|
#9632;quot;TT^1
|
||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||
|
|
/ U
|
|
||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||
|
|
quot;% j-
|
|
||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||
|
|
^^1
|
|
||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||
|
|
^%-
|
|
||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||
|
|
'7//i^
|
|
||||||||||||||||
|
|
^SA
|
|
||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||
|
|
^ i
|
|
||||||||||||||||
|
|
|
|
|
|||||||||||||||
|
^ reg; /? #9632;
|
||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||
|
|
||
|
BIBLIOTHEEK UNIVERSITEIT UTRECHT
|
||
|
|
||
|
2911 188 1
|
||
|
|
||
|
|
||
|
V,|, ciaicnt
|
||
|
|
||
|
LEHRBUCH
|
||
|
|
||
|
DER
|
||
|
|
||
|
SPECIELLEN
PATHOLOGIE UND THERAPIE
|
||
|
|
||
|
DER
|
||
|
|
||
|
HAUSTHIERE.
FÜR THIERÄRZTE, ÄRZTP] UND STUDIRENDE.
VON
Dr. med. FRANZ FRIEDBERGER, und Dr. med. EUGEN FRÖHNER,
PROFESSOR AN DER THIERAHZTLICHENnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; PROFESSOR AN DER THIERÄRZTLIOHBN
HOCHSCHULE IN MÜNCHENnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; HOCHSCHULE IN BERLIN.
|
||
|
|
||
|
ZWJiJI BANDE.
|
||
|
|
||
|
lli-illlaquo;' verbesserte iiikI venuehrte AuriaKlaquo;'. %
|
||
|
|
||
|
\
|
||
|
|
||
|
ERSTER BAND.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ol
STUTTGART. VERLAG VON FERDINAND ENKE.
1892.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Das Hecht der Uebersetzung bloibt vorbehalten.
|
||
|
|
||
|
Druck der Union Deutsche VerlaglgeBelllohaft ir Stuttgart,
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Vorwort zur dritten Auflage.
|
||
|
|
||
|
Die dritte Auflage der Pathologie und Therapie ist nach verschiedenen Richtungen hin verbessert und vermehrt worden. Entsprechend dem steigenden Interesse, welches sich hauptsächlich dem Studium der Seuchen zuwendet, hat vor Allem der Ahschnitt tlher Infectionskrankheiten und Seuchen im engeren Sinnequot; eine wesentliche Umarbeitung erfahren müssen. Aber auch die Organkrankheiten haben namentlich nach der Richtung der Therapie zahlreiche Zusätze aufzuweisen. Neu aufgenommen wurden die Krankheiten der Milz, die Basedow'sohe Krankheit, Tabes dorsalis u. s, w. Eine werthvolle Bereicherung haben ferner die Literaturverzeichnisse vor den einzelnen Krankheiton durch die vollständige Aufnahme der älteren und ältesten französischen Literatur erhalten. Wir haben die letztere der von den Professoren Cadiot und Trasbot in Alfort und dem Gouvernements-thierarzt Ries in Luxemburg herausgegebenen französischen Ueber-setzung unserer Pathologie l) entnommen. Eine weitere Uebersetzung unseres Werkes ist in Russland erschienen. Andere Uebersetzuugen sind in Vorbereitunff,
|
||
|
|
||
|
München u. Berlin im November 1891.
|
||
|
|
||
|
Friedberger. Fröhner.
|
||
|
|
||
|
') Pathologie et Thamp;upeutique apdoiales dos animaux tlomestiques par Prof. Dr. Friedberger et Prof. Dr. Fröhner. Tnidnit de l'allemand sur In deuxieme edition par P.-J. Cadiot, professeur a FEcole veterinaire d'Alfort et .l.-N. Ries, vetörinaire du Gouvürnement ä Clervaux (Luxembourg). Avee annotations de M. le professour Trasbot, direotour de l'Kcole vetei-inaire d'Alfort. Paris 1891. Asselin et Houzeau.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
] Vnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Vorwort.
|
||
|
|
||
|
Vorwort zur ersten Auflage.
Mit der Herausgabe eines neuen Lehrbuclies der speciellen Pathologie und Therapie der Hausthiere glauben wir einem thatsiiehlichen Bedürfnisse entsprochen zu haben. Eine Neubearbeitung des Stoffes erschien uns nach zwei Seiten hin nothwendig und gerechtfertigt; zunächst mussten die Errungenschaften der neueren Zeit, denen wir die eigenen Erfahrungen anschlössen, in zweckmilssiger Weise verwerthet, sodann aber die reichen Schütze der älteren Literatur besser ausgenützt werden. Dabei durfte jedoch nur das Wichtigste, das Wesentlichste Aufnahme finden; alles Nebensächliche oder nicht genügend Erwiesene musste möglichst in Wegfall kommen. Nur so konnte ein für den Studirenden und Thierarzt geeignetes, /uverlässiges Lehrbuch geliefert werden.
Wir wollen indessen nicht verschweigen, dass manche Kapitel der speciellen Pathologie und Therapie nach dem gegenwärtigen Stande unserer Kenntnisse und Erfahrungen noch sehr Stückwerk sind; es gilt dies besonders für viele Organerkrankungen des Kindes, sodann für Nieren-, Leber-, Gehirnkrankheiten u. s, w. überhaupt. Hier ist noch vieles, vieles zu untersuchen und klar zu legen. Gerade dadurch aber, class wir im Einzelnen auf diese Mängel und Lücken hinwiesen, hoffen wir gleichzeitig auch eine Anregung zum weiteren Ausbau der speciellen Krankheitslehre gegeben zu haben.
Eine nach allen Seiten hin befriedigende Eintheilung der Krankheiten zu geben, erwies sich leider als nicht immer möglich; sehr häufig musste die rein wissenschaftliche Classiiizirung einem mehr praktischen Systeme weichen. Die täglich fortschreitende ätiologische Forschung wird auch hierin hoffentlich in nicht allzuferner Zukunft Wandel schaffen.
Wenn wir uns bei der Besprechung der Therapie nur auf das Einfachste und Erprobteste beschränkten, so dürfte dies dem allenfallsigen Werthe des Buches sicher keinen Eintrag thun.
Möge somit unser Lehrbuch den Fachgenossen und vor Allem auch der studirenden .lugend gute Dienste thun.
MOnchen u. Stuttgart im November 1885.
Friedberger. Fröhner.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Inhaltsverzeicliniss.
|
||
|
|
||
|
Soite
Krankheiten der lUgestioiisorgnne..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1
Stomatitis, Sohleimhautentzündung der Maulböhle......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1
1)nbsp; Katavrhnlisclie Stomatitis...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2
2)nbsp; Aplitlioso Stomatitis.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;7
3)nbsp; UloerOso Stomatitis.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;9
Parotitis........................nbsp; nbsp; nbsp; 13
Pharyngitis.......................nbsp; nbsp; nbsp; I'raquo;
Krankheiten des Schlundes................nbsp; nbsp; nbsp; 38
1)nbsp; Die Entzündung des Schlundes.............nbsp; nbsp; nbsp; 34
2)nbsp; Die Erweiterungen des Schlundes............nbsp; nbsp; nbsp; 36
:i) Die Verengerungen des Schlundes............nbsp; nbsp; nbsp;40
4)nbsp; Zerreissung des Schlundes...............nbsp; nbsp; nbsp;42
5)nbsp; Lähmung des Schlundes................nbsp; nbsp; nbsp; 4;5
6)nbsp; Krampf des Schlundes....... ........nbsp; nbsp; nbsp;48
Die Kropfkrankheiten des Geflügels....... ....nbsp; nbsp; nbsp;4()
1)nbsp; Der Katarrh und die Entzündung der Kropfscbleimhaui ....nbsp; nbsp; nbsp;47
2)nbsp; L)ie Verstopfung des Kropfes..............nbsp; nbsp; nbsp;48
Die krankhaften Gelüste.................nbsp; nbsp; nbsp;49
F. Die Lecksuoht des Rindes...............nbsp; nbsp; nbsp;4!gt;
II. Das Wollefrossen der Schafe..............nbsp; nbsp; nbsp;(10
Acuter Magendarmkatarrh heim Pferde...........nbsp; nbsp; nbsp;64
Chronischer Magendarmkatarrh beim Pferde........nbsp; nbsp; nbsp;81
Acuter Magendarmkatarrh beim Rinde...........nbsp; nbsp; nbsp;91
Chronischer Kfagendarmkatarrh beim Rinde.........nbsp; nbsp; 101
Acutes Aufblähen der Wiederkäuer............nbsp; nbsp; 108
Chronisches Aufblähen der Wiederkäuer..........nbsp; nbsp; 118
Pansenttberfüllung beim Rinde..............nbsp; nbsp; 121
L a b m a g e n k a t a r r h und Labmagen- Z w ö 1 f f i n g e r d a r m k a t a r r li
beim Rinde.....................nbsp; nbsp; 125
Magendarmkatarrh beim Jungvieh.............nbsp; nbsp; 12(J
Gastrische Störungen. durohFremdkörper in dm Vormägen
desRindesbe dingt.................nbsp; nbsp; 181
Magendarmkatarrh beim Fleischfresser...........nbsp; nbsp; 189
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
VI
|
[nhaltsverzeioboisg,
|
||
|
|
|||
|
Seite
Verstopfung beim Hunde.................nbsp; nbsp; 1-1:;
Yersohluokte Fremdkörper beim Hunde...........nbsp; nbsp; 148
Magendarmkatarrb beim Sohweine.............nbsp; nbsp; 151
Magendarmkatarrh, Durchfall und Verstopfung beim Qeflügelnbsp; nbsp; 15laquo;
Die Kolik der Pferde...................nbsp; nbsp; u,r,
A.nbsp; Allgemeiner Theil..................nbsp; nbsp; 155
B.nbsp; Die einzelnen EoUkarten...............nbsp; nbsp; 175
I. Die Krampfkolik.................nbsp; nbsp; 17()
II. Die üeberftttterungskolik..............nbsp; nbsp; 179
III.nbsp; Tbrombotisoh-embolisohe Kolik............nbsp; nbsp; 18;)
IV.nbsp; VerstopftmgskoUk................nbsp; nbsp; 191
1)nbsp; Ansohoppungskolik...............nbsp; nbsp; 191
2)nbsp; Steinkolik..................nbsp; nbsp; 194
3)nbsp; Lageveränderungen des Darmes...........nbsp; nbsp; 197
4)nbsp; DarmiuTagination................nbsp; nbsp; 200
5)nbsp; Neubildungen.................nbsp; nbsp; 201
6)nbsp; Dannstricturen.................nbsp; nbsp; 202
7)nbsp; Dilatation und Parese des Darmes.........nbsp; nbsp; 203
V.nbsp; Die Windkolik..................nbsp; nbsp; 204
71. Die Wurmkolik.................nbsp; nbsp; 207
Die Kolik des Rindes...................nbsp; nbsp; 208
Die Kolik der Hunde...................nbsp; nbsp; 212
Die Kolik der Schweine.................nbsp; nbsp; 213
Wagen- und Darmgeschwüre................nbsp; nbsp; 214
Magen- und Darmblutung.................nbsp; nbsp; 219
Magendarmentzündung..................nbsp; nbsp; 223
1)nbsp; Die einfache nicht toxische...............nbsp; nbsp; 224
2)nbsp; nbsp;Die oroupöse....................nbsp; nbsp; 230
3)nbsp; Die mykotisohe...................nbsp; nbsp; 234
4)nbsp; nbsp;Die toxische....................nbsp; nbsp; 248
I. Mineralische Gifte................nbsp; nbsp; 249
1)nbsp; Phosphor..................nbsp; nbsp; 249
2)nbsp; nbsp;Arsenik...................nbsp; nbsp; 250
3)nbsp; Blei....................nbsp; nbsp; 252
4)nbsp; Quecksilber.................nbsp; nbsp; 254
5)nbsp; Eupfer...................nbsp; nbsp; 25(1
6)nbsp; Zink....................nbsp; nbsp; 257
7)nbsp; Brechweinstein................nbsp; nbsp; 257
8)nbsp; Kochsalz und Lacke..............nbsp; nbsp; 258
9)nbsp; Salpeter...................nbsp; nbsp; 259
10)nbsp; Glaubersalz.................nbsp; nbsp; 260
11)nbsp; Aetzende Alkalien...............nbsp; nbsp; 260
12)nbsp; Aetzende Säuren...............nbsp; nbsp; 261
18) Essig....................nbsp; nbsp; 261
14)nbsp; Carbolsiiure.................nbsp; nbsp; 261
15)nbsp; Jodoform..................nbsp; nbsp; 262
II. Pflanzliche Gifte.................nbsp; nbsp; 263
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Inlialtsverzek'liniss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; y[|
Seite
1)nbsp; nbsp;Lupinenkraukholt................nbsp; nbsp; 20.5
2)nbsp; Kleekrankheit................nbsp; nbsp; 272
3)nbsp; Sobaohtelhalm.................nbsp; nbsp; 273
4)nbsp; Buchockern..................nbsp; nbsp; 274
5)nbsp; nbsp;Ricinu.skufihen................nbsp; nbsp; 275
0)nbsp; nbsp;Uiuunwollsaatiuelil...............nbsp; nbsp; 27.rgt;
7)nbsp; Herbstzeitlose.................nbsp; nbsp; 275
8)nbsp; nbsp;Wilder Mohn.................nbsp; nbsp; nbsp;276
9)nbsp; TaLak...................nbsp; nbsp; 277
10)nbsp; nbsp;Eibenbaum..................nbsp; nbsp; 278
11)nbsp; nbsp;Kornrade..................nbsp; nbsp; nbsp;278
12)nbsp; Buchsbauiubliitter...............nbsp; nbsp; nbsp;27lgt;gt;
13)nbsp; Digitalis...................nbsp; nbsp; nbsp;279
14)nbsp; Oleander..................nbsp; nbsp; 280
15)nbsp; Qoldregen..................nbsp; nbsp; 280
1(3) Mutterkorn..................nbsp; nbsp; 280
17)nbsp; nbsp;TerpentinOlhaltige Pflanzen (enzootischo Magendaiment-
zttndung).................nbsp; nbsp; 281
18)nbsp; nbsp;Senföl...................nbsp; nbsp; 282'
19)nbsp; Crotonöl...................nbsp; nbsp; 282
20)nbsp; Hulleborus..................nbsp; nbsp; 283
21)nbsp; Veratriu...................nbsp; nbsp; 283
22)nbsp; nbsp;Sturmhut..................nbsp; nbsp; 283
23)nbsp; Ranunkeln..................nbsp; nbsp; 284
24)nbsp; nbsp;Bingelkraut.................nbsp; nbsp; 284
26) Wolfsmilch..................nbsp; nbsp; 284
26)nbsp; Fleoksohierling.................nbsp; nbsp; 285
27)nbsp; Wasserschierling................nbsp; nbsp; 285
28)nbsp; nbsp;G-artensohierling................nbsp; nbsp; 285
29)nbsp; Flachs...................nbsp; nbsp; 285
30)nbsp; Narcissus..................nbsp; nbsp; 280
81) Pfeffer...................nbsp; nbsp; 280
32)nbsp; nbsp;Eicheln...................nbsp; nbsp; 280
33)nbsp; nbsp;Aloe....................nbsp; nbsp; 28laquo;
34)nbsp; Seidelbast..................nbsp; nbsp; 287
36) Moerrcttig..................nbsp; nbsp; 287
86) Schwalbenwurzel...............nbsp; nbsp; 287
Diverse Giftpflanzen................nbsp; nbsp; 287
111. Thierischo Gifte.................nbsp; nbsp; 289
1)nbsp; Canthariden.................nbsp; nbsp; 289
2)nbsp; Schlangenbisse................nbsp; nbsp; 289
3)nbsp; Bienenstiche.................nbsp; nbsp; 200
Anhang. Die rciu narkotischen Vergiftungen........nbsp; nbsp; 290
1)nbsp; Strychnin..................nbsp; nbsp; 290
2)nbsp; Solnnin...................nbsp; nbsp; 291
8) Blausäure..................nbsp; nbsp; 201
4)nbsp; nbsp;Kohlenoxyd.................nbsp; nbsp; 202
|
||
|
|
||
|
|
||
|
VI11nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Inhaltavei'Beiohniss.
Seile
5) Taumelloloh.................nbsp; nbsp; 292
(i) Kichererbsen.................nbsp; nbsp; 292
7)nbsp; Alkohol...................nbsp; nbsp; 292
8)nbsp; nbsp;Leuchtgas..................nbsp; nbsp; 29:'.
9)nbsp; Eserin...................nbsp; nbsp; 298
10) Pilooarpin..................nbsp; nbsp; 298
Würmer im Darmoanal..................nbsp; nbsp; 293
I.nbsp; nbsp;Bandwllrmer...................nbsp; nbsp; 290
II.nbsp; Spulwürmer....................nbsp; nbsp; 30(i
III. I'allisiulemviirmer..................nbsp; nbsp; 310
IAr. I'frii'iiieiischwänze.................nbsp; nbsp; 31(i
V. Der Riesenkratzer des Schweins............'Ml
VI. Gastruslarven...................318
VII. Diverse andere Darmsohmarotzer............320
Leberkrankhelton.....................828
Icterus.........................nbsp; nbsp; 32:!
Leberhyperämie.....................nbsp; nbsp; 328
Leberruptur......................nbsp; nbsp; 329
Parenchymatöse Leberentzündung.............nbsp; nbsp; 382
Chronische interstitielle Hepatitis.............nbsp; nbsp; 384
Amyloidleber......................nbsp; nbsp; 387
Leberkrebs.......................nbsp; nbsp; 889
Gallensteine......................nbsp; nbsp; 840
Invnsionskranklieiten der Leber..............nbsp; nbsp; 841
I, Die l.eberegolseuche.................nbsp; nbsp; 841
II. Die Kcliinokokkenknuikheit..............nbsp; nbsp; 862
111. Die Qregarlnose der Leber..............nbsp; nbsp; 859
Krankholten des Banohfells.................nbsp; nbsp;303
Acute Bauchfellentzündung................nbsp; nbsp; 868
Chronische Bauchfellentzündung.............nbsp; nbsp; 874
Bauchwassersucht....................nbsp; nbsp; 876
Kriinkhciteii der Milz...................nbsp; nbsp; 880
Kiaiiklieiten der llnriiorpuie................nbsp; nbsp; 889
Allgemeine Bemerkungen über die Bedeutung der Harnuntersuchung für clie Pathologie der Nierenkrankheiten ....nbsp; nbsp; 889
Nierenhyperilin i c....................nbsp; nbsp; 401
Nierenentzündung....................nbsp; nbsp; 408
1)nbsp; Die acute Nephritis.................nbsp; nbsp; 4().quot;gt;
2)nbsp; Die chronische Nephritis...............nbsp; nbsp; 412
8) Die eiterige Nephritis................nbsp; nbsp; 417
4)nbsp; Die Entzündung des Nierenbeckens............nbsp; nbsp; 419
5)nbsp; Die Pyelonephritis des Kindes.............nbsp; nbsp; 421
Die Amyloidnicre....................nbsp; nbsp; 425
Harnverhaltung.....................nbsp; nbsp; 426
Blasenkatarrh......................nbsp; nbsp; 431
Blasenblutung......................nbsp; nbsp; 488
Anhang zn den Nierenkraukheiten...............nbsp; nbsp; 485
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Inhaltsveiv.nichnias,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;TV
Seite
Die Hämoglobinämie dos Pferdes.............nbsp; nbsp; 435
Die Hämoglobinlimie des Rindes..............nbsp; nbsp; 451
Krankheiten der Geschlechtsorgane..............nbsp; nbsp; 4(j0
Das Gebärfiebcr.....................nbsp; nbsp; 4(jQ
Uebermässiger Q-eschleohtstrieb..............nbsp; nbsp; 488
Alinorm verminderter Gesclilechtstrieb...........nbsp; nbsp; 499
Impotenz und Sterilität.................nbsp; nbsp; 492
Milohfehl er.......................nbsp; nbsp; 494
1)nbsp; Milclimangel....................nbsp; nbsp; 49,';
2)nbsp; Wässerige Milcli............... , .nbsp; nbsp; 497
8) 7m fette Müch...................nbsp; nbsp; 497
4) Schlickerige Milcli..................nbsp; nbsp; 49K
6) Nicbt butternde Milch................nbsp; nbsp; 499
6)nbsp; Paulige Milch...................nbsp; nbsp; 500
7)nbsp; nbsp;Schleimige Milch..................nbsp; nbsp; raquo;iQj
8)nbsp; Die blaue Milch...................nbsp; nbsp; 503
9)nbsp; nbsp;Die rothe Milch .................nbsp; nbsp; 505
10) Fremde Stoffe in der Milch..............nbsp; nbsp; 50fl
Krankheiten des Herzens und der grösseren lilutgefiisse.....nbsp; nbsp; 511
Allgemeine imatomisehe und physiologische Bemerkungen zu
den Herz krank bei ten. Physikalische Diagnostik des Herzensnbsp; nbsp; 511
Herzhypertrophie und Herz dilatation...........nbsp; nbsp; 614
Herzbeutelentzündung..................nbsp; nbsp; 521
1)nbsp; nbsp;Die Pericarditis des Kindes (und der Ziege). Traumatische Pericarditis und Carditis.................nbsp; nbsp; 522
2)nbsp; nbsp;Die Pericarditis des Pferdes und der übrigen llaustbiere ....nbsp; nbsp; 580 Herzklopfen und sogen, abdominelle Pulsation beim Pferde . .nbsp; nbsp; 534
Myocarditis.......................nbsp; nbsp; 538
Herzruptur.......................nbsp; nbsp; 541
Acute Endocarditis ...................nbsp; nbsp; 542
Chronische Endocarditis. Klappenfehler..........nbsp; nbsp; 547
Aneurysmen der Aorta..................nbsp; nbsp; 558
Ruptur grösserer G-efässe der Brust- und Bauchhöhle.....nbsp; nbsp; 560
Thrombose einiger Aortenäste...............nbsp; nbsp; 561
Würmer im Blute....................nbsp; nbsp; 505
Haiitkrnnkheiten.....................nbsp; nbsp; 568
1. Nichtparasitäre Hautkrankheiten...............nbsp; nbsp; 570
Hanterythem......................nbsp; nbsp; 570
Das Ekzem.......................nbsp; nbsp; 573
A. Die Ekzemformen des Hundes.............nbsp; nbsp; 575
li. Kkzeiiiatiise Hauterkrankungen beim Pferde........nbsp; nbsp; 582
1)nbsp; Das papulös-vesiculöse Ekzem (Schwindflechten, Hitzkntttohen)nbsp; nbsp; 583
2)nbsp; Das chronische squamOse Ekzem (Kleien- und Schuppenflecbte)nbsp; nbsp; 58(i
3)nbsp; Das chronische grindartige Ekzem der langbehaarten Körper-tbeile (Mähnen- und Schweifgrind)...........nbsp; nbsp; 587
4)nbsp; Das Ekzem der Beugeflächen der unteren Extremitätengelenke (Mauke und Raspe)................nbsp; nbsp; 590
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Xnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Inhaltsver/.eichnislaquo;.
8eite
C. Ek/.ematöse Hauterkrankungen beim Rinde ... ....nbsp; nbsp; 593
Die Schlempemauke des Rindes............nbsp; nbsp; 594
1). Kkmnatöse Hauterkrankungeii beim Scliafc........nbsp; nbsp; 002
K. Kkzematösi' llautorkrank\ingen beim .Scliweine.......nbsp; nbsp; (50;{
Neaselftuesohlag, Urticaria................nbsp; nbsp;C04
1)nbsp; nbsp;Nesselaussobhig beim Pferd und Rind...........nbsp; nbsp; 60(j
2)nbsp; Das Nesselfieber der Scliweine.............nbsp; nbsp; (508
Brandige Hautent/.üiidiing................nbsp; nbsp; fjjQ
Mullöse Dermatitis....................nbsp; nbsp; ßjj
Das Ausfallen dor Haare und Wolle, Alopecie........nbsp; nbsp; 61!i
Blutungen der Haut. Blutschwitzen............nbsp; nbsp; ßlti
Acne und Furunculosis..................nbsp; nbsp; 017
II.nbsp; Pflanzlich-parasitäre Hautkrankheiten.............nbsp; nbsp;(J19
Herpes tonsurans. Glatzflechte..............nbsp; nbsp; fj20
Favus, Erb- oder Wabengrind...............nbsp; nbsp; 028
Dermatitis contagiosa pustulosa canadensis.........nbsp; nbsp; 631
III.nbsp; Thierisch-parasitäre Hantkrankheiten.............nbsp; nbsp; 635
Die Räude der 1111 ussii ugetbiere..............nbsp; nbsp; 035
A.nbsp; nbsp;Allgemeiner Theil..................nbsp; nbsp; 0^5
B,nbsp; nbsp;Die Räude bei den einzelnen Maussäugetbieren.......nbsp; nbsp; 047
a.nbsp; nbsp;Die Räude des Pferdes...............nbsp; nbsp; 047
b.nbsp; nbsp;Die Räude des Schafes...............nbsp; nbsp; fj5;{
c.nbsp; nbsp;Die Iväude des Rindes..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0(jj
d.nbsp; nbsp;Die Räude der Ziege................nbsp; nbsp; 0(52
e.nbsp; nbsp;Die Räude des Scbweines..............nbsp; nbsp; 003
f.nbsp; nbsp; Die Räude dos Hundes...............nbsp; nbsp; nbsp;(5(54
g.nbsp; nbsp;Die Räude der Katze...............nbsp; nbsp; Ogg
h. Die Räude der Kauincben..............nbsp; nbsp; 070
Der Aca rusaussch lag...................nbsp; nbsp; 070
Hautkrankheiten durch Pilarien erzeugt..........nbsp; nbsp; 080
Hautii ffectionen durch Fliegen. Mücken und Rremsen ....nbsp; nbsp; (581
Läuse und ITaarlingo auf der Haut.............nbsp; nbsp; 085
Diverse andere lluutschmarotzer..............nbsp; nbsp; 087
Anhang. Die thierisch-paraBitäi'en Hantkrankheiten des Geflügels ....nbsp; nbsp; (590
Die Räude des (jlef'lügels.................nbsp; nbsp; 000
Diverse andere durch thierische Parasiten erzeugte Haut*
affectionen.....................nbsp; nbsp; (593
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Krankheiten der Digestionsorgane.
|
||
|
|
||
|
Stomatitis, Schleiiuliauteiitziimlimg der Maulliöhle.
Literatur. I, Stomatitis catavrhalis. 1) (lurlt-Lüthens, Magazin. 1850. S. 252. 2) Paugouu, Recueil vet. 1870/77. 3) Brauer, Schlag, Möbius, Sftohs, Veter.-Boriclit. 1877. S. 101. 4) Henry, Recueil denied, vet. 1877. Nr, 21. 5) Reinemann, Preuss. Mittheil. 1878/79. S. 48. 0) Brummer, Thierfreund. 1879. Nr. 8. Ref. im Thiorarzt. 1879. S. 180. 7) Lambert, Annal. de med. vet. 1881. Nr. 1. 8) Hartmann, Oesterr. Vierteljahrsschr. 1880. 9) van Cutscn, Bullet. Belg. 1880. III. Bd. 10) Koiranski, Charkower Veterinärbote. 1887. 11) Tokarenko, Petersburger Archiv für Veterinilrmedicin. 1888. 12) Rösters, Zeitschr. f. Veterinärkunde. 1889. S. 255. 13) Siedamgrotzky-Haubner, Landwirthschaftl. Thierheilkde. 1889. S. 29.
II. Stomatitis aphthosa. 1) Weber, Sachs. Jahresbcr. 1877. S. 101. 2) .Siedamgrotzky-Haubner, Landwirthschaftl. Thierhlkde. 1889. S. 30. 8) Zürn, Die Schmarotzer. II. Theil. 1889. S. 308 u. 019. 4) Vontobel, Schweizer Archiv f. Thierheilkde. 1890. S. 130. 5) Iwersen, Berliner thierlirztliche Wochenschr. 1890. S. 73. 6) Jenisch, ibid. 1891. S. 67. 7) Fränkel, Virch. Archiv. Bd. 113. S. 484. III. Stomatitis ulcerosa. 1) Hackbarth, Mittheil, aus der thierilrztl. Praxis. 1807/08. S. 111. Derselbe, ibid. 1870/71. S. 122. 2) G abbey, ibid. 1878/79. S. 47. 3) Rivolta, Forma di stomatite ulcerosa negli aselli; Giorn. di Anat., Fisiol. e Pathol. 1888. S. 78. 4) Pillwax, Oesterr. Vierteljahrsschr. 1800. S. 12; 1801. S. 106; 1807. S. 53. 5) Gips, Berliner Archiv. 1885. S. 290. 6) Berndt, ibid. 1887. S. 364. 7) Walley, The Veterinär. Bd. 01. S. 542.
Literatur über Speichelfluss: 1) Matthieu, Recueil de med. vet. 1854. 1. 2) Born, Thierarzt. 1871. 8. 248. 8) Pech, Thierarzt. 1877. S. 243. 4) Bary v. Hayclles, Annal. de med. vöt. 1878. 5) Lengler, Recueil veter. 1881/82. 0) Per dan, Oesterr. Vereinsmonatssehr. VII. S. 72. 7) Roll, Spec. Pathol. 1885. II. S. 353. 8) Siedamgrotzky-Haubner, Landwirthschaftl. Thierhlkde. 1889. S. 33. 9) Bodenmüller, Wochenschr. f. Thierhlkde. 1891. S. 169.
Prledberger u. Pröhner, Pathol. u. Therapie d, Hausthlere, I Bd, d. Aulaquo;. i
|
||
|
|
||
|
f
|
||
|
|
||
|
|
||
|
2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Stoiuiititis.
Eintheilung. Man kann die Entzündung der Maulschleimhaufc in verschiedene Formen eintheilen. Man spriclit zunächst von einer primären, selbständigen, idiopathischen Stomatitis im Gegensatze zur symptomatischen oder secundären, welche eine Theilerscheinung allgemeiner Krankheiten, so zum Beispiel der Maul- und Klauenseuche, darstellt. Je nach den Ursachen unterscheidet man ferner eine traumatische, durch mechanische, chemische oder thermische Heize herbeigeführte, sowie eine infectiöse, mykotische, gregari-nöse und toxische Form. Zu den letzteren gehören namentlich die pustulös-contagiöse Stomatitis der Pferde, der Soor des Geflügels, die croupös-diphtheritische Stomatitis des Geflügels, die Stomatitis mer-curialis des Kindes. Endlich theilt man je nach den anatomischen Veränderungen der Schleimhaut die Stomatitis ein in eine erythema-töse, katarrhalische, erysipelatose, phleginonöse, aphthöse, pustulöse, ulceröse, croupöse und diphtheritische Form.
Vom Standpunkte der internen Pathologie aus unterscheidet man als selbständige klinische Formen der Stomatitis am besten die drei nachstehenden :
1)nbsp; Die katarrhalische,
2)nbsp; die aphthöse,
3)nbsp; die ulceröse Stomatitis.
|
||
|
|
||
|
1) Stomatitis catarrhalis. Der eintaclie Katarrh der Maulschleimliaiit,
Aetiologie. Die katarrhalische Stomatitis wird durch verschiedene Reize hervorgerufen, welche auf die Schleimhaut der Maulhöhle einwirken. Von traumatischen Reizen sind zu nennen sehr rauhes und hartes Futter, Spreu, zu scharfes Zaumzeug, verletzende Manipulationen in der Maulhöhlo, Fremdkörper. Von chemischen Reizen kommt bei den Pflanzenfressern zunächst eine grössere Anzahl von Giftpflanzen in Betracht. Als solche sind zu erwähnen Akonit, Helleborus, Ranunkel, Euphorbia, Daphne, Colchicum, Klatschrose, Tabak, Kornrade, Digitalis, Eibenbaum, Fleckschierling, Wasserschierling, Gartenschierling, Rhododendron, Ackersenf u. s. w. Sodann können sehr viele scharfe Arzneimittel bei entsprechender Verdünnung eine katarrhalische Stomatitis erzeugen. Als solche sind hervorzuheben Brechweinsteinlatwergen, Sublimatlösungen, Arsenik-und Chlorzinkpasten, abgeleckte Canthariden- und andere Scharfsalben, Laugen und Säuren; auch scharfe Gewürze (Pfeifer) können ähnlich wirken. Die thermischen Reize bestehen in der Aufnahme von
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
|
Stomatitis catavrhalis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;IS
lieissem Futter und Getränke, sowie in der Verbrühung der Schleimhaut durch liei.sse Eingüsse.
Eine weitere Ursache der katarrhalischen Stomatitis bildet beim Pflanzenfresser die Aufnahme von Futter, welches mit Kernpilzen, Kostpilzen und Brandpilzen befallen ist. Unter den Kernpilzen ist es namentlich der ßapsverderber (Polydesnvus exitiosus), welcher nicht selten bei Rindern und Schafen schwere Stomatiten bedingt. Von den Rostpilzen besitzen Puccinia graminis, der gemeine Grasoder Getreiderost, Puccinia arundinacea, der Schilfrost, sowie der auf schwedischem Klee parasitirende Uromyces-Pilz (Kleekrankheit) eine ähnliche Wirkung. Unter den Brandpilzen ist der St ink brand (Tilletia Caries) hervorzuheben. Seltener geben Schimmelpilze (schimmliger Hafer), sowie der Me hl than (Erysibe communis) zur Stomatitis Veranlassung. Die Wirkung dieser Pilze dürfte wohl im Wesentlichen als eine chemische aufzufassen sein; gleichzeitig mag allerdings auch eine mechanische Reizung der Schleimhaut einhergehen.
Als eigenthümliche Ursache der Stomatitis ist ferner die Aufnahme von Raupenb aaren mit dem Futter zu erwähnen. Sowohl die Processionsraupe (Bombyx s. Cnethocampa processionalis), als auch die Raupe des Weissdornspinners (Porthesia chrysorrhoea) besitzen sehr reizende IJaare, welche sich dem Gras oder Heu beimengen und bei der Aufnahme eine Stomatitis erzeugen. Kösters hat beispielsweise 52 Pferde einer Batterie in Folge Verunreinigung des Grünfutters durch die Raupen des Weissdornspinners erkranken sehen, hi ähnlicher Weise sollen Blattläuse für Pflanzenfresser schädlich sein.
Ausser diesen direct auf die Maulsclileimhaut reizend einwirkenden Ursachen findet man eine katarrhalische Stomatitis bei allen unseren Hausthieren, insbesondere aber beim Pferde stets dann, wenn die Futteraufnahme aus irgend welchen Gründen längere Zeit hindurch stark beeinträchtigt ist. Am ausgesprochensten ist dies der Fall bei den verschiedenen Verdauungskrankheiten. Hierbei zersetzen sich die abgestossenen, aber nicht wie sonst bei der Futteraufnahme entfernten Epithelmassen und wirken dadurch als Entzündungserreger auf die Maulschleimhaut. Dasselbe gilt auch für die fieberhaften Allgemeinerkrankungen mit längerer Dauer, bei welchen noch der weitere Umstand hinzukommt, dass hier immer auch die Menge der gelieferten Verdauungssecrete, in diesem Falle des Speichels, vermindert und die Qualität der Secrete selbst eine krankhaft veränderte ;ist, was die Zersetzbarkeit der desquamirten Epithelien noch erhöht. Eine
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Stomatitis catarrhalis.
besondere Form der Stomatitis findet man bei der Quecksilbervergiftung (Stomatitis mercurialis). Zuweilen entsteht ferner eine katarrbalische Stomatitis durch Fortpflanzung einer Schleimhautentzündung aus der Nachbarschaft, so beispielsweise im Verlaufe einer Pharyngitis. Die im Anschlüsse an das Zahnen und den Zahn-wechsel auftretende Stomatitis ist aussei- rein traumatischen Einflüssen von Seiten der im Wechsel begriffenen Zähne auch auf eine gewisse mit der Dentition einhergehende fluxionäre Hyperämie und Entzündung des Zahnfleisches (Gingivitis) zurückzuführen. Ueber die Möglichkeit des Entstehens einer Stomatitis in Folge von Erkältung endlich ist mit Sicherheit nichts bekannt.
Symptome. Die Erscheinungen der bei allen Hausthieren vorkommenden einfachen katarrhalischen Stomatitis sind je nach dem Grade der entzündlichen Affection sehr verschieden. Im leichtesten Falle findet man nur eine auffallende Trockenheit und Temperaturerhöhung der Schleimhaut, wozu sich später ein pappiger, grau-weisser, feinblasig-schaumiger Belag namentlich am Zungenrücken gesellt. Solche leichtgradige Stomatiten beobachtet man am häufigsten als Begleiterscheinung fieberhafter Allgemeinkrankheiten. Die sogen, belegtequot; Zunge kommt hiebe! einmal durch die in Folge des katarrhalischen Zustandes gesteigerte Production von Schleimhautepithel und die in Folge der verringerten Futteraufnahme wegfallende mechanische Abstossung desselben, andererseits aber auch durch die in der geringeren Secretabsonderung während des Fiebers begründete Trockenheit und die daraus hervorgehende geringere Durchsichtigkeit der einzelnen Epithelien zu Stande. Weiterhin kann die Lippen- und Backenschleimhaut höher geröthet sein (erythematöse Stomatitis). Der hinter den Schneidezähnen liegende Theil des harten Gaumens ist ferner mehr oder weniger' in Folge venöser Stauung in der gefäss-reichen Submucosa geschwollen (sogen. Froschgeschwulst beim Pferde). Ausserdem fällt ein fade-süsslicher Geruch aus der Maulhöhle auf. Bei intensiverer katarrhalischer Affection nimmt die Röthung und Schwellung der Schleimhaut, besonders derjenigen der Lippen, Wangen und des Zahnfleisches, zu. Es besteht ausserdem eine vermehrte Production von Speichel und Schleim in der Maulhühle, so dass sich die angesammelten Schleimmassen in zähen, glasigen Strängen aus den Maulwinkeln herab spinnen, oder der mehr oder weniger, oft ganz abnorm reichlich abgesonderte Speichel entweder zu Schaum geschlagen wird, oder in ununterbrochenem Flusse aus der Lippen-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Stomatitis tatiu'rhalis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
spalte herabrinnt (Geifern). Die Futteraut'nahme ist mein- oder weniger unterdrückt. Bei sehr reichlichem Abstossen des Epithels wird der Zungenrücken dick belegt und durch Verunreinigung mit Futterpartikelchen schmutzig grün oder braun gefärbt; der Geruch aus der Maulhöhle ist in diesen Fällen ein süsslich-fauliger. Bei der Katze erscheinen dann die hornzähnchenähnlichen Papillen der Zunge auffallend weiss, rosp. gelblich-weiss im Gegensatz zu dem lebhaft roth gefärbten Zungenrande. Beim Rind und Schwein beobachtet man zuweilen eine Hypertrophie des Epithels der entzündeten kegelförmigen Papillen, welche irrthümlicher Weise für eine Soorbildung angesehen wurde (sogen. Bürste auf der Zunge der Binder). Beim Geflügel äussert sich die katarrhalische Stomatitis darin, dass der verhornte Ueberzug der Zunge trocken und undurchsichtig ist, so dass er von den Laien für eine pathologische Membran gehalten und ungerechtfertigter Weise gewaltsam abgerissen wird (sogen. Pips der Hühner).
Die im Verlaufe der einfachen katarrhalischen Stomatitis zuweilen, wenn auch selten, auftretenden sogen, katarrhalischen Erosionen sind kleine und oberflächliche Substanzverluste der Schleimhaut, welche gewöhnlich rasch abheilen und sich daher von den eigentlichen nekrotischen Geschwüren wesentlich unterscheiden. Dasselbe gilt von der sehr seltenen Verschwörung der Schleimdrüsen, welche wir vereinzelt im Verlaufe der Druse und Rachitis beim Pferde gesehen haben und welche früher als Stomatitis folliculosa bezeichnet worden ist. Auch die letztere Aifection ist als eine Complication der katarrhalischen Stomatitis aufzufassen. Sie beginnt mit der Bildung kleiner, grauer oder graurother, knötchenfönniger Erhebungen, welche von einem rothen Hofe umsäumt werden. Die Knötchen sind auf eine Verstopfung des Ausführungsganges der Schleimdrüsen zurückzuführen.
|
||
|
|
||
|
Therapie. Die katarrhalische Stomatitis ist ein sehr geringfügiges Leiden, welches in der Regel schon durch die Entfernung und Abhaltung der reizenden Einwirkungen geheilt werden kann. Die Heilung lässt sich indessen durch ein geeignetes Kurverfahren wesentlich beschleunigen, was mit Rücksicht auf den Umstand, dass stoma-titiskranke Thiere weniger Putter aufnehmen und daher weniger leistungsfähig sind und abmagern, von Bedeutung ist. Die einfachste Behandlung besteht in dem öfteren Aus spülen der Maulhöhle mit frischem, reinem Brunnenwasser. Audi mit Essig angesäuertes
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
(i
|
Salivation.
|
||
|
|
|||
|
Wasser ist ein altes Hausmittel gepfen Stonuititen. öewöhnlich bereitet man sicli ein derartiges Maulwasserquot; aus gewöhnlichem Essig ('s Liter) und Brunnenwasser (1 Liter), wobei man dieser Mischung noch einen Esslöit'el Kochsalz zusetzt. Hartnäckigere Fälle behandelt man mit desinficirenden Lösungen. Als solche empfehlen sich 14procentige wässerige Lösungen von clilorsaurem Kalium oder Borsäure, in schweren Fällen ^iIprocentige Creolinlösun-gen, mit welchen die Schleimhaut ausgespült oder ausgepinselt wird. Die vielfach angewandten Lösungen von übevmangansaur em Kali sind weniger empfehlensweith, weil sie bei sehr geringer Desinfectious-wirkung einen äusserst unangenehmen Geschmack besitzen. Dagegen sind bei sehr starker Schleim- und Speichelsecretion adstri ngirende Lösungen angezeigt; man verordnet beispielsweise eine ljiIpro-centige Alaun- oder Tannin-Lösung, eine Abkochung von Eichenrinde, Salbeiblättern u. s. w. Innerlich kann man gleichzeitig antikatarrhalische Salze (Kochsalz, Natrium bicarbonicum, Natrium sulfuricum etc.) verabreichen.
Bezüglich der Fütterung ist zu bemerken, dass bei allen intensiveren Katarrhen der Maulschleimhaut kein hartes oder rauhes, sondern nur flüssiges oder weiches Futter verabreicht werden darf. 1st befallenes Futter die Ursache der Erkrankung, so ist natürlich ein Futterweohsel aneezeiaft.
|
|||
|
|
|||
|
Speichelfluss (Salivation, Ptyalismus). Der früher als eine selbstständige Krankheit aufgefasste und besobriebene Speichellluss ist lediglich ein Symptom der verschiedenston Krankheiten. Am häufigsten wird er durch eine vorhandene Stomatitis bedingt, in zweiter Linie kommen Fremdkörper in der Maulhöhle, im Schlundkopfe und Schlünde, Pharyn-giton, sowie Behinderung und Lähmung des Schlingvermögens in Betracht. Lähmungen des Schlnndkopfes und Schlundes beobachtet man bei der Wuth, bei der Gebärparese, bei Gehirnkrankheiten, sowie bei Vergiftungen durch Brandpilze (Tilletia Caries) und sonst verdorbenes anderes Futter. Auch heim Starrkrampf ist das Abschlingen meist aufgehoben, Weiterhin findet man, namentlich beim Hunde, Speichelfluss bei krankhaften Affectionen des Magens und Darmes sowie bei Hei m in thiasis. Seltener tritt derselbe bei Parotitis sowie reflec-torisch bei Erkrankungen des Uterus und der Ovarien auf. Von Arzneimitteln, welche durch Anregung der Secretion der Speicheldrüsen resp. durch Erzeugung einer Stomatitis Salivation hervorrufen, sind zu nennen das Pilocarpin, das Quecksilber, das Jod, das Morphium u. a. In einer kleinen Anzahl von Fällen bleibt endlich die Ursache des Speichelflusses unerkannt. Hiebei kann ein therapeutischer Versuch mit Atropin oder Hyoscin gemacht worden, indem man diese die Speichelsecretion herabsetzenden Mittel Pferden und Bindern centigrammweise, Hunden milligrammweise subentan injicirt. Die normal alkalische Beaction des Speichels hat man angeblich bei verschiedenen Krankheiten des Menschen, so bei Pleuritis,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Stomatiti.s aphthosa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
Encephalitis, Baobitis, Dyspepsie, -Diabetes etc, sauer gefunden (Oorup-Besanez). Unsere darauf liin bei den allerverschiedensten Krankheiten der Haustbiere vorgenommenen zahlreichen Untersuchungen haben niemals eine saure Reaction des Speichels ergeben. Vielleicht ist dieselbe beim Menseben auf Säurebildung in Folge zurückgebliebener Speisereste in der MundhOhle, hohle Zähne etc. zurückzuführen.
|
||
|
|
||
|
2) Stomatitis aphthosa. Sporadische Aphtlien (Bläschen) der Maulschleimhaut,
Wesen und Ursachen. Mit dem Namen Aphtlien bezeichnet man in der Thiei-lieillvuude Bläschen auf der Maul Schleimhaut, welche durch Ansammlung von Serum unter dem Schleimhautepithel entstehen. Die aphthöse Stomatitis ist deshalb gleichbedeutend mit der vesi-culären Stomatitis, Eine typische aphthöse Stomatitis findet sich bei der Maul- und Klauenseuche (Aphthenseuche), einer speeifischen Infec-tionskrankheit, welche im zweiten Bande dieses Lehrbuches eingehender besprochen wird. Im Gegensatze zu dieser contagiösen und en-zootisch auftretenden Aphthenkranklieit kommt vereinzelt bei den Hausthieren (Pferden, Rindern und Schafen) eine aphthöse Stomatitis vor, welche vollständig unabhängig von der Maul- und Klauenseuche ist, und deshalb auch von jeher mit der entsprechenden Bezeichnung sporadische Aphtlienquot; (sporadische Maulseuche, falsche Maulseuche) belegt worden ist. Die Ursachen dieser selbständigen, sporadischen Stomatitis aphthosa sind im Wesentlichen in Befallungspilzen des Futters zu suchen. Von solchen sind namentlich hervorzuheben die Befallungspilze des schwedischen Klees (Uromyces), sowie des Rapses (Polydesmus exitiosus). Diese Befallungspilze erzeugen das eine Mal eine katarrhalische, in anderen Fällen eine aphthöse und zuweilen sogar eine ulceröse Stomatitis, Darnach ist die aphthöse Form der Stomatitis gewissermassen als ein höherer Grad der katarrhalischen aufzufassen. Auch Raupen haare und andere Stoffe können bei intensiverer Reizwirkung oder bei individueller Prädisposition der einzelnen Thiere eine aphthöse Stomatitis erzeugen. Zuweilen sind die Ursachen unbekannt; sie dürften indessen in der Regel in einer veränderten Beschaffenheit des Futters zu suchen sein.
Symptome. Die Erscheinungen der aphthösen Stomatitis bestehen in der Bildung von Bläschen oder kleineren Blasen auf der Maulschleimhaut (Lippen, Backen, Zunge, Gaumen), welche mit einem serösen, klaren Inhalt gefüllt sind und entweder vereinzelt oder in
|
||
|
|
||
|
|
||
|
8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Stomatitis iiphthosu.
grösserer Zahl auftreten. Die Bläschen platzen meist sehr bald und verwandeln sich in höher geröthete wunde Stellen (Erosionen), welche rasch abheilen. Ihre Grosse differirt von der eines Stecknadelkopfes bis zu der eines Zehnpfennigstückes. Ausser den Bläschen bestehen gewölmlich die Erscheinungen einer katarrhalischen Stomatitis : Röthung und Schwellung der Maulschleimhaut, sowie Speichelfluss. Nach dem Bersten der Blasen kann vorübergehend auch die Maulschleimhaut schmerzhaft werden. Die Futteraufnahme ist unterdrückt. Gleichzeitig mit demAusbrucli der Blasen beobachtet man zuweilen eine fieberhafte, rasch vorübergehende Temperatursteigerung. Endlich findet man, namentlich bei der sogen. Kleekrankheit, aussei- der Entzündung der Maulschleimhaut zuweilen auch eine erysipelatöse Dermatitis am Kopfe und an andern Körperstellen (Euter, Extremitäten). Der Verlauf ist gewöhnlich ein gutartiger und rascher.
Differentialdiagnose. Die sporadischen Aphthen können sehr oft mit Maul- und Klauenseuche verwechselt werden. Die Erfahrung hat gelehrt, dass die Unterscheidung nicht immer sehr leicht ist, insbesondere dann, wenn mehrere Thiere gleichzeitig in Folge Aufnahme desselben Futters erkranken, wenn ferner Fieber hinzutritt, oder wenn die Aufnahme der Befallungspilze ausserdem noch gastrische Symptome oder die Erscheinungen einer allgemeinen mykotischen Intoxication zur Folge hat. In solchen Fällen muss die Thatsache den Ausschlag geben, dass die sporadischen, durch Befallungspilze erzeugten Aphthen niemals ansteckend sind, und dass sich daher die Krankheit auch nicht durch Impfung auf gesunde Thiere übertragen lässt. Ein derartiger Impfversuch sollte in zweifelhaften Fällen nie unterlassen werden. Weitere Anhaltspunkte sind, dass die Krone der Klauen bei den sporadischen Aphthen frei von aphthöser Erkrankung ist, und dass die Affection der Maulschleimhaut im Allgemeinen rascher abheilt, als bei der Aphthcnseuche. Auch sind die Blasen bei letzterer gewöhnlich grosser.
Therapie. Die Behandlung der aphthösen Stomatitis besteht in häufigem Ausspülen der Maulhöhle mit frischem Brunnenwasser, Vermeidung von Rauhfutter, sowie in der Anwendung desinficiren-der und adstringirender Maulwässer (Borsäure, Kalium choricum, Creolin, Salicylsäure ; Alaun, Tannin, Ferrum sulfuricum, adstringirende Decocte). Auch die bei der katarrhalischen Stomatitis erwähnte Mischung von Essig, Kochsalz und Wasser kann als Hausmittel angewandt werden.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Stomatitis ukerosa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;9
Der Begriff Aphthenquot; ist in der Thierlieilkuncle ein wesentlich anderer, als in der Mensehenheilkvinde. Während der Thierarzt unter Äphthen Bläschen versteht, bezeichnet der Mensehenarzt mit dem Namen Aphthen der Mundschleimhautquot; eine namentlich bei Kindern häutig vorkommende, tleckweise fibrin öse Stom atitis (Henoch, Vorlesungen über Einderkrankheiten; 2. Autlage 8.425), Neuere Untersuchungen von Fränkel (Vircbow's Archiv, ]id. 118 S. 484) haben thatsächlich gezeigt, dass es sich Ibei den sogen. Kinderaphthen um einen umschriebenen, herdwoise auftretenden pseudo-diphtheritisciien Process im Sinne Weigert's handelt, bei welchem sich unter AbtOdtung des Epithels der Mundschleimhaut ein Hbrinöses Exsudat bildet, an dessen Zustandekommen Loukocyten einen hervorragenden Antheil haben. Die Krankheit besteht daher anatomisch in der Ablagerung eines fibrinüsen Exsudates in die oberflächliche Hclileimhautschiclit. Die Ursache ist in der Einwanderung von Mikro-Organismen zu suchen. Die Krankheit kommt nur bei Kindern vor, weil hier das Schleimhaut-epithel noch sehr wenig widerstiindsfähig ist. 13ei Thieren ist etwas ähnliches noch nicht beobachtet worden.
|
||
|
|
||
|
3) Stomatitis ulcerosa. Geschwürige Entzimclung der Matüschleimhaut.
Wesen. Die Stomatitis ulcerosa (Stomacace, Mundfäule) besteht in einer nekrotisiremlen Entzündung der Maulschleimhaut von verschiedener Ausdehnung, bei welcher am häufigsten das Zahnfleisch ercriffen ist. Sie steht anatomisch ffenommen eine liöhere Stufe des katarrhalischen und aphthösen Processes dar, und äussert sich durch öesohwürsbildung auf der Schleimhaut,
Aetiologie. Abgesehen von t r a u m a t i s c h e n , t li e r m i s c h e n und chemischen Veranlassungen (Wunden, Verbrennungen, Verätzungen durch Laugen, Säuren, Scharfsalben, Brechweinstein-Latwergen, Giftpflanzen etc.) findet man die ulceröso Stomatitis am häufigsten bei zarten und verzärtelten, schwächlichen und blutarmen Hunden kleinerer Racen sowie bei Katzen. Zuweilen liisst sich nachweisen, dass dem Leiden schwächende Krankheiten (Magen-Darmkatiirrh, Rachitis, Staupe) vorausgegangen sind. Die dabei auftretenden geschwürigen Veränderungen wurden früher als Skorbut bezeichnet, indess mit Unrecht, da derartige Geschwüre auch hei sonst ganz gesunden Thieren ohne jedwede Blutung in die Schleimhäute zu beobachten sind (siehe Skorbut). Die Ursache der Geschwüre bei der nicht skorbutischen Stomacace ist wahrscheinlich in einer abnormen Vulnerabilität, einer verminderten Resistenzfälligkeit der Schleimhaut von mehr individuellem Charakter, in Verbindung mit einer Infection zu suchen. Sehr häufig bilden cariöse oder stark mit soffenanntem Weinstein
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
10
|
Stomatitis ulcorosa.
|
||
|
|
|||
|
belegte Zähne den Ausgangspunkt der Infection, indem von diesen Stellen uus eine iniectiöse Entztindunff des Zahnfleisches erfolfft
Beim Pferd und Rind sowie beim Schafe kommt zuweilen eine ulceröse Stomatitis nach der Aufnahme von befallenem Futter vor. Es sind hauptsiichlich Kernpilze und Kostpilze, welche geschwürige Entzündung der Schleimhaut verursachen. Man hat die ulceröse Stomatitis beispielsweise in enzootisoher Verbreitung bei Pferden nach der Aufnahme von schwedischem Klee, sowie bei Lämmern nach der Veriütterung von befallenem Rapskuchen (Polydesmus exitiosus) beobachtet. Auch bestimmte Bacterien sind mit der Krankheit in ursächliche Beziehung gebracht worden (Rivolta).
Als secundäre Erscheinung findet man Geschwüre der Maulschleimhaut bei der Aphthenseuche der Wiederkäuer und Schweine, bei der Stomatitis pustulosa contagicsa der Pferde, bei der Htihnerdiphtherie, sowie bei der Quecksilbervergiftung.
|
|||
|
|
|||
|
Symptome beim Hunde. Das Zahnfleisch in der Umgebung einzelner Zähne, besonders der Sohneide- und Pangzähnc, aber auch nicht selten der Backzähne, und zwar am Unter- wie auch Oberkiefer, ein- oder beiderseitig, ist zunächst düster geröthet, und namentlich der dein Zahnhals direct umschliessende Theil geschwollen. Schon nach 1 2 Tagen hat die Schwellung des nunmehr dunkel bis braun-roth oder auch mehr blauroth gefärbten Gewebes bedeutend zugenommen, dasselbe erscheint schwammig gedunsen, gelockert, bat sich von den betreffenden Zähnen etwas zurückgezogen und blutet schon bei leisestem Drucke. Später verfärbt sich das kranke Gewebe, zunächst der an die Zähne grenzende aufgewulstete Theil, wird graugrün bis graugelb; es kommt in Folge mehr oder weniger tiefgreifender zelliger Infiltration und Nekrose der Schleimhaut zur Bildung einer zunderähnlichen, später schmierigen pulpösen Masse, des nekrotischen Schorfes. 1st diese Masse spontan oder künstlich entfernt, so tritt ein von ihr bedeckt gewesenes, verschieden grosses, zuweilen (am Fangzahne) ringförmiges, meist 12 mm tiefes Geschwür zu Tage, dessen Ränder unregelmässig ausgebuchtet, meist etwas wallförmig erhaben, dabei derber auszufühlen und stark hyper-ümisch sind, und dessen Grund uneben und missfarbig ist. Gleichzeitig besteht starkes Geifern, aus den Maulwinkeln spinnt sich ein glasiger, zäher, häufig blutgemischter oder missfarbiger, braun-rother Schleim, der die ganze Umgebung der Maulspalte besudelt. Ebensolche Massen finden sich in reichlicher Menge im Maule selbst
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Stoinatitis uloecosa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;11
angesammelt und entleeren sich beim gewaltsamen Oelfnen desselben, einer Manipulation, der sicii die Hunde gewöhnlich zu entziehen suchen, weil sie schmerzhaft ist. Der Ausflnss, wie die ganze Manl-höhle überhaupt, ebenso die ausgeathmete Luft lassen einen höchst widerlichen, ekelerregenden, aashaften Geruch wahrnehmen, der oft die ganze Umgebung solcher Patienten verpestet. Neben den umschriebenen, herdförmigen Geschwüren findet man die Erscheinungen einer einfachen, katarrhalischen Stomatitis.
Aussei- am Zahnfleische, In director Umgebung der Ziihne, sieht man auch die oben beschriebenen Erscheinungen der entzündlichen Hyperämie, Schwellung, /.eiligen Infiltration und des nekrotischen Zerfalls der Schleimhaut an anderen Stollen der Maulhöhle auftreten. So an der vorderen Fläche des Zahnfleisches, an den Lippen, insbesondere am Uebergange des Zahnfleisches zur Lippenschleimhaut und an den Lippenwinkeln, seltener an den Backen und Wangen und noch seltener an der Unterfläche der Zunge. Häufig sind die Lippen-geschwüre den Geschwüren an den Zahnrändern gegenüber gelagert, so dass hier nothwendig an eine Selbstinfection gedacht werden muss. In anderen Fällen lässt die Anordnung der Geschwüre die anatomische Vermittlung auf dem Wege der Lymphbahnen ver-muthen. Es kommen aber auch Krankheitsfälle zur Beobachtung, in welchen die Zähne vollständig gesund erscheinen, auch die Schleimhaut in ihrer directen Umgebung nicht leidet, sondern der Process am übrigen Theile des Zahnfleisches oder an den Lippen, selbst an den Lippenwinkeln beginnt. In diesen Fällen sahen wir die geschwü-rige Zerstörung einige Male sich auch noch auf einen Theil der allgemeinen Decke ausbreiten.
Verlauf. Bei günstigem Verlaufe und bei jugendlichem Alter der Thiere vergrössern sich die Geschwüre in Tiefe und Fläche nur massig. Das Allgemeinbefinden wird nur wenig gestört, das Fieber fehlt oder bleibt niedergradig (ca. 89,5deg; C), der Appetit ist auffallend gut, und nachdem der ulceröse Process sistirt hat, und die Geschwüre sich gereinigt haben, heilen diese insbesondere bei geeigneter Behandlung meist sehr rasch, schon in 810 Tagen. Diese Fälle sind die häufigeren.
In anderen Fällen, namentlich bei alten und schon vorher kranken Thieren, schreitet die Infiltration und der geschwürige Zerfall des Gewebes ausserordentlich rasch vorwärts. Die Geschwüre werden sehr tief und sinuös, die betroffenen Zähne sind gelockert und
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Stomatitis ulcerosa.
|
||
|
|
||
|
leiclit ausziehbar, ihre Wurzeln sind mit einer grauen stinkenden Pulpa, dem zerstörten Alveolarperioste, belegt, und es kann selbst Caries und Nekroso des Kieferknochens hinzutreten. Zuweilen kommt es ferner zu einer Fistelbildung zwischen Maul- und Nasenhöhle, namentlich an der Stelle der Fangzillmu, mit nachfolgender eiteriger Rhinitis. Da, wo die Schleimhaut der Lippen-und Backenwanduugen Sitz der geschwürigen Zerstörung ist, fühlen sich letztere hart und gespannt, zum Theile auch ödematös goschwollen an, ausserdem macht sich entzündliche Schwellung der benachbarten Lymphdrüsen bemerkbar. Hiebei ist das Allgemeinbefinden stets mehr oder weniger gestört und der Ausgang in Genesung sehr verzögert; die Krankheitsdauer kann mehrere Wochen und selbst Monate betragen.
Bei ungünstigem Verlaufe der Krankheit sieht man, oft unter neu auftretenden Eruptionen, das mittel- bis hochgradige Fieber andauern, der Puls wird immer beschleunigter und kleiner, die Putter-aufnahme liegt ganz darnieder, es tritt Diarrhöe sowie grosse Muskelschwäche und Eingenommenheit des Scnsoriums auf, und die Thiere gehen schliesslich septikämisch zu Grunde.
Symptome bei den Pflanzenfressern. Die durch Befalluugspilze
hervorgerufene ulcerüse Stomatitis der Pferde, Rinder und Schafe äussert sich in öesohwürsbildung, Schwellung, Röthnng und Schmerz-haftigkeit der Maulsohleimhant sowie starkem Speichelflnss. Nicht selten beobachtet man ausscrdoni die Erscheinungen einer schweren Allgemeinerkrankung (mykotische Vergiftung), welche bei jugendlichen Thieren besonders ausgesprochen ist. Eine derartige ulcerüse Stomatitis hei Lämmern hat z. B. Berndt beschrieben. Er fand als Haupterschei-nung eine heftige Nasen- und Maulentzündung, die regehniissig letal verlief. Die Allgemeinersc.beinungen bestanden in grosser Mattigkeit, schwankendem Gang, beschleunigter und erschwerter Respiration, sowie mattem , kurzem Husten. Die Maulschleimhaut zeigte am Zahnfleisch, an der Zunge und deren Eändera zahlreiche Erosionen. Letztere waren auch auf dem sichtbaren Theile der Nasenschleimhaut vorhanden, hier jedoch von einer dicken braunen Kruste bedeckt. Bei der Section fand man die Schleimhaut der Nase , des Maules, des Pharynx und Larynx gesehwollen und stellenweise erodirt. Die unteren Ränder der hinteren Lungenlappen waren derb, dunkel-i'oth, ihre Durchscbnittslliiclien, über welche eine jauchige Flüssigkeit ab-tloss, granulirfc. Aus den durchschnittenen Bronchien liess sich eine schaumige ohokoladefarbige Flüssigkeit ausdrücken. Die mikroskopische Untersuchung ergab zwischen den Epithelzellen der Nasen - und Maulschleimhaut zahlreiche braune, verästelte Fäden und Sporenketten von Polydesmus exi-tiosus. Die Lämmer hatten Rapskuchen gefüttert erhalten, in denen die Sporen des Ascomycoteii nachzuweisen waren. Nachdom von einer weiteren Fütterung Abstund genommen wurde, hörten die Erkrankungen auf.
Eine ähnliche sehr bösartig verlaufende, seuchenhafte ulcerüse Stoma-
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Parotitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;13
titis hat Kivolta bei jungen Liiinmern beschrieben. Dieselbe complicirte sich rait Conjunctivitis, Pneumonie und Jiepatitis. Als Ursache fand Ri-volta einen Pilz (Bacterium subtile agnorum). Audi Grips hat eine derartige Mundfäule' bei Lilnunern beschrieben.
Therapie. Die Behandlung der ulcerösen Stomatitis des Hundes ist im Wesentlichen eine chirurgische. Sie besteht in der sorgfältigen und wiederholten Desinfection der erkrankten Maulschleimhaut. Die leichteren Antiseptica, wie z. B. Borsäure, Salicyls'aure, Kalium chlori-cum reichen jedoch für gewöhnlich nicht aus, es empfiehlt sich vielmehr, von vornherein die kräftigsten desinficirendcn Arzneimittel anzuwenden. Eines der besten Medicamente ist hier, wo es sich gleichzeitig um kräftige Desinfection und Beseitigung des üblen Geruches handelt, das englische Creolin. Wir haben in sehr zahlreichen Fällen von der Anwendung einer 12proceutigen wässerigen Creolinlösung (die nebenbei ganz ungiftig ist), überraschend gute und schnelle Resultate erzielt. Die Creolinlösung wird in der Weise angewandt, dass man jedes einzelne Geschwür täglich 4Bmal mit der Lösung sorgfältig bepinselt oder mit einem frischen Schwämmchen reinigt. Sehr wirksam ist ausserdem eine 14procentige Lösung von essigsaurer T honer de oder Chlorzink, ferner Lösungen von Sublimat (Ipromillig), Kupfervitriol und Höllenstein (l'Jprocentig), sowie das Betupfen der Geschwüre mit dem Lapisstifte, Bei der Anwendung der letztgenannten sehr giftigen Metallsalze hat man indessen sorgsam darauf zu achten, dass nur die Geschwüre und nicht auch die übrige Maulschleimhaut mit denselben in Berührung kommen, und dass von der Flüssigkeit nichts verschluckt wird. Ausserdem haben wir zuweilen günstige Erfolge nach der Bepinselung der Geschwüre mit Spirituosen Mitteln, so z. B. mit Tinctura Myrrhae und Aloes beobachtet.
Von wesentlicher Bedeutung für die Heilung ist endlich die früh-
|
||||
|
|
||||
|
zeiti
|
o^
|
Extraction cariöser und lockerer Zähne.
|
||
|
|
||||
|
Parotitis, Kutzümlung der Olurspelcheldrttselaquo;
Literatur. 1) Rychner, Bujatrik. 1851. 2) Hortwig, Krankheiten der Hunde. 1853. 8) Toussaint, Journ. de möd. vdt. Lyon 18G0. 4) Kränze, Sachs. Jahresbericht für 1873. S. 8(i. 5) Schussele, YetoriniU-ehirurgio. 1842. II. Tlioil. (!) Stockfleth, Handbuch der tliicmrztl. Chirurgie. II. Thcil. S. 21(3. 7) Hamm, Preuss. Mittheil. 1882. S. 66.
Vorkommen. Die auch als Ziegenpeterquot;, Mumpsquot;, Feifel-geschwulsf bezeichnete und beim Menschen relativ häufige Krankheit
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
u
|
Parotitis.
|
||
|
|
|||
|
hat auifallender Weise trotz der Lamlliluiigkcit ihres Namens in der Thierheilkunde eine ausserordentlicli spärliche Literatur aufzuweisen. Dieser Umstand findet darin .seine Erklärung', dass die Parotitis bei den Hansthieren nicht häufig vorkommt. Wir müssen wenigstens auf Grund unserer eigenen Erfahrungen anderweitigen Angaben gegenüber hervorheben, dass die Parotitis bei unseren Hausthieren eine sehr seltene Krankheit ist. Öpeciell beim Hunde gehört sie zu den aller-seltensten Affectionen. Unter etwa 40,000 in den letzten ä Jahren (1886IHiU) der Berliner Klinik zugeführten kranken Hunden waren nur (i Fälle von Parotitis (durchschnittlich einer pro Jahr) zu con-statiren. Ein epizootisches Auftreten wurde niemals beobachtet.
|
|||
|
|
|||
|
Aetiologie. Die Entzündung der Ohrspeicheldrüse lässt sich auf verschiedene Ursachen zurückführen. Man kann unterscheiden:
1) Traumatische Parotitis, durch mechanische Verletzungen erzeugt; dieselbe gehört in das Gebiet der Chirurgie.
#9632;J) Primäre, idiopathische Parotitis, hervorgerufen durch einen Infectionsstoff von miasmatisch-contagiösem Charakter und epizootischer Verbreitung. Hieher scheinen die von Kränze bei Ziegen, von Hertwig bei Hunden, von Schussele bei Hunden und Katzen beobachteten Fälle von seuchenhafter Verbreitung der Krankheit, analog dem epidemischen Mumps beim Menschen, zu gehören. Was die Pathogenese dieser Hauptform der Parotitis betrifft, so kann der entzündungserregende Infectionsstoff entweder durch Vermittlung des Blutes oder, was wahrscheinlicher ist, von der Maulschleimhaut aus mittelst Einwanderung durch den Stenon'schen Speichelgang in die Parotis gelangen.
8) Von einem benachbarten Entzündungsherd fortgepflanzte Parotitis, so z. B. von einer in der Umgebung eines eingekeilten Speichelsteins ausgehenden Entzündung oder von einer Entzündung der Maulschleimhaut durch Vermittlung des Speichelgangs. Toussaint beschreibt einen solchen Fall, in welchem von dem trichterförmig erweiterten und entzündeten Speichelgange aus sich die Entzündung auf die Parotis bei einem Pferde fortgepflanzt hatte. Auf ähnliche Weise kann sich der Process bei der Druse, Angina, Staupe auf die Parotis erstrecken. Spinola hat dies z. B. bei Katzen beobachtet.
4) Metastatische Parotitis im Verlaufe jvon Pyämie und Septikämie.
quot;gt;) Die durch Einwanderung von Actinomyces bovis
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Parotitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ] 5
erzeugte Parotitis (l'arotis-Actinomykom) bildet eine Theilerschei-nung der zu den Infectionskrankheiten gehörenden Actinomykose und kommt in gewissen Gegenden beim Rind ebenfalls in epizootischer Verbreitung vor. Diese Parotitis ist im Gegensatze zu den übrigen eine chronische.
Stockfleth beschreibt in seiner Chirurgie unter der Ueborsehril't Chronische Entzündung der Speicheldrüsenquot; ohne Zweifel diese durch Actinomykoso erzeugte Parotitis. Er führt aus, wie die Entzündung namentlich bei Bindvieh vorkomme, das auf niedrigen Strandwiesen grase und mit dem Heu dieser Wiesen gefüttert werde. Am häufigsten wird die Parotis ergriffen, daneben die Snbmaxillaris und Sublingualis; diese aber selten. Der Process entwickelt sich sehr langsam : die Drüse zeigt ganz allmählich harte, unebene Anschwellungen, welche langsam zunehmen, aber unempfindlich sind und später gewöhnlich ahscediren. Fast immer tritt eine secundäre Anschwellung der Lymphdrüsen hinzu. Sohliesslioh drückt die geschwollene Drüse auf Schlnnd- und Kehlkopf und verursacht Schling- und Athem-beschwerden. Die Anwendung von Arzneimitteln erweist sich als ganz nutzlos; Erfolg ist nur von der operativen Entfernung der geschwollenen Drüse zu erwarten. Näheres über Actinomykose, wie auch über die damit in Zusammenhang stehende Glossitis, siehe bei den Infectionskrankheiten.
Symptome. Die drei hier zu besprechenden Formen der Parotitis: die idiopathische, fortgepflanzte und metastatische haben mit einander gemein eine mehr oder weniger hervortretende An seh wellung der Parotis. Dieselbe ist bei der idiopathischen mehr gleichmässig über die ganze Drüse verbreitet und neigt selten zur Ahscedirung, während sie bei den beiden letzteren mehr umschriebener Natur und meist von Vereiterung der befallenen Lobuli gefolgt ist. Die Schwellung kann sich auch auf die Nachbarschaft ausdehnen; so waren bei dem von Franze beobachteten epizootischen Auftreten der Krankheit unter Ziegen Ober- und Unterkiefer, sowie die Snbmaxillaris entzündlich geschwollen. Dabei war die Futter- und Wasseraufnahme unterdrückt. Ueber die sonstigen Begleiterscheinungen der Parotitis, insbesondere über den Verlauf des Fiebers bei derselben, ist bis jetzt nichts Genaueres bekannt. SpeichelHuss haben wir selbst bei der Parotitis nie beobachtet.
Differentialdiagnose. Am häufigsten ist wohl die Parotitis mit der entzündlichen Affection der s u b p a r o t i d e a 1 e n L y m p h d r U s e n im Verlauf der Druse und Pharyngitis verwechselt worden, eine Verwechslung, die indess bei Kenntniss der anatomischen Lage dieser Lymphdrüsen und Berücksichtigung des Gesammtzustandes wohl vermieden werden kann. Sodann können in Betracht kommen: Luftsackanschwellungen, phlebitische Processe von einer Aderlassfi.stel aus-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
IG
|
Phavyngitis,
|
||
|
|
|||
|
gehend, einfache ödematöse oder phlegmon Öse Entzündung der Haut und besonders des über der Parotis gelegenen subcutanen Bindegewebes, endlich Parotisgesc h wills te der verschiedensten Art.
Therapie. Die Behandlung der nicht abscedireuden Parotitis besteht in Anwendung von feuchter Wärme (Priessnitz'sche Umschläge) und Einreibung einer Campher-, Creolin-, Carbol-oder Jodoformsalbe; bei schleicliendem Verlaufe können schärfere Mittel (Jodtinctur, Jodquecksilbersalbe, Cantharidensalbe etc.) versuchsweise angewendet werden. Abscesse müssen möglichst bald geöffnet werden; etwa zurückbleibende Speichelfisteln sind nach den Regeln der Ohirurffie zu behandeln.
|
|||
|
|
|||
|
Pharyngitis^ riiaryiixaiigina, Halsbriiuiie.
Literatur. 1) Oompt. rend, des travaux de l'Ecole de Lyon 1834/85. 2) Bernard, Recueil veter. 1835. 8) Roclie-Lubi n, ibid. 1830. 4) Series, Jouni. du Midi. 1862. 5) Romaut. Jouni. de nied. vet. de Lyon. 1802. G) Poyro-net, Journ. de vet. du Midi. 1802/03. 7) Esser, Hannover'sclier Julivesber. 1872. S, 19. 8) Schmidt, Magazin, f. Tliierheilkde. 1873. S. 400. 9) Völlers, Adam's Wochenschr. 1879. S. 482. 10) Bongartz, Archiv f. Tliierheilkde. 1881. S. 485. 11) Jarmer, Magazin f. Tliierheilkde. 1851. S. 273. 12) Pigeaire, Journ. de vet. du Midi. 1852. 13) Mather, The Veterinär. 1859. 14) Christensen, Tidskrift for Veter. 1870. 16) Sesselmann, Preuss. Mittheil. 1853/54. S. 114. 10) Reboul, Repertor. XXIV. S. 179. 17) Desroseaux, Thierarzt. 1865. 8.41. 18) Perdan, Oesterr. Monatssohr. 1879. S. 179. 19) Khorhardt, ,Angina tonsillaris bei Pferdenquot;. Gurlt u. Hertwig's Magazin. 1844. S. 88. 20) Rost, Säehs. Jahresber. 1886. S. 73. 21) Berichte der Wiener Klinik in der Oesterr. Vierteljahrssohr. 1855, 180371, 1882, 1884, 1885. 22) Baudon u. Mathis, Journ. de Lyon.
1884.nbsp; nbsp; 23) Delamotte u, Debrado, Revue vet, 1888. 24) Salenave, Recueil vet. 1888. 25) Gurin, Mittheil. des Kasaner Veterinilrinstituts.
1885.nbsp; nbsp; 20) Fricdberger, Miinch. Jahresber. 1889/90. S. 153. 27) Schindel ka, Oesterr. Zeitschr. f. Veterinilrkde. 1888. S. 147. 28) Polansky u. Schindelka, ibid. 1889. S. 44. 29) Dettling, Repertorium. 1888. S. 204. 30) Winkler, Deutsehe Zeitschr. f. Thiennedicin. 1890. S. 285. 31) Kagel, Zeitschr. f. Veterinärkunde. 1881raquo;. Ausserdem die Lehrbücher der speciellen Pathologie von Hering, Spinola, Roll, Haubner-Sie d a m g r o t z k y, A n a c k e r, Pütz, D i c c k e r h o f f.
Allgemeine Bemerkungen. Mit dem Begriff Angina, Halsentzündung, Bräune etc. hat man von jeher im Allgemeinen eine Entzündung der Schleimhaut der Rachenhöhle und ihrer nächsten Nachbarschaft, besonders auch des Keh 1 kopfes, ver-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Pharyngitis.
|
17
|
||
|
|
|||
|
standen, weil eine ausschliessliche Erkrankung des Pharynx, insbesondere beim Pferde, ziemlich selten zu beobachten ist. Da indess bei dieser Halsentzündung im Allgemeinen bald eine Pharyngitis, bald eine Laryngitis das klinische Bild meist in ganz prägnanter Weise beherrscht, so empfiehlt es sich, sowohl der Verständlichkeit als auch der Natur der Sache halber den Begriff Halsbräune in zwei Krankheiten zu zerlegen, nämlich in eine Pharynx- und eine Larynxangina, je nachdem eine Pharyngitis oder Laryngitis im Krankheitsbilde dominirt. Es wird daher an dieser Stelle nur die Pharynxangina ihre Besprechung finden, während die Larynxangina bei den Respirationskrankheiten untergebracht ist.
Während man nun bei den kleineren Hausthieren die Pharynx-angina je nach ihrer Localisation auf den verschiedenen Partien des Pharynx in besondere Localaffectionen, so in eine Entzündung des weichen Gaumens, der Tonsillen, des eigentlichen Schlundkopfes, ein-zutheilen vermag, ist dies bei den grösseren Hausthieren, namentlich beim Pferd und Rind, ohne complicirte Instrumente nicht möglich. Der Name Pharynxangina bezeichnet daher in der Veterinärpathologie einen mehr oder weniger ausgebreiteten Ent-zündungsprocess auf der Schleimhaut der Rachenhöhle mit Einschluss des weichen Gaumens (Gaumensegels) und der Mandeln, wobei sich gewöhnlich, wenn auch in mehr untergeordneter Weise, die Schleimhaut des Kehlkopfs und des oberen Theils der Luftröhre, sodann der Maul- und Nasenhöhle, seltener auch der Eustachischen Röhre und des Luftsackes betb eiligt.
Die Schwierigkeit der klinischen Untersuchung bei grösseren Thieren erschwert auch die Feststellung des Charakters und der Form der Krankheit. Die Unterscheidung einer katarrhalischen, phleg-monösen, abscedirenden, hämorrhagischen, croupösen, diph-theritischen, lacunären, nekrotisirendenForm ist ohne Schwierigkeit nur bei kleineren Thieren möglich. Beim Pferde lässt sich allerdings durch die Anwendung des neuerdings von Polansky und Schin de Ik a construirten Hhino-Laryngoskops eine ziemlich genaue Besichtigung der Pharynx-Schleimhaut vornehmen. Dieses Instrument eignet sich aber wegen seiner Complicirtheit nicht für die allgemeine Praxis. Für das Rind existiren derartige Hilfsmittel überhaupt nicht. Im Allgemeinen kann man daher das Vorhandensein einer der oben erwähnten Formen der Pharyngitis beim Pferd oder Hind, beispiels-Aveise der katarrhalischen und phlegmonösen. nur indirect aus der
Fl'lectbei'gei' U. Fröhner, Patliol. u. Therapie d. lluustliierc. I. Bd. u. Aufl. 2
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
18
|
Pharyngitilaquo;.
|
||
|
|
|||
|
Verschiedenheit der Intensität der Krankheitserscheinungen, der secun-dären Erkrankung der Lymphdrüsen, des Fiebers, der Krankheits-dauer etc. als wahrscheinlich vermuthen; die croupöse Form kann lediglich an ausgestosseuen oder ausgehusteten Croupmembranen erkannt werden, und auch in diesem Falle können die Croupfetzen ebenso gut aus dem Larynx wie aus dem Pharynx stammen. Wir haben daher im Folgenden mehr ein Gesammtbild der Pharyngitis zu entwerfen gesucht, ohne die Eintheilung in die oben genannten Specialformen zu Grunde zu legen.
|
|||
|
|
|||
|
Aetiologie. Die Pharyngitis kommt bald sporadisch, bald seuchenartig bei allen Hausthieren vor, am biiufigsteu beim Pferd, Hund und Schwein, dann beim Rind und der Katze, am seltensten wohl beim Schaf und GetUigel (die Qoflügeldiphtherie ausgenommen). Unter den Ursachen mehr allgemeiner Art darf eine gewisse individuelle Disposition zu Rachenkatarrhen auch bei unseren Hausthieren, wenn gleich nicht in dem auffälligen Grade wie beim Menschen, angenommen werden; indess ist das eigentliche Wesen dieser Disposition weder hier noch dort genauer gekannt. Sicher ist, dass schwächliche, verweichlichte, an warme Stallungen gewöhnte, sowie jugendliche Thiere sehr häutig in die Krankheit vorfallen, ohne dass jedoch ältere und robustere Thiere ganz davon verschont blieben. Unter den Ursachen im engeren Sinne sind zu nennen:
1) Direct auf die Rachenschlei tu haut einwirkende mechanische, chemische und thermische Reize. Hierher gehören Quetschungen und Verletzungen der Schleimhaut durch spitze Knochen, Gräten, Dornen, Nadeln, durch rauhes, grobhalmiges, stacheliges Futter, Gerstengrannen, durch verletzende Manipulationen in der Maulhöhle, so bei rohem Abfeilen der Zahnspitzen etc., ferner durch Bremsenlarven, welche sich im Schlundkopfe festgesetzt haben und eine mehr chronische Pharyngitis erzeugen. Ausserdem können Tumoren, welche in die Rachenhöhle hereinragen, auf mechanische Weise zu katarrhalischer Entzündung der Schleimhaut führen, so besonders die beim Rind nicht so seltenen Actinomykome und tuberkulösen Neubildungen. Von chemischen Reizen sind zu nennen: die bei der katarrhalischen Stomatitis erwähnten scharf wirkenden Giftpflanzen, Arzneimittel, die meist in Folge fehlerhafter Medication zur Anätzung ' der Schleimhaut führen, so der Brechweinstein in ungelöstem Zustande, das Crotonöl in zu concentrirten Lösungen, zu wenig verdünnter Salmiakgeist, die Metallsalze, Arsenik, Phosphor etc. Auch befallenes
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Pharyngitis.
|
19
|
||
|
|
|||
|
Futter (Kernpilze, Rostpilze) erzeugt zuweilen ausser einer Stomatitis gleichzeitig auch eine Pharyngitis. Endlich können Verbrühungen der Rachenschleiinhaut durch zu heisses Gesöffe, heisse Eingüsse, Aufnahme heissen Malzes beim Inhaliren von Dämpfen etc. zu Angina Veranlassung geben.
2)nbsp; nbsp;Erkältung, besonders örtliche Erkältung des Schlundkopfes durch Einathmung kalter, scharfer Luft bei herrschendem Nord- und Nordostwind, sowie durch Trinken sehr kalten Wassers, Aufnahme bereiften Futters u, s. w., kann als localer Reiz Pharyngitis erzeugen. Aber auch Erkältungen im weiterem Umfange, so Erkältungen der allgemeinen Decke bei schneller Abkühlung des Körpers durch rasch umschlagende Witterung, plötzliche liegenschauer, überhaupt starke Temperaturdilferenzen müssen in Betracht gezogen werden. Gewiss ist der Einfluss der Erkältung auf die Erzeugung der Krankheiten von jeher vielfach überschätzt worden; indess kann auch nach dem heutigen Stand der Wissenschaft dieser Factor doch nicht so ganz aus der Aetiologie der Krankheiten verschwinden, vor allem nicht aus derjenigen der Pharyngitis.
3)nbsp; nbsp;Fortpflanzung eines Entzündungsprocesses von benachbarten Organen auf die Schleimhaut des Pharynx. Sowohl eine Stomatitis als llhinitis und Laryngitis kann bei weiterer Ausdehnung zu Pharyngitis führen. Weiterhin ist diePharynxangina die alier-gewöhnlichste Begleit- und Theilerscheinung der Druse, so dass beide Krankheiten nur zu oft mit einander verwechselt werden; ferner findet man sie als Complication der Maulseuche, der Wuth, Staupe, Brustseuche, des Petechialfiebers, Milzbrandes, acuten und chronischen Rotzes, der Tuberkulose etc.
4)nbsp; nbsp;Infection. Nicht selten hat man es bei der Pharynxangina mit dem Einflüsse einer nicht näher gekannten specifischen, in-fectiösen Krankheitsursache zu thun, bei welcher die Krankheit dann auch einen contagiösen Charakter annimmt. Wenigstens deuten die Fälle von epizoo tisch er, seuchenartiger Verbreitung der Halsbräune darauf hin. Man muss indess in dieser Beziehung namentlich beim Pferde ausserordentlich vorsichtig sein. Der Umstand, dass die Druse sehr häufig mit pharyngitischen Erscheinungen verläuft, hat gewiss zu häufigen Verwechslungen mit der seuchenhaft auftretenden Druse Veranlassung gegeben. Jedenfalls muss beim Pferde eine mit Drüsenvereiterung verlaufende, seuchenartig auftretende Pharyngitis immer als Druse (eiterbildender Druscnstreptococcus!) aufgefasst werden. Bei jungen Hunden kommen in den ersten Wochen nach der Geburt
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
20nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pharyngitis.
zuweilen seuchenhafte, infectiöse Pharyngiten vor, welche zu Pyaemia metastatica führen können.
Pathologische Anatomie. In den leichteren Fällen von Pharyngitis (Pharyngitis catarrhalis) erscheint die Schleimhaut der Rachenhöhle entweder difl'us oder fleckig geröthet und geschwollen, mit glasigem oder mehr eiterigem Schleime überzogen, dem sich Elutstreifen beimengen können; daneben findet man wohl auch streifige Erosionen auf derselben. In chronischen Fällen ist die Schleimhaut nach Bruckmüller bleich, verdickt und in Falten gelegt, sowie von einem dicken, zähen Schleim überzogen. Die geschwollenen Follikel und Schleimdrüsen prominiren in Form hirsekorn-grosser Knötchen über das Niveau der Schleimhaut.
Bei intensiverer Erkrankung der Kachenhöhle (Pharyngitis parenchymatosa und purulenta) wird die hochgeröthete Schleimhaut entweder in Folge einer serösen Infiltration ödematös geschwollen und kann selbst eine glasige, s u 1 z i g e Beschaffenheit annehmen, oder sie erscheint wie verbrüht und von einem bald eiterigen, bald schmutzig jauchigen, nekrotischen, bald grünlich schmierigen Belage überzogen, unter dem sich verschieden grosse Substanz Verluste vorfinden, so dass die Schleimhaut oft ein förmlich angenagH^s Aussehen erhält. Die Lymphfollikel und Schleimdrüsen sind fliöils bis zu Erbsengrösse geschwollen, theils sind sie ausgeschwärt. Beim Einschneiden in die Schleimhaut zeigen sich an Stelle derselben, besonders in der Gegend der Tonsillen, oft zahlreiche Eiterpfropf^^~^v die sich nach Bruckmüller theilweise in Kalkconcremente umwandeln können.
Pflanzt sich die Affection der Schleimhaut auf die Submucosa fort, so nimmt die Pharyngitis einen mehr phlegmonösen Charakter an (Pharyngitis phlegmonosa). Die Submucosa ist dabei serös, selbst hämorrhagisch infiltrirt und wird oft in eine gelatinöse oder eiterige Masse umgewandelt. Auf diese Weise bilden sich unter der Schleimhaut kleinere oder grössere Abscesse, . welche dieselbe von ihrer Unterlage abheben, hervorwölben, perforiren oder auch durch die Spannung, die sie ausüben, zur Gangränescirung bringen. Die eiterig-phlegmonöse Einschmelzung der Submucosa kann sich der lockeren Faserung des Bindegewebes entlang über grosse Strecken verbreiten, so dass sich da und dort neue Abscesse und Fistelgänge bilden, und die Sc! leimhaut oft in grösseren Fetzen abstirbt und verjaucht. Während s quot;h unter der abgehobenen Schleimhaut Futterstoffe
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Pharyngitis.
|
21
|
||
|
|
|||
|
ansammeln, welche ihrerseits die Eiterung und Nekrotisirung unterhalten und steigern. Bruckmüller sah auf diese Weise einmal die Schleimhaut der ganzen Schlundröhre bis zum Magen durch eingedrungene Putterbestandtheile abgelöst.
Gleichzeitig werden auch die retropharyngealen Lymphdrüsen sowie die oberen Halsdrüsen, unter Umständen sogar die submaxilluren und sublingualen Lymphdrüsen in den Entzün-dungsprocess hereingezogen. Die genannten Lymphdrüsen in der Umgebung des Schlund- und Kehlkopfs werden geschwollen und hämor-rhagisch infiltrirt und abscediren entweder oder zerfallen zu einer schwarzrothen, pulpaillmliclien Masse. Die sogen, retropharyngealen Abscesse enthalten meist einen dicken, weissen, rahmähnlichen Eiter und sind theils einfach, theils sinuös; sie können bis zu einem Achtel-Liter und darüber Eiter enthalten. Späterhin verkäst der Eiter oft und wird durch eine schwielige Ilyperplasie des umgebenden Bindegewebes abgekapselt. In hochgradigen Fällen abscediren sogar die submaxillaren und sublingualen Lymphdrüsen, wodurch Fistelcanäle nach aussei! entstehen.
Die Schleimhaut des Kehlkopfes ist oft diffus oder fleckig ge-ruthet und stellenweise serös infiltrirt (Glottisödem), der Kehldeckel am Grunde ödematös geschwollen. Der Luftsack enthält zuweilen eingedickte eiterige Massen. Diese Anfüllung des Luftsackes wird indessen häufiger angenommen, als sie in Wirklichkeit existirt, indem in den allermeisten Fällen offenbar subparotideale und retropharyngeale Abscesse mit Anfüllungen des Luftsackes verwechselt werden, was auch bei der operativen Oeffnung der genannten Abscesse leicht vorkommt. Die Schleimhaut der Eustachischen Röhre ist oft verdickt. Auch in den Bronchien findet man katarrhalische Zustände; zuweilen sind dieselben mit Eiter verstopft, und ihre Schleimhaut weist ulceröso Zerstörungen mit ßlosslegung des Knorpels auf. Die Lunge zeigt nicht selten circumscripte pneumonische Herde mit Nekrose (Fremdkörperpneumonie) und ist oft ganz von übelriechenden, jauchigen, bis taubencigrossen Cavernen durchsetzt, in deren Umgebung sich pleuritische Beläge bilden. Die Nasenschleimhaut erscheint meist hochgradig geröthet, entweder ziegelroth oder missfarbig, mit Blut- und Eiterkrusten belogt, die selbst einen croupähnlichen Charakter annehmen können und sich zuweilen schwer ablösen lassen. Auch findet man den unteren Tiieil der Schleimhaut hie und da sammtartig rauh oder zottig und die einzelnen Zöttchen deutlich mit blutgefüllten Gefässschlingen versehen. Die Maulschleimhaut ist oft im Zustande
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
22nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pharyngitis.
des Katarrhs, welcher sich bis auf den Darmcanal verbreiten kann; im Mastdarm ist zuweilen eine desquamative Entzündung der Schleimhaut zu bemerken.
Das Herz zeigt bei protrahirtem Krankheitsverlauf eine pareuchy-matöse Degeneration und Verfettung, die Leber Schwellung und ebenfalls Verfettung, Erscheinungen, die weniger der Pharynxangina als solcher, sondern vielmehr jeder mit hochgradigem Fieber und starker Inanition verlaufenden Krankheit, sowie namentlich Inf'ectionskrank-heiten (infectiöse Pharyngitis), eigen sind.
Bezüglich der normalen Anatomie der Baohensohleimhaut sind für die Pathologie der Pharyngitis imclisteliendp Punkte von Belang. Die Schleimhaut der Mauihühioufliiclifi des Gaumensegels enthält nach Franck eine dicke Lage gelblicher, aeinöser gemischter Drüsen, d. h. Schleim- und seröser Drüsen (EUenberger's Gaixmendrüsen), neben denen sich nur beim Schwein noch zahlreiche kleine Lymphdrüsen eingesprengt finden; dagegen besitzt die Bachenhöldeufläche nur eine sehr dünne Lage derselben gemischten Drüsen. Am Zungengrunde sind neben den Mandeln die sogenannten Balgdrüsen, welche, wie jene, Lymphdrüsen der Zunge darstellen. Der dorsale Theil der llachenhöhle enthält neben zahlreichen Hchleinidrüsen an seinem oberen Rande und besonders in der Umgebung der Eingänge zu den Eustachischen Bohren viele L3-mphfollikel. Bemerkenswerth ist noch , dass die im hintersten Theile der Maulhöhle liegenden Mandeln beim Pferd und Schwein viele Foramina coeca besitzen, während bei den übrigen Hausthieren nur eine einzige tiefe Grube vorhanden ist, woraus sich vielleicht die Häufigkeit der Angina bei Pferd und Schwein theilweise erklären lässt.
|
||
|
|
||
|
Symptome beim Pferde. 1) Erscheinungen von Seiten des Schlundkopfes. Nur selten kommt der Thierarzt in die Lage, den Beginn der Krankheit zu beobachten; der Entwicklungsgang ist meist ein so langsamer, dass die Thiere erst mit dem 3. oder 4. Tage, wohl auch noch später, dem Eigenthümor durch die allmählich schlechter werdende Futteraufnahrae oder durch einen sich einstellenden Husten als krank auffallen. Aber auch der Sachverständige ist oft nicht im Stande, im Anfange des Leidens eine sichere Diagnose zu stellen, da verminderte Futteraufnahme und Husten die einleitenden Symptome gar zahlreicher anderer Krankheiten bilden können. Indess treten bald charakteristischere Anzeichen hinzu. Zunächst ist es die eigenthümliche steife Kopfhaltung, welche bei den erkrankten Thieren auffällt, eine Folge des Bestrebens derselben, jede überflüssige Beugung, Streckung oder Seitwärtsbiegung des Kopfes und Halses zu vermeiden. Dabei legen die Thiere bei Druck auf die Kehlkopf- und Schlundkopfgegend eine oft ausserordentliche Empfindlichkeit an den Tag. Beobachtet man sie bei der Futter-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Pharyngitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;213
aufnähme, so scheint zwar Fresslust vorhanden, das Kauen und Ab-Bohlingen aber mehr oder weniger erschwert zu sein, besonders ist das Abschlingen stets sehr schmerzhaft und geschieht unter deutlichem stärkerem Strecken des Kopfes mit sichtbarer Anstrengung; bisweilen ist die Fähigkeit des Schlingens auch ganz aufgehoben. Die Erschwerung des Kauens und Schlingens führt zu einer Ansammlung von Schleim und Speichel in der Maulhöhle, welche beim Oeffnen derselben in Form von langen durchsichtigen Strängen zum Vorschein kommen und die Umgebung der Lippen, sowie die dem Thiere zunächst liegenden Gegenstände, die Barren, Haufen etc., besudeln. Diese zurückgehaltenen Secrete zeichnen sich neben einer höheren Temperatur gewöhnlich auch durch einen süsslich faden Geruch in Folge fauliger Zersetzung der Fpithelien und der Flüssigkeiten aus. Das aufgenommene Futter wird gewöhnlich nach kürzerem oder längerem Kauen mit zähem, glasigem Schleim und zu Schaum geschlagenem Speichel bedeckt, in Form glatter Ballen oder Kuchen wieder ausgeworfen, wobei einzelne Bissen in den seitlichen Abtheilungen der Maulhöhle zurückbleiben können. Dabei ziehen die Thiere instinetiv ein weiches oder flüssiges Futter dem trockenen vor. Das aufgenommene Wasser kommt beim Abschlucken in verschieden grosser Menge durch die Nasenöffnungen wieder zum Vorschein, wobei es die in den Nasengängen angesammelten zähen Schleimmassen mit herausschwemmt. Daneben sieht man jedoch auch gekaute Futtermassen durch die Nasenlöcher sich nach aussen entleeren; dieselben färben den Nasenausfiuss durch ihren Chlorophyllgehalt oft grün. Dieses sogenannte liegurgitirenquot; bildet die wichtigste und ge-wissermassen eine pathognostische Erscheinung der Pharyngitis. Es entsteht durch eine Beeinträchtigung der Function der Gaumen- und Schlundkopfmuskeln, durch eine seröse Infiltration mit consecutiver Parese oder Paralyse derselben in Folge Tiefergreifens des Entzün-dungsprocesses. Namentlich sind es die Kehlkopfpfeiler des Gaumensegels, die aus dem besagten Grunde nicht gehörig angespannt werden können, um die Oeffnungen der Choanen beim Schluck-acte zu verschliessen. Zugleich geht aus dieser Erklärung des Uegur-gitirens hervor, dass stärkeres Eegurgitiren immer ein Symptom einer tieferen, d.h. submueösen, phlegmonösen Pharyngitis darstellt. Da auch das Abschlingen von Flüssigkeiten den Thieren Schmerz verursacht, so nehmen dieselben trotz lebhaften Durstgefühls in der Regel nicht viel von denselben auf, spielen aber oft und gern in vorgesetztem Wasser. Bei manchen Thieren kann man hie und da
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
24
|
l'lmryngitis.
|
||
|
|
|||
|
ein leeres schmerzhaftes Abschlucken bemerken. Die Maulschleimhaut zeigt meist die Erscheinungen einer katarrhalischen Stomatitis; erhöhte Temperatur, vermehrte Röthe, Zungenbelag etc. Die Inspection der Rachenhöhle lässt bei Thieren, wo eine solche überhaupt ausführbar ist, so bei Hunden und Katzen, sowie bei Pferden nach Einführung des Khino-Laryngoskops, Hyperämie, Schwellung, Blutungen, Erosionen u. s. w., überhaupt die Veränderungen erkennen, wie sie im pathologisch-anatomischen Befund näher beschrieben sind.
2) Erscheinungen von Seiten des Respirationsapparates. Die N a s e n s c h 1 e i m h a u t ist gewöhnlich katarrhalisch erkrankt und zeichnet sich oft durch eine intensive Röthung aus, welche besonders am unteren Ende des hinteren Nasenganges am stärksten ist. Aus den Nasenöffnungen entleert sich eine anfangs seröse oder feinschaiunige, später mehr schleimig-eiterige Flüssigkeit von weisser, grauer, gelber, hie und da auch grüner Farbe, welche an den Nasenflügeln zu einer schmierigen Kruste eintrocknet. Husten ist eine fast regel-mässige Begleiterscheinung der Pharynx angina. Derselbe ist im Anfang trocken, zuweilen bellend, bald aber mit Auswurf verbunden; er ist meist sehr schmerzhaft, weshalb ihn die Thiere zu unterdrücken suchen, und erfolgt in Anfällen, wobei sich die in der Maulhöhle angesammelten Schleimmassen etc. entleeren. Die Ursache des Hustens ist theils in einer Fortpflanzung des Entzündungsprocesses auf die Kehlkopfschleimhaut, theils in einer Reizung der letzteren durch die nicht abgeschluckten, sondern im Pharynx zurückgehaltenen Secrete zu suchen. Künstlich ist der Husten durch Druck auf den Kehlkopf oft ausserordentlich leicht zu erzeugen; in manchen Fällen tritt bei jeder stärkeren Kopfbewegung Husten auf. Die Athmung ist je nach dem Mitergriffensein des Kehlkopfes, der Höhe des Fiebers etc. in verschiedenem Grade gestört. In leichteren Fällen erfährt dieselbe eine kaum nennenswerthe Beschleunigung, meist ist sie indess erschwert und geschieht schnaufend (schniefend), selbst schnarchend und röchelnd. Man hört am Kehlkopfe und an der Trachea die verschiedensten feuchten Rasselgeräusche und fühlt dortselbst die durch das Aus- und Einströmen der Athemluft erzeugten Erschütterungen (Fremitus).
;5) Die Umgebung des Schlundkopfes und besonders die untere Partie der Ohrdrüsengegend ist sehr häufig geschwollen und höber temperirt. Die Schwellung ist meist eine beiderseitige, doch in der Regel nicht in gleichem Grade auf beiden Seifen vorhanden. Sie ist entweder mehr flach, diffus, so dass nur die normalen
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Pharyngitis!nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;25
Conturen etwas verwischt sind, in andern Fallen scharf begrenzt, kann aber auch ausserordentlich umfangreioh werden und namentlich den ganzen Raum zwischen Hinterkiefer und Atlas ausfüllen. Meist ist es die untere Partie der Ohrdrüse, welche durch eine entzündliche Infiltration der unter ihr liegenden Lymphdrüsen hervorgewölbt ist; indess kann auch das Stützgewebe der Ohrdrüse sich an der Schwellung betheiiigen, in seltenen Fällen selbst der Luftsack. Auch die Haut kann in Folge eines collateralen Oedems in der Umgebung des Kehlkopfes geschwollen sein. Daneben beobachtet man Schwellung der Kehlgangslymphdrüsen, der Submaxillaris und Sublin-gualis, zuweilen auch der Schilddrüse. Die Schwellungen in der Ohrdrüsengegend sind meist sehr schmerzhaft.
4)nbsp; Der Digestionsapparat zeigt nicht selten die Symptome eines intensiven Darmkatarrhs: die Thiere gähnen häufig, die Peri-staltik ist oft unterdrückt, selbst ganz aufgehoben, der Koth übelriechend, zerfallen, weich, von Schleim überzogen, der Urin sauer. Fehlt der Darmkatarrh, und ist die Futteraufnahme nicht zu stark und zu lange beeinträchtigt, dann findet man den Urin trotz wochenlangem hochgradigem Fieber von alkalischer Reaction. Ausserdem enthält der Urin in schwereren Fällen Eiweiss. Eine auffallende Erscheinung bildet endlich hie und da das ausserordentlich niedrige speeifische Gewicht des Harns; so beobachteten wir Fälle, bei denen im Verlaufe und, wie es schien, mit der Krise der Krankheit zusammenhängend, das speeifische Gewicht des in vermehrter Menge abgesonderten Harns :! Tage hindurch 1001 1006 betrug.
5)nbsp; Fieber. Die Art und Weise des Auftretens und des Verlaufes des Fiebers bei der Pharyngitis ist durchaus nicht typisch oder regelmässig. In leichteren Fällen kann dasselbe ganz fehlen, oder es zeigt nur der Puls eine leichte Erhöhung, z. B. beim Pferde bis zu 48 Schlägen per Minute. In anderen Fällen setzt die Krankheit mit einem hochgradigen Fieber ein, wobei die Temperatur 40 n, selbst 41quot; C. und darüber betragen kann, während der Puls in den ersten Tagen sich wenig oder gar nicht hebt. So haben wir Fälle constatirt, in denen bei einer Temperatur von über 40 ,, C. der Puls die ganze Dauer der Krankheit hindurch 40 Schläge per Minute nicht überstieg! Gewöhnlich folgt aber der Puls allmählich der Temperatur nach, indem die Herzthätigkeit durch die lange Einwirkung so hoher Fiebergrade alterirt wird. (Vergl. Frühner, Ueber das Verhältniss der Pulsfrequenz zur Temperaturhöhe bei den fieberhaften Krankheiten des Pferdes. Repertorium 1881.) Setzt die Krankheit gleich am
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
26
|
Pharyngitis,
|
||
|
|
|||
|
ersten Tage mit einer so hohen Temperatur ein, so muss man in Analogie mit anderen Krankheiten an Infection als Ursache denken; auch die im Verlaufe der Druse auftretende Pharyngitis zeichnet sich durch hohes Fieber aus. Steigt dagegen die Temperatur im Verlaufe der Krankheit allmählich zu einer betiilchtlieben Höbe, so deutet dies auf einen intensiveren pharyngitiscben Process, besonders auf einen solchen phlegmonöser Natur hin; jähes Steigen des Fiebers hängt meist mit Abscedirung von Lymphdrüsen etc. zusammen. Eine auffallende Steigerung der Pulsfrequenz ist immer ein schlimmes Zeichen, 80 Pulsscbläge in der Minute sind beim Pferde schon ominös, während selbst hohe Temperaturgrade viel weniger zu bedeuten haben. Aussei- durch Puls und Mastdarmtemperatur gibt sich ein höheres Fieber auch noch durch eine ungleiche Vertheilung der äusseren Körperwärme, kalte Ohren und Extremitäten, durch starke Injection der Lidbindehaut etc. zu erkennen.
(3) Endlich haben wir im Verlaufe der Pharyngitis, wenn auch vereinzelt, einen Quaddelausschlag beobachtet, der plötzlich auftrat, ebenso schnell verschwand, wiederkam und nochmals rasch zurückging. Dieser Befund lässt vielleicht die Deutung zu, dass man es mit einem vasoneurotischen resp. embolischen Exantbem zu thun hat, wie ein solches auch bei anderen Infectionskrankbeiten, beispielsweise bei der Druse, nicht gerade so selten vorkommt.
|
|||
|
|
|||
|
Verlauf. Der Verlauf der Pharyngitis ist in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ein a cut er, wenngleich gewisse Folgezustände und Complicationen die an sich acut verlaufende Krankheit in die Länge ziehen können. Einen eigentlich chronischen Verlauf der Pharyngitis findet man höchstens bei länger und andauernd einwirkenden Beizen, so bei Geschwülsten oder der Anwesenheit von Bremsenlarven in der Rachenhöhle. Der häufigste Ausgang ist der in Genesung, und zwar sind es besonders die Fälle von einfacher katarrhalischer Angina, welche nach (5814 Tagen allmählich wieder in Heilung übergehen. Von längerer Dauer dagegen sind die Pharyngiten, welche zur phleg-monösen Entzündung der Submucosa oder zur eiterigen Infiltration der retropharyngealen und subparotidealen Lymphdrüsen führen. Die dabei sich bildenden Abscesse bedingen durch die in ihrer Umgebung auftretende collateralo Schwellung und ihren oft ganz beträchtlichen Umfang eine Erschwerung der Athmung, Steigerung des Fiebers und verzögern so die Genesung auf 45 Wochen und noch länger, sofern sie nicht durch ein rasch herbeigeführtes Glottisödem zur Erstickung
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Pharyngitis.
|
27
|
||
|
|
|||
|
führen. Diese Absce.sse öffnen sich selten nach aussen, häufiger, wie es scheint, kommt es nach Nekrotisirung der Rachenschleimhaut zum Durchbruch nach innen. Sie entleeren sich dann entweder durch Nasenhöhle und Maulhöhle nach aussen, wobei die Athemnoth zuweilen plötzlich naoblässt, oder nach dem Kehlkopf und in die Trachea, was zu Erstickung führen kann. Am seltensten findet ein Durchbruch nach beiden Seiten, nach innen und aussen, statt, was die Bildung einer Schlundkopffistel zur Folge hat. So beobachtete Uomant die Bildung einer solchen Fistel bei einem Fohlen, aus welcher beim Saugen Milch nach aussen sich entleerte. Wir selbst haben zwei ähnliche Fälle beim Pferde gesehen. In dem einen erfolgte auf die operative Eröffnung eines in der Ohrdrüsengegend in einer Tiefe von 10 cm liegenden, faustgrosseu Abscesses ein spontaner Durchbruch der Eiterhöhle auch nach innen; in dem anderen blieb nach überstandener Kranldieit eine in den Kehlgang mündende Fistel zurück, durch welche man Flüssigkeit in die Bachen- und Maulhöhle einspritzen konnte.
Bei dissecirenden und perforirenden Vereiterungen kann es ferner zur Verjauchung der betroffenen Theile kommen, in Folge deren die Thiere durch putride Intoxication und Sepsis sehr gefährdet sind. Diese Fälle manifestiren sich nach aussen hin neben auffallend hohen Temperaturgraden durch einen intensiv fauligen Geruch aus der Mauliiöhle und Aushusten von nckrotischen, höchst übelriechenden Gewebsfetzen.
Führt die entzündliche Infiltration der Drüsen nicht zur Abs-cedirung und Entleerung des Abscessinhaltes nach aussen, so bleiben gerne Indurationen, Verkäsungen und Verkleidungen derselben zurück, welche eine bleibende Umfangsvermehrung der Kehlkopf- und Schlundkopfgegend und dadurch ein mehr oder minder grosses Athmungshinderniss bedingen. Auch Lähmungen des Schlundkopfes hat man als Nachkrankheit der Pharyngitis beobachtet. (Vergl. das Kapitel Schlundlähmung.)
Eine ganz besonders gefahrvolle Complication bildet schliesslich bei den phlegmonösen und nekrotisirenden Pharyngiten das durchaus nicht seltene Hinzukommen einer Lungenentzündung; diese acci-dentelle Lungenentzündung ist sogar die häufigste Todesursache bei der Pharynxangina. Da nun in schwereren Fällen die Möglichkeit dieser Complication immer vorhanden ist, so wird für den behandelnden Thierarzt eine genaue Brustuntersuchung im Verlaufe der Krankheit eine unerlilssliche Pflicht. Diese Luncenentzünduna ist in den meisten Fällen eine durch Fehlschlucken
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
28
|
Pharyngitis.
|
||
|
|
|||
|
von Bestaiultlieilen des Maulhölileninhalts entstandene Fremdkörperpneu m o n i e mit rascher gangränöser Zerstörung des befalleneu Lungentheils, und kann auch durch gewaltsames oder ungeschicktes Eingeben von flüssigen Arzneimitteln hervorgerufen sein, oder aber sie ist durch Emboli veranlasst, welche aus den Jaucheherden der nekrotisirenden Pharyngitis stammen (metastatische Pneumonie).
Differentialdiagnose. So unschwer eine entwickelte und nicht complicirte Pharyngitis beim Pferde zu diagnosticiren ist, so schwer ist es oft im Anfangsstadium oder späteren Verlaufe der Krankheit, das Leiden von Affectionen zu unterscheiden, die ähnliche Erscheinungen im Gefolge haben. So können Verwechslungen sich ereignen mit eingekeilten Fremdkörpern in der Maul- oder Rachenhöhle sowie im Schlünde, mit Neubildungen im Pharynx, welche das Abschlingen erschweren etc. Weiterhin bedingen Schlundkrankheiten, so Stenosen des Schlundes, sowie Lähmung oder Krampf desselben oft ganz ähnliche Erscheinungen. Auch Parotitis, Glossitis, Stomatitis, Luftsackanschwellungen, Ptyalismus u. s. w. können zu Verwechslungen führen. Eine der wichtigsten Verwechslungsmög-lichkeiten, die mit Druse, wurde schon im Eingange erwähnt. Zur Sicherung der Diagnose in zweifelhaften Fällen wäre die Einführung des von Polansky und Schindelka construirten Rhino-Laryngoskops sehr empfehlenswerth.
Prognose. Die Prognose ist je nach der Intensität, Ausdehnung und den etwaigen Complicationen eine verschiedene. Während eine leichtere katarrhalische Pharyngitis rasch in Heilung übergeht, ist die Prognose bei nur einigermassen höheren Graden des Leidens immer mit einer gewissen Vorsicht zu stellen, da oft ganz unerwartet schnell der Tod in Folge von Lungengangrän oder Glottisödem eintreten kann. Auch kommt sehr viel darauf an, ob sich die Entzündung auf den Kehlkopf ausgebreitet hat.
|
|||
|
|
|||
|
Therapie. Bei seuchenhaftem Charakter der Krankheit dürfte in prophylaktischer Hinsicht eine Separirung der erkrankten Pferde geboten sein. Sodann wären in diätetischer Beziehung die Stall-und FütterungsVerhältnisse zu reguliren; der Stall soll massig temperirt und gut gelüftet, aber zugfrei sein; das Futter muss leicht kaubar und beim Abschlingen möglichst wenig reizend sein. Es empfiehlt sich daher, den kranken Thieren, wenn möglich, nur Grünfutter oder
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Pharyngitis.
|
20
|
||
|
|
|||
|
sehr zartes Heu, vielleicht auch einen Mehl- oder Kleienschlapp vorzusetzen, Hafer und Häcksel dagegen ganz zu vermeiden. Auch soll man dafür Sorge tragen, dass denselben häufig frisches Wasser vorgesetzt wird. Weiterhin müssen die mit Schleim und Krusten bedeckten Lippen und Nasenränder, wie auch die ganze Umgebung des Thieres, besonders die Barren sorgfältigst gereinigt und die Maulhöhle mit kaltem Wasser oder irgend einem anderen Maulwasser (Essig und Kochsalz, Kali chloricum etc.) öfters ausgespült werden; doch hat das etwaige Ausspritzen der Maulhöhle sehr vorsichtig zu geschehen, indem mau den Strahl nicht gegen die Rachenhöhle, sondern gegen die Backenwand richtet.
Bei hochgradigen phlegmonösen Processen mit grosser Schinerz-haftigkeit, Spannung und Wärme in der unteren Ohrdrüsengegend eignen sich im Anfange kalte, selbst Eisumschläge um den Hals. Späterhin, bei beginnender Abscessbildung, sowie bei weniger entzündlichen Schwellungen sind Priessnitz'sche Umschläge von grossem Nutzen, besonders wenn sie gleichzeitig mit der antiseptischen per-cutanen Wirkung der Carbolsilure verbunden werden. Man nimmt zu diesem Zwecke zum Anfeuchten der inneren Lagen statt gewöhnlichen Wassers Oarbolwasser. Diese Priessnitz'schen Umschläge gewähren dem Thiere nicht bloss eine subjective Erleichterung und wirken durch das Eindringen der Carbolsäure direct entzündungswidrig, sondern sie begünstigen und beschleunigen auch das Reifen der Abscesse und erweichen die harten entzündlichen Anschwellungen.
Die Einreibung von grauer Quecksilbersalbe auf die geschwollene Ohrdrüsengegend ist sehr beliebt. Ueber den Nutzen der Anwendung der Deri van tie n auf die Haut der Ohrdrüsen- und Kehlgangsgegend (Sinapismus, Linimentum volatile, Collodium cantharidatum, Unguentum Cantharidum etc.) lässt sich streiten. So viel ist jedoch sicher, dass vor einer generellen Anwendung derselben in jedem einzelnen Falle gewarnt werden muss. Sie dienen höchstens zur Beschleunigung der Abscess-reifung, sofern dies durch feuchte Wärme nicht erzielt werden kann. Von einer ableitendenquot; Wirkung nach aussen kann keine Rede sein. Am ehesten eignen sie sich noch bei sehr umschriebenen harten Anschwellungen, die zum raschen Einschmelzen gebracht werden sollen. Dagegen sind diese scharfen Einreibungen bei sehr ausgedehnten Schwellungen, bei hochgradiger örtlicher Entzündung, bei dissecirenden Eiterungen, bei sehr geschwächter Herzaction. bei schlaffen, wenig resistenten und jungen Thieren entschieden zu verwerfen, da nach ihrer
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
30
|
Pharyngitis.
|
||
|
|
|||
|
Anwendung ganz enorme Anschwellungen, bedeutt^ide Athemnotli und rasche gangränöse Zerstörung des Zellgewebes auftreten können, denen schon manche Pferde zum Opfer gefallen sind.
Hat man durch die Palpation einen Abscess nachgewiesen, so halte man sich nicht zu lange mit dem Einreiben von Scharfsalben auf, sondern öffne den Abscess möglichst frühzeitig, indem man über demselben die Baut einschneidet und dann prilparatorisch mit den Fingern gegen die Tiefe vorgeht. Man kann auf diese Weise Abscesse noch in einer Tiefe von 10 cm offnen Die weitere Behandlung derselben geschieht nach den Kegeln der Chirurgie.
Inhalationen von Wasser-, Carbol-, Creolin- etc. Dämpfen sind sehr gebräuchlich; bloss muss man sich hüten, dieselben zu heiss anzuwenden. Ihr Werth dürfte übrigens ein beschränkter sein. Wichtiger ist die örtliche Anwendung adstringirender Mittel, die indess beim Pferde nicht leicht durchzuführen ist. Kagel empfiehlt, die Medicamente mittelst eines durch die Nasenhöhle eingeführten Gunnni-schlauches in die Hachenhöhle einzuspritzen. Der hiezu benutzte Schlauch ist dickwandig, von engem Volum und etwa GO cm lang. Die eingespritzten Flüssigkeiten (40 (50 ccm) bestehen in Vsprocentiger Kochsalz-, Ipromilliger Sublimatlösung u, s. w. Die von Diecker-hoff vorgeschlagene i ntrapharyngeale Injection adstringirender oder desinficirender Lösungen (^prooentige Höllensteinlösung oder Lugol'sche Lösung) ist nicht immer gefahrlos, wie auch wir aus eigener Erfahrung bestätigen können (Eriedberger, Münch. Jahresber. 1886/87, S. 51).
Bezüglich der Anwendung innerlicher Medicamente soll man vorsichtig sein; flüssige Arzneien sind unter allen Umständen zu vermeiden. Aber auch von Latwergen, Pillen etc. soll man nur einen beschränkten Gebrauch machen. Gewöhnlich sind es das Fieber und die Verstopfung, welche ein Eingreifen mit innerlichen Medicamenten erheischen. Indess sucht man diese Symptome durch fleissige Application von Infusionen von Kochsalzlösung und Seifenwasser in den Mastdarm, sowie durch subcutane Application der betreffenden Mittel (z. B. bei Verstopfung durch subcutane Injectionen von Physo-stigmin, sofern nicht gleichzeitig Athemnoth besteht, oder durch Lösung des Mittels im Trinkwasser, z. B. des Brechweinsteins, der sich sowohl gegen das Fieber, als die Verstopfung eignet) zu bekämpfen. Ueber-haupt widersteht das hohe Fieber der Pharyngitis, sei es nun ein infectiöses oder septisches, so ziemlich den meisten angewandten Fiebermitteln, weshalb man oft seine Zuflucht zu Kaltwasserinfu-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Pharyngitis.
|
31
|
||
|
|
|||
|
sionen in den Mastdarm und kalten Wicklungen des ganzen Körpers nehmen muss. Von den Fiebermitteln ist am ehesten noch das Anti-pyrin zu empfehlen, weil dasselbe suboutan beigebracht werden kann; man injicirt es in Dosen von 1620,0, in gleichen Tbeilen Wasser gelöst.
Was endlich die Coinplicationen der Pharynxangina betrifft, so kann es sich hier um die Behandlung einer Pneumonie, um die operative Eröffnung der Luftröhre, um die künstliche Knt-leerung des gefüllten Luftsackes etc. handeln. Unter diesen steht die Vornahme der Trachuotomie in erster Linie. Da es bei derselben vor allem auf den richtigen Moment der Ausführung ankommt (mit ihr darf soll sie wirklichen Nutzen schaffen nicht zu lange gewartet werden), und da dieselbe zu jeder Stunde des Tages, sehr häutig auch bei Nacht nothwendig werden kann, so soll man die nöthigen Instrumente für alle Fälle in Bereitschaft halten.
Eine Fremdkörper- oder metastatische Pneumonie behandelt man nach den einschlägigen Vorschriften; indess erweist sich die Behand-lunaf nur allzu oft als wirkuiiffalos.
|
|||
|
|
|||
|
Die Pharyngitis der übrigen Hausthiere. Bei der grossen üeber-einstimmuiig der Hauptsymptome dor Pharyngitis bei den einzelnen Thier-gattungen dürfte eine eingehende Beschreibung der Krankheit bei den säininfliehen anderen Hausthieren sich wobl als überflüssig erweisen. Es kann insbesondere bezüglich des Kindes auf die Verhältnisse beim Pferde verwiesen worden. Bezüglich der Bachenactinomykome vergl. das Kapitel über Actinomykose. Im Folgenden soll nur die Pharyngitis des Schweines und Hundes etwas eingehender besprochen werden.
1) Die Pharyngitis des Schweines, welche besonders von Spinola in seinen Krankheiten der Schweinequot; ausführlicher beschrieben worden ist, kommt sehr häufig vor. Auch beim Schweine ist eine Trennung der Pharynxangina von der Larynxangina sehr schwer. Es muss ferner die rein idiopathische ..Bräunequot; wobl von der, wenn auch gewiss sehr seltenen, dem Milzbrand angeluirigen Anth raxbrüune unterschieden werden. Nach Spinola ist unter den Ursachen der Pharyngitis beim Schweine besonders das Trinken sehr kalten Wassers bei erhitztem Körper zu nennen, weshalb die Krankheit besonders in Gebirgsgegenden zur Frühjahrszeit unter den Weideschweinen solcher Ortschaften herrscht, die an (lebirgsbiichen etc. liegen. Ausserdem kommen mechanische und chemische Ursachen in Betracht.
Die Erscheinungen dor Pharyngitis beim Schweine sind je mich dem Grade des Leidens verschieden. In leichteren Fällen fehlt Fieber odor ist nur geringgradig vorhanden. Man beobachtet im Wesentlichen Böthung der sichtlichen Schleimhäute, öfteres Thränen, massig beschleunigtes und angestrengtes, beschwerliches Athmen, trockenen Husten, rauhe heisere Stimme, gering erhöhte Temperatur in der Maulhöhle, etwas erschwertes Schlingen. Würgbewegungon und wirkliches Erbrechen, sowie eine mehr oder weniger deutliche Cleschwulst und Rothe in der Schlundkopfgegend, welche wann und schmerzhaft ist. Daneben besteht verminderte, selten ganz aufgehobene Fresslust. Die Dauer
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
32
|
Pharyngitis,
|
||
|
|
|||
|
wird auf 1014 Tage angegeben, wobei der Husten alltaählioh feucliier wird, und in der Regpl Genesung, seltener Steigerung des Krankheits-processes eintritt. Die Symptome der höhergradigon Entzündung sind mich Spiuolai Dedeutende Köthung und Trockenheit des Rüssels und der sichtbaren Soblehubfrate, besonders des Maules, glänzende Augen, stierer Blick; die Schlundkopfgegond höher geröthet, vermehrt warm, geschwollon und schmerzhaft; grosse Hitze im Maule, das Athmen beengt und beschleunigt, im höheren Grade der Krankheit äusserst angestrengt; der Husten nur selten deutlich hervortretend, kurz und schmerz-hai't, die Kranken suchen ihn im höheren Grade der Krankheit und des behinderten Athmens zn unterdrücken; das Grunzen ist heiser. Appetit, wenn nicht ganz aufgehoben, so docli sehr vermindert; Schlingen erschwert. Mist- und Harnausscheidung verzögert; der entleerte Koth fest, der Urin gelbbraun (feurig). Im ferneren Verlaufe und beim Ueber-gang in den höheren und höchsten Grad der Krankheit steigern sich diese Zufalle. Die Schleimhäute werden dunkel geröthet, livide, die Respirationsbesobwerden nehmen zu, lgt;as Athmen ist höchst angestrengt, fast krampfhaft; gewaltsam suchen die Kranken, auf dem Hintertheile sitzend, mit vorgestrecktem Kopfe und ausgespreizten Vorderfüssen durch das geöffnete Maul den Lungen noch Luft, unter keuchendem und pfeifendem Geräusche, zuzuführen. Die Angst und Unruhe der Thiere ist gross; die Augen sind iiervorgedrängt und wild glotzend; die Venen des Kopfes schwellen; lUissol, Lippen, Kehlgang bis zum Halse hinab bekommen eine blauröthliche Färbung; die Thiere fangen an zu taumeln, stürzen nieder und erliegen dem Erstickungstode unter con-vulsivischon Bewegungen nach einer Dauer der Krankheit von 24 Stunden bis 3 Tagen. Bei günstigem Ausgange erreichen die genannten Symptome nicht den hohen Grad, nainentlich das behinderte Athmen macht sich nicht in dieser Weise geltend, und es kann sodann die Genesung unter allnuihlichcr Abnahme der Symptome nach einer Dauer der Krankheit von 510 Tagen erfolgen. Hierbei bleiben nicht selten in der Kehlkopfgegend harte, unschmerzhafte Anschwellungen zurück, die in vielen Fallen den Eintritt der Luft in den Kohlkopf erschweren und ein andauernd keuchendes Athmen verursachen können. Nach Roll sind dieselben Hückbleibsel der entleerten kleinen, umschriebenen, von iiifiltrirtem Bindegewebe umgebenen Abscesse, die sich bei starker Entzündungsgeschwulst um den Schlundkopf herum bilden.
Die Section ergibt neben hochgradigen Entzündungserscheinungen im Schlund- und Kehlkopfe nicht selten auch croupöso Auflagerungen im Kehlkopfe und dem oberen Theile der Luftröhre (Sesselmann, Preuss. Mitth. 1853154 S. 114). sogen, membranöse Bräune. Ausserdem findet man die Zeichen der Suffocation (höchstgradiges Oedem etc. der Lungen, Hyperämie und deren Folgen in den venösen Gelassen des Gehirns).
Die Prognosis hängt von den Ursachen und deren Entfern ungs-möglichkeit, von dem Grade und namentlich der Ausbreitung der Krankheit, von dem Eintritt einer zweckentsprechenden Behandlung ab. Wie schon aus den Symptomen zu ersehen, wird sich die Prognosis um so .schlimmer gestalten müssen, je mehr aus den Erscheinungen auf eine Erkrankung, resp. Mitanthciliiahme des Kehlkopfes geschlossen worden kann, da ja gerade die Erstickung am öftesten und raschesten den Tod bedingt. Alle Erscheinungen, welche daher bedeutende Athomnoth bekunden, verschlimmern die Vorhersage; ausserdem kommt der Grad des Fiebers in Betracht.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Pharyngitis.
|
33
|
||
|
|
|||
|
Bezüglich der Behandlung ist zunächst von Wichtigkeit ein trockener, zugfreier, milssig warmer Aufenthaltsort, sowie die Verfutterung von Mehl-uiul Kloienschlapp, Grünfuttev oder geronnener Milch, Im Beginne der Krankheit empfiehlt sich ein Brechmittel. Dasselbe wirkt unter Umständen abortiv und kann am nächsten Tag wiederholt werden. Am besten eignet sich weisse Nieswnrzel 0,52 g; dieselbe ist womöglich im Futter beizubringen. Radix ipecacuanhae 13 g kann ebenfalls verwendet werden. Fressen die Tlüere bereits nichts mehr, so sind die Brechmittel mit Fett einzugehen, was schon schwieriger ist; nie soll man sich verleiten lassen, Flüssigkeiten innerlich anwenden zu wollen. Deswegen ist Tartarus eme-ticus (515 dg auf 2mal zu geben) schon weniger leicht und angenehm beizubringen. Dagegen empfiehlt sich für diese Fälle die rectale und sub-cutane Application , namentlich subeutane Veratrininjectionen (2030 mg in 3 4 g Spiritus gelöst). Apomorphin ist beim Schweine wirkungslos. Ist bedeutende Schlingheschwerde bereits vorhanden, so ist von innerlicher Behandlung ganz abzustehen, da sonst Pneumonien fast gar nicht vermieden werden können. Ueberhaupt kommt der Thierarzt nicht selten schon so spät zur Behandlung, dass eine rasche Schlachtung des Thieres den Vorzug verdient. Es wird sich hier, wie in der Praxis ja immer, darum handeln, ob es von besonderer und grösserer Wichtigkeit und Zweckmüssigkeit ist, das Loben eines Thieres zu erhalten (Träcbtigkeit, Nahrungszustand, Zuchtwerth eines 'Thieres etc.). Ableitende Einreibungen (Ungt. Oantharid. etc.) auf die ivehlkopfgegend sind in manchen Fällen von gutem Erfolge begleitet, in anderen wirkungslos. Dagegen sind Priessnitz'sche Umsehläge einpfehlenswertb. Eine Localbehandlung der Pharyngitis ist beim Schweine für gewöhnlich nicht durchführbar.
2) Die Pharyngitis der Hunde ist ebenfalls ein ziemlich häufiges Leiden, welches ausserdem bei einem und demselben Thiere zahlreiche Ke-eidive zeigt. Meist werden die feineren Hunderassen (Möpse, Pinscher, Windhunde etc) befallen. Die Krankheit beginnt mit Störungen in der Futteraufnahme, Schlingbeschwerden, Speicheln, Sehr bald kommt es zu einer schmerzhaften Schwellung der sn b p arot ideal e n Lymphdrüsen, welche in sehr seltenen Fällen auch vereitern. Ausserdem kann man bei Inspection der ßachonhöhle gewöhnlich eine höhere Böthung und Schwellung der Uachenschleimhaut, der Tonsiilen, des Gaumensegels etc. wahrnehmen. Der Verlauf ist meist ein gutartiger, wenn auch die Krankheit gewöhnlich länger (14 Tage bis 4 Wochen) dauert. Die Behandlung dos häufig fieberlosen oder nur massig fieberhaften Zu-standes besteht im Wesentlichen in der Anwendung von Priessnitz'schen Umschlägen um den Hals, welche alle 3 Stunden erneuert werden. Ausserdem kann man die geschwollenen Drüsen mit Camphersalbe, grauer Quecksilbersalbe, Jodoformsalbe etc. einreiben lassen. Beim Hunde ist ferner die örtliche Behandlung der erkrankton Plmrvnxschleimhaut in Form von Bepinselung derselben mit adstringirenden Flüssigkeiten ermöglicht, Als solche sind zu empfehlen: Kalkwasser, Höllensteinlösungen (' #9632;Iproc.) Tan ii i ii lösungon, Alaun lös un gen (12proc.) u. s. w.
|
|||
|
|
|||
|
Krankheiten des Schlundes.
|
|||
|
|
|||
|
Eintheilung. Die Casuistik der Krankheiten des Schlundes ist
eine ebenso spärliche, als die Diagnostik derselben eine schwierige ist, Friedberger u. Frölinet, Pathol, u. Therapie d. Hausthlere, i.lM. 8. Auil. 3
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
34
|
Sohlundkrankheiten,
|
||
|
|
|||
|
Auch gehören manche pafchologisoho ProctssMe, wie z. B, das Kapitel der Fremdkörper, weniger in das Gebiet der medicinischen als in das der ohirurgisohen Pathologie. Es können daher an dieser Stelle nur die nachstellenden Schlundkrankheiten kurz besprochen werden:
1)nbsp; Die Entzündung-,
2)nbsp; nbsp;die Erweiterungen, 8) die Verengerungen, 4) die Zerreissung,
quot;)) die Lähmung,
ti) der Krampf des Schlundes.
|
|||
|
|
|||
|
1) Die Entzündung des Schlundes (Oesophagitis).
liiteratur. 1) Oger, Reoueil de möd. vöt. 1845. 2) Rey undBerthöol, Journ.de Lyon. 184laquo;. 3) Bayron, ibid. 4) Breakel, The Veterinär. 1865. 6) Renault, Recuoil vet. 18152. (J) Lemaire, ibid. 1S59. 7) Joyeux, ibid. 8) Passaoq, Journ. du Midi. 1852. 9) Paris, 18(12, in der Patliologio von Lafosse. 10)Revouy, Journ. de Lyon, 1802. 11) CroupöseSchlundentzOndung durch Actzung mit Salmiakgeist. Ref. im Thierarzt, 1802. S. 48. 12) John r, Dresdener Jahresber, 1879. S. 46. 18) Habicht, Oesophagitis beim Pferd, Mittheilung aus der preuss. Praxis. 1878/79. 14) Schütz, Das Fibroma paplllare des Schlundes beim Rinde, nebst einleitenden Bemerkungen über die Anatomie der Schhuulschleimhaut dieses Thiercs Berliner Arch. 1875. S. 60. 15) Fes8ler, Deutsche Zeitschr. für Thiermedicin. 1885. S. 37. 16) Eichenborger, ibid. S. 111. 17) Littlewood, The Veterin. Bd. 68. 18) Causse, Recueil de med. vet. 1888. 19) Hanns, Erfahrungen über Rinderkrankheiten. 1890. S. 182.
|
|||
|
|
|||
|
Formen. Die Entzündung des Schlundes kann die Schleimhaut, die Submucosa, die Muskulatur und endlich das periösophageale Bindegewebe betreffen, so dass man im Genaueren eine katarrhalische, phlegmonöse und parenehymatöse Oesophagitis, sowie eine Peri-ösophagitis unterscheiden muss, Die drei letzteren Eormen sind meist nur durch Fremdkörper oder Rupturen bedingt.
Ursachen. Die Veranlassung zu einer Schleimhautentzündung des Schlundes kann eine verschiedene sein. So findet man eine katarrhalische Oesophagitis hie und da bei Pharyngitis, dann als Theil-erscheinung mancher Allgemeinerkrankungen, z. B. der Kinderpest, der Maul- und Klauenseuche, der Schafpocken, ferner in der Umgebung von Neubildungen im Schlünde oder hervorgerufen durch Parasiten, namentlich Spiroptera sanguinolenta beim Hunde. In
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
SchlundentzOnclvuur
|
36
|
||
|
|
|||
|
anderen Fällen siml Fremdkörper und besonders ätzende Substanzen, z. B. Mineralsiiuren oder Alkalien, die Ursache einer katarrhalischen, selbst oroupösen Sohlehnhautentzündung. Beim Bind hat man /.. B. eine croupöse Entzündung nach Einschütten von Salmiakgeist gegen Aufblähung beobachtet. Ausser diesen chemischen und mechanischen Reizen können auch thermische entzündungserregend einwirken.
Anatomie. Die anatomischen Veränderungen sind je nach der Intensität der Entzündung verschieden. Bei der katarrhalischen, mehr oberflächlichen Entzündung findet man ausser vermehrter Hyperämie nicht, wie bei anderen Schleimhäuten, vermehrte Schleimsecretion, sondern nur eine starke Epithelproliferation. Chronische Katarrhe zeichnen sich durch ihre Neigung zu papillösen Wucherungen aus. Diese von anderen Schleimhäuten abweichenden Verhältnisse haben ihren Grund in dem von Schütz speciell beim Rind nachgewiesenen Umstände, dass die Schlundschleimhaut sich in ihrer histologisohen Zusammensetzung mehr der Cutis als den Schleimhäuten verwandt zeigt, indem sie wie erstere eine Epidermis, ein Rete Malpighi, Papillen, sowie ein bindegewebiges Lager für dieselben besitzt, sich also mehr dem cutanen Baue nähert und damit in ihren pathologischen Veränderungen auch sich mehr an die auf der Haut auftretenden Processe, so besonders die Epitheldesqua-mation und die bei chronischen Katarrhen auftretenden papillären Hyperplasien, anschliesst. Leider wird bei den meisten Sectionen zu wenig Rücksicht auf die Beschaffenheit des Schlundes genommen; deshalb sind auch unsere Kenntnisse der anatomischen Veränderungen desselben bei den verschiedenen pathologischen Processen noch ziemlich unvollständig.
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. Die Erscheinungen der Schleimhautentzündung des Schlundes sind bei leichteren Katarrhen nichts weniger als prägnant. Im Anfang dürfte eine Diagnose wohl kaum zu stellen sein. Erst wenn sich Schlingbeschwerden, Brechbewegungen, sowie gesteigerte Empfindlichkeit des Schlundes bei Druck von aussen einstellen, hat man deutlichere Anhaltspunkte. Dann ist aber auch der Process meist schon ein intensiverer geworden. So beobachtete man bei croupöser Schlundentzündung in Folge Anätzung mit Salmiakgeist starkes Stöhnen des Thieres, Geifern und Husten, sowie die Unfähigkeit des Abschluckens; ausserdem wurde nach einigen Tagen
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
3(3
|
Soblunderweiteruns.
|
||
|
|
|||
|
ein 15 Zoll langes, dem Lumen des Schlundes entsprechendes Oroup-rohr ausgeworfen.
Therapie. Die Belmncllung einer Sohluudenfczündung Avird sich da, wo überhaupt eine solche diagnosticirt wird, auf Application von Kälte auf die Schleimhaut in Form von verschluckten Eisstückchen, auf Verabreichung einer kühlenden, reizlosen, flüssigen Nahrung, sowie auf die innerliche Anwendung adstringirender Mittel in Lösung (Tannin, Höllenstein, Kali chloricum etc.), sofern dieselben die Magen-verdauung nicht stören, beschränken müssen. Gegenreize, wie scharfe Einreibungen am Halse, sind nutzlos. Endlich könnte als Präservativ-inittel gegen eine etwa drohende Schlundstenose (in Folge von Vernarbung croupöser Geschwüre) an das zeitweilige Einführen der Schlundsonde sedacht werden.
|
|||
|
|
|||
|
2) Die Erweiterungen des Sclilmules.
Literatur. 1) Decoste, Beoueil demdd. v6t, 1828. '2) Stahl, ibid. 1849. 3) Tekyl, ibid. 1854. 4)Rcy und Berthöol, Journ. de Lyon. 1848u.l849. 5)Matthieu, Recueil do möd. vet. 18.52. 6) Reinemann, ibid. 1851. 7) Gurlt, Ma-gazin, 1851. S. 447; 1862. S, 288. 8) Plieninger, Bepert. XIV. S. 294. 1raquo;) Fuchs. Ein Fall von Schlunderweiterung bei einem Pferd, Adam's Woohenschr. I860. 8. 25. 10) Leisering, Dresdener Bericht. 1801. S. 21; 1864. S. 81. 11) Eroolani, Turiner Zeitsohr. 1801. 12) Qilis, Journ. du Midi. 1861. 13) Eck, Magazin f. Thierheilkde. 1805. 8. 2;50. 14) God-frin, Annal. de ined. vct. 1809. 15) Arloing, Journ. de Lyon. 1809. 10) Hartenstein, Sohlunddivertikel bei einer Kuh, Dresd. Bericht. 1875. S. 104. 17) Harms, Divertikel am Schlünde einer Kuh, Hannov. Jahresbericht. 1870; Erfahrungen über Rinderkrankheiten. 1890. S. 1:50. 18) Lo-blano, Recueil. 1850, und Bulletin de la societe centr. 1876. 19) Jessen, Memorabilien aus Russland. 1854 u. 1855. 20) Fünfstttok, Sachs. Jahresbericht. 1859. 8. 21. 21) Prietsch, ibid. 8. 80. 22) Köhne, Magazin. 1801. S. 483. 2:5) Seheil, Preuss. Mittheil. 1800. S. 171. 24) Lausch ibid. 1870. S. 18. 25) Habicht, ibid. 1878/79. S. 52. 20) Ross, Bad. thierärztl. Mittheil. 1877. S. 154. 27) Möbiiis, Sachs. Jahresbericht. 1878. S. 20. 28) Johne, ibid. 1879. S. 45; 1881. S. 59. 29) Sobleg, ibid. 1884. S. 98. 30) Urban, Oesterr. Momitsschr. 1877. S. 49. 81) Falke, Adam's Woohenschr. 1879. S, 266. 32) Munckel, Preuss. Mittheil. 1882. S. 50. 88) Stockfietb, Handbuch der thieräiv.tl. Chirurg. II. Bd. 1881. S. 303. 34) Polansky, Oesterr. Vierteljahrsschr. 1888, 85) Nielsen, Repertor. 1870. S. 77. 36) Oesterr. Vierteljahrsschr. 1805. 07. 09. 71. 75. 70. 78. 37) Sohindelka, Oesterr. Vierteljahrsschr, 1886. S. 181. 38) Langrehr, Berliner Arohiv. 1880. S. 285. 39) Schäfer, ibid. 1887. 8. 304. 40) Albrecht, Adam's Woclioiisehr. 1889. S. 449. 41) Bayer. Militär-Veterinär-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Sohlunderweitening.
|
.'57
|
||
|
|
|||
|
Berioht pro 1881). 42) Storch, Oeeterr. Zeitaohr. f, Veterinftrkde, 1888. S. 283. 48) Qrünwalcl, Oesterr. Monatssohr. 1888. S. 481. 44) Schlake, Zeitsohr. f. Yeterinftrkds. 1889. S. 28. 4.r)) Statistisoher V6toriua,rgt;Sanlta.ts-berioht quot;bor die kgl. bayer. Armee. 1889. S. 45. 4(1) Wienke, Berliner thiertetl. Wochensohr. 1891. S. 66. 47) Hoffmann, Thierftrztl. Chirurgie. 1891. S. 8(17. Mit Literatur. 48) Kobel, Berliner Archiv. 1891. S. 875. 49) Tapken, Monatshefte f. prakt. 'J'hierheilkde. 1891. S. 464.
|
|||
|
|
|||
|
Aetiologie. Man kann die Erweiterungen (Ektasien) des Schlundes eintheilen in diffuse, die ganze Peripherie des Schlundes umfassende, und in umschriebene Ausbuchtungen einer einzigen Stelle der Wand, die sogenannten Schlunddivertikel. Die Ektasien kommen meistens zusammen mit Stenosen des Schlundes, und zwar oberhalb derselben, vor und entstehen auf dieselbe Weise wie die Dilatation einer Herzkammer bei Stenose der Klappen: allmählich erschlafft nämlich die Muskulatur des Schlundes bei ihrer angestrengten Thiltigkeit, die sich anstauenden Futtermassen durch die verengerte Stelle des Schlundes hindurchzupressen; das Futter bleibt vor der Stenose liegen und erweitert die Wandungen allseitig, wobei die Muskelhaut atrophirt und blass wird. Ektasien ohne Stenose sind selten und scheinen auf localen entzündlichen Veränderungen der Wand zu beruhen; vielleicht spielen bei ihrem Zustandekommen auch die besonders häutig in der Schlundmuskulatur des Pferdes vorgefundenen Psorospermienschläuche eine Rolle.
Die Divertikel werden bezüglich ihrer Entstehungsweise ein-getheilt in Pulsions- und Tractionsd i vertikel. Ein Pulsions-divertikel entsteht, wenn durch den Druck des Bissens eine umschriebene Stelle der Wand, welche nachgiebiger als die übrige Wandung ist, von innen nach aussen vorgestülpt wird, wie dies z. B. nach Verletzungen des betreffenden Wandstiicks eintreten kann. Dagegen entstehen die Tractionsdivertikel durch einen von aussen her meist in Folge von Schrumpfung oder Vernarbung benachbarter Organe, z. B. Drüsen, wirkenden Zug, analog der Bildung von Bronchiektasien bei der interstitiellen Pneumonic.
Die Ektasien sind entweder begrenzt und meist von spindelförmiger Gestalt, oder sie umfassen den ganzen Schlund. Stock-fleth fand so einmal bei einem Pferde den Schlund in einer Länge von 135 cm erweitert, mit S'/s Zoll Durchmesser in der Mitte. Die Divertikel können bis zu einem Eimer Futter enthalten; sie können auch mit ihrer Nachbarschaft, z. B. mit der Luftröhre, verwachsen. Nach Stocktleth sollen die Divertikel beim Pferd nur an der Hals-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
38nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Sohlunderweiterung,
|jortion, beim Kinde dagegen an der Brustportion dos Schlundes vorkommen, Nach Hoffmann finden sie sich bei allen Hausthieren bauptsäoblich an der Brustportion des Schlundes. Sowohl Ektasien als Divertikel des Scliluudes gehören bei unseren Hausthieren nicht gerade zu den Seltenheiten und kommen besonders beim Pferd und Bind vor dem Durchtritt (lurch das Zwerchfell vor; sie sind indess auch beim Schaf, bei der Ziege und beim Hund beobachtet worden. Nach Störcii sollen beim Pferde auch angeborene Divertikel oder wenigstens eine angeborene Anlage zu denselben vorkommen, indem sich wahrscheinlich die zweite Kiemenspalte an der Bildung betheiligt. Die unvollständigen inneren llalskiemenfisteln sind nach ihm vielleicht mit den sackartigen Schiunddivertikeln in Beziehung zu bringen.
Symptome. Da sich die Erweiterungen meist sehr langsam entwickeln, so sind die Erscheinungen, welche darauf hinweisen, anfangs wenig in die Augen springend. Zunächst fällt bei den Thieren eine unregel mäss ige Futter auf nähme auf in der Weise, dass sie bald einen wahren Heisshunger an den Tag legen, bald scheinbar zu rasch satt sind und im Allgemeinen von Tag zu Tag magerer werden. Häufig ist die Futterauf nah nie auch sehr verlangsamt. Dieser Zustand kann jahrelang andauern, ohne in seinen Ursachen erkannt zu werden. In den meisten Fällen gesellt sich jedoch Erbrechen hinzu, das kürzere oder längere Zeit nach der Futteraufnahme auftritt und oft in periodischer Weise und mit regelnlässiger Dauer erfolgt. Das Erbrechen findet zuweilen durch die Nase statt. Die erbrochenen Massen sind meist mit Schleim umhüllt und können, je nach der Zeit ihres Verweilens im Schlund, bereits faulige Zersetzung eingegangen haben; dieselben sind indess niemals verdaut, was oft fälschlicher Weise angegeben wird, höchstens können bei den Brechbewegungen gleichzeitig auch Futtermassen aus dem Magen mit her auf befördert worden sein. Unabhängig von dem Erbrechen besteht ferner häutig ein schleimiger, mit Futtertheilen gemischter Ausfluss aus Maul und Nase. Das Schlucken der Thiere ist gewöhnlich in hohem Grade erschwert oder ganz aufgehoben. Mit stark abgebeugtem Kopfe und mit unter den Leib gestellten Hinter-füssen versuchen die Thiere, zuweilen unter grösster Anstrengung, den Bissen abzuschlingen; dabei hört man oft eigenthümliche glucksende Geräusche. Zuweilen fällt auch auf, class diese Thiere, ohne vorher gefressen zu haben, kauende und abschluckende Bewegungen machen. Daneben speicheln sie stark und zeigen öfters Kolikanfälle, selbst
|
||
|
|
||
|
H1
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Soblunderweitsrung.
|
39
|
||
|
|
|||
|
sogar solche periodischer Natur, Bei Kühen bat man ferner Aufblähen, unterdrückte Rumination sowie angeblich auch Lecksuoht
auftreten sehen. In manchen Fällen wird der Hafer und Häcksel gut abgesohluokt, das Heu dagegen niclit.
Eines der wichtigsten Symptome bildet bei Schlunder Weiterungen der Halsportion das Erscheinen einer äusserlich sichtbaren Geschwulst an der linken Seite des Halses unmittelbar nach dem Fressen, die sich durch Druck entleeren lässt. Dieselbe kann Faust- bis mannskopfgross sein. Auch fühlt man zuweilen in der Drosselrinne eine mehr längliche, bei hinzutretender Oesophagitis auch schmerzhafte Umfangsvermelmmg des Schlundes und sieht beim Abschlucken des Thieres daselbst eine auffallend lebhafte peristaltische Bewegung. Beim Einführen der Sohlundröhre findet dieselbe entweder an der unterhalb der Ektasie befindlichen Stenose, oder an der sackartigen Ausbuchtung des Divertikels, oder endlich an den angestauten Futtermassen ein Hinderniss.
Zu diesen Erscheinungen von Seiten des Digestionsapparates gesellen sich ferner sehr häutig Husten, Athemnoth und Erstickungsanfälle, ja es kann in Folge von Compression der Trachea durch den vergrösserten Schlund zur wirklichen Erstickung kommen. In einem Falle fand man die linke Carotis auffallend stark pulsirend. Der Ausgang des meist jahrelangen Leidens besteht in allmählicher Entkräftung und starker Abmagerung, oder in Erstickung, oder in einer Ruptur des stark ausgedehnten Schlundes mit ihren letalen Folgen.
Prognose. Dieselbe ist wohl immer eine schlechte, da Heilungen nur ausnahmsweise beobachtet wurden. In differential-diagnosti-
scher Hinsicht wäre eine Verwechslung des Leidens mit Ruptur, Entzündung, Krampfund Lähmung des Schlundes, Abscessen in der Umgehung des Schlundes, ferner mit Pharyngitis, Stomatitis, acutein Magenkatarrh, sowie mit Vergiftung und Kolik möglich. Dasselbe gilt auch für die übrigen Krankheiten des Schlundes. Indess dürfte eine genaue Beobachtung und Untersuchung (Schlundsonde), insbesondere auch die Berücksichtigung des langen Bestehens der geschilderten Erscheinungen immerhin unschwer zu einer richtigen Diagnose führen.
|
|||
|
|
|||
|
Therapie. Die Behandlung der Schlunderweiterungen ist eine wenig erfolgreiche. Man wird sein Hauptaugenmerk auf flüssige
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
40
|
Sdilundstenosen.
|
||
|
|
|||
|
imd halbflüssige Nahrung, sowie auf öftere Fütterung mit kleineren Kationen zu richten haben. Dabei kann mau der Stauung des Futters ilurch die Schlundsonde, sowie durch äusserliche Anwendung der Massage vorzubeugen suchen. Ueber operative Behandlung eines Divertikels ist bis jetzt wenig bekannt. Stockfleth empfiehlt nach dem Vorgange von Moisant (Kecueil de med. vet. 1800) und Colin (Journal de med. vet. de Lyon, 1857) Exstirpation der erweiterten Wand und Vereinigung der Wundränder durch die Naht. Auf diese Weise hat Schindelka einen Fall beim Pferde geheilt. Wegen der oft ganz plötzlich eintretenden hochgradigen Athemnoth sind die Instrumente für die Tracheotomie in Bereitschaft zu halten.
|
|||
|
|
|||
|
3) Die Verengerungen des Schlundes (Schlundsteuoseu).
Literatur. 1) Rychner, Bujatrik. 1851. S. 85. 2) Qurlt, Magazin f. Thier-heilkde. 1851. S. 82; 1862. S. 288; 1867. S. 25. 8) Parker, Edinburger Journal, 1862. 4) Leisering, Sachs. Jahresber, 1859/UO. S. 20; 1869. S. 14; 1870. S. 18. 6) Mayor, Magazin. 1851. S. 81. 8) Kölme, ibid. 1860, S. 474; 1861. S. 4:laquo;. 7) Kriohal, PreuBS. Mittheil. 1865. S. 167. 8) Pürstenberg, ibid. 1866. S, 173. 9) Streoker, ibid. 1875. S. 161. 10) Kopp, Caillau, Journ, du Midi. 186;). 11) Broakel, The Votonn. 1865. 12) Schleswig-Holsteinische Mittheil, 1869. 1. Heft, 18) An acker, Thierarzt. 187(1. S. 1. 14) Rüffert, Preuas, Mittheil, 185558. S. 139. 15) Luatti, 11 medic, vet. 1660. 16) Legrand, Annal. de med. vet. de Bruxelles, 1865. 17) Haushalter, Journal de Lyon. 1869. 18) Schütz, Berliner Archiv. 1875. S. 66. 19) Roloff, Preuss, Mittheil, 1877. S. 130; 1878/79. S. 51, 20) Hetzel, Report. 1875. S. 373. 21) Jehlin, Bad, thiei-iirztl. Mittheil, 1881, S, 108, 22) Johne, Sachs. Jahresber. 1882. S. 24. 23) Stookfleth, Handbuch der tbierärztl. Chirurgie. U. lid. 1881. S, 801, 241 Pehlisoh, Adam's Wochenschr. 1883. Nr. 40. 25) Nooe, 11 med, vet. 1885. S. 246. 26) Fessler, Deutsche Zeitschr. f. Thiermed, 1885. S. 37. 27) Rubeli, Schweizer Archiv für Thierheilkdo. 1886. S. 239. 28) Hess, ibid, 1800, S. 214, 29) ütz, Bad. thiertlrztl, Mitth, 1886. S. 117. 30) Schu-ri n k, Bee 1, Holländische Zeitschr. 1887. 81) Driessen, Tliicrärztl. Blätter f. nicderländ. Indien. Bd. 4. 32) B äch s t äd t, Zeitschr. f, Veterinärkde. 1889. S, 340. 33) Bankr i t ins, ibid. S. 386. 34) Lorenz, ibid. 1890. S. 415. 35) Moens, Annal. de Brax, 1890. 36) Hanns, Erfahrungen Ober Rinderkrankheiten. 1890. S. 134. 37) Hoffmann, Thierärztl, Chirurgie. 1891. S. 342. Mit Literatur. Vergl, ebendaselbst S. 319 die Literatur der Fremdkörper im Schlünde. 88) Smith, Veterin, journ. 1890. S. 265.
Aetiologie. Die Verengerungen des Oesophagus können auf die verschiedenste Weise zu Stande kommen. Sie können angeboren sein, und das sind die seltensten Fälle. Sie können ferner durch
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
iL
|
|||
|
|
||
|
Schlundstenosen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;41
Compression des Schlundes von aussen verursacht sein (Compres-sionsstenosen), wenn Geschwülste den Schlund von aussen zusammendrucken. Hierher gehören Strumen, Actinomykome, Lymphome, peri-ösophageale Abscesse, besonders beim Rind Abscesse und tuberkulöse Entartung in den Bronchialdriisen undMittelf'elldriisen,Speckgeschwiilste, Aorteiianeurysmen, Melanoma. Diese Tumoren können den Schlund entweder seitlich comprimiren oder ihn ringförmig einschliessen. Ist das Lumen des Schlundes an irgend einer Stelle von innen her verengt, so entstehen die sogen. Obturationsstenosen. Diese Verengerung geht meistens von eingekeilten Fremdkörpern aus (Knochen, Kartoffel, Rübenstücke, Brodstücke, Knorpel, Aepfel, Futterbissen, abgebrochene Schlundröhren u s. w.), kann aber auch durch Geschwülste, welche in das Lumen hineinragen, so z. B. beim Rind durch das Fibroma papillare, beim Mund durch Tumoren, welche Spiroptera san-guinolenta enthalten, ja selbst durch eine entzündliche Hypertrophie der Schlundmuskulatur hervorgebracht werden. Endlich kann eine Stenose durch narbige Schrumpfung der Schleimhaut in Folge Anätzung oder Verwundung oder auch krebsige Entartung der Wandung entstellen; diese Stenosen heissen Stricturen. Dieselben stellen nach Stockt!eth bald eine gürteiförmige Verdickung mit rauher Oberfläche dar, bald sind sie ringförmig, oder das narbig verdickte Gewebe ragt klappenförmig in das Lumen des Schlundes hinein. Die durch krampfhafte Contraction der Muskulatur gebildeten sogen, spastischen Stenosen werden wir weiter unten bei dem Kapitel Schlund-krampfquot; besprechen. Ausführlicheres über Fremdkörper im Schlünde vergl. die Lehrbücher der Chirurgie.
Symptome. Da zu den genannten Stenosenformen späterhin sehr häufig eine Dilatation hinzutritt, so unterscheidet sich im Allgemeinen das klinische Bild der Stenosen wenig von dem der Sohlunderweiterung, weshalb hier auf letzteres verwiesen wird. Die Diagnose wird durch Einführung der Schlundsonde gesichert. Beim Rinde zeigt sich häufig ein für das Vorhandensein einer Schlundstenose sehr charakteristisches Symptom, nämlich chronische Tympanitis. Da beim Rind die Schlundverengerung meist von Compression seitens einer tuberkulös entarteten Bronchial- oder Mittelfelldrüse herrührt, so kann bei demselben die Diagnose auf Compressionsstenose des Schlundes durch tuberkulös entartete Mittelfelldrüsen besonders dann gestellt werden, wenn sich zu den anderweitigen Symptomen der Tuberkulose (Reaction auf Tuberculin, Husten, Abmagerung, Dämpfung,
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
42
|
SohluadzeiTeissuuir
|
||
|
|
|||
|
Reibungsgerftusoh) eiiit- von sonstigen Störungen der Digestion nicht begleitete chronische Blähsucbt gesellt. (Vergl. (las Kapitel Tuberkulose.)
Therapie. Die Behandlung der Scddundstenosen gehört ins Gebiet der Chirurgie, sie besteht in häufiger Anwendung der Sohlundsonde. Dies gilt vor Allem für die L'ompressionsstenosen des Kindes, welche mit Tympanitis einhergehen. Sodann könnte man, analog den Stenosen des Menschen, die allmähliche Erweiterung der verengten Stelle durch Einführung immer dickerer Sonden wenigstens versuchen. Die diätetischen Vorschriften sind dieselben wie bei der Schlund-erweiterunar.
|
|||
|
|
|||
|
4) Zerreissuag des Sclihmdes (SoUundperforation),
Literatur. 1) Deooste, Reoueil v6t. 1828. 2) Dufour, ibid. 1832. 8) Sanders, ibid. 1852. 4) Cart-wright, ibid, 1854. 5) Moisant, ibid, 1800. 6) Re-boul, ibid. 1861, 7) Nallet, ibid. 1880. 8) Sanders, TheVeterin, 1850. 0) Oartwright, ibid. 1851, 10) Hering', Repertorium, 1857. S, 148. 11) Oollin, Journal de Lyon, 1857. 12) Juth, Preuss. Mittheil. 1862. S, 180. 13) Neubert, .Sachs. Jahresber, 1802. S. 105. 14) Dinter, ibid. 1805. S. 70. 15) Schleg, ibid. 187:5. S. 84; 1881. S, 115; 1889. S. 75. 16) Eck, Magazin f. Thierheilkde. 1805. 8. 239. 17) Braun, ibid. 1867. 8. 881. 18) Roloff, Preuss. Mitfcheil. 1800. S. 150. 19) Holtzendorf, ibid. 1874. 8. 112. 20) Koch, ibid. 1876. 8, 98. 21) Benjamin, Anna). de mod, vrt. a Bruxelles, 1861, 22) Franzen, Adam's Wochensohr. 1802. S. 385. 28) Probstmayr, ibid. 1863. 8, :!8(J. 24) Siebert, Thierai-zt. 1870. 8. 17. 25) Deisering-Voigtltlnder, Sachs. Bericht, 1870. S. 18. 31. 26) Stockfleth, Handbuch der tbierftrztl, Chirurgie, II. Bd. 1881. S. 208. 27) Ztindel, Der Gesundheitszustand der Haustbiere in E, L. 1885. 28) Laurent, BulletinBelg. 1886. 29) Debree, ibid, 30) Fried-berger, Mttnoh, Jahresber, 1880/87. S. 58. 81) Piot, Bull. soc. centr. vet. 1886 u. 1888, 82) Brissot, Roy, Perrey, Deysine, Chardin, Machenaud, Reoueil, 1888. 38) Dages, ibid. 1889. M) Robert. Sachs. Jahresber 1887. 8. 68, 85) Kahm, Repertorium, 1889. 8. 19. 86) Harms. Erfahrungen ober Rinderkrankh. 1890. 8. 133. 87) Hoffmann, Thierihv.tl. Chirurgie. 1X91. 8. 361.
Aetiologie und Symptome. Zerreiseungen des Schlundes von aussen nach innen entstehen durch äussere Verletzungen, namentlich durch Hufschläge bei Pferden, durch Sturz etc. Zerreissungen von innen nach aussen können durch stecken gebliebene Fremdkörper, durch rohes Einführen der Schlundröhre, sowie durch Flat/en der stark verdünntet Divertikelwamlunffen bei normalem
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Sohlundzerreissuug.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;43
Abschlucken herbeigeführt werden. Je naelulein nun der Schlund in seinem Hals- oder Brusttheil zerrissen ist, sind die Erscheinungen verschieden.
Bei Rupturen des Schlundes am Halse findet man zunächst eine durch den Austritt von Futter bedingte, oft ganz enorme Geschwulst, zu der sich späterhin eine phlegmonöse Entzündung gesellt. Das Abschlingen ist unmöglich, es findet deshalb Rückfluss und Uegurgitiren des Futters und Getränkes durch Maul und Nase statt. In manchen Fällen tritt ferner durch das Eindringen von Luft in das den Schlund umgebende (paraösophagoale) Bindegewebe eine diffuse emphyse-matische Anschwellung des Halses, Kopfes und der Schulter auf. Auch die Bildung einer Schlundfistel und selbst Schlundluftröhrenfistel hat man beobachtet. Dabei zeigt die ausgeathmete Luft häufig einen fauligen, brandigen Geruch.
Schwerer sind die Zufälle, welche nach Ruptur des Bru.sttheils des Schlundes auftreten. Die Thiere zeigen plötzliche Schwindelanfälle und stürzen während der Arbeit zusammen, oder sie bieten dem Beobachter die Erscheinungen einer hochgradigen Lungencongestion und Athemnoth, manchmal auch scheinbar die einer Kolik dar. Auch Pneumothorax gesellt sich nicht selten hinzu. Dabei ver-rathen sie oft grosse Angst, zittern, zeigen Brechneigung und stehen unter heftigen Contractionen der Halsmuskeln mit gerade ausgestrecktem Kopfe da. Allmählich treten dann die Erscheinungen einer eiterigjauchigen Pleuritis mit tödtlichem Ausgange hinzu.
Therapie. Einer Behandlung sind die Uupturen des Brusttheiles des Schlundes nicht zugänglich. Dagegen können Thiere mit zerrissener Halsportion des Schlundes bei raschem operativem Eingreifen unter Umständen gerettet werden, indem man auf die Geschwulst breit einschneidet und die rcgulirten Wundränder mittelst Nähten wieder mit einander vereinigt. (V'ergl. den von Stockfleth angeführten Fall von Sanders in The Veterinarian 1851.)
|
||
|
|
||
|
5) Lähmung des Schlundes (Dysphagia paralytica).
Literatur. 1) straub, Repertor, 1858. S, 2Ci. 2) Jürgens, Magazin f. Thier-heilkde. 1846. S. 347. 8) Anaoker, ibid. 1858. S. 478. 4) .lost, ibid. 18G0. S. 164. 5) Waltrust, ibid. S. 105. 6) Richter, ibid. 1861. S. 171. 7) Puschmann, ibid, 1867/68. 8) Eberhardt, ibid. 1872/78. 9) Oster-tag, Repertor. 1876. S. 819. 10) Gott, Thiermed. Rundschau. 1887. S. 90.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
44nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Sdilumlliilimung.
11) Phllippi, Sachs. Jiilirusber. 1887. S. 103. 12) Diocke rhol't', Spec. Pathologic. 1888. S. 805. 18) Lydtin, Bad. thiorärztl. Mittheil, 1880. S. 100. 14) Vogel, Adam's Wotheiisehr. 1886. S. 168. 15) Dcttling, Repertoi1. 1888. S, 264. 16) Schmidt, Berlin, thieriii'ztl. Wochcnschr. 1889. S. 145. 17) Langer, Zeitschr. f. Vetcrinärkuiule. 1890. S. 417. 18) Hoffmann, Thicriiiv.tl. Chirurgie. 1891. S. 888. Mit Literatur.
Aetiologie. Hie Lähmungen des Schlundes kommen hiiulio' zusammen mit Lähmungen dos Schlundkopfes vor, beide sind daher in der Praxis nicht von einander zu trennen. Die Ursachen sind entweder central, d. li. im Gehirn (Sclilingcentrum) oder peripher, d. h. in localen Veränderungen des Schlundes und Schhuulkopi'es zu suchen. Die centralen Ursachen sind Lähmungen des Schlingcentrums im Gehirn in Folge von Blutungen, Gehirnerschütterungen, Ab-scessen, Neubildungen, Parasiten, sowie namentlich von Gehirnentzündung (subacute Gehirnentzündung der Pferde). Eine Lähmung des Schlingcentrums wird ferner im Verlaufe mancher Vergiftungen beobachtet. Von diesen sind insbesondere bei den Pflanzenfressern die Vergiftungen durch Befallungspilze (Tilletia caries, Schimmelpilze), bei den Fleischfressern die Ptoma'inevergiftungen (Wurstvergiftung) hervorzuheben. Von Infectionskranhheiten, welche cerebrate Sohlinglähmung bedingen, sjnd die Gebärparese und die VVuth zu erwähnen. Die localen Ursachen bestehen in Entzündung des Schlundkopfes und Schlundes, wenn nämlich der entzündliche Process von der Mucosa auf die Muscularis übergreift. Diese Entzündungen sind entweder primär oder sie treten seeundär, z. B. im Verlaufe der Druse oder des Petechialfiebers auf.
|
||
|
|
||
|
Symptome. 1 )ie wichtigste Erscheinung der Schlundlähmung und Schlundkopflähmung ist das Unvermögen abzuschlingen. Die Thiere speicheln in Folge dessen anhaltend und lassen den gekauten Bissen wieder herausfallen. Bei ausschliesslicher Lähmung des Schlundes findet man zuweilen eine Anfüllung des Schlundes mit Futter vom Pharynx bis zum Magen, welche sich äusserlich durch eine cylindrische Geschwulst in der linken Drosselrinne kennbar macht. Im Uebrigen sind die Erscheinungen ähnlich wie bei den anderen Schlundkrankheiten. Als Complication tritt auch hier nicht selten eine tödtliche Fremdkörper-Pneumonie hinzu.
Die Lähmung des Schlingapparates ist gewöhnlich eine totale, beiderseitige. Ausnahmsweise wird auch eine halbseitige Schlinglähmung beobachtet, wenn sich nämlich die ursächliche Pharyngitis
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Sohlundkminpfinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;45
nur auf eine Seite des Schlundkopfes beschränkt. Einen derartigen Fall beim Pferde hat Schmidt beschrieben.
Therapie. Die Behandlung der Schlinglälnnung ist eine sehr beschränkte. Neben der Application äusserer Reize in der Schlundkopf- und Schlundgegend (Scharfsalben) und der Einführung der Schlundsonde kann man innerlich erregende Mittel in Form der subcutauen Injection versuchen. Als solche sind namentlich das Strychnin und Veratrin hervorzuheben. Auch die Electricität kann probeweise angewandt werden.
Nicht zu verwechseln mit der SohluncUähmnng ist das Unvermögen, Wasser aufzunehmen. Die im üebrigen vollkommen gesunden Thicro können zwar Futter in ganz normaler Weise kauen und abschlingen, sind aber nicht im Stande, Wasser aufzusaugen. Der Fehler ist wohl meistens angeboren und beruht in einer mangelhaften Function des Saug-apparates (Saugcentrums?). Ausser hei Säuglingen kommt das Leiden auch bei erwachsenen Thieren, besonders bei Pferden vor. Straub (Be-pertor. 1880 S. 179) hat einen solchen Fall beschrieben. Wir selbst behandelten ein raquo;jähriges Pferd an dieser Krankheit. Dasselbe wurde unter der Anamnese zugeführt, dass es wie ein Hund saufequot;. Das im üebrigen ganz gesunde Thier, welches Futter vollständig normal verzehrte, war nicht vermögend, Saugbewegungen zu machen. Es stürzte sieh gierig auf den Tii'uikeimer, spielte lebhaft im Wasser, indem es schnappende Bewegungen mit den Lippen ausführte, die Zunge hin und her bewegte und die Zähne zusammenbiss, war aber nicht im Stande, auch nur einen einzigen Schluck Wasser aufzunehmen. Die alleinige Behandlung bestand darin, dass man dem Thiere mit dem Futter möglichst viel Flüssigkeit zuführte.
|
||
|
|
||
|
6) Krampf des Schlundes (Oesophagismus).
Literatur. 1) Messe, Journ. des vet. du Midi 185Ü.. sowie Journ. de mod. vet. de Lyon. 18G2. 2) öuilmont, Änml. de mM, vet. 1862. 8) Schilling, Magazin f. Tliierhoilkde. 1857. S. 78. 4) Mollereau, Hüllet, de la soc. centr. de mid. vet. 1882. 5) Cad6ac, Journal de Lyon. 1888.
Casuistik. Die selbständigen spastischen Stenosen (Dyspha-giaspastica) sind im Gegensatze zu den.symptomatischen krampfhaften Contractionen des Schlundes, mit denen sie sehr häufig verwechselt werden, wohl äusserst selten. Meistens bedingt ein im Schlünde stecken gebliebener Bissen, eine Schlundverleizung, ein Geschwür ganz ähnliche krampfhafte Zustände wie die als Oesophagismus bezeichnete reine Neurose. Die letztere will Mollereau bei einem sehr nervösen Percheron, Guilmont bei einem Pferde in Folge eines vom Magen ausgehenden Reflexvorganges, Messe endlich bei einem Maulesel und Maulthierfohlen beobachtet haben. Die Krampfanfälle dauerten
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
-10
|
Kropfki'ankheiten.
|
||
|
|
|||
|
:i/i6 Stunden, In dem erstgenannten Falle zeigte das Tbier con-vulsivischo Bewegungen, erbrach sich, stellte die Fasse unter den Leib und streckte den Kopf; in dem zweiten Falle scharrte das Fohlen plötzlich während der Futteraivi'nahme, zeigte auch sonst Kolikerscheinungen, konnte nichts abschlingen und machte hei Druck auf den stark gespannten Schlund Brechbewegungen. Die Behandlung bestand in Verabreichung von Bromkalium, Chloroform, Morphium u. s. w. Mossö erzielte durch Ausführung des Schlundschnitts und Einbringen einer Sohlundröhre Heilung. Einen sehr interessanten Fall von chronischem Schlundkrampf hat Oadöac beschrieben. Ein edles Pferd zeigte seit 1 ^a Jahren mehrmals in der Woche während des Fressens plötzlich grosse Unruhe, Scharren mit den Vorderfüssen, Strecken des Kopfes, sowie Ausfluss von schaumigem Speichel aus dem Maule. Dabei waren Brechversuche wahrzunehmen, während welcher unter gleichzeitigem Ausstossen eines schrillen Lautes oder scharfen Zischens etwas Speichel durch die Nase ausgeworfen wurde. Am Schlünde war heftiges Auf- und Abgehen des Futterbissens zu beobachten. Die Oberlippe zeigte wurmförmige Contractionen. Das erbrochene Futter war niemals sauer. Der Anfall dauerte jedesmal 1 2 Stunden. Als Gelegenheitsursache war die Aufnahme von zu trockenem Kurz-futter und von kaltem Wasser nachzuweisen; durch Verabrei chung derselben Hess sich der Anfall mit grosser Sicherheit auslösen.
Die im Verlaufe der Hundswuth, Epilepsie und Katalepsie, sowie des Starrkrampfes auftretenden Erscheinungen von Schlingkrampf erfordern weniger eine symptomatische als eine causale Behandlung, sind auch wohl mehr auf eine Contraction der Schlundkopfmuskulatur und vielleicht höchstens noch des Anfangstheils des Schlundes zurückzuführen. Die als intermittirende Schlundlähnumgquot; beschriebenen Fälle sind wohl als periodischer Schlundkrampf aufzufassen.
|
|||
|
|
|||
|
JMe Kropfkrankheiten des Geflügels.
Literatur. 1) Hol.in, Gazette mid. de Paris, 1865. 2) Pourguier, Bulletin de la soc. oentv. de m6d. v6t, 1875, 8) Forster, Zur Lehre von der Verdauung bei den Vögeln, Deutsche Zoitschr, f, Thiormcdiein, 1877. S, 90. 4) Zürn, Die Krankheiten des Hausgeflügels, 1882, 8, 17:5; Deutsche Zeitaohr. f. Thiemed. 1879, S. 424 u. 1883, S, 205. 5) Popow, Petersburger Archiv. 1887, 6) De Does, Holland, Zeitsohr, 1', Thierhlkdo, 1889, 7) Megnin, Krankheiten der Vögel, 1877, 8) Bönion, Traitii de l'elevago et des maladies des animaux et oiseaux de basse-coui', 1881, 0) Railliet U. Lucet, Hecueil 181)0.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Kropfkalarrh.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;47
Allgemeines. Der Kropf der Vögel .stellt bokannÜich ein Sjaise-reservoir dar, in welchem die Futtermassen, ehe sie der eigentlichen Verdauung im Magen anheimfallen, durch Einweichung für letztere vorhereitet werden. Das im Kropf enthaltene Secret reagirt neutral und enthält mich Forster ein Ferment, welches Stärkekleister in Zucker überzuführen vermag. Für die Pathologie sind besonders zwei krankhafte Zustände im Kropf von Bedeutung: der Katarrh, resp. die Entzündung der Schleimhaut, sowie die Verstopfung des Kropfes, vulgär der weichequot; und der hartequot; Kropf genannt.
1) Der Katarrh und die Entzündung der Kropfsclüeimliaut.
Aetiologie. Katarrhalische Zustände auf der Schleimhaut des Kropfes entwickeln sich bei abnorm langer Zurückhaltung, Eintrocknung und Zersetzung der Futtermassen im Kröpfe, bei Aufnahme stark gährender oder bereits in Zersetzung übergegangener Nahrung, bei Ueberfüllung des Kropfes, bei Ansammlung grosser Mengen unverdaulicher Körper (Sand, Steine), sowie bei Einnistung von Parasiten in die Schleimhaut, z. B. nach Roh in der Spiroptera nasuta (= Filaria nasnta), nach Zürn der Filaria uncinata. Intensive Entzündungen der Kropfschleimhaut findet man auch bei den verschiedenen Vergiftungen durch ätzende Mittel, z. B. Phosphor, Arsenik, Quecksilberpräparate, Kochsalz u. s. w.
Symptome. Bei dem nicht seltenen einfachen Katarrh der Kropfschleimhaut, dem sogenannten weichen Kropfquot;, findet man eine weiche, zuweilen durch Anhäufung von Gasen tynipanitische Anschwellung des Kropfes bei meist ganz aufgehobener Futterauf-nahme. Die Thiere zeigen Brechbewegungen, wirkliches Erbrechen und Aufstossen übelriechender Gase, welche sich auch leicht künstlich durch Druck auf den Kropf entfernen lassen, und sind meist sehr hinfällig, geben auch häufig in Folge sislirter Nahrungsaufnahme zu Grunde.
Therapie. Die Behandlung geht nach Zürn dahin, dass man den Inhalt des geschwollenen Kropfes durch Kneten und Streichen bei hängendem Kopfe des Thieres nach der Maulhöhle hinauszupressen versucht und darauf eine adstringirende Lösung (Alaun, Tannin, Ferrum sulfuricum) oder auch Salicylsäurelösnng kaileelötfelweise eingibt, das Thier einen Tag hungern liisst und die nächsten Tage Weichfutter mit nur weniff Körnern verabreicht,
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
48
|
K'ropfver.stopl'uny.
|
|||
|
|
||||
|
\
|
2) Die Verstopfung des Kropfes {Uliverdaulichkeit des Kropfes,
harter Kropf).
Aetiologie. Die Verstopfung oder Verhärtung'quot; des Kropfes ist meistens die Folge der Anfüllung desselben mit schwer oder ganz unverdaulichen Stoffen (hartes, trockenes Körnerfutter, Fremdkörper der verschiedensten Art). Pourguier beschreibt einen Fall, in dem die Verstopfung durch Blätter der Robinia Pseudacacia L. herbeigeführt wurde. In seltenen Füllen kann auch eine plötzliche Kropfüberfüllung dadurch entstehen, dass die den Schlund umgebenden Organe, so die Lungen, die Prustluftsäcke, die Luftröhre hochgradig entzündet sind und auf den Schlund drücken. Eine durch Trichosoma contortum (Crep.) bedingte Unverdaulichkeit des Kropfes bei Enten haben llailliet und Lucet beschrieben. Die fadenförmigen Würmer hatten sich unter der Schleimhaut des Kropfes eingenistet. Die Wandung des Kropfes war verdünnt und hyperämisch.
Symptome. Das am meisten in die Augen fallende Symptom ist die oft ausserordentliche Ausdehnung des angefüllten Kropfes. So beobachtete Zürn bei einem Huhn einen Kropf, welcher sammt Inhalt (Futter, Sand, Steinchen etc.) 1848 g wog. Wir fanden bei einem Hahn den Kropf bis zu einem Umfange von 40 cm und einem Durchmesser von 15 cm ausgedehnt. Dabei ist der Kropf, im Gegensatz zum sogenannten weichen, hart und derb anzufühlen, dieFutter-aufnahme ist sistirt, und es ergiesst sich aus dem Schnabel in Folge eines meist hinzutretenden Kropfkatarrhs eine missfarbige und übelriechende Flüssigkeit. Hie und da zerreissen auch die stark angespannten Wandungen des Kropfes, oder es entwickelt sich nach wiederholten Ausdehnungen der Wände ein sogenannter Hängekropf,
Therapie. Die Behandlung bestellt wie beim weichen Kropf in ausgiebiger Anwendung der Massage in Form von Reiben, Streichen und Kneten. Von verschiedenen Seiten wird auch die Verabreichung von Salzsäure anempfohlen. Wir verschreiben dieselbe gewöhnlich in Iprocentiger Lösung (ftp. Acidi hydrochloric] 8,0; Aquae de-stillatao 300,0, M. D, S. Sstündlich einen Thee- resp. Esslöffel voll); Zürn gibt sie zu 12 Tropfen in einem Kaffeelöffel voll Pfefferminz-oder Kalmuswurzelthec täglich 8'Inml. Als letztes Mittel ist endlich die operative Eröffnung des Kropfes und die manuelle Ent-
|
|||
|
|
||||
|
|
|||
|
Jeoksuohti
|
49
|
||
|
|
|||
|
fernung der angestauten Massen zu erwiihnen. Die erstero geschieht nach den Kegeln des Sehlundschnittes (siehe die Handbücher der Operationslehre), kann aber nur auf Hühner und Gänse Anwendung finden, da nach verschiedenen Beobachtungen (einen Fall von de Does ausgenommen) Tauben die Operation sehr schlecht vertragen, was Zürn auf die eigenthümliche Beschaifenheit der Auskleidungsmem-bran der Nebentaschen des Kropfes zurückführt, wonach dieselbe besonders zur Brunstzeit sehr blutreich und u'eschwollen ist.
|
|||
|
|
|||
|
Die krankhaften Oelüste.
|
|||
|
|
|||
|
I. Die Lecksucht des Rindes.
Literatur. Aussei' den verschiedenen Eandbüohern doi- Pathologie von Spinola, Hering, Roll, A.iiacker, Haubn e r-S iedamgrot zky, Pütz sind zu erwfthnem 1) Tscheul in, Nervenkrankheiten. 1815. S. 149. 2) Lo-rillon, Reoueil vet. 1886. 8) Ryohner, ßujatrik. 3. Aufl. 1851. S. 482. 4) Pangoue, Reeueil de mod. vet. 1854. 5) Sachs. Jahresberichte. 1856/57. S. 47; 1858. S. 118: 1860/61. S. 87; 1861. S. 102; 1869. S, 77; 1871. S. 136; 1875. S. 10;!. 6) Leblano, La olinique vöter. 1861. 7) Du-pont, Journal des vet. du Midi. 1859. 8) Haubn er, Sachs. Jahresber. 1858. S, 118; 1850. S. 101. 9) Er dt, Magazin für Thierheilkdo. 1862. 8. 1. 10) Utz, Thiorarzt. 1864. S. 28. 11) Schwartz, Adam's Wochenschr. 1864. S. 205. 12) Kletti, öiornale di medio. e d'agrio. 1867. 18) Bauer, Adam's Wochenschr. 1869. S, 225. 14) Nesslor, Correspondenzblatt für das Grossberzogtlium Baden. 1861. S. 65; Wochenblatt des landwirth-sohaftl. Vereins in Baden, 1868. Nr. 30; 1873. Nr. 6; Bericht über Arbeiten der grosshorzogl. Versuchsstation Karlsruhe. 1870. S. 219; 'i'hierarzt. 1873. 8. 223. 15) Peser, Fütz'sche Zeitsohr. 1875. S. 111 u. 868. 16) Lemke, Deutsche Zeitsohr. f. Thiermedioin. 1882. S. 101. 17) Hafner, Bad. Mittbeil. 1886. S. 118. 18) Vilth, ibid. S. 116. 10) Gassner, ibid. 1888. 8. 54. 20) Roll, Oesterr. Veterinärber. pro 1887. S. 160.
Ueber Beobachtungen von Lecksucht bei Knochenbrüchig-keiti vergleiche 1) Stockfleth, Report. 1889. S.888. 2) Maris, Journal de med. vet. 1853. 8) li au Im er, Magazin f. Thierheilkde. 1854. S. 197. 4) Gier er, ibid. 1865. S. 69. 5) Hol off, Virch. Archiv. 1866. 8. 438. 6) Bad, thierärztl. Mittheil, 1872. H. h\l. 7) Zündel, Reeueil de med. vet. 1870. 8) Jansen, Prouss. Mittheil. 1873/74. S. 134; 1877/78. 8. 57. 9) Krabbe, Repcrtor. 1880. S. 314.
Lecksucbt beim Pferde: l)Lippold. 8ächs. Jabresber. 1883. S. 80. 2) Zorn, Zeitscbr. f. Voterimirkde. 1890. S. 413. 3) Steinmeyer, ibid. 1889. 8. 383.
Allgemeines. Unter den mannigfaltigen in das Gebiet der Pathologie gehörigen Ausartungen des Geschmackes unserer Hausthiere Frledberger u. Fröhner, Pathol, u. Therapie d, Hausthiere, 1. Bd. raquo;.Aufl. 4
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Locksuuht.
nehmen die Leck sucht des Rindes und das Wolle fressen der Schafe sowohl in wissenschaftlicher Beziehung, als auch in ihrer Bedeutung für die Landwirthschaft, die erste Stelle ein. Daraus ergibt sich die Berechtigung, dieselben in besonderen Kapiteln und zwar am naturgemässesten unter den Verdauungskrnnkheiten abzuhandeln. Die in anderen Fällen beobaciiteten krankhaften Gelüste, so besonders bei der Wuth, bei Diabetes insipidus etc. sind lediglicli nebensächliche Erscheinungen, die einer besonderen Besprechung ebensowenig bedürfen, als die beim Menschen im Vorlaufe der Schwangerschaft, Chlorose oder Hysterie hie und da auftretenden Geschmacksverirrungen. Dasselbe gilt für diverse Gelüste, welche mehr als Spielerei und Untugend zu betrachten sind, wozu z. B. das Fressen der Nachgeburt gehört.
Definition. Mit dem Namen Lecksucht oder Nagekrankheit bezeichnet man einen eigenthümlichen krankhaften Zustand, der sich in auffälligster Weise darin äussert, dass die Thiere (am häufigsten Kinder, seltener Schweine, Pferde und Ziegen) eine grosse, selbst unwiderstehliche Neigung bekunden, die verschiedensten, selbst ekelhaftesten Gegenstände zu belecken, zu benagen und, wenn möglich, schliess-lich auch zu verzehren. Dabei ist das Leiden chronisch und führt bei fortwirkenden Ursachen zu Verdauungs- und Ernährungsstörungen, zu Kachexie und endlich zum Tode.
Aetiologie und Pathogenese. Die Lecksucht besitzt keine einheitliche ätiologische Grundlage, sie muss vielmehr auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden. Es kommt dies daher, weil die Lecksucht keine eigentliche, selbständige Krankheit, sondern mehr ein Symptom verschiedener krankhafter Zustände, wenn auch das bedeutendste Symptom derselben ist, ein Verhältniss, wie es beispielsweise ganz ähnlich bei der Kolik vorliegt. Dementsprechend sind von jeher über das Wesen der Lecksucht so viele und verschiedene Ansichten aufgestellt worden, wie kaum bei einer anderen Krankheit. So wurde das Leiden bald auf eine Ansteckung, bald auf Vererbung und Nachahmung, bald auf eine Nervenkrankheit, dann wieder auf Knochenbrüchigkeit und endlich auf schlechte Stallungen, sowie abnorme Nahrungs- und Bodenverhältnisse zurückgeführt.
1) Ansteckung und Vererbung wurden in den frühesten Zeiten als Ursachen der Lecksucht angenommen, indess ohne jeden triftigen Grund, wie die genaue Beobachtung ergeben hat.
|
||
|
|
||
|
.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Lecksuclit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 51
2)nbsp; nbsp;Niichiihmung wurde von verschieilenen Seiten als Ursache beschultligt. Wenn auch die Möglichkeit nicht ausgesohlossen werden kann, dass anhaltendes Heiecken und Benagen von Gegenständen in der That als eine Untugend, äiinlich dem Koppen, von daneben stehenden Thieren erlernt werden kann, so ist doch von einer Entwicklung der eigentlichen Lecksucht, dieser tiefgreifenden Ernährungsanomalie, auf Grund von Nachahmung keine liede, wie dies auch Lemke durch eigens hierzu vorgenommene Versuche bewiesen hat.
3)nbsp; Als eine Nervenkrankheit wurde die Lecksucht insbesondere von Tscheulin und Spinola angesehen. Tscheulin hielt eine Verstimmung des Geschmackssinnes für das Wesentlichste und bespricht das Leiden demgemäss in dem Kapitel über Nervenkrankheiten, Spinola u. A. führten die Krankheit auf eine Affection der sensiblen Magennerven, auf eine gewisse Verstimmung der Lungenmagennerven zurück. In neuester Zeit endlich definirt Lemke die Lecksucht des Rindes als eine chronische Krankheit, deren Wesen in einer Nutritions-störung beruht, durch Phosphormangel erzeugt wird und durch primäre Erkrankungen der Centralorgane und der Nerven, unter deren Herrschaft die Ernährung steht, ihren Anfang nimmtquot;. Ob indess die Nerventheorie mit ihren verschiedenen Hypothesen die Aetiologie der Lecksucht wesentlich aufzuklären im Stande ist, mag dahingestellt bleiben. Dass natürlich in dem vielgestaltigen Symptomenbild der Krankheit auch das Nervensystem mit. alterirt wird, und speciell die Geschmacksnerven in eigenartiger Weise irritirt sind, wird niemand bestreiten wollen; ob aber diese Affection der Nerven das Primäre und ob jeder einzelne Fall von Lecksucht auf nervöse Störungen zurückzuführen ist, erscheint doch sehr fraglich. Richtiger dürfte es sein, wenn man nach dem Vorgange von Haubner-Siedamgrotzky einen Tlieil der Fälle von Lecksucht auf besondere nervöse Iteizungs-zuständo zurückführt.
4)nbsp; nbsp;In einem Theil der Fälle muss das Leiden auf eine Erkrankung des Darmcanals bezogen werden, besonders dann, wenn mitten in einem gesunden, gut genährten Viehstande und bei der besten Fütterung und Pflege vereinzelte Individuen an Lecksuclit erkranken, allmählich abmagern und schlicsslich kachektisch zu Grunde gehen. Die Annahme, dass eine bestehende chronische Dyspepsie oder ein chronischer Darmkatarrh hier die Ursache der Lecksuchfc bildet, ist um so berechtigter, wenn man die letztere, wie es that-silchlich nicht selten der Fall ist, durch Anwendung antidyspeptischer und antikatarrhalischer Mittel zur Heilung bringt. Wenn man in
|
||
|
|
||
|
..
|
||
|
|
||
|
|
||
|
52nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Lecksucht.
frttheren Zeiten Säure in den ersten Wegen* unter anderem als eine Ursache der Lecksucht aufgeführt Hndet, so bezieht sicli das wohl eben auf eine bestehende Muffen-Darmaffection.
quot;gt;) Von verschiedenen Seiten, besonders von Haubner, sind auch schlechte Stallungen als directe Ursache der Lecksucht beschuldigt worden, desgleichen Unreinlicbkeit im Stalle, Unregelmässigkeit in der Futterordnuug, schlechte Wart und Pflege. Indess weist Lemke mit Recht darauf hin, dass die Krankheit in den tadellosesten und musterhaftesten Ställen ebenso gut vorkommt wie in schlechten, weshalb die obige Annahme wohl nicht länger oder höchstens mir bedingungsweise aufrecht zu erhalten ist.
(i) lieber die ätiologischen Beziehungen der Knochenbrüchig-keit zur Lecksucht sind die Ansichten der Autoren ausserordentlich verschieden.
Nach Uoloff und Roll ist die Lecksucht keine selbständige Krankheit, sondern nur das erste Symptom der Knochen-brüchigkeit, welches unter Umständen auch das einzige sein kann, indem die letztere sich nicht weiter entwickelt, sondern in Heilung übergeht. Diese Fälle sollen besonders Veranlassung zur Aufstellung der Lecksucht als einer selbständigen Krankheit gegeben haben.
Nach Rychner, Nessler, Anacker, Lemke sind Lecksucht und Knochenbrüchigkeit zwei von einander gänzlich verschiedene Krankheiten, jede durch specifische Ursachen hervorgerufen. Nessler hebt hervor, class Knochenbrüche, die bei der Osteomalacie ja sehr gewöhnlich, bei der stationären Lecksucht sehr selten sind. Rychner und Anacker geben das Vorkommen einer Comfdication beider Krankheiten zu, wobei indess L e m k e hervorhebt, dass sich die Knochenbrüchigkeit nur dann zur Lecksucht gesellt, wenn lecksüchtige Thiere Erkältungen und rheumatischen Einflüssen ausgesetzt sind.
Nach Haubner-Siedamgrotzky, Spinola u. A. endlich gesellt sich zu der Lecksucht als Gnindkrankheit in manchen Fällen als Ausgang die Knochenbrüchigkeit hinzu.
Suchen wir uns nun in der vorliegenden Frage ein Urtheil zu bilden, so lautet dasselbe: In manchen Fällen ist Knochenbrüchigkeit die Ursache der Lecksucht. Knochenbrüchigkeit und Lecksucht sind jedoch zwei verschiedene Krankheitszustände, die sich unter Umständen allerdings combiniren können. In praxi gibt es Lecksucht ohne Knochenbrüchigkeit, wie Knochenbrüchigkeit ohne erstere. Endlich ist es nicht unwahrscheinlich, dass bei der nahen Verwandtschaft der bei-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Leoksuoht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 53
leu Inanitionsstörungen Eine Ursache sowohl Lecksuchfc als Knochenbriichigkeit erzeugen kann.
7) Die Liauptairsache der Lecksuclifc hat man endlich in der Na lining, resp. Bodenbeschaffenheit zu suchen. Es darf als sicher angesehen worden, dass die meisten Fälle von Lecksucht in innigster Beziehung zu gewissen, namentlich durch mangelhafte Zufuhr von Nährsalzen zum Organismus bedingten Inanitionszuständen stehen. Welche specielle Veränderungen des Futters und welche bestimmte Nährsalze durch ihre Abwesenheit in demselben die Krankheit jedoch erzeugen, ist mit Sicherheit noch nicht festgestellt; die Untersuchungen Nessler's weisen auf einen Mangel besonders der Natriumsalze hin. Jedenfalls sind es im Wesentlichen Inanitionszustände, welche als die Ursache der Lecksucht anzusehen sind, und zwar können dieselben verschiedener Natur sein. In erster Linie führt ein Mangel von Nährsalzen im Futter zu einer abnormen Säftemischung; letztere kann indess auch durch eine Verdauungsstörung, z. B. Darmkatarrh, oder wahrscheinlich auch durch Knochenbriichigkeit herbeigeführt werden, immer aber wird der Organismus das Bestreben haben, diesen krankhaften Allgemeinzustand zu verbessern: zu den Gemeingefühlen des Hungers und Durstes tritt noch das des Hungers nach bestimmten Nährsalzen hinzu. Anfangs lediglich Naturheiltrieb, artet dieses Gefühl jedoch bald aus: der kranke Körper kann nur kranke Gelüste erzeugen, und ein solches ist die Lecksucht in ausgebildeter Form.
Die früheren Angaben über die Beziehungen dor Lecksucht /.ur Nahrung sind mehr allgemeiner Natur. Man beschuldigte jedes gehaltlose, schwer verdauliche Futter, hartstengeliges, ausgelaugtes oder verscblenmites, spät gemähtes Heu, zu reichliche Strohfütternng, Moor- und Torfwiesen, saure Gräser (Junoaoeen, Equisetacoen, Cyperaceen, Ruinexarten etc.), Ver-fütterung von zu viel Schlempe und Lrülifutt-or, sowie von säuerndem Putter, 7,u geringe oder zu reichliche Verabreichung von Kochsalz, aus-schliessliche Kartoffel- und Kübentütterung u. s. \v. Haubner ging sogar so weit, dass er bestimmte einzelne Pflanzen ids Ursache der Lecksucht beschuldigte, so besonders die gemein e Bftrwurzel, Meum atbamanti-cum, ferner Äohillea millefolia, Alohemilla vulgaris etc. Diese Annahme ist indess durchaus willkürlich und durch Versuche von Lemke geradezu widerlegt.
Nesslor, welcher die Lecksucht im Schwarzwald in den Jahren 1861, 1807 und 18(18 beobaclitete, fand bei seinen Analysen des Heues und Wassers einen übereinstimmenden Mangel an Natriumsalzen in der Nahrung der lecksücbtigen Thlero und glaubt deshalb, dass der Mangel an Natrium eine wesentliche Rolle bei dem Entstehen der Krankheit spielt. Die von Nessler gemachten Beobachtungen über Fehlen von phospnorsaurem Ealk im Putter beziehen sich nicht auf die Lecksncht, sondern auf die von ihm ebenfalls auf ihre Ursachen untersuchte Ivnochonbrüchigkeit. (Vorgl. Die landwirthschaftl. Versuchsstationen, 1873, IG Bd., Nr. 2 und 3.)
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
54
|
Lucksuclit.
|
|||
|
|
||||
|
Vorkommen. Die Lecksucht des Rindes tritt sowohl sporadisch als enzootisch auf und erreicht in einzelnen Jahrgängen eine sehr grosse Ausbreitung. In manchen Gegenden ist sie auch stationär, so besonders im Schwarzwald und in einigen Gegenden des Erzgebirges. Die von der Lecksucht befallenen Höfe nennt man im Schwarzwald Hinsch-, Semper- oder Darrhöfe; schon Camerarius (16651721) beschreibt sie in seinen Ephem. nat. cur. als Villae tabeticiaequot;. Diese Darrhöfe liegen nach den Untersuchungen Nessler's immer auf Granit, während sich auf Gneis die Krankheit nie vorfindet, Nessler führt die letztere Thatsache auf die grössere Verwitterbar-keit des Gneisbodens und den dadurch bedingten grösseren Reichthum des Bodens und Futters an Salzen, besonders an Natriumsalzen, zurück, während der Granitboden grobkörnig und sehr durchlassend sein soll. In diesen Gehöften herrscht das Leiden oft ununterbrochen, selbst 20 Jahre hindurch, wenn man die Thiere nicht verstelltquot;; in anderen tritt die Krankheit nur in trockenen, futterarmen Jahrgängen auf. Nach Haubne'r und Spinola gibt es Gehöfte und Ortschaften, in welchen in Folge der Lecksucht die Kälberaufzucht nahezu unmöglich wird, und selbst eingeführte Kühe nach 23 Jahren in die Krankheit verfallen. In der Hauptsache sind es mehr die ärmeren Gegenden und kleineren Wirthschaften, welche von der Lecksucht heimgesucht werden, obgleich sie auch anderweitig zu treffen ist Am verbreitetsten ist sie bei Stallfütterung und gegen Ende des Winters, bei eintretendem Futtermangel. Am meisten sind hochträchtige und sehr milchreiche Kühe disponirt, was wohl auf liechnung des grösseren Verbrauchs derselben an Nährsalzen zu setzen ist, während Ochsen seltener erkranken. Ausserdem werden jüngere Thiere, besonders Kälber nach dem Absetzen, ergriffen. Lemke sah selbst, wenn auch nicht häufig, noch während der Saugperiode lecksüchtige Erscheinungen.
|
||||
|
|
||||
|
|
Symptome. Der Zustand ist anfangs und längere Zeit hindurch fieberlos. Lemke unterscheidet geradezu ein erstes oder fieberloses und ein zweites oder fieberhaftes Stadium. Die ersten wahrnehmbaren Störungen bestehen in etwas verminderter oder doch verlangsamter Futteraufnahme, sowie in trägerer und seltenerer Rumination, Bald wird der Appetit wechselnd, alienirt, es treten die ersten eigentlichen lecksüchtigen Symptome zu Tage. Ohne durch Hunger gezwungen zu werden, nehmen die Thiere mit Vorliebe Streu in grös-serer Menge vom Boden auf; im Freien bevorzugen sie, ihrem sonstigen
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Leoksuobt.
|
55
|
||
|
|
|||
|
normalen Geschmacke entgegen, .shirk gedüngtes, Üppig eniporgewacli-senes, geiles Gras, sowie junge Sprossen von Bäumen und Striiuclieni. Im Stalle suchen sie sich dem Wartpersonale in auffallender Weise zu nähern, um deren Kleider mit eigenthümlicher Hast und Gier /.u belecken1). Ebenso belecken die Thiere immer mehr und anhaltender, zuletzt Tag und Nacht, Barren, Wände, Holzwerk, Mauern etc., oft unter lauten, schnalzenden Bewegungen mit der Zunge, und fangen dann auch an, diese Gegenstände und selbst die eisernen Halsketten zu benagen, wenn möglich, zu zernagen. Dabei machen sich allmählich eine gewisse Unruhe und Aufregung, lebhafterer Blick, erhöhte Reizbarkeit und Schreckhaftigkeit, oft auch mehr weniger hochgradig gesteigerte Empfindlichkeit im Verlaufe der Wirbelsäule, namentlich in der Lenden- und Kreuzbeingegend bemerkbar. Diese Erscheinungen können verschieden lange Zeit (24 Monate, Lemke) dauern, wohl auch in ihrer Intensität etwas wechseln; der Nährzu-stand der Thiere ist dabei in der Hegel noch nicht besonders stark geschädigt worden, der Nachlass in der Milchsecretion noch nicht sehr bedeutend, das Lecken und Nagen lässt sich durch Zuruf fast regel-mässig noch unterbrechen. Nun aber steigern sich die Symptome, insbesondere tritt das krankhafte Gelüste nach heterogenen Stoffen immer mehr hervor, die Thiere verzehren jetzt auch diese und sind davon kaum abzuhalten, während sie-ihr eigentliches Futter immer weniger gern aufnehmen. Mit Roth und Urin verunreinigte Streu bezw. Mist, vermodertes Holz, alte Lumpen, Stricke, Lederzeug, selbst Excremente u. s. w., namentlich aber Erde, Lehm, Sand, kalk- und thonhaltige Gegenstände, wie Schutt, Mörtel- und Ziegelbrocken, Scherben etc., werden mit wahrer Gier benagt und verzehrt, Wasser aus schmutzigen
|
|||
|
|
|||
|
') Nicht zu verwechseln mit der gewöhnlich schon heim gesumlen Kinde namentlich wenn es stets im Stulle gehalten wird fremden Personen gegenüber ausgesprochenen Neugierde und Zudringlichkeit) deren Kleider zu belecken. Aussordem mag hier Erwähnung linden, dnss zuweilen sonst vollkommen gesunde Thiere ganz ungewöhnliche Dingo zu erfassen und abzuschlucken suchen, ohne class man hier von Lecksucht sprechen kann. Ein derartiges sehr auffallendes Beispiel wird uns von Marhoincke (Magaz. von (inilt u. llertwig, 18:30. S. 870) erzählt. Nach ihm verschluckte eine Kuh, welche sich niemals krank zeigte und immer eine der boston Frosserinnon war, nach und nach ein paar baumwollene gestrickte Strümpfe, Brod und Käse in ein baumwollenes Tuch gewickelt, eine Tuchweste mit Metallknöpfen, einen Merino-Kiuderrock und die Kattunjaoke einer Magd bis auf beide Acrmel. Aehnlicho Beispiele siehe auch Gurlt's pathol. Anatomie. S. ÜJö.
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
56
|
Leoksuoht.
|
|||
|
|
||||
|
I
III
|
Pfützen und Lachen, ja sogar Mistjauche nicht selten lieher uufge-nomnien als reines Wasser. Es kommt selbst vor, class sich die Rinder gegenseitig die Haare abfressen (Utz).
Mit der Verminderung des Appetits, wobei die Thiere sich oft zum Fressen des ständigen Leokens und Nagens halber die nöthigo Zeit nicht zu nehmen scheinen, sowie mit dem Verschmähen des Futters und der Aufnahme verschiedenster ungeniessbarer und ekelhafter Dinge stellt sich dann auch ein selteneres und kürzeres Wiederkauen ein, die Wanstbewegungen werden schwächer und zeitweise sogar unterdrückt. Die Milch wird fettarmer (Lemke); dagegen ist die Menge derselben oft auffallender Weise lange noch eine normale (Leytze). Der Koth erscheint meist trocken, selbst hart und mit grösseren Mengen zähen Schleimes umhüllt, oder aber auch dünnbreiig, übelriechend; der Urin wird meist sauer, bisweilen eiweiss-haltig. Die Temperatur zeigt nunmehr eine Steigerung von 0,51,5deg; C. Die Pulsfrequenz beträgt 7080 Schläge per Minute. Der Puls wird klein, das Arterienrohr zusammengezogen, die Athmung dagegen erscheint nicht auffällig gestört.
Im weiteren Verlaufe kommen die Thiere immer mehr herunter, die Abmagerung nimmt zu; namentlich mich dem Kalben magern die erkrankten Kühe auffallend schnell und bis zum Skelete ab. Die sichtlichen Schleimhäute werden blass, das Haar wird glanzlos, rauh, aufgebürstet, die reichlich mit Epidermisschuppen belegte Haut fühlt sich trocken, hart und derb an, lässt sich am Brustkorbe nur schwer und unter knackendem Geräusche von der Unterlage abheben und in eine Falte schlagen, die sich nur sehr langsam verstreicht (sogen. Aufgebackensein, Harthäutigkeit, Lederbündigkeit). Mit der Zunahme der Schwäche und dem Eintritte eines förmlichen marantischen Zustandes stehen dann die Thiere meist mit unter den Leib gestellten Füssen (in sogen. Rehbookstellung) und aufwärts gekrümmtem Rücken im Stalle, nicht selten knirschend mit den Zähnen; die Bewegungen, namentlich mit dem Hintertheile, werden gespannt und steif und geschehen unter Knacken der Gelenke. Zuletzt können sich die Thiere nicht mehr stehend erhalten, es wird nahezu jede Nahrung verschmäht, das Wanstgeräusch sistirt, und es tritt schliesslich in Folffe von Inanition der Tod ein.
|
|||
|
|
||||
|
Verlauf. Der Verlauf des Leidens ist, wenn dasselbe sich selbst überlassen bleibt, ein chronischer. Die Dauer kann sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten bis zu einem Jahre und darüber
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Lecksuoht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;T)?
(mich Lemke von '2 2 Jahren) ausdehnen. Bei eiiüspreehemlem Futterwechsel, beim Eintritte günstiger Weideverhältnisse im Frühjahre, bei Aenderung des Futters nach der Aufstallung im Herbste, bei Translocation der Thiere etc. kann spontane Heilung um so rascher eintreten, je weniger hochgradig das Leiden bis dahin gediehen war (nach Lemke in ;5 Wochen bis 4 Monaten). Wirken die Ursachen jedoch fort, und tritt eine entsprechende Behandlung nicht ein, so ist der Ausgang in der Kegel ein tödtlicher.
Obductionsbefund. Bei der meist vorgenommenen frühzeitigen Schlachtung ist ausser der bereits eingetretenen Abmagerung und geringen katarrhalischen Veränderungen der Digestionsschleimhaut kaum viel zu sehen. Bei Thieren, welche an der Lecksucht verendet sind, trifft man hauptsächlich die Zeichen einer hochgradigen allgemeinen Abmagerung: grosse Fettarmuth, das Fettgewebe allenthalben von mehr sulzig-gelatinöser Beschaffenheit, oft von grauröthlicher Farbe, die stark geschwundenen Muskeln welk und blass, das wenig vorhandene Blut blassroth, dünnflüssige, nur schlaffe Gerinnsel enthaltend. Zuweilen findet man leichte Transsudationen in die Brust-, Bauch und Herzbeutelhöhle. Ferner zeigt oft die Schleimhaut des Magendarmcanals einen mehr oder weniger intensiven Katarrh. Endlich ist die Cutis und Subcutis, der chronischen Ernährungsstörung entsprechend, trocken und derb. Die gewöhnlich bei Beschreibung der Knochen angegebenen Erscheinungen beziehen sich wohl in den meisten Fällen nicht auf Lecksucht, sondern auf die der sogen. Knochenbrüchigkeit zu Grunde liegenden Veränderungen.
Prognose. Ist bereits eine allgemeine Abmagerung mit Marasmus und secundären Verdauungsstörungen vorhanden, bei der selbst eine entsprechende Aenderung der Fütterung nichts mehr erwarten lässt, dann ist wohl jede Aussicht auf Heilung oder Besserung geschwunden. In den anderen leichteren Fällen richtet sich die Vorhersage lediglich darnach, ob die Ursache der Krankheit zu beseitigen ist; insbesondere wird die Möglichkeit eines Futterwechsels oder einer Translocirung die Prognose wesentlich bestimmen. Finden die Angaben Lemke's über die ausgezeichnete Wirkung des Apomorphins gegen Lecksucht allgemeinere Bestätigung, so würde selbst da, wo aus wirthschaftlichen oder finanziellen Gründen eine Aenderung der Fütterung nicht möglich wäre, die Prognose sich gegen frühere Zeiten wesentlich bessern.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
58nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Leoksuoht.
Behandlung. Die Grundbedingung für eino wirksame Behandlung bleibt immer die Erkennung der jeweiligen Ursache. Hat mau es, wie in den meisten Fällen, mit abnormen Fütterungsverhältnisseu zu tliun, so bestellt die Prophylaxe zunächst darin, class man das Futter durch Melioration der Wiesen und Weiden mittelst Anwenduno-künstlicher Düngungsmittel, insbesondere des Natriumsalpeters (Chilisalpeters) u. s, w, zu verbessern sucht. Sodann ist erfahrungs-gemäss ein durchgreifender Wechsel in der Fütterung der Thiere das sicherste und naturgemässeste Mittel gegen die Krankheit; man -verabreicht also entweder Futter aus Gegenden, in denen die Lecksucht nicht herrscht, oder verbringt die kranken Thiere in letztere, ludessen stehen der Durchführung dieses Verfahrens meist unüberwindliche Schwierigkeiten im Wege, so dass sich das Eingreifen des Thierarztes meist auf eine Correction des ungünstigen Nährstoffverhältnisses durch eine Zulage stickstotfreicherer Nahrungsmittel (Körner, Hülsenfrüchte etc.) zu dem nährstotfiirnieren Futter, sowie durch Verabreichung von Nährsalzen, besonders von Kochsalz, beschränken muss.
Daneben hat man von jeher versucht, die Verdauung durch die verschiedensten Mittel, besonders durch Verabreichung von Salzsäure, kleinen Kochsalzgaben, bitteren und bitteraromatischen Mitteln, oder auch bei Säureüberschuss durch Säure tilgende und absorbirende Mittel (Kalkwasser, Kreide, Magnesium carbonicum, Natrium bicarbonicum) zu heben, ein Verfahren, das besonders auch für Fälle von Lecksucht anzuwenden ist, die ihren Ausgang von Affectionen des Digestionsapparates nehmen. Bei Knocbenbrüchigkeit als Ursache wäre der phosphorsaure Kalk als Heilmittel angezeigt. Von jeher hat man auch versucht, durch Anwendung ekelerregender Stoffe (Knoblauch, stinkendes Thieröl u. s w.) die Lecksucht zu heilen. Feser hat seiner Zeit einen Versuch mit Apomorphinum hydro-chloricum empfohlen. Nachdem dasselbe in einigen Fällen (Hackl und lleindl) gute Dienste zu leisten schien, hat in neuerer Zeit Lemke das Apomorphin auf Grund einer grösseren Versuchsreihe geradezu als souveränes Mittel gegen die Lecksucht empfohlen. Lemke hat 220 Kühe, 21 Ochsen und 141 Kälber mit Apomorphin behandelt und gefunden, dass sämmtliche Thiere ohne Ausnahme nach einigen Tagen keine Spur von Lecksucht mehr zeigten; es blieb bloss während 814 Tagen ein gewisser Appetitmangel zurück. Die Dosis des sub-cutan angewandten Mittels beträgt für Kinder, die schon längere Zeit an Lecksucht leiden, 0,1 pro dosi et die, bei kürzerer Dauer der Krankheit 0,2. Lecksiichtige Kälber bedürfen derselben Dosis.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Lecksucht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 59
Die Heilkraft des Apoinorphins, welches Ji Tage hinter einander täglich einmal injicirt wird, erstreckt sich nur auf 85 Monate, wenn die krankmachenden Ursachen nicht beseitigt werden, im anderen Fall ist sie eine andauernde. Endlich soll man nach Lemke in Gegenden, wo die Krankheit stationär ist, und der Viehstand jährlich oder alle zwei Jahre gewechselt werden muss, durch vierteljährlich vorgenommene Aponiorphin-liijectionen die Thiere drei Jahre lang auf einem relativ guten Ernährungszustand erhalten können. Günstige Beobachtungen bezüglich der Apomorphinbebandlung der Lecksucht sind auch von Väth, Gassner und Ostertag gemacht worden. Dagegen berichtet Hafner über einen Misserfolg.
Lecksucht bei Pferden. Eine eigentliche Lecksucht kommt beim Pferde viel seltener vor, als beim Rinde. Meist tritt sie sporadisch und in der Regel unter leichtgradigen Erscheinungen auf, Die Ursache ist gewöhnlich in dem Vorhandensein gastrischer Störungen zu suchen, weshalb die Krankheit auch erfolgreich durch die Verabreichung von Magenmitteln (Mittelsalze, Harlsbadersalz, Salzsäure) oder säuretilgenden Mitteln (Kalkwasser, Natrium bicarbonicum und carbonicum, Magnesium carbonicum etc.) behandelt wird. Steinmeyer sah bei einem lecksüchtigen Pferde auch guten Erfolg nach der subeutanen Anwendung des Apomorphins (0,05 : 5,0 Aqua). Die Erscheinungen bestehen in anhaltendem Belecken und Benagen benachbarter Gegenstände oder der eigenen Haut, in theilweisem Verschmähen des normalen Futters, in vermehrter Aufnahme von Streu, sowie im Pressen von Mist. Am häufigsten findet man die Lecksucht bei Fohlen.
Das in verschiedenen Remonte-Depots beobachtete Sandfressen der Renion ten, welches eine llauptursache der sogen. Sandkoliken bildet, dürfte in der Hauptsache auf eine Spielerei resp. Untugend der sich selbst überlassenen jugendlichen Thiere zurückzuführen sein. Man findet es bei solchen Remonten , welche ohne Aufsicht den ganzen Tag über in den mit Sand beschütteten Hocks verweilen und aus Langeweile resp. Nacb-ahuiungstriob sich allmählich an das Sandfressen gewöhnen. Das üehel ist daher in der Mehrzahl der Fälle dadurch abzustellen, dass man den Thieren Stallaufenthalt anweist und dieselben unter strenger Aufsicht hält. Zuweilen allerdings scheint das Sandfressen ein Symptom wirklicher Lecksucht zu sein. Es ist dann auf das Fehlen gewisser mineralischer Bestand-theile im Putter zurückzuführen und durch Melioration des Bodens, sowie durch die Verabreichung von plastischen Mineralsalzen, namentlich von Kochsalz und phosph orsaur em Kalk zu behandeln. Ausserdem kann man die Aufnahme von Sand durch liogiessen desselben mit schlecht schmeckenden Stoffen (Tiieer, Oarbolwasser, Oreolinwasser, Carbo-lineuin, Holzessig, stinkendes Thieröl, Petroleum u. s. w.). sowie durch sub-cutane Injectioneii von Apomorphin (0,050,2) zu verhindern suchen. Bezüglich der letzteren Eälle ist übrigens zu bemerken , dass ein absolut sicheres Arzneimittel gegen das Sandfressen nicht existirt. Eine andere Untugend ist das sogen. Haarfressen der Fohlen, welche darin besteht, dass dieselben ihren Mutterthieren die Schweifhaare abfressen. Dasselbe hat mit der Lecksucht nichts zu schaffen.
Lecksucht beim Schwein. Nach Spinola kommt die Lecksucht beim Sehwein in derselben Gegend vor, in welcher die Lecksucht des Rindes
|
||
|
|
||
|
|
||
|
(30nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wollefressen.
heimisch i.st, und gleicht der letzteren auch in Beziehung auf Verlauf, Dauer und Ausgang. Die Thiere sollen besonders faulendes Holz und Holzborken verzehren. Als ein untergeordnetes Symptom beobachtet mau ferner lecksüchtige Erscheinungen im Verlaufe der Osteomalacie (Jansen). Die Behandlung besteht in Aenderung der Fütterung, sowie in Verabreichung von aufgeschlossenem Knochenmehl. Auch lirechmittel (Brochweinstein, Nieswurz, Ipecacuanha, Veratrin) können versuchsweise angewandt werden. Das F erkeif ress e n der weiblichen Schweine gehört ebenso wenig wie das Auffressen der Nachgeburt beim Rind ins Gebiet der Lecksucht. Es ist auch keine blosse Spielerei oder Untugend , sondern scheint in der Mehrzahl der Eillle auf vorübergehende Störungen des Bewusst-seins zurückzuführen zu sein. Bloch (lierl. thierilrztl. Wochenschr. 1891, S. quot;$()) empfiehlt zur Beseitigung des Leidens die Verabreichung eines Breoh-DTÜvers als einfaches und stets bewährtes Mittel. Nach Entfernung der Jungen setzt man den Mutterthieren Milch mit Tartar, stibiatus und lüiizorua Veratri ana 0,5 vor, worauf bald Beruhigung bei denselben eintritt, so dass sie die Jungen gutwillig annehmen.
|
||
|
|
||
|
II. Das Wollefressen der Schafe.
Literatur, 1) Spinola, Handbuch dor speciellen Pathologie und Therapie. 2. Aufl. 2) Preuss, Mittheilung. 1856/57. S. 14G; 1857/58. S. 156; 1861/62. S. 172. 3) Hering, Bericht über die Leistungen in der Thierheilkde, 1857. S. 44; 1859. S. 42. 4) Burmeister u, Krüger, Mag. f. Thierheilkde. 1801. S. 487. 5) M a.y, Die inneru und äussem Krankheiten des Schafes. 1808. S. 40. 6) llaselbach, Ratligolicr im Schafstalle. S. 27. 7) May, Bayer. landwirthsch. Zeitschr, 1806. S. 162. 8) Neithardt, Die Herdenkrankheiten der Schafe. 1864. S. 94. 9) Preuzler u. Paylau, Preuss. landw, Annal, 1801. Beil. 1. Jahrg. S. 227. 10) Lemke, Deutsche Zeitschr. für Thiermedioin, 1882. S. 117. 11) Haselbaoh, Oesterr. Monatsschr. 1884. S. 83. 12) Siedamgrotzky-Haubner, Landwirthsohaftl. Thierheilkde. 1889. S. 91. Endlich verschiedene Aufsätze von SohafzUohtem,z.B. 13)Eisner, Erfahrungen in der höheren Schafzucht, 14) Körte, Das deutsche Merinoschaf. II. Thl, 15) Löhner, Anleitimg zur Schafzucht und Wollkunde. 10) I'ohlonz, Die Thierzüchtung etc. 17) Natb, Petersburger landwirth-scbaftl. Zeitung etc.
Aetiologie. Das Wollefressen und Wollenagen der Schafe ist ein der Lecksucht dos Rindes sehr nahe verwandtes Leiden, welches durch die daraus hervorgehende Beschädigung und den Verlust der Wolle, sowie auch angeblich durch Einbusse von Lämmern einen nicht unbeträchtlichen Schaden verursacht und daher ein grosses wirthschaftliches Interesse beansprucht. Bezüglich der Ursache und des Wesens des Wollefressens sind die Meinungen ebenso getheilt wie bei der Lecksucht. Es stehen sich besonders zwei Theorien gegenüber. Nach der einen soll das Leiden lediglich durch Nachahmung, nach der anderen durch eine Ernährungsstörung analog der Lecksucht
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Wüllefrossen.
|
(il
|
||
|
|
|||
|
entstehen. Eine siclieve Entscheidung, welche Annahme die richtigere ist, kann zur Zeit noch nicht getroffen werden: vielleicht wirken oft beide Momente zusammen.
1)nbsp; Die Nachahmungstheorie wird besonders von Spinola vertreten; er nimmt als veranlassende Ursache für den ersten Wolle-fresser Langeweile an. Dafür, dass das Leiden eine durch Nachahmung entstandene Untugend ist, scheint zu sprechen: erstens, dass es in der Regel nur ein Schaf ist, welches das Wollenagen beginnt; zweitens, dass Spinola das Uebel mitunter nur in einzelnen Ab-theilungen ein und derselben Schilferei beobachten konnte; drittens, dass durch strenge Absonderung der Wollefresser das Umsichgreifen des Uebels in einer Herde beschränkt und verhütet wurde (Spinola, Burmeister); viertens, dass das Wollenagen hie und da schon sehr frühzeitig beginnt, ehe sich noch in Folge der Winterstallhaltung Er-nilhrungsstörungen entwickeln konnten.
2)nbsp; Als eine Ernährungsstörung in Folge unzureichender und fehlerhafter Fütterung wurde das Leiden schon früher, in neuerer Zeit besonders wieder von Lemke aufgefasst, welcher auf Grund von Versuchen Nachahmimg als Ursache ausschliessen zu können glaubt. Man sieht nämlich häufig im Winter bei knapper und unzulänglicher Fütterung, bei zu reichlicher Verabreichung von Kartoffeln, Kartoffelschlempe, überhaupt stickstoffarmer Nahrung, bei Mangel an Eaullfutter etc. das Wollefressen auftreten und nach einer Aenderung des Futters wieder verschwinden. Bei den Lämmern wird das Leiden auf Milchmangel, beziehungweise unzureichende Ernährung der Mütter, sowie auf eine abnorme Beschaffenheit der Muttermilch zurückgeführt. So führt May an, dass in einer Schäferei, in welcher die Lämmer nicht hinlänglich Muttermilch bekamen und deshalb Wollefresser wurden, das Uebel sofort schwand, als die Lämmer versuchsweise noch etwas Kuhmilch erhielten. Ausserdem werden noch torfige, saure, nasse Weiden, ein Ueberschuss, sowie Mangel an Kochsalz (Uaubner-S ied a m gr 01zk y) beschuldigt.
|
|||
|
|
|||
|
Vorkommen. Man findet das Wollefressen hauptsächlich in
edleren, besonders Merinozuchten, und zwar nach der übereinstimmenden Mittheilung aller Autoren nur im Stalle zur Zeit der Winterhaltung, also vom Herbst bis Frühjahr, nie während des Weideganges. Oft kommt das Leiden schon 814 Tage nach geschehener Aufstauung zum Vorschein, verliert sich aber ebenso schnell, wenn die Thiere auf die Weide kommen.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
amp;2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wollefrossen.
Erscheinungen. Beim Wollefressen der Lämmer sollen die jungen Thiere schon in dem Alter von 2(i Wochen anfangen, die Wolle ihrer Mutter zu benagen, und zwar vorzugsweise an den Unter- und Oberschenkeln, sowie am Bauch und Schweif. Während zuerst nur spielend wenig Wolle abgenagt wird, steigert sich diese Begierde bald mehr und mehr, und die Lämmer benagen schliesslich auch andere Schafe. Dabei erscheinen sie im Allgemeinen gesund, ohne bemerkenswerthe Störungen des Appetits und Wachsthums. Nur wenn Lämmer, wie es zuweilen geschieht, sehr viele, namentlich lange und grobe Wolle aufnehmen, treten bei ihnen Ernährungsstörungen auf; sie magern ab, bleiben in der Entwicklung zurück, zeigen zeitweise Verstopfung und können selbst unter den Erscheinungen einer Magendarmentzündung zu Grunde gehen. Man findet dann bei der Section neben entzündlichen Erscheinungen besonders des Labmagens hasel- bis welschnussgrosse verfilzte Wollballen neben verschieden grossen Mengen anderer Wolle vor, welche hie und da in den Pförtner eindringen und diesen verstopfen sollen.
Stellt sich das Wollefressen in einer aus Jährlingen und älteren Schafen bestehenden Herde ein, so beginnt gewöhnlich erst ein Tliier meist sollen es Hammel oder trächtige Schafe sein die Wolle eines anderen, anscheinend als ob es Futtertheile aufsuchte, zu benagen und dann zu fressen. Nach May u. A. sollen mit Vorliebe Thiere benagt werden, deren Wolle mit Urin und Koth beschmutzt ist. Der erste Wollefresser benagt oft mehrere Schafe, bis er endlich das Fressen der Wolle bei ein und demselben Schafe ausübt. Bald gesellt sich zu dem ersten ein zweiter und dritter u. s. w., um mit ihm gemeinschaftlich das ausgewählte Schaf zu bearbeiten. Dies wird in der Hegel kahl gefressen und dann erst ein zweites in Angriff genommen. Mit der Zunahme der Zahl der Nager steigert sich auch die Zahl der zum Nagen auserlesenen Thiere, und es kann so das Uebel in einer Herde in kurzer Zeit eine ganz bedeutende Ausbreitung erreichen und einen sehr beträchtlichen Verlust an Wolle nach sich ziehen. Dabei bleiben die Wollefresser gewöhnlich anscheinend gesund und fiel) er los, die Futteraufnahme und das Wiederkauen sind nicht gestört. Nur hie und da sollen bei Einzelnen Verstopfimg, Blässe der Schleimhäute, Abmagerung, Trockenheit der Wolle etc. vorkommen. Zu ausgesprochen kachektischen und maranti-schen Zuständen mit letalem Ausgange, wie sie bei lecksüchtigen Rindern zu beobachten sind, führt das Wollefressen der Schafe nicht, ebenso wenig zu Osteomalacie oder Osteoporose.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Wollcfressen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;63
Bezüglich dor Zeit des Wollefressons findet dasselbe bei geringer Ausbildung des Uebels nur bei Tage, und /war gewöhnlich in den Futterzwischenzeiten, bei hochgradiger Entwicklung aber auch bei Nacht und in dunkel gehaltenem Stalle statt (Lemke). Das Benagen der eigenen Wolle gehört zu den grössten Seltenheiten, weshalb eine Verwechslung des Leidens mit der Gnubbcrkrankheit oder mit gewissen Ek/.emen, welche Juckreiz veranlassen, nicht wohl denkbar ist.
Prognose. Das Wollefressen der Schafe stellt ein viel leichteres Uebel dar, als die Lecksucht des Rindes; Verluste können höchstens bei Lämmern eintreten. Auch für das Wollefressen gilt das bei der Lecksucht bezüglich der Möglichkeit eines Stall- oder Futter-, resp. Weideweohsels, sowie über die etwaige Bestätigung der günstigen Wirkung des Apomorphins Gesagte.
Behandlung. In erster Linie ist das Augenmerk auf die Beschaffenheit des Futters zu richten; in allen Fällen wird sich ein Futterwechsel, sowie die Verfütterung möglichst intensiv ernährender Mittel empfehlen. Sodann wäre, soweit dies Jahreszeit und Witterung zulassen, der Aufenthalt im Freien der Stallfütterung vorzuziehen. Insbesondere ist eine zu karge Fütterung der Lämmer zu vermeiden; nach May soll man sie von der 3. Woche nach der Geburt von den Müttern separiren und nur zum Saugen mehrmals des Tages zulassen.
Weiter wird sich wohl immer, mag es sich nun mit der Nachahmung verhalten, wie es will, die sofortige strenge Absonderung der ersten Wollefresser und namentlich auch der benagten Thiere von der Herde sehr empfehlen. Die Verabreichung von Salz, alkalischen Mitteln, Stomachicis etc. mag immerhin zu versuchen sein. Das von Spinola empfohlene Dunkelhalten des Stalles während des Tages in den Zwischenfutterzeiten ist in vorgeschrittenen Fällen wohl kaum von grossem Nutzen.
In neuester Zeit hat Lemke wie bei der Lecksucht des Kindes, so auch beim Wollefressen der Schafe ausserordenlliche Erfolge mit der subcutanen Anwendung des salzsauren Apomorphins erzielt, indem er 800 wollefressende Schafe durch das Mittel ausnahmslos heilte. Nach Lemke sollen den kranken Thieren 0,1 0,2 Apo-morphin, also dieselbe Dosis wie beim Rind, eingespritzt werden. Die Heilwirkung soll sich etwa auf vier Monate erstrecken. Bestätigt sich diese Beobachtung, so wäre die Therapie auf einem Gebiete, wo Arzneimittel bisher wenig gefruchtet haben, um ein sehr werthvolles Mittel reicher. Jedenfalls empfehlen sich Versuche in dieser Richtung sehr.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
64nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Acutci' Magun-Dai'iukiitnn'h beim Pferde.
Das Selbstausziehen der Federn beim Geflügel. Dasselbe ist im
Weseiitliolien als eine aus Spielerei und Langweillaquo; hervorgegangene Untugend zu bezeichnen, welche namentlich bei Papageien und Kanarienvögeln, aber auch bei Hühnern und anderem GeHügel vorkommt. Das üebel ist nieist unheilbar. Wenigstens haben unsere Versuche mit äusser-lichen Einreibungen von Tinotnra Veratri, Tinotura Asae l'oetidae, Tinctura Aloes, Tinctura Gentianae und anderen schlecht schmeckenden Flüssigkeiten ebenso wonig Erfolg gehabt, wie die innerliche Anwendung von Apomorphin. Nicht zu verwechseln ist das Selbstausziehen der Federn mit Ausfallen derselben im Verlaufe gewisser Hautkrankheiten,
|
||
|
|
||
|
Aouter Magen- und Darmkatarrh beim Pferde.
(Gastro-Enteritis catarrlialis acuta. Status gastricus. Acute Dyspepsie.)
Literatur. Aetiologisches u. Therapeutisches! 1) Coulbeaux, Recueil vet. 18-i4. 2) Denneubourg, Anual, de med. vct. LSti'J. 8) Parent, Journ, de Lyon. 1800. 4) Oesterr. Vierteljahrsschr. 1804. S. 143. 5) Holzendorff, Preuss. Mittheil. 1865/66. S. 170. 6) Roloff, ibid. 1866/67. S. 104. 7) Dammann, Zeitsohr. von Pütz. 1876. S. 566, 8) Wiener klinische Berichte in der östoiT. Viei-teljalirsschr. 1853. 57. 68. 04. 08. 84. 9) Byrne, Am. vet. rev. 1885. 10) Hengst, Silchs. Jahresber. 1887. 8.61. 11) Walther, ibid, 1888. S. 81, 12) Berliner Arohiv, 1889. 8. 290. 18) He-pliquet, Journal de Lyon. 1890. 14) Cagny, Bull. soc. centr. vct. 1890. Vgl. ausserdem die Lehrbücher der spec. Pathol. von Hering, Spinola, Roll, Anacker, Haubner-Siedamgrotzky, Pütz, Dieckerhoff. Ueber sauren Harn bei Da rmkat a i rh : 1) Siedamgrotzky u. Hofmeister, Silchs. Jahresber. 1874. 8. 135, sowie Diagnostik. 2. Aufl. 1884. 2) Fröhner, Herings Kepert. 1881. S. 186. 8) Tereg, llannov. Jahresber. 1880-82. S. 34. 4) Tereg u. Arnold, ibid. 1882/83. S. 39. Ueber Erbrechen als unschädliches Symptom eines acuten Magenkatarrhs (Magonü b erfüll ung) bei Pferden: 1) Hertwig, Magazin. 1830. 8. 846. 2) liopfnor, ibid. S. 259. 3) Forthomme, Reoueil vet. 1837. 4) (trete, Hering's Repert. 1842. S. 50. 5) Schwartz, Kreutzer's Centralzeitg. IV, S. 3. 6) Benkert, Busoh'sohe Zeitschr. 111. lift. 2. 7) Gavin, 'l'be Vetcr. 1852. 8) Sallo, Reoueil. 1853. 9) Martin, Repertor, 1845. S. 02. 10) Rijnders, Het Repertor. 1852. 11) Dänische Zeitschr. f. Thierärzte. 1853. 12) Kletti, II Veterin. 1855. 13) Reuter, Adam's Wochensohr. 1857. S. 421. 14) Clauss, Sftchs. Jahresber. 1856/57. S. 44. 15) Walther, ibid. 1861. S. 102. 16) Romant, La olinique vrt. 1801. 17) Demeester, Annal. Bruxell. 1865. 18) Melon, ibid. 1870. 19) Bril, ibid. 1878. 20) Savoles, ibid. 1809. 21) König, Sachs. Jahresbericht. 1872. S. 122. 22) Tannenhauer, ibid. 1874. S. 93. 23) Becker, Preuss. Mittheil. 1870/71. S. 124. 24) Münster, ibid. 1800/01. S. 142 f. 25) Lecot, Bullet, belg. 1880. 20) Weigent li al er, Wochenschr. f. Tbier-heilkde. 1891. S, 142. Vergl. ausserdem die Literatur dos Erbrechens im Kapitel der K o I i k.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Acuter Mii^endannkatanli des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;05
Vorbemerku (igen. Wenn wir in diesem Kapitel den acuten Maffenlcatarrh mit dem acuten Darmkatarrh zusammen abhandeln und die sehr gewöhnlich auch als Indigestion, Magenüberladung, Dyspepsie, Verdauungsschwäche, Schwerverdaulichkeit, Gastricismus, Gastrosis, Status gastricus, gastrisches Fieber etc. bezeichneten abnormen Zustände im Magen mit in Betracht ziehen, so folgen wir damit einem auch anderweitig üblichen Gebrauche, der seinen Grund darin hat, dass die Schwierigkeit, einerseits den genauen Sitz, andererseits den Intensitätsgrad einer Erkrankung des Magens und Darines mit Sicherheit zu bestimmen, im concreten Falle oft eine ausserordentlich grosse ist. Es unterliegt gewiss keinem Zweifel, dass ein acuter Katarrh bei unseren Hausthicren sowohl auf den Magen als auf den Darm beschränkt vorkommen, ja dass er sich selbst wieder auf verschiedene Abschnitte des letzteren localisiren kann; ebenso dass es von der bei jeder Verdauung physiologischer Weise auftretenden Hyperämie der Magenschleimhaut bis zu einer intensiven Entzündung derselben sehr viele Zwischenstufen gibt. Indess gelangt man z. B. beim Pferd, bei dem das Erbrechen als charakteristisches Symptom des Magenkatarrhs gewöhnlich wegfällt, und auch die für den Darmkatarrh so bezeichnende Diarrhöe in Folge der ungewöhnlichen Länge des Darmrohrs oft fehlt, meist nur zur Aufstellung einer Wahrscheinlichkeitsdiagnose. Rechnet man noch dazu, dass Magen- und Darmkatarrhe sehr häufig nach einander oder selbst neben einander als Folgeerscheinungen einer Ursache vorkommen, so wird sich diese scheinbare Schwäche der thier-ärztlichen Diagnostik erklären und entschuldigen lassen.
Auch zur Unterscheidung der einzelnen Intensitätsgrade fehlt uns ein sicherer diagnostischer Massstab. Man hat früher als den leichtesten Grad von Magenerkrankung die sogen. Dyspepsie bezeichnet und darunter Verdauungsstörungen verstanden, bei welchen keine nach w e is bare n S tr u c tu r Veränderungen der Magen sohl ei in haut, sondern nur Störungen der physiologischen Function des Magens vorliegen sollen. Indess sind diese Dyspepsien bei unseren Hausthieren immer nur zu vermuthen, aber nie zu beweisen, wenn sie auch bei älteren und blutarmen Individuen, in der Ueconvalescenz nach langwierigen Krankheiten u. s. w. vorkommen mögen. Es ist schlechterdings unmöglich, zu sagen, wo die Dyspepsie aufhört und der Katarrh beginnt, um so mehr, als die erstere bei längerem Bestehen geradezu in Katarrh übergehen kann. Aus diesem Grunde haben wir auch die Dyspepsie nicht als selbständige Krankheit aufgeführt. Daffegen ist man schon eher im Stande, einen leichten Fvledberger u. Pröhner, Pathol. u, Therapie d. Hausthiere. L Bd. 8. Aafl. ;gt;
|
||
|
|
||
|
|
||
|
GOnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Aonter Magendarmkatarrh dos Pferdes.
Magendarrnkfitarrh von einer schweren MageiKlannentzünduiig klinisch zu unterscheiden. Wir haben daher die letztere vom ersteren getrennt und später in einem besonderen Kapitel behandelt. Wenn auch zwischen beiden in der Praxis sehr häufig Uebergänge vorkommen, in welchen der Kliniker im Zweifel ist, ob er seine Diagnose auf Katarrhquot; oder Entzündungquot; stellen soll, und dem zufolge in manchen Lehrbüchern der Katarrh und die Entzündung der Magendarmschleimhaut in einem Kapitel abgehandelt werden, so sind doch andererseits die intensiveren entzündlichen Affectionen der Magen-darmschleiinhaut durch schwerere Krankheitserscheinungen (höheres Fieber, stärkeres Allgemeinleiden) charakterisirt und nicht bloss anatomisch , sondern auch klinisch vom einfachen Katarrh zu unterscheiden.
Die physiologischen Verhältnisse beim acuten Magendarmkatarrh des Pferdes. Hei keinem Absohnitte der speciellen Pathologie ist die Kennt-niss der physiologischen Verhältnisse zum Verständnisse des pathologischen Processes und zum richtigen therapeutischen Handeln nüthiger als bei den Krankheiten des Magens und Darmes. Wir schicken daher eine kurze Zusammenstellung der für die vorliegenden Zwecke wichtigsten Sätze aus der Physiologie voraus, folgende Punkte sind zu berücksichtigen:
1)nbsp; Ausgiebiges Kauen befördert die Verdauung durch Vermehrung des verdauungskräftigen Speichels im Magen, sowie dadurch, dass das durch gehöriges Kauen stark verkleinerte Putter dem Magensaft eine grüssere Einwirkungsflächo darbietet. Schlecht gekautes Futter führt zu Verdauungsstörungen.
2)nbsp; Massige Futtermengen in kürzeren Zwischenräumen werden schneller und ausgiebiger verdaut als grosse mit langen Futterpausen. Die letzteren bedingen abnorme Umsetzungen und zuletzt Magenkatarrh.
3)nbsp; Die Reaction des Mageninhalts ist beim Pferde während der Futter-aufnähme in Folge des reichlich abgesohluckten Speichels eine alkalische bis neutrale; unmittelbar nach der Futteraufnahme ist der Säuregehalt am niedrigsten (= 0,8 pro Mille) und steigt dann allmählich bis 2 pro Mille. Ueber 2 pro Mille Säure ist für den Pferdemagen abnorm. Der Säuregehalt des Oarnivorenmagens ist normal ein höherer, als der des Pferdemagens. In fieberhaften Krankheiten, /.. B, Influenza, bei intensivem Magenkatarrh, Anämie etc. reagirt der Mageninhalt andauernd neutral oder selbst alkalisch in Folge zu geringer oder ganz aufgehobener Bildung der Magensäure (Ellenberger und Hofmeister). Die Socretionsanomalie ist auf die Störung der Circulation in der .Magenschleimhaut zurückzuführen.
4)nbsp; Im Beginne der Verdauung ist die Säure im Magen des Pferdes Milchsäure; sie hat eine bedeutende stürkemehlverdauendo Kraft und erreicht das Maximum ihrer Wirkung in der 2. Verdauungsstunde. Die Salzsäure tritt erst nach der Milchsäure auf und hemmt dabei die letzere in ihrer Wirkung. Die Salzsäure führt in Verbindung mit dem Pepsin das Eiweiss reichlich in Pepton über. Der Höhepunkt der Eiweissverdauung liegt bei massiger Futteraufnaiime zwischen der 8. und 4., bei reichlicher zwischen der 0. und 8, Stunde. Die therapeutische Verabreichung
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Acuter Mageudarmkatarrh des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(37
der Salzsäure nooh im Stadium der Milohsäursverdauung, sowie die zu starke Verdünnung der Salzsäure durch Wasscraufnahme im Stadium der Sal/.silureverdauung ist dalier scliädlich (Ellen-berger und Hofmeister).
.ri) ,Di(gt; Eiweissverdaunug geht nur bei Gegenwart von Siluren vor sich. Am besten ist für den 1'f'er domagcn eine 2promilligo Salzsäure, die durch eine 2proceiitigo Milchsilure ersetzt werden kann; desgleichen wirkt eine Iprocentige Salzsäure plus einer fipromilligen Milchsäure -- einer 2promilligeii Salzsäure. Zu viel Siluro, z. li. mehr als 5 pro Millo Salzsäure, stört die Popsinwirkung; zu viel Milchsäure erzeugt Magenkatarrh (Ellenberger \mü Hofmeister). Rechnet man den Mageninhalt des Pferdes zu 10 Liter, so ergibt sicli als Normaldosis für die. Salzsäure nach vorstehendem 20 g (2 pro Mille), gar keine Salzsäure i in Magen vorausgesetzt!
6)nbsp; nbsp;Zur Pepsinwirkung ist die Gegenwart von Wasser, sowie eine Temperatur von :i7quot;.VV C. nöthig (Kälte ist also nachtheilig). Die entzündete Magenschleimhaut liefert kein Pepsin. Zu viel Pepsin ist für die Verdauung schädlich (Ellenberger und Hofmeister).
7)nbsp; nbsp;Unverdaulich sind für das Pferd die epidennoidalen Gebilde (Epidermis, Haare, Federn, Wolle, Nägel, Klauen, Hut'nom, Hörner), ausser-dem Wachs (Wacbspillon!); schwer verdaulich Knochen, elastisches Gewebe, Stroh, Kleie, sehr alto Cellulose.
8)nbsp; nbsp;Die normale peristnltische Bewegung dos Magens befördert die Verdauung durch stärkere Secretion des Magensaftes und innige Mischung des Eutterbreies. Liegt die Peristaltik danieder, indem entweder der Magen erschlafft ist, oder die Muskelhaut des Magens an der Hyperämie und entzündlichen Schwellung der Magenschleimhaut beim Katarrh Theil nimmt, so leidet die Verdauung Noth, und es kommt zu Magenüborfül lung, Dilatation etc. Auch bei Mangel an Salzsäure liegt die Peristaltik darnieder, indem die Salzsäure ein Haupterregungsmittel für die Peristaltik ist.
it) Die verdauende Wirkung des Magensaftes (Salzsäure, Milchsäure, Pepsin) auf die Schleimhaut des Magens selbst wird theils durch die andauernde Durchspülung derselben mit alkalischem, die Säure neutralisiren-dem Blute, theils durch den abgesonderten Magenschleim, theils durch das vorhandene Magenepithel verhütet. Staut sich aus irgend einem Grunde das Blut in der Schleimhaut, oder wird ein Theil derselben vorübergehend blutleer, wie es bei Katarrhen, Embolien etc. geschieht, so kommt es durch die Einwirkung dos Magensaftes zu sogenannten peptischen Geschwüren. Ist umgekehrt die Schleim-absonderung im Verlaufe des Katarrhes eine zu starke, so belegt sich die Magenschleimhaut mit einer dichten Schleimschichte, welche vermöge ihrer alkalischen Reaction einen Theil der Salzsäure neutralisirt und den Magensaft am Eindringen in den Futterbrei hinder t.
10)nbsp; Die in der Nahrung immer vorhandenen Gab ru ngsf erm en t e (Essigsäiire-, Buttersäure-, Milchsilure-, Alkohol- etc. Gährung) werden bei normaler Säuresecretion im Magen durch den Magensaft zerstört. B e i geschwächter M agen secretio n führen sie dagegen zu den genannten abnormen Gährungen der Kohlehydrate, deren Pro-ducte reizend auf die Schleimhaut des Magens und späterhin auch auf die des Darmes einwirken.
11)nbsp; nbsp;Die im Magen gebildeten Peptone werden von der normalen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
08nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Acutci- Magendanukatarrh des Pferdes,
Magensobleimhaut in ziemlloh bedeutender Menge resorbirt. Bei katai-rha-lisch erkrankter Schleimhaut dagegen liegt die Resorption der Peptone darnieder, in Folge dessen sich ein [Jeberschuss an Peptonen bildet, der ungünstig auf die E1 woissverdauung einwirkt (Ludwig).
12)nbsp; Die Reaction des Darininhultes ist beim Pferde im Dünndarm, Cöcum und ventralen Theil des Colons eine alkalische, im dorsalen Colon und Rectum eine wechselnde. Bei Pilcalstäsen, Kolik, Darmkatarrh findet man meist eine saure Reaction des ganzen Darminhaltes (Ellenbergor und Hofmeister, Tereg), in Folge deren die Rosorptions-verhältnisse für gewisse Salze sich andern. Die Menge der Verdauungs-secrete ist im Fieber vermindert, die Qualität verändert, was zu Ve r d a u u n g s s t ö r u n g e n f ü h r t.
13)nbsp; Die bei der Cellulosegährung im Dickdarm des Pferdes normal gebildeten Gase (CHj, CO;), Stti, H), sowie die normalen Päulnissproducte des Eiweisses (Phenol, Indol, Soatol) sind bei Darmkatnrrh, Kolik etc. lüiufig vei'mehrt und führen theils zu Ycrgiftungserscheinungen (Gase), theils zu vermehrter Ausscheidung durch den Harn (Indican).
14)nbsp; Die normale Zeitdauer des Aufenthaltes des Futters im A'er-dauungsschlaucbe beträgt beim Pferde 34 Tage.
Aetiologie. Die Ursachen des acuten Magendarmkatarrhes, der beim Pferde, wie überhaupt bei unseren Hausthieren, häufigsten Krankheit, sind theils gewisse direct auf die Schleimhaut einwirkende Schädlichkeiten, theils Einflüsse mehr indirecter Natur. Ausserdem besitzen aber noch manche Individuen eine gewisse Disposition für die Krankheit. Hieher gehören alle schwächlichen, anämischen, schlecht genährten und verweichlichten, desgleichen sehr junge und sehr alte Pferde, Reconvalescenten von einer schweren Krankheit, durch andauernde Verfütterung faden und erschlaffenden Futters heruntergekommene oder durch mehrmaliges üeberstehen eines acuten Magendarmkatarrhs weniger widerstandsfähige Thiere. Endlich zeigen sich manche verfeinerte und verwöhnte edlere IJacepfenle oft bei den geringsten Ursachen auffallend empfindlich für die Krankheit.
Unter den direct auf die Schleimhaut einwirkenden Reizen sind zu nennen: zu kaltes oder zu hei SS es Wasser und Futter, bereiftes oder gefrorenes Gras, Brühfutter, Aufnahme zu heissen Malzes beim unvorsichtigen Dämpfen der Pferde, zu heisse Eingüsse u. s. w.; unreines, verdorbenes Futter, schlechtes, trübes Wasser, schimmliges, dumpfiges, verschlammtes Heu, feuchtes Stroh, multriger, schimmliger Hafer, schimmliges Brot; in Giihrung und Fäulniss übergegangenes Futter, z. B. faule Kartoffeln, Rüben, Obst, gährendes GrUnfutter, keimende Samen, saure Milch bei noch säugenden Thieren; alle reizenden Futterstoffe, insbesondere solche, denen giftige Pflanzen (Colchicum, Tabak, Digitalis etc.) bei-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Aouter Magendarmkatarrb des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;09
gemischt sind, unpassende und zu oft wiederholte Anwendung scharfer Arzneien und Abführmittel; unverdauliche oder schwer verdauliche Stoffe, so Fremdkörper, verholzte Pflanzenfasern, elastische Gewebe, zu reichliche Körner- oder Leguminosenfütterung, welch letztere, an und für sich schwerverdaulich, noch stark nacliquellen; schlecht gekautes Futter, wie es z. B. vorübergehend beim Zalm-wechsel junger Thiere der Fall sein kann, wenn die Zähne schwer durchbrechen, und die Reste der Milchzahnkrone die Schleimhaut verletzen, wodurch das Kauen schmerzhaft und unvollständig wird. Man sieht auf diese Weise Fohlen oft sehr zurückkommen. Endlich gehört hierher die Aufnahme zu grosser Futter- und Wassermengen, das sogen. Ueberfressen und Uebersaufen. Das Ueborfressen ist meistens die Folge des zu raschen üebergungs von einem geringen zu einem besseren Futter oder umgekehrt, insbesondere aber von einer leichtverdaulichen zu einer schwerverdaulichen Nahrung, z. B. eines zu raschen Wechsels von Stall- und Weidefütterung, sowie der Aufnahme von ungewohnten Mengen saftigen, leicht gährenden Grimiütters, vor allem grünen Klees. Dasselbe kann auch durch längeres Hungern der Pferde, durch Einführung zu langer Futterpausen mit Reducirung der Mahlzeiten, überhaupt durch unregelmässige Fütterung oder durch abnorme Fressgier, Loskommen der Pferde im Stall etc. bedingt sein. Eigenthümlicher Weise werden zuweilen auch Fälle von aeutem Magendarmkatarrh nach der Verfütterung von frisch gewonnenem Heu beobachtet.
Zu den indirecten Einflüssen, welche einen acuten Magen-darmkatarrh hervorrufen können, gehören Ueberanstrengung und zu frühe Benutzung der Thiere nach der Futteraufuahme, wodurch die Verdauung in Folge Verlegung des Blutes aus den Eingeweiden in die Körperperipherie gestört wird, ferner aus sere Erkältung in Folge zu raschen Temperaturwechsels oder andauernd ungünstiger Witterung, wobei die plötzlich eintretende collaterale Hyperämie der Darmschleimhaut gewissermassen die Vorstufe des Katarrhs darstellt. Endlich rechnet man zu den indirecten Ursachen gewisse Witterungsverhältnisse, z.B. zu grosse Hitze, anhaltende Schwüle, sowie dumpfe, unreine, schlecht vcntilirte Stallungen, die indess wohl nur durch das Zwischenglied der Erkältung oder Schwächung der Constitution zu Magendarmkatarrh führen können.
Zu manchen Zeiten und in manchen Gegenden kommt der acute Magendarmkatarrh seuchenartig verbreitet vor. Dieser sogen, in-fectiöse Magendarnikatarrh hat seinen Grund in der Einführung nicht
|
||
|
|
||
|
|
||
|
70nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Acutcr MiigemlannkatiUTli des Pferdes.
näher gekannter Mikroorganismen in den Darm, ist aber unter Umständen sehr schwer von einer im Anfangsstadium befindlichen anderen Infectionskrankhoit zu unterscheiden,
Aussei- diesen Fällen von selbständig auftretendem aeuten Magen-darmkatarrh findet man denselben schliesslich noch als ein secundäres, symptomatisches Leiden im Verlaufe verschiedener fieber-hiifter Krankheiten, so bei Brustseuche, Staupe, i'uerperal-, Petechial-fieber u. s, w.
In der Mensohenmedioill unterschied mau früher verschiedene Arten von Dyspepsie. Es handelte sich entweder um die Aufnahme abnormer Mengen und abnorm beschaffener Nahrungsmittel und die daraus entstehenden Verdauungsstörungen (Dyspepsia ab ingest is), oder um quantitativ und qualitativ abnorme Beschaffenheit des Magensaftes. Die quantitative Veränderung des Magensaftes bestand in einer zu sparsamen Seeretion desselben nach allen seinen Bestandtheilen in Folge Mangels des nöthigen Dildungsinaterials, #9632;/.. D. bei Anämie, Hydriimio, oder in Folge verminderter Erregbarkeit der Magennerven bei älteren Individuen, reizloser Nahrung etc. (Dyspepsia tor pi da); die qualitative in einem Miss-verlulltniss zwischen Pepsin und freier Magensilure, wobei entweder ein Ueberschuss der Säure (Dyspepsia acida) oder ein Mangel der Salzsäure (Dyspepsia ab acido) gegeben sein konnte; vergl. auch die diagnostische Bedeutung der neueren Untersuclmngsmethoden des Magensaftes. Im Gegensatze zu diesen essentiellen, selbständigen Dyspepsien endlich unterschied man die im Verlaufe von fieberhaften Krankheiten auftretenden symptomatischen.
Anatomischer Befund. Zur Vornahme von Sectionen ist, da
der primäre acute Katarrh gewöhnlich nicht zum Tode führt, in der Regel nur beim secundären Katarrhe Gelegenheit geboten. Aber auch bei diesem kann der Befund ein negativer sein, indem sich die im Leben vorhandenen entzündlichen Erscheinungen nach dem Tode zuweilen nahezu ausgleichen,
1) Befund im Magen, Die eigentliche Magenschleimhaut (l'ylorushälfte) zeigt die auch an anderen Schleimhäuten als Katarrh bezeichneten und nur nach der besonderen Struetur dieser oder jener Schleimhaut etwas modificirten Erscheinungen, Sie befindet sich nämlich im Zustande einer entzündlichen Schwellung und zeigt bald diffuse allgemeine, bald umschriebene fleckige höhere Köthung, neben stellenweiser ramiformer Injection, zum Theil auch Ekchymosen-bildung. Diese Hämorrhagien können von verschiedener Grosse sein; sie sind bald nur punktförmig, bald linsenförmig oder auch noch grosser, und bedingen so bald ein getüpfeltes oder gesprenkeltes, bald ein geflecktes Aussehen der Schleimhaut (hämorrhagischer Katarrh der älteren Autoren). Das Schleimhautsecret ist vermehrt und stellt
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Acuter Magi'mlarinkiitiirrh dos Pferdes.
|
71
|
||
|
|
|||
|
eine bald mehr gla.sig-sclileimige, bald scbleimig-eiterige Masse dar, die in Folge kleiner llämoirliagien auch blutig gefärbt sein kann und an zelligen Bestandtheilen Sclileimkörpercben, weisse Blutkörperchen, sowie abgestossene und in Aut'lösiing begriffene Epithelzellen enthält.
Mikroskopische Untersuchungen der erkrankten Schleimhaut fehlen bis jetzt beim Pferde. Nach den Untersuchungen Ziegler's beim Menschen besteht das mikroskopische Bild der katarrhalisch erkrankten Magenschleimhaut in schleimiger Degeneration des Cylinder-epithels, der DrüsenausfUhrungsgängc, stärkerer Körnung des Lab-drüsenepithels, zelliger Infiltration des interglandulilren Bindegewebes und der Submucosa, Schwellung und Desquamation der Endothelien der Lymphgefässe.
#9632;J) Befund im Darm. Aehnlich wie im Magen sind auch die pathologischen Veränderungen im Darm. Die Schleimhaut ist entzündlich geschwollen und in Folge der serösen Infiltration der Submucosa gelockert, die Muskulatur stärker durchfeuchtet und daher die ganze Darmwandung mürbe und leicht zerreissbar. Die entzündliche Hyperämie ist bald auf kleine Stellen beschränkt, bald auf verschieden grosse Darmabschnitte, selten aber auf den ganzen Dann-tractus ausgebreitet. Zuweilen handelt es sich bloss um eine auf die Darmzotten beschränkte Hyperämie und Schwellung, in Folge deren die vergrösserten und verlängerten Zotten auffällig in das Darm-lumen hineinragen, oder die Röthung macht sich besonders um die mehr oder weniger geschwollenen solitären und agminirten Follikel in Form eines Hofes bemerklich. Wenn diese Follikel in Folge der Schwellung als weissgraue, hirsekorn- bis hanfsamengrosse, von einem rothen Hofe umgebene Knötchen über die Oberfläche der Schleimhaut prominiren eine Erscheinung, die auch auf anderen Schleimhäuten vorkommt und nach Roll besonders im Dickdarm des Pferdes angetroffen werden soll , so hat man diesen Zustand wohl auch als Follicularkatarrh bezeichnet. Gehen diese geschwollenen Follikel sodann durch Vereiterung oder Abstossung zu Grunde, so bilden sich ihrem Sitz entsprechend kleine krater- oder kesselformige, geschwürartige Substanzverluste, welche nicht mit eigentlichen Darmgeschwüren verwechselt werden dürfen und im Gegensatze zu diesen Follicu largeschwüre genannt werden. In schwereren Erkrankungsfällen, wenn auch beim acuten Verlaufe seltener, bilden sich wohl auch mehr diffuse, sogenannte katarrhalische Erosionen, d. h. Substanzverluste des Epithels.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
72
|
Aouter Magendarmkatarrh des Pferdes.
|
||
|
|
|||
|
Entsprechend der Antheilnahme der lymphoiden Follikel der Darmschleimhaut findet man auch die Mesenterialdrlisen verschieden-gradig angeschwollen.
Das Product der katarrhalisch erkrankten Schleimhaut besteht in einer an Epithelien reichen Flüssigkeit, die je nach ihrem Gehalte an zelligen Bestandtheilen bald seröser, bald schleimiger, bald endlich eiteriger Natur sein kann, wie sie auch bei vorhandenen Hämorrhagien statt der gewöhnlichen weisslichgrauen oder graugelblichen Farbe mehr roth erscheint. Zuweilen ist die Lockerung und Abstossung der Epithelzellen eine ganz ungewöhnliche (sogenannter desquamativer Katarrh).
Mikroskopische Untersuchungen fehlen auch hier. Nach Ziegler zeigt beim Menschen das zwischen den LieberkUhn'schen Krypten gelegene Bindegewebsgerüste schon bei Katarrhen massigen Grades zellige Infiltration.
1) Erscheüumgen, wie sie im Allgememen dem acuteu Magenkatarrh zugerechnet werden. Das erste und oft einzige Symptom, welches dem Eigenthümer der erkrankten Tiiiere auffällt, sind Störungen in der Futteraufnahme. Entweder liegt die Fresslust ganz darnieder, oder die Thiere fressen weniger und dabei langsamer. Der Appetit ist oft sehr unregelmässig, wechselnd, bald einige Mahlzeiten hindurch ganz unterdrückt, bald wieder scheinbar normal, häufig auch sehr wählerisch, indem gewisse Futtermittel ganz versehmäht, andere wieder, z. B. Stroh, Rauhfutter, entschieden besseren vorgezogen werden, wobei sich selbst abnorme Gelüste, z. B, lecksüchtige Erscheinungen, Verzehren beschmutzter Streu, zeigen können. Der Durst ist bei Pferden gewöhnlich vermindert; manche Thiere verschmähen das Wasser vorübergehend ganz. Gleichzeitig beobachtet man in Folge von Verstimmung der Vagusendigungen im Magen Gähnen, das stundenlang fast ununterbrochen andauern kann, sowie Fleh men. Bei acutem Magenkatarrh in Folge starker üeberladung des Magens kann es beim Pferde auch zu Brechbewegungen und wirklichem Erbrechen kommen, ohne dass ein weiterer Nachtheil daraus entstünde, und ohne dass stärkere Kolikerscheinungen damit verbunden sind. Wie die einschlägige Literatur erweist, sind solche Fälle von unschädlichem, auf Magenkatarrh, resp. Üeberladung beruhendem Erbrechen nicht ganz so selten, wie gewöhnlich angenommen wird. Im Gebirge insbesondere, wo die Weidepferde zuweilen viel von den Blättern der weissen Nieswurzel aufnehmen, ist dieses gefahrlose Erbrechen gar nichts so Seltenes. (Weiteres über Erbrechen beim Pferde siehe bei Kolik.)
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Aoutar Magendiinnkatun-h des Pferdes,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;73
Sehr gewöhnlich zeigt sodann die Maulsohleimhaut beim acuten Magenkatarrh wichtige Veränderungen. Sie ist entweder höher ge-röthet oder mehr blass, hie und da auch schmutzig gelb oder livide gefärbt, im Anfang oft sehr trocken, später mit einem schmierigen, pappigen, seifenschaumähnlichen Sehleim von fad-süsslichem Geruch belegt, oder man findet in der Maulhöhle grössere Ansammlungen glasigen, alkalisch reagiremlen Schleimes. Auch eine Schwellung des submueösen Venennetzes am harten Gaumen (sogenannte Froschgeschwulst) ist häufig wahrzunehmen. In Folge der verminderten Futteraufnuhme bildet sich gerne ein Zungenbelag. Sehr häufig complicirt sich der acute Magenkatarrh mit einem vollständigen Katarrh der Maulschleimhaut. Der Hinterleib zeigt in seinem äusseren Umfange in der ersten Zeit nichts Besonderes, später wird er allmählich leer und aufgezogen; die Darmperistaltik kann entweder normal sein, oder sie ist schon im Anfange der Erkrankung vermindert; der Koth ist oft klein geballt, trocken, mit einer harten, auffallend glänzenden Kruste versehen und wird in geringeren Mengen, hie und da auch in kürzeren Zwischenräumen abgesetzt, auch enthält er häufig schlecht verdaute Futtermassen. Kolik-erscheinungen fehlen in der Regel. Der Urin weicht beim acuten Magenkatarrh von der Norm kaum ab.
Die Psyche ist je nach dem Grade der Erkrankung und der Individualität mehr oder weniger eingenommen; die Thiere stehen stumpfsinnig im Stalle, sind träge und unlustig bei der Arbeit, ermüden und schwitzen rasch und athmen dabei etwas angestrengter. Fieber fehlt in vielen Fällen; da, wo es vorhanden ist, erreicht es selten einen höheren Grad; meist ist die Mastdarmtemperatur nur um einige Zehntelgrade über die Norm erhöht, und der Puls nur um 812 Schläge p. M. beschleunigt, auch beschränken sich die fieberhaften Erscheinungen meist nur auf einige Tage. In sehr seltenen Fällen beobachtete man Schüttelfrost als erste Krankheitserscheinung. Dagegen findet man häufig eine ungleiche Vertheilung der Körpertemperatur, kalte Ohren und Extremitäten, sowie höher injicirte Lidbindehaut.
Dor oben erwähnte Bpfuml bezüglich des Fiebers beim acuten Magenkatarrh gilt für die überwiegende Mehrzahl aller Fälle: es gibt acuten Magenkatarrh ohne und mit Fieber, letzteres ist aber moist nur nieder-gradig. Es ist dabei- der Name -gastrisches Fieberquot; statt acuter Magenkatarrh'' nicht richtig. Will man die krankhaften Zustände, die man früher mit dem Begriffe gastrisches Fieber nmfasste, genauer kennen lernen, so muss man zweierlei wohl aus einander halten. I) Da man alle fieberlos verlaufenden Magenkrankheiten als Dyspepsie, Status gastricus,
|
||
|
|
||
|
|
||
|
74nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Acutcr MngcmliU-mkataiTli dos Pferdos.
Sobwerverdauliohksit u. s. w, bezeichnete, so stellte man diesen das sogen. gastrische Fieber als pine wenn auch leichtere, so doch mit Fieber einher-gehende Magenaffeotion gegenüber. Heutzutage dagegen unterscheidet man gewiss besser zwischen einem fi ob er los und fieberhaft verlaufenden acuten Magenkatarrh. 2) Schon früher hat man beobachtet, dass es auch ausnahmsweise Krankhoitsbilder gibt, in denen eine scheinbar leichte Magen-affection oder, um mit unseren Benennungen zu reden, in denen ein aouter Magenkatarrh mit sehr hochgradigem Eieber verläuft. Diese allerdings nur seltenen Fülle sind dadurch charahterisirt, dass die gastrischen Erscheinungen gegenüber dem hochgradigen und meist anhaltenden Fieber (40 selbst 41deg; 0., 70 und mehr Pulsschlilge per Minute) und den übrigen schweren Störungen im Allgemeinbefinden der Thiere (auffallend grosse Muskelsclnväche, starke Eingenommenheit des Sensoriums) sehr in den Hin torgrund treten. Da man nun diese Eälle nirgends anders unterbringen konnte, so kamen sie ebenfalls unter die Rubrik gastrisches Eieborquot;, unter der sie zum Tlicil heute noch lanf'en. Indess auch hier ist dieser Nanu1 nichts weniger als bezeichnend.
Wie sind nun diese wenn auch sei tonen Eälle von hoch-fieberhaften acuten Magenkatarrhen zu deuten? Mau hat hier verschiedene Möglichkeiten zu berücksichtigen : Erstens: Bei anämischen, wenig widerstandsfähigen Individuen ist das Fieber dos acuten Magenkatarrhs ein höheres und führt leichter zu Schwäche und Hinfälligkeit. Zweitens: Katarrhe infectiöser Natur verlaufen mit oft sehr hochgradigem Fieber, Diese sogen, infoctiösenquot; Magen- und Darmkatarrhe kommen selbst in seuchenhaftor Verbreitung vor, und es kann das infioirende Agens entweder ein von aussen eindringender Mikroorganismus oder ein im Magen seihst gebildetes Zersetzungsproduct der eingeführten Nahrung sein. Drittens: Die beschriebenen Erscheinungen gehören gar nicht in das Gebiet des acuten Magenkatarrhs. Gerade hier gibt es sehr viele Verwochslungsmöglichkeiten. So ist gewiss manchmal der scheinbar hochfieberhafte Magenkatarrh nichts Anderes als das Initialstadium einer fieberhaften Infection skr ankhe it, so z. 15. der Brustseuohe, wobei die sichere Diagnose erst später möglich wird. Zuweilen hat man es ferner mit einer jener Vergiftungen zu thun, wie sie nach Fütterung befallenen Futters, nach Resorption gewisser abnormer Verdauungsproducto etc. beobachtet werden. Wahrscheinlich gehört auch ein Theil der als typhösequot; Magondarmentziindung beschriebenen Krankheitsfälle hiehor.
2) Ersoheimuigeu, wie sie im Allgemeinem dem acuten Darm-katarrli zugerechnet werden. Im Gegensätze zu dem beim acuten Magenkatarrh stets alterirten Appetit kann die Futter auf nähme beim acuten Dannkatarrh vollständig normal sein; meist ist sie indess besonders im weiteren Verlaufe der Erkrankung mehr oder weniger gestört. Der Durst ist bei bestehender Diarrhöe oft ein sehr bedeutender. Das Allgemeinbefinden kann ebenfalls unverändert sein, und der ganze Process fieberlos verlaufen, wenn auch gewöhnlich bei Localisation der Krankheit auf den Darm die Gesammtstörimgen intensivere zu sein pflegen, als beim Magenkatarrh. Die Haupterscheinungen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Acuter Magemlannkatiirrli des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;7quot;i
betreffen den Darmcanal. Die Peristaltik wird lebhafter, die Darm*
geriiusche kollernd, oft auf Distanz hörbar, gurgelnd und glucksend; dazwischen hinein ist die Darmbewegung wohl auch wieder unterdrückt. Nicht selten treten Kolikerscheinungen auf. Der Hinterleib ist zeitweise durch Gase mehr gefüllt und bei der Palpation empfindlicher. Der Koth wird öfter und in grösseren Quantitäten abgesetzt und ist anfangs gross und locker geballt, häufig auch von glasigem Schleim überzogen oder von schmutzig weissen, bald wieder intensiv gelben, häutigen, croupähnlichen Massen netzförmig umhüllt (Proctitis). Meist enthält er sehr viele nicht verdaute Haferkörner, sowie lange, grobe, schlecht ausgenutzte Futterpartikel und zeigt einen mehr oder weniger intensiven säuerlichen oder fauligen Geruch. Hie und da wird nach dem Absetzen der Kothballen etwas grünlichgelbe Flüssigkeit ausgepresst, welche die Umgebung des Afters, den Schweif und die Innenfläche der Schenkel besudelt. Sowohl bei Kothabsatz. wie auch unabhängig von demselben gehen häufig meist sehr übelriechende Flatus ab.
Weiterhin tritt Diarrhöe auf. Dieselbe ist ein für die Diagnose des Darmkatarrhs sehr wesentliches Symptom. Der Koth, anfangs stärker durchsaftet und leicht zerfallend, wird dickbreiig und zuletzt diinnbrciig und ganz flüssig, bekommt einen auffallend säuerlichen oder fauligen, selbst aashaft stinkenden Geruch und geht zuweilen ganz unwillkürlich bei offen stehendem After und unter starkem Sinken der Körperkräfte ab (sogenannter colliquativer Durchfall). Die Reaction des Kothes ist eine vorwiegend saure (Fettsäuren), was indess für die Diagnose ohne Belang ist, da der Koth schon normal sehr häufig sauer reagirt. In manchen Fällen kann beim acuten Darm-katarrh Diarrhöe auch fehlen. Beschränkt sich nämlich beim Pferde der Katarrh auf den Dünndarm, so kann die diarrhoische Flüssigkeif des Dünndarms im Dickdarm vollständig resorbirt werden, wodurch der Koth wieder gesammelt und geballt wird. Andererseits bedeutet eine bestehende Diarrhöe nicht immer das Vorhandensein einer katarrhalischen Darmaffection. Abgesehen von dem normal sehr weichen Koth bei Grünfütterung kann nämlich auch vorübergehend Diarrhöe durch einfache Vermehrung der Darmperistaltik in reflectorischer Weise und durch consecutive Hyperämie, z. B. nach einer starken Abkühlung des Körpers, auftreten.
Der beim Katarrh des Magens kaum veränderte Harn bietet beim acuten Darmkatarrh verschiedene abnorme Verhältnisse. Er wird zunächst bei bestehendem Durchfall in verminderter Menge abgesondert.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
70
|
Aouter MageiKlarinkatiin-li dos Pferdes.
|
||
|
|
|||
|
wobei sein specifisclies Gewicht sick entsprechend erhöht. Sodann ändert er gern seine Farbe und verliert sein Sediment, wird klarer, durchsichtiger. Der Gehalt an Indican (indigschwefelsaurem Alkali) ist erhöht; wir haben dies, analog wie beim Menschen, besonders bei vorhandener starker Gährung und Fäulniss im Darmeanal gefunden. Insbesondere aber ist der Harn beim acuten Darrakatarrh reicher an Phosphaten, die im normalen Harn nahezu ganz fehlen. Dabei geht die alkalische Reaction meist in die neutrale und saure über.
Froh nor hat auf Gtrund sehr ztihlreicher Beobachtungen den Satz aufgestellt, dass mit der einzigen Ausnahme des Hnngerzustandes bei Krankheiten der Pflanzenfresser das Auftreten eines sauren Harns immer auf das Vorhandensein einer entzündlichen Affection des Magenclarm-canals bezogen werden nmssquot;, und hat speoiell bei fieberhaften Krankheiten darauf hingewiesen, dass trotz andauernden hohen Fiebers der Harn alkaliseh bleibt, sofern die Putteraufnahme nicht ganz unterdrückt ist und kein Magendannkatarrh hinzutritt. Wir haben diese Beobachtung auch weiterhin sehr häutig bestätigt gefunden. Wenn daher Siodamgrotzky und Hofmeister in ihrer Anleitung zur Mikroskopischen und chemischen Diagnostikquot; (2. Aufl.. S. !*8) angeben, saure Beaction wird beobachtet bei längerem Hungern, bei Darmkatarrhen mid bei allen erheblicheren -Fiebernquot;, so erscheint dies nach unseren Erfahrungen nicht vollständig gerechtfertigt.
Bezüglich der Entstehung dos sauren Pflanzenfresserharns existiren verschiedene Auffassungen. Froh nor hat früher angenommen, dass auf Grund einer entzündlichen Alteration der Dannschleimhaut deren Resorptionsthätigkeit in der Weise alterirt ist, dass sie, statt wie normal die pnauzensanren, nunmehr die phosphorsauren Salze aufnehme, und die saure Reaction auf einen vermehrten Gehalt an Phosphaten zurückgeführt. Tereg weist dagegen darauf hin, dass in Folge der sauren Reaction des Darminhaltes bei Darmkatarrh die im Darme vorhandenen, hei normaler alkalischer Reaction unlöslichen Erdphosphate löslieh und resorbirbar, und daher durch den Harn ausgeschieden werden können. Diese Erklärung hat sehr vieles für sich. Ob endlich die von Siedam gr o tzky und Hofmeister angenommene Möglichkeit, dass es sich bei der vermehrten Ausscheidung der Phosphate im Harn urn eine verminderte Ausscheidung der Phosphate durch die Verdauungsdrüsen handeln könne, die Lösung der nicht leichten Frage näher gebracht hat, muss dahingestellt bleiben.
Dauer und Verlauf. Die meisten mit geringem oder doch nur massigem Fieber verlaufenden Fälle von acutem Magendarmkatarrh gehen leicht und rasch in Genesung über; dieselbe tritt oft schon nach wenigen Tagen ein, selten dauert der Zustand länger als (i8 Tage. Das Fieber geht, dann allmählich zurück, dio Futteraufnalune wird besser, die Entleerungen werden seltener und der Koth consistenter. Nicht selten folgt auf die Diarrhöe ein verzögerter Kothabsatz, eine leichte Verstopfung. Die Rückkehr des Urins zur alkalischen Reaction deutet ebenfalls auf Besserung hin, wobei indess hie
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Acutcr Mngoiulannkatiirrh des Pfei'dee
|
77
|
||
|
|
|||
|
und da der Phosphatgelialt trotz alkalischer Reaction noch ein bedeutender sein kann (basisch phosphorsaurer Kalk). Dauern jedoch die Ursachen fort, oder ist die Affection eine intensivere, so wird der Katarrh entweder chronisch oder führt zu eingreifenderen Störungen. Das Fieber erreicht dann eine ausserordentliohe Höhe, die Diarrhöe wird andauernd, ruhrartig, colliquativ, die Kolikerscheinungen werden häutiger und stärker, die Thiere fallen sehr stark in den Flanken ein, magern ab, bekommen ein rauhes, struppiges Haarkleid, die Temperatur der extremitalen Theile wird auffallend kühl. Dazu gesellt sich eine rasch zunehmende Muskelschwädie und Eingenommenheit des Sensoriums, die Thiere stehen stumpfsinnig und theilnahmslos im Stalle, bekunden durch häufiges Schildern und Niederlegen ihre Mattigkeit und Hinfälligkeit; die Futteraufnahme ist sodann vollständig sistirt. Tritt hiebei noch Genesung ein, so folgt darauf ein sehr langes Stadium der lieconvalescenz; indess führt der beschriebene Zustand, besonders bei schwächlichen und alten Thiereu, häufiger zur Erschöpfung und zum Tode.
Differentialdiagnose. Verläuft der acute Magendarmkatarrh
ohne bedeutendes Fieber, so ist eine Verwechslung mit anderen Darmleiden nicht gut möglich. Dagegen ist es oft schwer, zu entscheiden, ob ein Magendarmkatarrh selbständig besteht, oder ob er bloss eine untergeordnete Erscheinung einer schwereren anderen Erkrankung bildet; man soll daher crsteren nur diagnosticiren, wenn letztere mit Sicherheit auszuschliessen ist. Ferner kann es Schwierigkeiten machen, einen schwereren Fall von Magendarmkatarrh von einer Darmentzündung oder Magenentzündung zu unterscheiden. Hier kann oft nur der weitere Verlauf, die Höhe des Fiebers, die Schwere der allgemeinen Erscheinungen, sowie die Berücksichtigung der Ursachen entscheiden. Kommt es endlich im Verlaufe eines acuten Dickdarmkatarrhs zu Follikularverschwiirung, SO ist es dann und wann geradezu unmöglich, die dabei auftretende ruhrartige Diarrhöe, die man wohl auch als katarrhalische Ruhr bezeichnet hat, von der eigentlichen infectiösen Dysenterie zu unterscheiden. Der weitere Verlauf, die Anainneso etc. müssen auch hier Anhaltspunkte für die Diagnose geben.
Von Wichtigkeit sind nun ferner einige Punkte bezüglich der Localisation des Katarrhs auf die verschiedenen Abschnitte des Danncanals.
1) Bleibt der Katarrh auf den Dünndarm beschränkt, so kann
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
78nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Auutei- Magendarmkatarrh lt;les Pferdes,
dies mit Sicherheit nur dann erschlossen werden, wenn sich in Folge starker Schwellung der Schleimhaut oder durch Fortsetzung des Katarrhs auf die Schleimhaut des Gallengan^es die Ausflussöffnung desselben verengt oder verschliesst, und so durch Stauung und Resorption der Galle icterische Erscheinungen auftreten. Fehlen dagegen letztere, so kann ein vorwiegender Dünndarmkatarrh höchstens aus einer gewissen Mit-betheiliguug des benachbarten Magens, sowie aus einer auffallend regen l'eristaltik der dünnen Gedärme gefolgert werden, die besonders in der linken Unterrippen- und Flankengegend oft sehr laut und kollernd zu hören ist.
#9632;J) Bei hauptsächlicher Erkrankung des Dickdarmes kommt es besonders zu stärkeren Kolik er seh einungen und zu Durchfall. Ferner ist es eine besonders für den Katarrh der hinteren Theilc des Dickdarmes, des Mastdarmes und seiner Nachbarschaft charakteristische Erscheinung, dass dabei der Koth häufig von membranösen oder netzförmigen, aus Schleim und Epithelien bestehenden Gerinnseln umhüllt ist, welche demselben nur von aussen aufliegen. Bei ausgeprägtem Mastdarmkatarrh wird der Koth öfters und immer nur in kleineren Quantitäten, selbst nur in einzelnen wenigen Ballen abgesetzt, wobei ein mehr oder weniger hochgradiger Afterzwang (Tonesmus) vorhanden ist, und der Kothabsatz unter ungewöhnlich heftigem Drängen und Stöhnen, starkem Aufkrümmon des Kückens etc. vor sich geht.
Duodeualkatarrhe, die sich mit Katarrh des Gallenganges und Stamangs-icterus complioiren, hat man früher mit dem Namen Gallenfieberquot; belegt. Noch viel häufiger dürfte indess dieser Name sich bezogen haben auf gewisse, mit Icterus verlaufende, während des Lebens der Thiere nicht erkannte fieberhafte Lebererkrankungen. Insbesondere ist wohl auch jener Icterus, wie er in Folge hoohfleberhafter, mit einer gewissen Blutdissolution einhergehender Krankheiten, zumal [nfeotionskrankheiten, auftritt, als Gallen-lieber, biliüser Zustand etc. beschrieben worden. Man nahm deshalb auch früher an, dass das Gallenfieber in einen höheren Grad der Asthenie übergehen und einen fauligen Charakter annehmen könne (Febris biliosa typhosa der älteren Autoren).
Der Abgang von mit Schleim überzogenen Kothmassen hat früher zur Aufstellung einer eigenen Krankheit, des sogen. Schleiml'iebers'', geführt. Die Annahme Roll's ist gewiss die richtige, wenn er diese Krankheitsform, die besonders bei Wiederkäuern und Hunden häufig sein soll, in die Kategorie des acuten Magen- und Darmkatarrhs verweist. Man hat eben früher joden vorwaltend desquamativen oder stark schleimigen Darmkatarrh, namentlich auch die mehr snbacut verlaufenden Fälle, als Schleim-fiebor bezeichnet, was aus der Schilderung Spinola's zu ersehen ist, der als Hauptmerkmale desselben unter anderem aufführt: blasse Schleimhäute, reichliche Schleimabsonderung der ganzen Digestionsschleimhaut, reich mit Sehleim umhüllten und von Schleim durchsetzten Koth, Neigung zu Durchfällen u. s. w. Der längst veraltete, unklare Name ist daher auszumerzen.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Aouter Magendarmkatarrh des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;79
Behandlung. Die Prophylaxe des acuten Mageiidarmkatai rhs besteht in einer rationellen Anwendung der diätetischen Grundsätze bezüglich der Fütterung und Haltung des Pferdes; die richtige Befolgung derselben vermeidet weitaus die grosste Anzahl der oben genannten krankmachenden Ursachen. Auch die Behandlung der erkrankten Thiere ist in erster Linie eine diätetische; ja in vielen Fällen genügt diese allein. Zunächst vermeide man jedes reizende und schwerverdauliche Futter, verabreiche nur kleine Kationen oder lasse die Thiere, was sich besonders bei der Ueberfütterung empfiehlt, eine Zeit lang ganz hungern, reiche nur überschlagenes Wasser, und zwar unmittelbar nach dem Fressen, nicht erst einige Stunden nachher, lasse die Thiere gut bedecken und täglich mehreremal über den ganzen Körper frottiren; insbesondere gestatte man den Kranken auch ein- oder zweimal des Tages eine kurze Bewegung im Freien.
Die medicamentöse Behandlung richtet sich je nach den verschiedenen Indicationen.
1)nbsp; Bei Magenüberfüllung ist die nächste Aufgabe, das über-mässig angesammelte Futter möglichst rasch aus dem Darmcanale zu entfernen. Wir verwenden hierzu meist eine evaeuirende Latwerge aus Glaubersalz und Brechweinstoin (Tartar, stibiat. 0,0; Natrii sulfurici 300,0; Far. secal. et Aqu. font. qu. s.) oder mehrere kleinere Dosen von Calomel (ä, 3,0). Bezüglich der Anwendung des Physo-stigmins (Physostigmin. sulfuric. 0,1, Aqu. destill. 1lt;i,0) ist insofern Vorsicht geboten, als bei starker Ueberfüllung und Ausdehnung des Magens das Mittel unter Umständen eine Magenruptur herbeiführen kann.
2)nbsp; Bei abnormen Gährungen im Magen oder Darm empfiehlt sich zunächst die Anwendung der Salzsäure (10 15,0 pro dosi in wässeriger Lösung, einige Stunden nach der Futteraufnahme). Sodann leistet hier das Kochsalz in Gaben von 2030,0 gute Dienste, desgleichen die kohlensauren Alkalien (besonders Natr. bicarbonicum 2550,0). Bei Magendarinkatarrhen, welche mit starker Platulenz und Säuerung im Darmcanal verlaufen, haben wir ferner mit dem unterschwefligsauren Natrium gute Erfolge erzielt. Auch Creolin in Dosen von 515,0 eignet sich als Antizyinoticuin (Creoliui 50,0; Pulv. Bad. Liquirit. 100,0; Extracti Liquiritiae et Cerae flavae qu. s. f. massa, e qua formentur Pilulae Nr. V. D. S. täglich I 2 Pillen).
:}) Tritt die Verdauungsschwäche in den Vordergrund, so sind nächst der Salzsäure die eigentlichen Stomachica zu versuchen. Hieher gehören ausser Pepsin (1015,0) in erster Linie die Alkalien, das
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
80
|
Acuter MagentlarmkatiUTh des Pfenlos.
|
||
|
|
|||
|
Kochsalz und Glaubersalz, der Salmiak (Natrii sulfurici 800,0, Natrii chlorati 100,0, Ammon. chlorat. 50,0, einen Esslöffel voll auf jedes Futter), sodann die pflanzlichen Stoinachica: Senf (50,0 gepulvert in Latwergenform), Pfeffer, Ingwer (10,0), Calmus (25,0), liheum (Pulv. Rad. llliei 15,0, Natrii bicarbon., Fulv. Rad. Liquirit, ää 10,0, Pul. Rad. Altli. et Aqu. font. qu. s. f. Electuar.; auf Smal), Aloe (ä 5,0 in Pillenform) und die ganze üruppe der Bittermittel (Ab-syntll, Gentiana etc.), sowie der iitlieriscb-üligen Mittel (Anis, Kümmel, Fenchel, Wachholderbeeren etc.).
4)nbsp; Gegen Durchfälle ist im Anfange, wenn nur geringe Mengen übelriechenden Kothes abgesetzt werden, eine Entleerung des Darm-canals durch kleine Dosen Calomel (2 5,0) sehr gut; letzteres darf selbst bei folliculären Geschwüren im Darme noch gegeben werden. Sodann sucht man die Diarrhöe zunächst durch diätetische Mittel (Trockendiät, Verfütterung von geröstetem Mehl und Hafer, Einverleibung schleimiger Mittel) zu stillen. Gelingt dies nicht, so greift man zu den Adstringentien und beginnt mit Eichen-oder Chinarinde (50,0), Eisenvitriol und Alaun (20,0), Tannin (15,0), geht dann über zum Bleizucker (6,0) und endlich zum Höllenstein (0,51,0 in Pillen mit armenischem Bolus, oder in viel destillirtem, resp. gekochtem oder Regenwasser gelöst). Zu den besten Mitteln gehört ferner das Opium. Bei starken Durchfällen empfiehlt es sich, von vorn herein Opium zu verabreichen, weil es schneller und sicherer wirkt, als die oben genannten Adstringentien, namentlich als Tannin. Man gibt das Opium entweder als solches in Pillenform (520,0) oder in Form der Tinctura Opii simplex (50160,0) in schleimigem Decoct als Einzeldosis; wir haben selbst schon bis zu 800,0 ohne nachtheilige Nebenerscheinungen gegeben). Von Trasbot wird gegen Durchfälle beim Pferd eine Campher-Asant-Emulsion empfohlen (Campher und Asa foetida äa 10,0 werden mit 2-8 Eidottern in 1 Liter Ueiswasser emulgirt, und diese Emulsion täglich 2mal verabreicht). Von Roll wird die Tinctnra Strychni (510,0) als Stypticum sehr gerühmt.
5)nbsp; nbsp;Bei Dickdarm- und Mastdarinkatarrhen endlich versucht man womöglich eine Localbehandlung durch Mastdarminfusionen. Schon beim Durchfall empfiehlt es sich oft, die Höllensteinlösung statt per os vom Mastdarm her zu infundiren. Dieses Verfahren ist besonders bei längerer Dauer des Darmkatarrhs von Nutzen. Man wendet so gegen katarrhalische Proctitis Lösungen von A lau n, Tannin etc. mit gutem Erfolge an (Verdünnung 1 2procentig).
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Chronischer Mageiuliirnikatarrh des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;81
Chronischer Milden- imd Darmkatarrh beim Pferde.
(Gastro-Enteritis catarrhalis chrouica, ohronisohe Dyspepsie.)
Literatur. 1) Lessona, Giornale di Veterinaria. 1852. 2) Oambron, Annal.
de Braxellea, I860. 3) Anaoker, Thlerarzt. 187laquo;. S. 186; 1871. S. 1.
4) Siedamgrotzky, Sachs. Jabresber, 1875. S. 20 u. 135. 5) Johne, und.
1873. S. 8(J. (i) Reindl, Pütz'sohe Zeitsohr. 1875. S. 868, 7) Albreclit,
Adam's Wochenschr. 1879. S. 157. 8) Möller, Berliner Archiv. 1875.
S. 277. 9) Martens, ibid. 1887. S. 3(18. 10) Lemke, Adam's Wochenschr.
1885. S. 437. 11) Stookfleth, Handbuch der thierftrztl. Chirurgie. 1885.
S. 545. 12) Dieckerhoff, Spec. Pathologie. 1888. 13) l'ried be rger.
Münchener Jahresbericht. 1876/77. S. 88; 1881/82. S. 57; 1886/87. S. 64.
14) Broase u. Oagny, Bull. sog. oentr. vet. 1883. 15) Baillet, Beoueil.
1888. 16) Santy, The Veterin. Bd. (30. 17) Veterinteapporte der preuss,
Armee pro 1887. S. 96. 18) Sturm. Berlin. Archiv. 1889. S. 296. 19) Tras-
bot, Recueil de med. vet. 1890. Nr. 24. 20) Koch, Berlin, thieriirztl.
Wochenschr. 1890. S. 195. 21) Albrecht, ibid. 1891. S. 41. Literatur über GUycerinklystiere: 1) Kattner, Thiermedicin. Rundschau.
1888. Nr. 15. 2) Schindelka, Adam's Wochenschr. 1888. S. 89: Oesterr.
Zeitschr. f, wissensebaftl. N'eteriiiiiikunde. 1888. S. 167. 8) Fortuna. Le
Progres vetcrinaire. 1890. Nr. 9.
Allgemeines. Da eine strenge Unterscheidung des chronischen Magenkatarrhs vom chronischen Darmkatarrh, sowie eine getrennte Besprechung der chronischen Dyspepsie oder Unverdaulichkeit aus den früher entwickelten Gründen kaum zweckmässig ist, handeln wir auch liier den chronischen Magen- und Darmkatarrh, resp, die chronische Dyspepsie zusammen ab. Derselbe ist, wie auch Roll bemerkt, bei Pferden eine h äuf'ige Krankheit; indess dürfte es sehr wahrscheinlich sein, dass manche scheinbar primäre chronische Magen- und Darmkatarrhe lediglich eine Nebenerscheinung eines anderen Hauptleidens (organischen Magen- und Darmleidens, einer Lungen-, Her/.-, Nierenkrankheit) sind. Besonders bei 'älteren Pferden wird dies bei der Diagnosestellung wohl /u berücksichtigen sein.
Aetiologie. Wie für den acuten Katarrh, besteht auch für den chronischen eine gewisse Disposition hei manchen Thieren: vor allem neigen die chronischen Ernährungsstörungen, die anämiseben und kachektischen Zustände, wie sie nach schweren Krankheiten, bei chronischen Vergiftungen, nach Ueberanstrengung etc. beobachtet werden, sehr zu chronischen Magendarmkatarrhen hin, Sodann entwickelt sich
Friodlicrger n. Frdhner, Patliol. u. Therapie il. ITnustliioio. I. Beb 3. Aull 6
|
||
|
|
||
|
|
||
|
82nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Chronischw Magendai'mkatawh des Pferdes.
der chronische Katarrh vielfach aus dem acuten, wenn die betreffenden diäte ti sehen Ursachen dauernd oder oft und in rascher Wiederholung einwirken. Es können daher hier überhaupt wieder alle diejenigen Schädlichkeiten in Betracht kommen, die beim acuten Katarrh besprochen worden sind. Hieher gehören namentlich anhaltende Un-regelmässigkeiten in der Fütterung und Haltung der Thiere, die fortgesetzte Verabreichung unpassender, verdorbener Nahrungsmittel, eines gehaltlosen, reizlosen, erschlaffenden Futters. Die andauernde Fütterung mancher Pferde, besonders der Müllerpferde, mit Kleie und sehr kurzgesclmittenem Häcksel wird ebenfalls von Manchen als Ursache chronischer Katarrhe beschuldigt. Dasselbe gilt für die anhaltende mechanische Heizung der Darmschleim-haut durch g robb aim ige s , bereiftes, versch lem m tes und versandetes Futter. Zuweilen entsteht ein chronischer Magenkatarrh auch in Folge anhaltenden Luftkoppens.
Bei älteren Thieren sind es ferner Störungen im Kaugeschäfte, welche durch nicht genügende Zerkleinerung und Ein-speichelung des Futters zu chronischen Reizungszuständeu im Darme führen, weshalb die Verfü tterung ungequetschten Hafers bei alten, geschwächten Thieren besonders häufig den Anlass zu Katarrhen gibt. In ganz gleicher Weise wirken Zahn krankheiten, und die als glattes, kantiges, wellenförmiges, Treppen-, Scheeren- etc. Gebiss bezeichneten Zahnanomalien.
Weiterhin führt alles, was eine andauernde krankhafte Stauungsblutfülle der Magen- und Darmschleimhaut veranlasst, allmählich zum Zustandekommen chronischer Katarrhe. Hieher gehören: wiederholt überstandene acute Katarrhe, Stauungen im Pfortadersystem, wie sie namentlich bei gewissen chronischen Erkrankungen der Leber, seltener bei Erkrankungen der Pfortader selbst, getroffen werden, Stauungen in der hinteren, Hohlvene in Folge von Herz- und Lungenkrankheiten (Klappenfehler, Lungenemphysem, Lungenverdichtungon), Stauung des Blutes im Darme selbst durch andauernde Contraction der Darmmuskulatur in Folge retiectorisch (z. B. durch häufige Erkältung) gesteigerter Darmperistaltik, umschriebene Stauungshyperämien dos Darmes nach embolischer Verstopfung einzelner Arterien beim Wurmaneurysma (sogenannter embolischer Dickdarmkatarrh nach Friedb erger). In allen diesen Fällen ist der Katarrh nicht die unmittelbare Folge der Blutstauung, vielmehr kommt er erst seeundär dadurch zu Stande, dass die Darm-schleimbaut bei der abnormen Blutvertheilung Ernährungsstörungen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Cbronisoher Mii^eiidarmkatan-h don Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;83
erleidet, und .so äusseren Reizen gegenüber weniger resistent wird. Sehr oft kann daher der Katarrh bei diesen venösen Stauungszustilnden im Darme auch fehlen. Auf diese Weise führt auch nicht selten eine lediglich durch häufig erregte Darmperistaltik (Erkältung) und con-secutiv hervorgerufene Stauungshyperämie entstandene chronische Diarrhöe erst später zu chronischem Katarrhe.
Die Ursache eines chronischen Magendarmkatarrhs ist ferner nicht selten in der Anwesenheit massenhafter oder besonders schädlicher Entozoen im Magen und Darm zu suchen. Hieher gehören zunächst die Bremsenlarven, welche zuweilen, namentlich wenn sie in iibergrosser Zahl vorhanden sind, bedeutende Verdauungsstörungen, besonders bei Fohlen, hervorrufen. Aussei- Gastrophilus equi und pecorum kommen hiebei auch die im Dünndarme zuweilen in grossen Mengen vorkommenden Larven von Gastrophilus haemorrhoi-dalis und nasalis in Betracht. Sodann ist für die Entstehung des chronischen Magenkatarrhs von Bedeutung die Filaria s. Spiroptera megastoma, welche meist an der Grenze zwischen Schlund- und Pförtnerportion, aber auch in letzterer allein, in Form von höhnen- bis apfelgrosscn, submucösen Wurmcysten vorkommt, üeber die eigentlichen Eingeweidewürmer als Ursachen des chronischen Darm-katarrhs (Ascaris megalocephala, Taenia mamillana, plicata und per-foliata) siehe das Kapitel der Helminthiasis.
Endlich geben noch Veranlassung zum chronischen Magendarmkatarrh, indess mehr in symptomatischer Weise, verschiedene organische Veränderungen des Magens und Darmes: Geschwüre, Dilatationen, Stenosen, Lageveränderungen, Neubildungen, sowie vorhandene Fremdkörper: Magen- und Darmsteine, Phyto- und Zoo-bezoare, Kothstasen, ausserdem Erkrankungen der Pankreasdrüse, z. B. der Gallertkrebs des Pankreas. Secundär findet man das Leiden ferner als eine Begleiterscheinung der verschiedensten chronischen Krankheiten (Anämie, Rachitis, Leukämie etc.).
Anatomischer Befund. 1) Befund im Magen. Der anatomische Befund beim chronischen Magenkatarrh ist je nach dem Grade und der Dauer desselben ein wechselnder; in leichteren Graden der Erkrankung ist er jedenfalls sehr wenig auffällig. Die Veränderungen finden sich gewöhnlich auf der eigentlichen, rechtseitigen Magenschleimhaut (Pylorushälfte), insbesondere an der grossen Curvatur und in der Umgebung des Pförtners. Zunächst fällt auf, dass die Schleimhaut von einer mehr oder weniger dicken Schicht
|
||
|
|
||
|
|
||
|
84nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Chronischer Miigenclarmkntiirrh des Pferdes,
eines zähen, glasigen, oder in Folge der reichlicheren Beimengung von Epithelien weissgrauen Schleimes bedeckt ist, welcher der Unterlage fest anhaftet. Die Färbung der Schleimhaut hat durchaus nicht immer etwas Charakteristisches, und muss man sich vor einer etwaigen Verwechslung der normal schon verschiedenen Färbung einzelner Theile der rechten Magenhillfle mit pathologischen Veränderungen hüten. Meist erscheint die Schleimhaut beim chronischen Katarrh düster grauroth bis schmutzig rothbraun verfärbt, nicht selten auch schiefergrau pigmentirt, dabei (lockig, wodurch ein marmo-rirtes Aussehen erzeugt wird. Die Pigmentinmg rührt von der Einlagerung schwarzer l'ignientkörner her, welche vom Blutfarbstoff extravasirter Blutkörperchen oder capillilrer lliimorrhagien stammen. In anderen Fällen findet man die Schleimhaut gleichförmig graugelb, blass, und von einzelnen auffallend erweiterten und stark gefüllten Blutgefässen durchzogen. Die Oberfläche der Schleimhaut ist entweder eben und glatt, oder aber eigenthümlich uneben und höckerig, grob-drusig, pnpillös, warzig (Etat mamelonne), oder sie bildet grössere starre Falten und Leisten und, wenn auch selten, zapfenförmige polypöse Wucherungen (Gastritis polyposa, Polyposis), Eine Verdünnung (Atrophie) der Schleimhaut konnten wir makro-skojiisch nur in einem Falle constatiren; um so öfter aber kommt, namentlich beim Etat mamelonne und der Polyposis, eine mehr oder weniger starke, selbst das Drei- bis Fünffache des Normalen betragende Verdickung derselben vor. Dabei ist das verdickte Gewebe in der Kegel derb, unelastisch, narbenartig, und setzt dem Messer beim Durchschneiden einen auffallend grossen Widerstand entgegen; zuweilen hört man ein förmliches Knirschen beim Durchschneiden, auch ziehen sich die rigiden Schnittränder nicht zurück. Eine Zunahme des submueösen Bindegewebes und eine Verdickimg der ebenfalls derber sich schneidenden Muskulatur ist oft schon mit blossem Auge zu erkennen. In anderen Fällen von chronischem Magenkatarrh kommt es in Folge Erschlaffung und Verdünnung der Muskulatur zu Magenerweiterungen, wobei der Magen oft eine enorme Grosse erreicht (das Doppelte und Dreifache des Normalen). Ueber Ulcerationen im Verlaufe des chronischen Magenkatarrhs vergleiche das Kapitel über Magengeschwüre.
In sehr hochgradigen Krankheitsfällen erkrankt auch die linksseitige Schleimhaut, So erwähnt Siedamgrot/.ky eines Falles, in dein neben Magengeschwüren und. chronischem Kartarrh der rechten Seite auch die Schleimhaut der linken Magenhälfte handbreit von der
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Cbronuoher Magendarmkatarrh des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;85
Grenze fast um das Fünffache verdickt, warzig, und von dicken, horu-artigen, weissen Epithelmassen bedeckt war, wobei es sich um eine ungleiche Hypertrophie des Papillarkörpers mit massiger Epithel-entwioklung handelte. Wir selbst haben ähnliche Beobachtungen gemacht.
2) Befund im Darm, Der Befund beim Darmkatarrh ist dem im Magen beschriebenen ähnlich. Auch hier findet man die Schleimhaut bald streitig und fleckig braunroth verfärbt, bald sthiefergrau, aalhautähnlich pigmentirt, die Gefässe stark geschlängelt und erweitert, die Oberfläche mit zähem, grauem, glasigem oder eiter-ähnlichem, zuweilen klumpigem Schleime bedeckt, die Follikel anfangs geschwollen, später atrophisch und ausgefallen, wodurch die Schleimhaut ein gegittertes, areolirtes Aussehen erhält, den Dünndarminhalt zuweilen sehr flüssig und oft molkenähnlich, flockig getrübt. Die Schleimhaut ist entweder verdünnt (eigene Beobachtung), oder, was häufiger ist, deutlich verdickt, und in Folge der Wucherung des interglandulären und submueösen Bindegewebes sehr derb, gefaltet. Im Dünndarm findet man oft dieselben papillären und polypösen Wucherungen wie im Magen, Verengerungen und Erweiterungen des Darmes in Folge von Hypertrophie und Atrophie der Darmmuskulatur kommen bei chronischem Katarrh ebenfalls vor.
Im Blind- und Grimradarm, namentlich iu der mageuförmigen Erweiterung des letzteren, sind sehr häufig die Follikel auffallend in den Entzündungsprocess hereingezogen. Dieselben ragen entweder als liirsekorn- bis erbsengrosse, knötchenartige Anschwellungen von schleimiger, eitei'iger oder dickbreiiger (Konsistenz hervor, oder gehen geschwürig zu Grunde unter Bildung sogenannter Follikular-geschwüre, die oft einen grösseren Abschnitt des Dickdarmes ganz bedecken. Roll beschreibt diese Geschwüre als hanfkorn- bis linsen-grosse, selbst bis auf das submueose Bindegewebe reichende! Substanzverluste, mit scharfen, nicht infiltrirten, uuterminirten Rändern und eiterigem Grunde, die oft durch Zusammenfliessen mehrerer grössere Geschwüre bilden, und entweder mit Hinterlassung einer leichten Narbe heilen, oder bei längerem Bestehen zu wiederholten Durchfällen und Koliken führen, und schliesslich auch den Darm perforiren. (Siehe auch Darmgeschwüre.)
Der mikroskopische Befund beim chronischen Magendarmkatarrh bedarf noch ein er genaueren Untersuchung. Wie angegeben wird, sollen die .Drüsensehliluehe des Magens in der ersten Zeit durch Schwellung ihrer Zellen eine Unifaugsverniehrang erfahren. Später dürfte es indess zur Wucherung des interglandulilren und submueösen Bindegewebes in Folge
|
||
|
|
||
|
|
||
|
86nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ohronisohor Magendarmkatai'rh des Pferdes,
einer kleinzelllgen Infiltration kommen, welche allmäbliob durch Druck zu Atrophi p dos Drüsengewebes, Yersohmälerung und Verkürzung der Drüsen-schlauche, sowie zu fettiger Degeneration der Epithelzellen und /.um Zerfall derselben führt. Das Haupt moment scheint hierbei nach den neueren Untersuchungen Ziegle r's beim Menschen die Atrophie der Dr üsen/. ell en zu sein, dein gegenüber die Hypertrophie des Bindegewebes nur von secundärer Bedeutung ist. In einem Falle fand Friedberg er bei der mikroskopischen Untersuchung der gehärteten und mit llänmtoxylin gefärbten atrophischen Magenschleimhaut den Epithelbelag fehlend, die Drüsenschichte nahezu um die Hälfte des Normalen verschmälert, d, h. die Drüsenschläuche verkürzt und deprimirt, das Bindegewebe /.wischen denselben vermehrt, und in Folge dessen die Zahl der Drüsen vermindert; auch das Epithel derselben schien spärlicher vorhanden zu sein.
Nach Bruckmüller bestehen beim Etat mamelonne die linsen-artigen Hervorragungen aus vorgeschobenen Bindegewebszapfen, desgleichen die papillären Bildungen, während die eigentlichen hügeligen Prominenzen, sowie die polypösen Bildungen aus stark gewuchertem Drüsengewebe zusammengesetzt sind. Die Bindegewebshyperplasie erstreckt sich nicht selten auch auf die Submucosa, selbst Subserosa, sowie auf das interinnskuläre Bindegewebe der Magenmuskulatur, wodurch letztere atrophisch wird, was zu Erweiterungen des Magens führen kann. Umgekehrt findet man auch Muskelhypertrophie,
Symptome. Vergegenwärtigt man sicli die anatomischen Veränderungen heim chronischen Magendarmkatarrh, insbesondere die Atrophie der Magensaftdrüsen, die fettige Degeneration des Epithels, die vermehrte Schleimproduction, die abnormen Verhältnisse der Blut-vertheilung, so lassen sich die verschiedenen Störungen der Verdauung und die Beeinträchtigung der Gesammternährung leicht begreifen.
1) Erscheiuuugen des chronischen Magenkatarrhs. Als die wichtigsten Erscheinungen eines vorwiegend auf den Magen beschränkten chronischen Katarrhs sind in erster Linie, wie beim acuten Katarrh, Störungen im Appetit, anhaltende oder zeitweilige Verminderung der Putteraufnahme, wechselnde, wählerische, oft krankhaft veränderte Fresslust, häufiges Gähnen, verzögerter Kothabsatz, belegte Zunge, trockenes oder schleimiges Maul etc., bei meist fieberlosem Verlaufe zu nennen. Diese Krankheitsäusserungen, auf welche sich oft und namentlich in der ersten Zeit das ganze klinische Bild beschränken kann, zeigen meist einen auffallenden Wechsel, indem zumal die Appetitstörungen besonders nach stärkeren Anstrengungen oder auch wohl schon bei den gewöhnlichen Dienstleistungen der Thiere sehr hervortreten, bald wieder nahezu ganz verschwinden. Ebenso können, wie leicht erklärlich, schon geringe Fehler in der Fütterung eine Verschlimmerung des Zustandes, so besonders auch Kolik anfalle, be-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Clironisulier MagendanukatiUTli des Pferdes.
|
87
|
||
|
|
|||
|
dingen. Solche recidivirende Koliken .sind daher beim chronischen Magenkatarrh keine Seltenheit.
In höheren Graden des Leidens, sowie bei längerer Dauer beobachtet man zuweilen eigenthümliche, consensuelle nervöse Störungen, die man früher unter dem Namen Magenkollerquot; zusammengefasst hat, Ausser einer gewissen Abgespannthoit und Unlust zur Arbeit, die immer vorhanden sind, bemerkt man an den Thieren ausgeprägte Gehirndeprossionserscheinungen, ähnlich wie beim Duminkoller: Eingenommenheit und Stumpfsinn des geistigen wie des Gefühls- und Bewegungslebens, selbst Schwindelanfälle (Magcnschwindel, Ab-domiualschwindel). Man hat die Erklärung dieser Störungen theils in einer Fortleitung der nervösen Reizung des Magens zum Gehirn, theils in einer durch die Stauiingshypierämie des Darmcanals herbeigeführten Gehirnanämie, theils in einer Resorption abnormer, in Folge des chronischen Katarrhs im Magen gebildeter Stoffe ins Blut (Selbst-infection) zu finden gesucht.
2) Erscheinungen des chronischen Darmkatarrhs. Die Erscheinungen, welche hiiuptsächlich dem chronischen Darmkatarrh zugerechnet werden, sind je nach der Intensität, Dauer und Ausbreitung des Processes sehr verschieden. Der Hinterleib ist meist leer und aufgezogen, zuweilen aber auch durch Gase gespannt und aufgetrieben. Die Darmgeräusche sind wechselnd hörbar, meist aber unterdrückt, der Kothabsatz ist häufig verzögert, dabei der Koth gern klein geballt und trocken, von säuerlichem oder fauligem Gerüche, zuweilen auffallend blass und reich an unverdauten Bestandtheilen. In anderen Fällen besteht chronische Diarrhöe, und bildet dieselbe oft das hervorragendste Symptom, aus dem wir das Vorhandensein eines chronischen Darmkatarrhs erschliessen. Häufig wechseln auch Verstopfung und Diarrhöe mit einander ab. Selten fehlen sodann Flatulenz und öfters wiederkehrende leichte Unruheerscheinungen. Bei längerer Dauer des Leidens kommt es weiter zu allgemeinen Ernährungsstörungen: die Thiere magern ab, der Kräftezustand geht zusehends zurück, die Schleimhäute sind blass oder bekommen eine gelbliche Färbung, das Haar wird struppig und glanzlos, die Thiere schwitzen leicht, oft schon im Stalle, der Puls wird klein, der Herzschlag schwach, die Herzaction unregelmä.ssig, oft aussetzend.
Der Harn zeigt bei chronischen Darmkatarrhen keine constante Beschaffenheit; dieselbe ist sehr von dem Grade und der Dauer der Appetitstörung, dem Vorhandensein von Diarrhöe oder Verstopfung,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
88nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Chronischer Mageiularmkatarrh des Pferdes.
der Localisation des Katarrhs etc. abhängig. In manchen Fällen ist er ganz normal. Die Farbe wechselt wie heim acuten Darmkatarrh sehr; die Consistenz ist oft schlickerig. Die Reaction ist meistens eine alkalische, ein Befund, in welchem wir mit den Angaben Albrecht's übereinstimmen, während Siedamgrotzky und Hofmeister fast immer sauren Harn gefunden haben wollen. Seltener findet man eine schwach saure Reaction, die sich vielleicht auf Ex-acerbationen des chronischen Processes oder auf eine specielle Affection des Dünndarmes zurückführen lässt. Der Gehalt des Harns an Phosphaten und Indican kann ebenfalls vermehrt sein. In einigen Fällen haben wir auch grösscre Mengen von Eiweiss im Harn constatirt.
Wie schon Gerlach in seinem Handbuche der gerichtlichen Thier-heilkunde hervorhebt, ist früher mit der Bezeichnung Magenko 1 le rquot; viel Missbrauch getrieben worden. Was Spinola und van Gemmer im als Magenkoller beschrieben, entspricht sicher einem Theile der zur Zeit noch unter dem Namen der subaouten Gehirnent/.ündung zusanimengefassten Erkrankungen sowie chronischen Lupinosevergii'tungeii, indem die genannten Autoren unter anderem auch Kleefütterung beschuldigten. Es gibt nämlich eine Reihe von verschiedenen Krankheitszuständeii, welche unter anderem die Erscheinungen einer Gastrosis und die der Gehirndepression gleichzeitig zeigen. Forner beobachtet man ganz ähnliche Symptome bei Magengeschwüren, -entzündungen, Würmern, in ganz auffallender Weise auch bei der chronischen interstitiellen Lebereutzündung. Aus diesem Grunde, und um Verwechslungen mit dem eigentlichen Koller zu vermeiden, sollte man den Namen . Magenkollerquot; nicht mehr gebrauchen.
Alb recht gibt an, im Harn von Pferden, die bereits längere Zeit an Darmkatarrhen litten, regelmässig Calciumoxalatkrystalle gefunden zu haiien, die mit dem Aufhören des chronischen Katarrhs wieder verschwanden, und erblickt darin sichere Anhaltspunkte für den Therapeuten. Diese Krystalle bilden indess einen normalen Bostandtheil des Pferdeharns, auch hängt ihr zahlreiches Auftreten oft mit rein äusserlichen Verhältnissen (längeres Stehen des Urins etc.) zusammen.
Die Gegenwart einer chronischen Eollikul ar v ersch wilrung soll sich nach liöll neben den angeführten Zeichen gewöhnlich durch hartnäckige Durchfälle, oder zeitweiliges Abwechseln zwischen Verstojifung mit starker Auftreibung des Hinterleibes und Durchfall mit öfterem Eintritt von Kolik äussern. .Bisweilen sollen sich die Erscheinungen einer acuten Darmentzündung sammt Fieber hinzugesellen. Indessen betont liöll ausdrücklich, dass die Symptome dieser chronischen Follikularversehwärung keineswegs sehr bezeichnend sind.
Dauer und Verlauf. Die Dauer des chronischen Magendarmkatarrhs richtet sich zum Theil nach den veranlassenden Ursachen, resp. der Möglichkeit ihrer Beseitigung, zum Theil nach der Ausbreitung und dem Grade des Processes. Je leichter die Ursachen zu erkennen und je rascher sie zu entfernen sind, desto kürzer wird die Dauer, desto günstiger der Verlauf sein; es gilt dies besonders für
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Chronischer Aliigoiuliiiinkaturrh des -Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 89
Katarrhe, welche eine abnorme Fütterung zur Grundlage besitzen. Haben sich jedoch im Verlaufe der Krankheit bereits gröbere Schleim-hautveränderungen herausgebildet, die an sich wieder den Process unterhalten, so ist die Dauer natürlich eine langwierige. Häufig sieht man Pferde mit chronischem Magenkatarrh noch jahrelang unter stetem Wechsel von Besserung und Verschlimmerung ihren Dienst leisten, wenn sie auch dabei mehr und mehr an Kraft und Gewicht abnehmen. Solche Thiere kommen überhaupt weniger ihres chronischen Leidens halber, als in Folge der sich dann und wann einstellenden acuten Exacerbationen zur Behandlung. In anderen Fällen dagegen erfolgt die Zunahme der Kraftlosigkeit und Abmagerung, sowie totale Dienstuntauglichkeit in kürzerer Zeit, und führt der Zustand früher zur Erschöpfung und zum Tod. Die meisten alten und decrepiden Pferde gehen wohl auf diese Weise zu Grunde. Hat der chronische Katarrh zu Magenerweiterung geführt, so kann der tödtliche Ausgang zuweilen plötzlich durch eine intercurrirende Kolik bedingt werden.
Der chronische, durch Embolie hervorgerufene Darmkatarrh führt hiiulig nach längerem, durch intermittirende Kolikanfälle unterbrochenem Verlaufe, in Folge umschriebener Darmnekrose zum Tode. (Vergl. tlironibot.-embolische häinorrhagische Darmentzündung beim Pferde.)
Behandlung. Die Gesichtspunkte bei der Behandlung des chronischen Magendarinkatarrhs sind im Wesentlichen dieselben, wie sie beim acuten Processe bereits besprochen worden sind. Das Hauptgewicht ist auf die Entfernung der schädlichen Ursachen und auf eine richtige diätetische Behandlung zu legen. Mau vermeide alles schädliche, verdorbene, schlechtverdauliche Futter, und sorge für gutes, leichtverdauliches, verabreiche dasselbe in kleineren und öfteren Rationen, schiebe z. B. je eine Vormittags- und Nachmittagsfütterung ein, regle die ganze Haltungsweise und Dienstleistung der Thiere. Etwaige scharfe Zahnspitzen sind zu entfernen, alten Thieren muss der Hafer gequetscht oder gebrochen vorgesetzt werden. Indess stösst man gerade mit diesen diätetischen Vorschriften oft auf unüberwindliche Schwierigkeiten bei den Besitzern.
Die medicamentöse Behandlung kommt beim chronischen Magendarmkatarrh erst in zweiter Linie. Zunächst hat sich auch hier die Salzsäure in kleineren Dosen (1015,0) sehr bewährt. Die Hauptrolle spielen indess anerkanntermassen die Alkalien. Man
|
||
|
|
||
|
|
||
|
QOnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ohronisclier Mngondarmkatiirrli des Pferdes.
gibt z. ]}. Kochsalz in kleinen, länger fortgesetzten Dosen (einen Esslöffel voll auf jede Mahlzeit), das doppeltkohlensaure Natrium, sowie das Glaubersalz in Dosen von 2550,0. Insbesondere bewährt sich die gleichzeitige Verabreichung der genannten drei Mittel in der Form des officinellen künstlichen Karlsbader Salzes (Sal Caroli-num factitimn), das wir der Billigkeit halber gewöhnlich folgen der massen verschreiben: Ep. Natrii sulfurici 500,0; Natrii chlorati crudi 250,0; Natrii bicarbonici 50,0. M. f. Pulv. D. S. Auf jedes Futter einen Esslöffel voll. Dieses Karlsbader Salz hat eine mehrfache Wirkung: es neutralisirt überschüssige Säure, regt durch seinen Gehalt an Kochsalz die Secretion der Verdauungssäfte an, wobei es zugleich gährungs-widrig wirkt, löst den zähen Schleim und sorgt vermittelst des Glaubersalzes für prompte Weiterbeförderung des Danninhaltes. Ausser-dem sind hier wie beim acuten Magenkatarrh die eigentlichen Sto-machica: Hheum (in lucrativer Praxis allen anderen vorzuziehen), Calmus, Enzian, Aloe, Ingwer, Anis, Fenchel, Kümmel etc., anzuwenden. Auch das Pepsin (5 10,0) und Aniorphin (0,050,2) kann versuchsweise angewandt werden. Gegen etwaige Verstopfung benutzt man neben Verabreichung von Grün- und Schlappfutter das Glaubersalz, oder mittlere Dosen von Aloe. sowrie Klystiere resp. D anninf usion en von kaltem Wasser, Kochsalzlösung, Seifenwasser etc. In der neueren Zeit hat man auch nach dem Vorgang der Aerzte Dr. Oidtmann (Mastricht) und Dr. Anaker (Chäteau-Salins) Glycerinklystiere gegen Koprostase beim Pferde angewandt (Kattner, Schindelka u. A.), indem man mittelst einer mit langem Aufsatzrohr versehenen Pravaz'schen Spritze 510 g Glycerin in das Rectum einspritzte. Das Glycerin wirkt stark reizend auf die Mast-darraschleimhaut und erzeugt reflectorisch stärkere Peristaltik und De-fäcation. Wir können diese Wirkung des Glycerins, welche etwa der eines Seifenwasserklystiers gleichkommt, bestätigen, wofern es sich lediglich um die Entleerung des Mastdarminhaltes handelt. Tiefer liegende Koprostasen, sowie die eigentlichen Verstopfungskoliken des Pferdes werden aber durch Glycerin ebenso wenig beeinflusst, wie durch Seifenklystiere.
Gegen bestellende Diarrhöe dienen die schon beim acuten Katarrh aufgezählten adstringirenden und styptischen Mittel: Eichenrinde, Chinarinde, Tannin, Alaun, Eisenvitriol, Plumbum aceticum, Argentum nitricum, mit deren Gebrauch man indess rationell umgehen muss, da sie bei zu häufiger Anwendung unwirksam werden. Am sichersten ist immer noch das Opium. In Form von Infusionen eignen sich
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Acutor Magendarmkatarrh des Rindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;lt;il
die styptischen Mittel am besten beim chronischen Katarrh der Mastdarmschleimhaut, während eine Bespülung der Colonschleimhaut oder gar des Cöcums vermittelst Mastdarminfusionen nicht möglich ist. Vergl. auch über Infusionen hei Kolik.
Nach Dr. Albrecht hat sich bei der Behandlung des chronischen Magendarmkatarrhs das Creolin als bestes Mittel erwiesen (1010,0 pro die); auf seine Anwendung hin besserte sich sehr bald der Appetit und die Verdauung, die Peristaltik wurde lebhafter und der Koth verlor fast sofort seinen üblen Geruch.
|
||
|
|
||
|
Aouter Magen- und Darmkiilarrli heim Binde.
(Acute Dyspepsie, acute Unverdauliclikeit.)
Literatur. 1) Pauleau, Journal pratique 1829. 2) Wirth, Schweizer. Arohiv. 1846. 3) Robellet, Journal de Lyon. 1847. 4) Landal, Repertor. 1849. S. 247. 5) Hering, ibid. S. 253. 6) Bossetto, üiornale di Veterinnria. 1853. 7) Bossi, ibid. 1858. 8) Benedict, Sachs. Jahresbericht. 1800. S. 99. 9) Kühne, ibid. 1801. 8. 109. 10) Weber, Annal. de Bruxelles, 1861. 11) Adam, Woohenschr. 1802. S.S. 12) Rossberg, Sachs. Jahresbericht. 1863. 8.8:!. 13) Pünfstück, ibid. 8.97. 14) Dinter, ibid. 1864. 8. 79. 15) Baron, Journal du Midi. 1802. 10) Göring, Adam's Wochenschrift. 1804. S. 884. 17) Hering, Repertor. 1870. 8. 187. 18) Kr dt, Preuss. Mitth. 1869/70. 19) Eberhardt, ibid. 1871/72. 8. 157. 20) Bosch, Adam's Wochenschrift. 1873. 8. 394. 21) Schutt, ibid. 1874. 8. 42. 22) Kober, Report. 1875. S. 372. 23) Weiskopf, Deutsche Zeiteohr. f. Thiemed. 1870. 8. 227. 24) Harms, ibid. 8. 198i 1887. 8. 189; 1889. 8. 354; Erfahrungen über Rinderkrankheiten. 1890. 25) Mathieu, Annal. de Bruxelles. 1878. 20) Brauer, Sachs. Jahresber. 1879. S. Bö. 27) Stang n. Fröhlich, Zündel's Jahresber. 1882. S. 04. 28) Bertsohe, Bad. thicr-iir/.tl. Mitth. 1886. Nr. 8. 29) Qodfryn, Bullet. Belg, 1880. 30) Jacques, ibid. 31) Jensen, Tidsskrift for Veterinair. 1887. S. 169. 82) üblich, Sachs. Jahresber. 1888. S. 87. 33) Albrecht, Wochenschr. f. Thierhlkde. 1890. S. 59. 34) Schell, Berliner Archiv. 1889. 8.489. 35) Bank, Wochenschr. f. Thierhlkde. 1891. S. 151.
Aouter Magendarmkatarrh beim Schaf: 1) G-erlach, Magazin f. Thierheilkde. 1854. S. 287. 2) Schick. Adam's Wochenschr. 1880. S. 278.
Aouter M agendarmkatarrh beim Ka meels Wederniko w, Petersburger Arohiv f. Veterinamp;rmedioin. 1888.
Allgemeine Bemerkungen zu den Krankheiten des Magen- und Darmcauals der Wiederkäuer. Mit Hecht hat man von jeher Klage darüber geführt, dass unsere Kenntnisse bezüglich der für den Thier-arzt wie Landwirth hochwichtigen Krankheiten der Verdauungsorgane der Wiederkäuer sehr bescheidene sind, und dass man in Ermangelung
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Acuter Miigeiidiirmkat.in-h dos Rindes,
|
||
|
|
||
|
sicherer differentialdiagnostischer Anhaltspunkte sich meist damit begnüge, ganz verschiedene pathologische Zustände im Magen und Darm des Rindes unter dem Namen Indigestionquot; zusammenzufassen. Wenn man sich deshalb in neuerer Zeit besonders Mühe gegeben hat (Harms u. A.), die genannten Krankheiten nach Oertlichkeit und Charakter genauer einzutheilen, und die einzelnen Krankheitsbilder scharf hervorzuheben, insbesondere aber für die Einzeldiagnosen sogen, pa-thognostische Kennzeichen aufzustellen, so kann man solchen Versuchen die Anerkennung nicht versagen, und es ist nur zu wünschen, dass von allen Seiten in dieser Weise Material beigebracht werde. Man darf indess nie vergessen, dass die Schwierigkeiten einer exacten Diagnose der gastrischen Störungen bei den Wiederkäuern ungleich grössere sind, als beim Pferd oder Hund. Es möge hier nur an den complicirten anatomischen Bau des Wiederkäuermagens mit seinen vier nach Einrichtung und Function ganz verschiedenen Abtheilungen, an die gegenseitige Beeinflussung und Abhängigkeit derselben, sowie an den Umstand erinnert werden, dass die Erkrankung des einen Theils die des anderen sehr häufig im Gefolge hat, so dass nicht selten gewissermassen mehrere Affectionen neben einander bestehen. Diese Verhältnisse bringen es mit sich, dass eine genaue Zergliederung der verschiedenen gastrischen Krankheiten so ausserordentlich schwer ist, und dass wir auch nach dem heutigen Stande unserer Kenntnisse weit davon entfernt sind, eine umfassende, abgerundete Darstellung derselben liefern zu können. Wir dürfen sogar behaupten, dass auch in Zukunft die Differentialdiagnose dieser Krankheiten trotz eingehendster Untersuchungen eine mangelhafte bleiben, und besonders im Anfange der Krankheit oft geradezu unmöglich sein wird, da die ersten Symptome bei den meisten ausserordentlich übereinstimmen und nichts weniger als pathognostisch sind.
Wir haben im Folgenden versucht, die verschiedenen einschlägigen Affectionen in der Weise neben einander zu ordnen, dass wir zunächst den acuten und chronischen Magendarmkatarrh, dann die acute und chronische Blähsucht und die Pansenüberfüllung besprechen, und hieran den Labmagenkatarrh, den Magendarmkatarrh beim Jungvieh und schliesslicb die durch Fremdkörper in den Vormägen bedingten gastrischen Störungen anreiben. Es dürfte diese Eintheilung besonders von praktischem Nutzen sein.
Die physiologischen Verhältnisse bei den Verdauungskrankheiten der Wiederkäuer. Wie beim Pferde wollen wir auch liier einige für das Verständniss der pathologlsohen Erscheinungen wichtige physiologische Cle-
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Acuter MagendimukatiUTh des Rindes.
|
9;{
|
|||
|
|
||||
|
siohtspunkte betreffs der nornuilon Verdauung der Wiederkäuer voraus-sehicken.
1)nbsp; nbsp;Die drei ersten Mägen der Wiederkiluer secerniren keinerlei Ver-dauungssäfte; sie bilden vielmehr Vormagen, welche die Verdauung des Futters lediglich auf physikalische Weise, vor allem durch mechanische Arbeit vorbereiten. Ist jedoch die letztere gehemmt, ist vor allem die Bewegung der Vormägen gestört (Parese), so leidet die ganze Ver-dauung darunter, die Fortbewegung des Futters stockt, das nicht genügend vorbereitete Putter führt zu entzündlicher Erkrankung des Labmagens und Darmes.
2)nbsp; nbsp;Insbesondere sind die Bewegungen des Pansens von grösster Bedeutung für den Fortgang des Verdauungsgeschäftes. Derselbe soll sich normal in der Minute etwa '2mal contrahircn, wobei die poristaltische Bewegung in der linken Flanke zu fühlen, beziehungsweise auch zu sehen und zu hören ist. Die Verlangsamung oder Unterdrückung dieser Bewegung führt zu Verdauungsstörungen,
8) Desgleichen ist das Wiederkäuen ein für die Verdauung unumgänglich uotliwendiger Vorgang. Dasselbe nimmt pro Mahlzeit etwa eine Stunde in Anspruch; der einzelne Bissen wird dabei etwa 50 Secunden lang durch circa 60 Kaubewegungen zerkleinert. Im Fieber, bei über-mässigen Anstrengungen der Thiere, sowie bei verschiedenen zahlreichen Störungen ist das Wiederkäuen unterdrückt; diese Unterdrückung führt ZU Verdaunngskrankheiten.
4)nbsp; nbsp;Der Pansen stellt einen Gährangsbehälter dar; Alkohol-, Milch-Säure-, Buttersäure-, Eiweiss-, Cellulosegährung sind in gewissen Grenzen normal; abnorme Gährungen führen zu ßlähsuobt. Die normal alkalische Reaction des I'anseninhalts ist nach Harms bei Dyspepsie eine saure.
5)nbsp; Der Psalter bildet einen mit selbständiger Innervation (Ellenberg er) versehenen Zerkleinerungsapparat für das Futter. Psaltervertrocknung (Löserverstopfung) und consecutive Schleimhautentztindung tritt ein bei Wassermangel, bei paretischen Zuständen des Psalters in Folge der allmählichen Resorption, und bei aufgehobenem Wiederkäuen in Folge Speichelmangels und fehlenden Nachschubes wasserhaltiger Futtermassen. Der Psalter erkrankt daher immer auch bei Parese des Pansens.
6)nbsp; Der Labmagen ist der eigentliche Verdanungsmagen : er leidet secundär bei Erkrankungen der Vormägen durch den Reiz des nicht gehörig präparirten Futters.
7)nbsp; Die Haube bildet den Hauptmotor für das Wiederkäuen; eine Parese ihrer starken Muskelsclüchten sistirt letzteres.
8)nbsp; Der Aufenthalt des Futters im Verdauungsschlauche beträgt bei den Wiederkäuern etwa 34 Tage; nach dieser Zeit geht die Hauptmasse der (unverdaulichen) Ingesta ab. Ein Theil des Futters bleibt aber bis zu 8 Tagen und darüber im Pansen und in der Haube.
|
||||
|
|
||||
|
Allgemoines. Wie beim Pferde, so haben wir es auch beim Kinde vorgezogen, die sogen, acute Dyspepsie nicht als Krankheit für sich, sondern mit dem acuten Magendarmkatarrh zusammen abzuhandeln. Es gibt zwar gerade beim Rinde Fälle genug, bei denen im Anfang nur die Function, nicht aber die Structur der betreffenden Organe alterirt zu sein scheint, was um so wahrscheinlicher ist, als
|
||||
|
|
||||
|
die Schleimhaut der ersten drei Miigen
|
gegen eine katarrhalische
|
|||
|
|
||||
|
|
|||
|
94
|
Acuter Magendannkatarrh des Kindes.
|
||
|
|
|||
|
Affection sehr resistent ist. So kann beispielsweise das Wiederkäuen gewiss lediglich in Folge nervöser oder motorischer Störungen des Pansens unterdrückt sein, ohne dass irgend ein entzündlicher Zustand der Pansenschleimhaut vorausgegangen sein muss. Da sich jedoch an diese Functionsanomalien, sofern sie nicht ganz vorübergehend sind, ein acuter Katarrh unmittelbar anknüpfen muss, da die Ursachen der Dyspepsie und des Katarrhs ganz dieselben sind, da endlich genauere unterscheidende Merkmale zwischen beiden nicht aufgestellt werden können, haben wir es trotz des herrschenden Gebrauches, dem sich auch Harms anschliesst, vorgezogen, die acute Dyspepsie nur als das erste Stadium des acuten Magendarmkatarrhs zu beschreiben.
Entsprechend der complicirteren Anlage des Magens bei den Wiederkäuern linden wir diesen auch, und zwar hauptsächlich die drei Vormägen, in erster Linie erkrankt; insbesondere bilden Pansen und Löser die Hauptangriffsstellen; in anderen Fällen sind mehr Labmagen und Zwölffingerdarm betrofPen. Der Darm ist meist erst seeundär in Mitleidenschaft gezogen, und seine Erkrankung bietet nach aussen wenig charakteristische Symptome. Doch kann in manchen Fällen auch die Affection des Darmcanals sehr in den Vordergrund treten, wobei die Diarrhöe die Haupterscheinung bildet.
|
|||
|
|
|||
|
Aetiologie. Die Disposition zur Erkrankung an acutem Magendarmkatarrh ist nicht bei allen Individuen dieselbe. Man kann dies daran erkennen, class man häufig in einem Stalle bei gleicher Fütterung und Haltung nur einzelne Thiere erkrankt findet. Die Ursachen dieser individuellen Anlage sind nicht immer klar; häufig sind sie in Schwäche des Verdauungsvermögens, schlaffer Constitution, über-standenen Krankheiten, Alter u. s. w. zu suchen. Im Allgemeinen dis-poniren nachfolgende Momente: Andauernde Verabreichung erschlaffenden faden Futters, besonders in breiartiger Form bei wenig Rauhfutter; pe rma n e n te S ta 11 h a 11u n g; M i 1 c h wi rth sc h af ten, in denen man durch gewisse Fütterungsweise möglichst hohe Milchnutzung und später schnelle Mästung erreichen will; kleine Ställe armer Leute, besonders in der Nähe von Städten, in denen die Thiere mit allem möglichen zusammengesuchten Abfall gefüttert werden. Deshalb sind es auch besonders Kühe und Ziegen, die bei der häufigen unnatürlichen Haltungs- und Fütterungsweise am meisten erkranken, und aus demselben Grund beobachtet man das Leiden in einzelnen Gegenden und Gehöften ungleich häufiger, als in anderen. Unter den
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Äouter Mugundainikiitarrli dos Hindus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;95
Jahreszeiten zeichnen sich besonders das Frühjahr und der Herbst durch ihren ungünstigen Einliuss aus. Unter den directen Ursachen sind zu erwähnen:
1)nbsp; nbsp;Die absolute Uebert'ütterung (siehe PansenüberfUllung).
2)nbsp; nbsp;Kaltes, bereiftes oder gefrorenes Futter, zu zeitige Frühjahrs* und zu späte Ilerbstweiden, ungewohntes kaltes Tränken, äussere Erkältung: zu warmes Futter (Brühfuttor).
3)nbsp; Ungeeignete Fütterung: zu schneller Uebergang von Dürr-zu Grünfutter und umgekehrt; zu junges Heu, zumal wenn die Thiere rasch darauf grössere Wassermengen zu sich nehmen; ausschliessliche oder im Verhältnisse zum llauhfutter zu reichliche Fütterung von Trabern, Schlempe, Malzkeimen, Mehl, Schrot, Kleie, Wurzeln und Knollen, rohen Kartoffeln etc.; die Beimengung von Unkraut, Laub, Reben-sprcisslingen, Kübenblättern, Spreu, Heublumen, Scheunenabi'ällen in zu grossen Mengen; üebermass an Strohfutter, rohen, ungeschroteten Körnern, Oelkuchen; forcirte Dürrfuttermastung. Die gewöhnlich ebenfalls beschuldigte Verfütterung von zu kurzem Häcksel dürfte nach der von Friedberger (Münch. Jahresb. 188081. S. 99) angestellten experimentellen Prüfung nicht immer und unbedingt zu den krank-machenden Ursachen zu rechnen sein.
4)nbsp; nbsp;Verdorbenes und verunreinigtes Futter. Es gehören hiehcr vor allem die oft in vorgeschrittenen Stadien der Zersetzung befindlichen Küchenabfälle, die stark gährenden und sauren Fabrikrückstände, verschlammtes Gras und Heu u. s. w.
5)nbsp; nbsp;Schwer- oder unverdauliches Futter: zähe, verholzte Pflanzen, grüner Flachs; Fremdkörper der verschiedensten Art, besonders grössere Mengen von Sand und Kies; das Auffressen der Nach-gelmrt bei Kühen, Verfütterung nicht gar gebackenen Brotes u. s. w.
6)nbsp; Ueberanstrengmig, welche das Uebergohen des Wiederkauens im Gefolge hat. In dieser Beziehung darf jedoch nicht unberücksichtigt bleiben, dass ein geregelter, wenn auch schwerer Zug-dienst, wie man ihn namentlich bei den Ochsen der Müller, Bräuer, Laiuhvirthe etc. findet, keineswegs Störungen der Verdauung zur Folge hat.
Erscheinungen. 1) Dyspeptisches Stadium des acuten Magendarmkatarrhs. Die Anfangserscheinungen des acuten Magen-darmkatarrhs beschränken sich in vielen Fällen auf eine Ap'petits-und Verdauungsstörung. Die Thiere gehen nicht mit der gewöhnlichen Lust an das vorgelegte Futter, nehmen davon weniger auf, am
|
||
|
|
||
|
|
||
|
9ünbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Aoutar MagoiuliinnkiitiUTh des Rindes.
ehesten noch Grün- oder Kauhf'utter, versclinüihon den gewohnten Trank, und ziehen demselben frisches Brunnenwasser vor; oder sie gehen wohl rasch ans Fressen, hören aber bald wieder auf und stehen vom Barren zurück. Hiezu kommt, öfteres und längeres Liegen, sowie unlustiges Benehmen. Das Wiederkäuen geschieht seltener, kürzer und träge; das Auslecken der Nasenlöcher fehlt. Die Wansthewe-gungen sind unterdrückt, oder verlangsamt, der Kothabsatz ist, etwas verzögert, der Koth selbst dabei normal oder etwas zu trocken. Im Uebrigen ist der Zustand ein fieberloser, die extremitalen Theile sind warm, das Flotzmaul kühl und feucht, die Milchsecretion nicht nennenswerth beeinträchtigt. Der beschriebene Zustand kann schon in kürzester Zeit, nach ein paar Mahlzeiten, wieder verschwinden oder er hält einige Tage an. Bei längerer Dauer (35 Tage) geht er in den eigentlichen katarrhalischen über.
2) Der eigentliche acute Katarrh des Magens und Darmes. Derselbe tritt entweder von Anfang an als solcher auf, oder er entwickelt sich aus dem eben beschriebenen Zustande. Ein typisches Krankheitsbild ZU entwerfen, dürfte schwer sein; wir beschränken uns daher darauf, die Erscheinungen, wie man sie im Allgemeinen vorfindet, kurz festzustellen. Dieselben sind im Wesentlichen folgende. Die Thiere stehen fast beständig vom Barren zurück, sind unlustig, theilnahmslos, krümmen den Kücken und stellen die Füsse unter den Leib (sogen. Katzenbuckel, Gemsbockstellung). Das Haarkleid ist zeitweise gesträubt und aufgebürstet, so namentlich am Kopfe, über den Augeubogen, längs des Rückenflrstes; die Ohren werden durchwegs mehr hängend oder zurückgelegt gehalten. Die Temperatur über die allgemeine Decke ist wechselnd, namentlich sind die Ohren und der Grund der Homer bald warm, bald kalt, hie und da bemerkt man auch leichtes Frösteln und Muskelzittern. Der Nasenspiegel zeigt ebenfalls eine wechselnde Temperatur; derselbe bleibt zwar gewöhnlich noch feucht, wenn auch in geringerem Grade, als bei gesunden Thieren; aber es vergeht längere Zeit, bis er sich nach dem Abwischen wieder mit Beiden beschlägt. Die Lidbindehaut ist meist höher injicirt.
Die Maulhölile ist höher temperirt, die Ansammlung von Schleim und Speichel vermehrt; zuweilen beobachtet man sogar reichliches Speicheln. Der Appetit ist stark vermindert oder fehlt ganz, desgleichen das Durstgefühl. Das Wiederkäuen hört meist ganz auf: besteht es noch, so geschieht es träge und unlustig, die Bissen sind klein, und es kommt nur die Hälfte der Mahlbewegnngen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Acuter Magemlarmkatarrli dos Rindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 97
auf einen Bolus (d. li. nur 2030). Ab und zu gewahrt man ein Aufstossen widerlich riechender Gase oder selbst Erbrechen. Der Hinterleib ist in der Regel stark gefüllt und links nach unten und aussen mehr hervorgewölbt; auch die linke Flanke erscheint voller. Der Panseniulialt lässt sich entweder an der Flanke als eine consi-stente, teigillmliche Masse durchfühlen, oder die Elankemvand ist durch Gase, welche sich oben im Wanste angesammelt haben, etwas aufgebläht, und man fühlt den festweichen Inhalt erst bei kräftigerer Palpation, wobei ein dumpfes, pochendes Geräusch erzeugt wird. Meist besteht in Folge der öfters wiederkehrenden Aufblähung ein zeitweiser Wechsel in der Volle der linken Flanke. Die Wanstbewegungen und das Wanst-geräusch sind abgeschwächt! der Panseninhalt wird oft zwar etwas gehoben, aber nicht wie normal rotirt (Harms). Druck auf die Bauchwand (linke Planke und Schaufelknorpelgegend) löst keine deutliche Schmerzäusserung aus.
Der Kothabsatz ist meist verzögert; der Koth selbst con-sistenter, von dunklerer Farbe, die Fladen sind von einer leichten Kruste umgeben, geringelt, zuweilen von fauligem Gerüche; oder der Koth ist mit Schleim Überzogen, sein- glänzend, dickbreiig. Kommt es zu dünnbreiigen, dinrrlioischen Entleerungen, so findet man oft ganz unverdaute, nicht ruminirte Futtermassen, in denen etwa verfütterte Körner, Schrot etc. noch deutlich zu erkennen sind. Gleichzeitig hört man bei der Auscultation der rechten Bauch wand kollernde und polternde Darmgeräusche. Dazu gesellen sich häufig leichte Unruheerscheinungen: Trippeln mit den Hinterfüsseu, Schlagen gegen den Bauch, Wedeln mit dem Schweife, häufiges Niederlegen und Wiederaufstehen, Umsehen nach dem Hinterleib, Einnahme der Seitenlage u. s. w. In anderen Fällen kann auch eine vollkommene Verstopfung eintreten. Der im Anfang noch hellweingelbe, alkalische Harn wird später in geringeren Mengen abgesetzt, dunkler gefärbt und sauer. Die Milchsecretion fällt oft rasch auf die Hälfte ab.
Fieber ist gewöhnlich vorhanden; der Puls wird in der Kegel um 1020 Schläge beschleunigt, dabei kleiner, die Arterie gespannter; die Mastdarnitemperatur ist erhöht, wenn auch oft in sehr ungleicher Weise, weshalb, wie schon Harms mit Recht bemerkt, aus der Höhe der Innentemperatur nicht immer mit Sicherheit auf die Höhe der Krankheit zu schliessen ist. Ausserdem iiat man sich bei der Abnahme von Puls und Temperatur kranker Rinder immer daran zu erinnern, dass beide Theile schon normal sehr variabel sind. Man
wird daher immer gut thun, wenn man sich durch eine Controlunter-Frleclberger u. Kröhner, Pnthol. u. Therapie d. Hansthlere, I. Bd, ;i, Aufl. 7
|
||
|
|
||
|
|
||
|
98nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Acuter Magendiinukat.inli dos Rindes.
suchung gesunder Thiere desselben Stalles einen Masstab für die Be-urtheilung der gefumlencn Zahlen bildet. (Vergl. unser Lehrbuoh der klinischen Untersuchuiigsmethoilen.)
Verlauf und Ausgang. In den leichteren Fällen, und es sind dies die zahlreicheren, tritt schon nach quot;gt;8 Tagen eine Wendung zum Besseren ein; die Wanstbovvegungen werden wieder häufiger, die Pansengeräuscho deutlicher, das Wiederkäuen stellt sich allmählich wieder ein, anfangs kurz und nicht sehr ergiebig, später lebhafter und andauernder, der Appetit kehrt zurück, der Kothabsatz wird mehr normal, die Milchsecretion nimmt zu, die fieberhaften Störungen verschwinden allmählich.
Bei schwereren Erkrankungen steigern sich jedoch die beschriebenen Erscheinungen. Die Maulhöhle wird trocken, helegt, heiss, übelriechend; die Humiliation liegt ganz darnieder, desgleichen die Futteraufnahme und Pansenbewegung. Der Kothabsatz ist anhaltend verzögert, oder es besteht colliquative Diarrhöe; die Milchsecretion ist ganz sistirt, das Euter welk und schlaff. Die Bewegung der Thiere ist sehr matt, das Sensorium stark eingenommen, man hört besonders während des Liegens leichtes Aechzen und Stöhnen, der Blick wird klagend, die Augäpfel sind tief liegend, am medialen Augenwinkel sammelt sich sagoähnlicher Schleim an; das Fieber wird ein hochgradigeres, die Temperatur beträgt 40deg; C. und mehr, die Pulszahl ist um 3040 Schläge erhöht. Dabei sind die Ohren und Hörner abwechselnd heiss und kalt, das Flotzmaul anhaltend warm oder heiss und trocken. Die anfangs kaum beschleunigte Athmung wird angestrengter und lebhafter. Damit nähert sich der Krankheitszustand mehr dem einer Magendarmentzündung, welche gewöhnlich einen tödt-licben Ausgang nimmt.
Endlich kann der acute Katarrh bei längerem Bestehen in den chronischen übergehen.
Differentialdiagnose. Der acute Magendarmkatarrh des Rindes kann als solcher nicht leicht mit einer anderen Krankheit verwechselt werden, weil seine Erscheinungen in ihrer Gesammtheit zu charakteristisch sind, und Dauer, Verlauf und Ausgang die Diagnose vollständig sichern. Freilich ist es oft unmöglich zu sagen, welcher Theil des Digestionstractus hauptsächlich erkrankt ist; indess ist dies nicht von so grosser Bedeutung, wie man glauben könnte, da bei einer Erkrankung eines Theils bald auch alle anderen mitleiden. Am ehesten könnte der acute Katarrh noch mit Blähsucht verwechselt werden,-
|
||
|
|
||
|
11
|
||
|
|
||
|
Aouter Magendanukatarrli des Riudesinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 99
da während seines Verlaufes zuweilen geringgradige Gasimsammluugen im Pansen statfciinden; dabei bilden aber die moist ganz unbedeutende Gasentwicklung, sowie die Periodicität und das Wechselvolle ihres Auftretens genügende Anhaltspunkte zur Unterscheidung. Die Möglichkeit einer Verwechslung mit Magendarmentzündung kann bei höher-gradigon Krankheitserscheinnngen in Betracht kommen. Gerade hier ist dann oft sehr schwer zwischen Katarrh und Entzündung zu unterscheiden, da beide zuweilen in einander übergehen.
Prognose. Der Ausgang ist um so sicherer der in Genesung, je gewisser man es nur mit einem acuten Katarrh des Magens und Darmes zu thun hat. Nach den Angaben Bering's kam es bei 128 Fällen von Indigestionquot; nur Tmial zur Schlachtung, wobei letztere nicht einmal immer unbedingt nöthig war. Da sich jedoch an den acuten Katarrh der prognostisch viel ungünstigere chronische, ja selbst eine Entzündung anreihen kann, so dürfte es sich empfehlen, die Prognose im Anfang der Krankheit immer mit einem gewissen Vorbehalte zu stellen.
Anatomischer Befund. Da der acute Magen- und Darmkatarrh selten zu einer Section führt, so können die betreffenden anatomischen Veränderungen höchstens bei secundären, im Verlaufe anderer Krankheiten auftretenden Katarrhen, oder bei einer zufälligen Schlachtung untersucht werden; aus diesem Grunde sind unsere Kenntnisse ziemlich mangelhaft. Harms gibt an, dass man die Schleimhaut im Allgemeinen geschwollen und theils streifig oder fleckig, theils mehr gleichmässig geröthet finde, sowie besonders im Labmagen und Darm mit einem zellenreichen Belag versehen. Die katarrhalischen Erscheinungen sind namentlich an den Theilen der Pansenschleimhaut zu beobachten, welche gro.sse Zotten besitzen, weniger in der Haube und im Psalter, von welchem nur hie und da einzelne Blätter ziemlich stark afflcirt sind. Der Psalterinhalt soll zuweilen stellenweise ganz ausgetrocknet und in der Nähe der freien Ränder der grossen Blätter von sehr grober Beschaffenheit gefunden werden.
Behandlung. Die Behandlung des acuten Magendarmkatarrhs beim Kinde besteht zunächst im Abstellen der veranlassenden Ursachen und Einführen einer streng diätetischen Fütterungsweise. In erster Linie ist eine Hungerdiät angezeigt, solange das Wiederkäuen fehlt; man reicht den Thieren nur ganz wenig, einige Hände voll guten, leicht verdaulichen Futters, z. B. frisch gemähtes Wiesengras, zartes Heu oder Grummet, mehr um damit die Magenbewegung anzu-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
100nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Acuter Magendiiiiiikatairh dos Rindes.
regen, als um etwaige Fresslust zu befriedigen, und hält dieselben auch nach Wiederkehr der Rumination im Futter karg, weil erst die Entleerung des Pansens von den zu lange darin angesammelten Futter-massen abgewartet werden muss. Daneben gibt man dünne, stark gesalzene Mehltränke, um die Wasseraufnahme anzuregen, oder Molken, und wenn dieselben verschmäht werden, sucht man die Thiere öfters durch Leckenlassen von Salz zur Wasseraufnahmo zu veranlassen. Sodann regt man die Magen- und Darmbewegungen durch häufiges Frottiren der Körperoberfläche sowie durch fleissiges Massiren des Wanstes von der linken Flanke aus an, nimmt bei verzögertem Kothabsatze öftere Explorationen des Mastdarms zum Zwecke der Entleerung vor, und applicirt Klystiere oder Infusionen von Seifenwasser oder Kochsalzlösung.
Innerlich gibt man bei einfach dyspeptischen Erscheinungen die Salzsäure, täglich 2 3mal je 20 g in einer Flasche Wasser. Besteht gleichzeitig, wie dies meist der Fall ist, verzögerter Kothabsatz, so greift man zu den gelinderen Abführmitteln, besonders zu Bitterund Glaubersalz in Verbindung mit schleimigen Mitteln, Abkochungen von Leinsamen, Althäawurzel, Bockshornsamen. Man lässt z. B. 1 V-' Pfd. Glaubersalz in 23 I Leinsamenabkochung lösen, und gibt dies in etwa Sstttndigen Pausen auf Smal ein. Oder man löst die Salze in Abkochungen bitterer (Enzian) oder Aufgüssen bitter-aromatischer Mittel (Calmus). Gegen die verzögerte oder unterdrückte Wanstbewegung sind der Brech weinst ein und die Nieswurz Hauptan-regungsmittel; man gibt beide in Dosen von 1020 g, desgleichen auch die Tinctura Veratri albi, oder injicirt das Veratrin zu 0,1-0,15 g subcutan, in B ccm Weingeist gelöst. In neuerer Zeit hat man besonders das Physostigminum sulfuricum gegen die Atonie und Parese der Magen- und Darmmuskuhitur angewandt. Feser empfiehlt nach seinen Versuchen bei Rindern kleineren Schlags 0,1 in 2 ccm Wasser gelöst unter die Haut zu injiciren; tritt die Wirkung nach 56 Stunden nicht in erwünschtem Grade ein, so darf die Application wiederholt werden. Das ebenfalls vorgeschlagene Pilo-carpinum muriaticum erreicht beim Rinde die Wirkung des Phy-sostigmins nicht. Es hat ausserdem als Sialagogum eine sehr unangenehme Nebenwirkung auf die Speicheldrüsen. Dasselbe ist der Fall bei der combinirten Anwendung des Physostigmins und Pilocarpins. Das Eseridin wirkt im Vergleiche zum Eserin wesentlich schwächer. Symptomatisch kann endlich unter Umständen die Einführung der Schlundröhre oder der Pansenstich nothwendig werden.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Chronischer Mageudarmkartarrh des Rindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 101
Acuter Magendannkatarrh der Schafe. Dieselben iltiologischen und symptomatischen Verhilltrisse wie beim Rinde findet man auch beim Magen-darmkatarrh der Schafo. Am häufigsten sind abnorme Fütterungsverhillt-nisse, sowie Erkältung die Ursachen der Erkrankung. So beobachtete Ger lach nach dem Beweiden üppig bewachsener Grasplätze, Schick nach der Verfütterung grosser Quantitäten roher Kartoffeln bei Schafherden Magendanakatarrh. Die wesentlichsten Erscheinungen sind auch hier unterdrückte Kutteraulhahme, Störungen im Wiederkäuen, Diarrhöe mit breiigem und selbst ganz, wässerigem Kothe, seltener Verstoplüng, Mattigkeit etc. Im Gegensätze zum Rinde erliegen die Schafe vermöge ihrer schwächeren Constitution einem Mageudarmkatarrh viel leichter. So starben nach Schick in einer Herde von 600 Stück 60 Schafe innerhalb 8 Tagen, nach Gerlach unter 300 Stück 20 in 4 Tagen. Bei der Section findet man Veränderungen wie nach drastischen Purgirmittelnquot;. Weil die Krankheit häufig in ganzen Herden auftritt, wird sie wohl auch für seuchenartig resp. für eine Lnfectionskrankheit gehalten.
|
||
|
|
||
|
Chronischer Magen- und Darmkatarrh beim Kinde.
(Chronische Dyspepsie, chronische Unverdaulichkeit, Löserverstopfung,
Omasitis chroDica.)
Literatur. 1) Kngesser, Repert. 1845. S. 27. 2) Lehnhardt, Magazin. 1849. S. 02. 3) Vives, Journal du Midi, 1854. 4) Papa, Giornale di med. vet. 18(11. 6) Gerhard, Amial. de Bruxelles. 1S62. 6) Van Haeken, ibid. 18(14. 7) Ehrhardt, Preuss. Mittheil. 1866/66. 8) Miller, Adam's Wochensohr. 1870. S. 149. 9) Kopp, ibid. 1808. S. 52. 10) Thieme, Preuss, Mittheil. 1868/69. 11) C. Harms, Deutsche Zeitsohr. f, Thiermod. 1876. S. 187; Deutsche Zeitschr, für Thierraedicin. 1889. S. 350; Erfahrungen über Rinderkrankheiten. 1890. 12) Simonsen u. Berg, Tids-skrift for Veterin. 1870. 13) .Johne, Sftohs, Jahresbericht. 1872. S. 183. 14) Rehrs, Magazin. 1840. S. 73. 15) Schutt, Adam's Wochensohr. 1874. 8.42. 16) Anacker-Kleemann, Thierarzt. 1875. S. 1, 17) St. Oezard, Recueil. 1875. 18) Hess, Repertor. 1876. S. 338. 19) Oaussö, Recueil. 1875. 20) Schild, Preuss. Mittheil. 1876. 21) Maisei, Adam's Wochen-sclirift. 1877. Nr. 88. 22) Rabe, ibid. 1877. S. 47. 23) Mob ins, Sachs. Jahresber. 1881. S. 123. 24) Siedamgrotzky-llaubner, Landwirth-Söhaftl. Thierhlkde. 1889. S. 44. 25) Höhne, Adam's Wochensohr. 1883. Nr. 32. 26) Bertscbe, Bad. thierärztl. Mittheil. 1886. S. 117. 27) Leyen-decker, ibid. 1887. 8. 157. 28) Berliner Archiv. 1886. S. 285. 29) König, Sachs. Jahresber. 1887. 8. 111. 30) Albrecht, Thierarzt. 1887. S. 255; Wochensohr, f, Thierhlkde, 1890. 8. 60. 31) Kb er, Rundschau auf dem Gebiete der Thiermed. 1887. 8. 144. 82) Deffke, ibid. S. 305. 33) Roll, Lehrbuch der Pathologie u. Therapie, 1885. 11. Bd. 8. 396. 34) Uhlich, Sachs. Jahresber. 1888. S. 71. 86) Brftuer, ibid. 1889. 8.75. 36) Frank, Wochensohr. f. Thierhlkde. 1889. S. 301. 37) Haorts, Annal. de Bruxelles.
1889.nbsp; nbsp; 38) Mazoycr, Journal de Lyon. 1889. 39) Ripke, Berlin. Archiv.
1890.nbsp; 8. 458. 40) Kitt, Monatshefte f. prakt. Thierheilkde. 1890. S. 356. 41) Truelsen, Berliner thierärztl. Wochensohr. 1891. 8. 214.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
102nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Chronischer Magendanukatarrh dos Rindes.
Allgemeine Bemerkungen. Gewöhnlich findet man den chronischen Magendanukatarrh des Kindes unter dem Namen der Löserverstopfungquot; beschrieben. Diese Bezeichnung rührt davon her, dass man bei dem vorliegenden Leiden meist eine mehr oder weniger starke Anschoppung des Lösers mit festen, trockenen Futtermassen beobachten kann, eine Erscheinung, die herkömmlich für das Wesentlichste des ganzen Krankheitsbildes gehalten wurde. Deshalb diagnosticirte man niemals wie bei den anderen Thieren einen chronischen Magen- oder Darmkatarrh, sondern immer nur eine Omasitis, eine sogenannte Löserverstopfung. Indess ist dieser Name nichts weniger als bezeichnend, worauf schon von mehreren Seiten und längst hingewiesen worden ist. Zunächst findet man eine solche Anschoppung fester Futtermassen im Löser bei den verschiedensten Erkrankungen der Wiederkäuer, welche mit länger dauerndem Darniedorliegen des Appetits, des Wiederkauens und der Wanstbewegung einhergehen, und wobei der Inhalt des Lösers theils durch den Mangel an Speichel, theils durch Resorption der Flüssigkeit allmählich eintrocknet. Es gehören hieher alle schwereren fieberhaften Leiden, sowie speciell die verschiedenen Verdauungskrankheiten. Früher wurde beispielsweise auch die Rinderpest nach den Erscheinungen, wie sie der dritte Magen darbietet, als Löserdürre bezeichnet. Weiterhin kann von einer wirklichen Verstopfung, einer Unwcgsamkeit des Lösers keine Rede sein. Harms hat ausnahmsweise eine solche beobachtet. Aus diesen Gründen dürfte es sich empfehlen, den veralteten Namen ganz aufzugeben.
Es gibt allerdings Fälle, in denen sich der Katarrh vorwiegend auf den dritten Magen localisiron kann; dieselben sind aber gewiss selten im Vergleiche zu den chronischen Erkrankungen des Pansens, Labmagens oder Darmes. Meistens ist der Katarrh des Lösers secundär durch eine Affection des Pansens etc. bedingt. Da nun je eine besondere Beschreibung des Pansen-, Hauben-, Löser-, Labmagen- und Darmkatarrhes ganz undenkbar ist, so haben wir die chronischen Ent-zündungs/.ustände der Schleimhaut der verschiedenen Abtheilungen unter eine Hauptkrankheit, den chronischen Magendarinkatarrh überhaupt, zusammengefasst.
Aetiologie. Alle beim acuten Katarrh aufgezählten ursächlichen Momente können, wenn sie länger oder intensiver einwirken, auch zu chronischem Katarrh führen; insbesondere aber hat eine vernachlässigte und fehlerhafte Behandlung des acuten Katarrhs häufig den chronischen im Gefolge. Ausserdein kommen noch in Betracht:
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Ohronisoher Mageudarmkatarrh des Rindes.
|
108
|
||
|
|
|||
|
1)nbsp; nbsp;Störungen des Kaugoschilftes durch krankhaftes Gebiss, ausgefallene Zähne;
2)nbsp; Verwachsung des Pansens oder der Haube mit der Bauchwand in Folge einer umschriebenen Peritonitis;
:i) Compression des Schlundes durch Neubildungen mit Behinderung des Wiederkauens;
4)nbsp; Neubildungen in den ver seh iedenen Mage na bthei-lungen, /. B. Scirrhus und Sarkome im Labmagen, papilläre Wucherungen an der Hauben-Psalteröffnung und im Blättermagen (Papil-lome) etc.;
5)nbsp; nbsp;Verlagerung der Haube durch eine Ruptur des Zwerchfells;
(i) Fremdkörper im Magen und Darm (spitze Körper, Haarballen, Pflanzenballen, Wollknäuel etc.); Neubildungen und Stenosen im Darm;
7)nbsp; nbsp;Stauung des Blutes bei chronischen Leber-, Lungen* und Herzkrankheiten;
8)nbsp; Druck des hochträchtigen Uterus auf den Pansen, Beeinträchtigung der Pansenbewegung.
Secundär findet man den chronischen Magendarmkatarrh bei allen chronischen Ernährungsstörungen, namentlich bei der Tuberkulose.
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. Das Krankheitsbild des chronischen Magendarmkatarrhs ist von dem des acuten, aussei- der längeren Dauer und grösseren Hartnäckigkeit des Leidens, nicht sehr verschieden. Charakteristisch für den chronischen Katarrh ist der häufige Wechsel von Besserung und Verschlimmerung. Die Erscheinungen sind im Wesentlichen folgende. Das Allgemeinhefinden ist erheblich gestört, die Thiere sind matt, zeigen massiges Fieber, sowie ungleiche Ver-theilung der Körpertemperatur; die Haut wird trocken und fest, aufgebacken, das Haarkleid rauh und glanzlos. Es tritt Abmagerung ein, die mit der Dauer des Leidens zunimmt. Die Maulhöhle zeigt die Veränderungen, wie sie beim acuten Katarrh beschrieben sind. Die Futter aufnähme, das Wiederkäuen, die Magenbewegungen sind unterdrückt oder ganz aufgehoben. Zuweilen beobachtet man Erscheinungen der Lecksucht. Die Ructus sind selten, und dann eewöhnlich sehr übelriechend. Der Pansen ist meist stark mit Futter gefüllt und fühlt sich fest und derb an, bei kurzem raschem Eindrücken der Flankenwand hört man deutlich ein pochendes Geräusch. Meist ist eine geringgradige Aufblähung des Pansens
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
104nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Chronischer Magendarmkatarrh des Rindes.
vorhanden, die je nach der Futteraufnahme wechselt und bei vollständigem Darniederliegen der Magenbewegung dauernd wird. In vereinzelten Fällen hat man Erbrechen beobachtet.
Der Kothabsatz ist stark verzögert. Die spärlichen Ex-cremente werden bald nicht mehr in Fladenibrm, sondern in trockenen torfähnlichen, schwarzgef'ärbten Ballen abgesetzt (sogenannter verbrannter* Koth der Laien). Diese Ballen sind meist mit zähem, glasigem, zuweilen blutigem Schleim oder fetzigen Massen umhüllt, und enthalten oft viel schlecht gekaute und verdaute Bestandtheile. Zuweilen kommt es auch zur Entleerung weicher, dünnbreiiger, säuerlich oder übel riechender Massen, wobei die Diarrhöe Wochen und Monate anhalten und schliesslich zur tödtlichen Erschöpfung der Thiere führen kann. Gewöhnlich wechseln Verstopfung und Diarrhöe mit einander ab. Der Harnabsatz ist meist der verminderten Wasseraufnahme entsprechend ein geringer; über die Reaction fehlen genauere Angaben. Die Milchabsonderung ist ebenfalls vermindert oder ganz aufgehoben. Sehr häufig beobachtet man endlich Stöhnen und Aechzen, Knirschen mit den Zähnen; die von manchen Beobachtern bei Druck auf den Rücken oder Erschütterung der Brustwand hervorgerufenen Schmerzäusserungen dürften sich indess, wie auch Harms annimmt, weniger auf einen katarrhalischen, als auf einen entzündlichen Zustand der Mägen beziehen (spitze Fremdkörper; beginnende Peritonitis).
Geht die Krankheit nicht in Genesung über, so steigern sich die Erscheinungen meist sehr rasch. Die Futteraufnahme ist andauernd sistirt, das Flotzmaul wird trocken und rissig, das Fieber hochgradiger, der Puls klein und schwach, der Herzschlag pochend, die Aufblähung nimmt zu, die Bewegung der Mägen und des Darmes ist ganz unterdrückt, es stellt sich vollständige Verstopfung oder auch anhaltende profuse Diarrhöe ein. Dabei nimmt die Abmagerung und Entkräftung immer mehr zu, die Thiere sind sehr schwach und hinfällig, liegen viel, stöhnen ununterbrochen und können sich schliesslich nicht mehr erheben. Der Gesichtsausdruck wird klagend, die Augen sind tief in ihre Höhlen zurückgezogen; schliesslich tritt, wenn die Thiere nicht früher geschlachtet werden, der Tod ein.
Anatomischer Befund. Derselbe ist ausserordentlich verschieden je nach Localisation, Intensität und Dauer des chronischen Katarrhs.
Der Pansen ist gewöhnlich etwas durch Gase aufgebläht und enthält viel trockene Futtermassen. Das Schleimhautepithel ist zu-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Chronischer MagendiirmkataiTh des Rindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 105
weilen schon bei ganz frischen Sectionen sehr leicht abstreifbar, was normal erst nach längerem Liegen des Cadavers stattfindet, in anderen Fällen sitzt es dagegen noch fest auf; nach Bruckmilller ist es zuweilen verdickt. Die Schleimhaut, insbesondere der von den grossen Papillen besetzte Theil, ist bald gleicbmässig, bald fleckig geröthet, zuweilen auch von Ekchymosen durchsetzt, dabei geschwollen und verdickt, von bläulich oder bräunlich rother Farbe. Die Pupillen sind bald in atrophischem, bald in hypertropliischem Zustande.
Die Haube zeigt gewöhnlich die geringgradigsten Veränderungen; sie enthält zuweilen eine grössere Menge eingetrockneten groben Futters; ihre Schleimhaut verhält sich ähnlich wie die des Pansens.
Der Löser ist stark ausgedehnt und vollgepfropft mit Futter-massen; die zwischen den Blättern liegenden Futterkuchen sind fest geschichtet und ungewöhnlich trocken. Auch im Löser bleibt das Schleimhautepithel oft schon sehr rasch nach dem Tode an den trockenen Futterkuchen haften, ist also leichter ablösbar, als normal. Die Futtermassen sind entweder mehr grob, wie im Pansen, oder sie sind feiner, weil wiedergekaut, und lassen sich zwischen den Fingern zu einem feinen, körnigen Pulver zerreiben. Die Schleimhaut der Blätter ist bald diffus, fleckig oder streifig geröthet, bald förmlich entzündet, weich und mürbe, bald gangränös, bald von schwarzrothen Blutherden und hämmorrhagischen Geschwüren durchsetzt.
Der Labmagen enthält in der Kegel nur sehr wenig, oft auch groben Futterbrei. Seine Schleimhaut zeigt nach Bruckmüller eine intensive Pigmentinfiltration in Form schiefergrauer Streifen und Flecken. Sie ist ferner verdünnt und glatt (atrophisch), von einer zähen, glasigen Flüssigkeit bedeckt.
Der Darmcanal zeigt verschiedeugradige Veränderungen. Seine Schleimhaut ist bald höher geröthet, bald schiefergrau verfärbt, atrophisch und in Folge Schwundes der Peyer'schen Follikel siebförmig, grubig geworden. Der Darminhalt besteht im Anfangstheile des Dünndarmes aus ungewöhnlich grossen Mengen gallig gefärbter, schleimiger Massen; im Dickdarm findet sich meist trockener, dunkler Koth vor, und die Schleimhaut hat einen dicken Belag. Beim Uebergang des chronischen Katarrhes in die phlegmonöse Darmentzündung und in Peritonitis findet man die diesbezüglichen Veränderungen. Die Gallenblase ist meist stark mit eingedickter Galle gefüllt (sogenanntes ,Uebergalligseiiiquot; der Laien). Die Leber zeigt die verschiedenen Stadien der Stauungsleber.
Die anderweitigen Befunde sind sehr variabel und meist auf
|
||
|
|
||
|
|
||
|
10(5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Chronischer Magciuhirmkahirrh des Rindes.
venöse Stauungshyperilinie zurückzuführen; hieher gehört der Blut-reiclitlium der Lunge, der Gehirnhäute, der Nieren, des rechten Herzens, des Venensystems.
Differentialdiagnose. Der chronische Magendarmkatarrh kann vermöge seines vielgestaltigen Krankheitsbildes mit verschiedenen Krankheiten verwechselt werden. Hieher gehört zunächst der acute Katarrh, sowie die acute phlegmonöse Darmentzündung; in beiden Fällen bildet der chronische Verlauf das unterscheidende Merkmal. Weiterhin kann es oft sehr schwer sein, eine etwa durch perforirende Fremdkörper hervorgerufene chronische Peritonitis von dem chronischen Katarrh zu unterscheiden, da sich letzterer häufig zu der ersteren hinzugesellt, und umgekehrt bei intensiver katarrhalischer Schleünhautaffection das Peritoneum in Mitleidenschaft gezogen werden kann; in vielen Fällen gibt erst der weitere Verlauf (hinzutretende Erscheinungen einer Herzerkrankung), ja zuweilen erst die Section Aufschluss. Die Qasansammlung im Pansen ferner, wie sie in geringem Grade gewöhnlich beim chronischen Katarrh angetroffen wird, kann das Vorhandensein einer acuten oder chronischen Blähsucht vortäuschen; indess bildet diese Gasansammlung bei letzterer die Haupterscheinung und ist viel stärker ausgesprochen, während sie bei chronischem Katarrh nur ab und zu und immer nur in ganz geringem Grade angetroffen wird. Endlich ist es nicht unmöglich, class der chronische Magendarmkatarrh mit der Tuberkulose verwechselt werden kann. Auch hier findet sich bei chronischem Verlaufe und wechselnden Erscheinungen Abmagerung, Störung in der Verdauung und Ernährung, Fieber u. s. w. Jedoch wird eine genaue Untersuchung der Lunge sowie ein Versuch mit Tuberculin bald die richtige Diagnose ergeben.
Prognose. Die Voraussage beim chronischen Magendarmkatarrh des Rindes richtet sich zunächst nach der Art der Ursachen und ihrer Entfernbarkeit, sodann nach Intensität, Ausbreitung und Dauer des Katarrhes. Im Allgemeinen wird man gut daran thun, die Prognose von Anfang an nicht allzu günstig zu stellen. Schlecht sind die Aussichten, wenn die Krankheit länger als 28 Wochen dauert, wenn eine mehrtägige vollständige Verstopfung oder eine mehrwöchentliche Diarrhöe besteht, wenn die Futteraufnahme, das Wiederkäuen und die Darmbewegung andauernd darniederliegen. In diesen Fällen ist oft die Schlachtung der Weiterbehandlung vorzuziehen.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Chronischer Miigendarnikatarrh des Rindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ]()7
Behandlung. Die Zahl der gegen den chronischen Magen-darmkatarrh des Rindes angewandten und angepriesenen Mittel ist eine ausserordentlich grosse. Wenn im Folgenden nur einige davon genannt sind, so ist dies in der Absicht geschehen, den arzneilichen Apparat wie anderweitig, so auch hier, auf das Nöthigste zu beschränken. Im Allgemeinen haben die beim acuten Magendarmkatarrh angegebenen therapeutischen Massregeln auch beim chronischen ihre Geltung. So empfiehlt sich neben strenger Diät bei den niedergradigen, mehr dys-peplischen Fällen die Verabreichung von Salzsäure 2;5mal des Tags übe)- in Dosen von 20 g. Auch die wochenlang fortgesetzte Verab-reiclmng kleiner Dosen von Glaubersalz oder künstlichem Karlsbader Salz (50150,0 pro die) ist zuweilen von gutem Erfolg begleitet. Oder man gibt bei vorwiegender Erschlaffung der Vormägen, sofern eigentliche entzündliche Erscheinungen noch nicht vorhanden sind, das Terpentinöl, täglich 23mal zu 1025 g in aromatischen Fflanzenaufgüssen, den Weingeist (2550,0 pro dosi), die Nieswurz als Fulv. Rhizom. Veratri oder in Form der Tinctur (1020 g pro dosi). Auch Veratrin subcutan wird verwandt (0,050,2). In neuerer Zeit ist ferner das Creolin als vorzügliches Mittel gegen den chronischen Magendarmkatarrh des Rindes empfohlen worden. Trueisen gibt dasselbe 'tmal täglich zu 5 g in einer Flasche Wasser; er hat von allen angewandten Mitteln die beste Wirkung damit erzielt, indem nach wenigen Tagen Heilung eintrat. Als Evacuantien empfehlen sich grosse Dosen von Glaubersalz (23Pfd.) oder künstlichem Karlsbader Salz mit viel Wasser, dieAlo6(3000 g), bei sehr hartnäckiger Verstopfung der Brechweinstein (1020,0) oder das Calomel (1,0 5,0 pro die, indess mit Vorsicht zu gebrauchen). Das von manchen empfohlene schwefelsaure Eserin (0,1 pro dosi subcutan) scheint nach neueren Beobachtungen nicht selten wirkungslos zu sein; zuweilen sind auch unangenehme Nebenwirkungen nach der Verabreichung desselben wahrgenommen worden (hochgradige Erregungserscheinungen, Abortus, bedenkliche Athemnoth, Erstickung). Das Crotonöl dürfte seiner entzündlichen und giftigen Wirkung-halber spärlicher anzuwenden und durch llicinusöl (5001000 g) zu ersetzen sein. Bei Auswahl der Medicamente ist überhaupt beim Rinde immer auf allenfallsige Nothschlachtung bezw. Verwerthbarkeit des Fleisches gebührende Rücksicht zu nehmen.
Neben diesen Arzneimitteln hat sich eine reichliche Wasserzufuhr in den Magen und Darm bewährt. Dieselbe ist in hartnäckigen Fällen oft das einzige Mittel. So erzielte Höhne durch
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
108
|
Acutes Aufblühen dcv Wiederkäuer.
|
||
|
|
|||
|
Füllung des Pansens mit grossen Mengen warmen Wassers mittelst Troikarts und Infusionstrichters sehr häufig Genesung, Erfolge, die von Eber und Deffke bestätigt wurden. Deffke infundirt 50 Liter lauwarmen Wassers innerhalb mehrerer Stunden, indem er die Troikart-hülse so lange liegen lässt; er rühmt die günstige Wirkung eines Zusatzes von Salzsäure (10,0 auf 15 Liter Wasser), sowie Aufgüsse aromatischer Substanzen, namentlich der Radix Valerianae, und räth, die Infusionen nicht zu spät vorzunehmen. Hieher gehört auch das Eingeben schleimiger Abkochungen oder des frischen Leinöls, häufige Infusionen von Wasser in den Mastdarm u. s. w.
Ist der Pansen mit sehr festen Futtermassen angefüllt, und sind alle Medicamente erfolglos, oder besteht der Verdacht auf das Vorhandensein von Fremdkörpern im Magen, so bleibt als letztes Mittel nur der Pansen schnitt und die Entfernung eines Theiles des Mageninhaltes auf diesem Wege übriff.
|
|||
|
|
|||
|
Acutes Aufblühen der Wiederkiiuer.
(Blälisucht, Trommelsucht, Tympanitis, Auflaufen, Padde etc.)
|
|||
|
|
|||
|
Literatur. 1) Ohabert, Instruct, veter, 17901795. 2) De Gfasparin, Manuel d'art. vetc'r. 1817. 3) Gilbort, Traite ties prairies artificielles. 1826. 4) Chariot, Recueil. vet. 1881. 6) Prange, Recueil vet. I860. C) Co-culet, Journal du Midi. 1800. 7) Uouehon, Journal du Midi. 1841. 8) Shenton, The Veterin. 1844. 9) Bougthon, ibid. 1849. 10) Rijndors, Report. 1853. S. 100. 11) Lindenberg, Preuss. Mittheil. 1855/66. S. 149. 12) Ferrari, füornale di mod. vet. 1861. 18) Joyeux, Journ. du Midi. 1801. 14) Rinquet, ibid. 15) Brown, The Veterin. 1802. 16) Weinmann, Adam's Wochenschr. 1804. S. 145. 17) Zwickel, Thiorarzt. 1864. 8. 252. 18) Bräu er, Sachs. Jahrosber. 1867. S. 91. 19) Reiset, Ref. im Thierarzt. 1808. S. 112. 20) Senator, ibid. 1869. S. 133. 21} Anacker, ibid. 1871. S. 111. 22) Andi-ö, Annal. de Bruxelles. 1874. 23) Haubnor-Siedamgrotzky, Landwirthschaftl. Thierhlkde. 1889. S. 48. 24) Rejou, Journal d'agricult. prat. 1867. 25) Degsart, Journal de Lyon. 1808. 20) Oesterr. Viertoljahrssclir. 185069, 1883, 1884. 27) Boschel, Sachs, Jahresbor. 1884. S. 109. 28) Hasel bach, Zeitschr. f. Mikroskopie u. Fleischbeschau. 1884. 29) God fry n, Bullet. Bolg. 1886. 30) Berg er, Bad. thierärztl. Mittheil. 1887. S. 84. 31) Coculet, Recueil. 1889. 82) BräiKu-, Sachs. Jahresber. 1889. S. 80. 33) Roll, Lehrbuch der Pathologie. 1885. II. Bd. S. 418. 34) Pütz, Compendium der prakt. Thier-heilkde. 1885. S. 449. 35) Harms, Erfahrungen über Rinderkrankheiten. 1890. Die ältere Literatur siehe bei Hering (Spec. Pathol.) u. Rychnor (Hujatrik).
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Acutes Aufblilhon der Wiederkäuer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;109
Uebcr die Literatur laquo;los a cut en Aufblähene beim Schafe vergl. 1) Daubenton, Instruct, pour les bergers. 1802. 2j Toissior, Instruct, sur lea betes ä laine. 1810. 3) May, Das .Schaf'1, S, 1. 4) Kinike, Magazin. 1850. S. 419. 5) Zürn, Tliierarzt. 1870. S. 227. (i) Bongartz, Berlin, thicrilr/.tl. Wochonschr. 1891. S. 2.
Wesen. Das acute Aufblähen, auch Aufblähen schlechtweg genannt, besteht im Gegensatze zur chronischen Blähsucht in einer sehr rasch auftretenden massenhaften Entwicklung und Ansammlung von Gasen im Pansen der Wiederkäuer mit abnormer Ausdehnung des Pansens und starker Auftreibung des Hinterleibes. Man beobachtet es am häutigsten beim Rinde, dann beim Schafe, und zwar werden nicht selten mehrere, selbst viele Thiere zusammen betroffen; das letztere ist besonders bei Schafherden der Fall.
Aetiologie. I. Ursachen im Allgemeinen. Als Ursachen kommen zunächst alle in grösserer Menge in den Magen eingeführten Futterstoffe in Betracht, welche rasch in Gährung übergehen und dadurch eine grusse Menge von Gasen erzeugen können. Am häufigsten wird das Aufblähen durch Grünfutter sowohl im Stalle, als auch auf der Weide veranlasst. Bei Stallfütterung ist namentlich der gierige, Ubermässige Genuss von schlaffem, bereits sehr abgewelktem Grünfutter zu beschuldigen, insbesondere von solchem, welches längere Zeit auf einem Haufen gelegen und sich bereits erhitzt hat, was einen Zustand lebhafter Gährung voraussetzt. Diesem Umstand ist auch das häufige Vorkommen des Auf blähens an Feiertagen, zumal an mehreren auf einander folgenden, zuzuschreiben, indem hier grössere Vorräthe von Grünfutter aufgehäuft werden. Aus demselben Grunde herrscht auch das Leiden erfahrungs-gemäss häutiger bei gewitterschwüler, feuchtwarmer Witterung, indem die feuchte Wärme den Eintritt der Gährung beschleunigt.
Bei Weidegang ist das Aufblähen um so häufiger, je weniger die Thiere an Weidegang und Grünfutter gewöhnt sind, und je saftiger, geiler das Grünfutter gewachsen ist. Die Erfahrung hat gelehrt, dass in Jahrgängen mit kalten Frühlingen, in denen die Pflanzen in ihrer Entwicklung anfangs zurückgehalten werden , um bei später eintretender wärmerer Witterung nur um so schneller und üppiger zu wachsen, die Trommelsucht entschieden häufiger ist (Spinola); dieselbe Beobachtung hat man in Niederungen mit sogenannten fetten, schweren Böden und sehr üppiger, mastiger Vegetation gemacht. Sodann kommt es beim Weide-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
110
|
Acutes Aufblähen der Wiederkäuer.
|
||
|
|
|||
|
gang zum Aufblähen, wenn das Futter sehr stark bethaut, bereift, gefroren oder vom Regen benässt ist, wenn die Thiere rasch nach der Fütterung Wasser aufnehmen, wenn beim Weiden gegen den Wind oder an windigen Tagen mit dem Futter zugleich eine grössere Menge Luft abgeschluckt wird (Spinola), endlich wenn die nöthige Aufsicht beim Hüten fehlt oder selbst böswilliges Verhüten auf Kleeilckern etc. vorausgegangen ist.
Auch von einer individuellen Disposition zu Blähsucht kann gesprochen werden. Abgesehen davon, dass einzelne Tliicre in Folge besonders hastigen und gierigen Fressens leichter aufblähen, kann bei anderen schon eine verhältnissmässig geringe Menge zur Gährung geneigten Futters Trommelsucht erzeugen, wenn durch eine gewisse Schwäche der Verdauungsorgane, oder durch besondere pathologische Zustände in denselben die Wanstbewegung und das Rülpsen beeinträchtigt wird. Indess führen die letzteren Verhältnisse mehr zu chronischem Aufblähen.
II. Ursacheu im Speciellen, Aussei- den angeführten, mehr allmeinen ätiologischen Momenten werden mit der Entstehung der Blähsucht einzelne ganz specielle Ursachen, insbesondere bestimmte Futterpflanzen, in Verbindung gebracht. Hieher gehören:
1)nbsp; nbsp;Die Klee arten, so der rothe Wiesen- oder Kopfklee (Trifolium pratense), die Luzerne (Medicago sativa) und Esparsette (Onobrychis sativa); von diesen wird in erster Linie der rothe Wiesenoder Kopfklee mit Recht gefürchtet. Wie allem Grünfutter, so ist namentlich auch dem Klee eigen, dass er nach seiner vollständigen Entwicklung weniger nachtheilig wirkt, als vor der Blüthe; junger Kopfklee ist daher am gefährlichsten. Ferner soll gegypster Klee leichter Aufblähen verursachen, als ungegypster, was zwar von Anderen, wie z. B. von Rinquet, geläugnet wird, aber in Rücksicht auf die ein geiles Wachsthum befördernd? Wirkung des Gypses nicht unwahrscheinlich ist.
2)nbsp; Andere Leguminosen, wie grüne Linsen und Wicken, sowie Buchweizen.
8) Die sogenannten sauren Gräser sowie mit Staubpilzen besetzte Schilf gras er, z. B. Foa aquatica, Scirpus sylvaticus. Ausscrdem frisches Kartoffelkraut, Kohl-, Raps- und Rübenblätter, Ackersenf (Sinapis arvensis), Hederich (Raphanus Haphanistrum).
4) Die jungen Halme und Blätter der Saaten; das Behüten reichlich mit Unkraut bewachsener Stoppelfelder unmittelbar nach der Ernte. Die im Dunkel herangewachsenen bleich-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Acutes Aufblähen der Wiederkäuer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ill
süchtigen, aber sehr saftreichen Pflanzen scheinen nach längerem Einwirken des Sonnenlichtes, also einige Zeit nach der Ernte, viel weniger gefährlich zu sein. Endlich ist das Beweiden von Stoppelfeldern, auf welchen sich bei grossem Ausfall von Getreidekörnern viel sogenannter junger Ausschlag gebildet hat, zu erwähnen.
#9632;quot;gt;) Stark gährendes Brühfutter, Traber, Schlempe, trockene Malzkeime, Rüben- und Knollengewächse, Baumwollenmehl, namentlich, wenn dieselben als ungewohnt in grosser Menge und hastig verzehrt werden.
(3) Aussei- nach den genannten Futterstoffen kommt das Aufblähen auch als Theilerscheinung bei verschiedenen Vergiftungen vor, so nach Vergiftung durch Herbstzeitlose (Colchicum autumnale), gefleckten Schierling (Oonium maculatum), Wasserschierling (Cicuta virosa), Tollkirsche (Atropa Belladonna), Eibenbaum (Taxus baccata), weisse Nieswurz (Veratrum album), wilden Mohn (Papaver Rhoeas), Tabak, Ranunculus-Arten, Schimmelpilze, Härings- und Pökelbrühe u. s. w.
7)nbsp; Zuweilen scheinen sich Rinder auch so stark mit Luft a n z u-koppen, dass dadurch ein dem acuten Aufblähen analoger Zustand entsteht. Hieher gehört auch das Aufblähen der Saugkälber, wenn dieselben beim Saugen an den Strichen des Euters oder an anderen Gegenständen zu viel Luft mit abschlucken.
8)nbsp; Endlich veranlassen im Schlünde stecken gebliebene Fremdkörper ganz gewöhnlich acutes Aufblähen durch Behinderung des Rülpsens,
Sectionsbefund. Der Inhalt des stark ausgedehnten Pansens besteht neben den Futtermassen der Hauptsache nach aus Gasen; bezüglich der chemischen Natur derselben prävaliren bei Grün-fütterung die Kohlensäure, bei Trockenfütterung die Kohlenwasserstoffe. Die Angaben über die qualitative und quantitative Zusammensetzung der Gase sind natürlicher Weise je nach der Fütterung sehr verschieden. So fand Reiset bei einer auf der Kleeweide aufgeblähten und nach 2 Stunden verendeten Kuh den gasförmigen Inhalt des Pansens folgendermassen zusammengesetzt: Kohlensäure = 74 Procent, Kohlenwasserstoff = 24 Procent, Stickstoff = 2 Procent. Bei einem aufgeblähten Hammel constatirte Reiset 76 Procent Kohlensäure. Schwefelwasserstoff fand sich nicht vor, was gewiss nur zu-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
112nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Acutes Aufblähen der Wiederkäuer.
fällig war, laquo;da sieb derselbe bei der normal im Pansen auftretenden Ei-weissfaulniss in physiologischer Weise schon bilden kann.
Die anatomischen Veränderungen bei der acuten Blähsucht bestehen in bedeutender Ausdehnung des Pansens, welche nicht selten zur Zerreissung desselben, wie auch des Zwerchfells, führt. Dem entsprechend findet man Austritt von Gasen und Futtormassen in die Bauchhöhle, an den sich indess wegen des raschen Verlaufes der Krankheit eine Bauchfellentzündung nur ausnahmsweise anschliesst. Die venösen Gefasse der Cutis und Subcutis, sowie die grossen Venen (Jugularis, Achselvenen etc.) sind strotzend mit Blut gefüllt; das Blut selbst ist schwarzrotli, dickflüssig, schlecht geronnen, klebrig und färbt sich bei Zutritt von Luft hellroth. Die Lungen sind sehr hyperämisch, von subpleuralen und parenehymatösen Blutungen durchsetzt; zuweilen ist Lungenödem vorhanden. Auch unter dem wandständigen Pleurablatt, namentlich im Verlaufe des Grenzstranges des Sympathicus, finden sich Hämorrhagien. Das rechte Herz ist stark mit Blut angefüllt, die Kranzvenen sind injicirt, unter dem Epi- und Endocardium zeigen sich Blutungen; in seltenen Fällen kommt es zur Ruptur der rechten Herzwand. Im Darmcanal findet man Hyperämie der Schleimhaut, sowie submueöse und sub-peritoneale Blutungen. Auch Berstung von Milzgefässen mit Zertrümmerung des Gewebes ist beobachtet worden. Die Schleimhäute des Kopfes, die Gehirnhäute und Blutleiter sind sehr hyperämisch; im Gehirn selbst findet man bisweilen apo piek tische Herde.
Erscheinungen. Das auffallendste Symptom ist eine plötzliche und oft rasch zunehmende Umfangsvergrösserung des Hinterleibes namentlich in der linken Flanke (Lage des Pansens), welch letztere mehr oder weniger stark hervorgewölbt wird. In hochgradigen Fällen kann diese Hervorwölbung der linken Flankengegend so bedeutend sein, dass die höchste Kuppe derselben den liücken-first erreicht und selbst überragt. Die Bauchdecken fühlen sich prall gespannt und sehr elastisch an; die Percussion ergibt einen übervollen, hell tympanitischen, selbst metallischen Klang. Die normalen Pansengeräusche sind verschwunden.
Die Futteraufnahme und das Wiederkäuen sind gleich von Anfang an sistirt; auch der Kothabsatz ist, nachdem vorher öftere Male kleine Kothmengen abgegangen sind, unterdrückt, trotz des starken Drängens der Thiere. Dieselben stehen mit unter den Leib gestellten oder aus einander gespreizten Füssen da, der Rücken wird häufig ge-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Acuteraquo; Aufblähen der Wiederkäuer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;113
krümmt, der Schweif gehoben, die Ohren hängen schlaff herab, Bewegimg erfolgt nur widerwillig nach stärkerem Antreiben.
Mit zunehmender Auftreibung stellt sich sodann rascheres, angestrengteres Athmen ein; die Thiere werden ängstlich, aufgeregt, trippeln hin und her, die sichtlichen Schleimhäute des Kopfes, zumal die Lidbindehaut und die episcleralen Gefässe, sind stark injicirt. die oberflächlich gelagerten Venen, namentlich am Kopf und Hals, auch die Milchvenen (Roll) sind überfüllt und treten stark hervor, der Blick wird stier und glotzend, am Grunde der Ohren, hinter den Ellenbogen, in den Flanken bricht Schweiss aus; der Puls wird mehr und mehr beschleunigt, kleiner, drahtfönnig, schliesslicb unfühlbar; der Herzschlag ist sehr pochend. Die A them no th nimmt immer mehr zu; die Thiere athmen hastig und kurz, mit starker Erweiterung der Nasenöffnungen, selbst mit geöffnetem Maule und vorgestreckter Zunge, stöhnen und ächzen, geifern und schäumen, hüsteln bisweilen auch, recken sich und bringen mühsam einige kurz abgebrochene Ructus heraus; in seltenen Fällen tritt Erbrechen ein. Zuletzt werden die extrenütalen Theile ganz kalt, die Schleimhäute cyanotisch, die Thiere stehen betäubt und unbeweglich da, allmählich sell wan ken sie dann, drohen hinten zusammenzubrechen und stürzen endlich nieder, worauf der Tod meist sehr rasch unter Zuckungen eintritt.
Die Pathogenese der beschriebenen Ivrankheitserscheinungen ist sehr einfach; man hat es im Wesentlichen mit dem Bilde der Kohlensäure-Vergiftung, seltener mit Gehirnapoplexie zu thun. Die Kohlensäure-Vergiftung wird theils durch die Verdrängung des Zwerchfells nach vorne und die in Folge dessen bestehende Lungen-compression, theils durch den Uebertritt der Kohlensäure vom Magen ins Blut nach den Gesetzen der Diffusion verursacht. Die Stauungserscheinungen in der vorderen Körperhälfte (Injection der Schleimhäute, Hyperämie des Gehirns, Füllung der Venen) müssen auf den Druck des prall gefüllten Pansens gegen die grossen Gefässstämme des Hinterleibes, sowie auf den behinderten Rücldluss des Blutes zum Herzen und zur Lunge zurückgeführt werden; bei hochgradiger Stauung kann es dabei zu Ekchymosenbildung und Gehirnapoplexie kommen.
Verlauf und Prognose. Der Verlauf der acuten Blähsucht ist ein sehr rascher; bei höheren Graden des Leidens können die Thiere, wenn nicht baldigst Hilfe geschaffen wird, schon nach wenigen Friedberger a, Pröhner, Pathol, u. Therapie d, Hausthlere, I, Bd, B. Aufl. 8
|
||
|
|
||
|
|
||
|
114nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Acutes Aufblähen dor Wiedorkiiuer.
Stunden, selbst schon nach einer li.alben Stunde verenden. Bei einer eingeleiteten Behandlung ist auch nach vollständiger Entfernung der angesammelten Gase die Krankheit noch nicht ganz beseitigt, da die vorhandenen stark gilhrenden Futtermassen immer wieder neue Gasentwicklung zur Folge haben, so dass sich die Gesammtdauer oft über 12, selbst 24 Stunden hinaus erstreckt. Zuweilen kann indess bei massiger Auftreibung auch rasch spontane Genesung durch Eintritt ergiebiger Iluctus und Darmentleerungen erfolgen. Die Prognose ist, sofern nicht frühzeitig genug passende Hilfe geboten werden kann, was bei der liaschheit des Verlaufes nicht immer möglich ist, ziemlich ungünstig und richtet sich besonders auch darnach, wie viel Thiere in einem Stalle oder in einer Herde aufgetrieben werden.
Behandlung. Die Prophylaxe des acuten Aufblühens ergibt sich aus den besprochenen Ursachen zur Genüge. Am meisten Vorsicht ist geboten beim Uebergange von der Trockenfütterung zur Grünfütterung: man vermeide dabei üppige Gras- und Kleeweiden, treibe die Thiere nicht mit hungrigem Magen aus, sondern reiche vorher etwas Trockenfutter, suche zuerst magere Weideplätze aus und gewöhne die Thiere allmählich dadurch an Kleeweide, dass man letztere anfangs nur kurze Zeit und zum Schlüsse befährt, und die Thiere dabei streng im Auge behält, um bei drohendem Aufblähen das Weiden sofort zu unterbrechen, Das eingeheimste Futter ist vor dem Erhitzen zu bewahren, indem man es in kühle Räume, auf Lattenroste etc. bringt; abgewelktes, überhaupt verdächtiges Grünfutter verfüttere man in kleineren Mengen, mit Heu oder Futterstroh gemischt. Endlich sorge man in grösseren Gehöften und in den Gemeinden für Anschaffung und Instandhaltung der nöthigen Instrumente, besonders der Schlundröhre und des Troikarts.
Die Entfernung der angesammelten Gase ist in weitaus den meisten Füllen die dringendste, oft geradezu eine lebensrettende Indication! Es stehen dazu, zunächst beim Kinde, verschiedene Mittel zu Gebote. Unter den mehr empirischen, die man sofort bei der Hand hat, sind zu nennen: das öfter wiederholte Herausziehen der Zunge aus dem Maule, wodurch Rülpsen erzeugt wird, sowie das Hin-und Herziehen eines mit Knoten versehenen Strohbandes im Maule, welches zu lebhaften Zungenbewegungen und schliesslich zum Rülpsen, ja selbst Erbrechen reizt. Aehnlich wirkt auch das sogenannte Aufzäumen der Thiere mit einem durch die Maulhöhle gezogenen und hinter den Hörnern befestigten Strohseile, welches man
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Acutes Aufblähen der Wiederkäuer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;115
zur Verstärkung der ekel- und brechenerregenden Wirkung mit Wagenschmiere, Tlieer etc. bestreichen kann. Die in manchen Gegenden Frankreichs übliche und sehr gerühmte Verabreichung von Butter oder Schmalz (Ochsen 100 g, Schafe 20 g) dürfte ebenfalls nach dieser Richtung wirken. Bei nicht zu hochgradigem Aufblähen kann man auch durch Bewegung der Thiere das Ausstossen der Gase zu beschleunigen suchen; namentlich wird von Manchen das Bergantreiben empfohlen, indem dadurch die Gase leichter entweichen sollen. Indess erfordern solche raschere Bewegungen Vorsicht, weil bei stärkerer Auftreibung der Zustand leicht verschlimmert werden kann.
Sehr wirksam und in vielen, namentlich den leichteren Fällen ausreichend ist ein anhaltender kräftiger Druck auf die linke Flankengegend. Mit Recht nennt Rychner diese Procedur das sicherste und zugleich wohlfeilste und bequemste wozu wir noch hinzufügen möchten unschädlichstequot; Mittel bei der Aufblähung. Man fühlt dabei ganz deutlich, wie unter dem Drucke der Hand die Wanstbewegungen wieder beginnen, worauf oft sehr bald Ructus aus-gestossen werden. Die Wirkungsweise dieses ständigen Druckes ist neben reflectorischer Erregung der Magennerven wohl die, dass der stark ausgedehnte und daher arteriell anämische Wanst an den eingedrückten Stellen vom centrifugalen Drucke des Gases befreit, der Zufuhr arteriellen Blutes wieder zugänglich, und dadurch zu localer Feristaltik angeregt wird, welche sich auf die übrige Wand fortpflanzt und zum Ausstossen der Gase führt. Man kann so durch länger anhaltenden Druck den Pansen vollständig zur Entleerung bringen. Aehn-lich wirkt auch die Massage des Hinterleibes in Form von Kneten, das Schlagen mit der Hand auf die linke Flanke, das Umschnüren des Bauches mit einem Seil in Spiraltouren, das Begiessen der linken Hungergrube mit kaltem Wasser, kalte Wicklungen u. s. w. Am empfeblenswerthesten ist indess immer ein andauernder, mit beiden Händen ausgeübter Druck auf den Pansen.
Von innerlichen Mitteln ist gegen das acute Aufblähen eine ziemlich grosse Anzahl im Gebrauche. Indess können wir diesen Mitteln insgesammt das Wort nicht reden. Zunächst lässt sich nur in leichteren Fällen von ihnen Hilfe erwarten, wobei indess die eben genannten mechanischen Mittel für gewöhnlich allein ausreichen. Sodann unterstützt das in den Eingüssen enthaltene Wasser den Gäh-rungsprocess; auch ist eine Verirrung der eingeschütteten Medicamente in die Luftwege leicht möglich. Endlich gestattet eine Reihe der vorgeschlagenen Mittel bei einer etwa nöthig werdenden Schlachtung
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
11(3
|
Acutes Aufblähen der Wiederkäuer.
|
||
|
|
|||
|
den Fleischgenuss, resp. den öffentlichen Fleisch verkauf, nicht. Die in Kede stehenden Arzneimittel sind theils Stimulantien und b r e c h e n e r r e g e n d e, theils g a s b i n d e n d e und g ä h r u n g s h e in-m e n d e Mittel. Am empfehlenswerthesten ist noch die Verabreichung von Branntwein (Vi bis 1la Liter mit der doppelten Menge kalten Wassers) oder der Tinctura Veratri (1020,0) in Verbindung mit Branntwein; von schwächerer Wirkung sind die sogenannten Car-minativa (Aufgüsse und Abkochungen von Kümmel, Fenchel, Anis), ferner Baldrian, Canaillen, Pfeffer, Ingwer u. s. w. Das viel empfohlene Terpentinöl (50,0200,0 in verdünntem Branntwein gegeben) ist zuweilen von relativ guter Wirkung, liisst aber ebenso oft auch im Stiche. Stinkasant, Aether, Petroleum, Campher n. s. w. sind dagegen geradezu verwerflich. Auch die Anwendung des Eserins ist wegen der unangenehmen Nebenwirkungen, welche zuweilen bei Rindern mit Tympanitis beobachtet worden, nicht zu empfehlen. Von den sogenannten Absorbentieu kann ebenfalls nur ein sehr bescheidener Nutzen erwartet werden; jedenfalls müssen wir den noch so häufig angewandten Salmiakgeist (1030 g in der ;{0- bis 50fachen Menge kalten Wassers in Zwischenräumen von V2 2 Stunden) als ein Mittel bezeichnen, das sicher schon viel mehr geschadet als genützt hat, indem gerade hier am häufigsten Verschlucken etc. beobachtet wird. Zudem ist seine Wirkung offenbar mehr eine excitirende als absorbirende. Die anderen absorbirenden Stoffe: concentrirtes Seifenwasser, Aschenlauge, Pottasche, Kalkwasser etc. sind mehr unschuldiger Natur. Man vergesse bei der Anwendung dieser sogenannten absorbirenden Mittel nie, dass die Verhältnisse im Pansen wesentlich anders liegen, als in einer mit Kohlensäure gefüllten Glasflasche, in welche man eines der genannten Absorbentieu bringt und dann anhaltend und kräftig schüttelt. Die gährungshemmenden Mittel, bei der chronischen Blähsucht von vorzüglichem Nutzen, dürften bei der acuten nur in niedergradigen Fällen anzuwenden sein. Hieher gehören das unters chwefligs aure Natrium (100200,0), das Kalium chloricum (30,060,0 von Morton, Brown, David u. A. empfohlen), der Liquor Natrii hypochlorosi (die sogenannte Labaraque'sche Flüssigkeit; 50,0 in einem halben Liter kalten Wassers gelöst), die Salzsäure u. a.
Mit allen diesen Mitteln soll man sich nicht zu lange aufhalten, sondern bei herannahender Gefahr unverzüglich zur Schlundröhre und zum Pan sen stich greifen. Ueber die technischen Kegeln bei der Anwendung derselben ist in den Handbüchern
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Aoutes Aufblähen der Wiederkäuer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 117
der Operationslehre das Weitere nachzusehen. Hier wäre vielleicht zu erwähnen, class das Einführen der Schlundröhre bei sehr starker Unruhe und Athemnoth der Thiere nicht immer leicht und gefahrlos zu bewerkstelligen ist, und dass ein ergiebiges Ausströmen der Gase zuweilen durch Verstopfung der Röhre mit Futtermassen verhindert wird. Unter solchen Verhältnissen bleibt nur der Pausenstich übrig. Bezüglich seiner Ausführung möge daran erinnert werden, dass ein vorher mit der Lanzette oder Fliete gemachter Hautschnitt die Operation sehr erleichtert, dass ein ungefensterter runder Troikart allen anderen vorzuziehen ist, und dass man das Ausströmen der Gase zeitweise unterbrechen soll, damit nicht durch die rasch eintrelonde Hyperämie ex vacuo in der Bauchhöhle Anämie des Gehirns mit Ohnmacht und Niederstürzen herbeigeführt wird. Auch soll der Troikart nicht zu frühzeitig herausgenommen werden, da die andauernde Gäh-rung des Panseninhaltes erneutes Aufblähen bedingen kann; man lässt daher die verkorkte Hülse des Troikarts noch einige Stunden liegen, wobei man sie zur Vermeidung des Herausfallens immer im Auge behalten muss. Vielleicht dürfte es nicht überflüssig sein, daran zu erinnern, dass auch der Gebrauch eines im Griffe feststehenden Messers im Notlifalle gute Dienste leistet.
Ist die Hauptgefahr auf irgend eine Weise abgewendet, so ist es trotzdem dringend geboten, die Thiere einige Tage hindurch sehr diät zu halten, da die im Pansen längere Zeit noch zurückgehaltenen gährenden Futterstoffe auf die in reichlicher Menge neu zugeführten fermentartig einwirken und erneutes Aufblähen erzeugen können.
Therapie beim acuten Aufblähen des Schafes. Dieselbe ist, sofern nur einzelne Stücke einer Herde gebläht sind, der des Rindes ähnlich, Namentlich die mechanischen Hilfsmittel, zumal Druck auf die linke Flanke mit Hochheben des Vordertheils, kommen hier mit Nutzen zur Anwendung, dagegen scheint sich die Application der Schlundröhre beim Schafe nicht zu empfehlen (May), auch das Troikariren ist offenbar nicht so nngefähr-lich wie beim Rinde. Mau ist daher beim Schafe mehr als beim Rinde auf die innerlichen Mittel angewiesen und gibt z, B. Kalkwasser (Viertelliterweise alle 10 bis 15 Minuten wiederholt), Natrium subsulfurosum (15 g in wenig Wasser gelöst), das G ropp'sclie Mittel; Kampherspiritus, viertelstündlich einen schwachen Esslüffel voll, Oleum Terebinthinae (einen halben Esslöffel auf '/quot; Liter Wasser), Oleum Petrae (nach May einen halben Esslöflel mit einem halben Esslöffel Branntwein). Den ebenfalls anempfohlenen Salmiakgeist (einen halben Esslüffel auf lU Liter kalten Wassers) halten wir beim Schafe für ebenso bedenklich, wie beim Binde. Handelt es sich um eine Massenerkrankung, dann ist eine derartige Therapie zu zeitraubend und umständlich; man ist daher auf andere Curverfahren angewiesen. So wird gerathen, die Schafherde sofort in starke Bewegung zu setzen und sie wenn möglich einem Wasser
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
118
|
Acutes Aufblähen der Wiederkiiuei-.
|
||
|
|
|||
|
oder Brunnen zuzutreiben, wo die Thiere entweder untergetaucht oder mit Wasser begossen werden sollen. In verzweifelten Fallen bleibt sodann oftmals nichts anderes übrig, als zum Troikart und in Ermangelung eines solchen zum Messer zu greifen, und die angesammelten Gase auf operativem Wege zu entfernen.
Das von Hurtrel d'Arbovul erwähnte, in Frankreich besonders im Departement der östlichen Pyrenäen vorkommende und dort Ealerequot; benannte, mit ausgesprochenen convulsivischon Zuckungen verlaufende Aufblühen der Schafe dürfte sich wohl auf eine Intoxication durch pflanzliche Gifte beziehen.
Auch beim Schweine wird mich der Aufnahme gührenden Futters, z. B. stark hefehaltiger Weissbierträber (Eberhardt, Eepertorium 1875, S. 150) u. s. w., nach gierigem Genüsse warmer süsser Molken (Viborg), nach Vergiftungen etc. acutes Aufblähen beobachtet. Da das Eingeben flüssiger Arzneimittel die grösste Gefahr mit sich bringt, so wird auch hier im Nothfalle der Troikart, (den auch Spin ol a empfiehlt), anzuwenden sein. Vielleicht wäre auch das Physostigmin, subeutan applicirt, von Nutzen.
Beim Hunde haben wir starkes Aufblähen bei Vergiftungen (toxische Enteritis) und Darmstenosen beobachtet.
|
|||
|
|
|||
|
Chronisches Aufblilhen der Wlederkftner.
Literatur. 1) Lindenberg, Magazin. 1846. S. 484. 2) Rüffert, Preuss. Mittheil. 1855/56. 8) Krüger, ibid. 1854. 4) Luatti, II med. vet, 18G0. 5) Albrecht, Thierarsst, 1802. S. 120. 6) Liautard, Journal de Lyon. 1868. 7) Baer, Sachs. Jahresber. 1803. S. 88. 8) Göring, Adam's Wochensohr, 1864. S. 281. 9) Schuhmaoher, Thierarzt. 1808. S. 217. 10) Legrand, Ännal. deBruxelles. 1805. 11) Igel, Repert. 1800. S. 183. 12) Erdmann, Aroh. f. Thierhlkde. 1875. S. 289. 18) Schwanz, Repert. 1877. S. 318. 14) Betzel, ibid. 1878. S. 373. 15) Johne, Sachs. Jahresber. 1883. S. 24; 1887. S. 50. 16) Haubner-Siedamgrotzky, Landwirtbsch. Thierheilkunde, 1889. S. 51. 17) Kater, Berliner Archiv. 1885. S. 297. 18) Kaiser, ibid. 19) Rubeli, Schweizer Archiv. 1885. S. 289. 20) Utz, Bad. thiemrztl. Mittheil. 1887. S. 117; 1889. S. 110. 21) Schurink, Holland. Zeitsohr. f. Thierheilkde. Bd. 24. S. 274. 22) Pütz, Oompend. der prakt. Thierheilkunde. 1885. S. 458. 28) Bris sot, Reoueil. 1889. 24) Beuchet, ibid. 1889. 25)Freliez, ibid. 1890. 26)Durieux, Annal. deBruxelles. 1888. 27) lionult, Berliner Arch. 1889. S. 298. 28) Köpke, ibid. S. 297. 29) AI brecht, Wochenschr. f. Thicrbeilkde. 1890. S. 61. 30) Harms, Erfahrungen über Binderkrankheiten. 1890. S. 80. 81) Hess, Schweizer Archiv f. Thierhlkde. 1890. S. 216. 82) Schauber, Wochenschr. f. Thierhlkde. 1891. S. 188. 88) Truelsen, Berlin, thierärztl, Wochenschr. 1891. S. 180.
|
|||
|
|
|||
|
Wesen. Das chronische oder stille, schleichende Aufblühen besteht in einer andauernden, hartnäckigen, sich immer wieder-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Chronisches Aufblühen der Wiederkäuer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1 ] ()
holenden Ansammlung von Gasen, und zwar vorwiegend Kohlenwasserstoffgasen im Pansen, welche indess nicht so bedeutend ist, wie beim acuten Aufblähen. Nach einer Analyse von Erdmann setzten sich die Gase in einem Falle zusammen aus 42 Proc. Kohlenwasserstoffen, 85 Proc. Kohlensäure, 20 Proc. Stickstoff; bei der je nach der Fütterung sehr wechselnden Zusammensetzung der Gase können diese Zahlen natürlich nicht typisch sein; jedenfalls ist aber auch aus dieser Analyse ersichtlich, dass beim chronischen Aufblähen die Kohlensäure im Gegensatze zum acuten sich in der Minderheit befindet.
Ursachen. A'on den Ursachen des chronischen Aufblähens sind zwei von einander wesentlich verschiedene zu nennen. Sehr häufig ist die chronische Blähsucht nur ein Symptom des chronischen Magenkatarrhs, das sich aus dem Aufhören des Wiederkauens, der dabei überhand nehmenden Gährung, und dem Darniederliegen der Pansen-thiitigkeit leicht erklären lässt. Ist einmal ein chronischer Magenkatarrh vorhanden, so sind die geringsten Diätfehler, z. B. zu hastiges oder gieriges Fressen, die Aufnahme zu grosser Mengen von Milch bei jungen Thieren etc. im Stande, eine abnorme Gasbildung zu veranlassen. Um so mehr wird dies bei der Verabreichung leicht gährender Futtermassen, sofern sie längere Zeit fortgesetzt wird, der Fall sein. Auf diese Weise kann auch der andauernde Mangel au Rauhfutter, zu kurz geschnittener Häcksel, zu reichliche Mehlfütterung u. s. w. zu chronischem Magenkatarrh und Aufblähen führen.
Zweitens kommen als Ursachen mechanische Hindernisse für das Wiederkäuen und Rülpsen in Betracht. Hieher gehören Verengerungen des Schlundes durch verschiedene Processe, vorwiegend aber durch Neubildungen hervorgerufen (sogenannte Com-pressionsstenosen), worunter die tuberkulös entarteten Lymphdrüsen des Mittelfells in erster Linie zu nennen sind. Das chronische Aufblähen stellt so nicht selten eine ganz charakteristische Begleiterscheinung der Tuberkulose dar. Ferner verhindern Neubildungen in den Vormägen (Polypen, Fibrome, Papillome, Sarkome etc.), sowie Futter-, Sand- und Haarballen das Entweichen der Gase. Endlich hemmen Verwachsungen der Mägen mit der Bauchwand das Contractionsvermögen der Magenwände, und bedingen so Stauung des Mageninhalts und abnorme Gährung; diese peritonitischen Adhäsionen stammen meist von spitzen Fremdkörpern im Magen, von Stössen auf die untere Magengegend, von wiederholten Punctionen des
|
||
|
|
||
|
|
||
|
120nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Chronisches Aufblühen der Wiederkäuer.
Pansens u. 8. vv. her; siehe auch das Kapitel über teiumatische11 Indigestion. Auch können Zwerchfellsrisse mit Vorfall der Haube in die Brusthöhle und event. Verwachsen mit den Brustorganen die Rumination und das Rülpsen erheblich beeinträchtigen und chronische Bläbsucht verursachen. Endlich hat man chronische Tympanitis in Folge von Band wurm leiden (Taenia denticulata) beobachtet.
Symptome. Die Erscheinungen des chronischen Aufblähens decken sich im Wesentlichen mit denen des chronischen Magenkatarrhs. Das Hauptsymptom selbst äussert sich in einer allmählich hervortretenden, periodisch wiederkehrenden und verschwindenden, schliesslich auch hartnäckig andauernden massigen Auftreibung der linken llungergrube. Dabei ist das Wiederkäuen unterdrückt, die Pansenbewegungen und Pansengeräusche sind träge, vereinzelt wird auch Erbrechen beobachtet. Athmungsstörungen und Unruheerschei-nungen, wie sie beim acuten Aufblähen beobachtet werden, fehlen indess gewöhnlich. Im weiteren Verlaufe der nicht selten Monate lang dauernden Krankheit kommt es häutig zu chronischen Durchfällen und zu hochgradiger Abmagerung der Thiere. Bezüglich der Prognose ist es von der grössten Wichtigkeit zu wissen, welche der beiden genannten Ursachen vorliegt. Das mit chronischem Magenkatarrh in Verbindung stehende Aufblähen verschwindet mit der Beseitigung des ersteren, während das durch organische Veränderungen und Dislocation der Mägen bedingte unheilbar ist. Tuberculose der Mittelfelldrüsen lässt sich eventuell durch eine Tuberculininjection nachweisen.
Therapie. Von einer Behandlung kann nur bei der erstgenannten Art die Rede sein; wir verweisen hiebei auf die Therapie des chronischen Magenkatarrhs. In der Hauptsache handelt es sich um Beschränkung der Gährung durch gährungswidrige Mittel (Salzsäure, untorschwefligsaures Natron, Mittelsalze), sowie um Anregung der Magenperistaltik durch Brechweinstein, weisse Nieswurz, Terpentinöl u. s. w. Trasbot hat auch von Radix Ipecacuanhae in Dosen von 48 g gute Wirkung constatirt. Dagegen ist das Eserin wegen seiner unangenehmen Nebenwirkungen nicht zu empfehlen (Albrecht). In sehr hartnäckigen Fällen hat sich nach der erfolglosen Anwendung aller anderen Mittel die Entfernung der im Pansen angehäuften gährenden Futtermassen durch den Pansenschnitt bewährt. Die operative Entleerung der angesammelten Gase durch die Function dürfte beim chronischen Aufblähen höchst selten nöthig werden. Die gasabsorbirenden Mittel erzielen nur eine vorübergehende
|
||
|
|
||
|
#9632;
|
||
|
|
||
|
Pansenüberfttllung beim Rinde,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 121
Wirkung, während die eigentliche Ursache der Gasbildung, die Gith-rung und Unthätigkeit des Pansens fortbesteht; sie sind daher überflüssig. Von der grössten Bedeutung dagegen für die Behandlung der chronischen Blilhsucht ist die Regelung des diätetischen Regimens.
|
||
|
|
||
|
Pausciiiilierlullung beim Rinde.
Literatur. 1) Chabort, Instruct, vüter. 1792. 2) Pvinz, Magazin f. Thievhlkde. 1838. S. 24.r). 3) Eisele, Repert. 1840. S. 238. 4) Roohe-Lubin, ReouetI de rru'd. vdt. 1849. 5) Lossona, Qiomale di Vcterin. 1854. 6) Abonm'', Journal do Lyon. 1807. 7) Mayer, Thiorarzt. 1870. S. 91. 8) Prietsch, Sachs. Jahresber. 1871. S. 137. 9) Lutz, Report. 1870. S. 331, 10) Diecker-hoff, Adam's Wochensohr, 1877. S. 47. 11) Haubner-Siedamgrotzky, Landwirthscliaftl, Thiorheilkdo. 1889. S. 88. 12) Vogel, Ropertor. 1888. 2, Heft. 13) Baerts, Annal. de Bruxelles. 1889. 14) Beel, Deutsche Zeitschr. f. Thiermed. 1890. S. 31. Pansenüberfüllung bei Schafen: 1) Fünf stück, Silebs. Jahresber. 1870. S. 97. 2) Pröger, ibid. 1882. S. 91. 8) Baudeaud, Progres veter 1889.
Ursachen. Unter Pansenüberfüllung, üeberfressen, absoluter Ueberfütterung etc. versteht man die durch rasch erfolgte Aufnahme ungewöhnlich grosser Futtermengen veranlnsste Ueberhidung des ersten Magens der Wiederkäuer. Dieselbe wird unter den Verdauungskrank-heiten des Kindes häufig beobachtet. Die Veranlassung dazu gibt gewöhnlich ein von den Thieren besonders bevorzugtes Futter, das ihnen in ungewöhnlicher Menge vorgesetzt oder zugänglich wird, besonders Grünfuttor, junges Heu, frischer Klee, verschiedene Träber-sorten, Schlempe etc.; sodann findet man die Pansenüberfüllung bei gierigen Fressern, nach langem Hungern, nach Aufnahme von zu vielem, besonders kaltem Wasser.
Symptome. Die Erscheinungen sind je nach der Menge des aufgenommenen Futters, nach der Qualität und Verdaulichkeit desselben verschieden. Meist ist Folgendes zu beobachten: Die Thiere stehen vom Barren zurück, krümmen den Bücken, drängen bald nach dem Üeberfressen öfters und rasch nach einander etwas normalen Koth ab (sogenanntes Pressen auf den Mastdarmquot;), wedeln mit dem Schweife, schlagen mit den llinterfüssen gegen den Bauch, sehen sich brummend und stöhnend nach dem Ilinterleibe um und schütteln zuweilen unter zischendem Ausstossen von Luft durch die Nasenlöcher heftig mit dem Kopfe; oder sie stehen stumpfsinnig, in sich gekehrt.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
122
|
Pansenüberfttlltmg beim Rinde.
|
||
|
|
|||
|
ohne alle Aufmerksamkeit für ihre Umgebung da, legen sich auch wohl, doch selten, unter Stöhnen nieder, um nach kurzer Zeit wieder aufzustehen. Die Futteraufnahme ist sistirt, das Wiederkäuen fehlt gänzlich, das Verlangen nach Wasser ist zuweilen gesteigert; häufig besteht Sjieicheln, wobei die Thiere leere Kaubewegungen machen, hie und da entweichen auch unter Strecken des Kopfes und Halses kurz abgebrochene lluctus oder es kommt zu eigenthümlichen Würg-bewegungen und wirklichem Erbrechen von Futterbrei, das sich öfters wiederholen kann. Das Flotzmaul ist dabei meist von normaler Beschaffenheit.
Der Umfang des Hinterleibes ist namentlich linksseitig sehr bedeutend vergrössert, die linke Hungergrube ausgeglichen oder selbst hervorgewölbt. Bei Betastung des Pansens durch die Wandung der Flanke fühlt sich derselbe prall, vollgepfropft, wie eingestampft mit einem bald teigartigen eindrückbaren, bald sehr festen Futterbrei an, der meist bis zur oberen Pansenwand reicht, so dass der Percussionsschall daselbst allerorts leer wird; im späteren Verlaufe lässt sich zeitweise eine geringe Gasansammlung über dem Panseninhalte durch Palpation und Percussion nachweisen. Ein andauernd stärkerer Druck auf den Pansen ist den Thieren zuweilen sehr unangenehm, und suchen sie demselben auszuweichen. Dieselbe Beschaffenheit des Pansens lässt sich statt durch Palpation von der Flanke aus mittelst Exploration durch den Mastdarm feststellen. Die normal sieht- und fühlbaren Pansenbewegungen sind entweder unterdrückt oder ganz sistirt, so dass die aufgelegte Hand keinerlei Thätig-keit des Pansens fühlt, die Pansengeräusche (Pansenreiben) sind abgeschwächt oder ganz unhörbar. Der Kothabsatz erfolgt spärlicher und seltener, dabei wird der Koth nicht mehr in Fladen, sondern in mehr festen, geballten, schwärzlichen Massen abgesetzt.
Die Temperatur ist nicht erhöht, die Körperwärme gleich-massig vertheilt, nur der Puls ist etwas beschleunigt, und das Arterienrohr gespannt. Die Athmung ist in Folge des auf das Zwerchfell ausgeübten Druckes angestrengt und insbesondere beim Liegen und Bergabgehen sehr erschwert, selbst ächzend, so dass eine Erkrankung der Lunge vorgetäuscht werden kann. Der Blick der Thiere ist ängstlich, glotzend, der Augapfel scheint mehr hervorzutreten; die Conjunctiva ist stärker injicirt.
|
|||
|
|
|||
|
Verlauf. Derselbe ist verschieden. Bei zu hochgradiger Ueber-füllung des Pansens kann es rasch zu Erstickungs- und apoplekti-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Pansonüberfullung beim Rinde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ] 23
sehen Erscheinungen kommen, wie man sie häufig beim aeuten Aufblühen trifft. In anderen Füllen entwickelt sicli ein a cut er Magen- und Darmkatarrli aus der Pansenüberfüllung. In den meisten Fällen jedoch gleicht sich die Störung wieder aus, besonders wenn die Thiere vorher gesund und kräftig, die Menge der aufgenommenen Nahrungsmittel nicht zu gross, die letzteren nicht zu schwer verdaulich waren. In den leichteren Fällen kann so schon nach einigen Stunden die Heilung erfolgen; gewöhnlich treten innerhalb der ersten 2486 Stunden wieder Verdauungserscheinungen auf: das Wiederkäuen und die Futterlust kehren zurück, die Wanstbewegungen werden lebhafter, es tritt häufiges Aufstossen von Gasen sowie reichlicher Kothabsatz auf, so dass nach 84 Tagen ein vollständiger Ausgleich stattgefunden hat.
Differentialdiagnose. Die PanseuüberfUllung kann einerseits mit acute r Bläh sucht, andererseits, wenn auch seltener, mit dem sogenannten Ueherwurfe beim Ochsen verwechselt werden. Mit acuter Blähsucht insofern, als dieselbe ebenfalls sehr rasch und unmittelbar nach der Futteraufnahme auftritt und die Erscheinungen der Unifangsvermehrung des Pansens darbietet; mit dem Ueberwurfe, weil derselbe plötzlich eintritt und unter ähnlichen Unruheerscheinungen wie die PanseuüberfUllung verläuft. Gegen die Verwechslung mit dem Ueberwurfe schützt eine Exploration des Mastdarms (Fehlen eines gespannten Stranges vor dem Beckeneingange rechterseits gegen den Bauchring zu; Anamnese). Bei Tympanitis ist die Auftreibung des Pansens bedeutender, die Palpation weist eine Ansammlung von Luft, statt fester Futtermassen, nach (die bei Pansenüberfüllung zuweilen auftretenden Gase sind immer in geringen Mengen und meist vorübergehend vorhanden): die Störungen der Respiration und Circulation sind bedeutender. Ausserdem können Uterus torsi onen das Vorhandensein einer Magenüberladung vortäuschen, da sie ein plötzliches Versagen des Futters, Auftreibung in der linken Flanke sowie Verstopfung zur Folge haben. Es empfiehlt sich daher in allen Fällen von Pansenüberfüllung bei trächtigen Thieren eine Untersuchung durch die Scheide vorzunehmen (Beel, Johne). Eine etwaige Verwechslung mit acutem Magendarinkatarrh wird durch die Berücksichtigung der Anamnese (plötzliches Auftreten hochgradiger Symptome) leicht zu verhüten sein; selbst der Laie verkennt den Zustand einer PanseuüberfUllung wohl selten,
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
121
|
l'ansenlcere.
|
||
|
|
|||
|
Behandlung. Bei geringen Graden der MagenUberlüllung genügt ein rein exspectatives Kurverfahren, und es ist ausser einer mehrtägigen knappen Diät sowie fleissiger Bewegung der Thiere nichts weiter zu fchun. In höheren Graden sucht mau die Thätigkeit des Pansens von aussen durch Massage (Drücken, Kneten und Reiben von der linken Flanke aus), von innen durch drastische und emetische Mittel anzuregen. Man gibt so u. a. die Aloe, den Brechweinstein und das Natrium sulf'uricum in grossen Dosen. Unter den emetischen Mitteln ist vor allem die weisse Nieswurz zu nennen, welche als Pulver oder in Form der Tinctur angewendet werden kann (Pulv. Rhizomat. Veratri albi oder Tinctnra Veratri albi 1020,0 pro dosi). Nach Trashot ist auch die Ipecacuanha-Wurzel zuweilen sehr wirksam. Führt dieses Verfahren nicht zum Ziele, so bleibt nichts Anderes, als die tbeilweise Entfernung des angesammelten Futters durch den Pansenschnitt Ubriff,
|
|||
|
|
|||
|
Anmerkung über die sogen. Pansenleere. Im Sächsischen Jahresberichte pro 1878. S. 88 und 1879, 8. 188 berichtet Voigtländer über einen oigenthiünlichcn, patliogenetisch sehr dunklen Krankheitszustund hoch-trächtiger Kühe, welcher durch die verluiltiiissinässig schnelle und fast vollständige Entleerung des Panseninhalts hervorgebracht wurde. Es handelte sich dabei um einen länger dauernden Transport der Thiere auf der Eisenbahn, während dessen kein Futter verabreicht wurde, nachdem eine nur mangelhafte Fütterung mit Gras vorausgegangen war, das während der Fahrt längst verdaut wurde. Das Krankheitsbild hatte nach Voigtländer grosse Aehnlichkeit mit dem des paralytischen Kalbefiebers. Es bestand in einem vollständigen Lähmungszustande, wobei die Thiere nicht mehr aufstehen konnten, den Kopf nach der Seite umgeschlagen hatten, eingefallene, trübe Augen und eine erweiterte Pupille neigten, die Athmung sehr beschleunigt war etc. Die Kranken erholten sich in den wenigsten Fällen wieder: bei der Section fand man den Pansen so leer, dass man ihn wie einen leeren Sack um den Arm wickeln konnte.
Auch Waigel (Sachs, .lahresber. 1888, S. 74) hat bei hochträchtigeu Kühen ähnliche Nachtheile nach länger dauernden Eisenbahntransporten beobachtet. Insbesondere sehr gut genährte Kühe erkrankten bald nach der Ankunft und starben nach 824stündiger Krankheitsdauer. Die auffälligsten Erscheinungen waren holies Fieber, vollständige Appetitlosigkeit, beständiges Liegen, sowie ein lähmungsartiger Zustand der Verdauungs-organe. ISei der Section fand man den Pansen aufgebläht, wenig Futter enthaltend, die Leber hyperäniisch oder lehmfarbig, die Dünndärme stark geröthet, zuweilen bestand auch Peritonitis und Hyperämie des Uterus. Weigol sucht die Krankheitsursache in ungenügender oder längere Zeit ausfallender Füllung des Pansens (23 Tage), Mangel an Kühe resp. Lagerung sowie in Erschütterung des llückenniarks. Die bisherigen Beobachtungen lassen einen sicheren Schluss bezüglich der Natur der obigen als Pansenleere bezeichneten Krankheit nicht zu.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Labmiigeukatiu-rh.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1^5
|
||
|
|
||
|
Labmagenkatarrh und Labmagen-Zwölffingerdarmkatarrh
beim Uiiido.
Literatur. 1) Harms, Deutsche Zeitochr. f. Thiemed. 1870. S. 197; 1889. S. 8601 Erfahrungen über Rinderkrankh. 1890. S. 02 u. 66. 2) Prietsch, Säohs. Jahresber. 1877. 8. 106. 3) Saake, Berlin. Archiv f. Thierheilkde. 1879. S. 232. 4) Ostertag, Zeitschr. f. Fleisch- u. Milobbygieno. 1890. 1. Heft.
Allgemeines. Wie schon erwähnt, können bei den Wiederkäuern die verschiedenen einzelnen Magcmibtlieilungen primär von katarrhalischen Entzündungszuständen befallen werden. So scheint auch der Labmagen nicht so selten der Sitz einer primären Erkrankung zu sein, wobei freilich eine sichere Diagnose meist sehr schwierig ist. Prietsch fand bei 600 geschlachteten, scheinbar gesunden Rindern in 2026 Proc. aller Fälle theils acute, theils chronische Katarrhe des Labmagens. Ostertag hat bei der Mehrzahl aller geschlachteten Rinder unter dem Epithel der Labmagenschleimhaut einen neuen Parasiten, den Strongyius convolutus, vorgefunden, von welchem er annimmt, dass er bei starker Invasion Abmagerung und hydrämische Kachexie verursacht. Da sich die Beschreibungen des Krankheits-bildes des Lahmagenkatarrhs in einzelnen wesentlichen Punkten widersprechen, kann von einer einheitlichen Schilderung der Symptome des Labmagenkatarrhs vorerst noch nicht die Rede sein; es sollen daher nur die einschlägigen Beobachtungen in Kürze für sich referirt werden.
Saake beobachtete den Labmagenkatarrh bei jungen Kindern, Ochsen und bei Külien vor und nach dem Kalben. Die Erscheinungen sind im Anfange dieselben, wie bei den anderen gastrischen Leiden; unter stetem Wechsel von Besserung und Verschlimmerung tritt sodann eine öftere Gasentwicklung im Pansen hinzu, wobei die Thiere trotz hochgradiger Trommelsucht auffallendes Wohlbefinden an den Tag legen können. Bei der Auscultation des Pansens hört man einen eigenthünilichen, oft sehr lauten Metallklang, den Saake für ein pathognonionisclies /eichen des Lab-magenkatarrhs hält, da er beim gewöhnlichen Aufblähen in dieser Weise nie vernommen wird. Später stellt sich bei den erkrankten Thioren starke Diarrhöe mit allmählicher Abmagerung ein, welche einen ohlorotischen Zustand mit Neigung zu Oedembildung im Kehlgang zur Folge hat, wobei der Appetit alienirt und launenhaft wird . ohne dass ausgesprochene Lecksucht vorhanden wäre. Bei Druck auf die rechte Unterbauchgegend sind die Thiere empfindlich. Der Verlauf des Leidens ist sehr protrahirt und der Ausgang häufig nach Monate langer Dauer tödtlich. Bei der Section findet man starke Schwellung der Mucosa und Submucosa. welch letztere
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
12G
|
Magendarmkatarrh dos Jungviehs.
|
|||
|
|
||||
|
am Pylorus und am Anfange des Duodeimms ödematös infiltrirt und zuweilen bis zu 4 am verdickt ist, ferner katarrhalische Uöthung besonders in der Pylorusgegend und bei chronisuheni Verlaufe folliculilre Schleimliaut-gesobwlire, Bei der Behandlung der Krankheit hat sich das Tannin in Dosen bis zu 50 g pro die sehr erfolgreich erwiesen.
Harms beschreibt unter dem Namen Labmagen - Zwölffingerdarm-katarrhquot; eine plötzlich auftretende und in der Regel nach einigen Tagen wieder verschwindende Verdauungskrankheit, welche sich von dem gewöhnlichen Magenkatarrh durch die icterische Färbung der Conjunctiva, die normale Beschaffenheit der Faces, die ungestörte Paiisenthätigkeit nach der Füllung desselben, sowie Schmerzäusserungen bei Druck auf die Labmagen-gegend unterscheidet und spilterhin, bei längerer Dauer, mit Erscheinungen der Lecksucht verläuft. Bei der Section findet man anfangs ödematöse Schwellung, Hyperämie und schleimigen Belag; später wird die Schleimhaut dicker, grobfaltiger. Die Behandlung besteht nach Harms in Diät, leicht verdaulichem Futter, sowie in der Verabreichung von Karlsbader Salz und Salzsäure. Harms beschreibt auch im Gegensatze zu der von den Laien gewöhnlich angenommenen Löserverstopfung eine veritable Labmagenverstopfung, wobei der Labmagen 45 Liter wiedergekäutes Futter enthielt, so dass er von weitem für den Pansen gehalten wurde. Die Erscheinungen während des Lebens bestanden in häufigem Rülpsen, Schmerz bei Druck auf die Labmagengegend, Speicheln, Erbrechen, sowie starker Anfüllung des Mastdarmes.
|
||||
|
|
||||
|
Magen' und Darmkatarrli des Jungviehs.
|
||||
|
|
||||
|
Literatar. 1) Brugnone, La Mascalcia. T
1828. 3) Delai'ond. ibid. 1844. 4) Journal de Lyon. 1850. 6) Philip 7) Diuter, ibid. 1877. S. 108. 8) S. 391 u. 1884. 8. 382. 9) D up out 10) Zundel, Der Gesundlioits/.ustan Adam's Wochenschr. 1888. S. 335. 13) Haubner-Sied amgrotzky, S. 57. 14) Sehwarzraeier, Oesterr. ohenne, Bullet. Belg. 4. Bd. 10) Oh Erfahrungen über Binderkrankbeiten Clinioa veter. 1889.
|
urin 1774. 2) Bcuard, Rocueil vct.
Darre au, ibid. 1840. 5) Mazoux, pi, Sachs. Jahresber. 1875. S. 109. Hamm, Adam's Wochensobr. 1873. , Recueil do med. vet. 1871. Nr. 1 f. d etc. 1881. S. 93. 11) Albrocht,
12) [mminger, ibid. 1890. S. 40. bandwirtlischaftl. Thierheilkde. 1889.
Monatsschr. 1889. S. 486. 15) Pau-
indord, Recueil. 1888. 17) Harms,
1890. S. 95. 18) Barinetti, La
|
|||
|
|
||||
|
Allgemeines. Der Magendarmkatarrh des Jungviehs (Säuglinge und Absetzlinge) verdient insofern eine gesonderte Besprechung, als er für Thiorzuclit und Landwirthschaft unter Umständen eine grosse Bedeutung erlangen kann, und sich vom Magendarmkatarrh der erwachsenen Thiore nach Ursachen, Verlauf und Behandlung nicht unwesentlich unterscheidet. Uazu kommt noch, dass er häufig mit der infectiösen sogen, woissen Ruhr verwechselt und unter der letzteren Bezeichnung mit beschrieben wird; auch aus diesem Grunde empfiehlt
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Magendarmkatarrh des Jungviehs.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;127
es sich, den einfachen Magendarnikatarrh des Jungviehs im üegensatze zur infectiösen Dysenterie in einem besonderen Kapitel abzuhandeln.
Aetiologie. 1. Krankheitsursachen bei den Säuglingen. Dieselben sind folgende:
1)nbsp; nbsp;Krankheiten und abnorme Verhältnisse beim Mutter-thier. Die körperlichen Zustände des Mutterthiers stellen durch die Vermittlung der Muttermilch in innigster Beziehung zum Wohlbefinden des Säuglings; auf diesen wirken insbesondere alle Verdauungskrankheiten, Ernährungsstörungen, kachektische und Schwächezustände der Mutter in ähnlicher Weise schädlich ein. Am gefährlichsten sind die Infectionskrankheiten, so bekanntlich die Maul- und Klauenseuche, ausgebreitete Tuberkulose, Eutertuberkulose u. a.; sehr häufig verursacht auch eine beim Mutterthier vorhandene Mastitis, ja selbst die vorübergehende Congestions-schwellung des Euters beim Rinde Magendarmkatarrh. Von grösster Wichtigkeit ist sodann die Fütterung des Mutterthieres so kann eine zu mastige, intensive, stickstoffreiche Nahrung (Körner, Hülsenfrüchte, Klee) wie auch eine zu schlechte, wässerige (aus-schliessliche Schlampe-, Hüben-, Griinfütterung) oder verdorbene, faulige (faule Rüben und Kartoffeln, ranzige Oelkuchen) beim Säugling durch ihre Einwirkung auf die Milch Digestionsstörungen erzeugen. Von solchen Milchfehlern werden hauptsächlich beschuldigt: eine zu fette und zu wässerige (fettarme), eine schon im Euter gerinnende, eine bittere, ranzige, eine zähe, schleimige (zu eiweiss-reiche), eine an CaseYn zu reiche oder zu arme Milch. Auch fremde Bestandtheile in der Milch (ätherische Oele, harzige und scharfe Stoffe, Gifte, Arzneimittel, besonders Abführsalze) können reizend auf die Magen- und Darmschleimhaut, einwirken. Endlich führen auch Ueberanstrengungen des Mutterthiers durch Beeinträchtigung der Milchsecretion und Milchqualität zu Erkrankung des Jungen.
2)nbsp; nbsp;Diätfehler beim Sauggeschäft. Hieher gehört als eine der häufigsten Krankheitsursachen die Aufnahme zu grosser Mengen von Milch auf einmal, wenn das Junge zu lange von dem zur Arbeit verwendeten Mutterthier entfernt und dabei zu hungrig geworden ist. Auch sonstige Unregelmässigkeiten beim Säugen (zu kleine oder zu grosse Pausen), die Verabreichung von Milchsurrogaten u. s. w. können Katarrhe zur Folge haben.
8) Erkältung der neugeborenen Tiiiere durch kalten, feuchten Stall, kaltes Euter.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
128
|
Magendarmkatarrh dos Jungviehs.
|
||
|
|
|||
|
4) Das Zurückbleiben des Darmpeclis, wobei die eintretende Verstopfung zu Zersetzung des Darminhalts und Reizung der Darm-schleimbaut durch die Zersetzungsproducte Anlass gibt,
II. Kranklieitsursaclien bei den Absetzlingeu, Als solche sind zu nennen:
1)nbsp; nbsp;Fehlerhafte Abgewöhnung der Thiere. Die zu frühe Verabreichung von Trockenfutter, besonders von rauhem, grobsteng-ligem, schwer verdaulichem, reizendem Futter muss eine Erkrankung des Magens und Darmes zur Folge haben; hieher gehört auch alles verdorbene Futter, zu kurz geschnittener Häcksel u. s. w.
2)nbsp; nbsp;Unpassende Milchsurrogate, besonders solche, die sehr stiirkemehlhaltig sind. Dieselben wirken durch Erzeugung saurer Gäh-rungen (Essigsäure-, Milchsäure-, Buttersäuregährung) entzündungs-erregend auf die Darmschleimhaut ein,
3)nbsp; nbsp;Rauhe Witterung, besonders beim Frühjahrs- und Herbstweidegang; zu kaltes Tränken der Thiere.
4)nbsp; Der Zahnwechsel, wobei die Thiere alle möglichen Gegenstände benagen und verschlucken.
5)nbsp; nbsp;Das Vorhandensein von Würmern im Magendarmcanal, so von Strongylus contortus bei der Magenwurmseuche der Lämmer, von Taenia expansa bei der Bandwurmseuche derselben, von Strongylus arraatus bei Saugfohlen.
Schliesslich disponiren angeborene Verdauungsschwäche, Krankheiten der Gckrösdrüsen etc. einzelne Individuen besonders zu Magendarmkatarrh, wozu im üebrigen jedes neugeborene Thier vermöge der Emplindlichkeit seiner Verdauungsorgane Anlage hat.
|
|||
|
|
|||
|
Anatomischer Befund. Die anatomischen Veränderungen im Magen und Darm sind im Allgemeinen die beim erwachsenen Thier angegebenen, nur entsprechen sie bei tödtlich verlaufenden Fällen nicht immer den hochgradigen Krankheitssymptomen während des Lebens. Der Mageninhalt besteht bei Säuglingen in meist derben, klumpigen Käsegerinnseln (wobei indessen nicht selten das Normale für abnorm gehalten wird), bei Absetzungen in zusammengeballten rauhen Heu- und Strohmassen, Die Schleimhaut des Magens und Darmes zeigt die verschiedensten katarrhalischen Veränderungen: Röthung, Schwellung, Follicularkatarrh, selbst Geschwürsbildung im acuten, Atrophie, Verdickung, Wulstung, Pigmen-tirung u. s. w. im chronischen Stadium; gewöhnlich sind auch die Gekrösdrüsen mehr oder weniger geschwollen. Die Cadaver selbst
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Mageiuliinnkatarrh des Jungviehs.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;120
sind oft sehr abgemagert und zeigen die Erscheinungen der Anämie
und Hydrilmie.
Symptome. Die Erscheinungen des Magendarmkatarrhs beim Jungvieh können theils allmählich, tlieils plötzlich auftreten; es hängt dies ganz von der veranlassenden Ursache ab. Bei Säuglingen kann dem Hauptsymptom der Diarrhöe nur eine verminderte und verzögerte Sauglust mit leichter Mattigkeit und Traurigsein der Thiere vorausgehen. In anderen Fällen, besonders bei Absetzungen, wenn die Erkrankung von Diätfehlern, ZU kaltem Getränke, Erkältung überhaupt ausgeht, beginnt die Krankheit plötzlich mit Fieber und ausgesprochener Störung des Allgemeinbefindens! ungleichmässig vertheilter Körpertemperatur, kalten Beinen, trockenem Flotzmaul, Schwäche und Niedergeschlagenheit, Die bald sich einstellende Diarrhöe besteht zunächst in Entleerung dickbreiiger Kotinnassen von normaler Farbe und normalem Gerüche; später ist der Koth mehr dünnflüssig und heller und wird oft im Bogen abgesetzt; zuletzt kommen schmierige, gelbe oder graugrüne, schäumende, mit Flocken und Klumpen untermischte, sauer oder intensiv faulig riechende Massen zum Vorschein, die gegen das Ende Blutstriemen und blutige Färbung aufweisen, unwillkürlich abgehen, die ilinterscbenkel und den Schweif besudeln und durch ihre ätzende Wirkung die Haare in der Umgebung des Afters zum Ausfallen bringen. Gleichzeitig beobachtet man After-zwang und leichte Kolikerscheinungen; die Thiere stehen mit gekrümmtem Hucken und unter den Leib gestellten Küssen da, zeigen eine trockene Haut und struppiges Haar, ihre Ausdünstung wird sehr übelriechend, die Mattigkeit und Schwäche nimmt überhand. Mit der Diarrhöe complicirt sich häufig das wiederholte Auftreten von Tympanitis; man findet periodische Ansammlungen von Gasen im Pansen und in den Gedärmen und dem entsprechend verschieden hochgradige Aufblähung des Hinterleibes. Diese Blähsucht geht aus den im Verlaufe des Magendarmkatarrhs eintretenden abnormen (Währungen und Zersetzungen hervor, und kann sich bald vor oder nach, bald auch gleichzeitig mit der Diarrhöe entwickeln.
Die Krankheit kann sowohl acut als chronisch verlaufen; in manchen Fällen tritt der Tod schon nach wenigen Tagen, in anderen erst nach mehrwöchentlicher Dauer des Leidens ein. Die Todesursache ist meist Erschöpfung, allgemeine Anämie und Hydrämie. Zuweilen gesellen sich katarrhalische Pneumonien hinzu, bezw.
haben sich solche aus den Atelektasien gebildet, wie sie häutig genug Frledberger n. Ki'öimei', Pathol, u. Theiapls d, Haustlilere. r. Bd. B, Aufl. 9
|
||
|
|
||
|
..
|
||
|
|
|||
|
180
|
Maijfeiulannkatarrli des Jungvielis.
|
||
|
|
|||
|
unmittelbar nach del' Geburt bei Schwächlingen etc. vorkommen. Im Unterschiede zur Dysenterie (Ruhr) zeichnet sich der einfache Darmkatarrh durch mehr sporadisches Auftreten, leichtere Erkrankung, günstigeren Krankheitsverlauf, sowie durch den Umstand aus, dass er nicht so unmittelbar nach der Geburt auftritt, wie die infectiöse Ruhr.
Prognose. Dieselbe ist beim Magendarmkatarrh des Jungviehs immer vorsichtig zu stellen; insbesondere ist eine längere Dauer des Durchfalls und der Tympanitis sehr gefährlich. Im Uebrigen richtet sich die Vorhersage wesentlich nach den zu Grunde liegenden Ursachen.
|
|||
|
|
|||
|
Behandlung. Die Therapie ist zunächst eine diätetische und erst in zweiter Linie eine medicamentöse. Vor Allem handelt es sich um Beseitigung der Krankheitsursachen. Demzufolge hat sich bei Säuglingen die Therapie hauptsächlich auf das Mutterthier zu erstrecken. Alle Einflüsse, welche die Beschaffenheit der Muttermilch in ungünstiger Weise beeinflussen, insbesondere zu mastiges Futter, zu schlechte Nahrung, zu anstrengende Arbeit, zu langes Verweilen der Milch im Euter etc., müssen beseitigt werden. Ist die Erkrankung des Jungen mit Sicherheit auf das Mutterthier zurückzuführen, so kann man dasselbe diesem schädlichen Einfluss auch dadurch entziehen, dass man es einer altmelkenden gesunden Kuh unterstellt. Liegt der Diarrhöe ein Diätfehler zu Grunde, so muss derselbe sofort abgestellt werden; bei Säuglingen hat man Sorge zu tragen, dass dieselben nicht zu viel Milch auf einmal, sondern nur kleinere Mengen, und diese um so öfter erhalten, da ihr Magen auf grössere nicht eingerichtet ist. Kann man die Thiere nicht nach Belieben saugen lassen, so gebe man ihnen wenigstens täglich 34mal Gelegenheit dazu. Bei Absetzungen hüte man sich vor zu frühem und raschem Abgewöhnen; beispielsweise gewöhne man Kälber nicht vor 4 bis ö Wochen, Lämmer nicht vor .'?I Monaten, immer aber nur allmählich an festere Nahrung, wobei alle reizenden und schwer verdaulichen Futterstoffe zu vermeiden sind.
Gegen den Durchfall selbst bringt man zunächst leicht adstrin-girende und einhüllende Hausmittel in Anwendung. Hieher gehören Brennsuppen, geröstetes Mehl oder Malz, Kaffee, rohe Eier, Leimwasser, Althaea- und Gutnmischleiin, Hanfsamen-, Mohnsamen- oder Mandelmilch, Abkochungen von Hopfen, Molmköpfen u. s. f. Von eigentlichen Arzneimitteln kann man oft zvveckmässig, besonders bei
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Traumatisoho Gastritis des Rindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ]31
Ansammlung zersetzter, jährender Massen im Darme, mit einem leichten Abführmittel beginnen. Man gibt z. ß, 2;5 Esslöffel voll Ricinusöl oder gewöhnliches frisches Leinöl resp. Salatöl; ferner 25 30 g Glaubersalz oder Bittersalz in einer schleimigen Abkochung für Kälber (für Lämmer den vierten Tlieil). Auch der Boraxweinstein ist als Abführmittel empfohlen worden (Kälber 2030,0, Lämmer .quot;)10,0).
Gegen die abnormen Gährungen im Darmcanal ist in erster Linie das Creolin (Kälbern 25,0, Lämmern 0,51,0) zu empfehlen; dasselbe wird in den genannten Dosen täglich 23mal in kaltem Wasser gelöst eingeschüttet. Ausserdem hat man die kohlensaure Magnesia und die Soda (messerspitzenweise), sowie die Kreide und das Knochenmehl empfohlen (thee- bis esslüffelweise). Auch das Kreosot (3 bis 5 Tropfen pro Kalb, '/raquo; bis 1 Tropfen pro Lamm in schleimigem Vehikel), der The er (in Form des Theerwassers innerlich und als Klystier), die Salicylsäure (Kälbern 12 g, Lämmern V* '/a g mit Spiritus), das Hesorcin und andere Antiseptica sind als wirksam erfunden worden.
Bei schwereren Durchfällen leisten Opium und Rhabarber die besten Dienste. Man gibt das Opium entweder als solches (1,03,0 pro Kalb, 0,10,2 pro Lamm) oder in Form der Tinctura Opii simplex oder des Dower'schen Pulvers (je 5,010,0 pro Kalb, 1,02,0 pro Lamm). Die Rhabarberwurzel wird am besten in Abkochung gegeben (2,05,0 pro Kalb, 0,5 1,0 pro Lamm). Ausserdem können die übrigen bekannten Adstringentien und Styptica Anwendung finden.
Endlich wäre auf die Ausspülung des Darmcanals durch ad-stringirende Irrigationen hinzuweisen; hierbei können z. B. Ipro-centige Alaun- oder Tanninlösungen oder 12procentige Höllenstein-oder Bleizuckerlösungen verwendet werden.
|
||
|
|
||
|
Gastrische Störungen, durch Fremdkörper in den Tormfigen des Kindes herbeigeführt.
(Traumatische Indigestion, traumatische Magen-Zwerchfelleutzündnng.)
Literatur. 1) Lindenberg, Magazin. 1847. S. 190. 2) Daffieno u. Lessona, GHornale di Veterin. ISM. 8) Aubry, Recueil de med. vet. 1857. 4) Halm, Adam's Wochenschr. 1858. S. 393. 5) Kretschmar, Siichs. .(ahresber. 1861. S. 110. (i) Biirehner, Adam's Wochenschr. 1862. S. 801. 7)Obieh, ibid. 1863. S. 1 ff.j 1864. S. 411. 8) Schwär/,, ibid. 1863. S. 12; 1870. S. 214. 9) Meyer, Magazin, 1804. S. 257. 10) Bergemann, ibid. 1863. S. 404. 11) .Schmidt, Preuss. Mittheil, 1867/68. S. Ugt;ä. 12) Jost, ibid.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
182
|
Fremdkörper im Magen dos Kindes.
|
||
|
|
|||
|
S. 158. 13) Leisering, Sachs, .lahrosber. 18ü8. S. 22. 14) Voigtlander, ibid. S. 68. 16) Harms, Magazin. 1871. S. 449; Erfahrungen über Binderkrankheiten. 1890. 8. 102. 16) Brler, Säohs. Jahresber, 1868. S. 58. 17) La misse, Journal du Midi. 18ii9. 18) Vachotta, (lazotta medico-voter. 1871. 10) Zipperlen, Repertor. 1874. 8.27. 20) Avril, Adam's Woohenschr. 1877. 8 409. 21) Dint er, Sachs, Jahresber. 1880. S. 7Ci. 22) Au acker, Thieraiv.i. 1872. S. 49. 28) Prietsoh, Sachs. Jahresber. 1875. S. 105. 24) Ahloituer, Oesterr. Monatsschr. 1877. S. 69. 25) .lohne, Siichs. Jahresber. 1878. S. 65. 26) Schmidt, Die durch das Verschlucken zu grosser und fremder Körper bedingten Krankheiten des Kindes. Vorträge für Thieriirate. 1878. 1. Serie. Heft. .5. (Enthalt S. 2644 auch weitere einschlägige Literaturangaben.) 27) Thomasseu, TMerarzt. 1880. S. G3. 28) Soeger, Report. 1880. S. 197. 29) Foglar, Oesterr. Vereinsmonatsschrift. 1883. S. 6. 30) Ellenberger u. Schaaf, Deutsche Zeitsohr, f. Thiemedicin. .X, Bd, 1883. S. 1. 31) Dieterioh, Repertor, 188(5. S. 8. 32) Bertsohe, Had. thioriirztl. Mittheil. 1880. Nr. 18. 88) liriiuer, Siichs. Jahresber, 1887. S. 108. 34) Grimm, ibid. 8. 68. 35) Peschel, ibid. 1888. S. 71. 86) Kessler, Adam's Wochcnsohr. 1887. 37) Tami-niau, Annal. belg. 1887. S. 495. 38) Berner, Bad. thierftrzu. Mittheil. 1888. S. 41. 39) Borger, ibid. S. 94. 40) Bouohet, Reoueil, 1888. S. 454. 41) Wall raff, Repertor. 1888. S. 265. 42) Men er, ibid. 1889. S. 308. 43) Littlewood, The Veterinär. 1889. S. 845. 44) Lucet, La Presse vetörin. 1889. 45) Schmidt., Berliner thierärztl, Mittheil. 1889. S. 67. 46) Bru, Revue voter. 1890. 47) Morot, Journal de Lyon. 1890. 48) Miohaud, Schweizer Archiv. 1890. 8. 78. 49) Eder, Wochensohr. f. Tbicrbeilkdo. 1891. S. 249. 50) Hoffmann, Chirurgie. 1891. S. 485.
|
|||
|
|
|||
|
Allgemeine Bemerkungen. Die Literatur der durch Fremdkörper im Magen der Wiederkäuer hervorgerufenen Störungen ist eine sehr reiche; meist betrifft dieselbe indess die sogen, traumatische Carditis und Pericarditis, welche eine Complication, ein gewisses Stadium der hier zu besprechenden lediglich gastrischen Affection darstellen. Die traumatische 11 erzerkrankung wird erst später bei den Krankheilen des Circulationsapparats besprochen werden; wenn sie auch ein prägnanteres, charakteristischeres Kranklieitsbild darbietet, und deshalb bisher fast ausschliesslich bei Gelegenheit des Kapitels ^Fremdkörper im Magen der Wiederkäuerquot; nur von ihr die Rede war, so lilsst sich doch im Hinweis auf die Schilderungen von Ob ich, Meyer, Harms, Schmidt und nach unseren eigenen Erfahrungen in allgemeinen Umrissen auch ein Bild der durch die Fremdkörper verursachten Störungen von Seiten des Magens und Zwerchfells entwerfen.
Fremdkörper im Magen der Wiederkäuer bilden einen ausser-ordentlich häufigen Befund; insbesondere findet man sie oft rein zu-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Tvaumatisobe (iiistritis dos Rindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 188
fällig bei der Section und beim Scbiachten der Kübe, seltener der Ocbsen, obne jede vorausgegangene Krankbeitsäusserung. Berge-mann berichtet, dass sogar ein Trancbirniesser obne Scbaden drei iVIonate in den Mägen eines Rindes verweilte. In anderen Fällen erzeugen sie jedoch mehr oder minder schwere Att'ectionen von Seiten der Vormägen und der zunächst liegenden Organe, so besonders des Zwerchfells. Dabei bangt der Grad der Erkrankung vor Allem von der äusseren Beschaffenheit der Fremdkörper ab. Nach Schmidt erweist sieb die nachfolgende Eintheilung als sehr zweckmässig:
1)nbsp; nbsp;Stumpfe Fremdkörper, /.. ß, Steine.
2)nbsp; nbsp;Spitze, die Magenwand aber nicht in ihrer ganzen Länge perforirende Fremdkörper, z. B. Nägel, die mit einem Kopfe verseben sind,
3)nbsp; nbsp; Spitze, scharfe, durch die Magenwand hindurchgehende Körper, z. B. Nadeln, Drabtstücke u. s. w.
Aetiologie. Der Grund, warum Fremdkörper in den Mägen der Wiederkäuer, speciell des Rindes, im Gegensatze zu anderen Ilaus-thieren so häufig angetroffen werden, ist in verschiedenen Umständen zu suchen. Zunächst kommt dabei die Gowobnbeit des Rindes in Betracht, alle nabeliegenden Gegenstände zu belecken und wo-möglicb auch zu verschlucken. Sodann pflegt die Art und Weise der Futteraufnahme beim Rinde eine sein- schnelle, hastige, mit oberfläcb-iicbem grobem Kauen verbundene zu sein, indem die abgesebluckten Futtermassen erst später beim Wiederkauen mehr zerkleinert werden. Weiter bat man gefunden, dass insbesondere Kühe mit weiblicber Bedienung, welch letztere mit spitzen Gegenständen, namentlich mit Haarnadeln und Nähnadeln oft geradezu gespickt ist (Obicb), am häufigsten an den Wirkungen abgeschluckter Fremdkörper erkranken, während dies bei männlicher Bedienung (Schweizer) viel seltener der Fall ist. Audi trifft man die Krankheit vorwiegend in kleineren Wirtbschaften, in denen alle möglichen Küchenahfälle verfüttert werden, sodann in den Ställen von Schustern, wo die Innenwand der Mägen mit Scbusternägeln geradezu ausgepflastert sein kann, in der Umgebung von Strumpfwebereien und Nadelfabriken, in Stallungen, die mit sogen. Scharscbindeln gedeckt sind, endlich häutiger bei Stall- :ils bei Weidefütterung. Dabei beobachtete Harms, dass in erster Linie die am Ende der Krippe stehenden Tbiere durch Fremdkörper gefährdet sind, weil sich an den Enden der meist leicht geneigten Krippe Fremdkörper am liebsten ansammeln.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
134
|
Fremdkörper im Magen des Rindes.
|
|||
|
|
||||
|
|
Anatomischer Befund. Von stumpfen Fremdkörpern finden sich in den Vormagen am häufigsten Steine sowie Ansammlungen von Sandmassen. Ausserdem beobachtet man Haarballen, Kleidungsstücke, Lederzeug, Riemen, abgebrochene Peitschenstiele, Kugeln, Löifel, Geldstücke etc.; selbst Ringelnattern und Kreuzottern sind angetroffen worden. Diese Körper rufen auf der Schleimhaut der Mägen katarrhalische resp, entzündliche Processe hervor. Bei der sogenannten Magenversandung besteht der Mageninhalt aus einer harten, compacten, sandigen Masse, wobei die Schleimhaut dicht mit Sand incrustirt ist.
Die spitzen, die Magenwand jedoch nicht vollständig perforironden Fremdkörper sind meist mit einem Kopfe versehene Nägel, Stecknadeln, Haarnadeln, abgebogene Drahtstücke, u. s. w. Gewöhnlich sitzen sie in der Haube, da in dem voluminösen Pansen die Möglichkeit zur Einkeilung eine viel geringere ist, während die starken Contractionen der Haube in Verbindung mit dem netzartigen Bau ihrer Innenfläche und der Kleinheit des Organs dieselbe begünstigen. Die Haubenwand zeigt am Orte der Einwirkung des Fremdkörpers eine umschriebene Entzündung, und eine oft schwer zu findende Wunde mit Canalbildung und schwieligen, an beiden Enden zuweilen stark verdickten Wandungen von grauer oder graublauer Farbe und eiterig-jauchigem, mit Futterstofl'en untermischtem Inhalte. In der Umgebung der entzündeten und perforirten Wandstelle ist die Haube meist durch plastische, oft fingerdicke peritonitiscbe Auflagerungen mit ihrer Nachbarschaft, vor allem mit dem Zwerchfell, verwachsen, welches ebenfalls entzündet ist; daneben finden sich grössere oder kleinere Abscesse in der Nähe der Verwachsungsstelle, sowie, wenn auch seltener, zolldicke Auflagerungen von Granulationsgewebe auf dem Zwerchfell. Auch der Pansen ist oft mit der Bauchwand verwachsen und meist sehr stark mit Futter angefüllt. Der Fremdkörper selbst befindet sich sehr häufig nicht mehr in der Wunde, sondern ist in den Magen zurückgetreten; häufig findet man ihn auch gar nicht mehr vor, indem er schon früher mit den Kothmassen entleert wurde, was ehedem zu der Annahme einer Selbstauflösung des Fremdkörpers Veranlassung gegeben hatte.
Die spitzen, den Magen in ihrer ganzen Länge durchbohrenden Fremdkörper sind: Nadeln (Stopf-, Strick-, Näh-, Schusters-Nadeln etc.), Drahtstücke, abgebrochene Nägel, spitze Eisenstücke, Messer, Scheeren, Gabeln, Glassplitter, Holzsplitter, Steinsplitter, spitze Kieselsteine mit scharf schneidender Kante, abgebrochene Schinnstöcke, Rebenzweige u. s. w. Je nach der Richtung, welche der Fremdkörper einschlägt, treten zu den eben geschilderten Veränderungen der Haube
|
|||
|
|
||||
|
|
||
|
Traumatisdui Gastritis des Rindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1 l}quot;)
und des Zwerchfells noch hinzu; die Erscheinungen einer ausgebreite-teren Peritonitis, Abscesse der Leber und Milz, Verwachsung der Haube mit der Leber, Abscesse in der Brust und Bauchwand, lobulilre Pneu-monien, Lungenabsccsse, Verwachsungen der Lunge mit dem Zwerchfell, Pleuritis u. s. w. Unter Umständen dringt der Fremdkörper noch weiter, z. B. bis ins Rückenmark, in die Muskeln des Oberschenkels u. s. w. vor; sein Weg ist durch Abscesse, Entzündung, Fistelbildung, Verwachsung bezeichnet. Die am Herzbeutel und Herzen auftretenden Veränderungen sind im Kapitel über traumatische Carditis genauer beschrieben.
Symptome. Die durch stumpfe Körper in den Vormagen des Rindes hervorgerufenen Erscheinungen bestehen im Allgemeinen in chronischen oder acuten Digestionsstörungen, welche ihre Ursache in Reizung, Quetschung und oberflächlicher Verletzung der Schleimhaut haben. Nach Aufnahme grösserer Mengen von Sand, der sogenannten Magenversandung, finden sich jedoch hochgradigere Krankheitserscheinungen. Nach Krichels-Schmidt beobachtet man dabei fortwährendes Kauen ohne Abschlucken, Geifern, Stöhnen, verzögerte Darmentleerung, öfteres Liegen, Krümmen des Rückens, allmählich zunehmende Schwäche, einen bei der Palpation steinharten Pansen, unterdrückte und zuletzt gänzlich aufgehobene Magenperistaltik. Der Tod erfolgt am 9.17. Tag; in andern Fällen bleibt eine chronische Indigestion zurück.
Am häufigsten von den durch Fremdkörper erzeugten Störungen ist die durch spitze Körper veranlasste traumatische Magen- und Zwerchfellentzündung. Das Krankheitsbild ist im Wesentlichen folgendes; Ohne anderweitig eruirbare Ursachen treten plötzlich Digestionsstörungen auf, welche oft mit den Symptomen einer Darminvagination Aebnlichkeit haben, und in plötzlichen Kolikanfällen, Hin- und Hertrippeln, Schlagen nach dem Bauche u. s. w. bestehen. In andern Fällen sind es dagegen bloss die Erscheinungen des acuten Magenkatarrhs, welche die Scene eröffnen. Es beginnt nun eine Reihe chronischer, periodisch wiederkehrender gastrischer Zufälle von sehr wechselvollem, inconstantem Charakter, unter denen die chronische Tympanitis eine Hauptrolle spielt, und gegen welche, was von grösster diagnostischer Bedeutung ist, gewöhnlich alle angewandten Mittel sich als unwirksam erweisen. Die meist länger dauernde Krankheit führt scbliesslich zu allmählicher Abmagerung und grossem Schwäche/.ustnnd der
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
I
|
||||
|
|
||||
|
138
|
Fremdkörper im Magen ties Rindes.
|
|||
|
|
||||
|
1
|
Tliiere. Von ausserordentlioher Wichtigkeit für die Diagnose sind ferner folgende Momente: Die Tliiere zeigen bei verschiedenen Gelegenheiten auffallende Schnierzompf indung, welche sich durch Stöhnen kundgibt, so nach dem Fressen, heim Liegen, Aufstehen. Herumtreten, Niederlegen, überhaupt bei der Bewegung, wobei der (Jang behutsam, ängstlich und gespannt ist, und auch der Blick Angst und Schmerz verräth. Ferner ist meist die Palp at ion der Haube von aussei! sehr schmer/haft; die Palpatiousstelle ist nach Ellenberger und Schaaf links vom Schaufolknorpel an der unteren Bauchwand zu suchen; auch bei Druck auf das Sternuni, den Thorax, Widerrist, Pansen empfinden die Tliiere oft Schmerz. Die Percussion der lusertionsstelle des Zwerchfells ist bei Zwercbfellentzündunff ebenfalls mit Schmerz verbunden; zuweilen findet man auch bei der Percussion eine umschriebene Dämpfung vor dem Zwerchfell (bei Ab-scessen, granulirenden Neubildungen). Auch die Contractionen des Zwerchfells bei der Inspiration und beim Drängen, sowie die Bewegungen desselben bei der Exspiration sind schmerzhaft und von Stöhnen begleitet. Die Bauchpresse wird aus diesem Grund möglichst wenig benutzt, was eine Anschoppung von Koth im Mastdarm zur Folge hat. Endlich beobachtet man bei Verletzung eines grösseren Gebisses durch den Fremdkörper Abgang von Blut durch den Mastdarm.
Perforirt der spitze Körper Magen und Zwerchfell in seiner ganzen Länge, so treten zu dem beschriebenen Krankheitsbilde noch andere, durch die Wanderung des Körpers bedingte Erscheinungen hinzu. Die Ursachen dieser Wanderung sind in den Contractionen der Haube und in den Bewegungen des Zwerchfells besonders bei der Exspiration ZU suchen, wobei der spitze Körper mit nach vorn gegen die Brusthöhle bewogt wird; in andern Fällen gelangt er durch die Mageu-peristaltik in die Bauchhöhle. Die angestrengte Thätigkeit der Bauchpresse bei Geburten, sowie die ausgiebigeren Bewegungen des Zwerchfells bei Transporten insbesondere zum und vom Markte beschleunigen ineist das Vordringen des Fremdkörpers. Je nach den verschiedenen Organen, welche durch den wandernden spitzen Körper verletzt werden, conipliciren sich dann mit den Erscheinungen der traumatischen Magen-Zwerchfellentziiiiduiig die einer Carditis, Lungenentzündung, Pleuritis, eines Pneumothorax, einer Enteritis, Peritonitis, Hepatitis, Pyämie, Septikäinie (vergl. bezüglich dieser Compli-cationen und des weiteren Krankheitsverlaufs das Kapitel der traumatischen Pericarditis). Hat der Fremdkörper sich endlich einen Weg
|
|||
|
|
||||
|
mamma
|
||||
|
|
||
|
Traumatisofae Oastrltis des Rindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 137
nach aussen gebahnt, so ihulet man eino für dieses Stadium der Krankheit ausserordentlioh charakteristische Anschwellung an der betreffenden Stelle der allgemeinen Decke, meist an der linken Brustwandung, in der linken üntorrippengegend, Sternalgegend, hinter dem Ellenbogen, die indess auch auf der rechten Thoraxseite, ja selbst in der Bauch-, Nabel-, Flanken-, Eutergegend auftreten kann. Diese phleg-monöse Anschwellung kann von verschiedener Grosse sein (bis manns-kopfgross), ist gewöhnlich nur massig schmerzhaft, von verschiedener Consistenz, und abscedirt sohliesslich, wobei sich eine eiterige, jauchige, mit Futterstoffen, Sand etc. untermischte Masse, zuweilen auch der Fremdkörper entleert, und eine Fistel zurückbleibt, durch welche man unter Umständen mit der Sonde bis in den Magen vordringen kann. Diese Fistel sohliesst sich oft erst im Verlaufe von Wochen und Monaten, und es tritt vollständige Heilung ein, oder es kommt in der Folge zu einem lang andauernden, chronischen Siec.htbuin. In manchen Fällen endlich war weder vor noch nach der Abscedirung an den Thieren etwas Krankhaftes zu bemerken.
Differentialdiagnose. Die Erkennung der traumatischen Magen-Zwerchfellentzündung ist bald sehr leicht, bald sehr schwer; im Allgemeinen ist die Diagnose nur bei einer genauen Untersuchung und beim Vorhandensein der wichtigeren Symptome zu stellen.
Verwechslungen kommen insbesondere mit chronischem einfachem Magenkatarrh vor; hier kann es sich sehr oft nur um die Aufstellung einer Wahrscheinlichkeitsdiagnose handeln. Die unterscheidenden Merkmale zwischen beiden sind, dass beim einfachen Magenkatarrh die geschilderten Schmerzäusserungen bei Palpation des Zwerchfells, der Haube etc. fehlen, dass die gastrischen Störungen nicht so wechselvoller Natur sind, dass gewöhnlich bestimmte Ursachen vorausgehen, dass eine eingeleitete Behandlung sohliesslich doch zur Heilung oder wenigstens Besserung führt, und dass endlich die Abmagerung keine so rasche und hochgradige zu sein pflegt.
Auch die Unterscheidung der traumatischen Magen-Zwerchfell-entzündung von einer Peritonitis und Gastro-Eutoritis kann Schwierigkeiten bereiten; doch sind die letzteren meist durch einen rascheren Verlauf, höheres Fieber und schwerere Störung des Allgemeinbctindens in der Hauptsache gekennzeichnet. 1st der Fremdkörper in die Lunge vorgedrungen, so kann derselbe die Erscheinungen eines chronischen Lungenleidens hervorrufen, welches von der Lungentuberkulose mit Sicherheit nicht immer zu unterscheiden ist, wofern nicht eine voraus-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
188nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Fremdkörper im Magen des Rindes.
gegangene Indigestion, eine nachweisbare Erkrankung des Zwerchfells, das Fehlen eines die Lungentuberkulose meist hegleitenden ausgedehnten Bronchialkatarrhs, einen Fremdkörper vermuthen lassen. Auch mit Lungen seuche ist die Krankheit schon verwechselt worden; indess sind bei Lungenseuche gewöhnlich mehrere Thiere erkrankt, der Verlauf ist ein typischer, die pueumonisohen Erscheinungen treten in den Vordergrund, endlich fehlen die Störungen von Seiten des Magens und Zwerchfells.
Behandlung. Die Prophylaxe der traumatischen Magen-Zwerchfellentzündung würde im Ersetzen des weiblichen Stallpersonals durch männliches, oder in entsprechender Belehrung, sowie im häufigen Untersuchen der untersten Futterpartien bestehen; Harms schlägt vor. am Ende der Krippe je eine Senkgrube zur Aufnahme der Fremdkörper anzubringen. Von besonderer Wichtigkeit für die Behandlung ist eine frühzeitige Diagnose; so lange letztere mit Sicherheit nicht zu stellen ist, deckt sich die Behandlung mit der des acuten oder chronischen Magenkatarrhs. Steht dagegen die Diagnose fest, so wirft sich immer die Frage auf, was besser ist, frühzeitige Schlachtung oder die Entfernung des Fremdkörpers auf operativem Wege, mittelst des Pansenschnittes. In allen Fällen schwerer Erkrankung ist die Schlachtung anzurathen. In nicht zu weit vorgeschrittenen Fällen kann die zuerst von Ohich ausgeführte Operation wenigstens versucht werden. Meyer erzielte damit bei bereits eingetretener Herzbeutelentzündung noch einen guten Erfolg; jedenfalls ist die Operation das einzige sichere Mittel gegen die Krankheit. Das Obich'sche Verfahren besteht in Eröffnung des Pansens in der linken Hungergrube, eine Hand breit unter den Querfortsätzen der Lendenwirbel, durch einen senkrecht von oben nach abwärts verlaufenden Schnitt (vergl, die Lehrbücher der Operationslehre), Eindringen in den Pansen mit der Hand in der Richtung nach vorn und abwärts. Aufsuchen der rechts gelegenen Haubenöffnung, sowie Abtasten der unteren Fläche der Haube nach Fremdkörpern, welche entfernt werden, worauf Pansen- und Bauch-deckenwundc, erstere mittelst der Darmnaht, letztere mittelst einfacher Knopfnaht geschlossen werden. Die Operation wird von dem wenig empfindlichen Kinde meist sehr gut ertragen und kann selbst während der Trächtigkeit vorgenommen werden; indess ist sie nicht immer von dem gewünschten Erfolge begleitet, da eine sichere Diagnose häufig nicht möglich ist; Ohich hatte z. B. unter VA Fällen nur 4ma1 guten Erfolg. Trotzdem kann die Ausführung der Operation in allen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
MiigL'iuliirmkatiirrli beim Flcisclifressor.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;139
diagnostisch einigermassen sicheren und dabei nicht zu weit vorgeschrittenen Fällen empfohlen werden, sofern nicht aus ökonomischen Rücksichten die Schlachtung vorgezogen wird.
|
||
|
|
||
|
Magen- und Darmkatarrh beim Fleischfresser.
Literatur. 1) Her twig, Die Krankheiten der Hände. 1880. 2) Pröhner, Deutsche Zeitsehr. f. Thiermed. 1882. S. 60 i Berliner Arohiv. 1887. S. :344. 3) Sohliepo, Magazin. 1866. S. 347. 4) Leisering, Sachs. Jahresber. 1867. S. 2Ü. 5) Popow, St. Petersburger Archiv f. Vclerinärmedioui. 1885. o) Fr ick, Tageblatt der Naturforeoherversammlung, 1886. 7)Scha-drin. Oharkower Veterinärbote. 1880. 8) ühlioh, Säclis. Jahresber. 1887. S. 118. 0) Hriiner. ibid. S. 111. 10) Mögnin, Le ohien, Hygiene et maladies. 1877.
Aetiologie. Noch viel häutiger als heim Pferde und Kinde, sind bei den Fleischfressern, zumal beim Munde Magenüberfüllungen, Magen-katarrhe und Darmkatarrhe. Die genannten Krankheiten bilden spe-ciell beim Hunde die überwiegende Mehrzahl aller Erkrankungen überhaupt. Die Ursache dieser Häufigkeit ist wohl in der gewöhnlich gänzlich ungeregelten Diät der Hunde zu suchen. Aber auch die geregelte Diät kann eine irrationelle sein, so besonders die vielfach übliche einmalige Fütterung der Thiere, welche zu einer täglich wiederkehrenden Magentiberladung führt. Namentlich sind es Jagdhunde und säugende Hündinnen, welche in Folge ihrer grossen Fressgier an üeberladungen dos Magens leiden. Aber auch sonst sind Magenüberfüllungen mit grossen Mengen Kartoffeln, Brot, Knochen etc. bei hungrigen Hunden nicht selten. Weitere Ursachen sind die Aufnahme schwer verdaulicher oder mechanisch reizender, desgleichen verdorbener, faulender, gährender Nahrungsmittel, sowie das Verschlucken fremder Körper, wie dies namentlich bei jungen, spielenden, sowie bei apportirenden Hunden geschieht (siehe das Kapitel über Fremdkörper im Darmcanal). Auch schlechte Zähne, hastiges Fressen, rasche Aufnahme zu heissen Futters, sowie äusserliche Erkältung, z. B. nach dem Scheeren oder Baden, sind als häutige Ursachen zu nennen.
Als Theilerscheinung sieht man acute Magen- und Darm-kntarrhe beim Fleischfresser besonders im Vorlaufe der Staupe, sowie chronische bei einer Reihe von chronischen Krankheitszustär.den, z. B.
bei Masrenaceschwür. Einaeweidewürmern, Stauunsten im Pfortader-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
I-IUnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Magendavmkatari'h beim Fleischfresser.
system, nach chronischen Ueiz-, Lungen- und Leberkianklieiten, Mov-bus Brightü etc,
Symptome. 1) Magenüherladungen führen meist zu Erbrechen, wodurch rasch ein Ausgleich erfolgt. Bleibt das Erbrechen ausnahmsweise aus, so treten doch Würgbewegungen auf, verbunden mit starkem Speicheln und Geifern, der Appetit fehlt ganz, die Hunde wenden sich sogar oft mit förmlichem Ekel von dem vorgesetzten Futter ab, der Durst ist meist gesteigert; bei Druck auf den angefüllten Magen stöhnen die Thiere. Die Respiration ist oft auffallend beschleunigt. Die Hunde sind sehr traurig und unlustig, mürrisch, selbst launisch, oder sie verrathen eine gewisse Unruhe, wechseln häufig das Lager, stöhnen und winseln und zeigen selbst ausgesprochene Kolikerscheinungen. Fieber ist nicht vorhanden.
2) Magenkatarrh. Wenn überhaupt bei unseren llausthieren eine Unterscheidung zwischen Magen- und Darmkatarrh möglich ist, so kann dieselbe am ehesten noch bei den Fleischfressern versucht werden, da bei ihnen das für den Magenkatarrh wichtige Symptom, das Erbrechen, selten fehlt. Man darf indess dabei nicht aussei-Acht lassen, class das Erbrechen für den Magenkatarrh keine pathogno-stische Erscheinung ist. Vielmehr kommt Erbrechen noch bei verschiedenen anderen krankhaften Zuständen vor: so bei Mayeiweschwür, Magenkrebs, Magendarmentzündung, Dilatationen, Stenosen, Incar-cerationen des Darmes, bei llelminthiasis, Peritonitis, Zwerchfellentzündung, bei den verschiedenen Erkrankungen des Schlundes, bei Angina, sehr häufig überhaupt beim Husten, sodann bei ürämie, Septi-kämie, Eklampsie, Epilepsie, bei Gehirnentzündungen, Gehirnapoplexien, Gehirnerschütterungen, bei Otorrhöe etc.
Der Verlauf des Magenkatarrhs ist beim Fleischfresser bald acut, bald chronisch, fieberhaft oder fieberlos. In leichteren Fällen ist aussei-einer gewissen Unlust zur Bewegung und einer psychischen Verstimmung, einem verminderten oder wählerischen Appetite und gesteigertem Durste nichts Krankhaftes zu bemerken, und diese Störungen gehen rasch, innerhalb 112 Tagen vorüber. Gewöhnlich kommt es aber bald zu Würg- und Brechbewegungen und zu wirklichem Erbrechen. Das Erbrochene besteht anfangs aus ffewöhn-lichem Futterbrei, später aus zähem, glasigem, mit Luftblasen gemischtem Schleim, in dem sich zuweilen blutige oder gelbe Streifen befinden; schliesslich kann es, besonders bei heftigem Erbrechen, rein gallig sein. Der Durst ist meist sehr gesteigert und es führt die daraus hervor-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
MagciuliirmkutiuTh beim Fleischfresser.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;141
gehende vermehrte Wasseraufnahme ihrerseits wieder zu neuem Erbrechen. Der Appetit ist vermindert oder lt;r;nvA darniederliegend; sehr häufig wird auch die etwa verzehrte Nahrung wieder erbrochen. Der Kothabsatz ist meistens verzögert. Die Körpertemperatur ist ungleich vertheilt, die Nase warm, oft auch trocken, der Puls um 20 und mehr Schlüge vermehrt, die Temperatur auf 39,0l!9,.r) n C. erhöht. Die Thiere sind sehr traurig, liegen viel, vermeiden ihr gewöhnliches Lager, scharren das Lagerstroh weg, ziehen kühle Plätze vor. Auch hier kann man sehr häufig durch Druck auf die Magengegend Seh m e rz il usserun gen hervorrufen,
3) Darmkatarrh. Bei vorwiegender Erkrankung des Darmes fehlt gewöhnlich das Erbrechen, der Appetit ist weniger alterirt, die Magengegend auf Druck nicht empfindlich. Die wichtigste Erscheinung bildet die bei dem kurzen Darmcanal des Fleischfressers regel-mässig vorhandene Diarrhöe. Dieselbe kann dem Grade nach sehr verschieden sein; in leichteren Fällen ist der Koth von mehr breiartiger Consistenz, in schwereren Fällen dagegen wässerig oder schleimig, zuweilen hefeähnlich, gallig, selbst blutig gefärbt, oft unverdaute Futterreste enthaltend, zeitweise auch stark schäumend, meist aber sein- übelriechend. Gewöhnlich wird dann auch die Umgebung des Afters stark mit diesem diarrhoischen Kothe beschmutzt, es besteht Afterzwang mit häutigem Vordrängen der geröthoten und geschwollenen Mastdarmschleimhaut; bei jugendlichen, schwächlichen Thieren kann es in der Folge selbst zu Mastdarmvorfall kommen. Im Urin findet man regelmässig Gallenfarbstoffe (Fröhner). Fieber fehlt beim Darmkatarrh selten, dasselbe kann sogar sehr hochgradig (40,0 quot;11,0 n C.) werden. Ikterische Erscheinungen auf Grund einer vorwiegenden Erkrankung des Zwölffingerdarmes sind beim Hunde und der Katze ungleich häufiger, als beim Pferde und Kinde zu beobachten.
Prognose. Der acute Magendarmkatarrh geht beim Fleischfresser in der Regel in Genesung aus. Nur bei sehr jugendlichen oder geschwächten Thieren kann besonders bei längerer Dauer einer hochgradigen Diarrhöe sehr bald Entkräftung und selbst der Tod eintreten. Ebenfalls prognostisch ungünstig sind auftretende ikterische Erscheinungen zu bcurtbeilen,
Der chronische Katarrh kommt ebenfalls oft zur Behandlung, ist jedoch wahrscheinlich beim Hunde in Folge der zahllosen Diätfehler viel häufiger, als gewöhnlich angenommen wird; wenigstens scheint das häufige Auftreten von Galleni'arbstoffen im llundeharn dafür
|
||
|
|
||
|
|
||
|
142nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.MagemliirmkiihiiTli beim Fleischfresser.
zu sprechen; er entwickelt sich aus dem aeuten. Die Prognose ist beim chronischen Katarrh lange nicht so günstig, wie beim aeuten. Die Thiere magern dabei stark ab, werden anämisch und hinfällig und gehen nicht selten an Erschöpfung zu Grunde.
Behandlung. In vielen Fällen von Magendarmkatarrh beim Fleischfresser genügt eine rein diätetische Behandlung. Dieselbe besteht in länger dauernder Entziehung jedweder Nahrung und des Getränkes; insbesondere suche man die oft unmässige Aufnahme von Wasser zu verhindern. Als Nahrungsmittel dient am besten rohes Fleisch in kleinen und öfters gereichten Portionen. Bei Magen-überfüllung, sowie in allen den Fällen, in welchen der Magenkatarrh auf schädliche Futterstoffe im Magen zurückgeführt werden kann, ist die frühzeitige Entleerung des Magens durch ein Brechmittel das beste: dasselbe heilt den Magenkatarrh und verhindert den Darmkatarrh, der sich in Folge der Weiterwanderung der reizenden Ingesta anschliessen könnte. Bei der Wahl eines Brechmittels ist demjenigen der Vorzug zu geben, welches den Magen am wenigsten reizt; in dieser Beziehung ist das Apomorphinum muriaticum allen anderen, voranzustellen. Man wendet dasselbe vermittelst subeutaner Injection in Dosen von 3510 mg für den Hund, von 2050 mg für die Katze an (0,1 : 100 com Wasser; 1 com der Lösung = 1 rag Apo-morphin). Andere Brechmittel sind: Rhizoma Veratri albi (0,050,2), Radix Ipecacuanhae (0,02,0), Tartar, stibiat. (0,10,8 in genügend Wasser gelöst). Feineren Schoss- und Luxuslnmden kann man auch den Brechwein, Vinums tibiatum oder Vinum Ipecacuanhae, einen Thee- bis Esslöffel voll geben.
Bei anhaltendem Appetitmangel empfehlen sich die eigentlichen Stomachica, unter denen sich besonders die Salzsäure (5:250,0 Wasser; thee- resp. esslöffelweise), das Pepsin (Salzsäure und Pepsin ää 5,0:250,0 Wasser), die Bittermittel (Tinctura Gentianae 10,0; Salzsäure 5,0; Wasser 250,0; thee-resp. esslöffelweise), die Tinctura Khei aquosa und vinosa, täglich 2-;5mal einen Thee-bis Esslöftel voll, eignen.
Gegen Durchfall versucht man zuerst durch eine geeignete Diät anzukämpfen, indem man Trockendiät oder Brennsuppen, Reisoder Gerstensuppen verordnet und hydropathische Wicklungen des Hinterleibes vornimmt; oder man gibt herben Rothwein thee- bis esslöffelweise. Späterhin bedient man sich der Opiate: Tinctura Opii simpl. 2060 Tropfen in Gummischleim oder das Dower'sche Pulver
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Verstopfung boim Huiulo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;143
zu 0,52,0. In den hartnäckigsten Fiilleu kann die Verabreichung von Argen tu m nitricum in Dosen von 1 5 cg in Pillonform mit armenischem Bolus nöthig werden. (Rp. Argenti nitrici 0,5; Boli 5,0. M. f. Pil. Nr. X. D. S. Täglich 1 -2 Pillen für einen grossen Hund.) Vorher kann noch ein Versuch mit adstringirenden Mastdarminfu-sionen (Alaun, Tannin, Ferrum suli'uricuni, Höllenstein l 2procentig) gemacht werden J die wir in manchen Füllen sehr bewährt gefunden haben.
Gegen eine etwaige Verstopfung, die übrigens selten anhaltend sein dürfte, gibt man das den Darmcanal zugleich desinficirende Calomel in Dosen von 0,030,1. Das Erbrechen haben wir beim Magendarmkatarrh der Fleischfresser selten weiter zu bekämpfen gehabt. Sollte dasselbe je zu lästig werden, so verabreicht man zunächst Eispillen (kleine Stückchen Eis), bei feinen Hunden wohl auch Gefrorenes. Oder man gibt kleine Dosen Opium (0,10,2), Tannin (0,1(),quot;)), Natrium bicarbonicum (0,51,0) etc. Auch das Bis-muthum nitricum (0,22,0) ist zuweilen von Nutzen. Ebenso können Kreosot, C'reolin und Jodtinctur (tropfenweise) versucht werden. Gegen abnorme Gährungsprocesse gibt man Calomel (0,030,1), Creo-lin (12,0), Naphthalin (0,52,0). 1st die Krankheit im Allgemeinen abgelaufen, so schütze man die Magen- und Darmschleimhaut noch einige Zeit lang vor zu starken Belästigungen durch schwer verdauliches Futter.
In iilteren Lehrbüchern spielt das Grasfresson bei vordammgs-kranken Hunden als ein Act der Selbsthilfe, der instinetiven Naturheilung, eine grosso Rolle. Man wollte sogar gefuiuleii haben, dass besonders der Quecke (Triticnm repens) diese Wirkung zukomme. Wir haben dieses Grasfressen bei kranken Hunden nie beobachtet, dagegen sehr häufig bei ganz gesunden, bei denen es übrigens weniger Erbrechen, als Diarrhöe hervorruft, und erblicken darin theils Spielerei, theils (ieschniackscaprice.
|
||
|
|
||
|
Verstopfung beim Hunde.
Literatur. I) Kampmann. Magazin. 18:39. S. 481. 2) Frietlbergrr, Münoh. Jahresber. 1877. S. 99; 1877/78. S. 98. 8) Brusasco, Giornale di med. vet. prai 1887. 4) Jirga in, Le chien, Hygiene et maladies. 1877. 5) Ca-diot. Airhives d'Alfort. 1884. Vergleiche ausserdem die Literatur beim Kapitel Fremdkörper beim Hundquot;.
Aetiologie. Eine mangelhafte oder ganz unterdrückte Koth-entleerung (Hartleibigkeit, Verstopfung, Obstipatio) kommt beim Hunde aus den allorverschiedensten Ursachen vor, bei denen es
|
||
|
|
||
|
|
||
|
144nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Verstopfung beim Hunde.
sich in der Hauptsache entweder um eine ungenügende peristaltische
Tlüitigkeit des Darmes oder um mechanische Hindernisse handelt, welche sich der Weitorhewegung mid Entleerung des Kothes entgegenstellen. Die verschiedenen der Verstopfung zu Grunde liegenden Ursachen sind folgende:
1) Schwerverdauliche oder reizlose Nahrung, hauptsächlich zu reichliche Knochenlütterung, ausschliessliehe Fütterung mit Brot, Hülsenfrüchten, Mehlbrei; Trockenfütt.erung.
li) Mangelhafte Bewegung, besonders bei Ketten- und Stubenhunden.
i) Vorgerückteres Alter, welches durch Atrophie der Darm-sohleimhaut und Darmmuskulatur die Peristaltik beeinträchtigt.
4) Ein vorhandener chronischer Darmkatarrh. Derselbe macht die Schleimhaut durch die sich gewöhnlich einstellende Atrophie und die Einhüllung mit Schleim für Reize und die sich daran knüpfenden reflectorischen Darmbewegungen weniger empfindlich, und wirkt auch durch die unterdrückte Secretion des Darmsaftes verstopfend.
quot;i) Mechanische, die Fortbewegung des Darminhaltes hemmende Verhältnisse. Hieher gehören die Verstopfung des Harmes durch Fremdkörper der verschiedensten Art, sowie durch Ansammlung von Kothmassen (Coprostase), besonders von Knochen-koth; Stenosirungen des Darmes durch oomprimirende Ge-schwülste in der Nachbarschaft, von denen die Schwellung der Prostata eine Hauptrolle spielt; Druck von abgesackten Abscessen auf den Darm, Erweiterungen und Lähmungen des Darmes, Mastdarmdivertikel, llämorrhoidalknoten, starke Füllung der Analdrüsen, Vorlagerung verklebter und verlilzter Haare von aussen (sogen, falsche Verstopfungquot;) u. s. w.
(raquo;) Ausserdem findet man die Verstopfung als ein Symptom verschiedener Allgemeinleiden, so vor allem im Verlaufe fieberhafter Krankheiten, bei welchen die Secretion der Darnisilfte unterdrückt ist, bei allen chronischen, schwächenden Leiden, welche zu Erschlaffung und Ernährungsstörungen der Darmwand führen, sehr häufig im Verlaufe des acuten Magendarmkatarrhs nach vorausgegangener Diarrhöe, so auch nach zu häufiger Verabreichung von Abführmitteln, ferner bei Icterus wegen des Fehlens der die Peristaltik- anregenden Galle im Dann, bei Peritonitis und Darmentzündung in Folge ödematösor Durchtränkung und Lähmung der Darmwand, bei Hückenmarkslühmungen und Gehirnleiden als Ausdruck gestörter Darminnervation, bei Erkrankungen des Zwerch-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Verstopfung beim Hunde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 145
fells und der Bauchwandung in Folge verminderter Thiitigkeit der Bauclipresse, bei Muskelrlieumatismus, insbesondere bei Lumbago rheumntica, bei vermehrter Lactation u. s. w.
Symptome. Während die Verstopfung beim Pferde gewöhnlich zur sogen. Verstopfungskolik führt, legt der Hund im Allgemeinen dabei weniger Empfindlichkeit an den Tag. Das Hauptsymptom bildet der verzögerte oder unterdrückte Kothabsatz. J)ie Thiere stellen sich häufig unter starkem Drängen und zuweilen unter ver-schiedengnuliger Hchmerzäusserung zum Kothabsatze an, wobei entweder gar kein Ivoth, oder nur mit grosser Anstrengung kleine, trockene, nicht gebundene, sondern in einzelne harte Ballen zerfallene Koth-massen entleert werden, welche oft unverdaute Knochenstückchen enthalten, meist von erdiger Beschaffenheit sind (Knochenerde), penetrant übelriechen und wohl auch einen Ueberzug von Schleim und Blut aufweisen. Die Putteraufnahme ist im Anfang vermindert, später Tage und selbst Wochen lang ganz aufgehoben. Die Peristaltik ist ebenfalls unterdrückt; der Hinterleib ist bald gespannt und aufgezogen, bald tympanitisch aufgetrieben. Bei der Palpation des Hinterleibes, welche durch die Spannung der Bauchdecken sehr erschwert sein kann, findet man meist am Eingang in die Beckenhöhle eine harte knoten-oder wurstförmige sogen. Kothgeschwulst (Kothstrang). Der Kothstrang reicht mehr oder weniger weit nach vorne, zuweilen bis gegen den Schaufelknorpel des Brustbeines hin, und ist beim Betasten meist schmerzhaft. Die Umgebung des Afters ist oft entzündlich geschwollen und mit gelblich gefärbten, griesigen Päcalmassen beschmutzt. Bei der sogen, falschen Verstopfung verklebt sich der zähe, festweiche Koth mit den Haaren in der Nachbarschaft des Afters zu einer festen Masse, welche das Absetzen von Koth unmöglich macht, Bei der Exploration des Mastdarms, die für die Thiere gewöhnlich sehr schmerzhaft ist, findet man erhöhte Temperatur, Trockenheit und Schwellung der Schleimhaut, sowie den Mastdarm häufig angefüllt mit Knochenkoth. In anderen Fällen fühlt man die angesammelten Koth-massen entweder gar nicht oder nur mit der Spitze des Fingers. Zuweilen bahnt sich der vor der Kotligeschwulst angestaute Koth einen Weg durch dieselbe, wobei man trotz der vorhandenen Verstopfung den Abgang diarrhoischcr, übelriechender, mit vielen Gasen untermischter Massen beobachten kann. Bei gänzlicher Unwegsamkeit des
Darmcanals stellt sich nicht selten Erbrechen ein.
Friedberger n, FrOliner, Tathoi. u, Therapie d, Hausthtere. I. im. 8. Aufl, 10
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
14(1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Verstopfung beim Hunde.
Fieber fehlt entweder ganz, oder dasselbe bleibt auch bei sehr langandauernder Verstopfung nur ein sehr niedergradiges. Das Sen-sorium ist anfangs nur wenig, später dagegen oft sehr stark eingenommen ; hie und da treten auch kolikilhnliche Symptome auf. Die Bewegungen der Thiere sind meist träge und unlustig; männliche Hunde uriniren dann und wann auf allen vier Füssen stehend. Charakteristisch ist auch die eigenthümlich gestreckte oder an der Wurzel stark gekrümmte Haltung des Schwanzes, welche oft schon eine Diagnose per Distance gestattet.
Verlauf. Die Dauer der Krankheit ist eine sehr verschiedene und wechselt von einigen Tagen bis zu 4 und (i Wochen. Bei einer noch längeren Dauer kann es in Folge der Einwirkung des angesammelten Kothes auf die Darmschleimhaut zu den Erscheinungen einer Darmentzündung, Darmnekrose, Septikämie, sowie einer Per-forativperitonitis kommen. Auch narbige Stricturen der Schleimhaut sowie 1) i v e r t i k e 1 b i 1 d u n g c n des Darmrohrs können als Folgezustände zurückbleiben, und Veranlassung zu wiederholt auftretenden Verstopfungen geben. Die Durchschnittsdauer beträgt 8 bis 14 Tage,
Der Ausgang ist in den meisten Fällen der in Genesung, weshalb die Prognose im Allgemeinen, wenn auch mit Vorbehalt, günstig zu stellen ist; bei längerer Dauer jedoch wird aus den angegebenen Gründen die Prognose vorsichtig bis ungünstig. Bezüglich der Differentialdiagnose kann vielleicht das Nichtabsetzen von Koth in Folge längeren Hungerns Torübergehend eine Verwechslung (besonders beim Eigenthümer) mit Verstopfung hervorrufen. Auch eine Verwechslung der Kothgeschwulst mit eigentlichen Neubildungen kommt vor. Die Unterscheidung ist indess bei Berücksichtigung der Form, Härte und Lage der Geschwulst, der Anamnese und des weiteren Krankheitsverlaufes eine leichte. In schwierigeren Fällen kann die Anwendung von Abführmitteln und Mastdarminfusionen, resp. die hiedurch erzielte Beseitigung der Geschwulst das Niclitvorhandensein
|
||||
|
|
||||
|
einer Neubildun
|
'S
|
darthun.
|
||
|
|
||||
|
Behandlung. Die Behandlung der Verstopfung ist einerseits eine diätetisch mechanische, andererseits eine medicamentöse. In sehr seltenen Fällen (Abscesse, Prostataschwellung, Fremdkörper im Darm) kann auch eine operative Behandlung nothwendig werden (Function, Incision, Enterotomie).
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Verstopfung beim Hunde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 147
In (liätetiseher Beziehung handelt es sich um Vermeidung jeder schwerverdaulichen, voluminösen Nahrung (Brot, Knochen, Kartoffeln u. s. Wi). In der ersten Zeit ist sogar eine vollständige Hunger-diiit bei ausschliesslicher Verabreichung von frischem, kaltem Wasser angezeigt. Bei längerer Dauer verabreicht man dann nur Milch, gut gesalzene Fleischbrühe und höchstens mageres, knochenfreies Fleisch. Daneben sucht man die Darmperistaltik durch häufige Bewegung des Thieres anzuregen.
Von mechanischen Mitteln ist die Application von Klystieren oder die Einführung grösserer Wassermengen in den Darm mittelst des Kautscbukschlauches in erster Linie sehr empfehlenswert!!. Man verwendet hiezu am besten reines warmes Wasser, um die angesammelten Kothmassen damit aufzuweichen und herauszuspülen; Kalt-wasserklystiere sind nur bei paretischen Zuständen der Darmwand vorzuziehen. Die übrigens schon von Dr. Hanson (Wiener medicinische Zeituno;' 187!l. Nr. 17) beim Menschen empfohlenen Glycerinklystiere sind, wie uns zahlreiche diesbezügliche Untersuchungen bei Hunden gelehrt haben, gegen die Verstopfung der Hunde für gewöhnlich unwirksam. Ferner sucht man durch Massage, d. h. durch öfteres vorsichtiges Drücken und Kneten des verstopfenden Kothballens von der Bauchwand her, sowie durch häufige Exploration des Mastdarmes mit dem Pinger und der Kornzange oder mittelst eines besonderen Eisenlöffels (Curette), sowie Entfernung etwa vorliegender Koth-ballen die Verstopfung zu beseitigen. Diese Manipulationen können oft geraume Zeit und viel Geduld und Mühe in Anspruch nehmen.
Mit diesen äusserlichen Mitteln verbindet man vortheilhaft die innerliche Verabreichung von Abführmitteln. Man gibt gewöhnlich Hicinusöl (2050,0) oder Calomel (0,060,1 mit Zucker als Pulver). In sehr hartnäckigen Fällen, sofern noch keine entzündliche Affection des Darmes vorhanden ist, kann man auch zum Crotonöl greifen, das man am besten in Verbindung mit Ricinusöl (01. Ricin. 10,020,0; Ol. Croton. gutt. 1.quot;gt;) verabreicht. Diese Abführmittel genügen vollständig ; nur darf man sich bezüglich des damit zu erzielenden Erfolges keinen allzu grossen Hoffnungen hingeben, da bei einer Einkeilung des Kothballens in das Darmrohr oder bei Lähmung der Darmwand auch die stärksten Drastica das Hinderniss nicht zu entfernen im Stande sind. Wichtig ist endlich eine entsprechende nachherige Diät, um Ifecidive zu vermeiden; ferner Prophylaxis bei alten Stubenhunden, bei Divertikelbildung etc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
148
|
Verschluckte Fremdkörper beim Hunde.
|
||
|
|
|||
|
Yersohluokte Fremdkörper beim Hunde.
Literatur. 1) Niohoux, Bepert. 1847. S. 101. 2) Straub, ibid, 1861. S. 10.rgt;. 8) Friedberger, Ptttz'sohe Zeitsohr. 1874. S, 343; Adam's Woohenschr. 1871. S. 861. 4) Adam, Ibid. 1871. S. 100. 5) Ibidem. 187(1. S. 364. (J) Dometrio, Arch, di mod. vet. Milano 1870. 7) Siedamgrotzky, Sachs. Jahresber, 1877. S. (i2; 1880. S, 10; 1882. S. 16. 8) Feldmann, Oesterr. Revue. 1878. S, 80. 9) Trasbot, Bull. see. centr. vet. 1878, 1880. 10) Degivo, Aunal. de Bruxelles. 1878, 11) Felizet, Eevue veter. 1877. 12) Weber, Bull, soo. centr. v6t, 1877. 18) Oagny, ibid. 1880. 14) Bon-nigal, ibid. 1800. 15) Hasel b ach, Oesterr. Monatssobr, 1884. S. 50. 16) Zorn, Thiermed. Rundschau. 1888. S. 157. 17) Sommer, Oesterr. Monatssobr. 1888. S. 323. 18) Lubberink, Holländische Zeitsohr. für Thierhoilkde. Bd. 15. S. 284. 19) Van der Stooten, ibid. Bd. 16, S. 20(3. 20) Lathrop, Amer. vet. rev. Bd. 12. S, 174. 21) Zoja, Ref, Eichhorst, Lehrbuch der physikalischen üntersuohungsmethoden. 1880. 11. Bd. S. 239.
|
|||
|
|
|||
|
Aetiologie. Wie beim Kinde verursachen versohluokte Fremdkörper beim Hunde (seltener bei der Katze) eigenartige Krankheitserscheinungen, welche besonders erwähnt zu werden verdienen, weil .sie häufig schon während des Lebens eine Diagnose ermöglichen, eine ganz eigenartige Behandlung erfordern und zuweilen selbst zur Verwechslung mit Wuth Veranlassung geben. Ein Theil dieser Fremdkörper verursacht Blutungen des Magens und Darmes, sowie rein chirurgische AfFectionen, wenn dieselben nämlich nach Perforation des Magens oder Darmes zu einer Magen- oder Darmfistel Veranlassung geben. Ein anderer Theil wird bei Gelegenheit der Perforativ-Peritonitis näher besprochen werden. Ein dritter Theil endlich, welcher durch Einkeilung im Magen oder Darm durch eine mehr oder weniger vollständige Verlegung des Darmlumens, sowie hochgradige hämorrhagische und nekrotische Entzündung der Darmschleimhaut gefährliche Krankheitserscheinungen gastrischer Natur hervorruft, soll hier besprochen werden.
Es sind meistens grössere Enochenstücke, Steine, Blei-, Eisen- und Glaskugeln, Münzen, Knöpfe, Korkstöpsel, Kreisel, Schwämme, besonders Pressschwamm, Kastanien, Holzklötzchen, Schnüre u. s. w,, welche gewöhnlich beim Apportiren und Spielen der Hunde zufällig, seltener beim Kauen absichtlich oder unabsichtlich verschluckt werden. So wurde beispielsweise von einem Hunde eine 250 g schwere, 4 cm im Durchmesser haltende Kar-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Voi-schluckto Fremdkörper beim Hunde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 149
tätscheiikugel beim Apportiren verschluckt. Eigenthümlicher Weise verursachen Nähnadeln, wofern sie nicht in der Maulhöhle oder im Schlundkopfe stecken bleiben, nach dem Ahschluckon selten Krank-heitserscheinungeu. Zoja gab versuchsweise Katzen Nähnadeln, zum Theil mit dor Spitze voran, zum Verschlucken. Von 127 verschluckten Nadeln hatten sich nur 2 aufgespiesst, die eine oberhall) des Pylorus, die andere im Rectum. Die übrigen 125 Nadeln gingen theils inner-halli 1 140 Stunden durch den After ab, theils wurden sie bei einigen versuchsweise getödteten Thieren im Dickdarm aufgefunden, ohne dass Verletzungen des Magens und Darmes vorhanden waren. Aehnliches bat man beim Menschen beobachtet (eine Näherin verschluckte, ohne Sehaden ZU nehmen, 1000 Nähnadeln).
Erscheinungen. Dieselben sind häufig sehr vager Natur. Im Anfange, so lange die Körper noch frei im Magen liegen, sind krankhafte Störungen häufig überhaupt nicht wahrnehmbar. So sah Nichoux einen Hund, der ein silbernes Fünffrankenstück und einen grossen Sou im Magen beherbergte, 1 2 Jahre lang ohne jedwede Belästigung bleiben; erst bei dem zufällig erfolgten Tode fanden sich die 12 Jahre vorher verschluckten Geldstücke im Magen. In anderen Fällen werden anfangs acute gastrische Erscheinungen und später bei längerem Verweilen der Fremdkörper im Darmcanal die Symptome eines chronischen Magen- und Darmleidens im Allgemeinen hervorgerufen.
Werden indess die verschluckten Fremdkörper irgendwo im Magen oder Darm so eingekeilt, dass sie das Lumen desselben nahezu oder ganz verstopfen, dann ist das Krankheitsbild ein etwas ausgeprägteres. Im Anfange ist der Zustand meist noch ein fieberloser; indess sind die Hunde dabei eigenthümlich niedergeschlagen und traufig, liegen viel, nehmen wenig Futter, dagegen öfters und viel Wasser auf. Hiezu gesellt sich Erbrechen, das nicht selten mit einer gewissen Regel-miissigkeit zu einer bestimmten Zeit nach der Futter- oder Wasseraufnahme auftritt, und zuweilen eine ausserordentliche Heftigkeit und Hartnäckigkeit erreicht, wobei anhaltend schleimige, gallige, selbst kothige Massen erbrochen werden (sogen. Miserere). Ausserdem beobachtet man nicht selten hochgradigen Icterus. Dabei ist der Kothabsatz vollständig aufgehoben oder auf ein Minimum beschränkt. Im weiteren tritt Fieber auf, das sich oft auffallend lange auf ganz geringer Höhe erhalten kann, in anderen Fällen dagegen rapid ansteigt; die Futteraufnahme liegt ganz darnieder, und die Thiere magern
|
||
|
|
||
|
|
||
|
150nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Verschluckte Fremdkörper beim Hunde.
rasch ab, Manchmal stellen sich auch wuthiilniliche Zufälle ein; die Hunde zeigen sich verstinnnt und mürrisch, suchen sich zu verkriechen, sind ungewöhnlich reizbar und erregt, verfallen in Con-vulsionen und epileptiforme Krämpfe (Kaukriimpfe), laufen aufgeregt und planlos umher und iiussern selbst ausgesprochene Beisssucht und Zerstörungswuth. Später stellt sich hei diesen Patienten eine rasch zunehmende allgemeine Schwäche ein, die Thiere werden apathisch, bekommen einen klagenden Gesichtsausdruck, liegen fast immer, magern rasch und hochgradig ab, das Fieber steigt, der Puls wird klein und elend, bis eine tiefe Sonmolenz den letalen Ausgang einleitet.
Für die Diagnose indess wichtiger, als alle die genannten Erscheinungen, ist nächst der Anamnese eine genaue Palpation des Hinterleibes; dieselbe stellt, wenn auch nicht immer, so doch in vielen Fällen die Anwesenheit eines Fremdkörpers im Magen oder Darm mit Sicherheit fest und sollte daher nie unterlassen werden. Die Untersuchung des Magens geschieht am besten bei dem auf die Hinterbeine gestellten Thier durch Druck auf die untere Bauchwand hinter dem Schaufelknorpel dos Brustbeins, die des Darmes durch Druck auf die Bauchdecken am stehenden oder auf dem Bücken liegenden Thier.
Die Dauer der durch Fremdkörper beim Hunde erzeugten Krank-heitsersoheinungen ist eine sehr verschiedene; oft tritt der tödtliche Ausgang in wenigen Tagen, oft aber auch erst nach Wochen und Monaten ein, sofern der Fremdkörper das Darmlumen nicht ganz verlegt hat. In einzelnen Fällen konnte man mit dem Wandern des Körpers eine deutliche Verschlimmerung oder Besserung nachweisen. Insbesondere zeigen Nadeln zuweilen eine Neigung, nach Durchhoh-rung des Darmcanals eine Wanderung durch den Körper anzutreten und denselben nach Durchbohrung der Muskulatur und Haut unter Abscessbildung in der Rippen-, Flanken-, Schwanzgegend etc. zu verlassen.
Section. Bei derselben findet man, wenn der Fremdkörper im
Pylorus eingekeilt ist, die rechte Magenhälfte erweitert und die Magenmuskulatur daselbst je nach der Dauer der Krankheit verschieden stark hypertrophirtj wir fanden sie beispielsweise bei einem mittelgrossen Hunde fast einen Centimeter dick. Die dicken und dünnen Gedärme sind dabei fast oder ganz leer. Hat sich der Körper im Dünndarm festgesetzt, so trifft man den vor dem Körper befindlichen Darmtheil ebenfalls dilatirt und hypertrophisch, das da-
|
||
|
|
||
|
^
|
||
|
|
||
|
Magendarmkatarrh dos Schweines.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 151
hinter gelegene Darmstilck dagegen verengert und leer. An der Ein-keilungsstelle selbst ist die Sehleimhaut entzündlich verändert oder im Zustande einer nekrotischen Verschorfung, von zunderähnlichem Aussehen, wobei auch die übrigen Häute mit Einschluss des Perito-neums in Mitleidenschaft gezogen sein können. Der Weg, welchen der Körper zurückgelegt hat, ist durch Geschwüre, Narben, Blutaustritte, Pigmentinfiltration u. s. w. gekennzeichnet. Zuweilen ist das Steckenbleiben des Fremdkörpers weniger durch seinen grossen Umfang, als durch seine dem Hinweggleiten ungünstige Oberfläche bedingt (z, B. bei Korkpropfen), wodurch es schliesslich zur Parese der Darmmuskulatur kommt, und der Körper so liegen bleibt.
Therapie. Die Behandlung ist, sofern sie in der Verabreichung von Brech- oder Abführmitteln bestellt, meist eine vergebliche: auch das Einbringen grösserer Wassermengen in den Darmcanal nützt selten etwas. In einzelnen Fällen hatten wir von einer forcirten, möglichst extensiven Fütterung (Brot, Kartoffeln) einen günstigen Erfolg sofern , als dadurch das Verdauungsrohr stark ausgedehnt und so die Passage für den Fremdkörper erweitert wurde. Sichere Hilfe kann bei eingeklemmten Fremdkörpern nur die operative Entfernung derselben mittelst des Magens- resp. D ar m seh ni ttes bringen. Die von Felizet, Siedamgrotzky u. A., sowie von uns selbst mit Erfolg ausgeführte Operation (Laparotomie, Eröffnung des Magens oder Darmes, Herausnahme des Fremdkörpers, Verschluss der Darmwunde durch die Darnmaht, der Bauchwunde durch die Knopfnaht; vergl. das Genauere in den Handbüchern der Operationslebre) fordert zu häufigerer Anwendung dieses für Hunde relativ wenig Gefahr mit sich bringenden Verfahrens auf. Wir möchten im Uebrigen auf Grund unserer Erfahrungen darauf hinweisen, dass die Prognose des Darmschnitts in solchen Fällen weniger günstig ist, in welchen der Fremdkörper bereits zu einer nekrotisirenden Darmentzündung geführt hat.
|
||
|
|
||
|
Magen- und Dnrmkiihirrli dos Schweineslaquo;
Literatur. 1) Spinola, ECrankheiten der Sohweinö. 2) (irimm, Sachs, Jahresbericht. 1802. S. 112. 8) Weiskopf, Zeitschr. f. Thiermed, 1876. S. 226. 4) Marks, Berlin, thierftrzti. Woohenschr. 1890. S. GG. 5) Ben ion. Tmitc de l'elevage et des maladies des pores. 6) Schuh mann, Wochenschr. f. Thierheilkde, 18Ü1. S. 222.
|
||
|
|
||
|
^
|
|||
|
|
|||
|
15:
|
Magendiinnkatan-h des Schweines.
|
||
|
|
|||
|
Aetiologie. Der Magendarmkatarrh beim Schweine schliesst sich in Beziehung auf Ursachen an den der Fleischfresser an, da das Schwein als Omnivor ähnlichen diätetischen Schädlichkeiten ausgesetzt ist. Zu gewissen Zeiten findet man den Magendarmkatarrh des Schweines seuchenartig als sogen. Magenseucliequot;. Diese von Busch zuerst beschriebene Krankheit kommt besonders in nassen Jahrgängen und bei weidenden Schweinen vor, und ist theils auf Erkältung, Durchnässung und Vernachlässigung, theils auf die über-mässige Aufnahme von Schnecken, Würmern u. s. w., theils auf infectiöse Ursachen zurückzuführen.
Symptome. Von Erscheinungen des Magendarmkatarrhs beim Schweine sind zu nennen: schlechte Futteraufnahme, Erbrechen, kolikähnliche Unruheerscheinungen, Verstopfung, Diarrhöe, Fieber, Kälte der extremitalen Theile, besonders der Ohren, trockene, warme Rüsselscheibe, höhere Röthung der sichtlichen Schleimhäute, Wühlen und Sichvergraben in der Streu, Hängenlassen des Schweifes. Aehnlich ist auch das Krankheitsbild bei der Magen seuehe, welche meist in schleichender, chronischer Weise verläuft, und gerne unter allmählich zunehmender Hinfälligkeit und Abmagerung zum Tode führt. Einen seuchenhaften Magendarmkatarrh bei Schweinen hat Marks beschrieben. Die Symptome bestanden in Appetitlosigkeit, Fieber (bis 40,8deg; C), anfangs verzögerter Peristaltik, später wässerigem Durchfall. Nach Verlauf von 8 Tagen hatten sich alle Thiere wieder erholt.
|
|||
|
|
|||
|
Therapie. Eine Behandlung ist in gleicher Weise einzuleiten, wie beim Hunde; nur sind die Dosen der Arzneimittel für das Schwein höhere, und die Form der Applicationsweise eine andere. In letzterer Beziehung vermeidet man gern Eingüsse, weil sie schwer beizubringen sind und die Gefahr einer Fremdkörperpneumonie mit sich führen; sie werden daher nur in Ausnahmsfällen angewendet. Gewöhnlich versucht man die Mittel im Futter, als Latwerge, als Klystier oder in Form der subeutanen Injection beizubringen. In allen Fällen von Magenüberladung oder von Aufnahme verdorbener, schlechter Futtermittel beginnt die Behandlung mit der Application eines Brechmittels. Wir verwenden gewöhnlich das Veratrin subeutan (80mg in 5 cem Weingeist unter die Haut gespritzt; das Erbrechen erfolgt innerhalb einer Stunde). Das salzsaure Apomorphin ist für Schweine als Brechmittel unwirksam. Das Pulver der weissen Nieswurz (0,52,0)
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Magenctarmkatai'rh beim Geflügel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1.53
und der Ipecacuanha-Wur/el (1,03,0) ist nicht immer leicht beizubringen; man kann sich indess dadurch helfen, class man eine Abkochung oder ein Infus der Nieswurz (2,0 : 50,0 Wasser) vom Mastdarm aus als Klystier einwirken lässt. Bei Verstopfung gibt man Calomel, jedoch in viel grösscren Dosen als beim Munde (1,04,0), neben Bittersalz, Karlsbader Salz, schleimigen, öligen Mitteln, sowie Seifenwasserklystieren und ausgiebigen Wasserinfusionen, Gegen 1 Marrhöe können die verschiedenen Styptica in nicht zu kleinen Dosen, besonders das Opium (1,02,0) verwendet werden. In diätetischer Beziehung ist für ein leicht verdauliches, gut kühlendes Futter Sorge zu tragen (Milch, besonders saure Milch, Mehltränke, Brotsuppen u. s. w.).
Das sog. Luftblasengekröse des Schweines (Pneumatosis oystoides intestinorum, vulgär gLaftfinnen' benannt) besitzt lediglich pathologisch-anatomisches Interesse. -Man findet es ausschliesslich am Dünndani) und dessen Mesenterium, wo es in Form zahlreicher stecknadelkopt- bis wallnuss-grosser Lnfteysten auftritt. Nach Both (Schweizer Archiv für Thierheil-kunde 1889, S. 1) ist die Ursache nicht in einer Bacterieninvasion, sondern in einer hyperplastischen Affection des Lymphgefiisssystcms zu suchen.
|
||
|
|
||
|
MagcmliiriukiitiUTli, Durehfall und Verstopfung beim Geflügel.
Literatur. 1) Schwarz, Adam'sWüchenscbr. 18Ö9. S. 870. 2) Kordler, ibid. 1860. S. 394. 3) Siedamgrotzky, Sachs. Jahresber. 1872. S. 84. 4) Zürn, Die Krankheiten des Hausgeflügels. 1882. 5) Brissut, Uecueil. 1888.
0)nbsp; Megnin, Maladies dijs oiseaux. 1882. 7) Bönion, Tniite de felovage et dos maladies des oiseaux de basso-eour. 1884.
1)nbsp; Der einfache Magendarmkatarrh und Durchfall des Geflügels. Derselbe, muss von der seuchenhaften Diarrhöe (Hühnercholera und öregarinose), sowie von den hochgradigeren Entzündungen des Darm-canals (z. B. durch Griffe) wohl unterschieden werden. Er findet sich am häufigsten beim Junggeflügel der feineren importirten llacen, besonders aber zur Frühjahrszeit, sodann bei der Mauser der jungen Vögel. Die Ursachen bestehen wie bei den anderen Hausthieren in Diätfehlern (Ueberfressen, Aufnahme verdorbener und schwer verdaulicher Nahrung) oder in Erkältung (kalter Stall, Aufnahme zu kalten Wassers). Secundär kommt Durchfall bei Eingeweidewürmern und Tuberkulose vor. Die wichtigeren Erscheinungen sind: verminderte Futteraufnahme, gesträubtes Gefieder, Traurigkeit, langsames Entleeren des Kropfes, der Absatz eines zunächst weicheren, schleimigen, weissen Kothes, der zuletzt ganz dünnflüssig, grünlich weiss wird, die Federn
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
154
|
Magendarmkatarrh beim Geflügel.
|
|||
|
|
||||
|
in der Umgebung' des Afters beschmutzt und verklebt, sowie die Innen-Uüd Aussenfliiche der Cloake anätzti vermehrter Durst, zunehmende Abmagerung und Schwäche, zuletzt, wenn kein Nachlass der Diarrhöe eintritt, Tod durch Entkriif'tung oder bilmorrhagische Darmentzündung. Bei der Section liudet man die Erscheinungen eines desquamativen Darmkatarrhs, Röthung, Schwellung, Epithelabstossung der Schleimhaut, resp. die einer Darmentzündung. Die Behandlung ist zunächst eine diätetische. In erster Linie müssen die Thiere warm gehalten werden. Dabei zieht Zürn den geheizten Räumen sogenannte
|
||||
|
|
||||
|
Mistbeetställe vor, unter dt
|
Boden Pferdemist eineearaben ist.
|
|||
|
|
||||
|
Sodann empfiehlt sich möglichste Reinhaltung der Stallungen. Das verabreichte Futter soll leicht verdaulich sein, man gibt es deshalb womöglich in gekochtem Zustande (gekochte Hirse, Reis u. s. w.). Gegen den Durchfall versucht man im Anfange geröstete Gerste, Wasser von abgekochtem Reis, altgebackeneu Zwieback, Hanf, blauen Mohn, bei Papageien wohl auch kleine Stückchen Chocolade, mit Branntwein angefeuchtetes Brod, Roth wein (theelöffel- bis esslöffel-weise oder indem man Zwieback, Körner etc. darin aufweicht), ferner schleimige Mittel. Nach Zürn empfehlen sich Abkochungen von Hafergrütze (15 g auf 1 Liter Wasser), von Leinsamen (1 : 20 Wasser), von Eibischwurzel (10 : '200 Wasser), esslötfclweise gegeben. Von Arzneimitteln wendet man dieselben stopfenden Mittel, wie bei den anderen Hausthieren, nur in entsprechender Dosis und Verdünnung an. Wir benützen am häutigsten den Eisenvitriol (Iprocentig als Trinkwasser). Auch das Opium ist beim Geflügel ein sehr gutes Stypticum. Man gibt es Hühnern und Papageien in Dosen von 0,1 (= 1,0 der Tinctur oder des Pulvis Doweri), Tauben in Dosen von 0,05 (= 0,5 der Tinctur). Endlich kann man in sehr hartnäckigen Fällen auch zum Höllenstein greifen; nach Zürn gibt man täglich 1 2 Kaffeelöffel einer Iprocentigen Lösung. Gegen einfache Verdauungsstörungen empfiehlt Zürn kleinste Stückchen Zwiebel oder Knoblauch, ferner einige Pfefferkörner mit Butter zu Pillen gemacht, endlich eine Abkochung von Pfeffermünz oder Calmus (2 auf 60), von welcher den Hühnern 3mal täglich ein Esslöffel voll, den Tauben je ein Kaffeelöffel voll gegeben wird.
2) Die Verstopfung des Geflügels, Dieselbe kann durch eine vorausgegangene Diarrhöe, durch Eingeweidewürmer und sonstige Fremdkörper im Magen und Darm (Steine, Federn, unverdauliche Stoffe überhaupt), durch Ansammlung eingedickter Kothmassen in der Cloake, durch Verdauungsschwäche des Danncanals etc. bedingt sein. Die
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Kolik der Pferde,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;155
Behandlung besteht mich Zürn in der Verabreichung von Grün-futter, gesalzenem Weichfutter für Hühner, Hafergrütze für Tauben, von schleimigen, fetten und öligen Mitteln, in der Application von Kaltwasserklystiercn mittelst einer kleinen Gummiballonspritze, oder bei kleinen Singvögeln in der Einführung einer mit Ricinusöl bestrichenen Knopfsonde in den Mastdarm, im Auslöffeln des in der Cloake angesammelten Kothes. Von Abführmitteln empfehlen sich vor Allem das Ricinusöl (2 Esslöffel voll auf einmal für ein starkes Huhn), die Sennesblätt er (1 2 g des Pulvers auf einmal oder 4 g der Blätter mit 200 com kaltem Wasser ü Stunden macerirt, esslöffel- resp. kaffee-löifelweise bis zum Eintreten des Laxirens gegeben), !gt;,heum (0,4 bis 0,6 mit Honig zu Pillen gemacht), endlich Calomel (ü,!).quot;)0,1 mit Mehl und Wasser zu Pillen gemacht). Kleineren Stubenvögeln gibt man die Tinctura llhei aquosa tropfenweise ins Getränk.
|
||
|
|
||
|
Die Kolik der Pferde.
A. Allgemeiner Tholl.
Literatur. 1. üeber Kolik im Allgemeinen; 1) Ullrich, Monographie der Kolik bei Pferden, Magazin f, d. ges. Thierheilkde. 1850. S, 85. (Enthält eine genaue Angabe der älteren Literatur.) 2) liouley, Kecueil voter. 1842. 8) Roynal, Diet, prat, de med. et de ohir, vi'tiT. 1858. 4) llamon, Kecueil. 18()G. 5) Thierry, ibid. 1872. (J) Kelizot, ibid. 187476. 7) Heinrich, Die Kolik der Pferde. Nordhausen 1868, 8) Bellinger, Die Kolik der Pferde und das Wurmaneurysma der K i nge weid ea rt crien. 1870. 9) l''r i e d b e rge r . Die Kolik der Pferde. 6 klin. Vorträge. 1874. 10) Peters, Die Kolik bei den Pferden der Armee. Gerlach's Arch. 1875. S, 341. 11) Kuhn. Die Koliken und die Darmentzündung der Pferde. Magazin. 1865. S. :!!)#9632;'). 12) Zürn, Land-wirthschaftl. Zeitung f. Thüringen, 1871. Nr. 2. 13) Klemm, Eine klin. Betrachtung der Kolikarten. Bad. Mittheil. 1883. S. 147. 14) Legrain, Rocherehes cliniques sur les coliques chez le eheval. Annal. de Brux. 1872. S. 1 ft'. 15) Chenier, L'Eoho veter. 1880. 16) Cramer, Tidskrift for Landökonomie, 1886. 17) Smith, The Veterinär. Bd. 61. S. 551. Vergl. ausserdem die Lehrbücher dor spec. Tathi. logic u. Therapie von Hering, Spinola, Lafosso.liöll, Anacker, Haubne r-S ioda m gro t z ky. Pütz, D i e c k e r h o f f etc. II. A etiologisches: 1) Prudhomme, Recueil. 1844. 2) Pcchoux, Journ. de Lyon. 1861. 8) Köhno, Magazin. 1867. S. 262. 4) Schutt, ibid. 1869. S. 118. 5) Johne und Haubner, Stichs, Jahresber, 186!). S. 79. 6) Mcgnin, Recueil. 1871. Nr. 5. 7) Anacker, Thierarzt. 1877. S. 107. 8) Zorn, Roloff's Archiv. 1880. S. 871. 9) Adam, Woohenschr. 1880. S. 373. 10) Georgs on und Obolenski, Oesterr. Revue. 1880. S. 75.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
166
|
Kolik der Pferde,
|
||
|
|
|||
|
11) Tereg, Berliner Archiv. 1880. S. ;527. 12) Marquart, Bad. thlerftrztl. Mittheil. 1889. S. 70. 13) Schlake, Kompa, Zeitsohr. f. Veterinftrkde, 1890. S. 688 f. 14) Freiss, Oesterr. Monatesohr. f. Thierheilkde. 1890.. S. 481. 15) Vuibert, Bull. boo. oentr. vet. 1889; Recueil. vitöv. 1890.
III.nbsp; Statistik. Anatomischer Befund. Symptomatologie: 1) Schnell, -Magazin. 1849. 8. 188. 2) Reynal, Recueil. 1851. 8) Bruokmtiller, Oesterr. Vierfceljahrssohr. 18.51. S. 48. 4) Ringk, Preuss. Mittheil. 1855/5G. S. 87. 6) Schäfer, Magazin. 1857. S. 857. 0) Bauwerker, Adam's Woohenschr. 1867, S. 351, 7) Combes, Journal de Lyon. I860. 8) Gierer, Repert, 1801. S, 278. 9) Vogel, ibid. 1868. S, 14. 10) .lessen, Adam's Woohenschr. 1874. S, 219. 11) Zünde 1, De la thermomdtrie chez nos animanx domestiques. 1877. 12) Siedamgrot zky, Sachs, .lalnusber. 1878. S. 25; 1887. S. 25; 1889. 8. 17; 1890. S. 19. 18) Lustig, Hannover, Jahresber. 1870/77. S. 00; 1877/78. S. 92; Berliner Archiv. 1887. S, 245. 14) Friedberger, Münch. Jahresber, 1877/78. S. 89; 1878/79. S, 58; 1879/80. S. 57; 1888/84. S. 85; 1884/85. S. 45; 1885/80. S. 28; 1880/87. S. 00; 1887/88. S. 45; 1888/89. S. 55; 1889/90. S. 154. 15) Kolb, Adam's Wochenschr. 1880. S. 298; 1886. S. 357. 16) Martin, Münch. Jahresber. 1884/85. S. 53. 17) Mann, Repertor. 1885. S. 228. 18) v. Wörz, ibid. 1887. S. 186. 19) de Cleene, Bullet. Belgique. 1886. 20) Bayer, statist. Veter.-Sanitfttsbericht pro 1888 u. 1889. 21) Statist. Vetcrinilrbericht der preuss. Armee pro 1887, 1888, 1889 u. 1890.
IV.nbsp; Therapeutisches. Ueber Wasserinfusionen! 1) Dammann,
Deutsche Zeitschr. f. Thiermed. 1875. S. 40. 2) Bauwerker, ibid. 187b. 8. 106. 3) Weiskopf, ibid. 8. 224. 4) Pröger, Sachs. Jahresber. 1876. S. 112. 5) Johne, Adam's Wochenschi-. 1870. S. 305. 6) Pütsi, Pütz'sche Zeitschr. 1876. S. 447. 7) K o uhäuscr, Oesterr. Viertel.jahrsscbr. 1877.
8)nbsp; Brusasco, Adam's Wochenschr. 1882. S. 323. Referat von Weiskopf.
9)nbsp; Adam, ibid. S. 801. 10) Schadrin, Charkower Veterinärbote. 1880. Ueber Morphiuminjectionen (siehe auch Literatur bei Krampfkolik):
1) Fearnley, The Veterinär. 1870. 2) 8pen/,, Thierarzt. 1870. S. 20. 3) Johne, Sachs. Her. 1872. 8.40. 4) Schäfer, Preuss. Mittheil. 1870/71. 5) Feters, Adam's Wochenschr. 1878. S. 203. 0) Steinhoff, ibid. 1874. S. 41. 7) Schilling, Thierarzt. 1875. S. 107. 8) Anacker, ibid. 1877. S, 95. 9) Lemke, Adam's Wochenschr. 1882. Nr. 29. 10) Michaud, Schweizer. Archiv f. Thierheilkde. 1890. S. 201. 11) Bokl, Wochenschr. f. Thierheilkde. 1891. S. 161. 12) Frick, ibid. 8. 227.
Ueber Physostigmininjeotionem 1) Dieokerhoff, Adam's Wochenschrift. 1882. S. 809. 2) Fröhner, Repertor. 1883. 8. 177. 8) Feters, Adam's Wochenschr. 1883. S. 43:!. 4) Friedberger, Münch. Jahresber. 1882/88. S. 71 und die folgenden Jahrgänge bis 1891. 5) No card. Bull, see. ccntr. vet. 1883. 6) Cadiot, Archives d'Alfort. 1884. 7) Fes er, Adam's Wochenschr. 1884. S. 277. 8) Klemm, ibid. 1885. 9) Felisch u. Hind, Adam's Wochenschr. 1888. S. 279 u. 281. 10) Feschol, Philipp i, Haubold, Sachs. Jahresber. 1884. S. 108. 11) Pesohel, ibid. 1885. S. 108. 12) Garside, The vet. journ. 1885. 18) Rogener, Thierarzt. 1886. 8. 114. 14) Wilhelm, Sachs. Jahresber. 1886. S, 91, 15) Santo,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Kolik der Pferde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;157
II medico voter. 1886. 16) Qresswell, The vet, journ. 1880. 17) Storch, Oesterr. Monatssohr. 1887. S. 1. 18) Sleda-mgrotzky, Sachs. Jahresber. 1887. S. 25; 1889. S. 17. 19) Cremer, Rundschau. 1887. S. 801. 20) Ernst, Adum's Wochenschr. 1887. S. '127. 21) F. 11 cn berger, Berliner Archiv.
1887.nbsp; S. 1. 22) Bass, Thiermcd. Rundschau. 1888. S. 217. 23) Fleming, Repertor. 1887. S. 136. 24) Durieux, Anmil. de Brux. 1888. 26) Yioohi, II ined. vet. 1888. 26) Jahresberichte bayer, Thieriiiv.te. 1888, 1889 u. 1890, in der Wochenschr. f. Thiorhcilkde. 1890 u. 1891. 27) Fenn er. Berliner thieriir/.tl. Wochenschr. 1889. S. .50; Monatshefte i'. prakt. Thier-heilkde. 1890. S. 88. 28) König, Berliner thierärztl. Wochenschr. 1889, S. 360. 29) ütz, Bad. thierärztl. Mittheil. 1889. S. 90. 30) Storch, Oesterr. Monatssohr. für Thierheilkunde. 1888. S. 529. 81) [mminger, Wochenschr, f. Thierheilkunde. 1891. S. 15. 82) Hörn er, ibid. S. 303. Vergl. auch die Literatur der Verstopfungs- und Ueherfiitterungskolik.
Allgemeine Bebandlungsveise. Aus der grossen oasuistisohen Literatur mögen nur die folgenden Arbeiten erwähnt werden: 1) Vatcl, Elements de Pathologie. 1828. 2) Renault, Compt. rendus. 18321838. 3) Delafond, Pathol, generalo veter. 1838. 4) Villate, Recueil veter. 1845. 6) Robert, Journal de Lyon. 1862. 6) Bagge, Dan. Zeitaohr. f. Thierärzte. 1853. 7) Andersen, ibid. 1864 8) Reinert, Adam's Wochenschrift. 1859. S. 281. 9) Körber, Thierarzt. 1808. S. 43. 10) Westring, Tidsskrift for Veter. 1869. 11) Maydieu, Annal. de Brux, 1869. Nr. 11. 12) Zürn, Thierarzt, 1871. S. 42. 18) Lustig, Hannov. Ber. 1875. S. 30. 14) 'Dam mann, Pütz'sche Zcitschr. 1876. S, 555. 15) Mavor, Revue f. Thierheilkde. 1878. Nr. 3. 10) Luelfing, Deutsche Zeitsohr. f. Thiermed. 1878. S. 8. 17) Siedamgrotzky, Dresd. Bor. 1879. S. 79. 18) Kon-hftuser, Oesterr. Monatssohr. 1880. S. 37. 19) Mann, Thierarzt. 1880. S. 254; Adam's Wochenschr. 1883. S. 53. 20) Steinhoff, Adam's Wochenschr. 1870. S. 13. 21) Uebelen, Repertor. 1875. S. 1325. 22) Salmon, Bullet. Belg. 1886. 28) öavard. Journal do Lyon. 1886. 24) Oagny, Annal. de Braxell. 1886. 25) Laquerriero, L'Kcho vöt. 1887. 26) Schindel ka, Adam's Wochenschr. 1888. 27) Kattner, Thiermed. Rundschau.
1888.nbsp; nbsp; 28) B run et, Recueil. 1889. 29) (iot t e swin t e r, Wochenschr. f. Thierheilkunde. 1891. S. 111. 30) Siedamgrotzky, 1. o. 31) Fried-berger, 1. 0.
Definition. Mit dem Namen Kolik (Enteralgie, Danmveh) bezeichnet man gewöhnlich verschiedene krankhafte Zustände im Magen und Darm, bei welchen der Schmerz das Hauptsymptom bildet, und welche meist mit Unterdrückuno- der peri-staltlsclien Darmbewegung verlaufen. Demnach ist mit dem Ausdrucke Kolik keine bestimmte, genau charalcterisirte Krankheit, sondern eine ganze Gruppe in ihrem Wesen oft sehr verschiedener krankhafter Processe im Magen und Darm gemeint, welche vor Allem nur das mit einander gemein haben, dass sie mit dem für das Pferd besonders charakteristischen Hauptsymptom des Bauchschmerzes ver-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
158
|
Kolik der Pferde,
|
||
|
|
|||
|
laufen. Der Name Kolik ist daher ein ziemlich weiter Sammelbegriff, iilinlich den Collectivnamen Dampf, Wassersucht, Gelbsucht u. s. w., der mehr in das Gebiet der allgemeinen als das der speciellen Pathologie gehört. Dazu kommt nun, dass man ausser den schmerzhaften Affectioneu des Magens und Darmes, den sogenannten wahren Koliken, noch von sogenannten falschen Koliken, d. h. von schmerzhaften Affectionen anderer in der Bauchhöhle gelegener Organe (Nieren, Blase, Leber, Uterus etc.) spricht, und dass endlieh gewisse Allgemeinerkrnn-kungen, z. B. Petechialfieber, Milzbrand in secundärer Weise mit Kolikerscheinungen verlaufen.
Wenn nun die Kolik trotzdem immer noch ihren Platz neben den andern concreten Krankheiten in den Lehrbüchern der speciellen Pathologie beibehält, so hat dies folgende Gründe. Zunächst ist der Name Kolik zu sehr eingebürgert, als dass er sich so leicht ausmerzen liesse. Sodann ist die Kolik eine für das Pferd im Gegensatze zu den anderen Hausthieren besonders charakteristische, gewissermassen einzig dastehende Erscheinung, indem dieselben pathologischen Zustände im Magen und Darm, welche beim Pferde das Krankheitsbild der Kolik erzeugen, bei den anderen Hausthieren ohne solch auffallende Schmerz-äusserungen verlaufen können. Vor Allem aber ist die Erkennung der einzelnen die Kolik im bestimmten Falle hervorrufenden Krankheiten meist eine sehr schwierige, weshalb sich die Diagnose in vielen Fällen anfangs auf die Constatirung des Bauchschmerzes als Hauptsymptom beschränken muss.
|
|||
|
|
|||
|
Historisches. Die Kolik ist wohl eine der ältesten bekannten Pferdekrankheiten. Ihre Literatur liisst sich bis auf Co lu nie 11a (1. Jahrh. n. Chr.) zurückverfolgen, der schon drei verschiedene Arten von Kolik beschreibt. E um eins (.'!. Jahrh.) führt bereits den Salpeter als Kolikmittel auf. Im #9632;!. und 5. Jahrhundert haben Vegetius, Apsyrtus und Hierokles eine ziemlich genaue Symptomatologie geliefert. Speciell bei Vegetius finden sich u. a. schon als verschiedene Kolikformen: dolor Ventris, dolor Coli, dolor Vesicae und Heus. Im 13. Jahrhundert unterscheidet Jordan us Ruffus schon die Windkolik von der üeberftitterungskolik, Im 16. Jahrhundert sind es dann besonders die Schriften des Vegetius Ronatus und Joannes Ruellius, in welchen die Kolik eine eingehende Besprechung findet. Aus dem 18. Jahrhundert liegen die Arbeiten von Ehrmann, Sander, Weber, aus dem Anfange dieses Jahrhunderts die von Ribbe, v. Tennecker und Brunswig vor. Von neueren Werken sind besonders die
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Kolik (lev Pferde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 150
Monographien von Ullrich, Legrain, Bollinger und Frieclberger hervorzuheben.
Statistisches. Die Kolik ist unter allen innerlichen Krankheiten heim Pferde die häufigste; nach Bollinger's Berechnungen leiden unter 1 00 innerlich kranken Pferden 40 an Kolik (unter 18,984 innerlich Kranken befanden sich T.VIi) Kolikpatienten). In Bayern werden nach Bollinger's Berechnung bei einer Pferdezahl von 400,000 jährlich 40,000 Pferde von Kolik befallen.
Die Mortalitätsziffer der Kolik beträgt nach demselben Autor 18 Proc. (12,857 Kolikfälle mit 1625 Todesfällen). Wir selbst finden unter 20,258 zum grossen Theil aus den verschiedenen klinischen Krankheitstabellen der einzelnen Thierarzneischulen während 10 Jahren gesammelten Kolikfällen 2832 Todesfälle = 10,7 Proc, eine mit der Boliinger'schen nahezu übereinstimmende Zahl: die Mortalitäts-ziffer stellt sich daher im Durchschnitt auf ca. 12 Proc.
Das Verhältniss der Gesammtmortalität zur Kolikmortalität ist nach Bellinger = 100:40, d.h. unter 100 umgestandenen Pferden gehen 40 an Kolik zu Grunde.
Die -Mortalitätsvorliiiltnissc an den einzeln en Thierarzneischulen .sind folgende:
In Wien finden sich unter 16097 Kolikknmken (25 Jahre) 1643 Todosfiillo = 10,27o
Hannover nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; , , 1200nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(10 , ) 134 ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;= 11,P/o
, München nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; , 1006nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(10 gt; 201nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;= 12,57laquo;
, Dresden ,,,036nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;( 6 , ) 86 nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;= 13,67laquo;
, Stuttgart nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; . . 1088nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(19 , ) 184nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;=17,070
Berlin ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; , , 1815nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(10 .. i 354 ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;= 19,07laquo;
Die Mortiilitiits/itfer der Kolik beim I'ferdebestande der preussisohen
Armee betrug in den Jahren 18801880 durchschnittlich 11'/^ Proc. In den
Jahren 18811887 war das Verhäliniss folgendes:
1881 starben von 2145 kolikkranken Pferden 302 = 14)600/o
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
324 = 13.511quot;.. 218= 8,50deg;.i 249= 9.507laquo; 30(i=ll,247o 257 = 10,257o 249 = ll,600/o
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Das Verliiiltniss der (lesaminlmortiilitiit zur Kolikmortalitiit betrug in den obengenannten Jahrgängen 3043 Proc. Im Jahre 1889 erkrankten in der preussisohen Armee 3108 Pferde, im Jahre 1890 2980 Pferde an Kolik mit einer Mortalitätsziifer von je 18 Proc.j die meisten Verluste fielen auf den Monat Sep-temlier und Oktober.
In der bayerischen Armee erkrankten im Jahre 1889 421 Pferde an Kolik mit einer Mortalitätszitfer von 8,79 Proc.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||
|
160
|
Kolik der Pferde.
|
||
|
|
|||
|
Allgemeine Ursachen der Kolik. 1) Disposition eile Momente. Das Pferd ist durch gewisse besondere anatomische Verhältnisse des Magens und Darmes vor allen anderen Hausthieren zu Kolik disponirt. Hieher gehört zunächst, dass der l'ferdemagen sehr klein ist und selbst im gefüllten Zustande die Bauclulecken gewöhnlich nicht erreicht, dass der Schlund in den Magen schief eingepflanzt und dabei mit einem förmlichen Sohliessmuskel versehen ist, und dass der Magen einen stark entwickelten Bhndsack besitzt. Diese Eigen-thümlichkoiteu verhindern für gewöhnlich das Erbrechen beim Pferde und damit die Entfernunfif angehäufter fester oder gasförmiger Massen. Dazu kommt, dass dasDünndarmgekröse Ungewöhnlich lang und die dicken Gedärme sehr frei gelagert und ausserordentlich entwickelt sind, wodurch einerseits Lageveränderungen, andererseits Anschoppungen des Futters in den dicken Gedärmen mit Leichtigkeit zu Stande kommen. Weiter gesellt sich hiezu der Umstand, dass die nervösen Endapparate des Pferdedarmes in ähnlicher Weise, wie dies vom Peritoneum des Pferdes bekannt ist. gegen äussere Einflüsse ausserordentlich empfindlich zu sein scheinen, eine Empfindlichkeit, die sich bei manchen Individuen so sehr steigern kann, dass sie oft scheinbar ohne jede Veranlassung von Kolik befallen werden. Endlich disponirt das bei fast allen Pferden vorgefundene Aneurysma der vorderen Gekrösarterie durch die sich daran knüpfenden thrombotischen und embolischen Verstopfungen von Darmarterien gewissermassen jedes Pferd zu Kolik.
2) Erkältung. Dieselbe besteht entweder in einer starken Abkühlung der äusseren Körperoberfläche bei kalter oder nasskalter Witterung, beim Uebergange von anhaltend trockenem Wetter mit Ostwind zu feuchtem Wetter, zu welchen Zeiten die Koliken gewissermassen epizootisch auftreten, zur Zeit des Haarwechsels; oder sie ist die Folge der Aufnahme sehr kalter, bereifter, gefrorener Futterstoffe, zu kalten Trinkwasser. Fn letzterei- Beziehung ist eine von Adam gemachte Beobachtung von Interesse, wobei eine grössere Anzahl von Pferden nach der Aufnahme zu kalten Trinkwassers (5n 0.) erkrankten, während eine Temperatur von 7 quot; C. ganz gut ertragen wurde.
-T) üeberftitterung nach zu schnellem und gierigem Fressen, bei zu raschem Futterwechsel, zu reichliche Fütterung im Verhältnisse zur Arbeitsleistung (besonders an Sonn- und Feiertagen); die Aufnahme grösserer Mengen ungeeigneten und schwer verdaulichen Futters, besonders von Körnerfutter (Koggen), Stroh, zu kurz geschnittenen Häcksels, zu jungen Futters (neuer Hafer, neues Heu), roher Kartoffeln u. s. w.j
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Kolik dar Pferde,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 161
das Einspannen unmittelbar nach dem Fressen, ungenügendes Kauen bei schlechtem Gebisse.
4) Verdorbenes Futter: verschlammtes, versandetes, zertretenes, befallenes Heu und Gras, feuchtes, mit Pilzen behaftetes Stroh, schimmliger, multriger Hafer, schimmliges Brot, sowie Branutweinschleinpe; unreines, trübes, schlammiges, an mineralischen Niederschlägen reiches Wasser.
quot;gt;) Gasbildung im Magen, z. B. nach Verfütterung jungen oder welken Klees, namentlich Kopfklees, Luzerne, Esparsette, Buchweizens, welken, bereits in Gährung begriffenen Grases, besonders saurer Gräser, der stark quellenden Hülsenfrüchte, jungen Körnerfutters, von Hüben, Kartoffelkraut etc. Gesteigert wird die Gilhrung durch reichliche Wasseraufnahme unmittelbar nach dem Fressen. Auch das Abschluoken grösserer Mengen von Luft bei Kopp er n kann zu Kolik führen.
ö) Anschoppung von Darminhalt. Abgesehen von den im Verlaufe eines Darmkatarrhs entstehenden Verstopfungen kommen solche Anschoppungen zu Stande bei längerer Ruhe, nach dem Verfüttern grosser Mengen von Stroh oder Strohhäcksel, sehr holzigen Futters, bei anhaltender Verabreichung einer reiz- und gehaltlosen Nahrung, sehr trockenen Futters (Mehl, Kleie, Schrot), bei Erschlaffung, Erweiterung, Lähmung des Darmcanals u. s. w.
7)nbsp; nbsp;Die Bildung von Steinen und Concrementen im Magen und Darm, so besonders die Anhäufung grösserer Mengen von Sand und Erde, wie dies häufig in Feldzügen und bei Weidepferden stattfindet, sowie die Bildung von Darmsteinen bei Müller- und Bäckerpferden nach anhaltender Fütterung mit Kleie und Nachmehl, welche viel phosphorsaure Magnesia enthalten.
8)nbsp; nbsp;Würmer im Darmcanal, besonders zu Knäueln zusammengeballte Spulwürmer.
!) Darmstenosen nach Compression, Dislocation. Axendrehung, Invagination, Incarceration des Darmes u. s. w.
10)nbsp; nbsp;Längeres Hungern: die sogenannte Hungerkolik*, welche besonders bei Militärpferden im Kriege vorkommt.
11)nbsp; Zuweilen endlich, wenn auch selten, wird Kolik durch Wälzen der Thiere und dadurch hervorgerufene Lageveränderung der Gedärme erzeugt. So sah Köhne eine Darmverschlingung bei einem Pferde entstehen, welches zum Zweck einer Operation über den Rücken gewälzt wurde. Auch ist es eine in den Schlachthäusern bekannte
Thatsache, dass bei Schweinen und Kälbern, die beim Abladen etc. Frledbergei a. Fröhner, Pathol. u. Therapie d. Haustblere. i. Bd. 8, Aufl. 11
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
162
|
Kolik dor Pferde,
|
||
|
|
|||
|
stark und viel gewälzt werden, bei der Schlachtung frische Darmverdrehungen angetroffen werden. Aus dieser Thatsache indess zu schliessen, dass man deshalb ein kolikkrankes Pferd am Wälzen verhindern müsse, wie dies eine bei Laien landläufige Meinung ist, wäre ganz ungerechtfertigt. Es mag hier nur an das ganz unschädliche Wälzen der Weidepferde und an die gewiss oft sehr heilsame Wirkung des Wälzens bei bereits vorhandenen Darmverschlingungen erinnert werden.
12) Aussei- den genannten Ursachen kommt Kolik noch vor bei gewissen Texturerkrankungen des Darmes: Katarrh, Entzündung, Croup, Geschwüren u. s. w., sowie bei Vergiftungen. Wir verweisen in dieser Beziehung auf die betreffenden Kapitel.
Die Aetiologie der sogenannten falschen Koliken ebenfalls hier zu besprechen, würde zu weit führen; es wird auch hier auf die betreffenden Krankheiten der Blase, Milz, Leber, der Nieren, des Uterus, Bauchfells etc. verwiesen.
Symptome. Im Vordergrunde des ganzen Krankheitsbildes stehen die bald plötzlich, ohne alle Vorboten, bald allmählich auftretenden Schmerzensäusserungen. Die Pferde zeigen vor dem Wagen oder unter dem Reiter einen kurzen gespannten Gang, schwanken im Hintertheilc, bleiben stehen, werden unruhig, scharren mit den Püssen, stampfen, schütteln sich und können an dem Versuche sich niederzulegen oft nur schwer durch lebhaftes Antreiben und Anspornen verhindert werden. Im Stalle gehen zuweilen den eigentlichen Schmerzen ein unlustiges Benehmen, schlechte Eutteraufnähme. Zurücktreten vom Barren voraus. Im weiteren Verlaufe treten die Thiere häufig hin und her, stöhnen, schlagen mit den Hinterfüssen gegen den Leib, schauen sich häufig nach dein Hinterleibe um, wedeln mit dem Schweife, biegen die Vorderfüsse ein, krümmen den Rücken, strecken den Kopf und Hals und stellen die Hinterfüsse unter den Leib. Daneben legen sie sich bald äusserst vorsichtig und langsam nieder, lassen es auch oft bei einem blossen Versuche bewenden, oder sie werfen sich in anderen Fällen ganz rücksichtslos zu Boden, worauf sie theils ruhig liegen bleiben, theils sehr heftige Bewegungen machen, sich wälzen, mit den Füssen schlagen; zuweilen verharren sie längere Zeit ruhig in der Rückenlage mit an den Leib gezogenen Füssen. Dazwischen hinein pausiren die Schmerzen dann und wann, die Thiere stehen wieder auf, beginnen zu fressen, um jedoch bald wieder unruhig zu werden.
Bei der genaueren Untersuchung findet man zunächst eine un-
|
|||
|
|
|||
|
^M
|
|||
|
|
||
|
Kolik der Pferde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 163
gleiche Vertheilung der Körpertemperatur, die Oliren und Extremitäten sind meist kühler, zuweilen eiskalt. Sehr häufig findet man Schweissausbruch, besonders am Grunde der Ohren, seitlich am Halse und an den Brustwandungen, am Bauche, in der Flankengegend, wobei sich diese Stellen bald heiss, bald mehr oder weniger kalt anfühlen, und der Schweiss zuweilen in Tropfen auf den Boden fällt. Die sichtlichen Schleimhäute sind meist höher geröthet, oder wie die Nasenschleirahaut schmutzig verfärbt, können jedoch verschiedene Farben aufweisen. Die Maulhöhle ist sehr trocken und heiss, und die Schleimhaut bisweilen katarrhalisch afficirt; in anderen Fällen ist die letztere sehr kalt und blass, wie ausgewaschen. Der Hinterleib ist gespannt und mehr oder weniger, selbst trommel-fönnig aufgetrieben, seltener ist er leer und aufgezogen. Die Peri-staltik ist gewöhnlich stark unterdrückt oder gänzlich aufgehoben, und man hört bei der Auscultation des Hinterleibes entweder gar kein oder nur ein ganz schwaches Darmgeräusch; zuweilen vernimmt man sehr laute, metallisch klingende Töne. Der Kothabs atz ist gleichfalls verzögert, und der Koth meist trocken, hart und kleingeballt, mit Schleim überzogen, seltener blutig; sehr häufig werden von den Thieren unter grosser Anstrengung nur einige wenige Kothballen aus-gepresst; in anderen Fällen ist der Koth auch sehr weich, sogar diarrhoisch, dabei säuerlich riechend, schlecht verdaut, und es gehen sehr häufig Flatus ab. Auch die Entleerung nekrotisch abgestossener Darmstücke mit dem Kothe wird vereinzelt beobachtet.
Bei der Exploration des Mastdarmes trifft man denselben bald mit Fäcalmassen vollgestopft, bald gänzlich leer, oder es finden sich nur wenige Futterballen darin vor; die Schleimhaut ist häufig heiss und stark geschwollen; die benachbarten Gedärme fühlen sich oft in Folge ihrer Anfüllung mit Futtermassen oder Gasen sehr derb und prall an, desgleichen kann man die Blase sehr stark gefüllt finden. In gewissen Fällen ist das Lumen des Mastdarms sehr erweitert oder im Gegentheil auch verengt, so dass es oft nicht einmal gelingt, mit einem Finger durch die verengte Stelle hindurchzukommen. Die Untersuchung der Leistenringe kann beim Hengste einen eingeklemmten Bruch ergeben; zuweilen fühlt man auch bei abnormer Ausdehnung des Grimmdarmes ein Längsband desselben als stark gespannten Strang in der Bauchhöhle. In seltenen Fällen endlich stösst man bei der Exploration des Mastdarms auf einen Darmstein. Die Urinentleerung ist meist verzögert; die Thiere stellen sich zwar häufig zum Uriniren an, strecken sich, schachten aus, wobei jedoch meist nur wenige
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
1(54
|
Kolik der Pferde.
|
||
|
|
|||
|
Tropfen Urin zum Vorschein kommen. Der abgesetzte Harn ist bald hell, bald wieder sehr reich an Farbstoffen, so dass er oft mit einem hämoglobinhaltigen Harn verwechselt werden kann, ist bald von alkalischer, bald neutraler, bald saurer Reaction, hie und da auch eiweisshaltig.
Die Athmung ist gewöhnlich angestrengt, oft geradezu dys-pnoisch. Der Puls ist im Anfange nicht sehr verändert, später steigt er auf 5060 Schläge in der Minute, in schweren Fällen und bei ungünstigem Ausgange auf 100 Schläge und darüber, dabei wird er klein und gespannt; der Herzschlag ist verstärkt, die Herztöne sind oft sehr laut zu hören. Die Temperatur ist im Anfang nicht erhöht; im weiteren Verlaufe kann sie sehr hoch ansteigen, indess findet man sehr oft unmittelbar vor dem Tode nur ganz geringgradiges Fieber. Das Sensorium ist mehr oder weniger eingenommen. Untugenden, z. B. Koppen, werden eingestellt.
Bei schwereren Koliken treten nun ferner höhergradige Erscheinungen auf. Die Thiere nehmen eigenthümliche Stellungen ein, knieen z.B. auf den Vorderfüssen, liegen mit gestreckten Vorderextremitäten auf der Unterbrust, nehmen die sogen, hundesitzige Stellung ein, d. h. sie sitzen bei aufgerichteter Vorderhand auf dem Hintertheil u. s. w.; es stellt sich Aufstossen, Becken, Würgen, Erbrechen ein, wobei das Erbrochene häulig durch die Nasenlöcher entleert wird. Die Kolikschmerzen steigern sich bis zu wuthähnlichen Anfällen: die Pferde steigen in die Höhe, schnauben, stöhnen, schreien, rasen und toben, gehen selbst auf den Menschen los, beissen in die Krippe, knirschen mit den Zähnen, flehmen, sperren das Maul auf; oder sie drängen wie betäubt vorwärts, beschreiben immer denselben Kreis (Mandgebewegung), machen nickende, ruckende, pendel-förmige Kopfbewegungen, lehnen sich gefühllos und stumpf an die Wand, zittern, bekommen Zuckungen. Dabei sind sie mit kaltem, profusem Schweisse bedeckt, der Puls wird fadenförmig oder unfühlbar, aussetzend, der Herzschlag tumultuarisch, der Blick stier, die Pupille weit, die Unterlippe schlaff, der Mastdarm steht offen, ist bisweilen auch vorgefallen, es fliesst eine bräunliche Flüssigkeit aus dem After ab. Schliesslich wanken und taumeln die Thiere, stürzen zu Boden und verenden unter Convulsionen. Vor dem Eintritt des Todes wiehern sie zuweilen laut; manche nehmen auch noch grössere Mengen Wasser auf. Wieder in anderen Fällen hören die Schmerzen plötzlich auf, und es folgt rasch ein comatöser Zustand.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Kolik der l'ferde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 165
Verlauf und Dauer. In der grösseren Mehrzahl der Fälle ist der Verlauf der Kolik ein kurzer, acuter; manchmal sind die Koliksymptome schon nach wenigen Minuten, im Allgemeinen nach einigen Stunden vorüber; dauern sie länger als 24'M') Stunden, so ist dies ein ungünstiges Zeichen. Zuweilen verläuft die Kolik jedoch auch subacut und chronisch und dauert dann 8, selbst 14 Tage und mit Unterbrechungen selbst mehrere Wochen lang, so besonders bei Verstopfungskoliken; dabei wechseln Kolikanfälle mit schmerzfreien Intervallen ab.
Die Complicationen, welche sich im weiteren Verlaufe einer Kolik einstellen können, sind zunächst Druckbrand der Haut an hervorragenden Körperstellen, an welchen sie fast unmittelbar dem Knochen aufliegt, so über den Augen- und Jochbogen, am Hinterkieferrande, am äusseren Darmbeinwinkel; dazu kommen die verschiedensten äusseren Verletzungen, welche sich die Thiere beim Niederwerfen und Wälzen zuziehen, z. B. Sehnenentzündungen, Ge-lenksverstauchungen, Knochenbrüche, sowie innere Verletzungen. Sodann entwickelt sich nach schlecht applicirten Eingüssen, insbesondere wenn dabei der Kopf des Thieres zu gewaltsam in die Höhe gezogen wird, oder wenn das Eingiessen der Medikamente durch die Nase erfolgt, desgleichen vereinzelt beim Erbrechen in Folge der Aspiration von Futterstoffen, eine P r e m d k ö r p e r p n e u m o n i e, welche gewöhnlich ihren Ausgang in Lungenbrand und Tod nimmt. Häufig findet man auch nach zu heissen Eingüssen und der Verabreichung von nicht genügend verdünnten oder gelösten scharfen Abführmitteln (ßrechweinstein, Crotonöl) Erscheinungen der Stomatitis und Pharyngitis, sowohl oberflächlicher als auch sehr tief greifender Natur. Aehn-liche Veränderungen kann man auf der Scheid enschl oim hau t bei Stuten als Folge des sogen. Ffefferns und Salzens, sowie auf der Schleimhaut des Mastdarms nach rohen Manipulationen beim sogen. Räumen desselben antreffen, welche zuweilen selbst zur Perforation des Mastdarms führen.
Prognose. Bei keiner Kolik kann im Beginne der Ausgang mit Sicherheit vorausgesagt werden; die scheinbar leichteste (rheumatische) Kolik endet oft tödtlich durch eine hinzutretende Darmverschlingung. Die Prognose kann sich bei einem und demselben Pferde in jedem Augenblicke ändern. Man soll deshalb die Prognose bei jeder Kolik von vornherein vorsichtig stellen.
Zeichen der Besserung sind: Nachlass der Schmerzen, gleich-
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
166
|
Kolik der Pfeide.
|
|||
|
|
||||
|
;
|
massigere Vertheilung der Körpertemperatur, Aufhören des Schweisses, Kräftigerwerden sowie weiche Beschaffenheit des Pulses, Wiederhör-barwerden der Peristaltik, reichlicher Abgang von Kotb und Flatus, Rückkehr des Appetits, Wiederaufnahme von Wasser, Verminderung des Fiebers, Rückgang der gesteigerton Pulsfrequenz etc.
Ungünstige Symptome dagegen, welche die Entwicklung einer Magendarmentzündung, einer Peritonitis, einer Ruptur des Magens, Darmes oder Zwerchfells befürchten lassen, sind: ein harter kleiner, hochgradig beschleunigter, oft unfühlbarer Puls, sehr hohe oder subnormale Temperatur, aufs höchste gesteigerte oder plötzlich nachlassende Kolikschmerzen, Ausbruch kalten Schweisses, eisige Kälte der Extremitäten, andauernde Verstopfung, gänzliches Darniederliegen der Peristaltik, starke Auftreibung des Hinterleibes, Athemnoth, Erbrechen, stierer, glasiger Blick. Genaueres siehe bei den einzelnen Koliken.
|
|||
|
|
||||
|
Allgemeine Differentialdiagnose. Die wahren, auf pathologische Zustände des Magens und Darmes zurückzuführenden Koliken können mit einer grossen Anzahl schmerzhafter Zustände in anderen Organen verwechselt werden. Hieher gehören vor Allem die folgenden:
1)nbsp; nbsp;Rheumatische Hämoglobinämie (schwarze Harnwinde). Die Aehnlichkeit mit Kolik ist bei dieser Krankheit oft eine ganz ausserordentliche; man denke an das rasche Auftreten, an die vorausgegangene Erkältung, an die intensiven Schmerzäusserungen, die aufgehobene Peristaltik, das Sistiren des Koth- und Harnabsatzes, den starken Schweissausbruch, die Athemnoth, die Erregung des Circulations-apparates u. s. w. Es ist deshalb mehr als wahrscheinlich, dass besonders in früheren Zeiten, wie zum Theil auch heute noch, die rheumatische Hämoglobinämie unter den Begriff Kolik subsuinirt wurde. Bei einer genaueren Beobachtung ergeben sich allerdings genug Anhaltspunkte für die Unterscheidung beider Krankheiten. Bei der Kolik fehlen vor Allem die Lähmungserscheinungen der Nachhand, wie sie für die rheumatische Hämoglobinämie so charakteristisch sind, sowie die eigentlichen Muskelschmerzen und Muskelschwellungen; es fehlt ferner das Auftreten von Hämoglobin im Harn und die starke Blutdissolution. An Kolik erkrankte Thiere legen sich häufig, um ebenso häufig wieder aufzustehen; bei der rheumatischen Hämoglobinämie ist das Aufstehen meist unmöglich.
2)nbsp; nbsp;Geburtswehen. Dieselben haben mit der Kolik die Unruheerscheinungen, das Scharren, Hin- und Hertreten, Stöhnen, häufige Niederlegen u. s. w. gemein. Indess dürfte bei einer genaueren Unter-
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Kolik der Pferde.
|
107
|
||
|
|
|||
|
suchung namentlich des Uterus, der Vulva, des Euters, des Hinterleibes, bei Berücksichtigung der Anamnese und des Umstandes, dass die Wehen eine ziemlich regelmüssige, periodische Abwechslung von Schmerz-üusserungen und schmerzfreien Pausen aufweisen, die Entscheidung im gegebenen Falle nicht schwer sein.
!5) Harnverhaltung in Folge Lähmung der Blase (Detrusor), oder Verhinderung des Abflusses durch Harnsteine, Geschwülste etc. Diese Art der Verwechslung ist besonders unter den Laien sehr häufig; der Grund dafür liegt darin, dass kolikkranke Thiere in Folge des Druckes der stark gefüllten Gedärme auf die Blase häufig ausschachten, sich zum Uriniren anstellen, pressen und drängen, ohne dabei Harn abzusetzen. Eine Untersuchung der Blase durch den Mastdarm oder das Einführen eines Katheters in dieselbe wird indess schnell die nöthige Auskunft geben. Ausserdem ist Harnverhaltung bei Pferden ein ziemlich seltenes Leiden, und die Thätigkeit des Digestionsapparates dabei nicht gestört.
4)nbsp; Blasenentzündung. Die charakteristische Beschaffenheit des Harns, welcher Blasenepithel, Eiterkörperchen, sowie Krystalle von Tripelphosphat enthält, die Empfindlichkeit der Blase bei Druck vom Mastdarm aus, das häufige tropfenweise Absetzen des Harns bei in-tactem Magen- und Darmcanal gibt hier für die Differentialdiagnose hinreichende Anhaltspunkte.
5)nbsp; Metritis. Die Berücksichtigung einer etwa vorausgegangenen Geburt oder eines Abortus, der gewöhnlich vorhandene Ausfluss aus der Scheide, die nachweisbare Emplindlichkcit des Uterus, die längere Dauer des Leidens unterscheiden die Uterusentzündung hinreichend von der Kolik.
0) Dislocationen des Uterus (Torsion, Prolaps, Inversion, Incarceration) hissen sich bei genauer innerer und äusserer Untersuchung wohl immer als solche constatiren; nur der unvollständige Uterusvorfall bietet hie und da Schwierigkeiten.
7)nbsp; nbsp;Einklemmung von Brüchen (Leisten-, Nabel-, Bauch-, Hodensackbrüchen) erzeugt immer das Bild einer hochgradigen Kolik. Eine sorgfältige Untersuchung, besonders des Baucliringes und Hodensackes bei Hengsten und Wallachen, wird das Leiden bald als ein rein chirurgisches erkennen lassen.
8)nbsp; Peritonitis. Eine Unterscheidung von Bauchfellentzündung und Kolik ist immer sehr schwer und unter Umständen ganz unmöglich. Der Grund liegt darin, dass eine Peritonitis beim Pferde überhaupt nur unter gewissen Umständen zu diagnosticiren ist. Eine
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
168
|
Kolik der Pferde.
|
||
|
|
|||
|
rheumatische Peritonitis wird sich von einer rheumatischen Kolik wohl nie unterscheiden lassen; leichter ist dies bei den seeundären Bauch-fellontzünduiigon nach zufälligen oder operativen Verletzungen des Bauchfells (Laparotomie, Castration, Herniotomie), nach Nieren-, Blasen-, Uterusentzündungen, bei welchen das primäre Leiden Aufschluss gibt. Die im Verlaufe der Kolik häufig auftretende Peritonitis kann zwar nicht mit Sicherheit, aber doch mit Wahrscheinlichkeit aus der Höhe des Fiebers, der Kleinheit und Frequenz des Pulsos, der rasch zunehmenden Prostration u. S. w. erkannt werden.
9)nbsp; nbsp;Nierenentzündung. Da dieselbe in erster Linie durch das Vorbandensein gewisser Bestandtheile im Harn (weisse und rothe Blutkörperchen, Nierenepithel, Harncylinder, Eiweiss) diagnosticirt wird, so dürfte eine mikroskopische und chemische Untersuchung des Harns für die Differentialdiagnose genügen. Ausserdem sind die Kolikerschei-nungen bei Nephritis viel geringer und bestehen gewöhnlich nur in einer grösseren Empfindlichkeit der Nieren- und Lendengegend, sowie in gespanntem und steifem Gange.
10)nbsp; nbsp; L e b e r e n t z ü n d u n g. Die bei Pferden ausserordentlich seltene acute Hepatitis verläuft zuweilen mit leichten Unruheerscheinungen, die sich wahrscheinlich auf eine entzündliche Reizung des Bauchfellüberzugs der Leber zurückführen lassen. Sofern nicht deutlicher Icterus vorbanden ist, dürfte sich eine genaue Diagnose schwer stellen lassen.
11)nbsp; Darmkatarrh und Darmentzündung, Geschwüre. Unter den verschiedenen pathologischen Zuständen im Magen und Darm erzeugen besonders auch der Katarrh und die Entzündung, sowie Geschwüre der Schleimhaut Kolikschmerzen. Man spricht so von Indigestions-quot; und Entzündungskolikquot;. Da jedoch der Katarrh sowohl, wie die Entzündung und Geschwürsbildung der Magendarmschleim-haut als selbständige Krankheiten besprochen werden, so müssen die in ihrem Verlaufe auftretenden Kolikanfälle von den eigentlichen Koliken unterschieden werden, was allerdings nicht immer so leicht ist. Es wären etwa folgende Punkte zu erwähnen: beim Darmkatarrh sind die Kolikerscheinungen mehr nebensächlicher Natur und verschwinden rasch, daneben ist meist Diarrhöe vorhanden; die Krankheit ist eine leichtere und länger dauernde. Bei Darmentzündung ist in erster Linie die Anamnese zu berücksichtigen, ob etwa scharfe Stoffe oder Gifte (sogen. Vergiftungskolikquot;) auf den Darm eingewirkt haben; sodann spricht eine bestehende hochgradige, zuweilen blutige Diarrhöe bei leerem Hinterleibe und hohem Fieber mit vorausgehender
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Kolik der Pferde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ltiigt;
anhaltender Verstopfung mehr für einen Entzündungszustand der Darm-schleimliaut als für eine anderweitige Kolik. Geschwüre im Magen oder Darm sind allerdings mit Sicherheit schwer zu erkennen; in-dess unterscheiden sie sich durch ihren chronischen Verlauf und die zuweilen auftretenden Blutungen von der im Ganzen acut verlaufenden Kolik.
12) Zum Schlüsse können verschiedene krankhafte Zustände im Körper mit Kolik verwechselt werden, sofern sie mit ausgesprochenen Schmerzäusserungen verlaufen, wobei eine genaue Untersuchung immer vor Verwechslung schützen wird. Hieher gehören: Gehirnentzündung, Pleuritis, Pneumonic, Petechialfieber, Influenza, schmerzhafte chirurgische Leiden, besonders Hufentzündungen, Gelenksentzündungen, unter Umständen auch die Thrombose der Grural- und Beckenarterien.
Allgemeiner anatomischer Befund. Die Sectionserscheinungen sind bei der Kolik je nach der veranlassenden Ursache sehr verschieden. Nach einer Zusammenstellung von Bollinger sind 6000 Proc. aller tödtlich verlaufenden Koliken auf Lageveränderungen und mechanische Ursachen im Darmcanal, 40-50 Proc. auf entzündliche Affectiouen des Darms und Bauchfells zurückzuführen. Unter den Lagevoränderungen stehen die Axendrehungen des Grimindarms in erster Linie, in zweiter Linie folgen diejenigen des Dünndarms.
Am seltensten sind jedenfalls Lageveränderungen des Mastdarms und Magens. Während die gedrehte oder geknickte Stelle des Darmes sehr blass und anämisch ist, sind die Wandungen des dazwischen resp. dahinter liegenden Darmstückes geschwollen, blutig infiltrirt, die Schleimhaut dunkelroth und mürbe, der Darminhalt blutig, das Gekröse sulzig oder bämorrhagisch infarcirt.
Ebenfalls häufig sind Ansammlungen von Futtermassen, Steinen, Concrementen mit nachfolgender katarrhalischer, hämor-rhagischer und diphtheritischer resp. nekrotisirender Schleimhautentzündung. Sie finden sich besonders am Uebergange des Hüftdarms in den Blinddarm, sowie an dem des Grimmdarins in den Mastdarm, sodann vor Allem auch im Blinddarm. Weiter ergibt die Section Umschlingungen des Dünndarmes um den Grimmdarm oder eine andere Dünndarmpartie, Umschlingungen von Darmabsolmitten durch das Netz, durch Lipome und sonstige Gekrösanhänge, Compression einzelner Darmtheiie durch die stark angefüllten benachbarten Ge-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
170
|
Kolik der Pferde.
|
||
|
|
|||
|
därme; Einklenimuugeu von ünmischlingen in den Leistencunal, in einen alten Zwerchfellsriss, ins Winslow'sche Loch, in Risse des Netzes, Gekröses, des breiten Muttorbandes, zwischen bandartige alte peritoni-tische Adhäsionen; Einstülpungen des Darmes in sich selbst (In-vagination, Intussusception), vor Allein Einschicbungen des Hüftdarms in den Blinddarm.
In anderen Fällen findet sich bei der Section eine Ruptur des Magens oder Darmes, zuweilen auch des Zwerchfells. Die Magen-berstungen liegen meist an der grossen Curvatur, welche bis zu drei Viertel ihres Umfangs rupturirt sein kann, an der Stelle, wo die Serosa des Magens in die Blätter des Netzes übergeht; die Rissränder sind entzündlich geschwollen und bämorrhagisch infiltrirt, zackig, un-regelinässig; dabei ist meist der Riss an der Serosa am längsten, an der Schleimhaut am kürzesten; zwischen die einzelnen Lagen der Wandung ist Futter eingefilzt. Der Mageninhalt ist zum Theil mit Blut überzogen und in die Bauchhöhle ausgetreten. Der Darm ist gewöhnlich an Stellen rupturirt, an denen sich Fäcalstasen ausgebildet haben; zuweilen ist nur die Schleimhaut eingerissen, und der Darm-inhalt hat sich unter dieselbe eingefilzt, so dass sie in grösserem Umfange von ihrer Unterlage abgehoben ist, oder der Darminhalt durchbricht auch die Muskelwand an der Gekrösseite und dringt zwischen den Platten des Gekröses vor. Die Zwerchfellrisse zeigen stark zerfetzte Ränder, zwischen denen sich ein Theil des Magens oder Darmes in die Brusthöble vorgelagert hat.
Die Darm schleim haut ist bald hyperämisch, bald katarrhalisch, croupös, diphtheritisch, hämorrhagisch entzündet, bald nekro-tisch und geschwürig entartet; das subseröse und submucöse Bindegewebe ist hämorrhagisch infiltrirt, der Darminhalt blutig, die Darmwand geschwollen, mürbe und brüchig. Das Bauchfell kann die verschiedensten Grade der Entzündung, von der serös-fibrinösen bis zur eiterigen und jauchigen zeigen. Im Gekröse beobachtet man häraoiThagische Infarkte. Die Gekrösdrüsen sind geschwollen und blutig infiltrirt. Die vordere Gekrösarterie ist sehr häufig aneurysmatisch und enthält die Larven von Strongylus armatus; in den Darmarterien findet man dann zahlreiche Thrombosen und Embolien.
Die Allgemeinveränderungen bestehen in: Hyperämie der Bauchorgane, Stauungshyperämie der Lunge, Lungenödem, hypostatischer Lungenentzündung, Hämorrhagien der Pleura und der Meningen, parenchyraatöser Degeneration in Herz, Niere, Leber, Milz, sowie in einem dunklen, schwarzrothen, theerartigen, bacterienreichen Blute.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Kolik der Pferde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;171
Am häufigsten scheinen bei der Section kolikkranker Pferde Axen-drehungen des Grimmdarms vorzukommen. So wurde bei den im Jahre 1889 in der proussischon Armee an Kolik gestorbenen 407 Pferden 84nial Axendrohung des Grimmdarms, 79mal JVIagon/.erreissung, 78mal Verschlingung des Dünndarms, 81mal Dannent/.ündung, 2(Jmal Zerreissung des Grimmdarms, 24mal Zwerchfells/.erreissung, 24mal Pilcalstase im ürimm-darm, 16mal Zerreissung des Netzes, llnial Einklemmung von Darmschlingen ins Winslow'scbe Looli, Omal embolischo Darmlälmiung, Imal Darmstein etc. gefunden. Im Uebrigen sind die Resultate der Section natürlich je nach Ort und Zeit vorschieden. Vergleicht man z. 13. in den verschiedenen Kliniken die Häufigkeit der Axendrehungen der einzelnen Darmabtheilungen mit einander, so kommt man nicht zu ganz üboreinstinunenden Resultaten. An der Münchener Schule sind die C o 1 o n d r ehun g e n entschieden häufiger als die Dünndarmdrehungon. Dasselbe Vorliilltniss liegt an der Berliner Schule vor. Nach einer gefälligen Mittheilung von Schütz waren unter 69 Fällen (1880188S) fit! Axendrehungen des Colons und nur 18 des Dünndarms. Gewöhnlich ist die linke Lage des Colons betroffen. Dagegen wurden an der Wiener Schule mehr Dünndanndrehungen beobachtet (27 Proc. unter 018 Koliksectionen).
Allgemeines über Todesursachen. Findet man bei der Section einer tödtlich verlaufenden Kolik eine Magen- oder Darmruptur, eine bestehende Enteritis oder Peritonitis vor, so kann über die jeweilige Todesursache kein Zweifel obliegen. Sehr häufig indess verläuft eine Kolik schon nach 1221 Stunden tödtlich, ohne dass sich während dieser Zeit Veränderungen in der Bauchhöhle ausgebildet haben, welche bei der Section Aufklärung über den raschen tödtlichen Ausgang verschaffen könnten. Es sind hierbei folgende Todesursachen möglich:
1) Aufnahme septischer Stoffe ins Blut. Dieselben können entweder chemischer Natur (Intoxication) oder geformte Elemente (Infection) sein. Die letzteren fand Semmer (Virch. Arch. 1887. Bd. 70. S. 374) bei der Windkolik. Bönnecken (ebendaselbst 1890. Bd. 120. S. 7) hat ferner experimentell festgestellt, dass im Bruch-wasser eingeklemmter Hernien Mikroorganismen nachweisbar sind, lange bevor Nekrose der Darmwand eintritt, dass dieselben aus dem Darminneren stammen, indem sowohl Bacillen als Kokken die Darmwand durchwandern, und dass sie eine tödtliche peritoneale Sepsis, meist ohne gleichzeitige eiterige Peritonitis, erzeugen. Dabei scheint die Leber das bedeutendste Uebergangsdepot für die septischen Stoffe zu sein. Man findet sie nämlich zuweilen bereits unmittelbar nach dem Tode zu einer Zeit, wo von postmortaler Fäulniss des Cadavers noch keine Rede sein kann, im Zustande hochgradigster septischer Zersetzung. Die chemisch wirksamen Gifte sind ihrem Wesen nach noch nicht näher erkannt; wahrscheinlich sind es Toxine. Nach Bollinger
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
[#9632; I
|
|||
|
|
|||
|
172
|
Kolik dor Pferde.
|
||
|
|
|||
|
wäre ferner an den Schwefelwasserstoff, für welchen iruless die Todtenstarre nicht zu sprechen scheint, an Buttersäure etc. zu denken.
2) Lungencompression mit Lungenödem und Erstickung, in Folge des Druckes der meteoristisch aufgetriebenen Gedärme auf das Zwerchfell. Der Beweis hiefür wird durch die häufige Constatirung des Lungenödems und sonstiger suffocatorischer Erscheinungen bei der Section erbracht.
:}) Steigerung des arteriellen Blutdrucks mit consecutiver Gehirn- und Lungenapoplexie durch den Druck der ausgedehnten Gedärme auf die Baucbaorta, sowie auf die grossen Venen.
4) Kohlensäure-lntoxication des Blutes bei Tympanitis. Dieselbe kommt dadurch zu Stande, dass die Kohlensäurespannung des Blutes unter die der Darmgase, welche zum grossen Thoile aus Kohlensäure bestehen, sinkt, und in Folge dessen nach rein physikalischen Gesetzen Kohlensäure ins Blut aufgenommen wird.
Ausser diesen Ursachen, welche unzweifelhaft den tödtlichen Ausgang einer Kolik herbeiführen können, hat man früher noch andere Erklärungsversuche herbeigezogen. So nahm man einen Herz-Shock in Folge abnormer Darmschmerzen als Todesursache an, was indess wenig Wahrscheinlichkeit für sich hat. Oder man dachte an eine Phenol Vergiftung des Körpers durch Aufnahme grosser Mengen bei der abnormen Darmgährung gebildeten Phenols. Indess hat Tereg (Archiv für Thierheilk. 1880. S. 327) nachgewiesen, dass die Phenol-aufnalnne bei Kolik eher vermindert als vermehrt ist. Am häufigsten dürfte die Todesursache wohl in Sepsis, Lungenödem und Kohlensäure-lntoxication des Blutes zu suchen sein.
|
|||
|
|
|||
|
Allgemeine Behandlungsweise. Da bei den einzelnen Kolikarten die speciellere Behandlung eingehender besprochen werden soll, so dürften hier nur allgemeine Gesichtspunkte für die Behandlung der Kolik aufzustellen sein. Zunächst ist bei kolikkranken Pferden für einen geräumigen abgeschlossenen Raum, in dem sie sich bei etwaigem Wälzen nirgends verletzen können, sowie für eine dichte, trockene Streu zu sorgen. Sodann lasse man die Thiere über den ganzen Körper mit Stroh und wollenen Lappen frottiren, um reflectorisch die Darmtluitigkeit anzuregen und eine gleichmässigere Blutvertheilung herbeizuführen; die Wirkung dieses Frottirens kann durch Besprengen der Haut mit Campherspiritus, dem man wohl auch Terpentinöl zusetzt, noch gesteigert werden. In leichteren Fällen, wenn die Kolikerscheinungen nicht zu hochgradig sind und die Witte-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Kolik der Pferde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 173
rung es erlaubt, sucht man die üarmperistaltik auch durch massige Bewegung der Thiere anzuregen; dieselbe empfiehlt sich besonders bei chronisch verlaufenden Verstopfungskoliken. Jede anstrengendere Bewegung jedoch, z. B. Trab- oder Galoppreiten, ist zu verwerfen; bei schwereren Kolikerkrankungen sodann sind alle Bewegungsversuche zu unterlassen, da sie mehr schaden, als nützen können.
Ferner ist es geboten, bei jedem Kolikpatienten eine Mastdarm-exploration vorzunehmen, thcils um angeschoppte Kothmasscn zu entfernen, theils der Diagnose halber. Durch Klystiere und Wasserinfusionen sucht man ferner die Kothmassen zu erweichen und die Peristaltik anzuregen. Man setzt die Klystiere entweder mit einer Klystierspritze oder einer grösseren Clysopompe; für die Infusionen bedient man sich mit Vortheil des von Dammann modificirten Hegar-schen Infusionstrichters. Die nach dem Vorbilde der Menschenheil-kunde (Dr. Oidtmann, Dr. Anacker) neuerdings auch in der Thier-heilkunde eingeführten Glycerinklysticre (Schindelka, Kattner U.A.), welche im Einspritzen von 3 5 g Glycerin in den Mastdarm der Pferde bestehen, haben nur eine locale Wirkung auf den letzteren (ilhnlich wie Seifenklystiere). Eine Steigerung der Peristaltik tiefer gelegener Darmtheile tritt nicht ein. Die Glycerinklystiere sind daher bei Kolik ziemlich werthlos.
Die Einführung grössersr Wassennengen in den Darmoanal von Seiten der Thierärzte ist schon sehr alt (vergl. Lustig, Hannover'scher Jahresbericht 1885, S. 20 f.). Die Wirkungen dieser Wasser/.nführungen sind jedoch in neuerer Zeit stark übertrieben worden; so hat man angegeben, dass beim Pferd 50 und mehr Liter infundirt werden können, und dass das Wasser dabei bis in den Blinddarm vordringe. Thatsaclie ist, dass eine Bespülung des Dar mean als über den Mastdarm hinaus sehr selten gelingt, und dass man wohl nie mehr als 10 Liter zu infundiren im Stande ist, da die übrige Flüssigkeit sofort wieder heransgopresst wird. Vergl. in dieser Hinsicht besonders die Versuche von Pütz jun., Pütz'sche Zeitschrift 1870, S. 447. Betreffs der Temperatur des einzuführenden Wassers wird bei acuten, besonders aber bei fieberhaften Koliken das kalte, bei mehr chronisch verlaufenden das warme vorzuziehen sein. Hand in Hand mit der innerlichen Anwendung des Wassers können sodann ilussorlicho kalte oder warme Umwicklungen des Hinterleibes gehen.
Massiges Wälzen kann bei kolikkranken Tiiieren gewiss nie schaden, ist daher zu gestatten, ja es kann sogar bei vorhandenen Darmverschlingungen möglicherweise von Nutzen sein. Dagegen sucht man stärkeres Wälzen, ungestümes Niederwerfen, überhaupt intensivere Unruheerscbeinungen möglichst einzuschränken, da hiedurch leicht Berstungen des prall gefüllten Magens oder Darmes herbeigeführt werden
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
17-1
|
Kolik der Pferde.
|
||
|
|
|||
|
können. Das beste Beruhigungsmittel hiebei, und deshalb auch ein specifisches Mittel gegen Krampf'kolik, ist eine M o rphi u me ins p r itz u n g (;i5 dg Morph. hydroclilor. pro dosi, im Mittel 10 com einer 4pro-centigen Lösung, subcutan an der seitlichen Halsfläche eingespritzt). Stärkere Dosen {/.. B. 1 g Morphium) können grosse Aufregung, Laut-sucht, selbst maniakalische Erscheinungen erzeugen.
Bei starker Auftreibung dos Hinterleibes durch Gase zögere man nicht mit der Ausführung des Dannstiches, der, unter antiseptischen Cautelen und nach den Regeln der Kunst ausgeführt, wohl nie ungünstige Folgen nach sich ziehen kann. Zuweilen ist bei drohender Lungen- oder Gehirnapoplexie auch ein Aderlass noting. Die innerliche Verabreichung der sogenannten gasabsorbirenden Arzneimittel (Salmiakgeist, Kalkwasser, Schwefelleber, unterchlorigsaures Natron) ist von sehr zweifelhafter Wirkung.
Gegen die darniederliegende Peristaltik und verzögerte Kothausscheidung sind eine grosse Anzahl von Mitteln in Anwendung; im Allgemeinen sind es dieselben, welche schon bei der im Verlaufe des Darmkatarrhs auftretenden Verstopfung genannt worden sind. Vor Allem hat sich das von Dieckerhoff empfohlene Physo-stigmin. sulfuric. in Dosen von 0,080,12 in vielen Fällen sehr bewährt (Application subcutan, in 5 10 cem Wasser gelöst). Die Anwendung des l'hysostigmins darf jedoch keine schablonenhafte sein. Es ist zunächst vermöge der tetanisirenden, krampferzeugenden Wirkung contraindicirt bei Krampfkolik, ausserdem bei starker Ueberfütterungs-, Wind- und schwerer Verstopfungskolik wegen der drohenden Gefahr einer Magen- oder Darmzerreissung (Rogener, Klemm, Utz, Siedamgrotzky, Wilhelm, Rust). Von einigen Seiten ist ferner darauf hingewiesen worden, dass seit der Anwendung des Eserins die Zahl der Dünndarm verschlingungen und Axendrehungen des Dünndarmes zugenommen hat. Da ausserdem einige Vergiftungsfälle wahrscheinlich in Folge Inconstanz des Präparates, sowie mehrere Fälle von Abortus bei trächtigen Stuten vorgekommen sind, so ist das Eserin im Allgemeinen mit Vorsicht zu gebrauchen. Besonders muss es bei lungenkranken Pferden sehr vorsichtig angewandt werden wegen eines möglicherweise eintretenden Lungenödems (Friedberger). In neuerer Zeit hat Ellenberger eine Combination von Physostigmin (0,1) mit Pilocarpin (0,8) vorgeschlagen ; letzteres soll die Darmsecretion anregen und den Darminhalt verflüssigen. Von mehreren Beobachtern ist diese Combination als zweckmässig befunden worden.
|
|||
|
|
|||
|
I
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Die einzelnem Kolikarten.
|
17.quot;
|
||
|
|
|||
|
Von jeher sind sodann im Gebrauche das Glaubersalz (2300,0), der B rech Weinstein (4 8,0), welche man auch häufig zusammen verabreicht etwa in folgender Form: Tartar, stibiat. 0,0; Natr. sul-f'uric. 250,0; Pulv. Fruct. Foonicul. et Rad. Alth., q. s. f. Electuar.; die Aloe in l'illenform (Aloes pulv. ;i0,0; Sapon. virid,, q. s. f. Pilul.), das Calomel (4,08,0), das Ricinusöl in grösseren Dosen (100,0 bis 500,0), in den hartnäckigsten Fällen endlich das Crotonöl (15 bis 20 Tropfen in einer schleimigen Abkochung).
Die im Vorstehenden angeführten Arzneimittel sind nicht etwa in jedem einzelnen Falle von Kolik anzuwenden. Es ist vielmehr eine längst bekannte, und namentlich auch von der Münchoner Schule in ihren Jahresberichten wiederholt hervorgehobene Tbatsache: dass ein ziemlich hoher Procents atz von Kolikpatienten ohne jede medicamentose Behandlung zu genesen vermag. Hieraus jedoch den Schluss zu ziehen, dass die Kolik Überhaupt exspeetativ zu behandeln sei, ist ebenso unstatthaft.
Eine gleichmilssigo Behandlung aller Koliken mit ein und demselben Mittel, wie sie Lemke und Eokl (Morphium), Adam (Kaltwasserirrigationen), Luelfing (eine Mischung von Aloe, Glaubersalz und Bockshornsamen) empfehlen, können wir ebenfalls nicht befürworten. Jede Kolik verlangt ihre besondere Behandlung (vergl, die einzelnen Kolikarten). Bezüglich der Application der Arzneimittel ist wohl die Latwergen- und Pillonform die beste; Eingüsse können zwar bei regelrechter Ausführung nicht schädlich werden, sofern sie der Thierarzt selber applicirt: in der Hand des Eigenthümers jedoch bringen sie die grosse Gefahr der Kremdkürperpneumonie mit sich; aus diesem Grunde dürften sie mehr und mehr reducirt und auf die Crotonöl-Emulsionen beschränkt werden.
|
|||
|
|
|||
|
B. Die einzolneii Kolikarten.
Eintheilung. Die eigentlichen, wahren Koliken sind schon von Alters her, je nach ihrer besonderen Aetiologie, in verschiedene Unterarten eingetheilt worden. Spinola ist der einzige, der in seinem Handbuche diese Eintheilung als zu theoretisch und unpraktisch verwirft, indem er die Möglichkeit einer so genauen diagnostischen Unterscheidung bezweifelt; er beschreibt daher alle Kolikarten unter dem gemeinschaftlichen Krankheitsbilde der Verstopfung, welche er mit Kolik identificirt. Mag indess auch der Einwand, dass wir von einer genaueren Diagnose der einzelnen Kolikarten noch zu weit entfernt sind, zum Theil berechtigt sein, so folgt daraus nicht, dass dies immer so bleiben wird; vor Allem aber gewinnt das ausserordentlich grosse
|
|||
|
|
|||
|
r
|
|||
|
|
|||
|
17t)
|
ICiain|)f'kolik.
|
||
|
|
|||
|
Gebiet der Koliken durch Aufstellung verschiedener Unterabtheilungon sehr an Ueborsichtliehkeit, und auch die Therapie wird dadurch wesentlich gefördert, indem sie sich von einer schablonenhaften Behandlungs-weise der Kolik im Allgemeinen zur Fixirung ganz bestimmter Einzel-indicationen erhebt.
Dabei wollen wir keineswegs silmmtliche, früher oft sehr empirischer Weise eingeführte Unterarten beibehalten, sondern nur die wesentlichsten. So verweisen wir /.. B. bezüglich der sogenannten Indigestionskolikquot; auf den Magendarmkatarrh, bezüglich der Entzündungskolikquot; auf die Darmentzündung, bezüglich der Vergiftungskolikenquot;, Bleikolik u. s. w. auf die Intoxicationen, und unterscheiden nur die folgenden als besondere, für sich bestehende Kolikarten:
I. Die Krampfkolik.
11. Die Ueberfütterungskolik.
III.nbsp; nbsp;Die thrombo ti seh - embolisc h e Kolik.
IV.nbsp; nbsp;Die Verstopfungskolik. V. Die Windkolik.
VI. Die Wurmkolik.
|
|||
|
|
|||
|
I. Die Krampfkolik.
(Einfache, Reiz-, nervöse, rheumatische, Erkältungskolik.)
Literatur, l) Gatngee, The Veterinarian. ISöU. 2) Parker, ibid, 1861. 3) Schmidtkunz, Tliicrarzt. 18(32. S. 235. 4) Benedict, Sachs. Jahres-beriohi 1862. 5) Beviöre, Journal de Lj-on. 1863. 6) Poulton, The Veterinär. 1870. 7) Förster, Gazetta mcd. vet. Milane 1874. 8) Acker-mann, Sachs, Jahresber. 1876. 8. 114. 9) Röderer, ibid. 188raquo;. S. 81. Vergleiche ausserdetn die Literatur der Morphiumtherapie im allg. Theile.
Wesen. Als Krampfkoliken bezeichnet man herkömmlich die durch innere oder ilussere Erkältung hervorgerufenen Koliken, welchen keine Texturveränderung noch sonstige materielle Ursache, sondern lediglich eine schmerzhafte Contraction des Darmes zu Grunde liegt. Entsprechend dein Umstände, dass das Pferd Erkältungen sehr häufig ausgesetzt ist, sind die Krampfkoliken nicht selten, besonders zur Frühjahrs- und Herbstzeit. Sie bilden ferner die weitaus häufigste Kolikform in Gestüten unter den dortigen edleren und feinhäutigeren Pferden, sowie unter den Cavalleriepferden, bei denen Anomalien in der Fütterung weniger oft als Kolikursachen vorkommen.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Krampf kolik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;177
Der bei der Krampf'kolik unabhängig von vorhandenen Darmveränderungen auftretende Schmerz ist wohl auf die Compression der sensiblen Darmnerven durch die Contraction der Muskelwände zurückzuführen; Andere haben ihn für einen dem rheumatischen Muskelschmerz gleich kommenden gehalten. Der Darmschmerz ist bei der Krampfkolik gewöhnlich ein ziemlich heftiger, wenn auch nicht sehr lange aiidauernder; dabei tritt er ganz plötzlich, anfallsweise auf, um bald wieder nachzulassen , bald mit erneuter Heftigkeit wieder einzusetzen. Dieser rein i ttirende, anf alls weise Charakter ist für die Krampfkolik besonders prägnant. Dazu kommt, dass im Gegensatze zu allen anderen Kolikarten die Unterdrückung der Peristaltik und die Verzögerung des Kothabsatzes bei der Krampfkolik häufig fehlen, ja sogar in Folge der regen krampfhaften Contraction der Gedärme die Peristaltik sehr lebhaft und kollernd wird, und selbst Diarrhöe auftritt. Ferner ist bei der Krampf kolik das sogenannte Krampfgetönquot; im Gegensatze zu anderen Koliken sehr laut. Dasselbe erzeugt den Eindruck, als ob Wassertropfen von einer gewissen Höhe herab auf eine tönende, dünne Metallplatte fallen, und erklärt sich seinem Wesen nach aus der Verschiedenheit der Gasspannung in den einzelnen Darmabschnitten, wobei sich die Gase aus den stark gespannten Darmsohlingen gleichsam explosiver Weise in die weniger gespannten ausbreiten.
Verlauf. Der Verlauf der Krampfkolik ist meist ein gutartiger, ihre Dauer beträgt im Allgemeinen nur wenige Stunden, zuweilen nur '/i oder 1li Stunde; es kann indess auch, insbesondere wenn die Dauer 12 Stunden übersteigt, zu schlimmen Complicationen, so besonders zu 1 )arinverschliiigung kommen.
Differentialdiagnose. Es kommt hier hauptsächlich die Verwechslung der Krampfkolik mit der embolischen Kolik in Betracht. Von der grossen Zahl der in Genesung ausgehenden, sogenannten nervösen oder rheumatischen Koliken ist gewiss die eine oder andere emholischer Natur, da bei der Aehnlichkeit beider in Bezug auf das plötzliche, anfallsweise Auftreten und beim Fehlen sicherer Anhaltspunkte durch eine etwaige Section eine Unterscheidung geradezu unmöglich sein kann. Diese Verwechslung dürfte jedoch in dem Umfange, wie es Bollinger annimmt, nicht wohl vorkommen, da man in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle die Diagnose Krampf kolik nur auf Grund einer vorausgegangenen offenbaren Erkältung zu stellen
pflegt, während bei der Annahme einer embolischen oder thromboti-FrledbergBi u. Fröhner, Patiiol. n. Therapie d. Hansthlere, I. Bd. 3. Ann 12
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
178
|
Krampfkolik.
|
||
|
|
|||
|
sehen Kolik gerade das Fehlen jeder äusseren Veranlassung mit in erster Linie von bestimmendem Einflüsse ist.
|
|||
|
|
|||
|
Therapie. Bei der Behandlung der Krampfkolik spielen die sogenannten krampfstiilendenquot; Mittel von jeher eine Hauptrolle; ihr Hauptreprilsentant ist das Morphium. Während die Indication für die Anwendung desselben bei allen anderen Kolikarten eine lediglich symptomatische zu sein pflegt, ist sie hier eine speciell causale, wie auch wesentliche. In sehr vielen Fällen genügt daher das Morphium vollständig; dabei beseitigt dasselbe nicht bloss die krampfhaften und schmerzhaften Darmcontractionen, sondern auch die drohende Gefahr einer Darmverschlingung. Die snbeutanc Dosis des salzsauren Morphiums beträgt, wie schon erwähnt, 0,80,5 in 4procentiger wässeriger Lösung; der Nachlass des Dannkrampfes und der Kolikschmerzen erfolgt meist rasch, so dass selten eine zweite Injection nötbig wird. Die anderen beruhigenden Nervina, so die Belladonna, das Bilsenkraut, Aconit, Aether, Chloroform u. s. w. sind seit der Einführung des Morphiums überflüssig geworden.
Der immer noch sehr verbreiteten Anwendung warmer, aus Kamillen-, Pfefferminz-, Baldrian-, Fliederthee bereiteter Eingüsse kann zwar eine krampfsiillende Wirkung vermöge ihres Gehaltes an ätherischen Gelen nicht abgesprochen werden. Die Mehrzahl der ätherischen Gele übt, wie z. B. auch der Campher, die Asa foetida u. a., in Folge ihrer Verdunstung im Darmcanale auf die umliegenden Organe einen entschieden krampfstillenden, die Reflexerregbarkeit herabsetzenden Einlluss aus, wie dies von Binz experimentell nachgewiesen wurde, so das Kamillen-, Pfefferminz-, Baldrian-, Anis- und Fenchelöl. Indess sollte die Anwendung der ätherischen Gele in der Form von Eingüssen wegen der immerhin damit verbundenen Gefahr, sowie der im Gegensätze zum Morphium nur sehr schwachen Wirkung mehr eingeschränkt werden. Contraindicirt ist die Anwendung des Physostigmins.
Bezüglich der äusserlichen Behandlung empfiehlt sich tüchtiges Frottiren mit Terpentinöl und Cnmpherspiritus (1 : 1020), sowie warmes Bedecken der Thiere; kalte Wicklungen und Infusionen in den Mastdarm sind nicht angezeigt, weil sie die Contraction der Darmmuskulatur noch steigern; dagegen kommt heissen Wasser-uraschlägen um den Hinterleib, sowie warmen Infusionen eine entschieden krampfstillende Wirkung zu. Endlich dürfte möglichste Ruhe der Bewecunff hier vorzuziehen sein.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Qeberftttterangskolik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 179
|
||
|
|
||
|
II. Die Ueberfiitterungskolik.
Literatur. A. Erbreohen: 1) Delaguette, Olivier, Berthe, Reoueil vitix.
1825. 2) Chiu-lot, ibid. 1827. 8) Dandrieu, ibid. 183081. 4) Lichte, Magazin. 1885. S. 291. 5) Höpfner, ibid. 1880. S. 259. (i) Tausoli, ibid. 1837. S. 305. 7) Landel, Report. 1847. S. 295. 8) Marquardt, ibid. 1852. S. 278. 9) Kanmann, Preuss, Mittheil. 1853/54. S. 79.
10)nbsp; nbsp;Walter, ibid. 1855/50. S, 85. 11) Mignon, Bull. soc. oentr, vet. 1847. 12) Weber, ibid. 1873 1874. 13) Salles, Reoueil veter. 1853. 14) Le-blano, ibid. 1866. 16) Simonet, Ibid, 1809. 10) Dulaquo;, Fölizet, Heu, ibid. 1875. 17) Albert, Ollis, Joura.duMidi. 1854,1858,1801. 18)Diivejean, ibid, 1800. 19) Prietsoh, Sftohs, Jahresber. 1861. S. 102. 20) Kenner, Adam'sWoohensohr. 1873. S. 301. 21)Pesserl, ibid. 1874. S. 217. 22) Henry, Annal. do Bruxolles. 1874. 23) bavoeat, Reoueil. 1875. 24) Hering, Reporter. 1853. S, 7. 25) Kftse, Preuss. Mittheil. 1879. S. 57. 26) Langen-baoher, Oesterr. Vereinsmonatssohr. 1885. S. 171. 27) Sohröder, Rundschau auf dem Gebiete der Thiermedicin. 1887. S. 325. 28) Carnet, fresse veter. 1881. 29) Gavard, .fournal de Byon. 1884. 30) Van Velzon, Thieräratl. Blätter f. iNiederliind. Indien. Bd. 4. 31) Speer. Am. vet. rev. Bd. 11. 32) Hinge, The vet. joum. Bd. 24. 33) Vandenabelle, Annal. belg. 1889. S. 137. 34) Duvinage, Zeitsohr. f. Veteriuarkunde. 1891. S. 23. 35) Angorstoin, Berliner tbierilrztl. Woohensohr. 1891. S. 180. Vergl. auch die ältere Literatur bei Ullrich, Magazin. 1850. S. 103 u. 111, sowie die Literatur beim Magenkatarrh des Pferdes.
B.nbsp; Magenruptur: 1) Huguet, Reoueil vet. 1828. 2) Dupuy, ibid. 1837.
8)nbsp; Gielen, Magazin. 1840. S. 70. 4) Sohmolke, ibid. 1847. S. 114. 5) All m aim, ibid. 1804. S. 233. 6) Grote, Zeitsohr. von Nebel u. Vix. XIF. S. 330. 7) Adam, Woohensohr. 1857. S. 353. 8) Guet, Joum. de Lyon. 1800. 9) Schutt, Adam's Woohensohr. 1875. S. 100. 10) Salles, Recueil veter. 1875. 11) Oarette, Bullet. Belg. 1885. 12) De Cleone, ibid. 1880. 18) Campi, II medico veter. 1887. S. 225. Vergl. auch die Literatur des Magengeschwürs.
C.nbsp; Zwerchfellsruptui'! 1) Huguet, Recueil. 1828. 2) Waltrup, Magazin. 1830. S. 442. 8) Pass, ibid, 1839. S. 495. 4) Bouley, Reoueil de med. vet. 1842. 5) i'range, ibid. 1843. 0) Gabriel, The Vcterin. 1845. 7) Dyer. ibid. 8) Lindenberg, Magazin. 1840. S. 87; 1847. S. 447.
9)nbsp; Grosskopf, ibid. 1848. S. 347. 10) Pausel, Report, 1847. S. 291.
11)nbsp; nbsp;Bouley. Recueil de med. vet. 1850. 12) Ourdt, Magazin. 1851. S. 210. 13) Peroivall, The Veterin. 1853. 14) Suth, Preuss. Mittheil. 1853/54. S. 78. 15) Massen, ibid. S. 135. 10) Pass, ibid. S. 136-17) Serres, Joutn, du Midi. 1858. 18) Taylor, The Veterinarian. 1800. 19) Greaves, ibid. 1866. 20) Rathke. Magazin. 1800. S. 401. 21) ,lean-nin, Journal de Lyon. 1803. 22) Cavflorne, The Veterin. 1867. 28) Vui-bert. Reouei] de med. vet. 1871. 24) Thierry, Joum. de Lyon. 1809. 25) Kandier. Oesterr. Monatsschr. 1882. S. 181. 26) Kogge, Adam's Woohensohr, 1883. S. 373. 27) Knudsen, Tidsskrift for Vetrinairer. 28) Werner, Berliner thiorärztl. Wochenschr. 1891. S. 49.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
180nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ueberfiittoiungskolik.
Symptome. Die durch Ueberfütterung hervorgerufenen Koliken zeichnen sich durch heftige und lang andauernde Anfälle, sowie einen oft sehr rasch tödtlicheu Verlauf aus. Die Athmung ist meist sehr angestrengt, der Hinterleib stark gefüllt, abnorme Stellungen sind sehr häutig, so besonders die hundesitzige, wobei die Thiere zweifelsohne Zwerchfell und Lunge vom Drucke des überfüllten Magens zu entlasten suchen. Ein charakteristisches Symptom der Magenüber-füllung, wenn auch nicht häufig zu beobachten, ist das Aufstossen, Würgen, Kecken und Erbrechen. Der nicht seltene Ausgang in Magen- und Zwerchfellsruptur kündigt sich durch plötzliches Aufhören der Kolikersclieinungen und allgemeine Symptome des Collapses an.
Diagnose. Dieselbe erfordert in erster Linie eine genaue Berücksichtigung der Aetiologie. vor Allem des Umstaudes, dass die Kolik sich im Anschlüsse an eine vorausgegangene zu reichliche Futter-aufnahine entwickelt hat; ohne dieses Moment dürfte eine Unterscheidung von anderen Kolikarten sehr schwer oder unmöglich sein. Denn auch das scheinbar prägnanteste Symptom der Ueberfütterungs-kolik, das Erbrechen, kann, sofern es überhaupt auftritt, ebenso gut auf andere pathologische Zustände des Magens oder Darmes Bezug haben; dasselbe gilt für den Eintritt einer Magen- oder Zwercbfells-ruptur.
Prognose. Dieselbe ist meist vorsichtig zu stellen, um so mehr, als das Pferd nicht oder nur selten im Stande ist, den Magen wie andere Thiere durch Erbrechen von seinem Inhalte zu befreien, und bei starkem Niederwerfen der Gefahr einer Magen- oder Zwerchfellsberstung ausgesetzt ist.
Therapie. Die Behandlung der Ueberlütterungskolik besteht zunächst in der Entleerung des Mastdarms durch manuelle Exploration und häufige Anwendung von Klystieren, um das Weiterrücken des Mageninhaltes indirect zu befördern. In leichteren Graden von Ueberfütterung kann ferner das Eserin in kleinen Dosen (0,05), sowie der Brechweinstein (210,0) zur Anregung der Magenperi-staltik verabreicht werden. In allen schweren Fällen von Ueber-fütterungskolik ist jedoch das Eserin wegen der drohenden Gefahr einer Magenruptur zu vermeiden. Hier hat sich die Therapie darauf zu beschränken, das Niederwerfen und Wälzen der Thiere durch Morphiuminjectionen (0,5) zu verhindern, und
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Erbrechen beim Pferd.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;181
so dem Eintreten einer Magenberstung vorzubeugen. Die Anwendung drastischer Mittel bleibt meistens erfolglos.
Die von Damm ann experimentell versuchte Entleerung des Magens mittelst der Magensonde ist ebenfalls bei der Unruhe der Thiere unausführbar.
|
|||
|
|
|||
|
|
Anhang. Ein gun/, besonderes Interesse nehmen die im Verlaufe der Ueberflltterungskolik zuweilen auftretenden Symptome des Erbrechens, der Magen- und Z worchfel Isruptur in Ansprach,
1)nbsp; Erbrochen. Das aus früher erwähnten Gründen für das Pferd normal sehr erschwerte Erbrechen kommt bei der Ueberfütterungskolik durch die abnorme Ausdehnung des Magens und die Erschlaffung der sonst festversohlossenen Oardia zu Stande. Die dabei beobachteten Erscheinungen sind folgende: unter krampfhaften (Jontractionen der Bauchpresso und der Halsmuskeln, sowie unter Anziehen des Kopfes an die Brust und Senken des Halses entleert sich aus Maul und Nase eine meist grüngelbliche, schaumige, sauer riechende Klüssigkeit von verschiedener Consistenz je nach der Beschaffenheit des aufgenommenen Futters, Die Menge ist sehr wechselnd; zuweilen wird auf einmal ein ganzer Stalleimer voll Mageninhalt entleert, zuweilen dauert das Erbrechen mehrere Stunden hinter einander und es kommt dabei nur wenig Flüssigkeit zum Vorschein. Während des Breohaotes schwitzen die Thiere, stellen die Füsse unter den Leib und zeigen einen stieren, glotzenden Blick; nach dem Erbrechen sind sie meist sehr erschöpft, schwanken und zittern, husten wohl auch noch längere Zeit hindurch. In manchen Fällen kommt es nicht zu vollständigem Erbrechen, sondern nur zu Speicheln, Recken, Würgen und Rülpsen.
Bezüglich der prognostischen Bedeutung des Erbrechens ist vor Allem darauf hinzuweisen, dass dasselbe in früheren Zeiten mit Unrecht für ein ausschliesslich ungünstiges, ja ominöses Symptom angesehen wurde. In manchen Fällen wirkt dasselbe entschieden durch die Entlastung des Magens günstig, in anderen sehr zahlreichen Fidlen ist nicht der geringste Naohtheil davon zu bemerken. Immerhin dürfte es aber im Allgemeinen als ein zur Vorsicht malmendes Symptom betrachtet werden, da bei abnormer Ausdehnung des Magens leicht eine Magenruptur daraus hervorgehen kann, und da auch andere schwere Aft'ectionen des Magendarm-canals die Ursache des Erbrechens sein können, so Magengeschwüre, Darmstenosen, Peritonitis n. s. w. Auch bei gewissen Krankheiten des Schlundes, namentlich bei Schluuderweiterungen, sowie bei Zwerchfellsentzündung kommt Erbrechen vor. Endlich beobachtet man zuweilen nach Verabreichung von Eserin und Pilocarpin Erbrechen.
2)nbsp; nbsp;Magenruptur. Die Ursachen einer im Verlaufe der Ueberfütterungskolik auftretenden Magenberstung sind abnorme Ausdehnung des Magens mit schliesslicher Zerreissung der Wandungen, oder eine plötzliche Erschütterung des überfüllten Magens durch gewaltsames Niederwerfen der Thiere, oder endlich krampfhafte (Jontractionen der Magenwandungen beim Erbrechen oder auch in folge Verhinderung des Erbrechens durch festen Verschluss der Oardia, wobei es im Anschlüsse an den abnormen Contractions-druck der Magenmusknlatur zu einer Selbstzerreissungquot; des Magens kommt (Rabe). Ueher die gegenseitigen Beziehungen des Erbrechens und der Magenruptur waren lange Zeit irrige Meinungen verbreitet; man glaubte nämlich allgemein, dass das Erbrechen nicht die Ursache, sondern die Folge
|
||
|
|
|||
|
H
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
182nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Magen- und Zwerohfellsruptur.
der Magenberstung sei. Es ist indessen geradezu unmöglich, dass nach Ruptur der Magenwaiuhmgen und Entleerung des Mageninhaltes in die Bauchhöhle irgend ein Theil desselben noch durch den Schlund nach aussei! befördert werden kann; wenn daher Erbrechen und Magenruptur /usammen beobachtet werden, .so kann die letztere nur als die Folge des ersteren auf-gefasst werden. Dagegen kann bei einer nur partiellen Ruptur der Magen-Wandungen, wenn beispielsweise nur die Muscularis oder ein Theil derselben eingerissen ist, diese Ruptur ihrerseits die Ursache des Erbrechens namentlich dann werden, wenn gleichzeitig eine Lähmung der Cardia eintritt, lieber Magenberstung bei Geschwüren im Magen und bei Verstopfungskolik siehe später.
Die Erscheinungen der Magenrnptnr sind von denen einer Darmruptur schwel- zu unterscheiden. Zuweilen geht Erbrechen oder auch Würgen, Becken, Rülpsen voraus. In den meisten Fällen aber charakterisirt sich die Magenruptur durch einen auf der Höhe der Kolikersohei-nungen plötzlich auftretenden Co 1 laps: die Kolikschmerzen sind wie verschwunden, die Darnigeräusche sind unhörbar, der Puls ist klein, fadenförmig, ausserordontlich frequent, die Extremitäten werden eiskalt, der Körper ist in kalten Sobweiss gebadet, die Innentemperatur sinkt unter die Norm oder steigt rapid ; dabei schwanken und zittern die Thiere, wiehern auch wohl, nehmen abnorme Stellungen ein, sind wie betäubt, stellen die Füsse unter den Leib, zeigen einen angstvollen, starren Blick, grosse Athem-noth, steifen Gang. Zuweilen entleert sich ans Maul und Nase ein zäher, gelbgrünlicher Schleim. Der Tod tritt entweder nach wenigen Stunden ein, wobei die Thiere zuweilen noch ihren Dienst einige Zeit hindurch fortleisten (Schiuolke), oder erst nach mehreren Tagen, wenn die Ruptur nur partieller Natur war, oder sich irgend ein Organ, z. B. das Netz, vor den Riss gelagert hatte. Diese letzteren Fälle sind jedoch seltener.
3) Zwerchfell s rup tu r. Das Zustandekommen einer Zwerchfells-zerreissung ist bei der Ueberfütterungskolik theils auf den vom überfüllten Magen auf das Zwerchfell ausgeübten abnormen Druck, theils auf plötzliches Niederwerfen der Thiere zurückzuführen. wobei bereits vorhandene Zwerchfellshernien oder alte, abgelaufene Entzündungen die Entstehung begünstigen worden. Bei der Section findet man bald denMagen, bald den Dünn- oder Griinmdann , bald das Netz durch den lliss in die Brusthöhle vorgefallen und bei ehronischein Verlaufe wohl auch mit den Lungen, den Rippen oder dem Herzbeutel verwachsen. Sehr häufig kommt es dann auch zur Einklenunung des vorgefallenen I avmsliickes.
Die Erscheinungen einer Zwerohfellsruptur bestehen zunächst in einer hochgradigen Atheninoth, die sich bis zur Erstickung steigern kann, und wobei die Bauchmuskeln krampfhaft angestrengt werden. Die Thiere zeigen dabei oft rasende Kolik an fälle, nehmen abnorme Stellungen ein, besonders die sogenannte hundesitzige, schwanken, zeigen starken Scliweissausbruch, husten, athmen schnarchend, sind nicht im Stande zu wiehern, sondern können nur leise Tome ausstossen. Ist ein Darmstück in die Brusthöhle vorgefallen, so findet man bei der Percussion des Thorax oft bis zur Schulter einen helltympani-ti seh ou Darm ton, bei der Auscul tat i on gurgelnde, kollernde, plätschernde Dar mgeräusch e, bei fehlendem vesiculärem Athmungs-geräusche. Diese letzteren Erscheinungen sichern die Diagnose unter allen Umständen. Indess können sie bei Zwerchfellsruptur ebenso häufig auch fehlen, indem es eben nicht zu einem Vorfall von Baucheingeweiden in die Brusthöhle kommt, oder diese nur wenig voluminös sind und den Boden
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Embolisch-Uirombotischo Kolik.
|
183
|
||
|
|
|||
|
der Brusthöhle einnehmen. Ausserdem muss man sicli hüten, etwaiges sehr lautes poristaltisches Geräusch der normal gelagerten Dunnsehlingen mit obigen Geräuschen zu verwechseln.
Der Verlauf einer Zerreissung des Zwerchfells ist meist ein sehr acuter, und der Tod tritt in Folge von Erstickung oft schon nach wenigen Minuten bis zu einer halben Stunde ein ; in selteneren Fällen ist er chronisch; die Thiere erholen sich scheinbar, bald rascher, bald erst nach einer mehrere Wochen dauernden Kolik, verfallen jedoch späterhin, oft in ganz regelmässigen Intervallen, so z. B. von 14 zu 14 Tagen, oder nach den geringsten Anstrengungen wieder in Kolik; andere zeigen besonders beim Bergabgehen starke Beschwerden; manche legen sich auch nicht mehr nieder. Endlich kann sich eine bleibende Schwerathinigkeit, sowie allmähliche Abmagerung daraus entwickeln.
|
|||
|
|
|||
|
III. Embolisch-thrombotische Kolik.
Literatur. 1) lüget, Recueil de im'd. v6t. 1829. 2) Schutt, Magazin. 1835. S. 40. 3) Rob ling, ibid. 184lJ. S. 44. 4) Bruckmüller, Oesterr. Vierteljahrsschr. 1852. Bd. 2. S. 90; 1871. 5) Zahn, ibid. 1868. Bd. 19. S. 143.' G) Rcynal, Recueil do mod. vet. 1853. 7) Colin, ibid. 1861. 8) Prehr, Preuss, Mittheil. 1855/50. S. 130. 9) Bouley, Diotionnaire pratique. 1850. S. 548. 10) Köhno, Magazin. 1861. S. 430. 11) Hahn, Tliiorärzli. Mittbeil, der k. bnyor. Central-Tbieraiv.neischule. 1862. S. 104. 12) Hani on, Keoneil de mud. vöt. 1800. 13) Bonnaud u. Andrieux, Joum. du Midi. 1807. S. 124. 14) Cornevin, .louni. de Lyon. 1809. 15) Pranok, Adam's Woohensohr. 1871. 8. 17. 10) Siedamgrotzky, Sachs. Jahresber. 1874. S. 28; 1875. S. 20. 17) Lustig, Hannov. Bericht. 1873. S. 27; 1874. S. 10; 1875. S. 37; 1870/77. S. 73; Berliner Archiv. 1887. S. 249. 18) Bellinger, Adam's Wochcnschr. 1873. S. 22. 19) Guz-zoni U. Berne trio, Arch, dl mod. vet. Milane 1876. 20) Fie del er. Adam's Woobenschr. 1881. S, 281. 21) Friedberger, Münohener Jahresbericht. 1875/70. S. 88; 1878/79. S. 87; 1879/80. S. 60; 188182. S. 57; 1889/90. S. 15.1; Deutsche Zeitschr. f. Thiermed. 1889. S. 215. 22) Buch, Rundschau auf dem Gebiete der Thicrmedicin. 1887. S. 197. 28)Deffke, ibid. S. 390. 24) Willach, Sclcrostoma arraatuni, ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der Nematoden. 1890.
|
|||
|
|
|||
|
Geschichtliches. Das Wurmaneurysma der vorderen Gekrös-arterie wurde schon sehr früh von den Thicriirzten in Beziehung zur Kolik gebracht. So fanden Kigot (1829) und Schutt (18;i5) nach vorausgegangenen Kolikanfallen das genannte Aneurysma. Bruck-mUiler (18B2) spricht von Fällen, in denen Aneurysraen der Gekrös-arterien die bei Pferden so liänlig vorkommenden Koliken veranlasst haben sollenquot; und ist der Ansicht, dass ein causales Verhältniss beider nicht abgeleugnet -werden kann. Prehr (1855) sucht in einem Falle die Veranlassung für die Kolik geradezu in der Obliteration der vor-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
184
|
Kmbolisch-thronibotische Kolik.
|
||
|
|
|||
|
deren Gekrüsarterie. Bouley (1866) spricht davon, dass blutige Ex-cremente und interniittirende Koliken besondere Anhaltspunkte für die Diagnose des Aneurysmas der Gekrösarterien sind. Köhne (1801) glaubt, dass in einem von ihm beobachteten Kolikfalle, in Folge der Verstopfung der vorderen Gekrüsarterie, die dicken Gediirmo und namentlich der Blinddarm in einen lähmungsartigen Zustand versetzt wurden. Hahn (18()2) nimmt als Ursache einer periodisch wiederkehrenden Kolik das bei der Section vorgefundene Aneurysma der vorderen Gekrösarterie an. Endlich beschreibt Cornevin (18(jit) einen sehr schönen Fall von thrombotischer Kolik mit Verstopfung der Hüft-und ßlinddarmarterien.
Aus diesen Angaben erhellt, dass bereits vor dem Erscheinen des Bollinger'schen Werkes (Die Kolik der Pferde und das VVurm-aneurysma der Eingeweidearterien, 1870) ein C'ausalnexus zwischen Kolik und Aneurysma gesucht und zum Theil auch richtig gefunden wurde. Immerhin aber ist es das grosse Verdienst Bollinger's, durch umfassende Untersuchunsren die Beziehungen beider klargestellt zu haben.
|
|||
|
|
|||
|
Anatomisches über das Wurmaneurysma der vorderen Gekrösarterie. Schon die Untersuchungen Bering's vom Jahre 1830 haben ergeben, dass sich bei den meisten Pferden ein Aneurysma der vorderen Gekrösarterie vorfindet; IT e r i n g stellte geradezu den Satz auf. dass ein Pferd eher mit mehreren Aneurysmen behaftet sei, als mit keinem. Nach den Berechnungen Bruckmüller's, Roll's, Bollinger's u. A. dürften 90 IM Proc. aller Pferde an dem besagten Aneurysma leiden. Am häufigsten scheint dasselbe bei älteren Thioren vorzukommen; so fand Ellenberger unter 85 Anatomiepferden nur ein einziges ohne Aneurysma. Man trifft indess auch bei ganz jungen Fohlen vom 6, Monate ab das Aneurysma: dagegen scheint es bei neugeborenen Thieren, sowie in den ersten Lebensmonaten zu fehlen.
Die Aneurysmen der vorderen Gekrösarterie, welche sämmtliche dünne und dicke Gedärme mit Ausnahme des mittleren und hinteren Mastdarmabschnittes mit Blut versorgt, sind die weitaus häufigsten; seltener findet man die hintere Gekrösarterie oder die Bauchschlagader betroffen. Die Wände der meist gleichmässig erweiterten, länglich ovalen, flaschen- oder spindelförmigen, seltener sackförmigen, bis manns-kopfgrossen und bis lja Meter langen Aneurysmen sind gewöhnlich sehr verdickt, insbesondere die Media und das mesenteriale Binde-
|
|||
|
|
|||
|
srewebc
|
intima zeijft die verschiedensten entzündlichen und dege-
|
||
|
|
|||
|
nerativen Veränderungen: Schwellung, Verfettung, Verkalkung, Ver-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Das Wurmaiiourysma der vorderen Gekrösarterio.
|
18?
|
||
|
|
|||
|
knoclierung, geschwürige Substauzverluste, bindegewebigo Sklerosirung u. s. w. Der Inhalt besteht aus einem meist wandständigen, geschichteten und sein- häufig canalisirten Thrombus, der wohl auch das Lumen des Aneurysmas vollständig obstruiren und sicli in die verschiedenen Zweige der einzelnen Arterien, zuweilen auch central in das Lumen der Aorta hinein fortsetzen kann, und nicht selten sehr locker und brüchig, mitunter selbst puriform erweicht ist. Aussei-dem Thrombus findet man nach Bollinger regelnlässig einige Larven des bewaffneten Pallisadenwurms, Strongylus armatus Rud., durchschnittlich neun in einem Aneurysma. Die Anwesenheit dieser Würmer ist die eigentliche Veranlassung zu den chronischen Veränderungen der Int im a und dadurch zur Entstehung des Thrombus und des Aneurysmas, indem sie durch fortgesetzte Läsionen der Intima eine chronische traumatische Endoarteriitis unter-iialteu.
|
|||
|
|
|||
|
Das Wurmaneurysma in seinen Beziehungen zur Kolik.
Abgesehen davon, dass das Aneurysma der vorderen Gekrösarterie durch die Behinderung des Hlutzuflusses zum Darme Ernährungsstörungen desselben und damit eine Disposition zu Kolik herbeiführt, ist der Darm andauernd einer dreifachen Gefahr ausgesetzt. Fürs Erste kann der Thrombus das Lumen der vorderen Gekrösarterie vollständig verstopfen (selten); oder er kann sieb in irgend einen Ast einer Darmarterie fortsetzen; oder es kann endlich irgend ein losgelöstes Stück des Thrombus mit dem Blutstrom als Embolus in eine Darmarterie fortgeschleppt werden, in allen 8 Fällen treten, sofern sich nicht ein ausreichender collaleraler Kreislauf ausbildet, derartige Veränderungen ein, wie sie durch die experimentellen Untersuchungen Virchow's, Cohn's, Panum's, Cohnheim's, Litten's u. A. festgestellt sind. Zunächst wird sich in dem abgeschlossenen Gefässbezirke eine arterielle Anämie ausbilden, welcher in Folge des aufgehobenen arteriellen Blutdruckes eine venöse Rückstauung des Blutes mit seröser und blutiger Transsudation in die Darmwand und das Darmlumen folgt (sogenannter serös-hiluiorrhagischer Infarkt), die direct zur Lähmung des Darin es führt. Die Darinläbmung aber bedingt ihrerseits Stagnation des Darminhaltes mit abnormen Gährungun und starker Gasentwicklung; sie ist ferner die Ursache zu A xendrehungen und Invaginationen des Darmes, indem sich die in lebhafter Bewegung befindlichen gesunden Darmabschnitte um das gelähmte, nur eine passive Holle spielende Stück herumsohlingen oder sich in dasselbe
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
186
|
Das Wurmaneuiysnm der vorderen Gekrösartorie.
|
||
|
|
|||
|
einstülpen. Da mau ferner so häufig eine Axendrehung der linken (freien) Lagen des Colons in Folge von Thrombosen und Embolien findet, und diese nur durch lebhafte Bewegung dieses Theiles selbst, der zunächst von der Circulationsstörung betroffen werden muss, entstehend gedacht werden kann, so muss man annehmen, dass die arterielle Anämie anfangs eine verstärkte Bewegung und dadurch diese Lageveränderung bedinge. Wir glauben wenigstens nicht, dass man in diesem Falle die Axendrehung der linken Lagen durch vermehrte lebhaftere Bewegung der angrenzenden gesunden Darmpartien erklären kann.
Endlich führt die Darmlälimung zu Darmentzündung und Rupturen des Darmes, Magens und Zwerchfells, indem die von der gelähmten Stelle ausgehende antiperistaltische Darmbewegung den Magen bis zum Bersten mit Futtermassen anfüllt, und die durch Gase aufgetriebenen Darmtheile entweder schliesslich selbst zerreissen oder durch ihren Druck das Zwercbfell zum Zerreissen bringen.
Die anatomischen Verhältnisse der vorderen Gekrösartorie sind für das Verstaudniss dos Zustandekommens der tlirombotiscb-embolisclien Kolik von grösster Wichtigkeit. Bekanntlich entspringt die vordere Gekrösartorie als kurzer, kräftiger, etwa 1012 cm langer Stamm aus der lünteron Aorta. Unmittelbar nach ihrem Ursprünge gibt die vordere Gekrösartorie ab: 1) nach vorne die obere Grimmdarmarterie; 2) nach hinten, der Ursprungsstolle der oberen Grimmdarmarterie gerade gegenüber, die 1720 Dünndarmartorien, Von da ab beisst der sich etwas verengernde Stamm der vorderen (iekrösarterie Ar tori a ileocoecocolica. Dieser Stamm ist gewöhnlich der Sitz des Wur maneury sin as. Die Arteria ileocoecocolica tbeilt sich sodann in 4 Aoste. Der vorderste stärkste bildet gewissermassen die Fortsetzung der genannten Arterie, es ist dies die untere Grim nid arm a r tori e. Dann folgen neben einander die obere und untere Blind dar mart erie und endlich die Hilft-d arm a rte ri o.
In der Hegel wird die Arteria ileocoecocolica durch den Anourysmen-thrombus nicht vollständig obtnrirt, deshalb erbalten die unten gelegenen Arterienäste (untere Grimmdannarterie, obere und untere Blinddarmarterie, llül'tdarmarterie) immer noch hinreichend Blut, so dass eine schwerere Kolik nicht ointreton kann. Nur wenn, was indess selten vorkommt, die Arteria ileocoecocolica durch den Thrombus gänzlich abgesperrt ist, dann wird der Blinddarm (obere und untere Blinddarmarterie) ausser Function gesetzt, nicht aber der Grimnidarm, an welchem nur die untere Grimmdannarterie verlogt ist, während die obere (mit der unteren ana-stomosi rende) frei geh lieben ist und die Ernährung des Grimmdarms mit Blut allein besorgt. Die Verstopfung einer Grimmdarmarterie genügt also nicht zum Zustandekommen einer tödtlich verlaufenden thrombotiscli-ombolischen Kolik (wichtig für forensische Fälle). Beide Griinmdarmarterien sind aber nur dann betroffen, wenn das Aneu-rysma ausnahmsweise bis an den Ursprung der vorderen Gekrösarterie hinaufreicht, in diesem Falle kann es dann auch zur Thrombose der Dünn-
|
|||
|
|
|||
|
I
|
|||
|
|
||
|
Emljüliscli-tliroinlicjtisolie Kolik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 187
darmarterien kommon, welche für gewöhnlich nicht in dem Bereiche des
Aneurysimis liegen. Dagegen können durch plötzlich eintretende Verstopfung einer Grinnndarm- resp. ülinddannarterio zweifellos leichtere, vcir-übergehende Kolikaniillle hervorgonifen werden.
Mrerden von dem Anourysmenthromlms Theile abgelöst, so können Embolien gewöhnlich nur in den unten gelegenen Arterienilston, also namentlich in der unteren Grinnndarniarterie auftreten. Auch diese einseitige Embolie führt nicht zu einer tödtlichen Kolik, weil die obere Grirani-dannarterie frei ist. Ebenso wenig führt die Embolie einer der beiden Blinddarnmrterien zum tödtlichen Ausgange. Denn auch die beiden Blind-danuarterien stehen unter einander in Verbindung, und ausserdem wird der Blinddarm noch durch ein kleines Gefäss erniihrt, welches von der unteren Grimmdarmarterie an ihn herantritt.
Die Dünndarmarterien endlich theilen sich in der Nähe des Darmes in 2 Aeste , von welchen jeder im bogen mit dem benachbarten vorderen oder hinteren Aste anastomosirt. Von diesen bogen gehen gerade Zweige an den Darm. Wenn nun auch ein Embolus selbst oberhalb der Theilungs-stelle eines Dünndarmastes sitzt, so wird der Einfluss des Blutes zu den betreffenden Dünndarmtheilen doch nicht verhindert, weil die Oefiissbogen und die ans ihnen entspringenden Darmzweige unter einander in Verbindung stehen.
Symptome und Verlauf. Die thrombotisch-embolische Kolik kann einen sein- verschiedenen Verlauf haben.
1)nbsp; nbsp;Acuter Verlauf mit Ausgang in Genesung. Diese Fälle sind nicht selten; sie sind dadurch charakterisirt, dass hei einem Pferde öfters und in reeidivirender Weise olme jede äusserliche Veranlassung Kolikanfälle auftreten, welche viel Aehnlichkeit mit rheumatischer Kolik zeigen, indem sie zuweilen äusserst schmerzhafter Natur sind. Die Dauer der Kolik ist meist eine kurze. Wahrscheinlich entstehen diese Krankheitsfälle durch partielle Embolien von Darmgefässen (eine Grinnndarm- resp. Blinddarmarterie), welche sich dann allmählich auf dem Wege der Anastomose ausgleichen. Da eine sichere Diagnose hiebei naturgemäss sehr schwierig ist, wird diese Art der tlirombotisch-embolischen Kolik sehr häufig mit anderen Kolikformen verwechselt. Zur Unterscheidung dient in manchen Fällen die Reaction des Harns. Dieselbe ist bei der acut verlaufenden throm-hotischen Kolik alkalisch, während sie bei Koliken auf Grundlage eines Darmkatarrhs etc. häufig sauer ist.
2)nbsp; Acuter Verlauf mit ungünstigem Ausgange. Hieher gehören alle die Fälle, in welchen die Thrombose oder Embolie zu Lageveränderungen des Darmes führt. Charakteristisch ist auch hier, dass die Kranklieitserscheinungen ohne jede äussere erkennbare Veranlassung auftreten. Sodann sind die Schmerzen im Gegensätze zu an d ereu Kolikarten oft ganz n n be d en tend
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
188nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Embolisch-tln-ombotische Kolik.
(Lustig-). Diese Thatsache erklärt sich vielleicht in der Weise, class durch die locale vollständige Circulationsstörung die im betroffenen Gebiete befindlichen Nerven rasch gelähmt werden. Im Uebrigen stimmen die Erscheinungen mit denjenigen der Verstopfungskolik in Folge innerer Lageveri'mderungen übercin, d. h. sie sind weder charakteristisch noch constant. Der Tod erfolgt hiebei entweder durch Ruptur des Magens resp. Darmes, oder durch Sepsis.
3)nbsp; nbsp;Chronischer Verlauf mit relativ günstigem Ausgange. Chronischer embolisoher Darmkatarrh. Im Anschlüsse an die Verstopfung von Darmarterien entwickelt sich zunächst eine Stauungshyperämie. Kommt es nun nach Lage der Umstände nicht zu schwereren Veränderungen, so kann diese Stauungshyperämie längere Zeit fortbestehen und, wie dies z. B. bei Stauungen im Pfortadersystem nach Leberkrankheiten beobachtet wird, zur Ausbildung eines chronischen Darmkatarrhs führen (embolisoher Darmkatarrhquot;). Der Krankheitsverlauf ist dann gewöhnlich folgender: Nach Beruhigung des ersten Anfalls verschwindet die Temperatur- und Pulserhöhung, dagegen hleibt die Peristaltik verzögert, der Kothabsatz unterdrückt, die Futteraufnahme verringert und das Allgemeinbefinden las st zu wünschen übrig. Nach 1'2 Tagen stellt sich wieder niedergradiges Fieber mit wiederholten, aber nur geringen Kolikerscheinungen ein, welche im Uebrigen auch ganz fehlen können. In dieser protrahirten Weise kann es mehrere Tage und selbst Wochen fortgehen (chronische, schleichende Kolik); in einem Falle z. B. dauerte die Kolik 22 Tage (Friedberger). Zuweilen
|
|||
|
|
|||
|
6
|
eht der chronische Darmkatarrh über in chronische Abmagerung
|
||
|
|
|||
|
undKachexie; häufiger endet die Krankheit unter den Erscheinungen der Sopsis mit Tod.
4)nbsp; nbsp; Chronischer Verlauf mit ungünstigem Ausgange. Ausbildung einer thrombotisch-embolischen, häinorrhagi-schen Darmentzündung und Nekrose der Darmschleimhaut (hämorrhagischer Darminfarkt). Die Pathogenese dieser hämor-rhagisclien Entzündung erklärt, sich aus thrombotisch-embolischer Verstopfung kleiner Darmarterien im Anschlüsse an ein vorhandenes Wurmaneurysma, wobei nur kleinere Schleimhautpartiell des Darmcanales die früher beschriebenen Circulationsstörungen (arterielle Anämie, Blutstauung, hämorrhagischer Infarkt, Nekrose) erleiden. Die llauptsym ptome bestehen in stark verminderter oder tagelang ganz aufgehobener Putter aufnähme und gesteigertem Durste, verzögertem Kothabsatze bei deutlich hörbarer Peristaltik,
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Embolisoh-thrombotisobe Kolik.
|
189
|
||
|
|
|||
|
anfangs kleiugehalltem, später schleimigem, dickbreiigem, übehiecheu-dem Kothe, welcher häufig butig ist (Blutkolik), stark saurem, phosphat- und eiweisshaltigom Urin, hohem andauerndem Fieber (41,0deg; C und darüber), sehr frequentem (6070, später 90 bis 100 Schläge p. M.) und kleinem Pulse, zunehmender Schwäche und Mattigkeit, Abmagerung, Einfallen des Hinterleibes, Wechsel von geballtem und breiigem Koth, missfarbiger Beschaffenheit des Urins, Eingenommenheit des Sensoriums. Zuweilen treten unmittelbar nach der Futteraufnahme Kol ikersche inungen, sowie eine Verschlimmerung des Zustandes ein. Auch auffallende K ieber-paroxysmen (heftiges, allgemeines Muskelzittern, Frostschauder, eisige Kälte der extremitalen Theile, Blässe der sichtlichen Schleimhäute, angestrengte, sehr beschleunigte, röchelnde Athmung, pochender Herzschlag, hohes Ansteigen der Innentemperatur) wurden schon im Verlaufe der Erkrankimg gegen das tödtliche Ende zu beobachtet. Die Dauer der Krankheit ist gewöhnlich eine längere; häufig geht auch ein längeres Stadium von chronischem Magendarmkatarrh voraus. Der Verlauf der eigentlichen hämorrhagischen Entzündung kann sich über mehrere Tage, selbst Wochen hinziehen. Der tödtliche Ausgang erfolgt durch Aufnahme septischer Stoffe in die Blutbahn vom Darme aus, durch Peritonitis oder chronischen Marasmus; die nicht häufig beobachtete Heilung vollzieht sich unter Abstossung der nekrotischen Schorfe und Vernarbung der Substanzverluste; auch chronische Geschwüre können als Folgezustand zurückbleiben, immer aber ist das lieconvalescenzstadium ein sehr lantres.
|
|||
|
|
|||
|
Anatomischer Befund. Die Section bietet beim hämorrhagischen Darminfarkte ganz charakteristische Veränderungen. Man findet nämlich aussei- den allgemeinen Erscheinungen der Sepsis im Magen zuweilen neben Schwellung, Injection, Ekchymosirung der Schleimhaut kleine, schwarzrothe, mit Pfropfen kleiner arrodirter Gefässchen der Schleimhaut und Suhmucosa zusammenhängende Blutgerinnsel, im Dünndarme blutig gefärbte, dünne Flüssigkeit, sowie düster braunrothe Imbibition der Schleimhaut, desgleichen im Dickdarme, dessen Wand an umschriebenen Stellen, zumal am G ek rüsansatze, durch eine serös-hämorrhagische Infiltration oft um das Drei- und Mehrfache des Normalen verdickt ist. An der Stelle der grössten Mächtigkeit dieses hämorrhagischen Infarktes ist die Schleimhaut zunderahn 1 ich , nekrotisch ver-schorft, mit stärkerer blutiger Infiltration am peripheren Hände des
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
I
|
||||
|
|
||||
|
190
|
Kmbolisch-thrombotischc Kolik.
|
|||
|
|
||||
|
II
I
|
Schorfes. Im Grunde dieser Verscliorfung kann man sehr oft bei genauerer Untersuchung eine thrombosirte Darmarterie auffinden und central verfolgen, wozu sich der Nachweis eines Wurmaneurysmas der vorderen Gekrösarterie (in einem Falle auch am gemeinschaft-liclien Stamme beider Colonarterien) gesellt. Ausserdem findet man sulzige Infiltrationen an verschiedenen Stellen der Bauchhöhle (z. B. auch an der vorderen Gekröswurzcl) und grösserc Mengen blutig seröser resp. jauchiger Flüssigkeit in der Bauchhöhle.
|
|||
|
|
||||
|
Behandlung. Die Behandlung der thrombotisch-embolischen Kolik beschränkt sicii, da den in Rode stehenden Gefil.ssverilnderunlt;;en direct nicht beizukommen ist, auf die symptomatische Beseitigung der durch die Darmlilhmung hervorgerufenen krankhaften Zustünde. Da dieselben wesentlich in einer Anschoppung von Kothmassen bestehen, welche bei längerer Dauer zu localer Entzündung und Nekrose der Schleimhaut führt, handelt es sich in erster Linie um Beseitigung dieser Koprostase durch evacuirende Mittel, so Brechweinstein, Calomel, Mittelsalze. Ob das Physostigmin ebenfalls hieher gehört, dürfte fraglich sein, weil dasselbe durch die hervorgerufenen intensiven Darmcontractionen leicht zu Umschlingungeii und Einstülpungen des gelähmten Darmstückcs durch die nicht gelähmten Veranlassung geben könnte. Ausserdem empfehlen sich häufiges Frottiren und massige Bewegung der erkrankten Thiere behufs Ausgleichung der Kreis-laufsstörungen, sowie die wiederholte Entleerung des Mastdarms durch Exploration und Wasserinfusionen.
Die Behandlung der eiiibolisch-thrombotischen, hämorrhagischen Gastro-Enteritis fällt mit der der Magendarmentzündung zusammen (siehe diese). Die diätetische Ueberwachung der kranken Thiere, insbesondere der Reconvalescenten, ist von der grössten Bedeutung. Gegen die nekrotiscbe Verscliorfung der Schleimhaut kann man Calomel, gegen das septische Fieber die verschiedenen Antipyretica anwenden. Dagegen muss vor allen stärkeren Drasticis (Brechweinstein, Aloe, Crotonöl) gewarnt werden.
Die Holliuger'sclio Theorie über die Be/.lehn u gen der Kolik zum Wnr m aneury sm a der vorderen Gekrösarterie hat thoils begeisterte Zustimmung, thoils ausgesprochene Gegnerschaft hervorgerufen. rnsbosondoro hat sich Gerlaoh in seiner Uerichtl. Thierheilkde,quot;, 1872, S. 681, entschieden gegen jedwede Beziehungen beider zu einander erklärt. Anacker fSpecielle.Pathologie und Therapie, S. 172) und Zürn (Thior-arzt, 1871, S. 4;i) geben zwar die Möglichkeit einer embolischen Kolik im Sinne Bellinger's zu, bestreiten aber die von letzterem angenommene
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Verstopf'ungskolik.
|
191
|
||
|
|
|||
|
Häufigkeit dieser Pillle. Riill (Hnndbuch der Pathologie nnd Therapie) möchte die von Bollingei' postulirte Ausdehnung der emboliscli-tlirom-botischon Kolik auf alle plötzlich und ohne bestimmt nachweisbare Ursachen auftretenden Kolikfalle unter gewissen Beschränkungen zugeben. Wir selbst halten die Existenz einer thrombotisch-embolischen Kolik für sicher erwiesen und ihr Vorkommen für keineswegs selten. Wir glauben jedoch, dass llollinger entschieden zu weit gegangen ist, wenn er 50 Procent aller tödtlich verlaufenden Koliken für embolische erklärt und jede schnell und ohne nachweisbare Ursache auftretende Kolik ebenfalls für thrombotisch-embolischer Natur hält.
|
|||
|
|
|||
|
IV. Verstopfungskolik.
Unterarten. Je nach den verschiedenen Ursachen der Darmverstopfung müssen verschiedene Formen von Verstopfungskolik unterschieden werden, die jedoch klinisch nicht wohl aus einander zu halten sind. Diese in der Hauptsache also nur ätiologisch verschiedenen Unterarten der Verstopfungsholik sind:
1)nbsp; Verstopfungskolik in Folge von Futteranschoppung im Darme.
2)nbsp; nbsp;Verstopfungskolik in Folge von Magen- und Darmsteinen.
3)nbsp; Verstopfungsholik in Folge von inneren Lage-ver änd e run gen.
#9632;I) Verstopf'ungskolik in Folge von Darminvagination.
5)nbsp; Verstopf'ungskolik in Folge von comprimirenden resp. das Darmlumen verlegenden Neubildungen.
6)nbsp; Verstopfungskolik in Folge von Darmstricturen.
7)nbsp; nbsp;Verstopfungskolik in Folge von Dilatation und Lähmung des Darmcanales,
|
|||
|
|
|||
|
1) Verstopfuugskolik in Folge von Futterauschoppung im Darme (sogen. Anschoppvmgskolik).
Literatur, li Cliohy, Beoueil vöWr. 183:!. 2) Lafore, Journal du Midi. 1840. 8) Robinson, Smal, The Veterinär. 1848. 4) Eck, Magazin von (iurlt u. Hertwig. 1848. S. ,507. 6) Pernaud, Jonm. de Lyon. 1851. 6) Körber, Preuss. Mittheil, 1858/54. S. 79, 7) Sachs. Jahresber, 1862, S. 98! 1804. S. 27. 8) Knoll, Journ. du Midi. :i8,rji). 9) Bagge, Tidsskrift for Veterin. 1859. 10) Mars, Report. 1864. S. 848. 11) Dinter, Sachs. Jahresbericht. 1804. S. 79. 12) Fromm, Thierarzt, 1870. 8.18.quot;). 18) Dessart, Annal, de Bruxelles, 1871. 14) Pröger, Sttohs. Jahresber. 1870. S. 112.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
192nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ansohoppungskoliki
16) Gloclie, Prcuss. Mittheil. 1866/1(6. S. 102. 16) Vorberg, ibid. 1866/67. S. 177. 17) Ibidem. S. 174. 18) Nielsen, Tidsskrift for Veterin. 1808. 19) Felizet, Recueil de med. vet. 181)9. 20) Peucb, Bull. 800. centr. vet. 1870. 21) Marneffe, Annal. de Bruxellea. 1872. 22) Ernst, Die Folgen der Fftealstase beim Pferd, Arch. f. Thierheilkde. 1880. S. 257. 23) Mann, Adam's Woohensohr, 1883. S. 68. 24) Nettelton, The vet. journ. 1885.
26)nbsp; Lepri, Olinloa vet. 1880. 20) Kögen er, Thierarzt. 1880. S. 114.
27)nbsp; Lustig, Berliner Arohiv. 1887. 8.251. 28) Gavard, Journal de Lyon. 1888. 29) Cave, The vet. journ. lid. 20. 30) Detroye, Reoueil. 1890. 31) Friedberger, Münohener Jahresber. 1888/89.8.00. 32) 8cbleg, Walther, Sftohs, Jahresber. 1888. S, 04 f, 33) Rudofsky, Oesterr. Vereinsmonatssclir. 1890. S. 95. 34) Alb rfloht, Woohensohr. f. Tliier-heilkundc. 1890. S. 02. 35) Jahresberichte dor königl. bayer, Tbiertete, ibid. 1891. 8. 6, 112. 30) Albreoht, Berliner thierftrztl. Woohensohr. 1891. 8. 42.
Aetiologie. Die Ursachen der sogen. Ansohoppungskolik sind bereits im allgemeinen Tlieile kurz aufgeführt. Meist sind sie in einer abnormen Fütterungsweise zu suchen. Zu beschuldigen sind namentlich zu reichliche Kleienfütterung, zu kurz geschnittener Häcksel, zu viel Stroh, sogen. Strohkolikquot;, besonders kurz geschnittene Erbsen- und Hoggenstrohhilcksel, hartfaseriger Klee, Spelzhülsen, Dinkelspreu, Buchweizenschalen, Bohnenstengel, kurz ein üebermass der für Pferde schwer verdaulichen Cellulose im Futter, ferner alles erschlaffende Futter, der rasche üebergang von Weide- zu Stall-fütterung u. s. w. Auch ungenügende Bewegung bei zu extensiver Fütterung, sowie Behinderung des Kauens durch Zahnanomalien begünstigen das Entstehen einer Fiicalstase. Fohlen zeigen zuweilen in den ersten Tagen nach der Geburt Kolikerscheinungen in Folge Ansammlung des Darmpeches im Mastdarme.
Anatomischer Befund. Die örtlichen Veränderungen an der durch die angeschoppten Fiicalmassen verstopften Darmstelle sind sehr verschiedene. Zunächst trocknen die sich stauenden Futtennassen, in Folge der andauernden Resorption der flüssigen Bestandtheile durch den Darm mehr und mehr ein und wirken so als Fremdkörper reizend auf die Darmschleimhaut. Es treten zuerst katarrhalische Entzündungen der Schleimhaut mit reichlichen Ekchymosirungen auf (sogen, hämorrbugischer Katarrh), späterhin diphtheritische und nekro-tische Processe. Nach Ernst beginnt die diphtheritische Schleimhautentzündung mit punktförmigen, fleckenweisen, anfangs grau, später graugelb, selbst weiss gefärbten Trübungen der katarrhalisch erkrankten Schleimhaut, vorzugsweise an den llervorragungen derselben (Falten-,
|
||
|
|
||
|
I
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Anschoppungskolik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;193
Zotten-, FolUkulardiphtberio), wodurch ihre Oberfläche wie mit Kleie bestreut erscheint. Den fleckigen Trübungen liegt eine oberflilchliche Nekrose der Schleimhaut zu Grunde, welche zu Geschwürs- und Narbenbildung führt; seltener ist eine tiefergehende nekrotischc Zerstörung der Muskulatur mit Perforation. Weitere Folgen der Filcalstase sind Rupturen des Magens und Darmes. So scheinen Filcalstasen im Cücum, sofern sie sich nicht beseitigen lassen, regelmiissig, solche im Colon und liectum sehr häufig zu Rupturen des betreffenden Darmes zu führen. Fäcalstasen am Uebergange des Hüftdarmes in den Blinddarm sind in der Hälfte der Fälle von Magenruptur gefolgt, wobei eine von der verstopften Stelle aus auftretende sogen, anti-peristaltische Darmbewegung den Inhalt des Darmes in den Magen treibt, letzteren überfüllt und schliesslich zum Zerreissen bringt, sofern derselbe sich nicht durch Erbrechen entleert. Futteranschoppungen kommen am häufigsten im Hüftdarme vor seiner Einmündung in den Blinddarm zu Stande.
Symptome. Die Erscheinungen der Anschoppungskolik sind im Gegensatze zu anderen Koliken mehr geringgradiger Natur. Die Kolikschmerzen sind meist nicht bedeutend, die Thiere liegen vielmehr ziemlich ruhig da und stöhnen zuweilen. Die Futteraufnahme sistirt. Der Kothabsatz ist verzögert, die Peristaltik unterdrückt, die einzelnen Kothballen sind sehr trocken, klein, oft mit Schleimfetzen überzogen. Bei der Exploration des Mastdarmes, bei welcher die Thiere häufig sehr stark pressen und drängen, findet man die Gedärme mit festen Kothmassen angefüllt. Da diese stark angefüllten Gedärme auf die Blase drücken, stellen sich die Thiere häufig zum Uriniren an. Dabei wird der Hinterleib durch Gase allmählich voller und zuletzt aufgetrieben. Die Krankheit verläuft zuweilen längere Zeit hindurch unter dem Bilde einer einfachen Verstopfung ohne Kolikerscheinungen (wie beim Hunde); bei längerer Dauer stellen sich aber letztere regelmiissig ein. Die Dauer der Krankheit ist immer eine längere, selbst sehr lange. Sie beträgt meist mehrere Tage, sehr häufig 28 Wochen, unter Umständen sogar (i 7 Wochen (sogen, chronischequot; Kolik). Dabei fehlen eigentliche Pausen, wie sie für die thrombotisch - enibolische Kolik charakteristisch sind. Erbrechen ist selten. Die Erscheinungen der den tödfliehen Ausgang häufig bedingenden Darmrupturen decken sich im Allgemeinen mit den bei der Magenruptur beschriebenen.
Friedboi-gcr u. Fröhnor, Patliol. u. Therapie d. Haustliiero. I. lid. 3, Aufl. 18
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
194
|
Stein- und Sandkolik.
|
||
|
|
|||
|
Therapie. Die Behandlung besteht in Anwendung von Laxantion, ferner in Massage des Hinterleibes, kalten Wicklungen, ausgiebigen Wasserinfusionen, massiger Bewegung und strengster Diät. Man gibt zunächst das Glaubersalz oder künstliche Karlsbadersalz in grösseren Dosen (250500,0). Sodann wird von vielen Praktikern das Ricinusöl in Verbindung mit anderen fetten Oelen sehr gerühmt. Man gibt z. B. mehrere Tage hinter einander eine Mischung von 1 Liter Mohnöl oder Olivenöl mit 1/*quot;~1/8 Liter Ricinusöl ein. Auch das Eserin (0,050,1) in Verbindung mit Pilocarpin (0,3), sowie die Aloö (8045,0) werden häufig mit gutem Erfolge angewandt. Das Eserin scheint indessen sich mehr für die leichteren Fälle von Verstopfungskolik zu eignen; in den schwereren Fällen ist es wegen der Gefahr einer Darmruptur entweder gar nicht oder nur mit grosser Vorsicht anzuwenden. Gegen die im Verlaufe der Verstopfungskolik zuweilen auftretende Tympanitis wird von Albrecht das Creolin empfohlen (^stündlich in Dosen von 5,0 in Verbindung mit Laxantien).
|
|||
|
|
|||
|
2) Verstopfungskolik; in Folge von Magen- und Darmsteinen (sogen. Steinkolik) und sonstigen Fremdkörpern im Darmcanale (Sandkolik).
Literatur. 1) C'lichy, Recuoil. 1820. 2) Hamont, ibid. 1837. ;i) Birnbaum, Magazin. 1839. S. 298. 4) Schade, ibid. 1841. S. 473. 5) Bertram, ibid. 1844. S. 129. 0) Fürstenberg, ibid. S. 268. 7) Augner, ibid. 1848. 8) Greening, ibid. 1851. 9) Tombs, ibid. 1856. 10) Challincr, ibid. 1857. 11) Austen, ibid. 1859. 12) Ansar, Hecueil de med. v('t. 1850. 13) Ledru, Rocueil de med. vet. 1854. 14) Krcolani, Qiornale dl Vcterin. 1854. 15) Kletti, U Vetcrinario. 185(1. 16) Rossi, ibid. 1857. 17) Mazzini, (Homale di Veterin. 1859. 18) Colin, Reoneil de med. v6t, 1859; Bull. soe. oentr. vet. 1803. 19) Vittadini, 11 medic, veterin. 1800. 20) Macorps, Annal. de Bmxelles. 18(10. 21) Schwarz, Adam's Wochenschrift. 1800. S. 357. 22) Trasbot, Hecueil de med. vet. 1804. 23) Jacob, Sachs. Jahresber. 1808. S. 109. 24) Peuoh, Joum.de Lyon. 1809. 25) Simon et, Rccueil de med. vöt. 1809. 20) (iurlt, Magazin. 1873. S. 167. 27) L an del, Repert. 1873. S. 156. 28) Harz, Deutsche Zeitsohr. f. Thier-medicin. 1875. S. 393. 29) Felizet, Repert. 1877. S. 371. 30) Serafini, ibid. 1878. S. 197. 31) Roster, Giomale di Pisa. 1879. 32) Rösser, Thier-arzt. 1879. S. 80. 33) Chuo'hu, ibid. 1880. S. 199. 34) Roger, Recueil. 1880. 35) Laurent, Bull. soe. centr. vet. 1884. 86) Möbius, Sachs. Jahresber. 1882. S. 85. 37) Csokor, Gostorreich. Vicrteljahrsschr. 1883. 38) Köhno, Magazin. 1800. S. 85. 39) Rohling, Thierarzt. 1870. S. 85, 40) The Veterinarian. 1875. 41) Jonson, Deutsche Zeitsohr. f. Thicrmed. 1879. S. 390. 42) Godfryn, Bull. Belg. 1880. 43) Houbevgcr, Rundschau. 1885. Nr. 9. 44) liemy, Annal. de Bruxelles. 1887. 45) Jungers,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Stein- und Sandkolik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 105
Thlerarzt, 1887. S, 199. 46) ühlioh, llaubold, Sachs. Jahresber. 1887. S. 61, 78. 47) Frledberger, Münoh. Jahresber. 1888/89. S. 59. 48) Kors-nowski, Petersburger Arohiv f. Yeterinftrkunde. 1888. 49) Bernard, Re-oueil. vet. 1889. 50) Zeitsohr. f. Veterintlrkde. 1889. S. 29. 51) Köcher, Berliner thierilrztl. Wochonschr. 1891. S, 160.
Wesen. Die sogen. Steinkolilcen sind im Allgemeinen selten. Die ziemlich zahlreiche Casuisfcik erklärt sich daraus, dass den Berichterstattern jeder vorkommende Fall seiner Seltenheit wegen der Er-wShnung werth erschien. Nach dem Veterinärherichte der preussischen Armee pro 1889 war unter 407 tödtlich verlaufenden Kolikfällen nur 1 Fall von Steinkolik. Am häutigsten findet man diese Art von Kolik noch bei Müller- und Bäckerpferden, welche fast ausschliesslich mit Kleie und Nachmehl gefüttert werden. Die Kleie enthält nämlich nach Gurlt 12 ]/2 Prooent phosphorsaure Magnesia, welche den Hauptbestandtheil der Darrasteine bildet. Die geringen Mengen des der Kleie immer beigemischten Mühlsteinstaubes scheinen weniger in Betracht zu kommen. Auch die sogenannten Sandkolikenquot; sind hieher zu zählen. Dieselben entstehen nach der Aufnahme von Sand oder Steinchen beim Tränken der Pferde aus seichten Bächen und Pfützen, nach der Verfütterung verschlammten, versandeten Futters, beim Weidegange, bei hungerigen Cavalleriepferden im Kriege, nach Aufnahme von Sand und erdigen Massen aus Spielerei, wozu namentlich das Sandfressen der Kemonten gehör-t. Endlich scheint das Ablecken und Abschlucken von Haaren beim Haarwechsel zur Bildung von Haarballen und Concrementen Veranlassung zu geben. Andere Fremdkörper, z. B. verschluckte Tuchstücke, Nadeln u. s. w. führen mehr zufälliger Weise zu Verstopfung.
Die eigentlichen Darmsteine bestehen der Hauptsache nach aus phosphorsaurer Ammoniak-Magnesia (90 Procent Fürstenberg), daneben noch aus phosphorsaurer Kalkerde, kohlensaurem Kalke, phosphorsaurer Magnesia, Kieselsäure, Chlorverbindungen, Spuren von Eisen, sowie organischen Bestandtheilen (Schleim, Epithelien, Futterstoffen). Ihre Bildung erklärt man sich aus der Vereinigung der in der Kleie reichlich enthaltenen phosphorsauren Magnesia mit Ammoniak-verbindungen im Darnicanale, welche aus der ammoniakhaltigen Stallluft, z. B. mittelst des Trinkwassers, dorthin gelangt sind und sich mit der phosphorsauren Magnesia zu unlöslichem Tripelphosphat verbinden. Der Kern der Darmsteine besteht gewöhnlich aus einem Fremdkörper, z. B. einem Sandkorn oder Haf'erkorn, um den sich das Tripelsalz nach jeder neuen Futteraufnahmo schichtenweise ansetzt. Die sogen. Magen-
|
||
|
|
||
|
;r-
|
|||
|
|
|||
|
196
|
Stein- und Sandkolik.
|
||
|
|
|||
|
steine sind jedenfalls nichts anderes ids durch eine ivntiperistaltische Darmbewegung in den Magen gelangte Darmsteine, da sich im Magen selbst bei dem nur kurzen Verweilen des Futters und der sauren Reaction des Mageninhaltes kein Stein bilden kann. Die Entstehung der Darmsteine geht gewöhnlich in den dicken Gedärmen vor sich, vor allem in der magenähnlichen Erweiterung des Colon, viel seltener im Blinddarm. Colin fand z. B. bei 900 Sectionen 28inal Darmsteine in der nuigeiüllmlichen Erweiterung des Colon, und nur einmal im Blinddarm. Aussei- Darmsteinen können Concremente (Ansammlungen von Sand, Schlamm vermischt mit Pflanzenfasern, Schleim, Haaren etc.) und sogen, falsche Darmsteine (Concremente mit einem Ueberzuge von Tripelphosphat) zu Verstopfungskolik führen. Weiteres über Darmsteine etc. siehe die Lehrbücher der pathologischen Anatomie. Die durch die Darmsteine örtlich hervorgerufenen Veränderungen sind dieselben, wie die bei der Fäcalstase beschriebenen. Bei der Sandkolik findet man oft grosse Mengen von Sand in den Gedärmen (3U bis 50 Pfund und darüber).
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. Die Erscheinungen der durch Darmsteine hervorgerufenen Verstopfungskolik sind oft von denen einer Anschoppungskolik nicht zu unterscheiden. Sehr häufig sind die Thiere vor der Einkeilung des Steines im Daimie trotz der Anwesenheit desselben nie krank gewesen. In anderen Fällen sind öftere Koliken vorausgegangen, zuweilen in ganz periodischer Weise. Auch der einzelne Kolikanfall zeigt oft einen Wechsel von Intermissionen und Remissionen, indem entweder mehrere Steine nach einander, oder ein und derselbe in verschiedenen Etappen vorrücken. Im Allgemeinen sind die Zufälle bei der Steinkolik heftiger, als bei der Anschoppungskolik und ist die Verstopfung eine hochgradigere. Insbesondere verläuft die Steinkolik auch häufiger mit Magen- und Darmrupturen, sowie mit Erbrechen. Dabei ist der Verlauf im Allgemeinen kürzer, obwohl die Dauer in einzelnen Fällen eine längere sein kann. Die Prognose ist wesentlich ungünstiger.
Eine sichere Diagnose auf Steinkolik oder Sandkolik lässt sich nur bei Abgang von Darmsteinen oder Sand durch den Mastdarm oder bei positiven Resultaten einer manuellen Exploration stellen. Nur bei Müllerpferden, besonders wenn sie öfters an Kolik erkranken, kann immerhin die Wahrscheinlichkoitsdiagnose einer Steinkolik aufgestellt werden, obgleich auch bei ihnen andere Koliken, namentlich Ueberfütterungskoliken, nicht selten sind.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Innere Lageverilmlerungen des Darmes.
|
197
|
||
|
|
|||
|
Therapie. Die Behandlung ist dieselbe wie bei der An-schoppungskolik. Das Eserin ist indessen bei der Steinkolik wegen der Gefahr einer Dannruptur unter allen Umständen zu vermeiden; bei der Sandkolik wird es dagegen in kleinen Dosen mit Vortheil gegeben. In verzweifelten Fällen kann der eingeklemmte Stein, wenn er überhaupt auffindbar ist, auf operative Weise entfernt werden. So operirte F elizet vermittelst des Flankenschnitts und der Eröffnung des Darmes einen kindskopfgrossen Dannstein mit Erfolg. Der Vorschlag von Trasbot, durch Entwicklung von Kohlensäure im Mastdarm aus eingefübrter Soda und Weinsteinsäure den Stein zurückzudrängen, dürfte sich wohl kaum verwirklichen lassen. Von französischen Tbiorärzten wird gegen die Sandkoliken der Militärpferde das Einschütten grosser Mengen von Wasser (100120 Liter pro Tag; in 8 Tagen circa 1500 Liter!) empfohlen.
|
|||
|
|
|||
|
3) Verstopfuugskolik in Folge von inneren Lageveränderungen
des Darmes.
Literatur. 1) Bouley jeune, Nouvelle Biblioth. med. 182:5. 2) Bran ens, Journ. theor. et prat. 1830. 3) Imbert, Reoueil veter. 1857. 4) Davejean, .lonrn. du Midi 18(35. 5) Vivier, Reoueil veter. 1868. (!) Hering, Report. 185). S. 80. 7) Dekker, ibid. S. 339. 8) Marcout, Journ. de Lyon. 1854. 9) Markham, The Veterin. 1855. 10) Husson, Annal. de Bruxelles. 1858. 11) Jessen, Magazin. 1858. S. 40raquo;. 12) Silclis. Jahresber. 1802. S. 14. 13) Ann a tage, The Veterinarian, 1805. 14) Wirt/, u. Schimmel, Report. 1871, S, 251. 15) Ernes, Annal. de Bruxelles. 1869. 16) Hert-wig, Magazin. 1871. S. 89, 17) Kolb, Adam's Wochensohr, 1873, S, 371, 18) Lustig, Hannover. Jahresber. 1877/78, S. 92, Berliner Archiv 1887. S. 245. 19) Stohrer, Report, 1877. S. 4. 20) Höhne, Preuss. Mittheil. 1883. S. 50. 21) Dogive, Keeueil de med, vct, 1883. S. 73. 22) Priod-berger, München. Jahresber, 1876/77, S, 96; 1878/79, S, 58 ff.) 1888/89, S, 59, 23) Roll, Oesterr. Vierteljahrsschr, 1852, S. 133. 24) l'alat. Bull. See. ccntr. veter. 1879. 25) Molloreau. Bull. Soc. centr. vctcr. 1880. 26) Nocard, Archiv, veter. 1881. 27) Marchai, Arcliiv. veter. 1884. 28) Thierry, Bull. See. centr. veter. 1885. 29) Csokor, Oesterr. Vierteljahrsschr. Bd. 64. S. 32. 30) Cravenna, 11 medico vet. 1885. 31) Tatray, The Veter. 1885. 32) Utz, Bad. Mitth. 1887. S. 113. 88) Maltini. Gior-nale di anat. 1887. 34) Schwaimair, Woehenschr. f. Thiorlieilkde. 1889. S. 441. 35) Mayer, Repertorium 1889. S. 125. 36) Miller, ibid. 1890. S. 224. 37) Zorn, Zeitsohr, f. Veterintlrkunde 1890. 8.268. 38) Wesener, ibid. S. 532. 39) Ilaake, Berl. thieriirztl. Wochonsehr. 1890. S. 242. 40) Jolkmann, ihid, S. 313, 41) Fenner, Monatsh, f. prakt. Thierhlkde. 1890. S. 68. 42) Möller, ibid. 1891. 111. Bd. S. 1, 43) Malkmus, ibid, S. 7,
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
li
|
Innere Lageveränderungen des Darmes.
|
||
|
|
|||
|
Anatomisches. Die inneren Lageveränderungen des Darmes bestehen in Axendrehung, Utnsohlingung oder in Incarceration von Darmabsclmitten. Die Axendrehungen (Volvulus) betreffen am häufigsten den Grimmdarm und Dünndarm; die Drehungen des Blinddarmes sind mehr Knickungen mit Verlagerung der Spitze nach unten und hinten, und Hebung des Grundes nach oben und vorne; Axendrehungen des Mastdarmes sind seltener. Verschlingungcn (Knotenbildungen) kommen zu Stande durch Umlagerung von Dünn-dannschlingen um Theile des Dünn-, Grimm- oder Mastdarmes, indem sich dieselben um das Gekröse aufdrehen, oder von Netzsträngen um Dünndarmschlingen. Incarcerationen endlich finden sich besonders an angeborenen oder erworbenen Oeffnuugen der Bauchhöhle, so im Bauchriuge resp. Leistenringe (auch bei Wallachen), im Winslow'schen Loche, in alten Zwerchf'ellsrissen, in Oeffnungcn des Netzes und Gekröses, in Spalten, welche durch bandartige Adhäsionen, den losgelösten Harnleiter etc. gebildet werden. Roll fand hei 140 gefallenen Kolik-pferden 51 mal innere Hernien = 86 Proc. Dagegen wurden hei 813 gefallenen Kolikpferden der preussischen Armee (188!) und 1890) nur 88mal innere Hernien constatirt = 25 Proc.
Aetiologie. Die eigentlichen Ursachen dieser inneren Lageveränderungen sind meist dunkel. Gewiss gehören manche ins Gebiet der t.hrombotisch-emholischen Kolik und erklären sich auf die früher angegebene Weise. In anderen Fällen sind sie auf eine ungleiche Füllung einzelner Darmschlingen mit Gasen oder abnorm schwerem Inhalte zurückzuführen, wobei die betreffenden Darmschlingen dem Gesetze der Schwere nach eine andere Lage einzunehmen streben. Ferner scheint eine sehr lebhafte Peristaltik, wie sie bei schwereren Koliken besonders nach Verstopfung des Darmes in rückläufigem Sinne auftritt, oft erst im späteren Verlaufe einer Kolik eine Lageveränderung zu veranlassen. Es ist deshalb auch nicht unmöglich, dass, wie von einigen Beobachtern vcrmuthet wird, die Anwendung des Eserins in manchen Fällen innere Lageveränderungeu zur Folge hat. Endlich ist das Ueberschlagen, sowie das ungestüme Wälzen mancher Tbiere in gewissen Fällen die Ursache, obwohl, wie schon früher hervorgehoben, letzterer Umstand meist allzu sehr in den Vordergrund geschoben wird. Das früher viel beschuldigte kalte Saufen der Thiere dürfte kaum als Ursache in Betracht kommen.
Symptome. Die Erscheinungen haben nichts Charakteristisches an sich. Das oft anhaltende und mehrere Tage dauernde Erbrechen
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Innere Lagoverilnderungen dos Darmes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;199
kann ebenso gut tiucl) fehlen, die abnormen Stellungen und Schmerz-äussorungen, die pendelnden Bewegungen des Kopfes, die Facies Hippocratica, die Einn'ahme der Rückenlage, die Ersclieinungen einer Magen- oder Darmruptur, das Ausbleibon von Exereinenten findet man auch bei anderen Verstopfungskoliken. Die Dauer ist, je nachdem der Darmverscliluss ein vollständiger oder unvollständiger ist, sehr wechselnd und kann im letzteren Falle über 8 Tage betragen; bei absoluter Darmstenose tritt dagegen gewöhnlich schon innerhalb eines Tages der Tod ein. Oefters sind die Kolikerscheiimngen auch nur vorübergehender Natur und wiederholen sich von Zeit zu Zeit, wenn nämlich eine Darmschlinge mehrere Male sich nur vorübergehend in-carcerirt; vielleicht lassen sich die kurzen Kolikanfälle mancher sogen. Nachtschläger auf diese Weise erklären (vergl. den von Stohrer beschriebenen Fall).
Eine Diagnose auf Verstopfungskolik in Folge innerer Lageveränderungen ist nur in den seltensten Fällen und höchstens dann möglich, wenn sich ein eingeklemmter Leistenbruch oder eine sonstige Incarceration und Verschlingung vom Mastdarme aus nachweisen lässt; auch Dislocationen des Colons und Cöcums können auf diese Weise erkannt werden Ausserdem mag die Erfolglosigkeit der Behandlung einigen Anhalt für die Diagnose bieten.
Therapie. Die Behandlung hat bei inneren Lageveränderungen im Allgemeinen wenig Erfolg aufzuweisen, mit Ausnahme eingeklemmter Leisten-, Nabel- oder Banchbrüche, welche durch unblutige manuelle Reposition oder durch Eröiihung des Bruchsackes, Erweiterung des Bruchringes und Reposition der eingeklemmten Darmschlinge, sofern sie nicht schon nekrotisch ist, zu beseitigen sind. Neben der Anwendung evaeuirender Mittel, sowie reichlicher Wasserinfusionen in den Mastdarm kann man vom letzteren aus etwaige bindegewebige Adhäsionen, falls sie die Ursache der Einklemmung sind, zu lösen suchen, oder man bringt das kranke Thier in verschiedene Lagen, überwälzt es nach der Seite der Verlagerung des Darm-theiles, führt es bergauf und bergab, indess meist ohne Erfolg. Dasselbe ist von dem früher üblichen Einschütten grosser Mengen Quecksilbers zu sagen. Das schliesslich einzige Mittel gegen manche innere Lageveränderungen, die Laparotomie und manuelle Lageberichtigung, ist für gewöhnlich wegen der Unsicherheit der Diagnose, wie auch wegen der Gefährlichkeit eines operativen Eingriffes nicht anwendbar.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
200
|
Invaginationskolik.
|
||
|
|
|||
|
Nach J elk mann soll die Diagnose einer Axendrehung der linken Colonlagen zweifellos sein, wenn man vom Mastdarm aus mit der linken Hand nnmittelbar vor dem Beckeneingang in der Nähe des 4. Lendenwirbels den hinteren Gekrösstrang stärker gespannt und statt senkrecht in schriiger Richtung von oben nach links unten fühlt. Die Berührung desselben soll dem Patienten grosse Schmerzen verursachen. Bei starker Füllung resp. Auftreibung der dislocirten Colonlagen soll man ferner in der linken llankengegend einen zweiten gespannton Strang finden (Bandstreil'en der linken unteren Gritamdanulage), Die Beseitigung dieser Axendrehung ist nach Jelk-mann in folgender Weise ausführbar. Man gebt mit der eingeführten linken Hand nach der linken Bauchwand und schiebt die hier liegenden linken Grimmdarmlagen nach vorn und innen. Im Bereiche der Mittellinie angelangt, führt man die Hand langsam nach oben, worauf die obere Oolonlage mit der unteren über die Hand in ihre normale Lage zurückfällt. Durch die Führung der Hand nach oben sollen auch die dislocirten Mastdarmschlingen gehoben, und so die Möglichkeit gegeben werden, dass die beiden Colonlagen nach der linken unteren Bauchwand zurückfallen können. Eine Bestätigung dieser Angaben ist durch Möller und Malkmus erfolgt.
|
|||
|
|
|||
|
4) Verstopfungskolik in Folge von Invagination des Darmes.
Literatur. 1) Bouley jeune, Nouvello biblioth. mcd. 182:5. 2) Renault, Recueil de med. vitiv. 1828. 8) Reynal, Recueil vcter. 1851. 4) Leblanc. Magazin. 1835. S. 249. 5) Dunsford, The Vetorin. 1842. 6) Cartwright, ibid. 7) Day us, ibid. 1864. 8) Rey, Recueil de med. vet. 1843. ü) Colin, ibid. 1850. 10) Leblanc, ibid. 1850. 11) Mitaut, ibid. 18C4. 12) Bagge, Report. 1863. S. 74. 13) Stohrer, ibid. 1846. S. 199. 14) Frioker, ibid. 1861. 15) Cauase, Journal de mod. vet. milit. 1867; Annal. de Bruxolles. 1869. 16) Hermkes, Report. 1873. 8. 367. 17) Huguet, Annal. de Bmxello.s. 1874. 18) v. Ow, Oesterr. Monatssohr. 1881. S. 157. 19) Hartmann, üostorr. Vierteljabrsschr. 1867. S. 132. 20) Köhno, Magazin. 1867. S. 261. 21) Barrier, Bullet. Belg. 1885. 22) Lee. The Veterinär. 1886. S. 695. 23) Biot, Recueil vct. 1879. 24) Douniayrou, Bull. soc. centr. vet. 1882. 25) Taminlau, Annal. Belg. 1887. 26) Koiranski, Pctersb. Arch. f. Vet.-Medic. 1889. 27) ToUner, Zeitsohr. f. Vetorinärkde. 1890. S. 421. 28) Langer, ibid. 8.531. 29) Hoffmann, Thierärztl. Chirurgie. 1891. S. 510.
Wesen. Die Invagination oder Intussusception (Darmeinschiebung) besteht in der Einstülpung eines Darmstückes in das Lumen einer angrenzenden Partie. Am häufigsten ist der Hüftdarm in den Blinddarm und zwar in einer oft sehr beträchtlichen Länge eingeschoben, oder es besteht eine Einstülpung des Dünndarms in sieh selbst. Seltener ist der ganze Blinddarm in den Grimmdarm hineingeschoben; vergl. die Fälle von Causs^, Hermkes, Colin, Cartwright, Bagge, Stohrer, v. Ow, Leblanc u. A. Auch kommt es vor, dass die Spitze des Blinddarmes in das Mittelstück eingeschoben wird. Die
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Neubiklungon im Darmo.
|
201
|
||
|
|
|||
|
Ursache der Invagination ist meist in einer Lähmung des peri-pheren (distalen) Darmstückes und im Eindringen des in lebhafter peristaltischer Bewegung befindlichen centralen (proximalen) in das erstere zu suchen. In einem Falle wurden die Erscheinungen der Invagination bei einem Reitpferde unmittelbar nach dem Springen wahrgenommen.
Symptome. Die Erscheinungen einer Invaginationskolik stimmen mit denen bei inneren Lageverilnderungen Uberein; indess scheint die Dauer häutig eine längere zu sein, da bei der Darmeinschiebung meist nicht das ganze Lumen des Darmes verstopft wird. So beschreibt v. Ow einen Fall, bei welchem nach 10 Tagen Diarrhöe und scheinbare Besserung und erst nach 27 Tagen der Tod eintrat. Insbesondere scheinen Thiere mit Intussusception des Cöcums in das Colon oft ziemlieh lange am Leben zu bleiben, ja selbst sich an diesen Zustand gewöhnen zu können (Colin, Kecueil 1850). In seltenen Fällen tritt auch definitive Heilung durch Abstossung des invaginirten Darmstückes und Verwachsung der beiden Darinenden ein (Ilartmann).
Eine sichere Diagnose der Invagination ist höchstens bei Abgang nekrotischer, röhrenförmiger Darmstiicke zu stellen.
Die Behandlung ist in Folge dessen ebenfalls meist eine unsichere und kann höchstens in einer Verflüssigung des Darminhaltes behufs leichterer Durchgängigkeit durch Anwendung von Abführmitteln, sowie die Einführung grösserer Wassermengen per anum bestehen.
|
|||
|
|
|||
|
5) Verstopfungskolik In Folge von Neubildungen im Darme.
Literatur. 1) Thommes, Magazin, 1886, S, 12G. 2) Magri, II medlo. vet. 1.^70. 8) Brusasoo, ibid, 4) Krieger, Magazin, 1846. S, 72, 5) An acker, TUerarzt. 1874. S. 89. 6) Stadler. Bad. thicrär/tl. Mittheil, 1882. S. 98. 7) Molloroau, Bull, de soe. centr. 22. Nov. 1883. 8) Degivn. Recueil de med. vöt. 1883. S. 77. 9) Priedberger, Münch. Jahresber, 1878/79. S, (iO. 10) Cadeac, Revue vet. 1885. 11) Coclion, Recueil. 1886. 12) ühlioh, Sachs. Jahresber, 1886. S. 76. 13) Söhngen, Berliner Archiv. 1887. 8.305. 14) Baranski, ibid. S. 337. 15) Martin, Gtourme erratique sous-lombaire et reetale. Paris. 1879. 16) I'alat, Arch, veter. 1879. 17) Lahogne. Archiv, veter. 1879. 18) Vaeseh, had. iMitth. 1888. S. 57. 19) Land-vatter, Repertor. 1888. S. 2(15. 20) Balagi, Giorn. di aniitoni. 1889, 21) Sommer, Petersburger Archiv. 1889. 22) Zeitschr. f. Veterinärkde. 1889. S. 305. 23) Lardet, hchorre Bull. Soc. centr. vctcrin. 1889. 24) Mauri, Revue vet. 1890. 25) .lobelot, Recueil vet. 1890. 20) Hoffmann, Thiorilrztl. Chirurgie, 1891. S. 498.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
202nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Verstopftingskolik bei Dannstricturon.
Anatomisches. Neubildungen im Darmcanale geben, an sich schon eine Seltenheit, nicht häufig Veranlassung zu Kolik. So berichtet Krieger von einem Magenpolypen, welcher das Duodenum verstopft und schliesslich bis zur Ruptur erweitert hatte. Im Dünndarme verengern Fibrome (Magri), Myxosarkome (Friedberger), Leiomyome und submucöse Lipome das Lumen des Darmes, im Dickdarme sind es hauptsächlich sarkomatöse (Brusasco) und krebsartige Neubildungen. Nicht selten kommen ferner am Gekröse Lipome vor, welche zu Darmverschlingungen Anlass geben. Endlich können Abscesse in der Darmwand, sowie phlegmonöse Entzündungen des Beckenbindegewebes zu einer Stenose des Darmes führen. Gewöhnlich staut sich der Darminhalt an den durch die Neubildungen stenosirten Stellen und führt zur Erweiterung und compensatorischen Verdickung der Wandung. Die Oberfläche der Geschwülste ist oft geschwürig entartet.
Symptome. Die Erscheinungen dieser selteneren Art von Kolik bestehen in chronischer Verstopfung mit intermittirenden, an Intensität allmählich zunehmenden Kolikanfällen. Dabei kann der Zustand Jahre lang dauern, bis endlich bei mehr ausgebildeter Stenose das Thier an den Folgen einer Fäcalstase zu Grunde geht.
Therapie. Die Behandlung hat für möglichste Verflüssigung des Darminhaltes Sorge zu tragen. Bei Neubildungen, welche vom Mastdarm aus mit der Hand zu erreichen sind (wir haben mehrere derartige Fälle beobachtet), muss der Mastdarm häufig, zuweilen täglich ausgeräumt werden. Gestielte Geschwülste kann man dabei abdrehen oder mittelst des Ecraseurs entfernen.
|
||
|
|
||
|
6) Verstopfungskolik in Folge von Darmstricturen.
Literatur, li Rogerson, Magazin, 1841. S. 492. 2) Percival, The Veterin.
1844. 3) Sftohs, Jahresber, 1864. S. 27. 4) Schmid, Report. 1863. S. 1. 5) Voigtländor, Silchs. Jahresber. 1871. S. 49. 6) Sikorski, Oesterr. Revue. 1880. S. 175. 7) Chardin, Didion, Magnin, Reoueil, 1886. 8) Kater, Berliner Archiv. 1887. S. 365. 9) Enke, ibid. 1890. S. 222. 10) Soul a , Revue vöt. 1888. ll)Eckardt, Berl. tliicrärztl. Woehonschr. 1889. S. 41. 12) Mauri, Kecuoil. 1891. Nr. 4.
Aetiologie. Die zu Stenose des Darmes führenden Stricturen sind auf Vernarbung geschwüriger Substanzverluste der Schleimhaut nach Darmentzündungen, Helininthiasis etc. oder auf vorausgegangene
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Vuistopfungakoük bei Darmdilatation.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 20.!
Incarcerationen und Inviigimitionen zu bezielien. Dabei kann das Darmlumen bis auf Fingerdicke beengt sein. Vor der Stenose findet sich immer eine entsprechende Erweiterung des Darmes. Die Stenosen kommen am liäufigsten im Hüftdarme vor.
Symptome. Die Erscheinungen sind im Allgemeinen die auch bei den anderen Verstopfungskoliken genannten. Die Dauer ist meist eine sehr lange (habituelle Kolik), und die Thiere magern oft im Verlaute der Krankheit sehr ab, trotz vorzüglichen Appetits.
Therapie. Eine Behandlung ist nur bei Mastdarmstricturen zulässig, welchen manuell beizukommen ist; sie würde hier in einer #9632;allmählichen Dilatation der stenosirten Stelle durch den häufig eingeführten Ann bestellen. In einem Falle hat Mauri die theilweise Resection der verengten Stelle des Mastdarms mit Erfolg vorgenommen. Die anderen Stricturen, insbesondere die sehr gefährlichen des Dünndarms, entziehen sich jeder Behandlung.
|
||
|
|
||
|
7) Verstopfuugskolik in Folge Dilatation und Parese des Darmes,
Literatur, l) Lindenberg, Magazin, 1840. S. 87. 2) Brown, The Veterin, 1802. 8) Köhne, Magazin. 1802. S. 335. 4) Adam, Adam's Wochcnschr. 1800.8.257. 5)Leisering, Sachs. Jahresb, 1870. S. 15; 1871. S. 17. ß)Peuoh, Journ, du Lyon. 1870. 7) Lustig, Hannover, Jahresber, 1874. S. 24. 8) Halm, Arch. f. Thierheilkde. 1877. S. 45. 9) Friedberger, München, Jahresber, 1878/79. S. 03. 10) Degive, Annales de Bruxelles. 1879, 11) Choisy, Bull. soc. centr. vet. 1879. 12) Rauscher, Bspertorium. 1888. S. 261.
Aetiologie. Die Erweiterungen des Magens und Darmes sind meist seeundiir durch vorhandene Stenosen (Neubildungen, Stricturen, Fäcalstase, Steine, Invaginationen etc.) hervorgerufen und finden sich gewöhnlich unmittelbar vor der Stenose, complicirt mit starker Hypertrophie der Dann wand; eine Magendilatation kann indess auch aussei-durch eine Pylorusstenose durch eine entfernter liegende Verengerung des Darmcanales, durch Zuriickstauen des Futters bedingt sein. Seltener ist die Ursache der Erweiterung in lälnnungsartigen Zuständen der Darmwand nach abnormer Ausdehnung durch Futtermassen oder Gase, oder nach embolischer Verstopfung von Darmarterien zu suchen. Umschriebene Erweiterungen der Dannwand, sogenannte Divertikel, sind meist die Folge vorausgegangener partieller Rupturen. Inwieweit
|
||
|
|
||
|
|
||
|
2U4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Windkolik.
der chronische Magen- und Dannkatarrh durch die damit verbundenen Ernährungsstörungen der Magen- und Darmwand zu Erweiterungen Veranlassung gibt, ist aus den bisherigen Beobachtungen schwer zu schliessen; wir selbst haben dieselben bis jetzt nur in sehr seltenen Füllen dabei gesehen.
Symptome. Praktisch am wichtigsten sind die im Mastdarme vorkommenden Erweiterungen und Paresen der Wandung. Dieselben rufen chronische, lang andauernde und sich sehr häufig wiederholende Koliken (habituelle Kolik) hervor, welche schliesslicli mit Ruptur des Darmes enden. Man findet dabei den Mastdarm bei der Exploration oft mit ganz enormen Kothmengen angefüllt, nach deren Entfernung die Koliksymptome schwinden. Diese Kothmassen können selbst auf das Beckenstück der Harnröhre eine Compression ausüben, so dass es zur Stauung des Harns in der Blase, zu Blasenhypertrophie und -erweiterung kommt (Eriedberger). Bei starken Magenerweiterungen können durch den Druck des Magens auf das Zwerchfell hochgradige dyspnoische Erscheinungen im Verlaufe der Kolik auftreten; Leisering beschreibt einen Fall von Magenausdehnung, bei welchem der Umfang von der Cardia bis zum Pylorus an der grossen Curvatur 130, an der kleinen \)Ü em betrug.
Behandlung. Die Behandlung ist dieselbe wie bei Verstopfüngs-kolik in Folge von Darmstricturen. Bei Erweiterungen und Lähmungen des Mastdarms besteht die Hauptbehandlung in der Entleerung desselben mittelst der Hand. Dieselbe muss zur Verhütung erneuter Kolikanfälle regelmässig von Zeit zu Zeit vorgenommen werden. Eine Radicaihoilung ist hiebei ausgeschlossen.
|
||
|
|
||
|
V. Die Windkolik.
Literatur. 1) Barrier et Hcrouavfl, Indigestion et meteorisation. Paris, 1780. 2) Bernard, Rctuoil vetör. 1834. ;i) Brogniez, Rey, Recueil vuWr. 185)3. 4) Oharlier, De la ponetdon dans les courses. Paris. 1803. 5) Aubry, Rccucil de med. vet. 1858. ü) Hildach, Magazin. 1847. S. 91. 7) Vil-loresi, Oesterr. Revue. 1879. S. 05. 8) Serres, Recueil de med. vöt. 1880. 9) Föringor, Adam's Wochenschr. 1880. S. 71, 10) Munich, Adam's Woehenschr. 1877. S. 422. ll)(iavard, Journal de Lyon. 1880. 12) Heu, Recueil. 1880. 13) Oagny, Annal. de Bruxelles. 1880. 14) Hon, Recueil. 1880. 15) Schäfer, Berliner Archiv. 1880. S. 287. 10) Zorn, Thiermed. Rundschau. 1887. S. 277. 17) Cremer, Rundschau auf dem Gohietc der Thier-medloin, 1887. 8. 301. 18) Euntze, Sächsischer Jahresbcr. 1888. S. 06.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Wimlkolik.
|
20.quot;.
|
||
|
|
|||
|
19) Möbius, ibid. 1889. S. 82. 20) Battistini, La Clinica vet. Bd. 11. 21) Paszotta, Ref. Österreich. Moiüitsschr. 1888. 8. 495. 22) Ehlers, Bari, thieriirztl. Woehensehr. 1889. 8. 138. 23) 1 mrainge r, Wochenschr. f, Tliiorheilkde. 1890. 8. 869. 24) Eder, Ibid. 1891. 26) Neu.so, Zeitschrift f. Vctorinärkundc. 1891. S. 052.
Aetiologie. Die Ursachen der Windkolik sind gewöhnlich in der Aufnahme blähender Nahrung zu suchen; die einzelnen zur Gilhrung besonders geneigten Futtermittel sind schon bei Besprechung der allgemeinen Ursachen der Kolik erwähnt. Ausserdem verfallen Kopper, wenn sie zu viel Luft abschlucken, hie und da in diese Kolikart; dasselbe soll nach Haubner-Siedamgrotzky der Fall sein, wenn Pferde sieh rasch gegen den Wind bewegen. Die bei der Windkolik auftretenden Gase sind besonders Kohlenwasserstoffe und Kohlen-säure. Eine von Pinner ausgeführte Analyse (Arch, für Thierh. I., S. 285) ergab 49 Proc. Kohlenwasserstoffe, 8 Proc. Kohlensäure, 42 Proc. Stickstoff. Ausserdem sind es Wasserstoff, Schwefel- und Phosphorwasserstoff,
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. Die Erscheinungen der Windkolik bestehen in einer sehr rasch eintretenden Auftreibung des Hinterleibes durch die genannten Gase, welche mitunter eine sehr hochgradige werden kann; dabei wird der Hinterleib tonnenförmig gewölbt, fühlt sieb sehr gespannt an und gibt beim Percutiren in der Flanke statt des gewöhnlichen tympanitiseben einen lauten oder sehr helltympanitischen, zuweilen metallisch nachklingenden Perouasionston; bei der Auscultation hört man sehr stark klingende Geräusche. Mit zunehmender Auftreibung steigert sich auch die Athemnoth, die Angst und Unruhe der Thiere. Die sichtlichen Schleimhäute sind stark geröthet, zuweilen bläulich verfärbt, die Jugularen treten hervor, der Herzschlag wird pochend; dabei gehen die Thiere gespannt und schwanken wohl auch im Hiutertheil. Der Ausgang in Genesung gibt sich durch Abgang zahlreicher Darmgase und Einsinken des Hinterleibes zu erkennen. Der tödtliche Ausgang erfolgt bald durch Lungencompression und Lungenödem, bald durch Kohlensäureintoxication des Blutes, bald durch Apoplexie, bald endlich durch eine Dann- oder Zwerchfellsruptur. Der Verlauf ist immer ein sehr rascher.
Die Diagnose der Windkolik ist unschwer zu stellen; die im Verlaufe anderer Koliken sich entwickelnden Gasansammlungen (z. B. bei der thrombotisch-embolischen und bei der Verstopfungskolik)
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
206nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Windkolik.
unterscheiden sich durch ihr langsameres, alhnühliches Auftreten und ihr längeres Bestehen von der acut verlaufenden Windkolik.
Therapie. Bei der Behandlung der Windkolik spielt der rechtzeitig ausgeführte Darm.stich die Hauptrolle, indem er das einzig sichere Mittel zur Beseitigung der Gasansanimlung ist. Man macht ihn gewöhnlich in der rechten Flankengegend in der Mitte eines durch den äusseren Durmbeinwinkel, den hinteren Hand der letzton Hippe und die Enden der Rippenfortsätze der Lendenwirbel bestimmten Dreiecks nach vorhergehendem Abscheeren der Haare, nach Desinfection der Hautstelle und dos Troikarts und Durchstechen der Haut mit einer Lancetto oder Flieto, die Spitze des Troikarts nach dem linken Ellenbogen zu gerichtet; die Hautwunde verklebt man mit Collodium oder Heftpflaster. Ist jedoch zufällig die linke Flanke stärker aufgetrieben oder nur diese zugänglich, so kann man die Function auch hier vornehmen. Die früher schon von Chabort, Aubry u. A. vorgeschlagene Punction vom Mastdärme aus wird neuerdings wieder von Föringer und Imminger empfohlen.
In manchen Fällen von niedorgradiger Tympanitis leistet das Physostigmin vorzügliche Dienste (0,1 : 510 Wasser subcutan). Bei sehr starker Ausdehnung und Anspannung der Gedärme ist das Mittel jedoch wegen der Möglichkeit des Eintritts einer Darmruptur nicht ungefährlich. Die namentlich in Frankreich üblichen Aetherklystiere (15^20 g Aether in 1 1 Wasser) sind ebenfalls für leichtere Fälle von Windkolik und Krampfkolik zuweilen von Nutzen. Die übrigen gegen Windkolik gebrauchten Mittel sind viel weniger wirksam. Man wird allerdings zunächst versuchen, durch kalte, sowie reizende Klystiere, kalte Wicklungen, Kneten des Hinterleibes u. s. w. den Abgang dor Flatus herbeizuführen, indess halte man sich damit nicht zu lange auf. Die Verabreichung von sogenannten absorbirenden Mitteln ist, wie schon früher erwähnt, nicht zu empfehlen; einige derselben, wie z. B. der Salmiakgeist und die Schwefelleber, vermehren geradezu die Menge der vorhandenen Gase durch den Hinzutritt von Ammoniak und Schwefelwasserstoff, andere, wie z. B. das Kalkwasser, werden ihre Säure bindende Kraft wohl kaum über den Magen hinaus behalten, resp. erstrecken.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Wurmkolik.
|
207
|
||
|
|
|||
|
VI. Die Wurmkolik.
Literatur. 1) Flaraal, llopert. 1845. ö. 174. 2) Kerstan, Magazin. 1850. S. 268. 8) Sohliepe, ibid. 1869, S. 402. 4) Golzio, Qiornale lt;li mod. vet. 1859. 6) Kletti, ibid. 1800. 6) Cambron, Annal. de Bmxelles. 1800. 7) Dinter, Sachs. Jaliresber. 1807. S. 81. 8) Anaoker, Thierarzt. 1871. S. 111; 1890. S. 00. 9) Stftng, Oesterr, Revue. 1879. S. 90. 10)Mener, Report. 1880. S. 190. 11) Sohliepe, Ai-cli. f. Thierheilkde. 1881. S. 145. 12) Pernaut, Rccueil de med. v6t. 1884. 18) Heck, Arch. f. Thierheil-kunde. 1882. S. 871: 14) Zündel, Jahresbericht. 1882/81. 15) Molinie, Rovuo voter. 1877. 10) (1 se 11, Recueil voter. 1879. 17) Laporte, Archives d'Alfort. 1881. 18) Vernaut, Rocueil veter. 1884. 19) Brun, Bull. Soc. contr. veter. prat. 1884. 20) Perron cito, 11 med. vct. 1887. S. 363. 21) Robbio, ibid. S. 154. 22) Williams, The vet. journ. 1887. S. 159 U. 235. 23) Grimm, Sachs. Jahresber. 1887. 8. 61. 24) Bartholeyus, Bull. belg. Bd. 4. 25) Waldmann, Wochenaohr. f. Thierheilkde. 1891. S. 147. 26) Kliihor. Berl. thierilrztl. Wochenschr. 1891. S. 223.
Aetiologie. Von Parasiten, welche beim Pferde während ihres Aufenthaltes im Magen oder Darme Kolik hervorrufen können, sind zu nennen in erster Linie Ascaris megaloeephala, dann Taenia plicata, mamillana und perfoliata, Spiroptera megastoma, Strongylus armatus, Sclerostomum tetracanthum, sowie Grastrophilus equi und haemorrlioidalis. Dabei kann die Kolik auf zweierlei Weise entstehen, entweder in Folge der Verstopfung des Darmes durch die knäuelformig zusammengeballten Würmer, so besonders bei Spul- und Bandwürmern, oder durch traumatische Insulte, welche zu Entzündung, Geschwürsbildung, selbst Perforation der Darmoder Magenwandung führen. In letzterer Beziehung sind besonders die Larven der Magenbremse zu nennen, welche zwar in der Kegel sich vollständig unschädlich erweisen, in vereinzelten Fällen aber doch auf die angegebene Weise zu Ursachen einer Kolik mit selbst tödt-lichem Ausgange werden. Auch Ascariden können multiple geschwürige Substanzverluste, sowie heftige Entzündung der Darmschleimhaut erzeugen, wenn sie in sehr grosser Anzahl vorhanden sind. Vereinzelt ist auch Perforation des Darmes mit nachfolgender eiteriger Peritonitis beim Pferde durch Taenia perfoliata beobachtet worden.
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. Die Erscheinungen der Wurmkolik bieten nichts Besonderes. Meist sind es jüngere Thiere, welche erkranken, weil sie weniger resistent gegen die genannten Parasiten sind. Gewöhnlich
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
208nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kolik des Rindes.
wiederholen sich die Kolikanfälle öfters und sind leichterer Natur; indessen können besonders bei reizbaren Stuten in Folge der Anwesenheit von Gastrophilus haeinorrhoidalis im Mastdarme ausserordenfclich heftige, wuthiilmliclie Kolikschmerzen auftreten (Eletti). Der Verlauf ist im Allgemeinen ein chronischer, wobei Störungen der Verdauung mit Kolikanfällen abwechseln; doch kann er bei Perforation der Magenwandung, bei absoluter Verstopfung des Darinlumens, sowie bei Darmentzündung auch acut werden. In den letzteren Fällen ist der Ausgang ein tödtlicher; sonst ist jedoch die Prognose der Wurmkolik nicht so ungünstig.
Therapie. Die Behandlung besteht in der Verabreichung von wurm widrigen Mitteln. Hieher gehört in erster Linie der Brechweinstein; man gibt denselben im Trinkwasser gelöst zu 12IB g pro Tag. Weitere Anthelminthica sind: der Arsenik, gepulvert zu 24 g in einmaliger Dosis, das Terpentinöl, zu 80 150 g in Emulsionsform, der Wurmsamen (Flores Cinae) zu 100150 g mit bitteren Mitteln und Glaubersalz als Latwerge u. s. w. Gegen die Bremsenlarven im Mastdarm empfehlen sich Klystiere von Seifenwasser, sowie von verdünnten Petroleum-, Benzin- oder Kreosot-lösunffen neben manueller Entfernung der Larven.
|
||
|
|
||
|
Die Kolik des Rindes.
Literatur. 1) Lindenberg, Magaz, 1847. S. 443. 2) Leblano, Jom-n. de Lyon. 1847. 3) liossetto, Giomole di Veterin. 1853. 4) Martini, ibid. 1857. 5) Alle man i, [1 medico vet. 1864. 0) Arnold, The Veterin. 1865. 7) Renelt, Magazin. 18C7. S, 197. 8) Harms, Hannover. Jaliresber. 1871. S. 52. 9) Miller, Adam's Woehensebr. 1873. S. 2(i5. 10) Rost, Sachs. Jahresber, 1883. S, 87. 11) König, Preuss. Mittheilungen 1855/56. S. 99. 12) Peschel, Sachs. Jahresber. 1885. S. 108. 13) Delia Pace, Giornale dl Anatom., Pisiol. etc. 1886. 8. 322. 14) Lucel, Reoueü, 1887. Nr. 7. 15) v. Ow, Had. tlueriirztl. Mittbeil. 1887. S. 92. 16) Lorenzetti, tiior-nale di Anatom., Fisiol. etc. 1886. S. 201. 17)ViUh, Bad. Mittbeil. 1885. S. 124. 18)Gherardi, 11 med. vet. 1887. S. 256. 19)Detroyo, Journal de Lyon. 1887. S. 88. 20) Morkle, Bad. tbierärztl. Mittb. 1890. S. 68. 21) Harms, Erfahrungen über Binderkrahkheiten. 1890. S. 81. Ueber Danninvagination: 1) Rucbte, Repert. 1847. S. 122. 2) Meyer, Magazin. 1848. S. 312. 3) Tosco, Giornale di Veterin. 1852. 4) Rocco ibid. 1855. 5) Krcolani, II mod. vet. 1862. 6) Meyer, Magazin. 1863. S. 04. 7) Siebert, TbierarKt 1869. S. 261. 8) Merten, Magazin. 1870. S. 325. 9) Degive, Annal. de Bruxelles. 1870. 10) Anacker, Thierarzt. 1870. S. 65. 11) Bugniet, Recueil de nukl. vet. 1878. 12) Römer, Preuss.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Kolik des Rindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2Ult;.gt;
Mittbeil. 1874/76. S. 88. 18) Glokke, ibid. g. 8!). I4i Strebe!, Ptttz'sohe Zeitsohr. L876. S. 220; Journal de Lyon. 18(19. 16) Saake, Aroh. f. Thier-beilkunde. 1877. S. 196. 16) Qautier, Tidsskrift for Veter. 1880. (Ref. Repert. 1880. S. 141.) 17) Taoooen, Annul, de Bruxelles. 1882. 6. Heft. 18) Perdan, Oesterr.Monatsschr. 1888. S. 86. 19) Eafner, Bad. thierärzü. Mittbeil. 1887. laquo;.27. 20) Reioberter, Reporter. 1888. S. 203. 21) Oater-tag, ibid. 1889. S. 126. 22) Ehlers, Berl. tbierarztl. Woobensobr. 1889. s. 168. 28) Grimm, Sftchs. Jabresber. 1889. s. 75. 24)Hams, Erfabrungen üb. Rinderkrankh. 1890. S. 9(i. 25) lüedingcr, Nill, Wochenschr. f. Thier-heilkde. 1890. 8. 47. 20) Hoffmann, Thierärztl. Chirurgie. 1891. 8.510. üeber den sogenannten inneren Bruch des Ochsen siehe die Literatur in Bering'sOperationslehre. ii. Aufl. 1879. Ausserdemi 1) Pidersen, Tids-Rkrift forVeterin. 1886. 2) Hafner, Heul, thieräi-zü. Mittbeil. 1885. S. 119. 3) Bayer, l.elirbueh der Veterinär-Chirurgie. 1887. S. 410. 4) Cagny, Recueil 1888. 6) Harms, lürfabrungen über Rinderkrankheiten. 1890. 6) 11 off mann, Thiorär/t liehe Chirurgie. 1891. 8. 47.'5.
|
||
|
|
||
|
1) Kolik beim Elude in Folge von Darminvagiiiatioii.
Aetiologie und Symptome. Die Danninvagination ist entschieden die häufigste Kolikursache für das lünd, ja sie scheint sogar beim letzteren öfter vorzukommen als beim Pferde, wie dies die reichlich vorhandene einschlägige Literatur beweist. Man leitet das Entstehen der Darmeinstülpung von einer vorausgegangenen Erkältung, starker Anstrengung bei bergigem Terrain und der dadurch hervorgerufenen lebhafteren Peristaltik ab, in Folge deren sich die eine Darmschlinge in die andere einstülpt. Die Erscheinungen sind sehr charakteristisch. Die Tlilere verfallen plötzlich ohne vorausgegangene Indigestion in mehr oder weniger heftige Kolik, welche (i12 Stunden andauert und dann ganz verschwindet, so dass es den Anschein hat, als ob die Krankheit vollständig in Heilung übergegangen wäre. Indess weisen die aufgehobene Fresslust und Rumination, sowie der Absatz eines anfangs diarrhoischen, später aber ganz trockenen Kothes auf eine tiefergreifende Störung hin. Bald stellt sich dann eine andauernde sehr hartnäckige, allen Abführmitteln trotzende Verstopfung ein, während welcher unter heftigem Drängen nur kleine, zähe, zuweilen mit the erartigem Blute vermischte Schleimklumpen aus dem After entleert werden. Dabei sind die peristaltisohen Geräusche ganz unterdrückt, der Hinterleib wird durch Gasentwicklung in den Gedärmen ailmillilich aufgetrieben und ist bei der Palpation zuweilen an einer bestimmten Stelle empfindlich, der Puls wird sehr klein
Friodliorger u. Fröliucr, Pathol. u. Therapie d, Uiuisllüeiv. I. Bd. S.Anfl. 14
|
||
|
|
||
|
|
||
|
210nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kolik des Kindes,
und ausserordentlioh frequent, während die Temperatur oft gar niclit im Verhältnisse ZU dieser hohen Pulsfrequenz steht, der Körper fühlt sich kalt an, die Thiere stehen stumpf und apathisch da. Bei der Exploration des Mastdarmes kann man biswellen im Verlaufe des Darmes eine längliche, cylindrisclio, schmerzhafte Geschwulst nachweisen.
Verlauf, Derselbe ist ein ziemlich langsamer; meist verenden die Thiere, oft ohne jeden Todeskampf, am 6.9. Tag der Erkrankung, häutig auch erst nach etwa 14 Tagen, seltener schon am vierten. Zuweilen reeidiviren die Kolikanfälle mehrmals in Zwischenzeiten von 812 Tagen. Der Ausgang in Genesung ist sehr selten und kommt dann durch nekrotische Abstossung des invaginirten Darmstückes und peritonitlsohe Verlöthung der getrennten Darmenden zu Stande; man hat in solchen Fällen röhrenförmige Darmstücke im Kothe der Thiere gefunden.
Diagnose. Die Erkennung der Darminvagination beim Kinde scheint nach dem Entwickelten, wie auch nach der Angabe aller Autoren, nicht sehr schwer zu sein. Plötzlicher Kolik auf a 11 (in seltenen Fällen verläuft die Krankheit ohne Kolikschmerzen), bald darauf auffallende Ruhe, sehr hartnäckige Verstopfung, Auspressen blutigen Schleimes, Ab Wesenheit der Verdauungs-geräusche, locale Empfindlichkeit des Hinterleibes besonders rechts, Nachweis einer schmerzhaften Anschwellung im Verlaufe des Darmes, mehrtägige Krankheitsdauer mit allmählicher Verschlimmerung geben hinreichende Anhaltspunkte. Bei der Untersuchung vom Mastdarme aus muss man sich nach Gautior davor hüten, die ziemlich frei in die Bauchhöhle hereinragende linke Niere für eine abnorme Geschwulst zu halten.
Therapie. Die Behandlung ist eine vorwiegend operative. Die innerliche Verabreichung abführender Mittel lässt gewöhnlich im Stiche, weshalb man sich nicht länger damit aufhalten soll. Auch die Versuche, durch häufiges Bergauf- und Bergabtreiben der kranken Thiere die Intussusception auf eine einfache phj'sikalische Weise zu lösen, führen selten zum Ziele, Die Operation besteht in Eröffnung der Bauchhöhle durch den rechts ausgeführten Flankenschnitt (Laparo-tomie). Aufsuchen der invaginirten Stelle (bei Trächtigkeit sehr schwer), manuellem Lostrennen der eingestülpten Theile von einander (Degive) und. wenn dies nicht gelingt, in Resection des
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Kolik des Rindelaquo;.
|
211
|
||
|
|
|||
|
invaginirten Darmstückes und Vereinigung der getrennten Enden mittelst der Darmnaht {Meyer, Taccoen). Bezüglich der letzteren ist daran zu erinnern, dass nicht Schleiinhaut auf Schleimliaut, sondern Bauchfell auf Bauchfell nach vorausgegangener Einkrempung der Darmenden zu vernähen ist (vergl. Operationslehre),
|
|||
|
|
|||
|
2) Kolik heim Rinde in Folge von Darmincaroeration.
Aetiologie. Abgesehen von den hie und da vorkommenden Ein-klenunungen des Darmes in Risse des Netzes und Gekröses, des Zwerchfells, des breiten Mutterbandes u. s. w., ist die Darmein-klemraung beim Rinde am häutigsten bedingt durch den sogenannten inneren Bruch der Ochsen (sogenannter Ueberwurf, Verschnüren). Bekanntlich wird derselbe auf eine besondere Methode der Castration, nämlich das Abreissen der Samenstränge, zurückgeführt. Die schädlichen Folgen dieser Operationsmethode können sich nach zweierlei Richtungen hin geltend machen. Entweder entsteht dadurch ein Riss in der am Rande des Beckeneinganges verlaufenden Bauohfellfalte des Samenstrangs, in welchem sich eine Darmschlinge von vorn nach hinten aufhängt und dabei eingeklemmt wird; es ist dies der eigentliche sogenannte ueberwurf. Oder es schnellt beim Abreissen des Samenstranges der Rest desselben in die Bauchhöhle und schlingt sich um die Gedärme herum, das sogenannte Verschnüren. In beiden Fällen kommt es zu einer Darmincaroeration. Seltener ist eine Verwachsung des Samenstrangstumpfes resp. der Samenstrangreste, mit der Bauch wand und die hiedurch bedingte Spaltenbildung die Veranlassung zu Incarceration.
Symptome. Die dabei auftretenden Erscheinungen sind im Wesentlichen die bei der Darminvagination beschriebenen, auch die Dauer ist dieselbe und beträgt im Durchschnitte (i8 Tage. Für die Diagnose ist der Nachweis einer apfel- bis faustgrossen teigigen, schmerzhaften Geschwulst am Rande des Beckeneinganges, handbreit vom rechten Bauchringe, sowie des straff angespannten Samenstranges von ausschlaggebender Bedeutung.
Behandlung. Dieselbe ist auch beim sogenannten inneren Bruche eine rein operative. Man beireit entweder vom Mastdarme aus den eingeklemmten Darm durch Vorwärts- und Abwärtsdrücken, resp.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
212nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kolik der Hunde.
Lossprengen dos gespannten Samenstranges aus seiner Lage, oder löst die Incarceraiion durch die in die Bauchhöhle nach vorausgegangenem
Plankensohnitt eingeführte Hand. Das Weitere siehe die Handbücher
der Operationslehre.
|
||
|
|
||
|
3) Die übrigen Koliken beim Rinde.
Aligesehen von der durch invagination und Incarceration bedingten Kolik kommen Kolikanfälle beim llinde selten vor. Es können zwar auch wie beim Pferde Ueberfiitterung, Erkältung, Verstopfung des Darmes durch Neubildungen, Filcalmassen, Haarballen, verschluckte Nachgeburt etc., sowie Axendrehungen Kolik veranlassen. Dabei sind jedoch die Anfälle für gewöhnlich nicht so hochgradig; nur ausnahmsweise beobachtet man Wälzen, Einnehmen der Rückenlage, Brüllen, Springen in den Barren u. s. w. Meist sind die Thiero bloss unruhig, treten hin und her, schlagen mit den Füssen gegen den Bauch, wedeln mit dem Schweife, schauen sich nach dem Hinterleibe um etc. Die Behandlung besteht wie beim Pferde in der Anwendung des Physo-stigmins (0,1), sowie der Laxantien (Natrium sulfuricum 500 bis 1000,0; Aloe 45-60,0; Rioinusöl 500,0, in Verbindung mit Rapsoder Mohnöl 1000,0; Crotonöl 15 25 Tropfen), ausserdem im Einführen grösserer Flüssigkeitsmengen durch den Mastdarm und äusser-lichen Frottationen.
|
||
|
|
||
|
Jgt;io Kolik der Hunde,
Literatur. 1) Vouatt, The Veterin, 1840. 2) Mather, ibid, 184;). 3) Umlauf, Oesten-. Monatssohr, .1878- 8. 129. 4) Roll, Lelirbucli der Pathologie u. Therapie. 1885. 5) Hertwig, Die Krankheiten der Hunde. 1880. 8) Pill-wax. Oeaterr. Yierteljahrssohr. 1802. 7) Adam, Woohenaohr. 18()t). S. 63. 8) Nielsen u. Hutzen, Tidsskrift for Veterin. 18G7. 9) Biot, Recueil vot. 1879.
Aetiologie und Symptome. Auch beim Hunde findet man zuweilen Unruheerscheinungen als Ausdruck von Schmerzen im Darm-eanal, welche man mit dem Namen Kolik belegen kann. Als veranlassende Ursachen nennt man Erkältung (wobei indess die Schmerzen sich häufiger auf Muskelrheumatismus, als auf rheumatische Kolik beziehen dürften), Ansammlung fester Futtermassen, besonders von Knochenerde, Verlegung des Darmrohres durch Steine, andere Fremdkörper, Eingeweidewürmer und namentlich Darminvaginationen u. s. vv.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Kolik der Schweine.
|
213
|
||
|
|
|||
|
Dabei ist jedoch zu betonen, class alle diese Ursachen Kolik zwar erzeugen können, ohne sie gerade hervorbringen zu müssen, und dass die eigentlichen Kolikerscheinungen nieist so geringgradig sind, dass man von einer wirklichen Kolik hei Hunden selten spricht. Relativ am häufigsten ist noch eine Art Wurmkolik, bei welcher nach Roll selbst rasende Zufälle auftreten können, hervorgebracht durch Taenia EchinoCOCCUS. Die Kolikerscheinungen bestehen in Winseln der Thiere, unruhigem Hin- und llerlaui'en, hiiuHgein Niederlegen, Zusammenkrümmen u. s. w, Die Daner ist meist eine kurze.
Die Behandlung richtet sich je nach dem Grundlciden; man vergleiche in dieser Hinsicht die betreffenden Kapitel, besonders das über Verstopfung und Ilelmintbiasis. Symptomatisch gibt man gegen die Schmerzen das Opium in Form des Dower'schen Pulvers zu U,quot;)2,0 des letzteren, oder der Opiumiinctur (20 40 Tropfen) mit Gummischleim. Daneben setzt man Klystiere und macht livdropathische Wicklungen um den Hinterleih. Darminvagiuationen können gewöhnlich nur operativ behandelt werden. Biot hat z. B. eine solche durch Laparototnie gebeilt.
Die Kolik der Schweine.
Literatur. 1) Spinola, Bandbuoh der spec. Pathologie u. Therapie. IBOÜ. 2) Hetzel, Repertor. 1877. S. 285. ä) Krause, Thierarzt. 1885. S. 160. 4) Beniüii, Traite des maladies duporo, Paris 1880. 5) Eleinbold, Berl. ÜnVrihv.tl. Wochenschr. 1889. S. 146.
Aetiologie und Symptome. Die Kolik bei Schweinen ist meist auf eine Ueberfütterung mit schlechtem unverdaulichem Futter, Kleie, gährenden Abfallstoffen, Biertriihern, auf das Fressen von Sand (Sandhunger) etc. zurückzuführen. Ausserdem scheinen Erkältung und die Anwesenheit von Darmwürmern (Ascaris iumbrieoidea und Echinor-rhynchus gigas) Kolik zu erzeugen. Endlich verlaufen alle entzündlichen Zustünde des Magens und Darmes, namentlich auch die nicht seltenen Darminvaginationen, mit Kolikschmerzen. Die Thiere sind dabei sehr unruhig, krümmen den Kücken, legen sieh häufig nieder, stöhnen, ächzen, schreien selbst mitunter, strecken sich auf dem Boden aus und zeigen seihst Muskelzuckungen und Krampfanfällc Dabei ist die Futieraufnahme unterdrückt, der Kothabsatz verzögert.
|
|||
|
|
|||
|
Behandlung. Dieselbe beschränkt sich auf die Verabreichung beruhigender und eröfl'nender Latwergen, die Application von Kly-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
214nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wagen- und Dunuguschv/iuw
stieren, auf Frottiren des Bauches u. s. W, Dabei ist für einen wannen Aufenthaltsort und weiches Lager Sorge zu tragen. Von Abführmitteln empfiehlt sich Calomel (14,0),
|
||
|
|
||
|
Magen- und Diiruigesclnvüre.
Literatur. I) (ülis, Journ. du Midi. 1861. 2) Saint-Oyr, Journal de Lyon. 1869. 3) Boloff, Preuss. Mifctheil. 1867/08. S. 157. 4) Kranze, Sachs. Jahresber. 1872. 8.122. 5) Franoesoo, Report. 1878.8.77. 8) Siedam-grotzky, 8ilehs. Jahresber. 1875. 8. 19, 45; 1878. 8. 24. 7) Zippelius, Adam's Wochensohr. 1875. S. 857. 8) Münieh, ibid. 1870. 8.885. 0) Kitt, Miineli. Jahresber. 1879/80. 8. 81. 10) Grad, Zündel's Jahresber. 1878/79; 1882. S. 04. 11) Weiskopf, Adam'laquo; Wochensohr. 1882. S. 29. 12) Gotteswinter, ibid. 188;), 8. 449. 18) Pröhner, Kepertorium. 1884. S. 218. 14) Martin. Müneli. .laliresbor. 1884/85. S. 49. 15) Roll, Spec. Patholog. u. Therapie. 1885. 8. 417. 16) Kater, Berliner Arehiv. 1887. 8. 8(30. 17) Kohlhepp, Bad. thiertetl. Mittheil. 1880. 8. 197. 18) R. Ostertag, Deutsche Zeitsohr. f. Thiermed, 1888. 8. 45. 19) Coluoci, II med. vet. 1889. 8. 820. 20) Nagel, Deutsche Zeitschr. f. Thiermed, 1889. S. 128. 21) Kolb, ibid. 1890. 8. 291. 22) Rasmussen, ibid. 1891. 8. 458.
Allgemeines. Magen- und Darmgeschwüre bedingen bei unseren Hausthieren im Allgemeinen selten eine eigene, selbständige Krankheit: meist finden sie sich als nebensächliche Erscheinung im Verlaufe anderer Krankheiten, so hei der Wuth, Rinderpest, dem bösartigen Katarrhallieber, dem Petechialfieber der Pferde, der Ruhr, den verschiedenen Formen der Gastro-Enteritis, bei der Vergiftung durch scharfe, ätzende Stott'e, bei Magendarmkatarrh, nach Verletzung der Schleimhaut durch Fremdkörper, Bremsenlarven, Spiroptera sang'uino-lenta u. s. w. Unter Umständen können jedoch Geschwüre im Magen oder Darm für sich allein ein bestimmtes Krankheitsbild hervorrufen. Dabei koimnen zweierlei Arten von Geschwüren in Betracht:
1)nbsp; nbsp;Die Geschwüre entzündlichen Ursprunges, insbesondere die sogenannten katarrhalischen Geschwüre und hämorrhagischen Erosionen;
2)nbsp; nbsp;das sogenannte peptische, runde Magen- und Duodenal-gesch vv ü r.
Aetiologie und Pathogenese. 1) Die Geschwüre entzündlichen Ursprunges entstehen nach Entzündungen der Magen- und Darmschleimhaut, wenn die entzündliche Infiltration derselben eine intensivere oder von stärkeren Blutungen ins Schleimhautgewebe be-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Mngeu- und JJiinngu.schwiire.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 21quot;)
gli.'itete war. In solchüii Füllen kommt es auch nach der Rückbildung des entzündlichen Processes zu bleibenden geschwungen Substanzverlusten der Schleimhaut, welche im Magen an beliebigen Stellen sich vorfinden, während sie im Darme sich vorwiegend auf die leicht zerfallenden lymphoiden Follikel localisiren (Pollikulargesohwüre). Am häufigsten bilden sich sogenannte katarrhalische Geschwüre im Verlaufe von acuten und chronischen Magendarrnkatarrhen aus. Auch mich Verwundungen, partiellen Verschorfungen der Schleimhaut etc. können Geschwüre an beliebigen Stellen des Darmcanals zurückbleiben.
2) Das sogenannte runde, peptisohe Geschwür kommt nur im Magen und Zwölffingerdarm, soweit daselbst der saure Magensaft reicht, vor; es entwickelt sich im Gegensatze zu dem durch entzündliche Vorgänge entstandenen durch eine locale Selbstvcrdauung des Magens. Die Ursachen dieser umschriebenen Gastromalaeic sind entweder in örtlichen Circulationsstörungen zu suchen, welche die stetige Neutralisirung des sauren Magensaftes durch das alkalische Blut verhindern und damit die Sehleimhaut den zerstörenden Wirkungen der Magensäuren aussetzen. Hieher gehören umschriebene Gefass-verstopfungen der Schleimhaut durch Thromben oder Emboli, athe-romatöse, fettige, skierotische, amyloide Gefässerkrankungen, localer Gefässkrampf. Oder die Veranlassung zu dem peptisehen Geschwüre liegt in einem abnorm hohen Gehalte des Magensaftes an Säuren, welche die geringsten Schleiinhautdefecte zu Geschwüren umwandeln, während dieselben normal sehr rasch abheilen würden. Ganz in der gleichen Weise wirkt endlich allgemeine Anämie des Körpers, sowie venöse Stauungshyperämie der Magenschleimhaut; auch hier kann die geschwächte und nur wenig von arteriellem alkalischem Blute durchlluthete Schleimhaut den Einwirkungen des Magensaftes bei etwaigen zufälligen Verletzungen weniger widerstehen. Für gewöhnlich sind indessen mehrere der angeführten Factoren zusammen zur Entstehung des peptisehen Magengeschwüres nothwendig. In wie weit trophische Nerven bei der Entstehung des Geschwürs be-theiligt sind, lässt sich mit Sicherheit nicht entscheiden.
Beiderlei Geschwüre, die katarrhalisch-hämorrhagischen wie das peptische, können bei unseren llausthieren eine selbständige Krankheit bedingen; sie sind indess nicht immer leicht aus einander zu halten, und auch in der vorliegenden Literatur scheint zuweilen das viel seltenere peptische, runde Magengeschwür mit den häutigeren katarrhalischen verwechselt worden zu sein. Es ist daher eine genauere anatomische Beschreibung noting.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
2IGnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Miigt'ii- und Darmgesobwttre,
In neuerer Zeit hat R. Ostertag 6 Fülle von peptischem Lab-naagengeschwilr beim Kalbe beschrieben. Die Mebrzafil dieser (Jeschwüre waren portbrireiulo ; in allen Fällen Hess sieh gleichzeitig ein intensiver Magenkatarrh oonstatiren, Bezügliob der Patbogenese dieser beschwüre ergab die makroskopische und mikroskopische Untersuchung, dass tbrombotische Pro-cesse anszuschliessen waren. Dass die Entstehung der Geschwüre aber trotzdem von Kr eislaufest örungen ausging, zeigte die Form, welche einem lietasszwoige entsprach. Ausserdem bringt Ostertag den vorhandenen Magenkatarrh mit der Pathogenese der öeschwüre in Zusammenhang, indem er auf die mit dem katarrhalischen Processe verbundenen Er-niihrungsstönuigen hinweist. Auch Basmussen hat ähnliche Geschwüre beim Kalbe beschrieben. Bei dieser Gelegenheit hebt Ostertag mit Recht hervor, dass die Aetiologie und Pathogenese des peptischen Geschwürs noch viel Unklarheiten erkennen lassen. Nach Gobnbeim kann bei allgemeinen embolischen Zuständen wegen der zahlreichen Anastomosen in der Magenschleimhaut keine Thrombose und kein ülcus entstehen. Bei künstlich erzeugter Localthrombose entstehen Ulcera, welche aber sehr rasch abheilen. Die Ciroulationsstörung allein kann also ein peptisches Geschwür nicht erzeugen. Andererseits haben Experimente mit starker Säurezufuhr in den Magen ZU einem negativen Resultate geführt; ausserdem hat man in vielen Füllen von peptischem Magengeschwür beim Menschen keinen gesteigerten, sondern einen abnorm niedrigen Säuregehalt des Magens nachgewiesen.
Diese Andeutungen, sowie die Tbatsache, dass heim Menschen runde Geschwüre aussei- im Duodenum auch im Oesophagus vorkommen, genügen, um den unvollkommenen Standpunkt in der Präge der Pathogenese des peptischen Magengeschwüres zu kennzeichnen,
Anatomischer Befund, 1) Die katarrhalischen Geschwüre des Magens entwickeln sich meist nach intensiven Schleimhauthyper-ihuien und katarrhalischen Entzündungen mit himiorrlmgiscliein Charakter aus den sogenannten hiunorrhag'iscben Erosionen. Diese Erosionen finden sich am häufigsten in der rechten Magenhälfte in der Gegend des Pylorus und bilden kleine, rundliche, oberflächliche Det'ectc der Schleimhaut mit scharfen, glatten Bändern und unebenem, meist mit Blut bedecktem Grunde, im Darme entstellen katarrhalische Geschwüre mit Vorliebe ans vorausgegangenen Eoiliknlar-verschwärungen, welche ihrerseits aus einer hochgradigen /.elligen Infiltration der Lymphfollikel mit nachfolgender Ertödtung des Gewebes hervorgegangen sind und kleine, disseminirte, kesseiförmige Geschwüre darstellen. Im weiteren Verlaufe bekommen dann die katarrhalischen Geschwüre ein verändertes Aussehen; zunächst werden sie grosser, bis thaler-, selbst bandfellergross, weiter beschränkt sich der gesellwürigo Process nicht bloss auf die Oberfläche der Schleimhaut, sondern ergreift auch die Subrnucosa, selbst die Muscularis, wobei es zuweilen zu Blutungen aus arrodirten Darmgeiassen kommt; endlich kann sogar die Serosa ergriffen werden, was zu peritonitischen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Magen- uml Darmgesobwttre.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 217
Adhäsionen und schliesslich zur Perforation Yeranlassung gi'j*-Neben diesen progressiven Vorgängen gehen immer auch lleiljirocesse einlier. Manche Geschwüre heilen vollständig unter Zurüoklassung strahliger Narben; bei anderen grösseren vernarbt besonders der Rand, wobei derselbe verdickt, wulstig und oft knorpelhart wird, und die angrenzende Schleimhaut sich in strahlig angeordnete Falten legt, während im Centruin die zerfallene Submucosa und Musoularis durch feste, seimige Bindegewebsfäsern ersetzt wird. Daneben findet man die Erscheinungen eines chronischen Katarrhes.
2) Die peptischen Geschwüre sind bis jetzt selten beobachtet worden. Sie kommen nur im Magen und im Anfange des Zwölffingerdarmes vor und unterscheiden sich schon dadurch von den anderen. Sodann sind sie gewöhnlich von ganz regelmassiger, rundlicher oder elliptischer Gestalt, haben scharfe, glatte Ränder, so dass sie wie mit dem Locheisen durchgeschlagen erscheinen, und eine terrassen- oder trichterartige Form; auch kommen sie meist nur vereinzelt vor. Sie heilen ebenfalls mit strahliger Narbe und können zu peritonitischen Adhäsionen, wie auch zu Blutung und Perforation führen.
Von den in der Literatur beschriebenen Magen- und Darmgeschwüren sind die von Si ed amgro t/.ky, Grad und Zippelius veröffentlichten Fülle katarrhalischer, resp. hämorrhagischer Natur, wilhrend Bruckmüller, Boloff, Pröhner und Ostertag peptische, sogen, runde Geschwüre beobachtet haben, wohin vielleicht auch die von (i otteswinter mid Munich publicirten Fälle gehören, Uoloff wies in einem runden Magengeschwür heim Pferde eine oblitorirtc Arterie nach.
Symptome. Klinisch sind die entzündlichen und peptischen Geschwüre nicht aus einander zu halten, da sie ganz dieselben Erscheinungen hervorrufen. Indessen sind diese Erscheinungen oft sehr wenig charakteristisch. Sehr häufig deckt sich das Krankheitsbild vollständig mit dem des chronischen M agendarmkat arrh s. So beobachtete Siedamgrotzky bei einem Pferde nur eine allmählich zunehmende Abmagerung und Entkräftung, Grad und Zippelius beim Rinde die Symptome eines chronischen Labmagenkatarrhs: chronische Tympanitis. Verstopfung, allgemeine Ernährungsstörungen, Bleichsucht u. s. w. Zuweilen allerdings bieten sich auffallendere Symptome dar, aus denen das Vorhandensein eines Geschwüres mit Wahrscheinlichkeit erschlossen werden kann. Dieselben bestehen in hartnäckigem Erbrechen, Kolikerscheinungen, Blutbrechen und Abgang von Blut mit den Excremonten. Beim Pferde sind es
|
||
|
|
||
|
|
||
|
218nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Magen- und DanngesohwUre.
meist periodische, eine bestimmte Zeit nach der Futter auflaquo; nähme auftretende Kulikerscheinungen mit allmählichem Rückgänge der Ernährung; selbst Erbrechen blutig gefärbten Mageninlialts wurde schon wahrgenommen. Beim Rinde sah Gotteswinter neben Erscheinungen der Anämie und unbestimmten gastrischen Störungen schwarzen, theorartigen Kotli, welcher auf die Anwesenheit von Magen- oder Darmgeschwüren hinwies, die auch bei der Schlachtung vorgefunden wurden. Weis köpf beobachtete mehrere Fälle von Magenberstung beim Pferd, verursacht durch Magengeschwüre. Die perforirenden Labmagengeschwtlre der Kälber lassen sich nach lias-mussen intra vitam dadurch diagnosticiren, dass die Thiere meist nach einem Transporte unruhig worden, sich niederwerfen oder schlall und theilnabmslos daliegen, pusten und beim Aufrichten schwanken und Hinfallen.
Der V.erlauf der durch Magen- oder Darmgeschwüre erzeugten Krankheit ist meist ein langwieriger, Heilungen sind möglich; indess ist der Ausgang eines mit Sicherheit diagnosticirbaren Geschwüres meist ein tödtlicher, herbeigeführt entweder durch Verblutung oder Perfo-rativperitonitis, oder endlich durch allmähliche Enthräftung und Abmagerung.
Differentialdiagnose. Bei der Schwierigkeit einer genaueren Diagnose und dem häutigen Fehlen pathognostischer Kennzeichen sind Verwechslungen mit anderen Leiden sehr häutig. Insbesondere ist es der chronische Magendarmkatarrh, unter dessen Namen wohl schon manches Geschwür behandelt worden sein wird, was um so erklärlicher ist, als derselbe für gewöhnlich eine Begleiterscheinung der Geschwüre bildet. Aber auch wenn die charakteristischen Symptome, Erbrechen, Magen- und Darmblutung, vorhanden sind, ist es nicht immer leicht, die Krankheit beim Kinde z. B. von einem Fremdkörper im Magen zu unterscheiden, da derselbe ganz die gleichen Erscheinungen hervorrufen kann. In diesem Falle inüsste das Hauptgewicht auf den Nachweis von Schmerzen in der Gegend der Haube zu legen sein, welche bei den meist im Labmagen vorkommenden Geschwüren fehlen.
Behandlung. Die Behandlung eines Magen- oder Darmgeschwürs inuss vorwiegend eine rein diätetische sein. Die Hauptaufgabe ist dabei, das Geschwür vor dem Heize grober, schwer verdaulicher Nahrung zu schützen. So empfiehlt Zippelius beim Kinde die Verabreichung von nur flüssigen, gut gekochten Nahrungsmitteln, während
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Margenlaquo; und Darmblutung.
|
219
|
|||
|
|
||||
|
er die leicht gähmulen l,,utterimfctel. wie die Abfälle der Brennereien, ganz vermeidet; Pferden sind Meld- und Kleiensehliipp, Hunden Milch, rohe Eier, feinzerhaoktes Fleisch zu verabreichen. Von Arzneimitteln ist dem künstlichen Karlsbader Salze weitaus der Vorzug zu gehen. Dasselbe neutralisirt nicht nur die Überflüssige Säure des Magensaftes, sondern sorgt auch für Desinfection und rasche Entleerung des Magens. Man gibt entweder das oflicinelle Präparat (Sal Carolinuni factitinm) oder verschreibt dasselbe in beliebiger Zusammensetzung, z. H. Natrium sulfurie. 80,0; Natrium chloral, crud. 20,0; Natrium bioarbonio. 5,0; Rindern 100 g, Pferden 50 g, Hunden 25 g pro dosi. Salzsäure ist vollständig eontraindicirt. Zippelius macht hier die Bemerkung, dass das Magengeschwür beim Rinde wahrscheinlich jene berüchtigte Form der Indigestion sei, in der Salzsäure wie Gift wirke! Dagegen kann man in hartnäckigen Fällen einen Versuch mit Bismuthum subnitrienm (0,10,5 für den Hund: wirkt als Antisepticmn) oder Argentuni nitricum machen. Bei Darmblutungen greife man zu den styptischen Mitteln (Tannin, Eisen-. Bleipräparate). Gegen das hartnäckige Erbrechen wendet man beim Hunde die schon bei Gelegenheit des Magenkatarrhs genannten Nar-cotica (Opium, Chloralhydrat, Bromkalium), nusserdem Kreosot, Creolin, Jodtinctur, Eispillen u. s. w. an.
|
||||
|
|
||||
|
Magen- und Darmblutung.
Literatur. 1) Gielen, Magazin. 1846. S, 78. 2) May, ibid. 1854. 8. 489, 494, 3) Vogel, liopert. 1863. 8. 116, 4) Spinola, Handb. d, spec. Pathol. 1868, II. Bd. 8. 255. 5) Schmelz u. Kayser, Thierarzt. 1804. 8. 250. 6) Pflug-, Adam's Woohensohr, 1865. 8. 73. 7) ütz, Bad. Wittheil. 1873. 8. 116. 8) Haubner-Siedamgrotzky, Landwirthschaftl, Thierheilkunde. 1889. 8. 87. 9) Eggeling, Haase, Freuss. Mittb. 1880/81. 8. 57. 10)Bidlot, Bullet. Belg. 1886. 11) Bering, Pathol. u. Therapie. 1858. 8. 559. Mit Literatur, 12) Eöll, Spec, Pathol, 1885. II. Bd, 8. 387. 18) Lab at u, Cadöao, Revue v6t. 1884. 14) Brftuer, Sachs. Jahresber, 1887. 8. 68, 15) Sohneidemühl, Thiermed. Rundschau, 1888/89. 8. 13. 16) Wochen-schrifl f. Thierheilkde, 1891, 8. 4(1 f. 17) Qualitz, Zeitsohr. f. Veterinär' künde. 1891. 8. 459, 18) Soffmann, Thierttetl, Chkurgie, 1891. 8.505.
Aetiologie. Die Blutungen des Magens und Darmes können durch die verschiedenartigsten Processe bedingt sein, deren Erkennung nicht immer leicht ist; es empfiehlt sich daher, trotzdem dass Magen-lind Darmblutungen immer nur ein Symptom einer anderen Krankheit sind, dieselben in selbständiger, übersichtlicher Weise zu behandeln.
|
I 1
|
|||
|
|
||||
|
|
|||
|
220
|
Magen- und Dannblulung.
|
||
|
|
|||
|
1)nbsp; In sehr vielen Fällen sind die Ursachen der Blutungen in mechanischen oder chemischen Verletzungen der Magen-(larmschleimhaut zu suchen, so durch spitze Fremdkörper (Knochensplitter, Glassplitter, Fischgräten, spitze Tannennadeln etc.). durch Ihiigeweidewürmer (Bremsenlarven, Taenia Fchinococcus, Ecliinorrhyn-chus gigas), durch ätzende Stoffe (z. B, Brechweinstein in ungelöster Form), endlich durch Erschütterung des Magens nach einem vorausgegangenen Stoss auf die Magengegend, beim Niederstürzen, nach starken Anstrensruntren etc.
2)nbsp; nbsp;Geschwüre des Magens und Darmes, namentlich das pep-tische Magengeschwür, können durch Eröffnung von Gelassen zu Blutungen fuhren.
8) Sehr häufig linden sich Blutungen im Verlaufe intensiverer Schleimhautentzündungen, so z. B. bei der Hundestaupe, bei den verschiedenen 1 hinnentzündungen.
4) Venöse Stauungen in der Magen- oder Darmschleim-haut haben ebenfalls nicht selten Blutungen im üefolö'e. Solche Stauungen treten bei Lagevcränderungen des Darmes, sowie bei Herz-. Lungen- und Leberleiden auf (Klappenfehler, Lungeneinphysem, Lungen-induration. Lebercirrhose, Fettlebor, Pfortaderthrombose).
.quot;]) Krankheiten mit hämorrhagischem Charakter verlaufen zuweilen mit Dannblulung. 1 lieber gehören gewisse Milzbrandformen (hämorrhagiscber Darmmilzbrand), das Petechialfieber der Pferde, die soptikämischen Erkrankungen, z. B. das septikämische Kalbefleber beim Binde.
ti) Mastdarmblutungen werden gewöhnlich durch llämor-rhoiden bedingt. Diese diffusen oder knotenartigen varicösen Erweiterungen der Mastdarmvenen, welche theils im submucösen (sogenannte innere Hämorrhoiden), theils im subcutanen Gewebe ausser-lialb des Afters (sogenannte äussere Hämorrhoiden) sitzen, kommen besonders beim Hunde und Schweine, seltener beim Pferde und Binde vor. Sie entstehen nach allgemeiner Blutstauung (Herz-, Lungen-, Leberkrankheiten) durch eine ungenügende Entleerung der unter allen Venen der Bauchhöhle vom Herzen am weitesten entfernten Mastdarmvenen, hei Schweinen vielleicht auch in Folge einer vererblichen Disposition. Äusserdem beschuldigt Spinola eine zu reichliche Fütterung mit intensiv nährenden oder schwer verdaulichen und reizenden Nahrungsmitteln, zu wenig Bewegung, die übermässige Anwendung von drastischen Arzneimitteln u. s. w. Heim Rinde kommt als Ursache von Mastdarmblutungen eine zuweilen enzootische Mastdarm-
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Magen- und Darmblutung
|
221
|
|||
|
|
||||
|
entzündung vor. Dieses sogenannte Rücken- oder Lendenblutquot; wurde früher von Jiyeliner (Bujatrik) auf Milmorrlioiden y.urückge-fülirt, mit denen es auch Spinola für verwandt erklärte, während Hiiubner-Siedamgrotzky eine durch scharfe, reizende, zu gewürz-hafte Nahrung, sowie üeberanstrengung erzeugte, entzündliche Reizung der Mastdarmsohleimhaut als Ursache annehmen. Das Lendenblut'' wäre demnach nichts anderes als eine hämorrliagische l'roctitis. In anderen Fällen ist Milzbrand die Ursache desselben.
7) Eine eigenthüinlicho Art von Magenblutung erwähnt Vogel. Bei einem Hunde war nämlich ein Aneurysma der Bauchaorta mit dem Magen verwachsen und hatte sich bei der Ruptur in den Magen hinein entleert, wodurch rasch ein tödtlicher Ausgang herbeigeführt wurde. Einen ähnlichen Fall haben Lab at und Cadeac bei einer Stute beobachtet, bei welcher ein Aortenaneurysma sich in den Grimmdarm entleert hatte. Das Pferd zeigte in den letzten Tagen blutige Excremente und Eolikerscheinuniren,
|
ti
|
|||
|
|
||||
|
Symptome. Das hervorragendste Symptom der Magenblutung ist das Erbrechen von Blut (Hilmateinesis). Dabei wird meist in wiederholton Anfällen eine grössere oder geringere Menge klumpigen, dunkel gefärbten, mit Futterstoffen gemischten Blutes entleert. Dieses Blutbrechen kann iudess bei Magenblutung auch fehlen, so dass letztere von einer Darmblutung oft gar nicht zu unterscheiden ist. Die Darmblutung erkennt man am Abgange eines entweder mit Blut vermischten oder theerartig verfärbten Ivothes. Daneben besteben die Erscheinungen einer inneren Verblutung oder chronischen Anämie, welche späterhin zu llydrämie und serösen Transsudatiouen in die Körperhöhlen führen kann.
Hilmorrhoiden ilussern sich beim Hunde durch schmerzhaften und in folge dessen unterdrückten Kothabsatz und Abgehen von Blut durch den After, welches sieh den Kothinassen von aussen auflagert oder auch unabhängig von der Dofilcation sieh aus dem After entleert. Die Blutungen sind meist nicht sehr hochgradig. Häufig ist die Umgebung des Afters geschwollen und entzündlich geröthet, die Mastdarmsohleimhaut eingerissen, auch ein Mastdarmvorfall kann hinzugetreten sein. Bei der Exploration mit dem Kinger, welche für die Thiere sehr schmerzhaft sein kann, iindet man die Schleimhaut uneben und fühlt die ihr aufsitzenden Knoten, welche zuweilen so lang gestielt sind, dass sie durch die Aftorötfiiimg hindurch nach aussea vorgelagert werden. Dabei drängen die Thiere auf den Koth, rutschen auf dem Hintertheil, haben einen gespannten Gang, zeigen ein mürrisches Wesen, das sich bis zu wnthillinlicheu Erscheinungen steigern kann, /.uvveilen auch erhöhten (loschlechtstrieb. Späterhin kann es zu eiterigem Zerfalle und Thrombosirung der Hämorrhoidalknoten
|
I
|
|||
|
|
||||
|
|
||
|
222nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.Magen- und Dannblntung.
kommen, welche durch Resorption septischer Stolle und Aufnahme /,er-lallener Thromben in die Blutbahn (Soptikiiiuie und l'yiiinie) gefährlich werden.
Beim Pferde beobachtete Ut/, im Anschlüsse an zwei nussgrosse Hämorrhoidalknoten der Mastdarmschleimhaut häufig auftretende, leichte Kolikorscheinungen, Ausiliessen dunklen flüssigen Blutes aus dem After, sowie zeitweises Absetzen dunkler Blutgerinnsel, zu welchen Erscheinungen sich später Anämie und Hydrämie verbunden mit Hautblutungen (sogenanntes Blutschwitzen) gesellten, welche den Tod des Thieres herbeiführten.
Die Erscheinungen bei dem sogen. Kiicken- oder Lendenblutequot; (hämorrbagische Mastdarinentzündung) des Kindes sind nach Haubnor-Sie damg ro t/.ky plötzliche fieberhafte Erkrankung mit steifer Haltung, Empfindlichkeit der Kreuzgegend, Drängen auf den Koth, sowie sparsame, mit Zwang verbundene Entleerung eines trockenen, mit Blut vermengten Kothes, erhöhte Temperatur und wulstige Schwellung der Mastdarmschleim-haut, wobei die eingehende Hand blutig wird, Die Krankheit verläuft gewöhnlich nach 3ß Tagen mit Genesung, bei zu heftiger Entzündung kann indeSS auch der Ausgang ein tödtlicher sein.
Differentialdiagnose. Ob eine Magendarmblutung durch Traumen oder Geschwüre, oder durch venöse Stauung, Gastro-Enteritis, allgemeine Krankheiten, 1 lilmorrhoiden etc. verursacht wird, kann nur bei einsehender Krankenuntersuchunc und auch da nicht immer mit voll-ständiger Sicherheit entschieden werden. Am leichtesten wird die Erkennung einer Proctitis, Gastro-Enteritis, einer Allgemeinerkrankung, einer Hämorrhoidal-Ektasie sein, während die Differentialdiagnose zwischen einem Fremdkörper etc., einem Geschwüre und einer chronischen Stauungshyperämie als ursächlichen Momenten immer sehr schwer ist, sofern nicht die Anamnese das Verschlucken eines Fremdkörpers etc. mit Sicherheit nachweist
Von Wichtigkeit ist ferner oft die Entscheidung der Frage, olgt; man es bei Entleerung von Blut per os mit einer Magen- oder Lungenhiutung zu thun hat. Für eine Magenblutung sprechen das Vorausgehen und Nachfolgen gastrischer Störungen, der Nachweis deutlicher Brechbewegungen und erbrochenen Mageninhaltes, das Auftreten theerartiger Darmentleerungen, das Fehlen von Husten, das Intactsein der Lunge, sowie die Beschaffenheit des erbrochenen Blutes, welches bei ilämatemesis meist klumpig, von dunkler Farbe und wegen des beigemischten Magensaftes von saurer Reaction ist, Im Gegensatze biezu ist das Blut bei Lungenblutung hellroth, durch die Beimengung von Luftblasen schaumig, sowie von alkalischer Reaction; ausserdem sind vor und nach, sowie während der Blutung respirato-rische Störungen, vor Allem Husten zu constatiren. Imless kann die Unterscheidung oft recht schwer werden, wenn nämlich bei Lungen-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Magen danusntzttndung.
|
228
|
||
|
|
|||
|
blutung raquo;las ausgehustete Blut vorseiiluckt und nachträglich erbrochen wird, oder wenn bei I lihnateinesis sich zu den BreobbewegUUgen starker Hustenreiz gesellt. Spinola erwilhnt auch die Verwechslung von Hämatemesis mit dem Erbrechen von im Uebennasse genossenem Blute bei Hunden.
Endlich kann eine Verwechslung von lliimorrhoidon heim llumh' mit starker Füllung und Abscedirung der Aiiidsilcke vorkommen.
Behandlung. Die Behandlung einer Magen- oder Darmblutung besteht in der innerlichen Verabreichung styptischer Mittel. Hieher gehört die Anwendung von kaltem Wasser, Eispillen, der adstringirenden Mittel: Alaun, Tannin, Eisenvitriol, Liquor Ferri sesquichlorati (Hunden 3 bis 5 Tropfen in Pillen), Bleizucker, Argeutum nitricum, Opium, sowie des Mutterkorn s.
Die Behandlung der Hämorrhoiden gehört, /.um Theil ins Qebiet der Chirurgie, soweit sie die operative Entternung der Iliiinorrlioidiilknoteii mittelst des Brenneisens, dor Ligatur u, s. w, betrifft. Die allgemeine Be-handlung erfordert zuntlohst die Vermeidung iillor reizenden , schwer verdaulichen Nahrungsmittel, sowie die Beseitigung jedeV drohenden Verstopfang durch Abführmittel, forner zur Ausgleichung der venösen Stauung genügende Bewegung dor Thiere. Das eigentliche Grundleiden kann dadurch natürlich nicht gehoben werden. Local kann die Blutang durch kalte Klystiere oder die Infusion adstringirender LOsnngen in den Mastdarm bekämpft werden. .Veludich ist auch die Heliandlung der hiiraorrliagisclion Mastdannentzündunff beim Binde,
|
|||
|
|
|||
|
Uagendarinentzttnduiig. Gastro-Enterltls.
Eintheilung. Die Entzündungen der Magen- und Darmschleim-haut unserer Hausthiere können je nach den verschiedenen Gesichtspunkten, die man dabei einnimmt, in verschiedener Weise eingetheilt werden. Es handelt sich in diesem Kapitel zunächst nur um die primären, selbständigen Entzündungen, nicht um die im Verlaufe anderer Krankheiten, z. B. der Hinderpest, der Influenza, der Ruhr, der Schweineseuche, der Wuth, des Detechialliebers, der Lageveränderungen des Darmes u. s. w., auftretenden seeundäreu. Man hat versucht, die Magendarmentzündung nach dem Ort der Hauptaffection in eine Entzündung des Magens, Gastritis, und des Darmes, Enteritis, letztere dann wieder, je nach den verschiedenen Darmabtheilungen, in eine Duodenitis, Ileitis, Typhlitis, Colitis, Proctitia einzu-theilen: praktisch ist dies jedoch nur in den seltensten Fällen durch-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
224nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Einfache Magendarmentzttndung.
führbar, da moist Magen und Darm zusammen erkrankt sind. Klier könnte man den Grad der Entzündung als Eintlieilungsgrund annehmen und eine parenchymatöse, phlegmonöse, eiterige, hä-morrhagische, croupöse, diplitlieritische, käsige u. s. w. Entzündung unterscheiden. Der niederste Grad würde dabei durch den anderweitig abgehandelten, in einigen Lehrbüchern jedoch mit der Magendannentzündung vereinigten Magendarmkatarrh dargestellt sein. Noch besser ist eine ätiologische Eintheilung in eine durch einfache, mechaniscli-thernhschc Reize hervorgerufene Entzündung, ferner eine durch Gifte erzeugte, eine infectiöse (Ruhr), embo-lische, tuberkulöse, mykotische (durch Spaltpilze erzeugte) u. s. w. Die Unterscheidungen einer diffusen und circumscripten, einer sporadischen und seucli e n li alten, einer acuten und chronischen Gastro-Enteritis .sind natürlich viel zu allgemeiner Natur. Für die Zwecke der Klinik empfiehlt sich am besten eine zum Theil auf den Grad, zum Theil auf die Ursachen gestützte Classification. Wir unterscheiden daher im Folgenden die nachbenannten Formen der Gastro-Enteritis als mehr oder weniger gut charakterisirbare und selbständige Einzelkrankheiten:
1)nbsp; nbsp;die einfache, nicht-toxische Gastro-Enteritis der verschiedenen H a u s t h i e r o;
2)nbsp; nbsp;die croupöse Darmentzündung, namentlich des Rindes:
Ü) die mykotische (sogenannte typhöse) Gastro-Enteritis;
4) die toxische (durch Gifte erzengte) Gastro-Enteritis.
|
||
|
|
||
|
1) Die einfache, nicht toxische Magendamentzimdung.
Literatur. 1) Read, The Veterin. 1845. 2) Haraont, Recueil. 184(5. 8) Land-wirthsohaftl. Oentralblatt f D. 1871. Heft 11. 4) Bruckmüller, Lehrbuch der pathologischen Zootomie. 8) Reynal, Dictioimim-e prat. demäd. v6t, 1866. 0) Anaoker, Spec. Pathol, u. Therapie. 1879. 7) Haubner-Siedaingrotzky, Landwirthsohaftl. Thierhlkde. 1889. 8) Pröger, Sftchs. Jahresber. 1888. S. 94. 9) Harms, Deutsche Zeitschr. f. Thiermed. 1878. 10) Vurvelli, II medico vetev. 1886. S. 200. 11) Lustig, Berliner Arohiv. 1887. S.262. 12)RaulMiclil, Oesterr.Monatusohr. 1887. S. 49. 13)Dieoker-hoff, Spec. Pathologie. 1888. S. 827.
Aetiologie. Die Ursachen der einfachen, gewöhnlichen Magen-darmeiit/.ünduug unterscheiden sich von denen des acuten Magen-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
E)infaohe MagendannentzQndunginbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 225
il/irmkatarrlis nur durch die intensivere Art der Einwirkung, sind also Lm AUgemeinen dieselben. Hieber gehören starke innere und ftussere
Erkältungen (rasche Abkühlung nach lebhafter Erhitzung, die Aufnahme sehr kalten Wassers, bereifter, gefrorener Nahrung etc.), Verbrühungen der Magenschleimhaut durch zu heisse Eingüsse, heisses Gesöff, z. B. bei Killbern durch zu heiss gemachte Milch, reizende Nahrungsmittel und Fremdkörper der verschiedensten Art, z. B. auch Eingeweidewürmer, besonders die Spiroptera-Arten (Spiroptera megastoma beim Pferde, Spiroptera sanguinolenta beim Hunde, Spiroptera strongylina beim Schweine u. a.). Auch die lleumilben (Acarus foenarius) wurden als Ursache heftiger Magen-Darmentzündungen beim Pferde beschuldigt, indess wohl mit Unrecht, da sie sich in verschiedener Menge in jedem Heu vorfinden,
Anatomischer Befund. Der anatomische Befund bei der Magen-darmentzUnduug unterscheidet sich von dem des acuten Katarrhs, der niedersten Entzündungsform der Schleimhaut, durch eine höhergnidige, parencbymatöse Affection des Verdauungsschlauches. In manchen Fällen allerdings können Katarrh und Entzündung in einander übergehen, so dass eine Entscheidung schwer sein dürfte; solche Fälle werden indess wohl selten zur Section kommen. Im Grossen und Ganzen trifft man bei der Entzündung statt der Hyperämie mehr die Hämor-rhagie, statt oberfiächlicher desquamativer Processe mehr parenchyma-töse, phlegmonöse, seröse, eiterige Infiltration der Schleimhaut, selbst Nekrose der letzteren.
4P
1) Der Befund inj Magen besteht in einer bald mehr umschriebeneu, bald diffusen höheren Höthung mit verschiedener Farben-nüancirung vom hellen- bis zum dunkelrothen, sowie in Schwellung, Trübung und Falten bildung der Schleimhaut, welche von grösseren oder kleineren Hämorrhagien in Form rother Blutpunkte oder unregelmässiger dunkel- bis schwarzrother Flecken durchsetzt ist. Die Oberfläche der Schleimhaut ist bald glatt, bald mit zähem oder dünnem, hellem oder blutig gefärbtem Schleime belegt, bald zeigt sie kleine, rundliche oder längliche, oberflächliche Geschwüre in grösserer oder geringerer Anzahl, deren Ränder scharf und eben, und deren Grund bald glatt, bald mit Blutgerinnseln bedeckt ist (h am or r hagische Erosionen). Dieselben kommen besonders auf den Falten und im Pylorustheil des Magens und zwar am häufigsten beim Hunde
und im Labmagen des Rindes vor, und sind durch eine hämorrhagi-Frledberger u, Frähner, Pathol, u. Therapie d, Hausthlere, I. Bd, 8. Anfl. 15
|
||
|
|
||
|
|
||
|
22tinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kini'iu-Iie Magend!U'nientzünduaglt;
sehe Infiltration der Schleimhaut mit nachfolgender oberflächlicher Nekl'Ose entstanden. Die Oberfläche der Schleimhaut ist ferner durch die in Form von Körnern hervortretenden geschwollenen und fettig zerfallenen LabdrUsen uneben. Die Submucosa ist zuweilen sulzig
(gallertig) oder eiterig intiltrirt.
2) Im Darme ist die Schleimhaut ebenfalls meist in umschriebener Weise bald gleichmilssifraquo;', bald punktförmig, dendritisch, stern-und netzförmig, bald in Form hellerer oder dunklerer rother Flecken. Streifen und Platten geröthet, geschwollen und getrübt, stärker durchfeuchtet, erweicht, mürbe, selbst breiartig oder zunder-ilhnlich zerfallen und zuweilen mit trockenen, missfarbigen Brand-schorfen belegt, welche entweder fest aufsitzen oder durch demar-kirende Eiterung theilweise abgestossen sind und eine Perforation der ganzen Darmwand herbeigeführt haben können. Das Schleimhautepithel ist oft in grosser Ausdehnung abgestossen, die Zotten treten in Folge von Anschwellung stärker hervor, erscheinen länger, flottiren deutlich unter Wasser und geben der Schleimhaut ein sammetartiges Aussehen. Die solitären und agminirten Follikel sind bald unverändert, bald geschwollen, von einem rothen Hof umgeben; dabei treten die solitären in Form stecknadelkopfgrosser Bläschen oder Knöt-chen, die agminirten als breitere Erhabenheiten mit gntbiger, unebener Oberfläche hervor; beim Zerfall dieser zellig-eiterigen Infiltrate erscheinen an Stelle der Solitär-Follikel kessel- oder kraterförmige, an Stelle der Peyer'schen Plaques siebförmige, areolirte Geschwüre (Foilienlarge schwüre). Der Darm Inhalt ist von sehr verschiedener Be-schatfenheit, bald dünnflüssig, wässerig, bald schleimig, eiterig, bald heller, bald milchig, graulich, röthlicli gefärbt, zuweilen mit Kpithel-llocken, Fibringerinnseln, Eiter- oder Blutklütnpchen gemischt, oder seihst aus lauter Blut bestehend. Die Submucosa ist entweder normal, in anderen Fällen höher injicirt und ödematös. sulzig oder hämorrhagisch geschwollen, wodurch die Schleimhaut ausserordentlich verdickt und wulstig erscheint; besonders im Blind- und Grimmdarme des Pferdes kann man sie so in grösserer Ausdehnung mehrere Finger dick finden. Die Muscular is ist meist nur geringgradig serös in-liltrirt, sofern sie nicht bei vorgeschrittener Perforation geschwürig zerfallen ist: die Serosa ist in verschiedenen Graden injicirt und zeigt oft einen Belag, sowie peritonitische Wucherungen. Endlich lindel man die Gekrösdrüsen häutig markig inflltrirt und geschwollen, desgleichen Leber und .Milz sehr blutreich.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Künfache Slagendarmentzündung.
|
||
|
|
||
|
Symptome. Die Erscheinungen der einfachen, bei allen Hhus-thieren meist sporadisch auftretenden Magendarmentzündung entwickeln sich entweder im Anschlüsse an das Krankheitsbild des acuten Magen-darmkatarrh.s oder treten, wie dies meistens der Fall ist, plötzlich in selbststftndiger Weise hervor. ZunUchst liegen Futteraufnnhtne und Wiederkauen ganz darnieder, Schweine und Hunde erbrechen sich oft anhaltend, Pferde und Rinder /eigen zuweilen Brechbewegungen. Die Maulschleimhaut ist koch geröthet, heiss und trocken, im weiteren Verlaufe stellt sich gewöhnlich ein iiusserordenÜicher Durst ein, dessen Befriedigung besonders bei Bünden verstärktes Erbrechen hervorrufen kann. Dazu kommen anhaltende und meist sehr heftige Kolik-erscheinungen, welche beim Hunde einen wuthiUinlichcn Charakter annehmen können. Die Palpation der Magengegend und des Hinterleibes ist schmerzhaft, die Bauchdecken sind gespannt, der Bauch selbst ist hie und da tympanitisch aufgetrieben. Die l'eri-staltik liegt ganz darnieder, und es besteht eine hartnäckige Verstopfung, wobei die Thiere höchstens unter starkem Drängen einzelne harte, kleine, mit Schleim oder Blut umhiillte K'othballen oder reines Blut (hämorrhagische Darmentzündung), ausnahmsweise auch brandig abgestossene Darmtbeile entleeren, welche einen aas-hat'ten Geruch verbreiten. Erst gegen das tödtliche Ende der Krankheit tritt an die Stelle der Verstopfung eine profuse Diarrhöe, wenn sich zu der Lähmung der Darmwand auch eine solche des Sphincter ani gesellt. Der Harn ist häutig eiweisshaltig und bei Pflanzenfressern oft stark sauer.
Die genannten hochgradigen gastrischen Zufälle sind von einem nicht minder schweren Fieber begleitet: dasselbe tlussert sich vor Allem in einem sehr freqnenten, kleinen, harten Pulse, hoher Steigerung der Körpertemperatur, stark gerötheten Schleimhäuten, Kälte der extre-mitalen Theile, Schweissausbruch. Beim Pferde kann so die Pulsfrequenz SO, 100 und mehr Schläge per Minute, die Innentemperatur 40IIquot; ('. erreichen; in anderen Fällen beobachtet man besonders gegen das letale Ende subnormale Temperaturen, Das Senso-rium der Thiere ist oft sehr stark eingenommen; sie ilusseru grosse Angst und Unruhe, oder die Aufregung hat einem allmählich zunehmenden Stumpfsinn und Collaps Platz gemacht, die Thiere schwanken und taumeln, zeigen zuweilen Zuckungen und Krämpfe. Meist lassen die Kolikschmerzen gegen den tödtlicben Ausgang hin nach, und die Thiere verenden ruhig unter comatösen Erscheinungen.
Der Verlauf dieser einfachen Magendarmentziindung ist be-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
o-j^snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;H/infaohe EkTagendEii'mentzttncluug.
sonders beim Pferde ein sein- acuter, so dass die Dauer unter Uinständen nur einen Tag, meist aber nicht über zwei oder drei Tage beträgt. Die von H aub ner-S i edamgrotzky er-wälinte schleichende, mehrere Wochen dauernde und unter plötzlich eintretenden Zufallen mit dem Tode endende Form deckt sich vielleicht im Wesentlichen heim Pferde mit der embolisch-tliromhotischen Enteritis.
Prognose. Die beschriebene Mageildarmentzündung ist eine sehr gefährliche und in den meisten Fällen tö dt lieh endende Krankheit. Günstige Umstände sind: massige Kolikerscheinungen, geringgradiges Fieber, insbesondere ein noch kräftiger, nicht sehr frequenter Puls, fortbestehender Kothabsatz. Ungünstig ist dagegen: sehr hohes Fieber, ein sehr beschleunigter, kleiner, drabtförmiger Puls, angestrengte Athmung. anhaltende Verstopfung, plötzlicher Nach-lass des Schmerzes verbunden mit Collaps, profuse Diarrhöe. Die Todesursache ist entweder in Darranekrose mit nachfolgender allgemeiner Sepsis, oder in Gehirnapoplexie, Lungenödem. Darmblutung. Herzlilliraunar durch Shols etc. zu suchen.
|
||
|
|
||
|
Differentialdiagnose. 1| Die Unterscheidung der Magendarinentzündung vom Magendarmkatarrh gründet sich auf die durch-gehends intensiveren Krankheitsersoheinungen bei der Entzündung: höheres Fieber, grössere Herzschwäche-, schwereres Allgemeinleiden, stärkere Kolikschmerzen, sowie die anhaltende Verstopfung.
2) Schwieriger dürfte beim Pferde die Unterscheidung einer als sogenannte Entzündnngskolikquot; in die Erscheinung tretenden Gastro-Bnteritis von den anderen Kolikformen sein. In vielen Fällen ist dieselbe während des Lebens geradezu unmöglich, und nur eine Section kann Aufschluss geben. Andererseits liegt eine grosse Schwierigkeit in dem Umstände, dass sehr viele Kolikerkrankungen im späteren Verlaufe eine Enteritis zur Folge haben. Doch sollte eine Differential-diagnose in jedem einzelnen Falle wenigstens versucht werden. Anhaltspunkte bieten: das hohe Fieber, der beschleunigte, kleine Puls. die anhaltenden, nie intermittirenden Kolikschmerzen, das schwere Allgemeinleiden, die anhaltende Verstopfung, die Schmerzhaftigkeit des Hinterleibes bei der Palpation, die Anamnese. In einzelnen Fällen kann die Diagnose auch auf dem Wege des Ausschlusses annähernd festgestellt werden.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Einfache MtissndEii'nientzQnclunfl
|
ii2lt;.raquo;
|
||
|
|
|||
|
:!) Von den Übrigen Formen der MagendannenfczUndung
unterscheidet sich die vorliegende im Allgemeinen In der Weise, dass bei der toxischen die Anuinnese, sowie die für bestimmte Gifte charakteristischen Erscheinungen, bei der mykotischen die schweren Gehirnerscheinungen und der raschere Verlauf, bei der croupttsen der Abgang von Croupnienibrant'n und die längere Dauer, bei der infectiösen Ruhr endlich die seuchenartige Verbreitung und das Vorwiegen der Diarrhöe für die Siedlung einer Diagnose massge-bend sind.
4) Die Unterscheidung einer primilren Gastro-Knferitis von Wuth. Milzbrand, Binderpest u. s. w. ergibt sich aus einer genauen Untersuchung und dem Verlaufe: es kann indess nicht selten beim Hunde unter Umständen schwer werden ZU entscheiden, ob man es im gegebenen Fnlle mit einer einfachen Gastro-Enteritis oder mit Wuth zu thun hat, weil erstere zuweilen mit wuthiilmlichen Krschei-nunsren verläuft.
|
|||
|
|
|||
|
Therapie. Die Behandlung der einfachen Mngendarraentzündung
erfordert neben Beseitigung der einwirkenden Ursachen in erster Liniü eine sorgfältige Ucberwachung und Regolling der Diät. Im Anfange empfiehlt sich eine vollständige Hungerdiät, welcher später mir leicht verdauliche Futterstoffe mit allmählichem üebergange zur gewöhnlichen Pütterungsweise folgen dürfen. Gar nicht selten wird nämlich durch die zu frühzeitige Verabreichung schwer verdaulicher Futtermittel viel Unheil angerichtet. Das verabreichte Wasser soll überschlagen sein; bei Hunden, welche durch die Aufnahme von Wasser anhaltend zum Erbrechen gereizt werden, beschränkt man die Menge desselben auf das Nothwendigste. Die weitere Behandlung beginnt mit Anregung der II au tthä t igkei t durch Frottationeii. Einreiben von Campherspiritus,. Terpentinöl, Senföl etc. in die Bauchdecken, hydropathische Umschläge um den Hinterleib. Innerlich gibt man e in hü 11 en d e , seh m erzlind e r n d e Mi 11 e 1 , SO besonders die schleimigen Abkochungen und Oel-Emulsionen, unter denen Leinsamenabkochungen, frisches Leinöl, Gevstenschleira, Qummi-schleim in Verbindung mit Opium, Tinctura Opii u. s. w. die
gebräuchlichsten sind. Gegen ZU heftige Kolikschmerzen bedient man
sich subeutaner Morphium-Injectionen. Vor drastischen Mitteln bei hartnäckiger Verstopfung hat man sich wegen Steigerung des entzündlichen Processes auf der Schleimhaut sehr ZU hüten, man verwendet daher nur die mildesten Abführmittel, SO Hicinusöl in Emulsion,
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
280
|
Croupöse DarmentzOndung,
|
||
|
|
|||
|
ülauber- und Bittersalz, sowie Calomel, letztere häufig in Verbindung mit Opium.
Beispielsweise mögen für das Pferd, Rind und den Hund die folgenden ßecepte anzuwenden sein;
Für das Pferd: Opii pulverat. 10,0; Hydrargyri chlorati 2,0; Pulv. Und. Mthaeae 100,0; Aqu. destill. qu, s, f. Eleotuar.; auf einmal.
Für das Rindi Decoct, Semin. Lini 750,0 (ex 100,0 parat.); 01. Lini 250,0; auf einmal als Einguss zu geben,
Für den Hund: Tinctur, ()])ii simpl, 2,0').lt;; Gummi nrabici 10,0; Aqu. destill. 300,0; esslöfFelweise zu geben,
Bei SchwtlchezustHnden und (Jollaps greift mau zum Campher, Aether. Wein, Kaffee, ('offein. Hvoscin u. s, w.
|
|||
|
|
|||
|
2) Die croupöse Darnieutzüiuluug'. der Darmcroup.
Literatur, l) Dölafond, Recueil, 1842, 2) Di'ouard, ibid. 8) Moroau, ibid, 1843. 4) Jahn, Repert. 1844, S. 221. 5) Engesser, ibid. 1845, S, 24, 6) Festal, Recueil de möd, vöt, 1847. 7)Hamon, ibid, 8) Gurlt, Magaz, 1847, S, 80, 9) Aiincker. ibid, 1853, S, 488; Spec. Pathol. u. Therapie. 1879, 10) Prehr, Preuss. Mitth. 1853/54. S. 101. 11) Boccaletti, tiioni. laquo;li Veterinär. 1867. 12) Bossetto, ibid. ISW. 18) Kölling, Magazin, 1X58. S. 7). 14) Eberth, Elepert, 1858. S. IST, 15) Clavel, Journal du Miili. 1860, IG) Pritsch, Baer u A., Stichs. Jahresber, 1860, S, 89, 91, 17i AIIem a n i. II raed, veter, 1864, 18) Schuhmacher, Thierorzt, 1804. S. 19, 19) Adam, Woohenschr, 1864, S, 189, 20) Delhaize, Annal, de liinxcllcs. 1805, '.Mi Hering, Repertorium, 18(i7. S, 16. 22) Lagreze, Journal du Midi. 1869, _,:'gt;i Müller. Sftchs. Jahresbericht, 1872, S. 123. 24) Grimm, ibid. 1881. S, llü. 'i'l) Bellinger, Münchener Jahresber, 1-77. s, 21, 26) Stang, Zttndel's Jahresber, 1886, S. 91). 27) Schwane-feldt, Berliner Archiv. 1886, 28) Priedberger, Münchener Jahresber, 1886/87. S. 68, 29) Eokardt, Berliner thieramp;i-ztl, Wochenschr, 1889,8.121, 80) Bertsohe, Bad, tliieviirzll. Mittheil. 1890, S, 123,
|
|||
|
|
|||
|
Vorkommen. Die croupöse Darmentzündung findet sich am häufigsten beim Rinde, wo sie nach Ausweis der vorliegenden Literatur nicht so seifen vorzukommen scheint, als gewöhnlich angenommen wird; in zweiter Linie sodann heim Pferde und den Fleischfressern, am seltensten heim Schafe. Beim Kinde tritt sie immer nur sporadisch, sowie mit schleichendem, mehr chronischem Verlaufe auf: bei den anderen Thiereu ist sie ebenfalls sporadisch, ihr Verlauf ist indess ein mehr ausgesprochen acuter und selbst per-aeufer.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Croupöse Darmentzündung
|
:il
|
||
|
|
|||
|
Aetiologie. J)ie Ursachen der croupösen Darmentzündung lgt;eiin Kinde sind noch nicht hinreichend aufgeklärt. Man nimmt gewöhnlich innere und Hussere Erkältungseinflösse, sowie reizende, unverdauliche Nahrungsstoffe als Hauptursachen an. Für erstere scheint das häufige Vorkommen der Krankheit im Frühjahr und Herbst, sowie die Complication mit Bbeumatismus (Grimm) zu sprechen. Unter den letzteren hat man z. B. Heu mit zu grossem Gehalt an ge-würzhaften Kräutern, die Verfütterung von vielem Kaff (Spreu) etc. beschuldigt, in einigen Fällen bezog sich der Darmcroup wohl auch auf vorausgegangene Anwendung drastischer Abführmittel. Auch andere Arzneimittel, z.B. Gampherspiritus, Gan thar iden u. s.w.. können beim Rinde eine croupöse Enteritis erzeugen. Der Grund, warum die croupöse Darmentzündung vorwiegend beim Rinde beobachtet wird, wird gewöhnlich in einer besonderen Disposition desselben gesucht, welche in einem faserstoff- und eiweissreichen Blute mit Neigung zu fibrinösen Ausscheidungen beruhen soll. Diese Disposition ist am meisten bei jungen gutgenährten, sowie bei hoch-fcrächtiffen Thieren vorbanden, welch letztere auch in auffallend hau-liger Weise an Darmcroup gegenüber anderen Thieren erkranken. Vielleicht lässt sich auch die dem Rinde eigenthümliche lymphatische Constitution damit in Zusammenhang bringen, in Folge deren es beispielsweise auch in der Lunge bei Entzündung derselben so gerne ZU massenhaften plastischen Ausschwitzungen kommt.
Beim Pferde scheinen zuweilen Goprostasen, beim Hunde und bei der Katze Bandwürmer die Veranlassung zu Darmcroup abzugeben. In nicht weniffen Fällen bleibt die Ursache unbekannt.
|
|||
|
|
|||
|
Anatomischer Befund. Der Sitz der croupösen Entzündung ist beim Rinde bald der Dünndarm, bald das Go Ion, heim Pferde meistens der Hüftdarm. Die Schleimhaut zeigt verschiedengradige theils katarrhalische, theils entzündliche Veränderungen und ist in verschiedener Ausdehnung mit graugelben, mehr oder weniger leicht abziehbaren Groupmassen bedeckt, unter denen das Schleimhautgewebe besonders stark geröthet, hämorrhagisch oder eiterig intiltrirt und dabei sehr weich und mürbe ist. Diese Groupmassen bilden beim Rinde bald häutige, bald röhren-, sträng- und cylinderförmige Gebilde, welche entweder solid oder im Inneren ausgehöhlt und mit Futtermassen angefüllt sind. Zuweilen bestehen sie aus mehreren in einander liegenden Röhren, welche sich aus einander herausziehen lassen, und zwischen welchen sich Futterreste vorfinden. Ihre Länge
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
282nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Oroupöse Darmentzttiiduugi
ist sehr VOrsohieden) oft sind (\s nur kleinere kurze Stücke, oft aber auch lange, bis zu 10 Meter messende Schläuclie verschiedeuen Kalibers. Die mikroskopische Untersuchung zeifft ein amorphes Gefüge von tibrinöser, structurloser Grundsubstanz mit eingebetteten, fettig degenerirten Epithelzellen und weissen Blutkörperchen. Der Darm-Inhalt besteht entweder ausschliesslich aus diesen croupösen Massen, oder es linden sich daneben dünnflüssige, oft sehr übelriechende, missfarbige, mit klumpigen Gerinnseln untermischte Massen vor. Auch die sclihuicliförmigen Drüsen des Darmes erweisen sich bei genauerer Untersuchung mit librinösem Exsudate ausgegossen,
Symptome. Die Krankheitserscheinungen beim Darmcroup des Rindes sind viel milderer Natur, als die der übrigen Darmentzündungen; in einzelnen Fällen waren selbst gar keine wesentlichen, auffallenden Erscheinungen dabei zu bemerken, in anderen traten sie scheinbar erst im Anschlüsse an den Abgang croupöser Massen auf. Gewöhnlich sind es nur Erscheinungen eines Darmkatarrhs oder einer .schleichenden Darmentzündung, welche der Entleerung besagter fibrinöser Gebilde vorausgehen. Die Thiere zeigen Appetit- und ßuminationsstöruugen, verbunden mit leichten Kolikerscheinungen, Verstopfung, sowie uledergradigem Fieber. Nach mehreren Tagen fällt dann der Abgang der beschriebenen Croup-cvlinder auf, an den sich gewöhnlich eine starke Diarrhöe mit Entleerung dünner, graubrauner, mit Exsudatfetzen gemischter, äusserst übelriechender Massen anschiiesst, welche in seltenen Fällen mit Blutklumpen oder Eiter versetzt sein können. Meist tritt auf diese Entleerung Besserung und oft auffallend rasche Heilung ein, so dass die Dauer im Allgemeinen 68 Tage betragen dürfte. Ausnahmsweise kann die Krankheit beim Rinde auch schwerer verlaufen. So beliebtet Festal über eine acute croupöso Darmentzündung beim Kinde, welche mit öfteren Kolikerscheinungen, hartnäckiger Verstopfung, hohem entzündlichem Fieber, sowie schwankendem Gange einsetzte, worauf unter Nachlass der Kolikschmerzen, aber unter andauernder Verstopfung membranöse Massen ausgepresst wurden, an deren Stelle später (ö7 Tage) eine jauchige, übelriechende Flüssigkeit trat, wobei entweder Besserung, oder unter allgemeiner Schwäche-zunahme und Ausbildung einer Peritonitis der tödtliche Ausgang eintrat (Dauer 820 Tage).
Beim Pferde stellt sieb die croupöse Darmentzündung meist unter dem Bilde einer anhaltenden Indigestionskolik dar. Prietsch
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Croupöso Dormentüttndung.
|
283
|
|||
|
|
||||
|
constath'te in einem Falle wuthtlhnliche Erscheinungen (Schlagen, Beissen, Vorwärtsdrilngen, Schwanken im Kreuze etc.). Zuweilen jedoch fehlen die Kolikerseheinungen, und die Kriinkheit verläuft lediglich unter dem Bilde einer fieberhaften Darmaffeotion mit Entleerung' eines breiweichen, übelriechenden, mit flockigen, bröckeligen und strangartigen Croupmas.sen durchsetzten Kotlies. Bei den anderen Thieren (rleicheu die Erscheinungen der einfachen Magendarmeut-
|
||||
|
|
||||
|
zündung jenen, nur sind
|
jeringgradiger,
|
|||
|
|
||||
|
Prognose. Dieselbe ist nach dem Vorausgehenden für das |{ind ziemlich günstig; in seltenen Füllen llt;aim eine Gefahr durch die vollständige Verstopfung eines Darmabschnittes mit den croupösen Massen bedingt sein. Bei den anderen Thieren, besonders beim Pferde, ist die Voraussace daffetren ungünstig zu stellen.
|
||||
|
|
||||
|
Difforentialdiagnose. Der Abgang sträng- oder röhrenförmiger Croupmassen (lurch den After, welcher allein die Diagnose auf Darm-oroup ermöglicht, kann insbesondere beim Laien mehrere Verwechslungen bedingen. So wurden die Croupstränge schon für Nattern. Bandwürmer, für verschluckte Eingeweide kleinerer Tbiere oder für Darmschlingen des erkrankten Thieres selbst gehalten. Fine genauere Besichtigung der Oroupröhren, ihre grau-weissliche Farbe. homogene Structur, das Fehlen der öekrösanhef-tung, sowie einer bestimmten Anordnung von Blutgefilssen etc. wird sie jedoch leicht von Darmschlingen unterscheiden lassen. Beim Pferde dürfen mit Schleim überzogene Kotbballen. wie mau sie häufig bei verzögertem Kothab.satze oder bei katarrhalischer Prootitis trifft, nicht mit Darmcroup verwechselt werden, desgleichen nicht bei den Fleischfressern dem Kolli beigemengte, schleimige oder halbverdaute, bindegewebige, von der Nahrung herstammende Membranen.
|
||||
|
|
||||
|
Therapie. Die Behandlung der croupösen Darmentzündung unterscheidet sich von derjenigen der einfachen im Wesentlichen nicht. Nur sind statt der einhüllenden mehr die lösenden und verflüssigenden Mittel angezeigt. Hieber gehören insbesondere die Mittelsalze, überhaupt die Alkalien, welche die cronpösen Gerinnsel zur Einschmelzung bringen sollen (doppeltkohlensaure und schwefelsaure Alkalien). Man kann diese Salze auch auf dem Wege der Darminfusion in verdünnten Lösungen anwenden (besonders beim Hunde Iprocentige Kochsalz-, Soda-, Pottaschelösungen).
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
234
|
Mykotisohe MagendarmentzUndung,
|
|||
|
|
||||
|
3) Die mykotisclie Mageudarmentzündmig.
|
||||
|
|
||||
|
(Infeotiöse, septische mykose; Mykosis ode:
|
se])tii'oniie. typhöse Gastro - Mnteritis : 1 hirm-Sepsis intestiiuilis; Darmtyphus; Pilz-, Fleischlaquo; uiul Wurstvergiftung. I
|
|||
|
|
||||
|
Literalur. I. CJeber PleisohVergiftung, Ptomaine eto. 1) Rosenkranz, Sachs. Jahresber. 1871. S, 14:1. 2) Albrecht, Mam's Wooheusohr. 1878. s. 214. 3) Siedamgrotzky, Stichs. Jahresber. 1877. s. ;!2: Vorträge für Thierärzte. III. Serie. Heft 2. lieber Fleischvergiftungenquot;. 1880. 4) Johne, Siidis. Jahresber. 187!). S. 89. 6) Bellinger, Deutsche Zeitschr. f. Thier-medicin, 1879. S. 240; Adam's Wochenschr. 1878. S. 18| Manch, medioin. Wooherischr. 1887. 6) Huber, Deutsches Ai-chiv f. klin. Medio. 25. Bd, S. 220. 7i Arnold, lliimiov. Jahresber. 1884. S. 132. 8).Sohmidt-Mül-beim, Handbuch der Fleischkunde. 1884; Zeitschr. f. Fleischbeschau. 1888. ii) Brieger, Berlin, klin, Wochenschr. 1884. Nr. 14; Virchov's Arohiv. Bd. 116. 8. 488. 10) Sohuohardt, Deutsohes Archiv f, klin. .Medicin. 1887. S. 312. Mil reicher Literatur. Ill Spamer, ibid. 8. 187. 12) Vaughan, Archiv f. Hygieine. 1887. 13) Dobrosmüslow, Das Veterintlrwesen. Petersburg. 1888. 14) Wilhelm, Stichs. Jahresber. 1889. 8. loo. 16) Mould, Revue intematioiii des falsifications, 1889, 10) Gftrtner, Oorrespondenz-hlütter des Allg. iirzll. Vereins von Thüringen, 1888. Ref. Monatshefte f. praktische Thierheilkde, 1890. S.. 184. 17) Karlinski, Oentralblatl f. Bactoriol. Bd. 6. S, 28D, 18) Qaffky-Paak, Ein Beitrag zur Krane der soj;. Wurst- ami Fleischvergiftungen, Arbeiten ans dem kaiserl, Gesundheitsamte. Bd. 6. s. 159. 19) Fröhner, Lehrbuch der Toxikologie f. Thier-iirzti'. 1890. 8. 288. 20) Gutzeit, Zeitschr. f. Veterhmrkde. 1891. S. 10. 21) Schindelka, Oesterr. Zeitschr. f. Veterinllrkunde. 1891. 8. 90. Tl. Ueber Pilzvergiftungen; a. Schimmelpilze: 1) Dekker, Repert, 1859. S. 287. 2) Honnet, ibid. 1875. S. 899. 8) Sohleg, Stichs. Jahresber. 1860/61. s. us. 4) Grimm, ibid. 1871. s. 144. 5) Kolbow, Thierarzt. 1879. 8.5(1. 6)Schirlitz, Und. 1872. S. 85. 7) Appenrodt-Schmi dt, Jakobi, Köpke, Leistikow, Preuss. Mitth. 1876/77; 1879; 1880; 1882. 8) Fisch ha ch-Knimeriili, ibid. 1878/79. 8. 25 f. 9) Göttelmann, Zündel's Jahresber, 1875. 10) van Wallendael, Etat sanit. Brab. 1884; Annal. belg.'1888. 11) Gerlach, Gerichtl. Thierheilkde. 1872. 8, 827. Mit Literatur. 12) Cornevin, Recueil veter. 1872. 18) Perrin u. Mdgnin,
Bull. Soe. COntr. velcr. 1881. 14) Cagny, ibid, 15) A ha die. Monier
n. hecorme, Kccueil. 1882. Ui) Pickernig, The vet. journ, Bd, 27. 17) Anii.ni. (iionmle di Änatomia. 1888. 8. 17. 18) Strittmatter, Had. tliieriir/.ll. Mitth. 1888. 8. 11. 19) tlebele, Repertorium, 1889. S, 22, 20) Koch, ibid. S. 805. 21) Esser, Winter, Morro, Berliner Archiv, 1889. S. 219 n. 297. 221 Martin, Wochenschr. f, Thierheilkde. 1890, S, 890, 23) l'lättner. Zeitschr, f, Veterinftrkunde, 1889. S, 2(10. 24) Frank, Schmid, Deutsche Zeitschr. f. Thiermed. 1890. S. 296 u. 800. 25) Repiquet, Journal de Lyon. 1890. 26) Fröhner, Lehrb, der Toxikologie, 1890. S. 222.
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
M.ykotisdir Magendarinentzttndun{
|
285
|
|||
|
|
||||
|
lp. Ifostpilzr: 1) Fischer. Amuil. dB Ijiiix. llStiquot;). 2) I'l'inick, Aijiiin'a
Woohensohr, 186(i. 8. 866; 1867. S. 97, 3) Kolbow, Tbierarzt. 1879.
|
||||
|
|
||||
|
S. 66. 1) Jüngers, ibid, 188-4. S. 141. 5) Berfcsohe, Had
|
Mitlh. 1885 (ii'sniullicits
|
|||
|
|
S. 113. (!) Allard, Bullet, Belg, 1886, 7) Damiuann, Die pflege dor landwirthsohaftl, Haustbiere, 1880. 8) Grisohin, Petersburger Archiv f, N'cteniiiiniuHliciii. 1887. 9) Srairlow, ibid, 1888, 10) Jahres-berichte der bayer. Thierttoite pro 188'J. Ref. Woohensohr. I. Thierbeilkde. 1890. 8- 389 ff. 11) Pröhner, Lehrbuch der Toxikologie f, Thierärzte. 1890. S. 229.
c.nbsp; nbsp;Brandpilze: 1) Alhrecht. Landwirthsohaftl, Centralbl, Für den Notze-Distriet. 1869. 3) Adam jun., Adam's Woobenschr, 187(1. .'-;. ;5il2. 3) Kooh, ibid, 1877. S, 25, 4) Eerele, ibid. 1878. S. 283. 6) Vogel, Kepert. 1879. 8. 187, 6) Wankmüller, Adam's Woohensohr, 1881. 8. 318, 7) Mackh, ibid, 1888. 8.221. 8) Da mm a n u , Die Gesundheitspflege der landwirthsohaftl. Haustbiere. 1886. 9) Host, Sachs. Jahresber. 1889. 8. 88. 10) Weiskopf, Woohensohr, f, Thierbeilkde, 1889. s. 882, 11) Martin, ibid. 1890. 8. 390, 12) Eokmeyer, ibid. 1891. S, 41. 18) Neidhardt, Hohen leitner, Deutsche Zeitschrifi für Thiermedicin, 1890, S. 801. 14) Fröhner, Lehrbuch der Toxikologie f, Thierftrzte, 1890. 8. 226.
d.nbsp; nbsp;Kernpilze! 1) Weber. Sachs. Jahresber. 18d4. 8. 81. 2) Pranck, Wochenschr. f. Thierbeilkde. 18d7. 8) Dammann, Die Gesundheitspflege der landwirthsohaftl. Haustbiere. 188(i. 4i Van de walle, Annul, belg. 1888. 6) Pröhner, Lehrbuch der Toxikologie f. Thiertlrzte. 1890. S. 231,
ill. Diversa: 1) Rey, Joura. de Lyon, 1847. 2) Gerlach, Magazin, 184(i. s. 400. 8) Müller, Sttohs, Jahresber, 1866, S, 70, 4) Sohl eg, ibid, 1869, 8. 86, 6)quot;Weber, ibid, 1877. 8. 108, 6) Deraohe, Annul, de Bruxelles, 1871. S. 67. 7)Frauenholz, Barth, Ulrich, Preuss. Mittheil. 1880/81. s. 81. 8) Wilhelm, Sachs. Jahresber. 1884. 8. 111. 9) Grimm, ibid. 1887.8.117. 10) Johne, ibid. S. 40. 11) Uhlich, ibid. S. 112. 12) Gttckel, Berliner Archiv. 1887. 8. 126. 18) Pabricius, Rundschau auf dem Ge-hieto der Thiermedicin. 188(1. 8. 160. 14) Serling, Thiermedicin. Rundschau. 1888. 8.158. 16) Zürn, Die pflanzl. Parasiten. 1889. 16) Schmidt-Mühlheim, Handbuch der Flcischkundc. 1S84. 17) 8chm i d t - A achen, Berliner Archiv. 1885. 8. 407. 18) Fuchs, Bad, thierärztl, Mittheil. 1888. 8. 22. 19) Pal tauf u. Heider, Medicinisohes Centralblatt. 1889. Nr. 38. 20) Model. Eberhardt, Hanft, Repei-toriura. 1889. 8. 294 tf. 21) Ke-piquet, Journal de Lyon. 1890. 22) Munkenbeok, Wochenschr. f, Thierbeilkde, 1890. Nr. 47. 23)Louis, ibid, 1891, 8.07. 24) Qrözinger, Berl, tluerärztl. Wochensclir. 1890. S, 856, 26) Frank. Wochensclir. f. Thierheilkde. 1891. 8. 150. 26) Krüger, Zimmermann, Höhne, Klooss, Grebin, Peters, Leistikow, Berl, Archiv. 1891. 8. 866 ff.
IV. Anhang. Literatur der Bradsolt; der Schafe. 1) Krabbe. Deutsche Zeitschr, f, Thiermed, 1875. 8. 84, 2) Jonsson, ibid. 1879. 8. 402. 8) Nielsen, Tidsskrifl for Veterinaires. 1888.
|
|||
|
|
||||
|
Begriff. Unter dem Namen mykotische Magondiiimont-zündungquot; fassen wir hier die oben genannten, sonst als verschiedene
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
280
|
Mykotigche MagenclEU'tuentzUndungi
|
||
|
|
|||
|
Krankheiten beschriebenen Affeotionen zusammen^ Ihnen nJleu ist niinilicli in ätiologischer Hinsicht gemein eine von der Nahrung ausgehende sohttdliohe Einwirkung zunllchst auf den Darm-
canal und in zweiter Linie auf den Gesannntorganisin u^. Die dabei in Betracht kommenden scblldliohen Stoffe müssen in doppelter Weise wirksam gedacht werden: l) in Form einer septischen Infection, d. h. einer Invasion von Sepsis erzeugenden Mikroorganismen (Baeterien, Mikrokokken): '2) in Form einer septischen oder putriden Intoxication, bei weicher nur die Aufnahme chemischer Fäulnissproducte als infectiöses Moment angenommen werden kann. Man nennt diese letzteren bei der Fiiulniss thierischer und pflanzlicher Organe auftretenden chemischen Verbindungen Ptomainequot;, .|Toxinequot; oder auch Septicinequot;, Leichen- und (ladaveralkaloidequot;. Oie ., mykotischequot; Magendarmentzündung kann nach dem Entwickelten also auch genauer delinirl werden als eine im Anschlüsse an die Aufnahme zersetzter Nahrungsmittel theils durch Invasion septischer Mikroorganismen, theils durch Resorption giftiger Ptomaine auftretende Darmafiection mit consecutiver Allgemeinerkrankung, welche zwischen den Infectionskrankheiten und den toxischen Magen-darment/.ündungen insofern in der Mitte steht, als die darunter begriffenen Krankheiten ebensogut einerseits zu den Infectionskrankheiten (so besonders die Fleischvergiftungen zum Kapitel Septikämie und pntride Intoxication), andererseits zu den Vergiftungen im engeren Sinne (so die Pilzvergiftungen zum Kapitel der scharfnarkotischen Gifte) gerechnet werden könnten.
Der Umstand, dass die mykotischen Magendarmentzündungen sich neben den eigentlichen gastrischen Störungen durch schwere All-gemeinerscheimingen, grosse Hinfälligkeit, cerehrale Symptome sowie einen raschen Verlauf auszeichnen, hat in früheren Zeiten häufig ZV der Bezeichnung typhösequot; Magendarmentzündung, üarmtyphusquot; geführt, wobei man an eine Analogie, selbst Identität mit dem Ab-dominaltyphus des Menschen glaubte, ohne dass jedoch eine solche thats'achlich vorhanden wäre.
Wir beschreiben im Folgenden zunächst die durch Aufnahme zersetzten Fleisches bei Carnivoren, Omnivoren und beim Geflügel hervorgerufene' mykotische Magendarmentztlndung, sodann die bei Pflanzenfressern nach der Aufnahme pilzbesetzter Pflanzent heil e (Schimmel-, Kost-, Brandpilze) beobachteten ganz ähnlichen Krankheitserscheinungen. Bezüglich der letzteren muss bemerkt werden, dass sich die Art der Pilze nicht in jedem einzelnen Falle mit Sicher-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||
|
Ptomaine
|
237
|
||||
|
|
|||||
|
lieit bestimmen lässt, und dass es Enzootien gil't, welche das typische Bild der Pilzvergiftung darbieten, ohne dass es überhaupt gelingt, die Pilze selbst als krankmachende Ursache nachzuweisen. Wahrscheinlich hat man es auch nicht selten mit einer coinbinirtcn Wirkung mehrerer Pilzarten ZU thun.
Allgemeines über die Ptomaine, unter Ptomainen (Ptomatlnen, Toxiiu'ii, Oadaveralkaloiden, Leichengiften) versteht man nach Brieger alte unter Einwirkung von Baoterien entstandenen organischen Basen. Solche Basen entstehen nicht bloss im todten, sondern auch im lebenden Körper; die letzteren hat man im Gegensatze zn den eigentlichen Ptomainen wohl auch Leukomaine (Leukomatine) genannt. Bei den meisten Inlectionskrankheiten, z. B. beim Milzbrände, bei der Wuth etc. ist die Bildung von Leukomainen als Stoffwecbselproducten der betreffenden Bacterien die eigentliche Ursache der für die einzelnen Seuchen charakteristischen Krankheitssymptome, Die Ptomaine entstehen nach Hoppe-Seyler namentliidi bei ungenügendem oder ganz fehlendem Sauerstoff-Zutritte. Im normalen lebenden Thierkörper können daher nur im Uterus and Danncanale derartige Basen entstehen (Indol, Skatol). Neuere Untersuchungen haben ergeben, dass die Cadaveralkaloide (Ptomaine) sich von den pflanzlichen Alkaloiden (Strychnin, Curarin, Atropin, Musoarin, Morphin etc.) nicht wesentlich unterscheiden, indem sie häufig nicht bloss die gleiche chemische Zusammensetzung, sondern auch eine völlig übereinstimmende Wirkung /.eigen. Behufs einer besseren Ueber-sioht lassen wir nachstehend die bisher entdeckten Ptomaine folgen, indem wir uns hierbei an die von Kobert (Compendium der praktischen Toxikologie 1887) aufgestellte Eintlieilung halten.
I.nbsp; nbsp;Gruppe; Dieselbe enthält die dem Amnioniak verwandten Amin-basen: Methylamin. Di-, Trimethylamin (in der Httringslake enthalten), Aethylamin , 1 )i -, Triiithylamin . Aethylendianiin . Dlmetliyläth.vlendiamin
|
|||||
|
(= Putrescin) und das demselben isomere Saprin,
|
Pentamethylendiamin
das Ammoniak s(d))st
|
||||
|
(0 ad aver in), Alle diese Aminbasen erzeugen wie K rii ni]if'e.
II.nbsp; nbsp; Gruppe: Muscarinartige Ptomaine, welche alle als Zer-setzungsproduet Trimethylamin liefern. Hierher gehören Muscarin, Cholin, Neurin u. a. Von grösster Wichtigkeit ist. dass ein und dasselbe Alkaloid M nscarin (('-.H|-NO|) sowohl im Fliegenpilze als auch unter den Producten der Leichen fäu I niss vorkommt (Brieger).
III.nbsp; nbsp;Gruppe: Q-uaui din artige Ptomaine. Hierher gehören Gua-nidin, Methylguanidin, ECreatin, Kreatinin und andere bekannte Stoff-wecbselproducte des Körpers. Diese Ptomaine sind also eigentlich Leukomaine.
IV.nbsp; nbsp; Gruppe; Guaninartige Ptomaine. Ks gehören hierher: Guanin. das Ptomain des Guano und das Leukomain der Pankreasfäul-
|
|||||
|
|
|||||
|
niss, Xanthin, Hypoxanthin, Methylxanthin, Carnin Harnsäure in Beziehung stehende Körper.
|
Adenin u. a. zur Tyrosin. Betain, lUtidin, Gollidin,
|
||||
|
V.nbsp; nbsp;Gruppe: Amidosänren: Sarkosin.
VI,nbsp; nbsp;Gruppe: I'y r id i n b a se n
Parvolin, Coridm.
VIL Gruppe: Aroinatisclu
|
Glykokoll. Lencin, Pyridin, Pikolin,
Basen : Indol, Skat
|
||||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||
|
288
|
leischvai'Kiftuug,
|
||
|
|
|||
|
V'lll. Gruppe; Stickstofffreie aromatisohe Körper! Karbol-siiiirc, Kresol u. a.
IX.nbsp; Q-ruppe! Sierber gehören das aus Leioben doi'gestellte Mydlu und Mydatoxin, das in Oulturen des Wtindstai'rkramufbaoillus entdeckte Tetauin, das in Heinoulturen von Typbasbaoillen entbaltene Typhotoxin, das in den ffiftigeu Miesmuseheln enthaltene Mytilotoxin, vielleicht auch das giftige Princip der Lupinen, das Lupinotoxin n. a.
X.nbsp; Q-ruppe; Dieselbe enthält einige der interessantesten hasischen Päulnissproduote, 1) lgt;as Sepsin von Sobmiedeberg und v. Bergmann, ein bei der Fäulniss sehr hiiulig vorkommendes Ptomain, die llauptursache der septisoben Gastro-Enteritis. 2) Das Ptomatoourarin, ein ebenfalls häufig bei der Fäulniss vorkommendes Cadaveralkaloid, welches genau wie Curare die peripberen Enden der motorischen Nerven lähmt (vergl, beispielsweise das paralytische Kalhetieherl. 3) Das Ptomatoatropxn nder Leiohenatropin, Hauptursaobe der Würstvergiftung, er/.engt ein mit der Atropinvergii'tung absolut Identisches Vergiftungsbild, namentlich auch constant Pupillenerweiterungen und Sehstörungen.
4)nbsp; Das My da lein vereinigt die Wirkungen des Atropins und Muscarins.
5)nbsp; Ptomatonio rphin hat nach Pan um eine mit der Morphiuimvirkung vollkommen llbereinstimraende Wirkung, 6) Ptom atodigitalin erzeugt nach Sei mi das Bild der Digitalisvergiftung, Endlich gehört hierher die von Hoffa aus Cultureu von Milzbrandbacillen dargestellte Milzbrandbase, Dieselbe wurde nach dem Stas-Otto'schen Verfahren gewonnen, zeigte ausgesprochene alkaloidische Eigenschaften und rief bei Versuchs-thieren nach einem kurzen Aufregungszustand Somnolenz, blutige Diarrhöe und Tod hervor, Hei der Section fand man zahlreiche Ekchymosen auf dem Perioard und Peritoneum, sowie dunkelfarbiges Blut onne Mikroorganismen.
|
|||
|
|
|||
|
I. Mykotisohe Magendarmentzündung der Carnivoren, Omnivoren und des Geflügels nach Aufnahme zersetzten Fleisches: sog, Fleischvergiftung,
|
|||
|
|
|||
|
Aetiologie. Die mykotische Magendarmentzündung unserer fleischfressenden Hausthiere schliesst sich sowohl nach Ursachen als nach Erscheinungen ganz den hei Menschen beobachteten Füllen von Fleischvergiftungquot; an. Wahrscheinlich gehören die meisten der früher unter dem Namen BHundetyphus'' sowie ein guter Theil der als jSchweinefcyphusquot; (Schweineseuche) beschriebenen Krankheitsfälle ebenfalls hieher. Die Ursachen sind ausschliesslich in der Aufnahme verdorbenen, in eigenthtimlioher Weise zersetzten, sowie fauligen Fleisches (Fleischvergiftung) oder derartiger Würste (Wurstvergiftung), zuweilen auch alter lläringslake (Fischvergiftung) zu suchen. Am häutigsten erkranken Metzgerhunde oder in Schlachthäusern sich herumtreibende Hunde, doch hat man die Krankheit auch schon beim Geflügel nach Verfütierung fauligen Fleisches beobachtet (Rosenkranz). Die Krankheitserregev sind theils die der
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Pleisobverffiftuiii
|
23igt;
|
||
|
|
|||
|
Fäulniss und Zersetzung zu Urunde liegenden Spaltpilzlaquo;, theils verschiedene dabei sich bildende ptomaineartige Körper. Da ein genauer anamnestischer Anhaltspunkt meist fehlt, wird die Krankheit gewöhnlich für eine Vergiftung durch mineralische Körper oder Rattengift gehalten.
Symptome. Die Erscheinungen haben viel Aelmüchkeifc mit der sjjäter beim Kapitel .Jvoclisalzvergiftungquot; zu beschreibenden Lakevergiftung. Sie bestehen in einer plötzlich auftretenden, sehr heftigen und häufig blutigen Diarrhöe, Erbrechen, starkem Durste, hohem Fieber (4042,0 0.), ausserordentlicher Schwäche, Hinfälligkeit und Mattigkeit, sowie in rasch erfolgendem Collaps; der Tod tritt oft schon nach wenigen Stunden, durchschnittlich innerhalb 12 2-1 Stunden ein. Schindelka hat ausserdem bei 2 Munden Netzhaiitblutungen ophthalmoskopisch festgestellt.
Das beschriebene Krankheitsbild von Darmmykose beim Hund stimmt genau mit dem von Panum durch Extraction gewöhnlichen faulenden Fleisches und Einspritzung einer minimalen Menge (12 mg) dieses .,extractförmigen Giftesquot; in die Blutbahn eines Hundes experimentell hervorgerufenen ; auch hier stellte sich Diarrhöe mit Collaps etc. sowie innerhalb I24 Stunden der Tod ein. Bei der Section fand man die Erscheinungen einer hiiniorrhagischen Enteritis, sowie auffallend schnelle Fäulniss der Cadaver (Virchow's Archiv. 9. Band. S. 301). Dass übrigens die Empfänglichkeit für das mykotische Gift unter den Fleischfressern eine sehr ungleiche ist, beweisen die von verschiedenen Forschern mit verdorbenem Fleische angestellten Fütterungsversuche. So sah Semmel' bei Verfütterung von Heisch eines an Septikämie verendeten Pferdes Hunde und Katzen ganz gesund bleiben, während drei Schweine daran verendeten. Colin beobachtete bei ähnlichen Versuchen nur ganz leichte Durchfälle, Lemke erzielte nach Verfütterung rausch brandkranken Fleisches bei drei jüngeren Hunden sehr heftigen Durchfall, während ein älterer Hund keinerlei krankhafte Erscheinungen zeigte.
|
|||
|
|
|||
|
Anatomischer Befund. Bei der Section findet man den Inhalt des Magens und Darmes aus halbverdauten, übelriechenden Fleischmassen bestehend, die Schleimhaut geschwollen, höher injicirt, hämor-rhagisch inliltrirt. die solitärcu und agminirten Follikel, sowie die Gekrösdriisen geschwollen, den Darmiiihalt chokoladefarbig, blutig, von schleimfltissiger Consistenz, das Blut zersetzt, die Leber ver-grössert und rasch faulend, die Milz geschwollen und mit hämor-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
#9632;j,4i)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pleisohvergift ung.
rhagisohen Horden durchsetzt, die II erzmuskulatu r sehr mürbe. Im Blute land Siedamg-rotzky in einem Falle unbeweglicheStäbchen-bacterien, die sich indess von den Milzbrandbacterien durch ihre grössere Breitet den Mangel an Sporenbildung etc. hinreichend unterschieden.
Die Fleisch- und Wurstvergiftung'en beim Menschen. Während
man diese Kratiklicitsziistiliulo im Anfange auf eine Infection durch inilz-braudkrankes Fleisch zurüokflihrte und den Namen Intestinalmykosequot; im Allgemeinen für gleichwerthig mitIntestinalanthrax nahm, zeigte besonders Bollinger, daSS die genannten Uarmmykosen kein Milzbrand, sondern septische Entzttudungen der Magendarmsobleimhaat durch bis jetzt noch nicht isolirte mykotisohe Gifte sind. Man hat hierbei zu unterscheiden zwischen ektogenen, d. h, erst postmortal im Fleische entstehenden Schädlichkeiten und entogenen, d. n. von kranken Thieren stammenden Giften.
1) Zu den ektogenen Krankheitsursachen gehört namentlich das quot;Wurstgift und Fischgift, von den Fleischgiften nur ein kleinerer 'l'lieil. Diese ektogenen Gifte sind im Wesentlichen Spaltpilze, welche durch Kochen zerstört werden; der Process der Erkrankung ist also eine mykotisohe infection. Allerdings erzeugen diese Spaltpilze auch chemische Stoffweohselproducte (Ptomaine), welche durch Kochen nicht zerstört werden (Mischinfection), Gilrtner fand bei einer in Frankenhausen (1888) lieobachteten Massenvergiftnng in dem giftigen Fleische sowie in den Orgauen eines in Folge der Fleischvergiftung verstorbenen Mannes charakteristische Baoterien, welche er mit dem Namen Bacillus enteritidis8 belegte. Diese Baoterien zeigten im hängenden Tropfen lebhafte rotirende Bewegung and färbten sich mit Anilinfarben an einem Ende sehr stark, während der Rest wenig gefärbt erschien. Ausserdem enthielt das Fleisch durch Kochen nicht zerstörbare Giftstoffe, welche hei [mpfthieren Enteritis, Krämpfe und Lähmungsersclieinmigen hervorriefen, (legen die Baoterien selbst erwiesen sich Hunde und Katzen immun, dagegen starben Kaninchen, Meerschweinchen und Mäuse unter den Erscheinungen einer heftigen Enteritis. Gaffky und Daak fanden bei einer Massenerkrankung in Folge des tlenusses von Pferdetleischwaaren (Röhrsdorf 188.quot;)) in der betr. l'ferde-wurst charakteristische Wurstbacillenquot; in Form beweglicher, an den Enden abgerundeter Stäbchen, welche bisweilen zu Scheinfäden auswuchsen und in schwach alkalischer Bouillon am besten gediehen. Die Verfütterung dieser Wurstbacillen erzeugte bei Affen, quot;Meerschweinchen und Mäusen Enteritis und lUirehfalh Hunde. Katzen, Schweine und Kaninchen zeigten sieb dagegen immun. Haupt will als Ursache einer in Chemnitz (1887) vorgekommenen Fleischvergiftung einen Spaltpilz: Proteus mirabilis nachgewiesen haben, Auch Nauwerk fand in giftigen Würsten einen Bacillus mit excjuisit fäulnisserregcnden Eigenschaften, der nach seiner Ansicht aus dem Darmcaiuile des betreffenden Schweines, wo er ebenfalls vorgefunden wurde, in die Wurst gelangte. Einen ähnlichen Bacillus hat Moule in giftigem Fleisch gefunden, welches einen ausgesprochenen Geruch nach ranziger Butter zeigte. Jedenfalls sind es ganz verschiedene Spaltpilze, welche den einzelnen Vergiftungen zu Grunde liegen, wie auch ihre Producte, die Ptomaine, durchaus keine einheitlichen chemischen Körper sind, sondern je nach Herkunft und Beschaffenheit des Fleisches, nach Oertlichkeit, Tempe-raturverhältnissen. Fäulnissstadium, Zubereitungsweise des Fleisches, Oon-serviruiiirsmetboden etc. verschieden sind.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Wurstvergiftung.
|
Ml
|
||
|
|
|||
|
Das Krankheitsbild der Wurstvergiftung (Botulismus, Allan-
tiasis) ist ein ganz eigenthteiliohes, Es treten niiuilicli ausser den Er-soheinungen einer septischen (J astro-En teri ti.s (BreohdurobfaÜ, Mattigkeit, Benommenheit des Sensoriums, Oollaps) eigentntimliohe Läh-mungsersoheinungen auf, und zwar Lähmungen ganz bestimmter Muskelgruppen, so namentliob des Auges (P to sis = Herabsinken des oberen Augenlides), des Kehlkopfes (Spraohstörungen beim Menschen), Sohluudkopies (Schlingbeschwerden), Darmes (Verstopfung) u. s. vr. Derartige Lähmungsznstände findel man bekanntliob auch im Verlaute von [nfeotionskrankheiten, so bei Diphtheritis, Eundswutb und beim Kalbefleber des Kindes. Dieselben müssen als Ptomainewirkung aufgefasst werden, da man experimentell durch Einimp^ing gewisser Ptomaine tlhnliohe Lähmungs-ersoheinungen hervorrufen kann (i'toniatocurarinquot;),
2) Die zweite Q-ruppe von Fleischvergiftungen mit entogenem Ursprünge des Giftes bezieht sich auf Fleisch, das von kranken Thieren abstammt. Bolliiigor bezeichnet die hierdurch beim Menschen entstehende Krankheit als Sepsis i ntest in alis. Hierher gehört die Mehrzahl der sogen. Fleischvergiftungen, Da das giftige Agens theils aus Spaltpilzen, theils ans Ptomainen besteht, wird durch Kochen des betreffenden Fleisches nur eine Schwächung, nicht aber eine völlige Aufhebung seiner Giftigkeit erzielt. Am häufigsten gibt zu Vergiftungen Veranlassung Fleisch von septisch resp. pyilmisrh erkrankten Kühen (Septicaemia puer per alis) und Killbern (Polyarthritis pyaemical. ferner von Thieren mit eiterigen Nephriten, septischen Leber- und Lungenkrankheiten, Enteriten, Peritoniten und Mastiten. Eigen-thümlicher Weise kommen zuweilen Erkrankungen nach dem Genüsse von Scheinbar ganz normal aussehendem und normal schmeckendem Fleische vor. Dieselben sind in der Weise zu erklären, dass entweder die Krankheit erst in der Entstehung begriffen war, oder dass eine Infection des Fleisches erst nach dem Schlachten erfolgt ist.
Das Krankheitsbild dieser Fleischvergiftung ist das einer septischen Gastro-Enteritis. Die Symptome sind -wie bei unseren Haus-thieren: Erbrechen, quot;Durchfall, Kolikschmerzen, hohes Fieber, starke Mattigkeit, Benommenheit des Sensoriums, Collaps. Sehr häutig verläuft, die Fleischvergiftung unter dem Bilde der Cholera einerseits, des Abdominaltyphus andererseits, oder beide Krankheitsbilder complicireu sich mit einander. Der Umstand hat zu der Vermuthung Anlass gegeben, als oh der Abdominaltyphus unter anderem auch durch Fleischgift erzeugt werden könnte. Diese Annahme ist indess von der Hand zu weisen, weil das Krankheitsbild des Abdominaltyphus (und der Cholera) sehr wohl auch durch eine andere Krankheitsursache, als durch den apeeiflschen Typhus-bacillus erzeugt werden kann. und weil namentlich alle Uebertragungs-versuche hinsichtlich der Ueherimpfung des menschlichen Abdominaltyphus auf Thiere missglücken, während letztere durch Fleischgift sehr leicht zu inficiren sind. In der That hat man auch während der verschiedenen Fleischvergiftuugsepidemien beim Menschen nicht selten Erkrankungen von Hunden, Katzen, Schweinen, (lollügel u. s. w, beobachtet. Vergl, z. B. Hub er. Archiv der Heilkunde. XlX; Schmidt-Mülheim. Zeitschrift für Fleischbeschau, 18S8 a, A.
|
|||
|
|
|||
|
Prledberger u. Fröhnor, i'athol. laquo;, Therapie d, tfouitlilere i. IM. :i Ami. Iii
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
242
|
Pilzvergiftung der Pfianzenfresser.
|
||
|
|
|||
|
II. Mykotische Magendarmentzündung der Pflanzenfresser nach Aufnahme pilz-befallener Nahrung (Schimmel-. Rost-. Brandpilze); sog. Pilzvergiftung.
Aetiologie, Unter dem Namen ,Darmtyphus^ typhösequot; Magen-darment/.ündung u. s. w. tindet man auch hei den Pflanzenfressern eine Anzahl von eigenthümlichen Kraukheitst'ällcn beschrieben, welche sich bei genauerer Untersuchung als der Fleischvergiftung des Hundes sehr nahe verwandte Zustände herausstellen. Zunächst gehören liieher alle die autfallenden, früher schwer zu erklärenden Erkrankungen, wie sie bei Pferden, Rindern, Schafen und Schweinen nach der Verfütterung von befallenem, verdorbenem, zersetztem Futter (Stroh, Heu, Hafer, Kartoffel, Mehl. Brot) beobachtet wurden, SO z. B. die von Frauen holz u. A. beschriebene sogen. Schnitzelkrankheitquot; der Rinder, welche in manchen Gegenden Norddeutschlands in Folge der Verfütterung verdorbener, in Fäulniss übergegangener Rübenschnitzel aus Zuckerfabriken auftritt, ferner die von Schleg bei Kühen, von Rey bei Pferden berichteten Krankheitsfälle nach Verabreichung kranker, gähronder, verdorbener Kartoffel. Dass es sich hiebe! nur um eine Einwirkung infectiösor, niykotischer Stoffe auf die Darmsohleimhaut sowie um Aufnahme ptomaineartiger Körper ins Blut handeln kann, ist im Hinblick auf die dabei constatirte Complication gastrischer und cerebraler Krankheitserscheinungen. sowie auf die beim Fleischfresser in ganz übereinstimmender Weise auftretenden Fleischvergiftungen, wohl aussei- allen Zweifel gesetzt.
Auch die in der Literatur zahlreich verzeichneten Fälle von schädlicher Einwirkung der auf pflanzlichen Futtermitteln vegetirenden Pilze auf unsere Hausthiere gehören um so mehr hieher, als ja die oben genannten abnormen und schädlichen Eigenschaften des Futters (krankes, zersetztes, verdorbenes, gährendes Futter) in letzter Instanz nur auf die Anwesenheit von Pilzen zurückzuführen sind. Es kommen insbesondere folgende Arten von Pilzen in Betracht:
1)nbsp; nbsp;Die Schimmelpilze (Ascomyceten) und zwar hauptsächlich Mucor, Aspergillus und Penicillium, welche, an und für sich kaum schädlich, durch die Zersetzung der verschiedenen pflanzlichen Substrate (Brot. Mehl, Hafer. Heu, Stroh) wahrscheinlich zur Bildung ptomaineartiger Stoffe Veranlassung geben.
2)nbsp; nbsp;Die Rostpilze (üredineen), von denen Puccinia graminis am wichtigsten ist. Die von Franck mit Rostpilzen angestellten Ex-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Pilzvergiftung der Pflanzenfrasser,
|
24:!
|
||
|
|
|||
|
perimente bei Iviiniuchen ergaben ganz das Bild von Fleischvergiftung! gastrische Erscheinungen mit Taumeln und Krämpfen.
'!) Die Brandpilze (üstilagineen). Die Bauptreprösentanten dieser Gruppe sind der in klinischer Beziehung besonders wichtige Sohmierbrand des Weizens, Tilletia Caries, ferner Ustilago Garbo (Staub-oder Flugbrand) und Ustilago maydis (Maisbrand), Die Brandpilze wirken auf die Verdauungsschleimhäute und den Ge-sammtorganismus, wie es scheint, von allen Pilzen am intensivsten ein, und es muss auch bei ihnen zur Erklärung dieser auffallenden Wirkung eine in der befallenen Pflanze gebildete ptomaineähnliclie Substanz angenommen werden, welche unter ihrem Elinflusse als Stoffwechselproduct entsteht. Nach den Untersuchungen Bref'eld's sind die Brandpilze mit den Hefepilzen sehr nahe verwandt, ja es sollen beide nur verschiedene Bntwicklungsfbrmen einer und derselben Art sein, in der Weise, dass die Hefepilze die supraphytischen Formen der Brandpilze darstellen, in welche sich die letzteren bei geeignetem, feuchtem Nährboden (also auch im Organismus) umwandeln.
I) Die Cernpilze (Pyrenomyceten). Von klinischer Bedeutung ist namentlich Polydesmus exitiosus, der Raps verderber, ein Be-fallungspilz der grünen Tbeile des Rapses.
quot;gt;) Die Spross- oder Hefepilze, die Erzeuger der Alkohol-gährung (Schlempe). Dieselben sind nach Brefeld u. A. wahrscheinlich eine Entwicklungsform der Schimmelpilze.
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. Die Erscheinungen der mykotischen. durch Pilze erzeugten Magendarmentzündimg sind im Allgemeinen folgende. Die Krankheit tritt, plötzlich und meist bei mehreren Thieren zugleich auf, was derselben einen seuchenartigen Charakter verleiht. Die Thiere versagen rasch Futter und Getränk, werden unruhig, zeigen Schmerzen im Hinterleibe, welche von lauten Sclnnerz-äusserungen (Stöhnen, selbst Brüllen) begleitet sein können. Die Peri-staltik ist unterdrückt, und es besteht im Anfang eine hartnäckige Verstopfung, welche später in eine profuse Diarrhöe mit Entleerung übelriechender, blutiger und schleimiger Massen übergehtJ manche Thiere sind auch in der linken Flanke leicht aufgetrieben. Die Zunge und die Schlund köpf muskeln sind bei manchen Pilzvergiftungen gelähmt, daher Speichelfluss, fortwährendes Kauen, Husten. Mit diesen gastrischen Erscheinungen geht ein hohes Fieber mit abnorm gesteigerter Pulsfrequenz (beim Bind 100 Schläge und darüber). Fieberschauer, pochendem Merzschlag. Kälte der exfremitalen
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
244
|
Pilzvergiitung der Pflanzenfresser.
|
|||
|
|
||||
|
|
Tlieile etc. einher. (Gleichzeitig ist eine ganz auffallende Schwäche und Hinfälligkeit der erkrankten Thiere als wichtigstes Krankheits-symptom zu bemerken. Die Thiere liegen in einem gelähmten und soporösen Zustande ganz bewegungslos und theilnahmslos im Stalle, oder sie können sich mit Mühe aufrecht erhalten, taumeln, schwanken beim Gehen, brechen zusammen, zeigen auch wohl Gehirn kriimp fe. knirschen mit den Zähnen, zittern. Dabei fliessen die dUnnbreiigen Excremente unwillkürlich aus dem Alter ab: in anderen Fällen besteht Mastdarmzwang, In einzelnen Fällen hat man auch Abortus beobachtet, sowie nephritische und cystitisohe Erscheinungen (l'olyur ie bei Pferden). Manche Pilzvergiftungen sind ferner durch schwere e n tzündliehe S c h w e llu 11 g e u der Kop f-haut (Lippen. Backen, der Maul- und Nasenschleimhaut etc.) gekennzeichnet. Die Dauer der Krankheit ist bald eine sein- kurze (etwa einen Tag); nicht selten beträgt sie jedoch bis zu 8, selbst 14 Tagen. Auch apoplektiforme Todesfälle sind nichl selten.
Die Kranldieitsbilder der einzelnen Pilzvergiftungen sind häufig sehr oharakteristisoh und unter sieh verschieden. In anderen Kiillen, namentlich bei eombinirter Einwirkung mehrerer Pilzarten, zeigen die Symptome eine Abweichung vom gewöhnlichen Krankheitsbild. Die besonderen Erscheinungen der einzelnen Pilzvergiftungen sind folgende:
1) Schimmelpilze: Appetitlosigkeit, Kolik, Tympanitis, Verstopfung, Durchfall, blutiger, schleimiger, zuweilen sehr übelrieeliender Koth. Poly-urie, Schwindel. Taumeln. Betäubung, dummkollerartiges Benehmen, Lähmung der Gliedmassen, der Zunge etc. Amaurosis. Starker Seh weis su u s h rurh.
-i Brandpilze: Speichelfluss, anhaltende Kaubewegungen, Schwanken. Taumeln, allgemeine motorische und sensible Lähmung. In anderen Füllen gastrische Symptome.
3)nbsp; Rostpilze: Hautentzündung am Kopfe (Lippen, Backen. Lider), Conjunctivitis, Urticaria, Stomatitis, Pharyngitis, Glossitis. Kolik, blutiger Durchfall, Hilmaturie, Lähmung, Somnolenz,
4)nbsp; nbsp;Kernpilze: Aehnliohes Krankheitsbild; Stomatitis, Pharyngitis, Rhinitis, Dermatitis am Kopfe, Gastro-Enteritis, Läh-m u n g.
5)nbsp; nbsp;Hefepilze: Starke cerebrate Erregung mit nachfolgender Betäubung und L ii h mungserscheinungen.
Genaueres über die einzelnen Pilzvergiftungen vergl. in dem Lehr-buche der Toxikologie für Thierärzte von Pröhner.
|
|||
|
|
||||
|
Anatomischer Befund. Aehnlich wie das Krankheitsbild, so ist auch der Sectionsbefund bei den einzelnen Pilzvergiftungen verschieden. Im Allgemeinen findet man bei der Section die Erscheinungen einer schweren, n icht selten hämorrhagisehen Gastro-Enteritis mit allgemeinen septischen Veränderungen (Schwellung der Leber
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Pilzvergiftung der Pflcinzenfresser.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 245
und Milz, Verfettung der Herzmuskulatur etc.). Zuweilen ist jedoch der Seotionsbefund wie bei den narkotischen Vergiftungen ein ziemlicb negativer. Bezüglich der einzelnen Pilzvergiftungen ist Folgendes hervorzuheben. Bei der Vergiftung durch Schimmelpilze (ludet man Entzündung, Ekchymosirung und Erosionen der Magendarmschleim-haut sowie Hyperämie und ödematöse Durchti'änkung des Gehirns und Rückenmarks. Bei der Vergiftung durch Brandpilze ist derSections-bef'nnd htlufig negativ oder sehr wenig charakteristisch; zuweilen findet man hilmorrhagische Gastro-Enteritis sowie strichartige nissige Verfärbung der Schleimhaut des Dünndarms (sogen. Aalhaut). Der anatomische Befund bei der Vergiftung mit Hostpilzen und Kernpilzen besteht in Dermatitis, Stomatitis, Pharyngitis, hämorrhagisoher Gastro-Enteritis. Nephritis und Cystitis. In Folge häufiger Compli-cationen mehrerer Pilzvergiftungen ist auch der Sectionsbet'und wenig constant.
Differentialdiagnose. Verwechslungen der mykotischen Darmentzündung mit anderen Krankheiten sind bei dein eigenthümlichen septisch-infectiösen Charakter derselben sehr leicht möglich. Es kommen in Betracht:
1) Verschiedene toxische Gastro-Enteriten mit ähnlichem raschem Verlaufe und gleich schwerem Allgemeinleidcn. Eine Unterscheidung ist nur auf Grund genauer ätiologischer Anhaltspunkte möglich.
'2) Die Rinderpest besonders dann, wenn mehrere Thiere gleich-zeitiff in lquot;'ollt;gt;'e der Einwirkung eines und desselben verdorbenen Futters an Darmmykose erkranken. Indess fehlen die der Hinderpest eigenen ausgebreiteten Entzündungszustände s ä m m 11 i c h e r S chlei in h äu te (neben denen des Digestionsapparates auch diejenigen der Respirationsorgane, der Augen, der Scheide), die charakteristischen Erosionen auf der Schleimhaut des Maules und der Scheide, die ausgesprochene Contagiosität, der Seuchenverlauf, der Seotionsbefund u. s. w.
'i) Der Milzbrand. Die Untersuchung stützt sich zunächst auf den apoplektiformen oder stürmischen Verlauf des Milzbrandes, auf den vielgestalteteu Symptomencomplex und das vorwiegend locale Auftreten desselben in gewissen Gegenden, sowie auf den bacteriologischen Nachweis der speeiflschen Milzbrandbacillen. Dieselben sind im Gegensatze zu anderen etwa bei Darmmykose vorhandenen Spaltpilzen unbewegliche, gerade, theilweise leicht
|
||
|
|
||
|
|
||
|
246nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pilzvergiftung der PflanzenfresRei'.
gebogene und scharf abgeknickte, tnehrgliederige Stäbchen.
Die einzelnen Glieder (cvlindrischen Biicterieuzellen) sind etwa 1 1,5 [J. dick und quot;) 10 [gt;#9632; lang, die Enden leicht k o 1 b i g angeschwollen, die Sclimalseite von der Längsseite scharf abgesetzt und erstero, bezw. die Yoi'bindungsfläohe, mit einer centralen deliunforinigen Vertiefung versehen. Dadurch berühren sich die Endflächen der zusammen-stossenden Glieder an den lüindern, während in der Mitte eine biconvex gestaltete Lichtung bleibt. Diese Gliederung und charakteristische Gestaltung der Milzbrandbacillen sind indessen deutlich erst nach Anwendung kernfärbender Anilinfarbstott'e (Deckglaspräparat mit Bistuarckbraun oder Vesuvin) zu beobachten. Ausserdem bilden die Milzbrandbacillen bei der künstlichen Züchtung ganz specilische, eigenartige Culturen und erzeugen bei Impfung Milzbrand.
4) Die Ruhr, Diese ebenfalls infectiöse Magendarmentzündung verläuft indesS in der Eauptsache von vornherein mit Diarrhöe, hat meist eine längere Dauer und mehr den Charakter einer ansteckende n , seuchenartigen Infectionskrankheit.
#9632;quot;)) Die subacute Gehirnentzündung bei Pferden und die Cerebrosp i nal - M eningiti s beim Rinde. Bei denselben fehlen jedoch meist die Darmerscheinungen. Manche Fälle von Gehirnentzündung bei Pferden, bei denen die Section septische Veränderungen in den inneren Organen, sowie gastrische Affectionen nachweist, erinnern allerdings sehr an eine Mykose resp. Infectionskrankheit.
6)nbsp; nbsp;Die Wuth. Die oft nicht leichte Differentialdiagnose stützt sich in erster Linie auf das Fehlen einer vorausgegangenen Verletzung durch einen wuthknuiken Hund, .sodann auf das Vorherrschen der Darmsymptome im Anfange der mykotisohen Magendarmentzündung.
7)nbsp; nbsp;Die 1 n f 1 u e n z a. Dieselbe unterscheidet sich von der myko-tischen Magendannentzündung durch ihre Contagiosität und ihre ganz speeifischen Symptome, namentlich die Affection der Augen. In Einzelfällen jedoch ist die Unterscheidung unter Umständen nicht sehr leicht.
Behandlung. Was schliesslich die Behandlung der mykotisohen
Darmentzündung hei den verschiedenen Thieren betrifft, so empfehlen sich für Hunde im Anfange Brechmittel, später Abführmittel, besonders Calomel. Letzteres ist wegen seiner desiuticirenden Wirkung (Sub-limatbildung) auch beim Pferde anzuwenden. Für die Wiederkäuer sind salinische Mittel vorzuziehen. Sehr häutig wird indess die Haupt* indication in der Anwendung excitirender Mittel (Wein, Wein-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Pilzvergiftung iler Pflauzenfreaser.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;247
geist, Aether. Veratrin. Ati'opin, CoffeYn, Campher) bestehen, im Uebrigen muss auf die früher angegebene Behandlungsweise der Magen-(lai'inentzündung verwiesen werden.
Anhang 1, Die Aetiologie der mykotisohen Magendarmentzün-dung ist zuweilen, wie schon im Eingange hervorgehoben wurde, solir dunkel. Nicht selten beobachtet man Massenerkrankungen unter den Haus-tbieren, welche in ihren klinischen Erscheinungen, ihrem Verlaufe und den anatomischen Veränderungen ganz genau diis Hild der Pilzvergiftung darbieten, ohne dass es gelingt, die krankmachenden l'il/.e überhaupt oder in solcher Anzahl aufzufinden, dass sie in ursächliche Beziehung zu der Krankheit gebracht werden könnten. In dieser Hinsicht bedarf noch manches der wissenschaftlichen Aufklärung. Wir möchten insbesondere bezüglich der Vergiftung durch Tilletia Caries und Pucoinia graminis darauf hinweisen, dass die Sporen dieser Pilze in massiger Anzahl sehr häufig in Puttertheilen gefunden werden, welche durchaus unschädlich sind. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass manche dieser angeblichen Fälle von Pilzvergiftungen bei Pflanzenfressern eigentlich Infectio nskra nk-heiten darstellen, deren Wesen und Ursachen zur Zeit unbekannt sind. (Vergl. die in den letzten Jahren veröffentlichten Fälle von Schmidt, Grözinger, Louis, Muukenbeck u. A.)
Anhang 2. Die früher sogen, typhösenquot; Magendarmentzündungen haben mit dem menschlichen Typhus nichts gemein. Zum Theil sind sie jedenfalls als Pilzvergiftungen aufzufassen. Ho beschreibt (1er lach eine typhöse'' Entzündung der Magen- und Darmschleimhaut bei Pferden, welche mit Koliksymptomen, Verstopfung, hohem, dabei sehr schwachem Pulse. Zähnelcnirschen u. s. w. verlief und von der gewöhnlichen Kolik, sowie von der sogen, gastrisch-biliösen Form der Influenza und vom Milzbrand sich wesentlich unterschied. Von Ursachen erwähnt G. besonders die Ver-tutterung frischen, theilweise unreifen, nicht ausgetrockneten Hafers, sowie schlecht beschaffenen, befallenen Strohes an der Stelle von Heu. Auch Uerache berichtet über eine ähnliehe nicht contagiöse. als ..Typhusquot; bezeichnete Krankheit unter Pferden, die jedoch weder mit dem Petechial-fleber noch mit dem Milzbrand irgend etwas gemein hatte. Die meist mehrere Pferde eines Stalles befallende Krankheit liess aussei- schlechter und kärglicher Ernährung mit staubigem, feuchtem, übelriechendem Heu und Hafer der geringsten Qualität keinerlei sonstige ätiologische Momente erkennen. Die Erscheinungen waren die einer mykotischen Gastro-Enteritis: plötzliche Erkrankung, lähmungsartige Schwäche, äusserst schwacher Puls, verzögerter Kothabsatz mit Diarrhöe. Entleerung schleimiger Kothmassen, rapider tödtlicher Verlauf. Bei der Section fanden sich ganz charakteristische, an den Abdominaltyphus des Menschen erinnernde Veränderungen, nämlich starke Schwellung dor Solitäribllikel und Peyerquot;scheii Plaques mit eiteriger Infiltration, Geschwür- und Rchorl'hildung bis zur Perforation, ausgedehnte Ekchymosirung, dendritische Gelassiujection neben grauer und bräunlicher Verfärbung, breiiger, klebriger, eiteriger Danninhalt; dazu rasche Fäulniss des Cadavers, weiches entfärbtes Fleisch, mürbe Leber, Herz wie gekocht, nicht gerinnendes, Stäbchenbacterien haltendes Blut. Ansteckungsversuche, selbst intravenöse Impfungen waren ohne Erfolg, Milzanschwellung sowie carhuuculöse Schwellungen der Subcutis und Dann-subinucosa fehlten vollständig. Dieser Fall hat allerdings grosse Aehnlich-keit mit dem Abdominaltyphus des Menschen, kann jedoch nicht
|
||
|
|
||
|
|
||
|
iM8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Toxische Magendarmenfasttnclung,
rait demselben Ldeatiäoirt werden, du ein stringenter Beweis nicht vorliegt und alle bisherigen üebertragungsversucbe des menschliehen Abdominal-typhus auf Thiere (Rinder, Kälber, Schweine), wie sie von Bollinger, Obermeier, Lebert u. A. voigenonunen wurden, vergeblich waren. Ein unzweifelhafter klinischer Fall von A bdomin altyp hus bei unser on 11 a u s tb i e re n ist bis jetzt noch nicht beobachtet wo r d en.
Anhang 3. Die .Bradsot* der Schafe, eine im Norden (Island, Farüer-insolii) iiamcntlich bei jährigen Lämmern im Herbste vorkommende, sehr bösartige und meist peracut unter Külikerscheinungen verlaufende seuohenartige Krankheit, welche früher für Milzbrand gehalten wurde, isl nach neueren Untersuchungen von Nielsen als eine miasmatische infectiöse Gastroenteritis aufzufassen. Sie wird durch ein eiförmiges 2- (5 /j, langes und Iß dickes Bacterium, don Bacillus gastromycosis ovis hervorvorgerufen und verläuft bald unter den Erscheinungen einer reinen Gastro-mykosis, bald unter denjenigen einer Allgeineininfection.
|
||
|
|
||
|
4) Die toxische Magendarmeutzündung.
Literatur. Literatur im Allgemeinen: 1) Gerlach, Handbuch der ge-riclitlichen Thierlieilkunde. 1872. 2) Dam mann, Die Gesundheitspflege der landwirthschaftliohen Eaussäugethiere. 1886. 8) Fröhner, Lehrbuch der Toxikologie f. Thierärzte. 1890.
Allgemeine Bemerkungen. Die toxische Mageudarmentzün-ilung kann durch eine ausserordentlich grosse Anzahl von Giften hervorgerufen werden. Es gehören hieher die zwei grossen Gruppen der scharfen und scharf-narkotischen Gifte. Bei der grossen Bedeutung der verschiedenen Einzelvergiftungen für den Praktiker haben wir es vorgezogen, statt einer allgemeinen Besprechung der toxischen Magendarmentzündung die einzelneu scharfen und scharf-narkotischen Gifte nach ihren wichtigsten klinischen, anatomischen und therapeutischen Beziehungen in möglichster Kürze für die Zwecke der Praxis zu bearbeiten. Ausführlicheres darüber nuiss in den betreffenden toxikologischen Handbüchern nachgesehen werden. Die rein narkotischen Vergiftungen sind den scharfen und scharf-narkotischen aus praktischen Gründen anhangsweise beigegeben.
An die Spitze der einzelnen, auf Magen und Darm entzündlich wirkenden Gifte mögen nur einige Bemerkungen über die Diagnose einer solchen toxischen Gastro-Enteritis gestellt werden. Die Erkennung einer Vergiftung ist nicht immer leicht, da die Symptome im Leben und nach dem Tode oft sehr grosse Aehnlichkeit mit einer nicht-toxischen Gastro-Enteritis haben. Im Allgemeinen sind für die Diagnose von Belang:
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Phosphorverjfiftung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;249
1) Die Anamnese, ilie indess häufig sehr mangelbaft ist.
'2) Der rasche Eintritt, stürmische Verlauf und oft plötzliche Tod.
.'!) Das Auftreten der Symptome im Anschlüsse an die Putteraufnahme.
I) Die Erkrankung mehrerer Thiere zusammen.
quot;)) Die Complication gastrischer und nervöser Symptom e.
ti) Der für manche Vergiftungen spec if is ehe Symptome n-complex und pathologische Befund.
7) Der physikalische, chemische und physiologische N a c h w e i s des Giftes.
|
||
|
|
||
|
I. Mineralische Gifte.
I'hospliorvcrffinuiifr.
Literatur. l)Q-erlaoh, Qeriohtl. Thierheilkde. 1872. S. 822, mit Literatur. 2) Maury, Journal du Midi. 1802. 3) Mansuy, Recueil vötdr, 1864. 4) Sorbets, Recueil. 1870. 6) Merkt, Adam's Wocheiwchr. 1875. 8.125. 6) Möbius, ibid. 1878. S, 429. 7) Koppitz, Oesterr. Monatssohr. 1878. Nr. 10. 8) Ibidem. 1877. 8.27. i))Uriinm, Sachs. Jahresber. 1868. S. 105 10) Müller, ibid. 1877. s. 118. 11) Hartenstein, ibid. 1881. S. 125. 12) Schindelka, Oesterr. Viertel.jalirssclu-. 1885. S. 41. 13) Köpko, Berlin, Archiv, 1887. 8.130. 14) Peters, ibid. 1891. 8,307. 16) Frölmer, Lehrbuch der Toxikologie. 1890. 8, 84.
Symptome. Ivolikanfillle, Erbrechen, Stöhnen, Icterus, Eiweissharnen, zuweilen Unvermögen zu schlingen, sowie Anschwellung der Zunge; läh mungsartige Schwäche, Zittern; Puls- und Ath-mungsheschleunigung, Fieber: bei längerer Dauer häm orrbagische Diathesc. Nach Inhalation von Phosphordämpfen: Husten, Er-stickungsanfäUe, Emphysembildung in den Lungen, Auftreten von Hautemphysemen am Hals und Thorax. Beim Geflügel: Mattigkeit, Hinfälligkeit, Durst, Diarrhöe, zuweilen auffallende (hüpfende) Körperbewegungen. Dauer der Krankheit einige Stunden bis mehrere Tage: bei längerer Dauer (durchschnittlich 35 Tage) tritt nach den schweren initialen Erscheinungen häufig eine Remission mit scheinbarer Besserung ein. Scbindelka beobachtete bei einer Anzahl von Milchkühen nach üb erstandener Vergiftung absolutes Versiegen der Milch, so class die Thiere geschlachtet werden mnssten.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
250nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Arsenikvsrgiftung.
Anatomischer Befund. Dem der acuten Arsenikveraiftunff sehr iUiiilicli: Öastro-Enteritis (die indess auch fehlen kann), in einzelnen Füllen selbst Stomatitis und Pharyngitis; glanduläre Gastritis (parenchymatöse Degeneration der Magendrüsen); Verfettung innerer Organe bei längerer, mehrtägiger Dauer, so besonders der Leber (Leberschwellung), des Herzens, des Nieren-epithels. der Muskeln; Bronchitis bei Phosphordämpfen: Ek-chymosen und bäm o ir hagiseb e Herde in den verschiedensten Organen, dunkles, flüssiges Blut. Phosphorescenz des Magen- und Darminhalts mit Entwicklung von Dämpfen, charakteristischer Phos-ph c rge r u c li.
Therapie. Vermeidung fetthaltiger Nahrung, /.. B, von Milch; Brechmittel, besonders aus Cuprum sulfuricum bestehend (Bildung von unlöslichem Phosphorkupfer); Verabreichung von altem, sauer-stoffhaltigem Terpentinöl mit viel Schleim (oxydirt den Phosphor zu Phosphorsäure, welche nicht giftig ist), Dosis des Terpentinöls: Pferden 50100 g, Rindern 100200 g, Schweinen 2550 g, Hunden 510 g. Hühnern 5 10 Tropfen. Excitantien. Kein Gel, welches den Phosphor lösen und so wirksamer machen würde; desgleichen kein e Mi I ch !
|
||
|
|
||
|
Arsenikrorglftnngi
Literatur. 1) Gerlach, Q-erichtl. Thierheilkde. 1872. S. Tyi , vergl. auch die dort angegebene Literatur, 2) Bouley, Recueil. 1^84. 8) Ronauli u. La ss ai gii f, ibid. 1835. 4) A ,v ru n 11. ibid, 1858, 51 D iok, The Veterinär. 1843. 6) Lepper, ibid, 18U-r). 7) Haubner, Aroh, f, Thierheilkde, 1878. S. 97. 8) Schwarz, Adam's Wochenschr. 1800. 8. 61, 9) l'ctzold. Sachs, Jahresber. 1862, S, 112. 10) Dinter, ibid, 1873, 8. 90. 11) Mire, Recueil. 187-quot;). 12) Weigel, ibid. 187(3. S. 116. 18) Tieck, Preuas. Mittheil. 1877/78. S. 23. 14)'Baumgärte 1, Sich.laquo;. Jahresber, 1882. S. 96. lä) Huxel, Berliner Aroh. 1880. S. 220. 16) Detroye, Journal de Lyon. 1880. 17) Sattler, Tbiemedicin. Rundschau. 1880/87. S. 89. 18) Nagel, Berliner Archiv. 1890.8,218, 19) Früh ihm-, Lehrbuch der Toxikologie. 1890, 8, 40.
a. Acute Arseuikvergiftung.
Symptome. Dieselben sind zunächst gast ro-enteritisch er Natur: Ei-brechen, Speicheln. Kolikzufälle. Verstopfung, beim Kinde Aufblähung, später stinkender Durchfall, selbst blutiger Koth; bei Wiederkäuern zuweilen schmerzhafte Anschwellungen an
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Htttteniuuchkrankheit.
|
.1
|
||
|
|
|||
|
der unteroii, vorderen Baachgegend mit Absoedirung und Bildung einer Labmagenfistel oder Vorfall des Labmagens (sehr selten bildet sich eine Fistel der Haube; Detroye). Dazu gesellen sich Störungen von Seiten des N er v ens ysl e in s: läh m ungs artige r Zustand, Schwanken. Zittern. Schwäche. Stumpfsinn, weite Pupille etc. Der lJuls ist klein bis unfiihlbar. sein- frequent |II er/.sch wäch e); Körpertemperatur ungleich vertheilt; die Athnunig oft sehr beschleunigt und angestrengt. Krankheitsdauer: einige Stunden bis mehrere Tage. Bei äusserl ich er Anwendung. /,. B. von Wunden aus. lindel man starke Anschwellung derselben, bei Bädern Hautentzündung verschiedenen Grades, neben den oben genannten Erscheinungen.
Anatomischer Befund. Corrosive Mageiidarni ent/.il ndung mit Höthung, Schwellung, Ekchymosirung und Anätzung der Schleimhaut, besonders des Magens, resp. Labmagens, Zuweilen Perforation des Labmagens und der Bauch wand. Geschwürsbildung, fettige Entartung der Magendrüsen (glandulftre Gastritis, Adenitis par-enehymatosa Virchow's), Verfettungen innerer Organe, z. B. der Leber, der Nieren, des Herzens. Gehirns. Ekchymosen besonders unter dem iMidocard.
Therapie. Hauptgegenmittel: das oflicinelle Antidotum A r-seniciquot; (Liquor Ferri sulfurici oxydati 100 Tb. mit 250 Tb. Wasser verdünnt, wird mit 15 Tb. Magnesia usta plus 260 Th. Wasser versetzt); das so gebildete Eisenoxydliydrat (Ferrum hydricum in A(|ua) geht mit dem Arsenik eine unlösliche Verbindung ein. Man gibt von diesem Antidotum Arsenici Hunden viertel stündlich 1 Esslöff'el voll, Schweinen und kleineren Wiederkäuern mehrere Esslöffel, Pferden imd Rindern Yt1 Liter. Auch eine einfache Auflösung gebrannter Magnesia in 2lt;) Theilen Wasser gibt eine unlösliche Arsenverbindung. (Dosis der Magnesia usta für Hunde viertelstündlich 0,51,0 g| für Pferde 510,0, für Hinder 1020,0.) In Ermanglung dieser Mittel gibt man irgend welche Eisenpräparate, so z. B. als Hausmittel das Löschwasser der Schmiede. Schwefeleisen etc.. sodann K'idkwasser, Zuckerwasser, Eiweiss, schleimige Mittel. Oel ist zu vermeiden.
|
|||
|
|
|||
|
b, CUronische Arsenikvorgiftinig beim Rinde (llüttenrauclikraiiklieiti.
Symptome. Chronischer Durchfall und Husten. Allmählich sich ausbildende Harthäutigkeit mit auffallender Hautabschilfe-rung, Muskelschwund, zunächst im Hintertheile beginnend, läh-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
'j.r)2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Bleivergiftung.
raungsartige Schwäche, ebenfalls zuerst in der Naohhand beginnend, zunebinemle Abmagerung und Kacbexie, Versiegen der Milch, häufiges Verkalben, verzögerter Abgang der Nachgeburt;, erschwerte Conception.
Anatomischer Befund. Starke Abmagerung der Cadaver, allgemeine Hydrämie; Schorfe, Geschwüre und Narben im Lali-inagen, seltener im Pansen, fleckige Kötho, oberflächliche Entzündung. Auflockerung .und Mürbheit der Labmagen- und Dünndarmschleimhaut (Franze); Geschwüre in der Schleimhaut der Luftröhre (Sierlam-grotzky). Secundär: tuberkulöse käsige Bronchopneumonie.
Therapie. Prophylaxe, d. h, Abstellung der Verfütterung von mit Flugstaub befallenem Futter; sonst symptomatische Behandlung des Durchfalls, Hustens, der Abmagerung und Schwäche.
Die so.ueu. Hüttenrauchkrankheit im Bereiche der Freiberger Büttenwerke muss nach liiinbuer's Darstellung wesentlich als eine ohronische Arsenikvergiftnng anfgefasst werden. Der Hüttenrauch besteht nämlich vorwiegend aus schwefliger und arseniger Satire mit geringen Mengen von Blei- und Ziukdiiinpfen sowie Spuren erdiger Mussen. Blei und Zink können, wie Hanbner überzeugend nachgewiesen, als giftiges Piincip nicht in Betracht kommen. Die schweflige Säure aber is( in dem sogen. .,!'lugstaubquot;, dem festen, die gesammte Flora der betreffenden Gegenden überziehenden und die Krankheit speciell bedingenden Niederschlage nicht mehr enthalten, es kann also nur eine Arsenikvergiftung sein, wie denn auch der Arsenik in allen Organen der erkrankten Thiere nachweisbar ist. #9632; Die von Haubner und Sieda mgro tz ky als eine eigenartige Inlnilations-pneuinonie aufgefasste sogen, käsige Hüttenrauchpneumoniequot; hat sieh nach den Untersuchungen Johne's (Sächsischer Jahresbericht 1882, S. 69) als eine echte tuberkulöse Bronohopnemnonie herausgestellt, wobei indess die Inhalation des llüttentlugstanbes bei der Aufnahme des befallenen Putters als prädisponirende Ursache für das leichtere Eindringen des Tuber-kulosebacillus von griisster, Bedeutung ist. Die Aufnahme des arsenik-hidtigen Flugstanbes kann bei grösserem Gehalte an Arsenik auch zu acuter Vergiftung (siehe oben) führen. Die von Haubner auf den Schwefelsö/ure* gehalt dos Hüttenrauches (nicht Flugstauhes) zurückgeführte sogen. Säurekrankheit (Bleichsucht mit Knochenbrüchigkoit) hat mit der vorliegenden Form der Eüttenrauohkrankheit (chronische Arsenikvergiftung) nichts gemein.
|
||
|
|
||
|
Vorgirtuiiir durch Klei (Siitimiisimis).
Literatur. 1) ö er lach, Gericht!. Thierheilkde. 1872. 8. T.H, mit Liter. 2) Wösten-dieck, Magazin. 1855. S. 251. 8)Quivognel Recuoil vet. 1859. 4) Thierry, ibid. 1871. 6) Nolte, Magazin. 1864. S. 2:37. 6) Halm, Preuss. Mittheil, 1865/66. S. 177. 7) Bellinger, Adam's Woohenschr. 1872. S. 166. 8) Johne. Sachs. Jahresber. 1871!. 8. 89, 0) Suchanka, Monatsschritf des Vereins
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Siitumisimis.
|
258
|
||
|
|
|||
|
östen-. Thierärzte. Ibl'.i. S, 165. 10) Ä.lbreoht, Deutsche Zeitsohr, f, Thierraed. 1880. S. 246. 11) Hei-/.. Adam's Woobensohr. 1883. S. 241. 12) 11 ixlurek. Oesterr. Monatssohr. 188:5. Nr. 4. 18)Sal ambrier, Anna! belg. 1881. 14) Lavigne, ibid. 1888. 18) Ellenborger u, Hofmeister, Aroh. f. Thierheilkde, 1884. 8.210. 16) Strebe), Schweizer Archiv. 1884. S.291. 17) Sohmieder, Rundschau. 1886. S. 158. 18) Schmidt, Berlin. Archiv. 1885. S. 401; 1889. S. 248. 19) Kriohels, ibid. 1880. S. 75. 20) Pirl u. Leistikow, ibid. 8. 70. 21) G-üokel, ibid. 1887. S. 129. 22) Liebener, ibid. 8. 181, 28) Fischer, Bad, Mitth, 1888. 8. 96. 24) Bojoly, Journal de Lyon. 1**1. 25) Freissler, Oesterr, Vereins-monatssohrift, 1888. 8. 191, 26) Gilly, Reoueil Bull. 1889. 27) Pröhner, Lehrbuch der Toxikologie. 1890. S. 81. 28) Appenrodt, Berl, Archiv. 1891. S. 378. 29) Beckmann, Zeitsohr. für Veterinftrkunde. 1891. 8.25;!.
1) Symptome der acuten Bleivergiftung. Zuntlohst gastro-enteritische Erclioimmgeii: Erbrechen, Salivation, TJnrubeei'schei-muigen, Darmschmerzen, andauernde Verstopfung, bei Wiederkäuern Aufblühen, später zuweilen stinkender Durchfall. Unterdrückung der Secretionen (Harn, Milch), llie/.u kommen nerv rise Störungen: Zuckungen, besonders am Kopf und Hals, Zittern (Tremor satur-ninus). Kaukrämpfe (sogenannte .Hau quot;-Krankheit), epilepti-l'onnc Anfälle (sogenannter Jammerquot;), in term i tti r e u de Anfälle von Aufregung, selbst Tobsucht. Convulsion en. chore aähnliche Krämpfe. Vorwärtsdrängen einerseits: andererseits treten Schwäche, Schlafsucht, unvollständige und vollständige Lähmung besonders der Nachhand (Paralysis saturnimi). Uuempfind-lichkeit (Anaesthesia saturnimi) auf. Der Puls ist hart und draht-förmig, seine Frequenz häufig verlangsamt, die Athmung erschwert, selbst dyspnoisch.
3) Symptome der chronischen Bleivergiftung. Zunehmende Abmagerung und Schwäche (Tabes und Cac.hexia saturnina). Verstopfung mit Kolik (Colica saturnina), Bewegungsstörungen (Arthralgia saturnina und Rheumatismus saturninus). üehirn-erscheinungen wie bei der acuten Vergiftung (Emephalopathia saturnina), besonders in der Form epileptischer Anfälle (Eclampsia saturnina). bei Pferden Pfeiferdampf (saturnine Hartsclinaufig-keit), bei Ziegen Abortus und Sterilität. Ausserdem kommt es zur Ausbildung einer ulcerösen Stomatitis (Bleisaum an den Zähnen) und zur Entwicklung einer chronischen Nephritis (Schrumpfniere).
Anatomischer Befund bei Bleivergiftung, Blässe und Contraction des Darmrohrs, in chronischen Fällen Verdickuny; der
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
254nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Queoksilbervergiftungi
Schleimhaut des Digestionsapparates, umschriebene Röthung, Entzündung. Vers oho rfung, GesohwUl'sblldungi bei Anwesenheit von metallischem Blei graue bis tiefschwarze Verfärbung der Schleimhaut. Hydrocephalus und Hydrorrhachis internus und externus: Schrumpfniere. Bei apoplektiformen Todesfällen findet man keine wesentlichen Veränderungen.
Therapie. Verabreichung von Schwefelsäure in einem schleimigen Vehikel und im Trinkwasser, sowie von schwefelsauren Salzen (Natrium. Kalium, Magnesium sulfuricuml behufs der Bildung von unlöslichem schwefelsaurem Blei. Brechmittel, Abführmittel. Eiweiss. Milch, Schleim. Innerlich Jodkalium (befördert die Ausscheidung des Bleis [als Jodblei] aus dein Körper). Symptomatisch: Morphium, Chloralhydrat etc. gegen die Bleikolik. Eklampsie u. s. w.
|
||
|
|
||
|
Vergiftung dureli Quooksilber (Merourlalisnins)laquo;
Literatur, li G-erlaob, Qeriohtl. Thierheilkde. 1872. S. 888, mit Literatur, 2) Luatti, II med. veter. 1861. 8) Brusasco, ibid. 1872. 4) Zundel, Reoueil vi't. 187;i. 6) Dietrich. Miigiizin. 1878. S. 456. li) Lewes, ibid. S. 455. 7) Jennea, Repert. 1857. S. 243. 8) Haussraann, Ibid. 1874. S. 38, 9) Lippus, ibid. 1875. S. 388! 1889, S, 180, 10) Meyer, ibid. S. 102. 11) Petersen, ibid. 1877. s. 361, 12) üebelen, ibid, 1878. S. 291. 13) Jansen, Prouss, Mittheil. 1877/78. S, 27. 14) Rössnev, Sachs. Jahresber. 1868, S. 95. 15) Grimm, ibid. 1871, S, 142. 16)Sohleg, ibid. 1871. S. 143; 1876. S. 106; 1880. 8.88. 17) Dinter, ibid. 1872. S. 14:!. 18) Fünfstück u, Weiser, ibid. 1870. 8. 107. 19) Hanbold, ibid. 188:3. S. 9:',: 1887. S. 78. 20) Landvatter, Repertor. 1885. 3, Heft, 21) Th u n eoke, Rundschau. 1885. S. 91, 22) Barin etti, Cliniea veterin, Bd, 12. 28) liable, Osten-. Zeitschrift f, Veterinärkde. 1889. S. 125. 24) Lövy, Oesterreich. Vereinsmonatsschrift, 1890. 8. 422. 26) Adam, Reoueil vetör. 1890. 26) Fröhner, Lehrbuch der Toxikologie, 1890. S. 58.
Symptome. Die Erscheinungen der eigentlichen Quecksilbervergiftung sind, wenn von der localen ätzenden Wirkung der einzelnen Präparate abgesehen wird, im Allgemeinen folgende:
1)nbsp; nbsp;Salivation, Stomatitis ulcerosa, Auflockerung des Zahnfleisches, Lockerwerden und Ausfallen der Zähne bei den Wiederkäuern, übler Geruch aus dem Maule.
2)nbsp; nbsp;Magendarmkatarrh, später profuse, selbst blutige Diarrhöe mit grangrünem, dünnflüssigem, faulig bis aashaft riechendem Knthe.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
.Memiriiilisimis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;255
3) Husten, eiterigerNasenausfluss, Bronchoblennorrhöe, selbst Brouchopneumonie, angestrengte, selbstdyspnoisohe Ä.thmung, übelriechendes Exspirium, Stöhnen, Niisenbluten.
#9632;I) Hautekzeme, in der Hauptsache Ekzema impetiginosum und squaraosum, beginnend mit starkem Jucken, in Folge dessen Nagen und Scheuern, Haarausfall, Nüssen, Eiter- und Borkenbildung neben bedeutender Hautverdickung und Anschwellung der Subcutis, Bildung von Bläschen und Pusteln, letztere iiber ohne Delle, welche mit der Pockenseuche viel Aehnlichkeit haben und beim Ueberimpt'en wieder ein vesico-pustulöses Ekzem eizeugen. Lieblingsstellen: Umgebung der eingeriebenen Salbe, der Augen, des Flotzmaules, Afters, Euters und der Scheide, Trielfalte, Heugeilächen der Uelenke.
quot;)) Lähmungsartige Schwäche, grosse Apathie, Stumpfsinn, Schwindel, Zittern (Tremor mercurialis), Schreckhaftigkeit (Ere-thismus mercurialis), Lähmung einzelner Muskeln, Abmagerung, Tod oft unter dem Bilde des Einschlafens, seltener Convulsionen.
li) Temperatur normal oder kaum erhöht, dagegen der Puls sein' beschleunigt und schwach, Blutungen in den verschiedensten Organen, besonders den Schleimhäuten der Nase, der Lunge, des Darmes, des Uterus (Abortus), zuweilen Tod durch innere Verblutung.
Verlauf. Derselbe ist entweder acut, besonders bei jungen Thiercn und bei vorwiegender localer Aetzung im Magen und Darm (Sublimat kann so innerhalb einiger Stunden schon eine tödtliche Vergiftung herbeiführen, ohne (lass es zu allgemeinem Mercurialismus kommt); die Dauer des acuten Mercurialismus ist sehr verschieden und beträgt mehrere, selbst 1011 Tage. Oder der Verlauf ist chronisch, mehrere Wochen, selbst Monate dauernd. Gewöhnlich ist das Krankheitsbild nicht so vollständig, wie es oben geschildert wurde, es können vielmehr die einen oder anderen Symptome fehlen.
Anatomischer Befund bei allgemeiner Quecksilbervergiftung. Die Haut und das Unterhautbindegewebe ist anämisch, das letztere serös inflltrirt, unter den ekzematösen Hautstellen ekehy-mosirt; die Körpermuskulatur ist auffallend blass, welk, wie gekocht, von fleckigen, düsterbraunrothen Ekchymosen durchsetzt, dabei stark sulzig inflltrirt. so dass beim Einschneiden eine Heischwusser-ähnliche Flüssigkeit abläuft. Das Blut erscheint schwarzroth, schmierig, schlecht geronnen. Sodann sind Entzündungszustände auf der Schleimhaut des Dififestionstractus in verschiedenen Graden vor-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
250nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kupfei'vergiftung.
banden: ulceröse Stomatitis (kann fehlen), punktfönnige und fleckige Röthung, hämorrbagisohe Erosionen, Grescliwilrsbildung im Magen, besonders auf der Holie der Sciileimhautvorsjjrüuge und im Labmagen, die Mucosa ist oft ödematös geschwollen, die Suhmucosa serös in-liltrirt, so dass die Darmschleimhaut schlotternde Wülste bildet, daneben beobacbtet man hochgradige Anämie des Darmes. Das subperitoneale Bindegewebe ist ebenfalls ödematös, mit Heckigen Hämorrhagien durchsetzt. Die Lei)er ist anümisch, geschwollen, die Nieren sind serös intiltrirt, anämisch, ekchvniosirt.
Ausserdem besteht Rhinitis. Laryngitis, Tracheitis, Bronchitis oatarrhalis, zuweilen sogar Kehlkopfs- und Luftröhrencroup. Die Lunge ist blutreich, mit Hämorrhagien und bronchopneumonischen Herden, selbst mit Abscessen durchsetzt, die Bronchial- und Mittelfelldrüsen sind geschwollen und hyperämisch; auch subpieurale Ekchv-mosirungen sind vorhanden. Endlich findet man mvocarditisclie Degeneration, Hämorrhagien zwischen den Muskelfasern des Herzens, unter dem Epicard und Endocard: subarachnoicleale Blutunterlauf ungen, anämische, weiche, wässerig glänzende Gehirnsubstanz, sowie punktfönnige Hämorrhagien in der Gehirnrinde.
Therapie der allgemeinen Quecksilbervergiftung. Verabreichung von SehwefelVerbindungen, um unlösliches Sohwefelqueoksilber zu bilden: Flores sulfuris, Kalium sulfuratuni u. 8. \\.; Eisenpulver, besonders auch Eisenvitriol; Ei weis s in Lösung; .lodkalium. Daneben symptomatische Behandlung der Gastro-Enteritis. Stomatitis, Bronchitis, des Ekzems etc.
|
||
|
|
||
|
Vergiftung durch Kupfer (Cuprismiis).
Literatur. 1) Gerlach, Ocrichtl. Thlerheilkde. 1872. S, 797. mit Literatur. 2) (i 1 u t hm an u, Sachs. Jahreslicr. 1866/67. S. 56. 3) Fabry. Aanal, de Bruxelles. 18()1. 4) Elleubsrger u. Hofmeister, Arch. f. Thierheil-künde, 1883. 8.325. 5) Philipp i. Sächsischer Jahresber. 1886. S. 92. 0) Zundel, Jouraal de Lyon. 1868. 7) Trasbot, Archiv. vMv. 1877. 8) Giraud, Annal. belg. 1878. 9) Eggeling, Berliner Arohiv. 1889. s. 186. 10) B1 o c b. Berl. thierärzÜ. Woohensohr. 1890. S. 182. 11) Proh n er, Lehrbuch ilor Toxikologie, 1890. S, 04.
Symptome. Die einer Gastro-Enteritis: Erbrechen grünlicher Massen, unterdrückte Futteraufnahme. Kolik, Durchfall, Im weiteren Verlauf Schwächezustände. Zittern. Couvulsionen,
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Breohwoinsteinvergiftung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;257
Anästhesie; kleiner, dralit.förmiger, verlangsamter l'uls; beschleunigte Athmunlt;f.
Section. Dieselbe bietet die Erscheinunffen einer aouten Majren-darmentzündung. Nach Trasbot soll aucii starke Magenerweiterung beobachtet werden.
Therapie. Eiweiss, Schleim, Milch. Ferrum pulvera-tum, Eisenf'eile, Schwefel, gebrannte Magnesia. Symptomatisch Narcotica.
|
||
|
|
||
|
Verglftnng durch Zink.
Literatur, l) Q-erlaoh, Qeriohtl, Thierheilkunde. l!S72. S. 885, mit Literatur. 2) Zirkel, Magazin. 1850. S. 203. 3) Pröhner, Lehrbuch der Toxikologie. 1890. S. 68,
Symptome. Erbrechen, Kolik, Durchfall, Schwäche- und Lähmungszustände; bei längerer Dauer Anämie und Kache.xie.
Anatomischer Befund. Schrumpfung und Anämie der Magendarmschleimhaut, Gastro-Enteritis in Form von umschriebenen Entzündungsherden und Erosionen.
Therapie. Eiweiss, Schleim, Zuckerwasser. Schwefel, gebrannte Magnesia.
Vergiftung mit ISrccInvcinstein.
Literatur. 1) Saussol, Eecueil veter. 1830. 2) (J er lach, Qeriohtl. Thierheilkunde. 1872. S. 709 mit Literatur. 3) Weber, Berl. thieriirztl. Wochen-sehr. 1890. 8. 30. 4) Pröhner, Lehrbuch der Toxikologie. 1890. 8. 70.
Symptome. Aehnlich den ätzenden Alkalien und Säuren: Stomatitis ulcerosa mit Speicheln, Erbrechen, Kolik, Diarrhöe; Schwindel, Zittern, Krämpfe, Lähmung; kleiner, harter, oft unfühlbarer Puls, beschleunigte Athmung, selbst Pneumonie; rascher Tod.
Anatomischer Befund. Entzündung und Aniitzung der Schleimhaut des gesammten Digestionstractus, besonders im Magen; Lungenhyperämie, Desquamation des Bronchialepithels, hämorrhagische Infarkte, selbst Entzündung der Lunge. Nach Trasbot soll ferner Magenerweiterung ein charakteristisches Symptom der Hrech-weinsteiuVergiftung sein.
KriciUici'Ber u. Fvolnior, Pathol h. Tlievapio d. lliiusthicre. I. lid, :). Autt. 17
|
||
|
|
||
|
|
||
|
258nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kochsalzvergiftung.
Therapie. In erster Linie gerb st off haltige Mittel (Eichenrinden-Abkochung, Tinte, Tannin); schleim ig-ölige Mittel, Nar-cotica, besonders Opium: bei Hunden Eispillen.
|
||
|
|
||
|
Vergiftung: durch Kochsalz-, Salz-, Herings- und l'öckellnkc.
Literatur. 1) Qerlaoh, Geriohtl. ThierheilMe. 1872. S. 801 u. 805. Vgl. auch die dort angegebono Literatur. 2) Lei)per, The Veterinarian. 185(). 3) Walthor, Sachs. Jahresber. 185C/57. S. 50. 4) Stoekfloth, Ropert. 1867.S.286. 5)Ri'yiial, Recueil. 1866. 6)Fisoher1 ibid. 1850. 7)Degoi.x. Recuoil de mikl. vct. 1857. 8) Leppor, ibid. 1858. 9) Oarpegna, Qior-nale raquo;li mod. vet. 1859. 10) Krotschmar, Sachs.Jahresber. 1861. S. 123. 11) Rosenkranz, ibid. 1869. 8. 92. 12) Albrecht u. Neumeister, Magazin. 1864. S. 345. 13) Mayr, Adam's Woehensehr. 1869. S. 185. 14) Voigtlftnder, Sachs. Jahresber. 1870. S. 44. 15) Lehnert, ibid. 1873. S. 90. 16) Fünfstüok, ibid. 1874. S. 102. 17) Nagel, Heperl, 1876. S. 360. 18) Giorsberg. Thieravzt. 1877. S. 188. 19) Hanns, Mag. 1871. S. 385. 20) Maile, Report. 1872. S. 244. 21) Drewien, Preuss. MittheU. 1877/78. 8. 95. 22) Sehnst, Repert. 1880. S. 198. 23) Siedam-grotzky, Sachs. Jahresber, 1882. S. 16. 24) Adam, Adam's Wochensohr, 1884. S. 333. 25) Junginger, ibid. 1887. S. 137. 261 li or mann, Stern u. A., Berliner Archiv. 1885. S. 225. 27) Lieb euer, ibid. 1886. S. 76. 28) Langenkamp, ibid. 1887. S. 131. 29) Weemars, Bull. Belg. 111. 30) Kämmerer, Bad. thierärztl. Mitth. 1888. S. 59. 81) ühland. Bepertorinm. 1889. S. 806. 82) EhierS, Berlin, thierärztl. Wochenscbr. 1889. S. 57. 33) Lamoureux, Recueil. 1890. 34) Pröhner, Lehrbuch der Toxikologie. 1890. S. 76.
Symptome. 1) Bei Kochsalz,Vergiftung sind es hauptsächlich die Erscheinungen einer Gas tro-Enteritis, verbunden mit 1 ii,htnungsartigen Zustilnden. Sistirte Fntteraufnahme, trockenes, heisses, gerötbetes Maul, grosser Durst, Erbrechen, Kolikschmerzen, wässerige Diarrhöe, häufiger Harnabsatz eröifnen das Krankheitsbild, Dazu kommen grosse Körperscliwäehe, Taumeln, Niederstürzen, Lähmungen von verschiedener Ausbreitung, besonders Lähmung der Nachhand bei Pferden, Betäubung, Erweiterung der Pupille, selbst Blindheit, Zittern: bei Schweinen (seltener bei Pferden und Hunden) hie und da cpileptiforme Krampfanfälle; Herzschwäche, kleiner elender Puls, angestrengte Athmung; Tod innerhalb li48 Stunden. Bei längerer Krankheitsdauer bildet sich ein anämischer Zustand aus. Beim Rinde treten dabei zuweilen die Erscheinungen einer Enteritis hervor.
2) Bei Vergiftung durch H är in gslake gesellen sich zu dem Krankbeitsbilde der einfachen Kochsalzvergiftung noch die Symptome der P t o m a i n e v e r g i f t n n g (G e li i r n r e i z u n g s e r s c h e i n u n g e n
|
||
|
|
||
|
|
||
|
1
Salpetervcrgii'tung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 259
und Krämpfe). Besonders oharakteristisobe Erscheinungen sind: Zähneknirschen, Kaukriimpt'e, epileptiforme Krumpfe, Opistho-tonus und Pleurotliotonus. Kotiren der Augen (Nystagmus), krampfhaftes Blinzeln, ausgebreitete /uckungen, Drehbewegungen, hundesitzige Stellungen, kollerartige Erscheinungen, Stumpfsinn und Gefühllosigkeit, amaurotische Pupille, Blindheit: bei Kühen Abortus, selbst Gebärmuttervorfall. Verlauf sehr acut, der Tod tritt meist nach 6 12 Stunden ein.
Anatomischer Befund. Die Erscheinungen einer acuten Magendarmentzündung; Labmagen der Wiederkäuer besonders afficirt. Daneben auffallend hellrothes, flüssiges Blut mit Ekchymosen in verschiedenen Organen. Blasenschleimhaut oft geröthet. Nicht selten fehlen im Darmtractus entzündliche Veränderungen, besonders bei Lakevergiftung; dagegen findet man bei letzterer gewöhnlich Hyperämie des Gehirns mit Hydrocephalus internus und externus.
Therapie. Viel Wasser, schleimige, ölige Mittel, Exci-tantien (Aether subcutan. Campher, Wein etc.), bei starker Erregung narkotische Mittel.
|
||
|
|
||
|
Vergiftnng mil Salpeter (Natron- und Kalisalpeter).
Literatur. 1) Q-erlaoh, Gericht!, Thierheilkvuide. 187:2. S. 853 mit Literatur. 2) Maury, Recueil v6t6r, 18C2. 8) Lies, Adam's Wochensdir. 1869. S. 385. 4) Ros e n kränz, Sachs, Jahresbericht. 1874. S. 102. 5) Prietsoh, ibid. S, 101. 6) Fröhner, Repertor. 1880. S. 245; Lehrbuch der Toxikologie. 1890. S, 78. 7) Schwanefeld u. A., Berliner Archiv, 1887. S. 128. 8) John, ibid. 1889. S, 135. 9) M ei er he ine, ibid. 1891. S. 3157. 10) La-pdtre u, Oornevin, Journal de Lyon. 1887. H. 375. ll)Mt)l)ius, Siiclis. Jahresbericht. 1887. S. 79. 12) Legrand, Annal, belg. 1887. S, 497.
Symptome. Die einer Gastro-Enteritis, verbunden mit Liihmungserscheinungen: Kolik, Durchfall, Aufblähen beim Rinde, Erbrechen. Salivation. Würgbewegungen; dazu Sinken der Körpertemperatur. Hinfälligkeit, Schwanken, Zusammenstürzen, Abstumpfung, Zittern: prellender pochender Herzschlag, l'olyurie. Zuweilen apoplektifonne Todesfälle; seltener Krämpfe, Vordrehen der Augen etc. Der Verlauf ist im Allgemeinen peracut, indem oft schon nach quot;) Minuten tödtlicher Ausgang erfolgt, Dauer meist nur ll'i bis einige Stunden, selten mehr als 12,
|
||
|
|
||
|
|
||
|
2(50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Vergiftung durch Aetzalkalien.
Anatomischer Befund. H il m o r r lui g i a c h e G u s t r o - E n t e r i t i s, besonders im Magen (Labmagen) und Dünndarm, purpur- bis kirsch-braunrotlie Verf'iirbiing und geschwürige Entartung der Schleimhaut, dünntlüssiger, braunrother Darminlialt, Hyperämie der Baucheingeweide, Entzündung und Ekchymosirung der Nieren und Ilarnblasensclileimhaut, hellrothes oder missfarbiges, llüssiges Blut.
Therapie. Einhüllende, sowie excitireude Mittel (Campher. Kaffee, Aether etc.).
Vergiftung durch G-lnubersalz.
Literatur. 1) Bauwerker, Adam's Woohensohr, 18(i8. 8. 118. 2) üblich,
Silclis. Jahresber. 1889. S, 87. Literatur der KainitVergiftung! 1) Schilling, Berliner Archiv, 1887. 2) Seh wanehorger , ibid. 188!).
Symptome. Kolikerscheinungen, starker Durst, wässerige Diarrhöe, unterdrückte Peristaltik, lähmungsartiger Zustand, Unvermögen aufzustehen, zunehmende Schwäche, Tod nach mehrtägiger Krankheitsdauer. Aehnliche Erscheinungen beobachtet man bei der Kainit Vergiftung.
Therapie. Wie bei Kochsalzvergiftung.
Vergiftung durch ätzende Alkalien (Aet/knlk, SaliniaUpeisl, Lau^e).
Literatur. 1) Qerlaob, Qeriohtl. Thierbeilkde. 1872. Aussei- der dort gesammelten Literatur 2) Lüpke, Thiorarzt. 1809. S. 28ü. 8) l'röger, Sachs. Jahresber. 1881. S. 125. 4) Prietsch, ibid. 1877. S. 119. 5)Meyer, American Veterinary Review. 1884. (!) Fröhner, Lehrbuch der Toxikologie. 1890. S. 84. 7) Köder, Sachs. Jahresber. 1890. S. 91.
Symptome. Anätzung der Lippen, der Maulschleimhaut, der Zunge, der Schlundkopfschleimhaut; Geifern, Schlingbeschwerden, Kolik. Bei Ammoniakvergiftung ausserdem Husten, beschwerliches Athmen, Aushusten häutiger, croupälmlicher Massen. Muskel seh wache, Collaps.
Anatomischer Befund. Croupöse Stomatitis und Pharyngitis, bei Salmiakgeistvergiftung auch croupöse Laryngitis, Tra-cheitis, Bronchitis und Pneumonie; hochgradige Entzündung, braun-bia schwarzrothe Verfärbung, sulzige Schwellung und ausgedehnte Corrosion der Magen- und Darmschleimhaut.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
'Hm
|
||
|
|
||
|
Vergiftung durch ätzende Säuren.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2öl
Therapie. Verdünnte Säuron, besonders als Hausmittel Essig; schleimige und ölige Mittel mit Opium. Gegen den Collaps Campher und Aether. Brechmittel und Abführmittel sind contraimlicirt.
|
||
|
|
||
|
Vergiftung durch ntzviido Säiiron (Sclnvefelsiiure).
Literatur, l) Gterlaoh, Geriohtl. Thierheilkde. 1872. S. 877. 2) Johne, Sachs. Jahrosber. 1880. S. 38. 3) Abadie, Revue vetcr. 1877. 4) Bubendorf, Zündel's Jahresbericht. 1883. 5) Fröhner, Lehrbuch der Toxikologie. 1890. S. 80.
Symptome. Die einer ulcerüsen Stomatitis und Pharyngitis mit heftigerGastro-Enteritis: geschwollene, blutrünstige Lippen, angeätzte, stark entzündete Maulschleimhaut, Speicheln, Schlingbeschwerden, heftige Kolikschmerzen, vollständig unterdrückte Peristaltik, frequenter, kleiner Puls, rascher Tod.
Anatomischer Befund. Anätzung der Schleimhaut von den Lippen bis zum Darm: Stomatitis, Glossitis, Pharyngitis, Oeso-phagitis, Gastritis, Enteritis.
Therapie. Verdünnte Alkalien: Seifenwasser, Kalkwasser, verdünnte Natron- und Kali-Lauge, Magnesia usta. Opium zusammen mit schleimigen und öligen Mitteln, Excitantien (Campher, Aether).
Vergiftung durch Essig.
Literatur, 1) der lach, Orichtl. Thierheilkde. 1872. S. 784. 2) Eckhardt, Adam's Wochenschr. 1881. S. 140. 8) Ward. The vct. journ. Bd. 23. 4) Mummenthey, Preuss. Mittheil. 1883. 5) Fröhner. Lehrbuch der Toxikologie, 1890. 8. 87.
Symptome. Appetitlosigkeit, Kolik, Diarrhöe, Schwanken, Betäubung, Zuckungen, Collaps; Athmungs- und Pulsbeschleiinigung.
Therapie. Alkalien, Excitantien.
|
||
|
|
||
|
Vergiftung durch Karbolsäure.
Literatur. 1) Schmidt, Preuss. Mittheil. 1800/07. S. 100. 2) Bruckmüller, Oesterr. Vicrtoljahrssohr. 1870. 4. lieft. 8) D 6er 0ix, Uecueil de mcd. vct. 1873. Nr. 3. 4) Beck, Adam's Wochenschr. 1874. S. 413. 5) Dam mann, Preuss. Mittheilung. 1874/75. S. 109. 6) Thomas, ibid. 1877/78. S. 26.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
262nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Karbolnäureverfjiftung.
7) Munk, Arch. f. Thioiheilkdr. 1882. S. 101. 8) Kl 1 e nborge r u. Hofmeister, Silchs. Jahresber. 1881. S. 157. 9) Qarrouste, Bull. Soc. centr. v6i. 1882. 10) Güokel, Schäfer, Berliner Archiv. 1885. S. 227 f. 11) Bormann, ibid. 1887. S. 129. 12) Wilhelm, Silclis. Jahresber. 1887. S. 118. 13) Van Leen wen, Holland, thieriuv.tl, Zeitschrift. Bd. IC. S. 5. 14) Hörn er, Deutsche Zeitschr. f. Thiermed. 1890. S. 302. 15) Beel, ibid. 1891. S. 211. 16) Fröhner, Lehrbuch der Toxikologie. 1890. S, 94.
Symptome. Appetitvernaiuderung, Speicheln, Erbrechen, Diarrhöe, leichte Kolikschmerzen, Aufbiegen dos Rückens; schmutzig getrübter, grünlichbrauner, eiweisshaltiger, nach Karbolsäure riechender Harn. Parese und Paralyse der Nachhand, Lähmung des ganzen Körpers, zuweilen plötzliches Zusammenstürzen, Zittern, Schreckhaftigkeit, Unruhe, tonisch-clonische Muskelkrämpfe, Betäubung, Coma, Col laps. Sinken der Innen temp eratur bei Beschleunigung des Pulses. Unregelmässige, erschwerte Respiration. Zuweilen die Symptome einer Nephritis (weisse und rothe Blutkörperchen, Cylinder im Harne). Locale Verätzungen bei concentrirter Anwendung.
Anatomischer Befund. Hämorrhagische Magendarmentzündung. Leborvert'ettung, parenehymatöse Degeneration des Herzens, Verfettung der Nieren, selbst fgt;arencliymatöse Nephritis. Dunkles, schlecht geronnenes, schmieriges Blut. Gehirn-und Lungenhyperämie, Pia-Oedem, seröser Erguss in die Ventrikel, Karbolgeruch aller Organe. Bei localer Anwendung: Verätzung.
Therapie. Schwefelsaure Salze, besonders Glaubersalz, welche die Karbolsäure in die ungiftige Phenylsulfonsäure überführen. Seife. Kalkmilch. Excitirende Mittel: Aether, Campher. Weingeist, Kaffee. Wein.
Vergiftung: durch Jodoform.
Literatur. 1) Albreclit, Ad. Woclienschr. 1887. 2) Pröhner, Lehrbuch der Toxikologie. 1890. S. 91.
Symptome. 1) Die acute Jodoformvergiftung äussert sich zunächst in leichten gastrischen Störungen (Appetitverlust, Erbrechen, Verstopfung), sodann in Schläfrigkeit, Betäubung und Coma, welche von Krampf anfallen unterbrochen werden. Hunde zeigen zuweilen schon anfangs starke Aufregung und selbst wuth-ähnliche Zufälle. Weiter findet starkes Sinken der Innentemperatur statt und es entwickeln sich die Zeichen der Herzschwäche
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Jodoform Vergiftung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 203
(sehr frequenter, kleiner Puls, pochender Herzschlag, Dyspnoe, Oligurie, Albuminurie).
2) Die chronische Jodoiormvergif'tung verläuft unter den Erscheinungen des chronischen Jodismuis. Dieselben bestehen in Abmagerung, Schwund der Drüsen, namentlich der Milchdrüse, .lod-ekzemen und Katarrhen der Schleimhäute, insbesondere der Nasenschleimbaut (Jodschnupfen), der Lidbindeliaut, der Kehlkopfsund Bronchialschleimhaut.
Anatomischer Befund. Bei der Section findet man als Hauptveränderungen Verfettung der grossen Körperdrüsen (Leber, Niere), des Herzmuskels und der Skelettmuskeln, sowie zuweilen Glome-rulonephritis.
Therapie. Bei der Behandlung der Jodoform Vergiftung handelt es sich vor Allem darum, wenn möglich das Gift durch Brechmittel aus dem Magen zu entfernen. Eigentliche Antidote gegen Jod besitzen wir nicht. Man kann versuchen, durch grosse Dosen von Stärkemehl das Jod unwirksam zu machen. In der Hauptsache ist die Behandlung aber eine symptomatische, excitirende.
Chlorvergiftung. Die Erscheinungen bestehen in einer schweren Entzündung der Schleimhaut der oberen Luftwege, Husten, hochgradiger Athemnoth und Er stickun gsan f ill len. Ein Fall bei Pferden einer chemischen Fabrik, welche in der Nähe der geöffneten Chlorkammer standen, ist von Rost (Sachs. Jahresbericht 1888, S. 87) beschrieben worden.
Petroleumvergiftung. Symptome: gastrische Störungen, Schwindel, Betäubung, rauschartigor Zustand, Lähmung. Die Behandlung besteht in der Verabreichung von Brechmitteln und Excitantien. Bezüglich der Literatur vergl. Pröhner, Toxikologie, 1890, S. 100.
|
||
|
|
||
|
II. Pflanzliche Gifte. nie, Lnpinoiikrniiklieit, Lupinoso der Schafe.
Literatur. 1) Preuss. Mittheilungen. 1866/67 (Wienands); 1875/76. 8. 104; 1877/78. 8. 1723; 1880/81. 8. 25. 2) Dammann, Deutsche Zeitschr. f. Thlermedioin. 1877. S, ;f53; öesundheitepflege der Haussäugethiere, 1883. S, 436. 8) Bellini, Ref. im Tliierarzt. 1877. 8. 46. 4) Zürn, Vorträge für Thiorärzte. II. Serie. 7. Hft. 1879: Wiener landwirthschaftl. Zeitung. 1885. S. 502. 5) Kühn, Bericht des landwirthsohaftl. Instituts der Universität Halle. 1880. 2. Hft. 8. 115; Deutsche Zeitschr. f. Thiormed. 1881. Blätter für Belehrung u. Unterhaltung. Halle 1881. 6) Liebscher, Her. d. landwirth. Inst. Halle 1880. S. 53; Arch. f. Thierheilkde. 1881. S. 224. 7) Crespo, Journal d'agricult. prat, 1880. 8) Zünde 1. Reoaeil. 1883.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
264
|
|jii|)inosc.
|
||
|
|
|||
|
9) Dieckorhoff, Spec. Pathologic. 188G. S. 495. 10) Arnold u, Lemke, llannov. Jahresber. 1879/80. S. 94. 11) Arnold, ibid. 188082. S. 136. 12) Arnold u. Scluieideiuühl, ibid. 1882/88. S. 101; Deutsche Zeitschr. f, Thiermcd. 188:3. S. 287. 18) Sehncideraühl, Vorträge f. Thiorilrzte. VI. Serie. 4. lieft; Zusammenfassende Arbeit, Deuteohe Zeitschr. f, Thier-modicin. 1884. 8. 150. 14) Hol off, Areh. f. Thiorheilkunde. 1883. S. 1. 16) Barth, Mol/.baeh, l'irl u. A., ibid, 1885. S, 107 u. 109. 16) liuch, Thierarzt, 1882. S. 04. 17) BaumgUrtel, Sachs. Jahresber, 1883. S. 89. ^Wegener, l'irl, Berl. Arohiv, 1880. S. 72. 19) Becker, ibid. 1891. S. 293. Lupinose heim Pferde: 1) Wegener, Preuss, Mittheil. 1877/78. S. 21; Berliner Archiv. 1880. S. 72. 2) Haselbueli, Monatssohr, des Vereins österr, Thierärzte, 1884. Nr. 9. 3) Kobel, Adam's Wochensohr, 1884. S. 308. 4) Butzert, Priv. Mitfcheil, über Lupinoso hei 9 Pferden; die Krankheit erwies sich nach den von Priodberger an Schafen angestellten Control-Pütterungsversueben in der That als Lupinose.
Geschichtlich-Statistisches. Einzelerkrankungen durch den Genuss von Lupinen wurden bereits im Anfange der sechziger Jahre von Wienands, Liebscher, Güttlich beobachtet; die ersten Mit-theihingen über Massenerkrankungen der Schafe stammen indess erst aus dem Jahre 187'J. Von hier ab, und namentlich seit 1875, mehrten sich diese Massenerkrankungen und erregten bald die allgemeine Aufmerksamkeit, so class sich beispielsweise das preussische Ministerium für Landwirfchschaft veranlas.st sah, an den Thierarzneischulen /u Berlin und Hannover Untersuchungen über das Wesen der Krankheit anstellen y.n lassen.
Die von der Lupinenkrankheit vorwiegend betroffenen Gegenden sind die durch ihre Bodenverhältnisse für den Anbau von Lupinen besonders geeigneten preussischen Provinzen Po ininern. Posen, Brandenburg, Westpreussen, Schlesien; später verbreitete sich die Krankheit auch über Hannover und schliesslich fast über ganz Norddeutschland. In Süddeutschland ist sie dagegen so gut wie unbekannt.
Der Schaden, welcher der Landwirtbschaffc durch die Lupinose erwächst, ist ein ganz bedeutender, wenn man bedenkt, dass oft die Hälfte bis Dreiviertel des ganzen erkrankten Schafbestandes zu Grunde geht. Die Verluste in einzelnen Kreisen der Provinz Pommern beziffern sich auf viele tausend Stück in einem Jahre. So referirte v. Below-Saleske in den Verhandlungen des königlich preussischen Landcsökonomie-Collegiums vom 3. Februar 1880, dass ein pommer-scher Kreis mit einem Bestands von 240,000 Schafen in Einem Jahre 14,138 Stück an der Lupinenkrankheit verloren habe und 13,000 Lämmer weniger aufziehen konnte als sonst.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Iiupinosi.'.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2lirgt;
Wie Schafe, so erkranken auch Ziegen, Pferde, Rinder, Damwild. Experimentoll kann die Krankheit auch auf Hunde, nicht aber auf Kaninchen übertragen werden.
Aetiologisches. Ks werden zwar auch ohne Lupincnfütfcerung ganz ähnliche Erkrankungen wie die Lupinose beobachtet (cf. später), doch kommt die eigentliche Lupinenkrankheit nur da vor, wo Lupinen gebaut und verfüttert werden. Besonders sind es die cultivirten gelben Lupinen, seltener die blau und weiss blühenden, welche schädlich wirken. Die Disposition zur Erkrankung wird durch Kasse, Greschlecht und Alter nicht beeinfbisst; wenn Lämmer und Mutterschafe in einzelnen Fällen schwerer erkrankten als Hammel, so ist dies eben in der .schwächeren Constitution derselben zu suchen.
üeber das Wesen der krankmachenden Ursache in den Lupinen sind von Anfang an die verschiedensten Anschauungen kund geworden. Am wahrscheinlichsten ist, dnss der schädliche Stoff in den Lupinen ein rein chemisches Gift ist. Hiefür spricht die Erfahrungs-That-sache, dass die oberflächlichen Schichten der im Freien aufbewahrten Lupinenhaufen (kleinere Häufchen auch ganz) unschädlich sind, indem das Gift hier durch den Regen ausgelaugt wurde. Ferner sind als Beweise für die Anwesenheit eines chemischen Giftes zu betrachten der Umstand, dass der Grad dor Erkrankung stets im directen Ver-hältniss zu der Menge der aufgenommenen schädlichen Lupinen steht, und dass sich je nach der Dosirung des giftigen Auszugs experimentell beliebig eine acute oder chronische Vergiftung erzeugen lässt, endlich die nachgewiesene Extrnctionsfahigkeit des die Lupinose erzeugenden Stoffes durch Wasser, welches 2 SProc. Aetznatron enthält. Kühn hat für den durch Wasser ausziehbaren chemischen Stoff den Namen Ictrogenquot; vorgeschlagen. Arnold und Schneidcmühl nennen ihn Lupinotoxin, ein Name, welcher dem nicht für alle Fälle zutreffenden Kühn's vorzuziehen ist.
Die verschiedenen über die Aetiologie der Lupinose sonst noch aufgestellten Theorien sind folgende i
1)nbsp; Eine sogen, Lupinenmüdigkeit des Hodens wurde von landwirthsohaftlioher Reite sronäcbst beschuldigt. Darnach sollte die Pflanze nicht mehr genügend normale Nährstoffe im Boden vorfinden und sicli in derselben nunmehr ein schädlich wirkender Stoff bilden. Indess erzeugten zu weilen die ganz frisch angebauten Lupinen Lupinose, andererseits werden erfahrungsgemäss in vielen Wirthschaften Lupinen viele Jahre hindurch auf einem und demselben Acker gebaut und ohne Nachtheil verfüttert.
2)nbsp; Die Einlagerung feinen Sandstaub es in die Lupinen als Krankheitsursache wurde schon 187(gt; durch die Untersuchungen Dam-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
2(i(jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ijupinoso.
iniuin's widerlegt, welclier schildliclie Lupinen völlig frei von Sand und Staub fand.
:!) Die von thierilrztliclier Seite aufgestellte Hypothese einer über-niiissigen Fütterung von Lupinen und dadurch hervorgebrachten Ueborladung des Blutes mit Eiweissstoffen wurde bald durch die Thatsache widerlegt, dass die Krankheit auch nach der Fütterung kleiner Quantitäten auftreten kann, und dass es in einer Wirthschaft und in einem und demselben .Jahre oft nur einzelne Aeckcr oder sogar nur einzelne Ackerparzellen waren, die sebiidliche Lupinen trugen.
4)nbsp; nbsp;Vielfach wurden licfallungspilze auf den Lupinen als die directe Ursache der Lupinose angesehen (Zürn). Diese Annahme ist indess durch eine Reihe von Thatsachon unhaltbar geworden. Erstens ist es nie gelungen, Pilze als Erzeuger der anatomischen Veränderungen nachzuweisen. Zweitens hat die Erfahrung gelehrt, dass schimmelige und sogar schon in Päulniss übergegangene Lupinen sich in Beziehung auf Lupinose vollkommen unschädlich erweisen können, während häufig genug tadellos aussehende, gut eingebrachte und trocken aufbewahrte Lupinen sich in hohem Q-rade schädlich zeigten. Drittens wurde die interessante Beobachtung gemacht, dass bei Aufbewahrung der Lupinen im Freien die oberflächliche Schichte ohne Nachtheil verfüttert werden konnte, während die Verabreichung der tieferen Schichten die Krankheit hervorrief, ein Umstand, der nicht für die Pilze sprach. Viertens ist eine Uebertragung der Lupinose durch Impfung nicht gelungen. Fünftens lässt sich der schädliche Stoff der Lupinen durch Wasser, das 2:i Proc. Aetznatron enthält, vollständig ausziehen, ohne dass in diesem Auszug Pilze nachweisbar wären. Sechs tens erzeugten nach den Versuchen von Arnold und Lemke Lupinen trotz vierwöchentlicher Einwirkung absoluten Alkohols immer noch Lupinose, während etwa vorhandene Pilze durch den Alkohol unwirksam geworden wären, oder wenn nicht, durch ihre Suspendirung im Alkohol bei der Einverleibung des Alkoholauszugs hätten schädlich wirken müssen, was nicht der Fall war.
5)nbsp; nbsp;Auch die Annahme endlich, dass es sich bei der Lupinoso um einen abnormen Gehalt normal vorkommender Alkaloide handle, ist nicht aufrecht zu erhalten. Zunächst haben die Untersuchungen von Drummer und Krocker (Landwirthschaftliche Jahrbücher 188(1) dargethan, class die Schädlichen Lupinen oft woniger Alkaloide enthalten, als die unschädlichen. Sodann hat Liebscher gezeigt, dass die Erscheinungen, bezw. anatomischen Veränderungen bei der Lupinose ganz andere sind, als bei den Alkaloid-vergiftungen, die als reine Nervengifte wirken. Und endlich hat Arnold mit Lupinen, die von den Pflanzenalkaloiden vollkommen befreit waren, noch Lupinose erzeugt.
Eigenschaften des Lupinotoxins. Dasselbe ist in Wasser wenig (Kühn), leichter dagegen in alkalisch gemachtem Wasser löslich (Arnold, Hol off). Trockene Wärme, selbst Sstündiges Erhitzen der Lupinen auf 100deg; C. zerstört das Gift nicht (Kühn). Dagegen schwächt mehrstündiges, bei 1 I '/a Atmosphären Ueberdruck bewerkstelligtes Dämpfen die giftige Wirkung ab, und Dämpfen der Lupinen bei reichlich 2 Atmosphären Ueberdruck zerstört das Gift vollständig.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Lupinose.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;21)7
Darstellung des Lupinotoxins. J)as l)e.sonder,s in den Schalen resp. Hülsen und Samen, aber auch in den übrigen Theilen der Pflanze enthaltene Gift wird nach Arnold und Schneid emühl auf folgende Weise dargestellt. Fein gemahlene Lupinen werden mit 1 ^pi'ocentiger Sodalösung von 4050 quot;C. zu einem dünnen Brei angerührt und nach #9632;Jtiigigem Stehen ausgepresst. Das Filtrat wird auf dem Wasserbade (60deg; C.) abgedampft, mit Essigsäure versetzt, filtrirt. mit Bleiaoetatlösung behandelt, das Filtrat mit Schwefelwasserstoff gesättigt, bei 50deg; C. eingedampft und in das 15fache Volumen 98procentigen Alhohols gegossen, Der nach 24 Stunden gesammelte und getrocknete Niederschlag (braune, harzige Masse) wird in Wasser gelöst, mit Bleiacetat und Ammoniak versetzt, der Niederschlag mit ammoniakhaltigem und destillirtem Wasser, Alkohol und Aether ausgewaschen, in Wasser suspendirt und mit Schwefelwasserstoff zerlegt: das Filtrat dann bei 70deg; C. abgedampft und mit dem lOfachen Volumen 98procentigen Alkohols versetzt.
Ueber die Modalität der Entstehung des Lupinotoxins in den Lupinen ist nichts Sicheres bekannt. Doch wird allgemein die Möglichkeit der Entstehung des Giftes als Umsatzproduct parasitischer, auf den Lupinen schmarotzender Pilze zugestanden, wonach diesen nicht näher gekannten Pilzen somit die indirecte Ursache der schädlichen Lupinenwirkung zufallen würde.
Anatomische Veränderungen. Die Hauptveränderungen bei der Section lupinosekranker Schafe bestehen in parenehymatöser Entzündung innerer Organe, besonders der Leber, der Nieren u. s. w., neben Erscheinungen der Gelbsucht und einer sich allmählich ausbildenden häniorrhagischen Dia these.
1) Die Leberaffection charakterisirt sich als acute parenehy-matöse Hepatitis; man findet nämlich eine hochgradige körnige, eiweissartige Trübung der Leberzellen, wobei die Leber, je nachdem schon vorher Fettinfiltration bestanden bat oder nicht, bald abnorm gross, bald von normaler Grössc sein kann. Dieser initialen körnigen Trübung folgt bald die fettige Degeneration der Leberzellen, wobei dieselben grosser werden und neben Eiweisskörnchen grössere oder kleinere Fetttropfen enthalten. Die Intensität dieser Leberverfettung scheint von dem jeweiligen Ernährungszustand des Individuums abzuhängen. Die Leber wird dabei schlaffer, weich und brüchig. Auf dieses Stadium der Erweichung, in welchem die meisten Thiere nach wenigen Tagen zu Grunde gehen, folgt das Stadium der Atro-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
208nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;taipinoso.
phie (acute gelbe Lebe r at r op hie), während dessen der erweichte flüssige Inhalt der Leberzellen resorbirt wird. Dabei verkleinert sich die Leber bedeutend; die Entwicklungsdauer dieses Stadiums beträgt nach Schütz circa 14 Tage. Es ist indessen fraglich, ob diese Leberaffection mit der acuten gelben Leberatrophie des Menschen identisch ist.
Bei chronischer Lupinose bestehen die Leberverändermigen dagegen in einer chronischen i nterstiti eilen Hepatitis mit Neubildung von interstitiellem Bindegewebe; hier wird die Leber kleiner und derber, zuweilen gelappt und höckerig, und es knüpfen sich die bekannten Sfauungserscheinungen (Ascitcs, ödematose Schwellung der Milz, Darmschleimhaut etc.) daran.
2)nbsp; nbsp;Die meist vorhandene Gelbsucht betrifft in erster Linie die Leber, welche bald hell- und citronengelb, bald roth- und ockergelb gefärbt ist. Der Icterus ist ein bepa tog euer, durch die Vergrösse-rung der Leberzellen und die hiedurch bedingte Stauung der Galle zwischen den Zellen, sowie durch einen Katarrh der grösseren und feineren Gallengänge hervorgerufen. Dabei können auch einzelne Partien der Leber in isolirter Weise icterisch verfärbt sein. Ausser der Leber sind sodann die Subcutis, die Bauchhaut, das Netz, Gekröse u. s. w. gelb gefärbt. Die Gallenblase ist oft abnorm erweitert und gefüllt, ihre Schleimhaut entzündlich geröthet.
3)nbsp; Die Nieren zeigen ähnliche parenchymatöse Veränderungen wie die Leber, nur in massigerem Grade; man findet auch hier die Erscheinungen einer parenchymatösen Nephritis, bestehend in körniger Trübung in den Epithelien der gewundenen Harncanälchen, Ansammlung von Exsmlatcylindern in den Henle'schen Schleifen u. s. w. Daneben findet man katarrhalische Cystitis bei leerer oder nur wenig gefüllter Harnblase.
4)nbsp; Im Digestionsapparate fällt neben der icterischen Färbung der Schleimhaut eine katarrhalische, zuweilen auch parenchymatöse (glanduläre) Gastritis besonders des Labmagens, sowie entzündliche Röthung und Hämorrhagien im Dünndarme neben katarrhalischer Affection des ganzen Darmcanales auf.
ö) Die Herzmuskulatur ist sehr blass und mürbe; das Blut im Herzen und in den grösseren Körpervenen ist dunkel, dickflüssig, gerinnt an der Luft bald und wird dabei hellroth. In den meisten Organen findet man capilläre Hämorrhagien (Darm, Haut, Subcutis, Peritoneum, Uterus, Gehirnhäute etc.).
0) Die Cadaver sind meist stark abgemagert. Die Musku-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
I/iipinose.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 269
latur ist fir range lb verfärbt, die Muskelfasern sind körnig und fettig degenerirt und haben zuweilen ihre Querstreifung verloren. Die Cadaver gehen sehr rasch in Fäulniss über.
Symptome. Die erste Krankheitsersoheinung bei der Lupinose ist eine Verminderung des Appetites. Die Schafe nehmen, auch wenn sie an Lupinen gewöhnt sind, schädliche Lupinen nicht gerne, höchstens noch im Anfange oder nach längerenraquo; Hungern auf und verweigern später die weitere Aufnahme sogar der gesunden Lupinen. Mit zu den ersten Symptomen gehört die Erhöhung der Körpertemperatur; dieselbe kann schon am ersten Tage nach der Fütterung giftiger Lupinen vorhanden sein und erreicht bei acutem Verlaufe eine Höhe von 4041 quot; 0. und darüber. Dabei scheint der Charakter des Fiebers ein remittirender zu sein; vor dem Tode sinkt die Temperatur erheblich. Der Puls ist entsprechend beschleunigt und betrügt 130 Schläge und darüber in der Minute.
Gelb süchtige Erscheinungen kann man in manchen Fällen schon am 2. 3., bei geringerer Giftigkeit der Lupinen vom 5. oder 6. Tage ab beobachten; dieselben treten plötzlich oder allmählich und gewöhnlich zuerst am Auge auf. Sie können iudess auch ganz fehlen, und selbst die Gelbfärbung der Conjunctiva und Sclera ist von verschiedenen Beobachtern häufig vermisst worden, woraus erhellt, dass der Icterus kein unumgänglich nothwendiges Symptom der Lupinose darstellt.
Mit der Zunahme der Krankheit, in einzelnen Fällen schon von Anfang an, stellen sich bei den Thieren Erscheinungen von Schwäche und Eingenommenheit des Kopfes ein; die Patienten zeigen einen steifen Gang, stehen mühsam auf, liegen viel, lassen sich leicht greifen, sind matt u. s. w. Zuweilen steigert sich die Eingenommenheit des Kopfes zu förmlicher Bewusstlosigkeit: die Thiero lassen den Kopf hängen, stemmen denselben an benachbarte Gegenstände an, halten ihn beim Liegen gestreckt, drängen nach der Seite, vor- und rückwärts, machen häufige Bewegungen mit dem Hinterkiefer, knirschen mit den Zähnen, zeigen selbst Kaukrämpfe (Schütz) oder schrecken beim geringsten Geräusche zusammen. Kotelmann beobachtete sogar bei 22 lupinosekranken Schufen am 3, Tage hochgradigen Trismus.
Die Kothentleernng ist im Anfange gewöhnlich verzögert, der Koth dabei hart, mit gelbem Schleim umhüllt, später wird er gern theerartig und dunkelbraun in Folge von Blutbeimengung. Dann und wann kann auch Diarrhöe auftreten. Der in kleinen Mengen und
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
270
|
yupinose.
|
||
|
|
|||
|
ziemlich häufig abgesetzte Harn ist von gelber Farbe, enthält meist Gallenfarbstoff und regelmiissig Gallensäuren sowie Eiweiss. Daneben findet man in demselben Nieren- und Blasenepithelien, liundzellen, sowie Harncylinder verschiedener Art.
Die Athmung ist im Anfange noch ruhig, später beschleunigt und erschwert (oft über 100 Athemzüge per Minute). Bei verschiedenen Schafen wurde auch schleimiger Nasenausfiuss sowie blutiger Schaum aus der Nase beobachtet.
Der tödtliche Ausgang kann schon nach l'2, Tagen erfolgen, meist beträgt indess die Dauer der Krankheit durchschnittlich 4 bis 5 Tage. Der Tod erfolgt unter starker Abmagerung und raschem Verfall der Kräfte. Nimmt die Krankheit den Ausgang in Besserung und Heilung, so können die Krankhoitserscheinungen bald schnell, bald sehr langsam zurückgehen. Zuweilen geht jedoch die scheinbare Besserung in Kachexie über.
Die nach fortgesetzter Fütterung mit nur geriuggradig giftigen Lupinen entstehende chronische Lupinose verläuft meist ohne Icterus unter dem Bilde der Bleichsucht und Kachexie. Daneben beobachtete Roloff häufig Nasenkatarrh, Conjunctivitis und in einzelnen Fällen Entzündung der Haut und Schorfbildung an den Lippen und Ohren. Auch Zürn erwähnt Anschwellungen an einzelnen Theilen des Kopfes (Lider, Lippen, Ohren) mit Ausschwitzung einer gelben Flüssigkeit und nachfolgender Borkenbildung,
Prognose. Die Prognose der Lupinenkrankheit ist meist eine sehr ungünstige; nur bei geringer Giftigkeit der Lupinen und bei sofortigem Aussetzen mit dem Verfüttern derselben kann Hoffnung auf Heilung bestehen. Die acuten Fälle verlaufen indess meist tödtlich.
Behandlung. Der wichtigste Punkt bezüglich der gegen die Lupinose zu treffenden Massregeln ist in der prophylaktischen Verhütung der einzelnen Krankheitsfälle zu suchen, da ein specifisches Gegengift gegen die Krankheit selbst bis jetzt noch nicht bekannt ist. Ist die völlige Ausschliessung der gütig befundenen Lupinen vom Genüsse aus ökonomischen Gründen nicht möglich, so empfehlen sich zur Unschädlichmachung der durch Probefütterung je nach den einzelnen Aeckcrn zu prüfenden Lupinen von giftiger Wirkung folgende Verfahren:
1) Man verfüttert die schädlichen Lupinen mit einem Ueber-schuss guten Putters etwa im Verhältnisse 1 : 610, und wo möglich älteren Thieren.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
-npinosü.
|
271
|
||
|
|
|||
|
2) Man lässt das Heu in Ideinen Häufchen im Freien dureli den liegen auswaschen und verfüttert nur die oberste Schichte grüsserer Lupinonhaufen (Dammann).
8) Man laugt das sclüldliche Futter mit Wasser oder noch besser mit einer Iprocentigen Sodalösung 48 Stunden hindurch mit Erneuerung der Flüssigkeit aus.
4) Man dämpft dasselbe mehrere Stunden lang bei reichlich 2 Atmosphären Ueberdruck (Kühn, Koloff).
1st die Krankheit bereits ausgebrochen, so vermeidet man die Anwendung aller alkalischen Flüssigkeiten, besonders alkalisches Trinkwasser, versucht im Gegentheil dem erkrankten Thier Säuren im Trinkwasser beizubringen, welche das Lupinotoxin unlöslich machen. Ferner empfehlen sich evaeuirende Mittel, um das Gift möglichst rasch aus dem Darmcanale hinauszuschaffen; indess soll man dabei Glaubersalz, welches die Lösung des Giftes befördert, vermeiden und ölige Mittel, auch Bierhefe, vorziehen (Dammann). Das Fleisch der nicht ZU hochgradig erkrankten Thiere ist unbedenklich als geniessbar zu betrachten (lioloff).
Die Lupinenkrankheit beim Pferde. Dieselbe schliesst sich nach anatomischen Veränderungen und Erscheinungen im Allgemeinen dor Lupinose der Schale ganz an. Bezüglich der Entstehung ist sie gewöhnlich auf die Beimischung von Lupinensamen zum Hafer, in einzelnen Fällen auch auf das Einstreuen von Lupinenstroh zurückzuführen. Das anatomische Bild ist so ziemlich dasselbe wie bei den Schafen, mir findet man meist eine heftigere Entzündung im ganzen Darmcanal. Die Erscheinungen bestehen auch hier in mehr oder weniger plötzlichem Versagen des 1''utters, Verschmfthung des besten Hafers und Wiesenheues, Sistirung der Wasseraufnahme, Eingenommenheit des Sensoriums, die sich bis zur hochgradigen Gehi r ndepression steigern kann, und wobei die Thiere den Kopf zeitweise auf die Krippe aufsetzen, mit den Zähnen knirschen, von der Krippe zurückstehen, den Kopf hängen lassen und einen unsicheren, taumelnden Gang zeigen. Das häufig niedergradige Fieber kann zuweilen hochgradig werden (40,4quot; C. Butzert). der Puls steigt auf 60 Schläge pro Minute und mehr (Kobel fand ihn, vielleicht später, auch verlangsamt auf 3236 Schläge). Die Athmung geschieht im Allgemeinen ruhig, kann indess auchauf86tO Züge pro Minute gesteigert sein (Butzert). Dabei ist mehr oder weniger intensiver Icterus zugegen (Lidhindehaut orangeroth bis oitronengelb, Maul-, Nasen- und Scheidenschleimhaut lehmgelb). Die Zunge ist mit gelbem Sehleim belegt (Butzert); der Kotb wird selten abgesetzt, ist klein geballt, oft mit Schleim überzogen, und aashai't riechend. Die Thiere urinireu häufig, aber immer nur in kleineren Quantitäten, Nachdem diese Erscheinungen bis zu 8 Tagen in gleichem Grade fortbestanden haben, tritt gewöhnlich allmähliche Besserung und nach 1621 'Pagen Heilung ein. Tödtliohe Ausgänge sind nicht beobachtet worden. Von ungewöhnlichen Symptomen sind noch zu erwähnen (Butzert): leichte Kol i kzuf all e. oran ger o the r, zäher
|
|||
|
|
|||
|
f
|
||
|
|
||
|
272nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kloekninkhoit.
NaMoniiusl'l u hs, iiokrotisclies A1) sterben f'ii n t'm a rk stück grosso r Sch loimliaut part ion dor Zungo, M urn ifi cation der Haut über dem Nasenrücken, Hautentzündung mit geil bor plasmatischer Exsudation, Krustenbildung und Ablösung der Oberbaut an der Unterlippe und an den Fesseln mit gleicb/.oitigen ödoma-tösen Schwellungen bis zum Carpal- und Tarsaigelenk hinauf.
Anhang zur Lupinose. Das für die Lnpinose so charakteristische Kranklieitsbild findet sich ausserdem bei einer Keiho bisher nicht aufgehellter Krankheiten, die indess mit Lupinenfütterung nichts zu thun haben, mehr odor weniger angedeutet. Am meisten Aebnlichkeit mit der Lupinose hat die von Haubner (Landwirthschaftliche Thierhoilkunde) beschriebene sogen. typhöse Loborentzündun gquot; oder bösartige Gelbsuchtquot; der Schafe nach Fütterung einer grösseren Menge vom Kartoffel-BOhlempe. Man bekommt dabei den Eindruck einer völligen Identitilt beider Krankheiten, und in der neuesten Auflage des Haubner'sohen Buches sind beide auch von Siedamgrotzky zusammen abgehandelt. Desgleichen erinnert die von Sander (Bering's Pathologie 1858, S. 406) als Lehertyphus beim Pferdquot; beschriebene und auf überschwemmte Weiden zurückgeführte Krankheit in allen ihren Einzelheiten an acute Lupinose. Beinemann und Jansen (Preuss. Mittheilungen 1880/81, S. 26) u. A. fanden, dass unter gewissen Verhältnissen Erbsen-, Bohnen-, und Wickenstroh ebenfalls einen der Lupinose ähnlichen Zustand erzeugen.
An das Krankheitsbild der chronischen Lupinose wird man unwillkürlich bei der unter dem Namen Leberverhärtungquot; oder Sohweinsbergerkrankheitquot; bekannten Krankheit der Pferde erinnert (siehe diese unter den Leberkrankheiten). Endlich findet man unleugbare Aebnlichkeit mit der acuten sowohl als chronischen Lupinose bei der sogen. Kleekrankheitquot; der Pferde, welche unseres Erachtens am Besten im Anschlüsse an die Lupinenkrankheit besprochen wird.
|
||
|
|
||
|
Die Eloekrankheit der Pferde.
Literatur. 1) Aubry, Recueil de med. vct. 1858; Ref. im Repert. XIX. 8, 276. 2) Hack hart h, Preuss. Mittheil. 1870/71. 8. 122; 1873/74. S. 177. 8)De8-sart, AnnaLbelg. 1870. 4) Annal.der Landwirthsoh, 1877. S. 11. 5) liebele, Repert. 1875. 8, 38; 1878. S. 33. 6) Wiener landwirtbsch. Zeitung. 1870. Nr. 50. 7) Deutsche landwlrthsohaftl. Presse. II. Jahrg. Nr. 83. 8)Lübicke, Thierarzt. 1877. S. 277. 9) Ptihling's Landwirthaohaftl. Zeitung. 1880.
10)nbsp; Wolionkel, Rapport nur l'etat sniiit. des animaux en Belgique. 1882.
11)nbsp; Zipperlen, Repertor. 1885. S. 103. 12) Qrebin, Berlin. Arohiv. 1887. S, 126. 13) Model, Repertor. 1889. S. 94. 14) Kvölnior, Toxikologie. 1890. S. 231.
Aetiologie. Die schädlichen Wirkungen einer ausschliess-lichen Kleefütterung beziehen sich nach der übereinstimmenden Angabe der Autoren nur auf den Bastard- oder schwedischen Klee (Tri-folium hybridum). Die pathogenen Eigenschaften des letzteren sind längst bekannt. Die eigentliche Ursache ist vielleicht in Befallungs-
|
||
|
|
||
|
t
|
||
|
|
|||
|
EquisetumTergiftung.
|
273
|
||
|
|
|||
|
pilzen (üronayces apiculatusP) zu suchen, welche sowohl durch eine directc, scharfe, rcsp. ätzende Einwirkung auf Haut und Schleimhäute, als auch durch die indirecte (durch die Aufnahme chemischer Umsatzproduote der befallenen Pflanzen, analog der Lupinose), auf die Leber und das Gehirn gerichtete Wirkung die nachfolgend geschilderten auffallenden Krankheitserscheinuugen zu bedingen scheinen.
Symptome. Das Erankheitsbild ist ein verschiedenes, je nachdem die Haut und Maulschleimhaut oder die inneren Organe ergriffen werden. Die Veränderungen bestehen im ersteren Falle in Anschwellung des Vorkopfes nebst einer hochgradigen Stomatitis, wobei sich Geschwüre innerhalb und ausserhalh der Lippenspalte, sowie exsu dati v e Abstossung des Zungenepithels etc. bilden. Aelm-liche Veränderungen beobachtet man auch auf den mit weissen Abzeichen versehenen Hautstellen des Kopfes und der Gliedmassen (Schnibbe, Blässe, weisse Fessel etc.). Es entstehen hier gelbliehe, an einzelnen Stellen mit Blasen besetzte und allmählich durch Mumification sich abstossende Hautpartien, welche sehr schmerzhaft sind (ähnliche Processe werden auch bei der Lupinose beobachtet). Die lupinoseähnlichen allgemeinen Krankheitserscheinungen nach ausschliesslicher Kleefütterung äussern sich in icterischer Verfärbung der Maulschleimhaut und Conjunctiva. Kolikanfällon, hochgradiger Mattigkeit und Schlafsucht neben nervöser Aufregung (Zuckungen, Raserei, epileptiformen Zufällen), Schwanken, Taumeln, Lähmungserscheinungen, #9632;/.. B. Amiiurosis. Schlund- und halbseitige Lähmungen. Her Verlauf der häufig enzootisch vorkommenden letzteren Krankheitsform. die viel Aehnlichkeit mit der subacuten Gehirnentzündung zeigt, ist meist ein rascher und tödtlicher. Eine Behandlung hat in den wenigsten Fällen Erfolg. Die Hauptsache ist das Aussetzen der Kleefütterung: die sonstige Therapie ist eine rein symptomatische.
|
|||
|
|
|||
|
Vergiftung durch Sohaohtelhalm (Equisetum paliistre, liinosinn und ar-veiise'). Soffoiiniinfe Tmnnclkrankhpit.
Literatur, l) Viborg, Veterinftr-SelskabetB-Skrifter. III. S. 8518Ö8. 1818. [Tebersetzt von Hertwig, Magazin, 1807. S. 4:i6. 2) Nielsen, Repertor, 1855. S. 260. 8) Dominik, Preuss, Mittheil, 1856/67. S. 187. 4)llüffert, Kntebusoh, ibid. S. 189: femer ibid. 1868/59. S. ütl; 1867/68. S. 77. 5) D inter, Siichs. .lahrcsber. 1860/57. S. 65. 0) Dorpater Klinikbericht, 1802. S. 70. 7) Thoms, Magazin. 1801). S. 240. 8) Kenolt. ibid. 1807. Frledberger u. Pröhner, Pathol. u. Tlieraple d. Flansthleie, i. Bd. B, Auli. |^
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
274nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Buobeckernvergiftung.
S. 149; Oesterr. Revue. 1880. S. 92 (lief, von Semmcr). 9) Du mm ami, Thierarzt. 1870. S. 189. 10) S ilimidt. Adam's Woehenschr. 1875. S. 381. 11) Dieokerhoff, Spec. Pathol. 1880. S. 502. 12) Pelschimofsky, Oesterr. Voroinamünatsschr. 1886. 8.89; 1888. S. 187. 13) Morro, Berlin. Archiv. 1880. S. 77. 14) Allem ey er, Berliner Archiv. 1890. S. 219. 16) Pröhner, Toxikologie. 1890. S, 311.
Symptome. Anfangs Aufregung und Schreckhaftigkeit bei freier Psyche; später Unsicherheit in den Kürperbewegungen, Schwanken und Taumeln, zuletzt Lähmung der Nachhand, Zusammenstürzen, allgemeine Lähmung, Unempfmdlichkeit gegen äussere Reize, Bewusstlosigkeit, Coma. Pulsfrequenz erhöht, Futteraufnahme im Anfang gewöhnlich normal, bei längerer Dauer erhebliche Ernährungsstörungen, Zucker im Harn. Verlauf bald sehr acut, Tod innerhalb mehrerer Stunden, bald protrahirter {'18 Tage), bald chronisch (1 bis mehrere Wochen).
Beim Rind soll nach übermässigem Genüsse eine anhaltende Diarrhöe neben den Lähinungserscheinungen in den Vordergrund treten, während nach andauerndem Genüsse sich allmählich Kachexie und Hydrämie, verbunden mit liilmiungsiirtiger Schwäche, entwickeln soll.
Section. Hyperämie. Oedem, hydropische Ergüsse im Gehirn und Rückenmark, besonders im Kleinhirn; bei längerer Dauer Hydrämie. Zuweilen entzündliche Veränderungen in den Schleimhäuten des Magens und Darmes.
Therapie. Putterwechsel, Abführmittel, Excitantien, besonders Campher, äussere Ableitungen längs der Wirbelsäule.
|
||
|
|
||
|
Verglftnug durch Buchockenilaquo;Oelknoheui
Literatur, n Q-erlach, QeriohU. Thierheilkde, 1872. S. 772, mit Literatur. 2) Magne u, Baillet, Traitä d'agricult, prat, Bd, 8. 3) Wanner, Schweizer Archiv. 1889. S, 842. n Kammerer u. Vftth, Bad. thierftrztl, Mitth. 1890. 8. 70 f, 5) Pröhner, Toxikologie, 1890. S. 173,
Symptome. Sehr heftige Kolik (Darmtetanus), Tobsucht-, Rasereianfälle; fconisoh-clonische Krämpfe, welche an Strychnin-Tetanus erinnern; Lähinungserscheinungen, Schwanken, Taumeln. Zusammenstürzen, Unvermögen aufzustehen. Verlauf sehr acut, Tod innerhalb weniger Stunden durch Erstickung. Section: Wie bei Strychninvergiftung, zuweilen Heckige Röthungen im Darm. Therapie: Tannin, Chlora Ihydrat, Morphium.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Hicimisknchen mul Hiuiniwollsiiiitnielilvci^iftunt;.
|
276
|
||
|
|
|||
|
Vcrgrli'tiiii)!' durch Rlolnuskuoheiii
Literatur. 1) Renner, Preusa, Mittli. 1874. 2) Bollinger, Deutscht.' Zeitsohr. f. Tliiermediein. lid. (i. 3) Reg en bogen, lieri. tliieriiiztl. Woohensohr.
1888.nbsp; nbsp;S. !J4. 4) Wolff, l.eonhardt. Berliner Archiv. 188y. S. 135 f. 5) Kobert raquo;. Stillmark, Arbeiten des pharmakol. Instituts zu Dorpat,
1889.nbsp; nbsp;Bd. 3. 8) Kröhncr. Lehrbuch der Toxikologie. 1800. S. 198.
Symptome. Zunächst gastrische Erscheinungen: Elrbrechen, Schlingbeschwerden, Kolik, blutiger Durchfall, Anuric. Sodann Schvvilclie im llintertheil, Unvermögen zu stellen, Kingenomnien-lieit des Sensoriums. Bei der Section findet man hiiniorrliagische Gastro-Enteritis, zuweilen auch Nephritis. Die Behandlung besteht in der Verabreichung von schleimigen Mitteln. Opium, Tannin, Excitantien.
Vergiftung' durch BaninivoUsaatinehla
Literatur. I) dautier, Deutsche /iuilscluit't. f. Tlüonnedicin. 1880. 2} Clips, Esser, Berlin. Archiv. 1886. 3) Bongartz, ibid. 188s. 4) Pütz, Oesterr, Zeitsohr, f. Vetennllrkde. 1889. 5) Pröhner, Toxikologie. 1890. S. 216.
Symptome. Pur gewöhnlich erkranken nur jüngere Thiere. Dieselben zeigen Störungen im Verdauungs- und narnapparate: Tympanitis, Durchfall, blutige Diarrhöe, Blutharnen, Albu-minurie, Harndrang, Bla^enlähmung. Die Krankheit zeigt bald eine kürzere, bald eine längere Dauer.
Section. Bei acutem Verlaufe beobachtet man blutige Magendarmentzündung, trübe Schwellung der Leber und Nieren, Lungenödem, dunkelrothen Harn. Ansammlung von Flüssigkeit in den Körperhöhlen; Milztumor fehlt. Hei chronischem Verlaufe findet man nur allgemeine Abmagerung und wassersüchtige Erscheinungen, zuweilen auch eine parenehymatöse Nephritis.
Therapie. Prophylaxe. Verabreichung von Kicinnsöl (Kälbern und Schafen 50100,0; Lämmern 1025,0). Symptomatische Be-handlunff.
|
|||
|
|
|||
|
Vergiftung (lurch Herbstzeitlose (Colcliicuni nntuiimiile).
Literatur. 1) Gorlach, Gericht!. Thierheilkde, 1872. S. 789. mit Literatur. 2) Weiss, Report. 1851. S. 111. 8) Landel, ibidem. 1853. S. 19. 4) T,e-loine, .lourn. pratique, 1826. 6) Reoueil vet er. 1833. 6) Harry.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
27l)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Colohicumvoigiftuiig.
Recuoil vMt, 1869. 7) Land el, Annul, de Bruxullos. 1864. 8) Baillif, .lourn. de Lyon. 1805. 9) Chambers, Recneil vcter. 1860. 10) Kretsuh-mar, Siiclis. .lahi-esbei'. 1863. 8.95. 11) Fried)) erger. Adam's Wochen-sohrift. 1871. S. S98i 1876. S. 69. 12) Dentler, Repertor. 1873. S, 217. 13) Koppita, Oesterr. Monatesohr. 1878. S. 28. 14) Pesohel, Sachs. Jahresber, 1880. S. 83. 15) Elhrmanu, Oesterr. Vereinsmonatesohr. 1882. S. 187. 16) DiockiM-hoff, Spec. Pathologie. 1886. S. 606. 17) Oourtois, Revue v6t. 1885. S. 127. 18)Hezelgt; Repertor. 1889. S. 804. 19)Beoher1 Teiohel, Zeiteohr. f. Veterinftrkde. 1890. 20) Weinbeer, ibid. 1891. S. 458. 21) Früh hit. Toxikologie, 1890. S. 110. 22i Münster. Iferl. Archiv. 1891. S. 368.
Symptome. Zunächst die einer acuten Magendarmentzün-dung: Appetitlosigkeit, Erbrechen. Kolik, heftiger, selbst blutiger, ruhrartiger Durchfall, Auftreibung des Hinterleibes bei Kühen, zuweilen Schlingbeschwerden. Vermehrter Harnabsatz, Harn häutig hoch- bis dunkelroth (Hihnaturie): später, wenn sich eine Nephritis ausgebildet hat, tritt A nurie ein. Abstumpfung des Sensoriums, Apathie und Somnolenz bis zur Bewusstlosigkeit. Schwächezustand besonders im liintertheil. Schwanken, Zusammenstürzen, Unvermögen aufzustehen. Zittern. Kleiner, leerer, unfühlbarer Puls, vereinzelt anhaltendes heftiges Herzklopfen beim Pferde, Kälte der extremitalen Theile, Schweissausbruch, livide Färbung der sichtbaren Schleimhäute, Pupillenerweiterung, vermehrte Athmung. Dauer bis zum tödtlichen Ausgange 13 Tage.
Anatomischer Befund. Hilmorrhagische Gastro-Enteritis. Ausgebreitete Ekchymosenbilduug, dunkles, schmieriges, schlecht geronnenes Blut. Fettdegeneration der Leber (in einem Falle).
Therapie. Tannin oder gerbstoflfhaltige Mittel. Opium. Schleimige Mittel. Pansenschnitt beim Rinde. Symptomatische Behandlung der Gastro-Enteritis und des Lälunungszustandes.
Vergiftung duro]l Khilschrosen (wilden Mohn, Papaver Rhoeas).
Literatur. 1) Glerlaoh, Qeriohtl. Thierheilknnde, 1872. S. 816, mit Literatur. 2i Gaulet, Recueil. 1829. 8) Weber, Ayrault, ibid. 1858. 4) Ackermann. Sftohs. Jahresber. 1866. 8.69; 1868. S, 104. 5) Weber, ibid. 1877. S. 117. 6) Barbe, Oesterr. Revue. 1882. 8.142. 7) Hühner, Sachs. Jahresber. 1884. 8. no. 8) Zipperlen. Repertor. 1888. 8. 266. 9) Trasbot, Recueil. 1888. 10) Fröliuer, Toxikologie. 1890. 8. 113.
Symptome. Geifern, Kolik, Verstopfung, Tympanitis, Diarrhöe, Darmblutung; beim Rinde rasende, wuthähnliche Anfalle:
|
||
|
|
||
|
|
||
|
KlutscliiDsen- und Tabakvergiftung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;277
Brüllen. Zähneknirschen, Neigung zum Stossen, Beissen, Bohren, wildes Umher- und Davonrennen; epileptiforme Krämpfe, Ziifsainmen-etürzen, Bewusstlosigkeit, Sohlummersucht, Taumeln, rausch-artiger Zustand. Dauer der Anfälle durchschnittlich mehrere Stunden: Ausgang indess selten tüdtlich. (ierlach beobachtete auch eine chronische Klatschrosenvergii'tung bei Pferden nach Fütterung von Häcksel, welcher viel wilden Mohn enthielt. Igt;ie Symptome bestanden in kollerartigem Benehmen. GefUhlsabstumpfung etc.
Section. Qastro-Enteritis, Nephritis, suffocatorische Pjr-soheinungen.
Therapie. Tannin, kalte Sturzbäder auf den Kopf; im Zustande der Sonmolenz Reizmittel: Aether. Campher etc.
Vergrlftnng durch Tabnk (Niootlana).
Literatur. 1) Gerlach, Qerichtl. Thiorheilkunde. 1S72. S. ^7(J, mit Literatur. 2)Berganot, Joum. de Lyon. 1862. 3)Lanusse, Journ. du Midi. 1852. 4) Journal du Midi. 1805. 5) Court, Qrellir, Theses vet. Toulouse. tgt;) Co rii (.'v in, Annal. de Zootechnie. 1875. 7)Haubold, Sachs. Jahresber. 1872. S, 112; 1875, laquo;. ill. 8) Leclercq, Ännal. de Bmxelles. 1875. iDKeue, Recueil. 1881. 10)v. Wörz, Bepertor. 1887. 8. 299. ll)v. Ow, Bad. thierärztl. Mittheil. 1887. 8. 90, 12) Rossignol, Bull. soo. vet. 1889. 18) Matthiesen, Berl, thierftrztl. Wochenschr. 1889. S.413. 14) Fröhner, Toxikologie. 1890, 8. 117.
Symptome. Würgen, Erbrechen, Speicheln. Kolik, Tympanitis, Durchfall (Darmtetanus); Polyurie. Grosse Muskelschwäche, Schwanken, Zusammenstürzen. Unvermögen aufzustehen, Lähmung, Zittern am ganzen Körper. Clonisch-tonisciie Krämpfe der Körpermuskulatur, Opis tho to n u s, Zwerchfellskrämpfe, Co n tr ac-tionen der Augenmuskeln, Vorfall der Nickhaut. Stumpfsinn und Betäubung. Ausserordentlich beschleunigte und sehr u n r e g e 1-mässige Herzaction, stürmisches Herzklopfen, Kälte der extremi-talen Theile, erschwerte, selbst dyspno'ische Athmung.
Verlauf. Bei endermatischer Application oft sehr acut, Tod Z. B. schon innerhalb einer Stunde: meist aber acut innerhalb eines Tages; die Ueconvalesceuz kann unter Umständen 8 bis II Tage dauern.
Section. H ä m or r h agi s ch e G a s t r o - E n t e r i t i s (fehlt bei endermatischer Application); ausgebreitete subpleurale, subperitoneale etc.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
278nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Taxusvergiftung.
Ekchyniosirungen. dunkles Hllssiges Blut, Gehirn- und Lungen-liyperämic.
Therapie. Tannin oder tanninhaltige Stoffe (schlägt diis Nicotin nieder), im Nothfalle schwarzer Kaffee. Excitantien. Beim Rinde Pansensohnitt,
|
||
|
|
||
|
Vergiftung duroll die Itliitter des Eibonbitumes ('l'axns hticcatn).
Literatur. 1) Qerlaoh, Qeriobtl. Thierheilkunde. 1X72. S. 778. mit Literatur. 2) Unulel. Reoueil de müd. vöt. 1858. .'!) Ohevalier, Duohesue et Roy n ill, Aniuil. d'hygiöne et de med. legale Tom. IV, 4) Delfi-oix, Reoueil voter. 18.rgt;4. 5) Waters, Recueil vc't. 1866. (gt;) 11. Beuley, Reoueil vot. 187:'.. 7i Co hi n. Eeoueil vöt. 187:!. 8) Bailliet, Diet. vöt. 1874. Di Hartenstein, Ai-ohives d'Alfort. 1877. 10) Thierarzt. 1862. 8, 91. 11) Hill. The Veterinär. 1870. 12) Miohotte, Annal. de Bruxellos. 1865. 18) St üb be, ibid, 1876, 14) Cob bold, Oesterr, Revue. 1878. S, 96, 15) Schrulle, Berlin, Arch. 1885, 8,227, lö)Bojoly, Journal deLyon. 1887. 17) Wiilti. Ref. JahreBbericht aber die Fortschritte der Thierheilkunde, 1887. S. 97, 18)Vuibert, Presse voter. 1888. 19) Dewez, Annal, belp. 1888. 20) Sable, Oesterr. Zeitsohr, 1'. wissensoh, Veterintlrkunde, 1889. S. 120. 21) Hess. Repertor. 1889. 8. 22. 22) Fröhner, Toxikologie. 1890. S, 128.
Symptome. Häufig plötzlicher, apoplektiformer Tod untei-Taumeln, Zusammenstürzen und Convulsionou innerhalb 'i l Stunde. In anderen Fällen Dauer länger (mehrere Stunden bis einige Tage), hiebei gastro-enteritischc Symptome: Würgen, Schäumen, Erbrechen, Aufblähen, Obstipation, häufiges Uriuiren. Sodann Betäubung. Schwanken, Zusammenbrechen, Zittern, Krämpfe, letztere zuweilen in Form reeidivirender epileptiformer Anfälle. Puls kloin und verlangsamt: kalte Extremitäten.
Section. Gastro-Enteritis (kann jedoch auch fehlen); Ge-hirnhyperämie und Oedem, dunkles flüssiges Blut.
Therapie. Wegen des raschen Verlaufes häufig unmöglich. Bei längerer Dauer Abführmittel und symptomatische Behandlung. Beim Rinde eventuell Pansenschnitt.
|
||
|
|
||
|
Vergiftung durch Kornrade (Agrosteinmn (iilhiigo).
Literatur. 1) Qerlaoh, Qeriohtl. Thierheilkde, 1872. S. 796, mit Liter. 2) Ta-bomin. Reoueil de möd. vöt. 1876. S, 1218. 8) Derache, Annal. de
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Kornrade- und DigitaliBvergiftung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 'J7!)
Bmx, 1877. 4) Osswald, Thlemrzt. 1878. 8.225. 6)Koppitz, Monatsschrift österr. Thlorftrzte. 1879, S. 182. B) Dieokerhoff, Spec. Pathol.
1886.nbsp; nbsp;S. 498. 7) Eloire, Archives d'Alfort, 1880. 8) Deohet, Revue vet. 1886. 9) Miiur.v, Hecuoil viH. 1887. 10) Violet. Journal de Lyon.
1887.nbsp; nbsp; 11) Viandervalle, Annal. de Bruxelles, 1888. 12) Lehmann u. Moi-i, Archiv f. Hygieine. 1880. 18)Moninl Petersburger landwirthsohaftl. Zeitung. 1889. 14) Pusch, Deutsche Zeltschr. f, Thienned. 1890. S. 209. 16) Pröhner, Toxikologie. 1890. 8. 124,
Symptome. Kolikerscbeiinuigen. Erbrechen. Hpeicheln, Schlingbeschwerden, 1) i a r r h ö e. Hegurgitiren. L ä b m un g, Betäubung. Zittern, angestrengte Atbmung.
Section. Intensive Öastro-Bnteritis, Gehirn- und Rücken-marksbyperihnie. Erweichung der grauen Substanz der Kücken-m arksstrii dg e. Buffocatorische Erscheinungen.
Therapie. Futterwechsel. Abführmittel. Excitantien.
Vergiftung- durch Bnchshaiimltliittcr ( Hnxus sempervirens).
Literatur, ll Hübscher. Schweizer, Arch. 1884. S. 140. 2) Krohner. Toxikologie. 1890. S. 181.
Symptome. Erbrechen. Kolik, Durchfall; Schwindel, Betäubung, rauschartiger Zustand, zuweilen sehr rascher convulsiver Tod. Section; Gastro-Enteritis, asphyktische Erscheinungen. Therapie: Symptomatisch; Tannin.
Vergiftung- durch Digitalislaquo;
Literatur. 1) Qerlach, Qerichtl. Thierheilkde, 8. 785, mit Literatur. 2) Deiche. Annul, de Bruxelles. 1877. 8)Fröhner, Repert. 1881; Lehrbuch der Toxikologie. 1890. S, 181.
Symptome. Speicheln, Würgen, Erbrechen, Kolik, heftiger Durchfall. Anfangs verlangsamte, später abnorm gesteigerte Herzaotion, Herzklopfen, metallisch klingende Herztöne, kleiner unregelmässiger, dikroter, zuletzt unfühlbarer Puls; Polyurie, Albuminurie, Strangurie; Aufregung, später Betäubung, Mattigkeit, Schwanken, Lähmung der Unterlippe, Fupillenverengerung, Krämpfe.
Section. Gastro-Enteritis. Endocarditis. Myocarditis, Herz in Diastole, suifocatorische Erscheinungen (Lungonbyperämie und Hypostase, Ekchymosirungen, dunkles flüssiges Blut),
|
||
|
|
||
|
|
||
|
280nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Oleander- und Mutterkorn Vergiftung.
Therapie. Es gibt kein specifisdies Gegenmittel, daher die Behandlung rein symptomatisch, theils beruhigend, theils excitirend. Tannin wenigstens zu versuchen. Hauptexcitans: Campher.
Verpiftunp durch Oleander (Noriiiin Olenuderi.
Literatur. 1) Haubner, (Gesundheitspflege. 1872. S, 497. 2) Tonnini, II Veterinario. 1857. 3) G euer a li, Gazzetta mcd. veter. 1871. 4) Kolbow, Adam's Wochenschr. 1884. S. 271. 5) Esser, Berlin. Archiv. 1886. S. 77. (j) Siebenrogg, Kepertor. 1890. S. 251}. 7) Himmelstoss, Woehenschr. f. Thierheükde. 1890. S. 245. 8) Pröhner, Toxikologie. 1890. S. 134.
Symptome. Die Erscheinungen der Oleandervergiftung bestellen einerseits in Erbrechen, Kolik, Durchfall, Polyurie, andererseits in Herzklopfen, unregelmässigem, sehr kleinem, verlangsamtem Pulse (digitalisilhnliche Wirkung); zuweilen beobachtet man auch Aufregungszusfcilnde. Der Tod tritt unter Lähmungserscheinungen ein (Schwäche, Muskelzittern). Bei der Section findet man Gastro-Enteritis. Die Behandlung ist eine symptomatische (einhüllende Mittel, Excitantien).
Verglftnngr durch Goldregen (Oytisns),
Literatur. l)Oornevin, Journal de Lyon. 1887. 2) Brett, The Veterinarian. 1889. 8) Pröhner, Lehrbuch der Toxikologie. 1890. S. 186.
Symptome. Die Erscheinungen bestehen in Speicheln, Würgen, Erbrechen, Schläfrigkeit, Taumeln, allgemeiner Lähmung. Bei der Section findet sich leichte Magendarmentzündung. Therapie: Brechmittel, Tannin, symptomatische Behandlung.
Terglftung durch Mutterkorn (Ersotisiniis, Kricbelkrnnkheit).
Literatur. 1) Gterlaoh, GenohÜ. Thierheilkde. 1872. 8.881. 2) Heusinger,
Deutsche Zeitsehr. f. Thiermed. 1875. S. 4:34; 1870. S. 101. 8) Sal in on, Law u. A., Ref. in Recueil de med. vet. 1880 u. Berlin. Archiv. 1880. S. 79.
4)nbsp; Haselbach, Zeitsohr. f. Mikroskopie u. Fleischbeschau. 1884. Nr. 19.
5)nbsp; Vuibert, Presse veter. 1880. 0) Pröhner, Toxikologie. 1890. S. 217.
Symptome. 1) Bei acuter Vergiftung: gastro-enteritische Erscheinungen, welche oft Aehnlichkeit mit Rinderpest zeigen; Speicheln, Erbrechen, Kolik, Diarrhöe; Stomatitis ulcerosa, ähnlich wie bei Maul- und Klauenseuche. Wehen, Abortus, selbst Gebär-muttervorfall bei trächtigen Thieren; Schwindel, Eingenommen-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Terpentinölvei'giftung (W'uldknuikln'it).nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;281
heit des Seusoriums, Gefühllosigkeit, Lähmung, Pupillenerweiterung, Krampf der Beugemuskeln (Ergotismus spasmodicus). 2) Bei chronischer: Muinilication extremitaler Theile, /.. li. der Ohren, des Schwanzes, der Zitzen, der Klanen. (Ergotismus gangraenosus), Sterilität. Enzootischer Abortus.
Section. Qastro-Enteritis. Sufifocatorische Erscheinungen.
Therapie. Tannin, symptomatisch gefässerweiternde und krampf-stillende Mittel: Chloralhydrat, Morphium.
|
||
|
|
||
|
Yergiftnng durch terpeutiuölhaltigie Pflauzeut (Sogenannte laquo;iizootische Hagendarmentztlndnng) Wald* oder HolzkrankheltO
Literatur, li Chabert, Instruct, voter. Bd. -1. 'J; An inker, Magazin. 1859. S. 197. 8) Oruzel, Maladies de l'espöce bovüie. 18(19. 4)Mayer, Bepertor. 1879. S. 271. B) Die Handbücher von Hering nml Haubner-Siodam-grotzky. 6) Reuter, Adam'a Wochensohr, 1888. S. 169. 7) PrOhnei', Toxikologie. 1890. S. 186.
Aetiologie. Die Ursachen der enzootischen Magendarment-zttndung sind in der Aufnahme harziger, terpentinölhaltiger Pflanzentheile, so vor allem der jungen Triebe der Nadelhölzer, sowie herber, tauninhaltiger, reizender Pflanzen (Haidekraut, Heidelbeerstauden , Ginster-, Erlen- etc. Zweige) zu suchen. Man hat es also im Wesentlichen mit einer Terpentinölvergiftung zu thun, womit auch alle anderen Erscheinungen übereinstimmen. Die zuerst von Chabert (1787) beschriebene sogen, enzootische Magendarmentzündung ist also klinisch als eine in Folge des Bezugs von Waldweiden im Frühjahre unter dem Weidevieh auftretende Gastro-Enteritis in Verbindung mit Nephritis aufzufassen. Da die Krankheit früher im Gegensatze zu den mehr vereinzelten Vergiftungen sehr verbreitet und durch ein besonderes Krankheitsbild ausgezeichnet war, wurde sie als ein selbständiges Leiden unter dem oben genannten Namen beschrieben. Heutzutage, wo die Waldweiden mehr und mehr seltener werden. wird sie besser unter den toxischen Magendarmentzündungen, zu denen sie bereits Delafond rechnete, aufgeführt. Da die sogen, enzootische Magendarmentzündung unter anderem auch mit Blutharnen verläuft, so ist sie in der Literatur meist unter diesem Namen besprochen und es muss daher im Kapitel Hämaturiequot; und ,. Hämoglobinuriequot; wieder darauf zurückgekommen werden. Hier handelt es sich in erster Linie um Hervorhebung der
|
||
|
|
||
|
I
|
||
|
|
||
|
|
||
|
- 282nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Seiiföl- und Orotonölvergiftungt
gastrischen resp. enteritischen Folgeerscheinungen, wie sie nach der Aufnahme harziger, terpentinölhaltiger Stoffe zu Tage treten.
Symptome. Die Erscheinungen der sogen. Wald- oder Holz-krankheit sind die einer schleichenden Magendarmentzündung und besteben im Wesentlichen in Störung des Appetits, Kolikzufilllen, Verstopfung, spärlichem Absätze eines trockenen, mit Schleim oder Blut überzogenen Kothes, Fieber, 1 Harrhöe und allmählich zunehmender Abmagerung und Schwäche. Dazu gesellen sich die Reizungserscheinungen von Seiten der Nieren und Blase: Blutharnen, Ischurie, Strangurie, Empfindlichkeit der Nierengegend, Die Dauer der Krankheit beträgt meistens mehrere Wochen.
Anatomischer Befund. Entzündliche Veränderungen im Magen (besonders Labmagen) und Danncanal bilden den wesentlichsten Befund. Dazu kommen entzündliche Degenerationszustände der Nieren, Schwellung der Leber und Milz, sowie Erstickungscrscheinungen. Die Cadaver sind meist sehr abgemagert.
Therapie. Neben Abstellung der Ursachen ist die Behandlung im Allgemeinen dieselbe, wie bei der einfachen Magendarmentzündung. Sie besteht also in Verabreichung schleimiger Mittel, Anregen der Hautthätigkeit durch Frottiren, hvdropathische Umschläge u. s. w., sowie der Anwendung excitirender Mittel bei zunehmender Schwäche und Hinfälligkeit. Gegen die nephritischen Erscheinungen kann Tannin, Bleizucker etc. verwendet werden. (Vergl. übrigens auch die acute Nephritis.)
Vergiftung dnrcli soiifölhnllig'c Rapskuchenlaquo;
Literatur, l) Sanbner, Gesnndheitspflege. S. 43(i. 2) Anaokeij Thierarzt. 1870. 8. 121; 1871. S. 189. 3) Stahl, Magazin, 1878. 8,458, ^Fi-öhner, Toxikologie. 1890. S, 190.
Symptome. Schleichende Darmentzündung. Aufblähen, Verstopfung, Durchfall, blutiger Koth, Versiegen der Milch, Gehirn-reizungserscheinungen: Schieben, Drängen, Drehen, Abortus. Section. Hämorrhagische Enteritis. Behandlung; symptomatisch.
Vergiftung durch Crotouöl.
Literatur. 1) (i er lach, Geriohtl, Thierheilkunde, 1872. S, 777, mil Literatur.
2)nbsp; K ouhilusor, Monatssohr, des Vereins östcrr, Tliienlr/.te. 1879. S. 66.
3)nbsp; Pröhner, Lehrbuch der Toxikologie. 1890. S. lOii,
I
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Ilclli'iumilaquo;-, Vei'utrin- und Akonitvergiftung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;288
Symptome. Die einer heftigen Magendarmentzündung
mit cliolor.aiihnliclien Durchf'iillen; allgemeine Schwäche und Erschöpfung, clrahtförmiger Puls. Tod innerhalb 1'.'gt; Tagen. Die Section ergibt das Vorhandensein einer corrosiven Gastro-Enteritis. Die Behandlung besteht in der Verabreichung von schleimigen Mitteln und Opium.
Terglftnug durch Helleborns nigorj viridis und foetldngt
Literatur. 1) Qerlaoh, deriobtl. Thierheilkde. S. 812, mit Literatur. 2) Thierry, Reoueil du m6d. vamp;t 1878. Nr. 20. 8) Schilling, Bad, tliicriirztl. Mitth. 1888. S, 104. 4) Frölmcr. Toxikologie. 1890. S. 186.
Symptome. Erbrechen. Kolik, blutige Diarrhöe. Betäubung, Stumpfsinn, Schwäche; Tod unter Krämpfen. Section. Gastro-Enteritis, Suffocationserscheinungen. Therapie. Symptomatisch. Excitantien, besonders Campher.
Vergiftung durch Verntriu.
Literatur. 1) öerlach, Qeriohü. Thierheükde. 1872. S. 814. 2) Schlag, .Sachs. Jahresber. 1876. S. 115. 3) Kröhuer, Toxikol, 1890. S. 189. 4) Greiner, Oesterr. Verüinsuioiiiitsselir. 1891. S. 458.
Symptome. Dieselben wie bei Helleborusvergiftung, nur sind die gastro-enteritischen Erscheinungen schwächer und fehlen bei äusser-licher Anwendung des Veratrins gewöhnlich ganz. Hauptsymptome: heftiges Erbrechen und Würgen, Speicheln; heftige Schmerz-äusserungen, tonisch - cloni s c h e, selbst tetanische Krämpfe, starke Aufregung, später Lähmung. Section: Bild der Erstickung. Therapie: Symptomatisch.
Vergiftung durch Slurinhiil (Acouitiim).
Literatur. 1) öerlach, Qerichtl. Thiorhlkde, 1872. S. 782, mit Liter. 2) Pröhner, Toxikol. 1890. S. 142. 3) Knopf, Berl, thierärztl. Wochenschr. 1891. S. 340.
Symptome. Stomatitis, Speicheln, Recken, Aufstossen. Erbrechen, Zähneknirschen, Durchfall, sehr schmerzhafte Kolik, Aufblähung, Schwäche, Lähmung. Taumeln, Zittern. Convul-sionen, Mydriasis, Bewusstlosigkeil. Zusammenstürzen. Tod nach wenigen Stunden unter Krämpfen. Section: Gastro-Enteritis, Gehirnhyperämie. Therapie: Symptomatisch, excitirend. besonders Campher. Ausserdem Tannin.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
284
|
Uiiiiinikcl-, Bingelkraut- und Wolfsmilch Vergiftung.
|
||
|
|
|||
|
VerKiftimg durch Kaiiunkcin I Kauinic. ucris, iirvcusiis. scclcratus).
Literatur. 1) (iorlacli, Gorichtl. Thierbeilkuude. 1K72. S. 848 mit Literatur. 2) Deplanque, Recueil, 1854. 3) Flower, ibid, 1800. 4) Loytze, Re])er-torimu. 1878. S. 290. 6) Schleg, Silchs. Jahresber. 1888. S. 87. 6) Colsou, Anual, belg. 1888. 7) Fröhnor. Toxikologie, 1890. S, 140. 8) Kggeling, Berl, Arohiv, 1891. S. 370.
Symptome. Würgen, Erbrechen, Speicheln. Kolik. Diarrhöe, Allniminurie. Taumeln, Stumpfsinn, Zittern, plötzliches Zusammenbrechen, oft apoplektiformer Tod. Section: Gfastro-Enteritis, suffbcatorische Erscheinungen. Therapie: Symptomatisch, Tannin.
|
|||
|
|
|||
|
Vergiftung' durch liingclkriuit (Morcnrialis nnniii) und percunls).
Literatur. 1) O er lad), (.ieriehtl. Thierheilkde, S. 7-19. 2) Bering, Repertor, 1857. .8. 14. 3) Hanns, Magazin, 1871. S, 386. 4) De räche. Anual. de Bruxelles, 1877. 6) H. Schulz, Archiv für experimentelle Pathol, u, Pharmakol, 188(1. 8. 88. (i) Vernant, Recueil, 188:!. 7) Jouguan, Recueil. 1885. 8) Fröhnei-, Toxikologie, 1890. S, 151,
Symptome, Die einer Magendarmentzündung. Äusser-dem ßlutharnen, Strangurie, Empfindlichkeit in der Nierengegend. Sehr beschleunigte Athmung, Zittern, kleiner, schneller Puls. In einem Falle traten die Vergiftungserscheiuungen bereits 10 Stunden nach Aufnahme des Krautes ein. Bei der Section findet man Gastro-Enteritis und Nephritis. Die Behandlung ist symptomatisch (einhüllende, schmerzstillende, excitirende Mittel).
|
|||
|
|
|||
|
Vergiftung durch Wolfsmilch (Enphoi-Mn).
Literatur. lj Qerlaoh, Qeriohti, Thierheilkde. S. 884. 2) Döoroix, Recueil veter. 1874. 8) Marquardt, Report. 1870. 8. 300. 4) Roll, Vet.-Ber. 1883. 5) Fröhner, Lehrbuch der Toxikologie. 1890. S. 153.
Symptome. Kolik, Verstopfung, starke, selbst blutige Diarrhöe, Hämaturie, Tympanitis, kleiner Puls, pochender Herzschlag. Betäubung (Rind und Schaf). Die Section ergibt das Vorhandensein einer öastro-Enteritis. Die Behandlung ist eine symptomatische (Opium, schleimige Mittel).
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Schierling- und Flaohsvergiftung.
|
288
|
||
|
|
|||
|
Vergiftung duroh Fleoksohlerllng COonlnm inaoalfttain)f
Literatur. 1) Gerlaoh, Qeriohtl. Thiorheilkde, 1872. S, 8G2. 2) Philippi, Sachs. Jahresber. 1877. S. 118. 8)Luoetlt; Recueil vc't. 1890. 4) Pröhner, Toxikologie. 1890. S. 154.
Symptümo. Sjieicliuln, Geifern, Breolianstrengungen; Betäubung, Taumeln, Lähmung, Convulsionen, rasch eintretendei' Tod. Section: Aussei- gastro-enteritisclieu Erscheinungen nichts Charakteristisches. Therapie: Tannin, Excitanbien, besonders Gampher.
|
|||
|
|
|||
|
Vergiftung durch IVassersohierltng (Cienta \irosa).
Literatur. 1) Ger lach, Gerichtl. Thierheilkde. 1872. S, 868. 2) Böhm, Hef.
im Arch, f, Thierheilkde. 1876. 8. 428. 3) Bohne, ibid. 1887. 8. 128. 4) Fröhncr, Toxikologie. 1890. S. 157.
Symptome. Neben heftigen gastro-enteritiscben Erscheinungen Schwindel, Stumpfsinn, Taumeln, kollerartiges Benehmen. Schwäche. Hinfälligkeit, Lähmung; Muskelkrämpfe epileptiformer Art, aufgeregte Herzthätigkeit, rascher convulsiver Tod innerhalb 2448 Stunden. Section: Gastro-Enteritis, sulfocatorische Erscheinungen, Gehirn-ödem. Therapie: Tannin, symptomatisch Narcotica, besonders rhloralhydrat.
|
|||
|
|
|||
|
Vergiftung durch Qartensohlerling lAelliusa Gynaplum)^
Literatur. 1) Ger lach, Gerichtl. Thierheilkde. 1872. S. 801. 2) Ilarloy, Ref. in der Pütz'schen Zeitschi-. 1870. 8. 405. 3) Möbius, Ad. Woohensohr. 1877. Nr. 34. 4) Fröhner, Toxikologie. 1890. 8, 1-58.
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. Speicheln, Brechbewegungcn, Betäubung, Stumpfsinn, Lähmung, Convulsionen. Section; Gastro-Enteritis. Therapie: Wie bei Oonium maculatum.
|
|||
|
|
|||
|
Vergiftung durch Flachs (Linnni usilalissimuni).
Literatur. l)Gerlach, Gerichtl. Thierheilkde. s. 788, mit Literatur. 2)Semmer, Zeitschr. f. Thiermedioin, 1877. S. 289. 8) Fröhner, Toxikologie. 1890. S. 167.
Symptome. Heftige Kolik, Aufblähung, Durchfall, Taumeln. Zittern. Herzklopfen. Tod unter Convulsionen. Section:
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
28t;
|
Narcissus- und Aloevergif'tung.
|
||
|
|
|||
|
Gastro-e nfceritisclie Erscheinungen; anatomisclies Bild der Erstickung. Therapie: Tannin, Abfillirmitiel, symptomatische Behandlung.
Vei'glftnug (lurch Narcissus (pofitiOUS mid I'seiido-Narcissus).
Literatur. 1) öerlaoh, Qeriohtl, Thierheilkde. S. 812. 2) Johne u. Rosenkranraquo;, Stichs. Jahresber. 186:!. S. 96. 3) Uhlig, ibid. 1878. S, 91. 4) Harms, Magazin. 1871. S. :!85. 8) Frölmer. Lelivluich der Toxikologie. 1890. S. 176.
Symptome. Hochgradige M ag end armen t Zündung, starkes Purgiren: Abstumpfung und Schwäche: Zuckungen und Gehirnkrämpfe. Section: Intensive Gastro-Enteritis. Therapie; Symptomatisch.
Vergiftung dnroh Pfeffer^
Literatur. 1) Gerlach, Gericht]. Thierheilkde. 1872. S. 821. 2) Pröhner, Toxikologie. 1890. S. 198.
Symptome. Die einer M agendarmentzündung (beiSchweinen).
Vergiftung (lurch Micheln.
Literatur. 1) Baubner, Gesundheitspflege. X. 467. 2) Morton u. Simonds, The Veterin. 1868. 8)Taylor, ibid. 1869, 4) Simonds u. Brown, ibid. 1871. 5) Carelli, L'arohivio di Voter. 1870.
Symptome. V'erdau ungsstö rungen ; in höheren Graden Magendarmentzündung mit anhaltender Verstopfung und später ruhrartigem Durchfall, Tenesmus, Blutabgang durch den After, grosse Mattigkeit. Nach englischen Schilderungen (Simonds und Brown) zuweilen grosse Aehnlichkeit der Vergiftung mit Hinder-pest. Section: Intensive Gastro-Enteritis mit besonderer Affection des Bauches, Excoriationen der Magenschleimhaut etc. The-r a pie: Symptomatisch.
|
|||
|
|
|||
|
Vergif'tIlllg#9632; (lurch .Vloc.
Literatur. 1) Gerlaoh, Qeriohtl. Thierheilkde. 1872. S, 728. 2) Pröhner, Toxikologie. 1890. 8. 144. 3) Rasberger. Wochenschr. f. Thierheilkde. 1891. S. 57. 4) Kunze, Säelis. .Jahresbor. 1890. S. 91.
Symptome. Kolik, wässeriger profuser Durchfall, zunehmende Mattigkeit, kleiner unfühlbarer Puls, Tod nach 25 Tagen.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Divsrse Pflanzenvsrgiftungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;287
Section: G.astro-Enteritis; bei längerer Dauer können die Entzündungserscheinungen fehlen, so dass nur die Leerheit und Blässe des Darmes auffallen. Therapie: Stopfende und einhüllende Mittel.
Vergiftung: durch Seidelbast (Daphne)laquo;
Literatur. 1) Gerlaoh, Geriohfcl, Thievheilkde. 1872. S. 870. 2) Fröhner, Toxikologie. 1890. 8. 177.
Symptome. Stomatitis, Speicheln, Kolik, Erbrechen, Diarrhöe, Schwäche, schwacher, kleiner Puls etc. Section: Gastro-Enteritis. Therapie: Symptomatisch.
Vergiftung durch Keerrettlg (Ooohlearla A.rmoraola)i
Literatur, l) Jarmer, Preuss. Mittheil, 5. Jahrg. S, 180. gt;) Fröhner, Toxikologie. 1890. S. 191.
Symptome. Heftige Kolik. Section. Gastro-Enteritis mit sulziger Infiltration der Magenwände. Therapie. Symptomatisch.
Vergiftung durch Sclnvnlheinvur/el (Asklepins Vlnoetoxloum).
Literatur. 1) Gerlaoh, Geriohtl. Thierheilkde, 1872. S. 859. 2) Fröhnsv, Toxikologie. 1890. 8. 182.
Symptome. Harnruhr, Sfcrangurie, allgemeine Schwäche und Kachexie. Section. Nephritis, Cystitis.
|
||
|
|
||
|
Diverse Giftpflanzen.
Belladonna. Psychische Brregang, Tohen, Pupillenerweite-rung. Aufblähen, Lähmung. (Ein Fall beim Bind von Hering beschrieben.) Bezüglich der experimentell hervorgerufenen Vergiftung vergl. Fröhner,
Toxikologie 1890. S. 144.
Bilsenkraut. Dieselben Erscheinungen. Cruzel (Journal de Ijyon 1828) hat einen fall beim Kind beschrieben.
Stechapfel. Erscheinungen wie bei der Belladonnavergiftung.
Sauerampfer. Q-astro-euteritische Erscheinungen, besonders Durchfall, später Lähmung. Section: hämorrhagische (bistro-Enteritis. Ein Fall bei Schafen ist von Biermann (Holland, thierftrztl. Zeitschrift 188(1) beschrieben worden.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
28^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Diverse Pflanzenvergiftungen.
tl
Rhododendron. Speicheln, Wftrgen, Erbrechen, Ko 1 ik, blutiger Durchfall, Betäubung, Lähmung. Literatur vergl. Fröhner, Toxikologie 1890, S. 178.
Oenanthe crocata. Stomatitis, Kolik, Durchfall, allgemeine Lähmung, Literatur; Bellanoy, Bepertor, 1856; Jouguan, Becueil 1885; Hoare.The vet. journ, 1888.
Arum maculatum. Dermatitis, Zittern. Dyspnoe, Lähmung. (Mergel. Russ. Archiv für Vet. Medicin 1884).
Stephanskörner. Stomatitis, Kolik, Betäubung, Lähmung, Anästliesie. Kin Fall beim Pferde ist von lieier (Landwirthschaftliche Zeitung 1845) beschrieben worden.
Chaerophyllum temulum. Kolik, Betäubung, allgemeine Läh-ruung. Literatur: Frey, Schweizer Archiv 1845: Kohli, Dei- Thier-arzt 1862.
Melilotus officinalis. Muskellähmung. Ein Fall hei Pferden ist von Carrey und Oollas (Journal de Lyon 1^88) beschrieben worden.
Filixextrakt. Erbrechen. Speicheln, Durchfall, Bewusstlosigkeit, Zwangsbewegungen, Amaurosis, motorische Lähmung, vergl, Fröhner, Toxikologie 1890, S. 201,
Pteris aquilina. Schreckhaftigkeit, Bewusstseinsstörungen, Schwanken, Lähmung (J arm er. Magazin 1861),
Melampyrum. Sohläfrigkeit, cerebrale Depression (Ozako, Ung. Veterinärbericht 1886/87),
Giftschwämmo. Wuthäh n liehe Erscheinungen, Taumeln (Mundes-gruber, liepertor. 1848).
Aristolochia Clematidis. Gastrische Erscheinungen, Polyurie, Schwanken. Schlafsucht, Sehstürungen, Muskelschwäche. Haarausfall (.leanin, Recueil 1850).
Polygonum. Gastro-Enteritis (Galtier, Journal de Lyon 1887).
Caltha palustris. Kolik. Tympanitis, Harndrang. Hilniaturie (Monni, Journal de Lyon 1888).
Sium latifolium. Gastro-Enteritis, Aufregung. Betäubung (Beyerstein, Repert. 1850).
Galega officinalis. Einen Fall von Vergiftung bei Schafen hat Blanohard (Journal de Lyon 1888) veröffentlicht.
Kartoffelkraut. Erscheinungen der Schlempemauke: grind-artiges Ekzem an den Beinen, an den Genitalien, Stomatitis, Diarrhöe, Conjunctivitis. Literatur: Heiss, Wochenschr. für Thierheilkunde 1885; Model, Repert, 1885. S. 20,
Ferula communis. Nasenhluten, Hämaturie. Darmblutung, llämatome (Hremoiul, Journal de Lyon 1887).
Convallaria majalis. Erscheinungen der Digitalisvergiftung (Rouiller, Journal de Lyon 1888).
Astragalus molissimus. Gehirnstörungen. Krämpfe, Lähmung (Sayre, Ann. vet. rev. 1.S88).
Allium. Wuthäh n I iche Erscheinungen, Speicheln (Pascault, Becueil 188!raquo;).
Robinia Pseudacacia. Kolik, Auftreihung des Hinterleibes, Schwäche, Lähmung (Zapel, Zeitschr. für Veterinärkde. 1891, 8..466).
|
||
|
|
||
|
|
||
|
( iuitliaridenvoi'giftung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;281)
III. Thierische Gifte.
Vergiftung durch Oantharidenlt;
Literatur. 1) Qorlach, öerichtl, Thierheilkunde, IST'i. S, 775, mit Literatur, 2) Philippi, Sachs. Jabresber. 1871. S. 14;!. 8) Suohanka, Monatssohr, (I. Vor. Ssterr. Thierärzte. 1871). 8. (i.r). 4) Friedberger, MiOnoben. Jahresbericht 1878/79. 8. 77. B) Bertsohe, Bad, fchierftrztl. Mltth, 1890. S. 128. 6) Fröbner, Lebrbuob der Toxikologie. 1890. S. 24:i.
Symptome. Im Digestiousapparate: Salivation, Stomatitis, Schlingbeschwerden, Erbrechen, Kolik, blutiger Koth. Durchfall mit Tenesmus. Im Urogenitalappavate: Uftuäger Barnabsatz mit Strang-urie, Blut, Eiweiss, Cylinder im Barn; aufgeregter Geschlechtstrieb, geröthete Vaginalschleimbaut. Allgemeine Schwäche, Schwanken, Conmlsionen, Zusammenstürzen. Kleiner, unfühlbarer, drahtförmiger, beschleunigter Puls Zuweilen Conjunctivitis.
Anatomischer Befund. Stomatitis, Pharyngitis, selbst Laryngitis, Öastro-Enteritis acuta. Nephritis. Cystitis.
Therapie. Symptomatische Behandlung der Dannentzündung mit einhüllenden schleimigen Mitteln, Opium. Excitantien, besonders Campher. Kein Gell
Yerglftnug duroh Schlangenbisse (Ylpera berns und Hcdll).
Literatur. 1) Qerlaoh, Qerichtl. Thierheilkunde. ^'J. 8. 807, mit Literatur. 2) Fördorreuther. Adam's W'ochenschr. 1877. 8. 118. 8) Koppitz, Oesterr. Monatssohr. 1879. 8. 81. 4) Lammers, Anli. f, wiss, u. prakt. Thierheilkde. 1885. S. 229. B) Martin. Münch, Jahresber, 1884/86. 8. 89. 6) üblich, Sachs. Jahresber. 1880. S. 88. 7) öiananoll, Schweizer Archiv f. Thierheilkde, 1880. Nr. 1. 8) De Oaoenda, Hundschau auf dem Gebiete der Thiermedioin. 1887. S. 300. 9) Q resswell, The Veterin. Bd. 69. 10) (i io\ iino 1 i. If et', im Jahresber. über die Fortschritte der Veterinär-medicin, 1886, S. 154 11) Yarrow. Amor. vet. rev. Bd. 12. 12) Feok-tistow, Memoires de l'aead. des sciene. de St. Petersburg. Bd. 7. 13) Kaufmann, Bull, de l'aead. de mödeoine. 1888; Bull. boo. cent. vet. 1889; Reoueil. 1889 u.1890. 14) Hoffmann, Deutsche Zeitscbr. f. Thiermed. 1890. S. 44. 16) Fröhnor. Monatssehr. f, prakt. Thierheilkde, 1889. S. l; Lehrbuch der Toxikologie. 1890. S. 246,
Symptome. Mattigkeit, II int'äll igkeit, Unruhe. Zittern, Dyspuoe. abnorm gesteigerte Pulsfrequenz, zuletzt unfühlbarer Frledberger a, Fröliner, Patliol, n Therapie d, Hausthlore, T, lid. B. Anfl. 19
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
290nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Vergiftung durch Schlangcubistie und Bioneustiche.
Puls. Sehr acuter Verlauf. Locale, geg'en den Rumpf weiterkriechende Anschwellung.
Section. Dunkles, fiiissiges Blut, locale Entzündung, sonst nichts Gonstantes.
Therapie. Aetzen, Bronnen der Wunde. Verhinderung der Resorption durch Anlegen einer elastischen Binde, wenn möglich. Aeusserlich und innerlich Salmiakgeist, subcutane Injectionen von Ubermangansaurem Kali, Chlorwasser, Oarbolsilure oder Creolin. Innerlich Alkohol und andere Kxci tanti en. besonders Liquor Ammonii anisatus.
Ver^iftiin^: durch Itieneiisticlie,
Literatur. 1) Oliohy, Beoueil. 1868. 2j Lies, Wochensohr, f. Thierheilkunde. 1875. S. 153. 3) Meyerheim, Preusa. Mitth. 1882. 4) Lange, ibid. 1883. 5) Fünfstück, Sachs. Jahresber. 1880. S. 75. (1) Bramstedt, Archiv f, wissenschafU. Thierheilkde. 1885. S. 228. 7) Dochtermann, Repertor. 1889. S, 128. 8) Pröhner, Toxikologie, I8(J0. S. 248. 9) Hable, Oesten-, Zeitschr, f. wissensohaftl. VeterinSlrkunde. 1841, S, 96.
|
|||
|
|
|||
|
I
|
Symptome. Die Erscheinungen bestellen in localen Hautanschwellungen mit Neigung zur Gesellwürsbildung und Haut-nekrose, wobei zuweilen grössere Hautpartien brandig absterben, Ausserdem beobachtet man mehr oder weniger schwere Allgemein-erscheinungen, namentlich Lähmung, Betäubung, Septikämie. Hämaturie, Bei zahlreichen Stichen in der Umgebung der Nasenöffnungen kann in Folge Verschwellung der letzteren Erstickung eintreten. Bei der Section findet man das Bild der Sepsis (Verfettung der Körpennuscuhitur, lehmfarbige Leber, Milztumor etc). Die Behandlung ist theils eine chirurgische (Antiseptica, Antiphlogistica, Tracheotomie), theils eine innerliche (Excitantien).
|
||
|
|
|||
|
Anhang zu der toxischen Hagendarmentzilndung.
Die rein narkotischen Gifte.
Strychninvorg'lf'tiiiig. Literatur. I) Qerlaoh, Oerichtl. Thierheilkunde. 1872. S, 760, mit Literatur, 2) Koch, Püte'sohe Zeitschr. 1874, S, 377, B)Kon-liiiuser, Monatsschr, österr. Thierilrzte, 1879, S, (50, 4) Labati Elevue veter. 1877. 5)Noack, Sachs. Jahresber, 1889. S. 88. 6) Zorn, Zeitschr. f, Vetcrinärkde. 188i), S. 381, 7) Pröhner, Lehrbuch der Toxikologie. 1890, S. 120,
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
stiycliiiin-, .Solanin-, Blausdurevergiftung,
|
201
|
|||
|
|
||||
|
Symptome: Die des Starrkrampfes (Tetanus toxious); teta-nische, blit/.artig auftretende, über den ganzen Körper sich ausbreitende Krainpfanfillle von socunden- bis minutenlanger Dauer; steife, gestreckte Haltung der Extremitäten, des Halses, der Wirbelsilule, des Schweifes; hochgradige Schreckhaftigkeit (gesteigerte Reflexerregbarkeit)) Dyspnoö Während der Anfälle; Tod durch Erstickung. Verlauf sehr acut, durchschnittliche Dauer bei Hunden 57 Stunden, nach dieser Zeit keine Lebensgefahr mehr. Von diagnostischer Bedeutung ist die Auslösung eines Krampfanfalls bei kleineren Tlüeren durch das Aufrichten derselben. Section: Keine wesentlichen anatomischen Veriinderungen (wie beim Starrkrampf); sutfocatorische Erscheinungen. Therapie: Das beste Gegenmittel ist Chloral hy drat (Hunden 2 10 gi, sowie öfters wiederholte vorsichtige Chl oro fo r m narkose: auch Morplüum-injectionen und Brom-kalitim können versucht werden. Desgleichen ist das Tannin als Oegen-mittol zu bezeichnen (im Nothfall als Kaffee oder Theeabkochung anzuwenden). Im Anfang ist, wie bei allen Vergiftungen, ein Brechmittel augezeigt. Endlich kann die Einleitung künstlicher Athmung nothwendig werden.
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
Solanl
|
1) Ger lach, (ierichtl, Thierheilkile. 1872. S. 871.
1868. 3) Dietrich, ibid. 1876. 4) Bggeling, ibid. 1882. 5) Fuchs, Bad. Mitth. 1870. ti) .lungers, Thierarzt. 1S81. S. 190. 7) Schwanz, Repert. 1877. S, 812. 8) Koppitz, Monatsschr. österr. Thierftrzte. 188:]. S. 30. 9) Scbwanefeld, Berlin. Arch. 188.r). S. 225. 10) Colson, Üesterr. Revue. 1887. 8. 04. 11) Klein, Berlin. Arch. 188(1. S. 292. 12)Scbirlitz, ibid. 1887. S. 181. 18) Autgaerden, Etat sanit. lirab. 188:!. 14) Liobencr, Berl. Archiv. 1889. S. 297. 15) Mat hi vet,
|
|||
|
|
||||
|
Le Progres vet, 1890. 10) Fröbnur, Monatshefte f.
|
prakt. Thierheilkde.
|
|||
|
1890. 8. 41S; Lehrbuch der Toxikologie. 1890. 8. ICH.
|
||||
|
|
||||
|
Symptome: Taumeln, Betäubung, Lähmung, verlangsamte Athmung; zuweilen plötzliches Umfallen und Tod innerhalb weniger Minuten; in anderen Fällen Daner mehrere Stunden bis 1 2 Tage. Bei Hühnern wurden Taumeln und Krämpfe beobachtet. Section; Befund ohne Belang. Die zuweilen beobachteten gastro-enteritischen Erscheinungen beziehen sich nicht auf die Solaninvergiftung, sondern auf die Einwirkung der gährendec und keimenden Stoffe auf die Darmschleimhant. Therapie; Tannin, Bxcitantien.
|
||||
|
|
||||
|
Blflvsäriii'everglftnuga Literatav, 1) Gterlach, Gerichtl. Thierheilkunde. 1872. S. 750, mit biteratur. 2) Kopj)itz, 'J'hiorar/.t. 1S77. S. 4(1. :i) Repertor. 1877. S. 811. 4) Oesterr. Vereinsmonatsschr. 1884. 8. 87. 5) Renner, Berlin. Archiv. 188G. S. 150. 0) Adam's Wochenschr. 1887. S. 882, 7)Bar-tholcyns, Hallet, liclg. III. S) Barling, The vet, jonni. Bd 24. S. :?18. 9) Juell, Norsk Tidsskr. f. Vet. 1889. 10) Fröhner. Toxikologie. 1890.
s. 161,
Symptome: Beschleunigte, erschwerte Athmung, Unruhe und Angst; Schwanken, Lähmung, Betäubung, Zittern; Zuckungen, epilepti-forme Krämpfe, Erbrechen, Kolik. DiarrhOe, Collaps. Section: Bei aoutem Verlauf Blut hellroth, bei längerer Dauer schwarzbraun; Geruch nach bitteren Mandeln: suffocatorische Erscheinungen, Therapie: Elisen-oxydhydrat (vergl, Arsenikvergiftung) ist ein directes Gegenmittel durch die Bildung des ungiftigen Eisencvanürsal/.es: Aderlass, künstliche Athmung, Reizmittel.
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
292nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kolik'noxyd-, Lolium- und Alkoholvergiftung.
Vorgifluiis' durch Kohleuoxyd (Kuhloiidiiust). liiteratiir. 1) Gerlaob, Qe-riclitl. Thierheilkde, 187'2. 8, 794, mit Literatur. 2) Dittling, Repertor. 1875. S, 104. 3) Riet/.el, Adam'a Woohenaohr. 1886. S, 413. 4) Fröhner, Toxikologie, 1890, S, 100.
Symptoms! Schwindel, Betäubung, Bewusstlosigkeit,Asphyxie. Section: iicilrotiies Hint, suH'ociitorisclic Eh'soheinungen. Therapie; Frische Luft, kalte Douohen, Äxlerlass, Excitantien,
Vorgiftnug durch Tuiiinellolch (Loliinii toiiiiileiitiiin). Literatur. I) öer-
laoh, Gericht!, Thierheilkde, 1872. S, 857. mit Literatur, 2) Chevalier, Annal. d'hygiöne, 1853. 3) Bail let. Journal ilquot; Midi. 1868/64! Diotionn, veter. Bd, 10. 4) Marquardt, Report, 1875. S. 168. 6) Mauri, Reoueil de med. vet. 1887. 6) Knudsen, Maanedskr. f, Dyrl. 1889. 7) Fröhner, Toxikologie, 18!)0. S. 165. 8) Nielsen. Deutsche Zeitsohr. f. Thiermed. 1891. S. 458.
Symptome! Bei Pferden Erscheinungen dos Dummkollers, beim Kind Bewusstlosigkeit und allgemeine Krämpfe. Zuweilen worden auch Kolikerscheinungeu beobachtet. Section: Leichte Olastro-Enteritis; Gehirn- und Bllokenmarkshyperämie. Therapie: Tannin, Excitantien.
Terglftnng durch Kichererbsen rcicer arletluum) und Platterbsen (Lnthyrns sativus). Lnthyrisiuus. Literatur. 1) Q-erlach, 1, o. S, 793, mit Literatur. 2) Verrier, Reoueil, 1809. 3) Kopp, Journ, du Midi. 1809. 4) Sohryn-mäkert, Ann. de Brux. 1870. 6) Sohuchardt, Deutsches Archiv f, klin, Medicin, 1887. S. 312. Mit zahlreicher Literatur. 6) Mc Call, The Vet. Bd. 59: Bd, 68, S, 495 (Platterbse). 7) Fröhner. Toxikologie. 1890. S, 127.
Symptome: Bei Pferden Schreckhaftigkeit und Hartsohnauflgkeit in Folge Lähmung der Kehlkopiimiskoln; Lähmung, Schwäche im Kreuz, Erstickung. Section: Keine Erscheinungen von Belang, Therapie: Futterwechsel; Traoheotomie.
Älkoholrerglftang (Alkoholisiiius). Literatur. 1) Gerlaoh, Gerichtl. Thier-heilkunde. 1872. S. 873, mit Literatur. 2) Lehmann, Weynen, Preuss, Mittheilungen, 185558. S. 154 f. 3)Dainniann, Thierarat. 1807. S. 101. 4) Genee, Recneil do med. vet. 1808. Nr. 1. 5) Dinter, Sachs. Jahresbericht, 1808. S. 100. 6) Möbius, ibid. 1883. S. 94. 7) Duvieusart, Annal. de Bruxelles, 1870. 8) Haselbaoh, Mouatssohr, Osterr, Thierärzte, 1884. S. 51. 9) Friedberger, Münch. Jahresber, 1882/83. S. 44. 10)Möbius, Sachs. Jahresbor. 1880. S, 91. 11) ühlioh, ibid. 1887. S, 112. 12) Andre, Bull. Belg. 1885. 13) Courioux, Presse vet. 1884. 14) Berndt, Berlin. Archiv. 1890. S. 219. 15) Fröhner, Toxikologie. 1890. S. 105.
Symptome: Allgemeine Aufregung und Unruhe, selbst tobsüchtige und wuth ä h n Hohe Zustände beim Rind; höhere Köthung der Schleimhäute des Kopfes, pochender Herzschlag, voller beschleunigter Puls. Später Betäubung, Taumeln, Rausch, Schwanken, Bewusst-losigkeit, lähmungsartiger Zustand, Collaps. Nicht selten tödtlicher Ausgang. Zuweilen Abortus und Aufregung des Geschlechtstriebs. Section: Kein constanter Befund. Alkoholgeruch der Organe. Gehirnbyporümie, selbst Hydroceplmlus. T h e r a p i e: E X C i t a n t i o n , besonders K a f f e e, Aether, Cainplier, Salmiakgeist, kohlensaures Ammonium. Kalte Sturzbäder auf den Kopf.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
;
|
||
|
|
||
|
Würmer im Danuoiuiamp;l.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;298
TervlftniiK raquo;lurch Leuohtyasa Literatur, l) Qerlach, OeriohtL Thierbeilkde. 1H72. 2) Osokor, OeBterr, Vierte\jahr88cl)r, 1888. 8) Pröbner, Toxikologie. 1890. S. 100.
Symptome: Betäubung, Taumeln, Ltlhmung, OonTulsionen, Section: Kehr licllrotlics Blut, GFehirnhyperämie. Bebandlung: Frische Luft, künstliobe Atbmung, Exoitantien.
Eserinvergiftung. Symptome; Aufregung, heftiges Muskel-zittem, Benommenheit, Lähmung, HerzsobwUche, Antidot; Atropin. Vergl. Pröbner, Toxikologie 1890, S. 169,
Pilocarpinvergiftung. Symptome; Hochgradige Scbweiss- raquo;nd Speichelsecrotion, Dyspnoö, psychische Erregung, Lähmung, Antidot: Atropin. Vergl. Pröbner, Toxikologie 1890, S. 172.
|
||
|
|
||
|
Würmer im Darmcannl (Uelmlnthlasis).
Literatur im Allgemeinen. 1) Zürn, Die thierischen Parasiten auf und in dem Körper unserer Eaussäugetblere, 1882 und: Die Krankheiten des Haus-geflügels. 1882. 2) Roll, Lehrbuch der Pathologie u. Therapie, 1885.
8)nbsp; nbsp;Küchenmeister und Zürn, Die Parasiten des Menschen, 1887. 4) Leuckart, Parasiten. 1881. 5) Bireh-Hirschfel d (Johne), Lehrbuch der pathol. Anatomie. 1889. I. Bd. 6) Schöne, Beitrag zur Statistik der Entozoen beim Hunde. Leipzig 1880. 7) Deffke, Archiv f, Thierbeilkde, 181J1. S. 1 u, 253. 8) Davaiue, Traite des cntozoaires 1851) u. 1877.
9)nbsp; Bail let, Nouveau diet. vet. 1866. 10) Ercolani, Nuovi elementi di med. vet. 1859. 11) Oobbold, Parasites. 1879. 12) l'erroucito, Paras-siti. 1882. 13) llailliet, Klements de Zoologie medicale et agrioole 1885. 14) N cum an, Traite des maladies parasiiaires non microbiennes des ani-numx dornest. 1888. 15) Lucet, Becueil. 1888. 8. 312.
Allgemeines. Der Magen- und Daimcanal unserer Hausthiere ist häufig Wohnort von Eingeweidewürmern, doch nicht alle derselben verhalten sich auffällig und nachweislich schiullich für das Wohnthier. Die schädliche Wirkung derselben Ist in erster Linie abhängig von ihrer Zahl, in welcher sie zuweilen angehäuft sind, und von der Art der Würmer, anderentheils bedingen sie abnorme Zufälle durch Verletzungen der Darin Wandungen und durch eigentliümliche Verirrungen (z. B, Spulwürmer im Duotus choledochus). In grosser Zahl vorhanden verursachen sie Störungen durch Heizung und vielfache, woim auch im Einzelnen unbedeutende Verletzungen, z. B. Taenia Echinococcus heim Hunde, sie behindern die Fortschaffung des Darminhaltes, Ja können sogar durch Knäuelung vollständige Verstopfung des Darmlumens veranlassen (Ascaris megaloeephala heim Pferde), und
|
||
|
|
||
|
|
||
|
2lt4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Wttrmer im Davmoanal,
ondlicli kann auoll die Absorption des Mafceriules zu ihrem eigenen Anfbau und Unterhalte nicht gleiohgütig für den Qaushalt des Wohnthieres sein. Im grossen Glänzen kann man daher bei den betroffenen Tbieren als Haupterscheinungen finden:
li Schlechten Ernährungszustand (Aniimie und Kachexie).
2) I) a nnkiitarrli und Blutungen in den Darm.
'#9632;i) Verstopfung, sowie kolikähnliche Erscheinungen.
I) Symptome der Gehirnreizung in den verschiedensten Graden und Formen,
Eis ist hieraus leicbt ersichtlich, dass alle diese Erscheinungen für sich durchaus nichts Charakteristisches, nichts Bezeichnendes für die Anwesenheit von Eingeweidewürmern haben, da sie ja auch ohne solche auftreten können, Sie worden daher immer nur bei öfterem Abgange der Würmer mit diesen in Beziehung zu bringen sein, wie überhaupt die sichere Diagnosis nur durch Sichtbarkeit eines li auf igen Abganges von Würmern ermöglicht wird. Dabei hat man sich aber Wohl zu hüten, in solchen Fällen schon mit Abgang von Würmern sich einfach zu begnügen und eine eingehende Untersuchung des kranken Thieres unterlassend, eine voreilige Diagnose zu steilen, da sonst leicht anderweitige Krankheits-zustände, die mit den Würmern gar nichts zu schatten haben, vorhanden sein und so zum Schaden des Thieres und Eigenthümers übersehen worden könnten. Anderntlieils darf nicht unerwähnt bleiben, dass bei oft ganz bedeutender Anzahl von Würmern im Darmcanale die Thiere während des Lebens keinerlei Erscheinungen /.eigen, die auf ein Wurmleiden zu schliessen berechtigen, ja sogar als vollkommen gesund angesehen werden müssen.
Der Verlauf der Wurmkrankheit hängt von der Art und Menge der vorhandenen Darmwürmer ab und kann besonders bei jüngeren Tbieren in folge des sich zuweilen einstellenden kachektischen Zu-standes selbst einen ungünstigen Ausgang herbeiführen.
Betreffs der Prophylaxis sind wir bis jetzt leider nur bei sehr wenigen Helminthen Im Stande, die Thiere davor zu schützen (Taenia Echinococcus, T. coenurus, T, cueumerina. Trichina spiralis), da wir bei der Mehrzahl die Gegenwart der inficirenden Wurmbrut in den Nahrungsmitteln und im Wasser nicht einmal vernnithen können.
Zuweilen findet man nicht bloss eine, sondern mehrere und selbst viele Species von Eingeweidewürmern als Krankheitsursache. In diesen Fällen hat man es also mit einer Combination zu thun, so dass es unmöglich ist, eine bestimmte Wurmspecies für die Krankheits-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
I
Hrlminthiii.sis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 295
ersobeiüUQgeu verantwortlich zu machen. Insbesondere beim Plund und beim Geflügel trifft man oft die verschiedenartigsten Wurmspecies gleichzeitig an.
lieber die Häufigkeit des Vorkommens von Eingeweidewürmern beim Hunde geben folgende statistisohe Zusammenstellungen laquo;jenaueren Aufscliluss.
Deffke fand bei seinen Untersuchungen am Hundespitalo der Berliner Schule (200 Sectionen), dass 02 Procent aller Hunde in Berlin an Eingeweide w ü r m e r n leiden. 54 Proc. zeigten Bandwürmer, '!2 Proc Rundwürmer. Das Procentverhamp;ltniss der einzelnen Wurmspecies zu einander war folgendes;
Taenia ououmerinanbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; = 40 Proc,
marginal nnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; = 7
serratanbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;=nbsp; nbsp;r'
coenurusnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; -rnbsp; nbsp; nbsp;o,5 r
Echinooocousnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; =-nbsp; nbsp; 1,0 P
Botriocepbalus latusnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; =nbsp; nbsp;0,-rgt;
Asoaridennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;=nbsp; 18,5 .
Nömatode du reinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;=rnbsp; nbsp; 1 ..
Doohmius trigonocephalusnbsp; =nbsp; nbsp; 4,5 .
Spiroptera sanguinolentanbsp; nbsp; =nbsp; nbsp; 2 ,,
Pentastomum tuenioidesnbsp; nbsp; nbsp;~~nbsp; nbsp; 0,5 ..
Darnach sind in Berlin die häufigsten Eingeweidewürmer des Hundes Taenia cuoumerina, Ascaris marginata, Taenia marginata und Pentastomum taenioides,
Schöne fand bei seinen Untersuchungen in Leipzig folgendes:
1)nbsp; nbsp;Die Tänien (und Entozoen überhaupt) zeigen hei den verschiedenen Hunderassen nachstehende Verhältnisse:
Jagdhunde waren in 52,94 Proc. aller Fülle Entuzoentriiger (sie enthielten am meisten T, serrata),
Pleischerhunde waren 66,66 Tree. Entozoenträger (enthielten am Meisten T. marginata).
Hofhunde waren 40,44 Proc. ISntozoenträger (enthielten am Meisten T, oueumerina),
Zughunde waren 72,22 Proc. Entozoenti'äger (enthielten am Meisten T. marginata).
Schäferhunde waren 57,14 Proc, Entozoenträger (enthielten T. marginata, serrata und cueumerina) und waren die einzigen Hunde, die T. coenurus in 7,14 Proc. beherbergten.
Luxushunde waren 70,37 Proc. Entozoenträger (enthielten 86 Proc. T, marginata und cueumerina, 15,74 Proc. T. serrata).
2)nbsp; Ascaris marginata wurde am Häufigsten bei Luxnslmnden (42,1 Proc.) gefunden,
8) Strongylus trigonocephalus, nur bei Luxushunden gefunden (5,2 Proc).
4)nbsp; Eohino COCCUS polymorphus, nur bei Zughunden gefunden (5,5 Proc).
5)nbsp; nbsp;Cysticercus cellulosae (5.5 l'roc). nur bei Zughunden gefunden.
0) H emistomum alatum (5,5 Proc), nur bei Zughunden gefunden.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
206
|
Hiinilwiiriuci'.
|
||
|
|
|||
|
7) Pentastomum taenioides, am Häufigsten Ijoi Sohftferhunden gefonden (zu -1,42 Proo,),
Krabbe fand T. marginata bei 75 Proc. aller Hunde (100) in Island, bei 20 Proc. aller Hunde (.r)W)) in Kopenhagen,
Nach einer Untersuchung von Zaohokke (177 Hunde) besassen 36 Proc. (= 61) Tänien, davon waren 38 mit Taenia ououmerina, 9 mit T. marginata, 7 mit T, Eohinooooous, :! mit T. serrata und 3 mit T. ooenurus behaftet.
Beim Geflügel limlel man dit^ meisten Eingeweidewürmer. Bei 18 seoirten Hühnern oonstatirte Lucet lämal Taenia proglottina, 15ma] Hete-rakis papillosa, llmal Trichosoma oollare, 9ma] Heterakis inflexa, 7mal Taenia infundibuliformis, 6raa] Taenia oestioillus,
|
|||
|
|
|||
|
I. JiniHhviiriner.
Literatur, l) Gerlaoh, Magazin. 1854. S 295. 2) Müller, Preuss. Mittheil. 1855/56. S. 147. 8) Müller, Magazin. 1858. 8. 398. 4) Eroolani, Dei Parasit! e dei morbi parasitär!, 1858. 8. 398; lief, von Gurlt, Magazin. 1871. S. 1; Osservazioni elminth. s. dimorfobiosi nei Nematodi. 1875; Ref. im Repert. 1877. 5) Lebas, Recueil veter. 1824. 6) Lemoine-Catel, ibid. 1833. 7) Baillet, ibid. 185901. 8) Sanson, ibid. 1862. 9) Railliefc, Bull. 800. centr. vet. 1880. 10) Hartmann, Magazin. 1802. S. 128. ll)Hanly, The Veterinär. 1863. S. 203. 12) Pill wax, Oesterr. Vierteljabrssohr. 1862. Bd. 18. 8. 131. 18) Leisering, Sachs. Jahresber. 1804. S. 29. 14) Hackbarth, Preuss. Mittheilungen. 1803/64. 15) Lortet, Reoueil de med. vet. 1868. Nr. 11. 16) Schwalenberg, Magazin. 1869. S. 422. 17) Philippi, Sachs. Jahresbericht. 1869. 8. 90. 18) Zürn, Thierarzt, 1809. S. 161. 19) Laboulbene, Recueil de med. vet. 1873. Nr. 9. 20) Schieferdecker, Virch. Arch. 1862. 21) Blumberg, Arch. f. wiss. n. prakt. Thierbeilkde. 1877. S. 88. 22) Bellinger, Deutsche Zeitsohr. f. Thiermedic. 1877. S. 213. 23) Perroncito, Pütz'sohe Zeitsohr. 1877. S. 508: 11 mod. veter. 1886. S. 71. 24) l'röger, Sachs. Jahresber. 1877. S. 101. 25) Zürn, Deutsche Zeitschr. f. Thiermed. 1879. S. 423. 26) Megnin. Oesterr. Revue. 1879. S. 97; 1880. 8,144. 27) Konbiluser, Monatssohr. östorr. Thieriirzto. 1879. 28) Krabbe, Deutsche Zeitschr. f. Tbiermediein. 1880. S. 113; 1891. S. 157; Kepertor. 1S63. S. 08. 29) Hering, Repertor. 1880. 8. 218. 30) Lesbre, Journal de Lyon. 1882. 31) Pröhner, Repertor. 1883. 32) Marggraff, Adam's Wochensehr. 1884. 8. 340. 33) Deutl. Oesterr. Monatssohr. 1885. S. 5. 34) Priedberger, Pütz'sohe Zeitschr. 1877. 8. 97; Münoh. Juhres-bericht. 1880/87. S. 09; 1887/88. S. 49. 35) Leuokart, Die Blasenband-würmer u. ihre Entwicklung; Artikel I3aiuhvurniquot; in Koch's Kncyklopildie der Thierheilkde. 1885. 30) Mnrrich, Ref. in der Rundschau auf dem Gebiete der Thiermedicin. 1887. S. 174. 37) Sommer, Deutsche Zeitschr. f, Thiermed. 1885. S. 03. 38)Zschokke, Schweizer Archiv f. Thierhlkde. 1885. 8. 122, 123; 1887. S. 265. 39) Chatin, Bullet, de l'aead. de med. 1880. 40) Fuchs, Bad. thieriirztl. Mittheil. 1887. S. 43. 41) Pütz, Thiermedic. Rundschau. 1887. S, 161, 209. 42) Harris, Pharmaceut. dourn. and Transact. 1887. 43) Nessl, Oesterr. Vereinsmonatsschr. 1887. S. 27.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
BdndwUruer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 207
44) Philippi, Siu-hs. Jahresbei', 1887. S, 110. 46)Vogel, Itundsohau auf cl(Mii (iobiete derTbievmedioin. 1888. s. II, 105. 46)MojkowBkil Oesterr. Monatsschrift. 1888. S. 118. 47) Parona, II med. vet. 1887. S. 164. 48) Wolpert, Revue vötör, 1888, S, 4(17. 40) Cadöao, ibid, S. 109. 60) Lahogue, Recueil. 1888. S. 160. 51) Waldteufel, ibid, S. 815, 62) Kitt, Bacteriol. Hebungen, 1889. S, 45 ff, 58) Deffke, Monatshefte f. prakt. Thierheilkde. 1890. S. 880; Berl, Ai'ohiv. 1891. S. I. 54) Grassi, Oentralblatt f. Bakteriologie. 4. Bd. S. 619. 56) Zsohokke, ibid, Nr, 14. 66) Bi'aun, ibid. Hd. 5, S. iiii7. .r)7) Hürlimann, Schweizer Archiv t, Thierheilkde, 1888. S, 25. 58) Haubold, Stlcha, .Tahresber, 1888. S. l-Z. 59) Lutz, CentraJbl. f, Bakter, Bd. 3. Nr. 16. 60) Gottheil, Journ. of romp. med. Bd. :. S. 126. 'il) Zsohokke, Oentralblatt f. Bakteriologie. Bd, 3. Nr. 1. 62) Grassi a. Rovelli, ibid. Nr. Ö. 63) Lucet, Recueil. 1888. 64)Albreoht, Woohensobr. f. Thierheilkde 1890. S. 79. 65) Wald-mann, ibid. 18iM, S. 117. 06) Truelsen, Berl. thiertlrztl. Woohenschr. 1891. S. ISO.
I )itgt; im I )armcanal der Hausthiere vorkommenden Bandwürmer sind:
A.nbsp; nbsp;Beim Hinul: 1) Taenia cucuraerina, der häufigste Hundebandwurm. Seine Larve wurde von Grassi im Bundefioh, Pulex serraticeps, nachgewiesen; 2) Taenia serrata, ^tllllmlt vom Cysticercus pisiformis der Hasen und Kaninchen (Cyst.icercen in Leber, Lunge, Bauchfell, vulgär als Hasenvenerie bezeichnet); 3) Taenia margi-nata, stammt vom Cysticercus tenuicollis der Wiederkäuer und des Schweins; 1) Taenia coenurus, stammt vom Coenurus cerebralis (Gehiruquese) der Wiederkäuer; 5) Taenia Echinococcus, stammt vom Echinococcus polymorphus (Hülsenwurm) der Herhivoren und des Schweins; 6) Botliriocephalusarien, selten. Die Larven lohen in verschiedenen Fischen (Hecht, Barsch. Saibling. Lachsforelle, Aesclie, Seeforelle, Aalquappe),
B.nbsp; nbsp;Heim Schaf: 1) Taenia expansa, die Bandwurmseuche der Lämmer erzeugend, angeblich bis zu 60 in lang werdend; -) Taenia o v il In . sehr selten.
C.nbsp; Beim Pferd: l)Taenia perfoliata, am häufigsten; 2) Taenia plicata; 3) Taenia mamillana, sehr selten, nur circa 1 cm lang.
D.nbsp; nbsp;Beim Rind: l) Taenia expansa; 2) Taenia denticulata; :!) Taenia alba.
E.nbsp; nbsp;Bei Ziegen: Taenia expansa.
F.nbsp; nbsp;Bei Katzen: l) Taenia crassicollis; 1) Taenia elliptica;
3)nbsp; nbsp;Dibothrium decipiens,
G.nbsp; nbsp;Beim Geflügel: 1) Taenia infundibuliformis (Huhn und Ente); 2) Taenia lanceolata (Gans und Ente); 8) Taenia cuneata;
4)nbsp; Taenia proglottina (die Larve parasitiri in Limax cinereus, einer
|
||
|
|
||
|
|
||
|
208nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;HiiiiiUvürraer.
Sohneokenai't); rgt;) Taenia oestioillusi ti) Taenia tetragoini (Huhn); 7) Taenia cantanina (l'uten); 8) Taenia crassula (Tauben); 9) Tasuia fasciata; 10) Taenia setigera (Gans); 11) Taenia trilineata; 12) Taenia coronula; 13) Taenia anatina (Knte); 14) Taenia graoills; 15) Taenia sinuosa; 10) Taenia megalopsj 17) Taenia conica; 18) Taenia imbutit'ormis (Mute); 1!') Bofchrio-oephalus longicollis (Huhn).
Naturgeschichtliches. Die Bandwürmer (Cestoden) gehören ZU der Gruppe der l'latt.wilriner und bilden Oolonien (Strobila). deren einzelne Glieder sich aus der Amine, dem Kopf der gan/.en Oolonie, dem Scolex, durch Knospung entwickeln Die reifen, fortpflanzungsfähigen Glieder heissen Proglottiden. Der Kopf besitzt einen ziirüclcziehbaren Rüssel (Rostellum) und haftet mittelst Saug-näpfen und Haken (bewaffnete Bandwürmer) an der Darmschleimhaut fest.
Jede einzelne Proglottide besteht aus einer äusseren muskulösen EUudensuhichte mit einer Oberbaut (Cuticula), und einer inneren, den öeschlechtsapparat und die Gefässstiiinine enthaltenden Schichte. Die Geschlechtsorgane sind hermaphroditisch und bestehen in Uterus, Eier- und Dotterstock, Samenbehälter und Seheide einerseits, in Hoden, Samenleiter und Penis (Cirrus) andererseits, Die öeschlechtsöffnung befindet sich meist seitlich am freien K'and. Die im Uterus in ausser-Ol'dentlich grosser Menge vorhandenen Eier besitzen eine sehr harte, mehrschalige Kalkbülle und enthalten im Inneren den kugeligen, hellen, vier- oder sechshakigen Embryo; sie sind äusserst widerstands-fiihig, gehen indess durch Austrocknuug zu Grunde.
Gelangen diese Eier auf irgend eine Weise in den Magen eines anderen Wirthes, so entwickelt sich daraus nach Auflösung der Kalkhülle ein vier- oder sechsbakiger Embryo, der die Magenwand perforirt und in die verschiedensten Organe einwandert, wo er sich unter Verlust der Haken einkapselt (encystirt) und zum Blasenwunnquot; (Gysti-cercus) wird: in diesem Blasenwunn bat sich der Embryo bereits wieder zu einem Scolex, dem l'roscolex der späteren Oolonie umgewandelt. Gelangt nun ein solcher Hlasenwurni in den Darm eines ihm zusagenden Thieres, dann wird der Scolex (Proscolex) durch die Verdauung der Blase hei, befestigt sieb mittelst seiner Haftapparate an der Darmschleimhaut und wächst zu einer Bandwurmcolonie aus.
Die geschilderte Entwicklungsweise der Bandwürmer, wonach die Blasenwürmer nur den Larvenzustand, das heisst die
|
||
|
|
||
|
|
||
|
#9632;
Bandwürmer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;-jüiraquo;
geschlechtslose Vorstufe des eigentlichen Bandwurmes in verschiedenen Wirthen (Generationswechsel) darstellen) ist
besonders durch die experimentellen Untersuchungen von van Beneden.
Küchenmeister, v. Siebold, Leuokart, Haubueru, A. festgestellt
worden.
I Die neuere Ansicht von Megnin (Oesterreich, Revue 1879, 1880),
daslaquo; die bewaffneten Tilnien nur einen unvollkommenen Bntwiok-
iungszustaud der unbewaffneten darstellen und von denselben
cystischen Larven abstammen sollen, so dass beispielsweise die Taenia
perfoliata des Pferdes die vollkommene Entwicklungsstufe der Taenia
EchinOCOCOUS des Hundes sei, ist von verschiedenen Seiten bekämpft
worden (Moniez und Baillet; Zürn).
Sehr interessant ist üaincntlicli die Entwicklungsgeschichte der Taenia cueumerina, des häufigsten llundebaiidwunns. Molnikow (Archiv für Natttrgesohiolite 1^69) hatte früher angegeben, duss die Larve dieser Taenia im Hundehaarling, Trichodeotes canis, enthalten sei (Cryptooystis Trioho-deotidisquot;), Wir haben in der vorigen Auflage im Qegeosatze biezu darauf hingewiesen, dass der gewöhnliche Infeotionsmod'us ein anderer sein müsse, weil die llaaiiinge nach unseren Erfahrungen beim Hunde sehr selten vorkommen. Nun hat nenerdings (Imssi (Centralblatl fllr Baoteriologie und Parositenkünde, Bd. ) Nr, 20) gefunden, dass der Eundefloh der eigentliche Zwischenwirth der T. cueumerina ist. Auch im Menschenfloh, Pulex irritans, hält sich die Larve des Bandwurms auf. Die Embryonen befinden .sich frei in der Leibeshöhle der vollständig ausgebildeten Flöhe, oft bis zu 50 Stück in einem Floh. Die [nfection der Hunde erfolgt durch das Verschlucken solcher Flöhe, Junge Hunde, deren Mütter flöhe beherbergen, weisen bereits am 5, 10. Tage nach der Geburt Tänien auf. Da der Bundefloh sehr häufig seinen Sitz durch Ueherspringen wechselt, können auch solche llmide. infleirt werden. welche sonst frei von Flöhen sind. Die Prophylaxe gegen Taenia cueumerina bestellt somit in der Vernichtung der Flöhe,
Anatomische, durch Bandwürmer hervorgerufene Veränderungen auf der Darmschleimhaut. Iliiulig bedingt die Anwesenheit von Bandwürmern im Darm, besonders wenn nur einzelne Exemplare derselben vorhanden sind, keine oder höchstens nur ganz geringfügige katarrhalische Veränderungen auf der Schleimhaut, In anderen Fällen jedoch kommt es zu intensiven katarrhalischen und entzündlichen Processen auf derselben. Schieferdecker fand bei der Untersuchung der von Taenia cueumerina heimgesuchten Dünn-darmschleimhaut des Hundes eine eigenthümliche Tunnelbildung in derselben, wobei sich die Gliederketten der Tänien durch diese Tunnels wie Eisenhahnzüge hindurchzogen. Die Tunnels waren durch Verstrickungen und Zusammenwachsen der über den Tänien gelagerten
I #9632;
Hl
|
||
|
|
||
|
|
||
|
;JO(Jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; liimilwiirmei'.
Darnizottcn entstanden, welche oft um das IMache verlängert, von desquamirten Epithelmassen bedeckt und durch bedeutende Neubildung von Capillargefässen im Inneren bypertrophirt waren. Die Lieber-kuhn'sclieu Drüsen waren in der Umgebung der Hohlgänge häufig stark verkürzt und in ihren oberen Partien auseinaudorgedriingt, zuweilen fand man auch eine Vermehrung des intertubuliinm Bindegewebes in Form deutlicher Bindegewebssepta, welche selbst die Breite eines Drüsenschlauches erreichten. Diese Veränderungen müssen sowohl durch die Störimg der Resorption von Seiten der hypertrophischen Zotten, als auch durch die Beeinträchtigung der Darmsecretion in Folge Atrophie der Drüsen mehr oder weniger schwere gastrische Erscheinungen hervorrufen.
Die schwersten anatomischen Veränderungen auf der Darmschlehn-haut werden von Taenia Echinococcus beim Munde erzeugt. Indem diese kleinen, nur drei^liederigen Bandwürmer sich mit ihren scharfen Haken oft zu Hunderttausenden in die Schleimhaut einhaken, verursachen sie dadurch eine hochgradige, sehr oft tödtliche Darmentzündung mit Darmblutung. Andere Bandwürmer können bei massenhafter Anwesenheit das Lumen des Darmes ganz verstopfen und zu Intussusception etc. führen.
Die Veränderungen auf der Darmschleimhaut beim Geflügel bestehen in Auflockerung und Hyperämie, sowie in einem desquamativen Darmkatarrh mit reichlicher Secretion eines gelbröthlichen, eiterigen Schleimes.
Ueber Darmperforation, Divertikel- und ('ystenbildung im Dünndarm des Pferdes, verursacht durch Taenia perfoliata, berichtet Megnin. in einem Falle fand Cadeac beim Hunde den Zwölffingerdarm durch zwei Exemplare von T. serrata perforirt. Einen ähnlichen Fall von Darmperforation hat Labogue beobachtet. In beiden Fällen wurden während des Lebens wuthälmliche Erscheinungen con-statirt. Wo I pert fand Kxemplare von Taenia serrata im Oesophagus und in der Niere.
Die Bandwürmer bewohnen beim Hund gewöhnlich den Dünndarm.
T, cueumerina, der gewöhnlichste Ilundebandwunn, bewohnt in 152'gt; (im Maximum über 100) Exemplaren den Leer- und Hüftdarm, desgleichen 'f. in argin ata und serrata, jedoch gewöhnlich nur in 12 Exemplaren. T, Echinoooccus kommt bei einem Hunde zu Jlunderttausenden von Exemplaren vor, so dass ein Quadratcentimeter Schleimhaut 100 und mehr Parasiten enthält, Die Ascariden kommen beim Hund theils vereinzelt, theils in grösserer Anzahl (25 250 Stück) vor.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Bandwünnet'.
|
801
|
||
|
|
|||
|
Symptome. Weitaus in den meisten Fällen bedingt die Anwesenheit von Bandwilnnern im Darmeanal keinerlei auffallende Erscheinungen. Führen sie jedoch y.u einer sichtbaren Erkrankung, so ist es meist das Krankheitshild des chronischen Darmkutarrhs, zu dem sich je nach der Thiergattunilaquo;- noch andere Symptome gesellen können, Praktisch am wichtigsten ist das Bandwurmleiden der Hunde. Lämmer und des Geflügels.
1) Beim Hunde kommen Bandwürmer ausserordentlich häufig ohne jede sichtbare Störung des Allgemeinbefindens vor. Fleischer-, Schäfer- und .Jagdhunde sind der Aufnahme von Tänienbrut am meisten ausgesetzt; junge Bunde besitzen eine entschieden grössere Disposition zur Erkrankung als ältere. Tritt das Bandwurmleiden nach aussen in die Erscheinung, so findet man meist die heim chronischen Darmkatarrh beschriebenen Symptome, Dabei besteht zuweilen ein ausgeprägter Heisshunger, ohne dnss die Thiere an Körpergewicht zunehmen würden, vielmehr beobachtet man eher das Gegentheil. Der Appetit ist seh v wechselnd, junge Thiere äussern nicht selten Unruheerscheinungen, winseln, laufen hin und her, schnappen nach dem Hinterleib, wechseln häufig das Lager u. s. w.
Bei sehr reizbaren Hunden, sowie bei dem Vorhandensein grosser Mengen von Handwürmern, insbesondere von Taenia Echinococcus und cueumerina, treten zuweilen auffallend schwere und heftige Krank-heitsersoheinungen hervor, welche in frühereu Zeiten zu der Amiahme der Entstehung wirklicher VVuth auf Grund des Vorhandenseins von Bandwürmern geführt haben und auch heute noch dann und wann die Existenz der Wuthkrankheit vortäuschen können. Die Symptome dieser Pseudo-Lyssaquot; bestehen in Schwindel, Zuckungen, epileptischen Anfällen, Lähmung, sowie einigen ganz wuthähn-lichen Erscheinungen: Neigung zum Beissen, Veränderung der Stimme, Lähmung des Unterkiefers, grosser Mattigkeit und Abstumpfung. Diese Erscheinungen wurden von Leisering auch experimentell durch Verfütterung von Echinokokkenblasen hervorgerufen. Meist werden derartige wuthartige Anfälle durch Taenia Echinococcus verursacht; wir haben indess auch von Taenia cueumerina ganz ähnliche Wirkungen beobachtet. Ihre Erklärung ist in der sehr schmerzhaften und gewöhnlich tödtlich endenden Darmentzündung zu suchen. Zuweilen kann die massenhafte Ansammlung von Handwürmern im Darm auch zu Verstopfung und zwar sogar mit födflichem Ausgang führen. Auch Perforation der Darmwandung ist vereinzelt beobachtet worden (Lahogue, 0adeac).
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
302nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Bamlwiirraer.
Ueber oinen sehr interessanten, weil vereinzelt dastehenden Fall von Selbstinfection eines Hundes mit Taenia serrata (Cysticercus pisitbrmis im Gehirn) berichtet Lesbre; die Erseheimingen bestanden in Zähneknirsclien, tollem Umherlaufen etc.
2) Bei den Schafen tritt das Bandwunnleiden als sogen. Bandwurmseuche der Lämmerquot; besonders in nassen Sommern und auf feuchten, sumpflget) Weiden auf. Eine Disposition für die Aufnahme der Taenia expansa liegt auch hier in der grossen Jugend der einzelnen Thiero; bei älteren Schafen scheinen vorausgegangene schwächende Krankheiten des Darms, so nach Spinola die Ruhr, eine Disposition zu bedingen. Die Taenia expansa zeichnet sich durch ein ausserordentlich rasches Wachstiuim aus; nach Spinola kann man bei 4 Wochen alten Lämmern schon 10 Meter lange Bandwürmer finden, was zu der unbegründeten Annahme einer intrauterinen Infection geführt hat. Die Erscheinungen der Bandwurmseuche haben häutig nichts Charakteristisches an sich und unterscheiden sich nicht von denen der Kachexie: Bleichsucht, bleiche Haut und Bindehaut, leicht ausziehbare, helle, fettschweissarme Wolle U. s. w. Im weitereu Verlaufe treten schwere Verdauungsstörungen auf. Die Futteraufnahme und das Wiederkauen zeigen Unregelmässigkeiten; die jungen Thiere bleiben im Wachstiuim zurück, zeigen sich matt und hinfällig, lassen sich leicht greifen, bleiben hinter der Herde und magern sehr stark ab. Die in der Regel eintretende Verstopfung führt zu leichten Unruheerscheinungen: die Thiere legen sich bald nieder, bald springen sie wieder auf, krümmen den Rücken und stellen sich vergeblich zum Kothabsatz an, lieben den Schwanz in die Höhe, laufen plötzlich fort, und sind nicht selten mehr oder weniger aufgetrieben. Ist die Kachexie sehr weit vorgeschritten, so stellen sich diarrhoische Kothentleerungen mit grosser Hinfillligkeit und Schwäche ein. Die Thiere sind in diesem Zustande völlig incurabel und gehen schliesslich an Erschöpfung zu Grunde.
.'i) Beim Geflügel, das die meisten Bandwurmarten beherbergt, äussert sich das Bandwurmleiden theils in gastrischen Störungen, besonders in einer zunehmenden Diarrhöe mit schleimigem, selbst blutigem Kothe, theils in einer, trotz fortbestehende!' guter Fresslust, steigenden A b niagerung und Zurückbleiben im VVachsthuiu (Kümmern). Dabei sind die Thiere traurig und unlustig, haben ein gesträubtes, glanzloses, struppiges Gefieder, das gewöhnlich eine Unzahl von Parasiten (Federlinge, Milben) beherbergt, zeigen zuweilen epileptiforme Zufälle und stehen oft lange in sich gekehrt da, worauf sie wie er-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
HaiidwüriiuT.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;liOii
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
wachend umherlaufen und Kutter aufnehmen. Allmählich hört die Futteraufhahme ganz auf, die Thiere werden sehr matt, fallen um und verenden sehr rasch. Zuweilen hat das Leiden eine seuchenhafte Verbreitung! so hat Friedberger eine ausgebreitete Bandwurmseuohe
unter den Fasanen beschrieben.
Die Bandwürmer der übrigen Haus thiere (Pferde. Hinder, Ziegen, Katzen) geben seltener zu einem eigentlichen Handwurraleiden Veranlassung. Die Erscheinungen sind im Wesentlichen dieselben, wie die im Vorhergehenden benannten. Meiniin und Waldmann berichten über Fälle von Perforativ-Peritonitis beim Pferde, veran-lasst durch Taenia perfoliata. Uürlimann land bei einem an Lähmung leidenden Pferde Unmassen von Taenia perfoliata. Haubold und Trueisen beschreiben 2 Fälle von Taenia denticulata beim Rinde: die Erscheinungen bestanden in Indigestion, Abmagerung und chronischer Tympanitis. Bei Katzen wurde im Jahre 1874 auf dem Schwarzwald eine Bandwurmseuehe beobachtet (Taenia crassicollis), wobei gleichzeitig auch die offenbar inficirten Feldmäuse (Cysticorcus fasciolaris) verschwanden; die erkrankten Katzen magerten rasch ab und gingen endlich zu Grunde. (Lydtin. Mittheil, über das badische Veterinärwesen, Karlsruhe 1882.) Perroucito vermuthet in einem Falle von Darmruptur bei einer Katze als Ursache eine Verletzung der Darm-wandung durch die Ilaken des Kopfes von Taenia crassicollis. Zschokke fand bei mehreren an Gastritis gestorbenen Katzen die Taenia crassicollis im Magen und hielt die Anwesenheit des Parasiten daselbst für die Ursache des Todes, weil er bei gesunden getödtetcn Katzen denselben immer nur im mittleren Dünndarm fand.
Diagnose. Eine sichere Diagnose auf Bandwürmer kann nur durch den Nachweis des Abganges derselben, bei Schafen oft nur durch die Section des gefallenen Thieres festgestellt werden. Die Erscheinungen des chronischen Darmkatarrhs an sich bieten keinerlei sichere Anhaltspunkte. Der Abgang der Bandwürmer erfolgt in den meisten Fällen durch den After mit dem Kothe; man findet dann an der Oberfläche der Kothballen einzelne oder mehrere, oft bewegliche Bandwurmglieder, welche beim Munde in der Nähe des Afters weiterkriechen, daselbst die Haare verkleben und schliesslich zu dünnen, gelblichen oder weisslichen, platten Gebilden eintrocknen. Seltener werden grössere oder kleinere Bandwurmpartien durch Erbrechen aus dem Körper entfernt. In Folge des durch die Bandwurmproglottiden in der Umgebung des Afters ausgeübten Reizes rutschen manche
|
I.'
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
;{0-|nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kimilwimiiur.
Hunde zur Vei'minderuug des Juckgefühls auf dem Hintertheil herum) was indess muh bei anderen Krankheiten vorkommt. Aueh die von Manchen iiis pathognostisohes Keunzeiohen der Helminthlasis hervorgehobene abnorme Erweiterung der Pupille hat keinerlei diagnostische Bedeutung. Nach Zürn soll jedes Huhn, das eine besondere Begierde nach kaltem Wasser zeigt, verdächtig sein, Eingeweidewürmer /.u besitzen (?).
Bezüglioh der Differentialdiagnose der verschiedenen Bandwurmarten eines und desselben Thieres and ihrer Einzelbestimmung inuss auf die Lehrbücher der allgemeinen Pathologie und Farasitenlehre hingewiesen werden. 10s mögen hier nur die makroskopischen Hauptnntersohiede der am häufigsten zur Behandlung kommenden Bandwürmer des Hundes in Kürze angegeben worden.
1)nbsp; Taenia eueiuneri iiü : häufig in K niiue 1 form vorkoinmorid, die reiten Proglottiden kürbiskernähnlioh, lt;i. h, länglich-elliptisch, t'öthlich, mit zwei Q-eschleohtsöffnungen auf beiden freien Riln-dern. höchstens - mm breit, 510 em (selten 20) lang, demlioh dick. Unter dem Mikroskop siebt man röthliche Eierhaufen (sogenannte Coeons).
2)nbsp; Taenia serrata; Proglottiden sägeartig mit einander verbunden (daher zackige Runder), je eine Geschlechtsöffnung, alternirend links und rechts am freien Bande sitzend, Glieder sehr lane- (bis zu 18 nun) und breit (bis zu 5 nun), tonnenförmig; öesammtlänge ',#9632;.gt;1 m.
:i) Taenia marginata: Proglottiden quadratisch an einander gefügt, oft breiter als lang, mit geraden Rändern und alternirender seitlicher Geschlechtsöffnung. Gesammtlänge 25 m. Breitester und längster, sowie feistester Bandwurm des Hundes.
4)nbsp; Taenia coenurus: Proglottiden quadratisch, die hintersten oblong und im Verhältniss zur Breite sehr lang, weiss. Gesammtlänge '/'.!1 in.
5)nbsp; Taenia. Echinococcus; nur drei- (selten vier-) gliederig, ca. 4--6 mm lang, nur das letzte Glied eierhaltig; die Glieder sind weiss, elliptisch und können mit Barnizotten verwechselt werden.
Mikroskopisch sind ausserdem die einzelnen Proglottiden an der Form des Uterus, sowie die Köpfe an der verschiedenen Form der Haken leicht zu bestimmen. Vergl. Kitt, Hacteriologisclie und pathologischdustio-logische Hebungen 1889 8. 45 ff.
Therapie. Der gegen die Bandwürmer zu Gebote stehende Arzneischatz ist ein ausserordentlich reichhaltiger. Indess müssen siunnitliche Mittel in relativ grossen Dosen gegeben werden, und es darf, sofern die Anthelminthica nicht selbst purgirende Eigenschaften besitzen, zwischen dem durch die Bandwurmmittel erzeugten Loslassen der festgesaugten Köpfe und der Austreibung- der Oolonie kein zu lauger Zeitraum liegen, da sich die Scolices sonst wieder anheften: es muss also ein Abführmittel bald hintennaeh verabreicht werden.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
liinidwimiic]'.
|
305
|
||
|
|
|||
|
Der eigentlichen Bandwurmkur geht zweokmftssig eine Vorbereitungskur voraus. Dieselbe besteht darin, dass 'las zu behandelnde Thier einen Tag1 liuijj,- nicht gefüttert und der Darmcanal durch Klystiere, Abfllhrmittel etc. entleert wird, damit dem Abgange des Bandwurmes kein Hinderniss im Wege steht. Sodann werden die eigentlichen Bandwurmmittel nüchtern verabreicht; bei Hunden empfiehlt es sich wegen des nicht seltenen Erbrechens immer eine zweite Dosis bereit zu halten.
1)nbsp; nbsp;Gegen die Bandwürmer der Hunde werden angewandt: Ex-traotum Filicis maris aethereum, 0,55,0 pro dosi in Kapseln oder in Pillenform, bei letzterer gewöhnlich mit dem Pulvis Khizo-matis Filicis zusammen verschrieben, welches auch für sich in irisch gepulvertem Zustande zu 10,025,0 gegeben werden kann. Das Ex-traotum Filicis maris ist immer noch eines unserer besten Bandwurmmittel. Sodann Kamiila, zu 2,015,0, ein ebenfalls vorzügliches und zugleich purgirendes Antitiinicum; Plores Kusse, 10,025,0, mit Milch geschüttelt und nach einer Stunde dieselbe Dosis wiederhol! (vom Kussin haben wir in Dosen von '),() mit 50,0 Hicimisöl keine zufriedenstellende Wirkung gehabt); Cortex Badicis Granati, 5,0 bis 50,0 in 1 Liter Wasser 24 Stunden macerirt und auf ein kleineres Volum eingekocht; die A recan uss, Pulvis Nucis Arecae, schon !8l)2 von Ilauly empfohlen und neuerdings wieder eingeführt, zu 10,0 bis 20,(1. Nach Priedberger wird die geraspelte Arecanuss mit frischer Butter gemischt auf 2inal innerhalb 12 Stunden bei leerem Magen gegeben, und falls 23 Stunden darauf kein Kothabsatz erfolgt, liicinusöl (10,030,0) nachgeschickt. Der Abgang der Würmer (auch Spulwürmer) erfolgt- nach 26 Stunden. Die Arecanuss wird indessen noch viel häutiger erbrochen als andere Antbelmiutlüca. weshalb sie wollt am besten in keratinisirten Pillen verabreicht Wird. Endlich werden angewandt K ür bis kerne , 2580 Stück, getrocknet und zerrieben mit einem nachfolgenden Laxans (Zürn), sowie das von Hager empfohlene schwarze Kupferoxyd, tiiglich 3mal zu 0,05 pro dosi mehrere Tage hinter einander. Auch Chloroform und Creolin wird innerlich empfohlen.
2)nbsp; nbsp;Bei der Bandwurmseuche der Lämmer sind zunächst in prophylaktischer Beziehung alle schädlichen und verdächtigen Weideplätze zu vermeiden. Nach llackbarth sollen ferner die Bandwurmmittel erst dann zur vollkommenen Wirkung gelangen, wenn die Bandwürmer schon einen gewissen Grad der Entwicklung erreicht haben und die Thiere sichtbar erkrankt sind. Als Aiithelminthica können sjimmllicbe
Fiiedberger u. PröliiiBr, Pathol, u, Thornplo d, Hnusthiere. J. Bd, 8, AuM. 20
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
;jO(Jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;S|)ulwi\nnt!i'.
l)eini Hunde angeführten Mittel in entspveohend modifloii'ter Dosirung-angewandt werden. Von neueren Mitteln sind das picrinsaure Kali (0,01,25) in Pillenf'orm, sowie dasKussin (12 Og) ebenfalls erfolgreich versucht worden. Philippi zieht bei Schafen das Extract. Fil. mar. zu 2,04,0 oder Kainala zu 5,06,0 und '5 Stunden daraul Ricinusöl den anderen Wurmmitteln vor. NachTrasbot ist das einfachste und unschädlichste Mittel die Verabreichung von Fichtensprossen (terpentinölhaltig), Wacholderzweigen oder Wacholderbeeren, welche die Lämmer gerne fressen, in früherer Zeit wurden die Spinola'schen Wurmkuchen, bestehend ans ftainfarnkraut, Wer-muthkraut und Wagentheer je 1 kg, Kochsalz V8 kg, mit Mehl und Wasser zu Kuchen gemacht, sowie das Chabert'sche Oel (Oleum contra Taeniamquot;, ein Destillat von Thieröl und Terpentinöl) kaffeelöffelweise mit 0,20,3 Brechweinstein verabreicht.
:gt;) fiegen die Bandwürmer des Geflügels empfiehlt Zürn als bestes Mittel die Arecanuss gepulvert zu 2.'i g mit Butter zu Billen gemacht; nur Puten sollen dadurch etwas aufgeregt werden: ein Abführmittel soll selten nöthig sein. Die gepulverte tiainfarn-wurzel (ebenfalls in Dosen von 1.quot;!,()) soll der Arecanuss weit nachstehen.
Was endlich Bandwurmmittel bei den Übrigen Hausthieren betrifft, so können, wenn sie je einmal zur Anwendung kommen sollten, die sämmtlichen oben erwähnten versucht werden. Beim Pferde wären ferner die bei den Spulwürmern anzuführenden Wurmmittel (Brechweinstein, Arsenik, Terpentinöl etc.), ausserdem die Arecanuss, auf jedes Futter zwei Esslöffel (Fuchs), zu verabreichen.
|
||
|
|
||
|
II. Spnlwilrincr.
Literatur. l)Damitz, Magazin, 184.ri. 8.497. 2) Veret, Reoueil. 1887. 8) Ros-signol.ibid, 1858. 4) Boddington, The Veterinarian. 1859. 5) Früminet, Recueil, 1804. 0) Buhl er, Adam's Wochensohr. 1864. S. 387. 7) Rosen-knin/,, Sachs. Jahresber. 18ü5. S. 74. 8) ünterberger, Oesterr. Viertel-jahrsschrift, 1868. 80. Bd. S. 88. 9) Esser, Hannover. Jahresber. 1871. S. 25. 10) Grimm, Sachs. Jahresber. 1872. S. 123. 11) Dinter, ibid, 187:!. S. 89. 12) Anacker, Thierar/.t. 1875. S. 2. 13) öenerali, Deutsche Zeitschrift f. Thiermedio. 1879. S. 108. 14) Zorn, Adam's Wochensohr, 1879. S. 357. 15) Desc-iinips, Revue votörin. Toulouse 1879. 16) Woiskopf, Adam's Wochonsehr. 1880. S, 299. 17) Zündol's Jahresber, 1885. S. 72. 18) Schindelka, Oesterr. Vierteljahrsschr. 1885. S. 61. 19)Csokor, Oesterr. Veroinsmonatsschr. 1880. S. 131; Zeitsclir. f. wissonscliaftl. Voterinärkdc. 1888. S, 55. 20)Coppola1 Fortschritte der Medioin. 1887. Nr. 28. 21)QoUz)
|
||
|
|
||
|
|
||
|
SpulwUrtnei'.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;i()7
Bundsobau tiuf dem Qebiete der 'fhiermed. 1887. S. ;i38. 2'J) Zürn, Dir Krankheiten des HausgeflügeU. 18S'2; FQbling's landwirthsohaftl, Zeitung 1887. amp;#9632; .r)0lt;). 23) Laboulböne, Oomptea rendus 1887. Nr. 38. 24) liutz Centralblatt f. Bacteriologie, Bd. 8, 8.426, 25) Grassi, ibid. Bd. 4. S. 612. 26)Somers, The vet. joum. Bd. 26. S. 263. 27) Noaok, Sftohs. Jahresber. 1889. 8. 69. 28) Möbius, ibid. S. 81. 29) Ortmann, Berl. tbierllrztl. Woohensohr. 1891. S, 20:5.
Naturgeschichtliches. Von Spulwürmern (Ascariden) bei unseren llausÜiieren sind zu nennen:
a. beim Pferd und Esel: Ascaris megalooephala; I). beim Huud: Ascaris mar gin at a (wohl = my s tax):
c.nbsp; bei der Katze: Ascaris mystax;
d.nbsp; nbsp;heim Rind und Schwein: Ascaris lumbricoides;
e.nbsp; nbsp;beim Geflügel: Heterakis (früher Ascaris) inflexa und Heteralcis vesiculiiris beim Huhu etc., Heterakis maculosa l)ei Tauben, Eöterakis dispar bei Gänsen.
Die Entwicklungsgeschichte der Ascariden ist noch nicht voilstiiiidifgt;' klar gelegt. Früher hat man auf Grund negativer director öebertragungsversuche (Linstow und Leuckart) angenommen, dass die Ascariden einen unbekannten Zwisohenwirth passiren. Neuerdings hat jedoch Grassi durch Fütterungsversuche nachgewiesen, dass sich Ascaris marginata direct, ohne Zwischenträger, in Folge Aufnahme der Eier mit dem Kothe wurmkranker Thiere entwickelt. Iliemit in Uebereinstimimmg steht die von Grassi beobachtete Thatsache, dass junge Hunde, welche von ihrer Geburt an mit ihrer spulwurminlicirten Mutter sorgfältig isolirt gehalten wurden, bereits mit Ascaris marginata behaftet waren, als sie aussei- der Muttermilch noch keine andere Nahrung erhielten. Hienach ist es sehr wahrscheinlich, dass sich der .Spulwurm des Hundes, wie der des Menschen und der anderen Thiere, direct ohne Zwischenwirth entwickelt.
Anatomische Veränderungen der Darmschleimhaut durch Ascariden. Die oft in grosser Anzahl, bis zu tausend Exemplaren, im Darme anwesenden Spulwürmer erzeugen durch ihren mit zahnbesetzten Mundlippen bewaffiieten Kopf noch tiefere Verletzungen der Darmschleimhaut, als die Bandwürmer, indem sie, wenn auch selten, selbst die Dar in wand perforiren und eine Bauchfellentzündung veranlassen können. Man findet bei der Section von Hunden, bei welchen die Spulwürmer zuweilen ganz plötzlich den Tod herbeiführen, auf der katarrhalisch geschwollenen Schleim-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
308
|
Spulwürmer.
|
||
|
|
|||
|
haut kleine, rundliche, sohwarzrothe, dem Sil/e der Würmer eat-spreoheude Punkte mit aufgeworfenem, wallartigem Rande, sowie go-sobwürige Vertiefungen; in anderen Fällen /.eigen sich die Erscheinungen einer hochgradigen bftmorrhagischen Darmentzündung, wobei die Aseariden Gänge und Gruben in der Schleimhaut mit geschwUrigen, angenagten, verdickten Rändern gebildet haben; dieser Process kann durch silmmtliche Häute des Darines hindurchgehen. Oft ballen sich auch die Würmer zu dichten Knäueln zusammen und verstopfen das Lumen des Darmes vollständig. Heim Pferde sind mehrere Fälle von Darmperforation durch Ascaris tnegalocephala beschrieben (Zorn, Csokor), in welchen an der Ansatzstelle des Gekröses kleine Oetliumgen mit verdickten schwieligen Bändern in der hier weniger resistenten Darmwand sassen. Diese Oeff-nunflten führten in blasenförmiffe Hohlräume, welche sich zwischen den beiden verdickten Platten des Gekröses befanden und mit Eiter, Futterbrei und Spulwürmern gefüllt waren. Bei Perforation dieser intra-mesenterialen Abscesse entwickelt sich eine jauchige Peritonitis. Ge-nerali traf ein Exemplar eines Spulwurmes in dem angeschwollenen und verdickten Ausführungsgange des Ductus pancreaticus an, wobei indess die Drüse selbst nicht verändert war. Ortmann fand 7 Spulwürmer in den erweiterten Gall engäugen eines Schweines. Beim Geflügel ist die Darnischleimhaul mehr oder weniger katarrhalisch entzündet, geschwürig und mit zähem, eiterigem Schleim belegt.
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. Die durch Spulwürmer verursachten Krankheits-erscheinungen unterscheiden sich von den durch Bandwürmer bedingten nicht wesentlich. Sie bestehen im Aligemeinen in Störungen der Verdauung und Ernährung, Verstopfung. Diarrhöe, Tympanitis etc., Abmagerung, sowie in gewissen nervösen Heizungs-erscheinungen: Juckreiz, Reiben, Rutschen, Fleinmen etc.
1) Beim Pferde sind es gewöhnlich wenig charakteristische gastrische Störungen, Diarrhöe und Verstopfung, verbunden mit inter-mittirenden Eolikerscheinungen; dabei magern die Tliiero bei längerer Dauer stark ab. Das Wurmleiden kann indess auch durch Obstruction oder Perforation des Darmes zum Tode führen. Bei einzelnen Pferden kann es weiter zu ganz eigenthümlichen Krankheitsäusserungen kommen. So beobachtete Freminet bei einer Stute einen ausgeprägten tetanu.s-artigen Zustand (Trismus, Sägebockstellung, Vorfall des Blinzknorpols), der auf reflectorischem Wege zu Stande kam und auf die Verabreichung von Wurmmitteln wieder verschwand. Damitz fand in einem Falle
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Spulwiiniicr.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ;')()il
eine auffallende Rtiokenmarksaffectioa in Form von läbmungsartiger Schwäche der Nachhfind, welche ebenfalls nach Anwendung von Wurmmitteln rasch zurückging,
2) Beim II iinde sind die Erscheinungen so ziemlich dieselben, wie die bei den Bandwürmern beschriebenen, Nicht, selten kommen jedoch gerade heim Hunde (und den Katzen) plötzliobe Todesfälle in Folge von Darmperforatiou vor, welche meist den Verdacht einer Ver-Bfiftunlaquo;!.' erwecken und erst durch die Section aufffeklftrt werden,
:gt;) Beim Geflügel, wo besonders Tauben durch Eeterakis ma-culosa oft in seuchenhafter Ausbreitung' ergriffen werden, äussert sich das Wurmleiden in Diarrhöe, vermehrtem Durste. Schwäche und Lfthmungserscheinungen, Apathie, Abmagerung, Schwund der Brustmuskeln, Hängenlassen der Flügel, Sträuben des Gefieders, Ausfallen der Federn u. s. w. (ünterberger). Auch ganz plötzliche Todesfälle sind nicht selten. Oft findet man bis zu 500 Stück Heterakis im Darm einer Taube. Aehnliche Erscheinungen bringt auch Heterakis inflexa beim llulin hervor (gelangt bei Verirrung in den Eileiter zuweilen auch in Hühnereier),
Bei den anderen Thierarten sind die Ascariden von geringerem klinischem Interesse. Descamps berichtet beispielsweise über einen Fall von Ascaris lumbricoides bei einem Saugkalb, das während des Lebens starke Auftreibung etc., sowie eigenthümlicbe Kieferbewegungen zeigte und dessen Gedärme 15 Liter Spulwürmer enthielten.
Therapie. Die gegen die Spulwürmer, überhaupt gegen Rundwürmer, gebräuchlichsten Wurmmittel sind folgende:
1) Beim Pferde; der Brechweinstein, zu 15,020,0 im Trinkwasser oder in Latwergenform mit bitteren Mitteln auf -iImal in Sstündigen Pausen, der weisse Arsenik, zu 2.0 3,0 mit bittereu und evaeuirenden Mitteln in Pillenform, z. B, Pulv, Arsenici albi 2,.quot;); Pulv. Aloes 30,0; Pulv, Herb. Absynth, 20,0j P, Rad. Alth, et Aqu. destill, qu. s. f. Pilul. Nr. II; das Terpentinöl zu 100,0-200,0 in Emulsionsform, das stinkende Thieröl (Oleum animale foetidum) 20,080,0, Benzin 50,0100,0, Flores Oinae 100,0200,0 mit Brechweinstein und Mittelsalzen zur Latwerge, ausserdem Rhizoma Filicis mar is, Arecanuss, Herb a Tan ace ti, Oleum Tanaceti (4050 gutt.), Absynth, Enzian, Asa foetida, Creolin (50,0 bis 150); in früherer Zeit wurden auch gepulverte Kräbenangen angewandt, indess ist dieses letztere Mittel zu gefährlich. Als Haus-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
,'{10nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;l'uUisailenwürmer.
und vorbereiteiulets Mittel empfehlen sich Zuckerrüben und Mohrrüben. Nach Möbius sind rohe Kartoffeln (bi.s zu 10 Liter pro Tag mit Weizenkleie gegeben) beim Pferde ein einfaches und sicheres Wurmmittel.
2)nbsp; nbsp; Beim Munde: liauptmittel Santonin zu 0,050,2 mit Zucker und nachher Hicinusöl. Am meisten empfiehlt sich eine Auflösung von Santonin in Kicinusöl: Up. Santonini 0,8; Olei Hicini 30,0; Solve leni calore. D. S. Täglich einen Esslöffel (Theelöffel) für einen gTOSsen (kleinen) Ihuul. Ausserdem kann man Extract. Filic. maris, piorinsaures Kali, Creolin u. s. w. geben. Hausmittel: Abkochung von Knoblauch in Milch, per os oder per anum.
3)nbsp; nbsp;Beim Geflügel empfiehlt Zürn die Arecanuss und zwar Hühnern zu 3,0, Tauben zu 1,0. Auch für das Schwein wird das Mittel von Zürn empfohlen (5,015,0 pro die).
|
||
|
|
||
|
ill. PalllsadenwUrmer (Strougylides)laquo;
diteratur. Heber Strongylus armatns und tebracanthus; 1) Colin, Recueil de mod. vet. 1804. 2J Krabbe, Report. 18ÜIJ. S, 361. ;Jgt;) Spooner, The Veterinär. 1869, 4) Albreclit, Magazin. 1872. 5) Heill, Thierarzt, 1874. S. 88, (i) Oanay, Recueil. 1884. 7) Cob bold, Veterinär. 187.ri.
8)nbsp; Kitt, Münoh, Jahresber. 1885/86. S. 70. 9)Slooook, The Vet, Joum, 1886. 10) Railliet, Recueil. 1884. 11) Duncan, The vet. joum. Bd. 24. S. 153. 12) Siivoumin, The Veterinarian, Bd. 62, S, 881. 13) Liönaux, Annal, belg. 1887. S. 241, 14) Cob bold. The Joui'iial of the Linnean Society, 1880, 15) Sohwarzmaier, Gesten-. Monatsschr. 1880. S. 486, 16) Willaoh, Solerostoma armatum. Ein Beitrag zur Bntwicklungsge-schichte der Nomatoden. 1800: Berliner Archiv, 1891. S. 108.
U eher Strongylus contortua und hypos tomus: 1) Ger lach , llannov. Jahresber. 1869, 8, 72, 2) Habe, Preuss. Mittheil. 1867/68. 3) (Jips, ibid. 1877/78. S. 07. 4) Wernioke, Deutsche Zeitschr. f. Thiormed. 1887. S. 194.
6)nbsp; Railliei u. Roasignol, Presse vet. 1884. 6) Baillet, Recueil. 1888.
7)nbsp; Railliot, Revue gtodrale dos sciences 1890; Reoaeil 1890. Nr. 15; Bull, de la societe zoolog, 1888, 8) Osokor, Oesterr. Zeitschrift. 1888. 8. 54.
9)nbsp; Michalik, Perl, thieriir/.ll. Wochenschv. 1891. 8. 57.
reber Doohmius trigonoeephalus: 1) Paroua a. Grassi. Rend, del Istit, bomb. 1877. 2) Qrassi, Qazzet, med. Hai, Lomb, 1878, 8)Bugnon, Revue med. de la Snisse rom. 1881. 4) Perroncilo, l'arassiti, Mailand. 1882. 5) MÖgnin, Railliet. Trasbot, Bull. Soc. cent. vet. 1882. 6) Railliet, ibid. 1884. 7) Megnin, Recueil VÖt. 188;.!. 8) Trasbot, Französ. Ueberaetzung der Pathol. u. Therapie von Friedberger u. Fröhner. Paris. 1891.
Ueber Strongylus pergracilis! Cobbold, The Veterinär. 1874.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Sti'ongylus avmatusinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ;}] 1
Ueber Doobniius Balsa mi i'clis: ij ((rassi, Kef. in der DButsohen Zeitsohr, f. Thiemedioin. 1870. S. 986. 3) General!, Ref. Oesterreioh. Monatssohr. 1880. S. 863.
Uebei'Strongylus ooavolutus beim Rind: 1) Osterta^, Zeitsobr, f, Pleisoh- u. Milohbygiene. 1890. S. 1. 3) Stadelmann, ibid. 1laquo;laquo;!. S. 14-
Von Sti'ongyliden kommen im Danucanale unserer Haustbiere vor:
a.nbsp; nbsp;beim Pferd: Strongylus arm at us und tetr acanthus;
b.nbsp; nbsp;'luim Sciaf (und Ziege): Rtrongylus contortus (Magen-wurmseuche), Strongylus hypostomus und oernuus, Btron-f^ylus filicollis, Strongylus venulosus;
o. beim Rind: Strongylus radiatus, inflatus, ventri-cosus, oonvolutusj
d.nbsp; nbsp;beim Hund: Strongylus (Doohmius) trigonocephalus;
e.nbsp; bei der Katze: Doc lim ins Halsami i'clis, Dochniius t u b aeformi s:
f.nbsp; nbsp;beim Scliweiii: Strongylus dentatus (Sclerostomum dental um) ;
g.nbsp; nbsp;beim Geflügel: Strongylus tenuis und nodularis (Gaus), Strongylus pcrgrac i 1 is (Tauben).
|
||
|
|
||
|
A. Strongylus armatus und tetracanlhus beim Pferde.
Naturgeschichtliches 1) Strongylus armatus kommt im Körper des Pferdes in zwei Formen vor: a. als unreife, geschlechtslose Larvenform im Aneurysma der vorderen Gekrösarterie, vergl. embolische Kolik; b. als reifer i'allisadenwurni im Blind- und Grimmdarme des Pferdes. Die Eier des reifen Wurmes entwickeln sich, nachdem sie durch den Kotli nach aussen entleert sind, im Wasser und Schlamm zu freilebenden Nematoden (Rhabditiden). Gelangen diese in den Darm des Pferdes (vermittelst des Trinkwassers), so suchen sie nach den lUutgefiissen. insbesondere dem Stumme der vorderen Gekrösarterie, der ihnen zunächst liegt, vorzudringen. Von hier wandern sie dann nach mehrfachen Häutungen in geschlechtsreifem Zustande wieder zurück in den Darm (Blind- und Grimindarm). wo sie sich mittelst ihrer trepanformigen Kopfbewalfnnng befestigen. 2) Strongylus tetracanthus encystirt sich dagegen in der Submucosa des Darmes und wandert von hier ans in geschlechtsreifem Zustande in das Darmlumen ein.
Anatomische Veränderungen im Darme. 1) Strongylus armatus bringt an seiner Ansaugungsstelle auf der Darmschleimhaut
|
||
|
|
||
|
|
||||||
|
312
|
iSti'ongylus avmatus
|
|||||
|
|
||||||
|
bläuliohrotbe Punkte hervor, die oft tuit Elccbymosei] verwechselt werden, l)ci mikroskopisoher Untersuchung indessen einen röfchliohen Wurm von Vi 12 mm (irösse als Centrum erkennen hissen: daneben bestellt eine leichte Enteritis. 2) Strongylus tetracun I hus erzeugt in grosser An/.aiil. namentlich bei Fohlen, eine häraorrhagische Darmentzündung mit kleinsten submucöscn Knötchen (Cysten), in deren Mitte ein gelblicher Eiterherd mit den Larven von Strongylus tetracanthus sich befindet, auch kleine Schleimhautnarben bleiben gerne zurück. Die Strongylen befinden sich oft massenhaft im Darme. Gobbold fand zuweilen über L50 Strongylidencysten pro Quadratzoll Oberfläche im Colon.
Symptome. Erkrankungen von Pferden durch reife Strongyliden sind sehr selten; es scheint, dass nur eine sehr grosse Menge derselben krankhafte Erscheinungen hervorrufen kann. Am häufigsten noch erzeugen -sie einen ruhrartigen Zustand der Dickdarmschleimbaufc und in Folge dessen Kolik, die selbst tödtlich enden kann: dabei wird zuweilen heftiges Drängen und blutiger dünnflüssiger Kolh beobachtet, und es heschlägt sieh der explorirende Arm mit einer Menge kleinster Strongylen. Ferner sind Fälle von starker Abmagerung bei einer alten Stute, sowie von hochgradigem Durchfall bei Fohlen bekannt. Nach Schwarzmaier kommen in nassen Sommern bei Saugfüllen Diarrhöen und solche Todesfälle in Folge von massenhafter Einwanderung des Strongylus armatus vor.
Durch Einwanderung auf die Oberfläche der Gehirnrinde wurde in einem von Heil! publicirten Falle Meningitis und 1 Ivdrocephalus internus mit consecutiven Kollersymptomen, sowie durch Einwanderung in den Modensack Atrophie und Sklerose beider Hoden erzeugt (Cansy), Kitt fand bei 2 Pferden geschlecbtsreife Strongylen im Bauchteile: Duncan ebensolche in den Bauchmuskeln eines Fohlens.
|
||||||
|
|
||||||
|
Behandlung. Wird
|
wecen (
|
ler Schwierigkeit der Di
|
aenose m
|
|||
|
|
||||||
|
den wenigsten Fällen eingeleitet werden können, ist übrigens dieselbe wie bei den Ascariden. Nach Spooner sollen die Fallisadenwürmer (wahrscheinlich die encystirten Larven von Strongylus tetracanthus) schwer abzutreiben sein.
Einen neuen Beitrag zur Entwicklungsgeschichte von Sclero-stoma armatum hat Willaoh geliefert. Er fand in der Mehrzahl der vom Juni bis September im pathologischen Institut der Berliner Hochschule ausgeführten Seetionen im Dickdarm des Pferdes zahlreiche, 7- 12 mm lange Wtirmchen. welche in der Kopfbildnng eine auffallende üebereinstimmung
|
||||||
|
|
||||||
|
|
|||||
|
asenwurmseucnG des
|
Schaf
|
313
|
|||
|
|
|||||
|
mit Solerostoma ai'matum ueigten. Die einen die Weibchen trugen .#9632;im hinteren Ende einen bandförmigen Scbwanzanhang, ili^ anderen besassen eino Bursa, genau so, wie dilaquo; mftnnlioben [ndividuen des ausgewachsenen Thieres, mit welchen auch im tlebrigen die ftusseren öesoblechtsoi'gane übereinstimmten. Aber beiderlei Thiere, die Weibchen sowohl wie die letztgenannten, waren geschlechtsreif und führten in den Ovarialschlttuohen zahlreiche, dünnschalige Eier. Männchen waren oichl aufzufinden.
Willaoh schliesst, dass die aufgefundenen Würmchen in den Kni-wicklungskreis lt;les Sclerostoma armatum gehören und stellt sich vor, ihiss der geschleohtsreife ausgewachsene Darmparasil /.unllchsi eine ßhabditis-generation (wie Leuokari nachgewiesen) erzeugt, die Rhabditiden aber .sich wahrscheinlich theils /.quot; jenen kleinen Weibchen, theils zu jenen kleinen Eermaphroditen umbilden, die beide geschlechtsreif sind, Aus den Eiernder zweifachen geschlechtsreifen Zwischengeneration ginge dann anscheinend eine neue Generation hervoi*, die, aufweiche Weise ist unbekannt, zu geschlechtsreifen, ausgewachsenen Individuell männlichen und weiblichen Geschlechts sich ausbildete.
Willaoh verneint ferner, dass der Durchgang der Parasiten durch die Blntbahn zur Entwicklung nothwendig sei, and hält es endlich auch für nicht wahrscheinlich, dass die Rhabditiden, do ihnen die Wundbewaffnung fehlt, als solche schon in die Blutbahn gelangen könnten, hiezu seien wohl die von ihm entdeckten kleinen Weibchen und Hermaphroditen befähigt. Auch für Sclerostoma tetracanthum hat Willach eine Zwischengeneration nachgewiesen.
Die Entwicklungsgeschichte von Strongylus totracanthus ist neuerdings durch (Jobbold genauer aufgeklärt worden. Die ans den Cysten ausgeschlüpften jungen Würmer bilden mittelst einer von ihrer Haut ausgeschiedenen schleimigen Masse Cocons, welche sich oft in grosser Anzahl (bis 40) in den Faces der Wirthe nachweisen lassen. Der Entwicklungsgang ist nach ihm folgender: Die Embryonen bilden sich in feuchten und wannen Medien einige Tage nach vorangegangener Häutung aus. Die zu rhabditisförmigen Embryonen ausgewachsenen Larven können viele Wochen im Freien leben. Zu ihrer weileren Entwicklung ist ein Zwischen-wirth nöthig. Die Päces werden mit dem Grünfutter oder auf der Weide aufgenommen. We bohren sich in die Schleimhaut des Oöcums und Colons, um sich hier nach einer zweiten Häutung einzukapseln. Nach einiger Zeit durchbrechen die Larven ihre Cysten und gelangen als geschlechtlich diffe-renoirte Würmer in das Darmlumon. Daselbst überstellen sie eine dritte und letzte Häutung und bilden die oben erwähnten Cocons. Ehre definitive Form und ihre Geschlechtsreife erlangen sie im Colon ihrer Wirthe,
|
|||||
|
|
|||||
|
B. Die Magenwurmseuche des Schafes (Strongylus contortus).
Aetiologie. Die im Labmagen der Schafe, vorzugsweise der
Lämmer und Jährlinge (aber auch der Ziegen), in ausserordentlicli grosser Anzahl vorkommenden gedrehten Pallisadenwürmer erzeugen eine auch als rothe Magenwurmseuchequot; bezeichnete, vorwiegend im Frühjahr und Sommer seuchenartig auftretende und an wirthschaft-lielier Bedeutung der Bandwurmseuche nicht viel nachstellende Krankheit, welche in der Cmgebung stehender Gewässer enzootisch auftritt
|
H
|
||||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||
|
314nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Magenwuvmseuoha laquo;Ick Sohftfes,
und gewölinlioh mit der Lungenwurmseuohe (Strongylus fllaria) /.u-samnieu vorkommt, weshalb G-erlaoh einen lt;)'e\vis.sen genetischen Zu-sammenhaug beider vermuthete und auch nachweisen wollte. Ob die Mairenwurmseuche auch nach ausschliesslioher Ti'ockenfUtteruna auflaquo; treten kann, ist fraglich.
Anatomischer Befund. Bei der Section findet man die Schleimhaut des Labmagens von Pallisadenwürmern, deren Darm durch aufgenommenes Blut roth erscheint, dicht besät und im Zustande des chronischen Katarrhs, resp, der Entzündung. Zuweilen findet man die
Schleimhaut durch die Strongylen siebartig durchlöchert. Zu bemerken ist, dass bei der sehr raschen Verdauung der Strongylen im Cadaver das Auffinden derselben längere Zeit nach dem Tode der Schafe oft sehr erschwert ist. Andererseits ist zur Sicherstellung der Diagnose die Vornahme einer Section häufig eine iinerlässliche Notwendigkeit.
Symptome. Die Erscheinungen sind von denen der Bandwurmseuche nicht aus einander zu halten; sie bestehen in Anämie. Bleichsucht, perniciöser Anämie mit Poikilocytosö, gastrischen Zufällen, besonders Diarrhöe, sowie einer immer mehr zunehmenden Abmagerung, Schwäche und Kachexie.
Therapie. Die Heb and lung besieht in der Anwendung des Terpentinöls, stinkenden Tbieröls oder Chabert'schen Oels, des p i er i n sauren Kalis (Rabe) zu 0,1 -0,3 u. s. w,
|
||
|
|
||
|
C. Die Dochmiasis der Hunde (Donlimius tri(|onocc|)lialus).
Aetiologie. Von französischen und italienischen Thierärzten wird unter verschiedenen Namen, wie Dochmiasis, Uncinariosis, An-kylostomasie, pernieiöse Anämie, Nasenbluten etc. eine Wurmkrankheit der Hunde beschrieben, welche insbesondere bei Jagdhunden vorkommt, die in Koppeln leben. Die Krankheit wird verursacht durch Dochmius trigonoeephalus (üncinaria trigonoeephalus), neben welchem nieist, auch Dochmius stenocephalus vorhanden ist. Ausserdein soll zuweilen auch Trichoceplialus depressiusculus als Krankheitserreger mitwirken. Eine ähnliche parasitäre Anämie ist beim Menschen (Bergleuten. Tunnelarbeitern) beobachtet worden.
Anatomischer Befund. Der gewöhnliche Aufenthaltsort der Parasiten ist der Dünndarm und Blinddarm, In leichteren Gra-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Docluniasis dor Hunde.
|
815
|
||
|
|
|||
|
den der Krankheit findet man zahlreiche punktförmige Blutungen iiul der Sclileiniliaut; in der Mitte oder an der Seite der kleinen Coagula sielit mau einen oder mehrere kleine, fadenförmige, 1020 Millimeter lange Würmer von weisser Farbe mit einer sohwarzen LängRÜnie, Jn schwereren Fällen ist die Schleimhaut sehr stark verdickt und von grösseren Blutherden durchsetzt. Bei längerer Dauer der Krankheit, findet man die Dochmien vereinzelt auch im (irhnmdarin, während ihre Zahl im Dünndarm abnimmt. Der Cadaver zeigt im Uehrigen die Erscheinungen der Anämie und K a c h e x i e.
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. Die Krankheit entwickell sich allmählich unter den Erscheinungen einer zunehmenden Schwäche und Abmagerung. Die Thiere sind trotz relativ guten Appetits unlustig und matt, gehen in der Ernährung zurück, bekommen ein struppiges, von Schuppen durchsetztes Haarkleid und zeigen einen schleimig-eiterigen Nasenaus-lluss. Im weiteren Verlaufe treten als charakteristische Kennzeichen der Dochmiasis Nasenbluten sowie ödematöse Schwellungen der öliedmassen auf, Das Nasenbluten ist gewöhnlich intermittirend mit kürzeren oder längeren Pausen: die Menge des jedesmal entleerten Blutes beträgt his 100 und mehr Cubikcentimeter. liegen das Ende der Krankheit steilen sich Appetitlosigkeit, anhaltende Durchfalle, hochgradige Anämie, Blutungen, Geschwüre und selbst Gangrän auf der Haut, sowie grosse Körpei'schwäche ein. Die skelettartig abgemagerten Thiere sterben schliesslich unter den Erscheinungen des Comas nach einer Krankheitsdauer von einigen Monaten bis zu einem Jahre. Innerhalb einer Meute erhält sich die Krankheit gewöhnlich mehrere Jahre, indem meist, alle Hunde nach einander davon befallen werden
Zur Unterscheidung von der gewöhnlichen Anämie dienen das enzootische Auftreten der Dochmiasis. der Sectionsbefund mit dem Nachweise der Parasiten, sowie die günstigen Erfolge der Anwendung wurmwidriger Mittel. Im Gegensatze zu dem durch Pentastomen hervorgerufenen Nasenbluten verläuft die Dochmiasis mit schweren AU-geineinerscheimmgen. so namentlich mit hochgradiger Anämie. Von der Leukämie unterscheidet sich die Krankheil durch das Fohlen der Lymphdrüsenanschwellungen, sowie durch den mikroskopischen Blutbefund.
Therapie. Die Prophylaxe besteht in [solirung der kranken Thiere, unschädlicher Beseitigung der die Eier des Parasiten enthal-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
;{1 (inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;l'IVii'iiUMiseliwäir/.i'.
tendon Excremente, Reinhaltung dos Bodens der Hundeställe, Verabreichung von reinem, womöglich gekochtem Trinkwasser, Reinigung der Futternftpfe und Trockenlegung des Lagers, Die Infection erfolgt uänilieh am hüuflgsten durch Aufleeken des in Hinnen und Pfützen des Hundestalles befindlichen Wassers, welches die Eier resp. Larven der Dochraien enthält,
lgt;ie arzneiliohe Behandlung besteht in der Verabreichung eines Wurmmittels. Man hat das Extractum l^ilici.s mar is, l\a-mala. Ä.i'senih u. a, empfohlen, Mögnin gibt eine Mischung von Kamala l,n. Calomel 0,5 und Arsenik 0,01, Daneben muss ein diätetisches Kurverfahren, insbesondere ITleischfUtterung, einhergehen,
J!ei der K'at/e haben Grass) and General] eine durch Dochmius Baisami felis Iwrvorgerufene ähnliche Krankheit (Doohmiasisquot;) beschrieben, welche unter hochgradiger Diarrhöe, unstillbarem Erbrechen, Abmagerung, Schwäche, Anämie etc. verlief. Die IDrscheinungen beim Schwein und öe-Qügel siml dieselben,
Beim Schuf erzeugt zuweilen Strongylvis hypostomus ähnliche Verdauungsstörungen mit Kolikerseheinungen, Bei der Section fanden wilden Dünndarm vollgespickt mit kleinen punktförmigen Blutungen und den Darminhalt chocoladefarbig.
Eine neue Strongylusart im Labmagen des Kindes, nämlich Stron-gyius convolutus, ist von Ostertag entdeckt und besehrieben worden. Derselbe kommt bei 90 Procent aller Kinder und /.war im Labmagen derselben vor. Auf der fleckig gerötheten und geschwollenen Lahmagensohleim-haut siebt man graue, linsengrosse Flecke, welche sich bei mikroskopischer üntcrsuelnmg nls /.usanunengerollte Strongylen erweisen. Nach Ostertag erzeugen diese Würmer, wenn sie in grosser Anzahl im Labmagen vorhanden sind, kachektische Wassersucht, welche insbesondere beim Schlachten als Zellgewebswassersuohtquot; oder , wässerige Beschaffenheit des Fleischesquot; vorgefunden wird. Ehre Einwanderung scheint nach Stadelmann im October und November stattzufinden,
IV. Pfriemensohwttuze (Oxyuren).
Literatur, 1) Probstmayr, Adam's Woohensohr, 1865. S. 178. 2) Pflug, Gesterr. Revue, 1881, S, 81. 3) Priedberger, Mönch, Jahresber, 1882/8;!. S. 81, 4) Nitzsch, Zeitschr. f. d. ges. Natuvwisscnscli. 18(l(), S. 270.
Arten. Von Pfriemenschwänzen bei unseren Bausthieren sind zu nennen:
a.nbsp; nbsp;beim Pfei'd; Oxvnris cui'vnla, vivi|)ara und mastigodes;
b.nbsp; nbsp;beim Hund: Oxyuris vermicularis,
Symptome. Die Pfriemenschwänze sind für unsere Hausthiere mehr lästige als aachtheilige Parasiten. Nach dem Verlassen des Blind- und örimmdarmes bleiben sie nämlich im Mastdarm hängen
|
||
|
|
||
|
#9632; I
|
||
|
|
||
|
Kduiiorrliyncliu.s H'iK;ls-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 317
und verursachen daselbst eine Prootitis, welche sich durch beftigen Juckreiz und ßeiben, das selbst Schweifgrind (Pflug) zur Folge haben kann, kundgibt, Die Diagnose gründet sich auf den Nachraquo;
weis der an der Aussenlläclu! der Kotldiiillen oder an dem explorirendcn Anne anklebenden Würmer oder der in den grindartigen Krusten in der Omgebung des Schweifes enthaltenen Eier: zuweilen hängen auch einzelne Exemplare der Würmer aus dem After heraus.
Neuerdings hat Friedberger eine weitere, von Nitzsch nach der Fütterung von Leontodon taraxacum beim Pferde in einem einzelnen Falle beobachtete Species, Oxyuris mastigodes, bei mehreren Pferden constatirt. Diese offenbar nicht so sehr seltene Art unterscheidet sich von der gewöhnlichen Oxyuris curvula durch ihre beträchtlichere örösse und die auffallende Länge des sehr dünnen Schwanzes (Weibchen bis zu \'-gt;] 2 cm lang, davon auf den Schwanz Kl1;, cm), sowie durch die sehr klebrigen Eier. Nach Mai Hie tt soll sie nur eine Form von Oxyuris curvula darstellen.
Die Behandlung gegen Oxyuren besteht in Klysfieren von Seifenwasser, ESssig, schwachen Sublimatlösungen ('/s bis 1 00/oo), Eine innerliche Verabreichung von Wurmmitteln ist wohl nie nöthijj.
|
||
|
|
||
|
v. Uw Biesenkratzer CEehinorrhynohns grigns] des Sohwelnsi
liiteratnr. 1) Waloh, Zeitschrift von Nebel und Vix. 1841. 2) Schneider, Sitzungsber, der Oberhess. Gesellschaft für Natur- u. Eeilkunde. Gfiessen 1871. S. l. 8) Kooourek, Thierarzt. 1877. S. 256.
Naturgeschichtliches. Nach den Untersuchungen Schneiders werden die unreifen Larven des Riesenkratzers von den Schweinen mittelst der Engerlinge (Maikäferlarven), vielleicht auch der Maikäfer selbst, in deren Leibeshöhe sie eingewandert sind ähnlich wie es bei Infection des Menschen angenommen werden muss aufgenommen.
Section. Die anatomischen Veränderungen, welche die Riesenkratzer im Dünndarm der Schweine erzeugen, sind sehr bedeutende. Der mit dornigen Widerhaken besetzte Kassel bohrt sich nämlich tief in die Schleimhaut ein und verursacht schwere Entzün-dungszustände, seihst die Perforation des Darmes mit nachfolgender Peritonitis. Bei der Section fühlt sich zunächst der Dünndarm von aUSSOll per Isc h n n rart ig knollig an. und esschiinmern
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
318
|
I iiish'usliirvt'U.
|
||
|
|
|||
|
Gruppen von hanfkorngrossen, mit einem rothen Jriof umgebenen, raquo;#9632;eiblichen Eiterpunkten durch, die sich bei Eröffnung den Darmes als umschriebene Entzündungsherde mit dem Kopf des Riesenkratzers als (Jentrum und kreisförmig verdickter, hocligerötheter Schleimhaut in der Peripherie erkennen lassen oder sich zu geschwürigen, oft bis zur Serosa reichenden Substanzverlusten umgewandelt haben. Dazwischen ist die Schleimhaut schiefergrau verfärbt, verdickt und mit Schleim belegt (Kocourek).
Symptome. Die Erscheinungen bestehen in Verlust des Appetits, Verstopfung, Unruheerscheinungen. Scharren, Wühlen, Schnappen nach dem Hinterleib, zunehmender Abmagerung, Zuckungen, Convulsionen, epileptiformen Krämpfen; bei Ferkeln trat der Tod unter den letzteren Erscheinungen innerhalb .quot;! I Tagen ein. Die Krankheit tritt nicht selten als Herdenkrankheit auf.
|
|||
|
|
|||
|
Therapie. Die Behandlung besteht zunächst in prophylaktischer Hinsicht, in der Vernichtung der Maikäfer, resp. Vermeidung des Weidegangs; innerlich können die verschiedensten Wurmmittel zur Anwendung kommen. Kocourek erzielte mit der Verabreichung des Terpentinöls (kaffeelöffelweise) und der nachfolgenden Anwendung von Abführmitteln (10 g Bittersalz. 5 g Aloe) sehr gute Erfolge.
|
|||
|
|
|||
|
VI. Die Giislnislarven beim Pferdelaquo;
i/iteratur. 1) Kerating, Nachgelassene Manuskripte 1818. S. 216. 2) White, Oompend. diction, of the vet, art. 1817. 3) Num nun, Magazin f, Thier-heilkunde. 1838. 4) Hertwig, Günther, ibid. 5) Vix, Zeitsohr. von Nebol n. Vix, Bd. 1. 8. ;3.r)7. (!) Gnrlt. Lehrbuch der pathol. Anatomic I. 8. 278. 7) Tindal, The Veterin. 1848. 8) Bruokmilller, Oesterr. Vicrtcljahrssclir. lid. n u. IB. 9) Voigtlander, Magazin, f. Thierhlkde. 1860. 8. 40. 10) Schwall, Die Oslracidcn der Pferde, Binder u. Sohafe, 1858. II) Germer, Magazin, f. Thierheükde. 1861, S. 273. 12) Fellen-berg. ibid. 1852. S. 500. 18) Scbliepc. ibid. 1859. 8. 402; Archiv f, Thierheükde. 1881. S. 145. 14) Kersten, ibid. 1850. S. 268. 15) Hey, Journal de Lyon. Bd. 13. 16)Horsburgh, TheVeter. 1854. 17)Mather, ibid. 1859. 18) Pa gliero. Giomale di vet, 1857. 19)Eletti) ibid. 1860, 20) (Jam l)r on, Annal.de Brnxelles. 1800. 21) Hol off, Magazin, f. Thier-heükunde. 1808, 22) Qerlach, Gerichtl. Thierheükde. 1872, S, 663. Mil Literatur, 28) Zürn, Die Schmarotzer auf und im Körper unserer Haus-sängetlnciv, 1X82. 24) 1) a m m a n n, Gesundheitspflege der landwirthschaftl. Bausthiere. 1801. 25) Dieckerhoff, Spec. Pathol. u. Therapie, 1888, 26) Mögnin, Hüllet, de la soc, centr. vet. 1878. 27) Vernant, Beoueil,
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
(iiistnislamin.
|
319
|
||
|
|
|||
|
1884. 28) iSicdiiiiigrot/.ky, Sftohs, Jahresber. 1884. 8. Lfi. 20) Pouhen a, nous, Tidsskrift for Vetorin. Bil. 19. i!0) Lindström-Httlphersi Sohwedisohe Zeitsohr. 1888. 8. 240.
Naturgeschichtliches. Von den Larven der Magenbretuse oder Bremsenfliege (Gastrus, öastrophil us) kommen beim Pferde vier verschiedene Species vor: 1) (instrus ('((iii. die gewöhnliche Pferdebremse mit dein Sitze in der Sclilundliillfte des Magens: 2) Gastrus pecorum, die Viehbremse, im Magen und Zwölffingerdarm des Pferdes parasitirend; '#9632;'gt;) Gastrus haemorrlioidalis. die Mastdarmbremse, mit demselben Sitze wie die Viehbremse; I) Gastrus nasaiis. die Nasenbremse, meist nur im Zwölffingerdarm lebend. Die in den Sommermonaten auf der Weide schwärmenden Bremsenfliegen legen ihre Eier in der Zeit vom Juni bis September auf die Haare der Pferde. Aus diesen Eiern kriechen nach 35 Tagen kleine Maden, welche meist durch Ablecken seitens der Pferde in die Maulhöhle und in den Magen gelangen, wo sie sich mit ihrem hewalfneten Kopfende in die Schleimhaut einbohren und bis zur vollständigen Larvenentwicklung bleiben (circa ;l i Jahre), worauf sie im Frühjahr mit den Bxcre-menten abgehen, sich im Pferdemist verpuppen und nach weiteren I 7 Wochen ihre Geschlechtsreife als aeflüffeltes Insekt erlansen.
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. Entsprechend diesem Entwicklungsgange der Magen-bremse findet man die Bremsenlarven als regelmiissige und für gewöhnlich unschädliche Magenparasiten bei Weidepferden, Nur in vereinzelten Fällen und unter ganz besonderen Umständen können die Gastruslarven zu Krankheitserregern werden.
1) Bei abnorm grosser Ansammlung der Larven im Magen erzeugen dieselben in seltenen Fällen Verdauungsstörungen und Kolikerscheinungen, indem sie eine traumatische Gastritis verursachen. Ein derartiger Fall ist z. B. von Kersten beschrieben worden. Bei einem au intermittirenden Kolikanfällen und gastrischen Störungen leidenden Fohlen wurde der Magen bei der Section mit Gastruslarven (I'/l' Metzen) fast ganz gefüllt und die Schleimhaut entzündlich verändert vorgefunden.
li) Vereinzelt hat man Perforation der M agenwandung durch die Larven mit nachfolgender tödtlicher Bauchfellentzündung oder adhäsiver Peritonitis in der Umgebung des Magens beobachtet (Seh lie pel, Tindal, Qorsburgh, Bruckmiiller u. A.) Auch über grössere Abscesse zwischen den Magenhäuten sowie über tödtliche Magen-blutung wird in der Literatur berichtet iBruckmüller, llertwig).
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
;!2()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(Jiistnisliirven.
;!) Verirrungfen der Larven konimou nach vürsobiedüneQ Rioh-lungen hin vor. Am get'iihrlicli.steii [st die EiiiwiiiidcTung ins Ge-liirn, wo sic die Elrscheinungen der Q-ehirtientzündung, Dreli-beweguugen, Genickkrampf, sowie apoplektiscbe Anfälle ver-ursiiciieii (BruckmUller, M^gnin, Siedamgrotzky, Poulsen und Boas, Liiulst röm). Andigt;re \ crirmngen sind in den Kelilkopf (Dyspnoö, Erstickung), in den Mastdarm (Kolikersoheinungen), indie J51iise (Kolik, EJaraverbaltung), in die Suboutis u, s, w. Die An-heftung der Larven im Schlünde und in der Kiiehenhülile kann als patbologiscber Befund l'ür gewöhnlich nicht bezeichnet werden, weil dieselben an diesen Stellen nicht selten in ebenso ungefährlicher Weise vorkommen, wie im Magen.
Eine Behandlung der Q-astruslarven ist bei ihrer tiberwiegenden ühgefährlichkeit UberflUssig und auch insofern aussichtslos, als dieselben den wurmtreibenden Mitteln in der Kegel widerstehen. Bei Verirrung der Larven ins Gehirn u. s. w. ist ein therapeutisches Eingreifen wegen der Schwierigkeit der Diagnose und der Unzugäng-lichkeit dieser Theile ebenfalls gewöhnlieh ausgeschlossen.
VII. Diverse andere Darmsohmarotzois
liiteratur. üeber Amphistomum conioutn: 1) Blamberg, Thierarzt.
1872. S. -I. Hii-l. IST!). S. 88. 2) Sonsino, The Veterinär. 1877. üeber Spiroptera scutata: 1) Müller, Oesterr. Vierteljahrsschr, 1869.
[bid. 1877.4 Eeft, 2) Harms, Preuss, Mittheil. 1875/76. S. 181, 8) Korzil,
Oesterr. Vierteljahrsschr. 1S77. Uol)Ci' (J n a tli os t o m n hispidum: Csokor, Oesterr. Viorti'ljiihrssclirift.
1882. S. 1; 1888. S. 53. üeber Trichosoma tenuissimum: Heller, Die Schmarotzei'. 1880. üeber Q-astrodiscus polymastos: l)Soiisino, Ref. imReoueil. 1887.
2) Saroiron, ibid. 3) Couzin, Revue vdt. 188quot;). 4) Railliet, Reoueil.
1887. S. 406. üeber Spiroptera megastoma: A.rgus, The Veterinär. I8(i4. üeber Spir opte va sanguinolenta! 1) Railliet, Reoueil. 1888. S. 427.
2) Grassi, Centrolblatl f. Bakteriol. a. Parasitftnkde, Bd, 4. Nr. 20.
A. Tromatoden: Amphistomum conicum, im Pansen des {{indes, Schafes und der Ziege, Gewöhnlich unschädlich, nur in Australien unter den Herden, wie es scheint, grosse Verwüstungen anrichtend. Hetnistomum alatum, im Dünndarm des Hundes, Gastrodiseus polymastos, im Dickdarm von Pferden, Maul-thieren und Eseln, in Aegypten (Sonsino), und auf der Insel Guadeloupe (Couzin).
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Spiroptera sanguinoleuta,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 321
Distoniuin echinatum (Ente, Gans), oxycephalum, ovatmu
(llulm und Gans), lineare, clilatutuin, pel lucidmn, armatum, commutatum (Huhu). cuiKiafcum (Pfau).
Monostomuiu mutahile (Gans), atteuuatuin ((ians), verru-oosum (Huhn, Gans, Ente).
üie Trematodeu erzeugen beim Getlügei ähnliclie gastrische Störungen wie die Rundwürmer und Bandwürmer, Die Behandlung ist
ebenfalls dieselbe.
B. Splroptera-A rten, unter diesen sind zu nennen:
Spiroptera megastoma und mlkrostoma im Magen des Pferdes. Spiroptera megastoma erzeugt im Sohlundtheil des Magens höhnen- bis nussgrosse Knoten mit einer Oefiuung, und kann zu Magenentzündung, Kolik u. s. w. führen.
Spiroptera sanguinoleuta (blutiger Hollschwanz), im Magen und Schlünde des Hundes in Knotenfonn, kann ebenfalls Gastritis erzeugen. Nach Grassi bildet die Blatta orientalis (Küchenschabe, Schwabe) einen wichtigen /wischenwirth des blutigen Kollsclnvanzes. Da die Blatta in Süditalion iiäulig vorkommt, erklärt sich somit auch die Häufigkeit der Spiropteron beim Hunde daselbst. Nach llailliet kommen die Würmer zuweilen auch in den Bronchialdrüsen, in den Lungen, in den Aortenwandungen sowie in der Nähe der Nieren vor. In einem Falle waren die bronchialen Lymphdrüsen von eiterigen, Spiroptera haltigen Hohlräumen durchsetzt und stark hypertrophisch. Die Erscheinungen während des Lebens bestanden in Schlingbeschwerden, Erbrechen, Durchfall und hochgradiger Abmagerung. In einein anderen Falle zeigte ein Hund wuthähnliche Erscheinungen, welcher im Magen und Darm sowie in den Bronchialdrüsen Wunnknäuel und Entzündung des Duodenums aufwies.
Spiroptera strongylina im Magen des Schweines.
Spiroptera scutata. unter der Schlundschleimhaut des Rindes, Schafes, Schweines.
0. Gnathostoma hispidum, der handschildrige Magenwurm des Schweines. Nach Osokor kann derselbe eine Magenwurmsouche beim Schweine bedingen. C. fand die Serosa des Magengrundes stark in-liltrirt, mit dunklen, molinsamengrossen Flecken durchsetzt, die Schleimhaut bis zu 'gt; cm Dicke geschwollen und mamellonirt, und in derselben 40 Würmer, welche mit ihrem borstigen Kopfe zum Theil bis zur Serosa reichten und daselbst die oben erwähnten Flecken erzeugten.
Friedborger u. Pröhner, Pathol, ii, Therapie d. Hansthlere. I. na B. Aiifl, 21
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
322
|
Tricliosoma tonuissimmn.
|
||
|
|
|||
|
D.nbsp; Tricliosoma tenuissimum, erzeugt bei Tauben, wo er oft in gun/, unglaublichen Mengen vorkommt (in einem Falle zählte niiin IHrJO Stück), schwere Dannkatarrhe, chrouische, blutige Darmentzündung, Abmagerung, Anäniie etc.
E.nbsp; nbsp;Trichocephalus affinis beim Bind, Schaf, Ziege; Tricho-cephalus depressiusculus beim Hund; Trichocephalus orena-tus beim Schwein. Siimmtliche unschädlich.
|
|||
|
|
|||
|
1i
|
||
|
|
||
|
i
|
||
|
|
||
|
Leberkrankheiten.
|
||
|
|
||
|
Icterus. Gelbsnoht.
Literatur. 1) Hering, Repert. 1852. S. 85. 2) Weber, Recuei] de möd, v6t.
1869.nbsp;S. 881. 8) Chariot, ibid. 1831. 4)Bouley, ibid. 1872. 5) Reynal, Diet. prat. 1862. ö) Leisering, Sachs. Jahresber. 1869. 8.23. 7) Siedam-grotzky, ibid. 1871. S, (J8; 188:!. S, 17. 8) Trasbot, Archives d'Alfort,
1870.nbsp; nbsp; 9) Hartmann, OesteiT. Vierteljahrsschr. 1880. 10) Eonhftuser, Monatsschr. des Yev. baten'. Thierftrzte. 1881. S. 84. 11) Vandewalle, linli. Belg. 1885. 12) Rancilla, Recueil. 1886: 1888. 13) De .long, Holland. Zeitechrifl f. Thierheilkunde. 1880. 14) Bailly, Recueil. 1888. 15) öagny. Bull. soc. centr, v6t6r, 1879. 16) Friedberger, Mttnoh. Jahreaber. 1880/87. 8, 72. 17) Latschenberger, OesteiT. Zeitsohr. für Wissenschaft!, Veterinarkde, 1887, S, 47. 18) Müll er. Sftchs. Jahresber 1888. S. 28.
Allgemeines. Die Gelbsucht ist ebenso wenig wie die Kolik eine Krimklicit für sich, sondern nur ein Symptom verschiedener anderer Krankheiten. Deshalb hat man von jeher unterschieden:
1) einen katarrhalischen Ecterus, durch einen Katarrh der (fallengänge erzeugt;
-') einen hepatogenen Icterus, der zuweilen als Begleiterscheinung der Leberkrankheiten (parenehymatöse, interstitielle Hepatitis, Leberatrophie, Stauungs- und Amyloidleber, Pettleber, Leber-carcinom, Distomatose, Echinococcuskrankheit, Geschwulsfcbildung, Pfortaderthrombose etc.) auftritt, und zu dem streng genommen auch der katarrhalische Icterus gehört.
'5) Im Gegensätze zu diesen beiden Arten von Icterus, die nach ihrer Entstehungsweise auch Stauungsicterusquot;, raquo;Resorptions-', lie-tensions-quot;, mechanischerquot; Icterus genannt werden und sich immer auf eine Leberaffection beziehen, hat man dann noch eine dritte Form, den liämatogeii en (oder anhepatogenen) Icterus aufgestellt, hei
|
||
|
|
||
|
|
||
|
324nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Icterus.
welchem die Grelbi'iirbung auf eine Blutzersetzung' im Verlauf septischer, infeotiöser und toxischer Krankheiten (Sepsis, Brustseuche, Influenza, Milzbrand, Intoxicationen etc.) zurückgeführt wird. Die Existenz eines echten hftmatogenen Icterus wird indessen von manchen bestritten.
Von diesen drei kann nur der katarrhalische Icterus in gewisser Beziehung selbständig behandelt werden, da er dabei die Haupterscheinung darstellt, während in den beiden letzteren Fällen die Gelbsucht, etwas Nebensächliches ist und unter Umständen auch fehlen kann.
Aetiologie des katarrhalischen Icterus. Der katarrhalische
Icterus kommt weitaus am häufigsten beim Hund, dagegen beim Pferd sehr selten vor. Er entsteht durch die im Verlaufe von Duodenal- bezw. Gastro-D uod eualkatarr hen sich bildende Schwellung und Verengerung der Mündung des Gallenganges, wodurch eine Stauung der Galle in den Gallencapillaren und der Leber, sowie eine Aufnahme der angestauten Galle durch die Lymphgefässe und IJeberführung derselben ins Blut herbeigeführt wird. Die Ursachen des katarrhalischen Icterus decken sich also mit denen des Gastro-Duodenalkatarrhs und bestehen meist in Diätfehlern, Aufnahme verdorbener Nahrung, Einwirkung mechanischer, thermischer, chemischer, infectiöser Reize auf die Dünndarmschleimhaut, Blutstauung bei Herzfehlern etc., sowie in Mit-affection des Darmcanals bei fieberhaften Infectionskrankheiten.
Anatomischer Befund. Neben den katarrhalischen Veränderungen im Magen und Darm findet man die Ausmündung des Gallengangos in den Darm in Folge der Schwellung der Duodenal-schleimhaut verstopft resp. verengt. Dagegen ist die Schleimhaut des übrigen Gallcngangs nur selten katarrhalisch verändert. Man findet die Gallenwege sehr erweitert (wir sahen beispielsweise bei einem Hunde den Gallengang bis auf Fingersdicke erweitert), die Gallenblase stark gefüllt und ausgedehnt (wobei es selbst zum Hydrops Vesicae felleae kommen kann), und auch die kleinsten, sonst nur mikroskopisch sichtbaren Gallencapillaren deutlich injicirt. Dabei dickt sich die Galle oft zu einer krümeligen, bröckeligen Masse ein. Im Gallenausfühnmgsgange sitzt zuweilen ein fester Schleimpfropf. Die Leber ist vergrössert, gallig imbibirt, anämisch; die Leberzellen sind pigmentirt und bei längerer Dauer atrophisch (biliäre Cir-
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Qelbsuoht,
|
325
|
|||
|
|
||||
|
i-hose). Durch Druck auf die Blase liisst sich die Galle nur schwer entleeren.
Alle Körper Organe, mit Ausnahme der peripheren Nerven, der weissen Subabanz des Gehirns und Rückenmarkes, sowie des Oomeagewebes, sind mehr oder weiliger intensiv gelb gefärbt. Das Cadaver ist anämisch. Im Blute sind die weissen Blutkörperchen vermehrt, die rothen schwanken sehr in ihren Dimensionen (Siedam-grotzky). Constant tindet sich eine fettige Degeneration des 11 er/muskel s; die Nieren sind anämisch, das Nierenepithel in den gestreckten Harncanälchen und Schleifen ist fettig degenerirt und von gelbbraunem, körnigem Pigment durchsetzt (Siedamgrotzky). Endlich findet man in verschiedenen Organen, besonders den Schleimhäuten, Hämorrhagi e n.
|
|
|||
|
|
||||
|
Symptome. Die Erscheinungen des katarrhalischen leterns haben das Krankheitsbild des Gastro-Duodenalkatarrhs als Grundlage. Es gehen also gewöhnlich Appetitstörungen, Erbrechen, belegte Zunge, gesteigerter Durst, Diarrhöe, Fieber u. s. w. voraus. Daraufhin entwickelt sich eine anfangs geringere und später immer intensiver werdende Gelbsucht. Zunächst wird das Scleragewebe, die Conjunctiva Sclerae und Palpebrarum verschiedengradig gelb gefärbt, wobei die Farbe nicht- selten tief citronen- und orangegelb ist. Später nehmen an der Gelbfärbung die anderen sichtbaren Schleimhäute, besonders die Maulschleimhaut. die allgemeine Decke (beim Schaf und Hund), der Harn. Schweiss, die Milch u. s. w. Theil. Besonders charakteristisch ist die auf einen grösseren oder geringeren Gehalt des Harns an Gallefarbstoifen zurück-ZufUhrende, bald dunkel-, bald citronen-. bald braun- oder grüngelbe Farbe des Harns, welche sich beim Eintauchen weissen Kiltrir-papiera auch diesem mittheilt, und durch Schütteln mit Chloroform ausgezogen werden kann. Der chemische Nachweis der Gallefarbstoffe im Harn wird am gebräuchlichsten nach der Gmelin-schen Methode mit ra uohender Salpetersäur e geliefert, welch letztere am besten verdünnt langsam dem Harn zugesetzt wird, worauf ein Farbenwechsel von grün zu blau, violett und roth an der Herülirungszone beider Flüssigkeiten auftritt. Von anderen Methoden wäre noch die Fleischl'sohe zu nennen, nach welcher der Harn mit concentrirter Chilisalpeterlösung gemischt und dann mit concen-trirter Schwefelsäure versetzt wird, was ebenfalls den angegebenen Farbenwechsel zur Folye hat. Aussei- Gallefarbstoffen findel man im
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
326nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Icterus.
Ham häufig Ei weiss. wenn auch oft nur in geringer Menge, ferner Pigmentkörnch eu, Fetttröpf'ehen, diffus gefiirbte Epitholieii der Harmvege, kurze Harn cylinder mit s tarker Pigm eu tinf i I-l ration, sowie Gallensäuren. Dass beim Jiunde auch ohne üelh-färbung der Schieimhänte lediglich in Folge von Darmkatarrh Gfalle-larbstoffe im Harn auftreten, ist beim Gastro-Duodenalkutarrh des Näheren erörtert: umgekehrt findet man beim Pferde sein- häutig Icterus der Schleimhäute ohne Gallenfarbstoff im Harn.
Nach Latschen berger ist es nur selten möglioh, in friscliem Pferde-harn, auch wenn derselbe GaUeufarbstoffe enthält, denselben direct mit der Gmelin'soben Probe nachzuweisen. Es bildet sich niimlicli eine dunkelbraune Zone, welche den charakteristischen 'Farbenwechsel verdeckt. Lat-schenberger verdünnt daher den Pferdeharn stark mit Wasser, setzt eine Barytlösung zu, liissl die Mischung 1-- 24 Stunden stehen, entfernt die trübe, über dem Niederschlag befindliche Flüssigkeit und verwendet dann den Niederschlag selbst zur (inielin'schen Probe. Die Farbenreaction tritt jedoch immer nur sehr schwach auf.
Während nun die Aufnahme der üallenfarhstolfe ins Blut zur Gelbsucht führt, knüpfen sich in schweren Fällen an die Resorption der Gallensäuren Erscheinungen von viel weittragenderer Bedeutung. Zunächst bedingen sie eine Puls verl an gsamung und Herabsetzung der Körpertemperatur um mehrere Grade (auf 36, 34, selbst 82,0quot; C). Sodann verursachen sie durch Einwirkung auf die nervösen Centreu grosse Mattigkeit und Schwäche, sowie Eingenommenheit des Sensor in ms. heim Pferd oft ganz ausgesprochene Symptome des Dummkollers. Eine weitere Reihe von Störungen wird durch die Abwesenheit der Galleraquo; im Darm ausgelöst. Es tritt nämlich Verstopfung ein, weil der von der Galle auf die Peristaltik ausgeübte Heiz wegfällt, und durch den Mangel der Halle die Gesamnitflüssigkeit im Harme vermindert wird. Der Koth nimmt femer oft einen unerträglichen Geruch an. Ausser-dem wird die Farbe des Kotlies heller, und zwar beim Hunde bei Fleischnahrung grau bis thonfarbig, indem das Fett des Darminhaltes nicht wie normal von der Galle ausgezogen wird, und das Urobilin im Kothe fehlt. Eine Vergrösserung der Leber endlich ist bei unseren Hnnsthieren nur ausnahmsweise zu constatiren.
Der Verlauf des katarrhalischen Icterus ist je nach der Thier-gattung sehr verschieden; bei den Hunden nimmt die Krankheit sehr häufig wegen totaler Verstopfung des Gallen-ausführungsganges eine tödtliche Wendung. Dagegen ist die Prognose bei Pferden wesentlich günstiger. Im Allgemeinen be-
|
||
|
|
||
|
w
|
|||
|
|
|||
|
Gelbsucht.
|
827
|
||
|
|
|||
|
trügt die Dauer einige Woohen. In den schlimmer verlautenden Füllen beim Hund (Icterus gravis, Cholilmie) entwickelt sich zuweilen eine hämorrhagische Diatliese mit Blutungen in der Haut, auf den Schlciiuliilulen. und in der Netzhaut.
Therapie. Die Behandlung des katarrhalischen Icterus deckt sich mit der Behandlung des Gastro-Duodenalkatarrhs. Sie besteht in strenger Durchführung einer rationellen Diät (Fleischnahrung bei Hunden, Grünfutter, IJüben etc. bei Pferden), sowie in der Verabreichung antikatarrhalisoher Salze, worunter das künstliche Karlsbader Salz, obenan steht. Dasselbe wird Hunden am besten in Wasser gelöst gegeben, /.. B. in folgender Weise: Up. Sal. Carolin. faotitii 10,0; Aquae destill. 150,0. M. f. Solut. D.S. taglich 3 Esslöffel voll. Audi Aloe, Calomel, li ici nusöl, sowie Rhabarbertinctur werden empfohlen; Drastica sind indess zu vermeiden, weil sie die Schwellung noch erhöhen. Unigekehrt hat man durch Adstringentien eine Minderung der katarrhalischen Duodenalschwellung zu erzielen versucht und Tannin mit Rothwein angewandt, ob mit Erfolg, steht dahin.
Wirksamer als die letzteren Mittel sind gewisse mechanische Manipulationen. Hierher gehört die Entleerung der Gallenblase beim Hunde durch Druck von der Bauchwand aus, die Anwendung kalter Wasserinfusionen in den Mastdarm, sowie die von Siedam-grotzky mit Erfolg ausgeführte Faradisation der Leber quer durch die Bauchdecken hindurch. Von liancilla wird endlich die Verabreichung von Bleikugeln beim Hunde zur Beseitigung der häufig vorhandenen Invaginationen empfohlen. Gegen Schwächczustände, Som-nolenz und Coma, wie sie in den letzten Tagen der Krankheit bei tödtlichem Ausgange auftreten, müssen die exci tire n den Mittel (Gampher, Kaffee, Aether etc.) versucht werden.
Der beim Menschen sein- häufig beobachtete Icterus neonatorum (Icterus der Neugeborenen) scheint bei unseren Hausthieren auch nicht gerade selten zu sein. Hartiuiuin sah in Babolna die Füllen zuweilen schon gelbsüchtig zur Welt kommen oder nach 5t! Tagen icterisch werden, und führt diese Gelbsucht in den meisten Füllen auf eine Nabelvonenentzündniig mit Leber-erkrankung zurück. Jedenfalls vermögen auch vorübergehende \ erstopfnng (Niohtabgehen des Darmpecbs), sowie schwacher Blutdruck Icterus bei Neugeborenen zu erzeugen, Die Prognose soll nach Hartnumn ungünstig sein, da die Mehrzahl der Erkrankten innerhalb einiger Tage an erschöpfenden Diarrhöen zu Grunde gehe. 11 art mann empfiehlt therapeutisch Alkalien mit Bheum. In den Schlachthäusern ferner ist die Gelbsucht bei den Kälbern häutig zu constatimi.
|
|||
|
|
|||
|
I
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
'A2Hnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Leberhypertlmie.
Dei- besonders liei Hunden beobachtete sogenannte Icterus gravis (Choliimic) ist wohl in vielen Füllen auf einen v ollstiln diyen Yersonluss des Gallonavisi'ülirungsganges und zwar in Folge Verstopfang desselben durch einen Schleimpfropf oder ebenso häuäg in Folge von In vagi nation des Duodenums, seltener durch den Druck der vorgriisserten Milz. (De Jong) oder durch Pankreasnenbildungon (Friedberge r) zu beziehen. Es scheinen indess hier auoh Öfters Vergiftungen mit zu unterlaufen, so vor Allem Pilz-, Phosphor- und Koohsalzvergiftungen (verdorbenes Fleisch, tliii'ingslake etc.). Der Verlauf ist bei Cholämie ein ausserordentlich rasober, und es erfolgt der Tod unter rapidem Sinken der Kräfte und der Körpertemperatur. Dabei ist die Gelbsucht eine sehr hochgradige, der Harn fUrbt sich dunkelcitronengelb und auch die Haut bekommt, namentlich an der unteren Körperseite, ein gelbliches Oolorit. Später können Hämorrhastien auf den Schleimhäuten etc. hinzutreten,
|
||
|
|
||
|
Lebei'hypevH.ni.lei
Literatur. 1) Reynal, Diet de hk'iI. et de ohir. vet. 1802. 2) An acker, Thievarzl. 1877. S, 221. 8) Brun, Bull. aoc. oentr. vet. 1888.
Aetiologie. Die Ursachen der bei unseren Bausthieren nur sehr schwer zu diagnosticirenden Leberhyperämie sind sein- zahlreich. Dabei muss man die congestive Hyperämie von der Stauungs-hyperämie wohl unterscheiden. Eine c o n ge s tiv e L e b e rhyp e r ä m i e findet sich normal bei jeder Verdauung, daher auch in abnormer Weise bei sehr vielen Verdauungsstörungen, so bei Aufnahme zu grosser Nahrungsmengen und geringer Bewegung (fette Hunde), nach der Verabreichung verdorbenen, reizenden, pilzbesetzten Futters. Weiterhin kommt sie vor im Beginne von Leberentztindungen, nach Erschütterungen, zu starken Anstrengungen, bei grosser Hitze, in feuchtwartuen sumpfigen Gegenden und dunstigen Stallungen. Eine passive oder Stauungshyperämie ist bheils auf Herzfehler (Klappenfehler, besonders der Mitralis), theils auf chronische Lungenleiden (Lungenemphysem, interstitielle chronische Lungenveränderungen, Compression der Lunge durch Hydrothorax etc.) zurückzuführen. Endlich lindet man Leberhyperämien als aeeundäre Erscheinung bei den Infectionskrankheiten, z. B. beim Milzbrand, bei entzündlichen Affec-tionen des benachbarten Darmcanals, bei kachektischen Zuständen, sowie bei Invasion von Parasiten in die Leber.
Anatomischer Befund. In anatomischer Beziehung erscheint die hyperämische Lober im Anfange geschwollen und vergrössert, dunkler gefärbt, auf dem Bruche grob gekörnt, sehr blutreich und von relativ fester Consistenz; das Centrum der Leberläppohen ist
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Leberbyperämie.
|
329
|
||
|
|
|||
|
(lunkel, die Periphea'ie hell, Bei längerer Dauer der Bypertlmie entsteht die sogen, Muskatnussleberquot;, wobei die Leber durch den Wechsel dunklerer und hellerer Partien ein gesprenkeltes, muskat-nussilhnliclies Ausscheu erhält, dem eine Erweiterung der angefüllten centralen Lebervenen mit oonseoutiver Compression, Verfettung, Pig-mentirung und schliesslich Atrophie der Leberaellen zu Grunde liegt (Stauungsatrophie), Im Verlaufe chronischer Leberhyperämien kann es auch ZU lliiniorr hagi en in das Leberpareiu hym und zu eigenthtimlicher Pigraentirung desselben kommen,
Symptome. Die Erscheinungen der Leberhyperämie sind ausserordentlich unbestimmt, auch wird dieselbe als Krankheit in
den wenigsten Fällen erkannt, vielmehr gewöhnlich mit einem anderen Leiden, so besonders Magendarmkatarrh, verwechselt. Von prägnanteren Symptomen, die aber nur zu häufig fehlen, wäre eine grössere Empfindlichkeit der Lebergegend (rechte, auch linke ünterrippengegend) beim Hunde, sowie ein besonders bei Stauungsleber in Folge Compression der Gallengänge durch die erweiterten Lebervenen zuweilen vorhandener leichter Icterus zu nennen. Ob indess nur eine Leberhyperämie oder bereits eine LeberentzUndung vorliegt, ist dabei oft nicht zu unterscheiden. Bei intensiven Hyperämien kann e.s auch zu Zerreissungen und Hämorrhagien der Leber kommen.
Therapie. Die Behandlung der Leberhyperämie würde in Regelung der Diät, des Aufenthalts, der Bewegung, sowie in der Verabreichung eröffnender, milder Salze bestehen, unter denen das künstliche Karlsbader Salz den Vorzug verdient.
Die Diagnose der Leberkrankheiten bei unseren Bausthieren ist während des Lebens ausserordentlich schwierig, so dass eine solche nur m häufig erst am Seotionstisohe mögliob wird. Die Ursache hieven ist in der Unmöglichkeit der Leberpalpation bei grösseren Hausthieren, der Erschwerung der Leberpercussion durch die von der tuenschlichen wesentlich verschiedene Eörperstellang und durch die mich hinten anmittelbar anliegenden Gedärme, sowie in den meist wenig charakteristischen, auch bei anderen Krankheiten beobachteten Symptomen zu suchen.
|
|||
|
|
|||
|
Leberrnptur (Leberapoplexle).
Literatur, l) Curdt, Magazin, 1836, S, 8S4, 2) La Notte, ibid, 1841, S, 25, 8) Lindenberg, ibid, 1845, S, 466, li Vatel, Jouni, thdor, et prafc, 1828. 5) Dupuy u, Pvinoe, ibid, 1830, 6) Loblano, Journ, prat, 1880,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
380nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; IjebeiTiiptur.
7) l'atte, Reoueil, 18.r)5. 8) Mistrc, Joui'nal da Lyon. 1855. Q) Friend) The Veterinär, 1843. 10) Wright, ibid. 1840. 11) Paradise, ibid. 1852. 12) Leblano, Reoueil de mod, vet. 1855 u, i860, 18)Eroolanil Qiornale de medic, vet. Torino 1850. 14) Hering, Report, 1857. 15) Hues on, Annol, do Bruxoll. 1858. 10) Köhne, Magazin, I8öl, S. 438. 17) Schmidt, ibid, 1802. S. 8S6, 18) Sipidre u, Robert, Journ, milit, 1800. 19) Bruok-miillcr, Lehrbuch der path. Zoot. 1809. 20) Adam, Wochenschr. 1871. S, 180. 21) Zündel, Pütz'sche Zeitsohr. 1873. S. 307. 22) Julien, Journ. de mod, vet. milit, XII. S, 320. 28) Petzold, Säohs. Jahresber, 1809. S, 80. 24) Siedamgrotzky, ibid, 1872. S, 15; 1873. S. 45; 1875. S, 22. 25) Johne, ibid. 1878. S. 34. 26) Caparini, Bullet, vet. Napoli Qennajo 1880. Refer, itn Thiorarzt, 1880. 8. 51. 27) Habe, Hannover. Jahresber. 1882/8:!. 8. 89: 1883/84. S, 114. 28) Benjamin, Bullet, Belg, 1885. 29) Chassaing, Reoueil. 1885. 30) Hengst, Sachs. Jahresber. 1880. S. 70. 3.1) Wörz, Repertor, 1888. S. 13. 32) Lorge, Annal, belg. 1888. S. 14. 33) Prietsch, Säohs, Jahresber. 1888. S. 03. 34) Matins, Journ, de Lyon. 1884. 35) Storch, Oesterr. Momitssclir. 1889. S. 534. 36) Lemke. Zeiteohr, f, Vetorintlrkde, 1890. S, 479. 37) Kröning, ibid. 1891, S, 511. Vgl. auch die Literatur des Leberamyloids.
|
||
|
|
||
|
Aetiologie. Kino Leberzerreissung mit Zertrümmemiig des Lebergewebes und Verblutung in die Bauchhöhle kann zunächst die Folge einer starken mechanischen Einwirkung sein. So beobachtet man dieselbe bei heftigem Niederstürzen, Wälzen, #9632;/.. B. während der Kolik, nach Contusionen der Lebergegend, nach vorausgegangener intensive)- Arbeitsleistung resp. üeberanstrengung, nach Springen über Hindernisse etc.
Sehr häufig scheint jedoch eine solche mechanische Einwirkung an sieb für das Zustandekommen einer Leberruptur nicht zu genügen, die Leber muss vielmehr in vielen Fällen durch gewisse Veränderungen des Parenchyms und der Gei'ilsso dazu prädisponirt sein. IJie-her gehört in erster Linie die amyloide Leberdegeneration (siebe diese). Von verschiedenen Beobachtern sind in der neueren Zeit die Beziehungen der Leberzerreissung zum Leberatnyloid hervorgehoben worden, in der Weise, daslaquo; die Amyloiddegeneration eine geringere Resistenz und grössere Brüchigkeit der öefässe zur Folge hat. In ganz derselben Weise gibt die fettige Degeneration der Leber Veranlassung zu Rupturen, desgleichen hyperämische und entzündliche Leberalfcctionen. Auch eine zu reichliche Ernährung kann hei Lämmern, wohl in Folge von Leberverfettung, zu Zerreissung disponiren. Endlich kommen Leberblutungen vor nach Embolien der Leberarterie und Verstopfung der Lebervenen in Form des sogenannten liämorrbiigisclien Infarctes, ferner im Verlaufe schwerer
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Lebewuptuiquot;.
|
aai
|
||
|
|
|||
|
[nfeotionskraukheiten und Vergiftungen (/. B. Milzbrand, l^rust-seuche, Phosphorvergiftung), welohe Verfettung der Leberzellen oder eine parenchymatöse Leberentzündung im Gefolge haben, sowie im Anschlüsse an gewisse Neubildungen in der Leber, z. B. bei Tumor cavernosus, Melanonien, Krebsen.
Anatomischer Befund. Die pathologisoh-anatomischen Verhältnisse sind bei der Leberblutung ziemlich einfach. Bei oberflächlichen Blutungen findet man das Lebergewebe erweicht und zu einer mürben, schwarzrothen Masse verwandelt. Die Serosa der Leber erhebt sich zuweilen blasenförmig über dem peripheren Blutherd; bei Pferden befindet sich der Kiss in der Serosa, durch welchen sich das angesammelte Blut gegen die Hauchhöhle zu Bahn bricht, meist an der convexen Seite und am unteren Rande der Leber; seine Ränder sind von coagulirtem Blute beschlagen. Bei tiefer gelegenen Blu-lungen findet man das Leberparenchvm oft von zahlreichen Blutherden durchsetzt, welche aus einem Brei von Blut und zertrümmertem Lebergewebe bestehen. Bei hämorrhagischen lui'arclen kommt es zu keilförmigen, scharf abgegrenzten blutigen Infiltrationen, Ausserdem sind die verschiedenen oben genannten degenerativen Leberveränderungen nachzuweisen. An die Leberblutungen können sich Leber-abscesse auschlicssen.
Symptome. Die Erscheinungen der Leberruptur treten entweder plötzlich,' ohne vorausgegangene Vorboten, oder im Anschlüsse an gewisse Symptome der erwähnten prädisponirendeu Leberatfectiouen, so v.. B. Icterus, Verstopfung, Schmerz bei Palpation der Lebergegend etc., auf. Das K r;i n k h eitsbild ist genau das der inneren Verblutung: die Thiere zeigen starke Anämie der Schleimhäute, Unruhe. Schweissausbruch, kalte Extremitäten, schwachen und zuletzt unfühlbaren Puls und Herzschlag, Schwanken, Zusammenstürzen, erweiterte Pupille, Rotiren des Bnlbus, Amaurose, plötzliche Erblindung etc. Meist erfolgt der Tod bei intensiver Blutung sehr rasch, innerhalb einiger Alinuten. Kleinere Blutungen können resorbirt werden, indem der Blutherd vernarbt, sofern sie nicht zu einer lödtlichen Peritonitis führen.
In einem Falle beobachtete Benjamin bei einem Pferde nach einem llufschlage in die Lebergegend ;i Tage später l'olyurie, welche 2 Monate bis zum Tode des Thieres anhielt. Bei der Section fand man den linken Leberlappen verdickt, mürbe und von einem Abscess durchsetzt.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
332nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Porenohymatöse Hepatitis.
Therapie. Die Behandlung ist bei dem raschen Verlaufe eine
fruchtlose. Bei protriiliirleii Fällen wäre absolute liuhe, sowie die innerliche Anwendung von Adstnngentien: Seeale cornutum, Blei-zucker etc., wenigstens zu versuchen. Desgleichen kann nmn bei zunehmender Schwäche in Folge von Verblutung versuchsweise zu den
Annlepticis greifen (Campher, Aether, Spiritus u. s. \v.).
|
||
|
|
||
|
Pareuohyinatöse LeberentzUnduug.
Literatnr, l) Leiseving, Sftohs, Jahresber, ISUö. S. 33. 2) Bruokmüller, Lehrbuch der pathol. Zootomie, 1860. 8)Züiidel, Journal de f/yon. 1858. 4) Sickert, Berlin. Archiv. 1887. S. 867. üeber acute Leberatrophiei 1) Adam, Woohensohi1. 18^7. s. ;i. 2) Erdt, Preuss. Mitth. 1866/57. S. 107. 3) Franze, Slicks. Jahresber. 1802. S. 101. 4) 11 mil.old, ibid. 1888. S. 75. 5) Haubner, Landwirthsoh. Thierheil-künde. 1868. 6) Bruokmüller, 1. c.
üeber Leberabsoesse: 1) Augenheister, Magaz. 1859. 8.470. 2)Bruck-iniillcr, 1. v. ;gt;) AI (''l;ii i ii, Hull. sue. ci'iitr. vöt, 1875. 4) Carette, Etai sanitaire Brab. 1883. 5} Bartholeyens, Bullet. Belg. 1885. 0) Arndt. Berl. thiertestl. Woohenschr. 188!). S. 248. 7) (laquo;reiner, Oesterr, Vereins-monatsschr. 1890. S. 51. 8) Franok, Bad. thierärztl. Mitth. 1890. S. 70. U) Loreuzetti, Giorn, di anat. 1887. 10) Stubber, Annal. belg. 1890.
Uobcr enz (iotische Leber cnt/.ün dung beim Seh w ein; 1) Semmer, Vete-rinilrbotc. 1882. 2) Noniewicz, Centralbhitt f. Baeteriologio. 1888. Nr. 8. 3) Semmer u. Noniewicz, Oesterr. Monatsschr. 1889. S. 154; 1890. S. 410.
Aetiologie. Die parenehymatöse Leberentzündung, d. h. die Entzündung der secernirenden Leberzellen kommt bei allen Saus-thieren vor. Ihre Ursachen sind /.um Theü dieselben, Avie die bei der congestlven Leberhyperämie angeführten: Aufnahme verdorbenen Putters, mechanische Läsionen, grosse Hitze, [nf'ections-krankheiten. Die Krankheit ist bei der Schwierigkeit der Diagnosestellung und weil sie meist eine seeundäre Veränderung bei verschiedenen [nfectionskrankheiten darstellt, klinisch von untergeordneter Bedeutung.
Sectionsbefund. Die anatomischen Veränderungen bestehen in Vergrösserung der Leber, Abstumpfung der b'änder. sehr weicher, brüchiger ('onsistenz, blassgelber, lehmartiger Verfärbung, Perihepatitis, Verklebung der Leberlappen unter einander, der Leber mit dem Zwerchfell. Vergrösserung und körnigem Hervortreten der einzelnen Acini über die Bruchililche, trüber
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Eiterige Bnpatitis,
|
338
|
||
|
|
|||
|
Schwellung, körniger und fettiger Degeneration der Leberzellen mit Pigmenteinlagerung, HyperHmie des interaoinösen Bindegewebes, sowie in der Bildung zahlreicher kleiner laquo;der einzelner grösserer hämorrhagischer Herde im Leborparenchym oder unter der Serosa, welche zu Leberruptur führen können.
Symptome. Die Erscheinungen der parenchymatösen Hepatitis sind meist sehr unbestimmt. Neben Icterus und den Erscheinungen einer fieberhaften V er dauungskrankheit wurden beim Pferde Schmerzen beim Absätze der Excromento beobachtet, welche wohl durch die Compression der Leber seitens des Zwerchfells und der Bauchpresse hervorgerufen wurden, wie solche auch mittelst Palpation der Lebergegend bei kleinen Thieren nachzuweisen sind.
|
|||
|
|
|||
|
Therapie. Die Behandlung besteht in der Verabreichung anti-pblogistischer Mittel, der Mittelsalze, sowie in Regelung der Diät.
Die sogenannte acute gelbe Leberatrophie stellt eine sehr acut und pernioiös verlaufdude purenohymatöse Leberentzündung dar, Am häufigsten wird sie bei der Lupinose beobachtet, mit der sie in den meisten beschriebenen Fällen wohl auch identisch ist (siebe diese). Der von Haubner, Fraazen u. A. beschriebene sogenannte Lebertyphusquot; bei Schafen und Pferden ist ebenfalls eine meist noch Schlempefiitterang, sowie mich dem Beziehen überschwemmter Weiden auftretende acute gelbe Leberatrophie. Auch bei Septikiiinie, Phosphorvergil'tung und manchen Infections-krankheiten geht die parenchymatöse Hepatitis in acute Atrophie über. Der anatomische Befund besteht in Verkleinerung, Erweichung, sowie gelber Verfärbung des Parenohyms; die Leberzellen sind schliesslich zu einem fettigen . körnigen Detritus zerfallen. Daneben findet sich hochgradiger Icterus der Leber (acute gelbequot; Atrophie) oder an manchen Stellen auch bedeutende Hyperämie (acute rothequot; Atrophie). In den verschiedenen anderen Organen treten ferner allenthalben Hämorrhagien auf. Die Erscheinungen decken sich ganz mit der Lnpinenkrankheit (gastrische Störungen, Icterus, cerebrnle Symptome); so beobachtete Adam bei Pferden anfangs schlechte Fntteraufnahme, leichten Icterus, röthlich-brannen Harn, später Depressionserscheinungen, Schwanken, Zittern, verminderte Pulsfrequenz, zuletzt intensiven Icterus mit Duminkollersyinjitonien and Steigerung der Pulszahl, und zwar dies innerhalb 2.r)4^! Stunden.
Eiterige Hepatitis (Leherabscess). Die bei unseren Hausthieren nicht häufig vorkommenden Leberabscesse stellen ebenfalls eine form der parenchymatösen Hepatitis dar. Sie können indess verschiedene Ursachen haben: 1) Metastasen vom Darm her oder von Seite der Leberarterien, /.. B. bei Pyämie, Druse und anderen acuten lufectionskrankheiten; 2) Thrombose der Pfortaderäste oder der Nabelvene (Omphalo-phlebitis); 8) Einwanderung von Fremdkörpern (Futter, Gersten-grnnnen, Sand. Parasiten) vom Magen, Darm oder Blut ans; 4) inecha-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
334nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Chronische interstitiello Hepatitis.
nisclie Verletzungeni vom Dann fortgewanderte Entzündungen, Q-allen-
steine u. s. w. Die Leberabseesse sind bald in grosser Anzahl über das Leberparenohym zerstreut (bei Metastasenbildung), bald nur vereinzelt, selten indess contluirend; die einzelnen Eiterherde sind ineist von einer Zone dichteren dunkelbraunen Lebergewebes umgeben, Zuweilen lassen sieh ausgebildete hämorrhagisohe [nfarote von keüförrniger Gestalt mit oentraler Erweichung nachweisen. Beim Rinde findet man auch vereiterte Kchiuo-coccusblasen. Die Symptome der metastatisohen Leberaboesse bestehen im Allgemeinen in Sohüttelft'ost, unregelmässigem, anhaltendem Fieber, Icterus und Verdauungsstörungen, Vergl, auch das Kapitel über Fohlenlähme'',
Enzootische Leberentzündung bei jungen Schweinen. Semmer hai
1882 eine in der Umgebung von Dorpat vorkommende seuohenhafte Leberentzündung bei Schweinen beschrieben, als deren [nfectionserreger von No-niewiez ein bestimmter Mikrocooous nachgewiesen worden ist. Die Infection soll nach der Geburt durch den Nabel erfolgen, Die Veränderungen in der Leber bestehen in Vergrösserung derselben, höckeriger Oberfläche, Hyperämie abwechselnd mit Anämie, auf dem Durchschnitte das Bild der Mus-katnussleber, Vergrösserung, Verfettung und Pigmentirung der Leberzellen, /.elliger Infiltration in der Umgebung derselben. Die Krankheit Hess sich künstlich auf Kaninchen, Meerschweinchen und weisse Ratten (iberimpfen. Das Incubationsstadium betrug 20-71 Tage, Krankheitserscheinungen (Appetitlosigkeit, Apathie) zeigen sieh erst kurze Zeit vor dem Tode der Thiere.
|
||
|
|
||
|
Chronische Interstltlelle llcpatilis (Leberclrrhose).
(Chronische Leberverhärtung, Scliweinsbergerkvanklieit,)
Literatur. 1) Leisering, Sachs, Jahresber, 1868, S, 27. 2) Rivolta, II med, vet, ISiiG, 3) Anacker,'i'bierarzt. 1SG8. S, 107; 1869, S, HU; 1882, 8,223, 4) Zünde], Reoueil, 18(i.r). 6) Nooard, Arch, d'Alfort, 6) Harrier, Bull, sue, oentr. vet. 1884, 7) Siedamgrotzky, Sachs. Jahresber, 1877, S, 87, 8) Wolff, Berliner Archiv, 1885, 8, 299, 9) Varvelli, II medico veter. 1886, 10) Herz, Ad, Woohenschr. 1889, 8, 357, II) Schäfer, Berliner Archiv. 1889. S, 298,
Literatur der Schweinsbergerkrankheit; 1} Nicklas, Kreutzer's Arch. II. S. 400, 2) Docter-Roloff, Magazin, 1808, S. 171, B) Weinmann, Adam's Woohenschr, 1800, 8, 147. 4) Adam, Woohenschr. 1861, S. 341, 5) Stamm, ibid, 187.1 S. 200. 0) l'nl s c h e r, ibid, 1881. Nr, 50. 1891. s. 112, 7) Priedberger, Münchener Jahresbericht, 1880,81. S, 88. 8) [mminger, Wochensohr, f. Thierheilkde. 1889. S. 401 u, 440. 9) Weiskopf, ibid. 1800, S, 65, 10) Neidhart, SteUer n. A., ibid. 1891. S. 112. 11) Bestie. Deutsche Zeitsohr, f. Thiermecl, 1800. s. 200, 12) Fischer, ibid. s, 291, 13) Ganter, Bad. thierftrztl, Mitth. 1890. S. 38.
Aetiologie. Die chronische intersfcitielle Hepatitis stellt, eine schleichende Entzündung des Leberbindeofewebes mit Schrura-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Chronisehe interstitiellr llepatitiK.
|
885
|
||
|
|
|||
|
pfung und Atrophie der oigentliclion secern ireiiden Leber-/ell en dar. Dieselbe kommt, am häutigsten beim Hund, sodann beim i't'erd als sogen. Sehweinsbergerkrankheit, ausserdem beim Rind und Schwein vor. Ihre Ursachen sind noch nicht erkannt. Beim Pferd beschuldigt man sumpfige Gegenden und reizende Pflanzen, welch letztere man sich nach Art des Alkohols beim Menschen auf die Leber wirkend denkt. Heim Hund scheint die ziemlich häufige Lebereirrhose mit Klappenfehlern des Herzens (Stauungsleber) zusammenzuhängen.
Sectionsbefund. Der anatomische Befund ergibt je nach dem Stadium des Processes eine verkleinerte, geschrumpfte (atro-phische Cirrhose) oder eine vergrösserte, durch Neubildung von Bindegewebe hyperplastische Leber (hypertrophische Cirrhose). Die Consistenz ist immer eine härtere, derbere, indem die Leber durch die Bindegewebszublldung oft leder- und knorpelhart wird und unter dem Messer knirscht. Die Oberfläche ist bei längerer Dauer meist grauulirt. höckerig, zuweilen auch gelappt; die Serosa getrübt und verdickt. Die Farbe der Leber ist anfangs muskatbraun, später auffallend hellgelb und das ganze Organ blutleer. A.uf dem Durchschnitt zeigt sich ein weisses, mehr oder weniger breitstreitiges, grossmaschiges Netz von neugebildetem Bindegewebe, welches grössere oder kleinere Felder fettig entarteten und atrophischen Leberparenchyms einschliesst und die einzelnen Leberläppchen durch verschieden breite Balken trennt. Mikroskopisch besteht der Process anfangs ans einer klein/.elligeu Infiltration im periportalen Bindegewebe und nachfolgender intra- und extravasculftrer Bindegewebsentwicklung daselbst. Aussei- diesen Veränderungen in der Leber findet mau noch Stauungshyperämie und chronischen Katarrh des Magens und Darmes, Milztumor. Ascites, Anasarca, sehr blutreiche II im häute, llämorrlmgien in verschiedenen Organen und bei der Schweinsbergerkrankheit eine hochffradiffe Maffenerweiterunff,
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. Dieselben entwickeln sich ganz allmählich; meist beginnt die Krankheit unmerklich mit chronischen Verdauungsstörungen, wobei Verstopfung mit Diarrhöe abwechselt und zunehmende Abmagerung zu Tage tritt. Hiezu gesellt sich leichter Icterus, Empfindlichkeit der Leber bei Palpation, sowie bei Hunden Ascites und Anasarca. Beim Pferde kommen noch eine eigeuthüm-liche Kingenounnenheit der Psyche mit Tau nie In. Schwanken und
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
;5;{()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Sohweinsbei'Fferki'tuikheit.
sonstigen kollerartigen Zuftlllen, sowie periodische Kolikiuifiille hinzu. Die Ursachen dieser Qehirnstörungen sind dunkel; sie können entweder auf eine ElUokstauung des gallebildenden Materials im Blute (Acholie) oder auf eine Complication mit chronischer I'achymeningitis zurückgeführt werden. Der Verlauf der Krankheit ist im Anfang lieberlos, später stellt sich nieder- bis mittelhoohgradiges (39,50 C.) Fieber ein. Die Dauer betrügt einige Monate bis einige Jahre.
Therapie, Die palliative Behandlung der im üebrigen unheilbaren Krankheit besteht in der Anwendung von Alkalien und Mittelsalzen, besonders des K a rlsbader Salzes, der Aloe, sowie der Diuretico;
daneben muss eine geeignete Diät, Verabreichung von Griini'uHcr etc. einhergehen.
Eine ganz besondere Porm der chronischen interstitiellen Hepatitis stellt die in mancher lliiKsielit an die chronische Lupinose erinnernde sogenannte Schwoinsbergerkrankhoit (Leborkollorquot;, Suchtquot;) der Pferde dar. Dieselbe wurde zuerst in Schweinsberg im Ohmthal (Kurhessen), später aucli im Glon-, Maisach-, Roth- und Zusamthai (Bayern), in der badisohen Bheinebene (Offenburg, Kehl. Achern) u. a, lt;gt;. beobachtet. Hier wie dort ist sie an eine bestimmte Beschaffenheit dos Hodens and der darauf wachsenden Pflanzen gebunden, indem sie nur in versumpften, moorigen, hantigen üebersohwemmungen ausgesetzten Distrioten als locale, static-näre Enzootie auftritt and wahrscheinlich durch einen allmählich auf die Leber und später auf das Gehirn einwirkenden reizenden Stoff (nach Analogie des Alkohols. Phosphors oder Lupinotoxins) erzeugt wird. Genauer sind jedoch die Ursachen nicht bekannt, Im Q-lonthal wird allgemein Kleeftitterung als Hauptarsaohe bezeichnet; dabei sollen höher gelegene Höfe verschont bleiben und besonders Pferde des mittleren Alters (810 Jahre) ergriffen werden. Nach neueren Berichten soll die Krankheit jedoch auch höher gelegene Gehöfte und Pferde fast aller Altersklassen befallen, indem sieh eine offenkundige Ausbreitung derselben geltend macht. In Schweinsberg rafft die Krankheit innerhalb eines Jahres oft sämmtliohe Pferde eines Stalles weg. Igt;ie Erscheinungen werden Im Anfang gewöhnlich übersehen oder mit einem chronischen Magendarmkatarrh verwechselt. Die Thiere zeigen verminderten und alienirten Appetit, lecken und nagen an llol/wiiiidcn . gähnen, sind traurig, niedergeschlagen, bekommen Kolilcanlalle. Nachdem diese Symptome mehrere Wochen oder Monate gedauert haben, stellt sich Icterus ein. der indess auch ganz fehlen kann, der Puls wird frequenter und es treten eigenthümliche kollerartige Zufälle (Taumeln, Anstemmen mit dem Kopfe, Schlafsucht, Schwanken, Schieben etc.) auf. zu denen sich periodische Kolikanfälle, Verstopfung, gänzliches gistiren der Putteraufnahme, sowie mittelhochgradiges Fieber gesellen. Die Abmagerung der Thiere nimmt mit der Dauer der Erkrankung zu. Zuweilen beobachtet man wohl auch, insbesondere nach einem Wechsel der Kutterverhältnisse (Verkauf), eine vorübergehende Besserung; indess nehmen die Erscheinungen doch bald wieder zu und es erfolgt unter starkem Verfall der Kräfte und ödematöser Anschwellung der Extremitäten nach mehreren Wochen bis : i Jahren der Tod, der nur in einzelnen Fällen
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Amyloidlcbcr.
|
387
|
||
|
|
|||
|
sobon am ;gt;. oder I. Togo aiutrltt. Zuweilen führt auoh eine Magen* ruptur gan/. unei'wartel das tödtliobe Kudo herbei (Priedberger).
l?ci der Section lindet man dio sehon besohi'iebenen Leberverttnde-rangen, die in der Kauptsaohe in einer entztindlioben Hyperplasie des interstitiellen and besonders auch des intralobuldren Bindegewebes der Leber (Bonnet) taii herdförmiger fettiger Degeneration der Leberzellen bestehen, Die Leber ist zuweilen ums Doppelte vergrössert. Daneben tindet sich eino oft sein- bedeutende Magenerweiraquo; terung, sowie das Bild des ohronischen Magen- und Darmkatarrhs (schieferige Verfärbungen und Schleimhauthypertrophien),
Eine Behandlung der Krankheit ist in der Hegel aussichtslos, Nach Ganter empfiehlt sieli als Prophylacticum die Desinfection der Stallungen, Die von [mminger empfolilenen intratrnchealen [njeotionen Lugol'soher Lösungsinci von anderen Praktikern (Putscher, Königer) als unwirksam befunden werden.
Da die Thiere trotz der Erkrankung im Anfange uocli auffallend lebhaft im Hange sind und während der Arbeit wenig oder gar nicht als krank auffallen, werden dieselben von den durch schlimme Krl'almmgen über den weiteren Verlauf gut unterrichteten Eigenthümern zuweilen betrügerischer Weise noch rasch verkaul'j.
|
|||
|
|
|||
|
Amyloldleber.
Literatur. 1) Leiaering, Silchs, Jahresber, 18(15. s. 88, 2) Bruclcratiller, Lehrbuch der pathol, Zootom. 1869. 8) Werner. Preuss. Mittheil. 187,quot;). S. Kill. 4) .lohne, Sachs, .lahresber. 1878. S. 84. 5) l'iann. Uiornale dl Anat., Kisiol. 187'.): La \reterinaria. Parma 1860, 6) Bivolta, Qiornale di Auiii. 1879, 7) Caparini, Bullet, voter. Napoli 1880, 8) Rabe, Hannov. Bericht, 1883/84. S, 114, 9) Benjamin, Hüllet. Belg, 188(1.
Vorkommen. Die amyloide Degeneration der Leber ist entweder für sich allein oder in Verbindung mit Nieren-. Milz-, Darm-arayloid bis jetzt gefunden worden beim Pferd, Eund, Rind, Schaf, Kaninchen, Geflügel,
Aetiologie. Die Ursachen der amyloiden Leberdegeneration sind bei unseren Hausthieren meist in kachektischen Zuständen, chronischen Entzündungen, sowie andauernden Eiterungspro-cessen zu sue heu. Rabe fand in 50 Procent aller Fälle von Leber-amyloid bei Pferden das Vorhandensein chronischer Pleuriten, Peri-carditen, Peritoniten; ferner beobachtete er amyloide Leberdegeneration gleichzeitig mit Hydrothorax und ausgebreiteter, andauernder Muskel-abscedirung. Caparini hat im Anschlüsse an exsudative Pleuritis mit zunehmender Kachexie, sowie bei gleichzeitig bestehender Orchitis und Phlebitis heim Pferd Leberamyloid vorgefunden. Biuckmtiller con-statirte bei Rindern ebenfalls die Krankheit, wobei dieselben nebenbei Priedberger u, Pröliner, Pfttliol n, riininple d, Homthlere, i Bd. B, And. #9632;gt;)
|
|||
|
|
|||
|
,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
3^^!nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;AmyloidlebcT.
noch mit chi'onischor Nephritis behaftet waren. Endlich scheinen auch Anomalien der Füt.terung.sweise damit in Beziehung zu stehen; so sah Bruckmüller Leheramvloid bei Pferden nach Srhlämpe-fütterung bei sehr beengtem Aut'enthaltsraumc entstehen.
Aus diesen Angaben erhellt, dass die amyloide Degeneration bei Thier und Mensch bezüglich der Ursachen vollständig identisch ist. Auch beim Menschen worden als Ursachen chronische Lungentuberkulose. I hirnituberkulose, chronische Eiterungen, ulcerative Syphilis, Bronohiektasien, dysenterische Darmgeschwüre, Pyelitis, Fisteln, ulcerirende Oarcinome etc. genannt.
Anatomischer Befund. Die amyloid degenerirte Leber ist gewöhnlich vergrössert und besitzt stumpfe, gewidstete Ränder; ihre Consistenz ist beim Pferde im Gegensatz zum Menschen weich, teigig, breiartig oder bröckelig, krümmelig, auch zeigt die sonst glatte Serosa bei längerer Dauer schwartige Auflagerungen. Die Farbe der Leber ist eine mehr graubraune, der Blutgehalt gering. Die amyloiden Herde sind bald gleichmässig, bald nngleichmässig vertheilt : bei Hühnern kommen sie auch in Form disseminirter Knötchen vor (Leisering). Mikroskopisch iindet man die Wände der Lebercapillaren und besonders der intniacinösen (iefässe verdickt, von homogener, glänzender Beschaffenheit, sowie schollig zerfallend; diese amyloide Degeneration lässt sich auch chemisch nachweisen. Die beschriebeneu Stellen färben sich mit Lngol'scher Jodlösung rothbrann (maha-goniroth), sowie bei nachfolgender Behandlung mit verdünnter Schwefelsäure grau bis violettblau, ferner mit Methylviolett (violette Salontinte) anilinroth. Die eigentlichen Leberzellen nehmen an der amyloiden Degeneration nur ausnahmsweise Theil (Johne); dagegen sind sie meist atrophisch und fettig infiltrirt. Neben der Leber findet man sodann noch amyloide Entartung der Milz, der Nieren, des Darmes (Bruckmüller. RivoUn. Habe).
Symptome. Die Erscheinungen der Amyloidleber sind sehr unbestimmter Natur, im Allgemeinen kann eine Wuhrscheinlichkeits-diagnose beim Bestehen kachektischer Zustände mit gleichzeitigem Lebertumor und Albuminurie (Nierenamyloid) gestellt werden. Icterus findet sicli nur vereinzelt; häufiger dagegen der Ausgang in Leberruptur mit den Erscheinungen der inneren Verblutung.
Therapie. Dieselbe ist ganz aussichtslos und kann nur auf das Grundleiden gerichtet werden. Bei Fütterungsanomalien als Ursache
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Leberkrebs,
|
330
|
||
|
|
|||
|
will Werner durch veränderte diätetisohe Verhältnisse Heilung erzielt haben.
Leberkrebs.
Literatur, l) Bruokmllller, Lehrbuch der pathol. Zoot, 1809. 2) Bouley, Reoueil. 1844. 8) Leiseringi Sachs. Jahresber. 1865. S, 534. 4) Calvitto, Gaz. med. vet. 1870. S. 288. 5) Perronoito, Plltz'sohe Zeitsohr. 1877. S. 204. 6) Martin, München. Jahresber. 1882/83. S. 115. 7) Kitt, ibid, 1884/85, S. 76.
Anatomischer Befund. Der Leberkrebs kommt theils als meta-statisclier, theils als primärer Krebs am häufigsten bei alten, fett gewordenen Hunden, seltener beim Pferde und den übrigen Jlausthiereu vor. Die Leber ist dabei mehr oder weniger vergrössert, an der Oberfläche höckerig und von miliaron bis faustgrossen Knoten durchsetzt, welche bald isolirt, bald conlluirend, bald reihent'örmig gelagert sind und eine ineist weiche Consisteni; (Markschwamm). eine fahlgelbe Farbe, sowie oft bedeutenden Blutreiclithum besitzen und im Centrum häutig zerfallen oder verkalk! sind. Aussei- in der Leber linden sich dann gewöhnlich noch Krebsknoten in der Leberpforte, Milz, Nieren, Pankreas, Netz, Lunge etc.
Symptome. Die Erscheinungen des Leberkrebses sind sehr unbestimmt und dunkel. Eine Wahrscheinlichkeitsdiagnose ist nur beim Hund und der Katze durch die Palpation der Lebergegend, welche zuweilen eine unregelmässige, höckerige Leberoberfläche nachweist, sowie beim Vorhandensein einer ilusserlichen Car-cinombildung, z. B. der Mamma, zu stellen. Von anderen Consecutiv-erscheinungen des Leberkrebses ist beim Hunde die Entwicklung eines Ascites (theils auf eine carcinomatöse Peritonitis, theils auf eine mit dem Leberkrebs häutig zusammen vorkommende Lebercirrhose zurückzuführen), beim Pferde das Auftreten von Kolikschmerzen, ebenfalls durch Peritonitis bedingt (Roll), sowie das Hinzutreten einer Ruptur der oft von grossen Blutlierden durchsetzten Krebsknoten mit nachfolgender Verblutung in die Bauchhöhle zu nennen. Bei vorgeschrittener Krankheit kommt es zu hochgradiger Abmagerung, namentlich zum Schwund der Muskulatur, welche sich beim Hunde vor Allem an dem Kopfe bemerklich macht (.Krebsgesichtquot; nach Trasbot).
|
|||
|
|
|||
|
.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
840nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;öallensteine.
|
||
|
|
||
|
Galleusteiue.
|
||
|
|
||
|
Literatur, ^Birnbaum, Magazin. 1839. S, 301. 3)Lei8eringl Sftobs. Jahresbericht, 1870. S. 19. 8) Bruokmttller, Lehrbuch der pathol. Zoot. 18G9. 4) Jionnet, Münob. Jahresber. 1880/81. S. 105. 6) Bourgoiuj Joum. de Lyon. 1882. 8. 48. 6) Chassaing u. Cagny, Bull, soo, oentr. vet. 1886. 7) Bongartz, Berl. Arohiv. 1881). S. 384.
Aetiologie, öallensteine bedingen bei unseren Hausthieren im
Gegensätze zum Menschen (GiiUenstcinliolikquot;) selten krankhafte Erscheinungen und kommen auch an und für sich weniger häufig vor. Die Ursachen ihrer Entstellung sind theils in eindringenden Futter-partikeichen, theils in gewissen, die Gallonsecretion beeinflussenden Leberkrankheiten, theils in Katarrh der Gallengänge mit Stagnation und Eindickung der Galle, sowie endlich in Zersetzung der Galle und in der Ausfüllung ihrer gelösten Bestandtheile {('holesterin, Hilirubin-kalk) zu suchen. Die Gallensteine linden sich sowohl in der Gallenblase als in den Gallengängen, und zwar am häutigsten beim Hind und Mund. Die kleineren Gallensteine sind mohnsamen- bis erbsen-gross. von rundlicher, ei- oder walzenförmiger Gestalt, an den Flächen zuweilen abgeschliffen, Birnbaum fand solche kleinere Steine bei einem Pferde in der Anzahl von 400 Stück. Die grösseren können bis zu 10 cm lang und bis zu I cm dick werden und linden sich mit birnförmiger Gestalt in der Gallenblase, sowie mit walzenförmiger in den Gallengängen, welche oft sehr stark ausgeweitet, werden. Aussei-beim Rind und Hund hat man beim Pferd, Schwein und der Katze Gallensteine angetroffen. Eine Zcrreissung der Gallenblase in Folge Einkeilung des Steins und Verhinderung des Gallenabflusses ist beim Ochsen beobachtet worden (Cagny).
Symptome. Die durch Gallensteine hervorgerufenen Krankheitserscheinungen bestehen in plötzlich auftretenden Kolikanfällen, welche im Verein mit gleichzeitig vorhandenem Icterus. Durchfall und Verstopfung einige Tage andauern (Birnbaum). Sehr oft erzeugen jedoch Gallensteine lediglich Verdauungsstörungen. Die Zerreissung der Gallenblase fährt zu tödllicher Peritonitis.
Diagnose. Dieselbe gründet sich auf die Complication von periodisch en Kolikanfällen mit Icterus.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Lebei'eiiel8euch(
|
;Ml
|
|||
|
|
||||
|
Therapie. I)i(' Behandlung huder Siil/.es oder der 7\lkiilii Bewegu n g.
|
besteht in Anwendung des Karls-i. cereffelter DilH und nusinebiffer
|
|||
|
|
||||
|
luvasioiiski'iiiikht'iteii dor Leber. 1. lgt;io Leberogelkrankheltt Leberegelsenohei Dlstouiatoslsi
Literatur, li Die tllteste Literatur, ab 1542, siehe bei Bering, Speo. Pathol. u. Therapie. lS.r)8. S. 66. 2) Schiller, Bepert, 1844. S. 286. 3) Hering, Repert. 1852. S. 117. 1) Biohter u, A.. Preuss. Mittheil. 1868/64. S. 101. 6) Gerlaoh, ibid. S. I07i Magazin, 1864. S, 290; öerichtl. Thierheilkde. 1872. S. 487. ü) Schell, PreusB. Mittheil. 1866/66. 8. 14:',. 7) Ulrich, ibid. S. 107. 8) Etochard, Journ, de Lyon, 1854, 9) Husson, Amuil. de Bruxell. 1857. 10) Bayuaud, Journ. du Midi. 1860. II) Heller, Magaz. 1861, S. 486. 12) May, Die Krankheiten des Schafes. 1868. 13) Perron-cit ii, Anmileii der laiulwirtliscli. Akad. zu Turin. 187:!. Hei', im Tbierarzt. 1874. S. 69; 11 medico veter, 1885, 14) Pech, Thierarzt, 1878, S. 87. 15) Ercolani, Gaz, moil, veterin, Milano 1875. K!) Sommer, Deutsche medic. Wochenschr. I87ii. 17) Friedberger, Deutsche Zoitschr. für Thiermed. 1878. S. 145. 18) Adam, Adam's Wochenschr, [879, S. 169, 19) .Mayer, Repertor, 1880. S, 185. 20) Kra.zl, Oesterr. Moaatssehr. 1880. S. 12. 21)Zundel, La diastomatose ou cachexie aqueuse du monton* StrMsbourg 1880, 22) Leuckart, Ai-ch. der Naturgeschichte. 1882, II. Bd., Parasiten des Menschen. 188!). 1. Bd. I. Lieferung, 23) Chddhomme, Memoires soc. oentr, vet. 1882. 24) Thomas, Eteporl on experiments etc. 1881: The Veterinarian. 188:!. S. 180 u. 469. 25) Cadeae, Revue veter. 1885. 26) Buns, Jahresber. liber die Fortschritte der Vet.-Medicin. 1886. S. 113. 27) Wernioke, Deutsche Zeitschrift f. Thiermed. 1886. S. 304. 28) Weigel, Sachs. Jahresber. 1887. S. 108. 29) Morot, Becueil. 1886. 30) Zürn, Die Schmarotzer. 1882. S. 207. 31) Boll, Vet.-lierichl pro 1887 u. 1888. 82)Hertwig, Bericht über die Resultate der Fleischbeschau in Berlin pro 1887/88. 33) Deffke, Monatshefte für prakt. Thierheilkde. 1890. S. 323. 34) Sodero, La Clin. vet. Bd. 12. 35) Railliet, Journal d'Agricult, 1890. 36) Miohalik, Berl, thierftrztl, Wochenschr. 1891. S. 58. 37) Harms, ibid. 8. 249. 38) Huber, Deutsche Zeitschr. f. Thiermedicin, 1800. 8. 77. 89) Sohaper, ibid. 1889. S, I. Mit Literatur. 40) Oster-tag, Monatshefte für prakt. Thierheilkde. 1892. Vergl. ansserdem die Lehrbücher der Veterinftrpathologie. Ueber Distomen in Rinderlungen: 1) Qurlt, Lehrbuch der pathol. Ana* tomie, (Nachtrag) 1849. 2) Rivolta, II medico veterinario. 1808. 3i lled-ley, The Veterin. 1881. 4) Mdgnin, Annal. de med. vet. 1882. 7. lieft.
6)nbsp; nbsp; Murray, Amcric. veter. review. VI, (i) Schell, 1. c. siehe oben.
7)nbsp; nbsp;Railliet, Hüllet. Belg, 1885. 8) Schmid, Berliner Arch. 1887. S. 861. 9i Burke, The Veterinär. 1880. IOi Kriwonogow, Petersburger Archiv für Vetorinttrmedicin. 1886. 11) Morot, Recueil, 1887. 12) Cope, The Veterin, 1887. 13) Cooper Curtice, Am, Vet, Review 1887.
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
.{I 2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Laberegelseuoho.
Uobe r Distomun beim Schwcinii: 1) Her twig, Bei'iohl über die stiidtische Fleisulibesdmu in Berlin. 18cS5/80. 2) Falk, linndscliau auf dem Gebiete
der Thiermediein. 188(1. 8. 395.
üeber Distomen beim Pferde (Esel)i 1) Cadöao, Revue veter. 1885, 2) 1' alk, 1. o.
I'eber Di st omen bei 11 im den und Katzen (iJi.stumum liinceolatuui. oampauulatutn u. lelinunu: 1) Rivolta, Gioniiilo di Anatom,, Fisiol. etc, Bd. XVi. 2) van Tright, Ref, Thierarzt, 1885. S. 84. 8) De .long, Holland. Zeitschrift f, Thierheilkde, Bd. XIV. 1) Zwaardemaker, Ref. Thierarzt, 1888. 8. 7. 5) Sonsino, Reoueil, 1laquo;(J0.
Ueber Uistomen bei Büffeln: Van Vaelzeu. Tbicrlirzü. Blätter für Niederländisch Ostindien. 1891, Bd, V. Lief, 1,
Vorkommen. Die Leberegelseuche wird am häufigsten beim Schafe, seltener beim Eiinde (als Krankheit) beobachtet (ausserdem sind Schweinelebern sehr häufig distomenhaltig), Sie wird durch zwei Arten von Distomen hervorgerufen, welche bald allein, bald zusammen in den Lebergallengängen und in der Gallenblase vorkommen:
1) Distomura hepaticum, l1^4 cm lang, [-j 1 cm breit, von blattförmiger ßestalt, aussei1 beim Schaf und Rind auch noch bei der Ziege und beim Schwein, .sehr selten beim Pferd, Esel und Katze beobachtet.
'S) Distomum lanceolatum, viel kleiner, V21 cm lang, 1 bis 3 mm breit, von lanzett- oder zungenförmiger Gestalt, aussei- bei Schaf und Rind auch bei Ziege und Schwein vorkommend.
Naturgeschichtliches. Die Leberegel stellen isolirt lebende Plattwörmer aus der Gruppe der Saugwürmer, Trematoden, dar, welche zu ihrer vollständigen Entwicklung einen Generationswechsel, verbunden mit complicirter Metamorphosenbildung, durchzumachen haben. Der Entwicklungsgang von Distomum hepaticum ist folgender:
Die mit einem Deckelapparat versehenen Mi er der Leberegel gelangen mit dem Kothe aus dem Körper der Schafe nach aussei! und entwickeln sich bei genügender Feuchtigkeit und Wärme (im Winter sistirt die Entwicklung) in 4^(i Wochen zu den mit einem Wimperkleid und einem Stachel am vorderen Pole ausgerüsteten Knibryonen. Diese Flimmerliirven siedeln sich in gewissen Schnecken, kleinen schalentragenden Limnileu, und zwar in Liinnaeus trunca-tulus s. minutus an. Die geographische Verbreitung von Limnaeus truucatulus deckt sich mit dem Vorkommen von Distomum hepaticum. Limnaeus truucatulus ist eine sehr kleine.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Leberegelseuobe.
|
348
|
||
|
|
|||
|
circa 'a cm lauge, mit braunem spiraligem Gehäuse umgebene, über die ganze Welt verbreitete und sebr resistente. mehr auf dem Land als im Wasser lebende Schneekenart.
In diesem Vorwirtlie nun verwandelt sieb der Embryo im Sommer nach 1J Tagen, im Winter nacb .'54 Wochen /.u einer Sporooyste (Keimschlauch) mit Keimzellen, welche unter Längen-wachsthum in ihrem Inneren aus den Keimzellen sogenannte lie die n (Cercarienschläuohe) bildet, aus denen sicli nach Leuckart direct, nach Thomas erst durch die Vermittlung von Tochterredien auf unge-schleohtlichem Wege die eigentliche Distomenbrut, die sogen, geschwänzten Cercarien, d. b. kaulquappenähnliche, mikroskopisch kleine Thierclieu entwickeln. welche frei im Wasser leben und von denen etwa 1000 aus einem Distomenei abstammen. Diese Cercarien encystiren sich sehr bald, indem sie sich au Gräsern etc. anheften.
Die Aufnahme der Cercarien durch die Schafe erfolgt somit gewöhnlich in encystirtem Zustande mittelst des Grünfutters. Sie kann jedoch auch durch Einverleibung der bei reifenden Schnecke mittelst des Futters, oder durch Trinken cerearienhaltigen Wassers erfolgen. Es ist zuerst von Thomas nachgewiesen worden, dass die geschwänzten Cercarien den Leib' der Vorwirtlie (Redie und Schnecke) verlassen und sich nach kurzem Herum-sohwimmen anWasserpflanzen oder feuchtesWeidegras anheften, sich daselbst unter Verlust des Rnderschwanzes kugelig zusammenziehen und in eine gummiartige Masse einhüllen, wodurch eine schneeweisse, 23 mm im Durchmesser haltende Cyste entsteht, in welcher sie mehrere Wochen lebensfähig bleiben und von den Schafen sammt der Pflauze gefressen werden. Dass übrigens Schafe thatsächlich auch durch Aufnahme cercarienhaltiger Schnecken erkranken, wurde schon vonSpinola experimentell durch die Fütterung gesammelter Grasschnecken von einer verdächtigen Schafweide an einem gesunden Hammel bewiesen.
Die Entwicklungsgeschichte von Distomum lanceolatum ist bisher unbekannt.
|
|||
|
|
|||
|
Allgemeines über das Vorkommen der Leberegelkrankheit, Die Leberegelseuche ist eine schon sehr lange gekannte Krankheit, indem sie schon im alten germanischen Hechte als Gewährsfehlerquot; aufgeführt und bereits im .Jahre L370 von dem französischen Schafzüchter Jehan de Brie, sowie im Jahre 1542 von Gentilis Ar-nulphus klinisch beschrieben wird. Die im 17. Jahrhundert in Deutsch-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
:{44
|
Leberagelseucha
|
||
|
|
|||
|
land ausgebrochenen grossen Epizootien gaben Veranlassung, das Wesen der Krankheit genauer zu erforsohen. Aus dieser Zeit stammen die Schriften von Peoquel (1688), Prommaun (1676), Willius (1674), Wepfer (1688) n. A. Ans dem 18, Jahrhundert sind zu erwähnen die Arbeiten von Leen wen ho e k . Sohäffer (1761), Gröze (1782), Chabert (1789), Bilhuber (1791). Die wichtigsten helminthologischen Forschungen des 19, Jahrhunderts knüpfen sich an die Namen Mehlis, v. Siehold, van Beneden, Eschricht, Steenstrup, Küchenmeister, Pagensteoher, Zürn. Leuckart.
Die Leberegelseuche komm! in feuchten, der Entwicklung der Distomen und der sie beherbergenden Schnecken besonders günstigen JahrgBjigen (sogen. Schneckenjahren) enzootisch, ja selbst pan-zootisch vor, während sie In trockenen Jahren selten ist. Aus diesem örunde ist sie aucli im üeberschwemmungsgebiete von Flüssen, /.. B. der Narenta in Dalmatien, sowie in den norddeutschen Niederungen mit ihren leuchten Wiesen und Moorgründen stationär. Im Holsteinischen ist es an manchen Orten kaum möglich, ein Stück Vieh zu schlachten, das von Leberegeln völlig frei wäre (Leuckart). Von bekannten Leberegeljahren worden besonders die feuchten Jahrgänge 1758, 1816, 1817 und 1854 genannt, in denen sich die Krankheit über ganze Länder verbreitete. Davaine zählt für die erste Hälfte dieses Jahrhunderts 9 Distomen jähre für Frankreich, wobei im Jahre 1812 in der Umgehung von Arles allein 300,000 Schafe zu Grunde gingen. Im Jahre L878 verlor Klsass-Lothringen nach Züudel ein Drittel seines ganzen Schafbestandes im Werth von 1,150,000 Franken. Für Deutschland waren besonders die 50er Jahre, für Irland das Jahr 1862, hi welchem 60 Proeent aller Schafherden leberegelkrank waren, von grossem landwirthsehaftlichen Schaden. In England wird die Zahl der jährlich an Distomatosis ZU Grunde gehenden Schafe auf l Million geschätzt. Nach Krazl gingen im Jahre 1876 in Slavonien vom Hornvieh 40 Procent an Leberegelseuche verloren. In Brasilien gingen im Districte Tondil (Buenos-Ay res) allein in 8 Monaten 100,000 Schafe an Leberegelseuche zu Grunde. In Island fehlt dagegen nach Krabbe Distomum hepaticum ganz, während es auf den Farör-Inseln sehr häufig vorkommt, was jedenfalls mit dem Stand der Mölluskenfauna in jenen Gegenden in näherem Zusammenhange steht. Bezüglich des Vorkommens der Distomen bei den Schlachtthieren haben die statistischen Erhebungen im Berliner Schlachthofe (1888/84) ergeben, dass ;i() pro Mille aller liinder. 7 pro Mille aller Schafe. 2 pro Mille aller Kälber und 1 lji pro Mille aller Schweine Distomen enthielten.
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
1,.'Im
|
oh
|
;;ir,
|
||
|
|
||||
|
Gewi'ilnilich wird die Distoiuenbrut durch Verbringen laquo;lor llerdrn auf feuchte, sumpfige, Überschwemmte, moorige etc. Weiden (sogen, Verhlltcn'1) aufgenommen, wobei die sich in Folge der imhiil-tenden Nässe bildenden Pfützen besonders geßlhrlich sind. Das früher von Schilfern beschuldigte raquo;Egelkrautquot; (Lysimachia Nummii-hiriii) liat als solches mit der Krankheit natürlich nichts zu thun. Am ehesten und .schwersten erkranken Lämmer und Jährlinge, .sowie Thiere von schwacher Constitution Überhaupt, so z, 15. feinwollige Merinos. Auch im Stalle kann es. ohne dass irgend eine Weide bezogen wurde, durch Aufnahme von schädlichem (mit Distomenbrut inficirtem) Grünfutter oder Wasser, vielleicht auch selbst mit Trockenfutter zu einer Infection kommen. Interessant ist es ferner, zu verfolgen, wie einzelne Thiere, die zufällig, weil sie irgendwie krank waren, nicht mit auf die Weide genommen oder z. B., weil sie lahmten, vom Schäfer aufs Pferd gehoben wurden (11 ahn), von der Egelkrankheit verschont blieben.
Zuweilen ergreift die Seuche auch Hasen und Hirsche, besonders Damhirsche, welch letztere bis zum Skelett abmagern und schliesslh h zu Grunde gehen. Auch bei Büffeln kommt die Krankheit in Ostindien häufig vor.
|
||||
|
|
||||
|
Die Einwanderung und Auswanderung der Leberegel. Die Einwanderung der Leberegel erfolgt gewöhnlich in den wärmeren Monaten, also im Sommer und Herbst bis zu den ersten Frösten (Gerlach); die Sommerwärme ist nämlich für die Entwicklung der Distomenbrut am günstigsten. Doch schaden auch Nachtfröste nichts (Friedberger), und es kommt oft eine sehr späte Aufnahme, z. B, noch im December, vor. Ks ist daher nicht unwahrscheinlich, dass eine Aufnahme der Leberegelbrut ohne Unterbrechung selbst in unseren Klimaten das ganze Jahr hindurch stattfindet (Schaper). Die Aufnahme selbst kann, wie viele Erfahrungen erweisen, in selu' kurzer Zeit, so schon nach viertel- oder halbstündigem Heweiden einer schi'nl-lichen Wiesenstrecke, erfolgen. Zuweilen beobachtet man -wiederholte Invasionen bei denselben Thieren zu verschiedenen Zeiten, wie auch Invasionen mehrerer Thiere einer und derselben Herde zu verschiedenen Zeiten.
Bezüglich des Einwanderungsmodus der Bgel in die Leber sind drei Möglichkeiten vorhanden :
1) Die Distoinen gelangen auf dem Woge der Dannvenen (Pfortaderäste) in die Leber, wie dies hinsichtlich der Elcliinokokkea-
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
346
|
Leboregelseuohe,
|
||
|
|
|||
|
ombryoiien von Heller zugelassen wird. Beweise für diese Annahme fehlen iudess.
2) Die Distomen perforiren, nachdem nie durch die Verdauung ihrer umhüllenden Cyste frei geworden, den Magen und Dünndarm und gelangen durch den Peritonealüberzug der Leber ins Parenohym derselben, sowie in die Gallengänge (Gerlaeb. Spinola, May). Die zum Beweis angeführte, durch das Eindringen der Egel entstandene Perihepatitis (Peritonitis) lilsst sich indess nach Friedberger ebenso gut durch eine cenlrifugale Wanderung der Egel in der Leber, bc-sonders unter der Serosa, sowie durch eine Perforation der letzteren von innen nach ausscn erklären, indem nicht selten Distomen mit dein Kopfende aus der heiter hervorragend angetroffen werden.
:i) Die Distomen wandern vom Duodenum aus durch die Gallengänge in die Leber ein (Leuckart). Diese Annahme hat am meisten Wahrscheinlichkeit für sich.
Die Weiterwanderung der Distomen in der Leber erfolgt nach Leuckart bei Distoinum hepaticum in der Weise, dass dor Kopfzapfen als Erweiterungsapparat für die engeren öallengänge dient, während die am Vorderleihe befindlichen sehuppenfiinnigen Stacheln das Zurüokgleiten hindern, und die Vorwärtsbewegungen durch das abwechselnde Aufsetzen des Mund- und Bauchsaugnapfes bei Streckung und Verkürzung des Vorderkörpers bewirkt wird. Bei Distoinum lan-ceolatum, das der Stacheln entbehrt, soll das Vordringen durch den kleineren und schmäleren Körper erleichtert werden. Ein grosser Theil der Distomen verbleibt nun in den Gallengängen; ein anderer perforirt mit Eilfe seines Kopfzapfens die Wandungen der Gallengänge und dringt in das Leberparonchym vor, dasselbe zertrümmernd, perforirt wohl auch die Kapsel und erzeugt eine Perihepatitis, resp. Peritonitis. Ein dritter Theil gelangt in Pfortaderäste und führt hier zu Dndophlebitis, Thrombose und Embolien. Ein viertel' Theil endlich scheint in die Lebervenen und von da in entferntere Körpergegenden zu gelangen; zunächst nach Passirung des rechten Herzens in die Lunge, wo sie zur Bildung hämorrhagischer Herde, mit blutigem Inhalt gefüllter Gänge und sogar von Lungenknoten Veranlassung geben können (vergl. die Beobachtungen von Hivoila, lledby, Mdgnin, Schell u. A.). Man findet dann namentlich beim Rinde haselnuss- bis kastanien- und hühnereigrosse Cysten oder Knoten in der Lunge, welche verdickte, theilweise verkalkte Wände, und die Egel in einer bräunlichen, fadenziehenden Flüssigkeit zeigen. Morot fand bei 4 Proc, aller geschlachteten
|
|||
|
|
|||
|
1
|
|||
|
|
|||
|
Leberegelsduoht)!
|
#9632;Ml
|
||
|
|
|||
|
Rinder distomenhaltige LungengesohwUlste mit je 1- Distomen. Von den Lungeuarfcerien aus würden sie dann nach Priedbörger durcli weitere Wanderung in Luugenvenen und daduicli in das Gebiet des arteriellen Kreislaufes gelaligeu und an beliebige Stellen der Körperperipherie transporiärt werden; so fand sie Dros.se (Preuss. Mittheil. 1855/56) in der Bauchhaut einer Kuh, Morro in den Zwischenrippenmuskeln. Nach ilertwig findet man lieim Schweine vereinzelte Distomen im Zwerchfell und in den Kehl-kopfmuskeln. (Auch heim Menschen werden periphere Ahscesse mit Leberegeln angetroffen, so an der Planta pedis [öiesker], am Occiput [Harris], hinter dem Ohr [Fox], in der rechten Regio hypochondriaoa [Dionis]; die Ansicht Leuckart's indessen, dass sie von den llohl-venen aus dahin vorgedrungen seien, ist kaum wahrscheinlich.) Vielleicht hissen sich auch die von Gerlach bei egelkranken Schalen im ersten Krankheitsstadium zuweilen beobachteten apoplektischen Todes-lalle auf Embolien junger, in den arteriellen Kreislauf gelangter Distomen zurückführen.
Der Abgang der Leberegel erfolgt von dem Zeitpunkte an, in dem sie geschlechtsreif geworden sind; nach Leuckart dauert dies circa i! Wochen, ein Zeitraum, der für die gerichtliche Thierheilkunde (Gewährszeit) sehr wichtig geworden ist. Gerlach hatte den Satz aufgestellt, dass die Auswanderung erst ;1, i I Jahr nach der Einwanderung, also in den Monaten Mai bis Juli, vor sich gehe. Pech und Friedberger sahen indess sowohl schon im Herbst, als im Winter, grosse Mengen von Egeln in der Gallenblase und im Duodenum (im Dickdarm werden sie rasch verdaut und daher nie angetroffen). Die eigentliche Lebensdauer der Distomen soll nach Thomas über ein Jahr betragen.
|
|||
|
|
|||
|
Anatomischer Befund. Die wichtigsten Veränderungen bei der Egelkrankheit finden sich, wie nicht anders zu erwarten, in der Leber vor. Sie sind je nach den einzelnen Stadien verschieden. Meist beginnt der Process im linken Leberlappen (Falk), Die Leber ist zunächst mehr oder weniger ver gröss ert, von doppeltem bis dreifachem Gewichte, an den Händern abgestumpft, sowie im Grcsaminten verfärbt. Diese Verfärhung erinnert zuweilen an Porphyr, indem auf einer schmutzig graugelben bis gelbbraunen Grundfarbe inselartige, nnregelmilssig zerstreute, schwarzrothe bis dunkelrothbraune, runde oder strich form ige, oder auch sich verästelnde Flecken eingelagert sind. Die Oberfläche der Leber ist rauh, uneben, mit fadenförmigen
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
848
|
LeberoRolseuohc
|
||
|
|
|||
|
oder nie in l)riiii(is en peritonitisohen Wucherungen besetzt, welche laquo;lie Vorderflamp;che der Leber oft innig- mit der Rückseite des Zwerchfells verlöthen (Perihepatitis). Nicht selten beraerkt man steoknadelkopf- bis hirsekorngrosse Oeffnungen in der Leber-kapsei, aus dunen eine blutig-schmutzige Masse hervorquillt oder der Kopf eines Leberegels zum Vorschein kommt. Durchtrennt man hier die Leberkapsel, so lindet, man oft unter derselben eine grössere Anzahl jugendlicher Distomen, nach deren Entfernung suboapsuläre Vertiefungen und höhlenarfcige Gänge zurückhleiben. Die Lymphdrüsen am ililus der Leber sind ödematös geschwollen und vergrössert. Auf der Schnittfläche der Leber zeigen sich neben hochgradigen Veränderungen an den Galleugängen zahlreiche laounäre Räume im Leberparenchym von unregelmässiger Gestalt und Ausbuchtung, zum Theil von Balken durchzogen, mit einem blutig rothbraunen, oft graulich verfärbten, breiartigen Inhalte, der aus weissen und rothen Blutkörperchen, fettig degenerirten Leberzellen, Detritus, sowie einem meist unentwickelten Distornum besteht. Die Gallengänge sind gewöhnlich und zwar nicht selten um das Drei- bis Vierfache erweitert: beim Rinde kann der Durchmesser derselben bis zu '! cm betragen, wodurch die Leber oft blasig wird. In den erweiterten Gallengängeii lindet man neben einer röthlich gefärbten, schleimigen Galle eine grössere oder kleinere Menge von Distomen mit ihren Eiern; dabei können in einer Schafleber bis zu tausend Stück Leberegel angetroffen werden. Die Schleimhaut der Gallengänge ist in Folge des von den beschuppten Distomen ausgeübten Reizes im Zustande eines bald hämorrhagischen, bald schleiinige)i, bald eiterigen Katarrhes und verdickt sich im späteren Verlaufe durch Neubildung von Bindegewebe oft in ausserordentlicher Weise (glanduläre Hyperplasie der Schleimhaut, unter Umständen sogar Adenombildung in Form zapfenförmiger Wucherungen), wozu noch eine Incrustation von Kalksalzen (phosphorsaurer Kalk) kommt, in Folge dessen die Gallengänge zu starren, unnachgiebigen, auf der Oberfläche durchzufühlenden und in ihren Donturen häufig prominirenden Kalkröhren umgewandelt werden. Dazwischen atrophirt das eigentliche Lebergewebe mehr und mehr; die Leber wird derber, knirscht beim Durchschneiden und bekommt eine höckerige Oberfläche (Lebeiatrophie, ('irrhose). In den Pfortaderästen linden sich zuweilen Thromben, durch frei im Gefässlumen vorhandene Distomen veranhisst. Die Gallenblase enthält meist eine grosse Menge trüber, schmutziger Galle, vereinzelte Leberegel, sowie oft grosse Mengen von Distomeneiern.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||
|
Lebe
|
rcyvlMMK
|
be.
|
349
|
||
|
|
|||||
|
Ausser diesen Veriliuleningeu in der Leber ist bei höhergradig kranken Thieren ziemlich oonstant Ascites mit vereinzelten, frei in der Bauchhöhle befindlichen Leberegeln, sowie Transsudat in der Brusthöhle und im Herzbeutel zu beobachten. Dabei sind die (Jadaver sehr stark abgemagert, fettarm, oder das Fett ist in eine weiche, sui/.igc Masse umgewandelt; die Muskulatur ist blass und schlaff, das Blut dünnflüssig und wässerig, die Subcutis ödematös iniillrirt (Hydrämie und Anämie).
|
|||||
|
|
|||||
|
Symptome. Das Krankheitsbild der Leberegelseuche hat nichts Charakteristisches an sich. Im Anfange fehlen Krankheits-erscheinungen überhaupt. Hat das Leiden dann nach 1 - 2 Monaten eine gewisse Intensität erreicht, so treten die auch im Verlaufe anderer Krankheiten sich einstellenden Erscheinungen einer schweren Kachexie. hochgradiger Ernährungsstörungen, sowie von llydrämie und Hydrops auf (sogen. Fäulequot; der Schafe). Die Schafe magern rasch ab, ermüden sehr leicht, zeigen blasse, wie ausgewaschene Schleimhäute, trockene, glanzlose, leicht ausgehende Wolle, Oedeme an den Augenlidern, am Kehlkopf und Unterbauch. Beim Rind wird das Haarkleid struppig und glanzlos, die Maut trocken und fest aufliegend. Dazu gesellen sich gastrische Störungen. Die Thiere zeigen einen schlechten und alienirten Appetit, setzen mit dem Wiederkauen aus, haben abwechselnd Verstopfung und Diarrhöe, der Harn wird sauer etc. Gleichzeitig erscheinen die befallenen Schafe sehr matt, bleiben hinter der Herde zurück, lassen sich leicht greifen; die Eigenwärme zeigt verschieden hochgradige sprungweise Erhebungen. Später treten Stauungserscheinungeii; Ascites, Bronchialkatarrh u. s.w., auf, die Conjunctivalsäoke enthalten Ansammlungen schleimigen Secrets. Beim Rinde kommt es erst spät; zu hochgradigen Erscheinungen und unter gewöhnlichen Verhältnissen selten oder fast niemals zum tödt-lieben Ausgange; es ist vielmehr eine bekannte Erfahrungsthatsache, dass nach dem Schlachten von liindern eine sehr hochgradige Destruction der Leber angetroffen wird, ohne dass während des Lebens Krankheitserscheinungen vorausgegangen sind. (Wichtig für die Begutachtung forensischer Fälle!) Im Gegensatze hiezu will Weigel nicht so selten beim Rinde die Leberegelkrankheit mit tödtlichem Ausgange beobachtet haben.
Grosse diagnostische Bedeutung hat man früher einer von aussen zu palpirenden Leberschwellung, sowie einer icterischen Verfärbung der sichtlichen Schleimhäute und der allgemeinen Decke hei-
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||
|
350
|
Loberegelseuobe,
|
||
|
|
|||
|
gelegt; beide fehlen indess viel liiiiifiger, als sie vorhanden sind! Wie Q-erlach, so haben auch wir nie Icterus beobachtet; auch eine über den hinteren Rand der letzten Kippe hervortretende Lobcrschwellung, verbunden mit grösserer Eniplindlichkeit der Leber, dürfte nur im ersten Stadium zu constatiren sein; wir haben dieselbe in ausgesprochenen Graden des Leidens immer vennisst. Wichtiger schon für die Diagnose ist das Auffinden der Distomeneier im Koth (oval, mit Deckel versehen) mittelst des Mikroskopes. In weitaus den meisten Fällen ist indess eine sichere Diagnose ohne eine zu diesem Zwecke vorgenommene Section nicht möglich, wobei jedoch nicht vergessen werden darf, dass man einzelne Exemplare von Distomen bei ganz gesunden Schafen und Hindern aussemrdentlich häutig vorfindet.
|
|||
|
|
|||
|
Verlauf. Derselbe ist ein chronischer; die Fälle von apo-plektiformem Dahinsterben (Gehirnembolie?) sind sehr selten. Man kann nach öerlach den Krankheitsverlanf in vier Stadien eintbeilen: 1) das Stadium der traumatischen Leberentzündung der entzündlichen Leberschwellung, während des Lebens gewöhnlich unerkannt, meist in die Spätsommermonate fallend; 2) das Stadium der Bleichsucht, ö12 Wochen nach dein Verhüten eintretend; Hauptmonate; September bis November: :i) das Stadium der Abzehrung, V Jahr nach Aufnahme der Egelbrut beginnend. höchster Grad der Krankheit, Leberatrophie mit Bildung von Oedemen; meist vom Januar ab: I) das Stadium der Auswanderung der Leberegel, soll nach Gerlach in die Monate Mai bis Juni fallen, kann jedoch von dem Zeitpunkte der Geschlechtsreife der Egel ab. also circa 3 Wochen nach der Einwanderung, bereits beginnen.
Bei sehr zahlreicher Egelinvasion kann die Krankheit auch einen acuteren Verlauf nehmen, wie umgekehrt die Erscheinungen der Bleichsucht und Abmagerung bei kräftigen älteren Thieren noch nach Jahresfrist abbrechen und in Genesung übergehen können, die indess oft nur eine scheinbare ist; bleibende Veränderungen in der Leber in verschiedenen Graden resultiren immer. Im Allgemeinen ist die Voraussage bei ausgebildeter Distomatosis sehr ungünstig, und es sind in dieser Beziehung besonders die Winter- und Frühjabrsnionate gefährlich.
üeber einen Fall von Leberdistomatose bei einer Eselin berichtet (Jadeac. Die Lebergänge waren ampullenartig erweitert. Das Thier zeigte starke Abmagerung, hochgradige Blässe der Schleimhäute und bei der Section Ascites, Hydrothorax und Hydropericardium. Bei Büffeln ilussert
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Lsberagslssuchi
|
351
|
||
|
|
|||
|
sich die Distoinatose uaoli van Vaelzen in sobleohteni Ernährungszustand,
steifem odor lalimom Gang mit cien iliiitorl'üssoii, Diarrhöe, Tympanitis und Ltthmung. Sie tritt in Ostindien viel verheerender auf, als in Europa. Als Prophylaotioum hat sicli Kochsalz bewährt.
Behandlung. Da den Distomen in der Leber auf keine Weise Ijeizukoininen ist, so bestellt die Behandlung der Leberege] vor Allom in der Prophylaxe. Die Bauptpunkte liegen hier in der Vermeidung schädlicher Weiden und in der Vernichtung der Distomeneier, Nach der ersten liichtung sind zuverlässige! tüchtige Schäfer, sowie das Vermeiden verdächtiger Weiden die besten Gegenmittel. Die Weiden sind um so gefährlicher, je feuchter die Witterung ist. Verdächtige Weide-plätze sind, wie schon die .Schilferregel sagt, von Johann! ab überhaupt nicht mehr mit den Schalen zu befahren. Am meisten Vorsicht ist hei Lämmern und Jährlingen geboten. Auch das Einsammeln und Vernichten der als Zwischenträger erwähnten Schnecken bildet nach Leuckart eine sehr wichtige prophylaktische Massregel.
Ausserdem dürfte für einen guten Xiihrzustand der Thiere zu sorgen sein, da die Insulte bis zu einem gewissen Grade um so leichter ertragen werden, je widerstandsfähiger die Thiere sind. Zur Vernichtung der Distomeneier empfiehlt Thomas das Schlachten der erkrankten Thiere, das, wenn frühzeitig vorgenommen, überhaupt jeder Behandlung vorzuziehen ist. sowie 'das Vergraben der Leber oder die Beseitigung der Leber, wenn möglich, durch Hitze, und die Verfütterung an Hunde in o'ekochtem Zustande; die Verbrinjrunc der kranken Thiere und ihrer Abfälle auf trockene Weiden: das Drainiren feuchter Weiden; das Bestreuen derselben mit Salz oder Kalk; die Verabreichung von Salzlecken, um die Cercarien schon im Magen und Dann zu todten. Diese Salzlecken können die früher angewandten bitteren, aromatischen und adstringirenden Mittel vollständig ersetzen. Nach Trasbot ist das Verfüttern von Kichtensprossen mit Kleie zusammen vor dem Austrieb von gutem Erfolge begleitet. Ist die enzootische Verbreitung der Krankheit in keiner Weise zu verhindern, so muss eben die Schafzucht in der betreffenden Gegend aufgegeben werden. Bezüglich der Einschleppung der Krankheit durch fremde Schafe räth Leuckart, im Interesse des Käufers den Koth mikroskopisch auf die Anwesenheit von Egeleiern zu untersuchen. Nach Thomas ist indess auch die Infection guter Weiden durch Hasen und Hirsche nicht unmöglich.
Die Gewährszeit für die Leberegelseuche beträgt in Baden. Bayern, Hohenzollern, Württemberg 11 Tage (und zwar hier unter
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
;gt;.V2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; blohinokokkenkrankheit.
don Namen: Fäule, Anbrucli. Wassersucht), in Hessen 28, Sachsen 80 Tage, Oesterroich 2 Monate, Thurgau 14, Basel 15, Schaffhausen 81, Prankfurl a. M. 12 Tage.
Die Egelseuche des Flusskrebses. Distomatosis astacina. Die seit einigen Jahren in den Gewässern Oentraleuropas vorkommende sogenannte Krebspestquot; wird von Harz (Zeitschrifi für Thiermedioin, Bd, 7, S, 1) in der Hnuptsanlie auf die Einwanderung der Larve von Distomum oirri-gerum zurllckgetlUirt, Dio Erscheinungen der Krahklieil bestehen in hohem und steifem finng, Widerstimdslosigkeit, Anschwellung der Aftermündung, Verlust der Empfindung und frritabilitilt, Zuckungen, Ldhnmng; bei der Section lindet man die Larven besonders in den Muskeln encystirt, Diese Distomatosis darf nicht mit anderen Krebsseuchen (Mykosis astacina, dnroli Saprolegnien verursacht, sowie Vergiftungen) verwechselt werden.
|
||
|
|
||
|
II. Die Bolilnokokkoukrankheiti
Literatur, l) Hering, fteport, 1840, S, 243, 2) Dupu^', Journal de möd, dn Sddillot, 1825, 3J Cartwright, The Veterinär, 1849, 4) Laubröaux, Recueil de möd, vöfc, 1855, 5) Haubner, Magazin, 1855. S. 111, ö) Lei-sering, Sachs, Jahresber, 1859, S. 28, 7) Pviotsoh, ibid, 1861, 8. 110. 8) Schmidt, Magazin, J801, S, B76, 9) Taylor, The Veterinär, 1865, 10) May, Schafkrankheiten, 1868,8,78, II) Rivolta, 11 medico vet. 1868, 12) Harms, Adivm'a Wochenschr, l^H'J. S, I: Die l'lchinokokkenkrankheil des Rindelaquo;. 1870, Hannov. Jahresber, 1872,8,42; Erfahrungen über Rinderkrankheiten. 1890, 18) Erdt, Preuss, Mittheil. 1869/70. 14) Oemler, ibid. 1872/78, 15) Perronoito, till ochinococoi etc, Torino 1879) II med, vet, 1871, Hü Siedamgrotzky, Stichs, Jahresber, [SU. 8,29, 17) lim quet u. Mdgnin, Bull, de la boc, centr, de intSd, vet. 1874, Ref, im Arch, f. Thierhcilkde, 1870, 8, 52, IS) Findeisen, Rep, 1876, S. 48, 19) Bol-linger, Deutsche Zeikobr, f, Tlnennod, I87(i. S. L09, 20) A.naoker, Thier-arzt, is??. S. lös. 21) Haussinann, Repert, 1877, S. 807, 22) Mari, Lsi clinique vet. ixTn. Nr, D; 1880, 8, 147, 23) Schmidt, Ädain's VVoohen-aebrift, 1879, S, 409, 24) Adam, ibid, S, IÖ0, 25) Johne, Sftchs, Jahresbericht, It-w'.). S, 49; 1880, 8.49, 26) Mdgnin, Comptes rendus, 1881, 27) l'aliii. Bull, soc, centr, vöt, 1883, 28) Lemke, Adam's Wochenschr, 1883, Nr, Ö, 29) Zündel, Der Üesundheitszustand der Hausthiore in Glsass-Lothringen, 1883, 1885, S, 83, 80) Vachetta, Olinica vet, 1882, 81) Per-rin, Reoueil de m6A. vet. 1884, 32) Reimann, Deutsche Zeitschr, 1885, 8,80, 88) Morot, Bullet, Belg, I8S5; Reoueil, 18S6, 1887, 1889, 34) Ma-delnng, Ref, Deutsche Zeitschr. i'. Thiormedioin, 1885, 8. !I7. 35) Sahl-mann, Metelmann, Adam's Wochensclir, IS8Ö. 8, 820, 36) Grimm, Stichs, Jahresber, 1880, S, 84, 87) (Jhse, Berliner Archiv, 1886, 8, 282. 38) l'irl. ibid. 8, 288. 89) Model, Reporter. 1886. S. 4, 40) Brusaferro, dorn, dl raed, vot, IPSO, 41) Hailliet, Blnnchard, Lourdel, Recueil, 1886. 42) Hertwig, Resultate der sttldt, Fleischbeschau in Berlin, 1886/87, 43) Adam, Wochenschr, 1888, 8, 31, 44) Railliet, Reoueil. 1S87; Bull, soc. centr. vrt. iss;raquo;. 45) Zürn, Die thiorischen Parasiten, 1882, 46) GH-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Bohinokokkenkrankbdit.
|
853
|
||
|
|
|||
|
vier, 11 mecl, veter, 1887. 47) Kassie, The vet. jount. Bd. 24. 48) La-barrere, Revue VÖt, 1887. S. 619. 49) Hartwig, Bericht, über die Fleischbeschau in Berlin. 1887/88. 60) BeiBswftnger, Repertor. 1889. S. 309. 51) Ostertag, ibid. W) Bengst, Sftoha. Jabresber, 1889. 53) SchwUbol, Schönle, Deutsche Zeitschr. f. Tliienned. 1890. S, 295. 54) Leclainche, Hull. soc. centr. vet. 1889. S. 283. 55) Lienaux, Annal. belg. 1890. 66) Kugel, Wochousehr. f. 'I'hierlieilkde. 1891. 8.51. 57) Kenning, Repertor. 1891. s. 83. 58) Krabbe, Deutsche Zeiteobr. f. Thiermed. 1891. S. 157. 59) liailliet u. Morot, lieeueil. 1891. Nr. 10. 00) Friese, Berliner thiorilrztl. Wochenschr. 1891. S. 180. Literatur des Kchinoooccus multilocularis: 1) (iuillel)eau, Schweiz. Archiv f. Thierheilkuiule. 1890. 8. 169. Mit Literatur; Virchow's Archiv. 1890. 8. 108. 2) Ostertag. Deutsche Zeitsobr. f. Thiermed. 1891. S, 172. Mit Literatur.
Allgemeines. Die Eohinokokkenkrankheit wird durch die Einwanderung des Httlsenwurms, Echinococcus polymorphus (früher Echino-OOC0U8 vetorinorum), des Blasenwurms (Larvenzustandes) der Taenia Echinoooccus beim Hunde, hervorgerufen. Sie befällt am häufigsten das Rind, dann Schaf, Ziege und Schwein; am seltensten das Pferd und den Esel: ausserdem den Menschen und verschiedene frei lebende Wiederkäuer (Hirsche, Gemsen, Antilopen etc.), ferner Affen, katzenartige Thiore, das Truthuhn u. S, w. Man hat die Echinococcusblasen SO ziemlich in allen Organen vorgefunden, ihr Hauptsitz ist indess die Leber und die Lunge; weiter kommen sie vor im Herzen, in der Milz, den Nieren, der Muskelhaut des Schlundes, in Netz und Gekröse, unter den serösen Häuten, im Auge, Gehirn, in der Körpermuskulatur, ja selbst in den Knochen.
Die Echinococcuskrankheit ist ziemlich verbreitet; nach Boiling er ist sie in Süddeutschland nach der Perlsucht und Leberegelseuche die häufigste Wiederkäuerkrankheit infectiöser Natur. Ihre geographische Verbreitung geht mit der des Hundes parallel. So kommen beispielsweise in Britisch-Indien, wo besonders unter den niederen Volksklassen zahlreiche Hunde gehallen werden, bei 70 Proc. aller Hinder Echinokokken in der lieber vor. Schmidt berechnet für Preussen die jährliche Verlustsumme an Kindern in Folge von Echinokokkenkrankheit auf 150,000 Mark. Im Jahre 1887/88 wurden auf dem Berliner Schlachthofe bei 5128 Rindern, 3848 Schafen, 3()81 Schweinen und .quot;'gt; Kälbern Echinokokken constatirt.
|
|||
|
|
|||
|
Naturgeschichtliches. Die Echinokokkenblasen, der Larven-
zustand des genannten dreigliederigen Hundebandwurms, entwickeln
sich nach der Aufnahme von Tänieueiern mittelst des Futters, Trink-Frledberger ti. FrOhner, Pathol, u. Thample lt;i. Haustblere. t.Bd. 8. Aufl, 23
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
354nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Eobinokokkönkvankheit.
wassers etc. Sie kommen in vier verschiedenen Formen vor: l) Als sogen, einfacher Echinococcus, nur aus einer mit Flüssigkeit gefüllten und Brutknospen enthaltenden Kapsel bestehend; am häufigsten. 2) Als zusammengesetzter Echinococcus, bei welchem die Hauptblase wieder in sogen. Tochter- (seeundäre), ja selbst Enkelblasen (tertiäre Blasen) zerfällt, die theils der Oberfläche (exogener), theils der Innenfläche (entogener Echinococcus) der Mutterblase entsprossen: häufig. ;i) Als sogen. Echinococcus multi-locularis oder alveolaris, eine dem Gallertkrebs ähnliche, auf dem Durchschnitte lacunäre Räume zeigende Neubildung, welche durch beliebige Ausdehnung eines kapsellosen oder die Kapsel durchbrechenden Echinococcus vorwiegend im Ganalsystem der Leber entstanden zu sein scheint und später congloincrirten Tuberkelknoten oft sehr ähnlich sieht, zuweilen auch ganz steinhart wird ; selten. 4) Als Echinococcus aeephalus (Acephalocystu), d. h, als kopflose, sterile Blase; nicht selten.
Die Entwicklung des Echinococcus aus den wahrscheinlich durch die Gallenwege und das Pfortadersystem eingewanderten Embryonen ist eine ziemlich langsame: nach 4 Wochen ist die Blase 1 mm lang, nach 8 Wochen 1 V-'21 u mm, nach lil Wochen nuss-gross, nach dem quot;gt;. Monate erst beginnt die Ausbildung von Brutkapseln, in welchen die Köpfe entstehen. Die eigentliche Blasenwand ist gallertartiger Natur und zeigt einen lamellösen Bau; sie besteht aus einer äussereii und inneren chitinhaltigen Cuticula; um diese Gallertkapscl lagert sich eine derbe Bindegewebskapsel (Parenchym-schicht), welche aus körniger Substanz, spärlichen Muskelfasern und Gefässen besteht. Die erbsen- bis mannskopfgrosse Echinococcus-blase ist mit seröser, klarer, eiweissfreier Flüssigkeit gefüllt, von der die grössten bis lü Pfund enthalten. Die Skolices entstehen aus Keimkapseln (Brutknospen) in der Blasenwand, deren jede bis zu 22 Skolices in sich bergen kann, SO dass oft eine Blase bis zu 10(11) Skolices enthält.
Der Echinococcus multiloonlaris ist im Allgemeinen selten, dürfte jedoch nach den Untersuchungen von Ostertaj^ beim Rinde häufiger vor-komtnen, als bisher angenommen wurde. Ostertag fand ihn im Verlaufe etwa eines Jahres im Berliner Schfachthaus üOmal beim Rinde, dagegen beim Schweine (unter 200,000 Schlachtthieron) nur einmal und beim Schaf niemals. Vom B. m. des Menschen unterscheidet sich der des Rindes u. a. dadurch, dass er keine klinischen Erscheinungen erzeugt. Ostertag hält es für wahrscheinlicdi, dass der multiloculäre Echinococcus keine blosso Varietät dos gewöhnlichen E., sondern eine besondere Species mit einem bisher noch anbekannten Banawnrme darstellt.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Ejohinokokkenkrankheit.
|
355
|
||
|
|
|||
|
Anatomischer Befund. Die von Ecliinococcusblasen durchsetzte
Leber (in der selbst bis zu 1000 Exemplare gefunden worden sind) ist gewöhnlich mehr oder weniger vergrössert, und zwar zuweilen um das 6- bis lOfaohe, und zeigt entsprechend dem Sitze der Blasen eine höckerige, knotige Oberfläche. Das Gewicht derselben ist ebenfalls entsprechend vermehrt; die normal etwa 10 Pfund schwere Kinder-leber kann so bis zu 150 Pfund (Perronoito fand eine mit löR), die durchschnittlich 4 Pfund schwere Schweineleber bis zu .quot;)() Pfund (Perroncito fand eine mit 110 Pfund!) schwer werden. Die Serosa der Leber ist häufig verdickt und die Leber oft mit den Nachbarorganen (Zwerchfell. Netz, Gedärme) verlöthet (Perihepatitis). Die pjchinococcusblasen verdrängen das Leberparenchym, so class auf dem Durchschnitt das Organ von einer Menge buchtiger Hohlräume durchsetzt ist, zwischen welchen comprimirte atrophische insel- und streifen-förmige Heste übrig geblieben sind. Sterben die Echinococousblasen ab, so wandelt sich ihr Inhalt in eine gelbe, fettige, schmierige, breiartige Masse um, welche oft aus lauter Kalk zu bestehen scheint; auch Eiter kann sich darin bilden, seltener tritt Blut auf. Das Ganze lässt sich dann als Echinococcusblase nur durch den mikroskopischen Nachweis der darin enthaltenen Haken der Skoliccs von charakteristischer Gestalt erkennen.
In der Lunge werden die Echinococcusblasen erbsen- bis faust-gross und bedingen wie in der Leber ebenfalls eine höckerige Oberfläche, sowie Compression des Lungenparenchyms, so dass oft nur ein kleiner Theil des eigentlichen Lungengewebes übrig bleibt, während der comprimirte äusserst derb ist. lThse vergleicht die Echinokokken-lungen mit häutigen, mit Kartoffeln gefüllten Säckenquot;. Die normal etwa (i Pfund schwere Binderlunge kann so bis zu 50 Pfund schwer werden. Beim Absterben der Blasen entsteht daraus eine käsig de-generirte Zerfallsmasse, die alten Tuberkelknoten sehr ähnlich sieht.
Im Herzen findet sich meist nur eine Echinococcusblase, welche am häufigsten am unteren Ende der Scheidewand, in der Nähe der Herzspitze ihren Sitz hat und sowohl nach der Seite der Herzkammern als nach der des Pericardiums zu sich vergrössern kann.
luden Knochen veranlassen dieEchinokokkenzuweilengeschwulst-artigo Auftreibungen, so z. B. am Hinterkiefer; auch in der Markhöhle der Tibia und des Femur hat man sie schon getroffen (Perrin, Morot).
In den Muskeln, besonders beim Schwein, sind die Echinococcusblasen nicht gerade selten. Lemke zählte in 1 Pfund Schweinefleisch beispielsweise IS Echinokokken.
|
|||
|
|
|||
|
.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
350nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Eohinokokkenkiankheit.
Symptome. Die Erscheinungen der Ecliinokokkenkrankheit sind je nach den betroffenen Organen verschieden, im Allgemeinen aber nicht sehr charakterisiisch.
1)nbsp; Bei vorwiegender Localisation in der Leber bedingen zunächst einige Echinokokkenblasen keinerlei Symptome, wie dies der häufige Befund vereinzelter Echinokokken bei der Schlachtung sonst ganz gesunder Thiere beweist; es sind sogar Fälle beobachtet worden, in #9632;welchen trotz hochgradiger Lobervergrösserung das Allgemeinbefinden nicht sichtbar gestört war. Die Krankheitserscheinungen bestehen in Verdauungsstörungen, allmählicher Abmagerung, sowie jahrelangem Siechthum. Icterus ist selten. Die Leber erweist sich bei der Percussion mehr oder weniger vergrössert (normale Dämpfung: rechts im Bereich der vorletzten 23 Rippen, also von der 10. resp. ü. ab bis zum hinteren Hand der vorletzten Uippe), die Lebergegend ist bei der Palpation schmerzhaft; zuweilen ist in der rechten Plankengegend ein Tumor sichtbar, oder es lassen sich bei der Untersuchung vom Mastdarm aus höckerige, üuctuirende Erhabenheiten der Leber feststellen. Fieber fehlt gewöhnlich oder tritt nur bei Complicationen und in den letzten Stadien der Krankheit ein. Beim Platzen der oberflächlichen Blasen entleert sich ihr Inhalt in die Bauchhöhle und kann eine tödtliche Peritonitis erzeugen (selten).
2)nbsp; nbsp;Die Echinokokkeninvasion in die Lunge bedingt, wie die Tuberkulose, das Bild der Lungenschwindsucht mit allmählich zunehmender Abmagerung, Harthäutigkeit u. s. w. Die Krankheit äussert sich in z u n e h m e n d e n A t li m u n g s b e s c h w e r den, welche sich bei zahlreicher Einwanderung von Echinokokken oft auffallend rasch entwickeln können und wobei besonders die Inspiration zuweilen saccadirt, d. h. mehrmals abgesetzt ist, sowie im Auftreten eines schwachen, rauhen Hustens. Bei der Percussion erhält man entsprechend dem Sitze der Blasen einen gedämpften (nur ausnahmsweise leeren) klappenden Ton, den Ton des zerbrochenen Topfes (Olla rupta), sowie einen vermehrten Widerstand unter dem Hammer; bei der Auscultation ist an den betreffenden Stellen das normale vesiculäro Athmungsgeräusch verschwunden und man hört fremdartige Geräusche, nach Harms ein Quurksenquot; (ein Geräusch, das auch beim Drücken und Walken eines mit Echinokokken besetzten Lungenstückes entsteht und nach Harms von pathognostischer Bedeutungist), sowie brummende und gurrende Geräusche, nach Schmidt auch einen eigenthümlichen Metallklang. Bei stärkcrem Anklopfen an die Brustwand weichen die Thiere aus und stöhnen, besonders bei
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Kchinokokkenkiunkheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;357
Druck auf die Gegend der letzten 4 Rippen. Fieber fehlt meist; auch Fresslust und Milchergiebigkeit können oft lange Zeit nocb fortbestehen. Bei Perforation einer Blase im Thoraxraum kann eine töilt-liche Pleuritis entstehen.
3)nbsp; Echinococcusblasen im Herzen bedingen zuweilen, wenn sie platzen oder indem sie eine Ilerzlälimung erzeugen, apoplektiforme Todesfälle, wobei die Thiere plötzlich niederstürzen und verenden oder das Bild der Herzschwäche und Erstickung zeigen (vorgl. die Beobachtungen von Harms, Haussmann, Rivolta, Beisswänger, Engel, Schünle, Schwäbel, Ostertag).
4)nbsp; Echinococcusblasen in den Muskeln können Lahmgehen hervorrufen; so beobachtete z. B. Johne eine solche in den Psoasmuskeln beim Pferde. Ausserdem wurden sie auf der Pleura und in der Sub-cutis beim Pferde (Lienaux), in den Gehirnhäuten bei einem Fall von Dummkoller (Hengst), zwischen Pleura und Hippen beim Rind (Morot) etc. beobachtet.
Prognose. Dieselbe ist eine ungünstige, wenn eine sehr grosse Anzahl von Blasen in irgend einem Organe vorhanden ist; die Echinokokken können hier schliesslich den Tod des Trägers herbeiführen. Einzelne Echinokokken können allerdings verkäsen oder verkalken, auch findet man nicht selten eine grüssere Anzahl von Echinokokken in der Lunge oder Leber bei sonst ganz gesunden Thieren. Für das Herz ist indess auch ein einzelner Echinococcus sehr gefährlich. Lässt sich die Krankheit einmal, wenn auch nur annähernd, diagnosticiren, so ist die Schlachtung der Thiere das einzig Vortheilhafte.
Diagnose und Differentialdiagnose. 1 )ie Erkennung der Echinokokkenkrankheit ist eine keineswegs leichte. Bei der Leber kommt vor Allem der Nachweis einer vergrösserten Leberdämpfung, von Schmerzhaftigkeit der Lebergegend, Auftreibung derselben etc., sowie die etwaige Constatirung von höckerigen Unebenheiten auf der Leber-oberlläche mittelst der Hectaluntersuchung in Betracht. Verwechslungen können dabei vorkommen mit T r äc h t i g k e i t, 11 v d r o m e t r a, Pyometra, Uterusn eu bildungen , Eierstock sgesch wülsten, Bauchschwangerschaft, welclie sämintlich durch Mastdarmexplo-ration auszuschliessen sind, ferner mit Ascites, der sich durch die Percussion, sowie die veränderten Verhältnisse in der Rückenlage unterscheiden lässt, endlich mit anderweitigen, besonders krebsigen Lebertumoren, die indess viel seltener sind. Auch eine bestehende Hydronephrose könnte in Frage kommen.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
358
|
Fjohinokokkenkrankbeit.
|
||
|
|
|||
|
üei der Ecliiiiokokkeiikrauklioit tier Lunge haiulelt es sich vor Allem um die Unterscheidung von der Tuberkulose. Nach Harms sind die unterscheidenden Merkmale folgende: 1) bei der Echinokokken-krankheit fehlt der Husten sehr häufig oder ist nur schwach, während er bei der Tuberkulose nie fehlt und verhältiiissmässig kräftig ist; 2) für Echinokokken ist das Quurksen pathognostisch; :i) die Respiration ist bei der Ecliinokokkenkrankheit frequenter, erschwerter, die Athemlieschwerde rascher zunehmend und im Verhältnisse zu dem oft noch normalen Nährzus tan de auffallend stark: I) Heibungsgeräusche fehlen bei der Echino-kokkenkrankheit. wähmid sit' bei der Tuberkulose häufig (?) gehört werden; quot;}) von Wichtigkeit ist auch bei der Etdiinokokkenkrankheit die Complication mit nachweisbarer Lebcrvergrösserung. Weiter findet man bei Lungentuberkulose häufig eine Miterkrankung der Lymphdrüsen sowie eine tuberkulöse Euterentzündung. Endlich sichert in zweifelhaften Fällen eine Tuberculin-Injection die Diagnose.
Behandlung. Dieselbe ist ganz erfolglos; es könnte höchstens, wie beim Menschen, die Function der zugänglichen Echinococcusblasen versucht werden. Dagegen ist die Prophylaxe von der grössten Bedeutung. Dieselbe bestellt in der Vernichtung aller Blasen, welche bei der Gefahr für den Menschen und den grossen ökonomischen Nachtheilen gesetzlich vorzuschreiben wäre; ferner in Abtreibung der Tänien bei den Hunden und in Verringerimg der grossen Anzahl von Hunden durch hohe Steuern.
|
|||
|
|
|||
|
Die Echinokokkenkrankheit beim Menschen. Dieselbe ist nicht sosehr selten und hat speciell für den Thierarzt insofern ein Interesse, als er der Infection durch Taenia-Ediinococcus gelegentUoh der Untersuchung und Be-handlnng bandwnrmkranker Hunde besonders ausgesetzt ist. In Mitteldeutschland beträgt die Krankheit r) pro Mille aller Todesfälle; in Island sollen sogar 5- -10 quot;In der Bevölkerung daran zu Grunde gehen. Die Krank-heitsersoheinungeri entwickeln sich allmählich; sie bestehen in der Bildun;,' eines Buotuirenden, weichen, palpablen, hügeligen Lebertumors mit Druok-und Spannungsgefühl auf der rechten Seite, Dyspnoö und Bronohialkatarrh in Folge Druckes der Leber auf das Zwerchfell, Leberatrophie, Icterus, zuweilen Abscedirung nach innen oder ausson. Beim Sitz in den Lungen können die Blasen, wenn auch selten, ausgehustet und die Krankheit auf diese Weise erkannt werden. Hei Affection der Nieren findet man Nieren-tunior, Schmerz in der Nierengegend und einzelne Haken im Harn: im (feliirn rufen die Echinokokkenblason Herdsympfome hervor. Der Tod erfolfft durchschnittlich nach circa D Jahren.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
(ircgiiniio.se der Leber.
|
359
|
||
|
|
|||
|
in. imp (frograrlnose der Leberlaquo;
Literatur. IjJlnke, On carcinomo of the hepatio duets etc. London IS'M. 2) Kölliker, Müller's Arch. r. Anut. u. Physiol. 1848. S. :i9. 3) Nasse, ibid. S, 209. 4) Vulpiim, (in/., medee. de Paris, 1859. S, 161, 6) Klebs, Vircb. Artli. 1859. G) Leisering, Siiehs. Jnhresber. 1882. S. 18. 7| Colin, Reoueil de möd, vet. 1802. S, 892, 8) Stieda, Viroh, Äroh. 1885. S. 183. 0) Waidenburg, ibid. 1807. S. laquo;r.. 10) Lang, ibid, 1868. 44. Bd. S. 202. llj Boloff, ibid. 8. .M2. 12) Virehow, ibid. 8.548. 13) Kimer, Ucbcr die ei-oder kugelförmigen Psorospennien der Wirbelthiere, Würzburg 1870. 14) Leuckart, Die Parasiten des Menseben. 2. Aufl. S. 241-287. 15) I! i-volta, II medico voter. 1809. T. IV. Nr. 2; Dei pnrasiti vegctali. Torino 1873. 10) Schmidt, Deutsche Zeitschr. f. Thiermed. 1878, S. 60, 17) Per-ronoito, Pütz'scbe Zeitschr. 1877. S. 505. 18) fröger, Sachs. Jabresber. 1877. S. 113. 19) Zürn, Vorträge f. Thienir/.te. 1878. 2. lieft; Die pflanz-liclien Parasiten, 1881). S, 801. 20) Johne, Sftchs. Jahresber, 1881. S. 00; l.ehrbiicb der piitbologiscben Anatomie von Hi reb - Hirsch fei dt. 1889. I. Bd. S. 282. 21) Baranski, Oesterr. Vierteljaiirsschr. 1879. 22) Rieok, Deutsohe Zeitschr, f. Thiermed. 1888. S. 52. Mit Literatur, 28) Vioati u, Biohaud, Arch, de physiol, 1880. 24) Balbiani, Lemons sur 1 es Sporo-zoaires, Paris 1884. 25) Oolucoi, II med, vet. 1887. 20) Tjiicet, Reeuoil. 1887.
Vorkommen. Gregarinen in der Leber, besonders in den Gallen-gängen, sowie im Darmcanale kommen besonders zuweilen enzootisch beim Kaninchen vor. ausserdera sind sie in den genannten Organen gefunden worden heim Hund, Kalb, Schwein und Schaf, sowie bei den Vögeln, Amphibien und Fischen. Ihr Vorkommen auf den Schleimhäuten des Kopfes beim Geflügel wird hei der diphtheritischen Schleim-hautentzündung der Maulhöhle genauer besprochen Ivergl. Infections-krankheiten, 11. Band).
Naturgeschichtliches. Die sogen, ei- oder kugelförmigen Psorospennien in der Kaninchenleber wurden zuerst von Hake im Jahre 1889 entdeckt und von Waidenburg im Jahre 18(17 als Gregarinen erkannt, d. h. als einzellige, zur Gruppe der Protoplasten gehörende und in Herden schmarotzende (daher der Name) Urthiere, welche in der Hauptsache nur aus Protoplasma (Sarkode) und einem Kern bestehen und sich später einkapseln. Nach Leuckart ist der Name Psorospermienquot; für diese zu den Sporozoen gehörenden Organismen insoferne nicht passend, als man bisher darunter das ganze gregarinenartige Mutter-thier verstand, in dessen Innerem erst später die eigentlichen Psorospermien. d.h. Sporen, zur Entwicklung kommen: Leuckart nennt
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
360
|
Grsgax'inose dor lioblaquo;;
|
||
|
|
|||
|
daher die in Rede stehende SporozoBngattung Coccidiumquot; mit der Hiiuptspecies Coccidium oviforiue in der Leber, neben welcher er noch eine zweite Species: Coccidium pertbriins iinninimt, welche den Darm bewohnt.
Diese Coccidien bilden nach Lenckart in der Jugend hüllenlose Bewohner von Epithelzellen (Gallengänge, Darm) und umgeben sich später, nach Abschluss ihres Wachsthuius, mit einer lösten Schale. In diesem Zustande gelangen sie aus dem Inneren ihres Wirthes nach aussen, wo sie besonders an dunklen, feuchten Orten (Stallungen etc.) sich in der Weise weiter entwickeln, dass ihr kugelförmiger Inhalt in vier ovale Sporen zerfällt, die je ein einziges C-formig gekrümmtes hyalines Stäbchen ausscheiden (die eigentlichen Psorospermienquot;). welches mit dem seiner Ooncavitilt dicht anliegenden Körnerhaufen den ganzen Innenraum ausfüllt. Aus dieser stäbchenförmigen Embryonalform bilden sich im Magen des neuen VVirths nackte amöboide Zellen von der Grosse weisser Blutkörperchen (nackte Gregarinen), welche theils in das Darniepithel (Coccidium perforans), theils auf dem Wege der Gallengänge in das Epithel der letzteren einwandern (Coccidium oviforme). In diesen Zellen umgeben sie sich mit einer Cuti-cula und wachsen bis zum Doppelten der früheren Grosse heran, wobei sie eine eiförmige Gestalt und an dein verjüngten Ende eine mikropyle-artige Oeffnung zeigen und dadurch gewissen Entozoeneiern zum Verwechseln ähnlich werden.
|
|||
|
|
|||
|
Anatomischer Befund. Die Leber erscheint bei der Gregarinose der Kaninchen vergrössert und zuweilen auf der Oberfläche höckerig. Ihr Parenchym ist von hirse-, bohnen- bis haselnussgrossen, weiss-gelben Knoten, resp. Cysten durchsetzt, welche oft so zahlreich neben einander liegen, dass das zwischenliegende Lebergewebe vollständig untergegangen ist. Diese, Tuberkeln oder sonstigen Neubildungen oft sehr ähnliche Knoten enthalten im Inneren eine dickflüssige, gelbe, rahmartige oder krümelige, käseartige Masse, welche mikroskopisch aus eingekapselten runden oder eiförmigen Coccidien, fettig entarteten Epithelzellcn, freien Kernen, Eetttröpfchen etc. besteht, und sind gegen das Leberparenchym durch eine dicke Binde-gewebskapsel mit zahlreichen Kernen und Fasern von concentrischer Anordnung abgegrenzt. Die Knoten entwickeln sich aus mehreren neben einander hinziehenden Gallengängen, sind also im Grunde nichts Anderes als erweiterte und mit einander confluirende Gallengänge (Leuckart).
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
liregnrinoHc der Lobur.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 361
Im Darmcanale findet man die Gregarinen (Ooooid. perforans) Ijeim Kaninchen, Hund, Schaf, Schwein, Katze, Huhn etc. in den Epithelzellen eingelagert, Sie kommen hier bald vereinzelt, bald gruppenweise vor und bilden dann kleine, erhabene, weissliche Flecke auf der Darmschleimhaut. Endlich können sie auch grössere Strecken der Schleimhaut in Form einer Pseudomembran Überziehen. Am zahlreichsten finden sie sich in den Dannzotten. die sich als weisse Pünktchen abheben, sowie in den Lieberkülm'scheu Drüsen, deren Umgebung zuweilen entzündliche Infiltration mit Geschwürsbildimg zeigt. Die Anwesenheit der (Joccidieu führt ausserdem zu Zerstörung des Epithels, Entzündmiy; der Submuoosa u, s, w.
|
||
|
|
||
|
Symptome. Die Erscheinungen der Gregariuose bei Kaninchen, bei welchen in Folge der Krankheit häufig ganze Kaninchenzuchten aussterben, bestehen in vermindertem Appetit, Gelbfärbung der Schleimhäute, Nasenausfluss, Schwäche, Abmagerung, erschöpfenden Durchfällen, Tympanitis, Taumeln, Schwanken u. s. w. Der Tod erfolgt unter Convulsionen. Sehr häufig treten jedoch trotz der Anwesenheit grösserer Coccidiemnengen keine sichtbaren Symptome auf; indess scheinen die Stoffwechselverbältuisse dennoch bedeutend alterirt zu sein, da man nach Cohnheim Kaninchen mit Lebergregarinose durch den Zuckerstich nicht mehr diabetisch machen kann.
Bei Absatzkalbern können durch Darmcoccidien ruhrartige Processe mitKaohexie und Erschöpfung herbeigeführt werden (Pröger), Bei Hunden will llivolta wuthähnliche Erscheinungen in Folge zahlreicher Einwanderung von Coccidien in die Darmschleimhaut beobachtet haben (?).
Differentialdiagnose. Verwechslungen der Lebercoccidien kamen früher ausserordenÜich häufig vor; Hake, der erste Entdecker derselben, hielt sie für Eiterkörperchen; Lang für Neubildungen u. s. w. Am häufigsten werden die eingekapselten Coccidien mit Eiern von l'entastomen, Bandwürmern und Neaiatoden verwechselt. Bezüglich der in der Literatur sehr häutig mit den Coccidien zusammengeworfenen sogen. Miescher'schen Schläuche muss auf das Kapitel der Muskelkrankheiten verwiesen werden, wohin auch die von Dam mann, von Niedor-häusern u. A. beobachteten Fälle von Kehlkopfsgregarinose bei Ziegen gehören.
Therapie. Bei der Behandlung der Leber- resp. Darmgregarinose kann nur die Prophylaxe in Sprache kommen. Dieselbe besteht in
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
862
|
Q-regarinose der Leber,
|
||
|
|
|||
|
Separii'ung der erkrankten Thiere und Desinfioirung der Stallungen. Von innerlichen Mitteln könnte höohstens irgend ein Queck-silberprilpnrat, vielleicht Calomel, fil.s Antiparasiticum angewandt werden.
In seltenen Fällen linden sich in der Leber beim Schwein auch (Jysti-cerken von Taenia marginata (Zschokke, Schweizer Archiv 1887, S. 2C8; Semmer, Deutsche Zeitsohr. für Thiermed. 1885, S. (53). Boudeaud (Reoueil de med. vet. 1891. Nr. 14) fand dieselben aussei- in der Leber auch in der Lunge eines 2 Monate alten Schweines in grosser Zahl. Megnin (Bull. soc. centr. vet. 1884) beobachtete beim Pferde einen Fall von chronischer Hepatitis, veranlasst durch Solerostomum armatum.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Krankheiten des Bauclifells.
|
||
|
|
||
|
Acute Bauchfellentsstludung^ Acute PeiitonltlSi
Litei'atur. 1) Youatt, The Veteiinar, 1840. 2) Provost, Journal prat. 1826. 8) Texier, ilgt;id. 1838. 4) Olivier, Journal du Midi. 1839. 5) Lacoste. ibid. 1861, 6) Hering, Bepertor, 1858. S. 10. 7) Basse, ibid. 1860. S. 77. 8^ Stockfleth, ibid. 1862. S. 164. 9) Pabry, Annal. belg. 1861. 10) Goubaux, Hull. soe. centr. vet. 1858. 11) Fergusson, Tlio Aroter. 1870. 12) Göring, Adam's Wochensohr, 1864. S. 884. 13) Sohamp;far, ibid, 18(15. s. 18. 14) Duvieusart, Annal. de Bruxelles, 1865, 16) Saint-Cyr. Joum. de Lyon. 1867. 16) Ebersbaoh, Sachs. Jaliresber. 1868. S. 100. 17) Rossberg, ibid. 1870. 8. 96. 181 Rivolta, Repert. 1870. S. 269. 19) Barreau, Thierarzt. 1878. 8. 230. 20) Hahn, Adam's Wochensohr, 1874. S. 141. 21) Larcher, Thierarzt, 1875. S. 26. 22) Pütz, Pütz'soha Zeitsohr, 1876. S. 169. 2:5) Lustig. Hannov. Jahresber. 1876/77. 8. 66; 1877/7*. S. 94. 24) Wilhelm, Sftohs. Jahresber. 1884. 8. 97. 25) Hengst, ibid. 1885. S, 78. 26) Vand en a h e el e , Etat sanit. Brab. 1884. 27) Salmon, Bull. Belg. 1886, 28) Icilefijn, ibid. 1886. 29) God-fryn, ibid. 30) Sohindelka, Oesterreich.Vierteljahrssohr. 1885. S. 60. 31)Luoet, Beoueil. 1887. 32) Laugeron, Revue veter. 1886. 38) Soula, ibid. 1888. 84) Schortmann, Preuss, Militär Rapporte. 1889. 8. 110. 35) Ohiari, La Clinioa vet. 1887. 36) Friedborger, Deutsche Zeitsohr. f. Thlermed, 1888. S. 179. 37) Schmidt, Berliner thieriirztl. Woohen-SOhrift, 1889. S. 145. 38) Bongartz, Berliner Archiv. 1889. 8. ;184. 89) Brett, TheVeterin, 1889. 40) Donald, Journal of romp. path. 1888. 41) Harms, Deutsche Zeitschr, f, Thiermed, 1889. S, 119. 42) Ostertag, Reporter. 1889. 8. 23. 43) Hess, Schweizer Archiv f. Thierheilkdo. 1890. 8. 213. Vergl. ausserdem die Literatur der Mageuruptur.
Eintheilung. Mau kann die Bauchfellentzündung je nach verschiedenen Gesichtspunkten verschieden eintheilen. Zunächst empfiehlt es sich aus rein praktischen Gründen, bezüglich des Verlaufes die acute und chronische von einander zu trennen. Weiterhin wäre zu unterscheiden je nach der Ausbreihmg eine umschriehene und
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
364
|
Acute Peritonitis.
|
||
|
|
|||
|
diffuse, je nach der Entstehung eine primäre oder idiopathisobe und .secuudäre, eine tnuimatische, Perforativperitonitis, tuberkulöse, sarkomatöse, caroinonaatöse, pyftmisohe, metastatische, septische, rheumatische Peritonitis u. s. w. Je nach der Beschaffenheit der gesetzten Entztlndungsproduote unterscheidet man eine trockene und exsudative, eine seröse, sero-f'ibrinöse, eiterige, hämorrhagische, jauchige etc. Peritonitis. Bezüglich der Entstehung hat man es in der Regel mit secundären BauchfeiI-entzündungen zu thun, indem dieselben entweder durch Verletzungen des Bauchfells oder durch pathologische Vorgänge in einem Nachbarorgan veranlasst werden. Die Möglichkeit einer idiopatliischen Peritonitis durch vorausgegangene Erkältungseinflüsse (sogen, rheumatische Bauchfellentzündung) ist jedoch nicht zu bestreiten. Immerhin aber sind diese Pälle sehr selten, indem beim Pferd beispielsweise rheumatische Kolik sehr häufig, rheumatische Peritonitis aber nur vereinzelt constatirt worden ist.
Vorkommen. Die acute Bauchfellentzündung kommt bei allen Haustbieren incl. des Geflügels vor. Die weiblichen Thiere dis-poniren indess mehr zur Erkrankung als die männlichen, was sich aus dem engeren Zusammenhange zwischen Genitalion und dem Bauchfellsacke bei ersteren erklärt. So findet man auch beim Hin de ungleich häufiger als beim Pferde Bauchfellentzündungen, weil das Rind in Folge der häufigeren Trächtigkeit und namentlich des Gebäractes öfter Entzündungen, Zerreissungen etc. des Fruchthälters ausgesetzt ist, denen eine Peritonitis meist auf dem Fusse folgt; ausserdem schliesst sich beim Rinde eine Peritonitis nicht selten an Leberdistomatose, Bauch-felltuberkulose etc. an. Die Empfindlichkeit des Peritoneunis ist bei den einzelnen Haustbieren eine ausserordentlich verschiedene. Am empfindlichsten von allen ist das Pferd, dann folgen die Wiederkäuer (Schaf. Ziege, Rind), weiterhin die Fleischfresser (Hund, Katze), zuletzt die Omnivoren (Schwein) und das Geflügel.
|
|||
|
|
|||
|
Aetiologie. Die Ursachen der acuten Peritonitis sind folgende: 1) Penetrirende Bauchwunden, sowohl zufällig entstandene, als zu operativen Zwecken gemachte. In letzterer Beziehung kommen alle mit Eröffnung der Bauchhöhle (Laparotomie) verlaufende Operationen in Betracht (Herniotomie, Punction dos Darmes und der Bauchhöhle, Wanstschnitt, Darmschnitt, Castration besonders weiblicher Thiere etc.). Die eigentliche Ursache der Entzündung ist dabei im
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Aculi! Peritonitis.
|
365
|
||
|
|
|||
|
Eindringen entzündungseiTGgcndei' Stoffe {Spaltpilze) mittelst der Luft oder der nicht de.sinficirten Instrumente zu suchen. So kann heispiels-weise das einfache Einströmen von Luft in die Bauchhöhle durch den Leistencanal während und nach der Castration beim Hengste unter Umständen tödtliche Peritonitis erzeugen (Hering).
2) Rupturen und Perforationen der vom Bauchfelle überzogenen Organe mit Eindringen entzündungserregender Stoffe in die Bauchhöhle. Hieher gehören Berstungen des Magens, Harmes, der Harnblase, der Leber, Milz etc., Zerreissung und Perforation der Magenoder Harmwand durch Geschwüre, Fremdkörper, festliegenden Koth, Helminthen (Gastruslarven, Ascariden), Ruptur des Uterus bei Geburten, Zerreissung der Gallenblase, Perforation der Leberkapsel durch Disto-men, Durchbruch von Abscessen, Echinococcusblasen, Zerreissung des in Folge von Gefässthrombosc hämorrhagisch infarcirten und nekroti-schen Darmes, Perforation des Mastdarmes bei der Exploration (von Duvieusart beim Kinde scheinbar enzootisch im Wirkungskreis eines Pfuschers beobachtet) u. s. w.
M) Fortpflanzung einer Entzündung benachbarter Organe auf das Bauchfell, so von den Bauchdecken her nach Contusionen derselben, vom Magen und Darm nach intensiveren Entzündungsprocessen der Schleimhaut, Geschwüren, partiellen Zerreissungen u. s. w., bei Lageveränderungen der Gedärme (Drehungen, Invaginationen, Incar-cerationen, eingeklemmte Hernien), ferner nach Entzündungen der Leber, Nieren, Blase, des Uterus (Metritis, Para- und Perimetritis), der Eierstöcke, Hoden, des Samenstrangstumpfcs, endlich, wenn auch seltener, im Anschluss an eine vorausgegangene Pleuritis.
4) Erkältungen, sowohl von aussen durch starke Abkühlung der Bauchdecken, als auch von innen durch Aufnahme sehr kalten Getränkes (Eis, Schnee, Reif). Nach Trasbot kann unter Umständen auch durch kalte Mastdarminfusionen Peritonitis entstehen. Diese sogen, rheumatische Peritonitis scheint übrigens relativ selten zu sein.
Ueber das Auftreten der sogen, metastatischen Peritonitis im Verlaufe der Pyämie etc. ist bei unseren Hausthieren bis jetzt wenig bekannt.
|
|||
|
|
|||
|
Ueber die der Peritonitis zu Grunde liegenden Mikroorganismen sind in der letzten Zeit bacteriologischo Untersuchungen angestellt worden. Prodöhl spricht dem Streptococcus pyogenes für die Erzeugung der Peritonitis, insbesondere der traumatischen, eine wichtige Rolle ZU, Bumm unterscheidet eine Streptokokken-Peritonitis (Eiter) von der putriden (dauche), sowie Mischformen beider.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
JjGünbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Acute Peritonitis.
Anatomischer Befund. Bei der aouten diffusen Peritonitis tiudet man das Bauohfell im Anfange der Entzündung iiyperämisch und häutig von kleinsten, ])unktfürniigen Elutextravasaten durchsetzt. Die Hü the ist dabei von verschiedener [ntensitiit, bald gleichförmig, bald in ramiformer Anordnung, von Kosaroth im bis zu Ziegel- und Scharhichroth, bald streitig und fleckig. Meist ist die entzündliche Injection nicht an allen Stellen gleich weit vorgeschritten und es liisst sich hiiufig der Ausgangspunkt der Entzündung erkennen. Um die Hyperämie des Peritoneums zu sehen, kann es nothwendig sein, das darüber gelagerte Exsudat vorher abzuwischen. Späterhin tritt die Köthe mehr zurück und das Bauchfell erscheint dann grauroth.
Schon frühzeitig wird die Oberfläche der Serosa glanzlos, weniger durchsichtig, sammtartig rauh, das Bauchfell selbst leichter zerreisslich und abziehbar; ebenfalls früh treten in dem entzündeten Gewebe neugebildete Gefässe auf. Stets, und gewöhnlich sehr bald nach Beginn des Processes, wird auf der fnnenflädie des Peritoneums ein nach Form und Menge sehr wechselndes Exsudat abgesetzt. Dasselbe besteht zuweilen nur aus einer dünnen Lage geronnenen Fibrins ,in Form eines feinen, durchscheinenden, abziehbaren Häutchens; in anderen Fällen ist die Auflagerung mächtiger, selbst schwartig, von der Form einer gelblichweissen oder tief gelb gefärbten Croupmembran. Durch diese aufgelagerten Exsudate wird häufig eine Stelle des visceralen mit dem parietalen Bauchfellblatte verklebt, oder es können auch einzelne Organe in der Bauchhöhle mittelst ihres visceralen Bauchfellüberzuges mit einander verwachsen (Peritonitis fibrinosa oder sicca). Im Gegensatze zu diesen mehr trockenen Entzündungsproducten sammelt sich bei der serösen und sero-fibrinösen Peritonitis eine kleinere oder grössere Menge einer gelblichen bis gelbliehröthlichen, zuweilen auch grünlichgelben, stark getrübten, beim Pferd und Kind bis zu 40 Liter und mehr betragenden Flüssigkeit in der Bauchhöhle an, welche in der Hauptsache aus Serum, Eiterflocken, Faserstoifgerinnseln und zelligen Bestandtheilen zusammengesetzt ist. Enthält ein solches Exsudat gleichzeitig eine grössere Menge rother Blutkörperchen, so zeichnet es sich durch eine intensivere Pöthe aus, wie dies besonders beim Pferd beobachtet wird (Complication von serös-Hbrinöser mit hämorrhagischer Peritonitis). In den Fällen, in welchen es sieb um eine von dem Darmrohr ausgehende Perforativperitonitis handelt, ist das Exsudat von jaucheähnlichem Aussehen und sehr üblem Gerüche (jauchige Peritonitis); gewöhnlich ist dasselbe dabei noch mit ausgetretenem Darminhalt ver-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Aouto Peritonitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;307
mischt. Nach Berstung der Harnblase hat dasselbe ferner einen mehr oder weniger starken urinösen Geruch. Bei Katzen und Hunden ist das Exsudat in der Bauchhöhle von mehr eiteriger Beschaffenheit (Peritonitis purulenta), und liegt dasselbe dem Bauchfell entweder als dünne, rahmartige Schichte auf oder sammelt sich als trübgelbe, nicht selten auch mit feinen Flocken untermischte und übelriechende Flüssigkeit (letzteres besonders nach Durchbnich von Abscessen) in der Bauch* höhle an.
Im weiteren Verlaufe der Peritonitis kommt es zu einer theil-weisen oder vollständigen Resorption der beschriebenen Exsudate; den grössten Widerstand leisten dabei die zelligen Elemente und das Fibrin, welche beide vorher fettig degeueriren und zu feinem Detritus zerfallen müssen. Nach der Resorption der tibrinösen Exsudate bleiben häufig Verwachsungen der Bauchfellblätter zurück (Peritonitis ad-haesiva), es kommt zu Bildung bindegewebiger Stränge und Bänder, welche in Folge der narbigen Retraction zu Zerrungen, Dehnungen und Schrumpfungen von Organen der Bauchhöhle, sowie zu Verengerungen von Canälen (Darm. Gallengänge) etc. führen können. Erfolgt die Resorption des flüssigen Exsudates nur unvollständig und findet daneben noch eine andauernde Auswanderung weisser Blutkörperchen statt, so erhält dadurch die Flüssigkeit ein purulentes, zuweilen schleimig-eiteriges Aussehen. In seltenen Fällen kommt es dabei bei gleichzeitig bestellenden partiellen Verlöthungen zur Absackung von kleineren Exsudatmassen, welche sich bei weiterer Resorption mehr und mehr eindicken und in eine käsige, selbst kreidige und kalkige Masse umwandeln können. Bei längerer Dauer der Peritonitis betheiligt sich auch der Darm insofern an dem Processe, als seine Wandung durch das Hinzutreten eines collateralen entzündlichen Oedems verdickt, stark durchfeuchtet, sowie sehr mürbe werden kann, was einer Lähmung der Darmmuskulatur und des ganzen Darmabschnittes mit Verstopfung, Gasansammlung etc. gleichkommt. Auch die Schleimhaut des Darmcanals befindet sich im Zustande der katarrhalischen Entzündung. Endlich können grössere Mengen peritonitischen Exsudates rein mechanisch durch Druck auf das Zwerchfell und andere Organe der Bauchhöhle, sowie durch Erweichung der oberflächlichen Schichten dieser Organe nachtheilig werden. Insbesondere führt die seröse Durchtränkung des Zwerchfells sehr leicht zu Lähmung dieses Muskels und dadurch zu schwerer Athemnoth.
Die acute umschriebene Peritonitis zeigt im Allgemeinen dieselben pathologischen Veränderungen, nur sind dieselben auf kleinere
|
||
|
|
||
|
|
||
|
3()8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Aouts Peritonitis.
Stellen der Serosa, Z. B. (leu .serösen Ueberzug eines Dannstückes, der Leber, des Uterus, der Ovarien bescliriiukt. Eine umschriebene Peritonitis kommt numentlieb bei kleineren Verwundungen des Bauchfells (Function) und bei Entzündung einzelner vom Baucbi'elle überzogener Organe (l'erimetritis, Perihepatitis etc.) zu Stande. Der Schwerpunkt liegt dabei in einer localen Beschrilnkung der entzüudungserregenden Stoffe durch frühzeitige Verklebung der entzündeten Blätter oder Absackung des Exsudats. Leichtere Formen der umschriebenen fibrinösen Peritouiteu kommen bei unseren llausthieren, namentlich beim Pferd, sehr häufig vor, wie dies der durchaus nicht seltene Befund alter He-siduen bei Sectionen beweist.
Erscheinungen der acuten diffusen Peritonitis mit besonderer Berücksichtigung des Pferdes. Das Krankheitsbild der acuten diffusen Bauchfellentzündung ist in keiner Weise ein typisches, gleichförmiges zu nennen. Es rührt dies davon her, dass die Erscheinungen der mit wenigen Ausnahmen secundilren Peritonitis durch die verschiedenen primären Leiden in mannigfaltiger Weise abgeändert, ja selbst vollständig verwischt werden können. Selbst da, wo sich im Verlaufe der primären Erkrankung das Einsetzen der Peritonitis genau erkennen lässt, ist es bei weiterer Entwicklung nur zu oft ausserordentlioh schwer, ja selbst unmöglich, die durch beide Krankheitszustände veranlassten Erscheinungen strenge von einander zu scheiden. Ja, es kann das primäre Grundleiden unter so furibunden Symptomen verlaufen, z. B. Lageveränderungen der Gedärme bei Pferden, dass peritonitische Anzeichen dabei gar nicht aufkommen können. Ausserdem ist der Krankheitsverlauf bei den einzelnen Formen der Peritonitis ein sehr ungleicher; die einen treten mehr langsam und stetig auf, andere dagegen setzen gleich von Anfang an mit sehr schweren und heftigen Erscheinungen ein und verlaufen so rasch, dass zuweilen vorher gar keine besonders auffälligen Krankheitssymptome wahrzunehmen sind. So erfolgt bei den Perforativperitoniten in relativ sehr kurzer Zeit durch Aufnahme grosser Mengen infectiöser Stoffe der tödtliche Ausgang, wobei lediglich die Erscheinungen der Sepsis zu constatiren sind.
Die wichtigeren, der Bauchfellentzündung als solche angehörigen Symptome sind im Allgemeinen folgende:
1) S c h m e r z ä u s s e r u n g e n eröffnen meist in Form von leichteren oder schwereren Kolikanfällen das Krankheitsbild. Häutig sind dieselben im Anfang am heftigsten und lassen später nach oder zeigen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Acute Peritonitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3(30
Remissionen. So sahen wir z. B. bei traumatisclier, vom Samenstrang ausgehender Peritonitis die Schmerzen rasch und sehr hochgradig auftreten und sich in Zillmeknirschen, Stöhnen, Aechzen und Schnauben, /ähneblecken, Vergraben des Kopfes in der Streu, krampfhafter Streckung der Extremitäten, Einnahme halber Rückenlage, Vermeiden stärkerer Bewegungen, partiellem und allgemeinem Schweissausbruch etc. äussern, während sie im weiteren Verlaufe an Intensität stetig abnahmen oder nach vorübergehenden Hesserungen exacerbirten. In anderen Fällen sind die Uiirulieerscheinungen von Anfang bis zu Ende mir ganz leicht-gradig und beschränken sich auf öfteres Niederlegen und Stöhnen, selbst oft nur auf zeitweises Scharren, Umsehen nach dem Hinterleibe, Einziehen des Kreuzes, Schlagen gegen den Bauch, Schweifwedeln etc. In einzelnen Fällen endlich scheinen Schmerzäusserungen ganz fehlen zu können.
2) Das Fieber ist in der {{egol ein hochgradiges; wir haben bei diffuser Peritonitis in den meisten Fällen Temperaturen von 41 bis 42quot; C. beobachtet; bei Perforativperitoniton kann das Fieber unter Frostschauder schnell sein- rasch ansteigen. Im üebrigen ist die Höhe der Temperatur eine sehr unregelmässige, wie auch der Verlauf, und es kann von einer Aufstellung eines bestimmten Fiebertypus keine Rede sein. Meist ist der Fieberverlauf ein intermittirender oder re-mittirender. Bei schweren septischen Peritonitisformen kann sogar die Temperatur eine subnormale sein.
Der Puls zeichnet sich fast immer durch eine auffallende, gar nicht im Verhältnisse zur Kürpertemperatur stehende Beschleunigung aus, indem seine Frequenz nicht selten beim Pferd 80 Schlüge und darüber pro Minute beträgt und oft auf 130 steigt. Charakteristisch für die Peritonitis ist ferner der Umstand, dass der Puls in der Regel schon im Anfang klein und hart ist und mit Zunahme der Krankheit immer kleiner und zuletzt ganz unfühl-bar wird. Die Arterie ist dabei sehr stark zusammengezogen und fühlt sich drahtförmig an. Mit der Beschleunigung und dem Kleinwerden des Pulses wird der Herzschlag mehr und mehr pochend. Die sichtlichen Schleimhäute, namentlich die des Kopfes, sind bald höher geröthet oder cjanotisch verfärbt, bald blass. Die Temperatur über die allgemeine Decke ist ungleichinässig vertheilt, insbesondere sind die Extremitäten sehr kühl.
'#9632;'gt;) Der Hinterleib ist im Anfange zuweilen sehr stark .aufgezogen und bei Druck auf die Bauchwand mehr oder weniger Friedborgern. Pröhner, Pathol, raquo;. Therapie d, Hauathlere, [.Bd. 3. Auti. 24
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
370
|
Acute Peritonitis,
|
||
|
|
|||
|
empfindlich, wobei die Thiere ausweichen, stöhnen u. s. w. In einzelnen Fällen findet man den Schmerz anfangs localisirt, während er sich später entsprechend dorn Uebergang zur diffusen Peritonitis mehr ausbreitet; in schweren Fällen verschwindet derselbe mit Zunahme der Krankheit. Nicht selten lässt sich endlich Schmerz bei Druck auf die Bauclulecken gar nicht nachweisen, was sich aus der durch die Grosse des Pferdes im Verhältniss zu kleineren Thieren sehr erschwerten Palpation, sowie aus der Schwierigkeit der Untersuchung bei normal in der Bauchgegend schon sehr empfindlichen, kitzeligen Pferden leicht erklären lässt.
Oft schon nach kurzem Bestellen der Krankheit macht sich ferner eine Volums Vermehrung des Hinterleibes bemerklich. Zunächst sind die Flanken in Folge von Gasansammlung in den paretischen Gedärmen meteoristisch aufgetrieben, wobei der Meteorismus einen ziemlich hohen Grad erreichen kann. Dann aber macht sich bei kleineren Hausthieren, seltener bei grösseren, entsprechend der Plxsudat-ansammlung auch eine Ausdehnung des Hinterleibes nach unten und seitwärts bemerklich, welche bezüglich des percutorischen und auscultatorischen Vorhaltens dieselben Symptome erkennen lässt, wie sie später beim Ascites beschrieben werden.
Die Darmperistaltik ist oft schon in den ersten Tagen der Krankheit, besonders aber im späteren Verlaufe vollständig unterdrückt (Darmlähmung auf Grund ödematöser Durchtränkung der Muskulatur), in Folge dessen der Kothabsatz verzögert oder ganz aufgehoben ; dabei macht sich zuweilen starkes Drängen auf den Koth bemerkbar. Der Koth ist im Allgemeinen klein geballt und trocken, mit einer Kruste oder mit Schleim überzogen, und sammelt sich gern in grossen Mengen im Mastdarm an; doch können gegen das Ende auch ziemlich starke Diarrhöen auftreten. Was den Uri nabsatz betrifft, so beobachtet man häufig einen gewissen Harndrang, der sich in öfterem Anstellen der Thiere zum Uriniren äussert. Bei bestehender Pericystitis kann es dabei zu mehrtägiger Harnverhaltung (Parese des Detrusors) kommen. Ausserdem ist der Act des Harnabsetzens schon wegen der mit Schmerzen verbundenen Contraction der Bauchpresse (wie auch der Act des Kothabsatzes) für die Thiere sehr erschwert. Harn wird in der Kegel wenig entleert; derselbe ist entsprechend dem längeren Hungern der Thiere meist sauer, von hohem speeifischem Gewicht und meist eiweisshaltig. In einem Falle fanden wir gegen das tödtliche Ende zu im Harn grosse Mengen von Spalt-
|
|||
|
|
|||
|
pilzen.
|
Bei Peritonitis nach Zerreissunir des Mastdarms kann sich
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
Acute Peritonitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;37 I
ausserdem ausgedehntes subcutanes Emphysem entwickeln (Friedberg er).
4)nbsp; Die Futteraufnahme kann je nach den Ursachen plötzlich sistiren oder sich allnülhlicii vermindern; späterhin ist sie meist, wie auch die Wasseraufnahme, gänzlich aufgehoben. Aehnlich wie beim Menschen wurde sodann auch beim Pferde, wenn auch selten, Auf-stossen und Erbrechen beobachtet (Uöll), was auf eine Affection der Magenserosa mit Parese der Schliessmuskulatur zurückzuführen ist.
5)nbsp; Die Athmung ist in der Kegel beschleunigt, bald kurz und oberflächlich, bald sehr tief und angestrengt und nicht selten bis zur hochgradigen Dyspuoe gesteigert. Die Ursachen der Dyspnoe sind in einer Zwerchfellparese in Folge Mitleidenschaft des peritonealen Ueber-zugs desselben, in Kaumbeengung der Brusthöhle durch das Exsudat in der Bauchhöhle und die tympanitisch aufgetriebenen Gedärme, in der schmerzhaften Contraction des Zwerchfells und der Bauchpresse, sowie in Circulationsstörungen im Anschlüsse an die ungenügende Herzarbeit zu suchen. Die Athemfrequenz schwankt zwischen 20 70 und mehr Zügen pro Minute; der Atbmungstyphus ist oft wegen Entlastung des Zwerchfells und der Bauchpresse ein rein pectoraler (auffallendes Heben und Senken der Kippen, starke Betheiligung der Zwischenrippenmuskeln). Bei Mitergriffensein des Zwerchfells soll auch Singuitus, sowie stossende, den ganzen Körper erschütternde Kespiration, ferner stärkere Empfindlichkeit längs der Tnsertionsstelleu des Zwerchfells bei Palpation derselben beobachtet worden sein.
6)nbsp; nbsp;Das Allgemeinbefinden ist in der liege! schwer beeinträchtigt. Sind die Kolikzufälle verschwunden, so macht sich meist starke Apathie und Somnolenz, verbunden mit Hinfälligkeit, bemerklich. Die Thiere stehen vielfach mit gesenktem Kopfe oder an die umgebenden Wände etc. angelehnt da (ein von uns beobachtetes Pferd blieb bis zum Eintritte des Todes stehen), sind sehr theilnahms-los gegen ihre Umgebung, zeigen grosse Schwäche und Mattigkeit, Zittern, partielle Mnskelzuckungen, sehr steife und gestreckte Haltung, sind schwer von der Stelle zu bringen und wiehern zuweilen einige Stunden vor dem letalen Ausgang. Wenn die Thiere einmal umgefallen sind, lässt das tödtliche Ende meist nicht mehr lange auf sich warten.
Verlauf. Der Verlauf der acuten Peritonitis ist in der Mehrzahl der Fälle ein ungünstiger. Die Todesursachen sind dabei vor Allein in Sepsis, hochgradiger Herzschwäche und Herzlähmung, zu-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
372
|
Acute Peritonitis.
|
||
|
|
|||
|
weilen iiuch in Erstickung zu suclien. Der Tod tritt häutig laquo;chon ziemlich früh ein, 80'besonders in allen Füllen von Perforativperitonitis, wo zuweilen schon nach 12 Stunden, sowie durchschnittlich nach 2030 Stunden der Exitus letalis zu erwarten ist. Bei weniger stür-inischem Verlaufe kann sich die Krankheit über 814 Tage erstrecken und wohl auch später in die chronische Form übergehen.
Acute Peritonitis beim Rinde. Die Angaben aller Beobachter stiimnon darin überein, dass die Peritonitis beim Rinde häufig' unter so wenig charakteristischen Symptomen verläuft, dass sie oft nur sehr schwer ZU erkennen ist. Vor Allem kann eine Ansammlung von Exsudat im Hinterleibe physikalisob nur ausnahmsweise nachgewiesen worden und auch die Palpation ruft nur selten Schmer/ilusserungon seitens des Thieres hervor. Dazu kommt, dass die für das Pferd so werthvolle Beschaffenheit des Pulses beim Rinde wogen der grossen Unregelmiissigkeiton, welche der Puls scbon unter normalen Verhältnissen zeigt, weniger Bedeutung für die Diagnose besitzt, und dass auch das Symptom der Tympanitis bei seiner anderweitigen Häufigkeit von geringem Belange ist. Im Allgemeinen kommen als Erscheinungen in Betracht eine allgemeine Umfangsvermebrung des Bauches, dumpfe Sclunerzilusserungen, Empfindlichkeit bei Druck auf die Bauchwand, leichtes Zittern der Bauch Wandungen, frostschauer, Verstopfung und Tympanitis, gehemmte Beweglichkeit der Thiere, steife Körperhaltung, Unwirksamkeit der stärksten Purgantien, frequenter und kleiner Puls. Die Dauer beträgt einige Tage bis einige Wochen; der Ausgang ist nicht selten tödtlich (Mortalität nach Bagge u. A. circa no Proc).
Acute Peritonitis beim Hunde. Beim Hunde und den kleineren Haus-thieren überhaupt ist die Diagnose der Peritonitis wegen der Möglichkeit einer ausgiebigen Palpation etc. leichter. Die Krankheit verläuft mit Schmerzäusserungen (Heulen, Stöhnen), Empfindlichkeit des Hinterleibes bei dor Palpation, deutlich nachweisbarem Exsudate in der Bauchhöhle, Verstopfung. Meteorismus, Steifheit der Nachhand, Stöhnen beim Kothabsatz, Dyspnoö, Fieber etc. Bei Katzen beobachtet man zuweilen sehr starke Tympanitis,
Acute Peritonitis beim Geflügel. Die Bauchfellentzündung beim Geflügel entsteht im Anschlüsse an Perforation des Magens oder Darmes durch Fremdkörper, lüiptur des Eileiters, Parasiten in der Bauchhöhle (Echinor-rhynchen. Milben), Operationen (Castration) etc. Die Erscheinungen bestehen nach Zürn in Hinfälligkeit, Fieber, Appetitlosigkeit, Stöhnen beim Druck auf die Bauchwandung und beim Kothabsatze.
Diagnose. Die Diagnose der acuten Peritonitis bei unseren llausthieren ist nach dem Entwickelten, besonders bei den grösseren Thieren, oft sehr schwer, wenn nicht unmöglich. Glesichert ist sie bei dem Nachweise von Schmerzen im Hinterleibe mit Exsudatansammlung in demselben. Das letztere Symptom kann allein vor einer Verwechslung mit Enteritis und Kolik schützen. Ein charakteristisches Symptom der acuten Peritonitis ist auch der sehr kleine Puls. Die durch die hohe Athmungs- und l'ulsfrequenz be-
|
|||
|
|
|||
|
-L
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Acute Peritonitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;378
dingte Venveclislungsinöglichkeit der Krankheit mit Pneumonie, Pleuritis oder Endocarditis ist bei einer genauen Untersuclmng dieser Organe von keinem grösseren Belang. Ueber etwaige Ver-weclislungen des peritonischen Exsudates mit anderen Zuständen vergl. das Kapitel Difterentialdiagiio.se beim As cites.
Therapie. Die Behandlung der acuten Peritonitis ist theüs eine locale, theils eine innerliche. Local kann die Entzündung des Bauchfells bekämpft werden durch die äusserliche Anwendung der Kälte in Form kalter Wicklungen, sowie Auflegen von Eisbeuteln bei kleinen Thieren auf die Bauchdecken. Die beim Menschen von Alters her übliche Einreibung von grauer Quecksilbersalbe auf die Bauchdecken kann bei unseren Hausthieren wegen der gefährlichen Wirkung des Quecksilbers nicht allgemein, sondern nur bei Pferden und Hunden angewendet werden. Dagegen können Einreibungen von Terpentinöl oder Senf öl auch bai den Wiederkäuern vorgenommen werden. Sodann kann es sich bei bedeutender Exsudatansammlung um die operative Entfernung dieser Flüssigkeit mittelst der Function handeln. Bei eiteriger Peritonitis ist sogar die breite Eröffnung der Bauchhöhle mittelst Laparotomie gewöhnlich das einzige Uettungsmittel. Im letzteren Falle muss nach der Entleerung des Exsudates eine desinfi-cirende Ausspülung der Bauchhöhle mit schwachen Sublimat-, Carbol-oder noch besser Salicyl- und Borsäurelösungen gemacht werden. Auch Einsprit/.ungen von Lugol'scher Jodlösung sind zu diesem Zwecke vorgenommen worden.
Die innerliche Behandlung bestand früher in der Verabreichung entzündungswidriger, stark purgirender Mittel (Brechweinstein, Salpeter, Glaubersalz). Da jedoch diese Mittel durch Beschleunigung und Vermehrung der Darmperistaltik die Peritonitis steigern, indem sie durch Ausbreitung des peritonitischen Exsudates über eine grössere Fläche auch die entzündungserregenden Stoffe weiter verbreiten, ist besonders in der Menschenmedicin vor diesen Mitteln gewarnt worden. Am ehesten erlaubt ist noch das den Darm desinfi-cirende Calomel. Häufiger gibt man in der neueren Zeit zur Flintanhaltung der Darmperistaltik das Opium in grösseren Dosen (Pferd 10,0, Rind 16,0, Hund 0,10,5 des Pulvers). Die dadurch noch gesteigerte Verstopfung kann durch gleichzeitige lauwarme Kly-stiere und Infusionen bekämpft werden. Bei starker Flüssigkeitsan-sammlung in der Bauchhöhle kann man diuretische (Digitalis, Scilla, Strophanthus, Coffe'in, Fruct. Juniper!, Terpentinöl, Liquor Kalii ace-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
374
|
Ohronisohe Pei'ttonitis,
|
||
|
|
|||
|
tici etc.) oder speicheltreibende Mittel (Pilooarpin) anwenden.
Soweit endlich die der Peritonitis zu Grunde liegenden Primilr-krankheiten einer Behandlung zugänglich sind, müssen natürlich diese in erster Linie in Angriff genommen werden (Desinf'ection des Uterus, der Blase etc. bei Metritis, Cystitis; Herniotomie bei eingeklemmtem Bruche. Krött'mmg von Abscessen u. s. w.). Bei hochgradigen Schwäche-zustiindeu sind subeutano Cam p her inject ion en am Platze.
|
|||
|
|
|||
|
Chronische Battohfellentzttndung. Chronische Peritonitis.
Literatur. 1) Steiner, Magazin. 1831J. S. 253. 2) Renault, Rooueil. 1835. 3) Ciinu, Mein, de la soo. du Calvados. Ud. 2. 4) Wörz, Reportorium. 1839. S. 178: 1842. 8. 202. 5) Olivier, Reoueil de med. vet. 1840. G) Roll, Oostorr. Viortel.jahrssclir. 1853. S. 45. 7) Goubaux, Recueil de möd. vöt. 1858. 8) Werner, Preuse. Mittheil. 1809/70. 9) v. Ow, Rad. thierftrztl. Mittheil. 1869. 10) Friedberger, Münoh, Jahresber. 1877/78. S. 81. 11) Laroher, Pathol. compare. 1876. 12) De Bruin, Holland, Zeitsohr. 1885. 18) Priebel, Berliner Archiv. 1889. S. 299.
Aetiologie. Eine ausgebreitete chronische Peritonitis ist viel seltener als die acute; am häufigsten kommt sie noch beim Kinde vor. Sie kann sich sowohl aus der acuten entwickeln, als auch von An-fang an .selbständig auftreten. Die Ursachen für den letzteren Fall sind ziemlich dunkel. Beim Kinde kommen besonders von der Haube gegen die Bauchhöhle vordringende Fremdkörper, beim liunde häufige zur Heilung des Ascites vorgenommene Punctionen, bei allen Thieren sodann chronische entzündliche Processe der vom Peritoneum überzogenen Organe (Uterus, Niere, Leber etc.) in Betracht. Endlich gibt es eine chronische tuberkulöse, sarkomatöse und car cinoma tos e Peritonitis als Theil-erscheinung der Tuberkulose (Rind und Schwein), der Sarkomatose (Pferd) und des generalisirten Krebses; das Nähere hierüber siehe bei den betreffenden Krankheiten.
Sectionsbefund. Die anatomischen Veränderungen beschränken sich bei der chronischen Peritonitis häutig nur auf umschriebene Stellen (Perihepatitis, Perimetritis etc.) und bestehen in der Hauptsache in einer allmählich zunehmenden entzündlichen Wucherung des peritonealen Bindegewebes, welche oft ZU ganz beträchtlichen Verdickungen des Bauchfells und zur Bildung von förmlichen
|
|||
|
|
|||
|
^m
|
|||
|
|
|||
|
Chronische Peritonitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 375
bindägewebigen Kapseln um einzelne Organe, ja selbst zu stellenweisen sehnigen, schwieligen, knorpel- und knochenartigen Auflagerungen führt. Gleichzeitig entstehen dabei Verwachsungen der Organe unter einander und mit der Bauch wand, welche Schrumpfungen, Compressionen, Zerrungen etc. derselben nach sich ziehen, Bei dieser d efo rmi rendenquot; Peritonitis, welche in schönster Weise hei der tuberkulösen und infectiösen Bauchfellentzündung (käsige Darmentzündung) der Schweine zu beobachten ist, verwachsen die Darm-schlingen mit einander zu knäuelartigen Convoluten, deren Zwischen-räume häufig mit einer eiterigen, gelatinösen, ölilhnliehen, später sodann verkäsenden oder verkreidenden Exsudatmasse ausgefüllt sind (vergl, die Beobachtung Steiner's beim Bind), (chronische Peritonitis mit reichlichem flüssigem Exsudate ist selten; Friedberger fand letztere in grosser Menge bei sarkomatöser Peritonitis des Pferdes.
Symptome. Die Erscheinungen der chronischen Bauchfellentzündung sind im Allgemeinen die der acuten, bloss in viel leichterem Grade; aus diesem Grunde ist die Erkennung der Krankheit auch viel schwerer als die der acuten Peritonitis, sofern sie sich nicht an letztere anschliesst. Der Verlauf ist ein sehr schleichender. Beim Binde fehlen gewöhnlich die Symptome der Kolik und der Schmerz-äusserung bei der Palpation, und es bleibt oft als einziges charakteristisches Kennzeichen die trotz der unterdrückten Fresslust und bestehenden Diarrhöe täglich zunehmende ümfangsVermehrung des
|
|||
|
|
|||
|
Hinterleibes, zu der sich später ödematöse Ansc
|
'llunsen
|
||
|
|
|||
|
der unteren Bauchgegend gesellen können. Ganz dieselben Erscheinungen constatirte Friedberger beim Pferde, bei welchem aussei- den beschriebenen Symptomen noch interniittirende, aber nur kurz andauernde Kolikzufälle nebst stärkerer Empfindlichkeit in den Flanken, sowie frequenter und dabei kleiner Puls nebst mittelhochgradigem Fieber zu beobachten waren. Beim Munde ist die Unterscheidung einer chronischen Bauchfellentzündung vom Ascites immer sehr schwer und nicht selten ganz unmöglich. Vergl. das Capitel Bauchwassersucht.
|
|||
|
|
|||
|
Therapie. Die Behandlung der chronischen Peritonitis deckt sich in Manchem mit der des Ascites, indem bei bedeutender Exsudat-ansannnlung die diuretischen und laxirenden Mittel neben der Punction anzuwenden sind. Im Anfange der Krankheit und bei mehr trockenem Exsudate empfehlen sich warme Wicklungen des Hinter-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
376
|
Ascites.
|
||
|
|
|||
|
leibes in Form von l'riessnitz'schen Umschlägen, sowie innerlich die Verabreiclumg von Jodsalzen (Jodkaliuin, Jodeisen). Die Ausspülung der Bauchhöhle mit Jodlösungen im Anschlüsse an die Punotion ist ebenfalls zu empfehlen. Wir verwenden iiiezu gewöhnlich die verdünnte Lugol'sche Lösung in der Form: llp. Jodi puri 1,0; Kalii jodati 5,0; Aquae destillatae 500,0.
|
|||
|
|
|||
|
Bauchwassersucht. Ascites.
Literatur. 1) Landel, Repertor. 1841. S. 116. 2) Hoerdt, ibid. 1843. S. 271. 8) Cliohy, Journal pmt. de möd, vöt. 1827. 4) Annul, belg, 1849. 5) Ourdl Magazin, 1845. s. 97. 6) Oartwright, The Veterinär. 1846. 7) Woodger, ibid. 8) Field, ibid, 1847. 9) Eber bar dt, Magazin. 184Ü. S 170. 10) Meoke, Preuss, Mittheil, 1858/54. 8, 116, 11) Sacohero, Giorn, di veterin. 1857. 12) Saint-Cyr, Journ, de Lyon, 1803, 1800. 13) Suis, Joum, du Midi. 1806. 14) Köhne, Magazin. 1870. 15) Alemany, Journ. du Midi, 1807. 10) Cunningham, The Veterinär. 1872, 17) Siedam-grotzky, Sachs. Jahresber. 1872. S. 07. 18) Friedberger, Münchener Jahresber, 1877. S. 100. 10) Bullet, vetev, Napoh 1880, Ref. im Thierarzt. 1881. S. 55. 20) Jensen, Repertor. 1880. S. 816. 21) Delvos, Adam's Woohenschr, 1881. S. 289. 22) Pillwax, Oesterr. Vierteljahrsschr. 1800, 1802. 23) Sommer, Deutsche Zeitselir. f. Thiermed. 1885. S. 03. 24) Bru-sasco, 11 medico vet. 1880. 25) Zahn, Bad. tliieriirztl. Mittheil, 1887. S. 158 f. 20) Müller, Sachs. Jahresber. 1888. S. 28. 27) Zeitsohr. f. Veterinftrkunde. 1889. S. 211. 28) Oornevin, Journal de Lyon. 1887. 29) Brunet, Annal. bels. 1890.
|
|||
|
|
|||
|
Allgemeines. Die Bauchwassersucht stellt eine Ansammlung von Transsudat in der Bauchhöhle auf nicht entzündlicher Grundlage dar, welche bei allen unseren Hausthieren inclusive des Geflügels vorkommt. Am häufigsten findet man ausgesprochene Bauchwassersucht beim Hund, und zwar besonders bei sehr jungen und sehr alten Thieren; dann beim Schaf, Rind und der Ziege; am seltensten kommt sie unzweifelhaft beim Pferde vor, bei dem z. B. Woodger sie in 22 Jahren nur einmal gesehen haben will: auch wir haben im Vergleiche zu anderen Krankheiten nicht allzu viel Fälle von Ascites beim Pferde beobachtet. Die Ursache dieser Ausnahmestellung wird wohl zum Theil in der ausgiebigen Bewegung des Pferdes in Verbindung mit rationeller, geregelter Fütterung zu suchen sein, indem hiedurch jede Blutstauung und die sich anschliessende Transsudation thunlichst vermieden wird.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Aiioitefunbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;377
Aetiologie und Pathogenese. Die Bauchwassersucht ist keine einheitliche, selbständige Krankheit, sie bildet vielmehr nur ein Symptom verschiedener anderer Grundleiden. In diesem Sinne sind als Ursachen des Ascites folgende zu nennen.:
I.nbsp; nbsp;Chronische Krankheiten des Herzens, der Lunge, der Nieren, der Pfortader, der Gekrösdrüsen, welche theils allgemeine (Merz, Lunge, Nieren), theil.s beschränkte (Leber, l'fortader, Gekrösdrüsen) Kreislaufstörungen, insbesondere Stauung des Venenblutes resp. der Lymphe mit Translaquo; sudation zur Folge haben; sogenannter Stauungsascites.
1)nbsp; nbsp;Von Herzkrankheiten gehören hieher: alte, nicht genügend compensirte Klappenfehler; chronische Pericarditis und Epicarditis mit massenhafter seröser Exsudation oder Verwachsung des Herzbeutels mit dem Herzen (Zottenherz); Hydropericardium;
2)nbsp; nbsp;von Lungenkrankheiten: Lungenemphysem, interstitielle Processe mit consccutiver Sklerose und Verödung (Tuberkulose);
3)nbsp; nbsp;von Nierenkrankheiten: interstitielle Nephritis (Morhus Brightii); degenerative Processe;
4)nbsp; nbsp;von Leber krank hei ten: vor Allem die zu Lebercirrhose führende interstitielle Hepatitis (/,. B. bei der Leberegelseuche, Echinokokkenkrankheit); Leberadenome etc.;
5)nbsp; nbsp;von Pfortaderkrankheiten: Compression der Pfortader durch Geschwülste, Pfortaderthrombose etc.;
ö) von Gekrösdr üsen k rankheiten: käsige Entartung und Atrophie, z. B, bei der Darrsucht der Fohlen.
In allen den genannten Krankheiten ist der Abtluss des Blutes aus Capillaren und Venen, resp. der Abfluss der Lymphe gehemmt, es tritt Stauung mit Erhöhung des intravasculären Druckes ein, wozu sich in Folge der durch die Stauung hervorgerufenen Ernährungsstörung des Gefässendothels eine vermehrte Durchlässigkeit der Ge-fässwandungen gesellt, Verbältnisse, welche den Austritt von Blut-Hüssigkeit aus den Gefässen wohl erklärlich machen. Bei Stauungen im Gebiete des Pfortaderkreislaufes werden specioll die Capillaren und Venen des Bauchfells, die Anfänge des Pfortaderkreislaufes, betroffen.
II.nbsp; nbsp;Hydrämie, d. h. Vermehrung des Wassergehaltes des Blutes und Verminderung der festen Bestandtheile, besonders des Eiweisses, sogenannter hydrämischer oder kachek-tischer Ascites. Die Hydrämie kann entweder primär oder secun-där nach schweren und langwierigen, stark consumirenden Krankheiten auftreten, so besonders beim Schaf und Wind (sogenannte Fäule,
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
878
|
Ascites.
|
||
|
|
|||
|
Cachexiii aquosa: Wunnkrankheiten, Cachexia vermino.sa, etc.). Die Transsudation ist hier die Folge einer Alteration der Gefässwände; neben Ascites ist auch Brust-, Herzbeutel- und Hautwassersucht vor-hiindcn.
111. Carciuomatöse, sarcomatöse, tuberkulöse Neubildungen des l.'eritoneums, sowie abgelaufene Bauchfellent-zündungeu werden endlich ebenfalls als Ursachen des Ascites angenommen. Es dürfte sich indess hier mehr um exsudative als um transsudative i'rocesse, also um eine chronische Peritonitis handeln (vergleiche diese), wenngleich das Vorkommen einer wirklichen Bauchwassersucht auf Grund der ii'enannten Verilnderuno'en nicht ffeleuirnet werden kann. Dass übrigens Ascites und chronische Peritonitis keineswegs immer leicht zu trennen sind, darf nicht vergessen werden. Im vorgeschrittenen Stadium der Perlsucht bei alten Kühen glauben wir mehrmals eine durch die Tuberkelknoten bedingte Bauchwassersucht constatirt zu haben, da entzündliche Veränderungen am Bauchfell fehlten. Umgekehrt vermissten wir indess bei einem lOjiihrigen Hunde mit einer nahezu über alle Organe ausgebreiteten Carcinomatose, bei der namentlich das Bauchfell sehr stark betroffen war, jede Spur von Ascites.
Anatomischer Befund. Die in der Bauchhöhle angesammelte Flüssigkeit kann beim Pferde bis zu 150 Liter und darüber betragen. Bei einem Pferde entleerte beispielsweise Brusasco in 3 Stunden 170 Liter Flüssigkeit; bei einem anderen Pferde wurden innerhalb 4 Stunden \'.)2 Liter entleert. Beim Hunde zapfte Hördt 18 Liter Transsudat ab. Dasselbe ist dem Blutserum ganz und gar ähnlich, bald klar und schwach gelblich gefärbt, bald opalescirend und leicht getrübt, grüngelb durch darin suspendirte fettig dege-nerirte Epithelien, bald durch beigemengte rothe Blutkörperchen, namentlich beim Hund, röthlich verfärbt, mitunter auch von Fibrin-flocken durchsetzt. Der Eiweissgehalt ist meist ein geringer, wir fanden ihn beim Hunde gleich 3,6 Proc.; donentsprechend ist auch das specitische Gewicht ein niedriges (beim Menschen 1012, bei Thieren ebenfalls 1012, wie wir dies bei einem Pferde constatirten). Das Bauchfell ist oft nur stärker durchfeuchtet, bei längerer Dauer des Ascites wird es in Folge Aufquellung, Verfettung und Desqua-mation der Kndothelzellen, sowie einer vermehrten Neubildung derselben weisslich getrübt und verdickt. Ausserdem macht sich nach Ziegler noch eine formative Heizung des Gewebes in der Art geltend,
|
|||
|
|
|||
|
raquo;
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Ascites.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;37()
dass es zur massigen kleinzelligen Infiltration des Bindegewebes und bei längerer Dauer des Processes selbst zur Bindegewebsneubildung und zu erheblicheren Verdickungen der Serosu, sowie zu stellenweisen Verwachsungen der Bauchfellbläfcter kommt.
Unter der Einwirkung des längere Zeit angehäuften massigen Ergusses erscheinen sodann die verschiedenen Organe der Bauch-iiöhle bluss, anämisch, ja selbst atrophisch; die Gedärme sind häufig oontrahirt, das Zwerchfell erschlafft und stark nach vorne gedrängt, wodurch der Brustraum verengert und die Lunge mehr oder weniger comprimirt wird. Endlich findet man theils Veränderungen, welche die Ursache, theils solche, welche die Folge des Ascites sind {Veränderungen des Herzens, der Lungen, der Leber etc.; Anämie, Hydrämie. Abmagerung),
Symptome. Die Erscheinungen des hochgradigen Ascites bestellen :
1) In einer allmählich, seltener rasch auftretenden ümfangs-vermehrung des Hinterleibes; und zwar in naturgemässer Weise nach ab- und seitwärts, mit Einfallen der Flanken und Senkung des Rückens. Bei kleineren Thieren wird zuweilen besonders die Nabelgegend stark hervorgewölbt; im Allgemeinen wird die Baucbwand, so beim Hund, Schaf (hauptsächlich bei geschorenen), Rind und bei der Katze, namentlich direct hinter den Rippen wulstartig vorgedrängt. Dabei treten auch die Spitzen der Dornfortsätze auffallend scharf hervor und erzeugen in Verbindung mit dem Hängebauche, dem Senkrücken, den eingefallenen Flanken, der allgemeinen Abmagerung einen für Ascites geradezu charakteristischen Habitus.
li) Die Palpation der oben schlaffen, unten mehr oder weniger stark angespannten Bauchdecken erzeugt das Gefühl der Fluctuation, Legt man nämlich an einer Seite der Bauchwand die Hand an und drückt mit der anderen Hand in kurzen, stossvveisen Absätzen an der entgegengesetzten Seite, oder lässt hier bei grösseren Thieren durch einen Gehilfen mit beiden Händen drücken, so fühlt man schwappende, wellenförmige Bewegungen. Dasselbe Gefühl erhält man, wenn man bei stärkeren Trans.sudatansannnlungcu der grossen llausthiere vom Mastdarm aus palpirt. Legt man an die Bauchdecken statt der per-cipirenden Hand ein Ohr auf, so hört man das Anschlagen der bewegten Flüssigkeiten in der Art eines plätschernden Geräusches einer an der Bauchwand sich brechenden Welle. Bei kleineren Thieren kann man dasselbe durch Schütteln erzeugen. In beiden Fällen hat
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
880
|
Ascitos.
|
||
|
|
|||
|
man sich y.u lulton, einen reichlichen, flüssigen Magen- und Danninlialt mit Ascites zu verwechseln.
l!) Die Percussion ergibt im Bereiche der Flüssigkeitsansammlung einen dumpfen (leeren) Schall, sofern bei dünneren Schichten nicht zu stark percntirt und durch zu tiefes Eindrücken des Plessi-meters die Flüssigkeit verdrängt wird. Dieser dumpfe Schall findet sich sonach in den unteren Partien der Bauchwand, grenzt sich nach ohen horizontal ab und geht hier meistens in einen tympanitischen Darmton üher, Von grösster Wichtigkeit ist dabei die Veränderung des dumpfen l'e rcussionsschalles je nach der Lagerung des Thieres. Hebt man kleinere Thiere an den Vorderfüssen auf und setzt sie auf das liintertheil, so fällt die ungewöhnliche Hervorwölbung der tiefsten Stelle des Hinterleibes direct über der Symphyse und der diesem abhängigsten Theile der Bauchhöhle entsprechende dumpfe, nach oben horizontal abgegrenzte Percussiousschall sofort auf. Das umgekehrte ist der Fall, wenn man die Thiere mit dem Hintertheil in die Höhe richtet. Hiebei sammelt sich die Flüssigkeit über dem Zwerchfell an, der dumpfe Schall beginnt am Schaufelknorpel. Da durch den Druck des Transsudates auf das Zwerchfell die Athniung sehr beeinträchtigt, ja zuweilen dyspnoisch wird, suchen sich die Thiere der letzteren Stellung ängstlich zu entziehen.
4) Die Athmung ist in Folge der Verschiebung des Zwerchfells nach vorn, sowie durch die verminderte Contractionsfähigkeit der ausgedehnten, erschlafften Bauchpresse beschleunigt und erschwert und geht unter starker Betheiligung der accessorischen Muskeln, namentlich der Kippenheber, vor sich; in höheren Graden ist sie dys-pnoiscb, pumpend, von lebhaftem Spiel der Nasenflügel beim Pferde begleitet.
quot;gt;) Fieber fehlt, sofern es nicht durch Complicationen seitens des Grundleidens hervorgerufen wird. Der Puls ist meist beschleunigt, wird immer kleiner, zuletzt wohl auch fadenförmig; der Herzschlag ist leicht erregbar und später pochend. Die Schleimhäute sind blass, die Conjunctiva ist bei Schafen wässerig infiltrirt und auch die Haut sehr bleich. Das Haarkleid ist glanzlos und struppig, die extremitalen Theile fühlen sich kühl an. Hunde nehmen vorwiegend sitzende Stellungen mit weit gestellten Vorderfüssen ein, bewegen sich sehr ungern, ermüden leicht und liegen erst bei hochgradiger Schwäche beständig, wobei sich häufig Decubitus, sowie in Folge einer Parese des Sphincter vesicae unwillkürlicher Harn-absatz einstellt.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Asoltea.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,'381
(i) Im weiteroii Verlaufe kommt es zu einer allmülilichen Verminderung der Fresslust, sowie des Wiederkauens und der Wanst-bewegungi J3er Appetit, welcher bei Hunden oft lange Zeit hindurch gar nicht gestört ist, wird wählerisch, die Thiere erbrechen sich wohl auch zuweilen. Der Kothabsat/, ist nhwechslungsweise verzögert und diarrhoisch; mitunter besteht Meteori.smus; der Harnabsatz soll anfangs vermehrt, später jedoch vermindert sein. Die Milchsecretion nimmt allmählich ab und es treten mehr und mehr die Zeichen einer allgemeinen chronischen Ernährungsstörung auf.
Verlauf. Derselbe ist ein chronischer. Monate und selbst Jahre dauernder. Die Körperconsumption schreitet fort, es zeigen sich Erscheinungen von Anasarka am Schlauch, resp. Vorhaut, Euter, Unter bauch, Schenkel n. s. w., theils in Folge Druckes von Seiten des Transsudates auf die Venen, theils in Folge allgemeiner sich allmählich entwickelnder Wassersucht. Die Thiere werden immer matter und elender und vermögen sich zuletzt nicht mehr zu erbeben, die Augen liegen tief in ihren Höhlen, DyspnoB und Decu-bitus nehmen Uberhand, es stellen sich profuse Diarrhöen (beim Rinde zuweilen auch Brechbewegungen und Erbrechen) ein, und sohliesslioh erfolgt der Tod durch Lungen- oder Herzlähmung oder allgemeinen Marasmus.
Diagnose und Differentialdiagnose. Die Diagnose des As-cites gründet sich auf die Ergebnisse der Adspection, Palpation, Percussion und Auscultation; zur vollständigen Sicherstellung kann besonders beim Hunde noch eine Probepunction vorgenommen werden. Die letztere sichert die Diagnose auch in den Fällen von geringerer Ansammlung des Transsudates. bei welcher eine Diagnosticirung immer sehr schwer und besonders bei grössoren liausthieren oft geradezu unmöglich ist. Die Erkennung eines Ascites ist bei kleineren Thieren überhaupt viel leichter, weil die Untersuchung ungehinderter und ausführlicher vorgenommen werden kann.
Schwieriger als die Feststellung des Ascites ist immer die Erforschung der eigentlichen Ursache desselben, obgleich letztere für Therapie wie für Prognose von der grössten Bedeutung wäre. Am leichtesten lässt sich noch die allgemeine Wassersucht als Grundlage des Ascites bei nebenher bestellender Haut- und Unterhautzell-gewebswassersucht, sowie ausgebreitetem llölilenhvdrops ermitteln. Schwieriger schon ist die Erkennung bestimmter Herz- und Lungen-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
1582
|
Ascites.
|
||
|
|
|||
|
krankbeiten (siehe die Ijetreffenden Kapitel) und besonders der inter-stitiellen, chronischen Hepatitis, welche sehr häufig die Ursache des Ascites ist, aber wegen der gewöhnlich nicht nachzuweisenden Verkleinerung der Leber und des Fehlens anderer charakteristischer Symptome, so des Icterus, schwer zu diagnosticiren ist. Am ehesten lässt sich noch eine Vergrösserung der Leber mit auffallenden Veränderungen an der Oberfläche, z. B. die Echinokokkenkranlcheit, durch Palpation als Ursache der Bauchwassersucht erkennen. Die Angabe, dass bei Leberkrankheiten der Harn Gallenfarbstoffi enthalte und dies für die Diagnose sehr wichtig sei, ist ganz hinfällig, da einerseits beim Hund Gallenfarbstott'e auch bei den geringsten Magendarmkatarrhen etc. ausserordentlich häufig im Harne auftreten, andererseits bei intensiven Leberdegenerationen, z. B. bei der Leberegelseuche, diese Farbstoffe gewöhnlich fehlen. Beim Hunde ist die Erforschung der Grundursache zuweilen noch dadurch erschwert, dass eine Complication zweier Krankheiten, z. B. ein Klappenfehler und eine Lebercirrhose, vorliegt. Endlich lassen sich Neubildungen des Peritoneums in den seltensten Fällen mit Sicherheit durch Palpation feststellen.
Von Krankheiten, mit denen der Ascites verwechselt werden kann, kommen in Betracht:
1) Peritonitis; dieselbe verläuft jedoch mit Fieber, schwerer Störung des Allgemeinbefindens, Schmerzäusseruugen, Schmerzhaftig-keit bei der Palpation; das speeifische Gewicht der peritonitischen Flüssigkeit (durch Probepunction erhalten) ist ferner höher.
#9632;J) Trächtigkeit; kann durch manuelle Untersuchung leicht als solche erkannt werden; ausserdem ist das Wohlbefinden dabei trotz maximaler Ausdehnung des Hinterleibes nicht gestört und der Bauch mehr nach einer Seite hin erweitert.
'#9632;'gt;) Fettsucht; kann besonders bei älteren Hunden, wenn sie noch mit einem Klappenfehler und ausgesprochener Kurzathrnigkeit verbunden ist, Anlass zur Verwechslung geben. Die Unterscheidung gründet sich auf Auscultation und Probepunction (Adspection und Palpation lassen zuweilen im Stich).
4) Hydrometra, Pyometra, Wassersucht der Eihäute (besonders bei Kühen), cystoide Entartungen der Eierstöcke, Bauchcysten, überhaupt abnorm grosse Geschwülste der Bauchhöhle (Cunningham fand bei einem 2jährigen Fohlen eine 286 Pfund schwere Neubildung), Cystennieren etc. lassen sich theils durch die Untersuchung vom Mastdarm und der Scheide aus, theils durch die Probepunction, theils durch Stabilität bei Palpation und Percussion in
|
|||
|
|
|||
|
.-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Ascites.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 383
verschiedenen Lagen erkennen. Wälirend sich z. B. das Percussions-resultat bei Ascites in der Rückenlage oder bei aufrechter Stellung wesentlich ändert, bleibt es bei Bauchcysten, Eierstockscystomen etc. dasselbe. Auch eine abnorme Koth ansamml ung im Darm kann in Betracht kommen.
6) Blasenlähmung mit abnormer Füllung der Blase; die Palpation weist hier eine kugelige, schwappende Geschwulst in der Blasengegend, die Percussion eine unveränderliche Lage derselben nach. Ausserdetn sichern die Störungen im llarnahsatze, der Katheter, die Probepunction eine Diagnose.
(j) Ruptur der Harnblase mit Ansammlung des Harns in der Bauchhöhle; dieselbe kommt am häufigsten beim Ochsen nach Einklemmung von Harnsteinen in der Harnröhre vor und lässt sich aus den vorausgegangenen Kolikerscheinungen, dem fehlenden Urinabsatz bei leerer Blase, der urinösen Ausdünstung, dem Fieber sowie den Collapserscheinungen erkennen.
Prognose. Die Prognose der Bauchwassersucht ist insofern eine ungünstige, als die anatomischen Veränderungen in den Organen, welche die eigentliche Ursache des Ascites sind, in der Regel nicht mehr beseitigt worden können, und gewöhnlich bereits Veränderungen in der Blutbeschaffenheit (Hydrämie) eingetreten sind, ehe die Thiere in ärztliche Behandlung gelangen. Wir können nach unseren Erfahrungen die Prognose bei jungen Hunden noch am relativ günstigsten bezeichnen, ja wir haben hier in einigen Fällen den Ascites spontan verschwinden gesehen. Bei älteren Thieren ist meist nur vorübergehende Besserung, selten dagegen dauernde Heilung zu erzielen. Die Prognose der chronischen Peritonitis, mit der die Bauchwassersucht gewiss schon oft, besonders bei Pferden, verwechselt wurde, ist eine günstigere.
Behandlung. Eine Behandlung des Ascites würde in erster Linie die Beseitigung der zu Grunde liegenden Herz-, Lungen-, Leber- u. s. w. Krankheiten erfordern; da dieselbe jedoch meist aussei' dem Bereiche der ärztlichen Kunst steht, muss sich die Behandlung neben Regelung der Diät (eiweissreiche Nahrung) auf die möglichste Beseitigung der Plüssigkeitssammiung in der Bauchhöhle beschränken. Am gebräuchlichsten ist hierbei die Anwendung der Diuretica und Drastica; auch Sialagoga und Diaphoretica sind zu versuchen.
Von harntreibenden Mitteln empfehlen sich besonders die Digitalis in Verbindung mit Wachholderbeeren und essigsaurem
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
384
|
Asoites.
|
||
|
|
|||
|
Kalium, /. B. für Hunde in f'oln'endor Form: l{p. lui'us. Folior. Digital. 1.0: 150,0; Liquor. Kalii acetioi, Suoo. Junip. inspissat. aa 10,U;
tiiglich 12 EsslölTcl voll. Ausserdoin sind gute Diuretica Hui bus Scillae mit Natrium sulfuric, das (Joffe in (Hunden in Form des (loil'e'i'nuni natrio-benzoicum zu 0,1)2,0, Pferden zu 610,0), die Tinetuia Strophanthi (Hunden 1025 gutt., Pferden ebensoviel Gramm innerlich) Calomel (Hunden Smal tiiglich 0,050,1) u. a. Die drastischen Mittel stehen den diuretischen insofern nach, als sie bei längerer Anwendung den Organismus zu sehr schwächen; man hat bei Hunden besonders Gutt i, Crotonöl und .1 alapp enharz angewandt. Bei sämmtiichen Hausthieren wäre sodann das Pilocarpin als speicheltreibendes Mittel zu versuchen. Man gibt dasselbe in kleineren Dosen (bei Herzkrankheiten VorsichtI), und zwar Pferden subcutan zu 0,2, Kindern zu 0,3, Hunden zu 0,01. Die früher übliche und in einzelnen Fällen wohl auch von Erfolg begleitete Verabreichung von Sublimat bei Hunden (0,1 1,0!) ist zu verwerfen.
Was endlich die Punction des Ascites betrifft, so ist dieselbe angezeigt und dringend nothig in allen den Fällen, in welchen das Transsudat durch seine Massigkeit das Zwerchfell zu stark nach vorne drängt und zu hochgradiger Dyspnoö und Erstickungsgefahr führt. In allen anderen Fällen ist die Function zwecklos, da bei der fortbestehenden Stauungsursache der Hinterleib sich bald wieder anfüllt und dem Thier durch das Anzapfen sehr viel Körporeiweiss entzogen wird. Auch muss dabei darauf aufmerksam gemacht werden, dass bei älteren Hunden der scheinbar ungefährliche operative Act der Function zuweilen den plötzlichen Tod nach sich ziehen kann, wenn sich nämlich die Thiere bei der Operation sehr aufregen und widersetzen (Hcrzshok). Auch bei zu raschem Austliessenlassen der asci-tischen Flüssigkeit kann Ohnmacht und selbst Gfehirnlähmung eintreten.
Am meisten noch ist von der Punction bei jungen Hunden zu erwarten; wir haben bei denselben schon öfters Heilung nach einmaliger Einführung des Troikarts beobachtet.
Die von verschiedenen Seiten empfohlene Einspritzung von Lugol'scher .lodlösung in die Bauchhöhle nach der Punction dürfte wohl nur bei chronischen Peritoniten und bei Ascites in Folge von Degeneration des Bauchfells von Nutzen sein.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Krankheiten der Milz.
|
||
|
|
||
|
Literatur. 1) Rodet, Reouell vdt. 1824. 2) Oruzel, .lourn. thuoret. et pi-at. 1882. 8)Leblanc, ibid. 1834. 4)lliss,Millot,Recueil. 1833. 5) Woo dg er, The Veterinär. 1841. 6) Perrins, ibid. 1803. 7) Stevens, Annal. belg. 1842. 8) lionley, Recueil. 1844. 9) Mottet, ibid. 1857. 10) Leisering, Sachs. Jahresber. 1864. S. 51. 11) Bossetti, II mod. vet. 1866. 12) Sauvage, Journal de Lyon, 1865; Recueil. 1873. 13) Anacker, Thierarzt. 1808. S. 42. 14) Steffen, ibid. 1869. S. 225. 15) Baillet, ibid. 1873, S. 159. 10) Hahn. Ad. Wochenschr. 1874. S. 141. 17) Zündel, Recueil. 1874. 18) Friedberger, Mtinoh. Jahresber. 1877. S. 100. 19) Bande-loche, Recueil. 1879. 20) Alix, ibid. 1883. 21) Martin, Münch. Jahresbericht. 1882/83. 22) Dinter, Sachs. Jahresber. 1883. S. 82. 23) Sing, Oesterr. Vereinsmonatssohr. 1884. Nr. 11. 24) Bührmann, Berl. Archiv. 1886. S. 287. 25) Bouret u. Drnille, Recueil. 1887. 20) De Meestere, Annal. belg. 1887. 27) Albreoht, Wochenschr. f, Thierheilkunde. 1887. S. 145, 28) Haubold, Sachs. Jahresber. 1887. S. 68. 29) Möbius, ibid. 1888. S. 71. 30) Prietsch, ibid. 1889. S. 69. 81) Dogive, Annal. belg. 1888. 32) Arndt, Berl. thierärztl. Wochenschr. 1889. S. 243. 33) Wienke, ibid. 1891. S. 05. 34) Bourges, Revue v6t. 1890, 35) TeUner, Zeitsohr, f. Veterinärkde. 1890. S. 351. 86) Not/, Wochenschr. f. Thierheilkdc. 1891. S. 280.
|
||
|
|
||
|
Allgemeines. Obgleich, wie ans vorstehendem Literaturverzeichnisse hervorgeht, die Erkrankungen der Milz nicht zu den Seltenheiten gehören, besitzen sie docli im Allgemeinen für die specielle Pathologie und Therapie nur wenig Interesse, Denn mit ganz wenigen Ausnahmen lassen sie sich während des Lebens nicht diagnosticiren und sind daher für gewöhnlich nur Gegenstand der pathologischen Anatomie, auf deren Lehrbücher hiemit verwiesen wird. Ausserdem sind die pathologischen Veränderungen der Milz grösstentheils secun-däre Processe, Theilerscheinungen der Infectionskrankheiten, Blut-anomalien und sonstigen Krankheiten, die wir an anderer Stelle besprechen werden (Pyämie, Milzbrand, Leukämie etc.). Endlich gehört Frledbarger n, ITröhnsr, Faihol, u. Therapie d, Hausthlere. I. Bd, 8. Aufl. 25
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
,\m
|
Milzentzündung,
|
||
|
|
|||
|
,eiu grosser Theil der Milzkrankheiten in das Gebiet der Chirurgie (traumatische Afi'ectionen der Milz). Lediglich der Vollständigkeit halber und um zu zeigen, welch geringe praktische Bedeutung den Milzkrankheiten zukommt selbst die klinischen Lehrbücher in der humanen Medicin lassen sie meist unbesprochen sollen im Nachfolgenden ilie lt;quot;! häutigsten Milzkrankheiten kurz abgehandelt werden. Es sind dies
1)nbsp; nbsp;die Milzhyperämie,
2)nbsp; die Milzentzündung,
3)nbsp; die Milzruptur.
Milzhyperämie. Eine active oder congestive Milzhyperämie (acuter Milztumor) findet man secundär bei den meisten infectiösen Allgemeinerkrankungen, insbesondere bei allen Septikämien (Milzbrand, Sejjsis, Pyämie, Stäbchenrothlauf' der Schweine etc.). Primäre Milzcongestionen sollen bei Magenüberladung sowie bei raschem Ueber-gang von spärlicher zu reichlicher Nahrung (acute Plethora) entstehen. Die acute Milzhyperämie kann im weiteren Verlaufe zu Zerreissung, Entzündung und Hyperplasie der Milz führen. Klinisch ist sie cha-rakterisirt durch eine Vergrösserung, Anschwollung der Milr,. Die letztere lässt sich jedoch durch Palpation und Percussion für gewöhnlich nicht nachweisen, so dass der acute Milztumor in der Hegel nicht sicher diagnosticirt, sondern in Berücksichtigung des Allgemeinleidens nur vermuthet werden kann.
Eine passive Hyperämie der Milz (chronischer Milztunior) entsteht bei allen Circulationsstörungen, welche die Entleerung der Milzvene behindern, also bei chronischen Krankheiten der Leber, des Herzens und der Lunge. Sie führt bei längerer Duner zur binde-gewebigen Induration.
|
|||
|
|
|||
|
Milzentzündung. Ihre Ursachen bestehen am häufigsten in traumatischen Insulten, in Verwundung von aussen oder innen her, in Druck, Stoss, Quetschung, Erschütterung etc. der Milz. Ausserdeni ist die Milzentzündung eine Theilerscheinung der Pyämie, auch kann sie sich im Anschlüsse an einen acuten Milztumor entwickeln. Endlich greift zuweilen der entzündliche Process von benachbarten Organen (Magen, Leber) auf die Milz über. Anatomisch unterscheidet man die einfache Splenitis, welche durch starke Schwellung und Vergrösserung der Milz, graue Farbe der Pulpa, sowie zellige Infiltration der letzteren ausgezeichnet ist, den Milzabscess oder die eiterige
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
-Mil/.ruptur.
|
387
|
||
|
|
|||
|
Milzentzündung, welche gewöhnlich trauiiiiitischen oder pyilmi.schen (metastatischen) Ursprungs ist und entweder einfach oder multipel auftreten kann. Die herdförmigen Milzabscesse werden entweder abgekapselt oder sie brechen in die Bauchhöhle durch. Endlich unterscheidet man als dritte Form der Milzentzündung die Perisplenitis, die Entzündung des serösen Milzüberzuges, welche zu Verdickungen der Kapsel und zu Verwachsungen der Milz mit benachbarten Organen führt.
Die Erscheinungen der Milzentzündung sind sehr unbestimmter Natur. In den meisten Fällen entzieht sich daher auch die Krankheit der Erkennung während des Lebens. Es ist dies um so erklärlicher, als erfahrungsgemftss zuweilen selbst schwer entzündliche Veränderungen der Milz das Allgemeinbefinden der Thiere nicht alte-riren. So fand z. B. Möbius die Milz einer durchaus gesund erscheinenden und gut genährten Kuh beim Schlachten in einen grossen, 3 Liter Eiter enthaltenden Abscess umgewandelt. Verläuft die Milzentzündung mit sichtbaren Krankheitserscheinungen, so sind diese meist sehr wenig charakteristisch, indem sie in gastrischen Störungen, starker Abmagerung, Ko 1 ikerscheinungen u. s. w. bestehen. Mit Sicherheit lässt sich eine Milzentzündung nur dann diagnosticiren, wenn durch Adspection, Palpation oder Percussion eine Vergrösse-rung, sowie Schmerzhaftigkeit der Milz nachweisbar ist. Nach Notz kommt eine traumatische liämorrhamsclie Mllzschwellunst öfters bei Saugkälbern vor, wenn sie von den Müttern getreten werden. Die Thiere erkranken plötzlich schwer, verweigern jede Nahrungsaufnahme und liegen mit halbgeschlossenen, thränenden Augen, beschleunigter Puls- und Athmungsfrequenz, unterdrückter Peristaltik, massig vollem Hinterleib und kühlen Ohren am Boden. Der Tod erfolgt nach 12 18 Stunden. Am relativ leichtesten ist die Erkennung bei traumatischen Splcniten. Die Behandlung der Milzentzündung ist eine rein symptomatische.
|
|||
|
|
|||
|
Milzruptur. Die Zerreissungen der Milz sind meist traumatischen Ursprungs, sie können jedoch auch im Anschlüsse an acuten Milztumor, sowie an Splenitis auftreten. Die anatomischen Veränderungen sind je nach dem Sitze und der Ausdehnung des Risses verschieden. Ist der Riss oberflächlich und klein und die Kapsel unverletzt, so entsteht ein kleines Hämatom in Form einer Beule, welche durch Resorption und Vernarbung heilen kann. In ähnlicher Weise können auch Kapselrisse abheilen, wie dies namentlich bei
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
388
|
Krankheiten des Pancreas.
|
|||
|
|
||||
|
Pferden gelegentlich einer späteren Section beobachtet wird. Grössere Hämatome der Milz äussern sich zuweilen durch K o 1 i k e r s c h e i-nungen, Mattigkeit, Blässe der Schleimhäute und zunehmende Abmagerung. Durch Palpation oder Percussion sind sie nur sehr selten nachzuweisen. Bei ausgedehnten Zerreissungen des Milzparenchyms, namentlich bei grossen Kapselrissen, bieten die Thiere das Bild der inneren Verblutung dar: Anämie der Schleimhäute, Kälte der Extremitäten, rasch zunehmende Schwäche, Angst, Unfühl-barwerden des Pulses, sowie Tod nach einigen Minuten oder Stunden. Zuweilen beobachtet man auch periodisch wiederkehrende Blutungen mit abwechselnder Besserung und Verschlimmerung des Allgemeinbefindens.
Die Behandlung besteht in der Verabreichung styp tisch er Mittel (Seeale cornutum, Tannin, Bleizucker, Eisenpräparate).
Krankheiten des Pancreas. Noch viel weniger als die Afteotioneii der Milz besitzen die Krankheiten der Bauchspeicheldrüse klinisches Interesse. Mognin und No card (Archives d'Alfort 1878) haben einen Fall von Pancreatitis beim Pferde beschrieben. Dasselbe zeigte leichte Ermüdung, Schwäche, verminderten Appetit, Verstopfung, Abmagerung sowie Icterus. Bei der Section fand man eine sehr starke Erweiterung des Ductus pancrea-ticus, Verstopfung desselben durch einen Eiweiss-Pfropf, Compression des gemeinschaftlichen Gallengangs durch den erweiterten Ductus pancreaticus, Verhärtung des Pancreasgewebes sowie Katarrh der Speichelkanäle. Die Neubildungen des Pancreas, welche besonders beim Hunde in Form von Adenomen und Carcinomen beobachtet werden, haben ebenfalls mehr anatomische als klinische Bedeutung. Von Nocard (Archives d'Alfort 1877) und Friedb erger (Münch. Jahresber. 188(3/87) sind einige Fälle beschrieben worden.
Parasiten in der Bauchhöhle. 1) Beim Pferde kommen vor: Filaria papillosa, Strongylus armatus und Cysticercus fistularis. 2) Beim Wiederkäuer: Cysticercus tenuicollis. 'lt;i) Beim Schwein: Cysticercus cellulosae und tenuieollis, Sclerostoma Pinguicola. 4) Beim Fleischfresser: Echinococcusblasen. 5) Beim Kaninchen: Cysticercus pisiformis.
|
i
|
|||
|
|
||||
|
|
||
|
Krankheiten der Harnorgane.
|
||
|
|
||
|
Allgemeine Beuierkaugen über laquo;lie Bedeutung der Harnuntersuchung für die Pathologie der Nierenkrankheiten und der übrigen
Krankheiten^
Wie die Lehre von der Percussion und Auscultation ein inte-grirender Bestandtheil für die Diagnose der Respirations- und Herzkrankheiten geworden ist, so stellt für die Erkennung der Nieren-krankheiten die Harnuntersuchung das wichtigste klinische Hilfsmittel dar. Ohne Harnuntersuchung kann die Mehrzahl der Krankheiten des u r o p o e t i s c h e n Systems nicht d i a g n o s t i-cirt werden. Es ist daher für die Zwecke der specielleu Pathologie und Therapie der Nierenkrankheiten geboten, eine kurze Besprechung und Erläuterung der für die Diagnose wichtigsten abnormen Bestan dt heile des Harnes der eigentlichen klinischen Beschreibung der einzelnen Krankheiten vorauszuschicken. Hierbei kommen vor Allem in Betracht das Ei weisshamen, die Hä-maturie, Hämoglobinurie, das Auftreten von Harncylindern, Epithelien, weissen Blutkörperchen, Fett, Mikrokok-ken etc. im Harn. Wir benutzen diese Gelegenheit, um in möglichster Kürze die diagnostische Bedeutung der Harnuntersucliung für die Pathologie im Allgemeinen systematisch darzulegen. Ausführlicheres über Harnuntersuchung ist in unserem Lchrbuche der klinischen Untersuchungsmethoden, in der Anleitung zur mikroskopischen und chemischen Diagnostik der Krankheiten der liausthierequot; von Siedamgrotzky und Hofmeister (1884), sowie in dem Handbuche Die Lehre vom Harnquot; von Salkowski und Leube (1890) zu finden.
Geschichtliches über Harnuntersuchung. Die Untersuchung des Harnes zu diaffnostisohen Zwecken ist selir alt. Schon die alten indischen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
390nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ohemisohe HannintursiKliuii^.
Aerzte haben zablreiobe Abnormitäten des mensoblioben Harnes gekannt, unter anderen den Zuckerliaru. Hippok rates beschreibt 400 v. Chr. bereits die icterisebe Verfärbung des Harns. C els us (Zeitgenosse Christi) unterscheidet zablreiohe Harnsedimente in prognostischer Beziehung. Theophilus (600 n. Chr.) schrieb ein grösseres Buch über Harnuntersuchungen, desgleichen Job. Actuarius (13. Jahrb.) ein grosses Werk in 7 Büchern. Bis /.um Ende des vorigen Jahrhunderts wurden im Ganzen über 200 grosse Werke über narnuntersuchung gesebrieben. Die im Mittelalter durch die ulchymistische Schule des Paracelsus zur Charlatanerie ausgeartete Uro-skopie bekam erst im 18. Jahrhundert wieder einen neuen Aufschwung durch din grossen Portschritte der Chemie. 172(1 entdeckte Dekkers das Eiweiss, 1770 schon wies es Cotugno im Harn durch Kochen nach; die anderen Hanibcstandtheile wurden sodann in rascher Polgo bekannt. Nach der Entdeckung des Mikroskops und der Ausbildung der Zellenlehre Mitte dieses Jahrhunderts hat sodann die Diagnostik der Nieronkrankheiten ihre gegenwärtige Vollkommenheit erreicht.
In der Thierhei Iku n de ist Haubner der erste gewesen, welcher Harnuntersuchungen angestellt hat. Hie Verhältnisse liegen allerdings bei unseren Hausthieren insofern viel complicirter als beim Menschen, weil schon der normale Harn der einzelnen Thiergattungen ganz wosentlicbe Unterschiede aufweist, so namentlich der Pleischfresserharn im Vergleich zum Pflanzenfresserharn. Die Harnuntersuchung unterliegt also in der Thierheilknnde, wie so manches andere Kapitel, viel griisseren Schwierigkeiten, als in der Menschenheilkunde.
|
||
|
|
||
|
A. Die chemische Untersuchung des Harns.
Die chemische Harnuntersuchung befasst sich mit den im Harn auf cheniisebem Wege nachweisbaren Bestandtheilen. Hierher gehören vor Allem die abnormen Harnbestandtbeile: die verschiedenen Ei weissarte n, das Hämoglobin, die Gallenfarbstoffo, Zucker, Leucin, Cystin, Tyrosin, etc. Aber auch die normalen Harnbestandtbeile können in abweichender Ivermehrter oder verminderter) Menge im Harn enthalten sein, so das Wasser, der Harnstoff, die Harnsäure, die Hippur-säure. die Gallensäuren, das Phenol, indikan, Kreatin, Xanthin, Brenzkatechin, die Sulfonsäuren, die Harnfarbstoffe, Schleim und endlicii die Salze, namentlich die Chloride (des Natriums, Kaliums, Ammoniums), die Phosphate (des Calciums, Magnesiums, Natriums, Kaliums, Eisens), die Sulfate, Carbonate (des Calciums), Oxalate u. s. w.
Im Nachfolgenden sollen nur die für die klinische, praktische Harnuntersuchung wichtigsten kurz besprochen werden.
I. Eiweissharnen. Albuminurie. Frühere Ansichten über die Pathogenesis der Albuminurie. Noch bis vor wenigen Jahren wurde als Ursache des Eiweissbarnens allgemein eine Erhöhung des Blutdruckes angenommen, wobei das Eiweiss als colloide Substanz im Gegensätze zu den krystalloiden (Salze, Zucker etc.) durch tbierische Gewebe nicht anders als bei erhöhtem Eiltrationsdrucke hindurcbgelangen sollte (Glo-meruli der Bowman'scben Kapseln). Diese Anschauung findet indess ihre einfache Widerlegung in der physiologischen Thatsache, dass das Eiweiss so gut wie andere Körper durch tbierische Membranen hindurchtreten muss, weil der ganze Process der Ernährung ohne diese Eigenschaft des Eiweisses
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Kiwüissliiinit'ii.
|
391
|
||
|
|
|||
|
unmöglich wäre, ßunebürif stellte daher im Jahre 1870 eine der orstei^m rollständig entgegengesetzte Theorie auf und erklärte auf firund seiner physikalischen Versuche (Filtration von Kiwoisslösungen durch todte thierische Membranen) das Sinken des normalen Druckes in den (Jloinerulis als Ursache der Albuminurie. Dieser anfangs sehr berückenden Krklilrungsweise wurden indess bald schwerwiegende Einwände entgegengebracht ; es wurde vor Allem darauf hingewiesen, dass von Versuchen mit todteu thierischen Membranen nicht auf das Verhalten lebender geschlossen werden dürfe und dass gewisse klinische Erscheinungen, z. B. das Auftreten des Ascites bei orhöhtom Drucke in der l'fortader oder der Austritt von eiweisshaltigom Serum in die Lungenalvoolen bei Blutdrucksteigerung in der Lunge (Lungenödem), gerade das CJegentheil beweisen (Senator). Nachdem sodann llibbort und (John heim die beiden ganz unhaltbaren Hypothesen aufgestellt hatten, wonach bei der einen die Glomeruluscapillaren, bei der anderen das Epithel derselben in normalem Zustande im Gegensatze zu allen anderen Capillaren und Epithelion dos Körpers das Eiwciss zurückzuhalten vermöchten, erklärte Heidenhain die (ilomerulusepithelien für secernirende Zellen, also für echte Drüsenzellen mit der Eigenschaft, das Harnwasser abzusondern und das Blut ei weis 8 zurückzuhalten. Nach dieser Held en h ain'schen Secretionstheorie kommt es zur Albuminurie, wenn die genannten Epithelzollon der (Uomeruli beschädigt oder entfernt sind.
Diese bisher allgemein acceptirte Ansicht hat indess durch Senator (Berliner klin. Woohensobr, 1885, S. 225) eine, wie es scheint, hinreichende Widerlegung erfahren. Senator weist darauf hin, dass diesen platten, protoplasmaarmen Zellen vom Charakter der Endothelien auf serösen Häuten unmöglich eine Drüsensecretion zugesprochen werden kann, dass ferner heim Embryo und Neugeborenen, wo diese Zellen noch viel protoplasma-reicher. kubischei', drüsenzellenähnlicher sind, der Harn normal eiweiss-haltig vorgefunden wird, und dass eine Anzahl experimenteller und klinischer Thatsachen mit dor He i den h ainquot;schen Theorie nicht in Einklang zu bringen ist.
Pathogenese der Albuminurie nach Senator. Wie schon früher v. Wittich. Heule und Küss im Gegensätze zu den anderen Physiologen und der allgemein herrschonden Ansieht angenommen haben, ist das Filtrat in den Grlomerulis immer eiweisshaltig. Senator (vorgl. auch die Albuminurie im gesunden und kranken Zustandequot; 1882) versucht nun die Frage, warum trotzdem im normalen Harn kein Eiweiss zu finden ist, auf rein physikalische AVeise zu erklären, indem er zeigt, dass in den Glo-m er Ulis bekanntlich normal ein stärkerer Filtrationsdruck herrscht als in irgend einem anderen Capillarbezirk des Körpers, dass demnach durch sie mehr Flüssigkeit, aber woniger Eiweiss als an sonstigen Orten filtrirt wird, dass mit anderen Worten ihr Transsudat viel ärmer an Eiweiss sein muss, als z. B, die sehr eiwoissarmo Cerebrospinalflüssigkoi t, und dass endlich dieses oiweissarme Transsudat der drlomeruli noch verdünnt wird durch das specifische Secret dos Epithels der Harn-caniilchen. So kommt es, dass der Harn zuletzt so wenig Eiweiss ent-liält, dass dasselbe mit unseren Reagentien nicht mehr nachgewiesen werden kann. Die Wichtigkeit dieser Theorie ist kürzlich durch experimentelle Untersuchungen von Munk und Senator (Virchow's Archiv Bd. 114) an ausgeschnittenen Nieren bestätigt worden. Vermehrung des Drucks steigerte den Wassergehalt und verminderte den Eiweissgehalt und umgekehrt.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
392nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Eiweissharnen.
Diese normal sein1 verdünnte EJiweisslösang kimn jedoch concent.rirter werden, d. h. es tritt nachweisbare Albumiinirie ein, wenn die vier bei der Filtration mitwirkenden Faetoron: der Fil t ratio usd ruck, die lie-schafl'enheit der Membran, die Z us a mm en Setzung des Blutes und die Temperatur, einzeln oder mehrere mit einander in irgend welcher Weise beeinihisst und verändert werden.
1)nbsp; nbsp;Veränderungen des F il trat ions drucke s. Eine Zunahme des arteriellen Druckes allein macht den Harn an und für sich prooentig an Eiweiss noch ärmer als normal, absolut aber reicher. Wird nun hierbei der Harn, wie bei Muskelanstrengung, durch die stärkere Transspiration wasserarmer, so muss das Eiwoiss in demselben relativ zunehmen; es tritt Albuminurie auf. Eine venöse Stauung wirkt für sich allein wie eine arterielle Druckerholmng. Durch die stark gefüllten Venen werden indess die Harncanälchen zusammengedrückt, wodurch llarnstuuung und Niereniklem entsteht, das die Transsudation von Eiweiss aus den interstitiellen (Japillaren in die Harncanälchen und die Schwächung des riltrationsdruckes in den Glomerulis zur Folge hat. Ausserdem kommen wohl auch hier Störungen der Ernährung und physiologischen Function der Filtermembran in Betracht. Die Abnahme des arteriellen Druckes verringert das Transsudat der Glomeruli, erhöht also dessen procentigen Eiweissgehalt. Die Harnstauung endlich bewirkt noch stärkeres Oedem als die Venenstauung, sowie eine Abnahme des Filtrationsdruckes wie diese, daher zunehmender Eiweissgehalt, d. i. Albuminurie.
2)nbsp; nbsp;Veränderungen der Filtermembran, d. h, der Wandungen der Glomeruli und ihres Epithelüberzuges, so Entzündung, Verfettung, trübe Schwel Hing, amyloid e Degeneration u. s. w. befördern ebenfalls den Eiweissdurchtritt und bereichern den Harn auch noch durch das aus den zerfallenden Zellen stammende, zum Theil jedenfalls gelöste Eiweiss.
3)nbsp; nbsp;Die Bl vitraisch un g begünstigt das Eintreten der Albuminurie, wenn der Eiweissgehalt des Blutes durch erhöhte Eiwoissznfulir, gesteigerten Eiweissumsatz, stärkere Wasserabgabe (Schwitzen, Diarrhöe), Infusionen von Hühnereiweiss, Freiwerden von gelöstem Eiweiss aus den Blutzellen etc. gesteigert ist.
4)nbsp; nbsp;Eine höhere Temperatur (Fieber) endlich erzeugt Albuminurie durch Vermehrung der filtrirten Eiweissmenge und Alteration der filtriren-den Membranen.
Vorkommen und klinische Bedeutung der Albuminurie. Während man
früher das Eiweissharnen als eine selbständige, eigenartige Krankheit betrachtete, geht aus dem eben Entwickelten hervor, dass dasselbe lediglich ein Symptom der allerversehiedensten Leiden ist. Der Hauptsache nach verlaufen folgende pathologische Zustände mit Albuminurie:
1)nbsp; Nierenkrankheiten: acute und chronische Nephritis, fettige und amyloide Nieren degeneration. Das Eiweissharnen fehlt hier nie und erklärt sich aus der grösseren Durchlässigkeit der entzündeten Gewebe.
2)nbsp; nbsp;Fieberhafte, besonders acute Infectionskrankheiten (Influenza, Pneumonic, Brustseuche etc.). Ursachen: Alteration des Nieren-gewebos, Circulationsveränderungen in den Nieren, abnorme Blutmisehung, höhere Temperatur, alle diese vier zusammenwirkend.
3)nbsp; S t a u u n g s h y p e r il m i e der Nieren bei Klappen fehlem des Herzens, Emphysem und Verdichtungen der Lunge (Dampf), Stauung in der hinteren Hohlvene. Ursachen: Verminderung des Piltrationsdruckes
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Eiweissbarnoi
|
308
|
||
|
|
|||
|
der Niere, geringerer arterieller Blutdruck (Herüsohwäohe), Ernäbrungs*
Störungen der Filterineiubrsui.
4)nbsp; nbsp;(lewisse Blutkrankheiten: Anämie, Leukämie, Diabetes etc. Ursache: Entmisobung des Hlntes.
5)nbsp; nbsp;Nervöse Affect ion en, /,. li. Elpilepsie, Tetanus, Kückenmark-affeotionen. Ursache: Ciroulationsveränderungen in den Nieren.
(j) Eine sogen, physiologische Albuminurie 1st beim gesunden Menschen in 1020 Proe. aller untersuchten Fälle gefunden worden und wird hier auf starke Muskelarbeit, Erkältungen, sehr eiweissreiche Kost, Oieinüthsbewegungen etc. zurückgeführt. Bei unseren Hansthicren fehlen bis jetzt einschlägige Untersuchungen, eine Beobachtung von Pröhner aus-genommen, welcher bei 50 innerlich gesunden Pferden 2nial geringe Eiweiss-mengen im Harn nachwies. Die beim Menschen nicht seltene Albuminurie während der Schwangerschaft ist bei unseren Hausthieren nur von Frauck bei hoohträchtigeu Kühen beobachtet worden. Wir selbst haben uns vergebens bemüht, dieselbe bei trächtigen Kühen, Pferden und Hunden nachzuweisen. Zu demselben negativen Resultat kamen auch Pflug und Gross (Gestüt Weil, private Mittheilung). Bezüglich der beim neugeborenen Menschen in den ersten .Lebenstagen auftretenden Albuminurie, welche sich nach Senator aus dem post partum plötzlich und be-triichtlich ansteigenden Blutdrucke, dem Untergänge vieler eiweisshaltiger Blutkörperchen, sowie der starken Wasserabgabe durch Haut und Lungen erklären lässt, ist bei unseren Hausthieren bis jetzt nichts bekannt geworden.
Chemischer Nachweis des Eiweisses im Harn. Von Eiweissarten des Blutes kommen im Harn verschiedene vor: am häufigsten Serumalbumin und Serum globulin mit einander; seltener das Propepton (Hemi-albuminose) und Pepton. Das durch Beimengung von Eiter oder Plut /.um Harn im letzteren auftretende Eiweiss kommt hier nicht in Betracht, Von den /.ahlreichen Methoden des Eiweissnachweises im Harn sind die Folgenden zu empfehlen und in zweifelhaften Fällen alle nach einander anzuwenden :
1)nbsp; nbsp;Das Versetzen des (kalten) Harns mit Salpetersäure; ein hierbei sich bildender Niederschlag oder auch nur eine Trübung besagt die Anwesenheit von Eiweiss im Harn; der zuweilen bei liarnstoti'reicheni Harn sich bildende Niederschlag von Salpetersäuren) Harnstoff löst sich alsbald beim Erwärmen,
2)nbsp; nbsp;Das Vorsetzen des mit Essigsäure etwas angesäuerten Harns mit einem gleichen Volum gesättigter Glaubersalz-(oder Kochsalz-, Bittersalz-) Lösung, mit nachfolgendem Kochen (Hoppe-Seyler'sche lieaction). Der hierbei auftretende Niederschlag (oder Trübung) kann bei starkem Kalkgehalt des Pferdeharns ausserdem noch aus Gyps, verabreichten Alkaloiden. z. B. Chinin etc., bestehen, was jedoch mikroskopisch leicht zu erkennen ist.
3)nbsp; nbsp;Das vorsichtige Versetzen des schwach essigsauer gemachten Harns mit c oncen t r ir ter E er roey an kal ium 1 ösung. Zu COncentrirte Harne müssen hierbei mit Wasser verdünnt werden. Ein um die einfliessenden Tropfen der Lösung sich bildender Niederschlag spricht für Eiweiss.
4)nbsp; nbsp;Das Kochen des sauren oder ganz schwach essigsauer gemachten alkalischen Harns; der dabei sich abscheidende Niederschlag ist Eiweiss, wenn er sich bei Zusatz von Salpetersäure nicht auflöst.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
;!!!-!
|
lli'imoglobimuic.
|
||
|
|
|||
|
])iese Mutliodo gestattet indess nur, das Serumalbumiii und (llobulin, nicht aber das nicht gerinnende l'ropepton nachzuweisen.
Von weiteren Eiweissreactioncn möge sodann noch die Prüfung des Harns mit Met aph osphors ilu re, l* icr in säure, Quecksil b er-Jodle a 1 i u m, C i t r o n e n s il u r e - F e r r o c y a n k a 1 i u m t a b 1 e 11 e n , C a r b o 1-silurelösung, Tanninlösung, Triobloressigsäure, Quecksilber-n a t r iu m c h 1 o r i d, A meis ensäui*egoIdohl 0rid u. a. erwähnt worden.
Behandlung der Albuminurie. Für gewöhnlich wird das Symptom des Eiweissharnens nicht selbständig behandelt; es köniinn indess Pillle eintreten, in denen der Eiweissverlust des Körpers ein so hochgradiger wird. dass ein Fortdauern der Albuminurie direct lebensgetahrlich wird. Hier handelt es sich in erster Linie um Kegul i ru n g der diätetischen Verhältnisse. Nachdem l'enzoldt (Verhandlungen des Congresses für innere Medioin, Wiesbaden 1H83, S. 30) bei einem an Albuminurie leidenden Hunde gefunden hat, dass die Eiweissausscheidiing bei Fleischnalirung grosser war, als bei Brodnahrung, müsste die Fütterung auf eine möglichste Beschränkung der Eiweisszufnhr, demnach auf die Verabreichung Stickstoff loser Nahrung (Fette, Kohlehydrate, Leim) gerichtet sein. Indess haben die Beobachtungen OerteTs (Handbuch der allgemeinen Therapie der Kreis-laufsstörungen. 1891) ergeben, dass auch eine ganz, bedeutend vermehrte Aufnahine von Eiwoiss in der Nahrung zu keiner Ausscheidung desselben durch die Nieren führt. Man wird daher vorerst eine Erhöhung des Ei weis s geh a 1 tos im Blut bei Albuminurie, d. h. vermehrte Eiweisszufnhr durch die Nahrung immer noch für das Bessere halten müssen. Leber die Wirkung von Arzneimitteln ist wenig bekannt; Fröhner sah beim Pferde die Digitalis und die Stropha nthus-tinetur eine eiweissbeschränkende Wirkung ausüben, welche wohl ihre Erklärung in der Hebung der Ursache des Eiweissharnens, nämlich des gesunkenen Blutdruckes und der Stauungsniere, findet.
II. Hftmoglobinurie. Das Auftreten von freiem Hämoglobin im Harn (meist Mothämoglobin, seltener Hämoglobin und Oxyhämoglobin) kann sich auf die verschiedenen Atfectionen beziehen, denen allen als viel wichtigere Erscheinung die Hämoglobin ämie (resp. Methilinoglobinämie), d.h. die Beimengung von Hämoglobin in gelöstem Zustande zum Blut geineinsam ist. Da nun das Hämoglobin eine doppelte Quelle im Körper besitzt, nämlich einerseits die rothen Blutkörperchen, andererseits die quergestreifte Muskulatur (Muskelfarbstoff), so muss man auch zwei Hauptgruppen von Krankheiten, die mit HämoglobinHmie und Hämoglobinurie verlaufen, unterscheiden :
a.nbsp; nbsp;1} 1 utve r ä nderungen; toxamisehe oder härnatogene H ämo-globinämie und Hämoglobinurie (Bollinger).
b.nbsp; nbsp;M usk el verä nd erun gen : rheumatische oder my 0 gene H ä inoglo b i n ä inie und Hämoglobinurie (Fröhner).
1) Die toxämische Hilinoglobinänüe und Hämoglobinurie. Die Auflösung der rothen Blutkörperchen mit Freiwerden des Hämoglobins wird theils durch gewisse chemische Gifte (eigentliche toxämische Hämo-globinämie), theils durch infectiöse Stoffe (infectiöse Hänioglobinämie), wahrscheinlich durch Spaltpilze herbeigeführt.
c.nbsp; nbsp;Von chemischen Körpern und (Lften, welche, ins Blut gelangt, Hänioglobinämie erzeugen, sind zu nennen; des t il lirtes Wasser, Glycerin, gallensaure Salze, Schwefelsäure. Salzsäure, Arsenwasserstoff, .1 o d , N i t rohe u zol, Amylnitrit. Natrium nitrosum.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Cliuiuistlie Qarauntsisuohung.
|
395
|
||
|
|
|||
|
Py roffaliussilu r o, 1'ii ral d ehy d , Kali ch 1 lt;i r ic u m , Kupfer, die essbare Morchel u. s. w. Ausserdem wirkt ilie Transfusion des Blutes einer anderen Species, ausgedehnte Verbrennung (von Bouley u. A. auch bei Thieren beobachtet), Fettem holie etc. ganz, ebenso.
|
|||
|
|
|||
|
ti. Infect löse Ursachen müssen angenoinineii Verlaufe schwerer rnfectionskninkheiten, z. B, der Jnl meinen Sepsis u. s. w., auftretenden Hämoglobinnrie. sicherlich auch der grösste Theil der Fülle von
|
werden hei der im inenza, einer allge-
Hierher jlt; e hört Blutharnen heim
|
||
|
|
|||
|
Rinde (miasinatischc Einllüssc, wie bei Malaria dos Menschen'?) und vielleicht oin kleinster Theil der l'Yiile von sogen, schwarzer Harn winde beim Pferd (SelbstinfectionV).
2) Die rheumatische 11 ämoglobinämie und II ilmoglobinurie. Werden die quergestreiften Körpermuskeln starken Beizen ausgesetzt, so kommt es in denselben zu Zersetzungsprocesson, während welcher auch der mit dem Hämoglobin identische Muskelfiirbstoff frei und vom Blute auf-genoinmen wird. Unter diesen Beizen spielt die Erkältung der äusse-ren Decke, welche retlectorisch den Stoffumsatz in den Muskeln steigert, eine hervorragende Holle (Frühnerl. Die bei Weitem überwiegende Mehrzahl der Fälle von Jlärnoglobiimrie beim Pferde sind auf diesen Vorgang 'zurückzuführen; beim sogen. Blutharnen des Kindes scheint Erkältung ebenfalls mit eine wichtige Bolle zu spielen. - Heim Menschen bewirkt auch angestrengte M us k e 1 th ät i gkei t. z. B. starkes Laufen, Hämo-globinurie.
Der Nachweis des reducirten oder Methämoglobins im Harn wird durch die spectroskopische Untersuchung (ein Absorptionsstreifen zwischen D und E oder ausserdem noch ein Absorptionsstreifen zwischen C und D), sowie die braune lackartige Verfärbung des Harns bei gleichzeitigem starkem Eiweissgehalte und Fehlen rother Blutkörpereben geliefert. Ausserdem ist zu erwähnen die Prüfung mit Guayactinctur und Terpentinöl.
III. Gallenfarbstoffe im Harne. Das Auftreten von Gallenfarbstoffen im Harne (Bilirubin, Biliverdin) ist immer eine pathologische Erscheinung: der Harn gesunder Thiere, namentlich der Harn gesunder Hunde enthält keine Gallenfarbstoffe, wie dies früher behauptet worden ist. Gallenfarbstoffe kommen im Harne vor:
1)nbsp; nbsp;Bei Icterus oatarrhalis (hepatogenem oder mechanischem, Resorptions- resp. Stauungsicterus). Die Ursache ist hierbei in Zurück-stauen der Galle in die Leber und Aufnahme ins Blut in Folge von Ver-schwellung oder Verschluss der Gallengänge zu suchen.
2)nbsp; nbsp;Bei aouten Erkrankungen dos Leberparenchynis (seltener bei chronischen , bei welchen meistens gar keine Gnllensecretion mehr stattfindet).
Ü) Beim Sinken des Blutdruckes in der lieber, z. H. bei chronischen Herzkrankheiten mit schwachem arteriellen Blutdrucke. Da die Gallensecretion wesentlich durch die vis a tergo des arteriellen Blutes vor sich geht, findet bei sinkendem Blutdrücke (z. B. auch in der Agonie) eine Resorption von Galle ins Blut statt.
4) Bei Darmkatarrhen des Hundes; diese Ursache erklärt das ausserordentlich häufige Auftreten der Gallenfarbstoffe im Sundeharn. Hei der Pathogonese muss die Möglichkeit einer Verschwellung des ausführenden Gallenganges, sowie der Umstand berücksichtigt werden, dass bei Darm-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
396
|
Chemische 1 [aritantsrsuohung.
|
||
|
|
|||
|
katiirrheii eine raschere Entleerung des Dickdarmes (Diarrhöe) stattfindet, wodurch eine Zersetzung der (.iallonfarhstofi'e im Darnicanal, wie sie normal durch die Fäulnissprocesse in demselben gegeben ist, verhindert wird, so dass die Gallent'arbstoffe als solche vom Darme aus ins Blut aufgenommen und durch den Harn ausgeseliieden werden. (Normal werden sie zu Hydro-bilirubin = Urobilin zersetzt und als Harnfarbstoft'equot; ausgeschifidon.)
6) Endlich scheinen bei gewissen .131 ut/.erset/ungen aus dem Hämoglobin des Blutes sich tiallenf'arbstofle bilden zu können hiimatogener fcterusquot;).
Im Gegensatze zu den (iallentarlistoften bilden die (lallensiluren einen normalen Bestaadtheil des Harns; grössere Mengen desselben findet man neben erstoren bei der Choläniie und Uholurie; sie wirken hier als Herzgifte (Pulsrerlangsamung bei Icterus). .Jeder Harn gibt eine schwache G allen-sänrereaction (P ett en kof er'sche Probe), d.h. eine purpurrotho Eärbung beim Behandeln mit Eohrzucker und concentrirter Schwefelsaure.
Nachweis der Gallenfarbstoffe: 1) Mit der Gmelin'schen lle-action: verdünnte rauchende Salpetersäure erzeugt in dem Harn einen charakteristischen Farbenweehsel von grün, gelb, roth, violett, blau. 2) Nach Brücke: durch Versetzen des Harns mit reiner Salpetersäure und Schwefelsäure (derselbe Parbenwecbsel). l!) Nach Eleischl: durch Zusatz einer concentrirten Lösung von Chilisalpeterlösnng und von Schwefelsäure (EarbenWechsel). Nach Latschenberger sind Gallenfarbstoil'e im Pferdeharn schwerer nachzuweisen. Man muss nämlich den Harn zunächst stark mit Wasser verdünnen, sodann eine Harytlösung zusetzen, die Mischung 1224 Stunden stehen lassen und nach Entfernung der über dem Niederschlage befindlichen Eliissigkeil den gebildeten Niederschlag zur Gnielin-schen Probe verwenden.
|
|||
|
|
|||
|
IV. Traubenzucker im Harne. Man bezeichnet das vorübergehende Auftreten von Traubenzucker im Harn als Glykosurie oder Melliturie, während man einen anhaltenden Zuckergehalt des Harns als Diabetes mellitus bezeichnet (vergl. diese Krankheit).
Zum Nachweise des Traubenzuckers im Barne stehen verschiedene Wege offen:
1)nbsp; nbsp;Vier Red uc tio nsproben : a. Die Trom mer'sche : Versetzen des Harns mit Kalilauge und Kupfervitriollösung (oder Pehling'scher Lösung) und Erhitzen = llothfärbung durch Abscheidung von Kupferoxydul, b. Die Böttger'scbe; Kochen des mit Soda (oder Natronlauge und Soignettesalz) versetzten Harns unter Beifügung einer Messerspitze von weissein liismnthuin subnitricnm = Schwarzfärbung durch reducirtes Wismulhmetall. c. Die Sal kowsk i'sche Methode: Erhitzen des Harns mit ammoniakalischer Silberlösung = schwarzer Spiegel von reducirtem Silber. d. Die Indigoprobe: Erwärmung des Harns mit Soda und Indigocarminblau = Gelbfärbung in Folge lloduction des Indigoblaus zu Indigogelb.
Ausserdem sind als Keagentien auf Traubenzucker erwähnenswerth: die Picrinsäure, die Diazoben z olsulf osilure, Bleizucker, Bleies s ig, sowie PhenyIhydrazin mit essigsaurem Natron.
2)nbsp; nbsp;Die G iihrungsprobe: Traubenzuckerhaltiger Harn entwickelt. mit Hefe versetzt, Kohlensäure und Alkohol, aus deren Mengenverhältnissen sich ein Rückschluss auf das Vorhandensein und die Menge von Traubenzucker ziehen lässt.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Physikalische Haniimk'rsuuliung.
|
397
|
||
|
|
|||
|
;i) Die optische Methode durch Polarisation: Uer Traubenzucker lenkt den polarisirten Lichtstrahl nach rechts ab.
4) Die Moore'sche Probe: Brilunung' des Harns beim Kochen mit Kalilauge (Bildung von Caramel aus dem Trauboir/.ucker).
V.nbsp; nbsp;Indikan im Harne. Das Indikan (iudoxvlschweielsaures Kalium) stammt aus dem bei der Pankroasvordauung im Darmcanal gebildeten Indol und ist in kleinen Mengen ein normaler Harnbestandtheil. Die In-dikannusscheidung durch den Harn ist gesteigert bei allen Krankheitspro cessen, welche mit einer Unwegsam keit des Darmes ein her gehen oder mit abnormer F iluluiss im Darmcanal verlaufen, ausserdem bei allgemeinen Consumptions- und Inanitions zuständen. Die normale Menge des Indikans im Pferdeharn beträgt pro Liter ca. L'iO mg, im Hundeharn bei l'Meischfütterung ca. 10 mg. laff'e fand beispielsweise bei einem Hunde mit unterbundenem Dünndärme 43 mg.
Der Nachweis des Indikans wird durch die .) äff (''sehe Probe geliefert (dasselbe ist besonders leicht im Pferdeharn nachzuweisen); Der Harn wird mit einem gleichen Volum von roher Salzsäure versetzt, der einige Tropfen Cblorkalklösung beigemengt sind. Hiebei wird das Indikan zu Indigoblau zersetzt (Blaufärbung). Das Indigoblau lässt sich durch Chloroform ausziehen und colorimetrisch oder mittelst der Wage auf seinen Gehalt bestimmen,
VI.nbsp; nbsp;Chloride im Harne. Die Chloride sind ein normaler constanter Bestandtheil des Harns, welcher in gewissen Krankheiten in verminderter Menge vorhanden ist, so namentlich im Fieber und bei allen exsuda-t i v e n Entzündungen innerer Organe, namentlich der serösen Häute, desgleichen bei Ablagerung von Transsudat en in die Kürperhöhlen (Ausscheidung der Chloride in diese Exsudate und Transsudate, Verminderung ihrer Menge im Harn). Das Wiederansteigen der Chloride im Harn bei den genannten Krankheiten ist daher von günstiger prognostischer Bedeutung (Besorption der pathologischen Flüssigkeiten und Ausscheidung durch den Harn).
Der quantitative Nachweis der Chloride wird in dem eiweiss-freien, kalten, mit Salpetersäure versetzten Harn mittelst Silbernitrat geführt. Die Vergleichung der erhaltenen Niederschläge von Chlorsilber an den einzelnen Tagen ergibt schon für das blosse Auge den Nachweis eines Sinkens oder Steiffens der Chloridaussoheidunff.
|
|||
|
|
|||
|
B. Die physikalische Untersuchung des Harns.
I.nbsp; nbsp;Die Farbe des Harns. Dieselbe variirt schon normal ganz bedeutend, sie ist sehr Mass bei Polyurie, Diabetes mellitus und insipidus, ohronischer Nephritis, im Heconvalescenzstadinm fieberhafter Krankheiten etc., sehr dunkel bei verminderter llarnmengo und namentlich im Fieber (hochgestellter Urinquot;), intensiv gelb bei Icterus und Leberleiden; roth bei Hämaturie. llänioglobinurio nach Verabreichung von Kheum, Senna, Semen Cinae, Mercurialis porennis etc., dunkelgrün bei Theer- und Car-bolsäurevergiftung und nach Verabreichung von Thallin etc., missfarbig bei septischen Krankheiten.
II.nbsp; nbsp;Die Menge des Harns. Dieselbe ist vermindert bei Diirch-
fall, Exsudationen, hohem Fieber, schwachem Blutdrücke in Folge von
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||
|
398
|
Mikroskopische Harnuntersuchung,
|
||||
|
|
|||||
|
Herzschwäche, aouter Nephritis etc.: vermehrt bei Polyurie (Harnruhr), Diabetes mellitus und insipidus, Nierenhyperilmie, chronischer, interstitieller Nephritis, in der Reeonvalescenz, bei Fieberkrisen, nach der Resorption von Exsudaten und Transsudaton , nach der Verabreichung diuretischer Mittel.
III. Das speciflsche Gewicht des Harns betrftgt normal bei den meisten Haustbieren durcbsdiiiittlich 1040. Dasselbe ist abnorm hoch bei Diabetes mellitus und im Fieber, abnorm niedrig bei Polyurie und interstitieller Nephritis, bei Kieberkrisen, bei Diabetes insipidus.
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
IV. Die Reaction des Harns
alkalische (kohlensaurer Kalk), beim
|
ist beim Pflanzenfresser nonnal eine Fleischfresser eine saure (saure phos-
|
||||
|
phorsaure Salze).
Der Pflanzenfresserharn wird sauer (Phosphatharn)!
1)nbsp; nbsp;wenn der Pflanzenfresser zum Fleischfresser wird: so im Hunger, nach der Verflitterung von Fleisohmehl, bei Milchnahrung der Säuglinge;
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
2)nbsp; nbsp;bei Er kr darin katarrh (vergl
|
an ku ngen des Darmcanals, . diesen). Das Fieber beeinflusst
|
besonders bei Dünn-an und für sieb die
|
|||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
Reaction des Harns nicht.
Der Fleischfresserharn wird alkalisch:
1)nbsp; nbsp;bei ausschliesslicher vegetabilischer Nahrung;
2)nbsp; nbsp;anmittelbar nach der Fütterung:
8) Bei längerer Verabreichung von Alkalien;
4) bei Blasenkatarrh (amnaoniakalisohe Harngährung).
V. Die mikroskopische Untersuchung des Harns liefert den Nachweis von rothen und weissen Blutkörperchen, Harncylindern, Nieren- und Blasenepithelien, abnormen Krystallformen, Fetttropfen, Bacterien etc.
1) Die Hämaturie, das eigentliche Blutharnen oder Blutpissen, d. h. die Entleerung von Blut, also von rothen Blutkörperchen etc. mit dem Harn, muss von der H am ogl obinu r i e, d.h. der Beimengung des rothen Blutfarbstoffs allein, wohl unterschieden werden. Der Umstand, dass die beiden bis in die neueste Zeit vielfach zusammengeworfen worden sind, hat die Erkennung und Scheidung gewisser Krankheiten des Rindes und Pferdes sehr erschwert (vergl. in dieser Beziehung vor Allem das Ca-pitel über Blutharnen beim Rindquot;). Es ist dies um so niebr zu bedauern, als eine absolut sichere Diagnose auf Hämaturie durch den mikroskopischen Nachweis der rothen Blutkörperchen im Harn ebenso leicht als einfach ist.
Die Hämaturie ist wie die Albuminurie durchaus keine einheitliche, selbständige Krankheit, sondern nur ein Symptom der all er verschiedensten Erkrankungen der einzelnen uropoetischen Organe; die Diagnose Hämaturiequot; besagt also lediglich gar nichts. Als Ursache des Blut-harnens sind die folgenden zu nennen :
a.nbsp; nbsp;Nierenverletzungen nach einem Schlage auf die Nierengegend) nach schwerem Fall, Ueberfahrenwerden bei Hunden, zu heftiger Anstrengung beim Ziehen, Einwanderung von Fremdkörpern etc.
b,nbsp; nbsp;Nierenentzündung, liäniorrhagische Neplirilis; Insbesondere verlaufen acute Nierenentzündungen im Initialstadium häufig mit gering-gradiger Hämaturie. Ferner gehören hieher jene Nephriten, welche durch die Einwirkung thierischer und pflanzlicher Aoria (frische Pichten-sprossen, Canthariden, Meloe inajalis, Mercurial is, Bryonia alba, scharfe
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||
|
Mikroskopische Harnuntersuchung.
|
399
|
||
|
|
|||
|
Diuretica u. s. w,), gewisser Pilze (Rost*, Brand-, Sobimmelpilze, Seeale cornutum), sowie einiger metallischer Gifte (Quecksilber, Phosphor u. s. w.) hervorgerufen werden. Von praktischer Bedeutung ist vor Allem die durch die Aufnahnie scharfer Pflanzen entstehende Jliimaturie, welche eine Form der gewöhnlich als ,Blutliarnenquot; bezeichneten Krankheit heim Kinde bildet (siehe die enzootisdie Enteritis).
c Nierenhyperämie, sowohl congestive als Stanungshyperämie. Ilieher gehören wohl auch die Fälle von Häniatiirie während der Trächtigkeit bei Kühen (Hering), besonders bei vollblütigen Shorthornrindern, unmittelbar vor und nach dein Kalben, ferner nach Aufnahme zu kalten Wassers (Kychner), nach zu intensiver Fütterung von grünem Hafer und Roggen (Hering), sowie nach zu raschem Uebergang von magerem zu sehr gutem Futter, wie dies nach Hurtrel d'Arboval in der Auvergne im Frühjahr bei sänimtlichen mager angekauften Thieren , sowie nach anderen Beobachtern auch in der- Normandie, in Kngland und Norddeutschland vor-koinint (vergl. übrigens auch das Blutharnen des Rindes). Endlich hat Albert als Symptom der Fremdkörperpneumonie in Folge Verschluckens ebenfalls Blutharnen, wohl als Ausdruck einer allgemeinen Sepsis resp. Pyömie, gesehen.
d.nbsp; Pyelitis, besonders die eiterige Form ; auch die Anwesenheit von Bustrongylus gigas kann Blutung verursachen,
e.nbsp; Cystitis, sowohl die acute hämorrhagische als auch die chronische, /.u (lefilsserweiterung führende Form. Beim Kinde kommen Blasenblutungen besonders häufig vor (sog. ,, Stallroth quot;j.
f.nbsp; Blasensteine, Blasenverletzungen, Ulasentumoren (Krebs, Polypen, tuberkulöse und rotzige Infiltrationen) Blasengeschwüre,
g.nbsp; nbsp;Harnröhrenentzündung, -gesohwüre, -tumoren, -steine, h. Prostatitis, Prostataooncremente,
i. Acute Infectionskrankheiten, in deren Verlaufe sich eine sogenannte hämorrhagische Diathese entwickelt, so vor Allem der Milzbrand, die Pyilmie und Septikämie, die Brustseuche, die Pocken, die Hundestaupe, das Petechialfleber u. s. w.
k. Oonstitutionelle Krankheiten, in erster Linie die Hämophilie, sodann die Leukämie, pornieiöse Anämie u. s. w.
I. Filarien im Flute (Lang), welche Läsionen der Nierengefftsse und dadurch Blutharnen erzeugen.
Die wichtigsten Symptome der Hämaturie sind die rotbe oder rothbraune Verfärbung des Urins, resp. ein rother Bodensatz in demselben und der mikroskopische Nachweis der rothen Blutkörperchen; fehlt eines dieser beiden Erfordernisse, so kann man nicht von Hämaturie sprechen. Bezüglich des zweiten Punktes (Verwechslung mit Hämoglobinurie) ist das Notlüge bereits erörtert worden; bezüglich des erstoren muss noch darauf hingewiesen werden, dass man die Anwesenheit einiger weniger rother Blutkörperchen im Harn, ohne dass dieselben eine deutliche Bothfärbung desselben bedingen, nicht als Hämaturie im gewöhnlichen Sprachgebrauch bezeichnet. Eine sehr schwierige und zuweilen gar nicht zu losende Frage ist nun ferner die; Woher stammt das Blut? Aus den Nieren oder der Blase oder der HarnröhreV Es wird zwar eine Reihe von Anhaltspunkten gewöhnlich aufgestellt, indess schon Hering hat nicht unbegründete Zweifel darüber erhoben, ob dieselben in praxi auch zu verwerthen sind. Im Allgemeinen ist Folgendes zu beachten. Für die Nierenblutung charakteristisch ist der Nachweis der sogenannten Blutcylinder, d. h. Ausgüsse der Harncanälchen mit coiigulirtem Blute. Ausserdem sind Blut und Harn
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
400
|
.Mikroskopische Harmiiitürsiieluni^.
|
||
|
|
|||
|
Innigei' mit einander gemischt, die Pavbe des Blutes ist eino mehr braun-rotlio l)is braunschwarze, die rothen Blntkörperoben sollen gesobrumpft und die Fibringerinnsel bereits verfärbt sein (die letzteren Anhaltspunkte haben wir indess häufig verniisstl. Endlich sprechen etwaige Symptome einer Nierenentzündung, die Anwesenheit von Nierenepithel, Eiwcisscylindern etc., für die Niere als Sitz der Blutung. Hei Blasen blutungen wird das Blut mehr in geronnenem Znstande, in gi'Osseren oder kleineren Klumpen entleert: dabei besteht Drang zur Harnentleerung. Die Farbe des Blutes ist eine hellere: die rothen Blutkörperchen sollen noch ganz deutlich erhalten, sowie die Fibringerinnsel gefärbt sein. Ausserdem lässt sich das reichliche Vorhandensein von Blasenepithel etc. für die Diagnose der Blasenblutung verwerthen. Bei Ha rnröhrenblutung endlich geht das Blut unabhängig von der Harnentleerung und ineist in Tropfenform ab.
Differen tialdia gnostisch darf Blutharnen nicht mit Blntllüssen aus der Scheide oder dem Uterus (Menstruation , Metrorrhagie), sowie mit abnormen Verfärbungen des Harns durch medicamentöse Farbstoffe (Bheuiu. Senna, Theer, Gallenfarbstotfe etc.) verwechselt werden. Die früher geltend gemachte Behauptung, dass zwischen Hihnaturie und Hilmoglobinurie zuweilen nicht zu entscheiden sei, weil die rothen Blutkörperchen ihren Farbstoff allmählich an die umgebende Flüssigkeit abgeben und selbst aufgelöst werden, ist durch die Beobachtung Pranck's (Ad. Wochenschv. 1873, S. 1G1) genügend widerlegt. Franck fand die rothen Blutkörperchen sowohl im sauren als auch im alkalischen Urin, wie er von den Thieren abgesetzt wurde, bis zu 8 Tagen noch vollständig erhalten: erst wenn der Urin in Folge der Fiiulniss und Ammoniakbildung sehr alkalisch wird, werden sie nach und nach gelöst. In sehr concentrirtem Harn werden die Körperchen sternförmig. Was zum Schlüsse noch die Prognose und Therapie des Blutharnens anbetrifft, so sind hierüber allgemeine Bemerkungen in so fern überflüssig, als beide sich nach dem concreten zu Grunde liegenden Falle richten: es nmss daher auf die betreffenden Krankheiten (Nephritis. Cystitis. Hlasenbkitungen etc) verwiesen werden.
2) Harncylinder. Dieselben stellen schlauchartige Gebilde, seltener solide Walzen, und zwar Ausgüsse der Harnoanälchen dar. Sie bestehen entweder aus Fiweiss, resp. albunünoider Substanz (Eiweissoylinder) oder aus kohlensaurem Kalk mit schleimiger firundsubstan/, (Kalkcy lin der).
Die Ei weissc ylinder sind theils hyalin. von durchsichtiger, homogener Grundsubstanz, theils granulirt, durch l^ett- etc. Einlagerung gekörnt, tlieils sogenannte Epithe ley lin der, d. h. aus desquamirteii Epi-thelien der llarncanälchen bestehend, resp. Exsudatcylinder mit Epithel bedeckt, oft die Epithelzellen an einem Ende angehäuft, hinausgeschoben, theils wachsartig, aus einer colloiden, stark liohtbrechenden Masse bestehend. Die Eiweisscylindor deuten in den meisten Fällen auf eine Nierenentzündung hin. insbesondere die grannlirten und Epithelcylinder. Beim Pferde kommen ausserdem auch H am oglo binoylinder im Verlaufe der Hämoglobinämie vor. Vereinzelte hyaline Cylinder findet man übrigens auch bei Albumiaurie, im Fieber und besonders bei Stauungsniere.
Die Kalkcylinder sind von viel geringerer Bedeutung. Man trifft sie besonders im Pferdeharn nach mehrtägig unterbrochener Futter- und Wasscraufnahnie im Sediment; sie Indien sich im Gegensatz zu den Eiweiss-cylindern bei Säureznsatz unter Gasentwicklung auf.
8) Epithelzellen. Von IDpitbelzellen im Harn deuten kurze, cylin-drische, häutig gelb pigmentirte, sowie rundliche, protoplasmareiche auf eine
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Nierenhyperämis.
|
401
|
||
|
|
|||
|
Nierendrkraokung (N ieren epithel), Pflasterepitkelien auf einen Katarrh der Blase (Blasenepithel) oder der Harnröhre resp. Scheide hin, Bofern sie ausgesprochen vermehrt sind.
4) WeissG Blutkörperchen. Eiterkörperohen im Harn können sich sowolil auf eine Nephritis, als Pyelitis, Cystitis und Urethritis beziehen. Es kommt dabei ganz auf die anderweitigen Symptome, besonders auf den gleichzeitigen Nachweis von Harncylindern, Cylinder- oder Plattenepithel u. s. w, an, Has Vorhandensein von Eäter im Harn lässt sich chemisch dadurch nachweisen, dass man dem Harne bis zur milchigen Trübung Gun-jaktinotur zusetzt und dann einige Augenblicke erhitzt, worauf sich vorhandener Eiter blau färbt.
rgt;) Bacterien, Fetttröpf'chen, Tripelphosphatkrystalle etc. sind mehr zufällige Bestandtheile des Harns. Bacterien deuten auf allgemeine Sepsis, Blasenkatarrh, faulige Harnzersetzung oder Nierenvereiterung hin; Petttropfen kommen beim Hunde sehr oft normal vor, in anderen Fällen weisen sie auf eine fettige Degeneration des Nierenepithels hin ; Cholesterin-krystalle fand Friedberger bei einem mit Blasenkatarrh und wahrscheinlich atheromatös degenerirter Blasenneubildung behafteten Hunde; das Auftreten der sargdeckelähnlichen Tripelphosphatkrystalle endlich im frischen Harn spricht für das Vorhandensein einer Cystitis oder Pyelitis.
|
|||
|
|
|||
|
Nlerenhyperämle.
Literatur. 1) Augner, Magaz. 1847. S. 95. 2) Albert, ibid. 1802. 8)Fi,ied-berger, PQtz'sche Zeitsohr, 1873. S. 292. 4) Pflug, Krankheiten des uropoßt, Systems. 1870. S. 1,
Aetiologie. Die Hyperämie der Nieren ist entweder bloss ein vorübergehender oder ein rein secundamp;rer Zustand, der in Folge dessen nur selten in Form einer selbständigen Krankheit zu diagnosticiren ist. Dabei muss man zwischen einer activen (congestiven) und passiven (Stauungs-) Hyperämie wohl unterscheiden.
1) Die Ursachen der activen Nierenhyperämie sind im Allgemeinen die der acuten Nierenentzündung, deren erstes Stadium die Niercn-congestion in zahlreichen Fällen darstellt und von welcher sie nicht immer leicht aus einander zu halten ist. So entsteht sie Z. B. nach der Einwirkung scharfer Futterstoffe auf die Nieren, von welchen besonders die Anemone- und die Adonisarten, die Asclepiadeen, ferner pilzbesetzter, multriger, feuchter Hafer und ebenso beschaffenes Heu zu nennen sind. Aus letzterer Veranlassung kommt die active Nierenhyperämie mit ihrem Hauptsymptom, der Polyurie, zuweilen und zwar besonders im Frühjahr enzootisch vor. Auch schlechtes , unreines Trinkwasser aus Sümpfen, Pfützen u. s. w. kann eine Nierencongestion bedingen. Sodann bringt jede Art von Plethora oder Blutüber-Frledborger u, Pröhner, Pathol, n, Therapie d, Hanatlitere, I. Bd, :i. Ann. 26
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
402nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Nierenhyperftmle.
f ullung im Hinterleibe mehr oder weniger eine Nierenhyperämie mit sich, die sich unter Umstünden bis zur Hämaturie steigern kann. Endlich ist die active Nierenhyperämie eine Begleiterscheinung der meisten Infectionskrankheiten (Influenza, Brustseuche, Wuthu.s.w.). 2) Die passive Niei'enhyperämie entwickelt sich bei allgemeiner Blutstauung in Folge von Herz- und Lungenleiden (Klappenfehler, Lungenemphysem, Lungenverdichtung, Pleuraexsudate), sowie bei Stauung des Blutes in der hinteren Hohlvene in Folge von Aneu-rysmen, Thrombosen, Tumoren derselben, oder von abnormer Futter-und Gasanhäufung im Darmcanal, endlich nach Thrombose oder Compression der Nierenvenen und der Nierenarterien (fortgesetzter Thrombus vom Aneurysma der vorderen Gekrösarterie oder der Nierenarterie).
Anatomischer Befund. Bei beiden Formen der Nierenhyperämie sind die Nieren vergrössert, geschwollen, erweicht, höher gerothet, und zwar sind bei der activen mehr die Liindengefässe, bei der passiven mehr die Venen der Marksubstanz gefüllt. Speciell bei der activen Hyperämie ist die Niere stark durchfeuchtet und sehr weich (parenehy-matöses Oedem); die Kapsel ist leicht abzutrennen; die Nierenober-fläche ist zuweilen in Folge von Hämorrhagien blutig gefleckt. Bei längerer Dauer der passiven Nierenhyperämie nimmt das Organ eine dunkelblaurothe Farbe an und wird durch Wucherung des intersti-tiellen Gewebes derber (cyanotische Induration). Gleichzeitig erleidet das Epithel der Harncanälchen Ernährungsstörungen in Form von fettiger Degeneration, wozu sich auch Hämorrhagien gesellen können. Schliesslich kann die Stauungshyperämie auch in Nephritis übergehen.
Symptome. 1) Bei activer Nierenhyperämie findet man Poly-urie mit sehr hellem, dünnem, speeifisch leichtem Harn. Die Harnmenge kann beim Pferde statt 5 Liter pro Tag 25 Liter und mehr, sowie das speeifische Gewicht statt 1040 1001 bis 1006 betragen (sogen. Lauterstall, eine Form des Diabetes insipidus). Ausserdem zeigen die Thiere leicht gekrümmte Körperhaltung und etwas gespannten Gang. Fieber ist nicht vorhanden.
2) Bei der passiven Nierenhyperämie ist die Harnmenge im Gegentheil vermindert und es besteht Albuminurie (selbst Hämaturie); auch hyaline Cylinder treten zuweilen im Harne auf. Daneben besteht bei fieberlosem Zustande eine leichte Schwäche der Nachhand. Der Verlauf ist chronisch.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Nierenentzündung.
|
403
|
||
|
|
|||
|
Therapie. Bei activer Hyperämie ist eine Ableitung auf den Dcirmcanal, bei passiver die Behandhing des Primärleidens (Digitalis), Bewegung u. s. w. angezeigt.
|
|||
|
|
|||
|
Nierciieutziiiulimg. Nephritis.
Allgemeines. Das Kapitel der Nierenentzündung muss als eines der ärmsten in der gesammten Veterinilrpathologie bezeichnet werden. Die Gründe für diesen Mangel unserer internen Pathologie sind theils darin zu suchen, dass eingehendere Harnuntersuchungen bei unseren Hausthieren erst seit neuerer Zeit vorgeiiomnien wurden, theils darin, dass die pathologisch-anatomischen , speciell die mikroskopischen Forschungen im Gebiete der Nephritis auf thieriirztlicher Seite mit denen beim Menschen nicht gleichen Schritt gehalten haben, wobei indess nicht unerwähnt bleiben soll, dass auch die einschlägigen neueren Befunde der Menschen-Pathologie erst aus den letzten Jahren stammen (vergl. die Arbeiten von Eibbert, Friedländer, Für bringer. Aufrecht, /legier, Nauwerk). Daraus ist die zwingende Nothwendigkeit abzuleiten , dass, so lange eigene thierärztliche Untersuchungen der Anatomie der Nephritis nicht in hinreichender Weise zu Grunde gelegt werden können, die Veterinärpathologie sich bis dahin an die Forschungen der Menschenpathologie anlehnt. Wir sind daher bezüglich der pathologischen Anatomie der Nepln-itis in der Hauptsache der Darstellung Ziegler's (Lehrbuch der pathol. Anatomie, 5. Aufl.) gefolgt.
Eintheilung. Eine der schwierigsten Fragen bei der Bearbeitung der Nephritis ist die Eintheilung der Nierenentzündungen. Sowohl vom ätiologischen als anatomischen Standpunkte aus kann man eine Reihe von Formen aufstellen, die sich indess in ihrer überwiegenden Mehrzahl für die Zwecke der Praxis nicht eignen. So wären mit Berücksichtigung der Ursachen zu unterscheiden eine infectiöse, bacteritische, mykotische, eine toxische, eine traumatische, eine rheumatische, eine metastatische, embolische, eine seeundäre, d, h. im Verlauf anderer Krankheiten auftretende Nephritis. Je nach den zuerst ergriffeneu anatomischen ßestandtheilen der Niere hat man eine parenehymatöse (Affection des Nierenepithels) und eine i n t er s ti ti e 11 e Nephritis (Entzündung des Blutgefäss-apparates und des interstitiellen Bindegewebes) unterschieden, wozu in neuerer Zeit noch eine Glomerulonephritis d. h. eine auf die Malpighi'schen Knäuel beschränkte Entzündung hinzugekommen ist. Weiter ist die Eintheilung in eine acute und chronische, diffuse und cir cum Scripte, herdförmig auftretende Nephritis zu erwähnen. Endlich unterscheidet man im Gegensatze zur ausschliess-lichen Erkrankung des Nierenparenchyms eine Pyelonephritis, bei welcher ausserdem auch das Nierenbecken erkrankt ist.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
404nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Nierenent/. ünduiig.
Aus dieser grossen Zahl von Arten der Nephritis eignen sich nach dem gegenwärtigen Stande der Veterinärpathologie vorerst als klinische Hauptformen folgende:
1)nbsp; nbsp;Die acute Nephritis, der früher sogen, acute Morbus Brightiiquot;. Dieselbe kann sowohl infectiöser als rheumatischer, toxischer, traumatischer etc. Natur sein und bald als Gloinerulonephritis, bald als acute diffuse Nephritis etc. auftreten.
2)nbsp; nbsp;Die chronische Nephritis, der früher sogen, chronische Morbus Brightiiquot;. Hiebei sind die chronische parenchymatöse und chronische interstitielle Nephritis nebst dem Endstadium der letzteren, der sogen, granulirten und Schrumpfniere, mit inbegriffen.
3)nbsp; nbsp;Die eiterige Nephritis in Folge eiteriger Metastasen.
4)nbsp; nbsp;Die Pyeolonephritis, die Entzündung der Niere und des Nierenbeckens, wie sie namentlich beim Rinde häufig vorkommt.
Klinische Hauptformen der Nephritis beim Menschen. Beim Menschen untersoheidet man klinisch uusser der eiterigen Nephritis mid der Pyelonephritis drei Hauptformen von Kferenentzündvmg:
1)nbsp; nbsp;Die acute Nephritis, gewöhnlich im Anschlüsse an Infections-krankheiten auftretend und meist in Heilung oder Tod und nur sehr selten in ohronisohe interstitielle Nephritis übergehend. Hauptsymptome: Oligurie, starke Albuminurie, hohes specifisches Gewicht dos Harns, hyaline Cylinder, Nierenepithel, weisse, zuweilen auch rothe Blutkörperchen im Harn.
2)nbsp; nbsp;Die chronische parenchymatöse Nephritis, meist mit Tod endend oder in die dritte Form (Schrumpfnierequot;) übergehend. Entwicklung schleichend. Hauptsymptome: massige Oligurie, starke Albuminurie, höheres specifisches Gewicht, Harncylinder, weisse Blutkörperchen, fettig degenorirte Epithelien und Detritusmassen, selten rothe Bhxtkörper-chen, Wassersucht. Anatomisch durch Vergrösserung der Niere (grosse weisse Niere) und starke Epitheldesquamation charak-terisirt.
'S) Die granulirte Niere, Schrumpfniere, N ieren ind u ration oder Niere n sk lerose. Entwicklung schleichend, /.mveilen aus der zweiten Form hervorgehend. Hauptsymptome: Polyurie, geringe Albuminurie , sehr niederes specifisches Gewicht, spärliche Formelemente. Kein Hydrops, dagegen Herzhypertrophie. Anatomisch durch Verkleinerung der Niere und Bindegewebsproliferation charakterisirt.
Der Begriff des Morbus Brightii. Unter den Begriff des Morbus Brightiiquot; (nach dem Nierenpnthologen E. Bright, London 1827, so benannt) hat man theils siimmtliche mit Albuminurie verlaufenden Nierenkrankheiten (Bright, Loyden n. A.). theils nur die eigentlichen Nierenentzündungen mit Einschluss der Amyloidniere (Virchow, Aufrecht, Wagner u. A.), theils endlich nur die primäre interstitielle Nephritis (Klehs) gerechnet. Bei dieser Divergenz der Ansichten wäre es besser, den veralteten Namen Morbus Brightiiquot; ganz auszumerzen und die anatomischen Benennungen an seine Stelle zu setzen. In der Veterinärpathologie hat er besonders auch bezüglich der Hämoglobinurie des Pferdes grosse Verwirrunsfen angerichtet.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Acute Nieivnuutziinilurii'.
|
lor
|
||
|
|
|||
|
1) Die acute Niereuentziinduug (Nephritis aouta).
Literatur. 1) Hering, Spec, l'atliol. u. Therapie. 1859; enthillt illterc Literaturangaben. 2) Clichy, Recueil vetcr. 183(). 8) Borger, ibid. 1840. 4) Ohouard, ibid, 1854. 5) Zundel, ibid, 1802. 6) Didi'6, Journ. milit. 18(i4. 7) Jost, Preuss. Mittheil, 1857. S. 91, 8) Öroas-Olaude, ibid. V. S, 112. 9) Neubert, Sftchs. Jahresber, 1861. S. 114. 10) Funk, ibid. 1869. S. 25. 11) öuilmont, Annal. de Bruxell. 1801. 12)Reboul) Journ. du Midi. 1866. 18) Do Oesaro, II medio, voter. 187H. 14) 1'flug, Krankheiten delaquo; uropoSt. Systems unserer llausthiere. 187(5. 15) Fried-berger, Pütz'sohe Zeitsohr, 1876. S. 295. 16) Uannuann, Deutsche Zeitsohr, f. Thiermed. 1877. 8. 265. 17) Siedamgrotzky, Silclis. Jalires-berioht. 1877. S. 60. 18) Laguerriöre, Reoueil, 1878. 19) Schick, Ref. Adam's Wochenschr. 1886. S. 277. 20) Scbindelka, Oesterr, Vierteljalus scbrift 68, Bd. S. 62. 21) Csokor, ibid. 61. Bd, S. 86, 22) Williams, The vet. journ. 1886. 23) Bongartz, Berl. Aroh. 1888, S, 86, 24) Rivolta, I)i una nefrite baoiliaro nei bovini, 25)Rizzi, Clinica vet, lid. 12. S. 316.
|
|||
|
|
|||
|
Aetiologie. Die acute Nephritis kommt bei allen llaustiiieren, am häufigsten beim Pferd, Kind und Hund aus den allerverschieden-sten Veranlassungen vor. Zunächst kann sie sich aus einer einfachen Nierenhyperämie entwickein (vergl. die derselben zu Grunde liegenden Ursachen). Sodann wird sie durch traumatische Einflüsse, z.B. durch Stösse oder Schläge auf den Hucken, Niederstürzen , schwere Anstrengung im Ziehen, zu kurzes Pariren von Reitpferden in schnellen Gangarten etc. hervorgerufen. Nicht selten ist die Ursache in Erkältung, besonders bei Pferden, zu suchen, wobei man sich bezüglich der Pathogenese an den directen Connex zwischen Nieren und Haut, sowie an die indirecten Wirkungen einer Unterdrückung der Hautthätigkeit zu halten hat. Weiter kommt eine acute Nierenentzündung sehr häufig im Verlaufe von Infecfcionskrankheiten vor; dieselben bedingen auf Grund der Elimination der betreffenden schädlichen Stoffe durch die Nieren fast alle eine infectiöse Nephritis, welche sich in leichteren Graden mehr nur als trübe Schwellung und Verfettung des Nierenepithels äussert. Am häufigsten kommen hier septische und pyämische Processe, z. B. die Septicaemia puerperalis des Kindes, in Betracht. Aber auch andere infectiöse Krankheiten, wie Influenza, Brustseuche, Druse, Angina, Bronchitis u. s. w., compliciren sich zuweilen mit acuter Nephritis. So sahen wir beispielsweise einen im Rückgang begriffenen Fall von Brustseuche beim Pferde schliesslich durch die Entwicklung einer hochgradigen beider-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
40(5
|
Acute Nievenentottndung.
|
||
|
|
|||
|
seitigen acuten Nierenentzündung- töiltlich enden. Friedberger beobachtete einen Fall von acuter Nephritis bei schwerer Angina des Pferdes in Verbindung mit hinzutretender Sepsis, Siedaingrotzk}^ Und Trasbot eine peracut und tödtlich verlaufende Nephritis als Complication einer Bronchitis. Rivolta beschreibt einen subacut verlaufenden Kali von bacillärer Nephritis, lieber die rotzige und tuberkulöse Nephritis siehe bei den betreffenden Grundkrank-heiton.
Die gleiche Entstehungsweise trifft für die durch Vergiftungen (metallische und organische Gifte) erzeugten Nephritiden zu. Hieher gehören die nach Einwirkung der Herbstzeitlose, der Canthariden, des Terpentinöls, Crotonöls, des ExtractumFilicis, der Scillaetc. auftretenden Nierenentzündungen, so vor Allem ein Theil der als Blut-harnenquot; beim Rinde bezeichneten Krankheitsfälle. Dieselbe Wirkung auf die Nieren kommt sodann dem Theer, der Carbolsäure, dem Jodoform und vor Allem den metallischen Giften: Phosphor, Arsenik, Blei, Quecksilber u. s. w., zu. Auch Schimmel-, Rost-und Brandpilze auf Futterstoffen, gewisse Insekten, z. B. Raupen, Blattläuse auf Kohl, ja selbst die zu reichliche Aufnahme roher (verdorbener?) Kartoffeln, sowie gewisse Sorten von Baumwollsaatmehl vermögen in ähnlicher Weise entzündungserregend auf die Nieren einzuwirken.
Eine seeundäre Nephritis kann ferner durch Fortleitung von einer Cystitis, Pyelitis etc. entstehen. Endlich ist von grosser praktischer Bedeutung die im Verlaufe der Hämoglobinäinie (schwarzen Harnwindequot;) des Pferdes auftretende, durch Uämoglobin-iufaret der Niere bedingte Nephritis, welche früher irrthümlichcr Weise für das Primäre der genannten Krankheit quot;ehalten wurde.
|
|||
|
|
|||
|
Pathologische Anatomie. Die makroskopischen Verhältnisse bei der acuten Nierenentzündung sind je nach den anatomischen Einzelformen derselben ausserordentlich verschieden. I n vielen Källen ist sogar bei oberflächlicher Betrachtung nichts Abnormes zu sehen {;/.. B. bei Glomerulonephritis, Herdnephritis etc.). In anderen Fällen sind die eine oder beide Nieren vergrössert, und zwar zuweilen um das Zwei- und Dreifache und darüber, und dabei von weicherer, ja selbst breiweicher Consistenz (entzündliches Oedem der Niere, Hämo-giobininfaret). Die entzündete Niere ist ferner bald diffus oder fleckig höher geröthet, ja selbst hämorrhagisch iuiiltrirt, bald ist sie in Folge der Verfettung blässer, grau, oft sogar ganz weiss. Die beiden
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
A cut i' Nierenentzündung.
|
407
|
||
|
|
|||
|
Anomalien in der Farbe können sich endlicli bei einer und derselben Niere combiniren, wodurch letztere ein eigenthüinlicli geflecktes, buntes Aussehen erhält. Ueber die Schnitttliiche der Niere ergiesst sich häufig eine dicke, rahniähnliche Flüssigkeit und die Glomeruli treten stark hervor; die Kapsel ist gewöhnlich sehr leicht abziehbar. Im Nierenbecken ist nicht selten ein dicker, schlickeriger und dabei blutiger Harn zu finden.
Die mikroskopischen Veränderungen richten sich in ihrem Verhalten ganz nach den einzelnen histologischen Bestandtheilen, welche von dem Entzündungsprocesse betroffen worden sind. Man unterscheidet dementsprechend folgende Einzelformen:
1)nbsp; Die acute Glomerulonephritis mit vorwiegendem Ergriffensein der Glomeruli. Hiebei zeigt sich das Glomerulus- und Kapselepithel geschwollen und desquamirt, die Gefässwände sind hyalin verquollen, innerbalb der Glomeruli befindet sich eine eiweissreiche entzündliche Flüssigkeit, welche, durch Kochen oder Alkohol zur Gerinnung gebracht, einen sichelförmigen Hof um den Glomerulus bildet; endlich sind zuweilen die Capillaren durch weisse Blutkörperchen und proliferirte Endothelkerne thrombosirt. Die übrigen Theilc der Niere sind gar nicht oder nur sehr wenig verändert.
2)nbsp; nbsp;Die acute diffuse Nephritis mit Erguss eines fibrinösen, llüssigen Exsudates in das interstitiellc Gewebe, Verbreiterung des letzteren, Compression der Gefässe, Schwellung, Lockerung, fettiger Degeneration und Desquaination des Epithels der lliirncanälchen, sowie Auftreten hyaliner Cylinder in deren Innerem. Die Glomeruli sind dabei ziemlich intact.
3)nbsp; nbsp;Die in kleinen Herden auftretende Nephritis, bestehend in umschriebener zelliger Infiltration besonders der Rinde und der Umgebung der Venen; das Epithel der Glomeruli und der Harn-canälchen ist gewöhnlich ziemlich unversehrt, zuweilen indess nekro-tisch zerfallen; im Inneren der Harncaniilchen findet man eine geringe Anzahl hyaliner Cylinder. Diese häufigste Form der Nephritis führt im weiteren Verlaufe zu herdförmigen Verdickungen, Narben, Verödungen und Abscessen.
4)nbsp; nbsp;Die vereiternde Her dnephritis ist in Folge einer hochgradigen zelligen Infiltration in der Umgebung der Venen und Glo-meruluskapseln und äussert sich in Form von rundlichen oder streifen-förmigen weissen Eiterherden mit rothem Hofe. Ihre Entstehung ist auf Einwanderung von Spaltpilzen in die Glomerulusschlingen, Verstopfung und Nekrose der letzteren, sowie reactiver Entzündung in
|
|||
|
|
|||
|
I
|
|||
|
|
|||
|
408
|
Acute Nierenentz
|
||
|
|
|||
|
der Peripherie und Desquaraation der benachbarten Epithelien zurück-ZUftlhreu. Einen derartigen Fall hat Friedberger als embolische Nephritisquot; beim Pferde beschrieben, Zuweilen dringen die weissen Blutkörperchen und Mikrokokken auch ins Innere der Harncaniilchen und füllen diese ganz aus (vergl. den von Dam mann als Nephritis bacteritioa beschriebenen Fall beim Rinde). Oonfluiren die einzelnen kleinsten Abscesse, so kann sich ein allgemeiner grosser Abscess bilden, welcher die Niere schliesslich in einen vollständigen Eitersack umwandelt, ein Befund, der beim Rinde nicht selten angetroffen wird (vergl. die eiterige Nephritis). Beim Menschen sind derartige Ansammlungen von Mikrokokken in den Harncaniilchen beispielsweise bei der Diphtherie gefunden worden.
Die sogenannte puren cliy m atöse Degenerationquot; der Nieren bildet eine Vorstufe der Entzündung und kommt wie diese durch die Einwirkung infeotiöser und toxischer Stoffe auf das Nieronepithel zu Stande. Dem Grade nach unterscheidet man: 1) die trübe Schwellung (körnige Trübung); 2) die fettige Degeneration; 8) die hydropische Degeneration; 4) die Nekrose der Nierenepithelien,
Symptome. Die wichtigsten und nicht selten einzigen abnormen Erscheinungen (z. B. im Verlaufe schwerer lufectionskrankheiten) bei Nephritis zeigt der Harn. Derselbe ist zunächst stark eiweiss-haltig (0,21 Proc). Sodann ist, die Harn menge vermindert, ja in schweren Fällen sogar die Harnsecretion ganz unterdrückt. So beobachtete z. B. Funk bei einer Kuh eine 5 Tage andauernde Amirie, Friedb erg er desgleichen beim Pferde eine 7tägige. Die Ursachen dieser letzteren Erscheinung sind in der Verstopfung der Hamcanälchen durch Exsudatcylinder, in der starken entzündlichen Schwellung des Nierengewebes und der dadurch bedingten Compression der Ilarncanälchen, sowie in verminderter Wasser-abscheidung seitens des erkrankten Organs zu suchen Das speci-fische Gewicht des Harns ist immer erhöht. Der Harn selbst ist von dickerer Consistenz, häutig schleimig, trübe und verfärbt. Zuweilen kommt es auch zu Hämaturie.
Mikroskopisch finden sich im Barn die verschiedenen Arten der Harncylinder in grosser Anzahl, zum Theil mit Zellen, weissen und rothen Blutkörperchen besetzt, ferner je nach dem desqmunativen, interstitiellen oder hämorrhagischen Charakter zahlreiche Epithelien, weisse oder rothe Blutkörperchen. Der Harnabsatz erfolgt häufig nur tropfenweise unter starken Schmerzen und lebhaftem Harndrang (Dysurie, Strangurie). Die Harnblase findet man bei der
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Aoute Nierenentzündunii
|
409
|
||
|
|
|||
|
Exploration vom Mastdarm aus regelmilssig leer. Die Nieren-gogend (Leudenpartie) ist bei der Palpation schmerzhaft an-zufühlen, insbesondere ist das durch Druck auf die Nieren bezw. Londengegend provocirte Einbiegen (Einsenken) lt;les U'i'ukgratos sebmer/-haft für das Thier. Die Nieren selbst erscheinen bei der liectal-untersuohung, wenn und wo diese möglich ist, vergrössert und bei Berührung schmerzhaft. Häutig, besonders im Beginne der Erkrankung, stellen sich hochgradige anfallsweise Schmerzäusserungen als sogen. Nierenkolik ein. Die Ulickenhaltung der kranken Thiere ist eine steife, gekrümmte, und ebenso ist der Gang gespannt oder schwankend. Das Aufstehen ist beschwerlich, die Thiere stehen daher meist, und zwar gewöhnlich mit gespreizton oder unter den Leih gestellten Füssen; zuweilen wird auch heim Gehen der Fuss der kranken Seite nachgeschleppt oder weniger weit vorgesetzt als der andere. Bei männlichen Thieren findet man häufig den einen Hoden aufgezogen (Roll).
Die Fntteraufnahme ist von Anbeginn an unterdrückt; bei Munden beobachtet man zuweilen Erbrechen. Meist stellt sich sodann Verstopfung ein, die später mit Diarrhöe abwechselt. Die Körpertemperatur ist, so lange noch keine uränüschen Zufälle vorhanden sind, gering- bis mittelhochgradig erhöht. Der anfangs sehr kräftige und harte Puls wird im weiteren Verlaufe frequenter und schwächer. lieber eine nach mehrwöchentlicher Dauer der acuten Ncpbi'itis auftretende Herzhypertrophie ist bei den liausthieren his jetzt nichts bekannt; auch die beim Menschen im weiteren Verlaufe beobachteten Erkrankungen der Lunge (Bronchitis, Pneumonic), des Herzbeutels (Pericarditis) etc. sind vorerst noch nicht constatirt worden. Dagegen entwickelt sich auch bei den Hausthieren eine by drop is ehe Anschwellung der Subcutis, so am Kopf, an der Brust, am Bauch, Scrotum, an den Gelenken, im Bereiche des Hintcrtheils und wohl auch Hydrops der Körperhöhlen.
Bei tödtlicbem Ausgange und in schweren Fällen der Nierenentzündung gesellen sieh zu dem beschriebenen Krankheitsbilde noch die Erscheinungen der Urämie, so namentlich Betäubung, Krämpfe und Dyspnoe. So constatirte Pflug bei einer Kuh mit beiderseitiger Nephritis im Endstadium derselben die heftigsten eklam ptiseben Anfälle mit Opisthotonus, sowie vollständiges Coma in den freien Intervallen. Wir selbst beobachteten bei einem Pferde mit beiderseitiger acuter diffuser Nephritis starke Benommenheit des Sen-soriums, Taumeln, Schwanken, allgemeinen Schweissaus-
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
|
410
|
Acute Nierenentzündung.
|
||
|
|
||||
|
|
bruch, vage Muskel/.uckungen über den ganzen Körper, sowie excessive Temperatursteigerung (nahezu 42quot; C.) etwa 12 Stunden vor dem Tode.
Die Fälle von wirklicher Urämie bei unseren Haustbieren sind, abgesehen vom Hmule, nicht sehr /.ahlreich. Beim Schafe hat Dammann (Magazin 1870) epileptit'onne Krämpfe abwocliseln sehen mit Sopor, lieiin Hunde beobachtet man im Anschlüsse an Harnsteine, Harnröhrenstricturen und Blasenlähmungen sdemliob häufig Erbrechen, Ittbmungsartige Sohwäohe, Coma, sowie Abnahme der Körpertemperatur als urämische Symptome. Bei einem Pferde beobachteten wir ausgesprochene opileptifonne Anfalle.
Bezüglich des Wesens der Urilmie muss auf die Lehrbücher der allgemeinen Pathologie verwiesen worden. Sie besteht, in der Kürze gesagt, in einer Anhäufung von Harnbcstandtheilen im Blute und in den Geweben, wobei in erster Linie der Harnstoff, dann aber auch die übrigen Harn' bestandtheile und zwar namentlich die Kalisalze in Betracht kommen. Die Traube'sche Theorie, wonach die ürämie lediglich der Ausdruck eines acuten Gehirnikleins, sowie die Frerichs'sche, wonach die Umwandlung des Harnstoffs in kohlensaures Ammoniak im Blute die eigentliche Ursache der Urihnie sei, haben keine Bestätigung gefunden.
Die Erscheinungen der ürämie beim Menschen bestehen in Kopfschmerzen, Soninolenz, Unruhe, Delirien, Uebelkoit, Erbrechen, Angstgefühl, leichten Zuckungen, sowie schweren ekhunptischen Anfällen (Bild der Epilepsie), nach denen oft eine urämische Amaurose oder Taubheit zurückbleibt (centrale StörungenI: weiterhin Erbrechen, Schluchzen, Durchfall , Harnstoffausscbeidung auf der Haut und in Folge davon Hautjucken, Verlangsamung und späterer Beschleunigung des Pulses, abnorm hoher oder abnorm niederer Körpertemperatur, Dyspnoö,
Verlauf. Die acute Nierenentzündung entscheidet sich bezüglich ihres Ausganges im Allgemeinen innerhalb 8 14 Tagen. Der Tod kann indessen schon nach wenigen Tagen eintreten.
Prognose. Dieselbe ist jedenfalls der Wirsicht halber eher ungünstig ZU stellen, da die Verluste den l'iillen von Heilung so ziemlich gleichkommen werden. Sehr ungünstig ist das Auftreten nrämischer Erscheinungen; der Tod erfolgt meist auf Grund eines Lungen- oder Geliirnödems. Der Ausgang in chronische Nephritis ist selten.
|
|||
|
|
||||
|
Differentialdiagnose. Die acute Nephritis wird häufig mit Ent-zündungszuständen anderer Hinterleibsorgane, so mit Peritonitis, Kolik, Enteritis, Cystitis, Metritis u, s. w,, verwechselt und daher übersehen. Diese ist indess nur dann möglich, wenn die Untersuchung des Harns unterlassen wird, welche in allen Källen die Diagnose Nephritisquot; ohne viele Schwierigkeit sicherstellt. Ausserdem lässt
|
||||
|
|
||||
|
#9632;L
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Acute Nierenentzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 411
eine genaue Localuntersuchung, also beispielsweise der Blase, des Uterus u. s. w., eine Verwechslung vermeiden.
Therapie. Die Behandlung der acuten Nephritis besteht zunächst in Ruhe und in Vermeidung jeder reizenden Nahrung oder auch reizender Medicamente (Terpentinöleinreibungen, Canthariden-salbe auf dem Rücken!). Für Hunde empfiehlt sich die beim Menschen erprobte ausschliessliche Milchdiät. Sodann handelt es sich um eine Entlastung der Niere durch Diaphoretica, Laxantien, Diuretica und vielleicht auch locale Derivantien in der Nierengegend, von denen sich die Application kalter oder feuchtwarmer Umschläge am besten eignet.
Eine schweisstreibende Wirkung kann bei den grösseren Hausthieren zunächst durch ausgiebiges Froüiren des Körpers mit Stroh, Einhüllen in wanne Decken, feuchtwarme (Priessnitz'sche) Umschläge um den Rumpf etc., sodann eine Speichelfluss erzeugende durch subcutane Injection des Pilocarpinum hydrochloricuin (0,2 beim Pferd, 0,5 beim Rind, 0,0050,02 beim Hund) erzielt werden. Kleinere Hausthiere, wie Hunde und Schweine, bringt man durch heisse Bäder, deren Temperatur man allmählich auf Körperwärme steigert, oder durch heisse Einwicklungen zu einer vermehrten Wasserabgabe durcb die Haut.
Von Abführmitteln wirken die drastischen durcb intensive Wasserentziehung am besten (Calomel, Aloe; Gutti und Senna-Infus bei Hunden); zugleich nierenreizende müssen jedoch vermieden werden. Das Gleiche gilt von den Diureticis, von welchen deshalb besonders die Alkalien, namentlich das essigsaure Kalium, und bei drohender Herzschwäche die Digitalis, das C'offein u. a. anzuwenden sind.
Gegen die eklamptischen Zufälle sind Bionikaliuni, Chloral-hydrat, sowie Chloroforminhalationen zu versuchen.
Was endlich die früher häufige Verabreichung adstringirender, styptischer Mittel gegen die acute Nephritis, wie des Tannins, Bleizuckers, Eisenvitriols u. s. w., betrifft, so kann man sich immerhin eine gefftsscontrahirende und daher entzündungswidrige, sowie zum Theil auch antiseptische Wirkung derselben vorstellen. Wir haben bisher das Tannin in Form der Chinarinde (zugleich auch gegen das Fieber), sowie der Folia Uvae Ursi angewandt und haben nach unseren bisherigen relativ günstigen Resultaten keinen Grund, dasselbe nicht auch fernerbin zu empfehlen.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
112
|
Chronisohe NierenentzUndiino
|
||
|
|
|||
|
2) Die clirouisclie Nierenentzündung (Nephritis chronica).
Literatur. D 7erheyn, .Ion. v6t. et agrieol, de Bolgique. 184;'). S. 249. 2) Bruckmüller, Ocsten-, Vioiteljahrsscbr. 1800. S. 137. 8) Lustig, Deutsche Zeitsohr. f. Thievmed, 1875. S. 180; Hannover. Jahresber. 1879. S. 104; Deutsche Zeitsohr, f, Thiermed. 1880. S. 867. 4) Bemabei, Gtaz. tnedioo veterin. 1870. 5) liable, Oesterr. Vierteljabrssohr, 1877. S, 66. 6) Rabe, Hannov. Jahresber. 1882/88. 8.94. 7)Fröhner, Bering's Bepert.
1883.nbsp; S. 185. 8) EUenberger u. Hofmeister, Aroh. f. Thierheilkde.
1884.nbsp; S. 216. 9) Mathis, Joura. de imkl. vet. 1884; Lyon, medie. 1885. 10) Osokor, Oesterr. Vierteljahrsschr. Bd. 64. 8.3(1. IDCadeac, Joum. de Lyon. 1888. 12) Seuffert, Beoueil. 1890. 13) Friedberger, Dentsohe Zeitschr. f. Thiermed. 1890. 8. 188. 14) Ostermann, Merlin, thierftrztl. Wochonschr. 1890. 8. 353. 15) Thomson, ibid. 1891. 8. 27. 16) Rieok, Arohiv f, Thierheilkde. 1891. S, 119.
Aetiologie. Die chronische Nierenentzündung verläuft entweder gleich von vornherein in schleichender, chronischer Weise, oder sie entwickelt sich aus einer acuten Nephritis heraus. Ueber die eigentlichen Ursachen der chronischen Entzündung ist hei unseren Haus-thieren noch weniger bekannt als heim Menschen, Jedenfalls muss man dieselben in der Einwirkung schädlicher Heize auf das Nierengewehe suchen, wobei die Noxen sowohl chemischer als parasitärer Natur sein können. Von chemischen Heizen müssen z. B. die Kupfer- und Bleisalze genannt werden, welche nach den experimentellen Untersuchungen von EUenberger und Hofmeister bei länger fortgesetzter Aufnahme zu eigenthUinlichen entzündlichen Veränderungen der Nierensubstanz führen. Aehnlich wirken beim Menschen der Alkohol, die Harnsäure etc. Von Noxen parasitärer Natur muss in erster Linie der Hotzhacillus erwähnt werden. Aber auch sonst scheint nicht selten die Einwanderung entzündungserregender Spaltpilze ins Blut und ihre Elimination durch die Niere zu chronischer Nephritis Veranlassung zu geben, lliebei können sowohl die Spaltpilze selbst als auch ihre Zersetzungsproducte reizend auf das Nierengewebe einwirken. Auf diese Weise erklärt sich das häufige Vorkommen der Krankheit bei Kühen, welche in Folge des Geburtsgeschäftes der Einwirkung septischer Stoffe vom Uterus her sehr ausgesetzt sind. Als weitere Eingangspforten für die Entzündungserreger müssen heim Pferde Geschwüre im Darm, Larynx u. s. w. (Lustig), sowie chronische Bronchialkatarrhe initBroruhiektasien-und Emphvseml)ildung(l,1röhner) angenommen werden. Weiterhin findet sich heim Pferde zuweilen eine
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Cluonisclic Nierenentzündung,
|
4l;{
|
||
|
|
|||
|
embolisohe obroaisobe Nephritis im Anschltisse an ein bestehendes Wunnaneurysina der vorderen Gekrösarterie und der Nierenarterien mit Thromben- und Metastu;senl)ildung (Lustig). Auch senile Ge-t'äissverilnderungen (atheromatöse Degeneration) dürften bei älteren Thieren, wie beim Menschen, mit chronischen Ent/iindungsjirocessen in der Niere zusammengebracht werden. Endlich können häufige Erkältungen zu einer chronischen Nephritis Veranlassung geben.
Die chronische Nephritis ist insbesondere beim Rinde sehr häufig mit chronischer Entzündung der Schleimhaut des Nierenbeckens (Pye-litis) complicirt. Diese clironische Pyelonephritis des Rindes, welche durch einen specifischon Krankheitserreger ausgezeichnet ist, wird später in einem besonderen Kapitel abgehandelt.
|
|||
|
|
|||
|
Pathologische Anatomie. Während man in früheren Zeiten die chronische Nephritis streng in zwei Hauptformen, die parenchy-matöse und die interstitielle Nephritis, schied, haben neuere Untersuchungen dargethan, dass bei der chronischen Nierenentzündung das eigentliche Nierenparenchym (die Epithelzellen) und das interstitielle Gewebe meist gleichzeitig, wenn auch in verschiedenem Grade, erkrankt sind. Wenn gleichwohl in der Menschenpathologie zwischen einer chronischen parenchymatösen Nephritis und der sogen, genuinen Schrumpfniere, d. h. einer schleichend verlaufenden Atrophie der Nierenzellen mit secundärer Wucherung des interstitieilen Bindegewebes unterschieden wird, so scheint hiezu mehr die Verschiedenheit der klinischen Krankheitsbilder als wesentliche Differenzen im anatomischen Befunde Veranlassung gegeben zu haben. Denn dass auch beim Menschen die sogen. Schrumpfniere häutig nur ein weiteres Stadium der chronischen parenchymatösen Nephritis darstellt, wird allgemein zugegeben. Da nun bei unseren llausthieron über die Existenz einer nicht entzündlichen Schrumpfniere vorerst nichts bekannt ist, haben wir bis auf Weiteres die chronische parenchymatöse und chronische interstitielle oder indurative Nephritis als zwei Stadien der cbronischen Nephritis im Allgemeinen betrachtet, welche zwar in anatomischer und klinischer Beziehung manche Verschiedenheiten darbieten, schliesslich jedoch nur Entwicklungsstufen eines und desselben Processes in der Weise darstellen , dass die indurative Nephritis das Endstadium der parenchymatösen bildet.
1) Das Stadium der chronischen parenchymatösen Nephritis. Der mikroskopische Befund ist bei der chronischen parenchymatösen Nephritis ein verschiedener, je nachdem mehr die
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
414nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ohronisoha Nierenentzündung.
epithelialen Elemente verändert sind oder grössere Partien der Niere sich im Zustande des entzündlichen Oedems befinden. Im ersteren Falle findet man die Glomerulusepithelien geschwollen, verfettet und in den Kapselraum hinein desquamirt; das Epithel der Harn-canälchen ist getrübt, gequollen, verfettet, desquamirt, nekrotisch; die Harncamilchen sind von Epithelcylindern ausgefüllt. Dagegen zeigt sich beim entzündlichen Oedem der Niere eine kleinzellige Infiltration besonders in der Umgebung der Venen neben Einwanderung der weissen Blutkörperchen in das Innere der Harucaniilchen und der Bowman'schen Kapseln, die Glomeruli und Harn can ill chen sind von einem entzündlichen Exsudate ausgefüllt (Exsudatoylinder); endlich beobachtet man auch einen Austritt von rotiien Blutkörperchen. Wir beobachteten in einem Falle besonders auch das die Nierenkelche umgebende Bindegewebe hochgradig sulzig infiitrirt. Makroskopisch zeigt sich die Niere in manchen Fällen gar nicht oder nur wenig verändert, häufig entsprechen jedoch den feineren Structurveränderungen äusserlich sichtbare Abweichungen der Form, Farbe etc. So bezeichnet man als entzündliche Fettnierequot; den Zustand einer starken Epithelverfettung mit massiger Schwellung des Organs; die Rinde erscheint hiebei blassgrau, von weissen (verfetteten) Streifen und Flocken durchsetzt, sowie sehr weich; diese weissgrauen Partien fanden wir beim Kalbe auch von speckähnlicliem Aussehen. Ueber-wiegt das entzündliche Oedem über die Epithelverfettung, so entsteht die sogen, grosse, bunte Nierequot;, bei welcher die Niere stark geschwollen, die Rindensubstanz auf dem Durchschnitt verbreitert, weich und feucht, sowie grauroth verfärbt ist. Bei hauptsächlicher Erkrankung der Glomeruli endlich und beim Austritte grösserer Mengen rother Blutkörperchen spricht man von chronischer Glomerulonephritis und chronischer hämorrhagischer Nephritis.
2) Das Stadium der chronischen indurativen Nephritis ist durch eine Hyperplasie des Bindegewebes mit Gewebsindu-ration und Atrophie des eigentlichen Drüsenparenchyms charakterisirt. Der Ausgangspunkt des entzündlichen Processes ist in einer herdförmigen, kleinzelligen Infiltration des Bindegewebes zu suchen, welche zur Vermehrung und Verbreiterung des intertubulären Bindegewebes, sowie zur Compression und Verödung der eingelagerten Capillaren führt. Die Epithelveränderungen sind geringgradiger Natur; die Glomeruli sind theils durch Kapselverdickung, theils durch hyaline Verquellung der Gefässwände verödet und daher häufig mit blossem Auge nicht mehr zu erkennen; in Folge dieser
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Chronische Nierencntzüiulung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 41T)
Atrophie dei' Glomeruli kommt es später auch zur Atrophie von Harncanalchen.
Im weiteren Verlaufe, nach Monaten und Jahren, bilden sich nun narbige Herde, welche die Oberfläche einziehen; sogen, granu-lirte Niere, Granularatrophie der Niere. Dabei wird die Niere allmählich kleiner und kleiner; sogen, indurirte Schrumpfniere. Das prominirende, nicht verhärtete Gewebe wird graulich verfärbt (Verfettung), die Kapsel lässt sich nicht mehr abziehen, sondern ist durch fibröse Stränge mit der Kinde verbunden; in einzelnen Fällen ist die Nierenoberfläche in Folge der Schrumpfung in einzelne Lappen getheilt. Das Nierengewebe selbst wird derb und beim Durchschneiden zuweilen fast knirschend; die Rindenzone verschmälert sich und ist von Bindegewebszügen durchsetzt, welche atrophische Glomeruli, Harncanalchen und Capillaren in sich schliessen, und zwischen welchen inself'örmige Reste nicht atrophischen Gewebes liegen. Die Niere kann sich so bis über die Hälfte ihres ursprünglichen Volums verkleinern. Wir fanden beim Rind beide Nieren stets gleichmässig erkrankt.
Eine multiple embolisohe Nephritis hei Kälbern ist von Rieck beschrieben worden. Sie findet sieh bei 1--2 I'rocent aller Killber, stellt eine serös-fibrinöse, zu bindegewebiger Verdiokung führende Nierenentzündung dar, welche vielleicht dmch Aufnahme von Tnfeetionsstoft'on aus dem Darm entsteht und auf die weitere Entwiekluiijj; der Niere ohne Einfluss zu sein scheint.
Symptome. Die chronische Nierenentzündung entwickelt sich für gewöhnlich ganz alimählich ohne irgend welche deutliche Symptome; die Thiere kommen deshalb auch nur bei vorgerückteren Graden des Leidens zur Behandlung. Die ersten auffallenden Symptome sind ebenfalls noch sehr allgemeiner Natur und bestehen in zunehmender Appetitlosigkeit und Mattigkeit, ohne dass sich hiefür bei oberflächlicher Untersuchung ein bestimmtes Organleiden nachweisen lässt. Ein charakteristisches Krankheitsbild des parenchymatösen Stadiums kommt erst durch das Auftreten von wassersüchtigen Erscheinungen, und zwar von Anschwellungen der Unterfüsse, der Unterbrust, des Unterbauches etc., zu Stande. Dieselben fordern zur Untersuchung des Harns auf, welche allein sicheren Aufschluss über das Wesen der Krankheit gibt. Dabei findet man die Menge des abgesonderten Harns vermindert, das specifische Gewicht erhöht, den Harn sehr eiweissreich, sowie Harncy linde r, Nierenepithelien, Fe ttkörn ch enzellen , zuweilen auch rothe Blutkörperchen
|
||
|
|
||
|
ff
|
||
|
|
||
|
|
||
|
4:16nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ohronisohe Nieraneutsündung.
enthaltend. Weiterbin fällt bei der Untersuchung des Circulations-ttpparates der sehr harte und gespannte Puls, der starke und nicht selten auf beiden Seiten fühlbare Herzschlag, die sehr lauten Herztöne, sowie eine zuweilen vergrösserte Herz-dilni]ii'ung. alles Symptome einer Herzhypertrophie, auf. Die Temperatur im Mastdarm ist nur gering- oder höchstens mittelhochgradig gesteigert. Gewöhnlich ist sodann starker Hurst vorhanden. Nimmt in diesem Stadium die Intensität der Krankheit rasch zu, so zeigen sich unter auffallender Abmagerung und Mattigkeit die schon früher beschriebenen Erscheinungen der Urämie, an welcher die Thiere bald zu Grunde gehen.
Entwickelt sich jedoch aus dem parenchyinatösen Stadium das der chronischen indurativen Nephritis, so ändert sich das Krankheitsbild vollständig. Der Uebergang der ersteren Form in die letztere wird zunächst durch ein Sinken des specifischen Harngewichtes auf 10251015 (beim Pferd) eingeleitet. Bei ausgesprochener Schrumpfniere sodann beträgt das specifische Gewicht nur noch 1001- lollt;gt;: dabei ist der Harn sehr wässerig, wird in grossen Mengen abgesetzt und enthält nur wenig Eiweiss, Cylinder und Epithel, Gleichzeitig verschwinden die Oedeme. Die Ursache hievon ist in der Zunahme der Herzhypertrophie zu suchen, welche durch Steigerung des Blutdrucks die angesammelten Stauungstranssudate zur Resorption bringt und dabei die Menge des Harns erhöht, während das specifische Gewicht und die Menge des Eiweisses im Harn abnehmen. Das DurstgefUhl ist sehr gross.
Bei ausreichender Compensation seitens des Herzens kann nun der Zustand jahrelang in dieser Weise fortbestehen: früher oder später folgt jedoch dann auf die compensatorische Herzhypertrophie eine allmählich zunehmende II e rzin suff icienz. Der Puls wird schwächer, unregelmässig j im Anschlüsse an die sich einstellende Blutstauung im Körper treten Bronchialkatarrhe, chronische Magen- und Darnikntarrhe, ausgebreitete Oedeme, Kurzathmigkeit, Herzklopfen, Schwindel, ja selbst Pneumonien, Pleuriten, Pericarditen neben allgemeinen Organblutungen auf. die Harnmenge nimmt wieder ab, das specifische Gewicht dagegen, sowie die Alhuminurie zu, und schliesslich erfolgt der Tod unter dem Bilde einer acuten oder chronischen Urämie.
Therapie. Die Behandlung der chronischen Nephritis ist im Wesentlichen dieselbe wie die der acuten, nur sind die Aussichten auf Heilung dabei geringere. Ausserdem handelt es sich meist auch um
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
ISitei'ige Nierenentzündung.
|
417
|
|||
|
|
||||
|
Hebung des allgemeinen Ernährungiszustandes und der Anämie, sowie bei eintretender Horzinsuffteienz um Erhöhung des Blutdrucks. Man gibt daher vor Allem die Cardiaca und Diuretica, so die Digitalis, das Coff'e'i'n, die Tinctura Strophantin, sowie Calomel. Ausserdem ist auch hier Pilocarpin dann anzuwenden, wenn liydrops eingetreten ist. Als llesorben.s für die in der Niere vorhandenen hyperplastischen üewebsmassen kann .lodkalium empfohlen werden,
üeber die Beziehungen der chronischen Nephritis zur Herzhypertrophie existiren verschiedene Ansichten. 1) Nach Traube wird der Blutdruck durch die Ansammlung des ilaniwassers im Blute und die durch die Nieren-veränderungen bedingten Cireulationsstörungen erhöht, was eine compen-satorischc Hor/hypertrophie zur Folge hat. 2) Dieser mechanischen Theorie steht die chemische Theorie Senator's gegenüber, wonach die Steigerung des Blutdrucks in der llentention der Harnbestnndtheile, vor Allem des Harnstoffes im Blute zu suchen ist. Welche der beiden Theorien die richtigere ist, litsst sich zur Zeit nicht entscheiden.
|
#9632;
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
3) Die eiterige Nierenentzündung (Nierenabscess).
Literatur. 1) Chouard, Beoueil v6t 1823. 2) Rodet, ibid. 1826. ä) Oliohy, ibid. 1830. 4) Laurent, ibid. 1807. 5) Buhler, Adam's Wochenscbr. 1800. S. 28(J. 6) Tournaye, Ännal. de Bruxell. 1808. S. 048. 7) Bruokmüller, Lehrbuch der path, Zootom. 1809. S. 048. 8) Leisering-Voigtländer, Sachs. Jahresber. 1872. S. 21, 48. 9) Anaoker, Thierarzt 1874. S. 147. 10) Siedamgrotzky, Sachs. Jahresber. 1875. S. 29. 11) .lohne, ibid. S. 30, 32. 12) Munich, Adam's Wochenscbr. 1878. S. 17. 18) Sebindelka, Oesterr. Yierteljabrsschr, 1884. S. 44. 14) Prieser, Oeston-. Monatsschr. 1882. S. SB. 16) Mould, Recueil. 1887. 10) Zeitschr. f. Veterinftrkunde. 188!). S. 24.
|
gt;ffl
|
|||
|
.if
|
||||
|
|
||||
|
Aetiologie. Die der eiterigen Nierenentzündung zu Grunde liegenden Ursachen können von zwei Seiten her auf das Nierengewebe ent-zündungserregend einwirken: erstens vom Blute aus und zweitens von der Blase, resp. dem Nierenbecken her. 1) Vom Blute aus erzeugen eiterige oder jauchige, überhaupt int'ectiöse Emboli umschriebene Entzündungsherde, so bei Septikämic, Pyäinie, Endocarditis, Lungengiingrän, l'neurnonie, intensiver Pharyngitis u. s. w. Emboli nicht infectiöser Natur, wie z, B. solche, welche vom Wunn-aneurysma abstammen, bedingen keine eiterige, sondern eine gewöhnliche chronische Nephritis mit Ini'arcirung und Narbenbildung. Am häufigsten findet man die eiterige Nephritis in Form des Nierenabscesses beim Rind. Hier kommen jedenfalls die im Anschlüsse an schwere
Geburten oder an das Zurückbleiben der Nachgeburt auftreten-Fiiedberger u. Kiiiimcr, Puthoi. u. Therapie d. Haustblere, I. Bd. 8.Aufl. 27
|
||||
|
|
||||
|
I
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
418
|
Eiterige Niprenentzümlung.
|
||
|
|
|||
|
den septischen Infectionen mit Ablagerung der Spaltpilze in dem Excretionsorgan der Niere in Betracht. 2) Von der Blase her kann sich eine Entzündung auf dem Wege der Fortpflanzung zunächst his zum Nierenhecken und von da zur Niere selbst verhreiten (Pyelonephritis). Vergl. Genaueres hierüber im Kapitel der Pyelonephritis.
Pathologische Anatomie. Bei metastatischer eiteriger Nephritis vom Blute her findet man das Nierenparenchym oft ganz besät mit herdförmigen, stecknadelkopf- bis erbsengrossen, graugelben Flecken, welche embolische Abscesse darstellen und aus weissen Blutkörperchen, eingeschmolzenem Gewebe, sowie centralen Mikrokokkenliuufen bestehen. Diese nur selten grosser werdenden Abscesse entwickeln sich aus einer zelligen Inliltration des Nierenparenchyms auf Grund der Einwanderung von Spaltpilzen, welche das Lumen der Gefässe verstopfen, die letzteren zur Nekrose bringen und in der Umgebung eine reactive Entzündung hervorrufen, welche zu eiteriger Einschmelzung der Epithelzellen und des Bindegewebes führt. ^
Die pyelonephritischen Abscesse entwickeln sich aus streifen-förmigen, dem Verlaufe der Harncanälchen zunächst den Sammelröhren folgenden Eiterzügen; sie sind haselnuss- bis apfclgross und confluiren nicht selten zu grossen Abscessen, ja sie können selbst die Niere in einen grossen, mit Eiter gefüllten Sack (Pyonephrose) umwandeln, wobei das Nierengewebe vollständig zu Grunde gegangen und die Nierenkapsel zu einer derben, bindegcwebigen Cystenwand verdickt ist; solche Eitercystou können 3B und mehr Pfund wiegen. Zuweilen findet sich auch bloss eine Eiterscbicht zwischen Kapsel und Nierenoberfläche. Endlich kann sich der Eiter auch einen Weg in das die Niere umgebende Bindegewebe bahnen (par an ephri tische Abscesse).
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. Die Erscheinungen der eiterigen Nephritis sind nicht sehr charakteristisch, abgesehen davon, dass sie durch die Symptome des Grundleidens (Pyämie, Pyelitis etc.) verdeckt werden. Häufig fällt nur die starke Abmagerung, die Störung des Appetits, der vermehrte Durst, die Mattigkeit, das rauhe Haarkleid u. s. w. auf. In anderen Fällen bietet der Harn gewisse Anhaltspunkte für die Diagnose. Man findet ihn nämlich zuweilen übelriechend, von dicker, schlickeriger (Konsistenz, mit Eiter und Avurmför-migen Gerinnseln gemischt; auch Blut und abgestorbenes Nierengewebe {Leisering) hat man schon darin nachweisen können.
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Pyolitia.
|
419
|
|||
|
|
||||
|
Nach Buhl er soll bei Kühen der Schweif mit Eiter und Schleim besudelt sein. Im weiteren Verlauf kann es zu embolischen Pneumonien (VoigtHinder), Pyilmie, hilmorrlmgischer Diathese etc. kommen; für gewöhnlich ist indess der Verlauf ein langsamer, schleichender, so dass die Veränderungen in der Niere meist erst beim Schlachten des Thieres wahrgenommen werden. Bei der Exploration der Bauchhöhle vom Mastdarm aus kann man beim Kinde hie und da durch Palpation die Huctuirende, weiche Eitercyste nachweisen.
Therapie. Die Behandlung der eiterigen Nephritis ist eine rein chirurgische. Sie kann entweder in der Function des Eitersackes von der Lendengegend aus oder in der Exstirpation desselben auf dem Wege der Laparotomie bestehen. Letztere wurde in einem Falle bei einer Kuh von Munich versucht. Wenn dieser vereinzelte Fall auch nicht von dem gewünschten Erfolg begleitet war, so dürfte sich doch in Zukunft die Vornahme der letzteren Operation um so mehr empfehlen, als das Rind gegen derlei Eingriffe sehr wenig empfindlich ist und bei ungünstigem Ausgange eine Nothschlachtung ja ohne grossen finanziellen Verlust vorgenommen worden kann.
|
||||
|
|
||||
|
Entzttndung des Nierenbeckens. Pyelitta.
Literatur. 1) Bruokmüller, Pathol. Zootom. 1869. S. 657. 2) Sledamgrotzky, Sachs. Jahresbericht. 1871. S, 74. 3) Deupser, Berl. thiertlrztl, Wochenschrift. 1890. S. 89. 4) Friedberger, Deutsche Zoitsohr. f. Thiermed.
1890. S. 188.
Steine imNierenbecken : 1) Laut our, Kecueil vet. 1828. 2) Bouley, ibid. 1845. 3) Biquet, ibid. 1849. 4) (luillon, Archiv. d'Alfort. 1876. 5) Degive u. Lorge, ibid. 1877. 6) Mögnin, Reeueil. 1881. 7) Roll, Oesterr. Vierteljahrsschv. 1852. S. 52. 8) Pill wax, ibid. 1867. S. 59, 9) Bruok-müllor, ibid. 1857. S. 26; 1858. S. 131; Path. Zootom. 1869. S.661. 10) Söhnyen, Berlin. Archiv. 1885. S. 299. 11) Capellettl, Clinica voter. 1886.
Hiosenpa] lisaden wurm im Nierenbecken: 1) Leblano, Reeueil de mcd. vet. 1862. 2) Delia Rovere, 11 med. vet, 1863. 3) Leisering, Sachs. Jahresber, 1867. S. 31; 1871. S. 74. 4)Rivolta) 11 med. vet. 1867. 5) Balbiani, Reeueil do med. vet. 1870. 6) Martemueei, Refer, im Repertor. 1872. 8. 288. 7) Wirtz, ibid. 1873. 8. 308. 8) Pflug, 1. c. 9) Adacco, Riforma med. 1888. 10) Sil vestrin i, Giorn. di Anatom. 1888. Reeueil vet. 1889.
Allgemeines. Die Entzündung des Nierenbeckens bietet mehr Interesse für den pathologischen Anatomen als für den Kliniker. Einerseits tritt sie nämlich immer als seeundäres Leiden im Gefolge
|
II
|
|||
|
|
||||
|
|
||
|
420nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pyelitis.
einer anderen primären Krankheit (Nephritis, Cystitis u. a, w.) auf, andererseits kann sie klinisch während des Lebens nur ausnahmsweise mit Sicherheit diagnosticirt werden. Eine eingehendere Besprechung der Pyelitis dürfte daher hier kaum am Platze sein.
Aetiologie. Die Entzündung des Nierenbeckens entsteht gewöhnlich durch Ausbreitung einer Blasen- oder Nierenentzündung auf die Schleimhaut des Nierenbeckens (Pyelocystitis und Pyelonephritis). Weiterhin entwickelt sie sich häufig im Verlaufe von Infectionskrankheiten und bei Vergiftungen, wenn die infec-tiösen oder giftigen Stoffe bei ihrer Ausscheidung aus dem Körper mit der Nierenbeckenschleimhaut in Berührung kommen. Es möge hier an liotz und Tuberkulose, sowie an die Aufnahme scharfer Pflanzengifte erinnert werden. Sodann verursachen Fremdkörper, besonders Nierensteine, verschieden hochgradige, bald leichte, bald sehr schwere Entzündungen der Nierenbeckenschleimhaut (Pyelitis cal-culosa); auch die Ablagerung von Gries und Sand im Nierenbecken, nach Bruckmüller sogar die dem Pferdeharn normalerweise eigen-thümliche leichte Sedimentirung kann Pyelitis hervorrufen. Hieher gehört auch die Anwesenheit des Riesenpallisadenwurmes (Eu-strongyius gigas) im Nierenbecken des Hundes, Pferdes und Rindes. Endlich bedingt eine Anstauung des Harns im Nierenbecken nach mechanischer oder dynamischer Harnverhaltung in Folge der sich einstellenden Zersetzung des Harns ebenfalls eine Pyelitis, aus der sich bei längerer Dauer der Stauung Nierenatrophie mit cystöser Ein-schmelzung der Nierensubstanz entwickeln kann (Hydronephrose).
Pathologische Anatomie. Je nach dem Grade, den Ursachen und der Dauer der Entzündung kann man zwischen einer einfachen, eiterigen . croupösen, dijih th eriti sehen, calculösen, sowie einer acuten und chronischen Pyelitis unterscheiden. Bei der einfachsten Form findet man die Schleimhaut geschwollen, höher ge-röthet, zuweilen von Hämorrhagien durchsetzt, sowie mit einem schleimigen, an desquamirten Epithelzellen reichen Belage überdeckt, der bei eiteriger Pyelitis fast aus lauter weissen Blutkörperchen besteht. Die Einwirkung von Nierensteinen auf die Schleimhaut äussert sich entweder im Auftreten umschriebener entzündlicher, bald in Nekrose und Geschwürsbildung übergehender Herde und croupös-diphtheritischer Auflagerungen, oder in Vorm einer inkrustirenden Schleimhautentzün-dung, bei welcher die ausgeschiedenen Sedimente sich mit der Schleim-
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Pyelonephritis.
|
421
|
|||
|
|
||||
|
haut zu einer rigiden Membran verbunden haben. Der bei Pferden nach Bruckmüller häufige chronische Katarrh des Nierenbeckens äussert sich in schmutzig bräunlicher Verfärbung, l'igmentirung, Ver-dichung, submucöser Infiltration und Verschwärung der Schleimhaut bei gleichzeitiger Erweiterung des Nierenbeckens. Sehr bald gesellt sieb zur Pyelitis auch eine Nephritis oder Cystitis; insbesondere führt die eiterige Form gerne zu eiteriger Nephritis und Pyonephrose.
Symptome. Die Erscheinungen der Nierenbeokenentztlndung sind bei der häufigen Complication der Pyelitis mit Nephritis und Cystitis sehr unbestimmter Natur. Mit Sicherheit kann man Pyelitis nur diagnosticiren, wenn man etwa im liarn bei mikroskopischer Untersuchung die den tieferen Lagen der Nierenbeckenschleimhaut charakteristischen mit Fortsätzen versehenen (back/, all n äh nli ch geformten) (^y lind er ep it he lien vorfindet. Zuweilen lässt sich beim Rinde durch Palpation der Nieren vom Mastdarm aus eine Vergrösserung des Nierenbeckens nachweisen, desgleichen beim Hunde durch äussore Palpation des Hinterleibes. Die übrigen Erscheinungen richten sich ganz nach der Art des Grundleidens. So erzeugt die Anwesenheit von Nierensteinen Kolikerscheinungen und Harnbeschwerden (sogen. Nierenkolik) und kann bei längerer Harnverhaltung zu ürämie führen. Im Harn findet man je nach der Form der Pyelitis Ei terkörpereben, Blut-und Fibringerinnsel, nekrotisches Sch 1 eimhautgewebe, sandige, griesige Massen, bei Anwesenheit von Eustrongylus gigas im Nierenbecken zahlreiche S t rnngy lu s-E ier.
Therapie. Die Behandlung der Pyelitis deckt sich mit der Behandlung des Grundleidens. Sie besteht in der Hauptsache in der Verabreichung antikatarrhalischer, antiseptischer und ad-stringirender Mittel. Hieher gehören die Alkalien, die Borsäure, Salicylsäure, das Creolin etc., sowie die verschiedenen gerbsäurehaltigen Mittel.
|
i
'iii amp;
H
|
|||
|
|
||||
|
Div PyelOUephlitls rtos Hin des.
Literatur. 1) Guilmont, Annal, deBruxolles. 1866, 2) Bruckmüller, Pathol. Zootomie. 1809. S. 657. 8) Siedamgrotzky, Sachs, Jahresber, 1871. S. 74; 1875. S. 30. 4) Eicheub e rger, Schweiz. Archiv, f, Thierlilkde. 1884. S. 194. 5) Pflug, Krankheiten des uropoSt, Systems. 187(1. ti) Kaiser, Tageblatt der 60. Naturforscherversammlung. 1887. 7) Fogliata, Giorn.
|
i, t
[1
|
|||
|
|
||||
|
|
||
|
|
||
|
422nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pyelonephritis,
di Anatom. 1887. 8) Ma/./.anti, ibid. 1889. 9) Rivolta, Ciiorn. di med, vet. prat. 1887. 10) Hess, Schweizer Arch. f. Thierheilkde, 1888. 8.209; 1890. 8.224. 11) Gil lot, Reoueil. 1888. 12) Oa diet, ibid. 1889. 18) Can dry, Reoueil Bull. 1889. 14) Bang, Tidsskrift for Voter. 1889. 16) Friedberger, Munch. Jahresber. 1889/90. S, KM. 16) Enderlen, Deutsche Zeitsohr. f. Thiermedioin. 1891. S. 825. 17) HOflioh, Monatshefte für prakt. Thierheilkde. 1891. S. 887.
Aetiologie und Pathogenese. Unter den entzündlichen Erkrankungen der Niere nimmt die Pyelonephritis des Rindes insofern eine selbständige Stellung ein, als sie durch einen besonderen, in der jüngsten Zeit genauer erforschten Tnfectionserreger, den Bacillus renalis bovis (Bacillus pyelonephritidis bovis) erzeugt wird. Dieser Pilz bildet nach den Untersuchungen von Enderlen und Höflich, welche denselben zu gleicher Zeit entdeckt haben, 23 Mikra lange und 0,8 Mi kr a breite, unbewegliche, schlanke oder leichtgekrümmte, in Haufen bei einander liegende Stäbchen mit abgerundeten Ecken, welche sich leicht nach der Gram'scben Methode färben lassen. Dor Bacillus, welcher am besten bei einer Temperatur von 37deg; 0. gedeiht, bildet auf festen Nährböden graue, punktförmige, erhabene, stark glänzende Colonien. in Bouillon einen feinkörnigen Bodensatz.
Die bacilläre Pyelonephritis des Rindes scheint keine seltene Krankheit zu sein, wie insbesondere die Beobachtungen in Schlachthäusern lehren. Der Umstand, dass sie meist bei weiblichen Thieren vorkommt und häutig kürzere oder längere Zeit nach dem Geburts-acte in die Erscheinung tritt, weist auf einen Zusammenhang mit septischen Processen im Uterus, insbesondere mit zurückgebliebener und faulig zersetzter Nachgeburt hin. Die Einwanderung der Bacillen vom Uterus in die Nieren dürfte am häufigsten auf urogenem Wege, d. h. durch die Scheide, Harnröhre, Blase und die Harnleiter erfolgen. Die Wahrscheinlichkeit einer derartigen ascendirenden Entzündung wird durch die Thatsache bewiesen, dass thatsächlicb häufig neben der Pyelonephritis eine Vaginitis, Urethritis und Cystitis vorbanden ist. Ausserdem begünstigt die anatomische Lage der Harnröhrenmündung an der unteren Wand der Scheide das Eindringen von Mikroorganismen in die Blase. Andererseits dürfte jedoch die bacilläre Nieroninfection zum Theil auch auf hämato-genem Wege, also durch Vermittlung des Blutes, zu Stande kommen, wie intravenöse Uebertragungsversuche gezeigt haben.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Pyelonepbritta,
|
428
|
|||
|
|
||||
|
Pathologische Anatomie. Der Bacillus der Pyelonephritis wirkt auf das Nierengewebe pyogen und nekrotisirend; in der Umgebung der entzündlichen Herde entwickelt sich im weiteren Verlaufe interstitielle Bindegewebswucherung mit Sklero.sirung. Man findet entweder nur eine, oder beide Nieren erkrankt. Die Nieren sind gewöhnlich um das Doppelte vergrössert. Die Nierenkapsel ist häufig getrübt und stellenweise verwachsen. Die Nierenoberflilclie zeigt ein geflecktes Aussehen, indem lehmgelbe oder graugelbe umschriebene Herde von Stecknadelkopf- bis Erbsengrösse und darüber mit dunkel-rothen Stellen abwechseln. Zuweilen ist die Oberfläche der Nieren auch höckerig oder knotig und von multiplen kleinen Eiterherden durchsetzt. Die Consistenz der Niere ist derber als normal. Auf dem Durchschnitte sieht man in der Rindensubstanz gelbgraue, gelb-weisse oder weisse Streifen, zuweilen auch reihenförmig gelagerte kleinste Abscesse; ähnliche hellgraue Streifen findet man auch in der Marksubstanz. Die Nierenpapillen sind häufig mit schmutziggelben, eiterigen Massen belegt oder geschwürig, nokrotisch zerfallen (nekro-tisirende l'apillarnephritis). Das Nierenbecken ist erweitert und zeigt einen schmutziggrauen oder gelbbraunen eiterigen, schleimigen, tlockigen, krümeligen oder dünnflüssigen Inhalt. Die Schleimhaut des Nierenbeckens ist verdickt, fleckig geröthet, rauh, zuweilen auch mit Geschwüren oder warzigen Wucherungen bedeckt. Aohnliche Veränderungen zeigt oft auch der Harnleiter, welcher meist um das 3ofache verdickt ist. Die mikroskopische Untersuchung des Nierengewebes ergibt eine kleinzellige Infiltration in der Kindensub-stanz, Vermehrung des interstitiellen Bindegewebes in Kinde und Mark, Schrumpfung der Harncaniilchen, Verödung der Glomeruli, sowie Schwellung und Zerfall des Epithels der Harnkanälchen. Die Untersuchung des Nierenbeckeninhaltes ergibt zahlreiche Sargdeckel-krystalle, Eiterkörperchen, Cylinder- und Plattenepithelien, Detritus, sowie gelbbraune und graubraune Bacterienhaufen; zahlreiche Bakterien lassen sich auch durch Färbung an den unteren Enden der Harncanälchen nachweisen.
|
|
|||
|
v
|
||||
|
|
||||
|
Symptome. Die Erscheinungen der Pyelonephritis sind bei dem chronischen Verlaufe derselben im Allgemeinen ziemlich unbestimmter Natur. Die Thiere zeigen eine allmählich zunehmende Störung des Allgemeinbefindens, welche mit unterdrückter Fresslust und Rumination beginnt und schliesslich zu hochgradiger, skelettartigor Abmagerung führt. Das Krankheitsbild wird zuweilen durch intermittirende Kolik-
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
424
|
Pyi.'lonoplmtis
|
||
|
|
|||
|
erscheinungeii und Fieberexacerbationen imterbroclien. Manche Kühe zeigen auch eine gekrümmte Haltung der Wirbelsäule, sowie Empfindlichkeit derselben auf Druck. Urämische Erscheinungen (Harnverhaltung, Erbrechen, Krämpfe) sind seltener. Die wichtigsten Veränderungen bietet der Harn. Derselbe ist in vorgerückteren Graden von schleimiger, eiteriger und selbst blutiger Beschaffenheit. Tn Folge dessen ist die Umgebung der Schani, insbesondere der Schwanz, häufig mit eiterigen und blutigen Massen besudelt. Die mikroskopische und chemische Untersuchung des Harns ergibt das Vorhandensein von weissen und rothen Blutkörperchen, Cylinder-und Plattenepithelzellen, Tripelpliospltatkry stallen, zahlreichen Bacillen und Eivveiss. Die Untersuchung der Nieren vom Rectum aus liefert meistens einen negativen Befund.
Dadurch, dass sich die Pyelonephritis häufig mit Cystitis, Metritis und Vaginitis complicirt, wird auch das Krankheitsbild nicht selten etwas modilicirt. Als Kriterien des Blasenkatarrhs sind zu nennen häufiger Harnabsatz, selbst Harntröpfeln, Schmerzen beim Harnabsatz, Drängen auf den Harn. Die gleichzeitige Erkrankung des Uterus und der Scheide kennzeichnet sich durch einen vom Harnabsatz unabhängigen eiterigen, schleimigen oder blutigen Scheiden-ausfluss.
Differentialdiagnose. Die Unterscheidung der vorliegenden chronischen Pyelonephritis von der früher beschriebenen chronischen Nephritis (Schrumpfniere) ist mit Sicherheit klinisch nur durch den Nachweis der Bacillen im Harn möglich. Dasselbe gilt für die einfache Pyelitis, insbesondere für die calculöse Form. Ohne den Nachweis der Bacillen ist die Pyelonephritis deshalb von einer einfachen Nephritis schwer zu unterscheiden, weil auch die calculöse Pyelitis in Folge des Uebergangs der Entzündung vom Nierenbecken auf das Nierenparenchym sich mit chronischer Nephritis compliciren kann. Im Allgemeinen kann aber gesagt werden, dass die Mehrzahl der Fälle von chronischer Nephritis des Rindes der bacillären Pyelonephritis angehören, so dass in der Regel auch auf Grund der klinischen Erscheinungen wenigstens eine Wahrscheinlichkeitsdiagnose möglich ist.
|
|||
|
|
|||
|
Therapie. Eine Behandlung der bacillären Pyelonephritis ist meistens fruchtlos. Aus diesem Grunde ist eine möglichst frühzeitige Diagnose nothwendig, damit dem Eigenthiimer von vorn herein die
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Amyloidniere.
|
425
|
|||
|
|
||||
|
Schlachtung angerathen werden kann, ehe das kranke Thier in Folge der Abmagerung werthlos wird. Sollen trotzdem Heilversuche vorgenommen werden, so gibt man Innerliche Antiseptica, um das erkrankte Nierenparenchym zu desinficiren. Von solclien sind zu erwähnen der Campher, das Terpentinöl, die Siilicylsäure, das chlorsaure Kali, die Folia Uvae Ilrsi. Man gibt den Campher gewöhnlich in Form einer Emulsion mit Leinsamendecoct, die Folia Uvao ürsi in Abkochung (20.r)0,()). Im Uebrigen können die bei der Therapie der Nephritis angeführten Mittel versucht werden.
|
||||
|
|
||||
|
Die Amyloidniere.
Literatur. Habe, llaimov. Jahresber, 1882/8:3. 8. 80.
Vorkommen. Die amyloido Degeneration der Niere ist bei unseren Hausthieren als selbständige Krankheitsform bis jetzt nur vereinzelt angetroffen worden; häufiger wird sie neben amyloider Degeneration
|
||||
|
|
||||
|
anderer Omane in mehr untomeordnetor Weis
|
gefunden.
|
Rabe be-
|
||
|
|
||||
|
obachtete sie als mehr oder weniger selbständige Krankheit bei drei Hunden, Gerlach (1865) bei einem Rinde.
Anatomische Veränderungen. Dieselben bestehen in wachsartiger Derbheit des Rimlenparenchyms, Blässe, Trockenheit und Blut-armuth desselben, Vergrösserung und glasiger Aufquellung der Glo-meruli, sowie in der Anwesenheit homogener, matt glänzender und schwach lichtbreebender Harncylinder in den gewundenen Harn-canälchen. Mit Methylviolett (Salontinte) färben sich die beschriebenen Stellen intensiv purpurrot!), mit wässeriger .lod-Jodkaliumlösnng maha-goniroth, welche letztere Farbe nach Zusatz von Schwefelsäure stahlblau wird.
Erscheinungen. Dieselben bestanden nach den Beobachtungen Rabe's in wassersüchtigen Anschwellungen der Subcutis, und zwar hauptsächlich an den Gliedmassen, Ascites, Albuminurie, sowie urämi-schen Erscheinungen: Erbrechen, lähmungsartige Schwäche, Coma, Abnahme der Körpertemperatur. Eine Herzhypertrophie wurde in keinem der drei Fälle beobachtet.
Was schliesslich die Behandlung der Amyloidniere betrifft, so ist dieselbe jedenfalls von derjenigen der chronischen Nephritis, mit welcher sie während der Lebens sicherlich auch immer verwechselt werden wird, nicht verschieden.
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
426nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; HamverliiilUmg.
Zuwoilen, wenn auch selten, sind Nierengoschwülste Gegenstand klinischer Untersuchung und Behandlung. Dieselben (Oaroinome, Sarkome, Me-lanomo, Adono-, Sarko-, Bhabdomyome) lassen sich nämlioh in manchen Fällen bei kleineren Hausthieren, insbesondere bei Hunden und Katzen, klinisch durch die Palpation des Hinterleibes nachweisen. Für gewöhnlich allerdings gibt erst die Section Aul'schluss, nachdem während des Lebens Hilmaturio. Empfindlichkeit der Nierengegend, sowie Störungen der Harn-secretion beobachtet wurden. IHe Behandlung könnte lediglich in der Ex-stirpation der erkrankten Niere bestehen.
|
||
|
|
||
|
Ifarirm'haltiuig. Reteutlo arlnne.
Literatur, 1) Quvlt, Magazin. 1887. .^ 114 u, 116. 2) Vaes, Repei-t. 1844. S. 364 8) Röttger, Magazin. 1845. S. 821. 4) Habe, ibid. 1848. S. 515. 5) llutli. ibid. 1849. 6) Jaoobi, ibid. 1852. S. 217 7) Rousseau, Reoueil. 1825. 8)Rinc[uet, ibid, 1861. 9)Lafoi'oe, Journ. de Bruxelles. 1863. 10) Hering, Repert. 1853. S. 290. 11) Rüffert, Preuss. Mitth. 1855/5(1. s. 103. 12) Cruzel, Reoueil de med. vet. 1858. 18) Forster, Oesterr. Vierteljahrssohr. 1859. S, 188, 14) Köhne, Magaz. 1860. S. 8(1. 15) Vogt, Journal de med. vet. 18(15. 16) May, Oesterr. Vierteljahrssohr. 1807.8.152. 17) Pillwax, ibid. S. 67, 18) Prudhomrae, Refer. TMer-arzt. 1807. 8. 184. Ilt) Sickert, Preuss. Mittheil. 1879. 8. 70. 20) Guil-lebeau, Sohweiz. Aroh. 1881. 3. Heft. 21) Siodamgrotzky-Haubner, Landwirthsoh. Thierheilkde. 1884. S, 181. 22) Emmerich, Perlin. Archiv. 1886. 8.289. 23) Grinzer, Petersburger Arohiv 1'. Thierheilkde. 1887. 24) Esser, Thiermed. Rundschau. 1888. 8. 6. 25) Baerts, Bull. bolg. Bd. 24. 26) Oamardi, (Jiom. di Anatom. 1888. Ueber Harnsteine: 1) Prinz, Magazin. 1838. 8. 247. 2) l.eolercq, Refer. Repert. 1841. 8. 881. 8) Hering, Repert. 1846. S. 361. 4) Portal, Journ, de Lyon. 1851. 5) Lautour, l'lasse, Reoueil. 1828. 6) Girard, ibid. 1830. 7) Riquet, ibid. 1849. 8) Leblano, ibid. 1850. 9) Colin, ibid. 1807. 10) II ollmann, Magazin. 1857. S. 137. 11) Bruokmüller, Oesterr. Vierteljahrssohr. 1857. 8. 18; l'athol. Zootomie. 1809. 12)Causse, Journ. du Midi. 1801. 13) Pünfstüok, Stichs. Jahresbor. 1870. S. 98. 14) Vachetta, Gazetta med. vet. Milane 1872. 15) Mognin, Bullet, soc. centr. vet. 1875; Reoueil, 1881. 16) Hofmann, Deutsche Zeitsohr. f. Thier-medioin. 1875. 8. 227. 17) Zürn, ibid. S, 317. 18) Scott, The Veteriu. 1870. 19)01ver, ibid. 20) Kubososuk, Oesterr. Monatssohr. 1877. S. 99. 21) I.ouis u. A., Zündel's Jahresber. 1882/84. S. 100. 22) Bidlot, Pullet. Pelg. 1885, 23) Oravenna, 11 med. vet. 1885. 24) Hafner, Mad. thier-ihztl. Mittheil. 1885. S. 02, 25) C so kor, Oesterr. Vierteljahrssohr. Bd. 64. S. 37. 26) Wortley Axc. The Veterin. 1887. 27) Find ley, Am. vet. rev. Bd. 10. 28) Henninger, Bad. thieriirztl. Mittheil. 1888. S. 92, 29) Schiellerup, Deutsche Zeitsohr. f. Thiermed. 1891. S. 459. lieber I nconti n entia urinae: 1) Reynolds, The Veterinarian. 1871. 2) Scott, ibid. 1870. 8) Sehindelka, Oesterr. Vierteljahrssohr, Bd. 63. S. 02. 4) Oravenna, II med. vet. 1885. 6) Siedamgrotzky, Sachs. Jahresber, 1887. S. 28,
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
ainverhaltmig.
|
427
|
|||
|
|
||||
|
Allgemeines. Die Harnverhaltung, auch Sohwerharnen, Harn-strenge, Harnkolik u. s, w. genannt, besteht in einer abnormen Ansammlung des Harns in der Blase mit nachfolgender Erweiterung und Entzündung derselben, desgleichen der Uretheren und des Nierenbeckens, welche entweder zu Ruptur der Blase und Peritonitis, oder zu Druekatrophie der Niere, Hydronephrose und Urämie führt. Dabei bildet sie keine Krankheit für sich, sondern ist lediglich ein Symptom der allerver-schiedensten Grundleiden. Sie kommt am häufigsten beim Rind, Hund, Pferd und Scbaf vor und zwar hier wieder in der Mehrzahl aller Fälle bei männlichen resp. castrirten männlichen Thieren, nur selten bei weihlichen.
|
4
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
Aetiologie. Die Ursachen der Harnverhaltung können folgende sein:
1)nbsp; nbsp;Fremde Körper in der Blase und Harnröhre, welche das Ausfliessen des Urins verhindern. Hieher gehören Blasen- und IIarnrohrensteinc, Harnsediment in der wurmförmigen Verlängerung (S-förmigen Krümmung) der Harnröhre bei Ochsen und Hammeln, abgebrochene Katheterstücke, absichtlich in die Harnröhre ein-gefUhrte Fremdkörper, z. B. Strohhalme, Besenreiser, Blutcoagula, Fibriiigerinnsel, abgelöste croupöse und diphthcritische Membranen in der Blase, polypöse. die Blasenöffnung verlegende Geschwülste u. s. w.
2)nbsp; nbsp; Compression, sowie Obturation der Harnröhre und Blasenmündung durch Neubildungen in der Nachbarschaft, besonders der Prostata, sodann des Uterus, der Ovarien, oder der Blase selbst, z. B. Leiomyome, durch Kothansammlungen im Darm, Lageveränderungen des Uterus, Trilchtigkeit; Verengerung des Lumens der Harnröhre durch Stricturen, Entzündung, Anschwellung derselben, Abknickung des Penis, Bruch des Ruthenknochens, Paraphimose (Einschnürung der Eichel durch die geschwollene Vorhaut), Phimose (abnorme Verengerung oder Verlegung der Vorhautmündung z. B. durch Smegma; sogen. Raunischlauch).
8) Lähmung der Harnblase (des Dotrusor urinae) in Form einer Parese oder Paralyse nach schwerer croupöser, diphtheritischer, phlegmonöser Cystitis, Pericystitis, Rücken marksleiden, z. B. Traumen, Meningitis spinalis, Apoplexien u. s. w., allgemeiner Schwäche, nach zu langer Unterdrückung des Harnabsatzes bei gehirnkranken Pferden oder bei anhaltender Bewegung, endlich nach reflectorischer Parese der Blasenmuskulatnr während der Kolik, im
|
#9632;it-
|
|||
|
|
||||
|
|
||
|
428nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Hamsteiiu'.
Verlaufe der rheumatischen Hilmoglobiniimie des Pferdes, bei schwereren Allgemeinleiden, z. B. beim Kalbelieber u. b. w.
4) Krampf des Schliossmuskels (des Sphincter vosicae) bei Erkältung, Cystitis, Fremdkörpern in der Blase, sowie reflectorisch bei Kolik, Starrkrampf u. s. w.
In den beiden ersten Fällen bat man von mechanischer, in den beiden letzten von dynamischer Harnverhaltung gesprochen; streng genommen gehört nur die letztere in das Gebiet der inneren Medicin,
Bezüglich der Entstehung der Harnsteine, welche vorwiegend von chirurgischer Bedeutung sind. mag hier bemerkt werden, dass dieselben einen dreifachen Ursprung haben können, Entweder bilden sie sich durch Auskrystallisiren der im Harn gelüsten Salze um Fremdkörper herum (Gerinnsel. Sperma etc.) oder sie sind auf einen zu beben Salzgehalt des Harns in Folge sehr kalkreicben Trinkwassers, kalk- und magnesia-baltiger Nahrungsmittel (/,. li. Kleie), zu stickstofl'reichor Futtermittel (Bildung von Harnsäure) u. s. w. oder endlich auf die Bildung der unlöslichen phosphorsauren Ammoniak-Magnesia (Tripelphospbat) bei Stauung und Zersetzung des Harns in der Blase (Harnverhaltung, Cystitis) zurückzul'üliren. Nach den Versuchen von Ebstein prädisponiren entzündliche l'rocesse in den Harnwegen zur Bildung von Harnsteinen, indem sie das organische Grundmaterial für dieselben liefern.
Der chemischen Zusammensetzung nach sind die Harnsteine der Pflanzenfresser vorwiegend Carbonatsteine (neben Oxalat- und Silicat-steinen); die der Carnivoren vorwiegend üratsteine (neben Oxalat- und Oystinsteinen), die der Omnivoren Oxalat- und Carbonatsteine. Bei allen drei kommen ferner Phosphat st eine (phosphorsaure Ammoniak-Magnesia) nach Stauung und Zersetzung des Harns in der Blase nicht selten vor.
Symptome. Die Erscheinungen der Harnverhaltung äussern sieb entweder in Form einer vollständigen Unterdrückimg des Harnabsatzes (Ischurie), oder einer unvollständigen, nur tropfenweise und dabei mit Schmerzen verbundenen Entleerung des Harns (Dysurie, Strang-urie). Die Ansammlung des Harns in der Blase erzeugt bei sensibleren Thieren, wie beim Pferde und Hunde, sehr bald Erscheinungen von Unruhe und Schmerz, während bei den indolenten Wiederkäuern, insbesondere beim Ochsen, oft mehrere Tage vergehen können, bis sich einigermassen charakteristische Anzeichen einstellen. Pferde und Hunde zeigen zunächst das Krankheitsbild einer Kolik (sogen. Harnkolik). Dabei fällt der immer wiederkehrende Drang zum Urinircn auf, indem die Thiore sich häufig zum Harnabsatz anstellen, die Hinter-füsse auseinander spreizen, ausschachten u. s. w. Beim Rind und Schaf fehlen indess derartige Kolikerscheimmgen nicht selten fast ganz, werden wohl auch häufig übersehen, oder man beobachtet nur
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Harnverhaltung.
|
429
|
|||
|
|
||||
|
eigenthüinliobe peristaltisohe liuwogungen und Zuckungen am Mittel-lleisch dem Verlauf der Harnröhre entlang; ausserdem fällt die Trockenheit des Standes und des Haarpinsels an der Vorhautinündung auf. Die Palpation der Blase von den Bauchdeckon oder vom Mastdärme aus ergibt, sofern eine Ruptur der Blase noch nicht eingetreten ist, eine mehr oder weniger starke Anfüllung derselben, sowie Schmerz-ilusserung bei Druck auf dieselbe; ausserdem lässt sich dabei das Vorhandensein eines mechanischen Hindernisses für den ilarnahfluss, eines Steines, einer Neubildung u. s. w. constatiren, ein Befund, welcher durch eine genaue Untersuchung der Mündung und des Verlaufs der Harnröhre, sowie Einführen eines Katheders oder einer Steinsonde bestätigt werden kann. Aussei- den angeführten Erscheinungen zeigen sich die Thiere unlustig und eingenommen, die Futter- und Wasseraufnahme sind sistirt, der Puls ist erhöht, und zuweilen findet reichlicher Scbweissausbruch statt.
Wird in diesem Stadium das Hinderniss für den Harnabfluss nicht gehoben, so steigern sich die Symptome und es kommt entweder zu einer Berstung der Blase mit Erguss des Harns in die Bauchhöhle und nachfolgender Bauclifellentzündimg, oder zu einer diphtheritischen Blasenentzündung mit Pyelitis, Nephritis oder Hydronephrose und Hrämie.
Im ersteren Ealle hören die Schmerzen plötzlich auf; bei der Exploration findet man die Blase vollständig leer, während in der Bauchhöhle später eine zunehmende Ansammlung von Flüssigkeit nachzuweisen ist; unter starker Eingenommenheit des Sensoriums steigt Puls und Temperatur, es treten Schüttelfröste und allgemeines Muskelzittern auf, die ausgeatbmete Luft, sowie die Schweissabsonderung nimmt einen urinösen Geruch an. die Bauchhöhle füllt sich immer mehr, die Harnabsonderung ist ganz unterdrückt, so dass die Thiere schliesslich an ausgebreiteter Peritonitis in Verbindung mit Urämie zu Grunde gehen. Dabei erfolgt der Tod beim Pferde und Hunde sehr rasch innerhalb weniger Stunden, nachdem eine 1Ütägige, höchstens ytägigo Ischurie vorausgegangen ist. Beim Rind dagegen können nach eingetretener Blasenruptur noch 814, nach Flaubner-Siedam-grotzky 18 Tage, nach Stör, Cruzel u. A. selbst 45 Wochen bis zum tödtlichen Ausgange dazwischen liegen. (Jacobi, lluth u. A. wollen sogar trotz constatirter Blasenbcrstung beim Rinde Heilung oeobachtet haben, Angaben, die jedoch mehr als zweifelhaft sind.)
Im letzteren Falle endet die Krankheit mit den Erscbeinungen einer hochgradigen gangränescirenden Cystitis, an welche sich eine
|
f
m quot;'S
41
|
|||
|
|
||||
|
t
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
480nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Hainverhaltimg.
acute Nephritis mid Uriimie anschliesst: dieser Ausgang ist indeslaquo; seltener.
Differentialdiagnose. Die Harnverhaltung wird ebenso häutig mit wahrer Kolik verwechselt, als letztere insbesondere von Seiten der Laien mit erstercr, was um so begreiflicher ist, als bei der echten Kolik häufig ebenfalls eine Art von Harnverhaltung gegeben und die Blase bei der Untersuchung vom Mastdarm sehr häufig mehr oder weniger angefüllt ist. Indess ist die Unterscheidung beider bei einer genaueren Untersuchung und im weiteren Verlaufe nicht schwer, da bei der wahren Kolik allmählich mehr die Erscheinungen eines Darmleidens, bei der Harnverhaltung die eines Blasenleidens in Form von Harndrang, öfterem Anstellen zum Uriniren, Ausschachten, lebhaftem Wedeln und Peitschen mit dem Schweife etc., andauernder Ischurie oder Strangurie, Empfindlichkeit der Blase bei Druck u, s. w. in den Vordergrund treten. Auch andere Krankheiten, z. B, die rheumatische Hämoglobinämie bei Pferden, die einfache Cystitis, Nephritis, Peritonitis, endlich Geburtswehen können zu Verwechslungen Veranlassung geben; in allen diesen Fällen aber ist weder der Harnabsatz andauernd gestört, noch die Blase anhaltend abnorm gefüllt.
Therapie. Bei der mechanischen Form der Harnverhaltung ist die Behandlung eine rein chirurgische resp. operative (Urethrotomie, Oystotomie, Function, Circumcision etc.). Bei der sogen, dynamischen, auf Lähmung resp. Krampf der Blase beruhenden Form, wobei indess die Ursache weit häufiger in Lähmung als in einein Krampf zu suchen ist, muss man zunächst versuchen, die Blase durch Druck von den Bauchdecken oder vom Mastdarm her, sowie durch Einführung eines Katheters zu entleeren. Auch kann man auf reflec-torische Weise durch Reizung der Harnröhrenmündung oder sanftes Streichen der Harnröhre am Perineum die Blase zur Entleerung bringen. Liegt Krampf des Sphincter vor, so empfehlen sich ausgiebige Einreibungen von Terpentinöl, Anis-, Kümmel-, Fenchel-, Kamillenöl auf die Bauchdecken und am Mittelfleische, sowie die innerliche Verabreichung dieser Oele, desgleichen von Morphium, Belladonna, Chloralhydrat u. s. w. Gegen ausgesprochene Blasenlähmung endlich ist Strychnin, Physostigmin, sowie die Elektricität zu versuchen.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Bltisenkatarrl
|
431
|
|||
|
|
||||
|
Das (regeuthüil der Harnverhaltung bildet das Unvermögen, den Harn zu halten, die Incontinentia urinae. Dieselbe ist ein Symptom verschiedener Krankheiten, besonders von liückeninarksaffectionen und beruht auf einer* Lähmung des Sphincter vesicae, nur ausnahmsweise auf einem Krampf des Detrusor z. B. bei Cystitis. Auch bei längerer Harnverhaltung, bei Schwäche des Schliessmuskels im Alter und bei Cystitis, nach Cystotomien mit Durchschneidung des Schliessmuskels, bei Zerstörung desselben durch Geschwülste, nach Ausdehnung der Dlase durch Blasensteine, des Orificiums durch Polypen u. s. w. wird das Leiden beobachtet. Die Behandlung richtet sich je nach der (irundkrank-heit und besteht bei Lähmung des Sphinoter in Verabreichung des Strych-nins, Anwendung der Elektr i cit ä t, kalten Bespülungen der Blase, Kräftigung der Constitation u. s. w.
|
4
|
|||
|
|
||||
|
Blaseukntarrh) Blasenentzttnduug. Cystitis.
Literatur. 1) Binquet, Beoueil, 1867. 2)Easelbachl Magazin, 1800. 3) Tannenhauer, ibid. 18G4. S. 10. 4) Saint-Cyr, Journal de Lyon. 1807. B) Fried-berger, Manch. Jahresber. 1877/78. S. 110; 1878/79. S. 72. 0) Anaoker, Thierarat. 1870. S. 80. 7) Kramer ich, Berlin. Archiv. 1880. S. 289. 8) Siedamgrotzky, Dresden. Jahresber. 1887. 8.23. 0) Vogel, Adams Wochensohr. 1888. S. 15. 10) Peterlein, Sachs. Jahresber. 1884. S. 62. H) Vaes, Wallendael, Annal. de Bruxelles. 1885. 12) öodfryn, Bullet. Belg. 1880. 18) Johne, Sachs. Jahresber. 1887. S. 58. 14)Blaise, Rcoueil. 1888. 15) Bamik, Zeitsohr. f. Veterinftrkunde. 1890. lieft 7. Vergl. ausserdem die Literatur der Harnverhaltung.
Allgemeines, Der Katarrh und die Entzündung der Blase gehören, wie die Krankheiten der Blase überhaupt, eigentlich ins Gebiet der Chirurgie. Wenn sie trotzdem hier kurz angereiht werden, so geschieht dies mit Rücksicht darauf, dass die AH'ectionen der Blase in innigem Zusammenhango mit denen der Nieren stehen, und class die Erscheinungen beider einander oft sehr ähnlich sind, sowie dass die Behandlung der Blasenleiden zum Theil eine innerliche ist. Ausserdem ist die im Vorangehenden beschriebene Harnverhaltung bei längerer Dauer immer mit Cystitis complicirt.
Aetiologie. Die Ursachen der Cystitis bestellen zunächst in Heizung der Blasenschleimhuut durch giftige und infectiöse Stoffe, welche aus dem Blute mit dem Harn ausgeschieden werden, so z. B. Canthariden, Terpentinöl, Pilze. Hierher gehört auch die im Verlaufe schwerer Infectionskranlvheiten zuweilen auftretende Blasenentzündung. Eine weitere Veranlassung ist zuweilen, da andere Ursachen nicht aufzufinden sind, in Erkältung zu suchen. Sodann entsteht eine Cystitis im Anschluss an die Entzündung eines benach-
|
|
|||
|
fl
|
||||
|
1
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
482
|
liliisciikiitiirrli
|
||
|
|
|||
|
barton Ol'ganes, -so au eine Nephritis, Pyelitis, Urethritis, Vaginitis, Peritonitis, Metritis u. s. w. Auch traumatische Einflüsse, z. ß. Verletzungraquo;' und Quetschung der Schleimhaut durch Blasensteine, eingeführte Sonden. Infection durch unreine Katheter können zu Cystitis führen. Endlich erzeugen eine Zurückhaltung des Harns in der Blase, wie sie namentlich heim Hunde vorkommt (Zurückhalten im Zimmer etc.). Compression der Urethra, Stricturen und Stenosen derselben (Lähmung des Detrusor), Krampf des Sphincter etc. in Folge der bald vor sich gehenden Zersetzung des Harns und der Einwirkung der septischen Stoffe auf die Blasenschleimhaut anfangs eine katarrhalische, zuletzt eine nekrotisirende Cystitis.
Anatomischer Befund. Derselbe ist je nach dem Grade der Affection ein verschiedener. Die Entzündung der Blasenschleimhaut kann nämlich, wie dies auch bei den übrigen Schleimhäuten des Körpers der Fall ist, bald eine einfache katarrhalische, bald eine eiterige, croupöse, diphtheritische, nekrotisirende, bald eine hämorrha-gische, bald eine chronische, liyperplasirende, mit varicöser Entartung der üefiisse vergesellschaftete, bald eine phlegmonöse, zu submucösen und pericystitischen A bscessen, ja selbst zur Perforation der Blase führende, bald endlich eine sogenannte inkrustirende, d. h. mit Ablagerung von Harnsalzen in die Blasenschleimhaut complicirte sein. Bei der einfachen katarrhalischen Form findet man die Schleimhaut geschwollen, höher geröthet und mit einem aus Schleim, abge-stossenem Plattenepithel, sowie vereinzelten weissen Blutkörperchen bestehenden Belage bedeckt, welcher bei der eiterigen Form fast nur aus weissen Blutkörperchen zusammengesetzt ist. Die chronische Form ist entweder durch Verdickung, warzige Wucherung, varicose Erweiterung der Gefässe der Schleimhaut, oder, wie häufig bei der Stute und beim Kinde, durch Inkrustirnng derselben mit Kalksalzen ausgezeichnet. Bei der croupösen und diphtheritisohen Form sitzen der Schleimhaut membranöse Auflagerungen und nekrotische Schorfe mit zurückbleibenden Geschwüren auf.
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. Die Erscheinungen einer Cystitis äussern sich bei acutem Verlaufe derselben in häufiger Entleerung der Blase, wobei indessen der Urin meist in kleinen (Quantitäten, ja selbst nur tropfenweise abgesetzt wird, und welche zugleich mehr oder weniger schmerzhaft für die Thiere ist. Männliche Thiere schachten dabei aus, richten die Euthe auf und ziehen die Hoden in
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Blasenkatarrh.
|
433
|
|||
|
|
||||
|
die Höhe; weibliche drängen stark, öffnen und schliessen die Schani (.sogenanntes Blitzen), bewegen die Clitoris. Dazu gesellen sich leichte Unruhe- und Kolikerscheinungen. Die Palpation der Blase von der Bauchdecke (bei kleinen Thieren) und vom Mastdarm aus ist Für die Thiere schmorzhaft. Je nach dem ürade der Entzünduntr be-steht sodann geringeres oder höheres Fieber, die Futteraufnahme ist mehr oder weniger unterdrückt oder ganz sistirt. Die wichtigsten Veränderungen jedoch zeigt der Harn. Derselbe enthält nämlich das Product der entzündeten Schleimhaut: desquamirtes Plattenepithel, weisse Blutkörperchen, Schleim, Eiweiss, sowie bei vorhandener Harnzersetzung Krystalle von phosphorsaurer Ammoniak-Magnesia und Spaltpilze. Beim Fleischfresser geht die saure Reaction über in die neutrale und alkalische. Endlich zeigt der Harn, am deutlichsten bei der eiterigen Cystitis, ein mehr oder weniger dichtes, schleimiges oder flockiges, zuweilen auch rein eiteriges Sediment, dem bei der croupös-diphtheritischeu Form nekrotische Gewebsfetzen und bei der hämoiThagischen rothe Blutkörperchen beigemischt sind. Die chronischen Cystiten verlaufen nicht selten ohne alle auffallende äusser-liche Erscheinungen und werden daher, so besonders beim Rinde, häutig übersehen. Die Untersuchung des Harnes ist daher auch hier, wie bei den Nierenkrankheiteu. von wesentlicher Bedeutung für die Diagnose.
|
I
|
|||
|
n
|
||||
|
|
||||
|
Therapie. Die innerliche Behandlung der Cystitis besteht in der Verabreichung von Borsäure, Salicylsäure, Benzoesäure, Kali chloricum, Tannin, Naphthalin, Resorcin, Creolin. Von letzterem Mittel gibt man beispielsweise einem mittelgrossen Hunde täglich 8 Pillen ä 0,6, Bei chronischen Formen gibt man innerlich harzige Mittel, z.B. Terpentinöl. Copaivbalsam, Perubalsam u. s. w. Trasbot empfiehlt ausserdem gegen Blasenkatarrh die Verabreichung von Bromkalium und Bromkampher. Die Hauptbehandlung der Cystitis in-dess ist eine äusserliche und besteht in Ausspülung der Blase mit antiseptischen Flüssigkeiten, z. B. 'aprocentiger Creolinlösung, 13pro-centiger Carbölsäure-, Borsäure-, Chlorzink-, Kali chloricum-, sowie 1 bis Spromüliger Sublimat- oder l/a2procentiger Höllensteinlösung. Das Weitere hierüber siehe die Lehrbücher der Chirurgie.
|
||||
|
|
||||
|
Blasenblntung.
Literatur, li Raoonnat, Joum, de Lyon. 1847. 2) Shorten, The Veterinär-1865. 8) Prauenholtz, Preuss. Mittheil, 1877/78. 4) Ross, Bad. thier.
Friedbeigpr n. Fiölinpi-, Pathol. n. Thdiaiiie d, llansthioro. I, Bd. 3. Aufl. 28
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
494nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Blasenblutung.
iirztl. Mittheil. 1879. S. 102. 8) Hink. ibid. 1886. 8. 120: 1888. S. 2; 1889. S. 98. 6) Arnold, ibid. 1890. S. 88. 7) Friedberg er, Wochenschrift f. TMerheilkde. 1889. S. 205. 8) Oadiot u, Eloire, Bull. soc. oentr. vet. 1889. 9) Mollerenu, ibid. 1890.
Aetiologie. Die Ursachen von Blasenblutuugen sind entweder Verletzungen der Blase durch Bksensteine, Contusion der Blase bei einem Sturz, Quetschung durch Beckenbrüche etc., oder Entzündungen der Blasensohleimhaut mit ulcerösem und hämorrhagischem Charakter, so besonders bei den acuten, durch chemische Noxen verursachten, und den chronischen mit hilinorrhoidalen Erweiterungen der Venen einhergehenden, oder endlich blutreiche in Vereiterung oder Verjauchung begriffene Neubildungen, besonders teleangiektntische Papillome und Sarcome, weniger Carcinome.
Symptome. Die Erscheinungen bestehen in der Beimengung von Blut zum Harn (Hilmaturie); dasselbe färbt den letzteren je nach der vorhandenen Menge hell- bis dunkelroth und bildet im entleerten Harne einen rothen Bodensatz, aus Blutkörperchen und Fibringerinnseln bestehend. Zuweilen kann man beobachten, wie die Menge des Blutes nach vorausgegangener starker Bewegimg zunimmt; dabei kann nahezu reines Blut entleert werden. In Folge der Zersetzung des Blutes im Harn tritt gewöhnlich zu einer länger bestehenden Blasenblutung eine katarrhalische Blasenentzündung mit ihren Erscheinungen hinzu. Das Allgemeinbefinden wird bei längerer Dauer der Blutungen sehr gestört, indem sich eine zunehmende Anämie und Schwäche ausbildet; nicht selten endet das Leiden durch Verblutung.
Therapie. Die Behandlung der Blasenblutung ist eine vorwiegend äusserliche, chirurgische. Sie besteht in der Ausspülung der Blase mit. Eiswasser, sowie Lösungen von Liquor Ferri, Creolin, Alaun, Tannin u. s. w. Innerlich kann man nebenher Seeale cornutum. Tannin, Bleizucker u. s. w. verabreichen; auch empfiehlt es sich, frühzeitig der Zersetzung des Blutes in der Blase durch die innerliche Anwendung der Borsäure, Salicylsäure, des Creolins, chlorsauren Kalis etc. oder durch desinticirende Ausspülungen vorzubeugen.
Das im Sebwarzwalde vorkoinmende sogenannte ,Stallroth' der Rinder ist nach Ross, Hink und Arnold als eine Hümaturie aufzufassen, welche durch chronische Veränderungen der Blasensohleimhaut (Greschwüre, Oapillareotasien, granulöse und papillose Scbleiinbantwucberungen) bedingt wird. Die eigentliche Ursache sollen nach Arnold Gregarinen sein (V).
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Hiimof'lobinämie des Pferde
|
485
|
|||
|
|
||||
|
Blasengeschwülstn, namentlich Epithelkrebse, lassen sich zuweilen klinisch durch die Palliation, sowie durch Störungen im HarnabsatzG, Eämatnrie und oystitisohe Ergobeinungen nachweisen. Ihre Behandlung ist eine aussichtslose.
|
||||
|
|
||||
|
n1'
|
||||
|
Anhang zu den Nierenkrankheiten.
|
11
|
|||
|
|
||||
|
Die Hftmogloblnamle dos Pferdes.
(Sogen, schwarze Harnwinde, Windrehe, Hämoglobiuurie.)
Literatur, l) Stohrer, Ueber Rttokenmarksentzündnng, Hering's Bepert. 1840. S. 290. 2) Borger, Reoueil. 1840. 8) Grimm, Ropert, 184(1. 4) Zipperlen, ibid. S. 119. 6)Landel, ibid. 1854. S.llöi 1863. S. 15. 6) Verbeyen, Ueber Albuminurie heim Pferde, Gurlt u. Hertwig's Magazin für Thier-heilkde. 1844. V. S. 4. 7) Frey, Neuritis spinosa bei einem Pferde, Gurlt u. Hertwig's Magazin für Thierbeilkde. 1849. X. 8. 821. 8) Hof er, Die acute Brigbt'sqhe Krankheit oder Die schwarze Krankheit der Pferde, auch sohwarze Eamwinde der Pferde genannt, Oesterr. Yierteljabrsschr. 1852. 11. S. 151 j Jabresber. der Münob. Thierarzneischule. 1857. 8. 60. 9) Adam, Ein Beitrag zur Kenntniss der sogen, schwarzen Harnwinde, Kreuzer's Centralztg. 4. Jahrgang. 1854. S. 170; Thierärztl. Wochenbl. 1850. S. 94; Die sogen, schwarze llarnwiiule beim Pferde, Adam's Wochenschr. 1860. Nr. 16 ff. 10) Prick, Etwas über die Bright'sobe Krankheit, Thierärztl. Wochenbl. 1854. S. 184. 11) Stockflcth, Dan. Zeitsohr. für Thierärzte von Bendz and Bagge. 1854/55; Ref. in Herings Report. XVI. S. 258. 12) Kolb, Ueber die sogen, schwarze Harnwindo, Thierärztl. Wochenbl.
1855.nbsp; S. 91 n. 98. 18) Franzlszi, ibid. 1856. S. 28. 14) öierer, Kinige Notizen zur ifrankheit der sogen, schwarzen Harnwinde bei Pferden, ibid.
1856.nbsp; S. 104, sowie Üosterr. Vierteljahrsschr. XII. S. 65. 16) l-'riis, Ueber ein angeblich ansteckendes RUckemnarksleiden bei Pferden, Dan. Zeitschr. für Thierärzte von Bendz u. Bagge; Ref. in Hering's Report. XVIII. S. ;519 ff. 16) Ab leitner, Windrebe. Rbeutuatisob-entzündliobe Affection der Lenden- und Kreuzportion des Rückenmarks bei Pferden , Adam's Wochenschrift II. 1858. S. 189 ff.; ibid. 1802. S. 225: Windrehe und schwarze Harnwinde, Oesterr. Vierteljahrsschr. 1876. S. 67. 17) Weinmann, Sind Windrebo und schwarze Harnwindo bei Pferden identischV Adam's Wochenschrift 1860. Nr. 45. 18) Dupois U. Andrr, Ref. in Hering's Repert. XXIT. B. 64. 19) Q-Öring, Beitrag zur sogen. Windrehe der Pferde, Adam's Wochenschr. 1861. Nr. 12 f. 20) Werner, Beitrag zur sog. schwarzen Harnwinde, zur sogen. Windrebe bei Pferden und zum Blntharnen bei Kühen, Adam's Wochenschr. 1861. Nr. 26 If.; Die Windrehe, Deutsche Zeitschr. für quot;Thiermedicin u. vergleichende Pathologie. 1878. IV. S. 219 ff. 21) Königer, Rhenmatisch-entzündlichi'Affection der Lenden- und Kreuz-
|
^
|
|||
|
|
||||
|
|
|||
|
486
|
llilnioglobiiüuniü dos l't'erdcs.
|
||
|
|
|||
|
portion des Rüclicmuiuks (Windreho), Adam's Wooheamp;sohr. 1862. Nr. 30 tt'. 22) ZUndel) Jouru. de mod. vet. 18ti2. S. 33. 23) Lausch u, Lowak, Ref. in Oannst. Jahresber. 1802. S. 23. 24) San son u. Bernard in, Reoueil vöt. 1863. 25) Adenot, Journ. de Lyon 1864. 26) Kowalsky, Magazin. 1860. S. 424. 27) Johne, Sachs, .lahresber. 1863. 8. 81. 28) 15 on ley, ,lourn. de Lyon und Uecueil de nied. vet. 1865. 29) Buuck, Oesterr. Vierteljahrsschr. 1866. S. 16. 30) An acker, Thierarzt. 1867. S, 94. 31) Gonee, Uecueil de med. vet. 1865. 32) Scliwartz, Adam's Wochenschrift 1869. S. 121. 33) l'rietsch, Sachs. Ber. 1871. S. 122. 34) Adam, Woohenschr. 1871. S. 121. 35) Musagnug, ibid. 1872. S. 169. 36) La-meris, Repert. 1873. S. 363. 37) V am eil, Ref. in Hering's Repert. 1864. S. 254. 38) Arloing, Ref. in Hering's Repert. 1860. S. 244. 39) Husted, ibid. S. 274. 40) Meyer, Ueber Morbus Brightii acutus bei Pferden, Gurlt u. llertwig's Magazin. 1866. S. 292. 41) Franck, Zur Windrehc, Adam's Wochenschr. 1806. S. 249; ibid. 1872. S. 81; Beiträge zum Ei-weiss- resp. Blutharnen der Pferde und speciell der Bright'schon Krankheit derselben, Adam's Wochenschr. 1873. S. 113. 42) Lechleuth ne r, Windrehe und schwarze Hamwinde, Adam's Wochenschr. 1808. S. 350. 43) Mittheilungen aus der thierärztlichen Praxis im preussischen Staate 1868/69. S. 90ff.i 1869/70. S. 138; 1871/72. S. 127; 1872/73. S. 106; 1874/75. S. 77; 1870/77. S. 96; 1877/78. S. 29. 44) Vogel, Hering's Repert. 1870. S. 232; 1873. S. 38; 1875. S. 167. 45) Bay, Ref. in Hering's Repert. 1871. S. 154. 46) Uta, Bad. thierilr/.tl. Mittheil. 1871. S. 97 ff.; 1878. S. 177. 47) Mittheilungen aus den Jahresberichten der wttrttembergischen Oberamts-Üiierärzte in Hering's Repert. 1872. S. 236; 1874. 8.22; 1875. S. 40; 1877. S. 207; 1878. S. 267; 1879. S. 205; 1880. S. 181. 48) F ried berger, Hyperämie des Rückenmarks und seiner Umhüllungen mit seeundiirer Nierenerkrankung, l'ütz'sche Zeitsohr, f. prakt. Vetorinilrmedicin. 1873. S. 171. 49) Mazüre, Ref. in Hering's Repert. 1873. S. 363. 50) .lost, Gurlt u. Hertwig's Magazin. 1873. S. 194. 51) Säur, Hering's Repert. 1875. S. 9 ff. 52) Siedamgrotzky, Sachs. Jahresber. 1874. S. 133; 1875. S, 42; 1879. S. 81; 1880. S. 15; 1881. S. 28. 53) Siedamgrotzky u. Hofmeister. Zur Kenntniss der Hämoglobinurie (schwarze llarnwindc) des Pferdes, ibid. S. 1878. S. 115. 54) Pflug, Krankheiten des uropoetischen Systems der Hausthiere. 1876. 55) Weiskopf, Adam's Wochenschr. 1876. S. 21; 1878. S. 116. 56) Zucker, Zum Kapitel der dyskrasischen Rückenmarks-lähmung des Pferdes, Hering's Repert. 1877. S. 142. 57) Bellinger, Ueber Hämoglobinurie (schwarze Harnwinde, Windrehe) beim Pferde, Deutsche Zeitsohr. f. Thiermedioin u. vergleich. Pathologie. 1877. S. 155. 58) Trasbot, Archives d'Alfort. 1879 und Dictionnaire vet. Bd. 12. 59) Megnin, Recueil de mcd. vet. 1877. 60) Albert, Adam's Wochenschr. 1877. S. 175. 61) Kngel, ibid. 1878. S. 79. 62) Fried b e rgor, München. Jahresber. 1877. S. 115; 1877/78. S. 41; 1880/87. S. 79; 1887/88. S. 49. 63) Pavlät, Oesterr. Vierteljahrsschr. 1878. S. 71. 04) Kocourok, Oesterr. Vereins-monatsschr. 1878. 65) Rodloff, Preuss. Mittheil. 1877/78. 66) Andre, Annal. deBruxell. 1879. 67) Lösch, raquo;ad. thiorärztl. Mittheil. 1880. 68) Duvieu-sart, Anual. de Bruxell. 1880. 69) Freissl er, Oesterr. Monatsschr. 1881. S. 180. 70) Lippold, Sachs. Jahresber. 1883. S. 82. 71) Kostalsky,
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
llämoglübiiuimio dos Pferdes.
|
487
|
|||
|
|
||||
|
Oeeterr, Voroinstnonataschr. 1883. S. 178. 72) Sohindelkii, Oestoi-r. Viertuljuhrsschr. 1884. S. 29; Bd. 68. S. 45. 73) Bongartz, Arch. f. wies, u. prakt. Thierheilkde. 188.5. S. 217. 74) Jüngers, Thlerorzt. 1885. S. 11. 75) Hink. Tageblatt der Natarforsoberversammlong. 1885. 70) Adam, Woohenschr. 1885. S. 3(i3. 77) Roll in gor. München, ärztl. Intelligenzbl.
1886.nbsp; Nr. 44. 78) Rogers, Amor. vet. rev, 1885, 79) Dippold, Sachs. Jahresher. 1885. S, 7(1. 80) Brazzola, Olin. voter. 1880. 81) Osokor, Oesterr. Vlerteljahrssohr. Bd. 04. S, 82. 82) Winkler, Deutsche Zeitsohr. für Thiermed. 1880. S. 191. 88) Zitta, Centralbl. für klin. Modioin. 1885. Nr. 43. 84) Marion, Recueil. 1880. 85) L6tard, ibid. 80) Houret u. Druille, ibid. 1887. 87) Win slow, The vet. joum. Bd. 21. 88) Burke, ibid. 89) Moubis, llollilnd. Zeitsohr. 1880. 90) Kuntzen, München. med. Woohenschr, 1888. S. 102. 91) laquo;ticker, Berliner Archiv. 1887. S. 318. 92) Sohindelka, Oesterr. Vlerteljahrssohr. 1888. S. 154. 93) Bort sehe, Bad. thiertkztl. Mittheil. 1880. ,8.30. 94) Hartlmeyer, Adam's Woohen-sehrift. 1880. S. 113. 95) Csokor, Oesterr. Viorteljahrsschr. 1882. 8. 77.
98)nbsp; Konbunser, ibid. 1880. S. 50; 1882. S, 37. 97) Polansky, ibid. 1883. S. 39. 98) Ellcnbergor u. Hofmeister, Die plrysiologisclio Wirkung des Kupfers auf den Organismus der wiederkäuenden Hanssiluge-thiere, Archiv für wissenschaftl. und prakt. Thierheilkde. IX. S. 825 ff.
99)nbsp; Die thierärztlichen Lehrbttoher von Bruokmttller, Hering, Spinola, llaubner, Roll, Anacker, Pütz, Diockorhoff. 100) l;£lard, Roeuoil.
1887.nbsp; nbsp; 101) Fröhner, üeber rheumatische Bämoglobinurie (toxilmisclie Hiimoglobinurio Ijiollinger's) beim Pferde und ihr Verliältniss zur paroxys-malon Hiimoglobinurio des Menseben, Archiv für wissenschaftl, und prakt. Thierheilkde. 1884. 8.290. 102) Aubry, Reeueil. 1888. 103) Lucet, ibid. 1889. 104) Rogers, Americ. voter, rev. 1887. 105) Den-, ibid. 1891.
100)nbsp; Sh on ton. The vet. journ. Bd. 20. 107) Rip er t, Journal de Lyon.
1888.nbsp; nbsp; 108) Khlers, Berliner thierärztliche Wochonscbr. 1888. S. 143. 109) Preuss. Militftrrapporte. 1888. S. 80. 110) Clement, Journ. of comp. pathol. 1885. Ill) Padyean, The Veterin. 1888. 112) Jahresbericht der bayerischen Thiorärzto, Woohenschr. für Thierheilkde, 1891; Deutsche Zeitschrift für Thierheilkde. 1890. 118) Jahresbericht der württembergisohen Oberamtsthierftrzte. 1888 u. 1889.
Literatur der rheumatischen Hü moglobinu rie beim Menschen.
1)nbsp; nbsp;Gergeres, Gaz. mod. Paris 1838. S. 151 (citirt nach Liclitheim).
2)nbsp; nbsp;Defer, Compt. rend, et möm. de la societe de biologic. 1849 (citirt naoh Lichtheim). 3) Dressler, Ein Fall von intormittironder Albuminurio und Chromaturie. Virchow's Archiv. 1854. S. 204. 4) Kühne, ibid. 1858. 6) Hermann, Do ett'ootn sang, dilut. in secret, urin. Diss. inaug. Berlin 1859. 6) Bamberger, Wiener mod. Hallo. 1804. Nr. 29 f. und C'cntralbl. für die medicin. Wissenschaften. 1874. S. 571. 7) l'avy. On paroxysmal haematuria, Lancet II. 1865. 8.33. 8) II a sal I, On intermittent or Winter-haematuria, ibid. S. 308 (citirt nach Liclitheim, woselbst die übrige einschlägige englische Literatur, wie auch in der KaohbaunTscbon Dissertation, of. unten, angegeben ist). 9) Naunyn, Aroh, f. Anat. u. I'bysiol. 1868. S. 413. 10) Neubauer u. Vogel, Anleitung zur quantitativen und qualitativen Harnanalyse. 1872. 0. Aufl. 8.374. 11) Secci, Bin Kali von Hi'mio-
|
|
|||
|
ii
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
438
|
Hämogloliinämiu des Pferdes.
|
||
|
|
|||
|
globiuurie uns der Klinik des Ueh. Kaths Prof, Dr. Lebert, Berliner klin. Woohensohr. 1872. Nr. 20. 12) Wiokham Legg, Pftroxysmal haematuria, Ht. Barthol. Hosp. Hep. 1874. X. 13) Soooloff, üeber einen Fall von wiedsrkohronder Nierenblutung im Zusammsubaug mit jedesmaliger Krkiil-tung der [ntegumenta oommunia, Berliner klin. Woohensobr. 1874. Nr. 20. 14) Böhm, Arehiv für experiment. Patbol. liS7H 16) 1. n ehsinger, Experimentelle und kritische Beiträge zur Physiologie des GHykogens. Inaug.-Dissert. Zttrioh 1875. l(i) Ponfick, Experimentelle Beiträge zur Lehre von der Transfusion, Virohow's Archiv. 1875. S, 27H; lieber den Tod nach ausgedehnten schweren Verbrennungen, Berliner klin, Woohensohr. 1876, Nr. 17; lieber die plötzlichen Todesfalle nach schweren Verbrennungen, ibid, 1877. Nr. 46; Ueber die Gemeingefiihrlichkeit der essbaren Morchel, Virohow's Archiv, LXXXVIU, S, 445ff.; e. Deber Hämoglobinämie und ihre Folgen, Berliner klin, Woohenschr, 1883. S. 389 ff. 17) Fran/,, Ueber intermittirende Hämoglobinurie. Cnaug.-Diss. Breslau 1877, 18) Ko-bert u. K(issuer, Fall von periodischer Hämoglobinurie, Berliner klin. Wochenschrift. 19) van Ross em, Over paroxysniale Hämoglobinurie. Diss. Amsterdam 1877 (dtirt nach Eiohbaum). 20) I, ich the im, Ueber periodische Hämoglobinurie, Yolkmann's Sammlung klin, Vorträge. 1878. Nr. 184. 21) Küssner, l'aroxysnmle Hämoglobinurie, Deutsche med. Woohenschr, 1879, Nr. 87. 22) Birch-Hirsohfeld, Epidemische Hämoglobinurie der Neugeborenen, ibid. Nr. 36. 28) Winkel, Ueber eine bisher nicht beschriebene endemisch auftretende Erkrankung der Neugeborenen, ibid. Nr. 24 f. 24) Neisser, Zeitsohr. für klin. Medicin. 1880. S. 88. 25) Fräntzel, Berliner klin. Woohensohr. 1880. 26) Riedel, Deutsche Zeitsohr. für Chirurgie, 1880, S. 118. 27) Bridges Adams, Hämoglobin-ausscheiduug in der Niere. Leipzig 1880. 28) Lesser, Virchow's Archiv. LXX1X, S, 248 ff. 29) Marohand, Virohow's Archiv. LXXV11. S, 455 ff, 80) Kiblicrt, Nephritis und Älbuminurie, Bonn 1881. 81) Eichbaum, Zwei Fälle von periodischer Hämoglobinurie. Inaug.-Diss. Berlin 1881. 82) Murri, Dell' Einoglobinuria da freddo (Privist. clinic, di Bologna) (dtirt nach Kichbaum). 88) Fleischer, Berliner klin. Wocbenschr. 1881. 8. 691, 84) Masius, Experimentelle Untersuchungen über die Wirkung gewisser Arzneistoffe, inbesondere des Jods und des Alkohols auf die Nieren. Inaug.-Diss. Breslau 1882. 85) Lebedeff, Zur Kenntniss der feineren Veränderungen der Nieren bei der Hämoglobinanssoheidung, Virchow's Archiv. XCI. 8. 267 if. 36) Lassar, ibid. LXX1X. S, 168, 87) Nasaroff, ibid, XC, 8,482. 88) Hosenbach, Beitrag zur Lehre von der periodischen Hämoglobinurie, Berliner klin. Wochenschrift. 89) Salkowski u. Leube, Die Lehre vom Harn. 1882.
|
|||
|
|
|||
|
Allgemeines. Die Hämoglobinämie des Pferdes hat, wie schon der Name sagt, mit den Niereukrankheitcn nichts zu thun; denn die Thatsache, class im Verlaufe derselben sich unter Umständen eine se-cundäre Nephritis entwickelt, kann nicht, wie es früher irrthümlichor Weise geschehen ist, die Berechtigung ZU einer derartigen Classification der Krankheit abgeben. Eigentlich sollte die Hämoglobinämie
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
llimioglübiuiiiiüe des I'fenlüh.
|
489
|
|||
|
|
||||
|
dos Pferdes bei den Muskelkrankheiten besprochen werden. Wenn wir sie trotzdem au dieser Stelle abhandeln, so geschieht dies einerseits deshalb, weil der Praktiker gewolmt ist, die sogenannte schwarze Hamwinde bei den Niercnkrankliciton aufzuschlagen, und weil sich ein wichtiges Symptom, die llilmoglobinurie, am besten im Anschlüsse an diese Gruppe besprechen lässt; andererseits aus dem Grunde, weil wir die sogenannte schwarze Harnwinde des Pferdes von dem Bluthamenquot; des Rindes, welches seinem Wesen nach sowohl eine Hämoglobinilmie, als eine Nephritis sein kann, und daher dem Kapitel der Nierenkrankheiten näher steht, nicht trennen wollten.
Geschichtliches. Die liämoglobimlinie des Pferdes ist als Schwarze Harnwindequot;, Windrehequot;, liückenmarkstyphusquot;, Londentyphusquot;, Nierentyphusquot;, Nieren - Rückenmarks-congestion*, rheumatische Kreuzlahmequot;, epizootische Paraplegicquot;, Nervenschlag'-, Nierenschlagquot;, acuter Morbus Brightiiquot;, Neuropathie des Brachialis und Lumbalis'-, Lumbagoquot;, Kreuzkrampf'-, ..Kreuzverschlagquot;. Azoturiequot; u. s. w. schon von Alters her bekannt und stellt jedenfalls eine der ältesten Pferdekrankheiten dar; mit dem Erscheinen der thierärztlichen Journale im ersten Drittel dieses Jahrhunderts taucht auch die Hämoglobin-ämie, wenngleich unter anderem Namen, auf. Da, wo sie scheinbar nicht vorhanden war. wurde sie offenbar mit anderen Krankheiten verwechselt, so z. B. bis in die allerneuoste Zeit herein in Ocsterreich und Dänemark. Am frühesten wurde sie als eigene Krankheit erkannt und beschrieben von den bayerischen und rheinpfälzischen Thierärzten (Hofer, Adam, Prick, Kolb, Franziszi, Giercr, Ableitner u. s. w.), sodann von den württembergischen, norddeutschen, französischen und holländischen Thierärzten. Indess gingen die Ansichten über das Wesen der Krankheit von Anfang an sehr aus einander, was schon aus der grossen Anzahl von verschiedenen Benennungen für dieselbe zu erschliessen ist. Auch zur Zeit ist das Wesen und insbesondere die Aetiologie der Krankheit noch nicht vollständig aufgeklärt. Es wurden im Allgemeinen die nachfolgenden pathologischen Processe für das Wesentliche, der Krankheit gehalten.
1)nbsp; Nierenentzündung, daher auch acuter Morbus Brightii genannt (Hof'or, Hering, Bruckmüllor, Pflug, Zündel).
2)nbsp; nbsp;Küc k on marks en t/ün dun g resp. Congestion (Haubuer, Priedberger, Gsokor).
;5) BIut/.erset/.ung in Folge Eindringens eines septischen, infoctiösen Stoffes (Kolli. Spinola, Vogel, Bellinger u. A.). Die
|
;t:l
|
|||
|
% I
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
440
|
Hämoglobintlmie d^s Pferdes.
|
||
|
|
|||
|
Ansicht Bollinger's geht dahin, dass es sich bei der Hiinioglobinilinie der Pferde um eine Autointoxication handle, wobei durch die Einwirkung des Gehens odor der Kälte ein toxisches Agens (/Ferment1', Ermüdungspro-ductequot;) sich bildet, welches auf die rothen Blutkörperchen /.erstörend einwirkt und Hilmoglobinämie erzeugt.
4) Auflösung der rothen Blutkörperchen durch die Producte der gesteigerten regressiven Stoff metamorphose im Muskel, besonders durch den Harnstoff und die ihn begleitenden Extrac-tivstoffe (Siedamgrotzky und Hofmeister).
6) Rheumatische Affection der Kruppen- und Lendenmuskel fl mit Degeneration, Entzündung, Oedem, Verfettung etc. derselben (W e i n m a n n, Leohleatbner, die norddeutschen T h i e r-il r z t e u. A.).
(i) Myositis rheumatica mit Auflösung des Muskelfarbstoffes und Üebergang desselben ins Blut (b'röh ner).
|
|||
|
|
|||
|
Aetiologie und Pathogenese. Wir erblicken in der sogenannten schwarzen Harnwinde des Pferdes in der Hauptsache eine durch Erkältung hervorgerufene Muskelentzündung der Nachhand, wobei es unter anderem zur Auflösung des Muskelfarbstoffes (identisch mit dem Hämoglobin) und zum Üebergang desselben in das Blut kommt, und halten daher den Ausdruck rheumatische Hämoglobiniimiequot; (Pröhner) als für die überwiegende Mehrzahl der Krankheitsfälle am bezeichnendsten. Dabei soll die Möglichkeit der Existenz einer infectiosenquot; oder toxämischenquot; Hämo-globinämie beim Pferde nicht geleugnet werden. Diese letzteren Fälle sind jedoch wesentlich seltener.
Die häufigste Ursache der Hämoglobinämie des Pferdes dürfte uine vorausgegangene Erkältung bilden. Eine Prädisposition zur Erkältung erwerben sich gewöhnlich die Pferde durch mehrtägiges Stehen bei anhaltend starker Fütterung in warmen, schlecht gelüfteten, dunstigen Stallungen, so z. ß. während mehrerer auf einander folgender Feiertage (Montagskrankheit, Pfingst-, Osterkrank-heitquot;) oder bei Nichtgebrauch wegen Lahmgehens. Vorwiegend werden die schweren Arbeitsrassen von der Krankheit befallen. Nach Göring lässt sich die Krankheit durch Erkältung geradezu experimentell erzeugen. Man findet deshalb auch häufig die warmen, geschützten Stallungen reicherer Besitzer im Gegensatze zu den schlecht verwahrten ärmerer Eigenthümer mehr von derselben heimgesucht. Auch das Auftreten der Krankheit in bestimmten Gegenden eines Landes lässt sich meist auf die verschiedenen Stalleinrichtungen unschwer zurückführen. Kommen die andauernd auf höhere Wärmegrade ..eingestelltenquot; und gleichzeitig zu reichlich gefütterten Thiere nun in
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||
|
llilmoglobiniimii
|
raquo;ferda
|
441
|
|||
|
|
|||||
|
die kühlere Aus.sentemperahn-, so wird der Effect einer Abkühlung um so grosser ausfallen.
Den Vorgang der Erkrankung selbst, das heisst die Art und Weise der Einwirkung der Killte auf den Organismus, und das Freiwerden des Hämoglobins im Körper kann man sich in folgender Weise erklären. Wie aus der Physiologie bekannt ist, steigt der Stoffwechsel in den Muskeln bei Reizung der sensiblen Ternperaturnerven der Haut; wirken nun intensive Reize auf die Haut ein, so wird aueb der Stoffumsatz im Muskelsystem ein stärkerer werden, und es kann so bis zum Zerfall des Organeiweisses, das heisst der Muskelsubstanz selbst kommen. In Folge dieser degenerativen Muskelveränderungen treten die Umsatzproducte derselben, unter anderen auch der Muskelfarbstoff, in den Kreislauf des Blutes über. Der Muskelfarbstoff aber ist identisch mit dem Hämoglobin; die Hämo-globinämie ist also myogenen, nicht hämatogenen Ursprungs. Dabei ist die abnorme Stärke des einwirkenden Reizes auf die Steigerung des Effectes der Erkältimg durch tagelange Anpassung des Organismus an höhere Temperaturen zurückzuführen, sowie die Erklärung der vorwiegenden Affection der Nachhand in dem Umstände zu suchen, dass die bei der Bewegung des Pferdekörpers in erster Linie betheiligten Kruppen- und Lendenmuskeln der Einwirkung von Erkältungsreizen am meisten ausgesetzt sind, und dass von allen Körpergegenden die Nachhand des Pferdes am wenigsten durch irgend welche Bedeckung vor Erkältung geschützt ist (Fröhner).
Tn einzelnen Fällen scheint das Moment der Erkältung zu fehlen, obgleich sich bekanntlich Pferde auch im Stalle, ohne bewegt zu werden, erkälten können. Diese Erkrankungen können in Ermangelung einer genauer gekannten Ursache als infectiöso Hämo-globinämiequot; aufgefasst werden.
Als Stützpunkte obiger Theorie mögen die folgenden hervorgehoben sein. Zunächst wird Erkältung als Hauptursache der Krankheit in ganz übereinstimmender Weise in der weitaus grössten Mehrzahl aller Beobachter angegeben. Dabei ist indess die Annahme einer directen Auflösung der rothen Blutkörperchen durch die Killte insofern ausgeschlossen, als es sich hei vorliegender Erkältung nicht um so bedeutende Kältegrade handeln kann, wie sie z, B. experimentell zur Auflösung des Blutes (Gefrierenlassen) niithig sind. Sodann haben Thierexperimente von Lassar und Nassn-roff (Virch. Archiv Bd. 7!' u. 90) das Auftreten parenehymatöser Muskeldegenerationen, sowie eine Verfärbung der Skelettniuskulatur als Polgen plötzlicher Abkühlung nachgewiesen. Weiter kommt beim Menschen eine ausgesprochene Erkältungskrankheit, die sogenannte paroxysmalequot; oder ,Winterhämoglohinnriequot; vor, die ausschliesslich durch Erkältung hervorgerufen wird und nach Rosenbach, ganz ähnlich wie die schwarze Harn-
|
t
|
||||
|
I
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||
|
442nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;iliuiioglobiniimie des Pferdes.
winde, experimentell durch Erkältung, z. B, durch ein kaltes Fussbad erzeugt werden kann, und welche ausserdem in ihren Symptomen auffallend mit dem Krankhoitsbilde der ersteren übereinstimmt, Ferner hat kürzlich Schindelka auf hilinoinetrischem Wege nachgewiesen, dass der Hämo-globingohalt des Blutes bei der rheumatischen llänioglohinäniie ein viel grösserer ist, als derjenige des Blutes gesunder Pferde. Eine Erklärung dieses üboiTaschemlen Befundes ist nach Schindelka nur durch die Annahme möglich, dass bei der rheumatischen Hämoglobinämie zu der gewöhnlichen Hämoglobinmenge des Blutes eine grosse Menge einer audereü gleiobfärbenden Substanz hinzutritt, welche gar nichts anderes sein kann, als der mit dem Hämoglobin identische Muskelfarbstolf. Endlich lassen die anderen Theorien über das AVeson der schwarzen Harnwinde mehr oder weniger orheblicho Einwände zu. So ist 1) die Nierenentzündung nur ein Symptom, welches während des Lebens und bei dor Section sehr häufig ganz fehlt. 2) Hat man niemals bei der Section eine llückenmarks-entzündung vorgefunden, mit welcher auch die Erscheinungen während des Lebens durchaus nicht stimmen. :f) Fehlt für die Annahme einer Infection und Blutzersetzung, vereinzelte Fälle angenommen, jeder positive Anhaltspunkt, indem die Krankheit regelmässig bei dem untadelhaftesten Trockenfutter auftritt, das klinische Bild, insbesondere das Fehlen einer wesentlichen Temperatursteigerung naclulrücklich gegen eine Infections-krankheit spricht, Bliatuntersuchungen und Impfungen immer ein negatives Resultat ergeben haben, und eine Ansteckung noch niemals mit Sicherheit beobachtet worden ist. 4) Eine Vermehrung des Harnstoffes und der Extractivstoffe im Blute kommt auch bei der Urämie vor, ohne zu Hämoglobinämie zu führen : ausserdem haben wir in mehreren Fällen, wie auch Schindelka in 8 Fällen, nur einen geringen Harnstoff-gehalt des Harns beobachtet. 5) Die früher zuweilen auftauchende Ansicht, dass die Krankheit nur bei Bübeniütterung, nicht aber bei Haforfütterung etc. auftrete, bedarf keiner weiteren Widerlegung; auch die noch immer verbreitete Annahme \ron einer geographischen Beschränkung der Krankheit auf gewisse Länder und Gegenden ist bei genauerer Untersuchung hin-lallig. Die Krankheit ist zur Zeit in allen Ländern Europas bekannt. (1) Die von Di eckerhoff in IJebereinstimmung mit älteren Anschauungen vertretene abstracto Voraussetzung, wornaoh bei stark gefütterten und dabei ruhenden Pferden in Folge Auhäufung von Nährstoffen ein Zerfall von Eiwoisskörpern im Blute mit Bildung eines Stoffes von specilisch giftigen Eigenschaften stattfinde, entbehrt der wissenschaftlichen Begründung.
Anatomisclier Befund. Die Hauptveränderungeu bei der Section von Pferden, welche an Hämoglobinämie gefallen sind, finden sich in den Muskeln und im Blute.
1) Die Muskelveri'uiderungen, welche vorzugsweise au den Psoiis- und Kruppeumuskeln anfjfetroft'en werden, bestehen makroskopisch in einer ödoinatösen Schwellung sowie einer helleren blassen Farbe, mikroskopisch in einer körnigen Trübung, scholligen Zerklüftung, hyalinen Entartung sowie Verlust der Querstreifung, Dabei sind nicht alle Muskeln gleich hochgradig und auch die Psoas-und Eruppenmuskeln nicht immer ausschliesslich erkrankt. Siedam-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Hiimo^lobiniimie des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 443
grotzky fand beispielsweise die Körpermuskulutiu- in einem Falle in nachfolgender Weise verfärbt und degenerirt: in erster Linie Lendenmuskeln, dünner Einwilrtszielier, hintere Partie der übrigen Einwiirts-zielier des Schenkels, Griitcmnuskel, grosse und breite Brustmuskeln; in zweiter Linie vierköptiger Strecker des Unterschenkels; in dritter Linie vordere Abtheilung des Einwilrtsziehers des Hinterschenkels, dessen Auswiirtszieher, Gesilssnuiskel, Longissimus dorsi. Bezüglich des Wesens müssen die genannten Muskelveränderungen als eine entzündliche Degeneration der Muskelfasern aufgefasst werden. Aehnliche Veränderungen sieht man zuweilen auch im Herzmuskel. Zuweilen findet man zwischen den degenerirten Muskelfasern kleine hämorrhagische Herde.
2) Die Hauptveränderung des Blutes besteht darin, dass dasselbe seine normale Farbe verloren und ein lacki'örmiges, the erartiges Aussehen angenommen hat, dass es ausserdem gar nicht oder nur schlecht gerinnt. Das dem lebenden Thiere entnommene Aderlassblut scheidet gewöhnlich bei seiner Gerinnung ein rothiieh gefärbtes (weil hämoglobinhaltiges) Serum ab. in anderen Fällen fehlt dieser Befund, vielleicht dann, wenn das Hämoglobin schon zur Ausscheidung aus dem Körper gelangt ist. Ausserdem ist das Blut nach den Unier-suchungen von Siedamgrotzky und Hofmeister sehr reich an Harnstoff und Extractivstoffen, den Umsatzproducten des gesteigerten Muskel-Stoffwechsels, Endlich findet man hie und da bei mikroskopischer Untersuchung des Blutes eine Unmasse von Hämatoidin-krystallen.
Aussei- diesen wesentlichen Veränderungen, die bei jeder Section angetroffen werden, sind noch einige seeundäre Alfectionen innerer Organe zu erwähnen. Wenn nämlich das Muskelhämoglobin in den Blutkreislauf gelangt ist, dann hat der Körper das Bestreben, dasselbe mittelst der zur Verfügung stehenden Apparate aus dem Blute hinauszuschaffen. Hieher gehören in erster Linie die Milz, welche die Schlacken der rothen Blutkörperchen aufnimmt und dadurch eine Schwellung erfährt (spodogenerquot; Milztumor nach Ponfick), sodann die Leber, welche meist ebenfalls mehr oder weniger vergrössert erscheint, und das rothe Knochenmark, welches zuerst von Zucker infiltrirt und intensiv schwarz gefärbt aufgefunden worden ist. Diese Schwellung und Infiltration des rothen Knochenmarks, wie sie namentlich an den grösseren Knochen (Femur, Humerus, Radius, Tibia), wenn auch nicht immer, zu beobachten ist, darf nicht als Osteomyelitis aufgefasst werden. Eine Ausscheidung des
|
iquot;-
|
||
|
|
|||
|
1
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
444nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;llüinoglobinilmio des Pferdes.
Hämoglobins durch die Niere, also Hämoglobinuriequot;, tritt nach Pod-fick erst dann ein, wenn die Menge des im Blute frei circulirenden Hämoglobins '/ao der Gesanuntsumine des Körperhämoglobins übersteigt. Im letzteren Falle bildet sich zunächst ein H ä m o g 1 o b i n-Int'arct der Niere, an den sich weitere Veränderungen, insbesondere eine acute pareuehymatöse Nephritis anschliessen können. Endlich treten in einzelnen Organen (Milz, Nieren etc.) zuweilen llämor-rhagien auf, auch kann sich im Anschlüsse an Decubitalgangrän leicht Septikämie entwickeln.
Symptome. Die Erscheinungen der rheumatischen Häraoglobin-ämie des Pferdes sind im Allgemeinen folgende: Nachdem in der grösseren Mehrzahl der Fälle die Thiere einige Tage hindurch un-thätig und ohne bewegt zu werden, sowie meist ohne irgend einen Abbruch in der Fütterung, im Stalle gestanden sind, wobei sehr häufig abnorme Wärme und schlechte Ventilation des Stalles nachgewiesen werden können, zeigen die wieder in Dienst gestellten Pferde eine gewisse Zeit nach dem Verlassen des Stalles und zwar gewöhnlich lji 1j-2 Stunde, zuweilen indessen auch früher oder später, eigenthüm-liche Bewegungsstörungen. Bei leichteren Graden bekommt man den Eindruck, als ob dieselben plötzlich an Rheumatismus erkrankt wären; sie gehen nämlich besonders in der Nachhand steif und gespannt oder lahmen wohl auch nur mit einem der Hinter- oder Vorderfüsse: gleichzeitig tritt partieller Schweissausbruch auf. In schwereren Graden schwanken die Thiere im Hintertheil, zeigen einen unsicheren, steifen Gang, das Vorführen der Hintergliedmassen ist erschwert, die Gelenkswinkel bleiben mehr geöffnet, dadurch scheinen die Gliedmassen zu lang zu werden, die Zehe wird auf dem Boden geschleift, die Thiere überknicken im Fessel etc., zittern, ge-rathen in Schweiss. können sich schwer auf den Hinterfüssen erhalten und sinken resp. stürzen nicht selten in ganz apoplectischer Weise zu Boden, ohne von selbst wieder aufstehen zu können. Am Boden liegend machen sie sodann fruchtlose Anstrengungen, sich wieder zu erheben, arbeiten mit den Füssen, zeigen Athmungsbeschwerden verbunden mit Angst, und sind zuweilen ganz in Schweiss gebadet. Das Zurückbringen in den Stall ist dann nur mittelst eines Wagens bezw. auf einer Schleife möglich.
Bei der Palpati on der gelähmten Nachhand Kndet man die Muskeln derselben, besonders die Kruppenmuskeln, sehr derb und gespannt sowie schmerzhaft; die Haut über denselben ist häufig
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Hilmuglobiniimie (h's Pt'ordes.
|
445
|
,1
|
||
|
|
||||
|
höher temperirt und brettartig geschwollen (ödematöse Infiltration des Perimysiums, der Subcutis und Cutis). Die Empfindlichkeit der betroffenen Stellen gegen Berührung, Nadelstiche, elektrischen Strom ist häufig noch erhalten, nicht selten jedoch auch ganz aufgehoben, Abweichend von diesem Befunde beobachtet man zuweilen auch Lähmungen anderer Körpertheile, so der Vorderhand, eines Vorderbeins, der Schultermuskeln, der oberen Halsmuskeln u. s. w.; dies jedoch seltener. Nach Bouley war in 10 Fällen das linke Hinterbein 7mal zuerst gelähmt: in einem Falle beobachtete Lippold statt des gewöhnlichen Ueberköthens so heftiges Durchtreten der Hinterschenkel in den Fesseln, dass die Sohle mit dem Eisen nach vorne gerichtet war und das Thier auf den unteren Enden der Schienbeine (den Köthengelenken) stand. Auch der Schweif wird zuweilen ganz steif gehalten. Oefters endlich sahen wir wehenartige Contractionen der Bauchmuskeln, wobei die Thiere vor Schmerzen geradezu aufschrieen. Als zweites auffallendes Symptom ist ferner die in allen schwe-reren Graden der Erkrankung auftretende H ä m o g 1 o b i n u r i e zu nennen. Dieselbe wurde früher als eine für die Krankheit patho-gnostische und nie fehlende Erscheinung gehalten; es kann indess, wie schon aus der Pathogenese erhellt und durch vielfache Erfahrungen bestätigt ist, das Hämoglobin im Harn, namentlich in den leichteren Fällen, besonders denen mit abortivem Verlaufe, ganz fehlen, woraus sich die Unhaltbarkeit der früheren Bezeichnung liäraoglobinuriequot; für die Krankheit ergibt. Der Hämoglobin resp. Methämoglobin enthaltende Harn fällt durch seine dunkelrothe, zuweilen rubinrothe, schmutzigbraune bis fast tintenschwarze Farbe auf, ist durch seinen Hämoglobingehalt und die etwa später hinzutretende Nephritis sehr eiweissreich und im letzteren Falle mit Bxsudatcylindem, weissen und wenigen rothen Blutkörperchen, zuweilen auch reichlich desquamirtem Nierenepithel vermischt, ausser-dem häufig, wenn auch nicht immer, sehr reich an Harnstoff und verwandten Extractivstoffen, dagegen arm an Hippursäure. Bezüglich der Reaction des Harns müssen wir anderweitigen Angaben gegenüber hervorheben, dass dieselbe in leichteren Fällen fast immer, aber auch in schweren Fällen nicht gerade selten eine andauernd alkalische bleibt; wir fanden so in 'JH genau registrirten Krankheitsfällen, von welchen 5 mit Tod endeten, und welche durchschnittlich zu den schwereren Graden zu rechnen waren, nur einmal einen sauren Harn (= 4 Proc), der sehr reich an Phosphaten war. Das specitische Gewicht des Harns endlich wird in vielen und zwar ebenfalls schweren Fällen
|
;*!
|
|||
|
|
||||
|
ll
|
||||
|
|
||||
|
%
|
||||
|
|
||||
|
'l
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
44()
|
Hämoglobinämie dos Pferdes.
|
||
|
|
|||
|
ganz normal gefunden. Fasst man diese Befunde bezüglich des Harns zusammen, so ergibt, sich daraus die Thatsacho, dass bei der Hämo-globinämie des Pferdes der Harn zuweilen gar keine diagnostische Bedeutung besitzt.
Eine Erhöhung der 1 nnentemperatur fehlt meistens, und zwar nicht selten bei recht schweren Krankheitsfällen, was wir anderen Angaben gegenüber ebenfalls hervorheben müssen. So fanden wir unter 2'i Fällen 20 ohne jede Temperatursteigening (= 80 Proc.)| bei 4 überstieg die Temperatur 89,0deg; C, bei einem 40quot; 0.; auch Engel fand in 4 Fällen nahezu gar kein Fieber. Dagegen ist die P u 1 s-frequenz gewöhnlich gesteigert; wir constatirten unter den eben genannten 2^ Fällen nur 4nial keine Pulsbeschleunigung (= l(i Proc). Dagegen betrug die Pulsfrequenz Kimal über 60 Schläge per Minute (= 04 Proc.) und 5ma] Über 50Schläge (= 20 Proc). Nicht selten steigt der Puls auf 70 und SO Schläge und darüber; dabei ist er hart und schnellend. Die sichtbaren Schleimhäute sind gewöhnlich höher geröthet und dabei schmutzig verfärbt (Zeichen der Blutdisso-lution); die Körpertemperatur ist ungleichmässig vertheilt, die ex-tremitalen Theile sind kühl. In Folge der beträchtlichen Blutalteration tritt sodann oft schon nach ganz kurzem Liegen Deoubitus auf (Hanken, .Tochleiste u. s. w.).
Im Verdauungsapparate fällt die in sehr vielen Fällen zu beobachtende Verminderung resp. Unterdrückung der Peristaltik auf; dagegen finden sich andere Störungen nicht, indem z. B. der Appetit sehr häufig ein ganz normaler ist, oder doch Fresslust besteht. Mit der Unterdrückung der Peristaltik fällt eine Harnverhaltung in der Blase zusammen, die indess durch manuellen Druck vom Mastdarm aus gewöhnlich leicht zu beseitigen ist. Die im Verlaufe der Krankheit auftretenden A thmungsstörungen sind schon früher erwähnt worden.
Die Psyche endlich ist vollständig frei, nur bei Complication mit Nephritis treten Störungen auf. So beobachteten wir in einem Falle nrämische Erscheinungen, die sich in starker Benommenheit des Sensoriums und epileptiformen Krämpfen äusserten. Die von anderen Seiten wahrgenommenen Gehirnstörungen und kollerartigen Symptome lassen sich wohl ebenfalls auf diese Weise erklären. Indessen bilden diese Befunde lediglich seeundäre Complicationen.
|
|||
|
|
|||
|
Verlauf und Dauer. Der Verlauf ist meistens ein a cut er, selbst peracuter. Endet die Krankheit mit Genesung, so kann
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
lliiiiioglobiiüimif.' üus Pferdes.
|
447
|
||
|
|
|||
|
letztere zuweilen schon nacli Stunden (giiii/, leichte, abortive Fälle) oder innerhalb einiger Tage, meist nach 8t Tagen erfolgen. Uilufig tritt hiebei vollständige Restitutio ad integrum ein; die Läinnungs-erscheinungen, sowie die dunhelrotho Farbe des Harns verschwinden, das Thier erhebt sich und erlangt seine normale Beweglichkeit wieder. Indess darf dabei nicht aussei- Acht gelassen werden, dass während des Vorlaufes der Krankheit Exacerbationen nicht gerade selten sind. Auch nach eingetretener Heilung können Recidive vorkonunen. Es kann beispielsweise ein Pferd mehrmals im Jahre, oder mehrere Jahre hinduroh an denselben Tagen, wenn es einige Zeit im Stalle gehalten wird, erkranken. Zuweilen erkranken auch Pferde im Verlaufe einiger Wochen mehrmals. Auch ein gleichzeitiges Erkranken verschiedener Pferde eines und desselben Stalles ist beobachtet worden. Das einmalige Ueberstelicn der Krankheit scheint also keineswegs eine Immunität, vielmehr eine Prädisposition für spätere Erkrankungen zu verleihen. (Ganz ähnlich verhält es sich mit der paroxysmalen llämo-globinämie des Menschen, welche deshalb auch periodischequot; oder intermittirendequot; Hämoglobinämie genannt wird.)
Gehen schwerere Fälle in Genesung über, so bleiben gerne lähmungsartige Zustände der Extremitäten zurück. Entweder hält eine beiderseitige Parese der Nachhand Wochen, Monate und selbst Jahre hindurch an, so dass das Bild der Kreuzlahme (Zurückbleiben der Hinterfüsse beim Gehen, tappender, unsicherer, schwankender Gang) zu Tage tritt, oder es bilden sich bleibende einseitige Lähmungen von Extremitäten und Muskelgruppen mit progressiver Muskeiatrophie aus. So hat man z. B. wiederholt Lähmungen der vom Nervus tibialis und cruralis innervirten Muskelgruppen beobachtet. Besonders hochgradige Atrophie findet man zuweilen an den Kruppenmuskeln. In einem Falle beobachteten wir auch im Anschlüsse an die Hämoglobinämie eine chronische Meningitis spinalis mit Parese der Nachhand, der Blase und des Darmes, bei deren Section als sehr seltene Complication Entzündung der Rückenmarkshäute an der Cauda equina vorgefunden wurden.
Endet die Krankheit mit Tod, so nehmen die paretischen Zustände mehr und mehr zu und gehen schliesslich in vollständige Paralyse über; die Unruhe des Thieres steigert sich, die Athmung wird dyspnoisch, allenthalben entwickelt sich Decubitus; allmählich trübt sich dann auch das Bewusstsein und es erfolgt der letale Ausgang entweder unter dem Bilde einer Kohlensäureintoxication (Lungenhypostase), oder Herzlähmung, oder Urämie.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
448nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Hämoglobinämie dos Pferdes.
Prognose. Dieselbe ist, je nach dem Grade der Erkrankung verschieden zu stellen; man wird aber immer gut daran thun, auch bei scheinbar leichteren Filllen mit Rücksicht auf die Möglichkeit von Hecidiven oder hinzukoniiiu'nden Klxacerbationen die Vorhersage nicht allzu günstig, sondern mindestens vorsichtig zu stellen.
Sind die Thiere gar nicht mehr im Stande, von selbst aufzustehen, und sind sie auch trotz der Anwendung von Flaschenziigen etc. nicht mehr in die Höhe zu bringen oder dort zu erlmlten (vollstiindige Paralyse), dann ist die Prognose ungünstig, wenn auch in einzelnen Fällen die Thiere trotz mehrtägigem Liegen noch genesen. Die Mortalitätsziffer ist je nach der Hasse, den Witterungsverhältnissen, der individuellen Disposition, dein Grade der Erkrankung u. s. w. eine sehr verschiedene; bald genesen die Patienten der Reihe nach auffallend gut und rasch, bald hat man eine ganze Serie von Todesfällen zu verzeichnen. Aus diesem Grunde differiren die angegebenen Zahlen nicht unerheblich: so berechnet Bay die Mortalität bei 368 beobachteten Fällen auf 70 Proc., Stockflefch auf 50 Proc, Bouley auf (id Proc, Grimm auf 40 Proc, an der Stuttgarter Klinik beträgt sie nach unseren Berechnungen 40 Proc.. an der Münchener sogar nur 20Proc. Im Allgemeinen wird man sie auf 2040 Proc, bei ausgeprägter Paralyse indess auf 50 70 Proc. feststellen dürfen.
Differentialdiagnose. Es kommt hier eine ganze Reihe von Krankheiten in Betracht, mit denen die Hämoglobinihnie des Pferdes verwechselt werden kann und thatsächlich auch sehr häufig verwechselt wird. Die wichtigsten davon sind die folgenden;
1) Kolik. Vor Allem ist es die ebenfalls durch Erkältung hervorgerufene rheumatische Kolik, welche durch die lebhaften Schmerz-äusserungen, die Unterdrückung der Pcristaltik, sowie durch das häutige Liegen der Thiere viel Aehnlichkeit mit der llärnoglobinäraie der Pferde besitzt. Indess geben die Anamnese, insbesondere der Nachweis eines längeren Stehens im Stalle, die Untersuchung der Kruppenmuskeln, die Beschaffenheit des Harns, die Unfähigkeit der Thiere, von selbst wieder aufzustehen etc., hinreichende Anhaltspunkte für die Unterscheidung beider Krankheiten. Vergl. auch die allgemeine Differentialdiagnose der Kolik S. 166,
'2) M uskel rheum ati smus. Der Nachweis der flärnoglobinurie, die Anamnese, sowie das apoplectiforme Auftreten der Parese oder Paralyse sichern in allen Fällen die Diagnose. Ausgebreiteter acuter Muskel-rheumatismus ohne liämoglobinäniie ist überhaupt beim Pferde selten.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Hiimoglobiiuuniii des Pt'ci-dcs.
|
44lt;)
|
||
|
|
|||
|
3) Thrombofse der hinteren Aorta und ihrer Verzweigungen (Darmbeiimrterien, Beckenarterien, Schenkelarterien) erzeugt nicht selten ein der rheumatischen Hilmoglobiniimio ausserordentlich ähnliches Krankheitsbild, bei dem die Unterscheidung auf den ersten Anblick schwer sein kann. Indess gibt eine Exploration durch den Mastdarm ohne Weiteres Aufschluss über das Wesen der Krankheit. Ausserdem verschwinden bei der Aortenobliteration die schweren Zufälle auffallend rasch und machen meist einer vollständigen Euphorie Platz, wie sie umgekehrt ebenso häufig und unverhofft, sowie ohne jede Veranlassung in die Erscheinung treten resp. künstlich durch Bewegen der Thiore hervorzurufen sind.
-1) Hückenmarksapoplexie, sowie spinale Paralysen und Paresen der Nachhand traumatischen oder entzündlichen Ursprungs können ebenfalls Veranlassung zu Verwechslungen abgeben. Die trau-mutische Entstehungsweise jedoch, sowie die allmähliche Ausbildung einer Meningitis spinalis etc., endlich der Mangel eines primären Herdes für etwaige Embolien bei Apoplexie u. s. w. werden immerhin einige Fingerzeige bieten, vor Allem aber wird die Beschaffenheit des Urins ausschlaffo'ebend sein.
5) Starrkrampf. Verwechslungen damit können durch die derbe, gespannte Beschaffenheit der Kruppenmuskeln möglicher Weise veranlasst werden; doch dürfte bei einer genauen Vergleichung des Bildes beider Krankheiten die Unterscheidung nicht schwer sein. Die Entwicklung des Starrkrampfes ist eine wesentlich langsamere; Hämo-globinurie fehlt hiebei immer. Ueber die Beobachtung von Trismus bei der Dämoglobinämie der Pferde siehe die Anmerkung.
(i) Nephritis. Milzbrand, Potechialfieber u. s. w. endlich sind bei einigermassen aufmerksamer Untersuchung leicht zu unterscheiden.
Therapie. Bei der Behandlung der Hämoglobinämie des Pferdes spielt die Prophylaxe eine Hauptrolle: Die Krankheit kann nämlich fast absolut sicher dadurch verhütet werden, dass man die Pferde täglich, auch an Ruhetagen bewegt, und während dieser Zeit nicht so stark füttert wie sonst; dadurch werden dieselben gegen jede Witterung abgehärtet und es wird besonders etwaigen Recidiven vorgebeugt. Unterstützt wird dieses Verfahren durch eine rationelle Ventilirung und Temperirung des Stalles.
Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, so gilt es vor Allem, das erkrankte Pferd zum Stehen und womöglich in eine Hängegurte Frledberger u Fröhner, Pnthol. n, Therapie d, Rausthiere, I Bd. ;gt;. Auti 29
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
450nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Hilmoglobinilmie des Pt'erdos.
zu bringen, da beim Liegen des Thieres sich rasch Decubitus, sowie Lungenhypostase mit tödtlichem Ausgange entwickelt. Hiebei muss indess darauf aufmerksam gemacht werden, dass Thiere, welche sich im Hängen gar nicht mehr zu stützen vermögen, Gefahr laufen, in kürzester Zeit zu ersticken. In allen den Füllen sodann, in welchen auf Grund der ßlutdissolution eine starke Athenmoth oder abnorme Herzbeschleunigung auftritt, verlohnt es sich, wenigstens nach unseren Erfahrungen, welche auch anderweitig bestätigt werden, einen ausgiebigen Aderlass zu machen. Hiebei muss allerdings bemerkt werden, dass das Blut zuweilen sehr dick ist und schlecht fliesst. Sollte, was häufig der Fall ist, eine Parese der Blase eine Harnverhaltung bedingen, so muss man versuchen, mittelst Druckes mit der flachen Hand von dem Mastdarm aus oder durch Einführung eines Katheters den Harn zur Entleerung zu bringen.
Ausserdem sucht man zur Beförderung der Mämoglobinausschei-dung durch die Nieren möglichst viel Wasser im Getränke zuzuführen und die Hautthätigkeit durch Frottiren und Einreiben spirituöser und scharfer Mittel, z. B. Campherspiritus mit Terpentinöl etc., sowie die unterdrückte Darmbewegung durch evaeuirende und laxi-rende, selbst drastische Mittel anzuregen. In letzterer Beziehung eignet sich das Physostigmiu. sulfuric. wegen seiner leichten Appli-cationsweise und sicheren Wirkung am besten ; man injicirt es in lOpro-centiger Lösung (in Wasser gelöst) in Dosen von 0,080,12 unter die Haut des Halses, der Schulter etc. Auch das Pilocarpin (0,2 bis 0,8) wird neuerdings empfohlen. Die diätetische Behandlung besteht in der Verabreichung von Mehltränken, Kieienschlapp, Möhren, Grünfutter oder gutem Heu; intensivere Futtermittel, so besonders Hafer, sind zu vermeiden. Die Reconvalescenten müssen allmählich wieder an die Bewegung gewöhnt werden.
Eine eigenthüinliche, subacute Form von Hämoglob inäiuie beschreibt Utz. Bei derselben sollen die allgemeinen Symptome nicht schlagartig, sondern allinilhlieli auftreten, so dass die Thiere meist erst am 8.4. Tage als krank erkannt werden. Ausserdem hat Utz auch Mnskel-anschwellungen am Masseter mit nachfolgenden Kaubeschwerden beobachtet (Trismus). Auch Friedberger beobachtete in zwei Fällen von Hilmo-globinämie ausgesprochene Symptome von Trismus. Was schliesslich noch kurz die Fülle von infectiüser Hämoglobinämio betrifft, so erinnern dieselben zuweilen an das Bild einer mykotischen Darmentzündung oder sonstigen Vergiftung, scheinen also mehr in letzteres Kapitel zu gehören.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Httmoglobinamp;inie des Rindes.
|
451
|
||
|
|
|||
|
Die Hiimoglobiniimio des Kindes uml der übrigen Wiederkäuer.
(Blutbarnen, Blutpissen, Weiderotli u, s, w.)
Literatur. 1) Ryohner, Bujatrik. 18;laquo;. S. 279. 2) Taiohe, Recueil vet. 1834. 3) Favre, Drouai-d, ibid. 1837. 4) Pottier, ibid. 1841. 5) Mayers-burg, Repert. 1842. 6) Junginger, ibid. 1843. 7) Kuers, ibid. 1844. 8) (iregory, Tlio Veterin. 1845. ij) Vigney, Recueil de med. vct. 1840. 10) Dubois, Joum. Belgique. 1847. 11) Landel, Repertoriam. 1848. S. 120. 12) Mattliieu, Recueil de mod. vet. 1851. 18) Hering, Caun-Btatt's Jahresber. 1853. S. 44; Spec. Pathologie. 1858. 14) Salome, Recueil de med. vet. 1853. 15) Gerlach, Magazin. 1854. S. 277. IG) Wieners, Repert. 1854. S. 24. 17) Sauberg, Preuss. Mitth. 1853/54. S. 89. 18) D o-goix, Recueil de med, vet. 1854. 19) Bell, Repert. 1855. 20) Schwane-feldt, Magazin. 1857. S. 457. 21) öillet, Recueil do med. vet. 1857; Memoires de la Soc.vet.dc l'Ouest. 1802. 22) Boss), Adam's Wochenschr. 1859. S. 217. 23) Albort, Magazin. 1802. 24) Weigenthaler, Adam's Wochenschr. 1802. S. 205. 25) Weinmann, ibid. 1805. S. 165. 20) Spi-uola, Specielle Pathologie und Therapie. 1863. II. Bd. 8. 303. 27) (!od-fryn, Anual. de Bruxell. 1805. 28) Pichon u. Sinoir, Journ. du Midi. 1805; Recueil. 1803/04. 29) Cauvet, ibid. 1808. 30) Lindquist, Repert. 1870. S. 180. 31) Leisering, Sachs. JabresLer. 1868. S. 27. 32) Fürstenberg, Preuss, Mittheil. 180869- 88) Harms, Hannover. Jahrosber. 1874. S. 77. 34) Stockfleth, Tidsskriit for Vet. 1873; Deutsche Zeitsohr. für Thiermed. 1875. S. 117. 36) Leytze, Report. 1875. S. 49. 36) Zündel, l'üt/.'sohe Zeitsohr. 1875. S. 97. 37) Bollinger, Deutsche Zeitschr, für Thiermed. 1877. S. 177. 38) Friedberger, München. Jahresher, 1877/78. S. 57. 39) Robin, Recueil de med. vet. 1878. S. 993. 40) May, Krankheiten des Schafes. 1878, mit Literatur. 41) Henninger, Had. thieriirztl. Mittheil.
1878.nbsp; S. 50. 42) Dotter, ibid. 1879. Nr. 10. 43) Polet, Ann. de Bruxell.
1879.nbsp; nbsp; 44) Krabbe, Repert. 1880. S. 314. 45) Ohiooli, Oesterr. Viertel-jahrsschr. 1880. S. 56. 40) Göttelmann, Zündel's .lahresbericht. 1883. 47) Lechner, Oesterr. Vierteljn.hrsschr. 1883. S. 125. 48) Krebs, Archiv für Thierheilkde. 1883. S. 216. 49) Roll, Oesterr. Jahresber. 1883, 1884 u. 1887. 50) Hink, Bad. thierärztl. Mittheil. 1886. S. 126; 1887. S. 183; Adam's Wochenschr. 1888. S. 273. 51) Louhieue, Bullet. Belgique. 1886. 52) Gautier, Deutsche Zeitschr. für Thiermed. 1880. S. 377. 53) Reutor, Adam's Wochenschr. 1888. 8. 109. 54) Hudovsky, Oesterr. Monatsschr. 1888. S. 433. 55) Rossi, 11 medico vet, 1889. 50) Mitth. bayer. Thier-ilr/.te; Wochenschr. für Thierheilkde. 1891. S. 80 f. 57) l'iana, Clinica veter. 1889 u. 1890. 58) Babes, Virchow's Archiv. Bd. 115. S. 81; Comptes rendus. 1888 u. 1889; Recueil. 1889 u. 1890.
|
|||
|
|
|||
|
Begriff. Die als Blutharnen, Blutpissen, Rothharnen,
Färben, Röthen, Siechen, rotlies Wasser, Maiseuche, Maien-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
452
|
Ulutluunen des Rindes,
|
||
|
|
|||
|
sperre, Weide.seuche, Weideroth etc. in der Literatur beschriebene Krankheit des Rindes und der übrigen Wiederkiluer gehört zu den unklarsten in der gesammten Veterinärpathologie. Nicht bloss gehen die Ansichten der Autoren über die Ursachen des Leidens sehr aus einander, sondern es widersprechen sicli auch vielfach die Beschreibungen der Krankheit, Eine exaete klinische und anatomische Untersuchung ist hier mehr als irgendwo anders in Zukunft angezeigt. Vor Allem muss aus dem landläufigen Sammelbegriffe Blutharnenquot; die sogen, enzootischc Magendarmentzündung in ihrer Complication mit Nephritis haemorrhagica, sowie mit ihrem auf die Nierenentzündung sich beziehenden Symptome, der Hämaturie, ausgeschieden werden; wir haben daher letztere Krankheit bei den Vergiftungen gesondert besprochen. Wenn wir sodann dem Blutharnen im engeren Sinne die Benennung Hämoglobinämiequot; beigelegt haben, so geschah dies auf Grund einer eingehenden Prüfung der vorhandenen Literatur und eigener Beobachtungen: dieselben liefern den sicheren Beweis, dass das Blutharnen nicht, wie meist angenommen wird, als Hämaturie, sondern als Hämoglobinurie aufzufassen ist. Die Hämoglobinämie des Rindes sohliesst sich daher, und weitere That-sachen werden dies noch mehr bestätigen, eng an die Hämoglobinämie des Pferdes an. Unsere Auffassung bezüglich des Wesens der Krankheit geht, kurz gesagt, dahin, dass das Blutharnen in der Hauptsache eine durch toxische resp, infectiöse Stoffe hervorgerufene Blutzersetzung (toxische und infectiöse Hämoglobinämie), sowie zum Theil auch eine myogene, d. h. rheumatische Hämoglobinämie darstellt.
|
|||
|
|
|||
|
Vorkommen. Das sogen. Blutharnen kommt am häufigsten beim Rind, dann aber auch bei Schafen und Ziegen, und zwar in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle epizootisch beim Weidevieh, seltener sporadisch im Stalle vor. Die Krankheit ist schon sehr alt und war bereits den Griechen und Römern bekannt; sie ist über ganz Europa verbreitet, scheint jedoch mit den Fortschritten der Boden-cultur mehr und mehr in der Abnahme begriffen zu sein. Zur Zeit findet man sie besonders als Herdekrankheit in den Alpengegenden, sowie auf den nordischen Gebirgen und Ebenen. Wie bei der Lecksucht spricht man in manchen Gegenden auch von Blutharnhöfenquot;; dieselben sind ineist niedere, von Wald umgebene und mit Erlen-büscheu bewachsene Ländereien.
Tu der Hauptsache werden besonders weibliche und jüngere
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
lilutlmrnen des Rindes.
|
453
|
||
|
|
|||
|
Thiere, nowic das Melkvieh, weniger dagegen milnnliclie Thiere ergriffen. Bemerkenswerth ist sodann die von verschiedenen Beohach-tern constatirte Thatsache, dass eingeborenes, an Ort und Stelle aufgezogenes Vieh sich viel resistenter erweist, als frisch eingeführtes, welches sofort und sehr schwer von der Krankheit hefallen wird. Ausserdem scheinen bestimmte Individuen besonders disponirt zu sein; ja es kommt nicht selten vor, dass einzelne Kühe zweimal im Jahr, und zwar im Frühjahr und Herbst, und selbst mehrmals während eines Weideganges erkranken. Die Jahreszeit anbelangend, ist das Blutharnen vorwiegend eine Früh j ahrskrankheit und befallt hauptsächlich solche Herden, welche den Winter über bei kärglicher Fütterung und überfüllten Räumen im Stalle gehalten und dann möglichst früh, bei windiger und kalter Witterung auf die noch kaum bewachsenen Weiden getrieben werden. Auf solchen kalten, windigen, schattigen resp. winterseitigen, dabei kargen, moorigen und sumpfigen Weiden ist das Leiden stationär. Die Krankheit bricht dann gewöhnlich am Ende der ersten oder am Anfange der zweiten Weidewoche, bei allzu-frühem Auftriebe oft schon in den eisten Tagen aus und dauert meistens bis gegen die Mitte des Sommers. Nach Gerlach kann sie auch 810 Tage nach dem Abtreiben von der Weide noch auftreten. Dabei ist das Blutharnen nicht ausschliesslich an das Frühjahr gebunden, vielmehr hat man dasselbe auch schon mitten im Sommer in Folge kalter, regnerischer Witterung beobachtet. In den Alpen soll die Krankheit nur auf Schiefer-, nicht aber auf Kalkformation vorkommen (Lechner).
Aetiologie. Von der grösseren Mehrzahl der Beobachter wird das Blutharnen des Rindes als die Folge einer Blutzersetzung erklärt, so von Stockfleth, Gerlach, Spinola, May, Cauvet, Wieners, Pichon, Friedberger u. A.; in der neueren Zeit hat sich nur Lechner für ein toxisches Leiden der Nieren als Ursache ausgesprochen. Da wir jedoch die Hämaturia renalis von der Hämo-globinurie getrennt haben, so kann hier nur die erstere, verbreitetere Ansicht in Betracht kommen. Betreffs des Wesens dieser Blutzersetzung deutet Alles auf eine Hämoglobinämie als Grundlage der Krankheit hin, indem rothe Blutkörperchen im Harn mit Sicherheit noch niemals nachgewiesen worden sind. Wenn nun auch die eigentlichen Grundursachen dieser Hämoglobinämie noch nicht gekannt sind, so ergibt sich doch bei genauerer Durchsicht der einschlägigen Literatur, dass zwei Hauptf'actoren, welche wahrscheinlich mit ein-
|
|||
|
|
|||
|
:'
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
454
|
Ulutharnpn des Rindes.
|
||
|
|
|||
|
under wirken, .als die näheren Ursachen der Krankheit zu bezeichnen sind und zwar einerseits toxisch-inl'ectiöse, mit der Nahrung aufgenommene und die rothen Blutkörperchen zersetzende Stoffe; andererseits Erkältung, wahrscheinlich in ähnlicher Weise wirksam, wie bei der Hämoglobinämie des Pferdes.
1) Die toxisch-infectiösen Einflüsse sind nach Stockfleth, öerlaoh, Spinola u. A. auf eigenthümliche Bodenverhältnisse mit entsprechend abgeänderter Beschaffenheit und Zusammensetzung der Vegetation zurückzuführen. Wenn auch die Vermuthungen Spinola's und Stockfleth's, von denen der erstere eine abnorme Menge von Pflanzensäuren in den Futtergewächsen, der letztere ein in den Pflanzen abnormer Weise gebildetes schwefelwasser-stoffähnliches Gift annimmt, sehr hypothetischer Natur sind, so spricht doch die Thatsache, dass die Krankheit sehr häufig stationär und an ganz bestimmte Wiesen oder Weiden gebunden ist, sowie dass bei Verfütterung des von diesen Weiden gewonnenen Heus das Blut-hamen auch im Stalle auttritt, entschieden für das Vorhandensein eines toxischen oder infectiosen Stoffes. Auch die nachher zu nennenden Krankheitssymptome weisen auf ein Gift hin, das mit der Nahrung aufgenommen, zunächst Diarrhöe resp. eine hämorrhagische Gastroenteritis erzeugt und nach seiner Resorption ins Blut dieses dann zersetzt.
Die Beobachtung mehrerer Autoren, z. B. Stockfleth's, welche nach Aufnahme fauler Futterstoffe, so z. B. fauler Rüben und Rübenblätter, von Branntweinschlempe, von pilzbesetztem Futter Blutharnen beim Rinde auftreten sahen, deutet ebenfalls auf eine myko-tische Natur wenigstens eines Theils der Fälle von Hämoglobinämie hin. Endlich berechtigt die nahezu übereinstimmende Angabe vieler Beobachter, dass die Krankheit häufig nachgewiesenermassen an gewisse sumpfige, moorige Wiesen und Waldstrecken gebunden sei, zur Annahme irgend eines malariaartigen, auf einen Spaltpilz zurückzuführenden Miasmas.
Die zahlreiche Menge von Giftpflanzen, sogen. Blutharnpflanzenquot;, erzeugt weniger Hämoglohinurie, als Hämaturie. Hieher gehören die schon bei der enzootischen Darmentzündung erwähnten Sprossen der Nadelhölzer, Ranunkeln, Ginster, Wasserpfeffer, Mer-curialis, Euphorbiaceen, Schierlingsarten etc. Ob die von Spinola beschuldigten Sauer- oder Balbgräser (Carex, Scirpus, Juncus) oder Equisetum mit dem Blutharnen in Verbindung stehen, ist mehr als
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
blutharnou des Kindes.
|
455
|
||
|
|
|||
|
fraglich. Dagegen scheint nach mehreren Beobachtungen die Erle (Alnus ulpina, viridis, incana und alnobetula) insoferne Beziehung zur Krankheit zu haben, als häufig mit Erlenbüschen bewachsene Weideplätze in auffallender Weise schädlich sind.
2) Auf die Mitwirkung einer rheumatischen Ursache, ähnlich wie bei der Hämoglobinämie des Pferdes (rheumatische oder myogene llämoglobinämie) deuten verschiedene Umstände hin. In erster Linie ist hier die Thatsache hervorzuheben, class die Krankheit am häutigsten beim Uebergang von der Stallhaltung zu kalten, nassen, stürmischen Frühjahrsweiden auftritt, während sie bei späterem Auftrieb ausbleibt. Auch im Stalle kann Blutharnen durch Verabreichung zu kalten Brunnenwassers (Rychner), sowie auf der Weide durch sehr kalte Bergquellen (Zündel) hervorgerufen werden. Nach Roll tritt die Krankheit in Galizien besonders in kälteren, gebirgigen Gegenden auf. Dotter hält das Blutharnen geradezu für ein rheumatischesquot; Leiden; Utz (Bad. Mittheil. 1884, S. 6) beschuldigt ebenfalls bestimmt Erkältung als Hauptursache und hat während grosser Kälte die Krankheit auch im Stalle gesehen. Nach Hink stellt das im Schwarz-walde häufig vorkommende Weiderothquot; eine der schwarzen Harnwinde des Pferdes ähnliche Hämoglobinurie dar, welche vorzüglich die Jungrinder beim erstmaligen Weidegange befällt und durch Erkältung, gierige Aufnahme sehr nassen und kalten Futters, sowie ungewohnte Anstrengung verursacht wird. Endlich sah Säur (private Mittheilung) in einer Milchkuranstalt eine sehr gut genährte Milchkuh zweifellos in Folge einer Erkältung an allgemeinem Rheumatismus, mit Hämoglobinurie complicirt, erkranken. Diese Momente, im Vereine mit der Aehnlichkeit mancher klinischen Symptome bei beiden Krankheiten (Steifigkeit der Nachhand, Empfindlichkeit bei Druck auf die Lendengegend), deuten nach unserem Dafürhalten auf eine Verwandtschaft der Hämoglobinämie des Rindes mit der des Pferdes hin.
Die Aetiologie der Hämoglobinämie des Rindes ist in der neueren Zeit durch die Untersnclunigen von Babes und Plana gefördert werden.
Babes berichtet über eine in den sumpfigen Donaugegenden Hu-iniiniens herrschende llinderseuche, an welcher jährlich 3050,000 Ochsen zu Grunde gehen. Kühe erkranken seltener und werden meist wieder gesund, Killber bleiben verschont. Die Erscheinungen dieser Einderseuche sind im Allgemeinen dieselben, wie sie bei der Hamoglobiniimie des Eindes beobachtet werden. Ob indessen die Babes'sehe Seuche mit dem Blutharnen der Binder in Deutschland identisch ist, lilsst sich zur Zeit noch nicht mit Sicherheit entscheiden. Das wichtigste Krankheitssymptom ist jedoch auch hier das Auftreten von Hämoglobin im Harn. Als Ursache der Seuche hat
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
4öt)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bluthiirneii des Hirnlos.
ifabes einen Diplococcus entdeckt, welcher sich im Blute, namentlich auch im Inneren der rothen Blntkorpcrchen, in den Nieren, im Magen etc. vorfindet. Dieser Haematococousquot; soll nach Babes Hilmoglobinämie erzeugen durch Auflösen der rothen Blutkörperchen. Bac-teriologisch soll der Pilz am besten nachweisbar sein durch Vorfilrben mit Lötfler'scher Methylenblaulösung, Nachfärben mit concentrirter Methylenblaulösung .'und schliesslichem Behandoln mit Aniliuöl und Xylol. Ueber-tragungen des Blutes kranker Thiere auf gesunde blieben erfolglos. Auch auf Schafe, Schweine, Hübner, Tauben, Meerschweinchen Hess sich die Krankheit nicht überimpfen. Dagegen zeigten Kaninchen nach der Impfung Darmentzündung, Peritonitis, Pleuritis und Pericarditis. Eine genaue Charak-torisirung des von Babes gefundenen Coccus steht noch aus.
Eine ähnliche, in den Bergen von Brescia stationäre Einderseuche, welche daselbst einen jährlichen Schaden von '/j Million Pranken bedingt, hat Plana beschrieben. Im Blute der kranken Thiere fand er kleine Kokken; auch gelang es ihm, die Krankheit durch intraperitoneale Blutinjeotion von kranken auf gesunde Thiere zu übertragen. Wenn die Impfthiere 83 Impfungen überstanden haben, sollen sie gegen die Seuche vollständig immun sein.
Symptome. Bei der Beschreibung der Symptome des Blut-harnens sind häufig die Erscheinungen der Haematuria renalis mit denen der eigentlichen Hämoglobinuric von den neueren Autoren in ein Krankheitsbild verwoben worden. Wir haben uns daher vorwiegend an die Schilderungen der älteren Beobachter (Spinola, Stock-i'Ieth, Gerlach) halten müssen, von deren Angaben einige neuere Publicationen nicht unerheblich abweichen.
Nach diesen älteren, unter einander übereinstimmenden Angaben bestehen die wesentlichen Krankheitssymptomc kurz zusammen-gef'asst in Steifheit der Nachhand, vermehrter Empfindlichkeit in der Lendenpartie bei Druck, sowie im Absätze eines mehr oder weniger roth gefärbten, aber nicht Blutkörperchen enthaltenden Harns. Die Krankheit beginnt gewöhnlich mit hohem Fieber (4041deg; C), an welches sich die Erscheinungen einer Diarrhöe anschliessen, die selbst blutig sein kann. Der im Anfange unterdrückte Appetit ist später oft ganz normal oder nur wenig unterdrückt, und es ist nur eine allgemeine Mattigkeit mit leichter Temperatursteigerung zu beobachten. Zuweilen schon nach 612 Stunden zeigt sodann der Urin eine zuerst blass-, dann mehr oder weniger dunkel- bis braun- und schwarzrothe, oder auch theerartige Farbe, sowie einen bedeutenden Eiweiss- resp. Hämoglobingehalt, in Folge dessen der Harn beim Absetzen schäumt und beim Kochen zu einer dunkelbraunen, brei- oder gallertartigen Masse erstarrt. Dabei bildet er gerne ein trübes Sediment und färbt wohl auch beim Schafe die Wolle in der Umgebung der Harnröhrenmündung roth
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Blutharnen des Kindes.
|
457
|
||
|
|
|||
|
(Pissflecke). Die .Reaction des Harns ist nach lleuter in den ersten 35 Tagen der Krankheit eine saure, späterhin eine alkalische (Am-moniakgeruch des Harns). Interessant ist, dass die Krankheit ohne Rothfärbung des Urins verlaufen kann (Stockfleth), wodurch die Aelmlichkeit mit der Hämoglobinäinio des Pferdes erhöht wird. Der so beschaffene Harn wird ferner anfangs in vermehrter Quantität, sodann öfters in kleinen Mengen, sowie unter deutlichem Schmerzgefühl (Strangurie) entleert. Auf die Diarrhöe folgt meist am .'{.Tage eine anhaltende Verstopfung, in deren Verlaufe nicht selten Aufblähen zu beobachten ist. Die innere Körpertemperatur steigt bis 41,8quot; C. und darüber (Reuter).
Zu den genannten Symptomen gesellen sich bald die einer Mo-tilitätsstörung der Nachhand: steifer, gespannter, schwerfälliger Gang, Unbeholfenheit, selbst Schmerzempfindung beim Niederlegen und Aufstehen, Krümmen des Rückens, sowie eine oft ganz auffallende Empfindlichkeit in der Lenden- und Kruppengegend; auch leichte Zuckungen oder selbst schwache Krämpfe im Hintertheil, desgleichen wurmförmige Bewegungen am Mittelfleische der Harnröhre entlang wurden beim ürinabsatz wahrgenommen. Schliess-lich nimmt die Schwäche und Mattigkeit seitens des Hintertheils mehr und mehr überband, so dass die Thiere zuletzt unfähig zum Aufstehen werden. Zuweilen treten im letzten Stadium der Krankheit noch ödematöse Anschwellungen am Kopf, Hals, an der Brustspitze etc. auf (Reuter). Die Schleimhäute sind entweder höher geröthet oder sie sind im späteren Verlaufe sclnnutziggelb bis citronen-gelb gefärbt; auch die Milch soll zuweilen eine gelbrothe Farbe annehmen und der Icterus allgemein werden (Gerlach). Indem nun der Puls immer frequenter und dabei schwächer wird, die Erschlaffung zunimmt, über den ganzen Körper ein Sinken der Temperatur eintritt, erfolgt unter allgemeiner Erschöpfung und nachdem der Harn sich schon längere Zeit hindurch wieder aufgehellt haben kann, der tödtliche Ausgang.
|
|||
|
|
|||
|
Verlauf. Derselbe ist ein acuter, seltener ein peracuter, indem die Kranken schon nach wenigen Stunden apoplektisch zu Grunde gehen können (Reuter). Bei frühzeitiger Entfernung oder schwächerer Einwirkung der Ursachen ist er gewöhnlich ein ganz gutartiger, im Allgemeinen aber sehr wechselnd. Die Dauer beträgt im Durchschnitt 1014 Tage; Genesung ist entschieden am häufigsten. So sah Stockfleth unter 79 Erkrankten 23, Krabbe unter 830 nur 38
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
458
|
Blutbarnen des Rindes.
|
||
|
|
|||
|
= 8 Proo., Rudovsky uiit.er 50 Patienten ti = 12 lJroc. sterben. Das Ueberstehen der Krankheit schützt indessen nicht gegen Rückfälle. Beuter hat beobachtet, dass Kühe während einer Weideperiode dreimal von Blutharnen befallen wurden. Derselbe Autor theilt mit, dass die Krankheit in manchen Gemeinden so verheerend auftreten kann, dass 3040 Proc. des gesammten liindviehstandes verloren gehen, und die Rindviehhaltung daselbst auf das Allernothwendigste beschränkt werden muss.
Anatomischer Befund. Die Veränderungen bei der Section sind gewöhnlich nicht sehr bedeutend. Meistens sind die Cadaver ganz anämisch und das Blut sehr dünnflüssig, von kirsch-rother bis tintenschwarzer Farbe. Nach Gr e r 1 a c h ist das beim Gerinnen ausgeschiedene Blutserum bisweilen röthlich gefärbt (hämo-globinhaltig). Häutig findet man allgemeinen Icterus. Orgauverän-derungen fehlen, mit Ausnahme des Befundes eines acuten Darmkatarrhs, resp. einer hämorrhagischen Enteritis fast immer; insbesondere findet man die Nieren für gewöhnlich normal, die Milz zuweilen vergrössert. Nach Spinola sollen die Muskeln schlaff und von bleichem Aussehen sein. Auch Hink fand dieselben hell gefärbt und schlaff. Reuter sah die Muskulatur von fahler Farbe, wie gekocht; dieselbe zeigte an manchen Stellen, namentlich am Halse, der Schulter, den Hinterschenkeln mehr oder weniger ausgebreitete, blutig seröse oder sulzige Infiltrationen (die Aehnlichkeit des Befundes mit dem bei der rheumatischen Hämo-globinämie des Pferdes liegt hier auf der Hand). Die Todesursache ist nach Stockfleth theils in einer hochgradigen Anämie, und das sind die häufigsten Fälle, theils in einer secundären Pneumonie zu suchen.
|
|||
|
|
|||
|
Differentialdiagnose. Von Krankheiten, mit welchen die Hämo-globinäinie des Rindes verwechselt werden kann, sind zunächst verschiedene mit Hämaturie verlaufende Krankheiten der Nieren und der Blase, insbesondere die sogen, enzootische Darmentzündung, zu nennen; die Unterscheidung ist indess, wofern nur der Harn mikroskopisch untersucht wird, keine schwere. Sodann kann der ebenfalls mit Hämaturie und vielleicht auch mit Hämoglobinurie verlaufende Milzbrand bei Verwechslungen in Betracht kommen; hier gibt der ganze Krankheitsverlauf, die Blutuntersuchung etc. Aufschluss. Endlich kann bei Leberleiden oder Icterus der dunkel braungelbe Harn
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Blutbamen des Rindes.
|
459
|
||
|
|
|||
|
für hilmoglobinhaltig angesehen werden; hier entscheidet jedoch der Nacliweis der Gallenfarbstofte.
|
|||
|
|
|||
|
Therapie. Bei der Behandlung des Bluthamens ist die Prophylaxe von grösster Bedeutung; dieselbe besteht in der Vermeidung des ZU frühen Austreibens im Frühjahr oder entspreohender Belehrung der Thiereigenthümer, in der Verhütung zu starker Ueberfüllung der Stallungen, sowie in einer jeweiligen Vcrfütterung von llaulifutter vor dem Austreiben. Dazu kommt die Melioration des Bodens in Form von Drainirung und besserer Cultivirung; endlich die Bildung eingeborener, resistenter Viehstiimrae.
Ist die Krankheit einmal aufgetreten, dann muss die Weide sofort abgebrochen und die kranke Herde in den Stall zurückgebracht werden. Gegen das Leiden selbst ist schwer vorzugehen. Zunächst wird man rein symptomatisch im Anfange die Verstopfung durch Laxantien und späterhin die Diarrhöe durch styptische Mittel (Ferrum sulfuricum 1525,0; Alaun 1626,0; Tannin 1525,0; Bleizucker 2 5,0; Opium 1020,0 U.S.W.) zu heben suchen; sodann dürfte sich die Anwendung des Eisens empfehlen (Ferrum pulveratum 25,0; Ferrum sulfuricum 540,0). Aderlässe sind bei der längeren Dauer und starken Anämie verwerflich (Stockfleth, Gerlach). In schwereren Fällen endlich kann eine Bluttransfusion versucht werden (Stockfleth).
Hämoglobinämie bei anderen Thieren. Aussei- beim Pferd und Rind, sowie den kleineren Wiederkäuern Schaf und Ziege, hat man Hämoglobimlmie auch bei anderen Thiergattungen, so bei Maul thieren (Arloing), beim Hunde in Folge von Erkältung (Säur), nach Intoxica-tionen und bei Staupe (mehrere eigene Beobachtungen), beim Zebra (Johne), sowie beim Schweine beobachtet. So fand Utz (Bad. Mittheil. 1884. S. 4) bei einem Schweine, das bei einer Kälte von 2527quot; 0. unter Null 8 Kilometer weit transportirt wurde, dunkelgefärbten, eiweissreichen Harn, sowie neben anderen Symptomen Gelbfärbung des Speckes. Die Erkältung scheint demnach auch bei der Hämoglobinämie der anderen Haus-thiere eine Rolle zu spielen.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Krankheiten der Geschlechtsorgane.
|
||
|
|
||
|
Das OeMrfieber. Febris pnerperalls.
(Kalbefieber, Septicaemia und Eclampsia puerperalis.)
Literatur. A. Qebamp;rfieber beim Rind: 1) Fischer, Magazin f. Thierbeilkde. 1843. S. 25. Enthält eine Angabe der älteren Literatur. 2) Kniebusch, ibid. 1847. S. 405. 3) Broulet, Journal vet. et agrie. de Belg. 1843. 4) Plicninger, Repertor. 1851. S. 31. 6) Deneubourg, ibid. 1822. S. 05; Annal. belg. 1873. 0) Friend, The Veterinär. 1839. 7) Hayooek, ibid. 1850. 8) Noquet, Reeueil de med. vet. 1853. 9) Lande], Repert. 1853. S. 205. 10) Müller, Magazin. 1857. S. 462. 11) Hering, Spee. Pathologie. 1858. S. 093; enthält die ältere Literatur. 12) Spinola, Spec. Pathologie. 1863. 1. S. 111. 13) Saake, Magazin f. Thierlioilkde. 1864. 14) Ad. Woebensehr. 1806. S. 49. 15) Ayrau 1t, Reeueil. 1866. 16) Fclizet, ibid. 18661878; Bull, de soc. oentr. vet. 1886. 17) Rinquet, Journal du Midi. 1869. 18) Stockfleth, Tidsskrift for Veter. 1870. 19) Santy, The Veterinarian. 1870. 20) Viborg, Refer. Magazin. 1872. S. 205. 21) Prtime rs, Magazin. 1872. S. 442. 22) Maris, Annal. de Bruxelles. 1873. 23) Duvieusart, ibid. 24) Harms. Hannover. Jahresber. 1874. S. 73; das Milchticber des Rindes. 1878; Jahresber. 1880-82. S, 132. 25) Zündel, Adam's Wochenschr. 1874. S. 294. 26) Avril, ibid. 1875. S. 314. 27) Ab-leitner, Repertor. 1876. S. 81. 28) Prie db erger, Adam's Woebensehr.
1875.nbsp; S. 57; Deutsehe Zeitsehr. f. Thiermed. 1877. S. 388. 29) Engel, ibid.
1876.nbsp;S, 274; 1878. S. 69 ff. 30) Renner, ibid. 1877. S. 437. 31) Söhngen. Preuss. Mittheil. 1875/76. 32) Sager, Deutsche Zeitsehr. f. Thiermed. 1877. S. 296. 88) Bormann, ibid. 1878. 84) Lutz, Repert. 1878. S. 273. 35) Ellen berger, Arch. f. Thierbeilkde. 1879. 8. 89. 36) Schmidt, Adam's Wochenschr. 1874. S. 444. 37) Menner, Repertor. 1874. S. 165. 38) Semmer, Vireh. Archiv. 1878. S. 371. 39) Abadie, Jouet, Reeueil. 1873. 40) Essol, Theses vet. de Lyon. 1873. 41) Mol lere au, Arch. d'Alfort, 1878. 42) Pizot, ibid. 43) Fönte, Arch. vet. 1884. 44)Tra8bot, Diet. vet. Bd. 18. 45) A lb recht, Adam's Wochenschr. 1880. Nr. 38. 46) Tuinivall, The Veterinär. 1880. 47) Holder, ibid. 48) Schmidt, Vorträge f. Thierärzte. 111. Serie. 1. Heft. 1880. S. 25 f. 49) Anacker, Thierarzt. 1881. S. 19; 1886. S. 165. 50) Hora, Oesterr. Vereinsmonats-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
(Jebilriieber.
|
4(51
|
||
|
|
|||
|
sohriffc. 1882. S. 36. 61) Haselbaoh, iliid. S. 150. 52) Holle, Adam's Woehenschr. 1883. Nr. 52. 53) Lsffebui'e, I'urois, Annul, de Bnix. 1883. 1885. 54) Arloing, Journ. de mi'd. v6t, 1884. 66) Braun, Mad. Mittheil. 1884. Nr. 4. 56) Himmolaloss, Adam's Woehenschr. 1885. S. 209. 57) Mathö, Recueil de med. vet. 1884. Nr. 21. 58) Hartenstein, ibid. 1885. Nr. 1; Archives d'Alfort. 1879 U. 1884. 59) Hink, Bad. thioriirztl. Mittheil. 1885. Nr. 1; Adam's Woehenschr. 188G. S. 209. 00) Flusser, Ocsterr. Monatsschr. 1885. Nr. 1. 61) Reinhardt, Adam's Woehenschr. 1885. 8. 109. 62) No card, Recueil de med. vet. 1885. Nr. 6. 63) Biot, r/Kcbo vctcr. 1885; Recueil 1886. 04) Schmidt-Miilhoiiii, Deutsche Zeitschrift für Thicrraedic. 1885. 66) Klo ire, Recueil de med. vet. 1885. 66) Franck, Thicriir/.tl. Geburtshfllfe. 1870; Franck-Goring, 2. Aufl. dor Franck'schen (loburtsliülfe, 1887, mit Literatur. 07) Rost, Sachs. Jahresber. 1884. S 107. 08) Wilhelm, ibid. S, 103. 69) Fürthmaiev, Oestcrr. Monatsschr. 1884. Nr. 10. 70) Bouley, Recueil. 1885. 71) Barbey, Repiquet, Pcteaux, ibid. 72) Laurent, ibid. 1880. 73) Courtoy. Bullet. Belg. 1885. 74) Hendrickx, ibid. 75) V'iolet, Journal de Lyon. 18801887; Bull, de soc. centr. vet. 1885. 76) Hrüdhomme u. Lafon. Recueil. 1885. 77) Biot u. A. ibid. 1887. 78) Taverau, ibid. 1887. 79) Van denMaegdenberg, ibid. 1880. 80)Stubbe, Annal. de Bruxell.
1885.nbsp; nbsp; 81) Koher, Repertor. 1880. I.Heft. 82) Strebel, Schweizer Arch, f. Thierheilkde. 1886. S. 285. 83) Blome, Adam's Woehenschr. 1886. S, 57. 84) Beresow, Charkower Veteriniirbote. 1880. 85) Adam, Woehenschr.
1886.nbsp; nbsp;S. 81. 86) Rutho, Berliner Archiv. 1886. S. 290. 87) Bouillot, L'Eoho vet. 1887. 88) Schi eg, Sachs. Jahresber. 1887. S. 105. 89) von Ow, Bad. thierftrztl. Mittheil. 1887. S. 92. 90) Lemke, Rundschau. 1887. S. 313. 91) Neuschmied, Oestcrr. Vereinsmonatsschr. 1887. S. 105. 92) Seuffert, Recueil. 1887. 93) Flusser, Oestcrr. Momitsschr. 1887. S. 17. 94)Hannel, Oosterr. Vereinsmonatsschr. 1887. S. 14. 95) Diecker-hoff. Spec. Pathol. 1888. 96) Bass, Thiormed. Rundschau. 1888. S. 169. 97) Utz, Had. Mittheil. 1888. S. 81. Die neueste Literatur, welche sich besser als die ältere sondern liisst, findet sich getrennt in den Kapiteln Septicaemia puerpernlis und (lebilrparese, S. 468 u. 474.
B.nbsp; Gebärfiebor beim Schaf: 1) Deigendesch. Repert. 1880. S. 186. 2) Seh leg, Sachs. Jahresber. 1883. S. 88. 8) Sturm, Arch. f. Thierheilkde. 1885. S. 302.
C.nbsp; Ge b iir f i e b e r b e im S ch w e i n : 1) Sp i n o 1 a, Krankheiten der Schweine. 2) Kllenberger, Magazin f. Thierhlkde. 1809. S. 433. 3) Wagenfeld-Ktthnert, Vieharzneibuch, 1879. 4) Uebelen, Repert. 1880. S. 187. 5) Herz, Arch. f. Thierhlkde. 1882. S. 309. 6) Hetzel, Repertor. 1885.
D.nbsp; Gebärfieber beim Hund: Letzerich, Monatsschr, des Vereins österr. Thierärzte. 1879. S. 30.
B. Gobilrfiebcr beim Pferd: Tactz, Adam's Woehenschr. 1885. S. 281.
|
|||
|
|
|||
|
Aeltere und neuere Anschauungen über das Wesen des Gebärfiebers. Die nach der Geburt auftretenden acuten Erkrankungen des Mutterthieres haben von jeher, insbesondere aber beim Rinde, die
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
4(52
|
Gebilrfieber.
|
||
|
|
|||
|
Aufmerksamkeit der Thierärzte auf sich gezogen. Davon zeugen schon die verschiedenen Benennungen, wie Kalhefieber, Milchfieber, Wurffieber, Gebilrfieber, Puerperalfieber, entzündliche, sep-tikämische, nervöse, paralytische, typhöse Form des Kalbefiebers, Septicaemia und Eclampsia puerperalis u. s. w. Die beobachteten Krankheitserscheinungen waren jedoch von vornherein durchaus nicht immer übereinstimmend: auf der einen Seite waren hohes Fieber, auf der anderen Seite ausgesprochene allgemeine Lähmungserscheinungen die auffallendsten Symptome; dazu kam noch, dass sich diese beiden verschiedenen Krankheitsbilder zu einem dritten combiniren konnten. Dadurch wurde der Symptomencom-plex des Gebärfiebers ein ausserordentlich polymorpher, und schon Hering bemerkt in dieser Beziehung: Fast jede Beschreibung scheint eine andere Krankheitsform zu meinen.quot; Es kann daher nicht Wunder nehmen, wenn sich über das Wesen und die Zusammengehörigkeit dieser Symptome divergente Ansichten bildeten; wenn die einen, und es ist dies die Mehrzahl der Autoren, von verschiedenen Formen des Gebärfiebers, der entzündlich-septikilmischcn und der nervös-paralytischen sprachen, während andere, wie z. B. Spinola, nur eine Hauptform des Kalbefiebers und zwar die mit Lähmungserscheinungen einhergehende, sogen, paralytische gelten Hessen, alles andere dagegen, vor Allem die sogen, entzündlichequot; Form von der ersten strenge trennten und den Krankheiten des Uterus subsumirten.
In neuerer Zeit sodann hat man so ziemlich allgemein nach dem Vorgange Franck's nicht mehr von zwei Formen des Kalbeoder Wurffiebers gesprochen, sondern hat letzteres in zwei, nach Wesen, anatomischem und klinischem Befunde vollkommen verschiedene Krankheiten getheilt:
1)nbsp; nbsp;das Puerperalfieber, Septicaemia puerperalis, die entzündliche Form des Kalbetiebers der älteren Autoren, wohl auch als phlegmonöse oder diphtheritische Gebärmutterentzündung, Gebärmutter-brand, Metro-Feritonitis bezeichnet, bestehend in einer durch Aufnahme septischer Stoffe veranlassten acuten Entzündung der Scheide und des Uterus mit consecutiver allgemeiner Sepsis;
2)nbsp; nbsp;die Eclampsia puerperalis, der nervösen oder paralytischen Form des Kalbefiebers der älteren Autoren entsprechend, nicht sehr glücklich auch Kalbefieber, Gebärfieber, Milchfieber etc.quot; genannt. Dieselbe soll nach Franck in einer durch zu rasche (contraction des Uterus bedingten Gehirncongestion mit
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
(jebiufieber.
|
4G3
|
||
|
|
|||
|
nachfolgendem Gehirnödem und Gehiniiiniimie bestehen, welche wich in Form von Bewusstlosigkoit und allgemeinen Lähmungserscheinungen, seltener in Krämpfen äussert.
Diese letztere Franck'sche Theorie über das Entstehen der paralytischen Form des Kalbefiebers ist von Schmidt-Mlilheim bekämpft worden. Schmidt-Mülheim lässt das paralytische Kalbefieber im Anschlüsse an eigenthümliche, von der Fäulniss verschiedene Zersetzungsvorgänge der eiweisshaltigen, von der Luft in Folge der raschen Contraction des Uterus abgeschlossenen LochiaHliissigkeit im Inneren der Uterushöhle entstehen, bei welchen ein dem Fleischoder Wurstgift sehr ähnliches giftiges Agens erzeugt wird, welches nach seiner Resorption in die Blutbahn zu ganz ähnlichen Vergiftungserscheinungen führt, wie sie bei der Fleisch- und Wurstvergiftung des Menschen beobachtet werden; hieher gehört vor Allem die lähmungsartige Schwäche der willkürlichen Muskeln, so der Extremitäten, des Rumpfes, der Zunge, des Schlundkopfes, Gaumensegels, Schlundes, Kehlkopfes, oberen Augenlids (Ptosis) u. s. w.; ferner die der glatten Muskulatur des Darmes und der Gefässe, bei Mangel aller grobanatomischen Veränderungen.
Anderweitige Theorien und Hypothesen über das Wesen des Gebärfiebers, als die oben erwähnten, sind zwar noch in ziemlicher Anzahl vorbanden , haben aber keine weitere praktische oder wissenschaftliche Bedeutung, sondern zum Theil nur historischen Werth. Hieher gehören :
1)nbsp; Die alte Anschauung vom Wesen des Gebiirliebers als einer Milch-metastaso in verschiedene Körperorgane. So wollte man eine Milchversetzung nach den Nieren (milchartiger Harn), nach der Bauchhöhle (milchartiger Inhalt derselben), nach der Lunge (milchartiger Nasenausfluss) u. s. w. gesehen haben, Erscheinungen, die offenbar einer metastatischen pyiimischen Nephritis, Peritonitis, Pneumonie im Verlaufe einer allgemeinen i'yilmie angehörten. Die Bezeichnung Milchfiober' hat überhaupt nicht wenig zur Verwirrung über den Begrilf des Gebiirliebers beigetragen, indem man bald nur die entzündliche, bald nur die paralytische Form desselben, bald wieder eine ganz eigenartige Krankheit damit bezeichnen zu müssen glaubte. Selbst in neuester Zeit will noch Flusser ein einfaches Milchfieberquot; von anderen Formen des Kalbefiebers unterscheiden, welches indess jedenfalls nichts anderes darstellt als eine entzündliche Euteraffection mit Fiebererscheinungen, und mit dem Gebilrfieber als solchem nichts zu schaffen hat, ganz abgesehen davon, dass bei jeder Geburt die Temperatur im Austreilmngsstadium um '/s 1 quot; C erhöht ist; wir fanden wenigstens bei Hündinnen bei ganz normal verlaufender Geburt die Temperatur häufig auf :59,.r)quot; 0. erhöht. Vergl. auch die Angaben Eranck's in dessen Geburtshülfe. Der Name Milchfieberquot; sollte gar nicht mehr benützt werden.
2)nbsp; Die von Harms vertretene Ansicht, dass das Kalbefieber nichts anderes darstelle, als eine Aufnahme von Luft in die Hlutgefasse (Aürämie) und eine dadurch herbeigeführte partielle Gehirmuiilmie, ist zu hypothetisch und zu unwahrscheinlich, als dass sie im Allgemeinen ernst-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
4(Mnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Gebttrfleber,
liafte Boaohtunff ^oi'unden hiltte. Lufthlasou in den Gdiirngeftlsseii kommen ja bei jedem Cadaver natürlicher Welse im Anschluss an eine gewisse Zersetzung des iilutes vor; andererseits werden sie bei frischen Sectionen von Kühen, die am Kalbofieber starben , sehr hilufig vermisst. Ausserdem beobachtet man diese paralytische Form des Gebiirfiebers gerade nach relativ leichten Geburten, bei welchen sich der Uterus sofort schliesst und con-tnihirt. Sodann stehen die Schleimhautvenen der Uternsschleiinhaut nicht unter negativem (Saug-) sondern unter positivem Drucke; auch wurde die Krankheit in einzelnen Pilllen bereits vor der Geburt constatirt. Endlich ist es schwer einzusehen, warum die Aufnahme von Luft erst 12 und mehr Stunden nach der Geburt erfolgen sollte.
3) Die ursprüngliche Anaahme eines Rückenmarksleidens endlich (Friend, Garreau) beruht auf einer Verwechslung mit dem sogenannten Festliegen, sowie mit Kreuzlahme, und bedarf so wenig wie die Annahme eines typhösen Leidens (Kühne) einer Widerlegung.
Kritik der Franck'schen Theorie über die Pathogenese des paralytischen Kalbefiebers. Die von Pranck zuerst durchgeführte Trennung des Bcgrilfes Gebärfieber'quot; in zwei von einander wesentlich verschiedene Krankheitsgruppen, die septikilmische und paralytische, muss als ein ganz wesentlicher Fortschritt auf dem Gebiete der puerperalcn Krankheitsprocesse betrachtet werden. Wir schliessen uns dieser Einthcilung vollkommen an. Dagegen müssen wir die Franck'sche Theorie bezüglich der Entstellung der Ge-bärparalyse als wissenschaftlich unhaltbar bezeichnen; durch blosse Circulationsstörungen lässt sich diese sehr complicirte Krankheit nicht erklären. Zunächst ist der von Franck gewählte Name Eklampsiequot; ein unrichtiger. Unter Eklampsie versteht man eine Krampfform, welche sich in Convulsionen und zwar in ausgesprochen epileptiformen Krämpfen äussert und gewissermassen als eine acute Epilepsie aufzufassen ist. Eine solche Eklampsie kommt unter unseren Hausthieren z. B. bei säugenden Hündinnen nach der Geburt vor und bildet, klinisch betrachtet, das gerade Gegentheil von dem paralytischen Kalbelieber des Rindes. (Vgl. das Kapitel über die Eklampsie der Hunde in dem Abschnitte über die Nervenkrankheiten.) Auch beim Menschen äussert sich die Eclampsia parturientum in minutenlangen Krampfanfällen mit dazwischen gelegenen Ruhepausen, welche unmittelbar im Anschlüsse an den GeburtsVorgang meist bei Erstgebärenden und zuweilen als Ausdruck eines urämischen Zustandes (Nephritis) auftreten. Demgegenüber muss hervorgehoben werden, dass das paralytische Kalbefieber eine Lähmung darstellt, welche oft sehr lange anhält und erst einige Tage nach der Geburt und zwar in der Regel bei Mehrgebärenden eintritt.
Aber auch abgesehen von dieser unrichtigen Namensbenennung
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
(iubilrfiobor.
|
4ÖB
|
||
|
|
|||
|
lilsst sich das paralytische Kalbefieber nacli dem von Franck angegebenen Vorgange nicht erklären. Gohirnanämie mit Gehirnödem zeigen wesentlich andere Krankheitserscheinungon und einen viel rascheren töcltlichen Verlaut'; zudem sind dieselben beim Kalbefieber nicht immer mit Sicherheit nachzuweisen. Es kann ferner das häufige plötzliche Verschwinden aller Kranklieitssymptome bei der vorliegenden Krankheit durch das Vorhandensein eines Gehirnödems nicht erklärt werden. Dazukommt, dass in seltenen Fällen die Krankheit bereits vor der Geburt beobachtet wird; diese letzteren können nach der Theorie von Franok überhaupt nicht erklärt werden. Vor Allem aber fehlt bei letzterer eine plausible Erklärung der merkwürdigen Thatsache, dass die Krankheit gewöhnlich erst mehrere Tage nach der Geburt auftritt, während sich doch Circulationsstörungen unmittelbar an die Geburt anschliessen müssten.
Aus diesen Gründen dürfte es wohl begreiflich sein, wenn wir uns, wie bereits in der ersten Auf Lage unseres Lehrbuches geschehen, nach einer anderen Erklärung des paralytischen Kalbefiebers umgesehen haben. Hiezu bot uns namentlich die Theorie von Schmidt-Mülheim Veranlassung. Wir haben diese von ihrem Autor nicht weiter vertheidigte Theorie schon in der ersten Auflage unumwunden aeeeptirt und müssen uns auch heute noch zu unserem alten Standpunkte bekennen, dessen angemessene Würdigung allerdings gewisse toxikologische Kenntnisse zur Voraussetzung hat. Unsere Anschauungen sind sogar durch das Fortschreiten der Wissenschaft und einige zustimmende Arbeiten (Thomassen, Baas. Stubbe) befestigt worden. Die Annahme einer Selbstintoxication durch Ptomaine, d. h. Cadaveralkaloide, als Ursache des paralytischen Kalbefiebers wird vor allem durch die ausserordentliohe Aehnliohkeit des Krankheitsbildes bei letzterem mit den in der Literatur bekannten und experimentell erzeugbaren Pto-mainevergiftungen nahe gelegt. Auch bei der Wurstvergiftung (Botulismus, Allantiatis; vgl. das Kapitel der mykotischen Darmentzündung) treten wie bei dem paralytischen Kalbefieber ganz charakteristische Lähmungen von bestimmten Muskelgruppen, so namentlich des Schlundkopfes und Auges (Schlinglähmung, l'tosis) auf. Dieselben werden durch ein neuerdings in den betreffenden giftigen Nahrungsmitteln (Wurst, Fische, Schinken, Corned Beef) aufgefundenes Leichen* alkaloid, das Ptomatoatropin, hervorgerufen. Eine der gewöhnlichsten Fäulnissbasen ist ferner das Ptomatocurarin, d. h. ein Frledberger u. Frtthnet, Pntliol, n. Therapie d. Hansthlere, T. Bd. raquo;. Auil. 30
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
4(i()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (iebärtieber.
Leiclienalkiiloicl, welches in seinen Wirkungen vollständig mit ilem Curare übereinstimmt und ebenfalls Lähmung gewisser Muskelgruppen erzeugt. Diese Alkaloide bilden sich bekanntlich nur bei Luftabschluss (Hoppe-Soylor); der Uterus bildet folglich die günstigsten Bedingungen für die Entwicklung von Ptoma'inen. Der Umstand, dass das paralytisohe Kalbetieber gewöhnlich erst einige Tage nach der Geburt auftritt, lässt sich dann ungezwungen so erklären, dass zur Entstehung von Ptoma'inen im Uterus ein mehrtägiger Zeitraum nöthig ist. Dadurch fällt auch der Einwand weg, dass sich Ptoma'i'nevergiftimgen langsamer entwickeln als die Gebärparese. Die zwischen Geburt und sichtbarem Auftreten der Krankheit gelegene Zwischenzeit stellt dann gewissermassen das Incubationsstadium der Gebärparese dar. Das zuweilen beobachtete rasche Verschwinden der Lähmungssymptome erklärt sich naturgemäss durch eine stattgefundene rasche Entfernung des Giftes aus dem Körper. Diejenigen Fälle endlich, in welchen Lähmungsversuche bereits vor der Geburt auftraten, dürften ihre Erklärung in dem Umstände finden, dass schon vor der Geburt im Uterus sich Ptomaine gebildet haben, wenn das Eröffnungsstadium der Geburt sehr lange dauert, wenn also vor dem Beginne der Geburt eine theilweise Eröffnung des Uterus vorausgegangen ist (Unterscheidung zwischen Eröffnungs- und Austreibungsperiode bei der Geburt). Nach der Franck'schen Theorie lässt sich, wie schon hervorgehoben, dieser Punkt überhaupt nicht erklären.
|
||
|
|
||
|
Eintheilung des Qebärfiebers. Mit der Aufstellung zweier besonderer Krankheitsgruppen, der Septicaemia puerperalis einerseits und der Gebärparese andererseits ist das Wesen des Gebärfiebers noch nicht vollständig erschöpft. Die genannten beiden Krankheiten können nämlich sowohl selbständig, d. h. jede für sich allein, als mit einander complicirt in die Erscheinung treten, und es sind offenbar die letzteren Fälle gar nicht so selten. Wir theilen demnach das Gebärfieber in drei Krankheitsgruppen:
1)nbsp; die Septicaemia puerperalis,
2)nbsp; nbsp;die Gebärparese (eine PtomaYne-lntoxication),
;{) Complicationen von Septicaemia puerperalis und Gebärparese.
Zur näheren Begründung und zum besseren Verständnisse dieser Eintheilung mögen die nachfolgenden physiologischen und ätiologischen Betrachtungen dienen.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Qebärfleber.
|
467
|
||
|
|
|||
|
1)nbsp; Die gesunde Utenissobleimhaut ist vermöge ihrer anatomi-schon Sfcmctur und physiologisclien Einrichtung für die Resorption gelöster ehemisclier, also auch toxischer Stoffe sehr geeignet (Ellenberger), desgleichen, und zwar wahrscheinlich noch in viel höherem Grade, die des puerperalen, von Wut- und LympbgefUssen strotzenden intacten Uterus. Die unverletzte Uterusschleimhaut also, welche bei den Herbivoren sogar post partuni im Gegensatze zu den Carnivoron normal keinerlei Verwundung aufweist, kann wohl gelöste toxische, nicht aber corpuscultlre, myko-tische Stoffe, d. h. Spaltpilze aufnehmen. Daraus erklärt sich die Möglichkeit einer Intoxication des Körpers vom unverletzten Uterus aus, speciell durch Ptomaine.
2)nbsp; Nach Verletzungen des Uterus und der Scheide, und zwar zufälliger Weise während der Geburt oder normaler Weise bei der Ablösung der Decidua oder Placenta materna der Garnivoren und Omnivoren, können sowoiil toxische Stoffe als auch Bacterien resorbirt werden, beziehungsweise letztere in das Gewebe eindringen, d.h. es kann sich sowohl eine Intoxication, als eine sep tische Infection, oder beide mit einander entwickeln,
ü) Der Uterus und die Scheide bilden natürliche Züchtungs-kammern für Spaltpilze, welche aus der Luft, oder auf dem Wege der Infection, z. B, mittelst der Hände und Instrumente (Stricke etc.) des Geburtshelfers oder vom Boden des Stalles aus, wie auch von nebenstehenden kranken Thieren dorthin gelangt sind. Bei ausgedehnter Einwirkung der Luft sind es besonders septische und putride Päulnissfer-mente, welche sich auf dem günstigen Nährboden der mit den Lo-chien und Eihautreston belegten Uterus- und Scheidenschleimhaut entwickeln und zu septischer Infection und putrider Intoxication, Septi-kämie und Pyämie Veranlassung geben. Bei Abschluss der Luft und Ausschhiss der Fäulniss müssen sich offenbar andere Zersetzungsproducte bilden, also Ptomaine (Toxine) resp. Leukomai'ne.
4)nbsp; nbsp;Die hiebei wirksamen Mikroorganismen und Gifte sind für das Gebärfieber durchaus nicht speeifisch oder charakteristisch, kommen vielmehr bei einer Anzahl anderer Infectionskrankheiten (malignes Oedem , Phlegmone , Erysipelas, Septikämio ; putride Intoxication ; Pleisch-und Wurstvergiftung; mykotische Darmentzündung) ebensogut als ätiologisches Moment in Betracht. Der Unterschied des Gebärfiebers von diesen letzten Krankheiten liegt nur darin, dass dasselbe eine vom Uterus im Anschlüsse an die Geburt sich entwickelnde Infection resp. Intoxication darstellt, während jene von anderen Organen, z. B. von der Haut, Subcutis, Darmcanal n. s. w. ihren Ausgang nehmen.
5)nbsp; nbsp;Der Uterus selbst kann hierbei, besonders bei Allgemeinerkran-kung in Folge Aufnahme gelöster toxischer Stoffe, vollständig intact sein, wie er auch in der That bei der Gebärparese ganz unverändert angetroffen wird. Aber auch bei rascher Ausbildung einer aeuten Septikämie auf Grund von Verletzungen der Seliloimhant kann die Krankheit so schnell verlaufen, dass das Gewebe des Uterus bei der Section vollständig intact angetroffen wird. In der Mehrzahl der Pälle jedoch bewirken die septischen Stoße an ihrem Einwanderungsorte eine phlegmonöse, n ekrotisirende Entzündung, welche auf den Uterus selbst und seine Umgebung übergehen kann. Man findet so die meist nur kleinen und erfahrungs-gemäss häufiger in den eigentlichen Geburtswegen, d. h. dem Wurfe, der
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
468
|
Septioaemia puerperalis.
|
||
|
|
|||
|
Seheide und dem (Jebilrinuttorlmlse, als im Uterus selbst befindlichen AN'unden, von welchen die an der unteren Wand des Scheidencanals wegen des andauernden Contacts mit den ini'ectiösen Flüssigkeiten am gefürchtetsten sind, mit nekrotisolien, diphtheritiscli zerfallenen Schorfen besetzt, von denen aus der Process weiter kriecht und eine phlegmonöse Metritis, l'eri- und Para-metritis, sowie endlich Peritonitis erzeugt. Der Umstand, dass sich von diesen üeschwiiren aus innerhalb weniger Stunden enorme Oedeme der Schamlippen bilden können , die sich auf die itussere Harrt etc. fortsetzen, wodurch die Krankheit gewisse TJebereinstimmung mit dem malignen Oedem erbiilt, hat beider grossen Aehnlichkeit des letzteren mit Kausch-brand (Kitt, München, .lahresber. 1883|84. S. 39) zu der Annahme geführt, als oh das septische Kalbefieber identisch mit Kauschhrand wäre (Htm meiste SS), Diese Hypothese ist indess ebenso unwahrscheinlich als unbewiesen.
6) Nach dem Entwickelten können unter den Begriff der septischen Form des Gebftrflebera nur solche acute Gob ii r m u 11er en tzü n dnn g e n fallen, welche septischen Ursprunges sind und im unmittelbaren Anschlüsse an eine Geburt auftreten, so die phlegmonösen, diphtheritischen, nekrotisirenden Können. Alle anderen nichtseptischen Metriten dagegen, so z. 15. die nach Erkältung etc. entstehenden acuten und chronischen Endometritiden, gehören nicht hieher, sondern unter die eigentlichen Organerkrankungen des Uterus: dieselben werden entweder in den Lehrbüchern der Chirurgie oder der (leburtshüll'e abfirebandelt.
|
|||
|
|
|||
|
I. Die Septicaemia pnerperalis (soi?eii. septische oder pyämische Forin
des (iiebärllebers).
Neueste Literatur. (Vergl. die ältere S. 460.) 1) Thomas, The vet. joum. 28. Bd. 2) Breit, ibid. 8) Dot he, Dull, belg, Bd. 1. 4) Englesson, Sohwed. thieramp;rztl. Zeltschr. 1888. 5) Strauss u. Sanchez-Toledoz, Journ. de nukl. vet. 1888. (i) Trin ch e ra, Clin, veter. 1888. 7) l'rögev. Walther, Wilhelm, Kunze, Sachs. Jahresber. 1888, S. 81 f. 8) Forster, Niederländische Zeltschr. f, Medizin. 1889. 9) Jahresberichte der bayer. Thiertete pro 1889, Woohenschr. f. Thierheilkde. 1890. Nr. 51 u. 52; 1891. S, 157. 10) Bad. thierärztl. Mittheil. 1890. S. 76. 11) Bloch, Berl, thier-ärztliohe Woohenschr. 1890. S. 182. 12) Netz, Monatshefte für praki Thierheilkde. 1890. S, 208. 13) Ehrhardt, Schweizer Archiv f, Thier-heilkunde. 1890. S. 164. 14) Hamm, Münch. medlo. Wochenschrift. 1891. S. 34,
|
|||
|
|
|||
|
Vorkommen. Die Septicaemia puerperalis findet sich bei allen Hausthieren, vorwiegend bei den Carnivoren, indess durchaus nicht selten auch heim l^incle. Die eigentliche Ursache ist in der Aufnabine septischer Stoffe zu suchen, welche entweder von faulenden Nacli-gehurtsresten, todtfaulen Früchten u, s, w, (Solhstinfection), oder von aussen herstammen (Infection durch den Geburtshelfer, Geburtsinstrumente, Gehurtshalfter etc., durch nebenstehende Thiere, die an Gehilrlieher. zurückgebliebener Nachgeburt, Abortus leiden). Die Ein-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Septicaemia puerperalis.
|
4(30
|
||
|
|
|||
|
gangspfortea werden durch Wunden der Schleimhaut gebildet, welche bei roher Htilfoleistung, schweren Geburten, /,. B. Lagever-ilnderungen der Jungen, Vornahme der Enibryotomie, zu früher und gewaltsamer Ablösung der Nachgeburt entstehen. Die Krankheit entwickelt sich gewöhnlich nicht unmittelbar nach der Geburt, sondern meist einige Tage nachher, beim Binde meist am !{. Tage, da die Fiiulnissprocesse eine bestimmte Zeit zur Entstehung nöthig haben.
|
|||
|
|
|||
|
Anatomischer Befund. Abgesehen von den seltenen peracut verlaufenden Krankheitsfällen, in welchen es zu keinerlei entzündlichen Veränderungen des Uterus kommt, findet man auf der Schleimhaut der Scheide, des Gebilrmutterhalses und des Uterus an der Stelle der früheren Wunden Geschwüre, sogen. Puerperalgeschwüre, welchen ein missfarbiger, nekrotischer oder diphtheritischer Belag aufsitzt, der sich zuweilen abgelöst hat, und an dessen Stelle sich Granulationen entwickelt haben. Die Schleimhaut in der Umgebung dieser Geschwüre ist ödematös geschwollen. Hie und da ergreift die Schwellung auch die iiusseren Schamtheile und setzt sich selbst auf die Innenfläche der Schenkel und den Bauch fort, so dass der Zustand an Rauschbrand erinnert. Auch die übrige Schleimhaut der Scheide und des Uterus befindet sich im Zustande einer phlegmo-nösen Entzündung, welche bei Carnivoren, z. B. beim Hund, häutig in diphtheritische Verschorfung übergeht (Kolpitis und Endometritis phlegmonosa crouposa und diphtheritica). Im letzteren Falle erscheint sie von schmutzigbrauner oder grünlichschwarzer Farbe, von Geschwüren durchsetzt und mit einer jauchigen, fötiden Masse bedeckt; an einzelnen Stellen ist sie ganz in eine schmierige, nekrotische Masse umgewandelt, nach deren Entfernung die Muskulatur des Uterus blossliegt.
Das Uterusparenchym selbst ist ödematös durchfeuchtet und eiterig infiltrirt. Die Lymphgefässe sind mit Eiter gefüllt, die Venen thrombosirt; mikroskopisch zeigen sich die Lymphräume der Muskelschichton dicht mit Mikrokokkenkolonien erfüllt. Dabei ist der Uterus schlecht contrahirt, seine Wandungen sind brüchig, matsch, die Muskelfasern im Zustande trüber Schwellung oder fettiger Entartung. Zuweilen finden sich auch Abscesse in der Muskulatur (Metritis phlegmonosa). Das Bindegewebe um den Uterus herum ist ebenfalls ödematös geschwollen, eiterig inliltrirt und selbst von Ab-scessen durchsetzt (Parametritis phlegmonosa). Weiterhin befinden sich das die Gebärmutter umgebende Bauchfell, sowie der Bauch-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
470nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Septicaemia puerperalis.
fellOberssug des Beckens und schliesslich das ganze Bauchfell im Zustande einer serösen, eiterigen, jauchigen Entzündung (Perimetritis, Pelveoperitonitis, Peritonitis dit'fusa).
Ist der Process so weit vorgeschritten, so erhält man jetzt das Bild der Septikilmie und Pyilmie. Man findet eiterige Pleuritis, Pericarditis, ulcoröse Endocarditis, Meningitis, Arthritis, hilinorrhagische Gastroenteritis; ferner metastatisciie Lungen-und Nierenentzündungen, Abscesse im Mittelfell, im subcutanen und intermusculilren Gewebe, in den von den Klauen eingeschlossenen Wcichtheilen ; Schwellung und Degeneration der Milz, Leber, des Myocardiums, der Mesenterialdrüsen und Lymphdrüsen überhaupt; Tbrombenbildung in den Gelassen der Lunge, Leber, Nieren; Ekchymosirungen in allen Organen, besonders unter dem Endocardium; schmieriges, schlecht geronnenes, theer-artiges, die Gewebe imhibirendes Blut, zerfallene rothe Blutkörperchen; rasche Eäulniss des Cadavers unter starker Gasentwicklung.
Symptome. Die Krankheit beginnt, von den seltenen Fällen rasch auftretender allgemeiner Sepsis mit peracutem Verlaufe abgesehen, mit entzündlichen Erscheinungen seitens der Geburtswege. Man findet zunächst die Schleimhaut der Scbeide, sowie die Scham geröthet, geschwollen, höher temperirt, sowie mit diphtheriti-schen Geschwüren und jauchigem Secrete bedeckt; zuweilen erstreckt sich die phlegmonöse Schwellung der Scham auch auf die Innenfläche der Schenkel. Der Uterus fühlt sich hei der Palpation von der rechten Bauchwandung oder vom Mastdarme aus geschwollen und dabei schmerzhaft an. Iläulig finden sich die Geschwüre vorwiegend um die Ausmündung der Harnröhre gruppirt. Entsprechend diesen entzündlichen Affectionen der Scheide, des Uterus, der Harnröhre u. s. w^ zeigen die Thiere sodann in verschiedener Weise Schmerzäusse-rungon: sie werden unruhig, wedeln mit dem Schweife, halten den Rücken gekrümmt, sehen sich nach dem Hinterleibe um, trippeln hin und her. legen sich häufig nieder, contrahiren die Bauchmuskeln, pressen und drängen in Form hochgradiger Geburtswehen auf den Uterus, wobei eine übelriechende, missfarbige, jaucheähnliche Flüssigkeit entleert wird, versuchen häufig Harn abzusetzen, entleeren denselben jedoch nur tropfenweise unter Schinerzen und Drängen.
Gleichzeitig entwickelt sich häufig unter Schüttelfrösten eine sehr hochg radige T e mpe raturerh öh ung. Die Mastdarmtemperatur
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
iSepticiicmiii inierperalis.
|
471
|
||
|
|
|||
|
steigt auf 40, 41, selbst 42deg; C, der Puls auf 80, 100 und 120 Schlüge pro Minute. Dabei ist der Puls klein, fadenförmig, liilulig auch un-fühlbar; die extremitalen Theile, wie Füsse, Uörner, Ohren, ebenso das trockene Flotzmaul fühlen sich abwechselnd kühl, dann wieder sehr lieiss an. Bei liingereni Liegen entwickelt sich ferner rasch Decubitus. Mit diesen Erscheinungen ^eht eine vollständige Aufhebung der Futter-und Getränkeaufnahme, sowie der Milchabsonderung, desgleichen Verstopfung mit leichter Auftreibung einher. Das Sensorium der Thiere ist hochgradig eingenommen, die Bewegungen geschehen matt und schwankend, die Schwäche nimmt besonders in der Nachhand so zu, dass die Thiere sich nicht mehr stehend erhalten können, sondern andauernd liegen. In diesem Stadium hat die Krankheit bei der hochgradigen Schwäche, Empfindungslosigkeit und Abstumpfung der Thiere viel Aehnlichkeit mit der Gebilrparese, unterscheidet sich aber von derselben durch die hohen Temperaturgrade, die entzündlichen localen Veränderungen und das Fehlen der charakteristischen Muskellähmungen am Auge, im Schlünde und Kehlkopfe u. s. w.
Der Krankheitsverlauf kann ein dreifach verschiedener sein. Entweder tritt bei der Zunahme der eben angeführten Erscheinungen, zuweilen nach einer unmittelbar vorhergegangenen Diarrhöe, der Tod nach 31, längstens 6 Tagen ein (seltener apoplectiform schon nach 12 Tagen); oder es erfolgt unter Nachlass der entzündlichen Erscheinungen, des Fiebers u. s. w. innerhalb 8 14 Tagen vollständige Genesung; oder endlich entwickeln sich chronische Krankheits-zustände daraus. Hieher gehören vor allem chronisches, langwieriges Siechthum mit starker Abmagerung, hektischen Fieberanfällen, hochgradiger Kachexie und schliesslicher Erschöpfung, ferner chronische, mit andauernden Ausflüssen einhergehende Endometritis (Fluor albus), Verwachsung des Muttermundes, sowie in Folge dessen vollkommene Sterilität, pyämische Metastasen in die Lunge, die Gelenke und andere Organe, sowie chronische Nierenentzündungen mit ihren Consecutiverscheinungen. Die genannten metasta-tischen Entzündungen machen den Eindruck von Uecidiven der Krankheit und können mehrere Male nach einander auftreten. Endlich kommt es bei längerer Dauer zur Ausbildung einer hilmorrhagischen Diathese mit Blutungen in den Nieren (Hämaturie), in den Lungen (blutiger Nasenausfluss), im Darme u. s. w. Wir haben sogar deutliche Petechicn in zahlreicher Menge auf der Schleimhaut der Nasenhöhle , wie beim Petechialtieber des Fferdes, gesehen (vergl. ähnliche Beobachtungen von Contain ine).
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
472
|
Septioaemia paerperalis,
|
||
|
|
|||
|
Die Mortalitätsziffer der Septicaemia pueiperalis beläuft sich auf 5070 Proc.
Symptome des Gebarfiebers beim Schwein. Die Ersoheiniingen des Gebftrflebers beim Schwein, des sogenannten Perkelflebers, haben mehr Aehnlielikeit mit der paralytischen b'onn des (lebiirfiebers beim Rind als mit der Septioaemia puerperaüs; das Ferkelfieber zeichnet sich indess durch einen viel leichteren und ungefährlicheren Verlauf aus. Es stellt wahrscheinlich eine Mischung von intoxication und septischer Int'ection dar. Am häufigsten hndet man es hei halb-englischen Ibissen und gutem Ernährungszustände, Wie die (lebilrparese beim Kind entwickelt es sich vorzugsweise nach leichten Gehurten und nach dem Abgänge der Eihiiute. gewöhnlich drei Tage nach der Geburt. Die Einzelsymptome sind nach Her/ folgende: Die Thiere lassen im Pressen und in der Milchsecretion nach, lassen beim Liegen ein leichtes Grunzen vernehmen, haben einen unsicheren Gang, legen sich häufig, taumeln und schwanken, vermeiden schlicsslich jede Bewegung der Gliedmassen und des Kopfes, wodurch man den Eindruck einer Lähmung erhält (Uebelen), sind theilnahmlos gegen ihre Umgebung, zeigen einen matten, traurigen Blick, haben die Augenlider halb geschlossen und machen wohl auch rotirende Bewegungen mit dem Eulbus. Dabei ist die Körpertemperatur ungleich vertheilt, die [nnentemperatur beträgt 4041,5deg; C., der Eids bis zu 140 Schlägen pro Minute, die Borsten sind aufgerichtet, die Haut ist hart und trocken und hinter den Ohrenmusoheln und an den Schenkeln massig geröthet. Dazwischen hinein beobachtet man zuweilen Zittern einiger Muskel-giuppen. Die Scham und Scheidenschleimhaut sind dunkelroth gefärbt und nur wenig geschwollen ; aus der Scheide entleert sich eine geringe Menge zähen, weisslichen Schleimes. Die Athmung beträgt 2040 Züge pro Minute und ist von einem leichten Stöhnen begleitet. Die Eeristaltik liegt darnieder und es ist Verstopfung vorhanden.
Der Verlauf ist ein acuter; es erfolgt so ziemlich regelmässig Genesung nach 12, seltener nach B Tagen, Einigemal blieben Schwäche im Kreuze und interstitielle Mastitis als Nachkranklieiten zurück.
Symptome des Gebärfiebers beim Schaf und bei der Ziege (Septicaemia puer p eralis). Die Thiere sind traurig, versagen das Futter, lassen den Kopf hängen, bekommen einen aufgetriebenen, empfindlichen Bauch, krümmen den Rücken und zeigen anhaltendes Drängen und kolikartige Symptome (Sturm), wie bei den Wehen. Die sichtbaren Schleimhäute sind höher geröthet. die Temperatur steigt auf 41 quot; C.; später stellt sich allmählich hochgradige Schwäche und Bewusstlosigkeit ein. Die äusseren Genitalien sind mehr oder weniger geschwollen ; auf der Scheidenschleimhaut sieht man dunkelrothe Striemen, sowie Geschwüre. Die Dauer dieser offenbar vorwiegend septischen Erkrankungen beläuft sich auf einige Stunden bis höchstens einen Tag. Gewöhnlich sind sämm fliehe erkrankte Thiere verloren (Deigen d esch, Seh leg). Wahrscheinlich gehört auch ein Theil der als ,Gebärmutterbrandquot; bezeichneten Erkrankungen beim Schaf hieher.
Symptome des Gebarfiebers beim Hunde. Die Erscheinungen sind die einer septischen Metritis: Anschwellung der Genitalien, übelriechender, missfarbiger Ausfluss aus der Scheide, sehr hohes Fieber (41quot; C. und darüber), aufgehobene Eutteraufnahme, Erbrechen, anhaltendes Liegen, sopo-
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Sopticiiomia pucrpiTulis.
|
473
|
|||
|
|
||||
|
röser und oomatöser Zustand, meist tödtlicher Ausgang mit stiii'koin Sinken der KOrpertemperatnr innerhalb 1224 Stunden, oder von da ab Besserung. Nicht selten bleibt nach dem Verschwinden der genannten Symptome eine cbronischo Endometritis, wie beim Kind, zurück.
Symptome des Gebärflebers beim Pferde. Auch beim Pferde gehört das Krankheitsbild des Gebärfiebers in das Gebint der Septikiimie und besteht im Wesentlichen in hohen Temperatnrgradcn, schnellem, dabei schwachem und unregelmässigera Pulse, ungleich vertlieilter Körpertemperatur, Schüttelfrösten, unterdrückter Futteraui'nahme und l'oristaltik, Kolik-erscheinungon, starker Eingenommenheit, sowie den localen Veränderungen im Genitalapparate. Der Verlauf ist ein sehr acuter.
Therapie. Die Behandlung der Septicaemia puerperalis besteht im Wesentlichen in der Desinfoction des Uterus und der Scheide. Die früher üblichen Carbolsäure-lrrigationen (15 Proc.) sind besser durch eine 12 procentige Creolinlösung zu ersetzen. Das Creolin hat den Vorzug, dass es ungiftig und ganz wesentlich wirksamer ist, und namentlich augenblicklich die üblen Gerüche beseitigt. Es wird aus diesen Gründen von zahlreichen Praktikern sehr gerühmt. Sublimat-Infusionen (l pro mille) empfehlen sich nur für Carnivoren; für Herbivoren, namentlich für das Kind, sind sie entschieden, trotz gegen-theiligcr Behauptungen, viel zu giftig, auch rufen sie sehr starkes Drängen hervor.
Daneben kann durch innerliche Verabreichung von Seeale cor-nutum eine bessere Contraction des Uterus herheigefülirt werden, wodurch die Möglichkeit der Resorption septischer Steife seitens der Uterusschleimhaut sich verringert. Auch leichte Abführmittel sind am Platze, um die Excretion der Infectionsstoft'e auf dem Wege des Darmcanales zu befördern. In ähnlicher Weise kann man durch Frottiren die Hautth'atigkeit anregen. Endlich behandelt man hohe Temperaturgrade, Schwilchenzustände etc. symptomatisch mit anti-pyretischen resp. excitirenden Mitteln.
In prophylaktischer Beziehung ist strengste Asepsis für den Geburtshelfer (Hände, Instrumente) zu verlangen. Ausserdem empfiehlt sich die Isolirung hochträchtiger Thiere von anderen trächtigen oder mit Abortus, chronischen Ausflüssen aus der Scheide, eiternden Hautatfectionen etc. behafteten Tliieren, die Vermeidung jeder zufälligen Uebertragung der Krankheit durch Wärter, Geräthschaften, Futter, Getränke, Schwämme etc., sowie eine vorausgehende Des-infection des Stalles mit Chlorkalk, Creolin, Carbolsäure und anderen Mitteln; endlich eine gute Ventilation.
|
!i
|
|||
|
|
||||
|
i
|
||||
|
|
|||
|
474
|
Qebärparese.
|
||
|
|
|||
|
II. Die laquo;ebiirpnrese i soycu. toxisclio oder paralytische Form des
Gebärlloltersquot;).
Neueste Literatur. (Vergl. lt;lie tlltere S. 460.) 1) Thomas sen, Reoueil. 1889 u.
1890.nbsp; nbsp;Mit Literaturangaben. 2)Bouillot, Anmü. bels. 1887. 8) George, Reoueil. 1888. 4) Wort ley Axo, ibid. 1889. 5) Revel, ibid. 1890; Revue vet 1SU0. 6) Hinebauch, Am. vet. rev. Bd. 13. 7) Bridges, ibid. Bd. 12. 8) Wolstenholrae, The Veterinär. Bd. 62. S. 464. 9) Hammond, ibid. 8. 541. 10) Barinetti, Clin. veter. Bd, 12. 11) Van Gervcn u. A., Hull. belg. Bd. 4. 12) Guinard, Journal de Lyon. 1887. 13) Stoor, Sohwed. Zeitsohr. f. Thierhlkde. 1888. 14) Ajolfi, (Jiorual. di med. vet. prat. 1887. 15) Se vet low, Petersburger Archiv für Veter.-Med. 1888. 16) Winter, Tidsskrift for Veterinär. 1889. 17) Anker, Holland. Zeitsohr. f. Thierheilkde. Bd. 14. 18) De Bruin, ibid, 19) Van Nes, ibid. Bd. 15. 20) Van Dulm, ibid. lid. 17. 21) Guinard, L'Eoho vet. 1888. 22) Hink, Bad. thieriir/.fl. Mittheil. 1889. S. 153; Berl. thier-iirztl. Woohensohr. 1891. S. 308. 23) Haubold, Sachs. Jahresber. 1887. S. 78. 24) Flemming, Bepertor. 1887. S. 140. 25) Dochtermaan, ibid. 1888. S. 268. 26) Kösler, ibid. 1889. S. 200. 27) Breckerbohm, Berl. tliiorärztl, Wochcnschr. 1889. S. 161. 28) Stietenroth, ibid. S. 823. 29) Arnold, ibid. 1890. S. 51. 30) Schmidt, ibid. 1889. S. 20. 31) Jahresberichte derbayer. Thieriir/te, Woohensohr. f. Thierheilkunde. 1890. 8. ;'gt;7 f.;
1891.nbsp; nbsp;8. 15 f., 105 f.; Deutsche Zeitsohr. f. Thiermed. 1890. S. 292 f. 32) Lövy, Oesterr. Monatssohr. 1891. S. 108. 83) Guggenbtihl, Sclnvciz. Archiv f. Thierheilkde. 1891. Heft 2.
|
|||
|
|
|||
|
Vorkommen. Die Gebürparese findet sich besonders bei Kühen. Offenbar ist liier das Fehlen einer Placenta raaterna, also einer natürlichen Uteruswunde nach der Geburt, von bestimmendem Einflüsse, indem die im allgemeinen intacte Schloimhaufc nur laquo;relöste toxische Stoffe resorbirt. Das Gleiche gilt für den Uterus der Ziegen, welche ebenfalls nicht selten an dieser Form des Gebilrfiebers erkranken; doch kommt die Krankheit auch bei Schweinen vor. Beim Rind besitzen offenbar Milchkühe, sowie fette, vollblütige, wohlgenährte, gcfrilssige, vor dem Kalben intensiv gefütterte und im Stalle gehaltene Thiere eine gewisse Prädisposition für das Leiden, was schon daraus erhellt, dass dasselbe in milcharmen Gegenden, sowie bei Weidevieh selten zu beobachten ist, während in Miloh-wirthschaften, besonders unter Holländer- und Marschvich, die Krankheit vor allen anderen die grössten Verluste bedingt. Von einigen Beobachtern wird sogar bei manchen Rassen eine erbliche Disposition für die Krankheit angenommen. In Gegenden #9632;/,. B.. in welchen die Krankheit ganz unbekannt war, trat sie sofort auf nach Einführung
|
|||
|
|
|||
|
.
|
|||
|
|
|||
|
(iebili-parese.
|
476
|
||
|
|
|||
|
fremder Viehrassen. Auffallend ist ferner, dass die Gebilrparose meist nach sehr leichten und rasch verlaufenden Geburten auftritt, dass aus diesem Grunde Erstgebärende nur seilten erkranken, weil bei ihnen der Geburtsvorgang ein schwieriger ist, und der Uterus sich stärker contrahirt als bei späteren Geburten. Meistens erkranken die Kühe beim dritten bis fünften Kalbe (Haycock; Statistik der bayerischen Thierftrzte). Es steht ferner fest, dass bei grosser Sommerhitze, sowie bei raschem Wechsel der Witterung die meisten Erkrankungsfalle vorkommen. Ob Erkältung eine Rolle spielt, muss dahingestellt bleiben. Gewöhnlich stellt sich die Krankheit 24 48 Stunden nach der Geburt, im Maximum ii Tage darnach ein, nur sehr selten schon während der Geburt. In einzelnen Fällen wurde sie auch schon vor der Geburt beobachtet, indess nie vor Eintritt der Milchsccretion (Müller, Solingen, Albrecht, Brüller, Winter, De Bruin). Wenn man indess bedenkt, dass bei jeder Geburt zwischen Eröfthungs- und Austreibungsperiode wohl zu unterscheiden ist, und zwischen beiden oft ziemlich viel Zeit liegt, so dürfte die Vermuthung auszusprechen sein, dass jene scheinbar voider Geburt beobachteten Fälle zwar immerhin vor das Stadium der Austreibungsperiode, also der Geburt im gewöhnlichen Sinne, aber doch wahrscheinlich hinter das Stadium der Eröffnungsperiode zu setzen sind, eine Betrachtung, die für die Pathogenese des Leidens insofern von Bedeutung ist, als sie die Möglichkeit von Zersetzungsvorgängen im Uterus zulässt.
Die Angabe Franok's, dass eine der öebärparese vollkommen identische Krankheit auch beim Ochsen vorkomme, beruht sicherlich auf Verwechslung mit anderen Krankheiten, und /.war mit Affeotionen des Rückenmarks und Gehirns oder mit Vergiftungen.
|
|||
|
|
|||
|
Anatomischer Befund. Derselbe bietet wenig oder gar nichts Charakteristisches. Der Uterus wird meist in stark contrahirtem Zustande ohne jedwede Verletzung oder entzündliche Veränderung vorgefunden. Das einzig Auffallende ist eine ungleiche Blutver-theilung im Körper, indem die Baucheingeweide gegenüber anderen Organen häufig sehr blutreich erscheinen. Das Gehirn zeigt in vielen Fällen nichts Abnormes; zuweilen sind die Meningen stark hyperämisch und von Hämorrhagien durchsetzt; auch Hyperämie der Medulla oblongata, sowie llydrocephalus intornus und externus mit Fleischwasser ähnlichem Transsudate wurde constatirt. Hiiulig findet man das Gehirn stark anämisch, ödematös, matsch und colla-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
47Gnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(lubiirpareae.
birt, sowie die Gehirnrinde sohumtzig gelb verfärbt; in anderen Füllen fehlen diese Veränderungen.
Die Maul-, Nasen- und Raclienbölüe ist nicht selten mit Futterstoffen ganz ausgefüllt (Liilimung des Sohlingapparutes). Die früher als charakteristisch angesehene Eintrocknung des Lüserinhaltes, sogenannte Löserdürre, findet sich bei den meisten Krankheiten mit länger aufgehobener Futter- und Wasseraufnahme, ist also etwas ganz Nebensächliches. In allen anderen Organen ist durchaus nichts Abnormes zu erkennen. Die angeblich vorgefundene Hyperämie des Sympathicus, sowie der Nachweis von Luft in den Blutgefässen (Harms) haben durchaus nichts zu bedeuten.
Symptome. Die Krankheit beginnt meist mit den Erscheinungen einer leichten Unruhe: die Thiere trippeln hin und her, drängen auf den Koth, schlagen mit den Füssen nach dem Leibe. Seltener eröffnen ausgesprochene Gehirnreizungserscheinungen das Krankheitsbild: die Thiere zeigen sich aufgeregt, brüllen, steigen in die Höhe; noch seltener beobachtet man epileptiforme Krämpfe, Zuckungen der Gesichtsmuskeln, Zäbneknirschen , krampfhaftes Verziehen des Halses. Von einigen Beobachtern wird ausserdem eine starke, derbe Anscbwellung des Euters im Anfange der Krankheit hervorgehoben.
Nach diesem Initialstadium, das häufig übersehen wird und wobl auch fehlen kann, treten in rascher Aufeinanderfolge die eigentlichen charakteristischen Depressions- und Lähmungserscheinungen auf. Zunächst verrathen die Thiere beim Gebrauche ihrer Extremitäten, namentlich der hinteren, eine gewisse Schwäche, schwanken beim Gehen hin und her, erscheinen sehr matt und kraftlos, fallen zuweilen um und suchen sich dann, wenn auch meist vergeblich, wieder aufzurichten. Bald breitet sich die Farese von der Nachhand auf den ganzen Körper aus; Muskelscbwäche und Hinfälligkeit nehmen in hohem Masse überhand. Die Thiere vermögen sich nicht mehr auf den Beinen zu erhalten, sondern liegen kraftlos am Boden, wobei die Füsse halb untergeschlagen oder bei zunehmender Schwäche alle vier gestreckt sind.
In diesem lähmungsartigen Zustande trifft der behandelnde Thier-arzt meist die Patienten an. Die Thiere liegen in vollkommener Apathie und Somnolenz da, der Kopf ist gewöhnlich seitwärts gelagert und ruht bei stark abgebogenem Halse an der seitlichen Brustwandung; versucht man ihn aufzurichten, so fällt er alsbald
|
||
|
|
||
|
-
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Qebllrp arose.
|
477
|
|||
|
|
||||
|
wieder kraftlos in seine frühere Lage zurück. Das obere Augenlid ist über den Bulbus herabgesunken (Ftosis), die Augen sind geschlossen, das Thier scheint zu schlafen. Hebt man das obere Lid in die Höhe, so findet man die Cornea eigentiiümlich getrübt, von mattem Glänze, wie bei sterbenden Thieren, trocken, ohne Empfindlichkeit, ja selbst rissig und gefaltet; die Pupille ist amaurotisch erweitert, im Lidsacke hat sich Thräneusecret angesammelt; die Augäpfel sind stark eingefallen. Die Zunge hängt in Folge Lähmung ihrer Muskulatur schlaff aus dem Maule heraus; so lange die Speichel-secretion nicht unterdrückt, ist, fliesst der Speichel, weil er bei der Lähmung des Schlundkopfes und Schlundes nicht mehr abgeschluckt werden kann, ebenfalls in langen Strängen aus der Maulspalte ah. Heim Abschlucken von Flüssigkeiten hört man zuweilen längs des Halses einen eigenthünilichen glucksenden, gurgelnden Ton. Die Athmung geschieht schnarchend, stöhnend, röchelnd, selbst pfeifend (Lähmung der Kehlkopfmuskulatur'), unter starker Oeffnung der Nasenlöcher.
Bei der Untersuchung des Verdauungsapparates lindet mau aussei- der Lähmung der Schlingorgane, welche anfangs nur zu Schlingbeschwerden, bald aber zu einer vollständigen Unfähigkeit des Abschlingens führt, eine hartnäckig andauernde Verstopfung, verursacht ebenfalls durch eine Parese der glatten Muskulatur des Darmes. Diese Dnrmlähmung, in deren Gefolge sich bald Autblähung einstellt, und bei der alle Darmgeränsche vollkommen unterdrückt sind, leistet meist den stärksten Abführmitteln und selbst dem Physostigmin Widerstand. Damit geht eine Unterdrückung des iiarnabsatzes in Folge der Parese der Blasenmuskulatur einher. Der Harn ist eiweisshaltig und soll nach Nocard regelmässig Zucker und zwar bis zu 40 g pro Liter enthalten. Auch die Milcbsecre-tion liegt darnieder; das Euter ist ganz schlaff und welk.
Bezüglich des Oirculationsapparates fällt zunächst die ungleiche Vertheilung der Körpertemperatur auf, insbesondere fühlen sich die Füsse, Hörner und Ohren eiskalt an. Der Puls ist schwach und oft ganz unfühlbar; die Zahl der Herzschläge ist immer vermehrt, sie beträgt anfangs 50 70, später 120 und mehr pro Minute. Ueber das Verhalten der Innentemperatur widersprechen sich die Angaben; die meisten Beobachter, z. B. auch Franck, betonen als charakteristisches, unterscheidendes Merkmal gegenüber der septischen Form des Gebärfiebers ein regelmässiges Sinken der Körpertemperatur auf 36deg; 0. und darunter. Dieses Sinken der Tempe-
|
|
|||
|
|
||||
|
|
||
|
478nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; CJebilrparese.
ratur entspricht jedoch nicht dem ersten, sondern dem zweiten (coma-tösen) Stadium der Krankheit. Wir haben in den ersten Tagen der Krankheit ein nieder- bis mittelhochgradiges Fieber (89,040,0deg; 0.) nur selten vermisst. Auch Engel-Weingarten constatirte nach brieflicher Mittheilung in acht genau thermonietrisch untersuchten Fällen von rein paralytischem Kalbeheber 7mal eine Temperaturerhöhung von i39,l bis zu 40quot; C., wobei 8 Fülle auf den 1., 3 auf den 2., sowie 1 auf den 4. Tag der Erkrankung fielen. Es liegen also bei der Gebärparese ähnliche Verhältnisse bezüglich der Temperatur vor, wie bei anderen Intoxicationskrankhoiten, wo die Temperatur im Anfange ebenfalls erhöht ist, während sie später, insbesondere beim Eintritt von ('oma und Collaps, unter die Norm sinkt. Hochgradige Fiebertemperaturen kommen der Gebärparese jedenfalls nicht zu; übersteigt die Innentemperatur in einem Falle 40 und 41quot; C., so muss man immer an die Möglichkeit einer Complication mit Sepsis denken.
Verlauf. Die Dauer der im Vorhergehenden beschriebenen Krankheitserscheinungen ist eine ziemlich kurze: der Verlauf ist nämlich ein sehr acuter und die Krankheit kann sich schon nach 1218 Stunden entscheiden. Meist tritt, im Falle der Genesung, schon nach 2:i Tagen eine ganz auffallende Wendung zum Besseren ein: die Thiere bewegen sich wieder am Boden, stehen auf, es stellt sich Appetit und Milchsecretion wieder ein, desgleichen Koth- und Urinabsatz, die Körpertemperatur gleicht sich aus, der Puls wird kräftiger, die gesunkene Temperatur hebt sich u. s. w. Gewöhnlich erfolgt so 25 Tage nach Beginn der Krankheit vollständige Wiederherstellung. Nur selten bleibt eine andauernde Parese der Nachhand oder eine monoplegische Lähmung einzelner Extremitäten zurück.
Ist der Ausgang dagegen ein ungünstiger, so geht die Lähmung allmählich auch auf den Herzmuskel und auf das Gehirn über, und es erfolgt unter allgemeinen Muskelkrämpfen und Unruheerschei-nungen, nicht selten auch nach einer plötzlich aufgetretenen Diarrhöe, innerhalb 1;{ Tagen der Tod. Zuweilen werden auch nach sehr kurzer Dauer der Krankheit apoplectiforme Todesfälle beobachtet. Endlich complicirt sich das Leiden nicht selten in Folge Verschluckens der Thiere bei Lähmung des Schlundkopfes gelegentlich des Rülpsens oder Eingiessens von Arzneien mit einer Fremd-körperpneumonie, die früher oder später, meist nach 40 Tagen, zum Tode führt.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Gebihparese.
|
470
|
||
|
|
|||
|
Prognose. Die Mortali tiUszil't'er der toxischen, paralytischen Form des Gebärfiebers beträgt durchsclmittlich 1050 Proc, ist in-dess sehr wechselnd (tiering fand sie = 40 Proc; Franck ebenfalls; Höhne = 25BO l'roc; Saint-Cyr -- 45 Proc; Stock-flefch = 50 Proc; die Statistik der bayerischen Thierärzte = 48 Proc). Von den Genesenden rechnet man indess noch 10 Froc. Todesfillle in Folge von Fremdkörperpneumonie. Nicht selten kommt es vor, dass Thiere öfters an Gebärpareso erkranken.
Differentialdiagnose. Da die Gebiirparese im unmittelbaren Anschlüsse an eine Geburt auftritt, kann sie nur mit wenigen ebenfalls mit der Geburt zusammenhängenden Krankheiten verwechselt werden. In dieser Hinsicht hat das sogen. Pestliegen vor und nach der Geburt besondere Bedeutung, um so mehr, als es sich im Verlaufe des Gebärfiebers mit diesem combiniren kann. Das Festliegen besteht nämlich in einer mehrere Wochen vor der Geburt auftretenden Kreuzschwäche, die sich meist nicht direct beseitigen lässt, indess mit dem Abschlüsse der Geburtsvorgänge ebenfalls gewöhnlich wieder verschwindet. Oder es entwickeln sich nach der Geburt in Folge von Zerrung oder Contusionen des Kreuzbeingeflechtes u. a. Nerven vorübergehende Lähmungserscheinungen der Nachhand, die indessen bald wieder verschwinden. In beiden Fällen ist jedoch das Gemeinbefinden der Thiere in keinerlei Weise gestört, die Temperatur ist eine normale, die Futteraufnahine besteht fort, und es fehlen insbesondere Lähmungserscheinungen anderer Körpertheile. Mit den im Verlaufe der Septicaemia puerperalis späterhin eintretenden Gehirn-Depressionserscheinungen, wie sie gewöhnlich dem letalen Ausgange vorausgehen, kann die Gebärparese wohl nicht verwechselt werden.
|
|||
|
|
|||
|
Therapie. Von der allergrössten Bedeutung ist bei der Gebärparese die Prophylaxe. Sie besteht in womöglich täglicher Bewegung der trächtigen Thiere, sowie in Verminderung der Futterrationen; auch ist unmittelbar vor der Geburt ein leichtes Laxans (Glaubersalz) zu empfehlen. Ferner ist für gute Ventilation und Temperirung des Stalles zu sorgen; Erkältungen sind zu vermeiden. Am besten ist es, wenn die hochträchtigen Thiere womöglich in einen besonderen Stall verbracht werden. Ausserdem ist es räthlich , in Stallungen, in welchen die Krankheit regelmässige Verluste herbeiführt, zur Vorbauung nach Jeder Geburt den Uterus mit
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
480nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Oebärpavese.
l/j Iprocentiger Creolinlösung gut sius/usiiülen, um der Entwicklung toxisclicr Stoffe vorzubeugen, Von Trasbot wird auch ein 45 Tage vor dem Kalben ausgeführter Aderlass als wirksames Prophylac-ticum empfohlen.
Ist die Krankheit jedoch bereits in die Erscheinung getreten, so richtet sich die Behandlung vorwiegend darauf, die wichtigsten Symptomö derselben möglichst zu bekämpfen, eine Causalbehandlung ist dann nicht mehr möglich. Dabei muss in erster Linie darauf aufmerksam gemacht werden, dass die innerliche Verabreichung der Arzneien ge fähr lieh ist. Sie muss daher auf das Nöthigste beschränkt und im gegebenen Falle mit der grössten Vorsicht ausgeführt werden, um ein Verschlucken resp. eine Fremdkörperpneumonie ZU verhüten. Wo es immer angeht, ist die subeutane Appli-catiönsmethode vorzuziehen. Die zu bekämpfenden Symptome sind vor Allem die Lähmung der quergestreiften Körpermuskulatur, sodann die der glatten Muskulatur des Darmes und der Blase, ferner die darniederliegende Thfttigkeit des Gehirns.
1) Gegen die Lähmungserscheinungen, sowie die allgemeine Schwäche und Hinfälligkeit ist die Anwendung der Excitantien angezeigt; hiebei sind die subeutan anzuwendenden allen anderen vorzuziehen. Hieher gehört vor Allem das Veratrin ((1,10,2), das Coffei'n (5,0), der Spiritus aethereus (stündliche Injectionen von 510,0), der Aether (stündlich 2 -V1), das Strychnin, nitric. (0,020,0quot;) pro dosi), das gleichzeitig die Darmperistaltik anregende Physostigmin. sulfuricum (0,10,8 pro dosi, in 25,0 Wasser gelöst). Das Physostigmin lässt indess, wie auch die übrigen Mittel, sehr häufig im Stiche. Innerliche excitirende Mittel sind weiter der Wein, Branntwein und verdünnter Alkohol: dieselben sind ganz vorztlgliche Analeptica, desgleichen Kaffee und das kohlensaure Ammonium. Statt in Form von Eingüssen gibt man diese Mittel durch die Schlundsonde oder in Form von Klystieren. Die am häufigsten und zunächstangewandten äusserlichen Reizmittel bestehen in Frottiren der Haut mit warmem Essig, Terpentinöl, Caraphergeist, Senföl, Crotonöl. verdünntem Salmiakgeistu.s.w.,Einreiben von Brechweinsteinsalbe (1:4), abwechselnd warmen und kalten Einhüllungen und Umschlägen, kalten Sturzbädern auf den Kopf, Bügeln längs des Rückens mit heissem Bügeleisen auf dazwischen gelegten Wolldecken u. s. w. Auch die Elektricität wurde angeblich mit gutem Erfolge angewandt. lieber den Nutzen des Aderlasses besitzen wir Erfahrungen theils positiven, theils negativen Inhalts.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
tJebilrpaiese.
|
481
|
||
|
|
|||
|
2)nbsp; nbsp;Gegen die darniederliegeiule Darmthätigkcit werden gleichzeitig auch zur Ableitung auf den Darmcanal die verschiedenen Dra-stica angewandt. Hieher gehört zunächst das wegen seiner Ap-plicationsweise und erregenden Wirkung auf die Muskulatur sehr empfehlenswerthe Physostigmin, das Pilocarpin, sodann der Brechweinstein (1015,0 pro dosi), das Crotonöl (2025 Tropfen pro dosi in schleimigen Abkochungen), die Aloö (4000,0 pro dosi), das Glaubersalz (500,01000,0) u. s. w. Ausserdem wird die Peristaltik durch häufige Klystiere, sowie wiederholtes Exploriren des Mastdarmes und manuelle Entfernung der angesammelten Koth-massen angeregt.
3)nbsp; nbsp;Gegen etwaige Krämpfe und starke Aufregung der Thiere wendet man Morphiuminjectionen, Kly stiere von Chloralhydrat, Inhalationen von Chloroform u. s, w. an. Eingüsse von sogen, krampfstillenden Abkochungen (Kamillen-, Baldrian-, Fenchel-, Anis-, Kümmel- etc. Thee) sind wegen ihrer Gefährlichkeit besser zu unterlassen.
Im Allgemeinen dürfte es sich empfehlen, mit der Nothschlach-tung möglichst lange zu warten.
III. Septicaemia puerperalis und Gtebärparese mit einander com-plicirt. beinahe ebenso häufig, als die genannten Formen rein für sich auftreten, findet man Complicationen beider besonders in der Weise, dass sich zur septischen Form im weiteren Verlaufe eine Intoxication hinzugesellt. Solche Fälle sind in der angegebenen Literatur ausserordcntlich häufig beschrieben und sie haben nicht wenig zur Verwirrung der Ansichten über das Wesen des (xebilrfiebers beigetragen. Dass jedoch die vorliegenden Verhältnisse schon frühzeitig richtig erkannt wurden, beweist u. a. die nachfolgende Stelle in Hering's Pathologie, wo es am Schlüsse der Beschreibung des entzündlichen' Knlbefiebcrs heisst: Sodann tritt grosse Schwäche und Lähmung ein, welche besonders das Hintertheil betrifft und sodann die paralytische Form des Kalbefiebers darstellt!' Indess lassen sich diese Verhältnisse, so complicirt sie auch erscheinen mögen. doch sehr leicht in der Weise erklären , dass man, wie in der Einleitung des Näheren ausgeführt worden ist, zweierlei Infections-stoft'e. einen rein toxischen und einen septischen, als in der Uterushöhle vorhanden annimmt, von welchen bei intactem Uterus nur der erstere, bei Verwundungen der Uterusschleimhant dagegen beide aufgenommen werden können. Je nachdem nun der eine von beiden überwiegt, ändert, sich das klinische Bild der Erkrankung. Es sind sogar Fälle nicht selten, in denen man klinisch das Bild der G eh ärparese, anatomisch dagegen das einer septischen Entzündung der Uterusschleimhant erhält. Zum Beweise dieser Behauptung und unserer ganzen Auffassung über das Verhältniss der septischen zur paralytischen Form des (lebärfiebers diene statt einer allgemeinen Beschreibung der hiebe! möglichen Complicationen folgender concrete, für die vorliegende Frage ausser-ordentlich wertlivolle, von uns beobachtete Krankheitsfall, bei welchem
Fviedborsor U. Frühncr, Pnthol. u. Therapie il. Ilausthioio. F. liil. {i. Aufl. 31
|
|||
|
|
|||
|
ii
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
482
|
(iebiirparese.
|
||
|
|
|||
|
wiihrend des Lebens die Diagnose auf paralytisches Kalbefieber gestellt werden nmssto, wiihrend die Section die Erscheinungen einer septischen , phlegmonösen Endometritis nebst Verwundungen der Schleimhaut erkennen liess.
Am 20. Januar 1878 in der Frühe kalbte die Kuh des Milchmanns Z. in M., welche sich seit mehreren Monaten in dessen Besitze befand und, weil bei der Uebernahme schlecht genährt, von .demselben sehr gut gefüttert wurde, was auch eine ziemliche Beleibtheit derselben zur Folge hatte, ohne besondere Hilfeleistung sehr leicht und rasch; das Kalb war von ungewöhnlicher Grosse; die Nachgeburt ging mit Ausnahme eines kleinen Restes, der später noch aus der Scheide hing, leicht und schnell ab. Die Möglichkeit einer Erkältung wurde verneint. Am 21. Januar, 24 Stunden nach der Geburt, bemerkte der Eigenthümer die ersten Krank-heitssy rap tome. Dieselben bestanden in Verschmähen des Futters, Unruheerscheinungen, Sichlegen und Wiederaufspringenj bald konnte sich die Kuh nicht mehr erheben und erschien namentlich im Hinter-theile wie gelähmt, während sie mit dem Vordertheile erfolglose Versuche wieder aufzustehen machte. Das Thier warf hiebei namentlich den Kopf rücksichtslos hin und her, schien förmliche Krämpfe zu bekommen, worauf dann immer wieder ein zeitweiliger schlafsüchtiger Zustand eintrat. Koth- und Urinabsatz waren sistirt, dagegen bestand die Milchsecre-tion noch fort. Am 22. Januar lag das Thier bei der um 10 Uhr Morgens vorgenommenen Untersuchung am Boden mit ausgestreckten Glied-#9632;nassen, Hals und Kopf; letzterer wurde abwechslungsweise auch an die seitliche Brustwand angelegt. Versuchte man den Kopf zu heben, so schnellte er alsbald, wenn er wieder losgelassen wurde, in seine alte Lage zurück; die Bewegungen des Halses waren dabei federnd, elastisch. Uhren und Grund der Hörner, wie auch die Gliedmassen erschienen kühl, der Rumpf massig warm und trocken. Das Flotzmaul war feucht und kühl. Der Puls betrug 104 Schläge pro M i n u t e, war klein, unregelmässig, leicht zerdrückbar. Die Mastdarmtemperatur betrug 89,5deg; C. Die Athmung (20 pro Minute) geschah zuweilen sehr geräuschvoll, schnarchend; zu anderen Zeiten war das Athmen so ruhig, dass man im Momente im Zweifel sein konnte, ob das Thier noch lebe. Aus der Maul spalte floss schaumiger Speichel; die Hinterlippe hing etwas herab. Die Peristaltik war ganz unterdrückt, der Hinterleib leer und eingefallen, im Mastdarm fanden sich kastaniongrosse Kothballen von braungrüner Farbe, an der Oberfläche verkrustet, von gelbgrauen Schleimgerinnseln bedeckt, stark glänzend und schlüpferig, von sehr fester Consistenz. Die Harnblase war enorm gefüllt. Das Euter ganz normal, stark tur-gescirt, dabei weich, an allen Strichen reichlich Milch gebend, die zum Theile nach dem Anmelkon von selbst ausfloss. Aus der Scheide hing ein Theil der Secundinae, die sichtbare Schleimhaut war von Ekchymosen durchsetzt, aber nicht besonders geschwollen. Die Kuh lag meist ruhig da und machte nur zeitweise schwache Bewegungen mit dem Kopfe und den Vordergliedmassen, wie wenn sie sich erhoben wollte; dagegen blieben die Hinterfüsse ganz bewegungslos. Die Lidbindehaut war massig stark ge-röthet, der Blick ganz ausdruckslos, wie verglast, die Cornea wie angehaucht; die Pupille konnte nicht besichtigt werden.
Das Nachmittags mittelst Bruststiches getödtete Thier zeigte beim Schlachten allenthalben gesunde Körperorgane bis auf die Nieren, welche von weissgrauer Farbe, mürber Consistenz, und in fettiger Degeneration begriffen angetroffen wurden, sowie das Herz, dessen Muskulatur schlaff
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
ill
|
||||
|
|
||||
|
Uebenuilssiger (ieschlechtstriob.
|
488
|
|||
|
|
||||
|
und welk war. Das Blut war coagulirt und von normalem Aussehen. Die Consistent des Gehirns war normal, die Marksubstanz erschien nicht rein weiss, sondern schnmt/ig gelbgrau verfärbt (Loichenersoheinung; die Section wurde 18 Stunden nach dem Schlachten vorgenommen); die in Folge der Verblutung ziemlich blutleeren Gei'ässe enthielten an einzelnen Stellen Gase. hn Scheidencanale fand sich etwas chokoladeförmiger Inhalt, am Scheideneingange submucöse Ekchymosen. Die Muttermund-falten waren hochgradig ödematüs, gelbsulzig, geschwollen; in der Nilhe des inneren Muttermundes sah man einen thai ergrossen, sowie mehrere kleinere S u b s t a n z v e r I u s t e auf der Schleimhaut, deren Grund ziemlich eben und etwas missfarbig (grau) erschien. Im Uterus befand sich noch etwa ein Drittel der Nachgeburt mit rgt; Knöpfen der üteruswand fest anhaftend; daneben die auch in der Scheide vorhandene chokoladeförmige, aber nicht übelriechende Flüssigkeit. Dagegen war die Schleimhaut des Uterus mit dem s u b m u c ö s e n Bindegewebe in ihrer ganzen A usdehnu n g sehr stark, an ein-
|
||||
|
|
||||
|
zelnen Stellen bis /u matös i nf iltrir t.
|
ll/a cm, verdickt und gelbsulzig ode-
|
|||
|
|
||||
|
Uebermilsslger Geschlechtstrieb. Nymphomanie, Satyrlasislaquo;
Literatur. 1) Budloff, Magazin. 1839. S. 90. 2) Gerlach, ibid. 1843. S. 8. 14. 3) Essmann, ibid. 1848. S. 489. 4) Vorberg, ibid. 1853. S. 506. 5) Blanc, Journal du Midi. 1852. 6) Reboul, ibid. 1853. 7) Prange, Recucilde med. vet. 1855. 8) Eletti, II Veterinär. Milano, 1855. 9) Schmidt-Kettwig, Magaz. 1855. S. 198; 1800. S. 184. 10) Rychner, Bujatrik. 1851. 11) Hering, Spec. Pathologie. 1858. 12) Spinola, Spec. Pathologie. 1803. 13) Schwahn, Preuss. Mittheil. 1802. 14) Cauvot, Recueil. 1808. 15) Zündel, ibid. 1873. 10) ütz, Bad. thiorärztl. Mittheil. 1870. 17) Sie clamgro tzky, Sachs. Jahresber. 1874. S. 27. 18) Ritz, Berliner Arch. 1876. S. 408. 19) Uebelon, Uepert. 1877. S. 279. 20) Anacker, Spec. Patbol. 1879. 21) Haubner-Siedaingrotzky, Landwirthsch. Thier-heilkunde. 1889. 22) Schmalh o 1z, Ziimlel's Gesundheitsber. 1885. S. 107. 23) Dojongho, Bullet. Belg. 1885. 24) Benjamin, Recueil. 1880. 25) Detroye, Journal de m6d. veter. 1880. 20) Andre, Etat sanitaire des animaux dornest, de Belg. en 1885. 27) Landvatter, Report. 1888. S. 205. 28) Weber, Recueil. 1888. 29) Ctoubaux, ibid. 1890. 30) Mat-t li i eu u. Champagne, Bull. soc. centr. vet. 1890. 81) Brül 1er, Wochenschrift f. Thierheilkde. 1891. S. 40.
|
||||
|
|
||||
|
Vorkommen. Der Ubermiissige Geschlechtstrieb wird bei den Hausthieren meist unter dem Namen: Geilheit, Stiersucht, Brüllerkrankheit, Monatsreiterei, Stilloclisigkeit, Samen- oder Mutterkoller, sowie fälschlicher Weise auch unter der Bezeichnung Hysteriequot; beschrieben und vorwiegend beim Rind, seltener beim Pferd, Schaf und Hund beobachtet; andere Thiergattungen, wie Schweine oder Ziegen, zeigen die Krankheit weit seltener. Am häufigsten be-
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
484nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Uebermässiger Geschlechtstrieb.
übachtot man die Geilheit bei Kühen, Stuten, niiinnlichen Hunden und Schafböcken; andere männliche Thiere, z. B. Hengste, Bullen, Ziegenböcke, werden nur ausnahmsweise davon befallen. Die Ursache, dass besonders Kühe an übermässigem Geschlechtstriebe leiden, ist jedenfalls in dem Mangel an naturgemilsser Bewegung und Lebensweise, in der Gewohnheit, zu bestimmten Zeiten zu concipiren, sowie in Krankheiten der Genitalorgane, hervorgerufen durch häufige Geburten, Tuberkulose etc. zu suchen. Man hat auch schon beobachtet, dass die Nymphomanie unter den Kühen ganz bestimmter Rassen besonders verbreitet ist. Wie schon der Name besagt, gehört zum Begriff übermässiger Geschlechtstrieb1' immer ein gewisser auffallender Grad dieser Abnormität; eine strenge Grenze zwischen physiologischem und pathologisch gesteigertem Geschlechtstriebe lässt sich ja nicht ziehen.
Aetiologie. Der übennässige Geschlechtstrieb bildet keine Krankheit für sich, sondern wird als ein blosses Symptom durch verschiedene Ursachen hervora'erufen.
1)nbsp; Bei Kühen disponiren zunächst die älteren mehr dazu, als die jüngeren, desgleichen Mastkühe, sowie 45jährige, zu fett gehaltene Kühe.
2)nbsp; Bei männlichen Thieren, bei denen die Krankheit wohl auch Satyriasis (im Gegensatze zur Nymphomanie der weiblichen) genannt wird, kommt sodann vor Allem zu intensive Fütterung, besonders mit Roggen, Gerste und Hülsefrüchten, welche deshalb auch als hitziges Futterquot; bezeichnet werden, in Betracht, wenn gleichzeitig zu wenig Arbeit und zu viel Stallruhe mitwirken,
3)nbsp; Am häufigsten wird die Nymphomanie der Kühe durch pathologische Veränderungen an den Genitalorganen hervorgerufen, so vor Allem durch Entzündung, cystoide Degeneration, Ver-grösserung, Wassersucht, krebsige, sarcomatöse, tuberkulöse Neubildungen der Eierstöcke. Die Häufigkeit des Vorkommens eines krankhaft gesteigerten Geschlechtstriebes im Gefolge insbesondere der Tuberkulose (Perlsucht) war auch der Grund, warum man letztere Krankheit früher mit dem Namen Franzosenkrankheitquot;, Monatsreitereiquot;, Stiersuchtquot;, Geilesuchtquot; u. s. w. belegte. Indess wird die Mehrzahl der Fälle von Nymphomanie nicht durch Tuberculose, sondern durch cystoide Entartung der Ovarien etc. bedingt; auch führt die Tuberculose nur bei Ergriffensein der Genitalorgane, vor Allem der Ovarien, zur Geilheit. So fand Schmidt bei 10 Sectionen stiersüch-
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Uebeimilssigei- Geschlechtstrieb.
|
485
|
|||
|
|
||||
|
tiger Kühe keine Tuberkulose des Hinterleibs. Endlich können Erkrankungen der Gebärmutter, welche die Conception verhindern, /.. B. chronische Vaginitis und Endometritis, Verschluss des Muttermundes, Neubildungen und Lageveränderungen, Atrophie und Hypertrophie des Uterus Nymphomanie bedingen.
4)nbsp; nbsp;Bei Hengsten leiden ganz besonders die Monorchiden und Kryptorchiden, bei welchen ein oder beide Hoden im Leisten-canale oder in der Bauchhöhle zurückgeblieben sind, an gesteigertem Geschlechtstrieb.
5)nbsp; nbsp;Häufige geschlechtliche Erregungen, z. B. bei Hengsten durch die Nachbarschaft rossiger Stuten, oder stete Aufregung junger Stuten durch Hengste ohne Befriedigung des Geschlechtstriebs, endlich die Selbstbefriedigung der letzteren durch Onanie führen schliesslich ebenfalls zu einer bleibenden Satyriasis resp. Nymphomanie.
(3) Endlich beobachtet man übermässigen Geschlechtstrieb im Verlaufe des Bläschenausschlags der Genitalien beim Pferde und Rinde (sogen, gutartige Beschälkrankheit), der eigentlichen Beschälseuche (bösartige Beschälkrankheit) beim Pferde, bei der Wuth der Hunde; sodann bei gewissen Uückenmarksaffectionen, bei gastrischen Zuständen und Hinterleibsvollblütigkeit.
Die früher übliche (rleichstellung der Nymphomanie des Rindes mit der Hysterie des Weibes ist, ungerechtfertigt. Die Hysterie des Menschen ist eine Neurose des gesammten Nervensystems, vorwiegend auch des Gehirns, die mit den Genitalorganen sehr hilufig nichts ZU thun hat, und auch dann, wenn sie durch gewisse Veriinderungen des Uterus (Katarrh, Lageverändemngen, Neubildungen etc.) erzeugt wird, nur sehr selten mit Erscheinungen eines gesteigerten Geschlechtstriebs verläuft. Die Erscheinungen der Hysterie bestehen vielmehr vorwiegend in Schwermuth, Wahnvorstellungen, Hyperästhesien, Krampfanfallen, Anästhesien, Lähmungen u. s. w.
|
'i
|
|||
|
*-tl
|
||||
|
|
||||
|
Symptome. A. Beim Rinde. Die Nymphomanie der Kühe beginnt damit, dass anscheinend gesunde Thiere zu den gewöhnlichen Perioden öftere Male, ohne zu concipiren, brünstig werden, oder dass die Brunst anfangs regelmässig alle 8 Wochen, später auch häufiger eintritt und zuletzt ununterbrochen andauert. Dabei zeigen die Kühe eine beständige Aufregung und Unruhe, sowie den andauernden Drang, ihren abnorm gesteigerten Geschlechtstrieb zu befriedigen. Sie suchen sich den benachbarten Kühen zu nähern, bespringen dieselben, resp. reiten auf ihnen, wo es, z. B. auf der Weide, möglich ist, ja sie reiten selbst auf Bullen; (sogen.Monatsreiterei, Ritte). Dabei wechselt
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
48t)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Nymphomanie.
die Stärke des Geschlechtstriebs sehr nach der Individualität: bei einzelnen Kühen sind die Erscheinungen nur wenig- ausgesprochen (sogen. Stillochsigkeit), bei anderen sind sie viel hochgradiger, stürmischer, ein Zustand, den man deshalb als ßrüllerkrankheitquot; bezeichnet hat. Dieses letztere Leiden scheint in einzelnen Gegenden häutiger als in anderen vorzukommen. Die erkrankten Kühe verrathen dabei grosse Unruhe, haben einen stieren Blick, sowie ein sehr glänzendes Auge, sind schreckhaft, springen gerne auf andere Kühe, reiben die Hörner an Stallpfosten und .Futtertrögen, bohren damit, zuweilen selbst bei knieender Stellung, in der Streu, sowie in der lockeren Erde herum, scharren wohl auch, ähnlich wie es Stiere thun, die Erde mit den Füssen auf. Dabei erheben sie ein eigenthümliches, stierähnliches Gebrüll, das anfangs nur als ein leises Brummen, häufig aber in Form lauter, langgezogener, brüllender Töne gehört wird und ohne eine nachweisbare Veranlassung bei Tag und Nacht, besonders aber Morgens, sowie beim Eintritt fremder Personen in den Stall sich wahrnehmbar macht. Zuweilen artet dieses Gebahren in vollkommene Wildheit aus: die Thiere benehmen sich beim Herannahen fremder Personen wie rasend, zerreissen selbst ihre Ketten, rennen wild umher und greifen sogar den Menschen an. Von sonstigen Erscheinungen sind noch hervorzuheben: die auffallende Verminderung der Milch-secretion, sowie das Gerinnen der Milch beim Kochen; ferner das Einfallen der Thiere zu beiden Seiten der Schwanzwurzel, nach Art der hochträchtigen Thiere, in Folge Erschlaffung der Kreuz-sitzbeinbänder, wodurch der Schweif an seinem Ansätze scheinbar höher aufgerichtet oder aufgethürmtquot; erscheint; ein allmählich sich ausbildender stier ahn lieber Habitus, indem besonders die Halsmuskeln dicker werden: endlich eine zunehmende Abmagerung und Schwäche, welche schliesslich in Kachexie übergehen kann.
B. Bei der Stute. Auch hier beobachtet man im Anfang zunächst ein ungewöhnlich hochgradiges oder häufig wiederholtes, ja nicht selten anhaltendes Rossigsein, wobei die Thiere trotz stattgefundener Begattung nicht aufnehmen, oder im Falle der Conception regelmässig verwerfen. Dabei benehmen sich die Thiere sehr unruhig, haben einen aufgeregten, unwtäten Blick, wiehern häufig, äussern einen lebhaften Reiz zum Uriniren, pressen auf den Harn, wobei immer nur eine geringe Harnmenge mit Schleim gemischt in Form einer dicklichen, weissgelben Masse mit grosser Gewalt spritzweise unter raschem Umstülpen der Schamlippen und Vordrängen der Clitoris (sogen. Blitzenquot;) entleert wird. Ausserdem sind die Thiere
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Satynasis.
|
487
|
||
|
|
|||
|
sehr kitzel ig und erregbar. Jede Berührung, namentlich der Flanke, der Baucliwand und des Hintertheils mit der Hand, dem Leitseil, den Zugsträngen, den Waden und Sporen des Reiters etc. ruft Quieken, Blitzen, tropt'enweisen Harnabsatz, Peitschen mit dem Schweife, Gegendrücken, Senken des Hintertheils, selbst Schlagen und Beissen hervor, so dasraquo; derartige Thiere oft sehr gefährlich im Umgange werden (vergl. auch Stetigkeit), Im Verlaufe dieses in seinen Erscheinungen ausserordentlich wechselnden Krankheitsbildes, während dessen die Thiere vorübergehend Appetitsstörungen zeigen und allmählich abmagern, kann es zu förmlichen Krampf zu fällen und maniakali-schen Erscheinungen kommen. So beobachtete Eletti bei einer nymphomanischen Stute ausgesprochene tobsüchtige Symptome, verbunden mit tetanischen Krämpfen, Zähneknirschen, Schlingbeschwerden, Contractionen der Bauchmuskeln, Herzklopfen u. s. w., ein Krankheitsfall, der ausnahmsweise eine gewisse Aehnlichkeit mit der Hysterie des Menschen aufweist.
Nicht selten macht sich im weiteren Verlaufe eine ganz bedeutende Abstumpfung des Sensoriums, ein dummkollerähnlicher Zustand bemerkbar, der gewöhnlich mit dem Namen Mutterkolierquot; bezeichnet wird. Dabei beobachtet man periodische Steigerungen des krankhaften Zustandes, entsprechend dem Eintritte des Rossigseins. Wenn die beschriebenen Erscheinungen auch in einzelnen Fällen zeitweise verschwinden, nachdem die Stuten gedeckt worden sind, so kehren sie meistens doch bald wieder, und bedingen in Folge der anhaltenden Aufregung der Thiere eine ganz bedeutende Störung des Allgemeinbetindens.
C. Bei männliclien Thieren. Der gesteigerte Geschlechtstrieb, die Satyriasis der männlichen Thiere, äussert sich durch häufige Erectionen des Penis, welche zuweilen anhaltende sind (sogen. Priapismus, C h o r d a ve n e r e a), stete Unruhe und Aufregung, andauerndes Wiehern bezw. Brüllen, ungebärdiges Benehmen beim Anblicke weiblicher Thiere, Versuche dieselben zu bespringen u. s. w. Findet eine Befriedigung des Geschlechtstriebes nicht statt, so steigert sich in einigen Fällen die Aufregung der Thiere bis zur wirklichen Tobsucht; Bullen und Hengste sollen selbst Menschen, besonders Frauen verfolgen (Spiuola). Später werden die Thiere traurig, versagen das Futter, magern mehr und mehr ab, und es sollen sich nach der Angabe einiger Beobachter Lähmungserscheinungen von Seiten des Rückenmarks, in Folge dessen schwankender Gang, sowie allmählich zunehmende und schliess-lich zum Tode führende Kachexie ausbilden. Bei Hengsten tritt zu-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
488
|
Onanie.
|
||
|
|
|||
|
weilen, wenn auch selten, ein kollerartiger Zustand auf, der sogen. Samenkoller, zu dem nach Roll besonders Hengste disponirt sind, Avelche früher zur Zucht benutzt und später vom Belegen ausgeschlossen wurden. Der Name ,Samenkollerquot; wird indess in der Literatur offenbar verschieden gebraucht. Die einen verstehen die im Verlaufe der Satyriasis auftretenden tobsüchtigen Erscheinungen darunter, andere einen anhaltenden Depressionszustand des Gehirns im Verlaufe eben dieser Krankheit, welcher forensisch dem Dummkoller gleichzustellen ist; in einzelnen Fällen endlich scheint die zuweilen mit Satyriasis auftretende Bösartigkeit der betreffenden Thiere fälschlicher Weise als Samenkoller bezeichnet worden zu sein.
Endlich führt die Satyriasis zu Versuchen der Selbstbefriedigung des Geschlechtstriebs; so versuchen Pferde und Eselhengste durch Anschlagen des erigirten Penis an die untere Bauchwand, Bullen, Hunde, Schafböcke durch Reiben des Penis am Bauche oder zwischen den enggestellten Vorderfüssen, Hunde ausserdem durch Reiten auf andern oder durch Umklammern des Beines eines Menschen etc. eine Ejaculation herbeizuführen.
Unabhängig von der Satyriasis kommt die Selbstbefriedigung, der willkürliehe Samenverlust, als Onanie bei männlichen Hausthieren gar nicht so selten, gewissermassen wie beim Menschen als ein Vitium animi vor, Dass diese Selbstbefriedigung nicht als Ansfhiss eines abnorm gesteigerten Geschlechtstriebes angesehen werden kann, beweisen vor Allem die Fälle, in denen onanirendo Hengste und Bullen gegen Stuten und Kühe vollständig gleichgültig blieben (vergl. z. B. die Beobachtungen Prange's, Spinolas n. A.). Am häufigsten onaniren Hunde und Schafböcke, aber auch bei Hengsten und Bullen kommt diese Untugend nicht selten vor. Die Po Igen der Onanie sind je nach dem Grade der Selbstbefriedigung sehr verschieden. Zuweilen treten kaum erkennbare Störungen auf, in anderen rällen bemerkt man eine allmählicli sich ausbildende Trägheit, leichtes Sehwitzen und Ermüden, Abmagerung, Abstumpfung des Sensormms, Schwäche und Läinnungserscheinungen, vom Rückenmark ausgehend, Schwächung des Zeugungsvermögens bis zur vollständigen Impotenz, Kachexie, Epilepsie (Trasbot), apoplektiforme Anfälle. Spinola fand in einem solchen Falle bei einem Hengste das Lendenmark in einer Ausdehnung von 8 Zoll erweicht. Die Behandlung besteht in Abstrafen, Arbeit, knapper Fütterung, Zulassen zur Begattung; bei Nutzlosigkeit dieser Mittel in der Castration. Prange beseitigte das Uebel bei einem Hengste dadurch, dass er denselben 10 Tage hindurch je zwei Stunden mit dem ganzen Körper in fiiessendes, kaltes Wasser stellte.
|
|||
|
|
|||
|
Therapie. Die günstigsten Fälle für eine Behandlung der Nymphomanie und Satyriasis sind diejenigen, bei welchen die Ursache der Erkrankung in einer zu starken Fütterung bei zu wenig Bewegung
|
|||
|
|
|||
|
und Arbeit zu suchen sind
|
Hier kommt in erster Linie die Abstellung
|
||
|
|
|||
|
|
|||||
|
üeberaiässiger (ieschlechtsti-iob.
|
489
|
||||
|
|
|||||
|
dieser Ursachen und die Einführung einer knappen Fütterung (besonders Grünfutter), sowie ausgiebige Bewegung neben Trennung der Geschlechter und, wenn zulässig, natürlicher Befriedigung des Geschlechtstriebs in Betracht. Ausserdem sind Ableitungen auf den Darmcanal durch Abführmittel (besonders Glaubersalz beim Rinde. Aloe und Brechweinstein beim Pferde), ja selbst versuchsweise ein Aderlass anzuwenden. Gleichzeitig verbindet mau damit kalte Waschungen und Bäder.
Sodann sucht man den Geschlechtstrieb durch Arzneimittel herabzustimmen; hier sind in erster Linie das Chloral-hydrat (Pferd und Kind 2050,0 im Getränke), das Bromkalium und Bromnatrium, sowie subeutane Morphiuminjectionen (0,2 bis 0,5 beim Rind und Pferd) zu erwähnen.
Helfen diese Mittel nichts, so bleibt bloss die Castration übrig, nachdem mau vorher vielleicht nocii nach dem Vorgänge von Eloire das Einbringen eines fremden Körpers, z. B. einer Bleikugel, in die Gebärmutter versucht hat. Die Gastration ist meistens das einzig sichere Mittel gegen Nymphomanie und Satyriasis. Dieselbe kann bei männlichen Thieren und Kühen ohne weitere Gefahr vorgenommen werden, sollte indess bei Stuten nur bei vollständiger Un-brauchbarkeit der betreifenden Thiere wegen der Gefahr einer tödt-licheu Peritonitis ausgeführt werden. (Bei der Operation von der Scheide aus soll die Castration auch bei der Stute ziemlich gefahrlos sein [Cadiot].)
Bei cystöser Entartung der Eierstöcke hat man beim Rind und Pferd auch das Zerdrücken dieser Cysten mittelst der Hand vom Mastdarm aus anempfohlen (Zangger, Utz, Brüller u. A.); ütz will auf diese Weise von 100 Kühen 90 heilen können. Auch nach der Castration und nach dem Zerdrücken der Cysten vom Mastdarm aus können indess Unruhe- und Aufregungserscheinungen, besonders bei gleichzeitiger Affection des Uterus, z. B. durch Tuberkulose, fortbestehen. In diesem Falle ist es beim Rind, wenn gleichzeitig der Ernährungszustand der Thiere darunter leidet, besser, die Thiere frühzeitig zu schlachten. Aus demselben Grunde ist auch bei letzterer Thiergattung das zu lange Zuwarten mit der Anwendung innerlicher Mitte! zu widerrathen.
|
|
||||
|
f gt;
|
i
t|
|
||||
|
|
|||||
|
|
|||
|
490
|
Almorni Nreiiainderter Qosohlsohtstrieb,
|
||
|
|
|||
|
Abnorin veriiilndei'ter Geschleclitstrieb.
Literatur. 1) lloudmont u. ZUndel, Jouru. lt;le Lyon. 1804. 2) Paulsen, Repert. 1807. S. 97. 3) May, Adam's Wochensehr. 1868. S. 163. 4) Beau-filB, Revue de Toulouse. 1877. 5) Sollleg, Sachs. Jahresbor. 1879. S. 143. 6) Haubner-Siedamgrotzlcy, Lundwirthsch. Thiorheilkde. 1889. S. 182.
Vorkommen. Ein verminderter Gesclilechtstrieb wird als pathologische Erscheinung, welche hauptsächlich für die Thierzucht von grosser Bedeutung ist, namentlich bei weiblichen Thieren, zumal Kühen und Kalbinnen, sodann auch bei männlichen Thieren beobachtet. Der Geschlechtstrieb kann dabei in verschiedenen Graden abnorm verringert sein oder auch vollständig fehlen; er tritt entweder nicht zur gewöhnlichen Zeit oder abnorm selten auf, ist ungewöhnlich schwach, dauert nur kurze Zeit u. s. w. Wenn der Mangel an Geschlechtstrieb nicht, wie meist, ein vorübergehender ist, sondern ein bleibender, so wird der Zustand in seinen Folgen gleichbedeutend mit Sterilität oder Unfruchtbarkeit.
Aetiologie. Von Ursachen der Verminderung des Geschlechtstriebes sind als die wichtigsten folgende zu nennen:
1)nbsp; Krankheitszustände in den Geschlechtsorganen, z. B, Katarrhe der Scheide, des Uterus (Fluor albus), Zurückbleiben der Nachgeburt, Hydrometra, Pyometra, Degenerationen der Eierstöcke und Hoden, mangelhafte Ausbildung oder eine Missbildung derselben.
2)nbsp; nbsp;Schwächezustände im Genitalapparate in Folge zu frühzeitiger Verwendung männlicher oder weiblicher Thiere zur Zucht, über-mässig häufigen Belegens, Missbrauch stimulirender Mittel, Onanie.
;{) Torpidität im Geschlechtsleben, bedungen durch ein phlegmatisches Temperament, starke Neigung zu Fettansatz, und zwar diese beiden gewöhnlich mit einander verbunden, wobei die fortgesetzte zu reichliche Fütterung der Thiere bei Mangel an Bewegung (Stallhaltung) ebenfalls bei Kühen ein ätiologisches Moment bildet.
4) Allgemeiner Schwächezustand der Thiere nach anhaltend mangelhafter und schlechter Ernährung, Ueberanstrengung durch Arbeit, überstandenen schweren Krankheiten, Rückenmarksleiden u.S.W.) ferner acute fieberhafte, sowie chronische constitutio-nelle Krankheiten.
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Almorm venuiiidortor (Jesehloclitstriol).
|
401
|
|||
|
|
||||
|
quot;)) Psychische A h n e i g u n g inünnliclier Thiere gegen be-sfcinuiite weibliche Individuell, besonders von einer gewissen Farbe (Haubner-Siedamgrotzky); Trägheit der männlichen Thiere; heikle, wühlerische Beschälhengste, welche beispielsweise jungfräuliche Thiere und gelte Stuten gerne bespringen, dagegen Fohlenstuten verschmähen u. s. w.
|
||||
|
|
||||
|
Behandlung. Die Abhilfe richtet sich bei vermindertem (xe-schlechtstriebe je nach den zu Grunde liegenden Ursachen. In diätetischer Beziehung muss zunächst die Fütterung und Haltungsweise regulirt werden. So handelt es sich beispielsweise bei geschwächten Thieren um Zuführung stickstoffreicher Nahrungsmittel (Hafer, Hülsenfrüchte, Koggen, Brot, rohe Eier u. s. w.), bei fetten um Nahrungsentziehung und möglichste Bewegung. Hengste werden entweder tüchtig geritten oder im schweren Zuge verwendet, Bullen kann man ebenfalls bei frühzeitiger Angewöhnung und Zuhilfenahme des Nasenrings einspannen oder auf einen umfriedeten Tummelplatz bringen. Endlich darf die Regelung des Geschleclitsiebens nicht versäumt werden; dieselbe besteht in der Vermeidung zu frühzeitiger und zu häufiger Begattung bei männlichen Thieren, öfterem Zusammenbringen phlegmatischer weiblicher Thiere mit männlichen, öfterem Führen der Stuten zum l'robirhengst u. s, w.
Ausserdem sucht man den Geschlechtstrieb durch Aphrodisiaca, d. h. stimulirende, den Geschlechtstrieb erregende Mittel zu heben. Hier sind in erster Linie die Canthariden zu nennen, welche wie alle ähnlichen Mittel da am besten wirken, wo man es nur mit abnorm schwacher Brunst zu thun hat, und welche deshalb eben um diese Zeit angewandt werden sollen. Man gibt grösseren Kühen täglich, und zwar mehrere Tage hinter einander 25,0 g Pulv. Cantharidum zwischen zwei Brotscheiben oder mit Wein, Pferden i2,0; von der Cantharidentinctur Kühen 20,0, Pferden 10,0, Hunden 0,21,0 u. s. w. Ferner gehören hieher alle gewürzhaften, balsamischen, harzigen, ätherischöligen und alkoholischen Mittel, z. B. Pfeffer (1015,0 für Kühe), Ingwer, Kümmel mit Wein (Beaufils), Senfsamem Wachholderbeeren, Aloe (Houdmont u. Zündel), Summitat. Sabinae, Branntwein, Eierbier, Alkohol u. s. w. Alle die genannten Mittel bedingen eine Hyperämie der Hinterleibsorgane, Turges-cenz der Eierstöcke und Hoden und dadurch vermehrten Geschlechtstrieb.
Sind die Ursachen in organischen Veränderungen des Geschlechtsapparates begründet, so ist eine Behandlung vergeblich.
|
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
492
|
Impotenz.
|
||
|
|
|||
|
hnpod'iiz und Sterilität.
Literatur. 1) Journal de Lyon. 1845. 2) Mague, Beoueil. vet. 1853. 3) Kloout, ibid. 1867. 4) Colin, ibid. 5) Andrö, Annal. belg. 1867. 6) Delays, ibiil. 1868. 7) Dupont, Recueil. 1868. 8) Fuchs, Oestcrr. Vicrteljahrs-schrif't. 1^55. S. 84. 9) May, Innere und äussere Krankheiten des Schafes. 1868, mit Literatur. 10) Anacker, Spec, l'athol. n. Therapie. 1879. 11) Beaufils u. Lafosse, Revue vct. 1877. 12) Collin, Recueil. 1877. 13) Repliquet u. Matliis, Journal de Lyon. 1880. 14) Sanson, Hull, soc. centr. vet. 1880/81. 15) Biot, Arohiv. vet. 1882. 16) Kloire, II medico veterinario. 1881. 17) II au bner-Siedanigrotzky, Landwirth-sohaftliche Thierheilkde. 188!). 18) Die geburtshilflichen Lehrbücher von Franck, Harms, Rueff u. A. 19) Isepponi, Schweizer Archiv. 1887. 8. 1. 20) Dangers, Fühling's landwirtlisch. Zeitung. 1888. S. 33. 21) Trin-chera, La (Jlinica vet. 1888. 22) Piana, ibid. 1889.
|
|||
|
|
|||
|
I. Die linpoteu/, (Ins UiiTerniögcn der niiiniilicheii Thiere.
Die Impotenz männlicher Thiere, d. h. die niiingelnde Fähigkeit der Fortpflanzung, kann einerseits im Unvermögen bestehen, den Be-gattungsact als solchen in richtiger, physiologischer Weise trotz normaler Function der Geschlechtsdrüsen auszuführen, andererseits im Unvermögen eine Begattung fruchtbar, trotz normaler Functionirung des accessorischen Geschlechtsapparats, zu vollziehen. Man muss daher zum besseren Verständnisse zwischen Begattungsimpotenz'' und ,Zeugungsimpotenzquot; wohl unterscheiden.
Die Begattungsimpoteiiz kann auch als relativequot; Impotenz he-zeiclinet werden, d. h. als eine solche, welche unter Umständen noch beseitigt werden kann. Sie wird durch Störungen bedingt, welche die Vorbereitung zum Begattungsacte oder die Ausführung desselben erschweren oder ganz unmöglich machen. Die Ursache liegt dabei in zufälligen äusseren Verhältnissen; der Geschlechtstrieb kann sehr rege, sowie der Same befruchtimgsfähig sein. Die Verhältnisse sind:
1) Schwäche des Genitalapparates (vgl. in dieser Beziehung auch die Ursachen des verminderten Geschlechtstriebes), herrührend von gestörter Innervation in Folge chronischer Rückenmarksund Gehirnleiden; auf diese Schwächezustände wird die Bezeichnung Impotenzquot; wohl am richtigsten angewandt. Die Thiere zeigen eine unvollständige Erection des Penis, springen mit unvollständig erigirtem Gliede auf, das nicht in die Scheide eingeführt werden kann,
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
.Sterilität.
|
493
|
||
|
|
|||
|
sanion schon vor der vollständigen Erection ab, oder bei rasch vorübergehender Erection vor Eintritt der Ruthe in die Scheide etc.
2)nbsp; nbsp;Krankhafte Zustände am Penis, z. B. Knickungen, Phimose, Paraphimose, Neubildungen am Penis, abnorme Grosse des Penis etc.
3)nbsp; nbsp;Bewegungsstörungen, welche das Bespringen oder Aufsteigen erschweren oder unmöglich machen, #9632;/.. B. schmerzhafte Gelenksleiden, wie Spat, Schale oder Schwächezustände der Nachhand, wie Kreuzlähme. Die Behandlung dieser Begattungsimpotenz richtet sich ganz nach den zu Grunde liegenden Ursachen und besteht bei 1) in guter Fütterung, Elektricität; bei 2) in operativer Nachhilfe; bei 3) in chirurgischen Mitteln. Vergl. auch die Behandlung bei Mangel an Geschlechtstrieb.
Die Zeugungslmpotenz beruht entweder auf einer fehlenden Production des Samens überhaupt, sogen. Aspermie. oder auf der Abwesenheit von Spermatozoen in demselben, sogen. Azoospermie. Es kommen hier vor Allem in Betracht der vollständige Mangel beider Hoden, Atrophie der Hoden nach Entzündungen und degenerativen Zuständen, z. B. nach carcinomatöser Destruction, Aplasie, Hyperplasie der Hoden u. s. w. Es gibt indess auch Fälle, in denen trotz scheinbar normaler Beschaffenheit der Hoden und der übrigen Genitalorgane, vor Allem trotz vorhandener Ejaculatio seminis, die Begattung unfruchtbar bleibt. Hier handelt es sich um ein Fehlen der Spermatozoen im Samen, weiches bei älteren Beschälhengsten, indess auch von Anfang an bei jugendlichen zuweilen beobachtet wird, und durch eine einfache mikroskopische Untersuchung des bei der Begattung ab-fliessenden Spermas festgestellt werden kann. Auch solche Fälle kommen vor, in welchen der Samen zwar Spernifitozoen, aber im unbeweglichen, d. h. nicht belebten Zustande enthält. Die Ursache ist wohl in chronischen entzündlichen oder degenerativen Zuständen der Samencanälchen (Drüsenschläuche) oder angeborener Aplasie derselben zu suchen. Die Behandlung der Zeugungsinipotenz ist eine fruchtlose.
|
|||
|
|
|||
|
li. Die Sterilität, die Unfruchtbarkeit weiblicher Thiere.
Dieselbe kann eine vorübergehende (heilbare), sowie eine bleibende (unheilbare) sein. Bei der heilbaren Sterilität kommen als Ursachen in Betracht: Nymphomanie, verminderter Geschlechtstrieb, Verschluss des Muttermundes resp. Gebärmutterhalses durch chronisch
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
494
|
Milchfeliler.
|
||
|
|
|||
|
entzUiulliche Processe oder narbige Stricturen, besonders beim Rind und der Ziege Stenosen der Vagina, Verwachsung oder Abweichung der Lage bezw. Richtung des Scheideneinganges, Lageveränderungen (Knickung, Drehung, Inversio, Prolaps) und Neubildungen des Uterus, chronische entzündliche Prooesse der Schleimhaut der Scheide, des Uterus, der Tuben, insbesondere chronische Endometritis (Fluor albus) im Anschluss an Geburten oder epizootischen Abortus. Auch der Bläschenausschlag kann Sterilität hinterlassen. Die Behandlung dieser Zustände ist eine rein chirurgische.
Die unheilbare Sterilität ist meist auf einen Mangel der Ovarien oder atrophische Zustände derselben zurückzuführen. In dieser Beziehung sind zu nennen! Aplasie, Hyperplasie, Atrophie der Ovarien, cystöse, carcinomatöse Degeneration, Verschluss der Ovulatiosngrube bei Stuten durch eine umschriebene Peritonitis, welche durch die Bildung einer bindegewebigen Auflagerung den Austritt der Eier aus dem Ovarium hindert; ferner Fehlen des Uterus, Aplasie und Atrophie desselben; Zwitterbildung bei Zwillingsgeburten, Verbastardirung u. s. w. Aber auch nach chronischen Endometriten kann eine unheilbare Sterilität zurückbleiben.
Eine künstliche Sterilität bei Kühen hat Eloire durch Einführung eines Fremdkörpers (Bleikugel, Steine) in den Uterus hervorgerufen.
SHlchfehler.
Literatur im Allgemeinen. 1) Fuchs, Magazin. 1841. S. 133. 2) Haubner, ibid. 1852. S. 1. 3) Fürs ten borg, ibid. 1855. S. 420. 4) Dupont, Recueil de med. vet. 1871. Nr. 1. 5) Ablcitner, Oosterr. Vierteljahrsschr. 1877. S. 170. 6) Fcser, Die polizeiliche Controlle der Marktmilch, Vortrüge für Tbiorilrzte. 1878. I. Serie. Heft 8 U. 9. 7) Zorn, Die Anomalien der Milch, ibid. 1881. 5. Heft. 8) Haubner-Siedamgrotzky, bandwirthsch. Thier-heilkdo. 188i). 9) Möbius, Die Müohfehler, ihre Verhütung u. Abstellung. Flauen. 1880. 10) Volpo, Centralblatt für allgemeine Gesundheitspflege.
1885.nbsp; nbsp; 11) Bräu er, Sachs. Jahresber. 1886. S. 85. 12) Kirchner, Milch-zeitg. 1886. S. 793. 13) Löffler, Ueber Bacterien in der Milch, Berliner klin. Wochenschr. 1887. 14) Die Lehrbücher der spec. Pathologie von Hering, Spinola, Anacker, Roll u. A. 15) Rogers, lieber Zusammensetzung, Fehler und t'ontagiosität der Milch, Journal of comp. med.
1886.nbsp; S. 101. 16) Adametz, Die Hacterien normaler n. anormaler Milch. Oesterr. Monatsschr. 1890. S. 61. 11) Fröhner, Ueber die Bedeutung der Milchmittel, Monatshefte für prakt. Thierheilkde. 1891. S. 408. Mit Literatur. IS) Ostertag, Zeitschrift für Meisch- und Milchhygiene. 1891. Heft 13. 19) Hess, Schaffer u. Uonzynski, Schweiz. Landwirthsch. Jahrb. 1890.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Milchfehlei1.
|
|||
|
|
|||
|
Allgemeines. Die Milchfehler spielen insbesondere beim Rinde eine sehr bedeutende Holle; da gerade bei ihnen sehr häufig der Thierarzt zu Rathe gezogen wird, müssen sie ausführlicher behandelt werden. Unsere heutigen Kenntnisse über das Wesen der verschiedenen Milchfehler verdanken wir besonders den Untersuchungen von Fuchs, Haubner und Fürstenberg u. A. Die Ursachen der verschiedenen Milchfehler sind im Allgemeinen folgende:
1)nbsp; nbsp;Abnorme Fütterung nach Qualität und Quantität; der Umstand, dass das Rind am häufigsten Milchfehler aufzuweisen hat, ist vorwiegend in der wenig naturgemässen Fütterung desselben zu suchen.
2)nbsp; Magendarmkatarrhe, kachektische und sonstige krankhafte Körperzustände.
3)nbsp; Euterkrankhoiten.
4)nbsp; Infectiöse (Pilze), thermische, chemische, elektrische Einflüsse von aussen her.
Neben der bujatrischen Seite sind die Milchfehler noch insofern von Bedeutung, als sie secundär Erkrankungen des Menschen sowohl wie auch anderer Thiere bedingen können.
|
-I
:r
im
|
||
|
|
|||
|
Eintheilung. Die Eintheilung der Milchfehler kann je nach dem Hauptgesichtspunkte eine verschiedene sein. Wir unterscheiden:
I.nbsp; Milchfehler in Form von Secretionsanomalien: so die Agalactie, die zu wässerige und die zu fette Milch.
II.nbsp; Milchfehler durch äussere Einwirkungen, besonders Pilzinvasionen bedingt: so die schlickerige Milch, die nicht butternde, die schleimige, die faulige, die blaue, rothe und gelbe Milch.
III.nbsp; nbsp;Milchfehler in Folge fremder Beimengungen: z. B. Bitterstoffe, ranzige Stoffe, Farbstoffe, Gifte und Arzneimittel, Krankheitsstoffe, Blut u. s. w.
|
,! Hl
|
||
|
ri
|
|||
|
|
|||
|
1) Agalactie, Milclimangel, Versiegen der Milcli.
Literatur. 1) Bauwerker, Adam's Woolionsclir. 1868. S. 195. 2) Oreste, Gazetta medic, veterin. 1871. 8) Brusasco, 11 medico veterinario. 1871. 4) Delvos, Adam's Wochenschr. 1880. S. 69. 6) Fröhner, Monatshefte für prakt. Thierheilkde. 1891. S. 408.
|
|||
|
|
|||
|
ll
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
496
|
Agahictie.
|
||
|
|
|||
|
Aetiologie. Dor Mangel sin Milch ist zunächst eines der ersten Symptome innerlicher Krankheiten, besonders von Magen- und Darmaffectionen. Sodann rührt er von schlechter Fütterung, langem Hungern, sowie zu schwerer Arbeitsleistung her; weiter kommen gewisse Euteranomalien: Mastitis, schlecht entwickeltes Euter. Fetteuter, Eutercongestionen zur Zeit der Menstruation u. s. w. in Betracht. Auch psychische Aff'ecte, wie Sehnsucht nach dem Jungen oder dem gewohnten Stalle, Angst beim Melken durch fremde Personen, können die Absonderung der Milch beeinflussen. Ausser-dem findet man Agalactie häutig bei Erstgebärenden, besonders bei Stuten (die Untugend des Selbstaussaugens oder des Aussaugens der Milch durch daneben stehende Tliiere kann streng genommen nicht der Agalactie beigerechnet werden). In einzelnen Fällen endlich findet man absolut keine Ursache für den Milchmangel. Von Arzneimitteln sollen die Milchsecretion vermindern vor Allem die Jodsalze, ferner Atropa Belladonna, Hyoscyamus niger und Datura Stramonium; ausserdem Colchicum autumnale, Conium maculatum, Chinin, Alaun, sowie äusserliche Einreibungen von Kosmarinöl und Opodeldok.
Therapie. Gegen die Agalactie sind neben Berücksichtigung der jeweiligen Ursachen, sowie neben Verabreichung einer guten und dabei möglichst flüssigen Nahrung, so z. B. von Brühfutter, Bier-träbern etc., die sogen, milchtreibenden Mittel von jeher empfohlen worden. Die beliebtesten derselben sind die Antimonpräparate (Stibium sulfuratum nigrum und aurantiacum), der Schwefel, Fenchel, die Wachholderbeeren, der Kümmel, Anis, Dill, das Kochsalz u. a, Diese Mittel können entweder für sich oder mit einander in den verschiedensten Zusammensetzungen verschrieben werden. Ueber ihren therapeutischen Werth vergleiche die Arbeit von Fröhner.
Wir verwenden als sogen. Milchpulverquot; gewöhnlich nachfolgende Mischung:
R.p. Stibü Bulfuvati nigri 100.0. Sulfur, subl. 50,0. Pulv. Fruct. Fooniculi Fuhr. Fruct. Carvi Pulv. Fruct Junip. Sä 150,0. Nntrii dilorati oiTldi 500,0. M. Ü. S. Kübeu imf jedes Futter 1 Esslöttol. Ziegen 1 Thcelöftel voll.
Ungewohntes Milchgehen, Vm Gegensatze zur Agalactie beobachtet man bei manchen Thieren zuweilen Milchseeretion und Anschwellung der Milchdrüsen, ohne dass Triichtigkeit vorliegt. In einzelnen Füllen be-
|
|||
|
|
|||
|
.
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Milchfehler.
|
407
|
|||
|
|
||||
|
olmehtet man diese Erscheinung merkwürdigerweise in Folge der Einbildung, trächtig zu sein resp. geboren zu haben. So beschreibt Eborhardt (Magazin, 1859. S, 430) einen Fall, in welchem eine Hühner-hündiii feinster Itasse, welche gewohnt war, jährlich im Juni zu werfen, einmal nicht belegt wurde und nun trotzdem Milch gab, sich trächtig stellte u, s, w.; desgleichenPriedberger (München, Jahresber, 1873/74 S. 40) einen ganz ähnlichen Full bei einer Hündin und einer Stute. Diese auch beim Menschen vorkommenden Fülle sind bei den Hausthioron offenbar nicht sehr selten; auch Delai'ond (Hecueil de med. vet. 1857), Buffon (Naturgeschichte), Bassi (11 med. veterin. 18G0), Hering u, A. haben ähnliche Beobachtungen gemacht. Namentlich bei Hündinnen (Möpsen) hat man ziemlich oft Gelegenheit, eine von Träohtigkeit und Geburt ganz unabhängige Lactation zu beobachten.
Das von üreste, Brusasco u, A. beschriebene ansteckende Versiegen der Milch^ bei Schafen und Ziegen, welches aussordem noch mit Hinken, Erblinden etc. einherging, gehört offenbar ins Gebiet entweder der Vergiftungen oder der Seuchen.
|
i laquo;1
#9632;4
i
|
|||
|
|
||||
|
2) Die wässerige Milch.
Aetiologie. Die wässerige Milch ist durch einen Mangel an Fett und Casein, sowie einen zu hohen Wassergehalt ausgezeichnet; sie ist von bläulicher Farbe, sowie von relativ höherem sj^eeifischem Gewichte. Ihre Ursachen sind in schlechtem, wässerigem Futter, so z. B. in übermässiger oder ausschliesslicher Verabreichung von Schlempe, Gcsöii', Rüben, Rübcnblättern u. s. w., in Krankheiten des Magens und Darms, in kachektischen und hjdrämischen Zuständen, sowie unabhängig von diesen Factoren zuweilen in einer besonderen KasseeigenthUmlichkeit zu suchen,
Therapie. Die Behandlung besteht dementsprechend in einem Wechsel der Fütterung, Verabreichung von Trockenfutter, sowie in der Anwendung von Storaachicis, z. B. Rp. Natrii chlorati 2U0,0; Pulv. Fruct. Carvi, Pulv. Rad. Gentian., Pulv. Rhizomat. Calami aä 50,0; auf jedes Futter einen Esslöifel voll. Vor Allem aber müssen die vorhandenen krankhaften Alfectionen des Darmcanales, Blutes etc. behandelt werden.
|
||||
|
|
||||
|
3) Die zu fette Milch.
Aetiologie und Behandlung. Ein zu grosser Gehalt der Milch an Fett kommt am häufigsten bei Schafen nach zu intensiver Fütterung, besonders bei Verfütterung von Leguminosen, sowie während der Brunst vor.
Fricdbcrger u. Frühuor, Pathol. u, Therapie d, Hausthiure. I, Bd. 3 Aufl. 32
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
498nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Milchfehler.
Die Folgen des Genusses dieser zu fetten Milch seitens der Lilmmer ilussern sich in Form von M a gen d armk atarrh en, Durclifüllen u. s. w. Die Abhilfe besteht in leichterer Fütterung der Mutterschafe, Vermeidung zu stickstoffreicher Nahrung, viel Bewegung u. dergl.
|
||
|
|
||
|
4) Die schlickerige Milch.
Literatur. 1) Harms, Hannover. Jahrosber. 1871 u. 1872. S. 45. 2) Fleisch-mann, Füliling's lanchvirthsch. Zeitg. 1877. 3) Marsumann, Ergiinzungs-hefte zum Centralblatt für allgemeine Gesundheitspflege. Bd. 2. S. 117. 4) Passet, Fortschritte der Mcdicin. 1885. S. 70.
Aetiologie. Das vorzeitige Gerinnen der Milch, die sogenannte schlickerigequot;, süss schlickerigequot; Milch oder das Käsenquot; der Milch ist einer der häufigsten Milchfehler des Kindes, findet sich indess auch sehr oft bei Ziegen. Die Ursachen sind sehr verschiedener Natur; es kommen hier Verdauungskrankheiten, saure Futtermittel, z. B. saure Schlempe, Euterkrankheiten, besonders Euterentzündung, Hyperämie und Schwellung des Euters bei hoher Trächtigkeit, nymphomanische Zustände, zu starke Erhitzung des Körpers durch Bewegung oder Arbeit einerseits; andererseits ä,ussere Einflüsse in Betracht, so vor Allem zu grosse Sommerhitze, hohe elektrische Spannung der Luft bei Gewittern, dunstige Stallungen, unreine Geschirre und Seihtücher (letzteres namentlich in Molkereien). Nach Fleisch mann soll auch die Aufnahme von mit Rostpilzen besetztem Getreide schlickerige Milch erzeugen.
Erscheinungen. Die Erscheinungen beim Schlickerigwerden der Milch bestehen darin, dass letztere schon wenige Stunden nach dem Melken von selbst, besonders aber beim Kochen gerinnt. Am meisten Neigung hiezu zeigt die Abendmilch. Dabei ist die Säurebildung nur ganz gering (daher auch der Name süsses Schlickernquot;), die Rahmschichte ist klein, weshalb sich die Milch schwer verbuttern lässt. Bei Mastitis sodann ist die Milch schon beim Melken mit flockigen Gerinnseln versetzt.
Therapie. Die Behandlung richtet sich nach den Ursachen. Eine gute Ventilation und Kühlung desStalles, sowielteinhaltung deröe-fässe und Seihtücher ist in erster Linie erforderlich. Sehr zu empfehlen ist ferner die sofortige Abkühlung der gemolkenen Milch in Kühlappa-
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Milchfehler.
|
499
|
|||
|
|
||||
|
raten, sowie ein Zusatz von Alkalien (eine Messerspitze iloppelt-kohlensauren Natriums pro Liter) oder von Salioylsilure (0,25 g pro Liter Milch). Auch die innerliche Anwendung der Alkalien, besonders der Soda, ist als nützlich zu bezeichnen; dagegen können wilder Einverleibung von Säuren, wie sie von einigen Seiten empfohlen wird, nicht das Wort reden. Harms wendet als Hauptmittel gegen schlickerige Milch Fenchel mit Schwefelspiessglanz an (aä 400,0; Morgens und Abends den 6. Tbeil). Endlich bedürfen Affectionen des Verdauungscanais, des Euters u. s. w., sofern sie die Ursachen des Milchfehlers sind, einer entsprechenden Behandlung.
Die Ursachen der Milchgerinnung sind bekanntlich in der Einwirkung eines von Pasteur 1857 entdeckten Fermentes, des ferment lactiquequot;, zu suchen, welches den Milchzucker zu Milchsäure zersetzt und dadurch die Säuerung und Gerinnung dei-Milch bedingt. Lister hat diesen Organismus Bacterium laetis' genannt und gefunden, dass ausserdem noch viele andere Mikroorganismen eine Säuerung der Milch erzeugen können. Hierhergehören nach neueren Untersuchungen die nachfolgenden: der Osteomyelitiseoccus, der Staphylococcus albus, citreus, cereus albus, cereus fiavns, der Streptococcus pyogenes, der Bacillus pyogenes foetidus, der Erysipelstreptococous, das Bacterium, der Mikrococcus und Sphaero-coccus laetis aeidi, das Bacterium laetis aerogenes, der Mikrococcus ovalis und der Streptococcus coli gracilis.
|
#9632; m
quot;'Si t:f-i
#9632;M
|
|||
|
|
||||
|
5) Die nicht butternde (gährende, schäumende) Milch.
Literatur. 1) Deneubourg, Arnml. de Bruxelles, 1858. 2) Lehmann, Thier-arzt. 1872. S. 6ö. 8) Harms, Hannover. Jahresber. 1872. S. 4Ü. 4) Con-tamino, Bullet. Belg. 1885. S. 91; La Clinica veter. 1891. 5) Adametz, Oesteix. Monatesohr, f. Thierheilkde. 1890. S. 09; Centralblatt f. Bacteriol. u. Parasitenkde. 1889.
|
||||
|
|
||||
|
Aetiologie. Die Ursachen der nicht butterndenquot;, taubenquot;, schäumendenquot; oder gährendenquot; Milch sind, vorausgesetzt, dass keine Fehler bei der Butterbereitung gemacht werden, entweder in Verdauungskrankheiten oder allgemeinen Störungen, schlechter, gehaltloser Fütterung, z. B. von liübenblättern, ausserdem in Euter-aff'ectionen, z. B. bei Hochtrilchtigkeit, in der Einwirkung zu grosser Hitze oder Kälte, im Vorhandensein anderer Milchfehler, z. B. der schlickerigen oder ranzigen und fauligen Milch, und endlich in der Anwesenheit besonderer Mikroorganismen zu suchen. Bringt man die Milch einer in dieser Weise erkrankten Kuh mit der einer gesunden zusammen, so wird letztere ebenfalls angesteckt. Die nicht-
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
500nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Milohfehler.
butternde oder gährende Milch bedingt im Molkereibetriebe und in der Käserei schwere Nuchtheile.
Nach Adametz können sowohl Bacterien als Sprosspilze den Milchfehler verursachen. Die ersteren erzeugen Gase auf Kosten des Caseins, die letzteren auf Kosten des Milchzuckers. Adametz hat mehrere Spaltpilze, sowie einen hefeähnlichen Pilz, den Saccharo-myces lactis, isolirt und experimentell ihre gilhrungserregcnde Wirkung festgestellt.
Symptome. Der ßahtn der meist normal gerinnenden oder bloss beim Kochen gerinnenden Milch ist nur in dünner Schichte vorhanden, und lässt sieb entweder gar nicht oder nur sehr schwer verbuttern, indem er gerinnt, stark schäumt und sich gar nicht sammelt. Bei längerem Stehen bekommt er kleine, gelbe Flecke auf der Oberfläche; dabei ist er schmierig, kleisterartig, und die etwa gewonnene Butter bröckelig, sowie sehr leicht zersetzlich, d, h. ranzig werdend.
Behandlung. Aussei- der Anwendung der verschiedenen Milchmittel (Fenchel, Spiessglanz, Kümmel u. s. w.) sind nach Haubner-Siedamgrotzky Säuren, z. B. Salzsäure, Essigsäure, innerlich verabreicht von sehr gutem Erfolge. Audi Alaun (8,0 pro dosi, täglich .'{mal) und Kreide (Harms) in Smaligen täglichen Dosen von 50,0 bis 100,0 werden empfohlen; bei bitterem Geschmacko der Milch soll man noch 16,0 Chlorkalk hinzusetzen. Contamine empfiehlt H Tage hindurch eine Schüttelmixtur von Anis, Spiessglanz (äa 20,0), Essig und Wasser (aa 500,0) einzugeben. Ausserdem sind die Stallungen und Geschirre zu desinliciren.
|
||
|
|
||
|
6) Die faulige Milch.
Aetiologie. Dieser im Allgemeinen seltene Milchfehler wird durch die Einwanderung von Fäulnisspilzen in die Milch verursacht. Meist sind es unreine Bäume und Geräthschaften, von denen aus die Infection stattfindet. Auch Zersetzungsvorgänge im Darmcanal, sowie die Verabreichung zersetzten Futters, z. B. ranzigen Knochenmehls (Haubner-Siedamgrotzky) werden beschuldigt. Die inticirenden Spaltpilze sind der Hauptsache nach Bacterium termo und lineola.
Symptome. Auf der Oberfläche der dünnen Kahmsclücht entwickeln sich nach 34 Tagen kleine Gasblasen, aus Schwefelwasser-
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Milchfehler.
|
501
|
I
|
||
|
stoff, Kohlonwassorstoffen u. S, w. bestehend, welche platzen und Vertiefungen zurücklassen, in denen der Rahm geschwunden ist (sogenanntes Sahneschwindenquot;). Der Kahm wird allmählich schmutzig gefärbt und mit Oeltropfen vermischt; sein Geschmack wird bitter-silss, faulig, ranzig (freie Fettsäuren, besonders Buttersäuro, Baldrian-, Capron-, Caprin-, Caprylsäure). Das Verbuttern gelingt dabei nicht.
Therapie. Die Prophylaxe besteht bei diesem Milclifehler in Desinfection und Reinhaltung der Stallungen, Milchräume und Ge-räthschaften, in der innerlichen Anwendung von Stomachicis und gährungswidrigen Mitteln, sofern Zersetzungsvorgänge im Darmcanal die Veranlassung bilden. In letzterer Beziehung wären die Mittelsalze, das Kochsalz, das unterschwefligsaure Natrium und der unter-schwefliffsaure Kalk zu versuchen.
|
||||
|
|
||||
|
7) Die schleimige, lange, zähe, fadenzieliende Milch.
Literatur. 1) Müller, Thierarzt, 1871. S, IG. 2) Schmidt-Mülheim, Land-wirthselmftl. Versuchsstationen. 1882. S. 91J Pflöger's Archiv. IW. -27. S. 400. 3) Klonze, Käserei-Technik, Bremen 1S84. S. 70. 4) B. Martiny, Die Milch S. 380. 5) Kugling, Bericht über die Thätigkeit der hmdwirth-sohaftl. ehem. Versuchsstation in Vorarlberg. 187'J. ö) Böttger, Der rationelle Betrieb der Milclnvirtbschaft. S. 64. 7) Httppe, Deutsche med. AVochenschr. 1884. S. 777. 8) Lötfler, Berl. klin. Wochensohrquot;. 1887. S, 263. 9) Hess u. Borge au d, Schweiz. Archiv l'ür Thierheillale. 1888. 10) Riltz, Berl. Archiv für Thierheillale. 1890. S, 100. 11) Adametz, Oesterr. Monutsschr. 1890. S. 60.
Aetiologie. Die Ursache der fadenziehenden Milch beruht auf einer Pilzinvasion. Die Angaben über die Beschaffenheit und Art des Pilzes sind jedoch verschieden. Schmidt-Mülheim fand bei der mikroskopischen Untersuchung der schleimigen Milch kleine, runde, lichtbrechende, circa 1 Mikromillimeter im Durchmesser zeigende, bewegliche Körperchen, theils in Form isolirter Mikrokokken, theils von Rosenkranzketten. Das Gährungsmaterial hierbei soll der Milchzucker sein. Es liefert nämlich Eiweiss- oder Casc'inlösung mit dem Ferment versetzt keine Gährung, dagegen eine Iprocentige Milchzuckerlösung eine deutliche schleimige Gährung. Die mit Alkohol ausgezogene schleimige Substanz zeigt vermöge ihrer Reactionen den Charakter des Pflanzenschleims (ähnlich dem Quittenschleim); gleichzeitig verschwindet auch thatsächlich der Milchzucker.
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
502nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Milchfehler.
Nach neueren Untersuchungen scheinen übrigens mehrere Mikroorganismen die Fähigkeit zu besitzen, schleimige Milch zu erzeugen. So ist von Hüppe ein Mikrokokkus, von Loffler ein specifischer Bacillus aufgefunden und isolirt worden. Uiitz unterscheidet zwischen schleimiger und fadenziehender Milch. Die schleimige Gährung ist nach ihm nicht das Product eines bestimmten Mikroorganismus , sondern mehrerer, von welchen er einen Diplococcus genauer beschreibt. Adametz hat ebenfalls einen Bacillus eultivirt, welcher sterilisirte Milch im höchsten Grade fadenziehend macht.
Am häutigsten findet man den Milchfehler im Sommer, sowie in unreinen Stallungen und Milchkammern. Zuweilen kann man auch schlechte Verdauung, sowie die Fütterung fauliger, mit Pilzen besetzter Nahrungsmittel beschuldigen. Auch die Aufnahme von Pin-guicula (Fettkraut) soll nach Müller die Milch schleimig machen; in Schweden beispielsweise wird dadurch die Milch künstlich fadenziehend gemacht.
Symptome. Während die Milch am 1. Tage nach dem Melken noch dünn ist, wird sie am 2. Tage dickschleimig, zähflüssig, fadenspinnend, zeigt schlechte Gerinnung, sowie schwache Kahmbildung, hat einen faden Geschmack, lässt sich sehr schwer verbuttern, wobei die Butter ebenfalls schmierig und von schlechtem Geschmack ist. Oft stellt sie eine homogene, weisse Masse dar, die so zähe ist, class sie nicht ausfliesst, wenn man den Behälter umwendet. Bei mikroskopischer Untersuchung findet man ausser den beschriebenen Spaltpilzen das Casein in Form runder Scheiben ausgeschieden (Sphärokrystalle).
In neuerer Zeit wird zwischen schleimiger und fadenziehender Milch unterschieden (vergl. oben). Die schleimige Milch bildet eine reichliche, dicke Rahmschicht, welche tadellose Butter liefert. Die fadenziehende Milch scheidet, abgesehen von ihrer abweichenden Consistenz, eine geringe oder gar keine Rahmschicht ab und besitzt eine ganz ausgesprochene Infectionsfähigkeit, indem eine geringe Menge derselben grosse Quantitäten normaler Milch in sehr kurzer Zeit fadenziehend macht.
Therapie. Die wirksamste Vorbauung gegen das Zähwerden der Milch besteht in gründlicher Desinfection der Milchräumlichkeiten mit schwefliger Säure, heissen Wasserdämpfen etc., sowie im Reinhalten der Milchgefässe. Auch Erhitzen der Milch auf (55deg; C. vernichtet nach Schmidt-Mülheim die Pilze.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Milclifehler.
|
503
|
||
|
|
|||
|
Innerlich gibt man bei Verdauungsstörungen die entsprechenden Stomachica und antikatarrbalischen Mittel. Nach Haubner ist die Verfütterung von Hanflaub (16,0) sehr zu empfehlen.
|
|||
|
|
|||
|
8) Die blaue Milch.
Tiiteratur. 1) llürmbstildt, Eidraarm's Jourtl. f. teohn. u. Ökonom. Chemie.
1883.nbsp; nbsp; 2) Stoinhoff, Meeklenb. laiulwivthseh. Aimal. 1838. 8) Dvouard und Ledere, Reeueil de med. vet. 1840. 4) Matthieu, ibid. 1862. 6) Rhode, Landwirthsoh. Centnilbl. f. Deutschl. 1864. 0) Masler, Virch. Arcli. Bd. XLI11. 7) Delafond, Bull. Soa contr. vet. 1846; i'athol. generale. 1855. 8) Fischer, Reeueil. 1856. Ü) Tisserant, Guide dans l'entretion des vaches laitieres Lyon. 1865. 10) Collin, Reeueil. 1875. 11) Bouley, ibid. 1876. 12) Schröter, Beiträge zur Biologie der Pflanzen, von Colin. 1. 1872. 18) Zürn, Die plianzl. Parasiten. 1874. S. 258; 1887. S. 106. 14) Karsten, Deutsche Zeitschr. f. Thiermed. 1879. S. 326. 15) Larcher, Benjamin, Bull, centr. vet. 1877/78. 16) Sinionin, Reeueil. 1879. 17) Reiset, ibid. 1883. 18) Zimmermann, Tbierarzt. 1881. S. 159. 19) llueppe, Mitth. des deutschen Reichsgesundheitsamts.
1884.nbsp; nbsp;11. Bd. 20) Haubner, Magazin, 1852. S. 1. Ausführliche Arbeit. 21) Bourquelot, Reeueil. 1885. 22) Neelsen, ibid. 23) Mosselmann, Annal. belg. 1888. S. 300. 24) Steinreide, Landwirthschaftl. Zeitung der Provinz Sachsen 1888. S. 89. 25) Heim, Art. aus dem Deutschen Gesundhoitsamte. 1889. S. 518. 26) Schott, Fortschritte der Medizin. 1889. S. 801. 27) Adametz, Oesterr. Monatsschr. f. Thierheilkde. 1890. S. 64. 28) Ritz, Berl. thieriirztl. Wochensehr. 1891. S. 11.
Vorkommen. Die blaue Milch wird am häufigsten im Hochsommer und Frühjahr, überhaupt bei feuchtwarmer Witterung, und in dumpfigen Milchkammern beobachtet; in letzteren kann sie Jahraus, Jahr ein, heispielsweise über 10 Jahre hindurch (Steinhoff) vorkommen. Dagegen verschwindet der Milchfeliler gewöhnlich in der kälteren Jahreszeit, also im Winter und Herbst, sowie nach Reinigung der Luft durch Gewitter resp. Regen. Anfangs zeigt nur eine Kuh eine blaue Milch, bald wird indess die Milch sämmtlicher Thiere eines Stalles angesteckt. Sehr häufig bieten kranke Thiere eine Prädisposition für das Auftreten der blauen Milch.
Aetiologie. Die blaue Milch wird durch einen besonderen chro-mogenen Spaltpilz, Bacterium syneyanum (Schröter) hervorgerufen. Derselbe wurde schon 1841 von Fuchs als Vibrio cyano-genus entdeckt und von Ehrenberg Vibrio syneyanus genannt; Fürstenberg fand ihn an den Wänden inficirter Milchkanimern.
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
504
|
Milehfehler.
|
|||
|
|
||||
|
I-
|
Nach den neuesten Untersuchungen von H u e p p e bildet der Pilz 2 bis 4 Mikromillimeter lange, l/raquo; y. dicke, bewegliche, an den Enden abgerundete Stäbchen, welche selbst farblos sind und sich durch Thei-lung und Sporonbildung vermehren. In sterilisirter Milch (Ertödtung des Milchsäurepilzes) bedingt er wegen des Fehlens der Milchsäuro-bacterieu und der die blaue Färbung besonders deutlich zur Erscheinung bringenden sauren Reaction bloss eine schiefergraue, höchstens mattblaue Färbung, während er auf Fleischwasser-Peptongelatine etc. grüne Farben hervorruft, die sich allmählich in braune umwandeln und durch oxydirende Mittel in blaue übergeführt werden. Auf steri-lisirten Kartoffelscheiben wird die Farbe graublau. Der sehr bewegliche Pilz spaltet das Eiweiss in einen dem Anilin blau sehr ähnlichen Farbstoff. Die Uebertr.igung findet durch die Luft und wahrscheinlich auch durch Fliegen statt; ob die Milch schon im Euter durch von aussen eingedrungene Pilze inficirt werden kann, muss dahingestellt bleiben.
Sehr eiweiss reiche Milch nach proteinreicher Fütterung, ferner eine stark alkalische, langsam oder nicht vollständig gerinnende prädisponirt im Gegensätze zur sauren zum Blauwerden. Nach Haubner erscheint die blaue Milch oft bei schnellem üeber-gang zu anderen Futtermitteln und Weideplätzen, besonders nach Düngung der letzteren mit Gyps, und verschwindet im Gegensatz hiezu wieder beim Uebergang zu leichteren Weiden. Auch Hueppe glaubt, dass eine bestimmte Fütterungsweise, Euterkrankheiten etc. durch Verzögerung der Säuerung eine gewisse secundäre Bedeutung für das Blauwcrden der Milch haben können.
|
|||
|
|
||||
|
Symptome. Die Erscheinungen des Blauwerdens der Milch sind nach der von Fuchs zuerst gegebenen Schilderung, welcher nichts hinzuzufügen ist, folgende. Ein bis zwei Tage nach dem Melken erscheinen gleichzeitig mit der Säuerung und Gerinnung der Milch auf dem Rahme zuerst hell- oder graublaue, dann indigo- bis himmelblaue, kleine, unregelmässige Flecke von Stecknadelkopf-grösse, welche sich allmählich vcrgrössern, später die Rahmschichte durchdringen und zuletzt wohl auch die tieferen Schichten der Milch, ja selbst die ganze Milch blau färben. Dabei zeigt die Milch in Folge der mit dem Eiweisse und auch mit dem Fette vor sich gehenden Veränderungen eine andere Consistenz. Das Casein verliert seine Festigkeit, wird flüssiger, die Butter wird talgartig, ranzig, verfärbt. Die in Form von Flecken oder Streifen auftretenden blauen Ver-
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Milchfehler.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 505
iarbungen sind häufig von einem grünlich schillernden Rande umgeben. Nach mehreren Tagen wandelt sich dann die blaue Milch in die so-raquo;enannte faule Milch um, d. h. es entwickeln sich Fäulnisspilze neben Schimmelpilzen, wodurch die Milch eine schmutzig graue Farbe erhält. Der Genuss der blauen Milch ist für Thiere wie für den Menschenschädlich. So beobachtete Mosler Erkrankungen beim Menschen, Steinhoff bei Schweinen im Anschlüsse an ihren Genuss. Im Gegensatz hiezu soll die Milch nach der Behauptung Hueppe's zwar ekelerregend, aber nach den Fütterungsversuchen vollkommen unschädlich sein und deshalb ohne Nachtheil an die Uausthiere verabreicht werden können.
Behandlung. Das Blauwerden der Milch kann verhütet werden durch Lüftung, Reinigung und Desinfection der Stallungen, Milchkammern und Milchgeräthschaften; zur Desinfection eignen sich am besten Dämpfe von schwefliger Säure. Nach Haubner kann der Zusatz von saurer Buttermilch vielfach jedes andere Vorbauungs-mittel ersetzen. In manchen Fällen ist auch ein Futterwechsel angezeigt. Nach Zürn sollen ferner Waschungen des Euters mit antiseptischen Mitteln zuweilen die Blaufärbung durch Vernichtung des Pilzes im (oder am?) Euter verhindern.
|
||
|
|
||
|
9) Die rothe Milch.
liiteratur. 1) Larch or, Bull. Soc. centr. mvd. vet. 1877. 2) G roten felt, Fortschritte der Medioin. 1889. Nr. 2. 3) Maenge, Centralblatt f. Bacteriol. Bd. 6. S. 596. 4) Baginsky, Deutsche med, Woohensohr. 1889. Nr. 11. 5) Adametz, Oosterr. Monatssohr, f. Thierheilkde. 1890. S. öl.
|
||
|
|
||
|
Aetiologie und Symptome. Wie die blaue, so wird auch die rothe Milch durch Einwanderung von Pilzen verursacht. Die Fähigkeit, in der Milch rothe Farbstoffe zu erzeugen, kommt mehreren Bacterienarteu zu. Bisher sind nachstehende bekannt: l) Der Bacillus prodigiosus, schon 1838 von Ehrenberg entdeckt, die Ursache des blutenden Brotesquot; und der blutenden Hostiequot;. Der Pilz bildet sehr kurze und daher gewöhnlich mit Kokken verwechselte bewegliche Stäbchen, welche auf Kartoffelscheiben bei 20deg; G. kultivirt sehr rasch blutrothe Ueberzüge bilden, während beim Impfen sterilisirter Milch in der Rtdimschichte rothe Punkte auftreten, welche zusammenfliessen und schliesslich die ganze Oberfläche roth färben.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
500nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Milchfehler.
Eine Rothftlrbung der ganzen Milch tritt nicht ein, weil die Entwicklung des Pilzes an die Gegenwart von Sauerstoff, also an die Oberfläche der Milch gebunden ist. Auch bei niederer (010deg; C), sowie bei höherer Temperatur wird die Cultur weiss. Der in Alkohol und Aether lösliche Farbstoff zeigt im Spectrum 3 charakteristische Absorptionsstreif'en (einen hinter D und je einen vor E und F). Durch Alkalien wird die rotbe Lösung entfärbt. Trotz der starken Verbreitung des Bacillus prodigiosus ist er nur selten die Ursache der rothen Milch. 2) Das Bacterium lactis erythrogenes, von Hueppe 1887 entdeckt, färbt im Gegensatze zum vorigen die ganze Milch roth. Es bildet kurze, 1 1,4 (j, lange und 0,30,6 [J. dicke, an den Enden abgerundete Stäbchen, welche in der Milch eine lab-ähnliche Gerinnung unter Auftreten von alkalischer Reaction hervorrufen. Die Farbstoffbildung erfolgt nur im Dunkeln, die ganze Milch wird nach 2 3 Wochen blutroth gefärbt. Der in Aether und Alkohol unlösliche Farbstoff hat zwei charakteristische Absorptionsstreifen zwischen D und E, sowie einen dritten im blauen Theil des Spectrums. 3) Eine Sarcina-Art färbt, wie Adametz gezeigt hat, die Milch ebenfalls roth (braunroth). Wahrscheinlich gibt es noch andere roth-färbende Pilze.
Therapie. Die rothe Milch wird in ähnlicher Weise prophylaktisch durch Desinfection behandelt, wie die blaue.
Dio gelbe Milch ist mit der blauen Milch ebenfalls nahe verwandt. Der farblose, bewegliche Spaltpilz, Bacterium synxantlmm (Schröter) producirt einen dem Anilingelb ähnlichen, dotter- bis oitronengelben Farbstoff, der zuweilen zusammen mit Grün und Ulan auftritt und häufiger in gekechter als in ungekochter Milch zu beobachten ist; Milchsäure hemmt die Entwicklung des Fermentes. Nach Schröter beginnt in der gekochten und bereits geronnenen Milch nach 48 Stunden unter gleichzeitigem Eintritt von Alkalescenz an deren Oberfläche eine fleckige Gelbfärbung mit Zunahme der Molkenflüssigkeit und Weichwerden, sowie Zerfall des Milchkuchens in kleine Gerinnsel. Nach 6 Tagen stellt sodann die Milch eine citronengelbe, wässerige, an Käseflocken sehr arme Flüssigkeit dar.
Aussei- dem Bacterium sjmxanthum scheinen auch noch andere Bakterien Gelbfärbung der Milch erzeugen zu können.
10) Fremde Stoffe in der Miloli.
[jitaratur, 1) Grognier, Rooueil do ined. vet. 1828. S. 117. 2) Herbergor, l'hann. C.-Bl. 1840. Nr. 9. 8) Fraas, Müncli. Jahresber. 1854. 4) Hertwig, Magaz. 1866. S. 400; Handb. d. Afzneimittellehre. 1872. 6)Law80n Tait, Ref. Thiorarzt. 1871. S. 276. 0) Oorlacb, Ger. Thierhlk. 1872 7) Haukold, Freuss. Mittli. 1873/74. S. 55. 8) Monin, Medic. Contralbl. 1870. 9) Harms, Hannover. .lalirosbor. 1873. 8. 71. 10) Hege mann, ibid. 1870. S. 10.
|
||
|
|
||
|
,
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Milchfehler.
|
i07
|
||
|
|
|||
|
11) Ratti, Ref. Deutsche Zeitsohr. f. Thiermed. 187G. S. 14U. 12) Klink, ibid. S. 4G3. 13) Luziinsky, ibid. 1879. S. 342. 14) Gorup-Hesunez, Lehrbuch der physiolog. Chemie. 1878. 15) Stumpf, Thiernrzt. 1882. S. 115. 10) Albreeht, Adam's Woohenschr. 1887. S. 361. 17) Löffler, Berlin, klin. Wochenschr. 1887 u. 1888. 18) Fröhner, Aiznoimittollehre, 1890; Monatshefte f. prakt. Thierheilkdo. 1891. S. 408. 19) Wyss, Tageblatt der Heidelberger Naturforschervcrsammlung. 1889. 20) Kscherich, Münch. mod. Wochenschr. 1889. S, 783. 21) Cnopf, ibid. S. 741. 22) Alm-quist, Zeitsohr. für Ilygieine. Bd. 8. 8. 143. 23) Adametz, Oesterr. Monatsschr. 1890. Heft 1. 24) Würzburg, Therapeutische Monatshefte. 1891. S. 18. 25) Soheuei'len, Arbeiten aus dem Deutschen Gesundheitsamt. 1891. 26) Weigmann, Krüger, Molkereizeitung. 1890. 27) Conn, Centralbl. f. Bacter. 1891. Nr. 20. 28) Hess, Schaffer u. Hondzynski, Schweizer landwirthscbaftl. Zeitschr. 1890. 29) Sonnenberger, deutsche med. Wochenschrift. 1890. 30) l'etersen, Thiermed. Vorträge. 2. Bd.
Von fremden Körpern in der Milch sind als die wichtigsten zu nennen: abnorme Geschmackstoffe, Riechstoffe, Farbstoffe, Arzneimittel und Gifte, Krankheitsstoffe, Blut, Eiter. Die verschiedenen bereits besprochenen Spaltpilze, welche einer Anzahl von Milchfehlern zu Grunde liegen, würden ebenfalls hieher gehören.
1) Abnorme Geschmackstoffe. Dieselben rühren meist von Nahrungsmitteln her, welche in Zersetzung begriffen waren und in diesem Zustande verfüttert wurden; so von ranzigen Oelkuchen, faulen und gefrorenen Kartoffeln und Rüben, sauren, angegangenen Bierträbern, grossen Mengen von Rübenblättern und Rübenköpfen, welche nach Schumacher ein ätherisches Oel enthalten, von zusammengelesenem Futter, Pressfutter, Baumlaub, Kastanien, Topinamburstengeln, Taraxacum officinale, Wermuth, Rainfarren, Knoblauch, Artischocken, Disteln, Raps- und Leinrückständen, zu viel Hafer- und Erbsenstroh (Haubner), Olivenöl, Repsöl, Leinöl, Fischfutter (Kalm) u. s. w. Auch unreine Gefässe und Geräthe können die Ursache abgeben. In allen diesen Fällen bekommt die Milch einen unangenehmen ranzigen, bitteren, süsslichen, salzigen, herben Geschmack. Weniger unangenehm sind die ätherischen Gele der aromatischen Mittel: Anis, Kümmel, Fenchel u. s. w. Die Behandlung besteht lediglich in einem Futterwechsel bezw. Reinhaltung der Gefässe etc.
Nach neueren Untersuchungen wird das Bitter wer den der Milch auch durch Spaltpilze erzeugt. Krüger führt dasselbe auf die Einwirkung eines Pilzes, des Proteus vulgaris zurück. Von Weigmann ist ferner ein Bacillus, von Conn ein Microccocus als Ursache des Bitterwerdens nachgewiesen worden. Darnach scheinen verschiedene Bacterien obige Eigenschaft zu besitzen.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
508nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Mllohfebler.
2)nbsp; Abnorme Riechstofife gelangen in die Milch nach Vcrtutterung von Zwiebel und Knoblauch (Alliumarten, wie A. suaveolens Jacq., A. Schcenoprasum L. etc.), sowie nach Anwendung stark riechender Arzneimittel, z. B. Stinkasant, Campher, Terpentinöl u. s. w. Aussei--dem werden Geruchsstotte in grossen Mengen aus der Umgebung aufgenommen, so z. B. nach der Desinfection eines Raumes mit Carbol-säure; im letzteren Falle wurde beispielsweise die im desinticirten Räume stehende Milch so cai-bollmltig, dass sie bei einem Hunde nach dem Genusse Carbolvergiftung hervorrief (Zorn). Aehnliche Resultate ergaben auch die experiinentellen Untersuchungen von Lawson Tait.
3)nbsp; nbsp;Von Farbstoffen kommen besonders gelbe resp. gelbrothe und blaue vor. Die gelben und rothen stammen theils von gewissen Pflanzen, z. B. Carotten (l)aucns (Jarota), Rhabarber, Rubia tinctorum. Crocus, Galium rubioides, verum und boreale etc. ab, theils erklären sie sich aus Beimengungen von Oallefarbstoifen (Icterus), Blut, Eiter zur Milch. Auch kommt bei gewissen Reizungszuständen des Enters eine dottergelbe Colostralmilch vor. Die blauen Farbstoffe stammen, abgesehen von der sogenannten blauen Milch, ebenfalls von verschiedenen Pflanzen ab, so von Anchusa officinalis, Equisotuin arvense, Mercurialis annua, Polygonum aviculare, Polygonum Fagopyrum, Muscari comosum, Butomus umbellatus, Melampyrum arvense, indigohaltigen Pflanzen u. s. w. (Hermbstädt).
4)nbsp; Von Arzneimitteln gehen die nachfolgenden resp. ihre wichtigsten Bestandtheile in die Milch über und rufen nach dem Genusse derselben entsprechende Wirkungen hervor: Campher, Aether, Terpentinöl, Asa foetida, Chloroform, Brechweinstein (Günther, Harmsu. A.), Aloe, Arsenik (Hartwig, Spinola, Gerlach u. A.), Helleborus, Belladonna, Bilsenkraut, Stechapfel, Colcbicum (mich Ratti brach auf den Genuss colchicinhaltiger Ziegenmilch eine choleraiUmliche Epidemie aus), Kornrade, Ricinuskuchen, Schierling, Morphium (Scherer, Gorup-Besanez; wir selbst vermochten indoss beim Rinde nach Verabreichung grösserer ilorphiumdosen kein Morphium in der Milch nachzuweisen), Strychnin, Veratrin, Euphorbium, Sennesblätter, Salicyl-säure, Carbolsäure, die verschiedenen Salze (Glaubersalz, Kochsalz, Soda, Pottasche. Bittersalz, Borax etc.), Wismuthverbindungen, Bleisalze (Gerlach), Kupfersalze (Grognier, Gerlach), Zinksalze, Queck-silberverbindungcn (Klink), Eisensalze, Jod (nach Luzansky kann man so durch einfache Verabreichung von .Todverbindungen mit dem Futter bei Kühen eine jodhaltige Milch, z. B. gegen Syphilis beim Menseben herstellen).
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Milchfelilor.
|
i09
|
|||
|
|
||||
|
5) Krankheitsstoffe werden nicht weiten durch die Milch auf Thiere und Menschen übertragen. Am wichtigsten ist hier die Ueber-tragung der Tuberkulose durch die Milch. Dieselbe ist beim Menschen mit Sicherheit beobachtet worden; ausserdem haben Fiitte-rungsversuche mit der Milch perlsüchtiger Kühe (vergl. das Kapitel über Tuberkulose Bd. II und Wesener, Krit. u. exper. Beiträge zur Lehre von der Fütterungstuberkulose, Freiburg 1885) die Infectiositilt derselben als eine sehr bedeutende erkennen lassen. Nach Lehmann ist die Milch von perlsüchtigen Kühen ausserdem ärmer an Fett und Eiweiss. Die Milch bei Lungenseuche ist nach Fraas dick, wie Oolostralmilch, von eigenthümlichem Gesclunacke und bald faulend. Haukold sah beim Menschen nach dem Genüsse derselben Erbrechen. Bei Maul- und Klauenseuche, welche durch die Milch sehr häufig auf den Menschen und auf Thiere übertragen wird, fand Herberger die Milch unvollkommen geronnen, zäh, schleimig, der Oolostralmilch ähnlich, von schlechtem Geschmack und Geruch, ärmer an Zucker und Case'in, auch enthält sie zuweilen kohlensaures Ammoniak. Bei der Rinderpest ist nach Monin die Menge des Fetts bedeutend vermindert und der Zuckergehalt fast gleich Null. Ausserdem soll die Milch einen Zwischenträger bilden bei der Uebertragung des Typhus, des Scharlachs, der Cholera und der Diphtherie auf den Menschen.
(i) Blut resp. Hämoglobin in der Milch, sogen. Blut melken, kann auf sehr verschiedene Ursachen zurückzuführen sein. Nicht selten beobachtet man ein gewissennassen physiologisches Blutmelken unmittelbar nach dem Kalben, welches circa 14 Tage anhält. In anderen Fällen ist es auf Mastitis, Verletzungen des Euters durch Stösse, rohes Melken und Saugen u. s. w., Eutercongestion während des Binderns, Beizung durch terpentinhaltige Stoffe (vergl. die enzoo-tische Darmentzündung), Hämoglobinämie (vergl. diese), schnellen Uebergang zu üppiger, intensiver stickstoffreicher Nahrung, insbesondere Kleeweide (Haubner) u. s. w. zurückzuführen. Die Erscheinungen bestehen in gleiclunässiger (Blutharnen) oder striemenförmiger Rothfärbung der Milch (Mastitis), Bildimg eines Niederschlages von rothem Gerinnsel etc. Die Behandlung ist theils eine örtliche, theils eine allgemeine. Weiteres über Blutmelken siehe die Lehrbücher der Geburtshilfe. Ueber Veränderungen der Milch bei Mastitis vergl. die Lehrbücher der Chirurgie.
Nicht eigentlicli als fremde Bestandtheilo sind endlich zu erwähnen gewisse in der Milch vorkommende Bacterien. Abgesehen von den schon Bei Gelegenheit der schlickerigen Milch iingol'iihrten sii nrebild enden Baolaquo;
|
P
#9632;
IS.
I
|
|||
|
#9632;41
|
||||
|
1
|
||||
|
'II
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
510nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Milchfehler.
terien, namentlich dem eigentlichen Säurebildner, dem Bacterium lactis Lister's, kommen in der Milch nach Murpmann vor: ein Hacterium lactis acidi, ein Sphaerococcus lactis acidi, ein Micrococcus lactis acidi und ein Hacterium limbatum lactis acidi. Von nicht säurebildenden Organismen sind zu nennen verschiedene Bacillenarten, nach Lüf't'lor vor Allem der am hantigsten vorkommende Kartotl'elbacillus (Bacillus mesentericus volgatus), sodann der (iummibacillus (Bacillus liodermos), ein Buttersilurebacillus, ein weisser Bacillus, endlich Schimmelpilze (Oidium lactis, Penicillium glaucum, AsperffUlusarten), Neuere Untersuchungen über den Bacteriengehalt der Kuhmilch von (Jnopf, Freudenreich u. A. haben ergeben, dass selbst in den reinlichsten Molkereien und in der besten Milch schon wenige Minuten nach dem Melken die dein Sammelkübel entnommene Milch pro Cubikcentimeter bis zu 100,000 Keime ent-hillt, eine Zitier, die nach (i Stunden bis auf 6 Millionen Keime pro Cubikcentimeter Milch angestiegen ist! Durch das Centriiügiren der Milch kann man dieselbe von einem Theile ihrer Bacterien befreien. Wiss hat z. B. gezeigt, dass der beim Contriiügiren an den Wandungen abgesetzte Milch-schlamm 7mal reicher an Bacterien war als die centrifugirte Milch. Die Methode des Centrifugirens hat daher auch eine gewisse Bedeutung für die Reinigung der Milch von Infectionsstoften, z. B, von Tuberkclhacillen (.Bang, Scheuerlen).
|
||
|
|
||
|
|
||||||
|
Krankheiten des Herzens und der grösseren Blutgefässe.
|
'quot;ii quot;11
|
|||||
|
|
||||||
|
AJlgemelne anatomische und pliysiologisclic Bcmcrkungcii zu den Herzkrankheiten. IMiysikalische Diagnostik des Herzens.
Indem wh- bezüglich der physikalischen Diagnostik des Herzens auf die ausführliche Bearbeitung derselben in unserem L ohrbuche d e r klinischen Unters uchungsmethoden (1891) verweisen, mögen hier im Nachstehenden nur die wichtigsten Punkte in aller Kürze Er-wilhmuig finden.
1) Die Lage des Herzens ist bei den verschiedenen Hausthieren verschieden. Während bei allen anderen das Herz vollständig von der Lunge bedeckt ist, liegt beim Pferd der grössere Theil der linken Kammer, entsprechend dem halbmondförmigen Ausschnitte der Lunge, zwischen der 8. und 6. Eippe unmittelbar der llippenwand an, kann also direct per-eutirt werden. Eine Herzdilmpfung über die 7. Eippe nach rückwärts hinaus ist abnorm (mehr als 89 cm von dem hinteren Rande der normal liegenden Schulter nach rückwärts). Der Höhe nach reicht die lierzdämpfung bei mittelgrossen Thieren 12 cm vom Boden der Brusthöhle nach aufwärts, wobei indess die eigentliche Her/.dänipfung erst 3 Pinger breit vom unteren Sternalrand ab gerechnet werden darf (Pectoralis major). Auch beim Kinde erhält man bei stärkerer Percussion trotz übergelagerter Lungonsubstanz zwischen der 4. und 6. Rippe eine Dämpfung, desgleichen bei kleineren Hausthieren, hei welchen indess die Percussion wegen der nicht selten ausserordentlichen Kleinheit des Herzens wenig Auf-schluss gibt. Eine Verkleinerung der H erzdämpf u n g kann durch Volumsvergrösserung der Lunge (Emphysem), Dexterocardie, sowie durch Pneumothorax und Pneumopericardium; eine Vergrössorung der Herzdämpfung durch Herzhypertrophie, Herzdilatation, pericarditisches Exsudat, Hydropericardium, sowie Schrumpfung und Retraction des über dem Herzen gelegenen Lungentheils (Tuberkulose, Rotz); eine Lage Veränderung nach rechts (Dexterocardie) durch pleuritisches Exsudat und Hydrothorax, sowie linksseitige Lungenhepatisation; eine Lageverände-
|
||||||
|
|
)h hinten durch Ver-
|
|||||
|
ru
|
ng nach vorn durch Darm tympanitis,
|
|||||
|
|
||||||
|
Wl
|
ichsungen des Herzbeutels mit der Zwerchfellflächo, der Lunge etc. be-
|
|||||
|
|
||||||
|
dmgt sein.
|
||||||
|
|
||||||
|
|
||
|
512nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Physikalische Diagnostik des Herzens.
2)nbsp; Das Gewicht des Herzens ist bei einer und derselben Thierart sehr wechselnd nach Grosse, Rasse, Kürporconstitution, Alter, Gebrauch etc.: massige Gewielitszunahiuon oder -Abnahmen sind daher nur schwer als solche sicher zu bestimmen. Am besten nimmt man ein Dur chsclmitts-verhilltniss zwischen ilerz- und Körpergewicht als massgebende Einheit an. Dasselbe beträgt beim Pferd 1 Proo. (0,7 1,1 Proc. nach l'ranck); die Einzelzahlen schwanken von 4-14 Pfund: im Allgemeinen gilt ein Herz mit mehr als !' Pfund Gewicht (sofern das Pferd nicht abnorm gross und stark oder von sehr edler Abstammung ist), als hypertrophisch. Das Verhiiltniss der Dicke der rechten zur linken Herzwand ist = 1 : 2l|s (beim Pferd 2 cm rechts, 3,5 cm links). Beim Rind und Schaf verhält sich das Gewicht des Herzens zum Körpergewicht = 1 : 220 (Colin), ebenso beim Schwein; beim Hund = 1 : 90 (Colin, Negrini), nach Rabe = 1,4 Proc. durchschnittlich.
3)nbsp; nbsp;Der Herzstoss ist bei allen Hausthieren normal in der Gegend der 5. Rippe zu palpiren; bei den PleischlVessern fühlt man ihn normal beiderseits, weil das Herz mehr medial und näher am Zwerchfell liegt. Beim Pferd ist er normal links nur schwach fühlbar, bei stark be-muskelten Pferden wohl gar nicht. Die Zahl der Schläge betrilgt bei Hengsten durchschnittlieh 80 pro Minute, bei Wallachen 86, bei Stuten 38, bei Hunden 7080 bei grösseren, 80120 bei kleineren Thioren , beim Rind durchschnittlich 40(50, bei Schafen und Ziegen 7080. Die Frequenz derselben sinkt bei gewissen Gehirnleidon (subaeute Gehirnentzündung, Dummkoller, Herderkrankungen des Gehirns namentlich in der Gegend des Vaguseentrums), und steigt im Eieber, bei schmerzhaften Leiden, Herzfehlern, nach Bewegung und Aufregung, bei Anämie, Blutverlusten u. s. w. Eine Verstärkung des Herzstosses beobachtet man normal nach Bewegung, bei Aufregung (so bei den meisten Hunden und erregten Pferden bei der erstmaligen Untersuchung), sodann abnormer Weise bei Her/klopfen, Herzleiden (Endocarditis, Pericarditis, Klappenfehler), bei Herzhypertrophie, Hepatisation und sonstiger Verdichtung der Lunge über dem Herzen, sowie im späteren Verlaufe bei schworen fieberhaften Zuständen. Im letzteren Falle kommt der verstärkte Herzschlag durch eine reizbare Schwäche des Herzens zu Stande (vorübergehende Dilatation?), und seine angestrengte Thätigkeit contrnstirt auffallend mit dem gleichzeitig vorhandenen kleinen, elenden Pulse: der pochende Herzschlag ist hier also nur der Ausdruck einer beginnenden Insufficienz des Herzmuskels. Eine Abs ch wäc hun g des Herzstosses wird durch Herzschwäche (schwache Innervation, Schwächung durch hohe Fiebertemperaturen, fettige Entartung und entzündliche Veränderungen des Herzmuskels), durch Abdrängung des Herzens von der Brnstwand mittelst pleuritischen und pericarditischen Exsudates, Hydrothorax und llydropericardium, Pneumothorax und Pneumoperioardium (selten), sowie einer emphysematösen Lunge, endlich durch Verwachsung des Herzens mit dem verdickten Herzbeutel herbeigeführt. Rechts fühlt man den Herzschlag beim Pferd bei Doxtorocardie, rechtsseitiger Herzhypertrophie, sowie sehr häufig bei fieberhaften Krankheiten ohne erstere, nicht selten ist er auch, bei schmalem Brustkörbe, rechts schwach fühlbar. Abnormer Weise fühlt man bei Pericarditis und Endocarditis neben dem Herzstosse Beibungsgeräusche, sowie Schnurren und Vibriren, letztere besonders bei Klappenfehlern,
4) Die Herztöne, d. h. die normal im Gegensatze zu den pathologischen Her zge rä usohen hei der Herzaction zu hörenden Schallbewe-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Pbysikalisobe Diagnostik dos Herzens,
|
,18
|
||
|
|
|||
|
guugen, werden in einen ersten, dumpfen und gedehnten, ,sy stolischenquot; (weil mit der Systole der Ventrikel zusammenfallenden), sowie in einen /weiten, kürzeren, helleren, scharf abgesetzten, klappenden, diastolischenquot; (mit dem Beginne der Diastole auftretenden) eingetheilt.
Die Pause zwischen dem 1. und 2, Her/ton ist eine kleinere, als zwischen dem 2. und 1.; man kann daher leicht den 1. vom 2., abgesehen von ihrem sonstigen verschiedenen Charakter, unterscheiden. Der erste Herz ton entstellt in der Hauptsache durch die Spannung und Schwingung der Atrioventrikularklappen, wozu vielleicht noch der Muskelton des Herzens bei der Contraction, sowie die Bewegung des Blutes unter hohem Druck in den Ventrikeln und die Erschütterung der Brust-wand durch den Herzstoss beitragen; der zweite Herzton rührt aus-schliesslich vom Schlüsse der Semilunarklappen her. Sind die Herztöne normal, so bedeutet dies, daas alle Klappen normal func-iioniren.
|
|||
|
|
|||
|
5) Die Herzgerftusche sind theils endocardiale, innerhalb des Herzens, theils per ica rd i al e, ausserhalb des Herzens entstehende.
i. Die endocardialen Herzgeräusche zerfallen wieder in organische, d, h. durch ein organisches Kreislaufhinderniss bedingte, und anorganische oder accidentelle, welche ohne ein Circulationshinder-uiss nur durch nngleichmässige Schwingungen von Klappen entstehen; letztere sind von geringerer Bedeutung. Dagegen werden die organischen Geräusche durch anatomische Veränderungen an den Klappen mit nachfolgender Insnfficienz oder Stenose in der Weise als Blüssigkeits-geräusohe hervorgerufen, dass bei Stenosen der Blutstrom durch das verengte Ostium hi n durc hgep r esst und so in starke Oscillation versetzt wird, während bei Insufficionz einer Klappe das Blut in den jenseitigen Horzabsch n itt regur-gitirt. Die systolischen Aftergeräusche sind dabei meist summend und blasend, die diastolischen meist rauschend und schwirrend. Ein systolisches Geräusch besagt vorwiegend eine Insnfficienz der A t r i o ven trikul arkl appen , besonders der linken, ausser-dem eine Stenose des Aorten- und Bulmonalostiunis: ein d ias to 1 i seh es Geräusch dagegen spricht für eine Stenose des Atriovon-trikular ostium s, besonders links, oder eine 1 n sufficienz, besonders der Aortenklappen; im rechten Herzen sind alle diese Affectionen seltener, ausgenommen beim Rinde.
II. Die p er icar dialen Geräusche sind Hoibungsgeränsche und unterscheiden sich von den endocardialen dadurch, dass sie nicht wie diese streng an den Act der Systole und Diastole gebunden sind.
Endlich hört man sehr häufig, besonders bei Pferden mit beginnender Herzhypertrophie, einen sogen, gespaltenen Herz ton'', d. h. einen Vorschlag vor dem ersten, sehr selten vor dem zweiten Herzton, (Jar nicht selten wird übrigens dieser gespaltene Herzton auch bei ganz gesunden Thieren beobachtet. Derselbe ist insofern den anorganischen Herzgeräuschen verwandt, als er wahrscheinlich durch eine ungleichmässige Spannung der einzelnen Segel der Atrioventrikularklappen entsteht.
Ö) Der Puls wird beim Pferd und Bind an der Arteria maxillaris
externa bezw. Angesichtsarterie (seltener an der Brachialis, Temporaiis oder
den Schienbein- und Fesselarterien), bei kleineren Thieren an der Arteria
femoral is gefühlt. Man unterscheidet aussei- der Erequenz (vergl. Herzstoss):
Frledbergsr u. Frtthner, Patholi u. Therapie d, Hanathlere, I. TW. B. Aufl. 88
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
5 14nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Hei zhypertrophie.
I.nbsp; nbsp;einen regelmBrSsigen und unregeliuamp;ssigen Puls (rliytli-misohen und arbythmisohen, regultlreii und irregulären l'uls), jo nachdem die einzelnen Schläge in gleichen Pausen auf einander folgen oder nicht; setzt ein Schlag, /.. 13. der dritte oder vierte, oder setzen mehrere hinter einander aus, so nennt man den Puls aussetzend, in te r mitti re n d (das Inter-mittiren kann wieder regeliniissig und unregelmässig sein);
II.nbsp; nbsp;einen gloi ch m ä ssigen und ungl eich m äs sigen Puls (P. aequalis und inaequalisl, wenn die einzelnen l'ulswellen gleich oder ungleich gross sind; wechseln kleine mit grossen ab, so nennt man den Puls alternirend:
III.nbsp; nbsp;einen starken und schwachen Puls (P. magnus und parvus; grossen kleinen, vollen leeren Puls), je nach der Grosse der Blutwelle;
IX. einen harten und weichen Puls (!'. durus und niollis), je nach der Arterienspamnuig; wird der Puls abnorm hart und klein, so nennt man ihn d rah tförmig;
V. einen schnellen und langsamen l'uls (!'. coler und tardus), je nachdem die Pnlswelle rasch oder langsam unter dem Finger weg-gleitot.
Von sonstigen abnormen Pulsen wären noch zu nennen: der dikrote oder doppelschlägige Puls, bei dem die Pulsourve im Absteigen, und der anakrote, bei welchem sie beim Aufsteigen unterbrochen ist.
Aussetzenden Puls findet man oft bei ganz gesunden Thieren (leichte Innervationsstörungen des Herzens). sodann bei Herzkrankheiten und Gehirnleiden; bei gastrischen Krankheiton haben wir im Gegensätze zu anderen Angaben denselben moist vermisst, dagegen bei fieberhaften Allgemeinleiden zusammen mit einem ungleichmftssigen häufig beobachtet. Ein sehr voller Puls findet sich bei Herzhypertrophie, ein harter bei schmerzhaften Leiden, z. B. bei Kolik. Tetanus u. s. w.
Der sogen. Venenpuls endlich ist ein Symptom von I lerzschwächo (fieberhafte Enfectionskrankheiten), Klappenfehlern und acuten Herzleiden (traumatische Myocarditis), und rührt von einer abnormen Anfüllung des rechten Herzens her, Man sieht ihn gewöhnlich am Eintritt der Jugularen in den Thorax. Ein leichtes Begurgitiren des Blutes in die Jugularen kommt übrigens bei sehr vielen Thieren ohne irgend welche Herzkrankheiten vor, so insbesondere beim Bind, wo dasselbe ganz mit Unrecht als ein sicheres Zeichen der traumatischen Pericarditis und Carditis hingestellt wurde: vielmehr gehört zum Begriffe dos Venenpulses ein deutliches, starkes Pulsiren, d, b. ein deutliches höheres Aufsteigen der venösen Hint welle in den .lugularen.
|
||
|
|
||
|
Herzhypertrophie und Herzdilatation.
liiteratnr. 1) Thiernesse, Journ. vet. Belg. 1842. 2) Straub, Repertor, 1850. S. 102. 8) Demeester, Annales de Bruxelles. 1852. 4) Hahn, Adam's Wochensohr. 1857. S. 77. 5) G urlt, Magazin. 1862. 8, 285 f. G) Stephen-son, The Veterinär. 18(11. 7)lleiran, Journal du Midi. 18()2. 8)(luini-#9632;berteau, ibid, 9) La ml el, Repertor, 1868. S. 18. 10) Thümmler, Stichs, Jahresber. 1866. 11) Anaoker, Thierarzt. 1808. S. 275; 1891. S. 146; Berliner Archiv, 1880. S. 28:5. 12) Köhne, Magazin. 1870. S. 88.
|
||
|
|
||
|
I
|
||
|
|
||||
|
Uürzhypertrophie.
|
gt;16
|
|||
|
|
||||
|
18) Wiart, Kecueil do mod. vüt. 1879. 14) Mauri, ibid. 1877 u. 188'J. 16) (ilokke, Preuss. Mittheil. 1875. 10) Koiranski, Charkower Voturinih-bote. 1886. 17) Siedamgrotzky, Sachs. Jahresbericht. 1887. S. 20. 18) Dieckerhoff, Spec Pathologie, 1888. S. 772. 19) Vogel, Bepertor. 1888. S. 1. 20)Serlingl Adam's Woohenschr. 1888. 8.205. 21)lgt;opow, Petersburger Archiv f, Vet.-Mcdicin. 1888. Ferner die Literatur der cor-dialou Dftropflgkeit bei Gerlaoh, Geriohtl. Thierhsilkde, 1872. S. 237.
Allgemeines. Herzhypertrophie und Berzdilatation sind zwar im ausgeprägten Stadium zwei von einander nach anatomischen wie klinischen Verhältnissen vollkommen verschiedene Zustände, sollten also je in besonderen Kapiteln besprochen werden. Indessen lassen sie sich in praxi für gewöhnlich gar nicht oder nur sehr schwer auseinanderhalten, weil sie sehr häufig beide mit einander, /.. B. bei Klappenfehlern, vorkommen, oder, wenn sie auch eine Zeit lang für sich bestanden haben, bald in einander übergehen, und weil eine Difi'e-rentialdiaguose zwischen beiden im späteren Verlaufe der Krankheit bei der Gleichheit der Symptome meistens ganz unmöglich ist. Die; Verwandtschaft heider wird auch durch den Sprachgebrauch ausgedrückt, welcher die Hypertrophie des Herzens als active, die Dilatation als passive Herzerweiterung bezeichnet.
Anatomisches. Hypertrophie wie Dilatation bedingen beide eine Vcrgrösserung des Herzens, indessen kommt die Yolumszunahme des Herzens im ersten Falle durch Mas sen wachs thum der Herzwand, im zweiten durch eine Erweiterung der Höhlungen des Herzens zu Stande.
1) Die Vcrgrösserung des Herzens bei Herzhypertrophie kann ausschliesslich durch die Verdickung der Wände hervorgerufen werden; man nennt diese immerhin etwas seltene Forin einfache Herzhypertrophie. Weitaus in den meisten Fällen indess ist mit der Dicken-zunähme der Wand auch eine Erweiterung der Herzhöhlen gegeben, sogen, exeontrische Herzhypertrophie oder active Herzerweiterung; diese Form meint man gewöhnlich, wenn man im Allgemeinen von Herzhypertrophie spricht. Ob drittens eine mit Verengerung der Herzhöhlen einhergehende Dickenzunahme der llerzwand existirt, die sogen, concentrische Herzhypertrophie, muss dahingestellt bleiben. Unter falscher, unächter Herzhypertrophie wird die durch fremde Einlagerungen in die Herzwand bedingte Vcrgrösserung des Herzens verstanden.
Die wahren Herzhypertrophien können nun totale oder partielle, d. h. nur einen Ventrikel betreffende, oder umschriebene,
|
I
|
|||
|
|
||||
|
|
||
|
51(1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; llorzdiliitiition.
etwa nur auf einen Papillarmuskel beschränkte sein; die beiden letzteren Fälle sind die luiufigeren. Weitaus am meisten ist das linke Herz hypertrophisch; die Form des Herzens wird dadurch eine längliche, walzenförmige) während das Herz bei rechtsseitiger Hypertrophie mehr abgeplattet, breit erscheint, und ein total hypertrophisches lierz sich der runden Form nähert, wobei es oft colossale Dimensionen annimmt. So fand Stephenson beim Pferd ein Herz von 32 Pfund, Gerlach eines von 19 Pfund: beim Ochsen sah Hemm ein 37 cm lunges und 'M Pfund schweres Herz, dessen Wandungen mit Kalksalzen incrustirt waren. Die linke Herz wand ferner ist nicht selten um das 2Wache des normalen verdickt. Die Structur des Heizens kann bei Hypertrophie ganz normal sein; meist zeigt sich jedoch die Muskulatur härter, von zäher, derber Consistenz, zuweilen sogar von Wucherungen interstitiellen Bindegewebes durchsetzt, sowie von dunkler, braunrother Farbe, welche später von helleren Flecken und Strichen unterbrochen sein kann (Pigmenteinlagerung; fettige Degeneration der Muskelfasern); an letzteren Stellen wird die Muskulatur mürbe und brüchig. Die hypertrophische rechte Eerzwand klafft beim Aufschneiden, statt zusammenzufallen.
2) Die einfache Herzdilatation ruft dagegen eine Vergrösse-rung des Herzens lediglich durch Erweiterung der Höhlen desselben hervor, wobei die Wandungen naturgemäss schwächer und dünner werden müssen. Diese schlaffen, ausgedehnten Wandungen sind charakteristisch für die passive Herzerweiterung; während bei der activen das Herz an Kraft zunimmt, nimmt es bei der passiven ab. Die Herzdilatation wird meist rechts gefunden: bei linksseitiger collabiren die Wandungen beim Aufschneiden, statt zu klaffen. Auch hier kann die Structur des Myocardiums eine normale sein. Meist ist die Wand in-dess schlaff, anämisch, fettig degenerirt, brüchig und leicht zerreisshar, von heller, gelbbrauner Farbe, sowie sehr dünn, ja an manchen Stellen sogar vollkommen durchscheinend, weil nur aus Endo- und Epicardium bestehend; im Anschlüsse hieran können sich auch Ausbuchtungen der Wand, sogen. Herzaneurysmen entwickeln. Bei hochgradiger Dilatation kann das Herz oft um das Doppelte und darüber ver-grössert sein.
Aetiologie. Die Ursachen der excentrischen Herzhypertrophie sind gewöhnlich in Umständen zu suchen, welche dem Herzen einen grösseren Circulationswiderstand bereiten und den Blutdruck vermehren Als solche sind zu nennen:
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Ilerzliypcrtrophii!.
|
.17
|
||
|
|
|||
|
1)nbsp; nbsp; Vermehrte körperliche Anstrengung, sogen. Arbeitshypertrophie oder idiopathischequot; Herzliypertrophie, welche sicli besonders bei Rennpferden in Folge lioclignuligster, wenn auch relativ kurzer, so doch häufig wiederholter Anstrengung, bei Zugochsen und bei Jugdhuiiden findet. Damit wohl im Zusammenhange stehend ist das Herz edler Rassepferde an und für sich grosser, als das gemeiner Schläge; so wog beispielsweise das Herz des englischen Vollbluthengstes Helenus 13'^ Pfund. Man erklärt sich das Zustandekommen der idiopathischen Hypertrophie in der Weise, dass die Contraction der Rumpftnuskeln bei der Arbeitsleistung zu einer Contraction der Muskelarterien und dadurch zu einem gesteigerten Blutdrucke führt, welcher das Herz zu angestrengterer ThiUigkeit nöthigt, woraus, wie bei anderen Muskeln, eine Muskelhypertrophie hervorgeht (Traube). Ob bei nervösen Thieren, /,. B. feineren Hunden, die zuweilen beobachtete Herzhypertrophie Folge oder Ursache der Nervosität ist, muss dahingestellt bleiben.
2)nbsp; nbsp; Secundär bedingen sodann die verschiedenen Strömungshindernisse in den Blutgef'ässen eine sogen, symptomatischequot; Herzhypertrophie, Hieher gehören: Aortenaneurysmen (siehe diese), angeborene Aortenenge, Thromben, Compression der Aorta durch Neubildungen, atheromatöse und artheriosklerotische Processe, eine zu grosse Menge Blutes, z. B. bei Plethora.
8) Am häutigsten haben Klappenfehler des Herzens wegen der dadurch bedingten Kreislaufstörungen Herzhypertrophie zur Folge; dieselbe ist hier, weil die Störungen dadurch ausgeglichen werden sollen, eine sogen, compensatorische.
4)nbsp; nbsp;Lungenkrankheiten, wie Lungenemphysem, Compression der Lunge durch Exsudate oder Transsudate, Verwachsungen der Lungen mit der Rippenwand, interstitielle rotzige oder tuberkulöse pneumonische Processe, welche einen Theil der Lungengefilsse aus dem Kreislaufe ausschalten, erhöhen dadurch den Blutdruck im Gebiet des rechten Herzens und geben so zu Herzhypertrophie Veranlassung.
5)nbsp; nbsp;Verwachsungen des Herzens mit dem Herzbeutel erhöhen ebenfalls die Anforderungen an die Herztliätigkeit, weil das Herz dadurch in seiner Bewegung gehemmt wird, und verursachen so eine Massenzunahme desselben.
(5) Endlich compliciren sich chronische Nierenentzündungen fast regelinässig mit Herzhypertrophie; über den Zusammenhang beider siehe das Kapitel der chronischen Nephritis.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
,r)18nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Herzdilatation.
Die passive Herzerweiterung, die Herzdilatation, bildet gewöhnlich das Folgestndium der aotiven in der Weise, dass das hypertrophische Herz schliesslich den Anforderungen nicht mehr genügt, in seiner Thiitigkeit erschlafft und durch den abnorm gesteigerten Blutdruck eine Erweiterung erfährt. Ganz ebenso führen Verfettung des Herzens, Myocarditis, Endocarditis, Sklerose der Kranzarterien, Veränderungen des Myocardiums bei hohem Fieber, Infectionskrankheiten, Vergiftungen, Anämie u, s. w. zu Dilatation. Endlich kann sich acutor Weise eine passive Herzerweiterung nach acuten Lungenaffectionen mit schweren Circulationsstö-rungeu und hochgradiger Drucksteigerung im Gebiete des rechten Herzens entwickeln; bei längerer Dauer kann es z. B. bei der acuten Pneumonie des Pferdes zu beginnender Herzhypertrophie kommen, welche später allerdings wieder verschwindet. Chronische Lungen-veränderungen dagegen leisen, wie schon erwähnt, immer eine Hypertrophie des Herzens aus, sofern die Thiere nicht zu schwächlich sind: im letzteren Falle kommt es wegen Mangels an genügendem Ernäh-rungsmaterial ebenfalls trotz des chronischen Verlaufes zur Dilatation.
Symptome. Eine reine, insbesonders eine conipensatoriscbe Herzhypertrophie entwickelt sich meist so allmählich, dass sie Jahre lang ohne jedwede sichtbare Störung dos Allgemeinbefindens bestehen kann. In höherem Graden, wie z. B. im Verlaufe der chronischen Nephritis, äussert sie sich durch vollen Puls, auffallend kräftigen Herzschlag, sehr laute und helle Herztöne, sowie eine Ver-grösserung der Herzdämpfung. Dieses für die Herzhypertrophie an sich einzig charakteristische Krankheitsbild der Hyperkinesequot; gelangt jedoch nicht häutig zur Beobachtung, einestheils, weil die Herzhypertroph io früher oder später in Folge allmählich zunehmender In-suffleienz der Herzthätigkeit in Dilatation und Erschlaffung übergeht, anderntheils, weil eine idiopathische, nicht durch anderweitige Organ-veränderungen hervorgerufene und damit complicirte Hypertrophie zu den Seltenheiten gehört. Daher kommt es, class die in der Literatur und Praxis mit dem Namen Herzhypertrophiequot; bezeichneten Krankheitsfälle sich meist auf Complicationen von activer und passiver Herzerweiterung, ja sogar auf letztere allein beziehen. Die Krankheitssymptome dieser Doppel-affection, welche sich mit denjenigen der nicht compensirten Klappenfehler vollkommen decken, unterscheiden sich von den oben genannten der reinen Herzhypertrophie sehr wesentlich.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Herzliypei'tropliii'.
|
BIO
|
||
|
|
|||
|
Das für active und passive Herzerweiterung gleiclmiiissig' ge-meinsarne Symptom ist die durch Percussion nachweisbare Vergrosse-rung der Herzdilmpfung. Dieselbe kann bei starker Dilatation, beispielsweise bei Hunden, bis in die Gegend der letzten falschen Rippen reichen. Sodann aber äussert sich die beginnende ErscblaH'ung des hypertrophischen Herzens in Athembesohwerden, Herzklopfen, ganz abnormen Pulse, Gehirnhyperäniie und -Anämie, Schwindel an fällen (namentlich beim Hunde), sowie ausgedehnten Circulationsstüruii gen mit ihren Folgen. Zunächst fällt der stark pochende, auf beiden Körperseiten fühlbare, ja selbst schon von Weitem sichtbare und mit Erschütterung des ganzen Körpers verbundene Herzschlag auf, welcher umgekehrt aber auch ganz unfühlbar sein kann; die Herztöne sind unregelmässig, der erste sebr laut, metallisch klingend, zuweilen schwirrend, der zweite meist schwach oder auch ganz fehlend. Gar nicht mit der angestrengten Ilerzthätigkeit im Einklänge stehend ist der Puls in der Regel sehr schwach und elend, ja selbst unfühlbar (Hypokinesequot;) nach ganz geringen Anstrengungen schon ausserordentlich frequent, unregelmässig und ungleichmässig; nicht selten ist Venenpuls an den Drosselvenen sichtbar. Die Athmung ist schon in der Ruhe beschleunigt und steigert sich beim Gebrauche des Thieres bis zur Dys-pnoe (sogen, cordiale Dämpfigkeit, Herzschlechtigkeit), ja selbst bis zur Erstickung; die Thiere taumeln, stürzen zu Boden und verenden apoplektisch. Die letzteren Symptome treten zuweilen anfallsweise in Form von Schwindel, Zittern, Zuckungen, Schweissausbruch, dys-pnoischem, röchelndem Athem auf.
Die im weiteren Verlaufe hinzukommenden Circulationsstö-rungen betreffen bald das Gehirn (Gehirncongestion und Gehirnanämie in Form von Schwindel und Ohnmacht), bald die Bronchial-schlehnhaut (Bronchitis), bald den Digestionstractus (chronischer Darmkatarrh), die Leber (Stauungslebcr), die Nieren (Stauungsniere mit Albuminurie und Oligurie) u. s. w. Auch eine marantische Thrombose der Arterien (Lähmung der Nachhand bei Thrombose im Gebiete der hinteren Aorta) ist eine nicht seltene Folgeerscheinung der gestörten Circulation. Schliesslich entwickelt sich allgemeine Cyanose und Wassersucht (Ascites, Hydropericardium, Hydrothorax, Anasarca); die Unterbrust, der Unterbauch und die Extremitäten schwellen an, die Thiere magern hochgradig ab und sterben entweder inarantiscb oder an Lungenembolie in Folge von Hhitgerin-nung im Herzen, Herzlähmung, Gehirnblutung, Kohlensäureintoxication,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
520nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Herzhypertrophie,
Am häufigsten beobachtet man das beschriebene Krankheitsbihl bei älteren Hunden, die meist wegen einer auffallenden Athenmoth oder wegen häufiger Schwindelanfiille zugeführt werden; sodann bei Pferden gelegentlich der Untersuchung auf Dampf; aber auch bei anderen Thieren kommt dasselbe vor. So berichtet z. 15. Herran über einen Fall von Herzhvpertrophie bei einem Ochsen, welcher unter den Erscheinungen einer chronischen Athembeschworde allmählich abmagerte und bei jeder Anstrengung alsbald wogen zu tumul-tuarischen Herzschlags ausruhen musste.
Differentialdiagnose. Die Hypertrophie und Dilatation des Herzens wird in den meisten Fällen verwechselt mit einem primären Lungenleiden, z. B. Lungoncongestion oder i'neuinonie; insbesondere werden die Eigenthümer durch das vor Allem hervortretende Symptom der Athenmoth auf diesen Gedanken gebracht. Indess lässt eine genaue Untersuchung der Lunge durch Auscultation und Percussion, das allmähliche Auftreten und lange Bestehen der Krankheit, sowie der positive Nachweis einer vorhandenen llerzaffection das Richtige bald erkennen. Von primärem Herzklopfen ferner unterscheidet sich die active und passive Herzerweiterung durch das Fehlen der vergrösserten Herzdämpfung, sowie schwerer Folgeerscheinungen beim ersteren; auch dauert das Herzklopfen nicht continuirlich an, sondern ist inturmitti-render Natur. Schwerer schon ist dio Unterscheidung von Hy droper icardium und Myocarditis, besonders der chronischen, mit Schwielenbildung verlaufenden Form der letzteren, ja sie ist sehr häutig geradezu unmöglich, da die Symptome z. B. einer chronischen Myocarditis ganz dieselben sind wie die einer Herzhypertrophie. Dagegen ist die Differentialdiagnose gegenüber den Klappenfehlern insofern sehr leicht, als letztere mit ganz charakteristischen Herzge-räuschen verlaufen, ohne welche sie überhaupt nicht diagnosticir-bar sind.
Therapie. Die Hauptaufgabe bei der Behandlung von Hypertrophie und Dilatation des Herzens bestellt in der Ergründung der Ursachen und ihrer Beseitigung resp. Bekämpfung. Es muss indess von vornherein darauf aufmerksam gemacht werden, dass jede hemmende Einwirkung auf eine compensatorisch sich entwickelnde, zum Ausgleiche vorhandener Defecte dienende Hypertrophie, z. B. durch Digitalis, zu verwerfen ist. In dieser Beziehung ist die Beschaffenheit des Pulses, insbesondere die
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Pericarditis
|
521
|
||
|
|
|||
|
Grosse desselben, von ausschlaggebender Bedeutung für die Therapie. Im Allgemeinen sucht man jode Anstrengung oder Aufregung zu vermeiden; so hält man Pferde vom Reiten oder Fahren, Hunde von der Jagd zurück, wodurch allerdings der Nutzen und Werth dieser Gebrauchsthiere meist so herabsinkt, dass sich eine weitere Behandlung nicht lohnt. Sodann kommt es vor Allem auf eine gute, eiweiss-haltige Nahrung an, damit der zur Hypertrophie gezwungene Herzmuskel Material zur Muskelneubildung besitzt. Von Arzneimitteln kann gegen die im Verlaufe von Herzhypertrophie auftretende llyper-kinese des Herzens Jodkalium als Sedativum empfohlen werden. Man gibt dasselbe Pferden in Dosen von 510,0, Hunden von 0,21,0.
Ist hingegen zur llevzhypertrophie bereits Erweiterung hinzugetreten, der Puls also schwach geworden, so muss die Erschlaffung und Schwäche des Herzens durch Cardiaca und excitirende, sowie roborlrende Mittel bekämpft werden. Man gibt so die Digitalisblätter in kleineren und öfteren Dosen (Pferden 25,0; Hunden 0,10,3 pro die im Infus); indem dieselben die Frequenz des Herzschlags herabsetzen, werden die Pausen zwischen den einzelnen Phasen der tlerzthätigkeit länger und der Herzmuskel gewinnt Zeit, sich zu erholen und Ernährungsmaterial aufzunehmen; natürlich erfordert der fortgesetzte Gebrauch der Digitalis genügende Vorsicht, Ausser der Digitalis sind als vorzügliche Cardiaca zu nennen das Coffe'i'n (Pferden und Rindern 510,0; Hunden und zwar kleinen 0,10,5, grossen 0,52,0); die Strophanthustinctur (Pferden und Hindern 1025,0; Hunden 1025 Tropfen) und andere mehr. Von oxciti-renden Mitteln sind besonders bei Ausbildung von Kreislaufstörungen anzuwenden der Wein, Campher, Alkohol, Aether, das Veratrin. Hoborirend wirkt eine gute kräftige Nahrung.
Stellt man in dieser Weise die Indicationen, so kann man wenigstens die drohende Insufficienz des Herzmuskels eine Zeit lang aufhalten, wenn auch eine vollständige Heilung der Herzhypertrophie und Dilatation nur in den wenigen Fällen bekannt ist, in welchen die Ursache, wie bei idiopathischer Hypertrophie, andauernd beseitigt werden kann.
Serzbeutelentzllndnng (Pericarditis^
|
|||
|
|
|||
|
Allgemeines. Die Entzündung des Herzbeutels ist beim Kind eine sehr häufige, bei den anderen Hausthieren, wie Pferd, Hund u. s. w.,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
522nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;TraumaÜsohe Pericarditis,
dagegen eine sehr seltene Krankheit. Nur bei den Vögeln soll sie häufiger vorkommen. Ausserdem unterscheidet sich die Pericarditis des Kindes von derjenigen der anderen Hausthiere dadurch, dass sie in der Hauptsache traumatischen Ursprungs ist und sich iiäulig mit einer Entzündung des Herzmuskels, einer Myocarditis coinplicirt, wodurch sich das ganze Krankheitsbild ändert, während die Pericarditis des Pferdes und der anderen Hausthiere, mit alleiniger Ausnahme der Ziegen, bei welchen ebenfalls, wenn auch selten, eine traumatische Pericarditis vorkommt, auf innere Ursachen zurückzuführen ist. Es muss daher bei der Bearbeitung der Herzbeutelentzündung sowohl aus ätiologischen als auch aus klinischen, anatomischen und selbst therapeutischen Gründen die traumatische Pericarditis des Kindes (und der Ziegen) streng von der Pericarditis interna des Pferdes und der übrigen Hausthiere unterschieden werden.
|
||
|
|
||
|
1) Die Pericarditis des Rindes (und der Ziege). Traumatische Pericarditis und Carditis.
Literatur. 1) Van Gemmeren, Magazin, 1885. 1. Bd, S. 31. 2) Qurlt, ibid. 1837. S. 198. 8) Lindenberg, ibid. 1888, S. 4(15; 1845. S. 454; 1847. S. 454. 4) Seb il ven. ibid. 1840. S. 453. 5) Wilke, ibid. 1844. S. 826. 6)Hildaoh, ibid. S, 174. 7) Grosskopf, ibid. 1849. S. 165. 8) Schell, ibid. 8. 147. 9) Körber, ibid. 1850. S, 398. 10) Drosse, ibid. 1852. .8. 499. 11) Müller, ibid. 1860. S. 460, 12) Schmidt, ibid. 1801. S. 158.
13)nbsp;Zi in in er in ii im , Thierlh-ztl. Zeitung. 1848. S. 71. Mit illteror Literatnr,
14)nbsp; Wal der, Hepeit. 1814. 8. 54). 15) Leco laquo;turier, Journ, Belgique. 184(1. 16) l'iibry. ibid. 1848. 17) Mathieu, Hecueil de med. vet. 1854. 18) Boizy, ibid. 1858. 19) Hm, ibid. 20)Oamoin, ibid. 1861, 21) lla-niont. ibid. 1805. 22) Lafarque, Journ. du Midi. 1854. 23) Ooulon, ibid. 1861. 24) Rossberg, Stichs, Jahresber. 1800. 8. Ill; 1801. S. 112. 25) Diiudt, ibid, 1805. S. 20. 20) Hudson. The Veterinarian, 1802. 27) Mayer, Magazin. 1804. S. 257. 28)Zundol, Journal de Lyon. 1803. 29)ROCCO, il med. vet. 1803. 30)lluline, The Vetorin. 1803. 31) Festal. Journ, du Midi. 1804. 32) Delhaize, Annal de Braxelles, 1805. 33) Goring. Adam's Wochenschr. 1864, S. 219, 84) Lies, ibid. 1808. S. 42. 35) Anaoker, Thierarzt, 1809. 8. 0; 1872. S. 49. 36) Harms, Magazin. 1871. S, 449. 37) Igel, Repertor. 1870. S. 311. 38) Kaltsehmidt, ibid. 1873. S, 143. 39)Fi-anze, Sachs. Jahresber, 1856/57. S. 48. 40) Schmidt, Vorträge für Thioriirzte. I. Serie, 1878. 5. Heft; mit Literatur (Francis, I'erlctt, Sipp, .lohow, Strenith, Ciiinoin, Fuchs, Lancet, Seer, König, Kaiser. Schmidt). 41) Kugel, Adam's Wochenschr. 1878. S. 82. 42) Bastian, Oesterr. Revue. 1879. S. 11. 43) Kchm, Repertor. 1878. S. 274. 44) Saake, Berlin. Archiv. 1880, S, 118. 45) Honnigal, Alfort. Arch. 1882. S. 100. 46) Foglar, Oesterr. VGreinsinoimtssohr. 1882.
|
||
|
|
||
|
1
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Traumatische Perioarditis,
|
523
|
|||
|
|
||||
|
S. 51. 47) Kowaleski, Russ, Arcli. f. Vet.-Med. 1882. 48) Peuoh, Oesterr. Revue, 1888. S. 105. 4iM Q-iovanoli, Schweiz, Archiv. 1883. 50) Brauer, Sachs. Jahresber. 1888. S. 8(3. 51) Johne, ibid, 1884. S, 46, 52) Zttndel, Gesundheitszustand der Hausthiere in Els.-Lothr. 1885. S. 98. 58) Eaubold, Sftohs. Jahresber, 1834, S, 99, 54) Quaeyhaeyens, Bull. Belg. 111. Bd. 8. 181. 65) Brissot, Beoueil. 1886. 50) Booquet, ibid, 57) Lucet, ibid, 1887; Revue v6t, 1888. 58) Sohurink, Holländische Zeitschrift. 1886. 69) Pröger, Sttohs, Jahresber. 1887. S. 106, 60) Delia Pace, Qiomale ill anatom. flsiol. etc. Bd. 18. s. 821. 61) Green, The vet. journ. Bd, 26. 62) Leeney, ibid. 88) Mutelet, Beoueil. 1887. 04) (Jaileae, Journal de Lyon. 1888. S. 25. Mit Zusammenstellung der französischen Literatur. 65) Marion, lleeiieil. 1888. 00) Noaok, Sachs. Jahresber. 1889.S.74.; 1890.S.81. 07) K olb,Wochensohr.f.Thierheilkde. 1891. S. 57. 68) ütz, Bad. thierftrztl. Mittheil. 1889. S. 101. 69) Bongartz, Berl. Archiv. 1889. S. 376. 70) Hoffmann, Thieitetl, Chirurgie. 1891. S. 420. Mit zahlreicher Literatur.
Aetiologie. Die traumatische Pericarditis und Carditis des Kindes ist, wie die überaus reichliche und tnit jedem Jahre zunehmende Casuistlk beweist, eine sein- häufige Affection und weitaus die häufigste Herzkrankheit heim Rinde. Ja, es liisst sich sogar die Frage aufwerfen! gibt es überhaupt beim Rinde eine nicht-traumatische Pericarditis? A priori muss diese Frage bejaht werden, denn gerade so gut wie beim Pferde kann beim Rinde eine Herzbeutelentzündung nach Erkältung im Verlaufe eines acuten Muskel-und Gelenkrheumatismus, bei Infectionskrankheiten, z. B. Septikämie, im Anschlüsse an eine Geburt, an eine Pleuritis u. s. w. auftreten. Alle diese genannten Processe sind nun auch neben einem Trauma als Ursachen der Pericarditis bezeichnet worden; indess bekommt man hiebei nicht selten den Eindruck, als ob die Mehrzahl der in der Literatur als rheumatischequot; Pericarditis verzeichneten Fälle trotzdem traumatischer Natur waren. Es scheint nämlich eine vielverbreitete Gewohnheit unter den Beobachtern zu sein, dass solche Herzbeutelentzündungen, bei welchen man einen Fremdkörper durch die Section im Herzen nicht nachweisen konnte, einfach für rheumatisch gehalten wurden, wobei der Umstand keine Beachtung fand, dass spitze Fremdkörper aus dem Herzen auch wieder den Rückweg in die Haube etc. antreten können. Jedenfalls ist bei der Diagnose der rheumatischen Pericarditis des Rindes die grösste Vorsicht vonnöthen. Etwas häutiger, obgleich im Verhältnisse zur traumatischen ebenfalls selten, dürfte die im Verlaufe von septischer Metritis auftretende Herzbeutelentzündung sein, doch ist sie hier gewöhnlich nur ein vereinzeltes Symptom in der grossen Reihe von
|
#9632;1
|
|||
|
1
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
524
|
Trauiuatisohe Pencarditis,
|
||
|
|
|||
|
Organerkrankungen. üeber die bei der Perlsucht zu beobachtende
tuberkulöse Form der Pericarditis siehe Tuberkulose,
Bezüglich der Aufnahme und Beschaffenheit der spitzen Fremdkörper, sowie ihres Vordringens von der Haube aus kann auf die Aetio-logie der traumatischen Magenzwerchfellentzündung (S. L88) verwiesen werden. Ks wäre hier nur die anatomische Thatsache hervorzuheben, dass diequot; Haube vermöge ihrer Lage in der Bauchhöhle vom Herzbeutel nur wenige Centimeter entfernt und eigentlich nur durch das Zwerchfell getrennt ist. Daraus erklärt sich die Häufigkeit der Verwundung gerade des Herzbeutels und Herzens durch spitze Fremdkörper. Herzbeutelentzündungen nach Verwundungen des Perioardiums von den Kippen her, z. B. durch Hornstösse, llippen-brüohe etc. sind ausserordentlich selten. In einem Falle fand sich im Herzen die abgebrochene Lancette einer Aderlassfliete vor (Kolb).
|
|||
|
|
|||
|
Anatomischer Befund. Die Veränderungen am Herzbeutel und Herzen sind bei der traumatischen Pericarditis und Carditis für gewöhnlich sehr weit vorgeschritten, so dass der Beginn und die Entwicklung der entzündlichen Processe nicht mehr zu verfolgen ist. In der Hauptsache findet man ein Exsudat im Herzbeutel von flüssiger oder fester Beschaffenheit, Verwachsung des Herzens mit dem Herzbeutel, Verdickung und Ausdehnung des Herzbeutels, Veränderungen des Herzmuskels, sowie seeun-däre Veränderungen an der Lunge, dem Zwerchfell u. s. w.
Das pericarditische Exsudat ist nach seiner Zusammensetzung sehr verschieden, Bald ist es rein seröser, bald fibri-nöser, eiteriger, h ämorrhagischer, jauchiger Natur; dementsprechend ist die Farbe bald bell und klar, bald milch- oder molkenähnlich, bald weisslich, flockig, bald graugelb, gelbgrünlich, röthlich, braun- oder schmutzigroth u. s. w., und es finden sich bei der mikroskopischen Untersuchung die verschiedensten Formelemente: rothe und weisse Blutkörperchen, Fetttropfen, Bacterien, darin. Häufig sind die flüssigen Massen mit Fäulnissgasen gemischt, die sich entweder im Herzbeutel selbst entwickelt haben, oder von der Haube aus eingedrungen sind, und meist mehr oder weniger übelriechend, zuweilen aber auch ganz geruchlos sind (Pneumopericardium). Die Menge des Exsudates kann eine ganz beträchtliche werden, so dass sie beispielsweise den Inhalt eines Stalleimers (10 15 Liter) erreicht. Dabei wird sowohl auf das Herz als auf die benachbarten Lungentheile ein starker Druck ausgeübt, welcher die Vorhöfe und grösseren Venen
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Traumatisohe Pericarditis.
|
525
|
||
|
|
|||
|
compriniirt und iiuch den Herzbeutel stark nusdclint. Bei längerer Dauer kann sich chronische llerzbeutelwiissersucht (Hydropori-cardinm) daraus entwickeln. Seltener findet, man im Herzbeutel Blut, das sich nach Perforation oder Ruptur der Herzwand in denselben ergossen hat und mehrere Liter betragen kann.
Die festen Exsudatmassen entwickeln sich aus fibrinösen, gallertartigen Gerinnseln, welche sich später bindegewebig organisiren und in Form von Auflagerungen auf dem Epicardium oder von fihi-mentösen, strangartigen Wucherungen zwischen Herzbeutel und Herz vorkommen. Ganz besonders charakteristisch sind die das Herz überziehenden e n t z ü n d 1 i o h e n B e 1 ä g e. 1 )ieselben bieten dicke Auflagerungen von dotier- resp. eierkuchenartigor Farbe und zottiger, höckeriger, selbst drusiger, warzenähnlicher Oberfläche dar, wodurch das Herz oft ausserordentiieh gross, sowie an der Oberfläche wie angenagt, zerhackt erscheint (sogen. Zottenherz, Gor villosum). Dabei ist das Epicardium selbst verdickt, in eine schwartige Membran vorwandelt, die zuweilen mit Kalksalzen inkrustirt ist und das Herz in Form einer festen Hülle umgibt. Die dem Herzen auflagernden Gerinnsel zerfallen hie und da in der Tiefe schleimig und fettig.
Die festen, das Herz und den Herzbeutel verklebenden Bxsudatmassen sind von sträng-, platten- oder sehnenformigor Beschaffenheit und theilweise von neugebildeten Gefässen durchzogen; sie stellen häufig eine so innige Verbindung zwischen Herzbeutel und Herz dar, dass ersterer zu fehlen scheint. Zuweilen bleiben nach Rückbildung des Exsudates im Herzbeutel sogen. Sehnenflecke, d. h. schwielige, narbige Verdickungen zurück.
Das Herz selbst zeigt seröse Imbibition, sowie umschriebene Verfettung und Erweichung seiner Muskelfasern; ausserdem partielle myo-carditische Herde, kleinere intermusculäre Abscesse, sowie cavernöse, mit einer Abscessraembran ausgekleidete, den eingedrungenen Fremdkörper umgebende Hohlräume oder geschwürartige, dunkelgerothete, von einem gelblichen Rande umgebene Substanzverluste (Ilerzwunden). Der Fremdkörper befindet sich bald im Lumen einer Herzkammer, bald steckt er in der Herzwand selbst oder er liegt im Herzbeutel. In einem Falle sah Camoin einen Canal vom linken Herzventrikel bis in die Haube verlaufen, durch den sich das Blut direct aus der Herzkammer in die Haube ergoss. Bei längerer Dauer der Krankheit endlich wird das Herz hypertrophisch und dilatirt, oder in Folge der Compression durch das pericarditische Exsudat atrophisch, schlaff und klein.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
B26
|
Tnunmitische l'ericimlitis.
|
||
|
|
|||
|
Der Herzbeutel kann bei längerer Dauer bis zur Daumendicke und darüber vordickt sein; häutig ist er auch stark ausgeweitet, so dass er 15 Liter und mehr Flüssigkeit f'assfc.
Ausserdem beobachtet mau Pleuritis, Adhäsion und umschriebene traumatisch^ Entzündung der Lunge, Verwachsung des Herzbeutels mit dem Zwerchfell, sowie die bei der traumatischen Maa'en-Zwerchfelleutziindung beschriebenen finatomischen Veränderungen.
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. Das Krankheitsbild der traumatischen Pericarditis bildet die Fortsetzung der bei der traumatischen Magen-zwerchfellentzüudung beschriebenen Erscheinungen (siehe diese). Um dieselben liier kurz zu wiederholen, so bestehen sie in chronischen gastrischen Störungen ohne erkennbare Ursache und mit ausserordentlich inconstantem, weohselvollem Verlaufe, complicirt mit Schmer/.äusserungeu heim Athmen, Drängen, Kolhabsatz, Palpation des Zwerchfells u. s. w., Darmblutungen, starker Abmagerung; dabei trotzen die Störungen jeder auch noch so lange fortgesetzten Behandlung mit Arzneimitteln.
Im Anschlüsse nun an diese Erscheinungen eines chronischen Magenkatarrhs treten , nicht selten nach einer scheinbaren Besserung desselben, meist in rascher Weise und zuweilen nach einer vorausgegangenen Geburt, nach anstrengenden Märschen (Auftrieb auf den Marktete), auffallende und ganz charakteristische Herz- und Lungensymptome, sowie allgemeine Störungen auf.
1) Erscheinimgen seitens des Herzens. Der Herzschlag ist im Anfange der entzündlichen Affection verstärkt, pochend, prellend, selbst so tumultuarisoh, dass er auf ;54 Schritte hörbar wird, zuweilen ist auch ein deutlicher Rückschlag (Nachschlag) fühlbar; später, mit Zunahme des Exsudates im Herzbeutel, verschwindet er oft ganz oder ist in abgeschwächter Weise, dabei aber verbreitert, in Form wogender Wellenbewegung zu fühlen. Die Percussion des Herzens, welche wie die Palpation der Herzgegend überhaupt sehr schmerzhaft für das Thier sein kann, lässt entsprechend der Menge des peri-carditischen Exsudates eine Vergrösserung der Herzdämpfung nachweisen. Ausserdem aber fällt rieht selten als eines der ersten Symptome ein über die Herzgegend verbreiteter ty mpanitischer Ton auf, welcher von grosser diagnostischer Bedeutung ist, und wohl in den meisten Fällen auf eine Abdrängung des Herzbeutels vom Herzen durch dazwischen gelagerte Flüssigkeit sowie auf eine Ansammlung von Gasen im Herzbeutel zurückzuführen ist, die zum Theil aus einer
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Traumatische Pericarditis
|
527
|
||
|
|
|||
|
Zersetzung dos Exsudates, theils aber auch von der Haube herstammen können. Hie und da verbreitet sich der tympanitiselie Ton Über die ganze linke Brustwandung {l'neumothorax, Pleuritis, Compression und Atolcctase der Lunge). Die Palpation des Herzens mit der Hand ergibt bei trockener Pericarditis ein fühlbares Reiben synchron mit der Herzthätigkeit; bei flüssigem Exsudate sind zuweilen Wellen-bewegungen wahrzunehmen.
Von grösster pathognostischer Bedeutung ist ferner die Auscultation des Herzens; man nimmt dieselbe in der Weise vor, dass man das Ohr links in der Gegend der quot;). Hippe oder hinter das linke Schulterblatt resp. Armbein über den Ellenbogenstreckern anlegt. Mau hört dabei die eigentlichen Herztöne vollkommen rein, wenn auch wegen anderweitiger Geräusche weniger laut und deutlich; Aftergeriiusche beim 1. oder 2. Herzton gehören zu den Ausnahmen und deuten auf eine Verletzung der Klappen und Endocarditis. Dagegen hört man so ziemlich regelmässig in allen Fällen die für das Vorhandensein einer Pericarditis charakteristischen pericardialen llerzgeräusche. Dieselben sind je nach der Beschaffenheit und Menge des Exsudates ganz verschiedener Natur. Im Anfange, so lange nicht viel Flüssigkeit im Merzbeutel enthalten und das Exsudat mehr von trockener, tibrinöser Beschaffenheit ist, ergibt die Auscultation ein ausgesprochenes Reibungsgeräusch, welches durch die Berührung der beiden rauhen Innenblätter des Herzbeutels hervorgerufen wird; neben dem Charakter des lleibens enthält man auch den des Knarrens, Knirschens, Schabens, Sohwirrens, Streifens. Im Allgemeinen wird das Reibungsgeräusch nicht gerade häufig gehört, weil es nur bei plastisch-exsudativer Pericarditis und nur im Anfange auftritt.
Häutiger sind, entsprechend dem meist liüssigen Charakter der Exsudate und der erst später vorgenommenen Untersuchung, Flüssig-keitsgeräusche im Herzbeutel. Bei massiger Füllung desselben sind sie bald plätschernd, wobei das Plätschern mehrere Schritte weit hörbar sein kann und der Auscultirende den Eindruck eines Mühlradgeräusches, einer Buttermaschine oder eines auf eine Wasserfläche auffallenden Körpers erhält, bald sind sie klatschend, gurgelnd, glucksend (gluck-gluckquot;), schaumig rasselnd, quatschend, bald metallisch klingend, dem Ton eines herabfallenden Tropfens sich nähernd, bald endlich ganz dumpf, schwappend, wenn nämlich der Herzbeutel sich zu stark anfüllt. Während die Reibungsgeräusche streng an die Bewegungen des Herzens gebunden
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
528nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Traumatisohe Perioarditia,
sind, können die Flüssigkeitsgerftusohe b.nld vor, bald hinter denselben auftreten, bald auch vorübergehend eine Zeit lang aufhören. Alle diese Geräusche verschwinden bei der Resorption des Exsudates und sind in der Hauptsache synchron mit dem Herzschlage. '
2)nbsp; nbsp;Erscheinuiigen seitens der Lunge. Die Compression der Vorhöfe durch das pericarditisohe Exsudat, in Verbindung mit der verminderten Leistungsfähigkeit (Insufflcienz) des Herzens, bedingt bald eine Stauung des Blutes in der Lunge, eine passive Lungenhyperämie, welche sich in gesteigerter Athmungsfrequenz. besonders nach Bewegung, sowie in leichten Hustenanfallen ilusserfc und zuweilen ZU sehr stürmischen Athmungsbewegungen dyspnoischer Art führen kann. Es tritt dann von vornherein das Bild einer Lungenailection in den Vordergrund, was nicht selten zu Verwechslungen mit selbständigen Lungenkrankheiten, wie Lungenentzündung, Lungenseuche, ja selbst mit Tuberkulose Veranlassung gibt. Da ausserdem Compli-cationen der Pericarditis mit traumatischer, durch denselben Fremdkörper erzeugter Pleuritis und Pneumonic vorkommen, kann die Diagnose im Anfang irre geleitet werden. Eine genaue Untersuchung des Herzens führt jedoch sehr bald die Entscheidung herbei.
3)nbsp; nbsp;Erscheinungen von Seiten der Jugularvenen. Mit dem Hervortreten der pericardialen Geräusche, und zwar etwa 4(i Tage nachher, nicht selten jedoch erst nach 8 11 Tagen, werden ebenfalls in Folge des vom Exsudate auf das rechte Herz ausgeübten Druckes die Jugularvenen. indem sich das Blut in ümen staut, stark angefüllt, und zeigen zuweilen, wenn auch durchaus nicht immer, einen sogenannten Venenpuls, d. h. deutliche, der Bewegung des Herzens synchrone pulsatorische Erhebungen. Gleichzeitig entstehen in ihrer Umgebung teigige, kalte Anschwellungen, welche bei aufgerichtetem Kopfe nur am Triele, bei gesenktem oder gestrecktem Kopfe dagegen auch in der Umgebung des Kehlkopfes bis in die Gegend der Ganaschen und Backen auftreten und zuweilen durch die Vorderfüsse hindurch bis zur Unterbrust und zur Bauchgegend reichen. Dieses Stauungs-ödem kommt zwar auch bei anderen Herzkrankheiten vor, ist aber in Verbindung mit den übrigen Erscheinungen von Seiten des Herzens ein sehr charakteristisches Symptom der traumatischen Pericarditis, das jedoch nicht in jedem einzelnen Falle zur Beobachtung gelangt.
4)nbsp; nbsp;Allgemeine Erscheinungen. Die Unregelmässigkeit und Unruhe der Herzaction überträgt sich auch auf den Puls. Derselbe ist zunächst sehr frequent (bis zu 12(1 Schlägen per Minute), sodann sehr schwach, häufig fadenförmig und zuweilen unregelmässig; dabei wech-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Trauniiitische IVricarditis.
|
ft'iO
|
||
|
|
|||
|
seit die Frequenz häufig je nach der Intensität des Herzleidens. Die Temperatur ist ebenfalls sehr schwankend, ein Umstand, der in gewisser Beziehung für die Diagnose der traumatischen Pericarditis von Bedeutung ist; sie kann bis zu 11 und 42deg; C. ansteigen. Auch die Temperatur der KörperoberHäche wechselt oft, besonders sind die ex-tremitalen Theile bald kalt, bald warm; ausserdem zeigen die Thiere deutliches Frösteln und Zittern. Das Allgemeinbefinden ist in vorgeschrittenen Fällen hochgradig gestört. Die Thiere sind sehr matt, verrathen Angstgefühl, haben einen klagenden Blick und äussern im Liegen, bei Bewegungen, beim Athmen etc. Schmerzen in Form von Stöhnen. Die Körperhaltung ist gespannt, steif. Die Ellenbogen stehen von der Seitenbrnstwand ab, dabei vermeiden die Thiere womöglich jede Bewegung, liegen viel, wechseln häufig mit Liegen und Stehen oder sind gar nicht mehr zum Aufstehen zu bringen. Die sichtlichen Schleimhäute sind im Anfang höher gerothet; später meist blass, cyanotisch oder gelblich. Die Abmagerung nimmt mehr und mehr zu; es stellen sich hydraulische Erscheinungen, vereinzelt wohl auch Darmblutungen ein, und die Thiere gehen schliesslich an Entkräftung oder Erstickung zu Grunde, nachdem sich nicht selten zu der Pericarditis noch eine Pleuritis mit ihren Symptomen gesellt hat. Zuweilen bildet sieh am Schlüsse der Krankheit das vollständige Bild der Pyämie aus, mit Metastasen in den inneren Organen (Gehirn, Rückenmark, Nieren, Leber, Muskulatur), abscedirenden metastatischen Sehnenentzündungen u, S. w.
Die Dauer der Krankheit ist meist eine längere, monatelange, sowie der Verlauf ein sehr schleichender, mitunter von periodischen Exacerbationen unterbrochener. Seltener erfolgt der Tod rasch im Verlaufe weniger Tage, in Folge Perforation des Herzens und Verblutung in den Herzbeutel. In einer kleinen Anzahl von Fällen sind auch Heilungen beobachtet worden, wenn nämlich der Fremdkörper wieder rückwärts in die Haube gewandert war. Die Zeit, welche zwischen dem Stadium der traumatischen Magenzwerchfellentzündung und dem der Pericarditis liegt, kann Wochen, Monate, selbst mehrere Jahre betragen; es kommt dabei viel auf die Beschaffenheit des Fremdkörpers, die Benützung des Thieres, die Fütterung, die Zahl der Geburten (Vorwärtsdrängen des Fremdkörpers durch die Wehen) und zufällige Umstände an. Starke Verdickungen und Verwachsungen des Herzbeutels weisen immer auf eine monatelange Dauer der Krankheit hin.
Frledberger u. FrOhner, Pathol. u. Tberaple d. Uausthlere. I. Bd. ;i Aufl. 34
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
i80
|
'l'i-auraiitische IVricavditis.
|
||
|
|
|||
|
Differentialdiagnose. Die Diagnose der traumatischen Pericarditis ist bei einer genauen Untersuchung und bei Uebereinstimmung der einzelnen Symptome nicht gerade schwierig zu stellen; die vor-iiusgegaugenen chronischen Verdauungsstörungen, die abnorme Herzthiitigkeit, das Auftreten der cliaraktei-istischen pericardialenllerzgeräusche, die Venenstauung, dasStauungs-ödem, der chronische schleichende und zuletzt meist tödt-liche Verlauf bieten Anhaltspunkte in hinreichender Menge. Im Anfange der Erkrankung ist insbesondere das Zusammentreffen dreier Momente für die Diagnose von grosser Wichtigkeit: 1) unheilbarer chronischer Magenkatarrh; 2) fcympanitisoher Ton in der Herzgegend; :{) Kespirationsstörungen (Kurzathmigkeit, Husten) bei Abwesenheit jeder nachweisbaren Lungen Veränderung.
Therapie. Mit der Behandlung der traumatischen Pericarditis und Carditis soll man nicht allzuviel Zeit verlieren, sondern die Thiere bei feststehender Diagnose bald schlachten lassen darin stimmen alle Beobachter überein. Höchstens im Anfange, so lange vielleicht noch eine schwache Hoffnung auf Besserung vorhanden ist, und keimraquo; drohende Lebensgefahr vorliegt, oder bei noch zweifelhafter Diagnose, kann man durch Verabreichung der Digitalis (2 6,0 pro die), des Coffeins (5,0), der Strophanthustinctur (1025,0) etc. die Herz-action zu reguliren, und durch Anregung der Peristaltik (Brechweinstein, salinische Mittel) die Entfernung des Fremdkörpers zu befördern suchen, indess gewöhnlich ohne jeden Erfolg. Eher kann man sich noch zu einer operativen Behandlung entschliessen, die entweder in der Punction des ausgedehnten Herzbeutels (Ly dt in, Schmidt), oder in der Entfernung eines etwa palpablen, resp. sichtbaren Fremdkörpers aus dem Herzbeutel (Bastin) besteht. Ob die von Meyer ausgeführte und empfohlene Laparotomie mit Erotfnung des Pansens und manueller Entfernung der Fremdkörper aus der Haube auch bei bereits hinzugetretener Herzbeutelentzündung noch fruchtet, muss dahingestellt bleiben.
|
|||
|
|
|||
|
2) Die Pericarditis des Pferdes und der übrigen Hausthiere.
Literatur, D Thompson, The Veterinär. 1842. 2) Henniges, Magazin. 1848. S. 514. 8) Bruokmttller, Oesterr, Vierteljahrsschr. 1853. 4) Outh-berth, The Veterinarian. 1854. 5) Prakko, Hepertorium. 1859. S. 235. 6) Priotsch, Sachs. Jahresber. 1859. S. 91. 7) Köhne, Magazin. 1870. S. 91. 8) Anacker, Thierarzt. 1874. S. 233. 9) Johne, Sachs. Jahresbor.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Pericarditis des Pferdes.
|
531
|
||
|
|
|||
|
1880. S. 86. 10) Schrulle, Preuss, Mitth, 1882. S. 64. 11) Uutol, Bull. Soc vlt;;t. prat. 1882. 12) Bocquet, Recueil v6t. 1886. 13) Sohindelka, Oesterr. Vierteljahrsschr. 1884. S. ;i.rgt;. 14) Koinmski, Charkower Veterinilr-bote. 1880. 15) Dieckerhoff, Spec. Pathologie. 1888. S. 780. 16) Körner, Zeitschr. f. Vet.-Kunde. 1889. S. 84. 17) Uiock, Monatesohr, f. prakt. Thierheilkde, 2. Bd. S. 138. 18) Osokor, Oesterr. Zeitsohr. f. wissensch. Vet.-Kunde. 1888. S. 45. 19)Benjamin, liecueil vet. 1891. 20) Delamotte und Oharron, Kevuo vöt. 1891.
Aetiologie. Die Pericarditis des Pferdes, Hundes, Schafes u. s. w. ist im Gegensätze zu der des Kindes in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle eine idiopathische, d. h. durch innere Ursachen, nicht durch Verwundung hervorgerufene. Häufig ist dieselbe rheumatischer Natur und auf Erkältungen, welche beim Pferde besonders eine bedeutende Rolle spielen, zurückzuführen; oder sie entwickelt sich im Verlaufe von allgemeinen Infectionskrankheiten, so des acuten Muskel- und Gelenksrheumatismus, der Septikämie, der ßrustseuche, der Pneumonie. Weiter kann sie durch die Ausbreitung einer Entzündung benachbarter Organe, besonders einer Endocarditis, Pleuritis, Myocarditis, Pneumonie entstehen, oder auch nach einem Empyem in Folge Perforation eines Lungeimbscesses, und zwar hier zunächst in der Form der Pericarditis externa. Bei Schafen soll sie nach Anacker nicht selten enzootisch auftreten und in wenigen Tagen tödtlich enden; auch im Verlaufe der chronischen Nephritis kann sie sich ausbilden. Schliesslich ist sie auch beim Pferde etc. in einigen wenigen Fällen traumatischer Natur; so sah flenn iges eine Nähnadel beim Pferde vom Schlünde aus in das linke Herzrohr eindringen. Auch Rippenbrüche, eingedrungene Schrotkörner beim Hunde u. s. w. können eine Pericarditis nach sich ziehen.
Anatomischer Befund. Die ersten anatomischen Veränderungen bei der Pericarditis bestehen in Injection, Ekchymosirung, Trübung und Schwellung des inneren serösen Blattes (Pericarditis interna), nebst Auflagerung zarter, gallertartiger dünner Exsudatmassen, welche einen leicht abziehbaren Flor darstellen, .lo nach der Grundursache des Leidens findet sich nun im Herzbeutel ein seröses, fibrinöses (Erkältung), hämorrhagisches, eiteriges, jauchiges Exsudat (Infection, Sepsis) in grössereroder geringer Menge (bis ;i0 Liter beim Pferde), aus dem sich bei längerer Dauer der Erkrankung, besonders beim Hunde und Schafe Hydropericardium entwickelt. Im weiteren Verlaufe kommt es zu schwartigen, höckerigen Auflagerungen auf das Epicardium (Zottenherz), zu Verwachsung des Herzbeutels mitdem Herzen, zu Herzhypertrophie oder auch
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
532nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;l'oriciirditis des Pferdes.
Atrophie. Prak ke fand bei einem Pferdo das Herz nur von der Grosse einer Kinderfaust, sowie dessen Wände an vielen Stellen nur von Karten-blattdicke. Im Uebrigen sind die Verhältnisse im Wesentlichen ebenso, wie sie bei der Pericarditis des Rindes geschildert wurden.
Symptome. Die Erscheinungen der Pericarditis äussern sich auch beim Pferde und den übrigen Hausthieren in anfangs pochendem, tumultuarischem, später mit Zunahme des Exsudates schwächer werdendem Herzschlage, Vergrösserung der Herzdämpfung nach auf-und rückwärts, poricardialen Ue ibungsgeräuschen, sehr frequentem, kleinem, unregelmässigem und ungleichmässigem Pulse, angestrengter, selbst dyspnoischer Athmung, Jugularvenenpuls, Temperatursteigerung (l?9,040,5deg; C.) u. s. vv. Zuweilen kann man aussei- hohem Fieber, unfühlbarem Herzschlage und angestrengter Athmung nichts Charakteristisches während des Lebens nachweisen. Der Verlauf ist theils acut, wobei der Tod plötzlich in Folge von Herzruptur eintreten kann, theils schleichend. Beim Hunde sind als Symptome des Hydropericardiums zu nennen: hohe Athemnoth, allgemeine Cyanose, Füllung der Jugularen, unfühlbarer oder wogender, plätschernder Herzschlag, frequenter unregelmässiger Puls, wassersüchtige Erscheinungen, hochgradige Abmagerung und Entkräftung,
Beim Schwein kommt nach den Beobachtungen von Rieck ziemlich häufig eine rheumatische fibrinöse Pericarditis vor. Unter 51G0 geschlachteten Schweinen zeigten 151, also etwa 3 Pro.c, diese Krankheit, welche zuweilen auch mit Pleuritis und Peritonitis complioirt war.
Beim Schaf kommt nach Trash ot eine enzootische, sehr acut verlaufende Pericarditis vor, welche in wenigen Tagen zum Tode führt.
Differentialdiagnose. Verwechslungen kommen aussei- mit Lungenleiden, die durch eine genaue klinische Untersuchung als solche erkannt und ausgeschlossen werden müssen, besonders mit Endocarditis und Pleuritis vor. Die Unterscheidung der Pericarditis von der Endocarditis gründet sich auf den Charakter des pericardialen Geräusches. Dasselbe ist im Gegensatze zu den endocardialen Aftergeräuschen ein Reibungsgeräusch, entstellt gewöhnlich unmittelbar am Ohre, ist zuweilen auch fühlbar und ist nicht so streng an die zwei Phasen der Herzthätigkeit, an Systole und Diastole gebunden, als die endocardialen Geräusche; ausserdem hört man die Herztöne neben dem pericardialen Geräusch ganz normal. Nicht so leicht ist die Unterscheidung einer Pericarditis von einer Pleuritis, welche ebenfalls mit einem charakteristischen Reibungsgeräusch verläuft; dasselbe ist
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Hydroperioardium.
|
533
|
||
|
|
|||
|
indess mehr mit dem Rhythmus der Athmung, als mit dem des Herzens synchron, ausserdem fehlen bei Pleuritis die eigenthttmliohen Erscheinungen seitens des Herzens. Da jedoch häufig eine Pericarditis interna gleichzeitig mit Pericarditis externa vorkommt, welch letztere gleichbedeutend mit Pleuritis ist, da sich ferner die Pericarditis zuweilen erst secundär im Anschlüsse an eine Pleuritis entwickelt, so ist die Unterscheidung heider oft sehr schwer oder cranz unmöglich. Roll gibt den llath, in zweifelhaften Piillen sich bei der grösseren Häufigkeit der Pleuritis im Vergleiche zur Pericarditis für erstere zu entscheiden.
|
|||
|
|
|||
|
Therapie. Die Prognose der Herzbeutelentzündung des Pferdes, Hundes u. s. w. ist eine viel günstigere, als die des Rindes, die Behandlung deshalb auch eine viel erfolgreichere. Sie besteht in Abhaltung und Vermeidung jeder Aufregung und Bewegung, sowie in der Anwendung kühlender und entzündungswidriger Mittel. Hieher gehört im Beginne der Entzündung die locale Application eines Eisbeutels oder die permanente Irrigation der Herzgegend mit kaltem Wasser. Pferde stellt man am besten unter eine Wasserleitung. Innerlich verabreicht man zur Regulirung der Herztbätigkeit die Digitalis in kleinen wiederholten Dosen (Pferden 2 5,0, Hunden 0,050,1); ausserdem kann man das Calomel, den Brechweinstein, sowie die Mittelsalze anwenden. Sehr empfehlenswerth ist sodann die äusserliche Application eines Sinapi smus oder von Senfspiritus in der Herzgegend. Bei schleichendem Verlaufe versucht man Drastica oder Diuretica. Erreicht die Exsudation einen gefahrdrohenden Grad oder geht sie nicht zurück, trotz Anwendung innerlicher Mittel, so zögere man nicht mit der Vornahme der Punction des Herzbeutels und der Entleerung des Exsudates bei grösseren Hausthieren mittelst eines Troikarts, bei kleineren mittelst einer Pravaz'schen Spritze; beim Pferde stösst man nach vorhergehendem Hautschnitte am vorderen Rande der 5. resp. (i. Rippe handbreit von der unteren Brustfläche entfernt ein, bei kleineren Thieren an der Stelle der Dämpfung. Gegen drohende Herzschwäche sowie allgemeine Schwäche gibt man excitirende Mittel: Wein, Campher, Kaffee. Alkohol, Aether u. s. w.
Unter Hydropericardium oder Wassersucht des Herzbeutels versteht man die Ansammlung von serösem Transsudate im letzteren. Dieselbe ist immer ein secundilres Leiden, das sich bei allgemeiner Blut-stannng nach chronischen Herzkrankheiten, hei chronischer Nephritis und
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
534
|
Herzklopfen^
|
||
|
|
|||
|
llydriiniio ausbildet. Vergl. die betreffenden Primärkrankheiten, Klinisch ist die Hcr/beutelwassorsut'ht gekonnzeiclmet dui'ch das Vorschwindon des Herzstosses, das Sfliwücherwerden der Herztöne und die Vergrösserung und Verbreiterung der Herzdämpfang.
|
|||
|
|
|||
|
Herzklopfen und sogenlaquo; nMomluelle Pulsation beim Pferdlaquo;'.
Literatur. 1) Pastey, The Veterinär. 1841. 2) Junginger, Repertor, 1842. S. 28. 8) Beeson, The Veterin. 1842. 4) Schaak, Journ. de Lyon. 1850.
6)nbsp; Berghuia, Repert, 1851. S. Ü4(i. 8) Soumille, Journ. du Midi. 1851.
7)nbsp; Lafosse, ibid. 1856. 8) Bering, Spec. Pathologie. 1858. 9) Forster, Oesterr. Vierte\jahrssohr. 1850. S. 122. 10) Zahn, ibid. 1803. S. 185i 1807. S. 181; 1872. 8.59. 11) Bayer, ibid. 1870. S. 111, 12) Konbäuser, ibid. 1879. S. 94. 18) Boiteau, Journ. du Midi. 1861. Dec 14) Johne, Sachs. Jabresber. 1861. S. 105. 15) Simonin, ba clinique veterin. 1802. 16) Lundberg, Repertor. 1802. S. 250. 17) Milanese, .11 med. vet, 1871. 18) Oreste, Qaz. med. vet. 1871. 19) Anaoker, Thierarzt. 1872. S. 20; Spec, rathol. 1879. 20) Hahn, Thierarzt. 1877. S. 188. 21) Albrocht, Adam's Wochenschr. 1878. S. 358. 22) Appenrodt, Preuss. Mitth. 1882. S. 54. 23) Rossignol, Bull. Soc. oentr, vet. 1885. 24) Haubner-Sie dam grot zky, Landwirtbsch, Tbierheilkunde. 1884. 25) Ohomet, Oesterr. Vereinsmonatsschr. 1890. S. (i0. 20) Nordheini, Zeitsohr. für Veteriniirkde. 1890. S. 275.
üeber Schluchzen und Z werchfellskrampf: 1) tl arsau 11, Nouveau purfait marechal. 1770. 2)bevrat, Reoueil, 1830. 3) Coulbeaux, Journal prat. 1830. 4) Leblanc, Journ. med. vet. 1826, S. 421. 5) Allison, The Veterinär. 1842. 6) Cartwright, ibid. 1842, 1843. 7) Bouley, Delafond n, A.. Bull. Soc. centr. vet. 1851. 8) Wörz, Repertor. 1853. S. 103. 9) Orosswendt, Magazin. 1803. 8. 420. 10) Landvatter, Repertor. 1870. S. 320. 11) Bril, Annalea de Hruxellea. 1878. 12) Degive, Annal, belg, 1881. 18) Cagny, Bull, Soc. centr. vet. 1883; Bull. Soc. vet. prat. 1885. 14) Br un, Thierarzt. 1880. S. 227. 15) Salonne, Reoueil de med. vet. 1887. 10) Cadint. ibid. 1887. 752. 17) Battagliotti, Giornalc di vet. milit, 1888.
Herzklopfen beim Hund: 1) Fricker, Repertor, 1801. S, 188. 2) liru-8 as CO, 11 med. vet. 1S7I.
Begriö'. Unter dem Namen Herzklopfenquot; findet man in der Literatur beim Pferde eine lleilie von Kranklieitsbildern beschrieben, die durchaus nicht einheitlicher Natur sind, und welche auch ganz verschiedene Auffassung und Erklärung gefunden haben. Jedenfalls dürfen sie nicht alle zusammen mit der beim Menschen als Herzklopfen bezeichneten Neurose des Herzens identificirt werden, sondern fallen nur zum Tbeil unter diesen Begriff. Der grössere Theil scheint mit einer primären Herzerkrankung gar nichts zu
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Herzklopfen.
|
i85
|
||
|
|
|||
|
tlum zu haben, sondern mit einem nervösen Krampf des Zwerchfells identiscii zu sein. Wenn wir sie trotzdem hier zusammen im Kapitel der Herzkrankheiten besprechen, so geschieht dies mit Rücksicht darauf, dass sie hergehrachter Weise als Herzklopfen bezeichnet und in diesem Abschnitte behandelt werden, dass ihre Patho-genese noch eine zu mangelhafte ist, als dass sie einem bestimmten anderen Kapitel zugewiesen werden könnten, und dass ihnen allen rhythmische krampfartige Pulsationen im Gebiet der Brust- und Bauchhöhle eigen sind. Nachfolgende Affectionen scheinen unter dem Namen Herzklopfenquot; oder ahdominelle Pulsationquot; in der zahlreich vorhandenen Literatur beschrieben zu sein.
I. Wirkliches nervöses Herzklopfen, bedingt durch eine Neurose des Herzene ohne nachweisbare anatomische Veränderungen an demselben. Die im Verlaufe der Herzhypertrophie besonders bei Klappenfehlern häutig gegebene Verstärkung des Herzstosses gehört nicht zum eigentlichen Begriffe des Herzklopfens, desgleichen nicht der im Verlauf der Anämie und Leukämie in Folge Ernährungsstörungen oder Atrophie des Herzens auftretende pochende, klopfende Herzschlag. Die Ursachen des nervösen Herzklopfens sind zunächst in einer nervösen allgemeinen Disposition gewisser Thiere zu suchen; ausserdem kommen von direct einwirkenden Momenten starke Aufregung der Thiere durch übermässige Anstrengung, anhaltendes Peitschen (Soumille), nächtliches Hängenbleiben in der Halfter (Johne), zu starkes Herannehmen des Kopfes beim Reiten (Albrecht) u. s. w. in Betracht.
Die Symptome des nervösen Herzklopfens sind; pochender, von einer Erschütterung der Bippenwand, ja selbst des ganzen Thorax begleiteter und zuweilen auf mehrere Schritte hörbarer Herzstoss, vermehrter kleiner, unregelmassiger Puls, beschleunigte Athmung, Unruheerscheinungen, Angst, Zittern, Schweissausbruch. Die Auscultation des Herzens ergibt sehr laute und häufig zu einem Geräusch verschmolzene Herztöne; der verstärkte Herzschlag ist auch beim Auflegen des Ohres auf dem Bücken längs dem Verlaufe der Aorta zu vernehmen. Während des Anfalls setzen die Thiere häufig Koth ab und stellen sich zum Uriniren an. Auch Vencupuls und selbst sichtbare Pulsationen der Carotiden wurden beobachtet. In einzelnen Fällen endete das Leiden durch Herzlähmung oder Gelnrnapoplexie tödtlich, in den meisten Fällen jedoch tritt nach kürzerer oder längerer Dauer des Anfalls Heilung ein, wobei sich indess die Paroxystnen häufig wiederholen können. Von wesentlicher Bedeutung für die Unter-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
530
|
Herzklopfen,
|
||
|
|
|||
|
Scheidung dos Herzklopfens von verwandten Zuständon ist die zeitliche Uebereinsfcimmung der Erschütterungen des Thorax mit den einzelnen Herzschlägen, beide sind mit einander synchron.
II. Nervöse Zwerchfellkrämpfe rufen ein dein Herzklopfen sehr ähnliches Krankheitsbild hervor, welches von den Beobachtern auch häufig damit verwechselt oder als sogenannte abdominelle Pulsationquot; bezeichnet wurde. Die Contractionen des Zwerchfells können durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden. Insbesondere scheinen katarrhalische und entzündliche Zustände des Magens und Darmes entweder refleotorisoh, oder durch Fortpflanzung der Entzündung auf das Zwerchfell Krampfani'älle seitens des letzteren hervorrufen zu können. So beobachtete Bril im Anschlüsse an Erbrechen, Berghuis nach Ueberfütterung, Oresto bei gastrischen Zuständen, schlechter Beschaffenheit des Futters, Kolik u. s. w., ürosswendt bei Dannent-ZÜndung, Leblanc, Wörz u. A. unmittelbar nach dem Trinken kalten Wassers, Boiteau nach der Aufnahme schimmligen Heus, also ge-wissermassen als Ausdruck einer Vergiftung, Cartwright nach Verabreichung einer Aloepille ausgesprochene Erscheinungen von Zwerch-fellpalpitationen. Vielleicht ist es auch denkbar, dass das nervöse Herzklopfen dadurch gleichzeitig Veranlassung zu krankhaften Contractionen des Zwerchfells gibt, dass der über die Basis des Herzens hinwegziehende Zwerchfellnerv durch die lebhaften Bewegungen des Herzens irritirt wird (Haubner-Siedamgrotzky).
Die Erscheinungen des Zwerchfellkrampfes, der von Cagny nicht unpassend auch als Chorea des Diaphragmaquot; bezeichnet wird, sind höchst eigenthümlich und auffallend. Man bemerkt nämlich vorwiegend in der linken Unterrippen- und Flankengegend heftige, den ganzen Körper des Thieres erschütternde Stösse. Dieselben sind zuweilen begleitet von einer ruckweise erfolgenden kurzen Exspiration (Boiteau, Hering), sowie einem dumpfen, auf einige Schritte hörbaren Tone (Simonin u. A.). Diese, elektrischen Schlägen vergleichbaren Stösse sind besonders deutlich im Verlaufe des Zwerchfells fühlbar (Grosswendt), und scheinen sogar zuweilen auf umschriebene Stellen des letzteren beschränkt zu sein (Cartwright). In seltenen Fällen sind sie von einem ausgesprochenen Schluchzen (Singultus) begleitet (Würz u. A.). Dabei sind sie meist mit dem Herzschlage nicht synchron, sondern betragen in der Minute etwa nur 1015, selten mehr Stösse; auch ist in der Mehrzahl der Fälle der Herzschlag gar nicht pochend, sondern normal, oder selbst abnorm schwach zu fühlen. Die beschriebenen ab-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
.Uidoiiimulli' I'ulsiition.
|
537
|
||
|
|
|||
|
ilominellen Fulsationeu können wich uIsü hier nicht auf das Herz als primum movons beziehen (yergl. die Fälle von Berghuie, Simonin, Boiteau, Bril, Wörz, Bering, örosswendt, Soumille u. A.). Nur in einer Minderzahl von Fällen waren die iibdoininellen Pulsationen synchron mit dem Herzschlage, aber immer doch nocb stärker als derselbe, indem die Erschütterungen nach vorne, der Herzgegend zu, abnahmen; hier lässt sich vielleicht eine Irritation des N. plirenicus durch die Bewegungen des Herzens annehmen. Aussei' diesen Symptomen beobachtete man kleinen, frequenten Puls, vermehrte, stoss-weise Atlnnung, Zittern, Unruhcerscbeinungen, Gähnen, häufiges Strecken eines Hinterfusses, Schmerzäusserungen u. s. w. Die Dauer der Krampfanfälle beträgt bald nur einige Minuten, bald '21 Tag, bald 24 Tage, selten mehr (Leblanc beobachtete eine Dauer von 3 Wochen). Die Prognose scheint nicht so günstig zu sein, wie die des Herzklopfens; Cartwright sah von IS Fällen (i tödtlich enden. ' Die Häufigkeit der linksseitigen i'ulsalioneu (nach Cartwright unter Ki Fällen 12mal links) ist vielleicht auf die Lage des Magens oder auf Veränderungen im Magen als Krankheitsursache zurückzuführen.
Behandlung des Herzklopfens und des Zwerchfellkrampfes. Dieselbe besteht in der Anwendung krampfstillender Mittel, so des Morphiums (subeutane Injectionen von 0,40,(3 des salzsauren Morphiums beim Werde), Bromkaliums und Chloralhydrats (2.quot;),() bis 50,0), Beim nervösen Herzklopfen sind ferner kalte Irrigationen der Herzgegend, reizende Einreibungen auf die Haut neben einer Ableitung auf den Darmcanal mittelst p u r g i r e n d e r und selbst drastisch er Mittel zu empfehlen; ob letzteres auch bezüglich eines Aderlasses, der in früheren Zeiten so ziemlich regelmässig gemacht wurde, gesagt werden kann, müssen wir zum mindesten dahingestellt sein lassen.
|
|||
|
|
|||
|
Wenn wir in der vorliegenden Darstellung das Wesen der sogen, ab do min eilen Pulsation ausschl icss licii in einem Zwerch-fellkr amp fe suchen zu müssen glauben, so wollen wir zunächst hervorheben, dass wir uns mit dieser Annahme in Uobercinstiininung mit einem grossen Theile der Beobachter finden. Schon die ersten Beobachter, wie Apperley und Castloy, Beoson, Boiteau, Goubaux, Hering, und in neuester Zeit wieder C a g n y, haben diese Ansicht vertreten ; eine Verwirrung trat erst ein, als man die Fülle von wahrem nervösem Herzklopfen mit den Zwerchfellkrämpfen zusammenwarf. Die Annahme eines Zwerchfellkrampfes erklärt ganz ungezwungen und natürlich die zuweilen aussorordentlich starken l'nlsationen, während eine einfache Kreislaufstörung des Blutes in der hinteren Aorta (Berghuis, Simonin,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
538nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Myocarditis.
An acker u. A.) diese Erscheimin^ unmöglich hervorbringen kiiun, noch weniger ein Aorteiiimenrysiiui. Auch eine einfache Contraction der Bauchmusknl atur (Delaf'ond, Cadiot) kann als Ursache nicht in Betracht kommen, da dieselbe nur Drängen als Ellect hervorbringt. Die J'ulsationen vollends von der Leber- und Milzarterie abzuleiten (Milanese), ist eine geradezu naive Auffassung. Dass endlich das bei der Thrombose der Cruralarterien und der hinteren Aorta beobachtete Her/klopfen mit dem vorliegenden Kranldieitsbildo gar nichts zu thun hat, obwohl es vielfach damit verwechselt worden ist, braucht wohl nicht ausführlicher begründet zu werden.
AV i r müssen nach alledem die sogen, abdominellen Pulsationen des Pferdes als eine dem Singultus dos Menschen nahe verwandte Zwerohfellneurose auffassen, die moist für sich allein, zuweilen indess auch gleichzeitig mit nervösem H e r z k 1 o \gt; fe n v o r k o m m t.
Ein nervöses Herzklopfen ist aussei- beim Pferd auch beim Hund (Fricker. Brusasoo) beobachtet worden. Prioker beschreibt einen Fall bei einem Schoosshund, bei dem nach IStägiger Dauer auf die Verabreichung von Digitalis Genesung eintrat; Brusasco einen ähnlichen, bei welchem C'hloralhvdrat (8,0 pro dosi) gute Dienste leistete.
|
||
|
|
||
|
Myocarditis (Entzttndung des Herzmuskels)!
Literatur. 1) Reoueil, 1835. 2) Dubuisson, ibid. 1836. 8) Bigal, ibid. 18137. 4) Bouley u. Colin, ibid. 1868/64. 5) Sanson, Journ. du Midi. 1862. (!) Trelut. ibid. 1808. 7) Friedberger, Manch. Jahresber. 1877/78. S. 58. 8) Verracrt, Annal. de Brnx. 1878. 9) .lolme, Sachs. Jabresber. 1878. 8. 19. 10) Burke, The vet. journ. 1886, 11) Masoero, 11 med. vcter. 1880. 12) Delamotte, Revue vet. 1888 u. 1890; Recueil. 1800. üeber Herzabscesse! 1) Gurlt, Magazin. 1837. S. 199. 2) Boesen-roth, ibid. 18ß4. S. 79. 3) Weiss, Preuss. tliioriirztl. Mittheil. 1850. 4)Knipp, Dressler, ibid. 1867. 6)Lehnhardt, ibid. 1860. 0)Scbmelz, Repert. 1854. 8.214. 7)Leblanc, Reoueil de m6d. vet. 1855. 8) Stock-fletb, Repert. 1800. S. 72. 9)Zundel, Journal de Lyon. 1803. 10) Hunting, Edinb, Veter. Revue. 1804. 11) Eaussmann, Repertor. 1877. S. 307. 12) .lohne, Sttchs. Jahresber. 1878. S. 21. 18) Gassner, Bad. thieräi-ztl. Mitth. 1800. S. 125. 14) 11 ack, Woobenschr. f. Thierkd. 1891. S.328.
Aetiologie. Die Ursachen der Entzündung dos Herzmuskels sind zum geringsten Theile in Erkältung oder üeberanstrengung, viel-melir der Hauptsache nach secundär in einer allgemeinen int'ection des Körpers, so z. B, durch Brustseuohe, Maul- und Klauonseuche, Septikämie und Pyamp;mie, Tuberkulose u. s. w. zu suchen. Ausserdem kann sich die Entzündung des Endocardiums oder Poricardiums aucli auf das Myocardium fortsetzen. Endlich führen Verwundungen des Herzens, insbesondere sehr häufig beim Rind, wenn auch hier
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Myocai'ditiraquo;.
|
589
|
|||
|
|
||||
|
immer mit Perioarditis complioirt, aber auch beim Pferd, ferner Erschütterungen und Contusionen des Herzmuskels zu Myocarditis.
|
||||
|
|
||||
|
Anatomischer Befund. Die Veränderungen im Myocardium sind ausserordentlich verschieden, je nachdem eine parenchvmatöse oder interstitiolle, eine iiidurironde oder abscedirendo Myocarditis vorliegt. Während bei der intcrstitiellen und abscedirenden Myocarditis die Entzündung gewöhnlich eine herdförmige, umschriebene, ja selbst disseminirte ist, tritt sie bei der parenohymatösen Myocarditis meist in diffuser Form auf.
1)nbsp; nbsp;Die acute parenchymatöse Myocarditis ist als selbständige, primäre Krankheit ausserordentlich selten. Die Entzündung ergreift nicht ausschliosslich die Muskelfasern, sondern complioirt sich theilweise auch mit intorstitiellcr Infiltration. Makroskopisch findet man fleckige Verfärbung der Muskulatur, welche von graurötblicher bis graugelblicher, lehmartiger, selbst weissgelblicher Farbe, mürber Consistenz, sowie verwischter, undeutlicher, homogener Faserung ist. Mikroskopisch zeigt sich ein Verlust der Querstreifung, sowie staub-förmige Trübung in den Muskelfasern, neben erheblicher kleinzelliger Infiltration in dem interstitiollen Bindegewebe, wodurch die Muskelfasern durch eine Schichte weisser Blutkörperchen aus einander gedrängt werden.
2)nbsp; Die chronische indurirende Myocarditis äussert sich in Form weisslicher, glänzender, bindegewebiger, derber, selbst knorpelharter sogenannter Herzschwielen und sehnenartiger Einlagerungen (Milch- und Sehnenflecke), welche den Herzmuskel besonders links in der Nähe der Herzspitze in verschiedener Grosse durchsetzen und die Wandungen des Herzens, indem sie etwas unter das Niveau der Schnittfläche eingesunken sind, zuweilen so verdünnen, dass eine Ausbuchtung nach aussei! entsteht (Hcrzaneurysma). Ausserdem findet man die Muskelfibrillen zuweilen fettig degcncrirt, bestäubt, und von sehr reichlicher Bindegewebszubüdung umgeben. Das Ganze entwickelt sich aus einer kleinzelligen Infiltration des intcrstitiellen Bindegewebes mit Induration und Narbenbildung, und führt meist ZU einer secundären H erzhypertrophie.
3)nbsp; nbsp;Die eiterige Myocarditis, der Herzabscess, kommt besonders bei Pyämie, z. B. beim Rinde nach puerperaler Metritis, sowie beim Pferde bei Omphalophlebitis vor. Dabei entstehen entweder im kleinzellig infiltrirten Bindegewebe kleinste, disseminirte, miliare Eiterherde, oder im Anschlüsse an einen embolischen Infarct grössere, hasel-
|
ti
|
|||
|
1
|
||||
|
#9632;im
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
540
|
Myocarditis.
|
||
|
|
|||
|
miss- bis kastaniengrosse Absoesse (ruetastatisohe Myocarditis). Herzabscesse sind sowohl beim Pferd als beim Kind beobachtet worden, beim letzteren vorkäsen sie zuweilen und zeigen selbst Kalkablagerung (sogenannte Verknöcherung des Herzens).
Die sogen. H e rzse h wielen entwickeln sich nicht immer auf einer entzündliehen Grandlage, sondern entstehen nach Ziegler viel häufiger aus einei' Myomalacle, d. h. Erweichung des Myocardiuins in Folge anämischer Nekrose, ein Zustand, der bisher häufig aber fälschlicher Weise als parenohymatöse Myocarditis bezeichnet wurde. Diese Myomalacia oordls geht aus einein häniorrhagischen [nfarote in folge arteriosklerotischor oder emboliseber Processe hervor, an den sich der Reihe nach arterielle Anämie, Erweichung, Verkäsung, Resorption der Zerfallmassen und endlich Narbenbildung anschliesson. Gan/ in derselben Weise bilden sich bei umschriebenen Erweichnngsherdea im Gehirn oder bei Infarcton in der Niere binde-gewebige Narben.
Nahe mit der Myocarditis verwandt und gewissermassen das erste Stadium derselben darstellend, indess vbfi häufiger, sind die im Verlaufe von Infeotionskrankheiten auftretenden Degenerationen des Herzmuskels: trübe Scbwellnng, fettige Entartung, schollige Zerklüftung etc., wobei das Herz makroskopisch sehr mürbe und welk, wie gekocht, sowie verfärbt erscheint. Dagegen fehlt eine klcin/.eüigo Infiltration. Das klinische Krankheitsbild ist indess so ziemlich dasselbe wie bei Myocarditis: beide bedingen Insufficienz des Herzmuskels.
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. Die Erscheinungen der Myocarditis sind die einer Functionsstörung des Herzmuskels, d. h. einer Horzinsuf'ficienz oder Herzschwäche; sie fallen also zusammen mit den Symptomen der Herzdilatation. Der Herzschlag ist im Anfang sehr tumultuarisch, pochend, verbreitert, zuweilen auf eine gewisse Entfernung sichtbar und hörbar, dabei unregelinässig; später wird er sehr schwach. Der Puls ist sehr frequent, klein, unregelinässig, oft unfühlbar und beträgt beim Pferde andauernd 80120 Schläge pro Minute und mehr. Das Athmen ist erschwert und beschleunigt. Dazu kommen grosse Mattigkeit und Hinfälligkeit, Zittern, Schwindelanfälle, sowie leichte Erregbarkeit. Die Temperatur ist je nach der bedingenden Ursache mehr oder weniger erhöht; bei längerer Dauer stellen sich sodann wie bei Herzhypertrophie allgemeine Stauungserscheinungen ein.
In anderen Fällen verläuft die Entzündung des Myocardiums peracut, die Thiere stürzen plötzlich apoplektisch zusammen. Auf diese Weise enden manche Fälle von Maul- und Klauenseuche oder Tuberkulose ganz unverhoii't tödtlich. Der Tod erfolgt durch Herz-lähmung oder Herzruptur. Insbesondere zeigt die acute parenehy-matöse Myocarditis, sowie die abscedirendc diesen Verlauf.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||
|
lltM/auptur.
|
Ml
|
||||
|
|
|||||
|
Differentialdiagnose. Die Unterscheidung der primären Myocarditis von anderen Herzkrankheiten, insbesondere von passiver Herzerweiterung, Endocarditis und Pericarditis, ist sehr schwer, ja häufig-ganz unmöglich, da ihre Symptome ganz in derselben Weise bei den genannten anderen Affectionen des Herzens gegeben sind. Aus diesem Grunde ist eine Diagnose während des Lebens besonders dann schwer, wenn charakteristische Symptome einer vorhandenen Pericarditis, Endocarditis, eines Klappenfehlers nicht zugegen sind. Im Allgemeinen darf man die Wahrscheinlichkeitsdiagnose auf Myocarditis stellen, wenn schwere Erscheinungen von H erzinsufficienz ohne eine nachweisbare organische Veränderung am Herzen (Aftergeräusch, Reibungsgeräusoh u, s. w.) beobachtet werden. Leichter ist die Feststellung einer seeundären Myocarditis, z. B. im Verlaufe der Brustseuche.
Therapie. Die Behandlung der Herzentzündung stimmt mit derjenigen der Herzschwäche überhaupt überein, besteht also in der Vermeidung jeder Aufregung und Anstrengung, Kräftigung des Herzmuskels durch gute Nahrung, Excitantien, Digitalis, Coffeün, Strophanthus, Campher, Atropin, Hyoscin, Alkohol etc., sowie in der Verabreichung von Fiebermitteln. Gegen peracut verlaufende Fälle ist jede Behandlung fruchtlos.
|
|||||
|
|
|||||
|
|
Herzruptur, Zerreissuug des Herzeus.
liiteratur. i) Rodet, Recueil vöt. 1826. 2) Qaullet, ibid. 1831. 3) Povell, The Veterinär. 1840. 4) Heckmcyoii-, Magazin. 1841. S. 285. 5) Hering, Repertor. 1848. S. 112. 6) Livingstone, ibid. 1857. S. 250. 7) Stock-fleth, ibid. 8. 237. 8) Hovtwig, Magazin, 1860. 8, 227. 9) Leblano, La olinique veterin. 18(1,'!. 10) Alers, Repertor. 1807. S. 214. 11) Anacker, Thierarzt. 1871. 8, 111. 12) Mayer, Repertor. 1874. S. 27. 18)Munich, Adam's Wochenschrift, 1878. S. 119, 14) Duel es, Revue vet. 1881. 15) Per dan, Oesterr. Vereinsmonatssehr. 1885. S. 18. 16) Csokor, Oesterr. Zeitsohr. f. wissensoh. Vet.-Kunde. 1888. S. 40. 17) Rosario, Clin. voter. 1890. 18) Hoffmann, Thieitetl. Chirurgie 1891. 8. 419.
Aetiologie. Die Ursachen der Zerreissung des Herzmuskels sind, abgesehen von traumatischen Einflüssen, immer in einer krankhaften Beschaffenheit seiner Wandungen zu suchen, welche entweder direct oder nach Einwirkung gewisser anderweitiger Momente zur Continui-tätstrennung des Herzens führen. Von krankhaften Veränderungen
|
'! raquo;
|
|||
|
|
|||||
|
|
|||
|
r.42
|
Acute Kmlocanlitis.
|
||
|
|
|||
|
des Myocardiums sind zu nenneu! Erweichung, Entzündung des Herzmuskels, Abscessbildung, Schwächung der Wand durch Herzschwielen inul Aneurysmen, Verfettung, senile Degeneration der Muskelfasern, endocardifcische und pericarditische Processe, atheromatöse Entartung der Aortouwand am Ursprung, Echinokokkenblasen und Würmer (Spiroptera) in der Herzwaud u. s. w. Die auslösenden Factoron sind bald Erschütterung des Körpers, z. B. beim Stürzen (Hertwig), bald zu starke Aufregung während der Begattung (Hering) oder bei Hunden während der Operation des Ascites (Stockfleth), bald acute Tympanitis, wie in manchen Fällen beim llind (Anacker, Mayer, Perdan).
Anatomischer Befund. Aussei- den genannten Veränderungen des Myocardiums findet man einen verschieden langen Riss in der Wand des Herzens, der häufig die Wand einer Vorkammer oder eines Herzrohrs betroffen hat, und dann etwa 35 cm lang ist. Zuweilen ist auch die Aorta und Lungenarterie an ihrer Ursprungsstelle zerrissen. Das Blut hat sich in verschiedener Menge im Herzbeutel angesammelt (H ämopericardium).
Symptome. Die Zerreissung des Herzens äussert sich entweder in plötzlichem, schlagartigem Zusammenstürzen und Verenden, wobei die Thiere zuweilen einen lauten Schrei ausstossen, oder in Taumeln, Schwindelanfall, Zittern, Beschleunigung der Athmung, Umfallen, Convulsionen, sowie den Zeichen einerinneren Verblutung. Der Tod erfolgt im letzteren Falle nach einigen oder mehreren Stunden. Eine Behandlung kann wohl nie eingeleitet werden.
|
|||
|
|
|||
|
Acute Endocarditis.
Literatur. 1) Merrier, Reoueü vät. 1841. 2) Boizy, ibid. 1857. 8) Leblanc, Diet. vet. 1858; Bull. Sec. ccntr. vet. 1881. 4) Ruohte, llepertor. 1865. 8. 804. 5) Guusse. Jouru. tin Midi. 1858. S. 69. 6) Meyer, Ocsterreicli. Veroinsmonatsschr. 1858. S. (ii). 7) Withers, The Veterinarian. 1868. 8) Dammann, Magazin. 1871. S. 409. 9) Both, Virohow's Archiv. 1872. lid. 54. S. 375. 10) Bellinger, Adam's Wbchenschr. 1878. 8. 113, 11) Jo line, Sachs. Jahresber. 1881. S, 44. 12) Foglar, Oeaterr. Veroinsmonatsschr. 1882. S. 51. 13) Trashot, Alfort. Arch. 1878; 1880; 1883; Bulletin Soc. oentr. vet. 1882. 14)Ro88ignol, Presse vet. 1882. 16) Math! s, Journal de Lyon. 1883. 10) Burke, The Veterinarian. 1884. S. 78. ^Ebinger, Berlin. Arch. 1885. S. 295. 18) Wyssokowitsoh, Virohow's Archiv. 1886. s. 301. 19) Deffke, Rundschau auf dem Gebiete der Thier-
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Ai'ute Endocarditislt;
|
543
|
|||
|
|
||||
|
medloin. 1887. 20) Prudden, II med. vet. 1887. 21) Kowalevrski, Petersburger Archiv für Vet.-Med. 1887. 22) Lesbre, Revire, Journal de Lyon. 18Ü0. 23) Csokor, Oesterr. Zeitsohr. f, Veteriniirkde. 2. Bd. Heft 1. 24) Benjamin, Reoueil. 1891. 26) Bang, Deutsche Zeitsohr, f. Thierraedioin, 1891. S. 27.
Vorkommen. Die acute Entzündung ties Endocardiums kommt am öftesten beim Pferd und Rind, sowie beim Mund und Schwein, seltener bei anderen Hausthieren vor; wir haben sie beispielsweise nur in einem Falle bei der Katze beobachtet. Sie stellt indess keineswegs eine so seltene Krankheit dar, wie man gewöhnlich annimmt.
Aetiologie. Die acute Endocarditis wird in der Mehrzahl der Fälle durch Infectionsstoffe hervorgerufen, welche im Blute cir-culiren. Beim Rind ist es besonders der acute öelenksrheumatis-mus (Polyarthritis rheumaticii), welcher sich nicht selten mit acuter Endocarditis complicirt (Meyer, Ruchte). Beim Schweine kommt ferner die Rothlaufseuche als häufige Ursache der Endocarditis in Betracht (Bang). Ausserdem sind zu nennen Septikämio und Py-ämie, z. B. im Anschlüsse an septische Metritis, sowie allgemeine Infectionskrankheiten, wie Maul- und Klauenseuche. Auch beim Schwein kann der acute Gelenksrheumatismus durch eine acute Endocarditis zum Tode führen (Roth). Beim Pferde findet man eine acute Entzündung des Endocardiums bei der Brustseuche, Pneumonie, rheumatischen Hufentzündung, sowie bei schweren Koliken.
Neben Infection spielt besonders beim Pferde Erkältung eine Rolle (Trasbot); sogenannte rheumatische oder idiopathische Endocarditis. Sodann kann sich ein entzündlicher Process vom Myocardium und Pericardium , ja selbst von der Lunge und Pleura auf das Endocardium fortpflanzen. Seltener ist die Veranlassung traumatischer Natur; Ebinger sah z. B. bei einer Kuh nach einem Hornstosse mit nachfolgendem Rippenbruche Endocarditis auftreten. Endlich scheint im Alter durch gewisse degenerative Vorgänge, z. B. Arteriosklerose der Aortenklappen, oder in frühester Jugend durch erbliche Prädisposition (Burke sah sämmtliche Hunde eines Wurfes an Endocarditis sterben), sowie nach einmaligem Ueberstehen der Krankheit eine gewisse Veranlagung für Endocarditis vorhanden zu sein. Von Arzneimitteln, welche bei längerer Verabreichung oder in zu hohen Dosen Endocarditis hervorrufen, ist in erster Linie die Digitalis zu nennen.
|
|
|||
|
#9632;.I
|
||||
|
. ! #9632;
|
||||
|
|
||||
|
,
|
||||
|
|
|||
|
r.44
|
Acuto Endooarditis,
|
||
|
|
|||
|
Ueber die Aotiologis ilor uloerOsen Endocarditis hat Mr3rssokowitscli sehr interessante experiiuentelle üntersuohungen an Thieren angestellt, Er erzeugte nämlich experimentell durch Klappen' zerstOrang mit nachfolgender intravenöser Einverleibung von Streptococcus pyogenes lgt;ei Kaninclien ein der aloerösen (mykotischen) Endocarditis heim Menschen älinliches Bild. Seine Vorsuche lehren, dass an und für sich für Tli i ere U n schild lie beMikroorgan ismen bei Verletzung der Klappen eine schwere, töd t lieh e En docar d itis ulcerosa erzeugen küniien, und dass hierzu der geringste Insult des En docardiu in s genügt. Aohnliche Erfolge hatte or mit dem Staphylo-OOCCUS pyogenes aureus und dem Coccus sepsis.
Anatomischer Befund. Die makroskopischen Veränderungen
sind je nach dem Grade der Ursachen der Erkrankung verschieden. Bei den leichteren rheumatischen Formen findet man besonders an dem freien Kande der Klappen, sowie an den Sehnen und Papillar-muskeln kleine, hirsekorngrosse, knötchenartige Prominenzen von grau-weisser bis weissgelber Farbe, welche, wenn sie in vermehrter Anzahl beisammen stellen, drusige, warzenförmige, höckerige Erhabenheiten bilden und von theils blutigen, theils entfärbten und geschichteten Fibringerinnseln bedeckt sind (Endocarditis verrueosa). Diese Thromben können an dem Schliessungsrande der Klappen zu grossen polypösen Wucherungen auswaohsen, welche eine Stenose und Insuffl-cienz der betredenden Ostien bezw. Klappen herbeiführen. Sind die Granula sehr klein, so wird die Oberfläche des Eudocardiums rauh und fein gekörnt. Ausserdem zeigt sich das Endocardium vielfach geschwollen, getrübt, höher geröthet und mit Gerinnseln bedeckt; im subendocardialen und subepicardialen Gewebe, sowie zwischen den Muskelfasern finden sich ferner umschriebene hämorrhagische Herde. Bei den schwereren septischen Formen kommt es zu Nekrose und Gesohwürsbildung auf dem Endocardium (Endocarditis ulcerosa, diphtheritica, bacteritica). Die Geschwüre sind meist umschrieben, von Linsen- bis Markstückgrösse und mit schmutzig verfärbten und zunderaria'g brüchigen, nekrotischen Auflagerungen bedeckt, welche durch den Blutstrom losgerissen und in andere Organe fortgeführt werden. So beobachtet man eiterige Metastasen in den Lungen, Nieren, der Leber, Milz u. s, w. und selbst in den Coronararterien des Herzens (Herzabscesse).
Mikroskopisch ist bei der verrueösen Endocarditis eine sub-endocardiale Exsudation mit kleinzelliger Infiltration, bei der ulcerösen ebenfalls eine Exsudation, jedoch mit Gerinnung und Nekrotisirung des Gewebes, und Umwandlung desselben zu körnigen und scholligen Massen, sowie mit Einlagerung von
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Acute Endocarditis.
|
Mr
|
|||
|
|
||||
|
Mikrokokkencolonien nachzuweisen. Die erste führt entweder zu Resorption des Exsudats und Heilung oder durch Umwandlung der weissen Blutkörperchen zu Bindegewebsneubildung, Verdickung, Verkürzung und Verwachsung der Klappen und Sehnenfäden (Insuffi-cienz und Stenose, Klappenfehler, chronische Endocarditis), zuweilen auch durch Losspülung der anhaftenden Thrombenbildungen zu gutartigen, meist vernarbenden Infarcten in den Nieren, im Gehirn u. 8, w.; die ulceröse dagegen hat eine vollkommene Nekrose des gewissermassen diphtheritisch infiltrirten Gewebes zur Folge.
Bezüglich der Vertheilung der Endocarditis auf die beiden Herzhälften ist das Verhältniss bei den Hausthieren offenbar ein anderes als beim Menschen. Während die Endocarditis beim Menschen vorwiegend das linke Herz befällt, findet man bei den Thieren gar nicht so selten auch das rechte Herz erkrankt, ja es hat den Anschein, als ob letzteres häufiger als das linke erkrankt wäre. So waren nach Meyer unter ! Fällen von Endocarditis 8mal die Tricus-pidal- und nur 4mal die Bicuspidal-, sowie 2mal die Aortenklappen entzündet. Insbesondere findet man beim Rinde sehr häufig eine rechtsseitige Endocarditis (vergl. die Fälle von Bollinger, Ruchte u. A.), während eine solche beim Menschen sehr selten und hauptsächlich fötalen Ursprungs ist.
|
i
|
|||
|
|
||||
|
Symptome. Die acute Endocarditis äussert sich zunächst in einer stürmisch erregten Herz action mit pochendem, unregel-mässigem und später verbreitertem Herzschlage. Dabei übertrifft zuweilen die Zahl der Herzschläge diejenige der Fulsschläge (Trasbot), so dass man beispielsweise beim Pferde ein Verhältniss der beiden wie 160 : 70 findet. Der Herzstoss kann ferner so vehement sein, dass der ganze Körper mit jedem Schlage erschüttert wird. Der Puls ist ebenfalls sehr frequent und kann zwischen SO und 100 Schlägen pro Minute beim Pferd und Rind, sowie zwischen 120 und 240 beim Hund schwanken; dabei ist er unregelmässig, häufig aussetzend und sehr schwach, ja nicht selten unfühlbar. Die Herztöne sind anfangs zwar noch normal, werden aber bald unrein, insbesondere wird der erste sehr dumpf und verschmilzt zuweilen mit dem zweiten zu einem einzigen. Weiterhin treten häufig charakteristische endocardiale Aftergeräusche auf, vor allem ein blasendes systolisches Geräusch beim ersten Herzton, seltener, wenn auch von grösserer pathognosti-scher Bedeutung, diastolische. rauschende und vibrirende Geräusche. Die Temperatur ist bei der acuten Endocarditis immer fieberhaft
Frirdbergor n FrölnuM', Pntlinl. u. Therapio d, Hausthiere. I. Bd. .l. Aufl. 35
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
546nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Acute Kiulocnrditis.
erhöht und besondors bei der septischen Form sehr hoch; beim Pferde fand Trasbot Temperaturen von 40 und 41 quot;C.
Die Athmung ist häufig in so hohem Grade angestrengt und beschleunigt, dass man das Leiden im Anfange für eine Pneumonie oder Pleuritis halten möchte; sie steigert sich in manchen Fällen zu ausgesprochener Dyspnoi1. Das Allgemeinbefinden der erkrankten Thiere ist ein sehr schlechtes; neben schweren Gehirnerscheinungen beobachtet mau grosse Mattigkeit und Schwäche, sowie periodische Kolikanfälle. Dazu kommen die Erscheinungen von Metastasen in die Lunge (Erstickungsanfälle), in die Nieren (Blutharnen), in die Extremitäten (Lahmgehen), ins Gehirn (apoplectische Anfälle). Bei der septischen Form bildet sich häufig eine allgemeine hämorrhagische Diathese aus.
Verlauf. Derselbe ist bald ein sehr acuter, innerhalb weniger Stunden und Tage zum Tode führender, bald beträgt die Krankheitsdauer einige Wochen, und endlich kann aus der acuten Endocarditis eine chronische sich entwickeln. Tm letzteren Falle wiederholen sich gerne acute entzündliche Anfälle (Trasbot, Roth). Der Ausgang ist überhaupt verschieden, je nachdem eine gutartige, verrucöse oder schwere, septische, ulceröse Endocarditis vorliegt. Bei der letzteren ist der tödtliche Ausgang durch Entwicklung einer allgemeinen septischen Infection oder durch Bildung metastatischer Herde in den Lungen, Nieren, im Gehirn etc. viel häufiger, als bei der verrucösen, welche indess auch ihrerseits schwerwiegende Veränderungen in Form von Klappenfehlern hinterlässt.
Differentialdiagnose. Die acute Endocarditis kann bei per-acutem, stürmischem Verlaufe mit Milzbrand, sowie mit Septik-ämie, Gehirnentzündung, Petechialfieber U. s. w. verwechselt werden. Auf der anderen Seite ist die Unterscheidung von einer beginnenden Pneumonie, von Lungencongestion und Lungenödem bei der oft hochgradigen Athemnoth nicht immer leicht. Am schwersten jedenfalls ist die Ditferentialdiagnose zwischen Endocarditis und Myocarditis. In allen diesen Fällen muss man sich eben an die genaue Untersuchung des Herzens halten. Ohne Aftergeräusche ist überhaupt eine Diagnose auf Endocarditis unmöglich.
Hierbei muss indess darauf aufmerksam gemacht werden, dass insbesondere systolische Aftergeräusche auch bei Anämie und Leukämie vorgefunden werden (sogen, anorganische Geräusche), wodurch die Diagnose der Endocarditis noch mehr erschwert wird.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Chronische Endocarditis
|
|||
|
|
|||
|
Therapie. Die Behandlung der acuten Endocarditis besteht in Venneidung jeder Aufregung und Bewegung, Regulirung der Herz-thätigkeit durch Digitalis, Herabsetzung des Fiebers durch Salicyl-saures Natrium, ßrechweinstein, Antipyrin und sonstige Anti-pyretica. Bei kleineren Thieren kann ein Eisbeutel in der Herzgegend, bei grösseren permanente Kalkwasserirrigation ebendaselbst angewendet werden. Ueber den Nutzen ableitender Hauteinreibungen liisst sich streiten. Bei zunehmender Schwäche endlich greift man zum Kampher, Aether, Weingeist, Atropin, Hyoscin, Coffein u. s. w.
|
1 #9632;11
|
||
|
';m
|
|||
|
|
|||
|
Chronlsohe Endocarditis. Klappenfehler.
Literatur, 1) Peroivall, The Veterinär. 1846. 2) Tabourin, Journ. de Lyon. 1848. 3) Hering, Repertor. 1854. S. 31. 4) Blake way, The Veterinär! 1855. 5) Voigtländor, Sachs. Jahresbur. 1856/57. S. 18. (!) Boizy, Re-cueil de in6d. vet. 1857. 7) Weber, ibid. 1869. 8) Bagge, Ropertorium. 1858. S. 212. 9) Schmelz, ibid. 1860. S. 112. 10) Pussaoq, Journ. du Midi. 1861. 11) Schmidt, Repertorium. 1863. S. 7. 12) Daudt, Sachs. Jahresber. 1863. S. 20. 18)Joyeux, Journ. du Midi. 1864. 14) Leb 1 anc-, Recueil. 1864. 15) Simpson, The Veterinär. 1869. 16) Köhne, Magazin. 1870. S, 89. 17) Angenhoister, ibid. S. 194. 18) Huth, ibid. 1873. S. 480. 19) Lustig, Hannov. Jahresber, 1873. S. 34. 20) Priedberger, Münch. Jahresber. 1876/77. S. 69. 21) Schneidemühl, Appenrodt, Glocke, Kettler, Preuss. Mittheilungen. 1877/78. 22) Lustig, Adam's Woohenschr. 1878. S. 1. 387. 23) Mauri, Revue vet. 1878. 24) Johne, Silchs. Jahresber. 1880. S. 35. 25) Cagny, Bull. soc. centr. vet. 1880. S. 179. 26) Johne, Silchs. Jahresber. 1881. S. 77; 1882. S. 43. 27) Schütz, Berlin. Arch. 1882. S. 139. 28) Schell, ibid. 29) Eggeling, ibid. S. 140 f. 30) Wöstendiok, Preuss. Mittheil. 1882. S. 53. 31) Polansky, Gesten-. Vierteljahrssohr. 1883. S. 62. 82) Wolff, Berlin. Arch. 1885. S. 234. 33) Koch, ibid. S. 195. 34) Mathis, Recueil de med. vet. 1885. 85) Schindelka, Oesterr. Vierteljahrssohr. 1885. 4. Heft. 36) Lustig, Hannov. Jahresber. 1884/85. S, 53, 70. 37) Eisenblätter, Berlin. Arch. 1885. S. 298. 38) Benjamin, Recueil. 1883; Bull. soc. centr. vet. 1886. 89) Urqhart, The Veterinär. 1886. 8. 805. 40) Koiranski, Oharkower Veterinftrbote. 1886. 41) No card, Arch. d'Alfort 1881; Bull. soc. centr. vet. 1886. 42) Dieokerhoff, Spec. Pathologie. 1888. S. 777. 43) Crigh-ton. The vet. journ. Bd. 28. 44) Osokor, Oesterr. Zeitsohr. f. Veterinärkunde. 1888. S. 46. 45) Bang, Hallander, Tidsskrift for Veter. 1889. 46) Ostermann, Berl. thierärzll. Wochenschr. 1889. S. 275. 47) Berm-bach, ibid. S. 888. 48) Hamburger, Virch. Archiv. 1889. S. 420. 49) Loef, Zeitsohr. f. Veterinilrkde. 1890. S. 276. 60) Kammerer, Bertsche, Bad. thierärztl. Mittheil. 1890. 8, 66. 61) Pröhnor, Monatshefte 1891. S. 548.
Aetiologie. Klappenfehler kommen bei unseren Hausthieren, namentlich beim Hund und Pferd, ausserordentlich häufig vor.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
f^ynbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Chronischo Endocarditis.
Weitaus in den meisten Fällen sind dieselben auf organische Veränderungen an den Klappen in Folge chronischer Endocarditis zurückzuführen. Am häufigsten entwickelt sich eine solche chronische Endocarditis aus einer acuten. So beziehen sich beispielsweise viele Klappenfehler des Rindes auf einen vorausgegangenen acuten Gelenksrheumatismus mit gleichzeitiger acuter Endocarditis, beim Pferde hat man Klappenfehler nach acuten Infectionskrankheiten, wie Influenza und Brustseuche, beim Schweine als Complication der Rothlaufseuche beobachtet. Abgesehen von dieser acuten Entstehung gibt es auch eine schleichende, chronische Endocarditis; welche durch wiederholte Erkältungen, Anstrengungen und Aufregungen hervorgerufen wird. Auch arteriosklerotische Pi-ocesse an dem Ursprünge der Gelasse des Herzens führen besonders im höheren Alter zu chronischen Veränderungen an den betreffenden Klappen. Endlich muss für manche Klappenfehler eine erbliche Disposition oder fötale Vorausentwicklung angenommen werden.
Eine Minderzahl von Klappenfehlern bezieht sich nicht auf endo-carditische Processe, sondern auf angeborene Defecte oder Neubildungen im Herzen. So kommen congenitale Defecte in der Scheidewand beider Herzkammern bei der Kuh vor. Frank fand einen unvollständigen Verschluss des ovalen Loches bei einem Hunde, der an eleptiformen Anfällen und allgemeiner Cyanose litt. Ausserdem können Neubildungen im Herzen oder in der Nachbarschaft, #9632;/,. B. Sarcome, Carcinome, Fibroide der Klappen, Myxome, Geschwülste in den Bronchialdrüsen zu Stenosen von Herzklappen Veranlassung geben. Da jedoch die letztgenannten Zustände ziemlich selten sind, so werden im folgenden nur die durch chronische Endocarditis bedingten Klappenfehler des Herzens besprochen werden.
Anatomischer Befund. Die endocardialen Veränderungen an den Klappen führen entweder zu einer Schliessungsunfähigkeit (In-sufficienz), oder Verengerung (Stenose) des betreffenden Klappenapparates.
1) Die Insufficienz einer Klappe beruht auf einer Schrumpfung derselben, sowie einer Verkürzung der Sehnenfäden. Im Verlaufe der chronischen Endocarditis kommt es nämlich zu binde-gewebiger Veränderung der Klappen, zur Schrumpfung und Atrophie, ja selbst zu einem vollständigen Schwunde derselben; ausserdem können sich die Klappen wegen gleichzeitiger Verkürzung ihrer Sehnenfäden nicht mehr voll entfalten. Hiedurch erweitert sich das Ostium. und
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Klappenfehler.
|
r,4iraquo;
|
|||
|
|
||||
|
es bleibt, iuich beim Schlüsse der Klappen ein Spalt offen, durch welchen das Blut wieder zurück jenseits der Klappe gepresst wird. Reine, für sich bestehende Insufficienz oder Stenose ist selten, da der endocarditische Process meist sowohl zur Schliessungsunfähigkeit als zur Verengerung führt. Gewöhnlich findet man daher Stenose und Insufficienz zusammen (combinirter Klappenfehler). Ueber die bei den Klappenfehlern auftretenden abnormen Herzgerllusche vergleiche die einzeln beschriebenen Klappenfehler. Secundäre, durch die Klappenfehler in Folge der bedingten Circulationsstörungen hervorgerufene anatomische Veränderungen im Körper sind: Herzhyper-trophie und Herzdilatation; Stauungsleber, braune Induration der Lunge, Stauungsniere, Stammgsmilz; Hydrops universalis, insbesondere Ascites, Hydrothorax, Hydropericardium, Anasarka; Abmagerung, ausgebreitete Hämorrhagien etc.
2) Die Stenose eines Ostiums wird durch Verdickung der Klappen, sowie durch Wucherungen des Endocardiumlaquo; herbeigeführt. Man findet so das Lumen des betreffenden Ostiums durch polypöse, warzen- oder blumenkohlähnliche Auswüchse von Seiten der Klappen verengt oder durch geschwulstähnliche Massen fast ganz ausgefüllt. Die Ränder der Klappen sind schwamm- oder wulstartig verdickt, zuweilen kalkig inkrustirt, und die einzelnen Klappen nicht selten an ihren freien Seitenrändern mit einander verwachsen. Dadurch haben die Klappen ihre freie Beweglichkeit, sowie die Fähigkeit, sich hinreichend zu entfalten, verloren, und sind vielmehr in starre, unnachgiebige, zuweilen knorpel- und knochenharte enge Ringe umgewandelt worden, durch welche innerhalb einer gewissen Zeiteinheit die normale Menge Blutes nicht hindurchpassiren kann und deshalb gewaltsam hin-durchgepresst werden muss.
|
.'1
|
|||
|
|
||||
|
Vorkommen. Klappenfehler finden sich bei unseren Hausthieren überaus zahlreich, am häufigsten bei älteren Hunden und Pferden; eine sehr grosse Anzahl von Arbeitspferden und Ziehhunden wird in Folge von Klappenfehlern dienstuntauglich. Aber auch die Casuistik der Klappenfehler beim Rinde ist eine sehr reichliche, wohl durch die Häufigkeit des acuten Gelenksrheumatismus beim Rinde bedingt. Auch beim Schweine (Daudt u. A.) und bei den Vögeln (Larcher, Recueil de mamp;l. vet. 1874) sind Klappenfehler beobachtet worden. Die Vertheilung der Klappenfehler auf beide Herzhälften ist bei den Hausthieren annähernd gleich; während beim Menschen weitaus am häufigsten das linke Herz afficirt ist (unter 300 Fällen
|
|
|||
|
|
||||
|
|
||
|
550nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Klappenfehler.
von Endocarditis waren 297 linksseitig und betrafen 255 die Mitralis) treffen von 37 in der Literatur bei unseren Hausthieren beschriebenen Fällen von Klappenfehlern 20 das linke und 17 das rechte Herz. Dabei fallen auf die Mitralis 14, auf die Aortenklappen 6, auf die Tricus-pidalis 15 und auf die Klappen der Lungenarterie 2 Fälle. Die Tricuspidalklappen scheinen sogar noch etwas häufiger als die Mitralklappen erkrankt zu sein, ein Verhältniss, das sich besonders beim Rinde geltend macht: unter 7 Fällen von Klappenfehlern beim Rinde waren ti rechtsseitig und einer beiderseitig, keiner dagegen linksseitig. Beim Pferd scheinen ähnliche Verhältnisse wie beim Menschen zu existiren: unter 15 Klappenfehlern waren 7 linksseitig, 5 beiderseitig, 3 rechtsseitig.
Dass nicht bloss beim Hunde, sondern auch beim Pferde Klappenfehler ausserordentlieh häutig vorkommen, beweist eine Zusammenstellung von Nocard. Derselbe fand bei 42 zu Operationszwecken angekauften Pferden 38inal localisirte Veränderungen am Aorten-ursprunge, bei vier anderen chronische Endocarditis an den halbmondförmigen Klappen der Aorta und gleichzeitig an den Valvulae mitrales. Sämmtliche Pferde waren alt. Die Intensität der Veränderungen war individuell verschieden, die erkrankten Klappen waren bald einfach verdickt und starr, bald narbig verzogen und mit fibrösen Vegetationen bedeckt, bald zerfressen, gezahnt und in verschiedener Weise perforirt. Die Veränderungen wurden bereits während des Lebens dia-gnosticirt. Uni allen Thieren bestand ein zischendos Geräusch, welches mit dem diastolischen Ton begann und mit dem ersten Herzton aufhörte. Intensität und Timbre dieses Geräusches waren verschieden.
Cadiot und Ries fanden unter 14 Klappenfehlern beim Pferde lOmal die Aortenklappen. Imal die Mitralklappe und Sinai beide Klappen betroffen. Von 13 Fällen beim Hunde kamen 5 auf die Mitralis, 4 auf Mitralis und Tricuspidalis, 2 auf die Tricuspidalis allein, 1 auf die Aortenklappe und 1 auf Aorten- und Mitralklappe.
Allgemeine Symptome der Herzklappenfehler. Die Stenose wie die Insufficienz einer Klappe bedingen beide stromaufwärts von derselben eine Stauung des Blutes; also die Fehler der Atrioventri-kularklappen eine Stauung in den Vorhöfen, links dann ausserdem in der Lunge, rechts in den Körpervenen; die Fehler der Aorten- und Lungenarterienklappen eine Stauung in den beiden Ventrikeln. Diese Circulationsstörungen werden zunächst im Anfange durch eine vermehrte Arbeit von Seiten des Herzens resp. des betreffenden Herzabschnittes ausgeglichen, sogen, compensatorisclie Herzhypertrophie. Ein auf diese Weise coinpensirter Herzfehler kann jahrelang ohne bedeutendere krankhafte Symptome fortbestehen, und es treten nur nach stärkeren Anstrengungen und Aufregungen deutliche
|
||
|
|
||
|
l
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Klappenfehler.
|
551
|
|||
|
|
||||
|
Circulationsstörungen hervor. Späterhin pHegt jedoch eine Kratt-abnahme, eine Ermüdung des Herzmuskels einzutreten, welcher dann den Störungen der Circulation nicht mehr gewachsen ist, so dass nun ausgesprochene Stauungserscheinungen in der Lunge sowie im Hohlvenensystem auftreten. Nur in diesem Stadium kommen die erkrankten Thiere zur Beobachtung und Behandlung; das Krankheitsbild ist dann im Wesentlichen das gleiche, wie bei dem späteren Stadium der Herzhypertrophie. Die Symptome einer im Zurückgang begriffenen Herzcompensation sind:
1)nbsp; nbsp;Beschleunigung von Puls und Herzschlag, leicht erregbare Herzthätigkeit, Unregelmässigkeit des Pulses und Herzschlags, Herzklopfen. Nur in seltenen Fällen findet man umgekehrt eine Verlangsamung des Pulses; einen solchen Fall von Bradykardie hat z. B. Fröhner beim Hunde beschrieben.
2)nbsp; Athembeschwerden, insbesondere nach Bewegung geradezu dyspnoische Anfälle, beim Pferde als cordiale Dämpfigkeitquot; bezeichnet. Diese Kurzathmigkeit, welche meist in den Vordergrund der Erkrankung tritt, erklärt sich aus einer Stauung und langsameren Circulation des Blutes in den Lungen mit nachfolgenden bleibenden Lungenveriinderungeii (braune Lungeninduration, Verengerung des Lumens der Lungenalveolen durch die ektatischen Lungenkapillaren).
;i) Zunehmende Schwäche und Kraftlosigkeit, allmähliche Abmagerung, leichtes Schwitzen nach kurzer Anstrengung; das Alles bei fieberlosem Krankheitsverlaufe. Bei Arbeitsthieren ist die auffallend rasche Erschöpfung während der Arbeit eines der ersten Zeichen der beginnenden Herzschwäche.
4)nbsp; Schwindelanfälle, namentlich nach vorausgegangener Anstrengung (so häufig hei Ziehhunden).
5)nbsp; nbsp;Cyanose der sichtbaren Schleimhäute, beim Schwein auch der allgemeinen Decke, besonders der Ohren und des Rückens (Daudt), starke Füllung der äusserlich sichtbaren Venen (z. B. Kinnbackenvenen, .lugularen), Venenpuls.
(i) Hydrops der Körperhöhlen (Ascites, Hydrothorax, Hydro-pericardium), sowie des Unterhautbindegewebes (Oedeme am Bauche, Schlauche, an der Brust, an den Beinen).
7)nbsp; nbsp;Albuminurie und verminderte Harnabsonderung als Ausdruck der Stauung des Blutes in den Nieren.
8)nbsp; Zuweilen icterische Verfärbung in Folge von Stauungsleber.
9)nbsp; nbsp;Embolien in periphere Organe, herrührend von Thromben-bildung im Herzen während des daselbst verlangsamten Blutstroms, so
|
'*:*
|
|||
|
':M
|
||||
|
|
||||
|
,
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
55'2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Klappenfehler.
in die Lunge, das Gehirn, die Nieren, die Leber, Milz, die Extremitäten (im letzteren Falle hinken die Thiere [Weber|), in Gelenke (secundäre acute Gelenksanschwellungen, z. B. von Percivall beim Pferde beobachtet).
10) Von pathognostischer Bedeutung für die Symptomatologie der Klappenfehler sind endlich die bei der Auscultation des Herzens auftretenden abnormen Geräusche, welche im Nachfolgenden genauer besprochen sind.
Symptome der einzelnen Klappenfehler. Die wichtigsten Klappenfehler sind die Stenose und Insufficienz der Mitralklappen (Pferd und Hund) und Tricuspidalkläppen (Rind), sowie der Aortenklappen, resp. deren Ostien; viel seltener sind Klappenfehler an der Pulmonaiis. Obgleich nun die einzelnen Klappenfehler nicht immer rein, sondern häufig mit anderen combinirt sind, wodurch das Krankheitsbild ein complicirtes wird, ist es doch für die weitere Entwicklung dieses Kapitels der Veterinärpathologie von Wichtigkeit, im Anschlüsse an die in der Menschenmedicin so ausserordentlich vervollkommnete Lehre von den Klappenfehlern, sowie unter Benützung des nicht gerade spärlichen eigenen literarischen und Erfahrungs-materials, für die einzelnen Klappenfehler unserer Hausthiere wenigstens eine Grundlage zu schatten, auf der weiter aufgebaut werden kann.
I. Die Insufficienz der Mitralklappe. Dieser häufigste Klappenfehler beim Pferd und Hund bedingt einen Rückfluss des Blutes während der Systole durch das nicht geschlossene Ostium venosum in den linken Vorhof, wobei die wirbelnde Bewegung des zurückgepressten Blutes, sowie das Zusammenstossen dieser rückläufigen Blutwelle mit dem Blute der Lungenvenen ein mehroder weniger lautes blasendes, zischendes oder schwirrendes, scharfes s y s t o 1 is c h e s A f te r g e r äu s c h liervorbringt. Weiterhin wird der stark angefüllte, von zwei Seifen gespeiste linke Vorhof dilatirt und hypertrophisch. Der Abfluss des Blutes aus den Lungenvenen ist gehemmt, es tritt eine Stauung des Blutes in den Lungenvenen, Lungencapillaren und selbst noch in den Lungenarterien, und damit im rechten Vorhof und der rechten Herzkammer auf, welche auch eine rechtsseitige Herzhypertrophie nach sich zieht. In Folge des hohen, in der Lungenarterie herrschenden Druckes wird der zweite Herzton (Pulmonalton) lauter, klappender, oder wie man sich ausdrückt, accentuirt. Lässt die Compensation durch das rechte Herz nach, so treten Cyanose, Dyspnoe, Füllung der Jugularen, Venenpuls, liydrops etc. auf.
|
||
|
|
||
|
I
|
||
|
|
||||
|
Klappenfehler.
|
558
|
|||
|
|
||||
|
Charakteristische Symptome der Mitraliusufi'icienz: systolisches Aftergeräusch, abnorm starker diastolischer Pulmonalton, rechtsseitige Herzhypertrophie, schwacher Puls, Kurzathmigkeit, Stauung im Venensystem.
Einen sehr instructiven Fall von Miti'alinsul'fiuienz beim Pferd hat Schmidt (Preuss. Mittheil. 1877,78. S. 49) beschrieben. Er fand als Symptome; i'requenten, arhythmischen, kleinen Puls, verminderte Arterien-spannung, lautes systolisches Gerilnsch (Schwirren) in der Gegend der Herzspitze, vergrösserte Herzdämpfung, Oedeme an der Unterbrust u. s. w. Bei Hunden liisst sich ganz dasselbe Krunkheitsbild aussprordentlich häufig constatiren.
II.nbsp; nbsp;Stenose des Ostiums der Mitralklappen. Die Verengerung des linken Atrioventrikularklappen-Apparates hat zur Folge, dass bei der Diastole das Blut vom Vorhofe nicht ungehindert in den Ventrikel gelangen kann, sondern nur theilweise durch das enge Ostium unter wirbelnder Bewegung hindurchgepresst wird. So entsteht ein diasto-lisches (präsystolisches) Aftergeräusch. Ausserdem ist die linke Herzkammer wenig gefüllt, geschrumpft, sowie der Puls sehr schwach und klein. Der linke Vorhof wird dilatirt und hypertrophisch, im Lungenkreislaufe tritt Stauung ein, welche zu Hypertrophie und Dilatation des rechten Herzens führt; in Folge dessen ist auch der Pulmonalton sehr accentuirt.
Charakteristische Symptome der Mitralstenose: diasto-lisches Aftergeräusch, lauter Pulmonalton, sehr kleiner Puls, sehr schwere Stauungserscheinungen, besonders von Seiten der Lunge.
Krankheitsfälle sind von Damit, Schneidemühl, Appenrodt n.A. beim Pferd und Schwein beschrieben.
III.nbsp; nbsp;Insufflcienz der Tricuspidalis. Die Schliessungsunfähigkeit der rechten Atrioventrikularklappe bringt ein Regurgitiren des Blutes aus der rechten Kammer in die rechte Vorkammer, verbunden mit einem systolischen Aftergeräusche mit sich. Die Ilückwärts-bewegung des Blutes in den Vorhof setzt sich auf die Venen fort und erzeugt einen Venenpuls, sowie Stauung im Venensystem (Cya-nose der sichtbaren Schleimhäute u. s. w.). Der rechte Vorhof wird dilatirt und hypertrophisch, später auch das ganze rechte Herz erweitert. Bei Erschlaffung des letzteren trittBlutstauung in der Lunge mit Thrombenbildung in derselben (Dyspnoe), sowie in den Hohlvenen ein (Hydrops).
Charakteristische Symptome der Tricuspidalinsufficienz: systolisches Aftergeräusch, Venenpuls.
|
;
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
554nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Klappenfehler.
Cagny beobachtete bei einem Rinde starke Füllung und Pulsation der Halsvenen neben Dyspno!1 und Hydrops, Sulmiel/, ebenfalls beim Rinde ein systolisches Gerilusch.
IV.nbsp; Die Stenose des Ostiums der Tricuspidalis, beim Menschen nur uusnalmisweise, beim Rind dagegen öfter beobachtet, kennzeichnet sich durch ein diastolisches Aitergeräuscli, starke Füllung, Dilatation und Hypertrophie des rechten Vorhofes, Venenpuls, Verlangsamung des Blutstromes in der Lungenarterie mit nachfolgender Thrombenbildung und embolischer Verschleppung der Thromben in die Lunge, Hypertrophie und Erweiterung auch der rechten Herzkammer, Athmungsstörungen und hydropische Erscheinungen.
Hering fand bei einem Pferde Pulsiren der Jugularen neben auffallend pochendem Herzschlage und ödematösen Anschwellungen. Eggeling sah bei einer Kuh, dir im Leben sehr erhebliche Athembeschwerden gezeigt hatte, Thromben von den fibrös veränderten Herzklappen sich fast in alle Zweige der Lungenartorie fortsetzen; bei einer anderen massenhafte embo-lische Herde in der Lunge, offenbar von einem zum Thoil erweichten liübnereigrossen, an der Seitenwand des rechten Ventrikels gelagerten Thrombus herrührend, auch hier bestanden während des Lebens starke Athembeschwerden,
V.nbsp; nbsp;Die Insufflcienz der Aortenklappen ermöglicht ein Zurückströmen des Blutes bei der Diastole aus der Aorta in die linke Herzkammer; indem nun ein Theil des Blutes zurückquirlt und mit dem aus dem linken Vorhofe eindringenden zusammentrifft, entsteht ein diastolisches Aftergeräusch, welches auch als Schwirren fühlbar werden kann. Die starke Anfüllung der linken Kammer führt weiter zu hochgradiger Dilatation und Hypertrophie derselben; das hypertrophische linke Herz bedingt seinerseits einen sehr starken Arterienpuls, dessen Curve indess wegen des Zurückweichens eines Theils des Blutes in die linke Kammer jäh absinkt: Pulsus celer, d. h. schnellender, hüpfender Puls. Das diastolische Aorten-geräusch wird zuweilen noch an der Carotis gehört.
CharakteristischeSymptome der Aorteninsufficienz sind: brausendes, diastolisches Aftergeräusch, hochgradige Dilatation und Hypertrophie des linken Herzens, starker Arterienpuls, Pulsus celer, Arteriengeräusche.
Einen schönen Fall von Insufficienz der Aortenklappen hat Polansky bei einem Pferde beobachtet. Er fand bei demselben ziemlich vergrösserte linke Herzdilmpfung, pochenden Herzschlag, rauschendes und leicht klingendes, diastolisches Aftergeräusch, das allmählich schwächer werdend bis zum Rücken und über beide Carotiden hörbar war. Der Puls war gross, voll und deutlich schnellend und auch an anderen periferen Arterien sichtbar,
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Klappenfehler.
|
555
|
|||
|
|
||||
|
so mi der abstoigendon Sohlilfenarterie, der hinteren Ohrarterie, vorderen und hinteren Schienbein - und Fesselartorie etc. Nach viertelstündiger mamp;SSiger Bewegung fühlte man in der Herzgegend ein deutliches diasto-lisches Schwirren, das nach kurzer Zeit mit der Beruhigung der Herz-thiltigkeit und Respiration wieder verschwand. Einen ähnlichen Fall haben wir beim Hunde beobachtet, bei welchem insbesondere das starke Pulsiren silmmtlicher peripherer Arterien charakteristisch war.
VI. Die Stenose des Ostiums der Aortenklappen versetzt das durch die verengten Klappen hindurchströmende Blut in Wirbelbewegung', wodurch ein systolisches Aftergeriiusch entsteht, gleichzeitig wird der Puls verlangsamt und sehr klein, der linke Ventrikel hypertrophisch. Bei hochgradiger Stenose treten die Erscheinungen der Gehirnaniimie, Schwindel etc. auf.
Charakteristische Symptome der Aortenstenose sind also: systolisches Aftergeriiusch, verlangsamter, sehr kleiner Puls, linksseitige Herzhypertrophie, Gehirnanämie etc.
Bagge hat zwei Fälle boschrieben, bei welchen er gleichzeitig mit dem ersten Herzton einen tiefen summenden Ton, sowie beim Anlegen der Hand ein Schwirron wahrnahm; dabei war der Puls auffallend leer. Das eine der beiden Pferde war sehr träge, frass wenig und magerte auffallend ab. Einen Fall von Stenose mit gleichzeitiger Insufficienz der Aortenklappen beim Pferde hat Lustig beschrieben.
VIJ. Die Insufficienz der Pulmonalklappen ist sehr selten und führt zu einem diastolischen Aftergeräusche mit Hypertrophie, und Dilatation des rechten Ventrikels, sowie bei Nachlass der Hcrz-thätigkeit zu hochgradigen Athmungs- und Circulations-störungen.
In der Literatur ist nur ein Fall beschrieben. Boizy fand bei einer Kuh. welche blnmenkohlähnliche Auswüchse an den Klappen der Lungenarterie zeigte. an der Stelle des zweiten Herztons ein raspelndes Geräusch, auffallend starken Venenpuls, doppelschlägiges angestrengtes Athinen, fast unfühlbaren Arterienpuls, sowie Ascites.
VIII. Die Stenose des Ostiums der Pulmonalklappen erzeugt ein systolisches A f t e r g e r ä u s c h, rechtsseitige Herzhypertrophie. Stauung im Venen system, sowie sehr bald in Folge eintretende)-Compensationsstörungen des Herzens Athmungsstörungen.
Dieser Klappenfehler ist ebenfalls sehr selten; Huth beschreibt ihn beim Pferde. Er fand einen mit dem Pulse synchronen sausenden Ton. sowie nach kurzer Bewegung hochgradige Athenmoth und verstärkte Herzaction, welche erst nach einiger Zeit verschwanden, so dass das Thier nun wieder weiter crehen konnte.
|
m
|
|||
|
m
IH
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
556
|
Klappenfehltir.
|
||
|
|
|||
|
Diagnose der Klappenfehler. Die Erkennung eines Klappenfehlers ist aus verschiedenen Grllnden nicht immer sehr leicht. Zunächst kommen Aftergeräusche, sowohl systolische als diastolische, auch ohne jede organische Veränderung der Klappen, als sogen, anorganische Herzgeräusche bei Leukämie, Anämie u. s. w. vor. Umgekehrt können Aftergeräusche trotz eines wirklich vorhandenen Klappenfehlers, besonders im Anfange sehr häutig fehlen, wodurch das wichtigste Moment für die Diagnose wegfällt. Sehr häufig com-biniren sich ferner zwei oder mehr Klappenfehler in allen möglichen Zusammenstellungen, wodurch die Symptome des einen durch die des anderen geradezu aufgehoben werden können. Am häufigsten findet man so Stenose und Insufficienz beisammen. Endlich ist das letzte Stadium, in welchem die Klappenfehler meistens erst zur Beobachtung gelangen, nämlich das der beginnenden Oompensationsstörung, bei allen so ziemlich in seinen Symptomen (Circulationsstörungen in der Lunge und im Venensystem) übereinstimmend, die Einzeldiagnose ist also sehr erschwert. Doch muss bemerkt werden, dass häufig wenigstens ein Klappenfehler unter den anderen in seinen Erscheinungen dotninirt und daher annähernd diagnosticirt werden kann. Um wenigstens einige Anhaltspunkte für die Differentialdiagnose der einzelnen Klappenfehler zu geben, möge Folgendes bemerkt werden:
1) PJin systolisches Aftergeräusch kommt vor bei Mitralinsufficienz, Tricuspidalinsufficienz, Aortenstenose, Pulmonalstenose. Die ersteren Klappenfehler sind ziemlich häufig, der letztere kommt kaum in Betracht. Die Tricuspidalinsufficienz findet sich besonders beim Rinde und ist mit Venenpuls vergesellschaftet. Die Mitralinsufficienz kommt namentlich beim Pferd und Hund vor und verläuft mit schwachem Pulse; die Aortenstenose dagegen mit sehr kleinem, zuweilen verlangsamtem.
li) Ein diastolisches (präsystolisches) öeräusch kann von einer Mitralstenose, Tricuspidalstenose, Aorteninsufficienz oder Pulmonalinsufficienz herrühren. Letztere kommt ebenfalls, als viel zu selten, kaum in Betracht. Die Tricuspidalstenose findet sich am häufigsten beim Rinde und verläuft mit Venenpuls, sowie starker Dyspnoe in Folge von Thrombenbildung im rechten Herzen. Die Mitralstenose unterscheidet sich von der Aorteninsufficienz durch den kleinen, unregelmässigen Puls, welcher bei Aorteninsufficienz sehr stark und dabei schnellend ist. Am häufigsten ist das diastolische Geräusch beim Pferd und Hund auf eine Aorteninsufficienz zurückzuführen.
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Klappenfehler.
|
oo lt;
|
|||
|
|
||||
|
Therapie der Klappenfehler. Ein compensirter Klappenfehler bedarf keiner Behandlung; man muss die Thiere nur bei gutem Futter erhalten und vor allzu grossen Anstrengungen und Aufregungen schützen. Erst wenn das hypertrophische Herz in seiner Leistungsfähigkeit nachzulassen anfängt, wenn in Folge dessen Circu-lationsstörungen in der Lunge und im Venensystem auftreten, muss man zu Mitteln greifen, welche dieHerztliätigkeit kräftigen und reguliren, die hohe Pulsfrequenz herabsetzen, den Blutdruck im arteriellen Gefäss-system steigern und dem Herzen die nöthigen Pausen zur Erholung und zur Nahrungsaufnahme verschaffen. In dieser Beziehung ist besonders die Digitalis ein sehr werthvolles Mittel: sie gleicht die Oirculations-störungen aus, erhöht den arteriellen Blutdruck, vermindert die Pulsfrequenz. Man gibt dieselbe entweder in Pulverform, oder in Form des etwa dreimal schwächeren Infuses mehrere Tage nach einander, wobei jedoch die Wirkung sorgfältig überwacht werden muss, und setzt dann wieder einige Zeit aus. Die Dosirung muss dabei eine niedere sein; beispielsweise gibt man Hunden ein Infus von l2,0 Fol. Digital, auf 250,(1 Wasser, täglich 12 Esslöffel (resp. Theelöffel für kleinere Hunde) voll; Pferden 25,0, Rindern 48,0 Pulv. Folior. Digital, auf Brot oder mit salmischen Mitteln. Aussei- Digitalis empfiehlt sich namentlich für Fälle mit starkem Hydrops das C of fein, welches vor dem Fingerhutkraut den Vorzug der Ungiftigkeit bei längerer Verabreichung und einer stärkeren diuretischen Wirkung besitzt. Man gibt es in Form eines seiner Salze, z. B. des Coffeinum natrio-benzoicum. Hunden täglich zu 0,251,0, Pferden und Rindern zu 510,0, In ähnlicher Weise wirkt Strophanthustinktur (Pferden und Rindern 1025,0, Hunden 1025 Tropfen). Als Unterstützungsmittel für die Digitalis wird endlich das .Todkalium sehr gerühmt (Pferden 510,0).
Sodann ist in symptomatischei'Hinsicht die Punction bei hochgradiger Höhlenwassersucht (Ascites. Hydrothorax. Hydropericardium), sowie ein diuretisches (die oben genannten Herzmittel, Scilla, Kalium aceticum) und diaphoretisches, resp. speicheltreibendes (Pilo-carpin) Kurverfahren angezeigt. Auch Drastica können vorübergehende Erleichterung verschaffen. Gegen allgemeine Schwäche sind die exeitirenden, gegen abnorme Herzpalpitationen endlich narkotische Mittel, insbesondere das Morphium in Form der subcutanen Injection (Pferd 0,4-0.(5; Kund 0,010,05), das Bromnatrium, Sulfonal, Urethan, Hypnon etc. angezeigt.
|
in
-.4;
|
|||
|
|
||||
|
|
||
|
Aortenanourysmeii.
|
||
|
|
||
|
Auearysmen dor Aorta.
Literatur, 1) Schutt, Magazin. I. Bd. S. 40, 2) Seer, ibid. 1847. S. 418. 3) Oollin, Journal de Lyon. 1858. 4) Vogel, Repertor. 1863. S. 116. ,5) Raymond, Reoueil de mod. vet. 1807. 0) Hering, Repertor. 18(i7. S. 130. 7) Lustig, Deutsche Zoitschr. f. Thiermed. 1870. S. 383; 1878. S. 17. 8) Gallier, Archives d'Alfort. 1879. 9)Nocard, Bull. soc. centr. vet. 1880; Reoueil, 1891. Nr. 10. 10) Megnin, ibid, 1882. 11) Kou-hiluser, Oesterr. Viorteljahrsschr. 1882. S. 42. 12) Hanzo, Preuss, Mit-theilungen 1882. S. 53. 13) Labat u. Cadeac, Revue veter. 1884. S. 105. 14) Barrier, Bullet. Belg. 1885. S. 630. 15) Blaise, Reoueil. 1880. 10) Wolff, Berlin. Archiv. 1880. S. 284. 17) Dieokerhoff, Specielle Pathologic. 1888. S. 792. 18) Wöl'Z, Repertor. 1888. S. 85. 19) Gottes-winter, Ad. Wochenschr. 1888. S. 52. 20) Steel, The vet. journ. Bd. 2'. 21) Godfrin, Amial. belg. 1888. 22) Schmidt, Berl. Archiv. 1889. S. 295. '23) Bleich, Zeitsohr. f. Yeterinftrkde. 1889. S. 85. 24) Ibidem, S. 112. 25) Steinmeier, ibid. 1890. S. 59. 20) Rasbergor, Wochenschr. für Thierheilkde. 1891. 8. 218.
|
||
|
|
||
|
Aetiologie. Die Ursachen der Aortenaneurysiiien, d. h. umschriebener Erweiterungen der Aorta, sind meist in krankhafter Veränderung der Aortenwandung durch chronische Endarteriitis und Mesarteriitis, mit fettiger und kalkiger Entartung etc. zu suchen. Eine derartige Gefässerkrankung findet sich beim Pferde am häufigsten in den Gekrösarterien, in Folge der Anwesenheit von Strongylus armatus, als sogen. Wurmaneurysma (vergl. das Kapitel über embo-lische Kolik); auch Spiroptera sanguinolenta kann hiezu Veranlassung geben. Weiter können traumatisch-mechanische Einwirkungen, wie heftige Muskelanstrengung, Stoss oder Fall insbesondere bei bereits gegebener Arterienerkrankung, eine Erweiterung herbeiführen. Zuweilen scheint auch eine Diathese zu ausgebreiteter Aneurysmenbildung vorhanden zu sein (Raymond).
Anatomischer Befund. Die Aortenaneurysmen sind bald sackförmig, bald spindelförmig, bald cylindrisch; bei den wahren wird der Sack durch die Gefässwandung, bei den falschen durch benachbarte Organe, wie Darm, Leber u. s. w., begrenzt. Die Grosse kann eine ganz bedeutende (über Menschenkopfgrösse) werden; dabei verwachsen sie zuweilen mit den benachbarten Organen, so z. B. mit dem Magen, dem Grimm- und Hüftdarm, mit der Leber etc. Am häufigsten kommen Aneurysmen an der vorderen Gekrösarterie, dann
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Aortermneurysmen.
|
559
|
||
|
|
|||
|
aber auch an der Theilung der Aorta, an der Bauchschlagador, an der Brustaorta, au der Aortenwurzel (Konhiiuser) vor. Lustig fand ein sehr grosses Aneurysma beim Pferde, welches tgt; cm von dem Ursprünge der Bauchschlagader begann und bis hinter den Ursprung der Nierenarterien reichte, mit einem Querdurchmesser von 12,5 cm. Meist betheiligen sich alle drei Häute der Aorta an der Erweiterung; dabei sind sie atheromatös und fettig degenerirt, abwechselnd verdickt und atrophisch, und zeigen plättchenartige Kalkeinlagerungen. Der Inhalt bestellt aus Fibringerinnseln, welche häutig geschichtet, organisirt oder schon eiterig zerfallen sind, und nach Roll durch Schrumpfung und Vernarbung auch bei den Hausthieren spontane Heilung herbeiführen sollen. Indem sodann die erweiterte Aorta auf die zunächst gelegenen Organe drückt, comprimirt sie Lunge, Magen, Gedärme, Leber, Nieren etc., und usurirt selbst die Wirbelsäule. Endlich kann sie auch zerreissen und ihren Inhalt in die Brust- und Bauchhöhle, ja selbst in den Magen (Vogel, Bleich) und Mastdarm (Labat und C'adeac) ergiessen.
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. In den meisten Fällen rufen Aorteuaneurysmen keinerlei sichtbare Krankheitserscheinungen hervor, oder sie enden plötzlich tödtlich durch innere Verblutung, ohne dass bemerkenswerthe Symptome vorausgegangen wären. Die Folgen der Aneurysmen der vorderen Gekrösarterie sind bereits bei der embolischen Kolik besprochen worden. Der Tod durch innere Verblutung erfolgt besonders nach stärkerer Anstrengung plötzlich, indem die Thiere schwanken, grosse Athemnoth zeigen, zusammenstürzen und rasch verenden. In anderen Fällen hat man eigenthümliche anfallsweise Erscheinungen ohne direct nachfolgenden tödtlichen Ausgang beobachtet. So fand Lustig bei einem Pferde nach stärkerer Anstrengung Schwanken im Hintertheil, plötzliches Zusammenstürzen, hochgradige Dvspnoi1, sowie epileptiforme Krämpfe, wobei Kopf und Hals nach hinten gebeugt und die Füsse gestreckt wurden; nach 515 Minuten hatte sich das Thier wieder erholt. In einem anderen Fall constatirte Lustig bei einem Pferde mit Aneurysma der Lungenarterie Schwind elanfälle. Barrier beobachtete bei einem Hunde mit einem Aneurysma der hinteren Aorta starke Abmagerung trotz grossen Appetites, zunehmende Mattigkeit, hochgradige Athembosobwerde bei geringster Bewegung und schliesslich Lähmung des liintertheils (Erscheinungen der Herzschwäche). Schmidt fand bei einem Pferde mit einem manns-kopf'grossen Aneurysma der Brustaorta einen mit der Herzaction
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
500
|
Aoi'tenaneuryameii.
|
|||
|
|
||||
|
synchronen, summenden Ton über der Wirbelsäule, Unvermögen Futter vom Boden aufzunehmen, sowie gespannten und steifen Gang in der Hinterhand.
Therapie. Die Behandlung besteht beim Menschen in Anwendung der (ialvanopunctur, welche selbst auf die Brustaorta ausgedehnt wird, in Ergotininjectionen, sowie in der innerlichen Verabreichung von Bleizucker oder .lodkalimn. Die letzteren Mittel können auch bei Thieren versucht werden.
Die Symptomatik und Diagnostik der Aortenaneurysmen beim
Menschen ist eine viel vollkommenere als bei den Hausthieren, weil bei den letzteren dio physikalische Untersuchung meist unmöglich ist, z. B. die Percussion odor Auscultation eines Aortenaneurysmas beim Pferde. Beim Menschen sind als charakteristische Symptome zu nennen:
1)nbsp; Athemnoth in Folge von Lungeucompression:
2)nbsp; Anschwellung der .1 u g u 1 a r e n , Schwindel, C y a n o s e, Hydrops in Folge von Compression der Venen;
3)nbsp; Neuralgien der I n t e r c o s t a 1 n e r v e n und des Brachial-p lex us in Folge Drucks und Zerrung durch das Aneurysma;
4)nbsp; Einseitig kleiner resp. unfühlbarer P ul s nach einseitiger Compression eines Arterien Stammes durch das Aneurysma. sowie Verspätung der Puls welle in Folge Verlangsamung beim Passiren des Blutstromes durch das betreifende Aneurysma;
5)nbsp; Linksseitige Stimmbandlilhmung bei Druck des Aneurysmas auf den Nervus recurrens (ähnlich wie beim Rohren des Pferdes);
6)nbsp; Sichtbare oder percutirbare pulsirende Geschwülste mit eigen-thümlichem, schwirrendem, zischendem Gerüusche.
|
||||
|
|
||||
|
Kuptur grösscrer Oefiissc der Brust- und Baucliliöhlc.
Literatur. 1) Trousseau u. Leblanc, Arch. gen. de meil. 1828. 2) Cartwright, The Veterinarian. 1845. 3) Mercer, ibid. 1846. 4) Portal, Journal de Lyon. 1847. 5) Key, ibid. 1848. 6) Hering, Repertor. 1848. S. 8 f. 7) Straub, ibid. 18.50. S. 100. 8) Goubaux, Compt. rend, de la soc. de Biolog. 1853. 9) II er twig, Magazin, 1800. S. 220. 10) Page, The Veterinär. 1804. IDScrubi, ibid. 1805. 12) Parent u, St. Cyr, Journ. de Lyon. 1800. 13)Dpcroix, Journal milit. 1865/60. 14)Roussel, ibid. 1807/08. 16) Oreste, Patol. veterin. 1874. 16) Laguerri ere, Journ. milit. 1870/77. 17) Hnrtmunn, Oestorr. Viertnljalirsschr. 1874. S, 53. 18) L archer u. Rail li et, Bull, soc. centr, vet. 1877. 19) Lustig, Adam's
|
||||
|
|
||||
|
Woohenschr, 1877. S. 241.
21)nbsp; nbsp;Csokor, Oesterreich.
22)nbsp;Durieux, Ännal, Belg. 1880. S. 283. 24)Dieckor
|
20) Prietsch, Sachs. Jahresber. 1882. S. 86.
Vierteljahrsschr. Bd. 64. S. 28; 1888. S. 47.
1885. S. 250. 23) Bührmann, Berlin. Archiv.
icff, Spec. Pathol. 1888. S. 794. 25) Megnin,
|
|||
|
|
||||
|
Bulletin. 1886. 26) Meredith, The vet. .journ. Bd. 28. 27) Httbncr, Sachs. Jahresber, 1888.- S, 68. 28) Eblers, Berl. thienlrztl. Wochensohr.
1889.nbsp; S. 4. 29) Block, ibid. 1891. S. 258. 80)Möbius, Sachs. Jahresber.
1890.nbsp; S. 72.
|
||||
|
|
||||
|
l
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
Ruptur der Aorta.
|
561
|
|||
|
|
||||
|
Aetiologie. Zerreissungen grösserer Gef'asse in der Brust- und Bauchhöhle setzen meist eine Veränderung der Gefilsswand durch chronische endarteriitische Processe (arteriosklerotische resp. atheromatöse Veränderungen) oder Aneurysmen voraus. Die in-directen Ursachen der Zerreissung sind theils körperliche Anstrengungen, wie z. B. starkes Ziehen (Prietsch), theils irgend ein Fall (Hering), der Brechact (Straub), die Wirkung des zu therapeutischen Zwecken verwendeten Veratrins (Hering) u. s. w. Auch ulceröse Processe können von der Nachbarschaft aus die Arterienwand zerstören. Ausserdem werden in seltenen Fällen Gefässrupturen durch die Anwesenheit von Würmern innerhalb der Gefässe hervorgerufen, so beim Pferde durch Strongylus armatus (Durieux), beim Hunde durch Spiroptera sanguino-lenta (Morgagni, Meguin). Endlich sind Thiere mit Herzhypertrophie zu Gefässzerreissungen prädisponirt.
Anatomisches. Rupturen grösserer Gefässe kommen vor an der Aorta und ihren Aesten, an der Pfortader (Möbius U.A.), an der hinteren Hohlvene (Page, Scruby,Hert wig), an der vorderen Hohlvene (Straub), an der Lungenarterie (He ring, Hartmann, Prietsch U.A.). Die meisten Aortarupturen betreffen den Ursprung der Aorta in der Nähe der halbmondförmigen Klappen. Reisst nur die Intima und Media ein, so ergiesst sich das Blut zwischen Media und Adventitia und bildet das sogen. Aneurysma dissecans.
Symptome. Die Erscheinungen der Zerreissung eines grösseren Gefässes sind die der inneren Verblutung; sie bestehen in plötzlich auftretender Blässe der sichtbaren Schleimhäute, fadenförmigem oder unfühlbarem Pulse, Schwäche, Taumeln, Zusammenstürzen, sowie Kälte der extremitalen Theile. Straub sah in einem Falle epileptiforme Anfälle der Zerreissung der vorderen Hohlvene vorangehen; Hartmann fand beim Durchbruche eines Aneurysmas der Lungenarterie in einen grösseren Bronchus heftige Hämoptoe. Von einer Behandlung derartiger innerer Gefässrupturen kann keine Rede sein.
|
quot;M
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
Tliromboso einiger Aorteuilste.
(Thrombose der Schenkel-, Becken- und Achselarterien.)
Literatur. Thrombose der Crural is; 1) Radomuclier, Magazin.nbsp; 1838.
S. 435. 2) Reynal, Recueil vöt. 1853 u. 1858. 8) Goubaux, ibid.nbsp; 1865.
4) For die, The Veterinär. 1807. 5) Oreste, Qaz. medic, veter-.nbsp; nbsp;1872. Friodborgor u. Fi-ölmer, Pathol. u. Therapie d. IlnusHiicro. I. Bd. 3. Aufl. 36
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
5t)2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Thrombose der Schenkelarterie.
G) Priedb orger, Piltz'sche Zeitsohr. 1875. S. 258. 7) Johne, Sachs. Jahresbor. 1882. S. 47. 8) Collhi, Journ. de möd. vet. 1882. 9) Roul, Aniial. de Bruxellos. 1882. S. 3ö3. 10) Trasbot, Archiv. d'Alfort. 1880. 11) Weber, Bull. soc. centr. viit. 1881. 12) Humbert, ibid. 1883. 13) De-lamotto, ibid. 1885. 14) Bayer, Oesterr. Vierteljahrsschr. 1883. S. 51; Oestorr. Monatsschr. 1883. S. 9; Lehrbuch der Vetorimirchirurgie. 1887. S. 192. 15) Weib, The Veter. 1884. 10) Gratia, Annal. de Bruxelles. 1884. S. 57. 17) Michotte, Etat sanit. Brab. 1883. S. 43. 18) Pirl, Berliner Archiv. 1885. S. 302, 408. 19) Schäfer, ibid. 1887. S. 303. 20) Cade a e u. Malet, Revue v6t. 1885. S. 530. Mit einem reichhaltigen Literaturverzeichnisso. 21) Dieokerliof'f, Spec. Pathologie. 1888. S. 792. 22) Kolb, Adam's Wochonsehr. 1887. S. 85. 23) Sheater, The vot. journ. Bd. 25. 24) Gray, The Veterinär. Bd. 61. 25) Preuss. statist. Militär-Veterinilrber. 1889. 20) Hoffmann, Thieriirztl. Chirurgie. 1891. S. 811.
Thrombose der Brachialis: 1) Bouley, Recueil de mcd. vet. 1851. 2) Ableitner, Adam's Wochenschr. 1800. S. 170. 3) George, Recueil do mod. vet. 1802. 4) Goubaux, ihid. 1804. 5) Hertwig, Magazin für Thierheilkdo. 1859. S. 224. 0) Steffen, ibid. 1872. S. 150. 7) Sehrami, Oesterr. Zeitschr. f. wissenschaftl. Veterinärkde. 1887. S. 107. 8) Zeitsohr. f. Voterinärkunde. 1889. S. 116. 9) Hoffmann, Thierärztl. Chirurgie. 1891. S. 740. 10) Martin, Wochonsehr. f. Thierheilkdo. 1890. S. 278.
Thrombenbildung im Herzen: 1) Preusse, Rundschau auf dem Gebiete der Thiennedicin. 1887. S. 204. 2) Dieckerhoff, Spec. Pathologie. 1888. S. 781.
Aetiologie. Die Thrombose der Schenkel- und Achselarterie gehört eigentlich zum Theil ins Gebiet, der Chirurgie, weil ihr Haupt-symptom im Lahmgehen besteht; da jedoch ihre Ursachen ausschliess-lieli innerliche sind, und es sich nur um grössere Geiasse handelt, kann sie ebenfalls als innere Krankheit besprochen werden. Die Ursachen sind nämlich einestheils in einer Erkrankung der inneren Arterienhaut (Endarteriitis), mit Auflagerung von Fibringerinnscln auf der rauhen Oberfläche und Verengerung des Lumens; anderntheils in embolischer Verstopfung dieser Aortenäste durch fortgeschwemmte , aus dem Herzen oder einem Aneurysma stammende Thromben zu suchen.
Anatomie. Am häufigsten findet man die Aorta an ihrer Theilung in die beiden Darmbein- resp. Schenkelarterien und in die beiden Beckenarterien, seltener die Achsel- resp. Armarterie, in sehr seltenen Fällen auch die Lendenarterien (mündliche Mittheilung von Direktor Hahn) thrombosirt. Das Ende der Aorta und der Anfang der abgehenden Arterienäste ist meist erweitert, die Wandungen sind verdickt und atheromatös entartet, die Intima ist
|
||
|
|
||
|
.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Thrombose der Sohenkelarterie.
|
568
|
||
|
|
|||
|
getrübt, verfettet, verkalkt, mit Geschwüren besetzt. Im Inneren sitzt ein meist geschichteter und organisirter, derber Thrombus von heller Farbe, welcher das Lumen mehr oder weniger verengt und oft nur einen ganz dünnen Canal übrig Ulsst; häufig setzt sich sodann der Thrombus nach vorn gegen die Aorta und nach hinten in die abgehenden Arterieniiste hinein fort, oder reitet wohl auch auf der Aortengabelung. Zuweilen ist die Darmbeinarterie oder Beckenarterie der einen Seite vollkommen durch den Thrombus ausgefüllt. Neben der Thrombose entwickelt sich secundilr nicht selten eine compen-satorische Herzhypertrophie; auch kommen bei Erweichung des Thrombus Embolien in peripher gelegenen Arterien der Extremitäten vor.
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. Während der Ruhe verursachen die beschriebenen Thromben gewöhnlich keinerlei Krankheitserscheinungen. Erst nach kürzerer oder längerer Bewegung vor dem Wagen, unter dem Reiter oder in der Longe kommt ein ganz eigenthümlicbes, charakteristisches Krankheitsbild zum Vorschein.
1) Bei der Thrombose der Schenkelarterien, an welcher meist Pferde, in seltenen Fällen auch Rinder (Fordie) erkranken, findet man zunächst eine .allmählich zunehmende Schwäche in einem oder beiden Hinterbeinen. Die Thiere zeigen sodann eine charakteristische, anfallsweise auftretende Lähmung. Sie geben meist auf einer Seite nach, zeigen einen schwankenden Gang, schlagen den befallenen Hinterfuss an dem der anderen Seite an, setzen ihn nur noch mit der Zehe auf oder schleppen ihn ganz nach, zittern, knicken zusammen und liegen dann meist einige Minuten erst mit den Beinen zappelnd, dann erschöpft am Boden. Gleichzeitig ist die Athmungs-frequonz ausserordentlich gesteigert, der Herzschlag prellend und beschleunigt, die sichtbaren Schleimhäute stark injicirt, über den ganzen Körper ist Schweiss ausgebrochen. Die Temperatur der gelähmten Extremität ist meist eine sehr niedere, und es fehlt häufig, wenn auch nicht immer, das Pulsiren der Schien- und Fesselbeinarterien. Nach Ablauf einiger Minuten erheben sich sodann die Thiere wieder, und es stellt sich unter allmählicher Abnahme der Lähmungserscheinungen der normale Zustand bald wieder her. Von Wichtigkeit für die Diagnose ist, dass der Anfall experimentell durch for-cirte Bewegung der Thiere hervorgerufen werden kann. Bei der Untersuchung der thrombosirten Stelle vom Mastdarm aus findet man die Aorta und ihre abgehenden Aeste erweitert, verdickt, unnachgiebig, von einem harten länglichen Körper ausgefüllt und
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
564nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Thrombose der Schenkelarterie.
meist ohne Pulsation auf der erkrankten Seite. In seltenen Fällen kommt es im Anschlüsse an die Thrombose zu peripherer Venen-embolie mit Gangrän der Gliedmassen (Cadeac und Malet).
2) Die seltenere Thrombose der Achselarterie äussert sich in einfachem Lahmgehen auf der betroffenen Seite. Die Thiere beginnen während der Bewegung zu straucheln, machen Fehltritte, stolpern, stossen fortwährend mit der Zehe an, können die Gliedmasse nicht heben, sondern schleifen sie förmlich nach, zittern auf der betreifenden Seite und stürzen wohl auch zusammen. Athmungs-störungen, Herzaufregung und Congestionszustände haben wir indess dabei nicht beobachten können. Nach kurzer Zeit ist die Functions-fähigkeit vorläufig wieder hergestellt.
8) Die Thrombose der Beckenarterien hat eine Lähmung des Mastdarmes, der Harnblase, des Schweifes und Kreuzes zur Folge (Kolb).
Therapie. Die Behandlung der beschriebenen Thrombosen ist im Allgemeinen von wenig Erfolg begleitet; jedenfalls ist eine innerliche Therapie (Jodkalium, Alkalien) ziemlich nutzlos. Wichtiger scheint die von Collin und Bayer empfohlene Massage des Thrombus vom Mastdarm aus, in Form eines vorsichtigen Streichens und Knetens der Pfropfe zu sein, wodurch eine Erweichung und Resorption angestrebt, indess andererseits auch die Gefahr einer emboli-schen Verschleppung von Theilen des Thrombus hervorgerufen wird. Endlich kann man durch methodisch fortgesetzte Bewegung der Thiere den Herzmuskel stärken und den Blutdruck erhöhen, wodurch sich ebenfalls eine Besserung des Zustandes erzielen lässt. Eine mehrwöchentliche absolute Ruhe (Weidegang oder Stehenlassen) hat in manchen Fällen nachgewiesenermassen eine sehr günstige Wirkung gehabt (Resorption resp. Organisation des Thrombus). In anderen Fällen dagegen haben wir die Beobachtung gemacht, dass die Thromben nach langem Stehen sich sehr vergrösserten; es lässt sich daher über den Einfluss einer solchen andauernden Ruhe eigentlich wenig Bestimmtes für die Praxis angeben.
Thrombenbildung im Herzen kommt bei Erkrankung des Endo-cardiums, namentlich bei Endocarditis valvularis ulcerosa zu Stande, wobei eine gleichzeitig vorhandene Her/schwilche mit Stagniren der Blutsilnle von prädisponirender Wirkung ist. Die anfangs kleinen Thromben geben zu allgemeinen Störungen erst dann Veranlassung, wenn sie zur Verengerung eines Ostinms führen. Es entwickeln sich dann die Symptome einer Stenose des betreffenden Ostiums mit schliesslicher Herzdilatation;
|
||
|
|
||
|
.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Würmer im Blute.
|
505
|
|||
|
|
||||
|
auch Embolien in die Lunge und nach der Körperperipherie kommen vor. Diese Herzthromben, welche dem Endocardium gewöhnlich fest aufsitzen, dürfen natürlich nicht mit den agonalen Blutgorinnseln im Herzen verwechselt werden.
|
||||
|
|
||||
|
Würmer im Blute (Hiimatozoen).
liiteratur. 1) Hudolphi, Histor. natur, 1819. 2) Leydy, Proc. Ac, nat. scienc. of Philadelphia. 1850. u. 1880. 8) Gurlt, Pathol. Anatomie. S. 353. 4) Delafond u. Gruby, Recueil de mod. vet. 1843, 1844, 1851; Coraptes remlus. 1856. 5) Serros, Journ. du Midi. 1854. 6) Mather, The Veterin. 1857. 7)Baillet, Journal du Midi. 1862; Clin. veter. 1888. 8) Leisering, Vireh. Arch. 33. Bd. 1805. S. 111 u. Sachs. Jahresber. 1804. S. 49. 9) Hering, Repertor. 1870. S. 374. 10) Krabbe, ibid. 1871. S. 153. 11) De Silvestri, II medic, vet. 1871. 12) Oreste, Gaz. medic, vet. 1874. 13) Lewis, The pathol. signiüc. of Nomatode Haematozoa. 1874. 14) Galtior, Journal de Lyon. 1876. 15) Galeb u. Pourquier, Compt. rend, do l'acad. des sciences 1877. 16) Megnin, Journ. de l'Anatomie Nr. II. 17) Karl, Am. journ. of oomp. med. 1. Bd. 18) Rivolta, Giornale de Pisa. 1877. 19) Lange, Deutsche Zcitschr. f. Thiermcd. 1882. S. 71. 20) No card (Paula Nogueira), Recueil. 1880. S. 660. 21) Cobbold, The Veter. 1884. 22) Grassi, Centralbl. f. Bacteriol. 1888. S. 615; 1889. S. 98. 23) Reuther, Adam's Wochensehr. 1888. S. 428. 24) Friedb ergor, Münch. Jahresber. 1888. S. 43. 25) Rieck, Deutsche Zcitschr. f. Thiormed. 1889. 26) Deffke, Monatshefte f. prakt. Thierheilkdo. 1889. S. 108. 27) Railliet, Recueil. v(5t. 1890.
|
M
|
|||
|
|
||||
|
Vorkommen. Es scheinen im Blute mehrerer Thiere, besonders beim Hunde, verschiedene Arten von Würmern vorzukommen, und zwar 1) Filaria imraitis, 2) Haematozoon subulatum (Leisering), oder Strongylus subulatus (Cobbold), oder Strongylus vasorum (Baillet), 3) Strongylus inflexus (von Hering beim Seehund und Delphin gefunden).
Die wichtigste Art ist jedenfalls Filaria immitis, ein angeblich von Leydy 1858 in Philadelphia entdeckter Rundwurm, identisch mit der Filaria papillosa haematica von Delafond und Gruby. Die ausgewachsenen Filarien erreichen eine Länge von 1535 cm und eine Dicke von 1 mm. Sie linden sich zusammengekniiuelt bis zu 5075 Stück in den Herzkammern, in der Lungenarterie etc. Die Embryonen von Filaria immitis bewohnen zu Hunderttausenden das Blut des Hundes und sind durchschnittlich '/i Millimeter lang und 5 Mikromilliineter dick. Lewis fand bei indischen Hunden die Filarien auch in Knötchen in der Aortenwand eingebettet.
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
666
|
Würmor im Blute.
|
||
|
|
|||
|
Symptome. Meist rufen die Eilarien, auch wenn sie in noch ^o grosser Anzahl im Blute vorhanden sind, längere Zeit hindurch keinerlei krankhafte Erscheinungen hervor. In anderen Fällen jedoch führen sie durch Thrombenbildung im Herzen, Verstopfung von Oeffnungen und sogar Ruptur des Herzens apoplectischen Tod herbei; auch scheinen Embolien der Embryonen in Gehirncapillaren Gehirnapoplexie zu veranlassen. Weiterhin hat man Nephritis, Husten, Erbrechen, Schmerzensäusserungen, epileptiforme Convulsionen, Dyspnoö, Abmagerung, grosse Schwäche, Läh-mungserscheinungen der Nachhand, sowie Blutungen in die Lungen und den Darm, endlich selbst wuthähnliche Symptome beobachtet.
Der Verlauf der Filariakrankheit ist ein chronischer. Man kann unterscheiden zwischen einem latenten, Monate und Jahre andauernden Stadium, während dessen die Thiere keine sichtbaren Krankheitserscheinungen zeigen, und einem offenbaren (acuten oder peracuten) Stadium mit den oben beschriebenen Symptomen.
Diagnose. Die Erkennung der Filariakrankheit während des Lebens ist wegen der Allgemeinheit und Vielseitigkeit der Krankheitserscheinungen und des Fehlens derselben im ersten Stadium schwer. Die Diagnose wird indessen bei Beachtung zweier Momente wesentlich erleichtert. Zunächst kommt die Krankheit in Deutschland aus-schliesslich hei solchen Hunden vor, welche früher im Auslande (China, Japan) gelebt haben. Sodann findet man bei sorgfältiger mikroskopischer Untersuchung des Blutes die charakteristischen, 7* Millimeter langen und V200 Millimeter dicken Embryonen der Filarien. Die letztere Untersuchung sollte daher bei allen importirten Hunden, welche Zeichen von Abmagerung, Lähmung etc. darbieten, nicht unterlassen werden.
Therapie. Eine Behandlung ist so lange fruchtlos, bis die Einwanderungsweise der Filarien nicht festgestellt ist; auch dann kann sie lediglich prophylaktischer Natur sein. Die angebliche erbliche Uebertragung der Filarien bei Paarung von erkrankten Hunden auf die Nachkommen ist sehr zweifelhaft. Zur Bekämpfung der Parasiten im Blute soll in Japan der Arsenik mit Erfolg gegeben werden.
Entwicklungsgeschichte. Nach Man son nimmt der Mosquito in den Tropen der neuen Welt filarionhaltiges Menschenblut mit seinem Stiche auf und wird so /.um Zwisclienwirth der F ilaria sanguinis ho m in is. Ist die Pilaria vom Magen des Mosquito aus durch die Leibeshöhle hin-
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Würmer im Blute.
|
567
|
|||
|
|
||||
|
durch in den Thorax eingedrungen, so stellt sie hier ihre Bewegungen ein und wächst, indem sie nach Man son sechs Entwicklungsstadien durchmacht. Nachdem der weibliche Mosquito seine Eier abgelegt und im Wasser seinen Tod gefunden hat, brechen die Filarien durch das Hautskelett aus der Mosquitoleiche hervor und tummeln sich frei im Wasser umher, so dass die Uebertragung der Filaria sanguinis hominis in den Menschen auf doppelte Weise: durch den Stich von Mosquitos, welche bereits filaria-haltiges Menschenblut aufgesaugt haben, und durch den Oenuss filarien-haltigen Trinkwassers erfolgen kann. Nach Sonsino kommt die Filaria des Menschenblutes auch in Aegypten vor und wird daselbst von der Stechmücke , Culex pipiens, aufgenommen und zur weiteren Entwicklung gebracht. In ilhnlicher Weise hat man sich wohl auch die Infection der Hunde vorzustellen. In Japan, wo jährlich 50 l'roc. aller Hunde, und insbesondere die importirten, der Filaria immitis 7,um Opfer fallen, herrscht die Ansicht, dass die mit dem Harn ausgeschiedenen Embryonen auf die Reisfelder gelangen, sich daselbst in Pfützen ansammeln und von hier wieder durch die Hunde aufgenommen werden.
|
#9632;' fl
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Hautkrankheiten.
|
||
|
|
||
|
Literatur im Allgemeinen. 1) Haubner, Beiträge zur Diagnostik der ohronisohen
Hautausschläge des Pferdes. Magazin. 1836. S. 1 ff.; Beiträge zur Lehre von den Hautausschlägen der Wiederkäuer, ibid. 1840. S. 401; Haubner-Siedamgrotzky, Landwirthsch. Thierheilkde. 1889. 2) Uouley, Recueil de med. vet. 1843. 3) Gerlach, Magazin. 1857, 1859; Krätze und Räude entomologisch und klinisch bearbeitet. 1857. 4) Fürstenberg, Die Krätzmilbe der Menschen und Thiere. 1861. 5) Zürn, Die Schmarotzer auf und in dem Körper unserer Hausthiere. 1874, 1882, 1887, 1889. 6) Mdgnin, Recueil de med. vct. 1875; Les Parasites et les maladies parasitaires. Paris 1880. 7) Lesser, Die Hautkrankheiten des Menschen. 1888. 8) Cadeac, Diet. vet. 1888. Bd. 16. 9) Müller, Die oberflächlichen Hautentzündungen und ihre Behandlung. Thiermed. Vorträge. 18Ü0. Heft 2.
Einleitende Bemerkungen zu den Hautkrankheiten. Hautkrankheiten kommen bei allen unseren Hausthieren, insbesondere beim Hund, Pferd und Schaf, aber auch beim Rind, Schwein, den Ziegen und Katzen, sowie dem Geflügel sehr häufig und in den mannigfaltigsten Formen vor. Gerade diese Vielgestaltigkeit der Hautkrankheiten hat von Alters her zur Aufstellung einer ausserordentlich grossen Anzahl von Einzelformen mit besonderen, zum Theil in ganz unrichtiger Weise aus der Menschenmedicin übertragenen, und nicht immer sehr glücklich gewäldten Namen geführt. Benennungen wie Flechtequot;, Fäulequot;, Rosequot;, Räudequot;, Maukequot;, Grindquot; u. s. w., welche nicht selten ganz verschiedenen HautafFectionen gleichzeitig beigelegt wurden, haben sich bis auf unsere Zeit noch erhalten und richten nicht wenig Verwirrung in den Begriffen an. Wenn nun auch diese veraltete Nomenklatur am besten ganz verlassen werden müsste, so kann man doch bei einer Bearbeitung der Hautkrankheiten die früheren Bezeichnungen des Verständnisses halber nicht ganz entbehren; immerhin aber ist es geboten, manche derselben auszumerzen und womöglich einen Versuch zu machen, die grosse Menge einzeln be-
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Hautkrankheiten.
|
m
|
if
|
||
|
|
||||
|
schriebener Hautkrankheiten unter gewisse Sammelbegritte zu bringen. Wir werden so eine grössere Anzahl von früher getrennten Einzel-t'ormen beispielsweise zusammen unter dem Gesichtspunkte eines Ekzems besprechen, indem wir uns hiebei dem Vorgange Hebra's in der Menschenheilkunde anschliessen, welcher zuerst den Begriff des Ekzems durch Aufnahme anscheinend heterogener Krankheitsbilder ungemein erweitert hat. Wir werden ferner den Ausdruck Flechtequot;, wie schon Gerlach vorgeschlagen hat, nur für pflanzlich parasitäre Hauterkrankungen, sowie die Benennung Räudequot; nur für Hautausschläge benützen, welche durch Kratz- oder Räudemilben erzeugt werden.
Eine streng wissenschaftliche Eintheilung der Hautkrankbeiten ist bei unseren Hausthieren im Vergleiche zum Menschen noch viel schwieriger, weil die Diagnose durch die Behaarung und Pigmentirung der Haut erheblich erschwert wird. Von einer diffusen oder umschriebenen Rothung der Haut kann beispielsweise nur bei nicht pig-mentirten Thieren und bei pigmentfreien Hautstellen die Rede sein. Ueberhaupt lässt sich ein System auf Grundlage der anatomischen Veränderungen aus dem einfachen Grunde nicht durcbführen, weil ein und dieselbe anatomische Veränderung bei verschiedenartigen Hautkrankheiten vorkommt, und umgekehrt ein und dieselbe Hautkrankheit in ihrem Verlaufe die allerverschiedensten anatomischen Bilder aufweist. So bedeutet das Wort Knötchenflechtequot; durchaus keine klinische Einheit, indem Knötchen bei einer Reihe von Hautkrankheiten auftreten; andererseits verläuft z. B. das Ekzem mit einer ganzen Stufenreihe anatomischer Veränderungen (Hyperämie, Knötchen, Bläschen, Pusteln, Schorf-, Krustenbildung). Auch eine Unterscheidung in acute und chronische Hautkrankheiten dürfte aus dem Grunde nicht opportun erscheinen, weil manche acute Krankheitszustände, z. B. das Ekzem, sehr häufig auch chronisch werden können. Die Trennung ferner in idiopathische, d. h. durch äussere Schädlichkeiten erzeugte, und symptomatische, d. h. durch innere Krankheitsursachen, wie z. B. durch acute Infectionskrankhoiten hervorgebrachte Hautkrankheiten ist ebenfalls nicht einwandsfrei, indem z. B. Urticaria (Nesselsucht), ein klinisch sehr scharf gezeichnetes Hautleiden, sowohl durch äussere (Insecten), als durch innere Ursachen (Druse u. s. w.) entstehen kann. Die Aetiologie endlich ist zwar als das weitaus wichtigste Eintheilungsprincip für die Hautkrankheiten zu betrachten, lässt sich aber aus dem einfachen Grunde nicht durchgehends als solches festhalten, weil bei vielen Hautkrankheiten die Aetiologie mit Sicherheit noch gar nicht gekannt ist. Wenn wir daher die Ein-
|
1 I
|
|||
|
^.1
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
)70
|
Hautevythem.
|
||
|
|
|||
|
theilung ilev Hautkranklieiten in parasitäre und niclitpara-sitäre als die für unsere Zwecke vorerst geeignetste halten, so wollen wir hiebe! von vornherein darauf hinweisen, dass insbesondere das Gebiet der pflanzlich-parasitären Hautausschläge noch sehr wenig umgrenzt ist, und dass die Meinungen der Autoren über die Bedeutung, welche die aufgefundenen Pilze an der Entstehung der betreffenden Krankheiten haben, immer noch sehr getheilt sind, um so mehr, als pflanzliche Mikroorganismen auch zufälliger Weise auf der anderweitig erkrankten Haut vorkommen können.
Nachdem wir diese Vorbemerkungen vorausgeschickt haben, halten wir uns im Folgenden in der Hauptsache an die Eintheilung in parasitäre und nichtparasitäre Hautkrankheiten, und theilen ei'stere wieder in pflanzlich- und thierisch-parasitäre. Den grössten Theil der symptomatischen, durch innere Ursachen erzeugten Ausschläge (Pocken, Maul- und Klauenseuche u. s. w.), welche man im Gegensatze zu den idiopathischen auch als Exanthemequot; (d. h. aus einer inneren Krankheit herausblühendequot;) bezeichnen kann, verweisen wir ins Kapitel der Infectionskrankheiten. Endlich muss eine grosse Anzahl von Hautkrankheiten der Chirurgie überlassen werden: so das Erysipel, die Phlegmone, das Panaritium, die Neubildungen der Haut etc.
|
|||
|
|
|||
|
1. Nicht parasitäre Hautkrankheiten.
|
|||
|
|
|||
|
Hsuxterythem, Hautröthe. Dermatitis erythematosa.
Literatur des Buchweizenausschlagos. 1) Verheyen, Recnoil de med. vet. 1849; enthält die ültero Literatur. 2) Möglin'scho Annalen der Landwirthschaft. V. S. 423; VI. S. 332; VH. S. 66, 264; X1I1. S. 199; XX. S. 366. 3) Hering, Spec. Pathol. 1858. 4) May, Die inneren und äusseron Krankheiten des Schafes. 1868. 5) l'rcuss. Mittheil. VII. Jahrg. S. 48; XVL S. 176. 6) Haubner, Die Gesundheitspflege der landwirthschaftl. Haussäugethiere. 1872. S. 335; Haubner-Siedamgrotzky, Lamhvirthschaftliche Thierhoilkunde. 1889.
7)nbsp; nbsp;Damm an n', Gesundheitspflege der Haussäugethiere. 1886. S. 412.
8)nbsp; Henninger, Bad. thierärztl. Mittheil. 1886. S. 15. 9) Cornevin, Las plantes veneneuses. Paris 1887. 10) Popow, Petersburger Archiv für Voterinännedicin. 1888. 11) Klein, Berliner Archiv. 1890. S. 220.
Begriff. Die einfachste Hautaffection besteht in einer Hyperämie des Papillarkörpers und der oberflächlichen Hautcapillaren, welche als Hauterythem bezeichnet wird, und bald diflus, bald mehr fleckig
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Hiiutevythem.
|
.71
|
i I
|
||
|
|
||||
|
umschrieben (Roseola) auftritt. Ein solches Hauterytheiu wird jedoch bei den Hausthieren nur an den unpigmeutirten Haufcstellen sichtbar; man trifft es daher am häufigsten bei Schafen, Schweinen, Hunden, weissgeborenen Pferden. Schecken, sowie an den weissen Abzeichen des Kopfes und der Extremitäten bei Pferden und Hindern. Das einzige wahrnehmbare Symptom des Erythems ist eine mehr oder weniger umschriebene oder diffuse Uöthe der Haut, welche im Gegensatze zur Häinorrhagie (Petechien. Ekcliymosen, Purpura) durch Fingerdruck vorübergehend zum Verschwinden gebracht werden kann. Zuweilen gesellt sich zur Röthung noch Juckreiz. Bei längerer Dauer hat das Erythem eine mehr oder weniger lebhafte Epidennis-abschuppung zur Folge.
Aetiologie. Das Hauterythem tritt entweder selbständig auf oder bildet das Einleitungsstadium anderer Hauterkrankungen. Im ersteren Falle geht es in der Regel rasch vorüber, ohne anatomische Veränderungen in der Haut zu hinterlassen. Die Ursachen sind dann:
1)nbsp; Mechanische Einwirkungen auf die Haut, so Druck, Reiben, Scheren bei Schafen, Hunden und Pferden, Antreiben der Schweine beim Transport u. s. w.; sogen. Erythema traumaticum.
2)nbsp; Chemische Reize, so leichte Aetzungen, Einreibungen von Carbol-, Theer-, Canthariden-, Brechweinsteinsalben, Sinapismus etc., Zersetzung des Harns .auf der Haut in der Umgebung der Harnröhren-mündung bei Lähmung der Nachhand, Insectenstiche, Einwirkung von Befallungspilzen auf die Haut; sogen. Erythema toxicum.
3)nbsp; nbsp;Thermische Einflüsse, zu hohe oder zu niedere Temperaturgrade (erstes Stadium der Verbrennung und Erfrierung), Einfluss der directen Sonnenstrahlen auf die nicht pigmentirten Hautstellen; Erythema caloricum und solare.
Therapie. Eine Behandlung des Hauterythems wird wohl nur ausnahmsweise nothig werden; neben der Entfernung der Ursachen kann man bei lebhaftem Juekgefühle reizmildernde Umschläge von Bleiwasser, ein Streupulver aus Amylum und Zinkoxyd, Bleioder Zinksalbe, endlich bei sehr starkem Juckreize eine üprocentige Höllensteinlösung anwenden.
Buchweizenausschlag (Pagopyrismus). Als eine besondere Form des Hauterythems, wenn auch gewölmlicli über den Rahmen des einfachen Erythems hinausgehend, ist der sogen. Ruchweizenausschlag zu betrachten. Derselbe kann zwar als reines Erythem verlaufen, stellt aber ebenso liilufig eine Complication des Erythems mit e r y th e m a t ö s e r Haute n t z ü n d u n g
|
,-f I
|
|||
|
m
|
||||
|
|
||||
|
I
|
||||
|
|
||
|
572nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Buohwelzenaussohlag,
(d. h. mit entzündliolier Infiltration dei- Cutis oder einem entzündlicheii Huutödein), sowie mit vesicn lilrer, bullöser, ,plilegm on oser, ery-s i p o 1 a t ö s e r, ja selbst g a n ,' r il n e s c i r e n d e r D e r m a t i i i s dar. üeber-haupt lässt sich eine strenge Grenze zwisi-lien einfacher Hauthyperäniie (Erythem) und erythomatöser Entzündung nicht immer ziehen.
1)nbsp; nbsp;Die Ursachen des Buchweizenansschlages sind zunächst in der Aufnahme von Buchweizen (Polygonum Fagopyrum). sowie anderer Polygomunarten (Polygonum Persicaria), und zwar sowohl des grünen Buchweizens, insbesondere zur Zeit der Blütlie, als auch der Körner, des Strohes, der Stoppeln, der Spreu zu suchen. Als zweiter Factor für das Zustandekommen des Buchweizenausschlages scheint indess in der Regel die Einwirkung des Sonnenlichtes nothwendig zu sein. Die Entstehung des Ausschlages wird man sich dann wohl am besten in der Weise vorstellen, dass auf dem Buchweizen schmarotzende Befallungspilze, resp. ihre reizenden Zersetzungsproduote, mit der Haut der betrefl'enden Thiere in Berührung kommen, dieselbe indess nur an den empfindlicheren , nicht pigmentirten Hantstellen, sowie nur im Zustande eines durch die Sonnenhitze erzeugten Erythema solare zu irritiren vermögen. Ob Insecten in einzelnen Fällen den Buchweizenausschlag erzeugen können (die Buchweizenfelder bieten vorzügliche Bienen weiden), oder ob eine gewisse Idiosynkrasie, d. h. eine individuelle Empfindlichkeit gegen Buchweizen angenommen werden kann, muss dahingestellt bleiben.
2)nbsp; nbsp;Vorkommen des Buchweizenausschlages. Man findet denselben am häufigsten bei weissen und weissgescheckten oder fleckigen Schafen, besonders Lämmern, sowie bei Schweinen. seltener bei Ziegen (Hering), Bindern und Pferden mit unpigmentirten Hautstellen. Eine je reichlichere und anhaltendere Fütterung von Buchweizen vorausgegangen ist und je mehr die Thiere der Sonnenhitze ausgesetzt sind, um so stärker tritt der Ausschlag auf. Schwarze oder schwarz bestrichene weisse Thiere erkranken nicht; desgleichen nicht Thiere, welche im Stalle gehalten werden oder bei trübem kühlem Wetter die Weide beziehen, sowie solche, welche im Schatten weiden. Dagegen entwickelt sich der Ausschlag selbst dann noch, wenn mit der Buchweizenfütterung 810 Tage, ja selbst 34 Wochen lang ausgesetzt wurde, und die Thiere nun ins grelle Sonnenlicht kommen. Beim Zurückbringen in den Stall verschwindet das Leiden bald, erscheint jedoch sofort wieder im Sonnenlichte. Im Winter scheint sich der Ausschlag auf einfaches ducken und Brennen zu beschränken.
'J) Erscheinungen des Buchweizenausschlages. Dieselben bestehen in einer intensiven Röthung (Erythem) und entzündlichen Schwellung (Dermatitis ery t h ema tosa) des Kopfes, besonders an den Ohren, im Gesicht, an den Augenlidern, welche sieh bis auf den Kehlgang und den Hals erstrecken können, und von lebhaftem Juckgefühl begleitet sind, in Folge dessen die Thiere aufgeregt werden, den Kopf schütteln, sich reiben, unruhig umherrennen, ja selbst sehr hochgradige Gehirnreizungs-erscheinungen wie bei Tobsucht an den Tag legen. Zuweilen schiessen auf der gerötheten und gesehwollenen Haut linsen- bis erbsengrosse Bläschen auf, welche beim Platzen eine gelbliche Flüssigkeit entleeren und unter Krustenbildung abheilen; sogen. Kopf- oder Blatter rose der Schafe (wohl als Erysipelas bullosum aufzufassen).
Daneben beobachtet man in schweren Fällen Bespi ration s-störungen (erysipelatöse Schleimhautentzündung der Luftwege), fieberhaftes AI Igemein 1 ei den, sowie die Symptome einer Gehirnaffection: Betäubung, Stumpfsinn, Drehbewegungen, Krämpfe, starke Aufregung u.s. w.,
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Kk/.mn.
|
J73
|
||
|
|
|||
|
wahrscheinlich beim Uebergange des erysipelatösen Processes von der Kopfhaut auf die Meningen; hiebei kommt es wohl auch zu tödtlichem Ausgang der Krankheit. Die von Rabe u. A. (Preuss, Mitthoil. XVI. S. 176: Neue Folge VII. S. 48) bei Pferden und Schweinen ohne Hauterkrankung beobachteten epi leptlf or men Anfillle, verbunden mit Schwindelerscheinungen, weisen ausserdem auf ein in dem Buchweizen vorhandenes narkotisches Gift hin.
4) Die Behandlung des B u c h w e i /, e n a u s s c h 1 a g e s besteht in prophylaktischer Beziehung zunächst darin, dass mau weisso Schafe nur an bedeckten Tagen oder gegen Abend auf die Buchweizenweiden verbringt, oder den Buchweizen ausschliesslich im Stalle verfüttert. Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, so muss man die Thiere unvorzüglich an schattige Plätze oder am besten in den Stall zurückbringen. Eine locale Behandlung ist nur bei schwereren Complicationen , so insbesondere bei erysipelatöser Entzündung der Kopfhaut mit cerebralen und allgemeinen Symptomen nöthig; man wendet hier kühlende Umschläge, Waschungen des Kopfes mit Creolinwasser, Olivenöl in Verbindung mit Kalkwasser aa, sowie innerlich entzündnngswidrige Mittel, z. B. Brechweinstein, Mittelsalze etc. an.
Eine dem Buchweizenausschlage ähnliche Hautkrankheit beobachtete Henninger bei Pferden, welche beim Pflügen durch üppiges Kartoffelkraut schreiten mussten.
|
|||
|
|
|||
|
Das Ekzem.
|
|||
|
|
|||
|
Definition. Der Begriff des Ekzems lässt sich am besten dahin definiren, dass dasselbe eine einfache multiple Hautentzündung mit verschiedenen Entwicklungsstadien und Höhegraden darstellt. Das Ekzem entspricht also seinem Wesen nach vollständig der Entzündung anderer Organe, z. B. der Schleimhäute, weshalb es auch schon früher als Katarrhquot; der Haut aufgefasst wurde; wie es jedoch, entsprechend dem Grade der Entzündung, verschiedene Formen eines und desselben Schleimhautkatarrhs, z. B. einen serösen, schleimigen, eiterigen u. s. w. gibt, ist auch das klinische Bild des Ekzems je nach dem Grade der Entzündung und der Beschaffenheit der befallenen Hauttheile ein ganz verschiedenes. Diese Verschiedenheit des Ekzems in der äusseren Erscheinung hat früher zur Aufstellung einer sehr grossen Anzahl scheinbar von einander differenter, eigenartiger Hautkrankheiten geführt. Es war dies um so leichter erklärlich, als selbst ein und dieselbe Hautaffection je nach der Thierart oder der Oertlichkeit wiederum scheinbar wesentliche Verschiedenheiten darbot, und das einfachste Hautleiden durch Kratzen, Nagen, Scheuern von Seiten der Thiere ein ganz verändertes Aussehen bekommen musste, sowie aus dem weiteren Grunde, dass nämlich ein und dieselbe Ursache je nach
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
574nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kkzem.
der individuellen Emjitiiullichkeit des Thieres oder der betreffenden 1 lautstelle, sowie je nach der Constitution, dem Alter etc. der Thiere ganz verschiedene Krankheitsbilder hervorzubringen vermag. Indess hat die Aufstellung so zahlreicher Einzelarten von Hautkrankheiten viel Verwirrung und Unklarkeit gestiftet und es ist insbesondere auch für die Zwecke des Unterrichts eine Reduction derselben, sowie die Betrachtung unter einem gemeinschaftlichen Gesichtspunkte dringend nothwendig.
Stadien. Wie jede Entzündung, so kann auch das Ekzem verschiedene Stadien durchmachen; am besten nimmt man nach dem Vorgange der Menschcnmedicin auch bei unseren Hausthiercn folgende Ü Stadien der einfachen Hautentzündung, entsprechend der Art und Beschaffenheit des Exsudates, an:
1)nbsp; Das Stadium erythematosum, bestehend in Hauthyperämie mit oberflächlicher Exsudatbildung, in Folge dessen die Epidermis reichlicher producirt wird und später in Form von Schuppen oder kleienartigen Plättchen sich abhebt. Bei chronischem Verlaufe des Eczema erythematosum nennt man dasselbe wegen der starken Abschuppung der Epidermis Eczema squamosum. Sehr häufig tritt das squamöse Ekzem deshalb auch als Schlussstadium des ganzen Ekzemprozesses auf. Hieher gehören die bei unseren Hausthieren unter dein Namen Kleien- oder Schuppenflechtequot;, wohl auch als Hungerräudequot; oder fälschlicher Weise als Psoriasisquot; und Pity-riasisquot; beschriebenen Hautkrankheiten, sowie theilweise auch die Raspequot; und Maukequot; des Pferdes.
2)nbsp; nbsp; Das Stadium papulosum; die hiefür charakteristischen kleinen rothen Knötchen zeigen sich bei mikroskopischer Untersuchung hervorgerufen durch eine kleinzellige Infiltration und seröse Durchtränkung einzelner Papillen mit Schwellung derselben. Diesem Eczema papulosum entspricht die Knötchenflechtequot; oder Schwindflechtequot; (S c h äl k n ö t ch e nquot;), sowie ein Theil des Knoten-quot;, Finnen-quot; oder Hitzausschlagsquot; beim Pferd und Rinde.
'#9632;'gt;) Das Stadium vesiculosum entwickelt sich entweder direct oder aus einem der vorhergehenden, wenn z. B. die seröse Exsudation in dem Knötchen überwiegt und die nachgiebigen Zellen des Rete Malpighi aus einander sprengt, so dass sich das flüssige Exsudat bis nahe an die Hautoberffäche, unmittelbar unter das Stratum corneum hervordrängen kann. Dieses Eczema vesiculosum vertritt gewisser-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Ekzem.
|
raquo;75
|
||
|
|
|||
|
massen den Typus des Ekzems, wird daher auch schlechthin als Eczema simplex bezeichnet und entspricht der sogen. Bläschen-l'lechtequot; unserer Hausthiere. Auch der sogen. Hitzausschlagquot; der Pferde, der mit dem Herpes des Menschen wohl kaum etwas zu thun hat, dürfte hieher gehören.
4)nbsp; Das Stadium madidans, das nässende Stadium, welches sich nach spontaner oder artificieller Eröffnung (Kratzen) der Bläschen bildet und das Eczema rubrum, die nässendequot; oder Salzflechtequot; darstellt. Das Eczema rubrum kommt am häufigsten beim Hund als Salzflussquot;, Fettflechtequot; oder Fetträudequot; vor.
5)nbsp; Das Stadium resp. Eczema pustulosum; dasselbe bildet sich direct oder in Folge Uebergangs der mit Serum gefüllten Bläschen in Eiterblasen. Hiebei wird nach dem Aufbrechen der Pusteln die Haut oft in grösserem Umfange in eine eiternde Fläche verwandelt; sogen. Eczema impetiginosum. Dasselbe entspricht der besonders beim Hund und Pferd vorkommenden sogen. Pustelflechtequot;, dem Hautgrindquot; oder grindartigenquot; Ekzem.
6)nbsp; Das Stadium crustosum, die Vertrocknung des Exsudates entweder in den Bläschen und Pusteln, oder auf der nässenden, grindartigen Hautoberflächo; dieses Eczema crustosum entspricht der Borken-quot; oder Schorfflechtequot; unserer Hausthiere. An das Stadium crustosum schliesst sich in manchen Fällen und besonders bei chronischem Verlaufe als letztes Stadium das schon im Eingang aufgeführte Eczema squamosum an.
Diese beschriebenen Entwicklungsstadien erklären sehr leicht die Vielgestaltigkeit des Ekzems. Dabei braucht dasselbe indess durchaus nicht sämmtliche Stadien durchzumachen, es kann vielmehr ein früheres gleich in das letzte übergehen oder das Ekzem kann in einzelnen Stadien sehr lange Zeit verharren. Noch mag darauf hingewiesen werden, dass bei der pigmentirten und behaarten Haut der Thiere einzelne rasch vorübergehende Stadien sehr leicht übersehen werden können, z. B. das Stadium papulosum und vesiculosum.
Die verschiedenen Ekzeme der einzelnen Hausthiere sind folgende:
|
|||
|
|
|||
|
A. Die Ekzemformen des Hundes.
Literatur. 1) ünterberger, Report. 1865. S. 118. 2) Müller, Deutsche Zeit-sclirift für Thienned. 1880. S. 120; Sachs. Jahresber. 1887. S. 18; 1888. S. 24; Thienned. Vortrilgo. 1800. Heft 2. 8) Mcgnin, Le Chion. Paris 1877; Bull. 8oc. centr. vet. 1882. 4) Trasbot, ibid. 5) Schadrin, Char-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
576nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ekzem des Hundes.
kower Veterinilrbote. 188(j. 6) Küf'f'uer, Ref. Juhresber. über die Fortschritte der Thiormedicin. 188G. S. 149. 7) Hube, Adam's Woohensohr. 1887. S. 73. 8) Fröhner, Berliner Arohiv. 1887. S. 343. 0) Wulther, Sachs. Jahresber. 1888. S, 83. 10) Brauer, ibid. 1889. S. 82, 11) Albrecht, Woohensohr. für Thierheükdo. 1888. S. 329. 12) Sohlampp, Monatshefte für prakt. Thierheilkde. 2. Bd. S. 193. 13) Cadeac, Diet. vet. 1888. Bd. 16. Ausserdem die Lehrbücher der speoiellen Pathologie und Therapie.
Vorkommen. Das Ekzem stellt die häufigste Hauterkrankung des Hundes dar; dabei ist es meist auf bestimmte Körperstellen beschränkt und kommt besonders oft längs des Rückens vor, an der Schweifwurzel oder auch am Kopf resp. Halse beginnend, und sich von hier sowohl nach der Länge als nach der Breite ausdehnend. Andere Hautstellen sind die Aussonflüchen der Extremitäten, sowie das Gesäss. Sehr viel seltener kommt es an Unterbrust und Unterbauch, an der Kniefalte, in der Umgebung der Ellenbogen, sowie über den Sprungbeinhöckern vor. Am seltensten zeigt es sich am Kopfe. Aeitere, viel in Stuben gehaltene, sowie sehr junge, feinhäutige und verweichlichte, desgleichen sehr fette Hunde erkranken am häufigsten an Ekzem; bezüglich der Kasse scheinen Möpse, Pinscher, Doggen und Leonberger das grösste Contingent zu stellen.
Ursachen. Ekzeme entstehen gewöhnlich in Folge der directen Einwirkung eines äusseren Reizes auf die Haut, so von Staub und Schmutz, Flöhen, Läusen und Haarlingen, von wiederholter Reibung und anhaltendem Drucke auf bestimmte Stellen der Haut u. s. w, Gerade der Lieblingsort des Ekzems, der Rücken, ist der Einwirkung von Schmutz und Staub, sowie der Flöhe am meisten ausgesetzt. Sehr häufig wird beim Hunde auch die Einreibung oder das Waschen mit Schmierseife (grüner oder schwarzer Seife) die Ursache des Ekzems.
Der Umstand, dass in vielen Fällen die Ursachen eines Ekzems gar nicht nachzuweisen sind, hat zu der Annahme innerer Ursachen geführt; es sind in dieser Beziehung besonders früher Nahrungsschiid-lichkeiten, Verdauungsstörungen, Vollblütigkeit, sowie eine allgemeine Schwächung der Körperconstitution etc. beschuldigt worden. Indess könnten die genannten Momente höchstens als prädisponirende Ursachen in Betracht kommen, wobei immer wieder ein directer, örtlicher Reiz angenommen werden muss.
Ob und wie weit sich l'il/.e am Zustandekommen des Ekzems be-theiligen, inuss vorerst dahingestellt bleiben. Zuerst hat Zürn sich für
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Ekzem lt;lt,s Hundes.
|
577
|
|||
|
|
||||
|
eine inykotische Natur desselben orkliirt; weiterhin hat Müller Mikro-kokken auch in den vorsichtig geöffneten ßlilschen beim Hunde gefunden und stellt den Satz auf, dass ein Ekzem entstehe, sobald Mikrokokken auf eine unreine Haut kommen, wo sie dann sich weiter entwickeln und als Heiz wirken sollen. Im letzteren Kalle müsste indess jede unreine Haut ekzematös erkranken, da Mikrokokken allenthalben vorhanden sind; die PUztheorie ist daher in dieser Form entschieden zu weitgehend. Hagegon ist es nicht unwahrschoinlich, dass wie bei jeder anderen Entzündung, so auch beim Ekzem Spaltpilze mitthiltig sind. Ob die auf der kranken Haut vorgefundenen Pilze pathogeuer Natur, oder ob sie nur zufällig dorthin gelangt sind, ist ausserordentlich schwer zu entscheiden.
|
||||
|
|
||||
|
Symptome. Das Krankheitsbild des acuten Ekzems beim Hunde ist ein aussorordentlich vielgestaltiges; eine für alle Fälle zutreffende Schilderung gibt es daher nicht. Vielmehr sind die Erscheinungen je nach dem Stadium des Ekzems ganz verschieden.
1)nbsp; nbsp;Im Anf'iingsstadium, das freilich nur selten zur Beobachtung kommt, sieht man auf der niclit pigmcntirten Haut steck-nadelkopfgrosse hellrothe Flecken, die sich rasch dunkler färben und sich im Centrum zu einem Knötchen (Papel) entwickeln, während der hyperilmische Hof zunimmt und die Flecken allmählich zu-sammenlliessen, so dass die betroffenen Hautstellen geschwollen, schwammig verdickt (turgescirt) und höber temperirt sind. Die Ilaare über den Knötchen sind in Büscheln aufgerichtet und gesträubt: leichtere Berührung der Haut erzeugt Juckreiz, stärkere; Schmerz. Da die Knötchen rasch verschwinden, bietet sich sehr liäuiig nur das Bild eines Erythems oder einer erythematösen Hautentzündung dar. Das Ekzem kann in diesem Stadium abheilen oder, wenn auch seltener, einige Zeit hing stehen bleiben. Das Krankheitsbild wird indess sehr oft durch das Scheuern und Nagen seitens der Hunde wesentlich verändert, so dass sich an das Stadium papulosum unmittelbar das Stadium impetiginosum und crustosum anschliessen kann.
2)nbsp; nbsp;Nimmt das Ekzem indess seinen regelmässigen Verlauf, so entwickeln sich aus den Knötchen kleine Bläschen. Dieselben stehen bald vereinzelt, bald in Gruppen beisammen und sind im Anfang mit klarer Flüssigkeit gefüllt. Da sie selten mehr als Hanfkorngrösse erreichen und sehr bald durch Kratzen geöffnet werden, sind sie bei der behaarten Haut des Hundes schwer zu entdecken und werden daher leicht übersehen. Die Bläschen trocknen theils ein und bedecken sich mit leichten Schüppchen, theils platzen sie oder werden aufgekratzt und bilden dann kleinste Entzündungsherde, über welchen die Haare gelockert werden und ausfallen. Heilt, das Ekzem in diesem Stadium
Frledberger n, Fröhncr, Pathol, n. Therapie d. Hansthlere, I. Bd. 8. Aufl. 37
|
i
|
|||
|
|
||||
|
|
|||
|
578
|
Kkzem des Hundes.
|
||
|
|
|||
|
ab, so trocknet das auf den geütineten Bläschen befindliche Hilssige Exsudat zu kleinen Schorfen ein, unter welchen der Entzilndungs-vorgang zurückgeht und die Epidermis sich regenerirt; bei dunkler Haut deutet dann nicht selten eine längere Zeit sichtbar bleibende pigmentärmere und von Haaren entblösste Stelle den Sitz der früheren Bläschen an.
.'5) Häufiger hat das Ekzem die Neigung, sich tlächenhaft auszubreiten, und es kommt durch Confluenz vieler Bläschen zur Bildung ausgedehnter, von Oberhaut und Haaren entblösster, stark gerötheter, nässender Stellen; sogen. Eczema rubrum. Dieselben sind mit serösem, serös-plasmatischem, wohl auch mit plas-matisch-eiterigem Exsudate bedeckt, bei der Berührung ausserordent-lich schmerzhaft, raquo;und greifen gerne auf die gesunde Nachbarschaft über; sogen, fressende Flechte, Eczema exedens. Oder die ekzematöso Entzündung steigert sich in Folge Scheuerns der Thiere zu einer intensiven eiterigen und bäinorrhagischeu Dermatitis, Die Heilung des Eczema rubrum erfolgt durch Vertrocknung des Exsudates (Stadium crustosum) und Regeneration der Epidermis unter demselben von den intacten peripheren iländern her.
4) Nicht selten wandeln sich ferner die Bläschen zu Pusteln um, es entsteht das pustulöse Ekzem. Hiebei vergrössern sich die Bläschen, ihr Inhalt trübt sich und wird eiterig. Wie die Bläschen, so stehen auch die Pusteln entweder zerstreut oder in Gruppen bei einander und sind gleichfalls nicht immer leicht auf der dichtbehaarten Haut zu finden. Häufig flies.sen sie zusammen, wodurch eiternde Haut-Hächen von verschiedener Ausdehnung gebildet werden. Die Haare sind dann gesträubt, durch das Exsudat verklebt, zu starren Büscheln zusammengebacken, verfilzt, leicht ausziehbar oder bereits ausgefallen; die von der Epidermis entblösste Oberfläche ist mit einem gelblichen bis grüngelben, klebrigen, rahmartigen Eiter bedeckt und sehr schmerzhaft anzufühlen, blutet auch leicht bei Berührung, die Haut selbst ist verdickt (Eczema iinpetiginosum). Die Heilung erfolgt durch Eintrocknen des eiterigen Exsudates zu Borken und Krusten, unter denen sich die Eiterung längere Zeit noch erhalten kann. In selteneren Fällen greift der Process tiefer, und es kommt zu phlegmonöser Entzündung, sowie ulceröser Zerstörung der Cutis, letzteres besonders dann, wenn anhaltendes Scheuern und Benagen der wunden Stellen vorausgegangen ist. Es bleiben dann ansser haarlosen Stellen schwielige Hautverdickungen mit reichlicher Schuppenbildung zurück. Ganz ähnliche umschriebene eiterige Hautentzündungen kommen indess ohne
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Kkzem des Hundes.
|
579
|
|||
|
|
||||
|
vorausgegangene ekzematüse Bliischen- und Pustelbildung direct nach Einwirkung starker, mechanischer, chemischer oder thermischer Heize vor.
5) Das Ekzem kann in allen Stadien chronisch werden. Schon bei den leichteren papulösen und vesiculösen Formen sind liecidive nicht selten; am meisten neigt jedoch zu chronischem Verlaufe das pustulöse Ekzem. Von grösstem Einflüsse ist es hiebei, ob die Thiere am Reiben etc. verbindert werden können oder nicht. Meist bedingen die Veränderungen, welche nach schwereren Ekzemfbrnien zurückbleiben, eine Prädisposition zu acuten Nachschüben; dieselben erfolgen am häutigsten in den Sommermonaten, wohl wegen des zu dieser Zeit gesteigerten Blutzuflusses zur Haut. Die Veränderungen der Haut bei chronischem Verlaufe des Ekzems bestehen in anhaltender Hyperämie, höherer Temperatur, sowie Verdickung; so fühlt sich insbesondere die Haut des Rückens an den erkrankten Stellen oft um das 34faohe verdickt an. Dabei erscheint die Oberfläche der verdickten Stellen glänzender, mehr ausgeglichen, und es findet eine anhaltende , oft sehr bedeutende Production von Epidermiszelleu auf derselben statt, welche sich in Form weiss- bis bleigrauer Schuppen abstossen (Eczema squamosum). Allmählich wird sodann die Haut derber und trockener, rigide, bleibt künstlich in Falten gelegt längere Zeit so stellen, die Haare sind nach allen Richtungen hin gesträubt, sehr dünn stehend, oft wie vertrocknet oder verhungert aussehend, fehlen auch wohl ganz oder sind wollartig gekräuselt (Compression und Atrophie der Haarpapillen und ihrer Gefässe durch Neubildung und Retraction von Bindegewebe). Solche Hautstellen zeigen dann oft ein granulirtes Aussehen, wobei die hypertrophischen Hautpapillen in Form von dicken papillösen Wucherungen über die Hautober-tläche prominiren.
Das Allgemeinbefinden der an Ekzem erkrankten Thiere ist gewöhnlich aussei1 einer anhaltenden Aufregung und Unruhe, sowie einem häutig zu Tage tretenden starken Durstgefühl, wenig verändert. Bei längerer Dauer des Ekzems jedoch, oder bei häufigen Recidiven, entwickelt sich in Folge der fortgesetzten Aufregung, des vermehrten Säfte- und Wänneverlustes, sowie der anhaltenden, von der Haut ausgehenden reflectorischen Erregung des Nervensystems allmähliche Abmagerung, welche bei schwächlichen oder sehr jungen Thieren bis zur Kachexie und zum Tode führen kann.
Die Dauer des acuten Ekzems kann 1quot;! Wochen betragen; das chronische jedoch überdauert Monate und mit kürzeren oder längeren Remissionen selbst Jahre und ist häufig unheilbar.
|
|
|||
|
im
|
||||
|
I
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
380
|
Ekzem dos Hundes.
|
||
|
|
|||
|
Differentialdiagnose. Das Ekzem kann verwechselt werden zunächst mit eiterigen Hautontzündungon nach Verwundungen, Ab-schilrf'ungen, Anät/.uiigen, Verbrennungen und Erfrierungen, sodann mit den eigentlichen Flechten, insbesondere Herpes tonsurans, endlich mit Acarus-Ausschlug und Milbenräude.
1)nbsp; Die genannten traumatischen Entzündungen der Haut stellen umschriebene reactive, mit Eiterung oder Abstossung eines Aetz-schorf'es, Brandschorfes u.s.w. einhergehende Prozesse dar, welch letztere zunächstmitErtödtung eines Theiles der Haut beginnen, an welche sich erst seeundär eine eiterige, d. h. granulirende Dermatitis anschliesst. Die für das Ekzem charakteiistischen Knötchen, Bläschen und Pusteln fehlen vollständig. Da jedoch letztere beim Ekzem auch nicht immer vorhanden sind, so kann die Unterscheidung zuweilen schwer werden. Sehr häufig geht auch das Ekzem in Folge anhaltenden Scheuerns der Thiere in eine traumatische Dermatitis über.
2)nbsp; Die eigentlichen Flechten (Herpes tonsurans) unterscheiden sich durch die meist rundliche Gestalt des Ausschlages, durch das häutige Fehlen von Knötchen, Bläschen und Pusteln, sowie meistens auch des Juckreizes, durch die Uebertragbarkoit und endlich durch den mikroskopischen Befund.
;i) Der Acarusausschlag kommt besonders am Kopfe und an den Beinen vor, ist ansteckender Natur, besitzt ein typisches Krankheitsbild und ist gegenüber dem Ekzem schwer oder gar nicht heilbar.
4) Die Sarcoptesräude bevorzugt die weichhäutigen, weniger behaarten Stellen am TJnterbauch, an der Unterbrust, auf der Innen-lläche der Schenkel, in der Umgebung der Ellenbogen und am Grunde der Ohren, ist contngiös und verläuft mit besonders hochgradigem Juckreiz.
Es muss indess hier hervorgehoben werden, dass das klinische Bild allein nicht immer für die Diagnose ausreicht, und dass sowohl die Acarus- als Sarcoptesräude sehr viel Aehnlichkeit mit dem nichtparasitären Ekzem zeigen können; in diesem Falle kann für die Stellung einer Diagnose das Mikroskop nicht entbehrt werden.
|
|||
|
|
|||
|
Therapie. Die Behandlung des Ekzems ist zunächst nach den einzelnen Stadien, sodann je nach der Individualität eine verschiedene. In erster Linie handelt es sich um die Entfernung der Ursachen: sicherlich würde der Ausschlag in weitaus den meisten Fällen von selbst abheilen, wenn lediglich der das Juckgefühl erzeugende abnorme Beiz beseitigt werden könnte. Indess liegt
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Ekzem ties Hundes.
|
581
|
|||
|
|
||||
|
gerade darin bei sehr vielen Thieren die allergrösste Schwierigkeit; das Jucken ist bei manchen Hunden oft so unerträglich, und. die Versuche seitens der Thiero, sich zu reiben, sind so erfinderisch, dass man trotz der Anwendung von Boisskörben, Verbänden, Halskrägen, Stiefeln u. s. w. diese erste und wichtigste Bedingung zur Heilung des Ekzems nicht erfüllen kann.
1)nbsp; nbsp;Bei den leichteren Formen, den Anfangsstadien des Ekzems (St. erytheinatosum, papulosuin, vesiculosum) sind zunächst entzündungswidrige und zugleich reizinildernde, deckende und einhüllende Mittel anzuwenden. Wir gebrauchen hiezu von Salben entweder die einfache Zinksalbe oder eine frisch bereitete Bleisalbe, so besonders die Hebra'sohe Salbe in ihrer neuen Form: Rp. Emplastri Lithargyr. simpl.; Unguent. Paraflini ää 25,0; M. 1. a. f. Ungt. Als deckendes Streupulver, das besonders auf dem llückeufirste zwischen den Haaren längere Zeit liegen bleibt, empfiehlt sich eine Mischung von Zinkoxyd und Stärkemehl: Rp. Zinc, oxydat. 5,0; Amyli Tritici 20,0; M. f. P. Die sonst vorzügliche weisse Frä-cipitatsalbe (Unguent, llydrargyr. album) ist beim Hunde wegen der Gefahr des Ableckens nur mit Vorsicht anzuwenden.
2)nbsp; nbsp;Bei stark nässenden oder grindartigen Ekzemen wenden wir seit langer Zeit mit grossem Vortheile eine Gprocentige wässerige oder spirituöse Höllenstein lösung an, welche nach erfolgter Reinigung der nässenden oder eiternden Hautstellen mit einem Pinsel aufgetragen wird, worauf ein trockener leichter Aetzschorf entsteht, unter welchem die Heilung rasch fortschreitet. Von Salben benutzen wir am häufigsten eine Hollen stein salbe (l : 1020 Unguentum Faraffini), sowie Tanninsalbe (Rp. Acid, tannici 5,0; Unguent. Pa-raffini 50,0; M. f. Unguent.) und Creolinzinksalbe (Rp. Creol. angl. 5,0; Unguent. Zinci 50,0; M. f. Uuguent.). Ausserdem wirken oft bei andauerndem Nässen austrocknende Streupulver vorzüglich; wir verschreiben beispielsweise eine Mischung von feingepulvertem Jodoform und Eichenrindenpulver im Verhältnisse wie 1 : 10, oder Creolin mit Borsäure (24 : 100).
3)nbsp; nbsp;Bei chronischen Ekzemen benutzen wir als Hauptmittel denTheer und das englische Creolin. Die AnwendungdesTheerserfolgt entweder in Substanz oder als Theerspiritus (Rp. Pic. liquid.; Spirit, aa 25,0) oder in Form eines Theerlinimentes in Verbindung mit Sapo kalinus, welch letzteres insbesondere bei chronischem im-petiginösem Ekzem von ganz vorzüglicher Wirkung ist (Rp. Pic. liquid; Sapon. kaiin. äa 50,0; Spirit. 25,0; M. f. liniment.). Hiebei ist
|
'lt;1
I 'I
|
|||
|
|
||||
|
|
|||
|
)82
|
Ekzem des Hundes,
|
||
|
|
|||
|
es von wesentlichem Vortheil, die Haare vor der Anwendung derselben iibzuscliee.i-en, und die eingeriebenen Hautstellen nachher durch aufgelegte Lederdecken oder sonstige Bandagen vor dem Reiben und dem Ablecken (C'arbolvergiftung!) zu schützen. Man lässt den Theer 4 bis 8 Tage liegen und entfernt dann die eingetrockneten Borken möglichst schonend, resp. wiederholt die Einreibung. Dabei hat das Theer-liniment den Vortheil, dass es sich durch Bilder ziemlich leicht entfernen lässt. Statt des Theers verwenden wir seit mehreren Jahren das ungiftige Creolin, welches die günstigen Wirkungen des Theers in gleichem Masse besitzt und zwar in ganz derselben Form, wie den Theer, also das ('reolinliniment (Creolini anglici; Sapon. Kaiin. aa 100,0,Spiritus50,0),denCreolinspiritus (1 : 10 'il^unddieGreolin-salbe^ : 1020 Faraffinsalbe). Gegen Eczema squamosum benutzen wir ebenfalls das genannte Theerliniment resp. Oreolinliniment, den Theer- resp. Creolinspiritus (1 : 1020) oder die grüne Seife allein. Aron anderen Mitteln haben wir ausserdem mit Vortheil das Chrys-arobin (lip. Chrysarobini 1 5,0; Unguent. Paraffin. 20,0; M. f. tlnguent.), das Oxynaphthalin (1 : 10), sowie das Ichthyol in Substanz angewandt. Von Trasbot wird als vorzügliches adstringirendes Mittel das Jodglycerin (Jodtinctur und Glycerin 1 : 4) empfohlen.
Hiemit ist zwar die Zahl der gegen das Ekzem des Hundes anempfohlenen Mittel noch lange nicht erschöpft; es mögen hier u. a. das Naphthol, Anthrarobin, liesorcin, Naphthalin, Pyoktanin. die verdünnte Salpetersäure (1 : 510), die Oxynaphthoösäui-en erwähnt werden, indess würde die Aufzählung aller zu weit führen. Von innerlichen Mitteln wäre noch der Arsenik gegen hartnäckige chronische Ekzeme zu erwähnen. Wir haben denselben sehr häufig angewendet, und zuweilen Erfolg davon gehabt. Man gibt ihn gewöhnlich In der Porno der Fowler'schen Lösung zu 5 10 Tropfen mehrere Wochen hinter einander. Im Anfange der Cur lässt sich bei gewissen Stadien des Ekzems auch durch ein Abführmittel Erfolg erzielen, indem besonders bei stark nässenden Ekzemen die Eintrocknung rascher vor sich geht. Von einer bestimmten diätetischen Behandlung (Entziehung des Fleisches u. s. w.) haben wir niemals einen deutlichen Nutzen laquo;jesehen.
|
|||
|
|
|||
|
B. Ekzematöse Hauterkrankungen beim Pferde.
Allgemeines. Die nicht parasitären Hautkrankheiten des Pferdes sind zum grössten Theile rein ekzematöser
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Ekzem des Pferdes.
|
583
|
||
|
|
|||
|
Natur. Behält man diesen Satz im Au^e, so ist das Verstandniss der vielen, als besondere Aussclilagsfonnen beschriebenen Dermatosen beim Pferde wesentlich erleichtert. Allerdings wird dabei manche alte Nomenklatur überflüssig, was indess im Interesse einer einheit-licben Betrachtungsweise der Hautkrankheiten nur wünsclienswertb sein kann. Wir rechnen zum Ekzem die nachfolgenden, bisher mehr oder weniger als selbständige Ausscblagsformen beschriebenen Haut-uftectioneu.
1)nbsp; Als papulös-vesiculäres Ekzem sind aufzufassen: die sogen. Scbwindflecbten oder Schälknötchen, sowie zum Theil auch die als Sommerräude, Sattelräude, Hitzausschlag, Knötcben- oder Tuberkelausschlag bezeichneten Hautkrankheiten.
2)nbsp; nbsp;Als squamöses, chronisches Ekzem muss wie beim Hund, so auch beim Pferd die Schuppen- und Kleienflechte betrachtet werden,
:gt;) Ein chronisches, meist pustuloses, grindartiges Ekzem bildet der sogen. Mähnen- und Schweifgrind mit dem als Weichselzopf bezeichneten Haarleiden.
1) Ein örtlich beschränktes, anfangs nässendes, später grin dar tig es Ekzem stellt die sogen. Mauke in der Beugefläche des Fesseis (Schmutz- oder Schrundenmauke), sowie die sogen. Haspe in der Beugefläche des Tarsal- upd Carpalgelenkes dar.
|
|||
|
|
|||
|
1) Das papulös-vesiculäre Ekzem des Pferdes.
(Schwindflechten oder Schälknötchen, Hitzknötchen, Sommerausschlag, sogenannte Sommerräude, Sattelräude.)
Literatur. ]) Haubner-Siedamgrotzky, Land'wii'thsch. Thierheilkunde. 1889. 2) Roll, Speoielle Pathologie und Therapie. 1885. 8) Dieokerhoff, Specielle Pathologie, 1888. S. 900. 4) Gottes winter, Adam's Wochenschrift 1881 S 40. B) Burke, The Veterinarian. 1885. S. 400. 6) Bass, Thiermedicinische Rundschau. 1887. S. '29(1. 7) Rudovsky, Oestcrr. Monato-sehrift. 1890. 8, 79.
|
|||
|
|
|||
|
Aetiologie. Die papulös-vesiculäre Form des Ekzems beim Pferde ist meist auf gewisse Körpergegenden beschränkt; seltener kommt sie über den ganzen Körper verbreitet vor, so z. B. im Verlaute der Druse neben dem ebenfalls symptomatischen Quaddel-ausscblag, sowie im Sommer als sogen. H itzausscblag oder Sommer-räude. Am häutigsten werden solche Körperstellen befallen, welche
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
)S4
|
Ekzem des Pferdes.
|
||
|
|
|||
|
leicht schwitzen und dabei mechanischen Einwirkungen besonders ausgesetzt sind, so der Kopf (Kopfhalfter), die Seitenflächen des Halses am Uebergang zur Schulter, sowie die Umgebung der Buggelenke (Kummet- und Sielenlage), der Rücken und die seitliche Brustwand (Sattel, Gurte, Zugblätter), die Croupe (Hintergeschirr, Schweil-riemen).
Aussei- diesen äusseren Reizen noch innere Ursachen anzunehmen, liegt kein stichhaltiger Grund vor; höclistens können jugendliches Alter, eine zarte, feine Haut, sowie die Zeit des Haarwechsels als prädispo-nirende Momente in Betracht gezogen werden.
Symptome. Das Wesentlichste im ganzen Krankheitsbilde des papulös-vesiculilren Ekzems sind Knöteilen, welche an den genannten Stellen meist in grosser Zahl und unregelmässiger Gruppirung in der Haut sitzen, und anfänglich nur beim Heb erstreiten der Haut mit der Hand entdeckt werden. Die Grosse dieser Knötchen schwankt zwischen der eines Hirsekorns und einer Erbse; ihre Consistenz ist in der ersten Zeit eine ziemlich weiche, später werden sie härter und derber. Die Haut im Umkreise der Knötchen ist etwas höher temperirt und kann wohl auch leicht geschwollen erscheinen; legt man sie in eine Falte und drückt leicht, so erweist sie sich vermehrt empfindlich. Die Haare über den Knötchen stehen gesträubt. Juokgefühl ist im Stadium der Ef'flo-rescenz und der Abheilung in massigem Grade vorhanden, fehlt jedoch auf der Höhe der Entwicklung.
Im weiteren Verlaufe bedecken sich die Kuppen der Knötchen in Folge einer serösen Exsudation unter die Epidermis (Stadium vesi-culosum) mit kleinen Schörfchen, wobei die Knötchen selbst kleiner und härter werden; diese Schörfchen verkleben die darüber befindlichen Haare zu kleinen Haarbüscheln, welche später sammt den Schörfchen abfallen oder abgerieben werden. Es bleibt dann ein umschriebener, kleiner, haarloser Fleck zurück, der bei unpigmentirter Haut schwach geröthet, bei pigmentirter mit lichtgrauen Epidermis-schuppen bedeckt ist. Die Abschuppung und Abschilferung der oberflächlichen Epidermiszellen kann bei reichlicher Exsudation eine sehr starke sein (sogen. Schilferflechte). War der Entzündungsprocess ein sehr tiefgreifender, so bleiben auf der dunkelpigmentirten Haut hellere, zart behäutete kahle Stellen zurück (sogen. Schälknötchen).
|
|||
|
|
|||
|
Behandlung. Die beschriebene Ekzemform ist sehr unschuldiger Natur und heilt von selbst, wenn die einzelnen Stadien der Entziin-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||
|
Kk/.t'm des Pferdes.
|
585
|
||||
|
|
|||||
|
dung abgelaufen sind; auch die Haare ersetzen sich auf den kahlen I lautstellen allmählich wieder. Eine Behandlung ist daher vollständig überflüssig. Wird eine solche verlangt, so sucht man die aufliegenden Schörfchen und Schuppen durch Glycerin oder reines Fett zu erweichen oder man lässt die kahlen Stellen zur Beförderung des Haarwuchses mit Spirituosen Mitteln einreiben. Am besten eignet sich hiezu der Theerspiritus und Creolinspiritus (1 : 510). Auch das Ichthyol ist empfohlen worden.
Prurigo. Mit dioscm Namen bezeichnet man beim Menschen einen knötclienartigen, chronischen, heftig juckenden Hautausschlag vorwiegend an den Streekseiten der Untcrcxtremitilten, welche fast aussohliesslich im trühcsteii Kindesalter beginnt, offenbar vererbt wird, und nach jahrelanger Dauer schliesslich zu charakteristischen bleibenden Hauptveränderungen (Verdickungen, Pignieiitirungoii u. s. w.) fuhrt; dabei ist die Prurigo nur selten heilbar und viele Kranke gehen an dem Ausschlage in Folge des andauernden heftigen Juckreizes, der steten Aufregung und überhandnehmenden Erschöpfung zu Grunde. Diese beim Menschen aussorordentlieh genau präcisirbare Ausschlagsform soll nacli allgemeiner Annahme auch bei unseren ilaustliieren vorkommen und wird in den Lehrbüchern der speciellen Pathologie auch unter dem Namen Juckausschlagquot; beschrieben. Nach unserem Dafürhalten ist es jedoch nicht gerechtfertigt, ein der Prurigo des Menschen entsprechendes Hautleiden bei unseren 'filieren anzunehmen. Die Gründe dafür sind folgende:
1)nbsp; nbsp;Die Beschreibungen der Prurigo bei den Hausthieren widersprechen sich in sehr wesentlichen Punkten: man bekommt dabei den Eindruck, als ob manche Autoren nach einer Prurigo bei den Thieren geradezu gesucht hätten; auch scheinen mehrere Autoren offenbar aus einer und derselben Quelle geschöpft zu haben.
2)nbsp; Das bei den verschiedenen Thieren (Pferd, Hund, Rind, Schaf) angeblich beobachtete Krankheitsbild stimmt weder nach den Ursachen, noch nach den Erscheinungen und dem Verlaufe mit der Prurigo des Menschen überein; wir können an den Beschreibungen des Juckausschlages bei den Thieren überhaupt nichts Charakteristisches finden.
r^.Die von den Autoren bezeichneten Ursachen der Prurigo bei Thieren : Nahrungsschiidlichkeiten, Verdauungsstörungen, erhitzendes Futter, Ueborgang von kärglicher zu reichlicher Nahrung, Schärfe des Blutes, Haarwechsel, Spaltpilze u. s. w. sind gewiss mehr oder weniger bedeutungslos. Spaltpilze will man ja auch beispielsweise beim Ekzem gefunden haben.
4) Wir selbst haben eine wahre Prurigo bei Thieren noch nicht beobachtet, sind vielmehr der Ansicht, dass ein kleiner Theil der als Prurigo beschriebenen Fälle nichts anderes ist, als ein papulöses Ekzem, indem die Beschreibungen der Prurigo von letzterem häufig gar nicht zu unterscheiden sind, und dass der grössere Theil, besonders die chronischen und schwer heilbaren Fillle, ins Kapitel der Bände gehören. Wir haben daher im Interesse einer einheitlicheren Auffassung der Hautkrankheiten die Prurigo nicht unter die Dermatosen aufgenommen.
Pruritus. Mit dieser Benennung bezeichnet man beim Menschen Hautjucken ohne anatomisch nuchweisbare Hautverilnderungon,
|
#9632;
|
||||
|
i
|
ii
|
||||
|
|
|||||
|
|
|||
|
J8G
|
Ekzem des Pferdes.
|
||
|
|
|||
|
welches häufig nur die Strocksoiten der Extremitäten, die Handteller und Fusssohlen, sowie die Genitalien und die Umgebung des Afters betrifft und offenbar nervösen Ursprungs ist. Ob bei unseren Haust liieren ein wahrer Pruritus vorkommt, ist trotz diesbezüglicher Angaben mehrerer Autoren zweifelhaft. In einzelnen Füllen glauben wir eine ähnliche Affection beim Hund beobachtet zu haben.
|
|||
|
|
|||
|
2) Das chronisclie squamöse Ekzem des Pferdes.
(Kleien- und Schuppenlleciite, Hungerrilude.)
Literatur, l) Hering, Speoielle Pathologie. 1858. S. 212. 2) Haubner-Siedam-grotzky, Landwirthsch. Thierheilkde. 1889. S. 301. 8) Roll, Speoielle l'athologie und Therapie, 1885. II, Bd. S. 184 f. 4) Burke, Adams, The vet. jouni. Bei, 27, 6) Lippold, Sftohs. Jahresber. 1890. S, 70.
Aetiologie. Uns squamöse Ekzem wird zwar in einzelnen LeJir-büchern als .selbständige Hautkrankheit unter dem Namen Scliuppen-und Kleienflechte' beschrieben und mit der Psoriasis und Pityriasis des Menschen identificirt, indoss mit Unrecht. Offenbar können die allerverschiedensten Ekzemformen bei längerer Dauer schliesslicli in das squamöse Stadium übergehen, wodurch der Eindruck einer eigenartigen Dermatose vorgetäuscht wird. Die Ursachen decken sich demzufolge mit denjenigen des Ekzems im Allgemeinen. Vor Allem scheinen U n r e i n 1 i c h k e i t und schlechte Hautpflege, sowie schlechte Er nähr ungs Verhältnisse (sogen. Hungerräude) beschuldigt werden zu müssen. Ueber etwaige Einwirkung von Pilzen ist nichts Sicheres bekannt.
Symptome. Die wichtigsten Krankheitserscheinungen des squa-mösen Ekzems bestellen in Auflagerung von mehl- oder klcien-ähnlichen Schlippchen auf der Plaut, wobei letztere unter diesen Schuppen chronisclie Veränderungen, z. 13. Verdickung, Verfärbung, Induration u. s. w., zeigt; Juckreiz ist meist nur geringgradig vorhanden. Am häufigsten findet man eine derartige Schuppenauflagerung am Kopfe, besonders über den Augenbogen und auf der Innenfläche der Ohrmuscheln, sodann am Halse, am Grund der Mähne, an den Schultern, am Ellenbogen, an den Hanken, an der Schweifwurzel, auf der BeugeHäclie des Carpal- und Fesselgelenks; im letzteren Falle wird das squamöse Ekzem auch als eine Form der Raspe und Mauke bezeichnet. Der Verlauf des ganz unschuldigen Hautleidens ist ein chronischer und kann sich über Monate und Jahre erstrecken: häufig tritt von selbst Heilung ein.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Ekzem des Pferdes.
|
587
|
||
|
|
|||
|
Therapie. Die Behandlung bestellt in sorgfältiger Hautpflege, Aufweichen der Schuppen mittelst grüner Seife oder Auftragen von Theer- oder Creolinpräparaten (Salbe, Liniment, Spiritus); der Theer oder das Creolin scheinen den chronischen Kntzündungs-proces.s in einen acuten, rasch abheilenden zu verwandeln, (raquo;an/ ähnlich wirkt auch eine Chrysarobinsalbe.
Psoriasis und Pityriasis. Die Bezeichnung der Schuppen- und Kleienfleohte als Psoriasis und Pityriasis im Anschluss an die beim Menschen vorkommenden Hautaffeotionen ist nicht gerechtfertigt.
1)nbsp; nbsp;Die Psoriasis des Menschen stellt eine [nflltration des PapillarkOrpers mit übermässiger Verhornung der darüber liegenden Epidermis dar, wobei anfangs rothe Knötchen (P. punotata) mit hornigen asbestartigen Schuppen (P. guttata) auftreten, welche später die Grosse eines Thalers erreichen (P. nummularis), ja selbst mit einander confluiren und grosse Strecken überziehen können; häufig heilen die Plaques zuerst im Centrum ab, wobei ringförmige und bei Confluenz mehrerer guirlanden-ähnliche Zeichnungen entstehen (F. annularis und gyrata). Prädilections-stellen sind die Streckseiten des Ellenbogen- und Kniegelenkes, der behaarte Kopf, die Stirnhaut und die Ohren. Wir haben eine derartige Hautkrankheit bei unseren Hausthieren noch niemals beobachtet.
2)nbsp; Die Pityriasis des Menschen ist eine ausserordentlich seltene Hautaffection , welche sich in einer Eöthung und Schuppung der Haut zuweilen über die gesammte Kürperoberilüche äusscrt und zu Atrophie, selbst Gangrän der Haut, Abmagerung und schliesslich zum 'lode führt. Eine derartige Hautkrankheit kommt bei unseren Hausthieren nicht vor.
|
|||
|
|
|||
|
3) Das chronische, grindartige Ekzem der langbehaarteu Körpertheile
des Pferdes,
(Mähnen- und Schweifgrind, Weichselzopf.)
Literatur. 1) Hering, Speoielle Pathologie. 1858. 2) Spinola, Specielle Pathologie, 1863. 8) Zürn, Pflanzliche Parasiten. 1889. S. 276 U. 800. 4) Roll, Specielle Pathologie. 1885. 6) Hasel bach, Zeltsohr. für Mikroskopie und Pleisohbeachau. 1884. 8.2:50. 6) Pvederikx, Holland. Zeitschrift. 1886. 7) Bass, Thiermed. Kundschau. 1887. S. 296. 8) AI brecht, Wochenscbr. für Thierheilkde. 1888. S. 380.
Vorkommen. Man findet das Ekzem in seinen verschiedenen Stadien, insbesondere die höhergradigen Formen desselben, so das Stadium madidans und pustulo.sum, beim Pferde sehr häufig an den mit lange n Haaren bosetzten Körpergegenden, besonders am Kammrande des Halses (sogen. Mähnen- oder Halsgrind), am Schweife (sogen. Schweifgrind), seltener am Kopfe (sogen. Kopfgrind und Lippengrind). An den Folgen der Entzündung und Ernährungsstörung der Haut nehmen seeundär auch die Haare Theil, welche ent-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
588
|
EkzetU des l'ferdes.
|
||
|
|
|||
|
weder mit einander verkleben und atrophiren (sogen. Weichselzopf), oder zum grössten Theile ausfallen (sogen. Rattenschweif).
Aetiologie. Die Ursachen des grindartigen Ekzems an den mit langen Haaren besetzton Hautstollen sind rein localer Natur. Zunächst kommt in Betracht die ünreinliohkeit und mangelhafte Hautpflege an den laugbeliaarten Körpergegenden, weiche zur Anhäufung herabfallenden Stauhes, z. B. Heustaubes, sowie anderer reizender Stoffe von aussen her sehr geeignet sind und insbesondere auch zahlreichen Parasiten (Läusen, Haarlingen) Aufenthalt gewähren. Aus diesem Grunde ist das Ekzem auch am häutigsten in schlechten, verwahrlosten Wirthschaften und in solchen Ländern zu finden, wo die Haarpflege des Pferdes wegen gewisser irrthümlicher und selbst abergläubischer Vorstellungen absichtlich vernachlässigt wird, z. B. in Polen, Russland, der Tartarei etc. (sogen, polnischer Zopf). Umgekehrt kann indess auch eine übertrieben sorgfältige Hautpflege, so vor Allem das zu häutige Waschen der Mähne und des Schweifes mit Seife, wobei sehr häufig nicht alle Seife wieder herausgewaschen wird, durch den wiederholten und andauernden Reiz der letzteren zum Ekzem führen.
Weiter ist darauf hinzuweisen, dass bei längerer Benässunff der dichten Mähnen- und Schweifhaare nach anhaltendem Regen oder zu häufigem Waschen die in der Tiefe vorhandene feuchte Wärme eine Maceration der Epidermis, sowie eine Zersetzung der normalen Hautsecrete (Talg, Schweiss) bedingt, welche wie bei der Regenfäule des Schafes die directe Ursache eines Ekzems werden können, wozu die unter den Haaren befindliche zarte und feine, weil geschützte Haut noch ausserdem prädisponirt erscheint.
Endlich hinterlassen vorausgegangene Entzündungsprocesse an den genannten Stellen gerne Eolgezustände, welche die Neigung zu Recidiven besitzen (Ekzema squamosum).
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. Die Anfangsformen des Ekzems der langbehaarten Körpertheile bleiben wegen der dichten und langen Behaarung, sowie bei mangelhafter Hautpflege gewöhnlich unentdeckt. Erst wenn sich in Folge Anhäufung und Zersetzung der EntzUndungsproducte ein höherer Grad des Leidens gebildet hat, wird die Aufmerksamkeit der Thierbesitzer durch die allmählich deutlicher in die Augen fallenden Veränderungen au den Haaren, sowie durch das anhaltende und heftige Reiben, Scheuern und Nagen der Thiere geweckt. Die Veränderungen sind dann meist folgender Art. Die Haut am Grunde der Haare zeigt
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Ekzem des Pferde
|
689
|
||
|
|
|||
|
in kleinerer oder grös.serer Ausdehnung einen bald serösen, bald eiterigen, bald blutigen, bald endlich krustenartigen Belag an Stelle der Epidermis: zuweilen sind auch Bläschen und Pusteln wahrzunehmen, Die Haare sind durch eine schweiss- oder fettartige, schmierig-klebrige, schmutzige, übelriechende Masse mit einander verklebt, zusammengebacken und oft zu handhohen Ballen, Polstern, Wülsten, Zöpfen verfilzt {Weichselzopf, Plica polonica). Im weiteren Verlaufe ändert sich offenbar in Folge Uebergreifens des Entziindung.s-processes auf die Haarpapillen die Beschaffenheit der Haare. Dieselben werden dünner, kräuseln sich leichter, und geben in diesem krankhaften Zustande noch mehr zur Verfilzung und Zopfbildung Anlass. An anderen Stellen, wo die Thiere sich leichter reiben und benagen können, kommt es zur Atrophie und zum Ausfall der Haare, so am Schweife; an letzterer Stelle bildet sich im Verlaufe der Zeit meist auch Sklerose der Haut mit nachfolgender Depression der Haarpapillen aus, was zu einem bleibenden Haarverluste führt (sogen. Jiattenschweif). Daneben verdickt sich die Haut, wird spröder und derber, und geht häufig in den chronisch-entzündlichen Zustand des Ekzema squamo-sum über.
Die Dauer des Processes kann auf diese Weise eine sehr langwierige und die Heilung eine schwierige, wenn nicht unmögliche werden.
|
|||
|
|
|||
|
Behandlung. Neben gründlicher Reinigung mittelst Seife besteht die Hauptaufgabe in Austrocknung der nässenden und grindartigen ilautstellen. Um jedoch diesen Zweck zu erreichen, ist es sehr zu empfehlen, die verfilzten und verklebten Haare, wenn immer möglich, vorher an ihrem Grunde abzuschneiden. Auf die nunmehr der Behandlung zugängige Haut kann man dann entweder ein Creoliu-oder Theerliniment oder adstringirende oder austrocknende Pulver (Jodoform mit Eichenrindenpulver), oder endlich eine Gprocentige Höllensteinlösung appliciren. Letztere hat indess bei hellem Haarkleide eine Verfärbung zur Folge, worauf vor der Anwendung aufmerksam zu machen ist. Meist vergeht bis zu einer entschiedenen Besserung eine geraume Zeit.
Weichselzopf. Wir haben im Vorstellenden den sogen. Weiobsel-zopf, die Plica oder Trica polonica, als eine Theilerschein ung des nässenden und grindartigen, chronischen Ekzems des Kammrandes aufgefasst, wobei es in Folge Uebergreifens des Entzündungs-processes von der Haut auf die Haarpapillen zur Production eines krankhaft veränderten Haares kommen kann. Derselbe ist offenbar etwas durch-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
590
|
Ekzem dos l'fortles.
|
||
|
|
|||
|
aus Nebensilcliliches, so dass man sich nur wundern muss, welche wichtige und bedeutende Kollo der Weiclisekopf früher in den Lehrbüchern der Veterinärpatbologle und in den Anschauungen der Laien eingenommen hat. Anfangs wurde er geradezu als ein enzootisches Leiden aufgofasst, mit welchem ausserdem die Vorstellung eines kritischenquot; Zeichens verbunden wurde (sein Auftreten sollte ein inneres Leiden zur Heilung bringen; seine Entfernung tödtlich wirken!). Spinola u. A. vennutheten als Ursache des Weichselzopfes ein constitutionelles Leiden. Haubner rechnete ihn zu den Ernährungsstörungen, wieder andere nahmen l'ilze als Entstellungsursache an. In neuester Zeit beobachtete ihn Haselbach bei 10 Proo, aller polnischen Pferde und hält ihn für ein Haarleiden, bei dem sich aus den Haarschäften (!) eine klebrige Flüssigkeit absondere. Die älteren, zum Theil geradezu barocken Ansichten wurden durch die Unterscheidung eines ,echten^ und falschen1' Weichselzopfcs noch confuser; unter letzerem verstand man nämlich nine einfache Verfilzung von Haaren durch Schmutz und sonstige Fremdkörper, z. B. grannige Pflanzensamen, Distelköpfe u. s. w. In Wirklichkeit jedoch ist die Bedeutung des Weichselzopfes beim Pferde eine geringe, wie dies beim Menschen schon lange erkannt ist, wo er ebenfalls nur als ein nässendes, mit Verlilzung der Haare complicirtes, chronisches Ekzem der Kopfhaut aufgefasst wird.
|
|||
|
|
|||
|
4) Das Ekzem der Beugeflächen der unteren Extremitätengelenke.
(Ekzematöse Mauke und Raspe.)
Literatur. 1) Straub, Bepert. 185:i. S. 20). 2) Die Lehrbücher der speoiellen Pathologie von Hering, Spinola, liöll, Haubner-Siedamgrotzky, Pütz, Anacker, Dieckerhoff u. s. w. il) Marly u, Canssö, Journal du Midi 18(10/01. 4) Laurent, Reoueil. 1871. 6) Leblano, Lullet, soc. centr, vüt. 1872 6) Traebot, ibid, 1884. 7) Prietsch, Sachs. Jahresber. 1884. S. 94. 8) Jelkmann, Rundschau, 1880. S. 86, 9) Siedamgrotzky u. Born, Deutsche Zeitschr. für Thiermedioin. 1880. S. 180. 10) ßurke. TheVet. Joum. 1880. m Roll, Jahresber. pro 1887. S 102. 12) Malzew, luaug.-Diss. Charkow 1888. 13) Straub, Zeitschr, für Veterinürkunde. Bd. 2. S. 1, 14) Vows, ibid. S. 449. 15) [mminger, Wochenschr. für Thierheilkde, 1891. Nr. 12. 16) Albrecht, ibid, S. 334. 17) Hübner, Breuer, SUchs. Jahresber. 1889. S. 70. 18) Möller, Monatshefte für prakt. Thierheilkunde. 1889. S, 49. 19) Schlampp, ibid. 1891. S, 193, 20) Bermbach, Zeitschr, f, Veterinftrkde. 1891. S. 111. Vergl, ausserdem die thierärztlichen Lehrbücher der Chirurgie.
Vorkommen. Die auf die Beugefiilcheii der Extromitätongelenke localisirten Ekzeme hat man von jeher mit besonderen Namen bezeichnet. Am wichtigsten ist das in der Fesselbeuge vorkommende nässende Ekzem, die sogen, ekzematöse Mauke, welche im Gegensätze zu dem ebenfalls in der Fesselbeuge auftretenden Pockenexantliem des Pferdes, der sogen. Scliutzmauke, und den übrigen chirurgischen
|
|||
|
|
|||
|
l
|
|||
|
|
|||
|
Kkzom den Pferdes.
|
V.tl
|
||
|
|
|||
|
Miiukenformeu wohl auch genauer als Schrunden- oder Schmutz-mauke bezeichnet wird. Das Ekzem in der Beugefliiche des Carpal* und Tarsalgelenkes, die sogen. Raspe, ist viel seltener als die Mauke, weil die betreffenden Gelenkflächen weiter oben liegen und daher gegen Einwirkungen vom Boden her besser geschützt sind; sie verläuft mehr in der Form des chronischen squarnösen Ekzems. Bezüglich der übrigen formen der Mauke, der erysipelatösen, gangränösen und verru-cösen Mauke vergl. die Lehrbücher der Chirurgie.
|
|||
|
|
|||
|
Aetiologie. Die Beugefhlehen der genannten Gelenke besitzen in Folge der Verschiebung und Falteubildung der Haut bei jeder Bewegung eine Prädisposition zur Ekzembildung. Dazu gesellt sich die reizende Einwirkung von Schmutz und Staub, z, B. auf schmutzigen Wegen oder in eben solchen Stallungen, sowie von Feuchtigkeit und Nässe bei Regen- oder Thauwetter, und endlich die der Kälte. Aus letzterem Grunde ist die ekzematöse Mauke im Winter häutiger, als im Sommer zu beobachten; auch werden die Hinterfüsse, weil sie im Stalle der Beschmutzung durch Koth mehr ausgesetzt sind, öfters befallen als die Vorderfüsse. Prietsch hat die Mauke bei Pferden im Winter nach Aufstreuen von Salz auf die Pferdebahnschienen beobachtet; dagegen haben Sied amgro tzky, Born u. A. bei ihren diesbezüglichen Versuchen keine nachtheilige Wirkung des Salzstrcuens constatiren können.
Das Abschneiden des Fesselbehanges (Köthenzopfes), der besonders bei unedlen Thieren sehr stark entwickelt ist, und einen natürlichen Schutzapparat für die Fesselbeuge und Fesselgrube darstellt, scheint ebenfalls zuweilen eine indirecte Ursache für die Entstehung eines Ekzems daselbst insofern zu bilden, als die Beugefläche des Fesseis dadurch gegen die reizende Einwirkung, insbesondere der Nässe und Kälte, sowie des Schmutzes weniger geschützt ist.
Die von Straub nach dem Exereiron von Militärpferden auf Stoppelfeldern beobachtete sogen, traumatischequot; Mauke nähert sich mehr einer infectiösen Hautentzündung (erysipelatöse Mauke), als einem einfachen Ekzem. Das der Mauke allerdings sehr ähnliche Krankheitsbild wurde durch eine grosse Anzahl kleiner, oberflächlicher Hautwunden mit secun-därer erysipelatOser und phlegmouöser Hautentzündung hervorgerufen, Eine derartige infectiöse Dermatitis entwickelt sich übrigens nicht selten auch im weiteren Verlaufe des Maukeekzems, indem septische Stoffe auf die geplatzten Bläschen oder in die Risse und Spalten der Haut gelangen. Malzevv hat als Ursache der erysipelatösen, ansteckenden Mauke den Streptococcus erysipelatis nachgewiesen. Seine Ansicht, dass jede Mauke erysi-polatüser Natur sein soll, ist indessen nicht zutreffend.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
592
|
Eikzem des Pferde
|
||
|
|
|||
|
Symptome. Die Ersohoinungen der Mauke und Raspe entwickeln sich bei iicutem Verlaufe in sehr typischer Weise. Zunächst ist die Haut höher geröthet, geschwollen, schmerzhaft und wärmer anzufühlen (Stadium erythenmtosum); bald treten jedoch auf derselben kleine helle Bläschen auf (Stadium vesiculosum), welche platzen und eine wässerige, gelbliche, anfangs geruchlose Flüssigkeit entleeren (Stadium inadidans). Die geschwollene Haut bildet ferner bei der Bewegung des Thieres dicke Falten, auf welchen leicht Hisse und Schrunden (sogenannte Bhagaden) entstehen, die sich entzünden und bald mit eingetrockneten Borken bedecken. Dabei sind die Haare mit einander verklebt, oder sie sind gesträubt und zum Theil ausgefallen. Die Bewegung auf dem betreffenden Fusse ist eine steife, gespannte.
Während nun die Easpe in diesem Stadium entweder abheilt oder in ein squamöses chronisches Ekzem mit wulstfönniger Verdickung der Haut, sowie Neigung zu acuten Nachschüben übergeht, kann die ek/.ematöse Mauke bei längerer Dauer ganz bedeutende Veränderungen in der Fesselbeuge herbeiführen. Im weiteren Verlaufe zersetzt sich nämlich die auf der Oberfläche der Haut abgesonderte Flüssigkeit und macerirt die Epidermis; man findet dann ein missfarbiges, schmieriges oder breiartiges Secret mit intensivem Käse- oder Fäulnissgeruche, welches vermöge seiner reizenden Eigenschaften geschwürige Substanzverluste auf der Haut erzeugt und zu chronischen Verdickungen derselben Veranlassung gibt. Es entstehen so in der Fesselbeuge theils ausgedehnte wunde, mit Granulationen bedeckte Stellen, theils höckerige oder schwielenartige Verdickungen der Haut mit tiefen Schrunden und Rissen (früher als Tuborkelkrankheitquot; und Schwielenmaukequot; bezeichnet). Dabei sind die Haare gesträubt und borstenartig aufgerichtet (sogenannter trockener und feuchter Straub- oder igelfnss). Die Verdickung der Haut kann im Verlaufe von Monaten und Jahren in ausgesprochene Elephantiasis übergehen: dabei erhält sich auf der Oberfläche der Haut ein chronisches squamöses Ekzem (sogenannte Schuppenmauke). In der Umgebung des Maukeprocesses beobachtet man nicht selten Schwellung der Haut bis zum Mittelfuss hinauf; auch Strahlfäule ist eine häuiige Begleiterscheinung der chronischen Mauke. Endlich kann die ekzematöse Mauke beim Hinzutreten speeifischer Infectionsstotfe in die erysipelatöse und gangränöse Form übergehen.
|
|||
|
|
|||
|
.
|
|||
|
|
|||
|
Kkzom dfs Rindes.
|
593
|
||
|
|
|||
|
Therapie. Die Behandlung der Mauke und Raspe ist je nach dem Stadium eine verschiedene. Im Anfange genügt Reinlichkeit und Trockenhaltung, ein Streupulver (Zinkoxyd und Stärkemehl), Eichenrindenpulver, eine Zink- oder Bleisalbe, Bei höheren Graden des Leidens jedoch müssen energischere Mittel angewandt werden. Hauptsächlich sucht man die anhaltende Absonderung und Zersetzung des Maukesecrets durch austrocknende, desinficirende und adstringirende Mittel einzuschränken. In dieser Beziehung ist das schon öfters erwähnte Creolin- und Thcerliniment von hervorragendem Nutzen. Aber auch austrocknende Pulver (Eichenrinde, Eisenvitriol, Gyps, Kohle u. s. w.) oder adstringirende Bilder (Alaunlösung, Sublimatbäder, Eichenrindenabkochung u. s. w.) sind von Erfolg; ja man kann massige Grade sogar lediglich durch häufiges Anlegen eines trockenen Jodoform-, Sublimat-, Creolin-, Pyok-l aninverbandes zurHeihmg bringen. Bei Granulations-und Schwielenbildung, also beim entwickelten Straub- und Elephantenfusse, lassen die genannten Mittel indess meist im Stiche. Eine vollkommene restitutio ad integrum ist hier für gewöhnlich unmöglich und man muss sich darauf beschränken, die üppig wuchernden Granulationen und Schwielen durch Exstirpation, Aetzmittel etc. /.u beseitigen, d. h. es muss eine chirurgische Behandlung wie bei Neubildungen der Haut eingeleitet werden.
|
|||
|
|
|||
|
C. Ekzematöse Hauterkrankungen beim Rinde.
Allgemeines. üeber den ganzen Körper verbreitete, nicht parasitäre Ekzeme sind beim Binde noch viel seltener als beim Pferde. Im Uebrigen kommen beim Winde so ziemlich dieselben Ausschlagsformen vor wie bei letzterem. So hat man z. B., wenn auch selten, das papulös-vesiculäre, sowie das desquamative Ekzem in der Form der sogenannten Kleien- und Schuppentlechte und der Hunger-räude auch beim Kinde beobachtet, desgleichen ein grindartiges in der Form des sogenannten Weichselzopfes an der Schweifquaste. Mehr als bei anderen Thieren wird beim Rinde als Ursache des Ekzems eine bestimmte Fütterungsweise beschuldigt. Die in den älteren Lehrbüchern viel besprochene sogenannte Traubenkamm-krankheitquot; des Rindes bildet hiefür einen Beleg. Dieselbe stellt nämlich einen anfangs papulösen, später pustulösen Ausschlag besonders an den Extremitäten dar, welcher durch die Fütterung von Friedberger u. Frölnicr, l'athol. n. Thsiaple d. Eaustlilere. I. Bd. :;. Aufl. 38
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Iff
1) il
|
594nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Sohlemperaftuke.
TraubeakiUiiiueii und Rebenlaub entstehen soll (vergl. die diesbezüglichen Angaben französischer Thieriirzte in Holding's Pathologie, 1854, S. 394). Auch nach VerFütterung von Maiskleie ist ein ähnlicher Ausschlag beobachtet worden (Reinhard). Noch viel wichtiger aber erscheint der EinHuss der Fütterung bei der praktisch und theoretisch bedeutendsten Hautkrankheit des Rindes, der sogenannten Schlempemauke, mit welcher die Traubonkaimnkrankheit offenbar nahe verwandt ist. Gegenüber der Schlempemauke verlieren alle anderen nicht parasitären Ekzeinibrmen beim Rind so sehr an Bedeutung, dass es bezüglich ihres Krankheitsbildes und ihrer Behandlung genügt, aui die beim Pferde besprochenen Verhältnisse hinzuweisen. Dagegen bedarf die Schlempemauke einer eingehenden Besprechung.
Die Sclilempemauke des Rindes. (Rindermauke, Fussmauke, Fussgrind.)
Literatur. 1) Jolmi!, üeber die Ursachen der Mauke oder Schlempemauke des Rindes, Jahresber. 1877. S. 148 210; enthält eine vollständige Angabe der älteren und neueren veterinär-medieiuischon und landwirthschaftlichen Literatur. Ausserdem: Berliner Archiv. 1879. S. 220. 2) Rabe, Pühling's landwirthsohaftl. Zeitung. 1875. S. 17(J; Hmniov. Jahresber. 1875. S. 80; Deutsche Zeitsohr, für Thiermed. 1879. S. 284. 3) Z ü r n, Die pflanzlichen Parasiten auf und in dem Körper unserer Haussäugethiere. 1889. S, 280. 4) Heiss, Adam's Woehensohr. 1885. S. 846, 5) Egge ling, Berliner Archiv. 1885. S. 303. (!) Morro, ibid. S. 304. 7) Klein, ibid, 1880. S. 292. 8) Wegener, ibid. 9) Bolle, ibid. S, 295. 10) Heiiizelmann, Landwirthschaftliohe Thier/.ucht. 1885. 11) Baranski, Oesterr, Revue. 1886. S, 65. 12) Laporte u. Verfallie, Hüllet. Belg, 1880. 13) Henninger, Bad. thierärztl. Mittheil. 1886. S. 24 u. 69. 14) Bräutigam, Untersuchungen über die Mikroorganismen in Schlempe und liierträbern. Leipzig. Inaug.-Diss. 188t!. 15) U eitler. Zeitschr. für Spiritusindustrie. X, Jahrg. 1887. S. 23. IG) Dammann, Die Gesundheitspflege der landwirthschaftlichen Haussäugethiere. 1880. S, 544. 17) Mob ins, Sachs. Jahresber. 1888. s. 73. 18) Reinhardt, Woehensohr. für Thierheilkde. 1891. S, 87.
Wesen, üeber den Begriff und das Wesen .der sogenannten Schlempemauke des Rindes herrschen zur Zeit immer noch sehr verschiedene Ansichten. Offenbar hat man von jeher unter diesem Namen Ekzemformen zusammengeworfen, welche ätiologisch gar nichts mit einander gemein haben, klinisch jedoch sehr schwer oder gar nicht aus einander zn halten sind. In der Literatur wird z. B. vielfältig auch ein sogenannter Träberausschlagquot; nach Verfütterung von Bier- und Weinträbern, ja selbst die Fussräude des Rindes (Derma-
|
||
|
|
|||
|
|
||||
|
.Sulilompemaukc.
|
595
|
|||
|
|
||||
|
tophagusrilude) mit der Schlempe- oder Rindenuauke identiHcirfc. Insbesondere aber scheint die der Schmutz- oder Schrundenmauke des Pferdes entspi-echende Schmutzmauke des Rindes nicht selten als Schlempeinauke bezeichnet worden zu sein. Diese Schmutzmauke des Kindes, deren Existenz von verschiedenen Seiten, wenn auch ohne Grund, angefochten wurde, ist allerdings klinisch von der Schlempemauke nicht immer leicht zu unterscheiden; gerade beim Rinde können ganz verschiedene Ursachen gleiche oder ähnliche Hautaffectionen hervorrufen. Indessen ist die Veranlassung der beiden eine vollständig andere, indem die Schmutzmauke, wie beim Pferde, durch äussere Einflüsse, so vor allem durch Unreinlichkeit, schlechte Hautpflege, Nässe, Kälte u. s. w., die Schlempemauke dagegen zunächst lediglich durch die Verfütterung der Kartoffelschlempe erzeugt wird: Schmutz-mauke und Schlempemauke sind also zwei grundverschiedene Formen der Mauke des Rindes im Allgemeinen.
Diese Verwirrung in den Bezeichnungen hat auch zu ganz abweichenden Auffassungen über das Wesen der Schlempemauke führen müssen. Die verschiedenen diesbezüglichen Ansichten sollen weiter unten des Näheren erörtert werden. Wir selbst erblicken in der Schlempemauke ein toxisches Exanthem, analog den Arznei-exanthemen, z. B. dem Mercurialgrind, welches durch einen bisher noch unbekannten giftigen Stoff der Kartoffelschlempe, resp. der Kartoffelpflanze überhaupt, hervorgerufen wird und den Charakter eines vorwiegend vesicu-iären Ekzems besitzt.
|
1 I
Kr] 1:
|
|||
|
|
||||
|
'' 11
|
||||
|
|
||||
|
Vorkommen. Die eigentliche Schlerapemauke ist erst seit etwa 70 Jahren bekannt. Ihr erstes Auftreten in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts ist mit der um diese Zeit zunehmenden Ausbreitung des Kartoffelbaues und der Einrichtung grosser Kartoffelbrennereien, sowie der dadurch bedingten reichlichen Kartoffelschlempefütterung eng verknüpft. Spinola hat die Krankheit zum ersten Male im Jahre 1827 gesehen und 188() genauer beschrieben.
Am häufigsten erkranken Mastochsen und männliche Thiere, nächstdem Mastkühe; Milchkühe bleiben dagegen von der Schlempeinauke oft verschont. Dabei scheinen manche Thiere eine gewisse individuelle Disposition für die Krankheit zu besitzen, während andere bei gleicher Fütterung eine ebenfalls ganz individuelle Immunität zeigen. Die schwersten Krankheitsfälle ereignen sich im Frühjahr bis gegen den Anfang des Sommers, was offenbar mit der um
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
596
|
Schlempeniiiuke.
|
||
|
|
|||
|
dieso Zeit ihren Höhepunkt erreichenden Keimung der Kartoft'ehi in Verbindung zu bringen ist.
Besonders heftig erkranken neu eingestellte Thiere, weshalb die Mauke auch am häufigsten in Viehstiinden mit öfterem Viehwechsel heobachtet wird. Unter solchen Bedingungen können auch neu eingestellte frisch milchende Kühe erkranken. Meist werden nur die Fussenden der hinteren Extremitäten von der Krone bis zum Sprunggelenke ergriffen; doch kann sich der Ausschlag auch auf die Vorderfüsse beschränken, oder es können alle vier Extremitäten zusammen erkranken. Indcss ergreift das Leiden auch andere Körperstellen, den Rumpf, Hals u. s. w., wenn auch seltener. Die Beschaffenheit des Stalles hat keinen Eintluss auf das Ausbrechen der Krankheit; dieselbe kommt vielmehr in ganz musterhaften, reinen Stallungen bei der reichlichsten und besten Streu und bei vollkommen trockenem Stande vor.
|
|||
|
|
|||
|
Aetiologie und Pathogenese. In den häutigsten Fällen wird die Schlempemauke durch die Fütterung der Kartoffelschlempe hervorgerufen; andere Schlempen, wie Korn- und Maisschlempe, sind in dieser Beziehung durchaus ungefährlich, desgleichen wohl auch die von einigen beschuldigten Bierträber. Der Grad der Erkrankung steigt mit der Menge der verfütterten Kartoffelschlempe; ausschliessliche Schlempefütterung oder grosse Schlempemengen (80 Liter pro Tag und Kopf) bei wenig Rauhfutter oder sonstigem Beifutter haben die schwersten Erkrankungen zur Folge, während der Ausschlag bei massigen Schlempemengen (40 Liter) beschränkt und milder verläuft. Am stärksten wirkt die von gekeimten Kartoffeln stammende, sowie eine stark gährende Schlempe. Dabei muss die eigenthümliche Tbatsache hervorgehoben werden, dass nicht jede Kartoffelschlempe gleich schädlich ist; je nach den verschiedenen Jahrgängen sind Krankheitsfälle in einem und demselben Stalle seltener oder häiifiger. Man kann dies entweder auf irgend welche Variationen des Gährungs-processes resp. der Gährungsproducte oder auf verschiedene Arten, verschiedenes Wachsthum, verschiedene Bodenbeschaffenheit und Düngung der Kartoffelpflanze u. s. w. zurückführen, welch letztere sich vielleicht wie die Lupinen je nach dem Standort in ihrer Wirkung ändert. So beobachtete Baranski das Auftreten der Krankheit nach Einführung der Gleasonkartoffel. Nach Feiffer soll die Destillation der Maische von besonderem Einflüsse auf die Entstehung der Krankheit sein, insofern als Schlempemauke hauptsächlich auftritt,
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Soblempemauke,
|
597
|
||
|
|
|||
|
wenn Sclilempe verfüttert wird, welche von einer schnell destillirten Maische herrührt. Die Säuerung der Schlempe ist für die Entstehung der Krankheit ohne Belang.
Die Schlempemauke wird indess nicht ausschliesslicli durch die Fütterung der Kartoffelschlempe, sondern der Kartoffclpflanze überhaupt in jeder Form und Zubereitung erzeugt. Sowohl die rohe wie die gekochte Kartoffel, das Kochwasser der letzteren, und insbesondere das Kartoffelkraut rufen bei ihrer Ver-fütterung nicht selten ganz denselben Ausschlag hervor, desgleichen keimende Kartoffel und das saure Maischgut. Es muss also offenbar ein bestimmter giftiger Stoff schon in der Kartoffelpflanze selbst enthalten sein, welcher bei der Schlempebereitung zurückbleibt und nach dem Austritte der Kohlehydrate aus der Kartoffel in relativ grösserer Menge in derselben vorhanden ist. üeber die Natur dieses giftigen Stoffes ist etwas Sicheres zur Zeit noch nicht bekannt; seine Wirkung stellt man sich wohl am besten in der Weise vor, dass derselbe bei seiner Ausscheidung durch die Haut reizende und entzündungserregende Eigenschaften äussert, welche zu Kkzembildung führen. Mit dieser Annahme steht das seltenere Erkranken der Milchkühe in vollem Einklänge, indem bei denselben jenes giftige Agens durch die lebhafte Secretion der Milchdrüsen aus dem Körper der Thiere entfernt wird. Dass die Milch maukekranker Kühe in der That einen giftigen Stoff enthält, wird durch die vielfach beobachtete schädliche Einwirkung der Milch auf Kälber und Kinder bewiesen, von denen erstere an Durchfall, letztere an Ausschlägen erkranken. Auch die bei ausreichender Bewegung der Thiere milder vorlaufenden Fälle von Schlempemauke lassen sich durch die hiebei gesteigerte Ausscheidung jener Stoffe vielleicht erklären. Der gegen die Annahme erhobene Einwand: warum nur oder vorwiegend die Fussenden der hinteren Extremitäten erkranken? lässt sich zunächst dahin berichtigen, dass der Ausschlag zuweilen in der That auch über den ganzen Körper vorkommt. Sodann muss der Umstand in Betracht gezogen werden, dass vor Allem die Haut der Hinter-füsse durch die Einwirkung der Nässe und des Schmutzes von Seiten des Bodens, sowie des bei Schlempefütterung gewöhnlich sehr dünnen, ja selbst diarrhoischen Kothes zur Ekzembildung prädisponirt ist. Die geringere Hesistonzfähigkeit der Haut der Extremitäten gegen toxische Exantheme (Arzneiexantheme) haben wir ausserdem auch in einem Falle von Bromoxanthem bei einem Pferde beobachtet, das nach sehr grossen Dosen von Bromkalium einen über den ganzen Körper ver-
|
|||
|
|
|||
|
I
.11
i
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
598
|
Sohlempemauke.
|
||
|
|
|||
|
breiteten Ausschlag bekam, der am Rumpfquot; nur schwach, an den Ex-tremitiiten dauetreu aussercmlentlich intensiv war.
|
|||
|
|
|||
|
Die verschiedenen anderen Ansichten über das Wesen der Schlem-pemauke.
1)nbsp; nbsp;Das in der Kartoffel enthaltene Solan in (resp. Solanidin) wurde vielfach als wesentliches ätiologisches Moment beschuldigt, und die Selilempe-mauke als eine SolaninvergiftuQg aufgefasst, eine Ansicht, die durch die nachweisbare Vermehrung des Solanins zur Zeit der Keimung und die damit zusammenfallenden schweren Fülle von Sohlempemauke nach der Fütterung keimender Kartoffeln oder aus solchen dargestellter Schlempe scheinbar gestützt wurde, indess fehlen bei der Sohlempemauke die für die Solaninvergiftung wesentlichsten und auch experimentell zu erzeugenden narkotischen Erscheinungen: Taumeln, Betäubung, Lähmung u. s. w. (vergl. das Kapitel der Solaninvergiftung), Ausserdem wirken auch Kartoffeln krankheitserregend, welche noch gar nicht gekeimt haben, also gar kein Solanin enthalten.
2)nbsp; nbsp;Das hei der alkoholischen Gährung nebenher entstehende Fuselöl kann aus mehreren Gründen nicht als Ursache angenommen werden. Zunächst findet sich dasselbe in jeder Schlempe, z. B. auch in der Kornschlempe, ohne dass letztere einen Ausschlag erzeugen würde. Sodann wird die Kartoffelschlempe meist vollständig entfuselt verfüttert. Auch kann von der Anwesenheit des Fuselöls in keimenden Kartoffeln oder im Kartoffelkraute keine Rede sein. Endlich sind die Erscheinungen der Fuselölvergiftung bekanntlich ganz andere.
8) Die in der Schlempe enthaltenen Säuren (Essig-, Milch-, Buttersäure) finden sich in jeder anderen Schlempe auch, während sie im Kartoffelkraut stets fehlen; ausserdem ist ihr Gehalt ein so variabler, dass eine unschädliche Schlempe zuweilen mehr davon enthält, als eine schädliche.
4) Die Hypothese von Johne, welcher den hohenKa iigehalt der Kartoffeln in ätiologische Beziehung zur Schlempemauke bringen wollte, kann die Entstehung eines vesicnlären Ekzems nicht erklären, weil die Kalisalze lediglich als Muskelgifte wirken, und bekanntlich ein hoher Kaligehalt bei Nahrungsmitteln durchaus unschädlich ist.
quot;gt;) Kach Zürn soffen sich die in der Branntweinhefe enthaltenen Sprosshefezellen im Darme in Stabhefezellen umwandeln und im Vereine mit den übrigen Bacterien und Mikrokokken des Darminhaltes auf der I taut eine mykotische Entzündung erzeugen, wenn sie mittelst des Kothes auf letztere gelangt sind, .lohne hat gegen diese Annahme mit Eecht u. a. die nachfolgenden Einwendungen gemacht: Es finden sich in jeder Schlempe dieselben Hefepilze, es müsste also jede Schlempe Mauke hervorbringen, was bezüglich der Korn- und Maisschlempe noch niemals beobachtet worden ist. Die incriininirten Hefezellen und Pilze finden sich ferner auch im Kotho nicht kranker, mit Kartoffefschfempe gefütterter Thiere, ja selbst ohne Schleinpefüttcrung; sie müssen also als zufällige Bestandtheile des Kothes betrachtet werden. Bei der allergrössten Reinlichkeit kann weiter Schlempemauke auftreten und ebensogut bei noch so grosser Unrciulichkeil, fehlen; ja os erkranken selbst Körpersteffen, die mit dem Kotbe in gar keine Berührung kommen. Sodann wurde noch nie eine Ansteckung durch den Koth maukekranker Thiere beobachtet; Lmpfversuche sind stets miss-lungen, ja es werden sogar Bähungen mit warmer Schlempe von jeher mit
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Schlenipemaukc.
|
500
|
||
|
|
|||
|
Erfolg gegen laquo;lie Sohlempemauke angewandt. Audi Baranski hat neuerdings dieses Argument auf Grund eigener Versuche gegen die Zürn'sche Theorie hervorgehoben. Endlich kann bei der nach Fütterung von rohen Kartoffeln, Kartoffelkraut u. s. w, auftretenden Mauke eine Einwirkung von Hefepilzen nicht in Betracht koniincii.
(i) Habe hält die Sohlempemauke für eine reine Ä'I ilbenrllude, die sich durch Ansteckung verbreitet, an das Auftreten und Verschwinden der Milben (Dermatophagus bovis) gebunden ist und zuweilen entsprechend der Lebensweise der Milben einen intermittirenden Charakter zeigt. Hie-gegen macht .Johne mit Recht folgende Einwiinde: Die; Milben sind ein rein zufälliger Befund. Johne fand sie nämlich auch sehr häufig bei gesunden Thieren, sowie nach Heilung der Mauke, dagegen fand er sie nur bei einem Drittel der an Mauke erkrankten Thiere. Sodann herrscht in von jeher maukefreien Stullen die Steissräude (die eigentliche Dermatophagus-räude) ohne irgend welche Maukeatfection am Fessel oder Schienbein , und ohne dass andere Thiere eine Maukeansteekung gezeigt hätten. Auch ist eine Impfung der Schlempemauke nie gelungen. Weiter kann die Sohlempemauke ohne jede medicinische Behandlung lediglich durch Woglassen der Schlempe zu jeder Zeit geheilt werden. Ferner verbreitet sich die Der-matophagusrände nicht so schlagartig rasch über den ganzen Körper. Endlich ist der Zusammenhang zwischen Kurtoifelfütterung und Sohlempemauke ein unläugbarer.
Symptome. Die örtlichen Erscheinungen bei der Scblerape-tnauke beginnen durchschnittlich 23 Woclicn nach Beginn der Schlempefütterung, bei ausschliesslicher und reichlicher Verabreichung wohl auch früher. Sie bestehen zunächst in Röthung und Schwellung der Haut im Fessel, in Folge deren die Thiere gleich am Anfang eine Steifheit und Spannung in den Flinterfüssen beim Gehen und Auftreten erkennen lassen. Auf der gerötheten und geschwollenen, schmerzhaft anzufühlenden Haut kommt es nun zur Bildung von Bläschen, welche bald platzen und beim Zusammenfliessen grössere nässende, wunde Stellen erzeugen, die später eintrocknen und mit oft sehr dicken Krusten und Borken bedeckt werden. Dabei sind die Haare gesträubt und das Ende der betroffenen Extremität erscheint mehr oder weniger verdickt. Zuweilen dehnt sich der beschriebene Ausschlag über den ganzen Mittelfuss, sowie über das Sprunggelenk und Knie, besonders auf der Innenfläche aus und erstreckt sich selbst bis zum Hodensacke beim männlichen, bis zum Euter bei weiblichen Thieren. In einzelnen Fällen endlich ist aussei- den Extremitäten auch der ganze Rumpf mit grindartigen Borken besetzt, so der Bauch, die Brust, der Hals, der Kücken u. s. w.; dabei legt sich die geschwollene Haut in Falten, bekommt Spalten und Risse, welche ein flüssiges Exsudat absondern, das theils zu Borken eintrocknet, theils eiterig wird. Neben diesen örtlichen Veränderungen gehen Allgemeinstörungen einher. Die Krankheit beginnt in der Regel mit leichtem Eruptionsfieber, ver-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
600
|
Schlempemiiukc.
|
||
|
|
|||
|
minderten! Appetite, verzögertem Kothabsatze, Injection und selbst vermelirter Secretion der Conjunctiva, Speicheln u. s. w.; im späteren Verlaufe gesellt sich häutig eine anhaltende Diarrhöe, sowie starker Verfall der Kräfte und Abmagerung hinzu, welche in schwereren Fällen, die durchaus nicht vereinzelt sind, selbst zu Erschöpfung und zum tödtlichen Ausgange führen können. Die Todesursache ist dann eine hinzutretende Soptikämie resp. Pyämie. So beobachtete ßaranski in Galizien im Jahre 1880 unter 380 Ochsen einen Verlust von 70 Stück = nahezu 20 Proc. Im Allgemeinen findet man schwer verlaufende Fälle hauptsächlich in unreinen, schlecht ventilirten und gepflegten Stallungen, sowie hei älteren, wenig widerstandsfähigen Thieren, welche anhaltend im Stalle gehalten werden. Manche Thiere bekommen auch den Ausschlag mehrmals, einzelne im Verlaufe eines Jahres 46mal. Das Ueberstehen der Krankheit bedingt also keine Immunität. Meist indess ist der Verlauf der Schlempemauke ein gutartiger, und es tritt nach 2 8 Wochen Heilung ein. Hiebei lösen sich allmählich die Borken unter Haarausfall und Abschilferung der Epidermis. Bei Vernachlässigung des Ausschlages können allerdings zu dem oberflächlichen vesiculären und nässenden Ekzem der Schlempeniauke schwerere erysipelatöse und phlegmouöse, ja selbst gangränescirende Hautentzündungen hinzutreten, welche zuweilen zu brandigem Absterben der Haut, ja selbst zu septischer und pyämischer Infection (Metastasen in andere Organe) führen. Zuweilen fällt in den Stallungen, in welchen die Schlompemauke herrscht, ein eigenthümlicher dumpfer, multriger Geruch auf.
Differentialdiagnose. Die Schlempeniauke kann mit einer Reihe anderer Processe verwechselt werden; dieselben sind folgende:
1) Die Schmutzmauke; dieselbe kann klinisch ein der Schlempemauke vollkommen ähnliches Krankheitsbild erzeugen, hat aber eine ganz andere ätiologische Grundlage, d. h. sie entsteht unabhängig von der Schlempefütterung, lediglich durch aus sere Einflüsse. Ausser-dem sind nieist die Veränderungen bei der Schmutzmauke gering-gradiger, und man beobachtet nur die Erscheinungen des Stadium erythematosum und squamosum; indess kann es ohne Zweifel auch bei der Schmutzmauke zu Bläschenbildung kommen. In der Praxis wird man nicht fehl gehen, wenn man jede bei Schlempe- resp. Kartoft'elfütterung auftretende Mauke als Schlempemauke auffasst, während man die anderen nicht parasitären Ekzeme der Fassenden der Schmutzmauke zurechnet.
|
|||
|
|
|||
|
I
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Sohlempemauke.
|
60]
|
||
|
|
|||
|
2) Die durch Derxuatophagus-Milben erzeugte Fussräude. Wenn aucli zugegeben werden muss, dass Fussrilude und Schlempe-mauke sich mit einander compliciren können, und dass das Vorhandensein der Räudeinilben an den Hinlertussen eine Prädisposition für die Entstehung der Scblempemauke zu bilden vermag, so sind doch, abgesehen von dem mikroskopischen Befunde, das klinische Bild und der Verlaut' der Fussräude andere, als bei der Schlempemauke. Die erstere ist entschieden ein langsamer und milder verlaufender Ausschlag, als die Schlempemauke, und befällt nur selten die unteren Fuss-enden, ohne sich weiter nach oben auszubreiten; auch ist der Charakter des dadurch erzeugten Ekzems vorwiegend ein chronisch-squainöser, während die Schlempemauke in der Hauptsache ein acutes, vesiculäres, resp. nässendes Ekzem darstellt.
:!) Die Maul- und Klauenseuche ist zwar ebenfalls ein vesiculäres Exanthem, befällt aber mehr den Kronrand und Klauenspalt, ist ausserordentUch ansteckend und entsteht unabhängig von der Schlempefütterung. Complicationen der Schlempemauke mit Klauenseuche sind natürlich möglich, eine Diagnose ist indess auch hier nicht allzu schwer.
4)nbsp; nbsp;Das beim Kinde nicht seltene Fanaritium, d. h. eine infec-tiöse, von der Krone oder vom Klauenspalte ausgehende Entzündung der letzten Phalangen mit Affection der Sehnen, Gelenke, des Periosts und der Knochen, kann als rein chirurgisches Leiden der Klauen mit dem typischen Exanthem der Fessel- und Schienbeingegend wohl kaum verwechselt werden.
5)nbsp; nbsp;Endlich wird der typische Charakter des Schlompeausschlags nicht selten durch allerhand Manipulationen von Seiten der Eigen-thümer, der Schweizer oder Pfuscher, z. B. durch Einreibungen mit Petroleum, roher Carbolsäure etc. verändert, so dass die Diagnose anfangs auf Schwierigkeiten stossen kann.
Therapie. Die einfachste Behandlungsweise der Schlempemauke besteht im Aussetzen der Schlempefütterung oder, wo dies nicht möglich ist, in Reduction der gefütterten Schlempemengen von 80 Liter pro Tag auf etwa 2040 Liter und entsprechender Zugabe von Bauh-futter oder anderen Futtermitteln. Nach Märker (Handbuch der Spiritusfabrikation 1877) soll insbesondere das Zubrennen von Mais zur Kartoffelmaische die Schlempemauke verhindern, sofern nicht mehr als 7080 Liter pro Tag verfuttert werden, und etwa ein Drittel Mais zugesetzt wird. Ausserdem kann eine ausgiebige Bewegung der
|
|||
|
|
|||
|
.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
602nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Uegenfflule dos Schafes.
erkrankten Thiere den Grad der Erkrankung vielleicht mildern. Von Arzneimitteln sind eine grosse Anzahl im Gebrauche; Rabe empfiehlt eine Verbindung von Theer mit Seile (1 Theil Theer, 2 Theile Seife, 1 Theil Sohwefelblumen, 2 Theile Branntwein), sowie riprocen-fciges Carbolöl; andere wenden austrocknende und adstringirende Mittel in Lösung oder in Substanz an, z. B. Eiciienrindenpulver, Eiclien-rindenabkochung, Bleiwasser, Kupfervitriol, Bleizucker u. s. w. Es dürfte sich namentlich auch die Anwendung des Creolins in Form des Linimentes (Creolini anglici; Sapon. Kaiin. ää 100,0; Spiritus 50 bis 500,0), derSalbe(l : 1020), des0reolmwassers(2Proc.)und desCreolin-spiritus (1 : 1025) empfehlen. Endlich ist es nicht überflüssig, für möglichste Reinhaltung des Stalles Sorge zu tragen; wenn die Schlempemauke auch direct mit Unreinlichkeit und Schmutz nichts zu thun hat, so können doch letztere, wenn sie zu sehr überhand nehmen, eine gewisse Prädisposition zur Erkrankung schaffen und an sich leicht verlaufende Fülle verschlimmern,
|
||
|
|
||
|
D. Ekzematöse Hauterkrankungen beim Schafe.
l/iteratur. 1) May, Die inneren und iiusseren Knmklieiten des Schafes. 1868. 2) Beiiion, Triiite des maladies du mouton, Paris 1874. 3) Plessow, Thienned. Rundschau. 1889. S. 269. 4) Walley, Journal of comp. Pathol. 1890. 5) Die Lehrbücher der speciellen Pathologie von Roll, Haubner-Siedamffrotzky u. s. w.
Allgemeines. Die nicht parasitären Dermatosen des Schafes sind noch wenig gekannt und wohl auch ziemlich selten. Nach Haubner-Siedaingrotzky kommt beim Schafe wie beim Pferde eine sogen. Schwindflechte, d. h. ein papulöses Ekzem vor. welches sich durch Aufsteigen zahlreicher Wollflöckchen erkennbar macht. Ausserdem beobachtet man ein squamöses Ekzem im Verlaufe der Leberegelseuche und anderer kachektischer Leiden als sogen. Hungerräudequot;, bei welcher sich die oberflächlichen Epidermislagen abschuppen; in anderen Fällen ist diese Hungerräudequot; nur auf schlechte Wart und Pflege zurückzuführen, und wird dann wohl auch als Schmutz-Hechtequot; bezeichnet. Von einem juckenden Knötchenausschlage ferner, sowie einem grindartigen Ekzem spricht May unter den Benennungen Prurigoquot; und Schorfflechtequot;; auch Mauke kommt bei den Schafen vor, wenn auch eine eigentliche Schlempemauke bis jetzt noch nichf beobachtet worden ist.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
l!i
|
||||
|
|
||||
|
Uuss der Ferkel.
|
608
|
|||
|
|
||||
|
Das häutigste und wichtigste, nicht parasitäre Ekzem des Schafes ist wohl die sogen. Regent'äule (nassequot;, fettequot; Räude). Hei schlecht genährten Thiercn mit offenem Vliesse wird nämlich die oberste Schichte der Epidermis in Folge anhaltenden Regens auf der Weide inacerirt, und es entwickelt sich darunter ein nässendes Ekzem mit Anschwellung der Haut, Bläschen- und Borkenbildung, Ausfall der Wolle, Juckreiz u. s. w., welches vorwiegend den Rücken und das Kreuz befällt, sich jedoch auch nach vorn auf die Schultern, den Hals und Kopf, sowie nach hinten bis zur Schweifwurzel erstrecken kann. Meist folgt mit dem Nachlasse der regnerischen Witterung von selbst Heilung, weshalb eine Behandlung auch gewöhnlich überflüssig ist; in schwereren Fällen ist Stallaufenthalt geboten. Nachtheile erwachsen ineist nur durch den Ausfall der Wolle. Die Differentialdiagnose bezüglich der Räude vergl. bei der letzteren.
|
||||
|
|
||||
|
E. Ekzematöse Hauterkrankungen beim Schweine.
Literatur. 1) Spinola, Krankheiten der Schweine. 1842. 8. 140. 2) Fünfstttck, Sachs. Jahresber. 1868. S. 85. 3) Ulrich. Adam's Wochensohr, 1870. S. 809. 4) Beul on, Trait.e des maladies du porc. Paris 1872. 5) Z s c h o k k e, Schweizer Archiv für Thierheilkde. 1888. 6) Walt her, Sachs. Jahresber. 1889. S. 79. 7) Soli nie, Kepcrt. 1891. S.Heft. Ausserdcni die Lehrbücher der speoiellen Pathologie.
Vorkommen. Als nicht parasitärer Ausschlag ist beim Schweine nur der sogen. Russquot; der Ferkel (sogen. Pechräude' oder Borkenausschlagquot;) bekannt. Derselbe stellt ein anfangs vesiculäres, später pustulöses und grindartiges Ekzem dar, das besonders bei jugendlichen und dabei schwächlichen oder kränklichen Thieren, z. B. bei acutem Gelenkrheumatismus (Ulrich) oder Rachitis (Fünfstück), bei Tuberkulose, Schweinepest etc. meist über den ganzen Körper verbreitet ist und durch verschiedene Ursachen (schmutzige Stallungen, Anhäufung und Zersetzung des Hauttalges etc.) hervorgerufen werden kann. In der Hauptsache findet man Bläschen, welche sich rasch zu Pusteln umwandeln und dann zu dicken schwarzen, pechähnlichen Schorfen eintrocknen, unter welchen die Haut nässt. Der Ausschlag ist meist nur eine Nebenerscheinung einer inneren constitutionellen Krankheit und kann mit der Skrophulose des Menschen verglichen werden. Die Behandlung besteht in Reinhaltung, Waschungen mit Seife, sowie guter Fütterung.
|
-I
I
|
|||
|
|
||||
|
,
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
()04nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Urticaria.
Da die Sanoptesrilude des Schweines ähnliche Haut Veränderungen aufweist, wie das eben beschriebene Ekzem, wird sie zuweilen auch mit dem Namen Russ belegt. Sie unterscheidet sich jedoch wesentlich durch ihre (!oiitagiositiit.
Als ,Schrot u ussch lagquot; beschreibt Zschokke einen eigenthüm-liuhcii, chronisch verlaufenden, angeblich nicht seltenen Bläsohenaussohlag beim Schweine, welcher an umschriebenen, handgrosssn Flächen der Ohren, des Rückens und Qamentlich des Kreuzes, sowie dos Schwanzansatzes auftritt, und durch die grauviolette, scbrotamp;bnliohe Farbe der Bläschen gekennzeichnet ist. Dieselben platzen niemals und verursachen auch keinen Juckreiz (Unterschied vom ßuss). Der Process besteht nach Z. in einer zapfenartigen Wucherung der Epidermis nach innen, veranlasst durch einen Mikroooocus als Trüger der Beizung. Nach Johne hat man es mit einör multiplen Dermoidoystenbildung der Haut zu thun,
|
||
|
|
||
|
Nesselaussclüag, Nesselsacht, Quaddelaussohlag, Urticaria.
Allgemeines über Begriff und Ursachen. Die Quaddel oder Nessel (Urtica) stellt eine scharf umschriebene, Hache, beetartig erhabene Anschwellung der Haut dar, welche durch eine rasch auftretende, seröse Transsudation in den Papillarkörper und das Corium im Bezirk eines capillaren Stromgebietes hervorgerufen wird. Sie kann demnach als ein umschriebenes Hautödem oder als eine herdförmige, seröse, acute Dermatitis aufgefasst werden, bei der es jedoch nur zum Austritt von Serum, nicht aber zur Infiltration mit Zellen gekommen ist. Durch das Fehlen der letzteren unterscheidet sich die Quaddel ganz wesentlich vom Knötchen; ausser-dem billigt damit die Möglichkeit des raschen Verschwindens der Quaddel durch Resorption der serösen Flüssigkeit zusammen. Die Veranlassung zu der Transsudation von Flüssigkeit ist in einer plötzlichen Erweiterung des betreffenden Capillarbezirks in Folge abnormer Erregung der vasomotorischen Nerven oder in einer Bmbolie zu suchen. Darnach kann der Quaddelausschlag als eine sogen, vasomotorische Neurose oder Angioneurose mit abnormer Durchlässigkeit der Capillarwan-dungen betrachtet werden. Diese Affection des vasomotorischen Nervensystems kann sowohl refiectorisch von der Haut aus, als auch von inneren Organen angeregt werden.
1) Aeussere Ursachen sind die Einwirkungen reizender Stoffe auf die Haut, /.. B. Insektenstiche, die Haare der Processionsraupe, die Brennessel (Urtica urens und dioica). Aber auch andere Keize können bei prädisponirter, zarter Haul einen Nesselausscblag er-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
ürticmria.
|
606
|
||
|
|
|||
|
zeugen, z. B. das Besprengen mit Terpentinöl bei kolikkninken Pferden u. s. w.
2) Innere Ursachen vermögen nur dann reflectorisch durch innervationsstörungen der vasomotorischen Hautnerven Urticaria hervorzurufen, wenn eine individuelle Prädisposition liiefür vorhanden ist. Worin diese besteht, ist nicht bekannt; es muss aber im Allgemeinen eine bestimmte Störung des vasomotorischen Nervensystems angenommen werden. Jüngere, vollblütige und gutgenährte Thiere sollen vorwiegend zu Nesselsucht geneigt sein. Auch die inneren Ursachen müssen als reizende, ins Blut aufgenommene Stoffe aufgefasst werden, welche bei gegebener Prädisposition eine eigen-thümliche Einwirkung auf die Haut besitzen. Hiefür spricht die im Verlaufe verschiedener 1 n f e c t i o n s k r a n k h e i 16 n (Petechialfieber, Druse, Nesselfieber der Schweine) auftretende Urticaria, bei welcher jedenfalls die betreffenden Infectionsstoffe resp. ihre Stoffwechselprodukte als Krankheitserreger anzusehen sind, sodann das durch gewisse Störungen im Darmcanal (Magen- und Darmkatarrh, Icterus) hervorgerufene Ncsselexanthem, bei dem man sich in die Blutbahn aufgenommene abnorme Zersetzungs- und Verdauungsproducte als wirksam denken muss. Wie beim Menschen ist ferner auch bei den Haus-thieren eine gewisse Idiosynkrasie, d. h. eine individuelle Empfänglichkeit des Körpers für bestimmte äussere Einflüsse, insbesondere für manche Nahrungsmittel, als Ursache der Urticaria denkbar. Es werden in dieser Beziehung z. B. Hülsenfrüchte, Buchweizen, grüne Kartoffeln (Lippold), grüner Koggen, sowie rascher Eutterwechsel u. s. w. beschuldigt. (Beim Menschen erzeugen besonders Erdbeeren. Himbeeren, Krebse, Austern, Seefische u. s. vv. bei prädisponirten Individuen den Ausschlag).
Endlich können auch im Verlaufe anderweitiger Hautkrankheiten Quaddeln auftreten; so beobachtete sie z.B. Schindelka im Verlaufe der sogenannten canadischen oder englischen Pferde-pocke.
;i) Die rasche Abkühlung der Haut nach vorhergehender starker Erhitzung des Körpers scheint ebenfalls nicht selten als veranlassende Ursache in Betracht zu kommen. Aus diesem Grunde ist der Quaddelausschlag sehr häufig im Frühjahr und Sommer bei grosser Hitze, bei Gewitterregen, nach angestrengter Arbeit, rascher Bewegung, sowie zuweilen bei der rheumatischen Hämoglobinämie zu beobachten. In allen diesen Fällen dürfte es sich weniger um einen directen, durch die Kälte ausgeübten Reiz auf die Haut, als vielmehr
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
(50Gnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;NesselauBsohlag dos Pferdes.
um die Retention resp. Erzeugung schädlicher Stoffe im Körper als Folge der Erkältung handeln.
Sehr häutig endlich ist für das Auftreten einer Urticaria gar keine Ursache zu finden.
Vorkommen. Aus dein Angeführten geht hervor, dass der Nesselausschlag in der überwiegenden Mehrzahl ein rein symptomatisches Exanthem darstellt. Er sollte daher eigentlich auch nur als ein Nebensymptom bei den betreffenden Krankheiten erwähnt werden. Indess gestattet der Umstand, dass die Urticaria oft das einzige sichtbare Krankheitszeichen ist, sowie dass innere Krankheiten nicht in allen Fällen sicher nachgewiesen werden können, inimerhin eine Ge-sammtbesprechung des Ausschlags an dieser Stelle, wobei wir ausser-dem einem herkömmlichen Gebrauche gefolgt sind.
Am häutigsten findet man den Nesselausschlag beim Pferde, Hunde und Schweine, sodann beim Rinde. Es empfiehlt sich indessen aus praktischen Gründen, die Urticaria des Pferdes, Hundes und Rindes zusammen abzuhandeln.
|
||
|
|
||
|
1) Der Nesselausschlag beim Pferde, Hunde und Rinde.
Literatur. 1) Haubner, Magazin. 1886. S, 25; Haubner-Siedamgrotzky, Landwirtbschaftl. Thierheilkde. 1889. 2) W i e n e r Klinik, Oesterreich. Viertoljahrsschr. 1804, 1807, 1870, 1877. 3) Seh leg, Sachs. Jahresber. 1869. S, 87, 4) Wober, ibid. 1871. S. 128. 5) Lippold, Ackermann, ibid. 1876. 8. 106. 6) Pourquier, Reoueil de mod. vöt. 1877. 7) Zipperlen, Report 1880. S, 185. 8) Porasassi, Q-iom. di Anat, 1887. 9) Sau or, Repert. 1889. S. 129. 10) KHngenstein, Berliner Archiv. 1890. S. 222.
Symptome. Der früher als Hitzbeulenquot; oder Beulentieberquot; beschriebene Nesselausschlag des Pferdes, Hundes und Rindes ist durch ein ausserordentlich rasches Auftreten der Quaddeln charakterisirt, die sich oft innerhalb weniger Stunden, nicht selten auch über Nacht auf grössere Strecken der Haut verbreiten können, im Anfange sind es nur vereinzelte beetartige, weiche, erbsengrosse Hautan-schwellungen, über denen die Haare etwas gesträubt sind, und zwar vorwiegend zu beiden Seiten des Halses, über den Schultern, längs des Rückens, auf der Seitenbrustwand, den Hinterbacken. Dieselben vermehren und vergrössern sich jedoch bald, fliessen auch häufig zusammen und bilden dann hand- bis tellergrosse Platten,
|
||
|
|
||
|
..
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
NesselausBflhlag tielaquo; Pferdes.
|
()()7
|
||
|
|
|||
|
wobei sie den Kopf und die Vorarme, Unterschenkel und selbst das Euter befallen können, in Folge dessen die Thiere ein ganz unförmliches Aussehen erhalten. Juckreiz ist nur in seltenen Fällen vorhanden. Von den Hunden erkranken Möpse am häufigsten.
Zuweilen trifft man die Quaddeln auch auf den sichtbaren Schleimhäuten an, so auf der Nasenschleimhaut, der Maul- und Scheidenschleimhaut; ihre Anwesenheit auf der Nasenschleimhaut kann zu Athmungsstörungen führen (Schieg). Zipperlen fand bei einer Kuh auch die Conjunctiven sehr stark geschwollen und die Schleimhäute des Mastdarmes und der Scheide in dicken Wülsten hervor-gepresst. Bei der Druse des Pferdes findet man ferner bei gleichzeitigem Quaddelausschlage auf der Haut umschriebene Hämorrhagien (Petechien) in der Nasenhöhle. Audi können sich beim Vordringen des Transsudates zwischen liefe Malpighi und Epidermis auf den Quaddeln Blasen bilden (sogen. Nesselblasen, Nesselfries, Pom-phosis); letztere bedingen dann gewöhnlich starkes ducken und Ausfall der Haare.
Ausser diesen Processen auf der Haut beobachtet man je nach dem zu Grunde liegenden Hauptleiden verschiedenartige Störungen des Allgemeinbefindens. Häufig sind gleichzeitig die Erscheinungen eines massigen, seltener eines hohen Fiebers vorhanden; die früher hierauf gegründete Unterscheidung zwischen Nesselfieberquot; und einfacher, d. h. fieberloser Nesselsucht ist indess ohne Belang. Daneben besteht Mattigkeit, Abgeschlagenheit, Unlust zur Arbeit. Oder man beobachtet die Erscheinungen eines Magendarmkatarrhs, einer Appetitstörung, einer Diarrhöe, einer Kothverhaltung, eines leichten Icterus. In einem Falle Hess sich bei einem Pferde ausserdem vorübergehender Schweissausbruch als Begleiterscheinung der Urticaria nachweisen.
Meist verschwindet der Ausschlag ebenso rasch, als er aufgetreten ist, innerhalb 12 Tagen. Nicht selten zeigen sich jedoch bald wieder neue Nachschübe, wodurch der Verlauf ein längerer und selbst chronischer wird. Dabei werden manche Thiere mehrmals in einem und demselben Jahre von der Nesselsucht befallen.
|
|||
|
|
|||
|
Therapie. Eine Behandlung ist meist überflüssig; in vielen Fällen genügt einfache Hungerdiät und Bedecken der Thiere. Bei schwerem Allgemeinlciden ist indess eine Ableitung auf den Darm anzuempfehlen; man gibt dann evacuirende Mittel (Mittelsalze) oder selbst Purgantien (BrechWeinstein, Aloe, Calomel etc.).
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
(JOSnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Nesscliiusschliig dos Schweine
|
||
|
|
||
|
2) Das Nesselfleber der Schweiue.
Literatur, li Ihm Im er, Magazin, 1846. S. 865. 2) Berg, Repert. 1872. 8', 162, 3) v. Niederhäuaern, Pütz'sohe Zeitsohr, 1870. S. 181, 4) Ubz, Bad. tliirriiiv.tl. Mittheil. 1882, S. 68, 6) Göttelpaann, Zündel's Jahreaber, 1888. S. 88. 6) Eggeling) Ref. in der Deutschen Zeitsohr. für Thiermed, 1884. S. 234. 7) Cn döa o, Diet. vöt. Bd, 16.
Wesen. Diis Nesselfieber der Schweine sollte eigentlich im Kapitel der 1 nt'eotionskrankheiten abgehandelt werden, denn als eine solche ist das Exanthem aufzufassen. Da es jedoch mit dem Rothlaufe und der Schweineseuche trotz häufiger Verwechslungen gar nichts gemein hat, ist es für die Zwecke der Praxis wohl besser, dasselbe von den genannten beiden anderen Ini'ectionskrankheiten vollständig zu trennen.
Symptome. Die Erscheinungen des meist nur sporadisch auftretenden Nesselfiebers bestellen in einem rasch aut'schiessenden und ebenso rasch wieder verschwindenden Quaddelausschlage der Haut neben gastrischen und fieberhaften Störungen.
Bei vorher ganz gesunden Thieren treten meist über Nacht auf den oberen Partien des Humpfes. auf der Brust, auf dem Kreuze. Oberschenkel und Bauche haselnussgrosse, schmerzhaft anzufühlende Quaddeln hervor, welche 1 2 mm über die Haut pro-miniren. die Grosse eines Fünfmarkstückes erreichen und bei Vereinigung mehrerer seihst handtellergrosse Platten oder Wülste bilden können. Diese Quaddeln haben je nach der Entwicklung und dem Grade der Krankheit eine verschiedene Farbe. Im Anfange stellen sie einfache rothe. wenig über die Haut hervorragende Flecke dar. während sie im ausgebildeten Stadium weisse Erhabenheiten mit peripherem rothem Saume bilden. Diese sogen, weissen Nesseln findet man aber nur bei leichtem Krankheitsverlaufe: in allen heftigeren Krankheitsfällen nehmen die Quaddeln einen hilmor-rhagischen Charakter an und bekommen eine rothe bis bläuliche, resp. bräunliche Farbe (statt einfacher seröser Transsudation bilden sich Blutherde. Ekchvmosen unter der Haut). Ausserdem beobachtet man zuweilen auf der Oberfläche der Quaddeln ein seröses Exsudat, das später zu Borken eintrocknet und abgestossen wird. Die hilmor-rhagischen Quaddeln zeigen bei der Section nach Entfernung der Borsten eine rautenförmice Gestalt.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Nesselfieber des Schweins.
|
609
|
|||
|
|
||||
|
Die gastrischen Symptome bestehen in unterdrückter Futter-aufmihme, sowie einer nie fehlenden Verstopfung, zuweilen auch in Erbrechen. Dabei sind die Thiere traurig und matt, verkriechen sich in die Streu, sind schwer zum Aufstehen zu bringen, zeigen stärker injicirte Scbleimhilute, beschleunigte Athmung, sowie mittelhochgradiges Fieber (ca. 40,*)quot; C). In einzelnen Fällen ist der Gang gespannt und steif, was auf eine rheumatische Muskelaffection hinweist.
Prognose. Der Verlauf des Nesselfiebers ist ein äusserst gutartiger; in leichteren Fällen tritt scbon nach 12 Tagen, in schwereren längstens nach 4ü Tagen Heilung ein. Ein Todesfall ist noch nie beobachtet worden. Die Wendung zum Besseren kündet sich durch den Nachlass der Verstopfung an; zu gleicher Zeit verschwindet auch das Exanthem, die Quaddeln erblassen, werden schlaff und welk und verlieren sich rasch; damit ist dann auch die ganze Krankheit vorüber.
|
||||
|
|
||||
|
Differentialdiagnose. Das Nesselfieber wurde früher fast allgemein als eine gutartige Form des Rothlaufes'' aufgefasst und wird es zum Theil fälschlicher Weise auch heute noch; indess hat schon Haubner dasselbe als eigenartige Krankheit vor 10 Jahren erkannt und beschrieben. Die Unterschiede von der liothlaufseuche und Schweineseuche (siehe diese bei den Infectionskrankheiten) sind folgende:
1)nbsp; Das Nesselfieber verläuft mit Eruption von Quaddeln, d. h. deutlichen, umschriebenen Hautprominenzen an den oberen Körperpartien, llothlauf und Schweineseuche zeigen nur Verfärbung der Haut, besonders an den unteren Partien, oder diffuse Infiltration.
2)nbsp; nbsp;Das Nesselfieber ist eine äusserst gutartige, die beiden anderen dagegen sind sehr bösartige Infectionskrankheiten, welche innerhalb weniger Tage (13) tödtlich enden können.
8) Das Nesselfieber verläuft mit viel leichteren Krankheits-erscheinungen, geringerem Fieber und tritt hauptsächlich sporadisch auf.
Behandlung. Die gewöhnlichen leichteren Fälle des Nesselfiebers brauchen bei der Gutartigkeit des Leidens und dem typischen Verlaufe keinerlei bezw. nur eine diätetische Behandlung. In schwereren geht man symptomafisch gegen die Verstopfung mit Klystieren, Seifen-zäpfchon, sowie mit nicht zu kleinen Gaben Calomel (11,0) vor.
Friertlicrger u. FiciUnor, Pathol, u. Thorapin d. Hiiusthioro. I. Bd. .1. Aull. 39
|
quot;1
|
|||
|
|
||||
|
|
||
|
(310nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Brandige Hautentzündung.
Hiiubner empfiehlt den Salpeter mit Glaubersalz (Kalium nitri-cum 5,0; Natr. sulfur. 50,0; mit Honig als Schlecke oder Latwerge). Ausserdem kann man die Entzündung der Haut durch öfteres Be-giessen des Körpers mit kaltem Wasser mildern.
|
||
|
|
||
|
Brundigo Haateutzttndunglaquo;
(Brand der we is sen Abzeichen, Bran din unke.)
Literatur. 1) Steiner, Magazin, 184;i. S. 5:!. 2) Burmeister, ibid. 1844. S. 112. 3) Sohlftcht.er, Repert. 1852. S. 91. 4) Ollmann, Magazin. 1857. S. 127. 5) Hering, Spec. Pathologie. 1858. S. 205; mit älterer Literatur. (i) Dogteroin u. Stoygerwald, IM. im Repert. 1864. S. 349. 7) Bou-naud, Reoueil de med. vet. 18G9. 8) Weber, Sachs. Jaliresber. 1874. S. 99. 9) Stockfleth, Repert. 1862. S. 160. 10) B a v uohe 11 o, La clinioaveterin. 1887. 11) Visezzi, Giern, di Anat. 1888. 12) .Tewsejcnko, Petersb. Archiv für Vet.-Med. 1888. 18) Plassio, Giern, di vet. mil. 1889. Ausserdem vergleiche die Literatur der Kleekranldieit.
Aetiologie. Die Ursachen der beim Pferde und Kinde, insbesondere bei Thieren mit weissen Abzeichen und bei Schecken, zuweilen selbst in enzootiseber Verbreitung beobachteten brandigen Hautentzündung sind ausschliesslich in der Einwirkung äussercr Reize zu suchen. Das bei chronischer Mutterkornvergiftung vorkommende Absterben extremitaler Theile gehört nicht hielier. In Folge der Steigerung der erythematösen und ekzematösen Hautentzündung kommt es scbliesslich zum Absterben der aflicirten Hautstellen. Die einwirkenden Heize sind verschiedener Natur.
1)nbsp; Die intensive Einwirkung der Sonne oder eines heissen austrocknenden Windes ist in manchen Füllen (Weber, Bonnaud) wohl als die directe Ursache der brandigen Hautentzündung zu betrachten; sogen. Sonnenbrand (Gangraena solare). Derselbe stellt dann einen höheren Grad des Erythema solare dar. Nach Plassio wird er namentlich in Afrika bei Pferden mit unpigmentirter Haut an den vom Sattel und Zauimeug nicht bedeckten Körperstellen beobachtet.
2)nbsp; nbsp;Die nicht pigmentirten Hautstellen bedingen sowohl der Einwirkung der Sonnenstrahlen, als anderen Reizen gegenüber eine offenbare Prädisposition für die brandige Hautentzündung, indem ihnen der Schutz des Pigments fehlt. Es werden daher am häufigsten die weissen Abzeichen am Kopfe und an den Extremitäten, sowie die weisse, nicht pigmentirte Haut der Schecken befallen.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
liullöse Dermatitis.
|
(ill
|
||
|
|
|||
|
;5) Befallungspilze scheinen offenbar in nmncbeu Füllen, z. B. bei der sogen. Kleekrankheit, vielleicht auch bei der Lupinose eine brandige Dermatitis, besonders auf weissen Hautstellen, hervorr rufen zu können. Ausserdem wurden verdorbene Wicken, mit Melil-tbau (Erysibepilzen) überzogenes Grünfutter, sowie Blattläuse als Entzündungserreger beschuldigt.
4) Die sogen, brandige oder ausfallende Mauke ist entweder auf eine Steigerung des gewöhnlich bei der Mauke einwirkenden Reizes (hochgradiger Frost u. s. W.) oder auf infectiöse Processe zurückzuführen.
Symptome. Die brandige Hautentzündung beginnt mit den Er-schuinungen eines Erythems oder Ekzems. Dabei nimmt indess die Schwellung der Haut rasch zu, es bilden sich Hisse und Schrunden, und es erfolgt sehr schnell eine Nekrotisirung umschriebener Hautstellen, welche bald nur oberflächlich, bald aber sehr tiefgreifend ist. Im ersteren Falle bilden sich auf der Haut lederartige Schorfe, im letzteren schrumpft die ganze Haut bis zur Subcutis pergamentartig zusammen und wird durch Eiterung vollständig abcestossen. Diese Abstossuna der nekrotischen Theile erfolirt unter
onbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; onbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; o
Bildung einer Demarkationslinie; auch Abscesse und Fisteln können sich entwickeln. Die Heilung wird durch Granulations- und Narbenbildung erzielt.
Therapie. Die Behandlung besteht im Anfange des Leidens in der Einreibung einer Blei- oder Decubitussalbe (Unguent. Plumbi tannici) oder von Carbolöl, Carbolsalbe, Jodoformsalbe, Creolinsalbe, Creolinliniment, Creolinwasser, in der Anwendung des Pyoktanins etc. Später, nach Ertödtung der Haut, müssen die nekrotischen Theile mittelst des Messers oder der Scheere entfernt werden, worauf, wenn möglich, ein antiseptischer Verband aufgelegt wird.
|
|||
|
|
|||
|
liullöse Donnatitis, Bliisoiimissclilag.
(Pemphigus.)
Literatur. 1) Seaman, The Veterinarian, 1852. 2) Loisot, Journ. de Lyon. 1858. 8) Dieck erhoff, Speoielle Pathologie. 1888. S. 910. 4) Gibier, Recueil vet. 1882. B) Cadeae, Diet. vet. Bd. 1(1. 0) öraffunder, Berliner tlneriir/.tl. Wochenschr. 1890. 8, 15;i. 7) Winkler, Wochenschr. für Thierheilkde. 1891. 8.47. 8)Barnick u. Gutzeit, Zeitsohr. f.Vet.-Kde. 1891. S. 241.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
QJ2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pemphigus.
Wesen. Bei der bullösen Dermatitis handelt es sich um die Bildung grösserer, selbst hühnereigrosser Blasen auf der in-tacten oder gerötheten Haut, während beim Ekzem nur kleinere Bläschen zum Vorschein kommen.
Aetiologie. lieber die Ursachen dieses seltenen Exanthems ist bei unseren Hausthieren nichts Sicheres bekannt. Vielleicht sind wie bei der traumatischen oder durch chemische (Canthariden) oder thermische (Verbrennung) Einflüsse erzeugten bullösen Dermatitis sehr intensive, hochgradige Reize unbekannter Natur wirksam.
Symptome. Bezüglich der Erscheinu ngen sind in der Literatur nur wenige Beobachtungen vorhanden. Leiset sah den Blasenausschlag in enzootischer Verbreitung beim Rinde; dabei traten in der Gegend der Lenden, der Croupe und der Hinterschenkel grosse, runde bis ovale, bis zu 10 cm im Umfange messende Blasen auf, welche mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt waren, bald platzten und grössere, nässende Stellen hinterliessen, welche sich mit Krusten bedeckten und unter Abschilferung der Haut, sowie unter Hinterlassung glänzender Hautstellen abheilten. Seaman beobachtete einen ganz ähnlichen Ausschlag mit hühnereigrossen Blasen bei einem Ochsen unter Fieberschauer verlaufend. Mit den sogen. VVasserpocken (Varicellen) scheint der Ausschlag nichts zu thun zu haben. Dieckerhoff hat den Blasen-ausschlag bei 5 Pferden beobachtet. Am Bauche, Kopfe, Halse, am Thorax, zwischen den Hinterschenkeln entstanden flache oder wenig erhabene, wallnuss- bis handtellergrosse Blasen auf der Haut, welche mit klarer, wasserheller oder gelblicher Flüssigkeit gefüllt waren. Gewöhnlich zerriss die abgehobene Epidermis, so dass grosse wunde Stellen zurückblieben, von welchen ein wässeriges Secret abfloss. Abgesehen von einem heftigen Juckgefühl trat eine Störung des Allge-meinbeflndens nicht ein. öraffunder beschreibt einen Fall beim Pferde, welcher in etwa 12 Tagen abheilte und mit Blasenbildung auf der Haut, sowie mit der Eruption dunkelrother, erbsengrosser Flecke auf der Nasenschleiinhaut verlief. Winkler hat den Ausschlug bei Schweinen gesehen und bringt ihn in Zusammenhang mit dem Scheiden-ausfluss von Kühen nach der Geburt.
Diese bullösen Dennatiten haben eine unverkennbare Aehnlich-keit mit dem als Pemphigus bezeichneten Blasenausschlage des Menschen, dessen Aetiologie übrigens ebenfalls noch eine sehr unklare ist. Der Pemphigus des Menschen stellt nämlich bald eine acute In-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Alopecia.
|
618
|
||
|
|
|||
|
i'ectionskrankheit, bald eine vasomotorische Neurose, bald eine pflanzlich parasitäre Hautkrankheit dar. Die oben erwähnten Fülle beim Ilinde scheinen insbesondere dem Pemphigus vulgaris des Menschen sehr ähnlich zu sein, welcher ebenfalls sehr gutartig verläuft, während der sogen. Pemphigus foliaceus schliesslich zum Tode führt.
Herpes labialis. Aussei' der durch grosse Blasen charakterisirten bullösen Dermatitis wird von einigen Autoren, namentlich beim Pferde, ein specifischer Bläsehenausschlag au den Lippen und der Nase erwähnt und unter dem Namen ,Hitzausschlagquot; oder Herpes labialisquot; beschrieben. Das Exanthem ist durch kleine, rasch auffahrende und in Gruppen neben einander stehende Bläschen charaktorisirt, welche die Grosse einer Linse erreichen, eine klare Flüssigkeit enthalten und bald unter Borkenbildung abheilen. Es muss zugegeben werden, dass dieser spec if is ehe Bläschen au sschlag mit dem Herpes facial is und geuitalis des Menschen viel Aehn 1 ichkeit hat, und auch in-soferne übereinstimmt, als er in der Umgebung der natürlichen K ö rp er Öffnungen auftritt. Indess ist in der Thierheilkunde mit dem Namen Herpesquot; so viel Missbrauch getrieben worden, dass es sicher zweck-raässiger wäre, nach dein Vorschlage Gerlach's den Ausdruck nur für eine bestimmte parasitäre Hautkrankheit, den Herpes tonsurans, zu gebrauchen. Mit dem im Verlaufe eines 11 autnerven auftretenden Herpes zoster (Gürtelrose) des Menschen hat das oben als spezifischer Bläschen-aussohlag bezeichnete gutartige Exanthem jedenfalls nichts gemein.
|
|||
|
|
|||
|
Das Ausfallen der Haare und Wolle (Alopeeia).
Literatur. 1) Koller, Repert. 1842. S. 300. 2) Hertwig, Magazin. 1848. S. 50. 8) Adam, Woclicnschr. 1858. S. 425. 4) Hering, Specielle Pathologie. 1858; mit Literatur. 5) Bourgeois, Journal du Midi. 1803. 6) Siedam-grotzky, Sachs. Jahrcsber. 1871. S. 88; 1879. S. 82. 7) Prietsoh, ibid. 1875. S. 113. 8) Fünfstück, ibid. 1883. 9) Megnin, Ref. Oesterr. Revue. 1878. 8, 08. 10) Roll, Spec. Pathologie. 18S5. S. 541. 11) Werner, Berlin. Airh. 1885. S. 304. 12) Fomin, Petersburger Archiv 1'. Veterinär-medicin. 1880. 13) S c h i n d e 1 k a, Oesterr. Zeitschr. für wissenschaftl. Vcterinärkunde. 1887. S. 247. 14) P e r r 0 n 0110, II mod. vet. 1887. 15) Andre, Bull. Belg. 1887. 16) Brisavoine, Rccueil. 1888. 17) Zürn, Die Schmarotzer^ 1889. S. 298. 18) Ruegg, Schweizer Archiv für Thierheilkunde. 1890. S. 124. 19) #9632;loly, Presse vet. 1889. 20) Railliet u. Roy, Bull. soc. centr. vet. 1890. 21) Dusch anek, Oesterr. Vereins-monatsschr. 1891. S. 157. 22) Steinhardt, Zeitschr. für Veterinärkde. 1891. S. 18.
|
|||
|
|
|||
|
Vorkommen. Ein Ausfallen der Haare und Wolle kommt als selbständiges Hautleiden unabhängig von den übrigen Hautkrankheiten entweder über den ganzen Körper verbreitet, oder als sogen. Area Celsi auf kleine umschriebene Stellen beschränkt vor. Das Wesen
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
611
|
Alopecia.
|
||
|
|
|||
|
dor Alopecie wird in gewissen Ernährungsstörungen der Haut (Tropho-neurose) mit Atrophie der Haarwurzeln gesucht; indess liisst sich die Mitwirkung von Parasiten nicht immer mit absoluter Gewissheit aus-schliessen, wenn solche auch zur Zeit noch nicht sicher aufgefunden worden sind.
|
|||
|
|
|||
|
Aetiologie. Die Ursachen der Alopecie sind nur zum Theil bekannt. Der ausgebreitete Haarausfall stellt offenbar nur ein Symptom einer allgemeinen Ernährungsstörung dar und wird daher auch als Alopecia symptomatica bezeichnet. Man beobachtet dieselbe bei schlechten Ernähnnig.sverhältnissen in Folge kärglicher Fütterung, während der Trächiigkeit (Koller, eigene Beobachtungen), während der Säugezeit, sowie bei langwierigen Zelirkrankheiten. Sodann bei gewissen Blutkrankheiten, z. B. I'etechialfieber, nach anhaltendem Schwitzen (liertwig), nach gewissen Circulationsstörungen in der Haut; endlich als erbliches, angeborenes Leiden (Koller, Andrö), nach Aufnahme gewisser Futterstoffe, z. B. von saurem Sumpf heu (Fomin), nach psychischer Erregung (Joly).
Die Area Celsi (Alopecia areata) wird von einigen als Tropho-neurose, d. h. als Ernährungsstörung im Gebiete eines Hautnerven, von anderen als ein parasitäres Leiden aufgefasst.
Symptome. 1) Bei der Alopecia symptomatica findet ein allgemeiner, oft über den ganzen Körper verbreiteter Haarausfall statt, nach welchem die Thiere vollständig nackt erscheinen können. Beim Pferde gehen der Alopecie zuweilen gastrische Störungen, sowie öde-matöse Anschwellungen der Gliedmassen, des Unterbauches und der Unterbrust voraus (Adam, Siedamgrotzky); in anderen Fällen kann man jedoch keinerlei Nebenerscheinungen linden. Meist ersetzt sich der Haarverlust wieder nach Ablauf mehrerer Wochen. Beim Hunde fällt neben der Alopecie eine dunkle Pigmentirung der kahlen Haut-steilen auf, welche wahrscheinlich als Schutzmittel zum Ersatz der Haare dient. Siedamgrotzky fand bei der mikroskopischen Untersuchung derartig pigmentirter Stellen neben Atrophie der Haare und des Haarbalges die Zellen des Bete Malpighi ganz mit schwarzen und braunen Körnern inflltrirt, desgleichen auch die Wurzelscheiden der Haarbälge und die Drüsenzellen der Talgdrüsen. Bei den Schafen geht gewöhnlich die Wolle in zusammenhängenden Massen aus; die Thiere zeigen grosse kahle Platten.
'J) Die Alopecia areata äussert sich in anfangs kleinen, rund-
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
TrichoiTliexis iiodosu.
|
615
|
|||
|
|
||||
|
lichen kahlen Flecken, welche sich in der Peripherie mehr und mehr vergrössern. Das Leiden kommt am häufigsten bei Hunden vor und gleicht ausserordentlich dein Befund bei Herpes tonsurans, nur dass die hiefür charakteristischen Pilze nicht auffindbar sind, llöll beobachtete einen Fall beim Pferde, bei welchem die Haare anfangs nur an ganz kleinen, umschriebenen Stellen fehlten, worauf die Alopecie sich jedoch innerhalb eines Jahres auf den grössten Theil der Haut erstreckte; auch hier war neben Atrophie der Haarzwiebel reichliche schwarze Pigmentbildung vorhanden. Einen ähnlichen Fall beim Pferde hat Schindelka beschrieben; Mikroorganismen Hessen sich hiebei nicht nachweisen, weshalb atrophische Processe in der Haut als Ursache angenommen wurden. Das Leiden ist meist sehr hartnäckig und trotzt jeder Behandlung.
Therapie. Eine Beförderung des Haarwuchses bei der Alopecie kann durch verschiedene reizende Mittel versucht werden. Am häufigsten verwendet man den Spiritus, oder den Spiritus saponatus und camphoratus; auch die Cantharidentinctur kann in genügender Verdünnung (1 ! 5 Spiritus oder mit Fett als Pomade) eingerieben werden. Bei der Alopecia areata empfiehlt sich ausserdem der zugleich anti-parasitäre Perubalsam (1 ; 10 Spiritus), das Creolin (1 : 1020 Spiritus) und die Jodtinctur, welche mit gleichen Theilen Weingeist gemischt mehrere Tage hinter einander aufgepinselt wird.
Trichorrhexis nodosa. Ein eigenthümliohea Haarleiden, das offenbar mit dor von Kaposi beim Menschen als Trichorrhexis nodosa be-schriebenen Krankheit identisch ist, hat Trofimo beobachtet. Bei fast 2|.i der Pferde einer Artilloriebrigade entstanden nämlich am Kücken, auf der Lende und Kruppe symmetrische Flecken, an welchen die Haare etwa 1 cm von der Wurzel entfernt abgebrochen, oder an dieser Stelle knotig aufgetrieben waren; die Bruchstelle zeigte sich bei mikro-skopisoner Untersuchung stark zerfasert. Einen ähnlichen interessanten Fall beschreibt Mcgnin. Auch in der preuss. Armee .scheint das Haarleiden häufig vorzukommen; im .fahre 1890 wurde es beispielsweise bei S Regimentern constatirt. Nach der Beschreibung von Steinhardt treten an dem erkrankten Haare in Abständen von 8B Millimetern kleine, grau-weisse Knötchen, und zwar von der Spitze des Ilaares zur Wurzel fortschreitend, auf. An diesen Knötchen knicken die Haare oder brechen ab. Es wird sowohl das Schutzhaar, namentlich Schweif und Mähne, als auch das Deckhaav 1 raquo;-fallen. Auf letzterem beobachtet man thalergrosse, unregeb massige Flecken mit abgebrochenen Haaren. Eine Behandlung mit Sublimat, Creolin, Karbolsäure, Theer, Ichthyol etc. ist erfolglos; die Haare werden erst beim Haarwechsel wieder ersetzt. (Vielleicht wäre eine Arsenikbehandlung zu versuchen.) Angeblich soll das Leiden durch das Putzzeug auf andere Pferde leicht übertragbar sein (ebenso auf das Barthaar der Pferdewärter).
|
I
|
|||
|
|
||||
|
|
|||
|
616
|
Blutschwitzen.
|
||
|
|
|||
|
Bliitnngen der Haut, sogeuanntos Vlutsehwitzou.
Literatur. 1) Qaspard, Bosaignol, ReoueU de imkl. vöt. 1844. 2) Schütz, Repert. 1854. S. 165. 3) A pit z, Magazin. 1855. S. 380. 4) Hering, Spec. Pathologic. 1858; mit Literatur. 5) Richard, Rocueil do med. vet. 1860. 6) Krcolani, 11 mod. vet. 1860; mit Literatur. 7) Kopp, Adam's Wochenschi-. 1861. S. 17. 8) Coulom, Joura. du Midi. 1862. 9) Hucque, Annal. de Brnxollos. 1862. 10) Rossberg, Sachs. Jahrcsber. 1863. S. 82. 11) Hamon, Reeueil de med. vet. 1867. 12) Salle, ibid. 1868. 13) Ale-manni, 11 med. vet. 1868. 14) Contamine, Annal. de Bruxellos. 1874. 15) Job 1 in. Bad. thierarztl. Mittheil. 1878. S, 90.
Aetiologie. Die zahlreichen in der Literatur unter dem Namen ..Blutschwitzenquot; verzeichneten Fälle von Hautblutungen beim Pferde und Rinde haben eine sehr dunkle Aetiologie. Manche davon sind wahrscheinlich rein symptomatische Hämorrhagien im Verlaufe schwerer Allgemeinkraukheiten gewesen, so des Petechialfiebers, des Milzbrandes, der Septikäraie, des Skorbuts. Andere gehören ins Gebiet der acuten Exantheme, welche sich zuweilen mit Blutung com-pliciren können. Schliesst man diese Fälle aus, so bleibt immer noch eine Anzahl ganz eigenthümlicher Hautblutungen, welche indess nicht etwa durch eine Secretion der Schweissdrüsen entstanden sind, wie die fälschliche Bezeichnung Blutschwitzenquot; vielleicht vermuthen liesse, sondern Hämorrhagien entweder per rhexin oder per dia-pedesin darstellen. Eine bestimmte Ursache dafür liisst sich nicht auffinden, wahrscheinlich liegt indess der Krankheit eine allgemeine Ernährungsstörung der Gefässe zu Grunde. Hieher gehören insbesondere die Hautblutungen des Kindes.
Neben diesen jedenfalls pathologischen Hämorrhagien gibt es bei edlen, besonders orientalischen, ungarischen, russischen, tartari-schen u. s. w. Pferden ein gewissermassen physiologisches Hautbluten, welches ganz unschuldiger Natur ist und früher für eine Selbsthilfe der Natur gehalten wurde. Bezüglich seiner Erklärung darf vielleicht auf die ausserordcntliche Entwicklung des Gefässsystems bei edlen Thieren hingewiesen werden, welche sich schon äusserlich in dem Hervortreten der peripheren Hautvenen kund gibt; hiebei kann eine Steigerung des Blutdrucks durch körperliche Anstrengung leicht eine Zerreissung dieser erweiterten Hautvenen herbeiführen, ausserdem kann bei etwa vorhandenem Juckreize, besonders im Sommer, ganz schwaches Nagen und Kneipen der Thiere eine Blutung veranlassen.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Acne initl Furunoulosis,
|
017
|
||
|
|
|||
|
Im Uebrigen sollen nach Drouilly liei den ungarischen Pferden auch Hautblutungen parasitären Ursprungs vorkommen, hervorgerufen durcb Filaria haemorrhagica.
Symptome. Der Austritt des Blutes erfolgt bei der Hautblutung tropfenweise an verschiedenen Stellen des Körpers. In den leichteren gutartigen Fällen betrifft es nur die Haut und zwar am häufigsten die der Schulter, des Halses, der Brust, der Extremitäten, dabei ist die Blutung eine partielle und lässt bald nach; ist jedoch eine allgemeine hämorrhagische Diathese vorhanden, so kommt es auch zu Blutungen in die Schleimhäute und man findet Nasenbluten, Darmblutungen, blutige Milcb, blutigen Harn. Dabei entwickelt sich häufig eine schwere Anämie, an welcher die Thiere nicht selten zu Grunde gehen; auch allgemeine Störungen begleiten gewöhnlich diese letztere Art von Hautblutungen, so leichtes Fieber, gastrische Erscheinungen u. s. w. Bei edlen Pferden erfolgt die Blutung zuweilen kurze Zeit hinduroh in einem Strahle (Venenektasie).
Therapie. Eine Behandlung des partiellen Hautblutens bei edleren Pferden ist wohl kaum jemals nöthig, höchstens kann man kalte Waschungen der blutenden Hautstellen vornehmen. Dagegen ist bei allgemeiner hämorrhagischer Diathese eine innerliche styptische Behandlung einzuleiten, man gibt dann das Seeale cornutum, das Tannin, den Bleizucker u. s w.
|
|||
|
|
|||
|
Acne und Fimmculosis.
Literatur. 1) Fröhnor, Monatsh. f. pmkt. Thicrheilkde. 1890. S. 410. 2) Müller, Thiermed. Vorträge. 1890. Heft 2. S, IG.
Wesen und Ursachen. Unter Acne versteht man eine eiterige Entzündung der Hautfollikel (eiterige Folliculitis), welche in Folge einer Anhäufung und Zersetzung des Secretes der Talgdrüsen entstanden ist. Die Entzündungserreger können entweder von aussen, oder vom Blute her in die Talgdrüsen und Follikel eindringen, Die Affection der Haut ist eine umschriebene und tief gelegene; sie äussert sich entweder in Knoten (Acneknoten) oder Pusteln (Acnepusteln). Eine typische Acneform kommt in Folge der Einwanderung von Acarus folliculorum in die Follikel zu Stande (pustulöse Form des Acarus-ausschlags). Im Gegensatze zu dieser parasitären Acne, welche an einer anderen Stelle besprochen wird, bildet die gewöhnliche Acne
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
\j\Snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Acne und Jniruntulosis.
eine nicht parasitäre Hautkrankheit, welche am hamp;uflgsten bei Hunden
am Kopie im Bereiche des Maulkorbes in Folge des anhaltenden, von demselben ausgeübten Reizes beobachtet wird. Auch bei Pferden kommt Acne zuweilen vor, und zwar gewöhnlich in der Geschirr-lage (Hals, Schulter, Eücken), desgleichen bei Negrettischaf'en an der inneren Schenkel- und Bauchtläche. Wahrscheinlich gehört auch ein Theil der früher als ,,Tuberkelausschlagquot; bezeichneten Hautaffectionen in das Kapitel der Acne.
Als Furunkel bezeichnet man grosse Acnepusteln, welche zur Nekrose des Follikels führen (nekrotisirende eiterige Folliculitis). Der Furunkel entwickelt sich mithin aus der Acne und stellt nur einen höheren Grad der Follikelentzündung dar.
Symptome. Beim Hunde ist das Leiden gewöhnlich auf der Haut des Nasenrückens loealisirt. Man lindet es besonders bei Doggen, Hühnerhunden und Leonbergern, also bei Hunden mit langgestrecktem Vorkopfe. Der Druck des Maulkorbes veranlassfc zunächst eine oberflächliche Hautreizung, welche sich auf die tiefer gelegenen Follikel fortsetzt und zu Vereiterung derselben und VerSchwellung ihres Ausfübrungsganges führt. Die Haut fühlt sicli verdickt und derb an; bei Druck auf dieselbe entleert sich an verschiedenen Punkten eine blutige oder eiterige Masse. Daneben bestehen linsen-, erbsen-oder selbst haselnussgrosse Knoten, welche ein eiterig zerfallenes Centrum besitzen. Aussei- auf dem Nasenrücken findet man Acne-knoten und Acnepusteln resp. die daraus entstandenen Furunkel auch an den Lippen, auf der Stirn, sowie an der Schläfe.
In seltenere)) Fällen kommt die Furunkulose auch auf der Haut des Rumpfes und der Extremitäten vor. Man sieht dann an der Aussenfläclu'. des Unterschenkels, auf dem Rücken, am Halse etc, thaler- bis handtellergrosse Stellen, welche von erbsen- bis wall-nussgrossen Knoten und Pusteln durchsetzt sind, aus welchen sich ein blutig-eiferiges Secret ausdrücken lässt. Zuweilen coufluiren die Pusteln auch zu grösseren Abscessen, über welchen die Haut eine blaurothe, violette Färbung zeigt. Man trifft diese Form der Furunkulose besonders bei Griffons und langhaarigen Vorstehhunden. Ihre Ursachen sind nicht bekannt; vielleicht sind sie in einer angeborenen abweichenden Structur der Talgdrüsen ZU suchen. Prognostisch ist die Localisation der Furunkulose auf den Rumpf und die Extremitäten sehr ungünstig zu beurtheilen, da sie immer weiter um sich greift und häufig auch einer rnonafelangen Behandlung trotzt.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Acne und Furiinculosis.
|
619
|
||
|
|
|||
|
Therapie. Die Behandlung der Acne und Furunkulose ist eine rein chirurgische. Sie besteht im Spalten und Auskratzen der Abscessherde. In die eröffneten Follikel bringt man sodann desinfi-cirende Substanzen; insbesondere haben wir Salben aus Perubalsam und Creolin (1 : 10) sehr wirksam gefunden. Auch das Ausätzen der Hohlräume mit dem Höllonsteinstift ist sehr empfeblenswerth. In sehr hartnäckigen Fällen bleibt nur die Totalexstirpation des erkrankten Hautstücks übrig. Prophylaktisch empfiehlt sich die Abhaltung äusserer Heize. Bei Furunkulose des Nasenrückens muss speciell der Maulkorb ganz entfernt oder mit weichem Pelz unterlegt werden, um llecidive zu vermeiden. Die Bedeutung dieser Massregel erhellt aus der Thatsache, dass die Furunkulose des Nasenrückens beim Hunde sich nur in Gegenden findet, in welchen Maulkorbzwang eingeführt ist.
Die übrigen Anomalien der Haut gehören zum Theil ins (lebiet der allgemeinen Pathologie, wie z. 1gt;. übermässiges Schwitzen (Hyper-idrosis), tibermässige Absonderung der Talgdrüsen (Seborrhoe), die sogen, Harthäutigkeit, die Sklerodermie der Schweine, die Anomalien des Haarwechsels und der Pigmentbildung; oder sie sind rein chirurgischer Art, wie Warzen, Hauthörner, Elephantiasis, Ichthyosis, l'li legmone, Erysipelas n. s. w.
|
|||
|
|
|||
|
11, Pflanzlich-parasitäre Hautkrankheiten.
|
|||
|
|
|||
|
Allgemeines. Von Hautkrankheiten pflanzlich-parasitären Ursprungs sind bis jetzt bei unseren 1 lausthieren mit Sicherheit nur drei nachgewiesen: die Glatzflechte (Herpes tonsurans), der Wabengrind (FaTUs) und die Dermatitis pustulosa contagiosa cana-deusis (die sogen, englische Pferdepocke). Von diesen sind die beiden ersteren, Herpes tonsurans und Favus, weitaus die wichtigsten. Es ist die Frage vielfach erörtert worden, ob beide durch zwei besondere Pilzarten oder nur durch zwei Variationen (Morphen) eines und desselben Pilzes hervorgerufen werden. Für die Einheit der Pilzspecies sprach hauptsächlich der mikroskopische Befund, indem ein wesentlicher Unterschied zwischen don Hyphen und Conidien bei Herpes tonsurans und Favus nicht nachgewiesen werden konnte. Indessen haben neuere Untersuchungen von Grawitz (Virchow's Archiv 188G, Ed. 103, S. 398), welcher früher eine Identität beider Pilze, sowie mit Oidium albicans annahm, ergeben, dass Herpes und Favus durch
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
620nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Glatzflechte.
zwei verschiedene Pilzarteii erzeugt werden. Die Sporen beider Filze sind zwar sehr ähnlich, zeigen aber doch mannigfache Differenzen im Wachsthume, in der Verflüssigung der Gelatine, in der Form der Culturen und in den Fructificationsverhältnissen. Oidium lactis hat mit ihnen nichts gemein. Nach Quincke soll übrigens Favus allein schon durch 'A verschiedene Pilze erzeugt werden können (Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie 1887, S. 02). Es spricht auch für die Annahme zweier verschiedenartiger Der-matomykosen der Umstand, dass das klinische Bild bei beiden ein vollständig anderes ist, und dass Uebergänge zwischen denselben gewöhnlich fehlen. Auch aus diesem letzteren Grunde muss man den Herpes tonsurans und Favus als zwei wesentlich verschiedene Haut-affectionen bezeichnen.
Aussei- den genannten drei Dennatomykoseu sind in der Literatur nocli andere Hnutkraiiklieiten beschrieben, bei welchen Pilze gefunden wurden, die sich indess nicht näher bestimmen liossen. So berichtet Siedamgrotzky (Sachs. Jabresber. 1872) über eine klinisch dem Herpes circinnatus sehr ilhnliche Hautaft'oction, ohne jedoch Trichophyton dabei nachweisen zu können. Aehnliche Beobachtungen haben auch wir mehrmals beim Hunde gemacht. Leisering (ibid. 1807) beschreibt einen kahlmachon-den Ausschlag in der Umgebung der Kloaken Öffnung bei einem Hahne, der durch den Begattungsaot auf Hünner übertragen wurde und bei welchem grüngelbe Conidien gefunden wurden. Endlich haben Leise ring (ibid. 18G8) und Engel (Wochenschr. 1881,8,413) über einige pflanzliche parasitäre Erkrankungen der Schweifwnrzel und ihrer Haare bei Pferden referirt.
Als Wurm der Rinder wird von Robert (Sachs. Jabresber. 1888, S. 72), Cruzel und Nocard (Recueil 1888) eine infectiöse, mit Abscess-bildung, Lymphangitis und Lymphadenitis verlaufende Hautkrankheit beschrieben, welche durch einen besonderen Mikroorganismus erzeugt werden soll. Eine ähnliche Krankheit ist von Wiart (Recueil d'Hygiene milit. I8b8) bei Pferden unter dem Namen afrikanischer Hautwurm'' beschrieben worden. Verffl. Genaueres hierüber bei der Differentialdiaanose des Rotzes.
|
||
|
|
||
|
Herpes tonsurans (Glatzflechte).
Literatur. 1) Q-er lach, Die Flechte des Rindes, Magazin. 1857. S. 292; mit älteren Literaturangaben; Die Flechte des Hundes, ibid. 1859. S. 244. 2) Reynal, Mem.de l'acad. de nied. 1858. 3) Hör and, .lourn. de Lyon. 1876. 4) Railliet, Annal. de Dermatol. 1880. 51 Zürn, Die pflanzlichen Parasiten. 1887. S. 186 und 1889, S. 2U4. 0) Friedberger, Berliner Archiv, 187ti. 8. WJ; enthält die gesammte einschlägige Literatur bis zu diesem Jahre. 7) S i e d am g r o t z ky, Sachs. Jahrcsber. 1877. S. 65; Haubner-Siedamgrotzky, Landwirthach. Thierheilkde, 1889. S. 288. 8) Hable, Oesterr. Vierteljahrsschr. 1877. S. 58. 9) Megnin, Süll. soc. centr. veter. 1878, 1882; Comptes rembis de la soc. de Biologie. 1888.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Glatzflechte.
|
021
|
||
|
|
|||
|
10) l'awlow, Oesterr. Kevue. 1877. S. 64. 11) Haar.stick, Preuss. Mitth. 1879. S. 82. 12) Grossweiult, Oesten-. Revue. 1879. S. 89. 13) Bayer, Oesterr. Vureinsmonatssehr. 1879. S. 1(32. 14) Uriiuer, Sachs. Jahresber. 1879. S. 139. 15) Schmidt, Preuss. Mittheilung. 1881/82. 16) Skale, Oesterr. Vereinsmüiiatsschr. 1883. S. 73. 17) Mengcs, Schneider, Zün-del's Jahresber. 1885. S. 72, 85. 18) Costor, Schmidt, Preuss. Mittheil. 1883. S. 60. 19) Grawitz, Virchow's Archiv. Bd. 07; Bd. 103. S. 393. 20) Sohadrin, Charkower Veteriniirbote. 1886. 21) Lefebro, Ref. im Jahresbericht über die Leistungen auf dem Gebiete der Veterinärmedicin. 1886. S. 149. 22) M a corps, Bull. Belg. Bd. 111. 2. Heft. 23) Boc/.owski, Lomberger thierärztl. Rundschau. 1880. Nr. 710. 24) Müller, Sachs. Jahresber. 1880. S. 90. 25) Robert, ibid. 1887. S. 109. 20) Delamotte u. Bogenez, Revue vet. 1880. 27) Soula, Vidal, ibid. 1888. 28) Roll, Oesterr. Jahresber. 1887. S. 150. 29) Beresow, Charkower Veteriniirbote.
1888.nbsp; nbsp; 30) Hengst, Sachs. Jahresber. 1887. S. 09. 81) König, ibid.
1889.nbsp; nbsp;S. 70. 32) Rösters, Zeitsohr. für Veterinärkunde. 1890. S. 26. 33) Bailliet U.Luoet, Bull. soc. centr. vet. 1890. 34) Railliet u. Kvraro, ibid. 1890. 35) Reuter, Monatshefte für prakt. Thierheilkunde. 1891. S, 289. Rost, Sachs. Jahresber. 1890. S. 82.
|
|||
|
|
|||
|
Aetiologie. Die gemeinhin auch als Ringflechte, kahlmachende Flechte, Borkenflechte (Dermatomykosis tonsurans, Tinea oder Porrigo decalvans, Tinea scutellata), bei Kälbern auch als Teigmal oder Teigrnaul, Teiggrind, Maulgrind, bei anderen Thieren als Lämmergrind, Gaisgrind u. u. w. bezeichnete Glatzflechte verdient ihren Namen Flechtequot; thatsächlich insofern, als sie durch einen pflanzlichen Parasiten hervorgerufen wird. Dieser als Trichophyton tonsurans bezeichnete Pilz gehört zu den Schimmelpilzen und wurde im Jahre 1845 von Malmsten entdeckt. Als die Ursache der Glatzflechte bei unseren Hausthieren wurde er zuerst von Gerlach nachgewiesen, welcher im Jahre 1857 eine klassische Arbeit über die Flechte des Kindes veröffentlicht hat. Die Ucbertragung des Pilzes auf andere Thiere erfolgt durch das Putzzeug, das Geschirr, die Decken, sowie durch directe Berührung benachbarter Thiere oder wie bei Säuglingen durch das Sauggeschäft; insbesondere können auch Zuchtthiere die Krankheit auf ganze Stallungen übertragen, oder die Weiterverbreitung wird durch den Weidegang vermittelt, indem hier eine häutige Berührung der einzelnen Thiere stattfindet.
Am häufigsten erkrankt das Rind, sowohl ältere Thiere als auch namentlich Jungvieh und saugende Kälber, demnächst der Hund; seltener Pferde, Ziegen und Katzen, am seltensten Schweine und Schafe; ausserdem kann der Ausschlag durch Impfung auf das Kaninchen übertragen werden. Die Glatzflechte ist im allgemeinen keine häufige oder
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
(322nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Glafcdleohte.
überall verbreitete Hautkrankheit, vielmehr scheint sie in manchen Stallungen und Gegenden stationär zu sein und auch in einzelnen Ländern (England, Tlolland, Frankreich, Schweiz) häufiger vorzukommen, als in anderen.
Weiterhin ist in der Literatur eine sehr grosse Anzahl von Fällen verzeichnet, in welchen der Herpes tonsurans von Thieren (Hind, Hund, Pferd) auch auf den Menschen übertragen wurde; meist war es das Stallpersonal, welches beim Putzen und Melken der Thiere oder beim Einreiben von Salben angesteckt wurde, oder die üebortragung erfolgte beim Abhäuten der geschlachteten Thiere; Hunde scheinen die Ansteckung vor Allem bei Gelegenheit von Liebkosungen zu vermitteln. Diese Infection des Mensclien kann eine geradezu endemische Verbreitung erreichen; beispielsweise wurden im Jahre 1840 in dem schweizerischen Dorfe Andelfingen die meisten Einwohner von kranken Rindern angesteckt. Auch in Berlin kommen zahlreiche Fälle von Uebertragung der Krankheit auf Menschen durch Hunde vor. So sind im Jahre 1887 in der Poliklinik der Berliner thier-ärztlichen Hochschule etliche 20 Uebertragungsfälle beim Menschen beobachtet worden. Zuweilen hatte sich der Ausschlag auf sämmt-liche Mitglieder einer Familie verbreitet.
Morphologie und Physiologie des Trichophyton tonsurans. Die mikroskopische Untersuchung des Trichophyton tonsurans lässt zwei verschiedene Formelemente erkennen: Fäden und Sporen.
1)nbsp; Die Fäden oder Hyphen sind zarte, längliche, ca. 4 Mikro-millimeter dicke, gestreckt oder wellig vorlaufende Gebilde, die sich gabelförmig verzweigen, einfache Gontouren besitzen und bald gegliedert, bald ungegliedert verlaufen. Sie umspinnen das Haar netzartig, dringen in dasselbe ein und bilden bei zahlreicher Aufeinanderlagerung ein förmliches Pilzlager oder einen Pilzrasen, ein sogen. Mycelium.
2)nbsp; Die Sporen oder Conidien sind kleine, kugelige bis längsovale , stark glänzende und dabei scharf contourirte Zellen von etwa demselben Durchmesser wie die Hyphen, aus denen sie nach Ab-schnürung hervorgehen; sie sind zuweilen rosenkranzähnlich an einander gereiht und meist in viel grösserer Menge vorhanden, als die Fäden, wodurch letztere schwer sichtbar werden. Diese Sporen sind sehr resistent, sie bleiben über ein Jahr keimfähig (Siedamgrotzky).
Der Filz vegetirt vorwiegend in den Haarbälgen und im Haare selbst. Zunächst werden die untersten Theile der Haarschäfte von den
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Glatzflechte,
|
628
|
||
|
|
|||
|
Pilzmassen umschlossen, wobei ein weisser, cylindrischer Mantel schon makroskopisch am Grunde der ausgezogenen Haare als fliigelf(inniger Ansatz sichtbar wird; weiterhin dringt der Pilz in die llaarscheiden und die Haarwurzel ein und erzeugt in den llaart'ollikoln eine Entzündung, welche schliesslich eine Lockerung und Aushebung der Haare zur Folge hat. Endlich nistet er sich im Inneren des Haares selbst ein, welches er dabei zerfasert und brüchig macht; man findet dann das Innere des Haares oft so sehr mit Conidien durchsetzt, das von der Haarsubstanz selbst nichts mehr zu sehen ist. Am besten scheint der Pilz auf dunkler Haut und dunklem Haare zu gedeihen.
Die Durchmesser Verhältnisse der Sporen und Hyphen sind nicht bei allen Thieren gleich; ja selbst bei einer und derselben Thierart variirt der Dickendurchmesser derselben ganz erheblich. Megnin glaubte daher zwei verschiedene Species, einen Trichophyton tonsurans beim Pferde und einen Trychophyton epilans beim Binde annehmen zu müssen: indess sind diese verschiedenen Grössenverhältnisse offenbar nebensächlicher Natur und wahrscheinlich nur durch die veränderte Beschaffenheit des Nährbodens bedingt.
Nach Grawitz verflüssigt der llerpespilz die Gelatine nach dem Aussäen schneller als der Favuspilz. Auf Agar-Agar gebracht bildet Trichophyton einen Kasenüberzug, während die Favuscultur eine Sternform zeijjrt.
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. Bei der Beschreibung des Krankheitshildes der Glatzflechte muss vorausgeschickt werden, dass eine einheitliche, auf alle Fälle passende Schilderung nicht gegeben werden kann, weil die Symptome je nach der Thierart, der Thierrasse, ja selbst bei einem und demselben Thiere je nach der Localisation, dem Alter des Ausschlages, sowie dessen Beeinflussung durch Kratzen, Scheuern, Nagen etc. seitens der erkrankten Individuen ausserordentlich verschieden sind. Im allgemeinen können als charakteristische Merkmale hervorgehoben werden: anfangs scharf begrenzte, rundliche, haarlose oder mit abgebrochenen Haaren besetzte Stellen vorwiegend am Kopfe, Halse und den Extremitäten, welche, zunächst von der Grosse einer Linse, allmählich in der Peripherie sich ausdehnen und die Grosse eines Fünfmarkstiiekes und darüber erreichen können. Diese Stellen sind meist disseminirt, oder sie fliessen zu grösseren Platten zusammen. Zuweilen heilt der Process im Centrum ab, während er in der Peripherie weiter um sich greift, sogen. Uing-flechte (Herpes circinnatus). Nicht selten breitet sich auch der Aus-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
624nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Glatzflechte.
schlug über einen grossen Theil des Körpers oder über die ganze Körperoberfläche aus, aligemeine Kahlheit; erzeugend. Untersucht man die ausgefallenen oder ausgezogenen Haare mikroskopisch, so findet man die oben beschriebenen Conidien und Hyphen.
Die Oberfläche der haarlosen Stellen zeigt entweder keine Spur von Entzündung oder aber sehr verschiedene Grade derselben. Bei dicker, resistenter Haut, z. B. beim Pferde, findet man nur eine vermehrte Desquamation der Epidermis in Form aschgrauer, schiefer- oder asbestartiger Schuppen (Herpes tonsurans maculosus). Bei feinerer Haut beobachtet man zunächst Hyperämie und Schwellung, in Folge deren die ergriffenen Hautstellen über die Oberfläche prominireu. Später kommt es zu Bläschenbildung (Herpes tonsurans vesiculosus), welche bald platzen und zu dicken Borken und Krusten eintrocknen, die beim erwachsenen Binde von verschiedener Farbe und lederartiger Consistenz, bei Kälbern dagegen von weissgrauer, brodteigähnlicher Farbe und dabei stark zerklüftet sind. Die Beschaffenheit der Borken richtet sich ausserdem nach der Behaarung; dieselben sind nämlich bei dichter Behaarung sehr dick, so class sie, wie beim Rinde, 1 cm Durchmesser erreichen können, während sie auf wenig behaarten Stellen sehr dünn sind. Unter den Borken liegt eine eiternde Fläche; nach Abstossung der Borken kann es zur Selbstheilung des Ausschlages kommen.
Das Krankheitsbild bei den einzelnen Thierarten ist kurz folgendes :
1) Herpes tonsurans beim Rinde. Nach der Beschreibung von Gerlach findet man meist am Kopfe und Halse, seltener über den ganzen Körper zerstreut, vereinzelte oder in Gruppen bei einander stehende kleine, runde, mit Schuppen oder Borken bedeckte, scharf begrenzte Flecken, welche mehr oder weniger über die Hautoberfläche hervorragen und bald kahl, mit grauweissen Schuppen bedeckt, bald mit gesträubten Haaren besetzt sind. Dieselben können die Grosse eines Handtellers erreichen, und fliessen zuweilen zusammen; im Anfange seines Entstehens, sowie zur Zeit des Abheilens verursacht der Ausschlag ferner Juckreiz. Die grauweissen asbestähnlichen Borken können auf schwarzer Haut eine Dicke von 1 cm erreichen; auf der weissen Haut sind sie dünner und mehr gelblich. Unter der Borke findet man eine klebrige, eiterige Flüssigkeit, sowie kleine, geschwürartige Grübchen, welche den ausgedehnten, ausgeeiterten und haarlosen Follikeln entsprechen. Meist erfolgt unter der Borke Abheilung, indem dieselbe allmählich abfällt und einen kahlen, leicht
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Glatzflechte.
|
62:
|
||
|
|
|||
|
schilfernden Fleck hinterlasst, auf welchem die Haare allmählich wieder nachwachsen. Die Dauer des Ausschlages beläuft sich dann auf 612 Wochen. Wird jedoch der normale Verlauf durch mechanische Einflüsse, Reiben, Scheuern u. s. w. gestört, so kommt es in der Peripherie der abgetheilten Stellen zu neuen Nachschüben, indem gewissermassen eine Weiterimpfung dabei stattfindet und die Krankheit zieht sich über ein halbes oder ein ganzes Jahr hinaus.
Bei Saugkälbern fiiulot man den Ausschlag vorwiegend in der Umgebung des Maules, sogenanntes Teigmaul oder Maulgrind. Diese auch bei anderen Säugenden Thieren (Lämmern, Ziegen, Schweinen) b e o b ac h t e t e K r a n kh e i t gehört höchstwahrscheinlich in der Hauptsache der Glatzflechte an, wenn auch zugegeben werden muss, dass ein nicht parasitäres, grindartiges Ekzem ebenfalls auf die Gegend der Lippen beschränkt vorkommen kann. In der Mehrzahl der Fälle spricht indess die offenbare Contagiosität des Ausschlages, sowie das klinische Bild für Herpes tonsurans. Mikroskopische Untersuchungen sind unseres Wissens bis jetzt nur von Hahn (München. Jahresber. 1861, S. 2(raquo;) vorgenommen worden. welcher als die Ursache des Teiggrindes in der That Herpes tonsurans auffand und eine genaue Beschreibung und Abbildung des Pilzes veröffentlichte. Die Erscheinungen des Maulgrindes bestehen nach Hahn in grindavtigen, runden, 1! qcm grossen Änflagerungen an den Lippenrändern, auf der Angesichtsfläche, sowie zuweilen über die ganze Körperoberflilcbe zerstreut, welche in der Hauptsache aus trockenen, kleien-artigen Schuppenmassen bestehen, aus der kurze durch den Pilz zerfaserte nnd zerfallene Haare hervorragen. Der Verlauf des Leidens ist bei den jugendlichen Thieren ein sehr hartnäckiger.
|
|||
|
|
|||
|
2) Herpes tonsurans beim Hunde. Die Glatzflechte beim Hunde
befällt am häufigsten den Kopf und die Extremitäten, breitet sich
aber auch nicht selten über den ganzen Körper aus. Sie beginnt mit
rundlichen, scharf umschriebenen und vereinzelten kahlen
Flecken. Bei längerer Dauer findet man über die ganze Haut insel-
förmig zerstreut scharf begrenzte, haarlose Stellen von runder bis
länglicher Gestalt und 1 2 cm Durchmesser. Diese Flecken sind am
zahlreichsten am Kopfe in der Umgebung der Lippen und Augen,
sodann an den Extremitäten; nicht selten fliessen sie zu grösseren
lappigen Platten zusammen. Je nach dem Sitze und Alter des
Processes sieht man auf den haarlosen oder mit einzelnen kurzen
Haarstummeln besetzten Stellen ganz verschiedene Krankheitsbilder.
Sehr häufig findet man gar keine entzündlichen Veränderungen auf der
Haut; die Glatzflechte verläuft also unter dem Bilde der reinen Alo-
pecie, der Area Celsi. Ebenso häufig sind die Flecken nur mit einer
dünnen Lage asbestartiger, schmutziggrauer Schuppen belegt.
In anderen Fällen sind sie mit dickeren Krusten bedeckt, welche Fiiedbergor u. FrShner, Pattaol. u, Therapie d. Hausthiere. i. Bd. 8. Aufl. 40
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
G26
|
Glatzflechte.
|
||
|
|
|||
|
die Haare am Grunde zusammengx'klebt haben; die Haut unter den Krusten ist von kupf'errother bis braunrother Farbe und mit zahlreichen hirsekorngrossen Knötchen (geschwollenen Haarfbllikeln) besetzt. Zuweilen promini reu die erkrankten Partien bis zu S mm über ihre Umgebung und zeigen eine förmlich papulose Oberfläche; dabei ist die Haut im Umkreise geschwollen und zeigt ein ausgeprägt wulstiges Ansehen. Die ältesten Stellen endlich sind abgeblasst und vollkommen glatt und zeigen nur geringgradige kleienartige Auflagerungen.
8) Herpes tonsurans beim Pferde. Die Glatzflechte kommt beim Pferde am häufigsten auf dem llückcn in der Sattellage, auf der Croupe und in der Flankengogend, aber auch am Kopfe vor. Die einzelnen Flecke haben die Grosse eines Zehnpfennig- bis Markoder selbst Fünfmarkstückes und sind meist ziemlich regelmässig kreisrund, die Haare sind ausgefallen oder abgebrochen, die Abschuppung der Epidermis ist eine ziemlich starke, zuweilen kommt es auch zu leichter Krustenbildung, Die Haare in der Umgegend sind leicht ausziehbar; die nachwachsenden Haare sind häufig dunkler gefärbt.
I) Herpes tonsurans beim Schafe. Nach Bräu er findet man die Wolle verfilzt und darunter kleienartige und borkige Stellen am Halse, an der Brust, an den Schultern und längs des Rückens, dabei besteht bedeutendes Juckgefühl; im Beginne der Erkrankung erheben sich kleine Wolibüschel über dem Stapel, die sich vermehren, wodurch die Schafe ein zerzaustes Aussehen erhalten.
rgt;) Herpes tonsurans beim Geflügel. Beim Geflügel verläuft die Glatzflechte mit Federnausfallen und starker Hyperämie in der Umgebung der Papillen.
|
|||
|
|
|||
|
Diagnose. Die Erkennung der Glatzflechte ist nicht gerade schwer. Das disseminirte Auftreten, die runde Form des Ausschlages, das Ausfallen der Haare mit peripherer Ausbreitung, die asbestartigen Borkonauflagerungen namentlich bei Hunden am Kopfe (Backen, Lippen, Augenlider), der geringe oder ganz fehlende Juckreiz, die Contagiosi tat und endlich der mikroskopische Befund sichern die Diagnose hinlänglich. Der mikroskopische Nachweis wird durch Ausziehen einiger Haare an der Peripherie der kahlen Flecken und Untersuchung ihrer Wurzel oder durch Untersuchung der Borken nach vorhergegangener Aufweichung in lOprocentiger Kalilauge und Isolirung der darin enthaltenen Haarwurzeln geliefert. Makroskopisch ist der Pilz durch eine weisse.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Glatzflechte.
|
627
|
||
|
|
|||
|
m a n t e 1 a r t i g e U m k 1 e i d u n g der Haarwurzel charaktcrisirt. Vei'wechslungon mit anderen Hautkrankheiten sind besonders beim Hunde möglich, wo die Grlatzflechte oft schwer von der Sarcoptes-räude und von der squamösen Form des Acarusausschlags makroskopisch zu unterscheiden ist. Die letzteren Krankheiten verlaufen jedoch mit starkem Juckreize. Beim Rinde kann die Glatzflechte zuweilen mit einem Mercurialausschlage und umgekehrt verwechselt werden.
Prognose. Dieselbe ist insofern günstig zu stellen, als eine Heilung nach einer zweckmässigen Behandlung immer erfolgt, wenn sie mit Pleiss und Ausdauer ausgeführt wird. Bei älteren Rindern tritt sogar schliesslich eine spontane Heilung ein, sobald im Verlaufe der Krankheit die Borken abfallen und die Haare, das Haupternährungsmaterial des Trichophyton tonsurans, verloren gegangen sind; auch beim Hunde haben wir vereinzelte Fälle von Selbstheilung beobachtet. Nur bei jungem Thieren kann die Localisation auf die Umgebung des Maules zu erschwerter Nahrungsaufnahme und schliesslich zu tödtlicher Inanition führen.
|
|||
|
|
|||
|
Therapie. Die Behandlung besteht zunächst in prophylaktischer Beziehung in Separation der erkrankten Thiere, Reinigung und Desinfection der Stallungen, Vernichtung der Lagerstätten bei Hunden, sowie in Belehrung des Dienstpersonals über die Ansteckungs-l'ähigkeit der Krankheit. Sodann handelt es sich in erster Linie um die gründliche Entfernung der Borken und Schuppen mittelst grüner Seife; auf die so gereinigten Hautstellen kann man dann die verschiedensten antiparasitären Mittel einwirken lassen: Creolin-, Karbol-, Kreosot-, Naphthol-, Theersalbe (1:10), graue, weisse und rothe Quecksilbersalbe (beim Rind indess zu vermeiden), Kamphersalbe, Jodtinctur (1 :15 Spiritus), Salicylsäure mit Weingeist (1 : 10), alkoholische Sublimatlösung oder Sublimatsalbe (1 : 100), .1 odoform salb e,Waschimgenmit Lösungen von Kupfer vitriol, Alaun u. s. w. Wir haben bei beschränkter Ausbreitung insbesondere von der ganz unschädlichen Creolinsalbe, der Jodtinctur und der ebenfalls ungefährlichen alkoholischen Salicylsäurelösung immer gute Erfolge gehabt; dieselben werden täglich mehrere Male auf die erkrankten 1 lautstellen aufgetragen.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
(J28nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Favus.
|
||
|
|
||
|
Favus. Erb- oder Wabengrind.
Literatur. A. Bei den Säugethieren : 1) Friedreich, Zander, Schrader, Virchow's Archiv. 1858. Bd. 18, 14, 15. 2) Saint-Cyr, Journal de Lyon. 1868, 1869. 3) M o 11 i ö r e, Conipt. rend, de la soc. des scienc. med. de Lyon. 1869. 4) Tiasbot, Bull. soc. centr. vet. 186971. 5) Horand, Journal de Lyon. 1876. 6) Alb recht, Preuss. Mittheil. 1868/69. 7) Sie-damgrot/.ky, Sachs. Jahresber. 1872. S. 80; 1874. S. 63. 8) Zürn, Die pflanzlichen Parasiten. 1889. 9) Macgillivray, The Veterinär. 1872. 10) Bouillot, Annal. de Bruxelles. 1873. 11) Lies, Rundschau. 1886. S. 81. 12) Neumann, Annal. de Bruxelles. 1886. S. 340. 13) Grawitz, Virchow's Archiv. Bd. 67; Bd. 103. S. 393. 14)Quincke, Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie. 1887. S. 62. 15) Balze r, Archiv, de physiol. 1883. 16) Cadiot, Bull. soc. centr. vet. 1889. 17) Ko-walewski, Petersburger Archiv. 1887. 18) Frank. Woohenschr. f. Thier-heilkd. 1891. S. 344. B. Beim Geflügel: 1) Leiser in g, Sachs. Jahresber. 1857/58. S. 32; 1864. S. 46. 2) Müller, Oesterr. Viertol.jahrsschr. 1858. S. 37. 3) Gerlach, Magazin. 1859. S. 236. 4) Rivolta, Dei parasiti vegctali. 1873. 5) Zürn, Die pflanzlichen Parasiten. 1889; Die Krankheiten des Hausgeflügels. 1882. S. 135. 6) Pauly, Deutsche Zeitschr. für Thiermedicin. 1883. S. 302.
7)nbsp; nbsp;Schütz, Veröffentlichungen des Reichsgesnndheitsamtes. 1884. 11. li.
8)nbsp; nbsp;Neu mann, Revue vöt. 1885; C'ompt. rend, de la soc. de Biologie. 1886.
Aetiologie. Der auch als Erb- oder Wabengrind, sowie beim Geflügel als Kammgrind, Hühnergrind, weisser Kamm etc. bezeichnete Favusausschlag (Tinea favosa) wird durch einen von Schönlein im Jahre 1839 entdeckten, von Kemak später Achorion Schönleinii benannten Schimmelpilz hervorgerufen. Die Krankheit kommt vor bei Hunden und Katzen, selten bei Pferden, ausserdem bei Kaninchen, Feldhasen und Mäusen; unter den Hühnern werden besonders fremde Rassen, wie die Cochinchina's und Brahma's davon befallen. Der Pilz ist übertragbar auf den Menschen und umgekehrt {Erbgrindquot;). Katzen scheinen sich meist durch den Genuss favuskranker Mäuse zu inficiren. Eine Ucbertragung des Hühncrfavus auf Pferde, Rinder oder Hunde ist G e r 1 a c h nicht gelungen; ebenso vermochte Schütz die Reincultur desselben nur auf Hühner, nicht aber auf andere Thiere (Ratten, Meerschweinchen, Tauben, Mäuse) zu überimpfen. Am leichtesten haftet der Pilz auf der zarten Haut jugendlicher Thiere.
Morphologisches über das Achorion Schönleinii. Der Favus-pilz bildet auf der Haut runde, Scheiben-(faviquot;) oder schüsseiförmige,
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Favus.
|
629
|
||
|
|
|||
|
in der Mitte vertiefte, mehr oder weniger dicke Borken, die sogen. Scutula (Schildchenquot;), welche in der Hauptsache aus lauter Pilzelementen bestehen, also gewissermassen eine Reincultur des Pilzes repräsentiren. Man findet nämlich bei der Untersuchung dieser Scutula ein dicht verfilztes Pilzlager (Mycel), welches durch Fäden (Hyphen) und Sporen (Conidien) gebildet wird. Dieselben gleichen morphologisch vollständig dem Trichophyton tonsurans. Die Fäden haben einen Durchmesser von 25 Mikromillimeter und sind bald fein und langgestreckt, ohne Scheidewände, bald kürzer und dicker, stark verästelt, gegliedert, zuweilen kolbig angeschwollen und von stark granulirtem Inhalte. Zwischen diesen Fäden liegen in grosser Anzahl anfangs kubische, später rundliche oder ovale Sporen von gleichem Durchmesser, welche sich aus den Fäden durch Abschnürung entwickelt haben. Ausserdem dringt der Favuspilz in die Haar-follikel und Federnsäcke, und schliesslich ins Innere der Haare und Federn selbst, welche dadurch an ihrer Wurzel atrophiren und ausgehoben werden; auch zwischen die Epidermislagen hinein wuchern die Fäden und Sporen.
Schütz hat das Achorion Schönleinii der Hühner auf Fleisch-wasser-Pepton-Gelatine bei Zimmertemperatur rein gezüchtet und die Reinculturen mit Erfolg wieder auf Hühner übertragen. NachQuincke sollen mindestens 8 verschiedene Pilze das Bild des Favusausschlages bedingen können.
|
|||
|
|
|||
|
Symptome. 1) Favus bei Säugethieren. Der Favusausschlag ist hier charakterisirt durch trockene, aussen graubraune bis graugelbe oder silbergraue, innen weisse bis schwefelgelbe Borken von runder, schüsseiförmiger Gestalt mit concavem Centrum, welche etwa die Grosse eines Zwanzigpfennigstücks und eine Dicke bis zu ^ cm erreichen; diese Borken bedingen eine Atrophie der Haare nebst einer flachen Vertiefung der Haut. Man findet sie besonders am Kopfe (Nasenrücken, Backen, Ohren, Stirne), am Bauche, an der Aussenseite der Hinterschenkel und bei Katzen in der Umgebung der Krallen und an den Ohrentäschchen. Saint-Cyr beschreibt sie bei Hunden und Katzen als mörtelähnlich zerklüftete, rissige, graue oder safrangelbe Krusten von pechartiger Consistenz, welche später abblättern und im Centrum einen kleinen, schälchen- oder becherartigen Eindruck haben; anfangs sind sie von einzelnen Haaren durchbohrt, die jedoch später ausfallen. Unter den Krusten ist die Haut verdünnt und zuweilen blutrünstig;
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
630
|
Favus.
|
||
|
|
|||
|
beim Hunde soll ziemlich bedeutender, bei Katzen dagegen nur geringer oder gar kein Juckreiz bestehen. Bei Pferden können die Favusborkeu zu bandartigen fingerbreiten Streifen confluiren. Zuweilen verbreiten die favuskranken Tbiere einen eigenartigen, an Kuhkäse erinnernden Geruch. Der Verlauf scheint im allgemeinen ein gutartiger und rascher zu sein. Siedamgrotzky erzielte in einem Falle bereits nach Stägiger Behandlung Heilung, nach Saint-Cyr erfolgt die Heilung durchschnittlich in 812 Tagen, wobei sich die Haare wieder ersetzen.
2) Favus bei den Hühnern, sogen. weisserKamm, Hühnergrind, Tinea Galli. Die parasitäre Natur des Kammgrindes der Hühner wurde ziemlich zu derselben Zeit von Leisering, Gerlach und Müller entdeckt. Die Erscheinungen sind folgende. Am Kamme und an den Ohrläppchen treten kleine, weisse, schimmelartige Flecken auf, welche sich allmählich vergrössern und zu einem den ganzen Kamm überziehenden weissen Belage vereinen. Dieser Schimmelbelag bleibt mehrere Monate ausschliesslich auf den Kamm beschränkt und verwandelt sich dabei in eine dicke Borke. Erst nach dieser Zeit ergreift der Ausschlag auch die Kopfhaut, und verbreitet sich dann sehr rasch über den Hals und Rücken und schliesslich über den ganzen Körper des Thieres. Dabei werden die Federn aufgerichtet und fallen aus, die Haut bedeckt sich mit schuppigen Massen: die Thiere magern ab, bekommen einen moderigen, schimmligen Geruch und sterben bei einer gewissen Ausbreitung des Processes an Erschöpfung.
Differentialdiagnose. Die Unterscheidung des Favus von Herpes tonsurans gründet sich vor allem auf den Nachweis der schüssel-förmigen Borken (Scutula), welche ausserdem im Gegensatze zu den bei Herpes vorkommenden Borken ziemlich ausschliesslich aus Pilzmassen und besonders Pilzfäden bestehen, während derartige Pilz-anhäufungeu bei Herpes nicht beobachtet werden; auch sind bei letzterem die Piizfäden seltener.
|
|||
|
|
|||
|
Therapie. Die Behandlung der Favuskrankheit ist dieselbe, wie beim Herpes tonsurans; nach Entfernung der Borken wendet man auch hier die schon genannten pilztödtenden Mittel an (Creolin, Sublimat, Karbolsäure, Jod u. s. w.)
Nach Ercolani (II medic, vet. 1876) soll der Favuspil/. analog der Onychomykosis favosa des Menschen, bei welcher der Pilz in das Innere
|
|||
|
|
|||
|
i
|
|||
|
|
|||
|
Ounadische Pferdepooke.
|
031
|
||
|
|
|||
|
der Nägel vordringt, auch im Hufhorn vegetiren und durch Störung der Verhindung zwischen Horn- und Fleischblilttehen daselbst hohle Stellen (sogen, hohle Wand) erzeugen ; E r c o 1 a n i nennt daher diese Hufkrankheit Onychomykosis und den Pilz Achorion keratophagus.
|
|||
|
|
|||
|
Dermatitis coiitagiosa pustulosa (oanadensls).
Die sogen, englische oder kanadische (amerikanische) Pferdepooke.
Literatur. 1) Goux, Reoueil de m6d. vet. 1842. S. 807. 2) Weber, Bull. soe. centr. vet. 1877. 'S) Mans, Annal. de Bruxelles. 1879. 4) Axe, Chamber of ugriculturo. 1879; Referat in der Oestcrr. Vereinsinoiiatsschr. 1879. Nr. 12. 6) Gips, Berlin. Arch. 1879. S. 218. 6) Giel, Adam's Wochenschr. 1879. S. 413. 7) Leonhardt, Preuss. Mittheil. 1879/80. S. 76. 8) Friedberger, Adam's Wochenschr, 1880. S. 149; Münch. Jahresber. 1887/88. S. 57; 1889/90. S. 167. 9) Schindelka, Oesterr. Vierteljahrsschr. 1883. S. 61. 10) Siedam-grotzky, Sachs. Jahresber. 1883. S. 18. 11) Di eck erhoff n. Grawitz, Virohow's Archiv. 1885. 102. Bd. S. 148. 12) llendrickx. Annal. de Bruxelles. 1886. 18) Lab at, Revue veter. 1884. 14) Prietsch, Sachs. Jahresber. 1887. S. 61. 15) Walic.y. Journal of comp. pathol. 1890. S. 9.
Wesen. Die sogen, englische oder canadische Pferdepooke hat mit der eigentlichen Pocke (Variola) des Pferdes nichts gemein, sondern stellt ein eigenthümliches pustulöses und dabei intensiv contagiöses Exanthem mit herdförmigen Efflorescenzen dar, welches in leichteren Fällen unter einfacher Bläschen-, Pustel- und Borkenbildung, in schwereren unter tiefer gehender Eiterung, Knoten-und Greschwürsbildung und Schwellung der Lymphgefässe, immer aber ohne Störungen des Allgemeinbefindens und ohne Juckreiz gutartig, wenn auch zuweilen mit langer Dauer verläuft. Nach Schindelka scheint es mit der Impetigo contagiosa des Menschen (Kaposi) identisch zu sein, einem ebenfalls ansteckenden, pustulösen Exanthem der Kopfhaut des Menschen von demselben gutartigen und typischen Verlaufe.
Historisches. Die englische Pferdepooke wurde nach Axe, der ihr auch den Namen Dermatitis contagiosa pustulosa canadensis beilegte, erst im Jahre 1877 aus Canada eingeschleppt. Von England aus verbreitete sich die Krankheit sehr bald durch englische Handels-pferde nach verschiedenen Stellen des Continents, wo sie im Jahre 1879 von verschiedenen Seiten gleichzeitig beobachtet wurde; die anfangs vermuthete Identität der Krankheit mit der Stomatitis pustulosa contagiosa hat sich später als unrichtig herausgestellt. Indessen
|
|||
|
|
|||
|
#9632; j
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
t)32nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Dermatitis contagiosa pustulosa.
scheint das fragliche Exanthem offenbar älter zu sein. Im Jahre 1841 und 1842, wie wir finden, hat nämlich nach der Beschreibung von Goux bei Pferden der französischen Armee ein ganz ähnlicher gutartiger, sehr ansteckender, pustulöser Ausschlag vorwiegend auf dem Rücken, den Schultern und der Croupe geherrscht, welcher innerhalb 14 Tagen sämmtliche Pferde einer Batterie ergriff und mit denselben Erscheinungen verlief, wie die sogen, englische Pferdepocke. Hering hat den Fall als ansteckenden Tuberkelausschlagquot; bezeichnet.
Aetiologie. Das seuchenhafte Hautleiden wird meist durch Decken, Gurten, Sättel, Geschirr, sowie durch das Putzzeug auf andere Pferde übertragen. Dabei entspricht die Ausdehnung des Exanthems häufig genau dem Umfange einer Decke, eines Sattels, einer Gurte. Aus demselben Grunde sind die Sattel- und Gurtenlage die Lieblingsstellen des Ausschlages, der meist die Partie des Rückens unmittelbar hinter dem Widerriste, sowie die seitliche Brustwand befällt, dagegen auf die Schulter oder Vorderbrust seltener übergeht; Kopf, Hals und Extremitäten sind mit wenigen Ausnahmen fast immer frei geblieben. Das offenbar fixe Contagium wurde schon von Axe für mykotischer Ntitur erklärt. Schindelka fand im Eiter und in den Krusten regelmässig kleine Mikrokokken, welche die Eigenschaft hatten, sich mit Anilinfarben leicht zu färben; Siedamgrotzky beobachtete dieselben in Diplokokkenform. Durch Impfung Hess sich die Hautkrankheit auf Pferde, Ziegen und Kaninchen übertragen; dabei sah Siedamgrotzky bei Kaninchen und Meerschweinchen malignes Oedem und Septikämie auftreten.
In neuerer Zeit haben Dieckerhoff und Grawitz die Bac-terien der englischen Pferdepocke, welche sie als Acne contagiosa bezeichnen, in der Form eines sehr kurzen Bacillus rein gezüchtet. Der von den beiden Autoren Acnebacillusquot; benannte Pilz bildet kurze Stäbchen von der halben Länge eines Tuberkelbacillus, hat eine ungefähre Grosse von 0,2 Mikra und zerfällt durch Theilung in länglichovale oder runde Kügelchen, welche sich zu 2 oder 4 vereinen und kleine Ketten bilden; beide Formelemente färben sich sehr leicht mit wässerigem Fuchsin.
Bacteriologisches. Der beschriebene Bacillus bildete bei der Züchtung sehr charakteristische Colonien und [mpt'stlchculturen, und vegetlrte üppig auf Blutserum; am schnellsten war das Wachsthum bei 37 0 C, dagegen tödtete ihn eine halbstündige Erwärmung auf 8090deg; C. Trocken aufbewahrt behielt er seine Wirksamkeit noch nach 4 Wochen. Eigentbüm-lioher Welse erregte er absolut keine Fäulnlss. Beim Pferde genügte das
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Canadische l'ferdepocku.
|
033
|
||
|
|
|||
|
Einreiben einiger Tropfen bacillenhaltigen Wassers auf ganz normal behaarte Hautstellen, um das typische Exanthem hervorzurufen. Ueberimpfungen gelangen ausserdem auf Rinder, Schafe, Hunde, Kaninchen; Meerschweinchen wurden durch blosses Einreiben der Reincultur des Bacillus auf die unverletzte Haut innerhalb 48 Stunden getödtet unter dem Hilde einer septischen Intoxication; subcutane Injectionen bei grauen Milusen erzeugten pyilmische Erscheinungen.
Symptome. Nach einem Ineubationsstadium von G14 Tagen (Schindelka) entwickeln sich in der Sattellage zu beiden Seiten der Riickenlinie herdförmige Efflorescenzen, deren Charakter je nach dem Grade der Krankheit und der Beschaffenheit der Haut ein verschiedener ist.
1)nbsp; nbsp;In leichteren Fällen bemerkt man zunächst rundliche bis ovale, erbsen- bis haselnussgrosse Prominenzen der Haut, welche entweder vereinzelt oder in kleinen Gruppen beisammen stehend etwa die Fläche eines Handtellers einnehmen und nicht sehr zahlreich sind. Ueber denselben sind die Haare gesträubt und büschelig, die Haut ist leicht empfindlich, geschwollen und etwas höher temperirt. Diese Prominenzen der Haut stellen umschriebene Entzündungsherde dar, auf deren Oberfläche bei näherer Besichtigung eine verschiedene Anzahl isolirter, selten confluirender Bläschen und Blasen von Hanfkorn- bis Bohnengrösse sich erheben, deren Anfangs wasserheller Inhalt sich bald trübt (Pustelbildung). Nach 12tägigem Bestände platzen diese Blasen und trocknen zu dicken honiggelben Borken von Zehnpfennig- bis Markstückgrösse ein, wobei die Haare über der Blase mit einander verkleben. Etwa eine Woche nachher fallen die Borken sammt den Haaren ab, und es bleibt ein kreisrunder, haar-und pigmentloser Flecken ohne Narbe und ohne Desquamation mit ganz normaler Epidermis zurück, ,so dass nach circa 14 Tagen das ganze Exanthem, welches nur die oberflächlichsten Hautschichten bis zum Rete Malpighi, resp. Papillarkörper ergriffen hat, ohne irgend welche Störung des Allgemeinbefhulens abgeheilt ist. Nur wird regelnlässig eine leichte Anschwellung der Kehlgangs- und oberen Halsdrüsen beobachtet, die aber bald wieder zurückgeht.
2)nbsp; Von diesem typischen, leichten Verlaufe gibt es jedoch verschiedene und häufige Abweichungen. Die Ursachen der letzteren, schwereren Fälle sind in intensiverer Infection, in Confiuenz mehrerer Pusteln, sowie in Vernachlässigung des Hautausschlages insofern zu suchen, als die bereits erkrankten Thiere nicht aussei- Dienst gestellt werden, wobei die entzündeten Hautstellen durch das aufgelegte Geschirr anhaltend gedrückt und gereizt und eine grössere Ausdehnung
|
|||
|
|
|||
|
laquo;i
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
(}84nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Denuatitis contagiosa pustulosa.
begünstigt wird. In Folge dessen breitet sich zunächst der ex-anthematische Process weiter aus; die Zahl der früher vereinzelten Entzündungsherde steigt auf 50 und 60, die der Pusteln auf diesen einzelnen Herden um das Vier- und Fünffache. In der Nachbarschaft der ursprünglichen Prominenzen entstehen neue und um diese herum wieder neue Entzündungsherde; die Borken werden sehr breit und können über Thalergrösse erreichen. Insbesondere aber dringt die Entzündung weiter in die Tiefe der Haut und selbst in das Unterhautbindegewebe, wodurch derbe, furunkelartige, grössere Knoten in der Form von Dasselbeulen entstehen, welche sehr schmerzhaft anzufühlen sind und ein eiteriges Centrum besitzen, das sich bei Druck als dicker Eiterpropf entfernen lässt, worauf grössere oder kleinere, geschwürartige Vertiefungen zurückbleiben, welche confhiiren und bis Thalergrösse erreichen können und sich später mit Granulationen ausfüllen. Von diesen grösseren Eiterknoten gehen dann auch häufig entzündliche Lymphgefässstränge nach verschiedenen Richtungen hin aus; ja es kann selbst zur Vereiterung der benachbarten Lymphdrüsen, z. B. der Achseldrüsen, kommen. Diese tiefgehende eiterige Hautinfiltration hinterlässt im Gegensatze zu den oberflächlichen Pustelefflorescenzen Narben auf der Haut. Dabei wird die Heilung sehr verzögert und der Process kann sich unter fortwährenden neuen Nachschüben über 5 bis 6 Wochen, ja selbst über 2 Monate ausdehnen. Aber auch in diesen schwersten Fällen kommt es nur ausnahmsweise zu einer wesentlichen Allgemeinerkrankung und es fehlt auch hier ein eigentlicher Juckreiz. In vereinzelten Fällen localisirt sich endlich der Ausschlag auch an den Extremitäten, wo er sich dann mit entzündlicher Schwellung von Gelenken (Sprunggelenk) compliciren kann.
Differentialdiagnose. 1) Die eigentlichen Pocken des Pferdes (Variola) sind bis jetzt nur in der Fesselbeuge, als sogen. Schutzmauke, beobachtet worden; ausserdem verlaufen dieselben unter Fiebererscheinungen, was für die canadische Pocke nicht zutrifft.
2)nbsp; nbsp;Der Hautrotz kann allerdings unter ähnlichen Erscheinungen, wie die schwereren Fälle des vorliegenden Exanthems verlaufen (Geschwürsbildung, Lymphgefässentzündung, Contagiosität). Indessen fehlen bei ihm die Blasen- und Pustelbildung und der Ausgang in Heilung.
3)nbsp; nbsp; Das Eczema hnpetiginosuni besitzt klinisch sehr viel Verwandtschaft mit dem contagiös-pustulösen Exanthem. Jedoch fehlt
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Rilude.
|
(335
|
||
|
|
|||
|
ihm die ausgesprochene Contagiositiit, auch sind so grosse Blasen und Pusteln beim Ekzem noch nicht beobachtet worden; endlich verläuft das Ekzem mit stärkerem Juckreiz. Dass sich indessen auch nicht parasitäre pustulöse Exantheme leicht überimpfen lassen, beweist eine Beobachtung Friedberger's, welcher das mercurielle Exanthem eines Kalbes durch Aufbinden eines Theiles der Haut auf die Innenfläche des Schenkels eines gesunden Thieres in Form eines pustulösen Ekzems Übertrug,
1) Mit einem Gurten- oder Sattel druck kann die canadische Pocke nur im Anfange verwechselt werden, indem späterhin der typische Verlauf des Exanthems jeden Zweifel ausschliesst.
Therapie. Eine Behandlung der leichteren Fälle ist überflüssig, dieselben heilen von selbst ab; es ist daher nur in prophylaktischer Beziehung für Separation der erkrankten Thiere und Des-infection der Stallutensilien, Decken, Geschirre zu sorgen; ausserdem müssen die Pferde aussei- Dienst gestellt werden. In schwereren Fällen behandelt man die freiliegenden Geschwüre mit antiseptischen Mitteln; so sah Friedberger vom Creolin (3 Proc.) und von der Karbolsäure, Schindelka und Siedamgrotzky von Iprocentiger Sublimatlösung, Trasbot von 12procentiger Kupfer- und Zinkvitriollösung entschiedenen Erfolg sowie Abkürzung der Krankheitsdauer.
|
|||
|
|
|||
|
III. Thierisch-parasitäre Hautkrankheiten.
|
|||
|
|
|||
|
Die Räude der Haussäugelliiere. A. Allgemeiner Theil.
Literatur im Allgemeinen. 1) Chabert, Traite de la gale et des dartres des animaux. Paris. 178:!. 2) Hcrtwig, Magaz. 1835. S. 165. B) Hering, Verhandl. d. Imis. Leopold-Carol. Akademie d. Wissenschaften. 1838. S. 543. 4) G url t u. Hort wig, Vergleich. Untersuch, über die Haut des Menschen U. über Kratz- u. Räudemilben. 1844. 5) Delafond u. Bourguignon, Kecueil de med. vet. 1850; Traite pratique d'Entomologic et de Patholog. comp. de la psore. 1862. 6) Ger lach, Krätze u. Räude. Kntomologiscb und klinisch bearbeitet. Berlin 1857. 7) Ftirstcnberg, Die Krätzmilbe des Menschen und der Thiere. Leipzig. 1801. 8) May, Die inneren und äusseren Krankheiten des Schafes. 1808; mit älterer Literatur. 9)Megnin, Monographie de la Tribu des Sarcoptides psoriques. Paris 1877; Les parasites et les maladies parasitaires. Paris 1880; Kecueil de med. vet.
|
|||
|
|
|||
|
11
|
|||
|
|
|||
|
'1
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
(330nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Rftude.
187:i, 7(i, 77, 1883 und Uulletin lie la socirtc oentmlo veterin. 1873, 1875. 10) Robin, Mamp;noire sur diverses ospüces d'Acariens do la fimiille des Sur-ooptides. 18G9. 11) Zttrnlaquo; Uebor Milben, welcbe Hautkrankheiten bei Haus-thieren hervorrufen. Wien 1877; Die tlüer. Parasiten. 1882. 12) Kaiser, Ueber Scabies bei den Haussilugethieren etc., Vorträge f. Thierärzte. 1882. 13) Verheyen, Diet. vet. Jid. 7. 14) Railliet, Elements de Zoologie medieale et agrieole. Paris 1886. 15) Neumann, Traite des maladies parasitaires non mierobiennes des animanx domestiques. Paris 1888. 16) Roll, Jahresbericht pro 1887. 17) Jahresberichte über die Verbreitung von Thier-senohen im deutschen Reiche. 188Ö91. 18) Jahresberichte der bayer. Thierärzte, Wochenschr. f. Thierheilkde. 1890. Nr. 61 u. 52. 1891. Nr. 1. 19) Müller, Die Wirkung verschiedener Antiscabiosa und die Riiudeinilbon der Hausthiere. Sachs. Jahresber. 1888. Aussordem die Handbücher der speciellen Pathologie von Roll, Si edamgrotzky-Haubn or n. A.
|
||
|
|
||
|
Definition. Man versteht unter Räude (Krätze, Schabe, Scabies) eine ansteckende, durch die Einwirkung der Bäudemilben hervorgerufene Hauterkrankung; ohne Räudemilben gibt es heutzutage keine Räude mehr. In früheren Zeiten wurde die Bezeichnung Räude wohl auch für nicht parasitäre llautaffectionen gebraucht, man sprach von Hungerräudequot;, Fetträude'' u. s. w., auch nahm man vor der Entdeckung der Räudemilben als die Ursache der wahren Räude eine Blutdyskrasie an. Unter Räudemilben im engeren Sinne werden nur die :} Gattungen der Sarcoptiden, Dermatocopten und Dcrmatophagen inbegriffen, dagegen wird die Balgmilbe, Aroarus folliculorum, welche den Acarus- oder Haarsack-milbenausschlag erzeugt, gewöhnlich nicht zu den K rätzmilben gerechnet.
Jede der genannten 3 Räudemilbegattungen bedingt bei den verschiedenen Hausfchieren ein besonderes Krankheitsbild, wobei die einzelnen Hausthiere wieder ihre eigenen Milbenarten besitzen. Der Begriff Räude muss also in jedem Einzelfalle nach Gattung und Art der Krätzmilben festgestellt werden, man spricht daher genauer von Sarcoptes-, Dermatocoptes- und Dermatophagusräude. Am häufigsten erkranken an Räude Schafe und Hunde, sodann Pferde, seltener das Rind, die Katze, das Schwein und das Geflügel.
Die Räudekrankheit wird als ein in hohem Grade ansteckendes Leiden eigentlich zu den Seuchen gerechnet. Wir haben es indess aus rein praktischen Gründen vorgezogen, dieselbe bei den Hautkrankheiten zu besprechen, da es in einem Handbuche der speciellen Pathologie vor Allem auf die Darstellung des klinischen Befundes ankommt. Ausserdem sind einzelne Räudeformen, wie die Fussräude
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Räude.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 637
oder Ohrräude, als Seuchen von einer sehr untergeordneten Bedeutung und besitzen eigentlich nur klinisches Interesse.
Geschichtliches. Die bei den Hausthieren als Räude, Schabe, ürind, beim Menschen gewöhnlich als Krätze bezeichnete Hautkrankheit besitzt ein sein- hohes historisches Alter; die Krankheit als solche hat bei den Hausthieren offenbar schon Moses gekannt. Auch die Räudemilben sind schon seit lauger Zeit entdeckt. Nach Gerlach erwähnt sie zuerst im Jahre 1174 der maurische Arzt Avenzoar; nach Fürstenberg sollen die Milben unter dem Namen Surenquot; schon 1200 in der Physika der heiligen Hildegard beschrieben sein. Bei den Hausthieren wurden die Räudemilben entdeckt im Jahre 1G7'2 von Wedel bei der Katze, 1789 von Kersting beim Pferde, 1809 von Walz beim Schafe, 1812 von Gohier beim Rinde und Hunde, 1841) von Spinola beim Schweine. In entomologischer und klinischer Beziehung waren vor Allem die Arbeiten Gerlach's und Fürsten-berg's von bahnbrechender Bedeutung. Unter den neueren Arbeiten über Räudemilben sind hervorzuheben die von Robin, Megnin und Zürn.
Morphologie und Biologie der Räudemilben. Die Räudemilben gehören zur Ordnung der Acarina (Milben), Abtheilung Laufmilben, Familie Lausmilben. Es sind kleine, meist nur mit der Lupe oder dem Mikroskope sichtbare, 0,20,8 mm grosse, rundliche bis ovale Gliederthiere, welche im erwachsenen Zustande 4, im jugendlichen 15 Paarefünfgliedriger Beine besitzen, welch letztere mit Saug- oder Haftscheiben, Borsten und Krallen versehen sind. Kopf, Thorax und Hinterleib stellen eine ungetheilte Masse dar. Am Kopfe treten besonders die Fresswerkzeuge in Form von säge-, scheeren- und borstenartigen Kiefern hervor. Auf der Aussenhaut sitzen als Anhängsel Schuppen, Haare, Dornen, Stacheln, Borsten u. s. w. Die Männchen sind kleiner als die Weibchen. Detaillirtes über den Bau und die Lebensweise der Räudemilben im Allgemeinen anzugeben, überschreitet den Plan eines klinischen Lehrbuches, es muss daher in dieser Hinsicht auf die Lehrbücher der allgemeinen Pathologie und Parasitenkunde verwiesen werden.
Die Weibchen legen Eier und zwar je 20-24 auf einmal; dieselben entwickeln sich innerhalb 47 Tagen zu jugendlichen Larven, welche nach 34 Häutungsprocessen in 14 17 Tagen fortpflanzungs-filhig werden. Ger lach hat berechnet, dass auf diese Weise von
|
||
|
|
||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
638
|
Räude.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Einem Milbeuweibchen bei der Schafräutle in 9ü Tagen anderthalb Millionen Milben abstammen können. Die Weibchen selbst sterben :35 Wochen nach dem Eierlegen, die Männchen werden etwa (i Wochen alt. Die Milben bleiben in feuchter Luft, auf feuchtem Dunge u. s. w. isolirt noch 68 Wochen am Leben, in trockener Luft 23 Wochen; die Eier halten sich auf feuchter Unterlage 2 4 Wochen, trocken 46 Tage; Milben und Eier werden bei 4060deg; R. etwa in einer Stunde getödtet. Massige Wärme befördert dagegen das Wohlbefinden der Milben, so werden sie z. B. in warmen Stallungen, sowie unter Decken, desgleichen im Sommer beweglicher und vermehren sich rascher.
Nach Gerlach werden die liäudemilben durch nachfolgende Arzneimittel am raschesten getödtet: durch Kreosot in '/*V- Minute, Aetzkali (1 : 24) in 2 Minuten, Schwefellcber (1 : 10) in V*Vlaquo; Stunde; Terpentinöl 59 Minuten, Theer 8 13 Minuten, Petroleum 7 Minuten, Tabak (1 : 5) in 1020 Minuten, (1 : 10) in 25 Stunden, (1 : 50) in 410 Stunden, grüne Seife in V21 Stunde u. s. w. Nach neueren Untersuchungen von Müller verhalten sich die einzelnen Räudemittel bezüglich der Stärke und Schnelligkeit ihrer Wirkung auf die einzelnen Räudemilben nachstehend.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||
|
Räude.
|
689
|
|||||
|
|
||||||
|
A e a ! u s
|
Sarcoptosnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Dormatory ctes
|
|||||
|
|
||||||
|
sistiren ihre Bewegungen dauernd
|
||||||
|
|
||||||
|
Holztheer.....
Theerliniment . . . . l'erubalsiim . . .
01. animal, foetid. Naphtliolöl 10 7o . . Karbolöl 10 quot;/o . . .
Petroleum......
Naphthalinöl 10 % . Oxynaphthoesilureöl
10 % .......
Sozojodolquecksil-
beröl 20o/o . . . . Quecksilbersiilicylat-
öl 20 7o......
Salioylöl 5 % ... .
|
sofort
sofort
in wenigen
M i n u t e n in ö Minuten in 20 Minuten in 26 Minuten in 95 Minuten in 2 Stunden
|
fast sofort
in 56 Minuten
sofort
fast sofort
in 2:! Minuten
fast sofort
in 27 Minuten
nach 2 St. noch nicht
in 5 10 Minuten
nach 2 St. noch nicht
nach 2 St. noch nicht fast sofort
|
fast sofort.
in wenigen Minuten.
sofort.
fast sofort. in 710 Minuten.
fast sofort. in längstens 42 Min. nach 2 St. noch nicht.
in etwa 10 Minuten.
|
|||
|
nach 2 St. noch nicht
nach 2 St. noch nicht in weniffen Minuten
|
in 1518 Minuten.
|
|||||
|
|
||||||
|
Darnach wirken Kreosot, Creolin, Theer, Thieröl und Perubalsam auf Acarus, Sarcoptos und Dermatoryktes sofort und nahezu gleich stark tödtlicli. Karbolsäure, Naphthol, Petroleum, Tabak, Schwefelleber wirken wesentlich langsamer und sind für Sarcoptes und Dermatoryktes stärkere Gifte als für Demodex. Umgekehrt tödten Sublimat und So/.ojodolquecksilber den letzteren schneller.
Gattungen und Arten der Räudemilben. Man tlieilt die Käude-milben, wie schon erwähnt, in 3 Gattungen ein: in
1)nbsp; nbsp;Grabmilben, Sarcoptes;
2)nbsp; nbsp;Saugmilben; Dermatocoptes (Fürstenberg); von Gerlach Dermatodectes, von Mögnin Psoroptes genannt;
'5) schuppenfressende Milben, Dermatophagus (Fürstenberg); von Gerlach Symhiotes, von Megnin Chorioptes genannt.
A. Die Sarcoptesmilben graben sich Gänge unter der (3berbaut und ernähren sich von den plasmahaltigen Zellen des Bete Malpighi, pflanzen sich auch in diesen Gängen fort, wodurch sie eine intensive Hautentzündung hervorrufen. Sie sind cli arakterisirt durch ihre Schildkrötenförmige Gestalt, ihre ausserordentliche Kleinheit (0,20,5 mm), weshalb sie nur mikroskopisch zu erkennen sind, ihren hufeisenförmigen Kopf mit den zwei stark entwickelten, kegelförmigen Scheer enk iefern, ihre kurzen, stummelartigen Füsse und ihre gestielten, t ulpenf örmigen Haftscheiben, welche beim Männchen am ersten, zweiten und vierten Pusspaare, beim Weibchen nur am ersten und zweiten sitzen.
üeber die Ein theilung der Gattung Sarcoptos in Arten
|
1
|
|||||
|
|
||||||
|
|
||
|
040nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kaude.
sind die Ansichten vengt;chiedeii: Fürsten berg hat mehr nacli dem uior-pliologischen, Ger lach mehr nach dem biologischen Standpunkt eingetheilt. Indessen ist auf die Lnconstanz dieser Arten und die verschiedenen, oft sehr bemerkenswerthen Varietäten mehrfach hingewiesen worden (Zürn, Johne). Wir halten uns im Folgenden an die von Sied amgrotzky aufgestellte Eintheilung, wonach man in der Hauptsache 2 Arten hat, a. die grosse Grab mil De, b. die kleine Grabmilbe.
a.nbsp; Zur grossen Grabmilbe gehören:
c. Sarcoptes scabiei beim Menschen, Pferd, Schaf, Löwen. ß. Sarcoptes squamiferns beim Hund, Schwein, Schaf, Ziege.
b.nbsp; nbsp;Die kleine Grabmilbe, Sarcoptes minor kommt vor bei der Katze und beim Kaninchen.
B.nbsp; Die Dermatocoptesmilben leben auf der Oberfläche der Haut und saugen mittelst ihrer Mu n d Werkzeuge Blut, Serum und Lymphe aus der Haut, wobei sie sich an Schuppen und Haai-en fest-liaften; auch sie verursachen durch das Anstechen der Haut eine Hautentzündung. Sie sind charakterisirt durch ihre Grosse (0,50,8 mm), so dass sie isoliert, auf dunkler Unterlage schon mit blossem Auge, jedenfalls mit dor Lupe erkennbar sind, ihre langen Füsse, den langen, spitzen Kopf und die langen, geraden, stechenden Kiefer, endlich durch die tulpen- oder trompeten ähnlich en Haft-scheiben, welche auf gegliederten Stielen sitzen und beim Männchen an allen 4 Füssen, beim Weibchen am 1,, 2, und 4, Fusspaare vorkommen.
Man theilt die Dermatocopten nach Zürn folgendermassen ein:
a.nbsp; nbsp;Dermatocoptes communis beim Pferd, Rind und Schaf.
b.nbsp; nbsp;Dermatocoptes euniculi, die Ohrsaugmilbe des Kaninchens.
Auch bei den Unterarten der Dermatocopten kommen nicht unbedeutende Variationen vor: so hat z. B. Zahn eine Abart beim Pferd beschrieben , auch wir haben mehrmals verschiedene kleine Abweichungen im Baue getroffen.
C.nbsp; nbsp;Die Dermatophagusmilben leben auf der Hautobertläche besonders der Extremitäten und nähren sich von jüngeren Epidermisschuppen, welche sie zernagen, Sie sind ebenfalls ziemlich gross (0,30,5 ram) und daher in ihren Umrissen mit dem blossen Auge oder der Lupe erkennbar, Sie sind charakterisirt durch einen kurzen, stumpfen, kegelförmigen Kopf, der breiter als lang ist, ihren am Rande schwach gekerbten ovalen Körper, ihre langen Füsse und ihre römerförmigen Haftsclieiben, welche beim Männchen an allen 4 Fusspaaren, beim Weibchen am 1,, 2, und 4. sich befinden, Ausserdem besitzt das Männchen am hinteren Leibesende 2 Klanmierorgane, das Weibchen 2 cylindrische Zapfen. Die Eintheilung ist nach Zürn folgende;
a.nbsp; nbsp;Dermatophagus communis.
a. Demi, equi und bovis, erzeugt die Fussräude und Steissräude. 3, Derm. ovis. erzeugt die Fussräude der Schafe.
b.nbsp; nbsp;Dermatophagus felis, canis und ouniouli, verursacht die Ohrräude,
Allgemeiner Charakter der verschiedenen Räudearten und Zusammenstellung der bei den einzelnen Hausthieren vorkommenden Räudemilben. Die ;? Hauptgattungen der Räudemilben erzeugen klinisch verschiedene Räudeformen, welche hauptsächlich durch die verschiedene Lebensweise der Milben bedingt sind.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Bftude.
|
641
|
||
|
|
|||
|
1)nbsp; nbsp;Die Sarcoptesräude beginnt mit Vorliebe am Kopfe und den durch Haare wenig geschlitzten Kürperstellen, an denen sie beispielsweise beim Schafe ausschliesslich vorkommt; vom Kopfe kann sie sich indess auch über den Hals und schliesslich über den ganzen Körper ausbreiten, so beim Pferd, Hund und Scbwein. Beim Hund bevorzugt sie den Grund der Obren, die Ellenbogengegend, die üntcrbrust, die Bauchgegend und die Innenfläche der Extremitäten.
2)nbsp; nbsp;Die Dermatocoptesräude liebt die geschützten Körperstellen, so beim Pferde den Kehlgang, die Innenfläche der Schenkel, die Umgebung des Schlauches, den Grund der Mähne, die Schweifwurzel, kann sich jedoch auch über den ganzen Körper verbreiten, wofern die Hautpflege eine vernachlässigte ist. Beim Schafe suchen die Dertnatocoptesmilben die durch die Wolle geschützten Hautstellen auf, können sich somit über den ganzem Körper mit Ausnahme des Kopfes verbreiten.
;i) Die Dermatophagusräude befällt meist nur gewisse Körpergegenden, so beim Pferde (und Schafe) die Unterfüsse, sogen. Fuss-räude, beim Rinde die Gegend des Schweifansatzes, sogen. Steiss-räude, beim Hunde, Kanineben und der Katze den äusseren Gehörgang, sogen. Ohrräude.
Bei den einzelnen llausthieren kommen folgende Milben vor:
A.nbsp; nbsp; beim Pferde: Sarcoptes scabiei, Dermatocoptes communis, Dermatophagus equi; Haupträude: Sarcoptesräude;
B.nbsp; nbsp;beim Rinde: Dermatocoptes communis und Dermatophagus bovis; Haupträude: Dermatocoptesräude:
C.nbsp; nbsp;beim Schafe: Sarcoptes squamiferus, Dermatocoptes communis, Dermatophagus ovis; Haupträude; die Dermatocoptesräude;
D.nbsp; nbsp; bei der Ziege: Sarcoptes squamiferus, Dermatocoptes und 1 )erinatophagus; 11 au p t r äu de: Sarcoptesräude.
E.nbsp; nbsp;beim Hunde: Sarcoptes squamiferus und Dermatophagus canis; H a u pt r ä u d e: Sarcoptes r ä u d e;
P, bei der Katze; Sarcoptes minor und Dermatophagus felis; Haupträude: Sarcoptesräude;
G. beim Schweine: Sarcoptes squamiferus:
H. beim Kaninchen: Dermatocoptes und Dermatophagus euniculi.
Uebertragung-sfähigkeit der einzelnen Milbenarten auf Thiere und Menschen. In dieser Beziehung ist bis jot/.t. folgendes bekannt:
1) Auf den Menschen gehen alle Sarcoptesarten der Thiere dauernd über. Dagegen sterben Dermatocoptes und Dermatophagus auf der Haut des Menschen rasch ab und erzeugen höchstens geringgradige llei-zungserscheinungon.
Friedborgor u, Fröhner, Pathol. u, Therapie fl, Hansthlere, I. Bd. B. Aufl, 41
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
1)42nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kiiude.
2) Auf das Pferd geht über Sarcoptes vom Schaf, Schwein, Hund und der Katze.
8) Auf das R i n d geht über Sarcoptes des Pferdes, Schafes, der Ziege und Katze.
4) Auf das Schaf geht über Sarcoptes der Ziege,
6) Auf den Hund geben über Sarcoptes des Menschen, des Schweines, der Katze, des Schafes und der Ziege.
(i) Auf das Schwein geht über Sarcoptes der Ziege.
Daraus geht hervor, dass nur Uebertragungen der verschiedenen Sarcoptesarten auf andere Thiere bis jetzt beobachtet worden sind.
Erscheinungen der Räude im Allgemeinen. Die Häude entwickelt sich nur nach einer vorausgegangenen Ansteckung. Die In-cubationsdauer nach erfolgter Uebertragung der Milben, d. b. die bis zum Auftreten sichtbarer Hautverftnderungen vergehende Zeit, ist verschieden je nach der Menge der übertragenen Milben; ist die letztere eine geringe, so können bis zum offenbaren Ausbruche der Krankheit 4ü Wocbcn vorübergehen, im anderen Falle kann derselbe schon nach 14 Tagen erfolgen. Die Ansteckung selbst wird entweder durch directe Zwischenträger (Streu, Decken, Geschirr, Putzzeug, Wartpersonal) vermittelt; Thiere mit schlechter Hautpflege, sowie abgemagerte, schwächliche Thiere mit reichlicher Epidermisabscbuppung sind zur Ansiedlung der Milben besonders prädisponirl.
Die durch die Bisse resp. Stiche der Käuilemilben hervorgerufenen ersten Erscheinungen bestehen in {junktförmiger llöthung (sog. Stipp-cben), Knötchen- und Bläschenbildung, vermehrter Abschuppung der Epidermis, sowie in Auflagerung von Krusten und Borken. Diese Hautveränderungen künden sich schon im Anfange ihrer Entwicklung durch einen heftigen .1 uckreiz an, der besonders bei Nacht, in der Sonnenhitze, im wannen Stalle, sowie nach stärkerer Bewegung der Thiere einen sehr hohen Grad erreicht, in Folge dessen die Thiere sich an den erkrankten Stellen reiben, scheuern, kratzen, boissen u. s. w. Dieses mechanische Irritamcnt seitens der Thiere selbst verändert den an und für sich in seinen Erscheinungen sehr einfachen Räudeausschlag wesentlich: die Haare fallen aus oder brechen ab, die Wolle wird zottig, die Haut blutrünstig, es kommt zu tiefergreifenden entzündlichen l'rocessen auf derselben, welche schliesslich chronisch werden und dauernde Veränderungen mit sich bringen. So findet man die Haut auf dem Höhepunkte der Erkrankung theils mit grindartigen Borken besetzt, theils nässend und blutend, selbst ge-sebwürig entartet, dabei verdickt, in Falten gelegt u. s. w.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Riludu.
|
648
|
|||
|
|
||||
|
Verlauf. Derselbe hängt von verschiedenen Verhältnissen ab. Zunächst ist die Milbengattung von Einfluss; während Dermato-phagus vorwiegend eine örtlich beschränkte Räude erzeugt, breitet sich der Ausschlag besonders bei Sarcoptesräude, aber auch bei Dennato-coptes, gerne über den ganzen Körper aus. Sodann kommt die Beschaffenheit der Haut, die Hautpflege, der Aufenthalt der Thiere, die Jahreszeit u. s. w. in Betracht. Im Sommer z. B. bedingt die grössere Wärme einen viel hartnäckigeren Verlauf, als dies im Winter der Fall ist; sorgfältig geputzte Pferde, z. B. Militärpferde zeigen hinge Zeit hindurch nur geringe Grade des Leidens; nach dem Scheeren geht beim Schafe die Erkrankung immer zurück, weil die Milben der schützenden Wolle beraubt sind. Endlich kann der Krank-heitsprocess durch vorausgegangene Waschungen der Haut mit mehr oder weniger wirksamen Mitteln wesentlich beeinflusst werden. Im Allgemeinen aber ist der Verlauf der Hände ein chronischer. Spontane Heilungen sind wohl noch niemals vorgekommen, die Fälle von intermittirender Räude, bei welcher der Ausschlag zu gewissen Jahreszeiten erheblich zurückgeht, dürfen nicht als Heilungen aufge-fasst werden. Ist die Räude über den ganzen Körper verbreitet, so gesellen sich zu den Veränderungen der Haut auch gerne Allgemein-erscbeinungen: Die Thiere bleiben in Folge der andauernden Aufregung und des Säfteverlustes in der Ernährung und im Wachsthum zurück und können selbst an Erschöpfung und Kachexie zu Grunde gehen.
Diagnose der Räude im Allgemeinen. Die Erkennung der Uäude als solche kann sich, abgesehen von dem Nachweise der Milben, auf gewisse Eigenthümlichkeiten des Häudeausschlages selber gründen. Hieher gehört zunächst das seuchenhafto Auftreten und die Ansteckungsfähigkeit, sowie die herdförmige Entstehung und zuweilen sehr rasche Ausbreitung der Hautkrankheit; auch der Juckreiz ist meist ein viel grösserer, als bei den übrigen Derma-tosen. Sodann bietet die Localisation der einzelnen Räudeformen wesentliche Anhaltspunkte, indem ein auf den Kopf beschränkter oder sich von da weiter verbreitender Ausschlag mit den oben genannten Eigenthümlichkeiten für Sarcoptesräude, ein auf die Gliodmassen oder die Umgebung des Afters beschränkter für Dermatophagusräude, und endlich ein vorwiegend an geschützte Körperstellen gebundener für Dermatpcoptesräude spricht. Das sicherste diagnostische Mittel ist indess immer der Nachweis der Milben. Derselbe wird am besten
|
|
|||
|
|
||||
|
|
||
|
(344nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Räude.
durch das Mikroskop geliefert, indem die Borken und Schuppen siimuit ihren tieferen Schichten abgenommen, mit lOprocentiger Kalilauge aufgehellt und dann mit schwachen Vergrösseningen untersucht werden. Bei der Sarcoptesräude des Hundes muss die Abnahme der Ent-/.iindungsproducte eine sehr tiefgehende sein, man schabt daher entweder die Haut mittelst eines scharfen Messers blutig, oder trägt (lünno oberflächliche Epidermisschuitte mit dem Rasirmesser oder der Scheere ab. Ausserdem hat Ger lach früher das Aufbinden der Uilude-borken auf den menschlichen Arm empfohlen, wonach bei Sarcoptesräude innerhalb L2 Stunden, bei Dermatocoptesräude schon nach '2, Stunden Juckreiz und leichte Hautentzündung auftreten sollen. Der mikroskopische Nachweis ist indess viel sicherer. Die beiden grösseren Milbengattungen, die Dermatocoptes- und Dermatophagusmilbe kann man endlich auch durch Auflegen der Borken auf schwarzes Papier, oder Verbringen in ein mit einer Glasplatte bedecktes Uhrschälchen und nachheriges Erwärmen in der Sonne etc. für das blosse Auge oder für Lupenvergrösserung zur Anschauung bringen, indem die Milben sich heim Erwärmen lebhaft bewegen, bezw. sich an der Glasplatte festsetzen.
lieber die Differentialdiagnose der Räude vergleiche die einzelnen Käudeformen bei den verschiedenen Hausthieren.
Prognose der Räude im Allgemeinen. Die Vorhersage bei der Räude ist in erster Linie von der Milbengattung, der Ausbreitung und dem Alter der Krankheit abhängig. Eine über den ganzen Körper verbreitete Sarcoptesräude ist namentlich beim Pferde sehr schwer heilbar. Diese schwere Heilbarkeit der Sarcoptesräude beim Pferde ist unseres Erachtens viel zu wenig betont worden. Umgekehrt ist die Dermatophagusräude des Pferdes sehr leicht heilbar. Ausgebreitete und veraltete Dermatocoptes-räude beim Schafe ist ebenfalls sehr schwer heilbar, während sie in beschränkter Ausbreitung beim Pferde leicht zu bekämpfen ist. Die Sarcoptesräude der Katzen führt in zahlreichen Fällen zum Tode der damit behafteten Thiere. Prognostisch am ungünstigsten ist also eine ausgebreitete Sarcoptes- und Dermatocoptesräude, günstiger eine locale derartige Räude, am günstigsten die Dermatophagusräude.
Von Wichtigkeit für die Prognose ist ferner der Ernährungszustand der erkrankten Thiere; schlecht genährte oder zu jugendliche Thiere sind schwerer heilbar, weil sie die immerhin ziemlich eingreifende Behandlung weniger gut ertragen. Auch die Witterung
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Räude,
|
045
|
||
|
|
|||
|
und Jahreszeit beeinflussen die Prognose iusoferne, als n. B. beim Schafe eine Badekur ohne Nachtheil nur in wärmerer Jahreszeit vorgenommen werden kann. Weiterhin kommt die Behaarung der Thiere, sowie die individuelle! Empfindlichkeit gegen gewisse Arzneimittel in Betracht, Eine Behandlung bietet bei dichtem Haarkleide viel weniger Aussicht auf Erfolg, als bei dünnerem oder auf geschorener Haut, insbesondere ist beim Schafe eine Behandlung der Räude ohne vorausgegangene Schur häutig fruchtlos. Manche Thier-gattungen sind sodann gegen bestimmte Arzneimittel oder Manipulationen empfindlicher als andere, so kann z, B. Karbolsäure bei Katzen nicht ohne die Gefahr einer Vergiftung angewendet werden, Katzen und Ziegen, sowie das Geflügel sind gegen Bäder sehr empfindlich u, s. w. Endlich kann die Localisation des Ausschlags die Prognose insofern beeinflussen, als gewisse Körperstellen sich für die Anwendung stärkerer Räudemittel nicht eignen, so z. B. die Umgebung des Auges; in Folge dessen wird der Ausschlag der Behandlung hier einen grösseren Widerstand leisten. Auch die Möglichkeit einer erneuten Infection bei ungünstigen A us sen Verhältnissen ist zu erwäsen.
|
|||
|
|
|||
|
Allgemeines über die Behandlung der Eäude. Die Räude kann nur durch die Anwendung milbentödtender Mittel geheilt werden; von letzteren ist eine grosse Anzahl in Gebrauch. Die mildesten und deshalb auch schwächsten Räudemittel sind die Alkalien: Kalilauge, grüne Seife, kohlensaures Natrium und Kalium (Soda und Pottasche, Aschenlauge), sodann gebrannter Kalk, Chlorkalk, Schwefelkalium, Salmiakgeist, ammoniakalischer Rinderharn u. s. w. Da alle diese Mittel ausserdem die Borken und Bpidermisschuppen erweichen, werden sie meist gleichzeitig mit stärker wirkenden Mitteln zusammen angewendet, um das Eindringen der letzteren in die Maut zu erleichtern. Sehr milde wirken auch die verschiedenen Schwefelpräparate, welche in Verbindung mit Alkalien den für die Milben ausserordentlich giftigen Schwefelwasserstoff entwickeln. Intensiver schon wirken der Tabak in Form der Tabakslauge oder von Abkochungen, sowie der Arsenik und das Quecksilber, letzteres in Form des Sublimats oder der milder wirkenden grauen Quecksilbersalbe. Am wirksamsten sind die Producte der trockenen Destillation pflanzlicher und tbierischer Stoffe, vor allem das Creolin, (lie Karbolsäure, das Kreosot, der Theer, das Benzol, das stinkende Thieröl.
lieber die Form und Zusammenstellung dieser Stoffe bei den
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
(540nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Räude.
einzelnen Thierarten und Uiiudeforraen siehe den speciellen Tlieil: hier mögen nur die nachfolgenden allgemeinen Gesichtspunkte bezüglich der Behandlung der Räude hervorgehoben werden:
1)nbsp; nbsp;In prophylaktischer Hinsicht müssen die räudigen Tliiere möglichst von den gesunden abgesperrt werden, auch ist dafür Sorge zu tragen, dass die kranken Thiere während der Behandlung nicht wiederholt durch andere Thiere oder durch Zwischenträger (Decken, Putzzeug, Streu, Lagerstätte) angesteckt werden; es ist daher gleichzeitig mit der Behandlung eine Desinfection der Stallung, des Geschirres etc. vorzunehmen.
2)nbsp; nbsp;Der Anwendung der Medicamente soll eine gründliche Reinigung der Haut von den aufgelagerten Schuppen und Borken vorausgehen.
3)nbsp; nbsp;Bei der Anwendung milbentödtender Mittel muss auf die Constitution, Thiergattung, sowie auf etwaige Verwundungen des erkrankten Thieres Rücksicht genommen werden; schwache Thiere bedürfen einer schonenden Behandlung, bei einzelnen Thierarten müssen bestimmte Medicamente vermieden werden (Quecksilber beim Rind, Karbolsäure bei der Katze), Schafe dürfen unmittelbar nach der Schur nicht mit intensiv giftigen Räudemitteln eingerieben oder gebadet werden, weil die Resorptionsfähigkeit der Haut in Folge der zahlreichen kleinen Verwundungen eine grössere ist.
4)nbsp; nbsp;Nachweisbar erkrankte Hautstellen müssen am intensivsten behandelt werden, indess hat sich die Behandlung in der Regel auch auf die nicht sichtbar erkrankten Theile in der Umgebung der afficirten Stellen, ja sogar, und zwar bei Schafen immer, bei grösserer Ausbreitung des Ausschlags über den ganzen Körper zu erstrecken, weil jede beliebige .Hautstelle frisch inficirt sein kann.
5)nbsp; Die Application des Medicamentes muss nach einer bestimmten Pause wiederholt werden, da die meisten Mittel nur die Milben, nicht aber die Eier zu tödten im Stande sind, und sich daher aus den letzteren wieder neue Milben entwickeln; es ist selbst unter Umständen namentlich bei ausgebreiteter und inveterirter Räude geboten, eine dritte Application vorzunehmen, da die Eier nicht gleichalterig sind und bei der ersten und zweiten einzelne Milben am Leben geblieben sein können. Bei den tiefer in die Haut eingegrabenen Sar-coptesmilben sodann genügt meist auch eine dreimalige Anwendung der Räudemittel nicht, es ist hier vielmehr, insbesondere bei der veralteten Sarcoptosräude des Pferdes, eine sehr häufige Wiederholung,
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Uiludü des Pferdes.
|
647
|
||
|
|
|||
|
ja selbst eine lang anhaltende Behandlung nöthig, um eine Kadical-heilung zu erzielen.
Aussei- in klinischer ist die lliiude auch noch in polizeilicher und gerichtlicher Hinsicht von Wichtigkeit.
1)nbsp; nbsp;In polizeilicher Beziehung wird die Räude zum Thoil als Seuche betrachtet, und zwar sind nach den Vorschriften des deutschen lleichs-A^iehseuchengesetzos vom 2!!. Juni 1880 als Seuche zu behandeln die Sar-coptes- und Dermatocoptesrilude bei Pferden, Eseln, Maul-thieron und Mauleseln, sowie die Dermatocoptesrilude beim Schafe, lieber die nilheron Bestimmungen hierüber vergl. sect;. !gt;2 des genannten Gesetzes und sect;. 120132 der Seucheninstruotion.
2)nbsp; nbsp;Als Gewährsfehler gilt die lliiude der Schafe in Baden, Bayern, Württemberg, Kurhesson, Hohenzollern u. s. w. mit je 14 Tagen, in Sachsen mit 15, in Nassau mit 29 Tagen Gewährszeit; die der Pferde in Preussen mit 14 Tagen, in Sachsen mit 15 Tagen u. s. w.; die des 11 in des in Sachsen mit ebenfalls 15 Tagen Gewährszeit.
|
|||
|
|
|||
|
B. Die Räude der einzelnen Haussäugethiere.
a. Die Räude des Pferdes.
biteratur. 1. Sarcoptesrilude: 1) Lavorgne, Cavrere u. A., Journal du Midi. 1838. 2) Dupont, ibid. 1854. 3) Marrel, Recueil vet. 1847. 4) Ritter, Repertorium. 1855. S. 215. 5) Kbersbach, Sachs. Jahresber. 1809. S. 78.
0)nbsp; Eiohbaum, Preuss. Mitth, 1873/74. S. 29. 7) Frietsoh, Sachs. Jahresber. 1879. S. 143. 8) Woigel, ibid. 1883. S. 73. 9) Rost, ibid. 1885. S. 70. 10) Richter, Klein, Schmid, Berlin. Arohiv. 1885. S. 101. 11) Mörlin, ibid. 1880. S. 09. 12) Dieokerhoff, Spec. Pathologie. 1886. 13) Phi-lippi, Sachs. Jahresber. 1887. S. 99; 1888. S. 58. 14) Walther, Wilhelm, ibid. 1888. S. 58 U. 82. 15) Heller, Berl. Archiv. 1889. S. 132. 16) Rust, Zeitschr. f. Veterinärkde. 1889. S. 249. 17) Beisswenger, Repertor. 1890. S. 191. 18) Kolesnikow, Petersburger Archiv f. Veterimlnnedicin. 1888.
II. Dermatocoptesrilude: 1) Ebersbach, Sachs. Jahresber. 1807. S. 72.
2)nbsp; Friedberger, Münohener Jahresber. 1872/73. S. 47; 1873/74. S. 44.
3)nbsp; Zahn, Adam's Wochenschr. 1883. S. 01. 4) Trofimow, Charkower Veterinärbote. 1889.
III. Dermato phagusräude ; 1) Pü nf stück, Sachs. Jahresber. 1808. S. 84. 2) Brauer, Kbersbach, ibid. 1809. S. 73. 3) Mcgnin, Bulletin de la societe centrale veter. 1874. 4) Schwarz, Adam's Wochenschr. 1878. S. 61. 5) Münchener thierilrztl. Verein, Verhandlungen in Adam's Wochenschr. 1878. S. 342. 0) Beer, Holland. Zeitschr. 1886. 7) Nathu-sius, Zeitschr. dos landwirthschaf'tl. Centralvercins der Provinz Sachsen. 1886. 8) Farn bach, Sachs. Jahresber. 1890. S. 72.
1)nbsp; nbsp;Sarcoptesrilude. Dieselbe beginnt meist am Kopfe, Halse, an den Schultern, an den seitlichen Wandungen der Brust, aber auch je nach dem Modus der Ansteckung auf dem llücken in der
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
048
|
liiiiidt! des Pferdes,
|
||
|
|
|||
|
Sattel- und Gurtenlage mit anfangs kleinen, urasohriebenen kahlen Stellen, welche sich allmählich verbreitern und so eine grössere Ausbreitung erlangen können; iudess befällt der Ausschlag seltener den ganzen Körper, sondern meist nur Kopf, Hals und Schulter. Die wesentlichsten Erscheinungou bestehen in ausserordentlichem Juckreiz, der besonders bei Nacht, in der Wärme und nach Erhitzung des Körpers sehr hochgradig ist, und die Thiere zu andauerndem Scheuern, Ueiben und Nagen veranlagst. Kratzt oder reibt man dieselben au den erkrankten Hautstellen, so geben sie das hiebei empfundene Wohlbehagen durch Gegendrücken, Einsenken des Rückens, Bebbern und Flehmen mit den Lippen zu erkennen. Die Veränderungen auf der Haut bestehen in dem Auftreten kleiner Knötchen, auf welchen die Haare ausfallen oder durch eine klebriffe Plüssiffkeit zusammeim'ehalten werden; zuweilen kommt es auch zur Bläschenbildung. Auf den Knötchen findet im weitereu Verlaufe eine sehr lebhafte Epidermis-abschuppung, sowie eine allmählich zunehmende Borkenbildung statt. Wir haben beispielsweise nahezu 1 ein dicke Räudeborken gesehen, welche in der Hauptsache aus Epidenniszellen bestanden und in welchen die Milbengänge in Etagen nachweisbar waren. Die Haut selbst verdickt sich im Anschlüsse an diesen chronischen Entzündungsprocess, wird pergamentähnlich, legt sich in wulstige Falten, bekommt Schrunden und Risse, welche nässen und eitern, und ist an verschiedenen Stellen blutrünstig gerieben. Bei längerer Dauer und Ausbreitung der Räude über den ganzen Körper bekommen die Thiere ein sehr elendes Aussehen, magern stark ab und können selbst kachek-tisch zu Grunde gehen. Der Ausschlag ist für den Menschen ansteckend und geht besonders auf die Hände und Arme der behandelnden Thierärzte über (Dupont, Gerlach, Weigel u. A.). Nach Sik wurden sogar im Jahre 17i)l 200 Husaren eines Regiments von ihren Pferden angesteckt.
Bezüglich des Vorkommens der Sarcoptesräude beim Pferde in Deutschland haben die statistischen Veröffentlichungen des Gesundheitsamtes ergeben, dass die Pferderäude im Vergleich zur Schafräude sehr selten ist. So wurden im Jahre 1887 nur 440, 1888 nur 500, 1889 nur 550, 1800 nur 4 T^'i Fälle von Räude constatirt, welche sich besonders auf die russische Ostgrenze (Regierungsbezirke Gumbinnen, Danzig, Posen, Königsberg) vertheilen. Dagegen betrug die Zahl der räudekranken Pferde in Oesterreich während der Jahre 18771887 nicht weniger als 12 558, von welchen lü,;! Procent verlustig gingen.
Die Diagnose der Sarcoptesräude ist im Anfange mit Sicher-
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Hüiu
|
dca I't'erdoH.
|
649
|
||
|
|
||||
|
heit schwor festzustellen, weil die Milben hier .sehr schwierig nachweisbar sind. Zuweilen gelingt es nur, eine einzige Milbe oder nur einen Milbenbalg aufzufinden, sehr häufig aber haben zu dieser Zeit auch nachhaltige Untersuchungen kein Resultat zu verzeichnen. Das einzige diagnostisch wichtige Symptom bildet dann das ganz ausser-ordentliohe Juckgefühl, welches bei dem nicht parasitären Knötchen-ekzem (sogen. Knötchcnflechte oder Sommerräude) durchaus nicht in so hohem Grade vorhanden ist. Dieses JuckgefUhl in Verbindung mit den geringgradigen Veränderungen auf der Haut hat früher zur Aufstellung von Prurigo und Pruritus beim Pferde geführt, Mautafl'ectionen, welche indess offenbar der Hauptsache nach Anfangsstadien der Räude entsprachen. Bei sehr veralteter und zugleich verwahrloster Hilude gelingt das Auffinden der Milben leichter und selbst sehr leicht.
Die Prognose der Sarcoptesriludo ist in leichteren Fällen günstig, in schwereren dagegen ziemlich ungünstig. Die Sarcoptesrilude unterscheidet sich bezüglich der Heilbarkeit von der Dermatocoptes-räude ganz wesentlich. Während die letztere im Allgemeinen ziemlich gut heilbar ist, widerstoben die älteren und schwereren Fälle der Sarcoptesrilude zuweilen einer noch so eingreifenden Behandlung hartnäckig und sind selbst nach Verfluss von Monaten nur sehr schwer vollständig zu heilen, indem immer wieder und wieder neue Nachschübe auftreten, welche zwar gemeinhin als die Folgen einer erneuten Infection angesehen, indess sehr häutig bei vollständigem Ausschlüsse der Möglichkeit einer Ansteckung beobachtet wurden. Die unten an-get'ührten Krankheitsfälle werden das oben gefällte ungünstige Urtheil über die Prognose der Sarcoptesräude genauer illustriren.
Die Behandlung besteht zunächst in Reinigung der Haut, Erweichung der Borken mit quot;gt;LOprocentigem Karbol- resp. Creolin-glycerin. Auftragen von Schinierseite behufs leichterer Entfernung derselben, wobei die Schmierseife 24 Stunden auf der Haut liegen bleibt, sowie, wenn nöthig, im Abscbeeren der Haare. 1st die Haut so für die Anwendung der eigentlichen Päudemittel vorbereitet, dann werden diese in der Form von Salben, Linimenten und Waschungen applicirt. In leichteren Fällen empfiehlt sich das Wiener The er liniment, welches in folgender Form verschrieben wird: lip. Picis liquid.; Sulfur, sublim, aa 500,0; Sapon. virid.; Spiritus aa 1000,0. Man reibt dasselbe mittelst Bürsten gut in die Haut ein, lässt es 6- 8 Tage liegen, bestreicht etwa abgeriebene Stellen wiederholt und wäscht es dann ab, worauf dieselbe Procedur noch 2Smal wiederholt wird. Der Erfolg ist in den meisten leichteren Fällen ein dauernder.
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
650nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Räude des Pferdes.
Bei inveterirter und ausgebreiteter Räude ist es gut, abwechslungsweise verschiedene Mittel anzuwenden, indess gelangt man nur zu häufig auch damit nicht zum Ziele. Ausser dem Wiener Theer-liniment empfiehlt sich ein Creolinliniment, bereitet aus Creolin und grüner Seife aa 100,0 und Spiritus 800,0. Ausserdem kann man Karbolsäure oder Kreosot (1 : 10 Oel oder Spiritus), Arsenikessig, Schwefelsalbe, Styrax, Creolinwaschungen (liprocent.), Sublimatwaschungen (1Sprooent.), sowie Tabaksabkochungen (oprocent.) etc. anwenden. Mit Sublimatwaschungen allein kommt man indess nur schwer zum Ziele, sie werden zwar gut ertragen, bessern wohl auch den Zustand wesentlich, eine bleibende Heilung vermochten wir aber nur nach sehr vielen Waschungen mit 2- bis Sprooeutigen Lösungen oder nach Beimischung einer 15proceiitigen Tabaksabkochung herbeizuführen. Wie ausserordentlich mühsam die Behandlung der inveterirten Sarcoptesräude des Pferdes ist, mögen nachfolgende Fälle beweisen:
1)nbsp; Am 7. Januar 1884 wurde dem Münchenor Thierspitale ein Pferd mit ziemlich allgemein ausgebreiteter Sarcoptesriludo zur Behandlung übergeben. Letztere bestand zunächst in Einseifen des Thieres mit 2 Pfd. Schmierseife, 5maligem Waschen mit 2 '/a 1 einer 1 procentigen Sublimatlösung in Pausen von ü zu 3 Tagen, Einreiben einer 10procentigen Karbolseife, sowie nochmaliger Sublimatwasohung, worauf das Thier am 1. Februar anscheinend geheilt entlassen wurde. 8 Tage darauf wurde das Pferd wiederholt wegen Beibens zugeführt und nunmehr zuerst mit Karbolseife gewaschen, sodann zweimal mit 20procontigem Karbolglycerin eingerieben und schliesslich mit einem Karbolliniinent aus Acid, carbol. 100,0, Spirit. 000,0, Sapon. virid. 750,0 bestehend, bestrichen. Am 1(5. Februar ging das Thier wieder anscheinend geheilt ab. Am 7. März zeigte sich der Ausschlag aufs Neue, worauf das Pferd zuerst 8mal mit Wiener Theorliniment, sodann an den meist erkrankten Stellen mit Karholspiritus (aa!), und endlich mit einer Sublimatwaschung behandelt wurde. Daraufhin ging das Thier am 24. April zum dritten Mal anscheinend geheilt ab. Allein schon nach 0 Wochen hatte sich wieder ein ausgedehntes Häudcekzem eingestellt, das erst auf eine zweimonatliche anhaltende Behandlung mit Sublimatwaschungen zum Verschwinden gebracht werden konnte. Der Zustand hielt aber nur B Monate an, nach dieser Zeit fing das Pferd wiederum zu reiben an, wobei allerdings keine Milbe aufgefunden worden konnte; indess war das Thier offenbar noch nicht vollständig geheilt. Von einer mehrmals wiederholten erneuten Ansteckung konnte dabei nach Lage der umstände keine Hede sein.
2)nbsp; nbsp;Ein zweites Pferd mit ausgebreiteter inveterirter Sarcoptesräude wurde 5 Monate lang behandelt. Während dieser Zeit wurden 11 Sublimatwaschungen, r) Einreibungen mit Karbolseife (5 12 Proc), 1 Einreibung mit dem Wiener Theerliniment, 1 Bepinselung mit Karbolspiritus, sowie häufige Perubalsaminunctionen vorgenommen, worauf das Thier anscheinend geheilt abging. Nach 4 Wochen wurde es jedoch wiederum reeidiv.
3)nbsp; nbsp;Ein drittes Pferd wurde nach 198tägiger Behandlung und he-
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Räude dos Pferdes,
|
(351
|
|||
|
|
||||
|
/iehungsweiser Beobachtung dauernd geheilt; die Bilude hatte bei demselben schon Jahre lang bestanden. In den ersten 3 Wochen wurde dreimal das Theerlininient eingerieben; als eine Heilung dadurch nicht zu erzielen war, wurden ti Wochen hindurch tägliche 8 üb lima t-waschungen vorgenommen (je !! Liter einer 1l'/jproceutigen Lösung), daraufhin ebensolange Waschungen mit Hagor'scher Flüssigkeit (Natr. carbon. 250,0; Ammon. chlorat. (10,0; Aq. font. 12 Liter; Acid, carbol., GUyoerin, ftä 100,0) täglich ausgeführt, um die spröde Haut weicher und milder zu machen. Das Letztere glückte auch, das Pferd schien nahezu hergestellt, als es am 120. Tage der Behandlung sich wiederum zu reiben anfing. Daraufhin wurde eine einmalige brüske Aetzung der Haut mit Karbolspiritus und von da ab wieder häufige Waschungen mit 2 procentiger Sublünatlösuug angewandt, welche endlich doch eine dauernde Heilung herbeiführten.
4) Endlich wurde ein ziemlich stark räudiges l'ferd nach 12 Subliniat-waschungen, sowie viermaligem Einreiben des Wiener Theerliniments, ausser-dem nach Anwendung von Karbolspiritus und Porubalsam in der relativ kurzen Zeit von 52 Tagen gebeilt.
2) Dermatocoptesräude. Dieselbe beginnt mit scharf umgrenzten, von Anfang an etwas grössereu Flecken an den mehr geschützten Körpersteilen, so besonders am Grunde der Mähne, am Schweife, im Kehlgange, am Schlauche und Euter, sowie auf der Innenfläche der Hinterschenkel; wir haben sie indess auch an anderen Stellen, so am Widerriste und auf dem Rücken und der Croupe gesehen. Die ersten Erscheinungen sind Knötcheu, welche eine entzündliche Reaction der Haut gegen die Stichverletzungen der Milben darstellen und aus welchen eine lymphartige Flüssigkeit aussickert, die zu einer Borke eintrocknet; ausserdem stellt sich vermehrte Epidermisabschuppung und Haarausfall ein. Die aus Schuppen und Borken gebildeten Auflagerungen können bei längerer Dauer bis zu Fingerdicke erreichen. Weiterhin verdickt sich allmählich die Haut, bekommt ein lederartiges Aussehen und legt sich in Falten. Das Juckgefühl ist auch hier ein ziemlich bedeutendes, ja es können sich in Folge des Reibens schwere Entzündungszustände der Haut mit tiefgehender Eiterung, Blutrünstigkeit U. s. w. hinzugesellen.
Die Diagnose der Dermatocoptesräude gegenüber der Sarcoptes-räude gründet sich ausser dem Nachweise der Milben auf die Vorliebe dieser Räudeform für geschützte Körperstellen, sowie .auf die Bildung scharf abgegrenzter Herde mit langsamerer Verbreitung. Es muss indess darauf hingewiesen werden, dass bei einer grösseren Ausdehnung die Aehnlichkeit des klinischen Bildes mit dem der Sar-coptesräude zuweilen eine ziemlich starke sein kann. Eine etwaige Verwechslung mit Eczema squamosuin (Schuppentlecbte) und Mähnen-griud lässt sich, abgesehen von der mikroskopiscluin Untersuchung,
|
:!quot;:
|
|||
|
|
||||
|
I
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
05a
|
liäudi! des l't'erdos.
|
||
|
|
|||
|
im Einblicke auf den mit der Räude einhergeheuden lebhaften Juckreiz und die anfänglich scharfe Abgrenzung der Räudeherde vermeiden,
Die Heilung der Dermatocopfcesrftude ist gegenüber der Sar-coptesräude meist, eine viel raschere, man kommt hier auch mit den leichteren Mitlein in relativ kurzer Zeit zum Ziele; jedenfalls genügt eine Behandlung mit Creolin- oder Karbolseife, sowie Creolin- resp. Karbolglycerin im Verhältniss wie 1:10, oder mit dem Wiener Theer-liniment; letzteres eignet sich indess weniger, wenn sehr dicke Borken aufliegen. Durchschnittlich kann man auch schwerere Fälle in 14 Tagen bis gt; Wochen heilen. Nur bei Hengsten, welche am oberen Ealsrande tiefe Faltenbildung zeigen, ist die Heilung zuweilen sehr schwierig und selbst unmöglich (Trasbot,).
3) Dematopliagusräude. Diese auch als Fussriludequot; bezeichnete Form ist durch eine vorwiegende Affection der Fussenden charakterisirt. Man findet sie am häufigsten in der Fesselbeuge, von wo sie auf die Köfhe, sowie die hintere und vordere Schienbeinfläche übergreift; sie kann so bis zum Sprunggelenk und Vorderknie, ja selbst bis zum Ellenbogen aufsteigen; in seltenen Fällen verbreitet sie sich auch über die Schulter, den Hals, den Unter- und Oberschenkel. Dabei ist ihre Entwicklung eine ausserordcntlicb langsame, so dass eine deutliche Weiterausbreitung erst nach Monaten erkennbar ist. Die Erscheinungen iiussern sich zunächst und es ist dies gewöhnlich das erste auffällige Symptom in einem anhaltenden, man möchte sagen krampfhaften, Stampfen und seihst Ausschlagen der Thiere, besonders bei Nacbt, sowie in Reiben und Benagen der Köthengegend. Untersucht man in Folge dessen letztere genauer, so findet man eine reichliche Epidermisabschuppung mit Haarausfall, wozu später die Bildung von Borken, Schrunden und Rissen kommt; die Haut wird spröde und rauh, verdickt sich und zeigt zuweilen bei längerer Dauer hornige, papillose Wucherungen. Die Diagnose dieser Fussräude ist durch den Sitz, die Epidermisabschuppung und das heftige Juckgefühl gesichert, das letztere unterscheidet sie auch von einer gewöhnlichen ekzematösen Mauke, Nur bei der ausnahms-weisen Verbreitung über den ganzen Körper ist eine Verwechslung mit Sarcoptesräude möglich, Die Behandlung besteht im Auftragen von Creolin- resp. Karbolglycerin, Karbolseife oder Theersalbe (1 : 1U); diese Mittel genügen, um jede Dermatopliagnsräude binnen kurzer Zeit zur Heilung zu bringen.
Megnin beschreibt die Dermatophagusräude als intermittirende Uiiudequot;; dieselbe soll besonders im Winter anftreten und im Frühjahr
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Baude des Sclmt'L's.
|
653
|
||
|
|
|||
|
vorsuhwiiidon. die Milben sollen indess wälirend dieser riiudet'reiüii Zeit lebend bleiben und sich von dem in der wärmeren Jahreszeit reichlicheren Hautsecret ernähren, während sie im Winter gezwungen sind, die Haut selbst anzugreifen. Nach Schwarz sind die häufigen Fesselwnnden /.um Theil durch die Unruhe der an Fussräude erkrankten Pferde bedingt, indem sie mit dem Fessel in der Halfterkette hängen bleiben.
|
|||
|
|
|||
|
b. Die Räude des Schafes.
Literatur. I. Dermatoooptesräade. 1) Walz, Natur und Behandlung der Schafrilude. Stuttgart 1812. 2) ilertwig, Magazin. 1835, 8) Mattbieu. Recueil de m6d, vet. 18.r)6. S. 484, 4)Oagnat, ibid. 1858. 5)D61afond, u. Bourguignon, ibid, 185(1. Vlt;) Douarieix, ibid. 1881, 7) Mollet, ibid. 1804. 8) Fdlizet, ibid, 1808. 9) Prietsch, Stichs. Jahresber, 1861, 1868, 186laquo;. 10) Zündel, Journal de Lyon. 1867. 11) Kehm, Repert. 1869. S. 115. 12) Müll er, Pütz'sche Zeitschr. 1875. S. 529.
18)nbsp; Bieohelmann, Preuss. Mittli. 1877/78. S, 06. 14)Ros8ignol, Revue vetör. 1880. 15) Beuoler, Bull. soc. vii. prat. 1879. 16) Ostertag, Anleitung z. Erkennung und Beurth. d. Sohafräude. 1882. 17) Schneide-mflbl. Die Sohafräude, Entstehung etc. 1885. 18) Kaiser, Hannov, Jahresbericht. 1888/84. S.l 10. Bannov.land-undforstwirthsohaftl.Zeitung.lSSS.Nr.lO.
19)nbsp; nbsp;Steinbaoh und Jakobi, Berl. Archiv, 1886. S. 70; 1889. S. 25.
20)nbsp; nbsp;Esser und Schrulle, ibid. 8. 71. 121. 21) Lies, Rundschau auf dem Gebiete der Tbiermedicin. 1886. S. 51; 1888. S. 19. 22) Dotter, Bad. thierärztl. Mittheil. 1888. S, 9, 23) Pröhner, Lehrbuch der thier-ärztliohen Arzneimittellehre, 1890. S. 228. 24) Feist, Blsass-Lothring. Vereinsbericht pro 1886. 25) Schilf fahrt, Wochenschr, f. Thiorheilkde.
1888.nbsp; S. 887. 26) II oben leitner, ibid. 1889. S. 125. 27) Jahresber. der bayer. Thierärzte, ibid. 1890. Nr. 81 f.; Deutsche Zeitschr. f. Thiermed.
1889.nbsp; nbsp;8. 150. 28) Heller, Berl. thierärztl. Wochenschr. 1889. S. ;M7. 29) Berichte der würtl. Oberamtstliicriir/.le, Ifepcrtor. 1889 n. 1890. Vei'gl. ausserdem die Literatur des allgemeinen Theiles.
II. Sarcoptesräude. I) Gerlach, Berl. Arch, 1877. S. 826. 2) Fröbuer. I. c 8) Delafond, Compt. rend, de l'Acad. des scienc. 1858. III. De r m ii topbag usräude. 1) Zürn, Adam's Wochensohr. 1874. 8. 121. 2) Scbleg, Sachs. Jahresber. 1877. 8. 88.
Statistisches. Das Schaf beherbergt wie das Pferd sümintliclie drei Milbengattungen; die weitaus wichtigste Uiiudefonn ist indess die Dermatocoptesräude, welche deshalb auch in erster Linie besprochen werden muss. Von welcher Bedeutung die Dcrmatocoptes-rihide des Sclnifes für die Landwirthschaft ist, beweisen die nacli-lolgenden Ziffern. Im Jahre 1884 sind in Deutschland räch Ausweis der Seuchenberichte nahezu 250,000 Schafe als räudig befunden worden, wovon auf Elsass - Lothringen allein fast 80,000, d. h. (U Proc. des gesummten dortigen Bestandes, fallen. In den Jahren 188quot;) 188S hat. Preussen zusammen 183,000, Bayern nahezu 100,000, Württemberg
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
C54
|
liilude dos Schilfes.
|
||
|
|
|||
|
über 00,000 räudekranke Schafe in seinen Seuchentabellen verzeichnet. Der Verlust an Schafen betrug dabei in Preussen allein fast 2000 Stück. In den Jahren 18871890 beträgt die Gesammtzahl der riludekranken Schafe in Deutschland 760,000, Am stärksten verseucht sind zur Zeit die Bezirke Kassel, Braunschweig, Hannover, Osnabrück, Hildesheim, Stade, Minden, Oberhessen und Lüneburg. Von dem Verluste an Wolle kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man die Angabe Fürstenber g's in Betracht zieht, wonach sich dieser Verlust allein im Kreise Greifswald auf jährlich 100,000 Mark beläuft; für ganz Deutschland berechnet, macht dies jährlich viele Millionen aus.
Pathogenese. Die Art und Weise der Uebertragung der liäudeinilben ist meistens eine directe; eine Ansteckung durch Vermittlung von Zwischenträgern ist weniger häufig. Am leichtesten geschieht die Uebertragung, wenn geschorene räudekranke Schafe in eine bewollte Schafherde eingestellt werden. Die Ansteckung erfolgt ferner leichter bei warmer Temperatur, also im Sommer, in warmen Ställen und beim Zusammenliegen, weil die Milben in der Wärme lebhafter werden und eher überwiindern.
Erscheinungen der Dermatocoptesräude. Die Lieblingsstellen der Dermatocoptesmilben sind die mit Wolle besetzten Körpergegenden, während die mehr nackten Partien, insbesondere der Kopf, ziemlich verschont bleiben. Weitaus am häufigsten wird die Gegend des Kreuzes und Schweif an Satzes, sowie von hier ausgehend der Rücken, die Seilenwandungen des Körpers, der Hals, die Schultern u. s.w. befallen. Der Ausschlag entwickelt sich immer von kleinen Stellen aus, welche je nach der Ansteckungsweisc entweder vereinzelt oder in verschiedener Anzahl über den Körper zerstreut sind. Der Gang der Entwicklung ist folgender;
Im Anfange siebt man, wenn die Wollhaare auseinandergescheitelt werden, hirsekorngrosse flache Knöfchen von blassgelber bis röth-licher Farbe, welche durch den Stich der Milben erzeugt sind und je nach der Menge der letzteren bald nur vereinzelt vorgefunden werden, bald zu grösseren, selbst thalergrossen, dach prominirenden Flecken confluiren; die Haut ist in der Umgebung höher gerothet und die ganze Stelle beim Befühlen anfangs schmerzhaft. Auf der Höhe der Knötchen entstehen bald Bläschen und kleine Pusteln, welche platzen oder eintrocknen; gleichzeitig stellt sich eine lebhafte Epidermis-abschuppung ein, welche mit dem reichlicher abgesonderten Fett-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Uilude dos Schafes.
|
055
|
||
|
|
|||
|
schweisse eine gelbliche Auflagerung bildet und in Verbindung mit dem Exsudate der Bläschen und Pusteln eine oft sehr dicke und harte gelbbraune lliiudeborke darstellt, unter welcher die Räudemilben sitzen; auf einer geschorenen Haut nimmt die Käudeborke eine pergamentartige Beschaffenheit an. Die in ihrer Wurzel gelockerten Wollhaare werden durch die aus den Knötchen heraussickernde Flüssigkeit verklebt; die Riludcborke wird gleichzeitig mit dem Wachsthum der Wolle ebenfalls in die Höhe gehoben. Das Wollvliess wird all-m'ählich zottig und flockig, und es erheben sich grossercopy; oder kleinere Wollbüschol über die Oberfläche, welche schliesslich ausfallen oder abgestreift werden; die einzelnen Wollhaare sind glanzlos, von blasser Farbe und leicht ausziehbar. Die Haut unter den Borken hat ihren Glanz und ihre Glätte verloren, sie ist rauh und trocken, runzelig zusammengeschrumpft, schwartenartig verdickt, mit Schrunden und Rissen, und in Folge des Reibens auch mit Geschwüren besetzt.
Neben diesen localen Veränderungen auf der Haut ist ein sehr starker Juckreiz zu beobachten; derselbe bildet gewöhnlich die erste auffällige Erscheinung der Schafräude. Die Thicre reiben, kratzen, nagen, kneipen und rupfen sich an den erkrankten Hautstellen, schütteln und wälzen sich, senken den Rücken ein und zeigen, besonders wenn sie gerieben werden, eigenthümliche Erscheinungen des Wohlbehagens: sie bebbern (zittern) mit den Lippen, kratzen unwillkürlich mit dem Hinterfusse, machen eigenthümliche Kopf bewegungen, knuppern jnit den Zähnen, bewegen den Schweif krampfhaft, und drücken gegen die reibende Hand. Das Juckgefühl ist am stärksten in der Wärme, so in feuchtwarmen Stallungen oder bei grosser Sonnenhitze, nach der Bewegung, sowie gegen Abend. Das anhaltende Reiben beschleunigt den Ausfall der Wolle und führt zu mehr oder weniger schweren entzündlichen und geschwürigen Affectionen der Haut.
Bei grösserer Ausbreitung des Räudeausschlages magern die Thiere in Folge der steten Aufregung, der Säfte Verluste und der Behinderung des Fressens und Wiederkauens bedeutend ab. Schwächliche Thiere erliegen deshalb nicht selten dem Leiden (Hydrämie, allgemeine Cachexie).
Der Verlauf der Krankheit zeigt besonders im Herbst und Winter eine deutliche Verschlimmerung, während er durch die Schur und Wäsche erheblich eingedämmt wird; ausserdem scheint die feinere Haut der edleren Rassen intensiver zu erkranken, als die des gemeinen Landschafes.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
05t)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Hilude des Sclmfes.
Diagnose. Für die Erkennung der Rftude sind die nachstehenden Punkte von Wichtigkeit. 1) Der Nachweis der Ansteckung oder der grüssereii Ausbreitung einer Hautkrankheit innerhalb einer Herde. 2) Der charakteristische Juckreiz, die Unruhe verschiedener Thiere bei Betrachtung der Gesanmitlierde; hiebei muss indess bemerkt werden, dass bei stärkerem Reiben seitens des Untersuchenden öfters kein Jucken, sondern nur Schmerzgefühl beobachtet wird, wie dies auch häufig im Beginn des Uäudeausschlages der Fall ist, dass ferner Schäfer durch festes Andrücken der von dem Thierarzte zu untersuchenden Schafe die Aeusserungeu des Wohlbehagens hintanzuhalten verstehen, oder durch die Anwendung scharfer Mittel den Juckreiz ganz zu beseitigen im Stande sind. 3) Die Beschaffenheit der Wolle; insbesondere ist die flockige, zottige Besohaifenheit des Woll-vliesses, das leichte Ausgehen der Wollhaare, das stellenweise Kahlwerden der Haut verdächtig. I) Die genaue Untersuchung der Haut; dieselbe hat sich vor Allem auf die Gegend des Kreuzes, Schweifansatzes, Kückens und der Schulter zu erstrecken, wobei diese Partien mit den Fingerspitzen sorgfältig abzutasten und die Haut durch Auseinanderscheitelraquo; des Wollstapels freizulegen ist. Auch etwaige Verfärbungen der Wolle durch bereits von den Schäfern angewandte Mittel, sogen. Schmierflecken oder Schmierplatten, sind wohl zu beachten. 'lt;) Völlig gesichert wird die Diagnose indess nur durch den mikroskopischen Befund der Milben,
Differentialdiagnose. Mit der Dermatocoptesräude können verwechselt werden:
1)nbsp; nbsp;Die sogen. K egenfäule, ein durch die Einwirkung anhaltender Nässe auf die Haut entstehendes Ekzem, welches wie die Räude eine grössere Ausbreitung über die ganze Herde zeigen kann. Die rasche Abheilung des Ekzems indess bei trockener Witterung oder bei Stallaufenthalt, die geringgradigen Hautveränderungen, der mangelnde Juckreiz in Verbindung mit der Entstehungsweise lassen eine Unterscheidung leicht zu.
2)nbsp; nbsp; Anderweitige parasitäre Hautausschläge, besonders durch Haarlinge und Lausfliegen bedingte; eine genaue Untersuchung der Wolle und Haul schützt hier vor jeder Verwechslung,
'#9632;'lt;) Uebermilssige Ansammlung von Wollfett, wodurch die Haare unter Umständen ebenfalls verklebt werden; abgesehen von dem fehlenden Juckreiz ist die Haut hier bei einer genauen Untersuchung vollständig rein, glatt und glänzend.
|
||
|
|
||
|
,
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Räude iIch Schafes.
|
857
|
||
|
|
|||
|
4) Die schon erwähnten absichtlichen Anätzungen der Haut durch Hcluirf'ii Mittel lassen sich tiicils durch die Farbe des Aetzmittels, theils durch die intensiven, gleichmässigen Aetzschorfe immerliin nachweisen, wenn auch ihre Unterscheidung von Fläudeborken zuweilen Schwierigkeit bereitet; auch kann der weitere Verlauf und die mikroskopische Untersuchung genügend Aufschluss gelten.
Therapie. Man unterscheidet bei der Behandlung der Schaf-riiude zwischen der sogen. Sclini iercur und Badecur. Die erstere ist ein lediglich provisorisches Curverfahren, das nur als Vorbereitung für die Badecur und zu gewissen Zeiten, /,. B. im Winter, angezeigt ist, wenn nämlich die Badecur nicht vorgenommen werden kann; sie besteht in dem Einreihen umschriebener Häudeherde mit railben-tödtenden Salben oder Linimenten etc. (Karbolseife, Karbolöl, graue Quecksilbersalbe, Tabakslauge, Petroleum). Diese Schmiercur ist für eine Radicalheiluug aus dem einfachen Grunde nicht ausreichend, weil dabei nur die sichtbar erkrankten Hautstellen behandelt werden, während die kleineren, über den Körper etwa zerstreuten Häudeherde unbehelligt bleiben. Bezüglich der Anwendung der grauen Quecksilbersalbe als Schmiermittel ist von mehreren Seiten auf die giftige Wirkung derselben hingewiesen worden, welche sich selbst auf die Lämmer der damit eingeriebenen Schafmütter erstrecken kann; sie wird deshalb besser durch andere, unschädlichere Mittel ersetzt.
Für die Badecur ist eine Reihe von Häudebädern eingeführt, deren Werth indess verschiedenartig beurtheilt wird; dieselben sind der Hauptsache nach folgende:
1)nbsp; nbsp;Die sogen. Walz'sche Lauge, das älteste, von dem Entdecker der Dermatocoptesmilbe eingeführte Häudebad. Es besteht aus 4 Theilen gebranntem Kalk. 5 Theilen Pottasche (oder (30 Theilen Holzasche), 6 Theilen stinkendem Thieröl, 8 Theilen Theer, 200 Theilen Rinderharn und 800 Theilen Wasser. Die Walz'sche Lauge ist zwar das billigste aller Räudebäder, wird aber von der Mehrzahl der Beobachter als zu schwach wirkend erklärt, indem besonders schwerere und ältere Riiudefiille damit nicht geheilt werden können; auch wird die Wolle dadurch braun gefärbt. Sie ist daher zwec k massig eigentlich nur als Vorbereituugsbad für eines der nachfolgenden stärkeren Räudebäder zu benutzen.
2)nbsp; nbsp;Das Gerlacll'sche Häudebad zerfällt in ein Vorbereitungs-bad, bestehend aus 2 Theilen Pottasche, 1 Theil gebrannten Kalk und 50 Theilen Wasser, und das eigentliche Räudebad, bestehend in einer oprocentigen Tabaksabkochung; die letztere wird nach Roloff besser
Kriedborger u. Frölinor, l'alliol. u, Therapie d, llimsthicic. 1. Bd. :t Aufl. 4-_'
|
|||
|
|
|||
|
I
|
|||
|
|
||
|
(5,r)8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Räude des Schafes.
ftprocentig genommen. Das Gerlach'sche lläudebad wird allgemein, besonders seit der Roloff'schen Modification, als sehr wirksam bezeichnet. Seine Herstellungsweise ist indessen eine sehr umständliche, auch greift das Vorbad die Hände stark an.
3)nbsp; nbsp;Das Ziindel'sche Räudebad besteht aus 1,6 kg roher Karbolsäure, 1 kg gebrannten Kalk, je 8 kg Soda und Schmierseife, sowie 260 Liter Wasser und reicht für 100 Schafe. Das sehr billige Bad (ca. 2 Mark) wird nach Kayser, Ostertag u, A. mit Vortheil dadurch verbessert, dass man statt gewöhnlichen Wassers eine 2procen-tige Tabaksabkochung nimmt (5 kg Tabak auf 250 Liter Wasser), wodurch der Preis allerdings verdreifacht, die Wirkung aber bedeutend erhöht wird; das Bad ist dann gewissermassen eine Combination des Gerlach'schen und Zundel'sohen. Eine ähnliche Zusammenstellung hat die kgl .preussischeundbayerische Regierung früher empfohlen. Darnach werden T1/^ kg Landtabak in 250 Liter Wasser eine halbe Stunde lang gekocht, und der wannen Flüssigkeit je 1 kg reine Karbolsäure und Pottasche hinzugefügt; Kostenpreis 11 Mark. Auch dieses sonst wirksame Bad ist sehr umständlich zu bereiten und kann zu Vergiftungen der gebadeten Schafe Veranlassung geben. Von Kayser ist endlich die Verwendung derNikotina, einer Art Tabakslauge, empfohlen worden.
4)nbsp; nbsp;Die von Tessier und Mattlüeu eingeführten Arsenikbäder haben eine ausserordentlich verschiedenartige Beurtheilung erfahren; einestheils wird die Gefährlichkeit, anderentheils die ganz vorzügliche Wirkung hervorgehoben. Indess scheinen die zahlreichen Vergiftungen zum Theil auf eine unvorsichtige Anwendung der Bäder, insbesondere unmittelbar nach der Schur, zurückzuführen sein. Die beim Scheeren immer mehr oder weniger erzeugten llautverletzungen müssen jedenfalls vollständig abgeheilt sein. ehe die Thiere gebadet werden; man wendet deshalb die Bäder immer erst 8 14 Tage nach der Schur an. Die Tessier'sche Mischung besteht aus l1/raquo; kg Arsenik und 10 kg Eisenvitriol auf 100 Liter Wasser. Das von Trasbot modificirte Tessier'sche Bad besteht aus 1 kg Arsenik, B kg Zinkvitriol, V2 kg Aloe und 100 Liter Wasser; dieses Bad wird in Frankreich häufig angewandt. Matthieu nimmt statt des Eisenvitriols Alaun (1 kg Arsenik, 10 kg Alaun, 100 Liter Wasser). Das Arsenik-Alaunbad hat sich besonders in Württemberg und einzelnen Gegenden Bayerns Eingmig verschafft. Kehm nimmt lja kg Arsenik und 6 kg Alaun auf 100 Liter Wasser. Von Wichtigkeit ist dabei, dass der Arsenik für sich vorher in siedendem Wasser vollständig gelöst wird.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
HiUuk' des Schafes.
|
869
|
||
|
|
|||
|
(lumit Anätzungen mit demselben vermieden werden. Auch Putscher empfiehlt diese Arsenikbäder (mündl. Mittheiiung), hat indess immer ein Reinigungsbad mit Schmierseife vorausgeschickt und in schwereren Fällen fast immer 3 Bäder für nothwendig befunden, zwischen welchen eine Dtägige Pause eingeschoben wurde.
6) Das von Fröhner empfohlene und durch Erlass der kgl. preus-sischen Regierung vom 28. Februar 1889 vorgeschriebene Creolinbad wird in nachfolgender Weise ausgeführt. Die Schafe werden womöglich geschoren. Unumgänglich nothwendig ist die Schur vor der Creo-linbehandlung jedoch nicht; es lassen sich vielmehr räudige Schafe mit gutem Erfolge und ohne Benachtheiligung des Wollstapels nöthigenfalls auch in der Wolle baden. Nach der Schur werden die sichtbar räudigen Körperstellen, namentlich die Kreuz-, Rücken- und Halsgegend einige Tage (35) hindurch bis zur Aufweichung der Borken mit einem Greolinliniment eingerieben. Das Creo-linliniment besteht aus einem Thoil englischem Creolin, einem Theil Spiritus und acht Theilen grüner Seife. Diese Einreibung bildet einen integrirenden Bestandtheil des Curverfahrens (vorbereitende Schmiercur).
Die auf diese Weise vorbereiteten Schafe werden nun 2mal mit einer wässerigen Lösung von englischem Creolin gebadet; zwischen dem ersten und zweiten Bade liegt ein Zwischenraum von 7 Tagen. Die Badeflüssigkeit ist eine 2l/laquo;procentige Creolinlösung in Wasser (O,!) Liter englisches Creolin auf 250 Liter Wasser für 100 Schafe); sie wird durch einfaches Zugiessen des Creolins zum erwärmten Wasser (30deg;) und Umrühren desselben hergestellt. Jedes Bad dauert 3 Minuten; nach jedem Bade wird das betreffende Schaf mindestens 3 Minuten nachdrücklich mit Bürsten am ganzen Körper gerieben und schliesslich noch einmal einige Secunden ins Bad eingetaucht. Das Halten des Schafes im Bade, sowie die übrigen Manipulationen sind dieselben, wie bei den anderen Räudebädern. Während der Behandlung hat man sich vor jeder Uebereilung zu hüten, und es sind namentlich die angestellten Arbeiter immer bezüglich der richtigen Ausführung oben genannter Massregeln zu controlliren. Die Kosten eines Bades betragen 8 Mark (gegenüber 11 Mark beim Karbolsäure-Tabaksbad). Ein drittes Räudebad wird nur bei ungenügender Durchführung der beschriebenen Massregeln nothwendig werden. Das Creolinbad dürfte sich von den anderen Räudebädern hauptsächlich durch seine Un-giftigkeit, einfache Bereitungsweise und Billigkeit (25 Liter a 1 M. 20 Pf.) vortheilhaft unterscheiden. Auch die Wolle wird durch
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
(3(JUnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Räude des Schafes.
Cieolin weder verfärbt, noch sclnullioh beeinttusst, wie dies beim Tabak, Arsenik etc. immer der Fall ist.
Das genauere Wäsche verfahren bei allen Räudebädern ist folgendes. Nachdem die Thiere geschoren sind, lässt man bis zur Vornahme des Bades '.]I Tage, bei Arsenikbädern 814 Tage vorübergehen. Die Temperatur des Bades soll ca. 30deg; R. betragen; pro Schaf werden 215 Liter Flüssigkeit gerechnet. Sowohl zu kaltes als zu heisses Wasser ist zu vermeiden. Es müssen sämmtliche Schafe der Herde, auch die scheinbar gesunden, und zwar diese zuerst, gebadet werden: dabei ist der Körper vollständig, mit einziger Ausnahme der Augen, sowie der Nasen- und Mundöffnung in die Badeflüssigkeit einzutauchen. Die Dauer des Bades beträgt 3 Minuten. Der Badezuber wird in der Nähe des Stalles an einem kühlen, schattigen Platze aufgestellt, oder besser theilweise in den Boden versenkt, unmittelbar daneben kommt der Abreibezuber zu stehen; jedes Schaf wird von zwei Männern in der Weise gebadet, dass der eine die Vorder- und Hinterfüsse, der andere den Kopf erfasst und besonders die Augen durch das Auflegen der Daumen auf dieselben schützt, darauf wird das Thior mit dem Rücken nach abwärts in die Badeflüssigkeit eingesenkt. Unmittelbar nach dem Bade wird dasselbe in dem daneben stehenden Abreibezuber von zwei weiteren Männern nachdrücklich gebürstet, gerieben und das Vliess durchgegriffen, wobei vor Allem der Rücken, die Kreuz- und Steissgegend zu bearbeiten sind, worauf es noch einmal kurze Zeit in das Bad eingetaucht und dann entweder in einen reinen Stall oder in eine sonnige Hürde verbracht wird. Jede Durcimässung durch zufällig eintretenden Regen ist dabei zu vermeiden, indem dieselbe die Gefahr einer Erkältung mit sich bringt und ausserdem durch Abschwemnnmg der Badeflüssigkeit die Wirkung des Bades vereitelt. Selbstverständlich darf die Badecur überhaupt nur bei warmer Witterung vorgenommen werden. Nach dem Bade müssen die bisher benutzten Stallräumo ebenfalls des-inficirt werden. Nach Ablauf einer Woche wird dann das zweite und nach 14 Tagen nöthigenfalls das dritte Räudebad vorgenommen; zwei sind unter allen Umständen nöthig. In der Zwischenzeit werden etwa neu auftretende Räudeherde örtlich bekämpft; ausserdem muss auch nach Beendigung des ganzen Wäscheverfahrens die Herde sorgfältig längere Zeit hindurch beaufsichtigt werden; endlich ist womöglich die bisherige Weide und Triebroute zu vermeiden.
Sarcoptesräude der Schafe. Dieselbe hat muh (Jeriaeh's und unseren eigenen Beobachtungen ihren Sitz ansschliesslich auf den unbe-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Räude des Rindes,
|
661
|
||
|
|
|||
|
wollten T li fi i 1 o n des K o p f e s (daher auch Kopfräude dos Schafes genannt) , nur sehr selten werden die Beine ergriffen. Die Lieblingsstellen sind die Lippen, die Lipponwinkel, der Nasenrücken, das Kinn, die Umgebung der Augen, die Backen und die ilussere Fläche der Ohrmuscheln; an diesen Stellen findet man fest aufsitzende '/a1 cm dicke graue Borken ; meist ist starker Juckreiz vorhanden. Bei warmer Jahreszeit verbreitet sich der Ausschlag fast über den ganzen Kopf, bei kalter Witterung geht er zurück. Das Leiden bedingt keinen weiteren Nachtheil und kann durch das Creolinliniment oder starke Tabaksabkochuiig geheilt worden. Die künstliche Uobertragung auf die bewollto Haut eines Merinoschafes hatte nur eine vorübergehende Hautentzündung zur Folge.
Eine der Ziegenräude sehr ähnliche Sarcopti^sräude hat ferner Roloff (Berl. Arch. 1877, S. 311) bei Fettsteissschafen beobachtet (steinharte, panzerartige Borken am Kopfe und an anderen Körporstellen). \roii Räudeniitteln bewährten sich am besten Kreosot oder Karholsäure in Cilycorin.
Dermatophagusräude dos Schafes. Diese auch als Fussräudequot; des Schafes bezeichnete liäudeform befällt die Unterfüsse und kann bis zum Hodensack und Euter aufsteigen. Dabei besteht Juckreiz, Epidermisab-schuppung und Borkenbildung.
|
|||
|
|
|||
|
c. Die Räude des Rindes.
|
|||
|
|
|||
|
Literatur, 1) Oohier, M6m, et, observ, 1813 a. 1815. 2) Oarröve, Journal du Midi. 18B8. 3) Dclafond, Compt. renü. de l'Acad, des scienc. 1857. 4) Müller, Magazin. IBOO. S. 90. 5) König, Sachs. Jahvesber, 1873. S. 80. 0) Rabe, Hannov. Jahresbericht. 1875. 8.78. 7) ühlig, Sachs. Jahresber. 1878. S. 78. 8) Polstouohow, Petersburger Archiv für Ve-terinärmedicin. 188ü.
1) Dermatocoptesräude. Die Lieblingsstellen dieser häufigsten Räudeform des Rindes sind die Seitenflächen des Halses, die Genickgrube und die Schwanzwurzel; von hier breitet sie sich über den Rücken, die Seitenbrustwandungen, die Umgebung der Hörner, die Schulter u. s. w., ja selbst über den ganzen Körper aus. Die wesentlichsten Erscheinungen sind: Knötchen, Exsudation von Flüssigkeit, vermehrte Epidermisabschuppung, Haarausfall, starkor Juckreiz, sowie die Bildung sehr trockener, graubrauner Borken. Die Haut wird schliesslich lederartig verdickt, rauh und runzelig. Müller beobachtete eine wesentliche Verschlimmerung der Krankheit im Winter und entsprechende Besserung im Sommer. Bei Ausdehnung des Ausschlags über den ganzen Körper magern die Thiere ab und gehen zuweilen sogar zu Grunde. Roll hat diese Räudeform auch bei Büffeln gesehen. Es scheint, dass die Dermatocoptesräude auch zusammen mit Dermatophagusräude auftritt (Müller). Die Behandlung ist dieselbe wie bei anderen Thieren; beispielsweise haben sich das Kreosot und Tabaksabkochungen sehr wirksam erwiesen.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
G02nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Räude dor Ziege.
2)nbsp; Dermatophagusräude. Diese auch als Steissräudequot; bezeichnete Form kommt meist nur in den Gruben seitlich vom After, sowie in der Umgebung der Schweifwurzel vor, kann sich jedoch auch über den ganzen Körper (Rücken, Hals, Innenfläche der Schenkel) ausbreiten, wenn die Hautpflege eine sehr vernachlässigte ist; diese Fälle sind jedoch nicht bäufig. Ebenfalls selten breitet sie sich nach abwärts, auf den unteren Theil der Füsse aus (Fuss-riludequot;). Der Befund von Dermatophagen bei der Schlempemauke, welche nach liabe's Auffassung nichts anderes als eine Dermatophagus-räiule darstellt, ist nach Johne von untergeordneter Bedeutung, indem Dermatopbagusinilben auch ohne Ausschlag bei ganz gesunden Tbieren
|
|||
|
|
|||
|
6
|
efunden werden: immerhin aber ist es möglich . dass der durch die
|
||
|
|
|||
|
Schlempefütterung hervorgerufene Ausschlag die Ausbreitung einer gleichzeitig vorhandenen Dermatophagusräude beschleunigt.
Die Erscheinungen bestehen in Auflagerung von Schuppen und Borken, Ausfallen der Haare, sowie Juckreiz; der Ausschlag kann indess jahrelang ohne weitere Belästigung der Thiere, sowie ohne wesentliche Ausbreitung bestehen; die Ansteckungsfähigkeit ist eine sehr geringe. Eine Behandlung wird selten verlangt; wie beim Pferde genügen die leichteren Räudemittel (Karbolseife, Creolin-salbe, Tbeersalbe).
3)nbsp; nbsp;Sarcoptesräude. Dieselbe ist beim Rinde ausserordentlich selten und wird offenbar nur durch räudige Pferde übertragen. Sie stellt daher keine selbständige Räudeforin dar und bedarf auch keiner weiteren Schilderung, indem die Symptome im Wesentlichen dieselben sind wie beim Pferde,
|
|||
|
|
|||
|
d. Die Räude der Ziege.
hiteratnr. 1) Wallraff, Repevtor. 1854. S. 297. 2) Klingau, Oesterr. land-wirthsdialtl. Wochenblatt, 1870. Nr. 88. 8) Hable, Oesterr, Vierteljahrs-schrift. 1877. S. 5:5. 41 Kolon'. Berlin. Archiv. 1877. S. 811. 6) Krait, The Veterinär. 1890. 6)Mollereau, Bull. sog. cente. vöt. 1888. 7)lJcziis Revue vcHör. 1880. 8) Mögnin u. Railliet, Recueil vot. 1890.
Die Sarcoptesräude der Ziegen, die gewöhnliche Räudeform dieser Thiere, befällt anfangs nur die schwachbehaarten Stellen, so besonders den Kopf (Lippen, Nase, Ohren), bi-eitet sich aber bald über den ganzen Körper aus. Sie ist charakterisirt durch die Auflagerung grauer, kleionartiger Schuppen, sowie blaugrauer, fischschuppen-ähnlicher, harter, zerklüfteter Borken. Die Haut wird dabei
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Räude des Schweines.
|
663
|
||
|
|
|||
|
verdickt, rissig und runzelig, grau, pergamentartig, und zeigt allmählich grosser werdende kahle Stellen, so dass die Thiere oft ganz nackt sind; ausserdem besteht starkes Juckgef'ühl. Die Ziegenräude scheint nicht sehr selten zu sein; in Oesterreich erkrankten in einem Zeiträume von 10 Jahren (18771887) nahezu 12,000 Ziegen an Räude. Die Krankheit hat bei Ziegen leicht einen tödtlichen Ausgang; so beobachtete Wallraff unter 1Ü00 erkrankten Thieren 500, desgleichen Klingau in einer Gemeinde innerhalb eines Jahres 100 Todesfälle. Die Milbe scheint sehr leicht auf den Menschen überzugehen; Wallraff fand so innerhalb einer Gemeinde nahezu sämmtliche Familien angesteckt, lioloff übertrug die Räude ausserdem auf Schafe mit kurzem Haar (Somali) und schlichter, schweissarmer Wolle (Fettsteiss-schafe). Bezüglich der Behandlung sind Bäder zu vermeiden, weil sie von den Ziegen schlecht vertragen werden; man wendet daher Creolinsalben, Theersalben. Schwefelsalben, Karbolglycerin u. s. w. an. Von französischen Beobachtern (Megniu u. A.) ist auch eine Dermatocoptesräude (ftusserer Gehörgang), sowie eine Derma-tophagusräude (Rumpf) bei Ziegen constatirt worden.
|
|||
|
|
|||
|
e. Die Räude des Scliweines.
Literatur, l) Delafond, Beoueil de mamp;l, vet. 1867. 2) Müller, Oesterr, Vkn-teljahrssclir. 181)4. S. 86. 8) Kooourek, ibid, 1805. S. 82. 4) Siedam-grotzky, Stichs. Jahresber. 1877. 8. 66. 5) Walther, ibid. 1889. S. TJ. 0) Sohnle, Repertorium. 1891. Heft 8.
Die Sarcoptesräude des Schweines (S. squamiferus) befällt zunächst den Kopf, besonders die Augengruben, die Augenlider, die Backen, die Ohrgegend, und geht sodann auf den Hals, den Rücken, die Innenfläche der Schenkel, sowie schliesslich auf den ganzen Körper über. Man findet die genannten Stellen anfangs von kleienartigen Schuppen, Bläschen und Pusteln, später von starken, bis zu 1 cm dicken, weissgrauen oder silberglänzenden Borken bedeckt, so dass die Thiere zuweilen wie mit Guano bestreut erscheinen. Die Haut ist verdickt, runzelig, sehr derb und fest. Die Borsten sind gelockert oder ausgefallen, zuweilen auch zu Büscheln verklebt. Unter den Borken sitzen Milben, welche indess am lebenden Thiere schwer aufzufinden sind. Die Behandlung besteht in dem Aufweichen der Borken durch Schmierseife oder Glycerin, sowie in dem Einreiben einer Theer- oder Schwefelsalbe.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
(564nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Riiude des Hundes.
Die llilnde der jugendlichen Schweine wird zuweilen auch mit dem Namen ,Russ der Ferkelquot; bezeichnet, welcher für gewöhnlich ein nicht-parasitilres Ekzem darstellt (vergl. S. 003). Dass, wie Sohnle glaubt, der Rirssquot; immer durch Sarooptesmilben bedingt wird, ist unwahrscheinlich.
f. Die Räude des Hundes.
Idtenitur. I. Sarcoptesräude. 1) Isnard, Journ, de Lyon. 1854. 2) IMllwax, OesteiT. Viertoljahrsschr. 18Ö0. S. 21j 1862. S. 20. 3) l'rietsch, Sachs. Jahresber. 18(14. S. 70. 4) Siedamgrotzky, ibid. 1871. 72. 75. 82. 83. 5)Friedbergei'1 Münoh. Jahi-esber. 187;!. S. 48. 1886/87. S. 88. ti) Hert-wig. Die Krankheiten der Hunde. 1880. S. 285. 7) Josias, Recueil. 1885. 8) l'rietsch. Sachs. Jahresber, 1880. S. 71. 9) Leonhard, Berliner Archiv. 1880. S. 292. 10) Rabe, Adam's Wochenschrift. 1887. S. Ti. 11) Frölmer, Berliner Archiv. 1887. S. 841 i Monatshefte f. prakt. Thier-heilkunde. 2. Bd. S. 49. 12) Albrecht, Woohenschr. f. Thierheilkunde. 1888. S. 329. 13) Riedinger, ibid. 1890. S. 472. 14) Noack. Sachs. Jahresber. 1884. S. 83. II. D erm a tophagusrä u de, sogen. Ohrrftude. 1) Hering, Verhandig. der Leopold. Carol. Akademie. 1836. 2)Bendz, Ref. Repertor. 1863. S. 66. 8) Zürn, Adam's Woohenschr. 1874. S. 277. 4)Quzzoni, Ref. Repertor. 1877. S. 201. 5) Nocard, Recueil de med. vct. 1881; Academ. de med. 14. Avril 1885. 0) Megnin, liull. soe. ceutr. vet. 1878; Hull. soc. biolog. 1881. 7) Railliet, Diet. vet. 1888. Bd. 16.
Vorkommen. Die Sarcoptesräude der Hunde ist in Deutschland ein ausserordentlioh häufiges Leiden. In Berlin z. B. sind 10 Proc. aller kranken Hunde mit Hände behaftet. So befanden sich z. B. unter 40,000 in den Jahren 1886/90 dem Hundespitale der Berliner Schule zugefülirten kranken Hunden nahezu 4000 mit Sarcoptesräude behaftete (Fröhner). In München betrug die Zahl der räudigen Hunde im Jahre 18S0 1(5 Proc. aller innerlich kranken, poliklinisch behandelten Hunde (Priedberger). In Köln ist über die Hälfte aller Hunde von der Räude ergriffen (Sticker). Eine ähnliche Verbreitung wie in Berlin hat die liäude in Stuttgart (Hoffmann) und Dresden (Müller). Zu dieser beträchtlichen Verbreitung tragen namentlich die Hundeasyle, die Zueilt- und Dressuranstalten das ihrige bei.
Symptome. Die Hunderäude (Sarcoptes squamiferus) beginnt meistens am Kopfe, und zwar am Nasenrücken, am Grunde der Ohren, an den Augenbogen, ausserdem werden mit Vorliebe der Bauch und die Unterbrust, die Gegend der Ellenbogen, die Schwanzwurzel und die Pfoten befallen; der Ausschlag kann jedoch auch an anderen Körperstellen, z, B. an der Haut der Genitalien zuerst beginnen. Gewöhnlich breitet sich die liäude rasch über den ganzen
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Iiiimk lt;1(W Hnnflcs,
|
665
|
||
|
|
|||
|
Körper aus, so class nach Ablaut' eines Monatos die gesummte llaut-oberHiiche davon befallen ist. Das Krankheitsbild ist je nach der Widerstandsfähigkeit der Haut ein verschiedenes.
Die ersten Erscheinungen sind l'lolistichilhnliclie, rot.iie Flecken, welche besonders auf unpigmentirter Haut, sowie auf der zarten Haut des Bauches und der innenfläehe der Schenkel sichtbar werden; ausserdem ist die Haut in Folge des Reibens und Kratzeus oft auch diffus hölier geröthet. An der Stelle dieser Stippcben sind nach kurzer Zeit hirse- bis linsengrosse Knötchen sichtbar, welche sich in Bläschen verwandeln können; letztere sind oft sehr zahlreich über den ganzen Körper zerstreut und bedingen nach ihrem Aufplatzen ausgebreitete nässende Stellen (sogen, nasse Hände); in anderen Fällen jedoch verläuft der Ausschlag vollständig trocken, indem es nur zu reichlicher Epidermisabsohuppung kommt 'sogen, trockene Räude). Seltener verwandeln sich die Bläsehen in Pusteln und zwar besonders auf der feinen Haut des Unterbuncbes und der Innenschenkel; diese Pusteln lassen oft ein nadelstichgrosses dunkles Centrum, den Sitz der Räudemilbe, erkennen. Bläschen und Pusteln trocknen bald zu graugelben Krusten ein, die Oberhaut schuppt sich dabei sehr lebhaft ab, die Haare fallen aus, so dass grosse kahle Stellen entstehen, die Haut selbst wird im weiteren Verlaufe verdickt, bekommt Runzeln und Falten, sowie in Folge des Ueibens Schrunden und Risse. Am häufigsten findet man so die Haut des Kopfes und Halses in zahlreiche Falten gelegt, was den Thieren ein eigonthüm-liches Aussehen gibt. Die Hautveränderungen sind von einem sehr starken Juckreize begleitet, welcher besonders im warmen Zimmer, in der Nähe des Ofens, sowie nach jeder Aufregung oder körperlichen Anstrengung sehr hochgradig ist, und dessen Befriedigung die Thierc zu beständiger Unruhe antreibt. Keibt oder kratzt man die erkrankten Hautstellen, so äussern die Thiere ein Wohlbehagen und scharren mit dem einen oder anderen Fuss unwillkürlich mit. Bei längerer Dauer und grosser Ausbreitung des Leidens magern die Hunde stark ab; schwächliche Thiere können wohl auch daran zu Grunde sehen.
|
|||
|
|
|||
|
Diagnose. Der heftige Juckreiz, der häufige Beginn des Leidens am Kopfe, die rasche Ausbreitung, die üebertrag-barkeit auf andere Thiere, ja selbst auf den Menschen, die runzelige Beschaffenheit und Kahlheit der Haut, die Auflagerung von Schuppen und Borken, die Vorliebe des Ausschlags für die Ohren, die Unterbrust, den Unterbauch, die Ellenbogen, die Innen-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
()()0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Räude des Hundes.
fläche der Schenkel sind wichtige diagnostische Kennzeichen der Sarcoptesräude. Der sicherste diagnostische Beweis, der mikroskopische Nachweis der Milben, ist indess meist sehr schwer; vermöge ihres tiefen Sitzes sind dieselben sehr geschützt, so dass man, um sie zu linden, auch die tieferen Schichten der Haut mit den Borken entfernen muss. Zu diesem Zwecke schabt man die Krusten entweder mit einem scharfen Messer ab, bis sie bluten, oder nimmt kleinere oberHächllclie 1 lautschnitte mit der Schere weg; auch kann man die Milben durch Einwirkung von Wärme hervorzulocken suchen, indem man die Thiere in die Nabe eines warmen Ofens bringt, mit einer wollenen Decke versieht u. s. w. In anderen Fällen, besonders bei dicker Krustenbildung, sind die Milben leichter nachzuweisen; als letztes diagnostisches Hilfsmittel kann auch das Aufbinden der R.äude-borken auf den menschlichen Arm versucht werden. (Sehr leicht sind die Milben am todten Thiere nachzuweisen.)
Differentialdiagnose. Am häufigsten wird die Sarcoptesräude
mit dem Acarusausschlage verwechselt: beide sind ansteckend, verlaufen mit Knötchenbihlung Und Kahlwerden der Haut, mit reichlicher Epidermisabschuppnng u. s. w. Die wesentlichsten Unterschiede bestehen jedoch darin, dass die Räude einen viel stärkeren Juckreiz erzeugt und leichter heilbar ist, sowie dass der Acarus-ausschlag zum Theil einen typischen pustulösen Charakter zeigt, wobei die Acarusmilben leicht aufzufinden sind. Ein stark juckender, ansteckender Hautausschlag mit den beschriebenen Symptomen darf bei negativem mikroskopischem Befunde immerhin als Hände aufgefasst werden.
Ausserdem kann die Sarcoptesräude mit gewissen juckenden papulösen Ekzemen verwechselt werden. Der Verdacht wird indess bald durch die meist rasche Abheilung der letzteren beseitigt; ausgebreitete Ekzeme, welche auf die einmalige Anwendung der Räude-mittel dauernd verschwinden, sprechen nicht für Sarcoptesräude. Auch bei der Sarcoptesräude beobachtet man Uebertragungen auf den Menschen, wodurch für die Unterscheidung derselben von einem einfachen Ekzem unter Umständen ein diagnostisches Moment entstehen kann. Derartige Infectionen kommen in Berlin z. B. alljährlich bei mehreren Hunderten von Menschen vor.
Therapie. Die Prognose der Hunderäude ist zwar bedeutend günstiger, als die der Pferderäude; es muss indess auch hier darauf aufmerksam gemacht werden, dass eine Heilung bei älterer und aus-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Kiiude des liundos.
|
667
|
||
|
|
|||
|
gebreiteter Hunderäude nicht immer so laicht ist, und dass besonders schwäcliliche, heruntergekommene Thiore eine Räudekur häufig gar nicht mehr ertragen, vielmehr während derselben zu Grunde gehen. Ausserdem sind beim Hunde mein- als bei anderen Haustbieren gewisse Vorsiohtsmassregeln bei der Einleitung des Rftudekurverfahrens noting, indem hier vor Allem das Ablecken der Kiludemittel durch anfängliches Zubinden des Maules, Anlegen eines Maulkorbes, Auflegen lederner Decken u. s. w. verhindert werden muss. Auch soll man milben-tödtende Mittel nicht unmittelbar nacb dem Scheeren, welches bei langhaarigen Hunden zur Heilung unumgänglich nothwendig ist, oder auf nässende Stellen von grösserer Ausbreitung auftragen.
Von Arzneimitteln gegen die Hunderäude sind die nachfolgenden zu empfehlen : 1) Das englische Oreoli n; am häufigsten verwenden wir hiebei ein Creolinliniment, welches je nach dem Grade und der Ausbreitung des Leidens ans glei eben Tb eilenCreolin und grüner Seife sowie V2 10 Theilcn Spiritus zusammengesetzt ist. Dieses Liniment wird täglich eingerieben (bei ausgebreiteter Räude täglich ein Drittel des Körpers); die Heilung erfolgt durchschnittlich nach 23 Wochen. Auch Creolinspiritus (I : 1020) und Oreolin-seife können angewandt werden. Das Creolin hat vor allen anderen Räudemitteln den Vorzug der Ungiftigkeit voraus. 2) Der Theer; wir wenden denselben crewöhnlich in Form des Theerliniments (Pic. liquid; Sapon. viridis aa; Spirit, qu. s. f. linim.) in der Weise an, dass immer nur ein Drittel des Körpers auf einmal damit ein-gerieben wird, also am 1. Tage das erste, am 2. Tage das zweite u. s. w., worauf der ganze Körper nach litägigem Liegenlassen des Linimentes abgebadet und in derselben Weise von Neuem eingerieben wird; mittelschwere Fälle lassen sich so nach 34nialigem Einreiben zur Heilung bringen. :i) Das Kreosot, welches am besten mit Olivenoder Repsöl in einem Verhältnisse von 1 : 1015 gemischt wird, ebenfalls nach der oben erwähnten Weise zu appliciren. Man hat sich indess sehr vor Vergiftungen in Acht zu nehmen. 4) Die Karbolsäure als 25 proc. Karbolöl oder Karbolglycerin. Bei den letzten drei Mitteln empfiehlt es sich indess, um einer etwaigen Karbolvergiftung vorzubeugen, zwischen den einzelnen Einreibungen längere Pausen zu machen; auch kann man zur Vorsicht ein schwefelsaures Salz verabreichen (Natriuni sulfuricum 25,0; Bildung des unschädlichen phenol-sulfonsauren Natriums im Blute).
Von anderen Mitteln können wir noch den Perubalsam. der sich besonders für sehr zarte Hunde und für die Behandlung der Um-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
(gt;ü8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Räude lt;ltii' Katze.
gebung der Augen eignet, sowie den Styrax empfehlen. Dagegen haben wir von dem sehr übel riechenden Naphthalin einen andauernden Erfolg ebenso wenig als die Dresdener Klinik gehabt. Auch der Tolubalsam ist nach Siedamgrotzky unzuverlässig. Endlich können als mehr oder weniger wirksam u. a. noch genannt werden das Benzol, Naphthol, Oxynaphthal in und das I clith vol (Rabe, Friedberger). Benzin und Petroleum sind fast ganz unwirksam.
Die diätetische Verpflegung muss während der ganzen Kur eine sehr gute sein: Erkältungen sind zu vermeiden. Als sehr noth-wendig endlich muss bei der grossen Verbreitung der Räude und der Gefahr der Ansteckung für den Menschen die seuchenpolizeiliche Bekämpfung derselben, d. h. entweder die Aufnahme in das Reichs - Viehseuchengesetz oder die Anordnung strenger lokalpolizeilicher Massregeln bezeichnet werden.
Dermatophagen auf dem Körper des Hundes. Die im Jahre 183(i von Hering entdeckte und Savcoptes oynotisquot; benannte Dermatophagus-inilbe des Hundes kommt zuweilen in dem eiterigen Secrete der Otitis extorna (innerer Ohrwurmquot;), ulso im ilusseren Gehörgange vor. Ob sie mit der Otitis in ätiologischen Zusammenhang gebracht werden darf, ist mehr als zweifelhaft. Zürn u. A. nehmen einen solchen nach dem Vorgange der Ohrräude bei der Katze an. Nocard will epileptiforme Krämpfe und Taubheit beobachtet haben.
g. Die Räude der Katze.
Literatur. 1) Dint er, .Sachs. Jahresber, 186:1 S. 99. 2) Köhne, Magaz. 1808. S. 288. 8) Mögnin, Becueil de med. vöt. 1863. S. 68. 4) Siedamgrotzky. Sachs. Jahresber. 1871. S. 81. 5) Schleg, ibid. 1874. S. 99. 6)Amioker, Thierarzt. 1873. S. 4:'.. 7) Beck, Adam's Wochenschrift. 1874. S. 413. 8) Schwartz, Repertor. 1875. S. 165. 9) Dockal, Ocsterr. Vereinsmonats-aohrift. 1881. S. 121. 10) Kretschmar, Säohs. Jahresber, 1883. S. 73. 11) Perronoito, 11 med. vet. 1887. 8. 247.
Symptome. Der Lieblingssitz der Katzenräude (Sarcoptes minor) ist der Kopf, der häufig allein ergriffen wird, namentlich die Ohrmuscheln, Man findet im Anfange rothe Pünktchen, sowie Knötchen- und Bläschenbildung auf der Haut, welche sodann von kleineren grindartigen Schorfen bedeckt ist. Die Haare werden gesträubt und fallen zum Theil aus, und es schuppt sich die Oberhaut stark ab; diese Schuppenmassen in Verbindung mit dem eingetrockneten Secrete der Knötchen und Bläschen wachsen allmählich zu dicken, bis zu 1 cm im Durchmesser starken, graugelben Hiiudeborken heran, welche eine Unmasse von Milben enthalten. Die Haut darunter wird derb und steif, verdickt sieb und legt sich
|
||
|
|
||
|
|
||
|
RHude der Kiit/.c.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(j()()
in Falten. lUiuiig vcrschwellen auch die Augenlider, und es kommt zu katarrhalischer und eiteriger Bindehautentzündung. Der J uckreiz ist ziemlich bedeutend, die Thiere wischen sich mit den Pfoten, schütteln den Kopf, reiben sich an harten Gegenständen. Das Allgemeinbefinden ist auch bei schliesslicher Localisation der liäude auf den Kopf ziemlich gestört. Die Thiere sind unlustig, magern ab und liehen nicht selten zu Grunde.
Der Ausschlag kann sich indessen vom Kopfe auch auf den Hals und den ganzen Körper verbreiten: dabei werden namentlich zuerst die Pfoten, sowie die Lenden- und Kreuzgegend angesteckt. Der tödtliche Ausgang tritt hier noch viel leichter ein. Uehortragungen auf den Menschen kommen auch bei der Katzenräude vor.
Therapie. Die Behandlung darf nur eine sehr wenig eingreifende sein; Bäder, Waschungen oder Einreibungen des ganzen Körpers mit öligen Mitteln sind zu vermeiden. Karbolsäure soll als specifisches Katzengift nie angewandt werden. Wir müssen als das beste und unschädlichste Mittel die Jl elmerich'sche Schwefelsalbe bezeichnen. Dieselbe wird folgendermassen verschrieben! Hp. Sulfur, sublimat. 15,0| Kalii carbonic. 8,0; Adip. suilli, 60,0. Wir haben mit dieser Salbe immer eine Heilung erzielt, wofern der Er-nährmiffszustand der Thiere nicht zu schlecht war. Nicht so un-schädlich als die Schwefelsalbe ist der sonst vorzügliche Perubalsam; wir haben wenigstens einige Male nach einer auf den Kopf beschränkten Einreibung desselben hochgradige Gehirnreizungserscheinungen, sogar ausgesprochen tobsüchtiges Benehmen mit nachfolgendem Sopor, ja selbst den Tod eintreten sehen. Letzteres haben wir auch bei den von Schwartz empfohlenen Einreibungen mit ranzigein Leberthran beobachtet. Etwas weniger gefährlich scheint der Styrax zu sein, andere Mittel sind überflüssig.
Eine Sarcoptesrilude bei Katzenraubthieren (Löwen und Leopardon) haben Dölafond und Bourguignon, sowie in neuerer Zeit Jobne (Berl. Archiv 1880, S. 145) beobachtet; die Eäude wurde indess nicht durch Sarcoptes miner, sondern durch diegrosse Q-rabmilbe, Sar-coptes scabiei coinniunis, hervorgerufen, Die Erscheinungen bestanden in anfangs umschriebenen Räudestellen an der Brust, am Bauche, Rücken u. s. w., welche sich jedoch bald über den ganzen Körper verbreiteten, der von Krusten und Borken besetzt und nahezu haarlos war. Die Thiere magerten rasch ab, verloren den Appetit und gingen schliesslich zu (irunde. Eine Bespritzung mit dem ZUndel'schen Bäudebade halte tödtliche Karbol* intoxication zur Folge. Die von Johne eingeleitete erfolgreiche Behandlung bestand in der Anweiulung des IVrubalsanis (1; 8 Spiritus); die Thiere wurden dabei in ein entres, kurzes Käfig verbracht, zwischen dessen Eisen-
|
||
|
|
||
|
J
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
()70
|
Rtlude der Kaninchen.
|
||
|
|
|||
|
stilben sie mit einem Spray von Perubalsam bespritzt und darauf mittelst Bürsten, welche an langen eisernen Stäben befestigt waren , tüchtig abgerieben wurden. Nach 5maliger Anwendung dieser Behandlungsweise in 8lOtiigigen Zwischenräumen trat vollständige Heilung ein. Die sogen. Ohrrftude der Katzen wird durch Dormatophagusmilben erzeugt; die Tbiere schütteln dabei den Kopf, neigen ihn nach einer Seite und zeigen die Erscheinungen der Otorrhöe. Wir haben von der Anwendung des Perubalsams mit gleichen Theilen Olycerin mich vorheriger Reinigung des Gehörganges guten Erfolg gesehen.
h. Die Räude der Kaninchen.
Llteratnr. 1) Dölafond, Recuell de möd. vöt. 1859. 2) Gerlach, Allgemeine Therapie der Hausthiere. 1868. S. 577. 8) Andre, Annol, de Bruxelles. 1872. i) Zürn, Adiim's Wochenschr. 1874. S. 277. 6) Möller, ibid. 1875. 8.887, 6) Siedamgrotzky, Sftohs. Jahresber. 1876, S. 60. 7) Oapi-tani, Giornale de Pisa. 1880.
1)nbsp; nbsp;Sarcoptesräude. Der durch Sarcoptes minor hervorgerufene Räudeausschlag bat mit der Katzenräude viel Aehnlichkeit: er befällt vorwiegend den Kopf (besonders Nase, Lippen und Stirn), und verläuft mit Krusten- und Schuppenbildung, Jucken und Hautverdickung, Haarausfall u. s. w. Mit dem Kopfe meist gleichzeitig werden die Enden der Extremitäten ergriffen; die Häude kann sich jedoch auch über den ganzen Körper ausbreiten, wobei die Thiere rasch abmagern und zu Grunde gehen. Die Behandlung besteht wie hei den Katzen im Einreiben einer Schwefelsalbe oder des Perubalsams.
2)nbsp; nbsp; Die sogen. Ohrräude, erzeugt durch Dermatophagus und Dermatocoptcs euniculi, ist ein ziemlich häufiges Leiden, bestellend in einer Entzündung der Auskleidung des äusseren Gehörganges, wobei es zu sehr dicken Auflagerungen von geschichten, gelbbraunen, trockenen, zerklüfteten Borken kommt, welche den äusseren Gehörgang oft vollkommen ausfüllen, so dass die Muschel ganz starr erscheint. Zürn hat auch heftige Entzündungen des Mittelohrs und Verbreitung der Dormatocoptesmilbe auf die gesanunte Hautoberfläche beobachtet. Die Behandlung besteht im Aufweichen der Borken, Entfernung derselben und Einpinseln der Auskleidung des äusseren Gehörganges mit (!reolin- oder Karbolglycerin oder Creolinöl resp. Karbolöl (2 quot;) i'roc). Dieselben beiden liäudeformen mit derselben Localisation findet man bei den Frettchen.
|
|||
|
|
|||
|
Anmisaussclilag, Haai-sackinilheiiaussolilag.
bitcnilur. l)Röll, Speoielle Pathologie u, Therapie, 1885. 2) Haubner, Sachs. Jahresber, 1858. 8. 26. 127: Repertor, I860, S, 81. B) Weislaquo;, Repertor.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
AciirusaussrhliiK.
|
G71
|
||
|
|
|||
|
1860. S. 1. 4) Penger, Ref. Eepertor. 1866. S. 277. 5) Rivolta, II med. vut. 1865. 6) Saint-Cyr, Journ. de Lyon. 1867 U. 1876. 7) Martemucci, L'Arohivio della Veter. ital, 1868. 8) Hof er, Münch, Jahresber, 1869. 8. 27. 9) Brusasco, II mud. vet. 1870. 10) Oreste, Giornale di Ana-tomia etc. 1870, 11) Sledamgrotzky, Sachs. Jahresber. 1872. 1875. 187(i, 1882. 12) Priedberger, Berlin. Archiv 1876. 8, 22; Münch. Jahresbor. 1873/74. S. 44; 1877/78. 8. 123; 188(1/87. S. 89; Monatshefte für prakt. Thierheilkde. 1890. S. 565, 18) Mcgnin, Memoire sur le Deraodox folli-eulorum. Paris 1877; l/eleveur. 1885; Les parasites et les mahul. parasit. 1880. 14) Labat, Revue vet. 1878. 15) Laulanie, ibid. 1885, 16) Kruli-kowski, Ref. Oesterr. Bevue, 1879, S. 108. 17) Osokor, Oesterr. Viertel-jabrssclir. 1879. S. 138; ebenso Verhandlungen der k. k. zoolog. botan, Gesellschaft in Wien 1879; enthält weitere Literaturangaben, 18) Zürn, Die thier. Parasiten, 1882. S. 56. 19) Kerbet, Journ. de Lyon. 1882. S, 591, 20) Grimm, Sachs. Jahresber. 1884, S. 103. 21) Prietsch, Sachs. Jahresber. 1886. S. 89. 22) Rabe, Adam's Wochenschrift. 1887. S. 73. 23) Zsohokke, Sch-wei/er Archiv. 1888, 8,69, 24)Soula, Revue v6t(5r. 1887, 25) Heller, Berlin, thierärztl. Wochenschrift. 1889. S, 348, 26) Müller, Sachs. Jahresber, 1888. S. 159. 27) Gninard, Journal de med, vet, 1890.
|
|||
|
|
|||
|
Vorkommen. Der Acamsausschlag kommt am häufigsten beim Hund und der Katze, seltener beim Schwein (Csokor) und Rind (Grimm) vor; sodann hat man die Acarusmilbe beim Schaf (Oschatz) und bei der Ziege (v, Niederhäusern, Nocard), beim Samburhirsch (Prietsch), endlich bei Fledermäusen und Ratten (Mahn), sowie bei Feldmäusen (/schokke) gefunden. Sehr häufig wird sie ausserdem in den sogen, Mitessern oder Comedonen, d, h, in den erweiterten Talgdrüsen beim Menschen angetroffen, ohne dass sie jedoch liier irgend welchen Schaden anrichten würde.
Naturgeschichtliches. Die Balgmilbe oder Haarsackmilbe, Acarus folliculorum oder Demodox folliculorum. bildet eine Gattung der Familie Dermatophili, Ordnung Acarina, Classe Arach-noidea, gehört also zur Gruppe der Arthropoden (Gliederthiere). Sie wurde 1843 von Henle und Simon in den Comedonen des Menschen, sowie bald darauf noch in demselben Jahre von Tulk beim Hunde entdeckt. Zur Zeit sind folgende besondere Varietäten bekannt: Acarus i'olliculorum canis, cati, suis (von Csokor Demodex phylloides bekannt) und hominis.
Die Körperform des Acarus folliculorum im erwachsenen Zustande ist beim Hunde eine wurmförmige, lanzettartige; beim Schweine eine mehr lorbeerblattähnliche, Der Körper hat eine Länge von circa VsV4 mm und ist in 3 Segmente, Kopf,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
072nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Aoarusaussohlag.
Brust und Hinterleib, abgetheilt, von denen die beiden letzteren zu einem Stücke verschmolzen .sind Der Kopf ist von leier- oder hufeisenartiger Gestalt und besteht uus mehreren Chitinstücken, an denen sich nach Csokor bei Demodex pbylloides folgende Einzeltheile unterscheiden lassen: 1) das sogen, Vorderhaupt, die Grundlage des ganzen Kauappärates; quot;-) ein Paar Oberkiefer oder Mandibeln; 'J) ein Paar spangenartige Unterkiefer oder Maxillen; I) die beweglichen, mehr-gliedrigen Kieferfühler (Pedipalpi); .quot;gt;) ein unpaares stiletförmiges Gebilde, die sogen. Mundklappe; ausserdem befinden sich zu beiden Seiten des Vorderhauptes 2 Augen in Form pigmentloser Kuötchen. Der Thorax ist kurz und besitzt auf seinen beiden freien Rändern 4 Paare stummeiförmiger, beweglich eingesetzter Extremitäten, welche aus ;! Stücken, der Hüfte, dem Schenkel und dem End-gliede bestehen, welch letzteres 5 kralienähnliche Chitinstücke trägt und dadurch eine tatzenähnliche Gestalt erhält. Die Unlertiäche der Brust zeigt eine Medianleiste mit I Querleisten auf jeder Seile. Der lange Hinterleib ist quergestreift, an den Rändern gezfthnelt und hinten zugespitzt. Die Jugendformen des Aoarus besitzen nur 3 Pusspaare, sind kleiner und schmäler, zeigen noch keine Ringelung des Hinterleibes und entwickeln sich aus Spindel- oder spitzweckenähnlichen Eiern. Bis zum erwachsenen Zustande machen die Larven '! liäu-tungsprocesse durch.
Pathologisch-anatomischer Befund. Bei der mikroskopischen Untersuchung der Haut iindet man die Milben hauptsächlich in den Talgdrüsen, und zwar vorwiegend In der Nähe der Ausführungsgänge, ausserdem im oberen Theile des Haarbalges in einer durchschnittlichen Anzahl von 30 60 pro Talgdrüse. Diese Zahl kann indess auf L00 und selbst 201) steigen, so dass die Talgdrüsen beziehungsweise ihre Ausführungsgänge zu voluminösen Säcken ausgebuchtet werden; daneben findet man zuweilen eine grössere Masse von Eiern und Larven. In den Talgdrüsen liegen die Milben eigen-thürnllcher Welse fast ausnahmslos mit dem Kopfe nach abwärts gerichtet. In der Umgebung der beutelartig erweiterten Talgdrüsen kommt es nun zur Entzündung und damit zur Auswanderung weisser Blutkörperchen, wodurch das periglanduläre Gewebe eiterig einschmilzt und mitsammt der Talgdrüse in eine Eiterblase verwandelt wird. Diese Acnepusteln entwickeln sich aber nur bei zahlreicher Einwanderung der Milben. Bei einer geringen Menge derselben entsteht lediglich Atrophie und Ausfallen der Haare.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Acarusausschlag.
|
673
|
||
|
|
|||
|
Die schwersten Veränderungen zeigt die Haut des Schweines; liier confluireri häufig mehrere Pusteln mit einander und bilden grösscre Abscesse, welche bis zu 1000 Milben enthalten können, und wodurch thalergrosse tiefgehende Geschwüre in der Haut hervorgerufen werden. Bei längerer Dauer des Ausschlages wird die Haut skierotisch und oft um das .'?4fache verdickt.
|
|||
|
|
|||
|
Symptome des Acarusausschlages beim Hunde. Der durch Acarus folliculorum erzeugte Hautausschlag ist bei den Hunden sehr verbreitet und kommt bei allen Rassen derselben vor; am meisten und schwersten scheinen Hühnerhunde und Rattenfänger darunter zu leiden. Dabei zeigen manche Thiere individuelle Verschiedenheiten bezüglich des Grades und Verlaufes der Krankheit. Bei den einen bleibt nämlich der Ausschlag monatelang auf dieselben Stellen beschränkt, bei anderen verbreitet er sich sehr rasch über den ganzen Körper. Eigenthümlicher Weise ist im Gegensatze zu der offenbaren Contagiosität des Leidens die Ueberimpfbarkeit von Hund auf Hund eine geringe. Von den vielen künstlichen Uebertragungs-versuchen, die gemacht wurden, sind fast alle negativ ausgefallen bis auf wenige positive BeobachtungenvonHau bn er, Guinardu. A. Auch auf andere Thiere lässt sich die Krankheit nicht übertragen, dagegen beobachtet man zuweilen eine spontane Uebertragung auf den Menschen. Die Weiterverbreitung auf einem und demselben Thiere erfolgt durch das Reiben und Scheuern desselben, wodurch der Inhalt der Pusteln entleert und gewissermassen über den Körper ausgesät wird. Hiemit hängt auch die rasche Ausbreitung des Ausschlages nach dem ersten Einreiben von Arzneimitteln zusammen.
Das Krankheitsbild des Acarusausschlages ist nun je nach der Menge der in den Talgdrüsen angesammelten Milben ein sehr verschiedenes.
1) Squamöse Form des Acarusausschlages. In vielen Fällen findet man auf der Haut nur Haarausfall neben vermehrter Abschuppung der Epidermis; die Oberfläche der Haut ist vollständig trocken und zeigt keine oder nur geringgradige Spuren von Entzündung (Eczema squamosum). Diese Form kommt besonders in der Umgebung der Augenlider vor. Dabei fehlen ringförmig um die Augen herum die Haare grösstentheils, die Haut ist etwas geröthet und mit abgestossenen Epidennisschuppen bedeckt. Dieses beschränkte Auftreten bei so geringer Reaction dor Haut erschwert die Diagnose des Acarusausschlages, weil das Hauptmerkmal desselben, die Acne-
Fricdberger u. Fiiilnier, Pathol. u Therapie (1. Haustlnero. I, Bd. 3. Aull. 43
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
(574nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Acarusausschlag.
knoten und Acnepusteln fehlen. Es sollte daher jede mit Haarausfall begleitete schwache Hautentzündung der Augenlider mikroskopisch auf Acarus untersucht werden. Nicht selten ist diese Ausschlagsform jedoch fleckenartig auch über den ganzen Körper verbreitet, wobei Juckreiz gewöhnlich fehlt. Das Krankheitsbild erhält hiebei eine ausserordentlich grosse Aehnlichkeit mit Glatzflechte. Charakteristisch ist zuweilen die dunklere Pigmentirung der kahlen Stellen.
2) Pustulöse Form des Acarusausschlages. Häufiger äussert sich der Ausschlag in Form einer intensiven Hautentzündung mit charakteristischer Knoten- und Pustelbildung, entsprechend dem Sitze der Talgdrüsen. Diese Form kann sowohl fleckenweise umschrieben, besonders am Kopfe (Nasenrücken, Lippen, Augenlider) und den Pfoten, als auch über den ganzen Körper verbreitet, vorkommen. Die Lieblingsstellen dabei sind der Kopf, die Kehle, der Hals, sowie die innere Fläche der Gliedmassen.
Im Anfange des Processes ist die erkrankte Hautstelle geschwollen, höher temperirt und hyperämisch. Die Haare sind gesträubt und es zeigen sich disseminirte hirsekorn- bis hanfsamenkorngrosse Knötchen, welche sich allmählich in blaurothe oder rein eiterige Pusteln umwandeln. Dabei verdickt sich die Haut oft um das Doppelte und ist theils mit grüngelblichem, klebrigem, eiterigem, hie und da mit Blut gemischten Exsudate, theils mit eingetrockneten, graugelben oder blutig verfärbten Krusten bedeckt; die Haare sind zum Theile ausgefallen und lassen sich sehr leicht ausziehen, wobei ihrem unteren Ende häufig eiterige Massen anhaften. Legt man die Haut in eine Falte und drückt leicht, so wird zunächst Blut und bei stärkerem Drucke eine oft grosse Anzahl von Eiterpfropfen ausgepresst. Der Juckreiz ist bei den einzelnen Individuen sehr verschieden, bald sehr hochgradig, bald fast fehlend. Im Allgemeinen ist er aber entschieden geringer als bei Sarcoptesräude.
Wird der Ausschlag in seinem aveiteren Verlaufe nicht von Seiten des Thieres durch Kratzen und Scheuern abgeändert, so trocknet die Haut allmählich wieder ab, bleibt aber verdickt und zur Faltenbildung geneigt, zeigt verschiedene haarlose oder spärlich behaarte Stellen, wobei die Haare im letzteren Falle gesträubt und auffallend glanzlos sind, und ist mit dicken Lagen von bleigrauen Epidermis-schuppen und Borken bedeckt, zwischen welchen sich Risse und leicht blutende Schrunden bilden. Dadurch bekommt die Haut das Ansehen einer Baumrinde oder Elephantenhaut, und besonders
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Acarusausschlag.
|
67.r
|
||
|
|
|||
|
der Kopf erinnert an die Physiognomie eines Warzenschweins. Ausserdem ist die Oberfläche der Haut uneben und rauh und mit höckerigen, derben, knötchenformigen Erhabenheiten besetzt, aus denen sich bei Druck noch einzelne Eiterpfropfe auspressen lassen. Die nicht pigmentirten Hautstellen sind von kupferrother Farbe oder zeigen auf schwächer geröthetem Grunde blaurothe knotige Erhabenheiten (daher die frühere Bezeichnung rothe Räudequot;). Endlich findet man in den oberen Schichten der Haut, entsprechend dem Sitze der abs-cedirten Talgdrüsen und Haarbälge, grubige Vertiefungen neben papillen- oder zapfenälinlich vorspringenden bindegewebigen Wucherungen.
Das Allgemeinbefinden ist trotz dieser hochgradigen Veränderungen oft auffallend wenig gestört, meist besteht nur leichtes Frieren und eine massige Abmagerung; der Appetit ist sogar regel-mässig noch gesteigert, so dass die Thiere oft einen wahren Heiss-hunger an den Tag legen. (Vermehrter centraler Stoffumsatz, hervorgerufen durch den andauernden peripheren Hautreiz.)
Dieses Bild des Acarusausschlages wird indess wesentlich verändert, wenn die Thiere sich heftig nagen und scheuern. Die ergriffenen Hautstellen werden dann in haarlose, Eiter secernirende Wundflächen, ja selbst in förmliche Hautgeschwüre umgewandelt. Daneben treten in #9632; Folge entzündlichen Oedems des Unterhautbindegewebes ganz enorme Schwellungen einzelner Hautpartien, so besonders am Kopfe, um die Augen herum, am Halse etc. auf. In diesem Zustande magern die Thiere rasch ab, verbreiten einen unangenehmen süsslich-fauligen Geruch und bekommen ein jämmerliches Aussehen; meist gehen sie dann entweder an Entkräftung oder an ausgesprochener Septikämie zu Grunde.
|
|||
|
|
|||
|
Symptome des Ausschlages beim Schweine. Die Erscheinungen der durch Demodex phylloides beim Schweine erzeugten Hautkrankheit bestehen nach Csokor in sandkorn- bis haselnuss-grossen Erhabenlieiten, aus welchen sich anfangs kleinere, später grössere Geschwülste und schliesslich breite Hautgeschwüre bilden. Als Zwischenstadien werden blatterähnliche Efflorescenzen angegeben, welche nach Csokor zur Verwechslung des Ausschlags mit den Schweinepocken Veranlassung geben können. Es werden nur die weichen Hautstellen aufgesucht, so die Umgebung des Rüssels, der Hals, die Unterbrust, die Flanken, Weichen, die Bauchhaut und namentlich die inneren Schenkelf'lächen, während Oberkopf,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
6,70nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Acarusausschlag.
Rücken, äussere Fläche der Extremitäten u. s. w. verschont bleiben. Der ausdrückbare Inhalt der Geschwülste enthält 50100, die grös-seren Abscesse beherbergen 5001000 Exemplare der Milbe mit ihren verschiedenen Larvenzuständen und abgestossenen Häuten; dieselbe ist doppelt so breit als die Hundebalgmilbe. Die Ansteckungsfähigkeit ist gegenüber dem Hunde eine viel ausgesprochenere.
Symptome bei den übrigen Thieren. Bei dor Kat/,e loculisirt sich der Acarusausschlag vorwiegend auf den Kopf (Nase, Augen, Ohren); das klinisclie Bild ist dem beim Hundo ganz ähnlich. Beim Rinde hat Grimm einen Fall bpobachtet, in welchem mit Ausnahme des Kopfes und der Extremitäten die Haut des ganzen Körpers, besonders aber die der Schultern, von erbsengrossen Knoten wie besät war; die Knoten waren haarlos, an der Oberfläche glatt und Hessen einen dicken, zähen Eiter herausdrücken, in welchem sich eine sehr grosse Menge der Haarsackmilben vorfand. Dabei war das Thier schlecht genährt und im Wachsthum zurückgeblieben, weshalb es bei der Aussichtslosigkeit eines Heilerfolges gesehlachtet wurde.
Diagnose. In vielen Fällen sichert der Nachweis der charakteristischen blaurothen Pusteln in Verbindung mit der Localisation des Leidens am Kopfe oder den Extremitäten, die Diagnose schon bei oberflächlicher Besichtigung der Thiere. Bestimmten Aufschluss gibt aber namentlich bei der squamösen Form des Acarusausschlages nur die mikroskopisch.e Untersuchung, welche in der Weise vorgenommen wird, dass man den ausgedrückten Inhalt der Pusteln auf einen Objectträger dünn vertheilt und bei mittelstarker Vergrösserung untersucht. Sind keine Pusteln vorhanden, so nimmt man einen Abstrich der Hautoberfläche oder die Wurzeln einiger ausgezogener Htaare unter das Mikroskop.
Verwechslungen können vorkommen:
1)nbsp; mit nicht parasitären, grindartigen Ekzemen und traumatischer eiteriger Dermatitis,
2)nbsp; mit dem pustulösen Exanthem der Hundestaupe,
3)nbsp; nbsp;mit Sarcoptesräude,
4)nbsp; nbsp;mit Entzündung der Augenlider (Blepharitis),
5)nbsp; mit Herpes tonsurans,
6)nbsp; mit der nicht parasitären Acne und Furunkulose.
So beobachtet man gar nicht selten in der Umgebung der Augen, an den Backen und Lippen rundliche, haarlose, zum Theil confluirende Flecken, welche durch ihre höhere Köthung und die Auflagerung trockener Schuppen bei Abwesenheit von Knötchen und Pusteln ganz das Gepräge des Herpes tonsurans an sich tragen, sich aber bei mikroskopischer Untersuchung als Acarusausschlag (trockene Form) herausstellen; letztere
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Acarusausst'hlag.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;677
darf aber niemals unterlassen worden, und zwar um so weniger, als auch Compli c ation en des A c ar usaussch 1 ags mit anderen Hautleiden vorkommen können. Es fand ihn Siedaingr ot/.ky gleichzeitig lieben Sarcoptesrilude, Friedbergor neben Herpes tonsunuis. Fröhner beobachtete einen Fall, in welchem pustulöses Staupeexanthem, Sarcoptes-rftude und Acarusausschlag bei einem und demselben Hunde gleichzeitig vorhanden waren.
Prognose. Nach Roll soll in einzelnen Fällen eine spontane Heilung des Haarsackmilbenausschlages eintreten. Dieselbe ist indess jedenfalls äusserst selten. Im Allgemeinen muss die Prognose als ungünstig bezeichnet werden. Bei allgemeiner Ausbreitung des Leidens sind Heilungen trotz ausdauernder, monatelanger Behandlung bis jetzt nur in sehr beschränkter Anzahl mit Sicherheit beobachtet; dagegen scheinbare Heilungen mit späteren Recidiven nicht selten als wirkliche publicirt worden. Jedenfalls ist es nothvvendig, scheinbar geheilte Hunde noch mehrere Wochen und Monate im Auge zu behalten, um seines Erfolges auch sicher zu sein; Täuschungen sind in dieser Beziehimg nur zu leicht möglich. Bei örtlich beschränktem Ausschlage ist die Prognose ebenfalls mindestens vorsichtig zu stellen; Heilungen lassen sich hier zwar leichter erzielen, aber das Leiden kann sich umgekehrt auch gerade in Folge der eingeleiteten Behandlung rasch weiter verbreiten. Jedenfalls empfiehlt es sich, den Eigenthümer unter allen Umständen von vornherein auf die Hartnäckigkeit des Leidens aufmerksam zu machen. Bei ausgebreitetem Acarusausschlage ist die Tödtung der Hunde angezeigt.
Auch die Individualität der einzelnen Thiere scheint die Vorhersage sehr zu beeinflussen.
Therapie. Die Zahl der gegen die Balgmilben angewandten Mittel ist eine ausserordentlich grosse; sie illustrirt am besten die Hilflosigkeit des Therapeuten. Es sind bis jetzt empfohlen worden: die verschiedenen Karbolpräparate, Creolin, Benzol und Petroleum, Perubalsam und Styrax, Quecksilberverbindungen, Cantliaridensalbe, Kalischwefelleber, Naphthalin, das ätherische Wachholderöl, Schwefel-1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; salben u. s. w., ausserdem rein indifferente Waschungen des Körpers
mit Kleienbädern, Laugenhädern, grüner Seife. Am relativ besten haben sich von diesen nach unseren Erfahrungen bewährt: der Peru-balsam, die Cantliaridensalbe in Verbindung mit Kalischwefelleber, die Sublimatsalbe, sowie concentrirte Creolineinreibungen.
1) Der Perubalsam ist besonders von Siedamgrotzky em-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
tJTSnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Acamsausschlag.
pfohlen worden; nach 2mona(liober täglicher Einreibung des Mittels und sorgfältigstem Ausdrücken der Pusteln wurden nicht nur umschriebene Herde, sondern auch ein allgemein erkrankter Hund von ihm geheilt. Wir haben ebenfalls leichtere Fälle damit geheilt, in-dess nur nach lange fortgesetzter Einreibung, so z. B. in einem Falle erst nach 58tägiger Behandlung. In einem anderen Falle constatirten wir bei einem hochgradig erkrankten Thiere nach Kiwöchentlichem Einreiben des Perubalsams zwar eine ganz entschiedene Besserung, die selbst einer Heilung glich, indess trat der Ausschlag nach dem Aussetzen der Behandlung bald wieder hervor. Jedenfalls müssen die Einreibungen mit Perubalsam sehr lange Zeit fortgesetzt werden, wenn eine dauernde Heilung erzielt werden soll. Dabei ist die Kur sehr kostspielig und der Ausschlag verschlimmert sich gewöhnlich im Anfange der Einreibungen.
2) Die von Brusasco in Turin angewandte Kurmethode besteht in Waschungen der erkrankten Haut mit Kalischwefelleberlösung (5,0 auf 1 Liter Wasser) und nachherigem Einreiben einer verdünnten Cantharidensalbe (Ungt.Cantharid. 1 : ö Fett). Wir erzielten mit dieser Methode auch in sehr vorgeschrittenen Fällen einigemal in relativ kurzer Zeit vollständige Heilung. Es muss jedoch vor einer Berührung der Cantharidensalbe mit der Conjunctiva der Augen gewarnt Averden, da sonst eine eiterige Panophthalmie mit selbst tödtlichem Ausgange hinzutreten kann; es empfiehlt sich daher, die Umgebung der Augen mit Perubalsam zu behandeln. Die Methode wird am besten in der Weise ausgeführt, dass man bei ausgebreitetem Ausschlage dem vorher geschorenen Thiere am 1. Tage ein Vollbad mit Kalischwefelieber gibt (200,0 Kalium sulfuratum auf 70 Liter Wasser für einen grossen Hund), am 2. Tag das erste, am 3. das zweite, am 4. Tag das dritte Drittel des Körpers mit verdünnter Cantharidensalbe gut einreibt, am 5. oder G. Tage eine gründliche Waschung mit Schwefelleberlösung vornimmt, und nach einigen Tagen Pause von neuem in der beschriebenen Weise beginnt und so bis zur Heilung fortfährt. Dass indess auch diese Methode im Stiche lassen kann, beweist uns ein Fall, in welchem bei einem Spitzhunde mit ausgebreitetem Ausschlage eine 68tägige Behandlung, bestehend in 12 Schwefel-leberbädern, Omaligem Einreiben des ganzen Körpers mit Cantharidensalbe in je .-5 Abschnitten, sowie 9 fleckweisen Cantharideneinreibungen, eine Heilung nicht zu erzielen im Stande war. Es muss indess hinzugefügt werden, dass auch eine nachfolgende IOwöchentliche Behandlung des Thieres mit Perubalsam keinen Erfolg hatte.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Acamsaussclihig.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(579
3)nbsp; nbsp;Einroibungen von Iprocentiger Sublimatsalbe neben Waschungen mit demselben Mittel in ebenfalls Iprocentiger Losung sind nach unseren Erfahrungen bei längerer Anwendung gleichfalls von Erfolg begleitet. Die Hunde müssen indess an dem Ablecken der Salbe sorgfältig verhindert Averden, weil sonst leicht eine tödtliche Vergiftung eintritt; das Mittel gehört also zu den gefährlicheren.
4)nbsp; Einreibungen von englischem Creolin mit gleichen Theilen Spiritus in Verbindung mit Creolinbädern (2 Proc.) haben uns in einigen zu weit vorgeschrittenen Fällen ebenfalls Heilung erbracht. Diese günstige Wirkung des Creolins ist auch von anderer Seite (Heller, Heul, Guinard) bestätigt worden.
Diese genannten 4 Mittel können theils ausschliesslich, theils nach einander versucht werden, immer aber sind sie mit Sorgfalt und Ausdauer anzuwenden. DasEinreiben muss täglich unter sorgfältigstem Ausdrücken neu aufgetretener Pusteln geschehen, die Haare müssen von Zeit zu Zeit abgeschoren werden, und endlich ist der Hund durch eine sehrgute und nahrhafte Fütterung bei Kräften zuerhalten.
Von der Anwendung der Karbolsäure und des Benzols haben wir nie einen Erfolg gehabt; das neuerdings empfohlene Naphthalin vermochte nach Siedamgrotzky's Versuchen zwar eine Besserung, niemals aber eine Heilung herbeizuführen. Das Ichthyol zeigt sich in leichteren Fällen von relativ guter Wirkung (Rabe). Die Anwendung der ganz indifferenten Kleienbäder (Martemucci) kann zwar möglicher Weise in Folge der häufigen Reinigung der Haut und der Entfernung etwa oberflächlich gelagerter Milben den Verlauf der Krankheit günstig beeinflussen, eine dauernde Heilung kann indessen von ihnen nicht erwartet werden. Eher ist dies noch denkbar von den Schwefelleberbädern, welche nach Megnin 2 Monate hindurch täglich je tji Stunde lang gemacht werden sollen; der hiebei sich entwickelnde Schwefelwasserstoff ist ein starkes, milbentödfendes Gift und bedingt jedenfalls auch bei der Methode von Brusasco einen Haupttheil ihrer günstigen Wirkung.
Die Prophylaxe besteht in dem Absperren der kranken Hunde von den gesunden, sowie in gründlicher Desinfection des Lagers. In veterinärpolizeilicher Beziehung ist es bei der überaus schwierigen therapeutischen Behandlung der Krankheit sehr wünschenswerth, dass eine eingreifendestaatliche Beaufsichtigung aller kranken, resp. eine rasche Tödtung der unheilbaren Thiere eingeführt, mithin der Acarusausschlag unter die gesetzlich zu überwachenden Seuchen aufgenommen wird. Nur dann ist die erfolgreiche Beseitigung der Krankheit möglich.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
680nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Hautfiliirien.
|
||
|
|
||
|
Hautkrankheiten, durch Filaricn erzeugt.
Literatur. 1) Bouloy, Recueil vct. 1850. 2) Quin, Journal milit. 1863. 3) Mi-netto, ibid. 1874. ^Rey, Journal ile Lyon. 1864. 5) Rivolta, II medico vetor. 1868. S. 300. 6) Semmer, Oesterr. Vierteljahrsschr. 1871. S. 179. 7) Contamino und Dvouilly, Recueil de med. vct. 1878. 8) Siedam-grotzky, Sachs. Jahresber. 1883. S. 19. 9)Laulanie, Revue vcterinaire. 1884. S. 166. 10) Rivolta, La clinica veter. 1885. Nr. 1. 11) Mcgnin, Bull. soc. centr. vet. 1884; L'clevour. 1885.
1)nbsp; nbsp;Beim Pferde findet man unter dem Namen Dermatitis pruriginosa (Rivolta) und Dermatitis granulosa (Laulanie) eine eigenthümliche knötchenförmige Hautaffection beschrieben, welche durch Rundwürmer hervorgerufen wird. Nach Rivolta's Angaben soll zuerst Ercolani im Jahre 1861 eine derartige Ausschlagsform beobachtet haben. Nach Laulaniä's Untersuchungen ist die Haut von zahlreichen, bis ins Unterhautzellgewebe reichenden Knötchen von kugeliger bis elliptischer Gestalt durchsetzt, deren Centrum käsig erweicht ist und einen spiralig aufgerollten Rundwurm von charakteristischer Querstreifung enthält, welcher bei älteren Knötchen auch schon zerfallen sein kann. Die Haut selbst ist verdickt. Das Centrum der Knötchen ist deutlich abgekapselt und herausschälbar; der Process beginnt mit einer kleinzelligen Infiltration der Cutis und Subcutis. Laulanie glaubt, dass der Parasit jahrelang in dem Knoten bleiben kann und hat gefunden, dass der Knotenausschlag im quot;Winter zurückgeht, im Sommer dagegen in Folge des vermehrten Blutzuflusses zur Haut stärker hervortritt. Con famine und Drouilly haben bei ungarischen Pferden in Folge von Einwanderung der 67 cm langen Filaria haemorrhagica in die Haut Hautbluten und liämorrhagische Hautknoten beobachtet. Rivolta hält die Abtragung des erkrankten Gewebes zur Heilung für noth-wendig.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch ein Theil des von den älteren Autoren, besonders von Haubner beschriebenen sogen. Tuberkelausschlagcsquot; in das Kapitel der durch Nematoden erzeugten granulösen Dermatitis gehört.
2)nbsp; nbsp;Beim Hunde hat Siedamgrotzky einen durch Rundwürmer erzeugten pustulösen Ausschlag auf der äusseren Fläche der Vorder- und Hinterschenkel beobachtet. Die kleinen, stark juckenden und mit einem rothen Hofe umgebenen Pusteln
|
||
|
|
||
|
l
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Fliegen, Mücken, Bremsen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;681
enthielten je 13 KundwUrmer-Embryonen mit pfriemenförmigem Schwänze, welche eine Lunge von 0,040,7 mm besassen und offenbar von den Haartaschen aus eingewandert waren; sie fanden sich nämlich auch in der Strohunterlage des Stalles neben erwachsenen circa 1 mm langen Individuen. Die Heilung erfolgte ohne arzneiliche Behandlung innerhalb 3 Wochen. Auch Rivolta hat bei geschwungen Hautausschlägen des Hundes Filarien vorgefunden.
Filaria medinensis. Die in Egypten, Indien und anderen südlichen Lilndern vorkommenden Medina-Filarien bilden Rundwürmer, welche bis über '/a mm lang werden und gewöhnlich in der Suhcutis des Mensehen und der Hausthiere parasitiren, wo sie namentlich an den Extremitäten umschriebene Anschwellungen und Abscesse hervorrufen. Besonders hilufig sind sie beim Rind (Avenzoar und Marchais), Hund (Dörff'el, Smyttan, Forbes, Griffith, Clot-Bey u. A.) und Pferd (Olarkson) beobachtet worden. Während sie beim Menschen meist nur in einem Exemplar vorkommen, findet man bei den Hausthieren zuweilen 2, 3,4 und selbst 5 Filarien. (Literatur: 1) Piot, Eecueil viit. 1889. 2) Griffith, The vet. journ. Bd. 27. 3) Railliot, Bull, de la soo. zool. 1887.)
|
||
|
|
||
|
Hautaffectionen durch Fliegen, Mücken und Bremsen.
Literatur. I, Oolumbaozer Mücke: 1) Schiller, Bepertor. 184(3. S. 116. 2) Vandenputte, ibid, 1847. S. 71. 8) Dominik, Preuss. Mittheil. 1855/58. S. 104. 4) Hertwig, Magazin. 1868. S. 481. 5) Tisserant, Journal de Lyon. 1863. 6) Referate im Thierarzt. 1876. S. Viti und Oesterr. Monatsschrift. 1878. S. 54. 7) Sohle us 8, Berlin. Arohiv. 1882. S. 870. 8) Neu mann, Traitö des maladies parasitaires. 1888. 9) Schmidt-Mülheim, Westpreuss.landwirthsch.Mittheil. 1888.Nr. 41. 10) Müller, Berl. thierilrztl. Wochonschr. 1890. S. 82. 11) Fr ohne r, Toxikologie. 1890. S. 249. 11. Fliegen: 1) Jennes und van Laer, Hopertorium. 1864. S. 353. 2) Domarbaix, Annal. de Bruxelles. 1863. 3) Martin, Recueil de med. vet. 1868. 4) Gaber, Preuss. Mitth. 1877/78. S. 82. 6) Railliet und Lenoire, Bull. soc. centr. vet. 1884. III. Bremsen: 1) Nu mann, Magazin. 1838. 2) Hey, Journal de Lyon. 1848. 3) Hawthorn, The Veterinär. 1859. 4) Arway, Oesterr. Monatsschrift. 1878. S. 66. 5) Railliet, Diet. vet. Bd. 13. Ref. Berl. Archiv. 1885. S. 122. 6) Bass, Thiermedicin. Rundschau. 1887. S. 78. 7) Hin-richsen, Berlin. Archiv. 1888. S. 219 u, S. 459. 8) Neumann, 1. c. Ausserdem vcrgl. Zürn, Die thierischen Parasiten. 1882.
Allgemeines. Die Belästigung der Hausthiere durch die oben genannten Insecten ist eine mannigfaltige. Fjin Theil derselben verursacht keine eigentliche Hauterkrankung, sondern beunruhigt lediglich die Thiere, hindert sie dadurch am Fressen, verursacht Futter-verschleuderung etc.; hieher gehört vor allem die gemeine Stubenfliege
|
||
|
|
||
|
|
||
|
682nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Columbaczer Mücke.
(Muscci domestica) und als xchweisssaugende Fliege die Rabenfliege (Musca corvina). Ein anderer Theil begibt sich vorübergehend auf die Hausthiere und saugt, zumal an feinhäutigen, leicht verwundbaren Stellen, Blut. Hieher gehören die Rinderbremse (Tabanus bovinus), die Regenbremse (Tabanus pluvialis), die Blindbremse (Tabanus coecu-tiens) u. s. w. Andere erzeugen dadurch, dass sie in grossen Mengen auf die Thiere einfallen, in Folge der zahlreichen Stichverletzungen erhebliche Entzündungszustände der Haut, so die gemeine Stechmücke (Culex pipions), die gemeine Stechfliege (Stomoxys calci-trans), die Gewitterfliege (Anthomyia meteorica), die gemeine und geschnulckte Kriebelmücke (Simulia reptans und ornata) und endlich die gefährlichste aller Mücken, die Columbaczer Mücke (Simulia Columbaczensis). Manche Insecten kommen weiterhin dadurch in Betracht, dass ihre Larven (Maden) auf, in, und selbst unter der Haut zu Störungen Veranlassung geben. So legt besonders die blaue Schmeissfliege (Musca vomitoria) und die Aasfliege (Musca cadaverina) ihre Eier in Wunden und Geschwüre, desgleichen die graue Fleischfliege (Sarcophaga carnaria). Hieher gehört endlich die in klinischer Beziehung vor allem wichtige Dasselfliege (Oestrus bovis), deren Larven die Haut bis zum Unterhautbindegewebe durchbohren. Von grösserer pathologischer Bedeutung sind unter den genannten die nachfolgenden:
1) Die Columbaczer Mücke (Simulia Columbaczensis oder maculata), ein aschgraues Insect von der etwaigen Grosse eines Flohs, welches zuerst in der Nähe des Schlosses Columbacz in Ungarn (Temesvarer Banat) in seinen schädlichen Wirkungen erkannt wurde ; es starben nämlich daselbst im Jahre 1783 nahezu (300 Thiere (Pferde, Binder, Schweine, Schafe) an den Folgen der Stiche dieser Mücken. Ausser in Ungarn kommt die Columbaczer Mücke auch in Oesterreich, Böhmen, Preussen und vereinzelt in ganz Deutschland vor. Grössere Schwärme entwickeln sich gewölmlich im Anschlüsse an Ueberschwem-mungen; dieselben bilden dichte schwarzgraue Wolken, welche sich auf die auf der Weide oder überhaupt im Freien befindlichen Thiere herabsenken, so dass z. B. weisse Kühe ganz schwarz aussehen. Die befallenen Thiere werden sehr unruhig, rennen wild umher, suchen ihre Stallungen auf, werfen sich ungestüm zu Boden, stöhnen und brüllen; bei der genaueren Untersuchung findet man die Mücken nicht bloss auf der Haut, sondern auch in die natürlichen Körperöffnungen (Maulhöhle, Nasenhöhle, Ohren, Augen, Scheide, Mastdarm) eingedrungen, und als die Folgen ihrer Stiche schmerzhafte An-
|
||
|
|
||
|
#9632;^B
|
||
|
|
||
|
Dasselbeulen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(583
Schwellungen an allen Theilen des Körpers, besonders auch auf der Schleimhaut der Nasen- und Maulhöhle, der Augen, der Scheide u. s. vv. Dabei können die Thiere schon nach wenigen Stunden oder innerhalb eines Tages an Erstickung in Folge Ver-schwellung der Respirationsschleimhäute zu Grunde gehen; die leichter befallenen sind mehrere Tage hindurch krank, fressen wenig oder gar nichts und zeigen in den folgenden Tagen eine grosse Anzahl kleiner, derber, schmerzhafter Knötchen auf der Haut, welche erst nach ;{4 Wochen verschwinden, sowie verschieden hochgradige Schwellung der Schleimhäute; häufig dauern die entzündlichen Erscheinungen 14 Tage und darüber an. Bei der Section der gefallenen Thiere findet man hochgradige, sulzige und blutige Infiltration der Subcutis, Schwellung und Entzündung der sichtbaren Schleimhäute, sowie die Erscheinungen der Lungenhyperämie und des Lungenödems j zuweilen sind die Insecten bis in den Rachen und Kehlkopf, ja selbst bis in die Luftröhre vorgedrungen und haben die Schleimhaut daselbst in einen entzündlichen und geschwollenen Zustand versetzt oder sogar das Lumen der Trachea vollkommen verstopft. Die Behandlung der erkrankten Thiere beschränkt sich auf kalte Waschungen und Be-giessungen, sowie auf Scarificationen der geschwollenen Schleimhäute; in prophylaktischer Beziehung wurden Waschungen mit Tabakslauge empfohlen; indess können sämmtliche Fliegenmittel dagegen versucht werden, so das Creolin, die Karbolsäure, der Theer, die Asa foetida, Abkochungen von Welschnussblättern in Essig u. s. w.
Ein ähnlicher Fall von seuchenartiger Erkrankung bei Rindern, Pferden und Schafen durch Simulia ornata ist von Müller beschrieben worden; von 170 erkrankten Rindern starben 2G.
2) Die Hautdassel- oder Biesfliege (Oestrus sive Hypoderma bovis) verursacht am häufigsten beim Rinde, seltener beim Pferde, Esel und Schafe, besonders auf Schulter, Rücken, Lenden, Kreuz, Brust die sogen. Dasselbeulen. Dieselben entstehen in der Weise, dass das Weibchen der Biesfliege ihre Eier auf die Haut des Rindes legt, worauf sich aus denselben Larven entwickeln, welche die Haut in ihrer ganzen Dicke durchbohren und schliesslich ins Unterhautzell-gewebe gelangen, wo sie ihre weitere Entwicklung durchmachen, etwa 0 Monate (Juli bis März) bleiben und in ihrer Umgebung Entzündung und Eiterung und schliesslich bis taubeneigrosse Geschwülste erzeugen (sogen. Dasselbeulen). Sind die Larven reif geworden, so verlassen sie den sie beherbergenden, bindegewebigen, häutigen Sack unter der Haut, nachdem sie den schon vorhandenen Ausführungs-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
684nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Fliegenlarvenkrankheit.
gang mit dem Hintertlieil entsprechend erweitert haben. Die Zahl der Dasselbeulen bei einem und demselben Thiere ist meist eine geringe, indess können sich bis zu 50, ja selbst bis zu 100 auf einer und derselben Haut befinden, was insofern eine Rückwirkung auf die Gesundheit der Thiere hat, als dieselben dabei häufig abmagern. Bei Annäherung der Biesfliegen zeigen die Binder das sogen. Biesenquot;: sie werden unruhig, springen wild umher, brüllen laut, richten den Schweif auf und suchen womöglich irgend ein Wasser oder den Stall zu erreichen. Die Behandlung der Dasselbeulen besteht im Ausdrücken der reiferen Larven oder Spalten mittelst des Messers. Die Prophylaxe in sorgfältiger Hautpflege, Entfernung der Eier, sowie Einreibungen der Haut an den oberen Theilen des Rumpfes mit Creohn, Theer, verdünnter Karbolsäure, Asa foetida-Lösung oder einer Wall-nussblätterabkochung und zwar insbesondere an gewitterschwülen Tagen vor dem Austreiben. Auch das Einreiben des Viehs auf dem Rücken mit Salz zur Fliegenzeit ist empfohlen worden.
Hinrichsen glaubt neuerdings die Larven der Dasselfliege in Form feiner Parasiten im Eückenmark.seanal dos llindes aufgefunden zu haben. Er ist der Ansicht, dass die Rinder die Eier der Dasselfliege mit dem Grase in sich aufiiehnien und dass die jungen Larven vom Magen resp. Darm aus nach dem Rückenmarkscanal gelangen, sich dort 66 Monate aufhalten und dann activ bis unter die Haut wandern. Auffallend ist hiebei nur die Seltenheit dieser Parasiten im Rückenmarkscanale.
Eine den Dasselbeulen des Rindes sehr ähnliche Hautkrankheit hat Railliot beim Hunde durch Einwanderung der Larven von Ochronvyia anthropophaga (vielleicht Larve der Menschenbieslliege, Dermatobia noxialisVj unter die Haut beobachtet. Die Erscheinungen bestanden in derben, linsen-grossen. bei der Berührung schmerzhaften Knoten, in deren Mitte eine cylindrisclie Oefinung wahrziinehmen war. Nach Verlauf von (i bis 7 Tagen erweicht der Knoten, erreicht dann die Grosse einer kleinen Nuss, worauf die Larve ausschlüpft. Die Knoten können ihren Sitz überall haben, bevorzugen indess Schwan/,, Ohren und Pfoten. Auch hier ist die Entfernung der Larven das einzige Mittel zur Heilung.
3) Die sogen. Fliegenlarvenkrankheit der Lämmer ist namentlich in Holland bekannt und wird veranlasst durch die Maden von Musca Caesar (nach Jennes und van Laer soll die Fliege Lucilia serinata sein). Die Fliegen setzen dabei ihre Eier zwischen die Hinterbeine der an Durchfall leidenden Lämmer, worauf die Larven die dichter bewollten Stellen der Schwanzwurzel und Lendengegend aufsuchen sollen, wo sie, nesterweise unter der Wolle vegetirend, die Haut siebartig durchlöchern. Aeltere Thiere werden seltener ergriffen. Die Behandlung besteht in Entfernung der Maden, sowie im Auftragen von Karbollösung, Tabaksabkochung u. s. w.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Liluse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 085
Von ganz besonderem Interesse scheinen gewisse Schnieisslliegen für die Tropengegenden zu sein; nach der Schilderung von Frantzius (Virchow's Archiv, 43. Band) sollen daselbst Tausende von Kälbern durch die in den Nabel gelegten Maden und die sich daran knüpfenden Entzündungsvorgilnge zu Grunde gehen.
Die gegen die geflügelten Insekten auf der Haut im Allgemeinen anwendbaren Mittel sind Einreibungen von stark rieclienden Flüssigkeiten, so von Creolin (2prooentig), Asa foetida (nach Martin 60 g in 1 Glas Essig und 2 Gläsern Wasser gelöst), von Benzin und Petroleum, stinkendem Tbieröl, Lorbeeröl. von Tabaks- und Welschnussbliltterabkochung, oder von bittersclimeckenden Lösungen, z. B. Abkochungen von A b s y n t h, E n z i a n , N u x v o m i c a. Auch der alkoholische Auszug des persischen Insectenpulvers soll sehr gute Dienste leisten.
Läuse mid Haarlinge auf der Haut.
Literatur. 1) Eck, Centralzeitung für die ges. Vetenuärmedioin. 1852. S. 2. 2) Me nke rt, Preuss. Mittb. 1855/50. S. 148. 8) Dint er, Sachs. Jahresber. 18G4. S. 81. 4) Seh leg, ibid. 18(39. S. 90. 5) Steinhoff, Adam's Wochenschrift. 1870. S. 18. 6) Zürn, Die thierischen Parasiten. 1882. 7) Thierry, Reoueil de m(-d. vet. 188:5. Nr, 6. 8) Klemm, Bad. thier-ärztl. Mittheil. 1884. S. 10. 9) Prietsoh, Sachs. Jahresber. 1886. S. 91. 10) Willi elm, ibid. 1888. S. 82. 11) Zorn, Preuss. Militär-Rapporte. 1888. S. 114; Zeitschr. f. Veterinärkde. 1889. S. 177. 12) Gross, Statist. Veterinilrboriclit über die preuss. Armee pro 1889. 13) Trofimo w, Charkower Veterinärbote. 1889. 14) Neumann, Traite des maladies parasi-taires. 1888. 15) Railliet, Elements de Zoologie medicale. Paris. 1885; Diet. vet. 1890.
1) Die Läuse sind blutsaugende Parasiten, welche ihre Eier (Nisse) an die Haare des von ihnen bewohnten Thieres anheften. Die meisten Hausthiere haben ihre eigene Species; so das Pferd (Haema-topinus oder Pediculus equi, resp. macroeephalus), das Rind (besitzt sogar zwei Arten: Haematopinus eurysternus und tenuirostris), das Schwein (Haematopinus suis), der Hund (Haematopinus piliferus) und die Ziege (Haematopinus stenopsis). Die bevorzugten Körperstellen sind der Hals und der Rücken, sowie die Schwanzwurzel, beim llinde sodann ausserdem die Umgebung der Hörner, sowie beim Schweine die Innenfläche der Hinterschenkel. Am häufigsten findet man Läuse beim liinde, und zwar kommen sie hier auch bei sehr wohlgenährten Thieren vor, desgleichen beim Hunde; im allgemeinen aber gedeihen sie besser auf schlechtgenährten, heruntergekommenen Thieren. Ihr Vorhandensein deutet immer auf eine verwahrloste Haut-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
G86nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Haarlinge.
pflege hin. Die durch Läuse hervorgerufenen Erscheinungen bestehen in Juckreiz, Ausfallen der Haare, starker Abschuppung der Epidermis, sowie in zahllosen, den Haaren anklebenden Eiern (Nissen); ausserdein verbreiten die Thiere oft einen sehr üblen Geruch und sind (namentlich Hunde bei längerer Dauer) über den ganzen Körper mit einer schmierigen, oder grindartigen Masse bedeckt.
2) Die Haarlinge sind keine Blutsauger, sondern Pelzfresser; ihr Kopf ist im Gegensatze zu dem spitzen, saugenden der Läuse breit, schildförmig; sie leben von Epidermisschuppen und Haaren. Lieb-lingsstellen sind Kopf, Hals und Beine der Hausthiere. Man unterscheidet einen Hundehaarling (Trichodectes latus), Pferdehaar-ling (T. pilosus), Rinderhaarling (T. scalaris), Katzenhaarling (T. subrostratus), Ziegenhaarling (T. climax) und Schafhaarling (Trichodectes sphaerocephalus). Letzterer erzeugt bei Schalen einen sehr lebhaften Juckreiz, welcher den Verdacht auf Räude erwecken kann.
Von Arzneimitteln gegen Läuse und Haarlinge stehen in gutem Rufe: 1) die graue Quecksilbersalbe; dieselbe kann in kleinen Dosen bei allen Hausthieren angewandt werden, besonders aber beim Pferde, Schweine und Hunde. Auch beim erwachsenen Rinde, das bekanntlich gegen Quecksilberpräparate überhaupt sehr empfindlich ist, haben wir durch Einreiben von ca. 5 g der grauen Salbe zwischen den Hörnern sehr gute Erfolge ohne irgend welche Vergiftungserscheinungen beobachtet. Beim Hunde streicht man die Salbe in erbsen- bis bohnengrossen Mengen am besten unter das Halsband. Wir haben beim Hunde auch durch vorsichtige Waschungen mit Sublimatlösung (1 Proc), wobei immer nur kleinere Strecken auf einmal abgewaschen und nachher sorgfältig trocken gerieben wurden, ausserordentlich rasche Erfolge erzielt. 2) Das persische Insecten-pulver, zwischen die vorher etwas angefeuchteten Haare eingestreut, ist indess für grössere Thiere meist zu schwach; ;]) Tabaksabkochungen, 4 Sprocentig, sind besonders bei Schafen und Hunden, weniger beim Pferd und Bind zu empfehlen; auch eine Art von Tabakslauge, die Nikotina, wird neuerdings gerühmt. 4) Von Gross wird gegen die Läuse der Pferde besonders das englische Creolin empfohlen. Die Auftragung der ^procentigen Lösung erfolgt mittelst Bürsten , nach (3 Tagen erfolgt eine zweite, nach weiteren (i Tagen eine dritte Waschung. Mit jeder Waschung muss eine gründliche Reinigung der Stallungen verbunden werden. Aus der grossen Menge anderer Mittel mögen noch erwähnt werden Waschungen mit einer Abkochung von Stephanskörnern (Semin. Staphisagriae) in Essig
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Flöhe.
|
(587
|
||
|
|
|||
|
(1 : 20), eine Mischung von gepulvertem Sabiidillsamen, Stephanslaquo; körnern, weisser Nieswurz zu gleichen Theilen, Anissamen zu zwei Theilen, welche jedoch nur für grössere Tiiiere geeignet ist, Benzol mit grüner Seife, Spiritus oder üel verdünnt, Karbolsäure in 5procentlger Lösung, sowie in besserer Hundepraxis das ätherische Anisöl, gemischt mit gewöhnlichem Oel (l ; 10). Die schon von Viborg und neuerdings von Schleg empfohlenen Arsenikwaschungen (Arsenik und Pottasche je 15 g, Wasser und Essig je 1 V-' kg) sind, mit Vorsicht angewandt, insbesondere bei grösseren Thieren mit sehr viel Läusen oder Haarlingen von sehr energischer Wirkung. Die von Eck empfohlene Brechnussabkochung ist als viel zu gefährlich zu verwerfen. Auch das von Menkert angewandte sehr giftige Oleum animale foetidum lässt sich durch Creolin ersetzen. Thierry wendet gegen dieHaarlinge der Schafe eine Mischung von gepulvertem Sabadillsamen und persischem Insectenpulver an. Gegen die Eier der Haarlinge endlich kann man Waschungen mit Essig gebrauchen, wofern man ihre Entwicklung nicht erst abwarten will; sie werden dabei durch Auflösung ihrer Kalkschale getödtet.
|
|||
|
|
|||
|
Diverse andere Hautsclunarotzer.
|
|||
|
|
|||
|
Literatur. 1. Zocken: 1) May, Magazin. 1854. S. 495. 2) Reynal, Kecueil de med. vet. 1854. 3) Megnin, ibid. 1860. 4) Dokkor, Repertor. 1859. S. 2;i7. 5) Bayer, Oesterr. Vierteljahrsschr. 1873. II. Vogolmilben: l)Prietsch, Sachs. Jahresber. 1868. S. 84. 2) Trasbot, Kecueil de mod. vet. 1875. 3)Gassner, lief. Deutsche Zeitschr. f. Thier-medicin. 1875. S. 437. 4) Steinbach, Preuss, Mittheil. 1875. S. 82. 5) Möbius, Sachs. Jahresber. 1880. S. 78. 0) Stadler, Bad. thierilrztl. Mitthoil. 1885. 7) Diecke rhoff, Specielle Pathologie. 1880. 8) Schuo-macher, Bad. thierilrztl. Mittheil. 188G. S. 204. 9) Ostertag, Reper-torium. 1890. S. 35. 111. Grasmilbe: 1) Defrance, Bulletin de la societe centr. de müdicin. veter. 11. Octob. 1866. 2) Delai'ond u. Bou rguign on, Traite de In psoro. 1802. 3) Megnin, Annul, scimic. natur. 1870. 4) Fri cd berger, Berlin. Archiv. 1875. 2. Heft; Münch. Jahresber. 1877/78. S. 122. 5) Csokor, Oesterr. Vierteljahrsschr. Bd. 57. 8. 87. 0) Penning, Thierilrztl. 131. f. Nieder!, Ind. Bd. 5.
1) Flöhe kommen vor beim Hunde (l'ulex canis) und der Katze (Pulex felis); sie sind Blutsauger, welche nicht bloss ihre Wirthe durch Juckreiz belästigen, sondern auch zu chronischen Hautausschlägen Veranlassung geben; ausserdem wird die Haut namentlich durch den Floh-koth verunreinigt, welcher sich oft ganz dicht, wie Kaffeesatz, zwischen
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
088nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Zecken. Lausfliegon.
die Haare eingestreut findet. Das beste Mittel gegen Flöhe ist das persische Insectenpulver (Floras Pyrethri), welches auf die Haut aufgepudert wird, nachdem dieselbe vorher behufs besseren Haftens des Pulvers schwach angefeuchtet ist. Dabei empfiehlt es sich, die Thiere nach dem Auftragen des Pulvers einige Zeit lang im Freien zu lassen, damit sich die durch das Mittel vertriebenen Flöhe nicht wieder nachträglich vom Stall oder Zimmer aus auf dieselben begeben können. Auch Waschungen resp. Bäder mit 2procentigem Creolin-wasser sind sehr empfehlensvverth.
2)nbsp; Die Zecken sind grosse, milbenähuliche Insecten, welche sich in Wäldern, Büschen und im Grase aufhalten, von hier aus die Haus-thiere überfallen und sich in ihre Haut einbohren, um daselbst Blut zu saugen. Man unterscheidet die Hundezecke (Ixodes ricinus), welche aussei- beim Hunde auch beim Rinde und Schafe vorkommt, sowie die Ochsenzecke (Ixodes reticulatus), welche auf der Haut des Rindes und Schafes schmarotzt; die amerikanische Zecke (Ixodes americanus) soll in Amerika besonders Pferde befallen. Die Behandlung besteht in Auftragen von gewöhnlichem Oel, Creolinöl, Kar-bolöl, oder von ätherischen Oelen (Terpentinöl, Anis-, Kümmel-, Fenchelöl etc.) auf die mit dem Kopfe in der Haut steckenden Parasiten ; ein gewaltsames Abreissen ist zu vermeiden, da hierbei die Köpfe in der Haut zurückbleiben.
3)nbsp; Lausfliegen (Pupipara) kommen als Parasiten vor beim Pferde (Hippobosca equina, Pferdelausfliege) und Schafe (Melophagus ovinus, Schaf lausfliege, sog. Schafzecke). Die Pferdelausfliegen sitzen in der Umgebung des Schwanzes und Afters, sowie am Unterbauche und erregen hauptsächlich durch ihr schnelles Hin- und Herlaufen, weniger durch ihr Saugen und Stechen, die Thiere, welche sehr unruhig werden. Die Schaf lausfliegen kommen vorwiegend bei Weideschafen vor, auf welchen sie Blut saugen; sie erzeugen ein lebhaftes Juckgefühl, in Folge dessen die Thiere sich reiben und scheuern und den Wollstapel beschädigen; ihre Excremente färben oft die Wolle grün. Mittel gegen die Schaf lausfliegen sind Tabaksabkochung, Waschungen mit Creolinlösungen, Karbolsäurelösungen, sowie die graue Quecksilbersalbe, pro Stück zu 3 4 g längs des Rückens und unter dem Halse eingerieben; die Behandlung ist am erfolgreichsten nach der Schur. Froh n er hat speciell mit englischem Creolin beider sog. Schaf zecke (Tecke, Schaflausfliege, Melophagus ovinus) eine Reihe von Versuchen angestellt. Kräftige, ausgewachsene Schafzecken wurden durch einige Tropfen 3procentiger Creolinlösung nach 1012 Minuten, durch einige
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Voseltnilbo,
|
680
|
||
|
|
|||
|
Tropieu '/raquo;- und Iprocentiger Creolinlösung nach 152U Minuten getödtet. Räudekranke, mit zahlreichen Zecken behaftete Schafe wurden durch ein einmaliges Creolinbad (Q'/gprocentig) vollständig von denselben befreit.
#9632;I) Die Vogelmilbe (Dermanyssus avium) lebt besonders auf Hühnern, Tauben, Schwalben und Stubenvögeln, sowie in deren Ställen, Nestern und Käfigen. Bei Nacht begeben sich die blutroth oder roth-hraun gefärbten Milben auf die in ihrer Nähe befindlichen Hausthiere (Rinder, Pferde, Hunde, Katzen), wo sie sich auch dauernd niederlassen können und einen starken .Juckreiz, sowie Hautausschläge erzeugen. So beobachtete Steinbach beim Pferde einen riludeähnlichen Ausschlag mit inselartigen Borken und Schrunden, der mit bedeutendem Juckreiz verbunden war; die Milben wurden dabei im Schöpfe, in der Mähne und an der Schweifwurzel aufgefunden; desgleichen sali Möbius bei 8 Kühen eine eigenthümliche Hauterkrankung mit runden haarlosen Stellen , welche seit 2 Jahren vergeblich behandelt wurde und erst nach Entfernung der im Stalle befindlichen Schwalbennester, dem Aufenthaltsorte der Vogelmilbeu, verschwand. Prietsch fand bei 2 Pferden eine grosse Anzahl wunder Flecken, namentlich am Halse und Rücken, welche von Haaren entblösst und tbeils mit kleienartigen Schuppen, theils mit dünnen Schorfen bedeckt waren; der Juckreiz war besonders Abends und in der Nacht ein ganz bedeutender. Nach Trasbot halfen sich die Milben beim Pferde mit Vorliebe unter der Decke auf. Beim Rinde können ausserdem die Vogelmilben durch ihre Ansiedlung im äusseren Gehörgang zu einer Otitis externa (Gassner) und beim Eindringen in das Mittelohr zu eigenthümlichen Gehirnreizungserscheinungen Veranlassung geben. So beobachteten Stadler und Schuemacher bei wegen Tobsucht geschlachteten Rindern den äusseren Gehörgang, sowie auch die inneren Theile des Ohres ganz vollgepfropft mit Vogelmilben. (Vergl. auch die Hautkrankheiten des Geflügels.) Ostertag fand im Gehörgange einer Kuh, welche oft stundenlang ununterbrochen den Kopf schüttelte, eine der vorigen verwandte Milbe, Gamasus auris.
Die Behandlung besteht in der Entfernung von Hühnerställen, Schwalbennestern etc. aus den Aufenthaltsräumen der betroffenen Hausthiere, sowie in Anwendung milbenfödtender Mittel (dreolin, Karbolsäure u. s. w.); ausserdem ist eine gründliche Untersuchung und Reinigung des Stalles anzuempfehlen.
5) Die Herbstgrasniilbe (Leptus autumnalia) hat ihren Aufenthalt in dürrem Grase, im schnittreifen Getreide, sowie auf Hol kinder- und
Friedberger n. Frölinor, Pathol. u. Therapie di Iluustliieic. I, Bd, 8. Aufl. 44
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
690
|
Herbstgrasmilbe.
|
||
|
|
|||
|
Jobanaisbeerstrftuohern mid gelangt von liier zuweilen nui' Hunde (Friedberger) und Pferde (Penning), wo sie einen pustulö.sen Hautausschlag, besonders am Kopfe, in der Umgebung der Schnauze, der Ohren und Augenlider, sowie auf der Innenfläche der Vordertusse, am Bauche, auf der Innenfläche der llinterfüsse, an den Genitalien etc. hervorruft. Die localen Veränderungen bestehen in anfangs umschriebenen, molinsameii-bishanfsaniengrossen rothen Punkten, welche sich bei genauer Untersuchung als Knötchen oder Pusteln erkennen lassen, denen eine Anzahl der rothgefärbten Milben aufsitzt: bei Druck lässt sich aus denselben bald eine blutige Flüssigkeit ausdrücken. Später vergrössern sich diese Stellen zu markstückgrossen, kahlen oder nur massig behaarten Flecken, indem die Haut hyperämiscli und empfindlich wird, und die Haare in der Peripherie ausfallen; meist ist gleichzeitig ein massig starker Juckreiz vorhanden. Der Ausschlag kann mehrere Wochen lang andauern, lässt sich jedoch durch Einreiben einer Creolin-salbe oder Karbolsalbe, sowie von Creolin- resp. Karbolglycerin leicht beseitigen. Eloire hat die Milbe auch bei Hühnern beobachtet (vergleiche S. 695).
Nach Megnin bildet die Herbstgrasmilbe die Jugendfora! (6bei-nige Larve) der Sanimetmilbe, Trombidium holosericeum. Dieselbe soll ferner die Ursache des vesiculären Ekzems der Trau benkam m-krankheit sein und auch sonst bei Hunden, Hindern und Pferden Hautausschläge mit starkem Jucken bedingen. Sie wird angeblich auch auf den Blättern des Buchweizens gefunden.
A n h ang.
Die thierisch-parasitären Hauterkrankungen des Geflügels.
|
|||
|
|
|||
|
Die Rftnde dos Geflügels.
|
|||
|
|
|||
|
Literatur. I. Dermatoryktesräude; 1) Kobin und Lanquetin, Gompt. tend. Ac sc. 185'J. 2) Reynal u. Lanquetin, Rocueil vet,. 18öl und 1868. 3) Unter berger, Reperfc. 1805. S. 12. 4) Ger lach, Lehrbuch der allgem. Therapie der HaustMere. 18(j8. s. 577. 6) Fürstenberg, Mittheil. aus dein naturwiss. Vereine für Vorpommern und Rügen. 1870. S. 56. 6) Siedamgrotzky, Sachs. Jahresber. 1871. 8. 1)2; 1877. S. 6(1.
7)nbsp; Zu in, Oesterr. landwirtliseh. Wochenblatt. 187(i; Die Krankheiten des Hausgeflügels. 1882. S. 55; Deutsche Zeitsohr, f. Thionnedicin. 1883. S. 197.
8)nbsp; Ehlers, Zeltschr. f. Zoolog. 28. Ud, 9) Megnin, Los parasites et li's maladies parasitaires. Paris 1880. 10) Friedberger, Deutsche Zeitsohr.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Rftude des Qeflüsels.
|
691
|
||
|
|
|||
|
f. Thiermed, 1881. S. 281; Münoh. Jahresber. 1880/87. S. 86. 11) Nörner, #9632;Oesterr. Viertuljahrssolir. 1882. S. 118. 12) Railliet, Bullet, do la Soo, centr. de med. vct. 1885; Bullet, de la Soc. zoologique de France. 1887. II. Derm atophagusi-iiude : 1) Cap a rin i, Bullet, voter. 1880; Refer, im Thierarzt. 1880. S. 187. 2)Friedbergei,l Deutsche Zeitschr. f. Thiermed. 1881. 8. 281. 3) Trouessart u. Neumann, Hüllet. d(^ la soc. d'Etades scientif. d'Ansrers, 1887; Reoueil, 1890,
|
|||
|
|
|||
|
Unter der grossen Zahl von thieri.schen Ketopnrasiten, von denen das Hausgeflügel heimgesucht wird, spielen die Uiiudemilben eine Hauptrolle, und zwar sind insbesondere 2 Räudet'onnen zu unterscheiden :
1)nbsp; Die durch Dermatoryktes inutans (Ehlers) erzeugte lläude, eine Sarcoptes-ähnliche Milbe, welche früher auch Sarcoptes inutans (Robin), Sarcoptes aviuni (Gerlach) oder Knemidocoptes viviparus (Fürstenberg) genannt wurde.
2)nbsp; nbsp; Eine Dermatophagus- oder Symbiotesriiude, durch eine von Caparini entdeckte Milbe (Dermatophagus gallinarum) veranlasst. Nach Trouessart und Neumann wäre diese Milbe identisch mit Bpidermoptes bilobatus (Rivolta).
1. Die Dermatoryktesräude wird durch eine der Sarcoptesrailbe der Säugethiere sehr ähnliche, aber nicht identische Milbe hervorgerufen, welche sich von den Sarcoptiden besonders durch den abweichenden Bau der Scherenkiefer unterscheidet. Die Weibchen sind grosser als die Männclien (0,4 mm lang) und haben eine nahezu kugelrunde Gestalt. Die Männchen sind mehr länglich oval (0,2 mm lang). Die schmutziggelben Milben haben im erwachsenen Zustande 1, im Larvenzustande 8 Fusspaare; am After besitzen sie 2 lange Haare. Die Dermatoryktesmilbe Ist, wie der Name besagt, eine grabende Milbe, welche sich Gänge unter der Epidermis bohrt; sie wurde 18quot;)!) entdeckt von Robin und Lanquetin. Am häutigsten wird das Huhn von der Räude befallen, und zwar die importirten Rassen immer stärker als die inländischen; indess kann die Milbe auch auf andere Vögel, z. B, Tauben oder exotische Vögel, übergehen; Megnin hat sie auch bei Puten, Fasanen und bei Singvögeln getroffen.
Bei der Taube hat zuerst Railliet (188.quot;)) unter dem Namen Sarcoptes laevis var. Columbaequot; eine Räudemilbe beschrieben, welche der Dermatoryktes mutans ausserordentlich ähnlich ist. In neuerer Zeit (1887) beschreibt er nebst dieser eine zweite Varietät (Sarcoptes laevis var. gallinaequot;, welche er bei der Räude der
|
|||
|
|
|||
|
T
|
||
|
|
||
|
(i92nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;üenmitoryktes-liümk.
Hühner mitral'. Wahrscheinlich handelt es sich bei der von Fried-berger (188087) beschriebenen Dermatoryktesmilbe der Taube um dieselbe Railliet'sche Milbe, welche bei der grossen Variationsfähigkeit dieser Art möglicher Weise identisch mit der Dermatoryktesmilbe ist. Nach Riiilliet ist die betreffende Fussräude wenig ansteckend.
Die Erscheinungen der auch als Fusskrützequot; oder Kalkbeinequot;, ausserdem als Fischschuppenkrankheitquot; der Hühner bezeichneten Krankheit sind folgende. In der Hauptsache localisirt sich die liilude auf die Beine, kann jedoch offenbar durch das Kratzen und Picken der erkrankten Tliiere auch auf den Kopf (Kamm, Kehllappen, Schnabel) und Hals übertragen werden, ini Beginne beobachtet man zunächst auf der Vorderfliiche der Extremitäten (den Mittelfuss- und Gangknoohen entsprechend) kleine, weissliehgraue Flecken, die sich vergrössern und zu kreis- oder zickzackfönnigen Krusten anwachsen; später wird die Vorder- und Hinterfläche mit unebenen, höckerigen, gelblichgrauen Borken bedeckt, welche sehr porös und rissig sind, bis zu 1 cm dick werden können und ein blätteriges Gefüge besitzen, wobei die einzelnen Blätter einen fettigen. perlmutterartigen Glanz haben und sich auch fettig anfühlen. Die Beine sind durch die Borkenauflagerung oft unförmlich verdickt, die hornigen Fussschienen haben sich losgelöst und stehen weit ab, die Haut erscheint wie mit Kalk oder Lehm überzogen (sogen. KalkfüsseJ. Unter den Borken, welche in der Hauptsache aus Epidermisschuppen, eingetrockneten Entzündungsproducten und Milben bestehen, ist die Haut höher geröthet, geschwollen, eiterig inflltl'irt und leicht blutend. Gewöhnlich besteht ziemlich starker Juckreiz; die Thiere hacken mit dein Schnabel in die Borken, reiben und scheuern sich. Bei höheren Graden des Leidens sind die Hühner am Laufen verhindert und können selbst nicht einmal stehen, sondern hocken auf der Unterbrust; späterhin stellt sich ferner Abmagerung und Kachexie und in sehr schweren Fällen der Tod ein.
Die Behandlung der Dermatoryktesräude besteht in der Entfernung der Räudeborken nach vorhergehender Aufweichung mit Glycerin oder Schmierseife, sowie Einreiben von Karbol- oder Kreosotsalbe (1 : 1020), Theer, Perubalsam, Styrax, Helmerich'scher Schwefelsalbe u. s. w. Ausserdem muss gleichzeitig eine Desinfection der Stallungen und Sitzstangen vorgenommen worden.
H. Die Dematoplmgusräude des Gellügeis befttllt besonders den Hals und die Brust, kann sich aber auch rasch über den Stanzen
|
||
|
|
||
|
m
|
||
|
|
||
|
Bautparasiten des Qeflügels,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(j[Ki
Körper, selbst über den Kamin und die Kehllappeu verbreiten. Die Haut bedeckt sich dabei mit dünnen, durchscheinenden, strohgelben Bpidermissohuppen, welche sich schichtenweise über einander lagern und allmählich zu dicken, schmutzig gelbgrauen, trockenen, brodteig-iihnlichen Borken anwachsen. Unter den Borken ist die Haut hyper-ilmisch; Juckreiz fehlt. Die Dertnatophagusräude führt bald zu Abmagerung und Entkrilftung, sowie häufig zum Tode der erkrankten Thiere. Die Behandlung ist dieselbe wie bei der vorigen Räudeform. Priedberger beobachtete eine Complication der Derma-toryktes- und der Dermatophiigusräude auf einem und demselben Thiere.
Unter dem Namen Sarcoptes cysticola (Laminosooptes gallinar.) ist von verschiedenen Beobaobtern eine sarooptesälmliobe Mill)e beschrieben worden, welche in K asp ein eingeschlossen auf der Haut, im Unter-hautzellgewebe, sowie auf den serösen Häuten der Organe in der Bauchhöhle angetroffen wird : auf der Saut verursacht sie zuweilen einen rilude-artigen Ausschlag (Unterberger),
|
||
|
|
||
|
Diverse andere durch thierische Parasiten erzeugte Hant-affecttonen lt;les Geflügels.
Literatur. 1) Zürn, Die Krankheit, d. Hausgeflügels, Weimar 1882. 2) Nörner, Syringophilus bipectinatus. Oesterr. Vierteljahrssohr. 1882; Anaiges minor, Verhandlungen der k. k. zoolog.-botan. Qesellsohaft in Wien 1882. iil Wa-dikowski, Ref. im thierftrztl. Jahresber, 1885. S. läS. 4) Caüasö, Journ. du Midi. 1850. 6) Mi'gnin, Maladies dos oiseaux, Paris 1877. 6) Neumann. Tniite des maladies parasitaires. Paris 1888. 7) Kloire, Recueil de nn-d. vot. 1891. Nr. 10,
Von den verschiedenen thierischen Parasiten, welche die Haut des Geflügels bewohnen und theils zu Hauterkrankungen, theils zu Schädigungen des Gefieders Veranlassung geben, mögen nur die folgenden genannt sein:
I) Die Federbalgmilbe der Haustaube (llarpirhynchus nidu-lans) lebt in den Fedorbälgen, welche dadurch zu gelben, erbsen-bis bohnengrossen Kapseln oder Cysten aufgetrieben werden, sowie in bindegewebigen Cysten der Haut, besonders an der Uuterbrust und unter den Flügeln. Der Inhalt der knollenartigen Auftreibungen besteht fast aus lauter Milben, welche zu Hunderten in einer Cysle angetroffen werden: sind sehr viele Milbenkapseln auf der Haut vorhanden, so magern die Thiere ab und gehen zu Grunde.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
()f)4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Hautparasiten des Geflügels.
2)nbsp; Die wurmförmige Taubenmilbe (Hypodectes oolumbarum) findet sich im [luterhautzellgewebe, auf den serösen Häuten der Bauchhöhle, sowie im Bindegewebe der Aorta und stellt die Larve oder Nymphe von Falciger rostratus dar; sie erzeugt auf der Haut Störungen der Mauserung und Federbildung, sowie leichte entzündliche Zustände.
3)nbsp; nbsp;Die Federsinümilbe des Huhns und der Taube (Syringo-philus bipectinatus) lebt in den Kielen der Schwanz- und Flügelfedern und verursacht Deformitäten der Spulen, Ausfallen der Federn und unregelmässige Mauserung. Die Federn haben ein krankes, mattes, glanzloses Aussehen und sind an der Spitze der Spindel meist gekrümmt; die Spulen sind nicht mehr transparent und mit einem schmutzig gelbgrauen, pulverartigen Inhalte angefüllt. Weiteren Schaden erzeugen die Milben offenbar nicht; über die Häufigkeit ihres Vorkommens gibt eine Angabe von Heller Aufschluss, wonach in Schleswig-Holstein 7090 Proc. aller Hühner mit Syringo-philus bipectinatus behaftet sein sollen. Beim Pfau findet sich Syringo-philus uncinatus.
4)nbsp; nbsp;Die Pedermilbe der Tauben (Zürn) lebt zwischen den Federn oft in sehr grossen Mengen und kann zu Abmagerung und selbst zu tödtlicher Entkräftung Veranlassung geben. Zürn vermuthet auch, dass der sogen. Grind der Tauben am Vorderkopfe durch diese Milbe erzeugt wird. (Dieselbe gehört wohl zu den Federungen.)
5)nbsp; nbsp;Die von Nörner im Inneren der Federspulen der Hühner (entdeckte Milbe Anaiges minor ist vollständig unschädlicher Natur und verändert die Spulen nicht im geringsten; .sie ist daher mehr von wissenschaftlichem, als von praktischem Interesse.
6)nbsp; nbsp;Die gemeine Vogelmilbe (Dermanyssus avium) gehört als blutsaugende Milbe zu den lästigsten und gefährlichsten Hautparasiten des Geflügels; sie kommt besonders bei Hühnern und Tauben, sowie bei Stubenvögeln vor, welche sie indess meist nur zur Nachtzeit atta-quirt (sie geht ausserdem auf Pferde, Hunde, Rinder, Katzen und selbst den Menschen über). Der Aufenthalt der Milben bei Tage sind die Spaltöffnungen und Ritzen des Fussbodens, der Wand, der Käfige, ausserdem die untere Seite der Sitzstangen. Die Beunruhigung des Geflügels durch die nächtlichen Parasiten ist eine sehr bedeutende; ausserdem können besonders jüngere Thiere in Folge des Blutverlustes zu Grunde gehen, ältere werden anämisch und magern ah.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
(
|
Hautpanisitun dos üullüguls.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;QQft
Auch in der Nasenhölile findet man oft Vogelinilben, woselbst sie einen Katarrh der Schleimhaut erzeugen, an dem jüngere Thiere selbst erliegen können (Zürn); desgleichen hat man sie im Gohürgange angetroffen.
7)nbsp;Die Herbstgrasmilbe (Leptus autumnalis) kommt nach Eloire auch bei Hühnern vor. Die Milben bohren sich am Grunde der Federn in die Haut und erzeugen rothe Pünktchen und kleine Pusteln. In Folge des starken Reizes können sogar epileptiforme Anfalle auftreten. Junge Hühner schreien, schlagen mit den Flügeln um sich, fallen zu Boden und sterben meist schon nach wenigen Tagen. Aeltere Hühner sterben an Anämie.
8)nbsp; Die nmschelförmige Saumzecke der Tauben (Argas reflexus) belästigt namentlich in Frankreich und Italien durch Blutsaugen die Tauben bei Nacht und kann sie dadurch selbst tödten.
9)nbsp; Die Federlinge sind flügellose Mallophagen (Pelzfresser) und entsprechen den Haarlingen der Säugethiere: sie nähren sich aus-schliesslich von Federn nnd Epidermisschuppen. können sich jedoch mit ihren Fresswerkzeugen in der Haut festsetzen. Ueber die einzelnen Familien und Gattungen vergl. Zürn, Die Krankheiten des Hausgeflügels. In grosser Anzahl können die Federlinge Ernährungsstörungen ihrer Wirthe bedingen; auf kranken Thieren vermehren sie sich meist rasch.
10)nbsp; Der Vogelfloli (Pulex avium) belästigt besonders Tauben.
Zur Vertreibung dieser verschiedenen Parasiten wird eine Anzahl von Mitteln empfohlen, Nach Zürn sind gegen Federspulmilben und Federmilben ätherische Gele (Anisöl, llosmarinöl) mit 1 : 2050 Wasser oder Oel verdünnt, desgleichen Perubalsam oder Styrax (1 : 4 Spiritus) neben möglichster Reinlichkeit, sowie reichlichein Vorrath an Sand anzuwenden. Auch Besprengen des Gefieders mit 1j-gt; Iprocentigem Creolinwasser ist ein sehr wirksames Mittel. Gegen die Vogelmilbe bedient man sich des persischen Insecten-pulvers oder des Einblaseus von sublimirtem Schwefel, oder Waschungen mit verdünntem ätherischem Anisöl, ausserdem müssen die Spalten und Ritzen des Holzwerkes, die Sitzstangen u. s. w. Morgens mit Creolin, Karbolsäure oder Petroleum bestrichen und der Stall womöglich mit heissem Wasser, dem eine geringe Menge ätherischen Anisöles beigemischt ist, ausgescheuert werden; gemauerte Ställe sind mit Kalk öfters frisch zu weissen. Vogelbauer auszubrühen. Gegen
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
Ö9G
|
Hautparasiten des Geflügels.
|
||
|
|
|||
|
Federliuge empfiehlt sich ebenfalls das persische Insectenpulver, sowie irgend ein ätherisches Oel; auch Abkochungen von Anis, Petersiliensamen etc. können verwendet werden. Ausserdem soll man den Thieren hinreichend Gelegenheit geben, sich im Sande zu baden, wodurch ihnen ermöglicht wird, sich der Parasiten zu entledigen; am besten wird dabei der Sand mit Asche gemischt, welche auch mit Vortheil für sich allein in die Fussböden der Ställe eingestreut wird. Endlich wird gegen die Vogelmilbe empfohlen: die Sitzstangen durch Oelnäpfe zu isoliren, welche sich an den Trägern befinden und in denen die Enden der Sitzstangen ruhen. Auch durch das Ueberhängen eines Taschentuches über das Vogelbauer beim Dunkelwerden und die Wiederabnahme desselben in der Morgendämmerung sollen sich die Milben fangen und beseitigen lassen.
|
|||
|
|
|||
|
JÜJ
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
|
||||||
|
|
-^fcw reg;
|
|
||||
|
|
||||||
|
|
^copy;rr.
|
|
||||
|
|
||||||
|
|
||||||||||
|
|
:^.'- ^
|
|
||||||||
|
|
||||||||||
|
|
j . V.
|
|
||||||||
|
|
||||||||||
|
|
-I^N
|
|
||||||||
|
|
||||||||||
|
IKF.K i|jB.S.
|
||||||||||
|
|
||||||||||
|
|
:*^i
|
|
||||||||
|
|
||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||
|
|
iwat,ww.ui i. v
|
|
||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||
|
|
^r^
|
|
||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||
|
|
v-nbsp; nbsp; nbsp; ^K
|
|
||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||
|
|
e^-
|
|
||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||
|
|
!LX
|
|
||||||||||||||||||||
|
|
'/ ,'-\-r/
|
|
||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||
|
|
#9632; i \i #9632;rv-*- * gt;. :#9632;quot;
|
|
||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||
|
|
^-^ly^v,
|
|
||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||