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#9632; c ^2.%o i:
KillillllrüIligt;• in das Studium
dei
Bakteriologie
init bcsoiidorer HiTüülcsichtigiuiü'
mikroskopischen Technik.
Für AiMzlc und Studiraulü
bearbeitet von
Dr. med. Carl (Jiiiither,
Privuttlücyut uu dor Uliivur.sitUt, Asui.itiMit um liygiunirtcluni luBlitut zu IJürlh
Dritte, vermehrte und vertssserte Auflage,
älit 7^ midi elifiuicn Präyarnlßii muh Verfasser hergestellten Phttlograuimeu.
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LEJPZFG. Verlau' von Qeovu T
Liomo
1893.
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•
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Q C .
#9632;
Einführung in das Studium
der
Bakteriologie
mit besonderer Berücksichtigung der
mikroskopischen Technik.
Für Aerzte und Studirende
bearbeitet von
Dr. med. Carl Günther,
Privatdooont au der ITuiversität, Assistimt am Hygiouischeu lustitut zu Berlin.
Dritte, vermehrte und verbesserte Auflage.
Mit 72 nach eigenen Präparaten vom Verfasser hergestellten Photogranunen.
-=Jreg;Craquo;
LEIPZIG.
Verlag- von Georg Tlrleme. 1893.
RIJKSUNIVERSITEIT TE UTRECHT
BIBUOTHEEK
DIERGENEESKUNDE
UTRECHT
2135 4265
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Alle Beohte vorbehalten.
Druck von Fiacliur .*#9632; Wittig in Leipzigs
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Vorwort zur ersten Auflage.
Jjlit der Herausgabt! dos nachfolgenden Baches vorbindet der Verfasser die Absieht, dem Medicinor, und zwar dorn Studirendeu ehenso wie dem Arzte, eine kurzgofasste, das Wesentliche vollständig bringende Einführung in das praktische Studium der Bakterien-wisscnschaft zu geben; der Wissenschaft, mit welcher fast jeder einzelne Zweig' der Medicin mehr oder weniger nahe Berührungspunkte besitzt, und deren Bedeutung für die Medicin von Tag zu Tag augen­fälliger wird.
Die Erfahrung lehrt, wie viel Mühe dorn Anfänger speciell der Gebraxioh des Mikroskopes, und zwar gerade die elementare, manuelle Technik, macht. Dieser Funkt hat in dem Buche ganz besondere Berücksichtigung gefunden, und der Verfasser glaubt damit in der That einem bestehenden Bedürfnisse entsprochen zu haben.
Die dem Buche beigegebenen Photogramme dürften zum Ver­ständnisse des Gegenstandes an vielen Stellen wesentlich beitragen und vielleicht auch Manchem bei der Beurtheilung und Deutung seiner eigenen Untersuclumgsobjeeto einen Anhalt gewähren. Die Photo-gramme sind aus einer grösseren Sammlung von Aufnahmen aus­gewählt und zusammengestellt, die im Laufe der letzten Jahre ent­standen sind.
Bei der Abfassung des Buches habe ich aussei- den unter dem Texte citirten Originalarbeiten die Werke Robert Koch's und die bekannten Lehrbücher von de Bary, von Flügge, von Baum-garten, von C. Fraenkel, von Haeppe vielfach benutzt.
Boilin, im Juli 1890.
Der Verfasser.
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Vorwort zur zweiten Auflage.
JJei der Bearbeitimg der vorliegenden zweiten Auflage waren die leitenden Gesichtspunkte dieselben wie bei der Abfassung der ersten Auflage.
Der Verfasser hat es sieh angelegen sein lassen, das Buch einer sorgfältigen Durchsiebt zu unterziehen. Fast auf jeder Seite des Textes finden sich Abweichungen von der ursprünglichen Fassung, Ergänzungen, Verbesserungen. Einzelne Abschnitte sind auch mehr oder weniger umgearbeitet worden. Der Umfang des Textes hat sich so um nahezu zwei Druckbogen erweitert.
Eine wesentliche Verbesserung haben die dem Buche beigegebenen photographischen Tafeln erfahren. Von den 60 Aufnahmen der ersten Auflage sind 7 weggelassen und dafür 19 zugefügt worden, so dass der gegenwärtigen Auflage im Ganzen 72 Photogramme beigegeben werden.
Berlin, im März 1891.
Der Verfasser.
Vorwort zur dritten Auflage.
i/ie grossen und mannichfaltigen Fortschritte der letzten Jahre auf bakteriologischem Gebiete haben eine gründliche Umarbeitung mehrerer Abschnitte des Buches nothwendig gemacht. Ausserdem hat der Verfasser bei sorgfältiger Durchsicht des Textes Veranlassung ge­funden, eine grosse Reihe mehr oder weniger wichtiger Ergänzungen und Verbcsserungen vorzunehmen.
So erscheint die gegenwärtige dritte Auflage gegen die vorige um mehr als sechs Druckbogen erweitert.
Die photographlsohen Tafeln sind gründlich revidirt worden. Von den 72 Aufnahmen der zweiten Auflage habe ich 28 weggelassen und dafür 28 neue, zweckentsprechendere gegeben.
Berlin, im August 1803.
Der Verfasser.
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Inhalts - Ueber sieht.
Seito
Einleitung........................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; '
A. Allgemeines.....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 6
I, Allgemeine Morphologie und Systematik der Bakterien......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
II. Allgemeine Lebensbedingungen der Bakterien. Desinfection. Sterili­sation. Antiseptik. Aseptik..............nbsp; nbsp; nbsp; 20
III.nbsp; Allgemeine Lebensiinsserungen der Bakterien .........nbsp; nbsp; nbsp; 37
IV.nbsp; Allgemeine Methodik der Bakterienbeobaobtnng........nbsp; nbsp; nbsp; 43
1. Die Ansrüsfniig des Arbeitstisches...........nbsp; nbsp; nbsp; -lit
'i. Beobachtung der Bakterien im lebenden Zustande. Der hängende Tropfen. Wirkungsweise des Abbe'schon Belenehtungsappa-
rates.....................nbsp; nbsp; nbsp; 48
3.nbsp; Das gefärbte Deekglas-Trockenpriiparat. Die Anilinfärben. Das Prineip der maximalen Belouelitung..........nbsp; nbsp; nbsp; #9632;gt;'
-l. Beobachtung der Bakterien in Schnitten. Allgemeines über Schnitt'
behandlung...................nbsp; nbsp; nbsp; 70
ö. Allgemeines über Färbung und Entfärbung. Beicht und schwer
färbbare und entßlrbbare Übjecte...........nbsp; nbsp; nbsp; 90
8. Die Gram'sehe Methode der Kornontlärbung.......nbsp; nbsp; 100
V, Allgemeine Methodik der Bakterienzüchtung.........nbsp; nbsp; 108
1.nbsp; Einleitendes..................nbsp; nbsp; 108
2.nbsp; Die Darstellung der wichtigsten bakteriologischen Nährböden. Nährgelatine, Nähragar, Nährbouillon, Blutserum, Kartoffel, Ei, Brotbrei'....................nbsp; nbsp; Ill
li. Die wichtigsten Methoden der Bakteriencultur.......nbsp; nbsp; 124
4.nbsp; Anhang: Die Methoden der bakteriologischen Luft-, Wasser- und Boden-Untorsuchnng und ihre wichtigsten Ergebnisse ....nbsp; nbsp; 150
a.nbsp; Lul'tuntersuclmng...............nbsp; nbsp; 150
b.nbsp; Wasseruntersuchung..............nbsp; nbsp; 153
c.nbsp; Bodenuntersuchnng..............nbsp; nbsp; 158
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VInbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Inhalts-Ueberslolit,
Seite
B. Die Bakterien als Krankheitserreger.......... .nbsp; nbsp; Kil
I.nbsp; Einleitendes.....................nbsp; nbsp; lt;:i
II.nbsp; Die wicbtigston patliogenen Bakterieuarten Im Speoiollen.....nbsp; nbsp; 198
1.nbsp; Dor Milzbrandbacillus................nbsp; nbsp; 195
2.nbsp; Der Baoillus dolaquo; malignen Oedems...........nbsp; nbsp; 204
it. Der TetanusbanUlns................ .nbsp; nbsp; 20(i
#9632;1. Der Rausohbrandbacillus...............nbsp; nbsp; 212
.quot;). Der Tuberkelbaoillus (Bacillus der Säugethiertuberculose) ....nbsp; nbsp; 215
(i. Der Bacillus der Httbnertuberoulose (Geflügeltuberoulose) ....nbsp; nbsp; 236
7.nbsp; Der Leprabadllus.................nbsp; nbsp; 239
8.nbsp; Baoillen bei Syiibilis. Smegmabaoillen..........nbsp; nbsp; 211
9.nbsp; nbsp;Der Rotzbaoillus........ ........nbsp; nbsp; 242
10.nbsp; Der Typbusbaoillus.................nbsp; nbsp; 246
11.nbsp; Der Baoillus der Miuisosopticaemic und der Baoillus des Schweine-
rothlaufe...................nbsp; nbsp; 282
12.nbsp; Der Diphtheriebnoillus................nbsp; nbsp; 254
I :i. Die Baoillen der Septicaemia haemorrbagica........nbsp; nbsp; 289
Httbneroholera............ .....nbsp; nbsp; 260
Eaninobensepticaemie...............nbsp; nbsp; 261
Sobweineseuobe, Einderseuohe, Wildseuolie, Btlffelseuohe. . . .nbsp; nbsp; 262
Amerikanische Sohweineseuche, Frettohenseuche......nbsp; nbsp; 2(i;f
Mäusetyphus..................nbsp; nbsp; 2ti4
14.nbsp; Der Baoillus des grünen oder bliiuen Eiters........nbsp; nbsp; 268
15.nbsp; Der Kommabacillns der Cholera asiatica (Vibrio cholerae asiaticae).nbsp; nbsp; 2117
16.nbsp; Der Vibrio Metsobnikoff...............nbsp; nbsp; 291
17.nbsp; Der Vibrio Berolinensis...............nbsp; nbsp; 293
Is. Der Konnnabacillns von Kinkier und Prior („Vibrio Proteusquot;)
und der Miller'sehe Kommabacillns..........nbsp; nbsp; 2115
19,nbsp; Der Denoke'sche Kommabacillns. ... .......nbsp; nbsp; 2!l(gt;
20,nbsp; Das Bacterium coli commune ...........nbsp; nbsp; 2,.t7
21,nbsp; Der Gonorrhoecocous...... .........nbsp; nbsp; 300
22,nbsp; Dor Streptococcus des Erysipels .............nbsp; nbsp; 304
23,nbsp; Die Eitermikrocoocen (pyogene Coooen)..........nbsp; nbsp; 306
a.nbsp; Der Staphylococous pyogenes aurens.........nbsp; nbsp; üo^
b.nbsp; Der Staphylococous pyogelies albus..........nbsp; nbsp; 311
c Der Streptococcus pyogenos............nbsp; nbsp; 311
21. Die Bakterien der Pneumonle...... ......nbsp; nbsp; 314
a.nbsp; Der Diplococcns pneumoniae......... . . .nbsp; nbsp; ;il(gt;
b.nbsp; Der Bacillus pneumoniae.............nbsp; nbsp; 31S
25.nbsp; Der Bacillus des Rbinosoleroms............nbsp; nbsp; .'ilü
26.nbsp; Der Inlliicnzabacillns................nbsp; nbsp; 320
27.nbsp; Der R. Pfeiffer'sehe Kapsdbaoillus..........nbsp; nbsp; 322
2S. Der Micrococcus tetragenus..............nbsp; nbsp; 323
2i). Die Spirocbacte des Recnrrensliebers...........nbsp; nbsp; ;)24
30. Der Actiiiomvces.......... .......nbsp; nbsp; 328
Anhang.......................nbsp; nbsp; 32,5
Die pathogenen Schimmelpilze...............nbsp; nbsp; 328
Die pathogenen Protozoen.................nbsp; nbsp; :!:il
.
1
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Inliiilts-Uobcrsiclit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;VII
.S(;ito
C. Saprophytische (nicht pathogene) Bakterienarten......nbsp; nbsp; ICiquot;
l. Der KartoffolbaoiUns............... .nbsp; nbsp; 330
2 Dor Heubaoillua..................nbsp; nbsp; 340
3,nbsp; nbsp;Dei' worzelförmige BaoUlus...............nbsp; nbsp; nbsp;310
4.nbsp; Der Bacillus Megaterium................nbsp; nbsp; nbsp;341
'). Die Prutonsarten Hiuisor's..............nbsp; nbsp; nbsp;IM'i
a,nbsp; nbsp;Proteus vulgaris.................nbsp; nbsp; nbsp;342
b.nbsp; nbsp;Proteus mirabilis . #9632; .............nbsp; nbsp; nbsp;342
c Proteus Zenkerl.................nbsp; nbsp; nbsp;343
ii. Baoterium termo..................nbsp; nbsp; 343
7.nbsp; Der Bacillus acidi lactic! Hueppe............nbsp; nbsp; 11-11!
8.nbsp; nbsp;Die Bakterien der Buttersäuregamp;hrung.......... .nbsp; nbsp; nbsp;344
a.nbsp; nbsp;Der Bacillus Imtyricus Prazraowsky.........nbsp; nbsp; nbsp;:).14
b.nbsp; nbsp;Der Bacillus butyricus Huejipo...........nbsp; nbsp; .'!-l-l
it. Der Bacillus acetleus.................nbsp; nbsp; nbsp;Ii-l.rgt;
10. Die Milchkothbalcterien Esoherioli's...........nbsp; nbsp; 345
a.nbsp; nbsp;Das Bacterium lactis aörogenes............nbsp; nbsp; 345
b.nbsp; nbsp;Das Bacterium coli oommune............nbsp; nbsp; 345
I I. Die Bakterien dor anmioiiiakalisclipn Hamstoffgährung.....nbsp; nbsp; 340
a. Der Miorococcns urcne Leu be............nbsp; nbsp; 34(1
1), Der Miorococous ureae liquefaoiens Fltlgge.......nbsp; nbsp; 34(1
c.nbsp; nbsp;Der Bacillus ureae Lou be.............nbsp; nbsp; 346
12.nbsp; nbsp;Bakterien der Mundhöhle...............nbsp; nbsp; 34(1
a.nbsp; nbsp;Leptotbrix buccalis innoininata............nbsp; nbsp; 346
b.nbsp; nbsp;Bacillus buccalis maxiinus.............nbsp; nbsp; 348
c Leptotbrix buccalis maxima.............nbsp; nbsp; 340
d.nbsp; nbsp;Jodoooocns vaginatus................nbsp; nbsp; 346
c.nbsp; nbsp;Spirillum sputigenum...............nbsp; nbsp; 347
f. Spirodbaete dentium...............nbsp; nbsp; 347
Leptotbrix gigantea; Jodococons magnus; Jodooocoos parvus. .nbsp; nbsp; 347
13.nbsp; nbsp;Dor Bacillus der blauen Milch ..............nbsp; nbsp; 347
14.nbsp; Der Bacillus violaceus.................nbsp; nbsp; 348
16,nbsp; nbsp;Der Bacillus Indiens.................nbsp; nbsp; 348
l(i. Dor Bacillus prodigiosus................nbsp; nbsp; 34!)
17.nbsp; Der Miorococcns agilis................nbsp; nbsp; 34!)
! 18, Das S]iirilluni rubrum Esmarcli.............nbsp; nbsp; 350
lit. Cbromogene Sarcinen.................nbsp; nbsp; 350
20. I'luorcseirciido Bacillen aus Wasser............nbsp; nbsp; 351
21.nbsp; nbsp;Der Bacillus llmirescens liquefaoiens............nbsp; nbsp; 351
22.nbsp; nbsp;Pliospborescirende Bakterien..............nbsp; nbsp; 351
a.nbsp; nbsp;Bacillus phospboresceiis..............nbsp; nbsp; 351
b.nbsp; nbsp;Bacterium phospborescons..............nbsp; nbsp; 352
c.nbsp; Der einheimische Leuobtbäoillus............nbsp; nbsp; 352
23.nbsp; Das Spirillum concontricum Ivitasato...........nbsp; nbsp; 352
24.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;a. Bacillus tremulus Kik^Ii..............nbsp; nbsp; 353
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#9632;
VIIInbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Inhalts-Uobcrsieht.
Seite
l). SpMllutn ündula .... ...........nbsp; nbsp; 35S
e. Sjiiruc'Laoto plioatllis...............nbsp; nbsp; 368
Anhang.......................nbsp; nbsp; 364
Schimmelpilze.....................nbsp; nbsp; 'föl
Hefen.......................nbsp; nbsp; 364
Register........................nbsp; nbsp; 867
Vorbcmorkmiy zu den Tafeln.................nbsp; nbsp; ;'quot;-l
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I
Einleitung.
u,
ntor dor Bezeichnung „Bakterienquot; fasst man eine Gruppe kleinster einzelliger organischer Wesen zusammen, weiche, ihrer grossen Mehrzahl nach, in physiologischer Beziehung den Pilzen nahe stehen und .sich durch Theilung des Einzelindividiuims in zwei Individuen, durch Spaltung, vermehren. Man spricht deshalb auch von Spalt­pilzen, Schizomy ceten, und gebraucht diese Ausdrücke synonym mit dem Ausdrucke Bakterien. Auch die Bezeichnungen Mikro­organismen, Mikrobien, sind, im engeren Sinne verstanden, für diese Gebilde vielfach in Gebrauch. Die ausserordentliche Verbreitung derselben in der Natur hat die Aufmerksamkeit der Forscher schon frühzeitig auf sie gelenkt. Der Erste, welcher die uns geläufigen Bakterienformen gesehen und abgebildet hat, war Leeuwenhoek in Delft (Holland) 1688. Der geniale Beobachter sah diese „Thierchenquot; mit Hülfe stark vergrössernder einfacher Linsen, die er sich selbst geschliffen hatte, in seinem Zahnbelage und in anderen Flüssigkeiten. Seit jener Zeit und dann namentlich seit den dreissiger Jahren unseres Jahrhunderts, nachdem das Mikroskop ^'quot;'quot;Itige Verbesserungen er­fahren hatte, hat man den kleinsten Lebewesen die Aufmerksamkeit zugewendet.1)
Aber erst die letzten Jahrzehnte sind es gewesen, welche ein fruchtbringendes Studium dieser Gebilde in grösserer Ausdehnung ermöglicht haben; erst seit wenigen Jahren können wir von einer bakteriologischen „Wissenschaftquot; sprechen. Um das recht zu verstehen, müssen wir uns den jetzigen und den früheren Zustand vergegenwärtigen. Jeder, nicht hloss' der Arzt, sondern jeder Laie, spricht jetzt von Tuberkellmcillen, von Milzhrandbaeillen. In diesen
') Bezüglich dor Geschichte der Bakterienlehre wirwelse ich nur ilns ausge* zeichnete Werk Fr. Loeffler's: Vorlesungen übor die gesohiohtliohe Entwickelung lt;ler Lehre von den Bakterien. I. Theil. Bis zum Jahre 1878. Leijpzi},' isst. Gliuthur, Bakterlologlo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
L
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Binloitung,
Worten liegt ohne Weiteres die Ueberzeugung, tlnss damit von ein­ander verschiedene Bacillenarten gemeint seien, class dor Tuberkelbacillus seine speoiflsohen Eigenschaften habe, mul dass diese von den speoiflsohen Eigenschaften des Milzbrandbacillus verschieden seien; es hegt darin die Ueberzeugung, dass das Gebiet der kleinsten Organismen ebenso ans einzelnen. Je durch charakteristische constante Merkmale gekennzeichneten Species zusammengesetzt ist, wie das in allen übrigen Abtheilungen der lebenden Natur der Fall ist. Die Krkenntniss dieser so einfach, so selbstverständlich erscheinenden That-sache hat aber erst errungen werden müssen. Wenn man daran denkt, dass kaum drei Jahrzehnte uns von dem Zeitpunkte trennen, wo ernste wissenschaftliche Männer eine Entstehung der Bakterienvegetationen in unseren Qefässen durch Urzeugung, durch Generatio aequivoca, noch für möglieh hielten, wo es erst bewiesen werden musste, dass ohne das Vorhandensein von entwickelungsfähigen Keimen Eakterien-vegetationen nie auftreten, wenn wir dies bedenken, so wird es uns nicht Wunder nehmen, dass noch vor wenigen Jahren von mehreren berühmten Seiten') auf Grund experimenteller Untersuchungen die Existenz verschiedener Species bei den Bakterien direkt in Abrede gestellt resp. die Abgrenzung derselben in einzelne Species nicht für zwingend erachtet wurde. Dass dieses möglich war. erklärt sich aus folgendem: Man hatte zwar optische Hülfsmittel, die Bakterien zu sehen; man kannte die Formen, unter denen sie auftreten, sehr gut, man verstand aber nicht, aus einem Bakteriengemenge das einzelne Individuum, die einzelne Zelle herauszunehmen und für sich, isolirt, in ihrer Weiterentwickelung und in ihrem gesammten Verhalten zu studiren.
Dem genialen Blicke Robert Koch's war es vorbehalten, die Schwierigkeiten in diesem Punkte zu beseitigen. Durch Einführung einer neuen, überaus einfachen Methodik gelang es Koch, die einzelne Bakterienzelle zu isoliren und das Verhalten der isolirten Bakterien­zelle unter den verschiedensten äusseren Bedingungen weiter ZU ver­folgen. Hierbei wurde sofort die Erkenntniss gewonnen, dass unter gleichen Bedingungen nicht alle Bakterienzellen sich gleich verbalten, sondern dass es sich bei den Bakterien um eine grosse Reihe von einander verschiedener Arten handelt, deren jede durch ein ihr eigen-thümliches. speeifisches Verhalten oharakterisil't ist. Diese Erkenntniss
') of, 'l'li. Billroth, Untorsuohungon über die Vegetationsformell von Coeco-bacteria septica etc. Berlin Isti. — v. Niigcli, l)io niederen Pilze in ihren Beziehunaon zu den InfektionskranMieiten etc. München 1^77.
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KilllritUMquot;'.
3
ist der Grundstein, auf dem allein sich eino wissenseliaftliehe ErforsohllUg des Gebietes aufbauen konnte. Nur die Isuliriing der ein/einen Art ermöglichte es, ihre Eigenschaften festzustellen, ihre Lebensbedingungen, ihre Lobensäusseriingen kennen ZU lernen.
Die glänzenden Entdeckungen, welche dieser erste Schritt aus dem Dunkel in das Helle zur unmittelbaren Folge hatte, namentlich die Entdeckungen auf medicinischem Gebiete, haben das allgemeine Interesse der Gebildeton der Bakteriologie zugewandt. Für das erspriessliche Wirken des modernen Arztes aber ist es eine oonditio sine qua non geworden, sowohl sich mit den Lebenseig-enschaften der Bakterien im Allgemeinen vertraut zu machen, wie iiiich die specicllen Bakterien­arten, die bei der Entstellung von Krankheiten eine Rolle spielen, des Näheren kennen zu lernen. Denn auf der orsteren Kenntniss beruhen die wichtigsten Theile unserer modernen Hygiene im Allgemeinen, auf ihr beruhen Desinfection und Antiseptik, beruht die chirurgische Aseptik mit ihren glänzenden Resultaten; die Kenntniss der speciellen Lebens-eigensohaften der Krankheitserreger aber weist uns allein mit Sicher­heit den Weg, den eine rationelle Prophylaxis gegen die einzelnen Seuchen zu beschreiten hat.
Mit diesen Punkten ist jedoch der praktische Nutzen der Bakterio­logie nicht erschöpft. Die Entdeckungen der letzten Jahre weisen mit Sicherheit darauf hin, dass die ßakterienwissenschaft berufen ist, auch für die Heilkunde im engeren Sinne, für die T h e r a pie, von grüsster Bedeutung zu werden.
Die folgenden Blätter stellen sich die Aufgabe, den medicinischen Leser in das Gebiet der modernen Bakterienwissenschaft, soweit deren Kenntniss für ihn ein unumgängliches Bedürfniss ist, einzuführen; dem Bedürfnisse des Arztes entsprechend soll die mikroskopische Technik hierbei besonders berücksichtigt werden. Wir werden uns zunächst mit der allgemeinen Morphologie und S y s t e m a t i k der Bakterien, mit der allgemeinen Betrachtung ihrer Lebensbe­dingungen und Lehensäusserungen zu beschäftigen haben. um uns dann der allgemeinen Untersuchu ngsmethodi k zu­zuwenden. Dunn werden wir das Gebiet der krankheitserregen­den Bakterien im Allgemeinen und im Anschlüsse daran die wichtigeren einzelnen pathogenen Bakterienarten zu betrachten haben: anhangsweise sollen auch die pathogenen Faden-pilze und die pathogenen Protozoen Erwähnung linden. Endlich werden wir auch einige der bekannteren nicht pathogenen Arten behandeln,
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A. Allgemeines.
Morphologie, Systematik, Lebensbedingungen und Lebensäusserungen der Bakterien.
Beobachtungs- und Züchtungsmethoden.
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I.
Allgemeine Morphologie und Systematik der Bakterien.
I'jin natürliches System der Bakterien aufzustellen ist bisher nicht gelungen. Diese Aufgabe bleibt einer späteren Zeit vorbehalten. Ein natürliches System ordnet die einzelnen Species nach den natür­lichen Verwandtschaften, wie sie sich aus der vergleichenden Betrachtung sämmtlicher Eigenschaften der einzelnen Arten ergeben; ein künst­liches System greift ein einzelnes in die Augen fallendes Merkmal heraus und gruppirt danach. Da nun die Bakterienkunde eine noch junge Wissenschaft ist, und da demgemäss die Eigenschaften auch der wichtigsten Bakterienarten bis jetzt nur unvollkommen bekannt sind, so müssen wir uns vor der Hand noch mit einer künstliehen Classifi-cirung begnügen. Ferdinand Colin griif, als er 1872 sein System1) der Bakterien aufstellte, das Merkmal der Form heraus; nach der. Form der Einzelzellen und nach der Form der Verbände, in denen diese Einzelzellen auftreten, thcilte er die Bakterien ein. Diese Art der Eintheihmg ist auch heute noch die allgemein gebräuchliche. Wir unterscheiden danach drei grosse Gruppen: Kugelhakt er ien (Mikro-coccen, Cocccn), Stäbchenbakterien (Bacillen) und Schrauben­bakterien (Spirillen).
Die Kugelbaktericn, Mikrococcen, stellen in einem gewissen Entwickelungsstadium (d. h. unmittelbar nach vollendeter Theilung der Mutterzelle) kugelrunde Zellen dar; die Stäbchen hak terien, Bacillen, sind Cylinder von kreisförmigem Querschnitt, deren Längs­achse den Querdurchmesser an Ausdehnung übertrifft; die Schranben-bakterien, Spirillen, sind schraubenartig, korkzieherförmig ge­wundene Gebilde. Nach d e B a r y -) lassen sich die drei Formtypen
') Beitrüge zur Biologie dei' Pflanzen, IM. I. #9632;) A. do l!nry, Vorlesungen über Bakterien,
2. Aufl. 1877. p. 8.
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8
A. Alk
inn besten veninscliiiiiliclu'ii thircli liezw. eine Billardkugel, einen Blei­stift und einen Korkzieher. Auf Tat'. I, Fig. l and '2, sind Bakterien-gemisohe dargestellt; das eine zeigt Bakterien ans der Mundhöhle, das andere Bakterien in faulendem Fleischwasser, Man findet hier Ange­hörige jedes der drei Formh pen durcheinander gemengt. Es fällt an diesen Bildern (die ehenso wie die folgenden bei einer und derselben, nämlich 1000 fachen Vergrösserung hergestellt sind und deshalb eine unmittelbare Grössenvergleiohung der Bakterien zulassen) ohne Weiteres auf, daslaquo; es lauge und kurze, dicke und schmale Bakterien giebt. Im Allgemeinen kann mau sagen, dass die Dicke der Bakterienzellen sich nach Zehntausendsteln eines Millimeters bemisst-, die Länge nach Tau­sendsteln. Ks giebt aber nicht seltene Ausnahmen, in denen die Dicke
einer Bakterienzelle
lOÜII
mm, 1 /( (Mila'on), überschreitet. ^ Beispiele
davon sehen wir auf Fig. 2; die Dicke der einzelnen Glieder der vom linken zum oberen Rande der Figur ziehenden Bacilleukette beträgt auf dem Hilde 1,8—1,5 mm, d. h. in dem Präparate selbst 1,3—1,5 ,'(. Der Dickendurchmesser der Bakterien bleibt, aber stets erheblich zu­rück hinter demjenigen der Zellen von Sprosspilzeh (Hefen) und von Schimmelpilzen (Fadenpilzen), die wir bei bakteriologischen Unter­suchungen nicht selten zu Gesicht bekommen. Auf Fig. G (Tiif. I) sehen wir (in dem rechten unteren Quadranten dieser Figur) Gebilde, die man ihrer Form nach für Bacillen halten könnte. Betrachten wir jedoch die anderen Theile dieser Figur, so linden wir, dass es sich um einen zweigbildenden Organismus, um einen Fadenpilz handelt, der an einzelnen Stellen in kürzere, bacillenartig geformte Theile auseinander gefallen ist. Die Dicke der Zellen beträgt auf dem (1000 fach ver-grösserten) Fhotogramm 2—6 min, d. h. in Wirklichkeit 2—5 /t. Ein derartiger Dickendurchniesser kommt bei Bakterien nicht vor. Ein anderes Beispiel eines Fadenpilzes zeigt Taf. XU, Fig. 72. Hier ist der Herpes tonsurans-Pilz bei 240faoher Vergrösserung dargestellt. Die Zellen sind im Bilde 1,3—1,8 mm, d. h. in Wirklichkeit 5,4—7,5 (i dick. Auf Taf. 11, Fig. 7, ist ein (in Sprossbildung begriffener) Spross-pilz (Hefepilz) dargestellt, dessen Zellen etwa (i /( dick sind. Die Dickenverhältnisse der Zellen lassen die Bakterien von den eigentlichen Pilzen jedesmal mit Leichtigkeit sofort u n ter 8 C h e i d e n.
') Unter dem Mikroskope misst man die Glosse der Bakterien ebenso wio die Irgend welcher anderen Objeote bekanntlioh so. dass man die In Frage kommenden Ausdehnungen des Bildes vergleicht mit den Bildausdehnungen eines unter denselben Bedingungen mikroskopisob betrachteten Objectes von bekannter
(iWisse (lt;)))j eotmili mmoter).
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I. ÄUgemeliio Morphologlö und Systematik dev Bakterien.
it
Die Bakterienzelle setzt sieb zusammen aus einem (nach neueren Untersuchungen mit hoher Wahrscheinlichkeit als Kern auf­zufassenden) Protoplasmakörper, welcher von einer Membran (Plasmahülle) umschlossen ist. Das Bakterien-Protoplasma färbt sich wie andere protoplasmatische Körper durch Jod selb bis braun, es lässt sich ebenso wie jene mit (Jarmin und mit Anilinfarben tingiren. Die Membran, ihrer chemischen Natur nach nicht bei allen Arten gleich1), geht nach aussen hin unmittelbar über in eine schleimige, in Wasser mehr oder weniger quellbare Hülle. Während diese meist eine nur geringe Ausdehnung besitzt und uns nicht be­sonders auffällt, erreicht sie in anderen Fällen eine im Vergleich zu dem Protoplasmakörper sehr erhebliche Ausdehnung. Man spricht dann von Kapselbakterien ((J loeococcus). Ein derartiges Beispiel zeigt Taf. XII, Fig. 69. Wir sehen hier den Fricdländer'sehen sogenannten Bacillus pneumoniae, dessen Protoplasmakörper durch (lentianaviolett intensiv dunkel tingirt ist, während die Hülle oder Kapsel sich als weniger intensiv gefärbte Masse kenntlich macht. Der Protoplasmakörper der Bakterien ist bei weitaus den meisten Arten farblos, chlorophylllos. Die Bakterien stellen sich in diesem Punkte und den daraus resultirenden physiologischen Eigenschaften den Pilzen nahe. Nur bei einzelnen wenigen Bakterienarten sind dem Chlorophyll nahestehende Farbstoffe (z. B. das als echtes Chromophyll aufzufassende sogenannte Bactoriopurpurin) nachgewiesen. Hier weichen dem-gemäss auch die physiologischen Eigenschaften von den gewöhnlich zu beobachtenden ab. Auch können sich mehrere derartige Farbstoffe gleichzeitig neben einander vorlinden (Bütschli). Handelt es sich hier um Farbstoffe, mit deren Anwesenheit wichtige physiologische Fimctionen verbunden sind, so werden andererseits von sehr vielen (chromogenen) Bakterienarten Farbstoffe producirt, die wahrschein­lich nur als Stoffwechselproducte aufzufassen sind. Die hierhergehörigen Arten fallen in ihren Cultnren ohne Weiteres durch die meist lebhafte Färbung derselben auf. Wo bei diesen Arten der Farbstoff ausgeschie­den wird, ob in dem Protoplasmakörper oder in der Membran oder ganz ausserhalb der Zelle, muss für jeden einzelnen Fall festgestellt werden und ist meist recht schwer zu entscheiden. Das Bakterien­protoplasma zeigt bei einer Reihe von Arten Stärke- (oder richtiger Granulöse-) Gehalt; mit wässeriger Jodlosung färbt es sich hier dunkel indigoblau. Bei einzelnen Arten linden sich (krystallinische)
') Dio Membran wird meist aus einer ceihdoseartigen Substanz gebildet: bei ein­zelnen Arten jedoch besteht sie — wabrsebeinlieh — ans einem eiweissartigen Körper.
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Idnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; A. Allgemeines,
stork liohtbreohende S oh wef elk or neb en in dem Protoplasma vqx-theilt (Sohwefelbakterien); andere zeigen Elsenoxyd in ihrer Hülle eingelagert (Eisenbaoterien).
Die Bakterienzelle als Ganzes ist iwi manchen Arten gewiss ein relativ starres Gebilde; bei anderen Arten ist dies jedoch sicher nioht der Fall. Es ist mir Otters begegnet, dass ich bewegliche Bacillen. welche in der Flüssigkeit als gerade Stäbe uinherselnvamincn, sich durch enge Hindernisse hindurchdrängen sah. Hierbei verengerten sich die verschiedenen Stellen des Bakterienleibes der Reihe nach, dem Hindernisse entsprechend, und in schlangenartigen Windungen entwand sich die Zelle dem Engpasse , auf der anderen Seite als gerades Stäbchen weiterschwhmnend.
Bei Zutritt von bestimmten Flüssigkeiten zu Bakterienzellen be-obaohtet man, wie das bei den Zellen höherer Pflanzen längst bekannt ist, einen eigenthümlichen, als „Plasmolvscquot; bezeichneten Vorgang. Der Protoplasmakörper, welcher vorher der Membran dicht anlag, zieht sich von der Membran zurück und contrahirt sich nach dem Centrum hin. Hier nimmt er je nach der Gestalt und dem Bau der Zelle ver­schiedene Gestalt an. Nur lebende Zellen lassen sich „plasmolysirenquot;. Am besten eignen sich l!/, bis 10 proc. Kochsalzlösungen. Bringt man die plasmolysirte Zelle in Wasser zurück, so tritt wieder die ursprüng­liche Gestalt ein.')
Die Bakterien vermehren sich (abgesehen von der nur unter besonderen Bedingungen auftretenden sogenannten Sporenbildung) durch Theilung, durch Spaltung der einzelnen Zelle in zwei Zellen. Dies geht so vor sich, dass die Zelle in die Länge wächst, und dass sie sich dabei in der Mitte der Quere nach einschnürt, Ist die Ein­schnürung vollendet, so ist damit die ursprüngliche Zelle in zwei Zellen zerfallen, deren jede ebenso aussieht wie die Mutterzelle vor dem Be­ginne des Theilungsvorganges. Tafel II, Fig. 12, zeigt grosse Mikro-coccen, die z. Tb. in Theilung begriffen sind. Man sieht da ausser rein kugelförmig gestalteten Zellen solche, die in die Länge gezogen und deutlich eingeschnürt sind (Biscuit- oder Semmelform). Aber ausserdem bemerkt man auch vereinzelte, zwar von der Kugelform abweichende, längliche Gebilde, die aber noch keine deutliche Ein­schnürung zeigen. Diese Gebilde stellen das erste Stadium des Thei­lungsvorganges dar; sie zeigen zugleich, dass ein Mikrococcus nicht
') of, A. Fischer, Tier. d. K. Sachs. Ges. d. Wissonscli. Miitli.-pliys. Clnsse 1891, — Dnroh IDproo. Milchsäurelösung lassen sich die plasmolytischen Erschei­nungsformen lixiivn, so dass dio Zellen resp. der Protoplasmakörper nachher in dieser Form geförbt werden können,
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unter allen Umständen rein kugelförmig aussieht. Nur ein bestimmtes Stadium, nämlloh das der eben vollendeten Theilung, bringt die Kugel­gestalt rein zum Ausdruck, und an dieses Stadium muss man sich halten, wenn es sieh im gegebenen Falle darum handelt, zu entscheiden, ob man eine bestimmte Bakterienart als Mikrococcus, d. h. Kugel-bacterium, oder als Bacillus, d. h. Stäbchenbacterium, bezeichnen soll. Die Figuren 3—6, 8, 9, 11—14 (Tof. I-III) zeigen eine Reihe von Bacillen- und von Mikrococcenformen; auf Jedem Bilde findet man eine Anzahl von Zellen, welche in Theilung begriffen sind.
Die Eichtung. in welcher die Verlängerung der sich zur Theilung anschickenden Zelle geschieht, entspricht bei den Bacillen und Spirillen der Längsrichtung des Individuums; bei den Mikrococcen entspricht sie in der Regel der Richtung, in welcher die Verlängerung bei dem vorhergehenden Theilungsprocesse erfolgte. Dies letztere gilt jedoch nicht ohne Ausnahme. Es giebt Mikrococcenarten, bei denen nach erfolgter Theilung der Zelle die beiden Tuchtermikrococcen sich in einer Richtung t.heilen, die senkrecht auf der Richtung der ersten Theilung steht; es entstehen dann vier im Quadrat gruppirte Mikro­coccen. Ein Beispiel hierfür zeigt Taf. XII, Fig. 07. Man bezeichnet solche Formen als Merismopedia (d. h. Tafelcoccen) oder als Tetragenus. Haben wir hier eine Theilung nach zwei Eichtungen des Raumes vor uns, so giebt es andererseits Mikrococcenarten, bei denen die Theilung in allen drei Eichtungen des Baumes vor sich geht. Es entstehen so packetförmige Zusammenlagerungen von je acht Coccen. Solche Arten bezeichnet man als S aroin a (of. Taf. Ill, Fig. 15).
Sehen wir von diesen Ausnahmen ab, so findet bei den Bakterien die Theilung stets in der Eichtung statt, in der die vorhergehende Theilung stattfand. Ist die Theilung vollendet, so können die Tochter-Zellen aneinander hängen bleiben und so kettenartige Verbände bilden, die zunächst aus zwei, dann aus vier, acht u. s. w. Individuen bestehen. Taf. 1, Fig. 4, zeigt solche Kettenbildung bei einer Art grosser und dicker Bacillen („quot;Wurzelbacillenquot;); Taf. VI, Fig. 81, zeigt dieselbe Erscheinung bei den Milzbrandbacillen. Auf Taf. 111, Fig. 14, sind Mikrococcenketten zu sehen. Mikrococcenarten, welche eine der­artige kettenförmige Anordnung der Individuen zeigen, nennt man Streptococcus (ff/(mt™laquo; = Halskette).') Handelt es sich hier um
') Synonym mit „Stoeptococousquot; wird, jedoob selten, das Wort „Torulaquot; gebraucht. Diese Bedeutung dos Wortes Torula ist nicht die gewöhnliche; ge­wöhnlich bezeichnet „Torulaquot; Hefe.
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12nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeines.
Verbtode, die gewöhnlich aus einer grösseren Reihe von Einzelzellen zusammengesetzt auftreten, so giebt es andererseits Bakterienarten (be­sonders Mikrococoen), deren Zellen gewöhnlich zu zweien vereinigt, paarweise auftreten. Man spricht dann von Diplococcen. Beispiele derart zeigen Taf. XI, Mg. 66, und Tatquot;. XII, Fig 08. Bleiben Mikro­cocoen nach der Tlieilung nicht aneinander hängen, fallen sie aus­einander, so kommen keine Kettenverbtode zu Stande, sondern die Einzelzellen lagern sich, wie es der Zufall bringt, nebeneinander; solche Arten bezeichnet man als Staphylocoocen (arctcpvKij — Traube) nach den unter dem Mikroskop oft weintraubenartig erscheinenden Bildern, die derartig' gelagerte Mikm-occen darbieten (cf. Taf. III, Fig. 13). Bei den Bacillenarten spricht man je nach der Gestalt der Zellen resp. nach dem Verhältnisse ihres Längsdurchinessers zum Querdurohmesser von plumpen, von schlanken BaclUen, von Kurz-stäbohen, von Langstäbchen (cf. Taf. I, Fig. 3 und 5; Taf. II. Fig. 8 und 9). Es ist hier zu bemerken, dass von einigen Autoren synonym mit dem Begriffe Kurz Stäbchen der Begriff „Bacte­riumquot; gebraucht wurde und noch wird. Gegen diesen Gebrauch ist nichts einzuwenden, wenn man sich nur stets dabei denkt, dass das Wort „Bacteriumquot; hier im engeren Sinne angewendet wird, dass man eine bestimmte Form damit meint, während man unter Bakterien im Allgemeinen die ganze grosse, oben näher delinirte Gruppe niederster Pflanzen versteht, die die verschiedensten Coccen-, Bacillen- und Spi-rillenformen nmfasst.
Es giebtBacillenarten, deren Einzelindividuen sich nach der Tlieilung voneinander trennen, andere, deren Glieder nach der Tlieilung ketten­förmig aneinander hängen bleiben. Bezüglich dieser Gruppirungsver-hältnisse kommt es nun häufig sehr auf die äusseren.Bedingungen an, unter denen das Wachsthum erfolgt. Betrachten wir beispielsweise den Milzbrandbacillus. Innerhalb des inücirten Thierkörpers (cf. Taf. V, Fig. 25—27) treffen wir die Stäbchen entweder einzeln oder zu kloinen Kettenverbändcn angeordnet. In der künstlichen Cultur hingegen (cf. Taf. V, Fig. 29 und 30; Taf. VI, Fig. 31, 34, 36) linden wir den Milzbrandbacillus stets zu langen, manchmal gewiss Tausende von Gliedern umfassenden Ketten oder Fäden ausgewachsen. Derartige Beobachtungen kann man bei vielen Bacillenarten machen. Es giebt nun aber Bacillenarten, die stets in längeren Fäden verbunden (auch „Scheinfädenquot; genannt) auftreten. Hierhin gehören die in der Mundhöhle vegetirenden, als Mycothrix, Leptothrix, Strepto-thrix bezeichneten Bacillenarten (cf. Taf. IV, Fig. 19),
Was die Abtheihmg der Spirillen (Beispiele auf Taf. I, Fig. 1
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und 2; Taf. IM, Fig. 1laquo;; Taf. XU, Fig. 70) angeht, su ist zu be­merken, dass auch die als „Kummabacillonquot; bezeichneten Gebilde in diese Abtheilung gereohnet werden müssen. Die Konunabaclllen (Beispiele auf Taf. X) sind gekrümmte Stäbehen; die Krflnunong liegt jedoch nicht in einer Ebene, sondern sie ist thatsächlieh ein Brueh-theil einer Schrauben- oder Korkzieherwindimg. Unter gewissen Um­ständen (in älteren Culturen) bleiben die Kommalmcillen nach der Theilnng aneinander hängen und bilden dann wirkliche Spirillen. Ein Beispiel siebt man auf Taf. X. Hier zeigt Fig. 55 die gewöhnliche kommaförmige Erscheinungsweise der Cboleralmcillen, Fig. 56 zeigt dieselben Organismen zu Spirillen ausgewachsen. Für die Komma­organismen ist auch der Ausdruck „Vibrionenquot; in Gebrauch.
Bezüglich der Anordnung der Bakterienverbände ist im Allgemeinen noch zu bemerken, dass man, besonders in wässerigen Flüssigkeiten, in welchen Bakterien wucherii, die letzteren häufig in voluminösen, relativ zähen, schleimigen Verbänden angeordnet findet. Hierher ge­hören z. B. die sogenannten Kahmhäute, welche man auf faulenden Infusen etc. häufig antrifft. Mikroskopisch eonstatirt man in solchen Fällen die Gallerthüllen der Einzelzellen miteinander verquollen, die Protoplasmakörper der Zellen durch die Gallerthüllen auseinander ge­halten und in meist regelmässiger Anordnung in der Gallertmasse vertheilt. Solche Bakterienmassen bezeichnet man als Z o o g 1 o e a oder Palmella. Ein Beispiel zeigt Taf. 11, Fig. 10.
Beobachtet man Bakterien im lebenden Zustande in der Flüssig­keit, in der sie gewachsen sind, oder in einem anderen flüssigen Medium, welches ihre Weiterexistenz zulässt, so bemerkt man, dass die Zellen sich bewegen. Die Bewegungen, die man beobachtet, sind aber zweierlei verschiedener Art. Erstens zeigen die Bakterienzellen die Brown'sehe Bewegung oder Molekularbewegung, wie sie kleinsten, in Flüssigkeiten su.spendirten Körperehen stets zukommt. Die Zellen tanzen hin und her, auf und ab; die Bewegung jedes einzelnen Individuums steht in Beziehung zu der des Nachbars. Ausserdem kommt aber eine Eigenbewegung bei den Bakterien vor. Die Eigenbewegung ist nicht allen Arten eigenthümlich, sondern auf bestimmte Arten beschränkt. Sie findet sich zunächst ganz allgemein, ohne Ausnahme, bei den Spirillen und Kommabacillen (Vibrionen). Ferner findet sie sich bei einer grossen Reihe von Bacillenarten, während die übrigen Bacillenarten ohne Eigenbewegung sind. Bei den MikrOGOCCen kennt man Eigenbewegung nur bei wenigen Arten.')
]) Die erste eigcnbewegliehe Mikrococcenart, deren Reiiizüchtnng gelang, und
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1 inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; A. Allgemeines,
Um eine beobachtete Bewegung von Bakterien als Eigenbevvegung anzusprechen, ist es nötbigi den Nachweis zu fahren, dass das sich bewegende Individuum mit den Bewegungen der Nachbarn in keinem Zusammenhange stehende Ortsveränderungen ausführt. Dies ist manch­mal gar nicht so sehr leicht zu entscheiden. Die Bigenbowegung Laim zwar eine sehr lebhafte sein. Besonders bei Spirillen und Vibrionen, aber auch bei Bacillen, findet man nicht selten so lebhafte Bewegungen, dass es recht schwer wird, sieh ohne Weiteres ein deutliches Uild der Gestalt der Zellen zu vorschaffen; die Schrauben oder Stäbchen schiessen pfeilschnell durch das Gesichtsfeld, um nur für kurze Augenblicke hier oder da auszuruhen. Auf der anderen Seite aber kommen (bei Bacillen) so matte und träge Eigenbewegungen vor, dass es oft nicht leicht wird, dieselben von Molekularbewegungen zu unterscheiden.
Die Eigenbewegung der Bakterienzellen wird (nach Ermittelungen von Koch und von Loeffler) stets durch sogenannte Geissel-fäden vermittelt, feinste fadenförmige Gebilde, welche meist an den Enden der Zelle angebracht sind und durch die von ihnen ausge­führten flimmernden Bewegungen Ortsveränderungen der Zelle veran­lassen. Spirillen und Bacillen mit Geisseifäden zeigt Tat. Ill, Fig. 16; kurze Bacillen sieht man auf Fig. 18 derselben Tafel. Tat'. X, Fig. 57, zeigt die Kommabacillen der Cholera asiatica mit ihren Geisseifäden. Auf Taf. Ill, Fig, 17, sieht man an den Enden grosser Bacillen regel­rechte Büschel von Geisselfäden angebracht, während sonst allerdings meist mir ein einzelner Geisselfaden an dem Ende der Bakterienzelle angebracht ist. Die Länge und Gestalt der Geissein sind bei den verschiedenen Bakterienarten verschieden. Die Anheftungsstelle der Geissein liegt, wie wir bereits sagten, meist an dem Ende der Zelle; es sind jedoch eine Reihe von Bacillenarten aufgefunden worden, bei denen jedes Individuum eine ganze (mitunter ausserordentlich grosso) Anzahl von Geisselfäden trägt, die von seinen Seitenwänden ausgehen. !) Ein Beispiel hierfür bildet der Typhusbacillus (cf. Taf. VIII, Fig. 45).
Wir hatten oben gesehen, dass die Vermehrung der Bakterien durch Spaltung jeder einzelnen Zelle in zwei Zellen geschieht. Denken wir uns irgend eine Bakterienart unter günstigen äusseren Bedingungen, denken wir uns den Nährboden möglichst günstig zusammengesetzt, die Temperaturverhältnisse günstig, und denken wir diese Bedingungen
die genau studirt worden ist, wurde von Ali-Cohen (Centralbl. f. Bakt, Bd, 6. issii. Nr. l) in Trinkwasser aufgefunden („Microoooous agilisquot;).
') Die erste derartige Beobachtung liaben ('. Fränkel und R, l'feiffoi (Mikrophot. Atlas der Bakterienkunde, Lief. 5. 1889, Tafel 24) pnbllclrt.
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ungeändert in gleicher Weise furtbcstelien, so wäre kein (innul einzu­sehen, weshalb die Bakterien sieli nicht in inlinitum in gleicher Weise weiter theilen sollten. Nun liegen aber die Verhältnisse in Wirklich­keit nie derartig. Jeder Organismus lebt von gewissen Xährsnbstanzen: er verbraucht diese Nährsubstanzen: bei seinem StofiWechsel bilden sich gewisse Abfallproduote, welche er nicht weiter zu verwenden ver­mag. Auch der günstigste Nährbuden, auf welchem Bakterien wachsen, wird in kürzerer oder weiterer Frist erschöpft an nothwendigen Nahrungs-stutl'en, er wird aussordem mehr oder weniger beladen mit Stoft'wechsel-produoten der Bakterien. Höchstens im kreisenden Blute eines inli-cirten Thieres konnten sich dort vegetirende Bakterien für gewisse Zeit in einem Zustande belinden, der den oben supponirten idealen Ver­hältnissen ähnlich ist; sie würden jeden Augenblick neue Nahrung erhalten, und ihre Abfallproducte würden ebenso ständig entfernt wer­den. Gemeinhin aber liegen die Dinge so, dass mit fortschreitendem Bakterienwachsthum der Nährboden sich verschlechtert. Die letzten Consequenzen davon würden die sein, dass die Bakterien auf dem Nährboden nicht mehr zu leben vermögen und zu Grunde gehen, ab­sterben. Das geschieht nun in der That sehr häufig. Wir sehen dann an den Bakterienzellen zunächst sogenannte Absterbeerschei-nungen, Involutionsorscheinungen auftreten. Die Zellen blähen sich auf, werden voluminöser, Missbildungen, Sclinorkelformen der mannichfachsten Gestaltung bilden sich aus, das Protoplasma durch­setzt sich mit „V a c u o 1 e nquot;, verliert seine normalen chemischen Eigen­schaften (z. B. färbt sich lückenhaft und schlecht mit Anilinfarben), der Contour der Zellen wird undeutlicher; und dann sind die Zellen nicht mehr fähig, sich weiter zu vermehren, selbst wenn sie auf frischen Nährboden übertragen werden: sie sind abgestorben. Involutionsformen bei Milzbrandbacillen zeigt Taf. VI, Fig. 32: auf Taf. X, Fig. 66, sieht man Formen, wie sie bei der beginnenden Involution der Cholera-bacillen auftreten.
Unter gewissen Bedingungen giebt aber die Verschlechterung des Nährbodens resp. die Erschöpfung desselben an Nahrungsstoffen Ver­anlassung zn der Bildung eigenthümlicher Fruchtformen, welche. teleologisch betrachtet, die Bestimmung haben, das Weiterbestehen der Art, solange die ungünstigen äusseren Verhältnisse andauern, zu ver­mitteln. Es ist dies die Bildung der Sporen (Dauersporen). Die Bildung von Dauersporen kommt fast ausschliesslich bei Bacillen vor; sie ist aber nur einer Anzahl von Bacillenarten eigentlnimlich. während sie bei den anderen Bacillenarten fehlt. Sie ist ferner aus-nalnnsweise beobachtet bei ganz vereinzelten Spirillenarten; sie soll
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A. Allgt;'onu'iiH's.
auch bei Saroinen' | vorkommen können. Die Sporenbildung tritt aber lioi den sporenbildenden Arton nicht Ohne Weiteres jedesmal ein, wenn der Nährboden sieh versohleohtert; es gehören hierzu noch ganz be-SOndere Bedingungen, die für die verschiedenen Arten verschieden sind.
Der Vorgang bei der Sporenbildung ist im Allgemeinen der, dass zunächst eine kleine Stelle des Bacillenleibes anfängt körnig zu werden, dass dann diese körnig gewordene Stelle an Ausdehnung zunimmt, sich durch eine feste, eigene Membran abschliesst gegen das übrige Baoillenprotoplasma, und dass der Inhalt dieser Membran dabei eine homogene Beschaffenheit annimmt. Es findet sich dann an der ge­nannten Stelle ein homogenes, ölartiges, das Licht stark brechendes, bei hoher Einstellung des Mikroskoptubus stark glänzend, bei tiefer Einstellung dunkel erscheinendes, meist länglichrund gestaltetes Kör­perchen, welches von der erwähnten Membran umschlossen wird. (Vgl. hierzu Taf. VI, Fig. 34: Lebende Milzbrandbacillenfäden mit Sporen.) Vor der Sporenbildung' kommen übrigens die eigenbeweglichen Hacillen-individuen stets zur Ruhe. Ist die Spore in der geschilderten Weise fertig gebildet, so beginnt der übrige Bacillenleib zu zerfallen, und die Spore ist dann isolirt; sie bleibt dann unverändert, bis sie nach längerer oder kürzerer Zeit wieder auf einen günstigen Nährboden geräth. Dort keimt dann die Spore zu einem Bacillus aus, welcher sich durch Zweitheilung in der bekannten Weise weiter vermehrt. Die Sporen bezeichnet man als Dauerformen oder reproductive Formen gegenüber den sich zweitheilenden Formen, die man als vegetative oder als Wuchsformen bezeichnet.
Die Auskeimung der Spore, die Sporenkeimung, geht beiden verschiedenen Bacillenarten in verschiedener Weise vor sich. Bei dem Milzbrandbacillus z. B. verlängert sich die Spore in ihrer Längsachse, der Inhalt verliert sein glänzendes Aussehen, die Sporenmembran ver­wandelt sich ohne Weiteres in die Ilacillenmembran, der Bacillus ist fertig. Bei anderen Bacillenarten kommt der Bacillus durch ein Loch in der Membran der Spore aus der letzteren heraus, die Sporen­membran kann dem jungen Bacillus wie eine Kappe aufsitzen etc. -)
Die Sporenbildung kann in der Mitte des Bacillus auftreten ( mitte I ständige Sporen), oder sie kann an einem Ende des Bacillus auftreten (end st und ige Sporen). In dem letzteren Falle kommt es dann, wenn die Bacillen einzeln liegen, zur Bildung soge-
') (j. Häuser, lieber Lungensarcine. (Sitz.-Bor, Phys.-Med. Sue. Erlangen ISST. [Mllnohen 1888.] p. 20.)
-') Vergl. A. Koch, Bot, Ztg. 1888. No. is—-22.
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1. Allgemeine Morpbelogio und Systematils der Bakterien.
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nanntcr Kü pfchc n Ita 1lt; tf ricn . üacillcn mit Köpfohensporeii) Ti'diumc 1 seh liigort'uniicn. Bei numclirn Baoillenarten! welche mittelstftndige Sporen bilden, kommt es bei der Sporenbildung zu einer dem Hitze der Sporen entsprechenden stärkeren Auftreibung des Stäb­chens in der Mittel sind nun die Enden des Stäbchens zugespitzt, so resultirt eine deutliche Spindelform. Solche Formen bezeichnet man als Clostridium (xImguiq = Spindel). Auf Tat'. VJ, Fig. 34 und 35, sind mittelständige Sporen (Milzbrand), auf Tat. VII, Fig. 39, end­ständige Sporen (Tetanus) dargestellt. Man sieht auf Fig. 35 und 39 das Baoillenprotoplasma durch die angewandte Anilinfärbung tingirt (dunkel), während die Sporen mehr oder weniger ungefärbt (hell) ge­blieben sind. Dieselbe Erscheinung sieht man auch an den sporen-haltigen Leptothrixfäden, welche auf Taf. IV, Fig. 19, dargestellt sind. Es hängt dieses dift'erente Verhalten des Baoillenprotoplasma und des Sporenleibes gegen Farbflüssigkeiten auf das Engste zusammen mit der Verschiedenheit der physiologischen Eigenschaften dieser beiden Dingo im Allgemeinen. Die Bacillensporen sind echte Dauerformen. Sie sind durch eine Membran gegen die Aussenwelt abgeschlossen, welche von einer solchen Resistenz gegen äussere Einwirkungen ist, wie man sie sonst in der organischen Natur nicht wieder findet, und die speciell mit der Resistenz des Bacillenkörpers gegen äussere An­griffe gar nicht zu vergleichen ist. So seilen wir auch die Farbflüssig­keit in den Baeillenkörper eindringen, von der Sporenmembran dagegen zurückgehalten werden.
Die besprochene Art der Sporenbildung bezeichnet man als die endogene Sporenbildung, die Sporen als endogene Sporen, die Bakterienarten, bei denen diese Sporenbildung auftritt, als endospore Bakterienarten. Einzelne Autoren, namentlich de Bary und Hüppe, nehmen daneben noch eine andersartige Sporenbildung an: die Arthro-sporenbildung (arthrospore Bakterien). Sie kommt nach de Bary allen den Bakterienarten zu, welche nicht endospor sind. Hier sollen einzelne Zellen, die sieh zunächst in nichts von ihren Geschwistern unterscheiden, entweder ohne Aenderung der Form, oder nachdem sie sich etwas vergrössert haben und event, etwas derbwandiger geworden sind, ohne Weiteres Sporenqualität annehmen; d. h. diese Zellen dienen, während die übrigen absterben, zum Ausgangspunkte einer späteren neuen Bakterienvegetation. Von einer ähnliehen Resistenz, wie sie die endogenen Sporen gegen äussere Angriffe zeigen, seheint bei den „Arthrosporenquot; („Gliedersporenquot;) nicht die Rede zu sein. Die „Arthrosporenquot; können deshalb auch nicht als Dauerformen in dem Sinne der den endogenen Sporen zukommenden Eigenschaften ange-
GUnthur, Bakteriüloglo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2
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1 snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; A. Allgemoines.
seilen werden, uncl die ganze Präge naoh den Ai'throsporen hat mehr theuretisehe ills praktische Bedeutung. \lt;gt;\\ Wichtigkeit ist es dagegen stets, zu wissen, ob eine bestimmte Bakterienart wirkliche Dauer-formen, d. h. mil besonderer Resistenz ausgestattete Gebilde, zu produoiren vermag; diese Eigenschaft alter findet sieh nur bei den endosporen Arten.
Die Bakterien, soweit wir deren allgemeine Morphologie bisher betrachtet haben, zeigen in ihren Formverhältnissen die überein­stimmende Eigenthümlichkeit, dass eine jede einzelne Species eine bestimmte, stets wiederkehrende Form der Einzelzelle aufweist. Das ist nicht so zu verstellen, dass man ans einer bestimmten Form des Individuums ohne Weiteres jedesmal auf eine bestimmte Species schliessen kann: es giebt viele Fälle, in denen verschiedene Species dieselbe Form der Einzelzello zeigen. Aber wir linden, dass hei jeder einzelnen Species die Form der Einzelzelle etwas constant Bleibendes, stets unverändert Wiederkehrendes ist. Handelt es sich um eine Eacillenspecies. hei der das Individuum abgestumpfte Enden hat, so kehren diese abgestumpften Enden bei der weiteren Vermehrung der Art stets unverändert wieder; ein Mikrococcus von bestimmter Grosse bildet bei seiner weiteren Vermehrung stets wieder Mikrococcen der­selben Grosse etc. ]\Iit einem Worte: eine jede Bakterienart hat die Eigenschaft der For m con stanz. Oben haben wir schon gesehen, dass während des Theilungsprocesses die Individuen sich verlängern, und dass unter ungünstigen äusseren Verhältnissen sich Formände­rungen, sogenannte Involntionsformen, auszubilden vermögen. Die Eigenschaft der Formconstanz gilt also mir für das Stadium der eben ahgeschlossenen Tbeilung und für im üebrigen normale, günstige äussere Verhältnisse.
Man hat nun. und dieser Standpunkt wird namentlich von Zopf vertreten, gegenüber den Bakterien mit oonstanter Wuohsform auch sogenannte pleomorphe Bakterienarten statnirt. Hierhin gehören besonders die im Wasser vorkommenden Gattungen Cladothrix, Beggiatoa und Crenothrix. Dieselben treten in Fäden auf, welche in ihrer Dicke z. Th. etwa dicken Dacillenarten entsprechen, z. Th. allerdings eine erheblich grössere Dickenausdehnung besitzen. Clado­thrix ist dureb Zweigbildung ausgezeichnet, Beggiatoa zeigt Sohwefel-körnchen im Protoplasma eingelagert. Crenothrix besitzt eine eisenoxyd-haltige Hülle. Alle drei Gattungen zeigen in ihren Fäden einen [ deutlichen Gegensatz von Basis und Spitze; in den Entwickelungs-kreislauf aller drei sollen die verschiedensten Firmen (Stäbchen. Coccen etc.) gehören. Die Koch'sche Schule rechnet diese Gattungen nicht
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1. Allgemoine Klorphologle und Systematik der Baletorlon.
1'.)
zu den Bakterien, sondern zu den niederen Algen.') Auf Tal'. IV. Fig. 20, iiiuli'i man eine Cladothrix (Cladothris diobotomo Cohn?) bei lOOOfaoher Vergrösserung, auf derselben Tafel. Fig. 2;{. oino öelatineplattenoolonie desselben Organismus bei lOOfaoher Ver­grösserung abgebildet.') Taf. IV, Kg. 21, zeigt t'liic Crenothrix8) bei 250faober Vergrösserung; die braunen Eisenoxydbydrat-Einlage­rungen erscheinen auf raquo;lein Pbotogramm dunkel.
') Was speoiell Cladotbrix angeht, so ktuui diese zweigbildende Art logischer Weise schon deshalb nicht zu den Bakterien H'0StL'llt worden, weil wir liak-terlen als „Spaltpilzequot;, als durch Spaltung, durch Zweitheilung (of, oben p, lo) sich vermehrende einzellige Organismen deflniren, eine Zweigbildong aber vor­aussetzen würde, dass sich an der Zweigstelle aus einer Zelle nicht zwei, Sün­dern drei Tochterzellen bildeten, odor aber, dass an dieser Stelle sich ausser der Zweitheilnng eine Sprossung etablirte.
-) Uicso Cladotbrix, welche ich in den letzten Jahren häufig in Berliner Loi-tungswasser angetroffen habe, wachst in Nährgelatine und auf Agar bei Zimmer­temperatur gut, verflüssigt die Gelatine sehr langsam, färbt die Nährböden im Umkreise der Colonien braun,
#9632;#9632;') Diese Crenothrix wurde gelegentlich in Spreewasser geftmden.
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II.
Allgemeine Lebensbedingamgen der Bakterien. Desinfeetion. Sterilisation. Antiseptik. Aseptik.
1/ie Bedingungen, welche vorhanden sein müssen, damit Bakterienwachstlmm ermöglicht werde, sind je nach den verschiedenen Bakterienarten verschieden. Im Allgemeinen ist zunächst ein gewisser Wassergehalt des Nährbodens erforderlich, ohne den ja überhaupt organisches Leben undenkbar ist; ferner erfordern die allermeisten Bakterienarten einen Gehalt des Nährbodens an höheren organischen Verbindungen, da sie ihres Chlorophyllmangels wegen nicht im Stande sind, aus der Kohlensäure der Luft ihren Kohlenstoft'bedarf zu ent­nehmen. Es bilden jedoch, wie bereits oben angegeben, einzelne Arten hierin eine Ausnahme; diese besitzen Chromophyll und vermögen Kohlen­säure resp. Carbonate zu zerlegen. ') Diese wenigen Chromophyll führenden Bakterienarten sind auf Licht angewiesen; für die übrigen Arten jedoch, also für die grosso Mehrzahl der Bakterien, ist das Licht durchaus kein wachsthumsbegünstigender, sondern durchgängig ein waehsthiimsschädigender, und zwar sehr erheblich schädigender Factor.'') Alle Bakterien sind wegen des Stickstolfgehaltes ihres Protoplasma-körpers auf stickstoffhaltigen Nährboden angewiesen; am besten eignen sich als stickstoffhaltiges Xähnnaterial Eiweissstott'e; jedoch scheinen für einzelne Arten selbst die einfachsten Stickstotfverbindungen,
') Hueppe und Eoraeus (60. Vors. Dentsoher Naturf. u. Aerzto. Wies­baden 1887, — Ref, Centralbl. f. Bakt. Bd. ;i. 1888. p. 419) haben die wich­tige Thatsacbe festgestellt, dass bei Bakterien auch eine ^Chlorephyllwirknng ohne Chlorophyllquot; vorkommt. 1). h. es ^iebt ohromophyllfreie Bakterien, welche Ihren Kohlenstoff bedarf dnreh Assimillrung von Eohlensänre (in Form von Ammonium* earbniiat geboten) decken. Wlnogradsky (Ann. de l'Inst. Pasteur 1800) hat eine derartige Bakterienart reinenltivirt lind (wegen Ihrer nitrilicirenden [Oxydation des Ammoniaks] Eigenschaften) als „Nitromonasquot; bezeichnet.
-) of, weiter unten, Sehluss dieses Abschnittes,
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II. AllK'i'iiii'iiii' Lebonsbocllngungon dor Bakterien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 21
Salpetersäure und Ammoniak, als Stiokstoffquellen zu genügen. Die Existenz der sogenannten „Söhwefelbakterienquot; (cf. oben p. 10) ist an die Gegenwart freien Schwefelwasserstoffe gebunden, den diese Organismen durcli einen Oxydatiunsproeess zunächst in Schwefel, dann in Schwefelsäure überführen1); die „Eisenbakterienquot; (cf. oben p. 10) bilden das in ihrer Hülle eingelagerte Eisonoxyd durch einen bei ihrem Lebensprocesse stattfindenden Oxydationsvorgang aus' Elsenoxydul, welches in dem Wasser Ihrer Umgebung- gelöst ist.-)
Bekanntlich sind viele Bakterienarten Krankheitserreger, d. b. sie vermögen, in einen passenden Thierorganismus gelangt, auf Kosten des lebenden Materiales dieses Organismus sich zu vermehren. Man bezeichnet solche Bakterienarten als pathogene oder parasi­tische gegenüber den nicht pathogenen oder saprophy-tisehen Arten, welche nur auf tudtem Materiale leben. Unter den parasitischen Arten giebt es nun solche, die in der Natur, unter ge­wöhnlichen Verhältnissen, nur im Körper des lebenden Thieres resp. bestimmter Thierspecies, nicht auf todtem Materiale, zu gedeihen ver­mögen. Diese bezeichnet man als obligate (strenge, echte) Parasiten gegenüber den facultatlven (gelegentlichen) Pa­rasiten, die sowohl im lebenden Thierkörper wie auch auf todtem Nährboden zu wachsen vermögen. Von den obligat-parasitischen Bak­terienarten lassen sich manche auf bestimmten, künstlich zubereiteten Nährböden eultiviren; bei anderen obligaten Parasiten ist die künstliche Cultur bis jetzt überhaupt nicht gelungen.
Ferner ist die chemische Reaction des Nährbodens für das Gedeihen der Bakterien von erheblichem Belang. Die meisten patho­genen Arten wachsen am besten bei leicht alkalischer Reaction des Nährbodens. Gegen Säuren sind die Bakterien im Allgemeinen mehr oder weniger empfindlich; jedoch verhalten sich, wie in allen übrigen Lebensbedingungen, auch hierin die einzelnen Arten verschieden von einander. Während z. B. der Cholerabacillus schon durch sehr geringe Mengen freier Säure im Nährboden In seiner Entwickelung gehemmt wird, verträgt der Typhusbucillus erheblich grössere Mengen der freien Säure.
Ganz ausserordentllch verschieden verhalten sich die Bakterien zu dem freien Sauerstoff. Viele Arten wachsen nur bei fortwähren­der ungehinderter Sauerstofl'zufuhr (obligate Aeroben), bei anderen wird im Gegentheil durch die geringste Spur freien Sauerstoffs die
') Winogradsky, Bot. Ztg, 1887. No. 31—31 '-) Winogradsky, Bot. Ztg. 1888. No. IT.
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A. Allgomelne
Entwiokelnng sofort sistivt (obligate Anaß rob en), eine dritte Ab­theilung nimmt eine Mittelstellung ein (faoultative Anaöroben). Zu den letzteren, den faoultativen Anaöroben, gehören die meisten l)iitliult;jt'iien Hakteriennrten. Ms giebt über mehrere wichtige pathogene Arten, welche obligate Anaöroben sind.
Von ausserordentlioher Bedeutimg für das Bakterienwaohsthum sind ferner die Temperaturverhältnisse. Auch hier zeigen wieder die verschiedenen Species verschiedenes Verhalten. Zunächst hat jede Art eine untere und eine obere Temperaturgrenze (Tempe-r a t u r m i n i m u m, T e m p e r a t u r m a x i m u m), innerhalb deren über­haupt ein Waohsthum möglich ist. Die günstigste Temperatur für die Vermehrung einer Bakterienart bezeichnet man als ihr T e m p e r a t u r-optimum. im Allgemeinen lindet Haliterienwachstlium statt zwischen Temperaturen von etwa 6deg; C. und etwa 46deg; C. Die Saprophyton wachsen im Allgemeinen hesser bei niedrigerer, die Parasiten besser bei höherer Temperatur. Das Temperaturoptimum für die ersteren liegt gemeinhin um 20quot; herum, das der letzteren bei Körpertemperatur. Einzelne Bakterienarten jedoch fallen bezüglich ihrer Temperaturan-sprüche vollständig aus dem vorstehend gezeichneten Rahmen heraus. Globig'1 hat in den oberflächlichen Bodenschichten in weitester Ver­breitung das regelmässige Vorhandensein verschiedener Bacillenarten nachgewiesen, welche sich bei Temperaturen von 50—70deg; ('. zu ent­wickeln vermögen, und Förster hat Bakterienarten entdeckt, die die Eigenschaft haben, bei 0deg; C. sich zu vermehren. -')
Bezüglich der Bedingungen, welche die Bakterien an den Nähr­boden resp. an die Aussenverhältnisse stellen, ist im Allgemeinen noch darauf aufmerksam zu machen, dass man hei vielen Arten eine all­mählich zu Stande kommende Gewöhnung (Anpassung) an einen der Art Anfangs nicht zusagenden Nährboden resp. an nicht zusagende äussere Verhältnisse beobachtet hat. Besonders bei zahlreichen patho-genen Arten hat man ein derartiges Verhalten constatirt. Ereilich sind damit stets gewisse Aenderungen auch in den Lebensäusserungen ver-
') Zeiteohr, f. Hyg. Bd. 3. 1887.
'-) Centralbl. f. linkt. Bd. 2. 1887. p. 340. — Audi Pisoher (Centralbl. f, Jiakt. Bd. 4. 1888, No. 3) fand, und zwar im Kielet Hafen und Boden, oino Reihe von Bakterienarten, die bei 0deg; C. zu wachsen vermögen. — Fernen! ünter-gnehungen von Förster über den Gegenstand (Centralbl. f. Hakt. Bd. 12. 1892. No. 13) haben ergeben, dass in unserer Umgebung (Wasser, Boden, Strassensohmntz, MUoh etc.) sieh gewöhnlich zahlreiche Keime linden, welche bei (i0 ('. zu gedeihen vermögen; dieselben gehören nur wenigen Arten zn. Sie linden sich nicht etwa mir im Winter, sondern auch im Sommer.
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II. AUgemeino Lobensbadingungen to Baktorlen.
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knüpft, die manohmal den Verlust sehr wichtiger, für die Art ursprüng­lich oharacteristisoher Eigenschaften bedeuteü.
Vorstehend haben wir versucht, die wichtigsten Punkte, auf laquo;lie es für das Bakterienwachsthuni im Allgemeinen ankommt, zu skizziren. Kino jede Art stellt bezüglich jedes einzelnen Punktes ihre besonderen Ansprüche. Sind die Bedingungen l'esp. eine oder mehrere derselben ungünstig, so kommt es auf den Grad des Missverhiiltnisses an bezüg­lich der daraus resultirenden Folgen. Bei minder ungünstigen Ver­hältnissen wird das Waohsthum nur verzögert oder auch inhibirt (Entwiokelungshemmung), die weitere Vermehrungsfähigkeit aber noch nicht aufgehoben; bei längerer Andauer der ungünstigen Verhält­nisse resp, wenn die Qualität der Verhältnisse eine noch ungünstigere wird, kann auch die fernere Vermehrungsfähigkeit endgültig aufgehoben werden (V e r n i c h t u n g).
Was speciell ungünstige Temperatureinflüsse angeht, so ist darüber im Allgemeinen folgendes zu sagen: Setzt man eine Bakterienart Temperaturen aus, die ausserhalb der für ihr Wachsthum noch geeigneten Grenztemperatnren liegen, so tritt zunächst eine Sisti-rung der Entwiokelung ein. Die weiteren Wirkungen sind jedoch ganz verschieden, je nachdem die einwirkende Temperatur unterhalb ties Temperaturminimums oder oberhalb des Temperaturmaximums der Art liegt. Selbst die niedrigsten künstlich zu erzeugenden Temperaturen vermögen im Allgemeinen auch bei längerer Einwirkung die fernere Entwickelungsfähigkeit der Bakterien nicht aufzuheben, während andrer­seits bei Temperaturen von 55deg; bis 60deg; 0. die. vegetativen Formen der Bakterien im Allgemeinen in kurzer Zeit sicher getödtet werden. (Janz anders freilich verhalten sich die Bacillensporen, zu deren Ver­nichtung ganz erheblich höhere Temperaturen erforderlich sind.
Liegen die Bedingungen, und zwar nicht nur die Temperatur­bedingungen, sondern die gesammten Lebensbedingungen, in einem gegebenen Falle zufällig so, dass in jedem einzelnen Funkte die An­sprüche auf das Beste erfüllt sind, so ist das Waohsthum das üppigste, schnellste, das überhaupt möglich ist. Gewöhnlich liegen die Bedingungen aber nicht in allen Punkten so günstig. Fs ist nun in dieser Beziehung äusserst interessant, dass ungünstige Bedingungen des einen Punktes durch günstige eines anderen Punktes compensirt werden können. Zum besseren Verständniss dieser wichtigen Thatsache will ich einige Bei­spiele anführen. Der Cholerabacillus wächst auf geeignetem Nährboden bei Zimmer- sowohl wie hei Brüttemperatur: bei der letzteren wächst er aber stets erheblich besser. Der Cholerabacillus wächst ferner am besten auf einem leicht alkalischen Nährboden; gegen geringste Mengen
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A. Mlgoiueinos,
freier Sflui'e zeigt er sich empfindlich. Bringt man ihn nun auf die (leicht sauer reagirende) gekochte Kartoffel, so wächst er bei Zimmer­temperatur hier nicht; er wächst aber auf diesem Ihm recht wenig zusagenden Nährboden, wenn man denselben in den Brütschrank stellt. Es ist hier also die ungünstige chemische Beschaffenheit des Nährbodens compensirt worden durch die sehr günstigen Temperaturverhältnisse. Etwas Analoges beobachtet man z. 15. auch bei den Milzbrandbaoillen, welche ebenfalls sowohl bei Zimmer- wie bei Brüttemperatur, bei der letzteren aber stets erheblich hesser. gedeihen. Bringt man diese Organismen in eine Nährgelatine (cf. weiter unten), der so viel Sublimat zugesetzt ist. dass 400 000 Theile des Nährbodens 1 Theil Sublimat enthalten, so wachsen hier die Milzbrandbacillen bei Zimmertemperatur (IG—18quot; C.) durchaus nicht. Bringt man die Sublimatgelatine aber in den Brutschrank, so gedeihen nun die Milzbrandbacillen auf ihr. Bei Brüttemperatur (360C.) wirkt entwiokelungshemmend auf Milzbrand­baoillen erst etwa das Zehnfache von demjenigen Gehalt des Nährbodens an .Sublimat, der bei Zimmertemperatur das Waohsthum verhindert C B c b r i n g).
Veränderungen in den Culturbedingungen haben ausnahmslos eine Veränderung auch der Lebensäusserungen zur Folge. Die letzteren können geringfügiger Natur sein, sich auf Aenderung in der Schnelligkeit des Wachsthums etc. beschränken. Sie können jedoch auf der andern Seite auch sehr wesentlicher Natur sein und wichtige Umänderungen in dem gesammten Lebensprooesse der Art bedeuten. So wächst z. B. der Bacillus prodigiosus am besten bei Zimmertemperatur. Er producirt hier auf den Nährböden einen intensiv rotben Farbstoff: Hand in Hand damit geht die Production von Trimethylamin (Geruch nach Heringslakei. Züchtet man den genannten Bacillus bei Brüttemperatur, so bleibt sowohl die Parbstofiproduotion wie auch die Bildung von Trimethylamin vollständig aus. Im l'ebrigen ist das Waohsthum ein sehr gutes bei der Brüttemperatur,
Im Anschluss an die geschilderten allgemeinen Lebensbedingungen der Bakterien möge hier ein Kapitel kurz berührt werden, welches in seinen Grundlagen mit den Bedingungen für das Leben und Sterben der Bakterien auf das Engste verknüpft ist: das Kapitel der Des in­fect ion.
Wenn irgend welche Gegenstände desinfleirt werden sollen, so heisst das .so viel, als: es sollen die an oder in ihnen befindlichen krankheitserregenden organischen Keime getödtet werden, ohne dass. falls die zu desinlicirenden Gegenstände Gebrauchsgegenstände sind, diese selbst erheblich geschädigt resp. unbrauchbar gemacht werden.
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II. Ällgoiüoine Lebensbedingungen der Bakterien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 25
Der letztere Punkt, d. li. die Rücksichtnahme auf die fernere Brauch­barkeit der zu desinlieircnden Gegenstände, ist aber von untergeordneter Bedeutung gegenüber dem anderen Punkte; der Notwendigkeit der endgültigen Vernichtung der pathogenen organischen Keime.
Wir haben bereits gesehen, dnss die Pakterienkeime von sehr verschiedener Resistenz gegen äussere Einwirkungen sind, je nach­dem es sich um vegetative Formen oder um Sporen handelt. Ein Desinfeotionsverfahren, welches allge tn e i n e A a w en db ar keit für jedwede Form von Infectionskrankheit haben soli, muss demnach so eingerichtet sein, dass durch dasselbe die widerstandsfähigsten Sporen, weiche wir bei krankheitserregenden Bakterien kennen, getödtet werden. Handelt es sich um ein Desinfectionsverfahren, welches nur für die Zerstörung ganz bestimmter Krankheitskeime, nur für die einer ein­zelnen Infectionskrankheit, bestimmt ist, so braucht dasselbe natürlich nur auf die specielle Natur der in Frage kommenden Krank­heitserreger Rücksicht zu nehmen.
Ein dem Begriffe der Desinl'ection sehr nahestehender Begriff ist der der Sterilisation; man versteht hierunter das Keimfrei-(Steril-) machen irgend welcher Instrumente, Apparate, Nährböden etc., wobei man nicht speciell an krankheitserregende Keime, sondern an Keime von Organismen überhaupt denkt.
DieTödtung von Bakterienkeimen kann nun hauptsächlich auf zweier­lei Art geschehen: durch hohe Temperaturen und durch chemische .Mittel (Dcsinfectionsmittel). Wenn wir unsere Messer, Scheeren, Platindrähte etc. zum Zwecke der Benutzung bei bakteriologischen Arbeiten keimfrei haben wollen, so werden dieselben in der Flamme des Bimsen quot;sehen Gasbrenners oder in der Spiritusflamme „aus­geglühtquot; resp. bis in die Nähe der Crlühhitze gebracht. Die den Instrumenten anhaftenden Bakterienkeime werden dabei sämmtlich augen­blicklich zerstört. Wenn wir Leichen von Versuchsthieren resp. die in ihnen befindlichen Bakterien unschädlich machen wollen, so ver­brennen wir die Leichen im Ofen. Diese einfachen Manipulationen, bei denen sehr hohe Temperaturen zur Bakterienvernichtung in' An­wendung kommen, sind nicht überall am Platze. Man hat sich des-halb mit niedrigeren Temperaturen zu behelfen gesucht und (frühen mit stark erhitzter (trockener) Luft „desinlicirtquot;.
Die grundlegenden Versuche von E. Koch und Wolffhügel1) haben nun aber gezeigt, dass die trockene heisse Luft ein höchst unzweckmiissiges Desinfectionsmittel ist. Damit alle Bakterienkeime
M Miltli. 11. d. Kais. (Ics.-Amto. Bd. 1. 1881.
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A. AUgemoinei
getödtet werden, ist clreistüncUge Einwii'kung einer Temperatui' von l Kiquot; C. nothwendig, und hierbei werden „fast alle Stoffe, welche der Hitze-Desinfeotion zugänglich sind, mehr oder weniger beschädigtquot;.1) Nichts desto weniger bedienen wir uns in gewissen Fällen auch heute noch der Einwirkung von heisser trockener Luft zum Zwecke der Desinfection, oder besser Sterihsation, wobei aber noch erhehlich höhere Temperaturen als 140quot; C. zur Anwendung kommen, l's geschieht dies, wenn wir im Laboratorium trockene leere Q-lasgefässe oder Metall­instrumente, die ohne Schaden zu nehmen derartigen Temperaturen ausgesetzt werden können, steril, keimfrei machen wollen. Sie werden dann in den Troe keusch ran k oder Heisslnfts t c ril isa t iuns-apparats) gebracht, einen doppelwandigen Kasten von Sclnvarzblech, dessen Inneres mit Hülfe einer untergestellten kräftigen Gasflamme, und zwar durch die den Zwischenraum zwischen den Wandungen durch­streichenden Heizgase der letzteren, in wenigen Minuten auf 160—1700C. erhitzt werden kann. Die Bakterienkeime werden durch derartig hohe Temperaturen in etwa einer Stunde siimmtlich sicher vernichtet.
Viel energischer als die trockene heisse Luft wirkt der heisse Wasser dampf auf Bakterien ein. Die grundlegenden Versuche von E. Koch, Gaffky und Löffler8) haben in dein strömenden, ungespannten Wasserdampfe von 100deg; ('. ein ebenso bequemes, überall leicht anzuwendendes, wie in der Sicherheit seiner Wirkung kaum mit irgend einem anderen vergleichbares Desinfectionsmittel keimen gelehrt.
Die resistentesten Krankheitskeime, welche wir kennen, sind die Milzbrandbacillensporen. Unter diesen giebt es wiederum je nach der Provenienz des Materiales, wie v. Esmarch4) gefunden hat, schwächer und stärker widerstandsfähige.quot;') Die am stärksten wider­standsfähigen .Milzbrandbacillensporen hielten es allerdings in einem einzigen der sehr zahlreichen v. Esmarch'schen Versuche bis zu zwölf Minuten in dem strömenden Dampfe von 100deg; C. aus, ohne ver­nichtet zu werden; die Mehrzahl der Sporen zeigt sich jedoch bereits nach fünf Minuten vernichtet. In dem strömenden Wasserdampfe von
') 1, o. p. 312.
-i Koch, Mitth. ii. (1. Kais. Ges.-Amto. Bd. 2. 1884. p. 17.
0) Mitth. ii. (1. Kais. (ieK.-Amtc Bd. I. 1881.
') Zoitechr. f. Hyg. Bd. 5. 1888.
•') Äehnlioh ist es auch mit andetetu Baktoriemnateriale. Grubei (quot;. Int. Congr. P. Hyg, u. Domogr. London 1891. — Centralbl. f. Bakt. Bd. 11. p. 116) constatirto erhebliche Differenzen in der Resistenz von Staphyloooccus aureus-Culturon vorschiodener Provenienz.
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II. Allgomeine Lebensbpclingungon dor Bakterien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 27
loo0 C. haben wir demnaoh ein für alle Zweoke Her Praxis ge­nügendes, absolut zuverlässiges Deslnfectionsmittel. Die modernen Desinfectionsanstalteni wie sie von Gemeindeverwaltungen zum öffentiiohen Qebrauclxe in den Städten eingerichtet werden, wenden fast anssohliesslich den strömenden Wasserdampf an, Im Laboratorium bedient man sieb für die Zwecke der Desinfection resp. Sterilisation durch Dampf des sog. Dampf topf es, eines mit Filz oder Asbest umkleideten, unten geschlossenen, oben offenen und hier mit einem Deekel versebenen Zinkbleebevlinders, dessen Inneres durch einen im unteren Drittel angebrachten Kost in zwei Abtheilungen eingetheilt ist, von denen die untere zum Tbeile mit Wasser gefällt wird, während die obere zur Aufnahme der zu sterilisirenden Gegenstände dient; das Wasser wird durch die Flamme eines unter den Kupferblecbhodon des Cylinders gestellten starken Gasbrenners in's Kochen gebracht.
Noch erheblich stärker keimtödtend als der strömende, ungespannte Dampf von 100quot; C. wirkt der gespannte Wasserdam p f von höherer Temperatur. Globig') fand bei Gelegenheit seiner Studien über im Erdboden vorkommende, bei hoben Temperaturen wachsende Dacillenarten (cf. oben p. 22) einen eigentbflmlichcii, (lurch rotbe Färbung seiner Colonien ausgezeichneten. übrigens nicht patho-genen Bacillus („rother Kartolfolbacillusquot;), dessen Sporen eine ganz ungewöhnliche Widerstandsfähigkeit zeigen. Die letztere geht bei Weitem über die der Milzbrandbacillensporen hinaus; eine grössere Widerstands­fähigkeit organischer Keime ist überhaupt nicht bekannt.
Diese Sporen wurden im strömenden Dampfe von 100deg; C. erst nach 5'/,,—0 Stunden vernichtet, „ gespannten „ „ 109—113quot; C. lebten sie nach 45 Min. noch, „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;., „ 113—'l 16deg; C. wurden sie in 25 Min. vernichtet,
i2-gt;__123quot; ('nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 10
I 27 0 cnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;-i
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„ „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;130deg; G. „ „ augeublickl. zerstört.
Aus der vorstehenden Tabelle sieht man, dass mit steigender Tem­peratur die Desinfectionskraft des (gespannten) Wasserdampfes zunimmt, und es liegt deshalb sehr nahe, daran zu denken, dass an Stelle der mit strömendem Dampfe arbeitenden Apparate viel besser die mit gc-spanntem Dampfe arbeitenden Apparate (Autoclave, Digester) zu benutzen wären. Zweierlei steht jedoch der allgemeinen Einführung Jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; der letzteren entgegen. Wenn ein Desinfectionsapparat mit gespanntem
') Zoitsohr, f. Hw, lid. 3. 1887.
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•is
A. Allgfltnelnes,
Dampfe arbeiten soll, so setzt dies einen hermetisch versohliessharen Kaum voraus, in welclioin die Dämpfe entwickelt werden. Es ist aber, bevor der genannte Kaum geschlossen wird, unumgänglich nothwendig, dass auch die letzten Spuren atmosphärischer Luft aus demselben ent­fernt werden, dass nur Dampf in ihm enthalten ist, Denn erhitzte Luft ist ein sehr unzuverlässiges Desinfee.tionsmittel, wie wir oben ge­sellen haben, und es würde durch das Zurückbleiben von Luft in dem Apparate der Erfolg der Desinfeotion ein zweifelhafter werden. Der Zeitpunkt aber, in welchem alle Luft entfernt ist, ist gar nicht ganz leicht festzustellen; es erfordert dies jedenfalls ein besonders geschultes Personal. Der zweite Grund, welcher der Einführung derartiger Apparate entgegensteht, ist der der Explosionsgefahr. Zur Aufstellung derselben bedarf es stets besonderer polizeilicher Genehmigung. Beide Punkte kommen nicht in Betracht bei den gebräuchlichen, mit ungespanntem Dampfe von 100quot; C. arbeitenden Desinfectionsapparaten.
Jeder Dampfdesinfectionsapparat sollte so construirt sein, dass der Dampf an der obersten Stelle des Desinfectionsraumes in den letzteren eingeleitet wird, und dass er an der untersten Stelle desselben wieder austritt. Da der Dampf specilisch leichter ist als die atmosphärische Luft, so kommt nur bei dieser Anordnung eine möglichst schnelle Verdrängung der Luft durch den Dampf zu Stande.
Man hat übrigens daran gedacht, ungespannten Wasserdampf von 100deg; ('. über stark erhitzte Metallfläohen streichen zu lassen, um ihm dadurch eine höhere Temperatur zu verleihen, ohne dass dabei seine Spannung eine höhere würde. Solcher ungespannter strömender über­hitzter Dampf verhält sich nun, wie Versuche von v. Esmarch1) gezeigt haben, in seiner keimtödtenden Kraft genau wie erhitzte trockene Luft, d. b. er ist für die Zwecke der Desinfection im Allgemeinen ebenso unbrauchbar wie heisse, trockene Luft.
Die Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens, welche in den Desinfectionsanstalten mit strömendem Wasserdampfe behandelt wer­den, vertragen im Allgemeinen diese Procedur ausgezeichnet. Kleider, Wäsche, Betten. Bücher kommen aus dem Apparate unversehrt hervor. Sie trocknen an der Luft in kürzester Frist und sind dann wieder gebrauchsfähig. Nur Leder macht hierin eine Ausnahme. Leder wird durch die Dampfbehandlung in eine starre, brüchige, absolut unbrauch­bare Masse verwandelt.
Die im Vorhergehenden geschilderten Methoden der Desinfection (larch höhere Temperaturen verwenden Hitzegrade von lOOquot; C. oder
') Zeitschrift f. Hygiene, IM. 3. l^T
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II. All-jriuciiio Lebensbedinffiineen der Bakterien,
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darüber. Gelegentlioli der Bespreohung der Bereitung cllt;'r bakterio­logischen Nährböden werden wir eine Methode kennen lernen, welche eine sichere Sterilisirung für gewisse Zwecke bei erheblich niedrigeren Temperaturen (um o, .r)(iquot; C.) ermöglicht (cf. Sterilisirung des Blut­serums),
An dieserStelle sei das sogenannte Pas te u ri sire n erwähnt. Man verstellt darunter eine, speciell für Milch (und Hier) angewendete, Methode des Ealtbarermachens flüssiger Nahrungsmittel durch kurz­dauernde Erhitzung auf 70 — 75quot; C. und nachfolgende Abkühlung. Selbstverständlich werden vorhandene Spuren durch das Pasteurisiren nicht beeinflusst.
Aussei- durch hohe Temperaturen kann nun eine Sterilisirung oder Desinficimng auch durch chemische Mittel hewirkt werden. Es giebt eine ganze Eeihe von Körpern, welche, in flüssiger Form mit Bakterienkeinien kürzere oder längere -Zeit in Berührung gebracht, die letzteren mehr oder weniger schädigen resp. tödten. Durch grund­legende Versuche E. Koch's1) wurde der Nachweis erbracht, dass solche Korper in Wasser gelost sein mü s sen , damit sie auf die Bakterienzelle einwirken können. Oehge oder alkoholische Lösungen haben eine desinfloirende oder keinitödteiide Wirkung nicht. Koch fand, dass, wie dies für die Desinfection durch Hitze gilt, so auch einem jeden chemischen Desiiifectionsmittel gegenüber sich Dauerfonnen und vegetative Formen durchaus verschieden verhalten. Die letzteren werden stets erheblich leichter vernichtet als die Sporen.
Die vegetativen Formen der Bakterien haben im Allgemeinen die Eigenschaft, dass sie die völlige Wasserentziehung, das Austrocknen, nur kürzere Zeit ertragen. Im Allgemeinen werden Bakteriemvuchs-formen durch wenige Tage langes Trockenliegen resp. durch wenige Tage lang andauernde Wasserentziehung getödtet. Einzelne Species sind ausserordentlich leicht durch Austrocknen zu vernichten. Hierhin gehört z. B. der Cholerabacillus, welcher nach mehrstündigem (etwa dreistündigem) wirklichem Austrocknen2) nicht mehr keimfähig, d. h. todt ist. Die Dauerformen der Bakterien hingegen werden, soweit unsere Prfahriingen reichen, durch auch noch so lange Wasserent­ziehung nicht beeinflusst.
Die Kenntniss dieser Verhältnisse ist nothwendig, wenn man das Verhalten von bestimmten chemischen Mitteln Bakterien gegenüber
') Mitth. a. (I. Knis. (ios.-Amto. Bd. 1. 1881.
'-) Ein wirkliches Austrocknen ist In kürzester Zelt nur dann zu erreichen, wenn die baoUlenLaltige Flüssigkeit In dünnster Schicht angetrocknet wird (z. 1J. am Deckglase).
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A. Alls
zu prüfen bat. Als Kooh1) /.. I!. die Einwirkung von 5proo. Carbolö] (Olivenöl) auf Milzbrandbaoillen (niobt Sporen) studirte) fand er, laquo;lass die Baoillen nacb seobstägigeiu Aufentbalte in dem Carbolöl todt waren. Genau dasselbe Resultat erhielt er mit 1 proo. Carbolöl, genau das­selbe auch mit reinem Olivenöl. Alle diese Körper wirkten, ebenso wie eine 5proo. alkobolisobe Carbolsäurelösung auf Milzbrand­sporen auch bei monatelanger Bertibrung nicht im mindesten ein.'2) Früher schon hatte R. Koch8) nachgewiesen, dass in dünnen Schichten angetrocknete sporent'reie Milzbrandbaoillen durch das Austrocknen in 12 — 30 Stunden ihre Keimfähigkeit verlieren. In den oben geschil­derten Versuchen mit den öligen Flüssigkeiten haben die letzteren also nicht nur nicht irgendwie die Tödtung der Baoillen beschleunigt, sondern sie haben höchst wahrscheinlich sogar etwas conservirend auf die Baoillen gewirkt, da dieselben sich erst nach sechs Tagen abge­storben zeigten. Es ist dies vielleicht dadurch zu erklären, dass die öligen Flüssigkeiten das völlige Austrocknen etwas verzögerten.
Die oben citirten Koch'schen Desinfectionsversuche haben eine Reibe von grundlegenden Daten festgestellt. Koch wies die völlige Un-wirksamlieit von Alkohol, von (llycerin, Chloroform, Schwefel­kohlenstoff, Benzol auf Milzbrandsporen nach. Er fand andererseits, dass frisch bereitetes Chl urw asser, Brom Wasser (2:100), Jod­wasser gute Desinlicientia sind. Dieselben vernichteten Milzbrand-sporen innerhalb eines Tages. Dasselbe that Iproc. wässerige Osmium-säurelösung sowie Iproc. wässerige Kaliumpermanganatlösung Terpentinöl brauchte fünf Tage, 5 proc. wässerige Eisenchlorid­lösung sechs Tage, 2 proo. wässerige S a 1 z s ä u r e 1 ö s u n g zehn Tage, Aether dreissig Tage, um dieselbe Wirkung auszuüben. Besonders interessant waren die Ergebnisse für wässerige Carbolsäurelösungen. Eine Iproc. sowohl wie eine 2 proc. Lösung wirkten nicht mit Sicher­heit auf Milzbrandsporen; eine 3proo. brauchte sieben Tage, eine 4 proc. drei Tage, eine öpi'OO. zwei Tage, um Milzbrandsporen zu vernichten. Die letzteren Zahlen gelten jedoch nicht für Milzbrand­sporen jedweder Provenienz. Nach den oben citirten Ermittelungen von E. v. Esmarch giebt es Milzbrandsporen, welche die Einwirkung
') Mittli. a. d. Knis. Ge8.-Amte. Bd. 1. 1881, p, 251.
-) Wie Teusoher (Zeitsolir. f. Hyg. Bd. 0. 1890, p. 610) gefunden bat, bleiben sein- widerstandsfähige Uilzbrandsporen In reinem crystallisirten Phenol (Car-bolsänre), welohes im Brtttschvanli AUssig gehalten wird, bis zn l'/.. Tagen ent-wlokelungsfilhig.
B) Cohn's Beitr. /. Biol, d, I'll. Bd. 2. Is7n. p, 291.
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II. Allgsmeliie Leboiisbedlngungen der Bakterien,
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5proo. wässeriger Camp;rbolsäurelösiing länger als vierzig Tage ohne Schädigung ertragen.
Als (his mächtigste chemische Desinfectionsmittel ergab sich bei (leu Kocliquot;seilen Versuchen das Quecksilberchlorid (Subli­mat), Durch eine VioP1'00, wässerige Lösung dieses Körpers zeigten sieh Milzbrandsporen innerhalb weniger Minuten vernichtet. Die Milz­brandsporen wurden bei diesen Versuchen, u n 1lt; n r z en Sei d e n f ä d e n angetrocknet, dem Desinfectionsmittel ausgesetzt. Nach gewisser Zeit wurden die Seidenfäden aus der Sublimatlösimg herausgenommen, mit Wasser und (zur Entfernung der letzten Reste des in Wasser schwer löslichen Sublimats) mit Alkohol abgespült und dann zur Untersuchung der Keimfähigkeit auf künstlichen Nährboden oder in den Körper eines für Milzbrand empfänglichen Versuclistliieres ge­bracht. Ein Ausbleiben der Entwickelung von Milzbrandbacillen in den Culturen resp. das dauernde Gesundbleiben des Tliieres wurde als beweisend angesehen für die gelungene Sporenvernichtung.
Später hat jedoch (Jeppert1) gezeigt, dass das Ausbleiben des Auskeimens und der weiteren Entwickelung der Milzbrandsporen unter den geschilderten Umständen nicht jedesmal mit Sicherheit als end­gültige Vernichtung der Sporen aufgefasst werden darf. Geppert wies nach, dass den Sporen, welche mit Suhliinatlösung behandelt, mit Wasser und Alkohol abgespült sind, immer noch geringe Reste von Sublimat anhaften, und dass diese Reste es sind, welche die fernere Entwickelung der Sporen auf den geeignetsten Nährböden verhindern. Durch kürzere oder längere Behandlung der Sporen mit Schwefel­ammonium oder mit anderen Quecksilber ausfällenden Lösungen Hessen sich diese Sublimatreste aus den Sporen entfernen, und dann waren die Sporen wieder fähig, auf künstlichen Nährböden oder im Thier-körper auszukeimen, d. ii. Culturen zu bilden resp. Infection zu veranlassen. Die Versuche von Geppert haben gezeigt, dass im Durchschnitt eine 20 Stunden lange Einwirkung der '/hi proc, Subli­matlösung auf die Milzbrandsporen erforderlich ist, um dieselben so weit zu schädigen, dass sie (nach erfolgter Ausfüllung des Sublimats) keine Infection mehr veranlassen. Die so geschädigten Sporen geben aber immer noch zu Culturen auf künstlichem Nährboden Veranlassung. Erst nach drei Tage langer Beeinflussung der Sporen durch die Subli-matlösung erlischt die Eähigkeit der Auskeimung auf künstlichem
') Berl. klin, VVocb, 1880, X.
36, 31
Deutsche raed. VVoch, 1891,
No, 37,
A
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32
A. Alls
Nährboden.1) Q-opport stellte übrigens seine Versuche aioht mit Seidenfäden, an denen Sporen angetrocknet sind, an; diese Seidenfäden setzen dem Eindringen lies Desinfeotionsmittels immer einen .gewissen Widerstand entgegen : er stellte sieh vielmehr eine dünne Ani'sehwem-
mung isolirter Spuren in Wasser dar und schuf dadurch die denkbar günstigsten Bedingungen für die Einwirkung der Desinfectionsflüssig-keit auf die Sporen.
Sublimatlösungen sowohl wie Carbolsäurelösungen gewinnen durch
Zusatz von Säuren ganz erheblich an keimtödteiuler Kraft. Ausser-dom hat der Zusatz von Säure (1/90/0 Salzsäure oder Weinsäure) zu Sublünatlösungen noch den Vortheil, dass sich die letzteren seihst bei Benutzung gewöhnlichen Wassers dauernd unzersetzt halten. was ohne diesen Zusatz nur hei Anstellung der Flüssigkeit mit reinstem destillirtem Wasser und Aufbewahrung im Dunkeln der Fall ist. Statt der Säure kann auch Kochsalz als Zusatz genommen werden.'-')
Die sogenannte rohe Carholsii ure, ein in Wasser unlösliches Gemisch verschiedener Phenole, harziger Stolle und anderer Körper, vermochte Laplace1') durch Vermischen mit roher Schwefelsäure in eine wasserlösliche Substanz („rohe Soh wefe 1 carbolsäu requot;) überzuführen, die sehr erhebliche desinllcirende Eigenschaften hat. C. Fraenkel4) hat gefunden, dass diese Eigenschafton noch wesent­lich zunehmen, wenn die Mischung nicht, wie es Laplace that, bei höherer Temperatur, sondern im Gegentheil unter energischer Abküh­lung durch Eis, vorgenommen wird. In der resultircnden Flüssigkeit sind durch den Säurezusatz die höher (hei 185 — 205deg; C.) siedenden Homologen des Phenols, die Methylphenole oder Kresole, welche in der rohen Carbolsäure in unlöslichem Zustande vorhanden waren, wasserlöslich geworden; diese Körper, die Kresole, sind mit ganz hervorragenden keimtödtenden Eigenschaften ausgestattet.
An dieser Stelle mag auch das englische (Pear son'sehe, J e y e s 'sehe) C r e o I i n erwähnt werden, welches ein Gemisch von Seife, Kohlenwasserstoffen, Pyridinen und Phenolen ist, und welches unter Umständen, nämlich wenn es in eiweissfreien Lösungen auf Bakterien­keime einwirkt, ein vortreffliches Desinfectionsmittel ist (B eh ring).
') Wie weit für dieses Stadium tier Sporenschädigung „der bisher Übliche Be­griff der Abtödtangquot; zutrifft, Ittsst Qeppert dahingestellt.
-) d'. Angerer, Centr. f. Cliir. 1887. Nu. 7. — La place, Deutsche med. Wueh. is^7. No. 40, — Michaelis, Zeitschrift für Byg, Bd. 4. 1888.
8) Deutsche med. Woch. issjs. No. 7.
') Zeitschr. f. Hyg. Bd, 8. 1.889.
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II. AUgenieine Lebensbedingungen der Bakterien.
88
Das Lysol1)) laquo;in Präparat, welches wasserlöslich gemaobte Kresole2) ciithiUt, ist dem Oreolin an deslnflolrender Kraft noch überlegen (Schottellus8), Ger lach*)).
Als brauchbares Desinfeotlonsmlttel hat sich ferner der Aetzkalk herausgestellt! niimentlich für Faeces, für Abortgruben verdient der­selbe Empfehlung (Pfuhl).
Schimmelbusch erkannte in der kochenden Iproo. wäs­serigen SodalöSUQg ein äusserst kräftig wirkendes Desinfections-tnittel; dasselbe zerstört sehr resistente Milzhrandspuren in 2 Minuten.5)
Gasförmige Desinfectionsmittel haben sich im Allge­meinen nicht als zuverlässig erwiesen.
Wenn wir hier die wichtigsten chemischen keimtödtenden Mitte! kurz betrachtet haben, so wollen wir andererseits darauf verzichten, die vielerlei anderen chemischen Körper, welche auf ihre keimtödtenden Eigenschaften untersucht worden sind, zu berühren.quot;) Es sei aber auf eine Reihe wichtiger prinoipieller Punkte hingewiesen, die bei früfung chemischer Körper auf ihre desinficirenden (bakteriensohädigenden)Wirkungen zu beachten sind.7) Zu­nächst kommt es sehr an auf die chemische Beschaffenheit des Desinfectionsobjectes, d. h. des Mediums, in welchem das Mittel auf die Bakterien einwirkt. Wie Be bring fand, werden z. B. Milz-brandbacillen, die in Wasser verthoilt sind, schon in wenigen Minuten durch einen Sublimatgehalt von 1:500000 sicher getödtet, in Bouillon erst durch einen Gehalt von 1:40 000, während in Blutserum, wenn die Dcsinfection in wenigen Minuten erfolgen soll, ein Sublimatgebalt von I 12000 noch nicht immer ausreicht. Beer8) fand, dass bei ein­zelnen Bakterienarten die Widerstandsfähigkeit gegen Desinfections­mittel eine verschiedene ist je nach der chemischen Reaction des Mediums, in welchem sie sicli belinden. Ferner gilt der Desinfec-tionswerth, den ein bestimmtes Mittel der einen Bakterienart gegen­über besitzt, durchaus nicht ohne Weiteres für das Verhalten des Mittels gegen jede beliebige andere Bakterienart. Ferner kommt es,
') Erzeuger: Schülko amp; Muyr, Hamburg.
-) Dur Vcrlalirou dor Darstellung steht unter Patentschutz.
3) Miinch. mod. Wneh. 1890. No. 19, 20.
') Zelteohr. f, Hyg. Bd. 10. 1801.
6) Arb. a. d. chir. Klin. d. K. Univ. Berlin. 6. Tlieil. 1891. p. 7b.
quot;) Eine aiisfiilniiehe Darstelhmg des derzeitigen Standes der Frage der üosin-l'oetion dureli ehemiselio Mittel findet man bei Bell ring (Zoitsehr. f. Hyg, Dd.!raquo;. 1890).
') In den naobfolgenden Zeilen lehne ieh mich an die eben eitirte Arbeit I! eil ring's an.
s) Zeltsohr. f. Hyg. Bd. 9. 1890.
QüntheV, Baktoriologio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ',\
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iu
A. Ailfiremeinos.
wie ilas bereits aus don o))oii (p. 30) citirten Koch'schon Dosinloc-tionsuntersuohungen hervorgeht, an auf die Dauer der Einwirkung des Deslnfeotionsmittels. Je kürzere Zeit ein Mittel einwirkt, in dostraquo; stärkerer Lösung muss es vorhanden sein, damit derselbe Effect er­zielt wird. Ein weiterer, aiisserordentlich wichtiger Punkt ist, wie A. Heule') gefunden bat, die Temperatur, bei welcher das Des-inliciens einwirkt. Je höher die Temperatur, um so energischer der Desinfectionsott'ect.-) Auch kommt es, wie zuerst (unabhängig von einander) Büchner8) und Nissen1) betont haben, auf die Zahl der Bakterienzellen an. welche im gegebenen Falle abzutödten sind. Eine griissere Anzahl orfordert eine grössore Menge des Mittels. Ferner muss man die Prüfung auf die eventuell erfolgte Ab-tödtiing der Bakterien, oder, was dasselbe ist, die Prüfung, ob ihre Keimfähigkeit erhalten geblieben ist, einwandsfrei einrichten. Es kommt vor. dass Bakterien, die der Einwirkung eines Mittels unter­worfen wurden, bei der nachfolgenden Prüfung ihrer Entwickelungs-fähigkeit, wenn dieselbe bei einer der Art weniger zusagenden Tempe­ratur vorgenommen wird, nicht wachsen, während sie dagegen sofort sich weiter entwickeln, wenn sie in möglichst günstige Temperaturver­hältnisse gebracht werden. Man muss deshalb die Prüfung stets bei dem Temperatur optimum der zu dem Versuche benutzten Bak­terienart anstellen. Endlich hat Grub er5) darauf aufmerksam ge­macht, dass (da nach der Einwirkung des Desinfectionsmittels die Auskeimung häufig verlangsamt ist) es nothwendig ist, die Be­obachtungszeit bei der Prüfung der event, erhalteneu Keimfähigkeit möglichst lange auszudehnen.6)
Es sei noch auf eine interessante allgemeine Beziehung hinge­wiesen, die zwischen der Giftigkeit chemischer Körper für Bakterien und ihrer Giftigkeit für den tbierischen Organismus zu bestehen scheint.
') Arch. f. H.vg. Bd, lt. 1889.
-) Heider (Contralbl. f. Bakt. Bd. 9. 1891. p. 221 und Arch, f, Hvg. Bd, Iquot;). IsO'i) tlicilt mit. dasa MUzbraadsporen, die durch 36tägige Einwirknng von ßproo. CarbolwasSei' bei Zimmertemperatur nicht verniobtet wurden, bei 55deg; C, in 1—2 Stunden durch dasselbe Desinfectionsinittel zerstört wurden. Bei 75quot; ('. waren :i Minuten erforderlich; Sproo. Carbolwasser tödtete dieselben Spuren bei dieser Temperatur in lö Minuten. I proc. Carhohvasser in 2—2l;.j Stunden.
:i) Centralbl. f. Bakt. Bd, 6, 1889. p, 10.
') Zeitsohr, f, Hyg. Bd, 8, 1889, p. 496,
'') 7. int. Congr. f. Hyg. u, Demogr, London 1891,
quot;) So sail (i i'u her Milzbrandspuren, die 24 Stunden in '/lOpKH3, Sublimat-lösung gelegen hatten. manohmaJ erst nach 7 Tagen auskeimen, obwohl sie im Uebrigen weiter nicht geschadigt und insbesondere noch vollvirulent waren.
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II. ÄUgemeine Lebensbedingungen ilor Balcteden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 35
Be bring1) fand für eine ganze Anzahl von bakteriensehädigenden (antiseptischen) Stoffen, dass die tödtlicho Dosis derselben für ein Kilo Kaninchen oder Maus ziemlich genau ein Sechstel beträgt von derjenigen Dosis, welche in einem Kilo Blutserum das Wachsthuin der Milzbrandbacillen verhindert. B eh ring nennt diese Beziehung die „relative Giftigkeitquot; und sagt: die relative Giftigkeit von lt;'arbolsäure, Sublimat, Jodtrichlorid, Creolin u. s. w. ist gleich (3. Fin­den thierischen Organismus ungiftige Antiseptica werden sich wohl kaum auffinden lassen.
Allgemein bekannt ist die grosse Bedeutung, welche die Verhält­nisse, die bei der künstlichen Vernichtung der Bakterien, speciell der Vernichtung durch chemische Mittel, in Frage kommen, für die operative Medicin, für Chirurgie und Geburtshülfe haben. Der moderne Chirurg kommt relativ seltener in die Lage, antiseptisch vorgehen zu müssen; dagegen ist es stets seine erste Sorge, „aseptischquot; zu arbeiten, d. h. mit keimfreien Fingern, keimfreien Instrumenten, keim­freien Verbandstoffen zu operiren. Für bring er'-'), welcher sich bemüht hat, ein möglichst sicheres Verfahren zur Desinfection der Hände zu finden, wendet nach einander, je eine Minute lang, an: Seife mit Bürste und warmem Wasser, Alkohol (mindestens 80 procentig), 2promill. Sublimatlösimg. Diese Methode hat bereits eine grosse Verbreitung gefunden. — Die Verbandstoffe werden jetzt meist im strömenden Wasserdampfe sterilisirt und in dadurch geschaffenem keimfreien Zu­stande ohne Zusatz antiseptischer Substanzen verwendet. Zur Sterili-sirung chirurgischer Metallinstrumente verfährt man nach Ermittelungen von Schimmelbusch3) am besten so, dass die In­strumente zunächst mechanisch sorgfältig gesäubert, dann in 1 proc. wässeriger Sodalösimg (cf. oben p. 33) 5 Minuten lang gekocht werden. Die so sicher sterilisirten Instrumente werden bis zum Gebrauch in eine wässerige Lösung gelegt, die 1 0/0 Soda und 1 % Carbolsäure enthält.
Am Schlüsse dieses Kapitels wollen wir noch auf die mächtigen Wirkungen hinweisen, die dem Lichte') den Bakterien gegenüber zukommen (cf. p. 20). Durch direct es Sonnenlicht werden Milz-
') cf. Zoitschr. f. Hyg. Bd. 6. 188raquo;. p. liöff.
-) Untersuchungen und Vorschriften über die Dosinfectiou der Hände des Arztes etc. Wiesbaden. 1888.
^ Arbeiten a. d. clür. Klinik d. K. Univ. Berlin. B, Tlieii. 1891, p. 46ff.
') Die Literatur über diesen Gegenstand findet man bei Kaum (Zeitsöhr. f. Hyg. Bd. t;. 1889), ferner bei Janowski (Centralbl. f. Bakt. Bd. 8. 1890. p. 167 ff.),
3*
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3(gt;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. AUgemelnes.
brandsporen in Bouillon binnen wenigen Stunden vernichtet (Arloing)lt; Aber auch das zerstreute Tageslioht hat deutlich baktorien-SOhädigende Eigenschaften.') Culturen der Tnberkclhacillen sterben, wenn sie dicht am Fenster aufgestellt sind, in 5—7 Tagen ab (Koch-). Unter den das weisse Licht zusammensetzenden Strahlen scheinen be­sonders den blauen und violetten'1) bakterienschädigende Eigenschaften zuzukommen.
In den letzten Jahren ist auch mehrfach über bakterienschädigende Wirkungen dor Electricität berichtet worden.')
') Eine hübsohe Methode, den sohädlgenden ÜHnfluss des Lichtes zu demon-striivn (theilweise Belichtung diohtbesäeter Agarplatten) hat kürzlich H. Büchner (Centrnlbl. f. Bakt. Bd, 12. 1892. No. 7/8) angegeben,
-) lo. Internat, medic. Congress. Berlin isiio.
8) Neuerdings sah 0eisler (Centralbl. f. Hakt. Bd. 11. 1802. p. 172), mul zwar bei Vorsuchen mit Typbusbaoillen, die in Nährgelatine gezUohtet wurden, dass der entwiokelungshemmende Einflass des Lichtes nm so grosser war, je kurz­welliger, brechbarer die einwirkenden Strahlen waren. Den grössten Einfluss hatten die ultravioletten, den geringsten die rothen Strahlen.
') Die Literatur über diesen Gegenstand siehe hei Spilker und üottstoiu (Centralbl. f. Bakt. Bd. 9. 1891. No. 3/4) sowie bei S. Krüger (Zeltsohr. f. klin. Med. Bd. 22. 1893).
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III.
Allgemeine Lebensäusserungen der Bakterien.
-Dci dem Wachsthum und der Vermehrung der Bakterien treten eine grosse Reihe von Erscheinungen zu Tage, die sämmtlich in letzter Linie darauf zurückzuführen sind, dass durch den Lebensprocess der Bakterien die oomplicirten Verbindungen, aus denen der Nährboden zusammengesetzt ist, in einfachere übergeführt werden. So wie aber eine jede einzelne Art ihre eigenen speciflsohen Lebensbedingungen hat, SO sind auch die Processe, welche mit dem Bakterien wachsthum verknüpft sind, und die Erscheinungen, welche durch dasselbe veran-lasst werden, die Lebensäu sserungen, für die einzelnen Arten verschieden.
Was die chemischen l'rocesse betrifft, die bei dem Wachs­thum der Bakterien in die Erscheinung treten, so können hierbei (als S t o f f w e c h s e 1 p r o d u c t c) die einfachsten chemischen Verbindungen gebildet werden; Kohlensäure, Wasserstoff, Methan. Schwefelwasserstoff1),
') Nach Untersuohungen von Petri und Maasscn (Ontralbl. f, Hakt. Bd. I I. ISit'i. No. 9/10) sowie nach Untersuchungen von Stagnitta-Balistreri, die im Bubner'sehen Institut ausgeführt wurden (Arch. f. Hyg. Bd. ](gt;. 1802), ist die Sohwefelwasserstoffbildung eine weit verbreitete Eigenschaft der Bakterien. Stagnitta constatirte, dass die Zusammensetzung des Nährbodens von wosenüiohei Bedeutung bezüglich dos Zustaiulekoniniens der Sdhwefelwasserstoifbildung und bezüglich der Quantität des gebildeten Schwefelwasserstoffs ist. Rubner (Arch. f. Hyg, Bd. 16. I sifi) hat nachgewiesen, dass der zur Bildung des Schwefelwasserstoffs nothwendige Schwefel ganz allgemein aus organischen Schwefelverbindungen .des Niilir-bodens entnommen wird. (Auch der für den Aufbau der Körpersubstanz der Bakte­rien nothwendige Schwefel wird nach Rubner's Ermittelungen (1. c.) ganz allge­mein organischen Schwefelverhindungon entnommen). — Der Nachweis der Sohwefel­wasserstoffbildung bei Bakterienculturen wird sehr bequem durch Einhangnng eines mit Bleizuokerlösung getränkten FUesspapierstreifchens In das Culturgefilss geführt. Bei Sohwefelwasserstoffentwiokelung tritt Schwärzung (Bildung von Schwefelblei) ein (cf. Schrank, Wien, med. Jahrbücher. 1888. p. 313). Fromme (Dias. Marburg 1891, — Ref. Centralbl. f. Bakt. Bd. 12. p. 274) stellt sich behufs des Schwefel-wasserstoffnachweises eine Eisengelatine her (Zusatz von 3deg;/,, Eisentartarat oder Eisensaccharat zu Nührgelatine). Dieser Nährboden zeigt durch Scbwarzlarbung (Bildung von Schwefelelsen) Sohwefelwasserstoffbildung an.
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as
A. Allffcuioinos.
Ammoniak u. dgl. Ferner kommt es bei den Zersetzungen des Nähr­bodens zur Bildung der verschiedenartigsten Fermente1) oder Enzyme. So giebt es Bakterienarten, welohe diastatische Fermente bilden (d. h. solche, die Starke in Traubenzucker umwandeln); andere bilden invertirende Fermente (Umwandlung von Rohrzuoker in Trauben­zucker); andere Bakterienarten bilden peptonisirende Fermente, d.h. solche, die geronnenes Eiweiss, erstarrte Gelatine lösen (peptonisiren); andere Bakterien bringen durch Production von Lab ferment Milch zur Gerinnung (AusfiUlung des Caseins).
Ferner werden durch Bakterien die verschiedenartigsten G ä b -i'ungen8) zu Stande gebracht. Unter Gährung versteht man die Zerlegung organischen Materials unter Gasentwiokelung. Eine Anzahl von Arten vergährt Zucker unter Bildung von M i 1 c h s ä u r e:1) (M i I c h -säuregfthrung); andere vergähren Stärke und Zucker unter Bildung von B u 11 e r s ä u re (Buttersäu r egäh r u n g); bei den beiden Arten der Gähl'ung wird zugleich Kohlensäure, bei der Buttersäuregährung ausserdem Wasserstoff gebildet. Weitere Arten der Gährung sind die besonders in Wein auftretende sohleimi ge oder Man n 11 gähru ng, welche durch Bildung einer fadenziehenden, schleimigen Gummiart und von Mannit und Kohlensäure aus Traubenzucker characterisirt ist; ferner die Essi ggährung (Verwandlung des Aethylalkohols durch Oxydation in Essigsäure). Ferner ist hier zu nennen die ammonia-kalische Harnstoffgährung (Spaltung des Harnstoffs in Kohlen­säure und Ammoniak).
Zu den Gährungen gehören auch die verschiedenartigen Fäul­nis sprocesse4), d. h. die Zersetzungen stickstoffhaltiger organischer Massen unter Entbindung stinkender Broducte (Ei wei ssgährnng). Im Allgemeinen hat man zwei verschiedene Arten der Zersetzung der complicirten stickstoffhaltigen organischen Verbindungen, der Eiweiss-stoft'e, durch Bakterien zu unterscheiden. Die eine ist die Fäulniss, die andere die Verwesung. Die Fäulniss (unter der wir. wie eben gesagt, die Zersetzung des Eiweissmoleküls unter Auftreten stin­kender Producte verstehen) findet fast immer unter Ahschluss von
') of. Flügge, Die Sükroorganismen. 2. Aufl. Leipzig IhMi. p, 466ff,
-) of. Flügge, 1. c p. 483fV.
a) Neueki (Centralbl. f. Bukt. Bd. 9. 1891. p, 364) hat darauf auftnerk-sam gemilcht, dass von (lili'crcntcn Bakterienarten diflerente (isomere) Milclisiimvn gebildet werden können, und dass die durch diese Isomerlen bedingten physikalisohen und clieniischeii Unterschiede unter Umstanden zur DifFerentialdiagnose einander iilin-licher Spaltpilzarten benutzt werden können.
') ef. Flügge, 1. c. p. 493ff.
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111. AUgemelne LebensäusBerungeu dar Bakterleuinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Hfl
S im erst uff1) statt. Sie wird bedingt durch den Lcliensprocess lt;in aerober Bakterien, sie stellt einen Re duct ionsproe ess quot;^ dar. Im Gegensatz dazu bildet die Verwesuno- einen Oxvdations-prooess8); sie findet statt unter der Mitwirkung von atinos|iMiiscliem Sauerstoff.
Die Fäulnissprocesse gehen selbstverständlich um so schneller vor sich, je günstiger die Temperaturverhältnisse für das Wachsthum der betheiligten Bakterien liegen. Man kann deshalb Objecte (Fleisch etc.), welche, leicht in faulige Zersetzimg übergehen, durch Halten bei nie­driger Temperatur einigermassen conserviren. Dass aber selbst bei J)0 C. Fftulniss stattfindet (wenn auch relativ langsam) hat Förster, dem wir (of. oben p. 22) die Entdeckung bei 0deg; wachsender Bakterien­arten verdanken, nachgewiesen.4)
Bei der Fäulniss werden nie so einfache Verbindungen ge­bildet wie bei der Verwesung, aus der schliesslich die allereinfachsten anorganischen Verbindungen, Nitrate, Sulfate, Kohlensäure, hervor­gehen.
Pasteur, welcher diese Vorgänge bekanntlich zum Gegenstande unifassender, grundlegender Untersuchungen gemacht hat, hat dadurch zuerst Aufklärung gegeben über die wichtige allgemeine Rolle, die den Bakterien in dem Haushalte der Natur zugewiesen ist. Das organische Leben producirt fortlaufend Massen von complicirten stickstoffhaltigen Verbindungen. Den Bakterien fällt die Aufgabe zu, diese complicirten Verbindungen in einfachere, in einfachste, anorganische, für die höhere Pflanzenwelt assimilirbare Verbindungen überzuführen; die Pflanzenwelt sorgt dann ihrerseits im Verein mit der Thierwelt wieder für den Auf­bau des complicirt zusammengesetzten Eiweissmoleküls aus diesen ein­fachsten Verbindungen. So dienen die Bakterien als Vermittler orga-
') In Ausnalunofiilloii können uueb bei Saucrstoffanwesciihoit stin­kende Productc bei dor Zerlegung dor Eiwcisskiirpor durch Bakterien entstehen,
'-) Nach Bcbring sind mit der .stinkenden Fäulniss stets Bednotionsprocesse verbunden.
') Bei der Verwesung beerdigter Kör|iertbeile im Boden kommt es zu erbeb-liclien Temperatursteigenmgen im Innom der verwesenden (resp. faulenden) Organe, die besonders dann betriicbtlicb werden, wenn es sieb um Organe bandelt, die von (gewissen) Infoctionskrankheiten herstammen, (ef. Scbottelius, Ceutralbl. f. Bakt. Bd. 7. 18(10. No. 9j Karlinski, ebenda, Bd. it. 1801. No, i.-!.)
') Centrnlbl. f. Bakt. Bd. 12. 1892. p, 434. In riciscbbroi, welcher bei uquot; C. gebalten wurde, fand Förster nacb 16 Tagen (neben unzähligen Bakterien) etwa ebensoviel Zersetzungsprodue.te wie in dem gleichen l'Ieisehe, welches (i—7 Tage bei 7—9deg; C. oder 2 Tage bei Zimmertemperatur gehalten worden war.
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40
A. All
(romeinoB,
uisoben Sterbens und Lebens; (lurch ihre Mitwirkung wird es ermöglioht, dass die organische Welt im Gleiohgewiohte bleibt.
Von ganz besonderer Bedeutung sind die gesohüderten Verhältnisse für die Landwirthsobaft. Wenn das Fold gedüngt ist, so müssen die OOmpliolrten organischen Verbindungen, welche der Dünger enthält. zunächst durch einen durch Bakterien bedingten Verwesungsvorgang in die einfachsten, für die Pflanzen assimilirbaren Verbindungen über­geführt werden. Dies Icann. wie erörtert, nur unter Sanerstott'zutritt geschehen; und es ist deshalb eine Auflockerung des Erdreiches resp. eine grobporige IJodenbeschafl'enheit erforderlich, damit nicht nur an der Oberfläche des Bodens, sondern auch mehr in die Tiefe hinein der Sauerstoff Zutritt hat. Ein gewisser Wassergehalt des Bodens ist zum Zustandekommen der Verwesungsprocesse natürlich erforderlich: denn ohne Wasser können Bakterien nicht wachsen; ein zu grosser Wassergehalt aber würde die Bodenporen verschliessen und die Ent­stehung von Päulniss im Boden bedingen.!) Der wichtigste Theil des Verwesungsvorganges im Boden wird durch die sogenannte „Nitrifi­cationquot; dargestellt. Man versteht darunter die Oxydirung des (or­ganischen) Stickstoffs resp. Ammoniaks zu Salpetersäure. Schlösing und Müntz wiesen (1877) zuerst nach, dass die Nitrification im Boden von der Lebensthätigkeit organischer Wesen abhängig ist. Nach Wino-gradskyquot;) setzt sich der Nitrificationsprocess ans zwei verschiedenen Perioden zusammen, nämlich 1) der Periode der Nitritbildung und 2) der der Nitratbildung. Jede Periode spielt sich ab unter dem Ein­flüsse speeifischer, für die beiden Perioden verschiedener, organisirter Fermente (Bakterien). Die Entwickelung und Wirkung der Nitritbildner (ferments nitreux) ist auf Gegenwart von Ammoniak angewiesen: diese Organismen oxydiren das Ammoniak zu Nitrit. Die Nitratbildner (ferments nitriques) können in Gegenwart von Ammoniak nicht exi-stiren; sie oxydiren Nitrite zu Nitraten.quot;)
Die chemische Reaction des Nährbodens wird durch Bakterien-
') of, E, Wollny, Ueber die Beziehungen der Mikroorganismen zur Agi'ioultnr. Centr. f. Bukt. JW. l. 1887, No. 16—16.
-) Ann. de l'Inst. Pasteur. 1891. p, 699.
;') Die künstliche Beinztlohtnng der „Nitrobakterienquot; gelingt nach VVino-laquo;radsky (Ann. de l'Jiist. Pastenr. isiil. No. 2) auf einom festen Nährboden, welcher aus einer Lösung von Wasserglas (Natriuinsilioat) unter Zusatz verschiedener Salze hergestellt wird. — Die Kieselsäure als Nährboden fttr Mikroorganismen wurde! zuerst von AV. Kühne (Zeltsohr. f. Biol. Bd. 27. I8110) angegeben, Siehe über die Bereitung derartiger Nährböden auch Sloskin (Centralbl, f. Hakt. Bd. 10. 1891, No. 7).
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Hl. Äilgemelne Lebsnaftusserungeo der Bakterien.
41
wachsthum fast stets geändert. Man kann danach die Bakterien in solche cintbeilen, welche Säuren, und in solche, welche Alkalien produciren.')
Unter den chemischen Kür|iern. welche (als Stoffweohselproducte) bei dem Lebensprocesse der Bakterien entstehen, nehmen eine beson­dere Stellung ein die sogenannten Fäulnis8alkaloide, oomplioirte stiokstoffhaltige Verbindungen basischer Natur, die zum Tbeil giftig, zum Theil ungiftig sind. Diese Körper werden (nach Selmi) als „Ptomainequot; {tticd/uc = Leichnam) bezeichnet, da sie zunächst nament­lich in gefaulten Leichentheilen gefunden wurden. Nencki war (187(5) der Erste, welcher einen derartigen Körper in reinem, krystallinischen Zustande darstellte und seine chemische Zusammensetzung ermittelte. In der Folge hat sich um die Erforschung dieses Gebietes besonders L. Brieger verdient gemacht. Eine ganze Reihe von Körpern, welche hierher gehören, sind von Hrieger sowohl aus künstlichen Culturen bestimmter (meist pathogener) Bakterienarten wie auch aus Thier-organismen, welche mit bestimmten Bakterienarten inlicirt waren, dar­gestellt worden. Für die giftigen Ptomaine hat Brieger den Namen „Toxinequot; eingeführt. Eine Gruppe anderer giftiger Stofl-wechselproducte pathogener Bakterienarten, welche keine Alkaloide, sondern Ei weissk örper sind und als Toxalbumine bezeichnet werden, haben Brieger'-') und C. Eraenkel entdeckt.
Die genannten giftigen Stoil'wechselproducte spielen eine wesent­liche Bolle bei jeder durch Bakterien veranlassten Infectionskrankheit. Auf die durch sie bedingte Intoxication des thierischen Organismus sind namentlich die allgemeinen klinischen Symptome, welche bei In-fectionskraniviieiten beobachtet werden, zu beziehen. Wir werden dieses Gebiet weiterhin noch zu betrachten haben.
') cf. J. Petrusohky, Bakterlo-ßbemisohe Untersuchungen. Cente. f. UM. Bd. 6. 1880. No. 23—24, Bd. 7. 1890. No. 1—2. Der Autor stellte seine Untersnohnngen an einer neutralen Laoktnusmolke (mit Lackmus gefärbtes Milch-serum) an. (Dor Laokmusäusatz zu bakteriologisohen Nährböden behufs Erkennung der Aeqderung der ohemisohen Reaction des Nährbodens ist von H. Büchner [Aroh. f. Hyg. Bd. :f. 1886] zuerst angegeben.) Es kommt bezüglich dor unter dorn Einflüsse von Bakterienwaolisthutn sich ausbildenden Reaction die ursprüngliche Zusammensetzung dos Nährbodens sehr in Betracht. Kleine Mengen von Traubenzucker im Nährboden geben häufig, auch bei alkalibildenden Bakterieuorton, zu einem primären Auftreten von freier Säure Veranlassung. (Behring, Zeitschi'i i'. Hyg. Bd. 7. issit. p. 178.) Auf den gewöhnlichen, mit Peptonbouillon her­gestellten, zuokcrfroieii Nährböden bilden von bekannten Arten nur der Milzbrand-baoiUus, der Miorooocona tetragonus, der Wurzel- und der HeubaciUus Säure, die übrigen Alkali (v, Sommaruga, Zeitschr. (. Hyg. Bd. 12. 18(12. p. 277. 278).
raquo;) Berl, klln. Wooh. isiio. No. 11—12.
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42nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A., Allgemeines,
Es ist aber hier gleich zu bemerken, dass bei dem Wachsthuni der Bakterien nicht nur giftige Stoffwechselproducte, sondern auch andere giftige Körper entstehen. Es sind dies solche Körper, welche sich nicht wie die Stuftwechselpruducte ansserhalb der Bakterienzellen in den Nährsubstraten gelost belinden, sondern die im Innern der Bakterienzellen selbst vorhanden sind, ohne Zweifel einen wesentlichen Theil der Zelle ausmachen und gewöhnlich nur durch ganz besonders eingreifende chemische Manipulationen (durch die die Zelle jedesmal abgetödtet wird) aus der Zelle extrahirt werden können. Man bezeichnet diese (eiweissartigen) Körper als „Bakte­rienproteine.quot;
Zu den Lebensäusserungen der Bakterien gehört auch die Pro­duction von Farbstoffen (of. oben p. 9), welche z. Th. von ausser-ordentlicher Schönheit sind. Man nennt die Farbstoft' producirenden Hakterienarten ohr 0 m o g e n e Arten (P i g m e n t h a k t e r i en). Andere Arten lassen den (durchsichtigen) Nährboden prachtvoll fluores-ciren; wieder andere leuchten in ihren Culturen im Dunkeln (phos-phoresciren).
Zu den Lobensäusserungcn der Bakterien gehört endlich die Eigen-thümlichkeit vieler Arten, im Thier- (oder Pflanzen-) Körper Krank-heitsprocesse hervorzurufen. Wir werden die hierher gehörigen Verhältnisse zum Gegenstände einer besonderen eingehenden Betrach­tung machen.
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IV.
Allgemeine Methodik der Bakterienbeobaehtung.
1. Die Ausrüstung des Arbeitstisches.
W enn man sich mit BaMerienuntersuclumgen beschäftigen will, so braucht man zunächst eine Reihe von Instrumenten, unter denen raquo;las Mikroskop das wesentlichste ist.
Das Mikroskop besteht aus einem optischen und einem mechanischen Theile. Von diesen ist der optische Theil der wichtigere, und man wird daher bei der Beschaffung eines Mikro-skopes zunächst auf eine zweckentsprechende Beschaffenheit dieses Theiles zu sehen haben. Der optische Theil des Mikroskopes setzt sich aus einem Heobachtimgsapparat, bestehend aus Objeotiv und Ocular, und aus einem Beleuchtungsapparat, bestehend aus Be-I euch tun gssp lege 1 und Con den sor system, zusammen. Die genannten optischen Stücke werden durch das sogenannte Stativ in Verbindung mit einander gebracht. Ihre Stellung zu einander kann durch besondere mechanische Einrichtungen, welche sich an dem Sta­tive vorfinden, je nach dem vorliegenden Bedürfnisse mudificirt werden. I'ls ist nun zwar richtig, dass auch mit einem mangelhaften Stative, falls nur der optische Theil des Mikroskopes gut ist, gearbeitet werden kann. AVer geschickt ist, kann sich für bestimmte Zwecke vorüber­gehend mit einem derartig mangelhaften Instrumente behelfen. Wer aber nicht nur vorübergehend mit dem Mikroskope arbeiten, wer Freude am mikroskopischen Arbeiten haben will, wer ein universell anwend­bares Instrument braucht, der darf nicht bloss auf den optischen Theil des Mikroskopes Rücksicht nehmen, sondern er muss darauf sehen, dass auch das Stativ den modernen Anforderungen genüge. Heiden Bedingungen, nämlich den optischen sowohl wie den mechanischen, genügen nur die Mikroskope leistungsfähigster Werkstätten, sogenannter
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A. Allncmcinos,
„erster Firmenquot;.1) Man lasse sich nicht (lurch den niedrigeren Preis verleiten, ein .Mikroskop zu kaulen. an weichem man hinterher heim Gebrauch einen Fehler nach dem anderen entdeckt.
.Hei der Anschaffung eines Mikroskopes, welches zu Bakterien-Untersuchungen bestimmt ist, sind nun eine Reihe von speciellen Punkten zu berücksichtigen. Xun Objeotiven braucht man minde­stens zwei, nämlich ein schwaches (Zeiss AA, Leitz 3) und ein starkes (Zeiss Gel-Immersion 2 mm oder l/ilaquo;quot;i Leitz Oel-Immersioil ' i/'). von Ocularen ebenfalls zwei (Zeiss 2, 4. Leitz 1, 4). Man hat so schwache Vergrössernngen von ca. 50 —100 und starke von ca. 600—1000 zur Verfügung. Sehr angenehm ist daneben noch der Besitz eines mittleren Objectives (Zeiss DI), Leitz 7). welches ca. 200—450fache Vergrösserung gieht. Der Tubus soll sowohl durch groben Trieb wie durch Mikrometerscbmube verstellbar sein. Der Object tisch darf nicht zu klein sein, so dass man (hdturplatten bequem untersuchen kann. Das Conden sorsvst em . welches zur Beleuchtung der Objeote dient, soll nach der von Abbe (cf. weiter unten) angegebenen Weise construirt und auf- und abwärts (am besten durch Trieb) ver.schieblich sein: der 15eleuchtimgs.spiegel soll in seinem Durchmesser den des Abbe quot;sehen Beleuchtungskörpers etwas über­schreiten. Sehr nothwendig, kaum zu entbehren für Bakterienunter­suchungen, ist eine Vorrichtung zum schnellen und bequemen Wech­seln der Objective (Revolver).
Das wesentlichste und bedeutendste Stück des gesannnten Mikro­skopes ist das „Oel-Immersions-Systemquot;, das Objeotivsystem, welches wir stets benutzen. wenn es sich um eine möglichst stark vergrösserte Darstellung des Objectes handelt. Bei diesem System wird die Oberfläche des Deckglases des Präparates mit der Front-
') Allen voran Bohroitet die Firmn Carl Zeiss in Jona. Dieslaquo; Firma liisst sich die höchsten Preise bezahlen; sie liefert aber auob das Beste. Die sogenannten „Apoohromat-Objectivequot; von Zeiss sind das Vollendetste, was von Objeotiven existirt. Ebenso wird lt;lie Pirtna liinsidhtlich dar Übrigen optischen Tüeile der Mikro­skope sowie hinsichtlich der Stative von keiner linderen Firma übertreffen. Neben Zoiss sind femer ZU nennen Knist Leitz in Wetzlar (die iinsserst preiswert heu Instrumente dieser Firma, welche sich in der Form an die Zeiss'schen anlehnen, werden l'iir die/.wecke bakteriologischer Untersuchung sehr viel verwendet), W. amp;H. Seibert in Wetzlar. Dr. E, llartnack in Potsdam, C. Reichert in Wien und Andere.
Eine ständige Ausstellung der Instrumente der genannten Finnen findet man in dem „Magazin für Mikroskopiequot; von (i. König, Berlin N.AV., Doro-theenstr. 'iit, welches bezüglich der Anschauung jede gewünschte Auskunft erthcilt und die Instrumente zu Fabrikpreisen abgieht. Hier findet man auch alle übrigen für unsere Zwecke nothwendigen Utensilien, Farbstoffe etc,
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IV. Allgemeine Methodik der Bßkterlenbeobaobtung.
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linse des Objeotivs stets verbunden (lurch ein Tröpfchen eines Oeles (Cedernöl), welches dasselbe Hreclumssvermügen für das Lieht (den­selben BreohungS-Exponenten) besitzt wie das (Has. Ks wird also zwischen Deckglas und Objectivfrontlinse durch das dazwischen ge­brachte Cedernöl eine optisch homogene Verbindung hergestellt („Ho­mogene Immersionquot;). Die von dem Objeote ausgehenden Strahlen gelangen ohne irgend welche Ablenkung in das Objectiv. Es gelangt also ein viel grösserer von dem Objeote ausgehender Strahlenkegel zur Wirkung, als es ohne die Zwiscbenlage des Cederuöles der Fall sein würde, d. b. das Leistungsvermögen eines solchen Objeotivs (das Ab-bildungs- oder Auflösungsvermögen1) muss viel grosser sein als das Leistungsvermögen eines Systems von derselben Vergrösserung. bei welchem sich zwischen Deckglas und Objectiv eine Luftschicht be-lindet („Trockensystemquot;); das Leistungsvermögen muss auch grosser sein als das eines Systems, welches nur Wasser als Immer­sions-Flüssigkeit verwendet („W a s s e r-1 m m e r s i on s- S y s t e mquot;). -) —
') Man versteht hierunter dio Fähigkeit mlkroskopisolier Objective, feine Struo-turen, Details innerhalb der Objeote zur Darstellung zu bringen. Das Abbildungs­vermögen hat seinen Sitz einzig und allein in der Function der Oeffhung des Objectivsystems. Es steht unter allen Umstanden in geradem Verhältnisse zu der numerischen Apertur (siehe die folgende Aninerkiing).
-) Die in ein Objectivsystem tretende Strahlenmenge wird gemessen dnrcli den Oeffnungswinkel des Systems. Der Oelfnniigswinkel iiat seinen Seheitel im Brennpunkte des Systems; seine Schenkel werden gebildet durch zwei einander gegen-(Iberilegende Mantellinien des von dem Brennpunkte ausgehenden, in laquo;las System eintretenden Strahlenkegels. Der Oefihungswinkel kann natiirgemäss niemals den Grenzwerth von 180deg; erreichen. Die lirechungsverhiiltnisse, welche bei Benutzung eines Trockensystoms an der Oberfläche des Deckglases statthaben, bringen es nun mit sich, dass einem von dem Deckglase ausgehenden, die Luft durchsetzenden Straldenkcgel von bestimmter (beispielsweise von 180deg;) Weite, ein erheblich engerer ursprünglich von dem Objecto ausgehender, das Deckglas durchsetzender Strahlen­kegel entspricht; der letztere würde, den l?rccliimgsc.xponeuten des Glases zu 1,62 gerechnet, in unserem Beispiele mir 82quot; IT' Weite haben. Da nun bei der homo­genen Immersion eine jede Ablenkung der Strahlen zwischen Object und Objectiv weglallt, so nimmt ein Ocl-lnnnersions-System mit einem Oelfnnngswinkel von 82deg; 17' genau dieselbe Strahlenmenge auf wie ein Ideales (übrigens praktisch unmögliches) Trockensystem mit einem Oell'nnngswinkel von ISOquot;. Die blosse Angabe des Oeilnungs-winkels eines Systems ohne Augabo, ob es sich um ein Trockensystem, um Wasser­oder Oel-Immersion handelt, giebt also keinen Ausdruck für die Leistungsläbigkeit des Systemes. Ans diesem Ornnde hat Abbe den Begriff der „numerischen Aperturquot; geschaffen. Derselbe berücksichtigt zu gleicher Zeit den OoH'imng.swinkel und den Bieohnngsexponenten des zwischen Deckglas und Objectivfrontlinse befindlichen Me­diums. Man erhält die numerische Apertur, wenn man den genannten ßrechungs-oxponenten mit dem Sinns des halben Ocll'nungswinkels multiplicirt. Der Orenzwerth der numerischen Aperturen betrügt, wie sich aus dem Gesagten leicht ableiten
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A. Alh'Viiit'iiu's.
Die Iramersions-Methode ist von Amioi, die bomogeae ImmiT-s in 11 von Step hens on erfanden. Die ersten derartigen Objective wurden von Abbe1) und Zeiss eonstniirt.
Aussei' dem Mikroskope brauchen wir für die Bakterienbeobaohtung i'esp. für die Darstellung von Bakterienpräparaten eine Reihe von Utensilien, deren notwendigste otwn folgende sind:
Object träger. Dieselben sollen von weissem Glase, etwa 1,2 nun (jedenfalls nicht über 1,6 nun) dick sein. Das gangbarste Format ist das sogenannte englische (26:76 mm).
Object träger mit hohlem Aussohliff (hohlgesohliffene Objectträger),
Deckgläser. Man benutzt am bequemsten quadratische Deck­gläser von 18 mm Seitenlange. Die Dicke soll etwa 0.15—0,17 mm betragen. Sind die Deckgläser mehrere Hundertstel Millimeter dicker, so gelingt es oft bei Schnitten nicht mehr, das Object mit starken Objectiven in allen seinen Theilen einzustellen; sind sie dünner, so zerbrechen sie zu leicht beim Reinigen -) etc.
Flaschen, Glas schäl eben, Glastrichter von verschie­dener Grosse.
Weite Standgofasse von Glas mit eingeschliffenem Stöpsel zum Härten von Organstflcken.
Kleine G lasflasehen mit weitem Hals und übergreifendem aufgesohliffenem glockenförmigem Arerscliliiss zur Aufnahme von Ce-d e r n öl und C a n a d a b a 1 s a m. Nach Abnahme des Verschlusses sieht ein kleiner, frei in der Flasche stehender Glasstab zur Flaschen-Öffnung heraus, mit Hülfe dessen die genannten Flüssigkeiten tropfen­weise herausgenommen werden können.
Zwei Glasmensuren von 10 und 100 com Inhalt.
ührschälchen von c. 60 mm Durchmesser.
Mehrere, kleinere und grössere, nicht zu stark federndequot;) Pin-cetten.
liisst, für Trookensystetne 1,0, für Wasser-Immersionen 1,33, für homogene Immer­sionen 1,52.
') Abinraquo;: üebor Stephenson's System dor homogenen Immersion bei Mikroskop-Objeotiven. (Sitz,-Ber. d. Jenaischen Oesellsoh. f. Mod. u. Naturwiss. 10. Januar is'D.j
') Die Deokglftsei worden von Staub etc. am besten so gereinigt, dass man sie (in grösseren Mengen) zunächst mit Alkohol llbergiesst, den man dann von den einzelnen Qläschen mit dorn Lapiien wegwischt. Oewöhnlioh bleiben auf don Deck­gläsern auch bei dieser Behandlung mit Alkohol noch Spuren von Fett zurück; dic-selben worden am hosten durch Erhitzen dor Gläser in der nicht leuchtenden Flamme des Bunsen'sohen Brenners entfernt.
quot;) Mit stark federnden Pincetten ist das Arbeiten, apeciell das Halten der Deckgläser etc., ein ausserordentlioh unbequemes.
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IV. ÄUgetneine Jtetliodik dor Bakterienbeobaobtung,
n
Eine sich auf Druck öflhende (sogenannte Co met quot;sehe) Deck-giaspincottc.
Skalpells, Scheren. Feine N ä h nadeln, N a d e 1 h a 11 e r.
Ein kleiner Messingspatel, dessen Ebene man etwa 2 cm vom Ende entfernt stumpfwinklig umbiegt.
Platindriihte, nicht zu dünn, etwa 60 — 70 mm lang, an (ilasstäben angeschmolzen, z. Th. mit ösenförmig gebogenem Ende. Bunsenbrenner oder S p i r i t u s 1 a m p e. Fliesspapier, Tuschpinsel, Leinwandlappen. Präpa­ratenetiketts, Cartons resp. Kästehen zur Aufnahme von Präparaten u.' s. w.
Sehr angenehm ist es ferner, ein gutes Mikrotom zur Hand zu haben. Hier sind besonders die Instrumente der Firmen Jung in Heidelberg, Schanze in Leipzig, Becker in Göttingen zu nennen. Die von Schanze (Weigert'sches Mikrotom) sind die compen-diosesten und für unsere Zwecke gebräuchlichsten. Der wichtigste Tlieil dos Mikrotoms ist das Messer, auf dessen Instandhaltung man die grösstc Sorgfalt verwenden muss. Bei dem Mangel eines Mikro­toms kann man sich auch mit einem guten Rasirmesser, dessen Klinge auf der einen Seite plan geschliffen ist, behelfen.
Ausserdem brauchen wir eine Reihe von Chemikalien, deren wichtigste nachstehend aufgeführt sind:
Destillirtes Wasser. Alcohol absolutus. Äther. Chloroform. Xylol. Oflicinelle Salz-, Salpeter- und
Schwefelsäure. Eisessig (Essigsäure). Kali aceticum. Kali- oder Natronlauge.
Jodkalium.
Glycerin.
Anilin (Anilinöl).
Carbolsäure (Phenol).
Cedernöl.
Nelkenöl.
Canadabalsam.
Gummi arabicum.
Celloidin.
Vaselin.
Yerschlusslack.
Ammoniak. Jod. Farbstoffe: Carmin, Pikrinsäure. Eosin, Methvl- oder Gentiana-violett, Fuchsin, Methylenblau. Bismarckbraun (Yesuvin).
Die Chemikalien, namentlich die flüssigen, bewahren wir in Glas-llaschen mit Glasstöpsel auf.
Der Arbeitstisch, an welchem wir mikroskopiren, entspricht in seiner Höhe einem gewöhnlichen Schreibtische. Der Arbeits-
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stuhl sull so hoch sein, dass wir. auf demselben sitzend, bequem in das vertikal aufgestellte Mikroskop hineinsehen können. Die modernen besseren Mikroskope sind zwar sämmtlich mit Einrichtung-zum „Um log enquot; versehen. Von dieser Einrichtung wird speciell für mikrophotographische Zwecke ein ausgedehnter Uehraueh gemacht. Hier stellt man den Tubus des Mikroskopes gewöhnlich horizontal. Eine geringe Sohrägstellung dos Mikroskoptuhus 1st sehr angenehm für die Beobachtung; sie kann aber in der Regel nur dann zur An-wonduifg gelangen, wenn es sich um die Durchmusterung fertiger, fester Präparate handelt. Während dos eigentlichen mikroskopischen Arboitens, wo es sich stets um mehr oder weniger flüssige rosp. vor-schlebliche Objeote handelt, wird man den Objeottisoh stets in horizon­taler, den Tubus also in vertikaler Stellung belassen müssen.
2. Beobachtung der Bakterien im lebenden Zustande.
Der hängende Tropfen. Wirkungsweise des Abbe'schen
Beleuchtungsapparates.
Wenn es sich darum handelt, irgend welche Bakterien zu unter­suchen, so muss man sich zunächst, wenn es irgend ausführbar ist, ein Bild von dem Aussehen derselben im frischen, lobenden Zustande zu verschaffen suchen. Denn nur am lebenden Material kann man Aufschluss erhalten über die Frage, oh Eigenbewegung da ist oder nicht, nur im frischen Zustande kommen etwaige Unter­schiede in dem Lichtbrechungsvormögen verschiedener Thoile der Bakterienzelle zum Ausdruck, nur im frischen Zustande kann man über die Art der Zusammenlagerung der Bakterien in grössoron Ver­bänden (Zooglöen etc.) Genauestos erfahren. Ausgeschlossen ist freilich die Beobachtung lobender Bakterien in situ in Schnitten thiorischer Organe. Wir werden weiterhin noch sehen, dass man zur Sichtbar­machung ungefärbter, in situ befindlicher Bakterien in Schnitten die letzteren so eingreifenden Manipulationen unterworfen muss, dass von einem weiteren Fortbestände des Lebens der Bakterien dabei keine Hede sein kann. AVill man die in thiorischen Organen enthaltenen Bakterien lebend untersuchen, so muss man Theilchon der frischen Organe mit Wasser oder Indifferenten Flüssigkeiten (0,75 proc. Koch­salzlösung, Bouillon) zerreiben, um dadurch die Bakterien, von den Körperzellen isolirt, in der Flüssigkeit suspendirt zu erhalten.
Die mikroskopische Beobachtung lebender Bakterien ist also auf bakterienhaltige Flüssigkeiten beschränkt, die entweder bereits fortig vorliegen, oder die man sich durch Verreiben bakterionhaltigen
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IV, Allgemeine Methodik der Bakterienbeobaobtungi
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Materials in wftssrigen Flüssigkeiten erst herstellt. AVill man sich zunächst übungsweise mit diesen Dingen beschäftigen, so empfiehlt es sich, Scheiben gekochter Kartoffeln, welche in der weiter unten zu besprechenden Weise hergestellt sind, einige Stunden der Luft aus­zusetzen und dann in der feuchten Kammer einige Tage lang bei Zimmertemperatur stehen zu lassen. Es haben sieh dann aus den einzelnen Keimen, welche aus der Luft, auf die Kartoffel nieder ge­fallen sind, Colonien von Bakterien entwickelt, welche als an Höhe, Flächenausdehnung, Farbe mehr oder weniger verschiedene Häufchen erseheinen. Ein jedes Häufchen zeigt sich dann aus Individuen einer bestimmten Art resp. Form zusammengesetzt. Durch Verrühren kleinster Quantitäten solcher Bakteiiencolonien in einem Tröpfchen Wasser oder Aehnlichem lassen sieh dann für die mikroskopische Beobachtung ge­eignete Objeeto herstellen. Weiter empfiehlt es sich, etwas Heu, Keis, Erbsen, Brot, Fleisch oder Aehnliches mit Wasser zu versetzen und die resp. Infuse mehrere Tage lang an einem warmen Orte stehen zu lassen. Es entwickelt sich dann in den Infusen ein mehr oder weniger reiches Bakterienleben, und jedes Tröpfchen solcher Flüssigkeiten bietet ein ausgezeichnetes Object für das Studium von Bakterien im lebenden Zustande.
Die Methode, deren man sich zur mikroskopischen Untersuchung lebender, in Flüssigkeiten suspendirter Bakterien fast ausschliesslich bedient, ist die des hängenden Tropfens.
Um ein derartiges Präparat anzufertigen, nimmt man zunächst einen hohl geschliffenen Objectträger, dessen Höhlung man mit gelbem Vaselin mittels eines Tuschpinsels umzieht, und den man dann vorläufig bei Seite legt. Nun wird ein reingeputztes (cf. p. 46) Deckglas horizontal auf den Tisch gelegt und mittels der Platinöse ein kleines Tröpfchen der bakterienhaltigen Flüssigkeit auf die Mitte des Deckglases gebracht; hat man keine bakterienhaltige Flüssigkeit, sondern mehr consistente Culturen oder frische Thierorgane etc. vor sich, so bringt man, wie oben bereits besprochen, zunächst ein Tröpf­chen reines Wasser1), Kochsalzlösung oder Bouillon mit der Platinöse auf das Deckglas und verreibt dann (am besten mittels eines gerade endenden Platindrahtes) in dem Tröpfchen eine Spur der Bakterien­masse resp. des Organs, um eine Suspension der Bakterien in der
') Das destillirte Wasser, wie es in den Laboratorien vorrtltWg gehalten wird, ist. besonders wenn es bereits eine Reihe von Wochen bei Zimmertemperatur ge­standen hat, für diesen Zweck nicht zu empfehlen, da es gewöhnlich zu zahlreiclio Bakterien enthält. Im Gegensatz dazu ist gutes Leitungs- oder Brunnenwasser sehr arm an Keimen und deshalb für den vorliegenden /weck sehr gut zu brauchen.
Günther, Kakteriologio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1
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50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A, Allgemeines,
Flüssigkeit zu erhalten. Hierbei solraquo;-' man darauf) lt;liiss man mög­liehst wenig, wirklich nur Spuren der Bakterienmasse etc. in der Flüssigkeit vertheilt. weil es sonst sehr schwer, häufig unmöglich wird, die Individuen mikroskopisch isulirt zu Gesicht zu bekommen und sich von ihrer Form etc. ein Bild zu verschaffen.
Nachdem der Tropfen hergestellt ist, wird der hohlgeschliffene Objeotträger, die Höhlung nach unten gekehrt, mittels des Vaselins so auf das Deckglas geklebt, dass das bakterienhaltige Tröpfchen genau in der Mitte des Ausschliffs liegt. Nun wird der Objeotträger rasch (um ein Zerfliessen des Tröpfchens zu vermeiden) umgekehrt, und das Präparat ist dann zur Beobachtung fertig. Das Tröpfchen hängt, zur Beobachtung bereit, vor Verdunstung geschützt, frei am Deckglase.
Die Platindrähte werden vor und nach jedesmaligem Ge­brauche ausgeglüht; bevor man sie nach dem Ausglühen anwendet, muss man sie wieder erkalten lassen.
Um den hängenden Tropfen mikroskopisch zu untersuchen, ver­fährt man am besten so, dass man zunächst mit schwachem Objectiv-system den Rand des Tropfens aufsucht, um diesen Band nach­her der Beobachtung bei starker Vergrösserung zu unterwerfen. Sehr bequem und fast unentbehrlich hierfür ist die zum schnellen Wechseln der Objective bestimmte, oben (p. 44) erwähnte Revolvervorrichtung, welche den besseren Mikroskopen heutzutage als integrirender Bestand-theil stets beigegeben wird. Den Rand des Tropfens wählt man zur Untersuchung mit starken Vergrösserungen einestheils deshalb, weil der Tropfen am Rande am dünnsten ist, und sich Objecte, die eine mögliehst dünne Schicht repräsentiren, zur Untersuchung mit stark vergrössernden Objectiven naturgemäss am besten eignen; anderntheils bietet der Rand des Tropfens wegen seiner Dünne den einzelnen Bakterienindividuen keinen so weiten Spielraum zum Durcheinander-schwirren etc. wie die übrigen Theile des Tropfens; man wird also am Rande die Formen, um die es sich handelt, gewöhnlich zum Theil in Ruhe liegen sehen, während man, nach der Mitte des Tropfens zu weitergehend, das Bakterienleben allmählich immer mehr in dem natürlichen, durch die Capillaritätsverhältnisse des Randes unbeein-iiussten Lagerungs- und Bewegungszustande erblickt.
Dem Anfänger nicht geringe Schwierigkeiten verursacht nun das E i n s t e 11 e n d e s P r ä p a r a t e s. Es handelt sich dabei um dreierlei verschiedene Dinge: erstens soll die richtige Stelle des Ob-jectes zur Einstellung gelangen; zweitens soll das Bild des Objeetes dem Auge scharf erscheinen, d. h. das Objectiv des Mikroskopes soll
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den richtigen Abstand vom Objeote haben; drittens sull die Beleuchtung des Objectes die richtige, zweckentsprechende sein.
Die ersten beiden Punkte sind relativ leicht zu erledigen. Man muss den mittleren Abstand der verschiedenen Objective vom Objeote ungefähr kennen; man stellt die Objectebene dann zunächst mit schwachem Objectiv unter Benutzung des groben Tubustriebes ein und rückt das Präparat dann mit der Hand so, dass die zu untersuchende Stelle, in unserem Falle also eine Stelle des Tropfenrandes, genau in die Mitte des Gesichtsfeldes kommt. Mit Vortheil wird man sich hierbei eines schwachen Oculars bedienen. Ist die richtige Stelle des Präparates centrisch eingestellt, so geht man mit dem Tubus unter Benutzung des groben Triebes etwas nach oben, wechselt dann unter Benutzung des Revolvers das schwache System gegen das Immersions-system um, bringt auf das Deckglas centrisch einen kleinen Tropfen Cedemöl und schraubt nun mit Hülfe des groben Triebes den Tubus so lange abwärts, bis die Frontlinso des Iminersionssystemes in das Oel eintaucht. Dies letztere beobachtet man von der Seite her; man muss dazu die Augen etwa in Höhe des Objecttisches bringen. Ist die Oelverbhulung zwischen Deckglas und Objectiv hergestellt, so schraubt man den Tubus wieder etwas in die Höhe, ohne jedoch die Oelver-bindung zu zerreissen, und bringt nun das Auge wieder über das Ocular. Man schraubt nun (am besten, indem man beide Hände an die Schraube des groben Triebes bringt), während man in das Mikro­skop hineinsieht, den Tubus ganz langsam und vorsichtig nach abwärts, bis das Bild erscheint; in diesem Augenblick lässt man den groben Trieb los und bewirkt nun die feinere Einstellung mit Hülfe der Mi­krometerschraube. ')
Die genannten Manipulationen, welche die richtige Einstellung des Präparates und des Objectives zum Zwecke haben, setzen jedoch eine richtige, zweckmässige Beleuchtung voraus. Ohne dass man die
') Von vornherein gewöhne man sich, das Auge,'welches beim mikro­skopischen Sehen anbetheiligt ist, während des Mikroskopirens offen zu halten. Nur ganz zu Anfang wird man durch das von diesem Auge peroipirte Bild
etwas gestört; bei einiger Uebung kommt Einem dieses Bild gar nicht mehr zum liewusstsein. V,a ist aber ein nicht hoch genug anzuschlagender Vortheil mit der Befolgung dieses Käthes verbunden. Beim mikroskopischen Sehen soll nämlich. damit das Auge von unnützer Anstrengung möglichst frei. das Arbeiten ein mög­lichst bequemes sei, die Accommodation völlig erschlafft sein, das Auge soll auf die Ferne eingestellt sein. Eine völlige Erschlaffung der Accommodation ist aber nur dann zu erreichen, wenn die gesammte Augenmuskulatur sich im Zustande der Ruhe befindet, wenn also auch der Schltessmuskel des anderen Auges aussei- Thiitig-keit ist.
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,r)2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeines.
Hclciiclitung, wenigstens annähernd, zunächst regulirt bat, sind dieseraquo; Manipulationen z. Th. gar nicht ausfahrbar. Wir müssen uns deshalb mit der Beleuchtung etwas eingehender beschäftigen.
Der Beleuchtungskörper des modernen Mlkroskopes besteht, wie bereits erwähnt, aus einem Spiegel, welcher die Strahlen der Licht­quelle auffängt, und aus einem Linsensystem (Abbe'scher Heleuchtungs-apparat), in welches hinein die Strahlen von dem Spiegel aus geworfen werden, um schliesslioh auf einer relativ kleinen Stelle des Objectes concentrirt zu werden. Es ist nun, wie uns Hob. Koch1) gelehrt hat, das erste Erforderniss zum Zustandekommen eines guten Bildes — dies gilt für jeden einzelnen Fall, wie auch die Verhältnisse im Uebrigen liegen mögen —, dass die von der Lichtquelle ausgehenden Strahlen in der Object ebene vereinigt werden, d. h. dass ein mög­lichst scharfes B11 d d er Lioht q ue11 e in de r 0bj ecteben e entsteht. Wenn ich mit schwachem Systeme das Object scharf ein­gestellt habe, so muss ich also den Beleuchtungskörper meines Mlkroskopes so disponiren, dass ich aussei- dem körperlich vorhandenen Objecte noch das (reelle) durch den Beleuchtungskörper in das Object projicirte Bild der Lichtquelle erblicke. Ist die Lichtquelle vom Mikro­skope weiter entfernt, wird sie z. B. durch weisse Wolken dargestellt, so liegt der Vereinigungspunkt ihrer Strahlen näher an der oberen Linse des Abbe'sehen Apparates, als wenn die Lichtquelle näher am Mikroskope steht, z. B. durch die Flamme einer auf dem Tische stehen­den Petroleumlampei!) repräsentirt wird. In dem ersteren Falle muss also der Abbe quot;sehe Apparat höher, dem Präparate nähe]-, im zweiten muss er tiefer, von dem Präparate weiter entfernt stehen. Diese üeberlegung erweist die Notwendigkeit, dass der A b b e' sehe Apparat verschieblloh sei.11)
Es ist an dieser Stelle darauf aufmerksam zu machen, dass der Brennpunkt des Abbe'schon Apparates für parallel eintretende (d. h. z. B. von einer entfernten Wolke herkommende) Strahlen sehr nahe
') Cohn's Beitr. z. Bid. d, I'll. Bd. 2. 1877. p, 410.
'-) Als Liohtquello benutzt man bei Tage am besten eine belle Stelle des Himmels (weisse Wolken etc.). Directes Sonnenlicht ist tür die Zwecke der Heob-achtung nie zu benutzen. Hei Abend benntzt man als Lichtquelle am besten eine gewöhnliobe Potrolenmlampe (Studirlampe), Ein auf die obere Ooularlinse gelegtes, oder Im Blendungsk'äger angebrachtes sohwadh blaues (Cobalt-) (ilas dämpft die gelben Strahlen der Flamme und erleichtert das Mikroskopiren bei Lampenlicht sehr.
8) Im NbthMle kann das Abbe'scho Belenrhtungssvstem dnreh eine unter der Tiseboll'inmg angebrachte balbkuglige Linse, deren plane Seite nach oben ge­kehrt ist, und die, In einer Hülse gefasst, auf- und abwärts vorsebiebbar ist, ersetzt werden.
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IV. Allgemeine Methodik der BakterlenbeobaohtunKlt;
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(in etwa 2 mm Entfernung) an seiner oberen Linse liegt.') Damit die Strahlen aber wirklich parallel in den Abbe'sehen Apparat eintreten, ist es nothwendig, dass wir die Strahlen der Wolke mit einem Plan­spiegel auffangen und sie dann in den Abbe'sehen Apparat schicken. Das Mikroskop trägt nun in seiner Spiegelfassung gewöhnlich zwei Spiegel, nämlich einerseits einen Plan-, andrerseits einen Hohlspiegel. Würden wir den letzteren in unserem Falle anwenden, so würden wir dem Abbe' sehen Apparate nicht parallele, sondern convergirende Strahlen zuschicken, und der Brennpunkt derselben würde naturgemäss dann noch viel näher an der oberen Linse des Abbe'sehen Apparates liegen, d. h. so nahe, dass an ein Zusammenfallen dieses Brennpunktes mit der Objectobene — da doch unsere Objectträger eine gewisse Dicke haben müssen — nicht mehr zu denken wäre. Es erglebt sich aus dieser Betrachtung ohne Weiteres die Nothwendigkeit, bei Be­nutzung des Abbe'sehen Beleuchtungsappai-ates stets den Plan­spiegel, nie den Concavspiegel anzuwenden.-)
Die Beleuchtung ist also, wenn wir zunächst mit schwachem Objective das Präparat betrachten, so einzurichten, dass wir den Plan­spiegel benutzen und den Abbequot; schon Apparat in eine solche Höhe bringen, dass wir mit dem Bilde des scharf eingestellten Objectes zu­gleich ein möglichst scharfes Bild der Lichtquelle erblicken.
Nun bleibt aber noch ein sehr wesentlicher Punkt bezüglich der Beleuchtung zu berücksichtigen, d. i. die richtige Disponirung der unterhalb des Ab be'scheu C'ondensorsystems, zwischen diesem und dem Beleuchtungsspiegel, befindlichen Blendlings Vorrichtung.
Wenden wir den Abbe' sehen Apparat ohne jede Abbiendung an („offener Condons orquot;), so kommt die ganze Menge der in die
') Die Firma C. Zoiss fertigt drei versebiedene Coiulensoisystemo im: die­selben unterscheiden sieb in der Brennweite sowie in der numerischen Apertur (ef. oben p, -lä, Anm. 2.) von einmider. Die oben im Text gemachte Angabc bezieht sieb auf den Condensor mit der Apertur 1,20; ausserdem wird ein Comlensor von 1,40 num. Ap. und von etwas kürzerer Brennweite als der des vorhergehenden, end­lieb ein (achromatischer und centrirbarer) Condensor von 1,0 num. Ap. angefertigt, Der letztere dient hauptsächlich mlkrophotographischen Zwecken, während die beiden erstgenannten hauptsächlich beim gewöhnlichen mikroskopischen Arbeiten benutzt werden. Für Arbeiten bei Lampenlicht ist im Allgemeinen der Comlensor von 1,20 num. Ap. dem von 1,40 mim. Ap. vorzuziehen.
-) Nur beim Beobachten mit ganz schwachen Objectiven, wo der Planspiegel — besonders bei Verwendung von Lampenlicht — oft nicht das ganze Sehfeld gleichmässig zu beleuchten erlaubt, ist es gestattet den Hohlspiegel zu verwenden, „welcher ausscbliesslieb für diesen Zweck am Apparat angebracht ist.quot; (C. Zciss, Gebrauchsanweisung für den Ab be'sehen Belenchtnngsapparat.)
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54nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeines,
untere Linse desselben eintretenden Liohtstrablen zur Wirkung' auf das Object. Die kleine Stelle des Objectes, in welcher sich diese Licht­strahlen vereinigen, wird dann mit Licht iihersclnittet, welches von allen einzelnen Piinkten der obersten Linsenliächc des Abbe'schon Apparates herkommt. Da nun diese Linsenliächc eine ziemliche Aus­dehnung hat und dem Vereinigungspunkte der von ihr ausgehenden Strahlen sehr nahe liegt, so besitzt der in das Object gelangende Strahlenkegel einen sehr stumpfwinkligen Scheitel. Die Sandstrahlen dieses Kegels sind also den ihnen gegenüberliegenden Randstrahlen nahezu entgegengesetzt gerichtet und paralysiren dieselben in ihren Diffractionswirkungen nahezu vollständig. Handelt es sich nun um die Darstellung solcher Objecttheile, die sich nur durch Differenzen in dem Lichtbrechungsvermögen, nicht durch Differenzen in der Färbung von ihrer Umgebung unterscheiden, die also über­haupt nur durch Difl'ractionserscheinungen, welche an ihren Grenzen zu Stande kommen, sichtbar werden können, so ist naturgemäss der volle, unabgeblendete Abbe'sehe Condenser nicht am Platze. Derselbe verhindert das Zustandekommen der Diffractionserscheinungen, d. h. er macht die ungefärbten Objccte mehr oder weniger unsichtbar. Wollten wir uns dagegen solche Objecttheile vor Augen führen, die sich durch die Färbung von ihrer Umgebung unterscheiden, so wür­den diese gefärbten Dinge, die für ihre Sichtbarkeit irgend welcher Diffnictionserscheinungen nicht bedürfen, bei der geschilderten Be­leuchtung in Folge der gleichzeitigen Auslöschung der Contouren der ungefärbten Objecttheile ganz besonders deutlich, isolirt zur Erscheinung gelangen.
Der Erste, welcher diese Verhältnisse erkannt, scharf delinirt und für die Zwecke der practischen Mikroskopie brauchbar gemacht hat, war Roh. Koch.1) Die Beleuchtung mit vollem Abbe'-schen Condenser vernichtet das „Structurbildquot;, isolirt das „Farbenbildquot;. Diese Beleuchtung wird also überall da am Platze sein, wo es sich um Darstellung gefärbter Theile des Objectes gegenüber ungefärbten handelt, z. B. bei der mikroskopischen Dar­stellung von gefärbten Bakterien, die in Schnitten thierischer Organe enthalten sind. Hier werden wir den vollen Ab be'sehen Condensor, zumal wenn es sich um relativ (d. h. gegenüber den Gewebszellen) sehr kleine Bakterien handelt, nicht entbehren können; denn allein diese Beleuchtung löscht die Contouren der ungefärbten Gewebstheilo
') Untersnohungen über die Aetiologie der Wundinfeotionslwankheiten, Leipzig. 1878. ]gt;. 32 ff.
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IV. Allgdroelne Metbodili lt;lor Bakterienbeobaobtung.
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(die, wenn sie sichtbar sind, kleine gefärbte Bakterien sehr gut ver­decken können) aus und liisst die gefärbten Theile dafür desto deut­licher hervortreten.
Wollen wir aber ungefärbte Objecte oder Objecttheile zur Anschauung bringen, so dürfen wir den vollen A b b e' sehen Condenser nicht anwenden. Wir bringen dann ein Diaphragma mit ziemlich enger oentraler Oefihung (gewöhnlich einfach „enge Blendequot; genannt) unter den Abbe'schen Beleuchtungsapparat. Es werden'so die Rand­strahlen abgeblendet, und es kommt dann auf das Object nur eine relativ kleine Menge oentraler Lichtstrahlen, ein sehr spitzwinkliger Strahlenkegel, zur Wirkung; dieser unterscheidet sich in seiner Wir­kung nicht wesentlich von einem Bündel paralleler Lichtstrahlen und lässt die Contouren ungefärbter Objecttheile deutlich zur Anschauung kommen.
Kehren wir nun zu unserem hängenden Tropfen zurück, so haben wir hier eine Flüssigkeit (Wasser etc.) vor uns, in welcher Bakterien suspendirt sind. Die Flüssigkeit sowohl wie die Bakterien sind ungefärbt. Die Darstellung der letzteren erfordert es also, die Beleuchtungsverhältnisse so einzurichten, wie sie zur Sichtbarmachung des „Structurbildesquot; nothwendig sind; d. h. wir dürfen bei der Beobachtung des hängenden Tropfens nicht den vollen Abbe'schen Kondensor anwenden, sondern müssen denselben durch eine enge B1 e n d e abblenden.')
Das Verfahren der mikroskopischen Einstellung des hängen­den Tropfens würde sich also folgendennassen gestalten:
') Dio „ongo Hlondoquot; bat für vorscliieden starke Objeotivsyatetne vorsehic-ilcne Weite. Da niinilieh der maximale Beletiöhtungskegel, den ein aohwaohes Ob-joctiv anfznnebmen vermag, ein engerer ist als der, den ein stärkeres System aufzu­nehmen vermag, so ist der Abbe'solle Condenaor für ein sobwaohes System bereits als „olfenquot;, als iniabgoblendot zu betrachten bei Anwendung einer Blondenweite, die, bei stärkerem System in Anwendung gebracht, hier nicht dem vollen lielouehtiings-kegel, sondern mir einem centralon Theile desselben den Durchtritt gestattet. Ob bei einer bestimmten mikroskopisehon Beobachtung der für das gerade benutzte Ob-jcotivsystom „vollequot; Beleiichtnngskegel in Wirkung ist (ob „die Apertur dos Systems [cf. p. 45, Amn. 2] voll ausgenutztquot; ist), prüft man am besten so. dass man das Ocular ans dem Tubus entfernt und dann in den Tubus central hineinsieht. Er­scheint die obere Linse des Objectivsystems in ihrer ganzen Ausdehnung von Lieht erfüllt, so ist der volle Helouchtungskegel in Wirkung. Ist der Deleuchtungskogel mehr oder weniger roducirt, so findet man nur eine kleinere odor grössore centrale Partie der oberen Objoctivlinse von Lieht erfüllt. — Die „engequot; Blende hat bei schwachem Trockensystein (Zeiss A, Loitz 3) zwockmässig etwa Stecknadolkopf-grössc, bei Oelimmersionssystemen zweckmässig etwa Erhseugrösso.
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5(5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; A. Allgemeines,
1)nbsp; Ablileiulung dos Comlonsors mit enger, etwa steoknadelkopf-grosser l)) Blende.
2)nbsp; Scharfe, oentrale Einstellung- des Tropfenrandes mit schwachem System und Planspiegel.
3)nbsp; RegulirUDg der Stellung des Abbe'sehen Apparates (Ein­stellung des Bildes der Lichtquelle in die Objectebene).
4)nbsp; Centrirung des Bildes der Lichtquelle durch Regulirung der Spiegelstellung,
5)nbsp; Hochschrauben des Tubus und Auswechseln des schwachen Systems gegen laquo;las Immersionssystem.
6)nbsp; Erweiterung der Blende bis zu etwa Erbsengrösse.-)
7)nbsp; Bringen eines Tropfens Cedernöl central auf das Deckglas.
8)nbsp; Vorsichtiges Niederscbrauben des Tubus mit Hülfe des groben Triebes bis zum Eintauchen des Systems in das Oel. Zurückschrauben des Tubus, ohne die Oelverbindung zu zerreissen.
9)nbsp; Vorsichtiges, langsames Niederschrauben des Tubus mit Hülfe des groben Triebes bis zum Erscheinen des Bildes im Mikroskope.
10)nbsp; Loslassen des groben Triebes und letzte Regulirung der Ein­stellung durch die Mikrometerschranbe.
11)nbsp; Sollte das Gesichtsfeld sich nicht an allen Stellen gleich-massig beleuchtet zeigen, so kann man diesen Fehler durch minimale Verstellung des Spiegels ohne Weiteres beseitigen.
Es möge hier ein für alle Mal darauf hingewiesen werden, dass man sich bei der mikroskopischen Betrachtung eines jeden Objectes — besonders wenn starke Objective zur Verwendung kommen — zu­nächst stets eines möglichst schwachen Oculars bedient. Das schwache Ocular hat dem starken gegenüber eine grosse Menge Vor-theile: Das Bild ist lichtstärker und schärfer; die Schärfe wird weniger von geringen Verschiebungen der Mikrometerschraube beeinflusst; das Gesichtsfeld umfasst einen grösseren Theil des Objects; alles in allem: das Arbeiten mit schwachem Ocular ist leichter, angenehmer und bequemer als mit starkem. Speciell auch das Durchmustern eines Präparates ist bei Anwendung eines schwachen Oculars er­heblich leichter. Es ist also eine feststehende Begel, dass man zu­nächst immer das schwache Ocular benutzt. Stösst man dann auf eine Stelle, die man bei stärkerer Vergrösserung betrachten möchte, so wechselt man die Oculare aus, greift aber sofort wieder auf das
') of. p, 66, Anm. -) of, p, 66, Anm.
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IV. AUsemeine Methodik der Bakterienbeobaohtunfi
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schwache Ocular zurück, wenn man weitere Theile des Präparates betrachten will.
Will man nach der Boobaohtang des hängenden Tropfens das am Deckglas hängende Bakterienmaterial vernichten, so geht man zu diesem Zwecke am besten in folgender Weise vor: Man dreht das auf dem hohlgeschliffenen Objectträger mit A'aselin angeklebte Deckglas unter Zuhülfenahme zweier Finger so weit um seinen Mittel­punkt, bis eine Ecke des Deckglases über die Objcctträgerkaute her­überragt. Der hängende Tropfen selbst muss hierbei dauernd in der Mitte dos Objeotträgerausschliffs bleiben und darf den Objectträger selbst nicht berühren. Dann erfasst man das Deckglas an der hervor­ragenden Ecke und hebt es langsam vom Objectträger ab. Das Deck­glas mit dem Haktcrienmaterial wird in ein Gefäss mit Desinfections-llüssigkeit versenkt, der vaselinirte Objectträger kann ohne Weiteres für einen neuen Versuch verwendet werden.
3. Das gefärbte Deckglas-Trockenpräparat. Die Anilinfarben, Das Princip der maximalen Beleuchtung.
Haben wir uns durch die Untersuchung des hängenden Tropfens über das Aussehen eines Bakteriengemisches im lebenden Zustande informirt, haben wir uns, wenn es sich um eine bestimmte Bakterien­art handelt, durch die genannte Methode von eventuell bestehender Eigenbewegung etc. überzeugt, so gehen wir daran, uns ein Dauer­präparat für unsere Sammlung anzufertigen. Ein solches Dauer­präparat hat aber nicht nur den Zweck, eine dauernde Erinnerung an resp. einen dauernden Beleg für einen bestimmten Befund zu bilden oder als unveränderliches Demonstrationsobject zu dienen. Wir sind vielmehr für manche Zwecke direct gezwungen, uns ein solches Prä­parat anzufertigen. Wenn wir z. B. Bakterien photographisch abbilden wollen, so müssen wir sie (in der Regel) aus dem beweglichen Zu­stande, in welchem sie im hängenden Tropfen vorhanden sind, in einen lixirten Zustand überführen, sie dauernd festlegen. Wenn wir fest­stellen wollen, ob ein Sputum Tuberkelbacillen enthält oder nicht, so bedürfen wir hierzu eines Verfahrens, in welchem die dauernde Fixirung des Untersuchungsobjectes einen wesentlichen Punkt bildet.
Die Methode, welche wir anwenden, um bakterienhaltige resp. auf Bakterien zu untersuchende Flüssigkeiten in die Form des Dauerprä­parates ZU bringen, stammt von R. Koch.1) Koch fand, dass
') Colin's Boitr. z. Biol. d. Pll. Kais. (ies.-Amtc. Bd. 1. 1881. p. 5.
Bd. 2. 1877. p. 401 ff. — Mitth. a.
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58nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeines,
Bakterien, die in dünner Schicht am Deokglase angetrocknet werden, in ihren Formen sehr lt;gt;iit erhalten bleiben und sich dann, am Deck-glase lixirt, färben und ausgezeichnet conserviren lassen. Zur Hersteilung eines solchen „Trockenpräparatesquot; taucht man den eben ausge­glühten und wieder erkalteten Platindraht mit der Spitze in die bak-terienhaltige resp. zu untersuchende Flüssigkeit (Blut, Eiter, Sputuni, Gewebssaft, bakterienhaltiges Pflanzeninfus, Faulflüssigkeit etc.) ein und streicht das am Drahte hängen gebliebene Material in möglichst dünner Schicht auf einein rein geputztenl) Deckglase -) aus. Es empfiehlt sich hierbei, nicht nur die wirkliche Spitze des Drahtes zum Ausstreichen zu benutzen, sondern das Ende des Drahtes in Länge von etwa 1 cm llach auf das Deckglas aufzulegen und dieses letzte Stück des Drahtes in seiner ganzen Ausdehnung zum (quer gerichteten) Ausstreichen der Flüssigkeit zu verwenden. Haben wir consistenteres Material zu unter­suchen, z. B. Colonlen von der Kartoffel etc., so müssen wir dieses Material, ähnlich wie dies auch bei der Herstellung des hängenden Tropfens geschah, zunächst in flüssige Form bringen. Wir bringen zu dem Zwecke zunächst (mit Hülfe des Platindrahtes) ein kleinstes Tröpfchen reines Wasser auf das Deckglas und verreiben nachher in diesem Wasser und mit demselben ein kleinstes Partikelchen des zu untersuchenden Materials, indem wir für möglichste Flächenausbreitung desselben in möglichst dünner Schicht Sorge tragen.quot;)
Ist das Material auf dem Deckglase vertheilt, so kommt der zweite Act des Verfahrens: das Trocknen des vertheilten Materials. Dasselbe soll bei gewöhnlicher Temperatur an der Luft geschehen, nicht unter Erhitzung in der Flamme.') Gewöhnlich sind nur Bruch-
') cf. p, -l(i, Amu. 2.
-) Manche Praktiker pflegen das Material behufs späterer Färbung und unter-anohung nicht auf dem Deokglase, sondern auf dorn Objeottiäger anszu-streiohen, Dieso Praxis hat sich vielfach, oinestheils um Deckgläser zu sparen, anderntheiis um die Arbeit abzukürzen, eingebürgert, Die richtige „Hxirungquot; (siehe p. 59) dos so disponirten Materials ist etwas sohwieriger als die Fixlrnng des auf dem Deokglase ausgestrichenen Materials. Nach der Färbung, Abspübmg und Trocknung (s. weiter unten) selcher Objecttriigerpräparate wird das Immcrsiensocl (ohne Zwischen­lage eines Deckglases) direct auf die gefärbte Schicht gebracht. Die Methode ist zuerst von Xeisser (Zeitscbr. f. Hyg. Bd. 4. 1888. p. 174) angegeben.
!l) Wenn wir wässeriges Material vor uns haben, so gelingt eine gloichinilssigo Ausbreitung mir dann, wenn das Deckglas vollkommen rein ist. Das Letztere wird am schnellsten und besten durch Erhitzen des Gläschens in der Flamme erreicht (cf. p. 41), Anm, 2).
') Eine ganz leichte Erwärmung zum Beschleunigen des Trocknens ist gestattet. Man darf das Präparat z. 15. in dor erwärmten Luft, welche sieb etwa 60 cm über der Flamme des Bunsenbrenners beflndet, trocknen.
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IV. Allgemeine Methodik laquo;Lim' Bakterienbeobaobtung
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thrili1 einer Minute dazu erforderlich, das Präparat „lufttrockenquot; werden zu lassen.
Ist das Präparat lufttrocken geworden, so kommt Punkt 3 an die Reihe: das Fixiren der Schicht. Wir wollen nämlich die Bakterien-schioht hinterher färben; zum Zwecke der rärlmng muss aber die Schicht mit wässerigen Farbstofflösungen und dann mit Wasser bespült werden; und dabei werden, wenn man nicht besonders för eine Fixirung der Schicht gesorgt hat, sehr häiiiig — es braucht dies nicht immer zu geschehen, geschieht aber oft — Theile dieser Schicht her­untergespült. Um das zu vermeiden, wird die Schicht durch Er­hitzung lixirt, d.h. es werden die schleimigen Hüllen der Bakterien, vermöge deren dieselben am Glase festgeklebt sind, in Wasser weniger ([iiellbar gemacht, so dass die Bakterien nun fester am Glase haften. Koch führte diese Erhitzung ein nach dem Vorgange von Ehrlich1), welcher dieselbe speciell für Blutpräparate als ein zweckmässiges Fixirungsmittel gefunden hatte. Man kann zum Zwecke der Fixirung die Deckgläser 2—10 Minuten in einen auf 120—130deg; C. erwärmten Trockenschrank bringen. Es genügt jedoch für die allermeisten Fälle eine viel einfachere Methode: Das mit der Pincette'2) gelasste, hori­zontal gehaltene Deckglas wird, mit der Schicht nach oben gekehrt, dreimal hintereinander durch die nicht leuchtende Flamme des BuIl­sen'sehen Gasbrenners oder durch eine kräftige Spiritusflamme gezogen. Man beschreibt dabei mit der Hand unter stetiger Bewegung dreimal einen vertikal gestellten Kreis, der einen Fuss im Durchmesser hat, und den die Hand jedesmal in einer Sekunde zurücklegt. Diese genaue Angabe der Geschwindigkeit der Bewegung stammt von Johne8), welcher dieselbe in seinen Erinnerungen an die ersten „Choleracursequot; im Koch'sehen Institute aufgezeichnet hat.
Man könnte versucht sein, eine derartig genaue Vorschrift für die Schnelligkeit, mit der man das Dockglas durch die Flamme zu ziehen hat, für überflüssig zu halten. Dieselbe ist jedoch nichts weniger als überflüssig. Erhitzt man das Präparat bei dem „Fixirenquot; zu stark, so büssen die Bakterien an ihrer Fähigkeit, Farbstoffe aufzunehmen, ein, und zwar um so mehr, je weiter die Erhitzung gegangen ist. Vor allem hat man sich vor einem, wenn auch noch so kurzen, Verweilen des Präparates in der Flamme
') Zeitsohr. f. kiln. Mod. Bd. l. 1880.
-) Für diese sowie für die folgenden Manipulationen empfiehlt sich sehr die Anwendung der oben (p. 47) bereits erwähnten sogenannten C or net'sehen Pincette.
^ lieber die Kooh'sohen Belnoultnren und die Cholerabaolllen. Leipzig. 1886. p. lit.
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60nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeines.
zu hüten. Du1 Bewegung soll stetig sein; nur ganz vorübergehend seil die höhere Temperatur einwirken. Steht man einen Moment in der Flamme still, so ist die weitere Brauchbarkeit des Präparates ver­scherzt. Auf der anderen Seite soll aber das Präparat wirklich „lixirt'1 werden: und dazu gehört ein bestimmter Grad der Erhitzung. Man hat also bei dieser Manipulation eine gewisse (für verschiedene Unter-suohungsohjeote übrigens etwas verschiedene) Mittelstnisse einzuhalten, die durch die obige Angabe im Allgemeinen ziemlich genau be­stimmt wird.
Ist das Trockenpräparat lixirt, so ist es zur Färbung fertig. Die Färbung wird auf die Weise ausgeführt, dass man eine geeignete Farblösung auf die angetrocknete .Schicht bringt und den üeberschuss der Farblösung nach kürzerer oder längerer Zeit mit geeigneten Flüssig­keiten (meist Wasser) her unterspült.1) Vor der Färbung kann man das Trockenpräparat durch kürzeres oder längeres Eintauchen in eine Sublimatlösung desinficiren; mau wird dies z, B, dann thuu. wenn Einem daran liegt, patliogenes Material möglichst bald unschäd­lich zu machen. Die Länge der Einwirkung der Sublimatlösung, welche dazu nothwendig ist, variirt je nach der Beschaffenheit des zu des-iniicirenden Materiales. Die Färbbarkeit der Bakterienzellen wird nach meinen Erfahrungen auch durch stundenlange Einwirkung der ge­bräuchlichen Salzsäuresublimatlösung (1 Sublimat, 5 Salzsäure, 1000 Wasser) nicht verändert,'-')
Als Farbstoffe verwendet man zur Bakterienfärbung fast ausscldiess-lich gewisse Anilinfarben. Es ist zwar richtig, dass sich Bakterien auch mit anderen Farbstoffen, z. B. Haematoxylin, Carmin, tingiren lassen; jedoch ist die Intensität solcher Färbungen mit den durch Anilin­farben hervorgebrachten nicht zu vergleichen. Der Erste, welcher Anilin­farben zum Färben von Bakterien verwendete, war Weigert.8)
Es ist hier der Ort, einige Bemerkungen über das Wesen der Anilinfarben im Allgemeinen und über ihre Verwendbarkeit in der mikroskopischen Technik zu machen. Die Anilinfarben leiten sich in letzter Linie ab von den beiden Körpern Anilin und Toluidin,
') Dio Färbung des Präparates braucht nicht sofort nach der Antrooknung und FixiriUlg des Materials zu geschehen ; man kann das tixirto Präparat, vor Feuchtigkeit geschützt, vor der Färbung beliebig lange aufbewahren.
-) Es inii^o hier bemerkt worden, dass, obgleich manchen Anilinfarben eine hohe bakterionschädigendo Wirkmi}; zukommt, doch nicht etwa jede ßakterien-zollo durch die Anfnahmo von Farbstoff abgetödtet wird.
'') Ueher eine Mykose bei einem neugeborenen Kinde. — Sohlos. Gosclisch. f. vaterl. Cultur. Breslau. 10. Dec. 1875. (Jahresbericht, p, 229.)
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IV. AUgemeine Mothodili der Bakterienbeobaobtnng.
(il
welche ihrerseits aus den beiden (in dem Steinllt;ohlentheer enthaltenen) Kohlenwasserstoffen Benzol resp. Toluol durch Mintritt einer NH,.-Gruppe (Amidogruppe) an Stelle eines Wasserstoflfatonis in den Benzol­kern entstanden sind. Aus dem Anilin oder dem Tuluidin oder aus beiden zusammen lassen sich nun solche Körper herleiten, welche basische, und solche, die saure Eigenschaften haben. Und man kann die Anilinfarben als Salze auffassen, welche entweder dadurch ent­stehen, dass sich ein solcher basischer Körper mit irgend einer Säure verbindet, oder dadurch, dass einer der sauren Abkömmlinge mit irgend einem basischen Körper eine Verbindung eingeht. In dem ersteren Falle ist das färbende Princip des entstehenden Salzes offenbar basischer Natur, während in dem letzteren Falle der saure Be-standtheil des Salzes den färbenden Antheil darstellt. Ehrlich1) unterscheidet so „basischequot; Anilinfarbstoffe und „saure' Anilinfarbstoffe.
Es hat sich nun gezeigt, dass in der Wirkungsweise dieser beiden Gruppen sehr erhebliche Unterschiede bestehen. Bringt man beispiels­weise von zwei gleichen Schnitten thierischen Gewebes den einen in eine Farbflüssigkeit, welche mit einem basischen Anilinfarbstoffe her­gestellt ist, den anderen in die Lösung eines sauren Anilinfarbstoffes, so findet man in der Färbung der nach weiterer zweckmässiger Be-handlung resultirenden Präparate die erheblichsten Differenzen. Der saure Farbstoff bat das Gewebe diffus, in allen seinen Theilen gleichmässig gefärbt; der basische Farbstoff hat vor allem die Kerne des Gewebes gefärbt, die anderen Bestandtheile haben weniger Farb­stoff'aufgenommen. Die basischen Anilinfarbstoffe sind also durch eine besondere Affinität zu den Kernen des thierischen Gewebes ausgezeichnet, und man bezeichnet sie daher auch als kern­färbende Anilinfarbstoffe, während man die sauren auch als diffus färbende bezeichnet.
Die am häufigsten angewandten basischen (kernfärbenden) Anilinfarbstoffe sind:
Fuchsin (Rubin, Magenta) [rother Farbstoff |. Gentianaviolett, Methylviolett (Dahlia). Methylenblau. Bismarckbraun (Vesuvin).
Zu den sauren (diffus färbenden) Anilinfarbstoffen gehören unter Anderem Eosin, Pikrinsäure.
Die Kerne des thierischen Gewebes und die Protoplasmakörper
raquo;) Zeitsohr. f. kfin. Med. Bd. I. 1880. p. 55(1.
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62nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeines,
der Bakterienzellen zeigen min gewisse Analogien in ihren Eigenschaften, die unter Anderem auch in dem Vorhalten der beiderseitigen Dinge gegen Farhstoft'e zum Ausdrucke kommen. So wie die Gewehskerne durch eine besondere Affinität ZU den basischen Anilinfarbstoffen aus­gezeichnet sind, so sind dies auch die Bakterien. Wir brauchen des­halb zur Bakterienfärbung aussohliesslioh die hasischen (kern­färbenden) Anilin f a r bs tof f e.
Zur Herstellung der Färbungsflüssigkeiten verfahrt man, je nach dem Farbstoff, den man verwenden will, verschieden. Bei den beiden Violetten, dem Fuchsin, dem Methylenblau empfiehlt es sich, con c e n t r i r t e #9632; L ösungen in absolutem A1 -cohol (welcher das ausgezeichnetste Lösungsmittel für diese Farbstoffe ist) anzustellen, die als Stammflüssigkeiten dienen, zum Färben jedoch an sich nicht verwendet werden können. Diese concentrirten alcoholischen Lösungen werden dann zum Gebrauche mit etwa dem zehn f a c h e n V 01 u m e n W a s s e r v e r d ü n n t. Die schliesslich an­zuwendenden Farblösungen müssen stets wässerige sein resp. einen hervorragenden Wassergehalt besitzen. Der Grund, weshalb man nicht die unmittelbar gebrauchsfähigen wasserhaltigen Farblösungen von vorn­herein in grösseren Quantitäten anstellt, ist der, dass die mit Wasser versetzten Lösungen gewöhnlich nur eine beschränkte Haltbar­keit besitzen. Line nach obiger Vorschrift durch Vermischen der concentrirten alcoholischen Lösung mit der zehnfachen Wassermenge hergestellte Violett- oder Fuchsinlösung wirkt, frisch bereitet, ansserordentlich schön; bald jedoch, spätestens nach mehreren Wochen, neigen diese Flüssigkeiten dazu, Niederschläge ausfallen zu lassen; sie färben dann weniger intensiv und bedecken das Präparat gern mit grösseren oder kleineren, mitunter sehr dicht gesäeten Fleckchen, welche als „Farbstoffniederschlägequot; bekannt sind und das Präparat häufig unbrauchbar machen. Dies gilt für die violetten und die Fuchsinlösungen. Den Methylenblaulösungen kommt etwas derartiges nicht zu. Methylenblaulö sungen sind un­beschränkt haltbar.
Wir werden also, wenn wir Bakterien violett oder fuchsinroth färben wollen, uns im Allgemeinen frisch bereiteter, durch Vermischen concentrirter alcoholischer Stammlösungen mit Wasser hergestellter Farb­lösungen bedienen. Was noch das Bismarckbraun im Speciellen angeht, so empfiehlt es sich, diesen Farbstoff in concentrirter Lösung in einem Gemisch von Wasser und Glycerin zu gleichen Theilen anzuwenden.')
') K. Koch, Cohn's Bote, z. Blol, A, I'll. IM, 2, 1877, p, 406,
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IV, Allgemeine Methodik dor Bakterlenbeobaohtung.
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In der Wirkungsweise der verschiedenen genannten Farbstoffe auf die Präparate sind übrigens ganz bestimmte Unter­schiede vorhanden. Das Bismarckbraun, welches früher, nament­lich für die Zwecke der Mikrophotographie, unentbehrlich war, wird jetzt (wenigstens für Deckglastrockenpräparate) nur verhältnissmässig wenig noch angewendet, weil wir einerseits gelernt haben auch anders als braun gefärbte Bakterien zu photographiren, und weil das Bis­marckbraun manche Bakterienarten (wie z. B. die Tuberkelbacillen) schlecht oder gar nicht färbt. Am intensivsten färben und von ganz allgemeiner Anwendbarkeit für alle Bakterienarten sind die violetten Farbstoffe und das Fuchsin. Das Methylenblau1) färbt zarter und lässt in dem Bakterienleibe oft noch feine Differenzen des Inhalts nach der Färbung erkennen, die bei Anwendung der Violette oder des Fuchsins vollständig verschwinden, in der Totalfäibung des Bakterien­körpers untergehen. Für Trockenpräparate von ei we isshal tigern Material (Blut, Eiter etc.), welches auf Bakterien untersucht werden soll, empliehlt sich vor allem die Methylenblaufärbung, weil bei dieser das Plasma des Blutes, Eiters etc. viel weniger gefärbt wird, als wenn Fuchsin oder Violett zur Verwendung gelangt, und weil so­mit die Bakterien, Leukocyten etc. viel besser zur Darstellung kommen.
Kehren wir nun zu unserem Deckglas-Trockenpräparate zurück, welches wir, zur Färbung bereit, verlassen hatten. Wir fassen das Präparat mit einer kleinen, in der linken Hand gehaltenen gewöhnlichen Pincette (oder mit der Cornet' sehen Pincette | cf. oben p. 471) so in horizontaler Lage, dass die angetrocknete Schicht nach oben sieht; wir bringen dann einige Tropfen wässeriger Farblösung auf diese Schicht (am besten mit Hülfe einer kleinen Pipette, welche aus der die Farblösung enthaltenden Flasche heraussieht), wir lassen die Farblösung einige Secunden einwirken und spülen dann mit Wasser den Ueberschuss ab.2) Die Schicht muss sich dann gefärbt zeigen. Mit Hülfe eines Glasrohres oder auch ohne ein solches blasen wir dann das überschüssige Wasser von der gefärbten Schicht herunter.
') In Trookenpräparaten, welche mitMethylenblan geftlrbt sind, Bndet man hiiulig einzelne Dinge röthlioh gefilrbt, während andere eine rein blaue Farbe ange­nommen haben. InAnsstrlchpräparaten der Milz von Milzbrandmänsen, die mitMethylen­blan behandelt wurden, habe lob häufig die Milzbrandbaoillen röthlioh, die Kerne der Leukooyten rein blau gefärbt angetroffen. — Die Kiipsdn der MilzbrandbaclUen (siehe weiter unten unter „Milzbrandbacillusquot;) erseheinen in Methylenblautrockenpräparaten liäiililaquo;;' hellröthlioh Im Gegensatz zu dem blau gefärbten E'rotoplasmakörper.
-) Hierbei hat ninii darauf zu achten, dass auch die etwa zwischen den Pincettenbrnnchen angesammelte Farbflüssigkeit durch Ausspülen der Branchen ent-l'ernt werde.
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04nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. AUgdmeines.
wischen die andere Deokglasseite mit einem Leinwandläppoben oder mit Fliesspapier trocken, ziehen eventuell das Deckglas mit nach oben gerichteter Schicht noch einige Male durch die Flamme, um es voll-ständig zu trocknen, und sind nun mit der Färbung fertig.
Naoh der Färbung wird das Präparat auf den Objectträger auf­gekittet (zur Conservirung „eingesohlossenquot;). Wir verwenden zu diesem Zwecke fast ausschliesslich Canadabal sam.') Der Canada-balsam ist ein von bestimmten Coniferen stammendes terpentinälinliches Harz, welches in äusserst zähflüssigem Zustande im Handel erscheint und für unsere Zwecke erst verdünnt werden muss. Die Verdünnung wurde früher hauptsächlich mit Terpentinöl oder mit Chloroform bewirkt. Es hat sich aber gezeigt, dass diese beiden Körper sich gegen gefärbte Objecte, namentlich gegen mit Anilinfarben gefärbte Bakterien, durch­aus nicht gleichgültig verhalten. Sie wirken allmählich entfärbend. Als d u r c b aus i n d i f f e r e n t e r K ö r p o r hat sich jedoch in dieser Hinsicht das Xylol erwiesen, und dieses würde ich doshalb ganz allein zur Verdünnung des Balsams empfehlen. Das Xylol, ein Dimethvlbenzo], ist eine leicht bewegliche, in ihrem Gerüche zwischen Benzol und Bittermandelöl stehende Flüssigkeit, die, ohne Rückstand zu hinterlassen, verdunstet. Zum Verdünnen des Balsams nimmt man die Hälfte seines Volumens bis zum gleichen Volumen Xylol je nach dem Zwecke, dem der verdünnte Balsam dienen soll. Für Deckglas­trockenpräparate braucht man einen dünneren, zum (Jonserviren von Schnitten einen dickeren „Xy 1 o 1 -Ba 1 sam quot;.
Das Auf kitten des Trockenpräparatea mit dem Xylol-Balsam auf den Objectträger (oder das „Einschliessenquot; des Präparates) wird so ausgeführt, dass man auf die Mitte des reingeputzten Object-trägers ein kleines Tröpfchen des Balsams'2) bringt und dann.
') Nur selten werden andere Einsoblussmittel verwandt. Mit Bismarokbraun geiUrbte Präparate können auch in Glycerin, violett- odor füchsingefilrbte I'räjm-ratä können auch in essigsaurem Kaji (l Thell auf 2 Theüe Wasser) conservlrt werden (E. Kucli). (Solche Präparate müssen dann mit einem liackrahinon ver­seilen werden, weicher die Conservirungsflüssigkeit nach iuisscn abscbliesst. Am besten eignet sicli Asp hultlaek für diesen Zweck [eine Lösung von Asplmlt in Leinöl und Terpentin]. Der Lackverschluss wird mit Hülle einen Pinsels in dor Weise hergestellt, dass sowohl der Rand des Deckglases wie die angrenzenden Thcilo dos Objcotträgers von dem bestreichenden Pinsel getroffen werden.) — Handelt es sich nicht inn Conservirung, sondern nur um mikroskopische Besichtigung der gc-fiirliten Deckglaspriiparate, so kann man auch Codernöl oder (jedoch viel weniger ZWeckmässig) Wasser als Kinseliliissmitti'l verwenden.
-) Der Balsam wird am besten in den (p. 46) beschriebenen kleinen weithal-sigen Fliisclichen mit aufgesohlifTener Obergreifender Kappe aufbewahrt. In dem Fläschcben steht permanent ein dünnes (Hasstäbchen mit rund verschmolzenen Enden,
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IV. Allgemeine Methodik der Bakterienbeobaobtung
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vorsichtig- und langsam, das Deckglas, mit der gefärbten Schicht nacli unten, mit einer feinen Pincette gefasst, mitten auf den Objectträger, d. h. auf das Balsamtröpfchen legt. Benutzt man zu der letzteren Manipulation nicht die Pincette, sondern nur die Finger. so ist man geuöthigt, im letzten Moment das Deckglas fallen zu lassen : und es kommt dann häufig zur Bildung kleiner Blasen innerhall) des Balsams, welche unter Umständen geeignet sind, die Beobachtung des Präparates zu stören. Unter dem Deckglase breitet sich der Balsam je nach seiner Consistenz rascher oder langsamer aus und bildet schliesslich eine Verbindung des Deckglases in seiner ganzen Aus­dehnung mit dem Objectträger. Man hüte sich übrigens, zu viel des Balsams auf den Objectträger zu bringen. Begeht man diesen Fehler, so quillt der Haisam unter den Rändern des Deckglases hervor, kommt dann bei der nachherigen mikroskopischen Betrachtung eventuell mit dem üel des Immersionssjstems zusammen, vermischt sich mit demselben, verändert den Brechungsexponenten der Immersionsflüssig­keit, und man muss sich dann der Mühe unterziehen, das Immersions­system sowohl wie die Oberfläche des Deckglases sauber (am besten mit Benzol oder Xylol) abzuputzen, den überflüssigen Balsam zu ent­fernen, und kann dann die Beobachtung von Neuem beginnen. Ein weiterer Verschluss des aufgekitteten Präparates ist nicht nothwendig. Innerhalb weniger Tage ist der Balsam ziemlich fest, innerhalb einer Reihe von Wochen an den Rändern steinhart, und das Präparat ist dann ein echtes, wirkliches Dauerpräparat. Die Färbung hält sich, wenn man die Präparate im Dunkeln aufbewahrt, dauernd un­verändert.
Es ist selbstverständlich, dass man unmittelbar nach der Her­stellung des Präparates dasselbe mit einer genauen Bezeichnung (am besten wird dieselbe auf einem aufgeklebten E t i k e 11') ange­bracht) versieht, welche die näheren Daten über die Herstammung
welches nacli Abhobung der Kappe aus dem Fliischchen heraussieht, und mit Hülfe dessen der Tropfen Balsam herausgehoben wird. Ganz unbrauchbar sind die (für andere Beagentien ganz brauchbaren) sogenannten Cobaltflascben für unseren Zweck; diese ähneln den beschriebenen Flaschen, unterscheiden sich von denselben aber da­durch, dass der Glasstab durch oinon eingeschliffenen, nach unten in die Flasche hinein verlttngerten Stopfen ersetzt ist. Man wird diese Gefasse nach kurzem Ge­brauche verwerleu; denn es ist hei ihnen nicht zu vermeiden, dass der Balsam über den Flaschenrand herausquillt und die Aussenwand des Qefttsses, den Tisch etc. beschmutzt und verschmiert.
') Stau mache es sich (aus naheliegenden Gründen) zur Hegel, im bakteriolo­gischen Laboratorium die aufisuklebenden Etiketts nicht anzulecken, sondern sie auf irgend eine andere Weise mit Wasser anzuleuchten.
Günthor, liukteriologio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5
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(ißnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgomoines.
des Materiales and immcutlich auch Datum und Jahreszahl der Her­stellung' angiebt.
Will man übrigens ein Trockenpräparat, welches vor längerer Zeit gefärbt und in Canadabalsam eingeschlossen wurde, wieder von dem 0 b j e c 11 r ä g e r h e r u n t e r n e h m e n, z. B. um es auf einen anderen Objectträger aufzukitten oder es mit einer anderen Farbe zu färben (es „umzufärbenquot;) etc., so braucht man nur den Objectträger von unten her über der Flamme leicht (nicht zu stark ')) zu erwärmen. Der Balsam wird sofort wieder etwas flüssiger, und man kann dann mit einem kleinen Hölzchen oder Aehnlichem das Dockglas von dem Objectträger herunterschieben und es ohne Weiteres mit einem neuen Tröpfchen Balsam auf einen anderen Objectträger aufkitten. Beabsichtigt man eine Umfärbung, so wird das herunter geschobene Deckglas in Xylol, das man zweckmässiger Weise mehrmals erneuert, gebracht, bis der Balsam vollkommen heruntergelöst ist. Dann kommt das Deckglas in absoluten Alcohol zur Entfernung des Xylols, dann in eine der weiter unten zu besprechenden Entfärbungsflüssigkeiten, wird nach erfolgter Entfärbung in Wasser abgespült und kann nun mit beliebiger Farblösung wieder gefärbt, dann abgespült, getrocknet und wieder auf­gekittet werden.
Nach dieser Abschweifung wollen wir uns unserem Trocken-p r ä p a rate wieder zuwenden, welches wir gefärbt, in Balsam einge­schlossen und damit zur Beobachtung fertig gemacht hatten. Während wir zur mikroskopischen Betrachtung des hängenden Tropfens aus genauer erörterten Gründen darauf angewiesen waren, uns zunächst eine bestimmte Stolle des Präparates (nämlich den Rand des Tropfens) aufzusuchen, um diese zu untersuchen, haben wir es zum Zwecke der genaueren mikroskopischen Prüfung des gefärbten Trockenpräparates nicht noting, eine solche bestimmte Stelle aufzusuchen. Das Trocken­präparat stellt ein sehr dünnes, in horizontaler Ebene ausgebreitetes Object dar, dessen einzelne Theile mehr oder weniger gleichwerthig sind; und es ist deshalb gleichgültig, welche Stelle des Deckgläschens wir zunächst unter die Linse bringen, falls nur überhaupt an dieser Stelle Theile der gefärbten Schicht vorhanden sind. Gewöhnlich legt man deshalb das Präparat so auf den übjeettisch, dass die obere Linse des A b b e 'sehen Apparates und das Deckglas concentrisch über ein­ander liegen, dass also die optische Axe des Mikroskopes durch die
') Es Kci luVr .bemerkt, diiss In Balsam eingeschlossene Bakterlenprftparate, dio stark (etwa bis zu beginnender Blasenbildung des Balsams) erhitzt werden, dio Ftlrbnng hierbei verlieren.
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IV. Allgemeine Methodik ilev Bakterienbeobaotatung.
laquo;7
Mitte des Dockgiäschons geht. Dann wird ein Tröpfchen Cedernöl') auf die Mitte des Deckgläschens gebracht und, ohne dass erst eine Beobachtung mit schwachem System erfolgt, das Immersionssystem in der oben (p. 51) beschriebenen Weise unter Benutzung des groben Tubustriebes in das Oel hineingesenkt. Nachdem die Berührung der Linse mit dem Oel erfolgt ist, wird, wie dies bei der Einstellung des hängenden Tropfens geschah, der Tubus wieder etwas in die Höhe geschraubt, ohne dass die Oelverbindung dabei auseinanderreisst. Dann bringt man das Auge über das Ocular und regulirt nun zunächst provisorisch die Spiegelstellung so, dass das Gesichtsfeld, in welchem zunächst ein Bild noch nicht sichtbar ist, überhaupt nur eine gewisse Helligkeit zeigt. Dann wird durch vorsichtiges und langsames Horunter-schrauben des Tubus mit Hülfe des groben Triebes das Bild zum Er­scheinen gebracht und in dem Momente des Erscheinens der grobe Trieb verlassen und die weitere feinere Einstellung des Bildes mit der Mikrometersohraube vollzogen.
Nun ist zwar das Objectiv resp. der Tubus in die richtige Stellung zum Ohjecte gebracht; das Bild wird aber nur in Ausnahmefällen sich jetzt schon so zeigen, wie wir es definitiv zu sehen wünschen. Ein wichtiger Punkt ist noch zu erledigen: die endgültige Regulirung der Beleuchtung. Wir hatten die Beleuchtung zunächst nur so ein­gerichtet, dass überhaupt Strahlen der Lichtquelle, von dem Spiegel rellectirt, durch das Abbe'sehe Condensorsystem in das Objectiv ge­langten. Es kommt jetzt noch darauf an, die Stellung des auf- und abwärts verschieblichen Abbe'sehen Apparates so zu reguliren, dass der Vereinigungspunkt der aus ihm heraus in das Ob­ject eintretenden Lichtstrahlen in dem Objecte selbst liegt. Denn dies ist, wie wir oben (p. 52) hervorgehoben haben, zum Zustandekommen eines möglichst guten Hildes stets erforderlich.
Um diese zweckmässigste Stellung des Beleuchtungskörpers zu linden, kann man sich entweder des Verfahrens bedienen, das wir oben bei der Einstellung des hängenden Tropfens anwandten, und das darauf beruht, dass man, indem man das Object mit schwachem Objectiv
') Es sei gestattet, an dieser Stelle ein Wort über den Modus der Eut-Fernung des Cedernöls vom frischen Präparate nach der abgeschlos­senen mikroskopischen BoobaclituiiR zu sagen; Am besten begnügt man sieh zunächst damit, durch ein auf das Deckglas aufgelegtes Stückchen Fliesspapior den liiissigon üoborschuss des Oels herunterzunehmen, Der auf dem Deckglas ver­bleibende Rest des Oels wird nach einigen Wochen, wenn der Balsam völlig fest geworden ist und das Deckglas also fest am Objecttriiger haftet, mit einem in Benzol oder Xylol getauchten Läppchen entfernt.
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Oynbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeines.
ansieht, den Abbe'schon Apparat so stellt, dass das Mild der Licht-quelle in der Objectebene direct sichtbar wird. Will man aber das schwache Objecti? umgehen (und dies pflegt man bei der Betrachtung' gefamp;rhter Trockenpräparate gewöhnlich zu than), so findet mau jene zweckmässigste Stellung des Beleuchtungskörpers auf eine etwas andere Weise. Hat mau nämlich zunächst, wie erörtert, überhaupt bei irgend welcher Beleuchtung das Bild mit dem Immersiunssystein möglichst scharf eingestellt, SO bringt man mm dasPrincip der maximalen Beleuchtung zur Anwendung; d. h. man regulirt Abbe- und Spiegelstellung gleichzeitig so, dass das (Jentrum des Gesichtsfeldes resp. das Object sich möglichst hell beleuchtet zeigt. Es ist klar, dass dies Letztere nur dann zu Stande kommen kann, wenn die von der Lichtquelle ausgehenden Strahlen sich genau in dem Objecte oder in der Objectebene vereinigen. Das Prinoip, die Beleuchtung maximal zu machen, ist also identisch mit dem Prin­cipe, das Bild der Lichtquelle in das zu beobachtende Object zu projiciren; und ich darf dabei' das Princip der maximalen Beleuchtung, welches übrigens zuerst von mir1) in dieser Passung aufgestellt resp. detinirt worden ist, ganz allgemein für das mikroskopische Arbeiten empfehlen.
Noch ein Wort über das rein manuelle Vorgehen bei dem Ein­stellen dieser maxi m a 1 e n B e 1 e u c h t u n g: Vorausgesetzt, wir hätten das Object mit dem Tmmersionssystem bei irgend welcher Beleuchtung zunächst möglichst scharf eingestellt, so würden wir weiterhin nur an der Spiegelstellung und an der Stellung des Ab be'sehen Condensers eventuelle Aenderungen vorzunehmen haben. Wir bringen dann die linke Hand an den Trieb des Abbe'sehen Apparates, die rechte an die Spiegelfassung, richten den Spiegel zunächst so, dass die Mitte des Gesichtsfeldes oder das Gesichtsfeld überhaupt möglichst stark beleuchtet ist, und schrauben nun den Abbe'schon Apparat auf- oder abwärts, je nachdem die Lichtstärke in der ersten oder in der zweiten Bewegungs­richtung zunimmt, bis wir zum Maximum der Lichtstärke gekommen sind. An der Spiegelstellung nehmen wir nur dann In den einzelnen .Momenten dieser Regulirung der A b b e - Stellung Veränderungen vor. wenn die Beleuchtung aus dem Gesichtsfelde herausgehen resp. nicht centrisch bleiben sollte. Bei einem ideal construirten Mikroskope ist dies allerdings nicht der Fall; die meisten, auch die besten Instrumente, zeigen aber Fehler in der ('entrirung des Abbe'sehen Condensors, und diese werden durch geringe Aenderungen der Spiegelstellung cor-
') 1. Auflage dieses Buches, isoo. p. 66.
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rigirt. Nun würde nocii feinste Einstellung der Bildsobftrfe mit der Mikrometersohraabe erfolgen; und dann ist die gesammte Disposition des Mikroskopes die zweokmftssigste, die unter den gegebenen Be­dingungen möglich ist.
Man kann die maximale Beleuchtung noch auf eine andere Weise einstellen: Nachdem man nämlich mit Hülfe des Immersionssystems das Object zunächst bei irgend welcher Beleuchtung möglichst scharf eingestellt, d. h. dem Objectiv die richtige Entfernung vom Objecto gegeben hat, entfernt man das Ocular aus dem Tubus (ohne den letz­teren zu verstellen), blickt dann central in den Tubus hinein und disponirt nun die Spiegelstellung und die Stellung des auf- und ab­wärts verschieblichen Ab be'sehen Beleuchtungskörpers so, dass die obere Objectivlinse möglichst hell leuchtend erscheint, und dass der Mittelpunkt der leuchtenden Partie mit dem Centrum der Linse zu­sammenfällt. Die hierzu nothwendigen Stellungen des Spiegels und des Abbe'sehen Apparates findet man durch Ausprobiren (Hin- und Herschieben etc.) sehr leicht in wenigen Secunden. Bringt man nun das Ocular in den Tubus zurück, so hat man nur noch event, die letzte feine Einstellung der Bildschärfe an der Mikrometerschraube vorzunehmen, um die zweck massigste Disponirung des Mikroskopes für den gegebenen Fall erreicht zu haben.
Dass wir bei der Einsteilung des gefärbten Präparates keine Abbiendung des Ab be'sehen Condensors vornehmen, sondern den­selben voll zur Wirkung kommen lassen, ist nach den oben (p. 54) über die Eunctionen des Abbe #9632;sehen Apparates gegebenen Erörte­rungen selbstverständlich. ')
Das Verfahren der mikroskopischen Einstellung des gefärbten Trockenpräparates würde sich also folgendermassen gestalten:
') Arbeitet man bei Lampenlicht, so ist das Mikroskopiren bei der ge­schilderten Beleuchtung, nnmentlioh wenn man schwache Ocidare verwendet, für ein normales Ange buchst unangenehm. Das Auge wird durch die Fülle der Licht­strahlen erheblich geblendet. Man mache es sich, wenn man seine Augen lieb hat. zur Kegel, bei der Beobachtung mit bampenlicht und vollem Condonsor stets blaue Gläser zu benutzen (cf, p. 62, Anm. 2), Es ist nicht statthaft, das Licht dadurch abzustumpfen, dass man den ('ondonsor abblendet, oder dass mau durch vertikale Verschiebung des Condensors von dem Principe der maximalen Beleuchtung abweicht. Denn in den beiden letzteren Fällen würde mau mit engerem Beleuch-tungskegel arbeiten, Dilfractionssiiume an den Coutouren der Objeete erzeugen und ein Zustandekommen des gewünschten (und für die meisten Zwecke unumgänglich nothwendigen) reinen Farbenbildes (cf. p. 54) vereiteln.
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7(1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemoiuea,
1)nbsp; Position (It's Präparates auf dorn Ohjccttisdi so. (lass etwa (lie Mitte des Deckgläschens in dec optischen Axe liegt.
2)nbsp; Bringen eines Tropfens Cedernöi central auf das Deckglas.
8) Vorsichtiges Niederschrauben des Tubus mit Hülfe des groben Triebes bis zum Eintauchen des Immersionssystems in das Oel. Zu­nickschrauben des Tubus, ohne die Oelverbindung zu zerreissen.
4)nbsp; Entfernung jeder Blendung unterhalb des Ah he quot;sehen Appa­rates. Stellung des Planspiegels so, dass das Gesichtsfeld (irgendwie) beleuchtet erscheint.
5)nbsp; Vorsichtiges, langsames Niederschrauben des Tubus mit Hülfe des groben Triebes bis zum Erscheinen des Bildes.
6)nbsp; Loslassen des groben Triebes und möglichste Scharfstellung des Bildes mit Hülfe der Mikrometerschraube.
7)nbsp; Herstellung der maximalen Beleuchtung durch Kegulirung der Abbe- und Spiegelstellung nach einer der oben (p. 08. (19) ange­gebenen Methoden.
Hat man auf diese Weise eine Stelle des Präparates eingestellt, so unterwirft man dieselbe der Besichtigung und kann dann, die eine Hand am Präparate, die andere an der Mikrometerschrauhe, (lurch Verschiebung des Präparates sich beliebige weitere Stellen des Präpa­rates zur mikroskopischen Anschauung bringen. An der Beleuchtung braucht man währenddessen naturgemäss nichts zu ändern.
An einem solchen gefärbten Trockenpräparate zeigen sich nun die einzelnen Bakterien, und zwar der Protoplasmakörper der­selben, mehr oder weniger intensiv gefärbt. Sind die Hüllen (cf. p. 9) stärker entwickelt, so kommen sie als weniger intensiv oder auch als kaum gefärbter den Protoplasmakörper umgebender Hof deutlich zur Erscheinung (vgl. Taf. XII, Fig. 67 und 69).
Häufig linden wir in einem gefärbten Trockenpräparate (und dasselbe gilt auch für die später zu besprechenden Schnittpräparate) nicht alle Individuen (die ZU derselben Art gehören) gleichmässig ge­färbt. Neben solchen, deren Protoplasmakörper sich intensiv tingirt hat, sehen wir andere, die Mass, schlecht gefärbt erscheinen. Es handelt sich hier um Individuen, die in 1) e gene rat ion begriffen oder vollständig degenerirt sind, und deren Protoplasma damit die Fähigkeit verloren hat, sieh mit Farbstoffen zu beladen. Der Verlust der Färbbarkeit lässt mit Sicherheit auf eingetretenen Tod schliessen (K.Koch1)): andererseits ist es aber nicht statthaft, aus der erhalten
l) Untersuchungen über die Aettologie der Wundinfeotlons^Krankheiten, Leipzig. 1878. p. 53.
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IV. Allgemeine Methodik der Bakterienbeobaobtung.
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gebliebenen Färbbarkelt den Sohluss zu ziehen, dass das Individuuni vor der Fräparation noch völlig lebenskräftig war, wie Untersuclmngen von B a u m g a r t o n und B r a e m ') gezeigt haben.
Sind in dem Trockenpräparate Bacillen vorhanden, welche aus­gebildete Sporen enthalten, so zeigen sich die letzteren als unge­färbte Körper innerhalb des Hacillenleibes, der im Uebrigon noch ganz normal gefärbt sein kann (cf. Taf. IV, Fig. 19; Taf. VI, Fig. 35; Taf. VII, Fig. 39). Man hüte sicli aber davor, jede ungefärbte Stelle in einem gefärbten Bacillus als „Sporequot; anzusprechen. Die ausgebildete Spore hat eine resistente Membran (cf. oben p. IG), welche auch dem' Eindringen von Farbstofflösungen einen sehr erheblichen Widerstand entgegensetzt. Aus diesem Grunde erscheinen im gefärbten Trocken­präparat die Spuren gewöhnlich ungefärbt; aber es können innerhalb von Bacillen Stellen auch aus anderen Gründen ungefärbt bleiben, z. B. wenn das Protoplasma bei beginnender Degeneration hier und da seine Färbbarkeit eingebüsst hat. Ferner kommt es auch, wie Buchner'2) gezeigt hat, vor, dass bei dem Zutritte der Farblösung das Bacillenprotoplasma sich innerhalb der Bacillenmembran etwas contrahirta) und so eine ungefärbte; vacuolenartige Stelle entsteht. Zur sicheren Diagnose eine r „S p o r equot; ist ausser der Beobachtung des Färbungsverhaltens vor Allem der Nachweis der Keimfähigkeit des Gebildes nothwendig.
Hat man Blut auf Bakterien zu untersuchen, so kann man sicli mit Vortheil der geschilderten Methode der Darstellung des gefärbten Trockenpräparates bedienen.4) Bei richtiger Erhitzung des Präparates (gelegentlich der Fixirung) zeigen sich dann die Bakterien am inten­sivsten gefärbt, die rothen Blutkörperchen in ihrer Gestalt erhalten und weniger intensiv gefärbt, das Plasma wenig gefärbt. Mitunter stört aber die Färbung der Blutkörperchen und des Plasma die Bakte­rienfärbung resp. Bakterienbeobachtung, und es ist dann mit Vortheil ein Verfahren anzuwenden, welches loh5) ursprünglich zur Färbung von Recurrensspirillen in Blutpräparaten .angegeben, dann aber zur Darstellung von Bakterien in Blutpräparaten überhaupt9) empfohlen habe. Dies Verfahren beruht darauf, dass durch Abspülen
') Cf. Centralbl. f. klin. Mod. 1888. No. 29. -) Centralbl. f. Hakt. Bd. 4. 1888, No. 12—13. quot;) Vergl. oben p, 1laquo; „Plasmolyse.quot;
') Vorgl. p. t)3 (Empfehlung dos Methylenblaus für die üntOJSUOhung eiweiss-haltiger Flüssigkeiten).
9) Fortschritte d. Medieiu. 1885. p. quot;5ö.
quot;) Deutsche med. Wochensoht. 1887. No. 22.
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72nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeiuesi
der geti'ookneten und flxirten Blatprftparate mit dtimiei' (t—6 prooen-tiger) Essigsfttirelösiing das Haemoglobin aus den Blvitscheiben extrahirt
und ein grosser Theil des Plasma von dem Glase heruntergewaschen wird, ohne dass die Fiximng der Bakterien dabei leidet. Trocknet man hinterher die Schicht wieder, so kann man sie nun wie gewöhnlich färben, und man erhält so eine ziemlich isolirte Färbung der B a k t e r i e n; die Blutkörperchen erscheinen nur noch wie blosse Schemen und stören das Bild der gefärbten Bakterien nicht mehr. Fig. 70 auf Taf. XII (Recurrensspirillen in Blut) ist nach einem auf die beschriebene Weise hergestellten Präparate aufgenommen. Die eben geschilderte Methode lässt aber manchmal im Stich, wenn die Blut­schicht bereits vor sehr langer Zeit am Deckglas angetrocknet und das Präparat in diesem Zustande aufbewahrt wurde. Das Plasma ist dann so fest am Deckglase angetrocknet, dass es nicht gelingt, dasselbe mit Bssigsäurelösung abzuspülen. Hier habe ich ') mit Erfolg folgenden Kunstgriff angewendet: Ich behandelte so eingetrocknete Schichten mit 2—Sproc. wässeriger Pepsinlösung. Das Plasma wurde in kurzer Zeit peptonisirt, die Bakterien blieben wohl erhalten.
Eine Doppelfärbung von Blut-Trockenpräparaten, die Bakterien enthalten, erreicht man durch Behandeln der Präparate mit einer Farblösung, die ein Gemisch von Methylenblau und Eosin darstellt (C h c n z i n s k 3^' sehe -) Eos in-Methylenblaulösung). .Man nimmt zweckmässig:i) ein ganz frisch bereitetes Gemisch von 2—3 Vol. gesättigter wässeriger Methylenblaulösung,
1nbsp; nbsp;Vol. '/jproc. Eosinlösung in 70 Ms 75proc. Alcohol,
2nbsp; Vol. Wasser.
Auch die weiterhin noch zu besprechende Gram'sche Methode lässt sich bei geeigneter Natur der Objecte für Deckglastrockenpräparate (specieU auch für Blutpräparate) verwenden.
Zur mikroskopischen Darstellung von Mikroorganismen im Horngewcbe hat Unna') folgende Methode angegeben: Die be­treffende Hornschuppe (Kruste, Comedo etc.) wird auf einen Object-träger gelegt und mit einem Tropfen starker Essigsäure befeuchtet. Kin zweiter Objectträger wird auf den ersten gelegt, und es wird durch Drücken und Reiben der beiden Objectträger gegen einander das in
') Deutsche mod. Wooheneehr. IS87. No. 22.
-) Chonzinsky (Centralbl. f. Bakt. Bd. 3. 1laquo;88. No. 15) hat rlioso Mischung zuerst, und zwar zur Färbung von Malariablut-l'riiparaton, angegeben.
quot;) Cf. die Arbeiten von Plobn (Aetiologisohe und klinisohe Malariastudien. Berlin 1890) und von Canon (Vircb. Aroli. lid. 131. ISICi. p, 404),
') Die Färbung der Mikroiirganisinen im Homgewebe. Hamburg und Leipzig 1891.
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der Essigsäure aufquellende Material zu einem Brei zerrieben. Die Objectträii'er werden dann von einander gehoben und zur Verdunstung der Essigsäure rasch über der Flamme getrocknet. Die ziemlieb abge­kühlten, aber noch warmen Objectträger werden, nach einander, mit etwas Aetber-Alcohol-Miscbung begossen, welche das Fett aus dem an­getrockneten Materiale extrabirt; die ablaufende fetthaltige Flüssigkeit wird von einem Handtuche aufgesogen, mit Hülfe dessen man den Objectträger zwischen den Fingern hält. Das entfettete Material wird mit Methylonblaulösung!) unter gelinder Erwärmung gefärbt, mit Wasser abgespült, mit dünner Essigsäurelösung (oder anderen passenden Mitteln) differenzirt9), mit Wasser oder Alcohol oder beiden abgespült, über der Flamme getrocknet/') und in Balsam eingeschlossen. Unna nennt so bergestellte Präparate „D r u o k p r ä p a r a t equot;.
Den folgenden Abschnitten vorgreifend wollen wir liier schon dar­auf aufmerksam machen, dass eine jede Färbung bei höherer Tem­peratur schneller vor sich geht und unter Umständen überhaupt bessere Resultate giebt als die Färbung bei niedrigerer Temperatur.') Von dieser Thatsache kann man manchmal bei der Darstellung von Trockenpräitaraten Gebrauch machen. Findet man nämlich, dass sich ein bestimmtes Material bei der gewöhnlichen, geschilderten Behand­lung nur massig färbt, dass die Bakterienzellen sich im Allgemeinen nur schlecht mit Farbstoff beladen, so kann man oft ganz gute Bilder erzielen, wenn man das mit der Pincette gehaltene, lixirte und mit Farbstofflösung bedeckte Deckgläseben für wenige Secunden mitten in die Gas- oder Spiritusflamme bringt. Die Farbfiüssigkeit fängt dann an zu dampfen und wird, ehe sie einzutrocknen beginnt, mit Wasser in der gewöhnlichen Weise heruntergespült.
Durch die bisher geschilderten Methoden, gefärbte Trockenpräparate darzustellen, wird, wie bereits besprochen, das Bakterienprotoplasma gefärbt; auch die Hülle nimmt oft in gewisser Weise Färbung an. Un-
') Unna verwendet folgende Lösung: Borax und Methylenblau ana 1,0, destil-lirtes Wasser 100,0,
'-) Uebor „DifTerenzirnngquot; laquo;lor Ftlrbung a'who weiter unten im nftohsten Ab­schnitt (Sohnittbehandlung).
•') Cf. hierzu das über „Antrocknungsiuethodequot; im näohsten Absobnitl (Sohnittr behandlung) Gesagte.
') Dies entspiioht der oben (p, 34) erwähnten wlohtlgen Thatsache, dass ein jedes cliemiaciie Desinfeetionsniittel bei höherer Temperatur energischer wirkt als bei niedrigerer. Sn wie das Desinfeetionsniittel bei der höheren Temperatur schneller in die Bakterienzelle eindringt, so tlmt dies auch der Farbstoff.
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74nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A, Allgciiu'ines.
gvfärbt hingegen bleiben fast ausnahmslos1) die Geissclfäden, die Bewegongsoi'gane der eigenbeweglichen Bakterienarten (cf. oben p, 14).
Methoden, Geisseifäden an Bakterien zur Anschauung zu bringen, wurden zuerst von R. Koch angegeben. Koch wies diese Gebilde zunächst an einigen Spirillen-und Bacillenarten nach, die, am Deck-glase angetrocknet, ungefärbt und ohne Zusatz einer Ein-schlussmasse bei bestimmter Beleuchtung die Geisseifäden sehr deutlich erkennen liessen.') Durch eigene Versuche habe ich mich davon über­zeugt, dass es bei solchen Bakterienarten, welche nicht zu zarte, son­dern relativ kräftige Geissein besitzen, ein Leichtes ist, die letzteren im ungefärbten Präparate zur Anschauung zu bringen. Die in Wasser suspendirten Bakterien werden in dünnster Schicht auf dem Deckglase ausgebreitet: man lässt die ausgebreitete Wasserschicht verdunsten und befestigt das Deckglas dann so auf einem Objectträger, dass es, die Bakterienschicht nach unten gekehrt, mit seinem Rande auf einem Rälunchen von dünnem Papier ruht, welches mit dem Objectträger sowohl wie mit dem Deckglas durch Canadabalsam verbunden wird. Auf diese Weise stellt man sich leicht Dauerpräparate her, bei denen das am Deckglase haftende Bakterienmaterial in einer (nach aussen hin abgeschlossenen) Luftschicht eingeschlossen ist. Bei Anwendung von Oelimmersion, Ab be'schein Condensor und mittelweiter Blende sieht man dann bei passendem Material (siehe oben) ohne Weiteres die Geisseifäden. Ein Beispiel zeigt Fig. 16 auf Taf. DI. Das Präparat, aus faulendem Strohinfus hergestellt, zeigt Spirillum ündula und grosse Bacillen mit Geisseifäden bei lOOOfacher Vergrösserung.
Einschalten möchte ich hier, dass es mir — bei sehr grossen Spirillen mit sehr kräftigen Geissein — mehrmals gelungen ist, die letzteren im hängenden Wasser tropfen zu seilen. Diese Beob­achtung, welche, soviel mir bekannt, von anderer Seite bisher nicht gemacht worden ist, zeigt, dass die Substanz der Geisseifäden bei den in Frage kommenden Arten ein Lichtbrechungsvermögen besitzt, welches das des Wassers erheblich übertrifft. Im Allgemeinen sind die Geissel-fäden — selbst bei kräftiger Ausbildung — bei der Beobachtung des
') Die einzige Ausnahme in dieser Beziehung maclien solche Bakterienarten, die aiisserordcntlioli kräftige, nach den apeoiflsohen Qeisselpräparatlonsmethoden unter allen Umständen leicht darstellbare (leisseln besitzen. Hierhin gehört z. 13. Spirillum Undula, dessen Gcisseln Fig. 16 auf Tat'. III (im ungefärbten Priijiarate) zeigt. Diese Art, im Trockonpriiparatü mit einer gewöhnlichen wässerig-alcoholischen Fai'bstoff-lilsung behandelt, zeigt sehr lüliilig (nicht in jedem Präparate) die Oeisseln ohne Weiteres gelarbt.
•2) F. Cohn's Beltr. z. Blol. d. Pfl. Bd. -l. ISTquot;, p. 404, iHi—417.
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IV. Allgemeine Metiiudik der Bakterienbeobaobtung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; TT)
Materials im hängenden Tropfen unsichtbar; ohne Zweifel deshalb, well sie sich in ihrem Breohangsvermögen von dem Wasser meist nur ganz unerheblich unterscheiden.
Eine Methode, Geisseifäden zu färben, wurde ebenfalls zu­erst von R. Koch ermittelt. Die Färbung gelang mit concentrirter wässeriger Lösung von E x t r a c t u in o a m p e ch i a n u m '); mit Anilin­farben färbten sich die Geisseifäden nicht.-) Immerhin hat man mit Hülfe der von Koch angegebenen Methoden nur bei wenigen Arten beweglicher Bakterien Geisseifäden nachzuweisen vermocht.
Im Jahre 188!) ist dann von Loeffler8) ein Verfahren gefunden worden, welches die Geis sein der Färbung mit Anilinfarben ganz allgemein zugänglich gemacht und eine ganz universelle üarstell-barkeit dieser Gebilde ermöglicht hat. Loeffler behandelt die Trocken­präparate zunächst mit einer Beize; dadurch werden die Geissein befähigt, Anilinfarbstolfe aufzunehmen.
Das Lo effler'sche Goisselfärbungsver fahren, welches der Autor später4) noch verbessert hat, gestaltet sich in dieser ver­besserten Form folgendennassen : Das Bakterienmaterial wird, möglichst frei von schleimigen oder eiweisshaltigen Beimengungen und möglichst frei von anhaftender Gelatine, mit Hülfe eines Tröpfchens reinen Wassers in recht dünner Schicht mittels des Platindrahtes auf dem absolut sauberen Deckglase5) ausgebreitet. Man lässt die Schicht lufttrocken werden und lixirt das Präparat in der gewöhnlichen Weise, indem man es drei Mal durch die Flamme zieht (p. 59). Zu starkes Erhitzen hat man hierbei sorgfältig zu vermeiden. Darauf liltrirt man auf das mit einer Pincette horizontal gehaltene Deckglas so viel einer (weiterhin noch zu besprechenden) Beizflüssigkeit auf, dass das ganze Gläschen davon bedeckt ist. und lässt diese Flüssigkeit kurze Zeit (''., bis 1 Minute) auf das Bakterienmaterial einwirken.quot;)
') Boitr. z. Bid. d, Pfl. Bd. 2. 1877. p. 419,
-} Cf. p, 74, Aiim. I: Kräftige Gcissclu nehmen die Färbung liäuti^- ohne Weiteres an.
raquo;) Centralbl, f. Bakt. Bd. 6, 1889. No. 8/9.
') Centralbl. f. Bakt. Bd. 7. 1890. Nu. 20.
quot;') Am besten erroieht man diese Beschaffenheit des Deckglases, wenn man, wie bereits oben (p. 4(1, Anm. 2) angegeben, das mit Alcohol abgeputzte und dann ge-troeknete Deckglas in der Flamme stark erhitzt. Naeli dorn Erkalten kann es dann benutzt werden.
quot;) Loeffler hat angegeben, dass die Beize unter massiger Erwärmung einwirken .soll: .Man hält das Deckglas in einiger Entfernung über die Flamme, bis die Flüssigkeit schwach ZU dampfen beginnt. Nach in ei neu Erfalinmgen kann man die Erwärmung der Heize völlig entbehren. Die bei Zimmertemperatur ein-
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quot;6nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ai Allgemeines,
Dann spült, man mit reinem Wasser (am boston unter dem dünnen Strahle dor Wasserleitung) das Deckgläsohen sorgfältigst ab. Nun bläst man das an dor Schioht noch anhaftende Wasser herunter (of. p. 68) und trocknet das Gläsohon in der gewöhnlichen Weise, als ob man es in Balsam oinsohliossen wollte. Darauf tasst man das Gliisclien wiederum mit der Pincette und bringt einige Tropfen einer passenden1) Farb­lösung auf die zu färbende Schicht. Es folgt leichte Erwärmung über der Flamme (bis die Farblösung Dämpfe zu entwickeln beginnt); nach mehreren Minuten spült man die Farbflüssigkeit mit Wasser sorgfältig ab. trocknet das Präparat in gewohnter Weise und schliosst es in Xvlolbalsam ein.
Zur Herstellung der Beize löst man (unter Frwärmen) 2 g Tannin in 8 com Wasser und setzt zu der Lösung 5 com einer kalt gesättigten wässerigen Ferrosulfat-(I']isenvitriol-)Lösung und 1 com einer gesättigten alcoholisohen Fuchsinlösung. Nach dem Umschütteln ist die Beize ohne Weiteresquot;) gebrauchsfähig, und sie hält sich Wochen und Monate in diesem gebrauchsfähigen Zustande.
Damit die Geisselfärbung nach der geschilderten Methode gelingt, hat man noch eine Reihe von wesentlichen Punkten zu beachten. Der wichtigste, allerwesentlichsto Punkt, auf den es zum Gelingen der Geisselfärbung ankommt, ist die passende Beschaffenheit des Bakterienmaterials. Wenn wir eine eigenbewegliche Bakterienart oultiviren und die Cultur in verschiedenen Stadien ihres Wachsthums untersuchen, so linden wir durchgehend, dass die Bakterienzellen, so
wirkende Beize gicbt eben su gute Resultate wie die ganz massig erwärmte. A.uf jeden Full hat man sich vor zu starker Erhitzung der Beize auf das Sorgftiltigste
zu hüten, weil sonst ilio Präparate umveigerlioh verdorben worden.
') Vergl, die über diesen Punkt im Text oben weiter folgenden Bemerkungen.
-) Loeff'ler hat angegeben, dass die so bereitete Ueize wobl für manche Bakterienarten ohne Weiteres zu gebrauchen sei, dass aber die meisten Arten noch eines Zusatzes zur Beize, bedürften, der die chemische Reaction der letz­teren verändert: einzelne Arten erforderten oino sauer reagironde Heize, andere eine alkalisch reagirende, damit ihre Goisseln fähig würden Anilinl'arbstotfe aufzunehmen. Ich habe mich von der Stichhaltigkeit dieser Forderung nicht überzeugen können. Ks scheint mir auf die Reaction der Beize nicht in der von Loofflor ausgesprochenen Weise anzukommen. An den nach Loeffler so ansserordentliob empfindlichen Typhusbacillen z. B.. behufs deren Geisselfärbung ein ganz bestimmter, tropfenweise abgestimmter Zusatz von I proc. Natronlauge zur Beize notlnvendig sein sollte, gelang es mir ohne Weiteres mit einer durch Schwefelsäure kräftig angesäuerten Beize die Geissein darzustellen. Auch Luksch (Centralbl. f. Bukt. Bd. 12, 1892. p. 430) hat diese Erfahrung gemacht. Offenbar kommt es zum Gelingen der Geissclfürbung im Allgemeinen auf andere Dinge viel mehr an als auf die Reaction dor Beize. (Siehe oben im Text weiter.)
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IV. Allgeiueine Methodik der Bakterienbeobaobtung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 77
lange die C'ultur noch sehr jung ist, mehr oder weniger lebhafte Eigen­bewegung zeigen, und dass mit zunehmendem Alter der Cultur diese Eigenbewegung allmählich träger wird. Ferner bemerkt man, dass in der ganz jungen Cultur die Eigenbewegung ein Attribul; aller oder der meisten Zellen ist, während bei dem Aelterwerden der Cultur allmählich immer mehr und mehr Zellen die Eigenbeweglichkeit verlieren und dann nur noch hier und da einzelne Zellen diese Eigenbewegung dar­bieten. Schliesslich kommt dann ein Zeitpunkt, wo die Eigenbewegimg überhaupt völlig erloschen ist; das braucht aber durchaus noch nicht zu bedeuten, dass die Cultur abgestorben ist. Ohne Zweifel handelt es sich hier nur um die ersten Zeichen der Degeneration; eine Ueber-tragung auf frischen Nährboden hat in diesem Zeitpunkte gewöhnlich wieder die Entwickelung eine]1 frischen, lebenskräftigen, eigenbeweglichen Cultur zur Folge. Für das praktische Vorgehen bei der Herstellung eines Geisselpräpamtes ergiebt sich aus dem Vorhergehenden, dass es ausserordentlich darauf ankommt, in welchem Zeitpunkte eine bestimmte Cultur zur Präparation verwendet wird. Denn wir worden nur dann erwarten dürfen, im mikroskopischen Präparate die Q-eisselfäden gut zu Gesicht zu bekommen, wenn dieselben überhaupt in lebenskräftigem Zustande vorhanden sind. Bestimmte allgemeine Vorschriften lassen sich bezüglich des für die Fräparation passenden Zeitpunktes nicht geben: denn die eine Bakterienart wächst (ceteris paribus) schneller als die andere; bei der ersteren werden degenerative Zustände also auch früher eintreten als bei der letzteren. Es giebt aber ein sehr einfaches Mittel. sich davon zu überzeugen, ob eine vorliegende Cultur momentan für die Präparation der Geisseifäden geeignet ist, d. h. ob sie gerade jetzt lebenskräftige Oeisseln aufweist: die Untersuchung des Materials im hängenden Tropfen. Finden wir hierbei die Bakterien in frischer. lebendiger Bewegung, so ist das ein Zeichen dafür, dass lebenskräftige Geissein vorhanden sind; ist die Bewegung eine matte und träge, so sind bereits degenerative Zustände vorhanden, und wir brauchen in diesem Falle gar nicht erst den Versuch der Geisseifärbung zu machen. Ein zweiter wichtiger Punkt, auf den übrigens Loeffler gleich von Anfang an hingewiesen hat, ist der, dass das Bakterienmaterial in möglichst dünner Schicht und in möglichst reinem Zustande auf dem Deokglase ausgebreitet wird. Anhaftende schleimige oder eiweiss-artige Beimengungein, anhaftende Gelatine etc. färben sich stets mit und machen dadurch die Präparate unbrauchbar. Aus diesem Grunde empfiehlt es sich gewöhnlich nicht, das Material aus Gelatineculturen zu entnehmen. Auch BouiUcnculturen sind nicht zu gebrauchen, wenn man saubere Präparate haben will. Dagegen eignen sich vortrefflich
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78nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; A. AUgeuieines.
Agai'-Oberflftohenoultureni das Material lässt sicli von diesen leicht ohne Verletzung des Nährbodens entnehmen, und man hekommt so die Bakterienzellen so rein, wie es überhaupt möglich ist.
Was die Wahl der Farblosung angeht, die man naeh der Beizung des Materials anzuwenden hat, so ist im Allgemeinen zu sagen, dass sieh unsere kernfarbenden Anilinfarbstoffe sämmtlich zur Geissel-tarbung benutzen lassen, und dass auch alle Lösungen dieser Farbstoffe, die man sonst für die Zwecke der Kern- (resp. Bakterien-) Färbung anwendet'), zum Zwecke der Geisseifärbung zu gebrauchen sind. Man wird natürlich in jedem Falle, wenn man zwischen zwei Farblösungen zu wählen hat, der intensiver färbenden den Vorzug geben. Ganz besonders zweckmässig sind die von Loeffler empfohlenen gesät­tigten Losungen der Violette (cf. p. 61) oder des Fuch­sins in Anilinwasser.'2) Diese Lösungen haben aber die Neigung. „Farbstoffniederschlägequot; (cf. oben p. 62) auf die Präparate ausfallen zu lassen; sie werden deshalb (ebenso wie alle Farblösungen, welche ähnliche Eigenschaften haben) zum Gebrauche auf die Präparate auf-filtrirt.
Fassen wir das über die Loeffler'sehe G eis selfär bung Gesagte in der Form eines kurzen Receptes zusammen, so würde sich die Herstellung eines Geisseipräparates in folgender Weise gestalten:
1)nbsp; Das event, zu benutzende Material wird im hängenden Tropfen geprüft. (Nur im Falle vorhandener lebhafter Beweglichkeit der Bakterienzellen eignet sich dasselbe für die Geisseifärbung.)
2)nbsp; Das bei der Untersuchung im hängenden Tropfen als geeignet befundene Material wird (event, unter Zuhülfenahme eines Tröpfchens reinen Wassers) in möglichst dünner Schicht und in möglichst reinem Zustande (cf. oben p. 77) auf dem absolut sauberen Deckglase (cf. oben p. 46, Anm. 2) ausgebreitet.
3)nbsp; Man lässt das Material antrocknen und lixirt das Präparat, in­dem man es (unter Vermeidung zu starker Erhitzung | cf. oben p. 751) drei Mal durch die Flamme zieht.
4)nbsp; Man iiltrirt einige Tropfen der Loefflerquot;sclien Beize (cf. oben ]). 76) auf das horizontal gehaltene Deckglaspräparat und lässt die
') Cf. Abschnitt 6 („Allgemeines über Färbung und Entfärbungquot;).
-j Die Darstellung (Ich Anilinwassers ist weiter unten in Abschnitt B („Allge* meines über Färbung und Entfärbungquot;) beschrieben. Zu 100 com Anilinwasser giebt man 4—5 ^ des gepulverten Farbstoffes. Man schüttelt dann öfters um und erhält 80 in kurzer Zeit die gewünschte FarblÖBUng, Eventuell kann man zu der letzteren noch eine geringe Menge Natronlauge (I :1000) zufttgen.
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IV. Allgomoino Methodik dor Bakterienbeobaöbtung.
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Beize '/•#9632; '1's 1 Minute einwirken. Krwärnumg ist hierbei nicht QÖtbig, event, sogar schiidlicli (of. p. 75, Anm. 6).
5)nbsp; Man spült die Beize, am besten mit dem dünnen Strahle der Wasserleitung, sorgfältig ab und trocknet das Präparat in der gewöhn­lichen Weise durch Abblasen etc. (cf. oben p. 03).
6)nbsp; Man filtrirt einige Tropfen einer passenden Farbstofflösung (cf. oben p. 78) auf das horizontal gehaltene Deckglas und erwärmt das letztere dann über einer Flamme massig bis zu beginnender Dampf­bildung. Man lässt die warme Farblösnng noch c. 1 Minute einwirken und spült sie dann mit Wasser sorgfältig ab.
7)nbsp; Man trocknet das Präparat und schliesst es in Xvlolbalsam ein. Nach der geschilderten Methode sind die Präparate gefärbt, welche
den Photogrammen Taf. III. Fig. 17 (grosse Bacillen mit Geissei­büscheln), Taf. III, Fig. 18 (kurze Bacillen mit Geissein), Taf. VIIT, Fig. 45 (Typhusbacillen mit Geissein), Taf. X, Fig. 57 (Cholerabacillen mit Geissein) zu Grunde liegen.
Die Loeffler'sche Geisselfärbungsmethode färbt nicht mir die Geissein der Bakterien und ihren Protoplasmakörper, sondern sie färbt überhaupt die gesammte Bakterienzelle in allen ihren einzelnen Theilen. Während bei der gewöhnlichen Behandlung der Präparate mit basischen Anilinfarbstoffen nur der Protoplasmakörper (der Kern) der Bakterienzelle gefärbt wird, die Hülle nur in seltenen Fällen ganz leichte Färbung annimmt, so tingirt sich bei der Behandlung mit der Loeffler'sehen Methode stets auch die Membran, die Hülle der Bak­terienzelle , und zwar meist in gleich intensiver Weise wie der Proto­plasmakörper. Es folgt daraus, dass eine und dieselbe Bakterienzelle verschieden dick erscheinen muss, je nachdem sie nach der einen oder nach der anderen Färbungsmethode behandelt worden ist. Fine Illu­stration des Gesagten giebt ein Vergleich der Figuren 55 und 57 auf Taf. X. In Fig. 55 haben wir Cholerabacillen, welche einfach mit Fuchsin gefärbt sind. Hier ist also nur der Protoplasmakörper, der Kern der einzelnen Zellen gefärbt. In Fig. 57 haben wir dieselben Organismen, nach der Loeffler'sehen Geisselfärbungsmethode behan­delt; hier ist die Hülle mitgefärbt. Dieselben Organismen erscheinen in Fig. 57 also dicker als in Fig. 55.
4. Beobachtung der Bakterien in Schnitten. Allgemeines über Schniübehandlung.
Will man Bakterien in Schnitten thieriseben Gewebes zur Darstellung bringen, so werden die Schnitte am besten gewissen
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80nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeines,
Methoden der Färbung unterworfen. Wie wir sehen werden, gelingt es so stets, im Gewebe vorhandene Bakterien nachzuweisen. Unge­färbt lassen sich die Bakterien in Schnitten nur sehr schwer nach­weisen. Die Bakterien sind im natürlichen Zustande ebenso ungefärbt wie die Gewebstheile; durch die Oontouren der letzteren werden die Contouren der Bakterien verdeckt, und es gelingt, auch bei den grössten Formen, nie, in einem ungefärbten Schnitte Bakterien zu sehen, ohne dass derselbe eingreifen den Pr ooedu ren d ur cli Ein \virkung besonderer Reagentien unterworfen wird. Die Bakterien sind nun im Gegensatz zu dem thierischen Gewebe durch eine erhebliche Resistenz gegen Säuren und Alkalien ausgezeichnet, und man kann daher dadurch, dass man die Schnitte mit derartigen Reagentien behandelt, d. h. dass man die Gewebstheile mehr oder weniger zer­stört, Bakterien zu sehen bekommen. Am besten eignet sich als Reagenz v e r d ün n t e K a 1 i 1 a u g e, in der der Schnitt (unter dem Deckglase) stark erwärmt wird. Die Gewebstheile werden hierbei zer­stört, die Bakterien treten hervur. Immerhin sind diese Manipulationen umständlich und führen doch nur sehr bedingungsweise zu einem Resultat. Man kann auf solche Weise wohl grosse Formen (z. B. Milz-brandbacillen) sichtbar machen, auch grosse zusammenhängende Mikro-coccenhaufen zur Darstellung bringen; aber „manche, namentlich sehr kleine Bakterien werden durch diese Reagentien ebenso zerstört oder verändert wie die thierischen Gewebe, und auch in letzteren linden sich oft unbestimmbare Körnchen, die durch Säuren und Alkalien nicht beseitigt werdenquot; (R. Koch1)). Ausserdem macht die bei den ge­nannten Proceduren unvermeidliche Schädigung des Gewebes eine Beurtheilung der Lageverhältnisse der Bakterien im Gewebe voll­ständig unmöglich.
Man wird daher, wenn es sich um den Nachweis von Bakterien in Schnitten handelt, stets die Färbung der Bakterien in Anwendung bringen müssen.
Die Schnitte stellt man sich am besten mit Hülfe des Mikro­toms (cf. p. 47) her. Um die Organe in seh ni ttfähige Con-sistenz zu bringen, überträgt man dieselben, am besten in nicht zu grossen Stücken, aus der Leiche etc. direct in absoluten Alcohul. welcher fast ausschliesslich zur Härtung für unsere Zwecke benutzt wird. Der absolute Alcohol ist ein ausserordentlich wassergieriger, hygroskopischer Körper. Er extrahirt aus den Organen das Wasser,
') Untersuchungen Übel' dk Aetiologie der Wundinfeotlpns-Krankheiten. Leipzig. 1887. p. 20.
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IV. Allgemeine Uetbodili der Bakterlenbeobaobtung.
.1
bringt die Theile zum Sohrunipfon und verleiht ihnen dabei eine derbere (Konsistenz (härtet sie). Das extrahirte Wasser resp. der in der Um­gebung der eingelegten Organstücke sich bildende wasserreiche Alcuhol ist nun specifisch erheblich schwerer als der absolute Alcohol und sinkt infolgedessen in dem Härtungsgetasse zu Boden. Um das zu härtende Stück dauernd unter dem Einflüsse absoluten Alcohols zu belassen, muss man dasselbe also in die oberen Schichten des Alcohols placiren. Man hält es hier fest am besten durch schwim­mende Korkstücke, an deren unterer Seite das zu härtende Stück mit Hülfe von Stecknadeln festgesteckt wird, oder man bringt in die unteren Partien des Alcohols resp. auf den Boden des Gefässes zu­nächst einen grösseren Bausch Uliesspapier, auf welchem dann das zu härtende Stück ruht.
Ist das zu untersuchende Organ entwässert (gehärtet), so schneidet man sich kleine Stücke von etwa 6 mm Höhe und 1 qcm Grundfläche davon mit scharfem Messer ab, die nun auf die glattlaquo; Querschnittliäche eines Flaschenkorkes aufgeklebt werden. Das Aufkleben geschieht bequem mit einer dicken wässerigen Lösung von Gummi arabicum. Man verfährt dabei so, dass man das auf­zuklebende Stück zunächst etwa eine halbe Minute an der Luft liegen lässt, um den oberflächlich anhaftenden Alcohol verdunsten zu lassen, und dass man es dann mit der Pincette fasst und es mit einer der (getrockneten) Breitseiten in einen Tropfen der Gummilösung, welche man auf der Korklläche ausgebreitet hat, hineindrückt. Man giesst dann zunächst einige Tropfen Alcohol über das gesammte aufgeklebte Stück, welche an den Seiten desselben abfHessen und die äusseren Partien der hervorgequollenen Gummilösung durch Wasserentziehung erhärten. Dadurch wird es dann ermöglicht, den Kork in umgekehrter Lage (das aufgeklebte Stück nach unten) in ein Gefäss mit absolutem Alcohol zu übertragen, ohne dass das Stück sich vom Korke loslöst. In dem Alcohol wird dasselbe dann belassen, bis das Wasser aus allen Theilen der Gummilösung entfernt ist. was in zwei bis sechs Stunden der Fall ist. Dann ist zwischen dem aufgeklebten Stücke und dem Korke eine sehr feste, steinharte Verbindung hergestellt; und der Kork kann nun in der Klemme des Mikrotoms fest eingespannt werden, das aufgeklebte Stück kann (unter Benetzung des Messers mit absolutem Alcohol) geschnitten werden. Man hat hierbei darauf zu achten, dass die Schärfe des Messers nicht mit den harten Gummitheilen in Collision geräth, da sie sonst leiden würde. Hervorgequollene Gunnni-theile müssen deshalb (mit einem Messer) vor dem Mikrotomiren ent­fernt werden.
lt;i i'l n t li lt;• r . lliiktrriolngjc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i\
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82nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; A. Allgemeines.
Statt (k's Gununi arabioum kann auoh Flsobleim zur Auf-
kl(.'lmnlt;gt;#9632; der Organstüoke auf Kork genommen werden. (!. Fraonkel ') empfiehlt zu dem Zwecke eine Mischung von 1 Gelatine, *2 Wasser, 4 Glycerin.
Will man dünne Objecte, die sieb nicht zum Aufkleben eignen (z. B. Darm), mit dem Mikrotom zerlegen, so empfiehlt es sich, die­selben zwischen Stücken von gut gehärteter Amyloidleber zu plaoiren und mit diesen in die Klammer des Mikrotoms einzuspannen. Die Leber wird dann mit dem Dann etc. zugleich geschnitten.
Für Gewebe, welche Hohlräume enthalten und sich deshalb an und für sich weniger gut zum Zerlegen in zusammenhängende Schnitte eignen, kann man mit Vortheil die Scbiefferdecker'sche C e 11 o i d i n methode'-') anwenden. Man härtet zu dem Zwecke die kleinen, zAireclitgeselmittenen Stücke erst gut in absolutem Alcohol und bringt sie dann aus dem letzteren in eine dicke Celloidinlösung (das Celloidin ist ein collodiumähnlicher Körper, welcher sich in absolutem Alcohol sowohl- wie in einer Mischung von Alcohol und Aether löst). Hier bleiben die Stücke einen bis mehrere Tage bis zur völligen Durch­tränkung mit der Celloidinlösung. Sie werden dann mit der Pincette herausgenommen und, mit einer Schicht der dicken Lösung noch um­hüllt, mit Hülfe der letzteren direct auf die Korkfläche geklebt. Nach einigen Minuten kommt das Präparat mit dem Kork in OOproc. Alcohol, in welchem es wieder einen bis mehrere Tage verbleibt. Hier nimmt das Celloidin und mit ihm das ganze Präparat Schnittconsistenz an. Dann wird der Kork, wie oben angegeben, eingespannt, und das Prä­parat lässt sich nun mit dem Mikrotom (unter Benetzung des Messers mit ÖOproo. Alcohol) sehr schön in zusammenhängende Schnitte zer­legen. Jeder der Schnitte ist von einem „Celloidinmantelquot; umhüllt, die Hohlräume des Schnittes werden ebenfalls von Celloidin ausgefüllt. Das Celloidin bleibt dann während der folgenden Färbung etc. mit dem Schnitte in stetiger Verbindung. Das Celloidin färbt sich mit Anilin­farben.
Zum Herstellen feinster Schnitte, die allerdings zum Zwecke der Untersuchung des Gewebes auf B a k t e r i e n kaum je noting werden dürften, muss man die Organe in Paraffin einbetten. Ks ist aber, um an den Paraffinschnitten eine Bakterienfärbung vornehmen zu können, durchaus nothwendig, das Paraffin zunächst (durch Xylol) vollständig ZU entfernen und die Schnitte dann durch Alcohol (zur
') Gnmdriss d. Bakterienk, 3. Aufl. 1890. p. 7',). -) Arch. f. Aunt. 1882.
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IV. Allgemeine Methodik der Bakterlenbeobaobtung.
83
Kxtrahirung des Xylols) gehen zu lassen. Nur in den seltensten Fällen dürfte aber, wie gesagt, die Anwendung der Paraffinmethode für unsere Zwecke noting werden.
Dünner als 0,02 nun braucht man die Mikrotomsulmitte für Bak-terienuntorsuchungen nicht zu machen; derartige Schnitte lassen sich bei guter Härtung des Objectes und bei gutem Zustande des Messers stets erreichen. Aber auch mit dickeren Schnitten (0,o;{ —0,00 mm) kann man oft noch auskommen. Während des Schneidens wird (bei den mit Gummi oder Gelatine aufgeklebten und bei den zwischen Amyloidleberstücken eingeklemmten Organen) das Mikrotommesser stets mit absolutem Alcohol befeuchtet erhalten. Die Schnitte werden mit einem Pinsel von der Klinge herunter genommen und in ein Schälchen mit absolutem Alcohol übertragen.
Um die Schnitte nun zu färben, bringt man sie zunächst auf kurze Zeit in Wasser, von da in die Farblösung. Als Farbflüssig-keiten kann man alle jene Flüssigkeiten verwenden, die wir oben (p. 62) zur Färbung des Trockenpräparatos verwandt haben. Wir müssen nur stets darauf sehen, dass wir eine wässerige resp. stark wasserhaltige Flüssigkeit zur Anwendung bringen. Besonders zu empfehlen ist für Schnittpräparate die Loeffler'sehe alkalische Me thylenbl aulösung'), ein Gemisch von
30 cem concentrirter alcoholischer Methylenblaulösung und
100 cem wässeriger Kaiilösung (1:10 000).
Die Loefflerquot;sehe Methylenblaulösung ist, wie Methylenblau­lösungen überhaupt (cf. oben p. 62), dadurch vor anderen Farbflüssig­keiten ausgezeichnet, dass sie ganz unbeschränkt haltbar und von ganz unveränderlicher Gebrauchsfähigkeit ist. Diese Farblösung soll auf unserem Arbeitstische nie fehlen.
Wenn man nun einen Schnitt aus einem thiorischen Organ in eine der genannten Farbflüssigkeiten bringt und denselben nach einer Reihe von Minuten wieder herausnimmt und in Wasser abspült, so wird man in der Regel nichts weiter zu sehen bekommen als eine intensiv und gleichmässig gefärbte Masse, in der Details nicht oder kaum zu erkennen sind; das Gewebe hat sich zunächst in allen seinen Theilen mit dem Farbstoffe vollgesogen und beladen. Erst eine weitere Behandlung des Schnittes mit gewissen (weiterhin zu besprechenden) Flüssigkeiten, welche die Fähigkeit haben, den Farbstoff mehr oder weniger aus dem Schnitte zu extrahiren, lässt einzelne gefärbte Partien in dem Präparate vor anderen wenige]1 gefärbten hervortreten. Liesse man
Mittli. ii. (1. Kais. Cies.-A. Bd. 2. 1884. p. 430.
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S4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; A., AllgemeineB.
solche Flüssigkeiten genügend lange Zeit auf den Schnitt einwirken, so würden sie allmählich eine vollständige Entfärbung des Schnittes zu Wege bringen. Lässt man sie aber nur kurze Zeit einwirken, über­wacht man ihre Wirkung, so erhält man Präparate, in denen nur die Zellkerne und die (eventuell vorhandenen) Bakterien noch gefärbt sind, während die Intercellularsubstanz und auch das Zell-protoplasma wieder entfärbt sind.
Man findet so, dass die verschiedenen Bestandtheile, aus denen sich das thierische Gewebe zusammensetzt, keine principle lie n Unterschiede in dem Verhalten gegen die basischen Anilinfarbstoffe zeigen. Nicht der eine Bestandtheil wird gefärbt, während der andere der Färbung widersteht; wohl aber bestehen quantitative Unter­schiede in der Färbbarkeit der einzelnen Componenten des Gewebes, die sich darin äussern, dass, bei einem bestimmten Grade der Ein­wirkung farbstoffextrahirender Flüssigkeiten, unter den ursprünglich gleichmässig gefärbten verschiedenen Bestandtheilen der eine den auf-genonunenen Farbstoff noch festhält, während ein anderer ihn voll­ständig oder beinahe vollständig wieder verloren hat. Man kann so die verschiedenen Gewebsbestandtheile in eine Färbbarkeitsscala bringen, welche, wenn man mit denjenigen, die am leichtesten den Farbstoff wieder loslassen, beginnt, sich folgendennassen gestaltet:
Intercellularsubstanz,
Zellprotoplasma,
Zellkerne,
Bakterien (wenn sie vorhanden sind). Die farbstoffextrahirenden Flüssigkeiten (als solche kommen be­sonders Säuren und Alcohol zur Verwendung) bezeichnet mau als „Ent­färbungsmittel.quot; Durch sie wird eine „Differenzirungquot; herbei­geführt, d. h. einzelne Theile (Kerne, Bakterien) des Schnittes treten in isolirter Färbung vor anderen Theilen, die die Färbung verloren hal)en. hervor.
Ist der zuerst diffus gefärbte Schnitt genügend „entfärbtquot;, „differenzirtquot;, so ist er eigentlich fertig; da wir ihn aber schliess-lich in Canadabaisam zur Conservirung einschliessen wollen, der Balsam sich aber mit irgendwie wasserhaltigen Flüssigkeiten nicht vermischen lässt, so muss zunächst aller und jeder Wassergehalt aus dem Schnitte entfernt werden; und dies geschieht durch Behandlung des Schnittes in absolutem Alcohol. Der Schnitt macht also noch ein Mal eine Entwässerung oder Härtung durch. Aber auch mit. Alcohol lässt sich Balsam nicht mischen. Wir müssen deshalb den Schnitt aus dem Alcohol in eine Flüssigkeit bringen, welche auf der
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IV. Allgemoine Methodik dn- Baktorlenbeobaohtuug
einen Seite die Fähigkeit hat, sich mit Alcohol zu vermischen, auf der anderen Weite aber sich auch mit Canadahalsam resp. dem von uns stets angewandton Xylol-Haisam (cf. p. 64) mischt. Derartige Körper (auch „Aufhellungsmittelquot; genannt) gieht es nun eine ganze Reihe. Besonders ölige Flüssigkeiten sind mit den ge­wünschten Eigenschaften ausgestattet, Am meisten verwandte man früher das Nelkenöl zu diesem Zwecke, aber auch Terpentinöl, Cedem-, Origanum-, Z im met-. Me rgamott-, Anis-Oel. Phenol, Anilin1) waren und sind hierzu im (iehrauch. Ich möchte für unsere Zwecke ganz ausschliesslich einen anderen, ebenfalls seit Langem gebräuchlichen, Körper empfehlen: das Xylol (cf. p, 64). Das Xylol ist ein Körper, der sich gegen mit basischen Anilinfarben gefärbte Kerne und Bakterien vollständig indifferent verhält und sich in dieser Hinsicht sehr rühmlich von verschiedenen der oben ge­nannten Flüssigkeiten, speciell auch von dem Nelkenöl, unterscheidet, und der ohne jeden Rückstand verdunstet und nicht verharzt und schmiert, wie es z. B. ebenfalls das Nelkenöl thut. Wir behandeln den gefärbten, dann „entfärbtenquot; und entwässerten Schnitt also mit Xylol.
Mit dem Xylol durchtränkt sich der Schnitt sehr schnell, und er wird dann mit Hülfe eines Spatels auf die Mitte des reingeputzten 0 bj e c 11 r ä g e r s übertragen.
Nachdem das überschüssige Xylol von dem Schnitte durch vier­fach zusammengefaltetes Fliesspapier, welches man in Berührung mit dem Schnittrand gebracht hat. abgesogen ist, wird ein Tropfen Bal­sam (Xylol-Balsaml auf den Schnitt gebracht, darauf mit der Pincette (of. p. 65) das Deckglas gelegt, unter welchem sich dann der Balsam ausbreitet.'-')
Will man eine genaue Vorschrift für die practische Ausführung des geschilderten Verfahrens der Schnittfärbung und -Conservirung (welches übrigens im Principe mit dem alten \V e i g e r t quot;sehen Ver­fahren8) völlig übereinstimmt) haben, so wird man eine solche in folgendem Schema finden:
') Dim l'lienul und das Anilin haben mich die Fälligkeit, geringe Mengen Wassers aufzulösen. Bei der (woiterliiu noch zu besprechenden) Öram.-Weigert-sehen Methode wird das Anilin als EntwässeniiiKsinittel verwandt. Dein Xylol kommt, wie gegentbeiligen, gelegentlich zu findenden Angaben gegenüber hier aus-drttcklioh bemerkt sein mag, irgend welche Fähigkeit, Wasser aufzunehmen, nicht zu.
'2) Wie beim Troekenpräparat, so wird man sich natürlich auch hier aus den oben (p. (i5) angeführten Gründen hüten müssen, zu viel des Bulsams zu nehmen.
9) of. Viroh. Avoh, Bd. 84. 1881, p, 275ff.
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SOnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgoinoines.
1.nbsp; üebertragen der Schnitte aus Alcohol in Wasser für 1 Minute.
Der Schnitt wird aus ei­nem Uhr-laquo;cliiilchun in das andere mit der Na­del über­tragen.
2.nbsp; In eine passend zusammengesetzte (cf. p. 83) Farblösung 2—5 Minuten.
3.nbsp; Wasser quot;gt; Minuten.
4.nbsp; Dünne Essigsäure (etwa 1 :1000')) 1 Minute.
5.nbsp; Absoluter Alcohol (Schnitt gut ausbreiten!) '/., Minute.
0. Absoluter Alcohol '/., Minute.
7.nbsp; Xylol i/a, Minute.
8.nbsp; üebertragen auf den Objectträger mit dem Spatel.
9.nbsp; Abtupfen mit Fliesspapier.
10.nbsp; Aufbringen eines Tropfens Xylol-Balsam.
11.nbsp; Auflegen des Deckglases (mit der Pincette).
Zu diesem Schema ist noch zu bemerken: Wir benutzen zur Aufnahme unserer Flüssigkeiten, in die die Schnitte kommen sollen, am besten Uhr seh iilcheti (cf. oben p. 46). Dieselben kommen stets rein geputzt und trocken zur Anwendung. Die Schnitte übertragen wir stets mit der Nadel aus einer Flüssigkeit in die andere, nicht mit dem Spatel, weil wir möglichst wenig Flüssigkeit mit übertragen wollen. Erst wenn die Schnitte aus dem Xylol auf den Objectträger kommen sollen, benutzen wir den Spatel. Der stumpfwinklig gebogene Spatel (cf. oben p. 47) wird in der linken Hand gehalten und unter den in dem Xylol liegenden Schnitt flach himmtergeführt; man nimmt hier die in der rechten Hand gehaltene Nadel zu Hülfe, mit welcher man den Schnitt auf die Spatellläobe hinaufschiebt. Indem man dann den Schnitt mit Hülfe der Nadel an dem Spatel etwas festdrückt, hebt man den Spatel horizontal, d. h. mit dem Schnitte und einer Quantität Xylol beladen (das man nicht abfliessen lässt), aus der Flüssigkeit heraus und legt ihn sofort auf den Objectträger auf, auf den man nun mit Hülfe der Nadel den Schnitt von dem Spatel hin­überschiebt oder zieht. Die mitübertragene Menge Xylol erleichtert ein glattes Hinübergleiten des Schnittes auf den Objectträger sehr. Bei dem folgenden Abtupfen des Xylols von dem Schnitte muss man darauf sehen, dass der Schnitt nicht etwa zu trocken wird, weil er sonst nach dem Einschlüsse in Balsam Luftblasen einschliesst, die die Beobachtung sehr stören können. Es soll also nur der .sichtbare flüs­sige Ueberschuss des Xylols mit dem Fliesspapier entfernt werden.
Den Alcohol triesst man sich in seine Sehälchen ein erst un-
') loh halte mir oinc etwa 5proo. Wässerige Essigsäiii'olösnng vnrrätliig, von der ich einige Tropfen auf ein Uhrschiilelien mit Wasser gebe.
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IV. Alliromoinc Methodik dor Bakterienbeobaobtuns
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mittelbar bevor man ihn gebraucht. Der Alcohol ist ein Entwässerungs­mittel. Wir müssen ihn deshalb zum Gcbraucbe möglichst wasserfrei haben. Wenn man aber den Alcohol eingiosst und ihn erst in einer Viertelstunde benutzt, so hat man keinen Alcohol mehr, sondern ein Uemisch von Alcobol und Wasser, welches letztere der Alcohol aus der Luft angezogen hat, und welches vollständig genügt, um den Al­cohol unfähig zu machen, die gewünschte Entwässerung herbeizuführen. Wenn wir aber den Schnitt in Xylol bringen wollen, so muss er zuvor wirklich völlig wasserfrei gemacht werden; ein Schnitt, der noch Spuren von Wasser enthält, scheidet dieses Wasser im Xylol sofort aus, und diese Wasserausscbeidungen, welche dem Schnitt dann dauernd an­haften, machen das schönste Präparat oft unbrauchbar. Aus diesem Grunde habe ich in dem obigen Schema den Alcohol auch zwei Mal hinter einander angeführt: die Entwässerung soll vollständig sein.
Zum Gelingen einer guten Schnittfärbimg ist es stets nothwendig, dass die einzelnen Theile des Schnittes gleichmässig der Einwirkung der verschiedenen Flüssigkeiten ausgesetzt werden. Der Schnitt soll also sowohl in der Farblösung wie in den übrigen Flüssig­keiten möglichst glatt, ohne Falten zu schlagen, liegen. Denn jede Falte bedingt einen ungleichmässigen Zutritt der einwirkenden Flüssig­keit an der gefalteten Stelle und damit auch ein mehr oder weniger unerwünschtes Resultat. Ganz besonders hat man auf eine möglichst glatte Ausbreitung des Schnittes zu sehen in dem Augenblicke, in welchem derselbe aus der Essigsäure in den ersten Alcohol gelangt. Der Schnitt ist hier in den ersten Secunden noch dehnbar und lässt sich mit zwei Nadeln sehr gut glatt ausbreiten. Versäumt man dies aber, lässt man den Schnitt in zufällig zu Stande gekommener Faltung liegen, so wird er durch den Alcohol in dieser Lage lixirt und lässt sich nachher auf keine Weise wieder glatt ausbreiten.1) Die Form, die der Schnitt in dem ersten Alcohol annimmt, behält er weiterhin unverändert bei.
Was bezüglich der Einwirkung der Reagentien auf gefaltete Schnitt-
') Streng genommen ist dies nicht ganz riebtig. Ein Mittel, einen solchen in gefalteter Lage fixirten Schnitt wieder fflntt zu machen, giebt es doch: Man bringt den gefolteten Schnitt aus dem Alcohol wieder in eine wttsserige Flüssigkeit rosp. in reines Wasser zurück. Kr beliebt sich hier, da er mit dem speeiiisch leich­teren Alcohol getränkt ist, sofort an die Oberflftohe und breitot sich gleichzeitig aus: in den allermeisten Füllen bekommt man auf diese einfache Weise einen untadelbaft glatten Schnitt, den man nachher von Neuem zur Entwässerung in Alcohol etc. über­trafen muss. Ks ist jedoch zu beachten, dass der Schnitt bei dem geschilderten Zurückhriiifi'ou in Wasser jedesmal etwas von seiner Pftl'bimg verliert.
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88nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeines,
stellen gilt, das gilt imtiirlicli ebenso für ZusamiiK'iiliig'oningon von mehreren Schnitten. Behandelt man eine Anzahl von Schnitten gleichzeitig in demselben Sohölohen, so ist es ein Zufall, wenn mau gute Resultate erhält; denn die Schnitte lagern sich gern zusammen und gestatten den Flüssigkeiten an dieser Stelle mehr, an jener weniger Zutritt. So müssen unglelohmässige Resultate zu Stande kommen. Man mache es sich de shall) zur Regel, d ie Schni tte e i n-/. ein, individuell zu he hau de In.
Auch bei Schnitten findet iihrigeus wie hei Trockenpräparaten (cf. p. quot;H) die Färbung schneller statt und wird intensiver bei höherer als hei niedrigerer Temperatur. Man darf aher nur ganz massig erhöhte Temperaturen zu Sohnittfärbungen verwenden, höchstens Tempe­raturen von 40 —50deg; C. (R. Koch1)). Bei höheren Temperaturen schrumpfen die Schnitte ein und werden unbrauchbar.
Bei den hier geschilderten Methoden der Schnitthelmndhmg wird der Schnitt hehufs der Conservirung in Canadahalsam stets in Alcohol entwässert und gelangt dann durch einen mit Alcohol sowohl wie mit Canadabalsam nuschbaren Körper hindurch (Xvlol) in den Balsam. Für bestimmte Zwecke (speciell zur Conservirung von Lepraschnitteu) hat l'nna2) eine erheblich abweichende Methode der Schnittbehand-lung angegeben, welche er „Trockenmethodequot; oder auch „An-trooknungsmöthodequot; genannt hat. Die Schnitte gelangen dabei nach der Färbung und Ditferenzirung nicht in Alcohol, sondern in Wasser, werden von hier mit dem Spatel auf den Objectträgcr über­tragen, mit Fliesspapier abgetrocknet und dann über der Flamme schnell bis zu vollständiger Trockenheit erhitzt. Nach dem Abkühlen wird mit einem Tropfen Balsam das Deckgläschen aufgekittet. Wir werden Gelegenheit haben, diese für manche Zwecke ganz ausgezeichnete Methode noch zu besprechen.
Auch bei der weiterhin noch zu nennenden Weigertischen Modification des Gram quot;sehen Verfahrens wird die Ditferenzirung und Kntwässerung des Schnittes auf dem Objectträgcr vorgenommen.
Was nun die mikroskopische Betrachtung der gefärbten Schnittpräparate angeht, so ist es anzuempfehlen, stets zunächst eine Durchmusterung des Präparates mit schwachem System vor­zunehmen. Nur auf diese Weise wird mau unter Umständen etwa vorhandene Bakterien mit Sicherheit auffinden können. Es giebt zwar
') Mitth. a. (1. Kiiis. Ucs.-Ainti!. Bd. I. ISSI. p. 10. -) Monatshefte f. piaot. Dermatologie. Brgänzungsheft. ISSö. — Centralbl, f. liaktor. Bd. 3, 1888. p. 314.
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IV. AUgemeinp Methodik dor Baktorlenbeobachtung.
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genug Fälle, In denen wir die Bakterien an jeder Stelle des Schnittes antreffen: in anderen Fällen aber treten die Bakterien in einzelnen zerstreuten Herden auf, und diese können, wenn man a priori mit starkem Objectiv untersucht, sehr leicht sicli der Auffindung entziehen. Im Uebrigen gelten für die Einstellung des Präparates die oben (p. 5 1 und 67) bezüglich der Beleuchtung gegebenen Grundsätze: Da es sich um gefärbte Objecte handelt, die wir betrachten wollen, so nehmen wir den vollen A b b e ' sehen (J o n d e n s o r; den Trieb des Conden­sers stellen wir so ein, dass die Beleuchtung maximal ist.
Ein nach der angegebenen Methode angefertigtes, gut gelungenes Präparat zeigt Bakterien und Gewebskerne gefärbt, die übrigen Theile mehr oder weniger ungefärbt. Die eigenthümliche Form der Bakterien, ihre Grössenverhältnisse, ihre Gruppirung zu kleineren oder grösseren Verbänden oder Haufen macht eine Verwechselung der Bak­terien mit gefärbten Theilen des thierischen Gewebes kaum möglich. Anlass zu Verwechselungen in dieser Hinsicht haben die von Ehrlich1) entdeckten, in normalem und pathologischem Gewebe vorkommenden „ M a s t z c 11 e n quot; gegeben. Diese Zellen besitzen einen (bei der Fär­bung mit Anilinfarbstoffen ungefärbt bleibenden) Kern, um den herum ein Haufen intensiv färbbarer Körner gruppirt ist. Diese Körner sind häufig für Mikrococcen gehalten worden. „Doch sind die Körnchen gewöhnlich von ungleicher Grosse. Dieses letztere Ver­halten, das Vorhandensein eines Kernes und der Vergleich mit anderen ebensolchen Zellen sichern indessen leicht ihre Diagnose.quot; (Koch.8) Gelegentlich findet man die Mastzellen auch in Trockenpräparaten (Ausstrichpräparate von Organen); in solchen Präparaten sind die Mastzellen dann häufig zerquetscht, die Körner zerstreut. Derartige Befunde könnten noch leichter als Mastzellen in Schnitten zur Ver­wechselung mit Mikrococcen Veranlassung geben. Aber auch hier ist nach meinen Erfahrungen die richtige Beurtheilung unter Benutzung der angeführten Kriterien nicht schwer.
Selbstverständlich erscheinen bei der mikroskopischen Betrachtung eines jeden Schnittpräparates diejenigen Gewebstheile und speciell auch diejenigen Bakterien dein Auge am besten und klarsten, welche in den obersten Schichten des Schnittes liegen. Für Demonstra­tionszwecke, ferner zum Zwecke der photographischen Darstellung etc. wird man möglichst dementsprechend gelegene Stellen auszusuchen haben.
') Arch, f. mikroskop, Anatomie. Bd. 13, ü'T. p, 'iiüt.
'-') Unters, iilraquo;. d. Aetiol. d, Wundinfeot.-Krankheiten, Leipzig, 1^7^. p, 38,
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90nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. All^omoines.
5. Allgemeines über Färbung und Entfärbung. Leicht und schwer färbbare und entfärbbare Objecte.
In den vorhergehenden Abschnitten haben wir gesehen, dass die Bakterien ganz im Allgemeinen die Eigenschaft haben, ans geeigneten Lösungen basischer Anilinfarbstoffe den Farbstoff aufzunehmen, sich zu färben; wir sahen weiter, dass dieselbe Eigenschaft auch den Zellkernen des thierisohen Gewebes zukommt. Es machte bezüglich des principiellen Vorgehens bei der Färbung auch keine Unterschiede, ob die Bakterien am Deckglase angetrocknet oder ob dieselben im Gewebsschnitt ver-t heilt gefärbt werden sollten. Die anzuwendenden Lösungen waren die­selben, und hier wie dort erfolgte die Färbung in kürzester Zeit. Dass Trookenpräparate sich im Allgemeinen schneller färben als Schnitte, liegt nicht etwa an einer principiellen Verschiedenheit der zu färben­den Objecte selbst, sondern mir an der verschiedenen Art der äusser-liohen Disponirung dieser Objecte. Das Trockenpräparat stellt eine dünne, trockene Schiebt dar, welche beim Benetzen mit wässerigen Flüssigkeiten, also auch beim Benetzen mit den Farbstofflösungen, auf­quillt und sich in dem letzteren Falle begierig mit der Farbstofflösung vollsaugt. Beim Schnitte hingegen haben wir eine grössere Gewebs-inasse vor uns, welche mit Alcohol oder Wasser durchtränkt ist. Diese durchtränkenden Flüssigkeiten müssen dann beim Einbringen des Schnittes in die Farblösung erst durch Diffusion entfernt werden.
Die eigentliche „Färbungquot; der einzelnen Bakterienzellen erfolgt also, gleichgültig ob ein Schnitt oder ein Trockenpräparat vorliegt, im Allgemeinen in kürzester Zeit — vorausgesetzt, dass man passende Farblösungen anwendet. Mehrmals haben wir bereits betont, dass diese Lösungen wässerige sein müssen. Es lässt sich nun leicht nach­weisen1), dass rein a 1 cohol ische Lösinigen, d. h. Lösungen der Farbstoffe in absolutem Alcohol, überhaupt nicht die Spur bakterien- und kern färbender Ei gen schatte n haben.
Man stelle sich irgend welches Trockenpräparat durch Verreiben von Bakterienmaterial auf dem Deckglase, durch Ausstreichen von Blut, Fiter etc. auf demselben, dar. Man lixire es in der gewöhnlichen Weise. Das absolut trockene Deckglas fasse man mit absolut trockener Pincette und gebe mm auf die angetrocknete Schiebt mehrere Tropfen einer concentrirten Lösung eines basischen Anilinfarbstoffes in absolutem Alcohol. Nach einigen Secunden spüle man das Deckglas mit absolutem
') Diesen Nachweis habe ich isno (i. Auflage dieses Buches p. 71) geführt.
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IV. Allgemeine Methodik der Bakterienbeobaobtung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 91
Alcohol ab. Die Schicht ist vollstiiiulig angefärbt geblieben. Die Bakterien resp. (He Kerne der Eiterzellen etc. haben nicht ver­mocht aus der alcoholischen Lösung Farbstoff aufzunehmen, trotzdem dass diese Losung procentisch so viel Farbstoff enthält wie keine auf irgend welche sonstige Weise darstellbare Lösung. Ich will bemerken, dass man, nach dem Aufbringen der Farblöstmg auf das Präparat, das­selbe , um die Färbung eventuell zu beschleunigen, in die Flamme lullten kann, so dass die Farblösung anfängt zu brennen. Entfernt man dann das Präparat aus der Flamme und spült es nach dem Aus­blasen der brennenden Farblösung mit absolutem Alcohol ab, so ist das Resultat dasselbe wie vorher: die Schicht ist ungefärbt geblieben.
Nun könnte zwar Jemand einwerfen, durch das Abspülen mit Alcohol, der das beste Lösungsmittel dieser Farbstoffe ist, werde die zu Stande gekommene Färbung vernichtet, der Farbstoff werde wieder extrahirt. Zur Entkräftung dieses Einwandes stelle man folgenden Versuch an: Ein beliebiges Trockenpräparat färbt man mit der wässe­rigen resp. stark wasserhaltigen Lösung eines basischen Anilinfarbstoffes; man spült die Lösung darauf mit Wasser ab und macht das Präparat durch Abblasen etc. in der gewöhnlichen Weise trocken, als ob man es in Balsam conserviren wollte. Das Präparat ist jetzt gefärbt. Nun legt man das absolut trockene, mit absolut trockener Pincette gefasste Deckglas in absoluten Alcohol. Der Alcohol wird nicht die Spur von Farbstoff zu extrahiren vermögen. Erst nach längerem Liegen an der Luft, wenn der Alcohol Wasser aufgenommen hat, beginnt eine ganz leichte, allmählich stärker werdende Extraction des Farbstoffes. Der absolute Alcohol ist unfähig, dem gefärbten Präparate Farbstoff zu entziehen.1)
Und was von Trockenpräparaten gilt, das gilt von Schnittpräpa­raten ganz ebenso. Nur ist es viel schwerer, sich wirklich absolut trockene Schnitte herzustellen. Ich habe zur Klarstellung dieser wich­tigen principiellen Fragen Schnitte aus Alcohol mit Hülfe des Spatels auf den Objectträger gebracht. Dort habe ich sie an der Luft an­trocknen lassen und nun noch über der Flamme den Objectträger leicht erwärmt, um möglichst jede Spur hygroskopisch anhaftenden Wassers zu entfernen. Nach dem Erkalten wurden die Schnitte mit
') An dieser Stelle möchte ich bemerken, dass (was nach dem Vorstehenden eigentlich selbstveratändlich ist) der absolute Alcohol auch aus gefärbten Geissein den Farbstoff nicht zu extrahiren vermag. Wenn man diese Tbatsaoho domonstriren will, so ist es nothwendig, laquo;Ins der Geisselßlrbung (of. oben p. Toll'.) unterworfene Dcckglaspräparat in trockenem Znstande zunächst In absoluten Alcohol, raquo;us demselben dann in Xvlol zu bringen und dann in Balsam einzuschliessen.
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92nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeines,
oonoentrirter, rein alooholisoher Farblösung ttbergossen und naoh wenigen Seoünden mit absolutem Alcohol abgespült. Auch hier derselbe Effect:
Ausbleiben jeder Färbung. — Dann habe ich Schnitte in wässe­rigen Lösungen Jungen' Zeit getobt, aus der Parblösung direct auf den Objectträger gebracht, durch Aufpressen von Fliesspapier abge­trocknet und dann lufttrocken werden lassen, event, unter leichter Er­wärmung. Dann sprangen die Schnitte leicht vom Glase ab oder Hessen sich leicht abziehen. Der trockene Schnitt wurde dann in ab­soluten Alcohol versenkt. Ganz, ganz allmählich kam hier eine Ex­traction des Farbstoffes zu Stande, die dann mit wachsendem Wasser­gehalt des Alcohols, wie oben, allmählich zunahm.
Hein alooholi 8ehe Lösungen der basiscli en Anilin-farbstoffe sind also vollständig unfähig. Bakterien sowohl wie thierisches Gewebe zu färben, und an­dererseits ist der absolute Alcohol unfähig, den Farbstoff aus gefärbten Bakterienzellen und aus ge­färbten Zellen thierischen Gewebes zu extrahiren.
Wenn trotzdem gerade der absolute Alcohol als „Ent­färbungsmittelquot; zum „Differenzirenquot; von gefärbten Schnitten empfohlen wird (speciell durch Weigert)1), so ist diese Wirkung des Alcohols darauf zurückzuführen, class er hier auf Gewebe einwirkt, welche mit wässeriger Flüssigkeit (Farblösung) durchtränkt sind, dass der Alcohol hier also tliatsiichlich nicht als absoluter, sondern als mit Wasser verdünnter Alcohol zur Wirkung kommt. Der mit Wasser in gewissem Grade verdünnte Alcohol ist aber ein aus­gezeichnetes Mittel, die Anilinfarbstoffe aus den Zollen zu extrahiren. Es kommen hier zwei Eigenschaften desselben zur Geltung: erstens der Wassergehalt, welcher die Flüssigkeit befähigt, die Bakterien oder thierischen Zellen etc. zum Aufquellen zu bringen, und zweitens der Alcoholgehalt, welcher die Flüssigkeit so viel geeigneter zur Lösung der Farbstoffe macht, als es das Wasser selbst ist.
und was für den Alcohol als Entfärbungsmittel gilt, das gilt auch für den Alcohol als Constituens von Farblösungen. Einen wässerig durchtränkten Schnitt können wir auch in einer rein alcoholischen Farblösung färben, aber nicht weil die letztere an und für sich fär­bende Eigenschaften hätte, sondern weil sich bei dem Zutritt derselben y.u dem Schnitte eine verdünnte alcoholische Farblösnng bildet, die die Färbung bewirkt Ebenso können wir ein trockenes Trocken­präparat mit rein alcohulischer Farblosung färben, wenn wir zum
l) Viivli. Arch, IM. 84, 1881. p. 275ff.
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IV. Allgemeine Methodik der Bakterienbeobaobtungf
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Abspülen der Farblösung nicht Alcohol, sondern Wasser nehmen. Die im Momente des Abspülens sich bildende verdünnte alcoliolische Lösung bewirkt die Fiirbung.
Hinsichtlich der hier aufgestellten prinoipiellen Eigenschaften des absoluten Alcohols ist zu bemerken, dass einerseits bereits Weigert') darauf aufmerksam gemacht hat, dass man die Schnitte „über eine Stunde (bei intensiver Färbung- noch länger) in Alcohol lassen kann, ohne dass sie die Kern- und Bakterienfärbung abgebenquot;, und dass anderer­seits Friedl ander2) betont hat, dass „ein grösserer Zusatz von Alco­hol als etwa l0o/0 zu der Farblösung das Färbungsvermögen derselben beeinträchtigt.quot; Dass aber der Alcohol als solcher gar keine entfärbenden und rein alcohol is ehe Farblösungen gar keine färben den Eigenschaften haben, ist, so viel ich weiss, zuerst von mir ausgesprochen worden.
Wir werden derartige Kigenschaften des Alcohols und alcoholischer Lösungen nur durchaus verständlich linden müssen. Die Ihikterien-zello ebenso wie die thierische Gewebszelle ist nur in Wasser quellbar, nie in absolutem Alcohol. Damit die Zelle aber aus irgend welcher mit ihr in Berührung kommenden Flüssigkeit Bestandtheile in sich aufzunehmen vermag, muss sie in der Flüssigkeit zunächst in gewissem Grade aufzuquellen vermögen. Wir sehen hier sehr enge Analogien zwischen den Vorgängen, die sich bei der Färbung einer Zelle abspielen, und denjenigen, die bei der Einwirkung an ti sop tische r Flüssigkeiten auf die Zelle in Frage kommen.:1) Wie wir bereits oben (p. 80) mittheilten, fand R. Koch '), dass eine alcoliolische Lösung von Carbolsäure nicht die geringste Einwirkung auf die Keimfähigkeit von Milzbrandsporen hat, während wässerigen Lösungen derartige Ein­wirkungen sehr wohl zukommen.
Nach Erledigung dieser principiell wichtigen Angelegenheit wollen wir uns mit den verschiedenen Funkten beschäftigen, welche von allgemeiner Bedeutung bei der Bakterienfärbung sind. Es sind dies drei Funkte:
1)nbsp; die Qualität der Farblösung,
2)nbsp; nbsp;die Temperatur, bei der die Färbung vorgenommen wird, 8) die Zeitdauer der Einwirkung der Firblösung.
') Viroll. Arch. Bd. 84. 1881, p. 280. -) Mikroskopische Technik, :). Äufl, Berlin 1886, p, 47,
:1) Audi noch in anderer Hinsicht bestehen Analogien zwischen diesen beiden Arten von Vorgängen (cf. p. 73, Anm, 4).
') Mittli. a, d. Kais. (ies.-Amtc. Bd. 1. ISM. p, 261.
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94nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeines.
Bezüglich des '2. resp. 3. Punktes gut es ganz allgemein, dass die Färbung tun so schneller vor sich geht, je höher die Temperatur ist, und dass sie desto intensiver wird, je länger wir die Farblösung auf das Object einwirken lassen.
Bezüglich des ersten Punktes haben wir bereits erörtert, dass sich rein aleoholische Lösungen gar nicht zur Färbung eignen, dass sich aber Gemische aus einem Theile derartiger Lösungen und etwa 10 Theilen Wasser ausgezeichnet zur Färbung eignen. Wir haben ferner gesehen, dass die Loeffler'sche Methylenblanlösung (cf. p. 83), welche ebenfalls eine wässerig-alcoholische ist, aber einen ganz geringen Zu­satz von kaustischem Kali enthält, sich ganz besonders gut zu Färbungen eignet.
Es hat sich nun gezeigt, dass das Färbungsvermögen der wässerig-alooholisohen Lösungen überhaupt durch bestimmte Zusätze sehr er­heblich gesteigert werden kann. Mehrere solcher intensiv färben­den Tinctionsflüssigkeiten sind seit Jahren in Gebrauch und haben sich sehr bewährt. Dahin gehört an erster Stelle die Ehrlich'sehe Lösung, welche mit Fuchsin oder mit den Violetten hergestellt werden kann, und die ursprünglich zur Färbung der Tuberkelbacillen construirt wurde, ferner die Ziehl'sche Lösung, welche mit Fuchsin hergestellt wird.
Die Ehrlich'sehe Lösung1) ist eine Mischung einer concentrirten wässerigen Anilinlösung mit concentrirter alcoholischer Farbstofflösung. Sie wird folgendennassen dargestellt:
4 ccni Anilin (Anilinöl) werden mit 100 cem Wasser geschüttelt. Hierbei wird die grösste Menge des Anilins gelöst. Man liltrirt nun durch ein mit Wasser vollständig angefeuchtetes Filter (angefeuchtet deshalb, damit die ungelösten öligen Anilintröpfchen auf dem Filter zurückgehalten werden) und setzt dann zu dem klaren Filtrate („Ani 1 inwasserquot;)
I 1 com concentrirte aleoholische Fuchsin- (oder Gentiana-violett- oder Metlrylviolett-) Lösung. Die Mischung wird geschüttelt. Diese Ehr lieh quot;sehen Lösungen setzen in den ersten Stunden nach ihrer Bereitung Farbstoffniederschläge ab. Schnitte, die unmittelbar nach der Herstellung der Flüssigkeit mit der­selben behandelt werden, zeigen, gleichgültig ob man die Farbinischung (iltrirt oder luililtrirt zur Anwendung gebracht hat, ihre Oberfläche
') cf. IVntscIie mod. Woi-licnsi'hr. Isyl p, 'iTO.
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TV. All^cnifiiiP Methodik der liaktcriciibfobaditiing.
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mit kleinsten Farbstoffiliedersohlägen bedeckt, die zu entfenieii (ohne die Färbung ingt; Uebrigen zu schädigen) es kein Mittel giebt. Nach 24 Stunden jedoch hat die Lösung sich geklärt, und mm stellt sie ein sehr gutes, allgemein anwendbares Färbungsmittel dar. Die Ehr­lich quot;sehen Lösungen werden mit Vortheil, wie hier schon bemerkt sein mag, zur l'ärbung von Tuberkelbacillen in Deekglas­trocken prä par a ten, die von Sputum hergestellt sind, angewendet. Die Nachbehandlung dieser Präparate bringt es mit sich, dass für diesen Zweck die Ehr lieh quot;sehen Lösungen auch ganz frisch, eben dargestellt, gebraucht laquo;erden können. Die Ehrlich'sehen Lösungen halten sich mehrere Wochen, manchmal sogar einen Monat brauchbar. Allmählich jedoch wird eine derartige 1^081111^ missfarbig, hell; der Farbstoff' setzt sich als schmieriger Belag auf dem Boden und an der Wand des Gefässes ab, und die Flüssigkeit muss dann verworfen und durch neue ersetzt werden.
Die Ziehl'sche Lösung1) ist eine Mischung von öproeentiger wässeriger Carbolsäurelösung mit alcoholischer Fuchsinlösung. Man stellt sie dar durch inniges Verreiben von 1 g Fuchsin mit 100 cem 5 proc. wässeriger Carbolsäurelösung unter allmäh­lichem Zusätze von 10 eem Alcohol.
Die Ziehl'sche Ca r bolsäure-Fuchsinlösung hat eben­falls ein ausserordcntliclies Tinctionsvermögen, kommt aber darin den Ehr lieh quot;sehen Lösungen sicher nicht gleich. Die Ziehl'sche Losung ist dauernd haltbar. In diesem Punkte, durch den sich die Ziehl'sche Lösung von den Ehrlich'sehen Lösungen wesentlich unterscheidet, liegt übrigens gerade ein Grund des geringeren Färbungs­vermögens der Z i e h 1 quot;sehen Lösung gegenüber den E h r 1 i c h quot;sehen. Unna'-) hat nämlich auf das allgemein gültige Gesetz aufmerksam gemacht, dass diejenigen Farblösungen am intensivsten färben, in denen der Farbstoff am schlechtesten gelöst ist, ohne jedoch ausgefällt zu werden. Unna hat diesen Zustand einer Farblösung mit dem Aus­druck der „Schwebefällungquot; belegt. Bei den Eh rl ich quot;sehen Lösungen ist dieser Zustand der Schwebefällung vorhanden, bei der Ziehl'sohen Lösung nicht. Ich würde deshalb überall da, wo es darauf ankommt, eine möglichst intensive Färbung zu erreichen, die Ehrlich'sehen Lösungen verwenden und eventuell die Mühe nicht
') cf, Deutsche mod. Woohensohr. isvi. p. 451. -) Centralbl. f, Bakter, Bd. 3. 1888. p. 204.
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9(3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeines,
scheuen, mir dieselben frisch darzustellen; nur im Xothllille würde ich als Ersatz zu der Ziehl'sohen Lösung greifen, die immer vorräthlg und jederzeit gebrauchsfertig im Laboratorium gehalten werden kann. Einen noch höheren Grad des Färbungsvermögens hat Loeffler1) den Ehrlieh'schen Lösungen dadurch verliehen, dass er den Alcohol bei ihrer Zusammensetzung ganz wegliess und etwas Natronlauge zu­fügte. Loeffler setzte sich zur Färbung der Geissein an Bakterien, die zunächst mit einer Beize behandelt waren (cf. oben p. 75), die Farblösung ursprünglich fulgendermassen zusammen:
Zu 100 ccm concentrirtem Anilinwasser-) wird
1 ccm 1 procentige Natriumhydratlösung zugefügt. Das Gemisch wird mit
4—5 g festem Fuchsin (oder Methylviolett oder Methylen­blau) tüchtig geschüttelt.
Diese Farbflüssigkeit dürfte an Intensität des Färbungsvennügens von keiner der bekannten Farblösungen übertrotfen werden. Man sieht ohne Weiteres, dass hier ein noch höherer Grad der Unna'schen „Schwebefällungquot; bestehen muss als bei den E h r 1 i c h'sehen Lösungen, da ja der Zusatz des Alcohols, dos ausgezeichnetsten Lösungsmittels unserer Farbstoffe, fehlt.
Unerwähnt will ich übrigens nicht lassen, dass H. K ü h n e :i) als Universalbakterienfärbungsmittel eine Carbolmethylenblaulösung (dargestellt aus 1,5 g Methylenblau, 10 ccm Alcohol und 100 ccm 5 procentigem Carbolwasser) angegeben und empfohlen hat.
In dem quantitativ verschiedenen Färbungsvermögen der citirten Farblösungen einerseits, andererseits in der verschiedenen Zeitdauer der Einwirkimg dieser Lösungen auf das Object und in der ver­schieden hohen Temperatur, bei der dies geschieht, haben wir die Momente, welche für die Intensität der zunächst resultirenden Färbung von Bedeutung sind.
Es hat sich nun die wichtige Thatsache herausgestellt, dass sich nicht alle Hakterienobjecte einer und derselben Farblösung gegenüber gleichartig, der Färbung gleichmässig zugängig, verhalten. Verfeinerte Methoden werden ohne Zweifel in dieser Beziehung vielfache Differenzen zwischen den verschiedenartigen Objecten auflinden, die uns heute noch unbekannt sind. Wie die Dinge heute stehen, kann man im
') Centralbl, f. Bakt. Bd. 6, L889. No, 8/9,
-) Dargestellt wie bei der Bereitung dor Ehrlich'sehen Lösungen,
:1) Praktisohe Anleitung zum mikroskopischen Nachweis der Bakterien im.
thierisehen Gewebe. Leipzig. I Sh8.
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IV. Allgemeine Methodik dor Bakterienbeobaohtimg.
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Allgemeinen nur unterscheiden zwischen solchen Objecten, die den Farbstoff leicht aufnehmen, und solchen, die ihn schwer aufnehmen; oder anders ausgedrückt: wir haben zu unterscheiden zwischen leicht färb baren Objecten und schwer färbbaren Objecten. „Leicht fiirbbarquot; wollen wir solche Objecte nennen, die, mit wässerig-alco-holischen Farbstofflösungen bei gewöhnlicher Temperatur behandelt, im Trookenprftparat die Färbung innerhalb weniger Secunden, im Schnitte innerhalb weniger Minuten annehmen, „schwer färb barquot; solche, die unter denselben Bedingungen die Färbung noch nicht an­nehmen, zu deren Färbung es intensiver wirkender Methoden bedarf.
Ganz allgemein gilt es ferner, dass diejenigen Objecte, die den Farbstoff leicht annehmen, denselben auch leicht wieder abgeben, dass andererseits diejenigen, die ihn nur bei intensiverer Behandlung mit der Farblösung aufnehmen, ihn auch energischer festhalten, weniger leicht abgeben. Wir können das auch so ausdrücken: Die leicht färbbaren Objecte sind auch leicht entfärbbar, die schwer färbbaren auch schwer entfärbbar. Oben haben wir definirt, was wir unter „leicht färbbarquot;, „schwer färbbarquot; verstehen. Was verstellen wir aber unter „leicht entfärbbarquot;, „schwer entfärbbarquot; ? Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir uns über die Mittel, die uns zur Entfärbung der gefärbten Zelle zu Gebote stehen, informiren.
Absoluter Alcohol extrahirt, wie auseinandergesetzt, den Farbstoff aus der gefärbten, trockenen Zelle nicht. Wird der Alcohol aber mit Wasser verdünnt, so tritt eine Extraction des Farbstoffes ein. Dieselbe erfolgt aber nicht momentan, sondern langsam und allmählich. Wir können gefärbte Schnitt- sowohl wie Trockenpräparate ihres Farbstoff­gehaltes allmählich vollständig berauben, wenn wir sie in verdünnten Alcohol legen und darin liegen lassen. Die Gründe für die in dieser Beziehung verschiedene Wirkung des absoluten und des verdünnten Alcohols haben wir oben (p. 92) auseinandergesetzt. Der mit Wasser verdünnte Alcohol ist also ein Extractionsmittel für den Farbstoff, ein Entfärbungsmittel. Viel schwächer als verdünnter Alcohol wirkt blosses Wasser; aber auch das blosse Wasser ist ein Ent­färbungsmittel. Es vermag in die Zelle einzudringen und den Farb­stoff einigermassen zu extrahiren. Sehr energisch wirkt im Vergleich zu den genannten Mitteln der öfters wiederholte Wechsel zwischen Alcohol und Wasser. Man wird wohl nicht fehlgehen, wenn man die intensiven Diffusionsströme, die hier in und an dem Objecte auf­treten müssen, für die Extractionswirkung wesentlich mit verantwort­lich macht.
(Minthör, Baktoriologio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;7
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98nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeines.
Die stärksten Entfärbungsmittel aber bilden die Säuren. Schon eine ganz verdünnte Essigsäure hat intensiv entfärbende Eigen­schaften. Verdiinnte Salz-, Salpeter-, Schwefelsäure wirken noch stärker. Ganz besonders stark entfärbend wirken die Säuren in Verbindung mit Alcohol. Für unseren Arbeitstisch möchte ich als stets vorräthig zu haltende Entfärbungsmittel empfehlen:
1)nbsp; Bprocentige wässerige Essigsäurelösung. Dieselbe kann ohne Weiteres verwendet, aber auch mit mehr oder weniger Wasser verdünnt zur Anwendung gebracht werden.
2)nbsp; 20 p r o c e n t i g e w ä s s c r i g e S a 1 p e t e r s ä u r e 1 ü s u n g.
8) Spruce nt igen Salz säure-Alcohol (100 Alcohol abso-lutus, 3 Salzsäure).
Von manchen Seiten wird auch Salpetersäure-Alcohol empfohlen. Ich möchte dieser Empfehlung weniger das Wort reden; denn die Salpetersäure bewirkt sehr leicht Oxydationen des Alcohols, und man hat dann im gegebenen Falle häufig ein undelinirbares Gemisch ver­schiedener Aether etc. an Stelle der Alcohol-Salpetersäuremischung. Der Salzsäure-Aloohol jedoch ist unverändert haltbar.
Unter „leicht entfärbbarenquot; Objecten verstehe ich nun solche, welche die Färbung bei der Behandlung mit 20procentigem Salpetersäurewasscr oder mit 3 procentigem Salzsäure-Alcuhol in kürze­ster Zeit (Secunden bis Minuten) verlieren; unter „schwer entfärh-barenquot; solche Objecte, die die Färbung unter diesen Bedingungen behalten.
Man kann folgende Sätze aufstellen:
1)nbsp; nbsp;Leicht färb bar und leicht entfärb bar sind (es färben sich in wässerig-alcoholischen Earbstofflösiuigen bei gewöhnlicher Temperatur in kürzester Zeit, und es entfärben sich in 20proc. Salpetersäurewasser und ebenso in Sproo. Salzsäure-Alcuhol in kürzester Zeit):
a)nbsp; nbsp;Bakterien |e.\cl. Tuberkel- (und Lepra-) Bacillen und Ba-oiUensporen].
b)nbsp; Zellkerne.
2)nbsp; nbsp;Schwer färb bar und schwer entfärbbar sind (es färben sich nur bei Anwendung intensiver wirkender Methoden, und es entfärben sich, einmal gefärbt, nicht bei kurzer Einwirkung von 20pToc. Salpetersäurewasser oder Spree. Salzsäure-Alcuhol):
Tuberkel- (und Lepra-) Bacillen und Bacillensporen. Worin die intensiver wirkenden Methoden bestehen, er-giebt sich von selbst, wenn wir die oben (p. 93) dargelegten Momente in Erwägung ziehen, welche für die Intensität der Färbung in Betracht
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IV. Allgemeine Methodik der Bakterienbeobaobtoug.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 99
kommen. Um intensiv färbend einzuwirlvcn, werden wir uns zu­nächst solcher Farblösungen bedienen müssen, denen besonders grosse Ti notions k raft zukommt, d. h. also der Ehr lieb'sehen Lösungen, event, auch der Ziehlquot;sehen Lösung; hiermit werden wir in den meisten Fällen das Ziel erreichen. Kommt es aid' ganz be­sonders intensive Einwirkung an, so werden wir uns die von Loeffler (cf. p. 96) angegebenen alkalischen Anilinwasserfarblösungen, die alcohol-frei sind, darstellen müssen. Diese intensiv wirkenden Lösungen wer­den wir dann, und das ist das zweite Moment, nicht bei gewöhnlicher Temperatur, sondern bei höherer Temperatur auf das Object ein­wirken lassen, und wir werden (dritter Punkt) nicht kurze, sondern längere Zeit die Einwirkung andauern lassen. Berücksichtigen wir im gegebenen Falle alle drei Punkte, die Qualität der Farblosnng, die Temperatur und die Zeit, so wird die Intensität der Färbung ihr Maximum erreichen, (iewöhnlich aber genügt es, die intensiv färbende Flüssigkeit bei höherer Temperatur kürzere Zeit oder bei gewöhnlicher Temperatur längere Zeit einwirken zu lassen. Das erstere wird sich besonders für Trockenpräparate, das letztere besonders für Schnitte empfehlen. Deckglastrockenpräparate können wir, ohne dieselben zu schädigen, mit kochender Farbstofflösnng behandeln, so lange wir wollen. Schnitte vertragen, wie oben (p. 88) gesagt, höchstens Temperaturen bis etwa 40—50laquo; C.
Die schwer färbbaren Bakterienobjecte, die Tuberkel- (und Lepra-) Bacillen und die Bacillensporen, verhalten sich nun hinsichtlich der Zugänglichkeit für den Farbstoff verschieden. Die Leprabacillen setzen dem Kindringen des Farbstoffes den geringsten Widerstand ent­gegen. Sie können sich sogar manchmal, wenigstens in einzelnen Exemplaren, wie leicht färbbare Bakterien verhalten, und es ist diese Eigenschaft von Baumgarten1) zu einer mikroskopischen Differential-diagnose zwischen Lepra- und Tuberkelbacillen verwandt worden. Die Tuberkelbacillen verhalten sich erbeblich resistenter gegen das Eindringen des Farbstoffes. Am resistentesten verhalten sich die Ba­cillensporen. Die letzteren bedürfen also zum Zustandekommen der Färbung der relativ intensivsten Behandlung. Sind die genannten Objecte einmal gefärbt, haben sie den Farbstoff einmal aufgenommen, so geben sie denselben an die Entfärbungsmittel, wie erwähnt, nicht leicht wieder ab, während andere Theile des Präparates, denen die Eigenschaft der leichten Färbbarkeit zukommt, sich bei derartiger Be­handlung mit Entfärbungsmitteln wieder entfärben. Es resultirt dann
') Zeitsohr, f. wissensoh, Mikroskopie. Bd. i. 1884.
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100nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; A. Allgemeines,
naturgvniäss oino isolirti1 Färbung der vorhandenen schwer fiiib-baren Objecte; und damit ist dann auch die Möglichkeit gegeben, die wieder entfärbten, leicht tarbbaren Theile secundär mit einer gegen die Färbung der schwer fälbbaren Objecte contrastirenden Färbung, mit einer Contrast- (Gegen- oder Grund-) Färbung, zu verseilen. Man kann so Präparate mit Doppelfärbung herstellen. Bei pri­märer Fuchsinfärbung wählt man als Gegenfarbe Methylenblau, bei primärer Yiolettfärbung als Gegenfarbe ßismarckbraun oder Carmin. Wir können auf diese Weise z. B. in einem Tuberkelbacillenschnitt-präparate die Tuberkelbacillen fuchsinroth, die Kerne dos Gewebes methvlenblau färben; wir können uns Trockenpräparate von tubercu-lösem Sputum herstellen, in welchen die Tuberkelbacillen violett, die übrigen vorhandenen Bakterien und die Kerne der Kiterzollen etc. bis-marckbraun gefärbt sind; wir können sporenhaltige Milzbrandfäden so färben, dass die Sporen fuchsinroth, das Baciilenprotoplasnia methylen-blau erscheinen.
Auf die Sporenfärbung werden wir bei Gelegenheit der Be­trachtung des Milzbrandbaoillus, auf die Tuberkelbacillenfärbung bei Gelegenheit des Tuberkelbacillus des Näheren eingehen.
6. Die Gram'sche Methode der Kernentfärbung.
Wir wir gesehen haben, lassen sich Bakterien, welche in Schnitten thierischen Gewebes enthalten sind, durch die Färbung mit basischen Anilinfarbstoffen sehr leicht der Beobachtung zugänglich machen. Wir brauchen einen solchen Schnitt nur in eine der angegebenen Farb­lösungen zu legen und hinterher abzuwaschen und mit schwachen Ent­färbungsmitteln zu behandeln, um die Bakterien gefärbt zu Gesicht zu bekommen. Freilich sind die Kerne des Gewebes stets mitgefärbt. Würden wir auf den gefärbten Schnitt stärkere Entfärbungsmittel ein­wirken lassen, z. B. 3proc. Salzsäure-Alcohol, oder würden wir die schwächeren Entfärbungsmittel längere Zeit einwirken lassen, so würden allerdings die Kerne ihre Färbung verlieren; zu gleicher Zeit aber würden auch die Bakterien ihre Färbung abgeben und verblassen. Wollen wir also in einem Schnitte die Bakterien gefärbt haben, so müssen wir eine Kern für bung mit in den Kauf nehmen; es sei denn, dass es sich um die schwer färb- und entfärbbaren Tuberkel-(oder Lepra-) Bacillen handelte; die specifischen Eigenthümlichkeiten dieser Bakterien bringen es mit sich, dass wir sie in isolirter Färbung darstellen können.
Aus dem Schema der bisher betrachteten Färbungsmethoden fällt
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IV. Allgemoino Jlctliudik dor Dnkterionbeobaolltung.
101
nun vollständig heraus ein eigenthümliohes Verfuhren der färberischen Behandlang bakteriologisoher Präparate, welches der dänische Forscher Christian Gram1) im Jahre 1884 zu Berlin entdeckte. Gram gelangte durch Zufall zu dieser Entdeckung. Er hatte nämlich, wie er angiebt -), versucht, in pathologisch voränderten Nierenschnitteu eine Doppelfärbung dadurch herzustellen, dass er dieselben zunächst in Ehrlioh'soher Anilinwassergentianaviolettlösung und darauf in Jod­judkaliumlösung behandelte. Die Kerne sollten violett, die Harncylinder braun gefärbt werden. Als er nun die so behandelten Schnitte in Alcohol behufs der Differenzirung und Entwässerung brachte, beob­achtete er, dass die Schnitte sich vollständig und schnell entfärbten, d. h. dass die sonst in Alcohol verbleibende Kernfärbung verschwand. In dem Schnitte vorhandene Bakterien hatten sich aber hierbei nicht mit entfärbt; im Gegentheil: sie zeigten sich äusserst intensiv, dunkel tingirt. Gram hatte also ein Verfahren gefunden, die Gewebskerne zu entfärben, ohne die Bakterienfärbung anzutasten.
Das Gr am'sehe Verfahren ist also kein eigentliches Färbungs-verfahren, sondern es ist ein Entfärbungsverfahren, und zwar ein Eeruentfärbungsverfahren. Hiermit war viel gewonnen. Es war die Möglichkeit eröffnet, jede beliebige Bakterienart in isolirter Färbung im Schnitte darzustellen und nach Belieben auch eine Gegen­färbung, der Kerne eintreten zu lassen. Gram fand aber sofort, dass nicht alle Bakterienarten bei der geschilderten Entfärbungsmethode ihre Färbung behalten, sondern dass es Bakterienarten giebt, welche sich bei der geschilderten Behandlung ebenso wie die Kerne des Ge­webes entfärben.
Die ursprüngliche Gram'sehe Vorschrift war nun die, dass die Schnitte aus Alcohol in die Ehrlich'sehe Anilinwassergontianaviolett-lösung für mehrere Minuten gelangen. Hierauf werden sie in eine Jodjodkaliumlösung (1 Jod, 2 Jodkalium, 300 Wasser) für mehrere Minuten, darauf in Alcohol gebracht. Während sich der Schnitt in der Jodlösung glänzend schwarz gefärbt hat, giebt er in dem Alcohol sofort eine purpurrothe Farbstoffwolke ab. Wird kein Farbstoff mehr ausgezogen, so kommt der Schnitt in Nelkenöl; hier verliert er even­tuell noch etwas Farbstoff. Darauf wird er in Balsam eingeschlossen.
Befolgt man diese ursprüngliche öl'am'sehe Vorschrift genau, so wird man meist gute Resultate erzielen; mitunter aber führt diese Behandlung nicht zu einer genügenden Entfärbung der Kerne. Es
') Fortschr. d. Med. 1884. No, 6. -) Ebenda. ]gt;. 186.
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102nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeines,
gelingt jedoch durch bestimmte kleine Abänderungen das Verfahren so zu gestalten, dass es unter allen Umständen zu dem ge­wünschten Ziele führt.
Im Jahre 1880 habe ich1) zuerst eine Modification dos Gramquot;-sclien Verfahrens angegeben, die ich dann im folgenden Jahre aus­führlich publloirt habe.-) Diese Modification, welche unter der Be­zeichnung des „Gram-Günther'sclienquot; Verfahrens bekannt geworden und der ursprünglichen Methode gegenüber vielfach mit Vortheil an­gewendet worden ist, unterscheidet sich dadurch von dem ursprting-lichen Verfahren, dass nicht nur Alcohol, sondern daneben auch 3proc. Salzsäure-Alcohol zur Extraction des Farbstoffes benutzt wird: wesentlich ist aber, dass der Säurcalcoliol nur ganz vorübergehend zur Anwendung gelangt. In diesem Punkte bin ich von einigen Seiten missverstanden worden; man hat mehrfach angegeben, die von mir empfohlene Modification verwende Säurealcohol Statt reinen Alcohols, Eine zweite Abweichung von der ursprünglichen Gram quot;sehen Vorschrift liegt darin, dass nicht Nelkenöl (welches bei Gram eventuell noch zur Extraction des Farbstoffes diente), sondern Xylol zur Verwendung gelangt.
Das Gram-G ünther'sehe Verfahren gestaltet sich nun im Speoiellen folgendermassen:
1)nbsp; Der Schnitt gelangt aus Alcohol in (eben liltrirte) Ehrllch'sche Anilinwassergentianaviolett- (oder Methylviolett-) Lösung auf 1—2 Mi­nuten, :l) Die Farblösung muss mindestens 24 Stunden alt sein (cf, p. 94),
2)nbsp; Herausnehmen des Schnittes mit der Xadel, Abtupfen der über­schüssigen Farblösung auf Fliesspapier und Einbringen des Schnittes in Jodjodkaliumlösung (1 Jod, 2 Jodkalium, 800 Wasser) auf 2 Mi­nuten, (Der Schnitt liegt dabei, gut ausgebreitet, auf dem Grunde des Sohälchens.)
3)nbsp; In Alcohol auf l/a Minute.
4)nbsp; In Spi'OC. Salzsäure-Alcohol auf genau 10 Secunden,
5)nbsp; Mit Ablauf der 10 Secunden sofortige Ucbertragung in neuen, bereits vorher bereit gestellten reinen Alcohol auf mehrere Minuten.
0) Noch ein oder mehrere Male (in nicht zu langen Pausen) Uebertragung in frischen Alcohol bis zu maximaler Entfärbung
') In der tnikroskopisohen Technik von C. Friedländer, :i. Aull. [gt;. 5(i—öl (nach briefüohei' Mittliellung an ilon Verfasser) angegeben,
-) Deutsche mod. Wochenselir. 1*587. No. 22. p. -17-1.
:1) Eine Ausnahme machen Tuberoulose- und Leprasohnitte, Die letz­teren werden ' ., Stunde, die ersteren 12—24 Stunden frelarbt.
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IV. Mgetneine Methodik der Bakterienbeobacbtung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;103
(es darf sieli schlimlich keine FarbstofiWolke mehr von dem Schnitte ablieben).
7)nbsp; In XyfoM tiier 'kann der S(;hiiitt beliebig lange liegen. Er hält sich in dem Xylol unbegrenzt lange unverändert. Jedoch kann er, mit Xylol durchtränkt, sofort, d. h. spätestens '/._, Minute nach dem Einlegen in Xylol, übertragen werden
8)nbsp; mit dem Spatel auf den Objectträger.
9)nbsp; Nach Abtupfen des Xyloliibcrschusses wird ein Tropfen Xylol-Balsam aufgebracht und auf diesen das Deckglas gelogt.
Will man eine Gegenfärbung der Kerne erzielen, so kann man, wie das Gram that, die in Alcohol entfärbten Schnitte auf einen Augenblick in wässerige Bismarckbraunlösung tauchen, dann wieder in Alcohol entwässern und nach der Passage durch Xylol in Balsam einschliessen. Häufig bekommt man so ganz gute Resultate. Manchmal aber verlieren die Bakterien bei dieser Manipulation etwas von der Präcision ihrer Färbung, und bei Erysipel-Schnitten werden die Coccen, wie ich gefunden habe, bei dieser Gelegenheit sogar voll­ständig entfärbt. Es empfiehlt sich also die nachträgliche Grund­färbung mit Bismarckbraun im Allgemeinen durchaus nicht.
Ein anderes Verfahren der G r u n d f ä r b u n g bei der Gram quot;sehen Schnittbehandlung ist jedoch für alle Fälle durchaus zu empfehlen. Bei diesem Verfahren wird die Kernfärbung vor der Bakterienfärbung vorgenommen. Die ungefärbten Schnitte gelangen hier aus Alcohol
1)nbsp; in Wasser auf mehrere Minuten, darauf
2)nbsp; in Picrocarminlösung ') 1 —2 Minuten.
3)nbsp; Sie werden darauf in vier- bis fünfmal erneuertem Wasser ausgewaschen und dann
4)nbsp; in Alcohol gebracht.
Die Schnitte haben nun eine wundervolle Kernfärbung (Cannin) an­genommen. In dem Alcohol können sie beliebig lange, ohne sich zu verändern, aufbewahrt werden. Man kann sie dann zu beliebiger Zeit der Gram'sehen resp. Gram-G ünther'schen Behandlung unter­werfen, die genau so ausgeführt wird, als wenn es sich um vollständig
') Die Lösung stellt man sich nach Friedläader (Mikroskopisclio Technik. 3', Aufl. 188(5. p, 35) so dar, dass man eine Lösung von Cannin in Ammoniak (1 Cannin, 1 Ammoniak, 50 Wasser) zureoht macht und zu dieser soviel eonoentrirte wässerige Picrinsiiurolösung zusetzt, bis der entstehende Niederschlag (Cannin) beim Umrühren nicht mehr gelost wird. Eine Spur Ammbniakznsatz löst den Niederschlag nieder auf. Diese Vorschrift hat sieh mir stets bewährt.
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104nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeines.
ungefärbte Schnitte Immlelte. Die Carmiufärbung der Kerne wird durch die Gram quot;sehe Behandlung in keiner Weise alterirt.
Wie wir oben schon angaben, bleiben bei der Kernentfiirbung nach der Gram'sehen Methode eine Reihe von Bakterienarten gefärbt; eine andere Reihe von Arten theilen das Schicksal der Kerne und entfärben sich. Man sagt von den ersteren auch: „Sie färben sich nach der Gram'sehen Methodequot;, von den anderen „sie färben sich nicht nach der Gram quot;sehen Methode.quot; Man sagt auch einfach „sie färben sich nach Gramquot; resp. „nicht nach Gramquot;. Es ist aber zu betonen, dass eine jede Bakterienart sich entweder auf die eine oder auf die andere Seite stellt. Eine Zwischenstufe in dem Verhalten giebt es nicht.
Von den pathogenen Bakterienarten färben sich nach Gram (d. h. bleiben gefärbt, während sich die Kerne entfärben):
der Milzbrandbacillus,
der Tuberkelbacillus,
der Lepra bacillus,
der Diphtheriebacillus, *)
der Bacillus der Mäusesepticaemie und des Schweinerothlaufs.
der Tetanusbacillus,
die Streptococcen (Erysipel, Pyaemio, Phlegmone),
der Staphylococcus pyogenes aureus,
der Diplococcus pneumoniae A. Fraenkel,
der Micrococcus tetragenus. Ausserdem gehört in diese Gruppe
der Actinonryces bovis s. hominis. Es färben sich nicht nach Gram (d. h. entfärben sich zusammen mit den Kernen):
der Typhusbacillus,
der Rotzbacillus,
der Bacillus des malignen Oedems,
der Rauschbrandbacillus,
der Bacillus der Septicaemia haemorrhagica (Hühnercholera, Kaninchensepticaemie, Schweineseuche, Rinder- und Wildseuche),
der Kommabacillus der Cholera asiatica,
der Bacillus pneumoniae Friedländer,
der Gonorrhoecüccus,
die Spirochacte des Rcuurrensliebors.
') In den früheren Auflagen dieses Buches findet sich der Diphtheriebacillus irrthttmlieher Weise zu denjenigen Bakterienarten gestellt, die sich nach Gram nicht liirben.
1
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IV. Allgemeine Methodik der Bakterlenbeobaobtunglt;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 105
Haben wir oben augegeben, dass In Schnitten, die sich für die ör ain'seile Behandlung eignen, die Kerne sich bei dieser Behandlung entfärben und allein die Bakterien gefärbt zurückbleiben, so müssen wir dieser Angabe jetzt eine gewisse Einschränkung auferlegen. Es giebt, von den Bakterien abgesehen, bestimmte Bestandtheile des Ge­webes, welche bei der Gram'sehen Entfärbung die einmal angenom­mene Färbung stets beibehalten. Dies sind:
1)nbsp; die sogenannten Eerntheilungsflguren,
2)nbsp; die Mastzellenkörner (cf. p. 89),
3)nbsp; die Hornsohicht der Epidermis.
Ferner halten auch die serösen Ueberzüge der Organe und die angrenzenden Zonen der letzteren der Gram'sehen Behandlung gegen­über die Färbung ausserordentlich fest.
Es ist hier zu bemerken, dass von pflanzlichen Objecten nicht etwa nur bestimmte Bakterienarten bei der Gram'sehen Entfärbung gefärbt bleiben, sondern auch andere Dinge, z. B. Hefezellen etc.
Die Gram'sehe Methode ist übrigens nur auf ganz bestimmte Farbstoffe beschränkt. Mit Fuchsin, mit Methylenblau, mit Bisnmrck-braun wird man nie Resultate bekommen. Einzig und allein anwend­bar sind die sogenannten Pararosaniline. Wir verdanken diese Kenntniss Unna, welcher die bei der Gram'sehen Methode in Be­tracht kommenden Verhältnisse zum Gegenstande einer ausführlichen Studie ') gemacht hat. Den P a r a r o s a n i 1 i n e n, zu denen Methyl-violett, Gentianaviolett und Victoriablau gehören, stehen die Rosaniline gegenüber. Beide Gruppen leiten sich ab von dem aus dem Methan CH, abgeleiteten Triphenylmethan C^H.^.H, aus dem durch Einführung dreier Amidogruppen und einer Hydroxyl­gruppe das farblose P a r a r o s a n i 1 i n oder T r i a m i d o t r i p h e n y 1 -karbinol C^H, • NH^OH wird. Das salzsaure Salz des letzteren ist eins der färbenden Parar osaniline und hat die Zusammen­setzung C(C(1H4 • NH,)., • C()H4 #9632; NH,C1.
Die R o s a n i 1 i n e unterscheiden sich d a d u r c h von den Para-rosanilinen, dass statt einer der drei Phenylgruppen eine Toluylgruppe (statt G0 Hr) also C(l H4 • CH,() in das Methan eintritt.
Wie gesagt, sind nur die Pa rarosa nilin verb i n dun gen (Methylviolett, Gentianaviolett, Victoriablau) für die Behandlung nach Gram anwendbar. Der Grund hierfür ist nach Unna die starke Verwandtschaft, welche diese Farbstoffe zu dem Jod besitzen.
') Die Rosaniline und Pararosaniline. Eine bakteriologische Farbenstudle. Dermatologisohe Studien. Viertes Heft, Hamburg und Leipzig, 1887.
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Kißnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. AUgemetnes,
Die gvnaniiteii Farbstoffe muss man aber stets in tiL'stalt der Ebrliob'sohen Lösung, d. h. in Anilinwasser gelöst, zur An­wendung bringen; sonst bekommt man keine Resultate.
Man kann übrigens, wie loh gefunden habe, die Gram'sehe Methode resp. ineine Modiiieation dieser Methode auch mit der oben (p. 88) bereits erwähnten Un na'sehen Antruckn ungsmethode oombiniren, Speoiell für Leprasohnitte habe ich dies mit Vortheil gethan. Die Schnitte werden zu dem Zwecke, nach der maximalen Entfärbung in Alcohol, nicht in Xvlol, sondern (entweder direct oder nach vorheriger Behandlung mit Wasser) mit dem Spatel auf den Objectträger gebracht, dort dann nach der Unna'schen Vorschrift an­getrocknet und dann in Balsam eingeschlossen.
Auch für Deokglaspräparate kann man die Gram'sche Methode verwenden. Doppelfärbungen, in der oben (p. 108) angegebenen Weise unter Anwendung von Picrocarmin hergestellt, geben hier (bei Ausstrichpräparaten von Gewebssaft etc.) oft die schönsten Bilder. Man gebt bei der Färbung von Deckglaspräparaten nach Gram am besten so vor, dass man das (event, mit Picrocarmin vorgefärbte, dann mit Wasser abgespülte und wieder getrocknete) Präparat c. '/._, Minute mit Ehrlich'soher Gentianaviolettlösung, dann (ohne es abzuspülen) c. 1 Minute mit der Jodjodkalimnlösung, dann (am besten unter Be­wegen) eine Reihe von Minuten — bis zu maximaler Entfärbung — in Alcohol behandelt; dann wird das Präparat schnell unter dem Strahl der Wasserleitung abgespült, abgeblasen, getrocknet und in Xvlolbalsam eingeschlossen.
Hervorbeben will ich übrigens, dass die Gram quot;sehe Behandlung bei den Bakterien n u r d e n P ro t o p 1 a s m a k ö r p e r, nie die Kapseln, gefärbt zur Anschauung bringt.
Ausser meiner Modiiieation der G r a m' schon Methode sind noch mehrere andere Modilicationen angegeben worden, unter denen be­sonders die oben (p. 88) bereits erwähnte Weigert'sohe „Methode zur Färbung von Fibrin und von Mikroorganismenquot;1) sich bewährt und ausgedehnte Anwendung gefunden hat. Weigert färbt den Schnitt in Ehrlich'soher Anilinwassergentianaviolettlösung, spült ihn in Wasser oder Kochsalzlösung ab, bringt ihn dann mit dem Spatel auf den Objectträger, tupft ihn mit Fliesspapier ab, behandelt ihn darauf mit der oben genannten Jodjodkaliumlösung, tupft ihn wieder ab, betropft ihn mit Anilin (Anilinöl), welches die Differenzirung be­wirkt und den Schnitt zugleich entwässert (of. p. 85, Anm. 1).
') Portsohr. d. Mod, 1S87. No. 8.
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IV. AUgemeliui Methudik der Bakterienbeobaobtung,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;107
Dann wird das Anilin mit Xylul entfernt und der Sohnitt in Balsam eingeschlossen. Das Fibrin, Dvalin etc. werden bei dieser Behandlung intensiv blau, die Mikroorganismen dunkelviolett.
Unna hat empfohlen, die ursprüngliche Gram'sehe Vorschrift dahin abgeändert anzuwenden, dass man das Jod nicht als solches der Jodkaliumlösung zusetzt, sondern dass man dasselbe mit Hülfe von Wasserstoffsuperoxyd, welches der Jodkaliumlösung zugefttgt wurde, in die Gewebe einführt.
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V. Allgemeine Methodik der Bakterienzüehtung'.
1. Einleitendes.
W cnn es sich durum handelt, Genaueres über irgend welche Bakterien zu erfahren, die sich in der Natur irgendwo uns darbieten, sei es innerhalb des erkrankten Tlherkörpors, sei es innerhalb eines bestimmten Trinkwassers oder an irgend einem anderen Orte, so wird man sich in der Regel nicht damit begnügen dürfen, die Bakterien mikroskopisch zu untersuchen; man würde so weiter nichts feststellen können als ihre Form und ihr Verhalten zu Farblösungen und sonstigen Beagentien. Es würde vielmehr durchaus nothwendig worden, die Bakterien zur Vermehrung zu bringen, sie zu züchten, zu culti-v i r e n. Erst die Cultur liisst bei vielen morphologisch gleichen oder sehr ähnlichen Arten Unterschiede der Arten hervortreten, und für die Diagnosticirung einer bestimmten Art ist die Cultur gewöhnlich gar nicht zu umgehen.
Es kann nun vorkommen, dass die Natur uns im gegebenen Falle die Bakterien bereits in Reincultur darbietet, d. h. dass sich an dem Fundorte nur einer einzigen Bakterienart ungehörige Indi­viduen, unvermischt mit Individuen anderer Arten, vorfinden. In diesem Falle würden wir nichts weiter zu thun haben, als beliebige Theile dieser natürlichen Reincultur auf einen passenden keimfreien, natür­lichen oder künstlichen Nährboden zu übertragen; auf diesem Nähr­boden würde sich die eingesiiete Art vermehren, und wir hätten dann durch beliebige Variation der Culturbedingungen Gelegenheit, das Ver­halten der Art unter den verschiedensten Bedingungen, mithin ihre Eigenschaften nach- allen Richtungen hin, zu studiren. Dieser Fall findet sich z. B. häufig dann, wenn es sich um Thierkrankheiten handelt, die durch die Einwanderung einer bestimmten Bakterienart in den Thierkörper und durch die Vermehrung dieser Art im Blute des Thieres
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V. Allgemeine Methodik ilev Bakterlenzüohtung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;109
bedingt sind. Ein jeder Blutstropfen wird dann eine lleincultur der bestimmten Bakterienart enthalten.
In den meisten Fällen liegen jedoch die Dinge so, dass die Natur nicht eine lleincultur, sondern ein Gemisch verschiedener Bakterienarten darbietet. Wollen wir dann Genaueres über diese Arten erfahren, so müssen wir die Arten von einander zu trennen, die einzelnen Arten von einander isolirt in Reincultur zu gewinnen suchen. Ein methodisches, zielbewusstcs Vorgehen in dieser Richtung ist erst durch Rob. Koch ermöglicht worden. Koch's Methoden der Reincultivirung der Bakterien sind derart construirt, dass wir jedesmal die verschiedenen Bakterienarten, die sich in einem be­stimmten ßaktcriengemisclie vorfinden, in isolirten Reinculturen zu gewinnen im Stande sind, falls nur diese Arten auf dem zur Anwendung gebrachten Nährboden und unter den sonstigen bestehenden Be­dingungen überhaupt zu gedeihen vermögen.
Die Zeit vor Koch arbeitete fast ausschliesslich mit flüssigen Nährböden. Koch schuf den durchsichtigen, festen Nähr­boden. In dieser Umwandlung liegt die Basis der modernen Bakteriologie.
Ist die Aufgabe gestellt, mit Hülfe eines flüssigen Nähr­bodens die verschiedenen Arten, welche sich in einem Bakterien­gemische vorfinden, von einander zu sondern, in isolirten Reinculturen zu gewinnen, so kann dies nur so geschehen, dass man aus dem Bakteriengemische eine einzelne Bakterienzelle herausnimmt und diese, unvermischt mit andern Zellen, in ein beliebiges Quantum des vorher keimfrei gemachten flüssigen Nährbodens überträgt. Hat man wirklich nur eine einzelne Zelle übertragen, ist der Nährboden sicher keimfrei gewesen, so muss jetzt, falls der Nährboden überhaupt passend ist, eine Reincultur gelingen. Aber wie überträgt man eine einzelne Zelle? Man hat dies durch weitgehende Verdünnungen des Bakteriengemisches mit sterilisirtem Wasser zu ermöglichen gesucht. Man ging mit der Verdünnimg so weit, dass auf eine abmessbare Menge der Flüssigkeit der Schätzung nach nur ein einzelner Keim kam. Ucbertrug man nun diese Menge der Flüssigkeit, so entstand mit Wahrscheinlichkeit eine Reincultur, da man mit Wahrscheinlich­keit nur einen einzelnen Keim übertragen hatte. Wie aber war eine Controle darüber möglich, dass wirklich nur ein einzelner Keim über­tragen war, dass ihm nicht mechanisch andere anhingen? Wie war es möglich, die Entwickelung der Cultur aus dem einen Keime mikro­skopisch zu verfolgen und es so über alle Zweifel zu erheben, dass man es wirklich mit einer Reincultur zu thun hatte ? Alle diese Dinge
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110nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; A. AllgemeineSi
boten so uiu'iullichc Sohwierigkeiten, dass an eine universelle Anwend­barkeit dicstT Methode zum Zwecke dor Reinoultur nicht gedacht werden konnte. Lister war Übrigens der Erste, welcher mit Hülfe der beschriebenen Verdünnungsmethode1) eine Bakterienreinoultur
erzielte, nachdem dieselbe vorher schon von Brefeld für Schimmel­pilze mit Erfolg angewendet worden war.
H. Koch hatte bei seiner ersten, grundlegenden Arbeit über die Aetiologie des Mi 1 zbrandes2) ebenfalls nur flüssige Nähr-boden zur Verwendung. Es gelang ihm hier, mit Hülfe des flüssigen Nährbodens die Entwickelungsgeschichte des Milzbrandbacillus lückenlos darzulegen und an der Hand sicherer Reinculturen seine Pathogenität zu erweisen. Immerhin gehörte das ausserordentliche Geschick eines Koch dazu, die Unzulänglichkeiten des flüssigen Nährbodens zu über­winden und denselben in einwandsfreier Weise dem erstrebten Ziele dienstbar zu machen.
Der fundamentale Unterschied zwischen dem flüssigen und dem festen Nährboden ist der, dass der flüssige Nährboden die verschiedenen Bakterienvegetationen, die sich in oder auf ihm bilden, in uncontrolir-barer Weise durch einander gerathen lässt, während dieselben, in festem Nährboden wachsend, vermöge der Consistenz des letzteren an Ort und Stelle isolirt von einander fixirt bleiben. Ist nun der feste Nährboden nebenbei noch durchsichtig, so ist eine makroskopische und mikroskopische Controle der verschiedenen Vegeta­tionen in jedem Augenblicke ermöglicht, und damit die Erzielung von Reinculturen eigentlich vollendet. Wir werden uns deshalb zur Isolirung der Bakterien stets des festen Nährbodens bedienen; flüssige Nährböden können nur in Frage kommen, wenn wir bereits Reinculturen vor uns haben.
Zur Isolirung der Bakterien, zur methodischen Herstellung von Reinculturen sind also feste, durchsichtige Nährböden er­forderlich. Solche Nährböden erhält man nach Koch's Vorgang durch Zusatz von gelatinirenden Substanzen zu passenden Nähr­lösungen. Da die Bakterien je nach den Arten aber verschiedene Ansprüche an den Nährboden stellen, so wird man sich nicht auf eine einzige Nährlösung beschränken dürfen, sondern man muss die Zusammensetzimg der Nährlösung je nach dem Bedürfnisse varüren. •'')
') Ausführliches hierüber findet man in Hueppe's „Methoden der Bakterien-
forsclumg.quot; ö. Aufl. Wiesbaden, isill. p. 306ff.
-) Cohn's Beitr. %. Blol. d. Pfl. Bd. 2. 1876. p. -iTTir.
3) Eine Methode, die Hcdiirfnisso an Nälirsubstanzen für einen gegebenen Fall zu ermitteln,'hat Beycrinck 1889 (of. Centralbl. f. Bakt. Bd. 7. IS!)0. p. 347)
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V. Allgemeine Methodik lt;lcr BakterienzUobtuug,
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Koch1) oonstruirte sich so verschiedene „Nährgelatinenquot; durch Zusatz von Gelatine zu Heuinfus, Weizcninfus, Humor aqueus, l'leiscli-extract- und Peptonlösung, Fleischinfus und Peptonlösung, Blutserum.
ZurCultivirung von Pilzen sehr geeignet erwiesen sich mitlMlaumon-decoct oder Pfordcmistdecoct hergestellte Nährgelatinen.
Zur Züchtung von pathogenon Organismen ganz beson­ders geeignet fanden Koch und Looffler'-) eine Nährlösung, welche aus Fleischinfus mit Pep ton- und Kochsal zzusatz be­steht, und die durch Natriumphosphat oder Natriumcarbonat schwach alkalisch gemacht wird. Diese Pepton-Kochsalz-Bouillon bildet die Basis der wichtigsten Nährböden, welche in dem bakteriologischen Labo­ratorium heutzutage angewendet werden. In Verbindung mit Gelatine bildet sie den gewöhnlich einfach als „Koch'sche Niihrgelatinequot; bezeichneten Nährboden; in Verbindung mit Agar bildet sie das weiter­hin noch zu besprechende „Nähragarquot;; ohne Zusatz wird sie als „Nährbouillonquot; angewendet.
2. Die Darstellung der wichtigsten bakteriologischen
Nährböden. Nährgelatine, Nähragar, Nährbouillon, Blutserum,
Kartoffel, Ei, Brotbrei.
Die „Nährgelatinequot; wird folgendermasson dargestellt: Man übergiesst
500 g fettfreies gehacktes oder geschabtes Bindfleisch
mitnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1 1 destillirtem Wasser
und lässt das Gemisch, nachdem man das Fleisch möglichst gleich-massig in dem Wasser vertheilt und hinterher noch mehrmals um­gerührt hat, 12 — 24 Stunden an einem kühlen Orte stehen. Im
angegeben. Er vertheilt eine Eelnoultur dor Bakterien- (oder Helen- etc.) Art, deren Bedürfnisse ermittelt werden sollen, in geschmolzener Gelatine oder in Agar, denen die nothwendlgen Nährsubstanzen zunächst noch nicht zugesetzt sind, giesst die so beschickte Gelatine resp, das Agar auf eine Platte etc. ans, liisst das Ausgegosscno erstarren und bringt nun auf die Oberfläche der erstarrten Gelatine resp. des Agars an verschiedenen Stellen Tröpfchen von Lösungen verschiedener einzelner Nahrsub-stanzen. Die Stoffe diffundiren in die erstarrte Gelatine etc. hinein, und es koinnit dort ZU dem ausgiebigsten Wachstfuini, wo (wie z. B. event, in dein gemeinsamen Diflnsinnsfeld differenter Tröpfchen) die Nafirsnbstanzen in der günstigsten Zusammen* Setzung vorhanden sind. Es entstellt auf diese Weise eine Entwiclielungslignr auf der Platte, welche Beyerinck „Aiixanogramni'quot; nennt; die Mothode bezeichnet er als „Auxanographiequot;.
') Mitth. aus d. Kais. Ges.-Amte. Bd. 1. 1881. p. 27, 28.
raquo;j Milth. aus d, Kais. Ges.-Amte. Bd. 1. 1881. p. 27 und 169.
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112nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemelues,
Sommei empfiehlt sich hierzu der Kisschrank. Dann siesst man das Genüseh auf ein reines leinenes Tuch, welches über einen grossen Glastrichter hinweggelegt ist, und lässt das „Fl ei seh was s erquot; hin-duroblaufen. Ist die ganze Menge aufgegessen, so kann man die Zipfel des Tuches zusammennehmen und nun durch vorsichtiges Drücken und Pressen des Tuches mit der Hand das Durchfliessen der Flüssig­keit beschleunigen. Man presst so lange, bis man 1 1 Fleischwasser erhalten hat. Das Fleischwasser ist eine Lösung der löslichen Sub­stanzen des Muskels; es reagirt in Folge seines Gehaltes an Milchsäure stark sauer.
In dieses Fleischwasser hinein wird nun gegeben: 100 g Gelatine (10laquo;/o). log Pep ton (Peptonum siecum) (l0/o)t 5 g Kochsalz (V/0).
Es giebt im Handel viele verschiedene Sorten von Gelatine. Wir verwenden für unsere Zwecke die gute weisse Speisegelatine der Küche, die eine gute Erstarrungsfähigkeit besitzt.
Das Gemisch lässt man zunächst etwas stehen, damit die Gelatine aufquillt, und bringt dasselbe dann bei massiger Erwärmung (durch Einstellen in warmes Wasser) zur Lösung. Die Erwärmung soll hierbei niemals so weit gehen, dass das Muskeleiweiss beginnt ausge­fällt zu werden.
Ist die ganze Menge der Gelatine und des Peptons gelost, so nimmt man das Neutrali siren des Gemisches vor. Man bedient sich dazu einer concentrirten wässerigen Lösung von Natriumcarbonat. die, zuerst in grösserer Quantität, dann vorsichtiger, tropfenweise, mit Hülfe einer Pipette so lange zugesetzt wird, bis das Lackmuspapier schwache, aber deutliche alkalische Reaction anzeigt.')
Dann kommt das, am zweckmässigsten in einem grossen Glas­kolben befindliche, Gemisch (dem man — behufs der sichereren Klärung bei dem nachfolgenden Erhitzen — jetzt noch das Weisse eines [guten. frischentj Hühnereies zusetzen kann, welches mit der Flüssigkeit ge­hörig durchgeschüttelt wird) in das kochende Wasserbad oder in den Dampf topf (cf. oben p. 27), wo es 1 bis 2 Stunden der Erhitzung durch den 100deg; C. heissen Wasserdampf ausgesetzt wird. Hierbei werden die aus dem Muskel stammenden (event, auch das zugesetzte Hühnereiweiss repräsentirenden) fällbaren Eiweisskörper aus dem
') N. K. Schultz (Centrolbl, f. Bukt. Bd. 10, 1891. p. 54) empfiehlt zur Richtigstellung der Beaotloi] die Titrirmethode unter Anwendung des PhenolphtboleYn als Indicator.
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Gomischo ausgefällt; sie finden sich dann an den Wänden des Ciefässes und auf dor Oberfläche der Flüssigkeit schwimmend als zusamnien-hängende Massen vor, während die Flüssigkeit selbst klar erscheint.
Die letztere braucht nun nui noch filtrirt zu werden. Das Filtriren geschieht durch eine doppelte Lage gutes Filtrirpapier hin­durch. Man lässt die Flüssigkeit in gut gereinigte sogenannte Erlen­meyer'sehe Kölbchen hineinlaufen. Die Gelatine ist jetzt even­tuell (siehe #9632; nachher) fertig. Sie muss glasklar erscheinen und sich beim Aufkochen nicht trüben; sie muss schwach, aber deutlich alkalisch reagiren.
Nur in seltenen Fällen wird, wenn man die Gelatine genau nach dem vorstehenden Recept angefertigt hat, die chemische Reac­tion jetzt schon eine zufriedenstellende sein. Hat man nämlich nach der Losung der Gelatinetafeln und des Peptons in dem Fleischwasser die Reaction des Gemisches auch auf das Sorgfältigste richtig gestellt, so erlebt man es doch ausserordentlich häufig, class nach dem Kochen die Reaction wieder eine neutrale oder selbst leicht saure geworden ist. Dieses „Nachsäuernquot; der Nahrgelatine beim Kochen scheint bei der einen Gelatinesorte in höherem, bei der anderen in geringerem Grade aufzutreten. Auf jeden Fall darf man sich daher niemals damit zufrieden geben, dass man die Reaction e i n M a 1 richtig gestellt hat, sondern es ist durchaus nothwendig, die Reaction nach dem Kochen wiederum zu prüfen. Am zweckraässigsten ist es, diese Prüfung und event, erneute Richtigstellung vor dem Filtriren vor­zunehmen. Nach der Richtigstellung der Reaction wäre dann erneut kurze Zeit ('/., Stunde etwa) zu kochen, dann zu filtriren.
Dass die Nahrgelatine die richtige, d. h. eine deutlich alka­lische Reaction zeigt, ist ein ganz hervorragend wich­tiger Punkt; und man darf denselben bei der Darstellung dieses Nährbodens nie aus den Augen lassen. Die Bakterien verlangen ganz im Allgemeinen, wie das schon oben (p. 21) gesagt wurde, alkalische Nährboden. Manche Arten, speciell z. B. der Cholerabacillus, sind ganz ausserordentlich empfindlich in dieser Beziehung. Falls man daher eine Nährgelatine dargestellt hat, die die vorschriftsmässige Reaction nicht zeigt, so darf man sich nachher nicht wundern, wenn der Cholerabacillus nur höchst kümmerlich oder auch gar nicht auf diesem Nährboden gedeiht, der letztere demnach für Choleraunter­suchungen nicht zu brauchen ist.
Bezüglich der Bereitung der Nährgelatine ist aber darauf auf­merksam zu machen, dass es sich nicht empfiehlt, die chemische Reaction gleich im Anfange (vor dem Ausfällen der Eiweisskörper) zu
Oüntlior, Uakteriologio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;v.
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114nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeines,
stark alkalisch zu stellen. Man bewirkt dadurch nämlich, class dor nachfolgende Kltoungsprooess (beim Kochen) sehi nnvollkonunen und sohlecht vor sich geht. Ju weniger alkalisch die Meiscliwasser-Gelatine-Pepton-Kochsalz-Lösung ist, desto schneller und besser klärt sie sich beim Kuchen. Im Allgemeinen würde es sich also empfehlen, in dieser Beziehung eine Mittelstrasse einzuschlagen; h. h. man macht zunächst (vor dem Kochen und Klären) die Flüssigkeit nur neutral resp. ganz s o h w ach alkalisch, dann kocht mau, und erst nach dem Kochen und der Klärung wird die Reaction deutlich alkalisch eingestellt. Er­neutes kurzes Kochen (siehe oben) und darauf folgendes Filtriren würde dann die Operation abschliessen.
Genügt die Gelatine den in Vorstehendem ausführlich auseinander gesetzten Anforderungen (erscheint sie nach dem Filtriren glasklar durchsichtig, trübt sie sich beim Aufkochen nicht, zeigt sie die richtige Reaction), so kann sie in Reagenzgläschen eingefüllt werden, in welchen sie dann vorläufig, bis wir sie in Gebrauch nehmen, ver­bleibt. Nach der Koch'sehen Vorschrift werden die zu benutzenden Reagenzgläschen zunächst sauber mit Wasser und Bürste gereinigt, dann an der Luft getrocknet und nun mit je einem Wattepfropf'), der in die Oeflhung fest eingedreht wird, und durch den ein „pilz­dichter'' Verschluss des Gläschens herbeigeführt werden soll, versehen. Die Gläschen gelangen dann in einen in den Heissluft- oder Trocken seh rank (ef. p. 26) passenden Einsatz von Drahtgeflecht („Drahtkorbquot;), welcher in den Trockenschrank gestellt wird. Hier werden die Gläschen 1/._, bis 'V., Stunden einer Temperatur von etwa 160deg; C. ausgesetzt. Sie werden hierbei sammt dem Wattepfropf, der bei dieser Procedur eine leicht bräunliche Färbung (beginnende Ver-koblung) annimmt, gründlich sterilisirt. -)
') Auf die Herstellung dos Wattepfropfs hat man gehörige Sorgfalt zu verwenden, Ks genügt nicht, irgendwie ein Stttokohen Watte In den Hals des Röhi--chens zu stopfen, sondern man muss dazu ein zusammenhängendes Stück Watte nehmen; dio ftussere Fläche des fertigen Wattepfropfs muss (an den Seiten und unten) eine möglichst eontinuirliclie Schicht bilden.
'-) Nach dein Vorgänge mehrerer anderer Autoren habe ich das Sterilisiren der b'eagenzgläser vor dem Einfüllen der Gelatine seit Jahren ganz weggelassen. Ich stelle mir die gut gereinigten und getrockneten (Häschen neben einander auf das Keagenzglasgestell, lulle sie nach der Reihe mit Gelatine, versehe erst jetzt jedes einzelne mit einem (nnsterilisirten) Wattepfropf und lasse dann die Sterilisation im Dampf (siebe oben) folgen. Ich habe hierbei niemals einen Misserfolg gesellen, Ebenso vorfahre ich bei der Agarhereitung und bei der Bouillonhereitimg, ebenso auch, wenn es sich um Kartofl'elcultureu im Reagenzglase handelt. Für Ulutserum-röhrohen ist dieses abgekürzte Verfahren natürlich nicht anwendbar; denn Blutserum Kanu nicht im Dampf sterilisirt werden.
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V. AUgemeine Methodik der Bakterienzttobtung,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 115
Nach der Erhitzung liisst man die Qläsoben erkalten. Sie sind nun gebrauchsfertig. Man nimmt Gläschen für Gläschen in die Hand, entfernt den Wattepfropf) dessen innerhalb des Köhrchens befindlich gewesenen Theil man sorgfältig vor Berührung mit den Händen und anderen Dingen schützt, und giesst aus dem Erlenmey er'sehen Eölbcben die flüssige Gelatine in einer Menge von je etwa 10 com in das vertikal gehaltene Reagenzröhrchen so, dass eine Benetzung des oberen Theiles der Wand des Rohrchens sorgfältig vermieden wird. Verfehlt man dies, so klebt nachher der Wattepfropf an der Wand an und muss dann später losgerissen werden, was immer Unannehmlich­keiten mit sich führt. Nach dem Eingiessen der Gelatine wird der Pfropf wieder aufgesetzt resp. eingedreht, und das Gläschen dann zu­nächst in das Reagenzglasgestell bei Seite gestellt.
Sind alle Gläschen mit Gelatine beschickt, so kommen sie zu­sammen in den Einsatz des Dampftopfes und mit diesem für 16—20 Minuten in den Dampf von 100deg; C. Dann werden sie aus dem Dampftopf entfernt, zur Abkühlung hingestellt, bis zum nächsten Tage stehen gelassen, und gelangen nun von Neuem auf 15—20 Mi­nuten in den Dampftopf. Dies wird dann auch noch ein drittes Mal, 24 Stunden später, wiederholt. Bei dieser Behandlung wird die Gela­tine sterilisirt. Der Grund dieser mehrmaligen, unterbrochenen, „discontinuirlichenquot; Erhitzung ist folgender: In der Gelatine sind zunächst Keime vorhanden, welche zerstört werden sollen. Die Keime können z. Th. in Form vegetativer Zellen, z. Th. in Form von Dauersporen vorhanden sein. Die ersteren sind durch Erhitzung schnell und leicht zu todten, die letzteren aber würden zu ihrer Tödtung eines viele Stunden fortgesetzten Kochens benöthigen. Eine so lange auf Siedetemperatur gehende Erhitzung verträgt aber die Gelatine nicht. Die Gelatine hat die Eigenthümlichkeit, durch langdauerndes Erhitzen ihre Erstarrungsfähigkeit mehr und mehr einzubüssen. Wir würden also, wollten wir die Gelatine durch einmaliges Kochen sicher sterili-siren, einen flüssigen Nährboden, und nicht einen festen, den wir haben wollen, erzielen. Man begnügt sich daher zunächst damit, die vege­tativen Formen ahzutödten. Bis zum nächsten Tage sind dann in der wieder abgekühlten Gelatine die etwa vorhandenen Sporen ausgekeimtraquo; und es sind also Jetzt keine Sporen mehr da, sondern nur vegetative Formen, die durch erneutes kurzes Erhitzen wieder leicht und sicher zu tödten sind. Um ganz sicher zu gehen, erhitzt man auch noch ein drittes Mal in dieser Weise. Dann hat man sicher keimfreie Gelatine. O1
') unter Umständen können — allerdings sind das sehr seltene Aus-
s*
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Das Prinoip dieser „discontinuirlichen Sterilisationquot; wurde von T y n d a 11 erfanden.
Die D ar s t e 11 u a g dos N ii h r - A g a r erfordert ein etwas ab­weichendes Vorgehen. Das Agar oder Agar-Agar ist eine Pflaiizen-gallerte, von verschiedenen Arten ostindischer Meerestange stammend. Das Agar kommt in Form von Streifen oder von Pulver oder auch von grösseren vierkantigen Stücken, die aus lose zusammenhängender dünner Agarmasse bestehen, in den Handel. Das Agar quillt in Wasser auf, schmilzt aber im Gegensatz zur Gelatine, welche bereits zwischen 2r)11 und 30u C. flüssig wird, erst bei Temperaturen, die der des kochenden Wassers nahe kommen. Die geschmolzene Agarlösung er­starrt dann bei etwa 40quot; C. wieder. Zur Darstellung dos Niihr-Agar geht man wieder von dem Fleischwasser aus, welches man sieh in derselben Weise, wie oben (p. 111) bei der Bereitung der Nahr-gelatine angegeben, darstellt. Man setzt dann zu l 1 Fleis chwassor 10 g Pep ton (1%) und 5 g Kochsalz (V90/ogt;
Diese Mischung bringt man nun zunächst, ohne sie vorher zu neutralisiren, etwa für eine Stunde in den Dampftopf; hier werden die fällbaren Eiweisskörper ausgefallt. Man filtrirt die Flüssigkeit dann durch Filtrirpapier. Zu der Flüssigkeit, welche nun frei ist von durch Hitze ausfällbaren Eiweisskörpem, setzt man 10 bis höchstens 20 g Agar (1 bis höchstens 2,I,'(1V) entweder in Pulverform oder in kleinen Stückchen, die man durch Zerschneiden der Streifen etc. gewonnen hat, und bringt nun das Gemisch auf's Neue in den Dampf topf oder auch über die offene Flamme, bis sämmtliches Agar ge­schmolzen ist. Die homogene Flüssigkeit wird nun mit Hülfe von conoentrirter Sodalösimg (wie dies [oben p. 112| bei der Gelatine geschah) auf leicht alkalische R e a c t i o n gebracht. Dann wird noch einmal gründlich gekocht, am besten mehrere Stunden lang, und dann wird die Masse durch eine doppelte Lage Filtrir­papier, oder, was sehr zweckmässig ist, durch Flanell filtrirt. Hierzu wird man sich stets des Heisswassertrichters-') bedienen müssen. Man
nullmcn — an den Gelatinetafeln des Handels äusserst widerstandsßlbige Keime vorhanden soin, welche es verarsaehen, dass eine sichere SterilisLrong der Niilir-gelatine nach der geschilderten Methode nicht gelingt, (of. Heim, Centralbl. f. Bakt. Bd. 13. ism. No. 20).
') Gewiilnilich nimmt man l'/a^o-
-) ünna(Centralbl. f.Bakt. Bd. 9. 1801. No. 23)hateinen„Dampftriohterquot; zum Agarflltriren construirt. Derselbe arbeitet bei Temperatoren etwas über 100deg; C; die Agarlösung ist während dos Filtrirens dauernd von Dampf umgeben. Man kommt mit dem vierten Theil der Zeit ans, die man sonst zum Agarflltriren braucht.
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kann auch die Filtration ganz und gar im Dampftopf geschehen lassen. Das Agarfiltriron ist aber ein mühsames Geschäft, da die Agarmasso sehr langsam durch das Filter läuft; und man hat sich deshall) auf andere Weise möglichst klare Agarlösungen zu verschaffen gesucht.')
Vielfach angewendet wird ein einfaches Verfahren -), welches darauf beruht, dass man die Agarlösung in ein hohes Cylindergefiiss giesst und dies so disponirt, dass sich die Lösung nur ganz allmählich ab­kühlen kann. Recht gut erreicht man dies, wenn man die aus dem Dampftopf kommende 100deg; C. heisse Agarlösung, nachdem man sie in ein derartiges üefäss gebracht hat, mit demselben in den Dampf­topf zurückstellt, den man nun, ohne ihn weiter zu heizen, der all­mählichen Abkühlung überlässt. Es senken sich dann in der Lösung die in ihr suspendirten Praecipitate zu Boden, während die darüber befindliche Lösung mehr und mehr klar wird. Man tindct dann nach dem Erstarren eine feste Agarmasse, die in ihren unteren Theilen die Praecipitate einschliesst, während die oberen klar sind. Die Masse wird nun, eventuell durch leichtes Erwärmen des Glases, aus dem letzteren im Ganzen herausgeholt; die trüben Theile des Agarcylinders werden durch einen Messerschnitt von den klaren getrennt, die letzteren zer­kleinert, wieder geschmolzen, und dann der so gewonnene fertige Nähr­boden in einzelne Reagenzgläschen, wie dies bei der Gelatinebereitung geschah, eingefüllt. Darauf erfolgt das Sterilisiren der gefüllten Rea­genzgläschen, welches man zweckmässig genau wie das der Gelatine-röhrchen, d. h. durch je 15—20 Minuten lange Behandlung im Dampf­topf an drei auf einander folgenden Tagen bewerkstelligt.
Für manche Zwecke ausgezeichnet ist ein Zusatz von etwa 60/0 Glycerin zu dem Nähragar. Einzelne pathogene Bakterienarten, z. B. Diphtheriebacillen, Streptococcen, gedeihen besser auf dem glycerinlaquo; haltigen Nährboden als auf dem glycerinfreien; und die Tuberkel-bacillcn wachsen sogar auf dem glycerinhaltigen Agar (gewöhnlich einfach „Glycerin-Agarquot; genannt) ausgezeichnet, während sie auf
') Tischutkin (of. Centralbl, f. Hakt. Bd, 9. 1891, p. 20b) hat empfohlen, das Agar (vor der Lösung) in dttnner (6proo.) Essigsänre einzuweloben, dann in Wasser zu waschen und darauf erst in die Bouillon behufs der Auflösung zu bringen, Die Lösimg geht dann schnell vor sich, und auch die nitration des so hergestellten Nährbodens geschieht schnell und leicht. Wie jedoch N. K. Schultz (Centralbl, f. liakt. Ild. 10. 1891. p, 5H) hervorhebt, gewinnt man durch diese Methode nichts. Das Erstammgsvermögen des Agar wird nämlich durch die Einwirkung der Säure herabgesetzt und kann auch durch nachträgliches Neutralisiren nicht wieder herge­stellt werden.
'-') of, Flügge, Die Mikroorganismen. 2. Autl. ISSO. p, 050.
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USnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ai Allffoincinos.
gewöhnlichem Agar nur äusserst kteunerlioh wachsen. Das Glycerin setzt man bei der Agarbereitung der ültrirten Bouillon (zusammen mit dem Agar selbst) zu; im Uebrigen verfährt man dann, wie oben angegeben.
Ferner ist für manche Zweckt! (z. B. zur Oultivirung von Anaeroben (siehe weiter unten], zur Züchtung von Hefen etc.) ein Zusatz von etwa 20/0 Traubenzucker zu dem Nühragar sehr zu empfehlen („Trauben-zuoker-Agarquot;).
Das Nähr agar unterscheidet sich in mehreren Beziehungen sehr wesentlich von der Nährgelatine. Während die Nährgelatine schon bei Temperaturen wenig über 25quot; C. flüssig wird, zu Züchtungen bei Brüttemperatur also nicht gebraucht werden kann, eignet sich das Nühragar für diese Züchtungen ganz vortrefflich. Ein zweiter wesent­licher Unterschied ist der, dass das Agar kein Eiweisskörpor wie die Gelatine, sondern ein den Kohlehydraten nahestehender Körper ist. Das Agar ist also nicht peptonisirbar wie die Gelatine; es wird durch Bakterien, welche die Gelatine verflüssigen (cf. oben p. 38), nicht verflüssigt.
Die Reagenzgläschen lässt man nach vollendeter Sterilisirung ent­weder in vertikaler Stellung abkühlen, oder aber, und dies empfiehlt sich besonders bei den Agar-Höhrchen, man lässt dieselben in schräger Lage abkühlen, so dass der Nährboden mit einer Oberfläche erstarrt, die mit der Längsachse des Gläschens einen sehr spitzen Winkel bildet. Man hat dann eine möglichst ausgedehnte Oberfläche des Nährbodens für Oberfläohenimpfongen zur Verfugung. Beim Erstarren presst das Nähragar Wasser ans („Condensationswasserquot;), welches sich später in den abhängigen Theilen des Röhrchens ansammelt.
Die Nährbouillon wird in der Weise dargestellt, dass man zu
1nbsp; 1 Fleischwasser, welches, wie oben (p. 112) angegeben, dar­gestellt ist, 10 g Pepton (l0/o) und 5 g Kochsalz C/,,0/,,) zusetzt und nach der Auflösung dieser Zusätze die Reaction des Gemisches mit concentrirter Natriumcarbonatlösimg schwach alkalisch macht. Hierauf wird (event, nach Zusatz des Weissen eines Hühnereies) 1 bis
2nbsp; Stunden im Dampftopf gekocht, filtrirt, die fertige Bouillon dann in einzelne Reagenzgläschen zu je etwa 10 cem eingefüllt. Die Gläschen werden darauf, genau wie dies bei Gelatine und bei Agar geschah, sterilisirt.
Zum Zwecke der Bereitung des Blutserums als Nährboden für Mikroorganismen verfährt man am besten so, dass man das Blut aus den Adern des Thieres direct in grössere sterile Gefässe (sterilisirte Glasoylinder) strömen lässt. Es gelingt dann häufig, das Blut ganz
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V. Allgemeine Methmlik der Bakterlenzüobtung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1 19
keimfrei aufzufangen.') Mau lässt nun das Blut an einem kühlen Orte stellen. Nachdem sich dann das Serum von dem Blutkuohen getrennt hat, wird das Serum mit sterilisirter Pipette abgehoben und in Reagenzgläsohen (zu je etwa 10 cem) eingefüllt, die vorher samuit dem Wattepfropf gut sterilisirt wurden (oft p. 114). Darauf werden die gefüllten Gläschen in einen doppelwandigen Kasten von Zinkblech ge­legt, dessen Boden nicht horizontal, sondern etwas gegen die Horizon­tale geneigt ist, und in welchem der Zwischenraum zwischen den beiden Wandungen durch Wasser ausgefüllt ist. Die Gläschen liegen hier so, dass das Blutserum mit seiner Oberfläche einen sehr spitzen Winkel mit der Längsachse des Gläschens bildet. In dieser Lage wird nun das Blutserum zur Erstarrung gebracht, und zwar geschieht dies bei einer Temperatur von 65 — 08deg; C, die man durch Erhitzung des Wassers von der Bodendäche des Kastens her erreicht. Bei dieser Temperatur erstarrt, wie Koch fand, das (Rinder-) Blutserum zu einer durchsichtigen homogenen Masse. Geht man mit der Temperatur höher, über 70deg; C, so kommt keine klare, durchsichtige, sondern eine trübe Masse zu Stande. Die fertigen Gläschen werden nun auf ihre Sterilität dadurch geprüft, dass man sie mehrere Tage bei Brüttemperatur stehen lässt. Zeigen sie dann keine Entwickelung von Bakteriencolo-nien, so sind sie steril und gebrauchsfähig'. Man gebraucht diese Blut-serumröhrchen zu Oberflächenimpfungen. Aus diesem Grunde liess man sie auch in schräger Lage erstarren; das Blutserum bietet so eine möglichst grosse Oberfläche dar. — Für manche Zwecke, beson­ders zur Anlegung sogenannter Blutserumplatten (siehe den nächsten Abschnitt), ist es nothwendig, das Blutserum nicht in er­starrtem, sondern in flüssigem Zustande aufzubewahren. Die mit dem Serum beschickten Köhrchen werden zu diesem Zwecke, ohne dass man sie vorher der Erstarrungstemperatur aussetzt, behufs Prüfung der Sterilität in den Brutschrank gestellt. Haben sie die Probe be­standen, so sind sie zu jederzeitigem Gebrauche fertig vorbereitet.
Auch das Blutserum wird unter Umständen mit Zusätzen ver­sehen, z. B. Glycerin. Koch empfahl auch eine Blutserum-Gelatine zu Culturzwecken.
Hat man keine Sicherheit, dass das Blutserum bei der Entnahme aus dem Thierkörper steril aufgefangen wurde, so muss man es, nach­dem es zur Erstarrung gebracht wurde, oder auch vorher, besonders sterili siren. Dies geschieht, indem man die Röhrchen 6 bis 8 Tage lang täglich ein bis zwei Stunden einer Temperatur von etwa
') R. Koch. Mitth. aus d. Kais. Ges.-Amto. Bd. i. ISS4. p, 47.
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120nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. AU^emeinos.
66deg; C. aussetzt. Es findet hier nach demselben Frinoipe, welches
wir bei der Gelatine, bei Agar und Bouillon angewendet haben, eine Sterilisirung statt.
In seltenen Fällen wird menschliches Blutserum als Nähr-boden nothwendig. Nach B u m m' s Vorgang gewinnt man dasselbe zweokmässig aus Plaoenten.')
Die bis jetzt besprochenen Nährböden haben wir nach der Be­reitung in Reagenzgläschen eingefüllt und können sie nun aufbewahren, bis wir sie benutzen wollen. Der Wattepfropf verhindert das Hinein­gelangen von Bakterien- und sonstigen Keimen in den steril ge­machten Nährboden, und der letztere bleibt uns also dauernd zur Verfügung — bis er durch Austrocknen, was ganz allmählich erfolgt, unbrauchbar wird.
In ähnlicher Weise kann man sich nun auch die (für Züchtung von Bakterien zuerst von Schröter-) angegebene) Kartoffel als Nährboden für bakteriologische Zwecke vorräthig halten. Wir werden die hierzu angegebenen Methoden noch besprechen.
Nach der ursprünglichen Methode von Koch macht man die Kartoffel immer erst kurz vor dem Gebrauche zurecht. Man ver­fährt hierbei so, dass man die Kartoffel8) unter dem Strahle der Wasserleitung mit einer harten Bürste, sog. Kartoffelbürste, zu­nächst mechanisch von allem äusserlich anhaftenden Schmutz, von Krdpartikelchen u. s. w. gründlich befreit. Die Kartoffel stammt aus der Erde, und in der Erde sind, wie wir bereits früher (p. 27) mit-getheilt haben, Bakterienkeime von ganz ausserordentlich grosser Resistenz vorhanden. Diese müssen also zunächst möglichst be­seitigt werden.
Die so mit der Bürste gereinigte Kartoffel wird dann einer ge­naueren Inspection unterzogen; und es werden hierbei mit Hülfe eines gewöhnlichen, in der Küche gebräuchlichen Kartoffelschälmessers ( „Kartof f elme sserquot;) die Vertiefungen der Kartoffeloberfläche, die „Augenquot; der Kartoffel, sowie alle etwa schadhaft erscheinenden Theile der Oberfläche ausgekratzt. Man benutzt hierbei die Spitze des Messers, welches man mit seiner Ebene senkrecht zur Kartoffeloberfläche auf die letztere aufsetzt. Wir müssen hierbei soviel der Augen resp. der
') Dentsohe mod. Wochensohr. IS85. p, 910.
') F. Colin's Boitr. /. Bid. d. Pll. Bd. I. 1872.
!') Nicht olle KiirtofTdsorten sind liir Cultnrzweoke gut zu verwenden. Man wählt am besten sogenannte „Salatkartoffelnquot;, die beim Kochen nicht platzen und. in gekochtem Zustande durchschnitten, keine „mehligequot;, sondern eine feste, glanzende Schnittfläche zeigen.
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sohadhaften Stellen entfernen, lt;lii.ss von der Kartoffel nur gesundes Gewebe und gesunde Epidermis zurückbleibt. Erstrecken sich grössere krankhafte Stellen in die Kartoffel hinein, so ist die Kartoffel zu vor­werfen. Mau hüte sieh, zu tief in die Kartoffel hinein zu schneiden, weil die Kartoffel hinterher in Suhliinatlösung gelegt wird, und ein­dringendes Sublimat die Kartoffel für Xiilirzwecke ungeeignet macht. Auch schone man die gesunde Epidermis möglichst.
Ist die Kartoffel mit dem Messer gesäubert, so gelangt sie auf '/s, bis 1 Stunde in eine l/ioProcen%e Säuresublimatlösung (1 Sublimat, 5 Salzsäure, 1000 Wasser)1) (of. oben pag. 32). Dann wird die Kartoffel aus der Subliinatlosung herausgenommen und, nach­dem sie in den Einsatz des Dampftopfes gelegt worden ist, mit dem­selben auf '/•gt; bis :i/i Stunden in den Dampf topf gebracht. Hier wird die Kartoffel gar gekocht und zugleich endgültig sterilisirt.
Nun wird der Einsatz aus dem Dampftopf herausgenommen und zunächst zur Abküldung hingestellt. Ist die Abkühlung einigermasson erfolgt, so werden die einzelnen Kartoffeln mit 2 oder 3 Fingern der mit Seife gut gewaschenen und dann in Sublimatlösung getauchten linken Hand aus dem Einsatz herausgenommen und mit Hülfe eines in der rechten Hand gehaltenen, zunächst „ausgeglühtenquot; (cf. p. 25) und darauf wieder erkalteten Kartoffelmessers durchschnitten, um dann sofort in eine (noch zu beschreibende) feuchte Kammer ge­legt zu werden. Bei dem Herausnehmen der Kartoffeln mit Hülfe der „Sublimatfingerquot; aus dem Einsatz des Dampftopfes hat man zu­nächst darauf zu sehen, dass die Kartoffeln nicht mehr als nöthig mit Sublimatlösung beträufelt werden. Dann ist zu beachten, an welchen Stellen die Kartoffel ergriffen werden soll. Wir wollen die Kartoffel nachher durchschneiden, und die hierbei entstehenden Schnitthälften sollen sich gut so hinlegen lassen, dass die Schnittflächen nach oben sehen. Die Kartoffel muss also, wenn wir auf ihre gewöhnlich ellip-soide Gestalt die für die Erde quot;ebräuchlichen Bezeiohnunffen anwen-
') Zwoekmiissig hält imiii sich als Stammflüssigkeit eine mit Salzsiüiro her­gestellte 20 prooentige SnblimaÜösang (20 g Sublimat, 100 com Salzsäure) vorräthig. Von dieser Stammflüssigkeit nimmt man ö com und füllt dieselben mit Leitungs­wasser bis zu 1 1 auf: So erhält man die '/niproeentige Lösung für den Gebrauch. — Zur Prüfung darauf, ob eine Sublimatlösung genügende Quantitäten Sublimat gelöst enthält, bedient man sich nach R. Koch (Mitth. a. d. Kais. (les.-Amte. JJd. 1, 1S81. !gt;. 2quot;8) sehr bequem der Iv upfor-Reaction. Ein mit Schmirgelpapier blank ge­putztes Streifchen Kupferblech wird in die zu prüfende Lösung hineingebracht. Bildet sich innerhalb einer halben Stunde ein deutlicher Queoksilberflberzug, so ent­hält die Lösung mindestens 1:5000 Sublimat. Eine 1/|0procentige Lösung giebt die Reaction schon innerhalb einer Minute deutlich.
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122nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; A. Allgemelnea,
den. ii ([ ua t uri a I (I u roh sellnitU'u, also an den Polen mit den Fingern angefasst werden.
üa1 durchschnittene Kartoffel wird nun mit der linken Hand in die feuchte Kammer so gelegt, dass die beiden Schnittliälften von einander getrennt und die Schnittflächen nach oben gerichtet sind. Die feuchte Kammer besteht aus einem Paar geräumiger Glasschalen (Dop pels oh ale), deren obere über die untere hinübergreift und als kappenartiger Deckel dient. Die untere hat c. 20 em lichten Durch­messer und etwa (5 cm Höhe. Der Boden der inneren, unteren Schale ist mit einem kreisförmigen Stück Eliesspapier bedeckt, welches mit '/,„ proc. Sublimatlösung befeuchtet ist. Nach dem Einlegen der Kar­toffeln wird die Deckelschale aufgelegt; man lässt dann die Kartoffeln gründlich abkühlen und kann sie dann in der weiterhin zu besprechen­den Weise impfen.
Will man gekochte Kartoffeln zu Culturzweoken vor rät h ig halten, so kann man nach v. Esmaroh1) so verfahren, dass man die rohen Kartoffeln schält, abspült, in Scheiben schneidet und diese Scheiben in kleine gläserne Doppelschälchon (von 5 bis 6 cm Durchmesser) legt, die zuvor im Trockenschrank sterilisirt-) sind. Die so armirten Schälchen werden auf etwa :i/4 Stunden in den Dampftopf gestellt, dann herausgenommen und bis zur späteren Benutzung auf­bewahrt.
Andere Methoden bereiten die Kartoffel innerhalb des mit Watte­pfropf verschlossenen Reagenzglases zur Cultur vor. Auf solchen Kartoffeln angelegte Culturen sind vor Verunreinigungen durch fremde Keime ganz sicher geschützt, während dies nicht von Kartoffelculturen gilt, die nach den zuerst besprochenen Methoden angestellt wer­den. Methoden der Kartoffelcultur im Reagenzglase haben Boltoir1). Globig1), Roux8) angegeben. Globig und Roux verwenden Kartoffelkeile, welche durch diagonale Durchschneidung von Kartoffel-cylindern hergestellt werden, die man mit dem Korkbohrer aus der Kartoffel aussticht. Globig verwendet bereits gekochte, Roux rohe Kartoffeln, in beiden Fällen gelangen die Kartoffel keile dann, mit
') Centralbl. f. Bakt. Bd. I. 1887. No. l.
-) Diese vorherige Sterilisirung dor DoppelschtUoben im Trockensobnmk ist nicht dringend nothwendig; es empfiehlt sich aber, Tails man nicht sterilisirte Schälchen verwendet, dio mit den Kartoffeln beschickten Sohälohen an drei auf ein-anderfolgenden Tagen im Dampftopf zu erhitzen, und zwar am ersten Tage c.'/laquo;Stunde, an den beiden folgenden Tagen je 15 Minuten.
#9632;') Med. News. 1887. vol. 1. Xo. 12.
') Zeitsohr. für Hygiene. Bd. 3. 1887. p. 298,
*) Annales de l'inst. Pasteur. 1888. No. 1.
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V. Allgemeine Methodik der Bakterienzttobtung^
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dem breiten Ende voran, in ein Reagenzglas, welches durch einen Wattepfropf verschlossen wird. Da sich bei dem nachfolgenden Kochen resp. Sterilisiren Condensatlonawasser bildet, so liisst Ronx die Kar­toffel auf einer in der Nähe des Bodens des Reagenzglases helindliclien verengerten (eingezogenen) Stelle der Wand des Glases aufrnhen. während Hueppe1) hierzu ein Stück Watte benutzt, welches auf den Boden des (in gewöhnlicher Weise geformten) Reagenzglases gebracht wird. Durch beide Vorrichtungen wird die Berührung der Kartoffel mit dem Condensationswasser verhindert. Ich'-') benutze zu diesem Zwecke kleine, kurze Glasrührchen, auf denen der Kartoft'elkeil seinen Stützpunkt findet. Hat man bereits gekochte Kartoffeln für die ge­nannte Methode in Verwendung gebracht, so folgt nach dem Verschluss des Glases mit Watte die Sterilisirung, welche wie bei der Gelatine- etc. Bereitung vorgenommen wird. Hat man rohe Kartoffeln verwendet, so müssen die Kartoffelkeile erst gekocht, dann noch gründlich sterili-sirt werden. Zu dem Zwecke stellt man die Gläschen zunächst für 30 Minuten in den Dampftopf und wiederholt die Dampfbehandlung an den beiden nächstfolgenden Tagen je 15 — 20 Minuten lang.
Die Kartoffel hat gewöhnlich eine leicht saure Reaction. Für gewisse Zwecke ist es nothwendig, die Kartoffeloberfläche (durch Sodalösung) schwach alkalisch zu machen.
Eine Methode, frische Eier als Nährboden für Mikroorganismen zu verwenden, hat Hueppe8) angegeben. Die frischen Eier werden äusserlioh sorgfältig (mit Hülfe von Seife, Wasser und Bürste) ge­reinigt; dann wird die Schale mit Sublimatlösung sterilisirt, mit steri-lisirtem Wasser abgespült und mit steriler Watte abgetrocknet. Nun wird an der Spitze des Eies mit ausgeglühter Nadel eine feine Oeff-nung gemacht; durch die letztere hindurch wird mit Hülfe des Platin­drahtes die Infection des Eies bewirkt. Darauf bedeckt man die Oeff-nung mit einem kleinen Stück sterilisirten Seidenpapiers und befestigt das letztere mit Hülfe von Collodium fest an der Eischale, sodass die Oetfnung luftdicht verschlossen wird.
Um die Eis üb stanz für sich, von der Eischale entblösst, zu
') Die Methoden der Bakterienforsohung. 4. Antl.
1880.
p. 234.
'-) Deutsche med. Woohenschr, 1889. No. 20.
;l) Centralbl. f. Baltt, Dd. 4. 1888. No. ;i. — Xaeli Hueppe's Ansicht ist das Wachstimm der Bakterien Innerhalb des Eies ein wesentlich anaerobes, Von TollstMndlger Anaöroblose kann aber sicher keine Rede sein, da der atmosphärische Sauerstoir durch die Schale in das Innere des Kies hinelndill'nndirt. Die im Ei auf­tretenden, das spontane Verderben dor Eier bewirkenden Bakterienarten sind sammt und sonders Aeroben (of. Schrank, Wien. med. Jahrb. 1888. p. 320; Zörkell-dörfer, Arch. f. Hyg. Bd. 16. 18'.):*. p, 398).
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I 'i-lnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemelues,
Culturzweoken zu vexTvenden, vorfährt Z ör kond or for1) auf folgende Weise: Das frische Ei wird aufgesoblagen, und das Eiweiss wird in dor In dor Kücho üblichen Welse (nämlich indem man den Dotter mehrmals aus einer Schalonhälfto in die andere üborfüllt) in ein (Vor­her im Trockensohrank sterilisirtes) Erlenmeyer'sohes Kölbohen eingefüllt. Dann wird der ganze Dotter auf die Mündung des Külb-ohens gelegt, und das letztere wird darauf in Eiswasser gestellt. Der Luftdruck presst nun den Dotter meist ohne Weiteres in das Kölb-ohen. Event, hilft man durch Blasen etwas nach. Man hat dann das ganze Ei mit unverletztem Dotter im Kölbchen; das letztere wird mit dem zugehörigen (sterilisirten) Wattepfropf verschlossen und dann zur sicheren Storilisinmg des Eies eine Reihe von Tagen je 1 —2 Stunden einer Temperatur von 56deg; C. ausgesetzt. Man verfährt also genau so wie bei der SterUisirung des Blutserums (cf. oben p. 119).
Zur Züchtung von Schimmelpilzen benutzt man mit Vortheil B.rotbrei. Um denselben herzustellen, füllt man getrocknetes und zerriebenes Brot in Reagenzgläser bis etwa zur Höhe von 8 bis 4 cm (oder noch besser in Erlenmeyer'sehe Kölbchen, etwa l1/., cm hoch) ein. Man giebt dann so viel Wasser hinzu, dass das Brot völlig durch­feuchtet wird, verschliesst das Röhrchen resp. Kölbchen mit einem Wattepfropf und erhitzt nun behufs der Sterilisation an drei auf ein­ander folgenden Tagen je 15 bis quot;iO Minuten im Dampftopf. Der Brotbrei reagirt sauer, ist also für Bakterien kein passender Nähr­boden.
3. Die wichtigsten Methoden der Bakteriencultur.
Zur Isolining der einzelnen Arten aus einem Bakteriengemische bedient man sich jetzt fast ausschliesslich der Koch'schen Platten-ciiltiirmethode.-) Diese Methode setzt einen gelatinirenden Nähr­boden voraus, der im flüssigen Zustande mit dem Bakterienmaterial so beschickt wird, dass sich die einzelnen Keime möglichst gleichmässig in ihm verthoilen, der dann auf einer möglichst grosson Fläche aus­gebreitet und dort zur Erstarrung gebracht wird. Dann sind die ein-gesäeten Keime örtlich lixirt und kommen zu isolirter Entwickelung. Als Nährboden kommt meist die gewöhnliche Nährgelatine (cf. oben p. 111) zur Verwendung. Nach der ursprünglichen Koch'schen Vor­schrift vorfährt man hierbei folgondorinasson:
') Avch. f. Hyg. Bd. 16, ISiKi. j). .#9632;SSI).
-) Dalaquo; Prlnoip dieser Methode hat Koch zuerst angegeben in den Mitth. aus d. Kais. Oes.-Amte. Bd. 1. 1S81. p. 27. Zoilo -iö—•2!t und p, 'Mlt;. Zeile 11 — 14.
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V. AJIgeuettu) Methodik der Bakterlenzlldbtung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 12rgt;
Es wird ein Reagenzglas, welches o. 10 com sterilisirte Nfthrgelatine enthält („Golatincrölirchenquot;), genommen und sein iintem- Thcil über der Flamme (oder in c. 40deg; C. warmem Wasser) leicht erwärmt, so dass die Gelatine schmilzt. Ist bei der Erwärmung über der Flamme die Gelatine zu heiss geworden, so imiss sie bis etwa zur Handwarme wieder abgekühlt werden. Nun wird das Gläsehen so zwischen Daumen und Zeigefinger der mit dem Handteller nach oben gerichteten ausgestreckten linken Hand gesteckt, dass der Wattepfropf nach oben sieht. Mit der rechten Hand wird der letztere zunächst durch Drehen gelockert, dann heraus gezogen und zwischen den zweiten und dritten Finger der linken Hand so geklemmt, dass der im Glase befindlich gewesene Theil des Pfropfes von den Fingern nicht berührt wird.
Nun wird die Gelatine „inficirtquot;. Das Inficiren geschieht mit Hülfe eines Platindrahtes, welcher etwa ö—7 cm lang, nicht zu dünn, und an einem etwa 20 cm langen Glasstabe angeschmolzen ist. Von derartigen Platindrähten hält man sich mehrere vorräthig. Einzelne sind geradlinig gestreckt; bei anderen ist das Ende zu einer etwa 2 mm im Durchmesser haltenden kreisförmigen Oese gebogen („Platinösequot;). Je nachdem man nun ein Material vor sich hat, welches ausserordentlich reich an Bakterien ist (wie z. B, die Kahm-hant auf der Oberfläche eines faulenden Fflanzeninfuses), oder welches weniger reich an Bakterienkeimen ist (wie z. B. käufliche rohe Milch), nimmt man entweder mit der Spitze oder mit der Oese etwas von dem zu untersuchenden Material und bringt es in die Gelatine. An der Spitze nämlich bleiben stets erheblich geringere Quantitäten des Materials haften als an der Oese. Bevor man die Platindrähte be­nutzt, werden sie in dem Flammenmantel des Bunsenbrenners oder in der Spiritusflamme ausgeglüht, dann wieder erkalten gelassen.
Der inlicirte Platindraht resp. die Platinöse werden in das (ielatine-röhrchen so eingeführt, dass man eine Berührung der Wand des Gläschens mit dein Bakterienmateriale oberhalb der Gelatine möglichst vermeidet. Das ganze Material soll in die Gelatine gelangen und nicht etwa zu einem grösseren oder geringeren Theile am Glase hängen bleiben. Das Material wird dann durch Agitiren mit dem Platindrahte möglichst gleichmässig in der Gelatine vertbeilt. Hat man consisten-teres Material vor sich, welches sich nicht so leicht gleichmässig ver-theilen lässt, so empfiehlt es sich, dasselbe dicht oberhalb der Gelatine an der Glaswand unter Zuhülfenahine kleiner Mengen Gelatine mit Hülfe des Platindrahtes zu zerreiben und dann durch Bewegen des Röhrohens in die Gelatine hineinzuspülen.
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126nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A, ÄUgeraeines.
Auf jeden Fall kommt es nlsu ininuT laquo;laniuf an, das zu unter-suohende MateriaJ in möglichst vertheiltem Zustande mit der Nfthrgelatlne zu vermischen. Es giebt Fülle, in denen die hierzu nothwendige Zertheilung und Zerkleinerung des Materials auf dem geschilderten Wege nicht gelingt. Wenn wir z. B. ein Stückchen einer frischen Favusborke mit Hülfe des Platindrahtes in die geschmolzene Nährgelatine eintragen würden, so würde uns die nothwendige Zer­kleinerung dieses Materials durch Agitiren etc. in keiner Weise ge­lingen. In solchen Fällen habe ich mir auf folgende Weise geholfen: Ich improvisirte mir eine sterilisirte Reibschale und ein steri-lisirtes Pistill: erstere, indem ich ein reingeputztes Uhrschälchen Aber der Flamme stark erhitzte und dann erkalten liess; letzteres, in­dem ich ein leeres, truckenes, reingeputztes Reagenzglas an seinem geschlossenen Ende in der Flamme stark erhitzte und dann erkalten liess. Dann wurde etwas sterile Bouillon in das sterile Uhrschälchen gegossen, das zu zerkleinernde Material (Favusborke etc.) hineingegeben und mit Hülfe des „Eeagenzglaspistillsquot; fein zerrieben. Hat man sich derartiges, mehr oder weniger zidie zusammenhängendes, Material auf die geschilderte Weise zertheilt und zerkleinert, so nimmt man dann eine Platinose voll der das zerkleinerte Material enthalten­den Bouillon heraus, trägt die Oese in die geschmolzene Gelatine, die zur Plattencultur verwendet werden soll, ein, und es ist dann ein Leichtes, das Material gleichmässig in der Gelatine zu vertheilen.
Wir haben nun eine Portion Gelatine inlicirt, wir haben das Keimgemisch, welches wir untersuchen wollen, möglichst sorgfältig in der Gelatine zer- und vertheilt, so dass die einzelnen Zellen möglichst aus einander liegen. Wir könnten nun, wie das nachher auch ge­schehen soll, die inficirte Gelatine auf eine sterile Glasplatte in mög­lichst dünner Schicht ausgiessen, und wir würden dann nach der Erstarrung der Gelatine, d. h. also nach der örtlichen Fixirung der einzelnen Keime, aus diesen einzelnen Keimen isolirte Colonien ent­stehen sehen.
Nun aber bringt es die Kleinheit der Bakterien mit sich, dass auch die kleinste Menge des Bakteriengemisches, die wir mit Hülfe des Platindrahtes in die Gelatine übertragen, gewöhnlich noch Tausende und aber Tausende von Zellen enthält. Es würden auf unserer Platte also ebenso viele Colonien zur Entwickelung gelangen, und diese wür­den dann so dicht gedrängt liegen müssen, dass kaum von einer iso-lirten Beobachtung derselben die Rede sein könnte, geschweige denn von einer weiteren Manipulation mit den einzelnen Colonien. Aus diesem Grunde begnügt man sich nie mit dem einen inlieirten'
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V, AUgemeluo Mstbodik lt;k'r Bakteilenzttohtiuiginbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;127
(ilase, sondern man macht ohne Weiteres von diesem Glase raquo;Ver-d ü n n u n g e n quot;.
Zu dem Zwecke bringt man ursprünglich nicht mir in einem, sondern gleich in drei Gelatineröhrchen die Gelatine zum Schmelzen. Ist das erste Rührchen („Originalquot;) mit der Bakterien­masse inlicirt, so stellt man sofort ein zweites, noch steriles Rührchen neben das erste, also ebenfalls zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand, entfernt den Wattepfropf, klemmt diesen nun zwischen dritten und vierten Finger der linken Hand und übertragt dann eine Anzahl Platinösen (gewöhnlich drei) der inlicirten Gelatine des Original­glases in das zweite Glas („Erste Verdiinnungquot;). Nach gehöriger Vertheilung dieser drei Oesen in der Gelatine des zweiton Gläschens wird das Originalglas mit dem zugehörigen Wattepfropf verschlossen, beiseite gestellt, und es werden dann aus dem zweiten Gläschen wiederum drei Oesen Gelatine in das dritte, noch sterile Gläschen übertragen („Zweite Verdünnungquot;).
Vorher bereits hat man sich die drei Platten, auf die man die Gelatine der drei Gläschen ausgiessen will, zurecht gelegt. Die Platten sind von nicht zu dickem Glase, rechteckig und messen etwa 8:13 cm. Sie müssen sorgfältig sterilisirt sein, ehe sie zur Benutzung kommen. Das Sterilisiren bewirkt man am besten in dem Trocken­schrank (cf. p. 26). Die Platten werden zu dem Zwecke, rein ge­putzt und getrocknet, in grösserer Anzahl auf einander gelegt und in eine Tasche von starkem Eisenblech, die mit übergreifendem Deckel versehen ist („Plattentaschequot;), geschoben. Diese Tasche wird dann während etwa a/( Stunden in dem Trockenschranke einer Tem­peratur von 100u C. oder darüber ausgesetzt. Nach dem Ab­kühlen1) werden drei von den Platten, die man aber nur an den Kanten berühren darf, aus der Tasche herausgenommen und mm über einander auf eine horizontal eingestellte Platte von starkem Glase gelegt, welche die Bedeckung einer mit Wasser und Eisstücken voll angefüllten Glasschale bildet (Koch's Gi es sapparat). Das Eis­wasser kühlt die Glasplatten ah.4) Heber die Platten wird eine Glas­glocke gestülpt, welche das Auffliegen von Luftkeimen auf die Platten verhindert.
') Das Abkühlen muss sehr langsam, am licstmi innerhalb dos nach Ab-stcllmi}raquo;: der Heizung erkaltenden Trockensebrankes. geschehenlaquo; weil sonst die Flutten gewöhnlich entzwei springen,
-') Kiil)ner (Arch. f. Hyg. Bd. II. 1S!I0. p. 3(gt;7) legt die Platten behufs der Abkiililung auf einen Kiiplerbleebkasten, dessen horizontal gestellte obere Wand von unten her dureh einen Aothorsjiray abgekühlt wird.
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128nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemelnea.
Verfügt man über einen Truekensehrank nicht, so kann man (lie Platten auch sehr bequem dadurch sterilisirc n, dass man sie, indem man sie mit den Fingern an den Kanten festhält, beiderseits in der Gas- oder Spiritus flamme stark erhitzt. Man lässt sie dann unter einer Olasglockc abkühlen.
Wir gehen jetzt daran, unsere drei inlicirten Oelatinerölirchen auf die zurechtgelegten, durch Eis abgekühlten Platten auszugiessen. Zu dem Zwecke nehmen wir zunächst das „Origina 1quot;-Rölirchen in die rechte Hand, entfernen den Wattepfropf, den wir sofort in eine Schale mit Desinfeotionsflüsslgkeit1) werfen. Wir bringen dann das schräg gehaltene Röhrchen mit seiner Mündung mehrere Secunden lang in die Flamme, indem wir es durch Bewegung mit den Fingern schnell um seine Achse rotiren lassen. Dabei wird der Hand des Gläschens „abgeglühtquot;, die dort befindlichen, aus der Luft zufällig aufgefallenen Keime werden „abgebranntquot;. Wir müssen dies thun, um diese Keime nicht nachher beim Ausgiessen mit auf die Platte zu bekommen. Nachdem der Rand des Gläschens wieder ab­gekühlt ist, wird nun der über die Platten gestülpte Deckel (die Glas­glocke) des Giessapparates mit der linken Hand in die Höhe gehoben, und es wird nun die inlicirte Gelatine des Originalglases in einem Zuge auf die Mitte der obersten Platte ausgegossen. Unmittelbar darauf sorgt man für möglichste F'lächenausbreitung der Gelatine da­durch, dass man dieselbe mit dem Hand des Röhrchens direct auf der Platte ausstreicht und vertheilt. Die Gelatine soll hierbei überall etwa 1 cm vom Rande der Platte entfernt bleiben; denn den Rand resp. die Kanten der Platte haben wir mit den Fingern berührt und werden wir weiterhin noch berühren. Diese Theile sind also nicht als jsteril zu betrachten; sie würden uns fremde Keime auf unsere Platte bringen.
Nun wird der Deckel wieder auf den Giessapparat aufgesetzt: das seiner Gelatine entledigte Röhrchen kommt in die Desinfections-flüssigkeit (s. oben).
Innerhalb des Bruchtheils einer .Minute ist dann die Gelatine erstarrt. Die Platte wird nun nach Lüftung des Deckels, indem man sie an den Kanten erfasst, von den darunter liegenden Platten abgehoben und in querer Lage auf ein etwa 5'/, cm breites, 14 cm langes Glasbänkchen gehigt, welches ans einer Glasplatte von den angegebenen Dimensionen und zwei unter die Enden derselben mit
') Hierzu eignet sieb besonders gut eine etwa Bprocentige wässerige Lösung der oben fp. 32) angegebenen Cohen Schwefeloarbolsttnre; ftuoh die bereits (p, 121) genannte Siilzsiniresnhliinatliisnng liisst sich verwenden.
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V. Allgemeine Metbodll; der BaktertenzUobtang.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 129
Siegellack festgekitteten vierkantigen Glasklötzohen (Von etwa ö1^ om Länge, 1 om Breite. 7 mm Höhe) hergestellt ist. Zwisohen Qlas-bänkohen und Platte legt man einen Papierzettel, welcher die genaue Bezeichnung des Platteninhftltes und das Datum enthält, Man hat sich gewöhnt, die Originalplatte mit „0quot;, die erste Verdünnung mit ..1quot;, die zweite mit „11quot; zu bezeichnen. Das Bänkohen wird dann mit der Platte in die feuchte Kammer gestellt, die man sich ebenso her­stellt, wie wir es oben (p. 122) für die nach der ursprünglichen Koch'-sohen Methode hergestellten Kartoffeloulturen angegeben haben.
Nun wird das zweite Röhrchen, die erste Verdünnung, auf die zweite auf dem Qiessapparat liegende Platte, in derselben Weise wie vorher das Origlnalröhroheh, ausgegossen, dann nach dem Erstarren der Gelatine die Platte auf ein bezeichnetes Bänkohen gelegt und das letztere auf das Bänkohen der Originalplatte In die feuchte Kammer gestellt. In derselben Weise wird auch das dritte,Röhrchen behandelt, und das dritte Bänkchen schliesslich auf das zweite Bänk­ohen in die feuchte Kammer gestellt. Die letztere bleibt nun bei Zimmertemperatur stehen. Am günstigsten ist im Allgemeinen für die (iolatineculturen eine Temperatur von 18—2(1deg; C.
Haben die Plattenculturen 21 Stunden bei den angegebenen Temperaturen gestanden, so zeigt die Originalplatte gewöhnlich schon bei der Betrachtung mit blossem Auge eine mehr oder weniger auf­fallende Trübung; und bei schwacher Vergrösserung sieht man dann gewöhnlich iiusserst zahlreiche, sehr kleine, mehr oder weniger rund­liche, (lichtstehende dunkle Flocken, von denen jeder eine Colonie repriisentirt, die aus einem einzelnen Keime hervorgegangen ist. An den Verdünnungsplatten sieht man dann gewöhnlich makroskopisch noch nichts; aber in den nächsten Tagen, wenn das Wachsthum mehr vorgeschritten ist, kommen hier die isolirten Colonien schon makro­skopisch zur Geltung. Man sieht dunn oft ohne Weiteres schon mit blossem Auge, dass man es nicht mit einer einzigen Bakterienart zu thun hat, sondern dass auf der Platte verschiedenartige Keime zur Kntwickelung gelangt sind. Denn ein ceteris paribus verschieden­artiges Aussehen der Colonie berechtigt natürlich ohne Weiteres zu dem Schlüsse, dass es sich um verschiedene Arten handelt.
Wir sehen hier z. B. eine Colonie, die als weisses Häufchen er­scheint, welches auf der Gelatinooherlläche aufsitzt; eine andere Colonie characterisirt sich als ein mehr llächenhaft ausgebreitetes irisirendes Häutchen, welches die Oberfläche der Gelatine überzogen hat. Dann fällt uns eine andere Colonie durch ihre lebhafte (z. B. gelbe oder rosa) Färbung auf. Alle diese Colonien haben die umgebende Gelatine
GUnther, Bakteriologio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 11
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130nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeines.
intact gelassen. Andoro haben die Gelatine an der Stelle ihres Waohsthums verflüssigt i bei der einen Colonie ist diese Verflüssigung stärker, bei der anderen weniger stark ausgesproehen. So linden wir schon makroskopisch hier und da ünterschiode der verschiedenartigen Organismen, welche zur Entwiohelung auf der Platte gelangt sind. Wir werden uns aber nicht begnügen, die Untersuchung makrosko­pisch vorzunehmen: wir legen vielmehr unsere Platte auf den Ohject-tisch des Mikroskopes und mustern sie mit schwachem System. Nach den oben (p, 58 ff.) gegebenen Auseinandersetzungen über die mikroskopische Beleuchtung werden wir hierbei den Abbe'sehen Apparat durch enge B1 e n d e abblenden müssen.')
Hei der mikroskopischen Betrachtung der Platte kommen nun morphologische Eigenschaften der Colonien zu unserer Kenntniss. von denen wir vorher nichts gesehen haben. Zunächst ist ein all­gemeiner Unterschied zwischen solchen Colonien zu machen, welche innerhalb der Gelatine liegen, und solchen, die sich an der Oberfläche befinden oder bei ihrem Wachsthum die Oberfläche er­reicht haben. Während die ersteren sich meist als mehr oder weniger rundliche Gebilde darstellen, zeigen die letzteren eine viel grössere Mannichfaltigkeit in ihrer Gestalt. Abgesehen von der verschiedenen räumlichen Ausdehnung sehen wir z. B. characteristische Unterschiode der Colonien in der Gestaltung des Randes. Die einen haben einen ganz glatten, die anderen einen mehr buckeligen, unregelmässig ge­kerbten Rand. Anderes zeigen eine deutlich lockenförmige Gestaltung des Randes, gebildet von in zierlichen Windungen neben einander her­laufenden Zügen von Bacillenfäden; andere senden weite, fadenförmige Ausläufer aus: bei anderen erscheint der Rand der kreisrunden Colonie wie mit feinsten Stacheln besetzt. Und wie in der Gestaltung des Bandes, so zeigen die Colonien auch in ihrem Inhalte erhebliche Differenzen unter einander. Die einen zeigen ein grobkörniges, andere ein feinkörniges, fast homogenes Gefüge. So giebt es d'w mannigfachsten Unterschiede in der Gestaltung und dem Aussehen, und jeder Unter­schied deutet sofort auf eine Verschiedenartigkeit der Keime, aus denen die Colonien entstanden sind.
Stellt man bei der Betrachtung der Platte mit schwachem Mikro­skopsystem eine bestimmte Colonie ein, so macht man ganz regel-mässig die Beobachtung, dass die Colonie ein verschiedenes Aussehen
') Wahrend wir bckaimtlicli (of. olien p, 53) bei Benutzung des Ab bo'scheu Condensers im Allgemeinen stets den Planspiegel nnwenden, ist es für schwache Vergrösserungen (also auch für den vorliegenden Fall), spedell bei Verwendung von Lampenlicht, nngfinglg, den Hehlspiegel zu gebrauchen (cf. p. quot;iii, Anm. 2).
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darbietet, je naclidein die Einstellung eine „hohequot; oder eine „tiefequot; ist. Da nämlich die Baktei'ienoolonie ein relativ dickes Gebilde ist, so ist es nicht möglich, sie gleichzeitig in allen einzelnen Theilen scharf einzustellen. Eine innerhalb der Gelatine liegende Cukmie wird in ihrer äusseren Begrenzung naturgemäss bei einer mittleren Einstellung am schärfsten erscheinen. Verändert man nun die Ein­stellung, geht man aus der mittleren Stellung mit dem Tubus mehr nach oben oder mehr nach unten, so beobachtet man nicht nur eine Abnahme der Schärfe der äusseren Begrenzung der Colouie, sundern man sieht, dass auch die Helligkeitsverhältnisse dor inneren Theile der Colouie sich verändern. Colonien, welche innerhall) der Gelatine liegen, zeigen bei hoher Einstellung ein hellglänzendes Innere; bei tiefer Einstellung erscheint das Innere dunkel. Es hat das einfach darin seinen Grund, dass die die Colonie zusammensetzende Bakterien­masse ein höheres Lichtbreclumgsvormögen besitzt als die umgebende Gelatine, und dass deshalb die rundliche Colonie wie eine kleine Con-vexlinse wirkt. Es giebt aber auch Colonien, die wie Concav-li nsen wirken, und die dementsprechend bei tiefer Einstellung glänzen und bei hoher dunkel erscheinen; das sind ausnahmslos ver­flüssigende Colonien, die an der Oberfläche der Gelatine sitzen. Wo nämlich an der Oberfläche der Gelatineplatte eine ver­flüssigende Colonie sich entwickelt, da kommt es stets zu einem sicht­baren Defect des Nährbodens, zur Bildung einer Einsenkung, einer Delle, und zwar einfach aus dem Grunde, weil die verflüssigte Ge­latine mehr Wasser durch Verdunstung abgiebt als die benachbarte fest gebliebene Gelatine. Mit der Ausbildung einer solchen ober­flächlichen Einsenkung ist aber ohne Weiteres die Concavlinse fertig gestellt.
Betrachten wir die in unseren Tafeln dargestellten Blattencolonien. so zeigt zunächst Eig. 22 auf Tat'. IV eine Stelle aus einer Platten-cultur, welche mit Heustaub angelegt wurde, nach zweitägigem Wachs-thum, bei 25faclier Vergrösserung. Wir sehen da links oben mehrere kleinere Colonien, die als dunkle Flecken erscheinen; mehr nach rechts hinüber liegen mehrere grossere Colonien von ähnlichem Aussehen, die sich z. Th. decken; alle diese Colonien gehören wahrscheinlich Bakte­rien an. Dazwischen aber sehen wir zwei Schimmelpilzcolonien ihre zarten Mycelien aussenden. Wir sehen diesen Colonien es ohne Weiteres an, dass sie nicht Bakterien, sondern Eadenpilzen angehören; denn wir können hier bei 25faoher Vergrösserung (das Bhotograimu wird man zweckmässig mit der Loupe betrachten) bereits die beiden Contouren der überall gleich starken Mycelfädon deutlich
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uatersoheldeil. Diese Gebilde sind vie] dicker, als ein einzelner Baoillen-faden es sein würde; und, zögen mehrere oder viele Bacillenfaden neben einander her, die in ihrer Gesammtdioke einem solchen Püzmyoelfaden entsprechen würden, so würden wir an einzelnen Stellen dünnere, an anderen Stellen dickere Gebilde (je nach der Menge der zusammen­liegenden Bacillenfaden verschieden) sehen müssen. Die doppelt-cont on rirten, überall gleich starken Fäden, welche wir bereits bei so schwachen Vcrgrösse rungeii deutlich sehen, lassen stets mit Bestimmtheit auf Fadenpilze schliessen.
Plattenculturen bei schwacher Vergrösserung zeigen ferner Fig. 29, Taf. V iMilzbrandbacillus), sowie Flg. 61 und 02, Taf. XI (Cholera-bacillus). Die erstere ist bei -IHfaclier, die letzteren sind bei lOOfacher Vergrösserung dargestellt. Man sieht das fundamental verschieden­artige Wachsthum dieser beiden Organismen in der Plattencolonie. Auf Taf. IY, Fig. 2H, ist eine Plattencolonie der von mir öfters im Berliner Leitungswasser gefundenen (cf. p. 19) Cladothrix bei lOOfacher Vergrösserun g abgebildet.
Will man eine Colonie bei stärkerer Vergrösserung (mit starkem Trockensystem oder mit der Immersion) direct untersuchen, so muss man auf die Platte ein Deckglas auflegen und die Platte nun wie ein gewöhnliches mikroskopisches Präparat behandeln. Auf die spätere weitere Benutzung der Colonie zur Entnahme von Material behufs der Weiterzüchtung etc. muss man dann allerdings verzichten. Auf Taf. XII, Fig. 72, ist ein auf diese Weise mit starkem Trockensystem gewonnenes Bild dargestellt.
Ist das Wachsthum der Plattencultur noch nicht zu weit vor­geschritten, so gelingt es meist, sich recht schöne Situsbilder der oberflächlichen Colonien dauernd zu flxiren in Form der sogenannten Klatschpräparate (Contactpräparate).') Verflüssigende Arten eignen sich hierzu allerdings nur so lange, als die Verflüssigung noch nicht augenfällig geworden ist, so lange die Gelatine in dein Bereiche der Colonie noch nicht eigentlich verflüssigt ist, höchstens etwas weicher zu werden beginnt.
Ueberhaupt eignen sich junge Colonien besser als alte für diese Präparation.
Um sich ein solches Klatschpräparat darzustellen, legt man ein rein geputztes Deckglas mit der Pincette auf die Platte auf, liisst es einen Augenblick los und nimmt es dann mit Hülfe der Pincette von
') cf. R, Koch. Mitth. a. d. Knis. Qes.-Amte. Bd. 2. 1884. p. 64.
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der öelatineoberfläohe wieder herunter. Man hut dann einen Abklatsch der oberfläohlioben Colonien auf dem Deckglase. Nachdem man ein solches Präparat recht sorgfältig hat lufttrocken werden lassen, fixirt man es in gewohnter Weise in der Flamme, färbt es wie ein gewöhnliches Trockenpräparat und schliesst es in Balsam ein. Man bekommt so nicht allein dauernde Bilder von der Lagerung der 0rganismen zu einander innerhalb der Co 1 onie, man erhält so überhaupt die klarsten, distinctesten Bilder der einzelnen Bakterienzellen. Die diesem Buche beigegebenen Photogramme sind zum Theil nach solchen „Klatschpräparatenquot; her­gestellt. Speciell will ich auf Fig. 31 (Taf. VI) aufmerksam machen. Hier haben wir ein Ivlatschpräparat von Milzbrandbacillenfäden bei lOOOfaoher Vergrösserung. Das Präparat stellt den Abklatsch einer Plattencultur dar, welche auf Taf. V, Fig. 30, bei 4()faeher Ver­grösserung abgebildet ist. (Diese Plattencultur ist nach Strichimpfung des Bacillemnaterials auf sterile, auf die Platte ausgegossene und dann erstarrte Gelatine |cf. unten p. 142] entstanden). Die feinen Locken der Cultur Fig. 30 lösen sich in Fig. 31 in die deutlich gegliederten Bacillenfädcn auf.
Kehren wir nun zu unserer Plattencultur, in welcher sich aus den in der Gelatine vertheilten Keimen einzelne, isolirt liegende Colo­nien entwickelt haben, zurück. Würden wir dieselbe sich selbst über­lassen, so würden mit weiterschreitendem Wachsthum die Colonien allmählich mit ihren Grenzen an und in einander gerathen, und dann wäre es mit der Isolirung der Colonien vorbei. Ho sehen wir denn auch auf den Originalplatten, wo die Colonien gewöhnlich äusserst dicht gedrängt liegen, derartige Zustände in der Regel eintreten. Eine solche Platte bietet nach wenigen Tagen bereits ein undefinirbares Chaos von Bakteriencolonien dar. Sind dann verflüssigende Arten unter den eingesäeten Bakterien, so lliesst die Gelatine gewöhnlich nach mehreren Tagen vom Glase herunter: „Die Platte ist verflüssigtquot; und damit definitiv unbrauchbar.
Die Verdünnungen aber lassen wir so weit nicht kommen. Nach­dem wir die Colonien zunächst bei schwacher Vergrösserung untersucht, uns dann von der oder jener Colonie ein Präparat im hängenden Tropfen resp. ein gefärbtes Trockenpräparat angefertigt haben, um uns durch Betrachtung bei starken Vergrösserungen weitere Aufschlüsse über die Colonien zu holen, benutzen wir diejenigen Colonien, die uns aus irgend welchem Grunde interessiren, so lange sie noch isolirt in der Gelatine liegen, dazu, von ihnen Material zu entnehmen, um dieses in geeigneter Weise weiter zu züchten. Da die Colonie auf der Platte
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eine Reinooltur war, so müssen jetzt auch die davon weiter gezüchteten Culturen R9 inoultu ren reprflsentii'en.
Die WeiterÄüohtungen werden gewöhnlich im Reagenzglase vorgenommen („BoagenzglasculturenH)lt; Hat man das Material einmal in reinem Zustande auf den im Reagenzglase belindlichen Nähr-boden gebracht, so sorgt dann der Watteverscbluss des Glases dafür, dass die C'nltnr rein bleibt. Die Reagenzglaseulturen eignen sich also vor allem dazu, eine Sammlung lebender Bakterienreinculturen dauernd im Stand zu erhalten.')
Die gebräuchlichste Form der Reagenzglascultar ist die Gelati n e-Stichcultur. Um eine solche Cultur mit dem Material einer be­stimmten Plattencolonie anzulegen, verfährt man auf folgende Weise: Ks wird zunächst die Colonie unter dem Mikroskope bei schwacher Vergrössexung) wie oben (p. 130) auseinandergesetzt, eingestellt. Man überzeugt sich, dass die Colonie auch thatsächlich isolirt liegt, dass sie ein homogenes, concentrisch gewachsenes Ganzes repräsentirt, dass nicht etwa eine Nachbarcolonie ihre Grenzen ganz in die Nähe vor­geschoben oder gar Theile der Colonie verdeckt hat. Von einer Colonie, die die letzteren Charactere zeigt, dürften wir nichts zur Weiterzüch­tung entnehmen, da hier keine Bürgschaft für die üebertragung that­sächlich reinen Materials vorhanden wäre. Haben wir aber eine Colonie gefunden, die genügend isolirt innerhalb der klar durchsichtigen, d. h. sterilen, Gelatine liegt, so suchen wir nun, ohne die Platte von dem Objeottisohe zu entfernen, mit blossen Augen festzustellen, welches die eingestellte Colonie ist. Es gelingt dies stets ohne Schwierigkeiten, wenn man central über der oberen Linse des Abbe quot;sehen Beleuch­tungsapparates die dort vorhandenen Colonien mit dem Auge aufsucht, ihre gegenseitige Lagerung, ihre Grössenverhältnisse etc. berücksichtigt.
') Zu diosem Zweck ist es selbstverständlich nothwendlg, dass die einzelnen Culturen zu rechter Zeit, d, h. ehe sie (darob eintretenden Nahrungsmangel, durch Austrocknen etc.) abgestorben sind, auf neuen Nährboden übertragen, „nmgeziiebtetquot; werden. Im Allgemeinen empfiehlt es sich, die Culturen in Zwischenräumen von etwa -1 his 6 Wochen auf neuen Nährboden zu übertragen. — Es sei an dieser Stelle bemerkt, dass es sich bei dem Oeffnen einer Keagiw.glascultur (hehuls der Entnahme von Material) stets empfiehlt, nach der Entfernung des Wattepfropfs den Rand der Oell'nung des (iliisehens abzuglühen (in derselben Weise, wie es bei dem Anlegen von I'lattenculturen [cf. oben p. 128] geschieht). Man vermeidet dadurch fast mit absoluter Sicherheit, das Hineingelangen von vernnrelnigenden Stiinbchen, die an der OelTunng des Qlases hafteten, in die Cultur. Ebenso würde ich ganz allge­mein empfehlen, auch jedes Reagenzglas, In welches hinein eine Üebertragung ge­schehen soll, nach Entfernung des Wattepfropfs an der Oeffaung durch Ausglühen zu sterilisiren, loh beobachte diese Vorsichtsmassregeln seit Jahren und habe seit dieser Zeit fast nie die Verunreinigung einer Reagenzglascnltur gesehen.
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Nachdem man dann den Tubus in die Höhe geschraubt hat, geht man, uhne die Platte zu verschieben, mit einem ausgeglühten und wieder erkalteten Platindraht (mit gerade endender Spitze) auf die Colonie ZU und entnimmt von ihr, aber n u r von ihr, eine Spur mit der Spitze des Platindrahtes.') Dieses Entnehmen des Materiales von der Platte bezeichnet man als „Fischenquot;. Man nimmt mm ein Reagenzglas mit erstarrter Nährgelatine, bringt es zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand so, dass die Oeflhung des Glases nach der Volarseite hin gerichtet ist, entfernt durch Drehen den Watte­pfropf, bringt ihn in der oben (p. 125) geschilderten Weise zwischen 2. und 3. Pinger der linken Hand und sticht mm, während man das Gläschen mit der Oeffmmg nach unten gekehrt hält, den iniicirten Platindraht unter vorsichtiger Vermeidung der Berührung der Glas­wandungen central in die Gelatine hinein, bis nahe an den Boden des Glases. Man geht dann auf demselben Wege wieder aus der Gelatine heraus, glüht den Draht aus, stellt ihn bei Seite, bringt den Wattepfropf wieder auf das Reagenzglas und bezeichnet nun das letztere durch ein Etikett, welches in der Nähe der Oefthung des Glases angeklebt wird, und welches die näheren Daten über das „eing#9632;estochene'• Material und das Datum angieht. Nun überzeugt man sich durch Herunterschrauben des Tubus und nochmalige mikroskopische Einstellung der vorher ein­gestellt gewesenen Plattenstelle davon, dass auch wirklich Material von der in der optischen Achse liegenden Colonie entnommen wurde. Dieselbe muss einen deutlich sichtbaren Defect zeigen. Die Xachbar-colonien müssen unverletzt sein.
Die Verschiedenheiten der Form, welche wir bei den Plattencolonien gefunden haben, zeigen sich nun auch in entsprechender Weise bei der Form der Stichculturen wieder. Auch hier haben wir wieder die Unterschiede zwischen solchen Arten, die die Gelatine solide lassen,
') Wenn die Colonien ziemlich diebt zusammenliegen, so hat die alohere isolirte Entnahme des Materials von der central eingestellten Colonie naturgemäss ihre grossen Schwierigkeiten. Für solche Fälle hat Unna (Ccntnilbl. f. Bakt. 15d. 11. iso'i. p. 278) ein besonderes Instrument, die „Bakterienharpunequot; angegeben (von C. Zeiss in Jena zu beziehen): Nachdem man die Colonie mit schwuchem System central eingestellt hat, hebt man den Tubus, schraubt das Objectiv ab und an seiner Stelle die Bakterienharpune (welche das Objeetivgcwinde trügt) an. Senkt man nun den Tnhus wieder, so trifft eine an dem genannten Instrumente genau in der optischen Achse angebrachte Nähnadel mit ihrer (vorher ausgeglühten) Spitze genau die vorher central eingestellte Colonie. — Freymuth und Lickfett (Deutsche med. Woohensdhr. ISM. p. 45') haben die Bakterienharpune in der Weise modifleirt, dass sie statt der Nähnadel eine an ihrem unteren Ende quer abgeschliffene Pravaz-Canflle anwenden, welche locheisenartig wirkt und die Colonie direct aussticht.
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und solchen, die sie verflüssigen. Unter den ersteren finden wir solohe, die im ganzen Bereiche des „Impfstichesquot; gleich kräftig wachsen, andere, die besonders in den oberen Theilen desselben gedeihen. Die eine Art bildet halbkugelige Häufchen, nimmt mir einen kleinen Theil der (Jelatineoberlläebe in Anspruch; die andere hat die Tendenz, sich oberllächlich gleich in grösserem Masse auszubreiten, ein dünnes Häut-chen zu bilden. Unter den ver flüssigen den Arten verflüssigen die einen sehr langsam und allmählich die Gelatine, andere schneller, noch andere ausserürdentlich rasch. Färbst offproducirende Arten zeigen manchmal im ganzen Verlaufe des Impfstiches ebenso wie an der Oberlläche der Gelatine Farbstoffproduction; andere Arten bilden mir an der Oberlläche der Gelatine Farbstoff, wachsen im ganzen Impfstiche farblos; noch andere endlich wachsen an der Oberlläche farb­los, während sie im Impfstiche Farbstoff produciren. In den Stichlaquo; culturen findet man also das verschiedenartigste Verhalten, ebenso wie es auf der Platte der Fall war. Zu nennen ist hier ferner die Figen-thümliohkeit vieler Arten, Gas zu produciren.1) Auf der Platte kommt diese Eigenschaft kaum zum Ausdruck; an der Stichcultur aber können wir dieselbe meist sehr deutlich constatiren: die Gelatine bekommt mehr oder weniger ausgedehnte Hisse, welche von dem Impfstiche aus­gehen. Wenn die Hisse klein sind, so haben sie meist linsenförmige Gestalt.
Gelatine-Stichculturen sind abgebildet auf Taf. VI, Fig. 33; Taf, IX, Fig. 54; Taf. XI, Fig. 03 und 04; man bemerkt hier ohne Weiteres die augenfälligen Unterschiede in der Gestaltung der Stichcultur bei den verschiedenartigen Organismen.
Fine andere Form der iraquo;eagenzglasciiltiiren ist die Oberflächen-Strichcultur. Hier wird das Material nicht in die Gelatine ein­gestochen, sondern oberllächlich, gewöhnlich in einem einzigen, sehr dünnen Striche, auf den Nährboden aufgestrichen (..Impfstrichquot;).-)
') Dio G-asproduotion bei Bakterienwachsthum liisst sich am besten durdb Züchtung dos Materials In den (in physiologisch-ohemisoben Laboratorien gebrfiuoh* liehen) „Q-ährungskölbohenquot; studiren, in deren geschlossenem Sohenkel sipb die prodnoirten Gase ansammeln. Die Züchtung muss hier in flüssigen Nährböden gesahehen; am besten eignet sieh eine mit c. 2% Traubenzucker versetzte Nähi'quot; bouillon. Dio QährungskHlbohen sind für bakteriologische Zwecke von Tb. Smith (Centralbl. f. linkt. Bd. 7. 1890. No. 16) empfohlen wurden.
-) Selbstverständlich hat man bei jeder Uebertragung i'ür eine innige Verbin­dung des [mpihiaterials mit dem Nährboden zu sorgen. Bei frischen (normal wasserhaltigen) Nährböden und Mschem (feuchten) Bakterietunaterlal ist diese innige Verbindung dnreb blosses Ant'streielien ohne Weiteres hergestellt. Hat man truekencs Material (l'ilzinyeelien etc.) ZU veriniptbn, SO empfiehlt 68 sieb stets, der Oberfläche
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Am besten bedient man sich dazu solcher Röhrohen, in denen der Nährboden (Gelatine, Agar, Blutserum) in schräger Lage zur Erstarrung gebracht worden ist (of. oben p. 118). Ferner eignen sich hierzu die stcrilisirtcn Kartoffelkeile, welche in Reagenz­gläschen eingeschlossen sind (cf. oben p. 122). Hat man nicht ver­flüssigende Arten vor sich, so kann man sie auf schräg erstarrter Gelatine oder auf Blutserum ausstreichen, liei verflüssigenden Arten empfiehlt sich dies natürlich nicht; man nimmt hier zwecklaquo; massig den nicht zu verflüssigenden Agar-Xährboden oder die Kartoffel. Eine oberflächliche Strichcultur auf Gelatine zeigt Taf. VIII, Fig. 48. Hier ist der (nicht verflüssigende) Typhusbacillus auf die schräg er­starrte Gelatine aufgestrichen worden.
Ebenso wie auf festen Nährboden kann man natürlich auch auf flüssige sterile Nährboden, die im Reagenzglase unter Watte-vcrschluss enthalten sind, das reine Material der Plattencolonie über­tragen. Speciell empfiehlt sich für pathogene Organismen hierzu die oben (p. 118) erwähnte Nährbouillon. Man wählt die „Bouillon-culturquot; besonders gern dann, wenn es sich um die Darstellung grösserer Mengen reinen Culturmaterials handelt, die für irgend welche Zwecke gebraucht werden sollen.
Auch in Reagenzgläser mit storilisirter Milch, mit sterilisirtem Urin, mit bestimmten chemischen Nährlösungen etc. kann man das Material aus der Plattencolonie übertragen.
So wie man diese Weiterzüchtungen aber im Heagenzglase vor­nehmen kann, so kann dies natürlich auch in beliebiger anderer Weise geschehen, z. B. auf den nach der ursprünglichen Koch'sehen oder nach der Jjsmarcirscheu Methode präparirten Kartoffeln (cf. pag. 120. 122). Die Kartoffeln inficirt man am besten mit Hülfe eines Skalpells, welches ausgeglüht wurde und wieder erkaltet ist, und mit dessen in das Bakterienmaterial getauchter Spitze man das Material in die Kartoffel-flache einreibt. Die nach K o c h' scher Weise präparirte Kartoffel wird hierbei mit „Sublimatfingernquot; (cf. p. 121) festgehalten. Bei dem Jnficiren der Kartoffel bleibt man mit dem inlicirendeu Skalpell gern 1 cm vom Rande der Kartoffel entfernt, da Verunreinigungen der Cultur, die von der Kartoffel selbst ausgehen, gewöhnlich am Rande der Kartoffel sich zuerst zeigen. Hierher gehören z. B. die die Kar-toffelculturen sooft verderbenden „Kartoffelbacillenquot;, welche aus
des Niilirbodcns zunächst kleine Verletznngon (durch Anstechen mit dem Platindraht) beizubringen und in diese hinein dann das Material BOTgfilltig einzubringen oder
einzureiben.
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Sporen entstehen) die der Kartoffe] änsserlioh anhafteten und bei der Sterilisimng derselben nicht getödtet wurden.
Ferner kann die Uobertragung von der Platte in einen häng e n -den Tropfen (von Bouillon oder von Gelatine) hinein geschehen, der ebenso präparirt wird, wie oben (p. 49) angegeben, nur dass man ein steriles Deckglas (durch starkes Erhitzen in der Flamme sterilisirt) und steriles Material für den Tropfen selbst wählt. Die sich ent­wickelnde „Cultur im hängenden Tropfenquot; gestattet, die Waohsthumserscheinungen der Bakterien unter dem Mikroskope direct zu verfolgen.1)
Die orsprüngliche Koch'sehe Plattenculturinetliode ist nun mannig­fach modificirt worden. Zunächst ist hier ein Verfahren zu nennen, welches manche Yortheile vor dem ursprünglichen Koch'sehen Ver­fahren darbietet, und welches von Petri2) stammt. Petri nimmt keine Glasplatten als Träger des Nährbodens, sondern an Stelle dieser runde Glasschälchen von 10—11 cm Durchmesser und 1—1,5cm Höhe. Jedes Glasschälchen wird durch ein etwas grösseres, als Deckel dienendes ähnliches Schälchen vor Staub etc. geschützt. Die Doppel-schälchen werden, rein geputzt, auf einander gestellt, im Trockenschrank sterülsirt (cf. p. 127) und können nach dem Erkalten benutzt werden. Ein besonderer „Giessapparatquot; wie bei dem Koch' sehen Verfahren ist liier nicht nöthig. Die Gelatine wird einfach eingegossen, die Schale zugedeckt und dann sich selbst überlassen. Diese Methode wird jetzt sehr viel, häufiger als die ursprüngliche Koch'sehe, angewandt. Es ist aber zu bemerken, dass die mikroskopische Untersuchung^) der­artiger Schälchenculturen etwas weniger bequem ist als die der Koch'-sehen Platten.
') Bei solchem Material, welches bei Köi'pettetnperatur besser wächst als bei Zimmertemperatur, wird das Mikroskop zu diesem Bebufe am besten su disponirt, dass der Objeettiseh und das auf ihm liegende Culturpräparat in einem auf Körper­temperatur erwärmten Räume stellen (cf. unten im Text: Besprechung des Brüt­sehrankes).
raquo;) Centralbl. f. Bakt. Bd. I. 1887. No. 9,
:1) Man kann diese Seliälelienculturen mit sclnvaclicm System sowohl von oben her (nach Abhebimg der Deekelscliale) wie auch durch den Sohitlofaenboden hindurch, also von der Unterseite her, mikroskopisch ansehen; in dem letzteren Falle braucht die Deckelschale selbstverständlich nicht entfernt zu werden. Ist die Oberfläche des SohfUchenbodens an der unter dem Mikroskope liegenden Stelle so uneben, dass eine wesentliche Verzerrung des Bildes bei der Mikroskopiruug durch diesen Boden hin­duroh zu Stande kommt, so kann man sieh dadurch helfen, dass man auf das Glas an dieser Stelle einen Tropfen Cedernöl und auf diesen ein Deckglas bringt. Man verleiht auf diese Weise dem Schiilchen eine ebene Oberfläche, und die Bilder der hier liegenden Colonien erscheinen mm ohne jede Verzernmg.
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V. Allgenteine Methodik der liaktorienziiclitinij,'.
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Eine andere Modification der ursprflngUohen Koch'sehen Platten­methode hat v. Esmarcli1) angegeben. Die Gelatine wird hierbei weder auf Platten noch in Seliälchen ausgegossen, sondern an der Innenwand des Reagenz röhrchens, in dem sie sich hofindet, direct ausgehreitet. Man bewerkstelligt dies so, dass man nach der Inlicirnng der geschmolzenen Gelatine den Wattepfropf in das Röhrohen soweit hineinstösst, dass er vollständig im Glase verschwindet, dass man dann eine Gummi kappe üher die Oeifnung des Röhrchens herüberzieht, die einen wasserdichten Ahschluss bewirkt, und dass man nun das Röhrchen horizontal auf die Oberfläche sehr kalten (event. Eis-) Wassers legt und dann das Röhrohen mit den Fingern in gleichmässige schnelle Rotation versetzt. Die Gelatine wird dann bald fest und über­zieht das Glas an seiner Tnnenlläclie mehr oder weniger gleichmässig. Nachher wird das Röhrchen aus dem Wasser herausgenommen, die Gummikappe entfernt, das Röhrchen ctikettirt und zur Entwickelung der Colonien hingestellt. Diese „Rollröhrohenquot;, „Rollplattenquot; sind am besten von allen Plattenculturen gegen die Verunreinigung durch fremde Keime geschützt. Haben sich die isolirten Colonien inner­halb der „ausgerolltenquot; Gelatine entwickelt, so kann man sie so­wohl mikroskopisch untersuchen (durch die Glaswand hindurch2)), als auch, unter Benutzung eines an der Spitze gekrümmten Platindrahtes, von ihnen Material zur Anlage weiterer Culturen entnehmen. Eine der­artige Rollplatte (oder wenigstens einen Theil von ihr) zeigt Fig. 24 auf Taf. IV. Dieselbe wurde mit Gartenerde angelegt. Man sieht hier im Centrum mehrerer Colonien noch die schwarzen Erdbröckelchen, von denen das Wachsthum ausgegangen ist.
Die bis jetzt genannten Methoden der Plattencultur haben alle das Gemeinsame, dass sie zur Anlage einer jeden einzelnen Cultur ein besonderes Gelatineröhrchen brauchen. Kommt es Einem im ge­gebenen Falle aijch nur auf die die Verdünnungen enthaltenden Cultur-platten an, so ist man doch genöthigt, zunächst ein „Originalquot;-Röhr­ohen zu infleiren, um von diesem wieder Verdünnungsröhrchen anzu-
') Zeiteohr. f. Hyg. Bd. 1. 1886.
2) Um das mikroskojiisdii' Bild bei dieser Gelegenheit besser zu gestalten, als es die gekrttminte Aussenfläohe dos Reagenzglases an und für sich znlässt, habe loh (cf. auch p. 138, Anm. 3) an der zu untersuchenden Stelle einen Tropfen Cedemöl auf die Glaswand gebracht und auf diesen ein Deckglas, dessen freie Oberiläehe in senkrechte Richtung zur optischen Achse des Mikroskopes gebracht wird. Man be-konmit so naturgemiias vortreffliche Bilder der Colonien. — Einen zweckinässigen Reagenzglashalter für die Bollplatten zum Aufsetzen auf den Objecttisch hat v. Sohlen •(Zeltsohr, f. wissensoh, Mikroskopie, Bd. 7. IMto) angegeben.
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140nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeities.
legen. Eine Methode, welche Soyka1) angegeben bat, vereinfacht die Procedur und spart Material. Soyka empfiehlt Doppclschälchen zur Anlage der l'latteiu-ultiiren, welche den Petri'sehen im Allgemeinen ähnlich sind, sich aber dadurch von ihnen unterscheiden, dass in die untere 7 bis 8 oder mehr Vertiefungen (wie bei den hohl-geschliffenen Objeotträgem) eingesohliffen sind. In jede der Ver­tieftingen kommt eine kleine abgemessene Quantität geschmolzener Gelatine. Die Gelatine in einer der Vertiefungen wird dann mit dem in das Ausgangsmaterial getauchten Platindraht infloirt, und die wei­teren Verdünnungen werden dann durch üebertragung von Material immer aus einer Vertiefung in die nächstfulgende bewerkstelligt. (Nach jeder einzelnen Üebertragung muss der Platindraht ausgeglüht werden.) Die Gelatine lässt man dann erstarren. Man hat so auf einer Platte alle Verdünnungen und hat sehr an Material gespart. Diesem sehr zweck massigen Soyka'sehen Verfahren schliesst sich ein Verfahren an, welches der Verf. zur Reincultivirung, zur Isolirung von Bakterien häufig benutzt, und welches ebenfalls darauf gerichtet ist, Gelatine zu sparen resp. einen möglichst geringen Apparat für den einzelnen Versucb nothwendig zu haben. Ich bringe mir zunächst auf eine sterile Glasfläche (einen stark erhitzten und wieder erkalteten Objectträger oder die Innenfläche des Deckels eines sterili-sirten Petri'sehen Schälchens, welches nachher für die Plattencultur zur Verwendung kommen soll) 4—5 einzelne, isolirt liegende Tropfen steriler Bouillon oder sterilen Wassers, inficire dann den ersten Tropfen mittels des Platindrahtes mit dem zu untersuchenden Materiale, glühe den Draht aus, tauche ihn nach dem Erkalten in den ersten Tropfen wieder ein und übertrage die kleine anhaftende Menge in den zweiten Tropfen. Aon diesem aus inficire ich (mit vorher aus­geglühtem Drahte) auf dieselbe Weise den dritten, von diesem den vierten, und ebenso auch eventuell einen fünften Tropfen je nach dem Bakterienreichthum des Ausgangsmateriales. Von dein letzten Tropfen übertrage ich dann eine Oese in ein Röhrchen geschmolzener Nähr­gelatine und giesse die letztere dann, wie oben (p. 128) beschrieben, in ein Petri'scbes ScMlchen aus. Habe ich die Innenfläche des Deckels des Schälchens zur Anlage der Verdünnungen benutzt, so hat derselbe während dieser Zeit umgekehrt auf dem Schälchen gelegen und so das Schälchen vor dem etwaigen Hineingelangen von Luft­keimen behütet. Die während der Entwickelung der Cultur an dem Deckel hängenden Tropfen schaden der Cultur natürlich durchaus nichts.
') Deutsche med. Woohensdir. L888, No. 43.
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V. Allffoiuoiiio Methodik der liiilitcricn/.iU'litun^.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; |41
Anstatt der Q-elatine kann man auch A gar zu Plattencul-turen benutzen; und bei Organismen, welche erheblich besser und schneller boi Brüttemperatur wachsen als bei Zimmertemperatur, wird man mit Vorliebe zu dem Agar greifen. Nur ist hier ein besonders geschwindes Operiren durchaus geboten. Wie wir oben (p. 11G) be­reits erwähnten, schmilzt das Nähragar erst bei Temperaturen, die der Siedetemperatur den Wassers nahe liegen. Geschmolzen muss aber jeder Nährboden werden, mit welchem wir eine Platte anlegen wollen. Nach dem Schmelzen wird das Agar abgekühlt bis etwas über 40deg; C. Man stellt das Röhiohen ZU dem Zwecke am besten in ein entsprechend warmes Wasserbad ein. Bei dieser Temperatur ist das Agar gerade noch flüssig und doch schon kühl genug, dass man Bakterien ohne Gefahr für ihre weitere Kntwickelungsfiihigkeit einsäen kann. Nun muss man möglichst schnell das Material eintragen, vertheilen und dann die Verdünnungen machen, um hinterher den Nährboden gleich in Petri'sohe Schälchen') auszugiessen. Diese Schälchen werden in eine feuchte Kammer (p. 122) und mit dieser in den Brütschrank gestellt.
Will man das Agar zu Rollplatten (cf. oben p. 130) ver­wenden, die in den Brutschrank gestellt werden sollen, so darf man nicht das gewöhnliche 1''._, procentige, sondern muss 2procentiges (cf. oben p. J16) Agar verwenden, weil nur bei dieser Concentration die Agarschicht auch bei längerem Aufenthalt im Brütschrank an den Wandungen des Glases sicher haftet (C. Franke 1-)). V. Esmarch8) setzt zur Verhütung der Ablösung der Agarschicht dem l'/oproc. Agar mehrere Tropfen einer sterilisirten dicken Lösung von Gummi avabicum zu.
Auch für Agar platten hat sich mir meine, der Soyka'schen nachgebildete Verdünnungsmethode bewährt.
Eine Methode, Blutserum für Plattencultn ren zu ver­wenden, hat H u e p p e ') angegeben. Das flüssige, steril aufgefangene
') Giesst man dos inficirtc Agar iuil' yowiiloilicho Eooh'solle l'latton aus, so dürfen diese Platten nicht wie bei der Anlage von Gelatinejilatteu möglichst stark
iir
abgekühlt (ef. p. 127) sein, sondern die Spiegelplatte des Giessapparatos muss für diesen Zweck sogar dureb lauwarmes Wasser etwas angewärmt sein. Je sehneller nämlich das Agar iuil' den Platten erstarrt, desto weniger gut haftet es am (ilase. Auf die so angewärmten Hatten trägt mau vor dem Anfgiessen des Agars zweck-mässig noch je inelirere Tropfen Siegellack auf, welche das Abgleiten der Agurschieht vom Glaso nach der Erstarrung verhüten.
#9632;-') Centralbl. f. Bakter. Jid. 3, 1888, p, 707.
quot;) Zeitsehr. f. Hvg. Bd. I. 1886. p. 301.
') Centralbl. f. linkt, Bd. 1. 1887. p, 610.
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142nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; A. Allgetueiues.
odor (im flüssigen Zustande) sterilisirto (of. p. 119) Blutserum wird auf o. 4()u C. erwärmt und mit dem zu untersuohenden Bakterien-materiale besohiokt, welches gleiohmftssig darin vertheilt wird. Event, werden von dem so hergestellten Originalröhiciien Verdünnungen (wie bei der öelatineplattencultur, p. 127) hergestellt. Inzwischen ist 2pro-centiges Nähragaiquot; geschmolzen und auf 42deg; C. wieder abgekühlt worden. Das infleirte Serum wird nun mit etwa der gleichen Quantität Agar sorgfältig vermischt; das Gemisch wird in Schälchen ausgegossen, in welchen es erstarrt, und die dann in den Brütschrank kommen.
Ehe Koch seine Plattenmethode erfand, benutzte er die Nälir-gelatine in etwas anderer Weise zur Isolirung der Keime. Er infleirte nämlich den Platindraht und strich denselben dann mit der Spitze über die Oberfläche von Nährgelatine, welche auf einem sterilisirten Objectträger in dünner Schiebt ausgegossen war. Neben einander wurden so eine Anzahl „Impfstriche'' gemacht. Die Mehrzahl der dem Draht anhaftenden Keime blieb natürlich schon beim ersten Striche an der Gelatine hängen, der zweite Strich erhielt schon weniger Keime; und bald kam bei den nächstfolgenden Strichen ein Zeitpunkt, wo nur hier und da ein einzelner Keim sitzen blieb. Die Object­träger wurden dann in die feuchte Kammer gestellt. Mit Hülfe dieser „Obj eetträgerculturenquot; erzielte Koch die ersten isolirten Eein-culturen aus Bakteriengemischen.') Eine Plattenoultur, welche nach dem genannten Principe angelegt wurde, zeigt Taf. V, Fig. 30 (cf. oben p. 138). Dieses Prinoip der Isolirung von Keimen durch Anlegung einer Reihe von Oberllächen-Strichcidtureii wendet man in der bakterio­logischen Praxis sehr häufig — wenn auch in einer von der Objeet-trägermethode abweichenden Form — an, und zwar zum Zwecke der Isolirung pathogener Keime aus Material, welches direct aus dem er­krankten Körper stammt. Der mit dem Originalmaterial (Blut, Eiter, diphtherische Pseudoinembran etc.) inlicirte Platindraht wird hinter einander auf der Oberfläche des (schräg erstarrten [p. 118]) Xähr-bodens von 1 bis (3 bis 8 Reagenzröhrchen (Agar, Glycerinagar, Blut­serum etc.) ausgestrichen. Die inlicirten Röhrchen kommen in den Brütschrank. In den letzten Röhrchen kommen isolirte Colonien zur Entwickelung.
Will man Da k t erieneu 1 tu ren con serviren, so geht man gewöhnlich so vor, dass man, sobald das Wachsthum eine gewisse Höhe erreicht hat. die Culturgefasse gegen die Atmosphäre luftdicht abschliesst. Das letztere geschieht entweder durch sorgfältiges Ver-
') Mittli. a. d, Kais, Öes.-Amte. Bd. I. 1881, p, 26—27.
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V. Allgemein^ Methodik der Baktoi'ienzttobtung
14:5
kitton der Deckel etc. mit Paniflin oder durch Zuschnielzeii der Oeff-nimgen der Gefässe. Das Zuscliiiielzen liisst sich aber gewölinlieli nur bei Reagenzglasoulturen bewerkstelligen. Durch den luftdichten Vor-schluss des Culturgefässes wird eine Verdunstung der in dem Nähr­boden enthaltenen Feuchtigkeit sowie die Möglichkeit der Verunreinigung dauernd ausgeschlossen. Ausscnlem wird der weiteren Entwickelung der Cultur durch den luftdichten Abschluss meist bald ein Ziel ge­setzt (Abschluss von Sauerstoff). Um den Ausbau der hierher ge­hörigen Conservirungsmethoden haben sich besonders verdient gemacht Soyka1), Soyka und Kr dl9), Kr dl9), Czaple wsici.') Man kann sich nach diesen Methoden sein- schöne Samminngen bakteriologischer Culturen anlegen („bakteriologische Museenquot;). Die Cnlturen behalten unter luftdichtem Verschluss sehr lange Zeit ihre Uebertragbarkeit bei.
Man hat auch versucht, Culturen in festem Nährboden in Form des mikroskopischen Präparates zu oonserviren. Handelt es sich um Plattenculturen, so muss die zu conservirende Stelle mit dem Messer umschnitten und dann zwischen Objectträger und Deckglas (in Glycerin z. B.) eingeschlossen werden. Derartige Methoden haben Garre5), Flaut8), Lipez'), Jaoobi8) sowie der Verf.quot;) angegeben. Handelt es. sich um Reage nzg 1 as 0u 11 u ren, so muss die die Cnltnr enthaltende Gelatine zunächst gehärtet und dann in Schnitte zerlegt werden. Solche Methoden haben Fischl10) und Xeisser11) publicirt.
Die bisher besprochenen Culturmothoden, speciell die Platten­methode, gehen von der Voraussetzung aus, dass wir solche Organismen zu untersuchen haben, welche an der Luft zu wachsen ver­mögen. Wir haben nun früher bereits (p. 21) gesehen, dass es eine grosso Reihe von Bakterienarten giebt, denen dies Vormögen abgeht, die im Gogontheil durch die Gegenwart freien Sauerstoffs in ihrer Ent­wickelung gehemmt werden. Es sind dies die sogenannten Anaöroben (auch „obligatequot;, „strengequot; Anaöroben genannt). Haben wir solche Organismen zu züchten, so kann dies natürlich nicht in der gewöhn-
') Centralbi.
f. Bakt.
Bd. 1
. 1887.
No.
-) Zeitsehr.
f. Hyg.
Bd. 1.
1888.
!!) Zeltsohr,
f. Hyg.
Bd. 5.
1889.
') Centralbi,
f, Bakt.
Bd, 1
. 1889.
No.
quot;) Portsohl'.
d. Mod.
188laquo;.
No. 11
0) Fortschr.
d. Mod.
1886.
No. 13,
T) Centralbi.
f. Bakt.
Bd. 1
. ISST.
No.
s) Centralbi.
f. Bakt.
Bd. :
. 1888.
No.
lb.
13.
raquo;)
Deutsche mod. Wooh. 18811. No. 20. Fortsein', d. Mod. 1887. No. 30. Centralbi. f. Bakt. Bd. 3. 1888. No.
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144nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgemeines,
lichen Weise auf der Platte gesohehen; denn der atmosphärische Sauer­stoff, welcher zu der Platte ungehinderten Zutritt hat, würde ein jedes Wachsthlim von vornherein inhihiren. Will man derartige Organismen zum Wachsthum, zur Vermehrung bringen, so muss man den atmo-sphtoisohen Sauerstoff von dem Orte, an dem das Wachsthum geschehen soll, sorgfältigst fernhalten.
Nach verschiedenen Principien kann dies geschehen. Man kann, nach Grub er'), den inflcirten Nährboden in einen Kaum bringen, der nachher luftleer gepumpt wird; oder man kann, nach Buchner'2), ans dem Räume, in welchem der inlicirte Nährboden resp. das Cultur-gefass (z. 13. eine nach Esmarch angelegte Rollplatte) steht, den Luftsauerstoff fortschaffen durch alkalische Lösung von Pyro-gallol (1 g Pyrogallol, 1 com Liqu. Kai. caust., 10 com Wasser), welche bekanntlich ein ausserordentlich sauerstolfgieriges Medium ist.8) Man kann aber den Luftsauerstoff resp. die atmosphärische Luft auch entfernen, indem man in den den Nährboden umgebenden Raum ge­nügend lange Zeit reinen Wasserstoff*) einleitet, indem man eventuell sogar durch den Nährboden selbst (bei Gelatine vor der Er­starrung) Wasserstoff durchleitet. Wird nachher ein sicherer Vorschluss
') Gruber (Centralbl. f. Bakt. Bd. I. 1887. No. 12) benutzt zu diesem Zwecke lange, im oberen Drittel verengte Reagenzgläser, welche — nach dw Be-sebickung der in ihnen beilndliohen Näbrgelatine mit dem Bakterienmaterial — mit der Luftpumpe in Verbindung gesetzt und nach dem Evacuiren an der vorengten Stelle hiftdieht ahgesclnnolzen werden. Dann wird die Gelatine in ihnen nach der Ks march'sehen Methode (oben p. 139) ausgerollt.
-') Centralbl. f. Bakt. Bd. 1. 1888. No. 5.
quot;) Diese vortreffliche Buchner'sohe Methode ist später von Nikiforoff (Zeitsehr. f, Hyg. Bd. 8. 1890) zur Cultivirung der Anaiirobon im hängen­den Tropfen verwendet worden. Nikiforoff umstroieht die Höhlung des hohlquot; geschliffenen Objeotträgers wie gewöhnlich (cf. oben p. 49) mit Vaselin und drückt dann das mit dem geimpften (inflcirten) Tropfen versehene Deckglas (cf. oben p. 138) so auf diesen Objeotträger, dass die Höhlung des letzteren an einer Stelle nicht völlig vom Deckglase verschlossen wird. Diese freigelassene Stelle wird nun an ihrem einen Ende mit starker wässeriger Pyrogallollösuug (mit Hülfe einer Platin­öse) betupft, während an das andere Ende ein Tröpfchen Kalilauge gebracht wird. Sodann wird durch Verschiebung des Deckgläschens die Höhlung des Objeettriigers völlig verschlossen, Es mischen sich dann die beiden Keagentien mit einander; sie bleiben an der Berührungsstelle von Objectträger und Deckglas hängen, kommen mit dein Culturtropfen nicht in Berührung.
') Der ans „reinemquot; Zink und „reinerquot; Schwefel- oder Salzsäure bereitete Wasserstoff wird (nach C. Fränkol; Centralbl. f. Bakt. Dd. ;(. 1888. p. 7(18) be­hufs der Reinigung von eventuellen Verunreinigungen am besten durch 3 Wasch-Haschen geleitet, welche der Reihe nach enthalten 1) alliidische Bleilösung (zur Absorp­tion etwaiger Schwefelwasserstolfspureu), 2) Silhernitratlösung (zur Absorption etwaigen Arsenwasserstoffs), ;t) alkalische fyrogallollOsung (zur Absorption etwaigen Sauerstoffs).
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V. Allgemeine Methodik der BakterlenzttcbtuDginbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;145
mich aussei) hin hergestellt (durch Zusohmelzen der Glasgefftsse, durch Verkitten der Oflhimgen mit Pajaffln), so gedeihen die Anaöroben in ausgezeichneter Weise in dieser Wasserstoflfatmosphäre.')
Es ist an dieser Stelle darauf hin/mveisen, dass man nicht etwa Kohlensäure zur Verdrängung des Luftsauerstott's benutzen darf. Es hat sich, besonders durch umfassende Untersuchungen, die ('. Eraenkel'-'j angestellt hat, gezeigt, dass die Kohlensäure, wie für andere Organismen, so auch für die Bakterien ganz allgemein ein Gift ist, und dies sowohl für Aerohen wie Anaeroben. Der Wasserstoff ist jedoch, wie für andere Organismen, so auch für die Bakterien ein völlig indifferentes Gas.
Von Flattenoulturen kann man den Luftsauerstoff nach Kooh8) dadurch fernhalten, dass man auf die Gelatine etc. ein dünnes (11 immer platt eben, welches vorher durch Ausglühen sterilisirt wurde, auflegt. Basselbe muss natürlich eine grössere Ausdehnung besitzen. Unter demselben kommen die Anaeroben zur Entwickelung. Das geschilderte Verfahren lässt sieb auch sehr gut zur Prüfung des Sauerstoffbedürfnisses bestimmter neu aufgefundener Arten benutzen.
') Bezüglich der violfiichon hiorfiir angegebenen Methoden, um deren ersten Ausbau sich nainentlich II. und E. Buchner, Hauser, Liborius, Roux (1885 bis 1887) verdient gemacht haben, verweise ich im Allgemeinen auf llueppo's „Methoden der Bakterienforsohungquot;, 6. Aufl. 1891, p, 361ff, — Kitasato (Zeitsohr. f. Hyg, Bd. 7. lS8i). ]gt;. 227) gab zur Anlegung von Plattonculturen Hache Glns-gel'iisse an, durch welche Wasserstoff hindurch geleitet wird, und die dann luftdicht zugesclimülzcn werden. — fi abritschewsky (Centralbl. f. Bakt. Bd. 10. 1891. p. 2-1!)) hat (sehr empfehlanswerthe) Cultnrsohalen für Wasserstoffdurohleltung und gleichzeitige Sauerstoffabsorption durch Pyrogallol angegeben, bei welchen eine Zu-schmolzung nicht vorgenommen zu werden braucht. — Aebnliche Schälchen, bei denen aber nur Wasserstolfdurcbleitung, nicht Pyrogallol zur Verwendung gelangt, hat Kamen (Centralbl. f. Bakt. Bd. 12. 1892. No. !)) beschrieben. — Eine hiiebst einfache Methode der Wasserstoffbenutzung hat Fuchs (Dissert, (ireifswald. 1890) angegeben. Siehe hierüber Loeffler (Ceutr. f. Bakt. Bd. 7. 18110. No, 20. p, (i35): „Die Methode bestellt darin, dass das besiiete Röhrchen umgedreht, und nachdem einige Minuten hindurch Wasserstoff mit einem Glasrohr eingeleitet worden ist, mit einem Gummistopfen von unten her fest verschlossen wird. Der Gummi­stopfen kann zur Vorsicht noch paraflinirt werden.quot; — Blücher (Zeltsohr. f. Hyg. Bd. 8. 1890) eultivirt Anaeroben auf der Platte (Petri'schos Schälchen), auf Kartoffeln etc. unter einer Glasglocke, in welche Wasserstoff eingeleitet wird, und deren Inneres durch eine wasserige O ly cerinlösung (1 Glycerin 3 bis 4 Wasser) gegen die äussere Luft abgesperrt wird. — Botkin (Zoltsohr, f. Hyg, Bd. 9. 1890) hat ein ähnliches Verfahren angegeben, bei #9632;welchem I'araffinuin liquidum als Absperrflttssigkeit verwandt wird.
') Zeitschr. f.. Hyg. lid. 6. 1888.
:') Deutsche med. Wochenschr. 1881. \k 502.
CiUntlior. Itiikteriolügio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;10
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I .| 6nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; A. Allgonioinos.
Sehr bequem zur Züchtung der Anaörohen, wenn auch zur Iso-lirung der Keime aus einem Gemische weniger brauchbar, ist eine
andere Methode, bei welcher der Sauerstoff der atmosphärischen Luft von der Cultur durch da r übe rtfcscliichtetes festes Niihrsuhstrat abgeschlossen wird.') Nach diesem einfachen Principe kann man z. B. ans Reinculturen von Anaeroben Stichculturen in jedem (ielatinerölir-ohen anlegen. Man sticht das Material in der gewöhnlichen Weise mit dem Platindraht tief in die Gelatine ein und sieht nachher in den tieferen Schichten der Gelatine, zu denen der atmosphärische Sauerstoff keinen Zutritt hat. bis etwa l1/.) cm von der Gelatineoberlläche ent­fernt, von dem Inipfstiche das Wachsthum der anaeroben Cultur aus­gehen, während in den oberen Schichten der Gelatine, die mit dem atmosphärischen Sauerstoff in Berührung sind, jedes Wachsthum unter­bleibt. Man kann auch das Bakterienmaterial in geschmolzener Gelatine Vertheilen und die Gelatine dann wieder erstarren lassen. Man beob­achtet dann in den unteren Partien der Gelatine die Entwickelung mehr oder weniger von einander isolirter Colonien. Ein solche Cultur zeigt z. 15. Mg. 38 auf Taf. VIT.
Es empfiehlt sich zur Cultur anaerober Organismen den Nähr­böden gewisse reducirende Substanzen zuzusetzen. Das Wachsthum erfolgt dann schneller. Liborius-) fand einen Zu­satz von 20/0 Traubenzucker zu der Nährgelatine wachsthums-besohleunigendj Kit as a to und Weyl8) haben später für den gleichen Zweck einen Zusatz von 0,3 —0,50/0 a meisensa u rem Natron zu Xähragar empfohlen.
Die Culturen der Bakterien, aerober sowohl wie anaerober, können nun, mag es sich um Platten- oder Peagenzglasculturen oder um Kai'toffelculturen in der feuchten Kammer handeln, bei den verschie­densten Temperaturen gezüchtet werden. Die gebräuchlichsten sind die Zimmertemperatur (IS — 22deg; C.) und die Brüt-(Blut-) Temperatur (c. 35—38deg; C.). Gelatineculturen eignen sich natürlich nicht zur Züchtung bei Brüttemperatur, da die Gelatine schon bei 25quot; C. sehr weich und bei wenig höherer Temperatur flüssig wird. Bei 22'• (,'. kann man dagegen die Gelatineculturen noch sehr gut halten. Und bei dieser Temperatur zeigen auch fast alle diejenigen Organismen, die am besten bei Prüttemperatur gedeihen, d. h. die für
l) Diese Methode wurde zuerst von \V. und R. Hesse (Deutsche med. Wochen-sehr. issö. No. II) angegeben, dann von Liborlua (Zeitechr. f. Hyg, Bd. I. isso. ]gt;. II'.ill'.) weiter ausgebildet.
-) Zeitsohr. f. Hyg. Bd, I. 1886. p, 168.
:') Zeltsohr, f. H^g, Bd. 8. lSlt;m, p, 43.
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V. Allgemeine Motbodik dor Bplcterienzüobtung,
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Warmblüter pathogoneii) noch Waohsthum. Klr Ztlohtungon bei Brüt­temperatur nimmt man Agar, Bouillon, Blutserum, Kartoffeln etc. Die Nährböden kommen hierbei am besten in Reagenzröhrohen resp. in Petri'sehen Sohälohen (bei Agarplatten) eingeschlossen zur Verwen­dung; denn irgend welche Verunreinigungen der Gultur machen sich bei Brüttemperatur gleich in viel ausgedehnterem Masse geltend als bei Zimmertemperatur, und die genannten Dispositionen schützen die Nährböden am besten vor Verunreinigungen. Ist das Waciisthum der zu züchtenden Art ein sehr langsames, so ist ein langer Aufenthalt in dem künstlich auf Brättemperatur erwärmten Räume (Brütschrank. Brütofen) notliwendig, und dabei trocknen dann die Nährböden ge­wöhnlich ziemlich schnell ein. Besonders ihre Oberfläche wird dann bald so wasserarm, dass sie das Bakterienwachsthnm nicht mehr ge­stattet. Man muss in solchen Fällen die Züchtung in Reagenzgläsern vornehmen und von vornherein für einen luftdichten Verschluss derselben sorgen. Notliwendig wird dies z. B. bei der künstlichen Züchtung der Tuborkelbacillen auf Blutserum, auf Glycerinagar. Man überzieht dann die Oetthung des Reagenzglases, nachdem man den Wattepfropf tief hineingestossen hat, mit einer G u m m i k a \gt; p e. Würde man dies aber ohne besondere Vorsichtsmassregeln thun, so würden sich die an dem Wattepfropf aussen aufsitzenden, aus der Luft stam­menden Keime in der geschaffenen feuchten Kammer baldigst zu ent­wickeln beginnen, und es würden nun namentlich die Pilzinycelien die Poren des Pfropfs durchwuchern und die Cultur. deren Züchtung wir beabsichtigten, verderben resp. gar nicht zu Stande kommen lassen. Deshalb geht man in solchen Fällen so vor, dass man den mit der Pincette gefassten Wattepfropf zunächst äusserlich in der Flamme abbrennt, um alle anhaftenden Keime zu vernichten, dann ihn in den erhitzten Hals des Röhrchens hineinschiebt und sohliesslioh eine GKunmikappe überzieht, welche stundenlang in Sublimatlösung ge­legen hat.
Der Brütschrank, dessen man sich zu Cultumveeken bedient. (Brütofen, Wärmeschrank, Vegetationskasten, Thermo­stat) kann verschieden construirt sein. Wesentlich ist ein abgeschlos­sener, gegen Wärmeabgabe nach aussen möglichst gesicherter Raum, dessen Inneres auf constanter Temperatur erhalten wird. Meist sind für diesen Zweck doppelwandige, aussen mit Filz oder Asbest bekleidete Kästen von starkem Kupferblech1) in Gebrauch, die mit
') Dio IVüliin- gebrlluohliohen Brlltoohrtlnke aus verbleiten) Eisenblech sind niebt zu empfehlen. Sie nisten sein- leicht und erfordern dann fortwtlhrend Reparaturen.
Kl*
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148nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; A. AUgemelnes^
einer vorn angebjaohten Doppelthül' verseilen .sind. Zwischen lt;ieii beiden Wandungen des Kastens befindet sieh Wasser, in welchem auf der einen Seite ein iinssen ablesbares Thermo nie te r. auf der an­deren ein (noch zu besprechender) Thermoregulator steht. Der ganze Kasten steht auf einem VierfUssgestell und wird envännt durch eine besondere Sieherheits- (Gas-) Lampe, zu der das (las durch den Thermoregulator hindurch gelangt. Die Lampe ist so eingerichtet, dass bei zufälligem Verlöschen der Flamme (durch vorübergehendes Absperren der Leitung etc.i der Halm automatisch geschlossen wird. .Man hat auch Brutschränke constniirt, in welche das Mikro­skopstat, iv so eingesetzt werden kann, dass der Objecttisch und seine Umgebung, speoiell das auf dem Objecttisch befindliche Präparat mit dein (lebenden) bei Hriittemperatur zu beobachtenden Object, innerhalb des Brütraumes, das Ocularende des Tubus aber, ferner die Mikrometerschraube ausserhalb des Brütraumes befindüch sind. Solche Brütapparate gestatten die oontinuirliohe Beobachtung lebender Objeote,
•/.. B. Culturen im hängenden Tropfen (of. oben p. 138) etc.. bei Briit-temperatur. Unter den für derartige Zwecke angegebenen Vorrichtungen möchte ich speoiell die von Friedrich1) empfehlen.
Der Thermoregulator kann nach verschiedenen Prineipien construirt sein. Am zuverlässigsten sind und am genauesten wirken die electrisehen Thermoregulatoren. Bei diesen steht innerhalb des Wassermantels des Thermostaten ein sogenanntes Contaotthermo-meter, d. h. ein Quecksilberthermometer, dessen Quecksilbersäule bei der Erreichung einer bestimmten, beliebig einstellbaren Temperatur mit einem Platindraht in Contact tritt. Dadurch wird dann ein galva­nischer Strom geschlossen, welcher seinerseits einen Electromagneteii in Thätigkeit setzt, der die (laszufuhr zur Heizflamme des Thermo­staten absperrt oder vielmehr auf ein .Minimum reducirt. Wenn dann der Wassermantel sich wieder unter die genannte Temperatur abge­kühlt hat. so wird der Contact aufgehoben, der Electromagnet tritt aussei' Thätigkeit, die Heizflamme erlangt ihre frühere Grosse u. s. f. Mit Hülfe der electrischen Thermoregulatoren kann man die Brüt­schranktemperaturen bis auf Zehntel Grade genau einstellen.
Weniger strengen Anforderungen, aber immerhin den meisten Bedürfnissen des bakteriologischen Laboratoriums, genügen die, im l'rincipe von Bunsen und Lothar Meyer staimiieiiden, Thermo­regulatoren, bei welchen der (iaszuflnss zur Heizflamme bei Erreichung
') Die Friedrich'sehe „Heizvorriohtuiig des Mikroskopes zu bakteriologischen Untersuchungenquot; (Arb. a. d. Kais, Gos-Amte. Bd. 8. 1892) ist von Gi. König, Berlin N.W., Dorotheenstr. 29, angefertigt und von dieser Firma zu bezieben.
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V. AUgeiueine Motbodtk dor BakterlenzüobtuDfi
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der gewünschten Temperatur (lurch Quecksilber abgesperrt wird. Diese Regulatoren sind — im Gegensatz zu den electrlschen — vom Gasdruck abhängig! sie lassen bei höherem Gasdruck mehr Leuchtgas durch ids bei niedrigerem. Ganz besonders möchte ich das von H. Rohrbeck1) verfertigte Modell empfehlen. Dasselbe besteht aus einem stai'kwaudigen, c. 14 mm weiten, o. ;i4 cm langen,*vertikal stehenden Glasrohr, welches unten geschlossen und in der Mitte durch eine horizontale gläserne Scheidewand abgetheilt ist, die central eine enge, nach unten sich in ein offenes Glasrohr furtsetzende Oeffriung besitzt. Der Raum unterhalb der Seheidewand ist beinahe vollständig mit Quecksilber angefüllt, welches durch das erwähnte (Jlasrolir in den oberen Raum gelangen kann. Auf dem unteren Quecksilherhori-zont schwimmen mehrere Tropfen Aether. Der ganze Apparat steht in dem auf bestimmte Temperatur zu erwärmenden Wassermanted des Thermostaten. Je mehr nun durch die Flamme das Wasser erhitzt wird, desto mehr dehnen sieb die Aetherdämpfe aus; dabei wird das Quecksilber mehr und mehr aus dem unteren Räume in den oberen Raum hinaufgedrückt. Das Leuchtgas tritt nun in den oberen Kaum hinein (lurch ein vertikal stehendes, dünnes, eisernes, in einer Stopf­büchse verschiebbares Rohr, welches (in vorstellbarer Höhe) über dem oberen Quecksilberhorizonte mündet. Ks tritt aus, um zu der Flamme zu gelangen, seitlich neben dem eisernen Rohre aus der Wand des Thermostaten. Erreicht nun mit zunehmender Erwärmung das obere Quecksilberniveau das Ende des eisernen Rohres, so wird die Oeffmmg desselben verschlossen, und die Flamme würde sofort verlöschen, wenn nicht ein feiner vertikaler Schlitz in dem Rohre noch ein wenig Gas durchtreten Hesse. Die Flamme wird also nur erheblich reducirt. Hat sich dann das Wasser wieder etwas abgekühlt, so tritt das Quecksilber wieder zurück, lässt das (Jas wieder voll ausströmen u. s. f. Da das eiserne Rohr verstellbar ist, so kann man den Apparat auf beliebige Temperaturen (natürlich in gewissen Grenzen) einstellen, die dann constant #9632;) bleiben.
Hat man keine Gasleitung und keinen Tbermoregulator zur Ver­fügung, so kann man seinen Brütapparat sehr gut mit einer Petroleumlampe heizen. Koch'1), welcher bei seinen ersten, grundlegenden Untersuchungen über Milzbrand sich dieser Methode bediente, empfiehlt dieselbe auf das Wärmste.
•) Berlin N.W., Karlstr. 24.
-) Die TemperaturBohwankungen betragen bei Anwendung dos geschriebenen Begulators im Allgemeinen nicht über 0,5quot; C.
:l) P. Cobn's Beitr. z. lüol. d. I'll. Bd. 2. 1876. p. 2S2.
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150nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; A. AUgemeinesi
4. Anhang: Die Methoden der bakteriologischen
Luft-, Wasser- und Boden-Untersuchung und ihre
wichtigsten Ergebnisse.
a. Luftnutersnobnuyi
In der uns Hingebenden Luft finden wir stets Keime von Mikro­organismen. Es linden sieli da sowohl Bakterienkeime wie Keime von Schimmelpilzen und von Hefen. Dieselben gelangen dadurch in die Luft, dass sie von dem Substrate, auf welchem sie sich ent­wickelt haben, durch Luftströmungen entfernt werden. Natürlich kann dies nur geschehen, wenn die ('ulttir eingetrocknet ist. So lange der Nährboden und die Cultur feucht sind, ist, gewühniieh keine Möglich­keit vorhanden, dass sich Theilciien der Cultur in die Luft erheben. Die geringen Lebensansprüche vieler Bakterienarten bringen es nun mit sich, dass allenthalben in der Xatur, wo etwas Feuchtigkeit vor­handen ist, Bakterien zu wachsen vermögen. Vertrocknet eine Bakterien-colonie, wird sie durch zufällige Berührungen zerkleinert, in Staub verwandelt, so genügt der geringste Luftstrom. die Stauhöhen davon-zuführen, um sie an irgend welchem anderen Orte abzusetzen.
Die für die Untersuchung der Luft auf Bakterien angegebenen Methoden sind sehr zahlreich. Will man nur qualitative Auf­schlüsse ober die Keime haben, kommt es Einem nur darauf an, zu ermitteln, welchen Arten die in einer bestimmten Luft enthaltenen Keime angehören, so empfiehlt sich die zuerst von Koch') geübte „Absitzmethodequot;. Man bedeckt den Boden eines sterilisirten Glassohälchens mit geschmolzener Fährgelatine und lässt nach der Erstarrung der Gelatine das Sohälohen offen an dem Orte stehen, dessen Luft man untersuchen will. Die Keime setzen sich dann auf der Gelatineoberflache ab. Nach bestimmter Zeit wird dann das Schiilchen geschlossen, und die Keime müssen sich nun oberflächlich auf der Gelatine entwickeln, sobald sie überhaupt fähig sind, auf diesem Nährboden und in Gegenwart des Luftsauerstoffs zu wachsen. Koch setzte die Schäfchen auf den Grund eines cylinderförmigen Glasgefässes und mit diesem erst der Luft aus. Die Luft innerhalb des Cylinders ist von den äusseren Luftströmungen mehr oder weniger unabhängig, und so konnten wenigstens einigermassen auch quantitativ vergleich­bare Resultate zwischen den an verschiedenen Orten ausgeführten Untersuchungen erhalten werden. Als Nährbuden zeigte sich Weizen-inf us gelatine am zweckmässigsten.
') Mitth. a. (1. Kais. Ges.-Amto. Bd. I. issi. p, 33.
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V. Allsemeiue Methodik der Bakterienzttobtiuiii.
151
Eine Methode, welche bezüglioh der Quantität der in einem besthnmten Luftvohunen enthalteneu Keime erheblich mebi' leistete, wurde dann von Hesse1) erfunden. Hesse saugt vermittels eines Aspirators das zu untersuchende Luftquantum durch ein horizontal
liegendes, ca. 70 em langes, 3,5 cm weites Glas rühr, dessen Innen­wand mit Nahrgelatine ausgelileidet ist. Die Keime setzen sieh dabei ans der Luft aid' der Gelatine ab, Naturgemäss muss die Geschwindig­keit des Luftstromes sich in gewissen Grenzen halten, weil sonst Keime aus der Rühre wieder austreten könnten, ohne sieh auf der Gelatine abgesetzt zu haben.
Ein bequemeres und leistungsfähigeres Verfahren der quanti­tativen L.uftuntersuchung auf Mikroorganismenkeime wurde dann von l*etri'-) ausgearbeitet. Das Verfahren ist wühl das beste dor überhaupt existirenden. Petri sangt die Luft mit Hülfe einer Handluftpumpe, die einen in ihrem Volumen geaiebton Kolben besitzt und durch eine Kurbel in Bewegung gesetzt wird, durch ein Sand filter, in welchem die Keime zurückgehalten werden. Das mit den Keimen beladene Filter wird in ein „Petri'sches Schälebenquot; (of. oben p. 138) gebracht, der Saud wird dann mit geschmolzener Nährgelatine vermischt und gründlich darin vertbeilt. Die sich nach dem Erstarren der Gelatine entwickelnden Colonien können dann ge­zählt und weiter untersucht werden. Der Sand hat eine Korngrösse von 0,25—0,5 mm und wird vor der Verwendung ausgeglüht. Der­selbe wird in zwei durch kleine Drahtnetze gestützten Schichten von je ;i cm Länge und 1,5—1,8 cm Durchmesser in ein S—9 cm langes Glasrohr eingebracht und in dieser Anordnung zum Piltriren der Luft verwendet. Nicht mehr als 5—10 Liter Luft pro Minute werden durch das Filter gesaugt, so dass die Geschwindigkeit des Luftstromes im Filter 0,7 m pro Secunde nicht übersteigt. Bei den einzelnen Bestimmungen werden 50—100 Liter Luft zur Untersuchung liltrirt.
Petri hat bei den zahlreichen Luftuntersuchungen, die er nach seiner Methode anstellte, und bei denen er stets Controluntersuchungen nach der Absitzmetbode unternahm, gefunden, dass bei der Filtrir-methode relativ mehr Pilzsporen, bei der Absitzmethode relativ mehr Bakterienkeime gefunden werden. Jedenfalls ist hierfür das verschiedene speoiflsche Gewicht der Keime verantwortlich zu machen. Die Pilz-sporen sind nämlich sehr leicht, die bakterientragenden Stauhöhen speeiflsch viel schwerer; die letzteren werden sich also leichter zu
') Mittb. a. d. Kais. Gos.-Amtc Bd. 2. 1884.
-) Centralbl. f. Bakt. Bd. 2. 1887. No. 6—6. — Zeltechr, f. Hyf
Bd. :!. 1887.
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152nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgomoiiips.
Boden senken als flic ersteren. Ein weiterer interessanter Befund, der sieli aus den Petri'sohen Versuchen ergeben hat, ist der, dass die an einem und demselben Stäubohen anklebenden Bakterienkeime relativ
selten verschiedenen Arten zngehören. Mehr als drei Species entwickelten sich niemals an der Absatzstelle eines einzelnen Luftstäubchens.
In Frankreich bedient man sich für Luftuntersnchungen immer noch des (früher allgemein üblichen) flüssigen Nährbodens. Miquel, welcher im Observatorium des Montsouris zu Paris fortlaufende Luft-untersuchungen anstellt, saugt den Luftstrom durch sterilisirtes Wasser und vertheilt nachher das mit den Keimen beladene Wasser zu gleichen Portionen in eine grössere Anzahl von Q-efässen mit steriler Bouillon, Von diesen muss dann mindestens ein Drittel ohne Entwickehmg von Organismen bleiben, d. h. sich als keimfrei herausstellen. Man darf dann annehmen, dass in den Gefässen, in denen Entwickehmg zu Stande kommt, diese mir von einem einzigen Keime ausging, und hat damit die Anzahl der in der durchgesangten Menge Luft enthalten gewesenen Keime.
Die Mikroorganismen, welche bei Luftuntersuchungen gefunden werden, sind erstens die verschiedenartigsten Schimmelpilze, ferner eine Anzahl Hefen, endlich Bakterien.1) Die Mehrzahl der Bakterien­keime gehört den Mikrococcen an; speciell linden sich ganz regel-inässig eine Anzahl Sa rein ear ten. Die Colonien verflüssigen ihrer grossen Mehrzahl nach die Gelatine n i c h t. Viele c h r o m o g e n e Arten linden sich. Die meisten Keime gehören saprophytischen Arten an: es sind aber hier und da auch pathogene Keime gefunden worden.
Im Allgemeinen zeigen die auf den Luftplatten sich entwickelnden Bakteriencolonien ein sehr laugsames Wachsthum, offenbar aus dem Grunde, weil die an den Luftstänbchen angetrockneten Bakterienzellen, aus denen die Colonien hervorgehen, gewöhnlich bereits längere Zeit der Lebensthätigkeit entzogen waren und die zu einer kräftigen Ver­mehrung nothwendige Energie erst wieder gewinnen müssen.
Je mehr Staub in der Luft enthalten ist, desto mehr Keime findet man bei der Untersuchung. „Die Zahl der in der freien Atmo­sphäre gefundenen Keime schwankt zwischen 100—500 —1000 pro 1 cbmquot; (Flügge8)). East keimfrei oder auch vollständig keimfrei
') Welz (Zeitsohr, f. Hyg. Bd. 11,nbsp; 1891) hat eine grössere Reihe von Mikro-
organismenarten. die er in der Luft (innbsp; Freiburg) fand, Ubersiohtlicb, in Tabellen-form, beschrieben,
-) Qrundriss d. Hygiene. Leipzig,nbsp; nbsp; issi). p. los.
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v. Allgemeine Mothoilik der Baktertonztlobtung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;168
liat sich d'w Luft draussen auf hoher See in weiter Entfernung vom Lande erwiesen. Auch auf den Spitzen schneebedeckter Berge ist die Luft sehr arm an Keimen.
b. raquo;asseriiiilcrsiicliiiii^.
Um den Baktei'iengehalt eines liestiminten Wassers festzustellen, verfährt man nach Koch's1) ursprünglichem Vorgang so, dass man eine bestimmte Menge des Wassers (gewöhnlich nimmt man 1 com oder 1li com oder auch [zur gegenseitigen Controle der Versuche] beides) mit sterilisirter Pipette in ein Köhrchen mit geschmolzener Nährgelatine8) vertheilt und die Gelatine dann auf eine sterile Platte8) ausgiesst. Nach dem Erstarren der Gelatine entwickeln sich dann die eingesäeten Keime in isolirten Colonien, deren Anzahl in der weiterhin zu besprechenden Weise festgestellt werden kann. Ist das zu unter­suchende Wasser ausserordentlich reich an entwickelungsfähigen Keimen. so ist es zur Erzielung brauchbarer Culturplatten uothwendig, das­selbe auf das lo bis 20 fache Volumen mit sterilisirtem Wasser zu verdünnen.
Die Feststellung der Anzahl der auf der Platte zur Kntwickelung gekommenen Colonien geschieht am besten mit Hülfe eines zu diesem Zwecke (von Wolffhügel) cünstruirten Zählapparates. Der letztere besteht aus einer horizontalen schwarzen Tafel, auf welche die Platte oder das Schälchen aufgelegt wird. In einiger Entfernung darüber wird eine Glasscheibe gelegt, in welche ein Oitterwerk von gleich grossen Quadraten mit dem Diamanten eingerissen ist. Auf dieser Platte steht eine dreibeinige Loupe, durch die hindurch man zugleich das Oitterwerk und die Colonien sieht. Man bestimmt nun
') Mitth. ii. d. Kais. Qes.-Amte, Bd. l. 1881, p, 36.
-) Die Nährgelatine mnsa zum Zwecke der Wasseruntersuolmng eine be­st! nun to chcniiscliü Reaction besitzen; denn es hut sich gezeigt, dass jMiilir-gelatinen, welche in dieser Beziehung unter einander dilleriren, aus einem bestimmten Volumen eines und desselben Wassers verschieden viel Colonien aufgellen lassen. Am günstigsten für die Entwickelung der Wasserbakterien hat sich im Allgemeinen eine Niihrgelatino erwiesen, welche einen Gehalt von etwa 0,150/0 Natriumcarbonat (dem neutralen Nährboden zugesetzt) hat. Mit einer solchen Nährgelatine erhält man im Allgemeinen das Maximum an Colonien aus einer liestiminten Wasserprobe. Jedocb scheinen sich versebiedene Wässer in dieser Beziehung etwas verschieden zu ver­halten (cf. Eeinseh, Centralbl. f. Bald. Bd. 10. 1891, No, 13),
B) Es etupileblt sich, zu diesen Untersuchungen stets Platten, nicht Petri'sche Schälchen, zu nehmen. Nur auf Flatten zeigt nach dem Erstarren die Cultur-gclatine überall gleichmässige Dicke: das letztere ist aber nothwendig, wenn man (siehe oben im Text weiter), zum Behufe der Zählung der entwickelten Colonien, aus einem Theile der Platte auf die ganze Platte sehliessen will.
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154nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; A- AUgomeijies,
für cine Reibe von Quadraten dutch direote Zählung die Anzahl der in jedem liegenden Colonien, nimmt daraus das Mittel und multlplloirt
die gewonnene Zahl mit der Anzahl der Quadrate, die auf die ganze Platte kommen.
Ist die Zahl der auf der Platte zur Eutwiekelung gekommenen Colonlen sehr gross, oder, was dasselbe sagt, liegen die Colonien sehr dicht nehen einander, so gelingt es häufig gar nicht die Anzahl der­selben mit Hülfe des beschriebenen Zählapparates zu bestimmen. In solchen Fällen kann man die Zählung sehr bequem unter dem Mikroskope1) vornehmen. Zu dem Zwecke bestimmt man sich zunächst, unter Zuhülfenahme eines Objeetmikrometers, für sein In­strument — und zwar für ein bestimmtes, schwaches System, für ein bestimmtes Ocular und für eine bestimmte Tubuslänge — ein für alle Mal den Flächeninhalt des Gesichtsfeldes. Man bringt dann die Culturplatte unter diesen Bedingungen unter das Mikroskop und zählt eine grössere Reihe (20 bis 40) beliebig ausgewählter Gesichtsfelder bezüglich der Colonienanzalil aus; selbstverständlich berücksichtigt man dabei Jedesmal (unter Benutzung des groben Tnbustriebes) die Gelatine­schicht in ihrer gesaimnten Dicke. Aus der sieh daraus ergebenden Durchschnittszahl und ans dem Verhältuiss der Grosse der ganzen Gelatineplatte zur Grosse des einzelnen Gesichtsfeldes lässt sich dann leicht die Anzahl der Colonien berechnen, welche auf die ganze Platte kommen. Unter Umständen, nämlich wenn die Anzahl der Colonien ganz ausserordentlich gross ist, führt auch dieses Verfahren noch nicht ohne Weiteres zum Ziele; es kommen dann nämlich so zahlreiche Colonien auf jedes Gesichtsfeld, dass ihre direetc Auszählung unmöglich wird. Dann hilft man sich in der Weise, dass man jedesmal nur einen bestimmten, in seiner Ausdehnung vorher (mit Hülfe des Objeetmikro­meters) ausgemessenen. Theil des Gesichtsfeldes auszählt. Diesen Theil des Gesichtsfeldes grenzt man durch Linien ab, die auf einem Glasplättchen angebracht sind, welches auf das Diaphragma des Oculars gelegt wird. Bei der mikroskopischen Beobachtung sieht man die Linien dieses „Ocu lar-Netzmikrometersquot;'-') gleichzeitig mit den mikroskopisch betrachteten Colonien.
Zum Zwecke der bakteriologischen Untersuchung wird das Wasser am Orte der Entnahme in sterile Gefässe (z. B. Erlenmeyer'sche Kölbchen) eingefüllt, die mit sterilisirtem Watteverschluss versehen und dann unverzüglich in das Laboratorium gebracht werden. Die
') Cf. Buohner.LongarclundEledlin (Centrolbl.f.Bakt. Bd.2. 1887.p.3). #9632;-) l)io auf p. 44 genannten mihroskopisohon Firmen f'iiliren derartige In­strumente.
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V. Ällgomeine Metbodlls der BalcterienzUobtang.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;155
entnommenen Proben sollen möglichst sofort in der oben ange­gebenen Weise zur Einsaat in Gelatine lionunen. Das Letztere soll jedenfalls nicht später als etwa eine Stunde nach der Kntnalime ge­schehen) weil die veränderten Bedingungen eine Veränderung des Bakteriengehaltes sowohl hinsichtlich der absoluten Quantität der Keime wie hinsichtlich der relativen Menge der verschiedenartigen Keime zur Folge haben. Unmittelbar vor der Einsaat in die Gelatine ist das zu untersuchende Wasser umzusohütteln, damit etwa zu Hoden gegangene Keime aufgerührt werden und eine gleichmässige Vertheilung der Keime in der Probe erzielt wird.')
Die im Wasser gefundenen Bakterien gehören meist der Gruppe der Bacillen an.8) Vorwiegend kommen verflüssigende Arten zur Ent-wickelung. Man nennt die Bakterien, welche sieh mit Vorliebe im (Fluss-, See-, Meer-) Wasser autzuhalten pflegen, „Wasscrba kt o-r i e n quot;. 1 *athogene Bedeutung kommt denselben nicht zu. P a t h o g c n e Arten sind selten gefunden worden. Die wichtigsten hierhergehörigen Befunde sind die Befunde von Ch ol erabac il 1 en in verschiedenen Wässern bei Gelegenheit von Choleraepidemien:1), ferner zahlreiche Einzelbefunde von Typhusbacillen in dem Wasser durch Typhus-dejectionen verunreinigter Brunnen.
Im Allgemeinen gehen pathogene Bakterien, die in gewöhn­liches Wasser eingebracht werden, in kurzer Zeit zu Grunde; sie werden von den Wasserbakterien überwuchert. Jedoch scheint in dieser Beziehung die Temperatur des Wassers eine gl'OSSe Bolle zu spielen; höhere Temperatur (hohe Sommertemperatur) scheint begünstigend auf die Vermehrung pathogener Bakterien zu
') l)io Sodiiiieii tining spielt, wie hier in unseren Gol'ässen, so auch in der Nato eine wichtige Rolle bezüglich des Bakteriengehaltes dos Wassers, (irössc Wasserbecken mit langsamer Strömung, welche zunächst ein bakterienreiohes Wasser auftiehmen, wirken stets als Kläranlagen. Sie lassen in sehr kurzer Zeit den aller-grössten Theil der suspendirten Bakterienzellen zn Boden gehen; die letzteren häufen sieh in Form einer zusammenhängenden sehleimigen Masse auf dem Grunde an. (Cf. auch Ruhner, Arch. f. Hyg, Bd. II. 1890.)
-) Eine Reihe von BadUenarten, die im Wasser regelmässig vorkommen, haben (l. C. Frankland und P. F. Frankland (Zeitschr, f. Hyg, Bd. 6. 1889) be­schrieben. Tils (ebenda Bd. 9. 1800) hat eine grössere Koihe von Bakterienarten, die er im (Freiburger) Leitungswasser fand, übersichtlich, in Tabellenform, beschrieben. Lustig (Diagnostik der Bakterien des Wassers. Jena und Turin. 2. Aufl. IS!Ki. 12S Seiten) hat sieh die Mühe genommen, die in der Literatur zerstreuten Angaben über Wasserbakterion zu sammeln und tabellarisch zu ordnen.
8) Der erste derartige Befund stammt von II. Koch. Koch fand die Cholera-bacillen in einem Tank in der Nähe von Calcutta. (Koch's Bericht aus Calcutta vom 4. März 1884. — Deutsche mod. Wochensehr. 1884. p. 222.)
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15(3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Ällgemsines,
wirken.1) In sterilisirtern Wassei können sidi patkogene Arten lange Zeit lebend erhalten,
Bezüglich des Keimreiohthums versohiedener Wässer macht Flügge'-) folgende Angaben : raquo;In der Kegel beobachtet man in reinem Leitungs- und Quellwasser 2 — 50 Bakterien in 1 com, in reinen Pmnpbrunnen 100—200—600, in flltrirtem Flusswasser 50—200, in unfiltrirtem Wasser rein gehaltener Flüsse 6(M)()—2()()(raquo;(), in verun­reinigten Brunnen bis zn 100 000, ebensoviel bei Störung des Filter­betriebes in Flusswasserleitungen; im Kanalwasser oder in stark ver­unreinigten Flusslftufen 2 —10 Millionen Bakterien in 1 com.quot; In grossen Wasserbecken oonstatlrte Karlinski8) eine Ähnahme der Bakterienzahl nach der Tiefe zu. H. Buchner*) hat den Nachweis geführt, diiss das Licht auf im Wasser suspendirte Bakterien einen gewaltig schädigenden Einfluss ausübt.
Selbstverständlich ist in hygienischer Beziehung die Frage, wie viele Keime in einem C'ubikeentimeter eines bestimmten Wassers enthalten sind, von ganz untergeordneter Bedeutung gegenüber der Frage, welchen Arten die vorhandenen Keime angehören, speciell ob pathogene Keime in dem zu untersuchenden Wasser vorhanden sind oder nicht. Um die letztere Frage im Einzelfalle zu entscheiden, ging man früher anssehliesslieh so vor, dass man eine Quantität des Wassers mit Nährgelatine vermischte, zur Platte ausgoss, und dass man dann unter den entwickelten Coionien auf pathogene (speciell kommen hier Cholera- und Typhusbakterien in Betracht) fahndete. Die Feststellung vereinzelter Coionien pathogener Bakterien auf der Blatte neben einer grossen Ueherzahl nicht pathogener Coionien hat aber sehr grosso Schwierigkeiten, und nur in seltenen Fällen hat die Plattenaussaat zur Feststellung pathogener Keime in dem untersuchten Wasser geführt (cf. p. 155). Die sichere Beantwortung der Frage, ob ein bestimmtes Wasser gesundheitsschädlich ist oder nicht, ist also mit Hülfe der geschilderten Methode kaum zu gehen; und auch die Untersuchung der eh emi sehen Beschaffenheit des Wassers kann diese Frage nicht ausreichend beantworten, da die Krankheitserreger nicht todte chemische Körper, sondern lebende Wesen sind.
Was die Untersuchung speciell auf (' h o 1 e r a b a k t e r i e n angeht.
') Cf. Hueppe, Berl. Idln. Wbchensohr, 1893, p, 110, — Audi eine Zu-nähme des Koohsalzgeholtes im Wasser wirkt begünstigend auf die Vermehrung pathogener Bakterien.
-) Grundriss d. Hygiene. Leipzig, 1880. p. 210.
8) Centralbl. f. Bakt. Bd. 12. 1892, No, 7/8.
4) Centralbl. f. Bakt, Bd. 11. isiei. No. 26.
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V. Allgemeine Mdliodik der Bakterleuzttobtang.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;157
so sind in jüngster Zeit von verschiedenen Seiten1) Verbesserungen des Verfahrens der bakteriologlsohen Wasserantersuchung angegeben worden, die darauf beruhen, dass man dem zu prüfenden Wasser zu­nächst bestinunte für das Waohsthum der Cholerabakterien günstige Zusätze giebt und dasselbe dann eine gewisse Zeit bei einer für die Cholerabakterien sehr günstigen, für die Wasserbakterien weniger günstigen Teinperatur stehen lässt. Man erzielt SO bei dem Vorhanden­sein von Cholerakeimen in dem Wasser eine Vermehrung derselben; und eine dann folgende Plattenaussaat bietet viel mehr Chancen für das Auflinden der Cholerakeime, als es die Plattenaussaat des ur­sprünglichen Wassers gethan hätte. Mit diesem verbesserten Verfahren hat #9632;/.. B. Koch während der Winterepidemien 1892/93 in einer Reihe von Fällen Cholerabacillen im Wasser nachgewiesen. Für die Unter­suchung des Wassers auf Typhusbacillen haben wir derartige ver­besserte Methoden his jetzt nicht. Hier sind wir auf die primäre Plattenuntersuchung des ursprünglichen Wassers angewiesen.
Noch in anderer Hinsicht aber ist die bakteriologische Wasser­untersuchung von grosser Bedeutung für die Hygiene. Wenn es sich darum handelt, ein grösseres Gemeinwesen mit einer centraleu Wasserversorgimg zu versehen, so sind wir, wenn nicht Qnellwassor oder das unter normalen Verhältnissen keimfreie (cf. unten p, 159) Grundwasser in ausgiebigem Masse zur Verfügung stehen, darauf angewiesen, Oberflächen was s er (Fluss-, Seewasser) zu nehmen. Das Oberfläohenwasser ist nun (cf. oben p. 156) schon an und für sich fast ausnahmslos reich an organischen Keimen; und zu Zeiten von Cholera- oder Typhusepidemien liegt die Gefahr ausserordentlich nahe, dass in dieses Wasser hinein die entsprechenden Krankheits­keime gelangen und dann durch die Wasserleitung überall hin ver­schleppt werden. Es ist also ein hygienisches Gebot ersten Hanges, dass das für die Wasserversorgung bestimmte Oberflächenwasser zu­nächst von den in ihm eventuell vorhandenen Infectionskeimen befreit werde. Das kann aber nur so geschehen, dass man die im Wasser vorhandenen organischen Keime überhaupt entfernt. Das beste Mittel, Wasser von organischen Keimen zu befreien, ist selbstverständlich das Kochen desselben resp. das Sterilisiren durch Erhitzung. Dies lässt sich aber nur im Kleinen ausführen. Soll im Grossen möglichst keimfreies Wasser hergestellt werden, so muss das Wasser durch Filtration von den Keimen befreit werden. Am besten geschieht
') Näheres bierdber siehe weiter hinten bei Gelegenheit der Bespreohung des Cholerabaoillus.
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IfiSnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A. Allgomeines,
dies durch die, in vielen Städten bereits eingefttbrte, Sand filtra­tion.1) Die bakteriologisobe Prüfung des Wassers vor und u a cli der Filtration gewährt ans min ein uiifclillmrcs, durch nichts anderes zu ersetzendes Mittel, den genannten Filt rations-process zu oontreuren. Hierin liegt mit der Hauptwertb der bakteriologischen Wasseruntersnohung.')
]5ei der künstlicheii Filtration des Wassers durch Hand werden übrigens nicht alle Keime, sondern nur der allergrösste Tbeil der­selben aus dem Hohwasser entfernt. Die in dem liltrirten Wasser vorhandenen Keime stammen zum ailergrössten Theile nicht aus dem Bohwasser, sondern aus den unteren (Stein-, Kies-mid Sand-) Schichten der Sandfliter, welche letzteren sich im Laufe der Zeit mit Bakterien­vegetationen überziehen. Diese Filterbakterien sind harmlose' Wasser­bewohner ohne pathogene Bedeutung.
Kleinfilter, d. h. Wasserlilter für den Hausgebrauch, sind im Allgemeinen nicht zu empfehlen. Wir keimen keine einzige Construc­tion, die für längere Zeit die Mikroorganismen mit Sicherheit aus dem Wasser entfernt und dabei genügende Mengen Wassers fördert. — Ueber die filtrirende Wirkun g d e s E rd hoden s vergl. den nächsten Abschnitt (p, 160).
Oi Itodciiunlorsiidmiig, Um den Gehalt einer bestimmten Bodenprobe an Mikroorganismen zu untersuuhen, verführt man nach C. Praenkel8), dem wir eine der
') Indem bezüglich genauerer Daten über Sandfiltration auf die Arbeiten von Plagge und Proskauer (Zeitsohr. f. llv^-. Jid. 2. 1887), ferner von ('. Fränkel und Piefke (ebenda Bd. 8. IV.IO), femer von K. Koeb (ebenda Bd. 14. 1893) verwiesen wird, soll hier nur auf folgende für die Sandflltration iviohtigen Punkte aiil'nierksaiii gemacht werden: Das eigentlich Filtrirende in den Sandflltern ist nicht der Sand selbst, sondern die Seldiiinindecke, welohe sich durch vSedimenti-rung dor in dem Wasser suspemlirteu liestandtbede auf der Sandoberlliiehe ansammelt. Es kommt darauf an, dass diese Seblammscliicbt sich zunächst regolreollt bildet, Nach ihrer Bildung kann die Filtration vor sich gehen, Die Filtmtionsgcschwindig­keit soll iibor ein Maximum von 1(10 nun in der Stunde nicht hinausgehen. Die sioll allmählich verdickende und damit dein Wasser Immer mehr Widerstand bietende Sclilammsobicht soll zu rechter Zeit entfernt werden. Die Sandschioht soll stets mindestens 30 cm liocb bleiben. .Todes einzelne Filter eines loltorwerks soll mit ciiier Einrichtung versehen sein, die es gestattet, das flltrirte Wasser zu entnehmen, um es bakteriologisch auf seinen Keimgobalt zu untersuchen. Die Untersuchung bat möglichst oft zu geschehen. 10s muss an jedem Killer eine Einrichtung vorhanden sein, die es ermöglicht, das ungenügend gereinigte Wasser zu entfernen, ohne dass es sioli mit dorn gut filtrirten Wasser mischt.
-) Ci. F. Kocb, 10. internal, mod. Congr. Berlin IV.IO. Verhandl. Bd. I. p. 44.
:l) Zeitschr, f. Ilyg. Bd. 2. 1887.
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V. Allgemeine Metbodik der Bakteilenztlobtung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;15i)
besten Arbeiten über diesen Gegenstand verdanken, su, (hiss man eine abgemessene Quantität dos Bodenmaterials in ein Reagenzröbi'oben mit gesohmolzener Gelatine einföllt, das Material dann grflndlioh in der Gelatine vertheilt und die Gelatine nachher an den Wandungen des Böhrohens nach der Esmaroh'sohen (cf. p. 189) Methode ausrollt. So behält man das gesammte Material innerhalb des Böhrohens, wäh­rend beim Ausgiesson der Gelatine auf eine Platto etc. ein Theil der Keime, an Erdbröokelohen anhaftend, im Glase zurückbleiben würde, und das Besultat dadurch ein unsicheres werden würde. Fig. 24 auf Taf. IV zeigt ein solches Böhrohon, welches mit Gartenerde beschickt wurde (cf. oben p. 139). C. Fraenkel hat ein besonderes, sinn­reich eingerichtetes Bohrinstrument construirt, welches gestattet, Erd­proben aus beliebiger Tiefe ohne jede Verunreinigung zur Untersuchung heraufzuholen.
Uebrigens muss (wie bei quot;Wassenmtersuchungen |j). 155]) auch bei Bodenuntersuchungen die Einsaat des Materials in die Gelatine inog-lichst bald nach der Entnahme desselben aus dem Boden geschehen, da sonst in Folge der veränderten Bedingungen (veränderte Temperatur, veränderte Zusammensetzung der umgebenden Luft) eine uncontrolirbare Vermehrung einzelner Mikroorganismenarten in dem Materiale selbst stattfindet
Bei den Bodenuntersuohungen hat sich nun ergeben, dass die oberen Schichten des Hodens überall, sowohl bei bebautem wie bei jungfräulichem Terrain, sehr keimreioh sind. „Ks linden sich im Durchschnitt selbst im jungfräulichen, unbebauten Hoden ca. 100000 Keime in 1 com Boden, oft noch erheblich mehrquot; (Flügge)1). Dieser Keimreichthum erleidet nach der Tiefe zu eine Ahnahme; und zwar ist diese Abnahme eine allmähliche bis etwa zur Tiefe von l1/,, m. Dort wird die Abnahme plötzlich eine sehr rapide, so dass schon wenige Decimeter tiefer der Boden häutig völlig keimfrei angetroffen wird. Die Schicht des Grundwassers ist gewöhnlich vollständig keimfrei. Die geschilderte Vertheilung der Bakterienkeime im Boden ist so zu deuten, dass die Keime von aussen, durch die Luft oder mit Dung­stoffen etc., auf die Oberfläche und in die obersten Schichten des Bodens gelangen, dass sie dann, eventuell nachdem in dem einen oder anderen Falle eine Vermehrung stattgefunden hat, mit dem in den Loden ein­sickernden Regen- etc. Wasser mehr in die Tiefe gespült werden. Während aber das Wasser seinen Weg durch den porösen Loden hin­durch bis in das Grundwasser hinein weiter findet, bleiben die Bakterien
') Grundrlss der Hygiene. Leipzig, 1889. p. 192.
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160nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; A. Allgomeines.
als feste Tlioilo zwisclion den I'aitila'lchou des Modcns hängen, so dass also, je nach der Bodenbesehaftenheit in wechselnder Tiefe, das Wasser der vorher beigemischten Bakterien entledigt ist. Es findet hier die­selbe filtrirende Wirkung der Erdpartikelchen statt, wie wir sie hei den Sandflltern der Wasserleitung (of. oben p, 158) künst­lich herstellen. Nur ist die natürliche filtrirende Wirkung des Bodens der flltrirenden Wirkung dor künstlichen Sandfllter ganz ausserordent-Uoh Überlegen, und zwar einfach aus dem Grunde, weil die Filtrations-geSohwindigkeit im Boden eine so sehr viel langsamere ist als in den künstlichen Filtern.
Da das Grundwasser in der Regel keimfrei ist, so liefern die Röhrenbrunnen dann wirklich keimfreies Wasser, wenn das Rohr selbst frei von Keimen ist. Durch einfaches Ausbürsten des Brunnenrohres gelang es C. Fraenkel1) in einem bestimmten Falle, das Brunnenwasser, welches vorher recht keimreich gewesen war, für eine Reibe von Tagen völlig steril zu machen. Die Kessel­brunnen, welche Verunreinigungen von aussen fortgesetzt preisge­geben sind, lassen sich natürlich nicht in dieser AVeise säubern.
Die im Boden vorkommenden Bakterienarten -) gehören meist zu den Bacillen. Vorwiegend fand Koch8) bei seinen ersten orientirenden Untersuchungen den Heubacillus und den „wurzelförmigenquot; Bacillus. Beide sind nicht pathogen. Colonien des „wurzeiförmigenquot; Bacillus sieht man übrigens auch In dem Taf. IV, Fig. 24, darge­stellten, mit Gartenerde angelegten Culturröhrchen. Die Colonien sind durch die feinen von ihrer Peripherie ausgehenden Ausläufer kenntlich. Den „wurzelförmigenquot; Bacillus, auch „Erdebacillusquot; genannt, findet man fast ausnahmslos in jeder Bodenprobe. Auf bebautem Terrain fand C. Fraenkel von pathogenen Bakterien häufig den Ba­cillus des malignen Oedems. Derselbe wird in gedüngter Gartenerde fast stets gefunden. Hier kommt auch der Tetanus-bacillus vor.
') Zeitsohr.,f. Hyg, Bd, 8. 1889.
-) Füllos (Zeitsohr. f. ilya. Bd, 10. 1891) hat eine grössere Reihe von Jiiiktcrionarten, welche er im (Freibarger) Boden land, (Iberstehtlich, in Tabellonform, beschrieben.
B) Mitth. a. d. Kais. (ies.-Auitc. Bd, 1. 18bl. p. 36.
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B. Die Bakterien als Krankheitse i reger.
(i ii n t h e r , Biikteriologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; \ |
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I.
Einleitendes.
Vom einer ganzen Reihe von Bakterienarten hat man nach­gewiesen, dass Urnen die Fähigkeit zukommt, in den lebenden tliieri-sohen Körper einzudringen und denselben zur Erkrankung zu bringen. Man hat sich das so vorzustellen, dass der lebende thierisehe Körper hierbei den Bakterien in ähnlicher Weise zum Nährboden dient, wie dies sonst Unites organisches Substrat thut. Tn beiden Fällen wachsen die Bakterien und vermehren sich auf Kosten des Nährbodens; in dem einen Falle wird das todte Nährmateria] dabei in bestimmter Weise verändert, in dem anderen Falle ist es die Substanz des lebenden Körpers, welche durch das Bakterien wachs thum verändert wird. Die Veränderungen, welche der lebende Körper auf diese Weise erleidet, kommen in ihrer (iesammtheit als Erkrankung des Körpers zum Ausdruck; und man bezeichnet ganz im Allgemeinen solche Krankheiten, die durch die Vermehrung in die Körpersubstanz eingedrungener organischer Keime hervorgerufen werden, als „Infect i on sk ran kheitenquot;. Das Ein­dringen der Keime in den Organismus bezeichnet man als „Infec­tionquot; desselben. Diese organischen Keime brauchen nicht stets Bakterien zu sein. Wir kennen auch andere, pflanzliche sowohl wie thierisehe, Mikroorganismen, welche in analoger Weise krankhafte Ver­änderungen dos thierischen Körpers veranlassen können.
Diejenigen Mikroorganismen, welchen derartige krankheits­erregende Eigenschaften zukommen, bezeichnet man als Para­siten gegenüber denjenigen, die auf todtem organischen Material vegetiren, und die man Saprophyten nennt. Die durch die para­sitischen Bakterien hervorgerufenen Krankheiten sind je nach den verschiedenen Bakterienarten verschieden, und jede hierher gehörige Infectionskrankheit hat ihren speoi fischen Fr reger. Ein jeder
11*
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IC).]nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;n. Die Bakterien als Krankheitserreger!
dieser Erreger vermag aber nur bei ^iinz bestimmten (je für dilaquo;' versohiedenen Bakterienarten versohiedenen) Thierspeoies Erkrankung zu veranlassen, während die anderen Thierspeoies durch ihn nicht be-einflusst werden: Für jede hierher gehörige Parasitenarl existiren bestimmte „empfänglichequot; Thierspeoies. Audi kann die nach der Einverleibung eines bestimmten Erregers in den Organisimts ein­tretende Erkrankung eine verschiedene sein. Je aaohdem die befallenen Thiere verschiedenen empfänglichen Arten, oder sogar je nachdem sie v e r s c h i e d e n e a A 11e r s s tu f e n einer und derselben Thierart angehören.
Hs giebt unter den parasitischen Bakterienarten manche, die be­hufs ihrer Entwiokelung des 1 eilenden Organismus als Nähr­bodens durchaus bedürfen, die ausserhall) dieses lebenden Organismus in der Natur sonst nicht existiren können. Diese nennt man obligate (echte, strenge) Parasiten. Auf der anderen Seite giebt es parasitische Bakterienarten, welche gewöhnlich ein saprophytisches Da­sein führen, draussun in der Natur an geeigneter Stelle die Bedingungen für ihre Existenz linden, und die die Invasion des lebenden Organis­mus nur als gelegentlichen Abstecher betrachten, dessen sie zu ihrer Existenz durchaus nicht bedürfen. Diese Arten nennt man facul­tative (gelegentliche) Parasiten. Zu dem Begriffe des Para­sitismus gehört aber immer, dass die Bakterien nicht bloss auf oder in dem lebenden Organismus vegetiren, sondern dass sie von der Substanz des Organismus selbst ihre Existenz bestreiten, die lebende Substanz also verändern. So sind z. B. die Milliarden von Bakterien, die in dem Inhalte unseres Darmes stets gefunden werden, keine Parasiten, sondern Saprophyten; denn sie ernähren sich nicht von der lebenden Substanz unseres Darmes, sondern von dem todten Materiale, welches innerhalb desselben vorhanden ist. Würde der Eall eintreten, dass die in dem Darmlumen auf dem todten Materiale vege-tirenden Bakterien giftige Stoffwechselproducte bildeten, die, von den Organen der Darmwand aufgesogen, in den Körper überträten und denselben zur Erkrankung brächten, so würde man ebenfalls nicht von ..Parasiten'quot;, von einer „Infectionquot;, reden können, sondern man müsste einen derartigen Vorgang als „Intoxicationquot; bezeichnen, veranlasst durch die Besorption bestimmter, durch saprophvtische Bakterien im Dannkanal gebildeter chemischer /ersetzungsproduete. Zu einer „In­fectionquot; gehört stets, dass die lebende Substanz des Körpers von den Mikroorganismen befallen wird, und dass die letzteren sich auf Kosten der lebenden Substanz vermehren.
Wenn wir nun bei einem bestimmten Krankheitsfalle Bakterien,
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I, Einleitendes,
Kir
oder ganz im AJlgemeinon Mikioorganismen, im Körper aufgefunden haben, sind wir dann bereohtigt, dieselben als Erreger der Krankheit anzusprechen? Durchaus noch nicht. Zu einem derartigen ürfcheile gehört mehr als der blasse Beftind, womöglich der Befund in ver­einzelten Füllen der Krankheit. Zunächst ist der Nachweis zu l'idireii. dass in allen Fällen der betreffenden Krankheit, die uns irgend zur Untersuchung zugänglich sind, der Befund wiederkehrt, dass wir es mit einem con st an ten, nicht vereinzelten Befunde zu thun haben. Weiter darf sich dieser Befund bei keiner anderen Krankheit zeigen, er muss etwas für die untersuchte Krankheit S |) e c i f i s c h 6 s darstellen.
Ist ein constanter specifisoher Bakterienbeftmd oder überhaupt ein COnstanter speoiflscher Befund von Organismen bei einer bestimmten Krankheit festgestellt, worden die Organismen unter Verhältnissen an­getroffen, welche den pathologischen Veränderungen und dem klinischen Verlaufe der Krankheit entsprechen, so ist damit bereits ausserordent-lich viel gewonnen. Es kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, dass dieser Funkt erst erledigt sein muss, ehe an irgend etwas Weiteres gedacht werden kann. So konnte z. B. der (jetzt verlassene) aus der Luft von Malariagegenden gezüchtete „Malariabacillusquot; von vornherein keine Aussicht auf delinitive Anerkennung haben, weil im Körper des Malariakranken überhaupt niemals ein parasitirender Ba­cillus gefunden worden ist. Wenn man das Gebäude der Feststellung der Aetiologie einer bestimmten Infectionskrankheit aufrichten will, so darf man, wie uns die logische Art des Vorgehens R. Koch's ein­dringlich gelehrt hat, nicht mit dem Dach beginnen, sondern muss mit dem Fundamente den Anfang machen. Das Fundament aber ist der con st ante Nachweis der Parasiten im erkrankten Körper, und zwar der mikroskopische Nachweis.
Wie mau es anfängt, Bakterien mikroskopisch nachzuweisen, haben wir oben (p. 43 ff,) ausführlich erörtert. Es soll hier nur auf Täuschungen, denen man dabei eventuell ausgesetzt sein könnte, hingewiesen werden.') Man wird sich zunächst hüten müssen, etwaige .Farbstoffniederschläge, die sich im Präparate linden, für Bak­terien zu halten. Die Beschränkung dieser Niederschläge auf die Oberfläche des Schnittes, die verschiedene Grosse und Gestalt der­selben tässt hier Verwechselungen nicht leicht zu. Ebenso wird man sich hüten, die Kömer der Mast zollen für Mikrococcen anzu-
') (i. ii. Koch. Untersuchungen über die Aetiologie der Wundinfectionskrank' betten, Leipzig, 1878. p. 37,
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Ill))nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; I!. Die Bakterien ills iCrankbeitserrogor,
sprechen (cf. p. S!)). Hat man wirklich Bakterien vor sieh, so könnten dieselben ans den Farblösungen oder sonstigen benutzten Reagentien stammen. Sie könnten dahinein durch irgend welchen Zufall gerathen sein, sicli eventuell sogar darin vermehrt haben, um nachher auf dem in der Farblösung etc. behandelten Schnitt (ebenfalls oberflächlich). sich festzusetzen. Hat man diese Täuschungen vermieden, hat man wirklich Bakterien vor sich, die innerhalb des Schnittes liegen, so muss der Einwand ausgeschlossen werden, dass es sieh eventuell tun Fäulnissbakterien handeln könnte, welche post mortem in das Organ hineingelangt sind. „Jedesmal, wenn einzelne Bakterien nur in den oberflächlichen Schichten von Organen gefunden werden, ist zu vermuthen, dass es sich um beginnende Fäulniss handeltquot; (Koch1)). Es ergiebt sich hieraus die Hegel, die Section zu untersuchender Leichen stets möglichst bald nach dem Tode vorzunehmen und die Organe möglichst sofort in Alcohol einzulegen.
Findet man aber die Bakterien im Innern von Organen in Lage­verhältnissen, die nur während des Lebens zu Stande kommen
können, „oder ist gar der unverkennbare Einfluss der Mikroorganismen auf das von ihrer Invasion betroffene Gewebe, z. B. Nekrose der in einem gewissen Bereich gelegenen Zellen, Anhäufung von Rundzellen in der Xachbarschaft, Lindringen der fremden Organismen in die Zellen u. s. w. zu eonstatiren, dann müssen solche Mikroorganismen als pathogen angesehen werden; mindestens müssen sie verdächtig er­scheinen und zur weiteren Untersuchung und Aufklärung des Befundes auffordernquot; (Koch2)).
Eine besondere Berücksichtigung verdienen die Oberflächen der äusseren Haut und der Schleimhäute (namentlich des Darmes), an denen normaler Weise harndose Bakterien schmarotzen , die nicht für pathogene gehalten werden dürfen.
üebligens werden wir uns mit dem Nachweise von „Sporenquot; im Gewebe nie begnügen dürfen. Ls liegt in der Natur der Sache, dass die im thierischen Körper sich vermehrenden Bakterien, hier also im Speciellen die Bacillen, in ihren vegetativen Formen vorhanden sind. Das schliesst nicht aus, dass unter Umständen, speciell bei den anaeroben Bacillenarten, auch sporentragende Stäbchen gefunden werden können. Das isolirte Vorkommen von „Sporenquot; im Gewebe aber, das übrigens einwandsfrei mikroskopisch kaum nachzuweisen sein dürfte, ist bisher nicht beobachtet und auch wohl unmöglich; und ein solcher
') Ebenda.
-) Mittli. a. 'I. Kais. Qes.-Arate. Bd, 1. 1881. p.
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I. Kiiiloitpndi's.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ifiquot;
vermeintlioher Nachweis muss deshalb stets mit der grössten Resei've aufgenommen werden und darf jedenfalls nicht als Beweis für das Vorhandensein von Bakterien Im Gfewehe gelten.
Hat man die constante Anwesenheit bestimmter Bakterienformen
in allen Fällen einer bestimmten Krankheit sowie ihr Fehlen bei anderen Krankheiten mikroskopisch nachgewiesen) so kann man daran denken, die aufgefundenen Bakterien künstlich zu züchten. Zu diesem Zwecke müssen wir ans den von den Bakterien befallenen Organen Material entnehmen und dies unter möglichster Vermeidung vom Verunreinigungen auf künstliehe sterile Nährluklen bringen. .Man säubert dann bei der Section die zu durchschneidende Haut der auf dem Sectionsbrett lixirten Thiere äusserlich durch sorgfältiges Ent­haaren und Abwaschen mit Sublimatlösung unter nachheriger eventueller Nachspülung mit Alcohol und Aether. Die zu benutzenden Messer, Scheren, I'incetten etc. werden in durch Ausglühen sterilisirtem Zu­stande angewendet. Die so in möglichst originalem Zustande ent­nommenen Organe werden mit sterilem Messer durchseimitten; und es werden nun mit sterilem Instrumente Partikelehen aus dem Organ herausgenommen und davon Blattencul turen angelegt, um die in dem Organ vorhandenen Bakterienkeime zu isoliren und ihre Eigen­schaften in sicheren Reinculturen weiterhin prüfen zu können, Man wird sieh hierbei natürlich nicht mit dor Nährgelatine begnügen dürfen, sondern wird jedenfalls auch Agarplatton anzulegen haben, um die Züchtung der Colonien bei Brüttemperatur vornehmen zu können. Aussei- durch die Plattencultur erreicht man die sichere Isolirimg der einzelnen Keime bekanntlich auch durch Oberflächen-S trich-cultnren, welche man auf durchsichtigem festem Nährboden anlegt (cf. oben p. 142). Da die verschiedenen Bakterienarten verschiedene Ansprüche stellen, und es speciell manche pathogens Arten giebt, die weder auf der Gelatine noch auf dem Agar wachsen, so muss man daneben noch andere Nährböden, wie Glycerin-Agar, Traubenzucker-Agar. erstarrtes Blutserum, Blutserum-Agar, bereit haben, um die Züchtung darauf zu versuchen. Auch darauf wird man im gegebenen Falle Rücksicht zu nehmen haben, dass die zu züchtenden Bakterien den obligaten A na e rohen angehören könnten.
Es ist jedenfalls zunächst immer danach zu streben, eine Iso-lirung der Keime zu erreichen. Denn gar häufig ist es der Fall, dass nicht nur eine einzige Bakterienart, sondern mehrere Arten in dem zu untersuchenden Organe vorhanden sind, von denen der einen die wesentliche Bedeutung zukommt, während die andere nur einer Zufälligkeit ihre Anwesenheit verdankt. Sorgt man mm nicht für eine
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1(5Snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;B. Die Bakterien als Krankheitserreger.
Isolirung der Keime bei der Anlage dor Oultur, sticht man z. B. mit dem in das Material getauchten Platindrahte in feste Gelatine ein, legt „primär eine Stiduultin- an. so wird häufig nur diejenige Bak­terienart zur Entwiokelung kommen, welche in dem Nährboden die besten Lebensbedingungen lindet. während die andere, vielleicht gerade die wesentliche Art, durch das Waohsthum der ersteren erdrückt wird. Man begiebt sich so jeder Uebersicht über die orsprünglich rorhandenen
Keime.
Bei manchen Krankheiten, bei denen man bestimmte, unzweifel­haft parasitäre Organismen constant lindet, ist die künstliche Züchtung der letzteren bisher nicht gelungen. Solche Krankheiten sind z. B. das Kecurrenslieher und die intermittirenden (Malaria-) Fieber. Hier sind wir vorläufig auf den cunstanten specilisehen Hefund allein angewiesen.
Ist die Reinzüchtung einer bestimmten im Körper geftindenen Art gelungen, so müssen wir die Cultur zunächst durch eine grössere Reihe von Generationen hindurch von einem Nährboden auf den an­deren fortpflanzen. Unser schliessliches Ziel ist es nämlich, durch Uebertragung der reingezüchteten Bakterienart auf ein empfäng­liches Versuchsthier ihre Pathogenität sicher zu stellen. Es wäre jedoch, wollten wir von der ersten Culturgeneration die Ueber­tragung auf das Thier bewirken, der Einwand berechtigt, dass wir mit den Bakterien zugleich irgend welche direct aus dem Ausgangsthiere stammenden chemischen Stolle auf das neue Thier übertragen hätten, und dass nicht die Bakterien, sondern diese chemischen Korper die eventuelle Erkrankung des Thieres herbeigeführt hätten, mit anderen Worten: dass nicht eine Infection, sondern eine Intoxication vorläge. I'ebertragen wir dagegen Material aus einer späteren Cultur­generation, so ist ein derartiger Einwand natürlich hinfällig.
Finden wir nun, dass durch die Uebertragung des aus einer späteren Culturgeneration stammenden Materiales auf ein Versuchs­thier eine Krankheit bei diesem 'fhiere — nicht in einem Falle, sondern in allen Fällen, in denen wir den Versuch wiederholen — entsteht, die der Ausgangskrankheit gleicht, erheben wir hei diesen Thieren denselben Bakterienbefund wie bei dorn Ausgangsthiere, so ist die Kette des Beweises geschlossen, dass die reinge/iiehteten Bakterien das ätiologische Moment der untersuchten Krankheit dar­stellen.
Handelt es sich um eine Thierkrankheit, so ist das emp­fängliche Versuchsthier ohne Weiteres gegeben; handelt es sich dagegen um eine specilische Krankheit des M enscheu, so gelingt
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1. Kililcitciiilt's.
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es hiiulig gar nicht ein empfäagliohes Versuohsthier zu linden.') Ks hiit sicii aber ei'gebon, „dass in allen den Fällen, in welchen es ge­lungen ist, bei einer Infectiunskrankhoit das regelmässige und aus-schliessliciie Vorkommen von Bakterien nachzuweisen, letztere sich niemals wie zufällige Schmarotzer, sondern wie die bereits sicher als pathogen erkannten Bakterien verhielten. Wir sind deshalb wohl jetzt schon ZU der Behauptung berechtigt, dass, wenn das regelmässige und aussohliessliohe Vorkommen des Parasiten nachgewiesen wurde, damit der ursächliche Zusammenhang zwischen Parasit und Krankheit auch vollgültig bewiesen ist.quot; (K. Koch8)).
') Dor Mangel einer empftLnglicheu Thierspeoies macht sieh besonders In soiclicn quot;füllen fühlbar, wenn es sich darum bandelt, zu entscheiden, ob eine Bak­terienart, die man irgendwo in der Natur, ausserbalb des mensohlioben Körpers, ge­funden hat, mit einer bestimmten für den Menschen pathogenen Art identisch ist oder nicht. Wenn /.. B, bei Gelegenheit einer Typhusepidemie in dem infectionsver-dftohtigen Brunnenwasser eine bestimmte typhusbaolllenälinliohe Bakterienart gefunden ist; welche Kriterien giebt es, die die sichere Entscheidung, ob der Typhusha-cillus vorliegt oder nicht, ermöglichen? Wir können ganz im Allgemeinen sagen, dass wir in derartigen Fällen, in denen OB sich um für den Menschen speolflsoh
pat hege no Arten handelt, die, a u sserha 1 h des erkrankten mensch­lichen Körpers oder ausser Zusammenhang mit einem bestimmton entsprechenden Krankheitsfälle aufgefunden, identificirt werden seilen, fast jedesmal auf ein negatives Urtheil angewiesen sind. Wir müssen namlicli in Solchen lallen — hei dem Mangel einer empfänglichen Thierspecies — uns noth-
gedrungen damit begnügen, die Wachsthums- und Lebenserscheinungen der zu be­stimmenden Bakterienart auf den verschiedensten künstlichen Nährböden und unter den verschiedensten sonstigen äusseren Bedingungen zu studiren (am besten unter ständiger Vergleichnng mit einer autbentischen Cultur der entsprechenden patliugeiien Art), i'inden wir dann keinerlei Differenzen /.wischen den Eigenschaften der zu be­stimmenden Art und denen der authentisch festgestellten, so können wir zwar aus­sprechen, dass wir die Identität der beiden Arten für höchst wahrscheinlich halten; aber mit Bestimmtheit können wir die Identität nicht aussprechen. Wir sind im Wesontlielien darauf angewiesen, zu sagen, dass der heutige Stand der Wissenschaft nicht ermöglicht, unterschiede festzustellen.
(ianz anssernrdentlich anders liegen die Dinge, wenn die zu prüfenden und zu bestimmenden Bakterien innerhalb des erkrankten menschlichen Körpers (z. ii. in der Irischen Leiche) oder in unmittelbarem Zusammenhange mit dem Krankheitsfalle (z. B. in frisch entleerten Fäces des Erkrankten) gefunden werden. Hier haben wir ausser den festzustellenden Gultureigenthttmliohkeiten vor allem das wichtige Kriterium für die lieurtheilung, dass die fragliche Haktcrieiiart sich innerhalb des menschlichen Körpers, und zwar in einem klinisch in bestimmter Weise characterisirten Falle, (Mitwickelt und vermehrt hat. Handelt es sieb inn Befunde in Organen der frischen Leiche, so kommt dazu noch die mikroskopisch feststellbare bocalisirnng der Bakteriell in dem Gewebe. Auf diese Weise ist die Diagno-stieirung der gefundenen Bakterien häufig ohne Weiteres mit Bestimmtheit möglich,
'-) 10. Internat, medic. Congr. 1890. Verhandl. Bd. I. p. 40.
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170nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ü. Dilaquo;' Bakterien als Krankbeitson'oger.
Auf der anderen Seite kommt es auch vor, ilass empfB-ngliohe Versuohsthiere existiren, ohne dass eine Züchtung der Erreger auf künstlichen Nährböden iiis jetzt möglich gewesen ist; dies ist bei dem Beourrensfleber der Fall, für welches der Affe empfänglich ist.
Bezüglich der Weiterübertragung der Culturen pathogener Bak­terien von einem Nährboden zum anderen ist übrigens noch folgendes zu bemerken; Wir sehen gar nicht selten, dass eine bestimmte Art auf dem künstlichen Nährboden zunächst nur kümmerlich wächst, während sie bei weiteren Uebertragungen allmählich an Wachstluims-energie zunimmt und schliesslich sehr gut auf dem künstlichen Nähr­boden fortkommt. Man bezeichnet dies Vorkommniss als Anpassung an den künstlichen Nährboden. Damit ist nun gewöhnlich eine Ab­nahme der pathogenen Eigenschaften oder auch ein vollständiges Ver­schwinden derselben verbunden. Der Parasit hat sich an das sapro-phytische Dasein gewöhnt. Hierauf hat man bei den anzustellen­den Thierversuchen zu achten. Bei einzelnen Arten sieht man auch, dass sie auf dem künstlichen Nährboden bald absterben. Während saprophytische Organismen gewöhnlich Monate lang übertragbar bleiben. verlieren einzelne pathogene Arten ihre Uebertragbarkeit schon nach wenigen Tagen.
Als Prototyp einer Infectioiiskrankheit, deren Aetiologie nach den vorstehend gezeichneten, von ]{. Koch geschaffenen Principien ermittelt, und zwar mit unanfechtbarer .Sicherheit ermittelt wurde, kann der Milzbrand gelten. Nach denselben Principien haben später Koch sowohl wie auch andere Autoren, die sich seine Methoden zu eigen machten, die Kntstehungsursache einer Reihe weiterer Infectionskrank­heiten klargelegt. Die erste, durch Bakterien veranlasste Infections-krankheit. deren Aetiologie ermittelt wurde, war aber der Milzbrand. Ks ist leicht einzusehen, weshalb Koch gerade diese Krankheit zum ersten Objectc seiner Untersuchungen machte. Man wusste bereits längere Zeit, dass im .Milzbrandblute Stäbchen gefunden werden; diese Stäbchen waren relativ gross, eigneten sich also zur Beobachtung besonders; ferner waren, falls es gelang, die Stäbchen künstlich in Reinculturen zu züchten, empfängliche Versuchsthiere sicher vorhanden, da es sich ja um eine Thierkrankheit bandelte. Die Schwierigkeiten der Forschung waren beim Milzbrände also noch relativ gering; und die streng logische Art des Vorgehens Hob. Koch's spricht sich bereits darin deutlich aus, dass er sich zunächst relativ leichter zu lösende Aufgaben stellte, um später, mit immer mehr vervollständigter und aus­gebauter Methodik, an so schwierige Aufgaben heranzutreten, wie sie sich z. B. in der Erforschung der Ursache der Tnberculose darstellten.
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1. Killli'itcmlrs,
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Nicht bei allen infeotiösen Krankheiten hat man bisher die Erreger zu ermitteln yermooht. Von den „aouten Exanthemenquot; (Masern, Scharlach, Flecktyphus, Pocken etc.) wissen wir noch gao.quot; nichts bezüg­lich ihrer Entstehungsursache; auch ober die Krankheitserreger der Hundswuth, des Keuchhustens, des Trachoms, des Qelbflebers, der EÜnderpest, der Lungenseuche und mancher anderer anzweifelhafter Infectionskrankheiten wissen wir noch gar nichts. Und doch müssen hier parasitäre Organismen existiren, die die Erkrankung veranlassen. Ob diese Parasiten zu den Bakterien gehören, ist allerdings höchst zweifelhaft. Bakterienbeftmde sind bei allen diesen Krankheiten er­hoben worden, nicht selten mit dem Ansprüche, dass hiermit der Er­reger geftinden sei. Es handelt sich in allen diesen Fällen um logische fehler in der Art und Weise, ans Beobachtungen Schlösse zu ziehen. Nicht die Thatsache allein, dass man in dem und jenem Falle einer Infeotionskrankheit Bakterien findet, berechtigt dazu, dieselben für die Erreger der Krankheit anzusehen. Dazu gehören, wie wir gesehen haben, zwingendere Beweisgründe. Die gefundenen Bakterien können rein nebensächliche Befunde darstellen, sie können eventuell der Aus­druck einer zu der ursprünglichen, primären Infection in dem einen oder anderen Krankheitsfälle dazugekommenen „seeundären In-t'ectionquot; sein. Man bezeichnet solche Combinationen auch als „Mi schinfectionenquot;.')
Die acuten Exantheme sind exquisit „contagiosquot;, d. h. von Fall zu Fall ansteckend und übertragbar. Ms mag an dieser Stelle auf den Unterschied zwischen In feet iosität und t'on t agiosität hingewiesen werden. Fine jede durch speeilische Parasiten hervor­gerufene Krankheit ist „infectiösquot;. .Man „infleirtquot; sich mit Cholera, mit Bocken, mit Malaria. Dabei wird auf irgend welche Weise der jedes-
!) Der Begriff der Klisohinfeotion („gemischte Infectionquot;) Ist znerst von Ehrlich (Charitö-Annalen. 7. Jahrgang. 1882. p. 223) aufgestellt worden. Vergl. auch Ehrlich und Briegor (Berl. Min. Wodhensohr. 1882. No. 44). — Nenokl (cf. Centralbl. f. Bakt. Bd. II. 1892. No, 8) hat gozei^t, dass unter Umständen bei gleichzeitiger Einwirkung zweier Mikroben anf ein Nttbrsubstrat ein neuos (chetnisobes) Stoffweobselproduct entstehen Kanu, welches keiner der beiden Spaltpilze für sich allein zu bilden vermag. Sterile Traubenzuckerlösung, mit zwei bestimmten Spalt­pilzarten gleichzeitig infleirt, wurde, wie Nenoki beobachtete, viel rascher und energischer zersetzt als dlirob Jeden der beiden Spaltpilze allein. Andererseits be­obachtete Nenoki, dass Reinculturen zweier Mikroben, von denen jeder z. J!. Ki-weiss energisch zersetzte, wenn sie gleichzeitig in dieselbe Kiweissliisnng eingeimpft wurden, in ihrer Giilirtiichtigkeit sieh gegenseitig abschwächten. Xencki spricht die Vermuthung aus, dass Analogien zwischen diesen Vorgängen und denen im inli-cirten Thlorkörper möglicherweise liiinlig statthaben.
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H. Die Bakterien als KrankheitBerreuei'.
malige [nfeotionserregei' in den Körper aufgenommen. „Coatagiosquot; nennt man aber nui solche lü'anklieiten, während deren Verlauf normaler Welse der Infectionserreger in infeotionstüchtigem Zustande aus dem Körper des Erkrankten ausgesohieden wird, so dass die Möglichkeit gegeben ist, dass er durch die Vermittelung der ijid't (wie bei den Pocken) oder an bestimmten Gegenständen haftend und durch Ver­mittelung dieser übertragen (wie bei der Cholera) in einen neuen Organismus gelangt und diesen inlicirt. Nicht coutagiös ist z. H. die Malaria; denn hier Undid eine Ausseheidimg infedionstiieiitiger Parasiten aus dem erkrankten Körper nielit statt: hei der Malaria liegt die Möglichkeit der natürlichen „Ansteckungquot; eines Falles durch den anderen nicht vor. Nur auf besondere künstliche Weise kann bei den nicht contagiösen Krankheiten die üebertragung des Erregers von dem Kranken auf den Gesunden, die Inlieirung eines Falles direct durch einen anderen, geschehen. Bei der Malaria kann man dies dadurch bewerkstelligen, dass man Blut des Erkraakten dein Gesunden einverleibt.')
Bei den Infectionskrankheiten kann die Einwanderung des Erregers in den Organismus, die Infection, auf verschiedenen Wegen erfolgen. Handelt es sieh um „natürliche Infectionquot;, so keimen die Bak­terien durch den Mund in Magen und Darm gelangen und von dort aus in den Organismus einwandern, oder sie können mit der At Innung shift in die Lunge aufgenommen werden und dann weiter in den Körper eindringen, oder sie können durch Verletzungen der Haut-') oder der Schleimhäute in den Körper gelangen und dann auf dem Wege der Lymph- und Hlutgefässe sich weiter verbreiten. Line dieser drei Infeotionsarten trifft bei der aüergrössten Mehrzahl der natürlichen [nfectionen zu. In Ausnahmefällen giebt es auch noch andere I n feet inns p fort e n ; und wenn wir im Labo­ratorium Versuchsthiere3) künstlich infioiren, so benutzen wir ausser den oben angeführten drei Wegen in der That häutig noch andere.
Die verschiedenen 1 n feet i o n smod i, die künstlich zur An­wendung gelangen, sind: die outane Einverleibung des Materials
') Eingehendeies über Contagiosität siehe bei Flügge (Die Mikroorganismeii, Leipzig 1886. p. 596ff. und Zeitsohr. f. Hyg, Bd. II. 1893, p. 170).
-i Unter Umständen können Bakterien auch durch die unverletüte Hunt in den Eörpei eindringen, Nach Garri (Kortsehr, d. Mod. 1885, p. I7:i) nimmt /.. B. beim Furunkel die Staphylococcon-Infection ihren Weg gewöhnlich durch die AusfUhrungsgänge der Hautdrtlsen hindurch,
B) Die am meisten benutzten Species sind Mäuse (weisse und graue Hausmäuse, Feldmäuse), Ratten, Meerschweinchen, Kaninchen, Tauben,
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I. Kliili'ltciiili
m
(„Impfungquot; Im engeren Sinne), laquo;lie suboutano1), Intramusou-lare, intravenöse-), Intraooulare8), Intrapleui'ale4), Intra-peritoneale4) Einverleibung) laquo;lie Einverleibung in den Magenquot;),
') Mäuse kann man ohne Assistenz sehr bequem in folgendoi Weise suboutan inflolrem Man disponirt zunächst das dem Thiere einzubringende Culturraaterial so, dass man os nachher bequem mit der rechten Hand allein erlangen kann. Dann nimmt man die Mans mit der „Mänsezan^equot; (moditieirte Tiegelzange) ans dein Käfig am Schwänze (Feldmäuse an den Ohren) heraus und setzt sie auf ein Tuch, in welches man min die Maus so einliiillt, dass mir dor Sohwahz und der angrenzende Theil des Backens heraussieht, Nun bringt man das Tuch mit der Maus In die linke Uohlhand, indem man die Schwanzwurzel fest zwischen linkem Daumen und Zeige­finger lixirt. Der untere, freie Theil des Mauserüokens liegt dann in dorn von Daumen und Zeigefinger umschlossenen Baum frei zu Tage, Diesen Theil des MauserUckens benutzt man als Operationsfeld. Man entfernt hier mit einer Sehoro die Haare und kann nun, indem mau eine Stelle der Haut zwischen die Sclierenbranehen klemmt, mit dor Schere leicht einen kleinen llautdofect herstellen, der dann mit einer aus­geglühten, nicht zu spitzen Pincette zu einer Hauttascho erweitert wird. In die letztere wird das Impfmaterial eingetragen. Nach beendeter Operation fasst man die Maus mit der Zange am Schwänzende, zieht sie aus Tuch und Hand heraus und setzt sie in den Käfig zurück.
'2) Bei grösseren Thieren (grossen Kaninchen /.. ß.i verfahrt man behufs der intravenösen Einverleibung sehr bequem SO, dass man (nach dem Vorgänge von Aufrecht) das Material mit Hülfe einer feinspitzigen Pravaz-Canüle in eine Ohrvene injioirt, die man vor dem Einstich durch oinon Gehülfen central oompri-niiren lässt und so zur Aiischwolliing bringt. Die zu injicirendo Bakterienauf-sohwemmung muss vorher (zur Entfernung gröberer Partikel) durch feine (iazo tiltrirt worden (of. E. Koch, Mitth. a. d. Kais. Ges.-Anite. Bd. 2. 188-1. p. 73).
:1) Die künstliche intraooulare infection (Einbringung des Materials in die vor-dero Augenkammer) ist von Cohnheim angegeben worden. Die Operation wird meist bei Kaninchen vorgenommen. Man kann so vorgehen, dass man am oberen Bande der Cornea einen mehrere Millimeter langen Einschnitt macht und durch diesen hindurch das lni|ifniatorial (Bröekchen einer Cultur etc.) einbringt, oder dass man mit einer sehr feinen und scharten Canüle einen Einstich durch die Cornea in die Vorderkannner hinein macht und dann direct ein Tröpfchen der Bakterienauf­schwemmung injicirt (cf. K. Koch, Mitth. a, d. Kais. Ges.-Amte. Bd. 2. 188-1. p. 68). Die intraooulare Infection ist deshalb von besonderem Wcrthe, weil man die an die Infection sich ansehliessenden pathologischen Veränderungen durch die Cornea hindurch direct beobachten und verfolgen kann.
') Hat man kleine Thiere (z. B. Mäuse) iutrapleural zu inlieireii, so muss man die rechte Seite wählen, weil man links gewöhnlich das Herz trifft
•#9632;') Wichtig ist es, bei dieser Operation eine Verletzung der Därme zu ver­meiden. Bei Meerschweinchen, Hatten, Mäusen, Katzen gelingt dies nach E. Koch (Mitth. a. d. Kais. Ges.-Amte. Bd. 2. 1884. p. 71) leicht, wenn man die Canüle langsam durch die Bauchdecken treibt. Kaninchen sind wegen des stark gefüllten Blinddarms für die Operation weniger geeignet.
quot;) Bei Meerschweinchen lässt sich das Infectionsmateria] mit Hülfe eines feinen elastischen Katheters, der durch einen durchbohrten, zwischen den Zahnreiben des Thieres eingeklemmten Knebel hindurch geschoben wird, leicht in den Magen einflössen.
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17 1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;B. Die Bakterien nis iCrankbeitserreger,
in das Duodenum, die Elinbi'ingung (lurch Inhalation, die
i nt m t ra eh en I c i u I ra pu 1 inn n a 1 c liijcdiun. die iutracra-nielle (subdurale) Einverleibung (Application des Materials nach Ti'epanation unter die Dura), die Injeotlon in grosse Xorvcn hinein. 1st mit der künstliohen Einverleibung des Infectionsmateriales in den Thierkörper eine Verletzung dev Gewebe verbunden (und das ist, wenn man die Einverleibung in den Magen und die Einbringung duroh In-halation ausnimmt, stets der Fall), so muss man selbstverständlich so operiren, dass das Eindringen anderer Infeotionskeime streng vermieden wird. Die Operationsstelle wird deshalb zunächst von eventuell vor­handenen Haaren befreit, dann mit Sublimatlösung, hinterher mit Alcohol und dann mit Aether abgewaschen. Alle zur Operation ge­brauchten Instrumente werden in durch Hitze desinlicirtem Zustande angewendet. Flüssiges Material (('ultiiraut'schwemmungen in sterilisirtem Wasser etc.) bringt man am besten mit Hülfe einer aus (Jlas und Metall oonstruil'ten, mit feiner Candle versehenen, durch Hitze sterili-sirbaren Spritze, wie sie in verscliiedener Construction von R. Koch1) und Anderen angegeben ist, in das Innere der Gewebe hinein.
Soll die Pathogenität einer bestimmten reingeziiehteten Bakterien­art sicher gestellt werden, so muss man bei dem Thierversuche zunächst möglichst wenig von dem Bakterienmaterial in den Organismus des Versuchsthieres übertragen: denn es ist gar nicht zu vermeiden. dass mit den Bakterienzellen zugleich eine Quantität der von den Bakterien in der Cultur produoirten chemischen StoflWechselproducte übertragen wird. Unter diesen Stotfwechselproducten befinden sich häufig Körper von hoher Giftigkeit (giftige Ptomaine [Toxine] und andere giftige [Eiweiss- etc.] Körper)-), die, in etwas grösseren Mengen mit den Bakterien zugleich übertragen, Vergiftungen ver­anlassen und dann das Resultat des Thierversuches sehr stören, even­tuell auch zu den fehlerhaftesten Sehlussfolgerungen Veranlassung geben können, indem man nämlich die Erkrankung des Thieres als Folge einer Infection ansieht, während sie doch der Ausdruck einer Intoxication war. Kine Infection ist nur dann vorhanden, oder. was dasselbe sagt, die eingeführten Bakterien sind mir dann als pa­th ogene zu betrachten, wenn sie sich auf Kosten des Organismus vermeil reu.
Ks liegt jedoch in der Natur der Sache, dass wohl mit jeder Infection eine I n t o \ i e a t i o n v e r b u n d e n ist. Man könnte sich
') Mittli. a. d. Kais. Qes.-Amte, Bd, I. 1881, p. 17; Bd. 2. 1884, p. 60;
Deutsche ined. Wnrliensilir. 1890, No, Kin, |i. 1029, -) of. eben p, II.
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I. Eünleitondes,
it:.
allerdings rnfeotionsla'anklieiten denken, bei denen eine so massenhafte Vennehrung der Bakteiien tm Blute stattfindet, laquo;lass die Bakterien sohliesslloh Wn physikaUsohes Hindemiss für den Blutumlauf abgeben, dass das Thicr rein und aussohliesslioh an der Vermehrung der Bakterien stirbt. Ob eine solche Vermehrung aher in der That möglich ist, ohne dass dabei auf das Thier irgendwie sehädiieli einwirkende und den Verlauf der Erkrankung beeinflussende Stoflweohselproducte gebildet werden, ist sehr die Präge. In den allermeisten Fallen von Infection tragen die giftigen Stoflweohselproducte, welche die Bakterien bei ihrem Waohsthum im Thierkörper bilden, sehr wesentlich das Ihrige zu der gesanunten Erkrankung bei. Immerhin verhalten sich die pa-thogenen Bakterien bezüglich ihrer Gift Wirkung ganz verschieden unter einander. Es giebt Bakterienarten — und zu diesen gehören z. B. der Tetanusbacillus und der Diphtheriebaoillus —, die Gifte von so fabelhafter, so ungeheurer Wirksamkeit produoiren, dass in den entsprechenden Krankheiten die Wirkung dieser Gifte auf den Orga­nismus das Krankheitsbild völlig bestimmt. Die Bakterien selbst finden sich in Tetanus- und in Diphtheriefällen gewöhnlich nur an einer kleinen, cireumscripten Stelle im Körper (der Infectiunsstelle) in Ver­mehrung. Hier werden die furchtbaren specilischen Gifte gebildet, die dann in den Körper hinein resorbirt werden und die schweren All-gemeinsvmptome der genannten Krankheiten bedingen. Man bezeichnet derartige Bakterienarten als „toxische Bakterienquot; im Gegensatz zu den oben genannten Arten, welche wesentlich durch ihre Ver­mehrung als solche wirken, und die man auch wohl als „infeotiösequot; Bakterien im engeren Sinne oder als „septicaemi sc h equot; Bakterien bezeichnet.
Wie schon gesagt, zeigen sich die Bakterien bei den verschiedenen Intectionskninkheiten im Körper des Tineres verschiedenartig localisirt. Auch bei einer und derselben Krankheit kann je nach dem verschiedenen Modus der Infection, der verschiedenen Lage der Infectionsptbrte. die Localisation der Bakterien im Körper, und damit auch der Krankheits­verlauf, verschieden sein. Wählen die Bakterien das Blut als den Ort ihrer Vermehrung, sind sie bei der Section in den Hlutgefässen und, abgesehen von den besonderen Veränderungen der Infectionsstelle und der ersten Verbreitungswege, überall im Blute und nur im Blute zu finden, so bezeichnet man eine solche (schnell tödtlich verlautende) Erkrankung nach Davaine und Koch1) als „Septicaemiequot;. Bei der Septicaemie linden sich Herdbildungen, .Metastasen, nicht.
') Mittb. a (1. Kais. Qes.-Amte. Bd. t. 1881, p, s4.
^^
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17(1
li. Dir Daktrricn als Kronkbeitsertesror.
In anderen Pällen sobnell verlaufender allgemeine].' Infection des Körpers kommt es in Folge der Vermehrung der Bakterien im Blute zur Bildung (eitriger) Herde in den inneren Or^iinen. zur Me-tastasenbildung. Dann bezeichnet man den Process als „Pyaemiequot;. Naeli Kooh1) hat man sich die erste Entstehung der Herde so vor­zustellen, dass die im Blut sieh vermehrenden Bakterien in grösseren Haufen zusammenhängen bleiben und, mit Blutkörperchen zusammen­klebend, Embohsirung enger Blutgefässe und Thrombenbildung veranlassen.
Diesen Fällen allgemeiner Verbreitung des Infectionserregers Im Körper gegenüber stehen andere Fälle, in denen die Verbreitung der Bakterien auf gewisse Gebiete oder Organe des Körpers besohränki ist. So linden wir z, B. bei der Cholera die Erreger nur im Darme und in der Dannwand, sonst nirgends, bei dem Wund­starrkrampf (Tetanus), bei der Diphtherie linden wir sie (wie bereits oben angefahrt) nur an der Infectionsstelle und in ihrer nächsten Um­gebung. Hs ist klar, dass die schweren Allgemeinsymptome dieser Krankheiten nicht directe Folge der Bakterienvermehrung sein können, sondern dass die durch die Bakterien gebildeten giftigen chemischen Körper es sind, welche, von der Vermehrungsstelle der Bakterien aus in den Körper eingedrungen, diese Symptome veranlassen. Bleiben die Bakterien localisirt, so kann, wie bei den eben genannten Krankheiten, eine Genesung des Körpers eintreten. Bei manchen localen In-l'ectionen ist der Ausgang in Genesung die Hegel; dies sehen wir z. B. an den in unserer Haut so oft auftretenden Funmkelbildungen, die ihre Entstellung einer localen Hautinfection durch Bakterien ver­danken. '-') Bei Ueberschwemmung der gesammten Bluthahn mit den Infectionserregern ist Genesung sehr selten.
Die nahen Beziehungen zwischen Infection und In­toxication lassen übrigens eine Thatsache erklärlich erscheinen, die man ohne die Kenntniss dieser Beziehungen schwer verstehen könnte. Ks hat sich nämlich gezeigt, dass unter Umständen zwar, hei gewissen Infeotionskrankheiten und bei bestimmten Thierspeoies, die kleinste
M Pyaemie bei Kaninoheii. üntora. llber die Aetiologie ilor Wundlnfections-Krankheiten, Leipzig 1878. p. öJir.
-) Zu den localen Infeotionen geholt auch die Zahnoarios, welche nach den Ermittelungen von W. 1). Miller (Die Mikroorganismen der Mundhöhle. Leipzig 1889; 2, And. Leipzig lsi)2) dadurch zu Stande kommt, dass zunächst eine Ent­kalkung des Schmelzes resp. dos Zahnbeins durch saure Flüssigkeiten (saure Gäliruugs-proclucte) eintritt, und dass dann das entkalkte Zahnbein, die leimgebende Grund­substanz desselben, von (verflüssigenden) Bakterien hefallen wird, welche die Erweichung und Zerstörung derselben bewirken, lieber die Bakterienarten, weiche hierbei eine Rolle spielen, cf. die Inaug.-Dis,--.. von ('. •Tung, Berlin Isii2.
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1. IDinloitondos,
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Quantität des Infeotionsraaterials, t'ini' einzige Bakterienzelle, genügt, um die Infeotion zu bewerkstelligen. In anderen Fällen genügt dies dnrobaus nicht; man muss, um lt;lie Infeotion zu erzielen, grössere Quantitäten des infeotiösen Materials dem Thierkörper einverleiben. Ohne Zweifel sind in solchen Fällen die in den Körper zugleich mit einverleibten giftigen Stoffwecliseljiroducte wesentlich tnitbetheiiigt an dem Zustandekommen der Infeotion, indem sie die — von Natur, wie wir weiterhin mich sehen werden, änsserst bakterienfeindlichen — Oe-webssäfte des Körpers schädigen und weniger widerstandsfähig machen gegen die eindringenden Bakterien.1)
Es ist hier der Ort, auf die Verhältnisse einzugehen, welche für das Zustandekommen resp. das Ausbleiben der Erkrankung nach der Finführung von Infectionserregeru in den Thierkörper wesentlich be­stimmend sind. Wir werden besonders die auf Immunität und Schutzimpfung bezüglichen Fragen einer Betrachtung zu unter­weifen haben.
. Wenn ein thierischer Organismus für eine bestimmte Infeotions-krankheit unempfänglich ist, so nennt man ihn „immunquot; gegen diese Krankheit. Man sagt auch, er verhalte sich refraetär gegen die Einverleibung des bestimmten Infectionserregers. Die Immunität gegen eine bestimmte Krankheit kann, wie wir bereits oben (p. 164) angedeutet haben, eine allgemeine Eigenschaft aller Mitglieder der betreffenden Thierspecies sein; man spricht in diesem Falle von der n a t ü r 1 i c he n I m munit ä t der Species. Sie kann aber auch einzelne Individuen einer im üehrigen für die bestimmte Infectionskrankheit empfänglichen Thierspecies betreffen. In dem letzteren Falle bandelt es sich um individuelle Immunität.
Die individuelle Immunität kann unbekannte Ur­sachen haben; sie kann aber auch —auf natürliche oder künstliche Weise — erworben sein. Wenn ein Kind Scharlach überstanden hat, so ist es in der Regel für das weitere Leben gegen eine erneute Schar-lacherkrankung gefeit. Hier haben wir es mit einer zufälligen, natürlichen Immunisirung zu thun. Die Immunisirung kann
^Hiermit In Einklang steht die mohtige Entdeokang von A. (iottstein (Deutsche raed. Wochensohr, 1890, No. 2-1), dass unter Umständen Thiere, die sich gegen einen bestimmten KrankheitserFegec unter normalen Verhiiltnissen vollständig refnictiir verhalten, durob Ejinverleibtmg blutbörperdhenzerstörender Substanzen i'iir diesen Erreger empfänglich gemacht werden können. — ifierliin gehört auch die häufiger gemachte Beobachtung, dass eine bestimmte einzelne pathogene Bakterienart, in kleiner Quantität dem Thierkörper einverleibt, die Infection nicht zu Wege bringt, dass die letztere aber sofort erfolgt, wenn daneben noch eine bestimmte andere Art, die durchaus nicht pathogen zu sein braucht, mit einverleibt wird. Günthor, Bakt'eriologlo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;12
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17Snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; B. Die Baktsi'Isn als Ei'Biikbeitsei'i'egei'i
aber aucli absioUtliob) künstlicli zu Stande gebracht werden, mid zwar durch Einverleibung eines bestimmten, je nach den ver­schiedenen Krankheiten verschiedenen Impfstoffes, eines „Vaceinquot;,
in den Organismus.
Hekanntlicii wird seit beinahe hundert Jahren die (von -lenner eingeführte) Schutzimpfung gegen die Mensohenpooken geübt. Es
handelt sich hier um eine rein empirische Sache. Man hatte beob­achtet, dass Menschen, die sich mit dem Inhalte der Kulipocken inli-oirten, eine leichte Erkrankung bekamen, und dass das Ueberstehen dieser leichten Erkrankung Immunität verlieh gegen die Infection mit denquot; Menschenpocken. Es liegt hier eine merkwürdige, aber uns leider noch völlig dunkle Beziehung zwischen zwei von einander verschiedenen Krankheiten vor. Wir wissen mir, dass diese Beziehung existirt. Wir erzeugen bei der Kuh oder beim Kalb durch Impfung absichtlich eine Infectionskranklieit: wir entnehmen von dem kranken Thiere Knink-heitsstoff und impfen denselben dem menschhohen Organismus ein; wir sehen, dass der letztere danach erkrankt; aber wir sehen diese Erkrankung sehr gern, weil wir wissen, dass das Ueberstehen derselben den Organismus schützt vor einer weit gefährlicheren Krankheit. Wir tlum dies alles, trotzdem wir weder den Erreger der Kuhpocken noch den der Menschenpocken kennen, und trotzdem alle Anstrengungen der letzten Jahre, dieser Erreger, die doch sicher existiren, habhaft zu werden, bisher gescheitert sind (cf. p. 171). Wie dem aber auch sei. jedenfalls ist hier die Immunität gegen die eine Krankheit durch das rebersteh on einer anderen — mit tier ersten vielleicht nahe verwandten — Krankheit, die durch künstliche Impfung er­zeugt wurde, hervorgebracht worden.
In anderen Fällen, und zwar, wie wir weiter sehen werden, bei einer Reihe von Infectionskrankheiten, deren Erreger wir genau kennen, geschieht die linmunisirung nach dem Vorgange von Pasteur durch Einverleibung des Erregers derselben Krankheit, gegen die wir den Organismus schützen wollen. Die Eigenschaften dos in den Organismus einzubringenden Krankheitserregers müssen hier jedoch in der Weise abgeändert sein, dass eine verderbenbringende Infection nicht etwa durch die Impfling selbst schon erfolgt.
Die erste Entdeckung auf diesem Gebiete wurde 1880 von Pasteur gemacht. Pasten r fand, dass Hühner — welche bekanntermassen für die Infection mit den „H ülmerchol erabakterienquot; im höchsten Grade empfänglich sind und nach der Einverleibung dieser Bakterien in ihren Körper ausnahmslos an einer schweren Allgemeinerkrankung, der Ilühnercholerasopticaemie, sterben — nur local und vorübergehend
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I, Ebileitsudes.
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crkraukcii, wenn man ihnen solche Hühneroholerabakterien untei' die Haut bringt, die in den kiinstlidit'ii Culturen bereits längere Zeit (eine Reihe von Monaten) sieh selbst überlassen gestanden haben. Nach dem Ueberstehen dieser looalen Erkrankung zeigten sieh die Hühner gegen die Impfung mit den wirksamsten, frischesten iiühnercholcra-bakterien immun. Durch das längere Stehen der ursprünglich so ver­derbenbringenden Bakterienculturen haben dieselben demnach an ihrer (iit'tigkeit für den Organismus des Huhns, an ihrer „Virulenzquot;, er­beblich eingebüsst.
Man nennt so veränderte (Julturen, so veränderte Bakterien ab­geschwächt; und es hat sich in der Folgt' gezeigt, dass eine solche Abschwächung, ein solcher V e r 1 n s t d e r V i r u 1 e n z ursprünglieb virulenter Bakterien nicht allein bei den Erregern der Hühnereholera, sondern bei den meisten pathogenen Bakterienarten beobachtet werden kann. Ebenso hat es sich weiterhin auch gezeigt, dass die Impfling mit abgeschwächtem Material bei einer ganzen Reihe von intections-kranldieiten Immunität hervorbringt gegen die Impfung mit virulentem Material.
Durch welche Einflüsse werden aber virulente Bakterien abge­schwächt? Was diese Frage angeht, so giebt es eine ganze Anzahl Methoden, mit Hülfe deren man virulente Bakterien abzuschwächen vermag. In dem vorher erwähnten Falle der Hühnereholera war es das längere Stehen der Culturen, welches die Abschwächung zu Wege brachte; und Pasteur war der Ansicht, dass der lange dauernde Einlluss des atmosphärischen Sauerstoffs wesentlich dabei betheiligt sei.
Ausserdem ist es eine bei vielen pathogenen Bakterienarten ge­machte Beobachtung, dass die Virulenz geschädigt wird, wenn die Bakterien längere Zeit auf künstlichem Nährboden weiterge­züchtet werden, ohne den Thierkörper zu passiren.')
Ferner giebt es eine Reihe von chemischen Körpern (sehr dünne Lösungen von Kaliumbichrumat, von Schwefelsäure, von Carbol-säure etc.), die, mit virulenten Bakterienculturen längere oder kürzere Zeit in Berührung, dieselben abschwächen.
Auch ein längeres Austrocknen kann abschwächend wirken.
') Es ist deshalb im Laboratorium behufs der Erhaltung der Virulenz bei pathogenen Bakterienculturen die Regel, dieselben — in nicht zu langen Zwischen­pausen — ab und zn durch den Körper empfänglielier Yersnebsthierc zu schicken. Dadurch erhält sich nicht allein die Virulenz; sie wird sogar häufig gesteigert, Und wenig virulente Culturen können auf diese Weise gelegentlich wieder zur vollen Virulenz zuriickgebnicht werden.
12*
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180nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; !gt;#9632; Die Bakterien als Krankheitserreger.
Von ganz besonderer Bedeutung nhor haben sirii in dieser Be­ziehung thermisohe Einflüsse gezeigt. Eine kurz dauernde Erwär­mung auf höhere Temperaturgrade (bei Milzbrandbacillen /. B., wie Toussainl 1880 fand, 10 Minuten langes Erwärmen auf rir)quot; C.) wirkt unter ömständen abschwächend ein. Nooh sicherer wirkt in manchen Füllen die Cultivirung der Bakterien bei Temperaturen, die /.war erheblich niedriger nh die eben genannten sind, aber doch nahe an der Grenze liegen, unterhalb deren die bet rettende Hakterien-gpecies überhaupt noch zu wachsen vermag.
Ausserdem beobachtet man eine Ähsohwächung mitunter auch dann, wenn man die Bakterien durch einen liir sie wenig geeigneten Thierkörper passiren liisst. Pasteur hat z. B. gefunden, dass die Schweinerothlaufbaoillen, welche für junge Schweine edler Rassen ein äusserst gefährliches infectiöses Material bilden, die Virulenz für Schweine verlieren, wenn man sie zunächst Kaninchen einimpft und dann aus dem Kaninchenkörper weiter eultivirt.
Alles in Allem pflegen Abschwächungsvorgänge also dann einzutreten, wenn man virulente Bakterien in Aussenver-hältnisse versetzt, welche ihnen ungünstig sind und ihrer eigenthehen Natur wenig entsprechen.
Was ist nun das Wesen der A bsc li w ii c li u u g? Wie unter­scheiden sieb abgeschwächte Bakterien, abgesehen von der Veränderung der Virulenz, von gleichnamigen virulenten Bakterien ? Durch umfang­reiche Versuche, welche Smirnow1) in dem Institut von Flügge angestellt hat, hat sieb als ziemüoh allgemein zutreffend die Thatsache herausgestellt, dass der Verlust der Virulenz mit einer allgemeinen Degeneration der Bakterien verbunden ist. Die abgeschwächten Bakterien wachsen auf dem künstlichen Nährboden im Allgemeinen langsamer als die virulenten, die sporenbildenden unter ihnen zeigen sich in der Sporenbildung verlangsamt, dis abgeschwächten Culturen sind in jeder Beziehung weniger kräftig als die virulenten (Uiltnren. Ms muss jedoch bemerkt werden, dass das genannte Gesetz ganz allgemein gültig doeb nicht ist. So belinden sieb, wie Hebring'-') nutgetheilt bat. im Koch'schen Institute Milzbrandbacillenculturen, welche bei erheblichster Abschwächung ihrer Virulenz in ihren son­stigen Fähigkeiten, in der Schnelligkeit des Waehsthums, der Sporen­bildung etc. sieb wie die kräftigsten, virulentesten .Milzbrandcultnren verhalten.
quot;) Zeitsohr. f. Hyg. Bd. 1. 1888.
-; Zoitscbr. f. Hyg. Bd. 8, 1889. p. 131
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I. ISinleitendi
1SI
Es ist an dieser Stelle zu erwähnen, class eine einmal eingetretene Ä-bsohwächung sich bei fortgesetzten LFebertragungen in immer frischen Nährboden hinein entweder (lauernd') oder (locli für längere oder kürzere Zeit zu erhalten pflegt; d. blt; lt;lie einmal durch ungünstige ftxissere Verhältnisse modifloirten Bakterien erlangen bei Wiederher-stolhmg günstigster C-ulturhedingungun ihre früheren nonnalen Eigen­schaften durchaus nicht sofort) mitunter sogar überhaupt nicht, wieder.
Durch die linpfung mit ahgeschwiich ten Infections-stoffen hat man nun gegen eine ganze Reihe von Krankheiten luinst-liche Immunität zu erzeugen vermocht. Ausser der Hühner­cholera war es zunächst der .Milzbrand, gegen den eine künstliche Immunisirung durch Einimpfen in bestimmter Weise künstlich zube­reiteter Vaocins ermöglicht wurde. Toussaint erhielt durch 10 Minuten lange Erwärmung virulenter Milzbrandbacillen (Blut von Milzbrand-thieren) auf 55deg; ('. Vacchis. Pasteur stellt sich seine Vaccins dar durch Cultivirung der Milzbrandbacillen in Bouillon bei einer Temperatur zwischen 12 und 48quot; C. Auch für den Rauschbrand, eine in vielen Gegenden häutig vorkommende Krankheit der Rinder, wurde, und zwar durch Arloing, Cornevin und Thomas, eine künst­liche Immunisirung aufgefunden. Die genannten Autoren erhitzten das getrocknete, sehr infectiöse Fleisch der an Rauschbrand verendeten Thiere auf 100deg; C. und erzielten dadurch einen Vaccin. (Jegen den Schwein er othlauf kann man nach der Entdeckung Pasteur's Schweine dadurch immunisiren, dass man ihnen Sclnveinerothlaiif-bacillen einverleibt, die in der oben (p. ISO) angegebenen Weise durch das Passiren des Kaninchenkörpers abgeschwächt wurden. Endlich kann man auch, wie ebenfalls Pasteur gefunden hat. gegen die Mundswuth, deren Erreger wir im Uebrigcn noch ganz und gar nicht kennen, Hunde durch Einimpfung abgeschwächton Infections-materials immunisiren. Die Abschwächung wird in diesem Falle da­durch bewerkstelligt, dass man kloine Stücke der nervösen Ontralorgane an Ilundswuth verendeter Thiere. in welchen das noch unbekannte Gift der Hundswuth enthalten ist, längere oder kürzere Zeit in trockener Luft der Austrooknung überlässt.
Fassen wir nun diejenigen Krankheiten ins Auge, deren Erreger bekannt sind, und bei denen durch Einimpfimg der abgeschwächten Bakterien eine künstliche Immunisirung des Thierkörpörs gegen die Infection mit virulenten Bakterien erfolgt, so drängen sich uns mehrere
') Damit die Abschwächung eine dauernde lilcibt, ist es nach Boux (7. Internat. Congr, f, ilyg. u. Demogr, London 1891. — Centralbl. f. Bakt. Bd. 10. p. 649) nothwendig, ilass der Absohwäohungsprocess langsam vor sich goht.
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1*52nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;B. Dio Bakterien als Krankheltserrogei'i
Prägen auf: Was wird im Thierkörper aus den demselben eingeimpften abgesohwäohten Bakterien? Welche Veränderungen erleidet der Thicr-körper bei dem Immunisirungsaote? Wodurch wird er in den Stand gesetzt, die Einimpfung virulenten Materials schadlos zu ertragen? Was geschieht mit den dem immunen Thiere eingeimpften virulenten Bakterien ?
Stellen wir uns behufs der Beantwortung dieser Fragen zunächst eine Vorfrage: Was wird überhaupt aus irgend welchen Bakterien, die dem Thierkürper einverleibt werden? Vermag der Organismus die Bakterien etwa auf dem Wege der Nieren, des Darms, der Haut etc. auszuscheiden'? Nun. dies ist im Allgemeinen nicht der Fall.1) Wenn es sich um solche Bakterien handelt, welche für die betreffende Thier-speoies nicht pathogen, also unschädlich sind, so verschwinden die­selben nach dem Einbringen in den Thierkürper in kürzester Frist spurlos. Sie werden von den Säften des Körpers direct abgetödtet (cf. p. 184) und dann, eventuell unter Vermittelung gewisser Zellen (Gefässendothelien in Milz, Leber und Knochenmark), aufgelöst und end­gültig vernichtet. Handelt es sich hingegen um Bakterien, die für die betreffende Thierspecies pathogen sind, so beobachtet man zunächst zwar auch eine gewisse Schädigung der Bakterien im Thierkörper; dann jedoch gelangen die Bakteriein zur Vermehrung; d. h. das Thier er­krankt, um schliesslich an der Infection zu Grunde zu gehen, der Uebermacht der Bakterien zu erliegen.'-')
Die Frage, was denn aus abgeschwächten Bakterien werde, die dem für die gleichnamigen virulenten Bakterien empfänglichen Thier­körper einverleibt werden, ist nun ebenso leicht zu beantworten wie die andere Frage, was denn aus den virulenten Bakterien werde, die dem künstlich gegen die Infection immun gemachten Thierkörper ein-geimpft werden. In beiden Fällen nämlich tritt in kürzester Zeit eine vollständige Vernichtung des eingeführten Bakteriennmteriales ein. Das­selbe verschwindet spurlos.:')
Anders jedoch steht es mit der Beantwortung der Frage, in welcher Weise der Thierkörper bei der Immunisirung verändert wird; welche Vorgänge schliesslich der Grund sind, das.s der Körper die spätere Einführung virulenten Infectionsstoffes unbeschädigt übersteht. Es sind zur Erklärung dieser Dinge eine ganze Reihe von Hypothesen
') In einzelnen Fällen ist Ausscheidung pathogoner Bakterien durch Nieren,
Dann, Haut cte. beobachtet.
-,i cf. Pltigge-Wyssokowitsnb. Zeitschr, f. Hyg. Bd. I. 1886,
8) cf, FIttgge-Uifcter, Zeitschr, f, Hyg. Bd. I. 1888, p, 299ff. —
Era raerleb und di Mattel, Portschr, d. Med. issv*. No. 19.
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I. Einleitendos.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;18;$
aufgestellt worden. Die „Erscböpfungshypotbesequot; von Klebs und Pasteur, eine Hypothese, welche heute wohl völlig- verlassen ist, nahm an, dass hei der Innminisirung eine Erschöpfung des Körpers an gewissen für die Bakterien nothwendigen Nährstoffen eintritt, und dass in l'olge dieser Erschöpfung die späterhin in den Körper ein­dringenden virulenten Bakterien in demselben nicht zu gedeihen ver­mögen. Eine andere Hypothese, die „Kete nti on shy po thesequot; Oh au v eau's, nimmt an, dass bei der limmmisirung gewisse Stoff-weobselproduote der Bakterien in dem Thierkörpcr zurückgehalten werden, die eine spätere Ansiedelung virulenter Bakterien verhindern. Wir werden sehen, dass diese Hypothese der Sache viel näher kommt. Eine dritte Hypothese, welche Metschnikoff auf seine PhagO-cytentheorie gegründet hat, nimmt an, dass gewisse Körperzellen, nämlich die weissen Blutkörperchen und grössere Organzellen (Phago­cyte n), denen die l'hagocytentheorie überhaupt die Fähigkeit zuspricht, Bakterien activ anzugreifen und „aufzufressenquot;, bei dem Immunisinings-acte sich in der Bakterienvernichtung an den abgeschwächten Bakterien üben und hierdurch die Fähigkeit erlangen, die später in den Körper eindringenden virulenten Bakterien ebenfalls zu vernichten.
Die genannten Hypothesen waren sämmtlich aufgestellt worden zur Verständlichmachung der Vorgänge, die bei der künstlichen Im-munisirung durch Einverleibung abgeschwächten Bakterien materials in den Körper statthaben. (Janz neue Gesichtspunkte aber wurden geschaffen durch die Entdeckung von Salmon und Smith (1887), dass eine Immunisirung auch möglich ist ohne die Mitwirkung lebenden Hakterienmaterials, d. h. dass es eine Immunisirung auf rein chemischem Wege giebt. Den genannten Autoren gelang es, Tauben gegen Hog-Cholera (amerikanische Schweineseuche) zu immu-nisiren durch Einverleibung der bakterienfreien, gelösten Stoffwechsel-produete1) von Hog-Choleraculturen. Diese Entdeckung, welcher eine
') Die bakterienfreien Stoffweohselprocluote werden dadurch erbalten, dass man die Bakterienoulturen unter Druck durch (unglasirtes) Poroellan liltrirt (Pasteur-Chamberland'sohe PoroeUanlllter, Porcellankerzen), wobei die Bakterien als loste Thcilo zurUokbleiben, oder dass man die Culturen durch stärkere Erhitzung von den lebenden Bakterien befreit. — Einfache Apparate, bei welchen die Filtration (unter Znhülfenahme einer Wasserstrahl-Luftpumpe durch Porcellan (Tbon) geschieht, con-struirten Kitasato (Zeitsohr. f. Hyg, Bd. 10. 1891. p. 269) sowie Reiohel (Site.-Ber. (I. Pbys.-Med. Qesellsch. zu Wteburg, 1891. [gt;. 44). Der letztere Apparat wird von K. Muencke in Berlin fabricirt. — Bitter (Zeltschr. f. Hyg. Bd. IG. 1801) hat die aus gebrannter Infusorienerde bestehenden sog. „Berkofel dquot;-Filter für diesen Zweck empfohlen. Kirchner (Zeitsohr. f. Hyg. Bd. 14. lsi):t) findet die lierketeld-Filter nicht zuverlässig.
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184nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'!- Die Bakterien als Krankheitserreger.
Reihe analoger Beobaohtungen von anderen Seiten') sehr bald folgten, warf mit einem Schlage lt;iie ganze Frage der künstlichen Inununisirung auf das chemische Gebiet hinüber. Ks war •lureli diese Entdeckungen der sichere Nachweis erbracht, laquo;lass — wenigstens in den beobachteten Füllen - eine chemische Veränderung der Siit'te des Körpers bei tesp. nach dem [mmunisirungsaote stattfindet, welche den Körper resistent macht gegen den Angriff des virulenten Bakterienmaterials.9) Fast zu gleicher Zeit mit der Entdeckung der chemischen Im-munisirung wurden Thatsachen bekannt, die sich zwar lediglich auf die normalen, unveränderten Körpersäfte bezogen, die aber doch die Ermittelungen über die Möglichkeit der chemischen [mmunisirung nur zu stützen geeignet waren. Ks wurde nämlich — die erste derartige Beobachtung stammt von Fodor8) (1887) - constatirt, dass die Säfte des normalen lebenden Körpers, speciell das Blut, bakterienvernichtende Eigenschaften besitzen. Der Vorgang, den man experimentell beobachten kann, ist im Allgemeinen der, dass das Bakterienmaterial, welches in Irisch aus der Ader entnommenes Thierblut eingebracht wird, zunächst erheblich geschädigt wird in der Weise, dass ein grosser Theil der Bakterienzellen abgetödtet wird. Erst nach einer Reihe von Stunden lässt die bakterientödtende Kraft des Blutes nach: und dann vermögen sich die event, entwickelungsf'älug gebliebenen Bakterienzellen auf Kosten des unwirksam gewordenen (todten) Blutes zu vermehren. Dm die experimentelle Feststellung der bakterienfeindlichen („baote ricid e nquot;, „mi cro bioi d e aquot;) Eigen­schaften der normalen thierischen Körpersäfte, speciell des Blutes, haben sich aussei- Fodor besonders Nnttall1) (im Flügge'sehen Institut), lie bring5) und H. Buchner0) verdient gemacht. Es
') [n demselben Jahre 1887, in welchem Salmon uiul Smith ihreEntdockung machten, gelang eine [mmunisirung auf rein chemischem Wege Foä und lionome bei Kaninchen und Fröschen gegen Infection mit Proteus vulgaris und Proteus oapsulatusj ferner gelang eine derartige [mmunisirung gleichzeitig Cham her land und Boux bei Pferden, Eseln. Hammeln und Sunden gegen malignes Oedem, Re u x bei Meei'sclnveinelien gegen Bauschbrand.
-) Damit in Uebereinstimmung steht auch die Entdeckung von Wooldridge (Arch, f, Anatomie und Physiologie. \bbH), dass sich aus dem normalenThierkörper, ebne irgend welche Mitwirkung von Bakterien, Eiweiss- (Fibrinogen-) Lösungen ber-stellen lassen, deren Einverleibung ümmunität gegen [nfection mit virulentem Milz-brand hervorruft.
') of. Deutsche mod. VVoohensohr. 1887. No. 34.
') Zeitsohl', f. Hyg. Bd. 4. 1888,
#9632;') Centralbl. f. klin. Med. 1888. No. 38.
quot;) Centralbl. f. Bakt. Bd. •quot;gt;. 1889. No. 26; Bd. 8. 1889. No, I und 21 j Areh. f, Hyg, Bd. lit. 1890.
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1. Einleitendes,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1 S'gt;
wurde hierbei gleiolizeitig oonstatii't, dass die baktoriensohädigondc Bigensohafi des Blutes auch laquo;lein daraus gewonnenen Blutserum zukommt; und Büchner ermittelte (1889), dass im (zellent'reieni Hlnl-serum enthaltene Eiweisskörper der Tx'ä^er dieser Eigenschaft seien.') Gleichzeitig wurde aber auch oonstatii't) dass nicht das Blut einer jeden Tliierspceies auf jede beliebige Bakterienart schädigend einwirkt, sondern dass in manchen Fällen baoterioide Vorgänge völlig vormisst werden.
Die Entdeckung dieser Thatsaohen, der Nachweis, dass sieb in den normalen thierischen Körpersäften Substanzen gelöst vorfinden, die für Bakterien Gifte sind, für den thierischen Körper aber nicht9), war - so ausserordentlioh wichtig er principiell auch war— an und für sich noch nicht geeignet, den Zustand der Immunität zu er­klären. Wenn nämlich die Immunität eines Individuums gegen eine bestimmte Infeotionskrankheit auf dem (iehalt seiner Kürpersäfte an Substanzen beruht, welche die eindringenden speeiflschen virulenten Bak­terien schädigen und zerstören, so müssen diese bakteriellschädigenden Substanzen in dem Körper eines empfänglichen Individuums fehlen. Eine derartige Beobachtung wurde allerdings, und zwar von Be.hring8) (1888), gemacht. Behring fand, dass das Blut der (von Natur gegen Milzbrand unempfänglichen) Ratte und das daraus hergestellte Serum inilzbraudbacillenvernichtende Eigenschaften besitzen, während das Blut und das Serum der (für .Milzbrand empfänglichen) Mäuse, Meerschweinchen, Kaninchen, Hammel und Hinder railzbrandbacillen-vernichteude Fähigkeiten nicht im Geringsten besitzen, sondern einen guten Nährboden für den Milzbrandbacillus abgeben. Während nun in, diesem Einzelbeispiele der Zustand der Immunität gegen eine be­stimmte infectinnskrankheit mit dem Vorhandensein von Substanzen im Blutserum zusammenfällt, die auf die entsprechenden Bakterien schädigend wirken, andererseits der Zustand der Empfänglichkeit mit
') Wie Buohner (1. o.) ftuid, verliert das Serum durch Dialysiren gegen Wasser (nicht durcli Dialysiren gefren plnslolu^lsehe Kiiclisal/.l('isiiiifgt;'). forner (lurch einstttndiges Erwärmen auf 56deg; ('. oder durch sechsstündiges Erwärmen auf #9632;Viquot; ('. seine Wirksamkeit. Die Untersuchungen wurden an Kaninchen- und Qundeblut mit Typhusbadllen angestellt.
-) Ganz richtig ist dies nicht. Wie Daretnberg (Aoad. des sciences. Paris. 19 oct. 1891; Arch, de med. exper. et d'anat. pathol. 1891) fand, besitzt das nor­male Serum blutkörperohenzerstörende („globulloidequot;) Eigenschaft gegen­über den Blutkörperchen einer anderen Thierspecies. Hundeblutserum vernichtet z. 1!. Kaninohenblutkörper, Durch Erhitzen auf 60—60deg; C. geht die globulldde Fähig­keit (wie die baoterioide [cf. die vorige Anmerkung]) des Blutserums verloren.
•) Centralbl, f. klln, Med. issv \u. 38,
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ISönbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bi Dlo Baktei'ioü als Kraukheitswregeri
dem Mange] clerartigoi' Substanzen im Blutserum verbunden Ist, so hat sich eine derartige Beziehung zwischen Immunität und Eigenschaft des Blutserums durchaus nicht etwa als allgemein und gesetzmässig herausgestellt. Im Gegentheili Die oben geschilderte Beobachtung von B e h r i n g heim Milzbrand hat sich als eine Ausnahme erwiesen, der mir ganz vereinzelte gleichnamige an die Seite gestellt werden können'). Bad erleide Eigenschaften des Blutes resp. des Blutserums können demnach für die Erklärung des Zustandes der Immunität im Allgemeinen nicht her a n g e z o g e n w e r d e n.
Weitere Studien auf diesem Gebiete, die zunächst Bell ring und seinen Mitarbeitern zu danken sind, haben jedoch eine ganz gesetz-mässige Eigenschaft des Blutserums kiinstlicli immunisirter Individuen erkennen lassen: Ist ein Individuum gegen eine be­stimmte Infectionskrankheit künstlich immunisirt worden, so hat sein Blut und ebenso das daraus dargestellte Serum damit die Fähigkeit erlangt, den Zustand der Immunität auf ein für dieselbe In-fectiouskrankheit empfängliches Individuum (behebiger Species), in dessen Organismus es — in genügender Quantität - eingebracht wird, zu übertragen (Be bring'seh es Gesetz).
Die erste hierher gehörige Mittheilung machten (1890) Beb ring und Kitasato2); sie bezog sich auf den Tetanus. Es war den Autoren gelungen, Kaninchen gegen Tetanus zu immmüsiren. Das Blutserum der gegen Tetanus immunisirten Kaninchen, den (für Tetanus ausserordentlich empfänglichen) Mäusen einverleibt, machte die letzteren unempfänglich für Tetanus. Der Tetanusbacillus gehört, wie bereits oben (p. 175) auseinandergesetzt wurde, zu den toxischen Bakterien­arten. Dringen Tetanus keime in einen empfänglichen Körper ein, so vermehren sie sich an der InfectionssteEe; hier, an der Vermehrungs­stelle der Bakterien, wird das furchtbare Tetanus gift gebildet, welches in den Körper aufgesogen wird und dann seine deletären Allgemein­wirkungen entfaltet. Das Tetanusgift wird aber, ebenso wie hier im
') Bouchard (of. Controlbl. f, Bakt, Bd. 8, 1890. p, 433) fand, dass das Serum dos gegen din Infeotion mit Bao, pyooyanous immunisirten Kaninchens schä­digend wirkt auf den l?ac. pyoeyanous, während das Serum des normalen Kaninchens einen guten Nährboden für den genannten Mikroorganismus darstellt. — Boliriiig und Nissen (Zeitsohr, f. Hyg. Bd, 8, ISltO) oonstatirten, dass das Serum des gegen die Infection mit Vibrio Metsohnikoff immunisirten Meerschweinchens den Vibrio Metschnikoff kräftig abtödtet, während das Serum normaler Meerschweinchen keine Spur von schädigender Einwirkung gegenüber dem Vibrio Metschnikoff besitzt.
-) Deutsche raed. Wochenschi', 1800. No. 49.
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I. Einleitendos,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;187
Körpur. mich aussoi'hiilb desselben, in der künstlichen Cultur des Te-tiinuslmeilkis gebildet. Befreit man eine küiistliehe Cultur von den lebenden Bucillenkeinien (durch Filtration), 80 bat das bakterienfreie, giftige Filtrat, in der passenden Dosis dem Thierkörper einverleibt, lt;lie Erkrankung des Thieres an Tetanus ebenso zur Folge wie vorher das Eindringen der Tetanuskeime. In dem ersten Falle haben wir zunächst eine Tetanusinfeetion: die Keime dringen in den Korper ein und vermehren sich; im Anschlüsse daran entsteht eine Intoxi­cation: die von den sich vermehrenden Keimen gebildeten Gifte laquo;erden resurbirt und wirken. In dem zweiten Falle hingegen haben wir sofort, primär, eine Intoxication: das fertige Tetanus gift als solches, als gelöster chemischer Körper, dringt in den Organismus ein und wirkt. Beb ring und Kitasato stellten nun in der citirten Arbeit die wichtige Thatsaehe fest, dass die Einverleibung des Serums künstlich gegen Tetanus immunisirter Thiere tetanusempfängliohe Thiere nicht allein gegen die Tetanusinfeetion, sondern auch gegen die primäre Intoxication schützt. Ja, die Autoren konnten den hochwichtigen, ganz neue Ausblicke in das Gebiet der Immunitätslehre eröffnenden, Sohluss aus ihren Untersuchungen ziehen, dass die Immunität ihrer künstlich gegen Tetanus immunisirten Ver-suohsthiere beruhe auf der Fähigkeit des z e 11 e n fr e i e n B1 u t s e r u m s. die toxischen Substanzen, welche die Tetanusbacillen produciren, unschädlich zu machen. Der Schluss gründete sich (abgesehen von den bereits citirten Beobachtungen) auf die festgestellte Thatsaehe, dass das Blutserum künstlich immunisirter Thiere auch im Reagenz­glase das Tetanusgift zerstört, ferner darauf, dass es gelang, tetanuserkra.nk te Thiere, d. h. Thiere, in deren Körpersäften das Tetanusgift bereits wirksam kreiste, durch Einverleibung des Hlut-sernms immunisirter Thiere zu heilen. Die künstliche (erworbene) Tetanusimmunität beruht also auf gift zerstörender („antitoxischerquot;) Eigenschaft des Blutserums. Diese antitoxische Eigenschaft documentirt sich überall, wo derartiges Serum mit Tetanusgift zusammentrifft; sei es, dass Tetanusgift von aussen in den Körper des immunisirten In­dividuums eindringt; sei es ferner, dass das aus dem immunisirten Körper entnommene Serum in vitro mit Tetannsgift zusammentrifft: sei es endlich, dass dieses Zusammentreffen mit dem Tetanusgift in dem Körper eines tetanuskranken Individuums geschieht. In dem letzteren Falle kann, wenn die quantitativen Beziehungen zwischen Gift und antitoxischem Serum zweckmässige sind, und es der Zu­stand des Individuums sonst erlaubt, Heilung von sonst sicher tödtlicher Tetanuserkrankung erfolgen; und derartige Heilungen wurden
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I!. Die Bakterien als Ki'imkbeitsen'eger,
von Bebring und Kitasato in der oitirten Blittheilung bereits berichtet.
Diese epoohemaolienden Entdeckungen bei Tetanus sind der Aus-gangspunlct einer grossen Reihe von TJntersuohungen geworden, welche sieh darauf bezogen, in wie weit diis Bhitsenini künstlich imimmisirter Individuen bei Infeotionskrankheiten für Heilzwecke verwendbar sei. Specielle Rücksichtnahme erheischte natürUch die Frage, ob in Erkrankungsfällen des Menschen diese „Blutserumtheräpiequot;1) anwendbar und aussiohtsvoll sei. Bei diesen Untersuchungen hat sieii nun zunäohsl ergeben, dass das Behring'sohe Gesetz überall zu-treffend ist. In Jedem Einzelfalle von künstlicher Innnunitiit, der bisher daraufhin untersucht wurde, hat sieh das Blutserum fähig er­wiesen, die Tmmunität auf empfängliche Individuen zu übertragen. Diese Fähigkeit ist selbstverständlich stets eine speoiflsohe; d. h. die Immunität wird nur für diejenige Krankheit durch die TJebertragung geschaffen, gegen welche das Ausgangsindividuum immunisirt war. Ferner hat sich durchgängig die Thatsaohe als zutreffend erwiesen, dass In­dividuen, welche von Natur immun sind gegen eine bestimmte Infectionskrankheit, in ihrem Blutserum keine immunisirenden Substanzen haben. Diese Substanzen sind also niemals von Natur aus in einem Individuum vorhanden, sondern sie müssen immer erst gebildet werden: und /war geschieht dies bei der knnstliehen Immuni-sirung. Für das Verständniss des Zustandes der natürlichen Im­munität fehlt uns vorläufig noch jeder Anhalt.
Unter den bisher untersuchten Krankheiten hat sich in den ge­nannten Beziehungen dem Tetanus am nächsten gestellt die Diph­therie.') Auch hier haben wü* eine Krankheit, die durch toxische Bakterien (ei. oben p. 17.quot;)) veranlasst wird: auch hier sind die All­gemeinsymptome der Krankheit auf Intoxication zu beziehen; auch hier hat sich das Blutserum künstlieh immnnisirter Individuen durch seine antitoxischen Eigenschaften wirksam erwiesen. Man kann den Vorgang der Immunisirnng gegen Tetanus und gegen Diphtherie, dem Wesen dieser Krankheiten entsprechend, auch als Giftfestigung bezeichnen. Ehrlich8) hat nun den wichtigen Nachweis geführt, dass das Behring'sohe Gesetz auch für Gitlfestigungen gegen andere als durch Bakterien gebildete Gifte gilt. Ehrlich gelang es, Mäuse gegen Hie in (einen ausserordentlich giftigen, in den Hieinussamen enthaltenen Fiweisskörper) sowie gegen Abrin (das Toxalbumin der
'i cf. lii'lirin^. Die Blutserumtherapie. I. beipzijj, Q-, Thieme isici. p, i;. -i Untersuchungen von Behring und Wernioke (Zeitsobr. f. Hyg. Hd. 12. IVCJ,). :') Deutsolio raed, Woohensohr. 1891. No. 32 und II.
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1. Einloitemles,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;189
Jequiritybobne) dadurch zu immunisiren, dass er langsam steigende
Dosen der resp. Gifte an die Thiere verfütterte. Düs lilut der „rioin-festenquot; Thiere zeigte dann die Fähigkeit, die Rioinfestigkeit auf imnnale Thiere zu übertragen; ausserdem erwies sieii dies Hint in vitro dem liicin gegenüber als giftzerstörend. Die Versuche mit den ..ahrinfestenquot; Thieren hatten entsprechende Resultate.
Unter den Infeetionslirankiieiten hat, sieh auch überall da das Behring'sche Gesetz als zuheilend erwiesen, wo mau bei der Im-munisirung nicht von Giftfestiguug sprechen kann: es gilt z. B. für alle Falle von Septic.aem ien (of. p. 175), die bisher in dieser Beziehung untersucht wurden. Ja, selbst bei Infectionskrankheiten, deren Erreger uns noch völlig unbekannt sind, und bei denen wir auch über eventuelle Gifte noch gar nichts Genaueres wissen, wie z. H. bei der II nnd s wn t h '). gilt das Behring'sche Gesetz: Das Blutserum künstlich inimnnisirter Individuen vermag die Immunität auf normale Individuen zu übertragen.
Die in Hede stehenden Untersuchungen haben auch auf die Vor­gänge bei der spontanen Heilung von Infectionskrank­heiten ein Licht geworfen. Dieselbe scheint ganz im Allgemeinen so zu erfolgen, dass sich in dem erkrankten Organismus, und zwar im Blute, Körper bilden, welche die die Infectionskrankheit veranlassenden Schädlichkeiten paralysiren. Ist die Krankheit dann überstanden, so linden sich diese „Antikörper'quot; im Blute weiterhin vor; ihnen ver­dankt der Organismus in denjenigen Fällen, in welchen das einmalige Ueberstehcn der Krankheit Immunität erzeugt, diese Eigenschaft der Immunität. Bei Menschen, welche Pn e u mon i e'-), Typhus8), Cholera'), Diphtherie5) überstanden haben, hat sich das Blut­serum von immunisirender Einwirkung gegenüber Versuchsthieren erwiesen.
Das Blutserum immunisirter Individuen steht in seiner imnuinisiren-den Fähigkeit, in seinem „ I mmnn isi rungs we rthquot;. um so höher, je höher der linmmütätsgrad des blutliefernden Individuums ist. Jedoch kommt es hierbei nicht auf den absoluten Grad der Immunität an.
') Babcs uiul Lepp (Ann. de linst. Pasteur. 1889. No. 7) stellton bereits issü Ibst, dass mit. den Siiftcn gegen Wuth refraotär gemachter Thiero andere Thiere iiimumisiri worden können.
-) G. und F. Kloraporor, Berliner klin. VVodiensohr. 1891. No. 34, :tquot;gt;.
:l) Stern. Deutsoho med. Woelicnschr. IS!I2. No. 37.
') Lazarus, Berliner klin. Wnelipnsclir. 1892. No. 43, 44.
#9632;quot;',) Kiemen sie wl lt;•/. und Esche rieb. Centralbl. f. Bakt. Bd. 13. I vw. Nu. 6/6.
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15. Die Baktorien als KrankbeltseiTSKer.
sondern auf die Differenz zwischen dein durch die künst­liche Immun i sir ung or reich ten mill dem ursprünglich vorhanden gewesenen.1) Der Iiniiiunisiningswerth des Blutserums wird also oeteris paribus bei oi'sprünglioh sehr empfftnglioben Thieren,
die dann möglichst liorh imiminisirt wurden, am grossten sein. Der I m in u n i t ä 18 g r Q d resp. der (i r a d d e r (J i f t f e s t i g u n g wird nach dem Vorgange von Ehrlich9) durch eine Zahl ausgedrückt, welche angiebt, laquo;las Wievielfache der für normale Individuen (gleichen Körper­gewichts) sicher tödtliohen Minimaldosis des Giftes das Immunisirte Individuum noch verträgt, ohne daran zu Grunde zu gehen. Der Im-m iini si rungs worth des Blutserums wird nach Bohring und Wernicke8) durch diejenige Zahl bestimmt, welche angiebt, wieviel Gramm Versuohsthier ein Gramm Serum gegen die sicher tödtliohe Minimaldosis dos Giftes zu schützen vermag, wenn4) das Gift 24 Stunden nach der Serumapplication einverleibt wird.
Oben (p. 187. 188) haben wir bereits erwähnt, dass das schützende Serum unter Umständen auch Heilung b c r e i t s a u s g e h r o c ii e n e r Krankheit zu bewirken vermag (Blutserumtherapie). Es hat sich nun ganz allgemein gezeigt, dass stets sehr erheblich viel mehr Serum zur Krzielnng von Heilerfolgen nothwendig ist, als (unter sonst gleichen Bedingungen) zur Immunisirung ausreicht. Ferner ist ceteris paribus desto mehr „Heil serumquot; notliwendig, je weiter vorgeschritten der zu bekämpfende Krauklieitsprocess bei Beginn der Behandlung bereits ist,6) Selbstverständlich braucht man sowohl für Immunisirungs-wie für Heilzwecke unter sonst gleichen Verhältnissen um so mehr Serum, je höher das Körpergewicht des zu behandelnden Individuums ist.
Was nun die Anwendung der Hlutserumtherapie zur Heilung des erkrankten Menschen angeht — es kommen hier zunächst hauptsächlich Diphtherie und Tetanus in Betracht, und es liegen auch schon eine Anzahl von Heilversuchen, die mit Heilserum angestellt
') Vergl. hierüber sowie über das Folgende die Arbeit von Behring, Zeitschr. f. tiyg, Bd, 12. 1892. p. I ff,
-) Deutsnhe mod. Wbobenschr. 1891. p. iitt.
a) Zeitsdir. f, Hyg. Bd. 12. 1802. p. 16, IT.
') Dieso Klausol Imt slcli deshalb als nothwendig erwiesen, weil raquo;las schützende Serum gewöhnlich erst eine Reihe von Stunden nach seiner Einverleibung in den Organismus seine volle Wirksamkeit entfaltet. (Behring und Knnrr, /eitsehr. t'. Eyg. Bd. 13. 1893. p. 417.)
;,i Cf. Behring und Wernioke (Diphtherie-üntersnehungen), Zeiteohr, f. Hyg. liii. 12. is'.ci. p, 19; ferner Kltasato (Heilversuche an tetannskranken Thieren). Zeitschr. f, Hyg. Bd. 12, iyi-2.
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1. Einleitendes,
l'.tl
wurden, bei diesen Krankhoitcn vor1) —, so geht aus dem Dargelegten hervor, dass zur Erreichung des angesteebten Zieles und zur Ermög-liohung allgemeinerer Anwendung der Serumtherapie es nothweadig ist. grosse Mengen iiusserst wirksamen Serums darzustellen. Zu dem Zwecke ist es erforderlich, grosso Thi e ri nd i v id u en (die leicht die Entziehung einer grösseren Quantität Blutes vertragen) zil immunisiren. Man hat ferner hierfür solche Speeres auszusuchen, die zunächst eine sehr erhebliche natürliche Empfänglichkeit für die entsprechende Infectionskrankheit besitzen; und man muss danach streben, diese Thiere so hochgradig wie nur irgend möglich zu immunisiren. Denn es kommt ja. wie wir bereits oben (p. 190) sahen, bezüglich der Wirksamkeit des Heilserums auf die Differenz zwischen dem ursprünglichen Immunitätsgrado und dem durch die Iinmunisirung erlangten an. Als passendste Thierspecies haben sich nach alledcm für die Diphtherie der Hammel, für den Tetanus das Pferd erwiesen. Selbstverständlich müssen die behufs der Vorwendung zu Heilzwecken beim Menschen zu immunisirenden Thier-individuen völlig gesund sein.
Die grössten Schwierigkeiten bei der Bereitung des Heilserums macht die primäre Iinmunisirung der Thiere, aus deren Blut das Serum hergestellt werden soll. Speciell für Tetanus und Diphtherie sind eine ganze Reihe von Immunisirungsmethöden angegeben worden.-) Am zweckmässigsten hat sich bei den Behring'schen Untersuchungen, und zwar zunächst für Tetanus und Diphtherie, die „cumbinirte T mniuni sirungsine thodequot; :;) des Autors erwiesen. Dieselbe be­steht darin, dass die giftigen Bakteriencultureu zunächst durch chemische Beeinflussung, und zwar am besten durch einen (procentisch genau bestimmten) Znsatz von Jodtri chlor id, in ihrer Giftigkeit geschädigt werden. Mit so geschädigten Culturen werden die Thiere zunächst behandelt. Allmählich geht man dann zu weniger geschädigten Culturen über, bis man schliesslich zu gar nicht beeinllussten, voll-virulenten Culturen gelangt, die zunächst in kleinster, dann in mehr und mehr steigender Dosis angewandt werden. Der Immunitätsgrad erfährt dabei von Impfung zu Impfung eine Steigerung. Ohne die
') Diosc Heilversuohe haben zimäohal mit Sloherheil die völlige ünsohäd-liohkeit laquo;los Diphtherie- and Tetonnslieilseruma l'fir den erkrankten Menschen erwiesen.
-) Eine Auamp;ählnng der Metboden zur [mmunisirung gegen Diphtherie lin-det man bei Bohring, Die Qeschiobte der Diphtherie, Leipzig, (i. Thieme, 1893. p 162,
;1) Behrlng, Die Blutseruratbempie I- Leipzig, (•• Tbierae. iv.ci. p, lquot;gt;.
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19-2
Die Baktorion als Krankheitsorreger,
Anwendung voll virulenter ('nl tu reu bei der hnmuni-sirung sind hohe Immunitfttsgrade ttberhaupt gar nicht zu erreichen. Das Princip der Inununitätssteigerung durch Ein­verleibung immer grosser werdender Mengen vollgifügen Materials stammt von Eh rlio li.' i
Bei der künstlichen [mmunisirung der Thiere beobaohtet man jedesmal nach der Application des [mpfstoffes eine Reaction dos Organismus, welche sieh •/.. B. bei Pferden, die gegen Tetanus immunisirt werden-), in Temperatursteigerung, Abnahme des Körper­gewichts und in einer bestimmten Verändernng der Blutbesohaffenheit äussert. Die letztere bestellt in einer veränderten Art der Serum-aussoheidung des Aderlassblutes; das Serum wird viel langsamer als bei dem Impfthiere ausserhalb der Reactionsperioden und als bei nor­malen Pferden ausgeschieden; das ausgeschiedene Serum umspült den Blutkuohen nicht frei beweglich, sondern hängt in einem Netz van Fibrin-liiden. Während einer jeden Heactionsperiode ist der Zustand der Imnmnitiit des Impfthieres und demgemäss auch derlmmunisirungswerth seines Blutserums ein niedrigerer als vor der Einverleibung des Impf­stoffes. Nach der Reactionsperiode jedoch, d. h. nach dem Ablauf der Impfkrankheit, zeigt sich der [mmunisirungswerth des Blutserums gegenüber dem Zustande vor der Impfung jedesmal gesteigert.8) Wie Brieger und Ehrlich1) (an Ziegen, die gegen Tetanus immunisirt wurden) gefunden haben, folgt auf diesen Anstieg des Imnniiiisirungs-werthes seoundär wieder ein massiger Abfall, worauf dann der Immu-nisirungswerth eine constant bleibende (den Zustand vor der Impfung überragende) Höhe behält. Zum Behufe möglichst schneller und aus­giebiger Steigerung der Immunität soll jede neue Impfung zu derjenigen Zeit vorgenommen werden, wo der Immunitätsgrad nach der vorher­gehenden Heactionsperiode seine höchste Höhe erreicht hat (Brieger und Ehrlich). Jedenfalls muss die Heactionsperiode jedesmal völlig überwunden sein: das Thier muss wieder ganz gesund sein. Das letztere gilt natürlich auch für die Wahl des Zeitpunktes, an welchem dem immunisirten Thiere Blut zum Zwecke der Gewinnung von Heil­serum entzogen werden soll: denn, so lange die Reactionsperiode
') Dentaohe med. Wochensohr. 1891. p, üT.s.
-i Cf. Behring und Casper (Bebring, Die Blutserumtberapie. II. Leipzig, Q. Thieme, 1802. p, 105),
#9632;:i Eine Steigerung der Immimitilt lioi einem bestimmten Thier ist so lange mögiioh, so lange es noch gelingt, durch die [mpftingen Reaotionen hervorzurufen (Behring und Knorr, Zeitschr. f. Hyg. Bd. 13. 1893. |gt;. 414),
') Zeitschr. f. Hyg. Bd. 13. 1893. p. 336ff.
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1. Eünleitendes,
193
andauert, sind die giftigen Impfstoffe noch nicht völlig aus dem Blute versehwunden.')
Das zu Heilzwecken zu verwendende Serum lässt sich durch einen Zusatz von '/j0/,, Carbolsäure oonserviren.9) („L'arhol-h e il s e r u mquot;.)
Ueher die chemische Natur der im Heilserum vorhandenen wirksamen Substanzen ist bis jetzt wenig Sicheres bekannt, lieh ring und Knorr8) haben gefunden, dass die „Tetanusheilkörperquot; sehr widerstandsfähig gegen physikalische, chemische und atmosphärische Einflüsse sind, dass sie bei der Dialyse des Serums in das Dialysat übergehen, und dass sie in dem letzteren die characteristischen Biweissreaotionen durchaus vermissen lassen.
Durch Ehrlich1) ist der Nachweis geführt worden, dass die im-munisirenden Substanzen des Blutes in die Milch überzugehen ver­mögen, und dass durch Säugling Immunität hervorgerufen werden kann. Gleichzeitig hat Ehrlich festgestellt, dass Immunität resp. Gift­festigung durch die Mutter, aber nicht durch den Vater, auf die Nachkommenschaft übertragen wird. Bei der Vererbung der künstlichen Immunität kommen nach den Ermittelungen Ehrlich's zwei difi'erente Factoren in Betracht: erstens die Ver­sorgung des fötalen Blutes mit immunisirenden Substanzen aus dem mütterlichen Blute, und zweitens die durch die Säugung bedingte Ver­mehrung' dieser Substanzen im Organismus des Kindes.
Bezüglich der Dauer, der Haltbarkeit der künstlichen Immunität hat man die beiden verschiedenen Arten, nach denen Immunität erworben werden kann, scharf auseinander zu halten. Ist die Immunisirung eine „activequot;''), d. h. vollzieht sie sich durch Ueber-stehen einer Impfkrankheit, muss der Organismus die bei der Impfung eingedrungenen giftigen Substanzen selbst überwinden, und schafft er sich so selbst eine Resistenz gegen ähnliche Invasionen giftiger Sub­stanzen, so ist die aus diesem Kampf des Körpers mit den
') Bohr inlaquo; und Knorr (Zeiteohr. f. Hyg, Bd. 13. 1893. p. 414) entnehmen Blut von tetiiiuisimimiuisirteii Pferden zur Heilserumgewinnuug erst dann, nrenn die Thicro normales allgemeines Aussehen darbieten, wenn Temperatur und Puls normal sind, wenn das normale (vor der Impfung vorhandene) Körpergewicht wiedergekehrt ist und die Qerinnung des Ä.derlassblates (of. eben p. 192) wieder normalen Ali-lauf zeigt.
•2) Behring und Wernlcke, Zeitsohr. f. Hyg. Bd. 12. 1892. p. IS.
:1) Behring, Die Blutserumtherapie I. Leipzig, G. Tliiome, isii2. p. 62,
') Vorsuche an rieinfesten (siehe oben p. 180) Mäusen (Zeitsehr. f. Hyg. Bd. 12. 1802. p. I83ff,). Vergl. uneh Brioger U. Ehrlich, ebenda Bd. 13. 18113.
;') Ehrlich, Zeitsehr. f, Hyg. Bd. 12. 181)2. p. 189. Qttnthor, Baktoriolo'ffto.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 13
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194
li. Die Bakterien
Kmnkheitseii'eger.
Sc.had lie h kci t on rcsultircndc Immunität eine relativ feste, relativ lange Zelt andauernde. War die Immunlslrung bmgegen eine „passivequot;, d. h. wurde dem Organismus lt;lu' [mmunltät verliehen durch Einführung von Blut, Blutserum, Milch eines Immunlslrten Individuums, wurden also die imnuinisironden Substanzen dem Organismus tortig gebildet überliefert, so ist die Dauer der auf diese Weise mühelos erlangten Immunität eine relativ kurze, über eine Reihe von Wochen wahr­scheinlich nicht hinausgehende. ')
') Ehrlich, Zeitaohr. f. Hyg. Bd. L2, 1892. p. 189.
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II.
Die wiehtigsten pathogfenen Bakterienarten im
Speeiellen.
1. Der Milzbrandbacillus.
JJer Milzbrandbacillus (Bacillus anthraois, baotöridie du charbon) wurde im Blute milzbrandkranker Thiere zuerst 1849 von Pullender1) gesehen. Der Befund wurde dann von verschiedenen Seiten bestätigt, und namentlich war es Davaine-), welcher (1803) auf Grund experimenteller Untersuchungen zu der Ueberzeugung ge­langte, dass durch die in dem Blute milzbrandkranker Thiere vor­handenen Stäbchen die Milzbrandkrankheit erzeugt werde. Aber Robert Koch war es vorbehalten, das letztere schlagend zu beweisen. Koclr') gelang es, die Stäbehen künstlich zu züchten, ihren Entwickelungsgang in allen Einzelheiten darzulegen, nachzuweisen, dass die Stäbchen unter Umständen Dauerformen (Sporen) prodneiren, dass die letzteren viel resistenter sind als die Stäbchen selbst, und dass die Infectiosität milzbrandigcn Materiales eine ganz verschiedene Haltbarkeit besitzt, je nachdem das Material Spuren enthält oder nur Stäbchen. So erklärte Koch die Differenzen in den Erfolgen der früheren Impfversuche. welche ein abschlicssendes Urtheil über die Bedeutung der im Blute gefundenen Stäbchen bis dahin nicht ermöglicht hatten. .Als eins der Hauptergebnisse seiner Untersuchungen bezeichnete Koch4) den Xach-
') (CBsper's) VierteljahrsBohrlft für geriohtliohe und öffentliche Medioin, Bd. 8, Isaf), p, ii2. (Mikroskopisdbe Untersuohnng dos Blutes von an Milzbrand gestor­benen Kiilien im Herbst 18-1!).)
-) Davaine, Koeherelies sur les infusoires du sang dans la nialadie connue smis lo nom de sang de rate (Cotnptea rendus de i'aoad, des aoionces. Paris, t. 57. 1863).
8) F. Colins Beitr. z, Biol. d. I'll. Bd. 2. I87(i.
') Ebenda, p, 292.
13*
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1 IK;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;is. Dia Bakterien als Krankheitserreger!
weis, „diiss nur solohe Substanzen Milzbrand hervorriefen, aus welchen bei den gleichzeitig angestellten Culturversuchen sich sporenhaltige Fäden entwickelten und umgekehrt.quot; Hiermit war bewiesen, class die [Jebertragbarkeit des Milzbrandes an das Vorhandensein lebensfähiger Baoülenkeime geknüpft ist.
Der Milzbra ndbaeil ins ist 1—1,5 /n breit und 3—(5—10 jlaquo; lang-. Er findet sieh im Blute milzbrandiger Thiere, und zwar ent­weder in einzelnen Exemplaren oder in kleinen Verbänden, 2, 3, 6 bis 10 Stäbehen zu einem Faden vereinigt. Die einzelnen raquo;Stäbchen haben scharf abgeschnittene Enden, die Endflächen sind ganz wenig coneav eingezogen, so dass in den Fäden zwischen den zusammenstüssenden Enden je zweier Stäbchen eine Trennungsstelle entsteht, die eine kleine Anschwellung in der Mitte besitzt. Dies Verhalten ist dem Milzbrand-bacillus durchaus eigenthümlich. Es unterscheidet ihn schon morpho­logisch von anderen, im Uebrigen ähnlich gestalteten Dacillonarten. Diese eigenthünüiche Gliederung der Milzbrandbaeillenfäden kommt aber nur bei einer gewissen Färbungsbehandlung zum Ausdruck. Am Vollendetsten zeigt sie das von Roh. Koch 1877 veröffentlichte Photogramin'), welches nach einem mit Anilinbraun gefärbten, in Glycerin eingelegten Troekenpräparate von Milzsubstanz der Milzbrand-inaus aufgenommen war. Ich habe mich vergeblich bemüht, ein ähn­lich typisches Präparat für meine Tafeln zu gewinnen. Am besten zeigte sich mir in dieser Beziehung ein mit Methylenblau gefärbtes Trockenpräparat, welches auf Tat'. V, Fig. 25, dargestellt ist. Einzelne Hacillenfäden zeigen hier die typische Gliederung recht gut. Auf diesem Hilde sieht man an einzelnen Baeillenfäden den Kern und die Hülle der Bacillen deutlich dillerenzirt.'-') Diese Düferenzirung kommt durch­aus nicht an allen Trockenpräparaten des Milzbrandbacillus zum Aus­druck; sie wird aber auch nicht allzu selten, am häufigsten bei Methylenblaufärbung, beobachtet. Oben (p. 63, Anm. 1) haben wir be­reits angegeben, dass in solchen Präparaten die Hüllen oder „Kapselnquot; der Milzbrandbacillen gewöhnlich hellröthlioh erscheinen im Gegensatz zu dem blau gefärbten Kern. Auch an Schnittpräparaten, die mit Methylenblau gefärbt wurden, habe ich gelegentlich die Kapseln der Milzbrandbacillen constatiren können.
Der Milzbrandbacillus ist stets unbeweglich. Er wächst bei Sauerstoll'anwesenheit auf den gewöhnlichen bakteriologischen Nähr­böden, bei Brüttemperatur besser als bei Zimmertemperatur. Unter
') F. Colin'laquo; Beltr, z. Biol. d, I'll. Bd. 2, Taf. XVI, Fig. 6, -) Die HHllen oder Kapseln der Milzbrandbaolllen wurden zuerst von Seraflni id'. Banmgart'en'a Bakteriol. Jahresber. 1^88. p, 102) beobachtet.
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Dor Milzbrandbaoillus.
[Ql
15quot; ('. findet kein Waohsthiun statt. Zwischen IB und is0 C. ist dasselbe sehr küiumorlich. Die obere Grenze ist etwa 45deg; C. Die Gelatine wird massig schnell verflüssigt. Der luipfstich der 0 e 1 atinostichcultur zeigt häufig, aber nicht stets, feine faden­förmige Ausläufer (Taf. YI, Fig. 3;5); auf der Gelatineplatte zeigt die Colonie häufig einen zierlich gelockten Rand. Taf. V, Fig. 29. zeigt eine solche Colonie bei schwacher (43 facher) Vergrosserung. Die Lockenbildung ist, wenn man sie beobachtet, für .Milzbrand characte-ristisch. Häufig aber erscheinen die Colonien auf der Gelatineplatte ohne diesen gelockten Rand; sie bilden dann mehr oder weniger kugel­förmige Knäuel, an deren Rändern man bei seliwacher Vergrosserung aber stets ein fädiges Gefüge constatiren kann. Die Colonie auf der Platte zeigt auch nicht selten fädige Ausläufer, welche in die Um­gebung hineinwachsen, also ähnliche Bildungen, wie wir sie bei der Stichcultur sahen. Solche Colonien mit Ausläufern zeigt die auf Taf. V, Fig. 30, hei 40 facher Vergrosserung dargestellte Platte, welche übrigens nicht durch Vertheihmg von Milzbrandmaterial in der flüssig gemachten Gelatine, sondern durch oberflächliches Aufstreichon des Materials mit der Spitze des Platindrahtes auf die erstarrte sterile Gelatine (cf. p. 142) erhalten wurde. Fig. 31 auf Taf. VI zeigt ein Klatschpräparat von dieser Platte bei 1000 facher Vergrosserung. Die zierlichen fädigen Windungen der Figur 30 lösen sich hier in die deutlich gegliederten Bacillenfäden auf.
Auf Kartoffeln bildet der Bacillus einen weissen, trockenen Belag. Auf der A gar ober fläche wächst derselbe in Gestalt eines grauen, mattglänzenden Ueherzuges.
üeberall auf den künstlichen Nährboden wächst der Milzbrand-bacillus zu langen Fäden aus, die viele Hunderte und vielleicht Tausende von Gliedern enthalten können.
Ist der Nährboden in gewisser Beziehung erschöpft, so tritt in den Fäden Sporenbildung (cf. oben p. IG) ein; und zwar bildet •sich in der Mitte jedes einzelnen Bacillus eine Spore. Die Sporen­bildung ist aber noch an zwei weitere Bedingungen geknüpft: Erstens muss Sauerstoff vorhanden sein, und zweitens muss eine bestimmte Temperatur (zwischen 18 und etwa 40deg; C.) herrschen. Bei Brüt­temperatur sind die Sporen etwa 24 Stunden nach der Einsaat des Materiales in den Nährboden fertig, bei 2PC. etwa nach 72 Stunden. Die kräftigsten und schönsten Sporen werden zwischen 20 und 25deg; C. gebildet. Die Milzbrandspore besteht nach Koch1) „aus einem stark
') F. Colins Beitr. z. Biol. d. Pfl. Bd. #9632;gt;. Istlaquo;, p. 289.
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198nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; B. Dlo Bakterien als Krankbeitsei'roger.
liohtbreohenden Ti'öpfohen, vielleicht einem Oel, welches von einer dünnen l'rotopliisnmscliielit eingehüllt ist. Letztere ist. die eigentliche entwickelungsföhige Zellsuhstanz, während ersteres vielleicht einen bei der Keimung zu verbrauchenden Reservestoff bildet.quot; Fig. 84 auf Taf. VI zeigt Milzbrandfäden mit den stark liohtbrechenden (glänzen­den) Sporen. — Sind übrigens bei der Erseliöpfnng des Nährbodens die übrigen Bedingungen für die Sporenbildung nicht vorbanden, so kommt es zum Absterben der Hacillen; es bilden sich dann, wie
früher (p. 15) dargelegt, Involutionsformen (siehe Fig, 32 auf Taf. VI).
Sind die Sporen fertig gebildet, so zerfällt, wie wir üben (p. 10) dargelegt haben, der Bacillenfuden; die Sporen werden aus dem Ver­bände ausgelöst, liegen frei da und verändern sich nun nicht mehr, bis sie wieder auf einen passenden Nährboden gelangen. Hier keimen sie, bei Brüttemperatur schon innerhalb weniger Stunden, wieder zu Hacillen in der Weise aus, dass die länglich rund gestaltete Spore sieb in der Richtung ihres grössten Durchmessers verlängert, dabei an Glanz abnimmt und scbliesslicb den sich durch Zweitheilung weiter vermehrenden Hacillus repräsentirt.
Die Resistenz der Milzbrandsporen gegen äussere Ein­wirkungen ist, wie wir bereits oben (p. 26, 30) erwähnten, nach den Ermittelungen von E. v. Esmarch nicht immer die gleiche. Es giebt Milzbrandsporen, die durch öproo. Carbolsäurelösung bereits in 2 Tagen, durch strömenden Dampf von 100deg; C. in 3 .Minuten abge-tödtet werden, während es andere giebt, die die Einwirkung derselben Flüssigkeit länger als 40 Tage, des strömenden Dampfes länger als 12 Minuten ertragen. Das .Material hat je nach seiner Prove­nienz eine verschiedene Resistenz. Die Gründe dafür sind noch unbekannt.
Cham her land und Roux1) fanden 1888, dass Milzbrand-bacillen die Fähigkeit verlieren können, Sporen zu bilden („asporo-gener Milzbrandquot;), ohne dass dabei die Virulenz geschädigt zu' werden braucht. Solcher asporogener Milzbrand wurde erhalten durch Cultivirung von MilzbrandbadUen in Nährbouillon mit einem Zusatz von Vsooo ^8 ';,-,(i(io E^btinibic'-hroinat. K. B, Lehmann'2) fand später, dass Milzbrandculturen, die in langer Reibe von Gelatine ZU Gelatine weiter gezüchtet waren, asporogen geworden waren. B eh ring8) hat
') Conipt. rend, do l'aoad. delaquo; so. t. 'Mi. — Roux, Annol. do l'Inst. Pasteur. islt;m. No. I.
'-') Münch. med. Wooh. 1887, No. 28, :1) Zeitsohr, f. Hyg. Bd. 7. isso. p. \-l-gt;.
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Der Milzlinmil
199
ilaim iiiuiligowiivsen, daslaquo; die genannte Erscheinung als Ausdruck einer gewissen Degeneration anzusehen ist, die (wie bereits Chamber-land und BOUX fanden) durch gewisse für die Bacillen nicht zweck-mässige Zusätze zu den Nährböden künstlich veranlasst werden kann.
Die Virulenz der Milzbrandculturen lässt sich auf verschiedene Art und Weise abschwächen, wie wir oben (p. 179ff.) bereits er­örtert haben. Der in seiner Virulenz abgeschwächte Milzbrand wächst, wenn er das Versuchsthier noch zu tödten vermag, in den Organen häufig zu langen, schloifenartig verschlungenen Fäden aus. Eine Illustration hierzu giebt Fig. quot;28 auf Taf. V; das Präparat ist ans der Milz einer Maus hergestellt, welche mit Milzbraiulbacillen inficirt worden war, die längere Zeit im Laboratorium auf künstlichem Nährboden weiter gezüchtet worden waren.
Der virulente Milzbrand producirt auf künstlichen Nähr­böden Säure, der abgeschwächte Milzbrand bewirkt Reduc­tion des Nährbodens (B eh ring1).
Der Milzbrandbacillus ist ein faeuitativer Parasit. Ohne Zweifel findet er draussen in der Natur an geeigneten feuchten Stellen sein Fortkommen und kommt dort auch zur Sporenbildung, um dann gelegentlich mit dem Futter in den Organismus der Weidethicre, spe-oiell den Darm derselben, eingeführt zu worden und dann die Erkrankung an Milzbrand zu veranlassen.
In der Natur ausserhalb des Thierkörpers nachgewiesen ist der Milzbrandbacillus noch nicht.
Die Weidethiere (Schafe, Rinder, Pferde) werden fast stets vom Darme aus inficirt. Der Milzbrand tritt hier zunächst als Darmmilzbrand auf. Die Infection kann ausserdem auf vielen anderen Wegen erfolgen; besonders durch cutane Impfung kann der Infectionsstoff auf empfängliche Thiere leicht übertragen werden. Ausserordentlich empfänglich für cutane Infection sind Mäuse, ferner Meerschweine h e n und K a n i n c h e n. Diese Thiere können auch durch Inhalation von Sporen sehr leicht inficirt werden (Buchner)8), während sie vom Darme aus sehr schwer zu inliciren sind. Bei der Infection durch Inhalation kommt zunächst Lungenmilzbrand zu Stande. Als primärer liiingenmilzbrand ist auch die sogenannte „Hadernkrankheitquot; (Krankheit der Wollsortirer, maladie des trieors de laine, woolsorters disease) des Menschen aufzufassen, welche bei Lumpensortirern auftritt und der Kinathmung von Milzbrandsporen,
') Zeitsohr, f. Hyg. Bd. 6. 1889. -) Arch. f. Hyg. Bd. 8. 1888.
112.
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200
B. Die Bakterien nls Krankbelteerieger.
die den Lumpen anhafteten, ihre Entstehung verdankt, üebvigens Icommen die meisten Milzbrandfälle beim Menschen durch Infection von kleinen Hautwunden zu Stande (Pustula maiigna.') Bei zweokmässiger Behandlung, und öfters auch ohne diese, bleibt der Milzbrand beim Menschen local resp. geht nicht über die Lymphdrüsen hinaus. Auch Fälle von I) a rm mi 1z b ra n d sind beim Menschen bekannt geworden.
Wo die Infectionspf'orte aber auch liegen mag, der Milzbrand bietet, wenn er sich verallgemeinert und zum Tode führt, stets das Bild einer typischen Septieaemie (of, p. 170) dar; d. h. die Ba-cillen linden sich nach dem Tode nur in den Blutgefässen. Das Photogramm Fig, 27 auf Taf, V zeigt einen Schnitt durch die Lunge der an Milzbrand gestorbenen Maus bei mittlerer (150faclier) Ver-grösserung. Man sieht hier deutlich die Lagerung der Bacillen in den Blutgefässen; der auf der linken Seite des Bildes liegende durch­schnittene Bronchialast enthält keine Bacillen. Die grossen Gefasse enthalten nach Koch beim Meerschweinchen viel, beim Kaninchen weniger, bei der Maus sehr wenig Bacillen. Bei der Maus ist die Milz ausserordentlioh bacillenreich (siehe Fig. 25 u. 26, Taf, V).
Die Milzbrandbacillen finden sieh bei den Versuchsthieren nicht sofort nach der Infection innerhalb des Blutkreislaufs, sondern sie sind hier immer erst in einem späteren Stadium dos Krankheitsverlaufes anzutreffen.9)
Niemals werden in der unverletzten Milzbrandleiche sporenhaltige Milzbrandbacillen gefunden. So lange nämlich das Thier lebt, ist die zur Einleitung der Sporenbildung nothwendige Erschöpfung des Nähr­bodens nicht eingetreten; ist das Thier gestorben, so fehlt dor zur Sporenbildung nothwendige Sauerstoff.
Das Schweinquot;), der Hund, die meisten Vögel') verhalten sich
') Die Milzbrandnatur der Pustula maligna des Menschen erkannten (auf Girund des mikroskopischen Nachweises der „baotöridiesquot; und anf Grund gelungener üeber-tragungen auf Meerschweinchen) zuerst Davaine und Baimbert (Comptes rendus de l'acad. des sciences, Paris, t. .'gt;lt;). lSfi4. p. 429),
-) (i. Frank und Luharscb (Zeltsohr, f. Hyg. Bd. II. 1891, \i. 270) fanden z. B. bei Meerschweinchen, die mit einer Milzbrandsorte geimpft wurden, welche die filiere spätestens nach 34 Stunden tödtet, nie vor der 17. Stunde Bacillen im Blute: nach der 22. Stunde wurden die Bacillen nie im Blute vermisst.
8) Naoh Crookshank (of, Centralbl, f, Bakt, Bd. 8, p. 407) können Schweine an Milzbrand erkranken.
') (Janalis undMorpurgo (Portsoht, d,Mod. isiio. No. 18) machten Tauben durch H ungern milzbrandempiHnglioh,
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Der MUzbnindbaoillus
201
immun gegen Milzbrand. Die Hatte1) zeigt sich meist immun. Der Frosch ist unter gewöbnllohen Umständen immun gegen den Jliizhrand; bringt man den Frosch aber, naeiulem man Bülzbrandsporen in seinen Lymphsack eingebracht hat, in den Brütsehrank, so geht er an Milzlaquo; brand ZU Grunde!.-)
Mit den Pasteur'sclion, durch Cultivirung von virulenten Milz-brandbacillen bei Temperaturen zwischen 42 und 43deg; ('. hergestellten Vaooins (of. p. 181) lassen sich Thiere, speciell Schafe und Kinder. gegen Impfmilzbrand immunisiren; gegen den natürlichen Infections-modus (primärer Darmmilzbrand) ist die Pasteur quot;sehe Schutzimpfung nicht mit Sicherheit zu verwenden, wie durch Koch uacligewiesen Avorden ist. Hankin8) stellte im Koch'schen Institute aus Milzbrand-eulturen eine giftige Albumose dar, die, in sehr kleiner Dosis Mäusen und Kaninchen einverleibt, Immunität gegen .Milzbrand hervor­ruft. Wooldridge vermochte durch Einverleibung einer aus dem normalen Thierkörper ohne Mitwirkung von Bakterien hergestellten be­stimmten Elweisslösung Immunität gegen Milzbrandinfection hervor­zurufen (of. oben p. 184, Ahm. 2).
Der Milzbrandbacillus nimmt aus wässerigen Anilinfarbstofflösungen die Farbe schnell auf; er färbt sich auch nach der Gram quot;scheu Me­thode (p. 100 ff.).
Wir hatten uns oben (p. 100) vorgenommen, bei Gelegenheit des Milzbrandbacillus auf die Sporenfärbung einzugehen. AVie wir
') Weisse Ratten erliegen nach Metsohnikoff (Ann. de l'lnst. Pasteur 1890. No. 4) wiederholter Milzbramlimpfung stets. — Nach (i. Frank (Centralbl. f, Hakt. Bd. 8, 1890. No. 10) sind weissc Ratton dadurch stets sicher tiidtlich mit Milzbrand zu inficiren, dass man ihnen einen Seidenfaden mit angetrockneten Milz-brandsporen (of. oben p. 31) in die Bauch höhle bringt. — Nach Beb ring und Nissen (Zcitsclir. f. Hyg. Bd. 8. 1800. p, 118) sind besonders jüngere weisse Ratten emplanglich für Milzbrand. Verschiedene Rattensorten verhalten sich ver­schieden. L'eteris paribus wirkt am sichersten stets die Veriiupfung von lilut oder Organstückchon, weniger sicher die Veriiupfung Irischer Agarcultur, noch weniger sicher die Verimpl'nng von Soidenliiden mit angetrockneten Sporen. — Charrin und Roger (Soc. de Riol. Paris, liljanv. ISSIO) machten weisse Ratten durch Krnuldung (Gehen in der Tretmühle) milzbramlemptanglicb. — Nach llankin (Centralbl. f. liakt. Bd. II. 18!)2. p. 722) sind wilde, braune, ausgewachsene Ratten bei Fleisch-fütternng ziemlich resistent gegen Milzbrand; mit Brot gefüttert bekommen die Thiere Milzbrandempfanglichkeit.
'-) Nach Petruschky (Zeitsohl', f. Hyg. Bd. 7. 18811. p, 7!)) ist hierzu eine Anssentemperatur von 31—;irgt;quot; C. nothwendig. Innerhalb des Körpers von Milzbrand­fröschen findet man die Milzbrandbacillen vielfach zu langen schleifenlörmigen (ie-bilden ((^f. oben p. 199) ausgewachsen.
:') Brit. med. Journal. October 188!).
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•ilfinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;li. Die Bakterien als Krankheitserreger.
bereits (p, 71) sahen, verhalten sieh Haeillenspuren bei kurzdauernder Behandlung der Präparate mit der kalten Farblösung so, dass sie die Färbung hierbei nicht annehmen, wahrend das Baoülenprotoplasma bei dieser Behandlung ja ohne Weiteres gefärbt wird. Fig. 86 auf Taf. YI zeigt Milzbrandfäden mit Sporen; laquo;las Präparat ist mit kalter Farb­lösung kurz behandelt. Das Haciilenprotoplasma ist gefärbt; die Sporen sind ungefärbt geblieben. Die Methoden, welche angegeben sind, die Sporen ZU färben, kommen nun alle darauf hinaus, dass man die Präparate mit intensiv färbend-en Lösungen bei höherer Tem­peratur längere Zeit behandelt, dass man also alle drei Momente berücksichtigt, die, wie wir sahen (p. 98), für die Intensität der Färbung in Betracht kommen. Was die Qualität der Farblosung angeht, so würde ich stets lieber die Ehrlich quot;sehe (anilinwasserhaltige) als die Zieh I'sehe (carbolwasserlmltige) Lösung anwenden, da die erstero aus oben (p, 96) näher dargelegten Gründen intensiver färbt als letztere.
Stets ausgezeichnete Sporenfärbung erhält man, wenn man auf folgende Weise verfährt: .Man macht sich zunächst von dem sporen-haltigen Material ein Dcckglaspräparat in der gewöhnlichen Weise zurecht, lässt es lufttrocken werden und lixirt es in der Klamme. Dann giesst man ein Uhrschälchen bis nahe zum Rande voll frisch bereiteter Ehrlich'scher Aniliiiwasser-Fuchsin-Lösung (cf. p. 94), welche nicht liltrirt zu werden braucht. Nun wirft man das Deckglas so auf die Farblösung, dass es, mit der Präparatenschicht nach unten, auf der Farbflüssigkeit schwimmt. Sollte es untersinken, so schadet das nicht viel.
Nun wird das Uhrschälchen mit der Lösung und dem Präparate erhitz t. .Macht man dieses Erhitzen nicht nach gewissen zweckmässigen Regeln, so zerspringt Einem das Uhrschälchen sehr häutig; und das ist der Grund, weshalb viele Praktiker dieses Erhitzen im Uhr­schälchen verwerfen. Folgendermassen aber vermeidet man das Zer­springen der Sohälohen mit Sicherheit: Man benutzt zum Erhitzen nur eine sehr kleine Flamme, eine Flamme, die nicht höher als etwa 2 cm ist. Benutzt man den HunseiUschen Brenner, so sperrt man die Luftzufuhr zur Flamme ab und schraubt dann die Flamme bis zur angegebenen Grosse hinunter'); benutzt man die Spirituslampe, so regulirt man die Grosse der Flamme an dem Dochte. In die kleine Flamme hinein bringt man nun das mit einerstarken Pincette am
') Ausgezeichnet \'nr diesen Zweck sind die sogenannten Mikrobrenner, kleine Bnnsen'scho Brenner mit engem Rohr, bei denen ein Zurückschlagen der
Fliiiniiii' nnmötrlicb ist.
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Der Mllzbrandbnoillns,
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^
Rande erfasste ührsohälohen so, lt;lass nur seine Mitte erhitzt wird. Ist das Schälchcn etwa 2 bis 8 Seoonden in der Flamme ge­blieben, so bewegt man dasselbe langsam in vertikaler Riohtung bis etwa zur Höbe von 10 ein oberhalb der Flamme. Während dieser Zeit wird das Scbälcben durch die vertikal von der Flamme auf­steigenden Heizgase erhitzt. Nun geht mail sofort wieder in die Flamme hinunter, bleibt darin wieder einige Seonnden, geht wieder in die Höhe, wieder hinunter, und so fort, bis die Flüssigkeit beginnt Blasen zu entwickeln. In diesem Moment bricht man die Erhitzimg ab, stellt das Schälchen auf den Tisch und lässt dasselbe eine Minute lang stehen. Nun erhitzt man wieder von Xeuem bis zur Blasenbildung, lässt dann wieder eine Minute lang stehen. So erhitzt man das Schälchen etwa ö Mal und lässt dasselbe eben so oft je eine Minute lang stellen.
Die Sporen — nicht nur die Milzhraiidlmcillenspüren, sondern über­haupt vorhandene Ihicillensporen — haben nun eine intensive Färbung, in unserm Falle eine Fuchsinfärbung, angenommen. Man bringt mm das Präparat, ohne es in Wasser abzuspülen, aus der heissen Farblösinig in ein Uhrschälcheii mit 3proo, Sa Izsäure-Alcohol (p. 98), und zwar so, dass die Präparatenseite nach oben gekehrt ist. Hier bleibt das Präparat etwa eine Minute. Zweckmässig bewegt man es in dieser Flüssigkeit (mit der Pincette) öfters hin und her. Nun wird das Präparat mit Wasser abgespült. Dasselbe wird jetzt makroskopisch ziemlich oder vollständig farblos erscheinen; denn bei der Einwirkung des stark entfärbenden Salzsäure-Alcobols haben nur die Sporen die Färbung be­halten; alles üebrige ist entfärbt worden. Nun färbt man das Präparat noch ganz kurz mit kalter wässeriger Methylenblaulösung nach, spült es wiederum mit Wasser ab, trocknet es und kittet es mit Balsam auf den Objectträger auf.
Betrachtet man das Präparat jetzt mikroskopisch, so findet man die Sporen wundervoll tiefroth tingirt, während das Bacilleiiprotoplasnia blau gefärbt ist. Fig. 36 auf Taf. VI zeigt ein solches Sporenpräparat (Heubacillus, Bacillus subtilis) bei 100(1 facher Vergrosserung. Die tief dunkelen Stellen entsprechen den fuchsinroth gefärbten Sporen; die im Photogramm heller erscheinende Bacillensubstanz ist im Prä­parat blau gefärbt.
Tafel VII, Fig. 39, zeigt Hacillen mit endständigen Sporen (Tetanus) bei einfacher, kurz angewendeter Färbung mit kalter Fuchsinlösung; hier sind die Sporen ungefärbt geblieben, während sich das Bacillen-protoplasma gefärbt hat. In Fig. 40 sind Hacillen mit endständigen Sporen (Faulflüssigkeit) dargestellt, bei denen in der oben geschilderten
i
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204nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;''#9632; quot;i1' Bakterien als Krankheitserreger.
Weise eine Contrastfäi'bung der Sporen iind der Baoillensubstaiiz her­gestellt ist.
Statt der Ehrlioh'sohen Fuobsinlösung kann man übrigens auch sehr gut die entsprechende (i e nti ana violettlös ung (cf. p. 94) zur Sporenfftl'bung anwenden. Man färbt dann naeii der Entfärbung der Bacillensubstanz das Präparat mit Blsmarblcbraun nach.
2. Der Bacillus des malignen Oedems.
Der Bacillus des malignen Oedems (Bacillus oecle­matis maligni. vibrion septique) wurde 1881 von E.Koch1) entdeckt. Er kommt in ganz ausserordentlicher Verbreitung in unserer Umgebung vor. Besonders in gedüngter Gartenerde linden wir ihn regelmiissig, ferner in Schmutz und Staub, in Abwässern der Haus­haltung; auch in dorn Darmkanal der Thiere scheint er sich regel-mässig vorzufinden.
Der genannte Bacillus ist etwas schmäler als der Milzbrand-baoilius, ungefähr von derselben Länge wie dieser, hat aber im Gegensatz zum Milzbrandbacillus nicht scharf abgeschnittene, sondern abgestutzte, abgerundete Enden. El' zeigt eine schwache Eigen-beweglichkeit. welche durch Geissein vermittelt wird, die nicht nur an den Enden, sondern auch an den Längsseiten des Bacillus in grösserer Anzahl angeheftet sind (cf. p. 11). Die Methode der mikroskopischen Darstellung der Geissein ist oben (p. 75 ft'.) beschrieben.
Der Bacillus ist ein strenger, obligater Anaerobe. Er wächst auf den gewöhnlichen Nährböden bei Zimmer- und Brüttemperatur, aber nur unter Sauerstottabschluss. (Die Züchtungsmethoden siehe oben p. 143 ff.) Taf. VII, Mg. 38, zeigt ein Gelatine röhrchen, in weichem die Gelatine zunächst geschmolzen wurde, um dann mit einer geringen Menge oedembacillenhaltigen Gewebssaftes der Maus vermischt zu werden. Man sieht, wie sich in den unteren, d. h. vom Sauerstoff abgeschlossenen Theilen der Gelatine eine Anzahl Colonien der Oede m baci llen entwickelt haben. Dieselben bilden kugelförmige, mit Flüssigkeit erfüllte Hohlräume.-) Der Bacillus des malignen Oedems verflüssigt also, wie wir sehen, die Gelatine.
Nach Kitasato8) gelingt die Cultur der Bacillen des malignen Oedems mit Sicherheit jedesmal, wenn man die Milz eines an malignem
')nbsp; Mitth. a. d. Kais. (ics.-Ainte. Bd. I. 1881. p. 63ff,
-)nbsp; Das Aussohen der Culturen wurde zuerst von Liborius (Zeitsohr, f. Hyx
Bd. I.nbsp; nbsp; nbsp;1886. p. 151raquo;) besehrieben.
:))nbsp; Zeitsohr. f. Hyg. Bd. 6. isyraquo;. p. in.
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Dor Bacillus
malignen Oedemsi
•205
Oedem gsstorbenen Meersohweinohoas unmittelbar mich dem Tode unter Vermeidung von Yerunreinigungen in Meersobweinohenbouillon (Nährbouillon, aus Meersohweinolienfleisoh hergestellt)1) bringt und die Cultur untor Wasserstoff sich im Brutschrank entwickeln liisst. Die Bouillonoultnr stinkt penetrant.
Der Bacillus des malignen Oedems bildet mittelständige Sporen.
Eine sein' grosse Anzahl von Tliierspecics ist für die Infection mit dem Bacillus empfänglich. E.s sind aber zum Zustandekommen der Infection besondere Bedingungen nöthig. Eine einfache cutane Impfung, wie sie beim Milzbrand zum Zustandekommen der Infection genügt, hat hier keinen Erfolg. Der vorhandene Sauerstoff macht eine Vermehrung des Bacillus unmöglich. Legt man dagegen bei einem empfänglichen Thiero (besonders Meerschweinchen und Mäuse eignen sich dazu) eine s u b c u t a n e H a n 11 a s c h e an, indem man die Cutis nach Enthaarung der zu operirenden Stelle durchtrennt und dann mit der (sterilisirten) Pincette das subeutane Gewebe lockert, und bringt man dann eine gewisse Quantität des Infectionsstoffes (man darf nicht allzuwenig nehmen), z. B. eine kleine Messerspitze von Gartenerde, welche Sporen der Oedembacillen enthält, in die subeutane Tasche hinein, so sieht man nach Verlauf von einem bis zwei Tagen das Thier zu Grunde gehen. Bei der Section findet man ein all­gemeines subeutanes Oedem und hierin massenhaft die beschriebenen Bacillen.-') In dem sauerstotfhaltigen Blute konnten die Bacillen nicht zur Vermehrung gelangen, sie fehlen deshalb bei der sofort nach dem Tode vorgenommenen Section im Blute und den inneren Organen; sie sind lediglich in dem sauerstoffarmen Subcutangewebe zu linden, wo sie sich haben vermehren können. Bleibt das Thier nach dem Tode liegen, so dringen nun die Oedembacillen aus dem Subcutangewebe in den sauerstoffarmen Organismus vor und durchwuohern schrankenlos alle Organe.
Am allerempfänglichsten für das maligne Oedem scheint sich die Maus zu verhalten. Die Maus zeigt bezüglich der Vertheilung der Bacillen in ihrem Körper ein von dem beschriebenen abweichendes Verhalten. Wir linden im Mäusekörper schon bei den ersten Krank-
i) Die Daistellung siehe Zeiteohr. f. Hyg. Bd. 6. ismi. p. 107.
-) Erfolgte die Infection nicht mit einer Reincultur der Oedembacillen, sondern (wie in unserem Beispiel) mit miroinem Material, z. li. Oartenerde, so linden sich in dem Oedcmsaft neben den speolflsohen Oedembacillen noch andere Bakterien. Lttderitz (Zeitsohr. f. Hy^. Bd. 5. 1888) hat ans dorn Körper von Mäusen und Meerschweinchen, welche nach Infection mit Gartenerde gestorben waren, 6 verschie­dene, nicht pathogene, anaerobe Macillenarten reingezttchtet.
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•Julinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; I!. lgt;io Bakterien als KrankhsltaBrregeri
beitssymptomen Baoillen im Blute, ßamentlioh in der Lunge.1) Die Bedingungen für die Vermehrung der Baoillen in dein Körper der .Maus soheiaen so günstige zu sein, dass sl1''^1 von vornherein die Baoillen in raquo;lie Organe vordringen und die Gefflsse durchbrechen; das hat dann zur Folge, dass schon frühzeitig die Bacillen durch das Blut in die Lunge etc. verschleppt werden.-) Fig. 37 auf Tatquot;. VIl zeigt Oedeni-baoillen im Saft des Meerschweinchens bei lOOOfacher Vergrösserung.
Zwei Fälle von malignemOedem beim Menselien haben Brieger und Ehrlich8) besclirieben. Ks handelte sich um zwei Typhuskranke, die drei Tage nach der Application einer Musi-luisinjectiün, mit welcher zufällig Keime des malignen Oedems in das Unterhautgewebe gebracht worden waren, an malignem Ocdeni zu Grunde gingen. Nur unter dem Einflüsse schwächender Momente (in den citirten Fällen des Typhus) scheint der Mensch für die Infection mit dem malignen Oedem empfänglich werden zu können. Eine Infection gesunder Menschen ist bisher nicht beobachtet.
Einen Fall von M ischinfcction von malignem Oedem und Milzbrand hat Koch') bei einem Meerschweinchen beschrieben.
Empfänglich sind für die Infection mit malignem Oedem Mäuse. Meerschweinchen, Kaninchen, Ziegen, Kälber, Schafe, Pferde, Esel. Schweine, Katzen. Hunde, Hühner, Tauben, Enten. Immun sollen sich Rinder verhalten. Die Passage (lurch den Körper der weissen Eatte soll die Virulenz des Bacillus abschwächen (Oornevin). Verschie­dene Thierspecies können gegen die Infection immunisirt werden (of. p. 184, Anm. 1).
Der Bacillus des malignen Oedems färbt sich mit kalten wässe­rigen Farbstotl'lösungen gut; er färbt sich nicht nach der öram'-sohen Methode (cf. p. 100 ff.).
3. Der Tetanusbacillus.
Dass der Wundstarrkrampf eine von einem Individuum auf das andere übertragbare Infectionskrankheit sei, wurde zuerst von Carle und Kattone'') 1884 festgestellt. In demselben Jahre fand dann Nicolaier0) in Göttingen eine Gartenerde, welche, suhcutan
') Koch, Mittlx. a. (1. Kais. Ges.-Amte, Bd. l. 1881. p. 54.
*) of. C. Praenkel, Grundriss der Baktorienkunde. 'i. Aufl. 1890. p. 2S)v
•') Berl. klin. Woohensohr. 1882. No. 14.
') Mitth. a. d, Kais. Gea.-Amte. Bd. 1. ISSI. p. (17.
•') tiiciniale della R. aooad, di humI. dl Torino. 1SS4.
u) Dentsohe med. Wochenschr. 1884. No. 53,
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Der Tetanusbaoillus,
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auf Mäuse, Meersohweinohen, Kaninobeu flbortragen, die Erkrankung
und den Tod der Thiere an Tetanus veranlasste. Die Krankheit licss sich, durch üebertragung des Wundeiters, von Thier zu Thier weiter fortpflanzen. In der Umgebung der Infeotionsstelle fand sieh, und zwar stets in Gesellschaft anderer Mikroorganismen, ein ianger, dünner. borstenförmiger Bacillus mit einer endständigen Spore (Köpf-ohenspore). Diesen Bacillus reinzuzüchten gelang nicht. Dann fand Rosen bach1) in einem Falle von Prostgangraen heim Menschen, der sich mit Tetanus complicirto, die Nico la ier'schen Stäbehen wieder, constatirte auch die Infectiosität dos diese Stäbchen enthallenden Materiales für Versuohsthiere. Eine Reinzüobtung gelang aber auch R o s e n b a c h nicht. Sie gelang auch vielen anderen Untersuchern nicht, die im Uebrigen den characteristischen Bacillenbefund in ihren Fällen meist bestätigen konnten.
Erst Kitasato-) ist es gelungen, die Stäbchen mit den Köpfchen­sporen, welche übrigens als exquisit an aerobe Organismen auch vor­her schon erkannt waren, reinzuzüchten, und zwar auf folgende Weise: Auf schräg erstarrtem Blutserum oder Agar wurde Tetanuseiter aus­gebreitet; die Gläschen wurden bei ;!() — H80 C. gehalten. Nach 48 Stunden fanden sich aussor anderen Bakterien auch borstenförmige Bacillen reichlich. Jetzt kam die Cultur auf 8/4 bis 1 Stunde in das vorher auf 80quot; C. erhitzte Wasserbad, wobei die vegetativen Formen zerstört werden mussten. Nun wurde N'ährgelatine mit einer Oese der Cultur gemischt und in Schälcben ausgegossen, in. welche Wasser­stoff geleitet wurde (of. oben p. 145, Amn. 1). Diese Schälchen wurden bei 18—20deg; ('. gehalten. Nach einer Woche iing hier die Bildung isolirter Golonien an, welche natürlich Rein cult uren darstellten, und durch deren subeutane Einbringung bei Versuchstbieren jedesmal Tetanus erzeugt werden konnte.
Später gelang es Kitt8), aus Tetanuseiter auch ohne Zuhülfe-nalune der Erhitzungsprocedur') sichere Reincnltnren des Tetanus-bacillus zu gewinnen. Das Ausgangsmaterial, welches nicht zu sehr durch fremde Spaltpilze verunreinigt sein darf, wurde mit sterilem Wasser stark verdünnt, und die Flüssigkeit dann in oberflächlichen
') Langenb. Ardh. Bd. 34. 1886.
-) Zeitsohr. f. Hyg. Bd. 7. 1889.
;l) Centralbl, f. linkt, lid. 7. 1890. No. 10.
') Kitasato (Zeitsohr. f. Hyg, Bd. 10. L891. p. 306) hat es Kitt gegen­über bestritten, dasraquo; diigt; #9632; Beinztlohtung dos Tetanusbaoillus ohne dio Erhitznngs-procedur möglich ist. Nach Kitasato gelingt os mir durch die Erhitzung zuver­lässig, die begleitenden ftioultativen Anaäroben wegznsohaffen.
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1gt;. Die Bakterien mIs RrEinkbeitserreiieri
[mpfstxiohen (of. j). 142) auf Pferde- oder Sobafblutserurn aufgeimpft. Dk' Culturcii wurden in einer Atmosphäre gehalten, die nach der Büchner'sehen Methode (p. 144) smierstofffrei gemacht wurde.
Ks möge hier bemerkt werden, dass es vielen Untersneliern bei Befolgung der Ki tasato'sehen Vorschrift nicht gelungen ist, ans tetanuslmeillenhaltigem Material Keineulturen des Tetanusbacillus dar­zustellen. Wie Sormani1) und später auch Xicolaier'2) betont haben, kann die Krhitzungsprocednr Kitasato's selbstverständlich mir dann zum Ziele führen, wenn zufällig neben den Tetanussporen nicht noch andere widerstandsfähige Sporen in dem zu erhitzenden Materiale vorhanden sind.3)
Der Tetamishacillus resp. seine Dauerform lindet sich in grosser Verbreitung in unserer Umgebung. In Erde, Staub, Kehricht sind Tetanuskeime anzutreffen1); auch in Thierexcrementen (Pferd, Rind etc.) hat man sie öfters nachgewiesen. •'')
Der Tetanusbacillus ist etwas kleiner als der Bacillus des malignen Oedems, liegt oft einzeln; in den Culturen zeigt er sich aber oft zu langen F ä d e n ausgewachsen. Er hat eine deutliche, aber wenig lebhafte Eigenbewegung. Sporentragende Stäbchen sind übrigens stets unbeweglich (cf. p. 16). Der Bacillus ist obligat a n a ö r o b.
Er wächst, wenn man seine anaeroben Eigenschaften berücksich­tigt, auf den gebräuchlichen Nährböden, bei Brüttemperatur besser als bei Zimmertemperatur; unter 14quot; C. lindet kein Waohsthum statt. In Gelatine und Agar zeigt die Cultur feine strahlige Ausläufer (federartiges, distelartiges Aussehen). Die Gelatine wird langsam
') Verhandl. d. 10. internat med. Congr. Berlin (890. Bd. 6. Abth. 15. p. 153.
-) Virch. Arch. Bd. 128. 1892.
8) Nioolaier (Virch. Arch. Bd. 128, isirij glückte die Beinooltivlrung, IiuIimh er die zunächst erhaltenen anreinen Cultmen S'/s Min, lang im strömenden Wasser-dampf von looquot; C. erhitzte and dann davon Platten anlegte. Auch hier wurde das (iclin^en der Beincultur nur dem zofiUligen Umstände verdankt, dass andere resistente Sporen in dem ZU erhitzenden Materiale fehlten,
') Nach Le Dan tee (Ann. d. l'Inst. Pasteur. 1890. p, 71(111'.) stellen sich die Eingebomen der Neuen Hebriden tetanuserzeugende Qlftpfeile dadurch her, dass sie die (knöchernen) Pfeilspitzen (unter Zuhülfenahme eines vegetabilischen Klclie-mittels) mit Sumpf schlämm überziehen.
•') Sormani (Verhandl. d, 10. internat. mod. Congr. Berlin 1800. Bd. 5. Abth. 15. p, 152) tritt lebhaft für die „l'äcale Theorie des Tetanusquot; ein. Naeh dem Autor stammen die virulenten Tetanuserreger stets aus dem Darm von '('liieren resp. aus Faeces; und zur Virulenzerhaltung des Tetanusbacillus ist öftere Passage durch den Darm nothwendis.
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Der TetaauBbaoiUus,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 209
verflüssigt.1) Die Cnltaren haben einen widerwärtigen Ge­ruch. Auf Blutserum wächst der Tetniiiisbaciiliis scldecld; d;is Blutsenun wird nicht verflüssigt.-)
Der Baoillns bildet endständige, kugelrnnde Sporen, die dicker sind als der Bacillus. Dieselben werden bei Brüttemperatur in etwa 80 Stunden8), bei 20—25deg; 0. erst nach 7 Tagen gebildet. Die Spuren ertragen im feiiclitcn Zustande eine einstundige Erhitzung auf 80deg; C; dagegen werden sie durch einen 5 .Minuten langen Aufenthalt bei 100deg; (!. im Dampfapparate getödtet. Unter natürlichen Verhält­nissen vermögen die Tetamisspuren ihre Keimfähigkeit ausserurdentlich lange zu erhalten.
Fig. 39 auf Tat'. VII zeigt sporentragende Bacillen, welche aus einer Agarstichcultur entnommen sind.
Der Tetanusbacillus färbt sich gut bei kurzer Behandlung mit kalten wässerigen Farblösungen; er färbt sich auch nach der (iram--sohen Methode (p. 100 ff.),
Von Thieren sind für die Tetanusinfection hervorragend empfänglich das Pferd1) und das Meerschweinchen, etwas weniger Mäuse, noeb weniger Kaninchen, noch weniger Ratten; Hammel8), Hunde, Tauben sind gering empfänglich; das Huhnquot;) ist unempfänglich für Totanus. Werden die Thiero mit unreinem, aussei- Tetanuskeimen noch andere Keime enthaltenden Materiale (Staub. Erde) inficirt, wie es bei der natürlichen Infection die Hegel ist, so findet sich bei der Section an der Infcctionsstelle Eiter, welcher (ausser anderen Bakterien) sporen­trage n de Tetanusstäbeben enthält. Nie finden sich die Tetanus-baoillen an anderen Stellen des Körpers als an der Infectionsstelle (cf. oben p. 175). Wird die Infection mit einer Reincultur bewirkt.
') Wenn die Virulenz der Cnltnreti sehr abgosohwäoht ist, so wird die Gelatine nach Tizzoni und Cattani (Rifbrma medioa 1891. No. 89, p, lös) nicht mehr verflüssigt,
raquo;) cf. Kitasato, Zeitschr, f. Hyg. Bd. in. 1891, p. 306, — Wenn die Viru­lenz der Biieillen sehr gross ist, so verflüssigen dieselben mich Tizzoni und Cattani (Rilbrma medioa 1891. No. sit. p, irgt;s) das Blutsenun,
!1) Nach einer Angabe von Brieger, Kitasato und Wassermann (Zeitschr. f, Hyg. Bd. 12. 1892. p. 160) bilden die Tetanusbadllen, in streng neutraler Peptonbouillon unter Wasserstoff im Brutschrank gezüchtet, während der ersten :t(l Stunden, trotz sehr reichlichen Wachsthums, keine Sporen. Derartige, c. 2J Stun-don lang gewachsene Culturen eignen sich vortrefflich, wenn es darauf ankommt, sporenfreies Tetanusmateria] zu haben.
l) Bio Incuhatioiisperiode beim Pferd betrügt nach Schütz (Zeitschr. f, llyg. Bd. 12. 1892. p. 81) 4—6 Tage.
•quot;') DieInoubationsperiode beim Hammel betrügt nachSohütz (ebenda) 2—l Tage.
quot;) Ermittelung von Kitasato (Zeitschr. f, Hyg. Bd. 10, 1891. p. 301). (iiintliL'r, Bakterlologio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;I-I
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B. Die Bakterien ills Ki'ankbeltseri'e
so ist mir Hyperaemie an der [mpfetelle, aber keine Eiterung vorbanden; und es linden sieb in soloben Fällen auch keine Tetanus-hacillen hei der Section des Thieres: die liacillen sind, ohgleich sie typi-schen Tetanus veranlasst baben, spurlos im Tbierkörper verschwunden.1)
Wie bereits oben (p. 175) ausführlich erörtert wurde, gehört der Tetanusbaoillus zu den toxischen Bakterienarten. Er wirkt deletür auf den empfänglichen Tbierkörper ausschlicsslich durch ein furchtbares speci fisch es (lift, welches er bei seiner Vermehrung auf dem (natürlichen oder künstlichen) Nährboden bildet. Dringen Tetanuskeime in laquo;las subeutane Gewebe eines empfanglichen Individuums ein (die anaerobe Natur des Tetanusbacillus gestattet, wie das auch beim Ba­cillus des malignen Uedems [p. 205J der Tall ist, die Infection nur vom Suboutangewebe aus), so vermehren diese Keime sich local an der Infectionsstelle und bilden hier das IVtanusgift, welches dann in das Innere des Körpers hineingelangt und die Allgemeinsymptome der Tetanuskrankheit bewirkt, Wir haben hier also primär eine Tetanus-infection (Vermehrung der Keime) und seeundär eine daraus resul-tirende Tetanus intoxication. Da das Totanusgift aber nicht bloss im inlicirten Körper, sondern auch auf künstlichem Nährboden, in der Cultur, gebildet wird, so kann man auch eine primäre I n t o x i c a t i o n erzielen, und zwar dadurch, dass man dem empfänglichen Thiere eine künstliche Tetanusbacillencultur (in zweckmässiger Dosis) einverleibt, welche auf passende Weise von den lebenden Tetanuskeimen befreit ist, das gelöste Gift aber enthält. Der Erfolg ist, mag die Intoxication eine seeundäre oder eine primäre sein, derselbe: das empfängliche Thier erkrankt an Tetanus. Die Tetanusempfänglichkeit ist eine Kmpfänglich-keit für die speeifische Vergiftung.
Durch aus schlioss 1 iche Verimpfung absolut gift­freier (durch Auswaschung von dem gelösten Gifte befreiter) Te-t a n u s k e i m e (in nicht allzugrosser Quantität) gelingt es übrigens, nach Untersuchungen von Vaillard und Vincent-), nicht, Tetanus­erkrankung zu erzeugen. Diese Keime scheinen allein, ohne fremde Beihülfe, im normalen Körper sich nicht vermehren zu können. Da­gegen erlangen diese Keime, wie die genannten Autoren ermittelten, die Fähigkeit der Vermehrung und damit der Tetanuserzeugung, wenn zugleich mit ihnen fremde, die Infectionsstelle schädigende Dinge (z. B. etwas Milchsäure, etwas Trimethyhimin, eine Cultur von Bac. prodigiosus etc.) dem Tbierkörper eingeimpft weiden, oder wenn die
') Kitasato, Zeiteohr. f. Hyg, Bd. 7. isstt. p, 231. raquo;) Annales de l'Inst. Pasteur. 1891, p, 24ff,
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Der TctiiimsUicilliis.
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Impfstelle traumatiscli geschädigt wird. Bei der Tetanusinfcctiuii, wie sie unter natürlichen Verhältnissen (durch Eindringen von Erde, Staub etc. in das verletzte Unterhautgewebe) stattfindet, gelangen nie Tetanus­keime allein, sondern stets zugleich andere Bakterienkeime in den Körper hinein, welche die Vermehrung der Tetanuskeime begünstigen.1)
Das specilische Tetanusgift, welches in künstlichen (Julturen des Tetanuslmcillus gelöst enthalten ist und im tetanuserkrankten Körper mit den Säften circulirt'-), ist seiner chemischen Natur nach noch ziemlich wenig bekannt. Durch Erhitzen wird es geschädigt. Bereits 5 Minuten lange Erhitzung auf 65deg; C, 20 Minuten lange Er­hitzung auf 60deg; C, l1/.. stündige Erhitzung auf 55deg; C. schädigt das Gift sehr erheblich; zu seiner völligen Zerstörung ist allerdings eine intensivere Einwirkung der Hitze nuthwendig. Ebenso wirken auch Austrocknen bei Brättemperatur, Eintiuss dos Lichtes, des Luftsauer­stoffs, schädigend auf das Gift.8) Es ist sehr schwer, eine das Tetanus­gift enthaltende Lösung in unveränderter Giftwirkung zu conserviren. B e h r 1 n g und K n o r r') fanden am zweckmässigsten hierfür einen Zusatz von 0,8 0/0 Carbolsäure und Aufbewahrung in fest verschlossenen Flaschen.
So wie die Empfänglichkeit für den Tetanus als Empfänglichkeit
') Infloirt man Vorsiicbstliiere (woisso Mäusi', Meerschweinchen etc.) mit totanua-sporenhaltigei Erde, und Überträgt man niicii dein Tode des Thieres von dem eitrigen Material der Infeotionsstelle etwas auf ein neues Tbier u. s. f., so gelingt es gewohnlioh nicht die Tetannserkranknn^ über das dritte Thier hinaus zu erzeugen. Die erste, mit Knie geimpfte, Maus stirht gewöhnlich nicht vor dem 3. his 4. Tage an Tetanus; die Tetanussymptome entwickeln sich bei ihr sehr langsam und sind wenig characte-ristiseh; das von dem ersten Thiere geimpfte zweite Thier erkrankt gewöhnlieh he-reits innerhalb 12 Stunden nach der Impfung unter klassischen, schnell sich steigern­den Starrkrampferscheinungen und stirht gewöhnlich vor Ablauf des ersten Tages nach der Impfung. Bei weiteren Uebertragungsversuchen von Thier zu Thier be­kommt man, wie gesagt, sehr bald negative Resultate. Nach Valllard und Beuget (Ann. de ITnstitut Pasteur IS1I2. |). 428) ist der Grund hierfür der, dass die Bakterien, deren Mitühertrngung die Vermehrung des Tetanusbacillus im Thier-körper ermöglicht oder begünstigt (siehe das Vorhergehende oben im Text), von Thier zu Thier eine „progressive Verminderung an Zahl und Wirksamkeitquot; erleiden.
'-') Beim Menschen wies zuerst Nissen (Deutsehe mod. Woehensehr. 1801. Mo. 24) das Gift in dem circiilirenden Blute des Tetanischen nach. — Das Tetanus­gift kann gelegentlich auch in den Harn übergeben. — Mit dem specitisehen Totanusgift haben nichts zu tlum gewisse von Brieger aus Tetannseulturen herge­stellte Alkaloide, von denen namentlich das Tetan in t',;, 1T.,(,N,jO, ttusserst giftig und starrkrampferregend wirkt.
:') Vergl. Kitasato, Zeitschr. f. Hyg. Bd. 10. Isül, Vaillard und Beuget, Annales de l'Inst. Pasteur. I8it2. No. tgt;.
') Zeitschr. f. Hyg. Bd. 13. 18!):raquo;.
14*
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•212nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; lgt;. Dlo liaktci'ii'ii als Ki'iuililicitscnv^or.
für die Vergiftung angosehen werden muss (of, oben p. 210), so ist iiucli (durch B ehrin g und Kitas a to; siehe oben ]). 187 ff.) die erworbene Immunität gegen den Tetanus als eine Immunität gegen die Vergiftung, als Q-iftfestigkeit erkannt wurden. Wir haben oben (p. 1!)1 ff.) des Näheren auseinandergesetzt, dass es gelingt tetanus-empfängliohe Thiere gegen Tetanus zu immunisiren und die künstliche Immunität künstlich weiter zu steigern; und wir sahen, dass das Blut und spedeU das Blutserum der künstlieh immunisirten Thiere tetanusgiftzerstörende Fähigkeiten besitzt, und dass diese Fähig­keiten sowohl im Reagenzglase wie im (tetanuskranken) Thierkörper zum Ausdrucke gelangen. Auf dieser tetamisgiftzerstorenden Higen-schaffc des Blutserums tetanusimmunisirter Individuen beruht, wie wir sahen, die Möglichkeit, mit derartigem Serum tetanusempf'ängliclie Individuen gegen Tetanus zu immunisiren und bereits erkrankte zu heilen.
Die Tetanusheilkörper, d. h. die in dem Blutserum immu-nisirter Individuen enthaltenen, immunisirend und heilend wirkenden chemischen Substanzen, .sind ihrer chemischen Natur nach noch sehr wenig erforscht. Nach Be bring und Knorr1) sind sie ausserordent-lich widerstandsfähig gegen chemische, physikalische und atmosphärische Einflösse; bei der Dialyse des Serums gehen sie in das Dialysat über und lassen in dem letzteren die characteristiseben Kiweissreactionen durchaus vermissen.
4. Der Rauschbrandbacillus.
Vielfach mit Milzbrand verwechselt wurde früher eine Krankheit, welche zuerst 187(3 von Feser und von Bollinger als „Rauscb-brandquot; lixirt und so vom Milzbrande getrennt wurde. Der Rausch­brand-) (oharbon symptomatique) ist eine über die ganze Erde ver­breitete, jedoch immer nur in bestimmten Gegenden heimische, sporadisch auftretende, sehr häufig mit Milzbrand zusammen vorkommende Infec-tlonskrankheit, die fast nur Rinder, und zwar hauptsächlich junge (1—3 Jahre alte) Individuen, befällt und besonders in den Monaten Juni bis September auftritt, wo die Thiere auf die Weide getrieben werden. Der Krankheitsverlauf Ist meist ein sehr stürmischer, fast stets tödtlicher. Die Thiere erkranken mit uniegelmässig begrenzten.
') Behring, Die Blutsorumtherapie, I. Leipzig, (i. Thieme, 1892. p. 'yi. *) Die Folgende SebUdeinng lehnt sieh an die Skizze von Kitt (Ontralbl. f, linkt. Bd. I. isst. No. 23—26) an.
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Der Rauaabbiandbaoilluainbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 'il'i
beim üeberstreiohen und Drücken deutlich knisternden („rauschendenquot;, „Rausohbrandquot;) Anschwellungen der Haut und Musculatur, besonders der Schenkel und Brust; dabei bestehen Störungen des Allgemeln-beflndens und hohes Fieber, und 3(j—40 Stunden nach dem Beginn der Erkrankung erfolgt der Tod. Die Cadaver .sind stark aufgetrieben. Das Unterhautgewehe stellt eine sulzlge, gelblich oder blutig geförbte Masse dar, welche die morsche, mit Gas durchsetzte, seliwar/lmumrotlie Musculatur bedeckt. In dem (läse fand Kitt 7(5quot;/,, Wasserstoff.
In dem erkrankten Gewebe liudet sich ein specifischer Bacillus, welcher von F esor und Dolling er bereits als Erreger der Krank­heit angesprochen wurde. Arloing, Cornevin und Thomas er­hielten ihn in künstlicher Cultur, mit der sie Thiere erfolgreich inli-ciren konnten. Kitasato1) gelang es den .Bacillus in festen Nährböden sicher rein zu cultiviren.
Der Rausobbrandbacillus ist 3 bis (5 ,u laug. (),quot;gt; bis 0,7 jlaquo; dick. In der Cultur liegen die Stäbchen meist einzeln. Sie zeigen massig lebhafte Kigenbewegung. Jedes Exemplar besitzt zahlreiche Geissein wie der Bacillus des malignen Cedcms (of. p. 204); die­selben lassen sich nach der L 0 eff 1 er'sehen Geisselfärbungsmethode (]). 75ff) mikroskopisch darstellen. In Blutserumculturen des Hauschbnuulbacillus hat Locffler-') gelegentlich seiner Studien über Geisseifärbung eigenthümliche, spiralig gedrehte, haarzopf-ähnliche Gebilde von verschiedenster Grosse angetroffen. Diese Gebilde, welche sich in Präparaten, die nach der Geisselfärbungsmethode behandelt sind, gefärbt zeigen, aber auch ungefärbt im hängenden Tropfen zu sehen sind, bestehen nach Locffler's Ansicht vielleicht aus zusammengedrehten abgerissenen Geisseln. Diese Haarzöpfe wur­den bei keiner anderen Bakterienart gefunden; sie wurden in (ielatinecnltnren der Rauschbrandbacillen ebenfalls vermisst.
Die Rauschbrandbacillen sind exquisite Anaöroben. Sie wachsen auf den gewöhnlichen Nährböden, unter 14deg; C. nicht, bei 16—18deg; C. langsam, am besten zwischen 36 und 38deg; C. Die Rauschbrandbacillen verflüssigen .die Gelatine; die ('olonien erscheinen innerhalb der­selben als kugelige, mit Flüssigkeit angefüllte Hohlräume, von denen aus die Bacillenfäden strahlig in die Gelatine hineinwachsen. Inner­halb der festen Nährsubstrate (Gelatine, Agar) findet bei dem Wachs-tluun Gasbildung statt. Bouilloncultumi riechen nach ranziger Butter, Die Kartoffelcul ture n der Rauschbrandbacillen (in
') Zeitsdlr. f. Hyg. Bd. S. 1890.
-) Centralbl. f. Hakt, Bd. 7. 1890. p, 836,
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#9632;214 .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ü. Die Bakterien als Krankheitserreger.
sauerstoflfreier Atmosphäre gezüchtet) haben Aeholiohkeit mit denen der Typhusbaoillen! man bemerkt nur einen feuchten GHanz auf der Kartoflfelfläohe; entnimmt man etwas mit dor Platinnadel, su fühlt man eine dicke, weiche, sich loicht ablösende Masse, die aus den Organismen besteht. (Blücher.)1)
Der HausehbrandbaeilluH bildet ovale Sporen, welche dicker sind als der Bacillus und dem einen Ende des Bacillus nahe stehen, SO dass derselbe ein kolbenförmiges Ausseben bekommt. Die Sporen bilden sich in den künstlichen Culturen, bei Brüttemperatur schneller, bei Zimmertemperatur langsamer. Innerhalb des inlicirten Tbierkorpers bilden sich Kporen erst dann, wenn 24—48 Stunden nach dem Tode des Thiores verstrichen sind, im Körper des kranken Thieres sowie in künstlichen Culturen werden sehr häufig Involu­tionsformen beobachtet; die Bacillen zeigen hier gewöhnlich mittel­ständige Auftreibungen, so dass Spindelformen zu Stande kommen.
Die Virulenz der Ranscbbrandbacillen bleibt in den Culturen auf festem Nährboden dauernd erbalten.
Der Eauschbrandbacillus färbt sieh gut mit kalten Farblösungen: er färbt sich nicht nach der Gram'sehen Methode (p. 100 ff.).
Auf Menschen ist eine Uobertragung der Infection noch nicht be­obachtet. Binder, Schafe, Ziegen, Meerschweinchen sind leicht zu inlieiren; Pferde, Esel, weisse Ratten zeigen nur vorübergehend locale Störungen ; Schweine, Bunde, Katzen, Kaninchen -), gewöhnliche Ratten, Enten, Hühner, Tauben erscheinen nahezu immun; Mäuse sind wenig empfänglich. Frösche sterben an der Infection, wenn sie bei 2.2quot; C. gebalten werden (Arloing, Cornevin und Thomas). Die Infection wird stets nur durch subeutane Application veranlasst (wegen der anaeroben Natur des Erregers |cf. p. 2051).
Meerschweinchen, Schafe und Rinder können künstlich gegen Kaiisehbrandgift immunisirt werden (of. p. 184, Anm. i). Kitt8) fand, dass getrocknetes Rauschbrand fleisch durch 6 stündige Er­hitzung im strömenden Dampft! von 100deg; C. in einen zur Immunisirnng brauchbaren Impfstoff verwandelt wird.
') Zeitsohr. f. Hyg. JW. 8. isite. p, 503.
-) Kojior (Acad. lies so. Paria. 1889) fand, dass dio natürliche Immunität des Eaninobena gegen Bansohbrond durch gleiohzeitig mit der Rausohbrand-impfimg erfolgende Einverleibung der Stoffweohselproduote von Bao. prodigiosns, Staphylooocous aureus und von anderen Bakterienarten künstlich aufgehoben wer­den kann.
'#9632;') Centralbl. f. Hakt. Bd. 3. 1888. No. is—li).
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Der Tuberkolbaoillus
215
5. Der Tuberkelbacillus (Bacillus der Säugethierluberculose).
Der Erste, welcher durch Einbrlngong tuberoulösen Materiales experimentell Tuberculose bei Thieren erzeugte, war Kleneke') (184;!). Weiterhin kam dann auf Grund plamnässiger Experimente Villemin-) (18(55) dazu, die Tuberculose mit Sicherheit als Tnfee-tionskrankbeit anzusprechen. Durch Cohnheim und Salemonsen:l) (1877), welche die Impfung in die vordere Augenkammer (cf. p, 173) des Kaninchens (und Meerschweinchens) einftthrten, wurde an der Hand dieses Infeotionsmodus der sichere Nachweis geführt, dass ausschliess-lich die Uebertragung tuberoulösen Materiales Tuberculose hervorruft.
War durch die Untersuchungen von Villemin und von Cohnheim der infectiöse Character der Tuberculose auch so gut wie sichergestellt, so sollte es doch R. Koch vorbehalten bleiben, die Aetiologie der T u b e r c u I o s e festzustel len.
Durch die Arbeiten R. Koch's') wurde zunächst festgestellt, dass eine bestimmte Art von Bacillen, welche sich durch ein ganz spe-eifisches Färbungsverhalten von den übrigen bekannten Bakterienarten unterscheidet, regelmilss ig und aussch liesslich bei der Tuberculose gefunden wird, ferner, dass diese Bacillen örtlich und zeitlich allen der Tuberculose eigentbümlichen Veränderungen voran­gehen, und dass ihre Anzahl, ihr Erscheinen und Verschwinden in directem Verhältniss zum Verlauf der Tuberculose steht6) Weiter gelang es Koch die für die Tuberculose speeifischen Racillen künst­lich zu züchten, die vollkommenste Uebereinstimnnmg der von dem verschiedensten Ausgangsmateriale gewonnenen künstlichen Cul-turen darzutlum und durch Uebertragung der durch beliebig viele Culturgeneratiünen hindurchgegangenen Racillen in den Körper empfäng­licher Thiere mit Sicherheit den Nachweis zu führen, dass die Tuber-kelbacillen die Ursache der Tuberculose sind. Aus seinen Gesanmit-untersuchungen aber konnte Kochquot;) den stolzen Sdüuss ziehen, „dass
') Dnteraaohungen mul ErMirnngeo im Gebiete der Anatomie, Physiologie, ItUkrologie, wissonsclml'tliciicn Medioin, Von Prof. H. Kloncko. I-cipzig, Fest'söhe Verlagabudibandlang. iSJ.'t. Bd, I. p. 123. (Citirt nach Waldenbnrg, Die Tuber­culose, die Lungenschwindsucht und Sorophulose. Berlin (Hirsohwald) IS(gt;!(. p. 198.)
-) Aciul. do mod. Paris. -1 dec. lh(gt;5. (Erfolgreiche Impftingen der Tuberculose vom Mensohen auf das Kaninchen.)
*) Schles. Ges, f. vaterl, Cultur. 13. Juli 18.77. (Jahresber. p. 222.)
') Vortrag in d. physiolog. Gesellsch. zu Berlin am 24. März 1882. (Berl. klin, Wochonschr. 1882. No. 15.) — Mitth. a. d. Kais. Ges.-Amte. Bd. 2. 1884.
•,,) cf. Mitth. a. (1. Kais. Oes.-Amte. Bd, 2. 1884. p. 16.
quot;) Ebenda p. 78.
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2 It)
li. Die Bakterien als KiankheitseiTeffei',
die Tuberkelbaoillen nicht bloss eine Ursache der Tuberoulose, sondern die einzige ürsaolie derselben sind, und dass es aline Tuberkelbaoillen keine Tuberoulose giebt.quot;
Die Tuberkelbaoillen linden sich, wie sohon gesagt, bei jedem tubercnlösen Process, mag derselbe nun als miliare Tuberculose, Lungensohwindsuoht') oder Darmphtbisis, Tuberoulose einzelner Organe, Sorophulose der Drüsen, fungöse Entzündung der Gelenke, Lupus auf­treten. Und wie bei der Tuberculose des Menschen, so linden sich die Tuberkelbaoillen auch bei der Tuberoulose der Thiere: bei der l'erlsucht des Kindes, der Tuberculose des Pferdes, des Schweines, der Ziege, des Schales, des Allen, Meerschweinchens, Kaninchens etc. „Am sichersten trifft man die Bacillen dort an, wo der tuberculose Process itn ersten Entstehen oder im raschen Fortschreiten begriffen ist.quot;-)
Bei der Hühner- (Geflügel-) Tuberculose linden sich Bacillen. die in ihrem Aussehen und in ihrem Verhalten gegen Anilin­farben mit den gewöhnlichen Tuberkelbaoillen vollkommen überein­stimmen, und die von Koch zunächst mit den letzteren für identisch angesehen wurden. Ks haben sich jedoch späterhin (Maffiicci, Koch) Unterschiede zwischen den Hühnertuberculosebacillen und den gewöhnlichen Tuberkelbaoillen ergeben, die namentlich in dem Aus­sehen der künstlichen Culturen hervortreten; und Koch8) ist dem­nach der Ansicht, dass die Bacillen der Hühnertuberculosc eine für sich bestehende, aber den echten Tuberkelbaoillen (den Bacillen der Säugethiertuberoulose) sehr nahe verwandte Art darstellen. Wir werden die Bacillen der Geflügeltuberculose zum Gegenstande einer besonderen Hetrachtung machen.
Koch hatte die Ansicht ausgesprochen, dass bei der Entstehung der Tuberkel im Gewebe hauptsächlich Wanderzellen betheiligt seien, die die Verschleppung der Bacillen von einem Orte zum anderen bewirkten. Durch den Beiz, welchen der Bacillus auf die Zelle aus­übt, wird die letztere bald unfähig, ihre Wanderung weiter fortzusetzen.
') Die uloeröse Lungenphthisis ist stets eine Mischinfeotion, bei der ausser TuberkelbaciUen noch andere Baktorienorten, am häufigsten Strepto-oooeen, betheiligt sind (of. KItasato, Zeitsohr. f. llvg-. M. 11, 1892. p. 4-14: Cornet, Wiener med. Woohensohr. ivci. No. l!i—•io-. Petrueohky, Deutsche med. Wodienschr, 1893, No. 14), Die bei der Phthisis die Tuberculose oomplioirende seoundäre Streptococconinfection kann zu einer üebersohwemniung des gesammten Organismus mit Streptococoen, zu einer richtigen Septicaemie, fuhren, Koch bc-zi'iclmnt (cf. Dputscho mod. Wochensohr. islaquo;.):!. |i. 317) die Curve laquo;los hektischen Fiebers als „Streptocooconourve.quot;
Ji Mitth. a. a. Kais. Ges.-Arato. Bd, 2. 1884. p, 17.
'#9632;'#9632;) 10, [nternat, med. Congr, Berlin istio. Verhandlungen, Bd
1. ii. 39.
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Dor Tuberkelbaoillus,
•217
Es entsteht aus ihr eine epitbeüoide Zelle und daraus dann die tuber-oulöse Riesen/eile. Damit ist das Centrum für den Tuberkel geschaffen. Baiimgarten1) ist naeh seinen Untersueliungen zu der üeberzeugung gelangt, dass bei der ersten Entstehung des Tuberkels die fixen Ge­webszellen, namentlich die Bindegewebszellen, wesentlich mitbetbeiligt sind. Aus ihnen werden durch Karyokinese junge Zellen neugehildet. welche epitheliuiden Character haben. Die Dacillen brauchen nicht durch Wanderzellen verschleppt ZU werden, sondern es genügt zur Weitertransportärung der BaoiUen (welche obae Eigenbewegung sind) der Saftstrom in Verbindung mit der Waobstbumsbewegung der Tuber-kelbaoillen. Der bistologisobe Befund bei der Tuberkelbildung ist übrigens ein ganz verschiedener je nach der Art des die Infection bewirkenden Mnteriales und Je nach dem Ort, an dem sich der Tuberkel entwickelt. Die bei der Tuberkelbildung auf die Neubildung von Zellen stets folgende centrale Verkäsung ist als Nekrose der Zellsub­stanz (Weigert's Coagulationsnekrose) aufzufassen, die durch den deletären Kinfluss der Hacillen zu Stande kommt, Die tiiberculösen Riesenzellen, welche sich bekanntlich durch randständige Kerne auszeichnen, sind nach Weigert's Ermittelungen partiell (central) verkäste (nekrotisch gewordene) Zellen.
Die Tüberkelbaeitlen sind feine Stäbchen von 1,6 bis 3,6/raquo; Länge, welche übrigens bei der Färbung mit Methylenblau dünner, mit Gentianaviolett oder Fuchsin gefärbt dicker erscheinen und häufig eine Gliederung (ungefärbte Stellen im gefärbten Bacillus) erkennen lassen. Sie sind gewöhnlich nicht ganz gerade gestreckt, sondern zeigen leichte Biegungen und Krümmungen. Sie liegen im Gewebe meist einzeln. In künstlichen Culturen und auch dort, wo sie im Thierkörper sich unbeeinllusst von lebenden Zellen entwickeln können (in vollständig abgestorbenem Gewebe) kommt es zur Bildung typisch gestalteter Gruppirungen der Hacillen. Man sieht dann bei schwachen Vergrös-serungen besonders S-förmig geschwungene, in der Mitte spindelförmig verdickte, an den Enden zugespitzte Figuren, welche aus zusammen­gelagerten Bacillen gebildet sind.
E ige n be w egli ch ke i t geht den Tuberkelbacillen vollständig ab.
Die Tuberkelbacillen wachsen, wie Koch fand, vortrefflich auf erstarrtem Blutserum, welches man sich in der oben (p. 118) be­schriebenen Weise präparirt. Die Culti vi run g der Tuberkelbacillen ist eine sehr schwierige Aufgabe. „Am sichersten gelingen die Rein-culturen, wenn zur Aussaat ein bacillenreicher Tuberkel oder ebensolche
') of, Lehrbuch der pathol. Mykologie. Bd. •gt;. 1800. p. B65ff.
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21Snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bi Dio Bakterien ivls KnmkbeitserrogeCi
Substanz aus dem inncni vun nodi wenig wrkiistoii Lymphdrüsen eines getödteten tuberoulösen Meersohweinohens genommen wird.') Diinüt die (lultur aber glückt, ist die Vermeldung irgend welcher Ver­unreinigungen durchaus nothwendig. Die Section des Cadavers, aus dem das Material entnommen werden soll, muss möglichst bald nach dem Tode vorgenommen werden. Die Haut wird, nach äusserlicher Durohfeuohtung mit Sublimatlösung, mit ausgeglühter, noch heisser Schere durchschnitten; es werden darauf mit anderen durch Ausglühen sterilisirten Instrumenten die tuberculöseii Organe blossgelegt und mit wiederum neuen sterilen Instrumenten einzelne Tnberkelknütchen herauspräparirt. Nachdem ein solches Tuberkelknotchen zwischen ste­rilen Skalpellen zerdrückt ist, wird die zerdrückte Masse mit starkem Platindraht auf das Blutserum ausgestrichen oder vielmehr in die Oberfläche desselben eingerieben. Solcher Röhrclien werden immer gleich eine grössere Anzahl inficirt, weil das eine oder das andere derselben durch fremde Keime, welche trotz aller Vorsicht sich ein­geschlichen haben könnten, eventuell verloren sein könnte. Derartige Verunreinigungen wachsen stets schneller als die Tuberkelbacillen; und es ist demnach behufs der Anlegung einer künstlichen Cultur von Tuberkelbacillen aus dem Thierkörper stets durchaus nothwendig, von einer bereits bestehenden (natürlichen) Reincultur auszugehen und die­selbe ohne Verunreinigungen auf den sterilen Nährhoden zu übertragen.
Die in der beschriebenen Weise beimpften Blutserumröhrchen werden dann (wie wir bereits oben p. 147 auseinandergesetzt haben) mit frisch abgebranntem Wattepfropf verschlossen; über die Oeffnung des Eöhrchens wird eine in Sublimatlösung sterilisirte Gummikappe gezogen, welche einen luftdichten Abschluss bewirkt und den Nähr­boden bei dem nun folgenden Aufenthalte im Brutschrank vor Ver­dunstung und Austrooknung bewahrt.
Die Tuberkelbacillen gedeihen unter 20,'C. nicht; ebenso wachsen sie nicht mehr bei 42quot; C. Das Optimum der Temperatur liegt bei 37^-^8deg; C. Hei der letzteren Temperatur erscheinen auf dem Blutserum mikroskopisch bereits nach 6 — (i, makroskopisch erst nach 10—lö Tagen kleine, trockene, weisse, der Oberfläche des er­starrten Serums lose anfliegende Schüppchen von starrer, brüchiger Consistenz, welche ganz aus aneinander klebenden Hacillen bestehen. Ist die Cultur aus vereinzelten Keimen hervorgegangen, so zeigen die Colonien, bei schwacher Vergrossening betrachtet, die oben erwähnte S-förmige, spindelartige Gestalt, Das Blutserum wird nicht verflüssigt.
') Koch, Mitth. ii. d. Kais. Öeg.-Amte. Bd. 2. isvi. p, \gt;.\.
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Der luberkolbaoülus.
21raquo;
Als IMutsorum eignet sich zur (hiltur am besten solches vom Hammel, Rind oder Kalb. Auch auf Bouillon gedeihen die Tnberkel-hacillen, ebenso auf gewühnlichem Nähragar, wenn aucli nicht so gut wie auf Blutserum. Auf dem Agar kommt es zur Bildung com-pacter unförmlicher Massen. Xocard und Roux1) haben gefunden, dass ein Zusatz von (i—•80/0 Gl.vccrin2) zu Bouillon und zu Agar dieselben viel geeigneter zum Nährboden für Tuberkelbacillen macht, als sie es ohne diesen Zusatz sind. Bonhoff3) hat neuerdings ge­funden, dass sich zur Cultur der Tuberkelbacillen ganz besonders eine aus gesunder Kalbslunge hergestellte, mit 4 0/0 Glycerin versetzte Bouillon eignet. Dieser Nährboden scheint ein kräftigeres Wachstlium der Tuberkelbacillen zu gestatten als alle anderen bekannten künst­lichen Nährböden. Auf Bouillon gedeihen die Tuberkelbacillen, ihrem starken Sauerstoffbedürfnisse entsprechend, nur auf der Ober­fläche des Nährbodens.
Bawlowsky') gelang es auch die Tuberkelbacillen auf der Kartoffel zu eultiviren. Neuerdings hat Sander6) die Cultivirung der Tuberkelbacillen auf pflanzlichen Nährböden überhaupt zum Gegenstände eingehender Studien gemacht. Sander fand, dass auf einer ganzen Reihe derartiger Nährböden die Züchtung der Tuberkel­bacillen leicht gelingt, dass aber ihre Virulenz dabei stets geschädigt wird. Ausserordentlich üppig wachsen nach den Ermittelungen des Autors die Tuberkelbacillen auf einer (sauren) mit 40/0 Glycerin ver­setzten Kartoffelbrühe.quot;)
Neuerdings hat Koch7) eine Methode angegeben, die Tuberkel­bacillen direct aus phthisischem Sputum zu cu11iviren. Da das Sputum stets noch andere Bakterien enthält, so kommt Alles
') Annnies de Linst. Pastenr. 1887. No. l.
-) Nach den tJnterBuohtmgen von Haminersohlag (Csntralbl, f, klin. Mod. 1891. No. 1. p. 15) brauchen die Tuberkelbacillen (im Gegensatz zu allen (ibrigen bekannten Bakterienarten) Kohlehydrate oder Glycerin nothwendig zum Wadisthuin.
3) Hyg. Rnndschan. 1892. No. 'i:!.
') Annalos de l'Inst. Pastenr. 1888. No. ö.
r') Areh. f. Hyg. Bd. 16. 1803.
quot;) 100 K zerriebene Kartoffel werden mit 300 com Wasser vorsetzt und über Nacht in den Eissebrank gestellt. Ans dein Qemlsohe werden (durch ein Seihtuch hinduroh) 300 com Cartoffelsaft ausgepresst; der letztere wird 1 Stunde lang auf dem Wasserbad gekocht, daran!' liltrirt, mit 40/0 Glycerin vorsetzt, stcrilisirt und ist dann znm Gebrauche fertig.
') Durch Kitasato publicirt (Zeitsohr. f. Hyg. Bd. II. 1892). — Bei dieser Gelegenheit land Kitasato, class die in phthisisohem Sputum vorhandenen Tuberkel­bacillen gowölmlieh zum griisston Theile abgestorben sind, wenn sie sich auch noch in normaler Weise liirbcn lassen.
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22(1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;I'- Did Jäaiili'fii'ii als KranklK'itsrrroifi'r.
darauf an, diese letzteren tnögliohsl zu entfernen. Kooli lässt zu diesem Zwecke den Ki'anken naoh sorgfftltiger Reinigung der MnndböMe in ein steiilisirtes Petri'sohes SoMlohen aushusten. Die ausgehustete Sohleimflooke wird dann in oft erneuertem steriliskten Wasser ausge­waschen! und es wird nun — naoh geschehener mikroskopischer Prüfung - ein mit sterilisirten Instrumenten aus dor Mitte der Flocke entnom­menes Partikelchen auf Glycerinagar oder Blutserum ausgestrichen. Die Culturröhrohen kommen nach luftdichtem Absohluss (p. 218) in den Brütschrank. Gelingt der Versuch, so entwickeln sich binnen 2 Wochen Colonien von Tuherkellmcillen auf'der Oberfläche des Nährbodens, welche zunächst i^#9632;t'w'ss,' Differenzen von den Colonien, welche bei der Culti-virung der Tuberkelbaoillen iins dem Thierkörper entstehen, darbieten: die Colonien stellen kreisrunde, rein weisse, feucht glänzende, glatte, undurchsichtige Flocken dar. Später verwischen sich die Differenzen in dem Aussehen der so erhaltenen Colonien von dem der aus dem Thierkörper gezüchteten.
Ein anderes Verfahren, Tuberkelbacillen direct aus Sputum zu eultiviren, hat Pastor') angegeben. Das möglichst ohne Verunreini­gungen (wie oben bei dem Koch'sehen Verfahren) gewonnene, in sterilisirtem Wasser abgespülte Sputum wird durch Schütteln in steri-lisirtem Wasser zu einer feinen Suspension aufgeschwemmt; die Auf­schwemmung wird in geschmolzener Nährgelatine vertheilt, und die letztere wird zur Platte ausgegossen. Nach 3—4 Tage langem Stehen bei Zimmertemperatur werden auf der Platte die durchsichtig ge­bliebenen Stellen, d. h. die Stellen, an denen sich keine Colonien (die nur verunreinigenden Bakterien zugehören können) entwickelt haben, aufgesucht; diese Stellen werden mit sterilisirtem Messer ausgeschnitten. auf Blutserum gebracht, und das letztere wird in den Brutschrank gestellt. In etwa 10deg; „der geimpften Köhrchen entwickeln sich Rein-culturen von Tuberkelbacillen.
Die Tuberkelbacillen bewahren bei der fortlaufenden Züchtung auf künstlichem Nährbodenquot;) ihre Eigen Schäften sehr hartnäckig. Koch:i) züchtete Heinculturen seit mehr als neun Jahren im Reagenzglase fort: diese Culturen, die seitdem nie wieder in einen lebenden Körper ge­langten, haben sieh bis auf eine geringe Abnahme der Virulenz voll­kommen unverändert erhalten.
Die Culturen der Tuberkelbacillen müssen, wenn ihre Uebertrag-barkeit erhalten bleiben soll, sorgfältig vor Licht sfeschützt
') Contralbl. f. Bakt. IM. 11. 1802. No. s.
'#9632;') Auf pllanzliclii'ii Xiihrbüdi'ii (siehe p. 210) wird die Virulenz gescMdigt.
8) 10. Internat, med. Congr. Berlin 1800, Verhandlungen. Bd. I. p. :*!•.
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Der luborkelbadllus,
221
werden. Durch direotes Sonnenlioht werden Tuberkelbacillen je nach
der Dicke der Sclüclit, in welcher sie dem Sonnenlichte ausgesetzt werden, in wenigen Minuten bis einigen Stunden getüdtet. Das zer­streute Tageslicht übt, wenn auch entsprechend langsamer, dieselbe Wirkung aus; die Culturen der Tuberkelbacillen sterben, wenn sie dicht am Fenster aufgestellt sind, in 6—7 Tagen ab (Koch).1)
Nach seinen ersten Untersuchungen war Koch der Ansicht, dass der Tuherkelbacillus — sowohl in der künstlichen Cultur wie im Thier-körper — Spuren bildet: Die sporentragenden Stäbchen sind analog den sporenhaltigen Milzbrandfäden gebaut, sie sind nur viel kleiner. Der Bacillus zeigt hierbei eine deutliche Gliederung (cf. |gt;. 217). Es sind in jedem Bacillus 2 bis 6 Glieder vorhanden, welche je eine stark glän­zende, eiförmige Spore enthalten.-) Ob diese Gebilde aber mit Sicherheit als „Sporenquot; anzusprechen sind, erscheint neuerdings wieder zweifelhaft.quot;) Die Tuberkelbacillen sind als solche, d. h. in ihrer rein vegetativen Form, bereits durch eine viel grössere Resistenz') gegen iiussere Ein­flüsse ausgezeichnet, als sie sonst vegetativen Bakterienzellen zukommt. Diese Resistenz findet auch in der (weiterhin ausführlich zu bespre­chenden) Eigenschaft des Tiiberkellmcillus, aus Farblösungen erst bei intensiver Behandlung mit den letzteren (cf. p. 98) Farbstoff in sich aufzunehmen, deutlichen Ausdruck. Aus der Resistenz tuberkel-bacillenhaltigen Materials gegen iiussere Angriffe kann also nicht auf das Vorhandensein von Sporen geschlossen werden; diese Resistenz lässt sich ungezwungen aus den genannten Eigenschaften der Baoillen-substanz an sich erklären. Die Frage, ob Sporenbildung bei dem Tuherkelbacillus besteht, würde erst dann definitiv in positivem Sinne entschieden werden können, wenn es gelänge an den fraglichen Ge­bilden eine A u s k e i m u n g zu beobachten.
Jedenfalls ist es also bis auf Weiteres nicht mehr statthaft, die in gefärbten Präparaten in den Tuberkelbacillen so häutig aufzufinden­den ungefärbten Lücken (p. 217) als „Sporenquot; anzusprechen.
Wie bereits mehrfach mitgetheilt. unterscheiden sich die Tuberkel-
') lo. intornat. med. Congr. Berlin isiio. Verhandlungen. Bd. l. p. 42.
-) Koch, Mitth. a. (1. Kais. Ges.-Amte. Bd. 2. ISM. p. 2-2.
9) of. C. Fraenkel, Grundrlss d. Bakterienk. 3. Aufl. 1890. p. .'los.
') Während vegetative Bakterienzellen im Allgemeinen (of. oben p. 2^) dnroh Erhitzung auf o. 66deg; C. in kurzer Zeit rerniohtet worden, werden Tuberkelbacillen in Beinoulturen erst duroh 10 Jtin. langes Erhitzen auf 70deg; C. gotödtet (Yersin, Ann. de l'Instltut Pasteur. 1888. No. 2; Bonhoff, Hyg. Eundsohau, 1892. No. 23). — In 3 Jahre lang eingetrocknetem phthisischen Sputum fand Stone (Amor. Jonrn. of the Med. Sciences. March IS(ll) die Tuberkelbacillen nicht allein von normaler Fiirbbarkeit, sondern auch von mir wenig abgeselnviiebter Virulenz.
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222nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Bi Dif Bakterien nls Krankheitserreger,
baolllen iquot; ihrem Färbungsvorhaltcn dadurch von alien anderen Hiikterieiiarton, dflss sie die Färbung dui'oh basische Anilinamp;rbstoffe schwerer annehmen) und laquo;lass sie dementsprechend! wenn sie einmal gefärbt sind. sich auch Entfärbungsmitteln gegenüber schwerer zu-gängllch verhalten als andere Bakterienai'ten. Wenn man Tuberkei-bacillen färben will, so muss man deshalb die Farbstoffe besonders intensiv einwirken lassen; man hat aber in diesem specifischen Verhalten der Tuberkelbacillen ein Mittel, dieselben mit Sicherheit nachzuweisen. Der Praktiker, der die Methoden zur Darstellung- der Tuberkelbacillen im gefärbten Präparate beherrscht, hat damit die Fähigkeit, im gegebenen Falle zu entscheiden, ob es sioh um Taberoulose handelt oder nieht.
Die ursprüngliche Methode, welche Koch zur Sichtbar­machung der Tuberkelbacillen anwandte, war folgende1): Der Schnitt oder das Trockenpräparat kam auf 20—24 Stunden bei Zimmertempe­ratur (auf Vs bis 1 Stunde bei 4(1deg; C.) in eine Mischung von 200 com dest. Wasser,
l com ooncentr. alcohol. Methylenblaulösung, 0,2 com lOproc. Kalilauge. Das dann dunkelblau gefärbte Präparat wurde in Wasser abgespült und gelangte für 15 Minuten in eine concentrirte wässerige Losung von Vesuvin (Bismarckbraun). Dann wurde das Präparat in Wasser abgespült und in der gewöhnlichen Weise weiter behandelt, um zur Untersuchung in Balsam eingeschlossen zu werden. Die Tuberkel­bacillen erscheinen dann blau, die übrigen Bakterien und die Kerne des Gewebes braun.
Ehrlich8) erreichte eine erheblich schnellere und intensi­vere Färbung der Tuberkelbacillen durch Anwendung seiner bereits oben (p. 94) besprochenen Anilinwasser-Farbstofflösungen. Ferner fand Ehrlich die schon mehrfach erwähnte Thatsache, dass die Tuberkelbacillen, einmal gefärbt, sich gegen starke Entfärbungs­mittel (verdünnte Säuren) resistent verhalten.
Das von Ehrlich construirte und von Koch aeeeptirte Färbungs­verfahren resp, Darstellungsverfahren der Tuberkelbacillen gestaltet sich danach folgendermassen:i): Die Objeote (Schnitte oder Deckglaspräpa­rate) kommen für mindestens 12 Stunden bei Zimmertemperatur (oder kürzere Zeit bei höherer Temperatur) in die Ehrlich'sche Lösung.
') Mittli. ü. (1. Kais. Gos.-Amto. Bd. 2. lss4. p. T). — Berl. klin. Woohenschr. ISS2, No. 16.
8) cf. Doutseho nied. Woohensdir. ISS2. ]). 271).
:') Mltth. a. d. Kais. Qes.-Amte. Bd, 2. iss-l. p. 10.
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Der TuberkelbadUus.
22:i
werden dann einige Secunden mit 25proo. Salpetersäuvewasser beban* delt) dann einige Minuten in üOprue. Aiculiol gespült und hinteriier in verdünnter Bismarckbraun- resp. Methylenblaulösung (je naolidem die erste Färbung mit Violett oder Fuchsin vürgenummen wurde) naeh-gefärbt. Dann nuchmaliges Spülen in (iOproe. Alcohol, Entwässern in absolutem Alcohol, Aufbellen in C'edernöl. Nun kommt die mikrosko­pische Untersuchung des Präparates. Dasselbe wird zum Sobluss in Balsam eingelegt, wenn es conservirt werden soll.
Ziohl1} empfahl dann seine oben (p. 95) angegebene ('arbol-säurefncbsinlösung zur Färbung der Tuberkelbacillen.
B. Fraenkel8) empfahl, bei Deckglaspräparaten die Entfärbung und die Nachfärbung gleichzeitig vorzunehmen. Das mit Anilinwasser-fnchsin gefärbte Deckgiaspräparat gelangt in eine Flüssigkeit, welche aus 50 Wasser, 80 Alcohol, 20 Salpetersäure und Methylenblau bis zur Sättigung besteht. Wenn das Präparat blau erscheint, wird es in Wasser abgespült und dann in Wasser untersucht.
Der Arerf. wendet seit Jahren zur Darstellung der Tuberkel­bacillen in Deckglastrockenpräparaten folgendes Verfahren8) an: Das mit Sputum etc. auf die bekannte Weise (cf. p. 57) hergestellte, an der Luft getrocknete und zur Fiximng 3 Mal durch die Flamme ge­zogene Deckglas bringt man
1)nbsp; (mit der Präparatenschicht nach unten) auf die Oberfläche frisch bereiteter Ebrliob'scher Anilinwasser-Fuchsinlösung (p. 94). welche in ein Uhrschälchen eingefüllt ist (Filtriren ist nicht noth-wendig) und das Schälchen fast vollständig erfüllt. Sinkt das Gläschen in der Flüssigkeit unter, so schadet dieses nichts.
2)nbsp; Das Schälchen wird mit starker Pincette am Bande erf'asst und über kleiner Flamme in der oben (p. 202) geschilderten Weise bis zur Blasenbildung der Flüssigkeit erhitzt.
3)nbsp; Das Schälchen wird jetzt hingestellt und bleibt eine Minute lang ruhig stehen.
4)nbsp; Das Deckglas wird mit kleiner Pincette aus der Farbe ge­nommen, umgedreht (so dass die Präparatenschicht nach oben sieht) und in ein Uhrschälchen mit 8 proc. Salzsfture-Aloohol (cf. p. 98) ge­legt; hierin wird das Deckglas eine Minute lang hin und her, auf und ab bewegt.
L) cf. Deutsche med. Woohensohr. 1S82. p. 461,
#9632;-} Borl. Min. Woohensohr, lbS4. No. 13.
8) Dies Verfahren ist durchaus zuverlässig! Damit soll aber nicht lt;,'!#9632;-sagt sein, daas es in diesem Punkte vor lt;leii anderen laquo;itirten Methoden etwas vor­aus hätte.
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I!. Die Bakterien als Krankheitserrc
6)nbsp; Das Deokglas wird mit der Pincette aus dem Sfture-Aloohol genommen, und es wird mm durch einen Wasserstrahl (jede Wasser­flasche kann man dazu benutzen) zunächst die Plflssigkeit zwischen den Branchen der Pincette weggespült, dann das Gläschen selbst beider­seitig abgespült.
(1) Aufträufeln weniger Tropfen verdünnter wässeriger (oder wässerig-alooholisoher) Methylenhlaulösung mit der Pipette. DieFärbung soll hier nur ganz gering werden, damit die Baoillenfärbung nicht hier und da durch die (Jrundlarbung verdeckt werde.
7)nbsp; Abspülen In Wasser. (Zunächst werden wieder die Pincetten-branohen ausgespült.)
8)nbsp; Das Deckglas wird mit den Fingern erfasst, die Präparaten­seite kräftig abgeblasen, die leere Seite mit Hülfe eines Läppchens abgewischt.
9)nbsp; Nach dem Trocknen drei- bis zehnmaliges Ziehen durch die Flamme.
10) Aufkitten mit Xylol-Balsam auf den Objectträger.
Das Präparat ist nun zur Untersuchung fertig. Die Methode ist eine absolut zuverlässige. Silmmtlicbe gefärbte Tnberkelbacillen sind stets intensiv, und mit gleicher Intensität, gefärbt. Daraus folgt, dass es nicht möglich ist, dass bei dieser Behandlung Tuberkelbacillen ungefärbt bleiben; denn sonst miisste man hier und da auch Exemplare linden, die, als Uebergänge zwischen den intensiv gefärbten und den gar nicht gefärbten Bacillen. nur wenig intensiv gefärbt wären. Diese Betrachtung ist nicht überflüssig; denn wir wissen durch Untersuchungen von Ehrlich1), dass die in einem und demselben Präparate; vorhandenen Tuberkelbacillen sich gegen eine und dieselbe Farbstoinösmig durchaus nicht gleichartig zu verhalten brauchen. Das unter Nummer !)) aufgeführte Ziehen des Präparates durch die Flamme vor dem Finschlusse in Balsam bezweckt die Erreichung einer dauernden Haltbarkeit der Färbung der Tuberkelbacillen. Wie nämlich bereits Koch fand, entfärben sich die gefärbten Tuberkelbacillen im Präparate sehr leicht und gern wieder. Manchmal bereits nach mehreren Stunden sieht man die Bacillen verblassen und dann unsichtbar werden. Unna3) hat den Nachweis geführt, dass die im Präparat zurückgebliebenen Spuren der zu der Entfärbung der Kerne etc. benutzten Säure es sind, welche diese Entfärbung bewirken; und er begründete auf diese
') Chanto-Annalen. 1886.
-') Monatshefte f. pract. Dermatol. EHrgftnzungsheft 1885.
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Der Tubei'kelbaoillas.
•22r
Erkoimtniss eine neue Methode der Darstellung resp, Oonservirung von gefärbten Präparaten, die sich zunächst auf Leprabacillen und auf Schnittpräparate bezog. Die Leprabacillen (heilen nämlich die Eigen­schaft, sich in den Präparaten gern zu entfärben, mit den Tuberkel-bacillen. Unna bringt bei seiner „A ntrocknungsmethodcquot; (cf. oben p. 88) die Sdmitte nach der Entfärbung in Wasser, wäscht sie dort gründlichst aus, überträgt sie nun nicht in Alcohol, sondern gleich aus dem AVasser auf den Objectträger und trocknet sie dort an. Darauf erhitzt er den Objectträger von unten, bis der Schnitt anfängt leicht glänzend zu werden. Bei diesem ziemlich starken Erhitzen werden die letzten Spuren Säure aus dem Schnitte entfernt. Der Schnitt wird dann nach dem Abkühlen mit einem Tropfen Xylol-Balsam beträufelt und mit dem Deckglas bedeckt. Die Bacillenfärbung ist in solchen Präparaten dauernd haltbar.
Dasselbe Princip der Erhitzung nach der Entfärbung hat sich mir') auch bei Tuberkelbaeillenschnitten und weiter auch bei Tuberkelbaciliendeckglaspräparaten sehr bewährt. Die Bacillenfärbung bleibt unverändert haltbar.
Hat man in der Praxis eine bestimmte Sputumprobe auf Tuberkel-bacillen zu untersuchen, so fertigt man sich von verdächtigen Theilen des Sputums mehrere Deckglastrockcnpräparate durch Ausstreichen des Materiales in möglichst dünner Schicht (wozu man ein Scalpell oder einen starken Platindraht benutzen kann) an und behandelt die­selben nach einer der oben angegebenen Färbungsmethoden. Man wird die Bacillen zunächst in den eitrigen Theilen des Sputums zu suchen haben und namentlich auf kleine käsige Brock eben zu fahnden haben, welche oft direct von der Wand einer Caverne stammen, und in denen man die Bacillen am zahlreichsten findet.
Wenn es sich dann um die Untersuchung des fertigen Prä­parates unter dem Mikroskope handelt, so muss man nach roth-gefärbten Bacillen suchen.'2) Hat man wirklich fuchsingefärbte
') Ueutsclio med. Woobenschrlt; 1887. No. 22. p, 47-1.
-) Damit dies geschehen kann, d. h. damit mau im Stande ist die Farbe sicher zu evkönnen, ist es vor Allem nothwendig, die Beleuchtung so zu wählen, dass jede Spur eines „Structurhildesquot;, jede Spur von DifTractionserscheinungen an den Grenzen der Objecte, vermieden wird. Zu dem Zwecke ist also (of. p. 54, Us) mit völlig offenem Condonsor zu arbeiten und der letztere In eine solche Ent­fernung von dem Objecte zu bringen, dass die ]?eleu chtung maximal ist. Nauient-lich für Untersuchungen bei Lampenlicht beherzige man diese Malmung, wenn man nicht gelegentlich in die gröbsten Irrtluimer verfallen will. Erscheint die Lampen* lichtbeleuchtnng zu blendend, so kann die Helligkeit durch blaue Gläser (ef. p. (gt;(raquo;, Anm.) gemindert werden.
GUnthor, Bakteriologio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1quot;,
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220nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; M- Dia Bakterien iillaquo; KrankheitaeiTegei'.
StiilK'liL'ii vor sieh) so können diese nichts anderes sein als Tubei'kel-l)acillen. Man muss sich aber sicher davon ül)erzeiigeii, ilass man es auch wirklich mit Stäbchen zu thun hat. Nicht alles, was in einem solchen Präparate roth erscheint, bedeutet Tubcrkelbacillen. Roth erscheint in einem solchen Präparate ganz im Allgemeinen alles, was sich der Entfärbung- durch den Säure-Alcohol widersetzt hat. Zunächst können solche Stellen des Präparates, in denen das ausgostrichene Material dickere Schichten bildet, einen röthlichen bis rothen Farbentun behalten haben. Diese grösseren, meist rundlichen Stellen wird Niemand mit Bacillen verwechseln. Auch Schimmelpilz­sporen, ferner Baoillensporen unter Umständen, treten in solchem Präparate roth gefärbt auf. Ihre runde Gestalt sichert sie ebenfalls vor der Verwechselung mit Tuberkelbacillen. Dann kommt es z. B. auch vor, dass in einem Haufen von Mikrococcen (die in jedem Sputum anzutreffen sind) einzelne Zellen, einzelne Coccen, eine röthliche Farbe zeigen, während die anderen, gleichgestalteten Zellen rein blau erscheinen. Die röthlichen Zellen haben ohne Zweifel dem Eindringen des Entfärbungsmittels einen grösseren Widerstand ent­gegengesetzt als die blauen; sie sind als resistentere Zellen aufzufassen. Ihre Gestalt sichert sie vor der Verwechselung mit Bacillen. Endlich zeichnen sich auch Fragmente von Haaren, Fragmente von ver­hornten Epidermiszell en, die zufällig in das Präparat gelangt sind, dadurch aus, dass sie die einmal angenommene Rothfärbung dem Entfärbungsmittel gegenüber energisch festhalten. Alle diese Dinge wird aber Niemand mit Bacillen verwechseln. Zu Verwechselungen Anlass könnten dagegen kleine Fettcrystallnadeln (Cholesterin) geben, welche in solchen Präparaten ebenfalls roth erscheinen; aber doch nur dem ganz Ungeübten könnte diese Verwechselung begegnen. Die Tuberkelbiicillen haben eine so typische Form (cf. p. 217), dass diese zusammen mit dem typischen Verhalten bei der Färbung eine Verwechselung dieser Gebilde mit etwas anderem unmöglich macht. Tat'. VII, Fig. 41, zeigt ein Spiitmnpräparat mit Tuberkelbacillen bei lOOOfacher Vergrösserung.
Um g a n z v e r e i n z e 11 e T u b e r k e 1 b a c i 11 e n im Sputum auf­zufinden, hat Biedert1) empfohlen, das Sputum zunächst mit Wasser zu verdünnen, dann mit Natronlauge ZU versetzen und zu kochen, bis eine ganz gleichmässige, homogene Flüssigkeit entstanden ist. Diese lässt man dann absetzen. Die specilisch relativ schweren Bakterien sammeln sich im Bodensatze an, und hier sind dann etwa vorhandene
') Bari. kliu. Woohensohr. 1886, No. 42—43.
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Der Tuhorkclbiicilhis.
22/
Tuberkelbaoillen ebenfiills zu finden. (Biedert'sohe Kcdimen-t i r u n g s nie t h o d e.)
Gabritschowsky') hat eim1 von Ad. Schmidt4) angegebene Methode — welche behufs der mikroskopisclien üntersuohnng das Sputuin in Alcohol härtet und dann in Schnitte zerlegt, die weiterhin ge­färbt etc. werden — zur Untersuchung des Sputums auf Tuberkel­baoillen (und auf Riesenzellen) empfohlen.
Wie im Sputuni, so lassen sich natürlich auch im Darminbalt (bei phthisisohen Diarrhöen) die Tuberkelbaoillen durch die Färbung nachweisen. Die erste derartige Beobachtung machte Lichtheim.0) Auch im Urin lassen sich vorhandene Tuberkelbaoillen (im Sediment)') durch die Färbung auffinden.
Will man Tuberkelbaoillen in Schnitten darstellen, so verfahrt man am besten nach der oben (p. 222) angegebenen Ehrlich-Koch'sehen Methode. Man bekommt auf diese Weise Präparate, in denen die Tuberkelbaoillen mit ausserordentlioher Präoision und Deut­lichkeit erscheinen. Leider sind die Präparate, oder vielmehr ist die Baoillenfärbung, wenig haltbar. Um halt b are Schnitt p r ä p a r a t e herzustellen, kenne ich nur einen Weg: dieselben nach der Unna'-sohen Antrooknungsmethode zu behandeln. Die Schnitte werden zunächst in 24 Stunden alter (of. oben p. 94), eben iiltrirter Ehrlioh'-scher Anilinwassergentianaviolett- (oder -Methylviolett-) Lösung bei Zimmertemperatur 12 bis 24 Stunden (oder im Brütschrank bei c. 86deg; 0. 1'/a ''is 2 Stunden) gefärbt, dann etwa 10 Minuten in Wasser zum vorläufigen Auswaschen überflüssigen Farbstoffes gelegt, dann in 20 proc. Salpetersäurewasser auf etwa 2 Minuten gebracht. Sie werden hier schwarzgrün. Sie kommen darauf in absoluten Alcohol, in welchem sie bis zu blassblauer Färbung (etwa eine halbe Minute lang) hin und her bewegt werden. Darauf gelangen sie in 8 bis 4 Mal erneuertes Wasser, wo sie ziemlich farblos werden. Wenn sie hier gut (etwa 10 Minuten lang) ausgewaschen sind, werden sie mit dem Spatel auf den Objeotträger übertragen. Man geht hierbei am besten so vor. dass man zunächst eine Quantität Wasser mit dem Spatel auf die Mitte des Objecttriigers bringt und in dieses Wasser hinein den Schnitt nachher überträgt. Dann neigt man langsam den Objeotträger, lässt das Wasser abfliessen, ohne dass der Schnitt mit herunter geht, und tupft dann das noch auf und neben dem Schnitt stehende Wasser
') Deutsche mod. Wonhensohr. 1891. -) Centrnlbl, f, Win. Med. 1891, Nc
No. 43. 26.
8) Fortsohr. cl. Med. 1883. No. 1.
') of. Kirstein (Deutsche med. Woohensclir
1886. No. 16),
!.-.*
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228nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; B' Dlo Bakterien -ils Krankheitaerregeis
mit Fliesspapier ab. Nun erhitzt man, wie oben (p, 225) angegeben) den Objectträger, bis der Scbnitt loicbt glänzend wird, liisst abkiiblcn und kittet mit Xylol-Balsam ein Deckglas auf. Nach einem derartig baltbar hergestellten Präparat ist das Pbotogramm 42 auf Taf. VII (Meningealtuberoulose) aufgenommen.
Audi nacb der 6 ram quot;sehen Methode (p. 100 ff.) färben sich die Tuberkelbacillen. Die Präparate müssen selbstverständlich auch hierbei erheblich intensiver als andere Bakterienobjecte mit der Farblösung behandelt werden.
Mit Bismarckbraun ist eine Färbung der Tuberkelbacillen bisher nicht gelungen.
Eine Methode, Tuberkel- (und besonders Lepra-) Bacillen im Ge­webtraquo; mit J 0 d braun zu färben, hat ü n n a ') angegeben.
Die früher (of. p. 221) als „Sporenquot; der Tuberkelbacillen ge­deuteten Dinge zu färben ist bisher auf keine Weise gelungen.
Für die Infection mit dem Tuherkclbacillus (Bacillus der Säuge-thiertuberculose) sehr empfänglich sind von Versuchsthiercn vor Allem Meerschweinchen, ferner Kaninchen, Katzen, Feldmäuse. Viel weniger empfänglich sind weisse Mäuse, Hunde'-), Ratten, Hühner, Kanarienvögel. Durch subeutane Einführung der Tuberkelbacillen, durch Einführung in die vordere Augenkammer (cf. oben p. 173), in die Bauchhöhle, in Venen, ferner durch Inhalation erreichte Koch bei seinen grundlegenden Arbeiten die tuberculöse Infection. Ganz besonders prompt reagiren Meerschweinchen auf die Einver­leibung tuberculösen Materiales. Bringt man einem solchen Thiere tuberkelbacillenhaltiges Material in eine am Bauch angelegte Unter­hauttasche, so stirbt es in 4 bis 8 bis 11 quot;Wochen an Tuberculöse, die sich besonders im Netze, in Milz und Leber, weniger in der Lunge localisirt zeigt.
Beim Menschen ist bekanntlich meist die Lunge Sitz der primären Erkrankung. Die Tuberkelbacillen gelangen durch Inhalation in die Luftwege. Die Eingangspforte kann aber auch von der Darm-Schleimhaut oder anderen Schleimhäuten oder von der äusseren Haut gebildet werden. Ebenso kann der menschliche Foetus im Mutterleibe vom mütterlichen Organismus her durch die Placenta hindurch mit Tuberkelbacillen inücirt werden; eine ganze Reihe von Fällen un-
') Monatah. f. praot. Dermatol. IM. 12. 1801, p. 477. -) Nach Maffuooi (Zeltsohr. f. Hyg. lid. II. 1892. p. 462) erkranken Hunde nach intravenöser Einverleibung des Tuberkelbacillas an allgemeiner Müliartuberculose.
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Der TuberkelbaoilluB,
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zweifelhafter congeni taler Tu bereu lose sind bereits beim Men­sehen (und ebenso auch bei Thieren) beobachtet.')
Die durch Inhalation in die menschlichen Luftwege aufgenommenen Tuberkelbacillen werden häufig in den Bronchialdrüsen zurückgehalten, ohne eine weitere Infection des Körpers hervorzurufen. Sie scheinen sich hier ausserordentlich lange Zeit in lebensfähigem und infections-tüchtigem Zustande halten zu können. Viele ganz gesunde Menschen tragen in ihren Bronchialdrüsen Tuberkelbacillen mit sich herum.'-)
Dass die ulceröse Lungenphthise eine Complication ver­schiedener Processe, das Product einer gemischten Infection, darstellt, ist bereits oben (p. 210, Anm. 1) betont worden.
Die ausserordentliche Häufigkeit der Lungenschwindsucht und die erheblichen Quantitäten tuberkelbacillenhaltigen Sputums, welche täglich von den Phthisikorn ausgeworfen werden, hatten den Gedanken nahegelegt, dass tuberculöse Keime überall, wo Menschen wohnen, an­zutreffen sind, dass wir sie womöglich mit jedem Athemzuge in uns aufnehmen, und dass es nur dem Mangel an ,. Dispositionquot; zuzu­schreiben ist, wenn die Mehrzahl der Menschen nicht tuberculös wird. Diese Auffassung musste nothwendig im Gefolge haben, dass Jeder, dem sein Leben lieb ist, den Phthisiker zu fliehen hatte. Von Seiten der Aerzte aber konnte nichts weiter geschehen, als dass man sich stiller Resignation ergab.
Wir verdanken Cornetquot;) eine totale Umgestaltung dieser An­schauungen. Cornet hat (im Koch quot;sehen Institute) mehrere Jahre daran gearbeitet, die Orte, wo der Tuberkelbacill us aussei--halb des Körpers zu finden ist. zu ermitteln. Er untersuchte in allen nur erdenklichen Localifäten, in Wohnungen, Krankenhäusern, in Gefängnissen, auf der Strasse etc. Staub, der sich an den Wänden, auf Möbeln, auf Gesimsen, auf dem Pussboden etc. angesammelt hatte, auf seinen Gehalt an Tubcrculosekeimen. Als Reagenz diente das Meerschweinchen, dem der Staub in eine subeutane Tasche am Bauche
') Bezüglich der experimentellen Erzeugung congenitalei Tuberculöse vergl die Arbeit von Gärtner (Zeitschr. f.. Hyg. Bd. 13. 1893).
-) Pizzini (Zeitsohr. f, klin. Med. Bd. 21. 1'892) hat bei der Untersuchung der Leichen von 30 Personen, die an aouten Krankheiten oder ünglficksfilllen ver­storben waren nnd keine Spur von Tuberculöse zeigten, in #9632;i'20i0 der Fälle (durch MeoMclnvoincheninfectioii) Tuberkelbacillen in den Lymphdrüsen nachgewiesen: am meisten waren die Bronchialdriisen bet'nllen. — Aelmliche Befunde (bei Kindern) hat Spengler (Zeitschr. f. Hyg. Bd. 13. 1803) beschrieben: Mikroskopischer Nachweis der Tuberkelbacillen in Schnitten der lironehiahlrüsen, während die Lungen sowohl wie die Cervical- und Mesenteriahlrüsen frei waren.
B) Zeitschr. f. Hyg. Bd. o. 1888.
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I!. Die liiiktcni'ii als KriinkhoitsciTO},'!'!'.
eingebracht wurde, vis geht aus den Cornet'sohen Untersuohungen mit grösster Sicherheit honor, dass von einer ühiquitftt des Tuberkelbacillus keine Rede ist. Derselbe lindet sich nur dort im Staub i'esp. in der Luft, wo pbthisisohes Sputum Gelegenheit hat anzutrocknen und dann zu verstäuben. Die Gelegenheit findet sieh aber fast ausschliesslich dann, wenn das Sputum auf den Boden oder in das Taschentuch gespuckt wird. Cornet sieht daher mit Recht in der allgemeinen Einführung und Benutzung des Spucknapfes, welcher ein Fortschaffen und TJn-schädlichniachen des Sputunis, bevor es vertrocknen kann, ermög­licht, das mächtigste Mittel, die Tuberculose prophylaotisch einzu­schränken.
In einer besonderen statistischen Arbeit1) hat übrigens Cornet den Nachweis geliefert, dass der dauernde Verkehr mit u n r e i n 1 i c h o n Phthisikern selbst die kräftigsten Menschen aus den gesündesten Fa­milien, bei denen von einer besonderen Anlage zur Schwindsucht sicher keine Rede ist, der Tuberculose überantwortet.
Am 4. August 1890 machte Koch'-) die ersten Mittheilungen über Heilungsvorgänge, die er bei tuberou 1 ösen Thieren beobachtet hatte: Koch hatte Substanzen gefunden, welche nicht allein im Reagenzglase (wie so viele andere chemische Substanzen), sondern auch im Thierkörper das Wachsthum der Tuberkelbacillcn aufzuhalten im Stande sind. Koch theiltc mit, „dass Meerschweinchen, wenn man sie der Wirkung einer solchen Substanz aussetzt, auf eine Impfung mit tuberculösem Virus nicht mehr reagiren, und dass bei Meerschweinchen, welche schon in hohem Grade an allgemeiner Tuber­culose erkrankt sind, der Knmkheitsprocess vollkommen zum Stillstand gebracht werden kann, ohne dass der Körper von dem Mittel etwa anderweitig nachtheilig boeinflusst wird.quot;8)
In einer weiteren Mittheilung4) (vom 13. November 1800) be­richtete Koch über Versuche, die mit dem Mittel am tube reulÖsen Menschen angestellt waren, und die — soweit sich bei der geringen Zahl der Versuche und der Kürze der Beobachtungszeit artheUen lioss — gezeigt hatten, dass auch beim Menschen der tuberculose
') Die Storblichkeitsvci-liiiltni.sse in den Ejankenpfiegeorden, Zoitsdir. f. Hyg. Bd. 6. 1889.
-) 10. Internat, metl, Cougr. Berlin iv.io. Verhandlungen. Bd. I. p. 46.
!') Eine complete dauernde Heilung der Tuberoulose tritt bei derartig behan­delten Meerscbweinohen, wie wir welter unter (p. 232) sollen werden, nicht ein. Die Tbiere geben, wenn auch später als nicht behandelte, an Tuberoulose zu Qrunde.
') Deutsche mcd. Wocbcnscbr. 1890. Xo. 46a. Extra-Ausgabe.
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Dor TubeikolbaolUus.
231
Process durch die Behandlung mit dem Mittel zum Stillstand gebraoht werden kann. Koch betonte ferner die specifische Wirkung des Mittels auf tuherculüse Processe und damit seine Bedeutung für die Dlagnbstioirung zweifelhafter Fälle.1)
In einer dritten Mittheilung8) (vom 15, Januar 1891) gab Koch die Principien der Herstellung des Mittels und den Weg an, auf welchem er zu seiner Entdeckung gelangt war8)! Koch hatte be­obachtet, dass sich gesunde Meerschweinchen nacli der Impfung mit einer Peincultur von Tuberkelbacillen ganz anders verhalten als bereits tuberculöse Meerschweinchen, an welchen dieselbe Impfung vorgenommen wird. Eei den gesunden Tbieren verklebt nach der Tuberkelbacillen-impfnng in der Kegel die Impfwuude und scheint in den ersten Tagen zu verheilen; erst im Laufe von Kl—14 Tagen entstellt ein hartes Knötohen, welches bald aufbricht und bis zum Tode des Thieres eine ulcerirende Stelle bildet. Bei bereits tuborculösen Thieren verklebt die kleine Impf Wim de auch anfangs; aber es bildet sich kein Knötcben, sondern schon am nächsten oder zweiten Tage wird die Impfstelle und dann auch die nächste Umgebung derselben hart und dunkler gefärbt; und es stellt sich dann in den nächsten Tagen immer deut­licher heraus, dass die so veränderte Haut nckrotisch ist; sie wird schliesslich abgestossen, und es bleibt dann eine Hache LTceration zurück, welche gewöhnlich schnell und dauernd heilt, ohne dass die benachbarten Lymphdrüsen inlicirt werden. So wie sich aber die gesunden und die bereits tuberculösen Tliiere nach der Impfung mit lebenden BaciUen verschieden von einander verhalten, so verhalten sie sich auch nach der Injection abgetödtetor Tuberkelbacillen-reinculturen in verschiedener Weise. Gesunden Meerschweinchen können wässerige Aufschwemmungen von durch Hitze oder auf andere Weise abgetödteten Tuberkelbacillenculturen in grosser Menge unter die Haut gespritzt werden, ohne dass etwas anderes als eine locale Eiterung*) entsteht. Tuberculöse Meerschweinchen dagegen werden schon (lurch Injection von sehr geringen Mengen solcher aufge-
') Uio diagnostisoho Bedeutung dos Koch'schon Mittels bat sich in dor Praxis durchaus liowiihrt. Speciel) in der Thiorniodioiu leistet dasselbe — zur Erkennung dor Tuberonlose intra vitam beim Binde — unsohätzbare Dienste. (Vergl. hierüber das zusammenfassende Referat von Kbor, CentralbL f. Rakt. ßd. 11. IS!(2. No. S) in.)
-) Deutsche mod. Wochenschr. 1891. No. 3.
8) In der folgenden Schilderung halte ich mich moist wörtlich an die Koch'-selien Veröffentliobungen.
') Die Eiterung wird veranlasst durch eine in den Baoillen selbst vorhandene chemische Substanz, welehe sieh künstlich nur schwierig aus diesen Zellen extra-Inren liisst.
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232nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;B. Dlo ISaktcrion als KninkiioitsoiT(gt;jgt;'er.
sobwenuntea Oulturen getödtet (je nach der Dosis in 6 bis 48 Stunden). Eine Dosis, welche eben nicht mehr ausreicht das Thior zu todten. kann eine ausgedehnte Nekrose im Bereiche der Injectionsstelle be­wirken. Wird die Aufschwemmung noch weiter verdünnt, dann bleiben die Thiere nach der Injection am Lehen; werden die Injectionen mit ein- bis zweitägigen Pausen fortgesetzt, so zeigen die Thiere bald eine merkliche Besserung ihres Zustandes. Die (primäre) ulcerironde Impf­wunde verkleinert sich und vernarbt schliesslich, was ohne eine der­artige Behandlung' niemals der Fall ist; die geschwollenen Lymph­drüsen verkleinern sich; der Ernährungszustand wird besser, und der Krankheitsprocess kommt, wenn er nicht bereits zu weit vorgeschritten ist und das Thior an Entkiiiftung zu Grunde geht, zum Stillstand. — „Damit war die Grundlage für ein Heilverfahren gegen Tuberculuse gegeben.quot;
Koch fand dann weiter, dass ein mit öOprocentiger Glycerin-iösung hergestellter Auszug aus Tuberkelbacillenculturen in derselben Weise zu heilenden injectionen gegen Tuberculose benutzt werden kann wie die Aufschwenimung abgetödteter (Julturen. Mit diesem (ilycerinextract1), dem später die Bezeichnung „Tuberculinum Kochiiquot;-) beigelegt wurde, wird das Koch'sche Heilverfahren aus­geübt. Der in das Glycerinextract übergehende wirksame Körper ist in absolutem Alcohol unlöslich; er ist nach Koch mit Wahrschein­lichkeit ein Derivat von Ei weisskö rpern und steht diesen nahe, ist aber kein „Toxalbuminquot; (cf. p. 41), da er hoho Temperaturen (Siedetemperaturen) erträgt und im Dialysator leicht und schnell durch die Membran geht.
laquo;Spätere Arbeiten, welche aus dem Koch'sehen Institute hervor­gegangen sind, haben die genauen' Angabe gebracht, dass die in Vorstehendem geschilderte Heilung der Tuberculose des Meer­schweinchens nicht als eine definitive Heilung des gesammten tuber-culösen Processes, der sich in dem Meerschweinchenkörper (nach der Impfung des Thieres am Bauche) abspielt, aufgefasst werden darf. Pfuhl1') theilt mit, dass tuberculose Meerschweinchen durch die Be-liandlung mit dem Tuberculin bis zu 1!) Wochen nach der Infection
') Genauere Angaben über die Herstellung hat Koch in einer vierten Mit-thollang (vom 22, October 1891; Deutsche mod. Woohensohr. 1891. No. 43) gemacht. Daselbst wird auch über Versiiehe berichtet, das wirksame Princip aus dem Mittel zu Isoliren,
-) Das Wort „Tuberculinquot; wurde zuerst von Pohl-Pin0118 (I8b4) ge­braucht; of. Deutsche mod, Woohensohr. 1884. No. 7. p, kis.
#9632;') Zeltsohr. f. Hyg. Bd. II. 1891.
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Der Tuberkelbaolllus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;288
am Loben erhalten werden können, während nicht behandelte Thiere im Durchsclinitt G3 Tage nach der Infection zu Grunde gehen. Während aber die imbehandelten Thiere an einer hauptsächlich in den Unter­leibsorganen (Leber, Milz) localisirten (of. p. 228) Tuberculose sterben und eine nur wenig vorgeschrittene Lungentuberculose darbieten, so zeigt sich bei der Obduction der behandelten Thiere die Unterleibs-tuberculose und die Tuberculose der Impfstelle günstig beeinflusst (in Rückgang begriffen), die Lungentuberculose aber so erheblich vorge­schritten, dass sie für den Tod der Thiere wohl in erster Linie ver­antwortlich gemacht werden muss. Die Lungentuberculose des Meer­schweinchens scheint durch das Koch quot;sehe Mittel gar nicht beeinflusst zu werden.1) Ebenso wie Pfuhl constatirte auch Kitasato'-) nur eine Verlängerung der Lebensdauer der tuberculösen Meerschweinchen durch die Tubemilinbehandlung.
In seiner zweiten Mittheilungquot;') hatte Koch bereits betont, dass das neue Mittel nicht etwa die Tuberkelbacillen tödtet, sondern dass es lediglich das tuberculose Gewebe, und zwar das lebende tuber­culose Gewebe, zum Absterben bringt, üeber die Art und Weise, wie wir uns die speeifische Wirkung des Mittels auf das tuber­culose Gewebe vorzustellen haben, hat Koch4) folgende Hypothese aufgestellt: Die Tuberkelbacillen produciren bei ihrem Wachstluun in den lebenden Geweben ebenso wie in den künstlichen Culturen. gewisse Stoft'e, welche die lebenden Elemente ihrer Umgebung, die Zellen, in verschiedener Weise, und zwar nachtheilig, beeinflussen. Darunter be­findet sich ein Stoff, welcher in einer gewissen Concentration lebendes Protoplasma tödtet und so verändert, dass es in den von Weigert als Coagulationsnekrose (cf. oben p. 217) bezeichneten Zustand über­geführt wird. In dem nekrotisch gewordenen Gewebe findet der Ba­cillus dann so ungünstige Ernährungsbedingungen, dass er nicht weiter zu wachsen vermag, unter Umständen selbst schliesslich abstirbt. Auf grosse Entfernung vermag der einzelne Bacillus Nekrose nicht zu be­wirken ; denn sobald die Nekrose ein gewisse Ausdehnung erreicht hat, nimmt das Wachsthum des Bacillus und damit die Production der nekrotisirenden Substanz ab, und es tritt so eine Art von gegenseitiger Compensation ein. Würde man nun künstlich in der Umgebung des Bacillus den Gehalt des Gewebes an nekrotisirender Substanz steigern.
') Vergh hierüber auch die Kooli'sohe Veröffentlichung vom 22. Oct. 1891 (Deutsche mod. Woohensohr. 1891, No. 43). ,J) Zeitsohr. f. Hyg. Bd. 12. 1S()2. ^ Deutsche mod. Woohensohr. 1890. No. 4da. ') Deutscho mod. Woohensohr. 1891. No. :*.
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284nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;I'- '*ie Bakterien als KraJikheitserreger.
dann würde sich die Nöki'ose auf eine grössere Entfernung ausdehnen, und es würden sich damit die Ernäbmngsverhältnlsse für den Baoillus viel ungünstiger gestalten, als dies gewöhnlich der Fall ist. Thcils würden alsdann die in grösserem Umfange nekrotisoh gewordenen Ge­webe zerfallen, sich ablösen und, wo dies möglich ist, die eingeschlos­senen Baoillen mit fortreissen und nach aussen befördern; theils wür­den die Baoillen SO weit in ihrer Vegetation gestört, dass es viel eher ZU einem Absterben derselben kommt, als dies unter g-ewölmlichen Verhältnissen geschieht. Gerade in dem Hervorrufen solcher Verän­derungen besteht wahrscheinlich die Wirkung' des Mittels.
Das Glycerinextract enthält von der wirksamen Substanz nach der Schätzung K o o h 's Bruohtheile eines Prooentes. Von dem Glycerin­extract kann einem gesunden Meerschweinchen eine Dosis bis ZU 2 com subeutan beigebracht werden, ohne (lass es merklich dadurch beoinllusst wird. Der gesunde erwachsene Mensch wird bereits durch eine Dosis von 0,25 com intensiv beoinllusst. Auf Körpergewicht berechnet ist also l/isoo von der Menge, welche beim Meerschweinchen noch keine merkliche Wirkung hervorbringt, für den Menschen sehr stark wirkend. Koch schildert die Wirkung einer Dosis von 0,25 com, die er sich seihst am Oberarm subeutan injicirte, lölgomlermassen: „Drei bis vier Stunden nach der Injection Ziehen in den Gliedern, Mattigkeit, Neigung zum Husten, Athembcschwerden, welche sich schnell steigerten; in der fünften Stunde trat ein ungewöhnlich heftiger Schüttelfrost ein, welcher fast eine Stunde andauerte; zugleich Uebel-keit, Erbrechen, Ansteigen der Körpertemperatur bis zu 39,0deg;; nach etwa 12 Stunden Hessen sämmtliche Beschwerden nach, die Temperatur sank und erreichte bis zum nächsten Tage wieder die normale Höhe; Schwere in den Gliedern und Mattigkeit hielten noch einige Tage an, ebenso lange Zeit blieb die Injectionsstelle ein wenig schmerzhaft und geröthet.quot;
Die untere Grenze der Wirkung dos Glycerinextracts liegt für den gesunden Menschen ungefähr bei 0,01 com. Die meisten Personen reagirten in den Koch quot;sehen Versuchen auf diese Dosis nur noch mit leichten Gliederschmerzen und bald vorübergehender Mattigkeit. Bei einigen trat ausserdem noch eine leichte Temperatursteigerung ein bis zu 38quot; oder wenig darüber hinaus. Ganz anders reagiren Tubercu-löse (Erwachsene), wenn ihnen eine derartige Dosis1) injicirt wird; bei diesen tritt sowohl eine starke allgemeine, wie auch eine örtliche
') Bei Phthisikom muss man mit viel geringeren Dosen arbeiten; liior sind die Roactionen am allerheftigsten.
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Der Tiil)iivllt;i'lliiicilliis.
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Reaction ein. Die allgemeine Reaction besteht in einem, in der Regel 4 his 5 Stunden nach der Injection eintretenden, mit Schüttelfrost be­ginnenden, 12 bis 15 Stunden dauernden Fieberanfail, welcher mit Gliederschmerzen, Hustenreiz, grosser Mattigkeit, öfters auch mit Uebci-koit und Erbrechen verbunden ist. Die örtliche Reaction kann am besten an solchen Krauken beobachtet werden, deren tuberculöse Affec­tion zu Tage liegt, also z. B. bei Lupuskranken. Einige Stunden nach der (an einer entfernten Körperstelle gemachten) Injection fangen die lupöson Stellen an zu schwellen und sich zu rothen. Die Schwellung und Röthung, welche gewöhnlich bereits vor dem Beginne des Frost­anfalles eintritt, wird während des Fiebers stärker und kann zur Nekrose des lupösen Gewebes führen, welches dann später abgestossen wird. In ähnlicher Weise tritt eine örtliche Reaction bei allen im Körper vorhandenen Tu herculoseherden, aber nur bei diesen, auf.
Was die therapeutische Anwendung des Koch'scheu Tuberculins bei dem tubercnlösen Menschen angeht, so lassen sich die seit dem Bekanntwerden des Mittels gesammelten Erfahrungen im Wesentlichen dahin zusammenfassen, dass erstens (wie das Koch übrigens gleich Anfangs betont hat) nicht jeder Fall von Tuberculöse sich für die Tuberculinbehandlung eignet; es sind einer günstigen Beeinflussung doroh Tuberculin nur Fälle von beginnender, und im Speoiellen nur von unoomplicirter Tuberculöse zugängig.1) Fälle von complicirter Tuberculöse (cf. p. 216, Anm. 1; p. 229) eignen sich nicht. Zweitens sind stürmische Reactionen nach den einzelnen Injectionen weder erforderlich noch wünschenswerth. Sie sind durch­aus zu vermeiden.'2) Wesentlich ist, die specilische Reizbarkeit des tubercnlösen Gewebes möglichst lange zu erhalten und sie nicht, wie das bei grossen Dosen und schnellen Steigerungen der Fall ist, vor­zeitig zu vernichten.3)
') Cf. Potrusohky, Deutsche mod. Woclionsdiv. ISD.'i. Xo. 1-1.
'-) Uobcr die ernsten Gefahren, weiche stimnisclie Reactionen mit sich führen können, vergl. die von Virchow in der Berliner medicinisehen Gesellschaft am 7. Januar 1891 und in den sich auscliliessenden Sitzungen gemachten Mitthei-Inngen, Es ist dnroh dieselben zur hohen Wahrsoheinliohkeit erhoben worden, dass bei dein Auftreten stürmischer Reactionen eine Verbreitung der Tuberkelbacillen von dem beeinllussten tuberculösen Herde aus in den Körper hinein und im Anschlüsse daran die Entwlokelung miliarer Tuberculöse erfolgen kann.
!1) Cf. Ehrlich, 7. Internat, Congr, f. Hyg. u. Detnogr. London ISiil. (Centralbl. f. Bakt. Bd. 10. 1891. p. 811).
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236nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1J- 1^' Bakterien als Krankheitserreger.
6. Dor Bacillus der Hühnertuberculose (Geflügel-tuberculose).
Die spontun bei dem Geflügel (Hühner, Enten, Fasanen eto.) auftretende Tu bereu lose zeigt sieh bedingt dureh einen Bacillus, welchen Koch1) bei seinen Tuberoulosestudien zunächst mit dem bei
Säuget liieren gel'uiuleiien Tuberlielbaeillus für identisch hielt. Spätere Untersuchungen jedoch, namentlich von Kivolta'-) und von Maf-fuool8), haben den sicheren Nachweis geliefert, dass ganz bestimmte oonstante Unterschiede zwischen den Eigenschaften des Bacillus der Hühnertuberculose (Q-eflügeltuberculose) und denen des Bacillus der Säugethiertuberculose, des Tuberkelbacillus per excellence, bestehen; und wir sind heute berechtigt, hier zwei von einander ver­schiedene Bakterienarten, die allerdings nahe mit einander verwandt sind, anzunehmen (cf. oben p. 21(}).
Die Baoillen der Hühnertuberculose sind morphologisch denen der Säugethiertuberculose sehr ähnlich, erscheinen aber gewöhnlich etwas länger und dünner als die letzteren.
Sie lassen sich künstlich züchten; und zwar wachsen sie auf Blutserum, auf Agar, auf Bouillon. Die genannten Nähr­böden sind sowohl ohne Zusatz von Glycerin oder Traubenzucker als auch mit diesen Zusätzen zu gebrauchen. Das Wachsthum ist im Allgemeinen ein etwas schnelleres als das der Baoillen der Säuge­thiertuberculose. Auf Kartoffeln gedeihen die Hülmertuberculose-bacillen nicht.
Die Temperaturbedingungen für die Züchtung sind von denen der Säugethiertuberculosebacillen etwas verschieden. Während nämlich (cf. oben p. 218) die letzteren bei 42deg; C. nicht mehr gedeihen, SO wachsen die Bacillen der Hühnertuberculose bei 42deg; bis 43quot; C-noch vortrefflich, und zwar ebenso gut wie bei 37deg; C. Im Allgemeinen findet Wachsthum statt zwischen 35deg; und 45deg; C. Die'Züchtung bei 43deg; C. hebt die Virulenz durchaus nicht auf. Die genannten Unter­schiede zwischen den Temperaturansprüchen der Bacillen der Hülmer-und der Bacillen der Säugethiertuberculose sind bei der verschiedenen Höhe der nurmalen Körpertemperatur der Vögel1) und der Säuge-thiere ohne Weiteres verständlich.
Onbsp; Mltth. a. d. Kais. Qes.-Amte. Bd. 2. 1884. p, 41.
-)nbsp; of. Baumgar ten's Bakt. Jahresber. iHW. p. 313.
3jnbsp; nbsp;La Kilbnna medica. 1890. No. Mit—120. — Zeitsohr. f. H^g, Bd. 11. 18i)2.
')nbsp; nbsp;Die normale Reotaltemperatnr dor Vögel betrügt 41.5deg; bis 42,quot;)quot; C.
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Dor BaoiUus der UtthnortaberonlosSi
•237
Die künstlichen Culturen der Hiihnertuborciilosebacillcn unterscheiden s-iieh in ihrem Aussehen in ganz bestimmter, chanicte-ristischer Weise von denen der Bacillen der Säugethiertuberculose. Auf festem Nährboden (erstarrtes Blutserum etc.) bemerkt man makroskopisch zuerst nach ü bis 8 bis 10 Tagen Wachsthum. Es bilden sich kleine weissliche Colonien, wie Flecken oder Punkte von weissein Wachs aussehend. Die Colonien nehmen an Dicke und Flächenaus-dehming mehr und mehr zu und fliessen nach etwa einem Monat mit einander zusammen, einen weissen speckigen Ueberzug auf dem Nähr­boden bildend. Ileberträgt man Material von dieser primären Cultur auf neuen Nährboden, so bilden sich nicht mehr kleine isolirte Colonien, sondern es entsteht gleich a priori ein weisser Streifen, der die Tendenz zeigt sich über den Nährboden auszubreiten', und der dabei auch an Dickenausdebnung zunimmt. Bei der Entnahme von Theilen der Cultur mit dem Platimlraht macht die Cultur stets einen weichen, feuchten Eindruck gegenüber der Cultur der Säugethiertuberculose, welche stets resistent und trocken erscheint. Mit zunehmendem Alter nimmt die Cultur der Hühnertuborculosc einen gelblichen Farbenton an und wird schleimig und faserig.
Auf flüssigen Nährböden (Bouillon, flüssiges Blutserum) gezüchtet erscheint die Cultur als ein sehr feines weisslicbes Pulver, welches sich an den Wänden des Culturröhrohens festsetzt und auch Grund und Oberfläche des Nährbodens (letztere als gleichmässig weisses Häutchen) überzieht. Das oberdächliehe weisse Häutchen ist leichter zerreiblich als der entsprechende Ueberzug, welchen die Bacillen der Säugethiertuberculose auf den flüssigen Nährböden bilden.
Die Hühnertuberculosebacillen scheinen eine etwas grössere Re­sistenz gegen die Erwärmung auf höhere Temperaturgrade zu besitzen, als sie den Bacillen der Säugethiertuberculose zukommt. Durch 2 stündige Erhitzung auf ()50 C. werden sie (im Gegensatz zu den letzteren) nicht vernichtet; so beeinllusste Culturen zeigen aber hinterher ein verlangsamtes Wachsthum. Durch 15 Minuten lange Erhitzung auf TOquot; C. werden die Bacillen der Hühnertubereuloso getodtet.
Die künstlichen Culturen scheinen sich sehr lange Zeit lebens­fähig und unverändert virulent erhalten zu können. Maffucci er­hielt mit Culturen, die seit 2 Jahren nicht umgezüchtet waren, in beiden Richtungen positive Resultate. Auch vertragen die Culturen monatelanges Austrocknen ohne Schädigung. In den genannten Beziehungen verhalten sich also die Bacillen der llühnertuberculose dauerhafter als die der Säugethiertuberculose.
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I!. Die Bakterleu als Krankboitserre
Sporenbüduag hat man bei dem Bacillus der Hühuertuber-Olüose bisher ebenso wenig zu statuiivn vennoeht wie bei dem Baoillus der Sftugethlertuberoulose (of. p. 221),
Für die infection mit dem Hülinertuberculusebacillns zeigen sich ganz im Allgemeinen Vögel1) empfänglich. Die spontane Ge­flügel tube reu lose, welche mitunter jahrelang unter dem Geflügel eines Hofes herrscht, scheint sich fast ausschliesslich durch 00Hg6-nitale U ober tragung fortzupflanzen (Haumgarten-')). Die Hauptlocalisation findet sich stets in der Leber: nie tritt die spontane Geflügeltuberculose primär in der Lunge oder in der Darmschleindiaut auf: die tuberculösen Hühner produciren weder tuberculoses Sputum noch tuberculösen Koth. Characteristisch für die (ieflügeltuberculose ist (im Gegensatz zur .Saugethiertuberculose) der sehr langsame, chro­nische Verlauf und die geringe Veränderlichkeit, welche die tuberculösen Bildungen in späteren Stadien zeigen. Die tuberculösen Bildungen sind ganz enorm reich an Bacillen: auch hierin unterscheidet sich die Gellügeltuberciilose von der Saugethiertuberculose. Riesenzeilen. welche in dem Säugethiertuberliel fast stets gefunden werden, sind bei der Gellügeltuberciilose erheblich spärlicher, fehlen aber nicht vollständig.8) Die eentrale Zellnekruse des Tuberkels erfolgt bei der Hühnertuberculose nicht (wie bei der Saugethiertuberculose) unter Bil­dung feinkörniger käsiger Massen, sondern unter Bildung einer glasigen Substanz (Cadiot, Gilbert und Roger4)).
Die künstliche Infection des Geflügels mit dem Bacillus der Hühnertuberculose lässt sich durch Einverleibung des Mate­rials in das IJnterhautgewebe, in die Bauchhöhle, die Lunge, den Blut­strom erreichen. Vom Verdauungstractus aus scheint die Infection nicht zu gelingen. Die durch die künstliche Infection tuberculös gemachten Thiere sterben nach einem bis mehreren Monaten an Tuberculose, die sich hauptsächlich in Leber und Milz localisirt zeigt; die Lunge bleibt meist verschont, Tuberculose Hühner übertragen die Krankheit auf den Embryo. — Gegen Saugethiertuberculose verhalten sich im
') Kiiic grosso Reihe von Vogelspeciea, bei denen QeflUgeltuberculose beob­achtet ist. findet man bei Sibley (cf, Baumgarten's Baku. Jabresber. tsiio. p. 324) aufgeztlhlt.
#9632;-') Arb. a. (1. patb.-anat. Inst, zu Tübingen. Bd. I. lslt;i2. p. 320 und xtuff.
8) Den ersten Naobwois von Riesenzellen bei HlUinertuberculose lieferte Weigert (Deutsche mod. Wocbenscbr. 1885. p. 599). Die Literatur (Ibor die weiteren hierher­gehörigen Befunde (Jehnei Cadiot, Gilbert und Rogerj Pfander) siehe bei Pfander (Arb. n. d, Gebioto d. path. Anat, u, Bakt. a. d. path.-anat. Institut zu Tübingen, Bd, i. l vi2. p, 317).
') Soe, de Biol, Paris, 18 oct, 1890,
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Der l.i'iiraliacilliis.
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Gegensatz dazu erwachsene HtUmor so gut wie unempfänglich; Hühner-embryonen zeigen eine ganz minihiale Empfänglichkeit.
Von Säugethiei'en hat sich bisher nur das Kaninchen empfäng-
lich für die Infection mit Hflhn crtuborcnloso erwiesen. Nach subcutaner Impfung /.eigen sieb zunächst locale Absoediningen, denen später Enötchenbilduug hauptsächlich in den Lungen folgt. Hier ist also die Localisation eine andere als bei dem Geflügel.
Das für die Säugetbiertübereu 1 use so hervorragend emp­fängliche Meerschweinchen zeigt sich gegen die Infection mit Hühnertuberoulos e völlig refraetär. Nach der Einverleibung der Hühnertuberculoseeulturcu in den Körper dieses Thieres beobachtet man keine Vermehrung, sondern ein Absterben der eingeführten Ba-cillen; bei dieser Gelegenheit kommt aber ein in den Hiilinertuber-culoseoulturen enthaltenes (dem Gift der Säugethiertuberoulosebadllen sehr ähnliches) Gift zur Wirkung auf den Meerschweinchenkörper, welches interstitielle Entzündungen und Atrophien der inneren Organe zur Folge bat und stets einen gewissen chronischen Marasmus liinter-lässt. — Das Huhn wird viel laquo;eiliger durch dieses Gilt beeinllusst.
Ebenso wie das Meerschweinchen ist auch der Hund unempfäng­lich für die Infection mit Hübnertuberculose, selbst bei intravenöser Einverleibung, die, mit Säiigethiertuberculose ausgeführt, bei dem Hunde stets die Entwickelung miliarer Tuberoulose zur Folge hat (cf. p. 228, Anm. 2).
Ob der Men seil für die Infection mit llülinertuberculose empfäng­lich ist, ist noch eine offene Frage.
Der Bacillus der Hübnertuberculose zeigt in seinem Färbungs­verhalten ähnliche Eigenschaften wie der Tuberkellmcillus par excellence. Er soll aber die Farbstoffe etwas leichter aufnehmen als der letztere. Gegen Entfärbungsmittel (Säuren) zeigt er dieselbe Re­sistenz wie der Bacillus der Säugethiertuberculuse.
7. Der Leprabaclllus.
Bei der Lepra (Aussatz) wurden zuerst durch A miau er Ha n senl) stäbchenförmige Organismen festgestellt. Durch N eis s e r -) wurde diese Entdeckung bestätigt. Die Leprahacillen liegen in den leprösen Neubildungen, und zwar gewöhnlieh innerhalb der Gewebs­zellen („Lepraze 11 e nquot;).
Die Leprahacillen sind in ihren Eigenschaften den Tuberkel-
') Viroh. Ärdi. Bd. 71raquo;. isse. '-) Vlivli. Arch. Bd. 84. issi.
,
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240nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;H- J^io Bakterien als Krankhoitserregor.
biu'illon ausserordentUoh ähnlich und stellen jedenfalls nahe Verwandte derselben dar. Sie erseheinen meist etwas kürzer als die Tuberkel-Imeillen. Es muss aber darauf hingewiesen worden, dass man nicht selten (in tubereulösem Sputum z. B.) Zusammenlagerungen von Tuberkelbaeillen antrifft, die durch die Kürze der einzelnen Exemplare lebhaft an Leprabacillenzusammenlagerungen erinnern.
Die Leprabaeillen haben keine Eigenbcwegung.
Ueber künstliche Züchtung der Leprabaeillen hat namentlich Bordoni-Uffreduzzi') berichtet. Es gelang ihm im Januar 1887 gelegentlich eines Leprasectionsfalles in Turin in zwei mit dem Knochen­mark der leprösen Leiche geimpften Peptonglycerinblutserum-Eührchen bei Erüttemperatur in sieben Tagen die ersten Entwickelungsspurcn eigenthümlicher Colonien zu erhalten, die aus verschieden langen, an den Enden meist keulenförmig angeschwollenen Bacillen bestanden. Die Endkeulen sah Bordoni-Uffreduzzi als vermutliliche Dauer­form (Arthrospore) an. Baumgarten ist der Ansicht, dass es sich hier wohl um eine Involutionserscheinung handelt. Die Strichculturen Bordoni-Uffreduzzi quot;s bildeten bandartige, mit zackigen Bändern versehene Colonien. Uebrigens scheint es später nicht wieder geglückt zu sein die Leprabaeillen künstlich zu eultiviren.
Ueber die Präge der Sporenbildung der Leprabaeillen lässt sich etwas Bestimmtes noch nicht sagen.
Die Leprabaeillen lassen sich, wie in mancher anderen Hinsicht, auch in ihren färberischen Eigenschaften den Tuberkelbaeillen vergleichen (of. oben p. 98). Sie sind aber nicht so schwer färbbar wie die Tuberkelbaeillen; sie nehmen zwischen den letzteren und den übrigen Bakterien eine Mittelstellung ein. Ebenso geben sie die Färbung an Entfärbungsmittel etwas leichter ab als Tuberkelbaeillen. Hat man Leprabaeillen im T ruckenpräpara t zu färben, so wird man sich mit Vortheil der oben (p. 222 ff.) zur Färbung von Tuberkel-bacillen-Deckglaspräparaten angegebenen Methoden bedienen. Hat man Schnitte von Leprabaeillen zu tingiren. so genügt eine etwa halb­stündige Einwirkung einer der Ehrlich'sehen Lösungen (p. 94) auf den Schnitt bei gewöhnlicher Temperatur. Die Leprabaeillen sind dann intensiv gefärbt. Behufs der Conservirung der Schnitte empfiehlt es sich sehr, dieselben nach der bei Gelegenheit der Tuberkelbaoillenfärbung (p. 22.quot;)) besprochenen Un na'sehen Antrocluuingsmetliode zu behandeln.
Die Leprabaeillen färben sich auch nach der Ci ram #9632;sehen Me­thode (p, 100 ff.)
') Zeltschr. f. Hyg, Bei, 3, 1887.
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Baoillen hei Sypliilis. Smegmnbaoilleni
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Als Untorsoheidungsmerkma 1 dev Leprabac;i 11 en von den Tuborkcl bacillen ist von Baumgarten1) das verschiedene Verhalten dieser Organismen bei der Behandlung mit einfachen wässe­rigen Fuehsinlosungen angegeben worden. Die Leprabacillen färben sich hier (wenigstens in einzelnen Exemplaren [of. oben p. 99]) in kurzer Zeit bei Zimmertemperatur, während sich die Tuberkelbacillen bei dieser Behandlung noch nicht färben.
M610h er und 0 r tman n quot;) haben über erfolgreiche II eb e r-tragung von Lepra auf Kaninchen berichtet. Die Autoren impften Lepraknotenstückcheij in die vordere Augenkammer zweier Thiere. Dieselben gingen 4 resp. 41/.i Monat später zu Grunde und zeigten aussei- anderen Metastasen eine Knoteneruption im Darme, besonders in der Wand des (Joecums, die die Autoren als Lepra deuteten.
Im Uebrigen ist über Thierinfectionen mit Lepra wonig berichtet; und auch die Modi, die bei der Infection des Menschen hauptsäch­lich in Frage kommen, sowie die ganze Art und Weise des Zustande­kommens der leprösen Veränderungen sind noch wenig bekannt.
Ein Photogramm von Leprabacillen bei lOOOfaoher Vergrösserung (Ausstrichpräparat eines leprösen Hautknotens:!)) zeigt Taf. VIII, Fig. 4;}. Das l'hotogramm giebt ein typisches Bild von der ausserordentlichen Menge von Bacillen, welche sich bei der Lepra in den einzelnen Zellen angehäuft linden.
8. Bacillen bei Syphilis. Smegmabacillen.
Im Jahre 1885 machte Lustgarten1) in Wien eine, Aufsehen erregende Mittheilung von Bacillenbefunden in syphilitischen Geweben. Lustgarten war es gelungen, in Schnitten syphili­tischen Gewebes mit Hülfe einer specilischen Färbungsmethode Bacillen nachzuweisen, welche, gewöhnlich nur in wenigen Exemplaren, inner­halb von Zellen liegend angetroffen wurden. Die specifische Färbungs­methode beruht darauf, dass die in der Eh r lieh #9632;sehen Anilinwasser-gentianaviolettlösung gefärbten und in Alcohol ausgewaschenen Präparate in einer Lösung von Kaliumpernianganat entfärbt werden. Bei dieser Entfärbung bleiben die Lustgarten'schen Bacillen gefärbt. Der
') Zcitschr. f. wissensdi. Mikroskopie. JW. 1. 188-1. p. .'KiS, 369.
-) Beil. klin. Wochenaclir. 1886, No. II.
B) Das dem Präparate zu Qrande liegende Material verdanke lob Herrn Priv.-Doc Dr. Lassar.
') Wien. Med. Jahrb. issö. — Vorläufige MittheUung: Wiener mcd. Wochen-sehr. 188-1. No. IT.
GUnthor, llakteriologic.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ) ti
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242nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; !'• Die Bakterien als Krankbeitaerreger.
sich auf den Präpavaten bildende Niederschlag von Manganhyperoxyd
wird diinn durch Kiutaiu'hen der Präparate in eine wässerige Lösung von schwefliger Säure entfernt. Mit derselben Methode konnte Lust­garten auch in syphilitischen Secreten (d. h. in Deckglastrooken-präpaiaten) ebenso gestaltete Bacillen nachweisen. Die Lustgarten'-sehen Bacillen ähneln in ihrer Form den Tuberkelbacillen.
Nach dieser Methode gelang es vielen Untersnchem nicht sich die Lust gar ten'sehen Bacillen zur Anschauung zu bringen. Dies gelang besser mit einer anderen Methode, die von de Giacomi1) für Trockenpräparate angegeben, von A. 0 ottstein-) auch für Schnitt­präparate empfohlen wurde. Die de Giacomi'sehe Methode beruht darauf, dass die Präparate in Ehrlich'scher Anilinwasserfuchsin-lösung gefärbt und dann mit Eisenohloridlösung nachbehandelt werden. Aber auch mit dieser Methode ist es nicht gelungen die Lust­garten quot;sehen Bacillen in syphilitischen Geweben constant nach­zuweisen.
Dagegen fanden A1 v a r e z und T a v e 1 #9632;#9632;,) sowie M a 11 e r s t o c k4) im normalen Smegma praeputiale. ferner zwischen den grossen und kleinen Labien und am Anus gesunder Menschen bestimmte Bacillen-formen („Smegmabacillenquot;), die den Lustgarten'sehen Bacillen im Aussehen gleichen und auch dieselben färberischen Eigenthümlich-keiten darbieten.'') Die Bedeutung der Lustgarten'schen Bacillen, deren künstliche Züchtung übrigens nicht gelungen ist. ist dadurch sehr in Frage gestellt worden.
Für die specilische Bedeutung der Lustgar ten'sehen Bacillen ist übrigens die gewichtige Autorität von (,'. Weigert6) in die Schranken getreten.
9. Der Rotzbacillus.
Als Ursache der Rotzkrankheit (Malle us), einer speciell bei Pferden und verwandten Thieren in Lpizootien auftretenden In-fectionskrankheit, die aber bekanntlich auch auf den Menschen ftbef-
') Corresp.-Bl. f. Schweizer Äerzte. 1886. No, 12,
-) Portschr, d, Med, 1885, No, 16,
!') Arch, de physiol, norm, et pathol. 1886. No, 7.
') Vcrli. d. Wiirzli. pliys.-mod. Gesellsdh. .Tuni 1885.
') Dontreleponl (Deutsche mod. Wochonschr. IS8ö. ]). 321) hat eine be­sondere Färbungsmethode angegeben. die zwar die boi Sypliilis vorkonunenden Bacillen, aber nicht die Smegmabacillen gefärbt zur Anschauung bringen soll.
quot;) Deutsche mwl. Woohenschr, 1886. p, ssquot;gt;.
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Der BotzbaolUus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;243
tragbar ist, wurde 1882 durch Locff'lor und Schlitz') ein speoi-flsoher Bacillus, der „Rotzbacillusquot;, ermittelt. Loeffler hat (liinn seine umfangreichen Stadien über die Rotzkrankheit in einer ausführlichen Arbeit -) niedergelegt.
Der Rotz b a ci 11 u s ist ein sehr kleines Stäbchen u h n e E i g e n-bewegung. Der Bacillus lässt sich auf den gewöhnlichen bakterio­logischen Nährböden, bei Temperaturen zwischen 25 und 40deg; C. und bei Sauerstoffanwesenheit, künstlich züchten. Auf der Agarobor-fiäche erscheinen die Cuituren als feuehtglänzende weissliehe Beläge, auf Blutserum als helldurchscheinende, zerstreute, tropfenförmige Auf­lagerungen, die später zusammenlliessen. Das Blutserum wird nicht verflüssigt.
Sehr characteristisch ist das Wachsthum der Rotzbacillen auf Kartoffeln. Es bildet sich auf der Oberfläche der bei Brüttempe­ratur gehaltenen Kartoffel im Verlauf von etwa 2 Tagen zunächst ein gelblicher honigähnlioher Belag, der dann allmählich dunkler, braunroth bis dunkelroth wird.
Ob der Rotzbacillus Sporen bildet oder nicht, wurde von Loeffler unentschieden gelassen und ist auch heute noch nicht mit Sicherheit entschieden.:!) Loeffler beobachtete eingetrocknete Rotz­bacillen, die drei Monate ihre Uebertraglmrkeit und ihre Virulenz be­hielten; diese Thatsache ist kaum anders als durch die Anwesenheit von Dauersporen zu erklären. Baumgarten und Rosen thai4) sind dann auf Grund gelungener „Sporenfärbungquot; bei den Rotzbacillen (cf. oben p. 201 ff.) für die Existenz der Sporenbildung eingetreten. Das einzig und allein mit Sicherheit in dieser Frage entscheidende Kriterium, nämlich der Nachweis der Keimfähigkeit (cf. oben p. 71), ist jedoch für die als „Sporenquot; gedeuteten Gebilde noch nicht geliefert worden.
Werden die künstlichen Cuituren der Rotzbacillen auf Pferde oder auf andere empfängliche Tliiere verimpft, so erzeugen sie das typische Bild der Rotzkrankheit. Empfänglich sind von Hausthieren — aussei-Pferden und Eseln — Ziegen und Katzen, weniger empfänglich
') Deutsche mod. Wbchensohr. isvi. No, .vi.
-) Arbeiten a. d. Kais. Qes.-Amte, Bd. I. 1886.
B) Flügge (Qrundrisa d. Hyg, 1889. p. 54) spricht sich mit Sicherheit gegen die Bildung „eohtei Sporenquot; ans. Auch Beer, welcher im Koch'sch'en Institute arbeitete, hat (Zeltsohr. f. Hyg. Bd. !•. 1890. p. 481) angegeben, dass er in zahlreichen Vorsuohen die Sporenbildung bei den Rotzbacillen stets ver-misst hat.
#9632;') Gentralbl. f. Hakt. Bd. 3. 1888. No. 13.
IG*
.
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244nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15- Die Bakterien (Us Krankheitserreger.
sind Schafe und Hunde'), Scliwoiiu' noch weniger; Kinder erscheinen immun. Ans der (inippe der Nagethiere sind hervorragend empfänglich die Feldmaus und, wie Kitt9) festgestellt hat. die Wald­maus und die Wühlmaus, ferner das Ziesel:!); etwas weniger empfäng­lich sind Meerschweinchen, viel weniger Kaninchen. Ganz unempfäng­lich sind Haus- und weisse Mäuse J) sowie Ratten. Der Igel ist sehr empfänglich für die Infection.5)
Bei fortgesetzter Züchtung auf künstlichen Nährböden verliert der Eotzbacillus seine Virulenz bald; künstliche Culturen können deshalb nur dann dauernd virulent erhalten werden, wenn sie von Zeit zu Zeit durch einen empfänglichen Thierkörper geschickt werden (of. üben p. 179, Anm.).
Die Infection geschieht unter natürlichen Umständen wohl aus-schliesslich von kleinen Verletzungen der Haut, vielleicht auch der angrenzenden Schleimhäute, aus. Es bilden sich zunächst locale Schwellungen, die gern abscodiren, und denen sich Schwellungen der Lymphgefässe und Lymphdrüsen mit eventueller Abscedirung an-schliessen; dann kommt es zu allgemeiner Verbreitimg der Krankheit in den Körper, zur Bildung von metastatischen, an die Tuberkel er­innernden submiliaren Knötchen in den Organen. Die rotzig veränderten Gewebsthoile haben grosso Neigung zur Nekrose, zum Zerfall.
Bei Pferden ist die Prädilectionsstello für die Rotzgeschwüre die Nasenschleimhaut. Ob hier in jedem Falle auch die primäre Infection stattfindet, oder ob die Affection der Nasenschleimhaut häufig eine metastatische ist, ist noch unentschieden.
Meerschweinchen gehen nach der künstlichen subeutanen Infection im Verlaufe mehrerer Wochen, Feldmäuse schon nach 3 bis 4 Tagen zu Grunde. Bei männlichen Meerschweinchen entstehen während des Krankheitsverlaufs (besonders rapide bei intraperitonealer Infection) ganz characteristischo, durch den Rotzbacillus veranlasste Hodenan­schwellungen, die weiterhin zu einer Vereiterung der Hoden führen.
') Junge Hunde sind sehr empfltnglich (Flügge, Qrundriss d. Hygiene. 1880. p. 54).
2) Centralbl. f. linkt. IM. 2. 1887. No. 'X
raquo;) Kranzfeld, Centralbl. f. Bakt. Bd. 2. 1887. No. 10.
') Leo (Zeitsohr. i'. Hyg. Bd. 7. 188!)) fand, dass die weissen Miiusn Ihre nnUirliclin Immunität K'W'1 E'1^ verlieren, wenn sie mit l'hloridzin gefüttert werden. Die Tlnere scheiden nueli der l'ldoridziiidiirreielning (wie der Menseh und der Hund) Zucker uns, und diese künstlieli diabetisch gemachten Tliiere sind für die Rotzinfection empfftnglioh.
#9632;#9632;#9632;) Kitt (cf. Portsohr. d, Med. 188!raquo;. p. 392).
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Der TypbuabaoUlusinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 245
Aus Rotzbaoülenoultuien haben zuerst Kalning in Dorpat und unabhängig von ilun Preusse in Danzig eine Etotzlymphe („Mallelnquot;) hergestellt, welche — analog dem Tuberculin bei Tubereulose (of, oben p. 281) Anm. 1) — als diagnostisches Hülfsmittel bei rotzverdäohtigen Thieren benutzt werden kann. Kotzkranke Pferde antworten auf die Injection mit Temperatursteigerung.')
Die Rotzbaolllen finden sich in den speoiflsohen Qewebsneu-bildungen, namentlich in den Centren der Knötchen; sie sind in Gewebsschnitten nicht leicht darstellbar. Am besten gelingt die Dar­stellung noch an ganz frischem Material, während man hei älterem Material oft vergeblich versucht die Bacillen dureb die Färbung sicht­bar zu machen. Besonders empfohlen hat Loeffler zur Färbung seine alkalische Methylenblaulösung (cf. oben p, 83), Im üebrigen muss man die Schnitte nach der oben (p. 85) angeführten Weigert'-sehen Methode behandeln und eine Kernfärbung in den Kauf nehmen. Eine Methode der isolirten Färbung der Rotzbaolllen im Gewebe ist bisher nicht aufgefunden. Nach der Gram quot;scheu Methode (p. 100 ft) färben sich die Bacillen nicht,
Taf. IX, Fig. 51, zeigt einen Schnitt durch die Lunge der inlicirten Feldmaus. Man sieht liier am Schnittrande, genau in der Mitte des Bildes, eine Zelle, welche eine Anzahl Rotzbaolllen enthält.
10. Der Typhusbacillus.
Die bei dem menschlichen Abdominal typhus constant vor­kommenden Bacillen, die „Typhusbacillenquot;, wurden zuerst von Eberth9) gesehen. Die fast zur selben Zeit von Klebs bei Abdo-minaltyphus in den nekrotisohen Darmpartien aufgefundenen Ba­cillen8) hält Koch') nach der Klebs quot;sehen Beschreibung ihres Aus­sehens nicht für Typhnsbacillen, sondern für andersartige Bacillen, die nur eine seeundäre Bedeutung hatten. K o c h'') hat die Typhnsbacillen etwa zu derselben Zeit wie Eberth gesehen und zuerst photographisch dargestellt, (iaft'kyquot;) hat dann den Typhusbacillus einem eingehenden
') Vergl. das zusadunenfassende Referat über diesen Gegenstand von Eber (Contnübl. f. Bakt. Bd. 11. 1892. No. 1.)
'-') Viroh. Arch. Jid. 81, 1880 imd Bd. SIS, 1881.
•#9632;|) Archiv f. exp. Path. u. l'hiirmak. Bd. 12. 1880. p, 233. — Abbildung der Badllen im Darniselinitt ebenda Bd. 13. 1881. p, 399.
') Mitth. a. d. Kais. ties.-Amte. Bd. 1. 1881. p, 45.
#9632;'') Ebenda. Taf. IX und X.
quot;) Mitth. a. d. Kais. Ues.-Amte. Bd. 2. 1884.
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246nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; B- ßlfl Bakterien als Krankheitserreger.
Studium unterworfen und seine specilisclie Bedeutung l'ür die Entstehung des Abdoininaltyphus im höchsten Grade wahrsoheinUoh gemacht.
Der Typhushacillus ist ein kurzes, plumpes Stäbchen mit abgerundeten Enden, welches im Gewehe gewöhnlich einzeln liegt, in künstlichen Culturen aber häufig zu langen Eadenverbänden auswächst. Auf Taf. MIT, Fig. 44, ist ein Klatschpräparat von einer Gelatine-plattencultur hei lOOOfacher Vergrösserung dargestellt; hier sieht man sowohl einzeln liegende wie in längeren Verbänden angeordnete Bacillen. Der Tvpliusbacillus hat lebhafte Eigenbewegung, welche durch Geisseifäden bewirkt wird. Die letzteren sind dem einzelnen Bacillus, und zwar nicht nur den Enden, sondern auch den Seitenwandungen desselben, in grosser Zahl angeheftet. Jeder einzelne Bacillus trägt etwa 8—12 Geissein. Die mikroskopische Darstellung dieser Gebilde (nach der Loe ff ler'sehen Methode) ist oben (p. 75ff.) besprochen.') Auf Taf. Till, Eig. 45, ist ein nach der genannten Methode darge­stelltes Präparat bei lOOOfacher Vergrösserung wiedergegeben. Man findet hier mehrere einzeln liegende Bacillen mit ihren Geissein sowie auch einen aus einer Reihe von Bacillen bestehenden Faden, welchem die Geissein seitlich angeheftet sind.
Der Typhusbacillus gedeiht am besten bei Sauerstoffanwesenhoit. Er wächst auf den gewöhnlichen bakteriologischen Nährböden (selbst bei leicht saurer Reaction derselben [of. oben p. 211); am besten ge­deiht er bei Brüttemperatur; er kommt aber auch bei Zimmertempe­ratur fort.
Die Gelatine wird niemals verflüssigt. Die Colonien haben auf der Gelatineplatte sowohl wie in der Stichcultur die Tendenz, sich hauptsächlich oberflächlich auszubreiten. Es bildet sich ein oberflächlich weiter kriechender, die Gelatine mehr und mehr über­ziehender, unregelmässig begrenzter, gramveisser irisirender Belag. Taf. Vm. Fig. 48. zeigt eine Oberflächen - S t r i c h eultur auf Gelatine. Das Wachsthum ist von dem dünnen, in dem Photogramm deutlich zu sehenden, in der Mitte der Wucherung liegenden Impfstrichc aus­gegangen. Auf A gar bildet sich ein gramveisser, feuchter Ueberzug.
Einigermassen character istisch ist das Wachs­thum des Typhushacillus auf Kartoffeln. Die inficirton Kartoffelflächen lassen „im Laufe der folgenden Tage für das blosse Auge nur sehr geringe Veränderungen erkennen. Die besäeten Flächen scheinen wohl ein etwas gleichmässigeres und feuchteres Aussehen an­zunehmen; doch sieht man makroskopisch von einem Wachsthum
l) Vergl, nniiientlicli Amu. 2 auf p. 76.
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J)er Typlmsbiicillus.
247
nichts. Versucht man aber — etwa naeh 48 Stunden — mit der Plätumadel von der Oberfläche eine geringe Menge zur mikroskopischen
Untersuchung- zu entnehmen, so erhält man den Eindruck, als oh die ganze Fläche in eine zusammenhängende resistentere Haut verwandelt wäre, ohne dass sieh von Eintrocknung auch nur eine Spur wahr­nehmen Hesse. Von welcher Stelle der Oberfläche mau aber auch ein minimales Kartoffelstückchen entnehmen mag, Überall, auch an den nicht besäeten Partien, findet man bei der mikroskopischen Untersuchung in ganz überraschenden Mengen die verimpften Bacillen, meist von der gewöhnlichen Länge, zum Theil aber auch in Form längerer Schein­fäden. Die ganze Oberfläche scheint fast nur aus den Bacillen zu bestellen.quot; ') Die Erscheinungsweise der K a r t o f f e 1 c u 11 u r der Typhusbacillen lässt die letzteren von anderen, im Uebrigen ähnlichen Bak terienarten unterscheiden. Und es ist andererseits, will man bestimmte, im Darminhalt, im Boden, im Wasser aufgefundene Bakterien als Tvplnisbaciilen ansprechen, durchaus noth-wendig, die Charactere der Kartotlelcultur der zu beurtheilenden Bak­terien festzustellen. Allerdings kommen von dem genannten „typischenquot; Aussehen der Kartoffelcultur auch Abweichungen vor. E. Eraenkel und Simmoncls-) haben zuerst darauf aufmerksam gemacht, dass die Typhusbacillen auf manchen Kartoffelsorten graue, in ihren Grenzen deutlich erkennbare, schmierige Beläge bilden. Zum Zustandekommen der „typischenquot;, von Gaffky beschrie­benen Erscheinungsweise der Kartoffelcultur scheint die normale, leicht saure Reaction der Kartoffel unerlässiieh zu sein.
Nach einem absolut sicheren Kennzeichen des Typhusbacillus, welches gestattet, denselben unter allen Umständen als solchen zu er­kennen, wird immer noch gesucht.8) Ein solches sicheres und constantes Merkmal des Typhusbacillus ist aber ausserordentlich erwünscht an­gesichts des Umstandes, dass in der Natur (im Inhalt unseres Darmes, im Boden, im Wasser etc.) Bakterienarten weit verbreitet vorkommen, die morphologisch sowohl wie in ihrem Culturverhalten dem Typhus­bacillus höchst ähnlich sind. A7or Allem kommt hier in Betracht das Bacterium coli commune, welches sich in Eaeces ganz regel-mässig vorfindet, und welches demnach in verunreinigtem Wasser, im Boden etc. ebenfalls häufig angetroffen werden kann.
Bd.
') WörtUoh aus dor Arbeit (lat'fkv's, 1. c. p,
-) Zeltsohr. f. Hygiene. Bd. 2. 1887.
''') of. R. Koch. Ki. Internat, mod. Congr.
i. . p. 38.
:iss, 389.
Berlin iMto. Verhandlungen
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248
B. Die Bakterien als Krankhöitsem
Van Chftntemesse und Widal1) wurde (1887) angegeben, dass der Typhusbaoillus eine grössere Resistenz gegen geringe Mengen von Oarbolsänre (die dem Nährboden zugesetzt wird) besitze als andere Bakterienarten: und es wurde diese Eigenschaft des Typhus­baoillus zur Differentialdiagnose und zur Trennung von anderen Arten empfohlen. Spätere Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass eine zur differentiell-diagnostischen Venverthung ausreichende Resistenz des Tvphusbacillus gegen Carbolsäure nicht besteht. -)
Diagnostisch verwerthbar dagegen ist nach den Ermittelungen von Kitas a to neben der Kartoffelcultur das Verhalten der Bouillon-oultur beim Zusatz von Kaliunmitrit und Schwefelsäure:1) (d. h. beim Zusatz von salpetriger Säure). Während nämlich bei den dem Typhus-baoillus ähnlichen Bakterienarten nach diesem Zusätze eine Roth-färbung eintritt (Indo!reaction), bleibt diese Rothfärbung in den Tvphusbacillusculturen aus. Die Typh usbacillen produciren, zum Unterschied von sonst ähnlichen Arten, kein Indol.')
Ferner ist von grosser diagnostischer Bedeutung die Gährungs-probe. Th. Smithquot;') hat (1890) angegeben — und diese Angabe hat sich durchaus bestätigt — dass der Typhusbacillus bei seinem Waohsthum in 2proc. Traubenzucker-Bouillonquot;) keine Gasbildung her­vorruft, während ähnliche Bakterienarten, speciell auch das Bacterium coli commune. Gasbildung bewirken.7) Die Gährungsprobe wird am besten in den oben (p, 1HG. Anm. 1) erwähnten Gährungskölbchen angestellt.
') Aroh. de physiol, norm, et path. issT. No. 3.
-) So fand i. B. Dun bar (Zeitschr. f. Hyg. JJd. 12 \s\yi. p, 506), daas dem Baoterlum coll commune eine grössere Resistenz gegen Carbolsäure zukommt als dorn TyphusbadlluSi
quot;) Zeitschr. f. Hyg Bd. 7. ]gt;S1). — Zu 11) com der Cultur wird I com einer 0,02 proc. Lösung von reinem Kaliumnitrit zugegeben; dann werden einige Tropfen concentrirte Schwefelsäure zii^cl'ü^t (1, c. p. 51 s).
') Wie Kitasato (1. c. p. 619), so hat auch Lewandowsky (Deutsche med. Wochenschr. 1890. p. lIMn) eine Reihe der wichtigsten Bakterienarten auf ihre Fähigkeit, Indol (resp. Phenol) zu bilden, geprüft.
#9632;'') Centralbl. f. linkt. Bd. 7. 1890. No. 16. p. 504.
quot;) Nährbouillon (of. p, 11^), welcher vor der Sterilisirnno' quot;20/,, Traubenzneker zugesetzt sind.
') Eine Säuerung der 2proc Tranbcnzuokor- (oder Milchzucker-) Bouillon wird, wie Th, Sinitb später (Centralbl. f. Bakt. Bd, ll. isi)2. p, 367) mitgetheilt hat. sowohl durch den Typhnsliaeillus wie auch durch das Uacterium ooli eonmnme hervorgerufen. Rohrzucker wird nach Th. Smith durch keine der beiden Arten verarohren.
;
1
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Dor Tjpliii.sliacillus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;249
Zur Unterscheidung des Typhuslmcülus von dem Bacterium coli cüinnuine ist ferner vortrett'lich brauchbar das Verbalten der beiden Organismen bei der Cultivirungin steriler Milch. Der Typhusbaoillus
bewirkt eine geringe Säuerung, aber, selbst bei Monate langem Steilen bei Brüttemperatur, keine Gerinnung der Milch, während das Bacterium coli bei 37deg; C. bereits in 24 bis 48 Stunden starke Säuerung und Gerinnung der Milch hervorruft.') Damit in rebereinstimmimg steht auch die (bereits 188!)) von Petr uschky-) festgestellte That-saclie, dass der Typhusbacillus auf neutraler Molke (Milchserum) sehr geringe Mengen Säure bildet (in Volumprocenten der zur Neutralisirung verbrauchten '/io ^01-nia'na^l'ün'auo0 ausgedrückt 2—S0/,,), während das Bacterium coli auf demselben Nährboden erheblich grössere Mengen (7—8,70) Säure bildet.
Was die Diagnosticirung resp. Identificirung des Typhusbacillus im üebrigen angeht, so sei auf die oben (p. 1(50, Anm. 1) gegebenen allgemeinen Erörterungen über die Identilicimng von Bakterienarten, die speoifisoh für den Menschen pathogen sind, hingewiesen: Stammt das zu bestimmende Material unmittelbar von einem verdächtigen Krank­heitsfalle, oder ist es der frischen Leiche entnommen, so macht die Diagnose in der Hegel keine Schwierigkeiten; das Kriterium des un-mi 11e 1 baren Z usammenhanges mit dem Krankheits-falle beschränkt das Gebiet, in das hinein die aufgefundenen Bakterien gehören können, sofort in ganz bestimmter Weise. Stammt das Material dagegen aus irgend einer anderen Quelle, aus Wasser, aus dem Boden, aus älteren Faces etc., so sind wir — bei dem Mangel eines empfang-liehen Versuchsthieres — lediglich darauf angewiesen, die Cuiturmerk-male der aufgefundenen Bakterien auf das Sorgfältigste nach allen Richtungen hin zu untersuchen. Stimmen die Culturmerkmale in allen Beziehungen mit denen einer authentischen Typhusbacillencultur über­ein, so sind wir vollberechtigt, auszusprechen, dass die zu bestimmen­den Bakterien mit dem Typhusbacillus höchstwahrscheinlich identisch seien. Eine absolute Sicherheit in der Diagnose (wie sie z. B. bei der Identificirung des Milzbrandbacillus, des Kotzbacillus, des Schweinerothlaufbacillus etc. durch die Thierimpfung ohne Weiteres errreioht wird) ist hier nicht möglich.
Gaffky war durch seine Untersuchungen zu dem Schlüsse ge­führt worden, dass die Typhusbacillen (endständige) Sporen bilden,
') Cf. Cbantomcsse wml Widul (Soc. de Biol. Paris. ' iiov. ISül), ferner Dunbar (Zeitsohr. f. Hyg. Bd, li. lsigt;2. p. 491). -) Centralbl. f. Hakt. Bd, 6. 1889. p. 662,
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25(1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;li. Die Bakterien als Krankbeltsene
rer.
laquo;lir sich bei Brüttemperatur In den Ciüturen innerhalb 8 bis 4 Tagen entwickeln. Ks fehlen diesen „Sporenquot; jedoch wesentliche Charactere, welche man an endogenen Sporen nicht zu vermissen gewohnt ist, vor Allem die Resistenz gegen die Einwirkung höherer Temperaturen. Besonders durch B u o h n e r') ist später auf Grund experimenteller Untersuchungen die Spurenhildung l)ei den Tvphushacillen lebhaft be­stritten wurden. Es unterliegt jetzt keinem Zweifel mehr, dass Sporen-liildung bei dem Tvpluisiiacillus nicht existirt.
Aus Culturen der Typluisliacillen auf Hindfleischhrei hat Brieger2) ein giftiges Alkaloid, ein „Toxinquot;, isulirt, welches die Zusammen­setzung C, H,- N09 hat. In Organen der menschlichen Typhusleiche halten Brieger und Wassermann8) giftige Eiweisskörper nach­gewiesen.
Der Typhusbaoillus ist aufThiere nicht übertragbar. Von mehreren Seiten wurden im Jahre 1886 angeblich gelungene Thier-versuohe publicirt; es hat sich aber feststellen lassen, dass es sich in den Fallen mit anscheinend positivem Ergehnisse um Intoxicationen mit den giftigen Stoffffeohselproduoten der Typhusbacillenculturen ge­handelt hat, und dass die Tvpiiuslmcillen im Körper der Versuchsthiere sich nicht zu vermehren vermögen.4) Durch Einverleibung allmählich steigender Dosen (lebender) Typhusliacilluscultur erreichten Beniner und P e i p e rr') eine gewisse Giftfestigung bei Mäusen. C h a n t e m e s s e und Widal6) erreichten dasselbe auch mit Culturen, die durch Er­hitzung auf 120deg; ('. ahgetödtet waren. Uebrigens haben Brieger, Kitasato und Wassermann7) darauf aufmerksam gemacht, dass die Giftigkeit verschiedener Typhusculturen für Mäuse von Hause aus sehr verschieden ist,
Bei der Infection des Menschen bildet der Darm stets die Eingangspforte. Man findet in der Typhusleiche die Hacillen innerhalb der Darmwand, in den Mesentcrialdnisen, ferner besonders in Milz, Leber und Nieren. In den letztgenannten Organen treten die Bacillen
O Centmlbl. f. Bald. lfd. 1. 1888. No. 12—13.
-) Berl. Win. Wochensohr. 1886, No. ib. p. 2s:!.
;)) Charitr-Annalcii. 17. Jahrgang. ISi)2. p. ygt;-gt; ff.
') Eine begrenzte Vermehrung der Typhusbaoillen findet nach Petrusohky (Zeitschr. f. Byg. Bd. 12. lSil2. p. 269) bei Mäusen, denen das Material intraperi-toneal Injicirt wird, statt, aber nur auf der Oberfläche des Bauchfells; eine An-siedlung der Bacillen in den Organen kommt nicht zu Stande.
•quot;') Zeitschr. für Hygiene. Bd. 2. 1 SSquot;.
quot;) Annales de l'Inst. I'astrur. 1888. p. 66,
;) Zeitschr. f. Hyg. Bd. 12. 1892. p. 168.
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Dor Tvplmsbiicilliis,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 251
stets in grössoron oder kleineren Anhäufungen, Her d e n, imf; und zwar liegen sie innerhalb der Hlutget'iisse. Auf Taf. VJ1I, Fig. 47, ist ein Herd aus einer Typhusleber bei 2(gt;() facher Vergrössemng dar­gestellt; Fig. 46 zeigt einen Theil dieses Herdes bei öOO facher Ver-grösserung; die Mitte der Figur 40 entspricht genau der Mitte der Figur 47.
Beim 1 e h e n d e n T y \gt; h u s k r a n k e n fand zuerst A. P fei ffe r') die Typhusbaoillen im Stuhl. Dieser Uefund ist jedoch kein con-stanter.'-') Dann wies Neuhauss8) den Typhusbaoillus im peri-p her is ehe n Blute (im Blute der Roseolen) des Typhuskranken nach. Andere Autoren haben ihn dann auch im l1 ingerblute ge­funden. Jedoch sind alle diese Befunde nur vereinzelt; die Unter­suchungen sind oft mit negativem Ergebniss wiederholt worden. In einer Anzahl von Typhusfällen findet man den Typhusbacillus auch im Urin.
Im Blutserum von Typhusreconvalescenten wies Stern1) (durch Versuche an Mäusen) Körper nach, welche gegen die Typhusintoxica tion immunisirend wirken (cf. oben p. 189).
In der Literatur finden sich zahlreiche Angaben, welche den ge­lungenen Nachweis des Typhusbacillus im Trinkwasser, besonders in verunreinigtem Brunnenwasser, betreuen. In einer Anzahl dieser Fii lie, besonders in solchen, hei denen unter Zulüilfenahme siimmtlicher zu gängiger Kriterien (s. oben) gearbeitet wurde, ist es nicht unwahr­scheinlich, dass es sich in der That um den Typhusbacillus gehandelt hat; ebenso ist es wahrscheinlich, dass die natürlichen Infectionen des Me nschen mit Abdominaltyphus häutig durch den Genuss von bacillen-haltigem Trinkwasser vermittelt werden.
Die Typhusbaoillen färben sich nicht nach der Gram'sehen Methode (p. 100 ff.). Sie nehmen ferner die Färbung mit Anilintarben überhaupt etwas schwieriger an als andere Bakterienarten. Färbt man ein Trockenpräparat, welches man sich aus einer Typhusbacillencultur hergestellt hat, mit einer gewöhnlichen wässerigen Farblösung in der gewöhnlichen Weise, so findet man viele Exemplare nicht intensiv, sondern nur blass gefärbt. Es empfiehlt sich deshalb, die Färbung unter leichter Erwärinung (cf. p. 73) zu bewirken.
') Deutsche mod. Wochenscbr. 18S5. Mo. 29.
-) Nach Knrlinski (of. Ccutralbl. f. Hakt. Dd. S. p, 83) ist dor Typhus-badllns vor dorn 9. Krankhoitstage nie im Stuhl zu linden. :') Berl. klin. Woohensohr. 1886. No. 8 u. 24.
') Deutscho mod. Wochonschr. IS!I2. No. 'M.
.
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U. Die Bakterien als KrankbeitserrE
11. Der Bacillus der Mäusesepticaemie und der Bacillus des Schweinerothlaufs.
Die Mäuseseptioaemle ist eine experimentelle Infeoüons-krankheit, welche R. Koch bei seinen „Untersuchungen über die Aetiologie der Wimdinfeetionskraidviieiteii'-') entdeckte. Haus- und welsse Mäuse, denen faulendes Blut, faulendes Fleiscliinfus subcutan eingebracht wurde, gingen an einer Septicaemie zu Grunde.9) Die inneren Organe zeigten sich makroskopisch im Allgemeinen unverändert; nur bestand beträchtliche Milzsohwellung. Die Krankheit liess sich von einer Maus auf die andere durch cutane Impfung mit den geringsten Mengen von Blut der gestorbenen Thiere übertragen.
Feherall im Blut fand Koch sehr kleine Stäbchen, 0,8—1,0/t lang. 0,1-—0.2/( dick. Dieselben liegen fast stets einzeln, sind häufig in Zellen eingeschlossen.
Ob die Stäbchen Eigenbewegung haben, erscheint noch zweifelhaft.
Die Baolllen der Mäusesepticaemie zeigen ein ganz characte-ristisches Wachsthum in der Nährgelatine. Anf Platten erscheinen im Verlaufe einiger Tage hellgraue, durchscheinende, Nebel-, Schleier-, Wolkenartige runde Flecken. In der Gelatinestich-eultur beobachtet man um den Impfstich herum die Ausbildung horizontal gestellter, schichtweise über einander liegender wolkiger Trübungen (siehe Taf. IX, Fig. 54). Die Gelatine wird ganz langsam verflüssigt, und dementsprechend kommen sowohl auf den Gelatine­platten wie in den Stichculturen Verdunstungserscheinungen des Nähr­hodens, dellenartige resp. tulpenformige Einziehungen der Gelatine, zu Stande.
Auf der A g ar Oberfläche bildet der .Bacillus äusserst zarte, kaum sichtbare, in feinsten Tröpfchen angeordnete Ueberzüge.
Auf Kartoffeln wächst der Bacillus nicht.
Milch wird durch das Wachsthum des Bacillus makroskopisch nicht verändert; in Traubenzucker bouillon entsteht keine Gäbrimg.:l)
') Leipzig. 1878. p. 40—45.
#9632;2) Kürzlich hat Loeffler (Centralbl. f. Bakt. Bd. II, 1892. p. 130) den in Hede stellenden Badllus auch als spontanen Erreger einer epidomisolion Erkrankung untor in QeÜEingenschaft gäholtenen weissen Hausen beobachtet. Uei dieser Epidemie wurde die Krankheit höchst wabrsobeinlioh durch Auibabme des Erregers In den Digestionstractus übertragen.
raquo;) Nach Moore: cf. das Referat von Th. Smith. Centralbl. f. 15akt. IM. 12. IVCi. p, 732.
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Der BacUluB der Mäuseseptdoaemie und der Bacillus des Sohweinerotblaufs. 258
Jm hängenden Tropfen bei Brüttemperatur wachst der Ba-oillus nicht, wie man das sonst bei Bacillen hiiiiüg sieht, zu langen Fäden aus, sondern vermehrt sich zu dichten Haufen. In einigen Fällen hat Koch Sporenbildung beobachtet.
Haus- und weisse Mäuse sind für die Infection sehr empfäng­lich; sie sterben 40—60 — 80 Stunden nach der Impfung. Man findet sie, was für die Krankheit ganz specifisch ist, nach dem Tode in sitzender Stellung mit stark gekrümmtem Kücken. Feld­mäuse sind vollständig immun, ebenso Hühner und Meerschweinchen.
Der Mäusesepticaemiebacillus färbt sich leicht mit wässerigen Farb­lösungen ; ebenso färbt er sich auch nach der G r a m 'sehen Methode (p. 100 ff.).
Auf Taf. IX, Fig. 5H, ist ein Ausstrichpräparat von dem Herzblut einer an Mäusesepticaemie verendeten Maus bei 1000 facher Ver-grösserung dargestellt.
Dem Mäusesepticaemiebacillus in seinem gesammten Verhalten höchst ähnlich, vielleicht mit demselben identisch, ist der Bacillus des Schweinerothlaufs.
Der Schweinerothlauf (rouget des porös) ist eine, besonders unter den edleren Schweinerassen in den ersten Lebensjahren epi-zootisch auftretende, unter dem Bilde einer Scpticaemie verlaufende schwere Infectionskrankheit. Den veranlassenden Bacillus fand zuerst Locffler1) (1882) in dem Blute und den Organen der Thiere. Er züchtete bereits 1882 diesen Bacillus rein und erkannte seine Patho-genität für Mäuse und Kaninchen. Er fand damals auch, dass Ka­ninchen durch einmaliges Ueberstehen der Infection immun werden gegen eine neue Infection. Schweine zu iniieiren gelang Loeffler nicht; wie sich nämlich später herausgestellt hat, sind die gemeinen Landrassen so gut wie unempfänglich für die Krankheit. Namentlich durch Schütz2) ist dann der Schweinerotblauf genauer studirt und seine Aetiologie sicher festgestellt worden.'1)
') Arbeiten a. d, Kais. Ges.-Amtc. Bd. I. 1886.
-) Ebenda.
3) Nach C. 0. Jenson (Eopenhagcn) tritt der Schwcincrothlaur in folgenden verschiedenen (sftmmtlioh durch don spedflsohen Bacillus veranlassten) wohloharaote-risirten Formen auf (zwischen denen jedoch ab und zn Ueberpingsforinen,vorkommen)! I) „Beulet Wanequot;; seltenere, schnell verlaufende, ohne Knthfarlmng der Haut einher-gehende Komi, 2) RotMauf im engeren Sinne, 3) diffuse nekrotisirende Hautent­zündung (trockener Ibiutbrand), -1) Nesselfieber, Urticaria (däniseb Knuderoseu = Knotenrothlauf), 6) Endocarditis verrncosa bacilhisa. (Deutsche Zeitsehr. f. Tbierined. u. vgl. Path. Bd, 18. 1802. p. 298.)
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15. Die linkteritii als KraMKIicitscnvovi-.
Schütz hält die Identität dor Erreger der Koch quot;sehen Mäuse, septiciiemie und des Sclnveinerothlaufs für wahrscheinlich. Durch Kitt1) ist festgestellt, dass auch insofern eine Uebereinstimmung be­steht, als der Kothlaufbacillus, wie der Mäusesepticaemiebacillus, zwar für Haus- und weisse Miiuse, nicht aber für Feldmäuse pathogen ist.
Refraetär sind gegen Schweinerotlilauf Binder, Schafe, Pferde, Maulesel, Esel, Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Feldmäuse, Wald­mäuse, Hühner, Gänse, Enten. Auch auf den Menschen ist eine Ueber-tragUDg nicht beobachtet.
Die Virulenz des Bacillus wird bei der wiederholten Verimpfung von Kaninchen zu Kaninchen abgeschwächt (Pasteur, Kitt). Durch Impfung mit dem abgeschwächten Bacillus lassen sich, wie Pasteur (of. oben p, 18t) gefunden hat, Schweine immun machen gegen die Infection mit dem virulenten Bacillus.-')
Die Infection der Schweine mit Schwcinerothlauf sobeint unter natürlichen Verhältnissen durch die Aufnahme der sehr virulenten Exoremente erkrankter Schweine mit der Nahrung in den Darmkanal zu erfolgen.
12. Der Diphtheriebaclllus.
Die bei der menschlichen Diphtherie vorkommenden Bakterien wurden zuerst von Loeffler8) einer eingehenden Untersuchung mit Hülfe der modernen bakteriologischen Methoden unterworfen. Loeffler constatirte das ziemlich constante Vorkommen einer bestimmten, künst­lich zücbtbaren Bacill e na rt'), mit der es zwar nicht gelang bei Thieren echte Diphtherie hervorzurufen, tier aber doch Thieren gegen­über eine erhebliche Giftigkeit zukam. Freilich fand Loeffler die­selbe Bacillenart auch einmal in der Mundhöhle eines gesunden Kindes; und er hat sich deshalb sehr reservirt bezüglich der etwaigen Speciiität der gefundenen Bacillen für die Diphtherie ausgesprochen. Neuere
') of. Skizze des Autors im Centralbl. I. Bakt. Bd. 2. 1887. Nb. 23.
-') Neuerdings hat Lorenz in Darmstadt (Centralbl, f. Bakt. Bd, 13. 1803. -Xu. II 12) ein Sclmtzimiifnngsvorfaliren für Scbwoino angegeben, welches mit Jliilti' des Blutsemms von Schweinen ansgefllhrt wird, die gegen Sehweinerothlauf iinnm-nisirt sind, und die kurze Zeit vor der Blutentnahme eine neue Injection virulenter Cultur erhielten,
9) Mltth, a. (1. Kola. Ges.-Ämte. Bd. 2. 1884.
') Mikroskopisch waren diese Bacillen vor Loeffler bereits von Klebs (2, Congr. f. inn. Med. Wiesbaden. April 1883) gesehen worden.
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Der DlpJitberiebaoillusinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;255
Untorsuchungeii von Loeffler1) sowie von Koux und Vors in'2), von Zarniko:1), von Escherich'), von Brieger und C. Fraenkelquot;) und von anderen Autoren haben nun gezeigt, dass der Loeffler'sohe „I)il)htheriebacillusquot; allerdings ein ganz constantes Vorkommniss bei der Diphtherie ist. Ferner sind eine Reibe von Thatsaclien be­züglich des Verhaltens dieses Bacillus gegenüber Yersuchstbieren er­mittelt worden, die keinen Zweifel mehr lassen, dass wir in dem Loeffler'sehen Bacillus den Erreger der menschlichen Diphtheriequot;) vor uns haben.
Der Diphtberiebacillus ist ein Stäbchen, welches etwa die Länge des Tuberkelbacillus besitzt, aber etwa doppelt so breit wie dieser ist. Das morphologische Verhalten wechselt aber. Häufig finden sich leicht gekrümmte Exemplare; auch bizarre Formen mit kolbig verdickten, knotig aufgetriebenen Enden sind häufig {Invobitionserscheinungen). Im gefärbten Präparate zeigt der Diphtberiebacillus ganz gewöhnlich ein segmentirtes Aussehen. Fig. 50 auf Taf. IX zeigt ein Ausstrich­präparat einer Agarcultur, welches das geschilderte morphologische Ver­halten deutlich zur Anschauung bringt.
Der Bacillus findet sich gewöhnlich ausschliesslich in den diphthe-rischen Pseudomembranen. sonst nirgends im Körper des Erkrankten.7) Die schweren Allgemeinsymptome der Diphtherie beruhen auf Intoxi-
i) Centralbl. f. Hakt. Bd. -2. 1887. No. 4.
-) Aimales de Hnst. Pastour. 1888. No. 12; 1889. No. ß; 1890. No. 7.
laquo;) Centralbl, f. Bald. Bd. 6, 1889. No. 6—8.
') Centralbl. f, Hakt. Bd. 7. 1890. No. 1.
'') Berl. klin. Woohensohr. 1890. No. 11 — 12.
quot;) Man muss unterscheiden zwischen l) „Diphtheriequot;, d.h. derspeoiflsohen uralten oontagiösen Krankheit, und 2) imtholo^isch-anatomisch (liphtherie-älmliclien AiToctionen. Die letzteren bezeichnet man zur Unterscheidung von der echten, ge­nuinen Diphtherie auch als „Diphtheritisquot;. So spricht man z. B. von „Schar-lachdiphtheritisquot;, einer Affection, welche, wie bereits Bretüiineau ls2l über­zeugend ausführte, ätiologisch mit der echten Diphtherie gar nichts zu thiin hat, nnd hei der auch Loeffler (und ebenso die späteren Untorsncher) die bei der echten Diphtherie vorkommenden Stftbohen stets vermiesten, (Siehe die Eingangs oitirte Arbeit von Loeffler, \). 449, 450). Bei der Kcharlachdiphtheritis findet sich ganz regehnässig der Streptococcus pyogenes, welcher übrigens auch die genuine Diphtherie sehr hiiulig oomplioirt.
'') Es kommt aber auch, wie neuere Untersuchungen gezeigt haben, gar nicht selten vor, dass der Diphtberiebacillus — durch das Cniturveramp;hren — in den inneren Organen nachweisbar ist. Frosoh (Zeitsohr. f. Hyg. Bd. 13, IM)2) hat in 10 von 1quot;) zur Section gekommenen Diplitherielallen den Diplitheriebaeillus durch die Cultur in den inneren Organen nachzuweisen vermocht. Am regelmäasigsten fanden sich die Bacillen in pneumonischen Herden, in der Milz, in Cervical- und Bronchiallymphdrüsen,
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B. Dio Bakterien als Kronkheltseneger.
cation raquo;It's Körpers durch die am Orte der Infection von dem Bacillus gebildeten höchst giftigen Stoft'wechseiproducte. Auf Taf. IX, Fig. 49, sieht man einen Durchschnitt durch eine diphtherische Pseudomembran mit Stiilichenhaufen.')
Nicht nur während des Verlaufs der Diphtherieerkranlaing, sondern häufig auch noch wochenlang nach dem Verschwinden der Beläge, während der Ueconvalescenz, sind (infcctionstiichtige) Diphtheriebacillen in der Mundhöhle der Patienten nachweisbar.-)
Der Bacillus ist unbeweglich. Er wächst bei Temperaturen zwischen 20 und 42deg; C. Er wächst sowohl in Gelatine wie auf an­deren Nährböden. Die Nährboden müssen stets leicht alkalisch sein. Besonders eignet sich das Loeffler'schc Blutserum (3 Theile Rinder­und Hammelserum vermischt mit einem Theile einer Binderbouillon, der 1 quot;/0 Pepton, 7raquo; 0/o Kochsalz und l0/0 Traubenzucker zugesetzt ist), ferner das Glycerin-Agar (cf. oben p. 117) zur Cultivirung. Zum Zwecke der Isolirung des Bacillus aus dem erkrankten Körper streicht man nach dem Vorgange von Loeffler8) ein sehr kleines, an der Platinöse haftendes Stückchen der Pseudomembran hinter einander auf der Oberfläche des Nährbodens von C—8 Blutserum-4) oder Glycerin-agar-Röhrchen (schräg erstarrt; cf. oben p. 118) aus. Dio Eöhrchen werden dann in den Brütschrank gestellt. In den letzten Röhrcheu kommen isolirte Colonien zur Entwickelung, die dann weiter verimpft werden. Nach Ronx und Yersiir') erhält man auf diese Weise, wenn es sich überhaupt um echte Diphtherie handelt, fast stets ohne Weiteres grosse Mengen von Diphtheriebacillencolonien.
') Dass sich häufig neben den Diphtheriebacillen noch andere Mikroorganismen, namentlich Streptococcen, in den Fseudometnbranen linden, haben wir oben (p, 255, Amn. 8) bereits erwähnt. Den Streptococcen kommt ohne Zweifel nur eine secündäre Bedeutung zu.
-) Auf dem 10. Internat med. Congress 1890 hat Loeffler (of. Centralbl. f. Hakt. Jid. S. p. 664) einen Diphtheriefiu] mitgt;,'etlieilt, in welchem er ans dein Bachen dos Erkrankten bis zum 24. Tage nach dem Beginn der Erkrankung ((iebcrlos war der Kranke seit dem 5. Krankheitstage) infectionstüchtigo Diphtheriebacillen zu üttohten vormochte. — Tobiesen (Centralbl. f. Hakt. Bd. 12. Isil2. No. 17) hat 46 geheilte Diphthoriepationten bei ihrer Kutlassung aus dem Krankonliauso auf die Anwesenheit von Diphtheriebacillen im Sohlundo untersucht und bei 21 von ihnen (am -1. bis 31. Tage nach dem Verschwinden der Beläge) mit Sicherheit Diphtheriebacillen nachzuweisen vermocht.
:') Mitth. n. d. Kais. Ces.-Amte. Dd. 2. 1884. p. 461, 462.
') Nach Frosch (Zeitschr. f. Hyg. Bd. 13. 1802. p. 62) wachsen die Diph­theriebacillen auf Agar, welches mit mensohliohem Blut bestrichen ist, ebenso gut wie auf Blutserum.
#9632;') Ann. de l'Inst, Pasteur, ivio. No. 7. p. 389.
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Der Dlphtheriobaolllu8lt;
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Auf dem Lo eff 1 ei''soben Serum bildon die Baoillen bei :!7(l C, in 2 Tagen einen dicken, weisslichen, glänzenden TJeberzug.
Auf Agar ist das Wachsthum zunächst kein besonders ausgie­biges; bei weiteren ümzüohtungen wird das Wachsthum ein erheblich besseres, zugleich stellt sich eine Abnahme der Virulenz ein. Die Beläge auf Agar haben ein vveissllohes, mattglänzendes Aussehen.
Auf der Gelatineplatte bildet der Diphtheriehaoillus (bei etwa 22—24quot; ('.) rundliche, die Gelatine nicht verflüssigende Golonien, welche dauernd klein bleiben. In der Stiohoultur bilden sich kleine, weisse, kugelförmige Colouien längs des Impfsti'ohes.
Bei der Züchtung in Bouillon giebt der Diphtheriehacillus zu ganz massiger allgemeiner Trübung des Nährbodens Veranlassung i ferner bilden sich kleine krümelige, bröckelige, ans Baoillen bestehende Conglomerate, welche besonders den Wandungen des Culturgefässes ansitzen und bei dem Bewegen der Massigkeit sich ablösen und zu Hoden sinken.
Auf raquo;ler Kartoffel wächst der Bacillus nur, wenn die Ober­fläche derselben alkalisch gemacht wird. Die .Milch ist ein günstiger Nährboden für den Bacillus.
Sporenbildung scheint nicht zu existiren.
Im getrockneten Zustande (in Stückchen von Pseudomembranen) bleibt der Diphtherielmcilliis 'lt;i—1 Monate lang entwickelungsfähig.
Der Diphtheriehacillus gehört zu den exquisit toxischen Bak-terienai'ten (cf. oben p. 175). Er bildet — sowohl in künstlichen Culturen wie im Körper des Diphtheriekranken—-ein speeifisches Gift1), über dessen Natur noch wenig Sicheres bekannt ist. Ausscr-ordentlich wichtig ist die von Guinochet8) festgestellte Thatsache, dass das specilische Diphtheriegift auch bei der Cultivirung des Diphtherie-bacillus in sterilisirtem L'rin gebildet wird, und dass die resultirende giftige Culturflüssigkeit keinerlei Eiweissreaotion liefert. Das speeiflsohe Diphtheriegift gehört hiernach nicht zu den Eiweisskörpern.
Die schweren Allgemeinsymptome, welche bei der diphtherischen Erkrankung des Menschen auftreten, sind auf die Wirkung des — an der Infeotionsstelle von den sich vermehrenden Diphtheriebaoillen ge­bildeten und von dort aus in den Körper hineingelangenden — spe-eifischen Diphtheriegiftes zu beziehen.
') Diese Tbatsnohe wurde zuerst (is^s) von I'imix und Versin (Ann. de rinsl. Pasteur. 1888. Ho. \i. p, 042ff.) und (ebenfalls 1888) unabhängig von diesen Autoren auch von Loeffler (Dontsche med. Wochensohr. 1800. p. 100) festgestellt.
') Areh. de med. exper. t. 1. 1892. p. 404,
QUntllOT, ItakfcviiiloRio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 17
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B. Die Uaktorioii als Ki'anklieitsei'i'ecer.
Das Diphtlieriegifl resp. gifthaltige Caltiuon der Diplitheriebnoillen wirken auoh auf eine grosse Reihe von Thieren In speoiflscher Weise, Meersohweinohen, welche ganz l)(,s(iii(l('rs empföngUoh sind, sterben nach subontaner Eim'erleibung der kleinsten Mengen innerhalb 24 l)is 72 bis 96 stunden. Sie zeigen einen für die Diphtherieintoxioation g';inz oharaoteristisohen Seotionsbeftind '), nämlich Sohwartenbildung an der Infeotionsstellc (niu1 bei sehr schnell verlaufender Krankheit findet sieb statt der Schwartenbildung Oedemflüssigkeit), Pleura- (zuweilen auch Perioardial-) transsudat, Blutflberfflllung der Bauohorgane und Vergrös-serung und Rothfärbung der Nebennieren, Ebenso sind Hammel sehr empfänglich Für die Diphtherieintoxication (Behring und Wernicke), Kaninchen, Tauben, Hühner siinl weniger empfänghoh als die genannten Species, Junge Hunde verhalten sieh sehr eniplanulicli. Verimpft man virulente Cultur auf die Vagina von Meerschweinchen, so entsteht nekrotisirende Schleimhautontzündung, Auf der eröfiheten Trachea von Meerschweinchen und Kaninchen entwickelt si(di nach der Impfunsraquo;' eine echte Diphtherie (Brieger und ('. Fraenkel), Sehr wichtig ist die ganz sicher constatirte Thatsache (Roux und Versiu. Brieger und ('. Fraenkel). dass sich bei längerer Krankheitsdauer bei den Versuchsthieren häufig echte diphtherisohe Lähmungen entwickeln.
..Mäuse-') und Ratten, Pferde und Rinder verhalten• sich re-f r a c t ä r.
Oben i]). 188) wurde bereits erwähnt, dass es liehring und Wernicke8) gelungen ist. diphtherieempfängliche Thiere künstlich gegen die specilische intoxication zu festigen, und dass das Blut resp. das Blutserum der immunisirten Thiere diphtheriegiftzerstörende Eigen­schaften besitzt. Die letzteren Eigenschaften befähigen das Serum, wie wir sahen, den Zustand der Diphtheriegiftfestigkeit auf empfäng­liche Individuen zu übertragen und event, auoh diphtherieerkriankte Individuen zu heilen. Deber die Methoden der primären Immuni-sirung der Thiere siehe oben p, 191,
An dem Blutserum diphtheriegenesener Menschen wiesen Klo-
') cf. Behring, Deutsche und. Woobenschr. 1890, p, 11 lö: Behring und Wernicke, Zeitschr. f, Hyg. Bd, 12, 1892, p. 17.
'-') Nach V. Babes (Virch. Arch. Bd, 119. 1890, p. 188) sind junge weisso Mäuse für die (subeutane) Infection mit Dipbtheriebacillen ziemlich empiünglich.
'#9632;''i d'. Behring, Deutsche ined, Wochensohr. 1800, No, .quot;gt;a; Behring und Wernicke, Zeitschr. f, Hyg, Bd 12, 1892; Wernicke, Physiol, Gesellsch, Berlin, 3, Pebr, 1893,
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Die Baoillen der Septioaemla baemorrbagioii.
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mensiewioz und Esoherioh1) meersohwoinoheniraraunisironde Eigen­schaften nach.
Aus Dijtlitlicricbacillcnc'ultiircii stcllti'ii Briogöl und C. Fnicn-kcl2) einen überaus giftigen Ei weisskö rpe r (kein Alkaloid) dar, welcher in die Gruppe der von diesen Forschern eiitdeciiten „Toxal-buminequot; (of. oben p, 11) gehört. Dieser giftige KiweissKörper ist nach den oben über die Natur des specilischen Diphtiieriegiites ge­gebenen Erörterungen mit dem letzteren nicht, idenlisch.
Der Diphthericbacillus färbt sich mit wässerigen Farhstoiriüsungen, besonders gut mit der Loe (Tl e r'sehen ^lethylenblaulösung (p. 83); er färbt sich auch nach der (1 ra mquot;scheu .Methode (p. 10011'.).
In der Mund- und Eachenhölile findet sieh nicht ganz selten ein dem LoeiTl er'sehen Dipbtlierielmcillus morphologiscli und in der Cultur sehr ähnlicher, aber nicht virulenter Bacillus, der „Pseudo-diphtheriebacillusquot;.8) Derselbe wurde zuerst von Loeffler4) gesehen, dann auch von v. Hof mann8) studirt. Dieser l'seudo-(lij)h th eriehacil 1 us lässt sich dadurch von dem echten Diphtherie-bacillus unterscheiden, dass er, in alkalischer Bouillon gezüchtet, die Reaction derselben unverändert lässt. Der echte Diplitheriebacillus hingegen macht die ursprünglich leicht alkalische Bouillon zunächst sauer; später, oft allerdings erst nach Monatenquot;), wird die Reaction wieder alkalisch. Ueber das Verhältniss des Pseudodiphtheriebaoillus zum Diplitheriebacillus gehen die Meinungen der Autoren noch aus­einander. Nicht unmöglich ist es. dass, wie Roux und Versin7) annehmen, der Pseudodiphtheriebaoillus nur eine nicht pathogene Var rietftt des echten Diphtlieriebacillus darstellt.
13. Die Bacillen der Septicaemia haemorrhagica.
Unter der Bezeichnung „Septicaemia haemorrhagicaquot; hat Hueppe8) eine Reihe von (nicht auf den Menschen übertragbaren)
') Centralbl. f. Bald. IM. lü. lslt;i:t. No. 6/6.
8) Berl. Min. Woohensohr. 1800. No. 11—12.
B) Der „Psendodiphtheriebaoillusquot; soll etwas kürzere und dickere Formen bilden und auf den Nährböden etwas üppiger gedoiben als der (raquo;elite1 DipbtbcriebaoiUus. Kacb (irani l'arbt er sieh wie dieser.
') Centrall)!. f, Bakt. Bd. -2. 1887. No. 1.
:') Tagebl. d. 60. Vers, deutsch, Natioi. u. Aerate. Wiesbaden 1887. p, 119—120.
a) Eseberieb. Berl. klin. Weelienselir. 1893. p. 620,
') Ann. de l'Inst. Pastour. 1890. No. 7. p. 413, III. B) Berl. klin. Wocbenscbr 1886, No. 44—46,
IT*
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2(10
li. Uii' Bakterien als Kranklicitscrre^cr.
Tliici'kranklicitiMi zusanimengefasst, welche (lurch Bakterien veigt; anlasst werden, laquo;lit1 einander sehr nahe verwandt sind, wenn sie auch
lüoht direct als identisch betrachtet werden dürfen.
Es gehören hierher die Ilühnercholora, die experimentelle und die spontane Kaninehensepticaemio, die deutsche Sclnveinesouche, die Rinder- und Wildseuohe, die italienische Büffelseuohe, die amerikanische Sohweineseuohe, die dänische Schweinepest, die Marseille!' Schweine-seuohe, die Fi'ettchensenche, der Mflusetyphus und vielleicht noch einige andere Thierseuchen.
Die Huhn er oho ler a (Qeflügeloholem, oholöra des poules) ist eine unter dem Geflügel des Hufes oft epizootisoh auftretende, mit Diarrhöen einher^idiende. hei Hühnern in I his 2 Tagen tödtlich endende Infectionskrankheit.
Durch Perroncito, dann besonders durch Pasteur, wurden in dem Blut und den Organen der Thiere sowie in dem Darminhalt derselben constant vorkommende, eigenthümlich gestaltete Bakterien nachgewiesen, die durch Pasteur (ISSO) reingezüchtet wurden, und deren speeiflsche pathogene Bedeutung durch erfolgreiche Uebertragung auf gesunde Thiere durch Pasteur festgestellt wurde.
Die II ü h ne rc li o le raha ei 1 len sind kurze, plumpe Stäbchen mit etwas abgerundeten Enden, die häufig einzeln, aber auch zu mehreren verbunden angetroffen werden und sich bei der Färbung mit Anilin­farbstoffen dadurch vor anderen ähnUchen Stäbchen auszeichnen, dass sie sich nur an den End polen färben, während ihre Mitte un­gefärbt bleibt.
Die Hühnercholerabacillen sind unbeweglich.
Sie wachsen auf den gewöhnlichen Nährböden bei Zimmertem­peratur sowohl wie bei Brüttemperatur; auf Kartoffeln findet nur bei Brüttemperatur Wachsthum statt, und zwar auch da nur massiges,
in Gelatinestichculturen kommt die Entwickelung sowohl im Verlaufe des bnpfstiches wie auch auf der Oberfläche zu Stande; auf der Oherlliiehe bildet sich ein zarter, weissgrauer Belag. Die Gelatine wird nichl verflüssigt.
Auf A gar und Blutserum bilden sich glänzende, weissliche Belage.
Sporenbildung existirt bei den Hühnercholerabacillen nicht.
Unter natürlichen Verhältnissen wü'd die Enfection der Hühner, wie sicher nachgewiesen ist, dadurch vermittelt, dass die Excremente der kranken Thiere, welche sein' reich an den Bacillen sind, von gesunden Thieren mit der Nahrung in den Darmkanal aufgenommen werden.
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Dia Baolllen dor SeptioaemiiTbaetnoi'rbagloa.
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Künstlich lässt sidi die Infection sowohl durch Verflltterung dor Culturen wie durch outane oder subcutane Einverleibung übertragen. Die Hühner zeigen ausser der Septicaemie liämorrhagischo Enteritis! dor Darminhalt ist reich an den speciflschen Bakterien. Neben Hühnern sind (Jäiiso, Tauben, Sperlinge, Mäuse und Kaninchen empfänglich. Meerschweinchen erscheinen fast unempfänglich. Auf Taf. IX, Fig. 52, ist ein Ausstriohpräparat dos Herzblutes einer Taube darge­stellt, welche an der Infection zu Grunde gegangen war. Man sieht hier, zwischen den rothen Blutkörperchen (von denen nur die Kerne deutlich hervortreten), die in oharacteristischer Weise an den Endpolen gefärbten kleinen Stäbchen liegen.
Bekanntlich ist die Hühnercholera diejenige Krankheit, bei der zuerst eine Ab Schwächung der Virulenz pathogener Bakterien (durch Pasteur 1880'; of. oben p. 178) festgestellt wurde. Pasteur fand, dass künstliche Culturen der llülmereholoralmktorieii bei ein­fachem längeren Stehen an der Luft ihre Fähigkeit verloren hatten. Hühner tödtlioh zu inficiren. Die geimpften Thiere erkrankten nur örtlich*und zeigton sieh nachher immun gegen Infection mit virulenten Culturen,
Der Ilühiioroholerabacillus färbt sieh mit wässerigen Farbstuff-lösungen; er färbt sieh nicht nach der Grain'schen Methode (p. 100 11'.).
Die Kaninohenseptieaemi o. Durch subcutane Injection von l'ankewassor (die Pauke ist ein in Berlin mündendes Nebenflüsschen der Spree) in den Kaninchenkörper erhielt Gaffky1) zuerst diese experimentelle Infectionskrankheit. Die Kaninchen gehen innerhalb 16—20 Stunden nach der Impfung zu Grunde und zeigen überall im Blut und in den Organen Organismen, welche in ihrem gesannnten Verhalten den Hühneroholerabakterien gleichen.
Von dem Bacillus der experimentellen Kaninchensepticaemie (und damit auch von dem Ilülmercholerabacilliis) abweichend verhält sich der Erreger der „spontanen'' Kaninchensepticaemie, welcher von Kberth und IM an dry-) beschrieben worden ist. Es handelt sich um einen eigonbowoglichon Bacillus, der in den Cultur-merkmalen sich nicht wesentlich von dem lliilmorcholerahacillus unter­scheidet; dagegen linden sich hedeutendo Unterschiede in den patho-genen Eigenschaften. Sperlinge, Mäuse. Kaninchen vorhalten sich
') Mittb (l, (1. Kiiis. (ios.-Amte. Bd, 1. I^Sl. p. 102, 104. -) •Virch. Arch. Bd, 121. ISOraquo;.
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2()'2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; !gt;#9632; Die Bakterien als Krankheitserreger.
ziemlich empßlnglioh, 'rauhen imd Meersohweinohen wenigeri Hüiinci-verhalten sicli auoh sehr o'^ossuu Dosen gegenüber ganz rel'ractiir.
Die (deutsche) Sohweineseuche. Dieselbe ist eine früher mit Sohweinerothlauf (s. oben p. '2515) zusammengeworfene Krankheit, welche jedoch von Loeffler1) als selbständige Krankheit erkannt wurde. Loeffler fand 1882 in der Halshaut und den Organen eines angeb­lich an Bothlanf verendeten Schweines sehr kleine ovoide Bakterien, welche mit den Hühnercholerabakterien die grösste A.ehnlichkeit hatten. Loeffler eultivirte die Sohweineseuohebakterien auch bereits rein. Schütz-') hat dann später die Sohweineseuche eingehend studirt und mit den reingezüchteten Bakterien Schweine erful^reich inlicirt.
Ein unterschied zwischen den Hühnorcholerabakterien und den Erregern der Schweineseuche besteht insofern, als die letzteren für Hühner und Tauben fast völlig indifferent, für Meerschweinchen aber sehr virulent sind. Hühneroholerabakterien verhalten sich gerade ent­gegengesetzt. Im üebrigen aber sind irgendwie durchgreifende Unter­schiede nicht zu verzeichnen.
Die Rinder- und Wildseucho. Dieselbe ist eine früher häulig mit Milzbrand verwechselte, dann von Hol linger als selbst­ständige Krankheit erkannte, epizootisch auftretende Infectionskrankheit, welche Roth- und Schwarzwild, aber auch Pferde und Kinder spontan belallt und je nach dein Infectionsmodus in einer cutanen (septicaemischen), einer pectoralen (pneumonisohen) und einer intesti-nälen Form auftritt. Die bei der Wildseuche vorkommenden speci-lischen Bakterien wurden zuerst von Kitt8) gesehen; durch Kitt und durch llueppe') ist dann die Krankheit genauer studirt und durch den letzteren Forscher ihre Zugehörigkeit zu der in Besprechung stehenden Gruppe von Krankheiten, für die Hueppe, wie bereits er­wähnt, die Bezeichnung „Septicaemia haemorrhagioaquot; schuf, festgestellt worden.
Die (italienische) Büffelseuche („Barbone dei bufaliquot;). Die
Aetiologie der Krankheit wurde zuerst von 0roste und Armannr') genauer studirt. Der Barbone ist eine in Italien heimische, vornehm-
l) Arbeiten a. d. Kais. Ges.-Amto. Bd. 1. 1880. p. 51 11'.
-) Ebenda p. 376ff,
:i) Sitzungsbor. d, des. f. Morphi u. Physiol, zu München. 10. Nov. lbsquot;).
') Berl, klln. Wochenschr. 1886. No. -II—10.
;') cf. Centralbl. f. Hakt. Bd. 2. 1887. p. 60-60.
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Die BaoiUen der Septioaoniia haemorrhagioai
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lieh die jungen Hülli'l im Sommer befallende, mit hohem Fieber, Störung des Allgemeinbeflndens und looalen entzündlichen Oedemen, namentlich der Kehlgegend, einhergehende, meist innerhalb von l '2 bis 21 Stunden tödtlioh endende [nfeotionskrankheit, die epidemisoli auftritt und oft viele Opfer fordert.
Im Blute und in dem Exsudate der looalen Schwellungen fanden die genannten Autoren einen dem Krreger der (deutschen) Schweine­seuche in hohem Grade ähnlichen Organismus, mit dessen Reinculturen an einer Anzahl von Thierspeoies Impfungen mit positivem Erfolge ausgeführt werden konnten. Bin junger Büffid, ein jung-os Schwoin, ein junges Pferd, eine junge Kuh, ein Schaf, ferner ^liinse, üatten, Kaninchen, Meerschweinchen, Tauben, Hühner zeigten sich empfänglich.
Die amerikanische Schweineseuohe wurde bezüglich ihrer Aetiulogie zuerst studirt von Salmon1) und von Billings,8) Salmon ist dafür eingetreten, dass es zwei aetiologisch von einander verschiedene Schweineseuchen in Amerika giebt: „Hog Choleraquot; und „Swine Plaguequot;, Ob eine solche Trennung zu Recht besteht, ist his heute noeh nicht sicher entschieden. Von dem Erreger der deutschen Sehweineseuehe sind die Bakterien der amerikanischen Sehweineseuche aber leicht zu unterscheiden, IHe letzteren zeigen (zum Unterschiede von den Bakterien der deutschen Schweineseuche) Eigenbewegung, sie wachsen ferner gut auf Kartoffeln.
Den Erregern der amerikanischen Sehweineseuehe in seinem ge-sammten Verhalten sehr nahe steht ein Bacterium, welches von Se­ianderquot;) als Erreger der dänischen Schweinepest (Svinpest) nachgewiesen wurde.
Eine ähnliche Hakterienart wurde von Kietsch, Jobert und Martinand4) als Ursache einer 18S7 in Marseille beobachteten, von Afrika eingeschleppten Schweineepidemie (Marseille!' Schweine­seuche) aufgefunden.
Die Frettchenseuche. Diese gelegentlich spontan in Epide­mien auftretende Infeetiouskranklieit wurde bezüglich ihrer Aetiologie
') of. Baumgarten'a Bakteriol, Jahvesber, 1880. p, 160, 151 j 1887, p, 127 bis 129 j 1888, p, 128.
-) of, Banmgarten's Bakteriol. Jabresber. |sgt;lt;7. p. 130j l^ss. p, 129; 1889. p. I7s.
:l) Centralbl. f. Bakt, IM. 3, 1888, No. \-l.
') Acad. des sciences. Paris. .23 Janvier et 9 uvril 1888, (Compt, vend. t. 106, p. 296,61 1090),nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,
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B. Dio Bakterien als KrankheltaerreKer.
von Kl) er Hi mid Sciiiiiiiiicibuscli') studirt. Makroskopisch fand sich bei der Krankbeil besonders Pneumonie und Milztumor. Mikro­skopisch wurde im Blut und in den Organen sin Kurzer, facultativ anaörober, mit lebhafter Eigenhewegung begabter Bacillus geftm-den, welcher im üobrigen grosse Aehnliohkeit mit dem Hülmercholera-baoillus besitzt. Derselbe Ist namentlich für Sperlinge pathogen, bei denen er nach suboutaner Impfung einen looalen Eiterherd und den Tod durch Septioaemie veranlasst. Hühner aber verhalten sieh re-fra c l ä r.
Der Mäusetyphus. Im Jahre 1890 beobachtete Loefflera) unter den im hygienischen [nstitul zu Greifswald gehaltenen weissen .Mäusen eine Epidemie, welcher in kurzer Zeit 690/0 der Thiere er­lagen. Die Krankheit, welche sich dadurch fortpflanzte, dass die todten Thiere von den gesunden angefressen wurden, zeigte sich bedingt durch einen speciflschen, bis dahin unbekannten Bacillus (Bacillus des Mäuse-t v ph n s. Ba 0. t v p h i m n r i nin).
Es linndelt sich um kurze Baoillen mil lebhafter Eigen-beivegung. Die letztere wird bedingl durch seitenständigo Geissein. iuinstlielie Züchtung gelingt auf den gewöhnlichen Nährböden bei Zimmer- sowohl wie bei Brüttemperatur. Die Gelatine wird nicht verflüssigt. Auf der Platte bilden die oberflächlichen Colonien liäutchenartige Ausbreitungen, in ähnlicher Weise wie es beim Typhus-bacillus der Fall isl, oder auch dickere Flecken. Im Bereiche der Colonien trübt sieh die Gelatine leicht. Auf der A gar Oberfläche entstehen grauweisse Beläge, auf der Kartoffel woissliche Auf­lagerungen, in deren Umgebung sich die Kartoffel schmutzig graublau färbt. In Peptonzuckerbouillon findet unter starker Trübung Säurebildung und Gasentwickolung statt. Milch wird sauer, ihr Aus­sehen nicht verändert. Sporenbildung wurde nicht beobachtet.
Der beschriebene Bacillus ist für eine ganze Reihe von Thior-species pathogen; bei Verfütterung des [nfectionsmateriales zeigen sich jedoch ausschliesslicli die (weisse und graue) Haus­maus (Mus musculus) und die Feldmaus (Arvicola arvnlis) emp-fängheh. Die graue Hausmaus ist etwas widerstandsfähiger s'^mi die infection als die weisse.:l) Nach der spontanen Infection der weissen
Mäuse während der oben erwähnten Epidemie verflossen gewöhnlich
') Fortschr. d. Med. 1888. No. 8j Viroh. Ardi. Jtd. ii:,. issii und Bd. 116. IbS'.). '-') Centrolbl. C. linkt. Bd. 11. 1892. No. 5. quot;) (Viitmlhl. f, Hakt. Bd. 13. lv,):t. p, 848. #9632;
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X
Der Baoillus dos grttaen oder blauen Kiters.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 266
1 his 2 Woohun bis zum Tode. Die gestorbenen Thiere zeigten Milz­tumor, Hftmorrhaglen der Magen- und Dünndarmschleimhaut, Röthung der Peyer'schen Plaques, geschwollene und von Hämorrbagien durch­setzte Mesenterialdrüsen. üeberall in den Organen, specieli in der Leber und den Mesenterialdrüsen, ferner in der Milz, in manchen Fällen auch im Herzblut, fanden sich, und zwar in den öefässen liegend, die besohriehenen Baoillen, Häufig waren herdförmige Anordnungen der Bacillen in den Organen, wie beim menschUohen Ahdominaltyi)hu8; die Bacillen waren oft in Zellen eingeschlossen.
Nach der künstlichen [nfeotion per os gingen Feld­mäuse in (j bis s bis 12 Tagen zu Grunde; die subeutane Infec­tion tödtete diese Thiere innerhalb 2 bis I Tagen.
Katzen. Hatten. Brandmäuse (Mus agrarius), kleine Vögel, Tauben. Hühner, Meerschweinchen, Kaninchen. Ferkel zeigten sich bei Yer-l'ütterung des Infectionsmateriales unempfänglich. Durch sub­eutane Einverleihung liessen sich kleine Vögel, Hatten, Tauben. Meerschweinchen infleiren: Kaninchen zeigten sich dabei wenig emp­fänglich.
Mit Hülfe des Mäusetyphushacillus hat Loeffler im April 1892 die Feldmausplage in Thessalien erfolgreich bekämpft.') Es ist bei dieser Gelegenheit auch erwiesen worden, dass der genannte BaoilUlS für den Mensehen (per os einverleibt) unschädlich ist,-)
Minen dem Mäusetyphushacillus äusserst ähnlichen, jedenfalls mit demselben nahe verwandten Bacillus hat Laser8) im Februar 1891 als Erreger einer Epidemie, die unter den Feldmäusen des hygienischen Instituts zu Königsberg auftrat, ermittelt. Dieser Bacillus hat auch das Gemeinsame mit dem Mäusetyphushacillus, dass er bei der Ein­verleibung per os nur die Hausmaus und die Feldmaus zu tödten vermag.
Der Das er'sehe Bacillus tödtet die Thiere im Allgemeinen in etwas kürzerer Zeit als der Loeffler'sche.4)
14- Der Bacillus des grünen oder blauen Eiters.
Der Bacillus des grünen oder blauen Eiters (Bacillus pyooyaneus, Bacterium aeruginosum) ist die Ursache des öfters zu
')nbsp; Centralbl, f. Hakt. IM. 12. 1892,nbsp; nbsp; No, I.
-)nbsp; Ebenda, p, 12.
!')nbsp; Contrail)!, f. Bakt. Rd. II. 1892. No.nbsp; Q 7. — Ebenda l!d. 13. 1893. No. 20.
\nbsp; Centralbl, f. Hakt. Bd. 13. 1893.nbsp; nbsp; p. 049.
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B. Die Bakterien nls Eraukbeitserregei',
beobaohtenden spontanen Grün- oder Blauwerdons dos Kit its und der Verbandstoffe in Krankenanstalten. Aus derartigem Eiter kann er (lurch das i'lattonvcrfalircn leicht in Reincultur glaquo;-
wonnen werden.
Der Bacillus pyooyaneus wurde zuerst von Q-essard (1882) gesehen.
Der Bacillus ist ein kleines, schlankes Stäbchen von der Länge des Mäuseseptioaemiebacillus, aber etwas dicker als dieser (Flügge), welches einzeln oder in kleinen Verbänden auftritt und lebhafte Eigenbewegung besitzt. Das Stäbchen trägt eine ein­zige (i eissei (Loeffler), welche sich Dach der oben (p. 75 ff.) besprochenen (ieisselfärbungsmethode mikroskopisch darstellen lässt.
Der Bacillus ist facultativ an aerob. Er wächst auf den ge­wöhnlichen Nährböden, und zwar bei Zimmertemperatur .sowohl wie bei Brüttemperatar.
Auf der Gelatineplatte bilden die Colonien unregelmässig begrenzte, flach ausgebreitete Beläge, in deren Bereich die Gelatine massig schnell verflüssigt wird, während die Umgebung sehr bald eine grüne Pluorescenz annimmt. Dementsprechend gestaltet sich auch das Wachsthum der Stichcultur. Auch hier tritt lebhafte grüne Muorescenz ein.
Auf der A gar Oberfläche bildet der Bacillus weissliohe Beläge, unter denen der Nährboden grün gefärbt wird. Auf Kartoffeln entstehen dicke, gelbgrüue bis bräunliche Ueberzügc, in deren Um­gebung die Kartoffel sich grün färbt.
Der Bacillus vermag mehrere Farbstoffe zu bilden; die wichtigsten sind das blaue Pvocvanin und ein lluorescirender grüner Farbstoff. Die Natur des im Einzelfalle gebildeten Farbstoffes ist von der jewei­ligen Zusammensetzung des Nährbodens abhängig; andererseits bildet der Bacillus pyoc3'aneus auch Varietäten, welche sich in der Farb-stofiproduetion von einander unterscheiden.^ Zuerst durch P. Ernst'-) wurden Varietäten des Bacillus pyooyaneus („Bac. pyoc. aquot; und „Bac. pyoc. ftquot;) statuirt. Die laquo;-Varietät producirt einen gelbgrünen Farb­stoff, verflüssig! die Gelatine langsam und lässt die ganze, auch die unverflüssigte Gelatine grün fluoresciren; die /?-Varietät producirt einen blaugrünen Farbstoff, verflüssigt die Gelatine schnell und hat sehr wenig fluorescirende Kraft.
Sporenbildung existirt bei dem Bacillus pvoevaneus nicht.
') cf. Gessard, Ann. de l'Inst. Pastenr. 1891. No. i. -') Zeitschr. f. HVg. Bd. 2. 1887,
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Der KommabaoilluB dor Cholera asiatica.
267
Dor Bacillus bildet giftige Stoffwechselproduote. Er ver­mag auch, wie die Untersuchungen von Ledderhose1) und von Charrin4) gezeigt haben, im Körper empfänglicher Thiere sich zu ver­mehren. Am intensivsten wirkt die intravenöse Einverleibung, weniger intensiv die intraperitoneale oder siibciitane. Besonders empfäng­lich sind Kaninchen und Meerschweinchen. Nach subeutaner Injection nicht zu kleiner Mengen frischer Bouillonoultur gehen die Thiere unter EntwioKelung localer eitriger Entzündung bald zu Grande; bei intraperitonealer Einverleibung entsteht eitrige Peritonitis,
Bei fortgesetzten Ueliertragungen von Thier zu Thier scheint; die Virulenz des Uacilhis zuzunehmen.
Durch Einverleibung kleiner Culturmengen sowie durch Einver­leibimg der bakterienfreien StofiVechselproducte des Bacillus lassen
sich Kaninchen gegen die rvocvaneus-Infection immunisiren. Das Blutsenun des immunisirten Kaninchens hat (im Gegensatz zu dem Serum normaler Kaninchen) bacterieide Eigenschaften dem Bacillus pyooyaneus gegenüber (B 0 u c h a r d.:11)
Auch für den Menschen scheint der Bacillus pvoeyaneus unter Umständen pathogen werden zu können.
15. Der Kommabacillus der Cholera asiatica (Vibrio cholerae asiaticae).
Im Jahre 1883 wurde durch Rob. Koch ermittelt, dass in allen Fällen von (' h o 1 e r a a s i a t i c a eine ganz bestimmte Bakterienart gefunden wird, und dass diese Bakterienart ausschliesslich bei Cholera asiatica vorkommt. Man findet iu den Ausleerungen von Cholerakranken kommaförmig gekrümmte, lebhaft bewegliche Bacillen („Kommabacillen der Choleraquot;. „Choleravibrionenquot;): in der frischen Choleraleiche lindet man dieselben ebenfalls im Darminhalt, ferner in dem Gewebe der Darmwand, sonst jedoch — in bei wintern der grössten Mehrzahl der Fälle — nirgends im Körper.')
Der Cholera vibrio ist ein kommaförmig gekrümmtes Stäbchen, welches in seiner Länge die Hälfte bis zwei Drittel eines Tubcrkel-
i) Dontsohe Zelteohv, f. Chlr, IM. 28, 1888.
-) La mal.ulie pyocyaniqne, Paris 1889,
3) cf. oben p, ISO, Amn. I.
') In vereinzelten FSllon sind Cholerabakterien iiuch in anderen Orgaiftn k'1-'-fimden worden. So berichtet z. 15. V. Babes (6, intomat, Congr, I. Hyg, n, Demogr, Wien Isst. Verhandlungen lieft ls. p, 78), dass er die Cholerabaktorien idters In der .Niere von Clieleraleieheii angetroffen habe. Aelmlicbc Befunde sind ancli von änderet) Seiten publlclrt werden.
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•2 OS
Dio Bnktet'leQ als Kronkbeitserroirei'.
bacillus erreioht, aber dicker als dieser ist, Die Organismen werden meist einzeln angetroffen, und zwar (wenn sie sich in lebensfrisohern Zustande befinden) in lebhafter Bewegung, in künstlichen Cul-turen, besonders wenn der Nährboden bereits anfangt erschöpft zu werden, kornml es und zwar dadurch, dass die Kommabaciilen nach der Theilung nicht mehr aus einander fallen — auch zur Bildung spirillenförmiger öebilde. 'rat. X. Fig. 55 und 66, zeigen Cholera-baoillen ans Gelatineculturon. Aul' Kg. 55 sieht man die Stäbchen einzeln liegend: auf Fig. 56 sind Spirillen abgebildet, welche sich in der erwähnten Weise gebildet haben. Die Spirillenbildung f'asst man als eine [nvolutionsersoheinung auf. Eine Vergleichung der beiden genannten Photogramme, die bei gleicher 7ergrösserung her­gestellt sind, zeigt auch deutlich, dass die Spirillen dicker sind als die noch frisch vegetirenden Kommabaciilen; die Anschwellung des Bakte­rienleibes bei der Involution halten wir aber als eine gewöhnliche Er­scheinung kennen gelernt (ct. eben p. 15), Die ..Spirillenquot; trifft man. wie gesagt, in künstlichen Culturen häufig. Tu dem Danngewebe der Choleraleiche sind sie, soviel bekannt, nur ein einziges Mal, durch H, Kühne1), gefunden worden.
Bei der Betrachtung des Photogramms Fig. 55 auf Taf, X fällt es ohne Weiteres auf, dass nichl alle abgebildeten Bakterienzellen die typische Kommaform besitzen. Es ist das eine Beobachtung, die man bei .jedem einzelnen Präparate, welches man sich von Cholcrabakterien herstellt, machen wird. Immer wird man — in dem einen Falle mehr, in dem anderen weniger -- Zellen linden, die von der typischen K om m a form abweichen und sich der Qestalt gerade gestreckter Stäbchen nähern. Hat man Irilnstllche Culturen vorsieh, so (ludet man im Allgemeinen die Kommaform um so ausgeprägter, je jünger und lebensfrischer die Cultur Ist, je weniger bereits Erschöpfung des Nährbodens eingetreten ist. Abgesehen von diesen in einer und der­selben Cultur auftretenden, von den Lebensbedingungen abhängigen Formverschiedenheiten scheinen aber bei dem Choleravibrio je nach der Provenienz des Materiales Pormunterschiede vorzukommen: Von der einen Epidemie herstammende Culturen scheinen mehr zur Bildung typisch kommaförmlg gekrümmter Zellen zu neigen, während von einer anderen Epidemie herstammende Culturen mehr der gerade ge­streckten Form sich nähernde Stäbchen zu produciren scheinen.-)
Durch Loeffler9) sind an dem Cholerabacillus endständige
') of. A. Pfeiffer, Deutsche meel, Woohetwohr. 1887. No, 11. -) cC. Gruber und Wiener. Arch. f. Hyg, Bd. 15, 1893, 8) Centralbl. f, Bukt. Bd. 0, 1889, p. 218.
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Dor Kumnuibacilhi.s tier Cboleia asiaticu,
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Geissela nachgewiesen wordeni jedes Komma besitzt eine einzige Geissul. welche an dem einen Ende angeheftet ist. Die mikroskopische Darstellung der Geissein ist oben (p. 75 It'.) ausfllhrlioh besprochen. Auf Tnf. X, Fig. 57, ist ein niteli der Loeffler'sohen .Methode Iht-gestelltes Präparat von Cholerabaoillen dargestellt, vvelohes die öeisseln deutlich erkennen lässt. Die Ciiolenibaeiiien erscheinen in dem Photo-granun l'ig. 56 (in gewöhnlicher Weise gefärbtes Präparat) erheblich dünner als in der Fig. 57 (nach der Loeffler'sehen öeisselfärbungs-methode behandeltes Präparat). Der Grund dafür ist, wie wir bereits üben (p. 79) erörterten, der, dass in dem ersteren Präparate mir der Protoplasmakörper, der Kern der Bakterienzellen gefärbt ist, während in dem letzteren Präparate auch die Hülle, die Membran der Zellen die Färbung angenommen hat.
Der Cholerabacillus wächst auf den gewöhnlichen bakteriologischen Nährböden; er wächst bei Zimmertemperatur sowohl wie bei Brüttem­peratur, bei letzterer aber erheblich schneller. El' wächst am besten In (legenwart von Sauerstoff, kann alter auch Sauerstoffmangel ertragen.
Oben (p. 113) halien wir schon erwähnt, dass der Choleravibrio stets eine alkalische Reaction des künstlichen Nährbodens bean­sprucht Vor Allem kommt dieser Punkt bei Nährgelatine, welche für Cholerauntersuohungen verwendet werden soll, in Betracht. Ver­schiedene Nährgelatinen, die sich — bei im TJebrigen gleicher Zu­sammensetzung — in der chemischen Reaction von einander unter­scheiden , zeigen stets ein dilferentes Wachsthuni der eingesäeten Cholerabacillen. Im Allgemeinen giebt es ein Optimum der Al-kaleseenz, einen Alkalescenzgrad. bei welchem der Cholerabacillus am besten gedeiht.1) Entfernt sieb die chemische Reaction der Gela­tine von diesem Optimum, wird die Alkalescenz geringer, so wächst der Cholerabacillus langsamer'-); und bei neutraler oder gar schwach saurer Reaction des Nährbodens wird das Wachstlmm ein minimales oder kann selbst gänzlich ausbleiben.
Auf der 0 e la tinepla tte bildet der Choleravibrio zunächst rund-
') Dahmen (Contralbl, f. Bakt. Bd. 12. 1802, No, 18, p. 620) Qndet, dass der beste Alkalescenzgrad dadurch erreicht wird, dass man der kochenden, zunächst (unter Verwendung von Lackmuspapier) genau nentraDslrten Gelatine auf 100 com l g krystaillsk'teskohlensaures Natron zusetzt. —Flügge (Zeltsobr, f. Hyg. Bd. 11. 18laquo;;). p. 105) globt folgende Vorschrift für laquo;lie Alkallsirung der Nährböden! Zu einem Liter Bouillon sind ii.quot;) com, zu einem Liter Ntilirgelatine quot;)•quot;gt; eem einer Soda-lösnng zuzufügen, welche I0,60/o durch Qlühen von Natriumbioarbonat hergSBtollte Soda enthält,
-) Natürlich ist dann auch die eintretende Verflüssigung eine verzögerte (cf, E. Frtlnkel, Deutsche med, WochenSchr. 1892. No. 46),
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li. Dio Bakterien als Kraukheitsei'reffer.
lieh gestaltete, niohl glatt, sondern etwas unregelmässig, höckerig be­grenzte Colonien, dereu folialt ausgesproohen grobkörnig ist: bei lOOfaober Vergrösserung erscheinen die Colonien „me mit kleinen Glasstückcheu bestreutquot; (Koch). Die Colonien sind zunflohsl im (ranzen hell, werden dann, in Folge der Vermehrung der Organismen, in der Mitte etwas undurchsichtiger, in der Durchsicht also dunkler, und zeigen sich in späteren Stadien ihrer Entvrickelung am Rande häufig wie mit einem Kranze sehr feiner radiär gerichteter Spitzen besetzt. Auf Tal'. XI. Fig. 61 und 62, sind Plattencolonien des Cholera-bacillus bei lOOfacher Vergrösserung dargestellt. Fig. 61 zeigt eine Platte nach 30 stündigem Wachsthum bei Zimmertemperatur. Man sieht hier an den scharf eingestellten Colonien deutlich das grobkörnige Gefüge und den unregelmässigen Rand. Auf Fis}. laquo;2 sind 2 Colonien, die eine nach 48ständigem, die andere nach 72stündigem Wachsthum, dargestellt; die letztere zeigt den mit feinen Spitzen besetzten Rand. Hand in Hand mit dem Wachsthum ^eld eine, nieht sehr schnelle, Verflüssigung der Gelatine. Die Platte zeigt dann an dem Orte der einzelnen Colonien leichte, trichterförmige Einsenkungen, welche das Zeichen dafür sind, class an diesen Stellen mehr von dem Wasser­gehalt der Gelatine durch Verdunstung verloren gegangen ist als an den übrigen Stellen, d. h. dass hier Verflüssigung der Gelatine ein­getreten ist. Oben sahen wir schon, dass auf der einen Gelatine die Cholerabacillen Schindler wachsen und demgemäss auch schneller Ver­flüssigung bewirken als auf der anderen. Geht nun die Verflüssigung dor Gelatine sehr energisch vor sich, so sieht man häutig bereits am zweiten oder dritten Tage die Colonien am Rande ganz unregehnässig zerklüftet, mit feinen Anhängseln versehen etc. Diese Erscheinung, welche besonders bei hoher Aussentemperatur beobachtet wird, ist ein­fach so zu deuten, dass die (eigonbewegliclion) Cholerabakterien in die die Colonie umgebende Gelatine, welche durch den Verflüssigungspro-cess weicher zu werden beginnt, hier und da activ hineinwandern und sich dort dann weiter vermehren. In diesem Sinne ist auch eine Er­scheinung zu deuten, die man an sehr dicht besäeten Choleraplatten (und auch an Platten anderer eigenbeweglicher verflüssigender Bakterien), und zwar ebenfalls besonders bei hoher Sommertemperatur, häufig beobachtet: Man sieht nach 24stündigem Wachsthum (Ue Platte bei mikroskopischer Betrachtung von sehr kleinen, äusserst dicht liegenden, ganz unregel­mässig gestalteten, nicht rund geformten, sondern meist mit feinen spitzen zipfelartigen Ausläufern versehenen Colonien erfüllt; diese Co­lonien sind deshalb in so unregclmässiger Weise gewachsen, weil die durch den Verllüssigungsprocess. event, auch durch die hohe Aussen-
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Der Kommahacilhis der Cholera aslatlca,
#9632;271
temperatui', in ihrer Consistenz gesohädigte Gelatine den elgenbeweg-llohen Bakterienzellen beliebige Ortsveränderongen gestattet.
Dns Waohsthum der Choleravibrionen in der Gelatinestioh-oultur ist ein dem Waohsthum auf der Platte entsprechendes. Man findet auch hier eine (in der Hegel langsame) Verflüssigung, namentlich der obersten Theile des Stiohss. In dem obersten Tiieile des Impf­st ielies kommt es sehr bald zur Bildung einer trichterförmigen Ein-senkung der Gelatine; von der Seite her betrachtet sieht man den
ImpfsMoh im dieser Stelle erweitert, die Gelatine scldiesst hier eine mit der äusseren Luft communioirende runde Luftblase ein. Nach unten ZU geht der Trichter iiher in den mir wenig erweiterten, mir wenig verflflssigten Stiohkanal, der den grössten Theil der in der Cultur gewachsenen Bakterienmasse in Form eines zierlich aufgedrehten Fadens enthält. Mine Stiohcultur von typischer Gestalt zeigt Fig. 63 auf Taf. XL Später wird dann allmählich die gesammte Gelatine verflüssigt.
Auf der A ga rohe rfl ä ihe wachsen die Cholerabaoillen in Form eines gnunveissen, saftig glänzenden l'eherznges. Auf A garplatten oberflächlich aufgeimpfte Chulerahaeillen wachsen zu runden Colonien aus, welche ein eigenthümlioh hellgi'aubraunes, transparentes Aussehen haben (Koch).
In lion i 11 on cuitnren bilden die Cbolerabaeillen aussei- einer allgemeinen Trübung der Flüssigkeit häutig (aber nicht immer) ober­flächliche Kahmhäute. Das Letztere kann man auch in älteren Gelatine-stieliculturen beobachten.
Blutserum wird durch die Hacillcn langsam verflüssigt.
Auf Kartoffeln wachsen die Cholerabacillen bei Temperaturen unter 21 bis 22quot; ('. gewöhnlich nicht. Bei 22deg; 0. bildet sich ein weissgelblicher bis bräunlichgelber, honigähnlioher, saftig glänzender Belag. Dasselbe Aussehen hat auch die bei Hrüttemperatur gezüchtete Kartoffeleultnr: mir geht hier das Wachstlmm schneller vorsieh. Auf manchen Kartoffelsorten scheint der Cholerabacillus schlecht oder über­haupt nicht zu wachsen. Hier hat man mit Vortheil die Alkalisirung der ivartolfellläebe mit Hülfe von Sodalösung angewandt: ein vortreff­licher Nährboden für den Cholerabacillus wird auch erzielt, wenn man die Kartoffelstücke mit einer etwa 3proo, Kochsalzlösung imprägnirt oder noch besser sie damit kocht, ')
Ueber das Verhalten der Cholerabakterien in Milch lauten die Angaben der Autoren einander widersprechend.
') of. Voges, Centralbl. f. bükt. Bd. 13. Deiitschi' med. Wochonsohr, 1893, p, 542,
1893. No. 17; 15. Kl seller,
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li. Die Bakterien als KrankheltseiTeger,
Dauerformea sind bei den Cholerabaoillen nk-lit bekannt. Die von Hueppe1) statuirte „Ärthrosporenbildtmgquot; bat mit der Bildung irgendwie besonders resistenter Fruohtformen jedenfalls nichts zu thun (Of. oben p. 17). In alten Culturen findet man bftuflg kleine Köra-oben, Kugeln, ferner allerhand Missbildungen, Diese Dinge sind sammt und sunders als Involutionsformen aufzufassen (vergl. JV. 56, Taf. X).
Die Cbolorabacillen verlangen, wie bereits wiederholt heiTorgehoben wurde, zu ihrem Gedeihen einen schwach alkalischen Nähr­boden; gegen die geringsten Mengen freier Säure (namentlich Mineral­säure) verhalten sie sich sehr empfindlich. Ein Zusatz von 0.07 bis 0,08% Salz- oder Salpetersäure zum neutralen Nährboden hemmt bereits die Entwiokelung (Kitasato8). Diese Empfindlichkeit gegen Säuren ist der Grund, weshalb die Cholerabaoillen den nor­malen Magen des Menschen gewöhnlich nicht lebensfähig zu passiren vermögen. Dasselbe gilt auch, wie wir sehen werden, für Versuchs-thiere.
Aussei- gegen Säuren verhalten sieh die Cholerabacillen auch gegen alle übrigen chemisehen Dosint'ectiunsinittel, ferner segen höhere Temperaturen und gegen das Austrocknen ausserurdenllich empfindlich. Sie sind stets leicht zu vernichten.8) Wir erwähnten bereits oben (p. -2!)). dass ein drei Stunden langes wirkliches Troeken-liegen die Cholerabaoillen tödtet. Im leuchten Zustande. •/.. \\. in künstlichen Üeinculturen (namentlich auf der Agaroberfiäohe), kann man die Cholerabacillen mehrere Monate lang lebensfähig erhalten.
Die Cholerabacillen sind facultative, gelegentliche Para­siten. Sie linden ohne Zweifel draussen in der Natur an geeigneten Stellen die Bedingungen für ihr Fortkommen. Dies gilt namentlich für die Länder, in denen die Cholera endemisch ist.
Koch fand lef. oben p. 155, Anm. 3) die Cholerahaeillen 1884 in dem Wasser eines ostindischeii Tank. Weitere Hefunde von Cholerabacillen in Wasser sind von Koch und anderen Autoren ge­legentlich späterer Epidemien, namentlich der des Jahres ts()2. gemacht
') Fortselir. d. Med, 1885. No. 19,
-) Zoitsohr. f. Hyg. Bd. 3. 1888.
;l) Zur Desinfection von Cholerastühlen empfiehlt dns prousgisohe CultusministO' rium (cf. Pfuhl, Deutsche mod. Woohenschr. 1892. p. 870) Kalkmilch (vergl. oben p. -'tit). Dieselbe raquo;ir-d aus 1 l.itcr zerkleinerten reinen gebrannten Kalkes und l Liter Wasser hergestellt und zu ungefllhr gleichen Theilen mit den Dejeoton ver­mischt. Das (iemiscli seil dann mindestens 1 Stunde stellen bleiben, ehe es als unschädlieli beseitigt werden darf.
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Dor Kommabaoillus der Cholei'R asiatioa.
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worden.1) Im Allgemeinen aber kommen die Cholerabaoülen in ge­wöhnlichem Wasser nicht gut weiter. Sie werden (of. oben p, 155) von den Wasserbakterien bald überwqohert und unterdrückt. Dagegen ist Sterilisirtes, keimfreies Wasser — und zwar Wasser jed­weder Herkunft — ein Medium, in welchem sieh die (.'liolerabacillen Wohlbefinden, und in dem sie sieii nicht unbeträchtlich vermehren können. Ferner ist die Möglichkeit natürlich nicht ausgeschlossen, dass sie gelegentlich — bei Epidemien — auch auf andere Nähr­böden, auf zubereitete Speisen etc., gelangen und sich dort vormehren. Die ersten Versuche Koch's, für die Cholera empfängliche Ver-SUOhsthiere ZU linden, hatten keinen Erfolg. Xicati und Rietsoh8) gelang es dann Meerschweinehen erfolgreich dadurch zu inliciren, dass sie nach Unterbindung des Ductus choledochus den Thieren die lleincultur direct in das Duodenum injicirten. Es wurde auf diese Weise erstens die deletäre Einwirkung des sauren Magensaftes auf die Cholerabacillen umgangen und zweitens durch Absperrung der Galle die Darmperistaltik herabgesetzt. Der letztere Punkt ist von wesent­licher Bedeutung für die Ermöglichung der Ansiedelung der Cholera­bacillen im Meerschweinohendarme. Koch8) erreichte dann eine er­folgreiche Infection der Meerschweinchen vom .Magen aus dadurch, dass er den Thieren zunächst den Mageninhalt mit Sodalösung neu-tralisirte (er brachte denselben 5 cem öproc. Sodalösung mit Hülfe der Sehlundsonde') in den Magen), dass er einige Zeit nachher (um die Cholerabakterien nicht unmittelbar in die Sodalösung zu bringen) 10 com einer Bouilloncultur von Cholerabakterien in den Magen einllösste, und
') Cbolerabakterlen wurden im Hafenwasser von Marseille, ferner in einem Wasserliehiilter in Montevideo, ans dem an Cholera erkrankte Soldaten ihr Wasser entnommen hatten, aufgefunden (cf. Flügge, Zeitselir. f. Ifyg. Bd. 14. p. Hiß). Ferner fanden Cbolerabakterlen: Fasquale (of. Kiforma medlca. ISquot;,)2. vol.I. p.iMO) in Brunnenwasser in Massana, ('. Franke] (Deutsche med. AVoehensehr. IS',1'2. No. 41) im Wasser des Duisburger Zollhafens, Biernaoki (Deutsche mod. Wochen­schrift IS(I2. No. 12) in Brunnenwasser in Luhlin, Lubarscb (Deutsclio med. Woohenscbr. 1S!I2. No. 43) Im Wasser des Kielraumes eines Elbschleppdampfers, der von Hamburg kam, Loefflor (Oroil'swalder mod. Verein. 3, Deo. Isil2, — Centralbl, f. Bakt. Bd. 18. p. 383) in Brunnenwasser in Demmin, Koch (Zeitsohr, f. Hyg-Bd. 14. 1803. p. 331 und 117) gelegentlich der Winterepidemien 1802/03 im llani-bnrger Eibwasser, in einem Brunnen in Altona und in dem Wasser innerhalb des dortigen Filterwerks, auf den Rieselfeldern der Provinzial-Irreuanstalt Nietleben bei Halle a. S., in dem Saalewasser daselbst und in dem Leitungswasser der Anstalt.
-) of. Deutsohe med. Wochenschr. 1884. p. (W4.
9) Conferenz zur Friirterung der Cholerafrage. Zweites Jahr. 1S85. Deutsche med. Wochenschr. IS85. No. 37 A. p. quot;), li.
') Bezüglich des manuellen Vorgehens hierbei of. oben p. 173. Änm. 8.
Uiinthcr, Baktoriologio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;IS
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274nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;!gt;• Die üaktcriou als Kninkbeitssn'egei'^
dass er sohllesslioh den Thieren — y.nv Herabsetzung dor peristaltisohen Darmbewegungen — eine kleine Quantität Opiumtinotur (1 cem auf je 20(raquo; g Körpergewicht) in die Banobhöhle injieirte. So behandelte Meersobweinohen gingen nach etwa 2 Tagen zu Grunde und zeigten bei der Section einen Befand, der mit dem der menschlichen Cholera Übereinstimmt. Es fand sich starke Röthang des Dünndarmes; der­selbe war mit wässeriger Flüssigkeit gefüllt, welche reich an Komma-baoülen war. Erbrechen oder Diarrhöe zeigten die Meerschweinchen nicht, aber lähmungsartige Schwäche der Hinterextremitäten, schwache und verlangsamte Respiration, Temperaturerniedrigung, Herzschwäche
—nbsp; also Symptome, welche lobhaft an die menschliche Cholera erinnerten. So inlicirte '{'liiere gehen, ebenso wie es bei dem an der natürlichen Cholerainfection sterbenden Menschen der Fall ist, an der Vergiftung durch die im Darme bei der Vermehrung der Bacillen gebildeton giftigen chemischen Körper zu Grunde (of. p. I TO).
Beim Menschen geschieht die natürliche Infection eben­falls vom Darmkanal aus. Ks ist dazu nothwondig. dass die Bacillen. die mit der Nahrung, mit Trinkwasser etc. eingeführt werden, den Magen in entwickolungsfäliigom Zustande passiren. Ist der Magen mir massig gefüllt, sein Inhalt sauer, so dürften die Bacillen die Barriere des Magens wohl selten überschreiten können.
Beim Menschen sind bereits eine Reihe von Bällen von Cholera-infection durch — tbeils unabsichtliche, theils absichtlich vorgenommene
—nbsp; nbsp;Einverleibung künstlicher Reincultur der Choleravibrionen in den Verdauungskanal bekannt geworden. Der erste dieser Fälle1) (unab­sichtliche Infection) betraf einen Arzt, welcher an einem der ersten von Koch abgehaltenen Choleracurse theilnahm. Weitere Fälle sind die von v. Pettenkofer und von Emmerich8), welche sich den Infectionsstoö' absichtlich beibrachten. Einen vierten Fall (unabsicht­liche Laboratoriumsinfection eines Laboratoriumsdieners) haben Frey-mutii und Lickfett8) publicirt. Alle diese Fälle sind in Genesung ausgegangen.
Die [neubationsdauer betrug bei den Fällen von v. Petten­kofer und Emmerich 1 bis 2 Tage. In 8 Fällen natürlicher Cholerainfection, welche Banti') 1886 in Florenz beobachtete, und
') Koch, Conferonz zur Erörterung der Cholei'aü'age, Zweites Jahr. 1885. Deutsche med, Wbchensohr. 1886. Xu. 37 A. p, 7. -) Münohener med. Woohensohr. 181(2. Nu. 16. !!) Deutsche med. Wochenschr. 1893, No. 19, ') Lo Sperimentale lss7: siebe imoli Deutsche med. Wochenschr. IS'.i'i. p, 841.
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Der Kiiinmaljiicilhis der Cholera asiatica.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; •275
boi denen die Inoubationsdauer mit grossei Sioherlieit bestimmt werden konnte, betrug sie ;i(j bis 45 Stinuleii.
lieber die Natui des speoiflschen Cboler^giftes, d.h. des von den Cholerabakterien bei ihrer Vermehrung produoirten giftigen Kör­pers, dessen Einwirkung auf den Organismus die schweren Symptome der Cboleraerkrankung bedingt, ist noch wenig Sicheres bekannt. Xacli den Untersuchungen von R. Pfeiffer1) ist dieses Gift in dem Zeil­leibe der Choleravibrionen selbst enthalten (of. oben p. 42). Ganz besonders empfänglich für die Vergiftung haben sich Meerschwein­chen erwiesen. Bereitet man sicli von einer frisclien Agarcultur sehr virulenter Choleravibrionen eine Aufschwemmung In sterilisirter Bouillon, und injicirt man diese Aulschwemmung in passender üosis (für ein Thier von 300 bis ;!.quot;#9632;)() g Körpergewicht müssen etwa 1,5 mg der Agarcultur [eine kleine Platinöse voll | genommen werden) einem Meerschweinchen intraperitoneal, so treten wenige Stunden nach der Injection Vergiftungserscheinungen auf. Unter rapidem Sinken der Körpertemperatur wird das Thier schlaff und hinfällig, es liegt mit liihmungsartiger Schwäche der Hinterextremitäten platt auf dem Bauche: librilläro Zuckungen treten von Zeit zu Zeit auf; das Thier fühlt sich kalt an und geht meist 12 bis 16 Stunden nach der Injection, mit­unter auch später, zu Grunde (R, Pfeiffer). Bei der Section findet man in der Bauchhöhle gewöhnlich geringe Mengen einer hellgelben serösen Flüssigkeit, in welcher sich (nach Untersuchungen von Gruber und Wiener-)) die eingebrachten Choleravibrionen in der Regel stark vermehrt zeigen. Ebenso enthält auch die (mitunter vorhandene) die Injectionsstelle umgebende subeutane Oedemdüssigkeit, ferner das intra-musculare Bindegewebe der Bauchwand und des Zwerchfells, endlich auch das mitunter anzutreffende pleuritische Exsudat (nach den Er­mittelungen der letztgenannten Autoren) Vibrionen. Nach Pfeiffer und Wassermann8) findet man nur dann die intraperitoneal in den Meerschweinchenkörper injicirten Choleravibrionen vermehrt, wenn mehr als die tödtliche Minimaldosis der Cultur eingebracht wurde.
Bei derartigen Thierversuchen zeigt sich nun die Virulenz ver­schiedener Choleraoulturen ganz ausserordentlich verschieden. Erstens scheint in diesem Punkte die Provenienz eine grosse Bolle zu spielen; und zweitens zeigen sich nach G ruher und Wiener ceteris paribus junge Culturen stets virulenter als ältere. Das letztere geht sogar so
') Zeitschr. f. Hyg, Bd. 11. IM)2.
-) Wien. klin. Woclionsdir. 1892. No. 38; Areli. f. Hyg. Bd. 15. 1892.
B) Zoltsohr. f. Hyg. Bd. II. ls(.t:i.
IS*
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27(jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;B. IHo Haktcricii als Krankheitserreger.
weit) dass in einer und derselben Agaroultur die Bandzonen (die die relativ jüngsten Thelle der Cultur repräsentiren) nachweislich virulenter sind als die mittlere Zone (welche die ältesten Tlioile der Cultur enthält). Die Virulenz einer künstlichen Choleracnltur geht im Uebrigcn stets sehr schnell zurück. Grub er und Wiener ermit­telten auch, dass eine wenig wirksame Choleracnltur durch Züchtung a u f f r i S 0 h e m 11 ü h n e r e i w e i s s ') virulenter g e m acht wer­den kann.
Gegen die deletäre Wirkung der intraperikmealeii Einverleibung vi­rulenter Choleracultur lassen sich Moersohweinohen dadurch schützen, dass man ihnen Choleraoulturen intraperitoneal einverleibt, die durch Erhitzung geschädigt wurden (15 rieger und Wassermann'-), G. Kl em per er3)), oder dass man ihnen virulente Cultur in solcher Menge einverleibt, dass nicht der Tod, sondern nur eine vorübergehende All-gemeinerkrankung erfolgt (Wassermann*)). Die so bewirkte Immu-nisirung der .Meerschweinchen ist nach R. Pfeiffer und Wasser­mannr') nicht als Giftfestigung (of. p. 188) zu betrachten, sondern als eine Erhöhung der bakterienschädigeiiden Eigenschaften der Körper­säfte der Thiere; eine „Giftfestigungquot; der Thiere, ein Unempfänglich-machen gegen beliebige Dosen giftiger ('lioleracnltur, ist lüsher nicht gelungen.
An dem Blutserum geheilter menschlicher Cholerapatienten wies Lazarus*1) meerschweinchenschützende Eigenschaften nach (cf. oben p. 18!)). Diese Eigenschaften des Blutserums treten, wie Wasser­mann7) fand, beim Menschen nicht sofort nach dem Ueberstehen der
') Diese Eniiittciim^ ist nicht zu mdentifleiren mit der früheren Angabe von Hueppe (Centralbl. f. Bakt. Bd. 4. 1888. No. 3), dass die Cholerabakterien, im Innern des Hühnereies gezüchtet, sehr energisch und sohneil ^ifti^e Körper produciren; Hueppe machte für diese „Toxinbildnngquot; die im Ei herrschende Anaörobiose verantwortlioh. Oben (p. 12H, Anra. I!) haben wir bereits darauf hiu-gewiesen, dass von einer vollständigen Anaerobioso im Hühnerei sieher keine Itodo sein kann, mid dass die spontan in Eiern vorkommenden Bakterien strenge Aeroben sind, (i ruh er und Wiener haben die oben eitirte Virulenzsteigerung erhalten durch Cnltivtrung der Choleravibrionen auch auf dem Eiweiss in Contact mit dor atmosphärischen Luft, also unter aöroben Bedingungen; sie sind der Ansielit, dass für die Virulenzsteigerung die Cultivirung aufnativom Eiweiss das Wesentliche ist.
-) Deutsche mod. Woohenschr. 1892. No. 31.
•') Her!, klin. W'oehenschr. 1892. No. 32.
') Zeitschr. f. Hyg. Bd, 14. 1893,
'') Ebenda.
quot;) Berl. klin. Wochensohr. 1892. No. 43, 44.
') Zeitschr. f. Hyg. Bd. 11. 18!);).
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Der KommabaoilluB der Cholera aslatln
Clioleraerkrankung auf, sondern erst einige Wochen danach. Sie sind noch nach Monaton deutlich nachzuweisen.
Künstliche Cholerahacillenculturen in peptonhaltigen Nährböden zeigen eine bestimmte chemise he Reaction („Choi era reac­tionquot;). Versetzt man nämlich eine derartige C'ultnr mit chemisch reiner Salz- oder Schwefelsäure, so nimmt sie eine leichte Rosa- bis intensive Rurgunderrothfärbung an. Es bildet sich hierbei ein be­stimmter Farbstoff („Cholerarothquot;). Die Reaction gelingt mit peptonhaltiger Fleischbrühe, in welcher die Bacillen 24 Stunden lang bei Brättemperatur gewachsen sind: besser aber nimmt man als Nähr-llüssigkeit eine einfache 1 proc. wässerige IVptonlösung, welche 10/() Kochsalz enthält, und die event, (durch Sodalösung) alkalisch gemacht wurde.') Zur Beschleunigung der Reaction kann man die Flüssigkeit nach dem Säurezusatz etwas erhitzen. Die genannte Reaction wurde von drei verschiedenen Autoren, die unabhängig von einander arbeiteten, aufgefunden. Zuerst wurde sie mitgetheilt von Poehl8) (1880), dann von Bujwid8) (1887) und in demselben Jahre auch von Dunham.') Poehl fand die Reaction an Gelatinestichculturen, Bujwid und Dunham fanden sie an Culturen auf flüssigen Nährböden. Von manchen Seiten wurde die genannte Reaction als für die Cholera-bacillen specifisch hingestellt; von anderen Seiten jedoch wurden gegen die Specilität der Reaction Einwände erhoben: man behauptete, dieselbe käme auch anderen Kommabacillenarten zu, die zwar morpho­logisch den Cholerabacillen ähnlich sind, sonst aber nichts mit ihnen zu thun haben. Durch Salkowski5) ist die Frage endgültig ent­schieden worden. Salkowski hat den Nachweis geliefert, dass die Cholerareaction weiter nichts ist als die gewöhnliche N itroso-l ndol-reactionquot;) (Indol -|- Salpetrige Säure = Rothfärbung). Es gieht
') Siehe K. Koeh, Zeitschr. f. Hyg. Bd. 14. IM):), p, 326. — Die Thatsoohe, (liiss reine Peptonlösangen eine gute Vermehrung der Cholerabakterien gestatten, und diiss solche Choleraoultnren die oben genannte Reaction besser nllaquo; Bonillonculturen zeigen, wurde von Dunham (Zeitsohr. f. Hyg. Bd. 2, 1887. ]gt;. 340) ermittelt.
-) Ber. d. deutschen ehem. des. 19. Jahrgang. isSii. p. 1182.
9) Zeitsohr, f. Hyg. Bd. 2, 1887.
') Ebenda.
r') Vireh. Areli. Bd. 110. 1887,
quot;) Vor dor Salkortski'sohen Veröffentliclnmg hat bereits Poehl (I. c.) an­gegeben, dass dor bei Säurezusatz zu Choleraeultiiron sieh bildende rothe Farbstoff ein Skatolderi vat ist, und dass er von Amylalcohol aufgenommen wird. Brieger (ebenfalls vor Salkowski) isolirte (Deutsche mod. Wochensehr. ISS7. Xo. 15) das Choleraroth aus Choleraoulturen. Er erkannte dasselbe (ebenda issquot;. No. 22) als Indolderivat.
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•_gt;7snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;lgt;- Die Bakterien uls Krankheitserreger,
cine grosse Reihe von Bakterienarten, denen die Eigenthümliohkeit zukonunt, iius den Eiweisskörpein dos Nährbodens Indol zu produoiren (of. p. 248, Anm. 4), während anderen Bakterienarten diese Fähigkeit abgeht. Zu den indolproduoirenden Arten gehört nun auoh der Oholera-baoillus: es gehören dazu ferner mehrere (weiterhin noch zu l)e-spreohende) Arten von Kommabaoillen, nämlloh der Kommabaoülus von Finkler, der Keinniabaeiilus von Deneke, der Vibrio Metsohni-koff und der (kürzlich von M. Neisscr im Bubner'sehen Institut entdeckte [cf. weiter unten]) „Vibrio Berolinensisquot;. Setzt man zu der Bouillon- oder Peptonoultur einer dieser Arten salpetrige Säure oder, was auf dasselbe hinauskommt, ein Gemenge von Kaliumnitrit und Schwefelsäure, so tritt Rothfärbung ein. Nun hat aber der Cholera-bacillus (und der Vibrio Metschnikoff sowie der Vibrio Berolinensis theilen diese Eigenschaft) die fernere Eigenthümliohkeit, die geringen Mengen von Nitraten, welche sich in dem Nährboden stets vorfinden, zu Nitriten zu reduoiren'), während dem Finkler'sohen und dem Deneke'sehen Kommabaeillus diese Eigenschaft abgeht. In Cholera-culturen, in Culturen des Vibrio Metschnikoff und in Culturen des Vibrio Berolinensis sind also stets Indol und Nitrite vorhanden. Wird nun reine Salz- oder Schwefelsäure zugesetzt, so wird salpetrige Säure frei, welche die characteristische Indolreaction veranlasst, während bei den Finkler'sehen und den Dene ke'schon-) Komma-bacillen bei dem Zusatz reiner (salpetrigsäurefreier) Mineralsäuren die genannte Reaction selbstverständlich ausbleiben muss.
Die Bedingungen, unter welchen die Nitrosoindolreaction in Pepton-[ösungen am besten zu Stande kommt, sind jüngst von Bleisch8) zum Gegenstände einer besonderen Untersuchung gemacht worden. Nach Bleisch gehört ein bestimmter Gehalt der l'eptonlösung an Nitraten dazu; schon ein geringer Ueberschuss von Nitraten verhindert die Reaction.4)
Die Nitrosoindolreaction lässt sich übrigens nicht nur an Culturen in flüssigen Nährböden, sondern auch an solchen auf festen Nähr-
') cf, Petrl, Centralbl, f. Hakt. Bd, 5, 1889. No. 17—is.
-) Was den Vibrio Deneke angeht, so habe ich gelegentlioh auch bei ihm (und zwar an alten Culturen) Rothfärbung bei Zusatz reiner Sehwelelsiuiro gesehen.
8) Zeltschr, f, Hyg, Bd, 14, 1893,
') Im Handel kommen ganz vorschiedeno Peptonsorten vor. Ist man im Hesitzc eines absolut nitratfreien Peptons, so beträgt nach Bleisch (1. e. ]i. 112, 111) der zweekmässigsto Zusatz auf jo 100 com der Iproo, Lösung dieses Peptons :t() bis .quot;)() Tropfen einer O^SptOO, Lösung reinen Kalinmnitrats. Durch Ausprobiren hat man jedesmal festzustellen, ob die gerade vorliegende l'eptonsorte den zweekentspreebenden Xitratgehalt besitzt.
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Der Eouunabaoillus der Cholera asiatioa.
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bödcn anstellen. Ä.usgezeiohnet eignen sieh dazu Oberfläohenstrioh-culturcn auf Agar. Man setzt zu der entwickelten Clütur sehr ver­dünnte reine Schwefel- oder Salzsäure, and zwar so viel, dass die Oberfläche des Nährbodens Völlig davon bedeckt wird, und sieht dann im Falle des positiven Resultates nicht allein die iJakterienmasse sich rosa bis roth färben, sondern auch die angrenzenden Theilo dos Nähr­bodens eine derartige Farbe annehmen.
Der Oholerabaoillus färbt sich mit wässerigen Anilinfarbstoff-lösungen. Nach der (Iram'schen Methode (p, 100ff.) färbt sich der Cholerabacillus nicht.
Die genaue Kenntniss der in Vorstehendem dargestellten morpho­logischen und biologischen Eigenschaften des Choleravibrio ermöglicht es nun, in verdächtigen Krankheitsfällen (z. B. ersten Fällen einer Epidemie) seine Anwesenheit oder Abwesenheit festzustellen und damit (larziithun, dass es sich um Cholera asiatioa handelt, resp. dass es sich nicht darum handelt. Demi der Cholerabacillus findet sich constant und ausschliessli ch bei Cholera asiatica; die Diagnose dieser Krankheit steht und fällt mit s e i n e m Nachweis e.
Die in der heissen Jahreszeit nicht selten auftretenden Fälle von sogenannter „Cholera nostrasquot; (Brechdurchfall), die mit­unter nach kurzem Verlaufe tödtlich enden, können der Cholera asia­tica klinisch und pathologisch-anatomisch völlig gleichen, die Aus-leerungen eines solchen Falles können denjenigen echter Cholerafälle makroskopisch und mikroskopisch völlig identisch sein — nur der bakteriologische Befund ist ein anderer: in dem „Cholera nostrasquot;-Falle findet sich irgendwelche speeifische Mikroorganismenart nicht; in dem Falle von Cholera asiatica findet sich der Koch #9632;sehe Vibrio. Bei der sogenannten „Cholera nostrasquot; handelt es sich nach Allem, was wir bisher darüber wissen, jedenfalls nicht um eine speeifische Ursache; die schweren Darmläsionen (Dosqnamafion des Epithels | Flocken der Reiswasserstühle |), welche wir bei „Cholera nostrasquot; in genau derselben Weise finden können wie bei der echten Cholera asia­tica, sind ohne Zweifel genau so auf Schädigungen durch giftige Körper zu beziehen, wie das bei der Cholera asiatica der Fall ist. Während aber bei der letzteren Krankheit das Gift ein speeifisches ist, ge­bildet bei der Vermehrung einer bestimmten, speeifischen Mikroorganismenart innerhalb des Körpers, so sind die bei der „Cholera nostrasquot; in Betracht kommenden Gifte wahrscheinlich in verschiedenen Fällen verschieden, und es ist auch durchaus noch nicht ausgemacht.
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li. Dio Bakterien als Krankheltsen
(lass diese Gifte in allen Füllen (lurch Mikroorganismen gebildet wer­den, und. wo das letztere der Fall, dass sie innerhalb des von der Krankheit befallenen Körpers produoirt werden. Es ist ein gewaltiger Unterschied bezüglich der im Interesse des Allgemeinwohls zu ergreifen­den hygienischen Mass regeln, ob der vorliegende unter ver­dächtigen Erscheinungen acut zu Grunde gegangene Fall Cholera asia-tica oder „Cholera nostrasquot; ist: Im Falle der Cholera asiatica ist eine Krankkeitsursache vorhanden, die die Fähigkeit hat sich ausserhalh und innerhalb des menschlichen Körpers zu vermehren und so die Krankheit zu repruduciren; im Falle der „Cholera nostrasquot; handelt es sich um .Schädlichkeiten, die nach Allem, was wir darüber wissen, die Fähigkeit der Vermehrung und der Reproduction nicht besitzen.
Wie gestaltet sich nun das praktische Vorgehen bei der bakterio­logischen Untersuchung eines verdächtigen Falles? Obenan ist hier stets die Forderung zu stellen, dass das Material so frisch wie n u r i r g e n d m ö g 1 i c h untersucht wird, dass es i n m ö g liehst originalem Zustande, möglichst in dem Zustande, in welchem es im Körper des Erkrankten vorhanden war, zur Prüfung herangezogen wird. Handelt es sich um einen verdächtigen Todesfall, so muss die Section so bald wie möglich nach dem Tode vorgenommen werden, damit der Dünndarniinhalt zur Untersuchung entnommen werden kann: handelt es sich um einen lebenden Kranken, so müssen die Uejec-tionen möglichst bald nach der Entleerung aus dem Körper untersucht werden. Die Forderung, das Material in jedem Falle möglichst frisch, möglichst original zu untersuchen, ist deshalb von so ausserordent-licher Bedeutung, weil der von dein Krankon entleerte resp. nach dem Tode in der Leiche stagnirendo Darminhalt, je mehr Zeit verfiiesst, desto mehr Veränderungen erleidet; es tritt Vermehrung der einen. Absterben der anderen Mikroorganismen ein, und es ist durchaus nicht unmöglich, dass die heute in dem Material vorhandenen und mit Leichtigkeit nachweisbaren Cholerabakterien morgen oder gar über­morgen nicht mehr vorhanden und also auch nicht mehr nachweisbar sind. Besonders bei Sommertemperatur treten solche Verschiebungen der bakteriologischen Beschaffenheit des Materiales sehr leicht und schnell ein. Lässt es sich nicht ermöglichen, die bakteriologische Prüfung desselben sofort in Angrill' zu nehmen, muss es z. li. zur Untersuchung erst an ein mehr oder weniger entferntes Institut ver­schickt werden, so ist das Material (Dejection des Kranken resp. doppelt unterbundene Dünndarmstücke der Leiche) — selbstverständlich ohne Zusatz von Desiufectiousinitteln — in gut verschliessbare Glasgefässe
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Der Ivcmniiiilmcillus der CholoKi nsiaticii.
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zu lullen, und die letzteren sind, am besten in Eis verpackt) auf dem kürzesten Woge an laquo;Ion Bestimmungsort zu befördern^ Da es auch in diesem Falle vorkommen kann, dass das Material sieh in der oben angedeuteten Weise verändert, so würde ich stets rathen, dass der zu dem Falle zugezogene Arzt neben der Sorge um möglichst schnelle und zweokmftssige Expedirung des Materials noch die Herstellung einer Reihe von Ausstrichpräparaton aus demselben übernimmt. Diese Präparate worden mit dem übrigen Materiale zugleich an die Untersuchungsstelle eingesandt, um dort mikroskopisch geprüft zu werden. Es handelt sich hier nicht etwa um die Herstellung fertiger mikroskopischer Präparate von Seiten des mit Berufsge-sohäften ohnehin überhäuften Arztes, sondern nur um die Fixirung des momentan noch unverändert vorliegenden Krank-heitsmateriales auf einer Ulasfläche zum Zwecke der dauernden Festlegung in diesem originalen Zustande. Mit irgend einem passenden Metallinstrument, z. B. einer kleinen Pin­cette (die nach dem Gebrauch durch Ausglühen desinfloirt wird) oder Aehnlichem. wird aus dem verdächtigen .Material eine Schleimilocke entnommen und auf eine durch Abwaschen etc, gut gesäuberte, trockene Glasfläche (im Nothfalle genügt ein Stück Fensterglas etc.) so unter Aufdrücken ausgestrichen, dass Schleim- etc. Theilchen in dünner Schicht an der Glasfläche hängen bleiben. Man lässt die Schicht, ohne weiter (durch Kratzen etc.) an ihr zu manipuliren, lufttrocken werden und legt dann die so vorbereiteten Glasstückchen, in reines Schreibpapier einzeln eingeschlagen, dem abzusendenden Untersuchungsniateriale bei. Sind mikroskopische Deckgläser zur Stelle, so wird man natürlich diese für den genannten Zweck gebrauchen.
Die auf die angegebene Weise — von frischem, originalem Ma­terial — hergestellten Ausstrichpräparate sind von gar nicht hoch genug anzuschlagendem Werthe. In einer solchen angetrockneten Schicht bleibt die Morphologie des aufgestrichenen Materiales dauernd Völlig unverändert; und dem quot;Untersucher, welcher nachher diese Prä­parate in der gewöhnlichen Weise des Trockenpräparates mit Anilin­farben färbt und mikroskopisch untersucht, ist damit wenigstens ein Einblick in die originalen morphologischen Verhältnisse ermöglicht und gesichert, wenn auch in dem llüssigen Untersuchungs-materiale solche Veränderungen vor sich gegangen sein#9632; sollten, dass ein sicheres Urtheil allein nach der (mikroskopischen und Cultur-) Untersuchung des letzteren sehr schwer oder auch gar nicht mög­lich ist.
Die mikroskopische Untersuchung des frischen
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Ji. Dio üiiktorien als KranldioitsinTü''('r.
Matoriales kann in positiven Fällen die Diagnose der Cholera asiatioa oh no Weiteres entscheiden. Das ist nicht etwa so ZU verstehen, dass, wenn man verdächtiges Material im frischen Zustande mikroskopisch untersucht, der Befund von komnia-förmig gekrümmten Organismen ohne Weiteres zur Diagnose „Choleraquot; berechtigte. Vereinzelte konimafonnig gekrümmte Baeillen kann man in jeder beliebigen Fiicesprobe antreffen. Zur mikroskopischen Diagnose „Choleraquot; gehört vielmehr stets der Naohweis, dass Kommabacillen in sehr grossen Mengen, in das ganze Bild beherrschender Anzahl vor­handen sind. Ein derartiger Befand ist bisher bei keiner anderen Krankheit und ebensowenig beim normalen Menschen gemacht wor­den : er ist für Cholera asiatioa characteristisoh. Auch linden sich die Vibrionen, wie das Koch bereits 1881 beschrieben und abgebildet1) und neuerdings wieder in Erinnerung gebracht8) hat, in den bei der Präparation fadenförmig ausgezogenen Stellen des Schleims häutig in charaoteristisch geformten Gruppen liegend : „Sie bilden nämlich Häuf­chen, in denen die einzelnen Baeillen sämmtlich dieselbe Richtung haben, so dass es so aussieht, als wenn ein kleiner Schwärm der­selben, wie etwa Fische in einem langsam fliessenden Gewässer, hinter einander herziehen.quot; Dieses Bild im Besonderen ist für Cholera asia­tioa durchaus charaoteristisch. Es sei aber nochmals betont, dass diese Sicherheit der mikroskopischen Choleradiagnose ausschliesslich für die Untersuchung des absolut frischen, originalen Materials gilt, und dass sie mir gilt für den positiven, zweifellosen Befund. Wird das Material nicht frisch untersucht, oder trifft man bei frischem Material die Vibrionen nicht in überwiegender Anzahl oder auch gar nicht an, so ist aus solchem Befunde nie ein Urtheil zu ziehen. Hier sind wir bezüglich des letzteren ausschliesslich auf die CultnrUnter­suchung angewiesen. So viel ist aber sicher, dass ein gutes, von dem frischen Materiale hergestelltes mikroskopisches Präparat unter Umständen die Diagnose ermöglichen kann, wo sie aus den veränderten und verdorbenen Dejectionen nicht mehr zu stellen ist.
Selbstverständlich wird, wo dies irgend angängig ist, die mikro­skopische Untersuchung durch die Culturnntersuclumg ergänzt.
Es ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass sich in manchen Fällen von „Cholera nostrasquot; in den Dejectionen mikroskopisch ziemlich grosse, mit mehreren Windungen versehene, spirilleni'örmige, aber hier und da auch Eommaform zeigende Gebilde vorfinden. Diese Gebilde, welche
') Deutsche mod. Wochensohi -) Zeltsohr. f. Hyg. Bd. 14.
I8h4. No. 32.
ibo;). p. .'m.
5(11.
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Der Komn\abaoillii8 der Cbolora asiattoa,
2s:5
zuerst (1887) von V. Babes') beschrieben wurden und auch im Sommer des Jahres 1892 bei Gelegenheit der Untersaohung oholeraverdächtiger Fälle wiedergefunden worden sind'-), sind schon nach ihrer Form nicht mit Cholerabakterien zu verwechseln; die Gholerabakterien sind plumper, kürzer und dicker als die fraglichen Gebilde) die letzteren haben ausser-dem zugespitzte Enden, während die Enden der Cholerabakterien stumpf abgerundet sind. Die Herstammung dieser Spirillen und die Holle, welche ihnen in manchen Fällen von „Cholera nostrasquot; eventuell zukommt, ist noch völlig zweifelhaft; übrigens lassen sich diese Spirillen künstlich nicht züchten.
Behufs der C u 11 u r u n t e r s u c h n n g verdächtigen Materials geht man so vor, dass mau von den Dejectionen oder von dem Darminhalt der Leiche, und zwar am besten von einer Schleimflocke, in bekannter Weise Gelatineplatten anlegt (of, oben p. 12411'.). Zu diesem Zwecke zerreibt und vertheilt man das Material in einem Röhrchen geschmolzener Xährgelatine (passender Beschaffenheit; of. oben p. 269), legt Verdünnungen an und giesst die so inlicirte Gelatine auf Platten, in Schälohen etc. aus. Die Platten (oder Schälchen etc.) sollen bei 22deg; C. aufbewahrt werden. Bei dieser Temperatur sind die aus den event, vorhandenen Cholerabakterien entstehenden Colonien in 24 Stunden so weit gediehen, dass sie eine sichere Deurtheilung gestatten. Ent­wickelte Platten von Choleradejectionen bieten nun schon makroskopisch ein von anderen Eäcesplatten ditferentes Bild. Während nämlich auf Fäcesplatten im Allgemeinen — im Gegensatz zu der enormen An­zahl der mikroskopisch in dem Aussaatmaterial nachweisbaren Bakterien — gewöhnlich nur relativ spärliche Colonien bei Zimmertemperatur zur Entwickelung gelangen, so findet man Platten von Choleradejec­tionen gewöhnlich mit Colonien übersäet, deren grösste Mehrzahl dem Cholerabacillus angehört: Der ('holerabacillus unterscheidet sich von der Mehrzahl der sonst in Eäces vorkommenden Bakterien schon da­durch, dass er auf der Gelatineplatte gut zur Auskeimung gelangt. Findet man mm bei der Untersuchung der Platte mit schwacher Ver-grösserung die den Choleracolonien zukommenden Merkmale (cf. p. 269), und constatirt man bei der Abimpfung der fraglichen Colonien und Untersuchung des Abgeimpften mit starker Yergrösserung, dass die Colonien aus kommaförmigen Organismen bestehen, so ist die Diagnose „Cholera asiaticaquot; sichergestellt.
') 8. intemat. Congr. f. Hjrgi u. Demogr. Wien 1887. Verhandlungen lieft 18. p. 80 und lis, l lit.
#9632;^ cf. Pürbringor, Deutsche med. Wnohcnscbv, lsii-2. No. 34. p. Tfis.
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•js Inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; H. IVw Bakterien als Krankheitserreger,
Ks muss an dieser Stolle betont werden, dass diese sichere Diagnose nils dem I'liittenhefunde nur dann möglich ist, wenn — was wir vor­aussetzten — die Watte mit solehem Material angelegt ist, welches unmittelbar von dem erkrankten .Menschen stammt. Im unmittelbaren Zusammenhange mit dem Krankheitsfälle ist ein der­artiger Plattenbefund für Cholera asiatioa durchaus speolflsoh; er ist sonst nirgends erhohen worden. Auf der anderen Seite ist der blosse P latt en b e fu n d o h n e das Kriterium des Zusammenhanges mit dem Krankheitstalle — #9632;/.. 15. der Befund einer mit chuieraverdächtigem Trinkwasser angelegten Platte — wenn die vorhandenen Colonien auch noch so grosse Aehnlichkeit mit Clioleracolonien haben, für die Dia-gnostioirung des Cholerabaoillus nicht ohne Weiteres zu verwerthen. Selbst wenn die verdächtigen Colonien aus kommaförmigen Bakterien zusammengesetzt sind, ist die sichere Eeurtheilung nicht ohne Weiteres möglich; denn wir kennen von dem Cholerabaoillus dilfcrente Komma-baoillenarten, deren Plattencolonien in gewissen Entwickelungsstadien genau so aussehen wie die Colonien des Choleravibrio; wir wissen auch, dass derartige Kommabacillenarten im Wasser vorkommen können. Auf der andern Seite alier wissen wir mit Sicherheit, dass im mensch­lichen Darme vorkommende Kommabaciilen, die zur Entstehung cholera­ähnlicher Colonien auf der Platte Veranlassung geben, nur Cholera­vibrionen sein können. ')
Neuerdings hat Koch') neben der (Jelatineplattencultur auch die Agarplattenoultur zur Choleradiagnose empfohlen. Man lässt das geschmolzene, in Doppelschalen ausgegossene sterile Agar zunächst erstarren und dann (zum Zwecke der Verdunstung der ausgepressten oberflächlichen Plüssigkeitsschicht) mehrere Tage im Brütschrank stehen. Auf die Oberfläche des so vorbereiteten Nährbodens breitet man das zu untersuchende Material mit einer Platinöse aus. Bei 87quot; C. ent­stehen dann aus Cholerabakterien schon nach 8—10 Stunden relativ grosse Colonien, die allerdings in ihrem Aussehen nicht sehr characte-ristisch sind (cf. oben p. 271). Die Colonien muss man dann abimpfen und auf kommaf'örmige Organismen untersuchen. Findet man Komma­baciilen, und stammte das .Material unmittelbar von dem erkrankten Menschen, so kann es sich nur um Choleravibrionen handeln. — Die Agarplattenoultur kann zur Beschleunigung der Diagnose­stellung verwandt werden. In jedem Falle wird man sich auf sie allein — bei dem wenig characteristischen Aussehen der Colonien und
') Vergl. bezüglich der vorhergehenden Auseinanderaetzung die oben (p. Küt, Anra, 11 gegebenen Ausführungen,
-) Zeitsohr. f, Hyg. Bd. II. 1893, p. 330.
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Der Kdiumabiicilliis dor Cholera usiatien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 28.quot;gt;
iici den vorkommenden Sohvankangen in der Form der EinzelzeUen des Choleravlbrio (of. ]). 208) — nicht verlassen, sondern daneben stets auch Gelatineplatten anlegen, welche ein viel sichereres, wenn auch nicht so schnell ZU erhebendes, Urtlieil gestatten.
Zur weiteren, wenn nicht Sicherung, su doch Bestätigung der Diagnose kann neben der Gelatine- und der Agarpiatteneultur auch die (mit hergestellten Reinculturen, am besten in l'eptunlösung |cf. oben [gt;. 2771, anzustellende) Ni trosoi ndol reaction sowie der Thi er versuch (intraperitoneale Injection von Reinculturen bei Meer­schweinchen |cf. oben p, 2751) ausgeführt werden.
Alle diese Kriterien, das mikroskopische Bild, die Gelatine-, die Agarplatte, die Indolreaotion und der Thierversuch, geben — wenn das Material wirklich von einem Cholerafalle stammt und frisch zur Unter­suchung kommt — gewöhnlich übereinstimmende Resultate. Das Re­sultat der mikroskopischen Untersuchung kann (siehe oben p. 2S2) mit-unter zweifelhaft sein, während die übrigen diagnostischen Hülfsmittel ein völlig sicheres, übereinstimmendes, unzweideutiges Resultat ergeben.
Steht das zu untersuchende Material nicht in unmittelbarem Zusammenhange mit einem verdächtigen Krankheitsfalle, liegen z. li. Dejectionen vor, die schon eine Reihe von Tagen bei Sommertemperatur gestanden haben und verfault sind, oder hat man ein des t'holera-liacillengehaltes verdächtiges Trinkwasser zu untersuchen etc., so ge­staltet sich die Diagnose nicht ganz so einfach wie bei frischem, vom Kranken oder von der Leiche stammenden Material (of. oben p. 169, Anm. 1). Hat man in solchen Fällen kommafönnige Organismen auf­gefunden, so muss man sie nach allen Richtungen hin, d. h. durch Züchtung auf den verschiedensten Nährböden und bei verschiedenen Temperaturen, durch Anstellung der Indolreaotion und des Thierver-suches mit echten, authentischen Cholerabacillen vergleichen und kann dann event, das Urtlieil abgeben, dass der aufgefundene Organismus sich mit den heutigen Hülfsmitteln in keiner Beziehung von dem Choleravibrio unterscheiden lässt. Auf den Ausfall des Thierversuohs wird man in solchen Fällen, bei der schwankenden Virulenz des Cholera-vibrio (cf. p. 270), nicht allzu grosses Gewicht zu legen haben.
Um in solchen Fällen, wo in den verdächtigen Dejectionen nur wenige oder gar keine Komniafonnen mikroskopisch auflindbar sind, die event, vorhandenen (,'holerabakterien dennoch der mikroskopischen Beobachtung und weiteren Untersuchung ZUgängig zu machen, hat Sohottellus1) folgendes Verfahren empfohlen: 100 bis 200 cem
') Deutsche med. Wochenschr, 1886. No. 14.
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li. Dio Bakterien als Kroukheltserreser.
der verilächtig-cii Dejoctionoii werden niit 250 bis 500 cciu Nülir-bouilluu innig vornlischt; das Gcnüscli bleibt 10 bis 12 Stunden in uflbnom Gofässc ))(gt;i Hrüttomi)ei-iitur stellen. Die event, vorhandenen (sauerstoffbedürftigen [of, p, 2t)9|) Cholerabakterien sollen sich währendlaquo; dessen an die mit der atmosphärisohen Luft in Contact stehende Ober­fläche der Flüssigkeit begeben und sich hier vermehren, so dass man nach Ablauf der obengenannten Zeit durch mikroskopische Untersuchung einer Spur der oberflächlichen Schicht der Flüssigkeit ihre Gegenwart nachweisen kann. Büchner1) hat ein ähnliches Verfahren der „Vor-oulturquot;, welches ebenso wie das Schottelius'sche eine relative Vermehrung der vorhandenen Cholerabakterien anderen Mikroorganismen gegenüber bezweckt, angegeben: Er sterilisirt eine 7 Tage im Brut­schrank gewachsene Bouillon- oder Peptoncultur des Choleravibrio durch Kochen und verdünnt sie dann mit dem lOfaohen Volumen 0,6 proc. Kochsalzlösimg. Der so erhaltene flüssige Nährboden ist für die Cholera­bakterien nach Büchner viel günstiger als für andere Organismen. Bringt man kleine Quantitäten des zu untersuchenden Materials in diesen Nährboden hinein, so sammeln sich etwa vorhandene Cholerabakterien an der Oberfläche der Flüssigkeit an, vermehren sich hier und bilden ein Häutohen, welches die Cholerabakterien event, in Heincultur enthalten kann. An die genannten Methoden der Voreultur von Schottelius und von Büchner lehnen sich Verfahrungsweisen an, welche Onibor-), Bujwid8) und Andere angegeben haben. Koch') hat kürzlich empfohlen, eine relative Vermehrung der Cholerabakterien in dem zu untersuchenden Materiale dadurch herbeizuführen, dass man in die oben (p. 277) angegebene Fepton-KuchSalzlösung, die sich im Reagenzglase befindet, eine oder mehrere Platinösen der zu unter­suchenden Dejection oiler einige Schleimflocken aus derselben einbringt und dann die Cultur in den Brutschrank (i57') C.) stellt. Die event, vorhandenen Cholerabakterien vermehren sich in diesem ihnen ausser-ordentlich zusagenden (p. 277, Anm. 1.) Nährboden sehr schnell und bilden oft schon nach ü Stunden an der Oberfläche der Flüssigkeit ein zusammenhängendes Häutohen, welches dann mikroskopisch und durch Plattencultur weiter untersucht wird. — Selbstverständlich wird man bei Benutzung solcher Vorculfunnethoden, solcher Methoden, die den Zweck haben, das Untersuchungsmaterial an Choleravibrionen „anzu­reichernquot;, niemals versäumen dürfen, gleichzeitig mit der Voreultur
')nbsp; Mtinch. iiv/.tl. Intell.-Bl. 1885. No. 50.
')nbsp; Wiener med. Wbclienschr. 1887. Nu. 7, 8,
:')nbsp; Centaübl. f. Hakt. Bd. 4. 1888. No. 16, y
')nbsp; Zeitechr. f. Hyg. Bd. 14. 1893. p. 326 ff.
494.
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Dor Ivtinmiabarillii.s der Cholera asiiiticci.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 287
Plattenculturen anzulegen; denn es ist nie mit Sicherheit auszusohliessen, duss in dem Untersiichiinlt;i'sinateriale eine anderweitige Bakterienart vorhanden ist, die ein ähnliches Sauerstoffbedürfhiss lraquo;esitzt wie der Choleravibrio, und die vermöge ihrer EUgenbewegliohkeit ebenfalls an die Oberfläche der Flüssigkeit steigt und dort sogar den Choleravibrio verdrängt. Natürlioh wird diese Möglichkeit der Verdrängung und Ueberwucherung des Choierabaoillus durch eine andere Bakterienart eine verschiedene sein müssen je nach der Zeitdauer, während der das Gemisch der Brüttemperatur ausgesetzt wurde. Koch1) giebt aus­drücklich an, dass die Untersuchung der Pepton-Vurcultur am hesten 6 bis 12 Stunden naoii der Aussaat vorgenommen wird, dass später die Cholerabakterien auch in den oherfläohlichen Flüssigkeitssohiohten gewöhnlich von anderen Bakterien Überwuchert und verdrängt werden, so dass also der Fall eintreten kann, dass sie bei einer zu späten Unter­suchung nicht mehr gefunden werden. Jedenfalls aber ist die Mög­lichkeit der Ueberwucherung auch in den ersten Stunden derVoroultur im einzelnen Falle a priori nie von der Hand zu weisen, und ein bei der Vorcultur sich ergehendes negatives Resultat würde daher stets mit Vor­sicht zu verwerthen sein. Durch gleichzeitige Anlegung von Plattencul­turen aus dem Untersuchungsmaterial (die übrigens Koch bei Gelegen­heit der Empfehlung der Pepton-Vorcultur für die Untersuchung von Dejeotionen in erster Reihe vorschreibt) sichert man sich jedenfalls stets die Uehersicht über die ursprünglich vorhandenen Verhältnisse. Es muss übrigens darauf hingewiesen werden, dass nicht in jedem Cholerafalle die Koch'schen Vibrionen in jeder einzelnen Portion der Dejeotionen vorhanden sind. Sie können gelegentlich während ganzer Tage aus den Dejeotionen verschwinden, um dann wieder aufzutreten. Aus einer einzelnen Untersuchung mit negativem Kr-gebniss ist also ein bindender Schluss nicht ohne Weiteres gestattet-). Im Durchschnitt sind die Cholerabakterien bis zum 10. Tage nach der Erkrankung im Darminhalt anzutreffen8). Bei Gelegenheit der Choleraepidemien 1892/93 sind die Cholerabakterien gelegentlich auch in den Dejeotionen scheinbar gesunder resp. nicht mit allgemeinen Störungen erkrankter Personen, ja selbst im festen geformten Stuhl, aufgefunden worden1). Diese leichtesten Cholerafälle sind nur unter Gruppen von Menschen beobachtet,
') Zeitsdir. f. Hyg. Bd. 14. 1893. p. 327. -) Vergl. Rnmpeli Deutsche nied. WoHicnschi'. ISM. No. 7. '#9632;') Vergl. Flügge, Zoitsohr. f. Hyg. Bd. 14. 1893. p. 167. ') Vergl. Canon. Lazarus and Fieiioke, Berl. kiln. Woohenschr. 1892. #9632;iv p. 1210| Rurapel, Deutsobe mod. Wochonsohr. 1893. No. 7.
.
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#9632;2S8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1!. Die Bakterien als Kraukbeitserreger.
welche gleiohraässig der Choleralnfeotioii ausgesetzt waren und neben den leichten auch schwere Fälle aufwiesen1)- Sie bedeuten weiter nichts, als dass die individuelle Disposition des Menschen für die Cholera-infeetkm eine sehr verschiedene ist'-').
Behufs der Untersuchung von verdächtigem Wasser auf event, vorhandene Cholerabakterien ging man früher ausschliesslich so vor, dass man eine geringe Quantität des zu untersuchenden Wassers mit geschmolzener Nährgelatine vermischte, das Gemisch zur Platte aus-goss und dann unter den aufgehenden Colonien auf chuleracolonien-ähnlich aussehende fahndete. Findet man bei dieser Gelegenheit der­artige Colonien, so werden sie abgeimpft, ihr Inhalt wird auf Komma-bacillen geprüft, und, falls sich Kommabacilleu linden, wird das Material auf seine sonstigen Cultur- etc. Eigenschaften Ihn (am besten unter ständiger Vergleiohung mit authentischen Choleravibrionen) untersucht, um dann event, (mit mehr oder weniger grosser Sicherheit resp. Wahr­scheinlichkeit) als mit Cholera identisch oder als von Cholera different erkannt zu werden8). Mit Hülfe dieser Gelatineplattenmethode hat
') of. Koch. Zeitschr. f. Hyg. Bd. 14, L893, p, 321.
'-') of. Flügge, Zeitschr. f. Hyg. Bd. 14. 1893, p, 158.
;i) Die Prüfung auf die eventuelle Choleranatur der Ijci solcher Gelegenheit gefundenen Kommabacillen hat mit der allergrössten Sorgfalt und unter Berückt sidhtigung sammtUoher Kriterien der Ärtbestimmung zu geschehen; dio Wasser-untersnohungen, die gelegentlich der Choleraepidemie 1892 von vielen Seiten aus­geführt wurden, haben gezeigt, dass im Wasser ganz regelmässig Eommabaoillenarten vorkommen, die Ln der Form der Plattenoolonie, wenn auch unter Umständen nur in gewissen Entwiokelnngsstadien, mit Cholera grössere oder geringere Aehnlich-koit aufweisen. Hierhin gehört z. B. der von mir in Spreewasser aufgefundene „Vibrio aquatilisquot; (Deutsche Ges. f. öff. Gos.-Pll., Sitzung v. 28. Nov. 1892.— Deutsche med. Wochensehr. 1892. No. 49. p. 1124), der zugleich den — meines \\ issens — erstpublicirten derartigen , aus Anlass der 1 Si)2 er Epidemie erhobenen Befund darstellt. Ein Ausstriohpräparat dieses Mikroorganismus ist auf Taf. X, Fig. 80, wiedergegeben. Der Vibrio aquatilis ist von dem Choleravibrio in den ersten Tagen des Waohsthums auf der (ielatineplatte durch die Colonionforin mit Leichtig­keit und Sicherheit zu unterscheiden: er bildet kreisrunde, glattrandigo, feingranu-lirto Colonien. Erst in einem späteren Stadium der Entwlckelung, bei fortschreiten­der Verflüssigung, tritt eine entfernte Achnlu-hkeit der Colonien mit Cholera auf. Der Vibrio aquatilis unterscheidet sich ferner von dem Choleravibrio vor Allem durch den negativen Ausfall der Nitrosoindolreaetion (cf. p, 277) und durch den Mangel pathogener Eigenschaften,
Andere Befunde von Kommabacillen im Wasser, die bei Gelegenheit der 1892er Choleraepidemie gemacht wurden, sind dio von Kiessling (Discussion im Anschlüsse an meinen oben oitirten Vortrag über den Vibrio aquatilis. —#9632; Arb. a. d. Kais. Ges.-Amte. Bd. 8, 1893), Loeffler (Greifswalder med. Verein 3. Dec. 1892. — Centralbl. f. Bukt. Bd. 13. p, 384), Weibel (Centralbl. f. Bakt. Bd. 13, 1893, No.-1), Buj-wid (ebenda), Fokker (Deutsche med. Wochenschr. 1893, No. quot;); vergl. in dieser
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Der KoiimmbacillMs der Cholera asiatica.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;280
z. I!. Koch (of. oben p. 156, 272) ism in dem Wasser eines 'lank in der Nähe von Calcutta Cholerabaktorien nachgewiesen, und auch in einigen späteren Fällen ist der Nachweis von Cholerabakterien im Wasser auf diese Weise gelungen.
Im Allgemeinen aber hat, wie wir bereits oben (p. 166) aus­einandersetzten, die Feststellung vereinzelter Choleraoolonien auf der Uelatineplatte neben einer grossen üeberzahl anderer Colonien — die sieh auf Wasserplatten stets entwickeln — ihre sehr grossen Schwierig­keiten; und es ist deshalb ohne Weiteres verständlich, dass die genannte Methode nur in sehr wenigen Fällen ein positives Kesnltat gezeitigt hat. .Alan hat deshalb nach Verbesserungen der Methode gesucht, und es sind in neuerer Zeit derartige Verbesserungen mehrfach ange­geben und von autoritativen Stelleu empfohlen worden. Wir sagten bereits oben (p. 157). dass die Verbesserungen darauf beruhen, dass man dem zu untersuchenden Wasser zunächst bestimmte für das Waohsthum der Cholerabakterien günstige Zusätze giebt, und dass man das Qemisch dann eine gewisse Zeit bei einer für die Cholera­bakterien sehr günstigen, für die Wasserbakterien weniger günstigen Temperatur stehen lässt. Man sucht dadurch — in ähnlicher Weise, wie es die (of. oben p. 285 ff.) von Schottelius und Anderen an­gegebenen, in modifloirter Weise jüngst auch von Koch empfohlenen „Ä.nreioherungsquot;-Methoden bei der Untersuchung von Dejectionen be­zwecken — eine relative Vermehrung der event, vorhandenen Cholera-
Boziehnng auob Kooli (Zeitsohr, f. Hyg. Bd. 14. 1893, p, 338), Bei allen diesen Befunden, die (ibrigens nicht sflmintlioh mit Hülfe der Qelatineplattenoultur, sondern z. Th. mit der eben im Text, weiterhin noeli anzuführenden Voroultur-Methode er­hoben wurden, handelt ea sieh um Vibrionen, bei denen die Indolronction negativ auslallt, und die keine pathogenen Eigenschaften besitzen. Dass tmtzdem ein soldier Befund zu ernsten Verwechselungen mit Cholera Veranlassung gegeben hat, zeigt der Fall von Kiessling (I. c), in welchem mit grosser Wahrscheinlichkeil der von mir aufgefundene Vibrio aqnatilis vorlag. Vergl, hierüber Kiessling (Arb, a, d. Kais. Qes.-Arate. Bd. 8. 1893. p, 432, Anm.), lerner Wallichs, Kroisphysikus in Altuna (Deutsehe med. Woebensebr. I sici. p, 1050 links unten).
Ein Komtnabacillenbefund in Wasser („Spirillum marinuinquot;, Golf von Neapel) ist ferner der von Russell (Zeitschr, f. Hvh1. Bd, 11, l^!H. p, 198); dieser Mikroorganismus zeigte ein sehr kräftiges Wachsthum auf Kartoffeln nnd gedieh bei Brüttemperatur nicht,
Viel grössere Aehnliohkeit mit dem Choleravibrio, als allen den vorstehend eifirten BeAinden zukommt, hat der bereits oben (p. 278) erwllhnte, neuerdings von M. Noisser in Buhner's Institut im Wasser aufgefundene ..Vibrio Beroli-nensisquot;. Dieser Organismus ist durch den positiven Ausfall der Indolreaetion nnd durch eine hohe PathogenitHt für Meerschweinchen ausgezeichnetj mit Leichtig­keit und Sicherheit aber lässt er sieh durch die Form der Plattencolonie von dem Choleravibrio unterscheiden (cf. die ausführliche Schilderung p, 293), Q üntli it, Baktorlologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;19
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2i(()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;li. Die Bakteriou raquo;Is Krankheitserreger,
bakterien anderen Bakterien gegenüber zu erzielen. In der resultirenden, im Vergleich zu dein urspi'üngliohen Wasser ah Cholerabakterien so viel reicheren Flüssigkeit müssen die letzteren selbstverständlich viel leichter nachweisbar sein als in dem ursprünglichen, an Cholerabakterien armen Wasser.
Eine derartige Methode wurde meines Wissens zuerst von Pas-quale (cf. p. 273, Anm. 1) zur Auffindung der Cholerabakterien im Wasser benutzt. Dann hat Heim ') ein derartiges Verfahren empfohlen (Zusatz von 20/0 Pepton und l0/0 Kochsalz zudem zu untersuchenden Wasser und folgender Aufenthalt im Brütschrank), ferner Loeffler8) (200 com des Wassers werden mit 10 com alkalischer Peptonbouillon versetzt; das Gemisch wird 24 Stunden im Brutschrank gehalten, und es werden dann von der oberflächlichen Flüssigkeitsschicht Platten ange­legt)) ähnlich ist auch das Verfahren von Arens.:1) Flügge*) empfiehlt zu 100 com des zu untersuchenden Wassers so viel concentrirtes alkalisches Peptonwasser zuzusetzen. dass eine I proo. Peptonlösung entsteht; die Mischung wird 10 Stunden bei 37deg; C. gehalten, und dann werden von der Oberfläche der Flüssigkeit Proben zu Gelatine­platten verarbeitet oder auf Agar gebracht. Koch6) setzt dem Wasser 1 0/0 Pepton und I ('/(1 Kochsalz zu. hält die Mischung- dann bei 37deg; ('. Nach 10, 15. 20 Stunden wird die Oberfläche auf Cholerabakterien weiter untersucht.
Wenn man derartige Methoden anwendet, so wird man es sich stets gegenwärtig halten müssen, dass — ebenso, wie wir es oben (]gt;. 286, 287) für die entsprechende Behandlung zu untersuchender l)e-jeetionen entwickelt haben — es nie a priori ausgemacht ist, dass nicht in dem zu untersuchenden Wasser Bakterien vorhanden sind, welche bei der geschilderten Behandlung eine ähnliche Vermehrung erfahren wie die Cholerabakterien. die dabei event, sogar noch günstigere Be­dingungen linden als die Cholerabakterien und die letzteren über­wuchern und unterdrücken. Ks ist deshalb stets erforderlich, neben der Vorcultur Pl a tte nc u 1 tu ren von dem ursprünglichen Wasser anzustellen, welche allein eine liebersieht über die originalen Verhältnisse gestatten.
')nbsp; Centralbl. f. linkt. Bd. 12. 1892. p, 363ff.
-)nbsp; Greifewalder med. Verein. 3: Dec. 1S!)2. — Centralbl. f. Hakt. M. 13. p. :iS4.
:l)nbsp; Münoh. med. Wochensohr. 1893, No. 10.
')nbsp; Zeitschr. f. Eyg, Bd, 11. 1893, p. KIT.
r')nbsp; Zeitsohr. f. Hyg, Bd. 14. 1893. p, 336.
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Der Vibrio Metsobnikoff,
291
16. Der Vibrio MelschnikofT.
Im Jahre 1888 pablioirte Gamalela1) Untersuobangen über eine in Odessa im Sommer epizootiscb vorkommende, äusserlich der Hübnercbolera (of. oben ]gt;. 260) sehr ähnliche, Krankheit des Geflügels, namentlicli junger Hühner („Gastro-entörite chole-riquequot;). Patbologisoh-anatomisoh untersoheidet .sich die Krankheit von der Hübnercbolera besonders dadurch, dass die Milzsohwellung fehlt, und class der Darm einen mehr oholeraäbnliohen Zustand zeigt. lt; i a -maleia führte den Nachweis, dass die genannte Krankheit veranlasst wird durch eine bestimmte Kommabaoillenart („Vibrio Metschni-koviquot;)) welche dem Cholerabacillus in vieler Beziehung ausserordent­lich ähnlich ist.
Eine genauere Kenntniss des Vibrio Metsobnikoff ver­danken wir H. Pfeiffer9) und Noobt. Die Autoren haben sich im Koob'soben Institute eingehend mit dem genannten Mikroorganis­mus beschäftigt.
Der Vibrio Metsobnikoff ist ein gekrümmtes Stäbchen, ein Kommabaoillus. Seine Zellen sind etwas kürzer und erheblich stärker gekrümmt als die des Cholerabacillus (cf. Taf. X, Fig. 58). Diese starke Krümmung, welche den Zellen des Vibrio Metsobnikoff häufig eine nahezu halbkreisförmige Gestalt verleiht, ist ganz characteristisch für diesen Vibrio. Sie unterscheidet ihn von allen anderen bekannten Kommalmcillenarten. Der Organismus ist lebhaft eigen be weglich. Die Bewegung wird vermittelt durch einen langen, sehr feinen Geissel­faden, welcher, wie beim Cholerabacillus, dem einen Ende der Zolle angeheftet ist. Die Geissein lassen sich nach der oben (p. 75 ff.) bo-schriebenen Loeffler'sehen Methode gut darstellen. In künstlichen Culturen zeigen sich häufig (ähnlich wie beim Cholerabacillus) Spi-rillenbildungen.
Der Vibrio Metsobnikoff ist facultativ anaerob. Er wächst auf den gewöhnlichen bakteriologischen Nährböden bei Zimmer- sowohl wie bei Brüttemperatur; bei letzterer wächst er schneller.
Auf der Gelatineplatte zeigen nicht alle Colonien des Vibrio M. identisches Aussehen. Während eine Reihe von Colonien in ihrer Gestalt, der Schnelligkeit ihres Waobsthums und der Verflüssigung der Gelatine von Colonien des Einkler'schen Kommabaoillus makro­skopisch sowohl wie mikroskopisch kaum zu unterscheiden sind, zeigen
') Annales do linst. Pasteur. 1888. No, 0, 10. 2) Zeitsohr. f. Hyg. Bd. 7. 1889.
lit*
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2!raquo;2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; B. lgt;itgt; Bakterien tils Krankheitserreger,
andere Colonien derselben Platte in den genannten Beziehungen ausser-ordentliobe Aebnllobkeit mit dem Cholerabacillus. Der Vibrio M. neigt iilso sehr dazu, Spielarten zxi bilden. In der Gelatinestiohoultur zeigt sicli die Wachsthumsschnelligkelt des Vibrio M. etwa der des Deneke'sohen Kommabaoillus entsprechend. Im Uebrigen siiiii Qela-tinestlohculturen des Vibrio M. von entsprechend älteren Cholerabaolllvis-oulturen in ihrem Aussehen nicht zu unterscheiden.
Auf der Agaroberfläohe bildet der Vibrio M. Beläge, welche denen des Cholerabacillus gleichen,
B o u i 11 o n cnlfcuren des Vibrio M, zeigen allgemeine Trübung und event. ;uicii oberflächliche Kahmhautbildung, genau wie Cholerabacillus-eulturen. Dureii Zusatz von salpekigsäui'efrelen Mineralsäureii erhält man Rothfärbung (Nitrosoindolreactlon) genau wie bei Cholera-oulturen (ef, oben p. '217).
Auf Kartoffeln wächst der Vibrio M. (wie dies auch der Cholerabacillus thut) nur bei Brüttemperatur und bei holier Zimmer­temperatur (21—'22deg; ('.). Das Wachsthum ist etwas kräftiger als das des Cholerabacillus; die auf den Kartoffeln entstehenden Beläge gleichen im uebrigen denen des Cholerabacillus (of, p. '271).
Sporenbildung ist bei dem Vibrio M. nicht nachgewiesen.
Leicht und mit Sicherheit von dem Cholerabacillus zu unter­scheiden 1st der Vibrio Metschnikoff durch den T hi er ver­such, 'rauhen (die der Cholerainfection kaum zugänglich sind) bilden geradezu ein Reagens auf den Vibrio M. Impft man einem solchen Thiere eine minimale .Menge der Cultiir in den Hrustmuskel, SO geht das Thier innerhalb von 20 Stunden zu Grunde. Es lindet sich eine ausgedehnte gelbliche Verfärbung und Nekrose des geimpften Muskels; derselbe ist von einem blutigen Oedem durchtränkt, in welchem die Vibrionen massenhaft zu linden sind. (Auf Taf. X, Fig. 58, ist ein Ausstrichpräparai des Muskelsaftes der Taube bei lOOOfacher Ver-grösserung dargestellt. Man bemerkt hier neben zwei rothen Blut­körperchen, deren Kerne intensiv gefärbt hervortreten, eine Menge der chaiTicteristisch gekrümmten Vibrionen.) Ebenso linden sich die Vibrionen in ungeheuren Mengen im Herzblut. Die Lungen zeigen sich blutreich. Leber und Milz anaemisch und schlaff. Der Darm ist blass, mit mehlsuppenartiger Flüssigkeit in massigem Grade erfüllt. Hier linden sich Vibrionen nur in geringerer Anzahl. Vom Magen aus sind Tauben kaum zu inliciren. Junge Hühner verhalten sieh genau wie Tauben. Nur finden sich in ihrem Herzblut nicht so unge­heure Mengen der Vibrionen wie bei Tauben.
.Mäuse sind wenig empfänglich, Kaninchen unempfänglich.
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Der Vibrio ücruliiioiisis.
298
Sehr empfftuglioh sind dagegen Meersohweinoheu. Diese Tliiere lassen sich sowohl suhentan wie vom Magen aus töiitlieh inli-oiren; in dem letzteren Falle muss nnm (wie bei der experimentellen Erzeugung der Meerscliweinchenoholera [of. p. 273]) den Mageninhalt vorher mit Sodalösung alkalisch machen und durch intraperitoneale Einvorleibung von Opiumtinotur die Darmperistaltils elüniniren.
Die Vertheilung der Vibrionen in dem Körper der an der Infec­tion zu Grunde gegangenen Thiere hat R. Pfeiffer veranlasst, den Namen ,.Yi 1gt; ri onenscpt i ca c m i equot; i'ür die durch den Vibrio M. ver-aidasste Krankheit vorzuschlagen.
Meerschweinchen und Tauben lassen sich durch Einverleibung sterilisirter Culturen gegen die Infection mit lebenden Culturen im-munisiren.') Das Blutserum immunisirter Meerschweinchen besitzt (im Gegensatz zu dem Blutserum normaler Meerschweinchen) bacteri-oide Eigenschaften dem Vibrio M. gegenüber (Behring und Nissen; of. oben p. 180, Anm. 1).
Aeltere Bouillonoulturen dos Vibrio M. reagiren stark alkalisch. Dieselben enthalten einen auf die empfänghohen Versuchsthiere äusserst giftig einwirkenden chemischen Körper gelöst. NeutraUsirt man die (vor­her im Dampftopf bei 100deg; ('. sterilisirten) ßouillonoulturen mit Salz-siiure, so bleibt die Giftigkeit derselbeh ungeändert; die Neutralisation mit Schwefelsaure hingegen schwächt die Giftwirkung erheblich ab.
Der Vibrio Metsohnikoff färbt sich mit kalten Earblösungen; or färbt sich nicht nach der Gram'sohen Methode (p. too ft'.).
17. Der Vibrio Berolinensis.
Neben dem Choleravibrio beansprucht — nächst dem Vibrio Metschnikofif — der „Vibrio Berolinensisquot; das grössto Interesse unter den pathogenen Kommabacillonarten. Dieser Organismus wurde im Sommer 1893 von M. N eis sei'8), der in Ruhner's Institut arbeitete, in Berliner Leitungswasser aufgefunden.
Es handelt sich um einen Kommabacillus, der in der Form der Einzelzellen, in der Gestalt und Anheftungsweise der Geisselfftden
') Q-amalela hatte nngogoben, class der Vibrio M. sich benutzen lässt, um Tbiere gegen die Infection mit dem Cholerabaoillus zu immunisiren, und dass um-gokehrt ^nöh mit Hülfe des Cholerabaoillus Thiere gegen Infection rail dem Vibrio M. immun gemacht worden können. R. Pfeiffer und Nocht haben nachgewiesen, (Uiss von einer solohon wechselseitigen Imraunitilt keine Bede ist.
-) Of, die vorlftuflge Mittheilung von Bubuer, Hygionlsohe Rundschau 1803. Xo. in. Die ausführliche Nelsser'sohe Arbeit wird im ,.Archiv für Hygienequot; erscheinen.
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2Q4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;B. Dlo Bakterien als Krankheitserreger,
dem Cholerabaoillus völlig glcidit. Der Vibrio Berolinensis wächst boi Zimmer- und bei Brtittemperaturi bei der letzteren wächst or sobneller.
Der Vibrio Berolinensis ist (lurch die Form der Gel a tine-plattenoolonie von dem Choleravibrio ohne Weiteres zu unter­scheiden. Junge (1 bis 2 Tage alte) Colonien zeigen nicht wie die des Choleravibrio (of, p, 270) grobkörniges fiefüge, sondern sind erheblich viel feinkörniger, in der Durchsicht heller als die des Choleravibrio j der Hand ist nicht wie der der ('holenicolonien unregehnässig höckerig, sondern meist absolut glatt und kreisrund, nur selten ganz wenig un-regelmässig gestaltet. Mit zunehmendem Alter nehmen die Colonien (besonders die mehr isolirt liegenden, von einem grösseren Bezirke steriler Gelatine umgebenen) gewöhnlich ein (heller oder dunkler) bräun­liches Colorit an und bekommen dabei ein buckeliges, höckeriges, manch­mal nahezu radiär gelapptes Aussehen; aber auch in diesem Stadium sind sie von Choleracolonien dadurch mit Sicherheit zu unterscheiden, dass das Geluge der Buckel, Höcker und Lappen nicht grobkörnig, sondern feinkörnig ist. Die Colonien haben die Tendenz, über eine gewisse geringe Grosse nicht hinauszugehen. Die Gelatine wird sehr 1 a n g s a m v e r f 1 ü s s i g t. In der G e 1 a t i n e s t i o h c u 11 u r zeigt sich Wachsthum längs des ganzen Impfstiches; von oben her erfolgt ganz allmähliche Verflüssigung der Gelatine.
In der Agar-Obertlächenstrichcultur wächst der Vibrio B. gewöhn­lich wie der Choleravibrio. .Mitunter (besonders wenn das Wachsthum von einzelnen dünnen Impfstrichen ausgegangen und die Oberfläche des Nährbodens bereits etwas eingetrocknet ist) kommt es auf der Agnr-oberfläche zur Ausbildung voluminöser trockener, runzeliger, au chagrai-nirtes Leder erinnernder Auflagerungen.
Ausserordentlich empfindlich sind Meerschweinchen gegen die Einverleibung des Vibrio B. Bringt man einem Meerschweinchen von 300 bis 100 g Gewicht die Aufschwemmung einer kleinen Pla­tinöse frischer Agarcultur ties Vibrio intraperitoneal bei, so geht das Thier unter Temperaturabfall in l bis 2 Tagen zu Grunde. Es zeigt dann einen ganz ähnlichen Befund wie die nach intraperitonealer Ein­verleibung des Choleravibrio gestorbenen Meerschweinchen (of. p. 275).
Die N i tmsoi n d o 1 react i on zeigt der Vibrio B, genau so wie der Choleravibrio.
Der Vibrio B. erfährt bei der Vorcultur in Peptonlösung im Brüt­schrank eine Vermehrung in den oberen Plüssigkeitsschichten wie der Cholerabacillus (cf. p. 290).
Nach der Gram'schen Methode (p. iOOff.) färbt sich der Vibrio B. nicht.
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Dor Kommabootllus von Finklor und Prior („Vibrio Protons'') ete. 295
18. Der Kommabacillus von Finkler und Prior („Vibrio Proleusquot;) und der Miller'sche Kommabacillus.
Mit laquo;lern K o c liquot; schon Kumniiiltacilliis der Cholera asiiitica für identisch gehalten wurde von Finklor1) und Prior eine Komma-baoillenart, welche diese Forscher (1884) in mehrere Tage alten, fallenden Dejeotionen eines Falles von „Cholera nostrasquot; fanden. Eine genauere Prüfling des Pinkler'schen Kommabacillus hat ergeben, diiss derselbe von dem Cholerahaeillus total verschieden ist, dass der­selbe aber auch mit der „Cholera nostrusquot; nicht das Ge­ringste zu tluin hat.-') Der Fi n k ler'sche Vibrio ist spater nie wieder, weder bei „Cholera nostrasquot; noch sonst irgendwo, einwandsfrei aufgefunden worden.quot;) Er hat heute nur noch historisches Interesse. Seine Cultureu werden in den bakteriologischen Laboratorien von Reagenzglas zu Reagenzglas weitergezüchtet. Vielleicht ist der Vibrio Finkler identisch mit einem (1885) von W. 1). Miller1) ans einem cariösen Zahne isolirten Kommabacillus.
Der Finkler'srhe Kommabacillus („Vibrio Proteusquot;) erscheint etwas grosser als der Cliolerabacillus. ist im Uebrigen morphologisch kaum von dem letzteren zu unterscheiden, Er ist sehr lebhaft beweglich, wächst in künstlichen Cultnren. wie dies auch der Cliolerabacillus thnt, häufig zu Spirillen aus (beginnende Involution). Die Kommabacillen tragen je eine (Jeissel, die, wie bei den Cholerabacillen, an dem einen Ende angebracht ist.
Auf künstlichen Nährböden eultivirt unterscheidet sich der Fink ler'sche Bacillus ausserordentlich von dem Cliolerabacillus. Er wächst bei Zimmertemperatur ganz unvergleichlich viel schneller, ver­flüssigt die (relatine viel energischer. Tat'. XI, Fig. G4, zeigt eine Gelatinestichcu 11ur der Pinkler'schen Bacillen, die mit der daneben, Fig. 63, dargestellten Cholerabacillencultur zu derselben Zeit in identischem Nährboden angelegt, auf demselben Reagenzglas­gestell gehalten und nach 9 Tagen zugleich mit der Choleracultnr photographirt wurde. Man sieht ohne Weiteres die grossen Unter-
') Tageblatt der 57. Vers, deutscher Naturf p, #9632;illiir. (Ueutselie moil. Wodionsclir. 1884. p. 632,
ii. Aorzto. Magdeburg. 1884, 107). — Tageblatt d. 58. Vers.
Ertrfinzunirshefte z.
ilontsch. Naturf, n. Aorzto. Strassburg, 1886. p. 438—440 Contralbl. f, allg. Ges.-Pfl. Bd. I. 1886. p. 279ff.
2) Vergli das oben {\gt;. 2quot;!)) über die Aetiologle dor „Cholera nostrasquot; Gesagte.
:') of. R. Koch, Zeitedir. f. Hyg. Bd, 14. iSii:!. p. 320.
') Verein f. inn. Mod, 16. Pebr. 1886. — Deutsche mod. Woch. ISS5. p. 188. — Siehe auch AV. 1). Miller, Die Mikroorganismen der Mundhöhle. 2. Aufl. Leipzig 1802. p. 66 ff.
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#9632;J(.raquo;(jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;li. Die Bakterien als Kraukheiteerreger.
schiede in der öestaJi der Cultvum Die Finkler'sehen Bacillen sind also ieioht von den Cholerahaoillen zu unterscheiden.
Aid' der II c lat i 11 c p la 11 o ist das Waohsthiun des Finklrr'-schen Bacillus ein der Stiohoultur entsprechendes. Ks bilden sich hier schnell kreisrunde, solmell an Umfang zunehmende Colonien, in deren Bereich die Gelatine verflüssigt ist.
Auf Ä.gar bilden sich grauweisse, glänzende TJeberzüge aus. In Bouillonoulturen kann sich gelegentlich, in ähnlicher Weise wie bei dem Choleravibrio, eine oberflächliche Kahmhaut bilden.
Auf Kartoffeln wächst der Finkler'sohe Bacillus — zum Unterschiede von dem Cholerabacillus (cf. p. 271) — viel schneller; er gedeihl auf diesem Nährboden schon bei gewöhnhoher Temperatur. Er bildet hier grau- bis braungelbe, saftige, schleimige Belüge.
Die Finkler'schen Bacillen sind für Meerschweinchen pathogen. Die Pathogenität für die Meerschweinchen ist eine geringere als die des Cholerabacillus. Man kann die Thiere, ebenso wie dies bei dem Cholerabacillus geschah, mit den Finkler'schen Kommabaoillen vom Darmkanal ans infleiron (cf. oben p. 273). Der Darminhalt zeigt — zum Unterschiede von der Cliolerainfection starken Fäulnissgeruch').
Die Nitrosoindolreaction (p. 277) zeigen die Finkler'­schen Bacillen bei Anwendung reiner Mineralsäuren nicht.
In der menschlichen Pathologie spielen die Finkler'schen Bacillen, wie bereits oben ausgeführt, eine Rolle allem Anscheine nach nicht.
19. Der Deneke'sche Kommabacillus.
Der Deneke'sche Kommabacillus (Vibrio Deneke, Spirillum tyrogenum, Käsespirillum) wurde von Deneke'-') im Flügge'schen Institut gelegentlieh ans einem längere Zeit aufbewahrten Käse gezüchtet. Später scheint dieser Vibrio nie wieder aufgefunden worden zu sein. Seine Culturen werden in den Laboratorien von Glas zu Glas weitergezüchtet.
Die Einzelzellen des Vibrio Deneke sind vielleicht etwas kleiner als die des Choleravibriü. Jede Zelle besitzt — wie der Choleravibrio und die übrigen Kommabacillenarten auch — einen einzigen, dem einen Ende der Zelle angehefteten, Geisselfaden.
Der Vibrio Deneke ist durch eine Reihe von Ciilturmerkmalen
') Vergl. 1!. Koch, Conferonz zur Erörterung derCholerafrage, Zweites Jahr.
ISS.quot;); Deutsche llieil. U'nelien.sehr. ISSÖ. No. :i7A. |). (i.
#9632;-') Deutsche raed. U'eelienseln'. iss.'). Xn. :t.
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Der Deneke'sobe KommabaoUlus. Dulaquo; Baoterium eoli oommuaelt; 2igt;7
von den übrigen Kommabacillenarten mit Sicherheit zu antersobeiden. Zunftohst gelingt es — wenigstens gilt dies für die jetzt in den Laboratorien befindlichen Culturen1) — nicht ihn bei Brüttempe-ratur (37deg; C.) zum Wachsthiun zu bringen. Dagegen wächst er noch bei 31deg; C. Das Tenaperaturoptimum scheint bei c. 22deg; G. zu liegen.
Auf der G ein t ine platt-e sowohl wit' in der G el a finest ieh-cultur stellt bezüglich der Schnelligkeit des Wachsthums der Vibrio Denote zwischen dem Choleraeibrio und dem Vibrio Finkler. Die Gelatine wird Verflüssigt. Es bildet sich in den Gelatineculturen ein intensiv citronen- bis orangegelber Farbstoff. Auf der Oberfläche der verflüssigten Gelatinesticlicultur kommt es — besonders schnell bei etwa 22deg; C. — zur Bildung einer äusserst kräftigen, üppigen Käbmhaut, welche nicht selten von solcher Festigkeit ist, dass man das Culturgefass umkehren kann, ohne dass sie zerreisst. Die Colo-nien auf der Gelatineplatte können in gewissen Kntwickelungsstadien täuschende Aelmlichkeit mit Choleracolonien haben.
Auf der AgarOberfläche bildet der Vibrio I). durchscheinende, leicht gelblichgrau gefärbte, glänzende Ueberzüge.
Auf Kartoffeln findet kein Wachst hum statt.
In den Culturen des Deneke'sohen Vibrio bilden sich häufig kürzere oder längere Spirillenformen aus, welche — wie die ent­sprechenden Formen anderer Kommabacillenarten (cf. p. 13, 2138) — als der Ausdruck beginnender Involution aufzufassen sind.
Für Meerschweinchen zeigt der Deneke'sobe Vibrio eine gewisse Pathogenilät, die aber noch geringer ist als die des Finkler'-schen Vibrio. Die Thiere lassen sich durch Einverleibung der Cul­turen vom Magen aus (nach Alkalisirung des Mageninhaltes und intraperitonealer Darreichung von Opium wie bei den Choleräversuohen; cf. p. 273) mitunter tödtlich inficiren-).
Die Culturen des Vibrio D. zeigen bisweilen (cf. oben p. 278, Anm. 2) die Nitr0seindolreaction (hei Zusatz reiner Mineralsäuren).
20. Das Bacterium coli commune.
In den unteren Partien des normalen Säuglingsdarmes wurde (1885) von E seh er ich8) eine Bakterienart constant aufgefunden
') Ob dio von Dcneki- ursprllnglloh :111s (lern Käse crlialtciu'ii Ciiltuivn die Fähigkeit des Wachsthums boi BrlHtemperatur gehabt haben, daitibei habe loh in der Litcniliir eine Angabe nicht zu linden vermeelit.
-) cf. R. Kodi, Cunl'ereiiz zur Erörterung der Choleraft'age, Zweites Jahr. 18861 Deutsche med. Woohenschr. 1386. No. 37 A. p. 6.
s) Fortsdir. d. Med. 1885. Xe. 16 u. 17.
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298nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;15. Dio Bakterien als Krankheitserroger,
(.. 15 act er in m ooli oommunequot;), die sich siiätor überhaupt als ein regehnässiger Bewohner des mensohliohen Dickdarmes herausge­stellt hat, und die in mensohliohen Fäoes (normalen sowohl wie nicht normalen) gmz gewöhnlich angetroffen wird. Auch in thierischen Paces scheint sie ganz gewöhnlich vorhanden zu sein.
Das Bacterium coli commune bildet 0,3 bis 0,4 /t breite, bald schlanker, bald plumper erscheinende Kurzstiibchen, die bald einzeln, bald paarweise auftreten und eine massige Eigenbeweg-lichkeit besitzen. Die Eigenbewegung wird vermittelt durch Geisse 1-fäden1), welche meist in der Einzahl an dem einen Ende der Zelle angebracht sind; bisweilen linden sich aber auch mehrere (bis etwa 3 bis 4) Geissein an einer Zelle angebracht. Die Geisseifäden lassen sich nach der Loeffler'sehen Methode (p, 75 ff.) mikroskopisch zur Darstellung bringen.
Das Bacterium coli commune wuchst bei Sauerstoffanwesenheit auf den gewöhnlichen bakteriologischen Nährböden. Es wächst bei Zimmertemperatur und bei Brüttemperatur, bei letzterer schneller.
Auf der Gelatineplatfce bilden die innerhalb der Gelatine liegenden Colonien kleine weisslicbe runde Zusammenlagerungen, die in ihrer Ausdehnung über etwa Stecknadelknupfgrösse nicht hinaus­gehen. Die an der 0 be rfl ii ehe der Gelatine liegenden Colonien haben ein ganz anderes, characteristisches Gepräge: Die Colonie bildet ein der Gelatine aufliegendes, rundlich gestaltetes, häulig unregel-mässig zackig begrenztes, weisslichgraues, irisirendes Häutchen, welches die Tendenz hat, sich weiter über die Oberfläche des Nähr­bodens hin auszubreiten. In der beschriebenen Gestalt der oberfläch­lichen Colonien auf der Gelatineplatte ist das Bacterium ooli dem Tvpbusbacillus ansserordentlich ähnlich let', p. 246). In der Gela-t in est icheu 11 u r findet Waohsthum im Verlauf des ganzen Inipf-stiohes statt: an der Oberfläche der Gelatine bildet sich das dünne lläutchen (wie bei der Plattenoultur), welches bald die ganze freie Oberfläche des Nährbodens überzieht.
Das Bacterium coli verflüssigt die Gelatine nicht.
Auf der Ä. gar Oberfläche bildet das Bacterium coli grauweisse, saftig glänzende Beläge.
In Bouillon bewirkt es allgemeine Trübung der Flüssigkeit.
Auf Kartoffeln bilden sich saftige Ausbreitungen von mais-bis erbsengelber färbe.
Milch wird — bei gewöhnlicher Temperatur langsamer, bei
') of, Liikscli, (Viitrallil. f. liald. Bd. 12. 1892, p. 430,
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Das üiictrruiin ooll conimuiu'.
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Brüttemperatm' schneller — unter Sfturebildung zur Gerinnung ge-braoht (of. oben p. -2191.
Traubenzudcerlösungen (z. 15. Traubenzuokerboulllon), und auch Lösungen anderer Zuckerarten, worden unter Säurebildung ver-gohren. Dabei findet Gasbildung statt; das gebildete Gas bestellt z. Th. aus Kohlensäure, z. Th. ist es brennbar.
Bei Znsatz von Kaiinnmitrit und Schwefelsäure ZU Cnlturen des Bacterium ooli auf peptonhaltigen Nährboden tritt Rothfärbung v'm (Nitrosoindolreaotion; cf, p. 248).
Sporenbildung existirt bei dem Bacterium coli commune nicht.
Nach der Gram'sehen Methode (p. 100 ff.) lassen sich die Stäbchen nicht färben.
Das Bacterium coli commune wurde früher allgemein für einen Mikroorganismus angeschen, dem Keine oder doch nur eine sehr geringe Pathogenität zukäme. Zwar sah bereits Es eher ich1) Meerschwein­chen und Kaninchen nach intravenöser Einverleibung massiger Cultur-mengen innerhalb weniger Stunden bis 3 Tagen unter Temperatur­steigerung und Kntwickehmg heftiger Diarrhöen zu Grunde gehen; aber eine ausgedehntere patliogeno Rolle, namentlich eine Bolle in der menschlichen Pathologie, wurde dem Bacterium coli nicht zugeschrieben. Erst Lamelle9) hat (1889) darauf aufmerksam gemacht, dass diese Ansicht nicht richtig ist. Lamelle beobachtete zwei Fälle von Perforationsperitonitis beim Menschen, bei denen er im Exsudate das Bacterium coli fand; und es gelang dem Autor auch, bei Thieren durch Einverleibung der Cnlturen experimentell Peritonitis zu erzeugen.
Seitdem sind bereits eine ganze Anzahl Fälle von Perforations-peritonitis beim Menschen bekannt geworden, in denen sich das Bac­terium coli commune in Keincultur im Exsudat gefunden hat. Das in solchen Fällen aus dem peritonitischen Exsudate gezüchtete Bacterium Coli hat erheblich viel virulentere Eigenschaften als das aus dem gesunden Darm gezüchtete. Alex. Fränkel:!) sah Kaninchen nach intniperitonealer Injection derartiger, von menschlichen Krankheitsfällen stammender Cnlturen nach ',\ bis l Tagen (mitunter auch bereits nach einem Tage) zu Grunde gehen. Man findet bei der Section eine fibrinös-eitrige Peritonitis; im Exsudat sowohl wie im Herzblut findet sich Bacterium coli in Beincnltur. Nach dem Vorgänge des genannten
• '
') Fortsohr. d, Mod. issr,. p, rril.
-') Cf. Bauragarten'a linkt. Jahreaber. 1889. p, 336.
3) Wien. Idin. Wochoiisolir. 1801. No. 13—16.
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li. Dio Bakterien als Kranklieitserregei'.
Autors kann inan sich ein virulentes Bacterium ooli beliebig daduroh verschaffen, dnss man ^ersiiohsthieren einen künsüiohen Darmver-schluss1) herstellt. Nach dem Tode der Thiere fludel sieh im peri-tonitisohen Exsudate das virulente Baoterium ooli.
Aussei1 der Pertbratiunspentunitis vermag dns Baeterium coli (#9632;(immune vielleicht auch nooh andere krankhafte Processe beim Menschen hervurzuruf'en.
Mit dem Bacterium ooli commune ist ohne Zweifel iden­tisch der sogenannte „Emmerich'sohe Bacillusquot; („Bacillus Xeapuli t a im squot;). Derselbe wurde von Emmerich8) (1884) aus 811ere m M a terial von tfeapler Choleraleiohen cnltivirt und zu­nächst auf (iruiid von 'i'liiervcrsuchen als Erreger der Cholera asiatica proclamirt. Es hat sich in der Folge, namenthch durch gründliche Untersuchungen von We isser8), gezeigt, dass der Emmerich'sohe Bacillus, der „Neapler Cholerabacillusquot;, ein Mitooorganismus ist. der in menschlichen Fäces, normalen sowohl wie nicht normalen, in der Luft und in faulenden Flüssigkeiten ganz gewöhnüch gefunden wird, und der nicht das Allergeringste mit der Cholera zu thun hat.
21. Der Gonorrhoecoccus.
Bei den gonorrhoischenAffectionen der Harnröhre und der Conjunctiva wurden IST!) durch Xcisser'i eigenthümlich gestaltete Mikrococoen im Kit er entdeckt. Dieselben schienen einen für die Gonorrhoe speci-flschen Befund darzustellen und wurden von Neisser mit dem Namen „(I on ooo c c n squot; belegt.
Die Beobachtungen von N'e isser wurden vielfach bestätigt. Ks gelang dann hauptsächlich Burnm5), den Gonocoocus in sicheren Rein-culturen zu gewinnen und durch (Jebertragung der Reinculturen typische Gonorrhoe heim Menschen hervorzurufen. Durch Wertheim0) sind später die Iveiimichtunirsmethodeu des GonooOCOUS erheblich vervoll­kommnet worden.
') AI. Frttnkol oxperimontirte an einem Qimdo, dein er nach Lnparotomie den Dann unterband.
-') Deutsche raed. Wochenschr. 1884, Xu. 50,
•') Zeitsohr. f. Hyg, Bd. I, 1880.
') Cehtralbl, f, d, med. Wiss, 1879, No, 28,
'') Der Mikroorganismus der gonorrhoischen Scbleimhanterkrankungen „Cfono-ooccus-Neisserquot;. Wiesbaden 1887,
quot;) Deutsche med, Woobensohr. 1891, Nb, 50, — Archiv f, Gyn, Bd, 42. 1^!gt;2.
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Dor Gonorrboeoocous
801
Der öonorrhoeoooous wird im Trippereiter, und zwar innor-iiall) der Eiterzellen, gefunden. Die Coccen, welotyp in grösserer oder geringerer Anzahl um die Kerne der Zellen herum gruppirt sind, erscheinen gewöhnlich im Zustande der Theilung, als Diploooooen. Die einzelnen Coccen erscheinen dann gewöhnlich nieren-, semmelförmig; die Hilen der Nieren sind einander zugekehrt. Fig. 66 auf Taf. XT zeigt die typische Erscheinungsweise der öonococcen im Trippereiter. Man erkennt hier unschwer die Umgrenzungen der Kiterzeilen, innerhalb deren die grossen, mohrfachen Kerne liegen, um welche herum dann die Coccen gruppirt sind.
Die Gonoooccen lassen sieh, wie bereits gesagt, künstlich eultiviren. Bunim, welchem die Idinstliclie Cnltur zuerst gelang, sah ein Wachsthum aussohliosslioh auf Blutserum eintreten, und zwar bei Brüttemperatur. Am besten eignete sich menschliches Blut­serum, weiches man nach üumm's Vorgang aus i'lacentcn ge­winnen kann (cf. p. I2(t). Die Cultur bilclel auf dem erstarrten Blut­serum sehr zarte, durchsichtige, wenig ausgedehnte üeberzüge, die gewöhnheh zackige Vorsprünge und schart geschnittene Ränder haben. Die üebertragung auf neuen Nährboden muss sein' bald geschehen, da in !i Tagen etwa die Cultur bereits abzusterben beginnt.
Wertheim hat später nachgewiesen, dass das menschliche Blut­serum ein viel weniger günstiger Nährhoden für den Gonococcus ist als eine Mischung von Blutserum und gewöhnlichem N ä h r a g a r.
Um mit Hülfe des Bluts er um-A gar aus Trippereiter die Gonococoen auf Platten in isolirten Colonien zu gewinnen, verfährt man nach Wertheim1) folgendermassen: Mehrere Oesen Tripper­eiters werden in flüssigem menschlichen Blutserum (im Reagenzglase) sorgfältig vertheilt, und es werden von dem so inlicirten Blutserum zwei Verdünnungen in neuen Hlutserumröhrchen in bekannter Weise (cf. oben p. 127) angefertigt. Die Röhrohen werden sofort nach der Beschickung in ein Wasserbad von 10quot; ('. gestellt, und der Inhalt eines jeden Röhrchens wird darauf mit etwa der gleichen Menge 2proc. Nähragars (of. p. 116), welches zunächst geschmolzen und dann auf 10quot; ('. abgekühlt wurde, gut gemischt. Die Mischung wird aid' Platten (oder In Schälchen etc.) ausgegossen, welche in den Brutschrank gestellt werden. Auf so hergestellten Platten zeigen sich bereits nach
') Deutsche med. Wochenschr. 1891. p. 1361. — Wertheim benutzt hierbei ilas von Hueppe (cf. oben p. Ill) angegebene Verfahren der Verwendung des Blut-sorums zu Plattonoulturoni
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;{02nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; !gt;• Die Bakterien ale Kiimküeitserregei',
24 Stunden isolirte Co Ion ion der Gonorrhoe ooooen. Nach 48 Stunden des Waohsthums findet man auf laquo;Ion Verdünnungsplatten die tiefliegenden Colonien von weissliohgrauem Ausseheni mikro­skopisch zeigen sie ein höckeriges Gefflge; nach 72 stündigem Waohs-tlmin haben tliL' tiefliegenden Colonien Brombeerform angenommen. Die oberflächlich liegenden Colonien zeigen mikroskopisch ein central gelegenes, dunkleres Pünktchen, umgeben von einem sehr /arten, durchsichtigen, farblosen, feinkörnigen, nach allen Seiten ziem­lich gleichmässig sich ausbreitenden Oberflächenbelag.
üeberträgt man das (zähschleimige, consistente) Material einer solchen isolirten Plattencolonie auf seh rag1 erstarrtes Blut­serum a gar (am besten nimmt man hierzu eine Mischung von 1 Theil menschlichen Blutserums und quot;2 bis ;{ Theilen Nfthragar1)) in Form des oberflächlichen Impfstriohes, so beobachtet man ein ausserordentlioh üppiges Wachsthum der Gonococcen. Schon nach 24 stündigem Aufenthalt im Brutschrank sieht man an der Cultnr zahlreiche weisslichgrane Pünktchen aufschiessen. die sich rasch ver-grössern. zusammentliessen und bald einen grussen, zusammenhängenden, weissliohgrauen, feucht glänzenden, bei der Ä.bimpfung zähschleimig erscheinenden Hasen bilden, welcher beim weiteren Wachsthum vom Bande aus einen farblosen, ungemein zarten Belag vorschiebt. Das Condensationswasser (cf. p. 118) des Röhrchens bedeckt sich mit einer zusammenhängenden ('ulturhant.
Statt der Mischung von menschlichem Blutserum mit Agar kann nach Wert heim auch eine Mischung von thieri schein Blnt-serum (z. B. Kinder serum) mit Agar zur Cultivinmg des Gono-OOCCUS verwandt werden. Das Wachsthum ist hier allerdings nicht so üppig wie auf der erstgenannten Böschung; immerhin gedeihen die Gonococcen auf dem Rinderserum-Agar viel besser als auf mensch­lichem Serum ohne Zusatz von Agar'-').
Ein guter Nährboden ist ferner nach Wertheim8) ein Gemisch von flüssigem menschlichen Blutserum mit der doppelten Menge gewöhnlicher Nährbouillon. Hier zeigt sich nach 24 Stunden langem Aufenthalte im Brütschrank eine zarte gramveisse oberflächliche
') Das gesohmolzono und auf 40deg; C. wieder abgekühlte Agar wird mit dem auf inquot; C. erwärmten flüssigen Serum gemischt. Naoh der Vermisohung werden die Röhrohen in schräger Lage (cf. oben p. lis) der Abkühlung und dabei eintreten­den Erstarrung überlassen.
#9632;-) Wort lie im, Arch. f. Gyn. Bd. 42. 1892. p. 26.
^ Ebenda p. 24.
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Der Qonorrboeoooousinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Holt
l
Kalniihaiit. Die Flüssigkeit selbst bleibt ganz klar, enthält nur wenige
von der Kahmhaut abgelöste Bröokel.
Die mit den Serummisohungen hergestellten Culturen des Gono-COüOUS /eigen sieh — vor Austnicknung bewahrt — noeb naeh 4 bis 6 Wochen übertragungsfähig und virulent.
Die mikroskopische Prüfung der künstlichen Gonoooccenculturen zeigt die Gonoooccen von der typischen, der mikroskopischen Er­scheinungsweise im Trippereiter entsprechenden, Gestalt.
Bezüglich der künstlieben Cultivirung des Gunococcus nuiss Übrigens noch bemerkt werden, dass ein minimales Waebsthuin auch auf gewöhnlichem Agar und speoiell auf Glycerin-Agar (p. 117) stattfindet1).
Die TJebertragung der künstlieben Cultur des Gonococous auf die normale Urethra des Menschen hat, wie bereits Bumm fand und Wer the im') bestätigte, die Entwickelung typischen Harmöhren-trippers zur Folge.
Bei Thieren lässt sieb das typische Bild der Gonorrhoe durch Verimpfen gonorrhoisehen Materials nicht erzeugen. Dennoch verhalten sich manche Versuchsthiere, wie Wertheim ermittelt bat, für die Infection mit dem Gonococous in gewisser Weise empfäng­lich. Am besten eignen sich weisse Mäuse für diesen Zweck, ferner Meerschweinchen, weniger gut Kaninchen und Ratten; ablehnend ver­halten sich Hunde. Bringt man nämlich einem empfänglichen Thiere eine kleine Quantität der Gonococcencultur (und zu gleicher Zeit etwas von dem Agarnährboden selbst) in die Bauchhöhle, so beobachtet man die Entstehung örtlicher eitriger Peritonitis; den Tod der Versuchsthiere hat die Infection nie im Gefolge.
') Diese Thatsaohe, welche von verschiedenen Autoren angegeben ist, kann der Herausgeber dieses Baches bestätigen. Bei Mheren, in iler Lassar'schen der-matologisohen Klinik ausgeführten Untersuchungen konnte leb regelmässig durch Verimpfung l'risdicii Trippereiters (der sieh bei der mikroskopischen Untersuchung — soweit das eben eine solche Untersuchung feststellen kann — als ansscbliesslich gonococcenhaltig und als frei von anderen Mikroorganismen erwies) auf die Ober-Qäobe von Glycerinogar Culturen erzielen, die sieh mikroskopisch aus Mikrocoooen bestehend erwiesen, welche in dem mikroskopischen Hilde die Gestalt der Tripper-cocoen hatten und sich, mich Gram behandelt, cnU'iirbten. Die Culturen stellten ganz unscheinbare, dünne, glänzende, ungefärbte üeberzOge von geringer Flächen-ausbreitung dar. Es gelang diese iieläge von einem Köhrchcn in das andere zu übertragen. Ich habe damals diesen Befund skeptisch aufgenommen| nach den neuen Wcrtheim'schen Publicationen zweifle ich nicht mehr daran, dass ich in den Culturen echte Gonocoecon vor mir hatte.
-) Wortheim experimentirte an Paralytikern.
,
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lgt;. Die Bakterien als Krankheitserreger.
Der öonoooooua förbt sich aioht naoh der Gram'sohen Methode (p. 100 11'.). Deokglnspräparate von Trippereiter färbt mau am besten mit einfacher wässerig-alcoholisoher Methylenblaulösung (of, p, 63). Die Coooen erscheinen dann tief dunkelblau, die Kerne der Eiterzellen weniger dunkelblau, Der Nachweis der typischen (lestalt der Cocoen in Verbindung mit dem Nachweise der Lagerung inner­halb der Eiterzellen berechtigt zur Diagnose „Gonorrhoequot;.
Was die im (Je Co Ige der asoeiulir enden Gonorrhoe auftretenden entzündlichen Vorgänge an den Tuben, den Ovarien, am Peritoneum, im Gewebe des Ligamentum latum betrifft, so hat Wertheim1) den Nachweis geftthrt, dass diese Erkrankungen sämmtlich ebenfalls durch den Gonococcus bedingt werden.
Frisch-) hat nachgewiesen, dass primär auch gonor-rhoisohe Geschwüre des Kectums vorkommen.
22, Der Streptococcus des Eryslpels,
Das constante Vorkommen von Streptooocoen in der erysi-pelatösen Haut, und zwar das constante Vorkommen derselben am Rande des Erysipels und ihre ausschliessüche Anwesenheit in den Lvmphge fassen, wurde zuerst, durcli R. Koch8) festgestellt. Fell leisen1) gelang es dann, die hei dem Krvsipel gefundenen Streptoooccen künstlich zu züchten und ihre pathogene Bedeutung durch erfolgreiche Verirapfung der Culturen auf Kaninchen und auf eine Anzahl von Menschen sieher zu stellen. Die Verimpfungen er­zeugten typisches Krvsipel.
Der Streptococcus des Erysipels ist. wie der Name sagt, ein in Kettenform angeordneter Miorococcus. Die Ketten können aus wenigen, aber auch sehr vielen einzelnen Coccen bestehen. Der Coccus wächst in künstlichen Culturen bei /immer- und bei Brüt-temperatur, bei letzterer schneller,
Aid' der Gelatineplatte bildet der Erysipelcocous kleine punkt-förmige Colonien von weisslichgrauer Farbe, welche mikroskopisch als undurchsichtige, grobkörnige Gebilde erscheinen. Die Colonien er­reichen einen grösseren Umfang überhaupt nicht. Die Gelatine wird nicht verflüssigt. In der Gelatinestichcultur bilden sich längs des Impfstiches sehr kleine, weisse. kugelrunde Colonien aus.
') Arch, f, Qyn, Bd, 42. 1802, p, 86.
#9632;-') Wllrzb, iiliys.-med. Qes, Verhandlungen N'. F, Bd, 25. 1891, p, 1(17 IV. ;!) Mltth, a, d, Kais, Ges,-Amto, Bd, i. 1881, p, 38, 30, und Tafel I. II. ') Dio Aetiologle des Erysipels. Berlin 1883,
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Der Streptocoooos ilcs EryslpelBi
:{orgt;
Auf der.(bei Brüttemperatm gehaltenen) Agarplatte kommt es zur Entwiokelung kleiner punktförmiger Colonien, welche auch hier eine grössere Ausdehnung' niclit erreichen.
Streicht man das Material auf der Oberfläche von Nfthr-gelatine oder von Agar aus, so kommt es auf den hesäeten Stellen des Nährbodens zur Entwiokelung kleiner, runder, durchscheinender, feinsten Thautröpfchen vergleichbarer Häufchen, welche dauernd von einander isolirt bleiben.
Erheblich besser als auf den genannten festen Nährböden wächst der Streptococcus des Erysipels in Bouillon. Er bildet hier einen wolkigen Hodensatz, der sich bei Bewegungen des Culturgefässcs in die Flüssigkeit erhebt. Mikroskopisch findet man den Bodensatz be­stehend aus schonen langen Ketten.
Auf Kartoffeln scheinen die Krysipelascoccen nicht oder kaum zu wachsen.
Die erfolgreiche Uebertragung der Coccen resp. die künstliehe Erzeugung- von Krysipel durch ihre Uebertragung ist, wie oben er­wähnt, bei Menschen sowohl wie bei Kaninchen gelungen. Nach der Impfung am Ohr bekommen die Kaninchen eine von der Impfeteile aus auf Kopf und Nacken sieh ausbreitende, mit Temperatursteigerung verlaufende ervsipelatöse Hautentzündung, die in etwa (i—10 Tagen ihr Ende erreicht und in Genesang übergeht. In den erkrankten Partien findet man beim Kaninchen die Coccen genau so angeordnet wie bei dem Erysipel des Menschen, so dass es sich in der That um typisches Erysipel handelt.1) Mäuse erscheinen unempfänglich.
Bei der natürlichen Infection des Menschen bilden Hautverletzungen wohl ohne Zweifel die Eingangspforte für den Erreger.-)
Die Erysipelasooccen färben sich mit wässerigen Karblösungen: sie färben sich auch nach der Gram'sehen Methode (p. 100 ff.).
Auf Taf. XI, Eig'. 60, ist ein Schnitt durch die ervsipelatöse Haut des Menschen bei KlOOfacher Vergrösserung dargestellt. Das nach meiner Modification der Gram quot;sehen Methode gefärbte Präparat zeigt deutlich die kettenförmige Anordnung des Hrysipelcoccus.
') Nach Unteisudinngen von Kessler (Kliiiisdi-expcrimeiitelle Studien über ohiiaigisdhe lofectionskranklieiten. München 1891. — Centralbl. f. Hakt. Bd. 13. p. 197) bringt die gleichzeitige Verimpfmig dos Krvsipelstrcptoeoeous und dos l!ac. prodigiosuB auf das Kanlnohenohr eine sehr heftige Phlegmone mit Eiterung und (Jewebsbrand hervor.
'-') Unter Umständen sdbeint beim Menschen auch eine allgemeine Strepto-coooeninfeotion in Folge von Hauterysipel vorkommen zu können, (cf. Pfuhl, Zeltschr. f. Hyg, Bd. 12. 1892.)
(Hintlior, Bakteriologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 20
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;}06nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;U- Die Bakterien uls Kranklieitscnegor.
Nach neueren Feststellungen von Jordan1) kommen beim Men­schen typische Erysipeltalle vor, welche nicht (lurch den besprochenen Streptococcus, sondern durch andere Mikroorganismen hervorgerufen werden. Jordan beobachtete zwei Fälle, die durch den Staphylo-0oocus pyogenes aureus (cf. den nächsten Abschnitt) veranlasst waren. Von diesen Fällen betraf der zweite eine Krankenwärterin, welche sich offenbar an dein ersten Falle, den sie gepflegt hatte, iulicirt hatte.
23. Die Eilermikrococcen (pyogene Coccen).
Wo wir Eiterungen im Organismus autreffen, da linden sich auch Mik r o or ga nism en. Dieser Satz hat für natürliche Verbält­nisse ganz allgemeine Gültigkeit. Nur auf besonders künstliche Weise können wir, experimentell, Eiterung erzeugen, ohne dass Mikroorga­nismen dabei betheiligt sind.-') Unter natürlichen Verhältnissen wird die Eiterung stets durch Infection mit Mikroorganismen hervorgerufen.
Die verbreitetsten Eitermikroorganismen sind die („pyo­gene nquot;) Staphylococcen. Dieselben wurden in aeuten Abscesson mikroskopisch constant zuerst von 0 g s t o n:1) gefunden. J. Kosen-bach'), F. Krause'''), Passetquot;), Garre7), Hoffas) und andere Autoren studir.ten die Stapbylococcen mit Hülfe der modernen Rein-culturmethoden und wiesen die ausgedehnte Bedeutung derselben in der menschlichen Pathologie nach.
Es giebt eine ganze Reibe von pyogenen Stapbylococcen. Der verbreitetsto, wichtigste, giftigste ist der Staphylo coccus pyo-der zweitwichtigste ist der S taphylocoecus
') Arch, I. klin. Chlr. Bd. 42. 1891.
'2) Soheurlen (Langenb. Arcli. Bd. 36. 1887) sub nadl Injection von ste­rilen l'tomaincn Eiterung auftreten: Orawitz und do liary (Vircli. Avch. Bd. 108. 1887) haben gel'undon, dass man durch snbentane Injection steriler chemisch reizen­der Flüssigkeiten, wio 5 proo. Lösung von Argent, nitric, stärkerer Anunoniakflüssig-keit, Terpentinöl, bei Hunden Ahscesso erzeugen könne; Steinhaus (Die Aetiologie der aenten Eiterungen. Monographie. Leipzig 1889) wies eiternngserregende Fälligkeit auch für andere sterile cheniiseho Körper nach.
B) Arcli. f. klin. Cliir. lid. 26. 1880.
') Mikroorganismen bei den Wundinfeotionskrankheiten des Menschen. Wies­baden (Bergmann) 1884j cf, auch Vortrag auf der 57. Vers, deutscher Naturf. u. Aerztc. Magdeburg 1884. (Deutsche med. Wochenschr. 1884. p. 831.)
#9632;'') Fortsein-, d. Med. 1884. p. 221 If.
u) Foi;tschr. d, Med. 188.-.. p. 33ff.
7) Fortsein-, d. Mod. 1885. p. I66ff,
s) Fortsein-, d. Med. 1880. p. 75 If.
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Die Eltenulkiooooaon (pyogeae Coocen).
•Ml
pyogenos alb us. Danebon hat man noch einen Staph. pyog. citreus, einen Htaph. cere us alb us und einen Ktaph. cere us flavus statuirt. Wir wollen nur die ersten beiden etwas genauer betrachten.
Aussei1 den pyogenen Htaph ylococcen haben auch noch andere Mikroorganismen eiterungserregende Eigenschaft. Unter diesen ist der Streptococcus pyogenes der bei Weitem wichtigste. Auch diesen worden wir daher besonders zu betrachten haben.
Die Art und Weise, wie durch Mikroorganismen Eiterung veran-lasst wird, haben wir uns nach neueren Untersuchungen von H. Buoh-n e r so vorzustellen, dass gewisse ehe m i s c li e Körper, welche primär in der Bakterienzelle vorhanden sind, auf die Leukocyten des Körpers einen anlockenden („positiv chemotac-tischenquot;')) Einlluss ausüben. Büchner'-) hat für eine grosse Reihe von Bakterienarten den Nachweis geführt, dass ihre eiterungs­erregende Fähigkeit an chemische, in der Bakterienzelle vorhandene Substanzen gebunden ist;!). Liess Büchner durch Hitze sterilisirte Culturaufscliwemimmgen wochenlang stehen, so war, nachdem sich die Bakterienzellen zu Boden gesetzt hatten, nur der aus den Zellen be­stehende Bodensatz eiterungserregend, nicht die Flüssigkeit. Die in der Bakterienzelle vorhandenen, eiterungserregenden chemischen Sub­stanzen gehören, wie Büchner nachgewiesen hat, zu den Bakterien­proteinen1) (of. p. 42). Diese chemotactisch wirksamen Eiweiss-
') Mit dorn Ausdrucke „Chomotaxisquot; bat W. Pfeffer (Uobor cliomotac-tisdio Bewegungen von Bakterien, Flagellateii uml Volvootoeen. Unters, a. d. Bot. Inst. Tübingen. Bd. 2. 1888.) gewisse Bewegungsersoheinungen belegt, welche durch die Einwirkung gelöster oheiulseher Körper auf eigenbewegliohe Mikroorganis­men bei den letzteren zu Stande kommen. Pfeffer beobachtete nämlich, dass ge­löste chemische Körper, welche (in einseitig zugesohmolzenen Capillarröhrohen dispo-nirt) mit dem die beweglichen Mikroorganismen enthaltenden Wassertropfen in Contact gebracht werden, entweder attractiv, anziehend, oder repulsiv, abstossend, auf die Organismen einwirken. In dem ersten Falle dringen die Organismen In das Kührchon ein („positive Chemotaxis''); in dem zweiten lliehen sie von ihm hinweg („negative Chomotaxisquot;). Die chemutactische Wirkung ist je nach der verschiedenen Art und Concentration der gelösten Körper, ferner je nach dem verschiedenen Orgamsmenmaterial eine verschiedene.
-) Centralbl, f. Bakt. Bd. 8. 1890. No. 11.
8) Für den Tuberkelbaoillus hat H. Koch (of. oben p. 2;\\, Anm. 4) die Anwesenheit einer eiterungserregenden chemischen Substanz in der Bakterienzelle nachgewiesen.
') Zur Extraliirung dieser chemotactisch wirksamen Körper aus den Bakterien­zellen ging Büchner ursprünglich su vor, dass er die Culturen mit 0,6 proo. Kali-
20*
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3(lJinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;H. Dlo Bakterien nls Krank]ieitBerregerlt;
körper scheinen eine hochgradige Beständigkeit zu haben. Selbst stundenlange Erhitzung auf 120deg; C. im Dampfkessel vernichtet ihre eiterungserregende Fähigkeit nicht. Durch Einverleibung- dieser Proteine in den Kaninohenkörper wird (aseptdsohe) Eiteransamm­ln ng bewirkt; bringt man den Thieren diese Substanzen intravenös bei, so entstellt, wie Huchner1) und Euemer feststellten, starke Vermehrung der Leukooyten im Blute (Leukocytose). Uebrigens hat Büchner8) geftinden, dass aussei- den Bakterienproteinen auch andere Eiweisskörper (GliitencaseTn. Alkalialbuminat, Leim etc.) eiterungserregend (positiv ohemotaotisch auf Leukooyten) wirken.
Wir wenden uns jetzt zur Betrachtung derjenigen Bakterienarten, welche am häufigsten als Erreger spontaner Eiterungen auftreten.
a. Der Stapbyloeooons pyogeues anrens.
Der S taph ylococcus pyogenes anrens wurde zuerst (aus Abscessen) von J. Rose nbach :!) reincultivirt. Der Coccus tritt als Kügelchen von durchschnittlich 0,7 /i Durchmesser auf. Die Kügel-ciien gruppiren sich gern zu weintraubenähnlichen (cf. p. 12) Zu-sammenlagerungen. Dabei- der Name „Stapliylococcenquot;'). Auf Tat'. Ill, Pig. I;?, ist ein Präparat von Staphylococcus anrens dargestellt, welches die „AVeintraubenquot; gut erkennen lässt.
Der Staphylococcus aureus wächst auf den gewöhnlichen Nähr­böden, bei Brüttemperatur besser als bei Zimmertemperatur.
lange behandelte; die entstandene Lösung wurde dann mit Säuren ^eflillt. Dio Präoipittlte wurden wieder mit Kalilauge gelöst, wieder mit Siinreii gefällt; und diese Procedur wurde so mehrmals wiederholt. Die so aus der Bakterienzelle extrabirten Eiweisskörper (Protetne) wurden von Büchner (Manch, mod. Wechenschr. 1891. No. -lii) als „Alkali proteinequot; bezeichnet. Eine erheblich grössere Ausbeute an Proteinen erzielte Büchner (ebenda) auf folgende Weise: Dio von dem Nährboden abgestreifte Bakterienmasse wird bei 38deg; C. mehrere Tage lang getrocknet, dann mit dem 10 fachen Qewicht (der ursprünglichen feuchten Bakterienmaase) beissem Wasser verrieben , dann auf dem Sandbad mit Küeklhisskiiblei- eine Stunde lang- gekocht, endlich durch Kieselguhr BItrirt und nachher eingeengt. Durch absoluten Alcohol werden dann die Proteine ausgeMlt. Dieselben machen o. 2.quot;gt; bis -Inquot;;,, der ange­wandten trockenen Bakterienmasse aus. Dio so dargestellten Proteine sind leicht löslich in Wasser und werden durch schwaches Ansäuern der Liisinif? (im Gegensatz zu den ,.Alkaliproteinenquot;) nicht gelallt.
') Berl. klln. Wochenschr, 1890, No. -17. p. 1087.
-) Deri. Win. Wochenschr. 1M)0. No. 47.
quot;•) Mikroorganismen bei den Wundinfeotionskrankheiten des Menschen. Wies­baden lbS4.
') Dieser Name stammt von Ogston.
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Die Eltennikioooooen (pyogene Cocoen).
809
Auf (lor Gelatine platt i' bildet er zunächst weisse, dann orange­gelb werdende runde Colonien. die eine nur massige (irösse erreichen und die Gelatine massig schnell verflüssigen. Mikroskopisch erscheinen dieselben als seharfrandige. dunkle, grobkörnige Gebilde. In der G e 1 a -tinesticlicultur ist das Waclistluun ein dem entsprechendes. Die oberen Theile des Impfstiches werden zunächst verflüssigt.
Auf der Agarplatte im Brutschrank bilden sich in 1 bis 2 Tagen Colonien aus, die an der Oberfläche dos Nährbodens einen mehrere Millimeter betragenden Durchmesser erreichen und als saftige, orangegelbe Häufchen erscheinen.
Auf der A gar ob er fläche (Strichcultur) bildet dor Coccus einen feuchtglänzenden orangegelben Ueberzug; fand die Züchtung im Brut­schrank statt, so erscheinen die Kander der Cultur häufig weiss.
Auf der Kartoffeloberfläche entwickeln sich saftige gelbe Beläge.
Der Staphylooocous aureus ist ziemlich re sis tent gegen das Austrocknen und gegen die verschiedensten chemisch oder physikalisch wirkenden Desinfectionsmittel.
Mäuse, Meerschweinchen und Kaninchen sind durch cutane Impfung mit dem Coccus nicht zu inficiren; bei subeutaner Ein­verleibung entstehen gewöhnlich locale A b s c e s s e, welche in Ge­nesung übergehen. Injicirt man Kaninchen den Coccus in das Blut, so gehen die Thiere unter Auftreten eitriger Entzündungen, namentlich der Gelenke, sowie unter Bildung metastatischer eitriger Herde und Infarcte, namentlich in den Nieren, zu Grunde.
In den so häufig in unserer Haut auftretenden Furunkeln sowie in den durch Zusammenhäufung mehrerer Furunkel entstehenden eitrigen C a r b u n k e 1 n findet sich der Staphylococcus aureus gewöhn­lich. Er vermag, wie dies Garre1) experimentell an sich selbst fest­gestellt hat, durch die unverletzte Haut einzudringen und eitrige Hautentzündungen zu erzeugen. Nach Garre's Ansicht scheint die Infection hierbei ihren Weg durch die Ausführungsgänge der Haut­drüsen zu nehmen. Aussei- dem Furunkel resp. Carbunkel verdankt auch das Panaritium seine Entstehung gewöhnlich der Infection mit dem Staphylococcus aureus. Damit ist aber die Bolle dieses Coccus in der menschlichen Pathologie nicht erschöpft. Bei'-) den acuten (hoissen) Abscessen sowie den (melir circu mscripten)
Bd.
') Fortsohr. d, Mod. 1886, p. no, 171. ') Nach Baumgarten, Lehrbuch d. path. 1. p. 2117IV.
Mykologie, Bmunsohweig Isno.
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31lt
J5. Die üaktcricn als KrankhcitspiTP'ror.
Phlegm On en der Haut, bej Impetigo, Sycosis, Blophiiro-adenitis, Conjunctivitis phly c ta on ulosa findet er sich. Ferner wird er bei dor aouten infeotiösen Osteomyelitis ganz regelmässig gefanden. Dann findet ersieh bei Lympbdrüsen-eiternngen, in Empyemen, bei Gelenk- und Sohleimbeutel-ei to run go n, im Tonsillarabscess, in den eitrigen Secrct-pfröpfen bei Angina lacuna ris, in Mammaabscessen, bei P a r o t i s o i t o r u n g e n, bei idiopathischer C e r e b r o s p i n a 1 m e n i n -gitis, bei Strumitis, eitriger Periplearitis, bei der sym­pathischen Oph thai in io. Zu bemerken ist, dass in den er-wfthnten Fällen auch andere Eiterooocenarten, namentlich der Staphylococcus albus, angetroffen werden können. Häufig sind Misobbeftmde.
Uebrigens entsteht nicht in allen Fällen bei der Vermehrung des Staphylooocous pyogenes aureus im Körper Eiterung. So fand Gold-scheider1) den genannten Mikroorganismus (wie auch den Strepto­coccus pyogenes) bei rein seröser Pleuritis.
Aussei- in Fällen primärer resp. localer Eiterungen wird der Staphylooocous aureus auch als Erreger soeundäror Eiterungen angetroffen. Allerdings spielt er in dieser Beziehung eine weniger hervorragende Eollo als der weiter unten zu betrachtende Strepto­coccus pyogenes.
Oben hatten wir schon gesehen, dass der Staphylocoocus aureus, Eaninohen in die Blutbahn gebracht, metastatische Eiterungen ver-anlasst. Orth und Wyssokowitsch8) fanden dann, dass, wenn man den Kaninchen vor der Staphylococcusinjection in das Blut eine Verletzung der Herzklappen macht (durch Einführung eines Instrumentes in die Carotis), die Staphylococoen sich dann in dem verletzten Endocard ansiedeln und acute ulcoröse Endocarditis veranlassen. Ribbert8) gelang die experimentelle Erzeugung dieser Affection auch ohne vorherige Klappenverletzung, und zwar gelang sie dadurch, dass er sehr kleine Kartottelbröckchen den Thioron injicirte, die mit Staphylococcuscultur imprägnirt waren. Diese Thiorversuche wurden angestellt, nachdem man beim Menschen in Fällen von ulcoröser Endocarditis (die [nach Baum garten) in den meisten Fällen wohl als Localisation eines von einem anderen Herde eingeleiteten Allgemein­leidens auftritt) Staphylococoen in den Klappenwuclierungen nachge-
i) Zeitschr. f, klin. Mod. Jid. 21. -) Centr. f. d. med. Wlss. 1^5. No ;i) Fortsein'. (1. Med. 1886. No. I.
33.
Vircli. Arcli. Bd. 103. 1886.
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Dio Eitcrmikrococcon (pyogSUQ Cocccn).
811
wiesen liatte. Ebenso haben sich Staphylococcen später aucli bei verrueöser Endocarditis auffinden lassen1).
Der Staphylococcus aureus färbt sicli mit wässerigen Farbiösungen; er färbt sich auch nach der Gram'sehen Methode (p. 100 ff.).
b. Der Staphylococcus pyogeucs albiis.
Der Staphylococcus pyogenes albus ist vielleicht nur als Varietät des Staphylococcus aureus aufzufassen. Er zeigt weisse, nicht gelbe Culturen, ist etwas weniger giftig für den Thierkörper als der Staph. aureus. Im Uebrigen gleicht er dem letzteren vollständig.
c. Der Streptococcus pjogenos.
Manche Eiterungen haben die Tendenz, sich auf dem Wege der Lymph bahnen fortzupflanzen, Lymphangitis, Lymphadenitis zu be­wirken. Diese „phlegmonosenquot; Eiterungen sind es, bei welchen der (von J. Rosenbach2) zuerst aus Eiter reincultivirte) Streptococcus pyogenes regelmässig angetroffen wird.
Handelt es sich hier häufig um local bleibende Ansicdlung des Streptococcus, die bei geeigneter (operativer) Behandlung oder auch ohne eine solche gelegentlich zur Heilung gelangt, so findet sich der Streptococcus pyogenes auf der anderen Seite auch, und zwar ausserordentlich häufig, als der Vermittler schwerer allgemeiner, metastatisoher, eitriger Processe (Pyaemie), welche gewöhn­lich mit dem Tode endigen (of. oben p. 176). So sehen wir bei dar puerperalen Pyaemie den Streptococcus im Blute kreisen, die Nierengefässe embolisiren und dort metastatische Eiterungen veran­lassen; wir sehen ihn schwere Gel en ken tzündungen bewirken, schwere acute Endocarditis veranlassen u. s. f. Die Infections-pforte kann hierbei eine ganz verschiedene sein. Bei der puerperalen Pyaemie geschieht der Eintritt der Streptococcen durch die offen­stehenden Uterusgefässe. In vielen Fällen (z. B. bei Scharlach, wo wir sehr häufig „seeundärequot; Infectionen durch Streptococcen auftreten sehen) dürfte die erkrankte (und dadurch wohl leichter durchgängige) Hachenschleimhaut als Infectionspforte fungireii.
Der Streptococcus pyogenes ist in seinem gesammten Verhalten in künstlichen Culturen und auch Thi eren gegen über
') E. Fraenkel und Sftnger, Viroh. Arch. Bd. 108. 1887. ') Mikroorganismen bei laquo;Ion Wundinfeotlonskmnkheiten des Menschen. baden (Bergmann) 1884.
Wies-
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312
li. Die Bakterien als Krankbeitserreser-
(lurch nichts u n terscli itMlen von dem Streptooooous des Erysipels, den wir üben (p. 304) bctraohtoton. Er wird des­halb mit diesem jetzt ganz allgemein liir identisch1) angesehen. Ein rhütügnimm des Streptococcus pyogenes bei lOOOfacher Ver-grösserung zeigt Taf. I]I, Fig. 14.
Dor Streptococcus pyogenes färbt sich (in Uebereinstimnuing mit dem Streptococcus des Erysipels) auch nach der Gram'sehen Methode (p. 100 if.).
Neuere Untersuchungen über Streptococoen, welche wir nament­lich v. Lingelsbeimquot;-), Kurth8), Behring1), Knorr5) ver­danken, haben zu dem Resultat geführt, dass die in der Natur vor­kommenden Streptococoen doch eine gewisse Classilicirung gestatten. Nicht etwa, dass sich irgend welche durchgreifenden Unterschiede zwischen dem Streptococcus erysipelatos und dem Streptococcus pyogenes feststellen liessen: die Unterschiede bestehen in anderer Richtung. Cultivirt man nämlich Streptococoen in Bouillon, so findet man bei der mikroskopischen Untersuchung der entstellenden Vegetation meist, dass dieselbe aus sehr langen, vielgliedrigen Ketten besteht (cf. oben ]gt;. 305). In seltneren Fällen besteht die Vegetation aus ganz kurzen Streptococcenketten. v. L i n gels h e i in und B e h r i n g haben hiernach unterschieden zwischen Streptococcus longus und Strepto­coccus b r e V i s.
Der letztere, der Streptococcus b re vis, scheint in der Pathologie des Menschen keine oder nur eine sehr geringe Rolle zu spielen; auch für Thiere (Kaninchen und weisse Mäuse) zeigt er sich nicht pathogen. Er ist ausserdem durch makroskopisch sichtbares Wachsthum auf Kartoffeln und ferner dadurch von anderen Strepto­cocoen unterschieden, dass er die Gelatine etwas verflüssigt.
Der Streptococcus lung-us hingegen ist es, welcher für die menschliche Pathologie so ausgedehnte Bedeutung hat. Innerhalb der Streptococoen, welche zu dem Streptococcus longus gerechnet werden müssen, eine weitere durchgreifende Difterenzirung zu statuiren, hat
') E. Fraenkel hat eino schlagend bowoisomle Illustration für diese Identität publidrt (Centralbl. f. Bakt. Bd. 6, 1889. Nu. 25). Er oultivlrte aus porltoni-tisohem Kit er in zwei Fällen Streptococoen, die, auf dus Kaninelicnülir eutan verlmpft, typisches Erysipel erzengten.
a) Zeitsohr. f. Byg. Bd. 10. isiM: Bd. 12. 1892.
8) Arb. a. d. Kais. Qes.-Amte. Bd. 7. 1891.
') Centralbl. f. Hakt. Bd. 12. 1892. No. 6.
'#9632;') Zeitselir. f, Hyg. Bd. 13, ISIW.
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Die EitiTmikrococcru (pyogene Cocoan).
318
sich bisher als unmöglich herausgestellt Das aber muss betont werden, dass verschiedene Gulturen des Streptococcus longus eine ganz verschiedene Virulenz besitzen können. Als Reagens hat sich in dieser Beziehung am brauchbarsten die vv eiss e M a u s erwiesen. Nach subeutaner Einverleibung kleiner Quantitäten sehr virulenter Bouülonoultur gehen diese Thiere nach 8 bis 4 bis ü Tagen ZU Grunde. Man findet Eiterung an der Infectionsstelle und eine durch die Streptoooccen veranlasste Septicaemle; die Milz ist ver-grössert. Ist die Virulenz geringer, so wird die Krankheitsdauer ver­längert, und es können sich dann auch Eiterherde in den Organen finden. Der Tod tritt dann manchmal erst nach Wochen oder sugar Monaten ein. Es hat sich nun durchgehend eine gewisse Beziehung zwischen dem Virulenzgrade und dem Aussehen der Bouilloncultur constatiren lassen: Je mehr der Streptococcus longus die Neigung zeigt sich in seinen Vegetationen in der Nähr bouillon zu fest verfilzten Haufen zusammenzuballen, desto mehr viru­lent ist er für weisse Mäuse. Für die sich fest zusammenballenden, sehr virulenten Streptococcen hat Kurth1) den Namen „Strepto­coccus conglomeratusquot; erfunden. Es muss aber nochmals darauf hingewiesen werden, dass die letztere Bezeichnung nicht etwa eine für sich abzugrenzende Art bedeutet.
Für Kaninchen sind die langen Streptococcen ebenfalls pathogen. Auch hier schwankt die Virulenz ausserordenüioh. Bei subeutaner Einverleibung können die Thiere an schnell (in wenigen Tagen) ver­laufender Septicaemie sterben, oder aber es kann sieh auch ein längerer Krankheitsprocess an diese Infection anschliessen: stirbt das Thier dann nach Wochen, so findet man Eiterherde in den Organen, eitrige Pleuritis und Pericarditis etc. Bei outaner Einverleibung bekommen die Kaninchen meist orysipelatöse Affectionen. Bei geringerer Virulenz des Impfmaterials kann die Entwickelung des Ervsipels ausbleiben-). Es hat sich übrigens herausgestellt, dass eine Cultur, die für Kaninchen besonders virulent ist. deshalb nicht auch für Mäuse besonders virulent ZU sein braucht, und umgekehrt.
quot;
') Kurtli laml sok-he Streptococcen ausschliesslioh bei schweren Sohar-laclilallon.
-) v. Lingelsheim (Zeitschr, f. Hyg. Bd. 12, is!i2. p, 317) konnte das Evysipcl in solchen Fällen ott noch dadurch hervorrufen, dass er an der geimpften Stelle (er benutzte [cf. auch oben ]gt;. 305] das Ohr des Kaninchens) Kreislaufstörungen herstellte (Anbringung eines Collodium- oder Heftpflaaterstreifens),
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314nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;B' ^'(' Bakterien ills Krimkhoitserroger.
24. Die Bakterien der Pneumonie.
Dit1 ersten Jialvtorii'iihefundc bei der Pnoumonie wurden von Klebs (1875) erhoben1); dann folgte Eberth9); und Robert Kooh8) war dann der Erste, weicher (1881) die in einem Falle von Pneumonie (nach Recurrens) in den Schnitten der Lunge und der Nieren aufgefundenen Bakterien photographisoh flxirte. Friedländer') wies dann in einer Reihe von Fällen croupöser Pneumonie in Schnitten des erkrankten Lungengewebes constant Coooen nach. In dem mit Hülfe der Pravaz'sohen Spritze dem lebenden Pneumoniker entnom­menen Lungensafte fanden dann Ley den und (eine Reihe von Mo­naten früher) der Verf. ebenfalls Mikrococcen. Auf Taf. XII, Fig. 68, gebe ich ein Photogramm desjenigen Präparates, welches ich damals (im Mai 1882) gewann.5) Friedländer hat späterquot;) angegeben, dass ich damals zuerst die „Kapselnquot; der Pneumoniecoccen gesehen und (in einer Zeichnung) abgebildet habe. Ich mochte es jedoch für fraglich halten, ob die ungefärbten Räume, welche in diesem Präparate die Bakterien umgeben, für Bakterienhüllen, für Kapseln, angesehen wer­den dürfen; die Möglichkeit ist allerdings nicht direct abzuweisen.
Der Erste, welcher aus der pneumonischeu Lunge Bakterien in R e i n c u 11 u r z ü c li t e t e, war F r i e d 1 ä n d e r. F r i e d 1 ä n d c r be­diente sich der Vortheile, welche der von Koch eingeführte feste Nährboden bietet, nur halb. Es wurden in seinen Culturversuchen keine Platten angelegt; überhaupt wurde keine Rücksicht darauf ge­nommen, dass etwa verschiedene Bakterienarten indem zu unter­suchenden Materiale vorhanden sein könnten. Friedländer legte mit dem aus der kranken Lunge entnommenen Materiale directe Stich-cnlturen in Gelatine an und erhielt auf diese Weise Culturen eines Organismus, den er zwar mit dem Namen „Pneumoniemikro-cocousquot; belegte, der aber, wie sich in der Folge gezeigt hat, nur ganz ausserordentlich selten bei der Pneumonie vorkommt.
Wie nämlich A. Fraenkel7) und Weich seibaunis) gezeigt
') Arcli. f. exp. Path. Bd. l.
-) Deutsches Aroh. f. klin. Med. Bd. 28.
:l) Mittli. n. d. Kais. Qes.-Amte. Bd. I. 1881.
') Virch. Arch. Bd. 87.
#9632;quot;') Dieses Präparat habe ich im Verein für innere Medicin zu Berlin am 20. Nov. 1882 (Deutsche med. Wochriischr. ISSIJ. p. 52) (leinonstrirt. Das Photogramm Taf. XII, Flg. 08, zeigt genau die damals demonstrirte Stelle.
quot;) Fortsein-. (1. Med. I^8:t. p. 710.
7) Verb. d. 3. Congr. f. inn. Med. 1884. — Zeitsohr. f. kl. Mod. Bd. 10 u. II.
s) Wiener med. .luhrliiiclior. 188(1.
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Die Bakterien der Pneumonle.
815
haben, kommt dor von Friedlünder gezüchtete „Pnoinnuniemikro-coecusquot;, welchen Weichsel bäum seiner Furm nach als „Bacillus pnoumoniaequot; bezeichnet hat, nur höchst selten bei der Pneiunonie vor. Weichselbaum fand ihn in 83 Fällen von Pneumonip, in denen er Cnlturen anstellte, nur G Mal, während in der grössten Mehr­zahl der Fälle (54 Mal) ein anderer Mikroorganismus gefunden wurde, den zuerst A. Fraenkel rein eultivirte, und den Weicbs ei bäum als „Diplococcus pneumoniaoquot; bezeichnet. Aber auch der letztere stellt einen ganz constanten Befund nicht dar.
Fs kommt übrigens bezüglich des Eakterienbefumles ganz darauf an, ob die Pneumonie eine genuine, primäre, oder üb sie eine aeeidenteile, seeundäre ist. Während bei der erstoren in den allermeisten Fällen (wenn auch nicht constant) der Diplococcus p n e u m o n i a e gefunden wird, so trifft man bei den seeundären Pneuinonien aussei- dem Diplococcus pneumoniao und ausser dem Bacillus pneumoniae unter Umständen auch den Strepto­coccus p.vogones, ja sogar den S taphyloc occ us pyogenes aureus an.
Ein einheitlicher Bakterienbefund oxistirt also bei der Pneu­monie n i c h t.
Ausserdom ist auch die Rolle des am häufigsten gefundenen Organismus, des Diplococcus pneumoniae, mit dorn Vorkommen bei der Pneumonie durchaus nicht erschöpft. Man hat ihn z. E. bei Otitis media (Zaufal, Weichsel bäum), bei epidemischer Cerebro-spinalmoningitis (Foä und Bordoni - Uffreduzzi, Woichsel-baum) wie auch bei sporadischer eitriger Meningitis (Wo ich sei­bau in, Ortmann, Zörkendörfer), forner bei primärer Nephritis (Mircoli), bei ulceröser Endocarditis (Weichselbaum) nachgewiesen; und es ist Weiohselbaum auch gelungen, bei Kaninchen nach vorhergehender Verletzung der Herzklappen (cf. p. 810) durch intrave­nöse Einverleibung des Diplococcus pneumoniao Endocarditis experimentell hervorzurufen. Auch bei primärer multipler Oelenkontzün-dung ist der genannte Mikroorganismus gefunden worden (Boulloche).
Der Diplococcus pneumoniae wird auch bei einzelnen ganz ge­sunden Menschen ganz constant in der Mundhöhle angetroffen; es giobt Menschen, deren Mundllüssigkeit, Kaninchen subeutan injicirt, die Thiere an derselben Septicaemie („Sputumseptioaemiequot;) zu Grunde gehen lässt, die nach Injection virulenter Reincultur des Diplo­coccus pneumoniae (cf. p. 817) entsteht.1)
') W. D. Miller (The human month as a foeus of infcetion. Dontal-Coamos.
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H I (inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;15. Dlfl liiiktoiioii als Kraiiklioitscrn^or.
Aus dem Dargelegten geht hervor, class von einer völligen Klar­heit hinsichtlich der Entstehungsursaohe der Pneumonle keine Rede ist. Besonders fehlen auch Überzeugende Thierversuche, welche die Pneumonle veranlassende Eigenschaft des einen oder des anderen Mikroorganismus darthun, noch völlig.
Der Diplococcus pneumoniae sowohl wie der Bacillus pneumonlae sind im Uebrlgen für Thiere pathogen.
Wir wollen in Folgendem die Eigenschaften beider Organismen in Kürze darstellen.
n. Her IMplooooons pnciimoiilno.
Der Diplococcus pneumonlae (Fnenmoniemikrocooous A. Fraenkel, Mikrococous der Sputumseptioaemie, Diplococcus lanceolatus. lanzettförmiger Diplococcus, Meningocoecus, Streptococcus lancoolatus Pasteuri) wird häufig in dem pneumonischen Lungensafte, feiner hei Atl'ectionen, welche sich seeundär an eine bestehende Pneumonle ansohUessen (Pleuritis, Pericarditis, Peritonitis, Meningitis, Endocarditis etc.) angetroffen. Im pneumonischen Sputum lindet er sich gewöhnlich; er kommt aber auch im normalen Sputum ganz ge­sunder Menschen vor').
Der Diplococcus pneumonlae ist vielleicht nicht eigentlich zu den Mikrococoen zu rechnen. Seine meist zu zweien zusammen auftretenden Individuen sind gewöhnlich etwas in die Länge gezogen und an den Enden deutlich lanzettförmig zugespitzt (cf. das typische l'hotogrammquot;-) Fig. 68 auf Taf. XII); gelegentlich lindet sich der Organismus auch in kürzeren oder längeren Ketten angeordnetquot;).
Der Diplococcus pneumoniae ist unbeweglich. Im Gewebe liegend (in der pneumonischen Lunge des Menschen oder in den Or­ganen von Versuohsthieren) zeigt sich der Diplococcus von einer deut­lichen Kapsel (p. 314) umgeben. In künstlichen Culturen zeigt der Organismus keine Kapseln.
Sept.—Nov. 1891) unterscheidet vier verschiedene (für weisse Mäuse patbogene) Arten von „Micrococons of Sputum Septioaemiaquot;, die in der Mundhöhle gesunder Menschen gehinden wurden. — Bezüglich der anderen in der menschlichen Mundhöhle vor-kommenden patbogenen Bakterienarten verweise ich auf das Werk von Miller: Die Mikroorganismen der Mundhöhle. Leipzig ((!. Thieme). 2. Aufl. ISi)2. p, 203if.
') Die erste derartige Mittheilung (ans dem Jahro 1880) stammt von Stern­borg (cf. Centralbl. f. Bakt. Bd. 12. 18(12. p. 63).
-) Vergl. p. 314, Anm. #9632;gt;.
8) Kruse und Paiisini (Zeitsobr. f. Hyg. Bd. II. 1892. p. 283) linden, dass bezüglich der Form des Diplococcus pneumoniae alle Uebergänge von der typischen Gestalt des Diplococcus lanceolatus bis zu der des Streptococcus pyogenes vorkommen.
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Die Bakterien der Pneumonie.
317
Der Diplooooous piummuiiiiio wiiclist auf den künstlichen Xülir-büdun, aber nur bei höherer Temperatur; Unter 22quot; C. kommt ein Waohsthmn nicht zu Stande. Am besten wächst er bei etwa 86deg; C. Die Nährböden müssen schwach alkalisch sein. Auf der Oberfläche von Agar und von Blutserum bildet der Diplo-coecus pneumoniae äusserst feine, wie aus einzelnen Thautröpfchen zusammengesetzt erscheinende Ueberzüge, welche an Erysipelcoccen-culturen erinnern (of. oben p. 806). Agarculturen sterben gewöhnlich schon In wenigen Tagen ab, nachdem sie zunächst ihre pathogenen Eigenschaften für Thiere (siebe weiter unten) verloren haben. Etwas haltbarer sind Boiiilloneulturen. Im angetrockneten Auswurf des Pneumonikers bleibt der Diplooocous pneumoniae lange Zeit lebens­fähig und virulent').
Der Diplococcus pneumoniae ist für unsere Versue.hstliiere, nament­lich für Kaninchen, aber auch für Meerschweinchen und Mäuse, pathogen. Macht man einem Kaninchen mit einer frischen viru­lenten Bouillonoultur eine Injection unter die Haut, so geht das Tliier in 1 bis 2 Tagen an einer typischen Soptioaemie (cf. oben p. 175) ZU Grunde. Die Milz ist stark geschwollen. Ratten sind wenig empfänglich für die Infection, Hühner und Tauben unempfänglich; ebenso fanden Kruse und Pan sin i8) ein Schaf und ein Pferd un-empfängUch.
lieber Immunisirung der so hoch empfänglichen Kaninchen gegen die Infection hat, zuerst Poä8) berichtet; die Immunisirung gelang durch Einverleibung der löslichen Culturproducte des Diplo­coccus. Emmerich und Eowitzky') erreichten eine complete Immunität der Kaninchen durch intravenöse Injection stark verdünnter vollvirulenter Culturen des Diplococcus. Mit den Körpersäften so immunisirter Kaninchen vermochten die Autoren bei der Maus Heilung der speciliscben Infection zu bewirken. G. und F. Klemperer;') haben eine ganze Reihe von Methoden angegeben, mit Hülfe deren man Kaninchen gegen die Infection mit dem Diplococcus pneumoniae zu immunisiren vermag. In dem Blutserum genesener Pneumoniker wiesen die Autoren thierimmunisirende Stoffe nach (cf. oben p. 189).
')nbsp; cf. Bordoni-Uffreduzzi, Centralbl. f. Bakt. Bd. 10.
aiich Arehivk) per lo scionzc mod. vol. lö. 1SSH.
*)nbsp; Zeitsohr. f. Hyg. Bd. I I. 1802.
1891. No, 10 j
!')nbsp; Accail. ili moil, di Tcirino. (1 iluvmliro
ISilO.
II Poliollntoo. 1890.
No, 18. p. 547,
')nbsp; Münoh. mod. Woohensohr. is'.raquo;!. No. ;V2.
B)nbsp; nbsp;Berl, lilin. WVlicnsolir. 1891, No, 34, 31
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318nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ü. Die Bakterien als KranMieitserregeri
Der Diplooooous pucumoniao färbt sich mit den gewöhnlichen wässerig-alcoholisohen Farbstofiflösungen; hier wird dor Prutoplasnia-körper dunkel gefärbt, während die Kapsel nur eine ganz geringe Färbung annimmt. Der Organismus färbt sich auch nach der Gram'-sclien Methode (p. 100 ff.); bei der letzteren bleibt aber nur der Protoplasmakörper gefärbt, während sich die Kapsel vollständig entfärbt.
b. Der Jtnvillus puouinoniao.
Der Bacillus pneumoniae (Pneumonieraikrooocous [Pneumo-C0CCU81 F r i e d 1 ä n d e r) wird in seltenen Fällen bei der menschlichen Pneumonic gefunden, und zwar hier entweder allein oder mit anderen Mikroorganismen zusammen. Er ist auch bei anderen Affectionen (bei Schnupfen im Nasenseoret, bei Otitis media a out a) gefunden worden.
Der Bacillus pneumoniae unterscheidet sich sofort durch seine erheblichere Grosse von dem Diplococous pneumoniae. Man ver­gleiche hierzu die beiden l'hotogramme Fig. 68 und Fig. 69 (Taf. XII), die beide bei IDOOfacher Vergrösserung aufgenommen sind. Fig. 69 entstammt einem Präparate, welches von dem Pleurasafte einer nach intrapleuraler Infection mit dem Bacillus pneumoniae gestorbenen Maus hergestellt wurde1). Man sieht an dem Bilde sehr schön die ausge­prägte Kapselbildung bei diesem Organismus. Uebrigens werden die Kapseln auch hier (wie bei dem Diplococous pneumoniae) nur innerhalb des thierisohen (resp. menschlichen) Organismus gebildet. Die Länge des Bacillus ist verschieden. Eigenbewegung ist nicht vorhanden.
Der Bacillus pneumoniae wächst auf den gewöhnlichen bakterio­logischen Nährböden, und zwar sowohl bei Zimmertemperatur wie bei Briitteinperatur.
Auf der G el a tin oplatte bilden sich weisse Colonien, welche, an die Oberfläche des Nährbodens gelangend, sich als dicke, halb­kugelige, porcellanartig glänzende weisse Knöpfchen über der Gelatine erheben. Die Gelatine wird nicht verflüssigt. In der Stioh-oultur kommt in der gcsammten Ausdehnung des Impfstiches Wachs-thum zu Stande: es bildet sich eine weisse Wucherung, die sich auf der Oberfläche (ähnlich wie bei der Plattencultur) besonders kräftig entwickelt und hier als dicker, halbkugeliger, nagelkopfälmlicher (,,Nagel-
l) Das Präparat stammt aus dem Januar 1886. Die Maus war von Fried­länder pcrsönlicli mit einer soiner Origlnaloulturen infldrt worden.
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Dor Biicilliis dos Rliinoscloroms.
319
culturquot; Trip (I liin der), glänzend weisser Belag ursclieint. Alte Gclatineculturcn zeigen die Gelatine etwas braun gefärbt.
Auf der Agaroberfl äche bildet sicli ein weisslieber Belag. Auf Kartoffeln entwickeln sich gelblich-weisse Aullagerungen, in denen, namentlich bei Brütteniperatur, Gasblasenbildung auftritt.
Traubenz ucker lösungen werden durcb den Bacillus unter Entbindung von Kohlensäure und Wasserstoff vergohren. Hierbei entsteht namentlich Aethylalcohol und Essigsäure.
SporenbiIdnng ist nicht beobachtet.
Die Culturen des Bacillus pneumoniae sind viel dauerhafter als die des Diplocooous pneumoniae. Noch nach Monaten zeigen sie sich lebensfähig.
Der Bacillus pneumoniae ist für Mäuse, ferner auch für Hunde, weniger für Meerschweinchen, pathogen. Für Kaninchen ist er (zum Unterschiede von dem Diplococcus pneumoriiae) nicht pathogen. Brachte Friedländer empfänglichen Thieren die Cultur intrapleural oder intraabdominell bei, oder liess er die Thierc verstäubte Cultur inhaliren, so gingen sie zu Grunde. Es zeigte sich starke Vermehrung der eingeführten Bakterien in der Pleurahöhle resp. in der Bauch­höhle ; ferner waren die Organismen im Blute und in den inneren Organen zu finden. In einzelnen Fällen bildeten sich auch pneumo-n i s c h e Processe ans.
Dor Bacillus pneumoniae färbt sich nicht nach der Gram'-schen Methode (p. 100 ff.). Im Uebrigen verhält er sich hinsichtlich der Färbbarkeit seines Protoplasmakörpers und seiner Kapsel wie der Diplococcus pneumoniae (cf. p. 318).
25. Der Bacillus des Rhinoscleroms.
Das „Bhinoscleromquot; wurde zuerst von Hebra (1870) als selb­ständiges Krankheitsbild beschrieben; v. Frisch wies (1882) zuerst das constante Vorkommen von Bacillen in den rhinosclerotischen Partien nach. C or nil und Alvarez entdeckten (1885) „Kapsel­bildungquot; an diesen Bacillen.
P a 11 a u f und v. E i s e 1 s b e r g ^ züchteten die „R h i n o s c 1 e r o m -bacillenquot; in Reincultur. Dieselben sind sowohl in dem Culturver-halten wie in dem Verhalten gegen Versuehsthiere dem Fried-1 an der'sehen Bacillus pneumoniae sehr ähnlich-). Nur die
1
') Fortschr. d. Mod. 1886. No. li) tu 20.
-) Die KhinoscloroiiibiU'illcn sollen sieh im Gegensatz zu den Friodliindor'-soliou Organismen nach der Grara'sohou Methode (p. UlOff.) färben lassen (Zu-gari, Dittrioh, V. Babos).
I
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820nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bi Die Bdktsi'ieu ills Kranklieltseiroger.
Virulenz ersohien bei laquo;Ifii Rhinosolerombakterien etwas geringer als bei den Priedlftuder'sohen. Rhinosoleroni experimentell damit zu erzeugen gelang nicht.
26. Der Influenzabacillus.
Bei Gelegenheit der Influenzaepidemie des Winters 1891/92 hat H. Pfeiffer1) an einem grösseren Krankenmaterial den Nachweis geführt, dass der k a t a r r li a 1 i s c h e n 1 n f 1 n e n z a , d. li. derjenigen Form der Influenza, bei der in erster Linie die Luftwege erkrankt sind, eine bestimmte wohlcharacterisirte Hacillenart eigenthämüoh ist. Diese Bacillenart, „Influenzabacillusquot;, findet sieh constant und ausschliesslicli bei Influenza; der Bacillus darf deshalb als der Erreger der katarrhalischen Influenza angesehen werden-).
Wir haben uns die katarrhalische Influenza als einen sich primär in den Luftwegen abspielenden Krankheitsprocess vorzustellen. In leichten Fällen kann diese locale Affection die Schleimhaut des Nasenrachenraumes allein betreffen; der Process geht aber gewöhnlich auf die Trachea und die Bronchien über und kann in schwersten Fällen zu der (lobulären) Influenzapneumonie luhren. In jedem Falle findet man in dem die erkrankte Schleimhaut bedeckenden Secret die spedflschen Stäbchen. Dieselben liegen in frischen, Hebernden Fällen meist frei im Schleim; in der Reconvolesoenz zeigen sie sich vielfach im Innern von Kiterzellen eingeschlossen. Bei der Vermehrung der Stäbchen an Ort und Stelle wird ohne Zweifel ein Gift gebildet, welches in den Körper hineingelangt und die schweren, der Influenza eigenthüinlichen Allgemeinsymptome verursacht. Die Stäbchen finden sich in dem (gelbgrünlichen, zähschleimigen) Sputum der Influenza-kranken; sie sind um so mehr von begleitenden Bakterien frei, aus je tieferen Stellen der Luftwege das Sputum sfam-mt. Bei der Section von Fällen, die auf der Höhe der Krankheit verstorben sind, findet mau die Influenzastäbchen in dem Inhalte der erkrankten kleinen Bronchien in Keincultur.
Der Influenzabacillus ist ein sehr kleines, dünnes Stäb­chen (kürzer und dünner als der Bacillus der Mänsesepticacmie) mit abgerundeten Enden. Eigenbewegung fehlt. Die Stäbchen
') Pfeiffer, Deutsche med. Wodhensdhr. IS',^. No. 2; Pfeiffer und Bock, ebenda 1892, No. 21 j Pfeiffer, Zeltsohr. Wr Hyg. Bd. 13. 1898,
-) Uebcr die Aotiologic der „gastrisöhenquot; und der „nervösenquot; Influenza ist noch nichts ermittelt.
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Dor Inlluoiizabarillii.s
321
liegon meist einzeln oder zu zweien mit einander verbunden (TheilungS-vorgän^e). In gefiirbten I'räpaniten zeigen sich liiiulig die Endpole der .Stäbchen gefärbt, während die Mitte ungefärbt ist.
Der Bacillus ist streng aerob. Mr lässt sieh künstlich bei Brüttemperatu r züchten; das Temperaturmininunn liegt bei etwa 26 his 27quot; C, das Temperaturinaxiniuni bei 42deg; (!.
Der Bacillus wächst auf den gewühnlicheii bakteriologischen Xälir-höden durchaus gar nicht; dagegen erhält man einen ausgezeichneten Nährboden für diesen Organismus, wenn man frisches Blut auf die Agarfläche aufstreicht. Es eignet sich zu diesem Zwecke Blut von Menschen, Kaninchen, Meerschweinchen, Tauben, Fröschen. Ein ganz besonders üppiges Wachsthum erhält man auf Taubenb 1 ut-Agar').
Ueberträgt man das bronchiale Sputum des Inlluenzakranken oder den hei dor Section entnommenen Inhalt der erkrankten Bronchien — am besten, nachdem man das Material zunächst mit Bouillon zu einer dünnen Aufschwemmung verrieben hat — auf Blutagar, so bilden sich binnen 24 Stunden im Brütschrank Colonien des Intluenzabacillus. Dieselben erscheinen als dicht gedrängt stehende, wasserhelle Tröpf­chen ; meist sind sie so klein, dass man hehufs ihrer deutlichen Er­kennung die Loupe zu Hülfe nehmen muss. Mikroskopisch erscheinen die Colonien structurlos. Andere Nährböden (gewöhnliches Agar, Glycerin-Agar, Blutserum etc.), welche man in derselben Weise beimpft, bleiben (bei ausschliesslicher Anwesenheit von Intluenzabacillen) durch­aus steril. Die Eigenschaft, ausschliesslich auf hämoglo-binhaltigen Nährböden zu wachsen, ist dem Influenza-bacillus eigenthümlich und kann zur Unterscheidung desselben von anderen Bakterienarten benutzt werden. Mikroskopisch ist eine Dif­ferentialdiagnose von ähnlichen Bakterienarten nicht mit Sicherheit möglich.
Auf dem Blutagar lassen sich die Inlluenznbaciilen in beliebig vielen Generationen fort züchten. Die einzelnen Culturen bleiben bis zu mehreren Wochen lebensfähig. Durch die wiederholte Um-ZÜohtung verlieren die Inlluenzabacillen ihre Eigenschaft, ausschliess­lich auf Blutagar zu gedeihen, nicht.
Im Blut des Influenzakrankeu wurden die lulhienzabacillen mi-
') Dio mit dem Blut bestrichenen Agarröhrchen stellt mau vor der Aufimpfting dolaquo; Influenznmaterials 7.weokniässig 24 Stunden lang In den Brutschrank, um sie auf ihre Sterilität zu prüfen.
Güuthor, Urtktcriologiu.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; '21
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;{22nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Bi Die Bakterien als Eiankbeltserreger.
kroskopiscli von ('anon1) festgestellt. Sie scheinen sich aber ganz ausserordentlicli selten und spärlich im Blute vorzulinden.
Gegen A us tree luinng (und ebenso gegen andere schädigende Einflüsse) ist der Tnlluenzabacillus ganz ausserordentlicli empfindlich. Im leuchten Zustande, /,. J5. in inlliienzasputum, welches vor Aus-trocknung bewahrt bleibt, kann er wahrscheinlich wochenlang entwicke-lungsfähig bleiben. S p o r e n b i 1 d u n g existirt nicht.
Von Versuchsthieren hat sich nur bei Affen eine der katarrhalischen Inliuenza des Menschen ähnliche Affection (durch intratracheale Injection der Reincultur) erzielen lassen. Gegen das speciflsche Gift, welches in den Culturen enthalten ist, zeigen sich Kaninchen sehr empfindlich. Die Thiere bekommen nach der Ein­verleibung desselben Dyspnoe und lähmungsartige Schwäche der Musculatur,
Die natürliche Infection dos Menschen geschieht bei der katarrhalischen Inliuenza ohne Zweifel durch Inhalation der Erreger.
Der Induenzabacillus färbt sich mit den gewöhnlichen Earbstofl-lösungen. Nach der Gram #9632;sehen Methode (p. 100 ff.) färbt er sich nicht.
27. Der R. PfeifTer'sche Kapselbacillus.
R. Pfeiffer'-) fand in der Bauchhöhle eines spontan gestorbenen Meerschweinchens ein zähes eiterartiges Exsudat, welches sich mikro­skopisch aber nicht aus Eiterzellen bestehend erwies, sondern die Rein­cultur eines Bacillus darstellte, der sich auch in dem Blute der Leiche vorfand. Es ist dies ein plumper Bacillus mit abgerundeten Enden, der schöne ovale Kapseln besitzt („Bacillus caps li­la tu squot;).
Der Bacillus ist ohne Eigenbewegung. Er wächst auf den ge­meinen Nährböden, bei Brüttemperatur besser als bei Zimmertemperatur, bildet bei dem Einstich in Gelatine glänzend weisse „Nagelciilturenquot; wie der Fried länd er'sehe Bacillus (cf. p. 318). Der Bacillus ist facultativ anaerob, bildet innerhalb der Gelatine (geruchloses) Gas. Die Gelatine wird nicht verflüssigt.
Auf der Agaroberfl äche bilden sich dicke, saftige, weisse, fadenziehende TJeberzüge, auf der Kartoffel gelblich-weisse, faden­ziehende Beläge.
Sporenbildung wurde nicht constatirt.
') Deutsche mod. Wochoimclir. 1892. No. 2. — Viich. Arch. Bd. 131. ISICl. -) Zeitsohr. f. Hyg. Bd. (i. 1889.
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Der Bi Pfalffer'soUe KapselbaoUluB^ Dor Mtorooooous tetragonus,
323
Für weisse Mäuso und Hausmäuse ist dor Bacillus sehr pathogen. Nach suboutaner Impfung sterben cüeThiere innerhalb von 2 bis 3 Tagen. Die Milz der gestorbenen Thiere ist stark geschwollen. Ueberall im Blute und in den Organen finden sich die Bacillen, mit schönen Kapseln versehen. Meerschweinchen und Tauben sowie Kaninchen sind eben­falls empfänglich für die Infection. Meerschweinchen und Tauben lassen sich aber nur vom Peritonetun aus, Kaninchen nur durch intravenöse Einverleibung grösserer Mengen der Cultur infloiren. Die Körper der gestorbenen Thiere verfallen rascher postmortaler Zersetzung. Das Blut und die Qewebssäfte sind fadenziehend.
Ber Bucillus färbt sieh nicht nach der Gram'sehen Methode (p. 100 ff.), verhält sich sonst hinsichtlich der Kärbbarkeit seines Proto­plasmakörpers und seiner Kapsel wie der Diplococcus pneumoniae (p. 318).
28. Der Micrococcus tetragenus.
Der Micrococcus tetragenus wurde von Koch1) in einer phthisischen Lungencaverne entdeckt. Gaffky-'j studirte ihn-näher und oonstatirte seine pathogenen Eigenschaften für manche Versuchs-thiere. Der Organismus wurde dann von Biondi:!) auch in normalem menschlichen Speichel vorgefunden.
Der Coccus bietet, aus dem thierischen Organismus entnommen, die Eigenthümlichkeit dar, dass er meist in Gruppirungen zu je vier Exemplaren auftritt, die von einer gemeinsamen Hülle, Kapsel, umgeben sind. In Figur 67 auf Taf. XII, welche nach einem Aus­strichpräparate der Milz der an der Tetragenus-Infection gestorbenen Maus aufgenommen ist, sieht man diese Gruppirung und auch die Hüllenbildung deutlich.
Der Micrococcus tetragenus gedeiht, am besten bei Sauerstoff­anwesenheit, auf den gewöhnlichen Nährböden. Auf der Gelatine­platte werden weisse, glänzende, über die Oberfläche kuppenförmig prominirende Colonien gebildet. Die G elatinestichcultur ent­wickelt sich sowohl längs des Impfstiches wie auf der Oberfläche; es bilden sich weisse, auf der Oberfläche glänzende Wucherungen. Die Gelatine wird nicht verflüssigt.
Auf A gar entstehen weisse Ueberzüge; auf der Kartoffel bilden sich schleimige, fadenziehende Beläge.
') Mitth. a, (1. Kais. Qes.-Amte. Bd, 2. iss-i. p, S3.
-) Langenb. Arch. Bd. 28.
•') Zelteohr. f. Hyg. Bd. 2. 1887.
21*
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324nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bi nie Bakterien als Krankbeitseireger.
Der Miorooooous tetragenus ist für welsse Mäuse und Meer-sohweinohen pathogeni graue Mäuse und Feldmäuse verhalten sieh fiist sti'ts i mm im, Kaniiuhon und Hunde sind nicht zu inliciren. Die enxpfängliohen Thiere erkranken naoh suboutaner Einverleibung
und gehen (Mäuse nach 3 bis G bis 8 Tagen) an einer Septicaemie (of. p. 175) zu Grunde. Walirseheiulich vermag der Miorocoocus tetragenus aucli in der mensehliehen Pathologie, speeiell als Eiterungserreger, eine Rolle zu spielen').
Der Micrococcus tetragenus färbt sich nach der Gram'-sohen Methode (p. 100 if.). Im Uebrigen verhält er sich hinsichtlich der Färbbarkeit seines l'rotoplasmakörpers und seiner Kapsel wie der Diplococcus pneumoniae (of. p. si8).
29. Die Spirochaete des Recurrensfiebers.
Bei dem RückfaHüeber (Typhus recurrens) wurde durch Obcr-meierquot;-') (1873) das oonstante Vorkommen sehr beweglicher Spirillen (Spirochaete Obermeieri) im Blute festgestellt. Die Spirillen (of. Taf. XH. Fig. 70), welche ziemlich grosse Gebilde mit spitz zulaufenden finden sind, linden sich nur während der Fieber anfalle, nicht während der Apyrexie. Nur ein einziger Fall ist (von Naunyn8) beschrieben, in welchem sich auch während der lieberfreien Stadien Spirillen im Blute vorfanden (wenn auch spärlicher als während des Fiebers).
Die Spirillen des Hückfallliebers künstlich zu züchten ist bis jetzt nicht gelungen. Sporenbildung ist nicht bekannt. Wie Pasternatzky') fand, halten sich die Recurrensspirillen in dem Körper des bei 0deg; ('. gehaltenen Blutegels5) bis zu 10 Tagen lebend.
Von Versuchsthieren hat sich nur der A ffe für die Infection mit Febris recurrens zugängig gezeigt. Der Affe erkrankt, wie Kochquot;) und Carter7) festgestellt haben, nach Kinimpfimg spirillenhaltigen
!) of. Steinhaus, Zeitsohr. f. tlyg. Bd. 6. 1889; Kapper, W
ien. mod.
Prosso. Isiio. No. 27.
-) Centralbl. f. tl. mod. Wissonsoh. Is7;i. Xo. in. — Borl. klin. Woclionsobi'. 1873. No. 36.
3) Mitth. a. il. mod. Klinilc zn Königsborg i. l'v. isss.
') cf. Centralbl. f. Bakt. Bd. 10. p. ms.
'#9632;) Dor Blutegel wird, nachdem er sich an dorn fiebernden Recurrenskranken vollgesogen hat, auf Eis gelegt.
quot;) Deutsche mod. Wbohensohr. 1879. No. 26. p, 327. — Mitth. a. d. Kais. Oo8.-Amte. Bd. 1. 1881. p, 167—168.
7) cf. Deutsche mod. Woohenschr. l^Tii. No. 16. p. I siraquo;.
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Die Spiroobaote des Ueounensaebero^ Dor Aottnomyces.
325
Reourrensblutes an typlsoher Reourrens. Die Inoubationsdauer beträgt
beim Affen durclischnittlich iJ'/a Tage. Der Affe bekommt nur einen Fieberanlall; Rückfälle wie heim Menschen werden bei der Eecurrensinfection des Affen nicht beobachtet'). Auch heim Menschen hat sich nach Einimpfung spirilienhaltigen Reouirensblutes Reourrens künstlich erzeugen lassen.
Das Reourrensspirillom zeigt sich der Färbung mit den geliräuch-lichen basischen Anilinfarben zugänglich. Nai-li der G ram'sehen Methode (p. 100 ff.) färbt es sich nicht. Eine fast isolirte Fär­bung der Recurrensspirlllen in Blutpräparaten erhält man mit Hülfe einer speciell für diagnostische Zwecke zu empfehlenden Methode, die der Verf.2) 1885 angegeben hat, und die bereits oben (p. 71) be­sprochen wurde.
30. Der Actinomyces.
Der Actinomyces (Actinomyces bovis s. hominis, Strahlenpilz):i) wurde (beim Menschen) im Jahre 1845 in Kiel von B. v. Langcnbeck entdeckt. Die Entdeckung wurde zugleich mit den Lan genbeckquot;-sohen Zeichnungen erst im Jahre 1878 durch James Israel1) publicirt, dem das Verdienst gebührt, den Strahlenpilz zuerst als einen selbständigen, für den Menschen pathogenen Organismus er­kannt zu haben.
Der Actinomyces ist beim R i n d zu Hause. Beim Kind wurde der Pilz zuerst (1877) von Bollingerquot;) gesehen. Der Pilz giebt hier Veranlassung zur Entstehung in der Kiefergegend sitzender Geschwülste, welche die Tendenz haben zu ubscediren. Auf dem Durchschnitt zeigen diese Geschwülste grössere oder kleinere Hohl­räume, in welchen kleine gelbe Körner enthaltender Eiter vorhanden ist. Diese Körner zeigen mikroskopisch gewöhnlich eine strahlige, drüsige Structur („Strahlenpilzquot;). Die einzelnen Strahlen zeigen an den Enden häufig eine keulenförmige Anschwellung. Das l'hotügramm Taf. XU, Fig. 71, giebt ein Bild einer solchen Druse. Damit ist aber die mikroskopische Erscheinungsweise des Actinomyces nicht erschöpft. Man findet auch fädige, an Baci 11 enfäden erinnernde
') Enttnilzte All™ gehen an der Infootion In circa 7 liis 8 Tagen zu Grunde und zeigen erataunliolie Mengen von Spiriilen Im Blui (Sou (lake wit eh. Ann. de rinst. Pasteur, 1891, No. 9),
quot;) Portsobr. il. Mod. lss5. p. 755.
!1) DieBezoicbnnng„Actinomycesquot; stammt von dorn MtlnohoneiBotaniker Harz.
') Vircb. Arch. Bd. 74. 1878.
r') Centralbl, f, d, mod. Wlss, 1877, No. quot;27.
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32()
JJ. Dio Bakterien als Krankbeitserregei,
Bildungen, ferner „Cocconhaufenquot;; kurz: ein selir pleoniorphos Bild. Ob alle diese Dingo genetisch zusaininengeliören, müssen erst noch weitere Untersuelumgen lehren; es ist diese Znsammengeliurig-koit jedoch nicht unwahrscheinlich.
Der Actinomyces ist auf den Menschen leicht übertragbar. Elquot; siedelt sich unter Anderem gern in hohlen Zähnen an, kann dann zur Entstehung von abscedirenden Kiefergeschwülsten Veranlassung geben, aber auch zu Actinomykose innerer Organe (Lunge, Pleura, Peritoneum, Leber, Nieren, Dann, Herz, Gehirn) führen. Die Er­krankung der Organe kann eine primäre und eine metastatische sein. Sie führt häufig zum Tode.
Die Infection scheint in zahlreichen Fällen — und zwar sowohl beim Rinde wie beim Menschen — durch Getreidegrannen ver­mittelt zu werden, welche (in noch unbekannter Weise) draussen in der Natur mit dem Pilze inlicirt werden.
Culturvcrsuche mit dem Actinomyces sind von verschiedenen Seiten unternommen worden. Speciell gelang es J, Israel und M. Wolff) Culturen des Pilzes auf Agar (ausschliesslich unter Sauerstott'abschluss) und innerhalb von rohen oder gekochten Hüliner-und Taubeneiern zu erhalten, dieselben in verschiedenen Generationen weiter zu züchten und durch Uebertragung der so erhaltenen Culturen Yersuchsthiere erfolgreich mit Actinomykose zu inliciren. Die Ucber-tragungsfähigkeit der Culturen bleibt viele Monate lang erhalten.
Auf der A gar überfläche bildet der Actinomyces nach Israel und Wolff kleine, langsam wachsende, meist bis höchstens steck-nadelknopfgross werdende, nicht confiuirendo, thautropfenälmlicho Knötchen, welche aus kurzen Bacillen ähnlichen, geraden oder leicht gekrümmten Gebilden zusammengesetzt sind. In Eiern bilden sich gewöhnlich prachtvolle lange Fadennetze aus. In Bouillon ist das Wachstbum nicht sehr ergiebig. Niemals werden auf künstlichen Nährsubstraten Drusen mit keulenartigen Gebilden beobachtet.
Die Uebertragung der Stäbchencnlturen in die Bauchhöhle von Kaninchen (und auch von Meerschweinchen) giebt nach Israel und Wolff Veranlassung zur Entwickehmg typischer Actinomycesdrusen, welche, eingebettet in Lagern von Kundzellcn, in hirsekorn- bis ptlaumengrossen, den verschiedensten Organen der Bauchhöhle auf­sitzenden Tumoren liegen. Die Vcrsnchsthiere (welche zur Feststellung
') 19. Cougr. d. Deutsohen Qesellsch. f. Chirurgie.
Viivh. Arch. ltd. 126. 1801.
Berlin, April (890. —
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Der Actinomycos.
:m
der gesohilderten pathologisohen Veränderungen getödtet werden müssen) erscheinen intra vitam nicht auffüllend krank.
Oh dor Actinomyces zu den Bakterien zu rechnen ist, ist noch nicht mit Sicherheit ausgemacht.')
Der Actinomyces färbt sich sehr gut nach der {Jram'schen Methode resp, nach der vom Verf. angegebenen Modification dieser Methode (p. 100 ff.).
Mit dem vorstehend besprochenen Actinomyces bovis S. hominis nicht identisch ist ein eigenthtimlicher Parasit, welcher in ähn­lichen strahligen Formen auftritt wie der genannte Actinomyces, welcher aber ausschliesslich im Schweinemuskel gefunden wird. Derselbe wurde 1884 von Duncker'-quot;) entdeckt. Er hat den Namen „Aotinomyoes mnsoulorum suisquot; erhalten. Es ist aber bis jetzt noch nicht mit Sicherheit entschieden, ob dieser Parasit in irgend welchen verwandtschaftlichen Beziehungen zu dem Actino­myces bovis s. hominis steht.
Ueber einen dem Actinomyces bovis sehr ähnlichen, für Kaninchen pathogenen und bei diesen Thieren häufig auch actinomycesähnliche Drusen erzeugenden Mikroorganismus, „Micrumyces Hofmanniquot;, hat Gruber'1) berichtet.
') .T. Israül und M. Wolff rechnen Um za den „pleomorphen Bakterienarten.quot; '-) Zeltsohr. f. Mikrosk. u. ricischboscliau. 1884. No. :t. 8) 7. Internat. Congr. f. Hyg. a. Demogr. London 18(1]. — Centralbl. f. Hakt. Bd. 10. p. rgt;48.
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Anhang.
AllSS'
isser den Bakterien treten auch anderen Mikroorganismen­gruppen angehörigo Gebilde, sowohl pflanzliche wie thierische, als Krankheitserreger auf. Unter diesen wollen wir einestheils die patho-genen Schimmel- oder Fadenpilze, anderntheils die pathogenen Protozoen noch einer kurzen Betrachtung unterwerfen.
Die pathogenen Schimmelpilze.
Was die Schimmel- oder Fadenpilze anlangt, so kennt man
bereits eine Anzahl Arten, welche das Vermögen haben, sich innerhalb des thierisehen Körpers und auf Kosten desselben zu vermehren. Hier­her gehören vor Allem mehrere Aspergillus- und M n c o r - Arten, ferner einige Arten aus der Gruppe der OS dien.
Botanisch unterscheiden sich, wie hier kurz bemerkt sein mag, die genannten Pilzgattungen durch die Art und Weise der Fructifica­tion (Sporenbildung). Während nämlich bei den Mucorarten der sich aus dem M.vcelgeHecht erhebende Fruchtträger (die Fruohthyphe) eine besondere Kapsel, ein „Sporangiumquot;, trägt, in welchem sich die Sporen (Conidien) entwickeln, bildet sich bei den Asp erg ill us-arten an dem Ende des Fruohtträgers eine kolbige Verdickung, auf deren Oberfläche durch Vermittelung kleiner Zwisclienfruehtträger (Sterigmen) die Sporenreihen befestigt sind; bei den Oidiumarten werden die Sporen direct an dem Fruehtträger (der Fruohthyphe) ohne Dazwischentreten eines besonderen l'Yuchtkopfes abgegliedert.')
') „Aspergillusquot; ist Übrigens keine selbständige Qattmng; os hat sich herausgestellt, dass dio Aspergillusform nur eine besondere Ernotifloationsform der (zu der Ordnung der Aacomyoeten gehörigen) Gattung Eurotium ist. — Ebenso ist „OKdiumquot; keine solbatHndige Gattung, sondern nur die Conidienform von Arten, welche zu der Gattung Erysiphe (ebenfalls aus der Ordnung der Ascomyceten) gehöron.
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Uio pathogenen Sobimmelpilze.
829
Unter den zu don Gattungen Asp c rgi 11 u s uiul Mil00r ge­hörenden Pilzen .sind für Tiiiere pathogen vor Allem der Aspergillus fumigatus, dann der Aspergillus t'la vescens, ferner der Mucor oorymbifer und der Muoor rhizopodifonuis. Die intravenöse Injection einer SporenaufsobwommuQg einer jeden dieser Arten hat, wenn nicht zu wenig Sporen eingebracht wurden, bei Kaninchen Erkranlauig und Tod in einigen Tagen zur Folge. Man findet dann in den Organen, besonders in den Nieren, vielfache Herde von Pilzniyoclien, die sieb aus den Sporen entwickelt haben. Ebenso kann bei V ö g e 1 n durch Inhalation von Sporen, specicll des Aspergillus fumigatus, eine pneumouische Erkrankung (Pneunionomycosis aspergillina) entstehen. Beim Menschen sind Aspergilluswucherungen speciell im äusseren Gehörgange, in einem Falle auch in der Hornhaut, beobachtet worden; auch über Nieren-sowie über Lungenerkrankungcu beim Menschen, die durch Infection mit Aspergillus hervorgerufen waren, ist berichtet worden.
Alle die genannten pathogenen Schimmelpilze lassen sich künst­lich züchten; sie gedeihen, ihren für Warmblüter pathogenen Eigen­schaften entsprechend (cf. p. 22), am besten bei Körpertemperatur. Als Nährboden eignet sich besonders ste ri 1 i si rte r Brotbrei (cf. p. 124). Nach Sieben mann erhält man Colonien von pathogenen Aspergilleen leicht dadurch, dass man Schwarzbrot zunächst der Luft aussetzt und es dann bei Brüttemperatur hält.
Zur mikroskopischen Untersuchung der Schimmelpilze geht man zweckmässig so vor, dass man ein kleines Stück des zu untersuchenden Materials auf den Objectträger in ein Tröpfchen Gly­cerin ') bringt und es dann mit zwei Nadeln in kleinste Partikelchen zerzupft. Man kann dann nach dem Aullegen eines Deckglases die Untersuchung vornehmen, die am vortheilhaftesten mit starkem Trocken­system geschieht. Will man das Präparat eonsorviren, so umzieht man quot;das Deckglas in bekannter Weise mit einem Ring von Asphalt-laok (of. oben p. 64, Anm. 1).
Eine Färbung ist bei der Untersuchung der Schimmelpilze ge­wöhnlich völlig überflüssig. Man untersucht diese Organismen am besten ungefärbt. Eine Methode, Pilzfäden innerhall) von
') Mit Wasser bonetzen sich die Soliimraolpiize gewöhnlich nicht gut. Man erhält deshalb, wenn man die Pilzmasse in Wasser zerzupft, ganz gewöbnliob Luft­blasen, wiche die Beobachtung erschweren. Auch in Qlycorinprtlparaten bekommt man baldig störende Luftblasen. Nach Unna leistet jedoch eine Flüssigkeit von folgender Zusammensetzung gute Dienste: Gelatine 1,0, Spiritus, Liqu. Ammon. canst. ana 25,0. Glycerin I quot;gt;,(•. Aqua dest. 36,0.
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B. Die Bakterien als Kiankheiteerreffer.
Näh rugiir gefärbt (lurzustolleii, hat Unn.i angegeben. Die in Celloidln (of. oben p. 82) eingebetteten Stücke der Agaronltur werden mit Hülfe des Mikrotoms in feine Schnitte zerlegt. Die (mit Aether und Alcohol) wieder von dem Celloidin hefreiten raquo;Schnitte werden zu­nächst 1 Min. in öproo. Kalilauge, dann (nach Abspülung in Wasser) 5 ^lin. in eine 6proo. Essigsänrelösvmg gebracht, dann auf dem Object-träger angetrocknet (of. oben p. 227), mit einigen Tropfen einer kräftig färbenden Anilinfarbstotflösung bedeckt und etwas erwärmt. Die Farb-lösimg wird dann mit Wasser abgespült, der Schnitt leicht mit Fliess­papier abgetupft, mit Anilinol entwässert (of. oben p. 85, Anin. 1 und p. 106), mit Xylol durchtränkt und in Balsam eingeschlossen.
Unter den pathügenen Schimmelpilzen sind speciell für den Menschen einige (zu den Oidien gehörende) Arten als Derma-t o p h y ten, als Haut p i 1 z e, von Bedeutung, nämlich der F a v u s pilz, der Pilz des Herpes tonsurans und der Pilz der Pityriasis versioolor. Vielleicht gehört auch der Soorpilz zu den Oidien.
Der Favuspilz (Achorion Schönleinii) wurde 1889 von Schön­lein entdeckt. Er lindet sich in den bekannten Favusborken.
Der Favuspilz ist ein speeifischer Pilz, welcher sich künstlich leicht züchten lässt, und dessen Biologie von (Irawitz, von Quincke, von TJnna und von anderen Autoren studirt worden ist.
Reinculturen des Favuspilzes erhält man leicht, wenn man ein Stückchen einer Favusborke in sterilem Wasser oder Bouillon (z. B. nach der oben, p. 120, beschriebenen Methode) fein zerreibt und aus einer Oese der gewonnenen Suspension Agarplatten herstellt, die dann im Brutschrank bei etwa 30deg; 0. gehalten werden. Schon nach 24 Stun­den sieht man dann die kleinen fädigen Pilzcolonien entstehen.
Der Favuspilz gedeiht bei Zimmer- und bei Brüttemperatur; das Temperaturoptimum scheint bei c. 80deg; C. zu liegen. Auf Agar ge­züchtet bildet der Pilz schneeweisse, von unten her gesehen gelb er­scheinende, Wucherungen. Gelatine wird langsam verflüssigt.
Quincke hat zuerst die Ansicht ausgesprochen, dass es mehrere Arten von Favuspilzen giebt, d. h. mehrere Pilzarten, welche die klinischen Erscheinungen des Favus hervorbringen. U n n a vertritt neuerdings diesen Standpunkt ebenfalls.
Der Herpes tonsurans-Pi 1z (Trichophyton tonsurans) wurde 1845 von Gruby und Malms ten entdeckt. Sein mikroskopisches
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Dio patbogeuon Frotozoön^
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Aussehen gleicht dem Favospllze sehr. Ebenso haben die künst­lichen Culturen beider Pilze grosse Aehnliohkeiten. Die Gelatine wird verflüssigt. Um die Erforschung der Biologie haben sich Grawitz und Quincke verdient gemacht. Auf Taf. XII, Fig. 72, ist eine Steile aus einer friictilicirendcn (d. h. sporenbildenden) Agar-cultur des Herpes tonsuraus-l'ilzes bei 24()fiiclier Vergrösserung dar­gestellt. ')
Der I'ilz der Pityriasis versiculur (Microsporon furfur) wurde 1846 von Eichstedt entdeckt. Er ist auf festen Nährböden noch nicht gezüchtet worden.
Der Soorpilz (Oidium albioans) wurde von Roh in entdeckt. Jüt der Erforschung seiner Biologie haben sich namentlich Grawitz und Plant beschäftigt. Plant hält den Pilz, speciell auch auf Grund von vergleichenden Thiervorsuchen, mit Monilia Candida Honorden für identisch. Der Soorpilz lässt sich künstlich reincultiviren; er ist streng aiirob, wächst am besten bei Brüttemperatur. Die Gelatine wird nicht verflüssigt. Kl emperor hat gezeigt, dass durch intrave­nöse Einverleibung der Keincultur in den Kaninchenkörper allgemeine Soormykose hervorgerufen wird.
Die pathogenen Protozoen.
In den letzten Jahren hat man einer besonderen Gruppe von Organismen grössere Aufmerksamkeit zugewendet, welche allem An­scheine nach eine verbreitete Bolle in der Pathologie des Menschen und der Thiero spielen: den Protozoen, der niedersten Gruppe der Thienvelt. Zu den Protozoen gehören unter Anderem eine ganze Anzahl von morphologisch mehr oder weniger eingehend studirten Gebilden, welche man in dem Blute der verschiedensten Wirbelthiere, ferner in den Muskelzellen, ja sogar in den Kernen des Darm- und Nierenepithels schmarotzend angetroffen hat. Scheinen diese Gebilde zum Theil eine erhebliche pathogeue Bedeutung nicht zu haben, so giebt es andererseits Protozoen, denen sehr beträchtliche pathogeue Eigenschaften zukommen'-').
') Das Material stammt aus dor Klinik dos Herrn Priv.-Doc. Ur. Lassar; dio Cultur wurde auch in dem Laboratorium dos Herrn Dr. Lassar gezüchtet.
-) Zur Orientirung über den heutigen Stand unserer Kenntnisse von den patlio-genen Protozoen empfiehlt sieli das L. IM'oifTcr'sehe Werk: Die Frotozoön als Krankheitserreger, .Jena (Fischer) 2. Aull. isiM.
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li. Die Bakterien als Krankheitaeireirer!
Die für die mensobliohe Pathologie wlohtigsten und zugleioh die bestgekannten pathogenen Protozoön sind diejenigen, welche bei den Malarlaflebem aufgeftmden worden sind, und die höchst wahr-sohelnlioh als die Ursache dieser Fieber anzuseilen sind.
Im Jahre 1882 bat zuerst Lave ran (in Algier) im Blute Mala riakranker eigenthünüiche Gebilde constatirt, die dann nament­lich von Marobiafava und Celli in Rom (188;{) einem genaueren Studium unterzogen, in dem Malariablute constant aufgefunden, bei anderen Krankheiten vennisst wurden, und die von den letztgenannten Autoren 1885 mit dem Namen „Piasmedium Malariaequot; belegt wurden. Dann bat sieb um die weitere Erforschung dieser Gebilde und besonders um die Aufdeckung ihrer näheren Beziehungen zu dem Verlaufe der Malarialieber namentlich Golgi in l'avia (1880) grosse Verdienste erwürben.
Wenn man Blut des Intermittenskranken untersucht, am besten ZU Beginn des Fieberanfalles, so lindot man innerhalb der rothen Blutkörperchen, und zwar bei einer mehr oder weniger grossen Anzahl derselben, kleine, randliche, sich von der Substanz des Blut­körperchens wenig abhebende Gebilde, die mehr oder weniger lebhafte amöbeide Bewegungen ausführen. Im Trockenpräparate lassen sich diese Gebilde mit Methylenblau färben1) und dadurch deutlicher machen. Nimmt man etwas später wiederum eine Blutuntersuchung vor, so sieht man diese kleinen, endoglobulären Gebilde, die Plasmodien, etwas vergrössert, gewachsen, und in ihrem Innern kleinste Körnchen schwarzen Pigmentes angehäuft. Zugleich erscheint das einscbliessende Blutkörperchen blasser geworden. „Das Hämoglobin ist durch das parasitäre Gebilde in schwarzes Melanin umgewandelt wordenquot;. Diese Pigment- (Melanin-) Bildung ist die Ursache der bei der Malaria zu beobachtenden M e 1 a n a e m i e. Weitere Untersuchungen zeigen dann, dass das l'lasinodiuni an Grosse weiter zunimmt, sich mehr mit Pigment belädt, und dass dabei das Blutkörperchen mehr und mehr entfärbt, vernichtet wird.
Die letzteren Vorgänge spielen sich, wie Golgi gezeigt hat, be­sonders in der Zeit zwischen je zwei Fieberanfällen ab. Kurz vor dem Beginne des nächsten Anfalles beobachtet man dann eine höchst interessante Erscheinung an den Plasmodien, die als eine Art Sporu-lation. Maturation aufgefasst wird. Diese Erscheinung tritt ge-
') Sehr gut eignet sieh zu (.liespin Zwecke nuoli die oben (p, 72) angegebene Eosin-Methylenblaulösung, welche die Parasiten blau, die Blntkörperohen-Substanz roth Ittrbt.
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Dili paihogenen Protozoön^
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wölinlicli so auf, (lass, während sich das Pigment in die oentralen Tbeile dos Plasmodiums zusammengezogen hat, der übrige Tbeil, der Haiidtheil des Plasinodiimis, in eine grössere Anzahl (G bis 10 oder mehr) seotoronförmige Theile gespalten wird, die durch radiär gestellte Grenzen von einander getrennt sind. Es kommt so zur Bildung sehr zierlicher rosettentormiger Figuren (Segmentation).
Nach Golgi kann man aus dem Befunde solcher segmentirter Plasmodien im Blute mit Sicherheit auf den unmittelbar bevorstehenden Anfall schliessen. Untersucht man nämlich etwas später das Blut wieder, so findet man diese segmentirten Formen nicht mehr. Die aus der Segmentation des Plasmodiums hervorgegangenen, den Hand der Rosette bildenden kleinen Körperchen sind, nachdem sie runde Gestalt angenommen haben, frei geworden. Man iindet sie nun z. Th. frei im Blute, z. Th. aber sind sie schon wieder in neue Blutkörperchen eingedrungen, um dort wieder zu wachsen, Pigment zu bilden, sich später von Neuem zu theilen etc. Man hat also in der Segmentation die Bildung junger Plasmodien zu erblicken. Das Freiwerden derselben und das massenhafte Befallenwerden ruther Blutkörperchen seitens derselben ist zeitlich mit dem Beginne des neuen Fieberan­falles verknüpft.
Golgi hat es wahrscheinlich gemacht, dass es zwei ver­schiedene Arten von Malariaplasmodien giebt ; die einen sind die der Fcbris tertiana, die anderen die der Febris quartana. Die ersteren vollenden ihren (regelmässigen) Entwiokelungs-Gyolus in zwei Tagen, die letzteren in drei Tagen. Quutidianlieber kommen durch combinirte Infection mit verschiedenen l'lasmodiengeneriitionen zu Stande. Während die eine Generation heute in das Stadium der Segmentation tritt, bildet sich die Segmentation bei der anderen Generation erst morgen aus.
Diese, durch einen regelmässigen Kntwickelungscyclus aus­gezeichneten Plasmodien reagiren sofort auf Chiningaben. Das Chinin lässt die Plasmodien spurlos aus dem Blute verschwinden. Klinisch sind die von Plasmodien mit regeimässigem Fntwickelnngs-cyclus begleiteten Fieber durch den typischen Verlauf, den regel­mässigen Eintritt der Anfälle, die zwischen den Anfällen eintretende wirkliche Intermission und das prompte Reagiren auf Chinin characterisirt. Diese Fälle werden auch fast stets zur Heilung ge­bracht. Die Frühlingslieber in Rum tragen meist diesen gut­artigen Character.
Es giebt aber andere Fieber, atypische, perniciöse Fieber (Sommer- und Herbstlieber Eom's), bei denen die Anfälle nicht
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li. Die Bakterien als Eronkheitserte
regelmamp;ssig konnucn, bei denen die Temperatur keine Interinissionen, sondern nur imregelmässige Remissionen macht, die gar nicht oder schlecht auf Chinin reagiren, und die häufig zu der gefürchteten Malariacachexie führen. Hier ist auch der Plasmodienbefand ein
anderer. Man findet zwar auch die oben genannten Formen, aber ausserdem sie hei- und halbmondförmige („Laveraniaquot;) sowie ovale Ivörperciien, deren Naturgeschichte noch wenig bekannt ist. Die Segmentationsformen findet man bei diesen pernioiösen Fiebern weniger im peripherisohen Blute als im Blute innerer Organe (Milz, Gehirn).
Auch g ei SS eltragende Formen linden sich bei den Mularia-fiebern im Blute.
Die künstliche Züchtung der Malariaplasmodien ist bisher nicht gelungen1). Durch intravenöse Einverleibung von Aderlassblut des Malariakranken in den Körper des gesunden Menschen hat man die Krankheit zu übertragen vermocht (of. p. 172). Ist das letztere Experiment für die specilische pathogens Bedeutung der Plas-modien natürlich durchaus nicht beweisend, so ist andererseits jedoch damit nachgewiesen, dass der Erreger der Malaria im Blute des Kranken vorhanden ist. Nimmt man nun die Thatsache dazu, dass in diesem Blute mikroskopisch constant Gebilde zu linden sind, an denen man einen Entwickelungscyclus verfolgen kann, die also als selbständige Organismen aufgefasst werden müssen, berück­sichtigt man andererseits die Thatsache, dass sich diese Gebilde aus-schli ess lieh bei der Malaria, sonst aber bei keiner anderen Krank­heit vorlinden, so ist der Schluss kaum abzuweisen, dass wir es hier mit parasitären Organismen zu thnn haben, die der Malaria eigenthümlich sind, d. h. dass wir in den I'lasmodicn des Malariablutes die wirklichen Erreger der Malaria­fieber vor uns haben.
Den Erregern der Malaria ähnliche Organismen („Polymitusquot;) hat man auch im Blute gewisser Vogelarten als endoglobuläre Parasiten aufgefunden (Danilewsky). Es handelt sich hier um einen ziemlich häufigen Hefund, bei dem die Thiere gewöhnlich nicht krank erscheinen.
Auch bei der „liemoglobinnrie microbienne des boeufsquot;
') S aoh aroff fand, dass die Malariaparasiten in dem Körper des abgekühlten Blutegels (nach der für Reourrenssplrillen von Pasternatzky [of. oben p. 324] angegebenen Methode) eine ganze Reiho von Tagen lobend oonservh't werden können.
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Die patbogenen Frotozoön!
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(V. Babes) und bei der „Texasfieberseuehe des Rindesquot; (Smith) scheint es sich um Parasiten zu handeln, die denen der menschlichen Malaria nahe verwandt sind.
Es sei an dieser Stelle kurz der sogenannten „Dysenterie-Amöbenquot; Erwähnung gethan. Zuerst im Jahre 1875 fand Loesch in Petersburg in dem übelriechenden Stuhle eines Falles von ulcera-tiver Dickdarmentzündung beim Menschen massenhafte Amöben. Es handelt sich um 20 bis 35 /t grosse, rundlich oder unregelmiissig gestaltete Körper, welche die Fähigkeit haben Fortsätze auszustrecken und wieder einzuziehen, und die in ihrem Innern einen blassen runden Kern und mehrere Vacuolen von wechselnder Gestalt und Grosse besitzen, die ferner ganz gewöhnlich fremde Körper (rothe Blut­körperchen, Eiterzellen, Bakterien, Blutpigment) im Innern einge­schlossen enthalten („Amoeba coliquot;). Durch Uebertragung des amöbenhaltigen Stuhles per os und per anum auf Hunde vermochte Loesch #9632;— wenigstens bei einem seiner Versuchsthiere — eine ulcerative Entzündung des Eectums, welche sich durch Amöbenan-siedlung bedingt zeigte, hervorzurufen.
In den letzten Jahren haben eine grössere Eeihe von Autoren — namentlich Kartulis — bei sogenannter „tropischer Dysen­teriequot; des Menschen derartige Amöben nachgewiesen. Eine künst­liche Reincultur dieser Parasiten, deren pathogene Bedeutung noch nicht ganz sichergestellt ist, ist bisher nicht gelungen. Die gewöhn­liche Dysenterie zeigt übrigens keine Amöben.
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C. Saprophytische
(nicht pathogene)
Baktei ieiiarte 11.
Q ii ti t Iiq r, BflktoHologlolaquo;
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In Folgendem sollen einige der bekannteren und wichtigeren saprophytisohen Bakterienarten kurz besprochen werden. Die Gesichts­punkte, welche uns bei der Auswahl aus der sehr grossen Zahl der überhaupt bekannten und beschriebenen Arten zu leiten haben, sind etwa folgende: Es werden solche Arten zu berücksichtigen sein, die sehr verbreitet in der Natur vorkommen, die uns eventuell auch häufig als spontane Verunreinigungen unter die Culturen gerathen, ferner solche, die häufiger vorkommende specifisclie Gährungen veranlassen, und solche, die in unserem eigenen Körper constant als .Schmarotzer gefunden werden. Sodann sind auch solche Arten zu betrachten, welche, ebne speoiflsohe Gährungen zu veranlassen, durch besonders auffallende sonstige Functionen (Parbstoffbildung, Fluoresoenz, Phosphorescenz) aus­gezeichnet sind, oder die durch ihre Form auffallen.
1. Der Kartoffelbacill us') (Bacillus mesentericus vulgatus). Auf gekochten Kartoffel Scheiben entstehen häufig spontan Bacillencolonien. Dieselben treten gewöhnlich in Form eines kleinen nassen Fleckes am Rande der Kartoffel auf, breiten sich dann schnell über die Kartoffelfläche aus und bilden hier eine schleierartig gefaltete Membran, welche, wenn man Theile von ihr mit dem Platindraht ab­zunehmen versucht, sich aus einem zähen faden ziehenden Schleim zusammengesetzt erweist. Die Colonien gehen hervor aus Sporen, welche bei der Zubereitung der Kartoffel, dem Sterilisiren und Kochen, nicht getodtet wurden (cf. p. 137).
Der Bacillus bildet grössere Stäbchen, die einzeln, zu zweien oder in kleinen Verbänden auftreten. Der Bacillus ist eigenbeweg-lich; er trägt an seinen Enden G ei ssel fäd e n. Der Bacillus wächst auf den gewöhnlichen Nährböden bei Sauerstoffanwesenheit. Er wächst bei Zimmer- sowohl wie bei Brüttemperatur. Er bildet mittelständige Sporen. Die Gelatine wird schnell ver­flüssigt. Auf der Platte entstehen kreisrunde Colonien. Auf der
') Eine ganze Koili.' von Badllonorten trii^t den Naraon „Eartoffolbaoillusquot;, Hier soll nur der als „Kartoffelbaolllusquot; sclileclitlüii bezeichnete Bacillus, die am hiluilgsten vorkommende Art, beschrieben werden (cf. auch eben p, 27 und 137),
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('. Sapropbytisohe (nicht patbogene) Bakterienalten,
A garober fläche bildet der Baoillas einen dioken, runzeligen, matt-welssen Being (C. Fraenkel).
2, Der Heubaoillus (Bacillus subtllls Ehrenberg) ist ausser-ordentlloh verbreitet in der Natur. Er kommt In der Luft, im Staub, speeiell im Henstault, im Beiden, in Faces etc. vor. An diesem Orga­nismus entdeckte F. Cohn die Sporenbildung bei den Badllen.
Der Bacillus bildet grosse Stäbchen, ähnlich den Mllzbrand-hacillen, aber nicht mit scharf abgeschnittenen, sondern abgerundeten, abgestutzten Enden. Der Haeilins ist ferner zum Unterschiede von dem Milzbrandbacillus ei gen beweg 11 eh. An den Enden wies Koch je eine starke, mit 1—2 grossen Krümmungen versehene Geissol nach. Der Bacillus wächst auf den gewöhnlichen Nährböden bei Sau er stoff an Wesenheit. Er gedeiht sowohl bei Zimmer-wie bei Brüttemperatur. Auf der Gelatineplatte zeigen sich die Heubacillen in ganz jungen Colonien zu längeren Fäden ausgewachsen. Sobald sie sich aber weiter entwickeln, was unter schneller Ver­flüssigung der Gelatine stattfindet, dann sieht man sie nur in Form von lebhaft bewegllchen Stabchen den Innenraum der Colonie erfüllen und am Bande derselben in ganz regelmässigen, senk­recht gegen die Peripherie gerichteten Massen sich in die noch feste Gelatine einbohren, so dass die Colonie so aussieht, als sei sie von einem Strahlenkränze umgeben (Koch). In Gelati ne stieb­en 1 tu ren kommt es nach eingetretener Verflüssigung der Gelatine zur Bildung einer oberflächhohen weissen Kahmhaut. Auf Kar­toffeln bilden die Heubacillen sehr kräftige Gulturen, die einen weisslicben, rahmartigen Ueberzug darstellen (Koch). Auf Agar bilden sich steife, leicht ablösliche, runzelige und faltige Ucberzüge, dem Aussehen nach dem Wachstlmm des Kartolfelhacillus auf Kartoffeln (p. 33S)) vergleichbar (Eisenberg). Der Bacillus bildet endogene Sporen von 1,2/t Länge und 0,6/laquo; Breite, welche iiusserordentlich resistent sind. Taf. VI, Fig. 36, zeigt ein Präparat von sporen-haltlgen Heubacillen bei I OODfacher Vergrüsserung (of. oben p. 203). Bei der Keimung verlässt das Keimstäbcben. die Spore in der Mitte ihrer Längsseite durch einen sich in der Sporenmembran bildenden Hiss und tritt in zu der Längsrichtung der Spore senkrechter Hichtung aus (Prazmowsky).
3, Der wurzeiförmige Bacillus (Wurzelbacillus, Bacillus mveoides, Erdebacillns) wird fast in jeder Bodenprobe angetroffen, die man in Gelatine einsäet.
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C. Bapropbytlaoho (nicht patliogene) Baktei'lenarten.
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Er bildet gi'OSSe Stäbchon, etwas dicker als Mil/liraiidhacillen. die dadurch ausgezeiohnot sind, dass sie auf der Gelatine- (und Agar-) Platte Colonien bilden, die wie ein weitausgreifondes, vielfach ver­schlungenes Wurzelgefleoht aussehen (Koch). Auf Taf. IV. Fig. 24, sieht man dies Wurzelgefleoht in natürlicher Grosse in einer Rollröhrohencultur (cf. oben p. 130 und Kid). Auf Taf. 1, Fig. 1. ist eine Stelle ans einem Klatsohpräparat von der Gelatineplatte bei lOOOfaoher Vergrösserung dargestellt. Der Bacillus ist eigenbe­weglich j er wächst aid'den gewöhnlichen Nährböden bei Sauer-stuffan wesen hei t. In Gelatinestichculturen geht, ent­sprechend dem Wachsthnin auf der Platte, zunächst die Bildung eines zierlichen Gellechtwerks vor sich, welches von allen Theilen des Impf-stiches in die Gelatine hineinwächst. Die Gelatine wird dann schnell verflüssigt. Auf Kartoffeln bildet sich ein weisslicher, auf die Impfstelle beschränkter Belag (Eisenberg). Der Bacillus bildet­en doge ne Sporen.
4. Der Bacillus Megateriiim do liarv. Derselbe wurde zuerst auf gekochten Kohl blättern gefunden. Er stellt ein grosses. 2,5 ,laquo; dickes, leicht bogig gekrümmtes, wenig leb­haft eigenbewegliches Stäbchen dar. welches endogene Sporen bildet. Die Eigenbewegung wird vermittelt durch 4 bis 8 seitlich stehende Geissein (Messea). Die SporenbiIdung und Sporenkeimung hat de Bary an diesem Bacillus ganz besonders eingehend studirt: Bei der Sporenbildung tritt meist dicht an einer Endfläche in dem Protoplasma ein kleiner, rundlicher, stark liclitbrechender Körper auf. Dieser nimmt an Volumen zu, während die ihn umgebende Protoplasmamasse successive schwindet. Nach wenigen Stunden (bei 2(1quot;) ist er herangewachsen zu einem länglich oj'lindrischen Körper. der stark lichtbrechenden, bläulich glänzenden Spore. Bei der Sporen­keimung verschwindet zunächst, während die Spore an Volumen zu­nimmt, ihr starker Glanz. Hat die Spure die normale Stäbchenbreite erreicht, so „hebt sich in vielen Fällen mit einem Male eine quer oder schräg zweiklappig aufgerissene zarte Memhran von der Ober­fläche ab, und aus dieser gleitet die zart umschriebene Zelle hervorquot; (de Bary). Der Bacillus wächst auf den gewöhnlichen Nährböden, am besten bei 20quot;C, aber auch bei Brüttemperatur, Der Bacillus hat ausgesprochenes Sa u erst offb e d ü c fniss. J)ie Gelatin e wird verflüssigt. Auf der A ga robe rfl ä ch e entstehen graue, schlei­mige Ueberzüge. Auf Kartoffeln bilden sich dicke, gelblich- bis grauweisse Beläge.
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C, Snproph^tisobe (nicht patbogene) Bakterienarten.
5. Die Proteusarten Hauser's. In faulenden Sub-stanzen hat Q. Häuser (1885) drei Arten von Fiiulnissbalvterien häufiger angetroffen, welche er Pro tens vulgar is, Proteus mirabilis und Proteus Zcnkeri nennt. Diese Arten sind nach Häuser pleomorph. Sie sind Fäulnisserreger, erzeugen bei ihrem Waohsthum Stoffweohselproduote (Alkaloide), welche auf Thiere giftig­wirken. ')
a,nbsp; Die am häufigsten vorkommende Art ist Proteus vulgaris. Dieser Organismus l)ildet Stäbchen von 0,6 ^ Breite und verschie­dener Länge, welche lebhaft e igen be we glich sind, auf den ge­wöhnlichen Nährböden, am besten bei 20—24deg; ('., wachsen. Jedes Stäbchen trägt (nach Messea) äusserst zahlreiche (GO bis 100) seitlich stehende Geissein, welche in gelungenen, nach Loeffler (cf. oben p. 76ff.) gefärbten Präparaten dem Bacillus das Aussehen eines Feder-bartes verleihen. Die Gelatine wird schnell verflüssigt. Auf der Gelatineplatte (6proo. Gelatine) setzt sich der verflüssigte Bezirk häufig (nicht immer) in eigenthümlicben, die wunderlichsten verschlungenen Figuren („Schwärmende Inselnquot;) bildenden Ausläufern in die solide Gelatine hinein fort („Bacillus figuransquot;). Auf der Agar ober fläche kommt es zur Bildung von grauen, feuchtglänzen­den Ueberzügen. Auf Kartoffeln bildet der Bacillus schmierige
Beläge. Sporenbi 1 dung ist nicht vorhanden.
laquo;
b.nbsp; Der Proteus mirabilis bildet Stäbchen von 0,0 ,u Breite und wechselnder Länge. Die Culturen auf der Gelatineplatte bilden in der Tiefe des Nährbodens wunderbar gestaltete, gewundene Zoogloeamassen; auf der Oberfläche bilden sich gelegentlich „schwär-
') Gelegentlich scheinen die Proteusarten auch spontan als Erreger Bpedflsoher Krankheiten auftreten zu können. Die erste derartige Mittheilung stammt von Bor-cloni-Uffreduzzi (Zeitsohr. f, Hyg. Bd. :i. 1887), Der Autor fand in zwei Sectiimslallen von Menschen, die nach ganz kurzer mehrtägiger Krankheit starben, und bei denen lilutreicbtbum der inneren Organe und lläinorrliagien in der Luft­röhren- reap, der Darmsohleimhaut vorgefunden wurden, im tilute und in den Or­ganen einen an die Ha u s er'solion Proteusarten erinnernden Mikroorganismus, den er „Proteus bominis capsulatusquot; (of. oben p. 184, Anm. 1) nannte. Mäuse und Hunde waren sehr empfänglich für die Infection, die sowohl durch subeutane und intravenöse Infection wie durch Einverleibung vom Darme her erfolgte.
Kürzlich hat Jäger (Zoitscbr. f. Hyg. Bd. 12. 1892) in Ulm mehrere Fälle von Weil'sohor Krankheit beim Menschen (fieberhafter Icterus mit Milztumor und Nephritis) beschrieben, In welchen sich in den Orgauen eine Proteus-ähnliche Bak­terienart („Bacillus Proteus fhiorcsccnsquot;) vorfand. Dieselbe Proteusart wies Jäger auch als Erreger einer in der Nähe Ultn's spontan auftretenden QeflUgel-scuclie nach.
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C. Saprophytisdilaquo; (nicht pathogens] Bakterieuaitonlt;
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mende Inselnquot; wie bei Fro to us vulgar Is. Die Gelatine wird sehr längs a in v e r f 1 ü s s i g t.
o. Der Proteus Zenkeri bildet Baoillen von 0,4 ^ Breite und im Mittel 1,6 /raquo; Länge. Die Gelatine wird nicht ver­flüssigt. Es bilden sich gelegentlich „schwärmende Inselnquot; wie bei Proteus mirabilis.')
(i. Bacterium terrao. Unter dieser Bezeichnung wurden früher, als man noch nicht verstand mit Eeinculturen zu arbeiten, Bakterien verstanden, die man in faulenden Flüssigkeiten antraf, und die man als die Erreger der Fäulniss ansah. Bacterium termo waren kurze, meist zu zweien auftretende, lebhaft bewegliche Stäbchen. Heutzutage kann die Bezeichnung „Bacterium termoquot; nur als Sammelname für ein iueoustantes Gemenge von Arten angesehen werden; und die Bezeichnung ist deshalb überhaupt fallen zu lassen (Flügge).
7. Der Bacillus aoidi laotioi Hueppe (Bacillus der Milch-säuregährung, Milchsäurebacillus) bildet aus dem Milchzucker der Milch Milchsäure und Kohlensäure. Dabei tritt eine Gerinnung des Caseins ein. Er findet sich in saurer Milch.
* Der Milchsäurebacillus bildet meist zu zweien verbundene Kurz-st ab eben ohne Eigenbewegung, weiche in Gegenwart von Sauerstoff wachsen, aber auch einen gewissen Sauerstoffmangel er­tragen. Unter 10deg; findet keine Entwickelung statt. Das Tempe­raturoptimum liegt zwischen 35 und 42deg; C. Der Bacillus bildet endogene Sporen. Die Gelatine'-') wird nicht verflüssigt. Es bilden sieb langsam wachsende, porcellanartig glänzende Golonien
') Hauser hat neuerdings die Ansicht ausgespreohen, dass die drei vorstehend beschriebenen Organismen nicht als verschiedene Arten anzusehen sind, sondern dass die drei Formen einer einzigen Species angehören. Er sohliesst dies aus mit der Zeit eintretenden Veränderungen, die er an seinen Cultnren beobachtete.
-) Nach Boyerinck wachsen die Milcbsäuivliakterien besonders gut aufHefe-wasser-Tranbeiizackergelatine, welche rolgendermassen gewonnen wird: 20 g Hefe werden in 100 ecm Leitungswasser gekudit, S g (Jelatine (oder !V, g Agar) und ö bis 10 g Traubenzuoker zugefügt. Nach neuem Kochen wird flltrirt. — Qiebt man diesem Nährboden einen Zusatz einer wässerigen Aiifscluveimmmg von Kreide (.bis zu starker Trübung), so eignet sich derselbe ausgezeichnet, zur Erkennung und Isolirnng der Milchsäurebakterien (Kreideboden). Jede auf der Platte entstehende Milch- (und ebenso Kssig-) säure bildende Colonle kennzeichnet sieb dadurch, dass der getrübte Nährboden in ihrer Umgebimg klar durchsichtig wird.
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C. Saprophytisohe (uiobt patbogene) Bakterienaiteu.
in der Gelatine. Auf Kartoffeln bilden sieh gelbbrftunUche, feuohte üeberzüge.
Der Milohsäurebaoillus H neppe ist nicht die einzige Batterienart, welche den Milchzucker in Milchsäure umwandelt, aber die häufigste.
S. Die Bakterien der Buttersfturegährung. Es giebt mehrere Bakterienarten, welche die Eigenschaft haben, aus Kohle­hydraten Buttersäure zu bilden. Genauer studlrt sind zwei wesentlich von einander verschiedene Arten: der streng anaerobe Bacillus butyricus Prazmowsky und der aerobe Bacillus butyric us Huep p e.l)
a.nbsp; Der Bacillus butyricus Prazmowsky (Clostridium butyri-oum. Bacillus amylobacter) findet sieh in ausserordentlicher Verbreitung in der Natur. Er stellt grosse Stilbchen von etwa l /( Breite und wechselnder Länge dar, die öfters Ketten bilden. Der Hacillus ist lebhaft eigenbeweglich. Er bildet Sporen, die meist mittel­ständig sind, und während deren Bildung das Stäbchen in der Mitte anschwillt, so dass eine Spindelform, eine T lost ridi uniform (cf. p. 17) entsteht. Die Sporen können aber auch am binde des Stäb­chens auftreten. Die Sporen sind 1 ii breit und 2—2,5 jii lang. Wenn die (frei gewordene) Spore auskeimt, so geschieht das so, dass aus einem endständigen Hiss der Sporenmembran das Keimstäbohen hervor­tritt; die Sporenmembran sitzt dann weiterhin dem Jungen Bacillus wie eine Kappe auf. Der Bacillus wächst nur bei Sau er st off ab-schluss. In Lösungen von Stärke. Dextrin, Zucker, milchsauren Salzen bildet er grosse Mengen von Buttersäure unter gleich­zeitiger Entwickelung von Kohlensäure und Wasserstoff. Dieselbe Giihr-thätigkeit entfaltet der Bacillus in alter Milch, deren Milchzucker aber zunächst durch Milchsäuregährung in Milchsäure übergeführt sein muss. Auch geronnenes Casein vermag der Bacillus langsam zu lösen. Unter gewissen Umständen, namentlich bei der Cultivirung des Bacillus auf stärkehaltigem Nährboden, zeigt das Protoplasma des Bacillus (1 ra n u I ose-Geha 11. Mit wässeriger Jodlösung färbt sich das Proto­plasma hier ganz oder theilweise tiefindigoblau bis sclnvarzviolett (cf. p. 9). Davon hat der Hacillus den Namen „Bac. amylobacterquot; erhalten. — Nach Gruber verbergen sich unter der Bezeichnung Clostridium butyricum mehrere Arten.
b.nbsp; nbsp;Der Hacillus butyricus Hueppe wurde von Hueppe
') Neuerdings hat S. Botkin einen neuen (anaBioben) Baoillus butyricus Milch, Wasser, Knie, stmil] isolirt und oenauer studirt,
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C. SapropbytUohe (nicht patbogene) Bakterienarten.
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aus Milch isolirt. Derselbe bildet grosse, schlanke, liäiifijgt;' zu zweien verbundene Stäbchen, welche in G-e gen wart von Sauerstoff auf den gemeinen Nährböden O^i ZI miner- sowohl wie igt;ei Bruttom-peratur) gedeihen und mittelständige Spuren bilden. Die Gelatine wird schnell verflüssigt, Auf der Agaroberfläohe bildet der Bacillus feuchte, gelbhohe üeberzüge. In sterilisirter .Milch veranlasst der Bacillus (am besten bei Brüttemperatur) zunächst labähnliche Gerinnung des Caseins, ohne dass dabei die amphotere Reaction der Milch geändert wird. Dann wird das ausgefällte Casein wieder gelöst und in Pepton und einige weitere Spaltungsproduote übergeführt; unter diesen tritt Ammoniak auf. Zugleich macht sich ein bitterer Geschmack bemerkbar. Aus milclisanren Salzen bildet der Bacillus Buttersäure,
9. Der Bacillus ace tic us (Bacterium acetioum, Mycodermn aceti, Essigpilz) hat das Vermögen, den Alcohol gegohrener Getränke (in Gegenwart vim freiem Sauerstoff) in Essigsäure zu verwandeln. Er bildet auf derartigen Flüssigkeiten, am besten bei etwa 33quot; ('., oberflächliche Kahmhäute, während die Flüssigkeit selbst trübe und stark sauer wird. Die Bacillen stellen Kurzstäbchen dar. die gewöhnlich zu langen Ketten verbunden sind, ^lit den modernen Culturmethoden ist der Organismus noch nicht genauer untersucht.
10, Die Milohkothbakterien Escherioh's. Im normalen Darme des Säuglings hat Esche rieh (1885) zwei liakterien-arten constant vorgefunden (obligate Milohkothbakterien). Die erste ist das Bacterium lactis aÖIOgenes, Dasselbe bewohnt die oberen Darmpartien; weiter nach unten im Darme wird diese Art immer seltener und macht der zweiten Art Platz, dem Bacterium ooli commune.
a.nbsp; nbsp;Das Bacterium lactis aerogenes ist ein plumpes K u r z s t ab c h e n von 0,5 /( Breite, welches E i g e n b e w e g u n g n i c h t besitzt. In Zuckcrlösmigen scheinen sich endständige Sporen zu bilden. Das Culturverhalten ist gleich dem des II ue p pe'schen Milchsäurebaoillus (p. 343). Auf Kartoffeln bilden sich weissgelb-liche, i'ahmartig zerlliessende. von (iasblasen durchsetzte Colonien. Der Milchzucker wird durch das genannte Bacterium vergeh ren zu Milchsäure und besonders Essigsäure (Ä, Haginsky). Da­bei bildet sich Kohlensäure. Wasserstoff und Methan.
b.nbsp; nbsp;Das Bacterium coli commune, welches auch im Darm
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;i40nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; C. Sapropbytlsobe (nloht pathogeue) Bakterienaitenlt;
des Erwachsenen zu linden ist und auch bei Tlüeron vorkommt, haben wir oben (p. 297 ff.) ausführlich betrachtet.
11.nbsp; Die Bakterien der ammoniakalisehen Harnstoff-gähi'ung. Eine Anzahl Bakterienarten haben die Fähigkeit, Harnstoff in Ammoniumcarbonat umzuwandeln. Hierher gehören unter Anderem der Micrococcus ureae Leu he. der Micrococcus ureae liquefaciens F lüg go, der Baoillus ureae Leube.
a.nbsp; Der Miorooooous ureae Leube ist ein Coccus von 0,8—1,0jlaquo; Durchmesser, der einzeln, zu zweien, in Tetraden odor Ketten auftritt, auf dor Gelatine ohne Verflüssigung oberflächlich wächst.
b.nbsp; Der Micrococcus ureae liquefaciens Flügge hat 1,25—2 /( Durchmesser, kommt vereinzelt oder in kleinen Ketten odor unregelmässigen Gruppen vor und verflüssigt die Gelatine 1 a u g s a in.
c.nbsp; Der Bacillus ureae Leu be bildet plumpe Stäbchen von 1 ,laquo; Dicke mit abgerundeten Enden, welche auf der Gelatine oberflächlich wachsen, ohne dieselbe zu verflüssigen.
12.nbsp; Um die Erforschung der in der MundhöhljB des .Menschen vorkommenden Bakterien hat sich besonders W. 1). Miller (cf. p. ITli, Anm. 2. und p. 315, Anm. 1) verdient gemacht. Stets, in jeder Mund­höhle, zu linden sind folgende Bakterien („eigentliche Mundpilzequot;): Leptothrix bueoalis innominata, Bacillus buocalis m a x i m u s, L o p t o t h r i x b u c calls maxima, J o d o c o c c u S vaginatus. Spirillum sputigenum, Spiroohaete den-tium (denticola). Sämmtlich haben sie sich bisher den Versuchen, sie k ü n s 11 i c h zu z ü c h t e n, widersetzt.
a.nbsp; nbsp; Leptothrix bueoalis innominata bildet 0,5 — 0,8 fi breite, vielfach gewundene und verschlungene, bewegungslose Fäden, welche sich mit Jodjodk a I i u m 1 ö s ung gelb färben.
Eine Leptothrixart aus der Mundhöhle ist auf Fig. 19 (Taf. IV) dargestellt.
b.nbsp; nbsp;Bacillus buocalis maxim us erscheint in Düse he In parallel laufender, 1 —1,3 fJ, breiter Fäden, welche sich mit ,J odj od-kaliumlösung blau violett färben (cf. p. 9: Granulosoreaction).
c.nbsp; Leptothrix buocalis maxima hat in der Form und An­ordnung die grössto Aehnlichkeit mit dem Bacillus buccalis maxiinus, färbt sich aber mit Jodlösung gelb.
d.nbsp; Jodococcus vaginatus kommt in Ketten von 1—10 Zellen vor. welche in einer Scheide stecken. Die Verbände haben eine
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C. Saprophytische (nicht patbogene) Bakterienarten.
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Dicke von 0,75 /t. Die cigontlichcti Zellen färben sich mit Jod-lösung blauviolett, lt;lic Scheide nimmt dabei schwach gelbe Färbung an.
e.nbsp; nbsp;Spirillum s put ig en um bildet li uinm afü rmi ge, lebhaft bewegliche Stäbchen, welche auch zu zweien zusanunengelagert sind und dann S-Furmcn bilden. Kin Phutugnimm dieses Mikroorganismus findet man auf Taf. X, Fig. 59.
f.nbsp; nbsp;Spirochaete dentium (8p. denticola, Zahnspiro-ohaete) findet sich, wie die vorige Art, unter dem Zahnfleischrande: sie bildet 8—25 /i lange Schrauben (cf. Taf. I, Fig. 1, ferner den Band der Figur 69 auf Taf. X). Sie hat zugespitzte Enden; dies hat sie mit der llecurreiisspirochaete (p. 324) gemein, und beide unterscheiden sich dadurch von anderen Spirillen (Koch).
In dem Zahnbelage eines an Pyorrhoea alveolaris leidenden Hundes fand Miller einen Spaltpilz von riesigen Dimensionen: Lep tothrix gi gantea. Derselbe Hess sich, wie die bisher genannten Arten, künstlich nicht züchten.
Die künstliche R e i n z ii c h t u n g gelang Miller unter An­derem bei folgenden Mundpilzen: Jodococcus m a gnus (grosse Coc-cen, die sich mit Jodjodkaliumlösung blauviolett färben), Jodococcus parvus (kleine Coocen, die ebenfalls die Granulosereaction geben), ferner bei einem Coccus, der mit Jod schön rosaroth wird.
Aussei- den genannten giebt es eine grosse Anzahl von im Munde gelegentlich zu findenden Arten, deren Beinzüchtung gelungen ist, die aber mit wenigen Ausnahmen noch nicht ausführlicher studirt worden sind.
Ueber die Zahnoaries siehe oben (p. 176, Anm. 2).
13. Der Bacillus der blauen Milch (Bacillus evanogenus. Bacterium syneyanum) ist die Ursache des häufiger ZU beobachtenden spontanen Blau Werdens der Milch. Zuerst von Fuchs wurde die Ursache dieses Blauwerdens Bakterien zugeschrieben; später wurde der veranlassende Bacillus besonders von Ne eisen und von Hueppe, ferner von Scholl, von Heim und von (Jessard genauer studirt.
Der Bacillus cyanogenus ist ein kleines, etwa 0,4 /i dickes, schlankes Stäbchen, welches häutig zu zweien gruppirt auftritt und lebhafte Eigenbewegung besitzt. Die letztere wird vermittelt durch zahl r e i c h e (j e i s s e 1 n, die wie beim Typliusbacillus (cf. p. 246) den Seitenwandungen des Individuums angeheftet sind. Die Frage, ob der Bacillus Sporen bildet, war von Hueppe in positivem Sinne entschieden worden; nach neueren Untersuchungen
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IMS
('. Sapi'opUytisobe (niobt pathogeue) Bakterieniu'ton^
jedoch (Scholl) iiuiss die Frage als eine noch offene angesehen werden. Der Bacillus gedeiht auf den gewöhnlichen Nährhiiden, am besten bei Zimmertemperatur, und bildet, am besten auf leicht sauren Xährböden, ein schönes blaues Pigment. Bei H rü ttein pe­rn tur wächst der Bacillus langsamer als bei Zimmertemperatur; hier bleibt die Pigmentbildung aus (Heim). Auf der Gelatine ist das Waohsthum vorzugsweise ein oberflächliches (der Bacillus ist aerob). Ks bildet sieh in der Stichcultur ein schinutzig-weiss-grauer Belag auf der Oberfläche, wahrend die Gelatine selbst, besonders um die oberen Theile des Impfstiches herum, eine mehr und mehr dunkel werdende, bläulich-violette bis braune Färbung annimmt. Je alkalischer die Gelatine ist, desto brauner wird die Färbung. In ste­rile Milch eingeimpft bewirkt der Bacillus weder Gerimumg noch Säuerung; sondern die Milch wird schwach alkalisch und färbt sich zugleich schiefergrau. Durch Säurezusatz geht dieses (irau in inten­sives Blau über. Impft man den Bacillus in rohe .Milch, so kommt a priori (in Folge der durch die Milchsäurebakterien hervorgebrachten Säuerung der MUch) Blaufärbung zu Stande. Auf der Agarobe r-flache bildet der Bacillus einen schmutzig-granen Belag; der Nähr­boden selbst färbt sich in ähnlicher Weise, wie dies die Gelatine thut. Auf Kartoffeln bildet sieh ein dicker, schmieriger Belag, in dessen Umgebung sich die Kartoffel schwarzblau färbt. Sehr schön gedeiht der Bacillus auf t ra u be nzucke r- oder glycerinhaltigen Nährböden (z, B. Traubenzucker-Agar etc.). In steriler .Milch, der 20/(i Traubenzucker zugesetzt sind, oder in 2 proc. Tnuibenznckerbouillon bildet der Bacillus oyanogenus prachtvoll blauen Farbstoff und Milch­säure (Gessard).
II. Der Bacillus violaceus (violetter Bacillus aus Wasser) wird häufig in Pluss- und Leitungswasser (Spree, Themse) angetroffen.
Er ist ein kleines, schlankes, lebhaft ei gen be weg­lich es Stäbchen, welches einzeln, aber auch zu längeren Fäden ver­bunden, vorkommt. Er bildet mittelständige Sporen. Der Bacillus gedeiht auf den gewöhnlichen Nährböden und bildet, am schönsten auf A gar und auf Kartoffeln, einen intensiv dunkel-sclnva rz v i o let te n Farbstoff Die Gelatine wird verflüs­sigt. Auf Kartoffeln ist das Waohsthum ein langsames.
irgt;. Der Bacillus Indiens (Bacillus rubel' Indiens) wurde von
R, Koch in Indien aus dem Mageninhalt eines Affen isolirt.
El' stellt einen sehr kleinen, e i ge n be wegl ichen Bacillus
.
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C. Saprophytlsobo (nicht pathogens) Bakterienarton-
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dar, welcher bei Sauerstoffanwesenheit auf den gewöhnlichen Nährböden wächst und dabei einen zlegelrothen Farbstoff pro-ducirt. Die Gelatine wird energisch verflüssigt. Das Teni-peraturoptimum liegt bei etwa 35deg; 0. Auf Agar sieht die Cultur zunächst weiss aus, fär))t sich aber bald roth. Auf Kartoffeln bilden sich ziegelrothe Auflagerungen, die, mit Ammoniak betupft, dunkelroth, nach Essigsäurezusatz aber wieder ziegelroth werden (Eisenberg). Der Bacillus bildet giftige Stoffwechselproduote.
16. Der Bacillus prodigiosus (Micrococeus prodigiosus, Monas prodigiosa Ehrenberg) iindet sich (selten) in der Luft und ist schon frühzeitig aufgefallen durch die intensiv bin trot he Färbung, welche er manchen Cultursubstraten verleiht.
Der Bacillus stellt ein sehr kleines, in jungen Culturen deut­lich eige nbe weg 1 iches Kurzstähohen dar (siehe Taf. IT, Kg. S), welches bei Zimmertemperatur sowohl wie bei Brüttemperatur auf den gewöhnlichen Nährböden wächst und bei Zimmertemperatur einen mehr oder weniger intensiv rothen Farbstoff prodneirt. Bei ßrüttempe­ra tu r wächst der Bacillus farblos, in weissen Culturen (Schotte-lius). Hand in Hand mit der Farbstoffproduction geht die Production von Trimethylamin (Geruch nach Heringslake; of. p. 24). Am schönsten wird der Farbstoff auf Kartoffeln gebildet; hier ist er tiefblutroth; auf Agar spielt der Farbstoff mehr in das Carmoisinroth hinüber. Der auf Kartoffeln gebildete blutrothe Farbstoff wird, mit Essigsäure betupft, heller, ziegelroth; nach Ammoniakzusatz bildet sich wieder das ursprüngliche Dunkelroth (Eisenberg). Gelatine wird durch den Bacillus prodigiosus energisch verflüssigt.
17. Der Micro coccus agil is. Im .Jahre ISS9 wurde von Ali- C o h e n aus Trinkwasser ein Micrococcus reingezüchtet, dem — im Gegensatz zu allen bis dahin bekannt gewordenen Coccenarten —-die Eigenschaft der Eigenbeweglichkeit („agilisquot;) zukam (of. p. 13).
Der Micrococcus agilis kommt fast immer als Diplococous, seltener in kurzen Kettenverbänden, bisweilen in Tetradenform zur Beobachtung. Der Durchmesser des Coccus beträgt 1 /*. Der Coccus hat lebhafte Eigenbewegung, welche vermittelt wird durch sehr lange, ausser-ordentlioh feine Geis sein, die gewöhnlich in der Einzahl vorhanden sind, aber auch zu mehreren an einem Individuum angebracht vor­kommen (Loeffler). Der Micrococcus agilis lässt sich auf den ge­wöhnlichen Nährböden leicht züchten; er wächst bei Zimmertempe­ratur, nicht aber bei Brüttemperatnr. Anfallen Substraten (Gelatine.
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('. Bapropbytisobo (nicht patbogene) Bakterletuirten.
Agar, Kartoffel eto.) wird ein,rosenrothes Pigment gebildet. Die Gelatine wird langsam verflüssigt. Nach der Gram'sehen Methode (p, 100 ff.) färbt sieh der Coccus.
Eine weitere bewegliehe Mikrococcenart (..Micrococcus agilis oitreusquot;) hat kürzlich Menge beschrieben.
Loeffler hat ebenfalls gelegentlich einen eigenbeweglichen Micro­coccus gefunden, eultivirt und kurz beschrieben.
IS. Das Spirillum rub rum Us mar eh wurde von E. v. Es-iii arch aufgefunden in dem Cadaver einer an Mäusesepticaemie ver­endeten Maus, der zur Gewinnung von Päulnissbakterien mit Leitungs­wasser hingestellt worden war und ;i .Monate später vertrocknet, gefunden wurde. Das Spirillum bildet einen schönen rothen Farbstoff, aber nur bei Sauer stoff ab Wesenheit,
Das Spirillum wächst bei Zimmer- und bei Brättemperatur, am besten bei 37deg; C. Es lässt sich auf den gewöhnlichen Nährböden züchten. In der Gelatine kommt es bei Zimmertemperatur nur sehr langsam zur Dntwickeliing. In der S t ich cult u r bildet sich nur im Verlauf des Impfstiches, nicht an der Oberfläche, rother Farbstoff (siehe oben). Die Gelatine wird nicht verflüssigt. Auf festen Nährböden bilden sich nur kurze (3—1 Windungen umfassende), aber lebhaft bewegliche Spirillen; Loeffler hat an ihren Enden Geisselb lisch el nachgewiesen. In flüssigen Nähr­böden kommt es zur Ausbildung sehr langer (30—40 und mehr Windungen umfassender) unbeweglicher Schrauben. Bezüglich etwaiger Sporenbildung ist Sicheres noch n ich t bekannt. Das Spirillum rubrum ist das erste wirkliche Spirillum, dessen künstliche Heiiizüelitung gelungen ist.
II). Chromogene Sa reinen. In der Luft kommen ganz gewöhnlich Sarcinekeinie vor, die sieh gelegentlich auf unseren Nähr­böden, Qelatineplatten, Kartoffeln etc., niederlassen und dort zur Knt-stehung von Colonien Veranlassung geben, die (meist) durch ihre Färbung auffallen. Die häufigsten sind - nach meiner Beobachtung — eine (die Gelatine sehr schnell verflüssigende) citronengelbe Sar-cine, lernereine weisse (langsam verllüssigende); ferner beobachtete ich öfters eine gelbgrüne Saroine (ohne jedes Verflüssigungsver­mögen); seltener kommt eine oranges Sa reine vor, die ausser-ordentlieh langsam wächst und die Gelatine nicht verflüssigt. Dies dürften wohl die hauptsächlichsten der in der Luft gewöhnlich vor-
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C. Sapruphytisdie (nicht pathogeno) Baktorlenai'ten,
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koannenden Saroineai'ten sein.') Ein Photogramm der gelbgrünen Saroine findet man auf Taf. Ill, Fig. 1quot;).
20.nbsp; nbsp;Im Wasser kommen Bakterienarten vor, welolxe, in Gelatine gezüchtet, derselben eine prachtvolle g r ü n e f 1 u 0 r e s c i r ende F ä r -bung verleihen. C. Fraenkel beschreibt deren zwei.
Die eine ist ein kleiner, feiner Bacillus ohne Figen-bewegung. Derselbe wächst hei Zimmertemperatur auf der Gelatine. und zwar fast ausschliesslich obertliichlich, in Gestalt einer zarten, grauen, blattartig gezeichneten Haut. Die darunter liegende Gelatine fluorescirt prachtvoll hellgrün („Bacillus fluorescensquot;). Die Gelatine wird nicht verflüssigt.
Die zweite Art ist der sogenannte Bacillus erythrosporus. Derselbe ist viel grosser als der vorhergenannte, ist eigenbeweg­lich und bildet grosso mittelständige Sporen, welche einen eigenthümlichen rothen Glanz („erythrosporusquot;) besitzen sollen. Die Gelatine wird nicht verflüssigt. Das Wachsthum ist nicht auf die Oberfläche beschränkt wie bei dem vorigen Bacillus. Die Gelatine fluorescirt ebenso schön wie bei dem vorigen Bacillus.
21.nbsp; nbsp;Der Bacillus fluorescens liquelaciens (verflüssigen­der fluoresoireWer Bacillus) lindet sich häufig in faulenden Flüssig­keiten. Fr bildet kurze, e i g e nb c w e g 1 i c h e S t ä b c h e n, zu zweien verbunden. Die Gelatine wird verflüssigt und zeigt, namentlich in den noch nicht verflüssigten Theilen, grünlich-gelbe Fluores-cenz. Auf Kartoffeln bilden sich bräunliche Beläge (Flügge).
22.nbsp; Fine Reibe von Bakterienarten hat die Eigenschaft, in ihren Gulturen im Dunkeln zu leuchten. Mit dem Studium derartiger Bakterien haben sich Pflüger, Fischer, Forster, Katz und andere Autoren beschäftigt. Hier seien drei Arten nufgeführt, die von B. Fischer entdeckt resp. genauer studirt worden sind.
a. Bacillus phosphoresce ns. Derselbe wurde von Fischer bei der Insel S. Croix im Me er was seiquot; gefunden. Fr stellt kleine, d icke, e i g e n b e w e g 1 i c h e Stäbchen dar, welche, am besten zwischen 20 und 30deg; C, auf den Nährböden wachsen und die Gelatine ver-
') Hierzu möchte icli bemerken, dasa Bioher nicht alles, was in Lehrbttchern unter dem Namen „Sarcinequot; beschrieben ist, wirklich hierher gehört, Man darf nicht jeden tfiorococous, bei dem man gelegentlich (oder auch bäaflger) Anhäufungen zu je vier Zellen sieht, als „Sareinequot; bezeichnen. Nur das würde ich als ..Sarcine'' gelten lassen, was die typische, oben (p. II) beschriebene und auf Taf. 111, Fig. 15, abffobildete Packetform aufweist.
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c. SapropbytisoUe (niobt pathogene) Bakterienarton.
flüssigem Sporen werden nie lit gebildet. Auf Kar to ff ein ist das Wachstbvun ein geringes. Unter 10deg; ('. findet überhaupt kein Wai-listlumi statt. Die Culturen leuchten (am besten bei Tempe­raturen zwischen '2b und 80deg; C.) im Dunkeln mit mildem, weissem, einen bläulichen Schimmer zeigenden Lichte, aber nur hei Sau er­ste ff an Wesenheit. Zusatz geringer Mengen von Chlormagnesium oder Magnesiumsulfat zu leuchtenden Culturen verstärkt das Leuchten. Den günstigsten Nährboden für den Bacillus bilden gekochte Fische, die prachtvoll leuchtend werden.
b. Bacterium phosphorescens. Dasselbe stammt von tod ten Fischen aus der Ostsee, die bei einfachem Liegen (im Keller) häufig von selbst leuchtend werden. Es bildet kurze, plumpe, oft zu zweien zusammenhängende, aerobe Stäbchen ohne Eigen-b e w c g u n g, welche auf der Gelatine o h n e AT e r f 1 ü s s i g u n g, haupt­sächlich oberflächlich, auf Kartoffeln nicht wachsen. Das Tempe-raturoptimum für das Leuchten liegt erheblich niedriger als bei dem vorigen Bacillus. Das Leuchten ist etwas stärker als bei dem vorigen Bacillus und zeigt einen grünlichen Schimmer.
0. Der einheimische Leuch tbaci 1 Ins, von Fischer im Wasser des Kieler Hafens gefunden. Derselbe stellt kurze, dicke, lebhaft eigen be wegl ich e. aerobe Stäbchen dar, die auf der Gelatine am besten bei 30/0 Kochsalzzusatz wachsen, auf Kartoffeln nicht gedeihen. Die Gelatine wird verflüssigt. Das Wachsthum und Leuchten findet schon bei 5—10deg; C, ebenso aber bis gegen 25quot; C. hin, statt. Die Farbe des Lichtes ist keine grünliche, sundern eine bl ä ulich-weisse.
23. Das Spirillum concen tricum Kita sa to. Dasselbe wurde von dem genannten Autor aus faulendem Rinderblut ge­züchtet. Ks wächst auf Gelatine bei Zimmertemperatur, ohne die Gelatine zu verflüssigen, und bildet auf der Platte eigen-tlühnliche, aus conce n t risch en Ringen zusammengesetzte Colo-nien. In der Stiehcultur findet hauptsächlich ein oberflächliches Wachsthum statt. Das Temperatur optimum liegt zwischen 20 und 23deg; C. Auf Kartoffeln gedeiht der Organismus nicht. Mikro­skopisch stellt das Spirillum kurze, 2 —;{ Windungen umfassende, lebhaft bewegliche Schrauben dar. In Bouillon kommt es zur Bildung von langen (5—20 Windungen zeigenden) Schrauben Die Dicke der Organismen ist etwas grosser als die der Cholerabacillen. Sporenbildung wurde nicht constatirt. Das Spirillum trügt an den Enden Geisselbüschel (Loeffler),
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(.'. Sapropbytlsabe (niohl patbogene) Bakterlonaitsn.
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•24. Einige in ihrex' Form auffällige, häufiger vorkommende Bak­terienarten sollen in Folgendem noch aufgeführt werden, obgleich man dieselben in Heineiilturen nooh nicht studirt hat:
ii. Bacillus tremulus Koch. Derselbe findet sich oft an der Oberfläche von faulenden Pfanzenaufgüssen, und zwar in solcher Menge, dass er eine ziemlich diöke, sohleimigo Haut auf den­selben bildet. Er hat eine eigenthümliohe zitternd rotirende Bewegung. Beide Enden des Bacillus tragen eine Geis sei, welche eine feine, regelnlässig gestaltete Wellenlinie bildet. Er bildet Sporen, welche dicker werden als der Bacillenkörper.
b.nbsp; Spirillum Unduln. Es kommt sehr häufig in allen mög­lichen faulenden Flüssigkeiten vor; namentlich in Strohaufgüssen habe ich es gewöhnlich gefanden. Es bildet grosse, mit kräftigen Go issein oder mit Geisselbüscheln an den Enden versehene Spiriilen (siehe Tat'. Ill, Pig. 16; vergl. auch oben p. 74).
c.nbsp; Spiroohaete plicatilis. Von Kooh häufig in Rinnsteinen, im Stadtgraben von Wollstein, im Schlamm am Rande des Wollsteiner Sees während des ganzen Sommers gefunden. Diese Art ist durch eine zweifache Wellenlinie, d. Ii. durch grössore primäre und kleinere seenndäre Windungen, ausgezeichnet. Sie bewegt sich ausser-ordenllicli schnell.
(J ün 11. m-, Bakterlologlöi
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Anhang.
Aussi'v den saprophytisohen Bakterien haben auch manche saprophytische Schimmelpilze utul auch manche Hefen für uns ein Interesse, weil sie sich gern als ungebetene Gäste auf unseren Bakterienculturen einzufinden pflegen.
Unter den Schimmelpilzen sind es namentlich manche Muooi'-. Penicillium-, Aspergillus- und Oi'diuinartcn, welchen wir öfters begegnen. Oben (p. Ii28s) haben wir bereits die für die Gattungen Mucor, Asper-gillus und Oidinm characteristische Art und Weise der Sporeuab-schnürung kennen gelernt. Bei Penicillium ist diese wiederum abweichend. Die Fruchthyphen zeigen hier pinselartige Verzweigungen, auf denen die Sporen reihenweise abgeschnürt werden.
Der häufigste aller Schimmel ist das (zugleich die häufigste aller Verunreinigungen unserer (,'iilturen, namentlich der Kartoffelculturen, bildende) Penicillium glaueum (grüner Pinselschimmel). Zunächst als kleines, wenig ausgebreitetes weisses Myoelgeflecht erscheinend nimmt seine Colonie schnell an Fläohenausdehnung zu, und sehr bald kommt es in den mittleren Partion derselben zur Fructification (Sporon-absclmürung): diese Thcilo sind durch grüne Farbe ausgezeichnet.
In der Milch (besonders in saurer), ferner in der Butter wird ganz gewöhnlich eine saprophytische Oidiumart („Oidinm 1 a et isquot;) angetroffen. Dieser Organismus wächst auf der Gelatine, ohne dieselbe zu verflüssigen.1) Bei dor Fructification bildet er trockene, weisse, oberdächliche Rasen. Das Temperaturoptimum für das Gedeihen des Oulium lactis liegt bei 20deg; ('.
Die Methoden der mikroskopischen Untersuchung der Schimmelpilze haben wir oben (p. IV2!)) erörtert.
Von den Hefen oder Sprosspilzen (einzelligen Pilzen, welche sich durch Sprossbildung, die au den vegetativen Zellen auftritt.
') Sauer reagirende Gelatine kann verflüssigt werden.
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Anhang
:{r)5
vermehren [cf. Taf. 11. Fig. 7: rergl. auch oben p. 8], die aber unter Umständen auch Sporen [sog. Asoosporen] bilden können) kommen einige Arten sehr häufig in der Luft vor, namentlich die sogenannte Rosa-Hefe, welche auf den gewöhnlichen Xährliöden wächst und dabei einen hellrosa Farbstoff produoirt. Die Gelatine wird durch diesen Organismus nicht verflüssigt. Ebenso verhalten sich zwei andere (seltenere'), ebenfalls in der Luft anzutreffende Hefearten: die schwarze und die weisse Hefe. Sie sind nur durch die Farbe des producirten Pigmentes von der Rosa-Hefe unterschieden. Ausserordent-lich üppig wachsen die ohi'omogenen Hefearten auf traubenzuoker-und auf giyoerinhaltlgen Nährböden.
An dieser Stelle seien zwei weitere — in der Natur sehr ver­breitete — Hefearten genannt: die Bierhefe (Sacch a rom yces oerevisiae) und die Weinhefe (Sac char cm yces ellipsoi-deus). Beide haben das Vermögen, wässerige Lösungen der Zucker­arten von der Formel ('„H^O,, unter Bildung von Alcohol und Kohlensäure zu vergähren (A leoh ol gährung; alcoholische (lährung). — Hefezellen aus dem Bodensatz von Weissbier sind auf Taf. IT. Fiff. 7. dargestellt.
23 *
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Register.
(Dio /itlVni ohne Bozolohuung bedeuten lt;li steht meist an i
Abbe'soher Beleuohtuugsappaiut. 43,
44. 52 ff. Abbildungsvermögen. lquot;gt;. Abgestorbene Bakterien, Färbung. 70. Abimpfung von Culturen. 134, Abortgruben, Desinfeotion. 33. Abrin. ISS. Absoease. 306. 309.
Absohwäohung virulenter Bakterien. 1 Ti) II'. Absitzmetbode. 150. Abstetbeerscheinungen. 15. Abtödtung dor Bakterien, PrQfliug auf
dieselbe. 34. Aohorion Sohönleinii. 330, Ai'tiiioinycoK bovis sivo liominis. VIä—;!27. Taf. MI, Fig. 71. „ musculomin suis. 1(27. Aöroben, obligate, 11. Aether als Desinfectionsmittel. 30, Aetiologie, Nachweis derselben. 184 ff, Aotzkalk, s. Kalk. Agar-Agar. 116 ff, Agarplatten. 141, Agar-Eollplatten, ill. Agrioultur, Beziehungen dor Bakterien
zur. 40. Albumose, giftige, 201, Alcohol, kolii Desinfectionsmittel, 30,
,, als Hftrtungsmittel, 80,
„ als Entwässerungsmittcl, S4. Sd. 87,
„ Wirkung als Constltuens vim Farblösnngen und auf gefärbte Präparate, '.m ff.
,, als Entfärbungsmittel, 92, 97,
is SmU'u/uhh'ii; der wiohtigste Nachweis ireter Stolle.)
Alcohol, Vergährung durch Bakterien, 38,
Alcoholgähruog, 356,
Alcohollsohe Lösungen, keine Desinfeotionslaquo;
mittel, 29, Algen, 19, Alkalescenz dor Nährgelatine, s. Reaction,
clicinisohe. Alkalien, Production durch Bakterien, 41. Alkaliproteine, 308,
Alkalien, Besistenz der Bakterien gegen, so. Ameisensaures Natron als Zusatz zu
Nähragar, 140. Ammoniak als Stoffweohselproduct. 3S. eiterungserregende Fähigkeit 306. Aiiimniiiakaliselio Guhrung. 346. Amoeba coll. 335, Anaöroben. 22,
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Fäulniss durch. 39,
,, Cultivirung, 143 ff, Angina laounaris, 310, Anilin, tio.
,, als Entwässerungsmittel, sä. 106, Anilinfarben. 60 ff.
bakterienscbädigendeEigen-schalten derselben. 60. Anilinferbstoffe, basische und saure. 61. Anilinwasser. 94, Anilinwasser-Farbstofflösuugen, Loeff-
lor's alkalische. ',i(i. 78. AnUinwasser-Farbstofflösungen, siehe auch
Ehrlich. Anpassung an den Nährboden. 22. l7o. Anreicherungsmethoden, s. Vorcultur. Ansteckung. 172.
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358
Register.
Antikörper. 189,
Aiitiscjisis. :f5. Antisoptioa, 3fi,
A^troclinungsiuetbode, b. I'mia. Apertur, nuinerisohe iquot;). 65. A|)ocliniiiiiit-01ij(gt;c'tive. 1-1. Arbeitstisch. 17. Arten, specilisclie. 2. Arthrosporen, iquot;. 2~2. Ascornvectcn. :i2s. Asoosporen. 355.
Asepsis. 35.
AspergUlusarten, patbogene. :t2s. 320.
AsphalÜaok. 64. 320,
Asporogene Culturen, s. Milzbrandbadllns,
Aufhellungsmittel. 86.
Aufkitten des Trookenpräparates, 64.
Auf kleben gehärteter Organstttcke. 81, 82.
Auflösungsvermögen, -l5.
Augenkammer, Impfling In dieselbe. 173.
Ausglühen der Instrumente. 25.
Auskeimung der Spore. 16,
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;verlangsamte, 34,
Austrocknen, 29, 30,
Autoclave. 27.
Auxanogramm, Auxanographic, 111.
Bacillen. 7. 1 2. Baoillenfflden, 12. liaeillus nceticim. 3J5.
aeidi lactici. 343.
,. amylobacter, 344,
„ anthrads, s, Mflzbrandbaoillns,
„ bnccalis maximus. 346,
,, butyricns Hiic])pe. 344.
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„ Prazmowsky, 344.
capsulatus. 322.
,, oyanogenus. 347,
„ des malignen Oedems, s. Malig­nes Oedem.
,, erythmsporus. 351.
., flgurans, 342.
,, fluorescens, 351.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„ liquefadens, 361,
„ Indiens. 34b.
,, Megaterium, 341.
,, niesentoricus vnlgatns, 330,
„ inycoidcs, s. Wurzelbacillus.
„ Neapolitanus, 300,
Bacillus oedenmlis mallgni, s. Malignes Oedem. „ phospboresoens, 361, „ pneumoniae, 3is—310, 0. 315.
Taf. Xil, Kg. int. „ prodlgiosus. 349, 24, 2l(t. 214.
308, Taf. II, Fig, 8. ,, protons Qnorescens, 342, ,, pyocyaneus. 266—2(17. ISO. ,, rubel' Indiens. 348.
snbtilis, s, lleubacillns. „ treinnlns. 353. ., typlii muriura, s. Mftusetyphus. ,, ureae, 34ti. „ violaoena, 348. Baotdridie du oharb( m, s. Milzbrandbaoillus. Baotorlopurpnrin, 9. Bacterium, 12,
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; acetiemn. 345.
.,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; aeruginosnm. 21)5.
coli commnne. 297—300. 345. .,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ., .,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Unterscheidung
vom Tvphusbacillus. 24 7 bis 249. ., lactis aSrogenes. 345. ,, phospboresoens. 352. ., synoyanura. 347. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; termo. 343.
Bakterien, Definition. I. Bakterienbefund, constanter, 165. Bakterienharpune, 135. Bakterienprotelne, 42. 307. 308. Bakterienzelle. 9. Bakteriologische Wissenschaft. I. Barbone del bnfali. 202. Boggiatoa. 18. Behring'sobes Gesetz. 180. Beize. 75., 70.
Beleuchtung, mikroskopische. 52 ff. 07 ff. 225.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; l'rincip der maximalen, os.
Benzol, kein Desinfeotionsinittel. 30. Beobachtung der Bakterien. 43 11'. Bcrglult, Keimgehalt. 153. Berkefeld-Filter. 183. Bewegung der Bakterienzelle, 13, Bier, Ilaltbarermachen durch Pastenri-
siren. 29. Bierhefe, 3,quot;)5. Bisonitform, 10,
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Bogisto.
359
HiKiiuircklinuin. 81, 62. 83, 2quot;2b. Blaue OlAser zum Abstumpfen der Be-
leuohtung^ B2. li'-1-Blaue Milch. 347. Blauer Elter. 266. Blonde. 55. Blepharoadetütis, ;il 0. Blut, Bakterlenvemiohtimg durch. ISgt;J1V.
,, Untersucbung auf Bakterien. 71.
„ Cultivlrung von Bakterien aas. 142. Blut-Agar. 286. 321. Blutegel zur Conservinmg von MiUroor-
ganismen. 324. 334. Blutprftparate, Färbung. lt;i:t. 71. Tl. Blutserum, Vorbereitung für Culturzweoke.
I IS.
„ Strlchcultur zur Isolirung der Keime. 167. 266. flutten. 111. 110. 301. menschliches. 120. .'(01 ff. ,, bakteriensoMdigende Eigcn-
scbaften. 185 IT. „ globulloide Eigenschaften. 185. ,, antitoxische Eigensohafton,
187. „ Iramunisirung laquo;lurch Einver­leibung desselben. ISIitT. Blutserum-Agar. 142. 187. 301. Blutserum-Bouillon. .'!0'2. lilutseruni-Golatine I 19. Blutserumtherapie. 188. 190. Bluttemperatur, s. Brüttemperatui. Boden, Verwesung im. :*('. 40.
„ flltrirende Wirkung desselben. 160. „ Bakteriengehalt. 169, Bodenbakterien, 'n. 160. Bodenuntersuohung,bakteriologlsohe. 158 ff.
139. Boraxmetbylenblau. quot;i(. Bonillon, s. NährbouUlon. Bouilloncultur. 137. 138. Brom als Desiniee.tinnsniittel. :i(t. Brotbrei als Nährboden. 124. 329. Brown'sche Bewegung. 13. Brütofen. 147. Brutschrank. 147.
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pur das Mikroskop. 148. ISS.
Brüttemperatur, Cultur bei. 140 if. Brunnen. 160.
Büffelsenohe. '2(12. Buttersäuregfthnmg. 344. :t8.
Canadabalsam, 84. 16, Carbolheilseram. l'••'!. Carbolöl, Verhalten gegen Bakterien. 30. Carbolsiinre alsDesinlee.tionsmittel. 30. 34. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;relative Giftigkeit. 35.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;rohe. 32.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kesistcnz des Typhusbacillus
gegen. 248. Carbolsiiurel'aehsinliisimg, s. Ziohl. Carbolsäuremeth vlenblaulösung, s.K ü h n e. Carbonate als Kohlenstoffquellen. 20. Carbunkel, eitriger. 309. Carlos der Zähne. Iquot;li. 347, Carminfftrbung der Bakterien, (t. Casein. 38.
Cortornöl alslimnersionsllüssigkeit. 15. \*\. „ Entfernung vom Präparate. (gt;quot;. Celloidinmethode, 82. Charbon, s. Milzbrand.
,, symptomatique,8.Bau8ohbrand, Chemikalien zur Mikroskopie. 47. Chemische Prooesse beim Bakterienwachs-thum. 37 ff. j Chernotaxis. 307. ! Chon z i n sky'schc Lösung. 72. i Chlor als Dosinfoetionsmittel. 30. Chloroform, kein Desinfectionsmittel. 30. Chlorophyll. 9. 20. Cholera asiatica. 267 ff. 189. Cholera dos poules. 260. Cholera nostras. 27!raquo;raquo;'. 295. Cholerabacillus. 287—290. Tat. X, Fig. 56 bis 57; Taf. XI, Fig. til his 83. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Geschichte, Fundort. 207.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Morphologie. 267—268.13.
Geisselfäden. 268—269.14. 79. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;kiinstlieho Cultur. 269 bis
272. 23, 132. 296. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Dauerformen. 272.
.,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Involutionsformen. 272. 16.
.,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Verhalten gegen Säuren.
272. 21. 113. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Vorhalten gegen Austrock-
nen etc. 272. 29,
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860
Resrlstei'.
Cbolerabiioillus,Vorkonuuenausserbalbdesnbsp; nbsp; nbsp; Danerformeni 16, Iquot;, l^.
Körpers. 272—273.15511'.nbsp; nbsp; nbsp; Dauerpräparat. 57. 85.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infeotion. 273—216. 178.nbsp; nbsp; nbsp; Dauersporen. 15.
Glftbildung. 276—276.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; DeokglSser. 46. 58.
[mmiuüsiriuig. 276—277.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Deckglaspincette, 17. 59.
Cbolerareaotlon (Indolro-nbsp; nbsp; nbsp; Deokglastrookenpräparat. 57 ff.
action). 277—27!t. Diagnose. 276—290. Voroultur. 286—287. 289
bis 290. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Naobweis im Wasser. 288
bis 290. 166. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Färbungsverhalten, 279.
Cboierareaotion. 277—279. Choleraroth. 277. Choleravibrio, s. Cholerabaoillus. Cholesterin, Färbungsverhalten. 226. Chromogene Arten. 9. J2. 136. 162. 360.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Sardinen. 350. 152.
Chromophyll. 9. 20. Cladothrix. Is. lü. 132. Taf. IV, Fig.
20, 23. Classifloirung, 7. Cldstridiuiii. 17.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; butyricum. 344.
Coagulatlonsnekrose. 217. Coccen. 7.
Colonien auf der Platte. 129 ff. Condensationswasser. I IS. Condenser, s. Abbe. Conidien. 328.
Conjunctivitis phiyotaonulosa. 310. Conservirung vom Culturen. IJ2. 143, Contaotpräparat. 132. Contaotthormoroeter, 148. Contagiosität. 171. 172. Contraatfärbung. 100. 103. Croiiothrix. js. [Q, Taf. IV. Fig. 21. Creolin. 32. 36. Culturbedlngungen. 20 ff. Culturmethoden. 124 IV.
Dahlia. 61.
Dampf, s. Wasserdampf, Dampfdesinfectionsapparate. 27. 2^. Dampftopf, 27. Dampftriditer. lit;.
Darm. Ausscheidung pathogener Bakte­rien (Inrcii denselben, 1^2. Darmschleimhaut, Bakteriengehalt, 166,
Degeneration, 16. 77.
allgemeine bei der Ab-sobwftohung der Virulenz. .18(1. Degenerirte Bakterien, Färbung. 70. Deneke's Kommabadllus. 296—29quot;.
278. 292. Dermatophyten. 330. Desinfeotion. 24 ff.
durch Hitze. 25 ff, ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; durch chemische Mittel. 29 ff.
l'rülung dor chemischen. 33. der Hände. 35. chirurgischer Instrumente
und Verbandstoffe. 36. des Trookenpräparates. (gt;o. Desinfectionsanstalten. 27. Desiideetidiismittel, cbeinisolie. 2!) II'. 25.
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;gasförmige. 33.
DiagnostioirungpathogenerBakterien. 169, .,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;des Typhusbaoillus. 24()
bis 249. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;des Cholerabaoillus. 279 ff.
Diastatische Fermente. 38. Dicke der Bakterienzellon. 8. 79. Differenzirung der Färbung. 73. 84. 92. Digestor. 27. Diphtherie. 264, 189.
„ und Diphtheritis. 255. Diphtheriebacillus. 251—2511. 175. I7(gt;. 112. Taf. IX, Fig. 49, 60. Geschichte, Vorkom-mon.254—25(1.175. Morphologie. 255. künstliche Cultur. 266
bis 257. Sporenbildung, Resi­stenz. 257. Oiftbildung. 257 bis
250. 175. 188 11'.
[nfection resp. Intoxi­cation, Pathologi­soher liefimd. 258.
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Register
361
DipbtheriebaoiUus, Giftfestigimg und Hei­lung. 258 — 269.
i s^ ir. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Färbungsverhalten.
259. 104. Psoudodiphtberieba-olllus, 259. Dipbtberisobe LSluuungen. 'iquot;)*?, Diplococcen. Iquot;i. Diplococous Innoeolatus. .'!!(!.
„ pneumoniae. 316—H18. 315. Taf. X1T, Fig. 88. Disposition, individuelle. 220. 288, DoppelfBrbung. 72. 100. 103. 203. 222ff. Druokpitlpai'ate, 7ii. Dünger. 40.
Dysenterie, trniiiwche. 335. Dysenterie-Amöben. 335.
E lirli ob' sehe Anillnwasserfarbstofflö-sungen. 94—!Hi.
El als Nttbrboden. 123. 276.
,, spontanes Verderben. 123.
Eigenbewegung. 13.
Einbettung. ^2.
Einscbliessen dos Trockenprftpnrates. 84.
Einstellen des gefärbten Präparates, •!!). ,, dos hilngondon Tropfens. 60 ff. 55.
Eintheilung der Jiaktoncn. 7.
Kisenbaliterioii. II). 21,
Eisenohlorid als Desinfeotionsmittel, 30.
Eisengelatine. 37.
Eisenoxydgebalt der Bakterienzelle. 10, |s. 19.
Eiter, blauer, grtlner. 265.
Ctdtivirung von Bakterien aus, 142,
Eiterprtlparate, Färbung. 63.
Eiterung. 306—313. 231.
Eiterungen, pblegtnonöse, 311. 305. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;seoundäre. 310.
Eiterung^erregende Stoffe in der Bak­terienzelle. 307. 231.
Eiwciss, Peptonisirung durch Bakterien, 3s.
Eiweissgäbmng. 38. 171.
EiweisshaltigeB Material, Färbung im Trookenpräparat. tgt;3.
Eiweisskörper, bakterienschädigende. 186.
giftige. 41. 171. 260. 250.
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; eiterungsenegende. 307.308.
liweisslÖBungen, Immunisirung durob Ein­verleibung derselben. 184, 186 ff, 201. Oiwoissstnile als Stiokstoffquellen. 20. üleotrioltät, Einwirkung auf Bakterien. 36. limnori ch's BaoiUus. 300. Dmpfftngliobkeit. 164. 168. 169, ündooarditis, 310. 311, 316. 316. ,.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nach Pneumonie. 316.
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;verruoosii baoillosa der
Schweine. 253. ündogene Sporenbildung. 17. liulospore. Arten. 17. Indständige Sporen. 16. Tat. VII, Vig.
39, 40.
ntfärbung. Allgemeines. 90 ff.
„ nach Gram. 100ff. Intmi-biingsmittel. 84. 97. 98.
ntwftsserung der Schnitte. 84 ff. Sntwiokelungshemmung. 23.
nzynie, s. Fermente. ,usin. (! I.
Sosin-Motbylonblau. 72. Spidermis, Färbung. 105. '.pideriniszollenl'raRillente. Färbung. 226.
rde, s. Boden.
rdebaoillus, s. Wurzolbaoillus. Erkrankung. 103. h'Bcbüpfung dos Nährbodens. 15. Irschöpfongsliypotliose. I s3. Irysipelstreptocooous. 304 — 306. 312.
Tat. XI, Fig. 86. )rysiphe. 328. 3smarch's Rollcultur. 139. 141. Tat.
LV, Fig. 21. 'jssiggährung. 38. 346. Sssigpilz. 345.
Sssigsäure als Elntfärbungsniittel. 98. Issigsäurebildungdurch Bakterien. 346.38. lasigsaures Kuli als Einsohlussmittel. 84. Itikettirung der Präparate. 66. Jurotium. 328.
xanllienie, aeute. 171.
Fadenpilze, b. Schimmelpilze. Faces, Desinfootion. 33. 272. Fäcesplatten. 283,
Färbbarkeit, leichte and schwere, 96 ff. Färbbarkeitsscala. 84, Färbung des Protoplasmakörpers. 9. 16. 61. 7o. HM!.
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362
Register.
Färbung der Membran, QtUIe, KnpseL 70. 79. 106. 196. 68. ., absterbender Bakterien. 15. 70.
desTroukenpräparates. ÖOfT.OOff.
boi höherer Temperatur. 73. 88. 94. 09. 222 IV. 227.
der Schnitte. 83 ff. ',(1 ff,
Mlgemelnea. 90 ff,
Intciisiliit derselben. 03 ff. ., intensive. 98.
der Sporen. 2111—20 1.
der Qcisseln, s. Geisselfärbiuig. Fäulniss. 38.
postmortalö. 168, 30. Ptlulnisaalkaloide. 41. Farbenbild. 54. Farblösungen, lt;i2. Farbstoffe zum Färben, lquot;. 60 ff. Farbstoffhiedersohiäge. 82. H!5. Farbstoffproduotion. 0. 24. -12. 136. Favusp'ilz. 330. 126, Febris reourrens. 324. Feldmaus, Infeotion. 173. Peldmausplage. 2lt;iö.
Fermente, Bildung durch Bakterien. 3S. Fettorystalle, Färbungsverhalteu. 22(!. Fibrinfnrbnng. 106.
Fibrinogenlösnngen, a. Eiweisslösungen. Filterbakterien. 158. Filtration der Lnl't. 161. ., des Wassers. Iö7. ,, kelmamp;eie von Culturen. IS3. Filtrirende Eigensobaft des Bodens. 180. Finkler's Kommabaoillua. 206 — 296.
27h. 207. Tat. XI. Fig. 64. Fischen von der Platte. 136. Fixirung des Trookenprftparates. 69. Flecktyplnis. 171.
Fleischinfiispeptonkoohsalzlösung. 111. Flimmerbewegung. 14. Fluorescenz durch Bakterien. 42.361.266. Fluoresdrende Bakterien. 361. Form. 7 ff. 268. Kdrmeonstanz. IS. Formtypen. 7. Frottchcnsoncho. 263, Friedländer's Bacillus, s. Bacillus
pncumoinao. Fnichtformen. 16. FrOhlingsfleber. 3.33.
Fuchsin. tgt;i.
Furunkel. 300. 17(J. 172.
Gährung, aloohollsohe. .355.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;aimniiiüakaliselie. 346.
Gährungen. 38. Gährungskölbchen. 136. 248. Gähiungsprobe. 248. Gallerthülle. 13. (}asentwiokelung bei Bakterienwaohsthum.
38. 136. Geflügeloholera. 260. | Geflügeltuberoalose, s. Qühnertuberoulose. Gegenfiirbung. 100; s. auch DoppeUtkrbung. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;bei dor Qram'sohen Me-
thode. 103. Geisselbüschel. 14. Taf. Ill, Fig. 17. Geisselliiden. 14. Taf. Ill, Fig. 16—18j Taf, VIII, Fig. 45; Tat. X, Fig. 57. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Darstellung. 74 ff. 96.
Goissellarbung nach Koch. 75.
nach Loeffler. 75—79. Geissolpräparate, Wirkung des Alcohols
auf gefilrbte. 91. Gelatine, Pcptunisirung durch Bakterien.
38. 13(1. 131. Gelatinesorten, verschiedene. 112. Gelatinestichcultur, s. Stichcultur. Gelbfieber. 171. Gelenkeiterungen. 31 0. Gelenkentzündungen, metastatisohe. 311,
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;primäre. 315.
Generatio aequivooa, 2. Gentianaviolett. 81. Illö. Gewöhnung der Bakterien an den Nähr­boden. 22. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; der Parasiten an das sapro-
phytisohe Dasein. 170. Giessapparat Koch's. 127. Giftfestigung. 188. 190. 250. Giftigkeit, relative. 35. Giftpfeile. 208. Glasbänkchen. 128. Glasplatten, s. Hatten. Gliedersporen. 17. Glimmerplatte, Anwendung bei Platten-
culturen. 146. GIooococcus. 9. Glycerin, kein Desinfectionsmittel. 30,
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Register.
808
(ilyceriii als Eiiischlussinittcl. (11. li'ül. (ilycerin-Agur. 117. Gouooooous, s. Qonorrboeoooous. Gonorrlioc. 300.
„ asoendii'onde. iit)4. Qonörrhoecocons. 'M)i)—koi. Tal'. XI,
Fig. 66. Gram'schc Methode. 100 ff.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„ Weigert's Mo-
dification. 106. 88. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;., ünna's Modifl-
cation. 107. Gram-Qün th o r'sches Verfahren, l lt;i2.
103. G r a m • W eige r t'sohe Färbungsmethode,
s. Q-ratn'sohe Mothodo. Grannlosegehalt bei Bakterien.!). 344. :i4(i. Grüner Kiter. 266. Grundförbung, s. Gegenförbung. Grundwasser, Bakteriengehalt, löü. 157.
Haaramp;agmente, Färbungsverhalten. '2'2(). Saarzöpfe der ßausohbrandbaeillen. 213. Hademkrankheit. 189. Hämoglobin im-Xälirboden. 321. Hände, Desinleetion. :tö. Hängender Tropfen. 48 IV.
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „ Cnltnr in demselben.
138. 111. Bamstoffgflhrung. ;ts. ;)4(). Hausfllter. 168, Haut, Bakteriengehalt. l(i(gt;.
„ Infuction durch dieselbe hindurch.
172. ,, Ausscheidung pathogener Bakte­rien durch. IV2. Hautbrand, trockener. 253. Hautpilze. 330. Hefen. 8. 11. Taf. II, Hg. 7. „ farbige. 355. „ in der Luft. 152. 355. Hefewasser als Nährboden. 343. Hefezellen, Verhalten bei der ö ram'schon
Färbung. 105. Heilkörper. 193. Heilserum. 190 ff.
Heilung, künstliche von Infectionsknmk-hoiten. 1S7 11quot;. 317. ,, spontane. ISO.
Heilung der Tuberculose. 230—235. Heisslultsterilisationsapparat. 26, lleizvorrichtung für das Mikroskop. 148. Hemoglobinurio mierobionno dos hooufs.
334. Herbstfleber. 333. Herdbildung. 176. Herpes tonsurans-Pllz. 330. 8. Tat. XII,
Fig. 72. IIesse's Luftuntersuchungsmethode. 161. Heubacillus. 340. II. 180. 203. Tat. VI,
Fig. 36, Hog-Cholera. 203. 183. Homogene Immersion. 45.
Horngewebe, Darstellung von Mikroorga-
nismen im. 72. lliihnercholera, SchutzimpAing. 178. 261. Htihnercholerabaoillus. 260—261. Taf. IX,
Fig. 62. llühnertuberculose. 230—239. 210. Hülle der Bakterienzelle, it. 13; s. auch Kapsel. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Färbung, s. Fär-
bung. Hundswuth. 171. 181. 18lt;). Hyphen. 328.
Immersion. 44. 45. 40. Immerslonsöl. 45. Iinmunisirung, künstliche. 178 ff.
active, passive. 193. 194. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;auf chemischem Wege.
183 ff. Iminunisirungsmetboden. 191. Immunisirungswerth des Blutserums. 189.
190. Immunität. 177 ff.
.,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Eigenschaft des Blutserums
bei künstlicher. 180 ff, ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Vererbung. 193.
Immunitätsgrad. 190. Immunitätssteigerung. 102. Impetigo. 310. Impfstich. 136. Impfstoff. 178. Impfstrich. 136. 14 2. Impfung (SohutzimpAing), 178 11'. Indolbildung durch Bakterien. 277. 248.
292. 294. 299. Infectiöso Bakterien. 175.
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301
Reffi8terlt;
Infection. 163 ff.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; natürliche. IT'J.
künstUohe, 172—174. genüscbte. 171. seouudäre. 171. -i 11. Infectionskmnkhoiten. 183. Infeotionsinodi. \''l 174. Infectionspforten. 172. Influenzabaoillus. 320- -:!2-2. Infusorienerde, Filter aus. |s:!. Instrumente, ohirurgisohe, Deslnfeotion.
36. IntoxioaÜon. II. 164. 1^7.
Vernreobselung mit Infeetion.
Ills. 171.
Combination mit Infection. 17-1. 177. 187. Iiivrrtiiviiilc Fermente. 38. Involutionsorsokeinuniren. 15.
Kartoffel, Vorbereitung zu Culturareokeu. 120 ff, Cultnr nach Koch. 120—122. Cultur nadb Esmarob. 122.
Cultnr mich Bolton, Grlobig, Roux, 122. 137.
Impfung. 137. Kartoffelbaotllus. 330. 137. rother. 27. Kartoffelbrühe. 210. Keimung der Spore. Iß. Korn der Bakterienzelle. 0. Kornförbung. 61.
Weigert's. 85. Kerntheilungsflguren. 106. Kesselbrunnen. 160, Kettenbilduug bei Bakterien. 11. Kettencoocen. 11. Keuchhusten. 171.
Jod. Färbung des Protoplasmakörpers. !t. Kieselsäure als Nährboden. 40.
als Reagens auf Qranulose. ü. als Desinl'eetiniismittel. 30. Färbung von Tuberkel- und Lepra-baeillen. 22s. Jodococcus. 346. 347. Jodtriobloi'id, relative Giftigkeit, #9632;i.'j.
Znsatz zu Bakterienculturen. 191. Isolirung der Art. :i. Isolirungsmethoden. HO. 12-111'.
Käsespirillura. quot;üiii. Kahmhäute. 13. Kalbslungenbouillon. 219. Kaliumpermanganat als Desinfectionsmit-
tel. 30.
Kalk als Desinfectionsmittel. 33. 272. Kaninchen, Infeetion, I7:i. Kaninchenseptioaemie, 2fgt; i,
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;spontane, 261,
Kapselbacillus R, Pfeiffer's. 322—323, Kapselbakterien. 0.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Verhalten bei der Fär-
bung, s. Färbung der Membran.
Clatsohpräparat, 132, Kleinlilter. lös.
Koch's Plattenculturmethodo. 124 ff, Köpfohenbakterien, i 7. Köpfchensporen. 17.
Körpersäfte, baoterioide Eigenschaften der­selben. 184 ff. Kohlensäure als Koblenstoffquelle, 20,
als Stoffwochselproduct. .17.
39, ein (litt, für Bakterien, l-lö. Kohlenstoffquellen der Bakterien. 20. Kommabadllen. lü.
vereinzelte in Jäces. 282. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nicht pathogene In Was-
ser. 288, Kommabaoillus dor Cholera, s. Cholera-bacillus ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; von Deneke, s. Deneke,
von l'i n 1; I e r und Prior,
s. Kinkier, von Miller. 296, Erankheitserregung. 163 ff. 21. 42. Krankheitsverlauf. 17.quot;). Kreideboden. 343. Kresole. 32. 33.
Kapseln der Pneumuniehaktorien. 314,nbsp; nbsp; nbsp; Kiibne's Carbolmethylenblaulösung. 96.
316. 318.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kugelbakterien. 7.
der Milzbrandbadllen. 196. 63.nbsp; nbsp; nbsp; Kugelgestalt des Mikrooocous. 11.
Kartoffel, Reaction, 123, 24,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;KuhpookenimpfUng, 17s..
ocr page 377
Refflstei'.
368
Kupfen'eaotion zur Pi'UAing von Sublimat-
löanngou- 121. KurzBttlboheu. 12.
I^abferuient 38.
Laokmusmolke nls NiÜirboden. 41. Unge der Bakterienzellen. 8. Lageverhältnisso dor pathogenen Bak­terien im Gewebe. 166. Latnpenliahtbeleuohtung. 69. 226. Landwirthsohaft, s. Agriotiltur. LangstBrboben. I quot;i. Laser's Baoillus. #9632;2lt;i.quot;gt;. Laverania. 334. LebensäusserungGti. 37 It 24. riebensbedingnugen. 'i(t 11'. Leder, Verhalten bei der Dampfdesinfeotlon.
2S. Leistungsvermögen des Mkroskopes. 46. LeprabacilluB. 239—241. Taf. Vlll, Kg, 43. Fundort. 239, „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Morphologie, 239—240,
kmistliclic Cultur. 240. Sporenbildnng 240. Fftrbnngsvorhalten. 240 bis
211. 98. 99, 106. üntersoheldung vom Tu-berkelbaoillus 241. 99, Infeolion. 2 11. Leptothrlx, 346. 12. Taf. IV, Kg, 19. „ Sporenbildnng. iquot;. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;buccalis. 348.
„ gigantea. :M7. Leuelitbacilhis, einheimischer. •tquot;)2. Leuditbakterien. 361. 42. Leukeoytose. 'i()S. Lieht, Einllnss auf Bakterien. 20. 36. 36.
166. 220. Localisation der patbogonen Bakterien im
Thierkörper. 176— i quot;(gt;. Loeffler'a Methylenblaulösung, siehe
Methylenblau. Luft, lieisse als Desiiil'ectionsmitlel. 26.
Eelmreiobthum. 152. Luftuntersuchung, bakteriologische. 160 ff. Lungenschwindsucht. 216. 220. Lungenseuche. 171. Lustgarten's Baoillus. 211—212. Lymphadenitis. 311.
Lymphangitis, 311. Lymphdrtlseneiternngen. 310. Lysol. 33.
Mäuseseptioaemiebaoillus. 262 — 263.
Taf, IX. Flg, 63, 64. Milusotyphus. 264. Mäusezange, hm. Magenta. 61.
Maladie des trieurs de laine. 199. Malaria, [nfeotlogltttt. 171. 172. 334. Malariabaclllus. Kio. Malariacaohexie. :W4. Malariaprotozoön. 332—334. 72. I Malignes Oedem, Baoillus. 204—206. Taf. VII, Fig. 37,38, Fundort. 204. 160. ., Morphologie. 204. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,, Geissellailen.
204. „ .,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,, künstl. Züch-
tung, Sporen­bildung. 204 bis 206. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .. Infection. 205
bis 200. Immunisirung. 200. 184. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„ Fftrbungsver-
balteu. 206. Mallein. 246. Malleus, s. Kot/,. Mamniaabsecss. li 11). Mannii^äluning, •is-Maseru. 171. Mastzellen. 81). 166.
Färbung nach (i ram. I 06. Maturatieii. 332. Maus, Infection. lT:b Meerschweinohencholera. 27:i—274. Melanaemie, M,'!2, Melanin. 332.
Membran der Baktorienzelle, s. Hülle. Meningitis cerebrospinalls. 310. 315.
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nach I'neununiie. :il(i.
Meningocooous. 316. Merismopedia, 11. Messung, mikroskopische. s
1
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366
Ki'K'istcr.
Metastasenbildung, l to. 311, Methan als Stoffwoohselprodiiot, :i7. 346, Methylenblau, 81, 82, 83. Metbylenblau-Eosin, i'i. Methylenblaulösung, Loeffler's alka-
lisohe, 83, 94, Methylphenola. 32. Methylviolett, 81, 105. Metsohnikoff'sPhagooytentheorie. 183. Mioi'ooooous iifjiliraquo;. :i-i!i. 14,
oitreus, 360. prodigiosus | siehe Bacillus
prodigiosus. tetragenus. 328—324, 11.11. Taf. XII, Fig. 67, ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ureae, 348,
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ureae liquelaeiens. 346.
Mioromyoes Hofmanni, '\2'. Mienisponin fulfill'. 331, Mikrobien, I, Mükrobrenner, '2(12. Mikrococoen, 7. 10,
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; in der Luft, irgt;2.
Milzbrandbacillus. Morphologie. 196, II. 12. Kapseln. 198, IKt. Rchleifen. 199, 2(11.
Knnstliebe Züchtung. 198—197, 132, 133, 110,
Züchtung auf subliraat baltigem Nährbo­den, 24.
Züchtung auf kalium-blohromathaltigem Nährboden, H)b.
Verhalten der vegeta­tiven Formen gegen Desinfectionsmittel. 30, 33,
Sporenbildung, l'.17 bis 198, 18,
Sporenkeimang, Kts. 16,
Kesistenz der Sporen. 198. 26. 30. 31. 34. 36,
Verhalten der Sporen gegen chemische Desinfectionsmittel, 30, 31.
Fräparirnng der Sporen für Desinleet ions ver­suche. 31. 32,
Äsporogene Culturen.
Ii)8—l!l',).
Involutionsersoheinun-
gen, 198. 16, Absohwächung der Virulenz, 199. 180. 181, Inlectionsiuodi. 199 bis
201, Pathologisch •anatomi­scher Befund. 200, ,.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Imimmität, Schutzimp-
fting, 201. 185. 186. Pärbungsverhalten,
201 • Sporenfärbung, 201 bis 204, ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Säurebildung, 11.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Dlagnosticirnng, 249.
einzelne 226, Mikrometer, 8, 164. Mikroorganismen. 1.
resistente Zellen,
Mikrophotographie. 48.
,3: 374if,
Mikroskop. -IM IT. Mikrotom. 47. 81 ff. Mileli als Nährboden, 137. 2.quot;)7. ,, blaue. 347. ,, Gerinnung durch Bakterienwaohs-
thum. 38. 249. ,, Haltharermaelien (Inreh Pastenri-siren. 29, Uebergang immunisirender Subraquo; stanzen in dieselbe. 193. Milohkothbakterien. 346, Milchsäure, infoctionsbegtinstigend. 210, Milchsäui^baoillus. 343, Milohsäuregährung, :is. 343, Milchsäuren, isomere, durch Bakterien
gebildet. 3V Milohserum als Nährboden, 41, 249, Miller's Konimabaeillns. 2!raquo;5. Milzbrandbacillus, 196—204. Taf, V. VI. Fig. 25 —36. Kundort. Allgemeines, 196—196, I7(i.
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Begister.
361
Mlquel's Luftuntei'suohungsmetbodei
152, Misohinfeotlon. 171.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; boi Tubevouloae. 216.
Mittelständige Sporen. 10. Molekularbewegung. 13. Molke, b. Milohsei'um. Monas prodigiosEi. 349. Monllia oandlda. 331. Morphologie. 71V. Muoorarten, pathogene. 328. Mundhöhle, Bakterien der. 340. 8. ]#9632;gt;.
310. Taf. I, Fig. I. Mundpilze. •!#9632;!(gt;. Myoel. 181. 328. Mycoderma aceti 345. Mycothrix. 12.
Nähragar, Darstellung. 110 ff.
Nährboden, fester. 109ff.
flüssiger. 109. 110. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Zosammensetssung. 11.
Niilirbuuillon, Darstellung. 118. 209. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Cultur in, s. Bouillonoultur.
Nährgplatine, Darstellung. 111 ff. I 53.209.
NBhrgelatinen, verschiedene. 111.
Nährlösungen. I !lt;•.
Nageloultur. 318
Natur, Rolle der Bakterien im Haushalte derselben. 39.
Neapler Cholerabaoiilus, mw.
Nephritis. 315.
Nessellieber. 263.
Nieren, Ausscheidung pathogsner Bakte­rien dureh. IS2.
Nitrate als Stoffweohselproduote. 39.
Nitrifloation, 20. 40.
Xitrobakterien. -Kraquo;.
Nitromonas. 20.
Nitrosoinclolreaetion, s. Indoibildung.
Numerische Apertur, s. Apertur.
laquo;raquo;berflaehenstriehenltnr. 136. 142. 107. Oherllächenwasser. I ÖT. Objective. 43. 44. Objeotmikrometer. 8. Ohjeettiseh. 44. Objeotträger. !lt;gt;.
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;hohlgesohliffene. 40.
ObjeottrHgeroultur. 142.
Ocular. 48. 44. 68, Oeularinikroini'ter. 154. OedembaoiUus, s. Malignes Oedem, Oeffhungswinkel, lquot;). Oelige Lösungen, keine Desinfeotions-
mitte], 29, Oelimmersion, 11,
Ohrvene, Injection in dieselbe. I7:i. Oldium albieaiis. ülil. Oüdiumarten, pathogene. 328, 330, Oldium laetis. 364. Taf. 1, Fig. 0. Olivenöl, Verhalten gegen Bakterien. 30, Ophthalmie, sympathische, Mio. Ortsveränderung, 14. Osmiumsäure als Desinfeotionsmittel, 30, Osteomyelitis acuta. :!1ü. Otitis media. 315, Oxydation dureh Bakterien, 39, 40,
Paoketooccen, I i. 361, Palmella. 13, Panaritium. .'Uli). Parafflumethode, squot;^. Farametritis nach Gonorrhoe. HO-l. Pararosaniline, 105, Parasiten. 163, 164. 21, Parasitische Arten. 21, Parotiseiterung. 310, Pasteurisiren, 29, Pathogene Arten. 196ff, 21,
,, Diagnose. 169,
Bakterien im Wasser. 15.') ft'.
Bakterien im Boden. 100, l'athogenitiit. 174, l'eaieilliuin. 364,
Pepsin, Anwendung in der mikroskopi­schen Technik. 72.
IVptonisiivnde Permente. US.
Peptonsorten, verschiedene. 27s.
Peptonwasser als Nährboden. 277. 2s(;. 290,
Perforationsperitonitis, 299,
Pericarditis nach Fneumonie, 310,
Peripleuritis. MIO.
Peritonitis, eitrige. 2(i7.
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; durch Baderimn coli erzeugt.
durch Qonococoen erzeugt. 303, nach Fneumonie. 310. Potri's Luftuntersuohungsmethode. lquot;)l
md
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868
Regis terlaquo;
Petri's Sohälohenmethode. 138, Pfeiffer's Kapselbaoillns. 322—323. Phagooyten. 183,
Etienol, reines, Verhalten gegen Jlilz-bTandsporen, 'tti. als Entwfisserungsmlttel. 86. Pbenolbildiing durob Bakterien. '24!5. Phenole. :laquo;raquo;. 32. Phlegnione, oiroumsoripte. 310. Phlegmonöse Eiterungen. 311, litis. Pblorldzin. 244,
Phosphorescenz (lurch Bakterien. 42. Phosphoresoirende Arten. 361, Pigmentbakterien. 42. I'ikriiisiiiirc. 61. 103, Igt;ikrocarmin, 103. Pilzoultur. III. 136. 329. Pincetton. l(i. 83, Pityriasis versicolor. 331. Plasma (von Jilut, Eiter), Verhalten bei
der Färbung. 63, Plasmahülle, 9. Plasmodium molariae. 332. Plasmolyse. 10. Platindrähte. 47, 120. Platinöse, 125. 47. Platten zu Culturzwecken. 127. Plattencolonien, 129 ff. Hattenoultarmethode, 12-1IV. 167, Plattentasche 127. Pleomorphie, is. Pleuritis. 310,
nach Pneumonie, 316. Pnenmococcas, His. Pneumonie, 314, 189, Pnenmoniebakterien. 311—:t 19, Pneumoniemikrococous. 314 ff, Pneumonomycosis aspergillina. 329, Pocken. 171. Polymitus. 334,
Porcellanlilter, Poreellunkcrzen. 183. Prindp der maximalen Beleuchtung, lt;gt;fe.
Proteus Zenkeri. 343, Protoplasmakörper. 0.
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Färbung. !•• 7(i, 71.
Protozoön, patbogene. 331IV. Psoudodiphthei'iebaoillas. 269. Ptomaine, 41, Pustula maligna, 200. Pyaeniie. 170. 311.
puerperale, 311. Fyocyanin. 260,
Quecksilberchlorid, s, Sublimat. Quellwasser, 157.
Rasirmesser. -17. Rauschbrandbaoillus. 212—211.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeines. Fundort.
212—213. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pathologisch - anatomi-
scher liefnnd, Mor­phologie. 213. Künstliche Cnltur. 213
bis 211. Sporenbildung. 214, ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;[nvolutionsformen, Vi-
rulenz, Färbungsver­halten, 21-1. Infection, Immunisi-rung. 214, 181. 184. Beaction, chemische des Nährbodens. 21.
40, II. 113. 163. 269 Reagenzglftsoheni Vorbereitung. 114, Beagenzglasoulturen. 134 ff. Beagenzglaapistill. 126.
f2.
Becurrensspirochaete, 324—326. 71.
Tat. XT1. Kg 70. Beduction durch Bakterien. 30. Refraotailtät. 177. Beibschale, sterilisirte. 126. Eeinoulturmethoden Eoch's. 109ff.
Keincnltiir, künslliebe. 134 ff.
natürliche, 108.
Prophylaxis, Bedeutung der Bakteriologie Beprodnotive Formen, 16.
für dieselbe. 3.
Proteine, 42. 307. 308.
Protens capsnlatns. 18-1.
hominis oapsulatus, 342, mirabilis. 342. vnlgaris. 342,
Iniiiiiinisining. 1S4.
Resistenz derBakterienim Allgemeinen, 17. ,, „ ., gegen Säuren und Alkalien 80, „ Sporen im Allgemeinen. 17. Ketentionsbypotliesc. I Vi Revolver (Objeotivtrftger), II. Rhinosderombacillns. 319—320.
ocr page 381
Register!
869
Hicin. 188.
Kicsünzpllc, tiiboivulüsi'. 217. 'J^S.
Rinderpest 171.
Rinderseuohe. 2t;2.
Röhrenbrunnen. 160.
Robrzuoker, Umwandlung iraquo; Traulben-
zuoker. 38. Rollplatten, RoUröhrohen, s, Esraaroli, Rosa Uefe. 355. Rosanlllne. 106. RotebaoUlus. 242—246. Taf. IX, Kg. :.l.
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Dlagnostlolrung. 240.
Rotzlympbe. 245. Rouget blanc. 25;i.
ties pores, s. Sellwei lionithlauIf. Rubin. 61.
Saccharomyces cerevisiae. 366.
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ellipsoideus. 366.
Säugetblertuberoulose. 215. Säugung, Iniiniinität durch. 103. Säure-Aloobol. 08. Säuregehalt des Nährbodens. 21. Säuren als Entfilrbangsmittel. ('S.
Frodnotlon durch Bakterien. 41. ,, Resistenz der Bakterien gegftn, 80. 21. Znsatz zu Desinfectlonsnütteln. Vi. Säuresubliraat. 32, 121. Salzsäurealcohol. 08. Salzsäure als Destnfectionsmlttel. 30.
„ siehe auch Säure. Sandfllter zur Luftnntersuohmig. 161. Sandflltratlon des Wassers. 15s 160. Saprophyten. 163. Saprophytlsohe Arten. 337 ff. 21. Sarclna, Form. 11. 361.
„ Sporenbildung, l'i. Sareinearten in der Luft. 162. 350. Sarolne, gelbe, orange, weisse. It5().
gelbgrüne. 360. Taf 111, Fig- '5. Sauerstoff, Verhalten der Bakterien twl,
21. 39. 40. 143. Sobälobenmethode, s. Petri. Scharlach. 171. 311. Scharlachdiphtherltis. 255. Selieinliiden. 12. Schicksale der Bakterien im Tliierkiirjior.
1S2 ff. Schimmelpilze, Dicke der Zellen. 8. u ü n t )u; r, Baktsrlologlo.
Schimmelpilze, Aussehen auf der Platte.
131.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;pathogeue. ;t2s ff,
saprophytlsohe. 364. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Züohtuög. 12-1. ill. 820.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Färbung. 329. WO.
Sohimmelpilzkelme In der Luft. 162. Schimraelpilzsporen, Färbungsverhalteu,
226. Sohizomyceten. 1. Sollleimbeuteleiterungen. 310. Sohlolmhäute, Bakteriengehalt, 166. Schleimige Qährung. :igt;. Sohnittbehandlung. 79ff. Sobnittdicke. s2—s:!. Scbottelius'sche Methode, 286ff,
280 ff. Sohraübenbaktehen. 7. Sohntzirapfnng. nsfl'. Schwebefällung. ii5. Sdhwefelbakterien. 10. 21. Sohwefeloarbolsäure, ruhe. 32. 128. Sohwefelköruohen im Bakterienprotoplas* ma. 10. .,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;bei Beggiatoa. 18.
Schwefelkohlenstoff, kein Deslnfections-
mlttel. 30. Schwefelqnellen der Bakterien. 117. Schwefelwasserstoff als Stoffweohselpro-duot. 37. .,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Nachweis. .'(7.
Schweinepest, dänische. 263. Sohweinerothlanf. 253—264. Scbweinerothlaufbadllus, Absohwäohung.
180. 254.
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Dlagnostidrnng. 24'.).
Schweineseuche, deutsehe. 262.
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ainerikanisehe. 263. 183.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Marseiller. 263.
Section. 16' Sedimentirn
ig. 155.
SediMientiningsnielbode B i edort's. 22(i.
Seeluft, Kcinigehalt. 153.
Segmentation. 333.
Sehen, mikroskopisches. 61.
Seideiifäden mit angetrockneten Spuren.
31. 32. Semmel fi m n 10.
Septicaemia haemorrhagica, 250—266lt; Septlcaemie. 175. 189.
21
ocr page 382
370
BegUter.
SepticaemiBobe BakterieUi !quot;#9632;gt;•
Seröse üeberzüge, Verhalten bei dor
(i ram'schon Färbung. 105. Sorum, s. Blutserum. Sloherheitslampe. I Is. Silbemitrat, eiterungserrogende Fähigkeit.
806. Sincgmabacillen. 242. SodalBsung als Desinfectionsmittel. 33. :t.quot;). Sommeifleber. #9632;'Iüd. Soorpilz, 331,
Soyka's Hattenraethode. 140. Spaltpilze. I. Spaltung, 1, 10. Spatel. 47. 86. Species, 2.
Spiegel des Mikroskopes. 53. 130. Spindelfurm. IT. Spirillen, Form. 7. 12. ,, Sporenbildung, l ö. ,, in Stühlen von ..Cholera nostrasquot;. 282. Spirillenbildung bei Cholerabaoillen, H'lt;gt;. bei dem Finkler'sohen Koinniabneillns. quot;iitT). .,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; hei dem Denoke'sehiMi
Koimnahaeillns. 207. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; hei dem Vibrio Metselmi-
koff, 291. Spirillum conoentricnm. 352. marinnm. 2si). rnhrum. Itöo.
spntigenura, 34 7. Taf. X. Vip;. 59. tyrogenum. 2!t(gt;. ündula. 353.74.Taf.in,Fig.l6. Spiroohaete dentinin sivc denticola. 347. Taf. 1. Fig. 1. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ohermeieri, s. Recnrronsspiro-
cbaeti\ plicatilis, .'iquot;):i. Sporangium. 328. Sporen, 1 •quot;gt;,
„ Verhalten hei der Färbung. 17. 71. 98, 99. Kto. 2ol—2()l. Verhalten gegen hohe Tempera­turen, 23. 29. ,, Verhalten bei der Dampfdesin-
fection. 27. ,, Verhalten gegen Austrooknen. 29. „ Diagnose derselben. 71.
Sporen in (ieuehssohnitten. 106, Sporenbildung. 10.
endogene. I 7.
verlangsamte
!gt;gt;()
Sporenfärbung. 201—204. Sporenkeimung. 16. Sporemnemhran 1(1.
8. 364,
Sprosspilze. Dioke der Zellen, in der Luft, 152.
Spatnmschnitto. 227. Sputnmseptieaemio. 316. 316, Stäbohenbakterlen, 7. Stärkegehalt bei Bakterien. 9, Stärke, Umwandlung in Traubenzucker. 38, Vergährung duroh Bakterien, ms. Staphvloooeeen. 12.
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;pyogeno. .'iOii—311.
Infection. 172. Staphylocooous cereus albus. 'io7. flavus. ••U)7. pyogenes albus, 311, ,.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „ aureus. 308—311.
306. 316. 214. Taf, 111, Fig. 13. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;pyogenes aurens, Resi-
stenz, 26. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; citrens. :i07.
Stativ des Mikroskopes. 43. Sterigmen. ;i2s. Sterilisation, Allgemeines. 251V.
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; der (lelatine etc. 116ff.
„ discontinuirliohe. 116. 116. des Blutserums. 119. Stlohoultui', 134 ff.
Stickstoffquellen der Bakterien. 20. 21. Stoll'wechselprodncte. 37. II. 12.
Immunisirung duroh Ein­verleibung derselben, ivi. 184. 267. stinkende. 38, Strahlenkegel, -l.v Strahlenpilz 326—327. Streptocoocen. 11.
bei Lungenselnvindsnchl. 216, Streptococccncnrve. 216. Streptococcus brevia. 312,
conglomeratus. 313.
des Krysipels, s. Erysipel,
longns. 312,
ocr page 383
Eo^istor.
371
Streptococcus lanoeolatus Pasteiiri. 316. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; pyogenes, .'tl I—313. 316.
266. 266.Taf.ni,Fig, 14, Streptotbrix, 12.
Striohonltor, b. Oberflttobenstriohcnltar. Straotarbild. 64. Struraitis, 3,10.
.Sublimat als Desinfectionstuittel. 31. 'J'l. 33, 84. 60. 121, 128. ,, relative Giftigkeit. :f5. Siibliinatlusmigen, sanre. 32. 121. I'iS. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Prüfung auf Sublimat-
laquo;ehalt. 121, Sulfate als Stonwechselproduote. 30. Svlnpest. 263, Swine Plaguo. 263, Sycosis. 310.
Syphilis, Baoillen bei. 241—212. System, natürliches, künstliohes. quot;. Systematik. 7 ff.
Tafeloocceu. 11.
Temperatur, Einfluss auf die Färbung. quot;)i. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;., auf die Desinfection.
34, Temperaturen, Desinfection ilnrch huho.
26 ff, Temporaturmaximum, -mininnmi, -upti-
inuin. 22. Temperaturverhältnisse, allgemeine. 22.23, Terpentinöl als Desinfectionsmittel. 30, ,, eiterungserregende Eigenschaft, 306, Tetanin. 211. Tetanns, Heilung. 190. Tetannsbacillus, 206 — 212. Tat. VM, Fig. 39. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeines. Fundort. 206
bis 208. 160. Relncvdtnr. 207—200, Morphologie. 20S. Sporenbildung. 209. 17. Farbnngsverhalten, 200. Inleetion, pathologischer Bofnnd. 209—211. 175. 17(i. 187. Qiftblldung. 210—211. 175. 186 ff. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; [mmunisirnng. \hti—Ibb.
212. 192.
Tetanusheilkörper. 212. 108,
Tetragenus, 323, 11,
Texaslieberseuche des Rindes. 836.
Theilung. I. 10.
Theiluiigsrichtung. 1 I.
Therapie, Bedeutung der Bakteriologie
für dieselbe. :i. Tbermoregulator. US—149. Thermostat. 147 If. Thonfllter. 183. Tod der Bakterienzelle, 70, Toluidin. 80. Tonsillarabscess. '#9632;Uu-Torula, 11.
Toxalbumine, 41, 269. Toxine. 41.
Toxische Bakterien. 175. ibO. Trachom. 171. Traubcncoceen. 12.
Traubenzucker, Bildung durch Bakterien. 38. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; im Nährboden. 11. 24h.
Traubenzuckeragar, 187. Tranbenzuckergelatine, 140. Trichophyton tonsuvans, :)!t((. Taf, XII.
Fig. 72. Trimethylamin. Production durch den Bacillus prodiginsas. 24. 34(1. „ inlectionsbegünstigeud. 210, Trippercoccus, 300, Trockenmethode, s. Unna, Trookenprttporat, 5711'.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Färbung nach Gram. 106.
Trockenschrank. 26, Trockensystero. 46. Trommelschlägerform. 17. Tropfen, hängender, s. Hängender Tropfen. Tubercnlimim Kochii. 232. Tuberoulose, experimentelle, 215. 22h ff. eongenitale. 220, .,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Feststellung der Aetinlogie.
215—21(1, Diagnose, 222. 231. Heilung. 230—236. Tuberkelbacillns, 215 —2:15. Taf, Vll, Fig. 4 1, 42. Fundort. 216, 229—230, ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Entstehung des Tuberkels,
Histologie, 210-217. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Morphologie. 217.
24*
ocr page 384
372
Retrister.
Tubei'kelbaoillns, kdnstliohe Cultur. 217
bis 221. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Beeinflussung durob Liebt.
220—221. 36. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Sporenbildoug. 221.
Fäi'bungsverholten. 222 bis
228, 98. 99, 100, „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Färbung von Sputum-
trocken i iräpara ten. 2 '^ i
bis -227.
SobnittförbuT^. 227—228. G r a ra'sohe Färbung, 228. 102, „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Sporenfärbung, 228.
Meotion. 228—230. Virulenz. 21!). 220. 221, „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Vorkommen ausserhalb des
Körpers, 229—230. Untersoheidung von dem Leprabadilus, 99, 241, Eiterungserregimg. 231, 307. Typbus abdominolis. quot;245. 189. 206.
reoarrens. 324. Typbusbncillus. 210 — 251. Tal. VIII, Fig. 44-48. Entdeckung. 245—246. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Morphologie. 246.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Geisselfilden. 246. 11.
76. 79, ,.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;künstliche Cultur, 246
bis 217. 137, saure Nährböden. 21. ,.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Diagnose. 246—249.189.
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Sporenbildung, Giftbil-
dung, 249—250, Infection, pathologischer Befund, Giftfestigung. 250—251. 186. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Vorkommen ausserhalb
(1( is Körpers. 251.155 ff, ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Nachweis im Wasser. 157.
169. Färbungsverhalten, 261, Beeinflnssung durch Licht. 36, „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Abtödtung durch Blut-
serum. 1S5.
thiere. ins IV. ührsohälohen. ligt;. Umfärbung. 86,
UmzUcbtung von Culturen, 134, [Tnna'sAntrooknungsmetbode. 225. s^s.
240, „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Combinirung
mit der (i ra m'sehen Methode 106. Modification der (i ram'soben Me­thode. 1(17. Urin als Nährboden. 137. 257. Urticaria, 253. Urzeugung. 2.
Vaeein. 17s.
Vapuolen. 15.
Vegetationskasten. 117.
Vegetative Formen. 16.
Verbände der Bakterienzellen. 11 ff,
Verbandstoffe, Sterilisirnng. 35.
Verbrennen der Cadaver. 25.
Verdünnungen bei der Plattenmethode.
127.
Verdttnnungsmethode, 109. 110.
Soyka's. 140. Vermehrung, 10. Vernichtung der Entwickelungsfähigkeit,
23. Versuchsthiere, His 169, 172 ff. Verwesung. 3s. Vesuvin. 81. , Vibrio aquatilis. 288. 289. Taf X. Fig. im.
der Cholera asiatica, s. Cholern-
baoillus. Deneko, s. Deneke. Finkler, s, Finkler. Metsdmikoff, 291—293, 186.278.
Taf, X, Fig, 58. Proteus, s. Finkler's Komtna-bacillus. Vibrion septique, s. Malignes Oedem. Vibrionen. 13. Vibrionenseptioaemie. 293. Victoriablau. 106, Violetter Bacillus. 348.
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Keg'istor.
37:5
Vinilonz. 1 79.
Yorcultnr. 286—281, 289—290. 294,
Wttnusi'egalator, 148, Wiiniicschraiik. M7. Wasser, Kolniroiohthura, I quot;raquo;(i. Reinigung, 157. lös. uls Einsdilnssmittol. 84, desfclllirtes, Keimgehalt, 49. „ Untersuchung auf Typhusbadllen,
#9632;gt;.quot;gt;l. 157. „ Untersuchung auf Cholerabak­terien. 288—290. 156, Wasserbakterien, 155. Wasserdampf als Desinfeotionsmittel, 26 ff. Wasserentziehung, 29, Wassergebalt des Niilirbodons 20, Wasserimraersion, 46. Wasserleitung, 157.
Wasserstoff alsStoffweebselproduct, :t7.iis.
„ bei der Anaörobenoultur, 144,
Wasseruntersuchung, bakteriologische. 163
bis I5S. 288—290, Wattepfropf. 114. Weigert's Kernfärbimg. s5.
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Modification derGram'schen
Methode. 106. 88. Weil'sohe Krankheit, .'(42.
Wein, Vergährung durch Bakterien, 38.
Weinhefe, 365,
#9632;Weinsäure, s, gt;Säiiru.
Wildseuohe, 2(12.
Wollsortirer, Eürankheit der. 199,
Woolsorters disease. 199,
Wuchsformen, l (i.
WurzelbociUus. 340. 11.41, 160. Taf. I,
Fig, -I; Taf. IV, Fig. 2 1.
WurzelfÖrmiger Bacillus, s. Wxirzelbaciilus,
Xylul. 64. 85. Xylol-Balsam, 84.
Zählapparat zurWasseruntersuchung. 163. Zählung der Colonien. 15:(. 164 Zabncaries. 176. 347. Zabnspirocbaete. ;!-l7. Taf. I, Fig. 1.
Zelle, s. Bakterienzelle.
Ziehl'sche Carbolfuohsinlösung. 96,
Zdogloea. 13. Taf. II, Fig. 10.
Zticker, Vergährung durch Bakterien. 38.
171. 299. Züchtung der Bakterien. 108 ff.
„ kiinstlidie patlmgenerBakterien. I(i7 1 Zweigbildende Organismen. 8. 18. li). j Zweitheilung 10. II.
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Vorbemerkung zu den Tafeln.
JJie folgenden Photogramme sind der grössoren Mehrzahl nach mi k roskopische Vergrösserangen.
Was die starken Vergrösserangen, die Vergrösserungen mit dein Immersionssystem, angeht, so haben die Ermittelungen der letzten Jahre ergeben, class etwa eine fOOO fache Vergrösserung die noch mit Vortlieil zu benutzende Maximalleistung unserer besten Instrumente repriisentirt. Geht man über die lOOOfache Vergrösserung hinaus, so verliert das Bild an Schärfe und lässt keine Details erkennen, die nicht auch schon in dem 1 ()()() fach vergrösserten Bilde vorhanden wären. Die 100(1 lache Vergrösserung lässt sich aber nur für solche Präparate anwenden, die eine sehr dünne ebene Schicht repräsentiren; d. h. sie kann bei Bakterienaufnalimen nur für Deckglastrockenpräparate in Anwendung kommen. Die besondere Natur der Schnittpräparate bringt es mit sich, dass man hier mit Vortlieil nicht über eine 500fache Vergrösserung hinausgehen kann.')
Ein grosser Vortlieil der 1000 fachen Vergrösserung ist der, dass man die wirkliche Grosse der Objecte ohne Weiteres direct mit dem Millimeterniassstab feststellen kann. 1 mm auf dem Bilde entspricht natürlich l/iooo mm üt','r ' f* 'll ('01' Wirklichkeit. Ausserdem fa 1 len die relativen Grossen v e r h ä 11 n i s s e der verschiedenen bei einer und derselben Vergrösserung dargestellten Objecte ohne Weiteres ins Auge.
') Unter Umständen können auch Ausnahmen von dieser Kegel verkommen. So ist z. B. auf Taf. XI, Fig. 66, ein Schnittpräparat bei 1000faoher Vergrösserung dargestellt. In diesem Falle erlaubte es die besonders günstige Lagerang der dar­zustellenden Details (Stoeptococcenketten), dio looofaeho Vergrösserqng mit Vortlieil anzuwenden.
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Vorbemerkung /-raquo; den Tafeln.
875
Die folgenden, bei lOOOfaoher (Trookenpräparate) und bei 500-facher Vergrösserung (Sohnittprftparate) aufgenommenen Photogramme sind mit dorn Zoiss'schen 2mm-Apoohl'Omat-System (Apertur 1,40), dem besten System, welches wir heutzutage haben, hergestellt.')
Ausser diesen sehr starken Vergrösserungen sind auch (je nach Bedürftliss) schwächere Vergrösserungen benutzt. Fig. 21 auf Taf. IV (250 fach), sowie Fig. 47 auf Taf. VIII (20(1 fach) wurden mit Zeiss DI), Fig. 27 auf Taf. V (150fach) mit Zeiss CG, Fig. 23 auf Taf. IV, sowie Fig. laquo;1 und 62 auf Taf. XI (100fach) mit Zeiss BB, Fig. 29 und 30 auf Taf. V (43 resp. 40fach) mit Zeiss AA, Fig, 22 auf Taf. IV (25fach) mit Zeiss aa aufgenommen. '
Die Vergrösserungen sind übrigens sämmtlich zuverlässig genau (unter Zugrundelegung eines Zeiss'schen Objectmikrometers) an­gegeben.
Ferner sind eine Reihe von Culturen in natürlicher Grosse dargestellt. Diese Aufnahmen wurden theils mit einer gewöhnlichen achromatischen „Landschaftslinsequot;, theils mit einem Suter'sehen Aplanat hergestellt; beide Instrumente haben c. 17 cm Brennweite.
An den meisten Bildern (namentlich gilt dies für die schwachen Vergrösserungen) wird man mit schwacher Loupe mehr sehen als mit blossem Auge.
Die mikroskopischen Aufnahmen wurden z. Th. bei Petrolcum-b clench tun g, z. Th. bei Beleuchtung mit A vierquot; schein Gasglüh-licht gemacht. Nur bei der Aufnahme des Bildes Fig. 34 (Taf. VI) kam eine intensivere Lichtquelle (Magnesium) zur Verwendung, da hier die Natur des Objectes (flüssiger Tropfen) die bei den erstge­nannten Lichtquellen nöthige längere Exposition nicht gestattete.
Bei allen mikroskopischen Aufnahmen wurde das oben (p. 67—09) entwickelte Prinoip der maximalen Beleuchtung zur An­wendung gebracht.
Die Aufnahmen in natürlicher Grosse wurden bei zerstreutem Tageslichte hergestellt.
') Eine Ausnahme macht das Sohnittpräparat Taf. XU, Flg. 71, von welchem die 5()0 fache Vergrösserung nicht mit dem Immersionssystem, sondern mit einem starken Trockensystom (Zoiss 1)D) hergestellt ist. Wenn auch die Contonren des Objectes (Actiiiomycesdrnso) bei Anwendung der Immersion in der scharf einge­stellten Ebene präoisei' geworden wären, so laj? es doch in diesem Falle daran, eine möglichst grosso „Tiefenmchnungquot; zu erhalten; und diese ist bekanntlich um so grosser, je grosser die Brennweite dos Objectivs ist.
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370nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Vorbemerkung zu den Tuldn.
Hervorgehoben sei nooh, dass an keinem einzigen Bilde ein Strich oder ein Punkt Betouobe angebracht worden ist. Man wird deshalb auch an manchen Bildern einzelne Fleckchen linden, die der Geübte ohne Weiteres als zufällige Verunreinigungen, Plattenfehler etc. erkennt. Diese sind leider nicht immer zu vermeiden. Ich habe sie aber ohne Ausnahme stehen lassen, um meinen Photogrammen keine Spur ihrer Objectivität zu rauben.
Der Verfasser.
ocr page 389
Taf.
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1gt; gt; quot;V-'a** jquot;?'
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i. Bakteriengomisch aus der Mundhöhle. Deck glastrockenprHparati Gentianaviolettt ioöo : i.
2. Baktorlongomlsch In faulendem Fleischwassor, DockglastrockonprHparat, Methylenblau, iooc: i.
3, Urosso Bacilleu aus Wasser, KlatschprHparat von Qelatluoplatte. Methyloubtau, 1000 1 r.
. Grossa Baclllon (raquo;#9632;Wurzolbacilluslaquo;) aus Erde KJatschpräparat von Gelatlneplattei Fuchsin.
1000 : r.
5, Schmale Bnclllon aus Wasser, KIatschprEparat ven Gclatlneplatto, Fuchsin, 1000 : i.
5, Oidium lactla (Fadonpllz), IClatschprHparat von Golattncplattc, Fuchsin, 1000: i.
Dr. Onrl GüniluT phot, Doclln 1808,
Ltclitilruok von Jullua KUnkliordl, Ulpzlg-,
ocr page 390
ocr page 391
l'afel Jl.
ft
7. Hofo (Sprosspllz) aus Wehsblor, Ohne Zusatz loDond photographlrt, 1000 11.
8, Bacillus prodlglosus. KlatscliprHparat von ü latlnoplatte, Fuchsin, 1000 ti.
•quot;quot;ia
9. Kurzo Baclllen (KurzstHbclion) :111s Milch,
Klaischpiliparat von Golatineplatte. Fuchsin.
1ouo : 1.
10. Baclllon-Zooglooa aus faulondora Pllanzenlnfus, DockglastrockonprKparat, Fuclisin, tooo! 1.
• • • #9830;
*****
*
11. Grosso Mlkrococcon aus Luft. Klatsch-prnimrat von Golallnoplatto, Fuchsin, lono : i.
12. Grosso Mlkrococcon ans Paocos, Klatsch-prdparat von Golatlnoplatto. Fuchsin, 1000 ;t.
Dr, Cml 01
#9632; pilot, llcilin IS
Lklitdiuck x.....I......, Kllukhoiill, !,lt;
:
ocr page 392
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ocr page 393
Tafel III.
* gt;•
;*•-gt;
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amp;£
15. Staphylococcus pyogenes aureus. Agarcultur, Deckglastrockoapräparat, Fuchsin. 1000 :1,
14, Streptococcus pyogenes in phlogmonÖSGm l'ütcr. Dockglasausstricbpröparat. MothyTenblau, 1000: i.
\
16. Bakterlehgomisch (äplrlUum Undula und Ba-
clllen mit üeisseln) aus faulendem Strohinfus,
DockglastrockenprUparat, ungefärbt In Luft ein-
geschlussen. 1000 ; 1,
15. OelbgrUne Sarclne aus Luft. Gelatlnecultur, Dockglastrockenpräparat) ungefärbt in Wasser
eingeschlossen. 1000 1 I.
• • .
• *
\ %
17. Baclllon mit Qotsselbdsctieln aus faulendem Strohinfus. DockglastrockenprUparat. Qebelzt mit Forrotannatfuchsltit gefärbt mit Fuchsin. 1000:1.
Kurze. Racillcn aus Wasser mit Golssoln, Agarcultur, Dockglastreckcupräparat. Präparation wie bei Fig. 17. 1000 : 1.
Or. Carl atlllthor raquo;hot. Urrlin 1808.
Dohtdruoli von ,liiliiigt; KUnkliartll, Lolpalglaquo;
ocr page 394
#9632;
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UM
ocr page 395
Tafel IV.
ig. Eine Lcptothrtx-Art aus cariosor Zahnhöhle
mit Sporen, Deck^lastroekcnpräparat, Gentiana-
violett. looo ! I,
20. Cladothrlx ans Wasser. Oelatineeultur, Dock*
glastrockenprHparat. Fuchsint rooo ; 1.
.!.
21. (Venothrix aus Wasser. Lebend) in Wasser eingeschlossen) photographlrt* 250 : 1.
22. Qelatineplattencultur) mit Heustaub angolcgt. Nach atäglgem Waehstlunn hol Zimmertemperatur.
23. Cladothrlx aus Wasser. Gelatine plattenlaquo;
lulfuiic, 2,| Stunden alt. iou : 1.
Dr. Cavl QUntlior phot. Üorlln 1808.
2.], Gelatino'Rollröhrchen-Cultur, mit Gartonerde
angelegt. Nach 2 tHgigeiu Waclisthum bei
Zimmertemperatur. 1:1.
Llolitdruok von Julius KUnkliardt, Leipzig.
ocr page 396
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#9632;
, ..'
i,
, #9632; #9632; .#9632;
HHMBMMHMM
ocr page 397
Tafel V.
•n'- gt;•raquo;'
I
85, Milzl.r.iml. Maus. ^lilz. Dockglasausstrlch-Präparat. Methylenblau, looo: t.
20. Milzhran.l. Maus. Milz. Schnitt. Die Kerne
mit Plcrocarmin, die Bacillon nach Gram-QUnthor gefärbt soo : i.
raquo;
quot;^
Sv
/---'
#9632;
27, Milzbrand, Maus. Lungo. Schnitt. Molhylenblau. 150 #9632;#9632; 1,
28. Abgeschwächter Milzbrand, Maus. Mil/. Deckglasauss'.richpräparatlaquo; Mothylonblau, 1000: i.
29. Mllzbraudbaclllon, Oolatlnoplattoticolonlc 3 Tago alt. 43 : 1,
30, Mlhbrandbaolllen, Golallnoplatton-Ober-
' iläi-lu'ii-.Stric-luultiir, .|8 Stunden alt, 40 : t,
Dr. Corl GUntlior pliot, Uorllu 180S,
Molitilruoh vuii Julius Kllnklmrdt, Lolpzlg,
ocr page 398
^^^quot;^#9632;pi
#9632;#9632;#9632;i^
w^m^mmm
. I #9632;.
#9632; .#9632;* •
t: -
ocr page 399
Tafel VI.
31, Milzbrandbaclllon. EClalschpräparat von der
in Fig. 30 (Taf. V) dargostollton Plattoncultur.
L^ucbsin, 1000 : 1.
32. Mtlzbrandbaclllotii Involutlonsfornien, Kar-toiVolcultur. DeckglastrockenprRparatlaquo; Gontlana-
viulett. 1000; 1.
33. Milzbrandbaclllon, (rolatlnosUchcultur nacb /tägigem Wailisthum bei Zlmraortomperatur, 1:1.
; |. MilzbrandbacillonfÜden mltSporcn, Etängendor Crolatlncttopfon) 500 : 1.
quot;*%.
35. MilzbrandbacillcufHdon mit Sporen, Agaigt; eultur. DockglastrockonprHparat, Fucbsln. 1000! 1.
36. Dacillus subtIHs (Houbacillus) niltSporon. Agarcultur, DcckglastrockonprHparnt. Die Sporen mit Fuchsin, die (ibrtgo Baclllcnsnbstanz mit Methylenblau gefärbt, tooo! t.
I.iclil.lnirk von Jullua K linlvlninll. Leipzig.
Di-, CtU'l (itlntlj
llcrlln 1803.
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Taf. VII.
37. Bacillus d.-s malignen Oederas, Moerschwoln- 38. Baclllon dos raallgnon Oedoros. Colonlen Ira Innern chen. OodonifliissiKkoit. Dockglasausstrichpräparat, von Traubonzuckorgolatlne, 44 Stunden nach Verthollang
Methylenblau, 1000;
von Oedenuaft der Klaus in dorn Nährboden, 1 : 1.
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$q. Totanusbaclllus mit Sinnen. Agarcultur, I )ccl{g;lastrockenprflparat. Fuchsin. 1000 : t.
40. Baclllon mit endständieon Sporen .'ins faulcndom Plolschwassor, Deckglastroclconpriiparat, Dio Sporen mit Fuchsin, das übrige mit Methylenblau gefärbt. 1000:1.
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it. Tiibcrkolbaclllcn In phthlslschem Sputnm. Dock- 42. Tuberkelbaclllon. Mensch. TubcrculäseMe-glastrockpnprRparat. Die Tuborkolbacillen mil Fuchsin, iiiiiKi!is. Schnitt durch die Pia. Qcntlanavlolott. das übrige mil Methylenblau gefärbt. 1000 1 t,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 500: 1.
Dr. Cnrl QUlltlior phot Doilln 18
Lichtdruck von Jullm Rllnkhardt, Lslpsl|.
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Tafel VIII.
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41. Loprabaclllon. Monsch, Rnutknoton, Deckirlas-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; #9632;!#9632; j i -n #9632;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; -
ausstrlclipräparat. Dio LoprabacUlon mit Fuchsin, das 44. ryphusbacillon. Klatschpräparat von Golatlno Übrige mit Methylenblau gefärbt, ioooi i.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;PIatt0' Fuch8in' 1000' I-
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4^. Typhusbacillen mit Geissein. Ägarcultur. Decklaquo;
glastrockenpräparat. Gobelzl mit Forrotannat-
fuchsin, gefUrbt mit Gontlanavlelett, iooo: i.
46. Typliusbaclllen. Mensch. Leber, Schnitt,
Puchsln, Thcil eines BacülenherdeS) der in Flg, 47
im Ganzen dargestellt ist. 500 : 1.
.17. Typliusbaclllen. Mensch, Leber, Schnitt. Fuchsinlaquo; 2(i(j: i (Vergl, Fig. 46,)
48, Typhusbacillen, Gclntine-Oberflächen-Strlch-
cultur nach 3 tKgigom Wachsthmn bei Ztnmcr-
temporatur, 1: 1,
Dp. Curl aüntlior phot. Berlin 1808,
Ltohldmok von Jullua Kllnklmpat, Lelpelg.
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Tafel IX.
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49. DlphthoriobacÜIen. Mensch. Dlphthorlsche Fseudomombran, Sclinitt. Methylenblau, 500:1.
50, DIphtherlebaclllen. Agarcultur, Deckglaslaquo; trockenpräparat. I'uciisin. 1000: 1,
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51. RotzbaclIIen. Feldmaus. Lungo, Schnitt. Methylenblau. 500 : 1.
52. Hillmorcholerabaclllen, Taube, Herzblut. Deckglasausstrichpräparat. Methylenblau, moo: i,
53. JtHusesopticaemlebaclllen. Maus. Herablut. 54. Mäusoscptlcaomlebncillon. Qelatlnostlchcultur Deckglasausstrlchpräparat. Gram'scho Färbung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nach fttiiglgomAVachsthum Ihm Zimmortomporatur
Dr. Oorl QUntlior pliot. Borlln 1888.
Lloliiaruok v.....InliuK Kllnkhardt, I.c
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Tafel X.
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55. Cholorabaolllon, Golatüioplatto, KlatschprB parat. Fuchsin. 1000 : r.
56, Cholerabaclllen, [nvolutlonsformon, Oelatlno-
rultur. DeckglasausstrlchprHparat, Gontlanavio-
lott. tooo : 1.
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57, Cholcrabaclllon mit Goisscln. Agarcnltar, Dcck-
glastrockcnprüparat, Gobolzt rail Ferrotannatfuchsin,
gefärbt mit alkallschom Anilinfucbsln, 1000 1 !•
58, Vibrio Metschnikoff. Taube. Muskolsaft von dor [nfectlonsstello. Deckglasausstrlchprgparat.
Fuchsin. 1000: r.
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50. Koninmbaclllcn (Spirillum sputlgonuin) aus tlor Slundhöhlo, Dockglastrockonpraparat, Gentlana-
DockglnstrockonprKparnt. Fuchsin,
Dr. Carl OUntlici' i.hol. Dorlln 1808.
Cllnkharclt, I..'
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Tafel XI.
61, CholorabacIIlen - Colonlon auf der Oolatlne- 62. Cbolorabactlloni Links eine Oelatlneplattencolonlo platte nach 3ostUnd]gom'Waclisthuni bei Zimmer- nach 48stUndigom, rechts eine solcho nach 72sttlndlgom temperatur. 100 : 1.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;WacbsthuiU bei Zimmertemperatur. Boido 100: 1.
*
63. CholorabacIIlen, Golatlnosttchcultur nach ptäglgeitt Wachsthum bei /immurtemperatur. 1:1.
64. Finkler-Prior'sche Kommabacillen. Unter dou-selben Bedingungen wie die Cultur Flg, 63 ge­züchtet. 1 : 1.
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65. QonorrhoecocceD. Tripperelter. Dockgla ausslriclipräparat, -Metliylenblau. iooü : 1.
(16. Eryslpelstroptococcen, Mensch. Hautschnitt.
Die Kerne mit IMcrocarmin, raquo;lie Coccen nach Gram-QUnthor gefärbt. 1000: 1.
Ltohtdrtioh von Julius Klinkiiai-iit, Lolpslg.
Dr. Carl QUitthor phot. Dorlln 1808.
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Tafel XII.
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67. Htcrococcus totrngonus, Maus, ^lilz. Dock* glasausstrlchprHparat. Gontianavlolett, 1000 : 1,
ri8. Diplococcus pnoumoniae. Durch Punktion mit
dot L-'ravaz'sclien Spritze ontnommener Lungonsaft
vom lobenden Pnoumoniker, Deckglasausstrtch-
präparat, Gontianavlolettlaquo; 1000 : i.
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Bacillus pnoumoniae mit Kapseln. Plourasaft intraploural inflclrten Maus, Dockglasausstrich-prüparat. Gontianavlolett, 1000: i.
71, Actlnomycos bovls. Druso, Rind, Zungen-goschwulat, Schnitt, FHrbung nach Gram-QUnthor,
500 : 1.
iir. Curl aonlhor (iliol, Bortln [SOS,
72. Horpos tonsurans-Plllaquo;, Agarplattoncultur, Mit Deckglas bedockt und direct pliotographlrt, 2.|o; t,
tlolilfli'uok von Julius KltnkluinU, Lohwlg,
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