Darmf. 287, Dünndarm-Harnblascnf. 432, Halskiemen- und Ohrf. 110, Kothf. 287, Kectovaginalf. 394, Bippenf. 234, Speichelf. 80, Zahnf. 59.
Fleischsohle, Quetschung derselben beim Kinde 847.
Fleischwand, chronische Entzündung 835, Geschwür 835.
Flourand'scher Trokart 415.
Flussgalle 588, am Hinterfuss 784.
Formes 043.
Frakturen des Armbcinos 532, Beckens 563, Kllenbogenbeines 600, Erbsen­beines 574, Fesselbeines 034, der Ge-sichtsknochen 95, Qriffelbeines 594, Halswirbel 140, dos Hinterhauptbeines 127, Hornfortsatzes 181, Hufbeines 037, .Jochbeines 90, Kreuzbeines 497, Kronenbeines 037, der Lendenwirbel 491, Luftröhre 207, Malleolen des Unterschenkels 734, Nasenbeines 64, des Oberschenkels 085, 712, der Kip­pen 281, des Kollbeines 745, der Rückenwirbel 491, Scheitelbein 127, des Schienbeines 594, Schulterblattes 530, der Schwanzwirbel 497, Sesam­beine 052, Speiche 502, des Sprung­beines 744, der Sprunggelenkknochen 744, Stirnbeine 130, dos Strahlbeines 057, Unterkiefers 97, Vorarmes 562, der Vordorfusswurzel 574, Waden­beine 730, des Zungenbeines 22, der Zwiscbonkieferbeine 23.
Fremdkörper in der Harnröhre 417, Luft­röhre 210, im Luftsack HS, in der Maulhöhle 12, Nasenhöhle 05, Rachen­höhle und Schlund 170, bei Pferden 172, Kindern 173. Schweinen 180, Fleischfressern 181, im Verdauungs-kanale 347.
Froschgeschwulst 22.
Frostmauke 077.
Funiculitis chron. 405.
Fussrollenenlzttndung 6C0.
Futterverschlag 828.
G.
Gallen, durchgehende 779. heisse und hitzige 587, kalte 587, Perseng. 783, des l'V.ssolgclcnkes 578, Fesselsehnen­scheiden 588, Fesselstreoksehnen 590. Flussgalle 588, 784, Kuiobogeng. 588, Kreuzgalle 779, Solinenfesselg. 588. Sprunggelenkgalle 779, Voroerknie-gelenkg. 587; Vorderkniesehnenscliei-deng. 589, Vorderkniestreckselmen-scheideng. 590, am Metatarsus 783. 55
F.
Faciiilis, Krämpfe 11, Lähmung 0.
Faserkropf 157.
Fesselbein, Frakturen und Fissuren 035.
Fesselgalle 11.
Fesselgelenk, Distorsion 029, Gallen 587, Luxation 028.
Fesselbeugesehnengalle am Vorderfuss 590, am Hinterfuss 784.
Fesselsehnengalle 588.
Filaria oincinata 008.
Filzverband 503.
Fissuren des Fesselbeines 034, des Ober­schenkels 080, der Vorderröhre 509. Mii 11 er, Speolello Chinirgio für Tlüorarzte.
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866
Sachregister.
Gastrocele 898.
(liiumenarteriü, Verletzung derselben 13.
Gebärmutter, Amputation 479, Cysten 481, Entzündung 481, Tumoren 480, #9632;Verwundungen 473, -Vorfall 47(1.
Gebiss, glattes 37, kantiges, scharfes 32, Treppeng. 40, wellenförmiges 39, Wioderkäuerg. 38.
Gehirnerschütterung 129.
Geniekbeule 161, -bruch 140, -listel l{i3.
Genickbruch 14(J, Tomperaturstoigerung bei demselben 147.
Geschlechtsorgane, männliche 433, weib­liche 471.
Geschirrdruek 235.
Gesichtsliihniung, mastikatorische 102.
Gleichbeine, Brüche derselben 653, Lähme 655.
Glossitis, acuta 16, brandige 17, chro­nische 18, enzootisehe 17.
Glottis, siehe Kehlkopf.
Glossoplegio 20.
Gonitis 725, chronische 726, 703.
Grappe (180.
U.
Haarseil, durch den Huf 671.
Hängegurt (j40.
Hämorrhoiden 385.
Hämathorax 242.
Hämatocelo 318, 4(32, 405.
Hängegurt, Anwendung desselben 040.
Bahnenspat 750, 788.
Hahnentritt 788, am Vorderfuss 573.
Hals, Verkrümmung 149, Verletzungen 142, Wunden 142.
Halswirbel, Bruch 146, Luxation 148, Subluxation 150.
Harnblase, Amputation 429, Entzündung 423, Lähmung 411, 420, -ruptur 392, -stich 414, 434, Tumoren 431, Heber-dehuung 411, Umstülpung 425. Ver­letzungen 285, Vorfall 425.
Harnröhre, Epispadie und Hypospadie 398, Entzündung 417, Krankheiten 398, Striotureu 411, 417, Tumoren 430, Verletzungen 417.
Harngries 399.
Harnsteine 399, bei Pferden 400, Rin­dern 400, Schafen 410, Schwein und Hunden 412.
Hasenhacke 772, knöcherne 774, weiche 781.
Hasenspat 774.
Hartmelken 484.
Hechtmaul 80.
Heiserkeit 199.
Hemiplegia 553. orijciata 549, laryngis 204.
Hengst, Klopf-, Spitz-, L'rhengst 453, Castration derselben 455.
Hernia (siehe auch Bruch), cruralis 334, diaphragmatica 345, inguinalis 314, interstitialis 327, intra-abdorainalis 342, perinealis 336, scrotalis 314, um-bilicalis 304, ventralis 337.
Hernie extra-vaginale 328.
Hcrniotom 32t).
Herniotomie 307, 341.
Hirndurohsuoher 138.
Hoden, Kctopio 453, Entzündung 459. Retention 453, Tumoren 451, über­zählige 454, Verletzungen 459.
Hodensack, Bruch 814, Entzündung 451, durch Erfrieren 451, Pneumatose 452, Tumoren 452, Verletzungen 450, zu langer 452.
Hörner, Ablösung derselben 182.
Holzzunge 19, 91.
Bornbruch 833.
Hornkluft 812.
Hornsäule 813, 833.
Hosenpisser 433.
Hüfte, Verletzungen derselben 510.
Hüftgelenk, Entzündung 093, 711, Lu­xation 089.
Hüftlahmheit 710.
Huf, Ringbildung an domselbein bei Steingalle 817.
Hufbein, Fraktur 637, Senkung 040.
Hufbeinbeuger, Entzündung 004, Zer-reissung am Hinterfuss 787, am Vor-derfusse 001, Nekrose 807, Resection desselben 809.
Hufbeinknorpel, Verknöoherung 644, Resection derselben 824.
Hufeiter 800.
Hufentzündung s. Pododcrmatitis 799.
Hufgeschwür 800, chronisches 835.
Huf knorpelfistel 819, in Folge von Mauke 077, von Kronentritt 813.
Huflederhaut, Entzündung derselben 799, acute 799, chronische 833.
Hufkrebs 837, identisch mit Slraubfuss 081, ist kein Krebs 838.
Huflahmheit, Diagnose derselben 802.
Hydrocele 318.
Hydrocephalus purulentus bei der Dreh­krankheit 138.
Hydrops ascites 279.
Hygroma proliferum 580, der Bursa praepatellaris 729.
Hypospadie 398.
.lavart cartilagineux et cutane 819.
Igelfuss 680.
Incarceration des Bruches 295, Meeha-
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Sachregister,
8()7
nismus derselben 2Ö7, Behandlung
301. Incontinentia urinae 1592, 420. Invagination des Darmes 3()4. Inversio vesicao 425. .looli, Verletzungen durch dasselbe 266. Ischiadicus, Liihniiing desselben 698.
K.
K'illte, als Ursache der Mauke 678.
Kalkstaub, Ursache der Mauke 674.
Karpfenmaul 30.
Katheter, Anwendung desselben 420.
Katbeterismus 420.
Kaumuskeln, Lähmung derselben 102.
Kehlkopf, Adenome 200, Atherome 199, Entzündung 197, Krämpfe 205, Läh­mungen 205, Neurosen 204, Polypen 200, Tamponado 203, Tuberculose 198, 200, Verletzungen 197.
Keratophyloeele 833.
Keratose, am Vorderknie 579.
Kieferklemme 101.
Klauen, Amputation derselben 854, Ent­zündung 845, Verwundungen der Weichtheile 818, Panaritium 849.
Khiuenspaltentzümlung beim Rinde 851, 853, beim Schaf 856.
Kloakenbildung 373.
Klopfhongst 453.
Kluppen, bei Nabelbrüchen 311.
Kniebeule des Rindes 578.
Kniebinde 573
Kniebogen, Entzündung desselben 585.
Kniebogenband 574.
Kniegelenk, Distorsion und Luxation 716, Knizündung und Verletzungen 725.
Knieseheibe, Fraktur 724, Luxation, an­geborene 722, nach oben 717, zur Seite (laterale) 721, habituelle 723, complete und incomplete 722, verti-cale 720, Zerreissung ihrer geraden Händer 723.
Knieschoibenmuskeln, Lähmung und Zer­reissung derselben 701.
Knieschwamtu 578.
Knochenseh raube 72.
Knollhuf 827, Beschlag desselben 832.
Kuorpeltlstel 813, 819, in Folge von Steingalle 816, Operation derselben 824.
Kothlistel 287.
Krallen, Kinwaehsen 859, Luxation 859, Amputation 860. Abfallen derselben 860.
Krallcnbett, Kntzüudung 859.
Krampt'aderbruch 465.
Kreuzbein, Fraktur 497.
Kreuzgalle 779.
Kreuzlähmung 515.
Kreuzschwäohe 517.
Kronboin, Fraktur G37, Exostosen an demselben bei Schale 640, bei Ent­zündung der Bänder 651.
Kronenbeinbeuger, Katzündung 605, Luxation 778, Verletzung 778, Zer­reissung 787.
Kronenlistel 819.
Kronentritt 811.
Kropf 156, Verstopfung desselben beim Geflügel 182.
Kummet-, seine Einrichtung 265, Quet­schungen durch dasselbe 265.
Kypbosis 500.
Kypho-scoliosis 500.
Laden und Ladendruck 24.
Lähmung des Armgeflochtes 552, der Bulbftrnorven 11, des Cruralis 701, Fa-eialis ö, Gaumensegels und Schlund­kopfes 11, der Gesässmuskeln 712, der Halsmuskeln 150, der Harnblase 420, der hinteren Extremitäten 515, des Ischiadicus 698, des Kehlkopfes 204, des Kreuzgoflechtes 712, der Ruthe 439, des Obturatorius 704, pe-roneus 698, schlaffe 520, spastische 520, 553, des Speichennerven 547, des Suprascapularis 544, tibialis 698, Tri-geminus 102, Unterkiefers 102.
Lahmheit, intermittirende hei Gefäss-verstopfung 705.
Laparotomie 350.
Laryugismus stridulus 204.
Laryngitis 197.
Laryngoflssur 201, 225.
Laryngospasmus 204.
Laryngotoinie 225.
Lober, Verletzungen derselben 286.
Leinöl-Lungenentzündung 211.
Leiomyom des Mastdarmes 386.
Leist 640.
Leistenbruch, bei Pferden 314, falscher 327, bei Wiederkäuern 330, Schweinen 330. Hunden 332. beim Wallach 324, Behandlung incarcerirter 324.
Leistenkanal 315.
Leistenring 315.
Leptotrix buccalis 43.
Levrett'sche ROhrcheu 67.
Limace 851.
Linie, verletzte 772.
Linsenmesser 73.
Lippen, Aktinomyeose U, Eatzündung 3. Lähmung (i, Tumoren 5, Quetschungen und Verletzungen 1.
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868
Sachregister.
Lithiasis B98.
Lordosis 500.
Liquor Villati bei Hufknorpelilstel 822.
Luftröhre, Compression 144, 208, De­formitäten 207, Fremdkörper in der­selben 210, Parasiten 211, Stenosen 207, Tubage 210, Verletzungen 144.
Luftröhrenscbnitt 213.
Luitröhrenstich 215.
Luxation, dos M. biceps fern, beim Binde 707, beim Pferde 709, des Ellenbogen­gelenkes 503, Fesseigelenk 028, der Halswirbel 148, der Kniescheibe 717, im Kreuzdarinbeingelenke 512, Kron­beinbeugers am ilinterfusse 778, des Oberschenkels 590, Rücken und Len­denwirbel 491, im Sprunggelenke 740, des Unterkiefers 100, Unterschonkels 710.
Luxatio, iliaea, iscbiadica, obturatoria, pubiea, supracotyloidea 091.
Lymphadenitis 249.
Lymphdrttsenentzündnng, submaxlllare 108, bei Brustbeule 249.
Lympbextravasat bei Satteldruck 255, am Metacarpus 697.
M.
Makroglossie 18, durch Aktinomycose 91.
Makrostomie 2.
Mal de nuque 161.
Mastdarm, Divertikel 391, Entzündung 375, Erweiterung 390, Lähmung 391, Tumoren 390, Verengerung 390, Ver­letzungen 370.
Mastitis, chronische 487.
Mauke, erytliematöse 072, ekzematöse 673, Frostmauke 077, gangränöse 670, verrucöse 680, Sohutssmauke 074.
Maulfftule 45.
Maulhöhle, Krankheiten derselben 12, Fremdkörper in derselben 12.
Maidwurfsgeschwulst 101.
Milchdrüsen s. Euter,
Milchkanal, Verschluss desselben 484.
Milchmidol 485.
Mittelfloisch 330.
Moderhinke 850.
Monorchismus 453.
Mumps 79.
Muskelbernie 731, Vorfall 731.
Muskelrheumatismus 830.
Mycodermoid des Samenstranges 466.
Mycoflbrom des Samenstranges 444.
Myositis, apostematosa und ehren, flbrosa bei der Hrustbeule 219.
N.
Nabelbruch 304, Geschwulst 436, -Bohnur-
bruch 305.
Nackenband, Necrose desselben bei der Genickbeule 103, bei Satteldruck 258, Zerreissung 152.
Nageltritt 807, verbunden mit Necrose der Hufbeinbeugesehne 809, mitPhleg-mone des Strahlpolsters 809.
Naht, uinschlungene bei Wunden der Lippen 2.
Nase, Krankheiten derselben 03.
Nasenbeine, Fractur derselben 64.
Nasenbluten 70.
Nasenflügel, Verletzungen derselben 63.
Nasenhöhle, Fremdkörper in derselben 65, Tainponade derselben 77, Tumoren in derselben 65.
Nasenmuscheln, Necrose derselben 70.
Navioular disease s. lameness 059.
Nebenhoden, Entzündung derselben 459.
Necrose der Haut bei Satteldruck 257, der Huf beinbeugesehne 807, der Nasen­muscheln 70, des Nackenbandes 163 u. 258, der Ohren 111, dos Zehon-streckors beim Kronentritt 813.
Netzeinklemmung 295, Vorfall 282.
Nervenverletzungen, am Halse 144, bei Streichwunden
Neurasthenie 548.
Neurotomie, bei Entzündung derVorder-fussvrurzel 585, bei Pussrollenentzün­dung 671, bei G-leicbbeinläbmo 658, bei Schale 049, bei Sehnenverkürzung 014, bei Spat 771.
Niedergebrochen 007.
Noma 3.
O.
Oberkieferhöhle, Empyem 08, Kxostosen 09, llydrops 69, Trepanation 70, Tu­moren 69.
Oberschenkel, Fissuren 686, Frakturen 685, Verletzungen der Weicbtheile 688. i
Odontriteur 35.
Ocdem des Kopfes 67.
Oesophagocele 186.
Oesophagotonüe 178.
Oesophagus ventriculosns 180.
Ohren, Blutohr 111, Entzündung des äusseren (iehörganges 113, des Mittel­ohres 115, Necrose 111, Ohrenschwamm 115, Ohrenspiegel 114, Ohrwurm 113, Verletzungen 110.
Ohrwurm, Husserer 110, innerer 113.
Omarthritis 539.
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Sachregister.
809
Omphalocele 304.
Onyohia maligna 860.
Orchitis 459.
Orthosom 014.
Osteomyelitis bei Laclendruok 25, bei
Zahnleiden 48. Othaematoma 111. Otitis externa 110, interna 115, media
115. Otorrhoo 118. Oxalatsteine 400.
P.
Panaritinm 849. Ballenpanaritium 852, Zehcnpanaritium 850, Zwisohenklanen 851, subcutaneum 850, articularo 851, tendineum 852, profundum 850.
Pansenschnitt ;550, 857.
Pansonstich 857.
Parabursitis bei Genickbcule 102, bei Stollbeulo 666,
Paraeenthesis abdominis 287.
Paralyse s. Lähmung.
Paraplcgio 515, dolorosa 520.
Paraphiinosis 489.
Paraproctitis 880.
Parotitis 79.
Penis, Amputation 445, Frakturen 444, Lähmung 440, Tumoren 444, Ver­letzungen 489—444, Vorfall 485.
Perforativtrepan 73.
Periorchitis 459.
Periamildrüsen 879.
Perioystitis 428.
Perilaryngitis 197.
Periodontitis 88.
Periostitis, am Unterkiefer 25, alveolaris 40, am Hinterschenkol 780, .Sprung­gelenk 750.
Periostomie bei Ueberbeinen 020, bei Spat 708.
Peritonea.lscrotalbruch, beim Pferde 828, beim Eber 882.
Phalangen, Krankheiten desselben 020, Distorsionen 029, Frakturen 084, Luxa-tionen 028.
Pharynx, Verletzungen 188, Fremdkörper in demselben 170.
Phimosis 488, 489.
Phlebitis, venae jugularis 105, bei Ein-schuss 795.
Phlegmone, subf'aseiale 782, subcoronäre 801, des Strahlpolsters 801, 809, 820.
Phymatosis 080.
Piephackc 775.
Pilocarpin bei Rehe 881.
Pleuritis, bei Urustwunden 248, bei Pneumothorax 241.
Pneumothorax 242.
Pocken der Pferde 047.
Podarthrocace 659.
l'ododermatitis chronica vorrucosa s. migrans 887, suijerfioialis 799, paren-chymatosa 800, Ausgang derselben in Necrose 801, in Phlegmone 801, in Septicäinie und Pyilmie 802.
Pedometer 008.
Podotrochilitis, acuta 600, chronica 659.
Polypenzange CO.
Priemen 28, 49.
Proctitis 878.
Prolapsus, des Afters und Mastdarmes 882, der Bauchorgane 282, der riebär-mutter 470, Harnblase 425, Lungen 244, Scheide 474.
Prostata, Hypertrophie 449, -steine 449, Tumoren 449.
Prostatitis 449.
Psorospermien, in der Zunge 18, im Schlünde 106,
Ptosis bei Pacialislilhmang 9.
Pulpitia 48, 47.
Punotio, abdominis 287, intestini 852, vesicao 414, der Brusthöhle 208.
Pyämie bei Hufleiden 802.
Pyelonephritis 421.
Pyramide des Trepans 72.
Quetschungen s. aacli Verletzungen, der Ballen des Kindes 847, der Fleisch­fresser 801, der Hauclulecken 275, an der Brust 240, des Ellenbogen 5(15, der Hufsohle 880, der Lippen 1, des Sprunggelenkes 770, duroh Streichen 794, des Vorarmes 572, der Vorarm-fascie 572, des Vordermittelfusses 597, derSohlen-und Zehenballen bei Fleisch­fressern 801.
U.
Uaehenhöhle, Aktinomyuose 198, Fremd­körper in derselben 170, Tumoren 198, Verletzungen 181!.
Rachenlympnome 91.
Ramm 719.
Ranula 22, 81.
Haspe 080.
Raumsohlauoh 485.
Reflexbogen 520.
Reflexerregbarkeit bei Lähmungen 520.
Recurrens, Lähmung 205, Verletzungen 144.
Rehbein 771.
Rehe 827, Rehhuf 827, chronisclie Rehe 828, rheumatische 828, Stallrehe 828.
Resection der HnfbeinboHgeseline 809, des Huflrnorpels 824.
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870
Sachregister.
Retropharyngealo Lymphdrüsen, Tuber-culose 194.
llhagaden bei der Mauke G7;!.
Rbinoscleroin 67.
Rhinolai-yngoscop 197.
Ringband der Vorderf'nsswurzel 574.
Ringbein 640, 642.
Ringbildung am Hufe bei Steingallen 817.
Ring-bone 643.
Ringknorpel, Necrose 198.
Rippenbruoh 281, -fistel ^:!4, Necrose 234.
Rückenfascie, Necrose 529.
Rückenmark, Coenurusblasen in dem­selben 519, Krscluitterung 495, 519, Verletzungen durch Wirbelbruch 495, 497.
Ruptur der Achillessehne 740, der Beuge­sehnen 600, der Harnblase 392, des Lig. tores 689, des Schienheinbougers 737.
S.
Samenarterie, Varioes derselben 466.
Saraenstrang, Champignonbildung 467, Entzündung 465, Fistel 465, Verwechse­lung derselben mit Leistenbruch 309.
Sarcocele 461.
Sattel, Einrichtung 253, -druck 235, -läge 254.
Sarcoptes cynotis bei Otitis 113.
Schädel, Frakturen und Verletzungen 125, Wunden am 133.
Schale 640, falsche 642, in Folge von Mauke 077.
Scham, Entzündung und Verletzungen 471.
Scheide. Entzündung und Verletzungen 471, Vorfall 474, bei Hunden 480.
Scheidenbaut, Umdrehung derselben 321.
Schenkelbrcm.se 688.
Schenkelbruch 334.
Schonkelkanal 334.
Scherengebiss 35.
Schieferztlbne 32.
Schiefhals 149.
Schiefmaul 35.
Schilddrüsen, Entzündung 156, Carcinom 157.
Schlauch siehe auch Scrotum 433, Tu­moren 444.
Schluckpnemnonie 83, 211.
Schlundkopf (siehe Schlund), Fistel 83,
Schlund, Abscedirung desselben 184 #9632;bobrer 177) -bruch 186, Carcinom des selben 196, Compression desselben 189 Divertikel 185, Ectasien 185. Fremd körper in demselben 170, Lähmung 190 -röhre 176, -schnitt 178, Tuinorenl93 Verengerung 189, Verletzungen 145 183. Zange 177, Zerreissung 196
Schopf, Ablösung desselben 133.
Schulterboule 246, -gegend 530, -lahmheit 554, -verschlag 584.
Schulterblatt, Frakturen 530.
Schultergelenk, Contusion und Distor-sion 538, Luxation 536, Verwundung und Entzündung 539.
Schwanzwirbel 497.
Schweif, Coupiren 528, Hamnielschwanz 528, Lähmung 527, Rattenschweif 527, Sterzwurm 526, Tumoren 528.
Scrotum, Entzündung451, Erfrierung451, Parasiten 452, Pneumatose 452, Vari-cositäten 462, Verletzungen 450, Tu­moren 452, zu langes 452.
Sectio alta 401.
Sehnen, Durchschneidung 612, Entzün­dung 603, Parasiten in denselben 608, Verknöcherung 608, Verkürzung 607, Wunden 597, Zerreissung (100, 605.
Sehnenscheiden, Entzündung 790, -gallon 588.
Senkrücken 499.
Septiciimie, in Folge von Hufleiden 802.
Shoulder slip 546.
Skarificationen, der Hutkrone 831, der Zunge 14, 16.
Skoliose 500.
Skorbut 45.
Smegma praeputii 433.
Spasmn glottidis 104.
Spat 749, Brennen desselben 760, Knochen 750, 762, Lahmheit 754, Messer 769, Operationen 767, unsichtbarer 753. Hasenspat 774, Wasserspat 780, am Vordorknie 583.
Speiche, Frakturen 562.
Speichennerven, Lähmung 547.
Speicheldrüsen, Entzündung 79. Tumoren 88, Verletzungen 78.
Speichel flstel 2, 86, 183.
Speichellluss 17.
Speichelsteine 85.
Spina ventosa 106.
Spiroptera im Schlünde 190, 196.
Spitzhengst 453, Castration desselben456.
Sprungbein, Fraktur 744, -gallc 783.
Sprunggelenk, Entzündung acute 747, chronische 749, Distorsion und Luxa­tion 746, -galle 779, Strecksehnengalle 782, scharf abgesetzt 762.
Staphylokokken im Samenstrange 466.
Steingalle 815, trockene und feuchte 816.
Steinschnitt 401
Steinzange 404, nach Bouley 405.
Stolzfuss, bei Fohlen 615, durch Selmen-verkürzung 608, Gelenkstelzfuss 643.
Stenosen, der Luftröhre 207, des Schlun­des 189, 190.
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I
Sachregister.
871
Stensonsoher Gang, Verletzungen 2. Stimmlosigkeit bei Laryngitis chron. 199. Stirnbeine, Fraktur 130. Stirnhöhle, Eiupyem 08, Exostosen in
derselben 09, Trepanation 70. Stirnjoch, Quetschungen durch dasselbe
206. Stollbeule 565. Stollenbeschlag, Ursache der Mauke 674,
bei Spat 771. Stollschwamm 565.
Stoppelfelder, Ursache der Mauke 674. Strahlbein, Frakturen 657, Lahmheit
059. Strahlenpilz 90. Stralilkrebs 837.
Stralilpolstor, Phleginono desselben 809. Straubfuss 680, 8:17. Strockapparat nach Friebel 619. Struma 156. Strupfen 080. Successio Hippocralis 290. Sympathicus, Verletzungen 144.
T.
Talpa 102.
Tamponkanüle 67, 145, 20;!, 223, 234.
Tendinitis 603.
Tendovaginitis cropitans 096.
Tenotomie 012.
Thrombose, bei Aderflstel 166, der hin­teren Aorta 704, der Becken- und Schenkelarterio 706.
Thoracocentese 208.
Thyreoiditis 156.
Thyreotomio 225.
Tirefond 72.
Topotement 525.
Torticollis 149.
Tour de bateau 522.
Trachea siehe Luftröhre.
Trachealkanülen 213, 219.
Tracbeocele 224.
Tracheotomie 213, sous erieoidienue 223.
Tracheotubcn 213, 219.
Trepanation, der Oberkiefer- und Stirn­höhle 70, der Schiidelhöhle 134, beim Rinde 140, bei Zahnextraction 50.
Trepane 70.
Trephine 72.
Troohanterio lameness 095.
Trokart, zum Darmstich 353, zur Kr-öft'nung der Schiidelhöhle bei Schafen 130, zur Function der Bauchhöldo 291, der Brusthölile 269, zum l'ansensclmitt 263, zum Pansenstich 259, zum Luft-rührenstich 215, von Schuh 271.
Tuberculose, des Kehlkopfes 199, des Schlundes 196, der Zunge 18.
Tumor albus 679, salvialis 87. Tylomata 267. Tympanite gutturale 125. Tympanitis bei Pferden 353, bei Wieder­käuern 258.
U.
Ueberbeine, am Metacarpus 619, in der Oberkiefer- und Stirnhöhle 69, bei der Schale 641, bei Spat 750, am Unter­kiefer 105.
Ueberwurf 342.
Umdreher. Fraktur desselben 085, Lahm­heit 695.
Unterlagen für Zahnzangen 55.
Unterkiefer, Aktinoinycose 106, Frak­turen 97, Luxation 100, Lähmung 102, Periostitis und Kxostoscn 105, Tu­moren 105.
Unterkieferdrüsen, Entzündung 80.
Unterschenkel, Verletzungen 730.
Unterschenkelbein, Frakturen 732, Peri­ostitis 730.
Unterzungendrüso, Entzündung 81.
Unvermögen zu trinken 192.
Urachus, Offenbleiben desselben 398.
Uratstoine 400.
Urelhritis 418.
Urethrotomio 401, Complieationen der­selben 411.
Urhengst 453.
Uterus siehe Gebärmutter,
V.
Vagus, Verletzungen 144.
Varicositätcn, am Scrotum 452.
Varicoeele 402.
Varix aneurysmaticus des Samenstranges 405.
Verengerung, der Ifarnröhre 417, der Luftröhre 207, des Schlundes 189.
Verletzungen, des Afters und Mastdarmes 375, der Ballen beim Rinde 848, der Blase 285, Bauchorgane 284, Brust 238, Gebärmutter471, desllalses 142, ffufes 802, derffoden 459, des Kehlkopfes 197, Kniegelenkes 725, der Laden 24, Lip­pen und Wangen 1, Luftröhre 144, Nase 63, Nieren 285. am Oberschenkel 683, der Ohren 110, des lgt;eris479. 444, Pharynx und Schlundes 145, 183, am Schädel 133, der Scham 4'T, Scheide 472, Speicheldrüsen 78, dos Sprung­gelenkes 747, Vagus, Sympathicus und Recurrens 144, der Vorderfusswurzel bei Pferden 575, bei Rindern 578.
Vernagelung 805, Verseilen bei derselben 806, beim Rinde 878.
Verrenkung, des M. biceps fern. 707, dos
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Sachregister.
Fcssolbeines 028, der Halswirbel 148, der Kniescheibe 717, des Kreuzbeines 512, Kronbeinbeugers am Hinterf'usse 778, Oberschenkels 590 , der Uücken-und Lendenwirbel 491 , im Sprung­gelenke 746, des Unterkiefers 100, Unterschenkels 716, Vorarmes 563.
Verschlag 827, Futterverschlag 828.
Verschnüren ;}42.
Viborg'sches Dreieck 122.
Vorarm, Krankheiten desselben 560.
Vorderfusswurzel, Entzündung, acute 577, chronische 58:3, Frakturen 574. Ver­letzungen beim Pferde 577, beim Rinde 578.
Vorderknio (siehe auch Vorderf'usswur-zel), üelenkgalle 587, Beugesehnen­galle 588, -gallen 590, Strecksehnen­galle 589.
Vordennittelfnss, Entzündung der Beuge­sehnen 603, Knochenbrüche 594, -wun­den 596, Zerreissung der Sehnen 600.
Vorfall, des Afters und Mastdarmes 382, der Biiuoheingeweide 282, Gebärmutter 476, der Rutho 435, der Scheide 476, Weichtheile dos Hufes 804.
Vorhaut, Entzündung bei Pferden 433, Rindern 435, Sehweinen 438, Fleisch­fressern 438.
Vorhautsteine 438, 440.
Vorhautwulst 441, Amputation derselben 443.
W.
Wackelig im Kreuze 522.
Wadenbein, Fraktur 736.
Wange, Entzündung 3. Gangrän 3, Wunden 1.
Wasserkrebs 3.
Wasserspat 780.
Weinstein der Zähne 44.
Widerrüst, Druckschäden 255, -flstel 258.
Winddorn 91, 106.
Wirbelsäule, Caries 501, Frakturen der Halswirbel 146, der Rücken- und Len­denwirbel 491, Verkrümmungen 499.
Wunden, des Afters 375, Bauches 277, der Brust 238, penetrirende 241, der Gebärmuttor 473, des Halses 142, der Harnröhre 417, des Kehlkopfes 197, der Lippen 1, Nasenflügel 63, am Ober­schenkel ()84, des Ohres 110, Pharynx 183, Schädels 133, Scham 471, Scheide 472, Scrotums 450, Schlundes 183, Sehnen und Sehnenscheiden 597, der Speicheldrüsen 78, Sprungbeinhöckers
778, Sprunggelenkes 747, durch Strei­chen 793, des Vorarmes 571, der Vor-derfusswurzel 575, am Vordermittel-fusse 590, dor Wangen 1, Zunge 15. Wundgolatine 2.
/.
Zähne, Ausstompein derselben 50, Aus­ziehen 51, fehlerhafte Stellung der­selben 30, glattes Gebiss 37, hohle Zähne 43, Plombiren derselben 44, Scherengebiss 35, Schieferzälme 32, Transplantation derselben 57, Treppen-gebiss 40, überzählige 28, Verschlucken eines Zahnes 51, wellenförmiges Ge­biss 89, Wiederkäuergebiss 38.
Zahnfistel 48, 69.
Zahnfleisch, Neubildungen an demselben 62.
Zahnhobel 34.
Zabnmeissel 34.
Zahnpulpa, Entzündung derselben 47.
Zahnraspel 34.
Zahnschere 41.
Zahnschlüssol 56.
Zahnschraube 41.
Zahnstein 44, 58.
Zahnzangen 51, 59, Anwendung der­selben 54, Günther'sohe Schnabelzange 42. 52, von Schindler 53, Gowing 52, Wendenburg 52, Trautwetter 53, Frick-Hauptner 53.
Zehenpauaritium 850.
Zerreissung, der Beugesehnen 600, als Ursache der Entzündung 606, der Achillessehne 741 , der Bauohdocken 337, am Hinterfusse 787, der Harn­blase 392, Mastdarmes 375, des Schien-beinbeugors 737, der cavernösenKörper des Penis 444, der geraden Bänder der Kniescheibe 723, des Zwischen­knochenbandes am Unterschenkel 736.
Ziegenpeter 79.
Zuckfuss 788, idiopathischcr 789, sym­ptomatischer 789, complicirter 789, reflectorisoher 789, mechanischer 789
Zunge, Abreisson 15, dofecte 16, Degene­ration 18, Entzündung, acute 16, chro­nische 18, Holzzunge 18, Lähmung
11,nbsp; nbsp;20, Tubereulose 18, Verletzungen
12,nbsp; nbsp;15.
Zungenbein, Fraktur 22, 118. Zungenstrecken 21. Zwerchfellsbruch 345. Zwischenklauon, Panaritium 851, Ent­zündung 853.
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