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Das Hecht der Uebersetzung' bleibt vorbehalten,
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DruoU dev Union Deutsche Vorlagsgesellschaft in Stuttsart.
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Vorwort zur vierten Auflage.
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Der Zuwachs au neuem Material von Beobachtungen und Forschungen, welcher namentlich auf dem Gebiete der Seuchenpathologie seit dem Erscheinen der letzten Ausgabe des vorliegenden Lehrbuches ein nicht unerheblicher ist, hat eine wesentliche Yer-mehrung des Inhaltes desselben nothwendig gemacht. Um eine allzustarke Umfangsvergrösserung des Werkes zu vermeiden, mussten an zahlreichen Stellen Streichungen vorgenommen werden, welche unter Anderem die einleitenden diagnostischen Capitel betreffen. Wir müssen bezüglich dieser nunmehr in Wegfall kommenden Abschnitte auf unser Lehrbuch der klinischen TJntersuchungsmetlioden verweisen. Ausserdem suchten wir durch die Einführung von Abkürzungen und durch eine Aenderung des Drucksatzes der immer mehr anwachsenden Literaturübersicht Raum für die neuen Zusätze zu gewinnen. Der Abschluss der Literatur musste mit dem 1. Oktober 1895 erfolgen.
Zu der in der letzten Auflage erwähnten französischen und russischen Uebersetzung unserer Pathologie ist ohne unser Yor-wissen eine englische getreten. Dieselbe hat einen Dr. Zu ill in Amerika zum Herausgeber,
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I
Münohen u, Berlin im Februar 1896.
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Friedberger. Fröhner.
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IVnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Vorwort.
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Vorwort zur ersten Auflage.
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Mit der Herausgabe eines neuen Lehrbuches der speciellen Pathologie und Therapie der Hausthiere glauben wir einem thatsächlichen Bedürfnisse entsprochen zu haben. Eine Neubearbeitung des Stoffes erschien uns nach zwei Seiten hin nothwendig und gerechtfertigt; zunächst mussten die Errungenschaften der neueren Zeit, denen wir die eigenen Erfahrungen anschlössen, in zweckmässiger Weise verwerthet, sodann aber die reichen Schätze der älteren Literatur besser ausgenützt werden. Dabei durfte jedoch nur das Wichtigste, das Wesentlichste Aufnahme finden; alles Nebensilchliche oder nicht genügend Erwiesene musste möglichst in Wegfall kommen. Nur so konnte ein für den Studirenden und Thierarzt geeignetes, zuverlässiges Lehrbuch geliefert werden.
Wir wollen indessen nicht verschweigen, dass manche Capitel der speciellen Pathologie und Therapie nach dem gegenwärtigen Stande unserer Kenntnisse und Erfahrungen noch sehr Stückwerk sind; es gilt dies besonders für viele Organerkrankungen des Rindes, sodann für Nieren-, Leber-, Gehirnkrankheiten u. s. w. überhaupt. Hier ist noch vieles, vieles zu untersuchen und klar zu legen. Gerade dadurch aber, dass wir im Einzelnen auf diese Mängel und Lücken hinwiesen, hoffen wir gleichzeitig auch eine Anregung zum weiteren Ausbau der speciellen Krankheitslehre gegeben zu haben.
Eine nach allen Seiten hin befriedigende Eintheilung der Krankheiten zu geben, erwies sich leider als nicht immer möglicli; sehr häufig musste die rein wissenschaftliche Classificirung einem mehr practischen Systeme weichen. Die täglich fortschreitende ätiologische Forschung wird auch hierin hoffentlich in nicht allzuferner Zukunft Wandel schaffen.
Wenn wir uns bei der Besprechung der Therapie nur auf das Einfachste und Erprobteste beschränken, so^dürfte dies dem allenfallsigen Werthe des Buches sicher keinen Eintrag thun.
Möge somit unser Lehrbuch den Fachgenossen und vor Allem auch der studirenden Jugend gute Dienste thun.
München u. Stuttgart im November 1885.
Friedberger. Fröhner.
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Inhaltsverzeicliniss.
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Seite
Krankheiten der ]gt;igcstionraquo;orgniie..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
Stomatitis, Schleimhautentzündung der Muulhöhle.....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
1.nbsp; Kiitarrlialisciie Stomatitis...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2
2.nbsp; Aphthöse Stomatitis.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;7
3.nbsp; Ulceröse Stoirmtitis.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;8
Parotitis........................nbsp; nbsp; nbsp; 13
Pharyngitis.......................nbsp; nbsp; nbsp; 10
Krankheiten des Schlundes................nbsp; nbsp; nbsp;33
1.nbsp; Die Erweiterungen des Schlundes............nbsp; nbsp; nbsp;34
2.nbsp; Die Yeiengerungen des Schlundes............nbsp; nbsp; nbsp; 37
3.nbsp; Die Zerreissung des Schlundes.............nbsp; nbsp; nbsp;39
4.nbsp; Die Lähmung dos Schlundes..............nbsp; nbsp; nbsp;41
5.nbsp; Der Krampf des Schlundes...............nbsp; nbsp; nbsp;42
6.nbsp; Die Entzündung des Schlundes.............nbsp; nbsp; nbsp;44
Die Kropfkrankheiten des Geflügels............nbsp; nbsp; nbsp;46
1.nbsp; Der Katarrh und die Entzündung der Kropfschleimhaut ....nbsp; nbsp; nbsp;4(j
2.nbsp; Die quot;Verstopfung des Kropfes..............nbsp; nbsp; nbsp;47
Die krankhaften Gelüste.................nbsp; nbsp; nbsp;48
I. Die Lecksucht des Rindes...............nbsp; nbsp; nbsp;48
II. Das Wollefressen der Schafe..............nbsp; nbsp; nbsp;59
A cuter Magendarmkatarrh des Pferdes ..........nbsp; nbsp; nbsp;63
Chronischer Magendarmkatarrh des Pferdes........nbsp; nbsp; nbsp;75
Acuter Magendarmkatarrh des Rindes...........nbsp; nbsp; nbsp;83
Chronischer Magendarmkatarrh des Rindes.........nbsp; nbsp; nbsp;92
Acutes Aufblühen der Wiederkäuer............nbsp; nbsp; nbsp;98
Chronisches Aufblähen der Wiederkäuer..........nbsp; nbsp; 108
Pansenüberfüllung beim Rinde..............nbsp; nbsp; 111
Labmagenkatarrh und Labmagen-Dünndarmkatarrh des Rindesnbsp; nbsp; 114
Magendarmkatarrh des Jungviehs.............nbsp; nbsp; 116
Gastrische Störungen, durch Fremdkörper in den Vormägen des
Rindes herbeigeführt .................nbsp; nbsp; 121
Magendarmkatarrh beim Fleischfresser..........nbsp; nbsp; 128
Verstopfung beim Hunde.................nbsp; nbsp; 133
Verschluckte Fremdkörper beim Hunde.....'......nbsp; nbsp; 137
Magendarmkatarrh des Schweines.............nbsp; nbsp; 141
Magendarmkatarrh (Durchfall und Verstopfung) beim Geflügelnbsp; nbsp; 142
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Seite
Die Kolik der Pferde ..................nbsp; nbsp; 144
A. Allgemeiner Tlieil..................nbsp; nbsp; 144
13. Pie einzelnen Kolikarten...............nbsp; nbsp; 103
I. Die Krampfkolik................nbsp; nbsp; 103
II.nbsp; Die Uebevfiitterungskolik . . ... ......nbsp; nbsp; 166
III.nbsp; Emboliseh-thrombotische Kolik............nbsp; nbsp; 170
IV.nbsp; Verstopfungskolik................nbsp; nbsp; 177
1.nbsp; Ansohoppungskolik..............,nbsp; nbsp; 178
2.nbsp; Steinkolik..................nbsp; nbsp; 180
3.nbsp; Verstopfung nach Dannvcrlagerungcn........nbsp; nbsp; 183
4.nbsp; Darminvagination................nbsp; nbsp; 186
5.nbsp; Neubildungen......... .......nbsp; nbsp; 187
6.nbsp; Darmstricturen.................nbsp; nbsp; 189
7.nbsp; Dilatation und Parese des Darmes.........nbsp; nbsp; 189
V.nbsp; Die Windkolik .................nbsp; nbsp; 190
VI. Die Wurmkolik.................nbsp; nbsp; 192
Die Kolik des Rindes............ ......nbsp; nbsp; 194
Die Kolik der Hunde...................nbsp; nbsp; 198
Die Kolik der Schweine.................nbsp; nbsp; 199
Magen- und Darmgescliwürc................nbsp; nbsp; 200
Magen- und Darmblutung.................nbsp; nbsp; 205
Magendarmentzündung .................nbsp; nbsp; 208
1.nbsp; Die einfache nicht toxische..............nbsp; nbsp; 209
2.nbsp; Die, oroupöse....................nbsp; nbsp; 215
3.nbsp; Die mykotische...................nbsp; nbsp; 218
4.nbsp; Die toxische....................nbsp; nbsp; 283
i. Mineralische Gifte................nbsp; nbsp; 234
1.nbsp; Phosphor..................nbsp; nbsp; 234
2.nbsp; Arsenik...................nbsp; nbsp; 235
3.nbsp; Blei....................nbsp; nbsp; 237
4.nbsp; Quecksilber.................nbsp; nbsp; 239
5.nbsp; Kupfer...................nbsp; nbsp; 241
6.nbsp; Zink....................nbsp; nbsp; 242
7.nbsp; Brechweinstein................nbsp; nbsp; 242
8.nbsp; Kochsalz und Lake..............nbsp; nbsp; 242
9.nbsp; Salpeter ..................nbsp; nbsp; 244
10.nbsp; Glaubersalz.................nbsp; nbsp; 244
11.nbsp; Aetzende Alkalien...............nbsp; nbsp; 245
12.nbsp; Aetzende Säuren...............nbsp; nbsp; 245
13.nbsp; Essig....................nbsp; nbsp; 246
14.nbsp; Carbolsäure.................nbsp; nbsp; 246
15.nbsp; Jodoform..................nbsp; nbsp; 247
II. Pflanzliche Gifte.................nbsp; nbsp; 248
1.nbsp; Lupinenkrankheit...............nbsp; nbsp; 248
2.nbsp; Kleekrankheit.................nbsp; nbsp; 256
3.nbsp; Schachtelhalm................nbsp; nbsp; 257
4.nbsp; Bucheckern.................nbsp; nbsp; 258
5.nbsp; Ricinuskuohen................nbsp; nbsp; 258
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hibaltsverzeiohniss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; VII
Seite
(j. Biiuimvollsaatinehl...............nbsp; nbsp; 259
7.nbsp; Herbstzeitlose.................nbsp; nbsp; 259
8.nbsp; Wilder Mohn.................nbsp; nbsp; 2Ü0
9.nbsp; Tabak...................nbsp; nbsp; 261
10.nbsp; Eibenbuum..................nbsp; nbsp; 261
11.nbsp; Kornrade..................nbsp; nbsp; 262
12.nbsp; Buohsbaumblfttter...............nbsp; nbsp; 262
13.nbsp; nbsp;Digitalis..................nbsp; nbsp; 262
14.nbsp; Oleander..................nbsp; nbsp; 263
15.nbsp; Goldregen..................nbsp; nbsp; 263
IG. Mutterkorn.................nbsp; nbsp; 264
17.nbsp; Terpentinölbaltige Pflanzen (enzootiscbo Magendarment-
zttndung).................nbsp; nbsp; 264
18.nbsp; Senföl...................nbsp; nbsp; 265
19.nbsp; Crotonöl..................nbsp; nbsp; 266
20.nbsp; Helleboras..................nbsp; nbsp; 266
21.nbsp; Veratrin..................nbsp; nbsp; 266
22.nbsp; Sturmhut..................nbsp; nbsp; 266
23.nbsp; Ranunkeln..................nbsp; nbsp; 267
24.nbsp; Bingelkraut..................nbsp; nbsp; 267
25.nbsp; Wolfsmiloh.................nbsp; nbsp; 267
26.nbsp; Fleckschierling................nbsp; nbsp; 268
27.nbsp; Wasserschierling ...............nbsp; nbsp; 268
28.nbsp; Gartenschierling................nbsp; nbsp; 268
29.nbsp; Flachs...................nbsp; nbsp; 268
30.nbsp; Narcissus..................nbsp; nbsp; 268
81, Pfeiler...................nbsp; nbsp; 269
32.nbsp; Eicheln...................nbsp; nbsp; 269
33.nbsp; nbsp;Aloe.......-.............nbsp; nbsp; 269
34.nbsp; Seidelbast..................nbsp; nbsp; 269
85. Meerrettig..................nbsp; nbsp; 270
36. Schwalbenwurzel...............nbsp; nbsp; 270
Diverse Giftpflanzen..............nbsp; nbsp; 270
III. Thiorische Gifte.................nbsp; nbsp; 271
1.nbsp; Canthariden.................nbsp; nbsp; 271
2.nbsp; Schlangenbisse................nbsp; nbsp; 272
8. Bienenstiche.................nbsp; nbsp; 272
Anhang. Die rein narkotischen Gifte............nbsp; nbsp; 27:5
1.nbsp; Strychnin..................nbsp; nbsp; 273
2.nbsp; Solanin...................nbsp; nbsp; 273
3.nbsp; Blausäure..................nbsp; nbsp; 274
4.nbsp; Kohlenoxyd.................nbsp; nbsp; 274
5.nbsp; Tauniollolch.................nbsp; nbsp; 274
0. Alkubul...................nbsp; nbsp; 274
7.nbsp; Kichererbsen.................nbsp; nbsp; 275
8.nbsp; Leuchtgas..................nbsp; nbsp; 275
9.nbsp; Eserin...................nbsp; nbsp;275
10. Pilocarpin..................nbsp; nbsp; 275
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VIIInbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Inlialtsverzeichniss.
Seite
11.nbsp; Morphin..................nbsp; nbsp; 275
12.nbsp; Apomorphin.................nbsp; nbsp; 275
13.nbsp; Santonin..................nbsp; nbsp; 275
14.nbsp; Antifebrin..................nbsp; nbsp; 275
Thierischu Sehmarotzer im Darmkanal...........nbsp; nbsp; 270
I. Bandwürmer...................nbsp; nbsp; 278
II, Spulwürmer...................nbsp; nbsp; 288
III,nbsp; nbsp;Pallisadenwiirmer.................nbsp; nbsp; 292
IV.nbsp; Pfriemensohwftnze.................nbsp; nbsp;299
V. Der Riesenkratzer des Schweins............nbsp; nbsp; 299
VI. Gastruslarven...................nbsp; nbsp; 301
VII. Diverse andere Darmschmnrotzer............nbsp; nbsp; 303
Lebcrkrankhcildi.....................nbsp; nbsp; 300
Ikterus ........................nbsp; nbsp; 300
Leberruptur......................nbsp; nbsp; 811
Parenehymatöse Leberentzündung.............nbsp; nbsp; 313
Chronische interstitielle Hepatitis............nbsp; nbsp; 317
Amyloidleber......................nbsp; nbsp; 319
Leberkrebs.......................nbsp; nbsp; 321
Gallonsteine......................nbsp; nbsp; 322
Invasionskrankheiten der Leber..............nbsp; nbsp; 324
I. Die Leberegelseuche.................nbsp; nbsp; 324
II, Die Echinokokkenkrankheit..............nbsp; nbsp; 335
III. Die Cocoidienkrankhoit beim Kaninchen.........nbsp; nbsp; 343
Krankheiten des üauclilVlIs ................nbsp; nbsp; 347
Acute Bauchfellentzündung................nbsp; nbsp; 347
Chronische Bauchfellentzündung.............nbsp; nbsp; 358
Bauchwassersucht....................nbsp; nbsp; 359
Krankheiten der iMilz...................nbsp; nbsp; 309
Krankheiten der Harnorgane................nbsp; nbsp;378
Nierenentzündung....................nbsp; nbsp;373
1.nbsp; Die acuto Nierenentzündung..............nbsp; nbsp; 374
2.nbsp; Die chronische Nierenentzündung............nbsp; nbsp; 381
3.nbsp; Die eiterige Nierenentzündung.............nbsp; nbsp; 380
Die Entzündung des Nierenbeckens............nbsp; nbsp; 388
Pyelonephritis des Rindes................nbsp; nbsp; 390
Harnverhaltung.....................nbsp; nbsp; 394
Blasenkatarrh......................nbsp; nbsp; 399
Anhang zu den Nierenkrankheiten...............nbsp; nbsp; 403
Die Hämoglobinämie dos Pferdes....... .....nbsp; nbsp; 403
Die Hämoglobinämie des Rindes..............nbsp; nbsp; 417
Krankheiten der Geschlechtsorgane.............nbsp; nbsp; 427
Das Gebärfieber.....................nbsp; nbsp; 427
I. Die Septicaemia puerperalis..............nbsp; nbsp; 432
II, Die Gebärpareso..................nbsp; nbsp; 438
Uebermässiger Geschlechtstrieb..............nbsp; nbsp; 445
Abnorm verminderter Geschlechtstrieb...........nbsp; nbsp; 452
Impotenz und Sterilität.................nbsp; nbsp; 453
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Inhaltsvorzoiohniss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; IX
Seite
I, Die Impotenz der männlichen Thiere...........nbsp; nbsp; 454
II. Die Sterilität der weiblichen Thiere...........nbsp; nbsp; 455
Milchfehlor.......................nbsp; nbsp; 456
1.nbsp; Milchmangel....................nbsp; nbsp; 457
2.nbsp; Wässerige Milch..................nbsp; nbsp; 458
3.nbsp; Zu fette Milch...................nbsp; nbsp; 459
4.nbsp; Schlickerige Milch..................nbsp; nbsp; 459
5.nbsp; Nicht butternde Milch................nbsp; nbsp; 460
6.nbsp; Faulige Milch...................nbsp; nbsp; 401
7.nbsp; Schleimige Milch..................nbsp; nbsp; 462
8.nbsp; Seifige Milch....................nbsp; nbsp; 464
9.nbsp; Blaue Milch....................nbsp; nbsp; 464
10.nbsp; Rothe Milch....................nbsp; nbsp; 466
11.nbsp; Fremde Stoffe in der Milch..............nbsp; nbsp; 468
Krankheiten des Herzens und der grösscren Blutgefässe.....nbsp; nbsp; 472
Herzbeutelentzündung..................nbsp; nbsp; 472
1.nbsp; Die Pericarditis des Rindes. Traumatische Pericarditis und C'arditisnbsp; nbsp; 472
2.nbsp; Die Pericarditis des Pferdes und der übrigen Hausthiere . . .nbsp; nbsp; 481
Acute Endocarditis...................nbsp; nbsp; 484
Chronische Endocarditis. Klappenfehler..........nbsp; nbsp; 488
Myocarditis. Entzündung des Herzmuskels.........nbsp; nbsp; 498
Herzhypertrophie und Herzdilatation...........nbsp; nbsp; 501
Herzruptur. Zerreissung dos Herzens...........nbsp; nbsp; 508
Herzklopfen und sog. abdominelle Pulsation beim Pferde . . .nbsp; nbsp; 509
Aneurysmen.......................nbsp; nbsp; 513
Ruptur grösserer Gefässe der Brust- und Bauchhöhle.....nbsp; nbsp; 515
Thrombose der Schenkel-, Becken- und Achselarterien ....nbsp; nbsp; 516
Würmer im Blute....................nbsp; nbsp; 519
Hautkrankheiten.....................nbsp; nbsp; 522
I. Nicht parasitäre Hautkrankheiten..............nbsp; nbsp; 524
Hauterythem......................nbsp; nbsp; 524'
Ekzem.........................nbsp; nbsp; 527
A.nbsp; Die Ekzemformen des Hundes.............nbsp; nbsp; 529
B.nbsp; Ekzematösc Hauterkrankungen beim Pferde........nbsp; nbsp; 536
1.nbsp; Das papulös-vesiculäre Ekzem dos Pferdes........nbsp; nbsp; 537
2.nbsp; Das chronische, squamöse Ekzem des Pferdes.......nbsp; nbsp; 539
3.nbsp; Das chronische, grindartige Ekzem der langbehaarten Körper-theile.....................nbsp; nbsp; 540
4.nbsp; Das Ekzem der Beugeflächen der unteren Extremitätengelenkenbsp; nbsp; 543
C.nbsp; Ekzematöse Hauterkrankungen beim Rinde........nbsp; nbsp; 546
Die Schlempemauke des Rindes...........nbsp; nbsp; 547
D.nbsp; Ekzematöse Hauterkrankungen beim Schafe........nbsp; nbsp; 555
E.nbsp; Ekzematöse Hauterkrankungen beim Schweine.......nbsp; nbsp; 556
Nesselausschlag, Urticaria................nbsp; nbsp; 557
1.nbsp; Nesselausschlag beim Pferde, Hunde und Rinde.......nbsp; nbsp; 559
2.nbsp; Nesselausschlag beim Schweine.............nbsp; nbsp; 560
Brandige Hautentzündung................nbsp; nbsp; 562
Bullöse Dermatitis...................nbsp; nbsp; 564
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Xnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Inhaltsvcrzoiolmiss.
Suite
Das Ausfallen ilev Haare und Wolle............nbsp; nbsp; 500
Blutungen der Haut. Blutsclnvitzen............nbsp; nbsp; 568
Acne und Furunculosis..................nbsp; nbsp; 570
II.nbsp; PJlanzlicli-parasitare Hautkrankheiten.............nbsp; nbsp; 572
Herpes tonsurans. Glatzflechte..............nbsp; nbsp; 573
Favus, Erb- oder Wabengrind...............nbsp; nbsp; 580
Dermatitis contagiosa pustulosa canadonsis.........nbsp; nbsp; 584
III.nbsp; Thierisch-parasitäre Hautkrankheiten............nbsp; nbsp; 588
Die Räude der Ilaussäugetliiere..............nbsp; nbsp; 588
A. Allgemeiner Theil..................nbsp; nbsp; 588
11 Die Räude bei den einzelnen Haussäugethiercn.......nbsp; nbsp; 600
a.nbsp; Die Räude des Pferdes...............nbsp; nbsp; 600
b.nbsp; Die Räude des Schafes...............nbsp; nbsp; 605
C. Die Räude des Hundes...............nbsp; nbsp; 613
(1. Die Räude des Rindes...............nbsp; nbsp; 617
e.nbsp; nbsp;Die Räude der Ziege . .............nbsp; nbsp; 618
f.nbsp; nbsp;Die Rande des Schweines..............nbsp; nbsp; 619
g.nbsp; Die Räude der Katze...............nbsp; nbsp; 020
h. Die Käudo der Kaninchen..... ........nbsp; nbsp; 621
Der Acarusausschlag...................nbsp; nbsp; 622
Hautkrankheiten durch Filarien erzeugt..........nbsp; nbsp; 631
Hautaffectionen durch Fliegen, Mücken und Bremsen ....nbsp; nbsp; 632
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Läuse und Haarlinge auf der Haut ............nbsp; nbsp; 636
Diverse andere Hautschmarotzer.............nbsp; nbsp; 039
Anhang. Die thierisoh-parasitären Hanterkrankungen des Geflügels . . .nbsp; nbsp; 642
Die Räude des Geflügels.................nbsp; nbsp; 642
Diverse andere durch thierische Parasiten erzeugte Hautaffectionen des Geflügels..............nbsp; nbsp; 044
Krankheiten der Beiregnugsorgane .............nbsp; nbsp;048
Muskelrheumatismus ..................nbsp; nbsp;648
Gelenkrheumatismus ..................nbsp; nbsp;657
Die pyämische und septische Gelenkentzündung (Lähmequot;) der
Säuglinge.....................nbsp; nbsp; 602
Osteomalacie und Rachitis................nbsp; nbsp; 669
A.nbsp; Die Osteomalacie oder Knochenbrüchigkcit.........nbsp; nbsp; 674
B.nbsp; Die Rachitis....................nbsp; nbsp; 681
Die Trichinenkrankheit der Schweine...........nbsp; nbsp; 690
Die Finnenkrankheit der Hausthiere............nbsp; nbsp; 698
I. Die Finnenkrankheit des Schweines...........nbsp; nbsp; 699
11. Die Finnenkrankheit des Rindes............nbsp; nbsp; 704
HI. Die Finnenkrankheit des Hundes............nbsp; nbsp; 707
Die Miescher'schen Schläuche oder Rainey'schen Körperchen .nbsp; nbsp; 707
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Erklärung der Abkürzungen.
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-= Wochenschrift für Thierheilkunde und Viehzucht. = Dor Thierarzt,
= Berliner Archiv, rcctc: Archiv für vrissensohaftliohe und praotischo ThierheilkundOi Schweizer Archiv für Thicrlieilkunde und Viehzucht. = Zcitsclirift für practische Veteriiiiirwisscnschaften. = ]\[agazin für die gesammte Thierheilkunde. - Reportoriuni der Thierheilkunde. #9632;-- Deutsche Zeitschrift für Thiormedicia und vergleichende
Pathologie. = Monatshefte für practische Thierheilkunde.
Sächsischer Jahresbericht, rocte: Bericht über das Vete-
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rinärwesen im Königreiche Sachsen. jlf./. J5. = Münohener Jahresbericht, reete: Jahresbericht der kgl. Central-Thicrarzneiscbule, resp. thierärztlichen Hochschule in München. //. /. B. Hannoverscher Jahresbericht, recte: Jahresbericht der kgl. Thierarzneisohule, rcs]). thierärztlichen Hochschule zu Hannover. -/gt;'. //*. 11'. Berliner thierärztliohe Wochenschrift. D. th. W. = Deutsche thierärztliohe Wochenschrift.
l'r. M. --- Jlittbeilungen aus der thierärztlichen Praxis im preussi-sohen Staate.
B.nbsp; th. M. - Badische thierärztliohe Mittheilungen.
M. th. M. Müneheuer thierärztliohe Mittheilungen, reote: Thierärztliohe Mittheilungen. Herausgegeben von der kgl. bayer. Central-Thierarzneischule. lidscli. - .Rundschau auf dem Gebiete der Thiermedicin. Th. Bdich. -= Thiermedicinische Hundschau, mit besonderer Berücksichtigung der vergleichenden Pathologie etc. /'. Mil. V. Jl. Statistischer Veterinär-Sanitätsbericht über die preussiseho
Armee. B. Mil. V. B. =s Statistischer Veterinär-Sanitätsbericht über die bayerische
Armee. S, Mil. V. B. = Sächsischer Blilitiir-Eapport.
Z. f. Fl. - Zeitschrift für Fleischbeschau und Fleischproduction. 0, f. Bact. Central hl att für Baeteriologie und Parasitenkunde. Z. f. Vet. = Zeitschrift für Veterinäi'kunde.
Th. C. Thicrärztliohes Ceutralblatt. (Herausgegeben vom Vereine der Thierärzte in üesterreich.) Z. f. M. u. F. = Zeitschrift für Mikroskopie und Fleischbeschau. Z. f. Fl. u. M. Zeitschrift für Fleisch- und Milchhygiene,
C.nbsp;f. Th. = Ceutralblatt für Thiermedicin. Virch. A. = Vircbow's Archiv.
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XII
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Ei'kliii'iiDo- dor Abkürzungen.
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= Oestcrreichisehe Viortcljahrsschrift für wissensohaftliohe Voterinärkunde.
: Oestcrreichisehe Zeitschrift für wissenschaftliche Vete-rinärkundc.
: ()esterreichisehe Monatsschrift für Thierhoilkundo (Koch).
; Oestcrreichisehe Vereinsinonatsschrift, reote: Monatsschrift des Voreins der Thierärztc in Oestcrreich.
= Revuo für Thierheilkunde und Viehzucht.
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Krankheiten der Digestionsorgane.
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Stomatitis, Schleimhautentziimlung der Maulhöhle.
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Formen. Die Entzündung der Maulschleimliaut tritt in verschiedenen Formen auf. Man spricht zunächst von einer primären, selbststiindigen, idiopathischen Stomatitis im Gegensatze zur symptomatischen oder seeundären, welche eine Theilerscheinung allgemeiner Krankheiten, so zum Beispiel der Maul- und Klauenseuche, darstellt. Je nach den Ursachen unterscheidet man ferner eine traumatische, durch mechanische, chemische oder thermische Heize herbeigeführte, sowie eine infectiöse, mykotische, gregarinöse und toxische Form. Zu den letzteren gehören namentlich die pustulös-contagiöse Stomatitis der Pferde, der Soor des Geflügels, die croupös-diphtheritische
Friedberger u. Fröhner, Pathol. u. Therapie d. Hausthiere. I. Bd. i. Aufl. \
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Stomatitis des Geflügels, die Stomatitis mercurialis des Rindes. Endlich theilt man, je nach den anatomischen Veränderungen der Schleimhaut, die Stomatitis in eine erythematöse, katarrhalische, erysi-pelatöse, phlegmonose, aphthöse bezw. vesiculäre, pustulöse, ulceröse, croupöse und diphtheritische Form.
Vom Standpunkte der internen Pathologie aus unterscheidet man als selbstständige klinische Formen der Stomatitis am besten die drei nachstehenden:
1.nbsp; Die katarrhalische,
2.nbsp; nbsp;die aphthöse oder vesiculäre,
3.nbsp; nbsp;die ulceröse Stomatitis.
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1. Stomatitis catarrlialis. Katarrhalische Entzündung der Maulschlelmhaut.
Aetiologie. Die katarrhalische Stomatitis stellt den niedersten Grad der Schleimhautentzündung dar (einfacher Katarrh, Stomatitis simplex). Sie wird durch verschiedene Reize hervorgerufen, welche auf die Schleimhaut der Maulhöhle einwirken. Von traumatischen Reizen sind zu nennen: sehr rauhes und hartes Futter, Spreu, zu scharfes Zaumzeug, verletzende Manipulationen in der Maulhöhle, Fremdkörper. Von chemischen Reizen kommt bei den Pflanzenfressern zunächst eine grössere Anzahl von Giftpflanzen in Betracht. Als solche sind zu erwähnen: Akonit, Helleborus, Ranunkel, Euphorbia, Daphne, Colchicum, Klatschrose, Tabak, Kornrade, Digitalis, Eibenbaum, Fleckschierling, Wasserschierling, Gartenschierling, Rhododendron, Ackersenf u. s. w. Sodann können sehr viele scharfe Arzneimittel bei entsprechender Verdünnung eine katarrhalische Stomatitis erzeugen. Als solche sind hervorzuheben: Brechweinsteinlatwergen, Sublimatlösungen, Arsenik- und Chlorzinkpasten, abgeleckte Canthariden- und andere Scharfsalben, Laugen und Säuren. Auch scharfe Gewürze (Pfeffer), sowie die Verfütterung von Rettigabfällen (Schalen, Wurzeln) wirken ähnlich. Die thermischen Reize bestehen in der Aufnahme von heissem Futter und Getränke, sowie in der Verbrühung der Schleimhaut durch heisse Eingüsse.
Eine weitere Ursache der katarrhalischen Stomatitis bildet beim Pflanzenfresser die Aufnahme von Futter, welches mit Kernpilzen, Rostpilzen und Brandpilzen befallen ist. Diese Pilze erzeugen häufig nicht bloss eine katarrhalische, sondern eine vesiculäre und ulceröse Entzündung. Unter den Kernpilzen ist es namentlich der Raps-
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Stomatitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3
verderber (Polytlesmus exitiosus), welcher nicht selten bei Rindern und Schafen schwere Stomatiten bedingt. Von den Rostpilzen besitzen Puccinia graminis, der gemeine Gras- oder Getreiderost, Puccinia arundinacea, der Schilfrost, sowie der auf schwedischem Klee para-sitirende Uromyces-Pilz (Kleekrankheit) eine ähnliche Wirkung. Unter den Brandpilzen ist der Stinkbrand (Tilletia Caries) hervorzuheben. Seltener geben Schimmelpilze (schimmliger Hafer), sowie der Mehlthau (Erysibe comraunis) zur Stomatitis Veranlassung. Die Wirkung dieser Pilze ist im Wesentlichen eine chemische (Toxine).
Als eigenthümliche Ursache der Stomatitis ist ferner die Aufnahme von Kaupen bezw. Ilaupenhaaren mit dem Futter zu erwähnen. Sowohl die Processionsraupe (Bombyx s. Cnethocampa processionalis), als auch die Raupe des Weissdornspinners (Porthesia chrj'sorrhoea) besitzen sehr reizende Haare, welche sich dem Gras oder Heu beimengen und bei der Aufnahme eine Stomatitis erzeugen. Wahrscheinlich kommt aussei- der mechanischen Verletzung noch eine chemische Giftwirkung (Enzym, Ameisensäure) hiebei in Betracht. Kösters hat beispielsweise 52 Pferde einer Batterie in Folge Verunreinigung des Grünfutters durch die Raupen des Weissdornspinners erkranken sehen. In ähnlicher Weise erzeugen Blattläuse bei Pflanzenfressern Stomatitis.
Ausser diesen direct auf die Maulschleimhaut reizend einwirkenden Ursachen findet man eine katarrhalische Stomatitis bei allen unseren Hausthieren, insbesondere aber beim Pferde stets dann, wenn die Futteraufnahme aus irgend welchen Gründen längere Zeit hindurch stark beeinträchtigt ist. Am ausgesprochensten ist dies der Fall bei den verschiedenen Verdauungskrankheiten. Hiebei zersetzen sich die abgestossenen, aber nicht wie sonst bei der Futteraufnahme entfernten Epithelmassen und wirken dadurch als Entzündungserreger auf die Maulschleimhaut. Dasselbe gilt auch für die fieberhaften Allgemeinerkrankungen mit längerer Dauer, bei welchen noch der weitere Umstand hinzukommt, dass hier immer auch die Menge der gelieferten Verdauungssecrete, in diesem Falle des Speichels, vermindert und die Qualität der Secrete selbst eine krankhaft veränderte ist, was die Zersetzbarkeit der dcsquamirteu Epithelien noch erhöht. Eine besondere Form der Stomatitis findet man bei der Quecksilbervergiftung (Stomatitis mercurialis). Zuweilen entsteht ferner eine katarrhalische Stomatitis durch Fortpflanzung einer Schleimhautentzündung aus der Nachbarschaft, so beispielsweise im Verlaufe einer Pharyngitis. Die im Anschlüsse an das Zahnen und den Zahn-
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4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Stomatitis.
Wechsel auftretende Stomatitis ist ausseiquot; rein traumatischen Einflüssen von Seiten der im Wechsel begriffenen Zähne auch auf eine gewisse mit der Dentition einhergehende fluxionäre Hyperämie und Entzündung des Zahnfleisches (Gingivitis) zurückzuführen. Ueber die Möglichkeit des Entstehens einer Stomatitis in Folge von Erkältung endlich ist mit Sicherheit nichts bekannt.
Symptome. Die Erscheinungen der bei allen Hausthieren vorkommenden einfachen katarrhalischen Stomatitis sind je nach dem Grade der entzündlichen Affection sehr verschieden. Im leichtesten Falle findet man nur eine auffallende Trockenheit und Temperaturerhöhung der Schleimhaut, wozu sich später ein pappiger, grau-weisser, feinblasig-schaumiger Belag namentlich am Zungenrücken gesellt. Solche leichtgradige Stomatiten beobachtet man am häufigsten als Begleiterscheinung fieberhafter Allgemeinkraukheiten. Die sog. belegtequot; Zunge kommt hiebei einmal durch die in Folge des katarrhalischen Zustandes gesteigerte Production von Schleimhautepithel und die in Folge der verringerten Futteraufnahme wegfallende mechanische Abstossung desselben, andererseits aber auch durch die in der geringeren Secretabsonderung während des Fiebers begründete Trockenheit und die daraus hervorgehende geringere Durchsichtigkeit der einzelnen Epithelien zu Stande. Weiterhin kann die Lippen- und Backenschleimhaut höher geröthet sein (erythematöse Stomatitis). Der hinter den Schneidezähnen liegende Theil des harten Gaumens ist ferner mehr oder weniger in Folge venöser Stauung in der gefäss-reichen Submucosa geschwollen (sog. Froschgeschwulst beim Pferde). Ausserdem fällt ein fade-süsslicher Geruch aus der Maulhöhle auf. Bei intensiverer katarrhalischer Affection nimmt die Röthung und Schwellung der Schleimhaut, besonders derjenigen der Lippen, Wangen und des Zahnfleisches, zu. Es besteht ausserdem eine vermehrte Production von Speichel und Schleim in der Maulhöhle, so dass sich die angesammelten Schleimmassen in zähen, glasigen Strängen aus den Maulwinkeln herab spinnen, oder der mehr oder weniger, oft ganz abnorm reichlich abgesonderte Speichel entweder zu Schaum geschlagen wird, oder in ununterbrochenem Flusse aus der Lippenspalte herabrinnt (Geifern). Die Futteraufnahme ist mehr oder weniger unterdrückt. Bei sehr reichlichem Abstossen des Epithels wird der Zungenrücken dick belegt und durch Verunreinigung mit Futterpartikelchen schmutzig grün oder braun gefärbt; der Geruch aus der Maulhöhle ist in diesen Fällen ein süsslich-fauliger. Bei der
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Stomatitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
Katze erscheinen dann die hornzähnchenähnlichen Papillen der Zunge auffallend weiss oder gelblichweiss im Gegensatze zu dem lebhaft roth gefärbten Zungenrande. Beim Rind und Schwein beobachtet man zuweilen eine Hypertrophie des Epithels der entzündeten kegelförmigen Papillen, welche irrthümlicher Weise für eine Soorbildung angesehen wurde (sog. Bürste auf der Zunge der Uinder). Beim Geflügel äussert sich die katarrhalische Stomatitis in der Weise, dass der verhornte Ueberzug der Zunge trocken und undurchsichtig ist, so dass er von den Laien für eine pathologische Membran gehalten und ungerechtfertigter Weise gewaltsam abgerissen wird (sog. Pips der Hühner).
Die im Verlaufe der einfachen katarrhalischen Stomatitis zuweilen, wenn auch selten, auftretenden katarrhalischen Erosionen sind kleine und oberflächliche Substanzverluste der Schleimhaut, welche gewöhnlich rasch abheilen und sich daher von den eigentlichen nekro-tischen Geschwüren wesentlich unterscheiden. Dasselbe gilt von der sehr seltenen Verschwörung der Schleimdrüsen, welche wir vereinzelt im Verlaufe der Druse und Rachitis beim Pferde gesehen haben und welche früher als Stomatitis folliculosa bezeichnet worden ist. Auch die letztere Affection ist als eine Complication der katarrhalischen Stomatitis aufzufassen. Sie beginnt mit der Bildung kleiner, grauer oder graurother, knötchenförmiger Erhebungen, welche von einem rothen Hofe umsäumt werden. Die Knötchen sind auf eine Verstopfung des Ausführungsganges der Schleimdrüsen zurückzuführen.
Therapie. Die katarrhalische Stomatitis ist ein sehr geringfügiges Leiden, welches in der Regel schon durch die Entfernung und Abhaltung der reizenden Einwirkungen geheilt werden kann. Die Heilung lässt sich indessen durch ein geeignetes Kurverfahren wesentlich beschleunigen, was mit Rücksicht auf den Umstand, dass stomatitis-kranke Thiere weniger Futter aufnehmen und daher weniger leistungsfähig sind und abmagern, von Bedeutung ist. Die einfachste Behandlung besteht in dem öfteren Ausspülen der Maulhöhle mit frischem, reinem Brunnenwasser. Auch mit Essig angesäuertes Wasser ist ein altes Hausmittel gegen Stomatiten. Gewöhnlich bereitet man sich ein derartiges Maulwasserquot; aus gewöhnlichem Essig (Vlaquo; Liter) und Brunnenwasser (1 Liter), wobei man dieser Mischung noch einen Esslöffel Kochsalz zusetzt. Hartnäckigere Fälle behandelt man mit desinficirenden Lösungen. Als solche empfehlen sich 14procentige
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wässerige Lösungen von chlorsaurem Kalium oder Borsäure, in schweren Fällen '/iIprocentige Creolinlösungeii, mit welchen die Schleimhaut ausgespült oder ausgepinselt wird. Die vielfach angewandten Lösungen von übermangansaurem Kali sind weniger empfehlenswerth, weil sie bei schwacher Desinfectionswirkung einen sehr unangenehmen Geschmack besitzen. Dagegen sind bei sehr starker Schleim- und Speichelsecretion adstringirende Lösungen angezeigt; man verordnet beispielsweise eine VäIprocentige Alaun- oder Tannin-Lösung, eine Abkochung von Eichenrinde, Salbeiblättern u. s. w. Innerlich kann man gleichzeitig antikatarrhalische Salze (Kochsalz, Natrium bicarbonicum, Natrium sulfuricum etc.) verabreichen.
Bezüglich der Fütterung ist zu bemerken, dass bei allen intensiveren Katarrhen der Maulschleirahaut kein hartes oder rauhes, sondern nur flüssiges oder weiches Futter verabreicht werden darf. Ist befallenes Futter die Ursache der Erkrankung, so ist natürlich ein Futter Wechsel angezeigt.
Speichelfluss (Salivation, Ptyalismus). ]3er früher als eine selbstständige Krankheit aufgefasste und bescliriebene Speichelfluss ist lediglich ein Symptom der verschiedensten Krankheiten. Am häufigsten wird er durch eine vorhandene Stomatitis bedingt. In zweiter Linie kommen Fremdkörper in der Maulhöhle, im Schlundkopfe und Schlünde, Pharyn-giten, sowie Behinderung und Lähmung des Schlingvermögen s in Betracht. Lähmungen des Schlundkopfcs und Schlundes beobachtet man bei der W u t h, bei der G e b ä r p a r e s e, bei G e h i r n k r a n k h e i t e n , sowie bei Vergiftungen, namentlich durch Brandpilze (TilletiaCaries) und sonst verdorbenes Futter. Auch beim Starrkrampf ist das Abschlingen meist aufgehoben. Weiterhin findet man, insbesondere beim Hunde, Speichelfluss bei krankhaften Aü'ectionen des Magens und Darmes, selten bei Helmin-thiasis. Vereinzelt tritt derselbe bei Parotitis sowie reflectorisch bei Erkrankungen des Uterus und der Ovarian auf. Von Arzneimitteln, welche Salivation hervorrufen, sind zu nennen das Pilocarpin und Arecolin, das Quecksilber, das Jod, das Morphium u. a. In einer Anzahl von Fällen bleibt endlich die Ursache des Speichelflusses unerkannt. Hiebei kann ein therapeutischer Versuch mit Atropin oder Hyoscin (Skopolarain) gemacht werden, indem man diese die Speichelsecretion herabsetzenden Mittel Pferden und Rindern centigrammweise, Hunden milligrammweise subeutan injicirt. Die normal alkalische Eeaction des Speichels hat man angeblich bei verschiedenen Krankheiten des Menschen, so bei Pleuritis, Encephalitis, Rachitis, Dyspepsie, Diabetes etc. sauer gefunden. Unsere darauf hin bei den aller-verschiedensten Krankheiten der Hausthiere vorgenommenen zahlreichen Untersuchungen haben niemals eine saure Reaction des Speichels ergeben. Vielleicht ist dieselbe beim Menschen auf Säurebildung in Folge zurückgebliebener Speisereste in der Mundhöhle, hohle Zähne etc. zurückzuführen.
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Stomatitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
2. Stomatitis aphthosa (vesicularis). Sporadische Aphthen (Bläschen)
der Maulsohleimhaut.
Wesen und Ursachen. Mit dem Namen Aphthen bezeichnet man in der Thierheilkunde Bläschen auf der Maulschleimhaut, welche durch Ansammlung von Serum unter dem Schleimhautepithel entstehen. Die aphthöse Stomatitis ist deshalb gleichbedeutend mit der vesi-culären Stomatitis. Eine typische aphthöse Stomatitis findet sich bei der Maul- und Klauenseuche (Aphthenseuche), einer specifischen Infec-tionskrankheit, welche im zweiten Bande dieses Lehrbuches eingehender besprochen wird. Im Gegensatze zu dieser contagiösen und en-zootisch auftretenden Aphthenkrankheit kommt vereinzelt bei den Hausthieren (Pferden, Rindern und Schafen) eine aphthöse Stomatitis vor, welche vollständig unabhängig von der Maul- und Klauenseuche ist und deshalb auch von jeher mit der entsprechenden Bezeichnung sporadische Aphthenquot; (sporadische Maulseuche, falsche Maulseuche) belegt worden ist. Die Ursachen dieser selbstständigen, sporadischen Stomatitis aphthosa sind im Wesentlichen in Befallungspilzen des Futters zu suchen. Von solchen sind namentlich hervorzuheben die Befallungspilze des schwedischen Klees (Uromyces) sowie des Rapses (Polydesmus exitiosus). Diese und andere Befallungspilze erzeugen das eine Mal eine katarrhalische, in anderen Fällen eine aphthöse und zuweilen sogar eine ulceröse bezw. croupöse Stomatitis. Auch Raupenhaare und andere Stoffe können bei intensiverer Reizwirkung oder bei individueller Prädisposition der einzelnen Thiere eine aphthöse Stomatitis erzeugen. Zuweilen sind die Ursachen unbekannt; sie dürften indessen in der Regel in einer veränderten Beschaffenheit des Futters zu suchen sein.
Symptome. Die Erscheinungen der aphthösen Stomatitis bestehen in der Bildung von Bläschen oder kleineren Blasen auf der Maulschleimhaut (Lippen, Backen, Zunge, Gaumen), welche mit einem serösen, klaren Inhalt gefüllt sind und entweder vereinzelt oder in grösserer Zahl auftreten. Die Bläschen platzen meist sehr bald und verwandeln sich in höher geröthete wunde Stellen (Erosionen), welche rasch abheilen. Ihre Grosse differirt von der eines Stecknadelkopfes bis zu der eines Zehnpfennig- und Thalerstückes. Ausser den Bläschen bestehen gewöhnlich die Erscheinungen einer katarrhalischen Stomatitis: Röthung und Schwellung der Maulschleimhaut, sowie Speichelfluss. Zuweilen beobachtet man auch ein ähnliches schmatzen-
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8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Stomatitis.
desquot; Geräusch bei Bewegungen des Unterkiefers, wie bei der Maul-und Klauenseuche. Nach dem Bersten der Blasen kann vorübergehend auch die Maulschleimhaut schmerzhaft werden. Die Futteraufnahme ist unterdrückt. Gleichzeitig mit dem Ausbruch der Blasen beobachtet man zuweilen eine fieberhafte, rasch vorübergehende Temperatursteigerung. Endlich findet man, namentlich bei der sogen. Kleekrankheit, ausser der Entzündung der Maulschleimhaut zuweilen auch eine rothlauf artige Dermatitis am Kopfe und an anderen Körperstellen (Euter, Extremitäten). Der Verlauf ist gewöhnlich ein gutartiger und rascher.
Differentialdiaguose. Die sporadischen Aphthen können leicht mit Maul- und Klauenseuche verwechselt werden. Die Erfahrung hat gelehrt, dass die Unterscheidung nicht immer sofort möglich ist, insbesondere dann, wenn mehrere Thiere gleichzeitig in Folge Aufnahme desselben Futters erkranken, wenn ferner Fieber hinzutritt, oder wenn die Aufnahme der Befallungspilze ausserdem noch gastrische Symptome oder die Erscheinungen einer allgemeinen mykotischen Intoxication zur Folge hat. In solchen Fällen muss die Thatsache den Ausschlag geben, dass die sporadischen, durch Befallungspilze erzeugten Aphthen niemals ansteckend sind, und dass sich daher die Krankheit auch nicht durch Impfung auf gesunde Thiere übertragen lässt. Ein derartiger Impfversuch sollte in zweifelhaften Fällen nie unterlassen werden. Weitere Anhaltspunkte sind, dass die Krone der Klauen bei den sporadischen Aphthen in der Regel frei von aphthöser Erkrankung ist, und dass die Affection der Maulschleimhaut im Allgemeinen rascher abheilt, als bei der Aphthenseuche. Auch sind die Blasen bei letzterer gewöhnlich grosser.
Therapie. Die Behandlung der aphthösen Stomatitis besteht in häufigem Ausspülen der Maulhöhle mit frischem Brunnenwasser, Vermeidung von Rauhfutter, sowie in der Anwendung desinficiren-der und adstringirender Maulwässer (Borsäure, Kalium chloricum, Creolin, Salicylsäure; Alaun, Tannin, Ferrum sulfuricum, adstringirende Decocte). Auch die bei der katarrhalischen Stomatitis erwähnte Mischung von Essig, Kochsalz und Wasser kann als Hausmittel angewandt werden.
3. Stomatitis ulcerosa. Geschwürige Entzündung der Maulschleimhaut.
Wesen. Die Stomatitis ulcerosa (Stomacace, Mundfäule) besteht in einer nekrotisirenden Entzündung der Maulschleimhaut
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Stomatitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;9
von verschiedener Ausdehnung, bei welcher am häufigsten das Zahnfleisch ergriffen ist. Sie stellt anatomisch genommen einen intensiveren Grad des katarrhalischen und aphthösen Processes dar, der sich auch durch tiefere Geschwürsbildung auf der Schleimhaut äussert.
Aetiologie. Abgesehen von traumatischen, thermischen und chemischen Veranlassungen (Wunden, Verbrennungen, Verätzungen durch Laugen, Säuren, Scharfsalben, Brechweinstein-Latwergen, Giftpflanzen etc.) findet man die ulcerose Stomatitis am häufigsten bei zarten und verzärtelten, schwächlichen und blutarmen Hunden kleinerer Racen, sowie bei Katzen. Zuweilen lilsst sich nachweisen, dass dem Leiden schwächende Krankheiten (Magen-Darmkatarrh, Rachitis, Staupe) vorausgegangen sind. Die dabei auftretenden geschwürigen Veränderungen wurden früher als Skorbut bezeichnet, indess mit Unrecht, da derartige Geschwüre auch bei sonst ganz gesunden Thieren ohne jedwede Blutung in die Schleimhäute zu beobachten sind (siehe Skorbut). Die Ursache der Geschwüre bei der nicht skorbutischen Stomacace ist wahrscheinlich in einer abnormen Vulnerabilität, einer verminderten Resistenzfähigkeit der Schleimhaut von mehr individuellem Charakter, in Verbindung mit einer Infection zu suchen. Sehr häufig bilden cariöse oder stark mit Zahnstein belegte Zähne den Ausgangspunkt der Infection, indem von diesen Stellen aus eine infectiöse Entzündung des Zahnfleisches erfolgt. Die Statistik des Berliner Hundespitals hat ergeben, dass der Stomatitis ulcerosa beim Hund ein halbes Procent aller vorkommenden Krankheitsfälle zukommt (Fröhner).
Beim Pferd und Rind sowie beim Schafe kommt zuweilen eine ulceröse Stomatitis nach der Aufnahme von befallenem Futter vor. Es sind hauptsächlich Kernpilze und Rostpilze, welche geschwürige Entzündung der Schleimhaut verursachen. Man hat die ulceröse Stomatitis beispielsweise in enzootischer Verbreitung bei Pferden nach der Aufnahme von schwedischem Klee, sowie bei Lämmern nach der Verfütterung von befallenem Rapskuchen (Polydesmus exitiosus) beobachtet. Auch bestimmte Bacterien sind mit der Krankheit in ursächliche Beziehung gebracht worden (Rivolta).
Als secundäre Erscheinung findet man Geschwüre der Maulschleimhaut -bei der Aphthenseuche der Wiederkäuer und Schweine, bei der Stomatitis pustulosa contagiosa der Pferde, bei der Hühnerdiphtherie, sowie bei der Quecksilbervergiftung.
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Symptome beim Hunde. Das Zahnfleisch in der Umgebung einzelner Zähne, besonders der Schneide- und Fangzähne, aber auch nicht selten der Backzähne, und zwar am Unter- wie auch Oberkiefer, ein- oder beiderseitig, ist zunächst düster geröthet, und namentlich der den Zahnhals direct umschliessende Theil geschwollen. Schon nach 12 Tagen hat die Schwellung des nunmehr dunkel bis braun-roth oder auch mehr blauroth gefärbten Gewebes bedeutend zugenommen, dasselbe erscheint schwammig gedunsen, gelockert, hat sich von den betreffenden Zähnen etwas zurückgezogen und blutet schon bei leisestem Drucke. Später verfärbt sich das kranke Gewebe, zunächst der an die Zähne grenzende aufgewulstete Theil, wird graugrün bis graugelb; es kommt in Folge mehr oder weniger tiefgreifender zelliger Infiltration und Nekrose der Schleimhaut zur Bildung einer zunderähnlichen, später schmierigen pulpösen Masse, des nekrotischen Schorfes. Ist diese Masse spontan oder künstlich entfernt, so tritt ein von ihr bedeckt geAvesenes, verschieden grosses, zuweilen (am Fangzahne) ringförmiges, meist 12 mm tiefes Geschwür zu Tage, dessen Ränder unregelmässig ausgebuchtet, meist etwas wallförmig erhaben, dabei derber anzufühlen und stark hyper-ämisch sind, und dessen Grund uneben und missfarbig ist. Gleichzeitig besteht starkes Geifern, aus den Maulwinkeln spinnt sich ein glasiger, zäher, häufig blutgemisclfter oder missfarbiger, braun-rother Schleim, der die ganze Umgebung der Maulspalte besudelt. Ebensolche Massen finden sich in reichlicher Menge im Maule selbst angesammelt und entleeren sich beim gewaltsamen Oeffnen desselben, einer Manipulation, der sich die Hunde gewöhnlich zu entziehen suchen, weil sie schmerzhaft ist. Der Ausfluss, wie die ganze Maulhöhle überhaupt, ebenso die ausgeathmete Luft lassen einen höchst widerlichen, ekelerregenden, aashaften Geruch wahrnehmen, der oft die ganze Umgebung solcher Patienten verpestet. Neben den umschriebenen, herdförmigen Geschwüren findet man die Erscheinungen einer einfachen, katarrhalischen Stomatitis.
Ausser am Zahnfleische, in directer Umgebung der Zähne, sieht man auch die oben beschriebenen Erscheinungen der entzündlichen Hyperämie, Schwellung, zelligen Infiltration und des nekrotischen Zerfalls der Schleimhaut an anderen Stellen der Maulhöhle auftreten. So an der vorderen Fläche des Zahnfleisches, an den Lippen, insbesondere am Uebergange des Zahnfleisches zur Lippenschleimhaut und an den Lippenwinkeln, seltener an den Backen und Wangen und noch seltener an der Unterfläche der Zunge. Häufig sind die Lippen-
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geschwüre den Geschwüren an den Zahnrändern gegenüber gelagert, so dass hier nothwendig an eine Selbstinfection gedacht werden muss. In anderen Fällen lässt die Anordnung der Geschwüre die anatomische Vermittlung auf dem Wege der Lymphbahnen ver-muthen. Es kommen aber auch Krankheitsfälle zur Beobachtung, in welchen die Zähne vollständig gesund erscheinen, auch die Schleimhaut in ihrer directen Umgebung nicht leidet, sondern der Process am übrigen Theile des Zahnfleisches oder an den Lippen, selbst an den Lippenwinkeln beginnt. In diesen Fällen sahen wir die geschwürige Zerstörung einige Male sich auch noch auf einen Theil der all-
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emeinen Decke ausbreiten.
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Verlauf. Bei günstigem Verlaufe und bei jugendlichem Alter der Thiere vergrössern sich die Geschwüre in Tiefe und Fläche nur massig. Das Allgemeinbefinden wird nur wenig gestört, das Fieber fehlt oder bleibt niedergradig (ca. 39,5deg; C), der Appetit ist auffallend gut, und nachdem der ulceröse Process sistirt hat und die Geschwüre sich gereinigt haben, heilen diese insbesondere bei geeigneter Behandlung meist sehr rasch, schon in 810 Tagen. Diese Fälle sind die häufigeren.
In anderen Fällen, namentlich bei alten und schon vorher kranken Thieren, schreitet die Infiltration und der geschwürige Zerfall des Gewebes ausserordentlich rasch vorwärts. Die Geschwüre werden sehr tief und sinuös, die betrotfenen Zähne sind gelockert und leicht ausziehbar, ihre Wurzeln sind mit einer grauen stinkenden Pulpa, dem zerstörten Alveolarperioste, belegt, und es kann selbst Caries und Nekrose des Kieferknochens hinzutreten. Zuweilen kommt es ferner zu einer Fistelbildung zwischen Maul- und Nasenhöhle, namentlich an der Stelle der Fangzähne, mit nachfolgender eiteriger Rhinitis. Da, wo die Schleimhaut der Lippen-und Backenwandungen Sitz der geschwürigen Zerstörung ist, fühlen sich letztere hart und gespannt, zum Theile auch ödematös geschwollen an, ausserdem macht sich entzündliche Schwellung der benachbarten Lymphdrüsen bemerkbar. Hiebei ist das Allgemeinbefinden stets mehr oder weniger gestört und der Ausgang in Genesung sehr verzögert; die Krankheitsdauer kann mehrere Wochen und selbst Monate betragen.
Bei ungünstigem Verlaufe der Krankheit sieht man, oft unter neu auftretenden Eruptionen, das mittel- bis hochgradige Fieber andauern, der Puls wird immer beschleunigter und kleiner, die Futter-
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aufnähme liegt ganz darnieder, es tritt Diarrhöe sowie grosse Muskelschwäche und Eingenommenheit des Sensoriums auf, und die Thiere gehen schliesslich septikämisch zu Grunde.
Symptome bei den Pflanzenfressern. Die durch Befallungspilze hervorgerufene lücerüse Stomatitis der Pferde, Rinder und Schafe ilnssert sich in Geschwürsbildung, Schwellung, Röthung und Schmcrz-haftigkeit der Maulsohleimhaut und Lippen sowie starkem Speichel-fluss. In schweren Fällen sieht man auf der Maulschleimhaut, namentlich am Zahnfleisch, Gaumen und seitlich an der Zunge umschriebene, diphtherieartige Schleimhautverändorungen in Form erbsen- bis thalergrosser, grauer, oder graubrauner erhabener Flecke, welche nach Abheben des krustenartigen Schorfes bezw. Pfropfes einen tiefrothen, zuweilen lebhaft granulirenden Geschwürsgrund zeigen. Nicht selten beobachtet man ausserdem die Erscheinungen einer schweren Allgemeinerkrankung (mykotische Vergiftung), welche bei jugendlichen Thieren besonders ausgesprochen ist. Eine derartige ulceröse Stomatitis bei Lämmern hat z. B. Berndt beschrieben. Er fand als Haupterscheinung eine heftige Nasen- und Maulentzündung, die regelmässig letal verlief. Die Allgemeinerscheinungen bestanden in grosser Mattigkeit, schwankendem Gang, beschleunigter und erschwerter Respiration, sowie mattem, kurzem Husten. Die Maulschleimhaut zeigte am Zahnfleisch, an der Zunge und deren Rändern zahlreiche Erosionen. Letztere waren auch auf dem sichtbaren Theile der Nasenschleimhaut vorhanden, hier jedoch von einer dicken braunen Kruste bedeckt. Bei der Section fand man die Schleimhaut der Nase, des Maules, dos Pharynx und Larynx geschwollen und stellenweise erodirt. Die unteren Ränder der hinteren Lungen läppen waren derb, dunkelroth, ihre Durchschnittsflächen, über welche eine jauchige Flüssigkeit abfloss, granulirt. Aus den durchschnittenen Bronchien liess sich eine schaumige chokoladefarbige Flüssigkeit ausdrücken. Die mikroskopische Untersuchung ergab zwischen den Epithelzellen der Nasen- und Maulschleimhaut zahlreiche braune, verästelte Fäden und Sporenketten von Polydesmus exitiosus. Die Lämmer hatten Rapskuchen gefüttert erhalten, in denen die Sporen des Ascomyceten nachzuweisen waren. Nachdem von einer weiteren Fütterung Abstand genommen wurde, hörten die Erkrankungen auf. Eine ähnliche sehr bösartig verlaufende, seuchenhafte ulceröse Stomatitis hat Rivolta bei jungen Lämmern beschrieben; dieselbe complicirte sich mit Conjunctivitis, Pneumonic und Hepatitis; als Ursache fand Rivolta einen Pilz (Bacterium subtile agnorum). Auch Gips, Bertsche u. A. haben eine derartige Mundfäulequot; bei Lämmern beschrieben.
Therapie. Die Behandlung der uleerösen Stomatitis des Hundes ist im Wesentlichen eine chirurgische. Sie besteht in der sorgfältigen und wiederholten Desinfection der erkrankten Maulschleimhaut. Die leichteren Antiseptica, wie z. B. Borsäure, Salicylsäure, Kalium chlori-cum reichen jedoch für gewöhnlich nicht aus, es empfiehlt sich vielmehr, von vornherein die stärksten desinficirenden Arzneimittel anzuwenden. Eines der besten Medicamente ist hier, wo es sich gleichzeitig um kräftige Desinfection und Beseitigung des üblen Geruches handelt,
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Parotitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;13
das Creolin. Wir haben in sehr zahlreichen Fällen mit der Anwendung einer 12procentigen wässerigen Creolinlösung überraschend gute und schnelle Resultate erzielt. Die Creolinlösung wird in der Weise angewandt, dass man jedes einzelne Geschwür täglich 45mal mit der Lösung sor-gfältig bepinselt oder mit einem frischen Schwämm-chen reinigt. Sehr wirksam ist ausserdem eine 14procentige Lösung von essigsaurer T hon erde oder Chlorzink, ferner Lösungen von Sublimat (Ipromillig), Kupfervitriol und Höllenstein (1- bis 2proceiitig), sowie das Betupfen der Geschwüre mit dem Lapisstifte. Bei der Anwendung der letztgenannten Metallsalze hat man indessen sorgsam darauf zu achten, dass nur die Geschwüre und nicht auch die übrige Maulschlehnhaut mit denselben in Berührung kommen, und dass von der Flüssigkeit nichts verschluckt wird. Ausserdem haben wir zuweilen günstige Erfolge nach der Bepinselung der Geschwüre mit Spirituosen Mitteln, so z. B. mit Tinctura Myrrhae und Aloös beohachtet. Von wesentlicher Bedeutung für die Heilung ist endlich die frühzeitige und ausgiebige Extraction cariöser und lockerer Zähne.
I'iirotitis, Entzündung der Ohrspeicheldrüse.
Literatur. Bettingee, Ben,, 1839. S. 300. Schussele, Veierinärohirurgie, 18i2. II. Theil. - Ryciinkr, Bujatrik, 1851. Hertwig, Krhh. d. Ilde., 1853. Tiiier-NBSSE. A. de Brüte., 1853. Meyer, Oe. V. S., 1855. S. 87. Toussaint, ,/. de Lyon, 1869, Franze, S. J. B., 1873. S. 80. - Stookpleth, Chir., II. Theil. S. 210. Hamm, l'r. M, 1882. S. 50. Möi.i.er, Lehrbuch der Chirurgie, 1893. S. 89. Aruch, Clin. vet., 1894. Guittard, Progr. vet., 1895. S. 157.
Vorkommen. Die auch als Ziegenpeterquot;, Mumpsquot;, Feifelgeschwulstquot; bezeichnete und beim Menschen relativ häufige Krankheit hat auffallender Weise trotz der Landläufigkeit ihres Namens in der Thierheilkunde eine ziemlich spärliche Literatur aufzuweisen. Dieser Umstand findet darin seine Erklärung, dass die Parotitis bei den Hansthieren nicht häufig vorkommt. Wir müssen wenigstens auf Grund unserer eigenen Erfahrungen anderweitigen Angaben gegenüber her-vorhehen, dass die Parotitis bei unseren Hansthieren eine sehr seltene Krankheit ist. Speciell beim Hunde gehört sie zu den aller-seltensten Affectionen. Unter 70 000 in den Jahren 18801894 der Berliner Klinik zugeführten kranken Hunden haben wir nur 6 Fälle von Parotitis constatirt.
Aetiologie. Die Entzündung der Ohrspeicheldrüse lässt sich auf verschiedene Ursachen zurückführen. Man kann unterscheiden :
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1.nbsp; nbsp;Traumatische Parotitis, durch mechanische Verletzungen erzeugt; dieselbe gehört in das Gebiet der Chirurgie.
2.nbsp; nbsp;Primäre, idiopathische Parotitis, hervorgerufen durch einen Infectionsstoff von miasmatisch-contagiösem Charakter und epizootischer Verbreitung. Hieher scheinen die von Aruch bei Pferden, von Franze bei Ziegen, von Her twig bei Hunden, von Schussele bei lluuclen und Katzen beobachteten Fälle von seuchen-hafter Verbreitung der Krankheit, analog dem epidemischen Mumps beim Menschen, zu gehören. Was die Pathogenese dieser Hauptform der Parotitis betrifft, so kann der entzündungserregende Infectionsstoff entweder durch Vermittlung des Blutes oder, was wahrscheinlicher ist, von der Maulschleimhaut aus mittelst Einwanderung durch den Stenon-schen Speichelgang in die Parotis gelangen.
3.nbsp; nbsp;Von einem benachbarten Entzündungsherd fortgepflanzte Parotitis, so z. B. von einer in der Umgebung eines eingekeilten Speichelsteins ausgehenden Entzündung oder von einer Entzündung der Maulschleimhaut durch Vermittlung des Speichelgangs. Toussaint beschreibt einen solchen Fall, in welchem von dem trichterförmig erweiterten und entzündeten Speichelgang aus sich die Entzündung auf die Parotis bei einem Pferde fortgepflanzt hatte. Auf ähnliche Weise kann sich der Process bei der Druse, Angina, Staupe auf die Parotis erstrecken.
4.nbsp; nbsp;Metastatische Parotitis im Verlaufe von Pyilmie und Septikämie, sowie angeblich auch von Druse, Brustseuche und Staupe.
5.nbsp; nbsp;Die durch Einwanderung von Aktinomyces bovis erzeugte Parotitis (Parotis-Aktinomykom) bildet eine Theilerschei-nung der zu den Infectionskrankheiten gehörenden Aktinomykose und kommt in gewissen Gegenden beim Rind ebenfalls in epizootischer Verbreitung vor. Diese Parotitis ist im Gegensatze zu den übrigen eine chronische.
Stockfleth beschreibt in seiner Chirurgie unter der Ueberschril't Chronische Entzündung der Speicheldrüsenquot; ohne Zweifel diese durch Aktinomykose erzeugte Parotitis. Er führt aus, wie die Entzündung namentlich bei Rindvieh vorkomme, das auf niedrigen Strandwiesen grase und mit dem Heu dieser Wiesen gefüttert werde. Am häufigsten wird die Parotis ergriffen, daneben die Submaxillaris und Sublingualis; diese aber selten. Der Process entwickelt sich sehr langsam: die Drüse zeigt ganz allmählich harte, unebene Anschwellungen, welche langsam zunehmen, aber unempfindlich sind und später gewöhnlich abscediren. Past immer tritt eine seeundäre Anschwellung der Lymphdrüsen hinzu. Schliesslich drückt die geschwollene Drüse auf Schlund- und Kehlkopf und verursacht Schling- und Athem-beschwerden. Die Anwendung von Arzneimitteln erweist sich als ganz
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Parotitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15
nutzlos; Erfolg ist nur von der operativen Entfernung der geschwollenen Drüse zu erwarten. Näheres über Aktinomykose, wie auch über die damit in Zusammenhang stehende Glossitis, siehe bei den Infectionskrankheiten.
Symptome. Die drei hier zu besprechenden Formen der Parotitis: die idiopathische, fortgepflanzte und metastatische haben mit einander gemein eine mehr oder weniger hervortretende Anschwellung der Parotis. Dieselbe ist bei der idiopathischen mehr gleichmässig über die ganze Drüse verbreitet und neigt selten zur Abscedirung, während sie bei den beiden letzteren mehr umschriebener Natur und meist von Vereiterung der befallenen Lobuli gefolgt ist. Die Schwellung kann sich auch auf die Nachbarschaft ausdehnen. So waren bei dem von F ranze beobachteten epizootischen Auftreten der Kranhheit unter Ziegen Ober- und Unterkiefer, sowie die Submaxillaris entzündlich geschwollen; dabei war die Futter- und Wasseraufnahme unterdrückt. Aruch sah im Verlauf von 1'/a Jahren 70 Pferde an Parotitis und Maxillitis, jedoch nur einseitig, erkranken. Gleichzeitig bestanden die Erscheinungen einer Stomatitis. Ueber die sonstigen Begleiterscheinungen der Parotitis, insbesondere über den Verlauf des Fiebers bei derselben, ist bis jetzt nichts Genaueres bekannt. Speichelfluss haben wir selbst bei der Parotitis nie beobachtet.
Differentialdiagnose. Am häufigsten ist wohl die Parotitis mit der entzündlichen Affection der subparotidealen Lymphdrüsen im Verlauf der Druse und Pharyngitis verwechselt worden, eine Verwechslung, die indess bei Kenntniss der anatomischen Lage dieser Lymphdrüsen und Berücksichtigung des Gesammtzustandes wohl vermieden werden kann. Sodann können in Betracht kommen: Luftsackanschwellungen, phlebitische Processe, von einer Aderlassfistel ausgehend, einfache ödematöse oder phlegmonöse Entzündung der Haut und besonders des über der Parotis gelegenen subcutanen Bindegewebes, endlich Parotisgeschwülste der verschiedensten Art.
Therapie. Die Behandlung der nicht abscedirenden Parotitis besteht in Anwendung von feuchter Wärme (Priessnitz'sche Umschläge) und Einreibung einer Campher-, Creolin-, Carbol- oder Jodoformsalbe; bei schleichendem Verlaufe können schärfere Mittel (Jodtinctur, Jodquecksilbersalbe, Cantharidensalbe etc.) versuchsweise angewendet werden. Gegen die aktinomykotische Parotitis des Rindes empfiehlt sich die innerliche Verabreichung von Jod kali um in täglichen Dosen von 5 g. Abscesse müssen möglichst bald geöffnet
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16nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pharyngitis.
werden; etwa zurückbleibende Speichelfisteln sind nach den Regeln der Chirurgie zu behandeln.
Pharyngitis, rharyuxangina, Halsbräune.
Literatur. Compt, rend, lies trawtUX de l'Ecole de Lyon, 1834/35. BERNARD, llec,
1885.nbsp; RoCHE-LuBIK, Ibid., 1836.~EBKnnARDT, Mm/., 1844. S. 88. Jarmer, Ibid., 1851. 8.278. Pioeairb, J. du Midi, 1853. Sesselmann, l'r.M., 1853/54. S. 114. Her. d. Wien. Klinik, ()e. V. S., 1855, 186871, 1882. 1884. 1885. - Mather, The Vet., 1859. Serres, /. du Midi, 1862. Romant, ,/. de Lyon, 1862. Peyronet, J. du Midi, 1862/63. Deshosbaux, Thrzt., 1865. 8. 41. Rkboul, Bej}., XXIV. g. no. _ Ohristenskn, 'J'idxkr. f. Vet., 1870. IsSER, Jl. J. H., 1872. S, 19. -Schmidt, Mag., 1873. S. 460. VÖLLERS. W. f. Th., 1879. S. 432. Perdan, Oe. V., 1879. S. 179. BONOARTZ, H.A., 1881. 8. 485. Fröhner, Hep., 1881. Baudon u. Mathis, ,/. de Lyon, 1884. ÖURIN, M. d. Kasan. V. ./., 1885. Eost, S, J. B,,
1886.nbsp; S. 73. Delamotte u, Debrade, Revue vet., 1888. Sai.enave, Hec, 1888. Somindelka, Oe. Z. f. Vet., 1888. S. 147. Dettlino, Hep., 1888. S. 264. Poi.anskv ll. SoHINDELKA, Oe. X. f. Vet., 1889. S. 44. KaOEL, Z. f. Vet., 1889. - FrIEDBERQER, M. J. li., 1889/90. S. 153. Wixki.kü, D. Z. f. Th., 1890. S. 285. - Bell, Am. vet. rev., Bd. XII. S. 275. RroaB, Ibid., Bd. XV. S. 382. Labat, lievne vä., 1891. Lövy, Veterlnanits, 1892. Nr. 10. P. Mil, V. U., 1893. S. 114. LlOHMANN, Oe. M., 1893. S. 169. Seouens, Veterinavius, 1894. SCHAUMKELL, B.th. W, 1894. S. 245. Mkyer, Oe. M., 1895. Nr. 1. Ausserdcm die Lehrbücher der speeiellen Pathologie von Herino. Spinola, Roll, Haubner-Siedamgrotzky, Anacker, Pütz, DlECKERBOFF, MÜLLER, Harms.
Allgemeines. Mit dem Begriff Angina, Halsentzündung, Bräune hat man von jeher im Allgemeinen eine Entzündung der Schleimhaut der Rachenhöhle und ihrer nächsten Nachbarschaft, besonders auch des Kehlkopfes, verstanden, weil eine ausschliess-liche Erkrankung des Pharynx, insbesondere beim Pferde, ziemlich selten zu beobachten ist. Da indess hei dieser Halsentzündung im Allgemeinen bald eine Pharyngitis, bald eine Laryngitis das klinische Bild meist in ganz prägnanter Weise beherrscht, so empfiehlt es sich, sowohl der Verständlichkeit als auch der Natur der Sache halber den Begriff Halsbräune in zwei Krankheiten zu zerlegen, nämlich in eine Pharynx- und eine Larynxangina, je nachdem eine Pharyngitis oder Laryngitis im Krankheitsbilde dominirt. Es wird daher an dieser Stelle nur die Pharynxangina ihre Besprechung finden, während die Larynxangina bei den Respirationskrankheiten untergebracht ist.
Während man nun bei den kleineren Hausthieren die Pharynxangina je nach ihrer Localisation auf den verschiedenen Partien des Pharynx in besondere Localaffectionen, so in eine Entzündung des weichen Gaumens, der Tonsillen, des eigentlichen Schlundkopfes, ein-zutheilen vermag, ist dies bei den grösseren Hausthieren, namentlich beim Pferd und Rind, ohne complicirte Instrumente nicht möglich. Der Name Pharynxangina bezeichnet daher in der Veterinär-
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l'liaryngitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;17
pathologie einen mehr oder weniger ausgebreiteten Ent-zündungsprocess auf der Schleimhaut der Rachenhöhle mit Einschluss des weichen Gaumens (Gaumensegels) und der Mandeln, wobei sich gewöhnlich, wenn auch in mehr untergeordneter Weise, die Schleimhaut des Kehlkopfs und des oberen Theils der Luftröhre, sodann der Maul- und Nasenhöhle, seltener auch der Eustachischen Röhre und des Luftsackes betheiligt.
Die Schwierigkeit der klinischen Untersuchung bei gmsseren Thieren erschwert auch die Feststellung des Charakters und der Form der Krankheit. Die Unterscheidung einer katarrhalischen, phlegmonösen, abscedir enden, hilmorrbagischen, croup Ösen, diphtheriti-schen, lacuniiren, nekr otis i r en den Form ist ohne Schwierigkeit nur bei kleineren Thieren möglich. Beim Pferde lilsst sich allerdings durch die Anwendung des von P ola nsky und Soll in del k a construirten Khino-Laryngoskops eine ziemlich genaue Besichtigung der Pharynx-Schleimhaut vornehmen. Dieses Instrument eignet sich aber wegen seiner Complicirtheit nicht für die allgemeine Praxis. Für das Rind existh-en derartige Hilfsmittel überhaupt nicht, im Allgemeinen kann man daher das Vorhandensein einer der oben erwähnten Formen der Pharyngitis beim Pferd oder Rind, beispielsweise der katarrhalischen und phlegmonösen, nur indirect aus der Verschiedenheit der Intensität der Krankheitserscheinungen, der seeun-dären Erkrankung der Lymphdrüsen, des Fiebers, der Krankheitsdauer etc. als wahrscheinlich vermuthen; die croupöse Form kann lediglich an aus-gestossenen oder ausgehusteten Croupmembranen erkannt werden, und auch in diesem Falle können die Croupfet/.en ebenso gut aus dem Larynx wie aus dem Pharynx stammen. Wir haben daher im Folgenden mehr ein Gesammtbild der Pharyngitis zu entwerfen gesucht, ohne die Eintheilung in die oben genannten Specialformen zu Grunde zu legen.
Aetiologie. Die Pharyngitis kommt bald sporadisch, bald seuchenartig bei allen Hausthieren vor, am häuiigsten beim Pferd, Hund und Schwein, dann beim Rind und der Katze, am seltensten wohl beim Schaf und Geflügel (die Geflügeldiphtherie ausgenommen). Unter den Ursachen mehr allgemeiner Art darf eine gewisse individuelle Disposition zu Rachenkatarrhen auch bei unseren Hausthieren, wenn gleich nicht in dem auffälligen Grade wie beim Menschen, angenommen werden; indess ist das eigentliche Wesen dieser Disposition weder hier noch dort genauer gekannt. Sicher ist, dass schwächliche, verweichlichte, an warme Stallungen gewöhnte, sowie jugendliche Thiere sehr häufig in die Krankheit verfallen, ohne dass jedoch ältere und robustere Thiere ganz davon verschont blieben. Unter den Ursachen im engeren Sinne sind zu nennen:
1. Direct auf die Rachenschleimhaut einwirkende mechanische, chemische und thermische Reize. Hierher gehören
Friedberger u. Frölmor, Patliol. u. Therapie il. Ilausthiore. I. Bd. 4. Aufl. 2
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(Quetschungen und Verletzungen der Schleinüiaut durch spitze Knochen, Gräten, Dornen, Nadeln , durch rauhes, grobhalmiges, stacheliges Futter, Gerstengrannen, durch verletzende Manipulationen in der Maul-liöhle, so bei rohein Abfeilen der Zahnspitzen etc., ferner durch Bremsenlarven, welche sich im Schlundkopfe festgesetzt haben und eine mehr chronische Pharyngitis erzeugen. Ausserdem können Tumoren, weiche in die Racbenhöhle hereinragen, auf mechanische Weise zu katarrhalischer Entzündung der Schleimhaut führen, so besonders die beim Rind nicht so seltenen Aktinomykome und tuberkulösen Neubildungen. Von chemischen Reizen sind zu nennen: die bei der katarrhalischen Stomatitis erwähnten scharf wirkenden Giftpflanzen, Arzneimittel, die meist in Folge fehlerhafter Medication zur Anätzung der Schleimhaut führen, so der BrechWeinstein in ungelöstem Zustande, das Crotonöl in zu concentrirten Lösungen, zu wenig verdünnter Salmiakgeist, die Metallsalze, Arsenik, Phosphor etc. Auch befallenes Futter (Kernpilze, Rostpilze) erzeugt zuweilen aussei- einer Stomatitis gleichzeitig auch eine Pharyngitis. Endlich können Verbrühungen der Rachenschleimhaufc durch zu heisses Gesöffe, heisse Eingüsse, Aufnahme heissen Malzes beim Inhaliren von Dämpfen etc. zu Angina Veranlassung geben.
2.nbsp; Erkältung, besonders örtliche Erkältung des Schlundkopfes durch Einathmung kalter, scharfer Luft bei herrschendem Nord- und Nordostwind, sowie durch Trinken sehr kalten Wassers, Aufnahme bereiften Futters u. s. w., kann als localer Reiz Pharyngitis erzeugen. Aber auch Erkältungen in weiterem Umfange, so Erkältungen der allgemeinen Decke bei schneller Abkühlung des Körpers durch rasch umschlagende Witterung, plötzliche Regenschauer, überhaupt starke Temperaturdifferenzen müssen in Betracht gezogen werden. Gewiss ist der Einfiuss der Erkältung auf die Erzeugung der Krankheiten von jeher vielfach überschätzt worden; indess kann auch nach dem heutigen Stand der Wissenschaft dieser Factor doch nicht so ganz aus der Aetiologie der Krankheiten verschwinden, vor Allem nicht aus derjenigen der Pharyngitis.
3.nbsp; Fortpflanzung eines Entzündungsprocesses von benachbarten Organen auf die Schleimhaut des Pharynx. Sowohl eine Stomatitis als Rhinitis und Laryngitis kann bei weiterer Ausdehnung zu Pharyngitis führen. Weiterhin ist die Pharynxangina die allergewöhnlichste Begleit- und Theilerscheinung der Druse, so dass beide Krankheiten nur zu oft mit einander verwechselt werden; ferner findet man sie als Complication der Maulseuche, der Wuth,
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Staupe, Brustseuche, des Peteehialfiebers, Milzbrandes, aouten und chronischen Rotzes, der Tuberkulose etc.
4. Infection. Nicht selten hat man es bei der l'harynxangina mit dem Einflüsse einer nicht näher gekannten specii'ischen, in-fectiösen Krankheitsursache zu thun, bei welcher die Krankheit dann auch einen contagiösen Charakter annimmt. Wenigstens deuten die Fälle von epizootischer, seuchenartiger Verbreitung der Halsbräune darauf hin. Man muss indess in dieser Beziehung namentlich beim Pferde ausserordentlich vorsichtig sein. Der Umstand, dass die Druse sehr häufig mit pharyngitischen Erscheinungen verläuft, hat gewiss zu häutigen Verwechslungen mit der seuchenhaft auftretenden Druse Veranlassung gegeben. Jedenfalls muss beim Pferde eine mit Drüsenvereiterung verlaufende, seuchenartig auftretende Pharyngitis immer als Druse (eiterbildender Drusenstreptococcus!) aufgefasst werden. Bei jungen Hunden kommen in den ersten Wochen nach der Geburt zuweilen seuchenhafte, infectiöse Pharyngiten vor, welche zu Pyaemia metastatica führen können.
Die Anbeftnng von Bremsenlarven auf der Bachensohleimhaut
darf nicht ohne Weiteres als Ursache einer Pharyngitis erachtet werden, da erfahrungsgemäss Bremsenlarveu nicht seiton auf der Rachenschleimhaut ganz gesunder Pferde (ähnlich wie im Magen) vorkommen. Der von Lich-mann beschriebene Fall von tödtlicher Pharyngitis bei einem Pferde, in dessen Rachenschleimhaut sich 14 Larven vorfanden, kann auf diese Larven um so weniger bezogen werden, als es sich um eine Remonte handelte, welche unter mehreren mit hochgradiger Halsentzündung behafteten Pferden erkrankte!
Pathologische Anatomie. In den leichteren Fällen von Pharyngitis (Pharyngitis catarrhalis) erscheint die Schleimhaut der Rachenhöhle entweder diffus oder fleckig geröthet und geschwollen, mit glasigem oder mehr eiterigem Schleime überzogen, dem sich Blutstreifen beimengen können; daneben lindet man wohl auch streifige Erosionen auf derselben. In chronischen Fällen ist die Schleimhaut bleich, verdickt und in Falten gelegt, sowie von einem dicken, zähen Schleim überzogen. Die geschwollenen Follikel und Schleimdrüsen prominiren in Form hirsekorngrosser Knötchen über das Niveau der Schleimhaut.
Bei intensiverer Erkrankung der Rachenhöhle (Pharyngitis parenehymatosa und purulenta) wird die hochgeröthete Schleimhaut entweder in Folge einer serösen Infiltration ödematös geschwollen und kann selbst eine glasige, sulzige Beschaffenheit annehmen, oder sie erscheint wie verbrüht und von einem bald eiterigen, bald schmutzig jauchigen, nekrotischen, bald grünlich schmierigen
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Belage überzogen, unter dem sich verschieden grosse Substanzverluste vorfinden, so dass die Schleimhaut oft ein förmlich angenagtes Aussehen erhält. Die Lymphfollikel und Schleimdrüsen sind theils bis zu Erbsengrösse geschwollen, theils sind sie ausgeschwärt. Beim Einschneiden in die Schleimhaut zeigen sich an Stelle derselben, besonders in der Gegend der Tonsillen, oft zahlreiche Eiterpfropfe, die sich theilweise in Kalkconcremente umwandeln können.
Pflanzt sich die Aftection der Schleimhaut auf die Submucosa fort, so nimmt die Pharyngitis einen mehr phlegmonösen Charakter an (Pharyngitis phlegmonosa). Die Submucosa ist dabei sei'ös, selbst hämorrhagisch infiltrirt und wird oft in eine gelatinöse oder eiterige Masse umgewandelt. Auf diese Weise bilden sich unter der Schleimhaut kleinere oder grössere Abscesse, welche dieselbe von ihrer Unterlage ablieben, hervorwölben, perforiren oder auch durch die Spannung, die sie ausüben, zur Gangränescirung bringen. Die eiterig-phlegmonöse Einschmelzung der Submucosa kann sich der lockeren Faserung des Bindegewebes entlang über grosse Strecken, so z. B. vom Pharynx an der Hinterfläche des Schlundes und der Luftröhre bis zum Brusteingang verbreiten, wobei sich neue Abscesse und lange Fistelgänge bilden, und die Schleimhaut oft in grösseren Fetzen abstirbt und verjaucht, während sich unter der abgehobenen Schleimhaut Futterstoffe ansammeln, welche ihrerseits die Eiterung und Nekrotisirung unterhalten und steigern. Bruckmüller sah auf diese Weise einmal die Schleimhaut der ganzen Schlundröhre bis zum Magen durch eingedrungene Futterbestandtheile abgelöst.
Gleichzeitig werden auch die retropharyngealen Lymphdrüsen sowie die oberen Halsdrüsen, unter Umständen sogar die submaxillaren und sublingualen Lymphdrüsen in den Ent-zündungsprocess hereingezogen. Die genannten Lymphdrüsen in der Umgebung des Schlund- und Kehlkopfs werden geschwollen und hämorrhagisch infiltrirt und abscediren entweder oder zerfallen zu einer schwarzrothen, pulpaähnlichen Masse. Die sog. retropharyngealen Abscesse enthalten meist einen dicken, weissen, rahmähnlichen Eiter und sind theils einfach, theils sinuös; sie können bis zu einem Achtel-Liter und darüber Eiter enthalten. Späterhin verkäst der Eiter oft und wird durch eine schwielige Hyperpiasie des umgebenden Bindegewebes abgekapselt. In hochgradigen Fällen abscediren sogar die submaxillaren und sublingualen Lymphdrüsen, wodurch Fistelcanäle nach aussen entstehen.
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Die Schleimhaut des Kehlkopfes ist oft diffus oder fleckig geröthet und stellenweise serös infiltrirt (Glottisödem), der Kehldeckel am Grunde ödematös geschwollen. Der Luftsack enthält zuweilen eingedickte eiterige Massen. Diese Anfüllung des Luftsackes wird indessen häufiger angenommen, als sie in Wirklichkeit existirt, indem in den allermeisten Fällen offenbar subparotideale und retropharyngeale Abscesse mit Anfüllungen des Luftsackes verwechselt werden, was auch bei der operativen Oeffnung der genannten Abscesse leicht vorkommt. Die Schleimhaut der Eustachischen Röhre ist oft verdickt. Auch in den Bronchien findet man katarrhalische Zustände; zuweilen sind dieselben mit Eiter verstopft, und ihre Schleimhaut weist ulceröse Zerstörungen mit Blosslegung des Knorpels auf. Die Lunge zeigt nicht selten circumscripte pneumonische Herde mitNekrose (Premdkörperpneumonie) und ist oft ganz von übelriechenden, jauchigen, bis taubeneigrossen Cavernen durchsetzt, in deren Umgebung sich pleuritische Beläge bilden. Die Nasenschleimhaut erscheint meist hochgradig geröthet, entweder ziegelroth oder missfarbig, mit Blut- und Eiterkrusten belegt, die selbst einen croupähnlichen Charakter annehmen können und sich zuweilen schwer ablösen lassen. Auch findet man den unteren Theil der Schleimhaut hie und da sammtartig rauh oder zottig und die einzelnen Zöttchen deutlich mit blutgefüllten Gefässschlingen versehen. Die Maulschleimhaut ist oft im Zustande des Katarrhs, welcher sich bis auf den Darmcanal verbreiten kann; im Mastdarm ist zuweilen eine desquamative Entzündung der Schleimhaut zu bemerken.
Das Herz zeigt bei protrahirtem Krankheitsverlauf eine parenchy-matöse Degeneration und Verfettung, die Leber Schwellung und ebenfalls Verfettung, Erscheinungen, die weniger der Pharynxangina als solcher, sondern vielmehr jeder mit hochgradigem Fieber und starker Inanition verlaufenden Krankheit, sowie namentlich Infectionskrank-heiten (inf'ectiöse Pharyngitis), eigen sind.
Bezüglich der normalen Anatomie der Rachenschleimhaut sind für die Pathologie der Pharyngitis nachstehende Punkte von Belang, Die Schleimhaut der Maulhöhlenliäche des Gaumensegels enthält nach Pranok eine dicke Lage gelblicher, acinöser gemischter Drüsen, d. h, Schleimund seröser Drüsen (EUenberger's Gaumendrüsen), neben denen sich nur beim Schwein noch zahlreiche kleine Lymphdrüsen eingesprengt finden; dagegen besitzt die Kachenhöhlenfläche nur eine sein- dünne Lage derselben gemischten Drüsen. Am Zungengrunde sind neben den Mandeln die sog. Balgdrüsen, welche, wie jene, Lymphdrüsen der Zunge darstellen. Der dorsale Theil der Ilachenhöhle enthält neben zahlreichen Schleimdrüsen an seinem oberen Rande und besonders in der Umgebung
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der Eingilnge zu den Eustachischen Röhren viele Lymph foil ikel. Be-merkenswerth ist noch, dass die im hintersten Theile der Maulhöhle liegenden Mandeln beim Pferd und Schwein viele Foramina coeca besitzen, während bei den übrigen Hausthieren nur eine einzige tiefe Grube vorhanden ist, woraus sich vielleicht die Häufigkeit der Angina bei Pferd und Schwein theilweise erklären lässt.
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Symptome beim Pferde. 1. Erscheinungen von Seiten des Sohlundkopfes, Nur selten kommt der Thierarzt in die Lage, den Beginn der Krankheit zu beobachten; der Entwicklungsgang ist meist ein so langsamer, dass die Thiere erst mit dem 3, oder 4. Tage, wohl auch noch später, dem Eigenthümer durch die allmählich schlechter werdende Futteraufnahme oder durch einen sich einstellenden Husten als krank auffallen. Aber auch der Sachverständige ist oft nicht im Stande, im Anfange des Leidens eine sichere Diagnose zu stellen, da verminderte Futteraufnahme und Husten die einleitenden Symptome gar zahlreicher anderer Krankheiten bilden können. Indess treten bald charakteristischere Anzeichen hinzu. Zunächst ist es die eigenthümliche steife Kopfhaltung, welche bei den erkrankten Thieron auffällt, eine Folge des Bestrebens derselben, jede überflüssige Beugung, Streckung oder Seitwiirtsbiegung des Kopfes und Halses zu vermeiden. Dabei legen die Thiere bei Druck auf die Kehlkopf- und Schlundkopfgegend eine oft ausserordentliche Empfindlichkeit an den Tag. Beobachtet man sie bei der Futteraufnahme, so scheint zwar Fresslust vorhanden, das Kauen und Abschlingen aber mehr oder weniger erschwert zu sein, besonders ist das Abschlingen stets sehr schmerzhaft und geschieht unter deutlichem stärkerem Strecken des Kopfes mit sichtbarer Anstrengung; bisweilen ist die Fähigkeit des Schlingens auch ganz aufgehoben. Die Erschwerung des Kauens und Schlingenjraquo; führt zu einer Ansammlung von Schleim und Speichel in der Maulhöhle, welche beim Oeftnen derselben in Form von langen durchsichtigen Strängen zum Vorschein kommen und die Umgebung der Lippen, sowie die dem Thiere zunächst liegenden Gegenstände, die Barren, Raufen etc., besudeln. Diese zurückgehaltenen Secrete zeichnen sich neben einer höheren Temperatur gewöhnlich auch durch einen süsslich faden Geruch in Folge fauliger Zersetzung der Epithelien und der Flüssigkeiten aus. Das aufgenommene Futter wird gewöhnlich nach kürzerem oder längerem Kauen mit zähem, glasigem Schleim und zu Schaum geschlagenem Speichel bedeckt, in Form glatter Ballen oder Kuchen wieder ausgeworfen, wobei einzelne Bissen in den seit-'
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lichen Abtheilungen der Maulhöhlo zurückbleiben können. Dabei ziehen die Thiere instinetiv ein weiches oder flüssiges Futter dem trockenen vor. Das aufgenommene Wasser kommt beim Abschlucken in verschieden grosser Menge durch die Nasenöffnungen wieder zum Vorschein, wobei es die in den Nasengängen angesammelten zähen Schleimmassen mit hemusschwemmt. Daneben sieht man jedoch auch gekaute Futtermassen durch die Nasenlöcher sich nach aussen entleeren; dieselben färben den Nasenausfluss durch ihren Chlorophyllgehalt oft grün. Dieses sogenannte Regurgitirenquot; bildet die wichtigste und ge-wissermassen eine pathognostische Erscheinung der Pharyngitis. Es entsteht durch eine Beeinträchtigung der Function der Gaumen- und Schlundkopfmuskeln, durch eine seröse Infiltration mit consecutiver Parese oder Paralyse derselben in Folge Tiefergreifens des Entzün-dungsprocesses. Namentlich sind es die K ehlkopfpf eiler des Gaumensegels, die aus dem besagten Grunde nicht gehörig angespannt werden können, um die Oeffnungen der Choanen beim Schluck-acte zu verschliessen. Zugleich geht aus dieser Erklärung des Regur-gitirens hervor, dass stärkeres Regurgitiren immer ein Symptom einer tieferen, d. h. submueösen, phlegmonösen Pharyngitis darstellt. Da auch das Abschlingen von Flüssigkeiten den Thieren Schmerz verursacht, so nehmen dieselben trotz lebhaften Durstgefühls in der Hegel nicht viel von denselben auf, spielen aber oft und gern in vorgesetztem Wasser. Bei manchen Thieren kann man hie und da ein leeres schmerzhaftes Abschlucken bemerken. Die Maulschleimhaut zeigt meist die Erscheinungen einer katarrhalischen Stomatitis: erhöhte Temperatur, vermehrte Rötho, Zungenbelag etc. Die Inspection der Rachenhöhle lässt bei Thieren, wo eine solche überhaupt ausführbar ist, so bei Hunden und Katzen, sowie bei Pferden nach Einführung des Rhino-Laryngoskops, Hyperämie, Schwellung, Blutungen, Erosionen u. s. w., überhaupt die Veränderungen erkennen, wie sie im pathologisch-anatomischen Befund näher beschrieben sind. 2. Erscheinungen von Seiten des Respirationsapparates. Die Nasenschleimhaut ist gewöhnlich katarrhalisch erkrankt und zeichnet sich oft durch eine intensive Röthung aus, welche besonders am unteren Ende des hinteren Nasenganges am stärksten ist. Aus den Nasenöffnungen entleert sich eine anfangs seröse oder feinschaumige, später mehr schleimig-eiterige Flüssigkeit von weisser, grauer, gelber, hie und da auch grüner Farbe, welche an den Nasenflügeln zu einer schmierigen Kruste eintrocknet. Husten ist eine fast regel-mässige Begleiterscheinung der Pharynxangina. Derselbe
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ist im Anfang trocken, zuweilen bellend, bald aber mit Auswurf verbunden; er ist meist sehr schmerzhaft, weshalb ihn die Thiero zu unterdrücken suchen, und erfolgt in Anfällen, wobei sich die in der Maulhöhle angesammelten Schleimmassen etc. entleeren. Die Ursache des Hustens ist theils in einer Fortpflanzung des Entzündungsprocesses auf die Kehlkopfschleimhaut, theils in einer Reizung der letzteren durch die nicht abgeschluckten, sondern im Pharynx zurückgehaltenen Secrete zu suchen. Künstlich ist der Husten durch Druck auf den Kehlkopf oft ausserordentlich leicht zu erzeugen; in manchen Füllen tritt bei jeder stärkeren Kopfbewegung Husten auf. Die Athmung ist je nach dem Mitergriffensein des Kehlkopfes, der Höhe des Fiebers etc. in verschiedenem Grade gestört. In leichteren Fällen erfährt dieselbe eine kaum nennenswerthe Beschleunigung, meist ist sie indess erschwert und geschieht schnaufend (schniefend), selbst schnarchend und röchelnd. Man hört am Kehlkopfe und an der Trachea die verschiedensten feuchten Rasselgeräusche und fühlt dortselbst die durch das Aus- und Einströmen der Athemluft erzeugten Erschütterungen (Fremitus).
3.nbsp; Die Umgebung des Schlundkopfos und besonders die untere Partie der Ohrdrüsengegend ist sehr häufig geschwollen und höher temperirt. Die Schwellung ist meist eine beiderseitige, doch in der Regel nicht in gleichem Grade auf beiden Seiten vorhanden. Sie ist entweder mehr flach, diffus, so dass nur die normalen Conturen etwas verwischt sind, in andern Fällen scharf begrenzt, kann aber auch ausserordentlich umfangreich werden und namentlich den ganzen Raum zwischen Hinterkiefer und Atlas ausfüllen. Meist ist es die untere Partie der Ohrdrüse, welche durch eine entzündliche Infiltration der unter ihr liegenden Lymphdrüsen hervorgewölbt ist; indess kann aucli das Stützgewebe der Ohrdrüse sich an der Schwellung betheiligen, in seltenen Fällen selbst der Luft sack. In einem Falle wurde ein Empyem des Luftsacks mit temporärer Taubheit im Verlaufe einer Rachenentzündung beim Pferde beobachtet (Bell). Auch die Haut kann in Folge eines collateralen Oedems in der Umgebung des Kehlkopfes geschwollen sein. Daneben beobachtet man Schwellung der Kehlgangslyraphdrüsen, der Submaxillaris und Sublin-gualis, zuweilen auch der Schilddrüse. Die Schwellungen in der Ohrdrüsengegend sind meist sehr schmerzhaft.
4.nbsp; nbsp;Der Digestionsapparat zeigt nicht selten die Symptome eines intensiven Darmkatarrhs: die Thiere gähnen häufig, die Peri-staltik ist oft unterdrückt, selbst ganz aufgehoben, der Koth übel-
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riechend, zerfallen, weich, von Schleim Uber/oyen, der Urin sauer. Fehlt der Darmkatarrh, und ist die Futteraufnahme nicht zu stark und zu lange beeinträchtigt, dann findet man den Urin trotz wochenlangen hochgradigen Fiebers von alkalischer Reaction. Ausserdem enthält der Urin in schwereren Fällen Eiweiss. Eine auffallende Erscheinung bildet endlich hie und da das ausserordentlich niedrige specifische Gewicht des Harns. So beobachteten wir Fülle, bei denen im Verlaufe und, wie es schien, mit der Krise der Krankheit zusammenhängend, das specifische Gewicht des in vermehrter Menge abgesonderten Harns 8 Tage hindurch 1001100G betrug.
5. Fieber. Die Art und Weise des Auftretens und des Verlaufes des Fiebers bei der Pharyngitis ist durchaus nicht typisch. In leichteren Fällen kann dasselbe ganz fehlen, oder es zeigt nur der Puls eine leichte Beschleunigung, #9632;/.. B. beim Pferde bis zu 48 Schlägen per Minute. In anderen Fällen setzt die Krankheit mit einem hochgradigen Fieber ein, wobei die Temperatur 40deg;, selbst 41quot; C. und darüber betragen kann, während der Puls in den ersten Tagen sich wenig oder gar nicht hebt. So haben wir Fälle constatirt, in denen bei einer Temperatur von über 40 quot; G. der Puls die ganze Dauer der Krankheit hindurch 40 Schläge per Minute nicht überstieg. Gewöhnlich folgt aber der Puls allmählich der Temperatur nach, indem die Herzthätigkeit durch die lange Einwirkung so hoher Fiebergrade alterirt wird. Setzt die Krankheit gleich am ersten Tage mit einer so hohen Temperatur ein, so muss man in Analogie mit anderen Krankheiten an Infection als Ursache denken; auch die im Verlaufe der Druse auftretende Pharyngitis zeichnet sich durch hohes Fieber aus. Steigt dagegen die Temperatur im Verlaufe der Krankheit allmählich zu einer beträchtlichen Höhe, so deutet dies auf einen intensiveren pharyngitischen Process, besonders auf einen solchen phlegmonöser Natur hin; jähes Steigen des Fiebers hängt meist mit Abscedirung von Lymphdrüsen etc. zusammen. Eine auffallende Steigerung der Pulsfrequenz ist immer ein schlimmes Zeichen, 80 Pulsschläge in der Minute sind beim Pferde schon ominös, während selbst hohe Temperaturgrade viel weniger zu bedeuten haben. Aussei durch Puls und Mastdarmtemperatur gibt sich ein höheres Fieber auch noch durch eine ungleiche Vertheilung der äusseren Körperwärme, kalte Ohren und Extremitäten, durch starke Injection der Lidbindehaut etc. zu erkennen.
ü. Endlich haben wir im Verlaufe der Pharyngitis, wenn auch vereinzelt, einen Quaddelausschlag beobachtet, der plötzlich auftrat, ebenso schnell verschwand, wiederkam und nochmals rasch zurückging.
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Dieser Befund lässt vielleicht die Deutung zu, dass man es mit einem vasoneurotischen reap, embolischen Exantliem zu thun hat, wie ein solches auch bei anderen Infectionskrankheiten, beispielsweise bei der Druse, nicht gerade so selten vorkommt.
Verlauf. Der Verlauf der Pharyngitis ist in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ein acuter, wenngleich gewisse Folgezustiinde und Complicationen die an sich acut verlaufende Krankheit in die Länge ziehen können. Einen eigentlich chronischen Verlauf der Pharyngitis findet man höchstens bei länger und andauernd einwirkenden Reizen, so bei Geschwülsten oder der Anwesenheit von Bremsenlarven in der Rachenhöhle. Der häufigste Ausgang ist der in Genesung, und zwar sind es besonders die Fälle von einfacher katarrhalischer Angina, welche nach (i 814 Tagen allmählich wieder in Heilv-, übergehen. You längerer Dauer dagegen sind die Pharyngiten, welche zur phleg-monösen Entzündung der Submucosa oder zur eiterigen Infiltration der retropharyngealeu und subparotidealen Lymphdrüsen führen. Die dabei sich bildenden Abscesse bedingen durch die in ihrer Umgebung auftretende collaterale Schwellung und ihren oft ganz beträchtlichen Umfang eine Erschwerung der Athmung, Steigerung des Fiebers und verzögern so die Genesung auf 45 Wochen und noch länger, sofern sie nicht durch ein rasch herbeigeführtes Glottisödem zur Erstickung führen. Diese Abscesse öffnen sich selten nach ausseu, häufiger, wie es scheint, kommt es nach Nekrotisirung der Uachenschleimhaut zum Durchbruch nach innen. Sie entleeren sich dann entweder durch Nasenhöhle und Maulhöhle nach aussen, wobei die Athenmoth zuweilen plötzlich nachlässt, oder nach dem Kehlkopf und in die Trachea, was zu Erstickung führen kann. Zuweilen entwickelt sich auch eine nekrotisirende Entzündung des Luftsacks sowie des Zungenbeins, ja selbst des Kopfgelenks (Uidge). Am seltensten findet ein Durchbruch nach beiden Seiten, nach innen und aussen, statt, was die Bildung einer Schlundkopffistel zur Folge hat. So beobachtete Romant die Bildung einer solchen Fistel bei einem Fohlen, aus welcher beim Saugen Milch nach aussen sich entleerte. Wir selbst haben zwei ähnliche Fälle beim Pferde gesehen. In dem einen erfolgte auf die operative Eröffnung eines in der Ohrdrüsengegend in einer Tiefe von 10 cm liegenden, faustgrossen Abscesses ein spontaner Durchbruch der Eiter-höhle auch nach innen; in dem anderen blieb nach überstandener Krankheit eine in den Kehlgang mündende Fistel zurück, durch welche man Flüssigkeit in die Rachen- und Maulhöhle einspritzen konnte.
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Pharyngitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;27
Bei dissecirenden und perforiretiden Voreiterungen kann es ferner zur Verjauchung der betroffenen Theile kommen, in Folge deren die Thiere durch putrid e Intoxication und Sepsis sehr gefährdet sind. Diese Fälle manifestiren sich nach aussen hin neben auffallend hohen Temporaturgraden durch einen intensiv fauligen Gerucli aus der Maulhöhle und Aushusten von nekrotischen, höchst übelriechenden Gewebsf'etzen.
Führt die entzündliche Infiltration der Drüsen nicht zur Abs-cedirung und Entleerung des Abscessinhaltes nach aussen, so bleiben gerne Indurationen, Verkäsungen und Verkreidungen derselben zurück, welche eine bleibende Umfangsvermehrung der Kehlkopf-und Schlundkopfgogend und dadurch ein mehr oder minder grosses Athmungshinderniss bedingen. Auch Lähmungen des Schlundkopfes hat man als Nachkrankheit der Pharyngitis beobachtet.
Eine ganz besonders gefahrvolle Complication bildet schliesslich bei den phlegmonösen und nekrotisirenden Pharyngiton das durchaus nicht seltene Hinzukommen einer Lungenentzündung; diese acci-dentelle Lungenentzündung ist sogar die häufigste Todesursache bei der Pharynxangina. Da nun in schwereren Fällen die Möglichkeit dieser Complication immer vorhanden ist, so wird für den behandelnden Thierarzt eine genaue Brustuntersuchung im Verlaufe der Krankheit eine unerlässliche Pflicht. Diese Lungenentzündung ist in den meisten Fällen eine durch Fehlschlucken von Bestandtheilen des Maulhöhleninhalts entstandene Fremdkörper-pneumonie mit rascher gangränöser Zerstörung des befallenen Lungentheils, und kann auch durch gewaltsames oder ungeschicktes Eingeben von flüssigen Arzneimitteln hervorgerufen sein, oder aber sie ist durch Emboli veranlasst, welche aus den Jaucheherden der nekrotisirenden Pharyngitis stammen (metastatische Pneumonic).
Differentialdiagnose. So unschwer eine entwickelte und nicht complicirte Pharyngitis beim Pferde zu diagnosticiren ist, so schwer ist es oft im Anfangsstadium oder späteren Verlaufe der Krankheit, das Leiden von Affectionen zu unterscheiden, die ähnliche Erscheinungen im Gefolge haben. So können Verwechslungen sich ereignen mit eingekeilten Fremdkörpern in der Maul- oder Rachenhöhle sowie im Schlünde, mit Neubildungen im Pharynx, insbesondere mit Polypen, Aktinomykomen und Sarkomen, welche das Abschlingen erschweren etc. Weiterhin bedingen S c hlu n d kr a n k hei t e n , so Stenosen des Schlundes, sowie Lähmung oder Krampf desselben oft ganz
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28nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pharyngitis.
ähnliche Erscheinungen. Auch Parotitis, Glossitis, Stomatitis, Luftsackanschwellungen, Ptyalismus u. s. w. können zu Verwechslungen führen. Eine der wichtigsten Verwechslungsmoglichkeiten, die mit Druse, wurde schon im Eingange erwähnt.
Prognose. Die Prognose ist je nach der Intensität, Ausdehnung und den etwaigen Goraplicationen eine verschiedene. Während eine leichtere katarrhalische Pharyngitis rasch in Heilung übergeht, ist die Prognose bei nur einigermassen höheren Graden des Leidens immer mit einer gewissen Vorsicht zu stellen, da oft ganz unerwartet schnell der Tod in Folge von Lungengangrän oder Glottisödem eintreten kann. Auch kommt sehr viel darauf an, ob sich die Entzündung auf den Kehlkopf ausgebreitet hat.
Therapie. Bei seuchenhaftem Charakter der Krankheit dürfte in prophylaktischer Hinsicht eine Separirung der erkrankten Pferde geboten sein. Sodann wären in diätetischer Beziehung die Stall-und Fütterungsverhältnisse zu reguliren; der Stall soll massig temperirt und gut gelüftet, aber zugfrei sein; das Futter muss leicht kaubar und beim Abschlingen möglichst wenig reizend sein. Es empfiehlt sich daher, den kranken Thieren, wenn möglich, nur Grünfutter oder sehr zartes Heu, vielleicht auch einen Mehl- oder Kleienschlapp vorzusetzen, Hafer und Häcksel dagegen ganz zu vermeiden. Auch soll man dafür Sorge tragen, dass denselben häufig frisches Wasser vorgesetzt wird. Weiterhin müssen die mit Schleim und Krusten bedeckten Lippen und Nasenränder, wie auch die ganze Umgebung des Thiei-es, besonders die Barren sorgfältigst gereinigt und die Maulhöhle mit kaltem Wasser oder irgend einem anderen Maulwasser (Essig und Kochsalz, Kali chloricum etc.) öfters ausgespült werden; doch hat das etwaige Ausspritzen der Maulhöhle sehr vorsichtig zu geschehen, indem man den Strahl nicht gegen die Rachenhöhle, sondern gegen die Backenwand richtet.
Bei hochgradigen phlegmonösen Processen mit grosser Schmerz-haftigkeit, Spannung und Wärme in der unteren Ohrdrüsengegend eignen sich im Anfange kalte, selbst Eisumschläge um den Hals. Späterhin, bei beginnender Abscessbildung, sowie bei weniger entzündlichen Schwellungen sind Priessnitz'sche Umschläge von grossem Nutzen, besonders wenn sie gleichzeitig mit der antiseptischen per-cutanen Wirkung der Carbolsäure verbunden werden. Man nimmt zu diesem Zwecke zum Anfeuchten der inneren Lagen statt gewöhnlichen
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Pharyngitis,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 20
Wassers Carbolwasser. Diese lJriessnitz'schen Umschläge gewähren dem Thiere nicht bloss eine subjective Erleichterung und wirken durch das Eindringen der Carbolsäure direct entzündungswidrig, sondern sie begünstigen und beschleunigen auch das Keifen der Abscesse und erweichen die harten entzündlichen Anschwellungen.
Die Einreibung von grauer Quecksilbersalbe auf die geschwollene Ohrdrüsengegend ist sehr beliebt. Ueber den Nutzen der Anwendung der Derivantien auf die Haut der Ohrdrüsen- und Kehlgangsgegend (Sinapismus, Linimentum volatile, Collodium cantharidatum, Unguentum Cantharidum etc.) lässt sich streiten. So viel ist jedoch sicher, dass vor einer generellen Anwendung derselben in jedem einzelnen Falle gewarnt werden muss. Sie dienen höchstens zur Beschleunigung der Abscess-reifung, sofern dies durch feuchte Wärme nicht, oder doch nicht rasch genug erzielt werden kann. Von einer ableitendenquot; Wirkung nach aussen kann keine Rede sein. Am ehesten eignen sie sich noch bei sehr umschriebenen harten Anschwellungen, die zum raschen Einschmelzen gebracht werden sollen. Dagegen sind diese scharfen Einreibungen bei sehr ausgedehnten Schwellungen, bei hochgradiger örtlicher Entzündung, bei dissecirenden Eiterungen, bei sehr geschwächter Herzaction, bei schlaffen, wenig resistenten und jungen Thieren entschieden zu verwerfen, da nach ihrer Anwendung ganz enorme Anschwellungen, bedeutende Athemnoth und rasche gangränöse Zerstörung des Zellgewebes auftreten können, denen schon manche Pferde zum Opfer gefallen sind.
Hat man durch die Palpation einen Abscess nachgewiesen, so halte man sich nicht zu lange mit dem Einreiben von Scharfsalben auf, sondern öffne den Abscess möglichst frühzeitig, indem man über demselben die Haut einschneidet und dann präparatorisch mit den Fingern gegen die Tiefe vorgeht. Man kann auf diese Weise Abscesse noch in einer Tiefe von 10 cm öffnen. Die weitere Behandlung derselben geschieht nach den Regeln der Chirurgie.
Inhalationen von Wasser-, Carbol-, Creolin- etc. Dämpfen sind sehr gebräuchlich; bloss muss man sich hüten, dieselben zu heiss anzuwenden. Ihr Werth dürfte übrigens ein beschränkter sein. Wichtiger ist die örtliche Anwendung adstringirender Mittel, die indess beim Pferde nicht leicht durchzuführen ist. Kagel empfiehlt, die Medicamente mittelst eines durch die Nasenhöhle eingeführten Gummischlauches in die Rachenhöhle einzuspritzen. Der hiezu benutzte Schlauch ist dickwandig, von engem Volum und etwa 60 cm lang.
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30nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pharyngitis,
Die eingespritzten Flüssigkeiten (4060ocm) bestehen in ^a procentiger Kochsalz-, Ipromilliger Sublimatlösung u. s. \v. Die nach Diecker-hoff's Vorschlag angewandten intrapharyngealen Injectionen adstringirender oder desinficirender Lösungen ('/äprocentige Höllensteinlösung, Lugol'sche Lösung, Iprocentige Milchsäurelösung, l/8Iprocentige Alaunlösung) leisten zuweilen gute Dienste, sind aber nicht immer gefahrlos, wie auch wir aus eigener Erfahrung bestätigen können (Friedberger, Münch. Jahresber., 1886/87. S. 51).
Bezüglich der Anwendung innerlicher Medicamente soll man vorsichtig sein. Flüssige Arzneien sind unter allen Umständen zu vermeiden. Aber auch von Latwergen und Pillen soll man nur einen beschränkten Gebrauch machen. Gewöhnlich sind es das Fieber und die Verstopfung, welche ein Eingreifen mit innerlichen Medicamenten erheischen. Indess sucht man diese Symptome durch fleissige Application von Infusionen von Kochsalzlösung und Seifenwasser in den Mastdarm, sowie durch subcutane Application der betreffenden Mittel, z. B. bei Verstopfung durch subcutane Injectionen von Physostigmin, sofern nicht gleichzeitig Athemnoth besteht, oder durch Lösung des Mittels, z. B. des Brechweinsteins, im Trinkwasser zu bekämpfen. Contraindicirt ist bei Pharyngitis die Anwendung von Pilocarpin und Arecolin, weil diese Abführmittel gleichzeitig starken Speichelfluss erzeugen, welcher bei behindertem Schlingvermögen gefährlich werden kann. Das hohe Fieber der Pharyngitis widersteht häufig den angewandten Fiebermitteln, weshalb man oft seine Zuflucht zu Kaltwasserinfusionen in den Mastdarm und kalten Wicklungen des Rumpfes nehmen muss. Von den Fiebermitteln ist am ehesten noch das Antipyrin zu empfehlen, weil dasselbe subeutan beigebracht werden kann; man injicirt es in Dosen von 1020,0, in gleichen Theilen Wasser gelöst. Bei septischem Fieber sind subcutane Injectionen von Campherspiritus (1020g stündlich) angezeigt.
Was endlich die Complicationen der Pharynxangina betrifft, so kann es sich hier um die Behandlung einer Pneumonie, um die operative Eröffnung der Luftröhre, um die künstliche Entleerung des gefüllten Luftsackes etc. handeln. Unter diesen steht die Vornahme der Tracheotomie in erster Linie. Da es bei derselben vor Allem auf den richtigen Moment der Ausführung ankommt (mit ihr darf, soll sie wirklichen Nutzen schaffen, nicht zu lange gewartet werden), und da dieselbe zu jeder Stunde des Tages, sehr häufig auch bei Nacht nothwendig werden kann, so soll man die
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Pharyngitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 31
nütliigeu Instrumente für alle Fälle in Bereitschaft halten. Eine Fremdkörper- oder metastatische Pneumonie hehandelt man nach den einschlägigen Vorschriften; indess erweist sich die Behandlung nur allzu oft als wirkungslos.
Die Pharyngitis der übrigen Hausthiere. Bei der grossen Ueber-einstimmung der Hauptsymptorae der Pharyngitis bei den einzelnen Thier-gattungen dürfte eine eingehende .Beschreibung der Krankheit bei den silmmtlichen anderen Hausthieren sich wohl als überflüssig erweisen. Es kann insbesondere bezüglich des Kindes auf die Verhältnisse beim Pferde verwiesen werden. Bezüglich der Rachenaktinomykome vergl. das Capitel über Aktinoiuykose. Im Folgendon soll nur die Pharyngitis des Schweines und Hundes etwas eingehender besprochen werden.
1. Die Pharyngitis des Schweines, welche besonders von Spinola in seinen Krankheiten der Schweinequot; ausführlicher beschrieben worden ist, kommt sehr häufig vor. Auch beim Schweine ist eine Trennung der Pharynxangina von der Larynxangina sehr schwer. Es muss ferner die rein idiopathische Bräunequot; wohl von der, wenn auch gewiss sehr seltenen, dem Milzbrand angehörigen Anthraxbräune unterschieden werden. Nach Spinola ist unter den Ursachen der Pharyngitis beim Sehweine besonders das Trinken sehr kaiton Wassers bei erhitztem Körper zu nennen, weshalb die Krankheit besonders in Gebirgsgegenden zur Erühjahrszeit unter den Weideschweinen solcher Ortschaften herrscht, die an Gebirgsbächen etc. liegen. Ausserdem kommen mechanische und chemische Ursachen in Betracht.
Die Erscheinungen der Pharyngitis beim Schweine sind je nach dem Grade des Leidens verschieden. In leichteren Eallen fehlt Eieber oder ist nur goringgradig vorhanden. Man beobachtet im Wesentlichen Röthung der sichtlichen Schleimhäute, öfteres Thränen, massig beschleunigtes und angestrengtes, beschwerliches Athmen, trockenen Husten, rauhe heisere Stimme, gering erhöhte Temperatur in der Maulhöhle, etwas erschwertes Schlingen, W ü r g b e w e g u n g e n und w i r k 1 i c h e s E r-brechen, sowie eine mehr oder weniger deutliche Geschwulst und Röthe in der Schlundkopfgegend, welche warm und schmerzhaft ist. Daneben besteht verminderte, selten ganz aufgehobene Fresslust. Die Dauer wird auf 1014 Tage angegeben, wobei der Husten allmählich feuchter wird, und in der Regel Genesung, seltener Steigerung des Krankheits-processes eintritt. Die Symptome der höhergradigen Entzündung sind nach Spinola; Bedeutende Röthung und Trockenheit des Rüssels und der sichtbaren Schleimhäute, besonders des Maules, glänzende Augen, stierer Blick; die Schlundkopfgegend höher geröthet, vermehrt warm, geschwollen und schmerzhaft; grosse Hitze im Maule, das Athmen beengt und beschleunigt, im höheren Grade der Krankheit äusserst angestrengt; der Husten nur selten deutlich hervortretend, kurz und schmerzhaft, die Kranken suchen ihn im höheren Grade der Krankheit und des behinderten Athmens zu unterdrücken; das Grunzen ist heiser. Appetit, wenn nicht ganz aufgehoben, so doch sehr vermindert; Schlingen erschwert. Mist- und Harnausscheidung verzögert; der entleerte Koth fest, der Urin gelbbraun (feurig). Im ferneren Verlaufe und beim Ueber-gang in den höheren und höchsten Grad der Krankheit steigern sich diese Zufälle. Die Schleimhäute werden dunkel geröthet, 11 vide, die Respirationsbeschwerden nehmen zu. Das Athmen ist höchst angestrengt, fast krampfhaft; gewaltsam suchen die Kranken, auf dem Hintertheile
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32nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pharyngitis.
sitzend, mit vorgestrecktem Kopfe und ausgespreizten Vorderfüssen durch das geöfi'neto Maul den Lungen noch Luft, unter keuchendem und pfeifendem Geräusche, zuzuführen. Die Angst und Unruhe der Thiere ist gross; die Augen sind hervorgedrängt und wild glotzend; die Venen des Kopfes schwellen; Rüssel, Lippen, Kehlgang his zum Halse hinab bekommen eine b 1 a u r o t h 1 i c h e Färbung; die Thiere fangen an zu taumeln, stürzen nieder xmd erliegen dem Erstickungstode unter con-vulsiviscben Bewegungen nach einer Dauer der Krankheit von 24 Stunden bis 3 Tagen. Bei günstigem Ausgange erreichen die genannten Symptome nicht den hohen Grad, namentlich das behinderte Athmon macht sich nicht in dieser AVeise geltend, und es kann sodann die Genesung unter allmählicher Abnahme der Symptome nach einer Dauer der Krankheit von 510 Tagen erfolgen. Hiebci bleiben nicht selten in der Kehlkopfgegend harte, unschmerzhafte Anschwellungen zurück, die in vielen Fällen den Eintritt der Luft in den Kehlkopf erschweren und ein andauernd keuchendes Athmen verursachen können. Nach Roll sind dieselben Rückbleibsel der entleerten kleinen, umschriebenen, von infiltrirtem Bindegewebe umgebenen Abscesse, die sich bei starker Entziindungsgescbwulst um den Schlundkopf herum bilden.
Die Section ergibt neben hochgradigen Entzündungsorscheinungen im Schlund- und Kehlkopfe nicht selten auch croupöse Auflagerungen im Kehlkopfe und dem oberen Theile der Luftröhre (Sessel mann, Preuss. Mitth., 185354. S. 114), sog. membranöse Bräune. Ausserdem findet man die Zeichen der Suffocation (höchstgradiges Oedem etc. der Lungen, Hyperämie und deren Folgen in den venösen Gefässen des Gehirns).
Die Prognosis hängt von den Ursachen und deren Entfernungsmöglichkeit, von dem Grade und namentlich der Ausbreitung der Krankheit, von dem Eintritt einer zweckentsprechenden Behandlung ab. Wie schon aus den Symptomen zu ersehen, wird sich die Prognosis um so schlimmer gestalten müssen, je mehr aus den Erscheinungen auf eine Erkrankung, resp. Mitantheilnahme des Kehlkopfes geschlossen werden kann, da ja gerade die Erstickung am öftesten und rasehesten den Tod bedingt. Alle Erscheinungen daher, welche bedeutende Athemnoth bekunden, verschlimmern die Vorhersage; ausserdem kommt der Grad des Fiebers in Betracht.
Bezüglich der Behandlung ist zunächst von Wichtigkeit ein trockener, zugfreier, massig warmer Aufenthaltsort, sowie die Verfütterung von Mehl-und Kleienschlapp, Grünfutter oder geronnener Milch. Im Beginne der Krankheit empfiehlt sich ein Brechmittel. Dasselbe wirkt unter Umständen abortiv und kann am nächsten Tag wiederholt werden. Am besten eignet sich weisse Nieswurzel 0,52,0 g; dieselbe ist womöglich im Futter beizubringen. Radix Ipecacuanhae 18 g kann ebenfalls verwendet werden. Fressen die Thiere bereits nichts mehr, so sind die Brechmittel mit Fett einzugeben, was schon schwieriger ist; nie soll man sich verleiten lassen, Flüssigkeiten innerlich anwenden zu wollen. Deswegen ist Tartarus eme-ticus (51.5 dg auf 2mal zu geben) schon weniger leicht und angenehm beizubringen. Dagegen empfiehlt sich für diese Fälle die rectale und sub-cutane Application, namentlich subeutane Veratrininjectioncn (2030 mg in 34 g Spiritus gelöst). Apomorphin ist beim Schweine wirkungslos. Ist bedeutende Schlingbeschwerde bereits vorhanden, so ist von innerlicher Behandlung ganz abzustehen, da sonst Pneumonien fast gar nicht vermieden werden können. Ueberhaupt kommt der Thierarzt nicht selten schon so spät zur Behandlung, dass eine rasche
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Krankheiten des Suhlundcs.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 33
Schlachtung des Thieres den Vorzug verdient. Es wird sich hier, wie in der Praxis ja immer, darum handeln, ob es von besonderer und grösserer Wichtigkeit und Zweckmilssigkeit ist, das Leben eines Thieres zu erhalten (Trilchtigkeit, Nahrungszustand, Zuclitwerth eines Thieres etc.). Ableitende Einreibungen (üngt. Cantharid. etc.) auf die Kehlkopfgegend sind in manchen Fällen von gutem Erfolge begleitet, in anderen wirkungslos. Dagegen sind Priessnitz'sche Umschläge empfehlenswerth. Eine Localbehandlung der Pharyngitis ist beim Sehweine für gewöhnlich nicht durchführbar. Lövy will von der Bepinselung der Rachenschleimhaut mit Lugol'scher Lösung sehr gute Erfolge gesehen haben. Meyer empfiehlt energisches Massiren des Halses von aussen mit in Petroleum getränkten Lappen.
2. Die Pharyngitis der Hunde ist ebenfalls ein ziemlich häufiges Leiden, welches ausserdem bei einem und demselben Thiere zahlreiche Ee-eidive zeigt. Nach unseren statistischen Erhebungen am Berliner Hunde-spitale beträgt die Häufigkeit dor Pharyngitis beim Hunde 'Ja Procent aller Krankheitsfälle. Meist werden die feineren Hunderassen (Möpse, Pinscher, Windhunde etc.) befallen. Die Krankheit beginnt mit Störungen in der Putteraufnabme, Schlingbeschwerden, Speicheln. Sehr bald kommt es zu einer schmerzhaften Schwellung der subparoti dealen Lymphdrüsen, welche in sehr seltenen Fällen auch vereitern. Ausserdem kann man bei Inspection der Rachenhühle gewöhnlich eine höhere Röthung und Schwellung der Rachenschleimhaut, der Tonsillen, des Gaumensegels etc. wahrnehmen. Der Verlauf ist meist ein gutartiger, wenn auch die Krankheit gewöhnlich länger (14 Tage bis 4 Wochen) dauert. Zuweilen seheint sich bei Hunden Taubheit in Folge Fortpflanzung der Entzündung vom Pharynx durch die Tuba Eustachii ins Mittelohr zu entwickeln. Die Behandlung des häufig fieberloson oder nur massig fieberhaften Zustandes besteht im Wesentlichen in der Anwendung von Priessnitz-schen Umschlägen um den Hals, welche alle 8 Stunden erneuert werden. Ausserdem kann man die geschwollenen Drüsen mit Camphersalbe, grauer Quecksilbersalbe, Jodoform sal be etc. einreihen lassen. Beim Hunde ist ferner die örtliche Behandlung der erkrankten Pharynxschleimluiut in Form von Bepinselung derselben mit adstringirenden Flüssigkeiten ermöglicht. Als solche sind zu empfehlen: Kalkwasser, Höllensteinlösungen (^jIproc), Tanninlösungen, AI aun lösungen (12proc.) u. s. w.
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Krankheiten des Schlundes.
Eintheilung. Die Casuistik der Krankheiten des Schlundes ist eine ebenso spärliche, als die Diagnostik derselben eine schwierige ist. Auch gehören manche pathologische Processe, wie z. B. das Capitel der Fremdkörper, weniger in das Gebiet der medicinischen als in das der chirurgischen Pathologie. Es können daher an dieser Stelle nur die nachstehenden Schlundkrankheiten kurz besprochen werden:
1.nbsp; nbsp;die Erweiterungen, 4. die Lähmung,
2.nbsp; nbsp;die Verengerungen, 5. der Krampf,
3.nbsp; nbsp;die Zerreissung,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(gt;. die Entzündung des Schlundes.
Fi'iedlierger u. Fröliner, Patliol. U. Therapie dlt; Ilaustliici-e. I. Bd. 4. Aufl. 3
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1. Die Erweiterungen des Schlundes.
Literatur. Dkcoste, Itec, 1828. Rev u. Bkrtiikoi,, J. de Lyon, 1848 n. 184'J. Stahl, liec, 1849. Reinemann, Ibid., 18.51. Gurlt, Mag., 1851. S. 447; 18(32. S. 288. Matthieii, liec, 1852. Plieningeh, Rep., XIV. S. 294. Tekyl, liec, 1854. Jessen, Memorahilien aus liussland, 1854. 1855. Leblanc, liec, 1850 u. Bull. Soc centr., 1876. Pünfstück, S, J. B., 1859. S. 21. Prietsch, Ibid., 8. 80.
nbsp;Fuchs, W. f. Th., 1800. S. 25. Leisurino, S. J. B., 1861. 8. 21; 1864. S. 31. Ehoolani, Turiner Zeitschr,, 1861. ün.is, J. du Midi, 1861. Kühne, Mag,, 1861. S. 433. Eck, Ibid., 1865. 8. 230. Oe. V. S., 1865. 1867. 1869. 1871. 1875. 1876. 1878. - Shell, Pr. M., 1800. S. 171. Godfrin, A. de Brua:, 1869. Ari.oinc, ,/. de Lyon, 1869. - Lausch, Fr. M., 1870. S. 18. Nielsen, liep., 1870. S. 77. Hartenstein, Ä J. B., 1875. S. 104. Harms, 11. J. B., 1876; Erfahr, üb. liindevla-kh., 1895. S. 21. - Ross, B. th. M., 1877. S. 154. Urban, Oe. V., 1877. S. 49. Habicht, iV. M., 1878/79. S.52. M.übius,.s'. ,/.£., 1878. S.26. - Johne, Ibid., 1879. S.45; 1881. S. 59. Falke, W. f. Th 1879. S. 266. Stockfletii, Handb, d. th, Chir., II. 1881. S. 303. -- Munkel, Br. jM., 1882. S. 56. Polansky, Oe. V. S., 1883. -Schleg, S, J. B., 1884. 8, 93; 1891. S. 89. Schinhelka, Oe. J'. S., 1886. S. 181. Langrehr, B. A., 1886. S. 285. Schäfer, Ibid., 1887. S. 364. Storch, Oe. Z. f. Vet., 1888. S. 233. laquo;rünwald, Oe.M., 1888. 8.481. Albrecht, W, f, Th., 1889. S.449. Schlake, Z, f. Vet., 1889. 8.28. Baier. Mil. V. lt., 1889. S.46. Wienke, B. th. W., 1891. S. 66. Hoffmann, 77raquo;. Chir., 1891. S. 867. Mit Literatur. Kobel, B. A., 1891. S. 375. Tapken, M. f. pr. Th., 1891. S. 464. Bris-sot, Bec, 1891. Clement, J. of comp., 1891. S. 216. Müller, Sachs, MÜ, liapp.,
1892.nbsp; Schellenberg, Schw. A., 1892. S. 201. Dieokebboff, Spec Path., 1892. I. S. 850. B. th. IC, 1893. S. 528. AVagner, Ibid., 1892. S.320. Lotiies, Ibid.,
1893.nbsp; S. 524. Altfeld, Ibid., 1894. S. 147. Möller, Lehrh, d. spec. Chir., 1893. S. 202. Mit Literatur. Aragon, Gaz. med. vet., 1898. P. Mil. V, B., 1893. S. 99.
nbsp; Labat, Revue vet., 1894. S.S02. Kitt, Lehrb.d.path.-amit. Diagn,, 1894. I. Bd. S. 452. Gramer, Holl. Z., 1894. 8. 118.
Aetiologie. Man kann die Erweiterungen (Ektasien) des Schlundes eintheilen in diffuse, die ganze Peripherie des Schlundes umfassende, und in umschriebene Ausbuchtungen einer einzigen Stelle der Wand, die sogenannten Schlunddivertikel. Die Ektasien kommen meistens zusammen mit Stenosen des Schlundes, und zwar oberhalb derselben, vor und entstehen auf dieselbe Weise, wie die Dilatation einer Herzkammer bei Stenose der Klappen. Allmählich erschlafft nämlich die Muskulatur des Schlundes bei ihrer angestrengten Thätigkeit, die sich anstauenden Futtermassen durch die verengerte Stelle des Schlundes hindurchzupressen; das Futter bleibt vor der Stenose liegen und erweitert die Wandungen allseitig, wobei die Muskelhaut atrophirt und blass wird. Ektasien ohne Stenose sind selten und scheinen auf localen entzündlichen Veränderungen der Wand zu beruhen oder durch Traumen zu entstellen. Es gilt dies namentlich für die plötzlich auftretenden Ausbuchtungen der Schleimhaut durch die spaltartig getrennte Muskelhaut. Vielleicht spielen bei ihrem Zustandekommen auch die besonders häufig in der Schlundmuskulatur des Pferdes vorgefundenen Psorospermienschläuche eine Rolle.
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Schlimderweitming.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;35
Die Divertikel werden bezüglich ihrer Entstehungsweise ein-getheilt in Pulsions- und Tractionsdivertikel. Ein Pulsions-divertikel entsteht, wenn durch den Druck des Bissens eine umschriebene Stelle der Wand, welche nachgiebiger als die übrige Wandung ist, von innen nach aussen vorgestülpt wird, wie dies z. B, nach Verletzungen des betreffenden Wandstücks eintreten kann. Dagegen entstehen die Tractionsdivertikel durch einen von aussen her meist in Folge von Schrumpfung oder Vernarbung benachbarter Organe, z. B. Drüsen, wirkenden Zug, analog der Bildung von Bronchiektasien bei der interstitiellen Pneumonie.
Die Ektasien sind entweder begrenzt und meist von .spindelförmiger Gestalt, oder sie umfassen den ganzen Schlund. Stock-fleth fand so einmal bei einem Pferde den Schlund in einer Länge von 135 cm erweitert, mit Q^a Zoll Durchmesser in der Mitte. Die Divertikel können bis zu einem Eimer Putter enthalten. Sie können auch mit ihrer Nachbarschaft, z. B. mit der Luftröhre, verwachsen. Sowohl Ektasien als Divertikel des Schlundes gehören bei unseren Hausthieren nicht gerade zu den Seltenheiten und kommen besonders beim Pferd und Rind vor dem Durchtritte durch das Zwerchfell vor; ausserdem sind sie auch beim Schaf, bei der Ziege und beim Hund beobachtet worden.
Nach Storch sollen heim Pferde auch angeborene Divertikel oder wenigstens eine angeborene Anlage zu denselben vorkommen, indem sich wahrscheinlich die zweite Kiemenspalte au der Bildung betheiligt. Die unvollständigen inneren Halskiemenfisteln sind nach ihm vielleicht mit den sackartigen Schlunddivertikeln in Beziehung zu bringen.
Symptome. Da sich die Erweiterungen meist sehr langsam entwickeln, so sind die Erscheinungen, welche darauf hinweisen, anfangs wenig in die Augen springend. Zunächst fällt bei den Thieren eine unregelmiissige Futter aufnähme auf in der Weise, dass sie bald einen wahren Heisshunger an den Tag legen, bald scheinbar zu rasch satt sind und im Allgemeinen von Tag zu Tag magerer werden. Häufig ist die Futteraufnahme auch sehr verlangsamt. Dieser Zustand kann jahrelang andauern, ohne in seinen Ursachen erkannt zu werden. In den meisten Fällen gesellt sich jedoch Erbrechen hinzu, das kürzere oder längere Zeit nach der Futteraufnahme auftritt und oft in periodischer Weise und mit regelmässiger Dauer erfolgt. Das Erbrechen findet zuweilen durch die Nase statt und ist hin und wieder von schmerzhaftem Husten begleitet. Die erbrochenen Massen sind meist mit Schleim umhüllt und können je nach
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36nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Sohlundenvcitorung.
der Zeit ihres Verweilens im Schlund bereits faulige Zersetzung eingegangen haben; dieselben sind indess niemals verdaut, was oft fälschlicher Weise angegeben wird. höchstens können bei den Brechbewegungen gleichzeitig auch Futtermassen aus dem Magen mit heraufbefördert worden sein. Unabhängig von dem Erbrechen besteht ferner häufig ein schleimiger, mit Futtertheilen gemischter Aus-fluss aus Maul und Nase. Das Schlucken der Thiere ist gewöhnlich in hohem Grade erschwert oder ganz aufgehoben. Mit stark abgebeugtem Kopfe und mit unter den Leib gestellten Hinter-füssen versuchen die Thiere zuweilen unter grösster Anstrengung den Bissen ab/uschlingen; dabei hört man oft eigenthümliche glucksende Geräusche. Zuweilen fällt auch auf, class diese Thiere, ohne vorher gefressen zu haben, kauende und abschluckende Bewegungen machen. Daneben speicheln sie stark und zeigen öfters Kolik anfalle, selbst sogar solche periodischer Natur. Bei Kühen hat man ferner Aufblähen, unterdrückte Rumination sowie angeblich auch Lecksucht auftreten sehen. In manchen Fällen wird der Hafer und Häcksel gut abgeschluckt, das Heu dagegen nicht.
Eines der wichtigsten Symptome bildet bei Schlunderweiterungen der Halsportion das Erscheinen einer äusserlich sichtbaren Geschwulst an der linken Seite des Halses unmittelbar nach dem Fressen, die sich durch Druck entleeren lässt. Dieselbe kann faust- bis mannskopfgross und beweglich sein. Auch fühlt man zuweilen in der Drosselrinue eine mehr längliche, bei hinzutretender Oesophagitis auch schmerzhafte Umfangsvermohrung des Schlundes und sieht beim Abschlucken des Thieres daselbst eine auffallend lebhafte peristaltische Bewegung. Beim Einführen der Schlundröhre findet dieselbe entweder an der unterhalb der Ektasie befindlichen Stenose, oder an der sackartigen Ausbuchtung des Divertikels, oder endlich an den angestauten Futtermassen ein Hinderniss. In seltenen Fällen befindet sich die Geschwulst auf der rechten Seite des Halses.
Zu diesen Erscheinungen von Seiten des Digestionsapparates gesellen sich ferner sehr häufig Husten, Athemnotb und Erstickungsanfälle, ja es kann in Folge von Compression der Trachea durch den vergrösserten Schlund zur wirklichenErstickung kommen. In anderen Fällen tritt als Complication tödtliche Schluckpneumonie hinzu. In einem Falle fand man die linke Carotis auffallend stark pulsirend. Der Ausgang des meist jahrelangen Leidens besteht in allmählicher Entkräftung und starker Abmagerung, oder in Erstickung bezw. Fremdkörperpneumonie oder in einer Ruptur des stark
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Schlumlverongcrung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;37
ausgedehnten Schlundes mit ihren letalen Folgen. Auch allgemeine Sepsis scheint sich zuweilen im Anschlüsse an die entzündlich-ulcerösen Veränderungen der Schlundschleimhaut zu entwickeln.
Prognose. Dieselbe ist wohl immer eine schlechte, da Heilungen nur ausnahmsweise beobachtet wurden. In difforential-diagnosti-scher Hinsicht wäre eine Verwechslung des Leidens mit Ruptur, Entzündung, K r a m p f u n d Lähmung des Schlundes, A b s c e s s e n in der Umgebung des Schlundes, ferner mit Pharyngitis, Stomatitis, acutem Magenkatarrh, sowie mit Vergiftung und Kolik möglich. Dasselbe gilt auch für die übrigen Krankheiten des Schlundes. Indess dürfte eine genaue Beobachtung und Untersuchung (Schlundsonde), insbesondere auch die Berücksichtigung des langen Bestehens der geschilderten Erscheinungen, immerhin unschwer zu einer richtigen Diagnose führen.
Therapie. Die Behandlung der Schlunderweiterungen ist eine wenig erfolgreiche. Man wird sein Hauptaugenmerk auf flüssige und halbflüssige Nahrung, sowie auf öftere Fütterung mit kleineren Rationen zu richten haben. Dabei kann man der Stauung des Futters durch die Schlundsonde, sowie durch äusserliche Anwendung der Massage vorzubeugen suchen. Ueber operative Behandlung eines Divertikels ist bis jetzt wenig bekannt. Stockfleth empfiehlt nach dem Vorgange von Moisant (Rocueil de m6d. vet.f 18G0) und Colin (Journal de med. vet. de Lyon, 1857) Exstirpation der 'erweiterten Wand und Vereinigung der Wundränder durch die Naht. Auf diese Weise hat Schindelka einen Fall beim Pferde geheilt. Wegen der oft ganz plötzlich eintretenden hochgradigen Athemnoth sind die Instrumente für die Tracheotomie in Bereitschaft zu halten.
2. Die Verengerungen des Schlundes (Schlundstenosen).
Literatur. Rychneb, Bujntrik, 1851. S. 85. Glri.t, Mag., 1851. 8.82; 1862. S. 288; 18117. S. 25. Mayer, Ibid., 1851. S. 81. - Rüffert, iV. A/., 1855/58. S. 139. - Leiskrino, X ,7. B., 1859/00. S. 20; 1869. S. 14; 1870. 8. 18. Kühne, May., 1800. S. 474; 1861. S. 488. Luatti, 11 med. ret, 1800. Parker, EdM. Jom-n., 1802. Kopp, Caillau, J. du Midi, 1808. Kniciui., Fr. M.. 1866. S. 167. Breakei,, The Vet., 1805. Legrand, A. de Brnx., 1805. Pürstf.nbehg, Vr. M., 1806. S. 173. Schleswig-Jlohteinisclie Mtttheilmgen, 1869. 1. Heft. Haushai.ter, ./. de Lyon, 1869. Strecker, Fr. M., 1875. S. 161. Schütz, B. A., 1875. S. 66. Hetzei., Rep., 1875. S. 378. Anacker, Thrzt., 1876. 8. 1. Ro-loff, Fr. M., 1877. S. 130; 1878/79. S. 51. Jehliraquo;, F. th. M., 1881. 8. 103. Stockfleth, Handh. d. th. Chir., II. 1881. S.801. .Ioiwe, S. J. li., 1882. 8. 24. Fehlisch, W. f. Th., 1883. Nr. 40. - Noce, 11 med. ret., 1885. 8. 246. Fessler,
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Sohlundverengerung.
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D. Z. f. Th., 1885. 8. 37. -- Rubei.i, Sohu). A., 1886. S, 239. Utz, U. th. M., 1886. S. 117; 1891. S. 159. - Scmurink, Beel, lloll. Z.} 1887. Uausse, Rec, 1888. -Bächstädt, Z. f. Vet., 1889. 8. 340. Pankmtius, Und., S. 386. Lorenz, Ibid., 1890. S.415.-Moens, A. de Brux., 1890.Hess, Sohw. A., 1890. S.214. Smith, Vet, journ., 1890. S. 265. Driessex, Th. Bl. f. N. Ind., Bd. 4. Hofeman.n, Th. Chir., 1891. S. 342. Mit Literatur. Vergl. ebendaselbst S. 349 die Literatur dur Fremdkörper im Schlünde. Vryburo, Th. ßl. f. N. Ind., 1891. S, 234. Nes-BITT, Am. vet, rev., Bd. XVI. S. 29. M'Gavin, ,/. of comp., V. S. 80. Varney, Ibid., VI. S. 181. Moens, lierue vä., 1892. Dieckerhofe, .s^ec. Path., 1892. 1. S. 856. Möller, Lehrb. d. spec. Chir., 1893. S. 207. Sthebel, Sohw, A., 1893. S. 270. - Kitt, Lehrb, d. palh.-anat. Diayn., 1894. I. Bd. S. 454 u. 456. Sohwintzer, li. th. W., 1894. S. 99. Eli.inger, Ibid., S, 453. Wallet, ./. of comp., 1894. Harms, Erfahr, über Itiiuierkrkh., 1895. S. 120. Fröiiner, .1/. f p. Th,, VII. S, 22.
Aetiologie. Die Verengerungen des Oesophagus können auf die verschiedenste Weise zu Stande kommen. Sie können angeboren sein, und das sind die seltensten Fälle. Sie können ferner durch Compression des Schlundes von aussen verursacht sein (Compres-sionsstenosen), wenn Geschwülste den Schlund von aussen zusanmien-drücken. Hioher gehören Strumen, Aktinomykome, Lymphome, peri-ösophageale Abscesse, besonders beim Rind, Abscesse und tuberculöse Entartung in den Bronchialdrüsen und Mittelfelldrüseu, Speckgescbwülste, Aortenaneurysmen, Melanome. Diese Tumoren können den Schlund entweder seitlich comprimiren oder ihn ringförmig einschliessen. Ist das Lumen des Schlundes an irgend einer Stelle von innen her verengt, so entstehen die sog. Obturationsstenosen. Diese Verengerung geht meistens von eingekeilten Fremdkörpern aus (Knochen, Kartoffeln, Rübenstücke, Brodstücke, Knorpel, Aepfel, Pillen, Futterbissen, abgebrochene Schlundröhren u. s. w.), kann aber auch durch Geschwülste, welche in das Lumen hineinragen, so z. B. beim Rind durch Papillome (Fibroma papillare), Carcinome und Aktinomykome, beim Hund durch Tumoren, welche Spiroptera sanguinolenta enthalten, ja selbst durch eine entzündliche Hypertrophie der Schlundmuskulatur hervorgebracht werden. Endlich kann eine Stenose durch narbige Schrumpfung der Schleimhaut in Folge Anätzung oder Verwundung oder auch krebsige Entartung der Wandung entstehen; diese Stenosen heissen Stricturen. Dieselben stellen bald eine gürteiförmige Verdickung mit rauher Oberfläche dar, bald sind sie ringförmig oder das narbig verdickte Gewebe ragt klappenförmig in das Lumen des Schlundes hinein. Die durch krampfhafte Contraction der Muskulatur gebildeten sog. spastischen Stenosen werden wir weiter unten bei dem Capitel ,Schlundkrampfquot; besprechen. Ausführlicheres über Fremdkörper im Schlünde vergl. die Lehrbücher der Chirurgie.
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Sclilundzcrreissung,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 39
Symptome. Da zu den genannton Steno.senformen späterhin sehr häufig eine Dilatation hinzutritt, so unterscheidet sich im Allgemeinen das klinische Bild der Stenosen wenig von dem der Schlunderweiterung, weshalh hier auf letzteres verwiesen wird. Die Diagnose wird durch Einführung der Schlundsonde gesichert. Beim Rind zeigt sich häufig ein für das Vorhandensein einer Schlundstenose sehr charakteristisches Symptom, nämlich chronische Tympanitis. Da beim Rind die Schlund Verengerung meist von Compression seitens einer tuberkulös entarteten Bronchial- oder Mittelfelldrüse herrührt, so kann bei demselben die Diagnose auf Compressionsstenose des Schlundes durch tuberkulös entartete Mittelfelldrüsen besonders dann gestellt werden, wenn sich zu den anderweitigen, mehr unbestimmten Symptomen der Tuberkulose (Husten, Abmagerung, Dämpfung, Reibungsgeräusch) eine von sonstigen Störungen der Digestion nicht begleitete chronische Blähsucht gesellt. (Vergl. das Capitel Tuberkulose.)
Therapie. Die Behandlung der Schlundstenosen gehört ins Gebiet der Chirurgie, sie besteht in häufiger Anwendung der Schlundsonde. Dies gilt vor Allem für die Compressionsstenosen des Rindes, welche mit Tympanitis einhergehen. Sodann könnte man, analog den Stenosen des Menschen, die allmähliche Erweiterung der verengten Stelle durch Einführung immer dickerer Sonden wenigstens versuchen. Die diätetischen Vorschriften sind dieselben wie bei der Schlund-erweitorung. Bei Fremdkörpern im Schlünde empfiehlt sich zunächst die versuchsweise Anwendung von Arecolin oder Pilocarpin.
3. Die Zerreissung des Schlundes (Scklundperforation).
Literatur. Dbgoste, Hec, 1828. Dufour, lind., 1882. Sanders, Th. Vet, 1850.
nbsp; OAnTwniGHT, Ibid., 1851. Sanders, Rec, 1852. Cartwright, Und., 1854. Hering, Rep., 1857. S. 143. OoLLMf, J. de Li/oh, 1857. Moisant, Rec, 1860. .Reboul, Ibid., 1801. Benjamin, A. de Brux., 1861. Jutii, 7V. M., 1862. S. 180. Neöhert, S. ./. B., 1802. S. 105. Franzen, W. f. Th., 1802. S. 385. Probst-mayr, Ibid., 1863. S. 389. Dinter, S../. B., 1865. S. 70. Eck, Mag., 1865. S. 239. Braun, Ibid., 1867. S. 881. Roloff, Pr. M., 1869. S. 150. Sjebert, Thrzt., 1870. S. 17. Leisering-Voigtländer, S, J. B., 1870. S. 18; 81. Sciileg, Ibid., 1873. S. 84; 1881. S. 115; 1889. S.75. Holtzendorf, Pi: M., 1874. S. 112.
nbsp; Koch, Ibid., 1876. S. 98. Stookpleth, Handb. d. th. Chii:, 11. 1881. S. 298. Zündei,, Der Gcximdheitsziistand d. llauslli. In E. L., 1885. Laurknt, Bull. Belij., 1886. Debree, Ibid. Friedberger, M. J. B., 1886/87. S. 58. Piot, Bull. soc. cent/:, 1886 u. 1888. - Nau.et, Rec, 1886. Robert, S. ./. Ji., 1887. S. 63. Brissot, Roy, Perrey, Deysine, Chardix, Maciienaud, Rec, 1888. Daoes, Ibid., 1889. Kehm, Rep., 1889. S. 19. Hoffmann, Th. Chit:, 1891. S. 361. Graf, Z.f. Vet., 1892. S. 211. Khebs, B.th, W., 1894. S. 438. Novotny, Th. C, 1895. S. 349.
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40nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Schlundzerreissung.
Aetiologie und Symptome. Zevreissungen des Schlundes von aussen nach innen entstehen durch iiussere Verletzungen, namentlich durch Hufschläge bei Pferden, durch Sturz etc. Zerreissungen von innen nach aussen können durch stecken gebliebene Fremdkörper, durch rohes Einführen der Schlundröhre, sowie durch Platzen der stark verdünnten Divertikelwandungen oder fettig entarteten Muskelwandungen bei normalem Abschlueken herbeigeführt werden. Je nachdem nun der Schlund in seinem Hals- oder Brust-theil zerrissen ist, sind die Erscheinungen verschieden.
Bei Rupturen des Schlundes am Halse findet man zunächst eine durch den Austritt von Futter bedingte, oft ganz enorme Geschwulst, zu der sich späterhin eine phlegmonöse Entzündung gesellt. Das Abschlingen ist unmöglich, es findet deshalb Rückfluss und Regurgitiren des Futters und Getränkes durch Maul und Nase statt. In manchen Fällen tritt ferner durch das Eindringen von Luft in das den Schlund umgebende Bindegewebe eine diffuse emphysematische Anschwellung des Halses, Kopfes und der Schulter auf. Auch die Bildung einer Schlundfistel und selbst Schlundluftröhrenfistel hat man beobachtet. Dabei zeigt die ausgeathmete Luft häufig einen fauligen, brandigen Geruch.
Schwerer sind die Zufälle, welche nach Ruptur des Brusttheils des Schlundes auftreten. Die Thiere zeigen plötzliche Schwindelanfälle und stürzen während der Arbeit zusammen, oder sie bieten dem Beobachter die Erscheinungen einer hochgradigen Lungencongestion und Athemnoth, manchmal auch scheinbar die einer Kolik dar. Auch Pneumothorax gesellt sich nicht selten hinzu. Dabei ver-rathen sie oft grosse Angst, zittern, zeigen Brechneigung und stehen unter heftigen Contractionen der Halsmuskeln mit gerade ausgestrecktem Kopfe da. Allmählich treten dann die Erscheinungen einer eiterigjauchigen Pleuritis mit tödtlichem Ausgange hinzu.
Therapie. Einer Behandlung sind die Rupturen des Brusttheiles des Schlundes nicht zugänglich. Dagegen können Thiere mit zerrissener Halsportion des Schlundes bei raschem operativem Eingreifen unter Umständen gerettet werden, indem man auf die Geschwulst breit einschneidet und die regulirten Wundränder mittelst Nähte wieder mit einander vereinigt. Vergl. den von Stockfleth angeführten Fall von Sanders in The Veterinarian 1851.
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Sehlundlilhmung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;41
4. Die Lähmung des Schlundes bezw. Schhmdkopfes (Dysphagia
paralytica).
Literatur. Jürgens, Mag., 1840. S. 347. Anacker, Ibid., 1853. S. 478. Straub, liep., 1858. S. 26. -Tost, Mag., 1860. S. 154. WALTRUST, Jim/., S. 105. Richter, Ibid., 1861. S. 171. Puschmann, Ibid., 1807/68. Emeriiarut, Ibid., 1872/73.
nbsp; üstehtag, Bei)., 1876. S. 319. Lydtin, B. th. M., 1880. S. 100. - Vogel, W. f. Th., 1886. S. 165. Gott, Th. lidsch., 1887. S. 90. Philiph, 8. J. B., 1887. S. 103. Dieckerhoff, Spec. Path., 1888. S. 805. Dbttlino, Ew., 1888. S. 264.
-nbsp; SCHMIDT, ü. th. W., 1889. S. 145. Langer, Z. f. Vet., 1890. S. 417. Hoffmann, Th. Chir., 1891. S. 338. Mit Literatur. Sciimutteher, W. f. Th., 1892. S. 170. Graf, Z.f. Vet., 1892. S. 211. Dieckerhoff, Spec. Path., 1892. I. S. 855. - Möller, Spec. Chir., 1898. S. 208. Sohöttleb, B. A 1894. S. 49. Harms, Erfahr, über Uinderkrkh., 1895. S. 122. Vcrgl. auch die Literatur der my-kotischen Magendarmentzüudung.
Aetiologie, Die Lähmungen des Schlundes kommen häufig zusammen mit Lähmungen des Schlundkopfes vor, beide sind daher in der Praxis nicht von einander zu trennen. Die Ursachen sind entweder central, im Gehirn (Schlingcentrum) oder peripher, in localeu Veränderungen des Schlundes und Schlundkopfes zu suchen. Die centralen Ursachen sind Lähmungen des Schlingcentrums im Gehirn in Folge von Blutungen, Gehirnerschütterungen, Ab-scessen, Neubildungen, Parasiten sowie namentlich von Gehirnentzündung (subacute Gehirnentzündung der Pferde). Eine Lähmung des Schlingcentrums wird ferner im Verlaufe mancher Vergiftungen beobachtet. Von diesen sind insbesondere bei den Pflanzenfressern die Vergiftungen durch Befallungspilze (Tilletia caries, Schimmelpilze), bei den Fleischfressern die Ptoma'inevergiftungen (Wurstvergiftung) hervorzuheben. Von Infectionskrankheiten, welche cerebrale Schlinglähmung bedingen, sind die Gebärparese und die Wuth zu erwähnen. Die localen Ursachen bestehen in Entzündung des Schlundkopfes und Schlundes, wenn nämlich der entzündliche Process von der Mucosa auf die Muscularis übergreift. Diese Entzündungen sind entweder primär oder sie treten secundär, z. B. im Verlaufe der Druse oder des Petechialtiebers auf.
Symptome. Die wichtigste Erscheinung der Schlundlähmung und Schlundkopflähmung ist das Unvermögen abzuschlingen. Die Thiere speicheln in Folge dessen anhaltend und lassen den gekauten Bissen wieder herausfallen. Bei ausschliesslicher Lähmung des Schlundes findet man zuweilen eine Anfiillung des Schlundes mit Futter vom Pharynx bis zum Magen, welche sich äusserlich durch eine cylindrische Ge.sch wulst in der linken Drosselrinne kenn-
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42nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Sohlundkrampf.
bar macht. Im Uebrigen sind die Erscheinimgen ilhnlich wie bei den anderen Schlundkrankheiten. Als Complication tritt auch hier nicht selten eine tödtliche Fremdkörper-Pneumonie hinzu.
Die Lähmung des Schlingapparates ist gewöhnlich eine totale, beiderseitige. Ausnahmsweise wird auch eine halbseitige Schling-liihmung beobachtet, wenn sich nämlich die ursächliche Pharyngitis nur auf eine Seite des Schlundkopfes beschränkt. Einen Fall von periodischer Schlundlähmung bei einer Stute hat Schöttler beschrieben.
Therapie. Die Behandlung der Schlinglähmung ist eine sehr beschränkte. Neben der Application äusserer Reize in der Schlundkopf- und Schlundgegend (Scharfsalben) und der Einführung der Schiundsonde kann man innerlich erregende Mittel in Form der subcutanen Injection versuchen. Als solche sind namentlich das Strychnin und Veratrin hervorzuheben. Auch die Elektricität kann probeweise angewandt werden. Zuweilen tritt spontane Heilung ein.
Nicht zu verwechseln mit der Sclilundliihiimng ist das Unvermögen, Wasser aufzunehmen. Die im Uebrigen rollkoinmen gesunden Thiere können zwar Trookenfutter in ganz normaler Weise kauen und absohlingen, sind aber nicht im Stande, Wasser aufzusaugen. Der Fehler ist wohl meistens angeboren und beruht in einer m angelhn f ton Function des Sau gapp ar a te s (S au go e ntr u ms ?), Aussei' bei Säuglingen kommt das Leiden auch bei erwachsenen Thieren, besonders bei Pferden, vor. Straub (Eepertor. 1880. S. 179) bat einen solchen Fall beschrieben. Wir selbst behandelten ein ^jähriges Pferd au dieser Krankheit. Dasselbe wurde unter der Anamnese zugeführt, class es wie ein Hund saufequot;. Das im Uebrigen ganz gesunde Thier, welches Trockenfutter vollständig normal verzehrte, war nicht vermögend, Saugbewegungen zu machen. Es stürzte sich gierig auf den Tränkcimer, spielte lebhaft im Wasser, indem es schnappende Bewegungen mit den Lippen ausführte, die Zunge hin und her bewegte und die Ziihne zusannnonbiss, war aber nicht im Stande, auch nur einen einzigen Schluck Wasser aufzunehmen. Die alleinige Behandlung bestand darin, dass man dem Thiere mit dem Flitter möglichst viel Getränk zuführte.
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5. Der Krampf des Schlundes bezw. ScMundkopfes (Oesophagismus).
Literatur. Mossic, J. du Midi, 1850; J. (Je Lyon, 1862. SdHiLLiNO, Mag,, 1857. S. 78. Guilmoxt, A, de Brux., 18(32. MOLLEREAU, Bull. soc. centr., 1882. Cadeac, ,7. de Lyon, 1888. Fribdberoer, M../. B., 1890'91. S. 60. Heinrich, SMeswig-HoUtein. Mitth., 1898. Heft 2.
Casuistik. Die selbstständigen spastischen Stenosen (Dyspha-giaspastica) sind im Gegensatze zu den symptomatischen krampfhaften
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Sohlundkrampfinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;48
Contractionen des Schlundes, mit denen sie sehr häufig verwechselt werden, wohl äusserst selten. Meistens bedingt ein im Schlünde stecken gebliebener Bissen, eine Schlundverletzung, ein Geschwür ganz ähnliche krampfhafte Zustände, wie die als Oesophagismus bezeichnete reine Neurose. Die letztere hat Mol lere au bei einem sehr nervösen Percheron, Guilmont ebenfalls bei einem Pferde, Mossö bei einem Maulesel und Maulthierf'ohlen beobachtet. Die Krampf'anfälle dauerten 3/46 Stunden. In dem erstgenannten Falle zeigte das Thier convulsi-vische Bewegungen, erbrach sich, stellte die Füsse unter den Leib und streckte den Kopf; in dem zweiten Falle scharrte das Fohlen plötzlich während der Futteraufnahme, zeigte auch sonst Kolikerscheinungen, konnte nichts abschlingen und machte bei Druck auf den stark gespannten Schlund Brechbewegungen. Die Behandlung bestand in Verabreichung von Bromkalium, Chloroform, Morphium u. s. w. Mosse erzielte durch Ausführung des Schlundsclinitts und Einbringen einer Schlundröhre Heilung. Einen Fall von periodischer spastischer Schlundstenose beim Pferde hat Friedberge r beobachtet. Einen sehr interessanten Fall von chronischem Schlundkrampf hat Cadeac beschrieben. Ein edles Pferd zeigte seit l1/laquo; Jahren mehrmals in der Woche während des Fressens plötzlich grosso Unruhe, Scharren mit den Vorderfüssen, Strecken des Kopfes, sowie Ausfluss von schaumigem Speichel aus dem Maule. Dabei waren Brechversuche wahrzunehmen, während welcher unter gleichzeitigem Ausstossen eines schrillen Lautes oder scharfen Zischens etwas Speichel durch die Nase ausgeworfen wurde. Am Schlünde war heftiges Auf- und Abgehen des Futterbissens zu beobachten. Die Oberlippe zeigte wurmförmige Contractionen. Das erbrochene Futter war niemals sauer. Der Anfall dauerte jedesmal 1 2 Stunden. Als Gelegenheitsursache war die Aufnahme von zu trockenem Kürzt utter und von kaltem Wasser nachzuweisen ; durch Verabreichung derselben Hess sich der Anfall mit grosser Sicherheit auslösen.
Die im Verlaufe der Hundswuth, Epilepsie und Katalepsie, sowie des Starrkrampfes auftretenden Erscheinungen von Schlingkrampf erfordern weniger eine symptomatische als eine causale Behandlung, sind auch wohl mehr auf eine Contraction der Schlundkopfmuskulatur und vielleicht höchstens noch des Anfangstheils des Schlundes zurückzuführen. Die als intermittirende Schlundlähmungquot; beschriebenen Fälle sind wohl als periodischer Schlundkrampf aufzufassen.
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Entzündung des Schluiules.
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6. Die Entzündung des Schlundes (Oesophagitis).
Literatur. Renault, liec, 1832. Ogeh, Ihiil., 1845. Eey u. Bertheol, J. de Lyon, 1848. Bayuo.n, Ibid. Lemaihe, Ibid., 1859. Joyeux, Ibid. Pussacq, J. du Midi, 1862. Paris, 1802, in dor Pathologie von Lafosso. Revouy, J. de Lyon, 1862. Croupüne Schlundenizünduitij, Rot'. Thrzt., 1802. S. 48. Breakel, The Vet., 1865. Schütz, B. A., 1875. S. 60. Habicht, Pr. M., 1878/79. Johne, S, /. B., 1879. S. 46. - Fessleh, D. Z. f. Th., 1885. S, 37. Eichenberger, Ibid., S. 111. Causse, Rec, 1888. Litti.ewooii, Tlie Vet., Bd, 63. Harms, Erfahr, über liinderkrkh., 1895. S. 118. Kitt, Lehrh. d. path.-ntmt. Diac/u., 1894. I. Bd, S. 451.
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Formen. Die Entzündung des Schlundes kann die Schleimhaut, die Submucosa, die Muskulatur und endlich das periösophageale Bindegewebe betreffen, so dass man im Genaueren eine katarrhalische, phlegmonöse und parenchymatöse Oesophagitis, sowie eine Peri-ösophagitis unterscheiden muss. Die drei letzteren Formen sind meist nur durch Fremdkörper oder Rupturen bedingt.
Ursachen. Die Veranlassung zu einer Schleimhautentzündung des Schlundes kann eine verschiedene sein. So findet man eine katarrhalische Oesophagitis hie und da bei Pharyngitis, dann als Theil-erscheinung mancher Allgemein er krankungen, z. B. der Rinderpest , der Maul- und Klauenseuche, der Schafpocken, ferner in der Umgebung von Neubildungen im Schlünde oder hervorgerufen durch Parasiten, namentlich Spiroptera sanguinolenta beim Hunde. In anderen Fällen sind Fremdkörper und besonders ätzende Substanzen, z. B. Mineralsäuren oder Alkalien, die Ursache einer katarrhalischen, selbst croupösen Schleimhautentzündung. Beim Rind hat man z. B. croupöse Entzündung nach Einschütten von Salmiakgeist, gegen Aufblähung, beim Pferde geschwürige Veränderungen nach dem Verabreichen ungelösten Brechweinsteins beobachtet. Aussei- diesen chemischen und mechanischen Reizen können auch thermische entzün-dungserregend einwirken.
Anatomie. Die anatomischen Veränderungen sind je nach der Intensität des Processes verschieden. Bei der katarrhalischen, mehr oberflächlichen Entzündung findet man ausser vermehrter Hyperämie nicht, wie bei anderen Sclileimhäuten, vermehrte Schleimsecretion, sondern nur eine starke Epitb elproliferation. Chronische Katarrhe zeichnen sich durch ihre Neigung zu papillösen Wucherungen aus. Diese von anderen Schleimhäuten abweichenden Verhältnisse haben ihren Grund in dem von Schütz speciell beim Rind nach-
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Entzündung des SohUmdcs.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;45
gewiesenen Umstände, dass die Sclilundschleimliaut sich in ihrer histologisoben Zusammensetzung mehr der Cutis als den Schleimhäuten verwandt zeigt, indem sie wie erstere eine Epidermis, eine Rete Malpighi, Papillen, sowie ein bindegewebiges Lager für dieselben besitzt, sich also mehr dem cutanen Baue nähert und damit in ihren pathologischen Veränderungen auch sich mehr an die auf der Haut auftretenden Processe, so besonders die Epitheldesqua-mation und die bei chronischen Katarrhen auftretenden papillären Hyperplasien, anschliesst. Leider wird bei den meisten Sectionen zu wenig Rücksicht auf die Beschaffenheit des Schlundes genommen, deshalb sind auch unsere Kenntnisse der anatomischen Veränderungen desselben bei den verschiedenen pathologischen Processen noch ziemlich unvollständig. Kitt fand bei Pferden und Hunden Substanzverluste in Form ausgenagt aussehender Stellen, trübgrauen, schmierigen Epithelbelag, streifige Uöthung, fein punktirte Blutungen, sowie Schwellung der Submucosa.
Symptome. Die Erscheinungen der Schleimhautentzündung des Schlundes sind bei leichteren Katarrhen nichts weniger als prägnant. Im Anfang dürfte eine Diagnose wohl kaum zu stellen sein. Erst wenn sich Schlingbeschwerden, Brechbewegungen, sowie gesteigerte Empfindlichkeit des Schlundes bei Druck von aussen einstellen, hat man deutlichere Anhaltspunkte. Dann ist aber auch der Process meist schon ein intensiverer geworden. So beobachtete man bei croupöser Schlundentzündung in Folge Anätzung mit Salmiakgeist starkes Stöhnen des Thieres, Geifern und Husten, sowie die Unfähigkeit des Abschluckens; ausserdem wurde nach einigen Tagen ein 15 Zoll langes, dem Lumen des Schlundes entsprechendes Croup-rohr ausgeworfen.
Therapie. Die Behandlung einer Schlundentzündung wird sich da, wo überhaupt eine solche diagnosticirt wird, auf Application von Kälte auf die Schleimhaut in Form von verschluckten Eisstückchen, auf Verabreichung einer kühlenden, reizlosen, flüssigen Nahrung, sowie auf die innerliche Anwendung adstringirender Mittel in Lösung (Tannin, Alaun, Kali chloricum etc.), sofern dieselben die Magenverdauung nicht stören, beschränken müssen. Gegenreize, wie scharfe Einreibungen am Halse, sind nutzlos. Endlich könnte als Präservativmittel gegen eine etwa drohende Schlundstenose (in Folge von Vernarbung croupöser Geschwüre) an das zeitweise Einführen der Schlundsonde gedacht werden.
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Kropfkrankheiten.
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Die Kropfkrankheiten des Oeflügels.
Literatur. Rouix, Gaz. mc'd. de Paris, 1865. PoimouiEn, Hull. soc. ceutr., 1875.
nbsp; FonsTEH, D. Z. f. T/i., 1877. S. 90. Meoxin, Krkh. d. Vögel, 1877. Zürn, h'rkh. d. Haim/e/L, 1882. S. 173; D. Z. f. Th., 1879. S. 424 u. 1883. S. 205. - Benign, 'J'raitt! de l'flerage et des mtdridies des unimaux et oiseaux de hasse-cour, 1X84.
nbsp; Popow, Pet. A., 1887. De Does, holl. Z., 1889. Raii.liet u. Luget, Hec, 1890. Kitt, Lehrb, d. path.-imat. Dim/ii., 1894. I, Bd. S. 459.
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1. Der Katarrh und die Entzündung der Kropfschleimliaut.
Aetiologie. Katarrhalische Zustände auf der Schleimhaut des Kropfes entwickeln sich bei abnorm langer Zurückhaltung, Eintrocknung und Zersetzung der Futtermassen im Kröpfe, bei Aufnahme stark gährender oder bereits in Zersetzung Übergegangener Nahrung, bei Ueberfüllung des Kropfes, bei Ansammlung grosser Mengen unverdaulicher Körper (Sand, Steine), sowie bei Einnistung von Parasiten in die Schleimhaut, z. B. nach Robin der Spiroptera nasuta (= Filaria nasuta), nach Zürn der Filaria uncinata. Intensive Entzündungen der Kropfschleimhaut findet man auch bei den verschiedenen Vergiftungen durch ätzende Mittel, z. B. Phosphor, Arsenik, Quecksilberpräparate, Kochsalz u. s. w.
Symptome. Bei dem nicht seltenen einfachen Katarrh der Kropfschleimhaut, dem sogenannten weichen Kropfquot;, findet man eine weiche, zuweilen durch Anhäufung von Gasen tympanitische Anschwellung dos Kropfes bei meist ganz aufgehobener Futteraufnahme. Die Thiere zeigen Brechbewegungen, wirkliches Erbrechen und Aufstossen übelriechender Gase, welche sich auch leicht künstlich durch Druck auf den Kropf entleeren lassen, und sind meist sehr hinfällig, gehen auch häufig in Folge sistirter Nahrungsaufnahme zu Grunde.
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Therapie. Die Behandlung besteht in der Anwendung von Massage, indem man den Inhalt des geschwollenen Kropfes durch Kneten und Streichen bei hängendem Kopfe des Thieres nach der Maulhöhle hinauszupressen versucht. Ausserdem kann man eine ad-stringirende Lösung (Alaun, Tannin, Ferrum sulfuricum) oder auch Salicylsäurelösung kaflfeelöffelweise eingeben und das Thier ainen Tag hungern lassen, worauf die nächsten Tage Weichfutter mit nur wenig Körnern verabreicht wird.
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Kropfkranklieiteii,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;47
2. Die Verstopfung des Kropfes (Unverdauliclikeit des Kropfes,
harter Kropf).
Aetiologie. Die Verstopfung oder Verhärtungquot; des Kropfes ist meistens die Folge der Anfüllung desselben mit schwer oder ganz unverdaulichen Stoffen (hartes, trockenes Körnerfutter, Fremdkörper der verschiedensten Art, z. B. Blätter der Robinia Pseudacacia), In seltenen Fällen kann auch eine plötzliche Kropfüberfüllung dadurch entstehen, class die den Schlund umgebenden Organe, so die Lungen, die Brustluftsäcke, die Luftrühre, hochgradig entzündet sind und auf den Schlund drücken. Eine durch Triohosoma contortum bedingte Unverdauliclikeit des Kropfes bei Enten haben Rail lief und Lucet beschrieben; die fadenförmigen Würmer hatten sich unter der Schleimhaut, des Kropfes eingenistet; die Wandung des Kropfes war verdünnt und hyperämisch.
Symptome. Das am meisten in die Augen fallende Symptom ist die oft ausserordcntliche Ausdehnung des angefüllten Kropfes. So beobachtete Zürn bei einem Huhn einen Kropf, welcher sammt Inhalt (Futter, Sand, Steinchen etc.) 1848g wog. Wir fanden bei einem Hahn den Kropf bis zu einem Umfange von 40 cm und einem Durchmesser von !'gt; cm ausgedehnt. Dabei ist der Kropf, im Gegensatze zum sog. weichen, hart und derb anzufühlen, die Futteraufnahme ist sistirt und es ergiesst sich aus dem Schnabel in Folge eines meist hinzutretenden Kropfkatarrhs eine miss farbige und übelriechende Flüssigkeit. Hie und da zerreissen auch die stark angespannten Wandungen des Kropfes, oder es entwickelt sich nach wiederholten Ausdehnungen der Wände ein sogenannter Hilngekropf.
Therapie. Die Behandlung besteht wie beim weichen Kropf in ausgiebiger Anwendung der Massage in Form von Reiben, Streichen und Kneten. Von verschiedenen Seiten wird auch die Verabreichung von Salzsäure anempfohlen. Wir verschreiben dieselbe gewöhnlich in Iprocentiger Lösung (Rp, Acidi hydrochlorici 3,0; Aquae destillatae 300,0 M. D. S. Sstündlioh einen Thee- resp. Esslöffel voll); Zürn gibt sie zu 12 Tropfen in einem Kaffeelöffel voll Pfefferminz- oder Kal-muswurzelthee täglich 34ma]. Als letztes Mittel ist endlich die operative Eröffnung des Kropfes und die manuelle Entfernung der angestauten Massen zu erwähnen. Die erstere geschieht nach den Regeln des Schlundschnittes, kann aber nur auf Hühner und Gänse
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Leckaucht.
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Anwendung finden, da nach verschiedenen Beobachtungen (einen Fall von de Does ausgenommen) Tauben die Operation sehr schlecht vertragen, was Zürn auf die oigenthüraliche Beschaffenheit der Aus-kleidungsmembran der Nebentaschen des Kropfes zurückfuhrt, wonach dieselbe besonders zur Brunstzeit sehr blutreich und geschwollen ist.
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Die krankliafton Gelüste.
I. Die Lecksucht des Rindes.
Literatur. Aussei- den verschiodeuen Handbüchern der Pathologie von Spinola, Hering, Roll, Anacker, Baubner-SiGDAMOROTZKY, Pütz, Dikckerhoff, Harms u. A. sind zu enviihneu: TsCHEüLIN, Neroenkranklwitcn, 1815. S. 149. Lohili.on. Her,., 1836. Ryqhnbr, litijdtrik, 1851. S. 482. Paugoue, Rec, 1854. S. J. B., 1856 bis 1857. S. 47; 1858. S. 118; 1860/61. S. 87; 1861. S. 102; 1869, S, 77; 1871. S. 136; 1875. S. 103. Haubner, ibid., 1858. S, 118; 1859. 8. 101. - DuPONT. ./. du Midi, 1869. Leblano, La clin. vH., 1861. Brdt, Mag,, 1862. S. 1. Utz, Thrzt., 1864. S. 28. SdHWARTZ, W. f. Tit., 1864. 8. 205. Eletti, Giorn. di medic, e faijric, 1867. Bauer, W, f. 'I'h., 1869. S. 225. Nessler. Correspondenzbl. f. d. Groxsherzogtli. Baden, 1861. S. 65; Wochenbl. d. landw. Vei: in Baden, 1868. Nr. 30; 1873. Nr. 6 ; Jhr. üb. Arbeit, d, grossherzogl. Fersuohsstat, Karlsruhe, 1870. S. 219; Thrzt., 1873. 8. 223. Feser, Piitz'.iche Z., 1875. S. 111 u. 368. Lemke, n. Z. f. Th., 1882. S. 101. Hafner, B. ih. M., 1886. S. 113. Vath, Ibid., S. 116.
nbsp;Roll, Oe. Veterinärber. pro 1887. S. 160. Gassner, B. th. M., 1888. S. 54. Beisswä.nger, Rep., 1891. S. 4. Wageniieuser, W. /'. Th., 1892. S. 320.#9632; BrXubR) S. J. B., 1891. 8. 95; 1893. S. 121. RöDER, Ibid., 1892. S. 105. Sohuemaoher, B. th. M., 1892. S. 3. Ostertag, D. th. W., 1894. S. 275. Plum, Jbid., S. 139. Guittard, J'rogr. vet., 1895. S. 118.
Ueber Beobachtungen von Leclcsucht bei Knoohcnbrüch igkelt vergl,; Stockfleth, Rep., 1839. S. 333. Maris, ./. rfe/w/oh, 1853. Haubner, Mag., 1854. 8. 197. Uierer, Ibid., 1865. 8.69. Roloff,' Vireli. A., 1866. S. 438.
nbsp; Zündel, Rec, 1870. - Bad. th. Mitth., 1872. S. 167. Jansen, Fr. M., 1873/74. S. 134; 1877/78. S, 57. Krabbe, Rep., 1880. S. 314. Oswald, I), th. W., 1895. S. 328.
Lcoksucht beim Pferde. LlPPOLD, S, J. B., 1883. 8, 80. Zorn, Z. f. Vet, 1890. 8. 413. Steinmeyer, Ibid., 1889. S. 383. Albhecht, W. f. Th., 1894. S. 505.
Allgemeines. Unter den mannigfaltigen in das Gebiet der Pathologie gehörigen Ausartungen des Geschmackes unserer Hausthiere nehmen die Lecksucht des Kindes und das Wollefressen der Schafe sowohl in wissenschaftlicher Beziehung, als auch in ihrer Bedeutung für die Landwirthschaft die erste Stelle ein. Daraus ergibt sich die Berechtigung, dieselben in besonderen Capiteln, und zwar am naturgemässesten unter den Verdauungskrankheiten, abzuhandeln. Die in anderen Fällen beobachteten krankhaften Gelüste, so besonders bei der Wuth, bei Diabetes insipidus etc., sind lediglich nebensächliche Erscheinungen, die einer besonderen Besprechung ebensowenig bedürfen, als die beim Menschen im Verlaufe der Schwangerschaft, Chlorose oder Hysterie hie und da auftretenden Geschmacksverirrungen. Dasselbe
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1. #9632;
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Looksucht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 49
gilt für diverse Gelüste, welche mehr als Spielerei und Untugend zu betrachten sind, wozu z. B. das Fressen der Nachgeburt gehört.
Definition. Mit dem NamenLecksucht oder Nagekrankheit bezeichnet man einen eigenthümlichen krankhaften Zustand, der sich in auffalligster Weise darin äussert, dass die Thiere (am häufigsten Kinder, seltener Schweine, Pferde und Ziegen) eine grosse, selbst unwiderstehliche Neigung bekunden, die verschiedensten, selbst ekelhaftesten Gegenstände zu belecken, zu benagen und, wenn möglich, schliess-lich auch zu verzehren. Dabei ist das Leiden chronisch und führt bei fortwirkenden Ursachen zu Verdauungs- und Ernährungsstörungen, zu Kachexie und endlich zum Tode.
Aetiologie und Pathogenese. Die Lecksucht besitzt keine einheitliche ätiologische Grundlage; sie muss vielmehr auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden. Es kommt dies daher, weil die Lecksucht keine eigentliche .selbstständige Krankheit, sondern mehr ein Symptom verschiedener krankhafter Zustände, wenn auch das bedeutendste Symptom derselben ist, ein Verhältniss, wie es beispielsweise ganz ähnlich bei der Kolik vorliegt. Dementsprechend sind von jeher über das Wesen der Lecksucht so viele und verschiedene Ansichten aufgestellt worden, wie kaum bei einer anderen Krankheit. So wurde das Leiden bald auf eine Ansteckung, bald auf Vererbung und Nachahmung, bald auf eine Nervenkrankheit, dann wieder auf Knochenbrüchigkeit und endlich auf schlechte Stallungen, sowie abnorme Nahrungs- und Bodenverhältnisse zurückgeführt.
1.nbsp; Ansteckung und Vererbung wurden in den frühesten Zeiten als Ursachen der Lecksucht angenommen, indess ohne jeden triftigen Grund, wie die genaue Beobachtung ergeben hat.
2.nbsp; nbsp; Nachahmung wurde von verschiedenen Seiten als Ursache beschuldigt. Wenn auch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden kann, dass anhaltendes Belecken und Benagen von Gegenständen in der That als eine Untugend, ähnlich dem Koppen, von daneben stehenden Thieren erlernt werden kann, so ist doch von einer Entwicklung der eigentlichen Lecksucht, dieser tiefgreifenden Ernährungsanomalie, auf Grund von Nachahmung keine Rede, wie dies auch Lemke durch eigens hiezu vorgenommene Versuche bewiesen hat.
3.nbsp; Als eine Nervenkrankheit wurde die Lecksucht insbesondere
Friedbergcr u. Frölmcr, Patliol. n. Therapie d. llausthiere, I.IM. 4. Aull. 4
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Lecksucht.
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von Tscheulin und Spinola angesehen. Tscheulin hielt eine Verstimmung des Geschmackssinnes für das Wesentlichste und bespricht das Leiden demgemäss in dem Capitel über Nervenkrankheiten. Spinola u. A. führten die Krankheit auf eine Affection der sensiblen Magennerven, auf eine gewisse Verstimmung der Lungenmagennerven zurück. In neuester Zeit endlich definirt Lemke die Lecksucht des Rindes als eine chronische Krankkeit, deren Wesen in einer Nutritiouslaquo; Störung beruht, durch Phosphormangel erzeugt wird und durch primäre Erkrankungen der Centralorgane und der Nerven, unter deren Herrschaft die Ernährung steht, ihren Anfang nimmt'. Ob indess die Nerventheorie mit ihren verschiedenen Hypothesen die Aetiologie der Lecksucht wesentlich aufzuklären im Stande ist, mag dahingestellt bleiben. Dass natürlich in dem vielgestaltigen Symptomenbild der Krankheit auch das Nervensystem mit alterirt wird, und spcciell die Geschmacksnerven in eigenartiger Weise irritirt sind, wird niemand bestreiten wollen; ob aber diese Affection der Nerven das Primäre und ob jeder einzelne Fall von Lecksucht auf nervöse Störungen zurückzuführen ist, erscheint doch sehr fraglich. Richtiger dürfte es sein, wenn man nach dem Vorgange von Haubner-Siedamgrotzky einen Theil der Fälle von Lecksucht auf besondere nervöse Keizungs-zustände zurückführt.
4.nbsp; nbsp; In einem Theil der Fälle muss das Leiden auf eine E r-krankung des Darm canals bezogen werden, besonders dann, wenn mitten in einem gesunden, gut genährten Viehstande und bei der besten Fütterung und Pflege vereinzelte Individuen an Lecksucht erkranken, allmählich abmagern und schliesslich kachektisch zu Grunde gehen. Die Annahme, dass eine bestehende chronische Dyspepsie oder ein chronischer Darmkatarrh hier die Ursache der Lecksucht bildet, ist um so berechtigter, wenn man die letztere, wie es that-sächlich nicht selten der Fall ist, durch Anwendung antidyspeptischer und antikatarrhalischer Mittel zur Heilung bringt. Wenn man in früheren Zeiten Säure in den ersten Wegenquot; unter anderem als eine Ursache der Lecksucht aufgeführt findet, so bezieht sich das wohl eben auf eine bestehende Magen-Darmaffection.
5.nbsp; Von verschiedenen Seiten, besonders von Haubner, sind auch schlechte Stallungen als directe Ursache der Lecksucht beschuldigt worden, desgleichen Unreinlichkeit im Stalle, Unregelmässigkeit in der Futterordnung, schlechte Wart und Pflege. Indess weist Lemke mit Recht darauf hin, dass die Krankheit in den tadellosesten und musterhaftesten Ställen ebenso gut vorkommt wie in schlechten, weshalb die
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Lecksuclit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 51
obige Annahme wohl nicht länger oder höchstens nur bedingungsweise aufrecht zu erhalten ist.
6.nbsp; nbsp;Ueber die ätiologischen Beziehungen der Knochenbr(ichigle eit zur Lecksucht sind die Ansichten der Autoren ausserordentlicli verschieden.
Nach Roloff und llöll ist die Lecksucht keine selbstständige Krankheit, sondern nur das erste Symptom der Knochen-brüchigkeit, welches unter Umständen auch das einzige sein kann, indem die letztere sich nicht weiter entwickelt, sondern in Heilung übergeht. Diese Fälle sollen besonders Veranlassung zur Aufstellung der Lecksucht als einer selbstständigen Krankheit gegeben haben.
Nach Ilyebner, Nessler, Anacker, Lemke sind Lecksucht undKnochcnbrüchigkeit zwei von einander gänzlich verschiedene Krankheiten, jede durch speeifische Ursachen hervorgerufen. Nessler hebt hervor, dass Knochenbrüche, die bei der Osteomalaeie ja sehr gewöhnlich, bei der stationären Lecksucht sehr selten sind. Ily ebner und Anacker geben das Vorkommen einer Complication beider Krankheiten zu, wobei indess Lemke hervorhebt, dass sich die Knochenbrüchigkeit nur dann zur Lecksucht gesellt, wenn lecksüchtige Thiere Erkältungen und rheumatischen Einflüssen ausgesetzt sind.
Nach Haubner-Siedamgrotzky, Spinola u. A. endlich gesellt sich zu der Lecksucht als Grundkrankheit in manchen Fällen als Ausgang die Knochenbrüchigkeit hinzu.
Suchen wir uns nun in der vorliegenden Frage ein Urtheil zu bilden, so lautet dasselbe: In manchenFällen ist Knochenbrüchigkeit die Ursa ehe der Lecksucht. Knochenbrüchigkeit undL ecksucht sind jedoch zwei verschiedene Krankheitszustilnde, die sich unter Umständen allerdings comblniren können, In praxi gibt es Lecksucht ohne Knochenbrüchigkeit, wie Knochenbrüchigkeit ohne erstere. Endlich ist es nicht unwahrscheinlich, dass bei der nahen Verwandtschaft der beiden Inanitionsstörungen Eine Ursache sowohl Lecksucht als Knochenbrüchigkeit erzeugen kann.
7.nbsp; nbsp;Die Hauptursache der Lecksucht hat man endlich in der Nahrung bezw. Bodenbeschaffenheit zu suchen. Es darf als sicher angesehen werden, dass die meisten Fälle von Lecksucht in innigster Beziehung zu gewissen, namentlich durch mangelhafte Zufuhr v o n Näh r sa 1 z e n zum Organismus bedingten Inanitionszuständen stehen. Welche specielle Veränderungen des Futters und welche bestimmte Nährsalze durch ihre Abwesenheit in demselben die Krank-
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heit jedoch erzeugen, ist mit Sicherheit noch nicht festgestellt. Die Untersuchungen Nessler's weisen auf einen Mangel besonders der Natriumsalze hin. Jedenfalls sind es im Wesentlichen Inanitions-zustiinde, welche als die Ursache der Lecksucht anzusehen sind, und zwar können dieselben verschiedener Natur sein. In erster Linie führt ein Mangel von Nährsalzen im Futter zu einer abnormen Säftemischung; letztere kann indess auch durch eine Verdauungsstörung, z. B. Darm-katarrh, oder wahrscheinlich auch durch Knochenbrüchigkeit herbeigeführt werden. Immer aber wird der Organismus das Bestreben haben, diesen krankhaften Allgemeinzustand zu verbessern: zu den Gemeingefühlen des Hungers und Durstes tritt noch das des Hungers nach bestimmten Nährsalzen hinzu. Anfangs lediglich Naturheiltrieb, artet dieses Gefühl jedoch bald aus: der kranke Körper kann nur kranke Gelüste erzeugen, und ein solches ist die Lecksucht in ausgebildeter Form.
Die früheren Angaben über die Beziehungen der Lecksiioht zur Nahrung sind mehr allgemeiner Natur, Man beschuldigte jedes gehaltlose, schwer verdauliche Futter, hartstongeliges, ausgelaugtes oder verschlemmtes, spät gemähtes Heu, zu reichliche Strohfütterung, Moor- und Torfwiesen, saure Gräser (Juncnceen, Equisetnceen, Cyperaceen, ßumexarten), Verfütte-rung von zu viel Schlempe und Brühfutter, sowie von säuerndem Futter, zu geringe oder zu reichliche Verabreichung von Kochsalz, ausschliessliche Kartoffel- und Kübenfütterung u. s. w. Haubner ging sogar so weit, dass er bestimmte einzelne Pflanzen als Ursache der Lecksucht beschuldigte, so besonders die gemeine Bär Wurzel, Meumathamanticum, ferner Achillea millefolia, Alchemilla vulgaris etc. Diese Annahme ist indess durchaus willküi'licb und durch Versuche von Lemke widerlegt.
Nessler, welcher die Lecksucht im Schwarzwald in den Jahren 1861, 1867 und 1808 beobachtete, fand bei seinen Analysen des Heues und Wassers einen übereinstimmenden Mangel an Natriumsalzen in der Nahrung der lecksüchtigoii Thiere und glaubt deshalb, dass der Mangel an Natrium eine wesentliche Holle bei dem Entstehen der Krankheit spielt. Die von Nessler gemachten Beobachtungen über Fohlen von phosphorsaurem Kalk im Futter beziehen sich nicht auf die Lecksucht, sondern auf die von ihm ebenfalls auf ihre Ursachen untersuchte Knochenbrüchigkeit.
Vorkommen. Die Lecksucht des Rindes tritt sowohl sporadisch als enzootisch auf und erreicht in einzelnen Jahrgängen eine sehr grosse Ausbreitung. In manchen Gegenden ist sie auch stationär, so besonders im Schwarzwald und in einigen Gegenden des Erzgebirges. Die von der Lecksucht befallenen Höfe nennt man im Schwarzwald Hinsch-, Semper- oder Darrhöfe; schon Camerarius (1065^1721) beschreibt sie in seinen Ephem. nat. cur. als Villae tabeficiaequot;. Diese Darrhöfe liegen nach den Untersuchungen Nessler's immer auf Granit, während sich auf Gneis die Krankheit nie vorfindet.
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Leckauclit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 53
Nessler führt die letztere Tliatsache auf die grössere Venvitterbar-keit des Gneisbodens und den dadurch bedingten grösseren Reichthum des Bodens und Futters an Salzen, besonders an Natriumsalzen, zurück, während der Granitboden grobkörnig und sehr durchlassend sein soll. In diesen Gehöften herrscht das Leiden oft ununterbrochen, selbst 20 Jahre hindurch, wenn man die Thiere nicht verstelltquot;; in anderen tritt die Krankheit nur in trockenen, futterarmen Jahrgängen auf. Nach Haubner und Spinola gibt es Gehöfte und Ortschaften, in welchen in Folge der Lecksucht die Kälberaufzucht nahezu unmöglich wird, und selbst eingeführte Kühe nach '2li Jahren in die Krankheit verfallen. In der Hauptsache sind es mehr die ärmeren Gegenden und kleineren Wirthschaften, welche von der Lecksucht heimgesucht werden, obgleich sie auch anderweitig zu treffen ist. Am ver-breitetsten ist sie bei Stallfütterung und gegen Ende des Winters, bei eintretendem Futtermangel. Am meisten sind hoch trächtige und sehr milch reiche Kühe disponirt, was wohl auf Rechnung des grösseren Verbrauchs derselben an Nährsalzen zu setzen ist, während Ochsen seltener erkranken. Ausserdem werden jüngere Thiere, besonders Kälber nach dem Absetzen, ergriffen. Lemke sah selbst, wenn auch nicht häutig, noch während der Saugperiode lecksüchtige Erscheinungen.
Symptome. Der Zustand ist anfangs und längere Zeit hindurch fieberlos. Lemke unterscheidet geradezu ein erstes oder fieberloses und ein zweites oder fieberhaftes Stadium. Die ersten wahrnehmbaren Störungen bestehen in etwas verminderter oder doch verlangsamter Futteraufnahme, sowie in trägerer und seltenerer Rumination. Bald wird der Appetit wechselnd, alienirt, es treten die ersten eigentlichen lecksüchtigen Symptome zu Tage. Ohne durch Hunger gezwungen zu werden, nehmen die Thiere mit Vorliebe Streu in grösserer Menge vom Boden auf; im Freien bevorzugen sie, ihrem sonstigen normalen Geschmacke entgegen, stark gedüngtes, üppig emporgewachsenes, geiles Gras, sowie junge Sprossen von Bäumen und Sträuchern. Im Stalle suchen sie sich dem Wartpersonale in auffallender Weise zu nähern, um deren Kleider mit eigenthümlicher Hast und Gier zu belecken1). Ebenso belecken die Thiere immer mehr und anhal-
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') Nicht zu verwechseln mit der gewöhnlich schon beim gesunden Rinde namentlich wenn es stets im Stalle gehalten wird fremden Personen gegenüber ausgesprochenen Neugierde und Zudringlichkeit, deren Kleider zu belecken. Ausserdem mag liier Erwähnung finden, dass zuweilen sonst vollkommen gesunde
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54nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Looksucht.
tender, zuletzt Tag und Nacht, Barren, Wände, Holzwerk, Mauern etc., oft unter lauten, schnalzenden Bewegungen mit der Zunge, und fangen dann auch an, diese Gegenstände und selbst die eisernen Halsketten zu benagen, wenn möglich zu zernagen. Dabei machen sich allmählich eine gewisse Unruhe und Aufregung, lebhafterer Blick, erhöhte Reizbarkeit und Schreckhaftigkeit, oft auch mehr weniger hochgradig gesteigerte Empfindlichkeit im Verlaufe der Wirbelsäule, namentlich in der Lenden- und Kreuzbeingegend bemerkbar. Diese Erscheinungen könnun verschieden lange Zeit (24 Monate, Lemke) dauern, wohl auch in ihrer Intensität etwas wechseln; der Nährzustand der Thiere ist dabei in der Regel noch nicht besonders stark geschädigt worden, der Nachlass in der Milchsecretion noch nicht sehr bedeutend, das Lecken und Nagen lässt sich durch Zuruf fast regelmässig noch unterbrechen. Nun aber steigern sich die Symptome, insbesondere tritt das krankhafte Gelüste nach heterogenen Stoffen immer mehr hervor, die Thiere verzehren jetzt auch diese und sind davon kaum abzuhalten, während sie ihr eigentliches Futter immer weniger gern aufnehmen. Mit Koth und Urin verunreinigte Streu, bezw. Mist, vermodertes Holz, alte Lumpen, Stricke, Lederzeug, selbst Excremente u. s. w., namentlich aber Erde, Lehm, Sand, kalk- und thonhaltige Gegenstände, wie Schutt, Mörtel- und Ziegelbrocken, Scherben etc., werden mit wahrer Gier benagt und verzehrt, Wasser aus schmutzigen Pfützen und Lachen, ja sogar Mistjauche nicht selten lieber aufgenommen als reines Wasser. Es kommt selbst vor, dass sich die Rinder gegenseitig die Haare abfressen (Utz).
Mit der Verminderung des Appetits, wobei die Thiere sich oft zum Fressen des ständigen Leckens und Nagens halber die nöthige Zeit nicht zu nehmen scheinen, sowie mit dem Verschmähen des Futters und der Aufnahme verschiedenster ungeniessbarer und ekelhafter Dinge stellt sich dann auch ein selteneres und kürzeres Wiederkauen ein, die Wanstbewegungen werden schwächer und zeitweise sogar
Thioro ganz ungewöhnliche Dingo zu orfasson und abzusohluoken suolien, ohne dass man hier von Lcoksucht sprochcn kann. Ein derartiges sehr auffallendes Beispiel wird uns von Marheincko (Magaz. von Gurlt u. Hartwig, 1830. S. 370) erzählt. Nach ihm verschluckte eine Kuh, welche sich niemals krank zeigte und immer eine der besten Frosserinnen war, nach und nach ein paar baumwollene gestrickte Strümpfe, Brot und Käse in ein baumwollenes Tuch gewickelt, eine Tuchweste mit Metallknöpfen, einen Merino-Kiiulorrock und die Kattunjackc einer Magd bis auf beide Aermel. Aehnlichc Beispiele siehe auch Gurlt's pa-thol. Anatomie, S. 155.
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Leoksucht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;55
unterdrückt, Die Milch wird fettärmer (Lemke); dagegen ist die Menge derselben oft auffallender Weise lange noch eine normale (Leytze). Der Koth erscheint meist trocken, selbst hart und mit grösseren Mengen zähen Schleimes umhüllt, oder aber auch dünnbreiig, übelriechend; der Urin wird meist sauer, bisweilen eiweisshaltig. Die Temperatur zeigt nunmehr eine Steigerung von 0,5 1,5deg; 0. Die Pulsfrequenz beträgt 7080 Schläge per Minute. Der Puls wird klein, das Artorienrohr zusammengezogen, die Athmung dagegen erscheint nicht auffällig gestört.
Im weiteren Verlaufe kommen die Thiere immer mehr herunter, die Abmagerung nimmt zu; namentlich nach dem Kalben magern die erkrankten Thiere auffallend schnell und bis zum Skelete ab. Die sichtlichen Schleimhäute werden blass, das Haar wird glanzlos, raub, aufgebürstet, die reichlich mit Epidermisschuppen belegte Haut fühlt sich trocken, hart und derb an, lässt sich am Brustkorbe nur schwer und unter knackendem Geräusche von der Unterlage abheben und in eine Falte schlagen, die sich nur sehr langsam verstreicht (sog. Aufgebackensein, Harthäutigkeit, Lederbündigkeit). Mit der Zunahme der Schwäche und dem Eintritte eines förmlichen marantischen Zustandes stehen dann die Thiere meist mit unter den Leib gestellien Füssen (in sog. Rehbockstellung) und aufwärts gekrümmtem Rücken im Stalle, nicht selten knirschend mit den Zähnen; die Bewegungen, namentlich mit dem Hintertheile, werden gespannt und steif und geschehen unter Knacken der Gelenke. Zuletzt können sich die Thiere nicht mehr stehend erhalten, es wird nahezu jede Nahrung verschmäht, das Wanstgeräusch sistirt, und es tritt schliess-lich in Folge von Inanition der Tod ein.
Verlauf. Der Verlauf des Leidens ist, wenn dasselbe sich selbst überlassen bleibt, ein chronischer. Die Dauer kann sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten bis zu einem Jahre und darüber (nach Lemke von V22 Jahren) ausdehnen. Bei entsprechendem Futtervvechsel, beim Eintritte günstiger Weideverhältnisse im Frühjahre, bei Aenderung des Futters nach der Aufstauung im Herbste, bei Translocation der Thiere etc. kann spontane Heilung um so rascher eintreten, je weniger hochgradig das Leiden bis dahin gediehen war (nach Lemke in 8 Wochen bis 4 Monaten). Wirken die Ursachen jedoch fort und tritt eine entsprechende Behandlung nicht ein, so ist der Ausgang in der Regel ein tödtlicher.
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56nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Lceksucht.
Obductionsbefund. Bei der meist vorgenommenen frühzeitigen Schiachtung ist ausser der bereits eingetretenen Abmagerung und geringen katarrhalischen Veränderungen der Digestionsschleimhaut kaum viel zu sehen. Bei Thieren, welche an der Lecksucht verendet sind, trifft man hauptsächlich die Zeichen einer hochgradigen allgemeinen Abmagerung: grosse Fettarmuth, das Fettgewebe allenthalben von mehr sulzig-gelatinöser Beschaffenheit, oft von grauröthlicher Farbe, die stark g esch wund enen Muskeln welk und blass, das wenig vorhandene Blut blassroth, dünnflüssige, nur schlaffe Gerinnsel enthaltend. Zuweilen findet man leichte Transsudationen in die Brust-, Bauch- und Herzbeutelhöhle. Ferner zeigt oft die Schlei mh au t des Magen da rmean als einen mehr oder weniger intensiven Katarrh. Endlich ist die Cutis und Subcutis, der chronischen Ernährungsstörung entsprechend, trocken und derb. Die gewöhnlich bei Beschreibung der Knochen angegebenen Erscheinungen beziehen sich wohl in den meisten Fällen nicht auf Lecksucht, sondern auf die der sog. Knochenbrüchigkeit zu Grunde liegenden Veränderungen,
Prognose. Ist bereits eine allgemeine Abmagerung mit Marasmus und seeundären Verdauungsstörungen vorhanden, bei der selbst eine entsprechende Aenderung der Fütterung nichts mehr erwarten lässt, dann ist wohl jede Aussicht auf Heilung oder Besserung geschwunden. In den anderen leichteren Fällen richtet sich die Vorhersage lediglich darnach, ob die Ursache der Krankheit zu beseitigen ist; insbesondere wird die Möglichkeit eines Futterwechsels oder einer Translocirung die Prognose wesentlich bestimmen. Finden die Angaben Lern ke's über die ausgezeichnete Wirkung des Apomorphins gegen Lecksucht allgemeinere Bestätigung, so würde selbst da, wo aus wirthschaftlichen oder finanziellen Gründen eine Aenderung der Fütterung nicht möglich wäre, die Prognose sich gegen frühere Zeiten wesentlich bessern.
Behandlung. Die Grundbedingung für eine wirksame Behandlung bleibt immer die Erkennung der jeweiligen Ursache. Hat man es, wie in den meisten Fällen, mit abnormen Fütterungsverhältnissen zu thun, so besteht die Prophylaxe zunächst darin, class man das Futter durch Melioration der Wiesen und Weiden mittelst Anwendung künstlicher Düngungsmittel, insbesondere des Natriumsalpeters (Chilisalpeters) u. s. w. zu verbessern sucht. Sodann ist erfahrungs-
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Leckaucht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 57
gemäss ein durchgreifender Wechsel in der Fütterung der Thiere das sicherste und naturgemässeste Mittel gegen die Krankheit; man verabreicht also entweder Futter aus Gegenden, in denen die Lecksucht nicht herrscht, oder verbringt die kranken Thiere in letztere. Indessen stehen der Durchiührung dieses Verfahrens meist unüberwindliche Schwierigkeiten im Wege, so dass sich das Eingreifen des Thierarztes meist auf eine Correction des ungünstigen Nährstoffverhältnisses durch eine Zulage stickstoffreicherer Nahrungsmittel (Körner, Hülsenfrüchte) zu dem nährstoffärmeren Futter, sowie durch Verabreichung von Nährsalzen, besonders von Kochsalz, beschränken muss. Daneben hat man von jeher versucht, die Verdauung durch die verschiedensten Mittel, besonders durch Verabreichung von Salzsäure, kleinen Kochsalzgaben, bitteren und bitteraromatischen Mitteln, oder auch bei Säureüberschuss durch Säure tilgende und absorbirende Mittel (Kalkwasser, Kreide, Magnesium carbonicum, Natrium bicarbonicum) zu lieben, ein Verfahren, das besonders auch für Fälle von Lecksucht anzuwenden ist, die ihren Ausgang von Affectionen des Digestionsapparates nehmen. Bei Knochenbrüchigkeit als Ursache wäre der phosphorsaure Kalk als Heilmittel angezeigt. Von jeher hat man auch versucht, durch Anwendung ekelerregender Stoffe (Knoblauch, stinkendes Thieröl) die Lecksucht zu heilen. Feser hat seinerZeit einen Versuch mit Apomorphinum hydrochloricum empfohlen. Nachdem dasselbe in einigen Fällen (HackI und Reindl) gute Dienste zu leisten schien, hat in neuerer Zeit Lemke das Apomorphin auf Grund einer grösseren Versuchsreihe geradezu als souveränes Mittel gegen die Lecksucht empfohlen. Lemke hat 220 Kühe, 21 Ochsen und 141 Kälber mit Apomorphin behandelt und gefunden, dass sämmtliche Thiere ohne Ausnahme nach einigen Tagen keine Spur von Lecksucht mehr zeigten; es blieb bloss während 814 Tagen ein gewisser Appetitmangel zurück. Die Dosis des subeutan angewandten Mittels beträgt für Rinder, die schon längere Zeit an Lecksucht leiden, 0,1 pro dosi et die, bei kürzerer Dauer der Krankheit 0,2. Lecksüchtige Kälber bedürfen derselben Dosis. Die Heilkraft des Apomorphins, welches 3 Tage hinter einander täglich einmal injicirt wird, erstreckt sich nur auf 35 Monate, wenn die krankmachenden Ursachen nicht beseitigt werden, im anderen Fall ist sie eine andauernde. Endlich soll man nach Lemke in Gegenden, wo die Krankheit stationär ist und der Viehstand jährlich oder alle zwei Jahre gewechselt werden muss, durch vierteljährlich vorgenommene Apomorphin-lujectionen die Thiere drei Jahre lang
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Leoksuclit.
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auf einem relativ guten Ernährungszustand erhalten können. Günstige Beobachtungen bezüglich der Apomorphinbehandlung der Lecksucht sind auch von Väth, Gassner, Ostertag und Wagenheuser gemacht worden. Dagegen berichten Schueraacher, liöder, Flum und Hafner über Misserfolge bezw. unangenehme Nebenwirkungen des Mittels.
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Lecksucht bei Pferden. Eine eigentliche Lecksucht kommt beim Pferde viel seltener vor, als boim Rinde. Meist tritt sie sporadisch und in der Regel unter leichtgradigen Erschoinungmi auf. Die Ursache ist gewöhnlich in dem Vorhandensein gastrischer Störungen zu suchen, weshalb die Krankheit auch erfolgreich durch die Verabreichung von Magenmitteln (Mittelsalze, Karlsbader Salz, Salzsäure) oder siiuretilgenden Mitteln (Kalkwasser, Natrium Ijicarbonicum und carbonicum, Magnesium carbonicum etc.) behandelt wird. Steinmeyer sah bei einem lecksüchtigen Pferde auch guten Erfolg nach der subcutanen Anwendung des Apomorphins (0,05:5,0 Aqua). Lie Erscheinungen bestehen in anhaltendem lioleckeu und Benagen (Nagekrankheit) benachbarter Gegenstände oder der eigenen Haut, in theilweisem Verschmähen des normalen Putters, in vermehrter Aufnahme von Streu, sowie im Pressen von Mist. Am häufigsten findet man die Leoksucht bei Fohlen.
Das in verschiedenen Remonte-Depots beobachtete San dfressen der Remonten, welches eine Hauptursache der sogen. Sandkoliken bildet, dürfte in der Hauptsache auf eine Spieler ei, resp. Untugend, der sich selbst überlassenen jugendlichen Thiere 'zurückzuführen sein. Man findet es bei solchen Remonten, welche ohne Aufsicht den ganzen Tag über in den mit Sand beschütteten Hocks verweilen und aus Langeweile, resp. Nachahmungstrieb, sich allmählich an das Sandfrossen gewöhnen. Das Uebel ist daher in der Mehrzahl der Fälle dadurch abzustellen, dass man den Thieren Stallaufenthalt anweist und dieselben unter strenger Aufsicht hält. Zuweilen allerdings scheint das Sandfressen ein Symptom wirklicher Leck-sueht zu sein. Es ist dann auf das Fehlen gewisser mineralischer Bestand-theile im Futter zurückzuführen und durch Melioration des Bodens, sowie durch die Verabreichung von plastischen Mineralsalzen, namentlich von Kochsalz und phosphorsaurem Kalke, zu behandeln. Ausserdem kann man die Aufnahme von Sand durch Begiessen desselben mit schlecht schmeckenden Stoffen (Theer, Carbolwasser, Creoliuwasser, Carbo-lineum, Holzessig, stinkendem Thieröl, Petroleum n. s. w.), sowie durch sub-cutane Injectionen von Apomorphin (0,050,2) zu verhindern suchen. Bezüglich der letzteren Fälle ist übrigens zu bemerken, dass ein absolut sicheres Arzneimittel gegen das Sandfressen nicht existirt. Eine andere Untugend ist das sog. Haarfressen der Fohlen, welche darin besteht, dass dieselben ihren Mutterthieren die Seh weifhaare abfressen. Dasselbe hat mit der Lncksucht nichts zu schaffen.
Lecksucht beim Schwein. Nach Spinola kommt die Lecksucht beim Schwein in derselben Gegend vor, in welcher die Leoksucht des Rindes heimisch ist, und gleicht der letzteren auch in Beziehung auf Verlauf, Dauer und Ausgang. Die Thiere sollen besonders faulendes Holz und Holzborken verzehren. Als ein untergeordnetes Symptom beobachtet man ferner lecksüchtige Erscheinungen im Verlaufe der Osteomalacie (Jansen). Die Behandlung besteht in Aenderung der Fütterung, sowie in Verabreichung
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Wollefressen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 59
von aufgeschlossenem Kiiüchemnehl. Audi Breelunittel (Urecliweinstein, Nieswurz,, Ipecacuanha, Verutrin) können versuchsweise angewandt werden. Das F er ke H'r es sen der weiblichen Schweine gehurt ebenso wenig wie das Auffressen der Nachgeburt heim Kind ins Gebiet der Lecksucht. Es ist auch keine blosse Spielerei oder Untugend, sondern scheint in der Mehrzahl der Fälle auf vorübergehende Störungen des Bewusst-seins, in anderen auf Ver d auungsstörungen (Verstopfung etc.) zurückzuführen zu sein, liloch (Berl. thierärztl. Wochenschr., 1891, S. '66) empfiehlt zur Beseitigung des Leidens die Verabreichung eines Brechpulvers als einfaches und stets bewährtes Mittel. Nach Entfernung der Jungen setzt man den Mutterthiereu Milch mit Tartar, stibiatu.s und llhizoma Veratri ana 0,.r) vor, worauf bald Beruhigung bei denselben eintritt, so dass sie die Jungen gutwillig annehinen. Ausserdem kann man Abführmittel (Calomel) und leichtes Futter (Grünfutter) verordnen.
II. Das Wollefressen der Schafe.
Literatur. Spixola, Spec. Path., 2. Aufl. Preuss. Millli., 1866/67. 8.146; 1857/58. S. 156; 1861/62. 8.172. Heriho, Bei; üb. d. Leistungen ind. Thievheilk., 1857. S. 44; 1859. S. 42. BunMEisrEit u. Kiugkii, Mag., 1861. S. 487. Pheuzleh u. Paylau, Pr. landic. Annal., 1861. S. 227. Neithardt, Ilerden-Krkh. d. Schafe, 1864. 8. 94. May, Bayer, landw. Zeitschr., 1866. 8. 162; Die. Krkh. d. Schafes, 1868. S. 40. Haselbacii, Itathgcher im Sohafstalle, 8. 27. Lemke, D. Z. f. Th., 1882. S. 117. Haselracm, Oe. V., 1884. 8. 83. Endlich vcrschiodüiie Aufsätze von Schafzüchteru, #9632;/,. B. Ei.sxer, Erfahr, in d. höheren Schafzucht. KöRTB, Das deutsche Merinoschaf, II, Thcil ; Jahresher, von Ellexhekoku u, SCHÜTZ pro 1892. S. 76. Löhner AnleitMiy zur Schafzuclit u. Wollkunde. Poiilexz, Die Thier-ziichtuny etc. Nath, Petersh. landw. Z. etc. Haubner-Siedahqrotzky, L. 'Ph., 1893. S. 94.
Aetiologie. Das Wollefressen und Wollenagen der Schafe ist ein der Lecksuclit des Rindes sehr nahe verwandtes Leiden, welches durch die daraus hervorgehende Beschädigung und den Verlust der Wolle, sowie auch angeblich durch Einbusse von Lämmern einen nicht unbeträchtlichen Schaden verursacht und daher ein grosses wirthschaftliches Interesse beansprucht. Bezüglich der Ursache und des Wesens des Wollefressens sind die Meinungen ebenso getheilt wie bei der Lecksucht. Es stehen sich besonders zwei Theorien gegenüber. Nach der einen soll das Leiden lediglich durch Nachahmung, nach der anderen durch eine Ernährungsstörung analog der Lecksucht entstehen. Eine sichere Entscheidung, welche Annahme die richtigere ist, kann zur Zeit noch nicht getroffen werden; vielleicht wirken oft beide Momente zusammen.
1. Die Nachahmungstheorie wird besonders von Spinola vertreten; er nimmt als veranlassende Ursache für den ersten Wolle-f'resser Langeweile an. Dafür, dass das Leiden eine durch Nachahmung entstandene Untugend ist, scheint zu sprechen: erstens, dass es in der Kegel nur ein Schaf ist, welches das Wollenagen beginnt;
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Wollofressen.
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zweitens, class Spinola das Uebel mitunter nur in einzelnen Abtheilungen ein und derselben Schäferei beobachten konnte; drittens, dass durch strenge Absonderung der Wollefresser das Umsichgreifen des Uebels in einer Herde beschränkt und verhütet wurde (Spinola, Burmeister); viertens, dass das VVollenagen hie und da schon sehr frühzeitig beginnt, ehe sich noch in Folge der Winterstallhaltung Ernährungsstörungen entwickeln konnten.
2. Als eine Ernährungsstörung in Folge unzureichender und fehlerhafter Fütterung wurde das Leiden schon früher, in neuerer Zeit besonders wieder von Lemke aufgefasst, welcher auf Grund von Versuchen Nachahmung als Ursache ausschliessen zu können glaubt. Man sieht nämlich häufig im Winter bei knapper und unzulänglicher Fütterimg, bei zu reichlicher Verabreichung von Kartoffeln, Kartoffelschlerape, überhaupt .stickstoffarmer Nahrung, bei Mangel an ßauhfutter etc. das Wollefressen auftreten und nach einer Aenderung des Futters wieder verschwinden. Bei den Lämmern wird das Leiden auf Milchmangel, beziehungsweise unzureichende Ernährung der Mütter, sowie auf eine abnorme Beschaffenheit der Muttermilch zurückgeführt. So führt May an, dass in einer Schäferei, in welcher die Lämmer nicht hinlänglich Muttermilch bekamen und deshalb Wollefresser wurden, das Uebel sofort schwand, als die Lämmer versuchsweise noch etwas Kuhmilch erhielten. Ausserdem werden noch torfige, saure, nasse Weiden, ein Ueberschuss, sowie Mangel an Kochsalz (Haubner-Sie dam grot zky) beschuldigt.
Vorkommen. Man findet das Wollefressen hauptsächlich in edleren, besonders Merinozuchten, und zwar nach der übereinstimmenden Mittheilung aller Autoren nur im Stalle zur Zeit der Winterhaltung, also vom Herbst bis Frühjahr, nie während des Weideganges. Oft kommt das Leiden schon 814 Tage nach geschehener Aufstallung zum Vorschein, verliert sich aber ebenso schnell, wenn die Thiere auf die Weide kommen. In dieser Beziehung wirkt selbst der Bezug der Wintersaaten sofort günstig ein. Nach Ansicht mancher Landwirthe ist das Wollefressen keine aussergewöhnliche Erscheinung (?) und kommt bei gleicher Fütterung in einzelnen Jahrgängen häufiger vor als in anderen.
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Erscheinungen. Beim Wollefressen der Lämmer sollen die jungen Thiere schon in dem Alter von 2G Wochen anfangen, die Wolle ihrer Mutter zu benagen, und zwar vorzugsweise an
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Wollefressen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 61
den Unter- und Oberschenkeln, sowie am Bauch und Schweif. Während zuerst nur spielend wenig Wolle abgenagt wird, steigert sich diese Begierde bald mehr und mehr, und die Lämmer benagen schliesslich auch andere Schafe. Dabei erscheinen sie im Allgemeinen gesund, ohne bemerkenswerthe Störungen des Appetits und Wachsthuius. Nur wenn Lämmer, wie es zuweilen geschieht, sehr viele, namentlich lange und grobe Wolle aufnehmen, treten bei ihnen Ernährungsstörungen auf; sie magern ab, bleiben in der Entwicklung zurück, zeigen zeitweise Verstopfung und können selbst unter den Erscheinungen einer Magendarmentzündung zu Grunde gehen. Man findet dann bei der Section neben entzündlichen Erscheinungen besonders des Labmagens hasel- bis welschnussgrosse verfilzte Wollballen neben verschieden grossen Mengen anderer Wolle vor, welche hie und da in den Pförtner eindringen und diesen verstopfen sollen.
Stellt sich das Wollefressen in einer aus Jährlingen und älteren Schafen bestehenden Herde ein, so beginnt gewöhnlich erst ein Thier die Wolle eines anderen, anscheinend als ob es Futtertheile aufsuchte, zu benagen und dann zu fressen. Angeblich sollen mit Vorliebe Thiere benagt werden, deren Wolle mit Urin und Koth beschmutzt ist. Der erste Wollefresser benagt oft mehrere Schafe, bis er endlich das Fressen der Wolle bei ein und demselben Schafe ausübt. Bald gesellt sich zu dem ersten ein zweiter und dritter u. s. w., um mit ihm gemeinschaftlich das ausgewählte Schaf zu bearbeiten. Dies wird in der Regel kahl gefressen und dann erst ein zweites in Angriff genommen. Mit der Zunahme der Zahl der Nager steigert sich auch die Zahl der zum Benagen auserlesenen Thiere, und es kann so das üebel in einer Herde in kurzer Zeit eine ganz bedeutende Ausbreitung erreichen und einen sehr beträchtlichen Verlust an Wolle nach sich ziehen. Dabei bleiben die Wollefresser gewöhnlich anscheinend gesund und fieberlos, die Futteraufnahme und das Wiederkauen sind nicht gestört. Nur hie und da sollen bei Einzelnen Verstopfung, Blässe der Schleimhäute, Abmagerung, Trockenheit der Wolle etc. vorkommen. Zu ausgesprochen kachektischen und maranti-schen Zuständen mit letalem Ausgange, wie sie bei lecksüchtigen Rindern zu beobachten sind, führt das Wollefressen der Schafe nicht, ebenso wenig zu Osteomalacie oder Osteoporose.
Bezüglich der Zeit des Wolle fr essens findet dasselbe bei geringer Ausbildung des Uebels nur bei Tage, und zwar gewöhnlich in den Futterzwischenzeiten, bei hochgradiger Entwicklung aber auch bei Nacht und in dunkel gehaltenem Stalle statt (Lemke). Das
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02nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wollefressen.
Benagen der eigenen Wolle gehört zu den grössten Seltenheiten, weshalb eine Verwechslung des Leidens mit der Gnubberkrankheit oder mit gewissen Ekzemen, welche Juckreiz veranlassen, nicht wohl denkbar ist.
Prognose. Das Wollefressen der Schafe stellt ein viel leichteres Uebel dar als die Lecksucht des Rindes; Verluste können höchstens bei Lämmern eintreten. Auch für das Wollefressen gilt das bei der Lecksucht bezüglich der Möglichkeit eines Stall- oder Futter-, resp. Weidewechsels, sowie über die etwaige Bestätigung der günstigen Wirkung des Apomorphins Gesagte.
Behandlung. In erster Linie ist das Augenmerk auf die Beschaffenheit des Futters zu richten; in allen Fällen wird sich ein Futterwechsel, sowie die Verfütterung möglichst intensiv ernährender Mittel empfehlen. Sodann wäre, soweit dies Jahreszeit und Witterung zulässt, der Aufenthalt im Freien der Stall-fütterung vorzuziehen. Insbesondere ist eine zu karge Fütterung der Lämmer zu vermeiden; nach May soll man sie von der 3. Woche nach der Geburt von den Müttern separiren und nur zum Saugen mehrmals des Tages zulassen.
Weiter wird sich wohl immer, mag es sich nun mit der Nachahmung verhalten, wie es will, die sofortige strenge Absonderung der ersten Wollefrosser und namentlich auch der benagten Thiere von der Herde sehr empfehlen. Die Verabreichung von Salz, alkalischen Mitteln, Stomachicis etc. mag immerhin zu versuchen sein. Das von Spinola empfohlene Dunkelhalten des Stalles während des Tages in den Zwischenfutterzeiten ist in vorgeschrittenen Fällen wohl kaum von grossem Nutzen.
In neuester Zeit hat Lemke wie bei der Lecksucht des Rindes, so auch beim Wollefressen der Schafe ausserordentliche Erfolge mit der subcutanen Anwendung des salzsauren Apomorphins erzielt, indem er 800 wollefressende Schafe durch das Mittel ausnahmslos heilte. Nach Lemke sollen den kranken Thieren 0,10,2 g Apo-morphin, also dieselbe Dosis wie beim Rind, eingespritzt werden. Die Heilwirkung soll sich auf etwa vier Monate erstrecken. Bestätigt sich diese Beobachtung, so wäre die Therapie auf einem Gebiete, wo Arzneimittel bisher wenig gefruchtet haben, um ein sehr werth-volles Mittel reicher. Jedenfalls empfehlen sich Versuche in dieser Richtung.
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Acutcr MageiularmkataiTli des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 03
Das Selbstausziehen der Federn beim Geflügel. Dasselbe ist im Wosentlichen als eine aus Spielorei und Langweile hervorgegangene Untugend zu bezeichnen, welche namentlich bei Papageien und Kanarienvögeln, aber auch bei Hühnern und anderem Geflügel vorkommt. Das Uebel ist meist unheilbar. Wenigstens haben unsere Versuche mit iiusserlichen Einreibungen von Tinctura Veratrl, Tinctura Asae foetidae, Tinctura Aloes, Tinctura Gontianae und anderen schlecht schmeckenden Flüssigkeiten keinen Erfolg gehabt. Dagegen glauben wir in vereinzelten Fällen durch die innerliche Anwendung von Apomorpbin (0,05:100 als Trinkwasser gegeben) Heilung erzielt zu haben, Die Kur wird unterstützt durch eine Aenderung der Fütterung (Hauptfutter für Papageien: gekochter Mais, Hanfsamen und Waizenbrot). Nicht zu verwechseln ist das Selbstausziehen der Federn mit Ausfallen derselben im Verlaufe gewisser Hautkrankheiten.
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Acutcr Magen- and Darmkatarrh des Pferdes.
(Gastro-Enteritis catarrlialis acuta. Status gastricus. Acute Dyspepsie.)
Literatur. Coulbeaux, Kec, 1824. Wiener Min, Bei:, (raquo;e. V. S., 1853. 57. 68, 64. 68. 84. Parent, ,/. de Lyon, 1860. Oe. Vlerteljahrsschr., 1864. S. 143. HoLZExnoRKF, /V. M., 1805/06 S. 170. Bolofp, Ibid., 1860/07. S. 1G4. Denneu-Bounii, A. de Hntx.. 1869. üammann, Pütz'sc/ie Z.. 1870. S. 555. Bykne, Am. wt, rev., 1885. Hengst, S. .1. II., 1887. S. 61. Wai.theii, Ibid., 1888. S. 81. Beil. Archir, 1889. S. 296. RbpliqüET, ./. de Lyon, 1890. Cagny, UaU. soc. centr., 1891. Cadix, Bee., 1891. Nr. 3. Mestre, Ibid.. 1892. S. 74. - Wi.vkler, W. f. Tl,., 1892. S. 29. - Braun, Ibid., 1894. S. 109. Hehme, B. A., 1894. S. 337.
nbsp;Kitt, l'ath.-anat. Diagn., 1894.1. Bd. S. 485. Vergl. ausscrdem die Lehrbücher tfer spec. Pathol, von Hering, Spinola, Roll, Anagker, Haubner-Siedamgrotzky,
Pl'TZ, DlEOKERHOFP.
Erbrochen bei Pferden. Hertwig, May., 1836. S. 340. Höppner, Ibid., S. 259. Fortiiomme, Bec, 1837. Grote, Bep., 1842. raquo;S. 50. Schwartz, Kreutzer's Centralzcity., IV. S. 3. Benkert, Busok'sohe Xeitachr., III. Heft 2. Martin, Bep., 1845. S. 62. Gavin, The Vel., 1852. Rmnders, ilet Bepertor. 1852. - Salle, Bec, 1853. - Dan. Z. f. Thierärzte, 1853. Eletti, II Vet., 1855.
nbsp; Reuter, W. f. Th., 1857. S. 421. Clauss, S. J. li.. 1856/67. S. 44. Münster, Pr. M., 1860/61. S. 142. - Walther, S. ./. B.. 1801. S. 102. Romant, La elin, ca., 1861. Demeester, A. de Unix., 1865, -Savoi.es, Ibid., 1869. Melon, Ibid., 1870. Becker, Pr. M., 1870/71. S, 124. Konig, S. #9632;/. B., 1872. 8. 122. Tannenhauer, Ibid., 1874. 8. 98. Brii., ä, de Bru.r., 1878. Lecot, Hull, hely., 1886. Weioenthai.er, W. f. Th., 1891. S. 142. Vergl. ausserdem die Literatur des Erbrechens im (Jaiiitol der Kolik.
Saurer Harn bei Darmkatarrh. Sieiumgrotzky u. Hofmeister, S, J. B.. 1874. S. 185) Diagnostik, 1884. FrOhner, Bep., 1881. S. 186. - Teheo, //. ./. B., 1880 bis 1882. S. 84. Tereg u. Arnold, Ibid., 1882/83. S. 39.
Vorbemerkungen. Wenn wir in diesem Capital den acuten Magenkatarrh mit dem acuten Darmkatarrh zusammen abhandeln und die sehr gewöhnlich auch als Indigestion, Magenüberladung, Dyspepsie, Verdauungsschwäche, Schwerverdaulichkeit, Ga-stricismus, Gastrosis, Status gastricus, gastrisches Fieber etc. bezeichneten abnormen Zustände im Magen mit in Betracht ziehen,
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64nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Acutcr MagcudarmkataiTh des Pferdes.
so folgen wir damit einem auch anderweitig üblichen Gebrauche, der seinen Grund durin hat, dass die Schwierigkeit einerseits den genauen Sitz, andererseits den Intensitätsgrad einer Erkrankung des Magens und Darmes mit Sicherheit zu bestimmen, im concreten Falle oft eine ausserordentlich grosse ist. Es unterliegt gewiss keinem Zweifel, dass ein acuter Katarrh bei unseren Hausthieren sowohl auf den Magen als auf den Darm beschränkt vorkommen, ja dass er sich selbst wieder auf verschiedene Abschnitte des letzteren localisiren kann; ebenso dass es von der bei jeder Verdauung physiologischer Weise auftretenden Hyperämie der Magenschleimhaut bis zu einer intensiven Entzündung derselben sehr viele Zwischenstufen gibt. Indess gelangt man z. B. beim Pferd, bei dem das Erbrechen als charakteristisches Symptom des Magenkatarrhs gewöhnlich wegfällt, und auch die für den Darmkatarrh so bezeichnende Diarrhöe in Folge der ungewöhnlichen Länge des Darmrohrs oft fehlt, meist nur zur Aufstellung einer Wahrschein-lichkeitsdiaguose. Rechnet man noch dazu, dass Magen- und Darmkatarrhe sehr häufig nach einander oder selbst neben einander als Folgeerscheinungen einer Ursache vorkommen, so wird sich diese scheinbare Schwäche der thierilrztlicheu Diagnostik erklären und entschuldigen lassen.
Auch zur Unterscheidung der einzelnen Intensitätsgrade fehlt uns ein sicherer diagnostischer Massstab, Man hat früher als den leichtesten Grad von Magenerkrankung die sog. Dyspepsie bezeichnet und darunter Verdauungsstörungen verstanden, bei welchen keine nachweisbaren Structurveränderungen der Magenschleimhaut, sondern nur Störungen der physiologischen Function des Magens vorliegen sollen. Indess sind diese Dyspejisien bei unseren Hausthieren immer nur zu vennuthen, aber nie zu beweisen, wenn sie auch bei älteren und blutarmen Individuen, in der Recon-valescenz nach langwierigen Krankheiten u. s. w. vorkommen mögen. Es ist schlechterdings unmöglich, zu sagen, wo die Dyspepsie aufhört und der Katarrh beginnt, um so mehr, als die erstere bei längerem Bestehen geradezu in Katarrh übergehen kann. Aus diesem Grunde haben wir auch die Dyspepsie nicht als selbstständige Krankheit aufgeführt. Dagegen ist man schon eher im Stande, einen leichten Magendarmkatarrh von einer schweren Magendarmentzündung klinisch zu unterscheiden. Wir haben daher die letztere vom ersteren getrennt und später in einem besonderen Capitel behandelt. Wenn auch zwischen beiden in der Praxis sehr häufig Uebergänge vorkommen, in welchen der Kliniker im Zweifel ist, ob er seine Diagnose
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Auuter Miigunclarmkatarrh dos Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; G5
auf Katarrhquot; oder Entzündungquot; stellen soll, und demzufolge in manchen Lehrbüchern der Katarrh und die Entzündung der Magen-darmschleimhaut in einem Capitel abgehandelt werden, so sind doch andererseits die intensiveren entzündlichen Alfectionen der Magendarmschleimhaut durch schwerere Krankheits^rscheinungen (höheres Fieber, stärkeres Allgemeinleiden) charaktorisirt und nicht bloss anatomisch, sondern auch klinisch vom einfachen Katarrh zu unterscheiden.
Aetiologie. Die Ursachen .des acuten Magendannkatarrhes, der beim Pferde, wie überhaupt bei unseren Hausthieren, häufigsten Krankheit, sind theils gewisse direct auf die Schleimhaut einwirkende Schädlichkeiten, theils Einflüsse mehr indirecter Natur. Ausserdem besitzen aber noch manche Individuen eine gewisse Disposition für die Krankheit. Hieher gehören alle schwächlichen, anämischen, schlecht genährten und verweichlichten, desgleichen sehr junge und sehr alte Pferde, Reconvalescenten von einer schweren Krankheit, durch andauernde Verfütterung faden und erschlaffenden Futters heruntergekommene oder durch mehrmaliges Ueberstehen eines acuten Magendarmkatarrhs weniger widerstandsfähige Thiere. Endlich zeigen sich manche verfeinerte und verwöhnte edlere Rassepferde oft bei den geringsten Ursachen auffallend empfindlich für die Krankheit.
Unter den direct auf die Schleimhaut einwirkenden Reizen sind zu nennen: zu kaltes oder zu heisses Wasser und Futter, bereiftes oder gefrorenes Gras, Brühfutter, Aufnahme zu heissen Malzes beim unvorsichtigen Dämpfen der Pferde, zu heisse Eingüsse; unreines, verdorbenes Futter, schlechtes, trübes Wasser, schimmliges, dumpfiges, verschlammtes Heu, Grummet von überschwemmten Wiesen, feuchtes Stroh, multriger, schimmliger Hafer, schimmliges Brot; in Gährung und Fäulniss übergegangenes Futter, z. B. faule Kartoffeln, Rüben, Obst, gilhrendes Grünfutter, keimende Samen, saure Milch bei noch säugenden Thieren; alle reizenden Futterstoffe, insbesondere solche, denen giftige Pflanzen (Colchicum, Tabak, Digitalis etc.) beigemischt sind, unpassende und zu oft wiederholte Anwendung scharfer Arzneien und Abführmittel; unverdauliche oder schwerverdauliche Stoffe, so Fremdkörper, verholzte Pflanzenfasern, elastische Gewebe; ausschliessliche Maisfütterung ohne Salzzusatz, zu reichliche Körner- oder Leguminosenfütterung, welch letztere, an und für sich schwerverdaulich, noch stark nachquellen; schlecht gekautes Futter, wie es z. B. vorübergehend beim Zahnwechsel
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junger Thiere der Fall sein kann, wenn die Zähne schwer durchbrechen, und die Reste der Milchzahnkrone die Schleimhaut verletzen, wodurch das Kauen schmerzhaft und unvollständig wird. Man sieht auf diese Weise Fohlen oft sehr zurückkommen. Endlich gehört hierher die Aufnahme zu grosser Futter- und Wassermengen, das sog. Ueberfressen und Uebersaufen. Das Ueberfressen ist meistens die Folge des zu raschen Uebergangs von einem geringen zu einem besseren Futter oder umgekehrt, insbesondere aber von einer leichtverdaulichen zu einer schwerverdaulichen Nahrung, z. B. eines zu raschen Wechsels von Stall- und Weidefütterung, sowie der Aufnahme von ungewohnten Mengen saftigen, leicht gährenden Grünfutters, vor allem grünen Klees. Dasselbe kann auch durch längeres Hungern der Pferde, durch Einführung zu langer Futterpausen mit Eeduoirung der Mahlzeiten, überhaupt durch unregelmilssige Fütterung oder durch abnorme Pressgier, Loskommen der Pferde im Stall etc. bedingt sein. Eigenthümlicher Weise werden zuweilen auch Fälle von acutom Magendarmkatarrh nach der Verfütterung von frisch gewonnenem Heu beobachtet.
Zu den indirecten Einflüssen, welche einen acuten Magendarmkatarrh hervorrufen können, gehören Ueberansfcrengung und zu frühe Benutzung der Thiere nach der Futteraufnahme, wodurch die Verdauung in Folge Verlegung des Blutes aus den Eingeweiden in die Körperperipherie gestört wird, ferner äussere Erkältung in Folge zu raschen Temperaturwechsels oder andauernd ungünstiger Witterung, wobei die plötzlich eintretende collaterale Hyperämie der Darmschleimhaut gewissermassen die Vorstufe des Katarrhs darstellt. Endlich rechnet man zu den indirecten Ursachen gewisse Witterungsverhältnisse, z. B. zu grosse Hitze, anhaltende Schwüle, sowie dumpfe, unreine, schlecht ventilirte Stallungen, die indess wohl nur durch das Zwischenglied der Erkältung oder Schwächung der Constitution zu Magendarmkatarrh führen können.
Zu manchen Zeiten und in manchen Gegenden kommt der acute Magendarmkatarrh seuchenartig verbreitet vor. Dieser sog. in-fectiöse Magendarmkatarrh hat seinen Grund in der Einführung nicht näher gekannter Mikroorganismen in den Darm, ist aber unter Umständen sehr schwer von einer im Anfangsstadium befindlichen anderen Infectionskrankheit zu unterscheiden.
Ausser diesen Fällen von selbstständig auftretendem acuten Magendarmkatarrh findet man denselben schliesslich noch als secundäres, symptomatisches Leiden im Verlaufe verschiedener fieberhafter
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Krankheiten, so bei Brustseuche, Staupe, Puerperal-, Petechial-üeber u. s. w.
Anatomischer Befund. Zur Vornahme von Sectionen ist, da der primäre acute Katarrh gewöhnlich nicht zum Tode führt, in der Kegel nur heim secuncliiren Katarrhe Gelegenheit geboten. Aber auch bei diesem kann der Befund ein negativer sein, indem sich die im Leben vorhandenen entzündlichen Erscheinungen nach dem Tode zuweilen nahezu ausgleichen.
1.nbsp; nbsp;Befund im Magen. Die eigentliche Magenschleimhaut (Pylorushälfte) zeigt die auch an anderen Schleimhäuten als Katarrh bezeichneten und nur nach der besonderen Structur dieser oder jener Schleimhaut etwas moditicirten Erscheinungen. Sie befindet sich nämlich im Zustande einer entzündlichen Schwellung und zeigt bald diffuse allgemeine, bald umschriebene fleckige höhere Köthung, neben stellenweiser ramiformer Injection, zum Theil auch Ekchymosenbildung. Diese Iliimorrhagien können von verschiedener Grosse sein; sie sind bald nur punktförmig, bald linsenförmig oder aucii noch grosser, und bedingen so bald ein getüpfeltes oder gesprenkeltes, bald ein geflecktes Aussehen der Schleimhaut. Das Schleimhautsecret ist vermehrt und stellt eine bald mehr glasig-schleimige, bald schleimig-eiterige Masse dar, die in Folge kleiner liämorrliagien auch blutig gefärbt sein kann und an zelligen Bestandtheilen Schleimkörperchen, weisse Blutkörperchen, sowie abgestossene und in Auflösung begriffene Epithelzellen enthält. Die mikroskopische Untersuchung der erkrankten Schleimhaut ergibt schleimige Degeneration des Cylinder-epithels der Drüsenausführungsgänge, stärkere Körnung des Labdrüsen-epithels, zellige Infiltration des interglandulüren Bindegewebes und der Submucosa, sowie Schwellung und Desquamation der Endothelien der Lymphgefässe.
2.nbsp; nbsp;Befund im Darm. Aehnlich wie im Magen sind auch die pathologischen Veränderungen im Darm. Die Schleimhaut ist entzündlich geschwollen und in Folge der serösen Infiltration der Submucosa gelockert, die Muskulatur stärker durchfeuchtet und daher die ganze Darmwandung mürbe und leicht zerreissbar. Die entzündliche Hyperämie ist bald auf kleine Stellen beschränkt, bald auf verschieden grosse Darmabschnitte, selten aber auf den ganzen Darm-tractus ausgebreitet. Zuweilen handelt es sich bloss um eine auf die Darmzotten beschränkte Hyperämie und Schwellung, in Folge deren die vergrösserten und verlängerten Zotten auffällig in das Darm-
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lumen hineinragen, oder die Röthung macht sich besonders um die mehr oder weniger geschwollenen solitären und agminirten Follikel in Form eines Hofes bemerklich. Wenn diese Follikel in Folge der Schwellung als weissgraue, hirsekorn- bis hanfsamengrosse, von einem rothen Hofe umgebene Knöfcchen über die Oberfläche der Schleimhaut prominiren, so hat man diesen Zustand wohl auch als Follikularkatarrh bezeichnet. Gehen diese geschwollenen Follikel sodann durch Vereiterung oder Abstossung zu Grunde, so bilden sich ihrem Sitz entsprechend kleine krater- oder kesseiförmige, geschwürartige Substanzverluste, welche nicht mit eigentlichen Darmgeschwüren verwechselt werden dürfen und im Gegensatze zu diesen Follikular-gcschwüre genannt werden. In schwereren Erkraukungsfällen, wenn auch beim acuten Verlaufe seltener, bilden sich wohl auch mehr diffuse, sogenannte katarrhalische Erosionen, d. h. Substanzverluste des Epithels. Das Product der katarrhalisch erkrankten Schleimhaut besteht in einer an Epithelien reichen Flüssigkeit, die je nach ihrem Gehalte an zelligen Bestandtheilen bald seröser, bald schleimiger, bald endlich eiteriger Natur sein kann, wie sie auch bei vorhandenen Hämorrhagien statt der gewöhnlichen weisslichgrauen oder graugelblichen Farbe mehr roth erscheint. Zuweilen ist die Lockerung und Abstossung der Epithelzellen eine ganz ungewühnliche (desquamativer Katarrh).
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Symptome. 1, Ersclieiiumgeu des acuten Magenkatarrhs. Das erste und oft einzige Symptom, welches dem Eigenthümer der erkrankten Thiere auffällt, sind Störungen in der Futter auf nähme. Entweder liegt die Fresslust ganz darnieder, oder die Thiere fressen weniger und dabei langsamer. Der Appetit ist oft sehr unregelmässig, wechselnd, bald einige Mahlzeiten hindurch ganz unterdrückt, bald wieder scheinbar normal, häufig auch sehr wählerisch, indem geAvisse Futtermittel ganz verschmäht, andere wieder, z. B. Stroh, Rauhfutter, entschieden besseren vorgezogen werden, wobei sich selbst abnorme Gelüste, lecksüchtige Erscheinungen, Verzehren beschmutzter Streu zeigen können. Der Durst ist bei Pferden gewöhnlich vermindert; manche Thiere verschmähen das Wasser vorübergehend ganz. Gleichzeitig beobachtet man in Folge von Verstimmung der Vagusendigungen im Magen Gähnen, das stundenlang fast ununterbrochen andauern kann, sowie Flehmen. Bei acutem Magenkatarrh in Folge . starker Ueberladung des Magens kann es heim Pferde auch zu Brechbewe-gungen und wirklicbem Erbrechen kommen, ohne dass ein weiterer
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Nachtheil daraus entstünde, und ohne dass stärkere Kolikerscheinungen damit verbunden sind. Wie die einschlägige Literatur erweist, sind solche Fälle von unschädlichem, auf Magenkatarrh, resp. Ueberladung beruhendem Erbrechen nicht ganz so selten, wie gewöhnlich angenommen wird. Im Gebirge insbesondere, wo die Weidepferde zuweilen viel von den Blättern der weis.sen Nieswurzel aufnehmen, ist dieses gefahrlose Erbrechen gar nichts Ausserordentliches.
Sehr gewöhnlich zeigt sodann die Maulschleimhaut beim acuten Magenkatarrh wichtige Veränderungen. Sie ist entweder höher ge-röthet oder mehr blass, hie und da auch schmutzig gelb oder livide gefärbt, im Anfang oft sehr trocken, später mit einem schmierigen, pappigen, seifenschaumähnlichen Schleim von fad-süsslichem Geruch belegt, oder man findet in der Maulhöhle grössere Ansammlungen glasigen, alkalisch reagirenden Schleimes. Auch eine Schwellung des submueösen Venennetzes am harten Gaumen ist häufig wahrzunehmen. In Folge der verminderten Futteraufnahme bildet sich gerne ein Zungenbelag. Sehr häufig complicirt sich der acute Magenkatarrh mit einem vollständigen Katarrh der Maul-schleimhaut. Der Hinterleib zeigt in seinem äusseren Umfange in der ersten Zeit nichts Besonderes, später wird er allmählich leer und aufgezogen. Die Darmperistaltik kann entweder normal sein, oder sie ist schon im Anfange der Erkrankung vermindert, Der Koth ist oft klein geballt, trocken, mit einer harten, auffallend glänzenden Kruste versehen und wird in geringeren Mengen, hie und da auch in kürzeren Zwischenräumen abgesetzt, auch enthält er häufig schlecht verdaute Futtermassen. Kolikerscheinungen fehlen in der Regel. Der Urin weicht beim acuten Magenkatarrh von der Norm kaum ab.
Die Psyche ist je nach dem Grade der Erkrankung und der Individualität mehr oder weniger eingenommen; die Thieve stehen stumpfsinnig im Stalle, sind träge und unlustig bei der Arbeit, ermüden und schwitzen rasch und athmen dabei etwas angestrengter. Fieber fehlt in vielen Fällen; da, wo es vorhanden ist, erreicht es selten einen höheren Grad; meist ist die Mastdarmtemperatur nur um einige Zehntelgrade über die Norm erhöht, und der Puls nur um 8 bis 12 Schläge p. M. beschleunigt, auch beschränken sich die fieberhaften Erscheinungen meist nur auf einige Tage. In sehr seltenen Fällen beobachtete man Schiittelfrost als erste Krankheitserscheinung. Dagegen findet man häufig eine ungleiche Vertheilung der Körpertemperatur, kalte Ohren und Extremitäten, sowie höher injicirte Lidbindehaut.
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2. Erscheinungen des acuten Darmkatarrhs. Im Gegensatze zu dem beim acuten Magenkatarrh stets alterirten Appetit kann die Futtoraufnähme beim acuten Darmkatarrh vollständig normal sein; meist ist sie indess besonders im weiteren Verlaufe der Erkrankung mehr oder weniger gestört. Der Durst ist bei bestehender Diarrhöe oft ein selir bedeutender. Das Allgemeinbefinden kann ebenfalls un-v.eränclert sein, und der ganze Process fieberlos verlaufen, wenn auch gewöhnlich bei Localisation der Krankheit auf den Darm die Gresammt-störungen intensivere zu sein pflegen, als beim Magenkatarrh. Die Haupterscheinungen betreffen den Darmcanal. Die Peristaltik wird lebhafter, die Darmgeräu.sche sind kollernd, oft auf Distanz hörbar, gurgelnd und glucksend; dazwischen hinein ist die Darmbewegung wohl auch wieder unterdrückt. Nicht selten treten Kolikerscheinungen auf. Der Hinterleib ist zeitweise durch Gase mehr gefüllt und bei der Palpation empfindlicher. Der Koth wird öfter und in grösseren Quantitäten abgesetzt und ist anfangs gross und locker geballt, häufig auch von glasigem Schleim überzogen oder von schmutzig weissen, bald wieder intensiv gelben, häutigen, croupähnlichen Massen netzförmig umhüllt (Proctitis). Meist enthält er sehr viele nicht verdaute Haferkörner, sowie lange, grobe, schlecht ausgenutzte Futterpartikel und zeigt einen mehr oder weniger intensiven säuerlichen oder fauligen Geruch. Hie und da wird nach dem Absetzen der Kothballen etwas grünlichgelbe Flüssigkeit ausgepresst, welche die Umgebung des Afters, den Schweif und die Innenfläche der Schenkel besudelt. Sowohl bei Kothabsatz, wie auch unabhängig von demselben gehen häufig meist sehr übelriechende Flatus ab.
Weiterhin tritt Diarrhöe auf. Dieselbe ist ein für die Diagnose des Darmkatarrhs sehr wesentliches Symptom. Der Koth, anfangs stärker durchsaftet und leicht zerfallend, wird dickbreiig und zuletzt dünnbreiig und ganz flüssig, bekommt einen auffallend säuerlichen oder fauligen, selbst aashaft stinkenden Geruch und geht zuweilen ganz unwillkürlich bei offen stehendem After und unter starkem Sinken der Körperkräfte ab (colliquativer Durchfall). Die Reaction des Kothes ist eine vorwiegend saure (Fettsäuren), was iudess für die Diagnose ohne Delang ist, da der Koth schon normal sehr häufig sauer reagirt. In manchen Fällen kann beim acuten Darmkatarrh Diarrhöe auch fehlen.^ Beschränkt sich nämlich beim Pferde der Katarrh auf den Dünndarm, so kann die diarrhoische Flüssigkeit des Dünndarms im Dickdarm vollständig resorbirt werden, wodurch der Koth wieder gesammelt und geballt wird. Andererseits bedeutet eine bestehende
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Diarrhöe nicht immer das Vorhandensein einer katarrhalischen Darm-
affection. Abgesehen vun dem normal sehr weichen Koth hei Grün-füttemng kann nämlich auch vorübergehend Diarrhöe durch einfache Vermehrung der Darmperistaltik in reflectorischer Weise und durch consecutive Hyperämie, z. B. nach einer starken Abkühlung des Körpers, auftreten.
Der beim Katarrh des Magens kaum veränderte Harn bietet beim acuten Darmkatarrh verschiedene abnorme Verhältnisse. Er wird zunächst bei bestehendem Durchfall in verminderter Menge abgesondert, wobei sein specifisches Gewicht sich entsprechend erhöht. Sodann ändert er oft seine Farbe und verliert sein Sediment, wird klarer, durchsichtiger. Der Gehalt an Indican ist erhöht. Insbesondere aber ist der Harn beim acuten Darmkatarrh reicher an Phosphaten, die im normalen Harn nahezu ganz fehlen. Dabei geht die alkalische Reaction meist in die neutrale und saure über.
Dauer und Verlauf. Die meisten mit geringem oder doch nur massigem Fieber verlaufenden Fälle von acutem Mageudannkatarrh gehen leicht und rasch in Genesung über; dieselbe tritt oft schon nach wenigen Tagen ein, selten dauert der Zustand länger als 68 Tage. Das Fieber geht dann allmählich zurück, die Futter-aufnahme wird besser, die Entleerungen werden seltener und der Koth consistenter. Nicht selten folgt auf die Diarrhöe ein verzögerter Kothabsatz, eine leichte Verstopfung. Die Rückkehr des Urins zur alkalischen Reaction deutet ebenfalls auf Besserung hin. Dauern jedoch die Ursachen fort, oder ist die Affection eine intensivere, so wird der Katarrh entweder chronisch oder führt zu eingreifenderen Störungen. Das Fieber erreicht dann eine ausserordent-liche Höhe, die Diarrhöe wird andauernd, ruhrartig, colliquativ, die Kolikerscheinungen werden häufiger und stärker, die Thiere fallen sehr stark in den Flanken ein, magern ah, bekommen ein rauhes, struppiges Haarkleid, die Temperatur der extremitalen Tlieile wird auffallend kühl. Dazu gesellt sich eine rasch zunehmende Muskel-schwäche und Eingenommenheit des Sensoriums, die Thiere stehen stumpfsinnig und theilnahmslos im Stalle, bekunden durch häufiges Schildern und Niederlegen ihre Mattigkeit und Hinfälligkeit; die Futteraufnahme ist sodann vollständig sistirt. Tritt hiebei noch Genesung ein, so folgt darauf ein sehr langes Stadium der Recon-valescenz; indess führt der beschriebene Zustand, besonders bei schwächlichen und alten Thieren, häutiger zur Erschöpfung und zum Tode.
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Differentialdiagnose. Verläuft der acute Magendarmkatarrh ohne bedeutendes Fieber, so ist eine Verwechslung mit anderen Darmleiden nicht gut möglich. Dagegen ist es oft schwer, zu entscheiden, ob ein Magendarmkatarrh selbstst'andig besteht, oder ob er bloss eine untergeordnete Erscheinung einer schwereren anderen Erkrankung bildet; man soll daher ersteron nur diagnosticiren, wenn letztere mit Sicherheit auszuschliessen ist. Ferner kann es Schwierigkeiten machen, einen schwereren Fall von Magendarmkatarrh von einer Darmentzündung oder Magenentzündung zu unterscheiden. Hier kann oft nur der weitere Verlauf, die Höhe des Fiebers, die Schwere der allgemeinen Erscheinungen, sowie die Berücksichtigung der Ursachen entscheiden. Kommt es endlich im Verlaufe eines acuten Dickdarmkatarrhs zur Follikularverschwärung, so ist es dann und wann geradezu unmöglich, die dabei auftretende ruhrartige Diarrhöe, die man wohl auch als katarrhalische Ruhr bezeichnet hat, von der eigentlichen infectiösen Dysenterie zu unterscheiden. Der weitere Verlauf, die Anamnese etc. müssen auch hier Anhaltspunkte für die Diagnose geben. Von Wichtigkeit sind ferner einige Punkte bezüglich der Localisation des Katarrhs auf die verschiedenen Abschnitte des Darmcanals.
1,nbsp; nbsp;Bleibt der Katarrh auf den Dünndarm beschränkt, so kann dies mit Sicherheit nur dann erschlossen werden, wenn sich in Folge starker Schwellung der Schleimhaut oder durch Fortsetzung -des Katarrhs auf die Schleimhaut des Gallenganges die Ausflussöffnung desselben verengt oder vevschliesst, und so durch Stauung und Resorption der Galle ikter ische Erscheinungen auftreten. Fehlen dagegen letztere, so kann ein vorwiegender Dünndarmkatarrh höchstens aus einer gewissen Mitbetheiligung des benachbarten Magens, sowie aus einer auffallend regen Peristaltik der dünnen Gedärme gefolgert werden, die besonders in der linken ünterrippen- und Flankengegend oft sehr laut und kollernd zu hören ist.
2.nbsp; Bei hauptsächlicher Erkrankung des Dickdarmes kommt es besonders zu stärkeren Kolikerscheinungen und zu Durchfall. Ferner ist es eine besonders für den Katarrh der hinteren Theile des Dickdarmes, des Mastdarmes und seiner Nachbarschaft charakteristische Erscheinung, dass dabei der Koth häufig von membranösen oder netzförmigen, aus Schleim und Epithelien bestehenden Gerinnseln umhüllt ist, welche demselben nur von aussen aufliegen. Bei ausgeprägtem Mastdarmkatarrh wird der Koth ausserdem öfters und immer nur in kleineren Quantitäten, selbst nur in einzelnen
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wenigen Ballen abgesetzt, wobei ein mehr oder weniger hochgradiger Afterzwang (Tenesmus) vorhanden ist, und der Kothabsatz unter ungewöhnlich heftigem Drängen und Stöhnen, starkem Aufkriimmen des Rückens etc. vor sich geht.
Behandlung. Die Prophylaxe des acuten Magendarmkatarrhs besteht in einer rationellen Anwendung der diätetischen Grundsätze bezüglich der Fütterung und Haltung des Pferdes; die richtige Befolgung derselben vermeidet weitaus die grösste Anzahl der oben genannten krankmachenden Ursachen. Auch die Behandlung der erkrankten Thiere ist in erster Linie eine diätetische; ja in vielen Fällen genügt diese allein. Zunächst vermeide man jedes reizende und schwerverdauliche Futter, verabreiche nur kleine Rationen oder lasse die Thiere, was sich besonders bei der Ueberfütterung empfiehlt, eine Zeit lang ganz hungern, reiche nur überschlagenes Wasser, lasse die Thiere gut bedecken und täglich mehrereinal über den ganzen Körper frottiren. Insbesondere gestatte man den Kranken auch ein- oder zweimal des Tages eine kurze Bewegung im Freien. Die raedicamentöse Behandlung richtet sich je nach den verschiedenen Indicationen.
1.nbsp; nbsp;Bei Magenüberfüllung ist die nächste Aufgabe, das über-mässig angesammelte Futter möglichst rasch aus dem Darmcaliale zu entfernen. Wir verwenden hiezu meist eine evaeuirende Latwerge aus Glaubersalz und Brechweinstein (Tartari stibiati G,0; Natrii sulfurici 300,0; Far. secal. et Aqu. font. qu. s.) oder mehrere kleinere Dosen von Calomel (ii 3,0), Bezüglich der Anwendung des Physo-stigmins (0,1) und Arecolins (0,08) ist insofern Vorsicht geboten, als bei starker Ueberfüllung und Ausdehnung des Magens die Mittel unter Umständen eine Magenruptur herbeiführen können.
2.nbsp; nbsp;Bei abnormen Gährungen im Magen oder Darm empfiehlt sich zunächst die Anwendung der Salzsäure (1015,0 pro dosi im Trinkwasser). Sodann leistet hier das Kochsalz in Gaben von 2030,0 gute Dienste, desgleichen die kohlensauren Alkalien, insbesondere Natrium bicarbonicum (2550,0). Bei Magendarmkatarrhen, welche mit starker Flatulenz und Säuerung im Darmcanal verlaufen, haben wir ferner mit demunterschwefligsauren Natrium gute Erfolge erzielt. Auch Creolin in Dosen von 515,0 eignet sich als Antizy-moticum (Creolini 50,0; Pulv. Rad. Liquirit. 100,0; Extract! Liquiritiae et Cerae flavae qu. s. f. massa, e qua formentur Pilulae Nr. V D. S. täglich 12 Pillen).
3.nbsp; Tritt die Vevdauungsschwäche in den Vordergrund, so sind.
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74nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Acutcr Mageiidarmkatarrh des Pferdes.
nächst der Salzsäure die eigentlichen Stomachica zu versuchen. Hieher gehören ausser Pepsin (1015,0) in erster Linie die Alkalien, das Kochsalz und Glaubersalz, der Salmiak (Natrii sull'urici 800,0, Natrii chlorati crudi 100,0, Aninionii chlorati 50,0, einen Esslöffel voll auf jedes Futter), sodann die pflanzlichen Stomachica: Senf (50,0 gepulvert in Latwergenform), Pfeffer, Ingwer, Tinctura Veratri (10,0), Calmus (25,0), Rheum (Pulv. Rad. Rhei 15,0, Natrii bicarbon., Pulv. Rad. Liquirit. ää 10,0, Pulv. Rad. Alth. et Aqu. font. qu. s. f. Electuar.; auf .'5mal), Aloe (a 5,0 in Pillenforni) und die ganze Gnq^pe der Bittermittel (Absynth, Gentiana etc.), sowie der ätherisch-öligen Mittel (Anis, Kümmel, Fenchel, Wacholderbeeren etc.).
4.nbsp; nbsp;Gegen Durchfälle ist im Anfange, wenn nur geringe Mengen übelriechenden Kothes abgesetzt werden, eine Entleerung des Darm-canals durch kleine Dosen Oalomel (25,0) sehr gut; letzteres darf selbst bei follikulären Geschwüren im Darme noch gegeben werden. Sodann sucht man die Diarrhöe zunächst durch diätetische Mittel (Trockendiät, Verfütterung von geröstetem Mehl und Hafer, Einverleibung schleimiger Mittel) zu stillen. Gelingt dies nicht, so greift man zu den Adstringentien und beginnt mit Eichen- oder Chinarinde (50,0), Eisenvitriol oder Alaun (20,0), Tannin (15,0), geht dann über zum Bleizucker (5,0) und endlich zum Höllenstein (0,51,0 in Pillen mit armenischem Bolus, oder in viel destillirtem Wasser gelöst). Zu den besten Mitteln gehört ferner das Opium. Bei starken Durchfällen empfiehlt es sich, von vorn herein Opium zu verabreichen, weil es schneller und sicherer wirkt, als die oben genannten Adstringentien, namentlich als Tannin. Man gibt das Opium entweder als solches in Pillenform (520,0) oder in Form der Tinctura Opii simplex (50150,0) in schleimigem Decoct als Einzeldosis; wir haben selbst bis zu 300,0 ohne nachtheilige Nebenerscheinungen gegeben. Von Trasbot wird gegen Durchfälle beim Pferd eine Campher-Asant-Emulsion empfohlen (Campher und Asa foetida ää 10,0 werden mit 23 Eidottern in 1 Liter Reiswasser emulgirt, und diese Emulsion täglich 2mal verabreicht). Von Roll wird die Tinctura Strychni (510,0) als Stypticum sehr gerühmt.
5.nbsp; nbsp;Bei Dickdarm- und Mastdarmkatarrhen endlich versucht man womöglich eine Localbehandlung durch Mastdarminfusionen. Schon beim Durchfall empfiehlt es sich oft, die Höllensteinlösung statt per os vom Mastdarm her zu infundiren. Dieses Verfahren ist besonders bei längerer Dauer des Darmkatarrhs von Nutzen. Man verwendet
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so gegen katarrhalische Proctitis 12procentige Lösungen von Alaun, Tannin etc. mit gutem Erfolge.
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Chroulsclicr Magen- und Darmkatarrli des Pferdes.
(Gastro-Enteritis catarrlmlis chronica. Chronische Dyspepsie.)
Literatur. Lkssona, Q-iom, di '\'et., 1852. Oambron, A. de Brux., 1806. Ax-ACKKH, Thrzt., 187;!. S, 180; 1871. S. l.laquo; Johne, S. ./. B., 1873. S. 89. Sikdam-qrotzkt, Ibid., 1875. 8. 20 u. 185. Keixdl, Püte'aohe Z., 1875. 8. 868.Möller, B. A., 1875. S.277. Fribdberoer, M. J. B., 1870/77. 8. 88; 1881/82. S. 57; 1886 bis 1887. S. (j4. A.LBRECHT, W. f. 'Jh., 1879. S. 157. Brosse u. Cagnv, Jiull. soc. centr., 1883. - Lemke, IC. f. Th., 1885. 8. 437. Stockfleth, Handb. d. th. Chir., 1885. S. 545. Martens, B. A., 1887. 8.308. Santy, The Vet., Bd. 60. B. Mil. V. B. pro 1887. 8. 96. Raillet, Uec, 1888. Sturm, B. A 1889. S. 296. Trasbot, liec, 1890. Nr. 24. Koch, B. th. W., 1890. S. 195. - ALBRECHT, Md., 1891. 8. 41. DlECKERHOFP, Spec. I'alh., 1892. I. S. 864 u. 880. MoüROT, Reo., 1893. S. 503. v. Ow, D. th. W., 1893. 8. 347. - Bäciistädt, X. f. Vet., 1893. S. 156. Kitt, Bath.-anat. Dicii/n., 1894. I, Bd. 8, 485. Matthiesen, B. th. W., 1895. S. 881. Vederniikofp, Th. C, 1895. 8. 304.
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Allgemeines. Da eine strenge Unterscheidung des chronischen Magenkatarrhs vom chronischen Darmkatarrh, sowie eine getrennte Besprechung der chronischen Dyspepsie oder Unverdaulichkeit aus den früher entwickelten Gründen kaum zweckmässig ist, handeln wir auch hier den chronischen Magen- und Darmkatarrh, resp. die chronische Dyspepsie zusammen ah. Derselhe ist, wie auch Roll bemerkt, hei Pferden eine häufige Krankheit; indess dürfte es sehr wahrscheinlich sein, class manche scheinbar primäre chronische Magen- und Darmkatarrhe lediglich eine Nebenerscheinung eines anderen Hauptleidens (organischen Magen- und Darmleidens, einer Lungen-, Herz-, Nierenkrankheit) sind. Besonders bei älteren Pferden wird dies bei der Diagnosestellung wohl zu berücksichtigen sein.
Aetiologie. Wie für den acuten Katarrh besteht auch für den chronischen eine gewisse Disposition bei manchen Thieren. Vor Allem neigen die chronischen Ernährungsstörungen, die anämischen und kachektisclien Zustände, wie sie nach schweren Krankheiten, bei chronischen Vergiftungen, nach Ueberanstrengung etc. beobachtet werden, sehr zu chronischen Magendarmkatarrhen hin. Sodann entwickelt sich der chronische Katarrh vielfach aus dem acuten, wenn die betreffenden diätetischen Ursachen dauernd oder oft und in rascher Wiederholung einwirken. Es können daher hier überhaupt wieder alle die-
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Clii'onisclier. Maffeudarmkatarrh des Pferdes.
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jenigen Schädlichkeiten in Betracht kommen, die beim acuten Katarrh besprochen worden sind. Hieher gehören namentlich anhaltende Un-regelmässigkeiten in der Fütterung und Haltung der Thiere, die fortgesetzte Verabreichung unpassender, verdorbener Nahrungsmittel, eines gehaltlosen, reizlosen, erschlaffenden Futters. Die andauernde Fütterung mancher Pferde, besonders der Müllerpferde, mit Kleie und kurzgoschnittenom Häcksel wird ebenfalls von Manchen als Ursache chronischer Katarrhe beschuldigt. Dasselbe gilt für die anhaltende mechanische Reizung der Darmschleimhaut durch grobhalmiges, bereiftes, verschl emmtes und versandetes E'utter. Zuweilen entsteht ein chronischer Magenkatarrh auch in Folge anhaltenden Luftkopp ens.
Bei älteren Thieren sind es ferner Störungen im Kaugeschäfte, welche durch nicht genügende Zerkleinerung und Ein-speichelung des Futters zu chronischen Reizungszuständen im Darme führen, weshalb die Verf ü tterung ungequetschten Hafers bei alten, geschwächten Thieren besonders häufig den Anlass zu Katarrhen gibt. In ganz gleicher Weise wirken Zahnkrankh eiten und die als glattes, kantiges, wellenförmiges. Treppen-, Scheeren- etc. Gobiss bezeichneten Z a h n a n o m a 1 i q n.
Weiterhin führt Alles, was eine andauernde krankhafte Stauungsblutfülle der Magen- und Darmschleimhaut veranlasst, allmählich zum Zustandekommen chronischer Katarrhe. Hieher gehören: wiederholt überstandene acute Katarrhe, Stauungen im Pfortadersystem, wie sie namentlich bei gewissen chronischen Erkrankungen der Leber, seltener bei Erkrankungen der Pfortader selbst, getroffen werden, Stauungen in der hinteren Hohlvene in Folge von Herz- und Lungenkrankheiten (Klappenfehler, Lungenemphysem, Lungenverdichtungen), Stauung des Blutes im Darme selbst, so namentlich umschriebene Stauungshyperämien des Darmes nach embo-lischer Verstopfung einzelner Arterien beim Wurmaneurysma. In allen diesen Fällen ist der Katarrh nicht die unmittelbare Folge der Blutstauung, vielmehr kommt er erst seeundär dadurch zu Stande, class die Darmschleimhaut bei der abnormen Blutvertheiiung Ernährungsstörungen erleidet, und so äusseren Reizen gegenüber weniger resistent wird. Sehr oft kann daher der Katarrh bei diesen venösen Stauungszuständen im Darme auch fehlen. Auf diese Weise führt auch nicht selten eine lediglich durch häufig erregte Darmperistaltik (Erkältung) und consecutiv hervorgerufene Stauungshyperämie entstandene chronische Diarrhöe erst später zu chronischem Katarrhe.
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Chroiiisclior Magendarnikatarrli des Pi'ordes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 77
Die Ursache eines chronischen Magendarmkatarrhs ist ferner nicht selten in der Anwesenheit massenhafter oder besonders schädlicher Entozoen im Magen und Darm zu suchen. Hieher gehören zunächst die Br em sen larven, welche zwar in der Regel nicht schädlich sind, zuweilen aber, namentlich wenn sie in übergrosser Zahl vorhanden sind, bedeutende Verdauungsstörungen, besonders bei Fohlen, hervorrufen. Aussei- Gastrophilus equi und pecorum kommen hiebei auch die im Dünndarme zuweilen in grossen Mengen vorkommenden Larven von Gastrophilus haemorrhoidalis und nasalis in Betracht. Sodann ist für die Entstehung des chronischen Magenkatarrhs von gewisser Bedeutung die Filaria s. Spiroptera megastoma, welche meist an der Grenze zwischen Schlund- und Pförtnerportion, aber auch in letzterer allein, in Form von bohnen- bis apfelgrossen, submucösen Wurmcysten vorkommt. Ueber die eigentlichen Eingeweidewürmer als Ursachen des chronischen Darmkatarrhs (Ascaris megalocephala, Taenia mamillana, plicata und perf'oliata) siehe das Capitel der Helminthiasis.
Endlich geben noch Veranlassung zum chronischen Magendarmkatarrh, indess mehr in symptomatischer Weise, verschiedene organische Veränderungen des Magens und Darmes: Geschwüre, Dilatationen, Stenosen, Lageveränderungen, Neubildungen, sowie vorhandene Fremdkörper: Magen- und Darmsteino, Phyto- und Zoo-bezoare, Kothstasen; ausserdem Erkrankungen der Pankreasdrüse, z. B. der Gallertkrebs des Pankreas, Neubildungen der Leber u. s. w. Secundär findet man das Leiden ferner als eine Begleiterscheinung der verschiedensten chronischen Krankheiten (Anämie, Rachitis, Leukämie etc.).
Kumgatakrankheit. Unter diesem Namen (= Sandkrankheit'') hat Vederniikoff eine in den Steppen Kirgisiens vorkommende Pferdekrankheit beschrieben, welche unter den Erscheinungen des chronischen Magenkatarrhs tödtlich verläuft und bei der im Magen erhebliche Sandanhäufungen mit Puttermassen untermischt (bis zu 6 kg) neben entzündlichen VerändoBungen der Schleimhaut vorgefunden werden.
Anatomischer Befund. 1. Befund im Magen. Der anatomische Befund beim chronischen Magenkatarrh ist je nach dem Grade und der Dauer desselben ein wechselnder; in leichteren Graden der Erkrankung ist er jedenfalls sehr wenig auffällig. Die Veränderungen finden sich gewöhnlich auf der eigentlichen, rechtsseitigen Magenschleimhaut (Py lorushälfte), insbesondere an der grossen Curvatur und in der Umgebung des Pförtners. Zunächst fällt auf.
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78nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Chronischer Mag'eiularmkatarrh dos Pferdes.
class die Schleimhaut von einer mehr oder weniger dicken Schicht eines zähen, glusigen, oder in Folge der reichlicheren Beimengung von Epithelien weissgrauen Schleimes bedeckt ist, welcher der Unterlage fest anhaftet. Die Färbung der Schleimhaut hat durchaus nicht immer etwas Charakteristisches, und muss man sich vor einer etwaigen Verwechslung der normal schon verschiedenen Färbung einzelner Theile der rechten Magenhälfte mit pathologischen Veränderungen hüten. Meist erscheint die Schleimhaut beim chronischen Katarrh düster grauroth bis schmutzig rothbraun verfärbt, nicht selten auch schiefergrau pigmentirt, dabei fleckig, wodurch ein marmo-rirtes Aussehen erzeugt wird. Die Pigmentirung rührt von der Einlagerung schwarzer Pigmentkörner her, welche vom Blutfarbstoff extravasirter Blutkörperchen oder capilliirer Hämorrhagien stammen. In anderen Fällen Hndet man die Schleimhaut gleichförmig graugelb, blass, und von einzelnen auffallend erweiterten und stark gefüllten Blutgefässen durchzogen. Die Oberfläche der Schleimhaut ist entweder eben und glatt, oder aber eigenthümlich uneben und höckerig, grob-drusig, papillös, warzig (ötat mamelonne), oder sie bildet grössere starre Falten und Leisten und, wenn auch selten, zapfenförmige polypöse Wucherungen (Gastritis polyposa, Polyposis). Eine Verdünnung (Atrophie) der Schleimhaut konnten wir makroskopisch nur in einem Falle constatiren; um so öfter aber kommt, namentlich beim etat mamelonne und der Polyposis, eine mehr oder weniger starke, selbst das Drei- bis Fünffache des Normalen betragende Verdickung derselben vor. Dabei ist das verdickte Gewebe in der Regel derb, unelastisch, narbenartig, und setzt dem Messer beim Durchschneiden einen auffallend grossen Widerstand entgegen; zuweilen hört man ein förmliches Knirschen beim Durchschneiden, auch ziehen sich die rigiden Schnittränder nicht zurück. Eine Zunahme des submucösen Bindegewebes und eine Verdickung der ebenfalls derber sich schneidenden Muskulatur ist oft schon mit blossem Auge zu erkennen. In anderen Fällen von chronischem Magenkatarrh kommt es in Folge Erschlaffung und Verdünnung der Muskulatur zu Magen-erWeiterungen, wobei der Magen oft eine enorme Grosse erreicht (das Doppelte und Dreifache des Normalen). Ueber Ulcerationen im Verlaufe des chronischen Magenkatarrhs vergleiche das Capitel über Magengeschwüre. In sehr hochgradigen Krankheitsfällen leidet auch die linksseitige Schleimhaut.
2. Befund im Darm. Der Befund beim Darmkatarrh ist dem im Magen beschriebenen ähnlich. Auch hier findet man die Schleim-
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Chronisclier Magcndarmkatairh des IM'erdcs.
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haut bald streifig und fleckig braunroth verfärbt, bald schiefergrau, aalhautähnlich pigmentirt, die Gefässe stark geschlängelt und erweitert, die Oberfläche mit zäliein, grauem, glasigem oder eiter-äbnlichem, zuweilen klumpigem Schleime bedeckt, die Follikel anfangs geschwollen, später atrophisch und ausgefallen, wodurch die Schleimhaut ein gegittertes, areolirtes Aussehen erhält, den Dünndarminhalt zuweilen sehr flüssig und oft molkenähnlich, flockig getrübt. Die Schleimhaut ist entweder verdünnt oder, was häufiger ist, deutlich verdickt, und in Folge der Wucherung des interglandulären und sub-mueösen Bindegewebes sehr derb, gefaltet. Im Dünndarm iindut man oft dieselben papillären und polypösen Wu ch erungen wie im Magen. Verengerungen und Erweiterungen des Darmes in Folge von Hypertrophie und Atrophie der Darmmuskulatur kommen bei chronischem Katarrh ebenfalls vor.
Im Blind- und Grimmdarm, namentlich in der magenförmigen Erweiterung des letzteren, sind sehr häufig die Follikel auffallend in den Entzündungsprocess hereingezogen. Dieselben ragen entweder als hirsekorn- bis erbsengrosse, knötchenartige Anschwellungen von schleimiger, eiteriger oder dickbreiiger Consistenz hervor, oder gehen geschwürig zu Grunde unter Bildung sogenannter FoIIiku large schwüre, die oft einen grosseren Abschnitt des Dickdarmes ganz bedecken. Roll beschreibt diese Geschwüre als hanfkorn- bis linsen-grosse, selbst bis auf das submueöse Bindegewebe reichende Substanzverluste, mit scharfen, nicht infiltrirten, unterminirten Rändern und eiterigem Grunde, die oft durch Zusammenfliessen mehrerer grössere Geschwüre bilden, und entweder mit Hinterlassung einer leichten Narbe heilen, oder bei längerem Bestehen zu wiederholten Durchfällen und Koliken führen, und schliesslich auch den Darm perforiren. (Siehe auch Darmgeschwüre.)
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Symptome. 1. Erscheinungen des chronischen Magenkatarrhs. Als die wichtigsten Erscheinungen eines vorwiegend auf den Magen beschränkten chronischen Katarrhs sind in erster Linie, wie beim acuten Katarrh, Störungen im Appetit, anhaltende oder zeitweilige Verminderung der Futteraufnahme, wechselnde, wählerische, oft krankhaft veränderte Fresslust, häufiges Gähnen, verzögerter Koth-' absatz, belegte Zunge, trockenes oder schleimiges Maul etc. bei meist fieberlosem Verlaufe zu nennen. Diese Krankheitsäusserungen, auf welche sich oft und namentlich in der ersten Zeit das ganze klinische Bild beschränken kann, zeigen meist einen auffallenden Wechsel,
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Ohronisoher Magendarmkatarrh dos Pferdes.
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indem zumal die Appetitstörungen besonders nach stärkeren Anstrengungen oder auch wohl schon bei den gewöhnlichen Dienstleistungen der Thiere sehr hervortreten, bald wieder nahezu ganz verschwinden. Ebenso können, wie leicht erklärlich, schon geringe Fehler in der Fütterung eine Verschlimmerung des Zustandes, so besonders auch Kolikanfalle, bedingen. Solche recidivirende Koliken sind daher beim chronischen Magenkatarrh keine Seltenheit. In höheren Graden des Leidens, sowie bei längerer Dauer beobachtet man zuweilen eigentbümliche, consensuelle nervöse Störungen, die man früher unter dorn Namen Magenkollerquot; zusammengefasst hat. Ausser einer gewissen Abgespanntheit und Unlust zur Arbeit, die immer vorhanden sind, bemerkt man an den Thieren ausgeprägte Gehirndepressions-erscheinungen, ähnlich wie beim Dummkoller: Eingenommenheit und Stumpfsinn des geistigen wie des Gefühls- und Bewegungslebens, selbst S ch win d el an f all e (Magenschwindel, Abdominalschwindel). Man hat die Erklärung dieser Störungen theils in einer Fortleitimg der nervösen Heizung des Magens zum Gehirn, theils in einer durch die Stauungshyperämie des Darmcanals herbeigeführten Gehiruanämie, theils in einer Resorption abnormer, in Folge des chronischen Katarrhs im Magen gebildeter Stoffe ins Blut (Selbstinfection) zu finden gesucht.
2. Ersclieinungen des chronischen Darmkatarrhs. Die Erscheinungen , welche hauptsächlich dem chronischen Darmkatarrh zugerechnet werden, sind je nach der Intensität, Dauer und Ausbreitung des Processes sehr verschieden. Der Hinterleib ist meist leer und aufgezogen, zuweilen aber auch durch Gase gespannt und aufgetrieben. Die Darmgeräusche sind wechselnd hörbar, meist aber unterdrückt, der Kothabsatz ist häufig verzögert, dabei der Koth gern klein geballt und trocken, von säuerlichem oder fauligem Gerüche, zuweilen auffallend blass und reich an unverdauten Bestandtheilen. In anderen Fällen besteht chronische Diarrhöe, und bildet dieselbe oft das hervorragendste Symptom, aus dem wir das Vorhandensein eines chronischen Darmkatarrhs erschliessen. Häufig wechseln auch Verstopfung und Diarrhöe mit einander ab. Selten fehlen sodann Flatulenz und öfters wiederkehrende leichte Unruheerscheinungen. Bei längerer Dauer des Leidens kommt es weiter zu al Ige in einen Ernährungsstörungen: die Thiere magern ab, der Kräftezustand geht zusehends zurück, die Schleimhäute sind blass oder bekommen eine gelbliche Färbung, das Haar wird struppig und glanzlos, die Thiere schwitzen leicht, oft schon im Stalle, der Puls
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Chronisclier Mag'cudarmkatan'li des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;81
wird klein, clci- Herzschlag schwach, die Herzaction unregelmässig, oft aussetzend. Der Harn zeigt bei chronischen Darmkatarrhen keine constante Beschaifenheit. In manchen Fällen ist er ganz normal. Die Farbe wechselt wie beim acuten Darmkatarrh sehr; die Consistenz ist oft schlickerig. Die Reaction ist meistens eine alkalische, ein Befund, in welchem wir mit den Angaben Alb recht's übereinstimmen, während Siedamgrotzky und Hofmeister fast immer sauren Harn gefunden haben wollen. Seltener findet man eine schwach saure Reaction, die sich vielleicht auf Exacerbationen des chronischen Processes oder auf eine specielle Affection des Dünndarmes zurückführen lässt. In einigen Fällen haben wir auch grossere Mengen von Eiweiss im Harn constatirt.
Dauer und Verlauf. Die Dauer des chronischen Magendarm-katarrhs richtet sich zum Theil nach den veranlassenden Ursachen, resp. der Möglichkeit ihrer Beseitigung, zum Thcil nach der Ausbreitung und dem Grade des Processes. Je leichter die Ursachen zu erkennen und je rascher sie zu entfernen sind, desto kürzer wird die Dauer, desto günstiger der Verlauf sein; es gilt dies besonders für Katarrhe, welche eine abnorme Fütterung zur Grundlage besitzen. Haben sich jedoch im Verlaufe der Krankheit bereits gröbere Schleimhautveränderungen herausgebildet, die an sich wieder den Process unterhalten, so ist die Dauer natürlich eine langwierige. Häufig sieht man Pferde mit chronischem Magenkatarrh noch jahrelang unter stetem Wechsel von Besserung und Verschlimmerung ihren Dienst leisten, wenn sie auch dabei mehr und mehr an Kraft und Gewicht abnehmen. Solche Thiere kommen überhaupt weniger ihres chronischen Leidens halber, als in Folge der sich dann und wann einstellenden acuten Exacerbationen zur Behandlung. In anderen Fällen dagegen erfolgt die Zunahme der Kraftlosigkeit und Abmagerung, sowie totale Dienstuntauglichkeit in kürzerer Zeit, und führt der Zustand früher zur Erschöpfung und zum Tod. Die meisten alten und decrepiden Pferde gehen wohl auf diese Weise zu Grunde. Hat der chronische Katarrh zu Magenerweiterung geführt, so kann der tödtliche Ausgang zuweilen plötzlich durch eine intercurrirende Kolik bedingt werden,
Behandlung. Die Gesichtspunkte bei der Behandlung des chronischen Magendarmkatarrhs sind im Wesentlichen dieselben, wie sie beim acuten Processe bereits besprochen worden sind. Das Haupt-Frlsdbergei'u. Pröhner, Pathol. u. Thsrapie d, Hausthiera. T. Bd, i. Aufl. (j
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Ohromsoher MaffendarmkataiTli raquo;lea Pferdes.
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gewiobt ist auf die Entfernung der schiullichen Ursachen und auf uine richtige diätetische Behandlung' zu legen. Man vermeide alles schädliche, verdorbene, schlechtverdauliche Futter, und sorge für gutes, leichtverdauliches, verabreiche dasselbe in kleineren und öfteren Rationen , schiebe /.. B. je eine Vormittags- und Nachmittagsfütterung ein, regle die ganze Haltungsweise und Dienstleistung der Tliiere. Etwaige scharfe Zahnspitzen sind zu entfernen, alten Thioren uiuss der Hafer gequetscht oder gebrochen vorgesetzt werden. Indess stösst man gerade mit diesen diätetischen Vorschriften oft auf unüberwindliche Schwierigkeiten bei den Besitzern.
Die me di c amen tose Behandlung kommt beim chronischen Magendarmkatarrh erst in zweiter Linie. Zunächst hat sich auch liier die Salzsäure in kleineren Dosen (1015,0) sehr bewährt. Die Hauptrolle spielen indess anerkanntermassen die Alkalien. Man gibt z. B. Kochsalz in kleinen, länger fortgesetzten Dosen (einen Esslöffel voll auf jode Mahlzeit), das doppeltkohlensaure Natrium, sowie das Glaubersalz in Dosen von 2550,0. Insbesondere bewährt sich die gleichzeitige Verabreichung der genannten drei Mittel in der Form des officinellen künstlichen Karlsbader Salzes (Sal Caroli-num factitium). Dieses Karlsbader Salz, in Dosen von 2550,0 verabreicht, hat eine mehrfache Wirkung: es neutralisirt überschüssige Säure, regt durch seinen Gehalt an Kochsalz die Secretion der Verdauungssäfte an, wobei es zugleich gährungswidrig wirkt, löst den zähen Schleim und sorgt vermittelst des Glaubersalzes für Weiterbeförderung des Darminhaltes. Ausserdem sind hier wie beim acuten Magenkatarrh die eigentlichen Stoinachica: Rheum (in lucrative!-Praxis allen anderen vorzuziehen), Calmus, Enzian, Aloe, Ingwer, Anis, Fenchel, Kümmel etc., anzuwenden. Auch das Pepsin (510,0) und Apomorphin (0,050,2) kann versuchsweise angewandt werden. Gegen etwaige Verstopfung benutzt man neben Verabreichung von Grün- und Schlappfutter das Glaubersalz in grösseren Dosen (250 500,0) oder mittlere Dosen von Aloe (30 40,0), sowie Klystiere bezw. Darminfusionen von kaltem Wasser, Kochsalzlösung, Seifenwasser, Glycerin u. s. w. Das Glycerin wird nach der Empfehlung von Kattner, Schindelka u. A. mittelst einer mit langem Aufsatzrohr versehenen Fravaz'schen Spritze (510 g) in das Rectum gespritzt. Es wirkt stark reizend auf die Mastdarmschleim-haut und erzeugt reflectorisch stärkere Peristaltik und Defäcation. Wir können diese Wirkung des Glycerins, welche etwa der eines Seifen-wasserklystiers gleichkommt, bestätigen, wofern es sich lediglich um
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AcuUt Magendamkatarrh laquo;los Rindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;83
die Entleerung des Mastdarminhaltes handelt. Tiefer liegende Koprostasen, sowie die eigentlichen Verstopfungskoliken des Pferdes werden aber durch Glycerin ebenso wenig be-einflusst, wie durch Seifenklystiere.
Gegen bestehende Diarrhöe dienen die schon beim aculen Katarrh aufgezählten adstringirenden und styptischen Mittel: Eichenrinde, Chinarinde, Tannin, Alaun, Eisenvitriol, Plumbum aceticum, Argentum nitricum, mit deren Gebrauch man indess rationell umgehen muss, da sie bei ZU häufiger Anwendung unwirksam werden. Am sichersten ist immer noch das Opium. In Form von Infusionen eignen sich die styptischen Mittel am besten beim chronischen Katarrh der Mastdarmschleimhaut, während eine Bospühmg der Colonschleimhaut oder gar des Cycums vermittelst Mastdarminfusionen nicht möglich ist.
Nach Albrecht hat sich bei der Behandlung des chronischen Magendarmkatarrhs das Creolin als bestes Mittel erwiesen (10 bis 15,0 pro die): auf seine Anwendung hin besserte sich sehr bald der Appetit und die Verdauung, die Peristaltik wurde lebhafter und der Koth verlor fast sofort seinen üblen Geruch.
Acuter Magen- und Davinkiilarrh des Itindos.
(Acute Dyspepsie, acute Unverdaulickkeit)
Literatur. Pauleau, Journ. prat., 1829. Wihth. Sohw, A., 184ü. Robellet, ./. de Lyon, 1847. Landel, Uep,, 1849. S. 247. Herino, Ibid., S. 253. Bossktto, Giorn. ill Vet., 1808. - Bossi. Ibid., 1858. - Benedict, S../. /.'., 1800. S. 99. Kühne, Ibid., 1801. 8. 109. webeb, A. de Unix.. 1801. Adam, (K. f, 77/., 1802. S. 3. Baron, J. du Midi, 1802. Rossbebg, S, ./. B,, 1803. 8. 83. - Pünfstück, Ibid., S. 97. DlNTER, Ibid., 1864. S. 79. Q-ÖBIHO, )K. f. Th., 1804. S. 334. Eudt, i'r. M.. 1869/70. Herino, Vep., 1870. S. 187. Eberhardt, Pr. JA, 1871 bis 1872. S. 157. Bosch, W. f. Th., 1873. S. 394. Schott, Ibid., 1874. S.42. KobEb, Uep., 1875. S. 372. Weiskopf, 1K Z. f. Th., 187G. S. 227. Harms,
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8. 190. A. Eber, S, .1. B., 1893. 8. 27. Haobreh-Siedamorotzky, L. Th., 1893.
Paller, B. th. W., 1893. S. 404. Braun, \V. f. Th., 1894. 8. 109. Kolb,
Ibid., 8. 114. - Scholtz, B.A., 1894. 8.58. - Graefe, M, f. pr. Th., VI. Bd,
S. 152. A. Eher, S. .1. B., 1894. 8. 27 u, 32. Acuter Mag-on dtirmk a tsirrh beim .Scbai', Q-ERLACH, Mag,, 1854. 8. 287.
Schick, IC. f. Th., 1886. 8. 278. Aonter Magendarmkatarrh beim Karneol. Wederjjikow, Tet. A.. 1888.
Allgemeine Bemerkungen zu den Krankheiten des Magen- und Darmcanals der Wiederkäuer. Mit Recht hat man von jeher Klage
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Acuter Maa'ondiU'mUataiTh dos Riudc
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tliirüber gofiilirt, dass iinsere Kenntnisse bey-üglich der für den Tbiertirzt wie Landwirth hochwichtigen Krankheiten der Yerdaaungsorgane der Wiederkäuer sehr bescheidene sind, rrnd dass mau in Ermangelung sicherer differentialdiaguostischer Anhaltspunkte sich meist damit begnüge, ganz verschiedene pathologische Zustände im Magen und Darme des Rindes unter dem Namen Indigestionquot; zusammenzufassen. Wenn mau sich deshalb in neuerer Zeit besonders Mühe gegeben hat (Harms u. A.), die genannten Krankheiten nach Oertliehkeit und Charakter genauer eiuzutheilon und die einzelnen Krankheitshilder scharf hervorzuheben, insbesondere aber für die Einzeldiagnosen sog. pathognostisobe Kenn/eichen aufzustellen, so kann man solchen Versuchen die Anerkennung nicht versagen, und es ist nur zu wünschen, dass von allen Seiten in dieser Weise Material beigebracht werde. Mau darf indess nie vergessen, dass die Schwierigkeiten einer exaeton Diagnose der gastrischen Störungen bei den Wiederkäuern ungleich grössere sind, als beim Pferd oder Hund. Es möge hier nur an den com-plioirteu anatomischen Bau des Wiederkäuormagens mit seinen vier nach Einrichtung und Function ganz verschiedenen Abtheilungen, an die gegenseitige Beeinflussung und Abhängigkeit derselben, sowie an den Umstand erinnert werden, dass die Erkrankung des einen Theils die des anderen sehr häutig im Gefolge hat, so dass nicht selten gewissermassen mehrere Aft'ec-tionen neben einander bestehen. Diese Verhältnisse bringen es mit sich, dass eine genaue Zergliederung der verschiedenen gastrischen Krankheiten so ausserordentlich schwer ist, und dass wir auch nach dem heutigen Stande unserer Kenntnisse weit davon entfernt sind, eine umfassende, abgerundete Darstellung derselben liefern zu dürfen, Wir möchten sogar behaupten, dass auch in Zukunft die Differentialdiagnose dieser Krankheiten, trotz eingehendster Untersuchungen, eine mangelhafte bleiben und sogar im Anfange der Krankheit oft geradezu unmöglich sein wird, da die ersten Symptome bei den meisten ausserordentlich übereinstimmen und nichts weniger als pathognostisch sind.
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Wir haben im Folgenden versucht, die
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verschiedenen einschlägigen
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Affectionen in der Weise neben einander zu ordnen, dass wir zunächst den acuten und chronischen Magendarmkatarrh, dann die acute und chronische ülähsucht und die Pansenüberfüllung besprechen und hieran den Labiuagenkatarrh, den Magen dar nikatarrh beim Jungvieh und schliesslich die durch Fremdkörper in den Vormägen bedingten, gastrischen Störungen anreihen. Es dürfte diese Eintheiluug besonders von practischem Nutzen sein.
Wie beim Pferde, so haben wir es auch beim Kinde vorgezogen, die sog. acute Dyspepsie nicht als Krankheit für sich, sondern mit dem acuten Magendarmkatarrh zusammen abzuhandeln. Es gibt zwar gerade beim Kinde Fälle genug, bei denen im Anfang nur die Function, nicht aber die Structur der betreffenden Organe alterirt zu sein scheint, was um so wahrscheinlicher ist, als die Schleimhaut der ersten drei Mägen gegen eine katarrhalische Ail'ection sehr resistent ist. So kann beispielsweise das Wiederkäuen gewiss lediglich in Folge nervöser oder motorischer Störungen des Pansens unterdrückt sein, ohne dass irgend ein entzündlicher Zustand der Pansenscbleimhaut vorausgegangen sein muss. Da sich jedoch an diese Functionsanomalien, sofern sie nicht ganz vorübergehend sind, ein acuter Katarrh unmittelbar anknüpfen muss, da die Ursachen der Dyspepsie und des Katarrhs ganz dieselben sind, da endlich genauere unterscheidende Merkmale zwischen beiden nicht aufgestellt werden können, haben wir es trotz des herrschenden Gebrauches, dem sich auch Harms anschliesst, vor-
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gezogen, die acute Dyspepsie nur als das erste S t adi u m des acuten Magendann katarrh s zu beschreiben,
Entsprechend der coruplioirteren Anlage des Magens bei den Wiederkäuern linden wir diesen auch, und zwar hauptsächlich die drei Vormagen, in erster Linie erkrankt; insbesondere b ild en P an sen und Löser die Hauptangriffsstellen; in anderen Füllen sind mehr Labmagen und Zwölmngerdarm betroffen. Der Dann ist meist erst secundär in Mitleidenschaft gezogen, und seine Erkrankung bietet nach aussen wenig charakteristische Symptome. Doch kann in manchen Fällen auch die Affection des Darmcanals sehr in den Vordergrund treten, wobei die Diarrhöe die Hanpterschcinung bildet.
Aetiologie. Die Disposition zur Erkrankung an acutem Magendarmkatarrh ist nicht bei allen Individuen dieselbe. Man kann dies daran erkennen, dass man häufig in einem Stalle bei gleicher Fütterung und Haltung mir einzelne Tliiere erkrankt findet. Die Ursachen dieser individuellen Anlage sind nicht immer klar; häufig sind sie in Schwäche des Verdauungsvermögens, schlaffer Constitution, über-standenen Krankheiten, Alter u. s. w. zu suchen. Im Allgemeinen dis-poniren nachfolgende Momente: Andauernde Verabreichung erschlaffenden faden Futters, besonders in breiartiger Form bei wenig Rauhfutter; permanente Stallhaltung; Milch wirtliscliafteu, in denen man durch gewisse Fütterungsweise möglichst, hoho Milch-nutzung und später schnelle Mästung erreichen will; kleine Ställe armer Leute, besonders in der Nähe von Städten, in denen die Thiere mit allem möglichen zusammengesuchten Abfall gefüttert werden; Zeiten von Futter no th (z.B. im Jahre 1898). Deshalb sind es auch besonders Kühe (und Ziegen), die bei der häufig unnatürlichen Haltungs- und Fütterungsweise am meisten erkranken, und aus demselben Grund beobachtet man das Leiden in einzelnen Gegenden und Gehöften ungleich häufiger, als in anderen. Unter den Jahreszeiten zeichnen sich besonders das Frühjahr und der Herbst durch ihren ungünstigen Einfluss aus. Unter den directen Ursachen sind zu erwähnen:
1.nbsp; Die absolute Ueberfütterung (siehe Pansenüberfüllung).
2.nbsp; Kaltes, bereiftes oder gefrorenes Futter, zu zeitige Frühjahrs- und zu späte Herbstweiden, ungewohntes kaltes Tränken, äussere Erkältung; zu warmes Futter (Brühfutter).
8. Ungeeignete Fütterung: zu schneller Uebergang von Dürr-zu Grttnfutter und umgekehrt; zu junges Heu, zumal wenn die Thiere rasch darauf grössere Wassermengen zu sich nehmen: ausschliessliche oder im Verhältnisse zum Ilauhfutter zu reichliche Fütterung von Trabern und Trüberwasser, Schlempe, Malzkeirnen, Schnitzeln, Mehl,
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86nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Aduter Magendarmkatarrh des Rindes,
Schrot, Kleie, Wurzeln und Knollen, rohen Kartoffeln etc.; die Beimengung von Unkraut, Laub, Rebensprösslingen, Rübenblftttern, Spreu,
Heublumen, Sclieinienabi'iilk'n in zu grosseu Mengen; Uebernmss an Strolif'utter, rohen, unge.schroteten Körnern, Oelkuchen; forcirte Dürr-futtermastung; plötzliche Aenderung der gewohnten Fütterung; uu-regelmässige Fütterung überhaupt. Die gewöhnlich ebenfalls beschuldigte Verfutterung von ZU kurzem Häcksel dürfte nach der von Friedberger (Mtinch. Jahresb., 1880/81. S. HO) angestellten experimentellen Prüfung nicht immer und unbedingt zu den krankmachenden Ursachen zu rechnen sein.
4.nbsp; nbsp;Verdorbenes und verunreinigtes Futter. Es gehören hieher vor Allem die oft in vorgeschrittenen Stadien der Zersetzung befindlichen Küchenabfiille, die stark gährenden und sauren Fabrikrückstände, verschlammtes Gras und Heu u. s. w.
5.nbsp; nbsp;Seil wer- oder unverdauliches Futter: zähe, verholzte Pflanzen, grüner Flachs; Fremdkörper der verschiedensten Art, besonders grössere Mengen von Sand und Kies; das Auffressen der Nachgeburt bei Kühen, Vorfüttcrung nicht gar gebackeuen Brotes u. s. w.
6.nbsp; nbsp;üeberanstr en gung, weite Transporte u. s. w., welche das Uebergehen des Wiederkauens im Gefolge haben. In dieser Beziehung darf jedoch nicht unberücksichtigt bleiben, dass ein geregelter, wenn auch schwerer Zugdienst, wie man ihn namentlich bei den Ochsen der Müller, Bräuer, Landwirthe etc. findet, keineswegs Störungen der Verdauung zur Folge hat.
Erscheinungen. 1. Dyspeptisches Stadium des acuten Magendarmkatarrhs. Die Anfangserscheinungen des acuten Magendarmkatarrhs beschränken sich in vielen Fällen auf eine Appetits-und Verdauungsstörung. Die Thiere gehen nicht mit der gewöhnlichen Lust an das vorgelegte Futter, nehmen davon weniger auf, am ehesten noch Grün- oder Rauhfutter, verschmähen den gewohnten Trank, und ziehen demselben frisches Brunnenwasser vor; oder sie gehen wohl rasch ans Fressen, hören aber bald wieder auf und stehen vom Barren zurück. Hiezu kommt öfteres und längeres Liegen, sowie unlustiges Benehmen. Das Wiederkäuen geschieht seltener, kürzer und träge; das Auslecken der Nasenlöcher fehlt. Die Wanstbewegungen sind unterdrückt oder verlangsamt, der Kothabsatz ist etwas verzögert, der Koth selbst dabei normal oder etwas zu trocken. Im Uebrigen ist der Zustand ein fieberloser, die extremitalen Theile
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sind wann, das Flotzmaul kühl und feucht, die Milchsecretion nicht nennenswerth beeinträchtigt. Der Ijeschriebene Zustand kann schon in kürzester Zeit, nach ein paar Mahlzeiten, wieder verschwinden oder er hält einige Tage an. Bei längerer Dauer (li 5 Tage) geht er in den eigentlichen katarrhalischen über.
2. Der eigentliche acute Katarrh des Magens und Darmes. Derselbe tritt entweder von Anfang an als solcher auf, oder er entwickelt sich aus dem eben beschriebenen Zustande. Ein typisches Krankheitsbild zu entwerfen, dürfte schwer sein; wir beschränken uns daher darauf, die Erscheinungen, wie man sie im Allgemeinen vorfindet, kurz festzustellen. Dieselben sind im Wesentlichen folgende: Die Thiere stehen fast beständig vom Barren zurück, sind unlustig, theilnahmslos, krümmen den Rücken und stellen die Füsse unter den Leib (sog. Katzenbuckel, Gcmsbockstellung). Das Haarkleid ist zeitweise gesträubt und aufgebürstet, so namentlich am Kopfe, über den Augenbogen, längs des Bückenfirstes; die Ohren werden durchwegs mehr hängend oder zurückgelegt gehalten. Die Temperatur über die allgemeine Decke ist wechselnd, namentlich sind die Ohren und der Grund der Hörner bald warm, bald kalt, hie und da bemerkt man auch leichtes Frösteln und Muskelzittern. Der Nasenspiegel zeigt ebenfalls eine wechselnde Temperatur; derselbe bleibt zwar gewöhnlich noch feucht, wenn auch in geringerem Grade, als bei gesunden Tliieren; aber es vergebt längere Zeit, bis er sich nach dem Abwischen wieder mit Perlen beschlägt. Die Lidbindehaut ist meist höher injicirt.
Die Maulhöhle ist höher temperirt, die Ansammlung von Schleim und Speichel vermehrt; zuweilen beobachtet man sogar reichliches Speicheln. Der Appetit ist stark vermindert oder fehlt ganz, desgleichen das Durstgefühl. Das Wiederkäuen hört meist ganz auf; besteht es noch, so geschieht es träge und unlustig, die Bissen sind klein, und es kommt nur die Hälfte der Mahlbewegungen auf einen Bolus, Ab und zu gewahrt man ein Aufstossen widerlich riechender Gase oder selbst Erbrechen. Der Hinterleib ist In der Regel stark gefüllt und links nach unten und aussen mehr hervorgewölbt; auch die linke Flanke erscheint voller. Der Panseninhalt lässt sich entweder an der Flanke als eine consistente, teigähnliche Masse durchfühlen, oder die Flankenwand ist durch Gase, welche sich oben im Wanste angesammelt haben, etwas aufgebläht, und man fühlt den festweichen Inhalt erst bei kräftigerer Palpation, wobei ein dumpfes, pochendes Geräusch erzeugt wird. Meist besteht
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in Fo'ore der öfters wiederkehrenden Aufblähung ein zeitweiser Wechsel in der Volle der linken Flanke. T3ie Wanstbewegungen und das Wanstgerftusoh sind abgeschwächt; der Panseninhait wird oft zwar etwas gehoben, aber nicht wie normal rotirt. Druck auf die Bauchwand (linke Flanke und Schaufelknorpelgegend) löst keine deutliche Schmerzilusserung aus.
Der Kothabsatz ist meist verzögert; der Ivoth selbst con-sistenter, von dunklerer Farbe, die Fladen sind von einer leichten Kruste umgeben, geringelt, zuweilen von fauligem Gerüche; oder der Koth ist mit Schleim überzogen, sehr glänzend, dickbreiig. Kommt es zu dünnbreiigen, d i a r r h o i s c h e n Entleerungen, so findet man oft ganz unverdaute, nicht ruminirte Futtermassen, in denen etwa verfütterte Körner, Schrot etc. noch deutlich zu erkennen sind. Gleichzeitig hört man bei der Auscultation der rechten Bauchwand kollernde und polternde Darmgeräusche. Dazu gesellen sich häufig leichte Unruh e e r s cheinu ng en : Trippeln mit den Hinterfüssen, Schlagen gegen den Bauch, Wedeln mit dem Schweife, häufiges Niederlegen und Wiederaufstehen, Umsehen nach dem Hinterleib, Einnahme der Seitenlage u. s. w. In anderen Fällen kann auch eine vollkommene Verstopfung eintreten. Der im Anfang noch hellweingelbe, alkalische Harn wird später in geringeren Mengen abgesetzt, dunkler gefärbt und sauer. Die Milchsecretion fällt oft rasch auf die Hälfte ab.
Fieber ist gewöhnlich vorhanden; der Puls wird in der Regel um 1020 Schläge beschleunigt, dabei kleiner, die Arterie gespannter; die Mastdarmtemperatur ist erhöht, wenn auch oft in sehr ungleicher Weise, weshalb, wie schon Harms mit Recht bemerkt, aus der Höhe der Innentemperatur nicht immer mit Sicherheit auf die Höhe der Krankheit zu schliessen ist. Ausserdem hat man sich bei der Abnahme von Puls und Temperatur kranker Rinder immer daran zu erinnern, dass beide schon normal sehr variabel sind. Man wird daher immer gut thun, wenn man sich durch eine Controluntersuchung gesunder Thiere desselben Stalles einen Massstab für die Beurtheihmg der gefundenen Zahlen bildet. (Vergl. unser Lehrbuch der klinischen Untersuclmngsmethoden.)
Verlauf und Ausgang. In den leichteren Fällen, und es sind dies die zahlreicheren, tritt schon nach 58 Tagen eine Wendung zum Besseren ein; die Wanstbewegungen werden wieder häufiger, die Pansengeräusche deutlicher, das Wiederkäuen stellt sich allmählich wieder ein, anfangs kurz und nicht sehr ergiebig, später lebhafter und
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andauernder, der Appetit kehrt zurück, der Kothabsatz wird mehr normal, die Milclisecretion nimmt zu, die fieberhaften Störungen ver-schwinden allniiihlich. Bei schwerereu Erkrankungen steigern sich jedoch die beschriebenen Erscheinungen. Die Maulhöhle wird trocken, belegt, heiss, übelriechend; die Rumination liegt ganz darnieder, desgleichen die Futteraufnahrao und Pansenbewegung. Der Kothabsatz ist anhaltend verzögert, oder es besteht colliquative Diarrhöe; die Milchsecretion ist ganz sistirt, das Euter welk und schlaff. Die Bewegung der Thiere ist sehr matt, das Sensorium stark eingenommen, man hört besonders während des Biegens leichtes A.echzen und Stöhnen, der Blick wird klagend, die Augäpfel sind tief liegend, am medialen Augenwinkel sammelt sich sagoillmlicher Schleim an; das Fieber wird ein hochgradigeres, die Temperatur beträgt 40deg; C. und mehr, die Pulszahl ist um 8040 Schläge erhöht. Dabei sind die Ohren und Hörner abwechselnd heiss und kalt, das Flotzmaul anhaltend warm oder heiss und trocken. Die anfangs kaum beschleunigte Athmung wird angestrengter und lebhafter. Damit nähert sich der Krankheitszustand mehr dem einer Magendarmentzündung, welche gewöhnlich einen tödtlichen Ausgang nimmt. Endlich kann der acute Katarrh bei längerem Bestehen in den chronischen übergehen.
Differentialdiagnose. Der acute Magendarmkatarrh des Rindes kann als solcher nicht leicht mit einer anderen Krankheit verwechselt werden, weil seine Erscheinungen in ihrer Gesammtheit zu charakteristisch sind, und Dauer, Verlauf und Ausgang die Diagnose vollständig sichern. Freilich ist es oft unmöglich zu sagen, welcher Theil des Digestionstractus hauptsächlich erkrankt ist; indess ist dies nicht von so grosser Bedeutung, wie man glauben könnte, da bei einer Erkrankung eines Theils bald auch alle anderen mitleiden. Am ehesten könnte der acute Katarrh noch mit Bl absucht verwechselt werden, da während seines Verlaufes zuweilen geringgradige Gasansammlungen im Pansen stattfinden; dabei bilden aber die meist ganz unbedeutende Gasentwicklung, sowie die Periodicität und das Wechselvolle ihres Auftretens genügende Anhaltspunkte zur Unterscheidung. Die Möglichkeit einer Verwechslung mit Magendarmentzündung kann bei höher-gradigen Krankheitserscheinungen in Betracht kommen. Gerade hier ist dann oft sehr schwer zwischen Katarrh und Entzündung zu unterscheiden, da beide zuweilen in einander übergehen.
Prognose. Der Ausgang ist um so sicherer der in Genesung, je gewisser man es nur mit einem acuten Katarrh des Magens und
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Darmes zu tliun hat. Nach den Angilben Hering's kam es bei 12S Fällen von Indigestionquot; nur Smal zur Schlachtung, wobei letztere nielifc einmal immer unbedingt noting war. Da sich jedoch an den acuten Katarrh der prognostisch viel ungünstigere chronische, ja selbst eine Entzündung anreihen kann, so dürfte es sich empfehlen, die Prognose im Anfang der Krankheit immer mit einem gewissen Vorbehalte zu stellen.
Anatomischer Befund. Da der acute Magen- und Darmkatarrh
selten zu einer Section führt, so können die betreuenden anatomischen Veränderungen höchstens bei secundären, im Verlaufe anderer Krankheiten auftretenden Katarrhen, oder bei einer zufälligen Schlachtung untersucht werden; aus diesem Grunde sind unsere Kenntnisse ziemlich mangelhaft. Harms gibt an, dass man die Schleimhaut im Allgemeinen geschwollen und theils streitig oder fleckig, theils mehr gleichmässig geröthot finde, sowie besonders im Labmagen und Darm mit einem zellenreichen Belag versehen. Die katarrhalischen Erscheinungen sind namentlich an den Theilen der i'ansenschleimhaut zu beobachten, welche grosse Zotten besitzen, weniger in der Haube und im Psalter, von welchem nur hie und da einzelne Blätter ziemlich stark afficirt sind. Der Psalterinhalt soll zuweilen stellenweise ganz ausgetrocknet und in der Nähe der freien Ränder der grossen Blätter von sehr grober Beschaffenheit gefunden werden.
Behandlung. Die Behandlung des acuten Magendarmkatarrhs beim Rinde besteht zunächst im Abstellen der veranlassenden Ursachen und Einführen einer streng diätetischen Fütterungsweise. In erster Linie ist eine Hunger diät angezeigt, solange das Wiederkäuen fehlt; man reicht den Thieren nur ganz wenig, einige Hände voll guten, leicht verdaulichen Futters, z. B. frisch gemähtes Wieseugras, zartes Heu oder Grummet, mehr um damit die Magenbewegung anzuregen, als um etwaige Fresslust zu befriedigen, und hält dieselben auch nach Wiederkehr der Rumination im Futter karg, weil erst die Entleerung des Pansens von den zu lange darin angesammelten Futtermassen abgewartet werden muss. Daneben gibt man dünne, stark gesalzene Mehltränke, um die Wasseraufnahme anzuregen, oder Molken, und wenn dieselben verschmäht werden, sucht man die Thiere öfters durch Leckenlassen von Salz zur Wasseraufnahme zu veranlassen. Sodann regt man die Magen- und Darmbewegungen durch häufiges Frottiren der Körperoberfläche, sowie durch fleissiges Massiren
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des Wanstes von der linken Flanke aus an, nimmt bei verzögertem Kothabsatze öftere Explorationeu des Mastdarms zum Zwecke der Entleerung vor, und applicirt Klystiere oder Infusionen von Seifenwasser oder Kochsalzlösung.
Innerlich gibt man bei einfach dyspeptischen Erscheinungen die Salzsäure, täglich 2 ;5inal je 20 g in einer Flasche Wasser. Besteht gleichzeitig, wie dies meist der Fall ist, verzögerter Kotbabsatz, so greift man zu den gelinderen Abführmitteln, besonders zu Uitter-und Glaubersalz in Verbindung mit schleimigen Mitteln, Abkochungen von Leinsamen, Althäawurzel, Bocksbornsamen. Man iässt z.B. 1 ' j Pfd. Glaubersalz in 23 Liter Leinsamenabkochung lösen, und gibt dies in etwa Sstündigen Pausen auf 3inal ein. Oder man löst die Salze in Abkochungen bitterer (Enzian) oder Aufgüssen bitter-aromatischer Mittel (Calmus). Gegen die verzögerte oder unterdrückte Wnnst-bewegung sind der Brechweinstein und die Nieswurz Haupt-anregungsmittel; man gibt beide in Dosen von 1020 g, desgleichen auch die Tinetura Yeratri albi, oder injicirt das Veratrin zu 0,10,15 g subentan, in 5 cem Weingeist gelöst. Auch das Greolin wird in Dosen von 1025,0 von Manchen gerühmt. Ausserdem hat man besonders das Physostigminum sulfuricum mit Erfolg gegen die Atonie und Parese der Magen- und Darmmuskulatur angewandt. Feser empfiehlt nach seinen Versuchen bei Rindern kleineren Schlags 0,1 in 2 cem Wasser gelöst unter die Haut zu injiciren; tritt die Wirkung nach 56 Stunden nicht in erwünschtem Grade ein, so darf die Application wiederholt werden. Eber empfiehlt als bestes Mittel das Eseridinum tartaricum (0,150,3). Das ebenfalls vorgeschlagene Pilocarpi num muriaticum erreicht beim Binde die Wirkung des Physostigmins nicht. Es hat ausserdem als Siala-gogum eine sehr unangenehme Nebenwirkung auf die Speicheldrüsen. Dasselbe ist der Fall bei der combinirten Anwendung des Physostigmins und Pilocarpins, sowie beim Arecolin. Symptomatisch kann endlich unter Umständen die Einführung der Scblundröhre oder der Pansenstich nothwendig werden.
Acuter Magendarmkatarrh der Schafe. Dieselben ätiologischen xmd symptomatischen Verhältnisse wie beim Rinde findet man auch beim Magendarmkatarrh der Schafe. Am häufigsten sind abnorme Fütterungsverhältnisse, sowie Erkältung die Ursachen der Erkrankung. So beobachtete G er lach nach dem Beweiden tippig bewachsener Grasplätze, Schick nach der Verfütterung grosser Quantitäten roher Kartoffeln bei Schafherden Magendarmkatarrh. Die wesentlichsten Erscheinungen sind auch hier unterdrückte Putter auf nähme, Stürmigen im Wiederkäuen, Diarrhöe mit breiigem
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Chronischer .Mriffondarmkatarrli des Rindes.
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und selbst ganz, wiisserigem Kothe, seltener Verstopfung, Mattigkeit etc. Im Gegensatze zum liimle erliegen die Schafe vermöge ihrer schwächeren Constitution einem Magendarmkatarrh viel leichter. So starben nach Schick in einer Herde von UDO Stück 60 Schafe innerhalb 8 Tagen, nach Ge.rlach unter 300 Stück 20 in -I Tagen. Bei der Section findet man Veränderungen wie nach drastischen Purgirmittelnquot;. Weil die Krankheit häuiig in ganzen Herden auftritt, wird sie wohl auch für seuchenartig bezw. für eine Infectionskrankheit quot;ehalten.
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Chronischer Magen- und Darmkatarrh beim Kinde.
(Chronische Dyspepsie, chronische ünverdaulichkeit, Löserverstopfung,
Omasitis chronica.)
Literatur. Kehrs, Mai/., 1840. S. 73. Enoesser, Bep,, 1845. S, 27. Lebnhardt, Mag., 1849. S. 62. Vives, /. da Midi, 1854. Papa, Giorn. dl med. vet., 1801. QiRHABD, A. de Brux., 1802. Van Haeken, Ibid., 1864. Ehrhahdt, Fr. M,, 1805/66, Kopp, W. f. Th,, 1868. S. 52. Thieme, Pt\ M., 1808/69. Miller, ()'. /'. Th,, 1870. S. 149. SlMONSEN u. üekc, Tidskr. /'. Fet., 1870. Johne, S. J. li., 1872. S. 13:5. Schutt, W, f. Th., 1874. S. 42. Anacker-Kleemann, Thrzt., 1875. 8. 1. St. Cezard, liec, 1875. Causse, Ibid., 1875. - C. Harms, I). Z. f. Th., 1876. S. 187 ; 1889. S. 350 ; Erfahr, üb. liinderkrkh., 1895. S. 50. - Hess, Itep., 1870. S. 333. Schild, l'r. M., 1870. Maisel, iV. f, Th., 1877. Nr. 33. Rade, Ibid., 1877. S. 47. Möbius, S, ,). H., 1881. S. 123. - Höhne, W, f. Th., 1883. Nr. 32. Roll, Spec, Path., 1885. II. Bd. S.396. Bertsche, B. th. M 1886. S. 117. /.'. .1., 1880. S. 285. Leve.ndecker, B. th. M., 1887. S. 157. König, S, ./. IS., 1887. S. 111. - Albreoht, Thrzt., 1887. S. 255 ; W. f. Th., 1890. S. 60. W. Eber, Bundsohau, 1887. S. 144; M.f.p. Th., V. Bd. 1893. S. 67. Depfke, Bmdschau, S.305. Uiimcii, 8../. B., 1888. S. 71. Brauer, Ibid., 1889. S. 75; 1893. S. 127; B. th. PP., 1894. S. 221. Frank, W. f. Th., 1889. S. 801. Baerts, A, de Brux,, 1889. Mazover, ./. de Lyon, 1889. Ripke, B. A., 1890. S. 458. Kitt, M. f. p. Th., 1890. S. 356; .1/. J.B., 1892/93. S. 35. Truklsen, B. th. W., 1891. S. 214. - Robert, S../. B., 1891. S. 101; 1893. S. 120. Vanwallendaehl, A. de Hrux., 1892. Berstl, Oe, M., 1893. S. 76. Haobner-Siedamgrotzkv, L. Th., 1893. S. 45. Heyne, B. A., 1893. S. 101. Larrieü, liev. ret., 1893. S. 519. -Hair, The Vet., Bd. 67. S. 001. - Rasberoer, W, f. Th., 1893. S. 343. Grln, Karl, Ibid., S. 2 n. 406. quot;Wallet, J, of eomp., Bd. V. S. 359; Bd. VI. S. 82.
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Allgemeine Bemerkungen. Gewöhnlich findet man den chronischen Magendarinkatarrh des Rindes unter dem Namen Löserverstopfung' beschrieben. Diese Bezeichnung rührt davon her, dass man bei dem vorliegenden Leiden meist eine mehr oder weniger starke Anschoppung des Lösers mit festen, trockenen Puttermassen beobachten kann, eine Erscheinung, die herkömmlich für das Wesentlichste des ganzen Krankheitsbildes gelullten wurde. Deshalb diagnosticirte man niemals wie bei den anderen Thieren einen chronischen Magen- oder Darmkatarrh, sondern immer nur eine Omasitis, eine sogenannte Löserverstopfung, Indess ist dieser Name nichts weniger als bezeichnend, worauf schon von mehreren Seiten und längst hingewiesen worden ist. Zunächst findet man eine solche Anschoppung fester Kutterniassen im Loser bei den verschiedensten Erkrankungen der Wiederkäuer, welche mit länger dauerndem Darniederliegen des Appetits, des Wiederkauens und der Wanstbewegung einhergehen, und wobei der Inhalt des Lösers theils durch den Mangel an Speichel, theils durch
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Resorption der Flüssigkeit allmählich eintrocknet. Es gehören hieher alle schwereren fieberhaften Leiden, sowie speciell die verschiedenen Verdauungs-krankheiten. Früher wurde beispielsweise auch die Binderpest nach den Erscheinungen, wie sie der dritte Magen darbietet, als Löserdürre bezeichnet. Weiterhin kann von einer wirklichen Verstopfung, einer Unwegsamkeit des Lüser.s keine Hede sein. Hanns hat ausnahmsweise eine solche beobachtet. Aus diesen Gründen dürfte es sich empfehlen, den veralteten Namen ganz aufzugeben.
Es gibt allerdings Fülle, in denen sich der Katarrh vorwiegend auf den dritten Magen localisiren kann; dieselben sind aber gewiss selten im Vergleiche zu den chronischen Erkrankungen des Pansens, Labmagens oder Lärmes. Meistens ist der Katarrh des Lösers seeundär durch eine Affection des Pansens etc. bedingt. La nun je eine besondere Beschreibung des Pansen-, Hauben-, Löser-, Labmagen- und Darmkatarrhes ganz undenkbar ist, so haben wir die chronischen Entzündungszustände der Schleimhaut der verschiedenen Abtbeilungen unter einer Hauptkrankheit, dem chronischen Magendarmkatarrh überhaupt, zusammengefasst.
Aetiologie. Alle beim acuten Katarrh aufgezählten ursächlichen Momente können, wenn sie länger oder intensiver einwirken, auch zu chronischem Katarrh führen; insbesondere aber hat eine vernachlässigte und fehlerhafte Behandlung des acuten Katarrhs häufig den chronischen im Gefolge. Ausserdem kommen noch in Betracht:
1.nbsp; nbsp;Störungen des Kaugeschäftes durch krankhaftes Gebiss; ausgefallene Zähne;
2.nbsp; nbsp;Verwachsung des Pansens oder der Haube mit der Bauch-wand in Folge einer umschriebenen Peritonitis {Pansenstich);
3.nbsp; nbsp;Compression des Schlundes durch Neubildungen mit Behinderung des Wiederkauens;
4.nbsp; nbsp; Neubildungen in den verschiedenen Magenabthoi-lungen, z.B. Scirrhus und Sarkome im Labmagen, papilläre Wucherungen an der Hauben-Psalteröffnung und im Blättermagen (Papil-lome, panzerartige Sarkome) etc.;
5.nbsp; nbsp;Verlagerung der Haube durch eine Ruptur des Zwerchfells;
6.nbsp; nbsp;Fremdkörper im Magen und Darm (spitze Körper, Haarballen, Pflanzenballen, Wollknäuel etc.); Neubildungen, Divertikel und Stenosen im Darm; Darmblasenfisteln;
7.nbsp; nbsp;Stauung des Blutes bei chronischen Leber-, Lungen-und Herzkrankheiten;
8.nbsp; nbsp;Druck des li och trächtigen Uterus auf den Pansen, Beeinträchtigung der Pansenbewegung.
9.nbsp; nbsp;Seeundär findet man den chronischen Magendarmkatarrh bei allen chronischen Ernährungsstörungen, namentlich bei der T u-berkulose,
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94nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Chronischer Mageudarmkatarrh dos l{iiules.
Symptome. Das Krankheitsbild des chronischen Magendarm-katarrhs ist von dem des aouten, aussei- der längeren Dauer und grösseren Hartnäckigkeit des Leidens, nicht sehr verschieden. Charakteristisch für den chronischen Katarrh ist der häufige Wechsel von Besserung und Verschlimmerung. Die Erscheinungen sind im Wesentlichen folgende: Das Allgemeinbefinden ist erheblich gestört, die Thiere sind matt, zeigen massiges Fieber, sowie ungleiche Vertheilung der Körpertemperatur; die Haut wird trocken und fest, aufgebacken, das Haarkleid rauh und glanzlos. Es tritt Abmagerung ein, die mit der Dauer des Leidens zunimmt. Die Maulhohle zeigt die Veränderungen, wie sie beim acuten Katarrh beschrieben sind. Die Futteraufnahme, das Wiederkäuen, die Magenbewegungen sind unterdrückt oder ganz aufgehoben. Zuweilen beobachtet man Erscheinungen der Lecksucht. Die Buctus sind selten, und dann gewöhnlich sehr übelriechend. Der Pansen ist meist stark mit Futter gefüllt und fühlt sich fest und derb an, bei kurzem raschem Eindrücken der Flaukenwand hört man deutlich ein pochendes Geräusch. Meist ist eine geringgradige Aufblähung des Pansens vorhanden, die je nach der Futteraufnahme wechselt und bei vollständigem Darniederliegen der Magenbewegung dauernd wird. In vereinzelten Fällen hat man Erbrechen beobachtet.
Der Kothabsatz ist stark verzögert. Die spärlichen Ex-cremente werden bald nicht mehr in Fladenform, sondern in trockenen torfähnlichen, schwarzgefärbten Ballen abgesetzt. Diese Ballen sind meist mit zähem, glasigem, zuweilen blutigem Schleim oder fetzigen Massen umhüllt, und enthalten oft viel schlecht gekaute und verdaute Bestandtheile. Zuweilen kommt es auch zur Entleerung weicher, dünnbreiiger, säuerlich oder übel riechender Massen, wobei die Diarrhöe Wochen und Monate anhalten und schliesslich zur tödt-lichen Erschöpfung der Thiere führen kann. Gewöhnlich wechseln Verstopfung und Diarrhöe mit einander ab. Der Harnabsatz ist meist der verminderten Wasseraufnahme entsprechend ein geringer; über die Reaction fehlen genauere Angaben. Die Milchabsonderung ist ebenfalls vermindert oder ganz aufgehoben. Sehr häufig beobachtet man endlich Stöhnen und Aechzen, Knirschen mit den Zähnen.
Geht die Krankheit nicht in Genesung über, so steigern sich die Erscheinungen meist sehr rasch. Die Futteraufnalnne ist andauernd sistirt, das Flotzmaul wird trocken und rissig, das Fieber hochgradiger, der Puls klein und schwach, der Herzschlag pochend, die Aufblähung
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Chroiiiselier Magendarmkatarrh des Rindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;95
nimmt zu, die Bewegung der Mägen und des Darmes ist ganz unterdrückt, es stellt sicli vollständige Verstopfung oder auch anhaltende profuse Diarrhöe ein. Dabei nimmt die Abmagerung und Entkräftung immer mehr ZU, die Thiere sind sehr schwach und hinfällig, liegen viel, stöhnen ununterbrochen und können sich schliess-lich nicht mehr erheben. Der öesichtsausdruok wird klagend, die Augen sind tief in ihre Höhlen zurückgezogen; schliesslich tritt, wenn die Thiere nicht früher geschlachtet werden, der Tod ein.
Anatomischer Befund. Derselbe ist ausserordentlich verschieden je nach Localisation, Intensität und Dauer des chronischen Katarrhs.
Der Pansen ist gewöhnlich etwas durch Gase aufgebläht und enthält viel trockene Futtermasseu. Das Schleimhautepithel ist zuweilen schon bei ganz frischen Sectionen sehr leicht abstreifbar, was normal erst nach längerem Liegen des Cadavers stattfindet, in anderen Fällen sitzt es dagegen noch fest auf: nach Bruckmüller ist es zuweilen verdickt. Die Schleimhaut, insbesondere der von den grossen Papilien besetzte Theil, ist bald gleichmässig, bald fleckig geröthet, zuweilen auch von Ekchymosen durchsetzt, dabei geschwollen und verdickt, von bläulich- oder bräunlichrother Farbe. Die Papilien sind bald in atrophischem, bald in hypertrophischem Zustande.
Die Haube zeigt gewöhnlich die geringgradigsten Veränderungen; sie enthält zuweilen eine grössere Menge eingetrockneten groben Futters; ihre Schleimhaut verhält sich ähnlich wie die des Pansens.
Der Lös er ist stark ausgedehnt und vollgepfropft mit Futtermassen ; die zwischen den Blättern liegenden Futterkuchen sind fest geschichtet und ungewöhnlich trocken. Auch im Löser bleibt das Schleimhautepithel oft schon sehr rasch nach dem Tode an den trockenen Futterkuchen haften, ist also leichter ablösbar, als normal. Die Futtermassen sind entweder mehr grob, wie im Pansen, oder sie sind feiner, weil wiedergekaut, und lassen sich zwischen den Fingern zu einem feinen, körnigen Pulver zerreiben. Die Schleimhaut der Blätter ist bald diffus, fleckig oder streifig geröthet, bald förmlich entzündet, weich und mürbe, bald gangränös, bald von schwarzrothen Blutherden und hämorrhagischen Geschwüren durchsetzt.
Der Labmagen enthält in der Kegel nur sehr wenig, oft auch groben Futterbrei. Seine Schleimhaut zeigt eine intensive Pig-mentintiltration in Form schiefergrauer Streifen und Flecken. Sie ist ferner verdünnt und glatt (atrophisch), von einer zähen, glasigen Flüssigkeit bedeckt.
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96nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ohronisoher Magendarmkatarrh dos Uindos.
Der Danncanal zeigt verschiedengradige Veriliidermigen. Seine Schleimhaut ist bald höher gerötiiet, bald schiefergruu verfärbt, atro-phisch und in Folge Schwundes der Peyer'sclien Follikel siebf'örinig, gruhig geworden. Der Darminhalt bestellt im Ani'angsthoile des Dünndarmes aus ungewöhnlich grossen Mengen gallig gefärbter, schleimiger Massen; im Dickdarm findet sich meist trockener, dunkler Koth vor, und die Schleimhaut hat einen dicken Belag. Beim Uebergang des chronischen Kutarrhes in die phlegmonöse Darmentzündung und in Peritonitis Undet man die diesbezüglichen Veränderungen. Die Gallenblase ist meist stark mit eingedickter Galle gefüllt. Die Leber zeigt die verschiedenen Stadien der Stauungsleber,
Die anderweitigen Befunde sind sehr variabel und meist auf venöse Stauungshyperämie zurückzuführen; hieher gehört der Blutreich-thum der Lunge, der Gehirnhäute, der Nieren, des rechten Herzens, des Venensystems.
Differentialdiagnose. Der chronische Magendarmkatarrh kann vermöge seines vielgestaltigen Krankheitsbildes mit verschiedenen Krankheiten verwechselt werden. Hieher gehört zunächst der acute Katarrh, sowie die acute phlegmonöse Darmentzündung; in beiden Fällen bildet der chronische Verlauf das unterscheidende Merkmal. Weiterhin kann es oft sehr schwer sein, eine etwa durch perforirende Fremdkörper hervorgerufene chronische Peritonitis von dem chronischen Katarrh zu unterscheiden, da sich letzterer häufig zu der ersteren hinzugesellt, und umgekehrt bei intensiver katarrhalischer Schleimhautaffection das Peritoneum in Mitleidenschaft gezogen werden kann; in vielen Fällen gibt erst der weitere Verlauf (hinzutretende Erscheinungen einer Herzerkrankung), ja zuweilen erst die Section Aufschluss. Die Gasansammlung im Pansen ferner, wie sie in geringem Grade gewöhnlich beim chronischen Katarrh angetroffen wird, kann das Vorhandensein einer acuten oder chronischen Blähsucht vortäuschen; indess bildet diese Gasansammlung bei letzterer die Haupterscheinung und ist viel stärker ausgesprochen, während sie bei chronischem Katarrh nur ab und zu und immer nur in ganz geringem Grade angetroffen wird. Endlich ist es nicht unmöglich, dass der chronische Magendarmkatarrh mit der Tuberkulose verwechselt werden kann. Auch hier findet sich bei chronischem Verlaufe und wechselnden Erscheinungen Abmagerung, Störung in der Verdauung und Ernährung, Fieber u. s. w. Jedoch wird eine genaue Untersuchung der Lunge sowie ein Versuch mit Tuberkulin bald die richtige Diagnose ergeben.
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Ohronisoher Magenclarinkatarrh des Etindesinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;97
Prognose. Die Voraussag-e beim chronischen Magendarinkatarrh des Rindes richtet sich zunächst nach der Art der Ursachen und ihrer Entfernbarkeit, sodann nach Intensität, Ausbreitung und Dauer des Katarrhes. Im Allgemeinen wird man gut daran thun, die Prognose von Anfang an nicht allzu günstig zu stellen. Schlecht sind die Aussichten, wenn die Krankheit länger als 2 bis 3 Wochen dauert, wenn eine mehrtägige vollständige Verstopfung oder eine mehrwöchentliche Diarrhöe besteht, wenn die Futterauf-nahme, das Wiederkäuen und die Darmbewegung andauernd darniederliegen. In diesen Fällen ist oft die Schlachtung der Weiterbehandlung vorzuziehen.
Behandlung. Die Zahl der gegen den chronischen Magendarmkatarrh des Rindes angewandten und angepriesenen Mittel ist eine ausserordentlich grosse. Wenn im Folgenden nur einige davon genannt sind, so ist dies in der Absicht geschehen, den arzneilichen Apparat wie anderweitig, so auch hier auf das Nöthigstc zu beschränken. Im Allgemeinen haben die beim acuten Magendarnikatarrh angegebenen therapeutischen Massregeln auch beim chronischen ihre Geltung. So empfiehlt sich neben strenger Diät bei den niedergradigen, mehr dys-peptischen Fällen die Verabreichung von Salzsäure, öfter des Tags über in Dosen von 20 g. Auch die wochenlang fortgesetzte Verabreichung kleiner Dosen von Kochsalz, Natrium bicarbonicum, Glaubersalz oder künstlichem Karlsbader Salz (50150,0 pro die) ist zuweilen von gutem Erfolg begleitet. Oder man gibt bei vorwiegender Erschlaifung der Vormägen, sofern eigentliche entzündliche Erscheinungen noch nicht vorhanden sind, das Terpentinöl (täglich 2 3mal zu 1025 g) in aromatischen Pllanzenaufgüssen, den Weingeist (25 50,0 pro dosi), die Nieswurz als Pulv. Rhizom. Veratri oder in Form der Tinctur (1020 g pro dosi). Auch Vera-trin subeutan wird verwandt (0,050,2). In neuerer Zeit ist ferner das Creolin als vorzügliches Mittel gegen den chronischen Magendarmkatarrh des Rindes empfohlen worden; Truelsen gibt dasselbe 3mal täglich zu 5 g in einer Flasche Wasser und hat damit von allen angewandten Mitteln die beste Wirkung erzielt, indem nach wenigen Tagen Heilung eintrat. Als Evacuantien empfehlen sich grosse Dosen von Glaubersalz (23 Pfd.) oder künstlichem Karlsbader Salz mit viel Wasser, die Aloe (3060 g), bei sehr hartnäckiger Verstopfung der Brechweinstein (1020,0) oder das Calomel (1,0 5,0 pro die, indess mit Vorsicht zu gebrauchen). Das von Manchen
Fricdlierger u. Fröliner, Pathol. u. Therapie d. irausthiero. I. Bd, i, Aufl. 7
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98nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Acutes Aufblähen der Wiederkäuer.
empfohlene schwefelsaure Eserin (0,1 pro dosi suboutan) scheint nach neueren Beobachtungeii nicht selten wirkungslos zu sein; zuweilen sind auch unangenehme Nebenwirkungen nach der Verabreichung desselben wahrgenommen worden (hochgradige Erregungserscheinungen, Abortus, bedenkliche Athemnotli, Erstickung). Eber empliehlt als Ersatz des Eserins das Eseridinum tartaricum (0,160,8). Das Crotonöl dürfte seiner entzündlichen und giftigen Wirkung halber spärlicher anzuwenden und durch Ricinusöl (5001000 g) zu ersetzen sein. Bei Auswahl der Medicamente ist überhaupt beim Kinde immer auf allenfallsige Nothschlachtung, bezw. Verwerthbarkeit des Fleisches, gebührende Rücksicht zu nehmen.
Neben diesen Arzneimitteln hat sich eine reichliche Wasser-zufuhr in den Magen und Darm bewährt. Dieselbe ist in hartnäckigen Fällen oft das einzige Mittel. So erzielte Höhne durch Füllung des Pansens mit grossen Mengen warmen Wassers oder Salzwassers mittelst Troikarts und Infusionstrichters sehr häufig Genesung, Erfolge, die von Eber, Defi'ke und Bräu er bestätigt wurden. Deffke infundirt 50 Liter lauwarmen Wassers innerhalb mehrerer Stunden, indem er die Troikarthülse so lange liegen lässt; er rühmt die günstige Wirkung eines Zusatzes von Salzsäure (10,0 auf 15 Liter Wasser), sowie Aufgüsse aromatischer Substanzen, namentlich der Radix Valerianae, und rätii, die Infusionen nicht zu spät vorzunehmen. Hieher gehört auch das Eingeben schleimiger Abkochungen oder des frischen Leinöls, häufige Infusionen von Wasser in den Mastdarm u. s. w.
Ist der Pansen mit sehr festen Futtermassen angefüllt, und sind alle Medicamente erfolglos, oder besteht der Verdacht auf das Vorhandensein von Fremdkörpern im Magen, so bleibt als letztes Mittel nur der Pansenschnitt und die Entfernung eines Theiles des Mageninhaltes auf diesem Wege übrig (Troikart und Zange von Bräu er).
Acutes Aufblühen der Wiederkiiuer.
(Blähsucht, Trommelsuclit, Tympanitis, Auflaufen, Padde etc.)
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Acutcs Aufblähen der Wiederkäuernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 99
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nbsp; Roll, Spec. I'ath., 1885. II. Bd. 8. 418. Pütz, Comp,, 1885. S. 449. üod-fryn, Hull. Belg., 1880. - Beiigem, /;. th. .)/., 1887. S. 84. - Oqoulet, Un:, 1889. Br.uer, S,J. '/'., 1889. 8.80. Leyknuecker, lt. th. M., 1891. 8.90. Lungwitz, B. A., 1892. S.80. Alisheciit, W.f. Th., 1893. S. 469. Bhaun, Ibid., 1894. 8. 109. Haübnbr-SiBDAMOROTZKV, I'. Th., 1893. 8. 50. Kitt, l'ath.-amit. lUayti., 1894. I. 8. 464. ROSSOLY, Mod. Zooj., 1894. A. Eber, S. ./. II., 1894. 8. 28. Harms, Erfahr, üb. Riiide.rkrhh., 1895. Uie ältere Literatur siehe bei Heiiing (Spec, l'ulhol.) u. RYGHNER (llujalrik).
Acutes Aufblühen beim 8chafo. Dauuenton, Instruct, pour les bergei's, 1802.
nbsp; Teissieh, Instruct, sur les bites ä laine, 1810. May, Uus Saliafu, 8. 1. BlNIKE, Mag., 1850. 8. 419. Zürn, Thrzt., 1870. 8. 227. BoKOARTZ, K. th. II'., 1891. S. 2.
Wesen. Das acute Aufblühen, auch Aufblähen schlechtweg genannt, besteht im Gegensätze zur chronischen Blähsucht in einer sehr rasch auftretenden massenhaften Entwicklung und Ansammlung von Gasen im Pansen der Wiederkäuer mit abnormer Ausdehnung des Pansens und starker Auftreibung des Hinterleibes. Man beobachtet es am häufigsten beim Rinde, dann beim Schafe, und zwar werden nicht selten mehrere, selbst viele Thiere zusammen betroffen; das letztere ist besonders bei Schafherden der Fall.
Aetiologie. I. Ursaclien im Allgemeineu. Als Ursachen kommen zunächst alle in grösserer Menge in den Magen eingeführten Futterstoffe in Betracht, welche rasch in Gährung übergehen und dadurch eine grosse Menge von Gasen erzeugen können. Am häufigsten wird das Aufblähen durch Grünfutter sowohl im Stalle, als auch auf der Weide veranlasst. Bei Stallfütterung ist namentlich der gierige, übermässige Genuss von schlaffem, bereits sehr abgewelktem Grünfutter zu beschuldigen, insbesondere von solchem, welches längere Zeit auf einem Haufen gelegen und sich bereits erhitzt hat, was einen Zustand lebhafter Gährung voraussetzt. Diesem Umstand ist auch das häufige Vorkommen des Aufblähens an Feiertagen, zumal an mehreren auf einander folgenden, zuzuschreiben, indem hier grössere Vorräthe von Grünfütter aufgehäuft werden. Aus demselben Grunde herrscht auch das Leiden erfahrungsgemäss häufiger bei gewitterschwüler, feuchtwarmer Witterung, indem die feuchte Wärme den Eintritt der Gährung beschleunigt.
Bei Weidegang ist das Aufblähen um so häufiger, je weniger die Thiere an Weidegang und Grünfutter gewöhnt sind, und je saftiger, geiler das Grünfutter gewachsen ist. Die Erfahrung hat gelehrt, dass in Jahrgängen mit kalten Frühlingen,
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100nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Acutos Aufblähen der Wieilcrkäucr.
in denen die PHanzen in ihrer Entwicklung anfangs zurückgehalten werden, um bei später eintretender wärmerer Witterung nur um so schneller und üppiger zu wachsen, die Trommelsucht entschieden häufiger ist (Spinola). Dieselbe Beobachtung hat man in Niederungen mit sogenannten fetten, schweren Böden und sehr üjjpiger. mastiger Vegetation geraucht. Sodann kommt es beim Weidegange zum Aufblähen, wenn das Futter sehr stark bethaut, bereift, gefroren oder vom Regen benässt ist, wenn die Thiere rasch nach der Fütterung Wasser aufnehmen, wenn beim Weiden gegen den Wind oder an windigen Tagen überhaupt mit dem Futter zugleich eine grössere Menge Luft abgeschluckt wird, endlich wenn die nöthige Aufsicht beim Hüten fehlt oder selbst böswilliges Verhüten auf Kleeäckern etc. vorausgegangen ist.
Auch von einer individuellen Disposition zur Blähsucht kann gesprochen werden. Abgesehen davon, dass einzelne Thiere in Folge besonders hastigen und gierigen Fressens leichter aufblähen, kann bei anderen schon eine verhältnissmässig geringe Menge zur Gährung geneigten Futters Trommelsucht erzeugen, wenn durch eine gewisse Schwäche der Verdauungsorgane oder durch besondere pathologische Zustände in denselben die Wanstbewegung und das Rülpsen beeinträchtigt wird. Indess führen die letzteren Verbältnisse mehr zu chronischem Aufblähen,
II. Ursachen im Speciellen. Aussei- den angeführten, mehr allgemeinen ätiologischen Momenten werden mit der Entstehung der Blähsucht einzelne ganz specielle Ursachen, insbesondere bestimmte Futterpflanzen, in Verbindung gebracht. Hieher gehören:
1.nbsp; Die Klee arten, so der rothe Wiesen- oder Kopfklee (Tri-folium pratense), die Luzerne (Medicago sativa) und Esparsette (Ono-brychis sativa); von diesen wird in erster Linie der rothe Wiesen- oder Kopfklee mit Recht gefürchtet. Wie allem örünfutter, so ist namentlich auch dem Klee eigen, dass er nach seiner vollständigen Entwicklung-weniger naebtheilig wirkt, als vor der Blüthe; junger Kopfklee ist daher am gefährlichsten. Ferner soll gegypster Klee leichter Auf blähen verursachen, als ungegypster, was zwar von Anderen, wie z. B. von Rinquet, geleugnet wird, aber in Rücksicht auf die ein geiles Wachsthum befördernde Wirkung des Gypses nicht unwahrscheinlich ist.
2.nbsp; Andere Leguminosen, wie grüne Linsen und Wicken, sowie Buchweizen.
3.nbsp; Die sog. sauren Gräser; mit Staubpilzen besetzte Schilf-
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Acutes Auiblahun der Wiedcvkäuor.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 101
gräsei', z. B. Poa aquatica und Scirpus sylvaticus; frisches Kartoffelkraut, Kohl-, Raps- und Ilübenblätter, Ackersenf (Sinapis arvensis), Hederich (Raphanus Raphanistrum).
4.nbsp; nbsp;Die jungen Halme und Blätter der Saaten; das Behüten reichlich m i t U n k r a u t bewachsener Stoppelfelder unmittelbar nach der Ernte. Hie im Dunkel herangewachsenen bleichsüchtigen, aber sehr saftreichen Pflanzen scheinen nach längerem Einwirken des Sonnenlichtes, also einige Zeit nach der Ernte, viel weniger gefährlich zu sein. Endlich ist das Beweiden von Stoppelfeldern, auf welchen .sich bei grossem Ausfall von Getreidekörnern viel sog. junger Ausschlag gebildet hat, zu erwähnen.
5.nbsp; nbsp;Stark gährendes Brühfutter, Traber, Schlempe, trockene Malzkeime, Sauerteig (Oberteig), faule Kartoffeln, Rüben-und Knollengewächse, Baumwollenmehl, namentlich, wenn dieselben als ungewohnt in grosser Menge und hastig verzehrt werden.
ü. Aussei' nach den genannten Futterstoffen kommt das Aufblähen auch als Theilerscheinung bei verschiedenen Vergiftungen vor, so nach Vergiftung durch Herbstzeitlose (Colchicum autunmale), gefleckten Schierling (Conium maculatum), Wasserschierling (Cicuta virosa), Tollkirsche (Atropa Belladonna), Eibenbaum (Taxus baccata), weisse Nieswurz (Veratrum album), wilden Mohn (Papaver Rhoeas), Tabak, Ranunculus-Arten, Schimmelpilze, Härings- und Pökelbrühe u. s. w.
7.nbsp; Zuweilen scheinen sich Rinder auch so stark mit Luft anzu-koppen, class dadurch ein dem acuten Aufblähen analoger Zustand entsteht. Hieher gehört auch das Aufblähen der Saugkälber, wenn dieselben beim Saugen an den Strichen des Euters oder an anderen Gegenständen zu viel Luft mit abschlucken.
8.nbsp; Endlich veranlassen im Schlünde stecken gebliebene Fremdkörper ganz gewöhnlich acutes Aufblähen durch Behinderung des Rülpsens. In einem Falle handelte es sich um einen durch Rülpsen aus dem Magen in den Schlund heraufbeförderten Haarballen.
Sectionsbefund. Der Inhalt des stark ausgedehnten Pansens besteht neben den Futtermassen der Hauptsache nach aus Gasen: Kohlensäure, Kohlenwasserstoffe, Wasserstoff, Schwefelwasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff. Bei Grünfütterung prävalirt die Kohlensäure, bei Trockenfütterung überwiegen die Kohlenwasserstoffe. Die Angaben über die qualitative und quantitative Zusammensetzung der Gase sind natürlicher Weise je nach der
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102nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Acutes Auf'liliilicn dor Wit'dcrkiiuer.
Fütterung sehr verschieden. So fand lieiset bei einer auf der Kleeweide aufgeblähten und nach 2 Stunden verendeten Kuh den gasförmigen Inhalt des Pansens folgendermassen zusammengesetzt: Kohlensäure = 74 Proc, Kohlenwasserstoff = 24 Proc, Stickstoff =2 Proc. Bei einem aufgeblähten Hammel constatirte lleiset 70 Proc. Kohlensäure. Schwefelwasserstoff fand raquo;ich nicht vor, was gewiss nur zufällig war, da sich derselbe bei der normal im Pansen auftretenden Eiweiss-fäulniss in physiologischer Weise schon bilden kann.
Die anatomischen Veränderungen bei der acuten Blähsucht bestehen in bedeutender Ausdehnung des Pansens, welche nicht selten zur Zerreissung desselben, wie auch des Zwerchfells, führt. Dem entsprechend findet man Austritt von Gasen und Futtermassen in die Bauchhöhle, an den sich indess wegen des raschen Verlaufes der Krankheit eine Bauchfellentzündung nur ausnahmsweise anschliesst. Die venösen Gefasse der Cutis und Subcutis, sowie die grossen Venen (Jugularis, Achselvcnen) sind strotzend mit Blut gefüllt; das Blut selbst ist schwarzroth, dickflüssig, schlecht geronnen, klebrig und färbt sich bei Zutritt von Luft hellroth. Die Lungen sind sehr hyperämisch, von subpleuralen und parenehymatösen Blutungen durchsetzt; zuweilen ist Lungenödem vorhanden. Auch unter dem wandständigen Pleurablatt, namentlich im Verlaufe des Grenzstranges des Sympathicus, finden sich Hämorrhagien. Das rechte Herz ist stark mit Blut angefüllt, die Kranzvenen sind injicirt, unter dem Epi- und Endocardium zeigen sich Blutungen; in seltenen Fällen kommt es zur Ruptur der rechten Herzwand. Im Darmcanal findet man Hyperämie der Schleimhaut, sowie submueöse und subperitoneale Blutungen. Auch Berstung von Milzgefässen mit Zertrümmerung des Gewebes ist beobachtet worden. Die Schleimhäute des Kopfes, die Gehirnhäute und Blutleiter sind sehr hyperämisch; im Gehirn selbst findet man bisweilen apoplektische Herde.
Erscheinungen. Das auffallendste Symptom ist eine plötzliche und oft rasch zunehmende ümfangsvergrösserung des Hinterleibes namentlich in der linken Flanke (Lage des Pansens), welch letztere mehr oder weniger stark hervorgewölbt wird. In hochgradigen Fällen kann diese Hervorwölbung der linken Flankengegend so bedeutend sein, dass die höchste Kuppe derselben den Rücken-first erreicht und selbst üb err act. Die Bauchdecken fühlen
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Acutes Aui'liliiho'ii der Wiederkäuer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 103
sich prall gespannt und sehr elastisch an; die Percussion ergibt einen übervollen, hell tympanitischen, selbst metallischen Klang. Die normalen Pansengeräusche sind verschwunden.
Die Futteraufnahme und das Wiederkäuen sind gleich von Anfang an sistirt; auch der Kothabsaty, ist, nachdem vorher öftere Male kleine Kothmengen abgegangen sind, unterdrückt, trotz des starken Drängens der Thiere. Dieselben stehen mit unter den Leib gestellten oder aus einander gespreizten Püssen da, der Rücken wird häufig gekrümrat, der Schweif gehoben, die Ohren hängen schlaff herab. Bewegung erfolgt nur widerwillig nach stärkerem Antreiben.
Mit zunehmender Auftreibung stellt sich sodann rascheres, angestrengteres Athmen ein; die Thiere werden ängstlich, aufgeregt, trippeln hin und her, die sichtlichen Schleimhäute des Kopfes, zumal die Lidbindehaut und die episcleralen Gefässe, sind stark injicirt, die oberflächlich gelagerten Venen, namentlich am Kopf und Hals, auch die Milchvenen sind überfüllt und treten stark hervor, der Blick wird stier und glotzend, am Grunde der Ohren, hinter den Ellenbogen, in den Planken bricht Schweiss aus; der Puls wird mehr und mehr beschleunigt, kleiner, drahtförmig, schliesslich unfühlbar; der Herzschlag ist sehr pochend. Die Athemnoth nimmt immer mehr zu; die Thiere athmen hastig und kurz, mit starker Erweiterung der Nasenöffnungen, selbst mit geöffnetem Maule und vorgestreckter Zunge, stöhnen und ächzen, geifern und schäumen, hüsteln bisweilen auch, recken sich und bringen mühsam einige kurz abgebrochene Kuctus heraus; in seltenen Fällen tritt Erbrechen ein. Zuletzt werden die extremitalen Theile ganz kalt, die Schleimhäute cyanotisch, die Thiere stehen betäubt und unbeweglich da, allmählich schwanken sie dann, drohen hinten zusammenzubrechen und stürzen endlich nieder, worauf der Tod meist sehr rasch unter Zuckungen eintritt.
Pathogenese. Die Erklärung der beschriebenen Krankheitserscheinungen ist sehr einfach; man hat es im Wesentlichen mit dem Bilde der Kohlensäure-Vergiftung, seltener mit Gehirnapoplexie zu thun. Die Kohlensäure-Vergiftung wird thcils durch die Verdrängung des Zwerchfells nach vorne und die in Polge dessen bestehende Lungencompression, theils durch den Uebertritt der Kohlensäure vom Magen ins Blut nach den Gesetzen der Diffusion verursacht. Die Stauungserscheinungen in der vorderen Körperhälfte (Injection der Schleimhäute, Hyperämie des Gehirns, Füllung der Venen) müssen auf den Druck des prall gefüllten Pansens gegen die grossen
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104nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Acutes Aufblähen der Wiederkäuer
Gefäss.stämme des Hinterleibes, sowie auf den behinderten Hückfluss des Blutes zum Herzen und zur Lunge zurückgeführt werden; bei hochgradiger Stauung kann es dabei zu Ekchymosenbildung und Gohirn-apoplöxie kommen.
Verlauf und Prognose. Der Verlauf der acuten Blähsucht ist ein sehr rascher; bei höheren Graden des Leidens können die Thiere, wenn nicht baldigst Hilfe geschalten wird, schon nach wenigen Stunden, selbst schon nach einer halben Stunde verenden. Bei einer eingeleiteten Behandlung ist auch nach vollständiger Entfernung der angesammelten Gase die Krankheit noch nicht ganz beseitigt, da die vorhandenen stark gährenden Futtermassen immer wieder neue Gasentwicklung zur Folge haben, so dass sich die Gesammtdauer oft über 12, selbst 24 Stunden hinaus erstreckt. Zuweilen kann indess bei massiger Auftreibung auch rasch spontane Genesung durch Eintritt ergiebiger Ructus und Darmentleerungen erfolgen. Die Prognose ist, sofern nicht frühzeitig genug passende Hilfe geboten werden kann, was bei der Uaschheit des Verlaufes nicht immer möglich ist, ziemlich ungünstig und richtet sich besonders auch darnach, wie viel Thiere in einem Stalle oder in einer Herde aufgetrieben werden.
Behandlung. Die Prophylaxe des acuten Aufblähens ergibt sich aus den besprochenen Ursachen zur Genüge. Am meisten Vorsicht ist geboten beim Uebergange von der Trockenfütterung zur Grünfütterung: man vermeide dabei üppige Gras- und Klee weiden, treibe die Thiere nicht mit hungrigem Magen aus, sondern reiche vorher etwas Trockenfutter, suche zuerst magere Weideplätze aus und gewöhne die Thiere allmählich dadurch an Kleeweide, dass man letztere anfangs nur kurze Zeit und zum Schlüsse befährt, und die Thiere dabei streng im Auge behält, um bei drohendem Aufblähen das Weiden sofort zu unterbrechen. Das eingeheimste Futter ist vor dem Erhitzen zu bewahren, indem man es in kühle Räume, auf Lattenroste etc. bringt; abgewelktes, überhaupt verdächtiges Grünfutter verfüttere man in kleineren Mengen, mit Heu oder Futterstroh gemischt. Endlich sorge man in grösseren Gehöften und in den Gemeinden für Anschaffung und Instandhaltung der nöthigen Instrumente, besonders der Schlundröhre und des Troikarts.
Die Entfernung der angesammelten Gase ist in weitaus den meisten Fällen die dringendste, oft geradezu eine lebensrettende Indication! Es stehen dazu, zunächst beim Rinde, verschiedene Mittel
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Acutes Aufblähen dor Wiederkäuer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;105
zu Gebote. Unter den mehr empirischen, die man sofort bei der Hand hat, sind zu nennen : das öfter wiederholte Herausziehen der Zunge aus dem Maule, wodurch Rülpsen erzeugt wird, sowie das Hin-und Herziehen eines mit Knoten versehenen Strohbandes im Maule, welches zu lebhaften Zungenbuwegungen und schliesslich zum Rülpsen, ja selbst Erbrechen reizt. Aohnlich wirkt auch das sog. Aufzäumen der Thiere mit einem durch die Maulhöhle gezogenen und hinter den Hörnern befestigten Strohseile, welches man zur Verstärkung der ekel- und brechenerregenden Wirkung mit Wagenschmiere, Theer etc. bestreichen kann. Die in manchen Gegenden Frankreichs übliche und sehr gerühmte Verabreichung von Butter oder Schmalz (Ochsen 100 g, Schafe 20 g) dürfte ebenfalls nach dieser Richtung wirken. Bei nicht zu hochgradigem Aufblähen kann man auch durch Bewegung der Thiere das Ausstossen der Gase zu beschleunigen suchen; namentlich wird von Manchen das Bergantreiben empfohlen, indem dadurch die Gase leichter entweichen sollen, indess erfordern solche raschere Bewegungen Vorsicht, weil bei stärkerer Aiiftreibung der Zustand leicht verschlimmert werden kann.
Sehr wirksam und in vielen, namentlich den leichteren Fällen ausreichend ist ein anhaltender kräftiger Druck auf die linke Flankengegend. Mit Recht nennt Rychner diese Procedur das sicherste und zugleich wohlfeilste und bequemste -raquo;- wozu wir noch hinzufügen möchten unschädlichstequot; Mittel bei der Aufblähung. Man fühlt dabei ganz deutlich, wie unter dem Drucke der Hand die Wanstbewegungen wieder beginnen, worauf oft sehr bald Ructus aus-gestossen werden. Die Wirkungsweise dieses ständigen Druckes ist neben reflectorischer Erregung der Magennerven wohl die, dass der stark ausgedehnte und daher arteriell anämische Wanst an den eingedrückten Stellen vom centrifugalen Drucke des Gases befreit, der Zufuhr arteriellen Blutes wieder zugänglich, und dadurch zu localer Peristaltik angeregt wird, welche sich auf die übrige Wand fortpflanzt und zum Ausstossen der Gase führt. Man kann so durch länger anhaltenden Druck den Pansen vollständig zur Entleerung bringen. Aehn-lich wirkt auch die Massage des Hinterleibes in Form von Kneten, das Schlagen mit der Hand auf die linke Flanke, das Umschnüren des Bauches mit einem Seil in Spiraltouren, das Begiessen der linken Hungergrube mit kaltem Wasser, kalte Wicklungen. Am empfehlenswerthesten ist indess immer ein andauernder, mit beiden Händen ausgeübter Druck auf den Pansen.
Von innerlichen Mitteln ist gegen das acute Aufblähen eine
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ziemlich grosse Anzahl im Gebrauche. Indess können wir diesen Mitteln insgesammt das Wort nicht reden. Zunächst lilsst sich nur in leichteren Fällen von ihnen Hilfe erwarten, wobei incless die eben genannten mechanischen Mittel für gewöhnlich allein ausreichen. Sodann unterstützt das in den Eingüssen enthaltene Wasser den Gäh-rungsprocess; auch ist eine Verirrung der eingeschütteten Medicamente in die Luftwege leicht möglich. Endlich gestattet eine Reihe der vorgesclilagenen Mittel bei einer etwa noting werdenden Schlachtung den Fleischgenuss, bezw. den öffentlichen Fleischverkauf, nicht. Die in Hede stehenden Arzneimittel sind theils Stimulantien und brechenerrogende, theils gasbindende und gährungshemmende Mittel. Am empfehlenswerthesten ist noch die Verabreichung von Branntwein ('/cV2 Liter mit der dopjielten Menge kalten Wassers) oder der Tinctura Veratri (1020,0) in Verbindung mit Branntwein. Auch die Anwendung der Tinctura Colchici (5,0) wird empfohlen. Von schwächerer Wirkung sind die sog. Carminativa (Aufgüsse und Abkochungen von Kümmel, Fenchel, Anis), ferner Baldrian, Camillen, Pfeffer, Ingwer u. s. w. Das viel empfohlene Terpentinöl (50,0200,0 in verdünntem Branntwein gegeben) ist zuweilen von guter Wirkung, lässt aber ebenso oft auch im Stiche. Stinkasant, Aether, Petroleum, Campher u. s. w. sind dagegen geradezu verwerflich. Auch die Anwendung des Eserins ist wegen der unangenehmen Nebenwirkungen, welche zuweilen bei Rindern mit Tympanitis beobachtet wurden, nicht zu empfehlen. Von den sog. Ab-sorbentien kann ebenfalls nur ein sehr bescheidener Nutzen erwartet werden; jedenfalls müssen wir den noch so häufig angewandten Salmiakgeist (10^50 g in der 30riOf'achen Menge kalten Wassers in Zwischenräumen von 1J22 Stunden) als ein Mittel bezeichnen, das sicher schon viel mehr geschadet als genützt hat, indem gerade hier am häufigsten Verschlucken beobachtet wird. Zudem ist seine Wirkung offenbar mehr eine excitirende als absorbirende. Die anderen absorbirenden Stoffe: concentrirtes Seifenwasser, Aschenlauge, Pottasche, Kalkwasser etc. sind mehr unschuldiger Natur. Man vergesse bei der Anwendung dieser sog. absorbirenden Mittel nie, dass die Verhältnisse im gelähmten Pansen wesentlich anders liegen, als in einer mit Kohlensäure gefüllten Glasflasche, in welche man eines der genannten Absorbentien bringt und dann anhaltend und kräftig schüttelt. Die gährungshemmenden Mittel, bei der chronischen Blähsuoht von vorzüglichem Nutzen, dürften bei der acuten nur in niedergradigen Fällen anzuwenden sein. Hieher gehören das unterschweflig.saure
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Acutcs Aufblähen der Wiederkäuw.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1 07
Natrium (100200,0), das Kalium chloricum (30,060,0), der Liquor Natrii hypochlorosi (60,0 in oinom halben Liter kalten Wassers gelöst), die Salzsäure, das Creolhi.
Mit allen diesen Mitteln soll man sich nicht zu lange aufhalten, sondern bei herannahender Gefahr unverzüglich zur Schlundröhre und zum l'ansenstich greifen. Ueber die technischen Kegeln bei der Anwendung derselben ist in den Handbüchern der Operationslehre das Weitere nachzusehen. Hier wäre vielleicht zu erwähnen, dass das Einführen der Schlundröhre bei sehr starker Unruhe und Athenmoth der Thiere nicht immer leicht und gefahrlos zu bewerkstelligen ist, und dass ein ergiebiges Ausströmen der Gase zuweilen durch Verstopfung der Röhre mit Futtermassen verhindert wird. Unter solchen Verhältnissen bleibt nur der Pansenstich übrig. Bezüglich seiner Ausführung möge daran erinnert werden, dass ein vorher mit der Lanzette oder Fliete gemachter Hautschnitt die Operation sehr erleichtert, dass ein ungefensterter runder Troikart allen anderen vorzuziehen ist, und dass man das Ausströmen der Gase zeitweise unterbrechen soll, damit nicht durch die rasch eintretende Hyperämie ex vacuo in der Bauchhöhle Anämie des Gehirns mit Ohnmacht und Niederstürzen herbeigeführt wird. Auch soll der Troikart nicht zu frühzeitig herausgenommen werden, da die andauernde Gäh-rung des Panseninhaltes erneutes Aufblähen bedingen kann; man lässt daher die verkorkte Hülse des Troikarts noch einige Stunden liegen, wobei mau sie zur Vermeidung des Herausfallens immer im Auge behalten muss. Vielleicht dürfte es nicht überflüssig sein, daran zu erinnern, dass auch der Gebrauch eines im Griffe feststehenden Messers im Notbfalle gute Dienste leistet.
Ist die Hauptgefahr auf irgend eine Weise abgewendet, so ist es trotzdem dringend geboten, die Thiere einige Tage hindurch sehr diät zu halten, da die im Pansen längere Zeit noch zurückgehaltenen gährenden Futterstoffe auf die in reichlicher Menge neu zugeführten fermentartig einwirken und erneutes Aufblähen erzeugen können.
Therapie beim acuten Aufblähen des Schafes. Dieselbe ist, sofern nur einzelne Stücke einer Herde gebläht sind, der des Kindes ähnlich. Nsiinentlich die mechanischen Hilfsmittel, zumal Druck auf die linke Planke mit Hochheben dos Vordertheils, kommen hier mit Nutzen zur Anwendung; dagegen scheint sich die Application der Scblundröhre beim Schafe nicht zu empfehlen (May), auch das Troikartiren ist offenbar nicht so ungefährlich wie beim Rinde. Man ist daher beim Schafe mehr als beim Rinde auf die innerlichen Mittel angewiesen und gibt z. B. Kalkwasser (viertelliterweise alle 1015 Minuten wiederholt). Natrium subsulfurosum (15 g in wenig Wasser gelöst), Campherspiritus (viertelstündlich einen
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108nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ohrouisohea Aufblühen der Wiedeikäuer.
schwachen EsslOffel voll), TincturaOolchici (5 Tropfen), OlouinTere-binthinae (einen halben Esslöft'el auf '/s Liter Wasser), Oleum Petra6 (einen halben Esslöffel mit einein halben Esslöffel Branntwein). Den ebenfalls anenipfohlenen Salmiakgeist (einen halben Esslöffel auf '/a Liter kalten Wassers) halten wir heim Schafe für ebenso bedenklich wie beim EUnde, Handelt es sich um eine Masseuerkrankung, dann ist eine derartige Therapie zu zeitraubend und umständlieh; man ist daher auf andere .Kurvorfahren angewiesen. So wird gerathen, die Schafherde sofort in starke Bewegung zu setzen und sie wenn möglich einem Wasser oder Brunnen zuzutreiben, wo die Thiere entweder untergetaucht oder mit Wasser begossen werden sollen. In verzweifelten Fällen bleibt sodann oftmals nichts Anderes übrig, als zum Troikart und in Ermangelung eines solchen zum Messer zu greifen, und die angesammelten Gase auf operativem Wege zu entfernen.
Auch beim Schweine wird nach der Aufnahme gährenden Futters, z. B. stark hefehaltiger Weissbiorträber, nach gierigem Grenusse warmer süsser Molken, nach Vergiftungen etc. acutes Aufblähen beobachtet. Da das Eingeben flüssiger Arzneimittel die grösste Gefahr mit sich bringt, so wird auch hier im Nothfalle der Troikart anzuwenden sein. Vielleicht wäre auch das Veratrin, snbeutan in Dosen von 0,20,3 applicirt, von Nutzen.
Beim Hunde haben wir starkes Aufblähen bei Vergiftungen (toxische Gastritis und Enteritis) sowie bei Darmstenosen beobachtet.
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Chronisches Aufbltthen der Wiederkäuer.
Literatur. Lindenbero, Mag,, 1845. 8. 484. EbOqeb, Pr. M,, 1854. Röpfeht, Ihüh, 1855/5laquo;. Luatti, 11 med. vet., 1860. Albrkght, Thrift., 1862. S. 129. Luutard, J. de Li/oji, 1863. Baku, S,./. B., 1863. S. 83. Schuhmacher, Thret,, 1863. S. 217. Q-örino, W. f. Th., 1864. S. 231. Leqrand, A. de Brux., 1865. Igel, Rep,, 1860. S. 133. Ehdmann, H. A., 1875. S. 289. Schwanz, Rep., 1877. S. 813. Hetzkl, Ibid., 1878. S, 373. Johne, S. ./. It., 1883. S. 24; 1887. S. 56.
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Wesen. Das chronische oder stille, schleichende Aufblähen besteht in einer andauernden, hartnäckigen, sich immer wiederholenden Ansammlung- von Gasen, und zwar vorwiegend Kohlenwasserstoffgasen im Pansen, welche indess nicht so bedeutend ist, wie beim acuten Aufblähen. Nach einer Analyse von Erdmann setzten sich die Gase in einem Falle zusammen aus 42 Proc. Kohlenwasserstoffen, 85 Proc. Kohlensäure, 20 Proo. Stickstoff. Aehn-
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Clirouischcs Aufblähen der Wiederkäuer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 109
liehe Zahlen sowie Spuren von SK, fand Lungwitz; auch nach ihm bildet das Sumpfgas (CHJ neben der Kohlensäure den Hauptbestand-theil der Gase (Verhältniss von CH4 : COä =1,1 : 1,21,5). Darnach behndet sich beim chronischen Aufblühen die Kohlensäure im Gegensätze zum acuten in der Minderheit.
Ursachen. Von den Ursachen des chronischen Auf blähens sind zwei von einander wesentlich verschiedene zu nennen. Sehr häutig ist. die chronische Bliilisucht nur ein Symptom des chronischen Magenkatarrhs, das sich aus dem Aufhören des Wiederkauens, der dabei Uberhand nehmenden Giihrung, und dem Darniederliegen der Pansen-thätigkeit leicht erklären lässt. Ist einmal ein chronischer Magenkatarrh vorhanden, so sind die geringsten Diätfehler, z. B. zu hastiges oder gieriges Fressen, die Aufnahme zu grosser Mengen von Milch bei jungen Thieren etc. im Stande, eine abnorme Gasbildung zu veranlassen. Um so mehr wird dies bei der Verabreichung leicht gährender Puttermassen, sofern sie längere Zeit fortgesetzt wird, der Fall sein. Auf diese Weise kann auch der andauernde Mangel an Rauhfutter, ZU kurz geschnittener Häcksel, zu reichliche Mehlfütterung u. s. w. zu chronischem Magenkatarrh und Aufblähen führen.
Zweitens kommen als Ursachen mechanische Hindernisse für das Wiederkäuen und llülpsen in Betracht. Hieher gehören Verengerungen des Schlundes durch verschiedene Processe, vor-Aviegend aber durch Neubildungen und Abscesse hervorgerufen (Compressionsstenosen). Unter den Neubildungen sind die tuberkulös entarteten Lymphdrüsen des Mittolfells in erster Linie zu nennen. Das chronische Aufblähen stellt so nicht selten eine ganz charakteristische Begleiterscheinung der Tuberkulose dar. In ähnlicher Weise wirken Sarkome und Aktinomykome der genannten Lymphdrüsen. Ferner verhindern Neubildungen in den Vormägen (Polypen, Fibrome, Papillome, Sarkome), sowie Futter-, Sand- und Haarballen das Entweichen der Gase. Endlich hemmen Verwachsungen der Mägen mit der Bauchwand das Contractionsvermögen der Magenwände, und bedingen so Stauung des Mageninhalts und abnorme Gährung; diese peritonitischen Adhäsionen stammen meist von spitzen Fremdkörpern im Magen, von Stössen auf die untere Magengegend, von wiederholten Punctionen des Pansens u. s. w. her; siehe auch das Capitel über traumatischequot; Indigestion. Auch können Z werchfellsrisse mit Vorfall der Haube in die Brusthöhle und eventuell Verwachsen mit den Brustorganen die Rumination und das Rülpsen
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Chronisches Aufblähen der Wiederkäuer.
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erheblich beeinträchtigen und chronische Bliihsucht verursachen. Endlich bat mau chronische Tympanitis in Folge von Band wurmleiden (Taenia denticulata) beobachtet.
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Symptome. Die Erscheinungen des chronischen Aufblühens decken sich im Wesentlichen mit denen des chronischen Magenkatarrhs. Das Hauptsymptom selbst üussert sich in einer allmählich hervortretenden, periodisch wiederkehrenden und verschwindenden, schliesslich auch hartnäckig andauernden massigen Aut'treibung der linken Hungergrube. Dabei ist das Wiederkäuen unterdrückt, die Pansenbewegungen und l'ansengeräusche sind träge, vereinzelt wird auch Erbrechen beobachtet. Athmungsstörungen und Unruheerscheinungen, wie sie beim acuten Aufblähen beobachtet werden, fehlen indess gewöhnlich. Im weiteren Verlaufe der nicht selten Monate lang dauernden Krankheit kommt es häufig zu chronischen Durchfällen und zu hochgradiger Abmagerung der Thiere. Bezüglich der Prognose ist es von der grössten Wichtigkeit zu wissen, welche der beiden genannten Ursachen vorliegt. Das mit chronischem Magenkatarrh in Verbindung stehende Aufblähen verschwindet mit der Beseitigung des ersteren, während das durch organische Veränderungen und Dislocation der Mägen bedingte unheilbar ist. Tuberkulose der Mittelfelldrüsen lässt sich eventuell durch eine Tuberkulininjection nachweisen.
Therapie. Von einer Behandlung kann nur bei der erstgenannten Art die Hede sein; wir verweisen hiebei auf die Therapie des chronischen Magenkatarrhs. In der Hauptsache handelt es sich um Beschränkung der Gährung durch gährungswidr ige Mittel (Salzsäure, untersebwefligsaures Natron, Creolin, Mittelsalze), sowie um Anregung der Magenperistaltik durch Brechweinstein, weisse Nieswurz, Terpentinöl u. s. w. Trasbot hat auch von Radix Ipecacuanhae in Dosen von 48 g gute Wirkung constatirt. Dagegen ist das Eserin wegen seiner unangenehmen Nebenwirkungen nicht zu empfehlen. In sehr hartnäckigen Fällen hat sich nach der erfolglosen Anwendung aller anderen Mittel die Entfernung der im Pansen angehäuften gäh-renden Futtermassen durch den Pansenschnitt sowie das Einlegen einer Dauercanüle bewährt. Die operative Entleerung der angesammelten Gase durch die Function dürfte beim chronischen Aufblähen höchst selten nöthig werden. Die gasabsorbirenden Mittel erzielen nur eine vorübergehende Wirkung, während die eigentliche Ursache der Gasbildung, die Gährung und Unthätigkeit des Pansens, fortbesteht;
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I'ansüiiiiberfiillung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1 ] ]
sie sind daher überflüssig. Von der grössten Bedeutung dagegen für die Behandlung der chronischen Blähsucht ist die Regelung der Diät.
l'iiiisoniilxM-fiilluug boim Kinde.
Literatur. Ohabert, Instruct, vet., 1792. PbinZj Mag., 1838. S. 245. Eisele, Rep., 1840. S. 238. Roghe-Lvbin, Reo., 1849. Lessona, Oiorn. di Vet., 1854. Aiioxnk, J. de Lyon, 1867. Mavku, Thrust,, 1870. S. 91. PuntTBOH, S..). H., 1871. S. 137. - Lvtz, Rep., 1870. 8. 881. - Dieokerhoff, ir. f. Th., 1877. S. 47. -Vogel, liep., 1888. 2. Heft. Baerts, A. de Brux., 1889. Beel, lgt;. X. f. Th., 1890. S. 31. Nöim, .V. /'. Ihjrl., IV. S. 18. FlSOHER, ö. th. W., 1892. S. 111. -Hauiineh-Siedamguotzky, 1893. S. 39. Gaiii, 'l'he Vct., 1894.
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Erbrechen. Wagbnheuser, W.f. 27)., 1898. S. 267,
Ursachen. Unter Pansenüberfüllung, Ueherfressen, absoluter Ueberfütterung versteht man die durch rasch erfolgte Aufnahme ungewöhnlich grosser Futtermengen veranlasste Ueberladung des ersten Magens der Wiederkäuer. Dieselbe wird unter den Verdauungskrankheiten des Kindes häufig beobachtet. Die Veranlassung dazu gibt gewöhnlich ein von den Thieren besonders bevorzugtes Futter, das ihnen in ungewöhnlicher Menge vorgesetzt oder zugänglich wird, besonders Gtrünfutter, junges Heu, frischer Klee, verschiedene Träber-sorten, Schlempe. Ausserdem findet man die Pansenüberfüllung bei gierigen Fressern, nach langem Hungern, nach Aufnahme von zu vielem, besonders kaltem Wasser.
Symptome. Die Erscheinungen sind je nacii der Menge des aufgenommenen Futters, nach der Qualität und Verdaulicbkeit desselben verschieden. Meist ist Folgendes zu beobachten: Die Thiere stehen vom Barren zurück, krümmen den Rücken, drängen bald nach dem Ueberfressen öfters und rasch nach einander etwas normalen Koth ab (Pressen auf den Mastdarmquot;), wedeln mit dem Schweife, schlagen mit den Hinterfüssen gegen den Bauch, sehen sich brummend und stöhnend nach dem Hinterleibe um und schütteln zuweilen unter zischendem Ausstossen von Luft durch die Nasenlöcher heftig mit dem Kopfe; oder sie stehen stumpfsinnig, in sich gekehrt, ohne alle Aufmerksamkeit für ihre Umgebung da, legen sich auch wohl, doch selten, unter Stöhnen nieder, um nach kurzer Zeit wieder aufzustehen. Die Futteraufnahme ist sistirt, das Wiederkäuen fehlt gänzlich, das Verlangen nach Wasser ist zuweilen gesteigert. Häulig besteht Speicheln, wobei die Thiere leere Kaubewegungen machen, hie und da entweichen auch unter Strecken des Kopfes und Halses kurz abge-
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1 ]2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pauseiiüberfülluiig.
brochene Uuctus oder es kommt zu eigenthünilichen Würgbewegungen und wirklichem Erbrechen von Futterbrei, das sich öfters wiederholen kann. Das Flotzmaul ist dabei meist von normaler Beschatfen-heit. Der Umfang des Hinterleibes ist namentlich linksseitig sehr bedeutend vergrössert, die linke Düngergrube ausgeglichen oder selbst hervorgevvölbt. Bei Betastung des Pansens durch die Wandung der Flanke fühlt sich derselbe prall, vollgepfropft, wie eingestampft mit einem bald teigartigen eindrückbaren, bald sehr festen Futterbrei an, der meist bis zur oberen Pansenwand reicht, so dass der Percussionsschall daselbst allerorts leer wird; im späteren Verlaufe lässt sich zeitweise eine geringe Gasansammlung über dem Pauseninhalt durch Palpation und Percussion nachweisen. Ein andauernd stärkerer Druck auf den Pansen ist den Thieren zuweilen sehr unangenehm und suchen sie demselben auszuweichen. Dieselbe Beschaffenheit des Pansens lässt sich, statt durch Palpation von der Flanke aus, mittelst Exploration durch den Mastdarm feststellen. Die normal sieht- und fühlbaren Pansenbewegungen sind entweder unterdrückt oder ganz sistirt, so dass die aufgelegte Hand keinerlei Tlültig-keit des Pansens fühlt, die Pansengeräusche (Pansenreiben) sind abgeschwächt oder ganz unhörbar. Der Kothabsatz erfolgt spärlicher und seltener, dabei wird der Koth nicht mehr in Fladen, sondern in mehr festen, geballten, schwärzlichen Massen abgesetzt.
Die Temperatur ist nicht erhöht, die Körperwärme gleich-massig vertheilt, nur der Puls ist etwas beschleunigt, und das Arterienrohr gespannt. Die Athmung ist in Folge des auf das Zwerchfell ausgeübten Druckes angestrengt und insbesondere beim Liegen und Bergabgehen sehr erschwert, selbst ächzend, so dass eine Erkrankung der Lunge vorgetäuscht werden kann. Der Blick der Thiere ist ängstlich, glotzend, der Augapfel scheint mehr hervorzutreten; die Conjunctiva ist stärker injicirt.
Verlauf. Derselbe ist verschieden. Bei zu hochgradiger üeber-füllung des Pansens kann es rasch zu Erstickungs- und apoplekti-schen Erscheinungen kommen, wie man sie häufig beim acuten Aufblähen trifft. In anderen Fällen entwickelt sich ein acuter Magen- und Darmkatarrh aus der Pansenüberfüllung. In den meisten Fällen jedoch gleicht sich die Störung wieder aus, besonders wenn die Thiere vorher gesund und kräftig, die Menge der aufgenommenen Nahrungsmittel nicht zu gross, die letzteren nicht zu schwer verdaulich waren. In den leichteren Fällen kann so schon
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.Pauseuübcrlullmig'.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; UIJ
nach einigen Stunden die Heilung erfolgen, gewöhnlich treten innerhalb der ersten 24;36 Stunden wieder Verdauungserscheinungen auf: das Wiederkäuen und die Futterlust kehren zurück, die Wanstbewegungen werden lebhafter, es tritt häufiges Aufstossen von Gasen sowie reichlicher Kothabsatz auf, so dass nach o1 Tagen ein vollständiger Ausgleich stattgefunden hat.
Differentialdiagnose. Die Pansenüberfüllung kann einerseits mit acuter Blähsucht, andererseits, wenn auch seltener, mit dem sog. lieber würfe beim Ochsen verwechselt werden. Mit acuter Blähsucht insofern, als dieselbe ebenfalls sehr rasch und unmittelbar nach der Putteraufnahme auftritt und die Erscheinungen der Umfangsvermeh-rung des Pansens darbietet; mit dem üeberwurfe, weil derselbe plötzlich eintritt und unter ähnlichen Unruheerscheinungen wie die Pansen-überflillung verläuft, Gegen die Verwechslung mit dem üeberwurfe schützt eine Exploration des Mastdarms bezw. das Fehlen eines gespannten Stranges vor dem Beckeneingange rechterseits gegen den Bauchring zu, sowie die Anamnese. Bei Tympanitis ist die Auftreibung des Pansens bedeutender, die Palpation weist eine Ansammlung von Luft, statt fester Futtermassen, nach; die bei Pansenüberfüllung zuweilen auftretenden Gase sind immer in geringen Mengen und meist vorübergehend vorhanden; die Störungen der Respiration und Circulation sind bedeutender. Ausserdem können Uterustorsionen das Vorhandensein einer Magenüberladung vortäuschen, da sie ein plötzliches Versagen des Futters, Auftreibung in der linken Flanke sowie Verstopfung zur Folge haben. Es empfiehlt sich daher in allen Fällen von Pansenüberfüllung bei trächtigen Thieren eine Untersuchung durch die Scheide vorzunehmen (Beel, Johne). Eine etwaige Verwechslung mit acutem Magendarmkatarrh wird durch die Berücksichtigung der Anamnese (plötzliches Auftreten hochgradiger Symptome) leicht zu verhüten sein; selbst der Laie verkennt den Zustand einer Pansenüberfüllung wohl selten.
Behandlung. Bei geringen Graden der Magenüberfüllung genügt ein rein exspeetatives Kurverfahren, und es ist aussei- einer mehrtägigen knappen Diät sowie fleissiger Bewegung der Thiere nichts weiter zu thun. In höheren Graden sucht man die Thätigkeit des Pansens von aussen durch Massage (Drücken, Kneten und Reiben von der linken Flanke aus), von innen durch drastische und emetische Mittel anzuregen. Man gibt Aloe, Brechweinstein, Natrium sulfuricura in Frledberget u. Frtthner, Pathoi, u, Therapie d. Hausthiere, I. Bd. i. Aufl. g
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grossen Dosen. Unter den emetischen Mitteln ist vor Allem die weisse Nieswurz zu nennen, welche als Pulver oder in Form der Tinctur angewendet werden kann (Pulv. Rhizomat. Veratri albi oder Tinctura Veratri albi 1020,U pro dosi). Nach Trasbot ist auch die Ipe-cacuanha-Wurzel zuweilen sehr wirksam. Führt dieses Verfahren nicht zum Ziele, so bleibt nichts Anderes, als die theilweise Entfernung des angesammelten Futters durch den Pansenschnitt übrig.
Pansenleere. Im Siichsischen Jahresberichte pro 1878, S. 88 und 187!), S. 133 berichtet Yoigtländer unter dein Namen Pansenleerequot; oder Eisenbahnknmklioitquot; über einen eigeiithümlichen, pathogenetisoh sehr dunklon Krankhoitszustaiid hochträcbtiger Kühe, welcher durch die ver-hältnissmässig schnelle und fast vollständige Entleerung des Panseninhalts hervorgebracht wurde. Es handelte sich dabei um einen länger dauernden Transport der Thiere auf der Eisenbahn, während dessen kein Futter verabreicht wurde, nachdem eine nur mangelhafte Fütterung mit Gras vorausgegangen war, das während der Fahrt längst verdaut wurde. Das Krankheitsbild hatte nach Voigtländer grosse Aehnlichkeit mit dem des paralytischen Kalbe fiebers. Es bestand in einem vollständigen LiÜimungszustande, wobei die Thiere nicht mehr aufstehen konnten, den Kopf nach der Seite umgeschlagen hatten, eingefallene, trübe Augen und eine erweiterte Pupille zeigten, die Athmung sehr beschleunigt war etc. Die Kranken erholten sich in den wenigsten Fällen wieder; bei der Section fand man den Pansen so leer, dass man ihn wie einen leeren Sack um den Ann wickeln konnte. Auch We iget (Sachs. Jahresber., 1888. S. 74) hat bei hochträchtigen Kühen ähnliche Nachtheilo nach länger dauernden Eisenbahntransporten beobachtet. Insbesondere sehr gut genährte Kühe erkrankten bald nach der Ankunft und starben nach 824stündigcr Krankheitsdauer. Die auffälligsten Erscheinungen waren hohes Fieber, vollständige Appetitlosigkeit, beständiges Liegen, sowie ein lähmungsartiger Zustand der Verdauungsorgane. Bei der Section fand man den Pansen aufgeblälit, wenig Futter enthaltend, die Leber hyperämisch oder lehmfarbig, die Dünndärme stark gerothet, zuweilen bestand auch Peritonitis und Hyperämie des Uterus. Weigel sucht die Krankheitsursache in ungenügender oder längere Zeit ausfallender Füllung des Pansens (2 3 Tage), Mangel an Ruhe resp. Lagerung sowie in Erschütterung des Rückenmarks, lieber ähnliche Fälle berichtet Köder. Die bisherigen Beobachtungen lassen einen sichern Schluss bezüglich der Natur der obigen als Pansenleere bezeichneten Krankheit nicht zu.
Erbrechen. Aussei- bei der Pansenüberfüllung sowie bei manchen Schlundkrankheiten (Divertikel) beobachtet man beim Kind Erbrochen zuweilen bei Darminvagination sowie nach dir Anwendung des Eserins, Eseri-dins, Pilocarpins, Arecolins, Veratrins und Apomorphins. In anderen Fällen sind die Ursachen des Erbrechens unbekannt (z. B. in dem von Wagenheuser beschriebenen Fall).
Labiiiageiikntavrh und Labmagen Bttnndarmkatarrh des Rindes.
Literatur. Harms, D.Z.f. T/i., 187G. S. 197; 1889. S. 350; Erfahr, üb. lilnderkvl-h., 1895. 8. 52. 54. Pbietsch, S. J. /.'., 1877. S. 106. Saakk, B. A., 1870. S, 232. Ostertao, Z. f. Fl. u. M., 1890. 1. Heft. Kitt, M. J. B., 1892/93. S. 32.
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Liibinagoukiitarrli.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;115
Wie schon erwähnt, können bei den Wiederkiluern die verschiedenen einzelnen Magenabtheilnngen primär von katarrhalischen Entzündungszuständen befallen werden. So scheint auch der Labmagen nicht so selten der Sitz einer primären Erkrankung zu sein, wobei freilich eine sichere Diagnose meist sehr schwierig ist. Prietsch fand bei 600 geschlachteten, scheinbar gesunden Rindern in 2025 Proc. aller Fälle theils acute, theils chronische Katarrhe des Labmagens. Ostertag hat bei der Mehrzahl aller geschlachteten Kinder unter dem Epithel der Labmagenschleimhaut einen neuen Parasiten, den Strongylus convolutus, vorgefunden, von welchem er annimmt, dass er bei starker Invasion Abmagerung und hydrämische Kachexie verursacht. Da sich die Beschreibungen des Krankheitsbildes des Labmagenkatarrhs in einzelnen wesentlichen Punkten widersprechen, kann von einer einheitlichen Schilderung der Symptome des Labmagenkatarrhs vorerst noch nicht die Rede sein; es sollen daher nur die einschlägigen Beobachtungen in Kürze für sich referirt werden.
Saake beobachtete den Labmagenkatarrh bei jungen Kindern, Ochsen, und bei Kühen vor und nach dem Kalben. Die Erscheinungen sind im Anfange dieselben wie bei den anderen gastrischen Leiden; unter stetem Wechsel von Besserung und Verschlimmerung tritt sodann eine öftere Gasentwicklung im Pansen hinzu, wobei die Thiere trotz hochgradiger Tronnnel-sucht auffallendes Wohlbefinden an den Tag legen können. Bei der Auscultation des Pansens hört man einen eigenthümlichen, oft sehr lauten Metallklang, den S a a k e für ein p a thogn ostisch es Zeichen des L a b-m agenkat arrhs hält, da er beim gewöhnlichen Aufblähen in dieser Weise nie vernommen wird. Später stellt sich bei den erkrankten Thieren starke Diarrhöe mit allmählicher Abmagerung ein, welche einen chlorotischen Zustand mit Neigung zu Oedembildung im' Kehlgange zur Folge hat, wobei der Appetit alienirt und launenhaft wird, ohne dass ausgesprochene Leok-sucht vorhanden wäre. Bei Druck auf die i'ecbte ünterbauchgegend sind die Thiere empfindlich. Der Verlauf des Leidens ist sehr protrahirt und der Ausgang häufig nach Monate langer Dauer tödtlich. Bei der Section findet man starke Schwellung der Mucosa und Submucosa, welch letztere am Pylorus und am Anfange des Duodenums ödematös inflltrirt und zuweilen bis zu 4 cm verdickt ist, ferner katarrhalische Röthung besonders in der Pylorusgegend und bei chronischem Verlaufe follikuläre Schleimhautgeschwüre. Bei der Behandlung der Krankheit hat sich das Tannin in Dosen bis zu 50 g pro die sehr erfolgreich erwiesen. Harms beschreibt unter dem Namen Labmagen-Dünndarmkatarrhquot; eine plötzlich auftretende und acut oder chronisch verlaufende Verdauungskrankheit, welche sich von dem gewöhnlichen Magendarmkatarrh durch die ikterisehe Färbung der Conjunctiva, die normale Beschaffenheit der Faces, die ungestörte Pansenthäfig-keit nach der Füllung desselben, sowie Schmerzäusserungen bei Druck auf die Labmagengegend unterscheidet und späterhin , bei längerer Dauer mit Erscheinungen der Lecksucht verläuft. Bei der Section findet man anfangs ödematöse Schwollung, Hyperämie und schleimigen Belag; später wird die Schleimhaut dicker, grobfaltiger. Die Behandlung besteht nach Harms
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Maireudarmkatarrh dos Junfirviehs.
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in Diät, leicht, verdauliehom Futter, sowie in der Verabreichung von Karlsbader Salz und Salzsfture, Hanns beschreibt ferner im Gegensatze zu der von den Laien gewöhnlich angenommenen LöserverstoplVuig eine veritable Labmagenrerstopfung, wobei der Labmagen 45 Liter wiedergekäutes Futter enthielt, so dass or von weitem für den Pansen gehalten wurde. Die Erscheinungen während des Lebens bestanden in häutigem Eülpsen, Schmer/, bei Druck auf die Labmagengegend, Speicheln, Erbrechen, sowie starker Anlüllung des Mastdarmes. Einen Fall von Scirrhus des Labmagens hat Kitt beschrieben.
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Magen- und Daviukatarrb des Jungviehs.
Literatur. Bhuqnone, T^n Maacalola, Turin 1771. Dknauh, Beo., 1828. Dela-FOND, Ibid., 1844. Darreau, lind., 1840. Mazoux, J. de J'i/nn, 18ö0. Dltont, Reo., 1871. Nr. 1 f, Kamm, H'. f. Th., 1873. S. 391; 1884. S. 382. Philippi, S../. H., 1875. S. 109. - Dirter, Ibid., 1877. S. 108. Zündei, Der Gesundheitszustand etc., 1881. S. 93. Albreoht, W. f. Th., 1888. S. 335. Ohandord, Rec, 1888. Schwarzmeier, Oe. M., 1889. S. 480. Pauchenne, BM. Bdg., 4. Bd, -Barinetti, Clin, vet,, 1889. Imminoer, W, /'. Th,, 1890. S. 40. Leyendeoker, H. th. M., 1891. S,164. Haubker-Siedamorotzky, L. Th., 1893. S.58.Eppinger, Th. C, 1894. S.854.Hobday, The Vet., 1894. Harms, Erfahr, üb,BlnderkrM., 1895. S. 85-
Allgemeines. Der Magendarmkatarrh des Jungviehs (Säuglinge und Absetzlinge) verdient insofern eine gesonderte Besprechung, als er für Thierzucht und Landwirthschaft unter Umständen eine grosse Bedeutung erlangen kann und sich vom Magendarmkatarrh der erwachsenen Thiere nach Ursachen, Verlauf und Behandlung nicht unwesentlich unterscheidet. Dazu kommt noch, dass er häufig mit der infectiösen sog. weissen Ruhr verwechselt und unter der letzteren Bezeichnung mit beschrieben wird. Auch aus diesem Grunde empfiehlt es sich, den einfachen Magendarmkatarrh des Jungviehs im Gegensatze zur infectiösen Dysenterie in einem besonderen Capitel abzuhandeln.
Aetiologie. I. Krankheitsursachen bei den Säuglingen. I.Krankheiten und abnorme Verhältnisse beim Mutterthier. Die körperlichen Zustände des Mutterthiers stehen durch die A'ermittlung der Muttermilch in innigster Beziehung zum Wohlbefinden des Säuglings; auf diesen wirken insbesondere alle Ver dauungs krank h eiten, Ernährungsstörungen, kachele tische und Schwächezustände der Mutter in ähnlicher Weise schädlich ein. Am gefährlichsten sind die Tnfectionskrankheiten, so besonders die Maul- und Klauenseuche, ausgebreitete Tuberkulose, Eutertuberkulose; sehr häufig verursacht auch eine beim Mutterthier vorhandene Mastitis, ja selbst die vorübergehende Congestions Schwellung des Euters beim Rinde Magendarmkatarrh. Von grösster Wichtigkeit ist sodann die Pütterunff
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Magendarmkatatrh des Jnngviehs,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;117
des Muttertliieres. Eine zu mastige, intensive, stifkst.oflreiclie Nahrung (Körner, HiilseniVüelite, Klee) wie auch eine zu schlechte, wässerige (ausschliessliche Schlempe-, Rüben-, Grihil'ütterung) oder verdorbene faulige (f'fiule Kühen und Karloffeln, ranzige Oelkuchen) kann heim Säugling durch ihre Einwirkung auf die Milch Digestionsstörungen erzeugen. Von solchen Milchfehlern werden hauptsächlich beschuldigt: eine zu fette und zu wässerige (fettarme), eine schon im Euter gerinnende, eine bittere, ranzige, eine zähe, schleimige (zu eiweissreiche), eine an Casei'n zu reiche oder zu arme Milch. Auch fremde Bestandtheile in der Milch (ätherische Oele, harzige und scharfe Stoffe, Gifte, Arzneimittel, besonders Abiuhrsalze) können reizend auf die Magen- und Darmschleimhaut einwirken. Weiter führen Ueberanstrengungen des Mutterthiers durch Beeinträchtigung der Milchsecretion und Milchqualität zu Erkrankung des Jungen. Endlich wird von Manchen das übliche Ausmelken der Colostral-milch mit der Entstehung der Krankheit in Verbindung gebracht.
2.nbsp; nbsp;Diätfehler beim Sauggeschäft. Hieher gehört als eine der häufigsten Krankheitsursachen die Aufnahme zu grosser Mengen von Milch auf einmal, wenn das Junge zu lange von dem zur Arbeit verwendeten Mutterthier entfernt und dabei zu hungrig geworden ist. Auch sonstige Unregelmässigkeiten beim Säugen (zu kleine oder zu grosse Pausen), die Verabreichung von Milchsurrogaten u. s. w. können Katarrhe zur Folge haben.
3.nbsp; nbsp;Erkältung der neugeborenen Thiere durch kalten, feuchten Stall, kaltes Euter.
4.nbsp; Das Zurückbleiben des Darmpechs, wobei die eintretende Verstopfung zur Zersetzung des Darminhalts und Reizung der Darmschleimhaut durch die Zersetzungsproductc Anlass gibt.
11. Krankheltsursaclien bei den Absetzlingen. 1. Fehlerhafte Abgewöhnung der Thiere. Die zu frühe Verabreichung von Trockenfutter, besonders von rauhem, grobstengligem, schwer verdaulichem, reizendem Futter muss eine Erkrankung des Magens und Darmes zur Folge haben. Auch alles verdorbene Futter, zu kurz geschnittener Häcksel u. s. w. kann die Krankheit veranlassen.
2.nbsp; nbsp;Unpassende Milchsurrogate, besonders solche, die sehr stärkemehlhaltig sind. Dieselben wirken durch Erzeugung saurer Gäh-rungen (Essigsäure-, Milchsäure-, Buttersäuregährung) entzündungserregend auf die Darmschleimhaut ein.
3.nbsp; nbsp;Rauhe Witterung, besonders beim Frühjahrs- und Herbstweidegang; zu kaltes Tränken der Thiere.
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Masendarmkatairh des Juno-vielis.
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4. Der Zahnwechsel, wobei die Thiero alle möglichen Gegen-stiintle benagen und verschlucken.
6, Das Vorhandensein von Wilnuern im Magendarmcanal, so von Strongylus contortus bei der Magenwunnseuche der Lämmer, von Taenia expansa bei der Bandwurmseuche derselben, von Strongylus armatus bei Saugfohlen, Sohliesslioh disponiren angeborene Verdauungsschwilche, Krankheiten der Gekrösdrüsen etc. einzelne Individuen besonders zu Magendarmkatarrh, wozu im Uebrigen jedes neugeborene Thier vermöge der Empfindlichkeit seiner Verdauungsorgane Anlage hat.
Anatomischer Befund. Die anatomischen Veränderungen im Magen und Darm sind im Allgemeinen die beim erwachsenen Thier angegebenen, nur entsprechen sie bei tödtlich verlaufenden Fällen nicht immer den hochgradigen Krankheitssymptomen während des Lebens. Der Mageninhalt besteht bei Säuglingen in meist derben, klumpigen Käse gerinn sein (wobei indessen nicht selten das Normale für abnorm gehalten wird), bei Absetzungen in zusammengeballten rauhen Heu- und Strohmassen. Die Schleimhaut des Magens und Darmes zeigt die verschiedensten katarrhalischen Veränderungen : Röthung, Schwellung, Follikularkatarrh, selbst Geschwürsbildung im acuten, Atrophie, Verdickung, Wulstung, Pigmentirung u. s. w. im chronischen Stadium; gewöhnlich sind auch die Gekrösdrüsen mehr oder weniger geschwollen. Die Cadaver selbst sind oft sehr abgemagert und zeigen die Erscheinungen der Anämie und Hydrämie.
Symptome. Die Erscheinungen des Magendarmkatarrhs beim Jungvieh können theils allmählich, theils plötzlich auftreten; es hängt dies ganz von der veranlassenden Ursache ab. Bei Säuglingen kann dem Hauptsymptom der Diarrhöe nur eine verminderte und verzögerte Sauglust mit leichter Mattigkeit und Traurigsein der Thiere vorausgehen. In anderen Fällen, besonders bei Absetzungen, wenn die Erkrankung von Diätfehlern, zu kaltem Getränke, Erkältung überhaupt ausgeht, beginnt die Krankheit plötzlich mit Fieber und ausgesprochener Störung des Allgemeinbefindens: ungleichmässig vertheilter Körpertemperatur, kalten Beinen, trockenem Flotzmaul, Schwäche und Niedergeschlagenheit. Die bald sich einstellende Diarrhöe besteht zunächst in Entleerung dickbreiiger Kothmassen von normaler Farbe und normalem Gerüche; später ist der Koth mehr dünnflüssig und heller und wird oft im Bogen abgesetzt; zuletzt
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Magendarmkatari'h des Jungviehs,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; HO
kommen sclmiiorige, gelbe oder graugrüne, .schäuiuende, mit Flocken und Klumpen untermischte, sauer oder intensiv faulig riechende Massen zum Vorschein, die gegen das Ende Blutstriemen und blutige Färbung aufweisen, unwillkürlich abgehen, die Hinterschenkel und den Schweif besudeln und durch ihre ätzende Wirkung die Haare in der Umgebung des Afters zum Ausfallen bringen. Gleichzeitig beobachtet man Afterzwang und leichte Kolikerscheinungen; die Thiere stehen mit gekrümmtem Rücken und unter den Leib gestellten Füssen da, zeigen eine trockene Haut und struppiges Haar, ihre Ausdünstung wird sehr übelriechend, die Mattigkeit und Schwäche nimmt überhand. Mit der Diarrhöe complicirt sich häufig das wiederholte Auftreten von Tympanitis; man findet periodische Ansammlungen von Gasen im Pansen und in den Gedärmen und dem entsprechend vorschieden hochgradige Aufblähung des Hinterleibes. Diese Blähsucht geht aus den im Verlaufe des Maffendarmkatarrhs eintretenden abnormen Gährungen und Zersetzungen hervor und kann sich bald vor oder nach, bald auch gleichzeitig mit der Diarrhöe entwickeln.
Die Krankheit kann sowohl acut als chronisch verlaufen; in manchen Fällen tritt der Tod schon nach wenigen Tagen, in anderen erst nach mehrwöchentlicher Dauer des Leidens ein. Die Todesursache ist meist Erschöpfung, allgemeine Anämie und Hydrämie, Zuweilen gesellen sich k a t a r r h a 1 i s c h e P n e u m o n i e n hinzu, bezw. haben sich solche aus den Atelektasien gebildet, wie sie häufig genug unmittelbar nach der Geburt bei Schwächlingen etc. vorkommen. Im Unterschiede zur Dysenterie (Ruhr) zeichnet sich der einfache Darmkatarrh durch mehr sporadisches Auftreten, leichtere Erkrankung, günstigen Krankheitsverlauf, sowie durch den Dquot;instand aus, dass er nicht so unmittelbar nach der Geburt auftritt, wie die infectiöse Ruhr.
Prognose. Dieselbe ist beim Magendarmkatarrh des Jungviehs immer vorsichtig zu stellen; insbesondere ist eine längere Dauer des Durchfalls und der Tympanitis sehr gefährlich. Im Uebrigen richtet sich die Vorhersage nach den zu Grunde liegenden Ursachen.
Behandlung. Die Therapie ist zunächst eine diätetische und erst in zweiter Linie eine medicamentöse. Vor Allem handelt es sich um Beseitigung der Krankheitsursachen. Demzufolge hat sich bei Säuglingen die Therapie hauptsächlich auf das Mutterthier zu erstrecken. Alle Momente, welche die Beschaffenheit der Muttermilch in ungünstiger Weise beeinflussen, insbesondere zu mastiges
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Magendarmkatarrh des
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hiiiquot;vie)is.
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Futter, zu schlechte Nalu-uug-, zu anstrengende Arbeit, zu langes Verweilen der Milch im Euter müssen beseitigt werden. Ist die Erkrankung des Jungen mit Sicherheit auf das Mutterthier zurückzufUbreu, so kann man dasselbe diesem schädlichen Einfluss auch dadurch entziehen, dass man es einer altmelkenden gesunden Kuh unterstellt. Liegt der Diarrhöe ein Diätfehler zu Grunde, so muss derselbe sofort abgestellt werden; bei Säuglingen hat man Sorge zu tragen, dass dieselben nicht zu viel Milch auf einmal, sondern nur kleinere Mengen, und diese um so öfter erhalten, da ihr Magen auf grössere nicht eingerichtet ist. Kann man die Thiere nicht nach Belieben saugen lassen, so gebe man ihnen wenigstens täglich 8 4mal Gelegenheit dazu. Bei Absetzungen hüte man sich vor zu frühem und raschem Abgewöhnen; beispielsweise gewöhne man Kälber nicht vor 4G Wochen, Lämmer nicht vor ü4 Monaten, immer aber nur allmählich an festere Nahrung, wobei alle reizenden und schwer verdaulichen Futterstoffe zu vermeiden sind.
Gegen den Durchfall selbst bringt man zunächst leicht adstrin-girende und einhüllende Hausmittel in Anwendung. Hieher gehören Brennsuppen, geröstetes Mehl oder Malz, Kaffee, rohe Eier, Leimwasser, Althäa- und Gummischleim, Haferschleim, Hanfsamen-, Mohnsamen- oder Mandelmilch, Abkochungen von Hopfen oder Mohnköpfen. Von eigentlichen Arzneimitteln kann man oft zweckmässig, besonders bei Ansammlung zersetzter, gährender Massen im Darme, mit einem leichten Abführmittel beginnen. Man gibt z. B. 23 Esslöffel voll Ricinusöl oder gewöhnliches frisches Leinöl bezw. Salatöl; ferner 25 80 g Glaubersalz oder Bittersalz in einer schleimigen Abkochung für Kälber (für Lämmer den vierten Theil). Auch der Boraxweinstein ist als Abführmittel empfohlen worden (Kälber 2030,0, Lämmer 510,0).
Gegen die abnormen Gährungen im Darmcanal ist in erster Linie das Creolin (Kälbern 25,0, Lämmern 0,51,0) zu empfehlen; dasselbe wird in den genannten Dosen täglich 2 3mal in kaltem Wasser gelöst eingegeben. Ausserdem hat man kohlensaure Magnesia und Soda (messerspitzenweise), sowie Kreide und Knochenmehl empfohlen (thee- bis esslöffelweise). Auch Kreosot (35 Tropfen pro Kalb, lfi1 Tropfen pro Lamm in schleimigem Vehikel), Theer (in Form des Theerwassers innerlich und als Klystier), Salicylsäure (Kälbern 12 g, Lämmern V-i V2 S m^ Spiritus), Res or ein, ätherisch-ölige Mittel und andere Antiseptica sind als wirksam befunden worden.
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Fremdkörper im Ma^on dos Rindes.
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Bei schweren Uurchfilllon leisten Opium und Rhabarber die besten Dienste. Man gibt das Opium entweder als solches (1,03,0 pro Kalb, 0,10,2 pro Lamm) oder in Form der Timtura Opii simplex oder des Dower'schen Pulvers (je 5,010,0 pro Kalb, 1,02,0 pro Lamm). Die Rhabarberwurzel wird am besten in Abkochung gegeben (2,05,0 pro Kalb, 0,51,0 pro Lamm). Ausserdem können die übrigen bekannten Adstringentien und Stypt-ica Anwendung finden.
Endlich wäre auf die Ausspülung des Darmcanals durch ad-stringireade Irrigationen hinzuweisen; hiebei können z. B. Ipro-centige Alaun- oder Tanninlösungen verwendet werden.
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Gastrische Störungen, dnrch Fremdkörper In den Yonnttgen des Kindes herbeigeführt.
(Tmimatisclie Indigestion, traumatische Magen-Zwerchfellentzünduug.)
Literatur. Lindenbero, Mag,, 1847. S. 190. Daffieno u. Lessona, Qiorn, dl Vet., 1862. Ammv, liec, 1857. Hahn, W. f. Tit., 1858. S. 393. Kretschmar, S. J. II., 1861. S. 110. BDrchner, W. f. TU., 1862. S, 301. Obioh, Ibid., 1863. S, 1 fi'; 1864. S. 411. Schwarz, Md., 1863. S. 12; 1870. S. 214. Berqemann, jl/or/., 1863. S. 404. Meyer, 76laquo;/., 1864. S. 257. Schmidt, fr. M., 1867/68. S. 153. ~ .Tost, Ibid., S. 158. Leiserino, S. ./. I!., 1868. S. 22. VoiotUwder, Ibid., S. 58. Euler, Ibid., S. 58. LanüSSE, ./. du Midi, 1869. Harms, Mag., 1871. S. 449; h'rfa/n: üb. Binderhrkh., 1895. S. 73 u. 92. - Vachetta, Gaz. medico-vet., 1871. Anaoker, Thrzt., 1872. S. 49. ZlPPERLEN, Kep., 1874. S. 27.
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nbsp; Mener, Ibid., 1889. S. 308. LllTLEWOOD, 27raquo;laquo; Vet, 1889. S. 845. - Lucet,. Presse vet., 1889. - Schmidt, /V. M., 1889. S. 67. Bru, Iterue vct., 1890. Mo-rot, ./. de Lyon, 1890. Michaud, Sehw. J., 1890. S. 78. Eder, W. f. Th., 1891. S. 249. Hoffmann, Th. Chir., 1891. S. 485. Schleo, 8../. B., 1891. S. 100. -Wilhelm, Ibid., S. 54. Strerel, Sehw, A., 1891. S. 255. Tvvaeht, A. de Brn.r., 40. Bd. S. 134. Kxudsen, M. f. Durl., 1890/91. Marqüardt, I), th. M., 1892. S. 104. Noack, S. J. n., 1892. S. 102. Feldmann, Tet. A., 1892. Kolh, ()'. /. Th., 1892. S. 439. A. Eher, S. J. li., 1893. S. 28. Frbytao, Ibid., S. 119. -Wilhelm, Ibid., S. 120. Hoffmann, B. th. W., 1893. S, 515. Perihi. Oe. M., 1893. S. 412. Buch, D. th. W., 1893. S. 40. Wagemheuseh, IF. f. Th,, 1893. S. 125. Bppinoer, Th. C, 1893. S. 151. Sciiöreul, M. f.p. Th., 1893. V. Bd. S. 77. Werkmeister, W. f. Th., 1894. S. 15. BIRNBAUM, Ibid., S. 403. Knoi.l, li. th. W., 1894. S. 198. Zimmermann, Ibid., S. 351. Mei.tzer, I), th. W., 1894. S. 292. - R. Fröhner, B. th. W., 1894. S. 556. Wf.lte, 1gt;. th. W., 1895. 8. 57.
nbsp;Glitard, Trogt: vcH., 1895. S. 41. Kren, W. f. Th., 1895. S. 90. Vocci, Ibid., S. 37. Kriohkls, B. th. W., 1806. S. 74.
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122nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Fremdkörper im Magen des Rindes.
Allgemeine Bemerkungen. Die Literatur der durch Fremdkörper
im Magen der Wiederkäuer hervorgerufenen Störungen ist eine sehr reiche. Meist betrifft dieselbe indess die sog. traumatische Carditis und Pericarditis, welche eine Complication, ein gewisses Stadium der hier zu besprechenden lediglich gastrischen Aft'ection dai'stellen. Die traumatische Her/.erkrankung wird erst später bei den Krankheiten des Circulations-apparats besprochen werden. Wenn sie auch ein prägnanteres, charakteristischeres Krankheitsbild darbietet, und deshalb bisher fast ausschliesslich bei Gelegenheit des Capitels Fremdkörper im Magen der Wiederkäuerquot; nur von ihr die Rede war, so lässt sich doch in allgemeinen Umrissen auch ein Bild der durch die Fremdkörper verursachten Störungen von Seiten des Magens und Zwerchfells entwerfen. Fremdkörper im Magen der Wiederkäuer bilden einen ausserordentlich hiiufigen Befund. Insbesondere trifft man sie oft rein zufallig bei der Section und beim Schlachten der Kühe, seltener der Ochsen, ohne jede vorausgegangene Krankheitsäusserung. So wird berichtet, dass sogar ein Tranchirraesser ohne Schaden drei Monate in den Mägen eines Rindes verweilte. In anderen Fällen erzeugen sie jedoch mehr oder minder schwere Affectionen von Seiten der Vormagen und der zunächst liegenden Organe, so besonders des Zwerchfells. Dabei hängt der Grad der Erkrankung vor Allem von der äusseren Beschaffenheit der Fremdkörper ab. Die nachfolgende Eintheilung hat sich als sehr zweck-mässig erwiesen; 1. Stumpfe Fremdkörper, z.B. Steine. 2. Spitze, die Magenwand aber n i c h t in ihrer ganzen Länge perforirende Fremdkörper, z. B. Kägel, die mit einem Kopfe versehen sind. 3. Spitze, scharfe, durch die Magen wand hindurchgehende Körper, z. B. Nadeln, Drahtstücke u. s. w.
Aetiologie. Der Grund, warum Fremdkörper in den Mägen der Wiederkäuer, speciell des Rindes, im Gegensatze zu anderen Haus-thieren so häufig angetroffen werden, ist in verschiedenen Umständen zu suchen. Zunächst kommt dabei die Gewohnheit des Rindes in Betracht, alle naheliegenden Gegenstände zu belecken und womöglich auch zu verschlucken. Sodann pflegt die Art und Weise der Futteraufnahme beim Rinde eine sehr schnelle, hastige, mit oberflächlichem grobem Kauen verbundene zu sein, indem die abgeschluckten Futtermassen erst später beim Wiederkauen mehr zerkleinert werden. Weiter hat man gefunden, dass insbesondere Kühe mit weiblicher Bedienung, welch letztere mit spitzen Gegenständen, namentlich mit Haarnadeln und Nähnadeln oft geradezu gespickt ist (Obich), am häufigsten an den Wirkungen abgeschluckter Fremdkörper erkranken, während dies bei männlicher Bedienung (Schweizer) viel seltener der Fall ist. Auch trifft man die Krankheit vorwiegend in kleineren Wirthschaften, in denen alle möglichen Küchenabfälle verfüttert werden, sodann in den Ställen von Schustern, wo die Innenwand der Mägen mit Schusternägeln geradezu ausgepflastert sein kann, in der Umgebung von S tru mp f w e b e r e i e n und Nadelfabriken, in Stallungen, die mit sog. Scharschindeln gedeckt sind, endlich lüluliger
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Fremdkörper im Magen des liiudos.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 123
bei Stall- als bei Weidefüttenuig-. Dabei beobachtete Harms, dass in erster Linie die am Ende der Krippe siebenden Tliiere durcb Fremdkörper gefährdet sind, weil sich an den Enden der meist leicht geneigten Krippe Fremdkörper am liebsten ansammeln.
Anatomischer Befund. Von stumpfen Fremdkörpern finden sich in den Vormagen am häufigsten Steine sowie Ansammlungen von Sandmassen. Ausserdem beobachtet man Haarballen, Kleidungsstücke, Lederzeug, Riemen, abgebrochene Peitschenstiele, Kugeln, Löffel, Geldstücke etc.; selbst Ringelnattern und Kreuzottern sind angetroffen worden. Diese Körper rufen auf der Schleimhaut der Mägen katarrhalische resp. entzündliche Processe hervor. Bei der sog. Magenversandung besteht der Mageninhalt aus einer harten, compacten, sandigen Masse, wobei die Schleimhaut dicht mit Sand incrustirt ist.
Die spitzen, die Magenwand jedoch nicht vollständig perforirenden Fremdkörper sind meist mit einem Kopfe versehene Nägel, Stecknadeln, Haarnadeln, abgebogene Drahtstücke. Gewöhnlich sitzen sie in der Haube, da in dem voluminösen Pansen die Möglichkeit zur Einkeilung eine viel geringere ist, während die starken Contractionen der Haube in Verbindung mit dem netzartigen Bau ihrer Innenfläche und der Kleinheit des Organs dieselbe begünstigen. Die Haubenwand zeigt am Orte der Einwirkung des Fremdkörpers eine umschriebene Entzündung und eine oft schwer zu findende Wunde mit Canalbildung und schwieligen, an beiden Enden zuweilen stark verdickten Wandungen von grauer oder graublauer Farbe und eiterigjauchigem, mit Futterstoffen untermischtem Inhalte. In der Umgebung der entzündeten und perforirten Wandstelle ist die Haube meist durch plastische, oft fingerdicke peritonitische Auflagerungen mit ihrer Nachbarschaft, vor Allem mit dem Zwerchfell, verwachsen, welches ebenfalls entzündet ist; daneben finden sich grüssere oder kleinere Abscesse in der Nähe der Verwachsungsstelle, sowie, wenn auch seltener, zolldicke Auflagerungen von Granulationsgewebe auf dem Zwerchfell. Auch der Pansen ist oft mit der Bauchwand verwachsen und meist sehr stark mit Futter angefüllt. Sehr selten kommen im Psalter und Labmagen perforirende Fremdkörper vor. Der Fremdkörper selbst befindet sich sehr oft nicht mehr in der Wunde, sondern ist in die Haube zurückgetreten; häufig findet man ihn auch gar nicht mehr vor, indem er schon früher mit den Kothmassen entleert wurde, was ehedem zu der Annahme einer Selbstauflösung des Fremdkörpers Veranlassung gegeben hatte.
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l'2-lnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Fremdkörper im Magen laquo;los Rimlos.
Die spitzen, den Magen in ihrer ganzen Länge durchquot; bohrenden Fremdkörper sind: Nadeln (Stopfraquo;, Strick-,Näh-, Schnsters-Nadeln), Drahtstücke, abgebrochene Nägel, spitze Eisenstücke, Messer, Scheeren, Gabeln, Glassplitter, Holzsplitter, Steinsplitter, spitze Kieselsteine mit scharf schneidender Kante, abgebrochene Schirmstöcke und eiserne Schirmstäbe, Dornenstöcke, Rebenzweige u. S, w. Je nach der Richtung, welche der Fremdkörper einschlägt, treten zu den eben geschilderten Veränderungen der Haube und des Zwerchfells noch hinzu: die Erscheinungen einer ausgebroiteteren Peritonitis, Abscesse der Leber und Milz, Verwachsung der Haube mit der Leber, Abscesse in der Brust- und Bauchwand, lobuläre Pneumonien, Lungenabscesse, Verwachsungen der Lunge mit dem Zwerchfell, Pleuritis n. s. w. Unter Umständen dringt der Fremdkörper auch ins Rückenmark, in eine Rippe oder in die Muskeln des Oberschenkels u. s. w, vor; sein Weg ist durch Abscesse, Entzündung, Fistelbildung, Verwachsung bezeichnet. Vereinzelt hat man auch als Todesursache Verblutung in die Haube und den Pansen beobachtet. Die am Herzbeutel und Herzen auftretenden Voränderungen sind im Capitel über traumatische Carditis genauer beschrieben.
Symptome. Die durch stumpfe Körper in den Vormägen des Rindes hervorgerufenen Erscheinungen bestehen im Allgemeinen in chronischen oder acuten Digestionsstörungen, welche ihre Ursache in Reizung, Quetschung und oberflächlicher Verletzung der Schleimhaut haben. Nach Aufnahme grösserer Mengen von Sand, der sog. Magenversandung, linden sich jedoch hochgradigere Krankheitserscheinungen. Nach Krich eis-Schmidt beobachtet man dabei fortwährendes Kauen ohne Abschlucken, Geifern, Stöhnen, verzögerte Darmentleerung, öfteres Liegen, Krümmen des Rückens, allmählich zunehmende Schwäche, einen bei der Palpation steinharten Pansen, unterdrückte und zuletzt gänzlich aufgehobene Magenperistaltik. Der Tod erfolgt am 9,17. Tag; in anderen Fällen bleibt eine chronische Indigestion zurück.
Am häufigsten von den durch Fremdkörper erzeugten Störungen ist die durch spitze Körper veranlasste traumatische Magen- und Zwerchfellentzündung. Das Krankheitsbild ist im Wesentlichen folgendes: Ohne anderweitig eruirbare Ursachen treten plötzlich Digestionsstörungen auf, welche oft mit den Symptomen einer Darminvagination Aehnlichkeit haben, und in plötzlichen Kolikanfällen, Hin- und Hertrippeln, Schlagen nach dem Bauche u. s. w.
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Fremdkörper Im Mafien dos Rindes.
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bestehen. In andern Füllen sind es dagegen bloss die Erscheinungen des acuten Magenkatarrhs, welche die Scene eröffnen. Es beginnt nun eine Ueihe chronischer, periodisch wiederkehrender gastri-* scher Zufälle von sehr wecliselvollem, inconstantem Charakter, unter denen die chronische Tympanitis eine Hauptrolle spielt, und gegen welche, was von grösster diagnostischer Bedeutung ist, gewöhnlich alle angewandten Mittel sicli als unwirksam erweisen. Die meist länger dauernde Krankheit führt schliesslich /.u a 11 m ähliCher Abmagerung und grossem Schwächezustand der Tbiere. Von ausserordentlicher Wichtigkeit für die Diagnose sind ferner folgende Momente: Die Tliiere zeigen bei verschiedenen Gelegenheiten auffallende Seh merz e mpfindung, welche sich durch Stöhnen kundgibt, so nach dein Fressen, beim Liegen, Aufstehen, Herumtreten, Niederlegen, überhaupt bei der Bewegung, wobei der Gang behutsam, ängstlich und gespannt ist und auch der Blick Angst und Schmerz verräth. Ferner ist meist die Palpation der Haube von aussen sehr schmerzhaft; die Palpationsstelle ist links vom Schaufelknorpel an der unteren Bauchwand zu suchen; auch bei Druck auf das Sternum, den Thorax, Widerrist, Pansen empfinden die Thiere oft Schmerz. Die Percussion der Insertionsstelle des Zwerchfells ist bei Zwerchfellentzündung ebenfalls mit Schmerz verbunden; zuweilen findet man auch bei der Percussion eine umschriebene Dämpfung vor dem Zwerchfell (Abscesse, granulirende Neubildungen). Auch die Contractionen des Zwerchfells bei der Inspiration und beim Drängen, sowie die Bewegungen desselben bei d e r Exspiration sind schmerzhaft und von Stöhnen begleitet. Die Bauchpresse wird aus diesem Grund möglichst wenig benutzt, was eine Anschoppung von Koth im Mastdarm zur Folge hat. Endlich beobachtet man bei Verletzung eines grösseren Gefiisses durch den Fremdkörper Abgang von Blut durch den Mastdarm.
Perforirt der spitze Körper Magen und Zwerchfell in seiner ganzen Länge, so treten zu dem beschriebeneu Krankheitsbilde noch andere, durch die Wanderung des Körpers bedingte Erscheinungen hinzu. Die Ursachen dieser Wanderung sind in den Contractionen der Haube und in den Bewegungen des Zwerchfells besonders bei der Exspiration zu suchen, wobei der spitze Körper mit nach vorn gegen die Brusthöhle bewegt wird; in andern Fällen gelangt er durch die Magen-peristaltik in die Bauchhöhle. Die angestrengte Thätigkeit der Bauchpresse bei Geburten, sowie die ausgiebigeren Bewegungen des Zwerchfells bei Transporten insbesondere zum und vom Markte beschleunigen
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Fremdkörper im Magen des Kimles.
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meist das Vordringen des Fremdkörpers. Je nach den verschiedenen Organen, welche durch den wandernden spitzen Körper verletzt werden, compliciren sieh dann mit den Erscheinungen der traumatischen Magen-ZwerchfellentzUndung die einer Carditis, Lungenentzün dung, Pleuritis, eines Pneumothorax, einer Enteritis, Peritonitis, Hepatitis, Pyiimie, Septikilmie, inneren Verblutung; vergl. bezüglich dieser Complicationen und des weiteren Krankheitsverlaufs das Capitel der traumatischen Pericarditis. Hat der Fremdkörper sich endlich einen Weg nach aussen gebahnt, so findet man eine für dieses Stadium der Krankheit ausserordentlich charakteristische Anschwellung an der betreffenden Stelle der allgemeinen Decke, meist an der linken Brustwandung, in der linken Unterrippengegend, Sternalgegend, hinter dem Ellenbogen, die indess auch auf der rechten Thoraxseite, ja selbst in der Bauch-, Nabel-, Flanken-, Eutergegend auftreten kann. Diese phlegmonöse Anschwellung kann von verschiedener Grosse sein (bis mannskopfgross), ist gewöhnlich nur massig .schmerzhaft, von verschiedener Consistenz, und abscedirt schliesslich, wobei sich eine eiterige, jauchige, mit Futterstoffen, Sand etc. untermischte Masse, zuweilen auch der Fremdkörper entleert, und eine Fistel zurückbleibt, durch welche man unter Umständen mit der Sonde bis in den Magen vordringen kann. Diese Fistel schliesst sich oft erst im Verlaufe von Wochen und Monaten, und es tritt vollständige Heilung ein, oder es kommt in der Folge zu einem lang andauernden, chronischen Siech-thum. In manchen Fällen endlich war weder vor noch nach der Abscedirunc an den Thieren etwas Krankhaftes zu bemerken.
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Differentialdiagnose. Die Erkennung der traumatischen Magen-Zwerchfellentzündung ist bald sehr leicht, bald sehr schwer; im Allgemeinen ist die Diagnose nur bei einer genauen Untersuchung und beim Vorhandensein der wichtigeren Symptome zu stellen.
Verwechslungen kommen insbesondere mit chronischem einfachem Magenkatarrh vor; hier kann es sich sehr oft nur um die Aufstellung einer Wahrscheinlichkeitsdiagnose handeln. Die unterscheidenden Merkmale zwischen beiden sind, dass beim einfachen Magenkatarrh die geschilderten Schmerzäusserungen bei Palpation des Zwerchfells, der Haube etc. fehlen, dass die gastrischen Störungen nicht so wechselvoller Natur sind, dass gewöhnlich bestimmte Ursachen vorausgehen, dass eine eingeleitete Behandlung schliesslich doch zur Heilung oder -wenigstens Besserung führt, und dass endlich die Abmagerung keine so rasche und hochgradige zu sein pflegt.
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Fremdkörper im Magen des Rindes.
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Auch die Unterscheidung der traumatischen Magen-Zwerchfell-entzündung von einer Peritonitis undGastro-Enteritis kann Schwierigkeiten bereiten; doch sind die letzteren meist durch einen rascheren Verlauf, höheres Fieber und schwerere Störung des Allgemeinbefindens in der Hauptsache gekennzeichnet. Ist der Fremdkörper in die Lunge vorgedrungen, so kann derselbe die Erscheinungen eines chronischen Lungenleidens hervorrufen, welches von der Lungentuberkulose mit Sicherheit nicht immer zu unterscheiden ist, wofern nicht eine vorausgegangene Indigestion, eine nachweisbare Erkrankung dos Zwerchfells, das Fehlen eines die Lungentuberkulose meist begleitenden ausgedehnten Bronchialkatarrhs einen Fremdkörper vennuthen lassen. Auch mit Lungenseuche ist die Krankheit schon verwechselt worden; indess sind bei Lungenseuche gewöhnlich mehrere Thiere erkrankt, der Verlauf ist ein typischer, die pneumonischen Erscheinungen treten in den Vordergrund, endlich fehlen die Störungen von Seiten des Magens und Zwerchfells.
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Behandlung. Die Prophylaxe der traumatischen Magen-ZwerchfellentzUndung würde im Ersetzen des weiblichen Stallpersonals durch männliches, oder in entsprechender Belehrung, sowie im häufigen Untersuchen der untersten Futterpartien bestehen; Harms schlägt vor, am Ende der Krippe je eine Senkgrube zur Aufnahme der Fremdkörper anzubringen. Von besonderer Wichtigkeit für die Behandlung ist eine frühzeitige Diagnose; so lange letztere mit Sicherheit nicht zu stellen ist, deckt sich die Behandlung mit der des acuten oder chronischen Magenkatarrhs. Steht dagegen die Diagnose fest, so wirft sich immer die Frage auf, was besser ist, frühzeitige Schlachtung oder die Entfernung des Fremdkörpers auf operativem Wege mittelst des Pansenschnittes. In allen Fällen schwerer Erkrankung ist die Schlachtung anzurathen. In nicht zu weit vorgeschrittenen Fällen kann die zuerst von Obich ausgeführte Operation wenigstens versucht werden. Einige wollen damit bei bereits eingetretener Herzbeutelentzündung noch einen guten Erfolg erzielt haben. Das Obich'sche Verfahren besteht in Eröffnung des Pansens in der linken Hungergrube, eine Hand breit unter den Querfortsätzen der Lendenwirbel, durch einen senkrecht von oben nach abwärts verlaufenden Schnitt (vergl. die Lehrbücher der Operationslehre), Eindringen in den Pansen mit der Hand in der llichtung nach vorn und abwärts. Aufsuchen der rechts gelegenen Haubenöffnung, sowie Abtasten der unteren Flüche der Haube nach Fremdkörpern, welche entfernt werden, worauf Pansen- und Bauch-
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IMiiffciuliinukiiiiii'rli beim Fleisohfressei'i
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i lecken wunde, erstere mittelst der Darninaht, letztere mittelst einfacher Kopfnaht geschlossen werden. Die Operation wird von dem wenig empfindlichen Kinde meist sehr gut ertragen und kann selbst wäiirend der Trächtigkeit vorgenommen werden. Sie ist indessen nicht immer von dem gewünschten Erfolge begleitet, da nicht selten bereits schwere Affectionen am Herzen, sowie Abscesse in der Umgebung des Zwerchfells vorhanden sind, und auch eine sichere Diagnose häufig nicht möglich ist; Ob ich hatte z. B. unter 18 Fällen nur 4mal guten Erfolg. Trotzdem kann die Ausführung der Operation in allen diagnostisch einigermassen sicheren und dabei nicht zu weit vorgeschrittenen Fällen empfohlen werden, sofern nicht aus ökonomischen Rücksichten die Schlachtung vorgezogen wird. Neuerdings empfiehlt Schob erl an Stelle der Operation, die Thiere auf den Rücken zu legen und die Gegend links hinter dem Schaufelknorpel mit dem Fusse kräftig tretend zu bearbeiten; bei (JO so behandelten Thieren soll der Fremdkörper nur 2mal nicht in die Haube zurückgetreten sein.
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Magen- und Diirmkiitanii beim Flelsclifresser.
Literatur. Sohliepe, Jfa^., 1866. S. 347. Leiserixh, S. ,/. /;., 1867. 8.2(3. Mkgxix, _/gt; chien. Hiir/ihtc et maladies, 1877. Hertwio, Krkli. il. Hde,, 1880. Fröhner, /gt;. X. /#9632;. Th., 1882. S. ÜO; Ji. A., 1887. S. 344; M. f.p. Th., 1895. S. 291. Popow, Pet, A,. 1885. Frick, Tageblatt der NaturforseherversamnUg,, 1886. Schadrin, Chark. Vet., 1886. ühlich, S. ,/. II., 1887. S. 113. BnXuin, Ibid., S. 111. - U\.Trms,Iientevä., 1888. Schlampp, ,1/../. II., 1891/92. S. 58. Müller, Die Krhhtn. d. Hundes, 1892. 8. 43. Mahim, Clin. vet., 1892.
Aetiologie. Noch viel häufiger als beim Pferde und Rinde sind bei den Fleischfressern, zumal beim Hunde, Magenüberfüllungen, Magenkatarrhe und Darmkatarrhe, Die genannten Krankheiten bilden spe-ciell beim Hunde die überwiegende Mehrzahl (60 Proc.) aller Verdauungskrankheiten. Unter 70,000 in den Jahren 18861894 dem Berliner Hundespitale zugeführten kranken Hunden befanden sich über 4000 = 6 Proc. Fälle von Magendarmkatarrh. Die Ursache dieser Häufigkeit ist wohl in der gewöhnlich gänzlich ungeregelten Diät der Hunde zu suchen. Aber auch die geregelte Diät kann eine irrationelle sein, so besonders die vielfach übliche einmalige Fütterung der Thiere, welche zu einer täglich wiederkehrenden Magenüberladung führt. Namentlich sind es Jagdhunde und säugende Hündinnen, welche in Folge ihrer grossen Fressgier an Ueberladungen des Magens leiden. Aber auch sonst sind Magenüberfüllungen mit grossen Mengen Kartoffeln, Brot, Knochen etc. bei hungrigen Hunden
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Magendarmkatarrh beim Fleischfresser.
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nicht selten. Weitere Ursachen sind die Aufnahme schwer verdaulicher (Hundekuchen) oder mechanisch reizender, desgleichen verdorbener, faulender, fahrender Nahrungsmittel, sowie das Verschlucken fremder Körper, wie dies namentlich bei jungen, spielenden, sowie bei apportirenden Hunden geschieht (siehe das Capitel über Fremdkörper im Darmcanal). Auch schlechte Zähne, hastiges Fressen, rasche Aufnahme zu heissen Futters, sowie äusserliche Erkältung, z. B. mich dem Scheeren oder Baden, sind als häufige Ursachen zu nennen.
Als Theilerschein ung sieht man acute Magen- und Darmkatarrhe beim Fleischfresser besonders im Verlaufe der Staupe, sowie chronische bei einer Reihe von chronischen Krankheitszuständen, z. B. bei Magengeschwür, Eingeweidewürmern, Stauungen im Pfortadersystem nach chronischen Herz-, Lungen- und Leberkrankheiten, Mor-bus Brightii etc.
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Symptome. 1. Magenü berladungen führen meist zu Erbrechen, wodurch rasch ein Ausgleich erfolgt. Bleibt das Erbrechen ausnahmsweise aus, so treten doch Würgbewegungen auf, verbunden mit starkem Speicheln und Geifern, der Appetit fehlt ganz, die Hunde wenden sich sogar oft mit förmlichem Ekel von dem vorgesetzten Futter ab, der Durst ist meist gesteigert; bei Druck auf den angefüllten Magen stöhnen die Thiere. Die Respiration ist oft auffallend beschleunigt. Die Hunde sind sehr traurig und unlustig, mürrisch, selbst launisch, oder sie verrathen eine gewisse Unruhe, wechseln häufig das Lager, stöhnen und winseln und zeigen selbst ausgesprochene Kolikerscheinungen. Fieber ist nicht vorhanden.
2. Magenkatarrh. Wenn überhaupt bei unseren Hausthieren eine Unterscheidung zwischen Magen- und Darmkatarrh möglich ist, so kann dieselbe am ehesten noch bei den Fleischfressern versucht werden, da bei ihnen das für den Magenkatarrh wichtige Symptom, das Erbrechen, selten fehlt. Man darf indess dabei nicht ausser Acht lassen, dass das Erbrechen für den Magenkatarrh keine patho-gnostische Erscheinung ist. Vielmehr kommt Erbrechen noch bei verschiedenen anderen krankhaften Zuständen vor: so bei Magendarmentzündung, Magenkrebs, Magengeschwür, Dilatationen, Stenosen, In-carcerationen, Fremdkörpern des Darmes, bei Helminthiasis, Peritonitis, Zwerchfellentzündung; bei den verschiedenen Erkrankungen des Schlundes, bei Pharyngitis, sehr häufig überhaupt beim Husten, sodann bei Urämie, Septikämie, Eklampsie, Epilepsie, bei Gehirnent-
Friedberger u. Fröliuer, Pathol. u. Therapie d, Hausthiere. I. Bd. 4. Aufl. 9
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Magenciarmkatarrh beim Fleischfresser.
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Zündungen, Gehirnapoplexien, Geliirnerschütterungen, bei Otorrhöe, Vergiftungen etc.
Der Verlauf des Magenkatarrhs ist beim Fleischfresser bald aeut, bald chronisch, fieberhaft oder fieberlos. In leichteren Fällen ist aussei-einer gewissen Unlust zur Bewegung und einer psychischen Verstimmung, einem verminderten oder wählerischen Appetite und gesteigertem Durste nichts Krankhaftes zu bemerken, und diese Störungen gehen rasch, innerhalb 1 2 Tagen vorüber. Gewöhnlich, kommt es aber bald zu Würg- und Brechbewegungen und zu wirklichem Erbrechen. Das Erbrochene besteht anfangs aus gewöhnlichem Futterbrei, später aus zähem, glasigem, mit Luftblasen gemischtem Schleim, in dem sich zuweilen blutige oder gelbe Streifen befinden; schliesslich kann es, besonders bei heftigem Erbrechen, rein gallig sein. Der Durst ist meist sehr gesteigert und es führt die daraus hervorgehende vermehrte Wasseraufnahme ihrerseits wieder zu neuem Er-brechen. Der Appetit ist vermindert oder ganz darniederliegend; sehr häufig wird auch die etwa verzehrte Nahrung wieder erbrochen. Der Kothabs atz ist meistens verzögert. Die Körpertemperatur ist ungleich vertheilt, die Nase warm, oft auch trocken, der Puls um 20 und mehr Schläge vermehrt, die Temperatur auf 39,039,5 0 C. erhöht. Die Thiere sind sehr traurig, liegen viel, vermeiden ihr gewöhnliches Lager, scharren das Lagerstroh weg, ziehen kühle Plätze vor. Auch hier kann man sehr häufig durch Druck auf die Magengegend S chm e rz äus s e ru n g en hervorrufen.
3. Darmkatarrh. Bei vorwiegender Erkrankung des Darmes fehlt gewöhnlich das Erbrechen, der Appetit ist weniger alterirt, die Magengegend auf Druck nicht empfindlich. Die wichtigste Erscheinung bildet die bei dem kurzen Darmcanal des Fleischfressers regel-mässig vorhandene Diarrhöe. Dieselbe kann dem Grade nach sehr verschieden sein. In leichteren Fällen ist der Koth von mehr breiartiger Consistenz, in schwereren Fällen dagegen wässerig oder schleimig, zuweilen hefeähnlicli, gallig, selbst blutig gefärbt, oft unverdaute Futterreste enthaltend, zeitweise auch stark schäumend, meist aber sehr übelriechend. Gewöhnlich wird dann auch die Umgebung des Afters stark mit diesem diarrhoischen Kothe beschmutzt, es besteht Afterzwang mit häufigem Vordrängen der gerötheten und geschwollenen Mastdarmschleimhaut. Bei jugendlichen, schwächlichen Thieren kann es in der Folge selbst zu Mastdarmvorfall kommen. Im Urin findet man regelmässig Gallenfarbstoife. Fieber fehlt beim Darmkatarrh selten, dasselbe kann sogar sehr hochgradig (40,0deg;41,0quot; C.) werden.
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MagendarinkataiTli beim Fleischfresser.
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Ikterisehe Erscheinungen auf Grund einer vorwiegenden Erkrankung des Zwölffingerdarmes sind beim Hunde und der Katze ungleich häufiger, als beim Pferde und Rinde zu beobachten.
Prognose. Der acute Magendarmkatarrh geht beim Fleischfresser in der Hegel in Genesung aus. Nur bei sehr jugendlichen oder geschwächten Thieren kann besonders bei längerer Dauer einer hochgradigen Diarrhöe sehr bald Entkräftung und selbst der Tod eintreten. Ebenfalls prognostisch ungünstig sind auftretende ikterische Erscheinungen zu beurtheilen. Der chronische Katarrh kommt ebenfalls oft zur Behandlung, ist jedoch wahrscheinlich beim Hunde in Folge der zahllosen Diätfehler viel häufiger, als gewöhnlich angenommen wird; wenigstens scheint das häufige Auftreten von Gallenfarbstoffen im Hundeharn dafür zu sprechen. Die Prognose ist beim chronischen Katarrh lange nicht so günstig, wie beim acuten. Die Thiere magern dabei stark ab, werden anämisch und hinfällig und gehen nicht selten an Erschöpfung zu Grunde. Besonders ungünstig sind diejenigen chronischen Fälle, in welchen die Diarrhöe wochen- und monatelang andauert; sie sind, da ihnen meist organische Veränderungen der Darmschleimhaut (Epithelschwund mit bindegewebiger Hypertrophie der Schleimhaut, Tuberkulose, Neubildungen) zu Grunde liegen, in der Regel unheilbar.
Behandlung. In vielen Fällen von Magendarmkatarrh beim Fleischfresser genügt eine rein diätetische Behandlung. Dieselbe besteht in länger dauernder Entziehung jedweder Nahrung und des Getränkes; insbesondere suche man die oft unmässige Aufnahme von Wasser zu verhindern. Sodann ist häufig ein gründlicher Wechsel in der Fütterung angezeigt. In vielen Fällen haben wir lediglich durch eine Aenderung des Futters, so z. B. durch den Hinweis auf die Schädlichkeit der sog. Hundekuchen, Heilung erzielt. Als Nahrungsmittel dient am besten rohes Fleisch in kleinen und öfters gereichten Portionen. Bei Magenüberfüllung, sowie in allen den Fällen, in welchen der Magenkatarrh auf schädliche Futterstoffe im Magen zurückgeführt werden kann, ist die frühzeitige Entleerung des Magens durch ein Brechmittel das beste: dasselbe heilt den Magenkatarrh und verhindert den Darmkatarrh, der sich in Folge der Weiterwanderung der reizenden Ingesta anschliessen könnte. Bei der Wahl eines Brechmittels ist demjenigen der Vorzug zu geben, welches den Magen am wenigsten reizt; in dieser Beziehung ist das Apomorphinum
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Magendarmkatarrh beim Fleischfresser.
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inuriaticum allen anderen voranzustellen. Man wendet dasselbe vermittelst subeutaner Injection in Dosen von 35 10 mg für den Hund, von 2050 mg für die Katze an (0,1 : 100 cem Wasser; 1 cem der Lösung =-1 mg Apomorphin). Andere Brechmittel sind: Rhizoma Veratri albi (0,050,2), Radix Ipecacuanhae (0,52,0), Tartar. stibiat. (0,10,3 in genügend Wasser gelöst). Feineren Schoss-und Luxushunden kann man auch den Brechwein, Vinum stibiatum oder Vinum Ipecacuanhae, einen Thee- bis Esslöffel voll geben.
Bei anhaltendem Appetitmangel empfehlen sich die eigentlichen Stomachica, unter denen sich besonders die Salzsäure (5:250,0 Wasser; thee- bezw. esslöffelweise), das Pepsin (Salzsäure und Pepsin aä 5,0 : 250,0 Wasser), die Bittermittel (Tinctura Gentianae 10,0; Salzsäure 5,0; Wasser 250,0; thee- bezw. esslöffelweise), die Tinctura Rhei aquosa und vinosa, der Pepsin-, China- und Con-durangowein (täglich 23mal einen Thee- bis Esslöffel voll) eignen.
Gegen Durchfall versucht man zuerst durch eine geeignete Diät anzukämpfen, indem man Trockendiät oder Brennsuppen, Reisoder Gerstensuppen verordnet und hydropathische Wicklungen des Hinterleibes vornimmt; oder man gibt herben Roth we in thee- bis esslöffelweise. Späterhin bedient man sich der Opiate: Tinctura Opii simpl. 2060 Tropfen in Gummischleim oder das Dower'sche Pulver zu 0,5 2,0. In den hartnäckigsten Fällen kann die Verabreichung von Argentum nitricum in Dosen von 15 cg in Pillenform mit armenischem Bolus nöthig werden (Argenti nitrici 0,5; Boli 5,0. M. f. Pil. Nr. XX. D. S. Täglich 1-2 Pillen für einen grossen Hund). Vorher kann noch ein Versuch mit adstringirenden Mastdarminfusionen (Alaun, Tannin, Höllenstein 12procentig) gemacht werden, die wir in manchen Fällen sehr bewährt gefunden haben.
Gegen eine etwaige Verstopfung, die übrigens selten anhaltend sein dürfte, gibt man das den Darmcanal zugleich desinficirende Calomel in Dosen von 0,030,1. Das Erbrechen haben wir beim Magendarmkatarrh der Fleischfresser selten weiter zu bekämpfen gehabt. Sollte dasselbe je zu lästig werden, so verabreicht man zunächst Eispillen (kleine Stückchen Eis), bei feinen Hunden wohl auch Gefrorenes. Oder man gibt kleine Dosen Opium (0,10,2), Tannin (0,10,5), Natrium bicarbonicum (0,51,0), Bromkalium (1 bis 3,0 rectal) etc. Auch das Bismuthum nitricum (0,2 1,0) ist zuweilen von Nutzen. Ebenso können Kreosot, Creolin und Jodtinctur (tropfenweise) versucht werden. Gegen abnorme Gährungs-processe gibt man Calomel (0,030,1), Creolin (12,0),
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Verstopfung beim Hunde.
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Naphthalin (0,52,0). Ist die Krankheit im Allgemeinen abgelaufen, so schütze man die Magen- und Darmschleimhaut noch einige Zeit lang vor zu starken Belästigungen durch schwer verdauliches Futter.
Verstopfung beim Hunde.
Literatur. Kampmanraquo;, Mag., 1839. S. 481. Friedbergkr, .V. J. ß., 1877. S. 99; 1877/78. S. 9G; 1891/92. S. 68. MtolH, Le Men. Hygüne et maladies, 1877. Oadiotj -d. d'Alf'., 1884. Buvsasco, Qiovn, äi med. vet. prat., 1887. Schlampp, M. J. Ii., 1893/94. S. 63. Fhöiineh, M. f. p. Th., III. Bd. S. 503; VI. Bd. S. 291. Ulm, D. th. W., 1895. S. 190. vergl. ausserdem die Literatur beim Capitel Fremdkörper beim Hundquot;.
Aetiologie. Eine mangelhafte oder ganz unterdrückte Koth-entleerung (Hartleibigkeit, Verstopfung, Obstipatio) kommt beim Hunde im Vergleich zu anderen Haustlueren relativ häufig vor. Unter 70,000 in den Jahren 188694 dem Berliner Hundespitale zugeführten kranken Hunden litten nicht weniger als 1275 an Verstopfung (= 2 Proc. aller Krankheitsfälle). Auf 50 kranke Hunde kommt somit ein an Verstopfung leidender. Bezüglich der Ursachen handelt es sich in der Hauptsache entweder um eine ungenügende peristaltische Thätigkeit des Darmes oder um mechanische Hindernisse, welche sich der Weiterbewegung und Entleerung des Kothes entgegenstellen. Die verschiedenen der Verstopfung zu Grunde liegenden Ursachen sind folgende:
1.nbsp; nbsp;Schwerverdauliche oder reizlose Nahrung, hauptsächlich zu reichliche Knochenfütterung, ausschliessliche Fütterung mit Brot, Hundekuchen, Hülsenfrüchten, Mehlbrei; Trockenfütterung.
2.nbsp; nbsp;Mangelhafte Bewegung, besonders bei Ketten- und Stubenhunden.
8. Vorgerückteres Alter, welches durch Atrophie der Darmschleimhaut und Darmmuskulatur die Peristaltik beeinträchtigt.
4.nbsp; nbsp;Ein vorhandener chronischer Darmkatarrh. Derselbe macht die Schleimhaut durch die sich gewöhnlich einstellende Atrophie und die Einhüllung mit Schleim für Reize und die sich daran knüpfenden reflectorischen Darmbewegungen weniger empfindlich und wirkt auch durch die unterdrückte Secretion des Darmsaftes verstopfend.
5.nbsp; nbsp;Mechanische, die Portbewegung des Darminhaltes hemmende Verhältnisse. Hieher gehört die Verstopfung des Darmes durch Fremdkörper der verschiedensten Art, sowie durch Ansammlung der Kothmassen (Koprostase), besonders von Knochen-koth; Stenosirungen des Darmes durch comprimirende Ge-
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134nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Verstopfung beim Hunde.
schwülste in der Nachbarschaft, von denen die Schwellung der Prostata eine Hauptrolle spielt; Druck von abgesackten Abscessen auf den Darm; Erweiterungen und Lähmungen des Darmes, Mastdarmdivertikel; Hämorrhoidalknoten, starke Füllung der Analdrilsen, Vorlagerung verklebter und verfilzter Haare von aussen (sog. falsche Verstopfungquot;).
6, Ausserdem findet man die Verstopfung als ein Symptom verschiedener Allgemeinleiden, so vor Allem im Verlauf fieberhafter Krankheiten, bei welchen die Secretion der Darmsäfte unterdrückt ist, bei allen chronischen, schwächenden Leiden, welche zu Erschlaffung und Ernährungsstörungen der Darmwand führen, sehr häufig im Verlauf des acuten Magendarmkatarrhs nach vorausgegangener Diarrhöe, so auch nach zu häufiger Verabreichung von Abführmitteln, ferner bei Ikterus wegen des Fehlens der die Peristaltik anregenden Galle im Darm, bei Peritonitis und Darmentzündung in Folge ödematöser Durchtränkung und Lähmung der Darmwand, bei Rückenmarkslähmungen und Gehirnleiden als Ausdruck gestörter Darminnervation, bei Erkrankungen des Zwerchfells und der Bauchwandung in Folge verminderter Thätigkeit der Bauchpresse, bei Muskelrheumatismus, insbesondere bei Lumbago rheumatica, bei vermehrter Lactation u. s. w.
Symptome. Während die Verstopfung beim Pferde gewöhnlich zur sog. Verstopfungskolik führt, legt der Hund im Allgemeinen dabei weniger Empfindlichkeit an den Tag. Das Hauptsymptom bildet der verzögerte oder unterdrückte Kothabsatz. Die Thiere stellen sich häufig unter starkem Drängen und zuweilen unter verschieden-gradiger Schmerzäusserung zum Kothabsatze an, wobei entweder gar kein Koth; oder nur mit grosser Anstrengung kleine, trockene, nicht gebundene, sondern in einzelne harte Ballen zerfallene Kothmassen entleert werden, welche oft unverdaute Knochenstückchen enthalten, meist von e-rdiger Beschaffenheit sind (Knochenerde), penetrant übelriechen und wohl auch einen Ueberzug von Schleim und Blut aufweisen. Die B^utteraufnahme ist im Anfang vermindert, später Tage und selbst Wochen lang ganz aufgehoben. Die Peristaltik ist ebenfalls unterdrückt; der Hinterleib ist bald gespannt und aufgezogen, bald tympanitisch aufgetrieben. Bei der Palpation des Hinterleibes, welche durch die Spannung der Bauchdecken sehr erschwert sein kann, findet man meist am Eingang in die Beckenhöhle eine harte, knoten-oder wurstförmige sog. Ko thgeschwulst (Kothstrang). Der Koth-
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Verstopfung beim Hunde.
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sträng reicht mehr oder weniger weit nach vorne, zuweilen bis gegen den Schaufelknorpel des Brustbeines hin, und ist beim Betasten meist schmerzhaft. Die Umgebung des Afters ist oft entzündlich geschwollen und mit gelblich gefärbten, griesigen Filealmassen beschmutzt. Bei der sog. falschen Verstopfung verklebt sich der zähe, festweiche Koth mit den Haaren in der Nachbarschaft des Afters zu einer festen Masse, welche das Absetzen von Koth unmöglich macht. Bei der Exploration des Mastdarms, die für die Thiere gewöhnlich sehr schmerzhaft ist, findet man erhöhte Temperatur, Trockenheit und Schwellung der Schleimhaut, sowie den Mastdarm häufig angefüllt mit Knochenkoth. In anderen Fällen fühlt man die angesammelten Koth-massen entweder gar nicht oder nur mit der Spitze des Fingers. Zuweilen bahnt sich der vor der Kothgeschwulst angestaute Koth einen Weg durch dieselbe, wobei man trotz der vorhandenen Verstopfung den Abgang diarrhoischer, übelriechender, mit vielen Gasen untermischter Massen beobachten kann. Bei gänzlicher Unwegsamkeit des Darracanals stellt sich nicht selten Erbrechen ein.
Fieber fehlt entweder ganz, oder dasselbe bleibt auch bei sehr langandauernder Verstopfung nur ein sehr niedergradiges. Das Sen-sorium ist anfangs nur wenig, später dagegen oft sehr stark eingenommen; hie und da treten auch kolikähnliche Symptome auf. Die Bewegungen der Thiere sind meist träge und unlustig; männliche Hunde uriniren dann und wann auf allen vier Füssen stehend. Charakteristisch ist auch die eigenthümlich gestreckte oder an der Wurzel stark gekrümmte Haltung des Schwanzes, welche oft schon eine Diagnose per Distance gestattet.
Verlauf. Die Dauer der Krankheit ist eine sehr verschiedene und wechselt von einigen Tagen bis zu 4 und 0 Wochen. Bei einer noch längeren Dauer kann es in Folge der Einwirkung des angesammelten Kothes auf die Darmschleimhaut zu den Erscheinungen einer diphtherischen Darmentzündung, Darmnekrose, Septikämie, sowie einer Perforativperitonitis kommen. Auch narbige Stricture n der Schleimhaut sowie Divertikelbildungen des Darmrohrs können als Folgezustände zurückbleiben, und Veranlassung zu wiederholt auftretenden Verstopfungen geben. Die Durchschnittsdauer beträgt 814 Tage. Der Ausgang ist in den meisten Fällen der in Genesung, weshalb die Prognose im Allgemeinen, wenn auch mit Vorbehalt, günstig zu stellen ist; bei längerer Dauer jedoch wird aus den angegebenen Gründen die Prognose vorsichtig bis ungünstig.
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136nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Verstopfung beim Hunde.
Bezüglich der Differentialcliagnose kann vielleicht das Nicht-absetzen von Koth in Folge längeren Hungerns vorübergehend eine Venvccbslung (besonders beim Eigenthümer) mit Verstopfung hervor-rufen. Auch eine Venvecbslung der Kothgeschwulst mit eigentlichen Neubildungen kommt vor. Die Unterscheidung ist indess.bei Berücksichtigung der Form, Härte und Lage der Geschwulst, der Anamnese und des weiteren Krankheitsverlaufes eine leichte. In schwierigeren Fällen kann die Anwendung von Abführmitteln und Mastdarminfusionen, resp. die hiedurch erzielte Beseitigung der Geschwulst das Nichtvor-handensein einer Neubildung darthun.
Behandlung. Die Behandlung der Verstopfung ist einerseits ein- diätetisch mechanische, andererseits eine medicamentöse. In sehr seltenen Fällen (Abscesse, Prostataschwellung, Fremdkörper im Darm) kann auch eine operative Behandlung nothwendig werden (Function, Incision, Enterotomie).
In diätetischer Beziehung handelt es sich um Vermeidung jeder schwerverdaulichen, voluminösen Nahrung (Brot, Knochen, Hundekuchen, Kartofteln u. s. w.). In der ersten Zeit ist sogar eine vollständige Hungerdiät bei ausschliesslicher Verabreichung von frischem, kaltem Wasser angezeigt. Bei längerer Dauer verabreicht man dann nur Milch, gut gesalzene Fleischbrühe und höchstens mageres, knochenfreies Fleisch. Daneben sucht man die Darmperistaltik durch häufige Bewegung des Thieres anzuregen.
Von mechanischen Mitteln ist die Application von Klystieren oder die Einführung grösserer Wassermengen in den Darm mittelst des Kautschukschlauches in erster Linie sehr empfehlenswerth. Man verwendet hiezu am besten reines warmes Wasser, um die angesammelten Kothmassen damit aufzuweichen und herauszuspülen; Kaltwasserklystiere sind nur bei paretischen Zuständen der Darmwand vorzuziehen. Auch Oelinfusionen (3mal täglich 1ji1k Liter Olivenöl) können mit Erfolg Anwendung finden. Glycerinklystiere sind, wie uns zahlreiche diesbezügliche Untersuchungen gelehrt haben, für gewöhnlich unwirksam. Ferner sucht man durch Massage, d.h. durch öfteres vorsichtiges Drücken und Kneten des verstopfenden Koth-ballens von der Bauchwand her, sowie durch häufige Exploration des Mastdarmes mit dem Finger und der Kornzange oder mittelst eines besonderen Eisenlöffels (Curette), sowie Entfernung etwa vorliegender Kothballen die Verstopfung zu beseitigen. Diese Manipulationen können oft geraume Zeit und viel Geduld und Mühe in Anspruch nehmen.
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Verschluckte Fremdkörper beim Hunde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1 37
Mit diesen äusserlichen Mitteln verbindet man vortheilhaft die innerliche Verabreichung von Abführmitteln. Man gibt gewöhnlich Ricinusöl (2050,0 in Emulsion) oder Calomel (0,050,1 mit Zucker als Pulver). In sehr hartnäckigen Fällen, sofern noch keine entzündliche Affection des Darmes vorhanden ist, kann man auch zum Crotonöl greifen, das man am besten in Verbindung mit Ricinusöl (01. Ricin. 10,0 20,0; 01. Croton. gutt. 15 mit Gummi arabicum emulgirt) verabreicht. Diese Abführmittel genügen vollständig; nur darf man sich bezüglich des damit zu erzielenden Erfolges keinen allzu grossen Hoffnungen hingeben, da bei einer Einkeilung des Koth-ballens in das Darmrohr oder bei Lähmung der Darmwand auch die stärksten Drastica das Hinderniss nicht zu entfernen im Stande sind. Wichtig ist endlich eine entsprechende nachherige Diät, um Recidive zu vermeiden; ferner Prophylaxis bei allen Stubenhunden, bei Diver-tikelbildung etc.
Verstopfung bei der Katze. Dieselbe ist bei dieser Thiergattung
seltener und wird meist durch Fremdkörper, Divertikel, Neubildungen etc. veranlasst. Einen eigenartigen Fall von Verstopfung in Folge Mastdarm-scheidentistcl (Cloakenbildung) hat v. Puntigam beschrieben (Oe. Zeitschr. f. Vet., V. Bd. 8. 240). Die Behandlung besteht in Klystieren und Verabreichung von Calomel (0,02).
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Verschlackte Fremäkörper beim Hunde.
Literatur. NlOHOUX, Hep., 1847. S. 101. Straur, Ibid., 1861. S. 105. Adam, W.f. Tit., 1871. S. 190. Fhiedbbrger, irUz'xche/., 1874. S. 343; W.f. Tit., 1871. S. 361. Demetrio, Arch, dl med. vet., Milano 1876. W, f. TJi., 1876. S. 364.
nbsp;Siedamghotzky, S.,/. JB., 1877. S. 62 ; 1880. S. 19; 1882. S. 16. - Felizet, Bevue Vä., 1877. Weuer, /Ml. 800. ceutr., 1877. Feuimann, Oe. Revue, 1878. S. 80. Trasbot, Hull. soc. ceutr., 1878. 1880. Degive, A. de lirux., 1878. Oaory, Bull. soc. centr., 1880. - Haselbach, Oe. V., 1884. S. 50. Zorn, Th.Hducli., 1888. S. 157. Summer, Oe. .1/., 1888. S. 323. Lubuerink, Holl. Z., Bd. 15. 8.284.
nbsp;Van der Stooten, Ibid., Bd. 16. S. 206. Lathrop, Am. vet. rev., Bd. 12. S, 174.
nbsp; Zoja, lief. Eichliorst, Lehrb. d, physikah Vntersuchunysmethodeti, 1889. 11. S. 239. - Bonioal, Ihül. soc. centr., 1890. HOFFMANN, Th. Chir., 1891. 8.485. Mathis, J. de Lyon, 1892. S. 404. Hoare, The Vet., Bd. 67. S. 180. Müller, 8. J. li., 1892. 8. 26. Fröhner, M. f. p, Th., III. Bd. S. 491; IV. Bd. S. 305; V. Bd. S. 534. Deoive, A. de Bruce., 1892. Dexleh, Oe. Z. f. Vet., 1894. S. 51.
nbsp; Boulay, Hec, 1894. S. 218. Larat, Revue rct., 1895. S. 66. Hammersohmid, Th. C, 1895. S. 171. Flösz, M. f. p. Th., 1895. VII. Bd. 8. 109.
Aetiologie. Wie beim Rinde verursachen verschluckte Fremdkörper beim Hunde (seltener bei der Katze) eigenartige Krankheitserscheinungen, welche besonders erwähnt zu werden verdienen, weil sie häufig schon während des Lebens eine Diagnose ermöglichen, eine ganz eigenartige Behandlung erfordern und zuweilen selbst zur Verwechslung
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Verachluckto Fremdkörper beim Hunde.
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mit Wuth Veranlassung geben. Ein Theil dieser Fremdkörper verursacht Blutungen des Magens und Darmes, sowie rein chirurgische Affectionen, wenn dieselben nämlich nach Perforation des Magens oder Darmes zu einer Magen- oder Darmfistel Veranlassung geben. Ein anderer Theil wird bei Gelegenheit der Perforativperitonitis näher besprochen werden. Ein dritter Theil endlich, welcher durch Einkeilung im Magen oder Darm durch eine mehr oder weniger vollständige Verlegung des Darmlumens, sowie hochgradige hämorrhagische und ne kretische Entzündung der Darmschleimhaut gefährliche Krankheitserschei-nungen gastrischer Natur hervorruft, soll hier besprochen werden.
Es sind meistens grössere Knochenstücke, Steine, Blei-, Eisen- und Glaskugeln, Münzen, Knöpfe, Korkstöpsel, Kreisel, Schwämme, besonders P r e s s s c h w a m m, Kastanien, Nüsse, Kinderbälle, Zwirnkniiuel, Holzklötzchen, Schnüre, Kinderschuhe u. s. w., welche gewöhnlich beim Apportiren und Spielen der Hunde zufällig, seltener beim Kauen absichtlich oder unabsichtlich verschluckt werden. So wurde beispielsweise von einem Hunde eine 250 g schwere, 4 cm im Durchmesser haltende Kartätschenkugel beim Apportiren verschluckt. Wir behandelten einen Hund, welcher Münzen apportirte und 3mal hiebei ein Zweimarkstück verschluckte. Eigenthümlicher Weise verursachen Nähnadeln, wofern sie nicht in der Maulhöhle oder im Schlundkopfe stecken bleiben, nach dem Abschlucken selten Krankheitserscheinungen. Zoja gab versuchsweise Katzen Nähnadeln, zum Teil mit der Spitze voran, zum Verschlucken. Von 127 verschluckten Nadeln hatten sich nur 2 aufgespiesst, die eine oberhalb des Pylorus, die andere im Rectum. Die übrigen 125 Nadeln gingen theils innerhalb 4140 Stunden durch den After ab, theils wurden sie bei einigen versuchsweise getödteten Thieren im Dickdarm aufgefunden, ohne dass Verletzungen des Magens und Darmes vorhanden waren. Aehnliches hat man beim Menschen beobachtet (eine Näherin verschluckte, ohne Schaden zu nehmen, 1000 Nähnadeln).
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Erscheinungen. Dieselben sind häufig sehr vager Natur. Im Anfange, so lange die Körper noch frei im Magen liegen, sind krankhafte Störungen häufig überhaupt nicht wahrnehmbar. So sah N i c h o u x einen Hund, der ein silbernes Fünffrankenstück und einen grossen Sou im Magen beherbergte, 12 Jahre lang ohne jedwede Belästigung bleiben; erst bei dem zufällig erfolgten Tode fanden sich die 12 Jahre vorher verschluckten Geldstücke im Magen. In anderen
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Verschluckte Fremdkörper beim Hunde.
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Fällen werden anfangs acute gastrische Erscheinungen und später bei längerem Verweilen der Fremdkörper im Darmcanal die Symptome eines chronischen Magen- und D a r in 1 e i d e n s im Allgemeinen hervorgerufen. Werden indess die verschluckten Fremdkörper irgendwo im Magen oder Darm so eingekeilt, dass sie das Lumen desselben nahezu oder ganz verstopfen, dann ist das Krankheitsbild ein etwas ausgeprägteres. Im Anfange ist der Zustand meist noch ein fieberloser; indess sind die Hunde dabei eigenthümlich niedergeschlagen und traurig, liegen viel, nehmen wenig Futter, dagegen öfters und viel Wasser auf. Hiezu gesellt sich Erbrechen, das nicht selten mit einer gewissen llegelmilssigkeit zu einer bestimmten Zeit nach der Futter- oder Wasseraufnahme auftritt, und zuweilen eine ausserordent-liche Heftigkeit und Hartnäckigkeit erreicht, wobei anhaltend schleimige, gallige, selbst kothige Massen erbrochen werden (sog. Miserere). Ausscrdem beobachtet man nicht selten hochgradigen Ikterus. Dabei ist der Kothabsatz vollständig aufgehoben oder auf ein Minimum beschränkt. Im weiteren tritt Fieber auf, das sich oft auffallend lange auf ganz geringer Höhe erhalten kann, in anderen Fällen dagegen rapid ansteigt; die Futteraufnahme liegt ganz darnieder, und die Thiere magern rasch ab. Manchmal stellen sich auch wuthähnliche Zufälle ein; die Hunde zeigen sich verstimmt und mürrisch, suchen sich zu verkriechen, sind ungewöhnlich reizbar und erregt, verfallen in Convulsionen und epileptiforme Krämpfe (Kaukrämpfe), laufen aufgeregt und planlos umher und äussern selbst ausgesprochene Beisssucht und Zerstörungswuth. Später stellt sich bei diesen Patienten eine rasch zunehmende allgemeine Schwäche ein, die Thiere werden apathisch, bekommen einen klagenden Gesichtsausdruck, liegen fast immer, magern rasch und hochgradig ab, das Fieber steigt, der Puls wird klein und elend, bis eine tiefe Somnolenz den letalen Ausgang einleitet.
Für die Diagnose indess wichtiger, als alle die genannten Erscheinungen, ist nächst der Anamnese eine genaue Palpation des Hinterleibes. Dieselbe stellt, wenn auch nicht immer, so doch in den meisten Fällen die Anwesenheit eines Fremdkörpers im Magen oder Darm mit Sicherheit fest und darf daher nie unterlassen werden. Die Untersuchung des Magens geschieht am besten bei dem auf die Hinterbeine gestellten Thier durch Druck auf die hintere Bauchwand hinter dem Schaufelknorpel des Brustbeins, die des Darmes durch Druck auf die Bauchdecken am stehenden oder auf dem Rücken liegenden Thier.
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140nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Vorschluckte Premdkörpei' beim Hunde.
Die Dauer der durch Fremdkörper beim Hunde erzeugten Krankheitserscheinungen ist eine sehr verschiedene; oft tritt der tödtliche Ausgang in wenigen Tagen, oft aber auch erst nach Wochen und Monaten ein, sofern der Fremdkörper das Darmlumen nicht ganz verlegt hat. In einzelnen Fällen konnte man mit dem Wandern des Körpers eine deutliche Verschlimmerung oder Besserung nachweisen. Insbesondere zeigen Nadeln zuweilen eine Neigung, nach Durchbohrung des Darmcanals eine Wanderung durch den Körper anzutreten und denselben nach Durchbohrung der Muskulatur und Haut unter Abscessbildung in der Rippen-, Flanken-, Schwanzgegend etc. zu verlassen.
Section. Bei derselben findet man, wenn der Fremdkörper im Pylorus eingekeilt ist, die rechte Magenhälfte erweitert und die Magenmuskulatur daselbst je nach der Dauer der Krankheit verschieden stark hypertrophirt: wir fanden sie beispielsweise bei einem mittelgrossen Hunde fast einen Centimeter dick. Die dicken und dünnen Gedärme sind dabei fast oder ganz leer. Hat sich der Körper im Dünndarm festgesetzt, so trifft man den vor dem Körper befindlichen Darrntheil ebenfalls dilatirt und hypertrophisch, das dahinter gelegene Darmstück dagegen verengert und leer. An der Ein-keilungsstelle selbst ist die Schleimhaut entzündlich verändert oder im Zustande einer nekrotischen Verschorfung, von zunderähnlichem Aussehen, wobei auch die übrigen Häute mit Einschluss des Perito-neums in Mitleidenschaft gezogen sein können. Der Weg, welchen der Körper zurückgelegt hat, ist durch Greschwüre, Narben, Blutaustritte, Pigmentinfiltration u. s. w. gekennzeichnet. Zuweilen ist das Steckenbleiben des Fremdkörpers weniger durch seinen grossen Umfang, als durch seine dem Hinweggleiten ungünstige Oberfläche bedingt (z. B. bei Korkpfropfen), wodurch es schliesslich zur Parese der Darmmuskulatur kommt, und der Körper so liegen bleibt.
Therapie. Die Behandlung hat mit der Verabreichung von Brech- bezw. Abführmitteln zu beginnen. Insbesondere lassen sich Fremdkörper (Münzen, Steine u. s. w.), so lange sie sich noch im Magen befinden, oft sehr rasch durch ein Brechmittel (Apomorphin 0,005 subcutan) entfernen. Dasselbe gilt für Fremdkörper im Darm durch Abführmittel, wofern sie nicht eingekeilt sind. In diesem Falle kann nur die operative Entfernung des Fremdkörpers mittelst Laparotomie (Magen- bezw. Darm schnitt) Hilfe bringen. Die von Felizet, Siedamgrotzky, Fröhner, Degive,
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MagciidannkataiTh dos Scliweiucs.
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Dexler, Plösz und Labat in melirercn Fällen mit Erfolg ausgeführte Operation (Laparotomie, Eröffnung des Magens oder Darmes, Herausnahme des Fremdkörpers, Verschluss der Darmwunde durch die Darmnaht, der Bauchwunde durch die Knopfnaht) fordert zu häufigerer Anwendung dieser für Hunde relativ wenig gefährlichen Operation auf. Wir möchten im Uebrigen auf Grund unserer Erfahrungen darauf hinweisen, dass die Prognose des Darmschnitts in solchen Fällen weniger günstig ist, in welchen der Fremdkörper bereits zu einer nekrotisirenden Darmentzündung geführt hat.
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Magen- und Dannkatarrli des Schweines.
Literatur. Spinola, Krkh. d. Schweine. Grimm, S. ./. lt., 1802. S, 112. Weiskopf, I). Z. f. Tli., 1876. S. 226. Marks, V. th. W., 1890. S.66, Benio.n, Traite de l'Herage et des maladies des pores. Sciiuiuiann, W. f. Th., 1891. S. 222. Jeniscii, Ji. th. W., 1895. S. 423.
Aetiologie. Der Magendarmkatarrh beim Schweine schliesst sich in Beziehung auf die Ursachen an den der Fleischfresser an, da das Schwein als Omnivör ähnlichen diätetischen Schädlichkeiten ausgesetzt ist. Zu gewissen Zeiten findet man den Magendarmkatarrh des Schweines seuchenartig als sog. Magenseuchequot;. Diese Krankheit kommt besonders in nassen Jahrgängen und bei weidenden Schweinen vor und ist theils auf Erkältung, Durclinässung und Vernachlässigung, theils auf die üb er mäss ige Aufnahme von Schnecken und Würmern, theils auf infectiöse Ursachen zurückzuführen.
Symptome. Von Erscheinungen des Magendarmlatarrhs beim Schweine sind zu nennen: schlechte Futteraufnahme, Erbrechen, kolikähnliche Unruheerscheinungen, Verstopfung, Diarrhöe, Fieber, Kälte der extremitalen Theile, besonders der Ohren, trockene, warme Rüsselscheibe, höhere Röthung der sichtlichen Schleimliäute, Wühlen und Sichvergraben in der Streu, Hängenlassen des Schweifes. Aehnlich ist auch das Kr-ankheitsbild bei der Magen seuclie, welche meist in schleichender, chronischer Weise verläuft und gerne unter allmählich zunehmender Hinfälligkeit und Abmagerung zum Tode führt. Einen seuchenhaften Magendarmkatarrh bei Schweinen hat Marks beschrieben. Die Symptome bestanden in Appetitlosigkeit, Fieber (bis 40,8deg; C), anfangs verzögerter Peristaltik, später wässerigem Durchfall. Nach Verlauf von 8 Tagen hatten sicli alle Thiere wieder erholt.
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142nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;MagendarmkataiTh beim Geflügel.
Therapie. Die Behandlung ist in gleicher Weise einzuleiten wie beim Hunde; nur sind die Dosen der Arzneimittel für das Schwein grosser, und ist die Form der Applicationsweise eine andere. In letzterer Beziehung vermeidet man gern Eingüsse, weil sie schwer beizubringen sind und die Gefahr einer Fremdkörperpneumonie mit sich führen; sie werden daher nur in Ausnahmefilllen angewendet. Gewöhnlich versucht man die Mittel im Futter, als Latwerge, als Klystier oder in Form der subcutanen Injection beizubringen. In allen Fällen von Magenüberladung oder von Aufnahme verdorbener, schlechter Futtermittel beginnt die Behandlung mit der Application eines Brechmittels. Wir verwenden gewöhnlich das Veratrin subcutan (30 mg in 5 ccm Weingeist unter die Haut gespritzt; das Erbrechen erfolgt innerhalb einer Stunde). Das salzsaure Apomorphin ist für Schweine als Brechmittel unwirksam. Das Pulver der weissen Nieswurz (0,52,0) und der Ipecacuanha-Wurzel (1,03,0) ist nicht immer leicht beizubringen; man kann sich indess dadurch helfen, dass man eine Abkochung oder ein Infus der Nieswurz (2,0 : 50,0 Wasser) vom Mastdarm aus als Klystier einwirken lässt. Bei Verstopfung gibt man Calomel, jedoch in viel grösseren Dosen als beim Hunde (1,04,0), ausserdem Bittersalz, Karlsbader Salz, schleimige, ölige Mittel, sowie Seifenwasserklystiere und ausgiebige Wasserinfusionen. Gegen Diarrhöe können die verschiedenen Styptica in nicht zu kleinen Dosen, besonders das Opium (1,0 2,0) verwendet werden. In diätetischer Beziehung ist für ein leicht verdauliches, gut kühlendes Futter Sorge zu tragen (Milch, besonders saure Milch, Mehltränke, Brotsuppen).
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Magendarmkaiarrh (Durchfall und Verstopfung) beim Geflügel.
Literatur. Schwarz, W. f. Th., 1869. S. 870. Koruler, Ibid., 1860. S. 394. Siedamurotzky, S. J. B-, 1872. S. 84. Zürn, Die KM. d. Hattsgefl., 1882. Mecinin, Maladies des oiseaux, 1882. #9632; Benion, TraÜ4 de l'Hevage et des maladies des oiseaux de bas.se-cour, 1884. Bhissot, liee., 1888. hucvr, ibid., 1893. S. 601.
1. Der einfache Magendarmkatarrh und Durchfall des G-eflügels. Derselbe muss von der seuchenhaften Diarrhöe (Hühnercholera und Gregarinose), sowie von den hochgi-adigeren Entzündungen des Darm-canals (z. B. durch Gifte) wohl unterschieden werden. Er findet sich am häufigsten beim JunggeHügel der feineren importirten Rassen, besonders aber zur Frühjabrszeit, sodann bei der Mauser der jungen Vögel. Die Ursachen bestehen, wie bei den anderen Hausthieren, in Diät-
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Mageiularmkatarrh beim GeHügel.
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felilern (Ueberfressen, Aufnahme verdorbener oder schwer verdaulicher Nahrung) oder in Erkältung (kalter Stall, Aufnahme zu kalten Wassers). Secundär kommt Durchfall bei Eingeweidewürmern und Tuberkulose vor. Die wichtigeren Erscheinungen sind: verminderte Futteraufnahme, gesträubtes Gefieder, Traurigkeit, langsames Entleeren des Kropfes, der Absatz eines zunächst weicheren, schleimigen, weissen Kothes, der zuletzt ganz dünnflüssig, grünlichweiss wird, die Federn in der Umgebung des Afters beschmutzt und verklebt, sowie die Innen-und Aussenfläche der Cloake anätzt; vermehrter Durst, zunehmende Abmagerung und Schwäche, zuletzt, wenn kein Nachlass der Diarrhöe eintritt, Tod durch Entkräftung oder hämorrhagische Darmentzündung. Bei der Section findet man die Erscheinungen eines desquamativen Darmkatarrhs, llötbung, Schwellung, Epithelabstossung der Schleimhaut, resp. die einer Darmentzündung. Die Behandlung ist zunächst eine diätetische. In erster Linie müssen die Thiere warm gehalten werden. Sodann empfiehlt sich möglichste Reinhaltung der Stallungen. Das verabreichte Futter soll leicht verdaulich sein, man gibt es deshalb womöglich in gekochtem Zustande (Hirse, Reis u. s. w.). Gegen den Durchfall versucht man im Anfange geröstete Gerste, Wasser von abgekochtem Reis, altgebackenen Zwieback, Hanf, blauen Mohn, bei Papageien wohl auch kleine Stückchen Chocolade, mit Branntwein angefeuchtetes Brot, Roth wein (theelöfPel- bis esslöffel-weise, oder indem man Zwieback, Körner etc. darin aufweicht), ferner schleimige Mittel. Nach Zürn empfehlen sich Abkochungen von Hafergrütze (15 g auf 1 Liter Wasser), von Leinsamen (1 : 20 Wasser), von Eibischwurzel (10 : 200 Wasser), esslöffelweise gegeben. Yon sonstigen Arzneimitteln wendet man dieselben stopfenden Mitiel, wie bei den anderen Hausthieren, nur in entsprechender Dosis und Verdünnung an. Wir benützen am häufigsten den Eisenvitriol (Iprocentig als Trinkwasser). Auch das Opium ist beim Geflügel ein sehr gutes Stypticum. Man gibt es Hühnern und Papageien in Dosen von 0,1 (= 1,0 der Tinctur oder des Pulvis Doweri), Tauben in Dosen von 0,02 (= 0,5 der Tinctur). Endlich kann man in sehr hartnäckigen Fällen auch zum Höllensteine greifen; nach Zürn gibt man täglich 12 Kaffeelöffel einer Iprocentigen Lösung. Gegen einfache Verdauungsstörungen empfiehlt Zürn kleine Stückchen Zwiebel oder Knoblauch, ferner einige Pfefferkörner mit Butter zu Pillen gemacht, endlich eine Abkochung von Pfefferminz oder Calmus (2 auf G0), von welcher den Hühnern 3mal täglich ein Esslöffel voll, den Tauben je ein Kaffeelöffel voll gegeben wird.
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144nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kolik der Pferde.
2. Die Verstopfung des Geflügels. Dieselbe kann durch eine vorausgegangene Diarrhöe, durch Eingeweidewürmer und sonstige Fremdkörper im Magen und Darme (Steine, Federn, unverdauliche Stoffe überhaupt), durch Ansammlung eingedickter Kothinassen in der Cloake, durch Verdauungsschwäche des Darmcanals etc. bedingt sein. Die Behandlung besteht in der Verabreichung von Grünfutter, von schleimigen, fetten und öligen Mitteln, in der Application von Kalt-wasserklystieren oder bei kleinen Singvögeln in der Einführung einer mit Ricinusöl bestrichenen Knopfsonde in den Mastdarm, im Auslöffeln des in der Cloake angesammelten Kothes. Von Abführmitteln empfehlen sich vor Allem das Ricinusöl (2 Esslöffel voll auf einmal für ein starkes Huhn), die Sennesblätter (1 2 g des Pulvers auf einmal), Rheum (0,20,5 mit Honig zu Pillen gemacht), sowie Calomel (0,050,1). Kleineren Stubenvogeln gibt man eine Auflösung von Glaubersalz oder künstlichem Karlsbadersalz (1 : 200) als Trinkwasser.
Die Kolik der Pferde.
A. Allg'eiiiciiicr Theil.
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Kol^lc der Pferde.
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140nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kolik der Pferde.
Beo,, 1892. S. 71. Bgkaht, BodenmüIleh, IT. f. n., 1892. Nr. 34. Nkuhauth, Z. f. Vet., 1892. S. 302. Weinhold, Ibid., 1893. S. 262. Flocard, L'Eeho rti., 1894. Haask, 1gt;. Ih. II'., 1894. S.227.Mann, li.th. W., 1894. S.222. Schatz, Z.f. Vet., 1895. S. 118.
Definition. Mit dem Namen Kolik (Enteralgie, Darmweh) bezeichnet man gewöhnlich verschiedene krankhafte Zustände im Magen und Darm, bei welchen der Schmerz das Hauptsymptom bildet, und welche meist mit Unterdrückung der peristaltisohen Darmbewegung verlaufen. Demnach ist mit dem Ausdrucke Kolik keine bestimmte, genau charakterisirte Krankheit, sondern eine ganze Gruppe in ihrem Wesen oft sehr verschiedener krankhafter Processe im Magen und Darm gemeint, welche vor Allem nur das mit einander gemein haben, dass sie mit dem für das Pferd besonders charakteristischen Hauptsymptom des Bauchschmerzes verlaufen. Der Name Kolik ist daher ein ziemlich weiter Sammelbegriff, ähnlich den Collectivnamen Dampf, Wassersucht, Gelbsucht u. s. w., der mehr in das Gebiet der allgemeinen, als in das der speciellen Pathologie gehört. Dazu kommt, dass man ausser den schmerzhaften Affectionen des Magens und Darmes, den sog. wahren Koliken, noch von sog. falschen Koliken, d. h. von schmerzhaften Affectionen anderer in der Bauchhöhle gelegener Organe (Nieren, Blase, Leber, Uterus) spricht, und dass endlich gewisse Allgemeinerkrankungen, z. B. Petechialfieber, Milzbrand, in socundärer Weise mit Kolikerscheinungen verlaufen.
Wenn nun die Kolik trotzdem immer noch ihren Platz neben den anderen concreten Krankheiten in den Lehrbüchern der speciellen Pathologie beibehält, so hat dies folgende Gründe. Zunächst ist der Name Kolik zu sehr eingebürgert, als dass er sich so leicht ausmerzen Hesse. Sodann ist die Kolik eine für das Pferd, im Gegensatze zu den anderen Hausthieren, besonders charakteristische, gewissermassen einzig dastehende Erscheinung, indem dieselben pathologischen Zustände im Magen und Darm, welche beim Pferde das Krankheitsbild der Kolik erzeugen, bei den anderen Hausthieren häufig ohne solch auffallende Schmerzäusserungen verlaufen. Vor Allem aber ist die Erkennung der einzelnen, die Kolik im bestimmten Falle hervorrufenden Krankheiten meist eine sehr schwierige, weshalb sich die Diagnose in vielen Fällen und im Anfange auf die Constatirung des Bauchschmerzes als Hauptsymptom beschränken muss.
Historisches. Die Kolik ist wohl eine der ältesten bekannten Pferdekrankheiten. Ihre Literatur lässt sich bis auf Columella
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Kolik tier Pferde.
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(1. Jahrh. n. Chr.) zurückverfblgen, der schon drei verschiedene Arten von Kolik beschreibt. Eumelus (3. Jahrh.) führt den Salpeter als Kolikmittel auf. Im 4. und 5. Jahrhundert haben Vegetius, Apsyrtus und Hierokles eine ziemlich genaue Symptomatologie geliefert. Spe-eiell bei Vegetius finden sich schon als verschiedene Kolikformen: dolor Ventris, dolor Coli, dolor Vesicae und Heus. Im 13. Jahrhundert unterscheidet Jordanus Buff US die Windkolik von der Ueber-fütterungskolik. Im 16. Jahrhundert sind es dann besonders die Schriften des Vegetius Renatus und Joannes Ruellius, in welchen die Kolik eine eingehende Besprechung findet. Aus dem 18. Jahrhundert liegen die Arbeiten von Ehrmann, Sander, Weber, aus dem Anfange dieses Jahrhunderts die von Ribbe, v. Tennecker und Brunswig vor. Von neueren Werken sind besonders die Monographien von Ullrich, Legrain, Bollinger und Friedberger hervorzuheben.
Statistisches. Die Kolik ist unter allen innerlichen Krankheiten beim Pferde die wichtigste. In der preussischen Armee erkranken jährlich unter 70,000 gesunden bezw. .'$0,000 kranken Dienstpferden ca. 3000 an Kolik. In Bayern werden nach Bollinger's Berechnung bei einer Pferdezahl von 400,000 jährlich 40,000 Pferde von Kolik befallen. Die Mortalitätsziffer der Kolik beträgt nach demselben Autor 13 Proc. (12,857 Kolikfälle mit 1625 Todesfällen). Wir selbst finden unter 26,253 zum grossen Theil aus den verschiedenen klinischen Krankheitsfcabellen der einzelnen Thierarzneischuleu während 10 Jahren gesammelten Kolikfällen 2832 Todesfälle = 11 Proc. In der preussischen Armee schwankt die Mortalitätsziffer im Durchschnitt zwischen 10 und 13 Proc. Die Mortalitätsziffer stellt sich daher im Mittel auf 12 Proc. Das Verhilltniss der Gre-sammtmortalität zur Kolikmortalität ist nach Bollinger = 100 : 40, d. h. unter 100 umgestandenen Pferden gehen 40 an Kolik zu Grunde.
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Die Mortalitätsziffer in deu Kliniken beträgtnbsp; nbsp;im Durolischnitt 14 Proc. Im Einzelnen sind die Zahlen :
In Wien finden sich unter 16097 Kolikkranken (25 Jahre) 1043 Todesfälle = 10,20/o
Hannover., ., .. 1200 , (10 ,nbsp; nbsp; nbsp;) 134 ., =:ll,l0/o
München ., ., ., 1606 , (10 .,nbsp; nbsp; nbsp;) 201 ., = 12,50/o
,, Dresden ., ., 636 ., ( 6 .,nbsp; nbsp; nbsp;) 86 ., = 13,6%
Stuttgart .. , 1088 (19 nbsp; nbsp; nbsp;) 184 =17,07o
Berlin ., ., 1815 (10 nbsp; nbsp; nbsp;) 354 = 19,0n/o
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148nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kolik der Pferde.
Die Blortalitiitszift'er der Kolik beim Pferdebestande der pre ussischeu Armee betrug in den Jahren 18801894 unter zusammen etwa 40,000 kolik-krauken Pferden durchschnittlieb 12 Proc. In den Jahren 1881 1894 war das Verhältniss folgendes:
1881 starben von 2145 kolikkrankon Pferden 302 = 14,507
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nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,. 324 = 13,50deg;/quot;
218 = 8,507o 249 = 9,5070 300 = 11,247quot; 257 = 10,257o 249 = 11,607quot; 261 = 10,107o 407 = 13,067o 447 = 13,267o 209 = 13,867o 427 12,70% 443 = 12,607o 496 = 13,507o
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Allgemeine Ursachen der Kolik. 1. Disposifcionelle Momente. Das Pferd ist durch gewisse besondere anatomische Verhältnisse des Magens und Darmes vor allen anderen liausthieren zu Kolik disponirt. Hieher gehört zunächst, dass der Pferdemagen sehr klein ist und selbst im gefüllten Zustande die Bauchdecken gewöhnlich nicht erreicht, dass der Schlund in den Magen schief eingepflanzt und dabei mit einem förmlichen Schliessmuskel versehen ist, und dass der Magen einen stark entwickelten Blindsack besitzt. Diese Eigen-thümlichkeiten verhindern für gewöhnlich das Erbrechen beim Pferde und damit die Entfernung angehäufter fester oder gasförmiger Massen. Dazu kommt, dass das Dünndarmgekröse ungewöhnlich lang und die dicken Gedärme sehr frei gelagert und ausserordentlich entwickelt sind, wodurch einerseits Lageveränderungen, andererseits Anschoppungen des Futters in den dicken Gedärmen mit Leichtigkeit zu Stande kommen. Weiter gesellt sich hiezu der Umstand, dass die nervösen Endapparate des Pferdedarmes in ähnlicher Weise, wie dies vom Peritoneum des Pferdes bekannt ist, gegen äussere Einflüsse ausserordentlich empfindlich zu sein scheinen, eine Empfindlichkeit, die sich bei manchen Individuen so sehr steigern kann, dass sie oft scheinbar ohne jede Veranlassung von Kolik befallen werden. Endlich disponirt das bei fast allen Pferden vorgefundene Aneurysma der vorderen Gekrösarterie durch die sich daran knüpfenden thrombotischen und embolischen Verstopfungen von Darmarterien gewissermassen jedes Pferd zu Kolik.
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Kolik der Pferde.
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2.nbsp; nbsp;Erkältung. Dieselbe bestellt entweder in einer starken Abkühlung der ilusseren Körperoborflilche bei kalter oder nasskalter Witterung, beim Uebergange von anhaltend trockenem Wetter mit Ostwind zu feuchtem Wetter, zu welchen Zeiten die Koliken gewisser-massen epizootisch auftreten, zur Zeit des Haarwechsels; oder sie ist die Folge der Aufnahme sehr kalter, bereifter, gefrorener Futterstoffe bezw. zu kalten Trinkwassers.
3.nbsp; nbsp;Ueberfütterung nach zu schnellem und gierigem Fressen, bei zu raschem Futterwechsel, zu reichliche Fütterung im Verhältnisse zur Arbeitsleistung (besonders an Sonn- und Feiertagen); die Aufnahme grössei-er Mengen ungeeigneten und schwer verdaulichen Futters, besonders von Körnerfutter (Roggen), Stroh, zu kurz geschnittenen Häcksels, zu jungen Futters (neuer Hafer, neues Heu), roher Kartoffeln u. s. w., ausschliessliche Maisfütterung (rascher üebergang ZU derselben, klein geschroteter Mais); die immer mehr in Mode kommende Verabreichung von Futtersurrogaten (Mais, Koggen, Bohnen, Erbsen); der plötzliche üebergang von sehr anstrengender Thätigkeit zu einer geringeren; das Einspannen bezw. Ueberanstrengung unmittelbar nach dem Fressen, ungenügendes Kauen bei schlechtem Gebisse.
4.nbsp; nbsp;Verdorbenes Futter: verschlammtes, versandetes, zertretenes, befallenes Heu und Gras, feuchtes, mit Pilzen behaftetes Stroh, stark mit Dung verunreinigte, faulige, verschimmelte, verdorbene Streu, schimmliger, multriger Hafer, schimmliges Brot, sowie Brannt-weinschlompe; unreines, trübes, schlammiges, an mineralischen Niederschlägen reiches Wasser.
5.nbsp; nbsp;Gasbildung im Magen nach Verfiitterung jungen oder welken Klees, namentlich Kopfklees, Luzerne, Esparsette, Buchweizens, welken, bereits in Gährung begriffenen Grases, besonders saurer Gräser, der stark quellenden Hülsenfrüchte, jungen Körnerfutters, von Rüben, Kartoffelkraut etc. Gesteigert wird die Gährung durch reichliche Wasser-aufnahrae unmittelbar nach dem Fressen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Auch das Abschlucken grösseror Mengen von Luft bei Koppern kann zu Kolik führen.
G. Anschoppung von Darminhalt. Abgesehen von den im Verlaufe eines Darmkatarrhs entstehenden Verstopfungen kommen solche Anschoppungen zu Stande bei längerer Ruhe, nach dem Verfüttern grosser Mengen von Stroh oder Strohhäcksel, sehr holzigen Futters, bei anhaltender Verabreichung einer reiz- und gehaltlosen Nahrung, sehr trockenen Futters (Mehl, Kleie, Schrot), bei Erschlaffung, Erweiterung, Lähmung des Darmcanals u. s. W.
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7.nbsp; nbsp;Die Bildung von Steinen und Concrementen im Magen und Dann, so besonders die Anhäufung grösserer Mengen von Sand und Erde, wie dies häufig in Feldzügen bezw. im Manöver und bei Weidepl'erden stattfindet, sowie die Bildung von Darmsteinen bei Müller- und Bäckerpferden nach anhaltender Fütterung mit Kleie und Nachmehl, welche viel phosphorsaure Magnesia enthalten.
8.nbsp; nbsp;Würmer im Darmcanal, besonders zu Knäueln zusammengeballte Spulwürmer.
9.nbsp; Darmstenosen nach Compression, Dislocation, Axendrehung, Invagimition, Incarceration des Darmes.
10.nbsp; nbsp;Längeres Hungern, die sog. Hungerkolikquot;, welche besonders bei Militärpferden im Kriege vorkommt.
11.nbsp; Zuweilen endlich, wenn auch selten, wird Kolik durch Wälzen der Thiere und dadurch hervorgerufene Lageveränderung der Gedärme erzeugt. So sah Kühne eine Darmverschlingung bei einem Pferde entstehen, welches zum Zweck einer Operation über den Rücken gewälzt wurde. In den Schlachthäusern ist es ebenfalls eine bekannte Thatsache, dass bei Schweinen und Kälbern, die beim Abladen stark und viel gewälzt werden, bei der Schlachtung frische Darmverdrehungen angetroffen werden. Aus dieser Thatsache indess zu schliessen, dass man deshalb ein kolikkrankes Pferd am Wälzen verhindern müsse, wie dies eine bei Laien landläufige Meinung ist, wäre ungerechtfertigt. Es mag hier nur an das ganz unschädliche Wälzen der Weidepferde und an die gewiss oft sehr heilsame Wirkung des Wälzens bei bereits vorhandenen Darmverschlingungen erinnert werden.
12.nbsp; Aussei- den genannten Ursachen kommt Kolik noch vor bei gewissen Texturerkrankungen des Darmes: Katarrh, Entzündung, Croup, Geschwüren, sowie bei Vergiftungen. Wir verweisen in dieser Beziehung auf die betreffenden Capitel.
Symptome, Im Vordergrunde des ganzen Krankheitsbildes stehen die bald plötzlich, ohne alle Vorboten, bald allmählich auftretenden Schmerzensäusserungen. Die Pferde zeigen vor dem Wagen oder unter dem Reiter einen kurzen gespannten Gang, schwanken im Hintertheile, bleiben stehen, werden unruhig, scharren mit den Füssen, stampfen, schütteln sich und können an dem Versuche sich niederzulegen oft nur schwor durch lebhaftes Antreiben und Anspornen verhindert werden. Im Stalle gehen zuweilen den eigentlichen Schmerzen ein unlustiges Benehmen, schlechte Futteraufnahme, Zurücktreten vom Barren voraus. Im weiteren Verlaufe treten die Thiere häufig hin und
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her, stöhnen, schlagen mit den Hinterf'üssen gegen den Leib, schauen sich häufig nach dem Hinterleibe um, wedeln mit dem Schweife, biegen die Vorderfüsse ein, krümmen den Kücken, strecken den Kopf und Hals und stellen die Hinterfüsse unter den Leib. Diineben legen sie sich bald äusserst vorsichtig und langsam nieder, lassen es auch oft bei einem blossen Versuche bewenden, oder sie werfen sich in anderen Fällen ganz rücksichtslos zu Boden, worauf sie theils ruhig liegen bleiben, theils sehr heftige Bewegungen machen, sich wälzen, mit den Füssen schlagen; zuweilen verharren sie längere Zeit ruhig in der Rückenlage mit an den Leib gezogenen Füssen. Dazwischen hinein pausiren die Schmerzen dann und wann, die Thiere stehen wieder auf, beginnen zu fressen, um jedoch bald wieder unruhig zu werden.
Bei der genaueren Untersuchung findet man zunächst eine ungleiche Vertheilung der Körpertemperatur, die Ohren und Extremitäten sind meist kühler, zuweilen eiskalt. Sehr häufig findet man Schw eissaus brach, besonders am Grunde der Ohren, seitlich am Halse und an den Brustwandungen, am Bauche, in der Flankengegend, wobei sich diese Stellen bald lieiss, bald mehr oder woniger kalt anfühlen, und der Schweiss zuweilen in Tropfen auf den Boden fällt. Die sichtlichen Schleimhäute sind meist höher geröthet, oder wie die Nasenschleimhaut schmutzig verfärbt, können jedoch verschiedene Farben aufweisen. Die Maulhöhle ist sehr trocken und heiss, und die Schleimhaut bisweilen katarrhalisch afficirt; in anderen Fällen ist die letztere sehr kalt und blass, wie ausgewaschen. Der Hinterleib ist gespannt und mehr oder weniger, selbst trommeiförmig aufgetrieben, seltener ist er leer und aufgezogen. Die Peri-staltik ist gewöhnlich stark unterdrückt oder gänzlich aufgehoben, und man hört bei der Auscultation des Hinterleibes entweder gar kein oder nur ein ganz schwaches Darmgeräusch; zuweilen vernimmt man sehr laute, metallisch klingende Töne. Der Kothabsatz ist gleichfalls verzögert, und der Koth meist trocken, hart und kleingeballt, mit Schleim überzogen, seltener blutig; sehr häufig werden von den Thieren unter grosser Anstrengung nur einige wenige Kothballen aus-gepresst; in anderen Fällen ist der Koth auch sehr weich, sogar diarrhoisch, dabei säuerlich riechend, schlecht verdaut, und es gehen sehr häufig Flatus ab. Auch die Entleerung nekrotisch abgestossener Darmstücke mit dem Kothe wird vereinzelt beobachtet.
Bei der Exploration des Mastdarmes trifft man denselben bald mit Fäcalmassen vollgestopft, bald gänzlich leer, oder es finden sich nur wenige Kothballen darin vor; die Schleimhaut ist häutig
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heiss und stark geschwollen; die benachbarten Gedärme fühlen sich oft in Folge ihrer Anfüllmig mit Kothmassen oder Gasen sehr derb und prall an, desgleichen kann man die Blase sehr stark gelullt finden. In gewissen Fällen ist das Lumen des Mastdarms sehr erweitert oder im Gegentheil auch verengt, so dass es oft nicht einmal gelingt, mit einem Finger durch die verengte Stelle hindurchzukommen. Die Untersuchung der Leistenringe kann beim Hengste einen eingeklemmten Bruch ergeben; zuweilen fühlt man auch bei abnormer Ausdehnung des Grimmdarmes ein Längsband desselben als stark gespannton Strang in der Bauchhöhle. In seltenen Fällen endlich stösst man bei der Exploration des Mastdarms auf einen Darmstein. Die Urinentleerung ist meist verzögert; die Thiere stellen sich zwar häufig zum üriniren an, strecken sich, schachten aus, wobei jedoch meist nur wenige Tropfen Urin zum Vorschein kommen. Der abgesetzte Harn ist bald hell, bald wieder sehr reich an Farbstoffen, so dass er oft mit einem hämoglo-binhaltigen Harn verwechselt werden kann, ist bald von alkalischer, bald neutraler, bald saurer Reaction, hie und da auch eiweisshaltig.
Die Athmung ist gewöhnlich angestrengt, oft geradezu dys-pnoisch. Der Puls ist im Anfange nicht sehr verändert, später steigt er auf 5060 Schläge in der Minute, in schweren Fällen und bei ungünstigem Ausgange auf 100 Schläge und darüber, dabei wird er klein und gespannt; der Herzschlag ist verstärkt, die Herztöne sind oft sehr laut zu hören. Die Temperatur ist im Anfang nicht erhöht; im weiteren Verlaufe kann sie sehr hoch ansteigen, incless findet man sehr oft unmittelbar vor dem Tode nur ganz geringgradiges Fieber. Das Sensorium ist mehr oder weniger eingenommen. Untugenden, z. B. Koppen, werden eingestellt.
Bei schwereren Koliken treten nun ferner höhergradige Erscheinungen auf. Die Thiere nehmen eigenthümliche Stellungen ein, knieen z. B. auf den Vorderfüssen, liegen mit gestreckten Vorder-extremitäten auf der Unterbrust, nehmen die sog. hundesitzige Stellung ein, d. h, sie sitzen bei aufgerichteter Vorderhand auf dem Hinter-theil u. s. w.; es stellt sich Aufstossen, Hecken, Würgen, Erbrechen ein, wobei das Erbrochene häufig durch die Nasenlöcher entleert wird. Die Kolikschmerzen steigern sich bis zu wuthähn-lichen Anfällen; die Pferde steigen in die Höhe, schnauben, stöhnen, schreien, rasen und toben, gehen selbst auf den Menschen los, beissen in die Krippe, knirschen mit den Zähnen, flehmen, sperren das Maul auf; oder sie drängen wie betäubt vorwärts, beschreiben immer denselben Kreis (Manegebewegung), machen nickende, ruckende, pendel-
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förmige Kopf'bewegungen, lehnen sich gefühllos und stumpf an die Wand, zittern, bekommen Zuckungen. Dabei sind sie mit kaltem, profusem Schweisse bedeckt, der Puls wird fadenförmig oder unfühlbar, aussetzend, der Herzschlag tumultuiirisch, der Blick stier, die Pupille weit, die Unterlippe schlaff, der Mastdarm steht offen, ist bisweilen auch vorgefallen, es fliesst eine bräunliche Flüssigkeit aus dem After ab. Schliesslich wanken und taumeln die Thiere, stürzen zu Boden und verenden unter Convulsionen. Vor dem Eintritt des Todes wiehern sie zuweilen laut; manche nehmen auch noch grössere Mengen Wasser auf. Wieder in anderen Fällen hören die Schmerzen plötzlich auf, und es folgt rasch ein cotnatöser Zustand.
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Verlauf und Dauer. In der grösseren Mehrzahl der Fälle ist der Verlauf der Kolik ein kurzer, acuter. Manchmal sind die Koliksymptome schon nach wenigen Minuten, im Allgemeinen nach einigen Stunden vorüber; dauern sie länger als 2486 Stunden, so ist dies ein ungünstiges Zeichen. Zuweilen verläuft die Kolik jedoch auch subacut und chronisch und dauert dann 8, selbst 14 Tage und mit Unterbrechungen selbst mehrere Wochen lang, so besonders bei Verstopfungs-koliken; dabei wechseln Kolikanfälle mit schmerzfreien Intervallen ab.
Die Complicationen, welche sich im weiteren Verlaufe einer Kolik einstellen können, sind zunächst Druckbrand der Haut an hervorragenden Körperstellen, an welchen sie fast unmittelbar dem Knochen aufliegt, so über den Augen- und Jochbogen, am Hinterkieferrande, am äusseren Darmbeinwinkel. Dazu kommen die verschiedensten äusseren Verletzungen, welche sich die Thiere beim Niederwerfen und Wälzen zuziehen, z. B. Sehnenentzündungen, Gelenksverstauchungen, Knochenbrüche, sowie innere Verletzungen. Sodann entwickelt sich nach schlecht applicirten Eingüssen, insbesondere wenn dabei der Kopf des Thieres zu gewaltsam in die Höhe gezogen wird, oder wenn das Eingiessen der Medicamente, durch die Nase erfolgt, desgleichen vereinzelt beim Erbrechen in Folge der Aspiration von Futterstoffen, eine Fremdkörperpneumonie, welche gewöhnlich ihren Ausgang in Lungenbrand und Tod nimmt. Häufig findet man auch nach zu heissen Eingüssen und der Verabreichung von nicht genügend verdünnten oder gelösten scharfen Abführmitteln (Brechweinstein, Crotonol) Erscheinungen der Stomatitis und Pharyngitis, sowohl oberflächlicher als auch sehr tief greifender Natur. Aehnliche Veränderungen kann man auf der S c h e i d e n s c h 1 e i m h a u t bei Stuten als Folge des sog. Pfefferns und Salzens, sowie auf der
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154nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kolik der Pferde.
Schleimhaut des Mastdarms nach rohen Manipulationen beim sog. Räumen desselben antreffen, welche zuweilen selbst zur Perforation des Mastdarms führen.
Prognose. Bei keiner Kolik kann im Beginne der Ausgang mit Sicherheit vorausgesagt werden; die scheinbar leichteste Kolik endet oft tödtlich durch eine hinzutretende Lageveriinderung des Darmes. Die Prognose kann sich bei einem und demselben Pferde in jedem Augenblicke ändern. Man soll deshalb die Prognose bei joder Kolik von vornherein vorsichtig stellen.
Zeichen der Besserung sind: Nachlass der Schmerzen, gleich-massigere Vertheilung der Körpertemperatur, Aufhören des Schweisses, Kräftigerwerden sowie weiche Beschaffenheit des Pulses, Wiederhör-barwerden der Peristaltik, reichlicher Abgang von Kotli und Flatus, Rückkehr des Appetits, Wiederaufnahme von Wasser, Verminderung des Fiebers, Rückgang der gesteigerten Pulsfrequenz etc.
Ungünstige Symptome dagegen, welche die Entwicklung einer Magendarmentzündung, einer Peritonitis, einer Ruptur des Magens, Darmes oder Zwerchfells befürchten lassen, sind: ein harter kleiner, hochgradig beschleunigter, oft unfühlbarer Puls, sehr hohe oder subnormale Temperatur, aufs höchste gesteigerte oder plötzlich nachlassende Kolikschmerzen, Ausbruch kalten Schweisses, eisige Kälte der Extremitäten, andauernde Verstopfung, gänzliches Darniederliegen der Peristaltik, starke Auftreibung des Hinterleibes, Athemnoth, Erbrechen, stierer, glasiger Blick, Genaueres siehe bei den einzelnen Koliken.
Allgemeine Differentialdiagnose. Die wahren, auf pathologische Zustände des Magens und Darmes zurückzuführenden Koliken können mit einer grossen Anzahl schmerzhafter Zustände in anderen Organen verwechselt werden. Hieher gehören vor Allem die folgenden:
1. Rheumatische Hämoglobinämie (schwarze Harnwinde). Die Aehnlichkeit mit Kolik ist bei dieser Krankheit oft eine ganz ausserordentliche. Man denke an das rasche Auftreten, an die vorausgegangene Erkältung, an die intensiven Schmerzäusserungen, die aufgehobene Peristaltik, das Sistiren des Koth- und Harnabsatzes, den starken Schweissausbruch, die Athemnoth, die Erregung des Circulations-apparates. Es ist deshalb mehr als wahrscheinlich, dass besonders in früheren Zeiten, wie zum Theil auch heute noch, die rheumatische Hämoglobinämie unter den Begriff Kolik subsumirt wurde. Bei einer genaueren Beobachtung ergeben sich allerdings genug Anhaltspunkte für die Unterscheidung beider Krankheiten. Bei der Kolik fehlen vor
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Allem die Lähmungserscheinungen der Nachhand, wie sie für die rheumatische Hämoglobinämie so charakteristisch sind, sowie die eigentlichen Muskelschmerzen und Muskelscliwellungen. Es fehlt ferner das Auftreten von Hämoglobin im Harn und die starke Blutdissolution. An Kolik erkrankte Thiere legen sich häufig, um ebenso häufig wieder aufzustehen ; bei der rheumatischen Hämoglobinämie ist das Aufstehen ineist unmöglich.
2.nbsp; nbsp;Geburtswehen. Dieselben haben mit der Kolik die ün-ruheerscheinungen, das Scharren, Hin- und Hertreten, Stöhnen, häufige Niederlegen gemein. Indess dürfte bei einer genaueren Untersuchung namentlich des Uterus, der Vulva, des Euters, des Hinterleibes, bei Berücksichtigung der Anamnese und des Umstandes, dass die Wehen eine ziemlich regelmässige, periodische Abwechslung von Schmerz-äusserungen und schmerzfreien Pausen aufweisen, die Entscheidung im gegebenen Falle nicht schwer sein.
3.nbsp; nbsp;Harnverhaltung in Folge Lähmung der Blase (Detrusor), oder Verhinderung des Abflusses durch Harnsteine und Geschwülste. Diese Art der Verwechslung ist besonders unter den Laien sehr häufig. Der Grund dafür liegt darin, dass kolikkranke Thiere in Folge des Druckes der stark gefüllten Gedärme auf die Blase häufig ausschachten, sich zum Uriniren anstellen, pressen und drängen, ohne dabei Harn abzusetzen. Eine Untersuchung der Blase durch den Mastdarm oder das Einführen eines Katheters in dieselbe wird indess schnell die nöthige Auskunft geben. Ausserdem ist Harnverhaltung bei Pferden ein ziemlich seltenes Leiden, und die Thätigkeit des Digestionsapparates dabei nicht gestört.
4.nbsp; nbsp;Blasenentzündung. Die charakteristische Beschaffenheit des Harns, welcher Blasenepithel, Eiterkörperchen, sowie Krystalle von Tripelphosphat enthält, die Empfindlichkeit der Blase bei Druck vom Mastdarm aus, das häufige tropfenweise Absetzen des Harns bei intactem Magen- und Darmcanal gibt hier für die Differentialdiagnose hinreichende Anhaltspunkte.
5.nbsp; Metritis. Die Berücksichtigung einer etwa vorausgegangenen Geburt oder eines Abortus, der gewöhnlich vorhandene Ausfluss aus der Scheide, die nachweisbare Empfindlichkeit des Uterus, die längere Dauer des Leidens unterscheiden die Uterusentzündung hinreichend von der Kolik.
6.nbsp; nbsp;Dislocationen des Uterus (Torsion, Prolaps, Inversion, Incarceration) lassen sich bei genauer innerer und äusserer Untersuchung wohl immer als solche constatiren. Nur der unvollständige Uterusvorfall bietet hie und da Schwierigkeiten.
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7.nbsp; nbsp;Einklemmung von Brüchen (Leisten-, Nabel-. Bauch-, Hodensackbrüchen) erzeugt immer das Bild einer hochgradigen Kolik. Eine sorgfältige Untersuchung, besonders des Bauchringes und Hodensackes bei Hengsten und Wallachen, wird das Leiden als ein rein chirurgisches erkennen lassen.
8.nbsp; nbsp;Peritonitis, Eine Unterscheidung von Bauchfellentzündung und Kolik ist immer sehr schwer und unter Umständen ganz unmöglich. Der Grund liegt darin, dass eine Peritonitis beim Pferde überhaupt nur unter gewissen Umständen zu diiignosticiren ist. Eine rheumatische Peritonitis wird sich von einer rheumatischen Kolik wohl nie unterscheiden lassen. Leichter ist dies bei den secundären Bauch-fellentzündungen nach zufälligen oder operativen Verletzungen des Bauchfells (Castration, Laparotomie, Herniotomie), nach Nieren-, Blasen-, Uterusontzündungen, bei welchen das primäre Leiden Aufschluss gibt. Die im Verlaufe der Kolik häufig auftretende Peritonitis kann zwar nicht mit Sicherheit, aber doch mit Wahrscheinlichkeit aus der Höhe des Fiebers, der Kleinheit und Frequenz des Pulses, sowie der rasch zunehmenden Prostration erkannt werden.
9.nbsp; nbsp;Nierenentzündung. Da dieselbe in erster Linie durch das Vorhandensein gewisser Bestandtheile im Harn (weisse und rothe Blutkörperchen, Nierenepithel, Harncylinder, Eiweiss) diagnosticirt wird, so dürfte eine mikroskopische und chemische Untersuchung des Harns für die Differentialdiagnose genügen. Ausserdem sind die Kolikerscheinungen bei Nephritis viel geringer und bestehen gewöhnlich nur in einer grösseren Empfindlichkeit der Nieren- und Lendengegend, sowie in gespanntem und steifem Gange.
10.nbsp;L eb er entzündnng. Die bei Pferden ausserordentlich seltene acute Hepatitis verläuft zuweilen mit leichten Unruheerscheinungen, die sich wahrscheinlich auf eine entzündliche Reizung des Bauchfellüberzugs der Leber zurückführen lassen. Sofern nicht deutlicher Ikterus vorhanden ist, dürfte sich eine genaue Diagnose schwer stellen lassen.
11.nbsp; Darmkatarrh und Darmentzündung, Geschwüre, Unter den verschiedenen pathologischen Zuständen im Magen und Darm erzeugen besonders auch der Katarrh und die Entzündung, sowie Geschwüre der Schleimhaut Kolikschmerzen. Man spricht so von Indigestions-quot; und Entzündungskolik*. Da jedoch der Katarrh sowohl, wie die Entzündung und Geschwürsbildung der Magendarmschleimhaut als selbstständige Krankheiten besprochen werden, so müssen die in ihrem Verlaufe auftretenden Kolikanfälle von den eigentlichen Koliken
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unterschieden werden, was allerdings nicht immer leicht ist. Es wären etwa folgende Punkte zu erwühnen: Beim Darmkatarrh sind die Kolikerscheinungen mehr nebensächlicher Nutur und verschwinden rasch, daneben ist meist Diarrhöe vorhanden; die Krankheit ist eine leichtere und länger dauernde. Bei Dannentzünd ung ist in erster Linie die Anamnese zu berücksichtigen, ob etwa scharfe Stoffe oder Griffe (sog. Vergiftungskolikquot;) auf den Darm eingewirkt haben; sodann spricht eine bestehende hochgradige, zuweilen blutige Diarrhöe bei leerem liinterleibe und hohem Fieber mit vorausgehender anhaltender Verstopfung mehr für einen Entzündungszustand der Darmschleimhaut als für eine anderweitige Kolik. Geschwüre im Magen oder Darm sind allerdings mit Sicherheit schwer zu erkennen; indess unterscheiden sie sich durch ihren chronischen Verlauf und die zuweilen auftretenden Blutungen von der im Ganzen acut verlaufenden Kolik. 12. Zum Schlüsse können verschiedene krankhafte Zustände im Körper mit Kolik verwechselt werden, sofern sie mit ausgesprochenen Schmerzäusserungen verlaufen, wobei eine genaue Untersuchung immer vor Verwechslung schützen wird. Hieher gehören: Gehirnentzündung, Pleuritis, Pncumonie, Petechialf ieber, Influenza, schmerzhafte chirurgische Leiden, besonders Hufentzündungen, Gelenksentzündungen, unter Umständen auch die Thrombose der Crural- und Beckenartcrien.
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Allgemeiner anatomischer Befund. Die Sectionserscheiuungen sind bei der Kolik je nach der veranlassenden Ursache sehr verschieden. Am häufigsten sind im Allgemeinen Axendrehungen des Grimmdarmes und Dünndarmes sowie Magenzerreissungen bei der Section zu finden. Man beobachtet dieselben etwas gleich häufig in je einem Fünftel aller tödtlich verlaufenden Kolikfälle.
Unter 1882 in den fünf Jahren 188993 in der preussischen Armee vorgenommenen Koliksectionen wurde 347mal Magenzerruissung (18 Proc. aller Fälle), 3Mmal Axendrehung des Grimmdarmes (17 Proc.) sowie SSlmal Verschlingung des Dünndarmes (17 Proc.) festgestellt. Die genannten drei pathologischen Veränderungen sind somit in über der Hälfte aller Fälle aufzuweisen. In zweiter Linie kommt die Magen-darmentzündung und die Grimmdarmzerreissung (je 8 Proc.) sowie die Z wer chfe 11z er reis sung mit Vorlagerung von Darm-theilen (6 Proc). Weniger häufig sind die Zerr eis sung des Netzes bezw. Gekröses mit Einklemmung von Darmtheilen, die Einklemmung von Darmtheilen ins Winslow'sche Loch, die Grimm-
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158nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kolik dor Pferde.
darin Verstopfung-, die Ax end re hung des Blinddarmes (3 Proc). Ziemlich selten sind Darmsteine, Compression des Dünndarmes durch Lipome, Zerreissungen des Blinddarmes und Mastdarmes, Invagination des Dünndarmes in den Dünndarm und Blinddarm, Darmdivertikel und Dünndarmverstopfung (je 0,5 1,5 Proc). Vereinzelt endlich werden bei der Section Axendrehungen des Mastdarmes, Invagination des Mastdarmes in den Mastdarm, Würmer u. s. w. als Todesursache angetroffen.
Bezüglich dieser Veränderungen ist im Einzelnen Folgendes zu bemerken. Bei den Lageveränderungen (Axendrehungen) der Gedärme ist in der Kegel die gedrehte oder geknickte Stelle des Darmes sehr blass und anämisch, während die Wandungen des dazwischen bezw. dahinter liegenden Darmstückes geschwollen und blutig infiltrirt, die Schleimhaut dunkelroth und mürbe, der Darminhalt blutig, das Gekröse sulzig oder hämorrhagisch infarcirt ist. Die Ansammlungen von Futtermassen, Steinen, Concrerneuten führen zu katarrhalischer, hämorrhagischer und diphtheritischer bezw. nekro-tisirender Schleimhautentzündung. Sie finden sich besonders am üebergange des Hüftdarmes in den Blinddarm, sowie an dem des Grimmdarmes in den Mastdarm, sodann vor Allem auch im Blinddarm. Umschlingungen des Dünndarmes kommen vor um den Grimmdarm oder eine andere Dünndarmpartie; ausserdem findet man Umschlingungen von Darmabschnitten durch das Netz, durch Lipome und sonstige Gekrösanhänge, Compression einzelner Darmtheile durch die stark angefüllten benachbarten Gedärme. Die Einklemmungen von Darmschlingen erfolgen in den Leistencanal, in einen alten Zwerch-fellsriss, ins Winslow'sche Loch, in Risse des Netzes, Gekröses, des breiten Mutterbandes, zwischen bandartige alte peritonitische Adhäsionen; die Einstülpungen des Darmes in sich selbst (Invagination, Intussusception) sind vor Allem Einschiebungen des Hüftdarms in den Blinddarm. Die Magenberstungen liegen meist an der grossen Curvatur, welche bis zu drei Viertel ihres Umfangs rupturirt sein kann, an der Stelle, wo die Serosa des Magens in die Blätter des Netzes übergeht. Die Rissränder sind entzündlich goschwollen und hämorrhagisch infiltrirt, zackig, unregelmässig; dabei ist meist der Riss an der Serosa am längsten, an der Schleimhaut am kürzesten; zwischen die einzelnen Lagen der Wandung ist Futter eingefilzt. Der Mageninhalt ist zum Theil mit Blut überzogen und in die Bauchhöhle ausgetreten. Die Darmzerreissungen erfolgen gewöhnlich an
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Stullen, an denen sich Fäcalstasen ausgebildet haben. Zuweilen ist nur die Schleimhaut eingerissen, und der Darminhalt hat sich unter dieselbe eingefilzt, so dass sie in grösserem Umfange von ihrer Unterlage abgehoben ist, oder der Darminhalt durchbricht auch die Muskel-wand an der Gekrösscite und dringt zwischen den Platten des Gekröses vor. Die Zwerchfell risse zeigen stark zerfetzte Ränder, zwischen denen sich ein Theil des Magens oder Darmes in die Brusthöhle vorgelagert hat.
Die DarmSchleimhaut ist bei der Kolik bald hyperämisch, bald katarrhalisch, croupös, diphtheritisch, liämorrhagisch entzündet, bald nekrotiscli und geschwürig verändert. Das subseröse und submucöse Bindegewebe ist hilmorrhagisch infiltrirt, der Darminhalt blutig, die Darmwand geschwollen, mürbe und brüchig. Das Bauchfell kann die verschiedensten Grade der Entzündung, von der serös-fibrinösen bis zur eiterigen und jauchigen zeigen. Im Gekröse beobachtet man hämorrhagische Infarkte. Die Gekrösdrüsen sind geschwollen und blutig infiltrirt. Die vordere Gekrösarterie ist sehr häufig aneurys-matiscb und enthält die Larven von Strongylus armatus; in den Darmarterien findet man dann zahlreiche Thrombosen und Embolien. Die All gemein veränderun gen bestehen in Hyperämie der Bauchorgane, Stauungshyperämie der Lunge, Lungenödem, hypostatischer Lungenentzündung Hämorrhagien der Pleura und der Meningen, paren-chymatöser Degeneration in Herz, Niere, Leber, Milz, sowie in einem dunklen, schwarzrothen, theerartigen, bacterienreichen Blute.
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Allgemeines über Todesursachen. Findet man bei der Section einer tödtlich verlaufenden Kolik eine Magen- oder Darmruptur, eine bestehende Enteritis oder Peritonitis vor, so kann über die jeweilige Todesursache kein Zweifel obliegen. Sehr häufig indess verläuft eine Kolik schon nach 1224 Stunden tödtlich, ohne dass sich während dieser Zeit A'eränderungen in der Bauchhöhle ausgebildet haben, welche bei der Section Aufklärung über den raschen tödtlichen Ausgang verschaffen könnten. Es sind hiebei folgende Todesursachen möglich:
1. Aufnahme septischer Stoffe ins Blut. Dieselben können entweder chemischer Natur (Intoxication) oder geformte Elemente (Infection) sein. Wie Experimente gezeigt haben, sind im Bruchwasser eingeklemmter Hernien Mikroorganismen nachweisbar, lange bevor Nekrose der Darmwand eintritt; dieselben stammen aus dem Darminneren, indem sowohl Bacillen als Kokken die Darmwand durch-
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100nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kolik dor Pferde.
wamlern, und erzeugen eine tödtliclio pei'itoneale Sepsis, meist ohne gleichzeitige eiterige Peritonitis. Dabei scheint die Leber das bedeutendste Uebergangsdepot für die septischen Stoffe zu sein. Man findet dieses Organ nämlich zuweilen bereits unmittelbar nach dem Tode zu einer Zeit, wo von postmortaler Filuhiiss des Cadavers noch keine Kede sein kann, im Zustande hochgradigster septischer Zersetzung.
2.nbsp; nbsp;Lungencompression mit Lungenödem und Erstickung, in Folge des Druckes der meteoristisch aufgetriebenen Gedärme auf das Zwerchfell. Der Beweis hiefür wird durch die häufige Constatirung des Lungenödems und sonstiger suffocatorischer Erscheinungen bei der Section erbracht.
3.nbsp; nbsp;Kohlensäure-Intoxication des Blutes bei Tympanitis. Dieselbe kommt dadurch zu Stande, dass die Kohlensäurcspannung des Blutes unter die der Dann gase, welche zum grossen Theile aus Kohlensäure bestehen, sinkt, und in Folge dessen nach rein physikalischen Gesetzen Kohlensäure ins Blut aufgenommen wird.
4.nbsp; Steigerung des arteriellen Blutdrucks mit consecutiver Gehirn- und Lungeuapoplexie durch den Druck der ausgedehnten Gedärme auf die Bauchaorta, sowie auf die grossen Venen.
Aussei- diesen Ursachen, welche unzweifelhaft den tödtllcbeu Ausgang einer Kolik herbeiführen können, hat man früher noch andere Erkliirungs-versuehe herbeigezogen. So nahm man einen Herz-Shock in Folge abnormer Darmscmnerzeu als Todesursache an, was indess wenig Wahrscheinlichkeit für sich hat, Oder man dachte an eine Phenolv er giftung des Körpers durch Aufnahme grosser Mengen bei der abnormen Darmgiihrung gebildeten Phenols. Indess hat Tereg nachgewiesen, dass die Phenolaufnahme bei Kolik eher vermindert als vermehrt ist. Am häufigsten dürfte die Todesursache wohl in Sepsis, Lungenödem und Kohlensäure-Intoxication des Blutes zu suchen sein.
Allgemeine Behandlungsweise. Da bei den einzelnen Kolikarten die speciellere Behandlung eingehender besprochen werden soll, so dürften hier nur allgemeine Gesichtspunkte für die Behandlung der Kolik aufzustellen sein. Zunächst ist bei kolikkranken Pferden für einen geräumigen abgeschlossenen Raum, in dem sie sich bei etwaigem Wälzen nirgends verletzen können, sowie für eine dichte, trockene Streu zu sorgen. Sodann lasse man die Thiere über den ganzen Körper mit Stroh und wollenen Lappen frottiren, um reflecto-risch die Darmthiitigkeit anzuregen und eine gleichmässigere Blut-vertheilung herbeizuführen; die Wirkung dieses Frottirens kann durch Besprengen der Haut mit Campherspiritus, dem man wohl auch Terpentinöl zusetzt, noch gesteigert werden. In leichteren Fällen, wenn
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Kolik der Pferde.
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#9632;die Kolikerscheinungen nicht zu hochgradig sind und die Witterung es erlaubt, sucht man die Dannperistaltik auch durch massige Bewegung der Tliiere anzuregen; dieselbe empfiehlt sich besonders bei chronisch verlaufenden Verstopfungskoliken. Jede anstrengendere Bewegung jedoch, z, ß. Trab- oder Galoppreiten, ist zu verwerfen; bei schwereren Kolikerkrankungen insbesondere sind alle Bewegungs-versuche zu unterlassen, da sie mein- schaden, als nützen können.
Ferner ist es geboten, bei jedem Kolikpatienten eine Mastdarm-exploration vorzunehmen, theils um angeschoppte Kothmassen zu entfernen, theils der Diagnose halber. Durch Klystiere und Wasserinfusionen sucht man ferner die Kothmassen zu erweichen und die Peristaltik anzuregen. Man setzt die Klystiere entweder mit einer Klystierspritze oder einer grösseren Clysopompe; für die Infusionen bedient man sich mit Vortheil des von Dammann modificirten Hegar-schen Infusionstrichters. Die im Einspritzen von 35 g Glycerin in den Mastdarm der Pferde bestehenden Glycerinklystiere haben ähnlich wie Seifenklystiere nur eine locale Wirkung auf den letzteren; eine Steigerung der Peristaltik tiefer gelegener Darmtheile tritt nicht ein.
Die Einführung grösserer Wassermengen in den Darmcanal von Seiten der Thierärzte ist schon sehr alt. Die Wirkungen dieser Wassemiführungen sind jedoch stark tibertrieben worden; so hat man angegeben, class beim Pferd 50 und mehr Liter infundirt werden können, und dass das Wasser dabei bis in den Blinddarm vordringe. Thatsaehe ist, dass eine Bespülung des Dar mean als über den Mastdarm hinaus sehr selten gelingt, und dass man wohl nie mehr als 10 Liter ZU infundiren im Stande ist, da die übrige Flüssigkeit sofort wieder herausgepresst wird (Versuche von Pütz jun.). Betreffs der Temperatur des einzuführenden Wassers wird bei neuten, besonders aber bei fieberhaften Koliken das kalte, bei mehr chronisch vollaufenden das warme vorzuziehen sein. Hand in Hand mit der innerlichen Anwendung des Wassers können sodann iiusserliche kalte oder warme Umwicklungen des Hinterleibes gehen.
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Massiges Wälzen kann bei kolikkranken Thieren gewiss nie schaden, ist daher zu gestatten, ja es kann sogar bei vorhandenen Darmverschlingungen möglicher Weise von Nutzen sein. Dagegen sucht man stärkeres Wälzen, ungestümes Niederwerfen, überhaupt intensivere Unruheerscheinungen möglichst einzuschränken, da hiedurch leicht Berstungen des prall gefüllten Magens oder Darmes herbeigeführt werden können. Das beste Beruhigungsmittel hiebei, und deshalb auch ein speeifisches Mittel gegen Krampfkolik, ist eineMorphiumeinspritzung
Friedberger u. Frolmc r, Pathol. u. Therapie d. Hausthiere. 1. Bd. l. Auli. 11
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1G2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kolik dor Pferde.
(0,30,5). Grössere Dosen (z. B. 1 g Morphium) können grosso Aufregung, Laufsucht, selbst maniaknlische Erscheinungen erzeugen.
Bei starker Auf'treibung des Hinterleibes durch Gase zögere man nicht mit der Ausführung des Darmstiches, der, unter antiseptischen Cautelen und laquo;ach den Kegeln der Kunst ausgeführt, wohl nie ungünstige Folgen nach sich ziehen kann. Zuweilen ist bei drohender Lungen- oder Gehirnapoplexie auch ein Aderlass nöthig. Die innerliche Verabreichung der sog. gasabsorbirenden Arzneimittel (Salmiakgeist, Kalkwasser, Schwefelleber, unterchlorigsaures Natron) ist von sehr zweifelhafter Wirkung.
Gegen die darniederliegende Peristaltik und verzögerte Kothausscheidung sind eine grosse Anzahl von Mitteln in Anwendung: im Allgemeinen sind es dieselben, welche schon bei der im Verlaufe des Darmkatarrhs auftretenden Verstopfung genannt worden sind. Vor Allem hat sich das von Dieckerhoff empfohlene Physo-stigminum sulfuricum in Dosen von 0,050,1 in vielen Fällen sehr bewährt (Application subeutan, in 510 cem Wasser gelöst). Die Anwendung des Physostigmins darf jedoch keine schablonenhafte sein. Es ist zunächst vermöge der tetanisirenden, krampferzeugenden Wirkung contraindicirt bei Krampfkolik, ausserdem bei starker Ueberfütterungs-, Wind- und schwerer Verstopfungskolik wegen der drohenden Gefahr einer Magen- oder Darmzerreissung (Rogener, Klemm, Utz, Siedamgrotzky, Wilhelm, Bust u. A.). Von einigen Seiten ist ferner darauf hingewiesen worden, dass seit der Anwendung des Eserins die Zahl der Dünndarmverschlingungen und Axendrehungen des Dünndarmes zugenommen hat. Man halte sich daher mehr an die kleineren (0,050,07) als an die grösseren (0,080,1) Dosen. Da ausserdem einige Vorgiftungsfälle wahrscheinlich in Folge Inconstanz des Präparates, sowie mehrere Fälle von Abortus bei trächtigen Stuten vorgekommen sind, so ist das Eserin im Allgemeinen mit Vorsicht zu gebrauchen. Besonders muss es bei lungenkranken Pferden sehr vorsichtig angewandt werden wegen eines möglicher Weise eintretenden Lungenödems (Friedberger). Eine Combination von Physostigmin (0,1) mit Pilocarjnn (0,3) hat Ellenbergcr vorgeschlagen; letzteres soll die Darmsecretion anregen und den Darminhalt verflüssigen. Von mehreren Beobachtern ist diese Combination als zweckmässig befunden worden. Als Ersatzmittel für das leicht zersetzliche und inconstante Eserin, sowie das sehr theure Pilocarpin ist von Fröhner das Arecolinum hydrobromi-cum in subeutanen Dosen von 0,060,1 (Durchschnittsdosis 0,08)
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Krainpfkolik.
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empfohlen worden. Dieckerboff empfiehlt neuerdings das Chlor-baryuiu intravenös in Dosen von 0,51,25, per os in Dosen von 6-10 jj.
Von jeher sind sodann im Gebrauche das Glaubersalz (2500,0), der Brechweinstein (4 8,0), welche man auch häufig zusammen verabreicht etwa in folgender Form: Tartari stibiati solut. 6,0; Natrii sulfurici 250,0; Pulv. Sem. Foenicul. et Rad. Alth. q. s. f. Electuar.; die Aloö in Pillenform (Aloes 30,0; Sapon. virid. q. s. f. Pilul.), das Calomel (4,08,0), das Ricinusöl in grösseren Dosen (100,0 bis 500,0), in sehr hartnäckigen Fällen endlich das Crotonöl (1520 Tropfen in einer schleimigen Abkochung).
Die im Vorstehenden angeführten Arzneimittel sind nicht etwa in jedem einzelnen Falle von Kolik anzuwenden. Es ist vielmehr eine längst bekannte Thatsache, class ein ziemlich hoher Procont-satz von Kolikpatienten ohne jede medicamentöse Behandlung zu genesen vermag. Hieraus jedoch den Schluss zu ziehen, dass die Kolik überhaupt exspeetativ zu behandeln sei, ist ebenso unstatthaft.
Eine ffleiohmftssige Behandlung aller Koliken mit ein und demseiben Mittel, wiesieLomke und Eckl (Morphium), Adam (Kaltwasserirrigationen), Luelfing (eine Mischung von Aloe, Glaubersalz und Bookshornsamen) empfehlen, können wir ebenfalls nicht befürworten. Jede Kolik verlangt ihre besondere Behandlung (vergl. die einzelnen Kolikarten). Bezüglich der Application der Arzneimittel ist neben der subentanen Application die Latwergen- (Bolus-) und Pillenform die beste. Eingüsse können zwar bei regelrechter Ausführung nicht schädlich werden, sofern sie der Thierorzt selber opplicirt; in der Hand des Eigenthümers jedoch bringen sie die grosse Gefahr der Premdkörporpneu-monio mit sich; aus diesem Grunde dürften sie mehr und mehr reducirt und auf die Crotonöl-Emulsionen beschränkt werden.
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I. Die Krampfkolik.
(Einfache, Reiz-, nervöse, rheumatische, Erkältungskolik.)
Literatur. Gamoek, TIic Vet., 1856. Parker, Ibid., 1861. Schmidtkumz, Thrzt,, 1862. S. 235. Benedict, S, J. B., 1862. Bkvikhk, ,/. de Lyon, 1863. Pom.rox, '/'/laquo; Yet., 1870. Förster, Qaz. med. ret., Milane 1874. Ackermann, S. J. B., 1870. S. 114. Röderer, Ibid., 1889. S. 81. Wagenhkuser, W.f. Th., 1894. S. 273. Vergl. ausserdom die Literatur der Morpliiumtherapie im allgem. Theile.
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quot;Wesen. Als Krampfkoliken bezeichnet man herkömmlich die durch innere oder äussere Erkältung hervorgerufenen Koliken, welchen keine Texturveränderung noch sonstige materielle Ursache, sondern
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lediglich eine schmerzhafte Contraction des Darmes zu Grunde liegt. Entsprechend dem Umstände, dass das Pferd Erkältungen sehr häufig ausgesetzt ist, sind die Krampfkoliken nicht selten, besonders zur Frühjahrs- und Herbstzeit. Sie bilden ferner die weitaus häufigste Kolikform in Gestüten unter den dortigen edleren und f'einhäutigeren Pferden, sowie unter den Cavalleriepferden, bei denen abgesehen von Kriegs- und Manöverzeiten Anomalien in der Fütterung weniger oft als Kolikursachen vorkommen.
Symptome. Der bei der Krampfkolik unabhängig von vorhandenen Darmveränderungen auftretende Schmerz ist wohl auf die Compression der sensiblen Darmnerven durch die Contraction der Muskelwände zurückzuführen. Andere haben ihn für einen dem rheumatischen Muskelschmerz gleich kommenden gehalten. Der Darm-schmerz ist bei der Krampfkolik gewöhnlich ein ziemlich heftiger, wenn auch nicht sehr lange andauernder. Dabei tritt er ganz plötzlich, anfallsweise auf, um bald wieder nachzulassen, bald mit erneuter Heftigkeit wiedereinzusetzen. Dieser remittirende, anfallsweise Charakter ist für die Krampf kolik besonders prägnant. Dazu kommt, dass im Gegensatze zu allen anderen Kolikarten die Unterdrückung der Peristaltik und die Verzögerung des Kothabsatzes bei der Krampfkolik fehlen können, ja sogar in Folge der regen krampfhaften Contraction der Gedärme die Peristaltik sehr lebhaft und kollernd wird, und selbst Diarrhöe auftritt. Ferner ist bei der Krampfkolik das sog. Krampfgetönquot; im Gegensatze zu anderen Koliken sehr laut. Dasselbe erzeugt den Eindruck, als ob Wassertropfen von einer gewissen Höhe herab auf eine tönende, dünne Metallplatte fallen, und erklärt sich seinem Wesen nach aus der Verschiedenheit der Gasspannung in den einzelnen Darmabschnitten, wobei sich die Gase aus den stark gespannten Darmschlingen gleichsam explosiver Weise in die weniger gespannten ausbreiten. Der Verlauf der Krampfkolik ist meist ein gutartiger, ihre Dauer beträgt im Allgemeinen nur wenige Stunden, zuweilen nur Y1 oder V3 Stunde; es kann indess auch, insbesondere wenn die Dauer 12 Stunden übersteigt, zu schlimmen Complicationen, so besonders zu Darmverschlingung kommen.
Differentialdiagnose. Es kommt hier hauptsächlich die Verwechslung der Krampfkolik mit der embolischen Kolik in Betracht. Von der grossen Zahl der in Genesung ausgehenden, sog. nervösen
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Krampf kolik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 105
oder rheumatischen Koliken ist gewiss die eine oder andere embolischer Natur, da bei der Aehnlichkeit beider in Bezug auf das plötzliche, anfallsweise Auftreten und beim Fehlen sicherer Anhaltspunkte durch eine etwaige Section eine Unterscheidung geradezu unmöglich sein kann. Diese Verwechslung dürfte jedoch in dem Umfange, wie es Bollinger annimmt, nicht wohl vorkommen, da man in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle die Diagnose Krampfkolik nur auf Grund einer vorausgegangenen offenbaren Erkältung zu stellen pflegt, während bei der Annahme einer embolisclien oder thrombotischen Kolik gerade das Fehlen jeder äusseren Veranlassung mit in erster Linie von bestimmendem Einflüsse ist.
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Therapie. Bei der Behandlung der Krampfkolik spielen die sog. krampfstillendenquot; Mittel von jeher eine Hauptrolle. Ihr Hauptrepräsentant ist das Morphium. Während die Indication für die Anwendung desselben bei allen anderen Kolikarten eine lediglich symptomatische zu sein pflegt, ist sie hier eine speciell causale, wie auch wesentliche. In sehr vielen Fällen genügt daher das Morphium vollständig. Dabei beseitigt dasselbe nicht bloss die krampfhaften und schmerzhaften Darmcontractionen, sondern auch die drohende Gefahr einer Darmverschlingung. Die subcutane Dosis des salzsauren Morphiums beträgt, wie schon erwähnt, 0,30,5 in 4procentiger wässeriger Lösung. Der Nachlass des Darmkrampfes und der Kolikschmerzen erfolgt meist rasch, so dass selten eine zweite Injection nöthig wird. Die anderen beruhigenden Nervina, so die Belladonna, das Bilsenkraut, Aconit, Aether, Chloroform u. s. w. sind seit der Einführung des Morphiums überflüssig geworden.
Der immer noch sehr verbreiteten Anwendung warmer, aus Camillen-, Pfefferminz-, Baldrian-, Fliederthee bereiteter Eingüsse kann zwar eine krampfstillende Wirkung vermöge ihres Gehaltes an ätherischen Oelen nicht abgesprochen werden. Die Mehrzahl der ätherischen Oele übt in Folge ihrer Verdunstung im Darmcanale auf die umliegenden Organe einen experimentell nachweisbaren krampfstillenden, die Keflexerregbarkeit herabsetzenden Ein-fluss aus. Indess sollte die Anwendung der ätherischen Oele in der Form von Eingüssen wegen der immerhin damit verbundenen Gefahr, sowie der im Vergleich zum Morphium nur schwachen Wirkung mehr eingeschränkt werden. Contraindicirt ist die Anwendung des Physostigmins.
Bezüglich der äusserlichen Behandlung empfiehlt sich tüchtiges
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Frottireu mit Terpentinöl und Campherspiritus (1: 1020), sowie warmes Bedecken der Thiere. Kalte Wicklungen und Infusionen in den Mastdarm sind nicht angezeigt, weil sie die Contraction der Darmmuskulatur noch steigern. Dagegen kommt heissen Wasserumschlägen um den Hinterleib, sowie warmen Infusionen eine entschieden krampfstillende Wirkung zu. Endlich dürfte möglichste Ruhe der Bewegung hier vorzuziehen sein.
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li. Die Ueberfütterungskolik.
Literatur. A) Erbrechen. Dki.aouktth, Omviku, Berthe, 2Jao,, 1828. Oharraquo; lot, Ibid., 1827. Dandrieu, Ibid., 1830/81. Lichte, Mag., 1835. S. 291. Höppker, Ibid., 1836. S. 259. Tausch, Ibid., 1887. S. 365. Landel, Bep., 1847. S. 295. Mionon, IluU. soo. centr., 1847. Marquaedt, liej)., 1852. S. 278. Kanmakn, Pr. M., 1853/54. S. 79. Sai.i.ks, liec, 1853. Herino, Bep., 1853. S. 7.
nbsp; Albert, Gilis, ,/. du Midi, 1854. 1858. 1801. Walter, Pr. M., 1855/56. S. 85.
nbsp; Prietsch, S../. Ji., 1861. S. 102. Davejeah, J. du Midi, 1866. Leblanc, licc, 1856. Simonet, Ibid., 1869. Weber, Unll. soc. centr., 1873/74. Renner, ))'. f. Th,, 1873. S. 361. Pesserl, Ibid., 1874. S. 217. Henry, ä. de Brux., 1874.
nbsp; Lavocat, liec, 1875. Des, Felizkt, Heu, liec, 1875. Käsk, l'r. M., 1879. S. 67. Oarnet, l'rfgse rrt., 1881. Gavahd, ,/. de Lyon, 1884. Van Velzkn, Th. JU. f. N. Ind., Bd. 4. Speer, Am. ret. rev., Bd. 11. Rinoe, The vet.journ., Bd. 24. Lanoenbacher, Oe. V., 1885. S. 171. Schröder, BmdscMu, 1887. S. 325. Vandenabelle, .1. de Brux., 1889. S. 187. Duvixauk, X. f. Vet., 1891. S. 23. Anoerstein, li. th. W., 1891. S. 180. - Arüch, Mod. Zoohtro, 1891. Penning, Th. IH. f. \. Ind., 1891. S, 240. Kirsten, Z. f. Vet., 1892. Gänse-hals, B. th. W,, 1894. S. 805. Göttino, Ibid., S. 294. Bonn, J. of eomp., Bd. V. S. 78. Hell, X. f. Vet., 1894. S. 69. Vergl. auch die ältere Literatur hei ÜLL-rich, Ma;/., 1850. S. 103 u. 111, sowie die Literatur beim Magenkatarrh des Pferdes.
B)Magenruptur. Hüoüet, iteo., 1828. Düpuy, Ibid., 1837. Gielen, Ifa^., 1846. S. 76. Schmolke, Ibid., 1847. 8. 114. Grote, ZeiUchr. ron Nebel tt. Vh: XII. S. 330. Adam, IV. f. Th., 1857. S. 353. Guet, ./. de L\,on, 1860. All-mann. Mag., 1864. S. 233. Schutt, \V. f. Th., 1875. S. 100. Sai.i.ks, liec, 1875.
nbsp;Oarette, Hull. Hein.. 1885. De Oleene, Ibkl., 1886. Oampi, Jl wed. vet., 1887. S. 225. Skqukns, Veterlnarim, 1892. Nr. 2. Johnson, Am. ret. rer., Bd. 16. Bouquet, Bee, 1893. S. 598. Vergl. auch die Literatur des Magengeschwürs.
C) Zw er oh fells r up tu r. Huodet, Bto., 1828. Waltrup, Mag., 1836. S. 442. Fass, Ibid., 1839. S. 495. Bouley, Bec, 1842. Pmange, Ibid., 1848. Gabriel, The Vet., 1845. Dyer, ibid. Lindenbero, Mag. 1840. S. 87; 1847. S. 447. Fausel, Älaquo;p,, 1847. S. 291. Grosskopp, Mag., 1848. S. 347. Bouley, Bec, 1850. Oürdt, Mag., 1851. S. 216. Peroivall, The Vet., 1858. Sura, I'r. M., 1853/54. S. 78. Massen, Ibid.,- S. 135. Fass, Ibid., S. 136. Serres, ,/. du Midi, 1858. Taylor, The Vet., 1860. Jeannin, ./. de Lyon, 1863. Greaves, The Vet., 1866. Rathke, Mag., 1806. 8. 401. Oavplorne, The Vet., 1867. Thierry, J. de Lyon, 1809. Vdibert, 7?laquo;.;., 1871. Kahdler, Oe. M., 1882. S. 181.
nbsp; Roooe, W. f. Th., 1883. S. 373. Knüdsen, Tidshr. f. Vet. Werner, B. th. W., 1891. S. 49. Möller, Lehrb. d. spee. Chirurgie, 1893. Prietsch, S. J. B., 1893. S. 118. Schlampp, M. J. IS., 1893/94.
Symptome. Die durch Ueberfütterung hervorgerufenen Koliken zeichnen sich durch heftige und lang andauernde Anfälle, sowie einen oft sehr rasch tödtlichen Verlauf aus. Die Athmunff ist meist sehr
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UeberftttternnKskoUk.
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anffcstren^'t, der Hinterleib stark gefüllt, abnorme Stellungen sind sehr häuiig, so besonders die hundesitzige, wobei die Thiere zweifelsohne Zwerchfell und Lunge vom Drucke des überfüllten Magens zu entlasten suchen. Ein charakteristisches Symptom der Magenüber-lullung, wenn auch nicht häufig zu beobachten, ist das Aufstossen, Würgen, Hecken und Erbrechen. Der nicht seltene Ausgang in Magen- und Zwerchfellsruptur kündigt sich durch plötzliches Aufhören der Kolikerscheinungen und allgemeine Symptome des Collapses an.
Diagnose. Dieselbe erfordert in erster Linie eine genaue Berücksichtigung der Anamnese, vor Allem des Umstandes, dass die Koliksich im Anschlüsse an eine vorausgegangene zu reichliche Futteraufnahme entwickelt bat. Ohne dieses Moment dürfte eine Unterscheidung von anderen Kolikarten sehr schwer oder unmöglich sein. Denn auch das scheinbar prägnanteste Symptom der Ueber-fütterungskolik, das Erbrechen, kann, sofern es überhaupt auftritt, ebenso gut auf andere pathologische Zustände des Magens oder Darmes Bezug haben; dasselbe gilt für den Eintritt einer Magen- oder Zwerch-fellsruptur.
Prognose. Dieselbe ist meist vorsichtig zu stellen, um so mehr, als das Pferd nicht oder nur selten im Stande ist, den Magen wie andere Thiere durch Erbrechen von seinem Inhalt zu befreien, und bei starkem Niederwerfen der Gefahr einer Magen- oder Zwerch-fellsberstung ausgesetzt ist.
Therapie. Die Behandlung der Ueberfütterungskolik besteht zunächst in der Entleerung des Mastdarms durch manuelle Exploration und häufige Anwendung von Klystieren, um das Weiterrücken des Mageninhaltes indirect zu befördern. In leichteren Graden von üeberfütterung kann ferner dasEserin und Arecolin in kleineu Dosen (0,05), sowie der Brechweinstein (28,0) zur Anregung der Magenperistaltik verabreicht werden. In allen schweren Fällen von Ueberfütterungskolik ist jedoch das Es erin und Arecolin wegen der drohenden Gefahr einer Magenruptur zu vermeiden. In solchen Fällen hat sich die Therapie darauf zu beschränken, das Niederwerfen und Wälzen der Thiere durch Morphiuminjec-tionen (0,5) zu verhindern, und so dem Eintreten einer Magen-berstung vorzubeugen. Dieckerhoff empfiehlt Chlorbaryum (0,51,25 intravenös, G-10,0 per os).
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168nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Uoberfütterungskolik.
Erbrechen. Ein ganz besonderes Interesse nimmt das im Verlaufe der Ueberfüttcrungskolik zuweilen auftretende Symptom des Erbreeliens in Anspruch. Das aus früher erwilhnten Gründen für das Pferd normal sehr erschwerte Erbrechen kommt bei der Ueberfütterungskolik durch die abnorme Ausdehnung des Magens und die Erschlaffung der sonst festverschlossenen Cardia zu Stande. Die dabei beobachteten Erscheinungen sind folgende: unter krampfhaften Contractionen der Ikuchpresse und der Halsmuskeln , sowie unter Anziehen des Kopfes an die Brust und Senken des Halses entleert sich aus Maul und Nase eine meist grüngelbliche, schaumige, sauer riechende Flüssigkeit von verschiedener Consistenz je nach der Beschaffenheit des aufgenommenen Futters. Die Menge ist sehr wechselnd. Zuweilen wird auf einmal ein ganzer Stalleimer voll Mageninhalt entleert, zuweilen dauert das Erbrechen mehrere Stunden hinter einander und es kommt dabei nur wenig Flüssigkeit zum Vorschein. Während des Brech-actes schwitzen die Thiero, stellen die Füsso unter den Leib und zeigen einen stieren, glotzenden Blick; nach dem Erbrechen sind sie meist sehr erschöpft, schwanken und zittern, husten wohl auch noch längere Zeit hindurch. In manchen Fällen kommt es nicht zu vollständigem Erbrechen, sondern nur zu Speicheln, Becken, Würgen und Rülpsen. Bezüglich der prognostischen Bedeutung des Erbrechens ist vor Allem darauf hinzuweisen, dass dasselbe mit Unrecht für ein ausschliesslich ungünstiges, ja ominöses Symptom angesehen wurde. In manchen Fällen wirkt dasselbe entschieden durch die Entlastung des Magens günstig, in anderen sehr zahlreichen Fällen ist nicht der geringste Nachtheil davon zu bemerken. Immerhin dürfte es aber im Allgemeinen als ein zur Vorsicht mahnendes Symptom betrachtet werden, da bei abnormer Ausdehnung des Magens leicht eine Magenruptur daraus hervorgehen kann, und da auch andere schwere Affectionen des Magendarmcanals die Ursache des Erbrechens sein können, so Magengeschwüre, Darmstenosen, Peritonitis. Auch bei gewissen Krankheiten des Schlundes, namentlich bei Schlunderweiterungen,. sowie bei Zwerchfellsentzündung kommt Erbrechen vor. Endlich beobachtet man zuweilen nach Verabreichung von Eserin, Arecolin und Pilocarpin Erbrechen.
Magenruptur. Die Ursachen einer im Verlaufe der Ueberfütterungskolik auftretenden Magenberstung sind abnorme Ausdehnung des Magens mit schliesslicher Zerreissung der Wandungen, oder eine plötzliche Erschütterung des überfüllten Magens durch gewaltsames Niederwerfen der Thiere, oder endlich krampfhafte Contractionen der Magenwandungen beim Erbrechen oder auch in Folge Verhinderung des Erbrechens durch festen Verschluss der Cardia, wobei es im Anschlüsse an den abnormen Contractions-druck der Magenmuskulatur zu einer Selbstzerreissungquot; des Magens kommt, üeber die gegenseitigen Beziehungen des Erbrechens und der Magenruptur waren lange Zeit irrige Meinungen verbreitet; man glaubte nämlich allgemein, dass das Erbrechen nicht die Ursache, sondern die Folge der Magenberstung sei. Es ist indessen geradezu unmöglich, dass nach vollständiger Ruptur der Magenwandungen und Entleerung des Mageninhaltes in die Bauchhöhle irgend ein Theil desselben noch durch den Schlund nach aussen befördert werden kann; wenn daher Erbrechen und Magenruptur zusammen beobachtet werden, so kann die letztere nur als die Folge des ersteren auf-gefasst werden. Dagegen kann bei einer nur partiellen Ruptur der Magenwandungen, wenn beispielsweise nur die Muscularis oder ein Theil derselben eingerissen ist, diese Ruptur ihrerseits die Ursache des Erbrechens nament-
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lieh diuin werden, wenn gleichzeitig eine Lähmung der Cardia eintritt. Die Erscheinnngen der Magenruptur sind von denen einer Darmruptur schwer zu unterscheiden. Zuweilen geht Erbrechen oder auch Würgen, Recken, Rülpsen voraus. In den meisten Füllen aber chnrakterisirt sich die Magenruptur durch einen auf der Höhe der Kolikorschei-nungen plötzlich auftretenden Collaps. Die Kolikschmerzen sind wie verschwunden, die Danngeriluscho sind unhörbar, der Puls ist klein, fadenförmig, nusserordentlich frequent, die Extremitäten werden eiskalt, der Körper ist in kalten Schweiss gebadet, die Innentemperatur sinkt unter die Norm oder steigt, rapid; dabei schwanken und zittern die Thiere, wiehern auch wohl, nehmen abnorme Stellungen ein, sind wie betäubt, stellen die Füsse unter den Leib, zeigen einen angstvollen, starren Blick, grosse Athem-noth, steifen Gang. Zuweilen entleert sich aus Maul und Nase ein zäher, gelbgrünlichcr Schleim. Der Tod tritt entweder nach wenigen Stiinden ein, wobei die Thiere zuweilen noch ihren Dienst einige Zeit hindurch fortleisten, oder erst nach mehreren Tagen, wenn die Ruptur nur partieller Natur war, oder sich irgend ein Organ, z. 13. das Netz, vor den Riss gelagert hatte. Diese letzteren Fälle sind jedoch seltener.
Zwerchfellsruptur. Das Zustandekommen einer Zwerchfellszerreissung ist bei der Ueberfütterungskolik theils auf den vom überfüllten Magen auf das Zwerchfell ausgeübten abnormen Druck, theils auf plötzliches Niederwerfen der Thiere zurückzuführen, wobei bereits vorhandene Zwerchfells-hernien oder alte, abgelaufene Entzündungen die Entstehung begünstigen werden. Bei der Section findet man bald den Magen, bald den Dünn- oder Grimmdarm, bald das Netz durch den Riss in die Brusthöhle vorgelagert und bei chronischem Verlaufe wohl auch mit den Lungen, den Rippen oder dem Herzbeutel verwachsen. Sehr häufig kommt es dann auch zur Ein-klommung des vorgefallenen Darmstückes. Die Erscheinungen einer Zwerchfellsruptur bestehen zunächst in einer hochgradigen Athem-notli, die sich bis zur Erstickung steigern kann, und wobei die Bauchmuskeln krampfhaft angestrengt werden. Die Thiere zeigen dabei oft rasende Kolik an fälle, nehmen abnorme Stellungen ein, besonders die sog. hundesitzige, schwanken, zeigen starken Schweissausbruch, husten, athmen schnarchend, sind nicht im Stande zu wiehern, sondern können nur leise Töne ausstossen. Ist ein Darmstück in die Brusthöhle vorgefallen, so findet man bei der Percussion des Thorax oft bis zur Schulter o inen helltympanitischen Darm ton, bei der Auscultation gurgelnde, kollernde, plätschernde Darmgoräusche, bei fehlendem vesieulärem Athmungsgeräusche. Diese letzteren Erscheinungen sichern die Diagnose unter allen Umständen. Indess können sie bei Zwerchfellsruptur ebenso häufig auch fehlen, indem es eben nicht zu einem Vorfall von Baucheingeweiden in die Brusthöhle kommt, oder diese nur wenig voluminös sind und den Boden der Brusthöhle einnehmen. Ausser-dem muss man sich hüten, etwaiges sehr lautes peristaltisches Geräusch der normal gelagerten Darmschlingen mit obigen Geräuschen zu verwechseln. Der Verlauf einer Zerreissung des Zwerchfells ist meist ein sehr acuter, und der Tod tritt in Folge von Erstickung oft schon nach wenigen Minuten bis zu einer halben Stunde ein. In selteneren Fällen ist er chronisch; die Thiere erholen sich scheinbar, bald rascher, bald erst nach einer mehrere Wochen dauernden Kolik, verfallen jedoch späterhin, oft in ganz regel-mässigen Intervallen, so z. B. von 14 zu 14 Tagen, oder nach den geringsten Anstrengungen wieder in Kolik. Andere zeigen besonders beim Bergabgehen
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170nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Euibolisch-thronibotisehe Kolik.
starke Ueschwcrdon; manche legen sich auch nicht mehr nieder. Endlich kann sich eine bleibende Schwerathniigkeit, sowie allmähliche Abmagerung daraus entwickelte
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Hl. Embolisch-thrombotische Kolik.
Literatur. Eioot, Jteo., 1829. Schutt, Mag,, 1835. S. 40. Rohling, Ibid., 1849. S. 44. BruckmüLLER, Oe. V. S,, 1852. Bd. 2. S. 90; 1871. Kkyxai., Hec, 1858. Prehr, /'/#9632;. M., 1855/5(5. S. 136. Bouley, DM. pratique, 185G. S. 548. Colin, Hec, 1861. Köhne, Mag., 1801. S, 436. - Hahn, M. tli. M., 1862. S. 164. Zahn, Oe, V. S., 1863. S. 143. Hamon, Beo., 1866. Bonnaud u. Andrieux, ./. ilu Midi, 1867. S. 124. Oornevin, ./. de Lyon, 1869. Pranck, W, f. Th,, 1871. S. 17. LUbTio, //../. B,, 1873. S. 27; 1874. S. 16; 1875. S. 37; 1876 bis 1877. S. 73; H. A,, 1887. S, 249. Bollinoer, W, f. Th., 1878. S. 22. Sie-DAMQROTZKy, S,./. B., 1874. S. 23; 1875. S. 20. Friedberoer, M. ./. II., 1875/76. S. 88; 1878/79. S. 87; 1879/80. S. 00; 1881/82. S. 57; 1889/90. S. 154; lgt;. X. f. Th., 1889. S. 215. Q-uzzoni u. Demetrio, Arch, di med. ret., 1876. Fikdki.hu, W. f. Th., 1881. S. 281. Buch, Bmdsehau, 1887. S. 197. Deppke, Ibid., S. 390. Willach, Soleroatoma armatwn, ein Beitrag nur Entwiehhtngsgesdkiohte der Xema-toden, 1890. Köckenberoer, W. f. Th,, 1892. Winchester, Am, ret. rer., Bd. 16. S. 359. Stietenroth, B. th, W., 1892. S. 146. Oasper, Jl. A,, 1893. S. 50. Pilz, Z. f. Vet., 1893. S. 15. Pranoke, B. th, W., 1894. S. 567. Sohüemacher, 1gt;. th. W., 1894. S. 164.
Geschichtliches. Das Wurmaneurysma der vorderen Gekrös-arterie wurde selion sehr früh von den Thierärzten in Beziehung zur Kolik gebracht. So fanden Rigot (1829) und Schutt (1835) nach vorausgegangenen Kolikanfallen das genannte Aneurysma. Bruck-müller (1852) spricht von Fällen, in denen Aneurysmen der Gekrös-jirterien die bei Pferden so häufig vorkommenden Koliken veranlagst haben sollenquot; und ist der Ansicht, dass ein causales Verhilltniss beider nicht abgeleugnet werden kann. Prehr (1855) sucht in einem Falle die Veranlassung für die Kolik geradezu in der Obliteration der vorderen Gekrösarterie. Bouley (185(3) spricht davon, dass blutige Excremente und intermittirende Koliken besondere Anhaltspunkte für die Diagnose des Aneurysmas der Gekrösarterien sind. Köhne (1861) glaubt, dass in einem von ihm beobachteten Kolikfalle in Folge der Verstopfung der vorderen Gekrösarterie, die dicken Gedärme und namentlich der Blinddarm in einen lähmungsartigen Zustand versetzt wurden. Hahn (1862) nimmt als Ursache einer periodisch wiederkehrenden Kolik das bei der Section vorgefundene Aneuiysma der vorderen Gekrösarterie an. Endlich beschreibt Cornevin (1869) einen sehr schönen Fall von thrombotischer Kolik mit Verstopfung der Hilft- und Blinddarmarterien.
Aus diesen Angaben erhellt, dass bereits vor dem Erscheinen des Bollinger'schen Werkes (Die Kolik der Pferde und das Wurm-
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Einbolisch-tliroiiibotische Kolik.
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aneurysma der Eingoweidoarterien, 1870) ein Causalnexus zwischen Kolik und Aneurysma gesucht und zum Theil auch richtig gefunden -wurde. Immerhin aber ist es das grosso Verdienst Bollinger's, durch umfassende Untersuchungen die Beziehungen beider klargestellt zu haben.
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Anatomisches über das Wurmaneurysma der vorderen Ge-krösarterie. Schon die Untersuchungen Hering's vom Jahre 1830 haben ergehen, dass sich bei den meisten Pferden ein Aneurysma der vorderen Gekrösarterie vorfindet; Hering stellte geradezu den Satz auf, dass ein Pferd eher mit mehreren Aneurysmen behaftet sei, als mit keinem. Nach den Berechnungen Bruckmüller's, Roll's, Bollinger's u. A. dürften 9094 Proc. aller Pferde an dem besagten Aneurysma leiden. Am häufigsten scheint dasselbe bei älteren Thieren vorzukommen; so fand Ellenberger unter 85 Anatomiepferden nur ein einziges ohne Aneurysma. Man trifft indess auch bei ganz jungen Fohlen vom 3. Monate ab das Aneurysma, dagegen scheint es bei neugeborenen Thieren zu fehlen.
Die Aneurysmen der vorderen Gekrösarterie, welche sämmt-liche dünne und dicke Gedärme, mit Ausnahme des mittleren und hinteren Mastdarmabsclmittes, mit Blut versorgt, sind die weitaus häufigsten; seltener findet man die hintere Gekrösarterie oder die Bauchschlagader betroffen. Die Wände der meist gleichmässig erweiterten, länglich ovalen, Haschen- oder spindelförmigen, seltener sackförmigen, bis mannskopfgrossen und bis Va Meter langen Aneurysmen sind gewöhnlich sehr verdickt, insbesondere die Media und das mesenteriale Bindegewebe. Die Intima zeigt die verschiedensten entzündlichen und degenerativen Veränderungen: Schwellung, Verfettung, Verkalkung, Verknöcherung, geschwürige Substanzverluste, bindegewebige Sklerosirung. Der Inhalt besteht aus einem meist wandständigen, geschichteten und sehr häufig canalisirten Thrombus, der wohl auch das Lumen des Aneurvsmas vollständig obstruiren und sich in die verschiedenen Zweige der einzelnen Arterien, zuweilen auch central in das Lumen der Aorta hinein fortsetzen kann, und nicht selten sehr locker und brüchig, mitunter selbst puriform erweicht ist. Aussei- dem Thrombus findet man regelmässig einige Larven des bewaffneten Pallisadenwurms, Strongylus armatus Rud., durchschnittlich neun in einem Aneurysma. Die Anwesenheit dieser Würmer ist die eigentliche Veranlassung zu den chronischen Veränderungen der Intima und dadurch zur Entstehung des Thrombus und des Aneu-
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172nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Embolisch-thrombotisoho Kolik.
rysmas, indem sie durch fortgesetzte Läsionen der Intima eine chronische traumatische Endourteriitis unterhalten. Ihre Zahl kann eine ganz beträchtliche sein (100200 und darüber). Ueber den Modus und die Zeit ihrer Einwanderung (Sommer?) ist mit Sicherheit nichts bekannt.
Das Wurmaneurysma in seinen Beziehungen zur Kolik. Abgesehen davon, dass das Aneurysma der vorderen Gekrösarterie durch die Behinderung des Blutzuilusses zum Darme Ernährungsstörungen desselben und damit eine Disposition zu Kolik herbeiführt, ist der Darm andauernd einer dreifachen Gefahr ausgesetzt. Fürs Erste kann der Thrombus das Lumen der vorderen Gekrösarterie vollständig verstopfen (selten); oder er kann sich in irgend einen Ast einer Darmarterie fortsetzen; oder es kann endlich irgend ein losgelöstes Stück des Thrombus mit dem Blutstrom als Embolus in eine Darmarterie fortgeschleppt werden. In allen 3 Fällen treten, sofern sich nicht ein ausreichender collateraler Kreislauf ausbildet, Veränderungen ein, wie sie durch die experimentellen Untersuchungen Virchow's, Cohn's, Panum's, Cohnheim's, Litten's u. A. festgestellt sind. Zunächst wird sich in dem abgeschlossenen Gefässbezirke eine arterielle Anämie ausbilden, welcher in Folge des aufgehobenen arteriellen Blutdruckes eine venöse Rückstauung des Blutes mit seröser und blutiger Transsudation in die Darm wand und das Darmlumen folgt (sog. serös-hämorrhagischer Infarkt), die direct zur Lähmung des Darmes führt. Die Darmlähmung aber bedingt ihrerseits Stagnation des Darminhaltes mit abnormen Gährungen und starker Gasentwicklung. Sie ist dann insofern die Ursache zu Axendrehungen und Invaginationen des Darmes, als sich die in lebhafter Bewegung befindlichen gesunden Darmabschnitte um das gelähmte, nur eine passive Rolle spielende Stück herumschlingen oder sich in dasselbe einstülpen. Da man ferner so häufig eine Axendrehung der linken (freien) Lagen des Colons in Folge von Thrombosen und Embolien findet, und diese nur durch lebhafte Bewegung dieses Theiles selbst, der zunächst von der Circulationsstörung betroffen werden muss, entstehend gedacht werden kann, so muss man annehmen, dass die arterielle Anämie anfangs eine verstärkte Bewegung und dadurch diese Lageveränderung bedinge. Wir glauben wenigstens nicht, dass man in diesem Falle die Axendrehung der linken Lagen durch vermehrte lebhaftere Bewegung der angrenzenden gesunden Darmpartien erklären kann.
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Embolisch-thrombotisclie Kolik.
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Endlich führt die Darmlähmung zu Darmentzündung und Rupturen des Darmes, Magens und Zwerchfells, indem die von der gelähmten Stelle ausgehende antiperistaltische Darmbewegung den Magen hu zum Bersten mit Futtermassen anfüllt, und die durch Gase aufgetriebenen Darmtheile entweder schliesslich selbst zerreissen oder durch ihren Druck das Zwerchfell zum Zerreissen bringen.
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Anatomische Verhaltnisse der vorderen Gekrösarterie. Dieselben sind für das Verstiindniss des Zustandekommens der thrombotisoh-emboli-sehen Kolik von grösster Wichtigkeit. Bekanntlich entspringt die vordere Gekrösarterie als kurzer, kräftiger, etwa 1012 ein langer Stamm aus der hinteren Aortn. Unmittelbar nach ihrem Ursprünge gibt die vordere Gekrösarterie ab: 1. nach vorne die obere Grimmdarmarterie; 2. nach hinten, der Ursprungsstelle der oberen Grimmdarmarterie gerade gegenüber, die 1720 Dünndarmarterien. Von da ab heisst der sich etwas verengernde Stamm der vorderen Gekrösarterie Arteria ileocoecocolica. Dieser Stamm ist gewöhnlich der Sitz des Wu rmaneury sm as. Die Arteria ileocoecocolica theilt sich sodann in 4 Aeste. Der vorderste stärkste bildet gewissermassen die Fortsetzung der genannten Arterie, es ist dies die untere Grimmdarmarterie. Dann folgen neben einander die obere und untere Blin ddarm arterie und endlich die Hüft-d a r m a r t e r i e.
In der Eegel wird die Arteria ileocoecocolica durch den Anourysmen-thrombus nicht vollständig obturirt, deshalb erhalten die unten gelegenen Arterienäste (untere Grimmdarmarterie, obere und untere Blinddarmarterie, Hül'tdarmarterie) immer noch binreichend Blut, so dass eine schwerere Kolik nicht eintreten kann. Nur wenn, was indess selten vorkommt, die Arteria ileocoecocolica durch den Tbrombus gänzlich abgesperrt ist, dann wird der Blinddarm (obere und untere Blinddarmarterie) aussei- Function gesetzt, nicht aber der Grimmdarm, an welchem nur die untere Grimmdarmarterie verlegt ist, während die obere (mit der unteren anastomo-sirende) frei geblieben ist und die Ernährung des Grimm-darms mit Blut allein besorgt. Die Verstopfung ein er Grimmdarinarterie genügt also nicht zum Zustandekommen einer tödtlich verlaufenden thrombotiseh-embolischen Kolik (wichtig für forensische Fälle). Beide Grimmdarmarterien sind aber nur dann betroffen, wenn das Aneurysiua ausnahmsweise bis an den Ursprung der vorderen Gekrösarterie hinaufreicht. In diesem Falle kann es dann auch zur Thrombose der Dünndarmarterien kommen, welche für gewöhnlich nicht in dem Bereiche des Aneurysmas liegen. Dagegen können durch plötzlich eintretende Verstopfung einer Grimmdarm- resp. Blinddarmarterie zweifellos leichtere, vorübergehende Kolikanfälle hervorgerufen werden.
Werden von dem Aneurysmentbrombus Theile abgelöst, so können Embolien gewöhnlich nur in den unten gelegenen Arterienästen, also namentlich in der unteren Grimmdarmarterie auftreten. Auch diese einseitige Embolio führt nicht zu einer tödtlichen Kolik, weil die obere Grimmdarmarterie frei ist. Ebenso wenig führt die Embolie einer der beiden Blinddarmarterien zum tödtlichen Ausgange. Denn auch die beiden Blind-darmarterien stehen unter einander in Verbindung, und ausserdem wird der Blinddarm noch durch ein kleines Gefäss ernährt, welches von der unteren Grimmdarmarterie an ihn herantritt.
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174nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Emboliscli-throiubotisclio Kolik.
Die Dün n d arm ar t erien endlich theilen sich in der Nähe des Darmes in 2 Aesle, von welchen joder im Bogen mit dem benachbarten vorderen oder hinteren Aste anastoniosirt. Von diesen Bogen gehen gerade Zweige an den Darm. Wenn nun auch ein Embolus selbst oberhalb der Theilungsstelle eines Dünndamastes sitzt, so wird der Einlluss des Blutes zu den betreffenden Dünndarmtheilen doch nicht verhindert, weil die Gefiiss-bogen und die aus ihnen entspringenden Darmzweige unter einander in Verbindung stehen.
Symptome und Verlauf. Die thrombotisch - embolische Kolik kann einen sehr verschiedenen Verlauf haben.
1.nbsp; nbsp;Acutcr Verlauf mit Ausgang in Genesung. Diese nicht seltenen Fälle sind dadurch charakterisirt, dass bei einem Pferde öfters und in reeidivirender Weise ohne jede äusserliclie Veranlassung Kolikanfälle auftreten, welche viel Aehnlichkeit mit rheumatischer Kolik zeigen, indem sie zuweilen äusserst schmerzhafter Natur sind. Die Dauer der Kolik ist meist eine kurze. Wahrscheinlich entstehen diese Krankheitsfälle durch partielle Kmbolien von Darmgefässen (eine Grimmdarm- oder Blinddarinarterie), welche sich dann allmählich auf dem Wege der Anastomose ausgleichen. Da eine sichere Diagnose hiebei naturgemäss sehr schwierig ist, wird diese Art der tbrombotisch-embolischen Kolik sehr häufig mit anderen Kolik-fonnen verwechselt.
2.nbsp; nbsp;A cut er Verlauf mit ungünstigem Ausgange. Hieher gehören alle die Fälle, in welchen die Thrombose oder Embolie zu Lageveränderungen des Darmes führt, Cliarakteristisch ist auch hier, dass die Krankheitserscheinungen ohne jede äussere erkennbare Veranlassung auftreten. Sodann sind die Schmerzen im Gegensatze zu anderen Kolikarten oft ganz unbedeutend (Lustig). Diese Thatsache erklärt sich vielleicht in der Weise, dass durch die locale vollständige Circulationsstörung die im betroffenen Gebiete beiindlichen Nerven rasch gelähmt werden. Im Uebrigen stimmen die Erscheinungen mit denjenigen der Verstopfungskolik in Folge innerer Lageveränderungen überein, d. h. sie sind weder charakteristisch noch constant. Der Tod erfolgt hiebei entweder durch Ruptur des Magens resp. Darmes oder durch Sepsis.
3.nbsp; nbsp;Chronischer Verlauf mit relativ günstigem Ausgange. Chronischer embolischer Darmkatarrh. Im Anschlüsse an die Verstopfung von Darmarterien entwickelt sich zunächst eine Stauungshyperämie. Kommt es nun nach Lage der Umstände nicht zu schwereren Veränderungen, so kann diese Stauungshyperämie längere Zeit fortbestehen und, wie dies z. B. bei Stauungen im Pfortader-
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Embolisdi-tlirombotisolio Kolik.
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system nach Leberkrankheiten beobachtet wird, zur Ausbildung eines chronischen Darmkatarrhs führen (embolischer Darmkatarrhquot;). Der Krankheitsverlauf ist dann gewöhnlich folgender: Nach Beruhigung des ersten Anfalls verschwindet die Temperatur- und Pulserhöhung, dagegen bleibt die I'eristaltik verzögert, der Kothabsatz unterdrückt, die Futteraufnahme verringert und das Allgemeinbefinden lilsst zu wünschen übrig. Nach 12 Tagen stellt sich wieder niedergradiges Fieber mit wiederholten, aber nur geringen Kolikerscheinungen ein, welche im Uebrigen auch ganz fehlen können. In dieser protrahirten Weise kann es mehrere Tage und selbst Wochen fortgehen (chronische, schleichende Kolik); in einem Falle z. B. dauerte die Kolik 22 Tage (Friedberger). Zuweilen geht der chronische Danukatarrh über in chronische Abmagerung und Kachexie. Häutiger endet die Krankheit unter den Erscheinungen der Sepsis mit Tod.
4. Chronischer Verlauf mit ungünstigem Ausgange. Ausbildung einer thrombotisch-embolischen, hämorrhagi-schen Darmentzündung und Nekrose der Darmschleimhaut. Hämorrhagischer Darminfarkt. Die Pathogenese dieser hämor-rhagischen Entzündung erklärt sich aus thrombotisch-embolischer Verstopfung kleiner Darmarterien im Anschlüsse an ein vorhandenes Wurmaneurysma, wobei nur kleinere Schleimhautpartien des Darmcanales die früher beschriebenen Circulationsstörungen (arterielle Anämie, Blutstauung, hämorrhagischer Infarkt, Nekrose) erleiden. Die Hauptsymptome bestehen in stark verminderter oder Tage lang ganz aufgehobener Futteraufnahme und gesteigertem Durste, verzögertem Kothabsatze bei deutlich hörbarer Peristaltik, anfangs kleingeballtem, später schleimigem, dickbreiigem, übelriechendem Kothe, welcher häufig blutig ist (Blutkolik), stark saurem, phosphat- und eiweisshaltigem Urin, hohem andauerndem Fieber (41,0deg; C. und darüber), sehr frequentem (UO70, später 90 bis 100 Schläge p. M.) und kleinem Pulse, zunehmender Schwäche und Mattigkeit, Abmagerung, Einfallen des Hinterleibes, Wechsel von geballtem und breiigem Kotli, missfarbiger Beschaffenheit des Urins, Eingenommenheit des Sensoriums. Zuweilen treten unmittelbar nach der Futteraufnahme Kolikerscheinungen, sowie eine Verschlimmerung des Zustandes ein. Auch auffallende Fieberparoxys-men, namentlich heftiges, allgemeines Muskelzittcrn, Frostschauder, eisige Kälte der extremitalen Theile, Blässe der sichtlichen Schleimhäute, angestrengte, sehr beschleunigte, röchelnde Athmung, pochender
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Emljolisch-thrombotische Kolik.
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Herzschlag, hohes Ansteigen der Innenlemperatur, wurden im Verlaufe der Erkrankung gegen das tödtliche Ende zu beobachtet. Die Dauer der Krankheit ist gewöhnlich eine längere. Häufig geht auch ein längeres Stadium von chronischem Magendarmkatarrh voraus. Der Verlauf der eigentlichen hämorrhagischen Entzündung kann sich über mehrere Tage, selbst Wochen hinziehen. Der tödtliche Ausgang erfolgt durch Aufnahme septischer Stoffe in die Blutbahn vom Darme aus, durch Peritonitis oder chronischen Marasmus; die nicht häufig beobachtete Heilung vollzieht sich unter Abstossung der nekrotischen Schorfe und Vernarbung der Substanzverluste; auch chronische Geschwüre können als Folgezustand zurückbleiben. Immer aber ist das Reconvaleszenzstadium ein sehr langes.
Anatomischer Befund. Die Section bietet beim hämorrhagischen Darminfarkte ganz charakteristische Veränderungen. Man findet nämlich aussei* den allgemeinen Erscheinungen der Sepsis im Magen zuweilen neben Schwellung, Injection, Ekchymosirung der Schleimhaut kloine, schwarzrothe, mit Pfropfen kleiner arrodirter Gefässchen der Schleimhaut und Submucosa zusammenhängende Blutgerinnsel, im Dünndärme blutig gefärbte, dünne Flüssigkeit, sowie düster braunrothe Imbibition der Schleimhaut, desgleichen im Dickdarme, dessen Wand an umschriebenen Stellen, zumal am Gekrösansatze, durch eine serös-hämorrhagische Infiltration oft um das Drei- und Mehrfache des Normalen verdickt ist. (Sehr selten sind embolische Veränderungen im Mastdarm zu finden.) An der Stelle der grössten Mächtigkeit dieses hämorrhagischen Infarktes ist die Schleimhaut zunderähnlich, nekrotisch verschorft, mit stärkerer blutiger Infiltration am peripheren Bande des Schorfes. Im Grunde dieser Verschorfung kann man sehr oft bei genauerer Untersuchung eine thrombosirte Darmarterie auffinden und central verfolgen, wozu sich der Nachweis eines Wurmaneurysmas der vorderen Gekrösarterie gesellt. Ausserdem findet man sulzige Infiltrationen an verschiedenen Stellen der Bauchhöhle (z. B. auch an der vorderen Gekröswurzel) und grössere Mengen blutig-seröser oder jauchiger Flüssigkeit in der Bauchhöhle.
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Behandlung. Die Behandlung der thrombotisch-embolischen Kolik beschränkt sich, da den in Rede stehenden Gefässveränderungen direct nicht beizukomraen ist, auf die symptomatische Beseitigung der durch die Darmlähmung hervorgerufenen krankhaften Zustände.
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Verstopfungskolik.
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Da dieselben wesentlich in einer Anschoppung von Kothmassen he-stohen, welche bei längerer Dauer zu localer Entzündung und Nekrose der Schleimhaut führt, handelt es sich in erster Linie um Beseitigung dieser Koprostase durch evaeuirende Mittel, so Brechweinstein, Calomel, Mittelsalze. Ob das Plmostigmin ebenfalls hieher gehört, dürfte fraglich sein, weil dasselbe durch die hervorgerufenen intensiven Darmcontractionen leicht zu Umscblingungen und Einstülpungen des gelähmten Darmstückes durch die nicht gelähmten Veranlassung geben könnte. Ausserdem empfehlen sich häufiges Frottiren und massige Bewegung der erkrankten Tliiere behufs Ausgleichung der Kreis-laufsstörungen, sowie die wiederholte Entleerung des Mastdarms durch Exploration und Wasserinfusionen. Die Behandlung der embolisch-thrombotischen, hämorrhagischen Gastro-Enteritis fällt mit der der Magendarmentzündung zusammen (siehe diese). Die diätetische Ueberwachung der kranken Thiere, insbesondere der Reconvales-centen, ist von der grössten Bedeutung. Gegen die nekrotische Ver-schorfung der Schleimhaut kann man Calomel, gegen das septische Fieber die verschiedenen Antipyretica anwenden. Dagegen muss vor allen stärkeren Abführmitteln (Brechweinstein, Aloe, Crotonöl) gewarnt werden.
Die Bollin ger'sche Theorie über die Beziehungen der Kolik zum Wurmaneurysina der vorderen Gokrösarterie hat theils begeisterte Zustimmung, theils ausgesprochene Gegnerschaft hervorgerufen. Insbesondere hat sich Gerlach in seiner Geriohtl. Thierheilkde.', 1872, S. 531, entschieden gegen jedwede Beziehungen beider zu einander erklärt. Roll (Handbuch der Pathologie und Therapie) möchte die von Bollinger postulirte Ausdehnung der embolisch-thrombotischen Kolik auf alle plötzlich und ohne bestimmt nachweisbare Ursachen auftretenden Kolikfälle unter gewissen Beschränkungen zugeben. Wir selbst halten die Existenz einer thrombotisch-embolisehen Kolik für sicher erwiesen und ihr Vorkommen für keineswegs selten. Wir glauben jedoch, dass Bollinger entschieden zu weit gegangen ist, wenn er 50 Proc. aller tödtlich verlaufenden Koliken für embolische erklärt, und jede schnell und ohne nachweisbare Ursache auftretende Kolik ebenfalls f ü r t h r o m b o t i s c h - e m b o-1 i s e h e r Natur hält.
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IV. Verstopfungskolik.
Unterarten. Je nach den verschiedenen Ursachen der Darmverstopfung müssen verschiedene Formen von Verstopfungskolik unterschieden werden, die jedoch klinisch nicht wohl ans einander zu halten sind. Diese in der Hauptsache also nur ätiologisch verschiedenen
Unterarten der Verstopfungskolik sind bedingt:
Friedberger u. Fröhner, Pathoi. u. Therapie d. Hanstbiere. 1. Bd. i. Aufl. 12
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178nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Anschoppungfskolik.
1.nbsp; durch Futteranschoppung im Darme (Anschoppungskolik),
2.nbsp; durch Magen- und Darmsteine (Steinkolik),
3.nbsp; durch Verlagerungen des Darmes,
4.nbsp; nbsp;durch Darminvagination,
5.nbsp; durch stenosirende Neubildungen,
6.nbsp; durch Darmstricturen,
7.nbsp; durch Dilatation und Lähmung des Darmes.
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1. Verstopfungskolik in Folge von Futter- bezw. Kothanschoppung im Darme (Ansckoppnngskolik).
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Aetiologie. Die Ursachen der Anschoppungskolik sind bereits im allgemeinen Theiie kurz aufgeführt. Meist sind sie in einer abnormen Fütterungsweise zu suchen. Zu beschuldigen sind namentlich zu reichliche Kleiefütterung, zu kurz geschnittener Häcksel, zu viel Stroh (Strohkolik*), besonders kurz geschnittene Erbsen- und Roggenstrohhäcksel, hartfaseriger Klee, Spelzhülsen, Dinkelspreu, Buchweizenschalen, Bohnenstengel, kurz ein Uebermass der für Pferde schwer verdaulichen Cellulose im Futter; ferner alles erschlaffende Futter, der rasche Uebergang von Weide- zu Stallfütterung, ausschliessliche Maisfütterung. Auch ungenügende Bewegung bei extensiver Fütterung, sowie Behinderung des Kauens durch Zahnanomalien begünstigen das Entstehen einer Fäcalstase. Fohlen zeigen zuweilen in den ersten Tagen nach der Geburt Kolikerscheinungen in Folge Ansammlung des Darmpeches im Mastdarme.
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Aiischoppmigskolik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;179
Anatomischer Befund. Die örtlichen Veränderungen an der durch die angeschoppten Fäcalmassen verstopften Darmstelle sind sehr verschiedene. Zunächst trocknen die sich stauenden Futtermassen in Folge der andauernden Resorption der flüssigen Bestandtheile durch den Darm mehr und mehr ein und wirken so als Fremdkörper reizend auf die Darmschleimhaut. Es treten zuerst katarrhalische Entzündungen der Schleimhaut mit reichlichen Ekchymosirungen auf (hämorrhagischer Katarrh), späterhin diphtheritische und uekro-tische Processe. Nach Ernst beginnt die diphtheritische Schleimhautentzündung mit punktförraigen, fleckenweisen, anfangs grau, später graugelb, selbst weiss gefärbten Trübungen der katarrhalisch erkrankten Schleimhaut, vorzugsweise an den Hervorragungen derselben (Falten-, Zotten-, Follikulardiphtherie), wodurch ihre Oberfläche wie mit Kleie bestreut erscheint. Den fleckigen Trübungen liegt eine oberflächliche Nekrose der Schleimhaut zu Grunde, welche zu Geschwürs- und Narbenbildung führt; seltener ist eine tiefergehende nekrotische Zerstörung der Muskulatur mit Perforation. Weitere. Folgen der Fäcalstase sind Rupturen des Magens und Darmes. So scheinen Fäcalstasen im Cöcum, sofern sie sich nicht beseitigen lassen, regelmässig, solche im Colon und Rectum sehr häufig zu Rupturen des betreffenden Darmes zu führen. Fäcalstasen am Uebergange des Hüftdarmes in den Blinddarm sind in der Hälfte der Fälle von Magenruptur gefolgt, wobei eine von der verstopften Stelle aus auftretende sog. antiperistaltische Darmbewegung den Inhalt des Darmes in den Magen treibt, denselben überfüllt und schliesslich zum Zerreissen bringt, sofern derselbe sich nicht durch Erbrechen entleert. Futteranschoppungen kommen am häufigsten im Hüftdarme vor seiner Einmündung in den Blinddarm zu Stande.
Symptome. Die Erscheinungen der Anschoppungskolik sind im Gegensatze zu anderen Koliken mehr geringgradiger Natur. Die Kolikschmerzen sind meist nicht bedeutend, die Thiere liegen vielmehr ziemlich ruhig da und stöhnen zuweilen. Die Futteraufnahme sistirt. Der Kothabsatz ist verzögert, die Peristaltik unterdrückt, die einzelnen Kothballen sind sehr trocken, klein, oft mit Schleimfetzen überzogen. Bei der Exploration des Mastdarmes, bei welcher die Thiere häufig sehr stark pressen und drängen, findet man die Gedärme mit festen Kothmassen angefüllt. Da diese stark angefüllten Gedärme auf die Blase drücken, stellen sich die Thiere häufig zum Uriniren an. Dabei wird der Hinterleib durch Gase allmählich
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Steinkolik.
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voller uml zuletzt aufgetrieben. Die Krankheit verläuft zuweilen längere Zeit hindurch unter dem Bilde einer einfachen Verstopfung ohne Kolikerscheinungen (wie beim Hunde); bei längerer Dauer stellen sich aber letztere regelmässig ein. Die Dauer der Krankheit ist immer eine längere, selbst sehr lange. Sie beträgt meist mehrere Tage,
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sehr häuflfiC
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3 Wochen, unter Umständen sogar G7 Wochen
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(chronischequot; Kolik). Dabei fehlen eigentliche Pausen, wie sie für die thrombotisch-embolische Kolik charakteristisch sind. Erbrechen ist selten. Die Erscheinungen der den tödtlicheu Ausgang häufig bedingenden Darmrupturen decken sich im Allgemeinen mit den bei der Magenruptur beschriebenen.
Therapie. Die Behandlung besteht in Anwendung von Laxantien, ferner in Massage des Hinterleibes, kalten Wicklungen, ausgiebigen Wasserinfusionen, massiger Bewegung und strengster Diät. Man gibt zunächst das Glaubersalz oder künstliche Karlsbader Salz in grösseren Dosen (250500,0). Sodann wird von vielen Practikern das ßicinusöl in Verbindung mit anderen fetten Oelen sehr gerühmt. Man gibt z. B. mehrere Tage hinter einander eine Mischung von 1 Liter Mohnöl oder Olivenöl mit 1l-i-V-j Liter Ricinusöl ein. Auch das Eserin (0,050,1) in Verbindung mit Pilocarpin (0,3), das Arecolin (0,08), sowie die Aloe (3045,0) werden häufig mit gutem Erfolge angewandt. Das Eserin scheint indessen sich mehr für die leichteren Fälle von Verstopfungskolik zu eignen; in den schwereren Fällen ist es wegen der Gefahr einer Darmruptur entweder gar nicht oder nur mit grosser Vorsicht anzuwenden. Gegen die im Verlaufe der Verstopfungskolik zuweilen auftretende Tympanitis wird von Albrecht das Creolin empfohlen (3stündlich in Dosen von 5,0 in Verbindung mit Laxantien).
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2, Verstopfungskolik in Folge von Magen- und Darmsteinen (Steinkolik) und sonstigen Fremdkörpern im Darmcanale (Sandkolik).
Literatur. Olighy, Kec, 1826. Hamont, Ibid., 1837. Birnbaum, Mcui,, 1839. S. 298. - Schade, Ibid., 1841. S. 473. Bertram, Ibid., 1844. S. 129. Fürsten-bero, Ibid., S. 268. ÄUONEH, Ihid., 1848. Axs.Mi, Reo,, 1850. Q-reenino, Mag., 1851. - Ledru, Rec, 1854. Ehiioi.axi, Ohm. di Vet., 1854. Tombs, Mug., 1856.
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Steinkolik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;181
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Vorkommen. Die Steinkoliken sind im Allgemeinen selten. Die ziemlich zahlreiche Casuistik erklärt sich daraus, dass den Berichterstattern jeder vorkommende Fall seiner Seltenheit wegen der Erwähnung werth erschien. Unter 1882 todtlich verlaufenden Kolikfällen der preussischen Armee (188993) wurden nur 25 Fälle von Steinkolik (= 1,5 Proc.) constatirt. Am häufigsten findet man die Steinkolik bei Müller- und Bäckerpferden, welche fast ausschliesslich mit Kleie und Nachmelil gefüttert werden. Die Kleie enthält nämlich 1'l1^ Proc. phosphorsaure Magnesia, welche den Hauptbestand-theil der Darmsteine bildet. Die geringen Mengen des der Kleie immer beigemischten Mühlsteinstaubes scheinen weniger in Betracht zu kommen. Auch die sog. Sandkolikenquot; sind hieher zu zählen. Dieselben entstehen nach der Aufnahme von Sand oder Steinclien beim Tränken der Pferde aus seichten Bächen und Pfützen, nach der Verfütterung verschlammten, versandeten Futters, beim Weidegange, bei hungerigen Cavalleriepferden im Kriege, nach Sandaufschüttungen der Stallgasse, nach Aufnahme von Sand und erdigen Massen aus Spielerei, wozu namentlich das Sandfressen der Remonten gehört. Endlich scheint das Ablecken und Abschlucken von Haaren beim Haarwechsel zur Bildung von Haarballen und Concrementen Veranlassung zu geben. Andere Fremdkörper, z. B. verschluckte Tuchstücke, Nadeln u. s. w. führen mehr zufälliger Weise zu Verstopfung.
Die eigentlichen Darm st eine bestehen der Hauptsache nach aus phosphorsaurer Ammoniak-Magnesia (90 Proc; Fürstenberg), daneben noch aus phosphorsaurem Kalk, kohlensaurem Kalk, phosphorsaurer Magnesia, Kieselsäure, Chlorverbindungen, Spuren von Eisen, sowie organischen Bestandtheilen (Schleim, Epithelien, Futterstoffen). Ihre Bildung erklärt man sich aus der Vereinigung der in der Kleie reichlich enthaltenen phosphorsauren Magnesia mit Ammoniak-
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Steinkolik.
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Verbindungen im Darmcanale, welche aus der ammoniakhaltigen Stall-luffc, z. B. mittelst des Trinkwassers, dorthin gelangt sind und sich mit der phosphorsauren Magnesia zu unlöslichem Tripelphosphat verbinden. Der Kern der Darmsteine besteht gewöhnlich aus einem Fremdkörper, z. B. einem Sandkorn, Haferkorn oder Nagelkopf, um den sich das Tripelsalz nach jeder neuen Futteraufnahme schichtenweise ansetzt. Die sog. Magensteine sind jedenfalls nichts Anderes als durch anti-peristaltische Darmbewegung in den Magen gelangte Darmsteine, da sich im Magen selbst bei dem nur kurzen Verweilen des Futters und der sauren Keaction des Mageninhaltes kein Stein bilden kann. Die Entstehung der Darmsteine geht gewöhnlich in den dicken Gedärmen vor sich, vor Allem in der mageniihnlichen Erweiterung des Colons, viel seltener im Blinddarm. Colin fand z. B. bei 900 Sectionen 23mal Darmsteine in der magenähnlichen Erweiterung des Colons und nur einmal im Blinddarm. Aussei' Darmsteinen können Concremente (Ansammlungen von Sand, Schlamm, vermischt mit Pflanzenfasern, Schleim, Haaren) und sog. falsche Darmsteine (Concremente mit einem Ueberzug von Tripelphosphat) zu Verstopfungskolik führen. Die durch die Darmsteine örtlich hervorgerufenen Veränderungen sind dieselben, wie die bei der Fäcalstase beschriebenen. Bei der Sandkolik findet man oft grosse Mengen von Sand in den Gedärmen (.'5050 Pfund und darüber).
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Symptome. Die Erscheinungen der durch Darmsteine hervorgerufenen Verstopfungskolik sind oft von denen einer Anschoppungskolik nicht zu unterscheiden. Sehr häufig sind die Thiere vor der Einkeilung des Steines im Darm trotz der Anwesenheit desselben nie krank gewesen. In anderen Fällen sind öftere Koliken vorausgegangen, zuweilen in ganz periodischer Weise. Auch der einzelne Kolikanfall zeigt oft einen Wechsel von Intermissionen und Remissionen, indem entweder mehrere Steine nach einander, oder ein und derselbe allmählich nach hinten vorrücken. Im Allgemeinen sind die Zufälle bei der Steinkolik heftiger, als bei der Anschoppungskolik und die Verstopfung eine hochgradigere. Insbesondere verläuft die Steinkolik auch häufiger mit Magen- und Darmrupturen sowie mit Erbrechen. Dabei ist der Verlauf im Allgemeinen kürzer, obwohl die Dauer in einzelnen Fällen eine längere sein kann. Die Prognose ist wesentlich ungünstiger.
Eine sichere Diagnose auf Steinkolik oder Sandkolik lässt sich nur bei Abgang von Darmsteinen oder Sand durch den Mastdarm oder
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Verstopfungskolik nach Darmverlagerungon.
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bei positiven Resultaten einer manuellen Exploration stellen. Nur bei Müllerpferden, besonders wenn sie öfters an Kolik erkranken, kann immerhin die Wahrscheinlichkeitsdiagnose einer Steinkolik aufgestellt werden, obgleich auch bei ihnen andere Koliken, namentlich Ueberfütterungskoliken, nicht selten sind.
Therapie. Die Behandlung ist dieselbe wie bei der Anschoppungskolik. Das Eserin ist indessen bei der Steinkolik wegen der Gefahr einer Darmruptur unter allen Umständen zu vermeiden; bei der Sandkolik wird es dagegen in kleinen Dosen mit Vortheil gegeben. In verzweifelten Fällen kann der eingeklemmte Stein, wenn er überhaupt auffindbar ist, auf operative Weise entfernt werden. So operirte Felizet vermittelst des Flankenschnitts und der Eröffnung des Darmes einen kindskopfgrossen Darmstein mit Erfolg. Dagegen starben die von Hall, Kickards und Dollar operirten Pferde nach 2427 Stunden. Der Vorschlag von Trasbot, durch Entwicklung von Kohlensäure im Mastdarm aus eingeführter Soda und Weinsteinsäure den Stein zurückzudrängen, dürfte sich wohl kaum verwirklichen lassen. Von französischen Thierärzten wird gegen die Sandkoliken der Militärpferde das Eingeben grosser Mengen von Wasser (100 bis 120 Liter pro Tag; in 8 Tagen ca. 1500 Liter!) empfohlen.
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3. Verstopfungskolik in Folge von Verlagerungen des Darmes.
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nbsp; Beyer, Veterinarius, 1892. Nr. 3. Rbiohbnbaoh, Schw. A., 1892. S. 277. Liebl, W. f. Th., 1892. S. 202. Thomas, Vetter, Ibid., S. 338. Walles, J. of comp., 1892 u. 1893. Bon, liec, 1893. S. 145. Peu.eiun, Ibid., S.482. Thum, IF. f. Th., 1893. S. 201. Eber, S.J. 1)., 1893. S. 31. Thomas, Ibid., S. 171.
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Vcrstopfungskolik nach Daniiverlagorung-cii.
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Lunowitz, A A., 1893. S. 75. Grams, Ji. th. W., 1893. S.4G4. Michalski, Z. f. Vet., 1898. S. 535. AViksnkh, Ibid., 1894. S. 17. Honest, Und., S. 427. Boy, Rec, 1894. S. 401. Peous, J. de Lyon, 1894. Lowe, ./. of comp., 1894. Hobday, Ibid., Bd. V. S. 367. AsHEY, Ibid., Bd. VI. S. 89. VOGEL, JI. th. W., 1894. S. 171. SaHMIDT, Oe. Z. f. Vet., 1895. Ü. Bd, S. 63.
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Anatomisches. Die inneren Lageveränderungen des Darmes bestehen in Axendrehung, ümschlingung oder in Incarceration von Darmabschnitten. Die Axendrohungcn (Volvulus) betreffen am häufigsten den Grimm dann (besonders die linken Lagen) und Dünndarm; die Drehungen des Blinddarmes sind mehr Knickungen mit Verlagerung der Spitze nach unten und hinten und Hebung des Grundes nach oben und vorne; Axendrehungen des Mastdarmes sind seltener. Verschlingungen (Knotenbilclungen) kommen zu Stande durch Umlagerung von Dünndarmschlingen um Theile des Dünn-, Grimm- oder Mastdarmes, indem sich dieselben um das Gekröse aufdrehen, oder von Netzsträngen um Dünndarmschlingen, seltener durch Umlagerung des Blinddarms um den Grimmdarm. Incarcerationen endlich finden sich besonders an angeborenen oder erworbenen Oeff-nungen der Bauchhöhle, so im Leistenringe (auch bei Wallachen), im Winslow'schen Loche, in alten Zwerchfellsrissen, in Oeffnungen des Netzes und Gekröses, in Spalten, welche durch bandartige Adhäsionen, den losgelösten Harnleiter, Verwachsungen des Netzes mit der Castrations-narbe gebildet werden.
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Aetiologie. Die eigentlichen Ursachen dieser inneren Lage-Veränderungen sind meist dunkel. Gewiss gehören manche ins Gebiet der thrombotisch-embolischen Kolik und erklären sich auf die früher angegebene Weise. In anderen Fällen sind sie auf eine ungleiche Füllung einzelner Darmschlingen mit Gasen oder abnorm schwerem Inhalte zurückzuführen, wobei die betreffenden Darmschlingen dem Gesetze der Schwere nach eine andere Lage einzunehmen streben. Ferner scheint eine sehr lebhafte Peristaltik, wie sie bei schwereren Koliken besonders nach Verstopfung des Darmes in rückläufigem Sinne auftritt, oft erst im späteren Verlaufe einer Kolik eine Lageveränderung zu veranlassen. Es ist deshalb auch nicht unmöglich, dass, wie von einigen Beobachtern vermuthet wird, die Anwendung des Es er ins in manchen Fällen innere Lageveränderungen zur Folge hat. Endlich ist das Ueberschlagen, sowie das ungestüme Wälzen mancher Thiere in seltenen Fällen die Ursache, obwohl, wie schon früher hervorgehoben, letzterer Umstand meist ungerechtfertigter Weise in
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Verstopfungskolik imch Darmverlagerungen,
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den Vordergrund geschoben wird. Das frllher viel beschuldigte kalte Saufen der Thiero dürfte kaum als Ursache in Betracht kommen.
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Symptome. Die Erscheinungen haben nichts Charakteristisches an sich. Das oft anhaltende und mehrere Tage dauernde Erbrechen kann ebenso gut auch fehlen, die abnormen Stellungen und Schmerz-äusserungen, die pendelnden Bewegungen des Kopfes, die Einnahme der Rückenlage, die Erscheinungen einer Magen- oder Darmruptur, das Ausbleiben von Excrementen findet man auch bei anderen Verstopfungskoliken. Die Dauer ist, je nachdem der Darmverschluss ein vollständiger oder unvollständiger ist, sehr wechselnd und kann im letzteren Falle über 8 Tage betragen; bei absoluter Darmstenose tritt dagegen gewöhnlich schon innerhalb eines Tages der Tod ein. Oefters sind die Kolikerscheinungen auch nur vorübergehender Natur und wiederholen sich von Zeit zu Zeit, wenn nämlich eine Darmschlinge mehrere Male sich nur vorübergehend incarcerirt. Vielleicht lassen sich die kurzen Kolikanfälle mancher sog. Nachtschläger auf diese Weise erklären.
Eine Diagnose auf Verstopfungskolik in Folge innerer Lageveränderungen ist nur in den seltensten Fällen und höchstens dann möglich, wenn sich ein eingeklemmter Leistenbruch oder eine sonstige Incarceration und Verschlingung vom Mastdarme aus nachweisen lässt; auch Dislocationen des Colons und Cöcums können auf diese Weise erkannt werden. Ausserdem mag die Erfolglosigkeit der Behandlung einigen Anhalt für die Diagnose bieten.
Therapie. Die Behandlung hat bei inneren Lageveränderungen im Allgemeinen wenig Erfolg aufzuweisen, mit Ausnahme eingeklemmter Leisten-, Nabel- oder Bauchbrüche, welche durch unblutige manuelle Reposition oder durch Eröffnung des Bruchsackes, Erweiterung des Bruchringes und Reposition der eingeklemmten Darmschlinge, sofern sie nicht schon nekrotisch ist, zu beseitigen sind. Neben der Anwendung evaeuirender Mittel, sowie reichlicher Wasser Infusionen in den Mastdarm kann man vom Rectum aus etwaige bindegewebige Adhäsionen, falls sie die Ursache der Einklemmung sind, zu lösen suchen, oder man bringt das kranke Thier in verschiedene Lagen, üb er wälzt es, führt es bergauf und bergab, indess meist ohne Erfolg. Dasselbe ist von dem früher üblichen Eingeben grosser Mengen Quecksilbers zu sagen. Das schliesslich einzige Mittel gegen manche innere Lageveränderungen, die Laparotomie und manuelle Lage-
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18G
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Ventopfungskolik nach Darmiuvagination.
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berichtigung, ist für gewöhnlich wegen der Unsicherheit der Diagnose, wie auch wegen der Gefährlichkeit eines operativen Eingriffes nicht anwendbar.
Nach Jelkman n soll die Diagnose einer Axendrehung der linken Colonlagen zweifellos sein, wenn man vom Mastdarm aus mit der linken Hand unmittelbar vor dem Beckeneingang in der Nähe des 4. Lendenwirbels den hinteren Gekrösstrang stärker gespannt und statt senkreckt in schräger llichtung von oben nach links unten fühlt. Die Berührung desselben soll dem Patienten grosse Schmerzen verursachen. Bei starker Füllung resp. Auftreibung der dislocirtcn Colonlagen soll man ferner in der linken Plankcn-gegend einen zweiten gespannten Strang finden (Bandstreifen der linken unteren Grimmdarmlage). Die Beseitigung dieser Axendrehung ist nach Jelkmann in folgender Weise ausführbar: man geht in i t d e r eingeführten linken Hand nach der linken Bau oh wand und schiebt die h ier 1 i e gen d e n 1 i n ke n G r i m m d ar m 1 a g en nach vorn und innen. Im Bereiche der Mittellinie angelangt, führt man die Hand langsam nach oben, worauf die obere Colon-lage mit der unteren über die Hand in ihre normale Lage zurückfällt. Durch die Führung der Hand nach oben sollen auch die dislocirten Mastdarmschlingen gehoben , und so die Möglichkeit gegeben werden, dass die beiden Colonlagen nach der linken unteren Bauchwand zurückfallen können. Eine Bestätigung dieser Angaben ist durch Möller, Maliern us und Honert erfolgt. Der bayer. Mil.-Vet.-Bericht pro 1891 hebt hervor, dass das J elkman n'scho Verfahren in Bayern bereits vor mehr als 25 Jahren zum Theil mit Erfolg angewendet worden ist; die Operation werde erleichtert durch Hochstellen des Hintertheils der Pferde.
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4. Verstopfungskolik in Folge von luvagination des Darmes.
Literatur. Bouley, jeune, Nomelle bihliotli. mM., 1823. Renault, liec, 1828. Leblano, Mult;i., 1835. S. 249. Dunspohd, The Vet., 1842. Oartwriqht, Ibid. Key, Itec., 1843. Stohher, Rep., 1846. S. 199. Colin, Rec, 1850. Reynal, liec, 1851. Leblanc, Ibid., 1856. FmCKEH, Ibid., 1861. Baugk, Rep., 1863. S. 74. Dayus, The Vet., 1864. Mitaut, Rec, 1864. Oausse, ,/. milit., 1867; A. de line,-., 1869. Hartmamn, Oe. V. S., 1867. S. 132. Köhne, Mag., 1867. S. 261. Hermkes, Rep., 1873. S. 867.HuoüET, A. de Jirux:, 1874. - BlOT, Rec, 1879. v. Ow, Oe. V., 1881. S. 157. Dodmayren, Hull, soc centr., 1882. Barrieb, Bull, lieh/., 1885. Lee, The Vet., 1886. S. 695. Taminiaü, A. de Brux., 1887. Koiranski, l'et. A., 1889. Tetzner, Z. f. Vet., 1890. S. 421. - Lander, Ibid., S. 531. Hoffmann, 27raquo;. Chir., 1891. S. 510. Verrier, Rec, 1891. HöBNEH, S.J. B., 1891. S. 89. Henni, Queraud, Reoue vet., 1893. Schröder, li. th. W., 1893. S. 329. Lewin, Z. f. Vet., 1803. S. 253. Waoenheuser, W. f. Th., 1894. S. 273. DlEM, fbid., S. 393. Saienave, Rec, 1894. Nr. 23. Schue-MACHER, 1). th. W., 1894. S. 164. Jarvis, ./. of. comp., 1894. S. 381. Dewar, The Vet., 1895.
Wesen. Die Invagination oder Intussusception (Darmeinschiebung) besteht in der Einstülpung eines Darmstückes in das Lumen einer angrenzenden Partie. Am häufigsten ist der Hüftdarm in den Blinddarm und zwar in einer oft sehr beträchtlichen Länge eingeschoben, oder es besteht eine Einstülpung des Dünndarms in sich selbst.
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Verstopfungskolik in Folge von Neubildungen.
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Seltener ist der ganze Blinddarm in den Grimmdarm hineingeschoben. Auch kommt es vor, dass die Spitze des Blinddarmes in das Mittelstück eingeschoben wird. Am seltensten sind Invaginationen des Mastdarms in sich selbst. In einem Falle war die Einschiebung des Dünndarms in den Blinddarm bis zum Grimmdarm und Mastdarm vorgedrungen. Die Ursache der Invagination ist meist in einer Lühmung des peri-pheren (distalen) Darmstückes und im Eindringen des in lebhafter peristaltischer Bewegung befindlichen centralen (proximalen) in das ersten! zu suchen. In einem Falle wurden die Erscheinungen der Invagination bei einem Reitpferde unmittelbar nach dem Springen wahrgenommen.
Symptome. Die Erscheinungen einer Invaginationskolik stimmen mit denen bei inneren Lageveränderungen überein; indess scheint die Dauer häufig eine längere zu sein, da bei der Darmeinschiebung meist nicht das ganze Lumen des Darmes verstopft wird. So beschreibt v. Ow einen Fall, bei welchem nach 10 Tagen Diarrhöe und scheinbare Besserung und erst nach 27 Tagen der Tod eintrat. Insbesondere scheinen Tbiere mit Intussusception des Cöcums in das Colon oft ziemlich lange am Leben zu bleiben, ja selbst sich an diesen Zustand gewöhnen zu können (Colin). In seltenen Fällen tritt auch definitive Heilung durch Abstossung des invaginirten Darmstückes und Verwachsung der beiden Darmenden ein (Hartmann, Verrier).
Eine sichere Diagnose der Invagination ist höchstens bei Abgang nekrotischer, röhrenförmiger Darmstücke zu stellen.
Die Behandlung ist in Folge dessen ebenfalls meist eine im-sichere und kann höchstens in einer Verflüssigung des Darminhaltes behufs leichterer Durchgängigkeit durch Anwendung von Abführmitteln, sowie in Einführung grösserer Wassermengen per anum bestehen.
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5. VerstopfUDgskolik in Folge von Neubildungen.
Literatur. Thommes, Mag., 1836. S. 126. Khieoer, Ibid., 1846. S. 72. Maori, /; meil. ret, 1870. Buusasco, Ibid. ÄNAOKER, Thrzl., 1874. S. 89. Phiedberoer, M.J.Ji., 1878/79. S. 60. Martin, Gowme erratlque aous-lombah'e et reetak, Paris 1879. Palat, ä. d'Alf., 1879. Lahoobe, tbid. STADLER. Jl. th.M., 1882. S. 98.Mollereau, JIM. soo. ecntr., 1883. Dkgivk, liec, 1883. S. 77. Caiieac, Jievue vet., 1885. OoCHON, liec, 1886. - Uiiuc.h, S. ./. B., 1886. S. 70. - SöHNOEN, li. A., 1887. S. 365. - Baramski, Ibid., S. 337. Vaesgh, B. th. M., 1888. S. 57. Landvatter, üep., 1888. S. 265. Balaoi, Oiorn. dl A,, 1889. - Semmer, Pet. A., 1889. Xeitschr. f. Vet., 1889. S. 305. IiARDET, Leberre, Jiull. soc. ecntr., 1889. Mauri, Revuevit., 1890. Jobelot, Ric, 1890. Hoffmann-, Th. Chir,, 1891. S. 498. Münch, W. f. Th., 1891. S. 362. II. Mil. V. B. pro 1892. Trüelseh,
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Verstopfungskolik in Folge von Neubildungen.
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II. ili. 11'., 1892. S. 241. Dkbrade, Rec, 1892. S. 504. MiOHALSKi, Z. f. Vet.,
1893.nbsp; nbsp;S. 259. Mauiu, Revue vä., 189:3. S. 298. Heiser, Vcterinnriiiz, 1893. Nr. 12. Pellehin, Rec, 1893. S. 483. Roqbrson, ./. of comp., V. S. 270. VlDELIEH, Rec, 1894. S. 280. Kitt, M. ,/. H., 1893/94. S. 88. - Brose, X. /'. Vet.,
1894.nbsp; S. 379. Bodenmüller, IC. f. '/'//., 1894. S. 190.
Anatomisches. Neubildungen im Darmcanale geben, an sich schon eine Seltenheit, nicht häufig Veranlassung zu Kolik. Sie verengen entweder das Lumen des Darmes dadurch, dass sie in der Wand desselben sitzen, oder durch Compression von aussen, indem sie z. B. im Gekröse ihren Sitz haben. So können Magenpolypen das Duodenum verstopfen und schliesslich bis zur Ruptur erweitern. Im Dünndärme verengern Fibrome, Melanosarkome, Myxosarkome, Leiomyomo und submueöse Lipome das Lumen des Darmes, im Dickdarme und Mastdarme sind es hauptsächlich sarkomatöse und krebsartige Neubildungen. Nicht selten kommen ferner am Gekröse Lipome vor, welche zu Darmverengerungen bezw. Einschnürung Anlass geben. Endlich können Abscesse in der Darmwand, Mastdarmpolypen, klappen- und taschenartige Wucherungen der Darmschleimhaut, Geschwülste in den Ovarien (Eierstockscysten), sowie phlegmonöse Entzündungen des Beckenbindegewebes zu einer Stenose des Darmes führen. Gewöhnlich staut sich der Darminhalt an den durch die Neubildungen stenosirten Stellen und führt zur Erweiterung und comjjensatorischen Verdickung der Wandung. Die Oberfläche der Geschwülste ist oft geschwürig entartet.
Symptome. Die Erscheinungen dieser selteneren Art von Kolik bestehen in chronischer Verstopfung mit intermittirenden, an Intensität allmählich zunehmenden Kolikanfällen. Dabei kann der Zustand Jahre lang dauern, bis endlich bei mehr ausgebildeter Stenose das Thier an den Folgen einer Fäcalstase zu Grunde geht. Neubildungen im Mastdarm äussern sich zuweilen durch starkes Drängen der Thiere auf den Kothabsatz und blutigen Koth. Die Diagnose wird durch die Exploration des Mastdarms festgestellt.
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Therapie. Die Behandlung hat für möglichste Verflüssigung des Darminhaltes Sorge zu tragen. Bei Neubildungen, welche vom Mastdarm aus mit der Hand zu erreichen sind (wir haben mehrere derartige Fälle beobachtet), muss der Mastdarm häufig, zuweilen täglich ausgeräumt werden. Gestielte Geschwülste kann man dabei abdrehen oder mittelst des Ecraseurs entfernen.
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Veratopfungskolik nach Darmstonoscn.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 189
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6. Verstopfuugskolik in Folge von Darmstrictureu.
Literatur. Booerson, Mag,, 1841. S. 492. Pergival, The Vet., 1844. Sohmid, Bep., 1863. S. 1. - Säohraquo;. .1. II., 1864. S, 27. VüKm.ÄNDKii, S. #9632;/. II., 1871. S. 49. SiKOiisKi, Oe. lierue, 1886. S. 175. Chahdix, DlDION, IMagxin, life, 188G. Kater, H. A., 1887. S. 866. Soula, Revm ret., 1888. Egkardt, B. tli. ir., 1889. S. 41. Exkk, /i A., 1890. S. 222. Mauri, Eec, 1891. Nr. 4.
Aetiologie. Die zu Stenose des Darmes führenden Stricturen sind auf Vernarbung geschwüriger Suhstanzverluste der Schleimhaut nach Darmentzündungen oder auf vorausgegangene Incarcerationen und Invaginationen zu beziehen. Dabei kann das Diirmlumen bis auf Fingerdicke beengt sein. Vor der Stenose findet sich immer eine entsprechende Erweiterung des Darmes. Die Stenosen kommen am häufigsten im Hüftdarme vor.
Symptome. Die Erscheinungen sind im Allgemeinen die auch bei den anderen Verstopfungskoliken genannten. Die Dauer ist meist eine sehr lange (habituelle Kolik), und die Thierc magern oft im Verlaufe der Krankheit sehr ab, trotz vorzüglichen Appetits.
Therapie. Eine Behandlung ist nur bei Mastdarmstricturen zulässig, welchen manuell beizukommen ist; sie würde hier in einer allmählichen Dilatation der stenosirten Stelle durch den häufig eingeführten Arm bestehen. In einem Falle hat Mauri die theilweise Resection der verengten Stelle des Mastdarms mit Erfolg vorgenommen. Die anderen Stricturen, insbesondere die sehr gefährlichen des Dünndarms, entziehen sich jeder Behandlung.
7. Verstopfungskolik in Folge Dilatation und Parese des Darmes.
Literatur. Lindenbero, Mag., 1846. S. 87. Brown, The Vet., 18C2. Köhnk, Mag., 1862. S. 335. Adam, W. f. Th., 1866. S. 257. Leiserino, S. .1. II., 1870. S. 15 ; 1871. S. 17. PeüCH, ./. de Lyon, 1870. Lustig, 11. J. II., 1874. S. 24. Haiin, II. Ä., 1877. S. 45. FaiEDBERGER, M. ./. B., 1878/79. S. 68. Dkiuvk, .(. de llrur., 1879. Ciioisy, Hull. son. centr., 1879. Bausoher, Rep., 1888. S. 291. -BöDER. S. .1. II., 1891. S. 88. Fuchs, X. f. Vet, 1892. S. 253. Q-RIMME, II. th. W., 1892. S. 194. Altfeld, Ibid., 1894. S. 255.
Aetiologie. Die Erweiterungen des Magens und Darmes sind meist seeundär durch vorhandene Stenosen (Neubildungen, Stricturen, Fäcalstase, Steine, Invaginationen) hervorgerufen und finden sich gewöhnlich unmittelbar vor der Stenose, complicirt mit starker Hypertrophie der Darmwand. Eine Magendilatation kann indess auch aussei durch eine Pylorusstenose durch eine entfernter liegende Verengerung
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Windkolik.
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des Darmcanales, durch Zurückstauen des Futters, bedingt sein. Seltener ist die Ursache der Erweiterung in lähmungsartigen Zuständen der Darmwand nach abnormer Ausdehnung durch Futtennassen oder Gase, oder nach embolischer Versk^fung von Darmarterien zu suchen. Umschriebene Erweiterungen der Darmwand, sog. Divertikel, sind meist die Folge vorausgegangener partieller Rupturen. Inwieweit der chronische Magen- und Darmkatarrh durch die damit verbundenen Ernährungsstörungen der Magen- und Darmwand zu Erweiterungen Veranlassung gibt, ist aus den bisherigen Beobachtungen schwer zu schliessen.
Symptome. Practisch am wichtigsten sind die im Mastdarme vorkommenden Erweiterungen und Paresen der Wandung. Dieselben rufen chronische, lang andauernde und sich sehr häufig wiederholende Koliken (habituelle Kolik) hervor, welche schliesslich mit Ruptur des Darmes enden. Man findet dabei den Mastdarm bei der Exploration oft mit ganz enormen Kothmengeu angefüllt, nach deren Entfernung die Koliksymptome schwinden. Diese Kothmassen können selbst auf das Beckenstück der Harnröhre eine Compression ausüben, so dass es zur Stauung des Harns in der Blase, zu Blasenhypertrophie und -Erweiterung kommt (Friedberger). Bei starken Magenerweiterungen können durch den Druck des Magens auf das Zwerchfell hochgradige dyspnoische Erscheinungen im Verlaufe der Kolik auftreten; Leisering beschreibt einen Fall von Magenausdehnung, bei welchem der Umfang von der Cardia bis zum Pylorus an der grossen Curvatur 130, an der kleinen 93 cm betrug.
Behandlung. Die Behandlung ist dieselbe wie bei Verstopfungskolik in Folge von Darmstricturen. Bei Erweiterungen und Lähmungen des Mastdarms besteht die Hauptbehandlung in der Entleerung desselben mittelst der Hand. Dieselbe muss zur Verhütung erneuter Kolikanfälle regelmässig von Zeit zu Zeit vorgenommen werden. Eine Radicalheilung ist hiebei ausgeschlossen.
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V. Die Windkolik.
Literatur. Barrieb et Hkhouaiid , Indigestion et mkiorlsation, Paris 1780. Bernard, Rec, 1834. Hildach, Mag., 1847. S. 91, Brogniez, Eey, Rec, 186a. Aubiiy, Ibid., 1858. Oharlier, lgt;e. la ponetton (/ans les colnpws, Paris 1863. MDnich, W, f. Th., 1877. S. 422. Pinner, B. A., I. Bd. S. 285. Villohesi, (gt;e. Revue, 1879. S. 65. Seiires, Rec, 1880. Pörinoer, \V. f. Th., 1880. S. 71. Gavaud, J. de Lyon, 1886. Heo, Rec, 1886. Cacnv, A. de Bruce., 1886. Hox.. Rec, 1886. Schäfer, H. A., 1880. S. 287. Zorn, Th. Rdsch., 1887. S. 277.
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Windkolik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;191
Obemkr, lidsch., 1887. S. 301. Ku.ntzk, S. ./. laquo;., 1888. S. 6G. - Paszotta, ()e. M., 1888. S. 495. Battistini, Clin. ret., Bd. 11. Mömus, 8. ./. Ji., 1889. S. 82. Bhlehs, JI. th. W., 1889. S. 138. Imminguh, VV. f. Th., 1890. S. 369. Eder. Ibid., 1891. Nkusk, Z. f. Vet., 1891. S. 552. Jensen, Tlishr. f. Vet., Bd. 21. S. 103. Anoerstein, M. f. p. Th., III. 1892. S. 429; IV. 1893. S. 275. Buaulky, The vet. rer., 1893. Bhaasch, Sclilesieiij-llolstein. Mittli., 1894. S. 257. Petebs, Elschxku, H. A., 1894. S. 348. Moutoh, W. f. Th., 1894. S. 8.
Aetiologie. Die Ursachen der Windkolik sind gewöhnlich in der Aufnahme blähender Nahrung zu suchen; die einzelnen zur Gährung besonders geneigten Futtermittel sind schon bei Besprechung der allgemeinen Ursachen der Kolik erwähnt. Ausserdem verfallen Kopper, wenn sie zu viel Luft abschlucken, hie und da in diese Kolikart; dasselbe soll nach Einigen der Fall sein, wenn Pferde sich rasch gegen den Wind bewegen. Die bei der Windkolik auftretenden Gase sind besonders Kohlenwasserstoffe und Kohlensäure. Pinner fand 49 Proc. Kohlenwasserstoffe, 8 Proc. Kohlensäure, 42 Proc. Stickstoff. Ausserdem kommt Wasserstoff und Schwefelwasserstoff darin vor.
Symptome. Die Erscheinungen der Windkolik bestehen in einer sehr rasch eintretenden Auftreibung des Hinterleibes durch die genannten Gase, welche mitunter eine sehr hochgradige werden kann. Dabei wird der Hinterleib tonnenförmig gewölbt, fühlt sich sehr gespannt an und gibt beim Percutiren in der Flanke statt des gewöhnlichen tympanitischen einen lauten oder sehr helltympanitischen, zuweilen metallisch nachklingenden Percussionston; bei der Auscultation hört man sehr stark klingende Geräusche. Mit zunehmender Auftreibung steigert sich auch die Athemnoth, die Angst und Unruhe der Thiere. Die sichtlichen Schleimhäute sind stark gerothet, zuweilen bläulich gefärbt, die Jugularen treten hervor, der Herzschlag wird pochend; dabei gehen die Thiere gespannt und schwanken wohl auch im Hintertheil. Der Ausgang in Genesung gibt sich durch Abgang zahlreicher Darmgase und Einsinken des Hinterleibes zu erkennen. Der tödtliche Ausgang erfolgt bald durch. Lungencompression und Lungenödem, bald durch Kohlensäureintoxication des Blutes, bald durch Apoplexie, bald endlich durch eine Darm- oder Zwerchfellsruptur. Der Verlauf ist immer ein sehr rascher.
Die Diagnose der Windkolik ist unschwer zu stellen; die im Verlaufe anderer Koliken (thrombotisch-embolischo und Verstopfungskolik) sich entwickelnden Gasansammlungen unterscheiden sich durch ihr langsameres, allmähliches Auftreten und ihr längeres Bestehen von der acut verlaufenden Windkolik.
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Therapie. Bei der Behandlung der Windkolik spielt der rechtzeitig ausgeführte Barm stich die Hauptrolle, indem er das einzig sichere Mittel zur Beseitigung der Gasansammlung ist. Man macht ihn gewöhnlich in der rechton Flankengegend in der Mitte eines durch den äusseren Darmbeinwinkel, den hinteren Rand der letzten Rippe und die Enden der Rippenfortsätze der Lendenwirbel bestimmten Dreiecks nach vorhergehendem Abscheeren der Haare, Desinfection der Hautstelle und des Troikarts und Durchstechen der Haut mit einer Lancette oder Flicte, die Spitze des Troikarts nach dem linken Ellenbogen zu gerichtet; die Hautwunde verklebt man mit Collodium oder Heftpflaster. 1st jedoch zufällig die linke Flanke stärker aufgetrieben oder nur diese zugänglich, so kann man die Function auch hier vornehmen. Die früher schon vorgeschlagene Function vom Mastdarme aus wird neuerdings wieder von Einigen empfohlen.
In manchen Fällen von uiedergradiger Tympanitis leistet das Physostigmin (0,050,1) und Arecolin (0,060,08) gute Dienste. Bei sehr starker Ausdehnung und Anspannung der Gedärme sind beide Mittel jedoch wegen der Möglichkeit des Eintritts einer Darmruptur nicht ungefährlich. Die namentlich in Frankreich üblichen Actherkly stiere (1520 g Aether in 1 Liter Wasser) sind ebenfalls für leichtere Fälle von Windkolik und Krampfkolik zuweilen von Nutzen. Die übrigen gegen Windkolik gebrauchten Mittel sind viel weniger wirksam. Man wird allerdings zunächst versuchen, durch kalte, sowie reizende Klystiere, kalte Wicklungen, Kneten des Hinterleibes den Abgang der Flatus herbeizuführen, indess halte mau sich damit nicht zu lange auf. Die Verabreichung von sog. absorbirenden Mitteln ist, wie schon früher erwähnt, nicht zu empfehlen. Einige derselben, wie z. B. der Salmiakgeist und die Schwefelleber, vermehren geradezu die Menge der vorhandenen Gase durch den Hinzutritt von Ammoniak und Schwefelwasserstoff, andere, wie z. B. das Kalkwasser, werden ihre Säure bindende Kraft wohl kaum über den Magen hinaus behalten, bezw. erstrecken.
VI. Die Wurmkolik.
Literatur. Flamm., Rep.. 1845. S. 174. Kerstex, Malt;/., 1850. S. 263. Sohuepe, Ibid., 1859. S. 402. Golzio, Gioni. dt mal. ret, 1859. Ei.etti, Ibid., 1860. Camurox, A. de liru.c, 1860. DlNTER, S. ./. laquo;., 1867. S. 81. Anackeh, Thrxt., 1871. S. 111; 1890. S. 60. MolinitS, Jfcmie vä., 1877. Stano, Oe. Revue, 1879. S. 90. Q-sell, liec, 1879. Mener, Rep., 1880. S. 196. Sohuepe, Ji. A., 1881. S. 145. L/VPORTE, A. d'Alf., 1881. Heck, li. A., 1882. S.371. Zündet,, Jahresbericht, 1882/84. Pkhnaut, liec, 1884. Veiinaut, Ibid., 1884. - Bhun, BuU.
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Wunnliolik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;193
soiquot;. centr,, 1884. Puiinoxmo, /I nied. vet., 1887. S. 363. BOBBIO, Ibid., S. 154. Williams, The vet.journ., 1887. S. 159 u. 235. Giumm, S. ./. B., 1887. S. 61. Bartholbyus, Hull Belg., Bd. 4. W.u.dman.v, IC. f. 'I'h., 1891. S. 147. Klamkh, li. th. 11'., 1891. S. 223. Illy, Veterinarius, 1893. Nr. 10. Pauku, Bee, d'lujg. et de niM. vet. mil., 1893. Wai.i.kv, ./. of comp., 1893. Veezk, Iloll. Z., 1894. Raii.likt, Uec, 1895.
Aetiologie, Von Parasiten, welche beim Pferde während ihres Aufenthaltes im Magen oder Darme Kolik hervorrufen können, sind zu nennen in erster Linie Ascaris megalocephala, dann Taenia plicata, mamillana und perfoliata, Spiroptera megastoma, Strongylus armatus, Sclerostomum tetracanthum, endlich Oxyuris mastigodes, sowie Gastrophilus equi und haemor-rhoidalis. Dabei kann die Kolik auf zweierlei Weise entstehen, entweder in Folge Verstopfung des Darmes durch die knäuelförmig zusammengeballten Würmer, so besonders bei Spul- und Bandwürmern, oder durch traumatische Insulte, welche zu Entzündung, Geschwürsbildung, selbst Perforation der Darm- oder Magenwandung führen. In letzterer Beziehung sind besonders die Larven der Magenbremse zu nennen, welche zwar in der Regel sich vollständig unschädlich erweisen, in vereinzelten Fällen aber doch auf die angegebene Weise zu Ursachen einer Kolik mit selbst tödtlichem Ausgange werden. Auch Ascariden können multiple geschwürige Substanzverluste, sowie heftige Entzündung der Darmschleimhaut erzeugen, wenn sie in sehr grosser Anzahl vorhanden sind. Vereinzelt ist auch Perforation des Darmes mit nachfolgender eiteriger Peritonitis beim Pferde durch Taenia perfoliata beobachtet worden. Im Uebrigen vergesse man nicht, dass Eingeweidewürmer, namentlich Spulwürmer, häufig einen zufälligen Befund bei Sectionen bilden, weshalb man sich davor zu hüten hat, derartige Befunde ohne Weiteres in ätiologischen Zusammenhang mit der vorausgegangenen Kolik zu bringen.
Symptome. Die Erscheinungen der Wurmkolik bieten nichts Besonderes. Meist sind es jüngere Thiere, welche erkranken, weil sie weniger resistent gegen die genannten Parasiten sind. Gewöhnlich wiederholen sich die Kolikanfälle öfters und sind leichterer Natur, indessen können besonders bei reizbaren Stuten in Folge der Anwesenheit von Gastrus haemorrhoidalis im Mastdarme ausserordentlich heftige, wuthähnliche Kolikschmerzen auftreten. Der Verlauf ist im Allgemeinen ein chronischer, wobei Störungen der Verdauung mit Kolikanfallen abwechseln, doch kann er bei Perforation der Magenwandung, bei absoluter Verstopfung des Darmlumens, sowie bei Darm-
Friedbergcr u. Fröhner, Pnthol. u. Therapie d, Ilaustliicre. I. Bd. 4. Aufl. 18
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Kolik des Rindes.
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entziindung auch acufc werden. In den letzteren Fällen ist der Ausgang ein tödtlicher; sonst ist jedoch die Prognose der Wurmkolik nicht so ungünstig.
Therapie. Die Behandlung besteht in der Verabreichung von wurmwidrigen Mitteln. Hieher gehört in erster Linie der Brechweinstein; man gibt denselben im Trinkwasser gelöst zu 1015 g pro Tag. Weitere Anthelmintbica sind: der Arsenik, gepulvert zu 1 2 g in einmaliger Dosis, das Terpentinöl zu 50150 g in Emulsionsform, das Santonin (1025,0 g), Flores Cinae (100 bis 150 g), die Arecanuss (100,0 g). Gegen die Bremsenlarven im Mastdarm empfehlen sich Klystiere von Seifenwasser, sowie von verdünnten Petroleum-, Benzin- oder Kreosotlösungen neben manueller Entfernung der Larven.
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Die Kolik des Rindes.
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Ueberdcn sog. innorenBruch desOchsen siehe die Literatur in Hering's Opcrationslehre. 3. Aufl. 1879. Ausserdcm : Hafner, Ii. th. M., 1885. 8.119. PiDEiisKN, Tidskr. f. Vet., 1886. Bayer, TU. Chir., 1887. S. 410. ÖAONT, Rec, 1888. Hoffmann, Th. Chir., 1891. S. 473. NüSS, D. th. 11'., 1893. S. 298. Lösch, Ibid., 1895. S. 151. Haiisis, 1. c. - HEISS, W. f. Th., 1895. S. 298.
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1. Kolik beim Einde in Folge von Darminvagination.
Aetiologie und Symptome. Die Darminvagination ist entschieden die häufigste Kolikursache für das Rind. Sie scheint sogar beim Rinde noch öfter vorzukommen als beim Pferde, wie dies die reichlich vorhandene einschlägige Literatur beweist. Man leitet das Entstehen der Darmeinstülpung von einer vorausgegangenen Erkältung, starker Anstrengung bei bergigem Terrain und der dadurch hervorgerufenen lebhafteren Peristaltik ab, in Folge deren sich eine Darmschlinlt;^e in die andere einstülpt. Die Erscheinungen sind sehr charakteristiscli. Die Thiere verfallen plötzlich ohne vorausgegangene Indigestion in mehr oder weniger heftige Kolik, welche 612 Stunden andauert und dann ganz verschwindet, so dass es den Anschein hat, als ob die Krankheit vollständig in Heilung übergegangen wäre. Indess weisen die aufgehobene Fresslust und Rumination, sowie der Absatz eines anfangs diarrhoischen, später aber ganz trockenen Kothes auf eine tiefergreifende Störung hin. Bald stellt sich dann eine andauernde, sehr hartnäckige, allen Abführmitteln trotzende Verstopfung ein, während welcher unter heftigem Drängen nur kleine, zähe, zuweilen mit theerartigem Blute vermischte Schleimklumpen oder fibrinöse Massen aus dem After entleert werden. Dabei sind die peristaltischen Geräusche ganz unterdrückt, der Hinterleib wird durch Gasentwicklung in den Gedärmen allmählich aufgetrieben und ist bei der Palpation zuweilen an einer bestimmten Stelle empfindlich, der Puls wird sehr klein und ausserordentlich frequent, während die Temperatur oft gar nicht im Verhältniss zu dieser hohen Pulsfrequenz steht, der Körper fühlt sich kalt an, die Thiere stehen stumpf und apathisch da. Vereinzelt hat man auch Brechbewegungen beobachtet. Bei der Exploration des Mastdarmes kann man bisweilen im Verlaufe des Darmes eine längliche, cylindrische, schmerzhafte Geschwulst nachweisen.
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Verlauf. Derselbe ist ein ziemlich langsamer. Meist verenden die Thiere, oft ohne jeden Todeskampf, am 0.-9. Tag der Erkrankung, häufig auch erst nach etwa 14 Tagen, seltener schon am vierten. Zuweilen reeidiviren die Kolikanfälle mehrmals in Zwischenzeiten von 812 Tagen. Der Ausgang in Genesung ist sehr selten und kommt dann durch nekrotische Abstossung des invaginirten Darmstückes und peritonitische Verlöthung und Verwachsung der getrennten
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Kolik des Rindes.
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Darmeiiden zu Staude; mau hat in solchen Fällen röhrenförmige Darmstücke im Kothe der Thiere gefunden.
Diagnose. Die Erkennung der Darminvagination beim Rinde ist im Allgemeinen nicht sehr schwer. Plötzlicher Kolikanfall (in seltenen Fällen verläuft die Krankheit ohne Kolikschmerzen), bald darauf auffallende Ruhe, sehr hartnäckige Verstopfung, Auspressen blutigen Schleimes, Abwesenheit derVerdauungs-geräusche, schweres Allgemeinleiden, locale Empfindlichkeit des Hinterleibes, besonders rechts, Nachweis einer schmerzhaften Anschwellung im Verlaufe des Darmes, mehrtägige Krankheitsdauer mit allmählicher Verschlimmerung geben hinreichende Anhaltspunkte. Bei der Untersuchung vom Mastdarme aus muss man sich davor hüten, die ziemlich frei in die Bauchhöhle hereinragende linke Niere für eine .abnorme Geschwulst zu halten (Gautier).
Therapie. Die Behandlung ist eine vorwiegend operative. Die innerliche Verabreichung abführender Mittel lässt gewöhnlich im Stiche, weshalb man sich nicht länger damit aufhalten soll. Auch die Versuche, durch häufiges Bergauf- und Bergabtreiben der kranken Thiere die Intussusception auf eine einfache physikalische Weise zu lösen, führen selten zum Ziele. Die Operation besteht in der Eröffnung der Bauchhöhle durch den rechts ausgeführten Flankenschnitt (Laparo-tomie), Aufsuchen der invaginirten Stelle (bei Trächtigkeit sehr schwer), manuellem Lostrennen der eingestülpten Theile von einander (Degive, Ries) und, wenn dies nicht gelingt, in Resection des invaginirten Darmstückes und Vereinigung der getrennten Enden mittelst der Darm naht (Meyer, Taccoen). Bezüglich der letzteren ist daran zu erinnern, dass nicht Schleimhaut auf Schleimhaut, sondern Bauchfell auf Bauchfell nach vorausgegangener Ein-krempung der Darmenden zu vernähen sind.
2. Kolik heim Rinde in Folge von Darmincarceration.
Aetiologie. Abgesehen von den hie und da vorkommenden Einklemmungen des Darmes in Risse des Netzes und Gekröses, des Zwerchfells, des breiten Mutterbandes u. s. w., ist die Danneinklemmung beim Rinde am häufigsten bedingt durch den sog. inneren Bruch der Ochsen (sog. Ueberwurf, Verschnüren). Bekanntlich wird
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Kolik des Rindes.
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derselbe auf eine besondere Methode der Castration, nämlich das Ab-reissen der Samenstränge, zurückgeführt. Die schildlichen Folgen dieser Operationsmethode können sich nach zweierlei Richtungen hin geltend machen. Entweder entsteht dadurch ein Riss in der am Rande des Beckeneingangs verlaufenden Bauchfellfalte des Saraen-strangs, in welchem sich eine Darmschlinge von vorn nach hinten aufhängt und dabei eingeklemmt wird; es ist dies der eigentliche sog. Ueberwurf. Oder es schnellt beim Abreissen des Samenstrangs der Rest desselben in die Bauchhöhle und schlingt sich dabei um die Gedärme herum, das sog. Verschnüren. In beiden Fällen kommt es zu einer Darmincarceration. Seitenor ist eine Verwachsung des Samenstrangstumpfes, resp. der Samenstrangreste mit der Bauchwand und die hiedurch bedingte Spaltenbildung die Veranlassung zur Incarceration.
Symptome. Die dabei auftretenden Erscheinungen sind im Wesentlichen die bei der Darminvagination beschriebenen, auch die Dauer ist dieselbe und beträgt im Durchschnitt ü8 Tage. Für die Diagnose ist der Nachweis einer apfel- bis faustgrossen teigigen schmerzhaften Geschwulst am Rande des Beckeneinganges, handbreit vom inneren rechten Bauchringe, sowie des straff angespannten Sameustranges von ausschlaggebender Bedeutung.
Behandlung. Dieselbe ist auch beim sog. inneren Bruche eine rein operative. Man befreit entweder vom Mastdärme aus den eingeklemmten Darm durch Vorwärts- und Abwärtsdriicken, bezw. Lossprengen des gespannten Samenstranges aus seiner Lage, oder löst die Incarceration durch die in die Bauchhöhle nach vorausgegangenem Flankenschnitt eingeführte Hand. Ausserdem wird das Verbringen der Thiere in Rückenlage, sowie das Kneten des Bauches empfohlen.
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3. Die übrigen Koliken beim Rinde.
Abgesehen von der durch Invagination und Incarceration, sowie der durch croupöse Darmentzündung (vergl. das Capitel Magendarmentzündung) bedingten Kolik kommen Kolikanfälle beim Rinde selten vor. Es können zwar auch wie beim Pferde Ueberfütterung, Erkältung, Verstopfung des Darmes durch Neubildungen, Fäcalmassen, Haarballen, verschluckte Nachgeburt, Axendrehungen; Stenosen des Darmes durch angeborene halbmondförmige Klappen oder Neubildungen
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Kolik der Hunde.
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(Lipome), Vorfall der Leber durch Risse im Zwerchfell etc.' Kolik veranlassen. Dabei sind jedoch die Anfälle für gewöhnlich nicht so hochgradig; nur ausnahmsweise beobachtet man Wälzen, Einnehmen der Rückenlage, Brüllen, Springen in den Barren u. s. w. Meist sind die Thiere bloss unruhig, treten hin und her, schlagen mit den Füssen gegen den Bauch, wedeln mit dem Schweife, schauen sich nach dem Hinterleibe um etc. Die Behandlung besteht wie beim Pferde in der Anwendung des Physostigmins (0,1), sowie der Laxantien (Natrium sulfuricum 5001000,0; Aloe 45 60,0; Ricinusöl 500,0, in Verbindung mit Raps- oder Mohnöl 1000,0; Ootonöl 15 25 Tropfen), ausserdem im Einfühi'en grösserer Flüssigkeitsmengen durch den Mastdarm und äusserlichen Frottationen.
Verstopfung. Einfache Verstopfungen ohne Kolik können beim Rind im Allgemeinen durch dieselben Ursachen bedingt werden , wie sie bezüglich der Entstellung der Kolik angegeben sind (Ueberfütterung, Verfütterung ungeeigneter Futtermittel, so z. B. von grünem Eichenlaub, Stenosen des Darmes, insbesondere des Mastdarmes durch Beckenabscesse und Neubildungen, Koprostase u. s. w.).
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Die Kolik der Hunde.
Literatur. Youatt, Wie Vet., 1840. Mather, Ibid., 1843. Pillwax, Oe. V../., 1862. Adam, IT. f. Th., 1866. S. 63. Nielsen u. Hutzkn, Tidsh: f. Vet., 1S67. Umlauf, Oe. V., 1878. S. 129. BiOT, liec, 1879. Hertwio, Krkhtn. d. llde., 1880. Roll, Spec. Path., 1885. Ondracek, Th. C, 1894. S. 392. Kitt, M. f. p. Th., 1894. VI. Bd. S. 20.
Aetiologie und Symptome. Eine ausgesprochene Kolik, wie man sie so häufig beim Pferde beobachtet, kommt beim Hunde ausser-ordentlich selten vor. Unter 70,000 in den Jahren 18861894 dem Berliner Hundespitale zugeführten kranken Hunden befanden sich nur 3 Fälle von eigentlicher schwerer Kolik. Sehr hochgradige Kolikerscheinungen beobachtet man z. B. beiVerdrehung (Volvulus) des Magens (Kitt). Dagegen findet man nicht selten leichtere Unruheerscheiuuiigen als Ausdruck von Schmerzen im Darmcanal, welche man ebenfalls mit dem Namen Kolik belegen kann. Als veranlassende Ursachen nennt man Erkältung (wobei indess die Schmerzen sich häufiger auf Muskel-rheumatismus als auf rheumatische Kolik beziehen dürften), Ansammlung fester Futtermassen, besonders von Knochenerde, Verlegung des Darmrohres durch Steine, andere Fremdkörper, Eingeweidewürmer und namentlich Darminvaginationen u. s. w. Dabei ist jedoch zu betonen, dass alle diese Ursachen Kolik zwar erzeugen können, ohne sie gerade hervorbringen zu müssen, und dass die eigentlichen Kolikerscheinungen
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Kolik der Schweine.
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meist so geringgradig sind, dass man von einer wirklichen Kolik bei Hunden selten spricht. Insbesondere verläuft die Stenose des Darms durch Fremdkörper und Fiicalstofl'e, die Darm-invagination, sowie die Helminthiasis in der Regel ohne Kolik. Relativ am häufigsten ist noch eine Art Wurmkolik, bei welcher nach Roll selbst rasende Zufälle auftreten können, hervorgebracht durch Taenia Echinococcus. Die Kolikerschoinungen bestehen in Winseln der Thiere, unruhigem Hin- und Herlaufen, häufigem Niederlegen, Zusammenkrümmen. Die Dauer ist meist eine kurze.
Die Behandlung richtet sich meist nach dem Gnnidleiden. Symptomatisch gibt man gegen die Schmerzen eine Morphiuminjection (0,020,1), das Opium in Form des Dower'schen Pulvers (0,52,0) oder die Opiumtinctur (2040 Tropfen) mit Gummischleim. Daneben setzt man Klystiere und macht hydropathische Wicklungen um den Hinterleib. Fremdkörper im Darm, Volvulus des Magens, sowie Darm-invaginationen können nur operativ behandelt werden.
Die Kolik der Schweine.
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Literatur. Spihola, Spec. Path., 1863. -Traits des maladies du pore, Paris 1880. bold, B. th. W., 1889. S. 140.
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Hetzel, Bep., 1877. S. 285. Benion, - Krause, Thrzt, 1885. S. 160. - Rein-
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Aetiologie und Symptome. Die Kolik bei Schweinen ist meist auf eine Ueberfütterung mit schlechtem, unverdaulichem Futter, Kleie, gährenden Abfallstoffen, Bierträbern, auf das Fressen von Sand (Sandhunger) etc. zurückzuführen. Ausserdem scheinen Erkältung und die Anwesenheit von Darmwürmern (Ascaris lumbrieoides und Echinor-rhynchus gigas) Kolik zu erzeugen. Endlich verlaufen alle entzündlichen Zustände des Magens und Darmes, namentlich auch die Vergiftungen und die nicht seltenen Darminvaginationen unter Kolikschmerzen. Die Thiere sind dabei sehr unruhig, krümmen den Kücken, legen sich häufig nieder, stöhnen, ächzen, schreien selbst mitunter, strecken sich auf dem Boden aus und zeigen selbst Muskelzuckungen und Krampfanfälle. Dabei ist die Futteraufnahme unterdrückt, der Kothabsatz verzögert.
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Behandlung. Dieselbe beschränkt sich auf die Verabreichung beruhigender und eröffnender Latwergen, die Application von Klystieren, auf Frottiren des Bauches u. s. w. Dabei ist für einen warmen Auf-
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200nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Magen- und Darmgeschwüre.
enthaltsort und weiches Lager Sorge zu tragen. Von Abführmitteln empfiehlt sich Calomel (14,0).
Magen- und Darmgeschwüre.
Literatur. - Ghcis,,/. du Midi, 1861.Bolopp. I'r. M., 1867/68. S. 157. Saint-Cyr, ,/. de Lyon, 1869. Frame, S. J. B., 1872. S. 122. - Frahobsoo, Hep., 1873. S. 77.
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Allgemeines. Magen- und Darmgeschwüre bedingen bei unseren Hausthieren im Allgemeinen selten eine eigene, selbstständige Krankheit. Meist finden sie sich als secundäre Erscheinung im Verlaufe anderer Krankheiten, so bei der Wuth, Rinderpest, dem bösartigen Katarrhalfieber, dem Petechialfieber der Pferde, der Ruhr, den verschiedenen Formen der Gastro-Enteritis, bei der Vergiftung durch scharfe, ätzende Stoffe, beim Magendannkatarrh, nach Verletzung der Schleimhaut durch Fremdkörper, Bremsenlarven, Spiroptera sanguino-lenta u. s. w. Unter Umständen können jedoch Geschwüre im Magen oder Darm für sich allein ein bestimmtes Krankheitsbild hervorrufen. Dabei kommen zweierlei Arten von Geschwüren in Betracht: 1. Die Geschwüre entzündlichen Ursprunges, insbesondere die sog. katarrhalischen Geschwüre und hämorrhagischen Erosionen; 2. das sog. peptische, runde Magen- und Duodenalgeschwür.
Aetiologie und Pathogenese. 1. Die Geschwüre entzündlichen Ursprunges entstehen nach Entzündungen der Magen- und Darmschleimhaut, wenn die entzündliche Infiltration derselben eine intensivere oder von stärkeren Blutungen ins Schleimhautgewebe begleitet war. In solchen Fällen kommt es auch nach der Rückbildung des entzündlichen Processes zu bleibenden geschwürigen Substanzverlusten der Schleimhaut, welche im Magen an beliebigen Stellen sich vorfinden, während sie im Darme sich vorwiegend auf die leicht zerfallenden lymphoiden Follikel localisiren (Follikulargeschwüre). Am häufigsten bilden sich sog. katarrhalische Geschwüre im Verlaufe von acuten und chronischen Magendarmkatarrhen aus. Auch nach Ver-
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Magen- und Darmgesohwüro.
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wundungen und partiellen Verschorfungen der Schleimhaut können Geschwüre an beliebigen Stellen des Darmcanals zurückbleiben.
2. Das sog. runde, peptische Geschwür kommt nur im Magen und Zwölffingerdarm, soweit daselbst der saure Magensaft reicht, vor. Nach der früheren Ansicht entwickelt es sich im Gegensatze zu dem durch entzündliche Vorgänge entstandenen durch eine locale Selbstverdauung des Magens. Die Ursachen dieser umschriebenen Gastromalacie wurde entweder in örtlichen Circulationsstörungen gesucht, welche die stetige Neutralisirung des sauren Magensaftes durch das alkalische Blut verhindern und damit die Schleimhaut den zerstörenden Wirkungen der Magensiiuren aussetzen (umschriebene Gefässverstopfungen der Schleimhaut durch Thromben oder Emboli, atheromatöse, fettige, skierotische, amyloide Gefässerkrankungen, localer Gefässkrampf). Oder man fand die Veranlassung zu dem peptischen Geschwüre in einem abnorm hohen Gehalte des Magensaftes an Säuren, welche die geringsten Schleimhautdefecte zu Geschwüren umwandeln, während dieselben normal sehr rasch abheilen würden. Ganz in derselben Weise sollten allgemeine Anämie des Körpers, sowie venöse S t au ungshy per ämie der Magenschleimhaut wirken; auch hier soll die geschwächte und nur wenig von arteriellem alkalischem Blute durchfluthete Schleimhaut den Einwirkungen des Magensaftes bei etwaigen zufälligen Verletzungen weniger widerstehen. In neuerer Zeit sucht man die Ursachen der Geschwüre in Verwundungen der Schleimhaut mit speeifischer Wundinfection bezw. nekrotisirender Entzündung. In welcher Weise Magengeschwüre bei allgemeiner Verbrennung sowie durch im Blute enthaltene Toxine verursacht werden können, bleibt noch genauer zu untersuchen. Experimentell lassen sich endlich Magengeschwüre durch Verletzung des Rückenmarks, der Vierhügel und des verlängerten Marks erzeugen.
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Peptische Labmagengeschwüre beim Kalbe hat R. Ost er tag in 6 Fällen boschrieben. Die Mehrzahl dieser Geschwüre waren perforirende; in allen Fällen Hess sich gleichzeitig ein intensiver Magenkatarrh constatiren. Bezüglich der Pathogenese dieser Geschwüre ergab die makroskopische und mikroskopische Untersuchung, dass thrombotischo Processe auszuschliessen waren. Dass die Entstehung der Geschwüre aber trotzdem von Kreislaufsstörungen ausging, zeigte die Form, welche einem Gefilsszweige entsprach. Ausserdem bringt Ostertag den vorhandenen Magenkatarrh mit der Pathogenese der Geschwüre in Znsammenhang, indem er auf die mit dem katarrhalischen Processe verbundenen Ernährungsstörungen hinweist. Auch Rasmussen und Kitt haben ähnliche Geschwüre beim Kalbe beschrieben.
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202nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Magen- und Danugoschwüre.
Anatomischer Befund. 1. Die katarrhalischen Geschwüre des Magens entwickeln sieh meist nach intensiven Schleimhauthyper-iitnien und katarrhalischen Entzündungen mit hiimorrhagischem Charakter aus den sog. hämorrhagischen Erosionen. Diese Erosionen finden sich am häufigsten in der rechten Magenhälfte in der Gegend des Pylorus und bilden kleine, rundliche, oberflächliche Defecte der Schleimhaut mit scharfen, glatten Rändern und unebenem, meist mit Blut bedecktem Grunde. Im Darme entstehen katarrhalische Geschwüre mit Vorliebe aus vorausgegangenen Follikularverschwärungen, welche ihrerseits aus einer hochgradigen zelligen Infiltration der Lymph-follikel mit nachfolgender Ertödtung des Gewebes hervorgegangen sind und kleine, disseminirte, kesseiförmige Geschwüre darstellen. Im weiteren Verlaufe bekommen dann die katarrhalischen Geschwüre ein verändertes Aussehen. Zunächst werden sie grosser, bis thaler-, selbst handtellergross; weiter beschränkt sich der geschwürige Process nicht bloss auf die Oberfläche der Schleimhaut, sondern ergreift auch die Submucosa, selbst die Muscularis, wobei es zuweilen zu Blutungen aus arrodirten Darmgefässen kommt; endlich kann sogar die Serosa ergriffen werden, was zu peritonitischen Adhäsionen und scbliess-lich zur Perforation Veranlassung gibt. Neben diesen progressiven Vorgängen gehen immer auch Heilprocesse einher. Manche Geschwüre heilen vollständig unter Zurücklassung strahliger Narben. Bei anderen grösseren vernarbt besonders der Rand, wobei derselbe verdickt, wulstig und oft knorpelhart wii;d, und die angrenzende Schleimhaut sich in strahlig angeordnete Falten legt, während im Centrum die zerfallene Submucosa und Muscularis durch feste, seimige Binde-gewebsfasern ersetzt wird. Daneben findet man die Erscheinungen eines chronischen Katarrhes.
2. Die peptisehen Geschwüre sind bis jetzt selten beobachtet worden. Sie kommen nur im Magen und im Anfange des Zwölffingerdarmes vor und unterscheiden sich schon dadurch von den anderen. Sodann sind sie gewöhnlich von ganz regelmässiger, rundlicher oder elliptischer Gestalt, haben scharfe, glatte Ränder, so dass sie wie mit dem Locheisen durchgeschlagen erscheinen, und eine terrassen- und triebt er artige Form; auch kommen sie meist nur vereinzelt vor. Sie heilen ebenfalls mit strahliger Narbe und können zu peritonitischen Adhäsionen, wie auch zu Blutung und Perforation führen.
Von den in der Literatur beschriebenen Magen- und Darmgescbwüren sind die von Siedamgrotzky, Grad und Zippelius veröffentlichten
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Magen- und Darmgeschwüre.
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Fälle katarrhalischer resp. hilmorrhagischer Natur, wilhrend Bruckmüller, Roloff, Fröhner und Ostertag peptische, runde Geschwüre beobachtet haben, wohin violleicht auch die von Gotteswintor und Munich publicirton Fülle gehören. Koloff wies in einem runden Magengeschwür beim Pferde eine obliterirte Arterie nach,
Symptome. Klinisch sind die entzündlichen und peptischen Geschwüre nicht aus einander zu halten, da sie ganz dieselben Erscheinungen hervorrufen. Indessen sind diese Erscheinungen oft sehr wenig charakteristisch. Sehr häufig deckt sich das Krankheitsbild vollständig mit dem des chronischen Magendarmkatarrhs. So beobachtete Siedamgrotzky bei einem Pferde nur eine allmählich zunehmende Abmagerung und Entkräftung, Grad und Zippelius beim Rinde die Symptome eines chronischen Labmagenkatarrhs: chronische Tympanitis, Verstopfung, allgemeine Ernäbrungsstörungen, Bleichsucht. Zuweilen allerdings bieten sich auffallendere Symptome dar, aus denen das Vorhandensein eines Geschwüres mit Wahrscheinlichkeit erschlossen werden kann. Dieselben bestehen in hartnäckigem Erbrechen, Kolikerscheinungen, Blutbrechen und Abgang von Blut mit den Excrementen. Beim Pferde sind es meist periodische, eine bestimmte Zeit nach der Futteraufnahme auftretende Kolikerscheinungen mit allmählichem Rückgange der Ernährung; selbst Erbrechen blutig gefärbten Mageninhalts wurde schon wahrgenommen. Beim Rinde sah Gotteswinter neben Erscheinungen der Anämie und unbestimmten gastrischen Störungen schwarzen, theer-artigen Koth, welcher auf die Anwesenheit von Magen- oder Darmgeschwüren hinwies, die auch bei der Schlachtung vorgefunden wurden. Weiskopf beobachtete mehrere Fälle von Magenberstung beim Pferd, verursacht durch Magengeschwüre. Die perforirenden Labmagenraquo; geschwüre der Kälber lassen sich nach Rasmussen intra vitam dadurch diagnosticiren, dass die Thiere meist nach einem Transporte unruhig werden, sich niederwerfen oder schlaff und theilnahmslos daliegen, pusten und beim Aufrichten schwanken und umfallen. Der Verlauf der durch Magen- oder Darmgeschwüre erzeugten Krankheit ist meist ein langwieriger, Heilungen sind möglich; indess ist der Ausgang eines mit Sicherheit diagnosticirbaren Geschwüres meist ein tödtlicher, herbeigeführt entweder durch Verblutung oder Perforativ-peritonitis, oder endlich durch allmähliche Entkräftung und Abmagerung.
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Differentialdiagnose. Bei der Schwierigkeit einer genaueren Diagnose und dem häufigen Fehlen pathognostischer Kennzeichen sind
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Mngen- und Darmgeschwüre.
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Verwechslungen mit anderen Leiden sehr häufig. Insbesondere ist es der chronische Magendarmkatarrh, unter dessen Namen wohl schon manches Geschwür behandelt worden sein wird, was um so erklärlicher ist, als derselbe für gewöhnlich eine Begleiterscheinung der Geschwüre bildet. Aber auch wenn die charakteristischen Symptome, Erbrechen, Magen- und Darmblutung, vorhanden sind, ist es nicht immer leicht, die Krankheit beim Rinde von einem Fremdkörper im Magen zu unterscheiden, da derselbe ganz die gleichen Erscheinungen hervorrufen kann. In diesem Falle müsste das Hauptgewicht auf den Nachweis von Schmerzen in der Gegend der Haube zu legen sein, welche bei den meist im Labmagen vorkommenden Geschwüren fehlen.
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Behandlung. Die Behandlung eines Magen- oder Darmgeschwürs muss vorwiegend eine rein diätetische sein. Die Hauptaufgabe ist dabei, das Geschwür vor dem Reize grober, schwer verdaulicher Nahrung zu schützen. So empfiehlt Zippelius beim Rinde die Verabreichung von nur flüssigen, gut gekochten Nahrungsmitteln, während er die leicht gährenden Futtermittel, wie die Abfälle der Brennereien, ganz vermeidet. Pferden sind Mehl- und Kleienschlapp, Hunden Milch, rohe Eier, feinzerhacktes Fleisch zu verabreichen. Von Arzneimitteln ist dem künstlichen Karlsbader Salz weitaus der Vorzug zu geben. Dasselbe neutralisirt nicht nur die überflüssige Säure des Magensaftes, sondern sorgt auch für Desinfection und rasche Entleerung des Magens. Man gibt entweder das officinelle Präparat (Sal Carolinum factitium) oder verschreibt dasselbe in beliebiger Zusammensetzung, z. B. Natrium sulfuric. 80,0; Natrium chlorat. crud. 20,0; Natrium bicarbonic. 5,0; Rindern 100 g, Pferden 50 g, Hunden 25 g pro dosi. Die Salzsäure ist contraindicirt. Zippelius macht hier die Bemerkung, dass das Magengeschwür beim Rinde wahrscheinlich jene berüchtigte Form der Indigestion sei, in der Salzsäure wie Gift wirke! Dagegen kann man in hartnäckigen Fällen einen Versuch mit Bismuthum subnitricum (0,10,5 für den Hund) oder Argentum nitricum machen. Bei Darmblutungen greife man zu den styptischen Mitteln (Tannin, Eisen-, Bleipräparate). Gegen das hartnäckige Erbrechen wendet man beim Hunde die schon bei Gelegenheit des Magenkatarrhs genannten Narcotica (Opium, Cocain, Bromkalium), ausserdem Kreosot, Creolin, Jodtinctur, Eispillen u. s. w. an.
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Magen- und Darmblutung.
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Magen- und Darniblutuiig.
Literatur. - Gielen, Mag., 184G. S. 78. - M.vy, Und., 1854. S. 489. 494. Hering, Spec, Path., 1858. S, 559. Mit Literatur. VOGEL, liep., 18GB. S. HG. SPINOU, Spec, l'ath., 1863. II. S. 255. Schmelz u. Kavskh, Thrzt., 18G4. S. 250. Pkluo, W. f. T/i., 18G5. S. 73. Utz, li. th. M., 1873. 8. 116. EaaEUNO, Haase, l'r. M., 1880/81. S. 57. Labat u. Oadkac, Iterue vit,, 1884. Röi.l, Spec. Path., 1885. II. Bd. S. 387. - Bidlot, Bull. Belg,, 1886. Brauer, S. J. ß., 1887. S. G8. Schneidemühl, Th. lidsch., 1888/89. 8, 13. Woohmschr. f. Th., 1891. S. 40 f. Quai.itz, Z. f. Vet., 1891. S. 459. Hoffmann, Th. Chir., 1891. S, 505. - Jabblot, Uec, 1890. STENOER, W. f. Th., 1891. S. 407. Vidmer, ./. de Lyon, 1892. S, 340. Dieokerhopp, Spec. Path., 1892.1. Bd. S. 874. - Mestof, Bec, 1894. S. 278.
Aetiologie. Die Blutungen des Magens und Darmes können durch die verschiedenartigsten Processe bedingt sein, deren Erkennung nicht immer leicht ist. Trotzdem diese Blutungen immer nur ein Symptom einer anderen Krankheit sind, empfiehlt es sich doch, dieselben in selbstständiger, übersichtlicher Weise zu behandeln. Voraussetzung ist hiebei, dass nur solche Magen- und Darmblutungen Besprechung finden, bei denen ein Abgang grösserer Mengen Blutes beobachtet wird.
1.nbsp; nbsp;In sehr vielen Fällen sind die Ursachen der Blutungen in mechanischen oder chemischen Verletzungen der Magendarmschleimhaut zu suchen, so durch spitze Fremdkörper (Nägel beim Rinde, Knochensplitter, Glassplitter, Fischgräten, spitze Tannennadeln etc.), durch Entozoen (Bremsenlarven, Taenia Echinococcus, Echinorrhynchus gigas), durch ätzende Stoffe (z. B. Brechweinstein in ungelöster Form), endlich durch Erschütterung des Magens nach einem vorausgegangenen Stoss auf die Magengegend, beim Niederstürzen, nach starken Anstrengungen.
2.nbsp; Geschwüre des Magens und Darmes, namentlich das peptische Magengeschwür können durch Eröffnung von Gefässen zu Blutungen führen.
3.nbsp; nbsp;Sehr häufig finden sicli Blutungen im Verlaufe intensiverer Schleimhautentzündungen, so z. B. bei den verschiedenen Darmentzündungen, bei der Hundestaupe.
4.nbsp; nbsp;Venöse Stauungen ii^ der Magen- oder Darmschleim-haut haben ebenfalls nicht selten Blutungen im Gefolge. Solche Stauungen treten bei Lageveränderungen des Darmes, sowie bei Herz-, Lungen- und Leberleiden auf (Klappenfehler, Lungenemphysem, Lungen-induration, Lebercirrhose, Fettleber, Pfortadertlmnnbose).
5.nbsp; nbsp;Krankheiten mit hämorrhagischem Charakter verlaufen zuweilen mit Darmblutung. Hieher gehören gewisse Milzbrand-
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206nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Magen- und Darmblutung.
formen (hilmorrhagischer Darmmilzbrand), das Petechialfieber der Pferde, die Septikämie, das septikämische Kalbefieber beim Rinde.
(i. Mas t d ar mblu fcung e n werden durch Verletzungen, Tumoren und Hämorrhoiden bedingt. Die letzteren kommen als diffuse oder knotenartige varicose Erweiterungen der Hämorrhoidal-venen theils im submueösen (sog. innere Hämorrhoiden) theils im sub-cutanen Gewebe ausserhalb des Afters (sog. äussere Hämorrhoiden) besonders beim Schweine, seltener beim Hunde, Pferde und Rinde vor. Sie entstehen nach allgemeiner Blutstauung (Herz-, Lungen-, Leberkrankheiten) durch eine ungenügende Entleerung der unter allen Venen der Bauchhöhle vom Herzen am weitesten entfernten Hämorrhoidal-venen, bei Schweinen vielleicht auch in Folge einer vererblichen Disposition. Ausserdem beschuldigt man eine zu reichliche Fütterung mit intensiv nährenden oder schwer verdaulichen und reizenden Nahruncs-mittein, zu wenig Bewegung, die übermässige Anwendung von drastischen Arzneimitteln u. s. w. Beim Rinde kommt als Ursache von Mastdarmblutungen eine zuweilen enzootische Mastdarmentzündung vor. Dieses sog. Rücken- oder Lendenblutquot; wurde früher von Rychner (Bujatrik) auf Hämorrhoiden zurückgeführt, mit denen es auch Spinola für verwandt erklärte, während Haubner-Siedam-grotzky eine durch scharfe, reizende, zu gewürzhafte Nahrung, sowie Ueberanstrengung erzeugte, entzündliche Reizung der Mastdarmscbleim-haut als Ursache annehmen. Das Lendenblutquot; wäre demnach nichts Anderes als eine hämorrhagische Proctitis. In anderen Fällen ist Milzbrand die Ursache desselben.
7. Eine eigenthümliche Art von Magenblutung- erwähnt Vogel. Bei einem Hunde war nämlich ein Aneurysma der Bauchaorta mit dem Magen verwachsen und hatte sich bei der Ruptur in den Magen hinein entleert, wodurch rasch ein tödtlicher Ausgang herbeigeführt wurde. Einen ähnlichen Fall haben Lab at und Cadeac bei einer Stute beobachtet, bei welcher ein Aortenaneurysma sich in den Grimmdarm entleert hatte. Das Pferd zeigte in den letzten Tagen blutige Excremente und Kolikerscheinungen.
Symptome. Das hervorragendste Symptom der Magenblutung ist das Erbrechen von Blut (Hämatemesis). Dabei wird meist in wiederholten Anfällen eine grössere Menge klumpigen, dunkel gefärbten, mit Futterstoffen gemischten Blutes entleert. Dieses Blutbrechen kann indess bei Magenblutung auch fehlen, so dass letztere von einer Darmblutung oft gar nicht zu unterscheiden ist. Die Darm-
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Magen- und Darmblutung.
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blutung erkennt man am Abgange eines entweder mit Blut vermischten oder theerartig verfärbten Kothes. Daneben bestehen die Erscheinungen einer inneren Verblutung oder chronischen Anämie, welche späterhin zu Hydrämie und serösen Transsudationen in die Körperhöhlen führen kann.
Die Erscheinungen der hämorrhagischen Mastdarmentzündung des Rindes sind nach Haubner-Sieclamgrotzkj' plötzliche lieberhafte Erkrankung mit steifer Haltung, Empfindlichkeit der Kreuzgegend, Drängen auf den Koth, sowie sparsame, mit Zwang verbundene Entleerung eines trockenen, mit Blut vermengten Kothes, erhöhte Temperatur und wulstige Schwellung der Mastdarmschleirahaut, wobei die eingehende Hand blutig wird. Die Krankheit verläuft gewöhnlich nach 3 5 Tagen mit Genesung, bei zu heftiger Entzündung kann indess auch der Ausgang ein tödtlicher sein.
Beim Pferde beobachtete Utz im Anschlüsse an zwei nuss-grosse Hämorrhoidalknoten der Mastdarmschleinihaut häufig auftretende, leichte Kolikerscheinungen, Ausfliessen dunklen flüssigen Blutes aus dem After, sowie zeitweises Absetzen dunkler Blutgerinnsel, zu welchen Erscheinungen sich später Anämie und Hydrämie verbunden mit Hautblutungen (sog. Blutschwitzen) gesellten, welche den Tod des Thieres herbeiführten.
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Differentialdiagnose. Ob eine Magendarmblutung durch Traumen oder Geschwüre, oder durch venöse Stauung, Gastro-Enteritis, allgemeine Krankheiten, Hämorrhoiden etc. verursacht wird, kann nur bei eingehender Krankenuntersuchung und auch da nicht immer mit vollständiger Sicherheit entschieden werden. Am leichtesten wird die Erkennung einer Proctitis, Gastro-Enteritis, einer Allgemeinerkrankung, einer Hämorrhoidal-Ektasie sein, während die Differentialdiagnose zwischen einem Fremdkörper, einem Geschwüre und einer chronischen Stauungshyperämie als ursächlichen Momenten immer sehr schwer ist, sofern nicht die Anamnese das Verschlucken eines Fremdkörpers etc. mit Sicherheit nachweist. Von Wichtigkeit ist ferner oft die Entscheidung der Frage, ob man es bei Entleerung von Blut per os mit einer Magen-oder L im gen blutung zu thun hat. Für eine Magenblutung sprechen das Vorausgehen und Nachfolgen gastrischer Störungen, der Nachweis deutlicher Brechbewegungen und erbrochenen Mageninhaltes, das Auftreten theerartiger Darmentleerungen, das Fehlen von Husten, das Intactsein der Lunge, sowie die Beschaffenheit des erbrochenen Blutes, welches bei Hämatemesis meist klumpig, von
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208nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Magendanneiitzündung.
dunkler Farbe und wegen des beigemischten Magensaftes von saurer Reaction ist. Im Gegensatze hiezu ist das Blut bei Lungenblutung hellroth, durch die Beimengung von Luftblasen schaumig, sowie von alkalischer Reaction; ausserdem sind vor und nach, sowie während der Blutung respiratorisclie Störungen, vor Allem Husten zu constatiren. Indess kann die Unterscheidung oft recht schwer werden, wenn nämlich bei Lungenblutung das ausgehustete Blut verschluckt und nachträglich erbrochen wird, oder wenn bei Hämatemesis sich zu den Brechbewegungen starker Hustenreiz gesellt. Spinola erwähnt auch die Verwechslung von Hämatemesis mit dem Erbrechen von im Ueber-masse genossenem Blute bei Hunden. Endlich sind Verwechslungen von Hämorrhoiden beim Hunde mit starker Füllung und Abscedirung der Analsäcke sehr häufig.
Behandlung. Die Behandlung einer Magen- oder Darmblutung besteht in der innerlichen Verabreichung styptischer Mittel. Hieher gehört die Anwendung von kaltem Wasser, Eispillen, der adstringirenden Mittel: Alaun, Tannin, Eisenvitriol, Liquor Ferri sesquichlorati (Hunden 35 Tropfen in Pillen), Bleizucker, Argentum nitricum, Opium, sowie das Mu11er-k o r n.
MageiidnriuentzUndnng. Gastro-Enteritis.
Eintheilung. Die Entzündungen der Magen- und Darmschleimhaut unserer Hausthiere können je nach den verschiedenen Gesichtspunkten in verschiedener Weise eingetheilt werden. Es handelt sich in diesem Capitel zunächst nur um die primären, selbstständigen Entzündungen, nicht um die im Verlaufe anderer Krankheiten, z. B. der Rinderpest, der Influenza, der Ruhr, der Schweineseuche, der Wuth, des Petechialfiebers, der Lageveränderungen des Darmes auftretenden secundären. Man hat zunächst vei-sucht, die Magendarmentzündung nach dem Orte der Hauptaffection in eine Entzündung des Magens, Gastritis, und des Darmes, Enteritis, letztere dann wieder, je nach den verschiedenen Darmabtheilungen in eine Duodenitis, Ileitis, Typhlitis, Colitis, Proctitis einzutheilen. Practisch ist dies nur in den seltensten Fällen durchführbar, da meist Magen und Darm zusammen erkrankt sind. Eher könnte man den Grad der Entzündung als Eintheilungsgrund annehmen und eine parenchymatöse, phleg-monöse, eiterige, hämorrhagische, croupöse, diphtheri-tische, käsige Entzündung unterscheiden. Der niederste Grad
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#9632;
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Einfache Magendarmontziindung.
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würde dabei durch den Magendarmkatarrh dargestellt sein. Noch besser ist eine ätiologische Eintheilung in eine durch einfache, mechanisch-thermische Reize hervorgerufene Entzündung, ferner eine durch Gifte erzeugte (toxische), eine infectiöse (lluhr), embolische, tuberkulöse, mykotische (durch Spaltpilze erzeugte) u, s, w. Die Unterscheidungen einer diffusen und circum-scripten, einer sporadischen und seuchenh aften, einer acuten und chronischen Gastro-Enteritis sind natürlich viel zu allgemeiner Natur. Für die Zwecke der Klinik empfiehlt sich eine zum Theil auf den Grad, zum Theil auf die Ursachen gestützte Classification. Wir unterscheiden im Folgenden die nachbenannten Formen der Gastro-Enteritis als mehr oder weniger gut charakterisirbare und selbstsfändige Einzelkrankheiten:
1.nbsp; nbsp;die einfache, nicht-toxische Gastro-Enteritis der verschiedenen Hausthiere;
2.nbsp; nbsp;die croupöse Darmentzündung, namentlich des Rindes;
3.nbsp; nbsp;die mykotische (sog. typhöse) Gastro-Enteritis;
4.nbsp; nbsp;die toxische (durch Gifte erzeugte) Gastro-Enteritis.
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1. Die einfache, nicht toxische Magendarmentzündung.
Literatur. Read, rJ'he Fet., 1845. Hamont, Hec, 184G. Reynal, Dtctionmire prat. de med, vä., 1866. BruckmOller, Lehrh. d.patk. Zootomü, 1869. Landw. Centralblatt f. I)., 1871. Heft 11. Harms, 1). Z. f. Th., 1878; Rinderh-khtn., 1895. S. 35. AkAOKKR, Spec. Path., 1879. PröOEH, S. J. B., 1883. S. 94. Varyeili, /I wed. ret., 1886. S.200. Lustig, IS. A., 1887. S. 252. Raudüchl, Oe, M., 1887. S. 49. Dikckerhofk, ,sgt;ec. Pa(h,, 1892.1. S. 882. öqhaumkeu, B. th. W., 1892. S, 493. (juittam, I'rogr. rlt;H., 1892. MlTTELDORP, W. f. Th., 1892. S. 442. Haubner-Siedamorotzky, L. Th., 1893. S. 78. Knoll, B. th. W., 1893. S. 293. ALBERT, Ibid., 1893. S. 45. Kitt, l'ath.-amit. Diagn., 1894. I. Btl. A. Ebkh, S../. B., 1894. S. 38.
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Aetiologie. Die Ursachen der einfachen, gewöhnlichen Magendarmentzündung unterscheiden sich von denen des acuten Magendarmkatarrhs nur durch die intensivere Art der Einwirkung, sind also im Allgemeinen dieselben. Hieher gehören starke innere und äussere Erkältungen (rasche Abkühlung nach lebhafter Erhitzung, die Aufnahme sehr kalten Wassers, bereifter, gefrorener Nahrung etc.), Verbrühungen der Magenschleimhaut durch zu heisse Eingüsse, heisses Gesöff, z. B. bei Kälbern durch zu heiss gemachte Milch, reizende Nahrungsmittel und Fremdkörper der verschiedensten Art, z. B.
Friedbergev u. Frohner, Pathol. u. Therapie d. Ilausthiere. I. Bd. 4. Aufl. 14
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Einfache Magendarmentzündung.
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auch Eingeweidewürmer, besonders die Spiroptera-Arten (Spi-roptera megastoma beim Pferde, Spiroptera sanguinolenta beim Hunde, Spiroptera strongylina beim Schweine u. a.). Auch die Heumilben (Acarus foenarius) wurden als Ursache heftiger Magendarmenkündungen beim Pferde beschuldigt, indess wohl mit Unrecht, da sie sich in verschiedener Menge in jedem Heu vorfinden. Bezüglich der durch Cocci dien und Grc gar inen veranlassten Magendarmentzündung vergl. die Capitel über Coccidienruhr (rothe Ruhr), Darm- und Leber-coccidiosis sowie Geflügeldiphtherie.
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Anatomischer Befund. Der anatomische Befund bei der Magen-darmentzündung unterscheidet sich von dem des acuten Katarrhs, der niedersten Entzündungsform der Schleimhaut, durch eine höhergradige, parenchymatüse Affection des Verdauungsschlauches. In manchen Fällen allerdings können Katarrh und Entzündung in einander übergehen, so dass eine Entscheidung schwer sein dürfte; solche Fälle werden indess wohl selten zur Section kommen. Im Grossen und Ganzen trifft man bei der Entzündung statt der Hyperämie mehr die Häraorrhagie, statt oberflächlicher desquamativer Processe mehr paren-chymatöse, phlegmonöse, seröse, eiterige Infiltration der Schleimhaut, selbst Nekrose der letzteren.
1. Der Befund im Magen bestellt in einer bald mehr umschriebenen, bald diffusen höheren Röthung mit verschiedener Farben-nüancirung vom Hell- bis zum Dunkelrothen, sowie in Schwellung, Trübung und Faltenbildung der Schleimhaut, welche von grösseren oder kleineren Hämorrhagien in Form rother Blutpunkte oder un-regelraässiger dunkel- bis schwarzrother Flecken durchsetzt ist. Die Oberfläche der Schleimhaut ist bald glatt, bald mit zähem oder dünnem, hellem oder blutig gefärbtem Schleime belegt, bald zeigt sie kleine, rundliche oder längliche, oberflächliche Geschwüre in grösserer oder geringerer Anzahl, deren Ränder scharf und eben, und deren Grund bald glatt, bald mit Blutgerinnseln bedeckt ist (hämorrha-gische Erosionen). Dieselben kommen besonders auf den Falten und im Pylorustheil des Magens und zwar am häufigsten beim Hunde und im Labmagen des Rindes vor, und sind durch eine hämorrhagische Infiltration der Schleimhaut mit nachfolgender oberflächlicher Nekrose entstanden. Die Oberfläche der Schleimhaut ist ferner durch die in Form von Körnern hervortretenden geschwollenen und fettig zerfallenen Labdrüsen uneben. Die Submucosa ist zuweilen sulzig (gallertig) oder eiterig infiltrirt.
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Einfache Magendarmentzündung.
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2. Im Darme ist die Schleimhaut ebenfalls meist in umschriebener Weise bald gleichmässig, bald punktlormig, dendritisch, stern-und netzförmig, bald in Form hellerer oder dunklerer rother Flecken, Streifen und Platten geröthet, geschwollen und getrübt, stärker durchfeuchtet, erweicht, mürbe, selbst breiartig oder zunderiihnlich zerfallen und zuweilen mit trockenen, missfarbigen Brandschorfen belegt, welche entweder fest aufsitzen oder durch demarkirende Eiterung theilweise abgestossen sind und eine Perforation der ganzen Darmwand herbeigeführt haben können. Das Schleimhautepithel ist oft in grosser Ausdehnung abgestossen, die Zotten treten in Folge von Anschwellung stärker hervor, erscheinen länger, fiottiren deutlich unter Wasser und geben der Schleimhaut ein sammetartiges Aussehen. Die solitären und agminirten Follikel sind bald unverändert, bald geschwollen, von einem rothen Hof umgeben; dabei treten die solitären in Form stecknadelkopfgrosser Bläschen oder Knötchen, die agminirten als breitere Erhabenheiten mit grubiger, unebener Oberfläche hervor; beim Zerfall dieser zellig-eiterigen Infiltrate erscheinen an Stelle der Solitär-Follikel kessel- oder kraterformige. an Stelle der Peyer'schen Plaques siebförmige, areolirte Geschwüre (Follikulargeschwüre). Der Darm Inhalt ist von sehr verschiedener Beschaffenheit, bald dünnflüssig, wässerig, bald schleimig, eiterig, bald heller, bald milchig, graulich, röthlich gefärbt, zuweilen mit Epithelflocken, Fibringerinnseln, Eiter- oder Blutklümpchen gemischt, oder selbst aus lauter Blut bestehend. Die Submucosa ist entweder normal, in anderen Fällen höher injicirt und ödematös, sulzig oder hämorrhagisch geschwollen, wodurch die Schleimhaut ausserordentlich verdickt und wulstig erscheint; besonders im Blind- und Grimmdarme des Pferdes kann man sie so in grösserer Ausdehnung mehrere Finger dick finden. Die Muscular is ist meist nur geringgradig serös infiltrirt, sofern sie nicht bei vorgeschrittener Perforation geschwürig zerfallen ist; die Serosa ist in verschiedenen Graden injicirt und zeigt oft einen Belag, sowie peritonitische Wucherungen. Endlich findet man die Gekrös-drüsen häufig markig infiltrirt und geschwollen, desgieichen Leber und Milz sehr blutreich.
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Symptome. Die Erscheinungen der einfachen, bei allen Haus-thieren meist sporadisch auftretenden Magendarmentzüudung entwickeln sich entweder im Anschlüsse an das Krankheitsbild des acuten Magendarmkatarrhs oder treten, wie dies meistens der Fall ist, plötzlich in selbstständiger Weise hervor. Zunächst liegen Futteraufnahme
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212nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Einfache Magondarmcnt/.uiidung.
und Wiederkauen ganz darnieder, Schweine und Hunde erbrechen sich oft anhaltend, Pferde und Rinder zeigen zuweilen Brech-bowegungen. Die Maulschleimhaut ist hoch geröthet, heiss und trocken, im weiteren Verlaufe stellt sich gewöhnlich ein ausserordentlicher Durst ein, dessen Befriedigung besonders bei Hunden verstärktes Erbrechen hervorrufen kann. Dazu kommen anhaltende und meist sehr heftige Kolikerscheinungen, welche beim Hunde einen wuth-ähnlichen Charakter annehmen können. Die Palpation der Magengegend und des Hinterleibes ist schmerzhaft, die Bauchdecken sind gespannt, der Bauch selbst ist hie und da tympanitisch aufgetrieben. Die Peristaltik liegt ganz darnieder, und es besteht eine hartnäckige Verstopfung, wobei die Thiere höchstens unter starkem Drängen einzelne harte, kleine, mit Schleim oder Blut umhüllte Kothballen oder reines Blut (hämorrhagische Darmentzündung), ausnahmsweise auch brandig abgestossene Darmtheile entleeren , welche einen aashaften Geruch verbreiten. Erst gegen das tödtliche Ende der Krankheit tritt an die Stelle der Verstopfung eine profuse Diarrhöe, wenn sich zu der Lähmung der Darmwand auch eine solche des Sphincter ani gesellt. Der Harn ist häufig eiweiss-haltig und bei Pflanzenfressern oft stark sauer. Die genannten hochgradigen gastrischen Zufälle sind von einem nicht minder schweren Fieber begleitet; dasselbe äussert sich vor Allem in einem sehr frequenten, kleinen, harten Pulse, hoher Steigerung der Körpertemperatur, stark gerötheten Schleimhäuten, Kälte der extremitalen Theile, Schweissausbruch. Beim Pferde kann so die Pulsfrequenz 80, 100 und mehr Schläge per Minute, die Innentemperatur 4041quot; C. erreichen; in anderen Fällen beobachtet man besonders gegen das letale Ende subnorraale Temperaturen. Das Sensorium der Thiere ist oft sehr stark eingenommen; sie äussern grosse Angst und Unruhe, oder die Aufregung hat einem allmählich zunehmenden Stumpfsinn und Collaps Platz gemacht, die Thiere schwanken und taumeln, zeigen zuweilen Zuckungen und Krämpfe. Meist lassen die Kolikschmerzen gegen den tödtlichen Ausgang hin nach, und die Thiere verenden ruhig unter comatösen Erscheinungen.
Der Verlauf dieser einfachen Magendarmentzündung ist besonders beim Pferde ein sehr a cut er, so dass die Dauer unter Umständen nur einen Tag, meist aber nicht über zwei oder drei Tage beträgt. Die zuweilen beobachtete schleichende, mehrere Wochen dauernde und unter plötzlich eintretenden Zufällen mit dem Tode endende Form deckt sich vielleicht im Wesentlichen beim Pferde
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mit der embolisch-thr
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Eiiifaclie Miigomlarmentzihulung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;213
Zuweilen tritt die Magen-
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darmentzUndung seuchenartig auf.
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Prognose. Die beschi-iebene Magendannentzündung ist eine sehr gefährliche und in den meisten Fällen tödtlich endende Krankheit. Günstige Umstände sind: massige Kolikerscheinungen, gering-gradiges Fieber, insbesondere ein noch kräftiger, nicht sehr frequenter Puls, fortbestehender Kothabsatz. Ungunstig ist dagegen: sehr hohes Fieber, ein sehr beschleunigter, kleiner, drahtförmiger Puls, angestrengte Athmung, anhaltende Verstopfung, plötzlicher Nachlass des Schmerzes verbunden mit C'ollaps, profuse Diarrhöe. Die Todesursache ist entweder in Darmnekrose mit nachfolgender allgemeiner Sepsis, oder in Gehirnapoplexie, Lungenödem, Darmblutung, Herzlähmung durch Shot etc. zu suchen.
Differentialdiagnose. 1. Die Unterscheidung der Magendarmentzündung von Magendarmkatarrh gründet sich auf die durch-gehends intensiveren Krankheitserscheinungen bei der Entzündung: höheres Fieber, grössere Herzschwäche, schwereres Allgemeinleiden, stärkere Kolikschmerzen, sowie die anhaltende Verstopfung.
2.nbsp; nbsp;Schwieriger dürfte beim Pferde die Unterscheidung einer als sog. Entzündungskolikquot; in die Erscheinung tretenden Gastro-Enteritis von den anderen Kolikformen sein. In vielen Fällen ist dieselbe während des Lebens geradezu unmöglich, und nur eine Section kann Aufschluss geben. Andererseits liegt eine grosse Schwierigkeit in dem Umstände, dass sehr viele Kolikerkrankungen im späteren Verlaufe eine Enteritis zur Folge haben. Doch sollte eine Diiferentialdiagnose in jedem einzelnen Falle wenigstens versucht werden. Anhaltspunkte bieten: das hohe Fieber, der beschleunigte, kleine Puls, die anhaltenden, nie intermittirenden Kolikschmerzen, das schwere Allgemeinleiden, die anhaltende Verstopfung, die Schmerzhaftigkeit des Hinterleibes bei der Palpation, die Anamnese. In einzelnen Fällen kann die Diagnose auch auf dem Wege des Ausschlusses annähernd festgestellt werden.
3.nbsp; Von den übrigen Formen der M a g e n d a r m e n t z ü n d u n g unterscheidet sich die vorliegende im Allgemeinen in der Weise, dass bei der toxischen die Anamnese, sowie die für bestimmte Gifte charakteristischen Erscheinungen, bei der my kotischen die eigen-thümlichen nervösen Erscheinungen, bei der croupösen der Abgang
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Eiufaohü Magendarmcntzündung.
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von Croupmembranen und die längere Dauer, bei der infectiösen Ruhr endlich die seuchenartige Verbreitung und das Vorwiegen der Diarrhöe für die Stellung einer Diagnose massgebend sind.
4. Die Unterscheidung einer primären Gastro-Enteritis vonWuth, Milzbrand, Rinderpest u. s. w. ergibt sich aus einer genauen Untersuchung und dem Verlaufe.
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Therapie. Die Behandlung der einfachen Magendarmentzündung erfordert neben Beseitigung der einwirkenden Ursachen in erster Linie eine sorgfältige Ueberwachung und Regelung der Diät. Im Anfange empfiehlt sich eine vollständige Hungerdiät, welcher später nur leicht verdauliche Futterstoife mit allmählichem Uebergango zur gewöhnlichen Fütterungsweise folgen dürfen. Gar nicht selten wird nämlich durch die zu frühzeitige Verabreichung schwer verdaulicher Futtermittel viel Unheil angerichtet. Das verabreichte Wasser soll überschlagen sein; bei Hunden, welche durch die Aufnahme von Wasser anhaltend zum Erbrechen gereizt werden, beschränkt man die Menge desselben auf das Nothwendigste. Die weitere Behandlung beginnt mit Anregung der Hautthätigkeit durch Frottationen, Einreiben von Campherspiritus, Terpentinöl, Senföl in die Bauchdecken, hydropathische Umschläge um den Hinterleib. Innerlich gibt man einhüllende, schmerzlindernde Mittel, so besonders die schleimigen Abkochungen und Oel-Emulsioncn, unter denen Leinsamenabkochungen, frisches Lein öl, Gersten schleim. Gum misch leim in Verbindung mit Opium, Tinctura Opii u. s. w. die gebräuchlichsten sind. Gegen zu heftige Kolikschmerzen bedient man sich subeutaner Morphium-Injectionen. Vor drastischen Mitteln bei hartnäckiger Verstopfung hat man sich wegen Steigerung des entzündlichen Processes auf der Schleimhaut sehr zu hüten, man verwendet daher nur die mildesten Abführmittel, so Ricinusöl in Emulsion, Glauberund Bittersalz, sowie Calomel, letztere häufig in Verbindung mit Opium.
Beispielsweise mögen für das Pferd, Rind und den Hund die folgenden Recepte anzuwenden sein:
Für das Pferd: Opii pulverat. 10,0 j Hydrargyri chlorati 2,0; Pulv. Rad. Altaeae 100,0; Aqu. destill, qu. s.; f. Electuar.; auf einmal.
Für das Rind: Macerat. Semin. Lini 750,0 (ex 100,0 parat.); 01. Lini 250,0; auf einmal als Einguss zu geben.
Für den Hund: Tinctur. Opii simpl. 2,05,0; Gummi arabici 10,0; Aqu. destill. 300,0; esslöffelweise zu geben.
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Croupöse Magendarmentziuulung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 215
Bei Schwächozuständen und Collaps greift man zum Oampher,
Aether, Wein, Kaffee, Coffein, Skopolamin u. s. w.
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2. Die croupöse Damentzüiidung, der Darmcroup.
Literatur. Dki.afond, liec, 1842. Drouaiio, iWÄ. Morbau, fhhl, 1843. Jahn, Hep., 1844. S. 221. - Bhoesser, Ibid,, 1845. S. 24. Fkstai,, liec, 1847. Hakon, Ibid. Guih.t, Mag,, 1847. S. 80. Ax.vckkr, Ibid., 1853. S. 488; Spec. Path,, 1879. Prehr, l'r. M., 1858/54. S. 101. Boccaletti, Giorn. di Vet., 1857. Bossbtto, Ibid., 1858. - Köli.ing, Mag., 1858. S. 74. Eher, Hep., 1858. S. 187. Clavel, ./. du Midi, 1860. PriüTSCH, Baer u. A., S, J. B., 1860. 8. 89. 91. Ai.lemani, 11 med. ret., 1864. ScHDHHAGRER, Tlirzt., 1804. S. 19. Adam, W. /', Th., 1804. S. 189. Delhaize, A, de Brux., 1805. Hering, liep., 1867. S. 16. LaOREZE, J. du Midi, 1809. MÜLLER, S. J. B., 1872. S. 128. BoLLINOER, M.,/. B., 1877. S. 21. (trimm, 8, J. H.. 1881. S. HG. Stand, ZündeVi Jahresber., 1885. S. 99. Schwanepeldt, B. A., 1885. Priebberoer, M. ,/. B., 1886/87. S. 68. -Eokarbt, B. th. IF., 1889. S. 21. Bertsohe, B. th. M., 1890. S. 123. Diecker-hoff. Spec, l'utit., 1892. I, S. 887. Oontamime, A, de Brux., 1892. Larhat, Thi-baüt, Progr. ret., 1892. Truelsen, B. th. W., 1893. S. 279. Zeeb, D. th, W,,
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1895.nbsp; S. 81.
Vorkommen, Die croupöse Darmentzündung findet sich am häufigsten beim Rinde, wo sie nach Ausweis der vorliegenden Literatur nicht so selten vorzukommen scheint, als gewöhnlich angenommen wird; in zweiter Linie sodann beim Pferde und den Fleischfressern; am seltensten beim Schafe. Beim Rinde tritt sie gewöhnlich sporadisch, sowie mit schleichendem, mehr chronischem Verlaufe auf; bei den anderen Thieren ist sie ebenfalls meist sporadisch, ihr Verlauf ist indess ein mehr ausgesprochen acuter und selbst peracuter.
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Aetiologie, Die Ursachen der croupösen Darmentzündung beim Rinde sind noch nicht hinreichend aufgeklärt. Man nimmt gewöhnlich innere und äussere Erkältungseinflüsse, sowie reizende, unverdauliche Nahrungsstoffe als Hauptursachen an. Für erstere scheint das häufige Vorkommen der Krankheit im Frühjahr und Herbst, sowie die Complication mit Rheumatismus zu sprechen. Unter den letzteren hat man z. B. Heu mit zu grossem Gehalt an gewürzhaften Kräutern, die Verfütterung von vielem Kaff (Spreu) etc. beschuldigt. In einigen Fällen bezog sich der Darmcroup wohl auch auf vorausgegangene Anwendung drastischer Abführmittel. Auch andere Arzneimittel, z.B. Campherspiritus, Canthariden u. s. w., können beim Rinde eine croupöse Enteritis erzeugen. Der Grund, warum die croupöse Darmentzündung vorwiegend beim Rinde beobachtet wird.
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Croupöso Mageiularmentzündung.
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wird gewöhnlich in einer besonderen Disposition desselben gesucht, welche in einem faserstoff- und eiweissreichen Blute mit Neigung zu tibrinösen Ausscheidungen beruhen soll. Diese Disposition ist am meisten bei jungen gutgeniihrten, sowie auch hochträchtigen Thieren vorhanden, welch letztere auch in auffallend häufiger Weise an Darm-croup gegenüber anderen Thieren erkranken. Vielleicht lässt sich auch die dem Rinde eigenthümliche lymphatische Constitution damit in Zusammenhang bringen, in Folge deren es beispielsweise auch in der Lunge bei Entzündung derselben so gerne zu massenhaften plastischen Ausschwitzungen kommt.
Beim Pferde scheinen zuweilen Koprostasen, beim Hunde und bei der Katze Bandwürmer die Veranlassung zu Darmcroup abzugeben. In nicht wenigen Fällen bleibt die Ursache unbekannt.
Anatomischer Befund. Der Sitz der croupösen Entzündung ist beim Rinde bald der Dünndarm, bald das Colon, beim Pferde meistens der Hüftdarm. Die Schleimhaut zeigt verschiedengradige theils katarrhalische, theils entzündliche Veränderungen und ist in verschiedener Ausdehnung mit graugelben, mehr oder weniger leicht abziehbaren Croupmassen bedeckt, unter denen das Schleimhautgewebe besonders stark geröthet, hämorrhagisch oder eiterig infiltrirt und dabei sehr weich und mürbe ist. Diese Croupmassen bilden beim Rinde bald häutige, bald röhren-, sträng- und cylinderförmige Gebilde, welche entweder solid oder im Inneren ausgehöhlt und mit Futtermassen angefüllt sind. Zuweilen bestehen sie aus mehreren in einander liegenden Röhren, welche sich aus einander herausziehen lassen, und zwischen welchen sich Futterreste vorfinden. Ihre Länge ist sehr verschieden, oft sind es nur kleinere kurze Stücke, oft aber auch lange, bis zu 10 Meter messende Schläuche verschiedenen Kalibers. Die mikroskopische Untersuchung zeigt ein amorphes Gefüge von fibrinöser structurloser Grundsubstanz mit eingebetteten, fettig degene-rirten Epithelzellen und weissen Blutkörperchen. Der D arminhalt besteht entweder ausschliesslich aus diesen croupösen Massen, oder es finden sich daneben dünnflüssige, oft sehr übelriechende, missfarbige, mit klumpigen Gerinnseln untermischte Massen vor. Auch die schlauch-förmigen Drüsen des Darmes erweisen sich bei genauerer Untersuchung mit fibrinösem Exsudate ausgegossen.
Symptome, Die Krankheitserscheinungen beim Darmcroup des Rindes sind viel milderer Natur, als die der übrigen Darmentzündungen ; in einzelnen Fällen waren selbst gar keine wesentlichen auf-
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Croupöso Magemlarmentzündung.
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fallenden Erscheinungen dabei zu bemerken, in anderen traten sie scheinbar erst im Anschlüsse an den Abgang croupöser Massen auf. Gewöhnlich sind es nur Erscheinungen eines Darmkatarrhs oder einer schleichenden Darmentzündung, welche der Entleerung besagter fibrinöser Gebilde vorausgehen. Die Thiere zeigen Appetit- und Ruminationsstörungen, verbunden mit leichten Kolikerscheinungen, Verstopfung, sowie niedergradigem Fieber. Nach mehreren Tagen fällt dann der Abgang der beschriebenen Croup-cylinder auf, an den sich gewöhnlich eine starke Diarrhöe mit Entleerung dünner, graubrauner, mit Exsudatfetzon gemischter, äusserst übelriechender Massen anschliesst, welche in seltenen Fällen mit Blutklumpen oder Eiter versetzt sein können. Meist tritt auf diese Entleerung Besserung und oft auffallend rasche Heilung ein, so dass die Dauer im Allgemeinen G 8 Tage betragen dürfte. Ausnahmsweise kann die Krankheit beim Rinde auch schwerer verlaufen. So berichtet Festal über eine acute croupöse Darmentzündung beim Rinde, welche mit öfteren Kolikerscheinungen, hartnäckiger Verstopfung, hohem entzündlichem Fieber, sowie schwankendem Gange einsetzte, worauf unter Nachlass der Kolikschmerzen, aber unter andauernder Verstopfung meinbranöse Massen ausgepresst wurden, an deren Stelle später (67 Tage) eine jauchige, übelriechende Flüssigkeit trat, wobei entweder Besserung, oder unter allgemeiner Schwächezunahme und Ausbildung einer Peritonitis der tödtliche Ausgang eintrat (Dauer 820 Tage).
Beim Pferde stellt sich die croupöse Darmentzündung meist unter dem Bilde einer anhaltenden Indigestionskolik dar. Prietsch constatirte in einem Falle wuthähnliche Erscheinungen (Schlagen, Beissen, Vorwärtsdrängen, Schwanken im Kreuze etc.). Zuweilen jedoch fehlen die Kolikerscheinungen, und die Krankheit verläuft lediglich unter dem Bilde einer fieberhaften Darmaffection mit Entleerung eines breiweichen, übelriechenden, mit flockigen, bröckeligen und strangartigen Croupmassen durchsetzten Kothes. Bei den anderen Thieren gleichen die Erscheinungen jenen der einfachen Magendarmentzündung, nur sind sie geringgradiger.
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Prognose. Dieselbe ist nach dem Vorausgehenden für das Rind ziemlich günstig. In seltenen Fällen kann eine Gefahr durch die vollständige Verstopfung eines Darmabschnittos mit den croupösen Massen bedingt sein. Bei den anderen Thieren, besonders beim Pferde, ist die Voraussage dagegen ungünstig zu stellen.
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Mykotisoho Mageudanuentzlinduug.
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Differentialdiagnose. Der Abgang sträng- oder röhrenförmiger Croupmassen durch den After, welcher allein die Diagnose auf Darm-croup ermöglicht, kann insbesondere beim Laien mehrere Verwechslungen bedingen. So wurden die Croupstränge schon für Nattern, Bandwürmer, für verschluckte Eingeweide kleinerer Thiere oder für Darmscblingen des erkrankten Thieres selbst gehalten. Eine genauere Besichtigung der Croupröhren, ihre grauweissliche Farbe, homogene Structur, das Fehlen der Gekrösanheftung, sowie einer bestimmten Anordnung von Blutgefilssen etc. wird sie jedoch leicht von Darmschlingen unterscheiden lassen. Beim Pferde dürfen mit Schleim überzogene Kothballen, wie man sie häufig bei verzögertem Kothabsatze oder bei katarrhalischer Proctitis trifft, nicht mit Darmcroup verwechselt werden, desgleichen nicht bei den Fleischfressern dem Koth beigemengte, schleimige oder halbverdaute, bindegewebige, von der Nahrung herstammende Membranen.
Therapie. Die Behandlung der croupöseu Darmentzündung unterscheidet sich von derjenigen der einfachen im Wesentlichen nicht. Nur sind statt der einhüllenden mehr die lösenden und verflüssigenden Mittel angezeigt. Hieher gehören insbesondere die Mittelsalze, überhaupt die Alkalien, welche die croupösen Gerinnsel zur Einsclimelzung bringen sollen (doppeltkohlensaure und schwefelsaure Alkalien). Man kann diese Salze auch auf dem Wege der Darminfusion in verdünnten Lösungen anwenden (besonders beim Hunde Iprocentige Kochsalz-, Soda-, Pottaschelösungen).
3. Die mykotisclie Magendamentzündung.
(Infectiöse , septische, septiforme, typhöse Grastro-Enteritis; Darm-mykoso; Mykosis oder Sepsis intestinalis; Darmtyphus; Pilz-, Fleisch-
und Wurstvergiftung.]
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Literatur. I. Leber Fleisch- und 'Wurstvergiftung. Rosenkranz. S../. Ji., 1371. S. 143. SlEDAMGROTZKY, S. ,/. H., 1877. S. 82! ''#9632; /'#9632; Tliierilrzte, 111. Serie. Heft 2; Ueber FMsohvergiftmgen', 1880. Alhhkcht, ir. f. Th., 1878. S. 244.
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nbsp; SPAMER, Ibid., 8. 187. VauÖHAN, Archiv f. Hi/jfiene, 1887. Doerosmüslow, Veterinärweseu, Pctersb. 1888. Wilhelm, S. J. JB., 1889. S. 100. Moule, Eevue internation. den fulsifications, 1889. Gärtner, ('orrespondenzhl. d. Ally, ürztl. Ver. r. Thüringen, 1888. Ref. .1/. f.p. Th., 1890. S. 184. Karlinski. C.f. Blaquo;d., Bd. 6.
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Mykotisohe Magendarmontztinclun;
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1890.nbsp; S. 222; M. f. p. 77/., 1892. 8.49. Stanoe, Exper, Bettr. z. Pathog. der Mueorineen, Inaug.-Diss., Dori)at 1S92. Marquard, B, th. M., 1892. S. 102. DlEOKERHOFF, Spec. Path., 1892. S. 511. Berger, /gt;. th. IC, 1S93. S. 170. Herbst, H'. f. Th., 1S93. 8. 444. Jakobi, li. A., 1893. 8. 311. Siebert, Ibid., 1894. S. 344. ZlPPEL, ^. /' Vet., 1894. 8. 57.
B.nbsp; nbsp;Rostpilze. FieüauR, A. deBrux., 1865. France, W, f. Th., 1860. 8.365; 1867. 8.97. Kolbow, Thrzt., 1879. 8. 55. Jungers, Ibid., 1884. 8. 141. Bertsohb, H. ih. M., 1885. 8. 113. Allard, HM. Belg., 1886. Grisohin, Pet. A., 1887. Smirlow, Ibid,, 188S. Jahresberichte der hen/er. Tlrierürzle pro 1889. Ref. ir. f. Th., 1890. 8. 389 ff. FhOhner, Toxikologie, 1890. 8. 229. Dammann, Oesundheltspflege, 1892. Pr. Mil, V, B, 1893. S. 71. Pi.ättnek, Z.f. Vet., 1893. S. 513. Wienke, H. A., 1893. S. 311.
C.nbsp; Brandpilze, Albrecht, Land/r. Centralbl, für den Netze-District, 1869. Adam jun., W. f. Th., 1876. 8. 362. Koch, Ibid., 1877. S. 25. Herele, Ibid., 1878. 8. 233. Vo(iel, Rep., 1879. S, 187. Wankmüller, W, f. Th., 1884. 8.313.
nbsp; Mackh, W. f. Th., 188laquo;. 8. 221. Rost, S. .f. li., 1889. 8, 88. Weiskopf, ir. f. Th., 1889. S. 832.Martin, Ibid., 1890. 8.890. Neidhardt, Hohenleitner, D. Z. f. Th., 1890. 8. 801. Fröhner, Toxikologie, 1890. 8. 220. Bckmeyer, W. f. Th., 1891. 8. 41. Dammann, Gesundheitspflege, 1892.
D.nbsp; Kernpilze. Weber, S, J. B., 1804. 8. 81. France, W. f. Th., 1867. Van-DEWALLE, A. de lirux., 1888. Frörner, Toxikologie, 1890. 8. 231. Dammann, Oesundheltspflege d. landw. Hausth., 1892. Voss, 'li. A,, 1892. 8.456. Prietsch, S../. B., 1892. 8. 111. Posch, Ibid., 1893. 8. 184; 1). th. II'., 1894. 8.6. Luget, Hec, 1894. S. 679. Strerath, li. A., 1894. 8. 44.
III.nbsp; nbsp;Diversa. Gkriaoh. Mai/., 1846. 8. 400. Rev, ./. de Lyon, 1847. Müller, 8,./. B., 1866. 8. 70. SCHLEG, Ibid., 1869. 8. 86. DERACHE, A. de lirux., 1871. 8. 57. Weber, S. J. lt., 1877. 8.108. Frauenholz, Barth, Ulrich, Pr. M., 1880 bis 1881. 8. 31, Wilhelm, S. J. B., 1884. 8. 111. Schmidt-Mölheim , llandb. d. Fleischkunde, 1884. Schmidt-Aachen, B. A 1885. 8.407. Fabrioius, Rundschau, 1880. 8. 160. - (trimm, S. .1. li., 1887. 8. 117. Johnk, Ibid., 8.40. ÜHLIOH, Ibid., 8. 112. Gückei., B. A., 1887. 8. 126. Serung, Th. Bdsoh., 1888. S, 158. Fuchs, 0. th. M., 1888. 8. 22. Zürn, Die pflantl, I'aras., 1889. Paltaup u. Heider, Med. Centralbl., 1889. Nr. 35. Model, Bderhardt, Hanft, Itep., 1889. S. 294 ff. REPIQUET, ./. de Lyon, 1890. MuNKENBECK,
IF. f. Th., 1890. Nr. 47. GröZINGER, B. th. IF, 1890. 8. 355. Louis, \V. f. Th.,
1891.nbsp; S.67. Frank, Ibid., 1891. 8. 150. KrüGER, Zimmermann, Höhne, Klooss, Grebin, PETERS, Leistikow, B. .(., 1891. 8. 366 ff. Vanvalendael, A. de Brux.,
1892.nbsp; Thomassen, Ibid., 42. Bd. Wilhelm, S, ./. li., 1892. 8. 102. Vogel,
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220nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Mykotiuohe MageadarmontzUndung^
IK th. IC, 1893. S. 3. HAi'üNER-SiKDAMGnoTZKY, L. Tii., 1893. S. 80. Bissauoe, Her., 1893. S. 720. Hay.nk, The Vet, Bd. 67. S. 357. Arioinq, L'Kcho vt'-l., 1893. Nr. 1; Soc. de Jilol., Bd. 115. Nr. 20. Albrboht, W. /'. '/'A., 1893. S. 4G4. (tottkswixteii, Ibid., S. 193. Höhne, IS. A,, 1894. S. 49 u. 340. Digcegrhoff, Spec, rath., IT. 1894. S. 278. SlEOHENEDEn, Ibid., 1895. 8. 194. Harms, Himlct-krkhtn., 1895. S. 38.
IV. Anhang. Literatur der Bradsot der Sohafe, Krabbe, Igt;. H. f. 'I'll., 1875. S. 34. Jonsson, Ibid., 1879. S. 402. Nielsen, Tidski: f. Vet., 1888.
Begriff. Unter dem Namen mykotisobe Magendarment-ziindungquot; fassen wir liier die oben genannten, sonst als verschiedene Krankheiten beschriebenen Aft'ectionen zusammen. Ihnen allen ist nämlich in ätiologischer Minsicht gemein eine von der Nahrung-ausgehende schädliche Einwirkung zunächst auf den Darm-canal und in zweiter Linie auf den Gesammtorganismus. Die dabei in Betracht kommenden schädlichen Stoffe müssen in doppelter Weise wirksam gedacht werden: 1. in Form einer septischen Infection, d. h, einer Invasion von Sepsis erzeugenden Mikroorganismen (Bacterien, Mikrokokken); 2. in Form einer septischen oder putriden Intoxication, bei welcher nur die Aufnahme chemischer Zersetzungs-producte als infectiöses Moment angenommen werden kann. Man nennt diese letzteren bei der Zersetzung thierischer und pflanzlicher Organe auftretenden chemischen Verbindungen Ptomamequot;, Toxinequot;, Septi-cinequot;, Leichen- und Cadaveralkaloidoquot; u. s. w. Die mykotischequot; Magendarmentzündung kann nach dem Entwickelten also auch genauer definirt werden als eine im Anschlüsse an die Aufnahme zersetzter Nahrungsmittel theils durch Invasion septischer Mikroorganismen, theils durch Resorption giftiger Ptomaine auftretende Darmaf'fection mit consecutiver Allgemein-erkrankung, welche zwischen den Infectionskrankheiten und den toxischen Magendarmentzündungen insofern in der Mitte steht, als die darunter begriffenen Krankheiten ebensogut einerseits zu den Infectionskrankheiten (so besonders die Fleischvergiftungen zum Capitel Septikämie und putride Intoxication), andererseits zu den Vergiftungen im engeren Sinne (so die Pilzvergiftungen zum Capitel der scharfnarkotischen bczw. narkotischen Gifte) gerechnet werden könnten.
Der Umstand, dass die mykotischen Magendarmentzündungen sich neben den eigentlichen gastrischen Störungen durch schwere Allgemeinerscheinungen, grosse Hinfälligkeit, cerehrale Symptome sowie einen raschen Verlauf auszeichnen, hat in früheren Zeiten häufig zu der Bezeichnung typhösequot; Magendarnientzündung, Darmtyphus* geführt, wobei man an eine Analogie, selbst Identität mit dem Abdominal-
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Mykotisohti Magendarmönt^Undung.
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typhus des Menschen glaubte, ohne class jedoch eine solche thatsäch-lich vorhanden wäre.
Wir beschreiben im Folgenden zunächst die durch Aufnahme zersetzten Fleisches bei Carnivoren, Omnivoren und beim GeHügel hervorgerufene mykotische Magendarmentzündung, sodann die bei Pflanzenfressern nach der Aufnahme pilzbesetzterPflauzentheile (Schimmel-, Kost-, Brandpilze) beobachteten ganz ähnlichen Krankheitserscheinungen. Bezüglich der letzteren muss bemei'kt werden, dass sich die Art der Pilze nicht in jedem einzelnen Falle mit Sicherheit bestimmen lässt, und dass es Enzootien gibt, welche das typische Bild der Pilzvergiftung darbieten, ohne dass es überhaupt gelingt, die Pilze selbst als krankmachende Ursache nachzuweisen. Wahrscheinlich hat man es auch nicht selten mit einer combiuirten Wirkung mehrerer Pilzarten zu thun. Zuweilen fehlen endlich bei der Pilzvergiftung entzündliche Erscheinungen von Seiten der Magendarmschleimhaut, indem die Toxine direct ohne Schädigung der Darmschleimhaut ins Blut übergehen und lediglich nervöse Symptome hervorrufen.
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Allgemeines über die Ptomaine. Unter Ptoma'i'nen (Ptomatinen, Toxinen. Cadaveralkaltraquo;iden, Septioinen, Leichengiften) versteht man im Allgemeinen Stoffwecb solproducte von Baoterien innerhalb und ausserhal b des Thievköpers (Nahrungsmittel). Dieselben entstehen nicht bloss im todten, sondern auch im lebenden Körper; die letzteren hat man im (xegensatze zu den sog. Ptoma'i'nen wohl auch Lcukoma'ine (Lenkomatine) genannt. Ihrer chemischen Natur nach sind die Toxine nicht bloss Basen, wie man früher annahm (Cadaveralkaloide). sondern auch Eiweisskörper (Toxalbumine), Säuren u. s. w. Hire sehr verschiedenartige chomischc Zusammensetzung erhellt am besten aus nachstehender, dem Lehrbuch der Intoxicationon von Kobert (18!Kij entnommenen Ein-theilung.
I.nbsp; Gruppe der Fettsäuren. Hieher gehören Säuren von der Formel CxHixOj und zwar Ameisensäure, Essigsäure, Propionsäure, Butter-Säure, Valeriansäuro etc.. welche sich theils als Producto der Päulniss, theils als Zersetzungsproducte im Körper bilden.
II.nbsp; Gruppe der Oxysäuren. Sie haben die Formel OxHjxOlaquo; und liefern als giftige Stoff'wechselproducte namentlich die Milchsäure (Oxy-propionsäure) und Oxybuttersäure (Ursache des Coma diaboticum).
III.nbsp; Gruppe derquot; Oxalsäure. Die Oxalsäure von der Formel GjHjO^ wirkt als Stoffweohselproduct des Körpers giftig bei der Oxalurio.
IV.nbsp; Gruppe der Amidofettsäuren. Dieselben sind häufige Produote der Fäulniss von Eiweiss und Leim, jedoch ungiftig, llieher gehören Glykokoll (Ainid der Essigsäure), Alanin (Amid der Propionsäure), Propalanin, Butalanin und Leucin (Amid der Capronsäure). Letzteres findet man z. B. im Verlaufe der Phosphorvergiftung (Leuoinurie).
V.nbsp; Gruppe der Amine. Dieselben sind organische Ammoniakderivate der Eiweissfäulniss mit basischem Charakter (Aininbasen). Die drei
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Mykotisclie Magciitlariiionti'.iiudiiii:
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Wasserstoffe im Ammoniak (NH:,) werden durch ein (primäre Amine, Amid-basen), zwei (seciuidiiro Aniine, Irnidbasen) oder drei einwerthige Alkohol-radicale ersetzt (tertiäre Amine, Nitrilbasen). Hiolier gehören die Pro-ducto der Leichenfäiilniss Methy lain in (auoh in der Häringslake enthalten), von der Formel CHj.NH^, das Aethylamin. OoHj #9632; NHj, Propylainin, C3HT.NH.^ Dimetiiylamin, (Olij^NH, Diftthylftmin, (OjHd^NH und Trimethylamin, (ÖH3)gN, das Gift der Häringslake, welches sich ausser-dem in faulem Kilse sowie in Leichontheilen findet. Die Amine erzeugen eerebrale Krilmpf'e und selbst Tetanus; neben der (lehirnreizung findet auch locale Keizung statt.
VI.nbsp; nbsp;Gruppe der Diamine. Dieselben sind Verbindungen des Ammoniaks mit zweiwerthigen Alkoholradicalen und bilden sich bei der Leichen-faulniss sowie bei gewissen Krankheiten im lebenden Körper. Besonders bekannt sind das Tetrara ethy lendi amin oder Putrcscin von der Formel NH^OHo^NHj, und das Pentamethylendiamin oder Cadaverin von der Formel FH^CH^jNHo, mit welchem zwei andere Fäulnissbasen isomer sind, nämlich das S a p r i n und N e u r i d i n.
VII.nbsp; nbsp;Gruppe des Chülins. Hieher gehören sehr wichtige Leichengifte, welche darin übereinstimmen, dass sie alle bei der Zersetzung Trimethylamin liefern und eine inuskarinähnliche Wirkung besitzen. Es sind dies Cholin. Betain, Neurin, Leichen muskarin (im Fischgift enthalten, identisch mit dem Muskarin des Fliegenpilzes) und Mydatoxin. Neben einer curareartigeu Wirkung erregen diese Körper wie das Pliegen-pilzmuskarin die Drüsensecretion und Darmperistaltik und tödten unter Krämpfen.
VTII. Gruppe des Guanidins. Es sind die im lebenden Körper entstehenden Zersetzungsproducte des Kiweisses: Guanidin, Keratin, Krea-tinin u. a.
IX.nbsp; nbsp;Gruppe der NucleTnbasetl. Zu diesen auch wohl als Guanin- oder Xanthingruppe bezeichneten Körpern gehören Xanthin (Xanthinurie), Hypoxanthin, Guanin (Guaningicht), Adenin (in Drüsen vorkommend, Formel OjH^Nr,), Garnin, Allantoin und in gewissem Sinne auch die Harnsäure von der Formel CjH.jNjO:, (Toxin der Gicht). Die Nucle'inbasen besitzen eine dem Coffe'in , einem ihnen ebenfalls chemisch verwandten Alkaloid, ähnliche Wirkung.
X.nbsp; nbsp;Gruppe des Pyridins. Giftige Toxine sind namentlich Pyridin, P i c o 1 i n , L u t i d i n . P a r v o 1 i n, Co r i d i n. Sie besitzen eine nicotinartige Wirkung.
XI.nbsp; Gruppe der aromatischen Substanzen. Hieher gehören Tyrosin, Phenol, Kresol, Bre nzk atoc hi n, fndican und andere im Harn auftretende aromatische Körper.
XII.nbsp; nbsp;Gruppe der schwefelhaltigen Substanzen. Die wichtigste ist der Schwefelwasserstoff mit speeifischer toxischer Wirkung. Ebenfalls aus dem Eiweiss durch Zersetzung gebildet ist das Me thy Imerkaptan ein im Darm neben Schwefelwasserstoff enthaltenes Gas von der Formel OHg.HS; ausserdem sind zu nennen Taurin und T aurocholsäur e.
XIII.nbsp; nbsp;Gruppe der Isocynanide. Diese auch unter dem Namen Carbyl-amine bekannten Körper finden sich als äusserst giftige Substanzen im Krötengift als Isocyan methyl, CH3NC, im Tritonengift als Isocyan-äthyl, ÖoHbNO, und im Salamandergift als Isocyanamyl, OjHjj'NO.
XIV.nbsp; nbsp;Gruppe von Basen unbekannter Structur. Hieher gehören Tetanotoxin. OjHjjN, Tetanin, O^HmNaO.), Saprin, C5H|4N2, Gadinin, Typhotoxin, Anthracin, OgHflNj, Sepsin, Phlogosin, Ptomato-
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Mykotisclio JEageiularmentzüiulung.
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atropin, Ptomatocurarin, Ichthyotoxin, Tyrotoxin, Lupinotoxin, Lysotoxin, Pellagrocein u. u.
XV. Gruppe der eiweissartigen Gifte (Toxalbumine). Die bekannteeten
sind Tuberkulin, Mtillein, das Schlangengift, Bienengift sowie die verschiedenen Toxopeptone der Infectionskrankheiten. Hieher gehören auch gewisse eiweissartige, in Pllanzen enthaltene Gifte, die sog. Phytal-bumosen, enzymartige Körper, von welchen bisher das Ricin, Abrin, ßobinin und P hallin besondere Bedeutung erlangt haben.
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I. Mykotische Magendarmentzündung der Carnivoren, Omnivoren und des Geflügels nach Aufnahme zersetzten Fleisches; sog. Fleischvergiftung.
Aetiologie. Die mykotische Magendarmentzündung unserer fleischfressenden Hausthiere schliesst sich sowohl nach Ursachen als nach Erscheinungen ganz den bei Menschen beobachteten Fällen von Fleischvergiftungquot; an. Wahrscheinlich gehören die meisten der früher unter dem Namen Hundetyphus'' sowie ein guter Theil der als Schweinetyphusquot; beschriebenen Krankheitsfälle ebenfalls hieher. Die Ursachen sind ausschliesslich in der Aufnahme verdorbenen, in eigenthümlicher Weise zersetzten, sowie fauligen Fleisches (Fleischvergiftung) oder derartiger Würste (Wurstvergiftung), zuweilen auch alter Hilringslake (Fischvergiftung), sowie von faulem Käse (Käsevergiftung) zu suchen. Am häufigsten erkranken Metzgerhunde oder in Schlachthäusern sich herumtreibende Hunde, doch hat man die Krankheit auch schon beim Geflügel nach Verfutterung fauligen Fleisches beobachtet. Die Krankheitserreger sind theils die der Fäul-niss und Zersetzung zu Grunde liegenden Spaltpilze, theils verschiedene dabei sich bildende toxinartige Körper. Da ein genauer anamnesti-
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scher Anhaltspunkt meist fehlt, wird die Krankheit leicht für
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eine
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Vergiftung durch mineralische Körper oder Rattengift gehalten.
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Symptome. 1. Die Erscheinungen der Fleischvergiftung bestehen in einer plötzlich auftretenden, sehr heftigen und häufig blutigen Diarrhöe, Erbrechen, starkem Durste, hohem Fieber (4042,0 0.), ausscrordentlicher Schwäche, Hinfälligkeit und Mattigkeit, sowie in rasch folgendem Collaps; der Tod tritt oft schon nach wenigen Stunden, durchschnittlich innerhalb 12 bis 24 Stunden ein. Schindelka hat ausserdem bei 2 Hunden Netzhautblutungen ophthalmoskopisch festgestellt.
2. Die Wurstvergiftung kann unter denselben Erscheinungen verlaufen wie die Fleischvergiftung. Pläufig beobachtet man jedoch charakteristische Lähmungserscheinungen, so namentlich
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Fleischvergiftung'.
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Schlinglähmung-, Pupillenerweiterung, Ptosis (Lähmung des oberen Augenlides), hochgradige Tympanitis (Lähmung des Magens), Verstopfung (Lähmung des Darms).
3. Die Fischvergiftung, welche namentlich bei Schweinen nach Verfiitterung von Häringslako auftritt, ist durch Krämpfe (Trimethylamin) charakterisirt. Die Thiere zeigen Kaukrämpfe, epileptiforme und tetanische Krämpfe, Gehirnrei/.ungs-erscheinungen, dummkollerartiges Benehmen, Drehbewegungen, Schlinglähmung u. s. w.
Dass übrigens die Empfänglichkeit für das mykotische Gift unter den Fleischfressern eine sehr ungleiche ist, beweisen die von verschiedenen Forschern mit verdorbenem Fleische angestellten Fütterungsversuche. So sah Semmer bei Verfütterung von Fleisch eines an Septikämie verendeten Pferdes Hunde und Katzen ganz gesund bleiben, während drei Schweine daran verendeten. Colin beobachtete bei ähnlichen Versuchen nur ganz leichte Durchfälle, Lemke erzielte nach Verfütterung rauschbrandkranken Fleisches bei drei jüngeren Hunden sehr heftigen Durchfall, während ein älterer Hund keinerlei krankhafte Erscheinungen zeigte. Ganz dieselben Beobachtungen hat man bei den Pilzvergiftungen der Pflanzenfresser gemacht.
Anatomischer Befund. Bei der Section findet man den Inhalt des Magens und Darmes aus halbverdauten, übelriechenden Fleischmassen bestehend, die Schleimhaut geschwollen, höher injicirt, hämor-rhagisch infiltrirt, die solitären und ugminirten Follikel, sowie die Gekrösdrüsen geschwollen, den Darminhalt chokoladefarbig, blutig, von schleimigflüssiger Consistenz, das Blut zersetzt, die Leber ver-grössert und rasch faulend, die Milz geschwollen und mit hämor-rhagischen Herden durchsetzt, die Herzmuskulatur sehr mürbe.
Die Fleisch- und Wurstvergiftungen beim Menschen. Während man diese Knmkheitszustiinde im Anfange auf eine Infection durch milzbrandkrankes Fleisch zurückführte und den Namen ,, Intestinalmykosequot; im Allgemeinen für gleich werthig mit Intestinal anthrax nahm, zeigte besonders Bei linger, dass die genannten Darmmykosen kein Milzbrand, sondern septische Entzündungen der Magendarmschleimhaut durch bis jetzt noch nicht isolirte mykotische Gifte sind. Man hat hiebei zu unterscheiden zwischen ektogenen, d. h. erst postmortal im Fleische entstehenden Schädlichkeiten und entogenen, d.h. von kranken Thieren stammenden Giften.
1, Zu den ektogenen Krankheitsursachen gehört namentlich das Wurstgift und Fischgift, von den Fleischgiften nur ein kleinerer Theil, Diese ektogenen Gifte sind im Wesentlichen Spaltpilze, welche durch Kochen zerstört werden; der Process der Erkrankung ist also eine
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Fleischvergiftung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;225
raykotische Infection. Allerdings erzeugen diese Spaltpilze auch chemische Stott'wochselproducte (Ptomaine, Toxine), welche durch Kochen nicht zerstOrt werden (Mischinfoction). Gilrtnor fand bei einer in Fraukenhausen (1888) beobachteten Massenvergiftung in dem giftigen Fleische sowie in den Organen eines in Folge der Fleischvergiftung verstorbenen Mannes charakteristische Bacterien, welche er mit dem Namen Bacillus enteri-tidisquot; belegte. Diese Bacterien zeigten im hängenden Tropfen lebhafte rotirende Bewegung und färbten sich mit Anilinfarben an einem Ende sehr stark, während der liest wenig gefärbt erschien. Aussordem enthielt das Fleisch durch Kochen nicht zerstörbare Giftstoffe, welche bei Impfthieren Enteritis, Krämpfe und Lähnmngsersclioinungon hervorriefen, (iegen die Bacterien selbst erwiesen sich Hunde und Katzen immun, dagegen starben Kaninchen, Jleerschweinchen und Miiuse unter den Erscheinungen einer heftigen Enteritis. Johne hat ebenfalls den Bacillus enteritidis bei einer Fleischvergiftung in Bischofsvverda (1894) gefunden. Graffky \mä Daak fanden bei einer Massenerkrankung in Folge des Genusses von Pferdeflcisch-waaren (ßöhrsdorf 1885) in der betr. Pferdewurst charakteristische Wurst-bacillenquot; in Form beweglicher, an den Enden abgerundeter Stäbchen, welche bisweilen zu Scheinfäden auswuchsen und in schwach alkalischer Bouillon am besten gediehen. Die Vorfütterung dieser Wurstbacillen erzeugte bei Affen, Meerschweinchen und Mäusen Enteritis und Durchfäll; Hunde, Katzen, Schweine und Kaninchen zeigten sich dagegen immun. Haupt will als Ursache einer in Chemnitz (1887) vorgekommenen Fleischvergiftung einen Spaltpilz: Proteus mirabilis, nachgewiesen haben. Auch Nauwerk fand in giftigen Würsten einen Bacillus mit exquisit fäulnisserregenden Eigenschaften, der mich seiner Ansicht aus dem Darm-canalc des betreffenden Schweines, wo er ebenfalls vorgefunden wurde, in #9632;die Wurst gelangte. Einen ähnlichen Bacillus hat Moule in giftigem Fleisch gefunden, welches einen ausgesprochenen Geruch nach ranziger Butter zeigte. Po eis und Dhout fanden kurze, sehr feine Stäbchen, van Ermongem im Knochenmark eines Kalbes sehr bewegliche, lange Geissein tragende, bei allen Impfthieren Enteritis sowie Hilmorrhagien in der Lunge, Leber und Milz erzeugende sog. Bacillen von Moorsecle, welche grosso Aehnlichkoit mit dem Bacillus enteritidis zeigton und ein Toxin producirten, das selbst durch die Erhitzung auf 120quot; nicht zerstört wurde. Pliisso fand bei der Breslauer Fleischvergiftung Bacterien, welche dem Bacterium coli sehr ähnlich waren. Basen au endlich fand im Fleisch einer nothgescblachteten Kuh den Typhusbacillen ähnliche, bewegliche, auf Kälber bei der Verfütterung pathogen wirkende Stäbchen, die er als Bacillus bo vis morbificans bezeichnet. Jedenfalls sind es ganz verschiedene Spaltpilze, welche den einzelnen Vergiftungen zu Grunde liegen, wie auch ihre Producte, die Ptomaine, durchaus keine einheitlichen chemischen Körper sind, sondern je nach Herkunft und Beschaffenheit des Fleisches, nach Oertlichkeit, Temperatur Verhältnissen , Fäulnissstadium , Zubereitungsweise des Fleisches, Conservirungsmethodon etc. verschieden sind.
Das Krankheitsbild der Wurstvergiftung (Botulismus, Allan-tiasis) ist ein ganz eigentbümliches. Es treten nämlich aussei- den Erscheinungen einer septischen Gastro-Entoritis (Brechdurchfall, Mattigkeit, Benommenheit des Sensoriuras, Collaps) eigenthümliche Lilh-mu n gsersoheinun gen auf, und zwar Lähmungen ganz bestimmter Muskelgruppen, so namentlich dos Auges (Ptosis = Herabsinken des oberen Augenlides), des Kehlkopfes (Sprachstörungen beim Menschen), der Pupille Fric übergor u. Fröliiicr, Patliol. u. Therapie d. llauslhieri!. J. Bd, 1. Aufl. 15
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22(3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Fleischvergiftung.
(Mydriasis), des Sclilundkopfes (Schlingbeschwerden), Dannes (Verstopfung) \i. s. W, Derartige Lähinungs/Arstilnde findet man bekanntlich auch im Verlaufe von Infectionskrankheiten, so bei Diphtheritis, Hundswuth und beim Kalbetieber des Kindes. Dieselben müssen als eine atropinartige (Mydriasis) bezw. coniinartigo (Muskellähmung) Ptoma'inewirkung aufgefasst werden.
2. Die zweite Gruppe von Fleischvergiftungen mit entogenem Ursprünge des Giftes bezieht sich auf Fleisch, das von kranken Thieren abstammt. Bellinger bezeichnet die hiedurch beim Menschen entstehende Krankheit als Sepsis int estin alls. Hieher gehört die Mehrzahl der sog. Fleischvergiftungen. Da das giftige Agens theils aus Spaltpilzen, theils aus Ptonm'inen besteht, wird durch Kochen des betreffenden Fleisches nur eine Schwächung, nicht aber eine völlige Aufhobung seiner Giftigkeit erzielt. Am häufigsten gibt zu Vergiftungen Veranlassung Fleisch von septisch resp. pyämisch erkrankten Kühen (Septic a em i a pu erper alis) und Kälbern (Poly arthritis pyaemica), ferner von Thieren mit eiterigen Nephriten, septischen Leber- und Lungenkran kheiteu, Enteriten, Peritoniten und Mastiten. Eigen-thümlicher Weise kommen zuweilen Erkrankungen nach dem Genüsse von scheinbar ganz normal aussehendem und normal schmeckendem Fleische vor. Dieselben sind in der Weise zu erklären, dass entweder die Krankheit erst in der Entstehung begriffen war, oder dass eine Infection des Fleisches erst nach dem Schlachten erfolgt ist.
Das Krankheitsbild dieser Fleischvergiftung ist das einer septischen Gastro-Ent.eritis. Die Symptome sind wie bei unseren Haus-thieren: Erbrechen, Durchfall, Koükschmerzen, hohes Fieber, starke Mattigkeit, Benommenheit des Sensoriums, Collaps. In anderen Fällen besteht nur eine Verdauungsstörung oder ein Magenkatarrh oder ein sog. gastrisches Fieber (Schloimfieber) oder Brechdurchfall. Sehr häufig verläuft die Fleischvergiftung unter dem Bilde der Cholera einerseits, des Abdominaltyphus andererseits, oder beide Krankheitsbilder compliciren sich mit einander. Der Umstand hat zu der Vermuthung An-lass gegeben, als ob der Abdominaltyphus unter Anderem auch durch Fleischgift erzeugt werden könnte. Diese Annahme ist indess von der Hand zu weisen, weil das Krankheit sb ild des Abdominaltyphus (und der Cholera) sehr wohl auch durch eine andere Krankheitsursache, als durch den speeifi-schon Typhusbacillus erzeugt werden kann, und weil namentlich alle üeber-tragungsversuche hinsichtlieh der Ueberimpfung des menschlichen Abdominaltyphus auf Thiere missglückon, während letztere durch Fleischgift sehr leicht zu inficiren sind. In der That hat man auch während der verschiedenen Fleischvergiftungsepidemien beim Menschen nicht selten Erkrankungen von Hunden, Katzen. Schweinen, Geflügel u. s. w. beobachtet. Vergl. z. B. Hub er. Archiv der Heilkunde, XIX; Schmidt-Mülh eira, Zeitschrift für Fleischbeschau, 1888 u. A.
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II. Mykotische Magendarmentzündung der Pflanzenfresser nach Aufnahme pilzbefallener Nahrung (Schimmel-, Rost-, Brandpilze); sog. Pilzvergiftung.
Aetiologie. Unter dem Namen Darmtyphus'', typhösequot; Magendarmentzündung u. s. w. findet man auch hei den Pflanzenfressern eine Anzahl von eigenthümlichen Krankheitsfällen beschrieben, welche sich
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Pilzvergiftung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;227
bei genauerer Untersuchung als der Fleichvergiftung des Hundes sehr nahe verwandte Zustände herausstellen. Zunächst gehören hieher alle die auffallenden, früher schwer zu erklärenden Erkrankungen, wie sie bei Pferden, Rindern, Schafen und Schweinen nach der Verfütterung von befallenem, verdorbenem, zersetztem Futter (Stroh, Heu, Hafer, Oelkuchen, Kaff, Ruhen, Kartoffeln, Mehl, Brot) beobachtet wurden, so z. B. die sog. Schnitzelkrankheit' der Rinder, welche in manchen Gegenden Norddeutschlands in Folge der Verfütterung verdorbener, in Fäulniss übergegangener Rübenschnitzel aus Zuckerfabriken auftritt, ferner die bei Kühen und Pferden berichteten Krankheitsfälle nach Verabreichung kranker, gährender, verdorbener Kartoffeln. Dass es sich hiebe! nur um eine Einwirkung infectiöser, mykotischer Stoffe auf die Dannschleimhaut sowie um Aufnahme ptoma'ineartiger Körper ins Blut handeln kann, ist im Hinblick auf die dabei constatirte Complication gastrischer und cerebraler Krankheitserscheinungen, sowie auf die beim Fleischfresser in ganz übereinstimmender Weise auftretenden Fleischvergiftungen, wohl ausser allen Zweifel gesetzt. Auch die in der Literatur zahlreich verzeichneten Fälle von schädlicher Einwirkung der auf pflanzlichen Futtermitteln vegetirenden Pilze auf unsere Hausthiere gehören um so mehr hieher, als die oben genannten abnormen und schädlichen Eigenschaften des Futters (krankes, zersetztes, verdorbenes, gährendes Futter) in letzter Instanz nur auf die Anwesenheit von Pilzen zurückzuführen sind. Es kommen insbesondere folgende Arten von Pilzen in Betracht:
1.nbsp; nbsp;Die Schimmelpilze (Mucorineen) und zwar hauptsächlich Mucor, Aspergillus und Penicillinm, welche, an und für sich kaum schädlich, durch die Zersetzung der verschiedenen pflanzlichen Substrate (Brot. Mehl, Hafer, Heu, Stroh) wahrscheinlich zur Bildung ptoma'ineartiger Stoffe Veranlassung geben. Leber hat neuerdings in Culturen von Schimmelpilzen entzUnduugserregende Toxine von derselben Zusammensetzung und Wirkung nachgewiesen, wie das in Culturen von Eiterkokken enthaltene Phlogosin, die chemische Ursache der bei der Eiterkokkeninfection auftretenden Entzündung.
2.nbsp; nbsp;Die Rostpilze (Umlineen), von denen Puccinia graminis am wichtigsten ist. Die von Franck mit Rostpilzen angestellten Experimente bei Kaninchen ergaben ganz das Bild von Fleischvergiftung: gastrische Erscheinungen mit Taumeln und Krämpfen.
3.nbsp; nbsp;Die Brandpilze (Ustilagineen). Die Hauptrepräsentanten dieser Gruppe sind der in klinischer Beziehung besonders wichtige Schmierbrand des Weizens, Tilletia Caries, ferner Ustilago Carbo
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228nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pilzvergiftung.
(Staub- oder Flugbraud) und Ustilago maydis (Maisbrand). Die Brandpilze wirken auf die Verdauungsschleimhäute und den Gesammt-organismus, wie es scheint, von allen Pilzen am intensivsten ein, und es muss auch bei ihnen zur Erklärung dieser auffallenden Wirkung eine in der befallenen Pflanze gebildete entzündungserregende, ptomaine-artige Substanz angenommen werden, welche unter ihrem Einflüsse als Stoff'wechsclproduct entsteht.
4.nbsp; nbsp;Die Kernpilze (Pyrenomyceten), Von klinischer Bedeutung ist namentlich Polydesmus exitiosus, der Rapsverderber, ein Befallungspilz der grünen Theile des Rapses.
5,nbsp; nbsp;Die Spross- oder Hefepilze, die Erzeuger der Alkohol-gährung (Schlempe). Dieselben sind wahrscheinlich eine Entwicklungs-fonn der Schimmelpilze.
Symptome. Das Krankheitsbild der Pilzvergiftung ist ein sehr polymorphes. Die Erscheinungen der mykotischen, durch Pilze erzeugten Magendarmentzündung sind im Aligemeinen folgende. Die Krankheit tritt plötzlich und meist bei mehreren Thieren zugleich auf, was derselben einen seuchenartigen Charakter verleiht. Die Thiere versagen rasch Futter und Getränk, werden unruhig, zeigen Schmerzen im Hinterleibe, welche von lauten Schmerz-äusserungen (Stöhnen, selbst Brüllen) begleitet sein können. Die Peri-staltik ist unterdrückt, und es besteht im Anfang eine hartnäckige Verstopfung, welche später in eine profuse Diarrhöe mit Entleerung übelriechender, blutiger und schleimiger Massen übergeht; manche Thiere sind auch in der linken Flanke leicht aufgetrieben. Zuweilen sind die Zunge und die Schlundkopfmuskeln gelähmt; es besteht daher Speichelfluss, fortwährendes Kauen, Husten. Mit diesen gastrischen Erscheinungen geht ein holies Fieber mit abnorm gesteigerter Pulsfrequenz (beim Rind 100 Schläge und darüber), Fieberschauer, pochendem Herzschlag, Kälte der extremitalen Theile etc. einher. In anderen Fällen ist eine ganz auffallende Schwäche und Hinfälligkeit der erkrankten Thiere mit coniinartiger allgemeiner Muskellähmung als das wichtigste Krankheitssymptom zu bemerken. Die Thiere liegen in einem gelähmten Zustande ganz bewegungslos am Boden. Zuweilen beobachtet man auch cerebrale Erscheinungen, namentlich Schwindel, Taumeln, Betäubung, dummkollerartiges Benehmen, Amaurose, und Gehirnkrämpfe. In zahlreichen Fällen hat man als Haupterscheinung nephritische und cystitische Erscheinungen (Polyurie), bei Pferden zu-
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Pilzvergiftung.
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weilen auch Abortus beobachtet. Manche Pilzvergiftungen #9632;sind endlich durch Tympanitis, Herzklopfen, Dyspnoe, andere durch schwere entzündliche Schwellungen der Kopfhaut (Lippen, Backen, Maul- und Nasonschleirahaut) gekennzeichnet. Die Dauer der Krankheit ist bald eine sehr kurze (etwa einen Tag); nicht selten beträgt sie jedoch bis zu 8, selbst 14 Tagen, Auch apoplektifome Todesfälle sind nicht selten.
Die Verschiedenartigkeit des Krankheitsbildes lässt sich wohl am besten in der Weise erklären, dass die Schimmelpilze je nach den wechselnden äusseren Verhältnissen (Temperatur, Nährboden, Alter bezw. Entwicklungsstadium des Pilzes etc.) chemisch und physiologisch verschiedenartige, giftige Stoifwechselproducte liefern. Es ist z. B. nicht unmöglich, dass die gleichzeitige Verabreichung von warmem Wasser (Träberwasser) die Entwicklung der Pilze und damit das Krank-heitsbild in eigenartiger Weise beeinflusst. Damit stimmt auch die Thatsache überein, dass die Schimmelpilze bekanntlich nicht unter allen Umständen und bei allen Thieren pathogen wirken. Vielleicht liegen bei den erkrankten Thieren gewisse prüdispo-nireiule Momente im Digestionsapparate vor, ähnlich wie man dies bei manchen Seuchen beobachtet. Wie bespielsweise bei der Aphthen-seuche nicht alle Thiere eines Stalles erkranken, so scheinen auch manche Thiere eine gewisse Immunität gegenüber Schimmelpilzen zu besitzen. Aus diesem Grunde haben auch häufig Initterungsvcrsuche mit Schimmelpilzen ein negatives Resultat. Auf Grund derartiger misslungener Fütterungsversuche die pathogene Natur der Schimmelpilze überhaupt zu leugnen ist ebenso unberechtigt wie unlogisch.
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Die Krankheitsbilder der einzelnen Pilzvergiftungen sind häufig sehr charakteristiscli und unter sich verschieden. In anderen Füllen, namentlich bei combinirter Einwirkung mehrerer Pilzarten, üeigen die Symptome eine Abweichung vom gewöhnlichen Krankheitsbild. Die besonderen Erscheinungen der einzelnen Pilzvergiftungen sind folgende:
1.nbsp; Schimmelpilze: Appetitlosigkeit, Kolik, Tympanitis, Verstopfung, Durchfall, blutiger, schleimiger, zuweilen sehr übelriechender Koth, Poly-urie, Schwindel, Taumeln, Betäubung, dummkollerartiges Benehmen, Lähmung der Gliedmassen, der Zunge etc., Amaurosis, Starker Seh weissausbruch.
2,nbsp; Brandpilze: Speichelfluss, anhaltende Kaubewegungen, Schwanken, Taumeln, allgemeine motorische und sensible Lähmung. In anderen Fällen gastrische Symptome.
3.nbsp; Rostpilze: Hautentzündung am Kopfe (Lippen, Lacken, Lider), Conjunctivitis, Urticaria, Stomatitis, Pharyngitis, Glossitis, Kolik, blutiger Durchfall, Hämaturio, Lähmung, Somnolenz.
4,nbsp; Kernpilze: Aehnliches Krankheitsbild; Stomatitis, Pharyn-
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230nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pilzvergiftung.
git is, Rhinitis, Dermatitis am Kopfe, Gastro-Enterit is, Liih-111 u n g,
5. Hcfopilze: Starke cerebrale Erregung mit iiauhfblgender Betäubung und L ahm ungsorschein ungen. Genaueres über die einzelnen Pilzvergiftungen vergl. in dem Lehrbuche der Toxikologie für Thier-ärzte von F r ohne r.
Anatomischer Befund. Aelmlich wie das Krankheitsbild, so ist auch der Sectionsbefund bei den einzelnen Pilzvergiftungen verschieden. Im Allgemeinen findet man bei der Section die Erscheinungen einer schweren, nicht selten hämorrhagischen Gastro-Enteritis mit allgemeinen septischen Veränderungen (Schwellung der Leber und Milz, Verfettung der Herzmuskulatur etc.). Häufig ist jedoch der Sectionsbefund wie bei den narkotischen Vergiftungen ein rein negativer. Bezüglich der einzelnen Pilzvergiftungen ist Folgendes hervorzuheben. Bei der Vergiftung durch Schimmelpilze findet man Entzündung, Ekchymosirung und Erosionen der Magendarmscbleinihaut, sowie Hyperämie und ödematöse Durchtränkung des Gehirns und Rückenmarks. Bei der Vergiftung durch Brandpilze ist der Sectionsbefund häufig negativ oder sehr wenig charakteristisch; zuweilen findet man hämorrhagische Gastro-Enteritis sowie strichartige russige Verfärbung der Schleimhaut des Dünndarms (sog. Aalhaut). Der anatomische Befund bei der Vergiftung mit Rostpilzen und Kernpilzen besteht in Dermatitis, Stomatitis, Pharyngitis, hämorrhagischer Gastro-Enteritis, Nephritis und Cystitis. In Folge häufiger Complicationen mehrerer Pilzvergiftungen ist auch der Sectionsbefund wenig constant.
Differentialdiagnose. Verwechslungen der mykotischen Darmentzündung mit anderen Krankheiten sind bei dem eigenthiimlichen septisch-infectiösen Charakter derselben sehr leicht möglich. Es kommen in Betracht:
1.nbsp; nbsp;Verschiedene toxische Gastro-Enteriten mit ähnlichem raschem Verlaufe und gleich schwerem Allgemeinleiden. Eine Unterscheidung ist nur auf Grund genauer ätiologischer Anhaltspunkte möglich.
2.nbsp; Die Rinderpest besonders dann, wenn mehrere Thiere gleichzeitig in Folge der Einwirkung eines und desselben verdorbenen Futters an Darmmykose erkranken. Indess fehlen die der Rinderpest eigenen ausgebreiteten Entzündungszustände sämmtlichor Schleimhäute (neben denen des Digestionsapparates auch diejenigen der Respirationsorgane, der Augen, der Scheide), die charaktei'istischen Erosionen auf der Schleimhaut des Maules und der Scheide, die aus-
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Pilzvorgiftimg.
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gesprochene Contagiositilt, der Seuchenverlauf, der Sections-befund u. s. w.
3.nbsp; nbsp;Dor Milzbrand. Die Untersuchung stützt sich zunächst auf den apoplektiformen oder stürmischen Verlauf des Milzbrandes, auf den vielgestaltoten Symptomencomplex und das vorwiegend locale Auftreten desselben in gewissen Gegenden, sowie auf den bacteriologischen Nachweis der specifischen Milzbrandbacillen.
4.nbsp; Die Maul- und Klauenseuche. Zu Verwechslungen mit dieser Krankheit geben namentlich die Vergiftungen mit Rost- und Kernpilzen (Stomatitis ulcerosa) Veranlassung. Dieselben wurden früher als sog. sporadische Aphthen bezeichnet, sind jedoch von der Maul-und Klauenseuche sehr leicht durch ihren nichtcontagiösen Charakter zu unterscheiden.
5.nbsp; nbsp;Die Pocken. Vergiftungen mit Rost- und Kernpiizen können in Folge der hiebei am Kopfe auftretenden entzündlichen Hautaifection bei Schafen eine Verwechslung mit Pocken bedingen. Die fehlende Contagiositilt, sowie das derzeitige Fehlen der Schafpockeu in Deutschland sichern rasch die Diagnose.
G. Die Ruhr. Diese ebenfalls infectiöse Magendarmentzündung verläuft indess in der Hauptsache von vornherein mit Diarrhöe, hat meist eine längere Dauer und mehr den Charakter einer ansteckenden, seuchenartigen Infectionskrankhoit.
7.nbsp; nbsp;Die subacute Gehirnentzündung bei Pferden und die Cerebrospinal-Miningitis beim Rinde. Bei denselben fehlen jedoch meist die Darmerscheinungen. Manche Fälle von Gehirnentzündung bei Pferden, bei denen die Section septische Veränderungen in den inneren Organen, sowie gastrische Aftectionen nachweist, erinnern allerdings sehr an eine Mykose bezw. Infectionskrankheit.
8.nbsp; Die Wuth. Die oft nicht leichte Differentialdiagnose stützt sich in erster Linie auf das Fehlen einer vorausgegangenen Verletzung durch einen wuthkrankcn Hund, sodann auf das Vorherrschen der Darmsymptome im Anfange der raykotischen Magendarmentzündung.
0, Die Influenza. Dieselbe unterscheidet sich von der myko-tischen Magendarmentzündung durch ihre Contagiosität und ihre ganz specifischen Symptome, namentlich die Affection der Augen. In Einzelfällen jedoch ist die Unterscheidung unter Umständen nicht sehr leicht.
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Behandlung. Was schliesslich die Behandlung der mykotischen Darmentzündung bei den verschiedenen Thieren betrifft, so empfehlen
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232nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pilzvergiftung,
sich für Hunde im Anfange Brechmittel, später Abführmittel, besonders Calomel. Letzteres ist wegen seiner desinhcirenden Wirkung (Sublimatbildung) auch beim Pferde anzuwenden. Für die Wiederkäuer sind salinische Mittel vorzuziehen. Bei Hunden kann ferner eine Ausspülung des Darmes mit warmen, Ipromilligen Lösungen von Gerbsäure (gerbsaure Enteroklysmen) oder schwachen Creolin-lösungen vorgenommen werden. Sehr häutig wird indess die Haupt-indication in der Anwendung excitirender Mittel (Wein, Weingeist, Aether, Veratrin, Atropin, CoffeTn, Campher) bestehen. Im Uebrigen muss auf die früher angegebene Behandlungsweise der Magen-darmentzündung verwiesen werden.
Anmerkung. Die Aetiologie der mykotischen Magendarmentzünduug ist zuweilen, wie schon im Eingänge liervorgebobcn wurde, sehr dunkel. Nicht selten beobachtet man Massen er krankungen unter den Haus-thieren, welche in ihren klinischen Erscheinungen, ihrem Vorlaufe und den anatomischen Veränderungen ganz genau das liild der Pilzvergiftung darbieten, ohne dass es gelingt, die krankmachenden Pilze überhaupt oder in solcher Anzahl aufzufinden, dass sie in ursächliche Beziehung zu der Krankheit gebracht werden könnten. In dieser Hinsicht bedarf noch Manches der wissenschaftlichen Aufklärung. Wir möchten insbesondere bezüglich der Vergiftung durch Tilletia Cavies und Puccinia graminis darauf hinweisen, dass die Sporen dieser Pilze sehr häufig in Pnttertheilen gefunden werden, welche durchaus unschädlich sind. (Vergl. auch die Versuche von Pusch.) Es ist nicht unwahrscheinlich, dass manche dieser angeblichen Fälle von Pilzvergiftungen bei Pflanzenfressern eigentlich Infectionskrank-heiten darstellen, deren Wesen und Ursachen zur Zeit unbekannt sind. (Vergl. die in den letzten Jahren veröffentlichten Fälle von Schmidt, Grözinger, Louis, Mnnkenbeck, Albrecht, Siecheneder, Wilhelm, Bayne, Gotteswintor u. A.)
Die früher sog. typhösenquot; Magendannentzündungon haben mit dem menschlichen Typhus nichts gemein. Zum Tlieil sind sie jedenfalls als Pilzvergiftungen aufzufassen. So beschreibt Ger lach eine typhösequot; Entzündung der Magen- und Darmschleimhaut hei Pferden, welche mit Kolik-symptonien, Verstopfung, hohem, dabei sehr schwachem Pulse, Zähne-knirschen u. s. w. verlief und von der gewöhnlichen Kolik, sowie von der sog. gastrisch-biliösen Form der Influenza und vom Milzbrand sich wesentlich unterschied. Von Ursachen erwähnt Gr. besonders die Verfütterung frischen, theilwoise un reifen, nicht ausgetrockneten Hafers, sowie schlecht beschaffenen, befallenen Strohes an der Stelle von Heu. Auch Deraehe berichtet über eine ähnliche nicht contagiöse, als Typhusquot; be-zeicluieto Krankheit unter Pferden, die jedoch weder mit dem Petechial-fieber noch mit dem Milzbrand irgend etwas gemein hatte. Die meist mehrere Pferde eines Stalles befallende Krankheit Hess aussei- schlechter und kärglicher Ernährung mit staubigem, feuchtem, übelriechendem Heu und Hafer der geringsten Qualität keinerlei sonstige ätiologische Momente erkennen. Die Erscheinungen waren die einer mykotischen Gastro-Enteritis: plötzliche Erkrankung, lähmungsartige Schwäche, äusserst schwacher Puls, verzögerter Kothabsatz mit Diarrhöe, Entleerung schleimiger
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Pilzvergiftung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 233
Kothmasson, rapider tödtlicher Verlauf. Bei der Section fanden sich ganz charakteristische, an den Abdominaltyplms des Mensolien erinnernde Veränderungen , nämlich starke Schwellung der Solitärfollikel und Peyer'schon Plaques mit eiteriger Infiltration, Geschwürs- und Scliort'bildung bis zur Perforation, ausgedehnte Ekchymosirung, dendritische Gefässinjection neben grauer und bräunlicher Verfärbung, breiiger, klebriger, eiteriger Darminhalt; dazu rasche Päulniss des Cadavers, weiches entfärbtes Fleisch, mürbe Leber, Herz wie gekocht, nicht gerinnendes. Stäbchenbacterien haltendes Blut. Ansteckungsversuche, selbst intravenöse Impfungen waren ohne Erfolg. Milzanschwcllung sowie carbunkulöse Schwellungen der Subcutis und Darm* submucosa fehlten vollständig. Dieser Fall hat allerdings grosse Aohnlich-keit mit dem Abdominal typhus des Menschen, kann jedoch nicht mit demselben identificirt werden, da ein stringenter Beweis nicht vorliegt und alle bisherigen Uebertragungsversucho des menschlichen Abdominaltyphus auf Thiero (Kinder, Kälber, Schweine), wie sie von liollingnr, Obermeier, Lebert u. A. vorgenommen wurden, vergeblich waren. Ein unzweifelhafter klinischer Fall von Abdomin al ty ph us bei unseren Haust hi er on ist bis jetzt noch nicht beobachtet worden.
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4. Die toxische Magendamentzündung (Vergiftungen^
Literatur. Literatur im Allgemeinen, Q-eriach, Ger. Thierhellkunde, 1872. Fröhner, Toxikologie, 18Ü0. Dam.m.wnn, Gesundlieltspflege, 1892.
Allgemeine Bemerkungen. Die toxische Magendarmentzündung kann durch eine ausserordentlich grosse Anzahl von Giften hervorgerufen werden. Es gehören hieher die zwei grossen Gruppen der scharfen und scharf-narkotischen Gifte. Bei der grossen Bedeutung der verschiedenen Einzelvergiftungen für den Practiker haben wir es vorgezogen, statt einer allgemeinen Besprechung der toxischen Magendarmentzündung die einzelnen scharfen und scharf-narkotischen Gifte nach ihren wichtigsten klinischen, anatomischen und therapeutischen Beziehungen in möglichster Kürze für die Zwecke der Praxis zu bearbeiten. Ausführlicheres darüber muss in den betreffenden toxikologischen Handbüchern nachgesehen werden. Die rein narkotischen Vergiftungen sind den scharfen und scharf-narkotischen aus practischen Gründen anhangsweise beigegeben.
An die Spitze der einzelnen, auf Magen und Darm entzündlich wirkenden Gifte mögen nur einige Bemerkungen über die Diagnose einer solchen toxischen Gastro-Enteritis gestellt werden. Die Erkennung einer Vergiftung ist nicht immer leicht, da die Symptome im Leben und nach dem Tode oft sehr grosse Aehnlichkeit mit In-fectionskrankheiten, sowie nicht-toxischen Gastro-Enteriten haben. Im. Allgemeinen sind für die Diagnose von Belang:
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234nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Phosphorvergiftung.
1.nbsp; nbsp;Die Anamnese, die indess häufig sehr mangelhaft ist.
2.nbsp; nbsp;Der rasche Eintritt, stürmische Verlauf und oft plötzliche Tod.
3.nbsp; nbsp;Das Auftreten der Symptome im Anschlüsse an die Futteraufnahme.
4.nbsp; nbsp; Die Erkrankung mehrerer Thiere zusammen ohne nachweisbare Contagiosität.
5.nbsp; nbsp;Die Complication gastrischer und nervöser Symptome.
6.nbsp; nbsp;Der häufig specifische Symptomencomplex und pathologische Befund.
7.nbsp; Der physikalische, chemische und physiologische Nachweis des Giftes.
I. Mineralische Gifte.
Phosphorverg'iftung-.
Literatur. Q-ERLiOti, G. 77/., 1872. S. 822. Mit Literatur. Maury, J. du Midi, 1862. Maksoy, Reo.. 1864. Grimm, S. J. B., 18G8. S. 105. Soriiets, Rec, 1870. Merkt, 11quot;. f. Tli., 1875. S. 125. - Süchanka, Oe. V., 1877. S. 27. Müller, S. J. JB., 1877. S. 118. Möbius, ))'. f. Th., 1S78. S. 429. Koppitz, Oe, V., 1878. S. 78. Hartenstein, S. J. H., 1881. S. 125. SoHINDELKA, Oe. V. S., 1885. S. 41. Köpke, B. A., 1887. S. 130. Fröhnek, Toxikologie, 1890. S. 34. Petkrs, II. A., 1891. S. 367. Müller, Erhhtn. d. Hunde?, 1892. S. 92.
Symptome. Kolikanfälle, Erbrechen. Stöhnen, Ikterus, Eiweissharnen, zuweilen Unvermögen zu schlingen, sowie Anschwellung der Zunge; lähmungsartige Schwäche, Herzschwäche, subnormale Körpertemperatur, Zittern; Puls- und Athmungsbeschleunigung; bei längerer Dauer hämorrliagische Diathese. Nach Inhalation von Phosphordämpfen: Husten, Erstickungsanfälle, Emphysem-bildung in den Lungen, Auftreten von Hautemphysemen am Hals und Thorax. Beim Geflügel: Mattigkeit, Hinfälligkeit, Durst, Diarrhöe, zuweilen auffallende (hüpfende) Körperbewegungen. Dauer der Krankheit einige Stunden bis mehrere Tage; bei längerer Dauer (durchschnittlich 85 Tage) tritt nach den schworen initialen Erscheinungen häufig eine Remission mit scheinbarer Besserung ein. Schindelka beobachtete bei einer Anzahl von Milchkühen nach überstandener Vergiftung absolutes Versiegen der Milch, so dass die Thiere geschlachtet werden mussten.
Anatomischer Befund. Dem der acuten Arsenikvergiftung sehr ähnlich: Gastro-Enteritis (die indess auch fehlen kann), in einzelnen Fällen selbst Stomatitis und Pharyngitis; glanduläre Ga-
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Arscnikvorgiftung,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 235
stritis (parenchymatöse Degenevcation der Magendrilsen); Verfettung innerer Organe bei längerer, mehrtägiger Dauer, so besonders der Leber (Leberschwellung), des Herzens, des Nierenepith eis, der Muskeln; Bronchitis bei Phosphordämpfen; Ekchymosen und hämorrhagische Herde in den verschiedensten Organen, dunkles, flüssiges Blut, Phosphorescenz des Magen- und Danninhalts mit Entwicklung von Dämpfen, charakteristischer Phosphorgeruch.
Therapie. Brechmittel, besonders Cuprum sulfuricum (Bildung von unlöslichem Phosphorkupfer), Kalium permanganicum in 0,20,8promilliger Lösung, Wasserstoffsuperoxyd in 1- bis Sprocentiger Lösung, salpetersaures Cobalt, altes, sauerstoff-lialtiges Terpentinöl mit viel Schleim (oxydiren den Phosphor zu Phosphorsäure, welche nicht giftig ist). Dosis des Terpentinöls: Pferden 50100 g, Rindern 100200 g, Schweinen 2550 g, Hunden 510 g, Hühnern 5 10 Tropfen. Excitantien. Kein Gel, welches den Phosphor lösen und so wirksamer machen würde; desgleichen keine Milch!
ArscnikTcrglftung.
Literatur. Gerlach, G. Th., 1872. S. 781, vergl. auoh die dort angegebene Literatur. Booley, Rec, 1834. Renault u. Lassaione, Ibid., 1835. Diok, The Vet., 1843. Ayhault, Rec, 1853. Schwarz, IC. f. Th., 1860. S. 61. Petzold, S. J. B., 1862. S. 112. Leppeh, The Vet., 1865. Dinter. S. J. B., 1873. S. 90.
nbsp; Mirk, Rec, 1875. Weigel, S. J. B., 1876. S. 110. Tieck, Pr. M., 187778. S. 23. Haübner, II. A., 1878. S. 97. BavmoXrtel, ä J. B 1882. S. 96. Huxel, H. A., 1885. S. 226. Detroye, ./. de Lyon, 1886. Sattler, Th. Bdseh,, 1886/87. S.89. Nagel, A A., 1890. S. 218. Fröhner, Toxikologie, 1890. S. 40.
nbsp; Robert, S. J. H., 1892. S. 110. laquo;assner, lgt;. th. W., 1894. S, 127. R. Fröhner, Plum, Ibid., 1895. S. 130 u. 198.
a) Acute Arsenikvergiftung.
Symptome. Dieselben sind zunächst gastro-enteritischer Natur: Erbrechen, Speicheln, Kolikzufälle, Verstopfung, beim Rinde Aufblähung, später stinkender Durchfall, selbst blutiger Koth; bei Wiederkäuern zuweilen schmerzhafte Anschwellungen an der unteren, vorderen Bauchgegend mit Absccdirung und Bildung einer Labmagenfistel oder Vorfall des Labmagens (sehr selten bildet sich eine Fistel der Haube). Dazu gesellen sich Störungen von Seiten des Nervensystems: lähmungsartiger Zustand (Tabes arseni-calis), Schwanken, Zittern, Schwäche, Stumpfsinn, weite Pupille etc. Der Puls ist klein bis unfühlbar, sehr frequent (Herzschwäche); Körpertemperatur ungleich vertheilt; die Athmung oft sehr beschleunigt
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236nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Arscnikvcrgiftung'.
und angestrengt. Krankhoitsdauer: einige Stunden bis mehrere Tage. Bei ilusserlicher Anwendung, z. B. von Wunden aus, findet man starke Anschwellung derselben, bei Bädern Hautentzündung verschiedenen Grades, neben den oben genannten Erscheinungen.
Anatomischer Befund. Corrosive Magendarmentzündung mit Eöthung, Schwellung, Ekchymosirung und Anätzung der Schleimhaut, besonders des Magens bezw. Labmagens. Zuweilen Perforation des Labmagens und der Bauchwand. Geschwürsbildung. Fettige Entartung der Magendrüsen (glandulilre Gastritis, Adenitis par-enchynmtosa). Verfettungen innerer Organe, z. B. der Leber, der Nieren, des Herzens, Gehirns. Ekchymosen besonders unter dem Endocard. Mumification des Cadavers.
Therapie. Hauptgegenmittel: Antidotum Arseniciquot; (Liquor Ferri sulfurici oxydati 100 Th. mit 250 Th. Wasser verdünnt, wird mit 15 Th, Magnesia usta plus 250 Th. Wasser versetzt); das so gebildete Eisenoxydhydrat (Ferrum hydricum in Aqua) geht mit dem Arsenik eine unlösliche Verbindung ein. Man gibt von diesem Antidotum Arsenici Hunden viertelstündlich 1 Esslöffel voll, Schweinen und kleineren Wiederkäuern mehrere Esslöffel, Pferden und Rindern 1li1 Liter. Auch eine einfache Auflösung gebrannter Magnesia in 20 Th. Wasser gibt eine unlösliche Arsenverbindung. (Dosis der Magnesia usta für Hunde viertelstündlich 0,5 1,0 g; für Pferde 510,0, für Rinder 1020,0.) Weitere Gegengifte sind Schwefel, Schwefelkaliuin und Schwcfeleisen. In Ermanglung dieser Mittel gibt man irgend welche Eisenpräparate, so z. B. als Hausmittel das Löschwasser der Schmiede, sodann Kalkwasser, Zucker-wassor, Eiweiss, schleimige Mittel. Oel ist zu vermeiden.
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b) Chronische Arsemkvergiftung beim Rinde (Hüttenrauchkrankheit).
Symptome. Chronischer Durchfall und Husten. Allmählich sich ausbildende Harthäutigkeit mit auffallender Hau tab schilferung (chronisches Eczema squamosum), Muskelschwund, zunächst im Hintertheile beginnend, lähmungsartige Schwäche, ebenfalls zuerst in der Nachhand beginnend, zunehmende Abmagerung und Kachexie. Versiegen der Milch, Vcrkalben, verzögerter Abgang der Nachgeburt, erschwerte Conception.
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Bleivergiftung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;237
Anatomischer Befund. Starke Abmagerung dor Cadaver, allgemeine Hydrilmio; Schorfe, Geschwüre und Narben im Labmagen, seltener im Pansen, fleckige liötbe, Entzündung der Labmagen- und Dünndarmschleimhaut; Geschwüre in der Schleimhaut der Luftröhre. Secundiir: tuberkulöse käsige Bronchopneumonie.
Therapie. Prophylaxe, d. h. Abstellung der Verfütterung von mit Flugstaub befallenem Futter; sonst symptomatische Behandlung des Durchfalls, Hustens, der Abmagerung und Schwäche.
Die sog. Hüttenrauchkrankheit im Bereiche der Preiberger Hüttenwerke muss nach Hnubner's Darstellung wesentlich als eine chronisclie Arsenikvergiftung aufgefasst werden. Der Hüttenrauch besteht niinilich vorwiegend aus schwefliger und a r s e n i g e r S ä u r e mit geringen Mengen von Blei- und Zinkdiiinpf'en sowie Spuren erdiger Massen. Blei und Zink können, wie Haubner überzeugend nachgewiesen, als giftiges Princip nicht in Betracht kommen. Die schweflige Silure aber ist in dem sog. Plug-staubquot;, dem festen, die gesammte Flora der betreffenden Gegendon übor-ziehonden und die Krankheit speciell bedingenden Niederschlage nicht mehr enthalten, es kann also nur eine Arsenikvergiftung sein, wie denn auch der Arsenik in allen Organen der erkrankten Thioro nachweisbar ist. Die von Haubuer und Siedamgrotzky als eine eigenartige Inhalations-pneumonie aufgefasste sog. käsige Hüttenrauchpneumoniequot; hat sich nach den Untersuchungen Johne's (Sächsischer Jahresbericht, 1882. S. 09) als eine echte tuberkulöse Bronchopneuinonie herausgestellt, wobei indess die Inhalation des Hüttenflugstaubes bei der Aufnahme des befallenen Putters als prildisponirende Ursache für das leichtere Eindringen des Tubor-kulosebacillus von grösster Bedeutung ist. Die Aufnahme des arsenik-haltigen Plugstaubes kann bei grösserem Gehalte an Arsenik auch zu acutor Vergiftung (siehe oben) führen. Die von Haubner auf den Schwefel Säuregehalt des Hüttenrauches (nicht Plugstaubes) zurückgeführte sog. Säurekrankheit (Bleichsucht mit Knochenbrüchigkeit) hat mit dor vorliegenden Form der Hüttenrauchkrankheit (chronische Arsenikvergiftung) nichts gemein.
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Vergiftnns durch Blei (Satnrnismus)raquo;
Literatur. Q-eblach, O, Th., 1872. S. 754. Mit Literatur. Wöstendieck, Mag,, 1855. S. 251. Quivoone, Itec, 1859. Nolte, Mag., 1864. 8. 237. Halm, Pr. M 1865/66. S, 177. Thieury, Reo., 1871. Boiaixoer, W.f. Th., 1872. S. 160,
nbsp;Johne, S. J. H., 1878. S. 89. Suchanka, Oe. V., 1871). S. 155. Albreoht. /'. 2. f. Th., 1880. S. 245. SALAMBniEn, Ä. de Unix., 1881. Heuz, W. f. Th., 1882. S. 241. - Hoduhek, Oe. M., 188:5. Nr. 4. Lavigne, A. de lim.r., 1883. Ellenbehoeb u. Hopmeisteb, /(. A., 1884. 8.216. Stoebel, Sehtv, A., 1884. 8.291.
nbsp; Schmidt, /gt;'. A., 1885. S. 401; 1889. 8. 248. Fisohbr, B. th. M., 1885. S. 96. -Sohmieder, Bundschau, 1880. S. 158. Kmcnut.s, /;. A., 1886. S. 75. Pirl u. Leistikow, IbhL, S. 76. Gückel, Ihn/., 1887. S. 129. LlEBENEB, Jbid,, S. 181.
nbsp; Bojoly, J, de Li/on, 1887. Preissler, Oe. V., 1888. S. 191. Gii.ly. Bull, soc. centr., 1889. Pröhner, Toxikologie, 1890. S.51. AppfiNRODT, B.Ä., 1891. S. 378.
nbsp;Beokmanh, Z.f. Vet., 1891. S. 253. Heck, Lehmann, A A,, 1892. 8. 458 f.
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238nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bleivergiftung.
Laiio u. Mobselmann. .1. de linu:, 1892 u. 1893. S. 65. B. Mil. V, B., 1893. Maqnin, Bcc, 1893. 8, 432. KöCHEB, /'. A., 1894. S. 343. - Axe, Stanlky, The Vet., 1894. Qrimm, S. J. B., 1894. S. 142. Baum u. Seligkr, B. A 1895. S. 297.
1. Symptome der acuten Bleivergiftung. Zunächst gastro-enteritische Erscheinungen: Erbrechen, Salivation, Unruheerschei-nungen, Darmschmerzen, andauernde Verstopfung; bei Wiederkäuern Aufblähen, später zuweilen stinkender Durchfall, Unterdrückung der Secretionen (Harn, Milch). Hiczu kommen nervöse Störungen: Zuckungen, besonders am Kopf und Hals, Zittern (Tremor satur-ninus), Kaukrämpfe (sog. Hauquot;-Krankheit), epileptiforme Anfälle (sog. Jammerquot;), intermittirende Auf alle von Aufregung, selbst Tobsucht (Mania saturnina), Convulsionen, choreaähn-liche Krämpfe, Vonvärtsdrängen einerseits; andererseits treten Schwäche, Schlafsucht, unvollständige und vollständige Lähmung besonders der Nachhand (Paralysis saturnina), Unempfind-lichkeit (Anaesthesia saturnina) auf. Der Puls ist hart und dralit-förmig, seine Frequenz häufig verlangsamt, die Athmung erschwert, selbst dyspnoisch.
2. Symptome der chronischen Bleivergiftung. Zunehmende Abmagerung und Schwäche (Tabes und Cachexia saturnina), Verstopfung mit Kolik (Colica saturnina), Bewegungsstörungen (Arthralgia saturnina und Rheumatismus saturninus), Gehirnerscheinungen wie bei der acuten Vergiftung (Encephalopathia saturnina), besonders in der Form epileptischer Anfälle (Eclampsia saturnina), bei Pferden Pfeif er dampf (saturnine Hartschnaufig-keit), bei Ziegen Abortus und Sterilität. Ausserdem kommt es zur Ausbildung einer uleerösen Stomatitis (Bleisaum an den Zähnen), zu Muskelschwund und bleibenden Muskelcontracturen (Afcrophia und Contractura saturnina) und zur Entwicklung einer chronischen Nephritis (Schrumpfniere).
Anatomischer Befund bei Bleivergiftung. Blässe und Contraction des Darmrohrs, in chronischen Fällen Verdickung der Schleimhaut des Digestionsapparates, umschriebene Eöthung, Entzündung, Verschorfung, Greschwürsbildung, bei Anwesenheit von metallischem Blei graue bis tiefschwarze Verfärbung der Schleimhaut. Hydrocephalus und Hydrorrhachis internus und exter-nus; Schrumpfniere. Bei apoplektiformen Todesfällen findet man keine wesentlichen Veränderuna;en.
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(Quecksilbervergiftung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;23(J
Therapie. Verabreichung von Schwefelsäure in einem schleimigen Vehikel und im Trinkwasser, sowie von schwefelsauren Salzen (Natrium, Kalium, Magnesium sulfuricum) behufs der Bildung von unlöslichem schwefelsaurem Blei. Brechmittel, Abführmittel. Ei-Aveiss, Milch, Schleim. Innerlich Jodkalium (befördert die Ausscheidung des Bleis [als Jodblei | aus dem Körper). Symptomatisch: Morphium, Atropin, Amylnitrit, Chloralhydrat etc. gegen die Bleikolik, Eklampsie u. s. w., Tracheotomie bei Pferden.
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Vergiftung dureli Quecksilber (Meroiirinlismus).
Literatur. Gehlach, G, Th., 1872. 8. 838. Mit Literatur. Jennes, Eep,, 1857. S. 243. LrAT-n, 11 meet, vet, 1801. Rössner, S. J. II., 1863. 8. 95. Grimm, Ibid., 1871. 8. 142. Sghleq, Ibid., 1871. 8. 143; 1876. S. 10G; 1880. S. 83. Brusasco, 11 mal. vet., 1872. Dinter, S../. //., 1872. S. 148. Zondel, Bee., 1873.
nbsp; Dietrich, May., 1873. 8. 450. Lewes, Ibid., 8. 455. Haussmanx, Rep., 1874. S. 33. Lippus, Ibid., 1875. S. 388; 1889. 8. 130. Mever, Ibid., S. 162. Fünf-3TÖOK u. Weiser, S,./. JB., 1870. 8. 107. Petersen, Rep,, 1877. 8. 301. Uebelkk, Ibid., 1878. S, 291. Jansen, Fr. M., 1877/78. 8. 27. Hai-hold, S. J. H., 1883. 8. 93; 1887. 8. 78. Landvatteii, Ili'j)., 1885. Thunecke, Rundschau, 1885. 8. 91.
nbsp; Barinetti, CHh. vet., Bd. 12. Hable, Oe. Z. f. Vet, 1889. S. 125. Lövy, Oe. T., 1890. 8.422. Adam, Beo., 1890. Fröhner, ToxiMopü, 18W. 8.58. Junqinqer, Ehrle u. A., W, f. Th,, 1891. 8.453456. Schneider, S../. U., 1892. 8. 111. Melde, IS. th. 1)'., 1893. 8. 281. Zimmerer. W. f, Th., 1893. S. 133. Mortensen, M. for Dijrl., 4. Bd. S. 109. Fheytac, S. J. Jl., 1893. 8. 134. Wall-mann, li. A., 1894. 8. 343. Walther, Möbiüs, S, .1. Ii., 1894. 8. 143.
Symptome. Die Erscheinungen der eigentlichen Quecksilbervergiftung sind, wenn von der localen ätzenden Wirkung der einzelnen Präparate abgesehen wird, im Allgemeinen folgende:
1.nbsp; nbsp;Salivation, Stomatitis ulcerosa, Auflockerung des Zahnfleisches, Lockerwerden und Ausfallen der Zähne bei den Wiederkäuern, übler Geruch aus dem Maule.
2.nbsp; nbsp;Magendarmkatarrh, später profuse, selbst blutige Diarrhöe mit graugrünem, dünnflüssigem, faulig bis aashaft riechendem Kothe.
;{. Husten, eiteriger Nasenausfluss, Bronchoblennorrhöe, selbst Bronchopneumonie, angestrengte, selbst dyspnoische Ath-mung, übelriechendes Exspirium, Stöhnen, Nasenbluten.
4. Hautekzeme, in der Hauptsache Ekzema impetiginosuin und squamosum, beginnend mit starkem Jucken, in Folge dessen Nagen und Scheuern, Haarausfall, Nässen, Eiter- und Borkenbildung neben bedeutender Hautverdickung und Anschwellung der Subcutis, Bildung von Bläschen und Pusteln, letztere aber ohne Delle. Lieblings-
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240nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Quoeksilbervorgiftung.
stellen: Umgebung der eingeriebenen Salbe, der Augen, des Flotz-maules, Afters, Euters und der Scheide, Trielfalte, Beugeflächen der Gelenke.
5.nbsp; nbsp;Liibmungsartige Sclnväcbe, grosse Apathie, Stumpfsinn, Schwindel, Zittern (Tremor mercurialis), Schreckhaftigkeit und Delirien (Erethismus mercurialis), Lähmung einzelner Muskeln, Amaurose, Taubheit, Anästhesie, Abmagerung, Tod oft unter dem Bilde des Einschlafens, seltener Convulsionen.
6.nbsp; nbsp;Temperatur häufig normal oder kaum erhöht, dagegen der Puls sehr beschleunigt und schwach, Blutungen in den verschiedensten Organen, besonders den Schleimhäuten der Nase, der Lunge, des Darmes, des Uterus (Abortus), zuweilen Tod durch innere Verblutung.
7.nbsp; nbsp;Anurie, als Ausdruck einer Nierenentzündung und Kalk-incrustation der Kiere, oft mehrere Tage anhaltend, Cylindrurie, Albuminurie.
Verlauf. Derselbe ist entweder acut, besonders 'bei jungen Thieren und bei vorwiegender localer Aetzung im Magen und Darm (Sublimat kann so innerhalb einer Stunde schon eine tödtlicho Vergiftung herbeiführen, ohne dass es zu allgemeinem Mercurialismus kommt); die Dauer des acuten Mercurialismus ist sehr verschieden und beträgt mehrere, selbst 1014 Tage. Oder der Verlauf ist chronisch, mehrere Wochen, selbst Monate dauernd. Gewöhnlich ist das Krankheitsbild nicht so vollständig, wie es oben geschildert wurde, es können vielmehr die einen oder anderen Symptome fehlen.
Anatomischer Befund bei allgemeiner Quecksilbervergiftung. Die Haut und das Unterhautbindegewebe ist anämisch, das letztere serös infiltrirt, unter den ekzematösen Hautstellen ekehy-mosirt; die Körpermuskulatur ist auffallend blass. welk, wie gekocht, von flockigen, düsterbraunrothen Ekchymosen durchsetzt, dabei stark sulzig infiltrirt, so dass beim Einschneiden eine fleischwasser-ähnliche Flüssigkeit abläuft. Das Blut erscheint schwarzroth, schmierig, schlecht geronnen. Sodann sind Entzündungszustände auf der Schleimhaut des Digestionstractus in verschiedenen Graden vorhanden : ulceröse Stomatitis (kann fehlen), punktförmige und fleckige Köthung, hämorrhagische Erosionen, Geschwürsbildung im Magen, besonders auf der Höhe der Schleimhautvorsprünge und im Labmagen, die Mucosa ist oft ödematös geschwollen, die Submucosa serös in-
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Quocksilbei'vorg-if'tung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;241
tiltrirt, so dass die Dannschleimliaut schlotternde Wülste bildet, daneben beobachtet man hochgradige Anämie des Darmes. Das subperitoneale Bindegewebe ist ebenfalls ödematös, mit flockigen Ilämorrhagien durchsetzt. Die Leber ist anämisch, geschwollen, die Nieren sind serös infiltrirt, anämisch, ekchyraosirt und zuweilen vollständig mit Kalk incrustirt; das Nierenepithel fettig degenerirt.
Aussordem besteht Rhinitis, Laryngitis, Trachel'tis, Bronchitis catarrhalis, zuweilen sogar Kehlkopfs- und Luftröhrencroup. Die Lunge ist blutreich, mit Hämorrhagien und bronchopneutnonischen Herden, selbst mit Abscessen durchsetzt, die Bronchial- und Mittelfelldrüsen sind geschwollen und hyperämisch ; auch subpdeurale Ekchy-mosirungen sind vorhanden. Endlich findet man myocardi tische Degeneration, Hämorrhagien zwischen den Muskelfasern des Herzens, unter dem Epicard und Endocard; subarachnoideale Blutunter-laufungen, anämische, weiche, wässerig glänzende Gehirnsubstanz, sowie punktförmige Hämorrhagien in der Gehirnrinde.
Therapie der allgemeinen Quecksilbervergiftung. Verabreichung von Schwefelverbindungen, um unlösliches Schwefelquecksilber zu bilden: Flores sulfuris, Kalium sulfuratum u. s. w.; Eisenpulver, besonders auch Eisenvitriol; Eiweiss in Lösung; Jodkalium. Kein Kochsalz. Daneben symptomatische Behandlung der Gastro-Enteritis, Stomatitis, Bronchitis, des Ekzems etc.
Vcrgiftnng' durch Kupfer (Ciiprismus).
Literatur. Gerlach, ff. Th., 1872. S. 797. Mit Literatur. Q-luthmann, 8. J. B., 1856/57. S. 66. Faiiry, A. de Brux., 1801. ZuNDEL, .7. de. Lyon, 1868. Tras-bot, A. d'Alf., 1877. GriüAun, ,1. de Brux., 1878. Eli.kxbehoeh u. HoPMEtSTER, B. A., 1883. S. 325. Phiuppi, S. J. H., 1886. S. 92. EqoEunq, B. A., 1889. S. 136. Bioch, li. th. ir., 1890. S. 182. Fröhner, Toxikologie, 1890. S. 64. Padovani, Giorn. di ret. mil., lid. VI. S. 457. Kirst, ß. A., 1892. S. 458. Latsghbsbehoer, Oe. /.. f. Vet., 1892. S. 210. Lucas, Jacobi, li. A., 1893. S. 312.
Symptome. Die einer Gastro-Enteritis: Erbrechen grünlicher Massen, unterdrückte Futteraufnahme, Kolik, Durchfall. Im weiteren Verlauf Schwächezustände, Zittern, Convulsionen, Anästhesie; kleiner, drahtförmiger, verlangsamter Puls; beschleunigte Athmung. Section: dieselbe bietet die Erscheinungen einer acutea Magen dar mentzün dung. Nach Trasbot soll auch starke Magenerweiterung beobachtet werden. Therapie: Eiweiss, Schleim, Milch, Perrum pulveratum. Eisenfeile, Schwefel, gebrannte
Magnesia, Ferrocyankalium. Symptomatisch Narcotica. Friedberget u. Fröhner, Patlioi. u. Therapie ii. Haastblere. I. Bd. 4. Aufl. 15
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242nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Breohweinstcinvorgiftung.
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Yerviftany durch zink.
Literatur. Gerlaoh, G. Th., 1872. S. 885. Mit Literatur. Zirkel, Mag., 1850. S. 263. FiiöiiNKii, Toxikologie, 1890. S. 68. Boucher, J. de Lyon, 1893. S. 277.
Symptome. Erbrechen, Kolik, Durchfall, Schwäche- und Lähmungszustünde; bei längerer Dauer Anämie und Kachexie. Anatomischer Befund: Schrumpfung und Anämie der Magendarmschleimhaut, Gastro-Enteritis in Form von umschriebenen Entzündungsherden und Erosionen. Therapie: Eiweiss, Schleim, Zuckerwasser, Schwefel, gebrannte Magnesia.
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Tergiftnng mit BreohweinsteiUi
Literatur. Saussol, liec, 1836. üehlach, G. 77/.. 1872. S. 709. Mit Literatur. - Weber, B. th. W., 1890. S. 30. Fröhher, Toxikologie, 1890. S. 70. Baum, M. f.p. Th., 1892. Korff, Z. f. Vet., 1892. S, 500. Robert, S../. lt., 1893. S. 134. Dieckehmoff u. Waoner, li. th. W., 1893. Nr. 39. Kramer, 1). th. W., 1895. S. 108. Aibaxesi, Clm. ret., 1895.
Symptome. Aehnlich den ätzenden Alkalien und Säuren: Stomatitis ulcerosa mit Speicheln, Erbrechen (vereinzelt auch bei Pferden), Kolik, Diarrhöe; Schwindel, Zittern, Krämpfe, Lähmung; kleiner, harter, oft unfühlbarer Puls, beschleunigte Athmung, selbst Pneumonie; rascher Tod. Anatomischer Befund: Entzündung und A n ä t z u n g der Schleimhaut des g e s a m m t e n Digestionstractus, besonders im Magen (Pharyngitis, Stomatitis, Oesophagitis, Gastritis und Enteritis ulcerosa), Lungenhyperämie, Des-quamation des Bronchialepithels, hämorrhagische Infarkte, selbst Entzündung der Lunge. Nach Trasbot soll ferner MagenerWeiterung ein charakteristisches Symptom der Brechweinsteinvergiftung sein. Therapie: in erster Linie gerbstoff hal tige Mittel (Eichenrinden-Abkochung, Tinte, Tannin); schleimig-ölige Mittel, Narcotica, besonders Opium; bei Hunden Eispillen.
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Vergiftung durch Kochsnlz, Salz-, Härings- und Pöckcllako.
Literatur. G-ERLAGH, O. Th,, 1872. S. 801 U. 805. Vorgl. auch die dort angegebene Literatur. Reynai., liec, 1855. Lkpper, The Vet., 1850. Wai.tiier, H. ./. B,, 1856/57. S. 66. - Fischer, liec, 1856. SlOOKFLETH, Uep., 1857. S. 236. Lepper, Ibid., 1858. Cahpeona, Giorn. dl mctl. ret., 1859. Kretsciimaii, S, J. II., 1861. S. 128. Albreoht u, Nkumkister, May., 1804. S. 345. Rosenkranz, S, ,1. li., 1869. S. 92. Mayr, IV. f. Th., 1869. S. 185. Voigtländer, S. ./. li., 1870. S. 44. Harms, Mag,, 1871. S. 385. Maile, liej),, 1872. S. 244. Lehnert. S, ./. B,, 1873. S. 90. Fünfstück, S, J. li., 1874. S. 102. Nagel, Bsp., 1876. 8. 360. -
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Kochsalzvorgiitung-.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 243
GiEUSBEHG, Thrzt, 1877. S. 188. Dbewien, Pr. M., 1877/78. S. 9.5. Schust, Hep., 1880. S. 198. SiEDAMGnOTZKY, S, J. li., 1882. S. lö. Adam, W. f. Th., 1884. S. 333.-- Bohmann, Stern u.A,, H. a., I88lt;r). S. 226. Liebbner, IbUI., 1880. S. 76.
nbsp;JüNOINOEB. W.f, TU., 1887. S. 137. Lanqbnkamp, II. A., 1887. S. 131. --Wkk-mars, Bull, lidij., 111. KÄMMERER, B. th. M., 1888. 8. 59. L'iii.and, lie/)., 1889. S. 305. EHLER8, B. th, IK., 1889. S. 57. Lamouhkijx, liec, 1890. - I'rühnkh, Toxikologie, 1890. 8. 76. ÜJHELYi, VeterinctHua, 1892. Nr. 7. Uhi.ich, 8,./. li., 1893. S. i33. Soharsio, ß, A., 1893. 8. 811. Haobold, amp;'. ./. li., 1894. S. 141.
nbsp; Horn, 11'. jf. Th., 1895. S. 186.
Symptome. 1. Bei Kochsalzv ergiftung sind es hauptsächlich die p]rscheinurigc'ii einer Giastro-Enteritis, verbunden mit lähmungsartigen Zuständen. Sistirte Futteraufhahme, trockenes, heisses, geröthetes Maul, grosser Durst, Erbrechen, Kolikscliraerzen, wässerige Diarrhöe, häufiger Harnabsatz eröffnen das Krankheitsbild, Dazu kommen grosse Körporschwäche, Taumeln, Niederstürzen, Lähmungen von verschiedener Ausbreitung, besonders Lähmung der Nachhand bei Pferden, Betäubung, Erweiterung der Pupille, selbst Blindheit, Zittern; bei Schweinen (seltener bei Pferden und Hunden) hie und da epileptiforme Krampfanfälle; Herzschwäche, kleiner elender Puls, angestrengte Atlunung; Tod innerhalb (548 Stunden. Bei längerer Krankheitsdauer bildet sich ein anämischer Zustand aus. Beim Rinde treten dabei zuweilen die Erscheinungen einer Enteritis hervor.
2. Bei Vergiftung durch Häringslake gesellen sich zu dem Krankheitsbilde der einfachen Kochsalzvergiftung noch die Symptome der Ptomainevergiftung (Greliimreizungserscheinungen und Krämpfe). Besonders charakteristische Erscheinungen sind: Zähne-knirschen, Kaukrämpfe, epileptiforme Krämpfe, Opisthotonus und Pleurothotonus, Rotireu der Augen (Nystagmus), krampfhaftes Blinzeln, ausgebreitete Zuckungen, Drehbewegungen, hundesitzige Stellungen, kollerartige Erscheinungen, Stumpfsinn und Gefühllosigkeit, amaurotische Pupille, Blindheit; bei Kühen Abortus, selbst Gebärmuttervorfall. Verlauf sehr acut, der Tod tritt meist nach (5 bis 12 Stunden ein.
Anatomischer Befund. Die Erscheinungen einer acuten Magendarm entzündung; der Labmagen der Wiederkäuer ist besonders afficirt. Daneben auffallend hellrothes, flüssiges Blut mit Ekchymosen in verschiedenen Organen. Blasenschleimhaut oft geröthet. Nicht selten fehlen im Darmtractus entzündliche Veränderungen, besonders bei Lakevergiftung; dagegen findet man bei letzterer gewöhnlich Hyperämie des Gehirns mit Hydrocephalus interims und externus.
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Salpetervergiftung,
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Therapie. Viel Wasser, schleimige, ölige Mittel, Exci-tantien (Aether subeutan, Campher, Wein etc.), bei starker Erregung narkotische Mittel.
Vcrgiffuug' mit Salpeter (Natron- und Knlisalpoter)*
Literatur. Gerlach, (i. Th., 1872. S. 853. Mit Literatur. Maury, ito;., 1862.
nbsp; Lies, IC. f. Th., 1869. S. 885. Rosenkranz, S. J. B., 1874. 8.102. Pwetsch, Ibid., S. 101. Fröhnsr, Bep., 1880. 8. 245; Toxikologie, 1890. S. 78.Schwankfeld u, A., It. A., 1887. S. 128. Lapotre u. Cornevin, J. de Lyon, 1887. S. 375.
nbsp; Möbius, S. J. B., 1887. S. 79. Leorand, A. de Brux., 1887. S. 497. .Tohn, B. A., 1889. S. 135. Meierhbine, Ihid,, 1891. S, 367. Cagny, Hull. soc. centr., 1892. - Piot, Meo., 1892. S. 405. - Rknard, ,/. de Lyon, 1892. S. 288. Appen-rodt, Klebba, B. A., 1892. S. 459 f. Kettritz, Matzker, Ibid., 1893. S. 811 f. Q-ÖTTUOH, G-ÄGKEi., Liebener, Ibid., 1894. 8.4411.347. Ciiapius, Senmine vcl., 1894.
nbsp; Evans, The Vet., 1894. S. 758.
Symptome. Die einer Gastro-Bnteritis, verbunden mit Lähmungserscheinungen; Kolik, Durchfall, Aufblähen beim Rinde, Erbrechen, Salivation, Würgbewegungen; dazu Sinken der Körpertemperatur, Hinfälligkeit, Schwanken, Zusammenstürzen, Abstumpfung, Zittern; prellender, pochender Herzschlag, Polyurie. Zuweilen apoplektiforme Todesfälle; seltener Krämpfe, Verdrehen der Augen etc. Der Verlauf ist im Allgemeinen peracut, indem oft schon nach 5 Minuten tödtlicher Ausgang erfolgt. Dauer meist nur #9632;'/a bis einige Stunden, selten mehr als 12. Anatomischer Befund; hämorrhagische Gastro-Enteritis, besonders im Magen (Labmagen) und Dünndarm, purpur- bis kirschbraunrothe Verfärbung und geschwürige Entartung der Schleimhaut, dünnflüssiger, braun-rother Darminhalt, Hyperämie der Baucheingeweide, Entzündung und Ekchymosirung der Nieren und Harnblasenschleimhaut, hellrothes oder missfarbiges, flüssiges Blut. Therapie; einhüllende, sowie ex-citirende Mittel (Campher, Katfee, Aether etc.).
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¥0^11^1111^ durch Glniibcrsalz, Bittersalz und Diingrcrsalz etc.
Literatur. Glaubersalzvcrgiftuug. Bauwehker, W.f, Th., 1868. 8. 113.
Uiiuch, S. J. H., 1889. 8. 87. Bittersalzvergiftuiig. SCHULTZ, W.f. Th., 1895. S. 150. Kainitvergiftung. Schilling, B. A., 1887. Schwaneberger, Ibid., 1889.
Riechelmann, ß. A., 1893. Möunre, S. ,/. /?.. 1893. 8. 135. Superphosphatvergiftuug. Gips, H. A., 1892. 8. 460. Gensbrt, H. th. W.,
1892. S. 255.
Symptome. Kolikerscheinungen, starker Durst, wässerige Diarrhöe, unterdrückte Peristaltik, lähmungsartiger Zu-
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Vergiftung dureli Alkalien und Säuren.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 245
stand, Unvermögen aufzustehen, zunehmende Schwäche, Tod nach mehrtägiger Krankheitsdauer. Aehnliche Erscheinungen heobachtet man bei der Kainit- und Superpliosphatvergiftung. Therapie: wie bei Kochsalzvergiftung.
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Yergii'tuiig' durch ätzende Alkalien (Aet/kalk, Salnii.ikgcist, Lauge)-
Literatur. Qerlach, O, Th., 1872. Aussei' der dort gesammelten Literatur Lüpke, Ihrzt., 1869. S. 286. Piuetsch, S. .1. 11., 1877. 8. 119. PrnkiEn, Ibid., 1881. S. 12r). Meyer, A m. vet. rev., 1884. #9632; - Fröhneb, Toxikologie, 1890. S. 84. Rödeb, S.J. //., 1890. S. 91. Bidder, TIi. C, 1892. S. 258. Minette, flee., 1892. Nr. 8. Egoeunq, B. /(., 1896. 8. 198. Vogel, D. th. IC, 1895. S. 886.
Symptome. Anätzung der Lippen, der Maulschleimhaut, der Zunge, der Schlundkopfschleimhaut; Geifern, Schlingbeschwerden, Kolik. Bei Ammoniakvergiftung ausserdem Husten, beschwerliches Athmeu, Aushusten häutiger, croupähnlicher Massen. Muskelschwache, (Joliaps. Anatomischer Befund: croupöse Stomatitis und Pharyngitis, bei Salmiakgeistvergiltung auch croupöse Laryngitis, Tracheitis, Bronchitis und Pneumonie; hochgradige Entzündung, braun- bis schwarzrothe Verfärbung, sulzige Schwellung und ausgedehnte Corrosion der Magen- und Darmschleimhaut, Therapie: verdünnte Säuren, besonders als Hausmittel Essig; schleimige und ölige Mittel mit Opium. Gegen den Collaps Campher und Aether, Brechmittel und Abführmittel sind contraindicirt.
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Vergiftung durch ätzende Säuren (Sclnvefelsäure und schweflige Säure).
Literatur, Q-ERLagh, O. TIi., 1872. S. 877. Abadie, lievue vit,, 1877. Johne, 8. J. li., 1880. S. 38. Bdbendohp, Zilndel's Jahresher., 1883. Fröhner, Toxikologie, 1890. S, 86. Tempel, B, th. 1)'., 1893. 8.425.
Symptome. Die Erscheinungen der Schwefelsäurevergiftung sind die einer ulcerösen Stomatitis und Pharyngitis mit heftiger Gastro-Enteritis: geschwollene, blutrünstige Lippen, angeätzte, stark entzündete Maulschleimhaut, Speicheln, Schlingbeschwerden, heftige Kolikschmerzen, vollständig unterdrückte Peristaltik, frequenter, kleiner Puls, rascher Tod.
Bei Vergiftungen mit schwefliger Säure (Einathmung) beobachtet man verschieden hochgradige Entzündung der Schleimhäute des
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Carbolvergiftung.
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Respirationsapparates, Lungenödem, Luugenentzüudung, Lungenemphysem u. s, w.
Anatomischer Befund. Die Section bei Schwefelsäurevergiftung ergibt Anätzung der Schleimhaut von den Lippen bis zum Darm: Stomatitis, Glossitis, Pharyngitis, Oesophagitis, Gastritis, Enteritis.
Therapie. Verdünnte Alkalien: Seifenwasser, Kalkwasser, verdünnte Natron- und Kali-Lauge, Magnesia usta. Opium zusammen mit schleimigen und öligen Mitteln, Excitantien (Campher Aether).
Vergiftung durch Essig.
Literatur. Gerlaoh, G. 27raquo;,. 1872. S. 784. Eckhardt, W. f. Th., 1881. S. 146. ~ Ward, The vei. journ., Bd. 23. Mummbnthey, I'r. M., 1883. FtlÖHNER. Toxi-koloijie, 1890. S. 87,
Symptome. Appetitlosigkeit. Kolik, Diarrhöe, Schwanken, Betäubung, Zuckungen, Collaps; Athmungs- und Pulsbeschleunigung, Therapie: Alkalien, Excitantien.
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Vergiftung durch CJnrbolsiiurc.
Literatur, Schmidt, Pr. M,, 1866/07. S. 106. Bmckmüixkh, Oe. V. S., 1870. 4. Heft, Decroix, Rec, 1873. NTr, 3. Bkck, IC. f. Th., 1874. S. 413. Dammann, Fr. M., 1874/75, S. 109. - Thomas, Ibid., 1877/78. S. 26, Bllbnbbroeb u. Hofmeister, S. J. 1)., 1881. S. 157. - Munk, 11. Ä., 1882, S, 101. Gahroustr, Bull. soe. centr., 1882. (tückel, Schäfer, B. A., 1885. 8. 227 f. Bohmann, Ibid., 1887. S. 129. Wilhelm, S, .1. B., 1887. S. 113. van Lbeuwen, Holl. Z., Bd. 16, S. 5. HOrner, Igt;. Z. f. Th., 1890. S. 302. Fiuhinek, Toxikologie, 1890. S. 94. Beei., D. Z. f. Th., 1891. S. 211. Dette, /;. A., 1894. 8. 342.
Symptome. Appetitverminderung, Speicheln, Erbrechen, Diarrhöe, leichte Kolikschmerzen, Aufbiegen des Rückens; schmutzig getrübter, grünlichbrauner, eiweisshaltiger, nach Carbolsäure riechender Harn. Parese und Paralyse der Nachhand, Lähmung des ganzen Körpers, zuweilen plötzliches Zusammenstürzen, Zittern, Schreckhaftigkeit, Unruhe, tonisch-klonische Muskelkrämpfe, Betäubung, Coma, Collaps. Sinken der Innentemperatur bei Beschleunigung des Pulses, Unregelmässige. erschwerte Respiration, Zuweilen die Symptome einer Nephritis (weisse und rothe Blutkörperchen, Cylinder im Harne). Locale Verätzungen bei concentrirter Anwendung, Anatomischer Befund: hämorrhagische Magendarment-
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Jodoformvergiftung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 247
zündung. Leberverfettung, parenchymatöse Degeneration des Herzens, Verfettung der Nieren, selbst parenchymatöse Nephritis. Dunkles, schlecht geronnenes, schmieriges Blut. Gehirn-und Lungenhyperämie, Pia-Oedem, seröser Erguss in die Ventrikel, Carholgemch aller Organe. Bei localer Anwendung: Verätzung. Therapie: schwefelsaure Salze, besonders Glaubersalz, welche die Carbolsäure in die ungiftige Phenylsulfonsllure überführen. Seife. Kalkmilch. Excitirende Mittel: Aether, Campher, Weingeist, Kaffee, Wein.
Vergiftung durch Jodoform. Literatur. Albreciit, W. f. Tli., 1887. Fköiineh, Toxikologie, 1890. S. 91.
Symptome. 1. Die acute Jodoform Vergiftung äussert sich zunäcbst in leichten gastrischen Störungen {Appetitverlust, Erbrechen, Verstopfung), sodann in Schläfrigkeit, Betäubung und Coma, welche von Krampf anfallen unterbrochen werden. Hunde zeigen zuweilen schon anfangs starke Aufregung und selbst wuth-ähnliche Zufälle. Weiter findet starkes Sinken |der Innentemperatur statt und es entwickeln sich die Zeichen der Herzschwäche (sehr frequenter, kleiner Puls, pochender Herzschlag, Dyspnoe, Oligurie, Albuminurie).
2. Die chronische Jodoformvergiftung verläuft unter den Erscheinungen des chronischen Jodismus. Dieselben bestehen in Abmagerung, Schwund der Drüsen, namentlich der Milchdrüse, Jodekzemen und Katarrhen der Schleimhäute, insbesondere der Nasenschleimhaut (Jodschnupfen), der Lidbindehaut, der Kehlkopfsund Bronchialschleimhaut. Anatomischer Befund: bei der Section findet man als Haupt Veränderungen Verfettung der grossen Körperdrüsen (Leber, Niere), des Herzmuskels und der Skelet-muskeln, sowie zuweilen Qlomerulonephri tis. Therapie; Bei der Behandlung der Jodoforravergiftung handelt es sich vor Allem darum, wenn möglich das Gift durch Brechmittel aus dem Magen zu entfernen. Eigentliche Antidote gegen Jod besitzen wir nicht. Man kann versuchen, durch grosse Dosen von Stärkemehl das Jod unwirksam zu machen. In der Hauptsache ist die Behandlung aber eine symptomatische, excitirende.
Chlorvergiftung. Die Erscheinungen bestehen in einer schweren Entzündung der Schleimhaut der oberen Luftwege, Husten, hochgradiger Athemnoth und Erstickungsanfilllen. Ein Fall bei Pferden
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einer chemisoben Fabrik, welche in der Nilhe der geöffneten Cblorkammer standen, ist von Kost (Siicbsischer Jahresbericht, 1888. S. 87) beschrieben worden.
Petroleumvergiftung. Symptome: gastrische Störungen, Schwindel, Betäubung, raiwchartiger Zustand, Lähmung. Die Behandlung besteht in der Verabreichung von Brechmittoln und Excitantien. Bezüglich der Literatur vergl. Fröhner, Toxikologie, 1890. S. 100. Ausserdem Moaniii Eec, 1892.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; fc
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II. Pflanzliche Gifte. Die Lupinenkrankheit, Lupinose der Schafe.
Literatur. - Preuss. MiUh,, 18(i0/67 (Wienands) ; 1875/70. S. 104; 1877/78. S. 1723; 1880/81. S. 25. Dammann, lgt;. X. f. 77)., 1877. S. 353; Oemndheitspfiege, 1892. ~ Bellini, Ref. Thrzt., 1877. S. 46. ZüHN, V. f. Thierärste, II. Serie. 7. Heft. 1879; Wiener Uindiv. Xeiluny, 1885. S. 502. Adnold u. Lemke, //. ,7. /;., 1879/80. S. 94. Kühn, Jier. d. landw. Inst., Halle 1880. 2. Heft. S. 115; D. Z.f, T/t., 1881; Blätter f. Jielehrunc/u. Unterhaltung, Halle 1881. LlEBSCHKR, Her. d. landw. Inst., Halle 1880. S. 53; S. A., 1881. S. 224. Crespo, ./. d'affHo. prat., 1880. Arnold, Jf. ./, H., 188082. S. 136. Arnold u, Schneidemühl, Ibid., 1882/83. S. 101; D. Z. f. Th., 1883. S. 287. Euch, Thrzt., 1882. S. 64. Zundel, Kec, 1883. Roloff, li. A., 1883. S. 1. BaüMOSrtel, S, J. B., 1883. S. 89. Schneidemühl, V. f. Thierärzte, VI. Serie. 4. Heft; Zusammenfassende Arbeit, D. Z.f. Th., 1884. S. 150. - Barth, Melzbach, Pirl u. A., li. A., 1885. S. 107 u. 109. Weoener, Pirl, B. Ä., 1886. S. 72. Becker, Ibid., 1891. S. 293.
Lupinose beim Pferde. Weoener, Pr. M., 1877/78. S. 21; /(. Ä., 1886. S. 72. Haselbaoh, Oe. V., 1884. Nr. 9. Korel, W. f. Th., 1884. S. 308. Bützebt, Prir. Mittheil. Dieokerhoff, Spec. Path., 1892. Bd. I. S. 501. Pferdefreund, 1893. Nr. 29 {Ref.).
Lupinose beim Schwein. Stöhr, /;. .1., 1892. Höhne, Ibid., 1894. S. 59.
Geschichtlich - Statistisches. Einzelerkrankungen durch den Genuss von Lupinen wurden bereits im Anfange der sechziger Jahre von Wienands, Liebscher, Güttlich beobachtet. Die ersten Mittheilungen über Massenerkrankungen der Schafe stammen indess erst aus dem Jahre 1872. Von hier ab, und namentlich seit 1875, mehrten sich diese Massenerkrankungen und erregten bald die allgemeine Aufmerksamkeit, so dass sich beispielsweise das preussische Ministerium für Landwirthschaft veranlasst sah, an den Thierarzneischulen zu Berlin und Hannover Untersuchungen über das Wesen der Krankheit anstellen zu lassen. Die von der Lupinenkrankheit vorwiegend betroffenen Gegenden sind die durch ihre Bodenverhältnisse für den Anbau von Lupinen besonders geeigneten preussischen Provinzen Pommern, Posen, Brandenburg, Westpreussen, Schlesien; später verbreitete sich die Krankheit auch über Hannover und schliesslich fast über ganz Norddeutschland. In Süddeutschland ist sie dagegen so gut wie unbekannt. Der Schaden, welcher der Landwirth-
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Lupinoso.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 249
schaft durch die Lupinose erwächst, ist ein ganz bedeutender, wenn man bedenkt, dass oft die Hälfte bis Dreiviertel des ganzen erkrankten Schafbestandes zu Grunde geht. Die Verluste in einzelnen Kreisen der Provinz Pommern beziffern sich auf viele tausend Stück in einem Jahre. So referirte v. Below-Saleske in den Verhandlungen des königlich preussischen Landesökonomie-Collegiums vom ;5. Februar 1880, dass ein pommerscher Kreis mit einem Bestände von 240,000 Schafen in Einem Jahre 14,188 Stück an der Lupinenkrankheit verloren habe und 13,000 Lämmer weniger aufziehen konnte als sonst. Wie Schafe, so erkranken auch Ziegen, Pferde, Rinder, Schweine, Damwild. Experimentell kann die Krankheit auch auf Hunde, nicht aber auf Kaninchen übertragen werden.
Aetiologisches. Es werden zwar auch ohne Lupinenfütterung
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anz ähnliche Erkrankungen wie die Lupinose beobachtet, doch kommt
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die eigentliche Lupinenkrankheit nur da vor, wo Lupinen gebaut und verfüttert werden. Besonders sind es die cultivirten gelben Lupinen, seltener die blau und weiss blühenden, welche schädlich wirken. Die Disposition zur Erkrankung wird durch Hasse, Geschlecht und Alter nicht beeinflusst; wenn Lämmer und Mutterschafe in einzelnen Fällen schwerer erkrankten als Hammel, so ist dies eben in der schwächeren Constitution derselben zu suchen. Ueber das Wesen der krankmachenden Ursache in den Lupinen sind von Anfang an die verschiedensten Anschauungen kund geworden. Am wahrscheinlichsten ist, dass der schädliche Stoff in den Lupinen ein rein chemisches Gift ist. Hiefür spricht die Erfahrungs-Thatsaclie, dass die oberflächlichen Schichten der im Freien aufbewahrten Lupinenliaufen, kleinere Häufchen auch ganz unschädlich sind, indem das Gift hier durch den Regen ausgelaugt wurde. Ferner sind als Beweise für die Anwesenheit eines chemischen Giftes zu betrachten der Umstand, dass der Grad der Erkrankung stets im directen Verhältniss zu der Menge der aufgenommenen schädlichen Lupinen steht, und dass sich je nach der Dosirung des giftigen Auszugs experimentell beliebig eine acute oder chronische Vergiftung erzeugen lässt, endlich die nachgewiesene Extractionsfähigkeit des die Lupinose erzeugenden Stoffes durch Wasser, welches 2 3 Proc. Aetznatron enthält. Kühn hat für den durch Wasser ausziehbaren chemischen Stoff den Namen Iktrogenquot; vorgeschlagen. Arnold und Schneidemühl nennen ihn Lupino-toxin, ein Name, welcher dem nicht für alle Fälle zutreffenden Kühn's vorzuziehen ist.
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Aeltere Theorien. Die versohledenen über die Aetiologie der Lupi-nose sonst noch aufgestellten Theorien sind folgende;
1.nbsp; nbsp;Eine sog. Lupinenmüdigkeit des Bodens wurde von land-wirthschaftliehor Seite /unä^hst beschuldigt. Darnach sollte die Pflanze nicht mehr genügend normale Nährstoffe im Boden vorfinden und sich in derselben nunmehr ein schildlich wirkender Stoff bilden. Indess erzeugten zuweilen die ganz frisch angebauten Lupinen Lupinose, andererseits werden erfahrungsgemäss in vielen Wirfhschaf'ten Lupinen viele Jahre hindurch auf einem und demselben Acker gebaut und ohne Nachtheil verfüttert.
2.nbsp; nbsp;Die Einlagerung feinen Sandstaubes in die Lupinen als Krankheitsursache wurde schon 187(5 durch die Untersuchungen Dam-niann's widerlegt, welcher schiidlicho Lupinen völlig frei von Sand und Staub fand.
3.nbsp; nbsp;Die von thieriirztlicher Seite aufgestellte Hypothese einer über-mässigen Fütterung von Lupinen und dadurch hervorgebrachten Ueberladung des Blutes mit BiweissStoffen wurde bald durch die Thatsache widerlegt, dass die Krankheit aucli nach der Fütterung kleiner Quantitäten auftreten kann, und dass es in einer Wirthschaft und in einem und demselben Jahre oft nur einzelne Aecker oder sogar nur einzelne Ackerparzellen waren, die schädliche Lupinen trugen.
4.nbsp; nbsp;Vielfach wurden B efal lungspilzo auf den Lupinen als die directe Ursache der Lupinose angesehen (Zürn). Diese Annahme ist indess durch eine Reihe von Thatsachen unhaltbar geworden. Erstens ist es nie gelungen, Pilze als Erzeuger der anatomischen Veränderungen nachzuweisen. Zweitens hat die Erfahrung gelehrt, dass schimmelige und sogar schon in Fäulniss übergegangene Lupinen sich in Beziehung auf Lupinose vollkommen unschädlich erweisen können, während häufig genug tadellos aussehende, gut eingebrachte und trocken aufbewahrte Lupinen sich in hohem Grade schädlich zeigten, Drittens wurde die interessante Beobachtung gemacht, dass bei Aufbewahrung der Lupinen im Freien die oberflächliche Schichte ohne Nachtheil verfüttert werden konnte, svährend die Verabreichung der tieferen Schichten die Krankheit hervorrief, ein Umstand, der nicht für die Pilze sprach. Viertens ist eine Uebertragung der Lupinose durch Impfung nicht gelungen. Fünftens lässt sich der schädliche Stoff der Lupinen durch Wasser, das 23 Froc. Aetznatron enthält, vollständig ausziehen, ohne dass in diesem Auszug Pilze nachweisbar wären. Sechstens erzeugton nach den Versuchen von Arnold und Lemke Lupinen trotz vierwöchentlicher Einwirkung absoluten Alkohols immer noch Lupinose, während etwa vorhandene Pilze durch den Alkohol unwirksam geworden wären, oder wenn nicht, durch ihre Suspendirung im Alkohol bei der Einverleibung des Alkoholauszugs hätten schädlich wirken müssen, was nicht der Fall war.
5.nbsp; nbsp;Auch die Annahme endlich, dass es sich bei der Lupinose um einen abnormen Gehalt normal vorkommender Alkal oide handle, ist nicht aufrecht zu erhalten. Zunächst haben die Untersuchungen von Brummer und K rock er (Landwirthschaftliche Jahrbücher 1880) dargethan, dass die schädlichen Lupinen oft weniger Alkaloido enthalten, als die unschädlichen. Sodann hat Lieb seh er gezeigt, dass die Erscheinungen, bezw. anatomischen Veränderungen bei der Lupinose ganz andere sind, als bei den Alkaloid-vergiftungen, die als reine Nervengifte wirken. Und endlich hat Arnold mit Lupinen, die von den Pflanzenalkaloiden vollkommen befreit waren, noch Lupinose erzeugt.
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Eigenschaften und Darstellung des Lupinotoxins. Dasselbe ist in Wasser wenig, leichter dagegen in alkalisch gemachtem Wasser löslich. Trockene Wärme, selbst 3stündiges Erhitzen der Lupinen auf 100deg; C. zerstört das Gift nicht. Dagegen schwächt mehrstündiges, bei 1l'/a Atmosphären Ueberdruck bewerkstelligtes Dämpfen die giftige Wirkung ab, und Dämpfen der Lupinen bei reichlich 2 Atmosphären Ueberdruck zerstört das Gift vollständig.
Das besonders in den Schalen resp. Hülsen und Samen, aber auch in den übrigen Theilen der Pflanze enthaltene Gift wird nach Arnold und Schneidemühl auf folgende Weise dargestellt. Eein gemahlene Lupinen werden mit l'/^procentiger Sodalösung von 4050deg; C. zu einem dünnen Brei angerührt und nach 2tUgigem Stehen ausgepresst. Das Eiltrat wird auf dem Wasserbade (00deg; 0.) abgedampft, mit Essigsäure versetzt, filtrirt. mit Bleiacetatlösung behandelt, das Piltrat mit Schwefelwasserstoff gesättigt, bei 50 0 C. eingedampft und in das löfache Volumen ÜSprocentigen Alkohols gegossen. Der nach 24 Stunden gesammelte und getrocknete Niederschlag (braune, harzige Masse) wird in Wasser gelöst, mit Bleiacetat und Ammoniak versetzt, der Niederschlag mit ammoniakhaltigem und dostillirtem Wasser, Alkohol und Aether ausgewaschen, in Wasser suspendirt und mit Schwefelwasserstoff zerlegt; das Piltrat dann bei 70deg; C. abgedampft und mit dem lüfachen Volumen OSprocontigen Alkohols versetzt.
Ueber die Modalität der Entstehung des Lupinotoxins in den Lupinen ist nichts Sicheres bekannt. Doch wird allgemein die Möglichkeit der Entstehung des Giftes als Umsatzproduct parasitischer, auf den Lupinen schmarotzender Pilze zugestanden, wonach diesen nicht näher gekannten Pilzen somit die indirecte Ursache der schädlichen Lupinenwii-kung zufallen würde.
Anatomische Veränderungen. Die Hauptveräuderungen bei der Section lupinosekranker Schafe bestehen in parenehymatöser Entzündung innerer Organe, besonders der Leber und Nieren, neben Erscheinungen der Gelbsucht und einer sich allmählich ausbildenden hämorrhagiseben Diathese.
1. Die Leberaffcction charakterisirt sich als acute parenehy-matöse Hepatitis. Man findet eine hochgradige körnige, eiweiss-artige Trübung der Leberzellen, wobei die Leber, je nachdem schon vorher Fettinfiltration bestanden hat oder nicht, bald abnorm gross, bald von normaler Grosse sein kann. Dieser initialen körnigen Trübung folgt bald die fettige Degeneration der Leberzellen, wobei dieselben grosser werden und neben Eiweisskörnchen grössere oder kleinere Fetttropfen enthalten. Die Intensität dieser Leberverfettung scheint von dem jeweiligen Ernährungszustand des Individuums abzuhängen. Die Leber wird dabei schlaffer, weich und brüchig. Auf dieses Stadium der Erweichung, in welchem die meisten Thiere nach wenigen Tagen zu Grunde gehen, folgt das Stadium der Atrophie (acute gelbe Leberatropliie), während dessen der erweichte flüssige Inhalt der Leberzellen resorbirt wird. Dabei verkleinert sich die
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Leber bedeutend; die Entwicklungsdauer dieses Stadiums beträgt ca. 14 Tage. Bei chronischer Lupinose bestehen die Leberveränderungen in einer chronischen interstitiellen Hepatitis mit Neubildung von interstitiellem Bindegewebe; hier wird die Leber kleiner und derber, zuweilen gelappt und höckerig, und es knüpfen sich die bekannten Stauungserscheinungen (Ascites, ödematöse Schwellung der Milz und Darmschleimhaut) daran.
2.nbsp; nbsp;Die meist vorhandene Gelbsucht betrifft in erster Linie die Leber, welche bald hell- und citronengelb, bald roth- und ockergelb gefärbt ist. Der Ikterus ist ein hepatogener, durch die Vergrösse-rung der Leberzellen und die hiedurch bedingte Stauung der Galle zwischen den Zellen, sowie durch einen Katarrh der grösseren und feineren Gallengänge hervorgerufen. Dabei können auch einzelne Partien der Leber in isolirter Weise ikterisch verfärbt sein. Aussei' der Leber sind sodann die Subcutis, die Bauchhaut, das Netz und das Gekröse gelb gefärbt. Die Gallenblase ist oft abnorm erweitert und gefüllt, ihre Schleimhaut entzündlich gerottet.
3.nbsp; nbsp;Die Nieren zeigen ähnliche parenchymatöse Veränderungen wie die Leber, nur in massigerem Grade. Man findet auch hier die Erscheinungen einer parenchymatösen Nephritis, bestehend in körniger Trübung in den Epithelien der gewundenen Harncanälchen, Ansammlung von Exsudatcylindern in den Henle'schen Schleifen u. s. w. Daneben findet man katarrhalische Cystitis bei leerer oder nur wenig gefüllter Harnblase.
4.nbsp; Im Digestionsapparate fällt neben der ikterischen Färbung der Schleimhaut eine katarrhalische, zuweilen auch parenchymatöse (glanduläre) Gastritis besonders des Labmagens, sowie entzündliche Röthung und Hämorrhagien im Dünndarme neben katarrhalischer Affection des ganzen Darmcanales auf.
5.nbsp; nbsp;Die Herzmuskulatur ist sehr blass und mürbe; das Blut im Herzen und in den grösseren Körpervenen ist dunkel, dickflüssig, gerinnt an der Luft bald und wird dabei hellroth. In den meisten Organen findet man capilläre Hämorrhagien (Darm, Haut, Subcutis, Peritoneum, Uterus, Gehirnhäute).
0. Die Cadaver sind meist stark abgemagert. Die Muskulatur ist graugelb verfärbt, die Muskelfasern sind körnig und fettig degenerirt und haben zuweilen ihre Querstreifung verloren. Die Cadaver gehen sehr rasch in Fäulnias über.
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Symptome. Die erste Krankheitsersoheinung bei der Lupinose ist eine Verminderung des Appetites. Die Schafe nehmen, auch wenn sie an Lupinen gewöhnt sind, schädliche Lupinen nicht gerne, höchstens noch im Anfange oder nach längerem Hungern auf und verweigern später die weitere Aufnahme sogar der gesunden Lupinen. Mit zu den ersten Symptomen gehört die Erhöhung der Körpertemperatur; dieselbe kann schon am ersten Tage nach der Fütterung giftiger Lupinen vorhanden sein und erreicht bei acutem Verlaufe eine Höhe von 4041 0 C. und darüber. Dabei scheint der Charakter des Fiebers ein remittirender zu sein; vor dem Tode sinkt die Temperatur erheblich. Der Puls ist entsprechend beschleunigt und beträgt 130 Schläge und darüber in der Minute.
Gelbsüchtige Erscheinungen kann man in manchen Fällen schon am 2.3., bei geringerer Giftigkeit der Lupinen vom 5. oder G. Tage ab beobachten ; dieselben treten plötzlich oder allmählich und gewöhnlich zuerst am Auge auf. Sie können indess auch ganz fehlen, und selbst die Gelbfärbung der Conjunctiva und Solera ist von verschiedenen Beobachtern häufig vermisst worden, woraus erhellt, dass der Ikterus kein unumgänglich nothwcndiges Symptom der Lupinose darstellt.
Mit der Zunahme der Krankheit, in einzelnen Fällen schon von Anfang an, stellen sich bei den Thiercn Erscheinungen von Schwäche und Eingenommenheit des Kopfes ein; die Patienten zeigen einen steifen Gang, stehen mühsam auf, liegen viel, lassen sich leicht greifen, sind matt u. s. w. Zuweilen steigert sich die Eingenommenheit des Kopfes zu förmlicher Bewusstlosigkeit: die Thiere lassen den Kopf hängen, stemmen denselben an benachbarte Gegenstände an, halten ihn beim Liegen gestreckt, drängen nach der Seite, vor- und rückwärts , machen häufige Bewegungen mit dem Hinterkiofer, knirschen mit den Zähnen, zeigen selbst Kaukrämpfe und hochgradigen Trismus oder schrecken beim geringsten Geräusche zusammen.
Die Kothentleerung ist im Anfange gewöhnlich verzögert, der Koth dabei hart, mit gelbem Schleim umhüllt, später wird er gern theerartig und dunkelbraun in Folge von Blutbeimengung. Dann und wann kann auch Diarrhöe auftreten. Der in kleinen Mengen und ziemlich häufig abgesetzte Harn ist von gelber Farbe, enthält meist Gallenfarbstofi und regelmässig Gallensäuren sowie Eiweiss. Daneben findet man in demselben Nieren- und Blasencpithelien, Rundzellen, sowie Harncylinder verschiedener Art.
Die Athmung ist im Anfange noch ruhig, später beschleunigt
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und erschwert. Die Athemfrequenz beträgt oft über 100 Athemzüge in der Minute. Bei verschiedenen Schafen wurde auch schleimiger Nasenausfluss sowie blutiger Schaum aus der Nase beobachtet.
Der tödtliche Ausgang kann schon nach 12 Tagen erfolgen, meist betrügt indess die Dauer der Krankheit durchschnittlich 45 Tage. Der Tod erfolgt unter starker Abmagerung und raschem Verfall der Kräfte. Nimmt die Krankheit den Ausgang in Besserung und Heilung, so können die Krankheitserscheinungen bald schnell, bald sehr langsam zurückgehen. Zuweilen geht jedoch die scheinbare Besserung in Kachexie über.
Die Prognose der Lupinenkraukheit ist meist eine sehr ungünstige; nur bei geringer Giftigkeit der Lupinen und bei sofortigem Aussetzen mit dem Vorfüttern derselben kann Hoffnung auf Heilung bestehen. Die acuten Fälle verlaufen indess meist tödtlich.
Chronische Lupinose. Die nach fortgesetzter Fütterung mit nur geringgradig giftigen Lupinen entstellende chronischeLupinose verläuft meist ohne Ikterus unter dem Bilde der Bleichsucht und Kachexie. Daneben beobachtete ßoloff häufig Nasenkatarrh, Conjunctivitis und in einzelnen Fällen Entzündung der Haut und Sehorfbildung an den Lippen und Ohren. Auch Zürn erwähnt Ansehwelluugen an einzelnen Theilen des Kopfes (Lider, Lippen, Ohren) mit Ausschwitzung einer gelben Flüssigkeit und nachfolgender Borkenbildung.
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Behandlung. Der wichtigste Punkt bezüglich der gegen die Lupinose zu treffenden Massregeln ist in der prophylaktischen Verhütung der einzelnen Krankheitsfälle zu suchen, da ein speeifisches Gegengift gegen die Krankheit selbst bis jetzt noch nicht bekannt ist. Ist die völlige Ausschliessung der giftig befundenen Lupinen vom Genüsse aus ökonomischen Gründen nicht möglich, so empfehlen sich zur Unschädlichmachung der durch Probefütterung je nach den einzelnen Aeckern zu prüfenden Lupinen von giftiger Wirkung folgende Verfahren:
1.nbsp; nbsp;Man verfüttert die schädlichen Lupinen mit einem Ueber-schuss guten Putters etwa im Verhältnisse 1 : G10, und wo möglich älteren Thieren.
2.nbsp; nbsp;Man lässt das Heu in kleinen Häufchen im Freien durch den Regen auswaschen und verfüttert nur die oberste Schichte grösserer Lupinenhaufen (Dammann).
3.nbsp; nbsp;Man laugt das schädliche Futter mit Wasser oder noch besser mit einer Iprocentigen Sodalösung 48 Stunden hindurch mit Erneuerung der Flüssigkeit a u s.
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4.nbsp; nbsp;Man dämpft dasselbe mehrere Stunden lang bei reichlich 2 Atmosphären Ueberdruck (Kühn, Roloff).
5.nbsp; nbsp;Man versetzt die Lupinen mit der Sfachen Menge Wasser, dem pi-o Centner Lupinen 5 kg Salmiakgeist beigefügt werden und lässt diese Mischung 23 Tage bei ca. 13deg; stehen. Hierauf werden die Lupinen 7--10 Tage lang mit Wasser ausgelaugt (Soltfien).
Ist die Krankheit bereits ausgebrochen, so vermeidet man die Anwendung aller alkalischen Flüssigkeiten, besonders alkalisches Trinkwasser, versucht im Gegentheil dem erkrankten Thier Säuren im Trinkwasser beizubringen, welche das Lupinotoxin unlöslich machen. Ferner empfehlen sich evaeuirende Mittel, um das Gift möglichst rasch aus dem Darracanalc hinauszuschaffen; indess soll man dabei Glaubersalz, welches die Lösung des Giftes befördert, vermeiden und ölige Mittel, auch Bierhefe, vorziehen (Dammann). Das Fleisch der nicht zu hochgradig erkrankten Thiere ist unbedenklich als geniessbar zu betrachten (Roloff).
Die Lupinenkrankheit beim Pferde. Dieselbe sohliesst sich nach anatomischen Veränderungen und Erscheinungen im Allgemeinen der Lupinose der Schafe ganz an. Bezüglich der Entstehung ist sie gewöhnlich auf die Beimischung von Lupinensamen /um Hafer, in einzelnen Fällen auch auf das Einstreuen von Lupinenstroh zurückzuführen. Das anatomische Bild ist so ziemlich dasselbe wie bei den Schafen, nur findet man meist eine heftigere Entzündung im ganzen Darnicanal. Die Erscheinungen bestehen auch hier in mehr oder weniger plötzlichem Versagen des Futters, Verschmähung des besten Hafers und Wiesenheues, Sisfirung der VVasseraufnahme, Eingenommenheit des Sensoriums, die sich bis zur hochgradigen G ehirn depression steigern kann, und wobei die Thiere den Kopf zeitweise auf die Krippe aufsetzen, mit den Zähnen knirschen, von der Krippe zurückstehen, den Kopf hängen lassen und einen unsicheren, taumelnden Gang zeigen. Das häufig niedergradige Fieber kann zuweilen hochgradig werden, der Puls steigt auf 00 Schläge pro Minute und mehr. Die Athnmng geschieht im Allgemeinen ruhig, kann indess auch auf 3ö40 Züge pro Minute gesteigert sein. Dabei ist mehr oder weniger intensiver Ikterus zugegen (Lidbindehaut orangeroth bis citronengelb, Maid-, Nasen- und Scheidenschleimhaut lehmgelb). Die Zunge ist mit gelbem Schleim belegt; der Koth wird selten abgesetzt, ist klein geballt, oft mit Schleim überzogen, und aashaft riechend. Die Thiere uriniren häufig, aber immer nur in kleineren Quantitäten. Nachdem diese Erscheinungen bis zu 8 Tagen in gleichem Grade fortbestanden haben, tritt gewöhnlich allmähliche Besserung und nach 16 bis 21 Tagen Heilung ein. Tödtliche Ausgänge sind nicht beobachtet worden. Von ungewöhnlichen Symptomen sind noch zu erwähnen: lei chte Kolikzufälle, o r angero ther , zäher Nasen aus i'luss, nekrotisches Absterben fünf mar kstückgrosser Seh lei mhautparti en der Zunge, Mum ifi cat ion der Haut über dem Nasenrücken, Hautentzündung mit gelber plasm atischer Exsudation, Krustenbildung und Ablösung der Oberhaut an der Unterlippe und
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an don Fes sol n mit gleichzeitigen zum Carpal- und Tarsalg-elenk hinauf.
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ödem at Ösen Schwellungen bis
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Anhang zur Lupiuose. Das für die Lupinose so charakteristische Kraukheitsbild findet sich ausserdom bei einer Reihe bisher nicht aufgehellter Krankheiten, die indess mit Lupiiienfütterung nichts zu thun haben, mehr oder weniger angedeutet. Am meisten Aehnlichkoit mit der Lupinose hat die von Haubner (Landwirthsohaftliohe Thierheilkande) beschriebene sog- typhöse Leberentzündungquot; oder bösartige Gelbsuchtquot; der Schafe n ach F ü ttoru n g ein er gross eren Me n ge von Kartoffelschlempe. Man bekommt dabei den Eindruck einer völligen Identität beider Krankheiten. Desgleichen erinnert die von Sander (Bering's Pathologie, 1858. S. 40G) als Lebertyphus beim Pferdquot; beschriebene und auf überschwemmte Weiden zurückgeführte Krankheit in allen ihren Einzelheiten an acute Lupinose. Keinem an n und Jansen (Pr. Mitth., 1880/81, S. 2(gt;) u. A. fanden, dass unter gewissen Verhältnissen Erbsen-, Bohnen- und Wickenstroh ebenfalls einen der Lupinose ähnlichen Zustand erzeugen. Stöhr (13. tb. W., 1892. S. 409) beobachtete bei Pferden nach Wickenfütterung dieselben pathologischen Veränderungen, wie bei der chronischen Lupinose der Schafe (Ikterus, starke Abmagerung, grosso, orangefarbige Lebern). Bei Ochsen war trockenes Absterben runder Hautstellen, ausserdem bei Pferden und Sehweinen Darmentzündung vorhanden. Auch Köder (S. J. B., 189;J. S. 13ü) sah nach der Verfütterung der Zottelwicke Urticaria und Dermatitis, Gastritis, lehmfarbige Beschaffenheit der Leber, Bronchitis, Bronchopneumonie und Nephritis bei Rindern. Wenke (B. A., 1894. S. 345) berichtet über Todesfälle bei Pferden mit Wickenfütterung (Lähmungserscheiuungen).
An das Krankheitsbild der chronischen Lupinose wird man unwillkürlich bei der unter dorn Namen L e b e r v e r h ä r t u u gquot; oder Seh weins-bergerkrankheitquot; bekannten Krankheit der Pferde erinnert (siehe diese unter den Leberkrankheiten). Bndlieh findet man unleugbare Aehnlichkoit mit der acuten sowohl als chronischen Lupinose bei der sog. Kleekrankheitquot; der Pferde, welche unseres Erachteus am besten im Anschlüsse an die Lupinenkrankheit besprochen wird.
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Die sog. Kleckrnnkhcit.
Literatur. - Aramv, Her., 1858; Ref. Bep., XIX. 8.270. Hackbarth, Pr. M., 1870 bis 1871. S. 122; 1873/74. S. 177. Dessart, A. de Brux., 1870. Uebkle, Jiep., 1875. S. 38; 1878. S. 33. Wiener landw. Zeitung, 187G. Nr. 50. Deutsche lamlw. Presse,Il.Jamp;hvg. Nr. 83. Annal.d, Landwlrthsoh., 1877. S. 11. Lübicke, Thrzt., 1877. 8. 277. Fühling's Landw. Zeitung, 1880. Wehenkel, Rapport sur ViHat sanit. den animuux en Belgique, 1882. Zipperlen, Jtep., 1885. S. 163. Grebin-, B. A., 1887. S. 120. Model, Rep., 1889. S. 94. - Fröhneb, Toxikologie, 1890. S. 231. - Pilz, X. f. Vet., 1893. S. 13.
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Aetiologie. Die schädlichen Wirkungen einer ausschliess-lichen Kleefütterung namentlich bei Pferden, zuweilen auch bei Hindern, bezichen sich nach der übereinstimmenden Angabe der Autoren nur auf den Bastard- oder schwedischen Klee (Trifolium hybri-d u m). Die pathogenen Eigenschaften des letzteren sind längst be-
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Klcokrankhtit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 257
kaiint. Die eigentliche Ursache ist vielleicht in Bef'allungspilzen (üromyces apiculatus?) zu suchen, welche sowohl durch eine directe. scharfe, ätzende Einwirkung auf Haut und Schleimhäute, als auch durch die indirecte, nach der Aufnahme chemischer Umsatzproducte der befallenen Pflanzen, auf die Leber und das Gehirn gerichtete Wirkung die nachfolgend geschilderten auffallenden Krankheitaerschei-nungen zu bedingen scheinen.
Symptome. Das Krankheitsbild ist ein verschiedenes, je nachdem die Haut und Maulschleimhaut oder die inneren Organe ergriffen werden. Die Veränderungen bestehen im ersteren Falle in Anschwellung des Vorkopfes nebst einer hochgradigen Stomatitis, wobei sich Geschwüre innerhalb und ausserhalb der Lippenspalte, sowie exsudative Abstossung des Zungenepithels etc. bilden. Aelin-liche Veränderungen beobachtet man auch auf den mit weissen Abzeichen versehenen Hautstellen des Kopfes und der Gliedmassen (Schnibbe, Blässe, weisse Fessel). Es entstehen hier gelbliche, an einzelnen Stellen mit Blasen besetzte und allmählich durch Mumification sich abstossende Hautpartion, welche sehr schmerzhaft sind (ähnliche Processe werden auch bei der Lupinose beobachtet). Die lupinoseähnlichen allgemeinen Krankheitserscheinungen nach ausschliesslicher Kleefütterung äussern sich in ikterischer Verfärbung der Maulschleimhaut und Conjunctiva, Kolikanfällen, hochgradiger Mattigkeit und Schlafsucht neben nervöser Aufregung (Zuckungen, Raserei, epileptiformen Zufällen), Schwanken, Taumeln, Lähmungserscheinungen, Amaurosis, Schlund- und halbseitige Lähmungen. Der Verlauf der häufig enzootisch vorkommenden letzteren Krankheitsform, die viel Aehnlichkeit mit der subacuten Gehirnentzündung zeigt, ist meist ein rascher und tödtlicher. Eine Behandlung hat in den wenigsten Fällen Erfolg. Die Hauptsache ist das Aussetzen der Kleefütterung; die sonstige Therapie ist eine rein symptomatische.
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Vergiftung' durch Schaclitclhnliu (Equisotuin palustro, limosnin, nrvonse und hioinnlo). Sog. Tnumclkrankheit.
Literatur. Viiioalaquo;, Veterhtär-Selskabets-Skrifter, III. S. 3513Gii. 1818. Ueber-setzt von Hertwig, Mm;., 1807. S. 436. Nielskn, Hcp., 1855. S. 260. Dominik. /';. M., 1856/57. S. 187'. BüFFEBT, KniebüSOH, Ibid., 8. 189; ferner Ibid., 1858/59. S. 191; 1867/68. 8.77. Dintbh, S. J. H., 1856/57. S. 55. -- Dorpater KlMk-bericht, 1862. S. 70. Renklt, Mag., 1867. S. 149; Oe. Revue, 1880. S. 92 (Eof. von Friedbergai'n. Pröhner, Pathol. n, Therapie tl, Hansthtoro. f. Bd. 1, Aufl. 17
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Vergiftung duruli Oelkiichou.
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Semmeb). Tiioms, M/tlt;j., 1869. S. 240. Dammann, Thrxt., 1870. S. 189. Schmidt, IT. f. Tit., 1875. S. 381. Pei.sciii.mofsky, Oe. V., 1886. 8. 89; 1888. S. 187. Morro, li.,(., 1886. S. 77. Auemever, Ibid., 1890. S. 219. Fröhneu, Toxikologie, 1890. S.211. DiECKKRiioiT, Spec. I'ath., 1892. S.609. liBISTIKOW, laquo;. A., 1892. S. 45G. Rind, /*. th, W., 1804. S. 456.
Symptome. Anfangs Aufregung und Schreckhaftigkeit bei freier Psyche; später Unsicherheit in den Körperbewegungen, Schwanken und Taumeln, zuletzt Lähmung der Nachhand, Zu-siimmenstürzen, allgemeine Lähmung, Unemptindlichkeit gegenäussere lieize, Bewusstlosigkeit, Coma. Pulsfrequenz erhöht, Futterauf-nahme im Anfang gewöhnlich normal, bei längerer Dauer erhebliche Ernährungsstörungen, Zucker im Harn. Verlauf bald sehr acut, Tod innerhalb mehrerer Stunden, bald protrahirter (28 Tage), bald chronisch (1 bis mehrere Wochen). Beim Rind soll nach übermässigem Genüsse eine anhaltende Diarrhöe neben den Lähmungserscheinungen in den Vordergrund treten, während nach andauerndem Genüsse sich allmählich Kachexie und Hydrämie, verbunden mit lähmungsartiger Schwäche, entwickeln soll. Section: Hyperämie, Oedem, liydro-pische Ergüsse im Gehirn und Rückenmark, besonders im Kleinhirn; bei längerer Dauer Hydrämie. Zuweilen entzündliche Veränderungen in den Schleimhäuten des Magens und Darmes. Therapie: Futterwechsel, Abführmittel, Excitantien, besonders Campher, äussere Ableitungen längs der Wirbelsäule.
Vergiftung' durch IJucheckern-Oelkiiclien.
Literatur. Gerl.nch, ff. Tli., 1872. S. 772. Mit Literatur. Maonb u. Baillet, Traite d'ai/ricult. pral., Bd. 3. Wanner, Sohtv. ,1., 1889. S. 342. Kammerer u. Väth, H. th. M., 181)0. S. 70 f. Fröiiner, Toxikologie, 1890. S. 173. Hartenstein, S. .1. li., 1891. S. 112. Pusch, .)/. f. /gt;. Th., IV. Bd. 1893. S. 241. Mute-LET, liec, 1894. S. 43.
Symptome. Sehr heftige Kolik (Darmtetanus), Tobsucht, Rasereianfalle; tonisch-klonische Krämpfe, welche an Strychnin-Tetanus erinnern; Lähmungserscheinungen, Schwanken, Taumeln, Zusammenstürzen, Unvermögen aufzustehen. Verlauf sehr acut, Tod innerhalb weniger Stunden durch Erstickung. Section: wie bei Strychninvergiftung, zuweilen fleckige Röthungen im Darm. Therapie: Tannin, (.'hloralhydrat, Morphium.
Vergiftung durch Iticinuskiichon.
Literatur. Renner, l'r. M., 1874. Bou.inoer, 1gt;. '/,. f. Th., Bd, 0. Reoenhoüen, H. th. IC, 1888. S. 94. Wolff, Leonharut, H. .1., 1889. 8. 135 f. KOBERT u.
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Vergiftung durch BaümwolUftatmohl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 259
Stiluiark, Arbeiten dex jihannnkul. Instituts ZU Dor/int, 188Ü. JJil. :i. Kröhnkr, Toxikologie, 1890. S. 195. Regenhoüen, /gt;'. A., 1892. S. 4^. Eisknblättkr, Ibid., 1893. S.311. Völlers, Jbbl., 1894. S. 345. PoLLET, LiCOMBE u. LbsOOBUB, Her. ret., 1894. S. 19.
Symptome. Zunächst gastrische Erscheinungen: Erbrechen, Sclilingbeschwerden, Kolik, blutiger Durchfall, Anurie. Sodann Schwäche im Hintertheil, Unvermögen zu stehen, Eingenommenheit des Sensoriums. Bei der Section findet man hämorrhagische Gastro-Enteritia, zuweilen auch Nephritis. Die Behandlung besteht in der Verabreichung von schleimigen Mitteln, Opium, Tannin, Excitantien.
Vergiftung' durch Itaiimwollsnatinehl.
Literatur. Gautier, D, '/,. /'. '/'/(., 188(). (jips, Esser, ö. A., 1880. - Bonoartz, Ihut., 1888. Pütz, Oe. '/.. f. Vet., 1889. FröHNER, Toxikologie. 1890. S. 215. Peters, H. .1., 1892. S. 455. Ostermann, ibid., S. 344. Tietz, B. th. II'., 1894. S. 370. Fischer, ö. th. W., 1895. S. 294.
Symptome. Für gewöhnlich erkranken nur jüngere Thiere. Dieselben zeigen Störungen im Verdauungs- und Harnapparate: Tympanitis, Durchfall, blutige Diarrhöe, Blutharnen, Albu-minurie, Harndrang, Blasenlähmung. Die Krankheit zeigt bald eine kürzere, bald eine längere Dauer. Section: bei acutem Verlaufe beobachtet man blutige Magendarmentzündung, trübe Schwellung der Leber und Nieren, Lungenödem, dunkelrothen Harn , Ansammlung von Flüssigkeit in den Körperhöhlen; Milztumor fehlt. Bei chronischem Verlaufe findet man nur allgemeine Abmagerung und wassersüchtige Erscheinungen, zuweilen auch eine parenchymatöse Nephritis. Therapie: Futterwechsel. Verabreichung von Rioinusöl (Kälbern und Schafen 50100,0; Lämmern 1025,0). Symptomatische Behandlung.
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Vergiftung durch Herbstzeitlose (Colchicnin auluiiiiinle).
Literatur. Q-erlach, O. TJi., 1872. S. 789. Mit Literatur. Jjelowe, Journ, pi'at., 182(5. Hecueil re.ter., 1833. Weiss, Ee/i., 1851. S. 111. Landki., Ibid., 1853. S. 19. Barry, See., 1862. Kretsghmar, S, ./. II., 1863. S. 95. Tmndel, A, de JJrux., 1864. Baillip, ./. de Lyon, 1865.--- Chambers, Rec, 1866. Friedberger, W, f. Th., 1871. S. 393; 1870. 8, 69. Dentler, Rep., 1873. S. 217. Koppitz, Oe. V., 1878. S. 23. Peschel, S. .1. II., 1880. S. 83. Ehrmann, (k. V., 1882. S. 187. Oourtois, Uevue. ret., 1885. S. 127. Hezel, Eep,, 1889. S. 304. Becher, Teichel, Z. f. Vet., 1890. PröHNER, Toxikologie, 1890. S. HO. Wein-keer, Z. f. Vet., 1891. S. 458. Münster, B. A., 1891. S. 368. DlEOKEHHOFP, Spec. Path., 1892. I. S. 512; 1894. II. S. 282. BaüMOARTNEB, Kösleh, lgt;. th. 11'., 1893. H. 199. - Mesnahd, Rec, 1894. Nr. 12.
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Vergiftung durch Klatsohrosen.
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Symptome. Zunächst die einer acuten Magenclarmentzün-dung: Appetitlosigkeit, Erbrechen. Kolik, heftiger, selbst blutiger, ruhrartiger Durchfall, Auftreibung des Hinterleibes bei Kühen, zuweilen Schlingbeschwerden. Vermehrter Harnabsatz, Harn häufig hoch- bis dunkelroth (Hämaturie); später, wenn sich eine Nephritis ausgebildet hat, tritt Anurie ein. Abstumpfung des Sensoriums, Apathie und Somnolenz bis zur Bewusstlosigkeit. Schwächezustand besonders im Hintertheil, Schwanken, Zusammenstürzen, Unvermögen aufzustehen, Zittern. Kleiner, leerer, unfühlbarer Puls, vereinzelt anhaltendes heftiges Herzklopfen beim Pferde, Kälte der extremitalen Theile, Schweissausbruch, livide Färbung der sichtbaren Schleimhäute, Fupilleuerweiterung, vermehrte Athmung. Dauer bis zum tödtlichen Ausgange 1 o Tage. Anatomischer Befund: hämorrhagische Gastro-Enteritis. Ausgebreitete Ekchymosen-bildung, dunkles, schmieriges, schlecht geronnenes Blut. Fettdegeneration der Leber (in einem Falle). Therapie: Tannin oder gerb-stoifhaltige Mittel. Opium. Schleimige Mittel. Pansenschnitt beim Rinde. Symptomatische Behandlung der Gastro-Enteritis und des Lähmungszustandes.
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Vergiftung durch Klatschroseu (wilden Mohn, Pnpaver lihocns).
Literatur. Gehlach, G. Th., 1872. S. 816. Mit Literatur. Gaulkt, Kec, 1829. Weber, Ayhault, Ibid., 1858. Ackermank, S. J. IS., 1866. S. 69; 1868. S. 104. Weber, Ibid., 1877. S. 117. Barbe, Oe. Revue, 1882. S. 142. Hühner, S. ./. li., 1884. S. 110. Zipperlen, Bepy 1888. S. 266. Trasbot, liec, 1888. Fröhner, Toxikoloyie, 18Q0. S. 118. Godfmn, yl. rflaquo; JBrwa-., 1892. Walther, Wilhelm. Möbius, S. #9632;/. B., 1893. 8. 136. Tappe, li. A., 1894. S. 345. Diegkerhofp, Spec. Path., 1894. II. S. 283.
Symptome. Geifern, Kolik, Verstopfung, Tympanitis, Diarrhöe, Darmblutung; beim Rinde rasende, wuthähnliche Anfälle: Brüllen, Zähneknirschen, Neigung zum Stossen, Beissen, Bohren, wildes Umher- und Davonrennen; epileptiforme Krämpfe, Zusammenstürzen, Bewusstlosigkeit, Schlummersucht, Taumeln, rauschartiger Zustand. Dauer der Anfälle durchschnittlich mehrere Stunden; Ausgang indess selten tödtlich. Gerlach beobachtete auch eine chronische Klatschrosenvergiftung bei Pferden nach Fütterung von Häcksel, welcher viel wilden Mohn enthielt. Die Symptome bestanden in kollerartigem Benehmen, Gefühlsabstumpfung etc. Section: Gastro-Enteritis, Nephritis, suifocatorische Erscheinungen. Therapie: Tannin, kalte Sturzbäder auf den Kopf; im Zustande der Somnolenz Reizmittel: Aether, Campher etc.
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Vergiftung claroh Tabak.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 261
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Verpiftmiff durch Tnbnk (Nieolinnn).
Literatur. GüRLAOH, ü, 'l'h., 1872. S. 879. Mit Literatur. Beiigaxot, J. de Lyon, 1852. Lanusse, ./. du Midi, 1852. .lournal du Midi, 18(i5. Couiit, Gheli.ir, TMsea vi't., Toulouse. - Haübow), S,J. h., 1872. S. 142; 1875. 8. 111. Oornevin, Anutd. de Xooteclnnc, 1875. Lkclerco, A. de Brux., 1875. Renk, liee., 1881. v. Wöitz, Kep., 1887. S. 299. v. 0\v, IS. th. M., 1887. S. 90. Rossignol, Hull. 800. v4t,, 1889. Mattiiiese.v, It. th. IC, 1889. S. 413. FröHNEB, Toxikologie, 1890. S. 117. KhXmer, Z. f. Vet., 189'2. S. 550. Hecueil, 1895. Nr. 1. - Huse-mann, Ref. li. th. II'., 1895. S. 138.
Symptome. Würgen, Erbrechen, Speicheln, Kolik. Tympanitis, Durchfall (Darmtetanus); Polyurie. Grosse Muskelschwäche, Schwanken, Zusammenstürzen, Unvermögen aufzustehen, Lähmung, Zittern am ganzen Körper. Klonisch-tonische Krämpfe der Körpermuskulatur, O pisthotonus, Zwerchfellskrämpfe, Contrac-tionen der Augenmuskeln, Vorfall der Nickliaut, Amblyopie, Amaurosis. Stumpfsinn und Betäubung. Anfangs verlangsamte, später ausserordentlich beschleunigte und sehr unregelmässige Herz-action, stürmisches Herzklopfen, Kälte der extremitalen Theile, erschwerte, selbst dyspnoische Athmung. Verlauf: bei ender-matisoher Application oft sehr acut, Tod z. B. schon innerhalb einer Stunde; meist aber acut innerhalb eines Tages; die Reconvalescenz kann unter Umständen 814 Tage dauern. Section: hämorrha-gische Gasfcro-Enteritis (fehlt bei endermatischer Application); ausgebreitete subpleurale, subperitoneale etc. Ekchymosirungen, dunkles flüssiges Blut, Gehirn- und Lungenhyperämie. Therapie: Tannin oder tanninhaltige Stoffe (schlägt das Nicotin nieder), im Nothfalle schwarzer Katfee. Excitantien. Beim Rinde Pansenschnitt.
Vergiftung durch die Blätter des Eibenbniiines (Taxus bnecata).
Literatur. Geui.ach, (V. Th., 1872. S. 778. Mit Literatur. Delcroix, Her., 1854.
nbsp; Waters, ibid., 185C. Raulet, Ibid., 1858. Chkvaueu, Duchesne et Revnal, Annul, d'hygihic et de med. legale, Tom. IV. Thierarzl, 1862. S. 91. MlCHOTTE, A. de Unix., 1866. Hill, The Vet., 1870. H. Boui.ev, Rec, 1873. Conix. Ibid. ISaillet, Biet, vif., 1874. Stubbe, A. de Brux,, 187ti. Hartenstein, .1. d'Alf., 1877. Cobbold, Oe.Umme, 1878. 8.96. SdHRULLE, B.A,, 1885. S.227.
nbsp; Bojoly, ,/. de Lyon, 1887. Wälti, Ref. Jahresbericht über die Fortschritte der Thierheill.-unde, 1887. 8. 97. VuiBBRT, Presse vt't., 1888. Dewez, A. de llrux., 1888. Hable, Oe. Z. f. Vet., 1889. S. 120. Hess, Rep., 1889. S. 22. Fröiiner, Toxikologie, 1890. S. 128. - Oornevin, ,/. de Lyon, 1891 u. 1893. Wallis, The vet. sec, 1893. Keoelaer, lloll. /,., 1894. Arndt, B. .1., 1895. S. 193.
Symptome. Häufig plötzlicher, apoplektiformer Tod unter Taumeln, Zusammenstürzen und Convulsionen innerhalb ' i1 Stunde.
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Vergiftung ilurch Kornrade.
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In anderen Fällen Dauer länger (mehrere Stunden bis einige Tage), hiebei gastro-enteritische Symptome: Würgen, Schäumen, Erbrechen, Aufblähen, Obstipation, liäutiges Uriniren. Sodann Betäubung. Schwanken, Zusammenbrechen, Zittern, Krämpfe, letztere zuweilen in Form reeidivironder epileptifonner Anfälle. Puls Idein und verlangsamt; kalte Extremitäten. Section: Gastro-Enteritis (kann jedoch auch fehlen); Gehirnhyperämie und Oedem, dunkles flüssiges Blut. Therapie: wegen des raschen Verlaufes häufig unmöglich. Bei längerer Dauer Abführmittel und symptomatische Behandlung. Beim Binde eventuell Fansenschnitt.
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Vergiftung' durch Kornrade (Agrosteinmn Gtithago).
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Literatur.
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Zeitmg, 1889. Posch, D. X. f. Th., 1890. S. 209. Fröhneh, Toxikologie, 1890. S. 124. Olkmkkt. J. of romp., 1892. S. 486. Dieckerhoff, Spec. I'afh., 1892. I, S. 504; 1894. II. S. 27(5. Stier, B. th. ()'., 1891!. S. 623. -- Kornhauch, Ref. Oe. M., 1894. S. 489.
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Symptome. Kolikerscheinungen, Erbrechen, Speicheln, Schlingbeschwerden, Diarrhöe, Regurgitiren, Lähmung, Betäubung, Zittern, angestrengte Athmung. Section: intensive Gastroenteritis, Gehirn- und Rückenmarkshyperämie, Erweichung der grauen Substanz der Rückenmarksstränge, suffocatorische Erscheinungen. Therapie: Futterwechsel, Abführmittel, Excitantien.
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Vergiftung durch IJuchsbaumhlättcr (Huxus sempervirens). Literatur. Hübscher, Sehw. A,, 1884. S. 140. Fröhmer, Toatkologie, 1890. 8,181.
Symptome. Erbrechen, Kolik, Durchfall; Schwindel, Betäubung, rauschartiger Zustand, zuweilen sehr rascher convulsiver Tod. Section: Gastro-Enteritis, asphyktische Erscheinungen. Therapie: symptomatisch; Tannin.
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Vergiftung durch Dlgitniis.
Literatur. Q-erlach, (V. Th., 1872. S.786. Mit Literatur. Deraohe, A. tie Bnta 1877. Pröhner, liep., 1881 i Toxikologie, 1890. S, 181.
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Vergiftung durch Oleander,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 21 Hl
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Symptome. Speicheln, Würgen, Erbrechen, Kolik, heftiger Durchfall, Anfangs verlangsamte, später abnorm gesteigerte Herzaction, Herzklopfen, metallisch klingende Herztöne, kleiner unregelmilssiger, dikroter, zuletzt unfülilbarer Puls; Polyurie, Albuminurie, Strangurie; Aufregung, später Betäubung, Mattigkeit, Schwanken, Lähmung der Unterlippe, Pupillenverengerung, Krämpfe. Section: Gastro-Enteritis, Endocarditis, Myocarditis, Herz in Diastole, suttbcatorische Erscheinungen (Lungen-hyperänjie und Hypostase, Ekchyinosinmgen, dunklos flüssiges Blut). Therapie: es gibt kein specilisches Gegenmittel, daher die Behandlung rein symptomatisch, theils beruhigend, theils excitirend, Tannin wenigstens zu versuchen. Hauptexcitans: Campher.
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Vorgiftiiiijr durch Oleander (Nerinin Olenudcr).
Literatur. Toxmm, // Vet., 1857. (jeneham, (ktzzetta med. ret., 1871. Haubner, Gesundheitspflege, 1872. S.497. Kolbow, W. f. 1%, 1884. S.271. Esser, H. A 188G. S. 77. SiEBENROaa, Uep., 1890. S. 258. Himmei.stoss, IC. f. 7'//., ISiXraquo;. S. 245. Fröiixem, Toodhologie, 1890. S. 134. Zössinqer, ./. de Lyon, 1802. Reoqiani u. Deleidi, Clin. vet, Bd. XV. S. 371. Pferdefreund, 1892. Nr. 28. Ulm, 1). tli. W., 1894. S. 128. v. Eatz, .1/. f. /gt;. Th., V. Bd. S. 8. Bolz, W. f. Th,, 1805. S. 176.
Symptome. Die Erscheinungen der Oleandervergiftung bestehen einerseits in Erbrechen, Kolik, Durchfall, Polyurie, andererseits in Herzklopfen, unregelmässigem, sehr kleinem, verlangsamtem Pulse (digitalisähnlicho Wirkung); zuweilen beobachtet man auch Aufregungszustiinde. Der Tod tritt unter Lähniungs-erscheinungen ein (Schwäche, Muskelzittern). Bei der Section findet man Gastro-Enteritis. Die Behandlung ist eine symptomatische (einhüllende Mittel, Excitantien).
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Vergiftung durch Goldregen (Oftisns)laquo;
Literatur. Oornevin, ./. de Lyon, 1887. Brett, The Vet., 1880. Fröhner, Toxikologie, 1890. S. 135.
Symptome. Die Erscheinungen bestehen in Speicheln, Würgen, Erbrechen, Schläfrigkeit, Taumeln, allgemeiner Lähmung. Bei der Section findet sich leichte Mageudarmentzündung. Therapie: Brechmittel, Tannin, symptomatische Behandlung.
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Enzootisolie Ma^endariiieutzunilung'.
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Vergiftung durcli Mntlerkoni (ErgotiNinns, Kricbulkmiikhcit).
Literatur. - Gerlaoh, O. Th., 1872. S. 831. - Heusinqbr, lgt;. '/#9632;#9632; f. Th., 1875. S. 434; 1870. S. 101. Haski.hach, X. /'. M. u. F., 1884. Nr. 19. Salmon, Law u. A.. Kef. in Itec, 1880 u. /?. A 1886. S. 79. VuiBBRT, l'resse vü., 1880. PröHNER, Toxikologie, 1890. S. 217. öoldstkin, H. th. W., 1894. 8. 196.
Symptome. 1, Bei neuter Vergiftung: gastro-enteritische Erscheiimngeii, welche oft Aehnliclikeit mit Rinderpest zeigen: Speicheln, Erbrechen, Kolik, Diarrhöe; Stomatitis ulcerosa,. ähnlich wie bei Maul- und Klauenseuche. Wehen, Abortus, selbst Gebärmuttervorfall bei trächtigen Thieren; Schwindel, Eingenommenheit des Sensoriums, Gefühllosigkeit, Lähmung, Pupillenerweiterung, Krampf der Beugemuskeln (Ergotismus spasmodicus). 2. Bei chronischer: Mumification extremitaler Theile, z. B. der Ohren, des Schwanzes, der Zitzen, der Klauen, der Unterschenkel (Ergotismus gangraenosus), Sterilität. Enzootischer Abortus. Section: Gastro-Enteritis. Suffocatorische Erscheinungen. Therapie: Tannin, symptomatisch gefässerweiternde und krampfstillende Mittel: Chloralhydrat, Morphium.
Vergiftung durch torpeuliuölhnltige Pflanzen. (Sog1, enzootisohe Magen-dariiiciitziludung'; Wald- oder Holzkrankheit.)
Literatur. Ohabert, Instruot. vrt., Bd. 4. Anaokbb, Mag,, 1859. S. 197. Orüzel, Maladies de l'espice bovine, 1809. Mayer, Bep,, 1879. S. 271. Die Handbttoher von HEniNlaquo; u. Haubner-Siedahorotzky. Reuter, ])'. f. Th,, 1888. S. 109. Phöhheh, Toxikologie, 1890. S, 180. Plochmann, Oe. M,, 1893. S.462. - Berneb, Igt;. th. 11'., 1894. S.'l40.
Aetiologie. Die Ursachen der eiizootischen Magendarment-zündung sind in der Aufnahme harziger, terpentinölhaltiger Pflanzentheile, so vor Allem der jungen Triebe der Nadelhölzer, sowie herber, tauninhaltiger, reizender Pflanzen (Haidekraut, Heidelbeerstauden, Ginster-, Erlen- etc. Zweige) zu suchen. Man hat es also im Wesentlichen mit einer Terpentinölvergiftung zu thun, womit auch alle anderen Erscheinungen übereinstimmen. Die zuerst von Chabert (1787) beschriebene sog. enzootische Magendarmentzündung ist also klinisch als eine in Folge des Bezugs von Wald weiden im Frühjahre unter dem Weidevieh, sowie in Zeiten der Futternoth nach der Verfütterung von Fichtensprossen und Waldlaub auftretende Gastro-Enteritis in Verbindung mit Nephritis aufzufassen. Da die Krankheit früher im Gegensätze zu den mehr vereinzelten Vergiftungen sehr
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En^ootisuho Magumlaniioiitziiiidung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2()5
verbreitet und durch ein besonderes Krankheitsbild ausgezeichnet war, wurde sie als ein selbstständiges Leiden unter dem oben genannten Namen beschrieben. Heutzutage, wo die Waldweiden mehr und mehr seltener werden, wird sie besser unter den toxischen Magendarmentzündungen, zu denen sie bereits Delat'ond rechnete, aufgeführt. Da die sog. enzootische Magendarmentzündung unter Anderem auch mit Blutharnen verläuft, so ist sie in der Literatur meist unter diesem Namen besprochen und es muss daher im Capitel Hämaturiequot; und Hämoglobinuriequot; wieder darauf zurückgelcommen werden. Hier handelt es sich in erster Linie um Hervorhebung der gastrischen bezw, enteiitischon Folgeerscheinungen, wie sie nach der Aufnahme harziger, terpentinölhaltiger Stoffe zu Tage treten.
Symptome. Die Erscheinungen der sog. Wald- oder Holzkrank-lieit sind die einer schleichenden Magendarmentzündung und bestehen im Wesentlichen in Störung des Appetits, Kolikzufällen, Verstopfung, spärlichem Absätze eines trockenen, mit Schleim oder Blut überzogenen Kothes, Fieber, Diarrhöe und allmählich zunehmender Abmagerung und Schwäche. Dazu gesellen sich die Reizungserscheinungen von Seiten der Nieren und Blase: Blutharnen, Ischurie, Strangurie, Empfindlichkeit der Nierengegend. Die Dauer der Krankheit beträgt meistens mehrere Wochen. Anatomischer Befund: entzündliche Veränderungen im Magen (besonders Labmagen) und Darmcanal bilden den wesentlichsten Befund. Dazu kommen entzündliche Degenerationszustände der Nieren, Schwellung der Leber und Milz, sowie Erstickungserscheinungen. Die Cadaver sind meist sehr abgemagert. #9632; Therapie: neben Abstellung der Ursachen ist die Behandlung im Allgemeinen dieselbe, wie bei der einfachen Magendarmentzündung. Sie besteht also in der Verabreichung schleimiger Mittel, Anregen der Ilautthätigkeit durch Frottiren und hydropathische Umschläge, sowie der Anwendung excitirender Mittel bei zunehmender Schwäche mit Hinfälligkeit. Gegen die nephritischen Erscheinungen kann Tannin oder Bleizucker verwendet werden.
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Vergiftung' durch senftflhaltlge Bnpsknohonlaquo;
Literatur. Anaoker, Thrzt., 1870. S. 121; 1871. S. 189. Hal-bxeu, Gesundheitspflege, S. 436. Stahl, Mag., 1873. S. 456. Fröhner, Toxikologie, 18(J0. S. 190. Wittrock, B. A., 1898. 8. 811.
Symptome. Schleichende Darmentzündung. Aufblähen, Verstopfung, Durchfall, blutiger Koth, Versiegen der Milch. Gehirn-
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Vergiftung duroh Holleborus.
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rei/.ung.sersclieinungen: Schieben, üi-ilngen, Drehen; Abortus. Section: hftmorrhagisohe Enteritis. Behandlung! symptomatisoh.
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Vorgiftung durch Crotouöl.
Literatur. Gerlaoh, G. Th., 1872. S, 777. Mit Literatur. 1879. 8. (iü. Pröhner, Toxikologie, 1890. S. 190.
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Ko.mjauskr, Oe, 1'.,
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Symptome. Die einer iieftigen Magendarmentzündung mit cliolera'alinliclieii Durchfällen; allgemeine Schwäche und Erschöpfung, dralitförmiger Puls. Tod innerhalb 13 Tagen. Die Section ergibt das Vorhandensein einer corrosiven Gastro-Enteritis. Die Behandlung besteht in der Verabreichung von schleimigen Mitteln und Opium.
VergH't^ng#9632; durch llelleborus niger, viridis und roctidiis.
Literatur. Gerlaoh, ö. 77/.. 1872. S. 812. Mit Literatur. Thierry, Re.c, 1878. Nr. 20. - Schilling, H. th. M., 1888. S. 104. Pröhner, Toxikologie, 1890. 8. 136.
Symptome. Erbrechen, Kolik, blutige Diarrhöe. .Betäubung, Stumpfsinn, Schwäche; Tod unter Krämpfen. Section: Gastro-Enteritis, Suffocationserscheinungen. Therapie: symptomatisch; Excitantien, besonders Campher.
Vergiftung durch weissen Ocrmer (Veratruin albnin) und Veratrin.
Literatur. Gerlaoh, G. Th., 1872. S. 814. Schleq, S. ./. J)., 1876. 8. 115. Pröhner, Toxikologie, 1S90. 8. 189. Gbeiner, Oe. )'., 1891. gt;S. 458. Kuschee, Th. C, 1894. S. 354.
Symptome. Dieselben wie bei llelleborusvergiftung, nur sind die gastro-enteritischen Erscheinungen schwächerund fehlen bei äusser-licher Anwendung des Veratrins gewöhnlich ganz. Hauptsymptome: heftiges Erbrechen und Würgen, Speicheln; heftige Schmerz-äusserungen, tonisch-klonische, selbst tetanische Krämpfe, starke Aufregung, später Lähmung. Section: Bild der Erstickung. Therapie: symptomatisch.
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Vergiftung durch Sturnihut (Aconituin).
Literatur. Gerlaoh, g. Th., 1872. S. 782. Mit Literatur. Pröhner, Toxikologie, 1890. S. 142. Kxoff, Ji. th. W., 1891. S, 340.
Symptome. Stomatitis, Speie lie In, Recken, Aufstossen, Erbrechen, Zähneknirscheu, Durchfall, sehr schmerzhafte Kolik. Aul-
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Vergiftung durob Wolfsmilch.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;267
bltthung, Schwäclie, Lähmung, Taumeln, Zittern, Uonvulsionen, Mydriasis, Buwusstlosigkeit, Zusammenstürzen, Tod nach wenigen Stunden unter Krumpfen. Section: Gastro-Enteritis, Gehirn-hyperilmie. Therapie: symptomatisch, excitirend, besonders Oampher. Ausserdem Tannin.
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Verglftnng durch Raaunkeln (Ranuuoalas acris, arvensis, sceleratus).
Literatur. Qehlaoh, (?. Th., 1872. S. 848. Mit Literatur. Depiakque, Blaquo;c., 1854.
- Floweh, Ihiil-, 186ö. Leytze, Rep., 1878. S. 290. Sohlbq, S. ./. /gt;'., 1883.
S. 87. - Oolsox, A.dc Brutraquo;., 1888. Fröhnkr. Toxikologie, 1890. S. 149.
Boobunq, H. A,, 1891. S. 370. Brause, Ibid., 1892. 8. 457. Mesnard, Äeo.,
1894. Nr. 12.
Symptome. Würgen, Erbrechen, Speicheln, Kolik, Diarrhöe, Albuminurie. Taumeln, Stumpfsinn, Zittern, plötzliches Zusammenbrechen, oft apoplektiformer Tod. #9632; Section: Gastro-Enteritis, suffocatorische Erscheinungen. Therapie: symptomatisch, Tannin.
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Vergiftung durch Bingelkraut (Mercurialis ftnuna und perenni8)a
Literatur. öerlach, G. Th., 1872. S. 749. Hering, ßf^., 1857. S. 14. Harms, Mag,, 1871. S. 386. Deraohe, A. de Brux., 1877. Veuxaxt, Rec., 1883. .Iouguan, /Ind., 1885. 11. Schulz, A.f. experiment, l'athol. ii. l'l/lt;inmc/,-al., 1880. S. 88. - Pröhner, Toxikologie, 1890. S. 151. Meskard, Reo., 1894. Nr. 12.
Symptome. Die einer Magendarmentzündung bezw. Kolik. Ausserdem Blutharnen, Strangurie, Empfindlichkeit in der Nierengegend. Sehr beschleunigte Athmung, Zittern, kleiner, .schneller Puls. In einem Falle traten die Vergiftungserscheinungen bereits 10 Stunden nach Aufnahme des Krautes ein. Bei der Section findet man Gastro-Enteritis und Nephritis. Die Behandlung ist symptomatisch (einhüllende, schmerzstillende, cxcitirende Mittel).
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Verglftnng durch Wolfsmilch (Euphorbia).
Literatur. üerlauh, G. 'J'/i., 1872. S. 884. Dec.roix, Rec, 187-1. Marquardt, Rep., 1876. 8.860. Rom., Vet.-Her., 1883. Pröhnbr, Toxikologie, 1890. S. 153. - Mesnard, Rec, 1894. Nr. 12.
Symptome. Kolik, Verstopfung, starke, selbst blutige Diarrhöe, Hilmaturie, Tympanitis, kleiner Puls, pochender Herzschlag. Betäubung (Rind und Schaf). Die Section ergibt das Vorhandensein einer Gastro-Enteritis. Die Behandlung ist eine symptomatische (Opium, schleimige Mittel).
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Vergiftung durch Sohierlinglt;
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Verviftnug dnrch Kleckschiwrling (Coniuin iiinculntniii).
Literatur. Qbulaoh, G. Th., 1872. S. 862. Phiuppi, S, ./. H., 1877. S. 118. LrcKT, llcc, 1890. - FnönNKB, Toxikologie, 1800. S. 154.
Symptome. Speicheln, Geifern, Brechanstrengungen; Betäubung, Taumeln, Lähmung, Convulsionen, rasch eintretender Tod. Section: ausser gastro-enteritischon Erscheinungen nichts Charakteristisches. #9632; Therapie: Tannin, Excitantien, besonders Camphor.
Verffifünii;' durch raquo;nsserschierliiipr (Glouta virosa).
Literatur. Q-eblaoh, G. Th., 1872. S, 803. Böhm, Ref. B.A., 1870. S. 428. Höhne, Ibid., 1887. S. 128. - Fröhmeh, Toankologie, 1890. S. 157. Gips, ft. A., 1892. S. 457. Kettritz, Ibid., 1894. S. 340. Kruckow, Jbid., 1895. S. 193.
Symptome. Neben heftigen gastro-enteritischen Erscheinungen Aufblähung, Schwinde], Stumpfsinn, Taumeln, kollerartiges Benehmen, Schwäche, Hinfälligkeit, Lähmung; Muskelkrämpfe epi-leptiformer Art, aufgeregte Herzthätigkeit, rascher convulsiver Tod innerhalb 2118 Stunden. #9632; Section: Gastro-Enteritis, suffocatorische Erscheinungen, Gehirnödem. #9632; Therapie: Tannin, symptomatisch Narcotica. besonders Chloralhydrat.
Vergiftung' durch Oiirtenschicrling (Acthnsa Cyniipiuiii).
Literatur. Gerlach, G. Th., 1872. S. 861. Harley, Ref. PUte'sohe '/.., 1870. S. 405. Möbios, W. f. Th., 1877. S. 281. Fröhnkr, Toxikologie, 1890. S. 158.
Symptome. Speicheln, Brechbewegungen, Betäubung, Stumpfsinn. Lähmung, Convulsionen. Section: Gastro-Enteritis. Therapie: wie bei Conium maculatum.
Yerglftiing durch Flachs (Liniiin iisitntissiiiiiiin).
Literatur. Gerlach, G. 77/., 1872. S. 788. Mit Literatur. Sbmmer, lgt;. '/.. f. Th., 1877. 8, 289. FröHNER, Toxikologie, 1890. 8. 167.
Symptome. Heftige Kolik, Aufblähung, Durchfall. Taumeln, Zittern, Herzklopfen. Tod unter Convulsionen. Section: Gastro-enteritische Erscheinungen; anatomisches Bild der Erstickung. Therapie: Tannin, Abführmittel, symptomatische Behandlung.
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Vergiftung durch Narcissus (poöticus und Pseiido-Nnrcissus).
Literatur. Q-khlaoH, G. Th., 1872. S. 812. - Johne u. Rosenkranz, S. .1. igt;., 1863. S. 95. Harms, Mag., 1871. 8. 385. ühuo, S. ./. /-'., 1873. 8,91. Fröhker, Toxikologie, 1890. 8, 176.
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Vergiftung durch Aloö.
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Symptome. Hochgradige Mageniliirmentzilndung, starkes Purgiren; Abstumpfung und Schwäche; Zuckungen und Gehirnkrämpfe. Section: Intensive Grastro-Enteritis. Therapie: Sympto-inatisch.
Vorgiftinig durch Pfeffer. Literatur. Gkrlagh, G. Tit., 1872. S. 821. Fröhnkk, Toxikologie, 1890. 8. 198,
Symptome. Die einer M ag e nd ar me n tz ü n cl u ü g (bei Schweinen).
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Vergiftung' durch Eiciieln.
Literatur. Morton u. Sihonds, The Vet., 18()8. Taylor, Ibid., IStJ'i. Carei.li, L'arohivio di Yet., 1870. SIHONDS u. Brown, The Vel., 1871. HaüBNKR, Gesund-heitspflege, S. 457. Pugh, The Vet., Bd. 67. S.341. Sohurink, //laquo;laquo;. Z., 1894. -Schulz, W. f. Th., 1895. S, 104.
Symptome. Verdauungsstörungen; in höheren Graden Magen dar men tzündung mit anhaltender Verstopfung und später ruhrartigem Durchfall, Tenesmus, Blutabgang durch den After, grosse Mattigkeit. Nach englischen Schilderungen (Simonds und Brown) zuweilen grosse Aehnlichkeit der Vergiftung mit Rinderpest. Section; intensive Gastro-Enteritis mit besonderer Aifection des Buches, Excoriationen der Magenschleimhaut etc. Therapie: symptomatisch.
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Vergiftuug durch Aloe.
Literatur. Wkhlacii, G. Th., 1872. S.728. Fröhner, Toxikologie, 1890. S, 144. Kunze, S. ./. B., 1890. S. 91. Rashkriiku, W. f. Th., 1891. 8. 57.
Symptome. Kolik, wässeriger profuser Durchfall, zunehmende Mattigkeit, kleiner unfühlbarer Puls, Tod nach 25 Tagen. Section; Gastro-Enteritis; bei längerer Dauer können die Entzündungserscheinungen fehlen, so dass nur die Leerheit und Blässe des Darmes auffallen. Therapie: stopfende und einhüllende Mittel.
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Literatur.
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Vergiftung dnrch Seidelbast (Daphne).
Gkulacii, G. Th., 1872. S. 870. Phöhner, Toxikologie, 1890. 8. 177.
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Symptome. Stomatitis, Speicheln, Kolik, Erbrechen, Diarrhöe, Schwäche, schwacher, kleiner Puls etc. Section: Gastro-Enteritis. Therapie: symptomatisch.
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Diverse Vergiftungen.
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Verginiing' durch Meerrettig: (Cochlcarla Armorncia).
Literatur. Jakmgb, l'r. M., ö. Jahrg. S. 180. FnöiiNKii, Toxikologie, 1890. S. 191.
Symptome. Heftige Kolik. Section: Gastro-Enteritis mit sulziger Infiltration iler Magenwftndö. Therapie: symptomatisch.
Vermietung durch ütchwitlheiiwurzel (Aselepias Viucctoxlcum). Literatur. (-Juni,ach, (;. '/'/(., 1872. S. 859. Fköhner, Toxikologie, 1890. 8. 182.
Symptome. Harnruhr, Strangurie, allgemeine Schwäche und Kachexio. Section: Nephritis, Cystitis.
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Diverse Giftpflanzen.
Belladonna, l'sychiseheErregung, Toben, Pnpillenerweite-rnug, Aufblühen, Lähmnng. (Ein Fall beim Rind von Hering beschrieben.) Bezüglich der experimentell hervorgerufenen Vergiftung vergl. Fröhner, Toxikologie, 1890. S. 144.
Bilsenkraut. Dieselben Erscheinungen. Cruzel (J. de Lyon, 1828) hat einen Fall beim Rind beschrieben.
Stechapfel. Erscheinungen wie bei der Belladonnavergiftung.
Sauerampfer. Gastro-enteritische Erscheinungen, besonders Durchfall, später Lähmung. Section: hämorrhagisehe Gastro-Enteritis. Ein Fall bei Schafen ist von Bier mann (Holl. Z., 1886) beschrieben worden.
Rhododendron, Speicheln, Würgen, Erbrechen, Kolik, blutiger Durchfall, Betäubung. Lähmung. Literatur vergl. Fröhner, Toxikologie, 1890. S. 178.
Oenanthe crocata. Stomatitis, Kolik, Durchfall, allgemeine Lähmung. Literatur: Bell an cy, Rep., 1850; Jongnan, Rec, 1885; Hoare, The vet. journ. 1888.
Arum maculatum. Dermatitis, Zittern , Dyspnoe, Lähmung (Mergel, Pet. A,, 1884).
Stephanskörner. Stomatitis, Kolik, Betäubung, Lähmung, Anästhesie. Ein Fall beim Pferde ist von Bei er (Landw. Zeitung, 1845) beschrieben worden.
Chaerophyllum temulum. Kolik, Betäubung, allgemeine Lähmung. Literatur: Frey, Schw. A., 1845; Kohli, Thrzt., 18G2.
Melilotus oflioiualis. Muskellähmung. Ein Fall bei Pferden ist von Carrey und Co 11 as (J. de Lyon, 1888) heschrieben worden.
Filix mas (Filixextrakt). Erbrechen, Speicheln, Durchfall, Bewusst-losigkeit. Zwangsbewegungen, Amaurosis, motorische Lähmung. Vergl. Fröhner, Toxikologie, 1890. S. 201.
Pteris aquilina. Schreckhaftigkeit, Bewusstseinsst ö r u n gen, Schwanken, Lähmung (J armer, Mag., 1801).
Melampyrum. Sch 1 äfrigkeit, cerebrale Depression, leichte Kolik, Muskelschwäche, Schwindel, blutiger Harn (Czako, üng. Veterinärbericht, 1886/87; Mesnard, Rec, 1894. Nr. 12).
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Diverse Vergif'tuiigon.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;271
Qiftschwamme. WuthähnlioheErsobeinungen, Taumeln (Mundes* gruber, Rep., 1843).
AristolochiaClematidis. (iastrische Ersclu'imuigeii, Kolik, Polyurie, Scliwanken, Schlafsucht, Sehstörungon, Muskelschwüche, Haarausfall. Scution : Stomatitis, Gastritis, Enteritis (Jeanin, Kec, 1850; Mesnard, Reo., 1804. Nr. 12).
Polygonum. CJastro-Enteritis, Lähmung (Galtior, J, de Lyon, 1887; Kossei, laquo;. A., 1892. S. 458).
Caltha palustris. Kolik, Tympanitis, Harndrang, Htlmaturie (ßonni, J. de Lyon, 1888).
Slum latifoiium. Clastro-Enteritis , Aufregung, Betäubung (Beyerstein, Rep., 1850).
Galega officinalis. Einen Fall von Vergiftung bei Schafen bat Blanchard (J, de Lyon, 1888) veröffentlicht.
Kartoffelkraut. Erscheinungen der Schlempem auke; grindartiges Ekzem an den Beinen, an den Genitalien, Stomatitis, Diarrhöe, Conjunctivitis. Zuweilen Aehnlichkeit des Krankheitsbildes mit Maul- und Klauenseuche. Literatur: Heiss, W. f. Tb., 1885; Model, Rep., 1885. S. 20; Möbius, 8.J.B., 1892. S. 109; Hohenleit, ner, W. f. Tb., 1894. S. 404; Römer, D. th. W., 1895. S. 161; Schulz, W. f. Th., 1895. S. 164j Hess und Wütherich, Schw. landscliaftl. Jahrbücher, 1895.
Ferula communis. Nasenbluten, H ä m a t u r i e, Darmblutung, Hämatome (Bremond, J. de Lyon, 1887).
Convallaria raajalis. Erscheinungen der Digitalisvergiftung (Rouiller, J. de Lyon, 1888).
Astragalus molissimus. Gehirnstörungen. Krämpfe, Lähmung (Say re, Am. vet. rev., 1888).
Allium. Wuthähn lie he Erscheinungen, Speicheln (Pasoault, Reo., 1889).
Robinia Pseudacacia. Kolik, Auftreibung des Hinterleibes, Schwäche, Lähmung (Zapel, Z. f. Vet., 1891. S. 45(3 : Ibidem, 1894. S. 42; Cornevin, J. de Lyon, 1893. S. 705).
Scrophularia nodosa. Durchfall, unsicherer Gang, Mattigkeit (Walley, J. of comp., Bd. IV. S. 2(30).
Erysimum crepidifolium. Würgen, Unruhe, Taumeln, Krämpfe bei Gänsen (Zopf, Ref. B. th. W., 1894. S. 308).
Populus balsamifera. Kolik, Durchfall (Walley, J. of comp., Bd. 7. S. 277).
Echium vulgai-e. Speicheln, Erbrechen (Miehotte, A. de Brux., 1892).
III. Thierische Gifte.
Vergiftung durch Canthnriden.
Literatur. Gerlach, O. Th., 1872. S. 775. Mit Literatur. Philippi, S, J. H., 1871. S, 143. Suchanka, Oe. V., 1879. S. 65. - FWEDBEROER, il..l. /gt;'., 1878/79. S. 77. Bertsohe, B. th. M., 1890. S. 123. - Pröhner, Toxikologie, 1890. S. 243.
Symptome. Im Digest ion sap par ate: Salivation, Stomatitis, Schlingbeschwerden, Erbrechen, Kolik, blutiger Koth, Durchfall mit Tenesmus. Im Urogenitalapparate: Häufiger Harnabsatz mit
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272nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Thierische Gifte.
Strangurie, Blut, Eiweiss, Oylinder im Harn; aufgeregter Geschlechtstrieb, geröthete Vaginalschleimhaut. Allgemeine Schwäche. Schwanken, (Jonvulsionen, Zusammenstürzen. Kleiner, unfühlbarer, ilrahtförmiger, beschleunigter Puls. Zuweilen Conjunctivitis. Anatomischer Befund: Stomatitis, Pharyngitis, selbst Laryngitis, Gastro-Euteritis acuta. Nephritis. Cystitis. Therapie: symptomatische Behandlung der üarmentzündung mit einhüllenden schleimigen Mitteln, Opium. Excitantien, besonders Campher. Kein Oel!
Vergiftung' durch Sclilnngenbissc (Vipera Berns und Redii).
Literatur. Qehi.mih, G. Th., 1872. S.807. Mit Literatur. Förderheotheii, W, f. Th., 1877. S. 113. Koppitz, Oe. F., 1879. S. 81. Martin, M. ./. B., 1884/85. S. 39. Lammers, /;. A., 1885. 8.229. ühligh, S../. ö., 1886. S. 88. Üiana-noli, Sdnv. A., 1886. Nr. 1. Gresswell, Tha Vet., Bd. 59. GiovAHOLi, Ref. im Jd/iresbei: über die Fortschritte der Veteriiiärmcdicin, 1886. S. 154. YARROW, A)ner. vet. rev., Bd. 12. De Oacenda, Rnndschau, 1887. S. 300. Feoktistow, Memoir, de Vacad. des scienc. de St. t'etersbonr;/, Bd. 7. Kaufmann, Hull, de l'acad. de medeciite, 1H88; UM. soc. eentr., 1889; Jiec., 1889 u. 1890; Die Giftschlangen Frankreichs, Paris 1893. Hoffmann, Jgt;. Z. f. Th., 1890. S. 44. Fhöiiner, M. f. p, rÄ., 1889. 8.1'! Toxikologie, 1890. S. 246. Trost, Oe. V., 1892. S. 11. Fischer, /gt;. th. W., Nr. 94. S. 18. Binder, Th. C, 1894. S. 100. Phisalix u. Beutrand, Bull, de kl soc. de mnl., 1895.
Symptome. Mattigkeit, Hinfälligkeit, Unruhe, Zittern. üyspnoe, abnorm gesteigerte Pulsfrequenz, zuletzt unfühlbarer Puls. Sehr acuter Verlauf. Locale, gegen den Rumpf weiterkriechende Anschwellung. Section: dunkles, flüssiges Blut, locale Entzündung, sonst nichts Constantes. Therapie: Aetzen, Brennen der Wunde. Verhinderung der Resorption durch Anlegen einer elastischen Binde. Aeusserlich und innerlich Salmiakgeist, subeutane Tnjectionen von übermangansaurem Kali, Kali dichro-micum, Chlorwasser, Carbolsäure oder Creolin. Innerlich Alkohol und andere Excitantien, besonders Liquor Ammonii anisatus.
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Vergiftung durch .Itienonstirhc.
Literatur. Cliciiy, liec, 1853. Lies, \V. f. Th., 1875. S. 153. Meyeriieim, Tr. M., 1882. Lange, Ibid., 1883. Bramstbdt, li. A., 1885. S. 228. FünpstOck, S. ./. B., 1886. S, 75. Dochtehmann, Rep., 1889. S. 128. Pröhneb, Toxikologie,
1890. S. 248. - Hahle, Oe. Z. f. Vet., 1891. S. 96. - Ai.brecht, M. f. p. Th., 1892. III. Bd. S. 241. Wagenheuser, W. f. Th., 1893. S. 378.
Symptome. Die Erscheinungen bestehen in localen Haut-anschwcllungen mit Neigung zur Geschwürsbildung und Haut-nekrose, wobei zuweilen grössore Hautpartien brandig absterben. Ausserdem beobachtet man mehr oder weniger schwere Allgemein-
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Stryohuinvergiftunginbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 273
erscheinungen, namentlich LilInnung-, Betäubung, Septikiimie, Iliiinaturio. Bei zahlreichen Stichen in der Umgebung der Nasen-öft'nmigen kann in Folge Vci'Kchwellung der letzteren Erstickung eintreten. Bei der Section findet man das Bild der Sepsis (Verfettung der Körpermuskulatur, lehmfarbige Leber, Milztumor etc.). Die Behandlung ist theils eine chirurgische (Antiseptica, Anti-phlogistica, Traoheotomie), theils eine innerliche (Excitantien).
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Anhang zu der toxischen Magendanuentztlndang.
Die rein narkotischen Gifte.
Strjohninrerglftunglaquo; Literatur. Q-brlagh, G. Th., 1872. 8.76G. Mit Literatur. Koch, l'ilh'sclic Z., 1874. S. 377. Lahat, Revue v4t., 1877. Koniiäuser, Oe, I'., 1881). S,60. Noack, S. J. li., 1889. S. 88. - Zorn, X. /'. Vet., 1889. S. 381. Fröhner, Toxikologie, 18ii0. S, 120. Penberthy, ./. of oomp.) 1894.
Symptome. Dia des Starrkrampfes (Tetanus toxious); tetanische, blitzartig auftretende, ül)er den ganzen Körper sich ausbreitende Krampf-anfülle von soeunden- bis minutenlanger Dauer; steife, gestreckte Haltung der Extremitäten, dos Halses, der Wirbelsäule, des Schweifes; hochgradige Schreckhaftigkeit (gesteigerte Reflexerregbarkeit); Dyspnoä während der Anfälle: Tod durch Erstickung. Verlauf sehr acut, durchsclinittliche Dauer bei Hunden 57 Stunden, nach dieser Zeit keine Lebensgefahr mehr. Von diagnostischer Bedeutung ist die Auslösung eines Krampfanfalls bei kleineren Thieren durch das Aufrichten derselben. Section: keine wesentlichen anatomischen Veränderungen (wie beim Starrkrampf); suffo-Catorische Erscheinungen. Therapie: das beste Gegenmittel ist Chloral-hydra t (Hunden 210 g), sowie öfters wiederholte vorsichtige Chloroformnarkose; auch Morphium-Injectiotien und Bromkalinm können versucht werden. Desgleichen ist das Tannin als Gegenmittel zu bezeichnen (im Nothfall als Kaffee oder Theeabkochung anzuwenden). Im Anfang ist, wie bei allen Vergiftungen, ein Brechmittel angezeigt. Endlich kann die Einleitung künstlicher Afhmung nothwendig werden.
Solaninvergiftlingi Literatur. Geiu.acii, (!. Th., 1872. S.871.Prahl, Pr. .1/., 1808. - Fijgiis, B. th. M., 1870. Dietrich, Pr. M,, 1876, Schwanz, Rep,, 1877. S. 312. - Junoers, Thrzt., 1881. S. 190. -#9632; Bogelino, Pr.M., 1882. - Koppitz, Oe, ('., 1888. S. 36. Aotoaerden, Etatsmit, Jiiab., 1883. Sghwanepeld, H.A., 1886. S. 225. Klein, ß. A., 1886. S. 292. Oolson, Oe. Seme, 1887. S. (54. ScmnuTZ, B. A., 1887. S. 131. Liebexeh, Jbicl., 1889. S. 207. Mathivet, Pro-f/rh vä., 1890. Fröhnbr, M. f. p. Th., 1890. S. 418; Toxikologie, 1890. S. 103. Maier, I). th. IV., 1893. S. 298. KrOoer, Z. f. Vet., 1898, 8. 308. Walther, S. J. /gt;'., 1893. S. 185,
Symptome. Taumeln, Betäubung, Lähmung, verlangsamte Athinung; zuweilen plötzliches Umfallen und Tod innerhalb weniger Minuten ; in anderen Fällen Dauer mehrere Stunden bis 12 Tage. Bei Hühnern wurden Taumeln und Krämpfe beobachtet. Section: Befund ohne Belang. Die zuweilen beobachteten gastro-enteritischen Erschei-Frledberger n, Pröhnor, Pathol, u, Therapie d. Hanstblere. I, Bd. i. Aufl. 18
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274nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Alkoholvergiftung.
imugen beziehen sich nicht auf die Polaninvergiftuny, sondern auf die Einwirkung der gährenden und keimenden Stoffe auf die Darmschleimhaut. Therapie: Tannin, Excitantien.
Hlaiisiiiiruvorg'irttmg. Literatur. Gbrlagh, 6r. 77/., 1872. S.750. Mit Literatur.
nbsp; Koi'pitz, Thrift., 1877. S. 4(i. Bepertorium, 1877. S. 811. Oest. Vereins-monatssehrift, 1884. S. 37. Kenner, /;. A., 1886. S. 150. Wochenschrift f. Th., 1887. S. 382. Bartholeyns, Bull. Belg., 111. Barling, The vet.Jouni., Bd. 24. S. 818.JosLt, Norsh. IHdskr, f. Vet., 1889. Fröhner, Toxikologie, 1890. S. 161.
-nbsp; nbsp;Ratz, M. f. /gt;. Th., V. Bd. S. .5.
Symptome. Beschleunigte, erschwerte Athmung, Unruhe und Angst; Schwanken, Lähmung, Betäubung, Zittern, Zuckungen, epilepti-forme Krämpfe, Erbrechen, Kolik, Diarrhöe, Oollaps. Section: bei acutem Verlauf Blut hellroth, bei längerer Dauer schwarzbraun; Geruch nach bitteren Mandeln; suÜ'ocatorische Erscheinungen. Therapie: Eisenoxydhydrat (vergl. Arsonikvergiftung) ist ein directes Gegenmittel durch die Bildung des ungiftigen Eisencyanürsalzes; Aderlass, künstliche Athmung, Beizmittel.
Vergriftmig- durcli Kohlenoxyd (Koliloiidiinst). Literatur. Q-erlach, (?. 77/,. 1872. S. 794. Mit Literatur. Dittung, Bep., 1875. S. 164. ElKTZEL, W. f. Th., 1886, S. 413. - Fröhner, Toxikologie, 1890. S, 100. -- Leonhardt, /.'. /(., 1898. S. 312, Maroacci, ä. de linu:, 1894, S. .r)(i0.
Symptome. Schwindel, Betäubung, Bewusstlosigkeit. Asphyxia. Section: hellrothes Blut, suffocatorische Erscheinungen. Therapie: frische Luft, kalte Douchen, Aderlass, Excitantien.
Vorgift miff durcli Tnuincllolch (Lolium tennileiitiim). Literatur. Q-ERLACH, G. Th., 1872. S. 857. 3Iit Literatur. Chevalier, Annul. cPhygÜne, 1853. Bail-let, J.du Midi, 1803/64; Diet, n't., Bd. 10. Marquardt, Bep,, 1875. S. 168. Mauri, Jiec, 1887. Knudsen, Maanedskr, f. Oip-l., 1889. Fröhner, Toxikologie. 1890, S. 1C5. Nielsen, D. ^, f. Th., 1891, S. 458.
Symptome. Bei Pferden Erscheinungen des Dummkollers, beim Kind 11 ownss tl osigke it und allgemeine Krämpfe. Zuweilen werden auch Kolikerscheinungen beobachtet. Section: leichte Gastro-Enteritis; Gehirn-und Kückcnmarkshyperämie. Therapie: Tannin, Excitantien.
AlkoholTerglftnng (Alkoholismiis). Literatur. Gerlacii, (;. 7V/., 1872. S.873. Mit Literatur. Lehmann, Weynen, /';, M,, 185558. S. 154 f. Dammann, Thrat., 1867. S. 101. Genee, Bec, 1868. Nr. 1. üinter, S. ./. IS., 1868, S. 106. Do-vieusart, A. de Brux., 1870. Möbius, 8. ./. B., 1883. S. 94; 1886. S. 91. Fried-behgeh, M. J. H., 1882/83. S. 44. - Haselbach, Oe. F., 1884. S. 51. Courioux, Presse vä., 1884. Andre, Bull. Belg., 1885. Uhlioh, 8. J. 1)., 1887. S. 112. Bernrt, U.A., J890. S. 219. Fröhner, Toxikologie, 1890. S. 105. Varela, Bevue vä., 1892. Hahbnbbro, U. ä., 1892. S. 456. Scih.eg, 8. .1. B., 1892. S. 112. Mbstre, Bec, 1892. Schirmann, Z. f. Vet., 1894, S. 199. Bissauoe. Bec, 1895. Nr. 1.
Symptome. Allgemeine Aufregung und Unruhe, selbst tobsüchtige und wuth ahn liehe Zustände beim Kind; höhere Röthung der Schleimhäute des Kopfes, pochender Herzschlag, voller beschleunigter Puls. Später
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Lettohtgasvergiftuug.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;275
Betilubung, Taumeln, Rausch, Schwanken, B e wuss t lo 8 igk eit, lähmongsartiger Zustand, 0 oll ans. Niclit selten tüdtliclier Ausgang, Zv;-weilen Abortus und Aufregung des Geschlechtstriebs. Section: kein con-stanter Befund, Alkoholgeruon der Organe. Q-ehirnhyperftmie, selbst Hydrocepluilus. Therapie: Excitantien, besonders Kaffee, Aether. Oampber, Salmiakgeist, kohlensaures Ammonium, Kalte Sturzbäder auf den Kopf.
Fergiftnng (lurch Kichererbsen (Gloer Arletinum) nud Platterbsen (Lathyrus
sntivus). liiilhyrisimis. LocOKrnnkhoitlaquo; Literatur, G-erlach, I.e. S.793. Mit Literatur. VerrieR) liec, 1809, Kopp, J. du Midi, ixt'id. SchrynmXkbrt, A, de Brüte,, 187lt;). Sghuchardt, D. A. /'. Min, Med,, 1887. S. 312. Mit reicher Literatur. McCall, The. Vet., Bd. 59; 1U1. 63. S. 495 (Platterbse). FröHNER, Toxikologie, 1890. S. 127. -- Alessandro, Mod. Zoo/., 1892. Bayne, The Vet., Bd. 07. 8. 450. Schuohardt, O. X. f. Th,, 1892. S. 405. McOuttauch, J. of eomp,, 1892. Molotte, J). th, IC, 1893, S. 198. Arson, Bayne, Tlie Vet., 1894. .Macüourall, lgt;. th. W,, 1895. 8.831.
Symptome. Bei Pferden Schreckhaftigkeit und HartschHäufigkeit in Folge Lähmung der Kehlkopfmuskeln: Läliinung, Schwäche im Kreuz, Erstickung. Section: Keine Erscheinungen von Belang. Therapie: Futterwechsel ; Tracheotomie. (Hoher die sog.Loookrankheit vergl.Schuohardt I.e.)
Vergiftung durch Louchtgaslaquo; Literatur.Q-erlaoh, (?. Z'Ä., 1872,Osokor, Oe. V. S., 1888. Pröhner, Toxikologie, 1890. S. 100.
Symptome. Betäubung,Taumeln, Lähm ang, Convulsionen. Section;
sehr hellrotlios Blut, (lehirnhyperämie. Behandlung: frische Luft, künstliche Atlmiung, Excitantien.
Eserinvergiftung. Aufregung, heftiges Muskelzittern. Benommenheit, Lähmung, Herzschwäche. Antidot: Atropin. Vergl. Fröhner, Toxikologie, 1890. S. 169,
Pilocarpinvergiftung. Hochgradige Schweiss- und Speichelsecretion, Dyspnoe, psychische Erregung, Lähmung. Antidot: Atropin. Vergl. Pröhner, Toxikologie, 1890. 8. 172.
Morphinvergiftung. Aufregung, Krämpfe, Verstopfung, Coraa. Vergl. Fröhner, Toxikologie, 1890; Robert, 8. J. 13., 1891. S. 112.
Apomorphinvergiftung. A uf r egu n g. K r ä m p f e. Vergl. Kegel, B. A., 1894. S. 846.
Santoninvergiftung. Unruhe, cerebrale Depression, Schwanken, rothgelber Harn. Vergl. Fröhner, M. f, p. Th., 1893. S. 308.
Antifebrinvergiftung. Motorische Lähmung, cerebrale Depression, Schlafsucht, Herzklopfen, gastrische Störungen, Dunkelfärbung des Harns. Vergl. Fröhner, M. f. p. Th., V. Bd. S. 145; Ehrle, Ibid., S. 198,
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270nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Holmintliiasis.
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TMeiisohe Schmarotzer im Darmoanal (Holiiiiiithiasis).
Literatur im Allgemeinen. Davaine, IVaitS des entonoaires, 185'J u, 1877. Erco-t.A.M, Nuovi elementi di med. vet,, IS.VJ. Baili.et, Souveau dkt. rlt;!t., 18()ß. Cob-bold, Parasites, 1879. Lbuokart, Parasiten, 1881. Zorn, Die thier, Parasiten, 1882; Krkhtn. d. Jlaiimje./l., 1882. PunnoNcn-o, l'amsiti, 1882. llöi.i, Spec. I'utli., 1885. Raii.liet, Elements de Zoologie mid, et agrWoofc, 1886lt; Schöne, Beitrag zur Statistih der Entoxoen beim Hunde, Leipzig 1886. Köchenmeister u. Zürn, Die Parasiten des Menschen, 1887. NeumäN, 'l'raitr des maladies parasi-iaires mm miorobiennes des animaux dornest., 1888. LuOET, Rec, 1888. S. 312. Biroh-Hirschfeld (Johne), Pathol. Amt., 1889. I. Bd. Deffke, B, ä,, 1891. S. 1 u. 253. ZORN, Krklitn. d. Kanineheraquo;, 1892. Dewitz, Die h'ingeioeidewürincr der Haussäugethiere, 1892. Braun, Die thier. Sehmarotmer des Menschen, 1895.
Allgemeines. Der Magen- und Darmcanal unserer Hausthiere ist häufig Wohnort von Eingeweidewürmern. Nicht alle derselben verhalten sich jedoch auffällig un d naciiweislich schädlich für das Wohn thier. Ihre schädliche Wirkung ist in erster Linie abhängig von der Zahl, in welcher sie zuweilen angehäuft sind, und von der Art der Würmer. Anderentheils bedingen sie abnorme Zufälle durch Verletzungen der Darmwandungen und durch eigenthümliche Verirrungen (z. B, Spulwürmer im Ductus choledochus). In grosser Zahl vorhanden verursachen sie Störungen durch Reizung und vielfache, wenn auch im Einzelnen unbedeutende Verletzungen, z. B, Taenia Echiuococcus beim Hunde; sie behindern die Fortschaffung des Darminhaltes, ja können sogar durch Knäuelung vollständige Verstopfung des Darmlumens veranlassen (Ascaris me-galocephala beim Pferde). Endlich kann auch die Absorption des Materiales zu ihrem eigenen Aufbau und Unterhalte nicht gleichgiltig für den Haushalt des Wohnthieres sein. Im grossen Ganzen kann man daher bei den betroffenen Thieren als Haupterscheinungen finden:
1.nbsp; nbsp;Schlechten Ernährungszustand (Anämie und Kachexie).
2.nbsp; Darmkatarrh und Blutungen in den Dann.
3.nbsp; nbsp;Verstopfung, sowie kolikähnliche Erscheinungen.
4.nbsp; nbsp;Symptome der Gehirnreizung.
Es ist hieraus leicht ersichtlich, dass alle diese Ersclieinungen für sich durchaus nichts Charakteristisches für die Anwesenheit von Eingeweidewürmern haben, da sie ja auch ohne solche auftreten können. Sie werden daher immer nur bei öfterem Abgange der Würmer mit diesen in Beziehung zu bringen sein, wie überhaupt die sichere Diagnosis nur durch Sichtbarkeit eines häufigen Abganges von Würmern ermöglicht wird. Dabei hat man sich
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Helmintlniisis.
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#9632;J77
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aber wohl zu hüten, in solchen Fallen schon mit Abgang von Würmern sich einfach ZU begnügen Und, eine eingehende Untersuchung des kranken Thieres unterlassend, eine voreilige Diagnose zu stellen, da sonst leicht anderweitige Krankheits/.ustände, die mit den Würmern gar nichts zu schallen haben, vorhanden sein und so zum .Schaden des Thieres und Kigenthiimers übersehen werden können. Andern-theils darf nicht unerwähnt bleiben, dasa bei oft ganz bedeutender Anzahl von Würmern im Darmcanale die Thiere während des Lebens keinerlei Erscheinungen zeigen, die auf ein Wurmleiden zu sehliessen berechtigen, ja sogar als vollkommen gesund angesehen werden müssen. Der Verlaut' der Wurmkrankheit hängt von der Art und Menge der vorhandenen Darmwürmer ab und kann besonders bei jüngeren Thieren in Folge des sich zuweilen einstellenden kachektischen Zustandes selbst einen ungünstigen Ausgang herbeiführen. Betreffs der Prophylaxis sind wir bis jetzt leider nur bei sehr wenigen Helminthen im Stande, die Thiere davor zu schützen (Taenia Echinococcus, T. coenurus, T. cueumerina. Trichina spiralis). da wir bei der Mehrzahl die Gegenwart der inficirenden Wurmbrut in den Nahrungsmitteln und im Wasser nicht einmal vermuthen können. Zuweilen findet man nicht bloss eine, sondern mehrere und selbst viele Species von Eingeweidewürmern als Krankheitsursache. In diesen Fällen hat man es also mit einer Combination zu thun, so doss es unmöglich ist, eine bestimmte Wurmspecies für die Srankheitserscheinungen verantwortlich zu machen. Insbesondere beim Hund und beim GeHügel trifft man oft die verschiedenartigsten Wurmspecies gleichzeitig an.
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Häufigkeit des Vorkommens von Eingeweidewürmern beim Hunde, üeber dieselbe geben folgende statistische Zusammenstellungen genaueren Aufschluss. Unter 70,00U dem Berliner Hundespitale hi den Jahren 1^86 bis lf'94 zugeführten kranken Hunden wurden ]2(i(; = nahezu 2 Proc. aller an Helmintbiasis behandelt (Frohner). Deffke fand bei seinen Untersuchungen am Hundespitale der Berliner Schule (200 Seotionen), dass in Berlin 62Pi,oc. aller Hunde überhaupt an Eingeweidewürmern leiden. 54 Proc. zeigten Bandwürmer, 82 Proc. Rundwürmer. Die häufigsten Eingeweidewürmer des Hundes sind in Berlin Tae niaoueumerina, Aso aris m a rgin ata, Tuen ta m argi nata und Pentastomum taenioides. Das Procentverhftltniss der einzelnen Wurmspecies ZU einander war folgendes:
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278nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Bandwürmer.
Ascaridcnnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; s= 18,5 l'roc.
Nomat.ode du reinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;=1
Dochmius trigonocephalus = 4,') Spiroptera sanguinolenta =2
Peiitastomum tiienioidcs = 6,5
Schöne fand bei seinen Untersnohnugen in Leipzig folgendes: 1. Die Tan ion (und .Enlo/.oon überhaupt) zeigen bei den verschiedenen Hunde-rassen nachstehende Verhältnisse: Jagdhunde waren in 52,94 Proo. aller Fälle Ento/.oenträger (sie enthielten am meisten T. scrrata). Fleischor-hunde waren 156,66 Proc. Entozoenträger (enthielten am meisten T. mar-ginata). Hol'hunde waren 40,44 Proc. Entozoentrilger (enthielten am meisten T. ououmerina). Zughunde waren 72,22 Proc. Entozoentrilger (enthielten am meisten T. niarginata). Schäferhunde waren 57,14 Proc. Entozoenträger (enthielten T, niarginata, serrata und ououmerina) und waren die einzigen Hunde, die T. coenurus in 7,14 Proc. beherbergten. Luxus-hunde waren 70,37 Proc. Ento/.oenträger (enthielten 36 Proc. T. marginata und cueumerina, 15.74 Proc. T. serrata). 2. Asearis niarginata wurde am häufigsten bei Luxushunden (42,1 Proc.) gefunden. 3. Strong3'lus trigonocephalus, nur bei Luxushunden gefunden (5,2 Proc). 4. Echino-coecus polymorphus, nur bei Zughunden gefunden (5,5 Proc). 5. Cy-sticercus cellulosae (5,5 Proc), nur bei Zughunden gefunden.
6.nbsp; nbsp;Hemistomum alatum (5.5 Proc), nur bei Zughunden gefunden.
7.nbsp; nbsp;Pentastomum taenioides, am häufigsten bei Schäferhunden gefunden (zu 21,42 Proc).
Krabbe fand T. marginata bei 75 Proc. aller Hunde (100) in Island, bei 20 Proc. aller Hunde (500) in Kopenhagen.
Nach einer Untersuchung von Z s c h o k k e (177 Hunde) besassen 36 Proc (= 61) Tänicn, davon waren 38 mit Taenia cueumerina, !) mit T. marginata, 7 mit T, Echinococcus, 3 mit T. serrata und 3 mit T. coenurus behaftet.
Beim Geflügel findet man die meisten Eingeweidewürmer. Bei 18 secirten Hühnern constatirte Lucet l8mal Taenia proglottina, 15nial Hete-rakis papillosa, llmal Trichosoma collare, 9mal Heterakis inllexa, 7mal Taenia infundilniliformis, 6mal Taenia cesticillus.
I. BandwUrmorlaquo;
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Bamlwürmci'.
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of AgiHoult., Washington 1895. VII. B. bei dor Katze. Halm, Norsh. TuM-r. f. Vet., 4. Bd. 8, 53. V1IT, B, beim Kaninchen. Züun, Die Krankheiten der Kaninchen,
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Arten. Im Darm der Hausthiere kommen folgende Bandwürmer vor:
A. Beim Hund; 1. Taenia cucumerina, der häufigste Hunde-bandwunn. Seine Larve wurde von Grassi im Hundefloh, Pulex seraticeps, nachgewiesen; 2, Taenia serrata, stammt vom Cysticercus pisiformis der Hasen und Kaninchen (Cysticerken in Leber, Lunge, Bauchfell, vulgär als Uasenvenerie bezeichnet); ^5. Taenia margi-nata, stammt vom Cysticercus tenuicollis der Wiederkäuer und des Schweins; 4. Taenia coenurus, stammt vom Coenurns cerebralis (öehirnquese) der Wiederkäuer; 6. Taenia serialis, stammt vom Coenurus serialis der Hasen und Kaninchen; (i. Tae niu Echinococcus, stammt vom Echinococcus polyinorphus (Hülsemvunn) der Herbivoren und des Schweins; 7. Bothriocephalusarten, selten. Die Larven leben in verschiedenen Fischen (Hecht, Barsch, Saibling, Lachsibrelle, Aesche, Seeforelle, Aalquappe).
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280nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bandwürmer.
JB. Schaf: 1. Taenia oxpansa, die Bandwunnseuche der Läin-nier erzeugend, angeblich bis zu 60 m lang' werdend ; 2. Taenia ovilla, in Deutscbland sehr selten, häufig dagegen in Italien und Frankreich.
C.nbsp; nbsp;Beim Pferd: 1. Taenia perfoliata, am häufigsten; 2. Taenia plicata; 3. Taenia mamillana, sehr selten, nur ca. 1 cm lang.
D.nbsp; nbsp;Beim Rind: 1. Taenia expansa; 2. Taenia denticulata: 3. Taenia alba.
E.nbsp; nbsp;Bei Ziegen: Taenia expansa.
F.nbsp; nbsp;Bei Katzen: 1. Taenia crassicollis; 2. Taenia elliptioa;
3.nbsp; nbsp;Dibothrium decipiens.
G.nbsp; nbsp;Bei Kaninchen: Taenia leporina s. pectinata.
Et. Beim Geflügel: 1, Taenia infundibuliformis (Huhn und Ente); 2. Taenia lanceolata (Gans und Ente); 3, Taenia cuneata;
4.nbsp; nbsp; Taenia proglottina (die Larve parasitirt in Limas cinereus, einer Schneckenart); .r). Taenia cesticillus; 6, Taenia tetragona (Huhn); 7. Taenia cantania (Buten); 8. Taenia crassula (Tauben); 9. Taenia fasciata; 10. Taenia setigera (Gans); 11. Taenia trilineata; 12. Taenia eoronula; 13. Taenia anatina (Ente); 14. Taenia gracilis; 15. Taenia sinuosa; 16. Taenia megalops; 17. Taenia conical 18. Taenia imbutiformis (Ente); 19. Taenia tenuirostris (Gans und Ente); 20. Bothriocephalus longicollis (Huhn).
Naturgeschichtliches. Die Bandwürmer (Ce st öden) gehören zu der Gruppe der Plattwürmer und bilden Colonien (Strobila), deren einzelne Glieder sich aus der Amme, dem Kopfquot; der ganzen Colonie, dem Scolex, durch Knospung entwickeln. Die reifen, fort-pflanzmigsfäbigen Glieder heissen l'roglottiden. Der Kopf besitzt einen zurüekziehbaren Rüssel (Rostellurn) und haftet mittelst Saug-näpl'en und Haken (bewaffnete Bandwürmer) an der Darmscbleini-haut fest. Jede einzelne Proglottide besteht aus einer iiusseren muskulösen Rindenschichte mit einer Oberhaut (Cuticula), und einer inneren, den Gesehlechlsapparat und die Gefässstämme enthaltenden Schiebte. Die Geschlechtsorgane sind hermaphroditiscli und bestehen in Uterus, Eier- und Dotterstock, Samenbehiilter und Scheide einerseits, in Hoden, Samenleiter und Penis (Cirrus) andererseits. Die Gescblechtsöffming befindet sich meist seitlich am freien Band. Die im Uterus in ausserordentlich grosser Menge vorhandenen Eier besitzen eine sehr harte, mehrsehalige Kalkluille und enthalten im Inneren den kugeligen, hellen, vier- oder sechshakigen Embryo;
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Bandwürmer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 281
sie sind iiusserst widerstandsfähig, gehen indess durch Austrockuung zu Grunde. Gelangen diese Eier auf irgend eine Weise in den Magen eines anderen Wirthes, so entwickelt sich daraus ein vier- oder seclis-hakiger Embryo, der die Magenwand perforirt und in die verschiedensten Organe einwandert, wo er sich unter Verlust der Haken ein-kapselt (enoystirt) und zum Blasenwurmquot; (Cysticercus) wird; in diesem Blasenwurm hat sich der Embryo bereits wieder zu einem Scolex, dem Broscolex der späteren Colonie umgewandelt. Gelangt nun ein solcher Blasenwurni in den Darm eines ihm zusagenden Thieres, dann wird der Scolex (Proscolex) durch die Verdauung der Blase frei, befestigt sich mittelst seiner Haftapparate an der Darrnschleimhaut und wächst zu einer Bandwurmcolonie aus.
Die geschilderte Entwicklungsweise der Bandwürmer, wonach die Blasenwürmer nur den Larvenzustand, das heisst die geschlechtslose Vorstufe des eigentlichen Bandwurmes in verschiedenen Wirthen (Generationswechsel) darstellen, ist besonders durch die experimentellen Untersuchungen von van Beneden, Küchenmeister, v. Siebold, Lenckart, Haubner u. A. festgestellt worden.
Die Entwicklungsgeschichte der Taonia cueumerina, des häufigsten Hmidebandwunns, ist besonders interessant. Melnikow (Archiv für Naturgeschichte, 1869) hatte früher angegeben, dass die Larve dieser Taenia im Hundehaarling, Trichodectes oanis, entbluten sei (,Oryptocystis Trieho-dectidisquot;). Wir haben bereits früher im Gegensatze hie/.u darauf hingewiesen, dass der gewöhnliche Iiifectionsniodns ein anderer sein müsse, weil die Haarlinge mich unseren Erfahrungen beim Hunde sehr selten vorkommen. Nun hat neuerdings Grassi (Oentralblatt für Bacteriologie und Parasitenkunde, Bd. 4, Nr. 20) gefunden, dass der Hundefloh der eigentliche Zwischen wirth der T. cueumerina ist. Auch im Menschenfloh, Pulex irritans, hält sich die Larve des Bandwurms auf. Die Embryonen befinden sich frei in der Leibeshöhle der vollständig ausgebildeten Flöhe, oft Ins zu 50 Stück in einem E'loh. Die Infection der Hunde erfolgt durch das Versohlxicken solcher Flöhe, dünge Hunde, deren Mütter Flöhe beherbergen, weisen bereits am 5,10. Tage nach der Geburt Tiinieu auf. Da der Hundefloh sein- hiiuiig seinen Sitz durch Ueherspringen wechselt, können auch solche Hunde inficirt werden, welche sonst frei von Flöhen sind. Die Prophylaxe gegen Taenia cueumerina besteht somit in der Vernichtung der Flöhe.
Taenia Eohinococcus. Nach den Untersuchungen von Müller uild Mangold scheint sich die schon früher von Ost er tag geilusserte Ver-muthung zu bestätigen, dass es zwei Arten von T. Eohinococcus, entsprechend den zwei Arten des EohinoCOCCUS (cysticus und multiloeul aris) gibt. Die gewöhnliche zum E. cysticus gehörige Taenia hat plumpe Haken, die seltenere Tänie des E. multilocularis ist durch schlankere Haken und kugelförmige Eieranhftufuncr charakterisirt.
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282nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bandwürmer.
Taenia serialis. Kai Hie t hat gezeigt, class beim Hund neben T. coenurus noch ein anderer Quosenbandwurni, T. serialis vorkommt. Seine Finne, die Reihenquese, Coenurus serialis, zeigt eine reihenförmige Anordnung der Köpfe, wird bis hühnereigi'OSS und bewohnt das Bindegewebe der Muskeln, die Subcutis und Subserosa (Bauchfell) der wilden und zahmen Kaninehen, Feldhasen, Eichliürnehon und Biber.
Anatomische, durch Bandwürmer hervorgerufene Veränderungen auf der Darmschleimhaut. Hftuflg bedingt die Anwesenheit von Bandwürmern im Dann, besonders wenn nur einzelne Exemplare derselben vorhanden sind, keine oder höchstens nur ganz geringfügige katarrhalische Veränderungen auf der Schleimhaut. In anderen Fällen jedoch kommt es zu intensiven katarrhalischen und entzündlichen Processen auf derselben. Schieferdecker fand bei der Untersuchung der von Taenia cueumerina heimgesuchten Dünn-darnischleimbaut des Hundes eine eigentlüimliche Tunnelbildung in derselben, wobei sich die Gliederketten der Tänien durch diese Tunnels wie Eisenbahnzüge hindurchzogen. Die Tunnels waren durch Verstrickungen und Zusammenwachsen der über den Tänien gelagerten Darmzotten entstanden, welche oft um das 45fache verlängert, von desquamirten Epithelmassen bedeckt und durch bedeutende Neubildung von Capillargefässen im Inneren hypertrophirt waren. Die Lieber-kühn'schen Drüsen waren in der Umgebung der Hohlgänge häufig stark verkürzt und in ihren oberen Partien auseinandergedrängt, zuweilen fand man auch eine Vermehrung des intertubulären Bindegewebes in Form deutlicher Bindegewebssepta, welche selbst die Breite eines Drüsenschlauches erreichten. Diese Veränderungen müssen sowohl durch die Störung der Resorption von Seiten der hypertrophischen Zotten, als auch durch die Beeinträchtigung der Darmsecretion in Folge Atrophie der Drüsen mehr oder weniger schwere gastrische Erscheinungen hervorrufen. Die schwersten anatomischen Veränderungen auf der Darmschleimhaut werden von Taenia Echinococcus beim Hunde erzeugt. Indem diese kleinen, nur dreigliederigen Bandwürmer sich mit ihren scharfen Haken oft zu Hunderttausenden in die Schleimhaut einhalten, verursachen sie dadurch eine hochgradige, sehr oft tödtliche Darmentzündung mit Darmblutung. Andere Bandwürmer können bei massenhafter Anwesenheit das Lumen des Darmes ganz verstopfen und zu Intussusception führen. Die Veränderungen auf der Darmschleimhaut beim Geflügel bestehen in Auflockerung und Hyperäniie, sowie in einem desquamativen Darmkatarrh mit reichlicher Secretion eines gelbröthlichen, eiterigen Schleimes. Zuweilen findet man auch tuberkelartige Knötchen in der Darmwand
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Biuidwiinnci-.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;283
(aoduläro Taeuiasis, von Moore und Morton beobachtet). lieber Durmperforation, Divertikel- und Oystenbildung im Dünndarm des Pferdes, verursacht durch Taenia pcrtbliata, berichtet Megnin. In einem Falle fand Cadeac beim Hunde den Zwölffingerdarm durch zwei Exemplare von T. serrata perforirt, Einen ähnlichen Fall von Darm-jierforation hat Lahogue beobachtet. In beiden Fililen wurden während des Lebens wuthähnliche Erscheinungen constatirt. Wolpert fand Exemplare von Taenia serrata im Oesophagus und in der Niere.
Die Bandwürmer bewohnen beim Hund gewöhnlich den Dünndarm, T. cucumorina, der gewöhnlichste Hundebandwurm, bewohnt in 1525 (im Maximum über 100; Neumann fand bei einem Hunde 707!) Exemplaren den Leer- und Hüftdarm, desgleichen T. margin ata und serrata, jedoch gewöhnlich nur in 12 Exemplaren. T. Ecbinococcus kommt bei einem Hunde zu Hunderttausenden von Exemplaren vor, so dass ein Quadratcontimeter Schleimhaut 100 und mehr Parasiten enthält. Die As-oariden kommen beim Hund theils vereinzelt, thoils in grösserer Anzahl (25250 Stück) vor.
Symptome. Weitaus in den meisten Fallen bedingt die Anwesenheit von Handwürmern im Darmcauai keinerlei auffallende Erscheinungen. Führen sie jedoch zu einer sichtbaren Erkrankung, so ist es meist das Ivrankheitsbild des chronischen Darmkatarrhs, zu dem sich je nach der Thiergattung noch andere Symptome gesellen können. Practisch am wiciitigsten ist das Bandwurmleiden der Hunde, Lämmer und des Geflügels.
1. Beim Hunde kommen Bandwürmer ausserordontlich häufig ohne jede sichtbare Störung des Allgemeinbefindens vor. Fleischer-, Schäfer- und Jagdhunde sind der Aufnahme von Tänienbrut am meisten ausgesetzt; junge Hunde besitzen eine entschieden grössere Disposition zur Erkrankung als ältere. Tritt das Bandwurmleiden nach aussen in die Erscheinung, so findet man meist die beim chronischen Darmkatarrh beschriebenen Symptome. Dabei besteht zuweilen ein ausgeprägter Heissbungcr, ohne dass die Tbiere an Körpergewicht zunehmen würden, vielmehr beobachtet man eher das Gegentheil. Der Appetit ist sehr wechselnd, junge Thiere äussern nicht selten Unruheerscheinungen, winseln, laufen hin und her, schnappen nach dem Hinterleib, rutschen auf dem Hintertheil, wechseln häufig das Lager u. s, w. Bei der Untersuchung des Afters findet man in demselben bezw. zwischen den benachbarten Haaren frische oder eingetrocknete Proglottiden zuweilen in grosser Anzahl. Bei sehr reizbaren Hunden, sowie bei dem Vorhandensein grosser Mengen von Bandwürmern, insbesondere von Taenia Ecbinococcus und cueumerina,
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284nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bandwürmer.
treten zuweilen auffalleiul schwere und heftige Krankheitserscheinungen hervor, welche in früheren Zeiten y,u der Annahme der Entstehung wirklicher Wuth auf Grund des Vorhandenseins von Bandwürmern geführt haben und auch heute noch dann und wann die Existenz der Wuthkrankheit vortilusclien können. Die Symptome dieser Pseudo-Lyssaquot; bestehen in Schwindel, Zuckungen, epileptischen Anfällen, Lähmung, sowie einigen ganz wuthähnlichen Erscheinungen: Neigung zum Beissen, Veränderung der Stimme, Lähmung des Unterkiefers, grosser Mattigkeit und Abstumpfung. Diese Erscheinungen wurden von Leisering auch experimentell durch Ver-fütterung von Eohinokokkenblasen hervorgerufen. Meist werden derartige wuthartige Anfälle durch Taenia Echinococcus verursacht; wir haben indess auch von Tania cucumerina ganz ähnliche Wirkungen beobachtet. Ihre Erklärung ist in der sehr schmerzhaften und gewöhnlich tödtlich endenden Darmentzündung zu suchen. Zuweilen kann die massenhafte Ansammlung von Bandwürmern im Darm auch zu Verstopfung, und zwar sogar mit tödtlichem Ausgang führen. Auch Perforation der Darm wan dung ist vereinzelt beobachtet worden, üober einen sehr interessanten, weil vereinzelt dastehenden Fall von Selbstinfection eines Hundes mit Taenia serrata (Cysti-cercus pisiformis im Gehirn) berichtet Lesbre. Die Erscheinungen bestanden in Zähneknirschen, tollem Umherlaufen etc.
2. Bei den Schafen tritt das Bandwurmleiden als sog. Band-wurmseuche der Lämmerquot; besonders in nassen Sommern und auf feuchten, sumpfigen Weiden auf. Eine Disposition für die Aufnahme der Taenia expansa liegt auch hier in der grossen Jugend der einzelnen Thiere. Bei älteren Schafen scheinen vorausgegangene schwächende Krankheiten des Darms eine Disposition zu bedingen. Die Taenia expansa zeichnet sich durch ein ausserordentlich rasches Wachs-thum aus; nach Spinola kann man bei 4 Wochen alten Lämmern schon 10 Meter lange Bandwürmer finden, was zu der unbegründeten Annahme einer intrauterinen Infection geführt hat. Die Erscheinungen der Bandwurmseuche haben häufig nichts Charakteristisches an sich und unterscheiden sich nicht von denen derKachexie: Bleichsucht, bleiche Haut und Bindehaut, leicht ausziehbare, helle, fettschweissarme Wolle u. s. w. Im weiteren Verlaufe treten schwere Verdauungsstörungen auf. Die Futteraufnahme und das Wiederkauen zeigen Unregelmässigkeiten; die jungen Thiere bleiben im Wachsthum zurück, zeigen sich matt und hinfällig, lassen sich leicht greifen, bleiben hinter der Herde und magern sehr stark ab. Die in der Hegel eintretende
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Bandwürmer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 285
Verstojifung führt zu leichten Unruheorseheinungen: die Thiere legen sich bald nieder, bald springen sie wieder auf, krümmen den Rücken und stellen sich vergehlich zum Kothiihsatz an, hohen den Schwanz in die Höhe, lauten plötzlich fort und sind nicht selten mehr oder weniger aufgetriohen. Ist die Kachexie sehr weit vorgeschritten, so stellen sich diarrhoische Kothentleerungen mit grosser Jlinfiilligkeit und Schwäche ein. Die Thiere sind in diesem Zustande völlig in-curabel und gehen schliesslich an Erschöpfung zu Grunde.
.'{. Beim Geflügel, das die meisten Bandwurmarten beherbergt, iiussert sich das Bandwurmleiden theils in gastrischen Störungen, besonders in einer zunehmenden Diarrhöe mit schleimigem, selbst blutigem Kotlie, theils in einer, trotz fortbestehender guter Fresslust, steigenden Abmagerung und Zurückbleiben imWachsthum (Kümmern). Dabei sind die Thiere traurig und unlustig, haben ein gesträubtes, glanzloses, struppiges Gefieder, das gewöhnlich eine Unzahl von Parasiten (Federlinge, Milben) beherbergt, zeigen zuweilen epileptiforme Zufälle und stehen oft lange in sich gekehrt da, worauf sie wie erwachend umherlaufen und Futter aufnehmen. Allmählich hört die Futteraufnahme ganz auf, die Thiere werden sehr matt, fallen um und verenden sehr rasch. Zuweilen hat das Leiden eine seuchenbafte Verbreitung. So hat Friedberg er eine ausgebreitete Bandwurm-seuche unter den Fasanen beschrieben. Luc et beobachtete epizooti-sches Auftreten von Taenia setigera hei Gänsen. Die Erscheinungen bestanden in Abmagerung, fötider Diarrhöe, Lähmung und schnellem Tod; Mortalitätsziffer 2030 Proc. (bei einer Gans wurden 600 Exemplare von Taenia setigera vorgefunden). Eine ähnliche Bandwurm-seuche bei jungen Gänsen, bedingt durch Taenia lanceolata, hat Ellinger beschrieben (Abmagerung, epileptiforme Krämpfe, hochgradige Diarrhöe, meist plötzlicher Tod).
Die Bandwürmer der übrigen Hausthlere (Pferde, Rinder, Ziegen, Katzen, Kaninchen) geben seltener zu einem eigentlichen Bandwurmleiden Veranlassung. Die Erscheinungen sind im Wesentlichen dieselben, wie die im Vorhergehenden genannten. Megnin und Waldmann berichten über Fälle von Perforativ-Peritonitis beim Pferde, veranlagst durch Taenia perfoliata. Hürlimann fand bei einem an Lähmung leidenden Pferde Unmassen von Taenia perfoliata. Hendrickx beschreibt eine durch Taenia plicata bedingte enzootische Darmentzündung bei Fohlen. Hauhold und Truelsen beschreiben 2 Fälle von Taenia denticulata beim Rinde; die Erscheinungen bestanden in Indigestion, Abmagerung und chronischer Tympanitis. Bei Katzen
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Bandwürmer.
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wurde im Jahre 1874 auf dem Schwarzwald eine Bandwurm^euche beobachtet (Taenia orassicollis), wobei gleichzeitig auch die offenbar inflcirten Feldmäuse (Oystioevcus fasciolaris) verschwanden; die erkrankten Katzen magerten rasch ab und gingen endlich zu Grunde (Lydtin, Mittheil, über das badische Veterinärwesen, Karlsruhe 1882). Perronoito vermuthet in einein Falle von Darmruptur bei einer Katze als Ursache eine Verletzung der Darmwandung durch die Haken des Kopfes von Taenia orassicollis, Zschokke fand bei mehreren an Gastritis gestorbenen Katzen die Taenia crassicollis im Magen und hielt die Anwesenheit des Parasiten daselbst für die Ursache des Todes, weil er bei gesunden getödteten Katzen denselben immer nur im mittleren Dünndarm fand. AehnUche Beobachtunffen hat Malm Gemacht.
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Diagnose. Eine sichere Diagnose auf Bandwürmer kann nur durch den Nachweis des Abganges derselben, bei Schafen oft nur durch die Section des gefalleneu Thieres festgestellt werden. Die Erscheinungen des chronischen Darmkatarrhs an sich bieten keinerlei sichere Anhaltspunkte. Der Abgang der Bandwürmer erfolgt in den meisten Fällen durch den After mit dem Kothe; man findet dann an der Oberfläche der Kothballen einzelne oder mehrere, oft bewegliche Bandwurmglieder, welche beim Hunde in der Nähe des Afters weiterkriechen, daselbst die Haare verkleben und schliesslich zu dünnen, gelblichen oder weisslichen, platten Gebilden eintrocknen. Seltener werden grössere oder kleinere Bandwurmpartien durch Erbrechen aus dem Körper entfernt. In Folge des durch die Bandwurmproglottiden' in der Umgebung des Afters ausgeübten Reizes rutschen manche Hunde zur Verminderung des Juckgefühls auf dem Hintertheil herum, was indess auch bei anderen Krankheiten vorkommt. Auch die von Manchen als pathognostisches Kennzeichen der Helminthiasis hervorgehobene abnorme Erweiterung der Pupille hat keinerlei diagnostische Bedeutung.
Differentialdiagnose der verschiedenen Bandwurmarten. JJraüglich derselben und ihrer Einzelbestimmung muss auf die Lehrbücher der allgemeinen Pathologie und Farasitenlehro hingewiesen worden. Es mögen hier nur die makroskopischen liauptunterschiede der am häufigsten zur Behandlung kommenden Bandwürmer des Hundes in Kürze angegeben worden.
1. Taenia cueumerina: häufig in Knäuelform vorkommend, die reifen Proglottiden kürbisk ern ähnlich, d. h. 1 anglich-elliptisch, röthlich, mit zwei Greschlechtsöffnungen auf beiden freien Ränder n, höchstens 2 mm breit, B 10cm (selten 20) lang, ziemlich dick. Unter dem Mikroskop sieht man röth liehe Eierhaufen (sog. Cocons).
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Baiuhviimicr.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2S7
2. Taeni a serr ata! Proglotl iden stlgeartig mil ein a n d er ve r-Lunden (daher zackige Ränder), je eine Gesohleohtsöffnung, alternirend links und rechts am freien Bande sit/.end, Glieder sehr lang (bis zu 18 mm) und breit, (bis zu 5 mm), ton neu fö rm ig; Gesammtliinge '/gt;1 m.
8, Taenia marginata: Proglottiden quadratisch an einandor gefügt, oft breiter als lang, mit geraden Bändern und alternimider seitlicher Geschlechtsüffnung. Gcsanimtlänge 2 5 in. Brei! ester und längster, sowie feistester Band wurm des Hundes.
4.nbsp; Taenia coenurus: Proglottiden quadratisch, die liintersten oblong und im V e r h ü 11 n i s s zur Breite s e h r 1 a n g, weiss. Gesanimt-länge '/ä 1 m.
5.nbsp; Taenia Echin oeoecu s; nur drei- (selten vier-) gliederig, ca. 46 mm lang, nur das letzte Glied eierhaltig; die Glieder sind weiss, elliptisch und können mit Darmzotten verwechselt worden.
Mikroskopisch sind ausserdem die einzelnen Proglottiden an der Form des Uterus, sowie die Köpfe an der verschiedenen Form der Haken leicht zu bestimmen. Vergl. Kitt, Baderiologische und pathologiseh-histio-logische Uobungen, 1893. S. 55 ff,
Therapie. Der gegen die Bandwürmer zu Gebote stehende Arzneischatz ist ein ausserordentlich reichhaltiger. Indess müssen sämmtliche Mittel in relativ grossen Dosen gegeben werden, und es darf, sofern die Anthelminihica nicht selbst purgirende Eigenschaften besitzen, zwischen dem durch die Bandwurmmittel erzeugten Loslassen der festgesaugten Köpfe und der Austreibung der Colonie kein zu langer Zeitraum liegen, da sich die Scolices sonst wieder anheften. Es muss also ein Abführmittel bald hintennadi verabreicht werden. Der eigentlichen Bandwurmkur geht zweckmiissig eine Vorbereitungskur voraus. Dieselbe besteht durin, dass das zu behandelnde Thier einen Tag lang nicht gefüttert und der Darmcanal durch IClystiere oder Abführmittel entleert wird, damit dem Abgange des Bandwurmes kein Hinderniss im Wege steht. Sodann werden die eigentlichen Bniulwurm-mittel nüchtern verabreicht. Bei Hunden empfiehlt es sich, wegen des nicht seltenen Erbrechens immer eine zweite Dosis bereit zu halten.
1. Gegen die Bandwürmer der Hunde werden angewandt: Ex-tractum Filicis maris aethereum, 0,55,0 pro dosi in Kapseln oder in Pillenform, bei letzterer gewöhnlich mit dem Pul vis llhizo-matis Filicis zusammen verschrieben, welches auch für sich in frisch gepulvertem Zustande zu 10,025,0 gegeben werden kann. Das Ex-tractum Filicis maris ist eines unserer besten Bandwurmmittel. Sodann Kamala, zu 2,015,0, ein ebenfalls vorzügliches und zugleich purgirendes Antitänicum; die Arecauuss, zu 10.0 20,0, geraspelt, in Form keratinisirter Pillen (Rp. Sem. Arecae 15,0; Butyri Cacao qu. s. f. Boli Nr. XX; Obduce Keratino), oder mit frischer Butter gemischt bei leerem Magen gegeben; Flores Kusso, 1quot;,() 25,0, mit
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288nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Bandwürmer.
Milch geschüttelt und nach einer Stunde dieselbe Dosis wiederholt; Cortex Radicis Granati, 5,0r)0,0 in 1 Liter Wasser 24 Stunden macerirt und auf ein kleineres Volum eingekocht. Endlich werden empfohlenKürbiskerne (2530Stück), Kupferoxyd (0,05), Chloroform, Creolin und andere Mittel.
2.nbsp; nbsp; Bei der Bandwurmseuche der Lämmer sind zunächst in prophylaktischer Beziehung alle schädlicheu und verdächtigen Weideplätze zu vermeiden. Als Anthelminthica können sämmtliohe beim Hunde angeführten Mittel in entsprechend modificirter Dosirung angewandt werden. Von neueren Mitteln sind das picrinsaure Kali (0,5 bis 1,25) in Pillenform, sowie das Kussin (0,1) ebenfalls erfolgreich versucht worden. Andere ziehen bei Schafen das Extract. Filicis mar. zu 2,01,0 oder Kamala zu 5,06,0 vor. Nach Trasbot ist das einfachste und unschädlichste Mittel die Verabreichung von Fichtensprossen (terpentinölhaltig), Wacholderzweigen oder Wacholderbeeren, welche die Lämmer gerne fressen. In früherer Zeit wurden die Spinola'schen Wurmkuchen, bestehend aus Rainfarnkraut, Wer-muthkraut und Wagentheer je 1 kg, Kochsalz J/i kg, mit Mehl und Wasser zu Kuchen gemacht, sowie das Chabert'sche Oel (Oleum contra Taeniamquot;, ein Destillat von Thioröl und Terpentinöl) kaff'ee-löffelweise mit 0,20,8 Brechweinstein verabreicht.
3.nbsp; nbsp; Gegen die Bandwürmer des Geflügels empfiehlt Zürn als bestes Mittel die Arecanuss gepulvert zu 2 3 g mit Butter zu Pillen gemacht: nur Puten sollen dadurch etwas aufgeregt werden; ein Abführmittel soll selten nöthig sein. Die gepulverte Reinfarnwurzel (ebenfalls in Dosen von 13,0) soll der Arecanuss weit nachstehen. Megnin empfiehlt ein Gemisch von Ingwer, Enzian, Fenchel, Anis, Koriander und Aloe (ää, eine Prise pro Thier).
AVas endlich Band Wurmmittel hei den übrigen Hausthieren betrifft, so können, wenn sie je einmal zur Anwendung kommen sollten, die sämmtlichen oben erwähnten versucht werden. Beim Pferde wären ferner die bei den Spulwürmern anzuführenden Wurmmittel (Brechweinstein, Arsenik, Terpentinöl), ausserdem die Arecanuss (auf jedes Futter zwei Esslöffel), zu verabreichen.
II. Spnhviiriuer.
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Spulwürmer,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 280
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Naturgeschichtliches. Von Spulwürmern (Ascariden) bei unseren llausthieren sind zu nennen:
a)nbsp; nbsp;beim Pferd und Esel: Ascaris megalocephala;
b)nbsp; nbsp;beim Huad : Ascaris marginata (wohl = m vstax); o) bei der Katze: Ascaris mystax:
d)nbsp; nbsp;beim Rind und Sclrwein: Ascaris lumbricoides;
e)nbsp; nbsp;beim Geflügel: Heterakis (früher Ascaris) inflexa und Heterakis vesicuiaris, Dispharagus nasutus ))eim Huhn, Heterakis maculosa bei Tauben, Heterakis dispar bei Gänsen.
Die Entwicklungsgeschichte der Ascariden ist noch nicht vollständig klar gelegt. Früher hat man auf Grund negativer director üebertragungsversuche (Linstow und Leuckart) angenommen, dass die Ascariden einen unbekannten Zwischenwirth passiren. Neuerdings hat jedoch Grassi durch Fütterungsversuche nachgewiesen, dass sich Ascaris marginata direct, ohne Zwischenträger, in Folge Aufnahme der Eier mit dem Kothe wurmkranker Thiere entwickelt. Hiemit in Uebereinstimmung steht die von Grassi beobachtete Thatsache, dass junge Hunde, welche von ihrer Geburt an mit ihrer spulwurniiidicirten Mutter sorgfältig isolirt gehalten wurden, bereits mit Ascaris marginata behaftet waren, als sie aussei- der Muttermilch noch keine andere Nahrung erhielten. Wir haben ebenfalls Spulwürmer bei einigen Wochen alten Hunden gesehen, desgleichen Penherthy (2 Wochen alte Hunde litten an Ascariden; ein (i Wochen altes Hündchen beherbergte 250 Stück!). Beim Menschen hat Epstein die directe Entwicklung von Ascaris lumbricoides durch die Verabreichung der aus menschlichen Faces gewonnenen Ascarideneier an Kinder nachgewiesen. 1012 Wochen nach der Verfütterung der Eier waren geschlechlsreife Ascariden bezw. deren Eier in den Filces der Versuchskinder vorhanden.
Kriedberger u. FriUmev, Pathol. U. Therapie d. Ilausthierc. I. M, 1. Aufl. 19
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Spulwürmer.
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Anatomische Veränderungen der Darmschleimhaut durch Ascariden. Die oft in grosser Anzahl, bis zu tausend Exemplaren, im Darme anwesenden Spulwürmer erzeugen durch ihren mit zahnbesetzten Mundlippen bewaffneten Kopf noch tiefere Verletzungen der Darmschleimhaut, als die Bandwürmer, indem sie, wenn auch selten, seihst die Darmwand perforiren und eine Bauchfellen tzün dung veranlassen können. Man findet bei der Section von Hunden, bei welchen die Spulwürmer zuweilen ganz plötzlich den Tod herbeiführen, auf der katarrhalisch geschwollenen Schleimhaut kleine, rundliche, schwarzrothe, dem Sitze der Würmer entsprechende Punkte mit aufgeworfenem, wallartigem Rande, sowie ge-scliwürige Vertiefungen; in anderen Fällen zeigen sich du-Erscheinungen einer hochgradigen hämorrhagiscben Darmentzündung, wobei die Ascariden Gänge und Gruben in der Schleimhaut mit geschwürigen, angenagten, verdickten Rändern gebildet haben; dieser Process kann durch sämmtliche Häute des Darmes hindurchgehen. Oft ballen sich auch die Würmer zu dichten Knäueln zusammen und verstopfen das Lumen des Darmes vollständig. Beim P f e r d e sind mehrere Fälle von Dar m p c r f o r a t i o n durch Ascaris megalocephala beschrieben, in welchen an der Ansatzstelle des Gekröses kleine Oeffnungen mit verdickten schwieligen lländern in der hier weniger resistenten Darmwand sassen. Diese Oeffnungen führten in blasenförmige Hohlräume, welche sich zwischen den beiden verdickten Platten des Gekröses befanden und mit Eiter, Futterbrei und Spulwürmern gefüllt waren. Bei Perforation dieser intramesenterialen Abscesse entwickelt sich eine jauchige Peritonitis. Mehrere Beobachter trafen ein Exemplar eines Spulwurmes in dem angeschwollenen und verdickten Ausführungsgange des Ductus pancreaticus an. Ortmann fand 7 Spulwürmer in den erweiterten Gallengängen eines Schweines. Beim Geflügel ist die Darmschleimhaut mehr oder weniger katarrhalisch entzündet, geschwürig und mit zähem, eiterigem Schleim belegt.
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Symptome. Die durch Spulwürmer verursachten Krankheitserscheinungen unterscheiden sich von den durch Bandwürmer bedingten nicht wesentlich. Sie bestehen im Allgemeinen in Störungen der Verdauung und Ernährung, Verstopfung, Diarrhöe, Tympanitis etc., Abmagerung, sowie in gewissen nervösen lleizungs-erscheinungen: Juckreiz, Reiben, Rutschen, Flemmen etc.
1. Beim Pferde kommen Spulwürmer häufig ohne nachweisbare Krankheitserscheinungen vor. In anderen Fällen bedingen sie wenig
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Spulwürmer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 291
charakteristische gastrische Störungen, Diarrhöe und Verstopfung, verbunden mit intermittirenden Kolikerscheinungen und allmählicher Abmagerung. Das Wurmleiden kann indess auch durch Obstruction oder Perforation dos Darmes zum Tode führen. Bei einzelnen Pferden kann es weiter ZU ganz eigenthüinlichen Kranklieitsilusserungen kommen. So beobachtete Frominct bei einer Stute einen ausgeprägten tetanusartigen Zustand (Trismus, Siigebockstellung, Vorfall des Blinzknorpels), der auf retlectoriscbem Wege zu Stande kam und auf die Verabreichung von Wurmmitteln wieder verschwand. Trueisen sah bei einer Stute epileptiforme Krämpfe, welche nach dem Abtreiben der Würmer verschwanden. Damit/, fand in einem Falle eine auffallende Rückenlaquo; marksaifection in Form von lähmungsartiger Schwäche der Nachhand, welche ebenfalls nach Anwendung von Wurmmitteln rasch zurückging.
2.nbsp; nbsp; Beim Hunde sind die Erscheinungen so ziemlich dieselben, wie die bei den Bandwürmern beschriebenen. Nicht selten kommen jedoch gerade heim Hunde (und den Katzen) plötzliche Todesfälle in Folge von Darmperforation vor. welche meist den Verdacht einer Vergiftung erwecken und erst durch die Section aufgeklärt werden.
3.nbsp; nbsp;Beim Geflügel, wo besonders Tauben durch Heterakis ma-culosa oft in seuchenhafter Ausbreitung ergriffen werden, äussert sich das Wurmleiden in Diarrhöe, vermehrtem Durste, Schwäche und Lähmungserscheinungen, Apathie, Abmagerung, Schwund der Brustmuskeln, Hängenlassen der Flügel, Sträuben des Gefieders, Ausfallen der Federn u. s. w. Auch ganz plötzliche Todesfälle sind nicht selten. Oft findet man bis ZU ÖOU Stück Heterakis im Darm einer Taube. Aehnliche Erscheinungen bringt auch Heterakis inllexa beim Huhn hervor (gelangt bei Verirrung in den Eileitern zuweilen auch in Hühnereier). Bei Truthühnern wurde Blinddarmentzündung beobachtet (Kätz).
Bei den anderen Thierarten sind die Ascariden von fferinarerem klinischem Interesse. Descainps berichtet beispielsweise über einen Fall von Ascaris lumbricoides bei einem Saugkalb, das während des Lebens starke Auftreibung etc., sowie eigenthiimliche Kieferbewegungen zeigte und dessen Gedärme 15 Liter Spulwürmer enthielten.
Therapie. Die gegen die Spulwürmer, überhaupt gegen llund-würmer, gebräuchlichsten Wurmmittel sind folgende:
1. Beim Pferde: der BrechWeinstein, zu 10,015,0 im Trinkwasser gelöst oder in Latwergen form mit bitteren Mitteln auf 34mal in .'istündigen Pausen; das Santonin, erwachsenen Thieren 10,025,0 zusammen mit Calomel verabreicht (Santonini 10,0; Hydrar-
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292nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Strongylen,
gyri chlorati 5,0; Succi Juniperi 50,0, M. f. Electuar.); die Arecauuss, 100,0250,0, geraspelt auf jedes Futter ein Esslöffel voll; der Arsenik, zu 1,02,0 mit bittereu und evacuimiden Mitteln in Pilleuform (l'ulv. Arsenici albi 2,0; Pulv. Aloös 30,0; Pulv. Herb. Absynth. 20,0; P. Had. Alth. et Aqu. qu. B. f. Pilul. Nr. II); das Terpentinöl zu 100,0 bis 200,0 in Emulsionsfonn, das stinkende Tliieröl (20,030,0), Benzin (50,0-100,0), Flores Cinae (100,0200,0), Rbizoma Filicis niaris, Herba Tanacoti, Absynfch., Enzian, Asa foe-tida, Creolin. Als Haus- und vorbereitendes Mittel empfehlen sich Zuckerrüben und Mohrrüben, sowie rohe Kartoffeln (bis zu 10 Liter pro Tag mit Weizenkleie gegeben).
2.nbsp; nbsp;Beim Hunde: Santonin, erwachsenen Thieren zu 0,05 bis 0,2, jungen Hunden 0,01 0,02 mit Zucker und nachher Ricinusöl oder in Form einer Auflösung von Santonin in Kicinusöl (Rp. San-tonini 0,1; Olei Hicini 30,0; Solve leni calore. D. S. Täglich einen Esslöffel bezw. Theelöffel für einen grossen bezw. kleinen Hund). Ausserdem kann man Arecanuss(10,020,0), Extract. Filic. maris, picrinsaures Kali, Creolin u.s.w. geben. Hausmittel; Abkochung von Knoblauch in Milch, per os oder per anum.
3.nbsp; nbsp; Beim Geflügel empfiehlt Zürn die Arecanuss, und zwar Hühnern zu 3,0, Tauben zu 1,0. Auch für das Schwein wird das Mittel empfohlen (5,015,0 pro die).
III. rallisndcuwiirmcr (Slronsylides).
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Strongylen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 29o
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Ibi,/., Bd. 7. 8. 249. Strongylus rubidus, Hassall u. Stiles, ./. u/'mih/i., 1892. 8. 207.
Von Strongyliden kommen im Darmoanale unsererHausthiere vor:
a)nbsp; nbsp;beim Pferd: Strongylus armatus und tetracunthus;
b)nbsp; nbsp;beim Schaf (und Ziege): Strongylus contortus (Magen-wurmseuche), Strongylus hypostomus und oernuus, Strongylus filicollis, Strongylus venulosus;
c)nbsp; nbsp;beim Rind: Strongylus radiatus, inflatus, ventri-cosus, convolutus;
d)nbsp; nbsp;beim Himd: Strongylus (Dochmius) trigonocephalus;
e)nbsp; bei der Katze: Dochmius B als ami fei is, Dochmius tubaet'orm is;
f)nbsp; nbsp;beim Schwein: Strongylus dentatus (Sclerostomum den-tatum), Strongylus rubidus;
g)nbsp; nbsp;beim Kanincheu: Strongylus strigosus;
h) beim Geflügel: Strongylus tenuis und nodularis (Gans), Strongylus pergraoilis (Tauben).
A. Strongylus armatus und tetracanthus beim Pferde.
Naturgeschichtliches. 1. Strongylus armatus kommt im Körper des Pferdes in zwei Formen vor: a) als unreife, geschlechtslose Larvenform im Aneurysma der vorderen tiekrüsarterie, vergl. embolische Kolik; b) als reifer Pallisadenwurm im Blind- und Grimmdarme des Pferdes. Die Eier des reifen Wurmes entwickeln sich, nachdem sie durch den Koth nach aussei! entleert sind, im Wasser und Schlamm zu freilebenden Nematodeu (Hhabditiden). Gelangen diese in den Darm des Pferdes (vermittelst des Trinkwassers), so suchen sie nach den Blutgefiissen, insbesondere dem Stamme der vorderen Ge-krösarterie, der ihnen zunächst liegt, vorzudringen. Von hier wandern sie dann nach mehrfachen Häutungen in geschlechtsreifem Zustande wieder zurück in den Darm (Blind- und Grimmdarm), wo sie sich mittelst ihrer trepanförmigen Kopfbovvafmung befestigen. 2. Strongylus tetracanthus encystirt sich dagegen in der Submucosa des Darmes und wandert von hier aus in geschlechtsreifem Zustande in das Darmlumen ein.
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294nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Strongylen.
Anatomische Veränderungen im Darme. 1. Strongylus armafcus bringt an seiner Ansaugungsstelle auf der Darnischleimhaut bläulichrotlio Pimldo liervor, die oft mit Ekchymoson verwechselt werden, bei mikroskopischer Untersuchung Indessen einen röthlichen Wurm von '/.i12 mm Grosse als Centrum erkennen lassen; daneben besteht eine leichte Enteritis. 2. Strongylus tetracanthus erzeugt in grosser Anzahl, namentlich bei Fohlen, eine hämorrhagische Darmentzündung mit kleinsten submucösen Knötchen (Cysten), in deren Mitte ein gelblicher Eiterherd mit den Larven von Strongylus tetracanthus sich befindet, auch kleine Schleimliautnarben bleiben gerne zurück. Die Strongylen befinden sich oft massenhaft im Darme. Cob hold fand zuweilen über l.^O Strongylidencysten pro Quadratzoll Oberfläche im Colon.
Symptome. Erkrankungen von Pferden durch reife Strongyliden sind selten; es scheint, dass nur eine sehr grosse Menge derselben krankhafte Erscheinungen hervorrufen kann. Am häufigsten noch erzeugen sie einen ruhrartigen Zustand der Dickdannschleimbaut und in Folge dessen Kolik, die selbst tödtlich enden kann. Dabei wird zuweilen heftiges Drängen und blutiger dünnflüssiger Koth beobachtet, und es beschlägt sich der explorirende Arm mit einer Menge kleinster Strongylen. Zuweilen erfolgt der Tod durch Darmblutung. Ferner sind chronische Fälle von starker Abmagerung und Anämie, sowie von hochgradigem Durchfall bekannt. Nach Schwarzmaier kommen in nassen Sommern bei Saugfüllen Diarrhöen und solche Todesfälle in Folge von massenhafter Einwanderung des Strongylus armatus vor. Auch in England sollen in den letzten Jahren zahlreiche Todesfälle sowohl bei Vollblutpferden als auch bei Karrenpferden durch Strongylen verursacht worden sein (Walley, Penberthy). Durch Einwanderung auf die Oberfläche der Gehirnrinde wurde in einem von Heill publicirton Falle Meningitis und liydrocepbalus internus mit consecutiven Kollersymptomen, sowie durch Einwanderung in den Hodensack Atrophie und Sklerose beider Hoden erzeugt (Cansy). Thrombose der linken Coronararterie durch Strongylus armatus mit plötzlichem Tode hat Cadiot bei einem Esel, Lungenblutung Michalik bei einem Pferde beobachtet. Kitt fand bei 2 Pferden geschlechts-reife Strongylen im Bauchfelle; Duncan ebensolche in den Bauchmuskeln, Pütz im Hoden eines Fohlens.
Behandlung. Wegen der Schwierigkeit der Diagnose wird eine solche in den wenigsten Fällen eingeleitet worden können; im Ucbrigen
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Strongyloii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;295
ist dieselbe wie bei den Ascia-ideii. Penberthy sah vom Terpentinöl gute Erfolge. Nach Spooner sollen die Pallisadenwürmer (wahrscheinlich die encystirten Larven von Strongylus tetracanthus) schwer abzutreiben sein.
Zur Entwicklungsgeschichte von Sclerostoma armatum hat Willach oiiieu neuen Beitrag geliefert. Er fand in der Mehrzahl der vom Juni bis September im pathologischen Institut der Berliner thierärztliohen Hochschule ausgeführten Sectionen im Diokdarm des Pferdes zahlreiche, 7 bis 12 nun lange Würnichen. welche in der Kopfbildung eine auffallende üeher-einstimmung mit Sclerostoma armatum zeigten. Die einen die Weibchen trugen am hinteren Ende einen bandfürmigen Schwanzanhang, die anderen besassen eine Bursa, genau so, wie die männlichen Individuen des ausgewachsenen Thieres, mit welchen auch im Uehrigen die äusseren Geschlechtsorgane übereinstimmten. Aber beiderlei Thiere, die Weibchen sowohl wie die letztgenannten, waren geschlechtsreif und führten in den Ovarialschliiucheu zahlreiche, dünnschalige Eier. Männchen waren nicht aufzufinden. Will ach schliesst, dass die aufgefundenen Wünnchen in den Entwiclilungskreis dos Sclerostoma armatum gehören und stellt sich vor, dass der goschlechtsreife ausgewachsene Darmparasit zunächst eine Rhabditis-generation (wie Leuokart nachgewiesen) erzeugt, die Bhabditideu aber sieh Wahrsoheinlioh theils zu jenen kleinen Weibchen, theils zu jenen kleinen Hermaphroditen umbilden, die beide geschlechtsreif sind. Aus den Eiern der zweifachen geschlechtsreifen Zwischengeneration ginge dann anscheinend eine neue Generation hervor, die, auf welche Weise ist unbekannt, zu geschlechtsreifen, ausgewachsenen Individuen männlichen und weiblichen Geschlechts sich ausbildete. \V i 11 a c h verneint ferner , dass der Durchgang der Parasiten durch die Blutbahn zur Entwicklung nothwendig sei, und hält es endlich auch für nicht wahrscheinlich, dass die Bhabditidcn, da ihnen die Mundbewaffnung fehlt, als solche schon in die Blutbahn gelangen könnten, hiezu seien wohl die von ihm entdeck ton kleinen Weibchen und Hermaphroditen befähigt. Auch für Sclerostoma tetracanthum hat Will ach eine Zwischengeneratiou nachgewiesen.
Die Entwicklungsgeschichte von Strongylus totracanthus ist neuerdings durch Cob bold genauer aufgeklärt worden. Die aus den Cysten ausgeschlüpften jungen Würmer bilden mittelst einer von ihrer Haut ausgeschiedenen schleimigen Masse Cocons, welche sich oft in grosser Anzahl (bis 40) in den Fäces der Wirthe nachweisen lassen. Der Entwicklungsgang ist nach ihm folgender: Die Embryonen bilden sich in feuchten und warmen Medien einige Tage nach vorangegangener Häutung aus. Die zu rhabditis-förmigen Embryonen ausgewachsenen Larven können viele Wochen im Freien loben. Zu ihrer weiteren Entwicklung ist ein Zwischenvvirth nöthig. Die Fäces werden mit dem Grünfutter oder auf der Weide aufgenommen. Sie bohren sich in die Schleimhaut des Cöcums und Colons, um sich hier nach einer zweiten Häutung einzukapseln. Nach einiger Zeit durchbrochen die Larven ihre Cysten und gelangen als geschlechtlich ditl'erencirte Würmer in das Darmlumen, Daselbst überstehen sie eine dritte und letzte Häutung und bilden die oben erwähnten Cocons. Ihre definitive Form und ihre Geschlechtsreife erlanger sie im Colon ihrer Wirthe.
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296nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Magen wunnscuclio.
B. Die Magenwurmseuche des Schafes (Strongylus contortus).
Aetiologie. I )ie im Labmagen der Schafe, vorzugsweise der Lämmer und Jährlinge (aber auoh der Ziegen), in ausserordentlich grosser Anzahl vorkommenden gedrehten Pallisadenwürnier erzeugen eine auch als rofche Magenwurmseuehequot; bezeichnete, vorwiegend im Frühjahr und Sommer seuchenartig auftretende und an wirthschaft-licher Bedeutung der Bandwurmseuclie nicht viel nachstellende Krankheit, welche in der Umgebung stellender Gewässer enzootisch auftritt und gewöhnlich mit der Lungenwurmseuche (Strongylus filaria) zusammen vorkommt, weshalb Gerlach einen gewissen genetischen Zusammenhang beider vermuthete und auch nachweisen wollte. Ob die Magenwurmseuche auch nach iiusschliesslicher Trockonfütterung auftreten kann, ist fraglich.
Anatomischer Befund. Bei der Section findet man die Schleimhaut des Labmagens von Pallisadenwlinnern, deren Dann durch aufgenommenes Blut roth erscheint, dicht besät und im Zustande des chronischen Katarrhs, resp. der Entziiiuhing. Zuweilen findet man die Schleimhaut durch die Strongylen siebartig durchlöchert. Zu bemerken ist, dass bei der sehr raschen Verdauung der Strongylen im Cadaver das Auffinden derselben längere Zeit nach dem Tode der Schafe oft sehr erschwert ist. Andererseits ist zur Sicherstellung der Diagnose die Vornahme einer Section häufig eine unerlässliche Nothwendigkeit.
Symptome. Die Erscheinungen sind von denen der Band-wurmseuche nicht aus einander zu halten; sie bestehen in Anämie, Bleichsucht, pernieiöser Anämie mit Poikilocytose, gastrischen Zufällen, besonders Diarrhöe, sowie einer immer mehr zunehmenden Abmagerung, Schwäche und Kachexie.
Therapie. Die Behandlung besteht in der Anwendung des Terpentinöls, stinkenden Thieröls oder Chabert'sclien Oels, des picrinsauren Kalis (Habe) zu 0,10,!} u. s. w.
C. Die Doohmiasis der Hunde (Dochmius trigonoeephalus).
Aetiologie. Von französischen und italienischen Thierärzten wird unter verschiedenen Namen, wie Dochmiasis, Uncinariosis, An-kylostomasie, pernieiöse Anämie, Nasenbluten etc. eine Wurm-
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Doohmiasis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;297
krankheit der Hunde besclmeben, wolclie insbesondere bei Jagdhunden vorkommt, die in Koppeln leben. Die Krankheit wird verursacht durch Dochmius trigonocephalus (Uncinaria trigonocepbalus), neben welchem meist auch Dochmius stenocephalus vorhanden ist. Ausserdeiu soll zuweilen auch Trichocephalus depressiusculus als Krankheitserreger mitwirken. Eine ähnliche parasitäre Anämie ist beim Menschen (Bergleuten, Tunnelarbeitern) beobachtet worden.
Anatomischer Befund. Der gewöhnliche Aufenthaltsort der Parasiten ist der Dünndarm und Blinddarm. In leichteren Graden der Krankheit findet man zahlreiche punktförmige Blutungen auf der Schleimhaut; in der Mitte oder an der Seite der kleinen Coagula sieht mau einen oder mehrere kleine, fadenförmige, 1020 mm lange Würmer von weisser Farbe mit einer schwarzen Längslinie. In schwereren Fällen ist die Schleimhaut sehr stark verdickt und von grösseren Blutherden durchsetzt. Bei längerer Dauer der Krankheit findet man die Dochmien vereinzelt auch im Grimmdarm, während ihre Zahl im Dünndarm abnimmt. Der Cadaver zeigt im Uebrigen die Erscheinungen der Anämie und Kachexio.
Symptome, Die Krankheit, entwickelt sich allmählich unter den Erscheinungen einer zunehmenden Schwäche und Abmagerung. Die Tbiere sind trotz relativ guten Appetits unlustig und matt, gehen in der Ernährung zurück, bekommen ein struppiges, von Schuppen durchsetztes Haarkleid und zeigen einen schleimig-eiterigen Nasen-ausfluss. Im weiteren Verlaufe treten als charakteristische Kennzeichen der Dochmiasis Nasenbluten sowie ödematöse Schwellungen der Gliedmasseu auf. Das Nasenbluten ist gewöhnlich intermittirend mit kürzeren oder längeren Pausen; die Menge des jedesmal entleerten Blutes beträgt bis 100 und mehr Cubikcentimeter. Gegen das Ende der Krankheit stellen sich Appetitlosigkeit, anhaltende Durchfälle, hochgradige Anämie, Lungenentzündungen, Blutungen, Geschwüre und selbst Gangrän auf der flaut, sowie grosse Körper-schwache ein. Die skcletartig abgemagerten Thiere sterben schliesslich unter den Erscheinungen des Comas nach einer Krank-heitsdauer von einigen Monaten bis zu einem Jahre. Innerhalb einer Meute erhält sich die Krankheit gewöhnlich mehrere Jahre, indem meist alle Hunde nach einander davon befallen werden. Zur Unterscheidung von der gewöhnlichen Anämie dienen das enzootische Auftreten der Dochmiasis, der Sectionsbcfum! mit dem Nachweise der
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Dooluumsis.
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Parasiten, sowie die günstigen Erfolge der Anwendung wurmwidriger Mittel. Im Gegensatze zu dem durch l'entastomen hervorgerufenen Nasenbluten verläuft die Dochmiasis mit schweren Allgemeinerschei-nungen, so namentlich mit hochgradiger Anämie. Von der Leukämie unterscheidet sich die Krankheit durch das Fehlen der Lymphdrüsen-anschwellungen sowie durch den mikroskopischen Blutbefund, von der Stauj^e durch den mikroskopischen Nachweis der ovalen Dochmien-eier in den Fäces.
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Therapie. Die Prophylaxe besteht in Isolirung der kranken Thiere, unschädlicher Beseitigung der die Eier des Parasiten enthaltenden Excremente, Reinhaltung des Bodens der Hundeställe, Verabreichung von reinem, womöglich gekochtem Trinkwasser, Reinigung der Futternäpfe und Trockenlegung des Lagers. Die Infection erfolgt nämlich am häufigsten durch Auflecken des in Rinnen und Pfützen des Hundestalles befindlichen Wassers, welches die Eier resp. Larven der Dochmien enthält. Die arzneiliche Behandlung besteht in der Verabreichung eines Wurmmittels. Man hat das Extractum Fill eis mar is, K a mal a, Arsenik u. a. empfohlen. Megnin gibt eine Mischung von Kamala 4,0, Calomel 0,5 und Arsenik 0,01, Daneben muss ein diätetisches Kurverfahren, insbesondere Fleischfütte-rung, einhergehen.
Bei der Katze haben Grassi und Generali eine durch Doohmlus Baisami falls hervorgerufene ähnliche Krankheit (üoehnünsisquot;) beschrieben, welche unter hochgradiger Diarrhöe, unstillbaren] Erbrochen, Abmagerung, Schwäche, Anämie etc. verlief. Die Erscheinungen beim Schwein und Ge-tlügol sind dieselben.
Beim Schaf erzengt zuweilen Strongylus hypostomus ähnliche Ver-dauungsstörungen mit Kolikerscheinungen. Bei der Section fanden wir den Dünndarm vollgespickt mit kleinen punktförmigen Blutungen und den Darminhalt chocoladefarbig. Bass hat eine Enzootie bei Schafen beobachtet (Durchfall, Abmagerung, über 50 Todesfälle).
Eine neue Strongylusart im Labmagen des Rincles, nämlich Strongylus convolutus, ist von Ost er tag entdeckt und beschrieben worden. Derselbe kommt bei 90 Proc. aller Kinder und zwar im Labmagen derselben vor. Auf der fleckig gerötboten und geschwollenen Labmagenschleimhaut sieht man graue, linsengrosso Flecke, welche sich bei mikroskopischer Untersuchung als zusammengerollte Strongylen erweisen. Nach Ostortag erzeugen diese Würmer, wenn sie in grosser Anzahl im Labmagen vorhanden sind, kachektische Wassersucht, welche insbesondere beim Schlachten als ZellgewebsWassersuchtquot; oder wässerige Beschaffenheit des Fleischesquot; vorgefunden wird. Ihre Einwanderung scheint nach Stadel mann im October und November stattzufinden.
Als Strongylus ruhidus bezeichnen Hassall und Stiles eine neue Wurmart, welche sie in Washington im Magen von 25 750Jn aller unter-
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Oxyuren.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 299
suchten Sohweine fanden. Zuweilen erschien der dicke Magonschleini vor lauter Würmern blutroth crefärbt.
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IV. Pfrlemensohwlinze (Oxyuren).
Literatur. Probstmayr, IV. f. Th,, 1865. S. 178. HhTzacHtZettaehr, für die ges. Noturwissemoh., 18(){). S. 270. ~Pfluo, 0laquo;. Ä., 1881. S. 81. Frikdberoer, M.,/. /.'., 1882/88. S. 81. Willach, B. Ä., 1892. S. 262. BtAiss, Bevuevit., 18Sgt;3. S. 401.
Arten. Von Pfrieraensohwänzen bei unseren Hausthieren sind /,u nennen:
a)nbsp; nbsp;beim Plerd: Oxyuris curvula, vivipara und masfcigodesi
b)nbsp; beim Hund: Oxyuris vermicularis;
c)nbsp; beim Kaiiinchen: Oxyuris ambigua.
Symptome. Die Pfriemensohwänze sind für unsere Hausthiere mehr lästige als nachtheiligo Purasiten. Nach dem Verlassen des Blind- und Grimmdarmes bleiben sie nämlich im Mastdarm hängen und verursachen daselbst eine Proctitis, welche sich durch heftigen Juckreiz und Reiben, das selbst Schweifgrind zur Folge haben kann, kundgibt. Die Diagnose gründet sich auf den Nachweis der an der Ausseniliiche der Kothballen oder an dem explorirenden Arme anklebenden Würmer oder der in den grindartigen Krusten in der Umgebung des Schweifes enthaltenen Eier; zuweilen hängen auch einzelne Exemplare der Würmer aus dem After heraus. Fried berger hat eine weitere, vonNitzsch nach der Fütterung von Leontodon taraxacum beim Pferde in einem einzelnen Falle beobachtete Species, Oxyuris mastigodes, bei mehreren Pferden constatirt. Diese offenbar nicht so sehr seltene Art unterscheidet sich von der gewöhnlichen Oxyuris curvula durch ihre beträchtlichere Grosse und die auffallende Länge des sehr dünnen Schwanzes (Weibchen bis ZU IS1/laquo; cm lang, davon auf den Schwanz 10^'s cm), sowie durch die sehr klebrigen Eier. Nach Mailliett soll sie nur eine Form von Oxyuris curvula darstellen,
Die Behandlung gegen Oxyuren besteht in Klystieren von Seifenwasser, Essig, schwachen Sublimatlösungen ('/a bis 1 quot;/oo). Eine innerliche Verabreichung von Wurmmitteln ist wohl nie nöthig.
V. Der Biesenkratzer (Lrlihionhyiichus gifras) des Schweins.
Literatur. Waloh. Zeitsohr. von Nebel und Vice, 1841. Schneider, Siteungsber. der Oberhess, Qeselfaohaft für Natur' u. Heilkunde, Gicsscu 1871. S. 1, Kocourek, Thrxt., 1377. S. 250. Stiles, ,/. of aomp., 1891. S, 657.
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EchiiioiThynclius gigns.
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Naturgeschichtliches. Nach den Untersuchungen Schneider's werden die unreifen Larven des Riesenkratzers von den Schweinen mittelst der Engerlinge (Maikäf'erlarven), vielleicht auch der Maikäfer selbst, in deren Leibeshöhle sie eingewandert sind ähnlich wie es bei Infection des Menschen angenommen werden muss aufgenommen. (In Amerika bilden nach Stiles die Larven von Lach-n os t er na den Zwisclumwirth.)
Section. Die anatomischen Veränderungen, welche die Riesenkratzer im Dünndarm der Schweine erzeugen, sind sehr bedeutende, Der mit dornigen Widerhaken besetzte Rüssel bohrt sich nämlich tief in die Schleimhaut ein und verursacht schwere Entzün-dungs/.ustände, selbst die Perforation des Darmes mit nachfolgender Peritonitis. Bei der Section fühlt sich zunächst der Dünndarm von uussen perlschnurartig knollig an, und es schimmern Gruppen von hanfkorngrossen, mit einem rothen Hof umgebenen, gelblichen Eiterpunkten durch, die sich bei Eröffnung des Darmes als umschriebene Entzündungsherde mit dem Kopf des Riesenkratzers als Centrum und kreisförmig verdickter, hochgerötheter Schleimhaut in der Peripherie erkennen lassen oder sich zu geschwürigen, oft bis zur Serosa reichenden Substanzverlusten umgewandelt haben. Dazwischen ist die Schleimhaut schiefergrau verfärbt, verdickt und mit Schleim belegt (Kocourek).
Symptome. Die Erscheinungen bestehen in Verlust des Appetits, Verstopfung, Unruheerscheinungen, Scharren, Wühlen, Schnappen nach dem Hinterleib, zunehmender Abmagerung, Zuckungen, Convulsionen, epileptiformen Krämpfen; bei Ferkeln trat der Tod unter den letzteren Erscheinungen innerhalb 34 Tagen ein. Die Krankheit tritt nicht selten als Herdenkrankheit auf.
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Therapie. Die Bell and lung besteht zunächst in prophylaktischer Hinsicht in der Vernichtung der Maikäfer, resp. Vermeidung des Weidegangs; innerlich können die verschiedensten Wurmmittel zur Anwendung kommen. Kocourek erzielte mit der Verabreichung des Terpentinöls (kaffeelöffelweise) und der nachfolgenden Anwendung von Abführmitteln (10 g Bittersalz, 5 g Aloe) sehr gute Erfolge.
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Gastruslarven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;301
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VI. Die GastmslarvMi beim l'fcrdo.
Literatur. Whitb, Compend. diet, of the vet. art, 1817. Kerstino, Naohgelasstne Manuskripte, 1818. S. 216. Nomann, Mag., 1838. Sertwio, G-Onther, ibid. Vix, Zeitsehr. von Nebel und Vi.r, I. S.867. ÖORLT, I'at/i. Auat., I. S. 273. Tin-dai,, The Vet., 1843. Kersten, Mag., 1850. 8.203. G-ehmer, Ibid., 1851. S.273.
nbsp; FELLENBBRa, Ibid., 1852. S. 500. BrockmOller, Oe. V. 8., Bd. 8 ii. 13. - Ricy, ./. de Iji/oii, Bil. 13. Horsburoh, 'J'lie Vet., 1854. Faoliero, (Horn, di ret., 1857.
nbsp;Schwab, Die Ostraolden, 1858. Schuepe, Mag., 1859. 8. 402; ß. A., 1881. S. 145. Mather, The Vet., 1859. VoiotUnder, Mag., 1860. 8. 40. Eletti, Giorn. di vet., 18GÜ. Gambron, A. de Jlru.r., 1860. BoLOFF, Mag,, 1868. Gbrlach, G. TIi., 1872. S. G53. Blit Literatur. MtoiN, Jiidl. soc. centr., 1878. ZÜRN, Schinorolzer, 1882. Vernant, Uec, 1884. SlEDAMOROTZKY, S. .1. H., 1884. S. 15. Poulsen u. Boas, 2'idskr, /'. Vet., Bd. 19. LindströM-Külfhers, Sclitved. Zeitsehr., 1888. S. 240. Damhann, Geeundheitepflege, 1892. Kowalewski, 1'et. A., 2. Bd. S. 220. DlEOKERHOPP, Spec. I'alh., 1892.' I. S. 532. Boas, Tidshr. f. Vet., 21. Bd. S. 1. LlCHMANN, Oe. M., 1893. S. 1G9. Kitt, l'aih.-anat. Diagn., 1894. 8. 508. Pramzenburo, Schlem.-Holst. Mitth., 2. Heft. Monoker, Ii. A., 1894. S. 51. - Perrongito u. Bosso, Ibid., 1895. S. 100.
Oestruslarven beim Hund. French, ./. of com/)., 1894. Raillikt, Soc.de liiol., 1894. 23. Juni,
Naturgeschichtliches. Von den Larven der Magenbremse
oder Bremseniliego (Gastrus, Gtistrophilus) kommen beim Pferde vier verschiedene Species vor: 1. Gastrus equi, die gewöhnliche Pferdebremse mit dem Sitze in der Schlundhälfte des Magens; 2. Gastrus pecorum, die Viehbremse, im Magen und Zwölffingerdarm des Pferdes parasitirend; 8. Gastrus haemorrhoidalis, die Mastdarmbremse, mit demselben Sitze wie die Viehbremse; 4. Gastrus nasalis, die Nasenbremse, meist nur im Zwölffingerdarm lebend. Die in den Sommermonaten auf der Weide schwärmenden Bromsenfliegen legen ihre Eier in der Zeit vom .luni bis September auf die Haare der Pferde. Aus diesen Eiern kriechen nach 35 Tagen kleine Maden, welche meist durch Ablecken seitens der Pferde in die Maulhöhle und in den Magen gelangen, wo sie sich mit ihrem bewaffneten Kopfende in die Schleimhaut einbohren und bis zur vollständigen Larvenentwicklung bleiben (ca. Bji Jahre), worauf sie im Frühjahr mit den Ex-crementen abgehen, sich im Pferdemist verpuppen, 3 Häutungen durchmachen und nach weiteren i7 Wochen ihre Geschlechtsreife als geflügeltes Insekt erlangen.
Symptome. Entsprechend diesem Entwicklungsgange der Magen-bremse findet man die Bremsenlarven als regelnlässige und für gewöhnlich unschädliche Magenparasiten bei Weidepferden, Nur in vereinzelten Fällen und unter ganz besonderen Umständen können die Gastruslarven zu Krankheitserreo'ern werden.
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302nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Gastruslarveu.
1.nbsp; nbsp;Bei abnorm grosser Ansammlung der Larven im Magen erzeugen dieselben in seltenen Fällen Verdauungsstörungen und Kolikersclieinungen, indem sie eine traumatische Gastritis verursachen. Ein derartiger Fall ist z. B. von Kersten beschrieben worden. Bei einem an intermittirenden Kolikanfällen und gastrischen Störungen leidenden Fohlen wurde der Magen bei der Section mit Gastruslarvcn (l1/* Metzen) fast ganz gefüllt und die Schleimhaut entzündlich verändert vorgefunden.
2.nbsp; nbsp;Vereinzelt hat man Perforation der Mattenwandunlaquo; durch die Larven mit nachfolgender lödtlicher Bauchfellentzündung oder adhäsiver Peritonitis in der Umgebung des Magens beobachtet (Sohliepe, Tindal, Borsburgh, Bruckmüller U.A.). Auch über grössere Abscesse zwischen den Magenhäuten sowie über tödtliche Magenblutung wird in der Literatur berichtet (Bruckmüller, Her twig).
3.nbsp; nbsp;Verirrunge n der Larven kommen nach verschiedenen Richtungen hin vor. Am gefährlichsten ist die Einwanderung ins Gehirn, wo sie die Erscheinungen der Gehirnentzündung, Drehbewegungen, Genickkrampf, sowie apoplektische Anfälle verursachen (Bruckmüller, Megnin, Siedamgrotzky, Poulsen und Boas, Lindström). Andere Verirrungen sind in den Kehlkopf (Dyspnoe, Erstickung), in den Mastdarm (Kolikersclieinungen, Mastdarmvorfall), in die Blase (Kolik, Harnverhaltung), in die Sub-cufcis u. s. w. Die Anheftung der Larven im Schlünde und in ^ler Rachenhöhle kann als pathologischer Befund für gewöhnlich nicht bezeichnet werden, weil dieselben an diesen Stellen nicht selten in ebenso ungefährlicher Weise vorkommen, wie im Magen.
Eine Behandlung der Gastruslarveu ist bei ihrer überwiegenden Ungefährlichkeit überflüssig und auch insofern aussichtslos, als dieselben den wurmtreibenden Mitteln in der Regel widerstehen. Perron-cito und Bosse empfehlen auf Grund experimenteller Versuche als bestes Mittel den Schwefelkohlenstoff in Dosen von 20 g für Pferde. Bei Verirrung der Larven ins Gehirn u. s. w. ist ein therapeutisches Eingreifen wegen der Schwierigkeit der Diagnose und der Unzugänglichkeit dieser Thcile ebenfalls gewöhnlich ausgeschlossen.
Oestruslarven beim Hund. In vereinzelten Fällen hat man die Larven von Gastroplulus equi im Darrncanal der Fleischfresser, namentlich im Magen des Hundes gefunden, wo sie sieh festhakten und gut gediehen. French beobachtete ferner eine Oestrnslarvo im Scrotum des Elundes.
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Sjiiroptera,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;BOH
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VII. Diverse andere Dnrmschinarofxer.
Literatur. Amphistomum couicum. Blumbgro, TAr^t., 1872. S,4. /ilaquo;/., 1879.
S. 88. Sonsino, The Vet., 1877. Spiroptera scutata. Müller, On. V, s., 1809. Ibid., 1877. 4. Heft. Harms,
/V. Jiy., 1875/76. S. 131. Kohzil, Of. V. S,, 1877. Stiles, ./. ofeomp., 1892.
Raii.urt, Jiec, 1892. S. 694. Neumann, Berne vdt,, 1895. S. 191. Faykt, Ibid.,
S. 204. Gnathostoma liispiduin. CVokoh, (gt;e. V. S., 18S2. S. 1; 1888. S. 53. STnösu,
/(. th. W., 1892. S. 554. Tricliosoma toiiuissimnin. TSLslusr, Schmarotzer, 1880. Trichosonia c on tortum. Raii.liet u. LuCET, Uec, 1890. (J astrodiscus polymastos. Oouzin, lievue vt't., 1885. Sonsino, Ref. Beo,, 1887.
Sargiron, Ibid. EUilliet, Ibid., 18S7. S. 406. Spiroptera mogastoma. Annis, The Vet., 1864. Spiroptera sanguinolenta. Bailliet, Uec, 1888. S. 427. G-RASSI, C f. Bukt,,
lid. 4. Nr. 20. Kitt, Path.-anat. Diag., 1894. 8. 512. Filaria unoinata. ZÖRN, D. Z. f. Vet., 1879. S. 424. Hamann, C. f. Hakt.,
Bd. XIV. 8. 555. - Klee, Geflügelbdrse, 1898. Oosophagostonia cohimbianuin. DlNWlDDlB, ./. of comp., 1892. S. 342.
Janson, H. A., 1893. S. 262. Distomum heteropliyes. Janson, li. A., 1893. S. 264.
Infusorien. Bberlein, Ueherdieim Wiederhäuermagen vorkommenden rilioten Infusorien, Xeitselir. f. toiss. Zoo/., Bd. LIX. 7. Heft.
A.nbsp; nbsp; Trematoden: Amphistomum conicum, im Pansen des Rindes, Büffels, Schafes und der Ziege. Grewöhnlich unschädlich, nur in Australien unter den Herden, wie es scheint, grosse Verwüstungen anrichtend.
Hemistomutn alatum, im Dünndarm des Hundes.
Gastrodiscus polymastos, i in Dickdarm von Pferden, Maul-thieren und Eseln, in Aegypten (Sonsino), und auf der Insel Guadeloupe (Couzin).
Distomum echinatum (Ente, Gans), oxycephalum, ovatum (Huhn und Gans), lineare, dilatatum, pellucidum, armatum, commutatum (Huhn), cuneatum (Pfau).
Monostomum mutabile (Gans), attenuatum (Gans), verru-cosum (Huhn, Gans, Ente).
Die Trematoden erzeugen beim Geilügel ähnliche gastrische Störungen wie die Rundwürmer und Bandwürmer, Die Behandlung ist ebenfalls dieselbe.
B.nbsp; nbsp;Spiroptera - A r t e n , unter diesen sind zu nennen: Spiroptera megastoma und mibrostoma im Magen des
Pferdes. Spiroptera megastoma erzeugt im Schlundtheil des Magens bohnen- bis nussgrosse Knoten mit einer Oeffnung, und kann zu Magenentzündung, Kolik u. s. w. führen.
Spiroptera sanguinolenta (blutiger llollschwanz), im Magen
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und Schlünde des Hundes in Knofcenforni, kann ebenfalls Gastritis erzeugen. Nach Grassi bildet die Blatta orientalis (Küchenschabe, Schwabe) einen wichtigen Zwischenwirth des blutigen Rollschwanzes. Da die Blatta in SUditalien häufig vorkommt, erklärt sieb somit auch die Häufigkeit der Spiropteren beim Hunde daselbst. Nach liailliet kommen die Würmer zuweilen auch in den Bronchialdrüsen, in den Lungen, in den Aortenwandungen sowie in der Nähe der Nieren vor. In einem Falle waren die bronchialen Lymphdrüsen von eiterigen, Spiroptera haltigen Hohlräumen durchsetzt und stark hypertrophisch. Die Erscheinungen während des Lebens bestanden in Schlingbeschwerden, Erbrechen, Durchfall und hochgradiger Abmagerung. In einem anderen Falle zeigte ein Hund wutiiähnliche Erscheinungen, welcher im Magen und Darm sowie in den Bronchialdrüsen Wurmknäuel und Entzündung des Duodenums aufwies.
Spiroptera strongylina im Magen des Schweines.
Spiroptera scutata unter der Schlundschleimhaut des Rindes, Schafes, der Ziege, des Schweines (identisch mit Myzo-mimus scutatus Müller, und Gongylonema pulchrum Molin).
C.nbsp; nbsp;Gnathostoma Wspidum, der handschildrige Magenwurm des Schweines. Derselbe kann eine Magenwurmseuche beim Schweine bedingen. Csokor fand die Serosa des Magengrundes stark intiltrirt, mit dunklen, mohnsamengrossen Flecken durchsetzt, die Schleimhaut bis zu 5 cm Dicke geschwollen und mamellonirt, und in derselben 40 Würmer, welche mit ihrem borstigen Kopfe zum Theil bis zur Serosa reichten und daselbst die oben erwähnten Flecken erzeugten. Aehnliche Beobachtungen machte Ströse bei ungarischen Schweinen.
D.nbsp; nbsp;Trichosoma tenuissimum erzeugt bei Tauben, wo er oft in ganz unglaublichen Mengen vorkommt (in einem Falle zählte man 1830 Stück), schwere Darmkatarrhe, chronische, blutige Darmentzündung, Abmagerung, Anämie etc.
E.nbsp; nbsp;Trichosoma contortum verursacht bei Enten Indigestion des Kropfes.
F.nbsp; nbsp;Trichocephalus afflnis beim Rind, Schaf, Ziege; Tricho-cephalus depressiusculus beim Hund; Trichocephalus cre-natus beim Schwein. Sämmthclie unschädlich.
G.nbsp; nbsp;Filaria unoinata, die Ursache der Filarienseuche der Enten, kommt ausserdem bei Gänsen und Schwänen vor; der Zwischenwirth ist nach Hamann der Wasserfloh (Daphnia pulex). Die Würmer sitzen im Vormagen in bis centimetergrossen Knoten in
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Oesopliagostoma Columbianum.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 305
und unter der Schleimhaut. Nach Zürn können sie auch eine heftige Entzündung der Speiseröhre, des Vormagens und Darmes hervorrufen. Klee fand die Filarien unter der Schleimhaut des unteren Endes der Speiseröhre und des Vormagens in kirscliengrossen Geschwülsten bei zwei Schwänen.
H. Oesophagostoma Columbianum erzeugt die sog. Knotenkrank-keit des Darmes bei Schafen und Rindern in Japan (Jansen) und Arkansas (Dinwiddie). Die 1 mm grossen Larven leben in hirse-korn- bis erbsengrossen Knötchen in der Darnnvand, die reifen, 15 mm langen Würmer frei im Darm.
I. Distomum heterophyes, ein bei den Aegyptern nicht selten die Ursache hartnäckigen Durchfalls bildender Parasit, kommt nach Janson auch beim Hunde in Japan vor.
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Friedberger u. Frühnor, Patliol. u. Therapie d. HausMiiero. I, Bd. 4. Aufl. 20
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Leberkranklieiten.
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Ikterus. Gelbsucht.
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Literatur. Charlot, lice, 1881. Hkrino, Hep., 1852. S. Bß. Bgynal, Diet, prat., 1862. Weber, Rec, 1869. S. 881. - Lkisehino, N. ././gt;'., 1869. S. 23. Siedam-qrotzky, Ibid, 1871. S.68; 1883. S. 17. Boulky, Eec, 1872. Tkashot, yl. (/M//., 1876. Oaoht, Bull. hoc. centr., 1879. Hartmann, lt;gt;e. V. S,, 1880. Konhäuskk. Oe. V., 1881. S, 84. Vandkwai.lk, Bull. Belg., 1885.Kancii.la, Ree., 1886. 1888.
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Allgemeines. Die Gelbsucht ist ebenso wenig wie die Kolik eine Krankheit für sich, sondern nur ein Symptom verschiedener anderer Krankheiten. Deshalb hat man von jeher unterschieden: 1. einen katarrhalischen Ikterus, durch einen Katarrh der Gallengänge erzeugt; 2. einen hepatogenen Ikterus, der zuweilen als Begleiterscheinung der Leberkrankheiten (parenchjraatöse, interstitielle Hepatitis, Leberatrophie, Stauungs- und Amyloidleber, Fettleber, Geschwulstbildung (Lebercarcinom, Lebersarkom) , DLstomatose , Eclnno-coecuskrankheit, Pfbrtaderthrombose etc.) auftritt, und zu dem streng genonnnon auch der katarrhalische Ikterus gehört. 3. Im Gegensatze zu diesen beiden Arten von Ikterus, die nach ihrer Entstehungsweise auch Stauungsikternsquot;, Hesorptions-quot;, Retentions-quot;, mechanischerquot; Ikterus genannt werden und sich immer auf eine Loberaffection beziehen, hat man dann noch eine dritte Form, den hämatogenen (oder anhepatogenen) Ikterus aufgestellt, bei welchem die Gelbfärbung auf eine Blutzersetzung im Verlauf septischer, infectiöser und toxischer Krankheiten (Sepsis, Brustseuche, Influenza, Milzbrand,Intoxicationen etc.)
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Ikterus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 307
zurückgeführt wird. Die Existenz eines echten häniato^enen Ikterus wird indessen von Manchen bestritten.
Von diesen drei kann mir der katarrhalische ikterus in gewisser Beziehung selbstständig behandelt werden, da er dabei die Uaupt-ersclieinung darstellt, während in den beiden letzteren Fällen die Gelbsucht etwas Nebensächliches ist und unter umständen auch fehlen kann.
Aetiologie des katarrhalischen Ikterus. Der katarrhalische Ikterus kommt weitaus am häufigsten beim Hund, dagegen beim Pferd sehr selten vor. Unter 70,000 in den Jahren 188(318lt;.gt;4 dein Berliner Hundespitale zugeführten kranken Hunden befanden sich 102 Fälle (0,16 0/0) von Ikterus. Er entsteht durch die im Verlaufe von Duodenal- bezw. Gastro-Duodeiuilkatarrhen sich bildende Schwellung und Verengerung der Mündung des Ausfüh-rungsganges, wodurch eine Stauung der Galle in den Gallengi'mgen und der Leber, sowie eine Aufnahme der angestauten Galle durch die Leber und Ueberführung derselben ins Blut herbeigeführt wird. Die Ursachen des katarrhalischen Ikterus decken sich also mit denen des Gastro-Duodenalkatarrhs und bestellen meist in Diätfehlern, Aufnahme verdorbener Nahrung, Einwirkung mechanischer, thermischer, chemischer, iufecfciöser Beize auf die Dünn-darmschleimbaut, Blutstauung bei Herzfehlern, sowie in Mitaff'ection des Darmcanals bei lieberhaften Infectionskrankheiten.
Anatomischer Befund. Neben den katarrhalischen Veränderungen im Magen und Darm findet man die Ausmündung des Gallenganges in den Darm in Folge der Schwellung der Duodenal-sclileimluiut verstopft resp. verengt. Dagegen ist die Schleimhaut des übrigen Gallengangs nur selten katarrhalisch verändert. Man findet die Gallenwege sehr erweitert (wir sahen beispielsweise bei einem Hunde den Gallengang bis auf Fingersdicke erweitert), die Gallenblase stark gefüllt und ausgedehnt (wobei es selbst zum Hydrops Vesicae felleae kommen kann), und auch die kleinsten, sonst nur mikroskopisch sichtbaren Gallencapillaren deutlich injicirt. Dabei dickt sich die Galle oft zu einer krümeligen, bröckeligen Masse ein. Im Gallenausführungsgange sitzt zuweilen ein fester Schleimpfropf. Die Leber ist vergrössert, gallig imbibirt, anämisch; die Leberzellen sind pigmentirt und bei längerer Dauer atrophisch (biliäre Cirrhose). Durch Druck auf die Blase lässt sich die Galle nur schwer entleeren.
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Iktcrus.
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Alle Körperorgane, mit Ausnahme der peripheren Nerven, der weissen Substanz des Gehirns und Rückenmarkes, sowie des Corneagewebes, sind mehr oder weniger intensiv gelb gefärbt. Der Cadaver ist anämisch. Im Blute sind die weissen Blutkörperchen vermehrt, die rothen schwanken sehr in ihren Dimensionen. Constant findet sich eine fettige Degeneration des Herzmuskels; die Nieren sind anämisch, das Nierenepithel in den gestreckten Harn-canälchen und Schleifen ist fettig degenerirt und von gelbbraunem, körnigem Pigment durchsetzt (Sied am grotz ky). Endlich findet man in verschiedenen Organen, besonders den Schleimhäuten, Hä-
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morrh rtgien.
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Symptome. Die Erscheinungen des katarrhalischen Ikterus haben das Krankheitsbild des Gastro-Duodenalkatarrhs zur Grundlage. Es gehen also gewöhnlich Appetitstörungen, Erbrechen, belegte Zunge, gesteigerter Durst, Diarrhöe, Fieber u. s. w. voraus. Daraufhin entwickelt sich eine anfangs geringere und später immer intensiver werdende Gelbsucht. Zunächst wird das Scleragewebe, die Conjunctiva Sclorae und Palpebrarum vorschiedengradig gelb gefärbt, wobei die Farbe nicht selten tief citronen- und orangegelb ist. Später nehmen an der Gelbfärbung die anderen sichtbaren Schleimhäute, besonders die Maulschleimhaut, die allgemeine Decke (beim Schaf und Hund), der Harn, Schweiss, die Milch u. s. w, Theil. Besonders charakteristisch ist die auf einen grösseren oder geringeren Gehalt des Harns an Gallefarbstoff'en zurückzuführende, bald dunkel-, bald citronen-, bald braun- oder grüngelbe Farbe des Harns, welche sich beim Eintauchen weissen Filtrirpapiers auch diesem mittheilt, und durch Schütteln mit Chloroform ausgezogen werden kann. Der chemische Nachweis der Gallefarbstoffe im Harn wird am gebräuchlichsten nach der Gmelin'schen Methode mit rauchender Salpetersäure geliefert, welch letztere, am besten verdünnt, langsam dem Harn zugesetzt wird, worauf ein Farbenwechsel von grün zu blau, violett und roth an der Berührungszone beider Flüssigkeiten auftritt. Von anderen Methoden wäre noch die Pleischl'sche zu nennen, nach welcher der Harn mit concentrirter Chilisalpeterlösung gemischt und dann mit concentrirter Schwefelsäure versetzt wird, was ebenfalls den angegebenen Farbenwechsel zur Folge hat. Nach Rosin überschichtet man den Harn mit einer 1 Oprocentigen alkoholischen Lösung von Jodtinctur, worauf sich an der Berührungsstelle ein grasgrüner Ring bildet, Ausser Gallefarbstoffen findet man im Harn
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Ikterus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;309
häufig Eiweiss, woiin auch oft nur in geringer Menge, ferner Pigmentkörnchen, Fetttröpfchen, diffus gefärbte Epithelien der Harnwege, kurze Harncylinder mit starker Pigmentinf'iltration, sowie Gallensäureu. Dass beim Hunde auch ohne Gelbfärbung der Schleimhäute lediglich in Folge von Darmkatarrh Gallefarbstoffe im Harn auftreten, ist beim Gastro-Duodenalkatarrh des Näheren erörtert; umgekehrt findet man beim Pferde sehr häufig Ikterus der Schleimhäute ohne Gallenfarbstoff im Harn.
Während nun die Aufnahme der Gallefarbstoffe ins Blut zur Gelbsucht führt, knüpfen sich in schweren Fällen an die Resorption der Gallensäuren Erscheinungen von viel weittragenderer Bedeutung. Zunächst bedingen sie eine Pulsverlan gs amung und Herabsetzung der Körpertemperatur um mehrere Grade (auf 36, 34, selbst 32,0n C). Sodann verursachen sie durch Einwirkung auf die nervösen Centren grosse Mattigkeit und Schwäche, sowie Eingenommenheit des Sensoriums, beim Pferd oft ganz ausgesprochene Symptome des Uummkollers. Eine weitere lieihe von Störungen wird durch die Abwesenheit der Galle im Dann ausgelöst. Es tritt nämlich Verstopfung ein, weil der von der Galle auf die Peristaltik ausgeübte Reiz wegfüllt, und durch den Mangel der Galle die Gesannntflüssigkeit im Darme vermindert wird. Der Koth nimmt ferner oft einen unerträglichen Geruch an. Ausserdem wird die Farbe des Kothes heller, und zwar beim Hunde bei Fleisclmahrung grau bis tbonfarbig, indem das Fett des Darminhaltes nicht wie normal von der Galle ausgezogen wird, und das Urobilin im Kothe fehlt. Eine Vergrösserung der Leber endlich ist bei unseren Hausthieren nur ausnahmsweise zu constatiren.
Der Verlauf des katarrhalischen Ikterus ist je nach der Thier-gattung sehr verschieden; bei den Hunden nimmt die Krankheit sehr häufig wegen totaler Verstopfung des Gallenausfüh-rungsganges eine tödtliche Wendung. Dagegen ist die Prognose bei Pferden wesentlich günstiger. Im Allgemeinen beträgt die Dauer einige Wochen. In den schlimmer verlaufenden Fällen beim Hund (Ikterus gravis, Cholämie) entwickelt sich zuweilen eine hämor-rhagische Diathese mit Blutungen in der Haut, auf den Schleimhäuten, und in der Netzhaut.
Nach Latsohenberger ist es nur selten möglich, in frischem Pferdeharn, auch wenn derselbe Gallenfarbstoffe enthält, denselben direct mit der Gmelin'schen Probe nachzuweisen. Es bildet sich nämlich eine dunkelbraune Zone, welche den charakteristischen Farbenwechsel verdeckt. Lat-
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Ik ten
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schenberger verdünnt dalier den Pferdeharn stark mit Wasser, setzt eine Barytlösung zu, lilsst die Mischung 1224 Stunden stehen, entfernt die trübe, über dem Niederschlag befindliche Flüssigkeit und verwendet dann den Niederschlag selbst zur Gmelin'schen Probe. Die Farbenrcaction tritt jedoch immer nur sehr schwach auf.
Therapie. Die Behandlung des katarrhalischen Iktorus deckt sicli mit der Behandlung des Gastro-Duodenalkatarrhs, Sie bestellt in strenger Durchführung einer rationellen Diät (Fleischnahrung bei Hunden, Grünf'utter, Rüben etc. bei Pferden), sowie in der Verabreichung antikatarrhalischer Salze, worunter das künstliche Karlsbader Salz obenan steht. Dasselbe wird Hunden am besten in Wasser gelöst gegeben, z. B, in folgender Weise: Elp. Sal. Carolin, factitü 10,0; Aquae destill. 160,0. M. f. Solut. D. S. füglich 8 Esslöffel voll. Auch Aloe, Kicinusöl, sowie llhabarbertinctur werden empfohlen; Drastica sind indess zu vermeiden, weil sie die Schwellung noch erhöhen. Umgekehrt hat man durch Adstringentien eine Minderung der katarrhalischen Duodenalschwellung zu erzielen versucht und Tannin mit Rothwein angewandt, ob mit Erfolg, steht dahin. Wirksamer als die letzteren Mittel sind gewisse mechanische Manipulationen. Hieher gehört die Entleerung der Gallenblase beim Hunde durch Druck von der Bauchwand aus, die Anwendung kalter Wasserinfusionen in den Mastdarm, sowie die von Siedam-grotzky mit Erfolg ausgeführte Faradisation der Leber quer durch die Bauchdecken hindurch. Von Eancilla wird endlich die Verabreichung von Bleikugeln zur Beseitigung der häufig voriiandenen Invaginationen empfohlen. Gegen Schwächezustamp;nde, Somnolenz und Coma, wie sie in den letzten Tagen der Krankheit bei tödtlichem Ausgange auftreten, müssen die excitirenden Mittel (Camplier, Kaffee, Aether) versucht werden.
Der beim Menschen sehr häufig beobachtete Ikterus neonatorum (Ikterus
der Neugeborenen) scheint bei unseren Hausthieren auch nicht gerade selten zu sein. Hartmann sah in Babolna die Füllen zuweilen schon gelbsüchtig zur Welt kommen oder nach .r)(i Tagen ikterisoh werden, und führt diese Gelbsucht in den meisten Fällen auf eine Nabelvenenentzündung mit Leber-orkrankung zurück. Jedenfalls vermögen auch vorübergehende Verstopfung (Nichtabgehen des Darmpechs), sowie schwacher Blutdruck Ikterus bei Neugeborenen zu erzeugen. Die Prognose soll nach Hartmann ungünstig sein, da die Mehrzahl der Erkrankten innerhalb einiger Tage an erschöpfenden Diarrhöen zu Grunde gehe. Hartmann empfiehlt therapeutisch Alkalien mit Rheum. In den Schlachthäusern ferner ist die Gelbsucht bei den Kälbern häufig zu constatiren.
Der besonders bei Hunden beobachtete sog. Ikterus gravis (Oholftmie) ist wohl in vielen Fällen auf einen vollständigen Versehtuss des
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Leberruptur.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 311
Galleuausfiihrungsgangos und zwar in Folge Verstopfung desselben durch einen Schleimpfropf oder ebenso häufig in Folge von Invagina-tion des Duodenuius, seltener durch den Druck der vergrösserten Milz (De Jong) oder durch Pankreasneubildungen (Fried 1) erger) zu beziehen. Es scheinen indess hier auch öfters Vergiftungen mit zu unterlaufen, so vor Allem Pilz-, Phosphor- und Koehsalzvergiftungcn (verdorbenes Fleisch, Häringslake). In anderen Fällen scheint wie beim Menschen eine acute bacterielle Leboratrophi e zu Grunde zu liegen. Der Verlauf ist bei Cholämie ein ausserordentlich rascher, und es erfolgt der Tod unter rapidem Sinken der Kräfte und der Körpertemperatur. Dabei ist die Gelbsucht eine sehr hochgradige, der Harn färbt sich dunkelcitronengelb und auch die Haut bekommt, namentlich an der unteren Kürperseite, ein gelbliches Colorit. Später können Hämorrhagien auf den Schleimhäuten etc. hinzutreten.
Leberrnptar (Leberapoplexie).
Literatur. Vatkl, Journ. ilimr. el prat., 1828. Dopüv u. Phinob, Ibid., 1830. Leblanc, Journ. prat., 1830. Curdt, Mag., 1835. S. 334. L,v Notte, Ibid., 1841. S. 25. Friend, The Vet., 1843. Lindenbero, Mag., 1845. 8.465. Wriqht, The Vet., 1840. Paradise, ibid., 1852. Leblanc, Reo., 1855 u, 1859. l'.VTTii, Ibid., 1855. MlSTRE. J. de Lyon, 1855. Ercolani, Giorn. di med. vet., 1856. Eerino, He/)., 1857. HusBON, A. de Unix., 1858. KöHNE, Mag., 1801. S. 438. Schmidt, Ibid., 1802. S. 355. Siimkbe u. Robert, Journ. milit., 1800. Brückmüller, Pathol. Zootomie, 1809. Petzold, S,./. H., 1809. S. 80. Adam, W. f. Th., 1871. S. 180. Siedamorotzky, S. J. IS., 1872, S. 15; 1873. S. 45; 1875. S. 22. Zünüel, l'ütz'sche Z., 1873. S. 307. Juliex, Jount. milit., XII. S. 320. Johne, S. J. H-, 1878. S. 34. Oaparini, Hüllet, ret. Napoli, (Tunnajo 18S0. Ref. Thrraquo;t., 1880. S. 51. Rabe, 11. J. B., 1882/83. S. 89; 1883/84. S. 114. Mathis, ./. de Lyon, 1884. Benjamin, Hull, lielg., 1885. ÖHASSAINO, Reo., 1885. Hengst, S. ./. B., 1880. S. 70. WöRZ, Rep., 1888. S. 13. LoRQE, A. de Brux., 1888. S. 14. _ Phietsch, S. ./. li., 1888. S. 03. Storch, (gt;e. M., 1889. S. 534. Lemke, Z. f. Vet., 1890. S. 479. KrOnino, Ibid., 1891. S. 511. /'. Mil. V. li. pro 1891. S. 140. DlECKERHOPF, Speo. I'idh.. 1892. S. 537. R.ulliet, Bull, de la soc. zool., Bd. XV. S. 157. Kitt, l'ath.-aimt. JHayn., 1894. S. 527. MOARE, The Vet., 1894. Vergl. auch die Literatur dos Leberamyloids.
Aetiologie. Eine Leberzerreissung mit Zertrümmerung des Lebergewebes und Verblutung in die Bauchhöhle kann zunächst die Folge einer starken mechanischen Einwirkung sein. So beobachtet man dieselbe bei heftigem Niederstürzen, Wälzen, z. B. während der Kolik, nach Contusionen der Lebergegend, nach vorausgegangener intensiver Arbeitsleistung bezw. Ueberanstrengung, nach Springen über Hindernisse. Sehr häufig scheint jedoch eine solche mechanische Einwirkung an sich für das Zustandekommen einer Leberruptur nicht zu trenüjren, die Leber muss vielmehr in vielen Fällen durch gewisse Ver-änderungen des Parenchyms und der Gelasse dazu prädisponirt sein. Hieher gehört in erster Linie die amyloide Leberdegeneration (siehe diese). Von verschiedenen Beobachtern sind in der neueren Zeit die Beziehungen der Leberzerreissung zum Leberamyloid hervor-
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gehoben worden, in der Weise, dass die Amyloiddegeneration eine geringere Resistenz und grössere Brücliigkeit der Gefässe zur Folge hat. In ganz derselben Weise gibt die fettige Degeneration der Leber Veranlassung zu Rupturen, desgleichen hyperämische und entzündliche Leberaffectionen. Auch eine zu reichliche Ernährung kann bei Lämmern, wohl in Folge von Leberverfettung, zu Zerreissung disponiren. Endlich kommen Leberblutungen vor nach Em-bolien der Leberarterie und Verstopfung der Lebervenen in Form des sog. hämorrhagischen Infarktes, ferner im Verlaufe schwerer Infectionskrankheiten und Vergiftungen (z. B. Milzbrand, Brustseuche, Phosphorvergiftung), welche Verfettung der Leberzellen oder eine parenchymatöse Leberentzündung im Gefolge haben, sowie im Anschlüsse an gewisse Neubildungen in der Leber, z. B. bei Tumor cavernosus, Melanomen, Krebsen.
Anatomischer Befund. Die pathologisch-anatomischen Verhältnisse sind bei der Leberblutung ziemlich einfach. Bei oberflächlichen Blutungen findet man das Lebergewebe erweicht und zu einer mürben, schwarzrothen Masse verwandelt. Die Serosa der Leber erhebt sich zuweilen blasenförmig über dem peripheren Blutherd; bei Pferden befindet sich der Riss in der Serosa, durch welchen sich das angesammelte Blut gegen die Bauchhöhle zu Bahn bricht, meist an der convexen Seite und am unteren Rande der Leber; seine Ränder sind mit coagulirtem Blute beschlagen. Bei tiefer gelegenen Blutungen findet man das Leberparenchym oft von zahlreichen Blutherden durchsetzt, welche aus einem Brei von Blut und zertrümmertem Lebergewebe bestehen. Bei hämorrhagischen Infarkten kommt es zu keilförmigen, scharf abgegrenzten blutigen Infiltrationen. Ausserdem sind die verschiedenen oben genannten degenerativen Leberveränderungen nachzuweisen. An die Leberblutungen können sich Lebe r-abscesse anschliessen.
Symptome. Die Erscheinungen der Leberruptur treten entweder plötzlich, ebne vorausgegangene Vorboten, oder im Anschlüsse an gewisse Symptome der erwähnten prädisponirenden Leberaffectionen, so z. B. Ikterus, Verstopfung, Schmerz bei Palpation der Lebergegend etc., auf. Das Krankheitsbild ist genau das der inneren Verblutung: die Thiere zeigen starke Anämie der Schleimhäute, Unruhe, Schweissausbruch, kalte Extremitäten, schwachen und zuletzt unfühlbaren Puls und Herzschlag, Schwanken, Zusammenstürzen,
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Lebercntzünduiig.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ollJ
erweiterte Pupille, Rotiren des Bulbu.s, plötzliche Erblindung, Amau-rose etc. Meist erfolgt der Tod bei intensiver Blutung sehr rasch, innerhalb einiger Minuten. Kleinere Blutungen können resorbirfc werden, indem der Blutherd vernarbt, sofern sie nicht zu einer tödt-lichen Peritonitis führen. In einem Falle beobachtete Benjamin bei einem Pferde nach einem Hufschlage in die Lebergegend 15 Tage später Polyurie, welche 2 Monate bis zum Tode des Tiiieres anhielt. Bei der Section fand man den linken Leberlappen verdickt, mürbe und von einem Abscess durchsetzt.
Therapie. Die Behandlung ist bei dem raschen Verlaufe eine fruchtlose. Bei protrahirten Fällen wäre absolute Ruhe, sowie die innerliche Anwendung von Adstringentien: Seeale cornutum, Bleizucker etc., wenigstens zu versuchen. Desgleichen kann man bei zunehmender Schwäche in Folge von Verblutung versuchsweise zu den Analepticis greifen (Campher, Aether, Spiritus u. s. w.).
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Parenohymatöse Leberentzilndung.
Literatur. ZOndel, ./. de Lyon, 1858. Leisgrino, .s'. ./. H., 1865. S. 33. Bruck-möller, Pathol. Zootomie, 1809. Sickert, Jt. A., 1887. H. 367. Stubbe, A. de lini:i\,18d2. Mw.LKii,Krkhtii. d. Hundes, 1892. S. 88. Dieckerhopp, Spec. Path., 1892. S. 982. Albbecht, W. f. 77/., 1892. S. 867. Baeh, /gt;. th. W., 1893. S. 186.
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Lebcrabscesse. Anoenheister, Mng., 1859. S. 470. Bruckmüller, l. c, Mkonin, Hull. soc. centr., 1875. Oarette, lüat sanitaire lirah., 1883. Bartho-leykns, Hull. Beh/., 1885. LoRENZETTl, Oioni. (HA., 1887. Arnrt, H.tli. W.,
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1890.nbsp; S. 440.
Aetiologie. Die parenehymatöse Leberentzündung, d. h. die Entzündung der secernirenden Leberzellen kommt bei allen Hausthieren vor. Ihre Ursachen sind zum Theil dieselben, wie die bei der congestiven Leberhyperämie angeführten: Aufnahme v e r-dorbenen Futters, mechanische Läsionen, grosse Hitze,
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314nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Leberentzüudung.
Infectionskranklieiten, Vergiftungen. Die Krankheit ist bei der Schwierigkeit der Diagnosestellung und weil sie meist eine secun-däre Voränderuug bei verschiedenen Infectionskranklieiten bezw. Vergiftungen darstellt, klinisch von untergeordneter Bedeutung,
Sectionsbefund. Die anatomischen Veränderungen bestehen in Vergrosserung der Leber, Abstumpfung der Känder, sehr weicher, brüchiger Consistenz, blassgelber, lehmartiger Verfärbung, Perihepatitis, Verklcbung der Leberlappen unter einander, der Leber mit dem Zwerchfell, Vergrosserung und körnigem Hervortreten der einzelnen Acini über die Bruchtlilche, trüber Schwellung, körniger und fettiger Degeneration der Leberzellen mit Pigmepteinlagerung, Hyperämie des interacinösen Bindegewebes, sowie in der Bildung von Erweichungsherden sowie von zahlreichen kleinen oder einzelnen grösseren hämorrhagischen Herden im Leberparenchym oder unter der Serosa, welche zu Leberruptur führen können.
Symptome, Die Erscheinungen der parenehymatösen Hepatitis sind meist sehr unbestimmt. Neben Ikterus und den Erscheinungen einer fieberhaften Verdauungskrankheit wurden beim Pferde Schmerzen beim Absätze der Excremento beobachtet, welche wohl durch die Compression der Leber seitens des Zwerchfells und der Baiichpresse hervorgerufen wurden, wie solche auch mittelst Palliation der Lebergegend bei kleinen Thieren nachzuweisen sind.
Therapie. Die Behandlung besteht in der Verabreichung anti-phlogistiscber Mittel, der Mittelsalze, sowie in Regelung der Diät.
Acute gelbe Leberatrophie. Dieselbe stellt eine sehr acut und per-niclös verlaufende parenehymatöse Leberentzündung dar. Am häufigsten wird sie bei der Lupinose beobachtet, mit der sie in den meisten b e-sch rieben en F ä 11 e n wohl auch identisch ist (siehe diese). Der von Haubner, Franzen u, A. beschriebene sog. Lebertyphusquot; bei Schafen und Pferden ist ebenfalls eine meist nach Schlempefütterung, sowie nach dem Beziehen überschwominter Weiden auftretende acute gelbe Leberatrophie. Auch bei Septikämif, Phosphorvergiftung und manchen Iiifeotionskrankheiten geht die parenehymatöse Hepatitis in acute Atrophie über. Der anatomische Befund besteht in Verkleinerung, Erweichung, sowie gelber Verfärbung des Farenchyms; die Leberzellen sind scbliesslich zu einem fettigen, körnigen Detritus zerfallen. Daneben findet sich hochgradiger Ikterus der Lober (acute gelbe' Atrophie) oder an manchen Stollen auch bedeutende Hyperämie (acute rothequot; Atrophie). In den verschiedenen anderen Organen treten ferner allenthalben Häniorrhagien auf. Die Erscheinungen decken
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Loborentzimdung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;315
sich ganz mit der Lupinenkrankheit (gastrische Störungen, Iktorus, cere-brale Symptome), So beobachtete Adam bei Pferden anfangs schlechte Futteraufnahino, leichten Iktorus, röthlichbraunen Harn, später Depressions-erscheinnngen, Schwanken, Zittern, verminderte Pulsfrequenz, zuletzt intensiven Iktorus mit Dummkollorsyniptonien und Steigerung der Pulszahl, und zwar dies innerhalb 2548 Stunden.
Eiterige Hepatitis (Leberabscess). Die bei unseren Hausthieren nicht hiiuHg vorkommenden Loborahscesse stellen ebenfalls eine Form der parenohymatOsen Hepatitis dar. Sie können indess verschiedene Ursachen haben; 1. Infection vom Darm her oder Metastasen von Seite der Loberarterien, z. B. bei Pyiimie, Druse und anderen acuten Infections-kraukheiten; 2. Thrombose der Pf or tad er äste oder der Nabel-vene (0 m phalophleb i tis, sog. Fohlenlähme und Kälberlähme); S.Einwanderung von Fremdkörpern (Futter, Gorstengrannen, Sand, Parasiten) vom Magen, Darm oder Blut aus; 4. mecli an is ch e Verletzungen, vom Darm fortgewanderte Entzündungen, Gallensteine u, s. w. Die Leber-abscessc sind bald in grosser Anzahl über das Loberparenchym zerstreut (bei Metastasenbildung), bald nur vereinzelt, selten indess confluirend; die einzelnen Eiterherde sind meist von einer Zone dichteren dunkelbraunen Lebergewebes umgeben. Zuweilen lassen sich ausgebildete bämorrhagische Infarkte von keilförmiger Gestalt mit centraler Erweichung nachweisen. Beim Kinde findet man auch vereiterte Echinococcusblasen. Die Symptome der niotastatisclien Loberabscosse bestehen im Allgomeinen in Sehiittelfrost, unregelmässigem, anhaltendem Fieber, Ikterus und Verdauungsstörungen. Zuweilen findet Entleerung des Filers in die Bauchhöhle statt.
Lebernekrose. Bei Bindern, Schweinen und Schufen sind in den letzten Jahren eigenartige geschwulstartige Knoten mit nekrotischem Gentrum in der Leber gefunden worden, welche als Necrosis nodosa multiplex Hepatis bezeichnet wurden und auf die Einwanderung des Nokrose-bacillus in das Leberparenchym zurückzuführen sind. Man findet in der meist stark vergrössorten Leber umschriebene, erb sen- bis hasel-nuss- bis wal 1 n ussgrosse , rund lie lie, derbe, auf dem Durchschnitte trockene, speckige, grau gel b li oh o, h auf ig von schwieliger, bi n dege wob iger Kapsel umgebene, kn oten f örmige Herde. Gleichzeitig besteht oft Porihepatitis und Peritonitis flbrinosa. Nach Berndt, der insgesammt Lrgt; Fälle der regehnässig zum Tode führenden Krankheit beim Rinde beobachtet hat, ist das Krankheitsbild ein ziemlich bestimmtes. Die Thiere zeigen geringen Appetit, matte, steife Bewegung, nachweisbare L ob er vergrösseru ng, starke Empfindlichkeit der Lebergegond und des ganzen Hinterleibes, hohes Fieber (-1041quot; C.), Verstopfung, angestrengtes Athmen, Unvermögen aufzustehen und sterben bei Auftreten dünnflüssiger, theorartiger Darmentleerungen und Sinken der Innentemperatur nach 35 Tagen. Berndt hat das Leiden nur hui Kuben beobachtet, die hochträchtig waren oder vor Kurzem gekalbt hatten.
Leberhyperämie. Die Ursachen der bei unseren Hausthieren nur sehr schwer zu diagnosticironden Leberhyperämie sind sehr zahlreich. Dabei muss mau die congestive Hyperämie von der Stauungshyperämie wohl unterscheiden. Eine congestive Leb er by per am ie findet sich normal bei jeder Verdauung, daher auch in abnormer Weise bei sehr vielen Verdauungsstörungen , so bei Aufnahme zu grosser Nahrungsmengen und geringer Bewegung (fette Hunde), nach der Verabreichung verdorbenen,
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Leberentzündmig.
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reizenden, pilzbesetzt en Futters. Weiterinn kommt sie vor im Beginne von Leberentzündiingen , nach Erschütterungen, zu starken Anstrengungen, bei grosser Hitze, in l'euehtwarmen sumpfigen Gegenden und dunstigen Stallungen. Eine passive oder Stauun gshyperilmie ist theils auf Herzfehler (Klappenfehler, besonders der Mitralis), theils auf chronische Lungen-leiden (Lungenemphysem, interstitielle chronische Lungeriveränderungen, Compression der Lunge durch Hydrothorax etc.) zurückzuführen. Endlich findet man Leberhyperilmien als secundilre Erscheinung bei den Infections-krankheiten, z. B. beim Milzbrand, bei entzündlichen Afi'eotionen des benachbarten Darmcanals, bei kachektischen Zuständen, sowie bei Invasion von Parasiten in die Leber. In an at o mischer Beziehung erscheint die hyper-ämische Leber im Anfange geschwollen und ver gr ü ssert, dunkler gefärbt, auf dem Brache grob gekörnt, sehr blutreich und von relativ fester Consistenz; das Centrum der Leberläppchen ist dunkel, die Peripherie hell. Bei längerer Dauer der Hyperämie entsteht die sog. Muskatnuss-leborquot;, wobei die Leber durch den Wechsel dunklerer und hellerer Partien ein gesprenkeltes, nmskatnussähnliohes Aussehen erhält, dem eine Erweiterung der angefüllten centralen Lebervenen mit consecutiver Compression, Verfettung, Pigmentirung und schliesslich Atrophie der Leberzellen zu Grunde liegt (Stauun gs atrophi e). Im Verlaufe chronischer Leberhyper-äinien kann es auch zu Hämorrhagien in das Leberparcnchym und zu eigenthümlicher Pigmentirung desselben kommen.
Die Erscheinungen der Leberhyperämie sind ausserordentlich unbestimmt, auch wird dieselbe als Krankheit in den wenigsten Pällen erkannt, vielmehr gewöhnlich mit einem anderen Leiden, so besonders Magendarmkatarrh verwechselt. Von prägnanteren Symptomen , die aber nur zu häufig fehlen, wäre eine grössere Empfindlichkeit der Lebergegend (rechte, auch linke Unterrippengegend) beim Hunde, sowie ein besonders bei Staunngsleber in Folge Compression der Gallengänge durch die erweiterten Lebervenen zuweilen vorhandener leichter Ikterus zu nennen. Ob indess nur eine Leberhyperämie oder bereits eine Leberentzündung vorliegt, ist dabei oft nicht zu unterscheiden. Bei intensiven Hyperämien kann es auch zu Zerr eissu ngen und Hämorrhagien der Leber kommen. Die Behandlung der Leberhyperämie würde in Regelung der Diät, des Aufenthalts, der Bewegung, sowie in der Verabreichung eröffnender, milder Salze bestehen, unter denen das künstliche Karlsbader Salz den Vorzug verdient.
Enzootische LeberentzUndung bei jungen Schweinen. S e m m e r hat 1882 eine in der Umgebung von Dorpat vorkommende seuchenhafte Leberentzündung bei Schweinen beschrieben, als deren Infectionserreger von No-niewiez ein bestimmter Mikrococcus nachgewiesen worden ist. Die Infection soll nach der Geburt durch den Nabel erfolgen. Die Veränderungen in der Leber bestehen in Vergrösserung derselben , höckeriger Oberfläche, Hyperämie abwechselnd mit Anämie, auf dem Durchschnitte das Bild der Muskatnussleber, Vergrösserung, Verfettung und Pigmentirung der Leberzellen, zelliger Infiltration in der Umgebung derselben. Die Krankheit Hess sich künstlich auf Kaninchen, Meerschweinchen und weisse Ratten über-impfen. Das Incubationsstadium betrug 2074 Tage. Krankheitserscheinungen (Appetitlosigkeit, Apathie) zeigen sich erst kurze Zeit vor dem Tode der Thiore.
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Leberoirrhose.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 317
Chronische interstltlelle Hepatitis (Leberclrrhose).
(Chronische Leberverhärtung, Schweinsbergerkraukheit).
Literatur. Leisemno, S,./. B., 180;i. S. 27. ZOnoel, Reo., 1SG5. Rivolta, 11
raquo;mi. vet., 1866. Anaoker, Thrzt., 1868. S. 107; 1SG9. S. 17*;; 1882. 8. 223. NOCARD, A. d'Alf., 1877. SlEDAMOROTZKY, S. J. II., 1877. S. 37. ~ BARRIER, Hull. SOO. centi:, 1884. AVolff, B. A., 1885. S. 299. Vahvki.m, 11 med. vet., 1886. Herz, FF. f. Th., 1889. 8. 357. Schäfer, laquo;. A., 1889. S. 298. Wali.ky, ./. of comp., V. S. 156. Kitt, Patli.-anat. Diagn,, 1894. S. 538. Q-UITTARD, I'rnyr. vä., 1895. S. 202. Sohweinsbergerkrankheit. Nioklas, Kreutzcr's Arch., II. 8.490. Adam, W. f. Th., 1801. S.341. Doctkh-Kolofk, Mag., 1808. S. 171. 'Weinmann, W. f. Th., 1809. S. 147. Stamm, Ibid., 1875. S. 209. FfllEDBEROER, M. ./. H., 1880/81. S, 88.
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Aetiologie. Die chronische interstitielle Hepatitis stellt eine schleichende Entzündung des Leberbindegewebes mit Schrumpfung und Atrophie der eigentlichen secernirenden Leberzellen dar. Dieselbe kommt am häufigsten beim Pferd als sog. Schweins-bergerkrankheit, ausserdem beim Hund, Kind und Schwein vor. Ihre Ursachen sind noch nicht erkannt, Beim Pferd beschuldigt man sumpfige Gegenden und reizende Pflanzen, deren giftige Be-standtheilo man sich nach Art des Alkohols beim Menschen auf die Lober wirkend denkt. Beim Hund scheint die Lebercirrhose mit Klappenfehlern des Herzens (Stauungsleber) zusammenzuhängen.
Sectionsbefund. Der anatomische Befund ergibt je nach dem Stadium des Processes eine verkleinerte, geschrumpfte (atro-phische Cirrhose) oder eine vergrösserte, durch Zubildung von Bindegewebe hyperplastische Leber (hypertrophische Cirrhose). Die Consistenz ist immer eine härtere, derbere, indem die Leber durch die Bindegewebszubildung oft leder- und knorpelhart wird und unter dem Messer knirscht. Die Oberfläche ist bei längerer Dauer meist granulirt, höckerig, zuweilen auch gelappt; die Serosa getrübt und verdickt. Die P1arbe der Leber ist anfangs muskatbraun, später auffallend hellgelb und das ganze Organ blutleer. Auf dem Durchschnitt zeigt sich ein weisses, mehr oder weniger breitstreifiges, grossmaschiges Netz von neugebildetem Bindegewebe,
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;518nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Lcberarrhose.
welches grössere oder kleinere Felder fettig' entarteten und atropln.schen Leberparencliyms einschliesst und die einzelnen Leberläppchen durch verscliieden breite Balken trennt. Mikroskopisch besteht der Process anfangs aus einer kleinzelligen Infiltration im pcriportalen Bindegewebe und nachfolgender intra- und extravasculilrer Bindegewebsentwicklung daselbst. Ausser diesen Veränderungen in der Leber findet man noch Stauungshyper'amie und chronischen Katarrh des Magens und Darmes, Milztumor, Ascites, Anasarcti, sehr blutreiche Hirnhäute, llämorrhagien in verschiedenen Organen und bei der Schweinsbergerkrankheit eine hochgradige Magener Weiterung.
Symptome. Dieselben entwickeln sich ganz allmählich; meist beginnt die Krankheit unmerklich mit chronischen Verdauungsstörungen, wobei Verstopfung mit Diarrhöe abwechselt und zunehmende Abmagerung zu Tage tritt. Hiezu gesellt sich leichter Ikterus, Empfindlichkeit der Leber bei Palpation, sowie bei Hunden Ascites und Anasarca. Beim Pferde kommen noch eine eigen-thümlicbe Eingenommenheit der Psyche mit Taumeln, Schwanken und sonstigen dummkollerartigen Zufällen, sowie periodische Kolikanfälle hinzu. Die Ursachen dieser Gehirnstörungen sind dunkel; sie können entweder auf eine Kückstauung des galleliefernden Materials im Blute (Acholie) oder auf eine Complication mit chronischer Pachymeningitis zurückgeführt werden. Der Verlauf der Krankheit ist im Anfang fieberlos, später stellt sich nieder- bis mittelhochgradiges (39,50 C.) Fieber ein. Die Dauer beträgt einige Monate bis einige Jahre. Verwechslungen mit Dummkoller sind beim Pferde nicht selten.
Therapie. Die palliative Behandlung der im üebrigen unheilbaren Krankheit besteht in der Anwendung von Alkalien und Mittelsalzen, besonders des Karlsbader Salzes, der Aloe, sowie der Diuretica; daneben muss eine geeignete Diät, Verabreichung von Grünfutter etc. einhergehen.
Schweinsbergerkrankheit. Eine ganz besondere Form der chronischen interstitiellen Hepatitis stellt die in mancher Hinsicht an die chronische Lupinose erinnernde sog. Schweinsbergerkrankheit (Leberkollerquot;, Suchtquot;) der Pferde dar. Dieselbe wurde zuerst in Scluveinsberg im Ohmthal (Kurhessen), später auch im Glon-, Maisach-, Roth- und Zusanithal (Bayern), in der badischen Kheinebeno (Offenburg, Kehl, Achern) u. a. 0. beobachtet. Hier wie dort ist sie an eine bestimmte Beschaffenheit des Bodens und der darauf wachsenden Pflanzen gebunden, indem sie nur in versumpften, moorigen, häufigen Ueberschwemnmngen ausgesetzten Districten als locale, static n il re En zootie auftritt und wahrscheinlich
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Lcbercirrhosc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;319
durch einen allmählich auf die Leber und spüter aui' das (.Telüm einwirkenden reizenden Stofl' (nach Analogie des Alkohols, Phosphors oder Lupino-toxins) erzeugt wird. Genauer sind jedoch die Ursachen nicht bekannt. Im Glonthal wird allgemein Kleclutterimg als Hauptnrsache bezeichnet; dabei sollen höher gelegene Höfe verschont bleiben und besonders Pferde des mittleren Alters (810 Jahre) ergriffen werden. Nach neueren Berichten soll die Krankheit jedoch auch höher gelegene Gehöfte und i'ferde fast aller Altersklassen befallen, indem sich eine offenkundige Ausbreitung derselben geltend macht. In Schweinsberg rafft die Krankheit innerhalb eines Jahres oft sännntliche Pferde eines Stalles weg. Die Erscheinungen werden im Anfang gewöhnlich übersehen oder mit einem chronischen Magen-darmkatarrh verwechselt. Die Thiore zeigen verminderten und alie-nirten Appetit, lecken und nagen an HolzwUnden, gidinen, sind traurig, niedergeschlagen, bekommen KolikanfiiUo. Nachdem diese Symptome mehrere Wochen oder Monate gedauert haben, stellt sich Ikterus ein, der indess auch ganz fehlen kann, der Puls wird frequenter und es treten oigenthüm-liohe dummkollerartige Zui'älle (Taumeln, Anstemmen mit dem Kopfe, Schlafsucht, Schwanken, Schiehen etc.) auf, zu denen sich periodische Kolikanfälle, Verstopfung, gänzliches Sistiren der Futteraufnahme, sowie mitteihoebgradiges Fieber gesellen. Die Abmagerung der Thiere nimmt mit der Dauer der Erkrankung zu. Zuweilen beobachtet man wohl auch, insbesondere nach einem Wechsel der Futterverhältnisse (Verkauf), eine vorübergehende Besserung; indess nehmen die Erscheinungen doch bald wieder zu und es erfolgt unter starkem Verfall der Kräfte und ödematöser Anschwellung der Extremitäten nach mehreren Wochen bis :!|i Jahren der Tod, der nur in einzelnen Fällen schon am 8. odor 4. Tage eintritt. Zuweilen führt auch eine Magenruptur ganz unerwartet das tödtliehe Ende herbei (Friedberger).
Bei der Section findet man die schon beschriebenen Leberveränderungen, die in der Hauptsache in einer entzündlichen Hyperplasio des in t er stit iel len und besonders auch des in tralobulär en Bindegewebes der Leber (D onn et) mit herdförmiger fettiger Degeneration der Leberzellen bestehen. Die Leber ist zuweilen ums Doppelte vergrössert. Daneben findet sich eine oft sehr bedeutende M age n er vvei terung, sowie das Bild des chronischen Magen- und Darmkatarrhs (schieferige Verfärbungen und Sohleimhauthypertrophien). Eine Behandlung der Krankheit ist in der Pegel aussichtslos. Nach Ganter empfiehlt sich als Prophylacticum die Desinfection der Stallungen. Die von Im min ger empfohlenen intratrachealen Tnjectionen Lugol'seher Lösung sind von anderen Practikern (Putscher, Königer, Volz, Hillerbrand, Baer u. A.) als unwirksam befunden worden. Da die Thiere trotz der Erkrankung im Anfange noch auffallend lebhaft im Gange sind und während der Arbeit wenig oder gar nicht als krank auffallen, werden dieselben von den durch schlimme Erfahrungen über den weiteren Verlauf gut unterrichteten Eigenthümern zuweilen betrügerischer Weise noch rasch verkauft.
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AmyloidlebeiN
Literatur. Leiserino, S,J. B,, 18(j5. 8. 23. BruckmOlleh, Path. Zootomic, 1869. Werner, /'gt;. M., 1875. S. 166. Johne, S../. Ji., 1878. S. 34. Piana, amp;iorn. äi A., 1879; La Veleriiiaria, Parma I860. Hivolta, (Horn, di A., 1879. Capa-
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him, Bull, veter. Napoli, 1880. Rabk, II. J. H., 1883/84. S. 114. Benjamin', Jiull. Belg., 1886. Thasbot, Hec, 1893. S. 49. Grüner, Pet. A., II. S. 207. - Km-, J'aili.-anat. Diagn., 1894. S. 582.
Vorkommen. Die ainyloide Degeneration der Leber ist entweder für sich allein oder in Verbindung mit Nieren-, Milz-, Darm-amyloid bis jetzt gefunden worden beim Pferd, Hund, Rind, Schaf, Kaninchen, Geflügel.
Aetiologie. Die Ursachen der amyloiden Leberdegeneration sind bei unseren Hausthieren meist in kachektischen Zuständen, chronischen Entzündungen, sowie andauernden Eiterungs-processen zu suchen. Rabe fand in 60 Proc. aller Fälle von Leberainyloid bei Pferden das Vorhandensein chronischer Pleuriten, Pericarditen, Perhoniten; ferner beobachtete er amyloide Leberdegeneration gleichzeitig mit Hydrothorax und ausgebreiteter, andauernder Muskelabscedirung. Caparini hat im Anschlüsse an exsudative Pleuritis mit zunehmender Kachexie, sowie bei gleichzeitig bestehender Orchitis und Phlebitis beim Pferd Lebcramyloid vorgefunden. Bruck-müller constatirte bei Rindern ebenfalls die Krankheit, wobei dieselben nebenbei noch mit chronischer Nephritis behaftet waren. Endlich scheinen auch Anomalien der Fütterungamp;weise damit in Beziehung zu stehen; so sah Bruckmüller Leberamyloid bei Pferden nach Schlempefütterung bei sehr beengtem Aufentbaltsraume entstehen. Aus diesen Angaben erhellt, dass die amyloide Degeneration bei Thier und Mensch bezüglich der Ursachen vollständig identisch ist. Auch beim Menschen werden als Ursachen chronische Lungentuberkulose, Darmtuberkulose, chronische Eiterungen, ulcerativc Syphilis, Bronchiektasien, dysenterische Darmgeschwüre, Pyelitis, Fisteln, ul-
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cerirende Carcinome etc. g
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nv
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nannt.
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Anatomischer Befund. Die amyloid degenerirte Leber ist gewöhnlich vergrössert und besitzt stumpfe, gewulstete Ränder; ihre Consistenz ist beim Pferde im Gegensatze zum Menschen weich, teigig, breiartig oder bröckelig, krümelig, auch zeigt die sonst glatte Serosa bei längerer Dauer schwartige Auflagerungen. Die Farbe der Leber ist eine mehr graubraune, der Blutgehalt gering. Die amyloiden Herde sind bald gleichmässig, bald ungleichmässig vertheilt; bei Hühnern kommen sie auch in Form disseminirter Knötchen vor. Mikroskopisch findet man die Wände der Lebercapiliaren und besonders der intra-acinösen Gefässe verdickt, von homogener, glänzender Beschaffenheit,
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Leberkrebs.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;321
sowie schollig zerfallend; diese amyloide Degeneration lässt sich auch chemisch nachweisen. Die beschriebenen Stellen färben sich mit Lugol'scher Jodlösung rothbraun (niahagoniroth), sowie bei nachfolgender Behandlung mit verdünnter Schwefelsäure grau bis violettblau, ferner mit Methylviolett (violette Salontinte) anilinroth. Die eigentlichen Leberzellen nehmen an der amyloiden Degeneration nur ausnahmsweise Tlieil; dagegen sind sie meist atrophisch und fettig infiltrirt. Neben der Leber findet man sodann noch amyloide Entartung der Milz, der Nieren und des Darmes.
Symptome. Die Erscheinungen der Amyloidleber sind sehr unbestimmter Natur. Im Allgemeinen kann eine Wahrscheinlichkeitsdiagnose beim Bestehen kachektischer, anämischer Zustände mit gleichzeitigem Lebertumor und Albuminurie (Nierenamyloid) gestellt werden. Ikterus findet sieh nur vereinzelt; häufiger dagegen der Ausgang in Leberruptur mit den Erscheinungen der inneren Verblutung in die Bauchhöhle.
Therapie. Dieselbe ist ganz aussichtslos und kann nur auf das Grundleiden gerichtet werden.
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Leberkrebs^
Literatur. Bouley, Bee., 1844. Lkiskiung, S. J. II., 1860. S. 34. Bruckmüller, l'ath. Zootomie, 1809. Oalvitto, ffaraquo;. med. vet., 1876. S.'2813. Perrokoito, Pütz-sehe '/.., 1877. S. 204. Mautin, M. .). H., 1882/83. S. 115. Kitt, Ibid., 1884/85. S. 76. Lauuiku, Revue vit., 1893. S. 521. ~ BXchstXdt, X. f. Vet., 1893. 8. 156. Kitt, J'ath.-annt. Diagn., 1894. I. Bd.
Anatomischer Befund. Der Leberkrebs kommt theils als in etastatischer, theils als primärer Krebs am häutigsten bei alten, fett gewordenen Hunden, seltener beim Pferde und den übrigen Haus-tliieren vor. Die Leber ist dabei mehr oder weniger vergrössert, an der Oberfläche höckerig und von miliaren bis faustgrossen Knoten durchsetzt, welche bald isolirt, bald confluirend, bald reiiienförmig gelagert sind und eine meist weiche Consistenz (Markschwamm), eine fahlgelbe Karbe, sowie oft bedeutenden Blutreichthum besitzen und im Centrum häufig zerfallen oder verkalkt sind. Aussei- in der Leber linden sich dann gewöhnlich noch Krebsknoten in der Leberpforte, Milz, Nieren, Pankreas, Netz, Lunge etc, Auch Sarkome der Leber kommen vor.
Friedberger u. Frtfhner, Pnthol. u. Therapie d. Hanstblere. 1. Bd. i. Aufl. 21
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Galleusteiiif.
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Symptome. Die Erscheinungen des Leberkrebses laquo;ind sehr unbestimmt und dunkel. Häufig bestehen nur die Erscheinungen des Magendarmkatarrhs oder leichter Ikterus. Eine Wahrscheinlichkeitsdiagnose ist nur beim Hund und der Katze durch die Palpation der Lebergegend, welche zuweilen eine unregelmässige, höckerige Leberoberfläche nachweist, sowie beim Vorhandensein einer äusser-lichen Carcinombildung, z. B. der Mamma, zu stellen. Von anderen Consecutiverscheinungen des Leberkrebses ist beim Hunde die Entwicklung eines A seit es, beim Pferde das Auftreten von Kolikschmerzen durch Peritonitis bedingt, sowie das Hinzutreten einer Ruptur der oft von grossen Blutherden durchsetzten Krebsknoten mit nachfolgender Verblutung in die Bauchhöhle zu nennen. Bei vorgeschrittener Krankheit kommt es zu hochgradiger Abmagerung, namentlich zum Schwund der Muskulatur, welche sich beim Hunde vor Allem an dem Kopfe bemerklich macht (Krebsgesichtquot; nach Trasbot).
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Galleustelue.
Literatur. Birnbaum, Mm/., 1839. S. 801. BküoemDilbr, Path. Zootomie, 18ö9. Leisering, S. J. B., 1870. S. 19. Bonnkt, iV. J. B., 1880/81. S. 106. Bounooix, ./. de Lyon, 1882. S. 43. Ohassainq n. Cagny, Hull. soc. centr., 1885. Bonoartz, B. A., 1889. S.384. - Diegkehhofk, Spec. Pnth., 1892. I. S.942. Lit.et, Hec, 1892. S. 84. Jobblot, Rec. mil., 1892. Fröhnbr, M. f. p. Th., 1893. V. S. 61. Kitt, Path.-amt. Diagn., 1894. S. 520.
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Aetiologie. Das Vorkommen von Gallensteinen und das Auftreten krankhafter Erscheinungen in Folge derselben (Cholelithiasis) gehört bei den Hausthieren zu den klinischen Seltenheiten, während beim Menschen Gallensteine und die dadurch bedingten Gesundheitsstörungen ziemlich häufig sind. Die Erklärung dieses verschiedenen Verhaltens des menschlichen und thierischen Körpers ist nicht etwa auf eine dem letzteren fehlende allgemeine Disposition zu Steinbildung zurückzuführen. Denn erfahrungsgemäss werden z. ß. Harnsteine bei den Hausthieren ebenso häufig und speciell beim Hunde vielleicht noch häufiger angetroffen als beim Menschen. Es scheinen vielmehr andere Ursachen zu Grunde zu liegen. In diätetischer Hinsicht ist daran zu erinnern, dass beim Menschen eine ungeregelte oder abnorme Lebensweise, sowie Mangel an Bewegung zu allerlei Störungen im Pfortadersystem Veranlassung gibt und wohl auch u. a. zu Cholelithiasis prädisponirt. Pathogene Ursachen dieser Art wirken aber bei den Hausthieren in der Regel nicht ein, vor Allem nicht bei den Arbeitsthieren
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üallonsteine.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;323
(Pferd). Die Thatsache, dass gerade beim Pferde Gallensteine bisher am seltensten zur Beobachtung gelangt sind, tindet wohl zum Theil in der durchaus geregelten Fütterung und Bewegung dieser Thiere ihre Erklärung. Zum anderen Theile mag die Seltenheit der Cholelithiasis beim Pferd durch ein besonderes anatomisches Verhalten der Gattung Equus, nämlich durch das Fehlen der Gallenblase, bedingt sein. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass das Vorhandensein einer Gallenblase (Mensch, Hund, Katze, Kind) insofern zu Steinbildung prft-disponirt, als in diesem Reservoir eine Stauung und Zersetzung der Galle leicht eintreten kann. Stauung und Zersetzung der Galle sind aber die beiden Hauptursachen der Cholelithiasis beim Menschen. Dementsprechend werden auch beim Menschen die Gallensteine weitaus am liäufigsten in der Gallenblase angetroffen. Die aus verschiedenen Ursachen hervorgehende Stauung der Galle (katarrhalische Schwellung, Compression, Verschluss der galleabführenden Canille, verminderter Blutdruck u. s. w.) hat zunächst eine Eindickung der Galle und später eine Ausfällung der darin enthaltenen Salze und anderer in Lösung befindlicher Körper zur Folge (Bilirubinkalk, Cholestearin). Eine Zersetzung der Galle, wie sie ebenfalls bei Katarrhen der Gallenblase und Gallengänge auftritt, führt insofern zur Steinbildung, als hiebei eine Aenderung der Reaction, sowie des sonstigen chemischen und physikalischen Verhaltens der Galle und damit eine Ausfällung von Be-standtheilen in unlöslicher Form stattfindet, welche in normaler, un-zersetzter Galle gelöst sind (Cholestearin, Bilirubinkalk).
Die Gallensteine finden sich bei den Hausthieren sowohl in der Gallenblase als in den Gallengängen, und zwar am häutigsten beim Kind und Hund. Die kleineren Gallensteine sind mohnsamen- bis erbsengross, von rundlicher, ei- oder walzenförmiger Gestalt, an den Flächen zuweilen abgeschliffen. Birnbaum fand solche kleinere Steine bei einem Pferde in der Anzahl von 400 Stück. Die grösseren können bis zu 10 cm lang und bis zu 4 cm dick werden und linden sich mit birnfürmiger Gestalt in der Gallenblase, sowie mit walzenförmiger in den Gallengängen, welche oft sehr stark ausgeweitet werden. Ausser beim Kind und Hund hat man beim Pferd, Schwein und der Katze Gallensteine angetroffen. Eine Zerreissung der Gallenblase in Folge Einkeilung des Steins und Verhinderung des Gallenabflusses ist beim Ochsen beobachtet worden (Cagny).
Symptome. Die Erscheinungen bezw. Folgen der Cholelithiasis sind nach der Lage und Grosse der Gallensteine verschieden.
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Loboregolkrankliei t.
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rtteiue, welche sich in der Gallenblase befinden und daselbst verbleiben, desgleichen sehr kleine Steine pflegen nur leichte Verdauungsstörungen oder Überhaupt gar keine wahrnehmbaren Krankheits-erscheinungen auszulösen. Man Hndet sie vielmehr in der Regel nur als zufälligen interessanten Befund bei der Section. Dasselbe gilt für jene Fälle von Cholelithiasis, in welchen nur ein Ductus hepaticus Steinbildung aufweist. Beim Menschen werden selbst dann, wenn an der betreifenden Stelle sich ein consecutiver Leberabscess entwickelt hat, entweder gar keine oder nur ganz unbestimmte subjective Krank-heitssymptome wahrgenommen. Reine Gallensteinkolik ohne Ikterus entsteht, wenn sich ein Gallenstein im Ductus cysticus einklemmt. Dagegen erzeugen Steine im Ductus choledochus bei der Weite dieses Canals nieist keine Kolik, .sondern das Bild des Ikterus gravis.
Therapie. Die Behandlung besteht in Anwendung des Karlsbader Salzes oder der Alkalien, geregelter Diät und ausgiebiger Bewegung.
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Invasionskrniiklicitcii laquo;ler Leber, l. Die Leboregelkrankheltj Leboregrolsonchelaquo; Dlstomatostsraquo;
Literatur. Schaf und Rind. Die älteste Literatur, ab 154'2, siehe bei Heiuno, Spec. Path., 1858. S. 66, - Schiller, Eep., 1844. 8. 285. Hering, Ibid., 1852. S. 117. RlCHTEB u. A., I'r. M., 1853/54. 8. 101. Gerlacii, Ibid., 8. 107; Mag., 1854. S. 290; (7. Tb., 1872. 8. 487. - Rociiard, ./. de Lyon, 1854. Schell, J'r. M., 1856/56. S. 143. Ulrich, Ibid., S. 107. Husson, A. de lirux., 1857. Raynaijd, ./. du Midi, 1800. Heller, Mag., 1801. S. 485. May, Krkbln. d. Schafes, 1808.
nbsp; Perroncito, Avnalen d. landw. Akad, zu Turin, 1873. Ref. Tbrzt., 1874. S. 09 ; // /laquo;ed. vet., 1885 Pech, Thrzt., 1873. S. 87. Ercolani, Gas. med. vet., Milauo 1875. Sommer, /;. med. W., 1870. Priedrehgeh, /;. Z.f. Th., 1878. 8. 145. -Adam, W. f. Th., 1870. S. 159. Mayer, Rep., 1880. S. 185. - Krazl, Oe. M., 1880. S. 12. Zundel, /ja distomatose etc., Strasbourg 1880. Thomas, Report oh experiments etc., 1881; The Vet., 1883. S. 180 u. 409. Leuckart, AreJl. der Katurgeschichte, 1882. II. Parasiten des Menschen, 1889. I. 4. Lieferung. Ohehhomme, Mi'moires soc. cenfr, vH., 1882. Zürn, Die Schmarotzer, 1882. S. 207. Oadeac, lievue rH., 1885. Bons, Jahresber. über die Fortscliriite der Vel.-Mediein, 1880. S. 113. - Wernioke, I). Z. f. Th., 1880. S. 304. Morot, Rec, 1886. Weigel, S. .1. B., 1887. 8. 108. Roll, Vet.-liericht pro 1887 u. 1888. Hertwio, Bericht über die Resultate der Fleischbeschau in Berlin pro 1887/88. Sodero, Clin. vet., Bd. 12. Schaper, /gt;. X. f. Th., 1889. S. 1. Mit Literatur. Deffke, M, f. p. Th., 1890. S. 323. Railltet, ./num.. d'At/ricult, 1890. Hubeh, U.Z. f. Th., 1890. S. 77. Michalik, B. th. W., 1891. S. 58. Hahms, Ibid., S. 249. Lutz, 0. f. Bact., XIII. S.320. Popow, ßas Veterinürmesen, 1891. Ostertag, M. f. p. Th., 1892. Willagh, B. .1., 1892. S. 239. Bass, M. f. p. Th., IV. 1892. S. 93. -Gips, B. A., 1892. S. 454. Diegkerhoff, Spec. Path., 11. 1894. S. 298. Kitt, Path.-anat. Diat/n., 1894. S. 293 u. 574. Harms, Erfahr, üh. Rinderkrkbln., 1895. S. 30. Guittard, Progr. vH., 1895. S. 219. Laoter. Th. C, 1895. S. 354.
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nbsp; Murray, Am. vet. rec, VI. Schell, /. e., siehe oben. Railliet, Bull. Belg.,
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Leberegelkrankbeit,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;325
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Distomen beim Sohweiae. Hertwio, Bericht über die städUaohe FMaohbesohau in ISeiim, 1885/80. Fai.k, Rumhchaii, 1880. 8. 395. Roam, II. th. W., 1892, S. 548. quot;WttLAOH, B. A., 1893. S. 40.
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llistomen bei Hunden und Katzen (Uistomum lanceolatimi, campauulatum u. felinum). Rxvovtx, Giom. ili A., Bd. XVI. vanTright, Ref. r/ir*^, 1886, 8. 84. De Jon(i, lloll '/.., J3d. XIV. Zwaauhe.maker, Ref. Thret., 1888. S.7. Sonsino, Rec., 1890. WlLLAOH, 0. /!., 1893. S. 42. Janson, Wul., S. 204. Braun, C. f. Bar.t., XIV. Nr. 24.
Distomen bei Büffeln. Van Vaelzkn, Th, Hl. f. N. Ind., 1891. V. Licfg. 1. Pease, Vet. ./num., 1895.
Vorkommen. Die Leberegelseuche wird als Krankheit am häufigsten beim Schafe, seltener beim Kinde beobiichtct; ausserdem sind Sohweinelebern sebr häufig distoinenhaltig. Zuweilen kommen Distomen auch vor bei Pferden, Büffeln, Hirschen, Antilopen, Kameelen, Hunden, Katzen und Kaninchen. Die Leberegelkrankheit der Schafe und Kinder wird durch zwei Arten von Distomen hervorgerufen, welche bald allein, bald zusammen in den Lebergallengängen und in der Gallenblase vorkommen :
1,nbsp; nbsp;Distoimim hepaticum, l^s4 cm lang, il-j1 cm breit, von blattförmiger Gestalt, ausser beim Schaf und Kind auch noch bei der Ziege und beim Schwein, sehr selten beim Pferd, Esel, Kameel, Kaninchen und bei Katzen beobachtet.
2.nbsp; nbsp;Distomum lanceolatum, viel kleiner, lji 1 cm lang, 1 bis 3mm breit, von lanzett- oder zungenförmiger Gestalt, ausser beim Schaf und Rind auch bei der Ziege, beim Schwein, Kameel und Kaninchen vorkommend.
Naturgeschichtliches. Die Leberegel stellen isolirt lebende Platt-WÜrmer aus der Gruppe der Saugwürmer, Trematoden dar, welche zu ihrer vollständigen Entwicklung einen Generationswechsel, verbunden mit complicirter Metamorphosenbildung, durch-zumaohen haben. Der Entwicklungsgang von Distomum hepaticum ist folgender: Die mit einem Deckelapparat versehenen Eier der Leberegel gelangen mit dem Kothe aus dem Körper der Schale nach aussei! und entwickeln *ich bei genügender Feuchtigkeit und Wärme (im Winter sistirt die Entwicklung) in 1 0 Wochen zu den mit einem Wimperkleid und einem Stachel am vorderen Pole ausgerüste-
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Leberogelkrankhei t.
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ten Embryonen. Diese Flimmerlarven siedeln sich in gewissen Schnecken, kleinen schalentragenden Limnäen, und zwar in Limnaeus truncatulus s. minutus an (Weinland). Die geographische Verbreitung von Limnaeus truncatulus dockt sich mit dem Vorkommen von Distomum hepaticum. Limnaeus truncatulus ist eine sehr kleine, ca. 1j-gt; cm lange, mit braunem spiraligem Gehäuse umgebene, über die ganze Welt verbreitete und sehr resistente, mehr auf dem Land als im Wasser lebende Schneckenart. In diesem Vor-wirthe nun verwandelt sich der Embryo im Sommer nach 14 Tagen, im Winter nach :?#9632;4 Wochen zu einer Sporocyste (Keimschlauch) mit Keimzellen, welche unter Längenwachsthum in ihrem Inneren aus den Keimzellen sog. liedien (Cercarienschläuche) bildet, aus denen sich nach Lcuckart direct, nach Thomas erst durch die Vermittlung von Tochterredien auf ungeschlechtlichem Wege die eigentliche Distomenbrut, die sog. geschwänzten Cercarien, d. h. kaulquappenähnliche , mikroskopisch kleine Thierchen entwickeln , welche frei im Wasser leben und von denen etwa 1000 aus einem Distomenei abstammen. Diese Cercarien encystiren sich sehr bald, indem sie sich an Gräsern etc. anheften.
Die Aufnahme der Cercarien durch die Schafe erfolgt somit gewöhnlich in encystirtem Zustande mittelst des Grünfutters. Sie kann jedoch auch durch Einverleibung der betreffenden Schnecke mittelst des Futters, oder durch Trinken cercarienhaltigen Wassers erfolgen. Es ist zuerst von Thomas nachgewiesen worden, dass die geschwänzten Cercarien den Leib der Vorwirthe (Redie und Schnecke) verlassen und sich nach kurzem Herumschwimmen an Wasserpflanzen oder feuchtes Weidegras anheften, sich daselbst unter Verlust des Ruderschwanzes kugelig zusammenziehen und in eine gummiartige Masse einhüllen, wodurch eine schneeweisse, 23 mm im Durchmesser haltende Cyste entsteht, in welcher sie mehrere Wochen lebensfähig bleiben und von den Schafen saramt der Pflanze gefressen werden. Dass übrigens Schafe thatsächlich auch durch Aufnahme cercarienhaltiger Schnecken erkranken, wurde schon von Spinola experimentell durch die Fütterung gesammelter Grasschnecken von einer verdächtigen Schafweide an einem gesunden Hammel bewiesen. Nach Lutz ist das Trinkwasser auf den Sandwichsinseln die wichtigste, wenn nicht einzige Infectionsquelle in der Weise, dass sich die Cercariencysten im Bodensatze seichter Bäche ansammeln, beim Hineinwaten des Viehs aufgewirbelt und beim Trinken mit dem Wasser aufgenommen werden.
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Ijehorügclkrankhoit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;327
Die Entwicklungsgeschichte von Distomum lanceolatum ist bisher unbekannt.
Allgemeines über das Vorkommen der Leberegelkrankheit.
Die Leheregelseuche ist eine schon sehr lange gekannte Krankheit, indem sie schon im alten germanischen Hechte als Gewährsf'ehlerquot; aufgeführt und bereits im Jahre 1379 von dem französischen Schaf-züohter Jean de Brie, sowie im Jahre ir)47 von Hieronymus Gabucinus, sowie später von Cornelius Gemma klinisch beschrieben wird. Die im 17. Jahrhundert in Deutschland ausgebrochenen grossen Epizootien gaben Veranlassung, das Wesen der Krankheit genauer zu erforschen. Aus dieser Zeit stammen die Schriften von Pecquet (1688). Frommann (1676), Willius (1074), Wepfer (1688) u. A. Aus dem 18. Jahrhundert sind zu erwähnen die Arbeiten von Leeuwenhoek. Schäffer (1764), Göze (1782), Ohabert (1789), Bilhuber (1701). Die wichtigsten helminthologischen Forschungen des 19. Jahrhunderts knüpfen sich an die Namen Mehlis, v. Siebold, van Benedeu. Eschricht, Steenstrup, Küchenmeister, Pagenstecher, Weinland, Zürn, Leuckart.
Die Leberegelseuche kommt in feuchten, der Entwicklung der Distomen und der sie beherbergenden Schnecken besonders günstigen Jahrgängen (sog. Schneckenjahren) en/.ootisch, ja selbst panzootisch vor, während sie in trockenen Jahren selten ist. Aus diesem Grunde ist sie auch im Ueberschwemmungsgebiete von Flüssen, z. B. der Narenta in Dalmatien, sowie in den norddeutschen Niederungen mit ihren feuchten Wiesen und Moorgründen stationär. Im Holsteinischen ist es an manchen Orten kaum möglich, ein Stück Vieh zu schlachten, das von Leberegeln völlig frei wäre (Leuckart). Von bekannten Leberegeljahren werden besonders die feuchten Jahrgänge 1758, 1816, 1817 und 1854 genannt, in denen sich die Krankheit über ganze Länder verbreitete. Davaine zählt für die erste Hälfte dieses Jahrhunderts 9 Distomenjahre für Frankreich, wobei im Jahre 1812 in der Umgebung von Arles allein 300,000 Schafe zu Grunde gingen. Im Jahre 187;*) verlor Elsass-Lothringen nach Zündel ein Drittel seines ganzen Schafbestandes im Werth von 1,150,000 Franken. Für Deutschland waren besonders die 50er Jahre, für Irland das Jahr 1862. in welchem 60 Proc. aller Schafherden leberegelkrank waren, von grossem landwirthschaftlichem Schaden. In England wird die Zahl der jährlich an Distomatosis zu Grunde gehenden Schafe auf 1 Million geschätzt. Nach Krazl gingen im Jahre 1876 in Slavonien vom Hornvieh 40 Proc.
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Leberegelkrankheit.
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an Leberegelseuche verloren. In Brasilien gingen im Distrikte Tondil (Buenos-Ayres) allein in 8 Monaten 100,000 Schafe an Leberegelseuche zu Grunde. In Polen hat sich nach Popow mit der Erweiterung der Schaf/Aicht und dem Bezug niedriger gelegener Weideplätze bezw. dem daselbst gewonnenen Heu die Leberegelseuche im Jahre 1891 derartig verbreitet, dass in einzelnen Gütern und Dörfern 5090 Proc. aller Schafherden daran eingingen. In Island fehlt dagegen nach Krabbe Distomum hepaticum ganz, während es auf den Farörinseln sehr häufig vorkommt, was jedenfalls mit dem Stand der Molluskenfauna in jenen Gegenden in näherem Zusammenhango steht. Bezüglich des Vorkommens der Distomen bei den Sohlaohtthieren haben die statistischen Erhebungen im Berliner Schlachthofe (1883/84) ergeben, dass ;i() pro Mille aller Rinder, 7 pro Mille aller Schafe, 2 pro Mille aller Kälber und l'/ä pro Mille aller Schweine Distomen enthielten.
Gewöhnlich wird die Distomenbrut durch Verbringen der Herden auf feuchte, sumpfige, überschwemmte, moorige etc. Weiden aufgenommen (sog. Verhütenquot;), wobei die sich in Folge der anhaltenden Nässe bildenden Pfützen besonders gefährlich sind, Das früher von Schäfern beschuldigte Egelkrautquot; (Lysimachia Nummularia) hat als solches mit der Krankheit natürlich nichts zu thun. Am ehesten und schwersten erkranken Lämmer und Jährlinge, sowie Thiere von schwacher Constitution überhaupt, so z. B. feinwollige Merinos, Auch im Stalle kann es, ohne dass irgend eine Weide bezogen wurde, durch Aufnahme von schädlichem, mit Distomenbrut inficirtem Grünfutter oder Wasser, wahrscheinlich auch mit Trockenfutter zu einer Infection kommen. Interessant ist es ferner, zu verfolgen, wie einzelne Thiere, die zufällig, weil sie irgendwie krank waren, nicht mit. auf die Weide genommen oder z. B,, weil sie lahmten, vom Schäfer aufs Pferd gehoben wurden (Hahn), von der Egelkrankheit verschont blieben.
Zuweilen ergreift die Seuche auch Hasen und Hirsche, besonders Damhirsche, welch letztere bis zum Skelet abmagern und schliesslich zu Grunde gehen. Auch bei Büffeln kommt die Krankheit in Ostindien häutig vor.
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Die Einwanderung und Auswanderung der Leberegel. Die
Einwanderung der Leberegel erfolgt gewöhnlich in den wärmeren Monaten, also im Sommer und Herbst bis zu den ersten Frösten (Gerlach); die Sommerwärme ist nämlich für die Entwicklung der Distomenbrut am günstigsten. Doch schaden auch Nachtfröste nichts (Friedberger), und es kommt oft eine sehr späte Aufnahme, z. Pgt;. noch
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Leberegelkrankbeit,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;329
im December, vor. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, class eine Aufnahme der Leberegelhrut ohne Unterbrechung selbst in unseren Klimaten das ganze Jahr hindurch stattfindet (Schaper). Die Aufnahme selbst kann, wie viele Erfahrungen erweisen, in sehr kurzer Zeit, so schon nach viertel- oder lialbstündigem Beweiden einer schädlichen Wiesenstrecke, erfolgen. Zuweilen beobachtet man wiederholte Invasionen bei denselben Thieren zu verschiedener Zeiten, wie auch Invasionen mehrerer Thiere einer und derselben Herde zu verschiedenen Zeiten. Bezüglich des Einwanderungsmodus der Egel in die Leber sind drei Möglichkeiten vorhanden:
1.nbsp; nbsp;Die Distoinen gelangen auf dem Wege der Darmvenen (Pfortaderäste) in die Leber, wie dies hinsichtlich der Echinokokken-embryonen von Heller zugelassen wird. Beweise für diese Annahme fehlen indess.
2.nbsp; nbsp;Die Distomen perforiren, nachdem sie durch die Verdauung ihrer umhüllenden Oyste frei geworden, den Magen und Dünndarm und gelangen durch den Feritonealüberzug der Leber ins Parenchym derselben, sowie in die Galleng'ange (Gerlach, Spinola, May). Die zum Beweis angeführte, durch das Eindringen der Egel entstandene Perihepatitis (Peritonitis) liisst sich indess nach Fried berger ebenso gut durch eine centrifugale Wanderung der Egel in der Leber, besonders unter der Serosa, sowie durch eine Perforation der letzteren von innen nach aussei! erklären, indem nicht selten Distomen mit dem Kopfende aus der Leber hervorragend angetroffen werden.
3.nbsp; Die Distomen wandern vom Duodenum aus durch die Gallengänge in die Leber ein (Leuckart). Diese Annahme hat am meisten Wahrscheinlichkeit für sich.
Die W eiter Wanderung der Distomen in der Leber erfolgt nach Leuckart bei Distomum hepaticum in der Weise, dass der Kopfzapfen als Enveiterungsapparat für die engeren Gallengänge dient, während die am Vorderleibe befindlichen schuppenförmigen Stacheln das Zurückgleiten hindern, und die Vorwärtsbewegungen durch das abwechselnde Aufsetzen des Mund- und Bauchsaugnapfes bei Streckung und Verkürzung des Vorderkörpers bewirkt wird. Bei Distomum hm-ceolatum, das der Stacheln entbehrt, soll das Vordringen durch den kleineren und schmäleren Körper erleichtert werden. Ein grosser Theil der Distoinen verbleibt nun in den Gallengängen; ein anderer perforirt mit Hilfe seines Kopfzapfens die Wandungen der Gallengänge und dringt in das Leberparenchy m vor, dasselbe zertrümmernd, perforirt wohl auch die Kapsel und erzeugt eine Perihepatitis, resp. Peri-
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Leberegelkrankheit.
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tonitis. Ein dritter Theil gelangt in Pfortaderiiste und führt hier zu Endophlebitis, Thrombose und Embolien. Ein vierter Theil endlich scheint in die Lebervenen und von da in entferntere Körpergegenden zu gelangen; zunächst nach Passirung des rechten Herzens in die Lunge, wo sie nach zahlreichen Beobachtungen zur Bildung hämorrhagischer Herde, mit blutigem Inhalt gefüllter Gänge und sogar von Lungenknoten Veranlassung geben können. Man findet dann namentlich beim Rinde haselnuss- bis kastanien- und hühnereigrosse Cysten oder Knoten in der Lunge, welche verdickte, theilweise verkalkte Wände, und die Egel in einer bräunlichen, fadenziehenden Flüssigkeit zeigen. Maokoldy fand bei 10 Proc, Morot bei 4 Proc. aller geschlachteten Kinder Distomen bezw. distomenhaltige Lungengeschwülste mit je 12 Distomen (Pseudotuberkulose); nach ihm kommt beim Rind auch eine bronchiale Distomatose mit Anhäufung von Distomen und Verstopfung bezw. Erweiterung der Bronchien vor. Von den Lnngenarterien aus gelangen sie durch weitere Wanderung in Lungenvenen und dadurch in das Gebiet des arteriellen Kreislaufes und werden an beliebige Stellen der Körperperipherie trans-portirt. So fand man sie z. B. in der Bauchhaut einer Kuh, in den Zwischenrippenmuskeln, sowie vereinzelt beim Schwein im Zwerchfell und in den Kehlkopfmuskeln. Auch beim Menschen werden peri-phere Abscesse mit Leberegeln angetroffen, so an der Planta pedis, am Occiput, hinter dem Ohr, in der rechten Regio hypochondriaca. Vielleicht lassen sich auch die von Gerlach bei egelkranken Schafen im ersten Krankheitsstadium zuweilen beobachteten apoplektischen Todesfälle auf Embolien junger, in den arteriellen Kreislauf gelangter Distomen zurückführen. Nach Willach sollen die Embryonen von Distomen endlich in ätiologischer Beziehung zur periodischen Augen-ontzündung der Pferde und Rinder stehen.
Der Abgang der Leberegel erfolgt von dem Zeitpunkte an, in dem sie geschlechtsreif geworden sind; nach Leuckart dauert dies circa 8 Wochen, ein Zeitraum, der für die gerichtliche Thierheilkunde (Gewährszeit) sehr wichtig geworden ist. Gerlach hatte den Satz aufgestellt, dass die Auswanderung erst :i/i1 Jahr nach der Einwanderung, also in den Monaten Mai bis Juli, vor sich gehe. Pech und Friedberger sahen indess sowohl schon im Herbst, als im Winter, grosse Mengen von Egeln in der Gallenblase und im Duodenum (im Dickdarm werden sie rasch verdaut und daher nie angetroffen). Die eigentliche Lebensdauer der Distomen soll nach Thomas über 1 Jahr betragen.
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Leberegelkrankheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 331
Anatomischer Befund. Die wichtigsten Veränderungen bei der Egelkrankheit finden sich, wie nicht anders zu erwarten, in der Leber vor. Sie sind je nach den einzelnen Stadien verschieden. Die Leber ist zunächst mehr oder weniger vergrössert, von doppeltem bis dreifachem Gewichte, an den Rändern abgestumpft, sowie im Gesammten verfärbt. Diese Verfärbung erinnert zuweilen an Porphyr, indem auf einer schmutzig graugelben bis gelbbraunen Grundfarbe inselartige, unregelmässig zerstreute, schwarzrothe bis dunkelrothbraune, runde oder strichförmige. oder auch sich verästelnde Flecken eingelagert sind. Die Oberfläche der Leber ist rauh, uneben, mit fadenförmigen oder membranösen peritonitischen Wucherungen besetzt, welche die Vorderfläche der Leber oft innig mit der Rückseite des Zwerchfells verlöthen (Perihepatitis). Nicht selten bemerkt man stecknadelkopf- bis hirsekorngrosse Oeffnungen in der Leherkapsel, aus denen eine blutig-schmutzige Masse hervorquillt oder der Kopf eines Leberegels zum Vorschein kommt. Durchtrennt man hier die Leberkapsel, so findet man oft unter derselben eine grössere Anzahl jugendlicher Distomen. nach deren Entfernung subcapsuläre Vertiefungen und höhlenartige Gänge zurückbleiben. Die Lymphdrüsen am Hilus der Leber sind ödematös geschwollen und vergrössert.
Auf der Schnittfläche der Leber zeigen sich neben hochgradigen Veränderungen an den Gallengängen zahlreiche lacunäre Räume im Leberparenchym von unregehnässiger Gestalt und Ausbuchtung, zum Theil von Balken durchzogen, mit einem blutig rotbbraunen, oft graulich verfärbten, breiartigen Inhalte, der aus weissen und rothen Blutkörperchen, fettig degenerirten Leberzellen, Detritus, sowie einem meist unentwickelten Distomum besteht. Die Gallengänge sind gewöhnlich und zwar nicht selten um das Drei- bis Vierfache erweitert: beim Rinde kann der Durchmesser derselben bis zu 8 cm betragen, wodurch die Leber oft blasig wird. In den erweiterten Gallengängen findet man neben einer röthlich gefärbten, schleimigen Galle eine grössere oder kleinere Menge von Distomen mit ihren Eiern: dabei können in einer Schafleber bis zu 1000 Stück Leberegel angetroffen werden. Die Schleimhaut der Gallengängc ist in Folge des von den beschuppten Distomen ausgeübten Reizes im Zustande eines bald hämorrhagischen, bald schleimigen, bald eiterigen Katarrhes und verdickt sich im späteren Verlaufe durch Neubildung von Bindegewebe oft in ausserordentlicher Weise (glanduläre Hyperplasie der Schleimhaut, unter Umständen sogar Adenombildung in Form zapfenförmiger Wucherungen), wozu
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noch eine Incrustation von Kalksalzen (phosphorsa^irer Kalk) kommt, in Folge dessen die Gallengänge zu starren, unnachgiebigen, auf der Oberfläche durchzufühlenden und in ihren Contouren häufig prominirendeu Kalkröhrcn umgewandelt werden. Dazwischen atrophirt das eigentliche Lebergewebe mehr und mehr; die Leber wird derber, knirscht beim Durchsclineiden und bekommt eine höckerige OberHäche (Leberatrophie, Cirrhose). In den Pfortader-ästen finden sich zuweilen Thromben, durch frei im Gefässlumen vorhandene Distomen veranlagst. Die Gallenblase enthält meist eine grosse Menge trüber, schmutziger Galle, vereinzelte Leberegel, sowie oft grosse Mengen von Distomeneiern.
Aussei- diesen Veränderungen in der Leber ist bei höhergradig kranken Thieren ziemlich constant Ascites mit vereinzelten, frei in der Bauchhöhle befindlichen Leberegeln, sowie Transsudat in der Brusthöhle und im Herzbeutel zu beobachten. Dabei sind die Cadaver sehr stark abgemagert, fettarm, oder das Fett ist in eine weiche, sulzige Masse umgewandelt; die Muskulatur ist blass und schlaff, das Blut dünnflüssig und wässerig, dieSubcutis ödematös infiltrirt(Hydräraie und Anämie).
Symptome. 1. Das Krankheitsbild der Leberegelseuche der Schafe hat nichts Charakteristisches an sich. Im Anfange fehlen Kraukheitserscliehiungen überhaupt. Das Minimum des latenten Stadiums beträgt .quot;gt;(J Wochen; selbst die schwächlichsten Thiere zeigen vor Ablauf dieser Zeit keine Krankheitserscheinungen. Ilaben die Veränderungen in der Leber dann nach 1 '/ü2 Monaten eine gewisse Intensität erreicht, so treten die auch im Verlaufe anderer Krankheiten sich einstellenden Erscheinungen einer schweren Kachexie, hochgradiger Ernährungsstörungen, sowie von Hydrämie und Hydrops auf (sog. Fäulequot; der Schafe). Die Schafe magern rasch ab, ermüden sehr leicht, zeigen blasse, wie ausgewaschene Schleimhäute, trockene, glanzlose, leicht ausgehende Wolle, Oedeme an den Augenlidern, am Kohlkopf und ünterbauch. Beim Rind wird das Haarkleid struppig und glanzlos, die Haut trocken und fest aufliegend. Dazu gesellen sich gastrische Störungen. Die Thiere zeigen einen schlechten und alienirten Appetit, setzen mit dem Wiederkauen aus, haben abwechselnd Verstopfung und Diarrhöe, der Harn wird sauer etc. Gleichzeitig erscheinen die befallenen Schafe sehr matt, bleiben hinter der Herde zurück, lassen sich leicht greifen; die Eigenwärme zeigt verschieden hochgradige sprungweise Erhebungen. Später t'reten
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Ötauungsersoheuumgeii: Ascites, Bronchialkatarrli u. s. w., auf, die Conjunctivalsäcke enthalten Aasammlungen sohleimigen Secrets.
2. Beim Kinde kommt es erst spät ZU hochgradigen Erscheinungen und unter gewöhnlichen Verhältnissen selten oder fast niemals zum tödtlichen Ausgange. Es ist vielmehr eine bekannte Er-fahrungsthatsache. dass nach dem Schlachten von Hindern eine sehr hochgradige Destruction der Leber angetroffen wird, ohne dass während des Lebens Krankheitserscheinungen vorausgegangen sind (Begutachtung forensischer Fälle!). Im Gegensatze hiezu will Weigel nicht so selten beim Rinde die Leberegelkrankheit mit tödtlicbem Ausgange beobachtet haben.
Diagnose. Grosse diagnostische Bedeutung hat man früher einer von aussen zu palpirenden Leberschwellung, sowie einer ikterischen Verfärbung der sichtlichen Schleimhäute und der allgemeinen Decke beigelegt; beide fehlen indess viel häufiger, als sie vorhanden sind. Wie Gerlach, so haben auch wir nie fkterus beobachtet. Auch eine über den hinteren Rand der letzten Rippe hervortretende Leberschwellung, verbunden mit grösserer Empfindlichkeit der Leber, dürfte nur im ersten Stadium zu constatiren sein; wir haben dieselbe in ausgesprochenen Graden des Leidens immer vermisst. Wichtiger schon für die Diagnose ist das Auffinden der Distomeneier im Koth (oval, mit Deckel versehen) mittelst des Mikroskopes. In weitaus den meisten Fällen ist indess eine sichere Diagnose ohne eine zu diesem Zwecke vorgenommene Section nicht möglich, wobei jedoch nicht vergessen werden darf, dass man einzelne Exemplare von Distomen bei mmz sresunden Schafen und Rindern ausserordentlich häufig vorfindet.
Verlauf. Derselbe ist ein chronischer; die Fälle von apo-plektiformein Dahinsterben (Gehirnembolie?) sind sehr selten. Man kann nach Gerlach den Krankheitsverlauf in vier Stadien eintheilen: 1. das Stadium der traumatischen Leberentzündung der entzündlichen Leberschwcllung, während des Lebens gewöhnlich unerkannt, meist in die Spätsommermonate fallend; 2. das Stadium der Bleichsucht, (i12 Wochen nach dem Verhüten eintretend; Hauptmonate: September bis November; 3. das Stadium der Abzehrung, lU Jahr nach Aufnahme der Egelbrut beginnend, höchster Grad der Krankheit, Leberatrophie mit Bildung von Oedemen; meist vom Januar ab; 4. das Stadium der Answanderunff der Leber-
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egel, soll nach Gerlach in die Monate Mai bis Juni lallen, kann jedoch von dem Zeitpunkte der Geschlechtsreife der Egel ab, also circa 3 Wochen nach der Einwanderung, bereits beginnen.
Bei sehr zahlreicher Egelinvasion kann die Krankheit auch einen etwas rascheren Verlauf nehmen, die minimale Krankheit.sdauer bis zum Tode beträgt indessen immerhin lji Jahr. Umgekehrt können die Erscheinungen der Bleichsucht und Abmagerung bei kräftigen älteren Thieren noch nach Jahresfrist abbrechen und in Genesung übergehen, die indess oft nur eine scheinbare ist; bleibende Veränderungen in der Leber in verschiedenen Graden resultiren immer. Im Allgemeinen ist die Voraussage bei ausgebildeter Distomatosis sehr ungünstig, und es sind in dieser Beziehung besonders die Winter-und Frühjalirsnionate gefährlich.
Distomatose bei anderen Thieren. üeber einen Fall von Leber-distomatose bei einer Eselin berichtet Oadeao. Die Lebergilnge waren ampullenartig erweitert. Das Thier zeigte starke Abmagerung, hochgradige Blässe der Schleimhäute und bei der Section Ascites, Hydrothorax und Hydroperioardium. Bei Büffeln äussert sich die Distomatose nach van Vaelzen und Pease in schlechtem Ernährungszustand, steifem Gang mit den Hinterfüssen, Diarrhöe, Tympanitis. Hautödemen und Lähmung. Sie tritt in Ostindien viel verheerender auf, als in Europa. Als Prophylacticum hat sieh Kochsalz bewährt.
Behandlung. Da den Distomen in der Leber auf keine Weise beizukommen ist, so besteht die Behandlung der Leberege] vor Allem in der Prophylaxe. Die Hauptpunkte liegen hier in der Vermeidung-schädlicher Weiden und in der Vernichtung der Distomeneier. Nach der ersten liichtung sind zuverlässige tüchtige Schäfer, sowie das Vermeiden verdächtiger Weiden die besten Gegenmittel. Die Weiden sind um so gefährlicher, je feuchter die Witterung ist. Verdächtige Weideplätze sind, wie schon die Schäferregel sagt, von Johanni ab überhaupt nicht mehr mit den Schafen zu befahren. Am meisten Vorsicht ist bei Lämmern und Jährlingen geboten. Auch das Einsammeln und Vernichten der als Zwischenträger erwähnten Schnecken bildet nach Leuckart eine sehr wichtige prophylaktische Massregel. Ausserdem dürfte für einen guten Nähr zu stand der Thiere zu sorgen sein, da die Insulte bis zu einem gewissen Grade um so leichter ertragen werden, je widerstandsfähiger die Thiere sind. Zur Vernichtung der Distomeneier empfiehlt Thomas das Schlachten der erkrankten Thiere, das, wenn frühzeitig vorgenommen, überhaupt jeder Behandlung vorzuziehen ist, sowie das Vergraben der Leber oder die Beseitigung der Leber, wenn möglich durch Hitze, und die Verfütterung an Hunde in ge-
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kochtem Zustande; die Verbringung der kranken Thiere und ihrer Abialle auf trockene Weiden; das Drainiren feuchter Weiden; das Bestreuen derselben mit Salz oder Kalk; die Verabreichung von Salzlecken, um die Cercarien schon im Magen und Dann zu tödten. Diese Salzlecken können die früher angewandten bitteren, aromatischen und adstringirendeuMittel vollständig ersetzen. NachTrasbot ist das Verfüttern von Fichtensprossen mit Kleie zusammen vor dem Austrieb von gutem Erfolge begleitet. Ist die enzootische Verbreitung der Krankheit in keiner Weise zu verhindern, so muss eben die Schafzucht in der betreffenden Gegend aufgegeben werden. Bezüglich der Einschleppung der Krankheit durch fremde Schafe räth Leuckart, im Interesse des Käufers den Koth mikroskopisch auf die Anwesenheit von Egeleiern zu untersuchen. Nach Thomas ist indess auch die Infection guter Weiden durch Hasen und Hirsche nicht unmöglich.
Die Gewährszeit für die Leberegelseuche beträgt in Baden, Bayern, Hohenzollern, Württemberg 14 Tage (und zwar hier unter den Namen: Fäule, Anbruch, Wassersucht), in Hessen 28, Sachsen 30 Tage, Oesterreich 2 Monate, Thurgau 11, Basel 15, Schaffhausen 31, Frankfurt a. M. 42 Tage.
Andere Distomen. Aussei- Distoiuum hepaticum und lanceolatuni sind gefunden worden: Monostomuin hepaticum in der Leber des Schweines; D i s t o m u m t r u n c at u m, a 1 b i d u m und f e 1 i n e u m bei Hund und Katze; Distomum magnum beim Texasrind, Hirschen und Antilopen. Distomum pan creat i cu m beim japanischen Rind ; Distomum hetorophyes beim japanischen Hund.
Die Egelseuche des Flusskrebses. Distomatosis astacina. Die seit einigen Jahren in den Gewässern Centraleuropas vorkommende sog. Ivrebs-pestquot; wird von Harz (Zeitschrift für Thiermedicin, Ud. 7. S. 1) in der Hauptsache auf die Einwanderung der Larve von Distomum cirrigerum zurückgeführt. Die Erscheinungen der Krankheit bestehen in hohem und steifem Gang, Widerstandslosigkeit, Anschwellung der Aftermündung, Verlust der Empfindung und Irritabilität, Zuckungen, Lähmung; bei der Section findet man die Larven besonders in den Muskeln encystirt. Diese Distomatosis darf nicht mit anderen Krebsseuchon (My kos is astacina, durch Saprolegnien verursacht, sowie Vergiftungen) verwechselt werden.
Tl. Die Echinokokkenkrankhoit.
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Allgemeines. Die Echinokokkenkrankheit wird durch die Einwanderung des Hülsenwurms, Ecliiuococcus polymorphua (früher Echino-coecus veterinorum), des Biasenwurnis (Liirvenzustandes) der Taenia Ecliiuococcus beim Hunde, hervorgerufen. Sie befällt am häufigsten das Rind, dann Schaf, Ziege und Schwein; am seltensten das Pferd, den Esel, die Katze, das Kaninchen und den Hund; ausserdem den Menschen. Kameele und verschiedene frei lebende Wiederkäuer (Hirsche, Gemsen, Antilopen etc.), ferner Affen, katzenartige Thiere, das Truthuhn-u. s. w. Man hat die Echinococcushlasen so ziemlich in allen Organen vorgefunden, ihr Hauptsitz ist indess die Leber und die Lunge. Weiter kommen sie vor im Herzen, in der Milz, den Nieren, der Muskelhaut des Schlundes, in Netz und Gekröse, unter den serösen Häuten, im Auge. Gehirn, Euter, in der Körpermuskulatur, ja selbst in den Knochen.
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Die Echinococcuskrankbeit ist ziemlich verbreitet) nach Bol-linger ist sie in Süddeutschland nach der Perlsucht und Leberegelseuche die häufigste Wiederkäuerkrankheit infectiöser Natur. Ihre geographische Verbreitung geht mit der des Hundes parallel. Nach einer statistischen Zusammenstellung von Pel per, welche 52 Schlachthäuser aus verschiedenen Gegenden Deutschlands uml'asst, waren 11 Proc. aller geschlachteten Kinder, 10 Proc. aller Schafe und 0,5 Proc. aller Schweine mit Echinokokken behaftet. Am stärksten sind nach ihm die Rinder in Vorpommern und Mecklenburg (15 bis 38 Proc.) verseucht; in Greifswald sind sogar 65 Proc. aller Rinder, sowie 51 Proc. aller Schafe mit Echinokokken behaftet. Die Zittern für die Rinder anderer Gegenden sind ; Hannover, Brandenburg, Schlesien und Sachsen 7 Proc, Rheinprovinz 2 Proc, Süddeutschland 0,1 bis 3 Proc. Schmidt berechnet für Freussen die jährliche Vcrlustsumme an Rindern in Folge von Echinokokkenkrankheit auf 150,000 Mark. In den Jahren 1888/90 wurden auf dem Berliner Schlachthofe insge-sammt 23,000 Echinokokken haltige Lungen und Lebern bei Schweinen, sowie 17,000 bei Schafen contumacirt. In Moskau waren unter 70,000 in den Jahren 1890/94 geschlachteten Schweinen 20,000 = 30 Proc. mit Echinokokken behaftet. In Britisch-lndien, wo besonders unter den niederen Volksklassen zahlreiche Hunde gehalten werden, kommen bei 70 Proc aller Rinder Echinokokken in der Leber vor.
Naturgeschichtliches. Die Echinokokkenblasen, der Larven-mstand des dreigliederigen Hundebandwunns, entwickeln sich nach der Aufnahme von Tänieneiern mittelst des Futters, Trinkwassers etc. Sie kommen in vier verschiedenen Formen vor: 1. Als sog. einfacher Echinococcus, nur aus einer mit Flüssigkeit gefüllten und Brutknospen enthaltenen Kapsel bestehend; am häufigsten. 2. Als zusammengesetzter Echinococcus, bei welchem die Hauptblase wieder in sog. Tochter- (secundäre), ja selbst Enkelblasen (tertiäre Blasen) zerfällt, die theils der Oberfläche (exogener), theils der Innenfläche (entogener Echinococcus) der Mutterblase entsprossen; häutig. 3. Als sog. Echinococcus multilocularis oder alveolaris, eine dem Gallertkrebs ähnliche, auf dem Durchschnitte lacunäre Räume zeigende Neubildung, welche durch beliebige Ausdehnung eines kapsellosen oder die Kapsel durchbrechenden Echinococcus vorwiegend im lt;Janalsystem der Leber entstanden zu sein scheint und später con-glomerirten Tuberkelknoten oft sehr ähnlich sieht, zuweilen auch ganz
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steinhart wird; selten. -I. Als Echinococcus acephalus (Acephalo-cyste), d. h. als kopflose, sterile Blase; nicht selten.
Die Entwicklung des Echinococcus aus den wahrscheinlich durch die Gallenwege und das Pfortadersystem eingewanderten Embryonen ist eine ziemlich langsame: nach 4 Wochen ist die Blase 1 mm lang, nach 8 Wochen 1'/*S'/a mm, nach 19 AVochen nuss-gross, nach dem 5, Monate erst beginnt die Ausbildung von Brutkapseln, in welchen die Köpfe entstehen. Die eigentliche ßlasenwand ist gallertartiger Natur und zeigt einen lamellösen Bau; sie besteht aus einer äusseren und inneren chitinhaltigen Cuticula; um diese Gallertkapsel lagert sich eine derbe Bindegewebskapsel (Parenchym-schicht), welche aus körniger Substanz, spärlichen Muskelfasern und Gefässen besteht. Die erbsen- bis mannskopfgrosse Echinococcus-blase ist mit seröser, klarer, eiweissfreier Flüssigkeit gefüllt, von der die grössten bis 10 Pfund enthalten. Die Skolices entstehen aus Keimkapseln (Brutknospen) in der ßlasenwand, deren jede bis zu 22 Skolices in sich bergen kann, so class oft eine Blase bis zu 1000 Skolices enthält.
Echinococcus multilocularis. Derselbe ist im Allgemeinen selten, dürfte Jedoch nach den Untersuchungen von Oster tag beim Rinde häufiger vorkoinmen, als bisher angenommen wurde. Ostertag fand ihn im Verlaufe etwa eines Jahres im Berliner Schlarhthans 30mal beim Rinde, dagegen beim Schweine (unter 200,000 Schlaohttbieren) nur einmal und beim Sohaf niemals. Vom E. m, des Menschen unterscheidet sich der des Rindes besonders dadurch, dass er keine klinischen Erscheinungen erzeugt. Ostertag hält es für wahrscheinlich, dass der inultiloculäre Echinococcus keine blosse Varietät des gewöhnlichen E., sondern eine besondere Species mit einem bisher noch unbekannten Band wurme darstellt. Diese Annahme ist durch neuere Untersuchungen von Müller und Mangold bestätigt worden. Darnach sind beim Hund thatsiichlich zwei Arten von Taenia echinococcus vorbanden, Die gewöhnliche, Taenia E. unilocularis hat plumpe, die seltenere Taenia E. multilocularis viel schlankere Haken.
Anatomischer Befund. Die von Echinococcusblasen durchsetzte Leber ist gewöhnlich mehr oder weniger vergrössert, und zwar zuweilen um das 5- bis lOfache, und zeigt entsprechend dem Sitze der Blasen eine höckerige, knotige Oberfläche. Das Gewicht derselben ist ebenfalls entsprechend vermehrt. Die normal etwa 10 Pfund schwere Rinderleber kann so bis zu 150 Pfund (Perroncito fand eine mit 158 Pfund, Posnjakow eine solche mit 182 Pfund und 2400 Blasen), die durchschnittlich 4 Pfund schwere Seh wein eleber bis zu 50 Pfund (Perroncito fand eine mit 110 Pfund) schwer werden. Die Serosa der Leiter ist häufig verdickt und die Leber oft
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mit den Nachbarorganen (Zwerchfell, Netz, üediirme) verlöthet (Peri-liepatitis). Die Echinococcusblasen verdrängen das Leberparenchym, so dass auf dem Durchschnitt das Organ von einer Menge buchtiger Hohlräume durchsetzt ist, zwischen welchen comprimirte atrophische insel- und stroifenförmige Reste übrig geblieben sind. Sterben die Echinococcusblasen ab, so wandelt, sich ihr Inhalt in eine gelbe, fettige, schmierige, breiartige Masse um, welche oft aus lauter Kalk zu bestehen scheint; auch Eiter kann sich darin bilden, seltener tritt Blut auf. Das Ganze lässt sich dann als Echinococcusblase nur durch den mikroskopischen Nachweis der darin enthaltenen Haken der Skolices von charakteristischer Gestalt erkennen.
In der Lunge werden die Echinococcusblasen erbsen- bis faust-gross und bedingen wie in der Leber ebenfalls eine höckerige Oberfläche, sowie Compression des Lungenparenchyms, so dass oft nur ein kleiner Theil des eigentlichen Lungengewebes übrig bleibt, während der comprimirte äusserst derb ist. Uhse vergleicht die Echinokokken-lungen mit häutigen, mit Kartoffeln gefüllten Säckenquot;. Die normal etwa (gt; Pfund schwere Rinderlunge kann so bis zu 50 Pfund schwer werden. Becker fand in einem Falle 2300 Blasen in der Lunge eines Rindes (im ganzen Körper 5000). Beim Absterben der Blasen entsteht daraus eine käsig degenerirte Zerfallsinasse, die alten Tuberkelknoten sehr ähnlich sieht.
Im Herzen findet sich meist nur eine Echinococcusblase, welche am häufigsten am unteren Ende der Scheidewand, in der Nähe der Herzspitze ihren Sitz hat und sowohl nach der Seite der Herzkammern als nach der des Pericardiums zu sich vergrössern kann. In den Knochen veranlassen die Echinokokken zuweilen geschwulstartige Auftreibungen, so z. B. am Hinterkiefer; auch in der Markhöhle der Tibia und des Femur hat man sie schon getroffen. In den Muskeln, besonders beim Schwein, sind die Echinococcusblasen nicht gerade selten.
Bezüglich des Vorkommens der Echinokokken in den einzelnen Organen der Hansthiere hat Peiper gefunden, dass beim Rind die Echinokokken in der Lunge und Leber ziemlich gleich häufig sind (8 : 7), während sie beim Schaf in der Lunge häuüger (3; 2), beim Schwein dagegen erheblich seltener (1:8) vorkommen. Beim Menschen kommt der Echino-coccus in 6070 Proc. aller Fülle in der Leber vor. Nach einer Analyse von Widemeyer enthalten die Echinococcusblasen i'O Proc. Wasser, ti Proc. Eiweiss und 8 Proc. Salze.
Symptome. Die Erscheinungen der Echinokokkenkrankheit sind je nach den betroffenen Organen verschieden, im Allgemeinen aber nicht
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Echinokokkenkrankheifc.
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sehr charakteristisch#9632; Insbesondere können Rinder trotz einer grossen Anzahl von Echinokokken ilusserlich ganz gesund erscheinen. Beispielsweise bot eine Kuh, in deren Leber beim Schlachten 2400 Echino-coccusblasen. und eine andere, in deren Leber 2600 Blasen, sowie bei welcher insgesammt im Körper 5000 Blasen gefunden wurden, im Leben keinerlei sichtbare Krankheitserscheinungen dar (Becker, Posnjakow).
1.nbsp; nbsp;Bei vorwiegender Localisation in der Leber bestehen die Krankheitserscheimingen in Verdauungsstörungen, allmählicher Abmagerung, sowie jahrelangem Siechthum. Ikterus ist selten. Die Leber erweist sich bei der Percussion mehr oder weniger ver-grössert (normale Dämpfung: rechts im Bereich der vorletzten 23 Rippen, also von der 10. bezw. 9. ab bis zum hinteren Kand der vorletzten Rippe), die Lebergegend ist bei der Palpation schmerzhaft; zuweilen ist in der rechten Plankengegend ein Tumor sichtbar, oder es lassen sich bei der Untersuchung vom Mastdarm aus höckerige, fluetuirende Erhabenheiten der Leber feststellen. Fieber fehlt gewöhnlich oder tritt nur bei Complicationen und in den letzten Stadien der Krankheit ein. Beim Platzen der oberflächliclien Blasen entleert sich ihr Inhalt in die Bauchhöhle und kann eine tödtliche Peritonitis erzeugen (selten).
2.nbsp; nbsp;Die Echinokokkeninvasion in die Lunge bedingt, wie die Tuberkulose, das Bild der Lungenschwindsucht mit allmählich zunehmender Abmagerung, Ilarthäutigkeit u. s. w. Die Krankheit äussert sich in zunehmenden Athmungs b esch werden, welche sich bei zahlreicher Einwanderung von Echinokokken oft auffallend rasch entwickeln können und wobei besonders die Inspiration zuweilen saccadirt, d. h. mehrmals abgesetzt ist. sowie im Auftreten eines schwachen, rauhen Hustens. Bei der Percussion erhält man entsprechend dem Sitze der Blasen einen gedämpften (nur ausnahmsweise leeren) klappenden Ton, den Ton des zerbrochenen Topfes (Olla rupta). sowie einen vermehrten Widerstand unter dem Hammer; bei der Auscultation ist an den betreffenden Stellen das normale vesiculäre Athmungsgeräusch verschwunden und man hört fremdartige Geräusche, nach Harms ein Quurksenquot; (ein Geräusch, das auch beim Drücken und Walken eines mit Echinokokken besetzten Lungenstückes entsteht und nach Harms von patho-gnostischer Bedeutung ist), sowie brummende und gurrende Geräusche, nach Schmidt auch einen eigenthümlichen Metallklang. Bei stärkerem Anklopfen an die Brustwand weichen die Thiere aus und
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Echinokokküiikrankhoit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;J}41
laquo;töhnen, besonders bei Druck auf die Gegend der letzten 4 Kippen. Fieber fehlt meist; auch Fresslust und Milchergiebigkeit können oft lange Zeit noch fortbestehen. Bei Perforation einer Blase im Thoraxraum kann Pneumothorax und eine tödtliche Pleuritis entstehen.
3.nbsp; Echinococcusblasen im Herzen bedingen zuweilen, wenn sie platzen oder indem sie eine Herzlähmung erzeugen, apoplektiforme Todesfälle, wobei die Thiere plötzlich niederstürzen und verenden oder das Bild der Herzschwäche und Erstickung zeigen.
4.nbsp; Echinococcusblasen in den Muskeln können Lahingehen hervorrufen; so beobachtete z. B. Johne eine solche in den Psoasmuskeln beim Pferde. Ausserdem wurden sie auf der Pleura und in der Subcutis, sowie im Gehirn und in den Gehirnhäuten beim Pferde, mitunter zwischen Pleura und Hippen, im Gehirn, Auge etc. beim Kind beobachtet.
Prognose. Dieselbe ist eine ungünstige, wenn eine sehr grosse Anzahl von Blasen in irgend einem Organe vorhanden ist; die Echinokokken können hier schliesslich den Tod des Trägers herbeiführen. Einzelne Echinokokken können allerdings verkäsen oder verkalken, auch findet man nicht selten eine grössere Anzahl von Echinokokken in der Lunge oder Leber bei sonst ganz gesunden Thieron. Für das Herz ist indess auch ein einzelner Echinococcus sehr gefährlich. Lässt sich die Krankheit einmal, wenn auch nur annähernd, dia-gnosticiren, so ist die Schlachtung der Thiere das einzig Vortheilhafte.
Diagnose und Differentialdiagnose. Die Erkennung der Echinokokkenkrankheit ist eine keineswegs leichte. Bei der Leber kommt vor Allem der Nachweis einer vergrösserten Leberdämpfung, von Schmerzhaftigkeit der Lebergegend, Auftreibung derselben etc., sowie die etwaige Constatirung von höckerigen Unebenheiten auf der Leberoberfläche mittelst der Hectaluntersuchung in Betracht. Verwechslungen können dabei vorkommen mit Trächtigkeit, Hydrometra, Pyometra, Uterusneubil düngen, Eier stocksgesch Wülsten, Bauchschwangerschaft, welche sämmtlich durch Mastdarmexplo-ration auszuschliessen sind, ferner mit As cites, der sich durch die Percussion, sowie die veränderten Verhältnisse in der Rückenlage unterscheiden lässt, endlich mit anderweitigen, besonders krebsigen Lebertumoren, die indess viel seltener sind. Auch eine bestehende Hydronephrose könnte in Frage kommen.
Bei der Echinokokkenkninkheit der Lunge handelt es sich vor
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34:2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bohinokokkenkrankheit.
Allem um die üntertscheidung von dor Tuberkulose. Nach Harms sind die unterscheidenden Merkmale folgende: 1. bei der Echinokokkenkrankheit fohlt der Husten sehr häulig oder ist nur schwach, während er bei der Tuberkulose nie fehlt und verhilltnissmässig kräftig ist; 2. für Echinokokken ist das Quurksen pathognostisch; 3. die Respiration ist bei der Echinokokkenkrankheit frequenter, erschwerter, die Athembescliwerde rascher zunehmend und im Verhältnisse zu dem oft noch normalen Nährzustande auffallend stark; 4, Keibungsgeräusche fehlen bei der Echinokokkenkrankheit, während sie bei der Tuberkulose häufig (?) gehört werden; 5. von Wichtigkeit ist auch bei der Echinokokkenkrankheit die Complication mit nachweisbarer Lebervergrösserung. Weiter findet man bei Lungentuberkulose häufig eine Miterkrankung der Lymphdrüsen, sowie eine tuberkulöse Euterentzündung.
Behandlung. Dieselbe ist ganz erfolglos. Es könnte höchstens, wie beim Menschen, die Punction der zugänglichen Echinococcusblasen versucht werden. Dagegen ist die Prophylaxe von der grössten Bedeutung. Dieselbe besteht in der Vernichtung aller Blasen, welche bei der Gefahr für den Menschen und den grossen ökonomischen Nachtheilen gesetzlich vorzuschreiben wäre; ferner in Abtreibung der Tänien bei den Hunden und in Verringerung der grossen Anzahl von Hunden durch hohe Steuern.
Die Echinokokkenkrankheit beim Menschen. Dieselbe ist nicht so sehr selten und hat speciell für den Thierarzt insofern ein Interesse, als er der Infection durch Taenia Echinococcus gelegentlich der Untersuchung und Behandlung bandwurmkranker Hunde besonders ausgesetzt ist. In Mitteldeutschland beträgt die Krankheit 5 pro Mille aller Todesfülle; in Island sollen sogar 510 Proo. der Bevölkerung daran zu Grunde gehen. Die Krankheitserscheiuungen entwickeln sich allmählich; sie bestehen in der Bildung eines fluetuirenden, weichen, palpablen, hügeligen L eb er turn or s mit Druck- und Spannungsgefühl auf der rechten Seite, Dyspnoö und Bronchialkatarrh in Folge Druckes der Leber auf das Zwerchfell, Leberatrophie, Ikterus, zuweilen Abscedirung nach innen oder aussen. Beim Sitz in den Lungen können die Blasen, wenn auch selten, ausgehustet und die Krankheit auf diese Weise erkannt werden. Bei Affection der Nieren findet man Nieren tumor, Schmerz in der Nierengegend und einzelne Haken im Harn; im Gehirn rufen die Echinokokkenblasen Herdsymptome hervor. Der Tod erfolgt durchschnittlich nach ca. B Jahren. Wie 1'ei per gezeigt hat, steht die Häufigkeit der Echinokokkenkrankheit des Menschen in proportionalem Verhältniss zu der Häufigkeit bei den Hausthieren. Die meisten Menschen erkranken nach P. in Mecklenburg und Pommern.
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Coccidiosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 343
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111. Die Coccidii'iikrankhril beim Knninchcn (Cocciiliosis, ßregrarinosis).
Literatur. Hakk, Ott oarotttoma of the hepatic duetts etc., London 1839. KöLLiKEH, Mailer's Arch. f. Anat. u. Physiol., 1843. S. 3!J. Nasse, IMd., 8. 209. Vulpia.n, Gaz. medic, de Paris, 1859. S. 161. Klgbs, Virch, A., 1859. Lkisehi.nq, .S'. #9632;/. li., 1862. S, 18. - Colin, Rec, 1862. S. 692. Stieda, Virch. A., 1865. 8. 132. Waldbnbüro, Ibid., 1867. S. 435. Lanh, Ibid., 1868. 44. Bd. S. 202. RotOFP, Ibid., S. 512. VlRQHOW, Ibid., S.548. Rivolta, 11 med. ret., 1869. T. IV. Nr. 2; Dei parasiti rei/etati, Torino 1873.Eimkh, L'eber die ei- oder hugtlförtnigen I'soro-.ipennien der Wirbelthiere, VViirzburg' 1870. Lkuckaht, Uie I'arasiten des Menschen, 2. Aufl. 8, 241287. Schmidt, I). %. f. Th., 1876. 8. 60. Pkhiioxgito, l'iHz'sche Z., 1877. S. 505. Phögeh, amp; ,/. laquo;., 1877. 8. 118. ZÜRM, V. für Thier-Hrzte, 1878. 2. Heft) Die p/lanzl. I'tiras., 1889. 8. 801. Baranski, lt;)e. V. 8., 1879.
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nbsp; nbsp;Maske, Z. f. FL, 1893. Fei.senthal u. Stamm, Virch. A., Bd. 132. S. 36. Gähnet, llec, 1893. Xr. 5. Padyean, ./. of comp., 1894.
Vorkommen. Cocoidien, besonders Coccidium oviforme in der Leber bezw. in den Gallengiingen sowie im üiirmcanale, kommen zuweilen enzootisch im Sommer bei jungen Kaninchen vor; ausser-detn sind sie in den genannten Organen gefunden worden beim Hund, Kalb, Schwein und Schaf, ferner bei den Vögeln, Amphibien, Eischen und beim Menschen. Die Krankheit scheint an das Futter gewisser Oertlichkeiten gebunden zu sein. Ausserdem wird sie den jungen Kaninchen durch ältere, latent an Leber-Coccidiosis leidende Kaninchen übermittelt.
Naturgeschichtliches. Die Coccidien gehören nach Pfeiffer zu der Gruppe der Sporozoen, einzelliger, niederer, durch Sporenbildung sich fortptianzender Urthiere, welche zwischen Thier- und Pflanzenreich stehen. Unter diesen Sporozoen sind drei für die Thier-pathologie wichtige Ordnungen zu unterscheiden:
1. Die Coccidien,Hauptform Coccidiumoviforme. Das letztere lebt in den Epithelien des Darmes und der Leber (Gallengänge) der Kaninchen und erzeugt bei denselben die sog. Coccidiosis der Leber und des Darmes (früher als Lebergregarinose der Kaninchen bezeichnet). Ausserdem erzeugen die Coccidien auf der Respirationsschleimhaut der
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84-1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Coccidiosis.
Kaninchen seuchenartige Katarrhe (vergl. den bösartigen Schnupfen im II. Band). Endlich kommt beim Geflügel, sowie bei Säugethieren (Kind, Hund, Schwein, Schaf) eine durch Coccidium oviforme bedingte Darm-Coccidiosis vor. Vergl. hierüber die Hühnerdiphtherie und die rothe Ruhr des Rindes im II. Bande. Andere Coccidienformen sind C. perforans und bigeminum.
2.nbsp;Die Sporidien (Psorosperraien, Sarkosporidien), welche namentlich in Muskelzellen bei Säugethieren und Vögeln, sowie in Blutzellen (Malaria, Texasfieber) parasitiren.
3.nbsp; Die Gregarinen, d.h. in Herden lebende, sehr hochorgani-sirte, nackte Sporozoen.
Das Coccidium oviforme (eiförmiges C), früher mit dem Namen Gregarine oder Psorospermie bezeichnet, bildet im ausgewachsenen Zustande eirunde, die Epithelien der Schleimhaut der Gallengänge und des Darmes bewohnende, den Oxyuris-Eiern sehr ähnliche, durchschnittlich 0,035 Millimeter lange und 0,015 bis 0,020 breite, doppelt conturirte Gebilde, welche von einer festen, schalenartigen, glashellen Hülle umgeben sind und eine grobkörnige Protoplasmamas.se enthalten. Sie scheinen sich sowohl an Ort und Stelle, besonders in der Leber, durch endogene Sporenbildung zu vermehren, als auch ausserhalb des Thierkih-pers im Freien zu entwickeln. Dabei zerfällt der Inhalt der Coccidie in kleine, eiförmige Sporen, welche ein sichel- oder nicrenförmiges, durchsichtiges, stark lichtbrechendes Gebilde ausscheiden. Die letzteren sind als die Jugendform der Coccidien aufzufassen, welche sich in kugelige Gebilde ohne sichtbare Organisation umwandeln und durch Ausstrecken oder Einziehen von Fortsätzen amöboide Bewegungen ausführen.
Anatomischer Befund. Die Leber erscheint bei der Gregarinose der Kaninchen vergrössert und zuweilen auf der Oberfläche höckerig. Ihr Parenchym ist von hirse-, höhnen- bis haselnussgrossen, weiss-gelben Knoten, bezw. Cysten durchsetzt, welche oft so zahlreich neben einander liegen, dass das zwischenliegende Lebergewebe vollständig untergegangen ist. Diese, Tuberkeln oder sonstigen Neubildungen oft sehr ähnlichen Knoten sind als adenomartigeWucherungen der Schleimhaut der Gallengänge aufzufassen und enthalten im Inneren eine dickflüssige, gelbe, rahmartige oder krümelige, käseartige Masse, welche mikroskopisch aus eingekapselten eiförmigen Coccidien, fettig entarteten Epithelzellen, freien Kernen, Fetttröpfchen etc. besteht, und sind gegen das Leberparenchym durch eine dicke Binde-
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Coccidiosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;345
gewebskapsel mit zahlreichen Kernen und Fasern von oonoentrischer Anordnung abgegrenzt.
Im üarmcanale findet man die Coccidien bei jungen Kaninchen, Hund, Schaf, Schwein, Katze, Huhn etc. in den Epithelzellen eingelagert. Sie koiumen hier bald vereinzelt, bald gruppenweise vor und bilden dann kleine, erhabene, weissliche Flecke auf der Darmschleimhaut. Endlich können sie auch grössere Strecken der Schleimhaut in Form einer Pseudomembran überziehen. Am zahlreichsten finden sie sich in den Darmzotten, die sich als weisse Pünktchen abheben, sowie in den Lieberkühn'schen Drüsen, deren Umgebung zuweilen entzündliche Infiltration mit Geschwürsbildung zeigt. Die Anwesenheit der Coccidien führt ausserdem zu Entzündung der Darmschleimhaut.
Railliet u. Lucet beobachteten eine Coecidiosis der Nieren bei Gänsen (Coccidium truncatuni). In den Nieren waren zahlreiche steek-nadulkopfgrosse Knötchen sowie freie Coccidien in den HarncaniÜchen vorhanden.
Symptome. Die Erscheinungen der Gregarinose bei den jungen Kaninchen, bei welchen in Folge der Krankheit häufig ganze Kaninchenzuchten aussterben, bestehen in vermindertem Appetit, Gelbfärbung der Schleimhäute, Nasenausfluss , Schwäche, Abmagerung, erschöpfenden Durchfällen, Tympanitis, Taumeln, Schwanken u. s. w. Der Tod erfolgt unter Convulsionen. Bei älteren Kaninchen treten meist trotz der Anwesenheit grosserer Coccidienmengen in der Leber keine sichtbaren Symptome auf.
Differentialdiagnose. Verwechslungen der Lebercoccidien kamen früher häufig vor. Hake, der erste Entdecker derselben, hielt sie für Eiterkörperchen; Lang für Neubildungen. Am häufigsten werden die eingekapselten Coccidien mit Eiern von Pentastomen, Bandwürmern und Oxyuren (Willach) verwechselt. Bezüglich der in der Literatur sehr häufig mit den Coccidien zusammengeworfenen Psorospermien-schläuche muss auf das Capitel der Muskelkrankheiten verwiesen werden.
Therapie. Bei der Behandlung der Leber- bezw. Darmgrega-rinose kann nur die Prophylaxe in Sprache kommen. Dieselbe besteht in Separirung der erkrankten Thiere und Desinficirung der Stallungen. Von innerlichen Mitteln könnte höchstens irgend ein
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Coccidiosis.
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Quecksilberpräpamt, vielleicht Calomel, als Antiparasiticum angewandt werden.
Sonstig-e Leberparasiteu. In seltenen Fällen findet .sich in der Leber beim Schwein auch Oysticercus tenuicollis und pisifor mis, die Finnen von Taenia, marginata (Zschokke) und T. serrata. Eoudeaud und Borgert fanden dieselben ausser in der Leber auch in der Lunge zweier Schweine in grosser Zahl. Megnin beobachtete beim Pferde einen Fall von chronischer Hepatitis, veranlasst durch Sclerostomum armatum. Nach Dinviddie kommt bei Schweinen in Arkansas eine durch Stepha-nurus dentatus bedingte Leberkrankheit vor.
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Krankheiten des Bauchfells.
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Acute Itauchfclloiiiziindiing. Acuilaquo; Peritonitis.
Literatur. Phkvost, ./ok/'w./laquo;laquo;lt;., 1826. Texxer, Ibid., 1S8S. Olivier, Jquot;. dlaquo; Midi, 1889. Yooatt, The Vet., 1840. LioosTE, ./. du Midi, 1851. HERma, liep., 1858. S. 10. CtOUBAüX, Bull, soc. centr., 1858. Baghe, Jiep., 1860. S. 77.
nbsp; Fabry, A. de Unix., 1861. Stockflkth, liep., 1862. 8, 164. Göking, \V. f. 77raquo;., 1864. S. 834. SohXfeh, Ibid., 1865. S. 18. - Duviuusaut, A. de lirux., 1865.
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Eintheilung. Man kann die Bauchfelleutzündung je nach ver-scliiedeuon Gesichtspunkten verschieden eintheilen. Zunächst empfiehlt es sich aus rein practischen Gründen, bezüglich des Verlaufes die acute und chronische von einander zu trennen. Weiterhin wäre ZU unterscheiden je nach der Ausbreitung eine umschriebene und diffuse, je nacii der Entstehung eine primäre oder idiopathische und secundäre, eine traumatische, Perforativperitonitis, tuberkulöse, sarkomatöse, carcinomatöse, pyämische, metastatische, septische, rheumatische Peritonitis. Je nach der Beschaffenheit der gesetzten Entzündungsproducte unterscheidet man eine trockene und exsudative, eine seröse, sero-fibrinöse.
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Bauchfelleutzüudunff.
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eiterige, hämorrhagische, jauchige Peritonitis. Bezüglich der Entstehung hat man es in der Regel mit secundären Bauchfellentzündungen zu thun, indem dieselben entweder durch Verletzungen des Bauchfells oder durch pathologische Vorgänge in einem Nachbarorgan veranlasst werden. Die Möglichkeit einer idiopathischen Peritonitis durch vorausgegangene Erkilltungseinfiüsse (rheumatische Bauchfellentzündung) ist jedoch nicht zu bestreiten. Immerhin aber sind diese Fälle sehr selten, indem beim Pferd beispielsweise rheumatische Kolik sehr häufig, rheumatische Peritonitis aber nur vereinzelt constatirt worden ist.
Vorkommen. Die acute Bauchfellentzündung kommt bei allen Hausthieren incl. des Geflügels vor. Die weiblichen Thiere dis-poniren indess mehr zur Erkrankung als die männlichen, was sich aus dem engeren Zusammenhange zwischen Genitalien und dem Bauchfellsacke bei ersteren erklärt. So findet man auch beim Rinde ungleich häufiger als beim Pferde Bauchl'ellentzündungen, weil das Kind in Folge der häufigeren Trächtigkeit und namentlich des Gebäractes öfter Entzündungen, Zerreissungen etc. des Fruchthälters ausgesetzt ist, denen eine Peritonitis meist auf dem Fusse folgt; ausserdem schliesst sich beim Rinde eine Peritonitis nicht selten an Leberdistomatose, Bauchfelltuberkulose etc. an. Die Empfindlichkeit des Peritoneums ist bei den einzelnen Hausthieren eine ausserordentlich verschiedene. Am empfindlichsten von allen scheint das Pferd zu sein, dann folgen die Wiederkäuer (Schaf, Ziege, Rind), weiterhin die Fleischfresser (Hund, Katze), zuletzt die Omnivoren (Schwein) und das Geflügel.
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Aetiologie. Die Ursachen der acuten Peritonitis sind folgende:
1.nbsp; nbsp;Penetrirende Bauchwunden, sowohl zufällig entstandene, als zu operativen Zwecken gemachte. In letzterer Beziehung kommen alle mit Eröffnung der Bauchhöhle (Laparotomie) verlaufenden Operationen in Betracht (Herniotomie, Function des Darmes und der Bauchhöhle, Wanstschnitt, Darmschnitt, Castration weiblicher Thiere, Krypt-orchidencastration). Die eigentliche Ursache der Entzündung ist dabei im Eindringen entzündungserregender Stoffe (Spaltpilze) mittelst der Luft oder der nicht desinficirten Instrumente zu suchen. So kann beispielsweise das einfache Einströmen von Luft in die Bauchhöhle durch den Leistencanal während und nach der Castration beim Hengste unter Umständen tödtliche Peritonitis erzeugen.
2.nbsp; Rupturen und Perforationen der vom Bauchfelle über-
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Bauohfellentzünduug.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;340
y.ogenon Organe mit Eindringen entzündungaerregender Stoffe in die Bauchhöhle. Hieher gehören Berstungen des Magens, Darmes, der Harnblase, der Leber, Milz etc., Zerrei.ssung und Perforation der Magen- oder Darmwand durch Gescliwüre, Fremdkörper, festliegenden Koth, Helminthen (tiastruslarven, Ascaridcn), Ruptur des Uterus bei Geburten, Zerreissung der Gallenblase, Perforation der Leberkapsel durch Distomen, Durchbruch von Abscossen, Echinococcusblasen, Zer-reissung des in Folge von Gefässthrombose hämorrhagisch infarcirten und nekrotischen Darmes, Perforation des Mastdarmes bei der Exploration.
3.nbsp; Fortpflanzung einer Entzündung benachbarter Organe auf das Bauchfell, so von den Bauchdecken her nach Contusionen derselben, vom Magen und Darm nach intensiveren Entzündungsprocessen der Schleimhaut, Geschwüren, partiellen Zerreissungen. bei Lageveränderungen der Gedärme (Drehungen, Invaginationen, Incarcerationen, eingeklemmte Hcrnieu), ferner nach Entzündungen der Leber, Nieren, Blase, des Uterus (Metritis, Para- und Perimetritis), der Eierstöcke, Hoden, des Samenstrangstumpfes, endlich, wenn auch seltener, im Anschluss an eine vorausgegangene Pleuritis.
4.nbsp; nbsp;Erkältungen, sowohl von aussen durch starke Abkühlung der Bauchdecken, als auch von innen durch Aufnahme sehr kalten Getränkes (Eis, Schnee, Reif). Nach Trasbot kann unter Umständen auch durch kalte Mastdarrainfusionen Peritonitis entstehen. Diese sog. rheumatische Peritonitis scheint übrigens relativ selten zu sein.
5.nbsp; nbsp;Ueber das Auftreten der metastatischen Peritonitis im Verlaufe der Pyämie und Septikämie ist bei unseren Hausthieren bis jetzt wenig bekannt.
Ueber die der Peritonitis zu Orunde liegenden Mikroorganismen sind in der letzten Zeit bacteriologische Untersuchungen angestellt worden. Fred öhl spricht dein Streptococcus pyogenes für die Erzeugung dor Peritonitis, insbesondere der traumatischen, eine wichtige Rolle zu. Bumm unterscheidet eine Streptokokken-Peritonitis (Eiter) von der putriden (Jauche), sowie Mischformen beider. Bei der Ferforativ-Peritonitia scheint das Bacterium coli commune eine pathogenetische Bedeutung zuhaben (Ziegler). Der hiernach eintretende Tod scheint weniger durch die Peritonitis bezw. durch eine sich hier anschliessende Septikämie, als vielmehr durch eine Intoxication in Folge Resorption giftiger Toxino der Pilces, vielleicht auch zum Theil durch Nervenshok bedingt zu sein.
Anatomischer Befund. Bei der aouten diffusen Peritonitis findet man das Bauchfell im Anfange der Entzündung hyperämisch und hftllflg von kleinsten, punktförmigen Blutextravasaten durchsetzt.
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Die Röthe ist dabei von verschiedener Intensität, bald gleichförmig, bald in ramif'ormer Anordnung, von Rosaroth an bis zu Ziegel- und Scharlachroth, bald streifig und fleckig. Meist ist die entzilndliche Injection nicht an allen Stellen gleich weit vorgeschritten und es lässt sich häufig der Ausgangspunkt der Entzündung erkennen. Um die Hyperämie des Peritoneums zu sehen, kann es nothwendig sein, das darüber gelagerte Exsudat vorher abzuwischen. Späterhin tritt die Köthe mehr zurück und das Bauchfell erscheint dann grauroth. Schon frühzeitig wird die Oberfläche der Serosa glanzlos, weniger durchsichtig, samtntartig rauh, das Bauchfell selbst leichter zerreisslicli und abziehbar; ebenfalls früh treten in dem entzündeten Gewebe neugebildete Gefässe auf, Stets, und gewöhnlich sehr bald nach Beginn des Processes, wird auf der Innenfläche des Peritoneums ein nach Form und Menge sehr wechselndes Exsudat abgesetzt. Dasselbe besteht zuweilen nur aus einer dünnen Lage geronnenen Fibrins in Form eines feinen, durcbscheinenden, abziehbaren Häutchens: in anderen Fällen ist die Auflagerung mächtiger, selbst schwartig, von der Form einer gelblichweissen oder tief gelb gefärbten Croupmembran. Durch diese aufgelagerten Exsudate wird häufig eine Stelle des visceralen mit dem parietalen Bauchfellblatte verklebt, oder es können auch einzelne Organe in der Bauchhöhle mittelst ihres visceralen Bauchfellüberzuges mit einander verwachsen (Peritonitis fibrinosa oder sicca). Im Gegensätze zu diesen mehr trockenen Entzündungs-producten sammelt sicli bei der serösen und sero-fibrinösen Peritonitis eine kleinere oder grössere Menge einer gelblichen bis gelblich rüthlichen, zuweilen auch grünlichgelben, stark getrübten, beim Pferd und Rind bis zu 40 Liter und mehr betragenden Flüssigkeit in der Bauchhöhle an, welche in der Hauptsache aus Serum, Eiterfiocken, Faserstoffgerinnseln und zelligen Bestandtheilen zusammengesetzt ist. Enthält ein solches Exsudat gleichzeitig eine grössere Menge rother Blutkörperchen, so zeichnet es sich durch eine intensivere Höthe aus, wie dies besonders beim Pferd beobachtet wird (Complication von serös-fibrinöser mit hämorrhagischer Peritonitis). In den Fällen, in welchen es sich um eine von dem Darmrohr ausgehende Perforativ-peritonitis handelt, ist das Exsudat von jaucheähnlichem Aussehen und sehr üblem Gerüche (jauchige Peritonitis); gewöhnlich ist dasselbe dabei noch mit ausgetretenem Darminhalt vermischt. Nach Berstung der Harnblase hat dasselbe ferner einen mehr oder weniger starken urinösen Geruch. Bei Katzen und Hunden ist das Exsudat in der Bauchhöhle von mehr eiteriger Beschaffenheit (Peritonitis
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purulenta), und liegt dasselbe dem Bauchfell entweder als dünne, rahmartige Schichte auf oder sammelt sich als trilbgelbe, nicht selten auch mit feinen Flocken untermischte und übelriechende Flüssigkeit (letzteres besonders nach Durchbruch von Abscessen) in der Bauchhöhle an.
Im weiteren Verlaufe der Peritonitis kommt es zu einer theil-weisen oder vollständigen Resorption der beschriebenen Exsudate; den grössten Widerstand leisten dabei die zelligen Elemente und das Fibrin, welche beide vorher fettig degeneriren und zu feinem Detritus zerfallen müssen. Nach der Resorption der tibrinösen Exsudate bleiben häufig Verwachsungen der Bauchfellblätter zurück (Peritonitis ad-haesiva), es kommt zu Bildung bindogewebiger Stränge und Bänder, welche in Folge der narbigen Retraction zu Zerrungen, Dehnungen und Schrumpfungen von Organen der Bauchhöhle, sowie zu Verengerungen von Canälen (Darm, Gallengänge) etc. führen können. Erfolgt die Resorption des flüssigen Exsudates nur unvollständig und findet daneben noch eine andauernde Auswanderung weisser Blutkörperchen statt, so erhält dadurch die Flüssigkeit ein purulentes, zuweilen schleimigeiteriges Aussehen. In seltenen Fällen kommt es dabei bei gleichzeitig bestehenden partiellen Verlöthungen zur Absackung von kleineren Exsudatmassen, welche sich bei weiterer Resorption mehr und mehr eindicken und in eine käsige, selbst kreidige und kalkige Masse umwandeln können. Bei längerer Dauer der Peritonitis betheiligt sich auch der Darm insofern an dem Processe, als seine Wandung durch das Hinzutreten eines collateralen entzündlichen Oedems verdickt, stark durchfeuchtet, sowie sehr mürbe werden kann, was einer Lähmung der Darmmuskulatur und des ganzen Darmabschnittes mit Verstopfung, Gasansammlung etc. gleichkommt. Auch die Schleimhaut des Darmcanals befindet sich im Zustande der katarrhalischen Entzündung. Endlich können grössere Mengen peritonitischen Exsudates rein mechanisch durch Druck auf das Zwerchfell und andere Organe der Bauchhöhle, sowie durch Erweichung der oberflächlichen Schichten dieser Organe nachtheilig werden. Insbesondere führt die seröse Durchtränkung des Zwerchfells sehr leicht ZU Lähmung dieses Muskels und dadurch zu schwerer Athemnoth.
Die acute umschriebene Peritonitis zeigt im Allgemeinen die-selben pathologischen Veränderungen, nur sind dieselben auf kleinere Stellen der Serosa, z. B. den serösen Ueberzug eines Darmstückes, der Leber, des Uterus, der Ovarien beschränkt. Eine umschriebene Peritonitis kommt namentlich bei kleineren Verwundungen des Bauchfells
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Bauch t'ellentzündung-.
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(Function) und bei Entzündung einzelner vom Bauchfelle überzogener Organe (Perimetritis, Perihepatitis) zu Stande. Der Schwerpunkt liegt dabei in einer localon Beschränkung der entzündungserregenden Stoffe durch frühzeitige Verklebung der entzündeten Blätter oder Absackung des Exsudats. Leichtere Formen der umschriebenen fibrinösen Feri-toniten kommen bei unseren Hausthieren, namentlich beim Pferd, sehr häufig vor, wie dies der durchaus nicht seltene Befund alter Residuen bei Sectionen beweist.
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Erscheinungen der acuten diffusen Peritonitis mit besonderer Berücksichtigung des Pferdes. Das Krankheitsbild der acuten diffusen Bauchfellentzündung ist in keiner Weise ein typisches, gleichförmiges zu nennen. Es rührt dies davon her, dass die Erscheinungen der mit wenigen Ausnahmen secundären Peritonitis durch die verschiedenen primären Leiden in mannigfaltiger Weise abgeändert, ja selbst vollständig verwischt werden können. Selbst da, wo sich im Verlaufe der primären Erkrankung das Einsetzen der Peritonitis genau erkennen lässt, ist es bei weiterer Entwicklung nur zu oft ausserordentlich schwer, ja selbst unmöglich, die durch beide Krankheitszustände veranlassten Erscheinungen strenge von einander zu scheiden. Ja es kann das primäre Grundleiden unter so furibunden Symptomen verlaufen, z. B. Lageveränderungen der Gedärme bei Pferden, dass peritonitische Anzeichen dabei gar nicht aufkommen können. Ausserdem ist der Krankheitsverlauf bei den einzelnen Formen der Peritonitis ein sehr ungleicher; die einen treten mehr langsam und stetig auf, andere dagegen setzen gleich von Anfang an mit sehr schweren und heftigen Erscheinungen ein und verlaufen so rasch, dass zuweilen vorher gar keine besonders auffälligen Krankbeitssymptome wahrzunehmen sind. So erfolgt bei den Perforativperitoniten in relativ sehr kurzer Zeit der tödtliche Ausgang, wobei lediglich die Erscheinungen der Sepsis zu constatiren sind. Die wichtigeren, der Bauchfellentzündung als solche angehangen Symptome sind im Allgemeinen folgende:
1. Schmer zaus serungen eröffnen meist in Form von leichteren oder schwereren Kolikanfällen das Krankheitsbild. Häufig sind dieselben im Anfang am heftigsten und lassen später nach oder zeigen Remissionen. So sahen wir z. B. bei traumatischer, vom Samenstrang ausgehender Peritonitis die Schmerzen rasch und sehr hochgradig auftreten und sich in Zähneknirschen, Stöhnen, Aechzen und Schnauben, Zähneblecken, Vergraben des Kopfes in der Streu, krampfliafter Streckung
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der Extremitäten, Einnahme halber Rückenlage, Vermeiden stärkerer Bewegungen, partiellem und allgemeinem Schweissausbrucli etc. äussern, während sie im weiteren Verlaufe an Intensität stetig abnahmen oder nach vorübergehenden Besserungen exacerbirten. In anderen Fällen sind die Unruheerscheimingen von Anfang bis zu Ende nur ganz leicht-gradig und beschränken sich auf öfteres Niederlegen und Stöhnen, seihst oft nur auf zeitweises Scharren, Umsehen nach dem Hinterleibe, Einziehen des Kreuzes, Schlagen gegen den Bauch, Schweifwedeln etc. In einzelnen Fällen endlich scheinen Schmerzäusserungen ganz fehlen zu können.
2. Das Fieber ist in der Hegel ein hochgradiges. Wir haben bei diffuser Peritonitis in den meisten Fällen Temperaturen von 41 bis 42quot; C. beobachtet; bei Perforativperitoniten kann das Fieber unter Frostschauder schnell sehr rasch ansteigen. Im Uebrigen ist die Höhe der Temperatur eine sehr unregelmässige, wie auch der Verlauf, und es kann von einer Aufstellung eines bestimmten Fiebertypus keine Rede sein. Meist ist der Fieberverlauf ein intermittirender oder re-mittirender. Bei schweren septischen Peritonitisformen kann sogar die Temperatur eine subnormale sein. Der Puls zeichnet sich fast immer durch eine auffallende, gar nicht im Verhältnisse zur Körpertemperatur stehende Beschleunigung aus, indem seine Frequenz nicht selten beim Pferd 80 Schlüge und darüber pro Minute beträgt und oft auf 130 steigt. Charakteristisch für die Peritonitis ist ferner der Umstand, dass der Puls in der Regel schon im Anfang klein und hart ist und mit Zunahme der Krankheit immer kleiner und zuletzt ganz unfühlhar wird. Die Arterie ist dabei sehr stark zusammengezogen und fühlt sich drahtförmig an. Mit der Beschleunigung und dem Kleinworden des Pulsos wird der Herzschlag mehr und mehr pochend. Die sichtlichen Schleimhäute, namentlich die des Kopfes, sind bald höher geröthet oder cyanotisch verfärbt, bald blass. Die Temperatur über die allgemeine Decke ist ungieichmässig ver-theilt, insbesondere sind die Extremitäten sehr kühl.
8, Der Hinterleib ist im Anfange zuweilen sehr stark aufgezogen und bei Druck auf die Bauch wand mehr oder weniger empfindlich, wobei die Thiere ausweichen, stöhnen u. s. w. In einzelnen Fällen findet man den Schmerz anfangs localisirt, während er sich später entsprechend dem Uebergang zur diffusen Peritonitis mehr ausbreitet; in schweren Füllen verschwindet derselbe mit Zunahme der Krankheit. Nicht selten lässt sich endlich Schmerz bei Druck auf die Bauchdecken gar nicht nachweisen, was sich aus der Filedberger u. FtOhner, Fathol. a, Therapie d. Hausthiero, I. Ed, 4. Aufl. 23
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354nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bauohfellentziiiidung'.
durch die Grosse des Pferdes im Verhiiltniss zu kleineren Thieren sehr erschwerten Palpation, sowie aus der Schwierigkeit der Untersuchung bei normal in der Bauchgegend schon sehr empfindlichen, kitzeligen Pferden leicht erklären lässt. Oft schon nach kurzem Bestehen der Krankheit macht sich ferner eine Volumsvermehrung des Hinterleibes bemerklich. Zunächst sind die Flanken in Folge von Gas-ansammlung in den paretischen Gedärmen meteoristisch aufgetrieben, wobei der Meteorismus einen ziemlich hohen Grad erreichen kann. Dann aber macht sich bei kleineren Hausthieren, seltener bei grösseren. entsprechend der Exsudatansammhmg auch eine Ausdehnung des Hinterleibes nach unten und seitwärts bemerklich, welche bezüglich des percutorischen und auscultatorischen Verhaltens dieselben Symptome erkennen lässt, wie sie später beim Ascites beschrieben werden. Die Darmperistaltik ist oft schon in den ersten Tagen der Krankheit, besonders aber im späteren Verlaufe vollständig unterdrückt (Darmlähmung auf Grund ödematöser Durchtränkung der Muskulatur), in Folge dessen der Kothabsatz verzögert oder ganz aufgehoben; dabei macht sich zuweilen starkes Drängen auf den Koth bemerkbar. Der Koth ist im Allgemeinen klein geballt und trocken, mit einer Kruste oder mit Schleim überzogen, und sammelt sich gern in grossen Mengen im Mastdarm an; doch können gegen das Ende auch ziemlich starke Diarrhöen auftreten. Was den Urinabsatz betrifft, so beobachtet man häufig einen gewissen Harndrang, der sicli in öfterem Anstellen der Thiere zum Uriniren äussert. Bei bestehender Pericystitis kann es dabei zu mehrtägiger Harnverhaltung (Parese des Detrusors) kommen, Ausserdem ist der Act des Harnabsetzens (wie auch der Act des Kothabsatzes) schon wegen der mit Schmerzen verbundenen Contraction der Bauchpresse für die Thiere sehr erschwert. Harn wird in der Regel wenig entleert; derselbe ist entsprechend dem längeren Hungern der Thiere meist sauer, von hohem specifischem Gewicht und meist eiweisshaltig. In einem Falle fanden wir gegen das tödtliche Ende zu im Harn grosse Mengen von Spaltpilzen. Bei Peritonitis nach Zerreissung des Mastdarms kann sich ausserdem ausgedehntes subcutanes Emphysem entwickeln (Fr i e dl) erg er).
4. Die Futteraufnahme kann je nach den Ursachen plötzlich sistiren oder sich allmählich vermindern; späterhin ist sie meist, wie auch die Wasseraufnahme, gänzlich aufgehoben. Aehnlich wie beim Menschen wurde sodann auch beim Pferde, wenn auch selten, Auf-stossen und Erbrechen beobachtet, was auf eine Affection der Magenserosa mit Parese der Schliessmuskulatur zurückzuführen ist.
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6. Die Atlimung ist in der Regel beschleunigt, bald kurz und oberflächlich, bald sehr tief und angestrengt und nicht selten bis zur hochgradigen Dyspnoe gesteigert. Die Ursachen der Dyspnoe sind in einer Zwerchfellparese in Folge Mitleidenschaft des peritonealen Ueber-zugs desselben, in llaumbeengung der Brusthöhle durch das Exsudat in der Bauchhöhle und die tympanitisch aufgetriebenen Gedärme, in der schmerzhaften Contraction des Zwerchfells und der Bauchpresse, sowie in Circulationsstörungen im Anschlüsse an die ungenügende Herzarbeit zu suchen. Die Athemfrequenz schwankt zwischen 20 70 und mehr Zügen pro Minute; der Athmungstyphus ist oft wegen Entlastung des Zwerchfells und der Bauchpresse ein rein pectoraler (auffallendes Heben und Senken der Rippen, starke Betheiligung der Zwischenrippenmuskeln). Bei Mitergriflensein des Zwerchfells soll auch Singultus, sowie stossende, den ganzen Körper erschütternde Respiration, ferner stärkere Empfindlichkeit längs der Insertionsstellen des Zwerchfells bei Palpation derselben beobachtet worden sein.
0. Das Allgemeinbefinden ist in der Regel schwer beeinträchtigt. Sind die Kolikzufälle verschwunden, so macht sich meist starke Apathie und Somnolenz, verbunden mit Hinfälligkeit, bemerklich. Die Thiere stehen vielfach mit gesenktem Kopfe oder an die umgebenden Wände etc. angelehnt da (ein von uns beobachtetes Pferd blieb bis zum Eintritte des Todes stellen), sind sehr theilnahms-los gegen ihre Umgebung, zeigen grosso Schwäche und Mattigkeit, Zittern, partielle Muskelzuckungen, sehr steife und gestreckte Haltung, sind schwer von der Stelle /u bringen und wiehern zuweilen einige Stunden vor dem letalen Ausgang. Wenn die Thiere einmal umgefallen sind, lässt das tödtliche Ende meist nicht mehr lange auf sich warten.
Verlauf. Der Verlauf der acuten Peritonitis ist in der Mehrzahl der Fälle ein ungünstiger. Die Todesursachen sind dabei vor Allem in Sepsis bezw. Intoxication, hochgradiger Herzschwäche und Herzlähmung, zuweilen auch in Erstickung zu suchen. Der Tod tritt häufig schon ziemlich früh ein, so besonders in allen Fällen von Per-forativperitonitis, wo zuweilen schon nach 12 Stunden, sowie durchschnittlich nach 2030 Stunden der Exitus letalis zu erwarten ist. Bei weniger stürmischem Verlaufe kann sich die Krankheit über 814 Tage erstrecken und wohl auch später in die chronische Form übergehen.
Acute Peritonitis beim Rinde. Die Angaben aller Beobachter stimmen darin überein, dass die Peritonitis beim Rinde häufig unter so wenig
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u h ar a k t e r i s t i s c li e n Sy m p t o m e n verläuft, dass sie oft nur sehr schwer zu erkennen ist. Vor Allem kann eine Ansammlung von Exsudat im Hinterleibe physikalisch nur ausnahmsweise nachgewiesen worden und auch die Palpation ruft nur selten Sclimerzäusserungen seitens des Thieres hervor. Dazu kommt, dass die für das Pferd so werthvolle Beschafi'enheit des Pulses beim Rinde wegen der grossen Unregelmässigkeiten, welche der Puls schon unter normalen Verhältnissen zeigt, weniger Bedeutung für die Diagnose besitzt, und dass auch das Symptom der Tympanitis bei seiner anderweitigen Häufigkeit von geringem Belange ist. Im Allgemeinen kommen als Erscheinungen in Betracht eine allgemeine Umfangsvermehrung des Bauches, dumpfe Sclimerzäusserungen, Empfindlichkeit bei Druck auf die Bauchwand, leichtes Zittern der Bauch wan düngen. Prostschauer, Verstopfung und Tympanitis, gehemmte Beweglichkeit der Thiere, steife Körperhaltung, Unwirksamkeit der stärksten Purgantien, frequenter und kleiner Puls. Die Dauer beträgt einige Tage bis einige Wochen; der Ausgang ist nicht selten tödtlich (Mortalität ca. 50 Proc).
Acute Peritonitis beim Hunde. Beim Hunde und den kleineren Haus-thioren überhaupt ist die Diagnose der Peritonitis wegen der Möglichkeit einer ausgiebigen Palpation leichter. Die Krankheit verläuft zuweilen mit Sclimerzäusserungen (Heulen, Stöhnen), Empfindlichkeit des Hinterleibes bei der Palpation, deutlich nachweisbarem Exsudate in der Bauchhöhle, Verstopfung , Meteorismus, Steifheit der Nachhand, Stöhnen beim Kothabsatz, Dyspnoö, Fieber. Bei Katzen beobachtet man zuweilen sehr starke Tympanitis.
Acute Peritonitis beim Geflügel. Die Bauchfellentzündung beim Geflügel entsteht im Anschlüsse an Perforation des Magens oder Darmes durch Fremdkörper, Ruptur des Eileiters, Parasiten in der Bauchhöhle (Echinor-rhynchen, Milben), Operationen (Castration) etc. Die Erscheinungen bestehen in Hinfälligkeit, Fieber, Appetitlosigkeit, Stöhnen beim Druck auf die Bauchwandung und lielm Kothabsatze.
Diagnose. Die Diagnose der acuten Peritonitis bei unseren Hausthieren ist nach dem Entwickelten, besonders bei den grösseren Thieren, oft sehr schwer, wenn nicht unmöglich. Gesichert ist sie bei dem Nachweise von Schmerzen im Hinterleihe mit Exsu-datansammlung in demselben. Das letztere Symptom kann allein vor einer Verwechslung mit Enteritis und Kolik schützen. Ein charakteristisches Symptom der acuten Peritonitis ist auch der sehr kleine Puls. Die durch die hohe Athmungs- und Pulsfrequenz bedingte Verwechslungsrnöglichkeit der Krankheit mit Pneumonie, Pleuritis oder Endocarditis ist bei einer genauen Untersuchung dieser Organe von keinem grösseren Belang. Ueber etwaige Verwechslungen des peritonitischen Exsudates mit anderen Zuständen vergl. das Capitel Differentialdiagnose beim As cites.
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Therapie. Die Behandlung der acuten Peritonitis ist theils eine locale, theils eine innerliche. Local kann die Entzündung des Bauchfells bekämpft werden durch die äusserliche Anwendung der Kälte
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in Form kalter Wicklungen, sowie Auflegen von Eisbeuteln bei kleinen Thieren auf die Bauchdecken. Die beim Menschen von Alters her übliche Einreibung von grauer Quecksilbersalbe auf die Baucli-decken kann bei unseren llausthieren wegen der gefährlichen Wirkung des Quecksilbers nicht allgemein, sondern nur bei Pferden und'Hunden angewendet werden. Dagegen können Einreibungen von Terpentinöl oder Senföl auch bei den Wiederkäuern vorgenommen werden. Sodann kann es sich bei bedeutender Exsudatansammlung um die operative Entfernung dieser Flüssigkeit mittelst der Function handeln. Bei eiteriger Peritonitis ist sogar die breite Eröffnung der Bauchhöhle mittelst Laparotomie gewöhnlich das ein/ige liettungsmittel. Im letzteren Falle muss nach der Entleerung des Exsudates eine desinfi-cirende Ausspülung der Bauchhöhle mit schwachen Salicyl- und Borsäurelösungen gemacht worden. Auch Einspritzungen von Lugol'scher Jodlösung sind zu diesem Zwecke vorgenommen worden. Die innerliche Behandlung bestand früher in der Verabreichung entzündungswidriger, stark purgirender Mittel (Brechweinstein, Salpeter, Glaubersalz). Da jedoch diese Mittel durch Beschleunigung und Vermehrung der Darmperistaltik die Peritonitis steigern, indem sie durch Ausbreitung des peritonitischen Exsudates über eine grössere Fläche auch die entzündungserregenden Stoffe weiter verbreiten, ist besonders in der Menschenmedicin vor diesen Mitteln gewarnt, worden. Am ehesten erlaubt ist noch das den Darm desinficirendc Calomel. Häufiger gibt man in der neueren Zeit zur Hintanhaltung der Darm-peristaltik das Opium in grösseren Dosen (Pferd 10,0, Rind 15,0, Hund 0,10,5 des Pulvers). Die dadurch noch gesteigerte Verstopfung kann durch gleichzeitige lauwarme Klystiere und Infusionen bekämpft werden. Bei starker Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle kann man diuretische (Digitalis, Scilia, Strophnnthus, Coffein, Fruct. Juniperi, Terpentinöl, Liquor Kalii acetici) oder speicheltreibende Mittel (Pilocarpin, Arecolin) anwenden. Soweit endlich die der Peritonitis zu Grunde liegenden Prhnärkrankheiten einer Behandlung zugänglich sind, müssen natürlich diese in erster Linie in Angriff genommen werden (Desinfection des Uterus, der Blase bei Metritis, Cystitis; Herniotomie bei eingeklemmtem Bruche, Eröffnung von Abscessen). Bei hochgradigen Schwächezuständen und zur Bekämpfung des Fiebers sind subeutane Campherinjectionen am Platze.
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Chronische BauchfellentzUnduii!;. Chronische Peritonitis.
Literatur. Rfnaui.t, Rec, 1835. Oanu, Mim, de la soc. du Calvados, Bd. Ü. STEINER, Mag., 1836. S. 253. Wörz, Hep., 1839. S. 178; 1842. S. 202. Olivier, Mec, 1840. Röu., (gt;. V. S,, 1853. S. 45. - Goubaux, Rec., 1858. 'Werner, Pr. M., 1869/70. v. Ow, li. th. M., 1869. LWUJRER, Path, compare, 1875. - Fhied-berobh. M. J. 11., 1877/78. S. 81. Dk Brüin, Holl. '/.., 1885. Priebbl, H. A., 1889. S, 299. Schaumkkli,, B. th. W., 1893. S. 167. Rödeh, S. ./. B., 1893. S. 121. Labat, Revue vit., 1894. S. 307. DOPHEIDE, B. th. W., 1895. S. 389.
Aetiologie. Eine ausgebreitete chronische Peritonitis ist viel seltener als die acute. Am häufigsten konirat sie noch beim Rinde vor. Sie kann sich sowohl aus der acuten entwickeln, als iiuch von Anfang an selbststiindig auftreten. Die Ursachen für den letzteren Fall sind ziemlich dunkel. Beim Rinde kommen besonders von der Haube gegen die Bauchhöhle vordringende Fremdkörper, beim Hunde häufige zur Heilung des Ascites vorgenommene Punctionen, bei allen Thieren sodann chronische entzündliche Processe der vom Peritoneum überzogenen Organe (Uterus, Niere, Leber) in Betracht. Endlich gibt es eine chronische tuberkulöse, sarkomatöse und carcinomatöse Peritonitis als Theilerscheinung der Tuberkulose (Rind und Schwein), der Sarkomatose (Pferd) und des generalisirten Krebses.
Sectionsbefund. Die anatomischen Veränderungen beschränken sich bei der chronischen Peritonitis häufig nur auf umschriebene Stellen (Perihepatitis, Perimetritis) und bestehen in der Hauptsache in einer allmählich zunehmenden entzündlichen Wucherung des peritonealen Bindegewebes, welche oft zu ganz beträchtlichen Verdickungen des Bauchfells und zur Bildung von förmlichen binde-gewebigen Kapseln um einzelne Organe, ja selbst zu stellenweisen sehnigen, schwieligen, knorpel- und knochenartigen Auflagerungen führt. Gleichzeitig entstehen dabei Verwachsungen der Organe unter einander und mit der Bauchwand, welche Schrumpfungen, Com-pressionen, Zerrungen etc. derselben nach sich ziehen. Bei dieser deformirenden Peritonitis, welche in schönster Weise beim Schweine zu beobachten ist, verwachsen die Darmschlingen mit einander zu knäuelartigen Convoluten, deren Zwischenräume häufig mit einer eiterigen, gelatinösen, ölähnlichen, später sodann verkäsenden oder ver-kreidenden Exsudatmasse ausgefüllt sind. Chronische Peritonitis mit reichlichem flüssigem Exsudate ist selten; man findet sie z. B. bei sarkomatöser Peritonitis des Pferdes.
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Bauchwassersucht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 359
Symptome. Die Erscheinungen der chronischen Bauchfellent-y.ündung sind im Allgemeinen die der acuten, bloss in viel leichterem Grade; aus diesem Grunde ist die Erkennung der Krankheit auch viel schwerer als die der acuten Peritonitis, sofern sie sich nicht an letztere anschliesst. Der Verlauf ist ein sehr schleichender. Beim Kinde fehlen gewöhnlich die Symptome der Kolik und der Schmerz-ilusserung bei der Palpation, und es bleibt oft als einziges charakteristisches Kennzeichen die trotz der unterdrückten Fresslust und bestehenden Diarrhöe täglich zunehmende Umfangsvermehrung des Hinterleibes, zu der sich später ödematöse Anschwellungen der unteren Bauchgegend gesellen können. Ganz dieselben Erscheinungen beobachtet man zuweilen beim Pferde, bei welchem ausser den beschriebenen Symptomen noch intermittirende, aber nur kurz andauernde Kolikzufälle nebst stärkerer Empfindlichkeit in den Flanken, sowie frequenter und dabei kleiner Puls nebst mittelhochgradigem Fieber zu beobachten sind. Beim Hunde ist die Unterscheidung einer chronischen Bauchfellentzündung vom Ascites immer sehr schwer und nicht selten ganz unmöglich.
Therapie, Die Behandlung der chronischen Peritonitis deckt sich in Manchem mit der des Ascites, indem bei bedeutender Exsudatansammlung die diuretischen und laxirenden Mittel neben der Function anzuwenden sind. Im Anfanglaquo; der Krankheit und bei mehr trockenem Exsudate empfehlen sich warme Wicklungen des Hinterleibes in Form von Priessnitz'schen Umschlägen, sowie innerlich die Verabreichung von Jodsalzen (Jodkalium, Jodeisen). Die Ausspülung der Bauchhöhle mit Jodlösungen im Anschlüsse an die Function ist bei kleinen Thieren ebenfalls zu empfehlen. Wir verwenden hiezu gewöhnlich die verdünnte Lugol'sche Lösung in der Form: Rp. Jodi puri 1,0; Kalii jodati 6,0; Arpiae destilhvtae 500,0.
Biuicliwassersucht. Ascites.
Literatur. Glicht, Joum. pvat. de mid, rtt., 1827. Landel, Rep., 1841. S. 116. Hoehdt, Tbld., 1843. S. 271. Oürdt, Mag., 1846. S. 97. Oart-wkiqht, The Vet., 1840. Woodobr, Md. Field, /ftW., 1847.Bberhardt. jVo^., 1849. 8. 170. -A. de Brux., 1849. Mkokk, Vr. M 1858/54. S. 115. SacöHEBO, Qiorn, di vet., 1857. PlLLWAX, Oe. V. S., 1800. 1862. Saint-ÖVR, J. de Lyon, 1863. 1866. Suis, J.du Midi, 1860. - Ai.emany, Ibid., 1867. Köhnk, Mag., 1870. Cunningham, The Vet., 1872. SlBDAMGROTZKY, S, J. li., 1872. S. 67. Puikdbkkger, M. ./. li., 1877. S. 100. UM. vet., Napoli 1880. Hof. Thrzt., 1881. S. 55. Jensen, Rep., 1880. S. 316. Dki.vos, W.f. Th., 1881. S. 289. Summer, 1). '/.. f. Th,, 1885. S. 63. BnusASKo, Tl mcd. vet., 1880. Zahn, H. th. M., 1887. S. 158 f. Cornevin,
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Bauchwassersucht.
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J. de Lyoti, 1887. Müli.eh, S, J. 11, 1888. 8. $amp;, Zeitoohr. f. Vet., 1889. S. 211. Brunkt, A. de Brux., 1890. Fhat, liec, 1891. 'Wallev, J. of comp., IV. S. 358. Kockmann, Ibid., V. S. 876. öiuv, Ibid., VI. S. 375. Cadiot, Hull, soc. centr., 1893. HambüROBH, lgt;. X. f. I'h., 1894. 8. 113.
Allgemeines. Die Bauchwassersucht stellt eine Ansammlung von Transsudat in der Bauchhöhle auf nicht entzündlicher Grundlage dar, welche bei allen unseren Hausthieren inclusive des Geflügels vorkommt. Am häufigsten findet man ausgesprochene Bauchwassersucht beim Hund, und zwar besonders bei sehr jungen und sehr alten Thieren. Unter 70,000 dem Berliner flundespitale zugeführten kranken Hunden befanden sich 318 Fälle von Ascites (0,5 0/o aller Fälle). Ausserdem kommt sie nicht selten vor beim Schaf, Bind und bei der Ziege. Am seltensten kommt sie unzweifelhaft beim Pferde vor, bei dem z. B. Woodger sie in 22 Jahren nur einmal gesehen haben will. Auch Avir haben im Vergleiche zu anderen Krankheiten nicht allzu viel Fälle von Ascites beim Pferde beobachtet. Die Ursache dieser Ausnahmestellung wird wohl zum Theil in der ausgiebigen Bewegung des Pferdes in Verbindung mit rationeller, geregelter Fütterung zu suchen sein, indem hiedurch jede Blutstauung und die sich anschliessende Transsudatinn thunlichst vermieden wird.
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Aetiologie und Pathogenese. Die Bauchwassersucht ist keine einheitliche, selbstständige Krankheit, sie bildet vielmehr nur ein Symptom verschiedener anderer Grundleiden. In diesem Sinne sind als Ursachen des Ascites folgende zu nennen:
I. Chronische Krankheiten des Herzens, der Lunge, der Nieren, der Pfortader, der Gekrösdrüsen, welche theils allgemeine (Herz, Lunge, Nieren), theils beschränkte (Leber, Pfortader, Gekrösdrüsen) Kreislaufstörungen, insbesondere Stauung des Venenblutes resp. der Lymphe mit Transsudation zur Folge haben; sog. Stauungsascites.
1.nbsp; nbsp;Von Herzkrankheiten gehören hieher: alte, nicht genügend compensirte Klappenfehler; chronische Pericarditis und Epicarditis mit massenhafter seröser Exsudation oder Verwachsung des Herzbeutels mit dem Herzen (Zottenherz); Hydropericardium;
2.nbsp; nbsp;von Lungenkrankheiten: Lungenemphysem, interstitielle Processe mit consecutiver Sklerose und Verödung (Tuberkulose);
B. von Nierenkrankheiten: interstitielle Nephritis (Morbus Brightii); degenerative Processe;
4. von Leberkrankheiten: vor Allem die zu Lebercirrhose
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Bauchwassersucht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ;U) l
führende interstitielle Hepatitis (z. B. bei der Leberegelseuche, Echinokokkenkrankheit) ; Leberadenome etc.;
5. von Pfortaderkrankh eiten: Compression der Pfortader durch Geschwülsto, Pfortaderthrombose etc.;
ti. von Gekrösdrüsenkrunkheiten: käsige Entartung und Atrophie, z. B. bei der Darrsucht der Fohlen.
In allen den genannten Krankheiten ist der Abfiuss des Blutes aus Capillaren und Venen, bezw. der Abfiuss der Lymphe gehemmt, es tritt Stauung mit Erhöhung des intravasculilren Druckes ein, wozu sich in Folge der durch die Stauung hervorgerufenen Ernährungsstörung des Gefässendothels eine vermehrte Durchlässigkeit der Gefässwan-dungen gesellt, Verhältnisse, welche den Austritt von Blutflüssigkeit aus den Gefässen wohl erklärlich machen. Bei Stauungen im Gebiete des Pfortaderkreislaufes werden speciell die Capillaren und Venen des Bauchfells, die Anfänge des Pfortaderkreislaufes, betroffen.
II.nbsp; nbsp;Ilydrämie, d. h. Vermehrung des Wassergehaltes des Blutes und Verminderung der festen Bestandtheile, besonders des Eiweisses, sog. hydrämischer oder kachek-tischer Ascites. Die Hydriimie kann entweder primär oder seeun-där nach schweren und langwierigen, stark consumirenden Krankheiten auftreten, so besonders beim Schaf und Rind (sog. Fäule, Cachexia aquosa; Wurmkrankheiten, Cachexia verminosa, etc.). Die Transsudation ist liier die Folge einer Alteration der Gefässwände; neben Ascites ist auch Brust-, Herzbeutel- und Hautwassersucht vorhanden.
III.nbsp; nbsp;Carcinomatöse, sarkomatöse, tuberkulöse Neubildungen des Peritoneums, sowie abgelaufene Bauchfellentzündungen werden endlich ebenfalls als Ursachen des Ascites angenommen. Es dürfte sich indess hier mehr um exsudative als um transsudative Processe, also um eine chronische Peritonitis handeln (vergleiche diese), wenngleich das Vorkommen einer wirklichen Bauchwassersucht auf Grund der genannten Veränderungen nicht geleugnet werden kann. Dass übrigens Ascites und chronische Peritonitis keineswegs immer leicht zu trennen sind, darf nicht vergessen werden. Im vorgeschrittenen Stadium der Perlsucht bei alten Kühen glauben wir mehrmals eine durch die Tuberkelknoten bedingte Bauchwassersucht constatirt zu haben, da entzündliche Veränderungen am Bauchfell fehlten. Umgekehrt vermissten wir indess bei einem 10jährigen Hunde mit einer nahezu über alle Organe ausgebreiteten Carcinomatöse, bei der namentlich das Bauchfell sehr stark betroffen war, jede Spur von Ascites.
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Bauulnvassorsucht.
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Anatomischer Befund. Die in der Bauchhöhle angesammelte Flüssigkeit kann beim Pferde bis zu 15ü Liter und darüber betragen. Bei einem Pferde entleerte beispielsweise Brusasco in 8 Stunden 170 Liter Flüssigkeit; bei einem anderen Pferde wurden innerhalb 4 Stunden 132 Liter entleert. Beim Hunde zapfte Hördt 18 Liter Transsudat ab. Dasselbe ist dem Blutserum ganz und gar ähnlich, bald klar und schwach gelblich gefärbt, hald opalescirend und leicht getrübt, grüngelb durch darin suspendirte fettig de-generirto Epitbelien, bald durch beigemengte rothe Blutkörperchen, namentlich beim Hund, röthlich verfärbt, mitunter auch von Fibrinflocken durchsetzt. Der Eiweissgehalt ist meist ein geringer, wir fanden ihn beim Hunde gleich 3,5 Proc.; dementsprocliend ist auch das specifische Gewicht ein niedriges (beim Menschen 1012, bei einem Pferde constatirten wir ebenfalls 1012). Das Bauchfell ist oft nur stärker durchfeuchtet, bei längerer Dauer des Ascites wird es in Folge Aufquellung. Verfettung und Desquamation der Endothelzellen, sowie einer vermehrten Neubildung derselben weisslich getrübt und verdickt. Ausserdem macht sich nach Ziegler noch eine formative Reizung des Gewebes in der Art geltend, class es zur massigen klein-zelligen Infiltration des Bindegewebes und bei längerer Dauer des Processes selbst zur Bindegewebsneubildung und zu erheblicheren Verdickungen der Serosa, sowie zu stellenweisen Verwachsungen der Bauchfellblätter kommt. Unter der Einwirkung des längere Zeit angehäuften massigen Ergusses erscheinen sodann die verschiedenen Organe der Bauchhöhle blass, anämisch, ja selbst atrophisch. Die Gedärme sind häufig contrahirt, das Zwerchfell erschlafft und stark nach vorne gedrängt, wodurch der Brustraura verengert und die Lunge mehr oder weniger coraprimirt wird. Endlich findet man theils Veränderungen, welche die Ursache, theils solche, welche die Folge des Ascites sind (Veränderungen des Herzens, der Lungen, der Leber etc.; Anämie, Hydrämie, Abmagerung).
Ascites Chylosus. Derselbe entsteht nach Zerreissung grüsserer Chylus-gefässe und Beimengung dos Chylus zum Transsudat, welches in Folge dessen eine milchartige Beschaffenheit zeigt. Einen Fall bei der Katze hat Gray beschrieben.
Symptome. Die Erscheinungen des hochgradigen Ascites bestehen :
1. In einer allmählich, seltener rasch auftretenden Umfangs-vermehrung des Hinterleibes; und zwar in naturgemässer Weise nach ab- und seitwärts, mit Einfallen der Flanken und Senkung des
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ßauclnvassoi'suolit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3615
Uückens. Bei kleineren Thieren wird zuweilen besonders die Nabelgegend stark hervorgewölbt; im Allgemeinen wird die Buuchwand, so beim Hund, Schaf (hauptsächlich bei geschorenen), Rind und bei der Katze, namentlich direct hinter den Rippen wulstartig vorgedrängt. Dabei treten auch die Spitzen der Dornfortsätze auffallend scharf hervor und erzeugen in Verbindung mit dem Hängebauche, dem Senkrücken, den eingefallenen Flanken, der allgemeinen Abmagerung einen für Ascites geradezu charakteristischen Habitus.
2.nbsp; Die Palpation der oben schlaffen, unten mehr oder weniger stark angespannten Bauchdecken erzeugt das Gefühl der Fluctuation. Legt man nämlich an einer Seite der Bauchwand die Hand an und drückt mit der anderen Hand in kurzen, stossweisen Absätzen an der entgegengesetzten Seite, oder lässt hier bei grösseren Thieren durch einen Gehilfen mit beiden Händen drücken, so fühlt man schwappende, wellenförmige Bewegungen. Dasselbe Gefühl erhält man, wenn man bei stärkeren Transsudatansammlungeu der grossen Hausthiere vom Mastdarm aus palpirt. Legt man an die Bauchdecken statt der per-eipirenden Hand ein Ohr auf, so hört man das Anschlagen der bewegten Flüssigkeiten in der Art eines plätschernden Geräusches einer an der Bauchwand sich brechenden Welle. Bei kleineren Thieren kann man dasselbe durch Schütteln erzeugen. In beiden Fällen hat man sich zu hüten, einen reichlichen, flüssigen Magen- und Darminbalt mit Ascites zu verwechseln.
3.nbsp; nbsp;Die Percussion ergibt im Bereiche der Flüssigkeitsansammlung einen dumpfen (leeren) Schall, sofern bei dünneren Schichten nicht zu stark percutirt und durch zu tiefes Eindrücken des Plessi-meters die Flüssigkeit verdrängt wird. Dieser dumpfe Schall findet sich sonach in den unteren Partien der Buuchwand, grenzt sich nach oben horizontal ab und geht hier meistens in einen tympanitischen Darmton über. Von grösster Wichtigkeit ist dabei die Veränderung des dumpfen Percussionsschalles je nach der Lagerung des T hie res. Hebt man kleinere Thiere an den Vorderfüssen auf und setzt sie auf das Hintertheil, so fällt die ungewöhnliche Hervorwölbung der tiefsten Stelle des Hinterleibes direct über der Symphyse und der diesem abhängigsten Theile der Bauchhöhle entsprechende dumpfe, nach oben horizontal abgegrenzte Percussionsschall sofort auf. Das Umgekehrte ist der Fall, wenn man die Thiere mit dem Hintertheil in die Höhe richtet. Hiebei sammelt sich die Flüssigkeit, über dem Zwerchfell an, der dumpfe Schall beginnt am Schaufelknorpel. Da durch den Druck des Transsudates auf das Zwerchfell die Athmung
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Bauchwassersucht.
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sehr beeinträchtigt, ja zuweilen tlyspnoisch wird, suchen sicli die Thiere der letzteren Stellung ängstlich zu entziehen.
4.nbsp; nbsp;Die Athmung ist in Folge der Verschiebung des Zwerchfells nach vorn, sowie durch die verminderte Contractionsfähigkeit der ausgedehnten, erschlafften Bauchpresse beschleunigt und erschwert und geht unter starker Betheiligung der accessorischen Muskeln, namentlich der Rippenheber, vor sich; in höheren Graden ist sie dys-pnoisch, pumpend, von lebhaftem Spiel der Nasenflügel beim Pferde begleitet.
5.nbsp; nbsp;Fieber fehlt, sofern es nicht durch Complicationen seitens des Grundleidens hervorgerufen wird. Der Puls ist meist beschleunigt, wird immer kleiner, zuletzt wohl auch fadenförmig; der Herzschlag ist leicht erregbar und später pochend. Die Schleimhäute sind blass, die Conjunctiva ist bei Schafen wässerig inilltrirt und auch die Haut sehr bleich. Das Haarkleid ist glanzlos und struppig, die extremitalen Theile fühlen sich kühl an. Hunde nehmen vorwiegend sitzende Stellungen mit weit gestellten Vorderfüssen ein, bewegen sich sehr ungern, ermüden leicht und liegen erst bei hochgradiger Schwäche beständig, wobei sich häutig Decubitus, sowie in Folge einer Parese des Sphincter vesicae unwillkürlicher Harnabsatz einstellt.
(j. Im weiteren Verlaufe kommt es zu einer allmählichen Verminderung der Fresslust, sowie des Wiederkauens und der Wanstbewegung. Der Appetit, welcher bei Hunden oft Lange Zeit hindurch gar nicht gestört ist, wird wählerisch, die Thiere erbrechen sich wohl auch zuweilen. Der Kothabsatz ist abwechslungsweise verzögert und diarrhoisch; mitunter besteht Meteorismus; der Harnabsatz soll anfangs vermehrt, später jedoch vermindert sein. Die Milchsecretion nimmt allmählich ab und es treten mehr und mehr die Zeichen einer allgemeinen chronischen Ernährungsstörung auf.
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Verlauf. Derselbe ist ein chronischer, Monate und selbst Jahre dauernder. Die Körperconsumption schreitet fort, es zeigen sich Erscheinungen von Anasarka am Schlauch bezw. an der Vorhaut, am Euter, Unterbauch, Schenkel, theils in Folge Druckes von Seiten des Transsudates auf die Venen, theils in Folge allgemeiner sich allmählich entwickelnder Wassersucht. Die Thiere werden immer matter und elender und vermögen sich zuletzt nicht mehr zu erheben, die Augen liegen tief in ihren Höhlen, Dyspnoi1 und Decubitus nehmen überhand, es stellen sich profuse Diarrhöen (beim Rinde
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Bauchwassersucht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,'{ß5
zuweilen auch ßreclibi'wegungen und Erbrechen) ein, und sobliesslloh erfolgt der Tod durch Lungen- oder Herzlähmung oder allgemeinen Marasmus,
Diagnose und Differentialdiagnose. Die Diagnose de.s As-cites gründet .sich auf die Ergebnisse der Adspection, Palpation, Percussion und Auscultation; zur vollständigen Sicherstellung kann besonders beim Hunde noch eine Probepunction vorgenommen werden. Die letztere sichert die Diagnose auch in den Füllen von geringerer Ansammlung des Transsudates, bei welcher eine Diagnosticirung immer sehr schwer und besonders bei grösseren Hausthieren oft geradezu unmöglich ist. Die Erkennung eines Ascites ist bei kleineren Thieren überhaupt viel leichter, weil die Untersuchung ungehinderter und ausführlicher vorgenommen werden kann.
Schwieriger als die Feststellung des Ascites ist immer die E r-forschung der eigentlichen Ursache desselben, obgleich letztere für Therapie wie für Prognose von der grössten Bedeutung wäre. Am leichtesten lilsst sich noch die allgemeine Wassersucht als Grundlage des Ascites bei nebenher bestehender Haut- und Unterhautzell-gewebswassersucht. sowie ausgebreitetem Höhlenhydrops ermitteln. Schwieriger schon ist die Erkennung bestimmter Herz- und Lungenkrankheiten (siehe die betreffenden Capitel) und besonders der inter-stitiellen, chronischen Hepatitis, welche sehr häufig die Ursache des Ascites ist, aber wegen der gewöhnlich nicht nachzuweisenden Verkleinerung der Leber und des Fehlens anderer charakteristischer Symptome, so des Ikterus, schwer zu diagnosticiren ist. Am ehesten lässt sich noch eine Vergrösserung der Leber mit auffallenden Veränderungen an der Oberfläche, z. B. die Echinokokkenkrankheit, durch Palpation als Ursache der Bauchwassersucht erkennen. Die Angabe, dass bei Leberkrankheiten der Harn Gallenfarbstoff enthalte und dies für die Diagnose sehr wichtig sei, ist ganz hinfällig, da einerseits beim Hund Gallenfarbstotfe auch bei den geringsten Magendarmkatarrhen etc. ausserordentlich häufig im Harne auftreten, andererseits bei intensiven Leberdegenerationen, z. B. bei der Leberegelseuche, diese Farbstoffe gewöhnlich fehlen. Beim Hunde ist die Erforschung der Grundursache zuweilen noch dadurch erschwert, dass eine Complication zweier Krankheiten, z. B. ein Klappenfehler und eine Leber-cirrhose, vorliegt. Endlich lassen sich Neubildungen des Peri-toneums in den seltensten Fällen mit Sicherheit durch Palpation feststellen.
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^(jljnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Bnucliwasscrsucht.
Von Krankheiten, mit denen der Ascites verwechselt werden kann, kommen in Betracht:
1.nbsp; nbsp;Peritonitis; dieselbe verläuft jedoch mit Fieber, schwerer Störung des Allgemeinbefindens, Schmerzäusserungen, Schraerzhaftig-keit bei der Palpation; das specifische Gewicht der peritonitischen Flüssigkeit (durch Probepunction erhalten) ist ferner höher.
2.nbsp; nbsp;Trächtigkeit; kann durch manuelle Untersuchung leicht als solche erkannt werden; ausserdem ist das Wohlbefinden der Thiere dabei trotz maximaler Ausdehnung des Hinterleibes nicht gestört und der Bauch mehr nach einer Seite hin erweitert.
8. Fettsucht; kann besonders bei älteren Hunden, wenn sie noch mit einem Klappenfehler und ausgesprochener Kurzathmigkeit verbunden ist, Anlass zur Verwechslung geben. Die Unterscheidung gründet sich auf Auscultation und Probepunction (Adspection und Palpation lassen zuweilen im Stich).
4.nbsp; nbsp;Hydrometra, Pyometra, Wassersucht der Eihäute (besonders bei Kühen), cystoide Entartungen der Eierstöcke, Bauchcysten, Überhaupt abnorm grosse Geschwülste der Bauchhöhle (Cunningham fand bei einem 2jährigen Fohlen eine 230 Pfund schwere Neubildung), Cystennieren lassen sich theils durch die Untersuchung vom Mastdarm und der Scheide aus, theils durch die Probepunction, theils durch Stabilität bei Palpation und Percussion in verschiedenen Lagen erkennen. Während sich z. B. das Percussionsresultat bei Ascites in der Rückenlage oder bei aufrechter Stellung wesentlich ändert, bleibt es bei Bauchcysten, Eierstockscystomen etc. dasselbe. Audi eine abnorme Kothansammlung im Darm kann in Betracht kommen.
5.nbsp; nbsp;Blasenlähmung mit abnormer Füllung der Blase; die Palpation weist hier eine kugelige, schwappende Geschwulst in der Blasengegend, die Percussion eine unveränderliche Lage derselben nach. Ausserdem sichern die Störungen im Harnabsatze, der Katheter, die Probepunction eine Diagnose.
6.nbsp; nbsp;Ruptur der Harnblase mit Ansammlung des Harns in der Bauchhöhle; dieselbe kommt am häufigsten beim Ochsen nach Einklemmung von Harnsteinen in der Harnröhre vor und lässt sich aus den vorausgegangenen Kolikerscheinungen, dem fehlenden Urinabsatz bei leerer Blase, der urinösen Hautausdünstung, dem Fieber sowie den Collapserscheinungen erkennen.
Prognose. Die Prognose der Bauchwassersucht ist insofern eine ungünstige, als die anatomischen Veränderungen in den Organen.
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Bauchwassersucht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3(}7
welche die eigentliche Ursache des Ascites sind, in der Regel nicht mehr beseitigt werden können, und gewöhnlich bereits Veränderungen in der Blutbeschaffenheit (Hydriimio) eingetreten sind, ehe die Thiere in ärztliche Behandlung gelangen. Wir können nach unseren Erfahrungen die Prognose bei jungen Hunden noch am relativ günstigsten bezeichnen, ja wir haben hier in einigen Fällen den Ascites spontan verschwinden gesehen. Bei älteren Thieren ist meist nur vorübergehende Besserung, selten dagegen dauernde Heilung zu erzielen. Die Prognose der chronischen Peritonitis, mit der die Bauchwassersucht gewiss schon oft, besonders bei Pferden, verwechselt wurde, ist eine günstigere.
Behandlung. Eine Behandlung des Ascites würde in erster Linie die Beseitigung der zu Grunde liegenden Herz-, Lungen-, Leberkrankheiten erfordern. Da dieselbe jedoch meist ausser dem Bereiche der ärztlichen Kunst steht, muss sich die Behandlung neben Regelung der Diät (eiweissreiche Nahrung) auf die möglichste Beseitigung der Flüssig-keitsansammlung in der Bauchhöhle beschränken. Am gebräuchlichsten ist hiebei die Anwendung der Diuretica und Drastica; auch Sia-lagoga und Diaphoretica sind zu versuchen. Von harntreibenden Mitteln empfehlen sich besonders die Digitalis in Verbindung mit Wacholderbeeren und essigsaurem Kalium, z. B. für Hunde in folgender Form: Rp. Infus. Folior. Digital. 1,0:150,0; Liquor. Kalii acetici, Succ. Junip. inspissat. ää 10,0; täglich 12 Esslöflfel voll. Ausserdem sind gute Diuretica Bulbus Scillae, das Diuretin (Hunden 2stündlich 0,51,0), das C of fein (Hunden in Form des Coffe'inum natrio-benzoicum zu 0,5 2,0, Pferden zu 510,0), die Tinctura Strophanthi (Hunden 1025 gutt., Pferden ebensoviel Gramm innerlich), Calomel (Hunden Smal täglich 0,050,1), Die drastischen Mittel stehen den diuretischen insofern nach, als sie bei längerer Anwendung den Organismus zu sehr schwächen; man hat bei Hunden besonders Gutti, Crotonöl und Jalappenharz angewandt. Bei sämmtlichen Hausthieren wäre sodann das Pilocarpin und Are-colin als speicheltreibendes Mittel zu versuchen. Man gibt dasselbe in kleineren Dosen (bei Herzkrankheiten Vorsicht!), und zwar das Pilocarpin Pferden subcutan zu 0,2, Rindern zu 0,;?, Hunden zu 0,01, das Arecolin Pferden zu 0,08. Die früher übliche und in einzelnen Fällen wohl auch von Erfolg begleitete Verabreichung von Sublimat bei Hunden (0,1-1,0 !) ist zu verwerfen.
Was endlich die l'unction des Ascites betrifft, so ist dieselbe
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Bauchwassomiclit.
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angezeigt und dringend nöthig in allen den Fällen, in welchen das Transsudat durch seine Massigkeit das Zwerchfell zu stark nach vorne drängt und zu hochgradiger Dyspnoc und Erstickungsgefahr führt. In allen anderen Fällen ist die Function zwecklos, da bei der fortbestehenden Stauungsursache der Hinterleib sich bald wieder anfüllt und dem Thier durch das Anzapfen sehr viel Körpereiweiss entzogen wird. Auch muss dabei darauf aufmerksam gemacht werden, dass bei älteren Hunden der scheinbar ungefährliche operative Act der Function zuweilen den plötzlichen Tod nach sich ziehen kann, wenn sich nämlich die Thiere bei der Operation sehr aufregen und widersetzen (Herzshok). Auch bei zu raschem Ausfliessenlassen der ascitischen Flüssigkeit kann Ohnmacht und selbst Gehirnlähmung eintreten. Am meisten noch ist von der Function bei jungen Hunden zu erwarten; wir haben bei denselben schon öfters Heilung nach einmaliger Einführung des Troikarts beobachtet. Die von verschiedenen Seiten empfohlene Einspritzung von Lugol'scher Jodlösung in die Bauchhöhle nach der Function dürfte wohl nur bei chronischen Feritoniten und bei Ascites in Folge von Degeneration des Bauchfells von Nutzen sein.
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Krankheiten der Milz.
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Literatur. Rodet, li'ec, 182i. Crv/.kl, Journ. theoret. et pmt., 1832. Riss, Millot, llec, 1833.Leblanq, t/oMm, i/iroret. et prat., 1834. Woddgku, l'/ie Vet., 1841. Stevens, A. de lirux., 1842. Boui.ky, Reo., 1844. Mottet, Ibid., 1857.
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Allgemeines. Obgleich, wie aus vorstehendem Literaturverzeichnisse hervorgeht, die Erkrankungen der Milz nicht zu den Seltenheiten gehören, besitzen sie doch im Allgemeinen für die specielle Pathologie und Therapie nur wenig Interesse. Denn mit ganz wenigen Ausnahmen lassen sie sich während des Lebens nicht tliagnosticiren und sind daher für gewöhnlich nur Gegenstand der pathologischen Anatomie, auf deren Lehrbücher hiomit verwiesen wird. Ausserdem sind die pathologischen Veränderungen der Milz grösstentheils seeun-düre Processe, Theilerscheinungen der Infectionskrankheiten, Blut-
Friedborgo r laquo;. Kriiliner, Patliol. u, Tliorapio d, HftUSthlere. T. Bd. 4. Aufl. 24
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Milzkrankheiten.
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anomalien und sonstigen Krankheiten, die wir au anderer Stelle besprechen (Pyämie, Milzbrand, Leukämie). Endlich gehört ein grosser Theil der Milzkrankheiten in das Gebiet der Chirurgie (traumatische Affectionen der Milz). Lediglich der Vollständigkeit halber und um zu zeigen, welch geringe practische Bedeutung den Milzkrankheiten zukommt selbst die klinischen Lehrbücher in der humanen Medicin lassen sie meist unbesprochen sollen im Nachfolgenden die drei häufigsten Milzkrankheiten kurz abgehandelt werden. Es ist dies
1.nbsp; nbsp;die Milzhyperämie,
2.nbsp; nbsp;die Milzentzündung,
3.nbsp; nbsp;die Milzruptur.
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Milzhyperämie. Eine active oder congestive Milzhyperämie (acuter Milztumor) findet man secundär bei den meisten infectiöseu Allgemeinerkrankungen, insbesondere bei allen Septikämien (Milzbrand, Sepsis, Pyämie, Stäbchenrothlauf der Schweine etc.). Primäre Milzcongestionen sollen bei Magenüberladung sowie bei raschem Ueber-gang von spärlicher zu reichlicher Nahrung (acute Plethora) entstehen. Die acute Milzhyperämie kann im weiteren Verlaufe zu Zerreissung, Entzündung und Hyperplasie der Milz führen. Klinisch ist sie cha-rakterisirt durch eine Vergrösserung, Anschwellung der Milz. Die letztere lässt sich jedoch durch Palpation und Percussion für gewöhnlich nicht nachweisen, so dass der acute Milztumor in der Regel nicht sicher diagnosticirt, sondern in Berücksichtigung des Allgemeinleidens nur vermufchet werden kann. Eine passive Hyperämie der Milz (chronischer M i 1 z t u m o r) entsteht bei allen Circulations-störungen, welche die Entleerung der Milzvene behindern, also bei chronischen Krankheiten der Leber, des Herzens und der Lunge. Sie führt bei längerer Dauer zur bindegewebigen Induration.
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Milzentzündung. Ihre Ursachen bestehen am häufigsten in traumatischen Insulten, in Verwundung von aussen oder innen her, in Druck, Stoss, Quetschung, Erschütterung etc. der Milz. Ausserdem ist die Milzentzündung eine Theilerscheinung der Pyämie, auch kann sie sich im Anschlüsse an einen acuten Milztumor entwickeln. Endlich greift zuweilen der entzündliche Process von benachbarten Organen (Magen, Leber) auf die Milz über. Anatomisch unterscheidet man die einfache Splenitis, welche durch starke Schwellung und Vergrösserung der Milz, graue Farbe der Pulpa, sowie zellige Infiltration der letzteren ausgezeichnet ist, den Milzabscess oder die eiterige
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Milzkrankheiten,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;371
Milzentzündung, welche gewöhnlich traumatischen oder pyilmi.sehen (metastatischen) Ursprungs ist und entweder einfach oder multipel auftreten kann. Die herdförmigen Milzabscesse werden entweder abgekapselt oder sie brechen in die Bauchhöhle durch. Endlich unterscheidet man als dritte Form der Milzentzündung die Perisplenitis, die Entzündung des serösen Milzüberzuges, welche zu Verdickungen der Kapsel und zu Verwachsungen der Milz mit benachbarten Organen führt.
Die Erscheinungen der Milzentzündung sind sehr unbestimmter Natur. In den meisten Fällen entzieht sich daher auch die Krankheit der Erkennung während des Lebens. Es ist dies um so erklärlicher, als erfahrungsgemäss zuweilen selbst schwere entzündliche Veränderungen der Milz das Allgemeinbefinden der Thiere nicht alteriren. So fand Möbius die Milz einer durchaus gesund erscheinenden und gut genährten Kuh beim Schlachten in einen grossen. 8 Liter Eiter enthaltenden Abscess umgewandelt. Verläuft die Milzentzündung mit sichtbaren Krankheitserscheinungen, so sind diese meist sehr wenig charakteristisch, indem sie in gastrischen Störungen, starker Abmagerung, Kolikerscheinungen, Fieber bestehen. Mit Sicherheit lässt sich eine Milzentzündung nur dann diagnosticiren, wenn durch Adspection, Palpation oder Percussion eine Vergrösse-rung, sowie Schmerzhaftigkeit der Milz nachweisbar ist. Nach Notz kommt eine traumatische hämorrhagische Milzschwellung öfters bei Saugkälbern vor, wenn sie von den Müttern getreten werden. Die Thiere erkranken plötzlich schwer, verweigern jede Nahrungsaufnahme und liegen mit halbgeschlossenen, thränenden Augen, beschleunigter Puls- und Athmungsfrequenz, unterdrückter Peristaltik, massig vollem Hinterleib mit kühlen Ohren am Boden. Der Tod erfolgt nach 1218 Stunden. Am relativ leichtesten ist die Erkennung bei traumatischen Spleniten. Die Behandlung der Milzentzündung ist eine rein symptomatische.
Milzruptur. Die Zerreissungen der Milz sind meist traumatischen Ursprungs, sie können jedoch auch im Anschlüsse an acuten Mik-tumor, sowie an Splenitis auftreten. Die anatomischen Veränderungen sind je nach dem Sitze und der Ausdehnung des Risses verschieden, Ist der Jiiss oberflächlich und klein und die Kapsel unverletzt, so entsteht ein kleines Hämatom in Form einer Beule, welche durch Resorption und Vernarbung heilen kann. In ähnlicher Weise können auch Kapselrisse abheilen, wie dies namentlich bei Pferden gelegent-
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lieh einer späteren Section beobachtet wird. Grössere Hämatome der Milz äussern sich zuweilen durch Kolikerscheinungen, Mattigkeit, Blässe der Schleimhäute und zunehmende Abmagerung. Durch Palpation und Percussion sind sie nur selten nachzuweisen. Bei ausgedehnten Zerreissungen des Milzparenchyms, namentlich bei grossen Ivapselrissen, bieten die Thiere das Bild der inneren Verblutung dar: Anämie der Schleimhäute, Kälte der Extremitäten, rasch zunehmende Schwäche, Angst, Schweissausbruch, Unfühlbar-werden des Pulses, Sinken der Körpertemperatur, sowie Tod nach einigen Minuten oder Stunden. Zuweilen beobachtet man auch periodisch wiederkehrende Blutungen mit abwechselnder Besserung und Verschlimmerung des Allgemeinbefindens. Die Behandlung besteht in der Verabreichung styptischer Mittel (Seeale cornutum, Tannin, Bleizucker, Eisenpräparate).
Krankheiten des Pankreas. Noch viel weniger als die Afteetionen der Milz besitzen die Krankheiten der Bauchspeicheldrüse klinisches Interesse. Megnin und Nocard haben einen Fall von Pankreatitis beim Pferde beschrieben. Dasselbe zeigte leichte Ermüdung, Schwäche, verminderten Appetit, Verstopfung, Abmagerung sowie Ikterus. Bei der Section fand man eine sehr starke Erweiterung des Ductus pancroaticus, Verstopfung desselben durch einen Eiweiss-Pfropf, Compression des gemeinschaftlichen Gallengangs durch den erweiterten Duotus pancreaticus, Verhärtung des Pankreasgewebes sowie Katarrh der Speichelcanäle. Die Neubildungen des Pankreas, welche besonders beim Hunde in Form von Adenomen und Carcinomen beobachtet werden, haben ebenfalls mehr anatomische als klinische Bedeutung. Von quot;No card und Friedberg er sind einige Fälle beschrieben worden. Beim Rind kommen zuweilen ähnlich wie in der Parotis auch Speichelsteine im Pankreas vor. Der Ausiührungsgang und dessen gröbere Verzweigungen sind hiebei rosenkranzförmig erweitert, die Wände verdickt, und die erweiterten Gange angefüllt mit weisslichen, zum Theil eckigen, i'aeettirten oder cylindrischen, hirsekorn- bis haselnuss-grossen Steinchen, welche in der Hauptsache aus kohlensaurem Kalk bestehen (Baer). Zwei Fälle von Pankreasliämorrhagie mit plötzlichem Collaps beim Hund hat Prottner beobachtet. Nach Jansen kommt bei den Rindern Japans im Ductus Wirsungianus sehr häufig Distomum pancreaticum vor.
Parasiten in der Bauchhöhle. 1, Beim Pferde kommen vor: Filaria papillosa, Strongylus armatus und Oysticercus fistularis. 2. Beim Wiederkäuer: Cysticercus tenuicollis. 3. Beim Schwein: Oysticercus cellulosae und tenuicollis, Sclerostoma Pinguicola. 4. Beim Fleischfresser; Echino-coccusblasen. 5. Beim Kaninchen: Cysticercus pisiformis.
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Krankheiten der Harnorgane.
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Nim-euentzüiuhmg. Neph ritis.
Eintheilung. Sowolil vom anatomischen als ätiologischen
Standpunkte aus kann man eine Reihe von Nepluitis-Formen aufstellen, die sich indoss in ihrer tiberwiegenden Mehrzahl für die Zwecke der Praxis nicht eignen. Je nach den zuerst ergriffenen anatomischen Bestandtheilen der Niere hat man eine par euch ymatöse (Aft'ection des Nierenepithels) und eine interstitieile Nephritis (Entzündung des Blutgefässupparates und des interstitiellen Bindegewebes) unterschieden. Weiter ist die Eintheilung in eine acute und chronische, diffuse und circumscripte, herdförmig auftretende Nephritis zu erwähnen. Im Gegensätze zur Nephritis, d. ii. zur aus-schliesslichen Erkrankung der Nierensubstanz, unterscheidet man eine Pyelonephritis, bei welcher ausserdem auch das Nierenbecken erkrankt ist. Mit Berücksichtigung der Ursachen unterscheidet man eine infectiöse, bacteritische, mykotische, toxische, traumatische, rheumatische, metastatische, embolische, primäre und secun-däre, im Verlauf anderer Krankheiton auftretende Nephritis. Endlich kann man bezüglich der Pathogenese der Nierenentzündungen unterscheiden hämatogene, durch Ausscheidung entzündungserregender Stoffe vom Blute her entstandene, und urogene, von der Blase bezw. vom Nierenbecken her sich entwickelnde Nephriten.
Aus dieser grossen Zahl von Arten der Nephritis eignen sich nach dem gegenwärtigen Stande der Veterinärpathologie als klinische Hauptformen folgende:
1. Die acute Nephritis, der früher sog. .,acute Morbus Brightiiquot;. Dieselbe kann sowohl infectiöser als toxischer, rheumatischer und traumatischer Natur sein und bald als Glomerulonephiitis, bald als acute diffuse Nephritis auftreten.
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Acute Nierencutzimdung.
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2.nbsp; nbsp;Die chronische Nephritis, der früher sog. chronische Morbus Brightii*. Hiebei sind die chronische parenchymatöse und chronische interstitielle Nephritis nebst dem Endstadium der letzteren, der sog. granulirten und Schrunipfniere, mit inbegriffen.
3.nbsp; nbsp;Die eiterige Nephritis in Folge eiteriger Metastasen.
4.nbsp; nbsp; Die Pyelonephritis, die Entzündung der Niere und des Nierenbeckens, wie sie namentlich beim Rinde häufig vorkommt.
Klinische Hauptformen der Nephritis beim Menschen. Beim Menschen unterscheidet man klinisch aussei- der eitrigen Nephritis und der Pyelonephritis drei Hauptformen von Nierenentzündung:
1.nbsp; nbsp;IHe acute Nephritis, gewöhnlich im Anschlüsse an Infections-krankheiten auftretend und meist in Heilung oder Tod und nur sehr selten in chronische interstitielle Nephritis übergehend. Hiiuptsymptonie; Olig-urie, starke Albuminuvie, hohes specifisches Gewicht des Harns, hyaline Cylinder, Nierenepithel, weisse, zuweilen auch rothe Blutkörperchen im Harn.
2.nbsp; nbsp;Die chronische parenohymatöse Nephritis, meist mit Tod endend oder in die dritte Form (Schrumpfnierequot;) übergehend. Entwicklung schleichend. Ha up t sy m ptome : massige Ollgurie, starke Albu-minurie, höheres specifisches Gewicht, Cylinder, weisse Blutkörperchen, fettig degenerirte Epithelion und Detritusmassen, selten rothe Blutkörperchen im Harn, Wassersucht. Anatomisch durch Ve r gr ös serung der Niere (grosse weisse Niere) und starke Ep itheldesqua-mation charakterisirt.
8, Die granulirte Niere, Schrumpfniere, Nieren indu ration oder Niere ns kl er os e. Entwicklung schleichend, zuweilen aus der zweiten Form hervorgehend. Hauptsymptome: Polyurie, geringe Alhu-minurie, sehr niederes specifisches Gewicht, spärliche Formelemente im Harn. Kein Hydrops, dagegen Herzhypertrophie. Anatomisch durch Verkleinerung der Niere und Bindege we bsp rolifera tio n charakterisirt.
Der Begriff des Morbus Brightii. unter den Begriff des Morbus Brightiiquot; (nach dem Nierenpathologen R. Bright, London 1827, so benannt) hat man theils sämmtliche mit Albuminurie verlaufenden Nieren-krankheiten, theils nur die eigentlichen Nierenentzündungen mit Einschluss der Amyloidniere, theils endlich nur die primäre interstitielle Nephritis gerechnet. Bei dieser Divergenz der Ansichten wäre es besser, den veralteten Namen Morbus Brightiiquot; ganz, auszumerzen und die anatomischen Benennungen an seine Stelle zu setzen. In der Veterinärpathologie hat er besonders auch bezüglich der Hämoglobinurie des Pferdes grosse Verwirrungen angerichtet.
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1. Die acute Nlerenentziindung. Nephritis acuta.
(Pave nehyma tö so, katarrhalische, hä morrli agisoho Nephritis,
Gr 1 o m e r ii 1 o n c p h r i t i s, ent Z tin dl io he 8 X i c r c n ö d e in, trübe
Schwellung der Niere.)
Literatur. Herinq, spec, roth., 1850; enthält ältere Literaturangaben. Ouchy, Rec, 18B6. Beroer, Ihid., 1840. Chouard, Ibid., 1854. Just, I'r. M., 1857. S. 91. Ghoss-Clmidk , lbid.,\. S. 112. Neubert, S. J. ö., 1861. S. 114.
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Acute Nieroiiciitzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 375
Guilmont, A. de lirux:, 1801. ZuNDEL, liec, 1862. Didhe, Jonrn. milit., 1864. Reboui,, J. du Midi, 1860. Funk, S. ,1. li., 1869. S. 25. Dk Oesahb, // med. vet., 187H. Pfluo, Krklitn. d.uropoiit. SynteiHs, 1870. ViUKDimnGv.n, l'ütz'sche %.,
1876.nbsp; nbsp;S. 295. Dammann, 1gt;. Z. f. Th., 1877. S. 265. Sikdamohotzky, S. ./. B.,
1877.nbsp; S. 60; 1891. S. 18. La(!ukhiuhiik, ftsc, 1878. Schick, Rof. W,f. Th., 1886. S. 277. Sohindelka, Oc V. S., 63. Bd. S.62. Osokor, Ibid., 64. JM. S. 36. Williams, The vet. journ., 1886. BoNQARTZ, Ji. A., 1888. S. 86. ElVOLTA, l)i una nefrite bacillare nei booini. RlZZI, ('liii. vct.,TiA. 12. S. 316. DlECKER-hoff, Spec. Path., 1892.1. S. 947. Henoen, W. f. Th., 1893. S. 809. Kitt, M. f. /gt;. Th., IV. Bd. S, 433.
Aetiologie. Die acute Nephritis koiunit bei allen Hausthieren, am häufigsten beim Pferd, Rind und Hund aus den allerverschieden-sten Veranlassungen vor. Zunächst kann sie sich aus einer einfachen Nierenhyperämie entwickeln. Sodann wird sie durch traumatische Einflüsse, z. B. durch Stösse oder Schläge auf den Rücken, Niederstürzen, schwere Anstrengung im Ziehen, zu kurzes Pariren von Reit-pi'erden in schnellen Gangarten, hervorgerufen. Nicht selten ist die Ursache in Erkältung, besonders hei Pferden, zu suchen, wobei man sich bezüglich der Pathogenese an den directen Connex zwischen Nieren und Haut, sowie an die indirecten Wirkungen einer Unterdrückung der llautthiltigkeit zu halten hat. Weiter kommt eine acute Nierenentzündung sehr häufig im Verlaufe von Infectionskrank-heiten vor. Dieselben bedingen auf Grund der Elimination von Bac-terien bezw. Bacterientoxinen durch die Nieren fast alle eine infectiöse bezw. toxische Nephritis, welche sich in leichteren Graden mehr nur als trübe Schwellung und Verfettung des Nierenepithels äussert. Am häufigsten kommen hier septische und pyämische Processe, z. B. die Septicaemia puerperalis des Rindes, in Betracht. Aber auch andere infectiöse Krankheiten, wie Influenza, Brustseuche, Druse, Angina, Stäbchenrothlauf, Milzbrand, Maul- und Klauenseuche, Staupe, Bronchitis etc. coinpliciren sich zuweilen mit acuter Nephritis.
lieber die rotzige und tuberkulöse Nephritis siehe bei den betreffenden Grundkrankheiten.
Die gleiche Entstellungsweise trifft für die durch Vergiftungen erzeugten Nephriten zu. Hieher gehören die nach Einwirkung der Herbstzeitlose, der Canthariden, des Terpentinöls, Croton-öls, des Extractum Filicis, der Scilla etc. auftretenden Nierenentzündungen, so vor Allem ein Theil der als Blutharnenquot; beim Rinde bezeichneten Krankheitsfälle. Dieselbe Wirkung auf die Nieren kommt sodann dem Theer, der Carbolsäure, dem Jodoform und vor Allem den metallischen Giften: Phosphor, Arsenik, Blei,
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Acutu Niemieutzünduug'.
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Quecksilber u. s. w., zu. Auch Schimmel-, Rost- und Brandpilze auf Futterstoffen, gewisse Insekten, z. B. Raupen, Blattläuse auf Kohl, ja selbst die zu reichliche Aufnahme roher (verdorbener?) Kartoffeln, sowie gewisse Sorten von Baurawollsaatmehl vermögen in ähnlicher Weise entzündungserregend auf die Nieren einzuwirken. Eine secundiire Nephritis kann ferner durch Fortleitung von einer Cystitis oder Pyelitis entstehen. Endlich ist von grosser practischer Bedeutung die im Verl auf e der H ä m o g 1 o b i n ä m i e (schwarzen Harnwindequot;) des Pferdes auftretende, durch Hämoglobininfarkt der Niere bedingte Nephritis, welche früher irrthümlicher Weise für das Primäre der genannten Krankheit gehalten wurde.
Pathologische Anatomie. Die acute Nephritis tritt bei den Hausthieren nach Kitt in verschiedenen anatomischen Formen auf.
1.nbsp; nbsp;Die Nephritis parenchymatosa bildet eine Sammelbezeichnung für alle Fälle, in denen der grobanatomische Anblick nicht entscheiden kann, ob eine trübe Schwellung, Desquamation, Epithelnekrose, seröse oder serofibrinöse Exsudation vorliegt. Hiebei ist die Niere entweder gar nicht oder nur massig geschwollen, von der Kapsel leichter lösbar, auf dem Durchschnitt verwaschen trüb bezw. grau, grauroth oder gelblichbraun fleckig gefärbt, die Marksubstanz mehr oder weniger hyperämisch, selbst dunkelroth gefärbt mit deutlicherem Hervortreten der Malpighi'schen Körperchen, dabei normaler oder erweichter Consistenz. Mikroskopisch findet man Erweiterung und starken ßlutgehalt der Capillaren und Venen, fibrinähnliche und körnige Exsudatmassen zwischen den Harncanälchen, granulirte, hyaline und Epithelcylinder, abgestossene Epi-thelien, Verfettung, Trübung, Aufquellung, Vacuolenbildung in den Epithelien.
2.nbsp; nbsp;Die Nephritis parenchymatosa haemorrhagica ist aussei- den bisher genannten Veränderungen durch viele rothe, feinste Blutpunkte charakterisirt, wobei die Niere äusserlich fast schwarzroth, auf der Schnittfläche trübgrau und rothfleckig, in der Marksubstanz ganz tiefroth gefärbt erscheint (Schweinerothlauf).
3.nbsp; nbsp;Die Nephritis acuta diffusa ist durch starke Vergrösserung und Gewichtszunahme (Schwellung um das 2.quot;ifache) sowie durch weiche, leichtbrüchige Beschaffenheit der Niere gekennzeichnet. Die Kapsel ist sehr leicht ablösbar, die Oberfläche zeigt eine stark blutige, durch graue und gelblichgraue Stellen bunte Färbung (grosse, bunte Niere). Mikroskopisch findet man sehr bedeutende Erwei-
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terung der Capillaren mit Blutaustritt in die Gewebsspalteu, Leukocytencylinder in den erweiterten Harncanillchen sowie zellige Infiltration zwischen den Harncanälchen. Hiiuiig sind auch die Glomeruli sehr blutreich und mit Blutextravasaten besetzt.
Symptome. Die wichtigsten und nicht selten einzigen abnormen Erscheinungen (z. B. im Verlaufe schwerer Infectionskrunkheiten) bei Nephritis zeigt der Harn. Derselbe ist zunächst stark eiweiss-haltig. Sodann ist die Harnmenge vermindert, ja in schweren Fällen sogar die Harnsecretion mehrere Tage hindurch ganz unterdrückt. So beobachtete Funk bei einer Kuh eine 5 Tage andauernde Anurie, Friedberger desgleichen beim Pferde eine 7tägige. Die Ursachen dieser letzteren Erscheinung sind in der Verstopfung der Harncanillchen durch Exsudatcylinder, in der starken entzündlichen Schwellung des Nierengewebos und der dadurch bedingten Compression der Harncanälchen, sowie in verminderter Wasserabscheidung seitens des erkrankten Organs zu suchen. Das specifische Gewicht des Harns ist immer erhöht. Der Harn selbst ist von dickerer Con-sistanz, häufig schleimig, trübe und verfärbt. Zuweilen kommt es auch zu Hämaturie.
Mikroskopisch finden sich im Harn die verschiedenen Arten der Harncylinder in grosser Anzahl, zum Theil mit Zellen, weissen und rothen Blutkörperchen besetzt, ferner je nach dem descpiamativen, interstitiellen oder hämorrhagischen Charakter zahlreiche Ep ithelien, weisse oder rot he Blutkörperchen. Der Harnabsatz erfolgt häufig nur tropfenweise unter starken Schmerzen und lebhaftem Harndrang (Dysurie, Strangurie). Die Harnblase findet man bei der Exploration vom Mastdarm aus regelmilssig leer. Die Nierengegend (Lendenpartie) ist bei der Palpation schmerzhaft anzufühlen, insbesondere ist das durch Druck auf die Nieren bezw. Lendengegend provocirte Einbiegen (Einsenken) des Rückgrates schmerzhaft für das Thier. Die Nieren selbst erscheinen bei der Kectaluntersuchung, wenn und wo diese möglich ist, vergrössert und bei Berührung schmerzhaft. Häufig, besonders im Beginne der Erkrankung, stellen sich hochgradige anfallsweise Schmerzäusserungen als sog. Nierenkolik ein. Die Rückenhaltung der kranken Thiere ist eine steife, gekrümmte, und ebenso ist der Gang gespannt oder schwankend. Das Aufstehen ist beschwerlich, die Thiere stehen daher meist, und zwar gewöhnlich mit gespreizten oder unter den Leib gestellten Füssen: zuweilen wird auch beim Gehen der Fuss der
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Acute Niereuentzttudunflf.
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kranken Seite nachgeschleppt oder weniger weit vorgesetzt als der andere. Bei iniinnlichen Thieren findet man häufig den einen Hoden aufgezogen.
Die Futter aufnähme ist von Anbeginn an unterdrückt; bei Hunden beobachtet man zuweilen Erbrechen. Meist stellt sich sodann Verstopfung ein, die später mit Diarrhöe abwechselt. Die Körpertemperatur ist, so lange noch keine urämischen Zufälle vorhanden sind, gering- bis mittelhochgradig erhöht. Der anfangs sehr kräftige und harte Puls wird im weiteren Verlaufe frequenter und schwächer. Ueber eine nach mehrwöchentlicher Dauer der acuten Nephritis auftretende Herzhypertrophie ist bei den Hausthieren bis jetzt nichts bekannt; auch die beim Menschen im weiteren Verlaufe beobachteten Erkrankungen der Lunge (Bronchitis, Pneumonic), des Herzbeutels (Pericarditis) etc. sind vorerst noch nicht constatirt worden. Dagegen entwickelt sich auch bei den Hausthieren eine hydropische Anschwellung der Subcutis, so am Kopf, an der Brust, am Bauch, Scrotum, an den Gelenken, im Bereiche des Hintertheils und wohl auch Hydrops der Körperhöhlen.
Bei tödtlichern Ausgange und in schweren Fällen der Nierenentzündung gesellen sich zu dem beschriebenen Krankheitsbilde noch die Erscheinungen der TJräraie, namentlich Betäubung, Krämpfe und Dyspnoe. So constafcirte Pflug bei einer Kuh mit beiderseitiger Nephritis im Endstadium derselben die heftigsten eklamjitischen Anfälle mit Opisthotonus, sowie vollständiges Coma in den freien Intervallen. Wir selbst beobachteten bei einem Pferde mit beiderseitiger acuter diffuser Nephritis starke Benommenheit des Scn-soriums. Taumeln, Schwanken, allgemeinen Schweiss-a u s b r u c h, .vage M u s k e 1 z u c k u n g e n übe r d e n g a n z e n Körper, sowie excessive Temperatursteigerung (nahezu 42deg; C.) etwa 12 Stunden vor dem Tode.
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ürämie. Die Fülle von wirklicher Urämie bei unseren Hausthieren sind, abgesehen vom Hunde, nicht sehr zahlreich. Beim Schafe hat Dam mann (Magazin, 1870) epileptiforme Krämpfe abwechseln sehen mit Sopor. Beim Hunde beobachtet man im Anschlüsse an Harnsteine, Harn-röhrenstricturen und Blasenlähmungen ziemlich häufig Erbrechen, lähmungsartige Schwäche, Coma, sowie Abnahme der Körpertemperatur als urämische Symptome, Bei einem Pferde beobachteten wir ausgesprochene epileptiforme Anfälle. Bezüglich des Wesens der Urämie muss auf die Lehrbücher der allgemeinen Pathologie verwiesen werden. Sie besteht, in der Kürze gesagt, in einer Anhäufung von Harnbestandtheilen im Blute und in den Geweben, wobei in erster Linie die im Harn enthaltenen Stoffwechselproducte der Eiweisszersetzung (Ptomaine, Leukoma'i'ne, Toxine), ausserdem
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Acute Nicrenentziinduug.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 379
der Harnsiof 1', sowie die übrigen Harnbestandtheile und zwar namentlich die Kalisalze in Betracht kommen. Die Traube'sche Theorie, wonach die Urilmie lediglich der Ausdruck eines aeuten Gehirnödenis, sowie die Froriehs'sche, wonach die Umwandlung des Harnstoffs in kohlensaures Ammoniak im Blute die eigentliche Ursache der Urilmie sei, haben keine Bestätigung gefunden. Die Erscheinungen der Urämie beim Menschen bestehen in Kopfschmerzen, Somnolenz, Unruhe, Delirien, Uebelkoit, Erbrechen, Angstgefühl, leichten Zuckungen, sowie schweren eklamptischen Anfällen (Bild der Epilepsie), nach denon oft eine urämische Amaurose oder Taubheit zurückbleibt (centrale Störungen); weiterhin Erbrechen, Schluchzen, Durchfall, Harnstoifausscheidung auf der Haut und in Folge davon Hautjucken , Verlangsamung und späterer Beschleunigung des Pulses, abnorm hoher oder abnorm niederer Körpertemperatur, Dyspno6.
Verlauf und Prognose. Die acute Nierenentzündung entscheidet sich bezüglich ihres Ausganges im Allgemeinen innerhalb 814 Tagen. Der Tod kann indessen schon nach wenigen Tagen eintreten. Die Prognose ist jedenfalls der Vorsicht halber eher ungünstig zu stellen, da die Verluste den Fällen von Heilung so ziemlich gleichkommen werden. Sehr ungünstig ist das Auftreten nrämischer Erscheinungen; der Tod erfolgt meist auf Grund eines Lungen- oder Gehirnödenis. Der Ausgang in chronische Nephritis ist selten.
Differentialdiagnose. Die acute Nephritis wird häufig mit Entzündungszuständcn anderer Hinterleibsorgane, so mit Peritonitis, Kolik, Enteritis, Cystitis, Metritis verwechselt und daher übersehen. Dieses ist indess nur dann möglich, wenn die Untersuchung des Harns unterlassen wird, welche in allen Fällen die Diagnose raquo;Nephritisquot; ohne viele Schwierigkeit sicherstellt. Ausserdem lässt eine genaue Localuntersuchung, also beispielsweise der Blase, des Uterus, eine Verwechslung vermeiden.
Therapie. Die Behandlung der aeuten Nephritis besteht zunächst in Ruhe und in Vermeidung jeder reizenden Nahrung oder auch reizender Medicamente (Terpentinöleinreibungen, Canthariden-salbe auf dem Rücken!). Für Hunde empfiehlt sich die beim Menschen erprobte ausschliessliche Milchdiät. Sodann handelt es sich um eine Entlastung der Niere durch Diaphoretica, Laxantien, Diuretica und vielleicht auch locale Derivantien in der Nierengegend, von denen sich die Application kalter oder feuchtwarmer Umschläge am besten eignet. Eine seh weiss treiben de Wirkung kann bei den grösseren Hausthieren zunächst durch ausgiebiges Frottiren des Körpers mit Stroh, Einhüllen in warme Decken, feuchtwarme (Pries.snitz'sche) Umschläge um den Rumpf etc., sodann eine Speichelfluss er-
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Acute Nierinicntzuudung.
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zeugende durch subcutane Injection des Pilo carpinum hydro-chloricum (0,2 beim Pferd, 0,5 beim Rind, 0,005-0,02 beim Hund), sowie von Arecolinum hydrobromicum (0,08 beim Pferd) erzielt werden. Kleinere Hausthiere, wie Hunde und Schweine, bringt man durch heisse Bäder, deren Temperatur man allmählich auf Körperwärme steigert, oder durch heisse Einwicklungen zu einer vermehrten Wasserabgabe durch die Haut. Von Abführmitteln wirken die drastischen durcli intensive Wasserentziehung am besten (Calomel. Aloe, Gutti); zugleich nierenreizende (Grotonöl) müssen jedoch vermieden werden. Das Gleiche gilt von den Diureticis, von welchen deshalb besonders die Alkalien, namentlich das essigsaure Kalium, und bei drohender Herzschwäche die Digitalis, besonders aber das Diuretin und Coffein anzuwenden sind. Gegen die ek lamp tischen Zufälle sind Bromkalium, Chloralhydrat, sowie Chloroforminhalationen zu versuchen. Was endlich die früher häufige Verabreichung a d s tr i n g i r e n d er, styptischer Mittel gegen die acute Nephritis, wie des Tannins, Bleizuckers, Eisenvitriols, betrifft, so kann man sich immerhin eine gofässcontrahirende und daher entzündungswidrige, sowie zum Theil auch antiseptische Wirkung derselben vorstellen. Wir haben bisher das Tannin in Form der Chinarinde (zugleich auch gegen das Fieber), sowie der Folia Uvae Ursi angewandt und haben nach unseren bisherigen relativ günstigen Resultaten keinen Grund, dasselbe nicht auch fernerhin zu empfehlen.
Nierenhyperftmie. Die Hyperämie der Nieren ist entweder bloss ein vorübergehender oder ein rein secundilrer Zustand, der in Folge dessen nur selten in Form einer selbstständigen Krankheit zu diagnosticiren ist. Dabei muss man zwischen einer aotiven (congestiven) und passi ven (Stanungs-) Hyperämie wohl unterscheiden. 1. Die Ursachen der activen Nieren-hyperämie sind im Allgemeinen die der acuten Nierenentzündung, deren erstes Stadium die Nierencongestion in zahlreichen Fällen darstellt und von welcher sie nicht immer leicht aus einander zu halten ist. Po entsteht sie z. B. nach der Einwirkung scharfer Futterstoffe auf die Nieren, von welchen besonders die Anemone- und die Adonisarten, die Asclepiadeen, ferner pilzbesetzter, multriger, feuchter Hafer und ebenso beschaft'enes Heu zu nennen sind. Aus letzterer Veranlassung kommt die active Nierenhyperämie mit ihrem Hauptsymptom, der Polyurie, zuweilen und zwar besonders im Frühjahr enzootisch vor. Auch schlechtes, unreines Trinkwasser aus Sümpfen und Pfützen kann eine Nierencongestion bedingen. Sodann bringt jede Art yon Plethora oder Blutüberfüllung im Hinterleihe mehr oder weniger eine Nierenhyperämie mit sich, die sich unter Umständen bis zur Hämaturie steigern kann. Endlich ist die active Nierenhyperämie eine Begleiterscheinung mancher I n fectionskran kheiten (Inlluenza, Brustseuche, Wuth). 2. Die passive Nierenhyperämie entwickelt sich bei all-
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Ohronisohe Nierenentziinduug.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;iiSl
gemeiner Blutstauung in .Folge von Herz- und Lungen leiden (Klappenfehler, Lungenempbysem, Congenvevdichtung, Pleuraexsudate), sowie bei Stauung des Blutes in der hinteren Hohlvene in Folge von Aneurysmen, Thrombosen, Tumoren derselben, oder von abnormer Puttor- und Gasunhäu-fung im Darmcanal, endlich nach Thrombose oder Compression der Nierenvenen und der N i eren a rt er i en (fortgesetzter Thrombus vom Aneurystna der vorderen Gekrösarterie oder der Nierenarterie).
Der anatomische Befund besteht darin, dass bei beiden Formen der Niorenhyperiimie die Nieren vergrössert, geschwollen, erweicht und höher geröthot sind; bei der activon sind mehr die Rindengefüsse, bei der passiven mehr die Venen der Marksubstanz gefüllt. Speciell bei der activen Hyperämie ist die Niere stark durchfeuchtet und sehr weich (parenchy-matöses Oedem): die Kapsel ist leicht zu trennen; die Nierenobertläche ist zuweilen in Folge von Härnorrhagien blutig gefleckt. Bei längerer Dauer der passiven Nierenhyperämie nimmt das Organ eine dunkelblaurothe Farbe an und wird durch Wucherung des interstitiellen Gewebes derber (oyanotisohe Induration). Gleichzeitig erleidet das Epithel der Harncanälchen Ernährungsstörungen in Form von fettiger Degeneration, wozu sich auch Härnorrhagien gesellen können. Sobliesslicb kann die Stauungshyperämie auch in Nephritis übergehen.
Symptome. Bezüglich der Erscheinungen findet man bei actiTer Nierenhyperämie Po 1 yurie mit sehr hellem, dünnem, specifisoh leichtem Harn. Die Harnmenge kann beim Pferde statt 5 Liter pro Tag 25 Liter und mehr, sowie das specifische Gewicht statt 1040 10011005 betragen (sog. Lauter st all, eine Form des Diabetes insipidus). Attsserdem zeigen die Thiere leicht gekrümmte Körperhaltung und etwas gespannten Gang. Fieber ist nicht vorhanden. Bei der passiven Nieren-hyperämie ist die Harnmenge im Gegentheil vermindert und es besteht Albuminurie (selbst Hämaturio); auch hyaline Oylinder treten zuweilen im Harne auf. Daneben besteht bei fieberlosem Zustande eine leichte Schwäche der Nachhand. Der Verlauf ist chronisch. Bei activer Hyperämie ist eine Ableitung auf den Darmcanal, bei passiver die Behandlung des Primärleidens (Digitalis). Bewegung u. s. w.. angezeigt.
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2. Die chronische Nierenentzündung. Nephritis clironica.
(Nephritis indnrativa, fibrosa, interstitialis, Nierenakleroae,
Sobrumpfniore, ilfarbenniere, granulirte Niere. Q-ranular-
atropb ie der Niere.)
Literatur. Verheyn , Journ. vdt. et agrio, de Selff., 1848. S. 249. Bruokmülleh, Oe. V. .S1., 1866. S. 137. Listig, D. /.. f. Th.. 1876, S. 180; 1880. S.857; //. J. ß., 1879. S. 104. - Bkmabki, Gaz. med, vet., 1870. -- Hable, Oe. V.S., 1877. S. 00. Rabe, //. J. B., 1882/83. S. 94. - Pröhner, Be/)., 1888. 8. 185. Blibnbkroer u. Hopmeister, B. .(., 1884. S. 216. - Mathis, Journ. lt;te med. vet., 1884; Lyon meilic. 1885. - Osokor, Oe. V. S., Bd, 64. S.36. - - O.sdeac, ./. de Lyon. 1888. Sluppert, Rec, 1890. - Priedberobr, D. '/,. f. Th., 1890. S. 188. Ostermanr, li. th. W., 1890. S. 353. Thomsen, Thid.. 1801. S. 27. Rieck, II. Ä., 1891. S. 119. - Benjamin, Hull. soc. cent,:, 1891. -- Oadiot, Rec, 1892. Nr. 10. Oe. M., 1892. S. 193. Ver-linde, A. de Brn.v., 42. Bd. S. 297. O-uay, J. of comp., V. S. 168. DlKCKERHOPP, Spec, rath., 1892. I. 8. 949 : B, th. IC, 1893. S. 587. Haubneii-Sikdamguotzky, L. Th., 1893, S. 171. Lie.vaux, .1. de liru.r., 1894. Kitt, M. f. /gt;. Th., IV, S.481. Tapkex, Ibid., 8. 9. \Harms, RtnderkrkUn., 1895. S. 149.
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Chroidsche Nierenentzündung.
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Aetiologie. Die chronische Nierenentzündung verläuft entweder gleich von vornherein in schleichender, chronischer Weise, oder sie entwickelt sich aus einer acuten Nephritis, üeber die eigentlichen Ursachen der chronischen Entzündung ist bei unseren Hausthieren noch weniger bekannt als beim Menschen. Jedenfalls muss man dieselben in der Einwirkung schädlicher Reize auf das Nierengewebe suchen, wobei die Noxen sowohl parasitärer als chemischer Natur sein können. Von Noxen parasitärer Natur muss in erster Linie derllotz-bacillus erwähnt werden. Aber auch sonst scheint nicht selten die Einwanderung entzündungserregender Spaltpilze ins Blut und ihre Elimination durch die Niere zu chronischer Nephritis Veranlassung zu geben. Hiebei können sowohl die Spaltpilze selbst als auch ihre Zer-setzungsproducte reizend auf das Nierengewebe einwirken. Auf diese Weise erklärt sich das häufige Vorkommen der Krankheit bei Kühen, welche in Folge des Geburtsgeschäftes der Einwirkung septischer Stoffe vom Uterus her sehr ausgesetzt sind. Als weitere Eingangspforten für die Entzündungserreger müssen beim Pferde Geschwüre im Darm, Larynx, sowie chronische Bronchialkatarrhe mit Bronchi-ektasien- und Emphysembildung angenommen werden. Weiterhin findet sich beim Pferde zuweilen eine embolische chronische Nephritis im Anschlüsse an ein bestehendes Wurmaneurysma der vorderen Gekrös-arterie und der Nierenarterien mit Thromben- und Metastasenbilduntr. Auch senile Gefässveränderungen (atheromatöse Degeneration) dürften bei älteren Thieren, wie beim Menschen, mit chronischen Ent-zündungsprocessen in der Niere zusammengebracht werden. Endlich können häufige P]rkältungen zu einer chronischen Nephritis Veranlassung geben.
Die chronische Nephritis ist insbesondere beim Rinde sehr häufig mit chronischer Entzündung der Schleimhaut des Nierenbeckens (Pye-litis) complicirt. Diese chronische Pyelonephritis des Rindes, welche durch einen speeifischen Krankheitserreger ausgezeichnet ist, wird später in einem besonderen Capitel abgehandelt.
Pathologische Anatomie. Die chronische Nierenentzündung verläuft nach Kitt bei den Hausthieren in verschiedenen Formen.
1. Die Nephritis fibrosa multiplex, wohl auch als Sklerosis maculatabezeichnet, zeigtherdförraige, multiple, bindegewebige Einlagerungen und Einziehungen der Niere, insbesondere beim Rind. Auf der Rindenoberfläche sieht man fleckweise, gelbliche, gelblichweisse und grauweisse, leicht vertiefte oder strahlig
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Chronische Nicrenciitzihiduiig.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;083
narbige Inseln, welche sich auf cleiu Durchschnitt streii'enf'öimig hereinziehen. Dabei erhält die Niere eine derbe Consistenz und höckerige Oberfläche. Mikroskopisch findet man neugebildetes Bindegewebe, Narbengewebe, sowie zellige Infiltrationsherde. Die letzteren weisen auf den entzündlichen Ursprung der Sklerose hin (Sklerosis ex nephritide) im Gegensatz zu der nach Embolien auftretenden Sklerosis embo lie a (Nephritis fibrosa multiplex embolica, Narbenniere, Ken cicatricosus).
2.nbsp; Die Nephritis tibrosa dlffusa, im Gegensatz zur vorigen Sklerosis totalis oder diffusa benannt, besteht in einer allgemeinen reichlichen, die ganze Niere verhärtenden interstitiellen Bindegewebs-wucherung, namentlich beim Binde. Die Nieren sind dabei abnorm gross, ausserordeutlich hart, von weisser, gelbweisser oder weissgrauer Farbe und stellen einengrossen Bindegewebsklum-pen mit Verlust der Läppchenabgrenzung dar, der kaum schneidbar ist, beim Durchschneiden knirscht und aus fibrösem, mit vielen Kalkeinlagerungen durchsetztem Gewebe gebildet wird. Mikroskopisch besteht die Niere aus faserreichem, von Spindel- und Rundzellen hergestelltem Narbengewebe an Stelle des Nierenparenchyms, von welchem nur canalartige Räume, bezw. leere Spalten oder schollige, verkalkte Massen übrig geblieben sind. Dazwischen befinden sich herdweise zellige Infiltrationsstellen.
3.nbsp; nbsp;Die Nephritis granulosa ist als eine chronische fibröse Nierenentzündung mit Neigung zu Schrumpfung (Schrumpfniere) aufzufassen. Hiebei ist die Oberfläche in Folge Retraction des Bindegewebes uneben, runzelig, höckerig, rauh, körnig (Nephritis granulosa, granulirte Niere, Granularatrophie der Niere), die Consistenz derb, die Farbe weiss oder weissgrau, die Rinde schwer zu durchschneiden. Die namentlich beim Schwein vorkommende Schrumpl'niere ist das Product zahlloser, dicht stehender, entzündlicher Herde.
4.nbsp; Die Nephritis flbro-vesiculosa ist eine Complication der fibrösen Nierenentzündung mit cystöser Entartung der Harncanälchen und Bildung zahlreicher kleinster Bläschen.
Nephritis flbroplastica. Mit diesem Namen oder als Nephritis maculosa alba, weisse Fleckniere der Kälber bezeichnet Kitt eine hilufig bei geschlachteten Kälbern vorgefundene, durch weissgraue, fleckige, etwas prominirende, rundliche, halbkuglige, hirsekorn- bis erbsen-grosse, auf dem Durchschnitte keilförmige, multiple Herde ausgezeichnete Nephritis. Mikroskopisch findet man in den weissen Herden eine reichliche Anhäufung farbloser Zellen, Pibroblasten und Bindegewebszellen.
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Ohronisolie Nierenentzündung.
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ölomerulonephritis. Dieselbe ist eine Tlieilerscheinung verschiedener Nephriten, sowohl der parencl^nnatösen, als der verschiedenen chronischen fibrösen, und ist durch eine vorwiegende Entzündung der Malpighi'schen Körperchen charaktorisirt.
Nephritis mixta. Eine Mischung von interstitieller Entzündung und degenerativen Veränderungen des Epithels mit langsamem Verlauf.
Nephritis simplex. Einfache zellige Infiltration im interstitiellen Bindegewebe in Form fleckweiser Trübungen sowie streifiger Verfärbungen der Rindenpartie.
Nephritis urica. Die Nierengicht der Hühner besteht in einer Harnsäure-Incrustation. Die Nierenoberfläche ist mit weissen, prominenten Punkten übersät, die Nieren sind sehr vergrössert, derb, auf der Schnittfläche gelbbraun und rothbraun marmorirt.
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Symptome. Die chronische Nierenentzündung entwickelt sich für gewöhnlich ganz allmählich ohne irgend welche deutliche Symptome; die Thiere kommen deshalb auch nur bei vorgerückteren Graden des Leidens zur Behandlung. Die ersten auffallenden Symptome sind ebenfalls noch sehr allgemeiner Natur und bestehen in zunehmender A ppetit-losigkeit und Mattigkeit, ohne dass sich hiefür bei oberfliichliclier Untersuchung ein bestimmtes Organleiden nachweisen lässt. Ein charakteristisches Krankheitsbild des parenchymatösen Stadiums kommt erst durch das Auftreten von wassersüchtigen Erscheinungen, und zwar von Anschwellungen der Unterfüsse, der Unt.erbrust, des Unterbauches etc., zu Stande. Dieselben fordern zur Untersuchung des Harns auf, welche allein sicheren Aufsohluss über das Wesen der Krankheit gibt. Dabei findet man die Menge des abgesonderten Harns vermindert, das specifische Gewicht erhöht, den Harn sehr eiweissreich, sowie Harncylinder, Nierenepithelien, Fett körnchen zellen , zuweilen auch rotbe Blutkörperchen enthaltend. Weiterhin fällt bei der Untersuchung des Circulations-apparates der sehr harte und gespannte Puls, der starke und nicht selten auf beiden Seiten fühlbare Herzschlag, die sehr lauten Herztöne, sowie eine zuweilen vergrösserte Herzdämpfung, alles Symptome einer Herzhypertrophie, auf. Die Temperatur im Mastdarm ist nur gering- oder höchstens mittelhoch-gradig gesteigert. Gewöhnlich ist sodann starker Durst vorhanden. Nimmt in diesem Stadium die Intensität der Krankheit rasch zu, so zeigen sich unter auffallender Abmagerung und Mattigkeit die schon früher beschriebenen Erscheinungen der Urämie, an welcher die Thiere bald zu Grunde gehen.
Entwickelt sich jedoch aus dem parenchymatösen Stadium das der chronischen indurativen Nephritis, so ändert sich das Krank-
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Chronische Nierenentzündung,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;385
lioitsbild vollständig. Der Uebergang der or.steren Form in die letztere wird zunächst durch ein Sinken des speci fischen Harngewi elites auf 1025 1015 (beim Pferd) eingeleitet. Bei ausgesprochener Sclirumpfniere sodann beträgt das speeifische Gewicht nur noch 10011010; dabei ist der Harn sehr wässerig, wird in grossen Mengen abgesetzt und enthält nur wenig Eiweiss, Cylinder und Epithel. Gleichzeitig verschwinden die Oedeme. Die Ursache hievon ist in der Zunahme der Herzhypertrophie zu suchen, welche durch Steigerung des Blutdrucks die angesammelten Stauungstranssudato zur Resorption bringt und dabei die Menge des Harns erhöht, während das speeifische Gewicht und die Menge des Eiweisses im Harn abnehmen. Das Durstgefühl ist sehr gross.
Bei ausreichender Compensation seitens des Herzens kann nun der Zustand jahrelang in dieser Weise fortbestehen; früher oder später folgt jedoch dann auf die compensatorische Herzhypertrophie eine allmählich zunehmende Herzinsufficienz. Der Puls wird schwächer, unregelmässig; im Anschlüsse an die sich einstellende Blutstauung im Körper treten Bronchialkatarrhe, chronische Magen- und Darmkatarrhe, ausgebreitete Oedeme, Kurzathmigkeit, Herzklopfen, Schwindel, ja selbst Pneumonien, Pleuritcn, Pericarditen neben allgemeinen Organblutungen auf, die Harnmenge nimmt wieder ab, das speeifische Gewicht dagegen, sowie die Albuminurie zu, und schliesslicb erfolgt der Tod unter dem Bilde einer ueuten oder chronischen Uriimie.
Therapie. Die Behandlung der chronischen Nephritis ist im Wesentlichen dieselbe wie die der acuten, nur sind die Aussichten auf Heilung dabei geringere, Ausserdem handelt es sich meist auch um Hebung des allgemeinen Ernährungszustandes und der Anämie, sowie bei eintretender Herzinsufficienz um Erhöhung des Blutdrucks. Man gibt daher vor Allein die Cardiaea und Diuretica, so die Digitalis, das Diuretin und Coffe'fn, die Tinctura Strophantin, sowie Calomel. Ausserdem sind auch liier Pilocarpin und Arecolin dann anzuwenden, wenn Hydrops eingetreten ist. Als Resorbens für die in der Niere vorhandenen hyperplastischen Gewebsmassen kann Jodkalium empfohlen werden.
Beziehungen der chronischen Nephritis zur Herzhypertrophie, üeber
dieselben existlren verschiedene Ansichten. 1. Nach Traube wird der Blutdruck durch die Ansammlung des Harnwassers im Blute und die durch die Nierenveränderungen bedingten OiroulationsstOrangen erhöht, was eine compensatorische Herzhypertrophie zur Folge hat. 2. Dieser mechanischen
Friedberger u. Frölinor, Pathol. u, Therapie (1. Hausthlere, 1. Bd. I. Aufl. 25
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Eiterige Nierenentzündung.
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Theorie steht die chemische Theorie Senator's gegenüber, wonach die Steigerung des Blutdrucks in der Eetention der Harnbcstandtheile, vor Allem des Harnstoffes im Blute zu suchen ist. Welche der beiden Theorien die richtigere ist, lägst sich zur Zeit nicht entscheiden.
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3. Die eiterige Nierenentzündung. Nephritis pnrulenta.
(Nierenabsoess, embolisoh-eiterige Nephritis, Pyonephrose.)
Literatur. Ohouahd, Rec. 1823. Eodbt, Ibid., 1826. Cliohy, Ibid., 1836 Bier.Ki), W. f. 77/,, 1860. S. 289. Laurent, Beo., 1867. Tournave, ä. de Bruoe., 1868. S. 648. Buur.KMür.LEii, Path. Zootomie, 1869. S. 048. Leisering-Voiot-lam.kii, S. ./. H., 1872. S. 21, 48. Anacker, Thrxt., 1874. S. 147. Siedamgrotzky, S..). B., 1875. 8, 29. - Johne, Ibid., S. 30, 32. Munich, W. f. 77*., 1878. S 17 Prieser, 0laquo;, J/., 1882. S. o.r). Schindelka, Oe. V.S., 1884. S 44 Moltf Rec, 1887. Zeitschr. f. Vet., 1889. S. 24. - Maksutow, Pet. A., 1891. - Dieoker-HOFF, Spec, l'ath., 1892. I. S. 965. Utz, I). th. M., 1892. Nr, 6. Behme li I 1893. 8. 317. Hengen, W. f. Th., 1893. S. 369. Verliote, .1. de Bmx. im S. 297. Schmidt, Z. f. Vet, 1894. S. 163. Kitt, M. f. p. Th., IV. Bd. 8. 444.
Aetiologie. Die der eiterigen Nierenentzündung zu Grunde liefen-den Ursachen können von zwei Seiten her auf das Nierengewebe entzündungserregend einwirken: vom Blute aus (hämatogen) oder von der Blase bezw. dem Nie renbecken her (urogen). 1. Vom Blute aus erzeugen eiterige oder jauchige, überhaupt infectiöse Emboli umschriebene Entzündungsherde, so bei Septikämie, Pyämie, Endocarditis, Lungengangrän, Pneumonia, Pharyngitis u. s. w. Emboli nicht in-fectiöser Natur, wie z. B. solche, welche vom Wurmaneurysma abstammen, bedingen keine eiterige, sondern eine gewöhnliche chronische Nephritis mit Infarcirung und Narbenbildung. Am häufigsten findet man die eiterige Nephritis in Form des Nierenabscesses beim Rind. Hier kommen jedenfalls die im Anschlüsse an schwere Geburten oder an das Zurückbleiben der Nachgeburt auftretenden septischen Infectionen mit Ablagerung der Spaltpilze in dem Excre-tionsorgan der Niere in Betracht. 12. Von der Blase'her kann sich eine Entzündung auf dem Wege der Fortpflanzung zunächst bis zum Nierenbecken und von da zur Niere selbst verbreiten (Pyelonephritis). Endlich können Vereiterungen im Nierenbecken durch traumatische Einflüsse, z. B. durch Nierensteine, verursacht werden.
Pathologische Anatomie. Die eiterigen Nierenentzündungen treten bei den Hausthieren nach Kitt hauptsächlich in zwei Formen auf:
1. Die Nephritis purulenta disseminata entsteht, wenn die pyo-genen Noxen vom Blute her fein vertheilt über die ganze Niere ver-
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Riterige Nieronentzüiicluiig.
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breitet werden (Nephritis purulenta punctata, ditfusa, mixta). Die ganze Rinde ist von zahlreichen kleinen Ahscex.sen in Form eiterfarbiger, wei.ssgelber Punkte und Streiten durch.setzt, die VOM lebhaft rothem Hofe und dunkulrothen Hämorrhagien umgeben sind. Die Sohnittflftohe der Niere erhält dadurch ein buntes, weiss, grau, gell), bräunlich und roth gesprenkeltes Ansehen. Die Abscesschen in der Rinde spitzen sich nach der Grenz- und Mark-sohiohte zu; sie enthalten zahlreicheBacterien, namentlichMikrokokkenlaquo; hauten. Man findet diese disseminirte eiterige Nierenentzündung besonders beim Schwein und Kalb.
2. Die Nephritis apostematosa, der Nierenahscess, entsteht entweder embolisch, so namentlich heim Pferde im Verlaufe der Druse, oder urogen, so insbesondere beim Rinde hei eiteriger Pyelonephritis. Man findet in der Niere vereinzelte oder mehrere, bühnerei- bis kopfgrosse Eiterhöhlen mit rahmigem Eiter und speckig weisser Wandbegrenzung, in welchem hei Druse derDrusestrepto-COCCUS nachweisbar ist. In anderen Fällen ist die ganze Niere mit Untergang des Nierenparenehyms in eine schwappende Eitei-geschwulst umgewandelt, deren Wandung aus der Nierenkapsel und der schwartig verdickten Uindensubstanz besteht, und bei der das erweiterte Nierenbecken mit in die Eiterhöhle einbezogen ist (Pyonephrose),
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Symptome. Die Erscheinungen der eiterigen Nephritis sind nicht sehr charakteristisch, abgesehen davon, dass sie durch die Symptome des Grundleidens (Pyämie, Pyelitis etc.) verdeckt werden. Häufig lallt nur die starke Abmagerung, die Störung des Appetits, der vermehrte Durst, die Mattigkeit, das rauhe Haarkleid u. s. w. auf. In anderen Fällen bietet der Harn gewisse Anhaltspunkte für die Diagnose. Man findet ihn nämlich zuweilen übelriechend, von dicker, schlickeriger Consistenz, mit Eiter und wurmför-migon Gerinnseln gemischt; auch Blut und abgestorbenes Nierengewebe hat man darin nachweisen können. Bei Kühen trifft man den Schweif mit Eiter und Schleim besudelt. Im weiteren Verlauf kann es zu embolischen Pneumonien, Pyämie, hämorrhagischer Diathese etc. kommen. Für gewöhnlich ist indess der Verlauf ein langsamer, schleichender, so dass die Veränderungen in der Niere meist erst beim Schlachten des Thieres wahrgenommen werden. Bei der Exploration der Bauchhöhle vom Mastdarm ans kann man beim Rinde hie und da durch Palpation die tluctuirende weiche Eiter-cyste nachweisen.
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#9632;#9632;
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EntzUndung dus Niereabeokons.
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Therapie. Die Behandlung der eiterigen Nephritis ist eine rein chirurgische. Sie kann entweder in der Function dew Eitersackes von der Lendengegend aus oder in der Exstirpation desselben auf dein Wege der Laparotomie bestehen. Letztere wurde in einem Falle bei einer Kuh von Munich versucht. Wenn dieser vereinzelte Fall auch nicht von dein gewünschten Erfolg begleitet war, so dürfte sieli doch in Zukunft die Vornalnne der letzteren Operation um so mehr empfehlen, als das Rind gegen derlei Eingriffe sehr wenig empfindlich ist und bei ungünstigem Ausgange eine Nothschlachtung ja ohne grossen finanziellen Verlust vorgenommen werden kann. Bei einem Pferde will Maksutow die Entfernung der Niere erfolgreich ausgeführt haben.
Die Entzündung des Nleronbeckons. Pyelltls.
Literatur. BruckhOllgr, l'ath. Zootomie, IBOÜ. S. 057. Siedamgrotzky, S,./. /;.,
1871. S. 74. Deupser, B. Ih. (C, 1890. S, 89, - FRiEDBERdER, D. Z. f. Th., 1890.
S, 188. Dieckerhoff, Spec. Path., 1892. 8. 957. 8teinc im Nieronbeoken, Lautour, Uec, 1828. - Bouley, Ibid., 1845.#9632;
Riquet, Ibid., 1849. Roll, Oe. V. S., 1852. S. 52. -- Bruckmüller, Ibid., 1857.
S. 26; 1858. S. 181; Path.Zootomie, 1869. S.661. Piixwax, Oe. f. S., 1867. S.59.
nbsp; Qüillok, A. d'Alf., 1876. Degive et Loboe, Ibid., 1877. Mijgnin, ßec, 1881.
nbsp;Söhkgen, /-'. .1., 1885. S. 299. Oapelletti, Claquo;raquo;. laquo;.laquo;/,, 188G. AVali.ky, ./. laquo;/' coinjK, V. S. 161. Vesmelow, Pet, A., II. S. 384. Bernhardt, /.'. th. IC, 1894. S, 509, Percher, Bec, 1895,
Ki ese u p alli sadou wurm im Niorenbooken. Leblanc, ßec, 1862. Delia Rovere, II med. vet., 1868. Leiserino, S. ./. B., 1867. S. 31; 1871. S. 74. Ri-volta, limed, vet., 1867. Balbiani, Bec, 1870. Martembgci, Rcl'. Rep., 1872. S. 288. Wihtz, Ibid., 1873. S. 368. Pplüo, Krhhtn. d. uropo'M. Systems, 1876.
nbsp;Adacco, iK/bma med., 1888. Silvestrini, Oiorn. di .1., 1888. Rec, 1889. Vkshi-it, Am. ret. rev., 1891. 8,449, De Leonardis, Gakihai.di I^isi, Clin. vet,, 1893.
Allgemeines. Die Entzündung des Nierenbeckens bietet mehr Interesse für den pathologischen Anatomen als für den Kliniker. Einerseits tritt sie nämlich immer als seeundäres Leiden im Gefolge einer anderen primären Krankheit (Nephritis, Cystis) auf, andererseits kann sie klinisch während des Lebens nur ausnahmsweise mit Sicherheit diagnosticirt werden. Eine eingehendere Besprechung der Pyelitis dürfte daher hier kaum am Platze sein.
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Aetiologie. Die Entzündung des Nierenbeckens entsteht gewöhnlich durch Ausbreitung einer Blasen- oder Nierenentzündung auf die Schleimhaut des Nierenbeckens (Pyelocystitis und Pyelonephritis). Weiterhin entwickelt sie sich häufig im Verlaufe von Infectionskrankheiten und bei Verffiftuncfen , wenn die infee-
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BntzOndvinfi' des Nierenbeokena.
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tiöson odor giftigen Stoffe bei ihrer Ausscheidung .ins dem Körper mit der Nierenbeckenschleinihaut in Berührung kommen. Ms möge liier an Rotz und Tuberkulose, sowie an die Aufnahme scharfer Pflanzengifte erinnert werden. Sodann verursachen Fremdkörper, besonders Nierensteine, verschieden hochgradige, bald leichte, bald sehr schwere Entzündungen der Nierenbeokenschleimhaut (Pyelitis cal-culosa); auch die Ablagerung- von dries und Sand im Nierenbecken kann Pyelitis hervorrufen. Hieher gehört ferner die Anwesenheit des Iiiesenpallisadenwurmes (Eustrongylus gigas) im Nierenbecken des Hundes, Pferdes und Kindes. Endlich bedingt eine Anstauung des Harns im Nierenbecken nach mechanischer oder dynamischer 1 lain verhaltung in Folge der sich einstellenden Zersetzung des Harns ebenfalls eine Pyelitis, ans der sich bei längerer Dauer der Stauung Nierenatrophie mit cystöser Einschmelzung der Nierensuhstanz entwickeln kann (Hydronephrose).
Pathologische Anatomie, de nach dein Grade, den Ursachen und der Dauer der Entzündung kann man zwischen einer einfachen, eiterigen, croupösen, d i phtheri tischen, calculösen, sowie einer deuten und chronischen Pyelitis unterscheiden. Bei der einfachsten Form lindet mau die Schleimhaut geschwollen, höher geröthet. zuweilen von llämorrliagien durchsetzt, sowie mit einem schleimigen, an desquamh'tenEpithelzellen reichen Belage überdeckt, der bei eiteriger Pyelitis last aus lauter weissen Blutkörperchen besteht. Die Einwirkung von Nierensteinen auf die Schleimhaut ilussert sich entweder im Auftreten umschriebener entzündlicher, bald in Nekrose und Ge-scliwürshildung übergebender Herde und croupös-diphtheritischer Auflagerungen, oder in Form einer inkrustirenden Schleimhautentzündung, bei welcher die ausgeschiedenen Sedimente sich mit der Schleimhaut zu einer rigiden Membran verbunden haben. Der bei Pferden häutige chronische Katarrh des Nierenbeckens äussert sich in schmutzig bräunlicher Verfärbung, Pigmentirung, Verdickung, subnuuöser Infiltration und Verschwärung der Schleimhaut bei gleichzeitiger Erweiterung des Nierenbeckens. Sehr bald gesellt sich zur Pyelitis auch eine Nephritis oder Cystitis; insbesondere führt die eiterige Form gerne zu eiteriger Nephritis und Pyoneplirose. Eustrongylus gigas lindet man vereinzelt aus dem Nierenbecken in die Bauchhöhle in der Umgebung der Niere ausgewandert.
Symptome. Die Erscheinungen der Nierenbeckenentziindung sind bei der häufigen Complication der Pyelitis mit Nephritis und Cystitis
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i!!)0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pyelonephritis.
sehr unbestimmter Natur. Mit Sicherheit kann man Pyelitis nur diagnosticiren, wenn man etwa im Harn bei mikroskopischer Untersuchung die den tieferen Lagen der Niorenbecken-schleiinhaut charakteristischen mit Fortsätzen versehenen (baokzahnähnlioh geformten) Cylinderepithelien vorfindet. Zuweilen lässt sich beim Pferd und Rinde durch Palpation der Nieren vom Mastdarm aus eine Vergrösserung des Nierenbeckens, sowie eine Verdickuug bezw, Erweiterung des Harnleiters nachweisen, desgleichen beim Hunde durch äussere Palpation des Hinterleibes. Die übrigen Erscheinungen richten sich ganz nach der Art des Gnmdleidens. So erzeugt die Anwesenheit von Nierensteinen Kolikerscheinungen und Harnbeschwerden (sog. Nierenkolik) und kann bei längerer Harnverhaltung zurUrämie führen. Eustron-gylus gigas erzeugte bei zwei Hunden die Erscheinungen des Wutb-verdachtes. Im Harn lindet man je nach der Form der Pyelitis Eiterkör per chen, Blut- und Fibringerinnsel, n ekrotisc lies Schi ei in-liautge webe, sandige, griesige Massen, bei Anwesenheit von Eustrongylus gigas im Nierenbecken zahlreiche Strongylus-Eier.
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Therapie. Die Behandlung der Pyelitis deckt sich mit der Behandlung des Grundleidens. Sie besteht in der Hauptsache in der Verabreichung antikatarrhalischer, antiseptischer und ad-stringirender Mittel. Hieher gehören die Alkalien, die Borsäure, Salicylsäure, das Creolin, sowie die verschiedenen gerbsäurehaltigen Mittel.
Dio Pyelonephritis laquo;les Hindes.
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Aetiologie und Pathogenese. Unter den entzündlichen Erkrankungen der Niere nimmt die Pyelonephritis des Rindes insofern eine selbstständigc Stellung ein, als sie durch einen besonderen In-
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Pyelonephritis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 891
fectiouserreger, den Bacillus renalis bo vis (Bacillus pyelonepbri-tidis bovis) erzeugt wird. Dieser Pilz bildet nach den Untersuchungen von Enderlen und Höflich, welche denselben zu gleicher Zeit entdeckt haben, 23 Mikra lange und 0,8 Mi kr a 1) reite, unbewegliche, schlanke oder leichtgekrünimte, in Haufen bei einander liegende Stäbchen mit abgerundeten Ecken, welche sich leicht nach der Gram'schen Methode färben lassen. Der Bacillus, welcher am besten bei einer Temperatur von 37deg; C. gedeiht, bildet auf festen Nährböden graue, punktförmige, erhabene, stark glänzende Colonien, in Bouillon einen feinkörnigen Bodensatz.
Die bacilläre Pyelonephritis des Kindes scheint keine seltene Krankheit zu sein, wie insbesondere die Beobachtungen in Schlachthäusern lehren. Der Umstand, dass sie meist bei weiblichen Thieren vorkommt und häufig kürzere oder längere Zeit nach dem Geburts-acte in die Erscheinung tritt, weist auf einen Zusammenhang mit septischen Processen im Uterus, insbesondere mit zurückgebliebener und faulig zersetzter Nachgeburt hin. Die Einwanderung der Bacillen vom Uterus in die Nieren dürfte am häufigsten auf urogenem Wege, d. h. durch die Scheide, Harnröhre, Blase und die Harnleiter erfolgen. Die Wahrscheinlichkeit einer derartigen ascen-direnden Entzündung wird durch die Thatsache bewiesen, dass that-sächlich häufig neben der Pyelonephritis eine Vaginitis, Urethritis und Cystitis vorhanden ist. Ausserdem begünstigt die anatomische Lage der Harnröhrenmündung an der unteren Wand der Scheide das Eindringen von Mikroorganismen in die Blase. Andererseits dürfte jedoch die bacilläre Niereninfection zum Theil auch auf hämatogenem Wege, also durch Vermittlung des Blutes, zu Stande kommen, wie intravenöse Uebertragungsversuche gezeigt haben.
Pathologische Anatomie. Der Bacillus der Pyelonephritis wirkt auf das Nierengewebe pyogen und nekrotisirend; in der Umgebung der entzündlichen Herde entwickelt sich im weiteren Verlaufe inter-stitielle Bindegewebswucherung mit Sklerosirung. Man findet entweder nur eine oder beide Nieren erkrankt. Die Nieren sind gewöhnlich um das Doppelte v er grosser t. Die Nierenkapsel ist häufig getrübt und stellenweise verwachsen. Die Nierenoberfläche zeigt ein geflecktes Aussehen, indem lehmgelbe oder graugelbe umschriebene Herde von Stecknadelkopf- bis Erbsengrösse und darüber mit dunkelrothen Stellen abwechseln. Zuweilen ist die Oberfläche der Nieren auch höckerig oder knotig und von multiplen kleinen Eiterherden durchsetzt. Die
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392nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pyelonephritis.
Consistenz der Niere ist derber als normal. Auf dem Durchschnitte sieht man in der Rindensubstanz gelbgraue, gelbweisse oder weisse Streifen, zuweilen auch reihenfönnig gelagerte kleinste Abscesse; ähnliche hollgraue Streifen findet man auch in der Marksubstanz. Die Nieronpapillen sind häufig mit schmutziggelben, eiterigen Massen belegt oder geschwürig, nckrotisch zerfallen (nekro-tisirende Pap ill ar nephritis). Das Nierenbecken ist erweitert und zeigt einen schmutziggrauen oder gelbbraunen eiterigen, schleimigen, flockigen, krümeligen oder dünnflüssigen Inhalt. Die Schleimhaut des Nierenbeckens ist verdickt, fleckig geröthet, rauh, zuweilen auch mit Geschwüren oder warzigen Wucherungen bedeckt. Aehnliche Veränderungen zeigt oft auch der Harnleiter, welcher meist um das 35fache verdickt ist. Die mikroskopische Untersuchung des Nierengewebes ergibt eine kleinzellige Infiltration in der Rinden-substanz, Vermehrung des interstitiellen Bindegewebes in Rinde und Mark, Schrumpfung der llarncanälchen, Verödung der Glomeruli, sowie Schwellung und Zerfall des Epithels der llarncanälchen. Die Untersuchung des Nierenbeckeninhaltes ergibt zahlreiche Sargdeckel-krystalle, Eiterkörperchen, Cylinder- und Plattenepithelien, Detritus, sowie gelbbraune und graubraune Bacterienhaufen; zahlreiche Bacterien lassen sich auch durch Färbung an den unteren Enden der Harn-canälchen nachweisen.
Symptome. Die Erscheinungen der Pyelonephritis sind bei dem chronischen Verlaufe derselben im Allgemeinen ziemlich unbestimmter Natur. Die Thiere zeigen eine allmählich zunehmende Störung des Allgemeinbefindens, welche mit unterdrückter Fresslust und Rumination beginnt und schliesslich zu hochgradiger, skeletal-tiger Abmagerung führt. Das Krankheitsbild wird zuweilen durch inter-mittirende Kolikerscheinungen und Fieberexacerbationen unterbrochen. Manche Kühe zeigen auch eine gekrümmte Haltung der Wirbelsäule, sowie Empfindlichkeit derselben auf Druck. Urämische Erscheinungen (Harnverhaltung, Erbrechen, Krämpfe) sind seltener. Die wichtigsten Veränderungen bietet der Harn. Derselbe ist in vorgerückteren Graden von schleimiger, eiteriger und selbst blutiger Beschaffenheit. In Folge dessen ist die Umgebung der Scham, insbesondere der Schwanz, häufig mit eiterigen und blutigen Massen besudelt. Die mikroskopische und chemische Untersuchung des Harns ergibt das Vorhandensein von weissen und rothen Blutkörperchen, Cylinder- und Plattenepithelzellen, Tripel-
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Pyelonephritis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 393
phosphafckrystallen, zahlreichen Baoillen und Eiweiss. Die Untersuchung der Nieren vom Rectum aus liefert meistens einen negativen Befund. Dadurch, dass sich die Pyelonephritis häufig mit Cystitis, Metritis und Vaginitis complioirt, wird auch das Krankheitsbild nicht selten etwas modificirt. Als Kriterien des Blasenkatarrhs sind zu nennen: häufiger llarnabsatz, selbst Harntröpfeln, Schmerzen beim llarnabsatz, Drängen auf den Harn. Die gleichzeitige Erkrankung des Uterus und der Scheide kennzeichnet sich durch einen vom Harnabsatz unabhängigen eiterigen, .schleimigen oder blutigen Scheidenausfluss.
Differentialdiagnose. Die Unterscheidimg der vorliegenden chronischen Pyelonephritis von der früher beschriebenen chronischen Nephritis (Schrumpf'niere) ist mit Sicherheit klinisch nur durch den Nachweis der Bacillen im Harn möglich. Dasselbe gilt für die einfache Pyelitis, insbesondere für die calculöse Form. Ohne den Nachweis der Bacillen ist die Pyelonephritis deshalb von einer einfachen Nephritis schwer zu unterscheiden, weil auch die calculöse Pyelitis in Folge des Uebergangs der Entzündung vom Nierenbecken auf das Nierenparenohym sich mit chronischer Nephritis compliciren kann. Im Allgemeinen darf aber gesagt werden, dass die Mehrzahl der Fälle von chronischer Nephritis des Rindes der bacillären Pyelonephritis angehören, so dass in der Regel auch auf Grrund der klinischen Erscheinungen wenigstens eine Wahrscheinlichkeitsdiagnose möglich ist.
Therapie. Eine Behandlung der bacillären Pyelonephritis ist meistens fruchtlos. Aus diesem Grunde ist eine möglichst frühzeitige Diagnose nothwendig, damit dem Eigenthümer von vornherein die Schlachtung angerathen werden kann, ehe das kranke Thier in Folge der Abmagerung werthlos wird. Sollen trotzdem Heilversuche vorgenommen werden, so gibt man innerliche Antiseptica, um das erkrankte Nierenparenchym zu desinficiren. Von solchen sind zu erwähnen der Campher, das Terpentinöl, die Salicylsäure, das chlorsaure Kali, die Folia Uvae Ursi. Man gibt den Campher gewöhnlich in Form einer Emulsion mit Leinsamendecoct, die Folia Uvae Ursi in Abkochung (2050,0). Im Ucbrigen können die bei der Therapie der Nephritis angeführten Mittel versucht werden.
Amyloidniere. Die amyloide Degeneration der Niere ist bei unseren Hausthieren als selbstständigo Krankheitsform bis jetzt nur vereinzelt angetroffen worden ; häufiger wird sie neben amvloider Degeneration anderer
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Amylouluicro.
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Organe in inelu'unlerguordneter Weise gefunden. Eabe beobachtete sie als mehr oder weniger solbstständige Krankheit bei drei Hunden, Gerlach (1865) bei einem Kinde. Die anatomischen Veränderungen bestehen in wachsartiger Derbheit des Rindenparonchyms, lililsse, Trockenheit und Blutarnuith desselben, Vergrüssemng und glasiger vVurciuellung der Glomeruli, sowie in der Anwesenheit homogener, matt glänzender und schwach liohtbrechender Harncylinder in den gewundenen Harncanälchen. Mit Methylviolett (Salontinte) färben sich die beschriebenen Stellen intensiv purpurroth, mit wässeriger Jod-Jodkaliumlüsung niahagoniroth, welch letztere Farbe nach Zusatz von Schwefelsäure stahlblau wird. Die Erscheinungen bestanden nach den Beobachtungen Babe's in wassersüchtigen Anschwellungen der Sub-cutis, und zwar hauptsächlich an den Gliedmassen, Ascitos, Albuminurie, sowie urämisehen Ersohoinungnn: Erbrechen, lühmungsartige Schwäche, Coma, Abnahme der Körpertemperatur. Eine Herzhypertrophie wurde in keinem der drei Fälle beobachtet. Was schliesslich die Behandlung der Amyloidniere betrifft, so ist dieselbe jedenfalls von derjenigen der chronischen Nephritis, mit welcher sie während des Lebens sicherlich auch immer verwechselt werden wird, nicht verschieden.
Nierengeschwülste. Zuweilen, wenn auch selten, sind Niorcngescbwulste Gegenstand klinischer Untersuchung und Behandlung. Dieselben (Carcinome, Sarkome, Melanome, Adeno-, Sarko-, Khabdomyome) lassen sich nämlich in manchen Fällen bei kleineren Ilausthieren, insbesondere bei Hunden und Katzen, klinisch durch die Palpation des Hinterleibes nachweisen. Für gewöhnlich allerdings gibt erst die Section Aufschluss, nachdem während des Lebens Hämaturie, Empfindlichkeit der Nierengegend, sowie Störungen der Harnsecretion beobachtet wurden. Die Befaandlunff könnte lediglich in der Exstirpation der erkrankten Niere bestehen.
CüOCidiosis der Nieren. Bei Gänsen beobachteten Railliet und Lucet die durch Coccidien verursachte Nierenkrankheit (vergl. 8.^45).
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Die Harnverhaltung. Betentlo uriiuie.
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Harnverhaltung-.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3()5
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Allgemeines. Die Harnverhaltung, auch Schwerharnen, Harn-strenge, Harnkolik genannt, bestellt in einer abnormen Ansammlung des Harns in der Blase mit nachfolgender Erweiterung und Entzündung derselben, desgleichen der Ureteren und des Nierenbeckens, welche entweder zu Ruptur der Blase und Peritonitis, oder zu Druckatrophie der Niere, Hydronephrose und Urilmie führt. Dabei bildet sie keine Krankheit für sich, sondern ist lediglich ein Symptom der aller-verschiedensten Grundleiden. Sie kommt am häufigsten beim Rind, Hund, Pferd und Schaf vor und zwar hier wieder in der Mehrzahl aller Fälle bei männlichen bezw. castrirten männlichen Tbieren. nur selten hei weihlichen.
Aetiologie. Die Ursachen der Harnverhaltung sind folgende:
1,nbsp; Fremde Körper in der Blase und Harnröhre, welche das AusHiessen des Urins verhindern. Hieher gehören Blasen- und Harnröhrensteine, Harn sediment in der wunnförmigen Verlängerung (S-förmigen Krümmung) der Harnröhre bei Ochsen und Hammeln, abgebrochene Katheterstücke, absichtlich in die Harnröhre eingeführte Fremdkörper (Strohhalme, Besenreiser), Blutcoagula, Fibringerinnsel, abgelöste croupöse und diphtheritische Membranen in der Blase, polypöse, die Blasenöffnung verlegende Geschwülste.
2.nbsp; Compression sowie Obturation der Harnröhre und Blasenmündung durch Neubildungen in der Nachbarschaft, besonders der Prostata, sodann des Uterus, der Ovarien, oder der Blase selbst, durch Kothansammlungen im Darm, Lageveränderungen des Uterus, Trächtigkeit; Verengerung des Lumens der Harnröhre durch Stricturen, Entzündung, Anschwellung derselben, Abknickung des Penis, Bruch des Ruthenknochens, Paraphiraose (Einschnürung der Eichel durch die geschwollene Vorhaut), Phimose (abnorme Verengerung oder Verlegung der Vorhautmündung).
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Harnsteine.
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3. Lähmung der Harnblase (des Detrusor uriuae) in Form einer Parcse oder Paralyse nach schwerer croupöser, diplitheritischer, phlegmonüser Cystitis, Pericystitis, Rückenmarksleiden (Traumen, Meningitis spinalis, Apoplexien), allgemeiner Schwäche, nach zu langer Unterdrückung des Marnabsatzes bei gehirnkranken Pferden oder bei anhaltender Bewegung, endlich nach refiectorischer Parese der Blasenmuskulatur während der Kolik, im Verlaufe der rheumatischen Hilmoglobinämio des Pferdes, bei schwereren Allgemein-leiden, z. B, beim Kalbefieber.
#9632;1. Krampf des Schliessmuskels (des Sphincter vesicae) bei Erkältung, Cystitis, Fremdkörpern in der Blase, sowie reflectorisch bei Kolik und Starrkrampf.
Harnsteine. Bezüglich der Entstehung der Harnsteine, welche vorwiegend von chirurgischer liedeutung sind, mag hier bemerkt werden, dass dieselben einen dreifachen Ursprung haben können. Entweder bilden sie sich durch Auskrystallisiren der im Harn gelösten Salze um Fremdkörper herum (Gerinnsel, Sperma) oder sie sind auf einen zu hohen Salzgehalt des Harns in Folge sehr kalkreichen Trinkwassers, kalk-imd m agnesiah altiger Nahrungsmittel {#9632;/.. 13. Kleie), zu stickstofireichev Futtermittel (Bildung von Harnsäure) oder endlich auf die Bildung der unlöslichen phosphor sauren Ammoniak-Magnesia (Tripel-phosphat) bei Stauung und Zersetzung des Harns in der Blase (Harnverhaltung, Cystitis) zurückzuführen. Nach den Versuchen von Eb-stein prädisponiren entzündliche I'rocesse in den Harnwegen zur Bildung von Harnsteinen, indem sie das organische Grundmaterial für dieselben liefern. Der chemischen Zusammensetzung nach sind die Harnsteine der Pflanzenfresser vorwiegend Carbonatsteine (neben Oxalat-und Silicatsteinen); die der Carnivoren vorwiegend üratsteine (neben Oxalat- und Cystinsteinen), die der Omnivoren Oxalat- und Carbonatsteine. Bei allen drei kommen ferner P hosphatstein e (phosphorsaure Ammoniak-Magnesia) nach Stauung und Zersetzung dos Harns in der Blase nicht selten vor. Durch Verabreichung von 4ö g Oxamid pro die gelang es Ebstein und Nicolai er bei einem Hunde innerhalb weniger quot;Wochen künstliche Harnsteine zu erzeugen.
Symptome. Die Erscheinungen der Harnverhaltung äussern sich entweder in Form einer vollständigen Unterdrückung des Harnabsatzes (Ischurie), oder einer unvollständigen, nur tropfenweise und dabei mit Schmerzen verbundenen Entleerung des Harns (Dysurie, Strang-urie). Die Ansammlung des Harns in der Blase erzeugt bei sensibleren Thieren, wie beim Pferde und Hunde, sehr bald Erscheinungen von Unruhe und Schmerz, während bei den indolenten Wiederkäuern, insbesondere beim Ochsen, oft mehrere Tage vergehen können, bis sich einigermassen charakteristische Anzeichen einstellen. Pferde und Hunde zeigen zunächst das Krankheitsbild einer Kolik (sog. Harn-
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Hamvoi'haltung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 397
kolik), Dabei liilli der immer wiederkehrende Drang zum Uriniren auf, indem die Thiere sich häufig zum Harnabsatz anstellen, die EinterfUsse aus einander spreizen, ausschachten u, s. w. Beim llind und Schaf fehlen indess derartige Kolikerscheinungen nicht selten fast ganz, werden woli) auch häufig übersehen, oder man beobachtet nur eigenthUmliohe peristaltische Bewegungen und Zuckungen am Mittel fleisch dem Verlauf der Harnröhre entlang; ausserdem fällt die Trockenheit des Standes und des Haarpinsels an der Vorhautnnindung auf. Die Palpation der Blase von den Bauohdecken oder vom Mastdärme aus ergibt, sofern eine Ruptur der Blase noch nicht eingetreten ist, eine mehr oder weniger starke Anfüllung derselben, sowie Schmerzäusserung bei Druck auf dieselbe; ausserdem lässt sich dabei das Vorhandensein eines mechanischen Hindernisses für den Harnabfluss, eines Steines, einer Neubildung u. s. w. constatiren, ein Befund, welcher durch eine genaue Untersuchung der Mündung und des Verlaufs der Harnröhre, sowie Einführen eines Katheters oder einer Steinsonde bestätigt werden kann. Aussei- den angeführten Erscheinungen zeigen sich die Thiere unlustig und eingenommen, die Futter- und Wasseraufnahrae sind sistirt, der Puls ist erhöht, und zuweilen lindet reichlicher Schweissausbruch statt.
Wird in diesem Stadium das llinderniss für den Harnabfluss nicht gehoben, so steigern sich die Symptome und es kommt entweder zu einer Berstung der Blase mit Erguss des Harnlaquo; in die Bauchhöhle und nachfolgender Bauchfellentzündung, oder zu einer diphtheritischen Blasenentzündung mit Pyelitis, Nephritis oder ilydronephrose und Urämie. Im ersteren Falle hören die Schmerzen und Unruheerscheinungen plötzlich auf. Bei der Exploration findet mau die Blase vollständig leer, während in der Bauchhöhle später eine zunehmende Ansammlung von Flüssigkeit nachzuweisen ist; unter starker Eingenommenheit des Sensoriums steigt Puls und Temperatur, es treten Schüttelfröste und allgemeines Muskelzittern auf, die ausgeathmete Luft, sowie die Schweissabsonderung nimmt einen urinösen Geruch an, die Bauchhöhle füllt sich immer mehr, die Harnausscheidung ist ganz unterdrückt, so dass die Thiere schliesslich an ausgebreiteter Peritonitis in Verbindung mit Urämie zu Grunde gehen. Dabei erfolgt der Tod beim Pferde und Hunde sehr rasch innerhalb weniger Stunden, nachdem eine 1quot;Jtägige, höchstens Btftgige Ischurie vorausgegangen ist. Beim Rind dagegen können nach eingetretener Blasenruptur noch 814, nach Haubner-Siedam-grotzky 18 Tage, nach Stör, Cruzel u. A. selbst 45 Wochen bis
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398nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Harnverhaltung.
zum tikltlichen Ausgange dazwischen liegen. Im letzteren Falle endet die Krankheit mit den Erscheinungen einer hochgradigen gangrä-nescirenden Cystitis, an welche sich eine acute Nephritis und Uriimie an.schliesst; dieser Ausgang ist indess seltener.
Differentialdiagnose. Die Harnverhaltung wird ebenso häufig mit wahrer Kolik verwechselt, als letztere insbesondere von Seiten der Laien mit ersterer, was um so begreiflicher ist, als bei der echten Kolik häufig ebenfalls eine Art von Harnverhaltung gegeben und die Blase hei der Untersuchung vom Mastdarm sehr häutig mehr oder weniger angefüllt ist. Indess ist die Unterscheidung beider bei einer genaueren Untersuchung und im weiteren Verlaufe nicht schwer, da bei der wahren Kolik allmählich mehr die Erscheinungen eines Darmleidens, bei der Harnverhaltung die eines Blasenleidens in Form von Harndrang, öfterem Anstellen zum Uriniren, Ausschachten, lebhaftem Wedeln und Peitschen mit dem Schweife, andauernder Ischurie oder Strangurie, .Empfindlichkeit der Blase bei Druck in den Vordergrund treten. Auch andere Krankheiten, z. B. die rheumatische Hämoglobinämie bei Pferden, die einfache Cystitis, Nephritis, Peritonitis, endlich Geburtswehen können zu Verwechslungen Veranlassung geben. In allen diesen Fällen aber ist weder der Harnabsatz andauernd gestört, noch die Blase anhaltend abnorm gefüllt.
Therapie. Bei der mechanischen Form der Harnverhaltung ist die Behandlung eine rein chirurgische bezw. operative (ürethrotomie, Cystotomie, Punction, Circumcision). Bei der sog. dynamischen, auf Lähmung bezw. Krampf der Blase beruhenden Form, wobei indess die Ursache weit häufiger in Lähmung als in einem Krampf zu suchen ist, muss man zunächst versuchen, die Blase durch Druck von den Bauchdecken oder vom Mastdarm her, sowie durch Einführung eines Katheters zu entleeren. Auch kann man auf reflectorische Weise durch Reizung der Harnröhrenmündung oder sanftes Streichen der Harnröhre am Perineum die Blase zur Entleerung bringen. Liegt Krampf des Sphincter vor, so empfehlen sich ausgiebige Einreibungen von Terpentinöl, Anis-, Kümmel-, Fenchel-, Camillenöl auf die Bauchdecken und am Mittelfleische, sowie die innerliche Verabreichung dieser Gele, desgleichen von Morphium, Belladonna, Chloralhydrat. Gegen ausgesprochene Blasenlähmung endlich ist Strychnin, Physostigmin, sowie die Elektricitiit zu versuchen.
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Blasonkatan-h.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;399
Incontinentia urinae. Das Gngentheil der Harnverhaltung bildet das Unvermügen, den Harn zu halten. Dasselbe ist ein Symptom verschiedener Krankheiten, besonders von Kückenmarksaf t'ectio n en und beruht auf einer Lälimnng des Sphincter vesicae, nur ausnahmsweise auf einem Krampf des Detrusor z.B. bei Cystitis. Auch bei längerer Harnverhaltung, bei Schwäche des Sohliessmuskels im Alter und bei Cystitis, nach Cystotomien mit Durchschneidung des Sehiiessniuskels, bei Zer-stiirang desselben durch Geschwülste, nach Ausdehnung der Blase durch Blasen stein e, dos Orifkiums durch Polypen wird das Leiden beobachtet. Die Behandlung richtet sich nach der Grundkrankheit und besteht bei Lähmung dos Sphincter in Verabreichung des Strychnins, Anwendung der Eloktricität, kalten Bespülungen der Blase, Kräftigung der Constitution.
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Blasenkatarrh, Blasenentzttndung. Cystitis.
Literatur. Rinquet, Bec, 18.57. Hasglbach, May., 1800. Tannenhauer, /did., 1864. S. 16. Saint-Cyr. J. de Lyon, 1867. Friedberqer, M. J, II., 1877 78. S. 110; 1878/79. S, 72. Anackeb, 27m'#lt;., 1879. S. 80; 1895. S. 81. - Pkterleim, S. ./. A., 1884. S. 02. Vaes, Wallendael, A. de lirux., 1885. Godpryn, BuU. delg., 1886. Rmmehiciz, B. A., 1886. S. 289. Siedamorotzky, ä ./. H., 1887. S. 28. -- Johne, Ibid., 1887. S. 58. Blaise, Jh',:, 1888. Vogel, IV. f. Th., 1888. S. 15. Barnik, Z. f. TV/., 1890. lieft 7. - Röder, S. J. IS., 1891. S. 96. Utz, Ji. th.M., 1892. 8.86.Müller, Krhhtn. d.Hundes, 1892. S. 174. - Diecker-hoff. Spec, Path., 1892.1. S. 960. Möller, Chirurgie, 1893. Reinemann, B, .1., 1898. S: 318. Rödeh, S. J. II., 1894. S. 123. Theiler, Sclm. A., 1895. S. 34. Voro-1. aussordem die Literatur dor Harnverhaltung.
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1893.nbsp; S. 408. Röder, S. J. II., 1893. S. 128. Möller, Chirurgie, 1893.
Allgemeines. Der Katarrh und die Entzündung der Blase gehören, wie die Krankheiten der Blase überhaupt, eigentlich ins Gebiet der Chirurgie. Wenn sie trotzdem hier kurz angereiht werden, so geschieht dies mit Rücksicht darauf, class die Affectionen der Blase in innigem Zusammenhange mit denen der Nieren stehen, und dass die Erscheinungen beider einander oft sehr ähnlich sind, sowie dass die Behandlung der Blasenleiden zum Theil eine innerliche ist. Ausser-dem ist die im Vorangehenden beschriebene Harnvorhaltung bei längerer Dauer immer mit Cystitis complicirt.
Aetiologie. Die Ursachen der Cystitis bestehen zunächst in Reizung der Blasenschleimhaut durch giftige und infectiöse Stoffe, welche aus dem Blute mit dem Harn ausgeschieden werden, so z. B.
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Ulasunkatarrli.
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Caiithariden, Terpentinöl, Pilze. Ilieher gehört auch die im Verlaufe schwerer Infectionskrankheiten zuweilen auftretende Blasen-entzündung. Eine weitere Veranlassung ist zuweilen, da andere Ursachen nicht aufzufinden sind, in Erkältung zu suchen. Sodann entsteht eine Cystitis im Anschluss an die Entzündung eines benachbarten Organes, so an eine Nephritis, Pyelitis, Uretliritis, Vaginitis, Peritonitis, Metritis. Auch traumatische Einflüsse, z.B. Verletzung und Quetschung der Schleimhaut durch Blasensteine, eingeführte Sonden, Infection durch unreine Katheter können zu Cystitis führen. Endlich erzeugen eine Zurückhaltung des Harns in der Blase, wie sie namentlich beim Hunde vorkommt (Zurückhalten im Zimmer), Compression der Urethra, Stricturen und Stenosen derselben (Lähmung des Detrusor), Krampf des Sphincter in Folge der bald vor sich gehenden Zersetzung des Harns und der Einwirkung der septischen Stoffe auf die Blasenschleimhaut anfangs eine katarrhalische , zuletzt eine nekrotisirende Cystitis. Von Bacterien sollen bei der Aetiologie der Cystitis besonders betheiligt sein das Bacterium coli commune sowie Proteus vulgaris.
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Anatomischer Befund. Derselbe ist je nach dem Grade der Affection ein verschiedener. Die Entzündung der Blasenschleimhaut kann nämlich, wie dies auch bei den übrigen Schleimhäuten des Körpers der Fall ist, bald eine einfache katarrhalische, bald eine eiterige, croupösc, diplitheritische, nekrotisirende, bald eine hämor-rhagische, bald eine chronische, hyperplasirende, mit varieüser Entartung der Gefässe vergesellschaftete, bald eine phlegmonöse, zu submueösen und pericystitischen Abscessen, ja selbst zur Perforation der Blase führende, bald endlich eine sog. inkrustirende, d. h. mit Ablagerung von Harnsalzen in die Blasenschleimhaut comjjlicirte sein. Bei der einfachen katarrhalischen Form findet man die Schleimhaut geschwollen, höher geröthet und mit einem aus Schleim, ab-gestossenem Plattenepithel, sowie vereinzelten weissen Blutkörperchen bestehenden Belage bedeckt, welcher bei der eiterigen Form fast nur aus weissen Blutkörperchen zusammengesetzt ist. Die chronische Form ist entweder durch Verdickung, warzige Wucherung, varicose Erweiterung der Gefässe der Schleimhaut, oder, wie häufig bei der Stute und beim Binde, durch Inkrustirung derselben mit Kalksalzen ausgezeichnet. Bei der croupösen und diphtheritischen Form sitzen der Schleimhaut membranöse Auflagerungen und nekrotische Schorfe mit zurückbleibenden Geschwüren auf.
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Cystitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;401
Symptome. Die Erscheinungen einer Cystitis äussern sich bei iicutem Verlaufe derselben in hilul'iger Entleerung der Blase, wobei indessen der Urin meist in kleinen Quantitäten, ja selbst nur tropfenweise abgesetzt wird, und welche zugleich mehr oder weniger schmerzhaft für die Thiere ist. Männliche Thiere schachten dabei aus, richten die Ruthe auf und ziehen die Hoden in die Höhe; weibliche drängen stark, öffnen und schliessen die Schani (sog. Blitzen), bewegen die Clitoris. Dazu gesellen sich leichte Unruhe- und Kolikerscheinungen. Die Palpation der Blase von der Bauchdecke (bei kleinen Thieren) und vom Mastdarm aus ist für die Thiere .schmerzhaft. Je nach dem Grade der Entzündung besteht sodann geringeres oder höheres Fieber, die Futteraufnahme ist mehr oder weniger unterdrückt oder ganz sistirt. Die wichtigsten Veränderungen jedoch zeigt der Harn. Derselbe enthält nämlich das Product der entzündeten Schleimhaut: desquamirtes Plattenepithel, weisse Blutkörperchen, Schleim, Eiweiss, sowie bei vorhandener Harnzersotzung Kristalle von phosphorsaurer Ammoniak-Magnesia und Spaltpilze. Beim Fleischfresser geht die saure Reaction über in die neutrale und alkalische. Endlich zeigt der Harn, am deutlichsten bei der eiterigen Cystitis, ein mehr oder weniger dichtes, schleimiges oder flockiges, zuweilen auch rein eiteriges Sediment, dem bei der croupös-diphtheritischen Form nekro-tisohe Gewebsfetzen und bei der biimorrhagiseben rothe Blutkörperchen beigemischt sind. Die chronischen Cystiten verlaufen nicht selten ohne alle auffallende äusserliche Erscheinungen und werden daher, so besonders beim Rinde, häufig übersehen. Die Untersuchung des Harnes ist daher auch hier, wie bei den Nierenkrankheiten, von wesentlicher Bedeutung für die Diagnose.
Therapie. Die innerliche Behandlung der Cystitis besteht in der Verabreichung von Borsäure, Sal icylsäure, Benzoesäure, Kali chloricum, Tannin, Nap htlialin, Uesorcin, Oreolin. Von letzterem Mittel gibt man beispielsweise einem niittelgrossen Hunde täglich .'i Pillen a 0,5. Bei chronischen Formen gibt man innerlich harzige Mittel, namentlich Terpentinöl, Copaivbalsam und Perubalsam. Trasbot empfiehlt ausserdem gegen Blasenkatarrh die Verabreichung von Bromkali um und Brom camp her. Die Hauptbehandlung der Cystitis indess ist eine äusserliche und besteht in Ausspülung der Blase mit antiseptischen Flüssigkeiten, z. B. l/9Prooentöfirer Oreolinlösung, l8procentiger Carbolsfture, Borsäure, Kali chloricum-, sowie 1- bis Friedbprgpv n, Fi-öiuier, Pathol. n.Therapie d.Hausthlero, 1. Bd. i. Aufl. 26
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Hämatui'io.
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Spromilliger Sublimat- oder lJ2 Sprocentiger HüllensteinKJsung. Das Weitere hierüber siehe die Lehrbücher der Chirurgie.
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Blasenblutung. Die Ursachen von Blasenblutungen sind entweder Verletzungen der Blase durch Binsensteine, Contusion der Blase bei einem Sturz, Quetschung durch Beckenbrücho, oder Entzündungen der Blasenschleimhaut mit ulcerösem und hämorrhagischem Charakter (Cystitis haemorrhagica), so besonders bei den aouten, durch chomisclie Noxen verursachten, und den chronischen mit hiiniorrhoidalen Erweiterungen der Venen einhergehemlen, oder endlich blutreiche in Vereiterung oder Verjauchung begriffene Neubildungen, besonders teleangiektatische Papillome und Sarkome, weniger Carcinome. Die Erscheinungen bestehen in der Beimengung von Blut zum Harn (H ärnatur ie); dasselbe färbt den letzteren je nach der vorhandenen Menge hell- bis dunkelroth und bildet im entleerten Harne einen rothen Bodensatz, aus Blntkörperchon und Pibringerinnseln bestellend (sog. Stallroth der Binder). Zuweilen kann man beobachten, wie die Menge des Blutes nach vorausgegangener starker Bewegung zunimmt: dabei kann nahezu reines Blut entleert werden, in Folge der Zersetzung des Blutes im Harn tritt gewöhnlich zu einer länger bestehenden Blasenblutung eine katarrhalische Blasenentzündung mit ihren Erscheinungen hinzu. Das Allgemeinbefinden wird bei längerer Dauer der Blutungen sehr gestört, indem sich eine zunehmende Anämie und Schwäche ausbildet; nicht selten endet das Leiden durch Verblutung. Die Behandlung der Blasenblutung ist eine vorwiegend äusserliche, chirurgische. Sie besteht in der Ansspühmg der Blase mit Eiswasser, sowie Lösungen von Liquor Perri, Creolin, Alaun, Tannin. Innerlich kann man nebenher Sec ale cor-nutum, Extractuin Hydrastis fluidum, Tannin, Bleizucker u.s.w. verabreichen; auch empfiehlt es sich, frühzeitig der Zersetzung des Blutes in der Blase durch die innerliche Anwendung der Borsäure, Salicyl-silure, des Creolins, Chlorsäuren Kalis etc. oder durch dosinficirende Ausspülungen vorzubeugen.
Die Hämaturie, das Blutharnen oder Blutpissen, die Entleerung von Blut, also von rothen Blutkörperchen mit dem Barn, muss von der Hämo-globinurie, d. h. der Beimengung des rothen Blutfarbstoffs allein, wohl unterschieden werden. Der Umstand, dass die beiden bis in die neuere Zeit vielfach zusammengeworfen worden sind, hat die Erkennung und Scheidung gewisser Krankheiten des Rindes und Pferdes sehr erschwert; vergl. in dieser Beziehung vor Allem das Capitel über Hämoglobinäniie beim Rindquot;. Die Hämaturie ist durchaus keine einheitliche, selbstständige Krankheit, sondern nur ein Symptom der aller verschied en st e n Erkrankungen der einzelnen uropoetischen Organe. Als Ursachen des Blutharnens sind die folgenden zu nennen: 1. Nieren verle t zu n g en nach einem Schlage auf die Nierengegend, nach schwerem Fall, üeberfabrenwerden bei Hunden, zu heftiger Anstrengung beim Ziehen, Einwanderung von Fremdkörpern. 2. Nierenen tzündun g (liämorrhagischeNnphritis) ; insbesondere verlaufen acute Nierenentzündungen im Initialstadium häufig mit gering-gradiger Hämaturie. Ferner gehören hieher jene Nephriten, welche durch die Einwirkimg thierischer und pflanzlicher Acria (frische Fichtensprossen, Canthariden, MeloS majalis, Mercurialis, Bryonia alba, scharfe Diuretica), gewisser Pilze (Rost-, Brand-, Schimmelpilze), sowie einiger metallischer Gifte (Quecksilber, Phosphor) hervorgerufen werden. Von practischer Bedeutung ist vor Allem die durch die Aufnahme scharfer
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ITiimoglobiiiiimio des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;403
Pflanzen entstehende Hiimaturie, welche eino Porm der gewöhnlich alb,Bliit-harnenquot; bezeichneten Krankheit heim Rinde bildet (siehe die en/.ootischeMagendarmentzündung). 3. Pyelitis, besonders die eiterige Form; auch die Anwesenheit von Eustrongylus gigas kann Blutung verursachen. 4. Cystitis, sowohl die acute hilmorrhagische als auch die chronische, zu (iefässorweiterung führende Form. Beim Binde kommen Blasenblutnngen besonders häufig vor (sog. Stallrotbquot;). 5. Blasen st eine. Blasen Verletzungen , Blasentumoren (Krebs, Polypen, tuberkulöse und rotzige [nfiltrationeii), Blasengeschwüre. 0. Harnröhrenentzündung, -geschwüre, -tunioren, -steine. 7. Prostatitis, Prostataconcremente. 8, Acuto In feetion sk rankheiten, in deren Verlaufe sich eine sog. hilmorrhagische Diathese entwickelt, so vor Allem der Milzbrand, die Pyämie und Septikiimie, die Brustseuche, die Pocken, die Hundestaupe, das fetechialfieber. !t. Con s titut i onell e Krankheiten, in erster Linie die Hilmophilie, sodann die Leukämie, per-nieiöse Anämie u. s. w. 10. Filarien im Blute, welche Läsionen der Nierengefässe und dadurch Blutbarnen erzeugen. Die wichtigsten Symptome der Hämaturie sind die rothe oder rothbraune Verfärbung des Urins bezw. ein rother Bodensatz in demselben und der mikroskopische Nachweis der rothen Blutkörperchen. D i ffo r e n t i a 1 d i a g n o s t i s c h darf Blutharnen nicht mit Blutflüssen aus der Scheide oder dem Uterus (Menstruation, Metrorrhagie), sowie mit abnormen Verfärbungen des Harns durch rnedi-camentöse Farbstoffe (Kheum, Senna, Theer, Gallenfarbstolfe, Santonin, Anti-febrin) verwechselt werden.
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Anhang zu den Nierenkrankheiten.
Die Hämogloblnämle des Pferdes.
(Schwarze Hamwiude, Windrelie, Lumbago, Hämoglobinurie.)
Literatur. Stoii/ieh, Rep., 1840. S. 290. Behuer, Ihr., 1840. Verhkyen, Mag., 1844. S. 4. Grimm, Rep., 184(). Zippbmjsn, Ibid., 8. 119. Frey, Mag., 1849. S. 821. Hofer, Oe. V. J., 1852. S. 151; M. J. B., 1857. S. 66. Landel, Rep,, 1854. S. 115; 1863. S. 15. - Adam, h'reuzer's Centräkig., 1854. S. 170; Thierärzll. Woehenhl, 1856. S. 94; W.f. Th., 1860. S. 121. Frick, ThierärtÜ. Woehenbl., 1854. S. 184. Stockfletii, Dan, Zeitsohr, f. Thierärzte, 1851/55; Ref. Rep., XVI. S. 258. - Kolb, ThieriirM. Woehenbl., 1855. S, 91 u. 98. Pranziszi, Ibid., 1850. S. 23. Gierer, Ibid., 1856. S. 104; Oe. V. S., XII. S. 65. Fnns, Dan. Xeifsclit: f, Thierärzte; Ref. Rep,, XVIII. S. 319. Abi.eitneii, W.f, Th,, 1858. S. 189; 18G2. S. 225; Oe, V. S., 1876. S. 67. Weinmann, ^V. f. 2%., 1860. 8. 389. Ko-walsky. Mag,, 1860. S. 424. Dupois u. Amire, Ref. Rep.. XX 11. S. 64. Görinlaquo;, W. f. Th., 1861. S. 97. Werner. Ibid., 1861. S. 209; D. Z. f. Th., 1878. S. 219. -Könkier, W. f, Th., 1862. S. 289. - ZüNDEL,./. de Lyon, 1862. S. 33. - Lausch u. Lowak, Ref. Cannst. Jahresber., 1862. S. 23. Sanson u. Bebnardin, Rec, 1863. - #9632; Johne, S, J. 11, 1863. S. 81. Auenot, ./. de Lyon, 1864. -- Varnell, Ref. Rep., 1864. S. 254. Bouley, J. de Li/ou u. Rec, 1865. Genee, Ree., 1865. Buuck, Oe. ]', S,, 1866. S. 16. Arlowo, Ref. Rep., 1866. S. 241. Husted, Ibiel., S. 274. -
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Hämoglobiimrio des Pferdes.
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Mbyer, Mag,, 1866. S. 2'J2. Franck, W. f. Th., 1866, S, 249; 1872. S. 81; 1873.
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W. f. TU., 1878. S. 79. Pavi.at, (Je. V. 8., 1878. S.71.Kogourek, Oe. V., 1878.
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Hämoglobinfonie des Pferdes,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;405
Halle, 1864. Nr. 29 f. u. Ceutralbl. f, d. tuecl. IVist., 1874. S.Ö71. Paw, Lancei, II. 1865. S. 83. Hasall, Und., S. 308 (citirt nach Lichtheiin, woselbst die übrige eiusehlag'ige englische Literatur, wie auch in der EioKbaum'schen Dissertation, cf. unten, angegeben ist). Naunyn, Arcli.f. Anat. u. I'hysiol., 1808. S. 418. Neubauer u. VOGEL, Anleitung ~ur t/uioit. u. qualitat, Ilarnaiuihise, 1872. 0. AuH. S. 374. Skcci, B. Min. W., 1872. Nr. 20. - Wiokuam Leqo, St. Barihol, llos/gt;. liep., 1874. X. SOGOLOFF. Ji. klin. W., 1874. Nr. 20. Luciisinoeu, Inaiii/.-Diss., Zürich 1875. Ponfiok, Virch. A., 1875. S. 273; Ji. Min, W., 1870. Nr. 17; 1877. Nr. 40 ; 1883. 8. 389; Virch. Ä LXXXVIII. 8. 445 fi'. Böhm, ÄroUv f. e.rperim. Path,, 1870. Franz, Inauy.-IHss., Breslau 1877. KOBKRT u. KOSSNBR, H. kihi. W. van BossbM) Dtes., Amsterdam 1877 (oitirt nach Eiohbaum). Lichtheih, Volkmann's Sammluny Min. Vorträge, 1878. Nr. 134. KOsSNER, D. nied. IT., 1879. Nr. 37. Birch-Hirschfeld, Ibid., Nr. 30. Winkel, Ibid., Nr. 24 f. Marchand, irireh. A., Bd. 77. S. 455. - Neisser, Zeitschi: f. Min. Medioin, 1880. S. 88. Frantzel, B. Min. IT., 1880. Kiedkl, Igt;. Zeitschr. f. Chirurgie, 1880. S. 118. -Bridges Adams, Leipzig 1880. Lesskr, Viroh. A., LXXIX. S. 248 ff. ~ Lassah, ibid., Bd. 79. S. 108. #9632; BlBBKRT, NephHtis ti. Albuminurie, Bonn 1881. Eichbaum, Tnaug.-JMss., Berlin 1881. Mdhri, Pell' Bfmoglobinurla da freddo (Priviat, clinic, di Bologna) (citirt nach Eiohbaum). Fleischer, B. Min, II'., 1881. 8.091. Masius, luaitf/.-Diss., Breslau 1882. Lebedeff, Virch. A., XCI. S. 207 ff. Nasa-rokf, Ibid., XC. S. 482. Rosgnbach, B. Min. II'. Salkowski u. Leube, Die Lehre vom Harn, 1882.
Allgemeines. Die Hämoglobiniimie des Pferdes hat, wie schon der Name sagt, mit den Nierenkrankheiten nichts zu thun; denn die Thatsache, dass im Verlaufe derselben sich unter Umständen eine se-cundiire Nephritis entwickelt, kann nicht, wie es früher irrtluimlicher Weise geschehen ist, die Berechtigung zu einer derartigen Classification der Krankheit abgeben. Eigentlich sollte die Hämoglobiniimie des Pferdes bei den Muskelkrankh eiten besprochen werden. Wenn wir sie trotzdem an dieser Stelle abhandeln, so geschieht dies einerseits deshalb, weil der Practiker gewöhnt ist, die sog. schwarze Harnwinde bei den Nierenkrankheiten nachzuschlagen, und weil sich ein wichtiges Symptom, die Hämoglobinurie, am besten im Anschlüsse an diese Gruppe besprechen lässt; andererseits aus dem Grunde, weil wir die sog. schwarze Harnwinde des Pferdes von dem sog. Bluthanienquot; des Kindes, welches seinem Wesen nach sowohl eine Hämoglobiniimie, als eine Nephritis sein kann, und daher dem Capital der Nierenkrankheiten näher steht, nicht trennen wollten.
Geschichtliches. Die Hämoglobinämie des Pferdes ist als Schwarze Harn windequot;, .Windrehequot;, H.llckenmarkstyphusquot;, Lendentyphusquot;, Nierenty phusquot;, Nieren-Rückenmarkscon-gestionquot;, rheumatische Kreuzlahmequot;, epizootische Paraplegicquot;, Nerveuschlagquot;, Nicrenschlagquot;, acuter Morbus Brightiiquot;, Neuropathie des Brachialis und Lumbalisquot;, Lumbagoquot;, Kreuzkrampfquot;, Kreuzverschlagquot;, Azot-uriequot; u, s. w. schon von Alters her bekannt und stellt jedenfalls
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Hämofflobinämie des Pf'urdus.
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eine der ältesten Pf'erdekmnklioiten dar. Mit dem Erscheinen der thierärztlichen Journale im ersten Drittel dieses Jahrhunderts taucht auch die Hämoglobinämie, wenngleich unter anderem Namen, auf. Da, wo sie scheinbar nicht vorhanden war, wurde sie offenbar mit anderen Krankheiten verwechselt, so z. B. bis in die neuere Zeit herein in Oesterreich und Dänemark. Am f'rühesten wurde sie als eigene Krankheit erkannt und beschrieben von den bayerischen und rheinpfälzischen Thierärzten (Hofer, Adam, Frick, Kolb, Fran-ziszi. Gierer, Ableitner u. A.), sodann von den württembergischen, norddeutschen, französischen und holländischen Thierärzten. Indess gingen die Ansichten über das Wesen der Krankheit von Anfang an sehr aus einander, was schon aus der grossen Anzahl von verschiedenen Benennungen für dieselbe zu erschliessen ist. Auch zur Zeit ist das Wesen und insbesondere die Aetiologie der Krankheit noch nicht vollständig aufgeklärt. Es wurden im Allgemeinen die nachfolgenden pathologischen Processe für das Wesentliche der Krankheit gehalten.
1.nbsp; Nierenentzündung, daher auch acuter Morbus Brightii genannt (Hofer, Hering, Bruckmüller, Pflug, Zündel).
2.nbsp; Eückenmarksentzün dung bezw.-Congnstion (Haubner, Friedberger, Csokor).
3.nbsp; Blutzer setzung in P o 1 ge Ein clrin gen s eines septischen infectiösen bezw. toxischen Stoffes (Kolb, Spinola, Vogel, Bollinger, Eber u. A.). Die Ansicht Bollinger's geht dahin, dass es sich bei der Hämoglobinämie der Pferde um eine Autointoxication handle, wobei durch die Einwirkung dos Gehens oder der Kälte ein toxisches Agens (Fermentquot;, Ermüdungsproduotequot;) sich bildet, welches auf die rothen Blutkörperohen zerstörend einwirkt und Hämoglobinämie erzeugt.
4.nbsp; Auflösung der rothen Blutkörperchen durch die Product e der gesteigerten regressiven Stoffmetamorphose im Muskel, besonders durch den Harnstoff und die ihn begleitenden Ext ract i vstoff c (Sie damgro tzky und Hofmeister).
5.nbsp; Ueberproduction von rothen Blutzellen in Folge der Buhe und reichlichen Diät (Padyean).
(i. Rheumatische Affection der Kruppen- und Lenden-m us kein mit Degeneration, Entzündung, Oedem und Verfettung derselben (Weinmann, Lech leuth n er, die norddeutschen Thierärzte).
7. Myositis rheumatica mit Auflösung des Muskelfarbstoffes und Ueb ergang desselben ins Blut (Prob n er).
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Aetiologie und Pathogenese. Wir erblicken in der sog. schwarzen Harn winde des Pferdes in der Hauptsache eine durch Erkältung hervorgerufene Muskelentzündung der Nachhand, wobei es u n ter Andor e m zu r A uf 1 ö sung des Muskel-farbstoffcs (identisch mit dem Hämoglobin) und zum lieber-
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gang desselben in das Blut kommt, und halten daher den Ausdruck rheumatische Hämoglobiniimiequot; (Fröhner) als für die überwiegende Mehrzahl der Krankheitsfälle am bezeichnendsten. Dabei soll die Möglichkeit der Existenz einer infectiösenquot; oder tox-ämischen' lläinoglobinäinie beim Pferde nicht geleugnet werden. Diese letzteren Fälle sind jedoch seltener.
Die häutigste Ursache der Hämoglobinämie des Pferdes dürfte eine vorausgegangene Erkältung bilden. Eine Prädisposition zur Erkältung erwerben sich gewöhnlich die Pferde durch mehrtägiges Stehen bei anhaltend starker Fütterung in warmen, schlecht gelüfteten, dunstigen Stallungen, so z. B. während mehrerer auf einander folgender Feiertage (Montagskrankheit, Pfingst-, Osterkrank-heitquot;) oder bei Nichtgebrauch wegen Lahmgehens. Vorwiegend werden die schweren Arbeitsrassen von der Krankheit befallen. Nach Göring lässt sich die Krankheit durch Erkältung geradezu experimentell erzeugen. Man findet deshalb auch häufig die warmen, geschützten Stallungen reicherer Besitzer im Gegensatze zu den schlecht verwahrten ärmerer Eigenthümer mehr von derselben heimgesucht. Auch das Auftreten der Krankheit in bestimmten Gegenden eines Landes lässt sich meist auf die verschiedenen Stalleinrichtungen unschwer zurückführen. Kommen die andauernd auf höhere Wärmegrade eingestelltenquot; und gleichzeitig zu reichlich gefütterten Thiere nun in die kühlere Aussentemperatur. so wird der Effect einer Abkühlung um so grosser ausfallen.
Den Vorgang der Erkrankung selbst, das heisst die Art und Weise der Einwirkung der Kälte auf den Organismus, und das Freiwerden des Hämoglobins im Körper kann man sich in folgender Weise erklären. Wie die Physiologie zeigt, steigt der Stoffwechsel in den Muskeln bei Reizung der sensiblen Temperaturnerven der Haut. Wirken nun intensive Reize auf die Haut ein, so wird auch der Stoffumsatz im Muskelsystem ein stärkerer werden, und es kann so bis zum Zerfall des Organeiweisses, das heisst der Muskelsubstanz selbst kommen. In Folge dieser degenerativen Muskel-veränderungen treten die Umsatzproducte derselben, unter anderen auch der Muskelfarbstoff, in den Kreislauf des Blutes über. Der Muskelfarbstoff aber ist identisch mit dem Hämoglobin. Die Hämoglobinämie ist also myogenen, nicht hämatogenen Ursprungs. Dabei 1st die abnorme Stärke des einwirkenden Reizes auf die Steigerung des Effectes der Erkältung durch tagelange Anpassung des Organismus an höhere Temperaturen zurückzuführen, sowie die Erklärung der
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Hiimoglobniiiinio des 1'1'onlos.
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vorwiegenden Affection der Nacbhand in dem Umstände zu suchen, dass die bei der Bewegung des Pferdekörpers in erster Linie be-theiligten Kruppen- und Londenmuskeln der Einwirkung von Erkältungsreizen am meisten ausgesetzt sind, und dass von allen Körpergegenden die Nachhand des Pferdes am wenigsten durch irgend welche Bedeckung- vor Erkältung geschützt ist (Fröhner).
In einzelnen Fällen scheint das Moment der Erkältung zu fehlen, obgleich sich bekanntlich Pferde auch im Stalle, ohne bewegt zu werden, erkälten können. Diese Erkrankungen können in Ermangelung einer genauer gekannten Ursache als infectiöse bezw. t o x ä m i s c h e II ä m o s; 1 o b i n ä in i equot; aufgefasst werden.
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Als Stützpunkte obiger Theorie mögen die folgenden hervorgehoben sein. Zunächst wird Erkaltung als Hanptursache der Krankheit in ganz übereinstimmender Weise in der weitaus grössten Mehrzahl aller Beobachter angegeben. Dabei ist indess die Anaahme einer directen Auflösung der rothen ülutkürperchen durch die Kälte insofern ausgeschlossen, als es sich bei vorliegender Erkältung nicht um so bedeutende Kältegrade handeln kann, wie sie z. B. experimentell zur Auflösung des Blutes (Gefriereidassen) noting sind. Sodann haben Thierexperimente von Lassar und Nassaroff (Vireh. Archiv, Bd. 7!t a. 90) das Auftreten parenchymatöser Muskel-degenemtioaen, sowie eine Verfärbung der Skeletmuskulatnr als Folgen plötzlicher Abkühlung nachgewiesen. Auch bei Pferden entsteht bekanntlich nach Erkältungen sowie bei starker Winterkälte intensive Myositis. Weiter kommt beim Menschen eine ausgesprochene Erkältungskrankheit, die sog. paroxys-malequot; oder Winterhämoglobinuriequot; vor, die ausschliesslich durch Erkältung hervorgerufen wird und nach Rosenbach, ganz ähnlich wie die schwarze Harnwindc. experimentell durch Erkältung, z. ß. durch ein kaltes Fussbad erzeugt werden katin, und welche ausserdem in ihren Symptomen auffallend mit dem Krankheitsbilde der ersteren übereinstimmt. Ferner hat Schindelka auf hämonietrisehem Wege nachgewiesen, dass der Hänioglobingehalt des Blutes bei der rheumatischen Hämoglobinätuie ein viel grösserer ist, als derjenige dos Blutes gesunder Pferde. Eine Erklärung dieses überraschenden Befundes ist nach Schindelka nur durch die Annahme möglich, dass bei der rheumatischen Hämoglobinämie zu der gewöhnlichen Hämoglobinmenge des Blutes eine grosse Menge einer anderen gleichfärbenden Substanz hinzutritt, welche gar nichts Anderes sein kann, als der mit dem Hämoglobin identische Muskelfarbstoff. Endlich lassen die anderen Theorien über das Wesen der schwarzen Harnwinde mehr oder weniger erhebliche Einwände zu. So ist 1. die Nierenentzündung nur ein Symptom, welches während des Lebens und bei der Section sehr häufig ganz fehlt. 2. Hat mau niemals bei der Section eine Rück en markse n tzün dung vorgefunden, mit welcher auch die Erscheinungen während des Lebens durchaus nicht stimmen. 3. Fehlt für die Annahme einer Infection und Blutzersetzung, vereinzelte Fälle ausgenommen, jeder positive Anhaltspunkt, indem die Krankheit regelmässig bei dem untadelhaftesten Trockenfutter auftritt, das klinische Bild, insbesondere das Fehlen einer wesentlichen Temperatursteigerung nachdrücklich gegen eine [nfectionskrankheit spricht, Blntuiitersuchungen lind Impfungen immer ein negatives Resultat ergeben haben, und eine An-
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steckung noch niemals mit Sicherheit beobachtet worden ist. 4. Eine Vermehrung des Harnstoffes und der Extractivstoffe im Blute kommt auch bei der Uriimie vor, ohne zu Hämoglobinilmie zu führen; ausserdem haben wir in mehreren Eällon, wie auch Schindelka in 3 Fällen, nur einen geringen Harnstotl'gehalt des Harns beobachtet. 5. Die früher zuweilen auftauchende Ansicht, dass die Krankheit nur bei Rüben- oder Maisfütterung, nicht aber bei Haferfütterung etc. auftrete, bedarf keiner weiteren Widerlegung; auch die noch immer verbreitete Annahme von einer geographischen Bescliriinkung der Krankheit auf gewisse Länder und Gegenden ist bei genauerer Untersuchung hinfällig. Die Krankheit ist zur Zeit in allen Länder n Europas bekannt, tj. Die von Diecker-hoff in Uebereinstimmung mit älteren Anschauungen vertretene abstracte Voraussetzung, wonach bei stark gefütterten und dabei ruhenden Pferden in Folge Anhäufung von Nährstoffen ein Zerfall von Eiweisskörpern im Blute mit Bildung eines Stoffes von speeiflsch giftigen Eigenschaften stattfinde, entbehrt der wissenschaftlichen Begründung.
Anatomischer Befund. Die Hauptveränderungen bei der Section von Pferden, welche an Hämoglobinilmie gefallen sind, finden sich in den Muskeln und im Blute.
1.nbsp; nbsp;Die Muskelveräuderungen, welche vorzugsweise an den Psoas- und Ivvuppeiimuskeln augetroffen werden, bestehen makroskopisch in einer ödematösen Schwellung sowie einer helleren blassen Farbe, mikroskopisch in einer körnigen Trübung, scholligen Zerklüftung, hyalinen Entartung sowie Verlust der Querstreifung. Dabei sind nicht alle Muskeln gleich hochgradig und auch die Psoas-und Kruppenmuskeln nicht immer ausschliesslich erkrankt. Siedam-grotzky fand beispielsweise die Körpermuskulatur in einem Falle in nachfolgender Weise verfärbt und degenerirt: in erster Linie Lendenmuskeln, dünner Einwärtszieher, hintere Partie der übrigen Einwärts-zieher des Schenkels, Grätenmuskel, grosse und breite Brustmuskeln; in zweiter Linie vierköpfiger Strecker des Unterschenkels; in dritter Linie vordere Abtheilung des Einwärtsziehers des Hinterschenkels, dessen Auswärtszieher, Gesässmuskel, Longissimus dorsi. Bezüglich des Wesens müssen die genannten Muskelveränderungen als eine entzündliche Degeneration der Muskelfasern aufgefasst werden. Aehnliche Veränderungen sieht man zuweilen auch im Herzmuskel. Manchmal findet man zwischen den degenerirten Muskelfasern kleine hämorrhagische Herde.
2.nbsp; nbsp; Die Hauptveränderung des Blutes besteht darin, dass dasselbe seine normale Farbe verloren und ein lackfönniges, theer-artiges Aussehen angenommen hat, dass es ausserdem gar nicht oder nur schlecht gerinnt. Das dem lebenden Thiere entnommene Aderlassblut scheidet gewöhnlich bei seiner Gerinnung ein röthlich gefärbtes
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(weil hämoglobinhaltiges) Serum ab, in anderen Füllen fehlt dieser Befund, vielleicht dann, wenn das Hämoglobin schon zur Ausscheidung aus dem Körper gelangt ist. Ausserdem ist das Blut nach den Untersuchungen von Siedamgrotzky und Hofmeister sehr reich an Harnstoff und Extractivstott'eu, den Umsat/.producten des gesteigerten Muskel-Stoffwechsels. Endlich findet man hie und da bei mikroskopischer Untersuchung des Blutes eine Unmasse von llämatoidin-krystallen.
Aussei- diesen wesentlichen Veränderungen, die bei jeder Section angetroffen werden, sind noch einige secundäre Affectionen innerer Organe zu erwähnen. Wenn nämlich das Muskelhilmoglobin in den Blutkreislauf gelangt ist, dann hat der Körper das Bestreben, dasselbe mittelst der zur Verfügung stehenden Apparate aus dem Blute hinauszuschaffen. Hieher gehören in erster Linie die Milz, welche die Schlacken der rotheu Blutkörperchen aufnimmt und dadurch eine Schwellung erfahrt (spodogenerquot; Milztumor nach Ponfick), sodann die Leber, welche meist ebenfalls mehr oder weniger vergrössert erscheint, und das rothe Knochenmark, welches zuerst von Zucker infiltrirt und intensiv schwarzroth gefärbt aufgefunden worden ist. Diese Schwellung und Infiltration des rothen Knochenmarks, wie sie namentlich an den grösseren Knochen (Femur, Humerus, Radius, Tibia), wenn auch nicht immer, zu beobachten ist, darf nicht als Osteomyelitis aufgefasst werden. Eine Ausscheidung des Hämoglobins durch die Niere, also Hilmoglobiiiuriequot;, tritt nach Ponfick erst dann ein, wenn die Menge des im Blute frei circulirenden Hämoglobins ^liraquo; der Gesammtsurnme des Körperhämoglobins übersteigt. Im letzteren Falle bildet sich zunächst ein Hämoglobin-Infarkt der Niere, an den sich weitere Veränderungen, insbesondere eine acute parenchymatöse Nephritis anschliessen können. Endlich treten in einzelnen Organen (Milz, Nieren etc.) zuweilen Hämor-rhagien auf, auch kann sicli im Anschlüsse an Decubitalgangrän leicht Se p ti k ä m i e entwickeln.
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Symptome. Die Erscheinungen der rheumatischen Hämoglobin-ämie des Pferdes sind im Allgemeinen folgende: Nachdem in der grösseren Mehrzahl der Fälle die Thiere einige Tage hindurch un-thätig und ohne bewegt zu werden, sowie meist ohne irgend einen Abbruch in der Fütterung, im Stalle gestanden sind, wobei sehr häufig abnorme Wärme und schlechte Ventilation des Stalles nachgewiesen werden können, zeigen die wieder in Dienst gestellten Pferde eine
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gewisse Zeit nach dorn Verlassen des Stalles, und zwar gewölmlicli 'iVä Stunde, zuweilen indessen auch früher oder später, eigenthüm-liche Bewegungsstörungen. Bei leichteren Graden bekommt man den Eindruck, als ob dieselben jilötzlich an Rheumatismus erkrankt wären; sie gehen nämlich besonders in der Nachhand steif und gespannt oder lahmen wohl auch nur mit einem der Hinter- oder Vorderfüsse; gleichzeitig bricht partieller Schweissausbruch auf. In schwereren Graden schwanken die Thiere im Hintertheil, zeigen einen unsicheren, steifen Gang, das Vorführen der Hintergliedmassen ist erschwert, die Gelenkswinkel bleiben mehr geöffnet, dadurch scheinen die Gliedmassen zu lang zu werden, die Zehe wird auf dem Boden geschleift, die Thiere überknicken im Fessel etc., zittern, ge-rathen in Schweiss, können sich schwer auf den Hinterfüssen erhalten und sinken resp. stürzen nicht selten in ganz apoplektischer Weise zu Boden, ohne von selbst wieder aufstehen zu können. Am Boden liegend machen sie sodann fruchtlose Anstrengungen, sich wieder zu erheben, arbeiten mit den Eüssen, zeigen Athmungsbeschwerden verbunden mit Angst, und sind zuweilen ganz in Schweiss gebadet. Das Zurückbringen in den Stall ist dann nur mittelst eines Wagens bezw. auf einer Schleife möglich.
Bei der Palpation der gelähmten Nachhand findet man die Muskeln derselben, besonders die Kruppenmuskeln, sehr derb und gespannt sowie schmerzhaft; die Haut über denselben ist häufig höher temperirt und brettartig geschwollen (ödematöse Infiltration des Perimysiums, der Subcutis und Cutis). Die Empfindlichkeit der betroffenen Stellen gegen Berührung, Nadelstiche, elektrischen Strom ist häufig noch erhalten, nicht selten jedoch auch ganz aufgehoben. Abweichend von diesem Befunde beobachtet man zuweilen auch Lähmungen anderer Körpertheile, so der Vorderhand, eines Vorderbeins, der Schultermuskeln, der oberen Halsmuskeln u. s. w.; dies jedoch seltener. Nach Bouley war in 10 Fällen das linke Hinterbein 7mal zuerst gelähmt. In einem Falle beobachtete Lip-pold statt des gewöhnlichen üeberköthens so heftiges Durchtreten der Hinterschenkel in den Fesseln, dass die Sohle mit dem Eisen nach vorne gerichtet war und das Thier auf den Köthengelenken stand. Auch der Schweif wird zuweilen ganz steif gehalten. Oefters endlich sahen wir wehenartige Contractionen der Bauchmuskeln, wobei die Thiere vor Schmerzen geradezu aufschrieen.
Als zweites auffallendes Symptom ist ferner die in allen schwereren Graden der Erkrankung auftretende Hämoglobinurie zu
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nennen. Dieselbe wurde früher als eine für die Krankheit patho-gnostische und nie fehlende Erscheinung gehalten; es kann indess, wie schon aus der Pathogenese erhellt und durch vielfache Erfahrungen bestätigt ist, das Hämoglobin im Harn, namentlich in den leichteren Fällen, besonders denen mit abortivem Verlaufe, ganz fehlen, woraus sich die Unhaltbarkeit der früheren Bezeichnung Hämoglobinuriequot; für die Krankheit ergibt. Der Hämoglobin bezw. Methämoglobin enthaltende Harn fällt durch seine dunkel-rothe, zuweilen rubinrothe, schmutzigbraune bis fast tintenschwarze Farbe auf, ist durch seinen Hämoglobingehalt und die etwa später hinzutretende Nephritis sehr eiweissreich und im letzteren Falle mit Exsudatcylindern, weissen und wenigen rothen Blutkörperchen, zuweilen auch reichlich desquamirtem Nierenepithel vermischt, ausser-dem häufig, wenn auch nicht immer, sehr reich an Harnstoff und verwandten Extractivstoffen, dagegen arm an Hippursäure. Bezüglich der Reaction des Harns müssen wir anderweitigen Angaben gegenüber hervorheben, dass dieselbe in leichteren Fällen fast immer, aber auch in schweren Fällen nicht gerade selten eine andauernd alkalische bleibt. Wir fanden so in 25 genau registrirten Krankheitsfällen, von welchen 5 mit Tod endeten, und welche durchschnittlich zu den schwereren Graden zu rechnen waren, nur einmal einen sauren Harn (= 4 Proc), der sehr reich an Phosphaten war. Nach Angaben französischer Thierärzte soll der Harn Zucker enthalten. Das speci-fische Gewicht des Harns endlich wird in vielen und zwar ebenfalls schweren Fällen ganz normal gefunden. Fasst man diese Befunde bezüglich des Harns zusammen, so ergibt sich daraus die Thatsache, dass bei der Hämoglobinämie des Pferdes der Harn zuweilen gar keine diagnostische Bedeutung besitzt.
Eine Erhöhung der Innentemperatur fehlt meistens, und zwar nicht selten bei recht schweren Krankheitsfällen, was wir anderen Angaben gegenüber ebenfalls hervorheben müssen. So fanden wir unter 25 Fällen 20 ohne jede Temperatursteigerimg (= 80 Proc.); bei 4 überstieg die Temperatur 39,0deg; C., bei einem 40deg; C. Auch Engel fand in 4 Fällen nahezu gar kein Fieber. Dagegen ist die Pulsfrequenz gewöhnlich gesteigert; wir constatirten unter den eben genannten 26 Fällen nur 4mal keine Pulsbeschleunigung (= Ki Proc). Dagegen betrug die Pulsfrequenz KJmal über 60 Schläge per Minute (= 64 Proc.) und rimal über 50 Schläge (= 20 Proc). Nicht selten steigt der Puls auf 70 und 80 Schläge und darüber; dabei ist er hart und schnellend. Die sichtbaren Schleimhäute sind gewöhnlich
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höher geröthet und dabei schmutzig verfärbt (Zeichen der Blufcdissolution). Die Körpertemperatur ist ungleichmässig vertheilt, die extremitalon Tiieile sind kühl. In Folge der beträchtlichen Blutalteration tritt sodann oft schon nach ganz kurzem Liegen Deeubitus auf (Hanken, Jochleiste u. s. w.).
Im Verdauungsapparate fällt die in sehr vielen Fällen zu beobachtende Verminderung resp. Unterdrückung der Peristaltik auf; dagegen finden sich andere Störungen nicht, indem z. B. der Appetit sehr häufig ein ganz normaler ist. oder doch Fresslust besteht. Mit der Unterdrückung der Peristaltik fällt eine Harnverhaltung in der Blase zusammen, die indess durch manuellen Druck vom Mastdarm aus gewöhnlich leicht zu beseitigen ist. Die im Verlaufe der Krankheit auftretenden Athmungsstörungen sind schon früher erwähnt worden.
Die Psyche endlich ist vollständig frei, nur bei Complication mit Nephritis treten Störungen auf. So beobachteten wir in einem Falle urämische Erscheinungen, die sich in starker Benommenheit des Sensoriums und epileptifonnen Krämpfen äusserten. Die von anderen Seiten wahrgenommenen Gehirnstörungen und kollerartigen Symptome lassen sich wohl ebenfalls auf diese Weise erklären. Indessen bilden diese Befunde lediglich secundäre Compli-cationen.
Verlauf und Dauer. Der Verlauf ist meistens ein acuter, selbt peracuter. Endet die Krankheit mit Genesung, so kann letztere zuweilen schon nach Stunden (ganz leichte, abortive Fälle) oder innerhalb einiger Tage, meist nach 8 4 Tagen erfolgen. Häufig tritt hiebei vollständige Restitutio ad integrum ein; die Lähmungserschei-nungen, sowie die dunkelrothe Farbe des Harns verschwinden, das Thier erhebt sich und erlangt seine normale Beweglichkeit wieder. Indess darf dabei nicht ausser Acht gelassen werden, dass während des Verlaufes der Krankheit Exacerbationen nicht gerade selten sind. Auch nach eingetretener Heilung können llecidive vorkommen. Es kann beispielsweise ein Pferd mehrmals im Jahre, oder mehrere Jahre hindurch an denselben Tagen, wenn es einige Zeit im Stalle gehalten wird, erkranken. Zuweilen erkranken auch Pferde im Verlaufe einiger Wochen mehrmals. Auch ein gleichzeitiges Erkranken verschiedener Pferde eines und desselben Stalles ist beobachtet worden. Das einmalige Ueberstehen der Krankheit scheint also keineswegs eine Immunität, vielmehr eine Prädisposition für spätere Erkrankungen zu
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verleihen. Ganz ähnlich verlullt es sich mit der paroxysmalen Hämo-globinämie des Menschen, welche deshalb auch periodischequot; oder intermittirendequot; Häinoglobinämie genannt wird.
Gehen schwerere Fülle in Genesung über, so bleiben gerne lähmungsartige Zustünde der Extremitäten zurück, Entweder hält eine beiderseitige Parese der Nachhand Wochen, Monate und selbst Jahre hindurch an, so dass das Bild der Kreuzlähme (Zurückbleiben der Hinterl'üsse beim Gehen, tappender, unsicherer, schwankender Gang) zu Tage tritt, oder es bilden sich bleibende einseitige Lähmungen von Extremitäten und Muskelgruppen mit Muskelatrophie aus. So hat man wiederholt Lähmungen der vom Nervus tibialis und cruralis innervirten Muskelgruppen beobachtet. Besonders hochgradige Atrophie findet man zuweilen an den Kruppenmuskeln. In einem Falle beobachteten wir auch im Anschlüsse an die Hämo-globinämie eine chronische Meningitis spinalis mit Parese der Nachhand, der Blase und des Darmes, bei deren Section als sehr seltene Complication Entzündung der Rückenmarkshäute an der Cauda equina vorgefunden wurde.
Endet die Krankheit mit Tod, so nehmen die paretischen Zustände mehr und mehr zu und gehen schliesslich in vollständige Paralyse über. Die Unruhe des Thieres steigert sich, die Athmung wird dyspnoisch, allenthalben entwickelt sich Decubitus. Allmählich trübt sich dann auch das Bewusstsein und es erfolgt der letale Ausgang entweder unter dem Bilde einer Kohlensäureintoxication (Lungenhypostase), oder Herzlühmung, oder Urämie.
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Prognose. Dieselbe ist je nach dem Grade der Erkrankung verschieden zu stellen; man wird aber immer gut daran thun, auch bei scheinbar leichteren Fällen mit Rücksicht auf die Möglichkeit von Recidiven oder hinzukommenden Exacerbationen die Vorhersage nicht allzu günstig, sondern mindestens vorsichtig zu stellen. Sind die Thiere gar nicht mehr im Stande, von selbst aufzustehen, und sind sie auch trotz der Anwendung von Flaschenzügen etc. nicht mehr in die Höhe zu bringen oder dort zu erhalten (vollständige Paralyse), dann ist die Prognose ungünstig, wenn auch in einzelnen Fällen die Thiere trotz mehrtägigem Liegen noch genesen. Die Mortalitätsziffer ist je nach der Rasse, den Witterungsverhältnissen, der individuellen Disposition, dem Grade der Erkrankung eine sehr verschiedene. Bald genesen die Fatienten der Reihe nach auffallend gut und rasch, bald hat man eine ganze Serie von Todesfällen zu
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Hiimoglobiniimio des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 415
verzeichnen. Aus diesem Grunde differiren die angegebenen Zuhlen nicht unerheblich. Bay berechnet die Mortalität bei 308 beobachteten Fällen auf 70 Proc, Stockfleth auf 50 Proo., Bouley auf 60 Proc, Grimm auf 10 Proc., an der Stuttgarter Klinik beträgt sie nach unseren Berechnungen 40 Proc, an der Münchener sogar nur 20 Proc. In der preussischon Armee betrug sie in den Jahren 189093 4050 Proc. Im Allgemeinen wird man sie auf 2040 Proc, bei ausgeprägter Paralyse indess auf 5070 Proc. feststellen dürfen.
Differentialdiagnose. Es kommt hier eine ganze Reihe von Krankheiten in Betracht, mit denen die Hämoglobinämie des Pferdes verwechselt werden kann und thatsächlich auch sehr häufig verwechselt wird. Die wichtigsten davon sind die folgenden:
1.nbsp; Kolik. Vor Allem ist es die ebenfalls durch Erkältung hervorgerufene rheumatische Kolik, welche durch die lebhaften Schmerz-äussenmgen, die Unterdrückung der Peristaltik, sowie durch das häutige Liegen der Thiere viel Aehnlichkeit mit der Hämoglobinämie der Pferde besitzt. Indess geben die Anamnese, insbesondere der Nachweis eines längeren Stehens im Stalle, die Untersuchung der Kruppenmuskeln, die Beschaffenheit des Harns, die Unfähigkeit der Thiere, von selbst wieder aufzustehen, hinreichende Anhaltspunkte für die Unterscheidung beider Krankheiten.
2.nbsp; nbsp;Muskelrheumatismus. Der Nachweis der Mäinoglobinurie, die Anamnese, sowie das apoplektiforme Auftreten der Parese oder Paralyse sichern in allen Fällen die Diagnose. Ausgebreiteter acuter Muskelrheumatismus ohne Hämoglobinämie ist beim Pferde selten.
3.nbsp; nbsp; Thrombose der hinteren Aorta und ihrer Verzweigungen (Darmbeinarterien, Beckenarterien, Schenkelarterien) erzeugt nicht selten ein der rheumatischen Hämoglobinämie ausserordentlich ähnliches Krankheitsbild, hei dem die Unterscheidung auf den ersten Anblick schwer sein kann. Indess gibt eine Exploration durch den Mastdarm ohne Weiteres Aufschluss über das Wesen der Krankheit, Ausserdem verschwinden bei der Aortenobliteration die schweren Zufälle auffallend rasch und machen meist einer vollständigen Euphorie Platz, wie sie umgekehrt ebenso häufig und unverhofft, sowie ohne jede Veranlassung in die Erscheinung treten resp. künstlich durch Bewegen der Thiere hervorzurufen sind.
4.nbsp; nbsp; Rückenmarksapoplexie sowie spinale Paralysen und Paresen der Nachhand traumatischen oder entzündlichen Ursprungs
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Hamp;motrlobinätnie des Pferdes.
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können ebenfalls Veranlassung zu Verwechslungen abgeben. Die traumatische Entstehungsweise jedoch, sowie die allmähliche Ausbildung einer Meningitis spinalis, endlich der Mangel eines primären Herdes für etwaige Embolien bei Apoplexie werden immerhin einige Fingerzeige bieten, vor Allem aber wird die Beschaffenheit des Urins ausschlaggebend sein,
6. Starrkrampf. Verwechslungen damit können durch die derbe, gespannte Beschaffenheit der Kruppenmuskeln möglicher Weise ver-anlasst werden; doch dürfte bei einer genauen Vergleichung des Bildes beider Krankheiten die Unterscheidung nicht schwer sein. Die Entwicklung des Starrkrampfes ist eine wesentlich langsamere; Hämo-globinurie fehlt hiebei immer.
6. Nephritis, Milzbrand, Petochialfieber u, s. w. endlich sind bei einigermassen aufmerksamer Untersuchung leicht zu unterscheiden.
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Therapie. Bei der Behandlung der Hämoglobiniimie des Pferdes spielt die Prophylaxe eine Hauptrolle. Die Krankheit kann fast absolut sicher dadurch verhütet werden, dass man die Pferde täglich, auch an Ruhetagen bewegt, und während dieser Zeit nicht so stark füttert wie sonst. Dadurch werden dieselben gegen jede Witterung abgehärtet und es wird besonders etwaigen Recidiven vorgebeugt. Unterstützt wird dieses Verfahren durch eine rationelle Ventilirung und Temperirung des Stalles.
Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, so gilt es vor Allem; das erkrankte Pferd zum Stehen und womöglich in eine Hängegurte zu bringen, da beim Liegen des Thieres sich rasch Decubitus, sowie Lungenhypostase mit tödtlichem Ausgange entwickelt. Hiebei muss indess darauf aufmerksam gemacht werden, dass Thiere, welche sich im Hängen gar nicht mehr zu stützen vermögen , Gefahr laufen , in kürzester Zeit zu ersticken. In allen den Fällen sodann, in welchen auf Grund der Blutdissolution eine starke Athemnoth oder abnorme Herzbeschleunigung auftritt, verlohnt es sich, wenigstens nach unseren Erfahrungen, welche auch anderweitig bestätigt werden, einen ausgiebigen Aderlass zu machen. Hiebei muss allerdings bemerkt werden, dass das Blut zuweilen sehr dick ist und schlecht fliesst. Sollte, was häufig der Fall ist, eine Parese der Blase eine Harnverhaltung bedingen, so muss man versuchen, mittelst Druckes mit der flachen Hand von dem Mastdarm aus oder durch Ein-führunff eines Katheters den Harn zur Entleerunjraquo;- zu bringen.
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Ilämoglobinämie des Kindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;417
Ausserdem sucht man zur Beförderung der Hiimoglobinausscheidung durch die Nieren möglichst viel Wasser im Getränke zuzuführen und die Hautthätigkeit durch Frottiren und Einreiben spirituöser und scharfer Mittel, /.. B. Campherspiritus mit Terpentinöl, sowie die unterdrückte Darmbewegung durch evaeuirende und laxi-rende, selbst drastische Mittel anzuregen. In letzterer Be-ziebung eignet sich das Physostigmin. sulfuricum wegen seiner leichten Applicationsweise und sicheren Wirkung am besten; man injicirfc es in lOprocentiger Lösung (in Wasser gelöst) in Dosen von 0,080,12 unter die Haut des Halses, der Schulter etc. Auch das Pilocarpin (0,20,8) und Arecolin (0,08) kann angewandt werden. Gegen die zurückbleibenden Muskellähnuingen empfiehlt sich Massage, Veratrin (0,05) und CoffeYn (25,0), weniger Strychnin (myopathische Lähmung), lieber die Wirkung der intratrachealen Jodinjectionen widersprechen sich die Angaben. Die diätetische Behandlung besteht in der Verabreichung von Mehltränken, Kleien-schlapp, Möhren, Grünfutter oder gutem Heu; intensivere Futtermittel, so besonders Hafer, sind zu vermeiden. Die Reconvalescenten müssen allmählich wieder an die Bewegung gewöhnt werden.
Eine ci^enthümliche, subacute Form von Hämoglobin-ämie beschreiben Utz und Vaeth. Bei derselben sollen die allgemeinen Symptome nicht schlagartig, sondern allmilhlich auftreten, so dass die Thiere meist erst am 3,4. Tage als krank erkannt werden. Ausserdem hat Utz Muskelansohwellnngen am Masseter mit nachfolgenden Kaubesohwerden beobachtet (Trismus). Auch P riedberger beobachtete in zwei Fällen von Hämoglobinttmie ausgesprochene Symptome von Trismus. Was schliesslicli noch kurz die Fälle von i n f e c t i ö s e r bezw. t o x il m i s c h e r Hämoglobin-ämie betrifft, so erinnern dieselben zuweilen an das Bild einer raykotischen Darmentzündung oder sonstigen Vergiftung, scheinen also mehr in letzteres Oapitel zu gehören.
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Bio Hiimoglolhiuümie des liindos und dor Übrigen Wiederkäuer.
(Blutharnen, Blutpissen, Weideroth u. s. w.)
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418nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Hiimoglobinämie des Kindes.
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Begriff. Die als Blutharnen, Blutpissen, Rothbarnen, Färben, Ruthen, Siechen, rothes Wasser, Maiseuche, Maien-sperre, Weideseuche, Weideroth in der Literatur beschriebene Krankheit des Rindes und der übrigen Wiederkäuer gehört zu den unklarsten in der gesaminten Veterinärpathologie. Nicht bloss gehen die Ansichten der Autoren über die Ursachen des Leidens sehr aus einander, sondern es widersprechen sich auch vielfach die Beschreibungen der Krankheit. Eine exacte klinische und anatomische Untersuchung ist hier mehr als irgendwo anders in Zukunft angezeigt. Vor Allem muss aus dem landläufigen Sammelbegriffe Blutharnen' die enzootischo Magendarmentzündung in ihrer Complication mit Nephritis haemorrhagica, sowie mit ihrem auf die Nierenentzündung sich beziehenden Symptome, der Hämaturie, ausgeschieden werden. Wir haben letztere Krankheit bei den Vergiftungen gesondert besprochen. Wenn wir sodann dem Blutharnen im engeren Sinne die Benennung Hämoglobinämie1quot; beigelegt haben, so geschah dies auf Grund einer eingehenden Prüfung der vorhandenen Literatur und eigener Beobachtungen. Dieselben liefern den sicheren Beweis, dass das Blutharnen nicht, wie meist angenommen wird, als Hämaturie, sondern als Hämoglobinurie aufzufassen ist. Die Hämoglobinämie des Rindes schliesst sich daher, und weitere That-sachen werden dies noch mehr bestätigen, eng an die Hämoglobinämie des Pferdes an. Unsere Auffassung bezüglich des Wesens der Krankheit geht dahin, dass das Blut harnen in der Hauptsache
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Hämoglobinäimo des Rindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;419
eine durch infectiöse he zw. toxische Stoffe hervorgerufene Blutzersetzung (infectiöse und toxische Hilmo-globiniimie), sowie zum Theil auch eine myogene, rheumatische H ä, m o g 1 o b i n il m i e dar stell t. Die seuchenhaft auftretenden Fälle sind zum Theil durch protozoische Blutkörperchen-Parasiten (Hämatokokken) verursacht (Babes, Star-covici u. A,).
Vorkommen. Das Blutharnen kommt am häufigsten beim Bind, dann aber auch bei Schafen und Ziegen, und zwar in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle epizootisch beim Weidevieh, seltener sporadisch im Stalle vor. Die Krankheit ist schon sehr alt und war bereits den Griechen und Römern bekannt; sie ist über ganz Europa verbreitet, scheint jedoch mit den Fortschritten der Bodencultur mehr und mehr in der Abnahme begriffen zu sein. Zur Zeit findet man sie besonders als Herdekrankheit in den Alpengegenden sowie auf den nordischen Gebirgen und Ebenen. Wie bei der Lecksucht spricht man in manchen Gegenden auch von Blutharnhöfenquot;; dieselben sind meist niedere, von Wald umgebene und mit Erlenbüschen bewachsene Ländereien.
In der Hauptsache werden besonders weibliche und jüngere Thiere, sowie das Melkvieh, weniger dagegen männliche Thiere ergriffen. Bemerkenswerth ist sodann die von verschiedenen Beobachtern constatirte Thatsache, dass eingeborenes, an Ort und Stelle aufgezogenes Vieh sich viel resistenter erweist, als frisch eingeführtes, welches sofort und sehr schwer von der Krankheit befallen wird. Ausserdem scheinen bestimmte Individuen besonders disponirt zu sein; es kommt sogar nicht selten vor, dass einzelne Kühe zweimal im Jahr, und zwar im Frühjahr und Herbst, und selbst mehrmals während eines Weideganges erkranken. Die Jahreszeit anbelangend, ist das Blutharnen vorwiegend eine Frühjahrskrankheit und befällt hauptsächlich solche Herden, welche den Winter über bei kärglicher Fütterung und überfüllten Räumen im Stalle gehalten und dann möglichst früh, bei windiger und kalter Witterung auf die noch kaum bewachsenen Weiden getrieben werden. Auf solchen kalten, windigen, schattigen resp. winterseitigen, dabei kargen, moorigen und sumpfigen Weiden ist das Leiden stationär. Die Krankheit bricht dann gewöhnlich am Ende der ersten oder am Anfange der zweiten Weidewoche, bei allzufrühem Auftriebe oft schon in den ersten Tagen aus und dauert meistens bis gegen die Mitte des Sommers. Nach Gerlach kann sie
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Hilmoglobiniimie des Rindes.
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auch 811) Tage nach dem Abtreiben von der Weide noch auftreten. Dabei ist das Blutharnen nicht ausschliesslich an das Frühjahr gebunden, vielmehr hat mau dasselbe auch schon mitten im Sommer in Folge kalter, regnerischer Witterung beobachtet. In den Alpen soll die Krankheit nur auf Schiefer-, nicht aber auf Kalkformation vorkommen (Lechner).
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Aetiologie. Von der grüsseren Mehrzahl der Beobachter wird das Blutharnen des Kindes als die Folge einer Blut Zersetzung erklärt. Betreifs des Wesens dieser Blutzersetzung deutet Alles auf eine H ä m oglobi n ii mi e als Grundlage der Krankheit hin, indem rothe Blutkörperchen im Harn mit Sicherheit noch niemals nachgewiesen worden sind. Wenn nun auch die eigentlichen Grundursachen dieser Hämoglobiniimie noch nicht gekannt sind, so ergibt sich doch bei genauerer Durchsicht der einschlägigen Literatur, dass zwei llauptfactoron, welche wahrscheinlich mit einander wirken, als die näheren Ursachen der Krankheit zu be-' zeichnen sind und zwar einerseits infectiös - toxische, mit der Nahrung aufgenommene und die rothen Blutkörperchen zersetzende Stoffe; andererseits Erkältung, wahrscheinlich in ähnlicher Weise wirksam, wie bei der 11 ämoglobinäm ie des Pferdes.
1. Die infectiös-toxischen Einflüsse sind auf eigen-thümliche Bodenverhältnisse mit entsprechend abgeänderter Beschaffenheit und Z usammensetzuiiLt der Vese-tation zurückzuführen. Wenn auch die Vermuthungen Spinola's und Stockfleth's, von denen der erstere eine abnorme Menge von Pflanzensäuren in den Futtergewächsen, der letztere ein in den Pflanzen abnormer Weise gebildetes schwefelwasserstotfähnliches Gift annimmt, sehr hypothetischer Natur sind, so spricht doch die Thatsache, dass die Krankheit sehr häufig stationär und an ganz bestimmte Wiesen oder Weiden gebunden ist, sowie dass bei Verfütterung des von diesen Weiden gewonnenen Heus das Blutharnen auch im Stalle auftritt, entschieden für das Vorhandensein eines infectiösen Stoffes. Auch die nachher zu nennenden Krankheitssymptome weisen auf ein Gift hin, das mit der Nahrung aufgenommen zunächst Diarrhöe bezw. eine hämorrhagische Gastroenteritis erzeugt und nach seiner Resorption ins Blut dieses dann zersetzt. Die Beobachtung mehrerer Autoren, welche nach Aufnahme fauler Futterstoffe, z. B. fauler Rüben und Rübenblätter, von Branntweinschlempe, von pilzbesetztem
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Futter Blutharnen beim Rinde auftreten sahen, deutet ebenfalls auf eine mykotische Natur wenigstens eines Theils der Fälle von Hämoglobinämie hin. Endlich berechtigt die nahezu übereinstinnnende Angabe vieler Beobachter, dass die Krankheit häufig nachgewiesener-massen an gewisse sumpfige, moorige Wiesen und Waldstrecken gebunden sei, zur Annahme irgend eines malariaartigen, auf einen Spaltpilz zurückzuführenden Miasmas.
Die zahlreiche Menge von G i ft p f 1 a n z e n , sog. Blutharnpflanzenquot;, erzeugt weniger Hämoglobinurie, als Hämaturie. Hielier gehören die schon bei der enzootischen Darmentzündung erwähnten Sprossen der Nadelhölzer, Eanunkeln, Ginster, Wasserpfeffer, Mercurialis, Euphorbium- und Schierlings-arten etc. Oh die von STpinola beschuldigten Sauer- oder Halbgrilser (Carex, Soirpus, Juncus) oder Equisetum mit dem Blutharnen in Verbindung stehen, ist mehr als fraglich. Dagegen scheint nach mehreren Beobachtungen die Erle (Alnus alpina, viridis, incana und alnobetula) insoferno Beziehung zur Krankheit zu haben, als häufig mit Erlenbüschen bewachsene Weideplätze in auffallender Weise schädlich sind.
2. Auf die Mitwirkung einer rheumatischen Ursache, ähnlich wie bei der Hämoglobinämie des Pferdes (rheumatische oder myogene Hämoglobinämie) deuten verschiedene Umstände hin. In erster Linie ist hier die Thatsache hervorzuheben, duss die Krankheit am häufigsten beim üebergang von der Stallhaltung zu kalten, nassen, stürmischen Frühjahrsweiden auftritt, während sie bei späterem Auftrieb ausbleibt. Auch im Stalle kann Blutharnen durch Verabreichung zu kalten Brunnenwassers (Ry ebner), sowie auf der Weide durch sehr kalte Bergcjuellen (Zündel) hervorgerufen werden. Nach Roll tritt die Krankheit in Galizien besonders in kälteren, gebirgigen Gegenden auf. Dotter hält das Blutharnen geradezu für ein rheumatischesquot; Leiden; Utz beschuldigt ebenfalls bestimmt Erkältung als Ilauptursache und hat während grosser Kälte die Krankheit auch im Stalle gesehen. Krug beobachtete die Hämoglobinämie bei Zugochsen an einem und demselben Tage gleichzeitig mit dem Auftreten der Krankheit bei Pferden. Nach Hink stellt das im Schwarzwalde häufig vorkommende Weiderothquot; eine der schwarzen Harn winde des Pferdes ähnliche Hämoglobinurie dar, welche vorzüglich die Jungrinder beim erstmaligen Weidegange befällt und durch Erkältung, gierige Aufnahme sehr nassen und kalten Futters, sowie ungewohnte Anstrengung verursacht wird. Endlich sah Säur eine sehr gut genährte Milchkuh zweifellos in Folge einer Erkältung an allgemeinem Rheumatismus, mit Hämoglobinurie complicirt, erkranken. Diese Momente, im Vereine mit der Aehnlichkeit mancher klinischen Symptome bei beiden Krank-
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Hiimos'lobinümic des Rindes.
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lieiten (Steifigkeit der Naclihand, Empfindlichkeit bei Druck auf die Lendengegend), deuten nach unserem Dafürhalten auf eine Verwandtschaft der Hiimoglobinämie des Rindes mit der des Pferdes hin.
Hämatococcus. Die Aetiologie der Hämoglobinämie des Rindes ist in der neueren Zeit durch die Untersuchungen von Babes, Piana und Starcovioi gefördert worden. Babes berichtet über eine in den sumpfigen Donaugegenden Rumäniens herrschende Rinderseuche, an welcher jährlich 30 50,000 Ochsen zu Grunde gehen. Kühe erkranken seltener und werden meist wieder gesund, Kälber bleiben verschont. Die Erscheinungen dieser Rinderseuche sind im Allgemeinen dieselben, wie sie bei der Hämoglobinämie des Rindes beobachtet werden. Ob indessen die Babes'scho Seuche mit dem Blutharnen der Rinder in Deutschland identisch ist, lässt sich zur Zeit noch nicht mit Sicherheit entscheiden. Das wichtigste Krankheitssymptom ist jedoch auch hier das Auftreten von Hämoglobin im Harn. Als Ursache der Seuche hat Babes einen Diplococcus entdeckt, welcher sich im Blute, namentlich auch im Inneren der rothen Blutkörperchen, in den Nieron, im Magen etc. vorfindet. Dieser Hämatococcusquot; soll nach Babes Hämoglobinämie erzeugen durch Auflösen der rothen Blutkörperchen. Bacteriologisch soll der Pilz am besten nachweisbar sein durch Vorfärben mit Löfi'ler'scher Methylenblaulösung, Nachfärben mit concentrirter Methylenblaulösung und schliesslichem Behandeln mit Anilinöl und Xylol. Uebertragungen des Blutes kranker Thiere auf gesunde blieben erfolglos. Auch auf Schafe, Schweine, Hühner, Tauben, Meerschweinchen Hess sich die Krankheit nicht überimpfen. Dagegen zeigton Kaninchen nach der Impfung Darmentzündung, Peritonitis, Pleuritis und Pericarditis. Eine genaue Charakterisirung des von Babes gefundenen Coccus steht noch aus. Eine ähnliche, in den Bergen von Brescia stationäre Rindersouche, welche daselbst einen jährlichen Schaden von 'f- Million Franken bedingt, hat Piana beschrieben. Im Blute der kranken Thiere fand er kleine Kokken; auch gelang es ihm, die Krankheit durch intra-peritoneale Blutinjection von kranken auf gesunde Thiere zu übertragen. Wenn die Impfthiero 23 Impfungen überstanden haben, sollen sie gegen die Seuche vollständig immun sein.
Nach Starcovici wird die seuchenhafte Hämoglobinurie der rumänischen Rinder (Babes), das Texasfieber des Rindes (Smith) und der sog. Carceag der rumänischen Schafe (Babes) durch einen und denselben Protozoen hezw. durch Varietäten desselben erzeugt. Vergl. Texasfieber und Carceag im IT. Bande.
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Symptome. Hei der Beschreibung der Symptome des Blut-harnens sind häufig die Erscheinungen der Haematuria renalis mit denen der eigentlichen Hämoglobinurie von den neueren Autoren in ein Krankheitsbild verwoben worden. Wir haben uns daher vorwiegend an die Schilderungen der älteren Beobachter (Spinola, Stockfleth, Gerlach) halten müssen, von deren Angaben einige neuere Publicutionen nicht unerheblich abweichen. Nach diesen älteren, unter einander übereinstimmenden Angaben bestehen die wesent-
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Hämoglobiniimic des Rindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;423
liehen Krankheitssymptome kurz zusammengefasst in Steifheit der Nachhand, vermehrter Empfindlichkeit in der Lendenpartie hei Druck, sowie im Absätze eines mehr oder weniger roth gefärbten, aber nicht Blutkörperchen enthaltenden Harns. Die Krankheit beginnt gewöhnlich mit hohem Fieber (4041deg; C), an welches sich die Erscheinungen einer Diarrhöe anschliessen, die selbst blutig sein kann. Der im Anfange unterdrückte Appetit ist später oft ganz normal oder nur wenig vermindert, und es ist nur eine allgemeine Mattigkeit mit leichter Tem-peratursteigerung zu beobachten. Zuweilen schon nach G12 Stunden zeigt sodann der Urin eine zuerst blass-, dann mehr oder weniger dunkel- bis braun- und schwarzrothe, oder auch theerartige Farbe, sowie einen bedeutenden Eiweiss-bezw. Hämoglobingehalt, in Folge dessen der Harn beim Absetzen schäumt und beim Kochen zu einer dunkelbraunen, brei- oder gallertartigen Masse erstarrt. Dabei bildet er gerne ein trübes Sediment und färbt wohl auch beim Schafe die Wolle in der Umgebung der Harnröhrenmündung roth (Pissflecke). Die Reaction des Harns ist nacli Reuter in den ersten 35 Tagen der Krankheit eine saure, späterhin eine alkalische (Am-moniakgerueh des Harns). Interessant ist, dass die Krankheit ohne Rothfärbung des Urins verlaufen kann (Stockfleth), wodurch die Aehnlichkeit mit der Hämoglobinämie des Pferdes erhöht wird. Der so beschaffene Harn wird ferner anfangs in vermehrter Quantität, sodann öfters in kleinen Mengen, sowie unter deutlichem Schmerzgefühl (Strangurie) entleert. Auf die Diarrhöe folgt meist am 3. Tage eine anhaltende Verstopfung, in deren Verlaufe nicht selten Aufblähen zu beobachten ist. Die innere Körpertemperatur steigt bis 41,8quot; C. und darüber.
Zu den genannten Symptomen gesellen sich bald die einer Mo-tilitätsstörung der Nachhand: steifer, gespannter, schwerfälliger Gang, Unbeholfenheit, selbst Schmerzemptindung beim Niederlegen und Aufstehen, Krümmen des Rückens, sowie eine oft ganz auffallende Empfindlichkeit in der Lenden- und Kruppengegend; auch leichte Zuckungen oder selbst schwache Krämpfe im Hintertheil. desgleichen wurmförmige Bewegungen am Mittelfleische der Harnröhre entlang wurden beim Urinabsatz wahrgenommen. Schliess-lich nimmt die Schwäche und Mattigkeit seitens des Hintertbeils mehr und mehr iiberhand, so dass die Thiere zuletzt unfähig zum Aufstehen werden. Zuweilen treten im letzten Stadium der Krankheit noch ödematöse Anschwellungen am Kopf, Hals, an der Brust-
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Hiünoglobiimmie des Riudes.
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spitze etc. auf. Die S c li 1 e i m h ii u t e sind entweder höher geröthet oder sie sind im späteren Verlaufe schmutziggelb bis citronengelb gefärbt; auch die Milch soll zuweilen eine gelbrothe Farbe annehmen und der Ikterus allgemein werden (Gerlach). Indem nun der Puls immer frequenter und dabei schwächer wird, die Erschlaffung zunimmt, über den ganzen Körper ein Sinken der Temperatur eintritt, erfolgt unter allgemeiner Erschöpfung und nachdem der Harn sich schon längere Zeit hindurch wieder aufgehellt haben kann, der tüdt-liche Ausgang.
Verlauf. Derselbe ist ein a cuter, seltener ein peracuter, indem die Kranken schon nach wenigen Stunden apoplektisch zu Grunde gehen können (lieuter). Bei frühzeitiger Entfernung oder schwächerer Einwirkung der Ursachen ist er gewöhnlich ein ganz gutartiger, im Allgemeinen aber sehr wechselnd. Die Dauer beträgt im Durchschnitt 10-14 Tage; Genesung ist entschieden am häufigsten. So sah Stockfleth unter 79 Erkrankten 23, Krabbe unter MO nur 38 = 8 Proc, Rudovskj' unter 50 Patienten 0 = 12 Proc. sterben. Das Ueberstehen der Krankheit schützt indessen nicht gegen Rückfälle. Reuter hat beobachtet, dass Kühe während einer Weideperiode dreimal von Blutharnen befallen wurden. Derselbe Autor theilt mit, dass die Krankheit in manchen Gemeinden so verheerend auftreten kann, dass 3040 Proc. des gesummten Rindviehstandes verloren gehen, und die Kindviehhaltung daselbst auf das Allernothwendigste beschränkt werden muss.
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Anatomischer Befund. Die Veränderungen bei der Section sind gewöhnlich nicht sehr bedeutend. Meistens sind die Cadaver ganz anämisch und das Blut sehr dünnflüssig, von kirschrother bis tintenschwarzer Farbe. Das beim Gerinnen ausgeschiedene Blutserum ist bisweilen röthlich gefärbt (hämoglobinhaltig). Häufig findet man allgemeinen Ikterus. Organ Veränderungen fehlen, mit Ausnahme des Befundes eines acuten Darmkatarrhs bezw. einer hämorrha-gischen Enteritis fast immer; insbesondere findet man die Nieren für gewöhnlich normal, die Milz zuweilen vergrössert. Nach Spinola sollen die Muskeln schlaff und von bleichem Aussehen sein. Auch Hink fand dieselben hell gefärbt und schlaff. Reuter sah die Muskulatur von fahler Farbe, wie gekocht; dieselbe zeigte an manchen Stellen, namentlich am Halse, der Schulter, den Hinterschenkeln mehr oder weniger ausgebreitete, blutig seröse oder
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Hämoglobinämie dos Rindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .'|-2trgt;
sulzige Infiltrationen (die Aehnlichkeit des Befundes mit dem bei der rheumatischen Hämoglobinämie des Pferdes liegt hier auf der Hand). Die Todesursache ist nach Stockfleth theils in einer hochgradigen Anämie, und das sind die häufigsten Fälle, theils in einer secundären Pneumonie zu suchen.
Differentialdiagnose. Von Krankheiten, mit welchen die Hämoglobinämie des Rindes verwechselt werden kann, sind zunächst verschiedene mit Hämaturie verlaufende Krankheiten der Nieren und der Blase, insbesondere die enzootische Darmentzündung, zu nennen; die Unterscheidung ist indess, wofern nur der Harn mikroskopisch untersucht wird, keine schwere. Sodann kann der ebenfalls mit Hämaturie und vielleicht auch mit Hämoglobinurie verlaufende Milzbrand bei Verwechslungen in Betracht kommen; hier gibt der ganze Krankheitsverlauf, die Blutuntersuchung etc. Aufschluss. Endlicli kann bei Leb erleiden oder Ikterus der dunkel braungelbe Harn für hämoglobinhaltig angesehen werden; hier entscheidet jedoch der Nachweis der GallenfarbstofFe.
Therapie. Bei der Behandlung des BluÜiarnens ist die Prophylaxe von grösster Bedeutung. Dieselbe besteht in der Vermeidung des zu frühen Austreibens im Frühjahr resp. entsprechender Belehrung der Thioreigenthümer, in der Verhütung zu starker Ueber-füllung der Stallungen, sowie in einer jeweiligen Verfütterung von Rauhfutter vor dem Austreiben. Dazu kommt die Melioration des Bodens in Form von Drainirung und besserer Cultivirung: endlich die Bildung eingeborener, resistenter Viehstämme. Ist die Krankheit einmal aufgetreten, dann muss die Weide sofort abgebrochen und die kranke Herde in den Stall zurückgebracht werden. Gegen das Leiden selbst ist schwer vorzugehen. Zunächst wird man rein symptomatisch im Anfange die Verstopfung durch Laxantien und späterhin die Diarrhöe durch styptische Mittel (Ferrum sulfuricum 15-25,0; Alaun 1525,0; Tannin 1525,0; Bleizucker 25,0; Opium 1020,0) zu heben suchen; sodann dürfte sich die Anwendung des Eisens empfehlen (Ferrum pulveratum 25,0; Ferrum sulfuricum 510,0). Von badischen Thierärzten wird die subcutane oder innerliche Verabreichung von Santonin empfohlen. Aderlässe sind bei der längeren Dauer und starken Anämie verwerflich (Stockfleth, Gerlach). In schwereren Fällen endlich kann eine Bluttransfusion versucht werden (Stockfleth).
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Häinoglobinämio.
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Hämoglobinamie bei anderen Thieren. Aussei- beim Pferd und Kind, sowie den kleineren Wiederkäuern, insbesondere der Ziege, hat man Hämoglobiiuiinie auch bei anderen Thiergattungen, so bei Maulthieren (Arloing), beim Hunde in Folge von Erkältung (Säur), nach Intoxi-cationen und bei Staupe (mehrere eigene Beobachtungen), beim Zebra (Johne), sowie beim Schweine beobachtet. So fand Utz (Bad. th. Mitth., 1885, S. 4) bei einem Schweine, das bei einer Kälte von 25 270C. unter Null 8km weit transportirt wurde, dunkelgefärbten, eiweissreichen Harn, sowie neben anderen Symptomen Gelbfärbung des Speckes. Die Erkältung scheint demnach auch bei der Hämoglobinämie der anderen Hausthiere eine Rolle zu spielen, üeber die durch Blutparasiten bedingte Hämoglobin-urie des Rindes (Texasfieber) und der Schafe (Carceag) vergl. die In-fectionskrankheiten im II. Bande.
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Krankheiten der Greschlechtsorgane.
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Das Gebärfieber. Febris puerperalis.
(Kalbefieber, Septicaemia und Eclampsia puerperalis.)
Literatur. A. Q-ebärfiober beim Rind. Dkseuhduho, 7^/;.. 1822. 8. 65; A.de Brux., 1852. - Friend, The Vet., 1839. Fischer, Mag., 1843. 8. 25. Enthalt eine Angabe der ältesten Literatur. BreüLET, Jouni. vM, et agric. de lielg., 1843. Kniehusch, Mag,, 1847. S. 405. Haycock, The Vet., 1850. Pi.ieninger, Rep., 1851. S. 31. No'quet, Rec, 1858. Laxdel, liep., 1853. S. 205. MÜLLER, Mag., 1857. S. 4Ü2. Hering, Spec. Path., 1858. 8. 693; enthält die ältere Literatur. Spinoi.a, Spec. Path., 1863. I. 8. 111. Saake, Mag., 1864. Wochenschr. f. Th., 1866. 8. 49. Avrault, Reo., 1866. Felizet, Ibid., 18601873; Hull. soc. oentr,, 1886. Rinqüet, ./. du Midi, 1869. Stockpleth, Tidshr, f. Vet., 1870. Santy, The Vet., 1870. VtBORO. lief. Mag., 1872. S. 205. rRÜMERS, Mag., 1872. 8. 442. Maris, A. de Brux., 1873. Duvieiisart, Ibid. Abadie, Jougt, liec,
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1874.nbsp; nbsp;8. 294. #9632; Schmidt, Ibid., 1874. 8. 444. Mknner, Itep., 1874. 8. 165. Avril, W. f. Th., 1875. 8. 314. Friedberoer, Ibid., 1875. S. 57; /gt;. Z. f. Th., 1877. S. 388. - SöHNOEN, Fr. M., 1875/76. Ahleitner, Kep., 1876. S.81. Engel, W.f. Th., 187C. 8. 274; 1878. 8.69. Franck, Thieriirztl. Geburtshülfe, 1876; Fhanck-Güuing, III. Aufl. 1893. MitLiteratur. - Renner, W. f. Th., 1877. 8.437. Sager, D. Z. f. Th., 1877. S. 296. - Bormann, Ibid., 1878. Lutz, Rep., 1878. 8.273.
nbsp;Semmer, Virch. A., 1878. S. 371. Mollereau, A. d'Alf., 1878.BlZOT, J6W. Bllenberger, B. A., 1879. 8.89. Hartenstein, A. d'Alf., 1879 u. 1884; Reo., 1885. Nr. 1. Albrecht, W, /'. Th., 1880. Nr. 38. Turnivall, The Vet., 1880. Holder, Ibid. Schmidt, V. f. Thierärzte, III. Serie. 1. Heft. 1880. S. 25. Violet, ./. de Lyon, 188087; Bull. soc. centr., 1885. Anacker, Thrzt., 1881. S. 19; 1886. S. 165. Hora, Oe. V., 1882. 8. 36. - Haselbäoh, Ibid., 8. 150. Bolle, W. f. Th., 1883. Nr. 52. Leffebure, Parois, A. de Brux:, 1883. 1885. Fönte, A. d'Alf., 1884. Trasbot, Diet, ret., Bd. 13. Arloing, Journ. de mi'd. rä., 1884.
nbsp; Braun, /;. th. M., 1884. Nr. 4. Mathe, Ret., 1884. Nr. 21. Rost, g, .1. B., 1884. 8. 107. Wilhelm, Ibid., S, 103. Fl'rthmaier, Oe. M., 1884. Nr. 10. Himmelstoss, W.f. Th., 1885. S. 209. - Hink, laquo;. th. M., 1885. Nr. 1; IV. f. Th., 1886. 8. 209. - Flusser, Oe. M., 1885. Nr. 1. Reinhardt, W. f. Th., 1885. 8.109.
nbsp; Nocard, Rec, 1885. Nr. 6. Biot, I/Eoho rä., 1885; Bec, 1886. Schmidt-MOliieim, I). Z. f. Th., 1885. Ei.oire, Rec., 1885. BoOLEY, Ibid., 1885. Bar-bev, Rki'iquet, Peteaux, Ibid. Courtoy, Bull. Belg., 1885. Hkndrickx, Ibid. Prüdhomme u. Lafon, Rec. 1885. Stürbe, A. de Brux., 1885. Laurent, Ibid., 1886. Van den Mäodexberg, Rec, 1886. Koher, 7^;., 1886. I.Heft. Strebel,
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Uebiirfieber.
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Sclav. A., 1886. S. 285. Bi.o.me, W. f. Th., 1880. S. 57. BßRESOW, Chark. Vet., 188(1. Adam, \V. f. Th., 1880. S. SI. Ruthe, B. A., 1880. S. 290. - Biot u. A., Bee, 1887. Pavbrbau, Ibid. Bouillot, L'Echo vet., 1887. Sohleo, .v. J. 5., 1887. S. 105. von Ow, B. th. M., 1887. S. 92. Lemke, Runäsohau, 1887. S. 313. Neuschmied, Oe, )'., 1887. S. 105. Seuffert, Hec, 1887. Plussbr, Oe. M., 1887. S. 17. Hannel, Oe, I'., 1887. S. 14. Bass, Th. Rdsch., 1888. S. 169. Utz, Ji. th. M, 1888. 8. 81. (juii.leheau u. Hess, Sohui. A., 1895. Heft 3. Die neueste Literatur, weloho sich bosser als die ältere sondern lilsst, timlot sich getrennt in den Oapiteln; Septicaemia pueri)oralis und Grebärparese, S. 432 u. 438.
B.nbsp; Greb ürf ieb er beim Soliaf. Deioendesch, i?laquo;^., 1880. S. 180. Sciilec, .V. J. B., 1883. S. 88. Sturm, B. A,, 1885. S. 302.
C.nbsp; ttebiirfiober l)oim Schwein. Spinola, Ki'khtn. d. Sehweine, Ellenbergeü, Mag,, 1869. S. 433. Waoenfeld-KüHNERT, Vieharznelbacli, 1879. Uebelen, liep., 1880. S. 187. Herz, B, A 1882. S. 309. Hetzel, Rep., 1885.
D.nbsp; GFebörfieber beim Hund. Letzerich, 0laquo;. I'., 1879. S. 30.
E.nbsp; G-ebärfieber beim Pferd. Taktz, W.f, Th,, 18S5. S. 281. Koninski, Oe. A/., 1895. S. 302.
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Aeltere und neuere Anschauungen über das Wesen des Gebärflebers. Die nach der Geburt auftretenden acuten Erkrankungen des Mutterthieres haben von jeher, insbesondere aber beim Binde, die Aufmerksamkeit der Thieriirzte auf sich gezogen. Davon zeugen schon die verschiedenen Benennungen, wie Kalbefieber, Milchfieber, Wurffieber, Gebilrfieber, Puerperalfiebor, Gebärparese, entzündliche, septikämische, nervöse, paralytische, typhöse Form des Kalbefiebers, Septicaemia und Eclampsia puer-peralis. Die beobachteten Krankheitserscbeinungen waren jedoch von vornherein durchaus nicht immer übereinstimmend. Auf der einen Seite waren hohes Fieber, auf der anderen Seite ausgesprochene allgemeine Lähmungserscheinungen die auffallendsten Symptome. Dadurch wurde der Symptomencomplex des Gebärflebers ein ausser-ordentlich polyniorpher, und schon Hering bemerkt in dieser Beziehung: Fast jede Beschreibung scheint eine andere Krankheitsform zu meinen.quot; Es kann daher nicht Wunder nehmen, wenn sich über das Wesen und die Zusammengehörigkeit dieser Symptome divergente Ansichten bildeten; wenn die einen, und es ist dies die Mehrzahl der Autoren, von verschiedenen Formen des Gebärfiebers, der ent-zündlich-septikämischen und der nervös-paralytischen sprachen, während Andere nur eine Hauptform des Kalbefiebers und zwar die mit Lähmungserscheinungen einhergehende, sog. paralytische gelten Hessen, alles andere dagegen, vor Allem die sog. entzündlichequot; Form von der ersten strenge trennten und den Krankheiten des Uterus sub-sumirten. In neuerer Zeit hat man ziemlich allgemein nach dem Vorgange von Franck nicht mehr von zwei Formen des Kalbe- oder Wurffiebers gesprochen, sondern hat letzteres in zwei, nach Wesen,
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Gebärtieber.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;420
anatomischem und klinischem Befunde vollkommen verschiedene Krankheiten getheilt;
1.nbsp; nbsp;das Pu erper alfi eher, Septicaemia pu er per aus, die entzündliche Form des Kalbefiebevs der älteren Autoren, wohl auch als phlegmonöse oder diphtheritische Gebärmutterentzündung, Oebär-mutterbrand bezeiclmut, bestehend in einer durch Aufnahme septischer Stoffe veranlassten acuten Entzündung der Scheide und des Uterus mit c o n s e c u t i v e r allgemeiner Sepsis;
2.nbsp; nbsp;die Eclampsia puerperalis, der nervösen oder paralytischen Form des Kalbefiebers der älteren Autoren entsprechend, nicht sehr glücklich auch Kalbefiober, Gebärfieber, Milchfieberquot; genannt. Dieselbe soll nach Franck in einer durch zu rasche Contraction des Uterus bedingten Gehirncongestion mit nachfolgendem Gehirnödem und Gehirnanämie bestehen, welche sich in Form von Bewusstlosigkeit und allgemeinen Lähmungserscheinungen, seltener in Krämpfen äussert. Diese Theorie über das Entstehen der paralytischen Form des Kalbe-flebers ist von Schmidt-Mill hei in bekämpft worden. Er lässt das paralytische Kalbefieber im Anschlüsse an eigenthümliche, von der Fäulniss verschiedene Zersetzungsvorgänge der eiweisshaltigen, von der Luft in Folge der raschen Contraction des Uterus abgeschlossenen Lochialflüssigkeit im Inneren der Uterushöhle entstehen, bei welchen ein dem Fleisch- oder Wurstgift sehr ähnliches giftiges Agens erzeugt wird, das nach seiner Resorption in die Blutbahn zu ganz ähnlichen Vergiftungserscheinungen führt, wie sie bei der Fleisch-und Wurstvergiftung des Menschen beobachtet werden. Solche sind vor Allem die lähmungsartige Schwäche der willkürlichen Muskeln, der Extremitäten, des Rumpfes, der Zunge, des Schlundkopfes, Gaumensegels, Schlundes, Kehlkopfes, oberen Augenlids (Ptosis); ferner die Lähmung der glatten Muskulatur des Darmes und der Gefässe. sowie der Mangel aller grobanatomischen Veränderungen.
Anderweitige Theorien und Hypothesen Über das Gebärfieber. 1. Die
alte Anschauung vom Wesen des Gebiirticbers als einer Jlilcli m etas tase in verschiedene Kürperorgane hat lediglich historische Bedeutung. So wollte man eine Milchversetzung nach den Nieren (milchartiger Harn), nach der Bauchhöhle (milchartiger Inhalt derselben), nach der Lunge (milchartiger Nasenausfluss) gesehen haben, Erscheinungen, die offenbar einer metastati-sehen pyiiniischen Nephritis, Peritonitis. Pneumonie im Verlaufe einer allgemeinen Pyämie angehörten. Die Bezeichnung Milchfieberquot; hat überhaupt nicht wenig zur Verwirrung über den Begriff des Gebürfiebers beigetragen, indem man bald nur die entzündliche, bald nur die paralytische Form desselben , bald wieder eine ganz eigenartige Krankheit damit bezeichnen zu
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Gebürlleber.
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müssen glaubte. Der Name ,Milcht'ieberquot; sollte gar nicht mehr benützt werden.
2. Die von Harms vertretene Ansicht, dass das Kaiberteber nichts Anderes darstelle, als eine Aufnahme von Luft in die Blutgefasse (Aürilmie) und eine dadurch herbeigeführte partielle Gehirnaniimie, ist zu hypothetisch und unwahrscheinlich, als dass sie im Allgemeinen ernsthafte Beachtung gefunden hätte. Luftblasen in den Gehirngefilssen kommen bei jedem Cadaver natürlicher Weise im Anschluss an eine gewisse Zersetzung des Blutes vor. Andererseits werden sie bei frischen Rectionen von Kühen, die am Kalbefiebers starben, sehr häufig vermisst. Ausserdem beobachtet man diese paralytische Form des Gebärtiebers gerade nach relativ leichten Geburten, bei welchen sich der Uterus sofort schliesst und con-trahirt. Sodann stehen die Schleimhautvenen der Uterusschlehnhaut nicht unter negativem (Saug-) sondern unter positivem Drucke. Auch wurde die Krankheit in einzelnen Fällen bereits vor der Geburt constatirt. Endlich ist es schwer einzusehen, warum die Aufnahme von Luft erst 12 und mehr Stunden nach der Geburt erfolgen sollte.
.'3. Die ursprüngliche Annahme eines Kückenmarksleidens beruht auf einer Verwechslung mit dem sog. Festliegen, sowie mit Kreuzlähme, und bedarf so wenig wie die Annahme eines typhösen Leidens einer Widerlegung.
4. Guillebeau und Hess bestreiten neuerdings die Existenz einer Gebärparese im herkömmlichen Sinne. Es gibt nach ihnen keine verschiedenen, specifischen Formen des Kalbeliebers. Die Gebärparese, die Septicaemia puerperalis und das Festliegen nach der Geburt sollen nur dem Grade nach verschiedene Wirkungen einer und derselben Ursache, nämlich einer einfachen traumatischen Einwirkung bezw. Infection sein (?). Für das Zustandekommen der Lähmungserscheinungen soll neben der Wirkung von Toxinen (also doch Intoxication!) auch noch der Wundschmerz seitens der Geburtswege erklärend in Betracht kommen (?).
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Kritik der Franck'schen Theorie über die Pathogenese des paralytischen Kalbefiebers. Die von Franck zuerst durchgeführte Trennung des Begriffes Gebärfieberquot; in zwei von einander wesentlich verschiedene Krankheitsgruppen, die septikämische und paralytische, muss als ein ganz wesentlicher Fortschritt auf dem Gebiete der puerperalen Krankheitsprocesse betrachtet werden. Wir schiiessen uns dieser Eintheilung vollkommen an. Dagegen müssen wir die Franck'sche Theorie bezüglich der Entstehung der Gebilr-paralyse als wissenschaftlich unhaltbar bezeichnen. Durch blosse Circulationsstorungen lilsst sich diese sehr complicirte Krankheit nicht erklären. Zunächst ist der von Franck gewählte Name Eklampsiequot; ein unrichtiger. Unter Eklampsie versteht man eine Krampfform, welche sich in Convulsionen und zwar in ausgesprochen epileptiformen Krämpfen äussert und gewissermassen als eine acute Epilepsie aufzufassen ist. Eine solche Eklampsie kommt unter unseren Hausthieren z. B. bei säugenden Hündinnen nach der Geburt
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üebärfieber.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 431
vor und bildet, klinisch betrachtofc, das gerade Gegeutheil von dem paralytischen Kalbefieber des Rindes. (Vergl. das Capitel über die Eklampsie der Hunde in dem Abschnitte über die Nervenkrankheiten.) Auch beim Menschen äussert sich die Eclampsia parturientum in minutenlangen Krampfanfällen mit dazwischen gelegenen Ruhepausen, welche unmittelbar im Anschlüsse an den Geburtsvorgang meist bei Erstgebärenden und zuweilen als Ausdruck eines urämischen Zustandes (Nephritis) auftreten. Demgegenüber muss hervorgehoben werden, dass das paralytische Kalbefieber eine Lähmung darstellt, welche oft sehr lange anhält und erst einige Tage nach der Geburt und zwar in der Regel bei Mehrgebärenden eintritt.
Aber auch abgesehen von dieser unrichtigen Benennung lässt sich das paralytische Kalbefieber nach dem von Franck angegebenen Vorgange nicht erklären. Gehirnanämie mit Gehirnödem zeigen wesentlich andere Krankheitserscheinungen und einen viel rascheren tödtlichen Verlauf; zudem sind dieselben beim Kalbefieber nicht immer mit Sicherheit nachzuweisen. Es kann ferner das häufige plötzliche Verschwinden aller Krankheitssymptome bei der vorliegenden Krankheit durch das Vorhandensein eines Gehirnödems nicht erklärt werden. Dazu kommt, dass in seltenen Fällen die Krankheit bereits vor der Geburt beobachtet wird; diese letzteren können nach der Theorie von Franck überhaupt nicht erklärt werden. Vor Allem aber fehlt bei letzterer eine plausible Erklärung der bekannten Thatsache, dass die Krankheit gewöhnlich erst mehrere Tage nach der Geburt auftritt, während sich doch Circulationsstörungen unmittelbar an die Geburt anschliessen müssten.
Aus diesen Gründen dürfte es wohl begreiflich sein, wenn wir uns, wie bereits in der ersten Auflage unseres Lehrbuches geschehen, nach einer anderen Erklärung des paralytischen Kalbefiebers umgesehen haben. Hiezu bot uns namentlich die Theorie von Schmidt-Mülheim Veranlassung. Wir haben diese von ihrem Autor nicht weiter vertheidigte Theorie schon in der ersten Auflage unumwunden acceptirt und müssen uns auch heute noch zu unserem alten Standpunkte bekennen, dessen angemessene Würdigung allerdings gewisse toxikologische Kenntnisse zur Voraussetzung hat. Unsere Anschauungen sind sogar durch das Fortschreiten der Wissenschaft und einige zustimmende Arbeiten (Thomassen, Baas, Stubbe) befestigt worden. Die Annahme einer Selbstintoxication durch Ptomaine bezw. Leukomaine als Ursache des paralytischen Kalbefiebers wird vor Allem durch die ausserordenfliehe
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Gubärfiebor.
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Aehnlichkeit des Krankheitsbildes bei letzterem mit den in der Literatur bekannten und experimentell erzeugbaren Ptomainevergiftungen nahe gelegt. Auch bei der Wurstvergiftung (Botulismus, Allantiasis; vergl. das Capitel der mykotischen Darmentzündung) treten wie bei dem paralytischen Kalbefieber ganz charakteristische Lähmungen von bestimmten Muskeigruppen, so namentlich des Sohlundkopfes und Auges (Schlinglähmung, Ptosis) auf. Dieselben werden durch ein neuerdings in den betreffenden giftigen Nahrungsmitteln (Wurst, Fische, Schinken, Corned Beef) aufgefundenes Leichenalkaloid, das Ptomateatropin, hervorgerufen. Eine der gewöhnlichsten Fäulnissbasen ist ferner das Ptomatocurarin, d.h. ein Leichenalkaloid, welches in seinen Wirkungen vollständig mit dem Curare übereinstimmt und ebenfalls Lähmung gewisser Muskelgruppen erzeugt. Solche PtomaYne finden im Uterus die günstigsten Bedingungen für ihre Entwicklung. Der Umstand, dass das paralytische Kalbefieber gewöhnlich erst einige Tage nach der Geburt auftritt, lässt sich dann ungezwungen so erklären, class zur Entstehung von PtomaTnen im Uterus ein mehrtägiger Zeitraum nöthig ist. Dadurch fällt auch der Einwand weg, dass sich Ptomamevergiftungen langsamer entwickeln als die Gebilrparese. Die zwischen Geburt und sichtbarem Auftreten der Krankheit gelegene Zwischenzeit stellt dann gewissermassen das Incubationsstadium der Gebärparese dar. Das zuweilen beobachtete rasche Verschwinden der Lähmungssymptome erklärt sich naturgemäss durch eine stattgefundene rasche Entfernung des Giftes aus dem Körper. Diejenigen Fälle endlich, in welchen Lähmungserscheinungen bereits vor der Geburt auftraten, dürften ihre Erklärung in dem Umstände finden, dass schon vor der Geburt im Uterus sich Ptomaine gebildet haben, wenn das Eröffnungsstadium der Geburt sehr lange dauert, wenn also vor dem Beginne der Geburt eine theilweise Eröffnung des Uterus vorausgegangen ist (Unterscheidung zwischen Er-öffnungs- und Austreibungsperiode bei der Geburt). Nach der Franck-schen Theorie lässt sich, wie schon hervorgehoben, dieser Punkt überhaupt nicht erklären.
I. Die Scptirnemin pnerporalis (septische oder pyiimlsche Form des
Gebiirfleltors).
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Neuere Literatur. Thomas, The vet.Joum., 28. Bd. Brett, Und. Dothk, Bull. Belg,, Bd. 4. Enolksson, Schtved. ili. Zeitschr., 1888. Strauss u. Sanchez-Td-i.edoz, Journ. de mid. vH., 1888. TaiNCHBRA, Clin. vet., 1888. PnöoKR, Waltiikr,
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Septicaemia jmerpcralis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 433
WiLHEtM, Kunze, fir,,/. U., 1888. S. 81 f. Förster, Niederl. Zeitsohr, /'. Median, 1889. Jahresher. d. buyer. '1 hiertlrzte pro 1889, W. f. Th., 1890. Nr. 51 u. 52;
1891.nbsp; S. 157. Bad. thierärztl. Mitth., 1890. S. 7laquo;. Block, Jl. th. W., 1890. S. 132. Nütz, M. f. p. Th., 1890. S. 208. Ehuhardt, Schw. A., 1890. S. 164. Bumm, M. med. VK., 1891. S. 34. ROBERT, amp; ./. B., 1891. S. 108. Schmidt, B. th. W., 1892. S. 328. Markert, Bodenmüller, HXrtle, Mittkldorf, W, f. Th.,
1892.nbsp; nbsp;S. 334 ff. Lucet, ,/. de Lyon, 1892. Müller, Krlhtn. d. Hundes, 1892. S. 194. Samsqhiraquo;, Jgt;. M. Z., 1892. Nr. 80. Dieckeuhofk, Spec. Path., 1892. S. 966. Hauhneh-Siedamgrotzky, /.. 'Th., 1893. S. 184. Fuanck-Görino, Th. Gehurtsh., 1893. Denis, L'Eeho vdf., 1894. Merkt, IC. f. Th., 1894. S. 195. Dotter, D. th. IT., 1895. S, 152. Villumsen, Maanedskr. f. Dyrl., VI.
Vorkommen. Die Septicaemia puerperalis findet sich bei alien Hausthieren, vorwiegend bei den Carnivoren, indess durchaus nicht selten auch beim Rinde. Die eigentliche Ursache ist in der Aufnahme septischer Stoffe zu suchen, welche entweder von faulenden Nachgeburtsresten und todtfaulen Früchten (Selbstinfection), oder von aussen herstammen (Infection durch den Geburtshelfer, Geburtsinstrumente, Geburtshalfter, durch nebenstehende Thiere, die an Gebärfieber, zurückgebliebener Nachgeburt, Abortus leiden). Die Eingangspforten werden durch Wunden der Schleimhaut gebildet, welche bei roher Hilfeleistung, schweren Geburten, Lageveränderungen der Jungen, Vornahme der Embryotomie, zu früher und gewaltsamer Ablösung der Nachgeburt entstehen. Die Krankheit entwickelt sich gewöhnlich nicht unmittelbar nach der Geburt, sondern meist einige Tage nachher, beim Rinde meist am 3. Tage.
Anatomischer Befund. Abgesehen von den seltenen peracut verlaufenden Krankheitsfällen, in welchen es zu keinerlei entzündlichen Veränderungen des Uterus kommt, findet man auf der Schleimhaut der Scheide, des Gebärmutterhalses und des Uterus an der Stelle der früheren Wunden Geschwüre, sog. Puerperalgeschwüre, welchen ein missfarbiger, nekrotischer oder diphtheritischer Belag aufsitzt, der sich zuweilen abgelöst hat, und an dessen Stelle sich Granulationen entwickelt haben. Die Schleimhaut in der Umgebung dieser Geschwüre ist ödematös geschwollen. Hie und da ergreift die Schwellung auch die äusseren Schamtheile und setzt sich selbst auf die Innenfläche der Schenkel und den Bauch fort, so dass der Zustand an Rauschbrand erinnert. Auch die übrige Schleimhaut der Scheide und des Uterus befindet sich im Zustande einer phlegmonösen Entzündung, welche beim Hund häufig in diphtheritische Verschorfung übergeht (Kolpitis und Endometritis phlegmonosa crouposa und diphtheritica). Im letzteren Falle erscheint sie von schmutzigbrauner oder grünlichschwarzer Farbe, von Geschwüren Frledberger u. Fröhner, Pathol. u. Therapie d. Ilausthiore. 1. Bd. i. And. 28
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Septicaemia puerpuralis.
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durchsetzt und mit einer jauchigen, f'ötiden Masse bedeckt; an einzelnen Stellen ist sie ganz in eine schmierige, nekrotische Masse umgewandelt, nach deren Entfernung die Muskulatur des Uterus blossliegt.
Das Uterusparenchym selbst ist ödematös durchfeuchtet und' eiterig infiltrirt. Die Lymphgefässe sind mit Eiter gefüllt, die Venen thrombosirt; mikroskopisch zeigen sich die Lymphräume der Muskelschichten dicht mit Mikrokokkcncolonien erfüllt. Dabei ist der Uterus schlecht contrahirt, seine Wandungen sind brüchig, matsch, die Muskelfasern im Zustande trüber Schwellung oder fettiger Entartung. Zuweilen finden sich auch Abscesse in der Muskulatur (Metritis phlegmonosa), Das Bindegewebe um den Uterus herum ist ebenfalls ödematös geschwollen, eiterig infiltrirt und selbst von Abscessen durchsetzt (Parametritis phlegmonosa). Weiterhin befinden sich das die Gebärmutter umgebende Bauchfell, sowie der Bauchfellüberzug des Beckens und schliesslich das ganze Bauchfell im Zustande einer serösen, eiterigen, jauchigen Entzündung (Peri-metritis, Pelveoperitonitis, Peritonitis diffusa).
Ist der Process so weit vorgeschritten, so erhält man jetzt das Bild der Septikämie und Pyämie. Man findet eiterige Pleuritis, Pericarditis, ulceröse Endocarditis, Meningitis, Arthritis, hämorrhagische Gastroenteritis. Ferner beobachtet man metastatische Lungen- und Nierenentzündungen, Abscesse imMittelfell, im subeutanen und intermusculären Gewebe, in den von den Klauen eingeschlossenen Weichtheilen; Schwellung und Degeneration der Milz, Leber, des Myocardiums, der Mesenterial-drüsen und Lymphdrüsen überhaupt; Thrombenbildung in den Gefässen der Lunge, Leber, Nieren; Ekchymosirungen in allen Organen, besonders unter dem Endocardium; schmieriges, schlecht geronnenes, theerartiges, die Gewebe imbibirendes Blut, zerfallene rothe Blutkörperchen; rasche Fäulniss des Cadavers unter starker Gasentwicklung.
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Symptome. Die Krankheit beginnt, von den seltenen Fällen rasch auftretender allgemeiner Sepsis mit peracutem Verlaufe abgesehen, mit entzündlichen Erscheinungen seitens der Geburtswege. Man findet zunächst die Schleimhaut der Scheide, sowie die Scham geröthet, geschwollen, höher temperirt, sowie mit diph-theritischen Geschwüren und jauchigem Secrete bedeckt; zuweilen erstreckt sich die phlegmonöse Schwellung der Scham auch auf die
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Septicaemia puerperalis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 435
Innenfläche der Schenkel. Der Uterus fühlt sich bei der Palpation von der rechten Bauchwandung- oder vom Mastdärme aus geschwollen und dabei schmerzhaft an. Häufig finden sich die Geschwüre vorwiegend um die Ausrnündung der Harnröhre gruppirt. Entsprechend diesen entzündlichen Afl'ectionen der Scheide, des Uterus, der Harnröhre zeigen die Thiere sodann in verschiedener Weise Schmerz-äusserungen. Sie werden unruhig, wedeln mit dem Schweife, halten den Rücken gekrümmt, sehen sich nach dem Hinterleibe um, trippeln hin und her, legen sich häufig nieder, contrahiren die Bauchmuskeln, pressen und drängen in Form hochgradiger Geburtswehen auf den Uterus, wobei eine übelriechende, missfarbige, jaucheähnliche Flüssigkeit entleert wird, versuchen häufig Harn abzusetzen, entleeren denselben jedoch nur tropfenweise unter Schmerzen und Drängen.
Gleichzeitig entwickelt sich häulig unter Schüttelfrüsten eine sehr hochgradige Temperaturerhöhung. Die Mastdarmteraperatur steigt auf 40, 41, selbst 42quot; C, der Puls auf 80, 100 und 120 Schläge pro Minute. Dabei ist der Puls klein, fadenförmig, häufig auch unfühlbar; die extremitalen Theile, wie Füsse, Hörner, Ohren, ebenso das trockene Flotzmaul fühlen sich abwechselnd kühl, dann wieder sehr heiss an. Bei längerem Liegen entwickelt sich ferner rasch Decubitus. Mit diesen Erscheinungen geht eine vollständige Aufhebung der Futter- und Getränkeaufnahme, sowie der Milchabsonderung, desgleichen Verstopfung mit leichter Auftreibung einher. Das S e n s o r i u m der Thiere ist hochgradig eingenommen, die Bewegungen geschehen matt und schwankend, die Schwäche nimmt besonders in der Nachhand so zu, dass die Thiere sich nicht mehr stehend erhalten können, sondern andauernd liegen. In diesem Stadium hat die Krankheit bei der hochgradigen Schwäche, Empfindungslosigkeit und Abstumpfung der Thiere viel Aehnlichkeit mit der Gebärparese, unterscheidet sich aber von derselben durch die hohen Temperaturgrade, die entzündlichen localen Veränderungen und das Fehlen der charakteristischen Muskellähmungen am Auge, im Schlünde und Kehlkopfe.
Der Krankheitsverlauf kann ein dreifach verschiedener sein. Entweder tritt bei der Zunahme der eben angeführten Erscheinungen, zuweilen nach einer unmittelbar vorhergegangenen Diarrhöe, der Tod nach 3^4, längstens 6 Tagen ein (seltener apoplektiform schon nach 12 Tagen); oder es erfolgt unter Nachlass der entzündlichen Erscheinungen, des Fiebers u. s. w. innerhalb 814 Tagen vollständige
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Seigt;ticaoraia pucrperalis.
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Genesung; oder endlich entwickeln sich chronische Krankheits-zustände daraus. Hieher gehören vor Allem chronisches, langwieriges Siechthum mit starker Abmagerung, hektischen Fieberanfallen, hochgradiger Kachexie und schliesslicher Erschöpfung, ferner chronische, mit andauernden Ausflüssen einhergehende Endoinetritis (Fluor albus), Verwachsung des Muttermundes, sowie in Folge dessen vollkommene Sterilität, pyämische Metastasen in die Lunge, die Gelenke und andere Organe, sowie chronische Nierenentzündungen mit ihren Consecutiverscheinungen. Die genannten metastatischen Entzündungen machen den Eindruck von Recidiven der Krankheit und können mehrere Male nach einander auftreten. Endlich kommt es bei längerer Dauer zur Ausbildung einer hämorrhagisc hen Diathese mit Blutungen in den Nieren (Hämaturie), in den Lungen (blutiger Nasenausfluss) , im Darme. Wir haben sogar deutliche Petechien in zahlreicher Menge auf der Schleimhaut der Nasenhöhle, wie beim Petechialfieber des Pferdes, gesehen.
Die Mortalitätsziffer der Septicaemia puerperalis beläuft sich auf 5070 Proc.
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Symptome des Gebärfiebers beim Schwein. Die Erscheinungen des Gebärfiebers beim Schwein, des sog. Ferkelfiebers, haben mehr Aehnlichkeit mit der paralytischen Form des Gebärfiebers beim Kind als mit der Septicaemia puerperalis. Das Ferkelfieber zeichnet sich indess durch einen viel leichteren und ungefährlicheren Verlauf aus. Am häufigsten findet man es bei halbenglisoben Rassen und gutem Ernährungs-zustande. Wie die Gebärparese beim Rind entwickelt es sich vorzugsweise nach leichten Geburten und nach dem Abgange der Eibäute, gewöhnlich 3 Tage nach der Geburt. Die Einzelsymptome sind nach Herz folgende. Die Thiere lassen im Fressen und in der Milchsecretion nach, lassen beim Liegen ein leichtes Grunzen vernehmen, haben einen unsicheren Gang, legen sich häufig, taumeln und schwanken, vermeiden schliesslich jede liewegung der Gliedmassen und des Kopfes, wodurch man den Eindruck einer Lähmung erhält, sind theilnahmlos gegen ihre Umgebung, zeigen einen matten, traurigen Blick, haben die Augenlider halb geschlossen und machen wohl auch rotirende Bewegungen mit dem Bulbus. Dabei ist die Körpertemperatur ungleich vertheilt, die Innentemperatur beträgt 4041,5 0 0., der Puls bis zu 140 Schlägen pro Minute, die Borsten sind aufgerichtet, die Haut ist hart und trocken und hinter den Ohrmuscheln und an den Schenkeln massig gerötbet. Dazwischen hinein beobachtet man zuweilen Zittern einiger Muskelgruppen. Die Scham und Scheidenschleinihaut sind dunkelroth gefärbt und nur wenig geschwollen; aus der Scheide entleert sich eine geringe Menge zjlhen, weisslichen Schleimes. Die Athmung beträgt 20 bis 40 Züge pro Minute und ist von einem leichten Stöhnen begleitet. Die Peristaltik liegt darnieder und es ist Verstopfung vorhanden. Der Verlauf ist ein acuter; es erfolgt so ziemlich regelmUssig Genesung nach 12, seltener nach 5 Tagen. Einigemal blieben Schwäche im Kreuze und inter-stitielle Mastitis als Nachkrankheiten zurück.
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Septicaemia puorperalis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;437
Symptome des öebärflebers beim Schaf und bei der Ziege. Die Thiere sind traurig, versagen das Putter, lassen den Kopf hängen, bekommen einen aufgetriebenen, empfindlichen Bauch, krümmen den Rücken und zeigen anhaltendes Drilngen und kolikartige Symptome, wie bei den Wehen. Die sichtbaren Schleimhäute sind höher geröthet, die Temperatur steigt auf 410 C.; später stellt sich allmählich hochgradige Schwäche und Bewusst-losigkeit ein. Die äusseren Genitalien sind mehr oder weniger geschwollen; auf der Seheidenschleimhaut sieht man dunkelrothe Striemen, sowie Geschwüre. Die Dauer dieser offenbar vorwiegend septischen Erkrankungen belauft sich auf einige Stunden bis höchstens einen Tag. Gewöhnlich sind sämmtliche erkrankte Thiere verloren. Wahrscheinlich gehört auch ein Theil der als ,,Gebärmutterbrandquot; bezeichneten Erkrankungen beim Schaf hieher.
Symptome des Gebftrflebers beim Hunde. Die Erscheinungen sind die einer septischen Metritis: Anschwellung der Genitalien, übelriechender, missfarbiger Ausfluss aus der Scheide, sehr hohes Fieber (41 quot;C. und darüber), aufgehobene Euttoraufnahme, Erbrechen, anhaltendes Liegen, sopo-röser und comatöser Zustand, meist tödtlicher Ausgang mit starkem Sinken der Körpertemperatur innerhalb 12 24 Stunden oder von da ab Besserung. Nicht selten bleibt nach dem Verschwinden der genannten Symptome eine chronische Endoinetritis, wie beim Rind, zurück.
Symptome des Gebarflebers beim Pferde. Auch beim Pferde gehört das Krankheitsbild des Gebärfiebers in das Gebiet der Septikämie und besteht im Wesentlichen in hohen Temperaturgraden, schnellem, dabei schwachem und unregelmässigem Pulse, ungleich vertheilter Körpertemperatur, Schüttelfrösten, unterdrückter Futteraufnahme und Peristaltik, Kolikerscheinungen, starker Eingenommenheit, sowie den localen Voränderungen im Genitalapparate. Der Verlauf ist ein sehr acuter. Koninski will auch einen Pali von Gebärparese beim Pferd beobachtet haben.
Therapie. Die Behandlung der Septicaemia puerperalis besteht im Wesentlichen in der Desinfection des Uterus und der Scheide. Die früher üblichen Carbolsäure-Irrigationen (15 Proc.) sind besser durch eine 12procentige Creolinlösung zu ersetzen. Das Creolin hat den Vorzug, dass es ungiftig und ganz wesentlich wirksamer ist, und namentlich augenblicklich die üblen Gerüche beseitigt. Es wird aus diesen Gründen von zahlreichen Practikern sehr gerühmt. Auch das Lysol wird zu Uterusausspülungen empfohlen. Sublimat-Infusionen (1 pro mille) sind nur für Carnivoren angezeigt; für Herbi-voren, namentlich für das Rind, sind sie entschieden, trotz gegeu-theiliger Behauptungen, viel zu giftig, auch rufen sie sehr starkes Drängen hervor. Daneben kann durch innerliche Verabreichung von Seeale cornutum oder Extractum Hydrastis fluidum eine bessere Contraction des Uterus herbeigeführt werden, wodurch die Möglichkeit der Resorption septischer Stoffe seitens der Uterusschleimhaut sich verringert. Auch leichte Abf illirmittel sind
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Gebärparesc.
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am Platze, um die Excretion dor Infectionastoff'e auf dem Wege des Darmcanales zu befördern. In ähnlicher Weise kann man durch Frottiren die Huutthiitigkeit erregen. Endlich behandelt man hohe Temperaturgrade, Schwächenzustiinde etc. symptomatisch mit anti-pyretischen resp. excitirenden Mitteln. In prophylaktischer Beziehung ist strengste Asepsis für den Geburtshelfer (Hände, Instrumente) zu verlangen. Ausserdem empfiehlt sich die Isolirung hochträchtiger Thiere von anderen trächtigen oder mit Abortus, chronischen Ausflüssen aus der Scheide, eiternden Hautaffectionen behafteten Thieren, die Vermeidung jeder zufälligen Uebertragung der Krankheit durch Wärter, Geräthschaften, Futter, Getränke, Schwämme, sowie eine vorausgehende Desinfection des Stalles mit Creolin, Sublimat, Carbolsäure, Chlorkalk und anderen Mitteln; endlich eine gute Ventilation.
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II. JMe Gebärparesc (toxische oder paralytische Form des Gebiirflebers).
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Gebärparese.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 439
Vorkommen. Die Gebärparese findet sich besonders bei Kühen. Offenbar ist hier das Fehlen einer Placenta materna, also einer natürlichen Uteruswunde nach der Geburt, von bestimmendem Einflüsse, indem die im Allgemeinen intacte Schleimhaut nur gelöste toxische Stoffe resorbirt. Das Gleiche gilt für den Uterus der Ziegen, welche ebenfalls nicht selten an dieser Form des Gebärfiebers erkranken; doch kommt die Krankheit auch bei Schweinen vor. Beim Kind besitzen offenbar Milchkühe, sowie fette, vollblütige, wohlgenährte, gefrassige, vor dem Kalben intensiv gefütterte und im Stalle gehaltene Thiere eine gewisse Prädisposition für das Leiden, was schon daraus erhellt, dass dasselbe in milcharmen Gegenden selten zu beobachten ist, während in Milchwirthschaften, besonders unter Holländer- und Marschvieh, die Krankheit vor allen anderen die grössten Verluste bedingt. Von einigen Beobachtern wird sogar bei manchen Hassen eine erbliche Disposition für die Krankheit angenommen. In Gegenden z. B., in welchen die Krankheit ganz unbekannt war, trat sie sofort auf nach Einführung fremder Viehrassen. Dass übrigens die Krankheit auch bei Weidevieh nicht selten vorkommt, lehren die Beobachtungen von Tap ken. Auffallend ist ferner, dass die Gebärparese meist nach sehr leichten und rasch verlaufenden Geburten auftritt, dass aus diesem Grunde Erstgebärende nur selten erkranken, weil bei ihnen der Geburtsvorgang ein schwieriger ist, und der Uterus sich stärker con-trahirt als bei späteren Geburten. Meistens erkranken die Kühe beim dritten bis fünften Kalbe (Haycock; Statistik der bayerischen Thierärzte). Es steht ferner fest, dass bei grosser Sommerhitze, sowie bei raschem Wechsel der Witterung die meisten Erkrankungs-fälle vorkommen. Ob Erkältung eine Rolle spielt, muss dahingestellt bleiben. Gewöhnlich stellt sich die Krankheit 24 bis 48 Stunden nach der Geburt, im Maximum 3 Tage darnach ein, nur sehr selten schon während der Geburt. In einzelnen Fällen wurde sie auch schon vor der Geburt beobachtet, indess nie vor Eintritt der Milchsecretion (Müller, Söhngen, Brüller, Winter, De Bruin, Albrecht u. A.). Wenn man indess bedenkt, dass bei jeder Geburt zwischen Eröffnungs- und Austreibungsperiode wohl zu unterscheiden ist, und zwischen beiden oft ziemlich viel Zeit liegt, so dürfte die Vermuthung auszusprechen sein, dass jene scheinbar vor der Geburt beobachteten Fälle zwar immerhin vor das Stadium der Austreibungsperiode, also der Geburt im gewöhnlichen Sinne, aber doch wahrscheinlich hinter das Stadium der Eröffnungsperiode
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(iebürpai'eso.
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zu setzen sind. In einem Falle von Gebärparese, welche 40 Stunden vor erfolgter Geburt auftrat, hat allerdings Albrecht vollkommenen Verschluss des Muttermundes bis kurz vor der Geburt beobachtet.
Anatomischer Befund. Derselbe bietet wenig oder gar nichts Charakteristisches. Der Uterus wird meist in stark contrahirtem Zustande ohne jedwede Verletzung oder entzündliche Veränderung vorgefunden. Das einzig Auffallende ist eine ungleiche Blutver-theilung im Körper, indem die Baucheingeweide gegenüber anderen Organen häufig sehr blutreich erscheinen. Das Gehirn zeigt in vielen Fällen nichts Abnormes; zuweilen sind die Meningen stark hyperämisch und von Hämorrhagien durchsetzt; auch Hyperämie der Medulla obiongata, sowie Hydrocephalus interims und externus mit Fleischwasser ähnlichem Transsudate wurde constatirt. Häufig findet man das Gehirn stark anämisch, matsch und collabirt, sowie die Gehirnrinde schmutzig gelb verfärbt; in anderen Fällen fehlen diese Veränderungen. Die Maul-, Nasen- und Rachenhöhle ist nicht selten mit Futterstoffen ganz ausgefüllt (Lähmung des Schlingapparates). Die früher als charakteristisch angesehene Eintrocknung des Löserinhaltes, sog. Löserdürre, findet sich bei den meisten Krankheiten mit länger aufgehobener Futter- und Wasseraufnahme, ist also etwas ganz Nebensächliches. In allen anderen Organen ist durchaus nichts Abnormes zu erkennen.
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Symptome. Die Krankheit beginnt meist mit den Erscheinungen einer leichten Unruhe: die Thiere trippeln hin und her, drängen auf den Koth, schlagen mit den Füssen nach dem Leibe. Seltener eröffnen ausgesprochene Gehirnreizungserscheinungen das Krankheitsbild: die Thiere zeigen sich aufgeregt, brüllen, steigen in die Höhe; noch seltener beobachtet man epileptiforme Krämpfe, Zuckungen der Gesichtsmuskeln, Zähneknirschen, krampfhaftes Verziehen des Halses. Von einigen Beobachtern wird ausserdem eine starke, derbe Anschwellung des Euters im Anfange der Krankheit hervorgehoben.
Nach diesem Initialstadium, das häufig übersehen wird und wohl auch fehlen kann, treten in rascher Aufeinanderfolge die eigentlichen charakteristischen Depressions- und Lähmungserscheinungen auf. Zunächst verrathen die Thiere beim Gebrauche ihrer Extremitäten, namentlich der hinteren, eine gewisse Schwäche, schwanken beim Gehen hin und her, erscheinen sehr matt und kraft-
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ttebärparese.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;441
los, fallen zuweilen um und suchen sich dann, wenn auch meist vergeblich, wieder aufzurichten. Bald breitet sich die Parese von der Nachhand auf den ganzen Körper aus; Muskelschwäche und Hinfälligkeit nehmen in hohem Masse überhand. Die Thiere vermögen sich nicht mehr auf den Beinen zu erhalten, sondern liegen kraftlos am Boden, wobei die Füsse halb untergeschlagen oder bei zunehmender Schwäche alle vier gestreckt sind.
In diesem lälnnungsartigen Zustande trifft der behandelnde Thier-arzt meist die Patienten an. Die Thiere liegen in vollkommener Apathie und Somnolenz da, der Kopf ist gewöhnlich seitwärts gelagert und ruht bei stark abgebogenem Halse an der seitlichen Brustwandung; versucht man ihn aufzurichten, so fällt er alsbald wieder kraftlos in seine frühere Lage zurück. Das obere Augenlid ist über den Bulbus herabgesunken (Ptosis), die Augen sind geschlossen , das Thier scheint zu schlafen. Hebt man das obere Lid in die Höhe, so findet man die Cornea eigenthümlich getrübt, von mattem Glänze, wie bei sterbenden Thieren, trocken, ohne Empfindlichkeit, ja selbst rissig und gefaltet; die Pupille ist amaurotisch erweitert, im Lidsacke hat sich Thränensecret angesammelt; die Augäpfel sind stark eingefallen. Die Zunge hängt in Folge Lähmung ihrer Muskulatur schlaff aus dem Maule heraus; so lange die Speichel-secretion nicht unterdrückt ist, fliesst der Speichel, weil er bei der Lähmung des Schlundkopfes und Schlundes nicht mehr abgeschluckt werden kann, ebenfalls in langen Strängen aus der Maulspalte ab. Beim Abschlucken von Flüssigkeiten hört man zuweilen längs des Halses einen eigenthümlichen glucksenden, gurgelnden Ton. Die Athmung geschieht schnarchend, stöhnend, röchelnd, selbst pfeifend (Lähmung der Kehlkopfmuskulatur), unter starker Oeffnung der Nasenlöcher.
Bei der Untersuchung des Verdauung sapparates findet man aussei- der Lähmung der Schlingorgane, welche anfangs nur zu Schlingbeschwerden, bald aber zu einer vollständigen Unfähigkeit des Abschlingens führt, eine hartnäckig andauernde Verstopfung, verursacht ebenfalls durch eine Parese der glatten Muskulatur des Darmes. Diese Darmlähmung, in deren Gefolge sich bald Aufblähung einstellt, und bei der alle Darmgeräusche vollkommen unterdrückt sind, leistet meist den stärksten Abführmitteln und selbst dem Physostigmin Widerstand. Damit geht eine Unterdrückung des Harnabsatzes in Folge der Parese der Blasenmuskulatur einher. Der Harn ist eiweisshaltig und soll nach Nocard regelmässig Zucker
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Gobilrparcso.
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und zwar bis zu 40 g pro Liter enthalten. Auch die Milch secretion liegt darnieder; das Euter ist ganz schlafl' und welk.
Bezüglich des Circulation sapparates fällt zunächst die ungleiche Vertheilung der Körpertemperatur auf, insbesondere fühlen sich die Füsse, Hörner und Ohren eiskalt an. Der Puls ist schwach und oft ganz unfQhlbar; die Zahl der Herzschläge ist immer vermehrt, sie beträgt anfangs 5070, später 120 und mehr pro Minute. Ueber das Verhalten der Innentemperatur widersprechen sich die Angaben. Die meisten Beobachter, z. B. auch Franck, betonen als charakteristisches, unterscheidendes Merkmal gegenüber der septischen Form des Gebilrfiebers ein regelmässiges Sinken der Körpertemperatur auf 85quot; C. und darunter. Dieses Sinken der Temperatur entspricht jedoch nicht dem ersten, sondern dem zweiten (comatösen) Stadium der Krankheit. Wir haben in den ersten Tagen der Krankheit ein nieder- bis mittelhochgradiges Fieber (39,0 bis 40,0deg; C.) nur selten vermisst. Auch Engel-Weingarten con-statirte nach brieflicher Mittheilung in acht genau thermometrisch untersuchten Fallen von rein paralytischem Kalbefieber 7mal eine Temperaturerhöhung von 39,1 bis zu 40deg; 0., wobei 3 Fälle auf den 1., 3 auf den 2., sowie 1 auf den 4. Tag der Erkrankung fielen. Es liegen also bei der Gebärparese ähnliche Verhältnisse bezüglich der Temperatur vor, wie bei anderen Intoxicationskrankheiten, wo die Temperatur im Anfange ebenfalls erhöht ist, während sie später, insbesondere beim Eintritt von Coma und Collaps, unter die Norm sinkt. Hochgradige Fiebertemperaturen kommen der Gebärparese jedenfalls nicht zu. Uebersteigt die innentemperatur in einem Falle 40 und 41quot; C, so muss man immer an die Möglichkeit einer Complication mit Sepsis denken.
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Verlauf. Die Dauer der im Vorhergehenden beschriebenen Krankheitserscheinungen ist eine ziemlich kurze. Der Verlauf ist ein sehr acuter und die Krankheit kann sich schon nach 12 bis 18 Stunden entscheiden. Meist tritt, im Falle der Genesung, nach 23 Tagen eine ganz auffallende Wendung zum Besseren ein. Die Thiere bewegen sich dann wieder am Boden, stehen auf, es stellt sich Appetit und Milchsecretion wieder ein, desgleichen Koth- und Urinabsatz, die Körpertemperatur gleicht sich aus, der Puls wird kräftiger, die gesunkene Temperatur hebt sich. Gewöhnlich erfolgt so 25 Tage nach Beginn der Krankheit vollständige Wiederherstellung. Nur selten bleibt eine andauernde Parese der Nachhand
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CJeLärparose.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 443
oder eine monoplegische Lähmung einzelner Extremitäten zurück. Ist der Ausgang dagegen ein ungünstiger, so geht die Lähmung allmählich auch auf den Herzmuskel und auf das Gehirn über, und es erfolgt unter allgemeinen Muskelkrämpfen und Unruheerscheinungen, nicht selten auch nach einer plötzlich aufgetretenen Diarrhöe, innerhalb 13 Tagen der Tod. Zuweilen werden auch nach sehr kurzer Dauer der Krankheit apoplektiforme Todesfälle beobachtet. Endlich complicirt sich das Leiden nicht selten in Folge Verschluckens der Thiere bei Lähmung des Schlundkopfes gelegentlich des Rülpsens oder Eingiesscns von Arzneien mit einer F r e m d k ö r p e r p n e u m o n i e, die früher oder später, meist nacli 46 Tagen, zum Tode führt.
Prognose. Die Mortalitätsziffer der toxischen, paralytischen Form des Gebärtiebers beträgt durchschnittlich 4050 Proc, ist indess sehr wechselnd (Hering fand sie = 40 Proc; Franck ebenfalls; Köhne = 2550 Proc; Saint-Cyr = 45 Proc; Stockfloth = 50 Proc; die Statistik der bayerischen Thierärzte = 48 Proc). Von den Genesenden rechnet man indess noch 10 Proc. Todesfälle in Folge von Fremdkörperpneumonie. Nicht selten kommt es vor, dass Thiere öfters an Gebärpareso erkranken.
Differentialdiagnose. Da die Gebärparese im unmittelbaren Anschlüsse an eine Geburt auftritt, kann sie nur mit wenigen ebenfalls mit der Geburt zusammenhängenden Krankheiten verwechselt werden. In dieser Hinsicht hat das sog. Festliegen vor und nach der Geburt besondere Bedeutung, um so mehr, als es sich im Verlaufe des Gebärfiebers mit diesem combiniren kann. Das Festliegen besteht nämlich in einer mehrere Wochen vor der Geburt auftretenden Kreuzschwäche, die sich meist nicht direct beseitigen lässt, indess mit dem Abschlüsse der Geburtsvorgänge ebenfalls gewöhnlich wieder verschwindet. Oder es entwickeln sich nach der Geburt in Folge von Zerrung oder Contusionen des Kreuzbeingeflechtes und anderer Nerven vorübergehende Lähmungserscheinungen der Nachhand, die indessen bald wieder verschwinden. In beiden Fällen ist jedoch das Gemein-beflnden der Thiere in keinerlei Weise gestört, die Temperatur ist eine normale, die Futter auf nah me besteht fort, und es fehlen insbesondere Lähmungserscheinungen anderer Körpertbeile. Mit den im Verlaufe der Septicaemia puerperalis späterhin eintretenden Gehirn-Depressionserscheinungen, wie sie gewöhnlich dem letalen Ausgange vorausgehen, kann die Gebärparese wohl niciit verwechselt werden.
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Gebiii'parese.
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Therapie. Von der allergrössten Bedeutung ist bei der Gebär-parese die Prophylaxe. Sie besteht in womöglich täglicher Bewegung der trächtigen Thiere, sowie in Verminderung der Futterrationen; auch ist unmittelbar vor der Geburt ein leichtes Laxans (Glaubersalz) zu empfehlen. Ferner ist für gute Ventilation und Temperirung des Stalles zu sorgen; Erkältungen sind zu vermeiden. Am besten ist es, wenn die hochträchtigen Thiere womöglich in einen besonderen Stall verbracht werden. Ausserdem ist es räthlich, in Stallungen, in welchen die Krankheit regelmässige Verluste herbeiführt, zur Vorbauung nach jeder Geburt den Uterus mit l/sIprocentiger Creolinlösung gut auszuspülen, um der Entwicklung toxischer Stoffe vorzubeugen. Von Trasbot wird auch ein 45 Tage vor dem Kalben ausgeführter Aderlass als wirksames Prophylacticum empfohlen.
Ist die Krankheit jedoch bereits in die Erscheinung getreten, so richtet sich die Behandlung vorwiegend darauf, die wichtigsten Symptome derselben möglichst zu bekämpfen, eine Causalbehandlung ist dann nicht mehr möglich. Dabei muss in erster Linie darauf aufmerksam gemacht werden, dass die innerliche Verabreichung der Arzneien gefährlich ist. Sie muss daher auf das Nöthigste beschränkt und im gegebenen Falle mit der grössten Vorsicht ausgeführt werden, um ein Verschlucken und eine Fremdkörperpneumonie zu verhüten. Wo es immer angeht, ist die subcutane Appli-cationsmcthode vorzuziehen. Die zu bekämpfenden Symptome sind vor Allem die Lähmung der quergestreiften Körpermuskulatur, sodann die der glatten Muskulatur des Darmes und der Blase, ferner die darniederliegende Thätigkeit des Gehirns.
1. Gegen die Lähmungserscheinungen, sowie die allgemeine Schwäche und Hinfälligkeit ist die Anwendung der Excitantien angezeigt; hiebei sind die subcutan anzuwendenden allen anderen vorzuziehen. Hieher gehört vor Allem das Veratrin (0,10,2), das Coffei'n (5,0), der Spiritus aethereus (stündliche Injectionen von 510,0), der Aether (stündlich 25,0), das Strychnin, nitric. (0,020,05 pro dosi), das gleichzeitig die Darmperistaltik anregende Physostigminum sulfuricum (0,1 0,3 pro dosi, in 25,0 Wasser gelöst). Das Physostigmin lässt indess, wie auch die übrigen Mittel, sehr häufig im Stiche. Innerliche excitirende Mittel sind weiter der Wein, Branntwein und verdünnter Alkohol; dieselben sind ganz vorzügliche Analeptica, desgleichen Kaffee und das kohlensaure Ammonium. Statt in Form von Eingüssen gibt man diese Mittel
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Gebärparose.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 445
durch die Schlundsonde oder in Form von Klystieren. Die am häufigsten und zunächst angewandten aus serlichen Reizmittel hestehen in Frottiren der Haut mit warmem Essig, Terpentinöl, Camphergeist, Senföl, Crotonöl, verdünntem Salmiakgeist, Einreiben von Brechweinsteinsalbe (1:4), abwechselnd warmen und kalten Einhüllungen und Umschlägen, kalten Sturzbädern auf den Kopf, Bügeln längs des Kückens mit heissem Bügeleisen auf dazwischen gelegten Wolldecken. Auch die Elektricität wurde angeblich mit gutem Erfolge angewandt. Ueber den Nutzen des Aderlasses besitzen wir Erfahrungen theils positiven, theils negativen Inhalts.
2.nbsp; nbsp;Gegen die darniederliegende Darmthätigkeit werden gleichzeitig auch zur Ableitung auf den Darmcanal die verschiedenen Dra-stica angewandt. Hieber gehört zunächst das wegen seiner Ap-plicationsweise und erregenden Wirkung auf die Muskulatur sehr empfehlenswerthe Phy so stigmin, das Pilocarpin, sodann der Brechweinstein (1015,0 pro dosi), das Crotonöl (2025 Tropfen pro dosi in schleimigen Abkochungen), die Aloe (4000,0 pro dosi), das Glaubersalz (500,01000,0). Ausserdem wird die Peristaltik durch häufige Kly stiere, sowie wiederholtes Exploriren des Mastdarmes und manuelle Entfernung der angesammelten Kothmassen angeregt.
3.nbsp; nbsp; Gegen etwaige Krämpfe und starke Aufregung der Thiere wendet man Morphiuminjectionen, Klystiere von Chloralhydrat und Bromkalium, Inhalationen von Chloroform u. s. w. an. Eingüsse von sog. krampfstillenden Abkochungen (Camillen-, Baldrian-, Fenchel-, Anis-, Kümmelthee) sind wegen ihrer Gefährlichkeit besser zu unterlassen. Im Allgemeinen dürfte es sich empfehlen, mit der Nothschlachtung möglichst lange zu warten.
Uebermässiger Geschlechtstrieb. Nymphomanie, Salyriasis.
Literatur. Rudloff, Mag,, 1889. S. 90. Gerlacu, Und., 1843. S. 8.14. Essmann, Ibid., 1848. S. 489. Rychner, Ihijatrik, 1851. Blanc, J. du Midi, 1852. Vor-beug, Mag., 1853. S. 505. KEBOUL, ./. du Midi, 1853. Prange, Bec, 1855. Bletti, 11 vet., Milano 1855. Schmidt-Kkttwig, Mag., 1855. S. 198; 1860. S. 134.
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Nymphomanie.
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S. 69. Heoelund, Tidskr. f. Vet., 21. Bd. S, 352. Haubneu-Siedamorotzky, L. Th., 1893. S. 189. Sciiüniioef, B. th. W., 1893. S. 317. Lübke, F. Mil. V. B., 1893. S. 114. Wienke, B. A., 1894. S. 50. CHELCnowsKr, Oe. M., 1894. S. 248. Bass, /). Z. f. Th., 1894. S. 165 ff.
Vorkommen. Der übermiissige Geschlechtstrieb wird bei den Hausthieren meist unter dem Namen: Geilheit, Stiersucht, ßrüller-krankheit, Monatsreiterei, Stillochsigkeit, Samen- oder Mutterkoller, sowie fälschlicher Weise auch unter der Bezeichnung ,Hysterie* beschrieben und vorwiegend beim Rind, seltener beim Pferd, Schaf und Hund beobachtet; andere Thiergattungen, wie Schweine oder Ziegen, zeigen die Krankheit weit seltener. Am häufigsten beobachtet man die Geilheit bei Kühen, Stuten, männlichen Hunden und Schafböcken; andere männliche Thiere, z. B. Hengste, Bullen. Ziegenböcke, werden nur ausnahmsweise davon befallen. Die Ursache, dass besonders Kühe an Ubermässigem Geschlechtstriebe leiden, ist jedenfalls in dem Mangel an naturgemässer Bewegung und Lebensweise, in der Gewohnheit, zu bestimmten Zeiten zu concipiren, sowie in Krankheiten der Genitalorgane, hervorgerufen durch häufige Geburten, Tuberkulose etc. zu suchen. Man hat auch schon beobachtet, dass die Nymphomanie unter den Kühen ganz bestimmter Rassen besonders verbreitet ist. Wie schon der Name besagt, gehört zum Begriff übermässiger Geschlechtstriebquot; immer ein gewisser auffallender Grad dieser Abnormität; eine strenge Grenze zwischen physiologischem und pathologisch gesteigertem Geschlechtstriebe lässt sich ja nicht ziehen.
Aetiologie. Der übermässige Geschlechtstrieb bildet keine Krank-lieit für sich, sondern wird als ein blosses Symptom durch verschiedene Ursachen hervorgerufen.
1.nbsp; nbsp;Bei Kühen disponiren zunächst die älteren mehr dazu als die jüngeren, desgleichen Mastkühe, sowie 46jährige, zu fett gehaltene Kühe.
2.nbsp; Bei männlichen Thieren, bei denen die Krankheit wohl auch Satyriasis (im Gegensatze zur Nymphomanie der weiblichen) genannt wird, kommt sodann vor Allem zu intensive Fütterung, besonders mit Roggen, Gerste und Hülsefrüchten, welche deshalb auch als hitziges Futterquot; bezeichnet werden, in Betracht, wenn gleichzeitig zu wenig Arbeit und zu viel Stallruhe mitwirken.
8. Häufig wird die Nymphomanie der Kühe durch pathologische Veränderungen an den Genitalorganen hervorgerufen.
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Nymphomanie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 447
so vor Allem durch Entzündung, cystoido Degeneration, Ver-grosserung, Wassersucht, krebsige, sarkomatöse, tuberkulöse Neubildungen der Eierstöcke. Die Häufigkeit des Vorkommens eines krankhaft gesteigerten Geschlechtstriebes im Gefolge insbesondere der Tuberkulose (Perlsuoht) war auch der Grund, warum man letztere Krankheit früher mit dem Namen Franzosenkrankheitquot;, Monatsreitereiquot;, , Stier suchtquot;, Geilesuchtquot; belegte. Indess bildet unter diesen pathologischen Veränderungen der Ovarien nicht die Tuberkulose, sondern die cystoide Entartung die Hauptursache. So fand Schmidt bei 10 Sectionen stiersüchtiger Kühe keine Tuberkulose des Hinterleibes. Auch führt die Tuberkulose nur bei Ergriffensein der Genitalorgane, vor Allem der Ovarien, zur Geilheit. Es ist ferner ein Irrthum, zu glauben, dass die pathologischen Veränderungen der Ovarien immer mit Nj'mphomanie verbunden sein müssen. Die letztere besteht ausserdem sehr häufig ohne jede Erkrankung der Ovarien. Insbesondere können Erkrankungen der Gebärmutter, welche die Conception verhindern, chronische Vaginitis und Endometritis, Verschluss des Muttermundes, Neubildungen und Lageverände-rungen, Atrophie und Hypertrophie des Uterus Nymphomanie bedingen.
4.nbsp; nbsp;Bei Hengsten leiden ganz besonders die Monorchiden und Kryptorchiden, bei welchen ein oder beide Hoden im Leisten-canale oder in der Bauchhöhle zurückgeblieben sind, an gesteigertem Geschlechtstrieb.
5.nbsp; Häufige geschlechtliche Erregungen, z.B. bei Hengsten durch die Nachbarschaft rossiger Stuten, oder stete Aufregung junger Stuten durch Hengste ohne Befriedigung des Geschlechtstriebs, endlich die Selbstbefriedigung der letzteren durch Onanie führen schliess-lich ebenfalls zu einer bleibenden Satyriasis bezw. Nymphomanie.
6.nbsp; nbsp; Endlich beobachtet man übermässigen Geschlechtstrieb im Verlaufe des Bläschenausschlags der Genitalien beim Pferde und llinde (sog. gutartige Beschälkrankheit), der eigentlichen Beschälseuche (bösartige Beschälkrankheit) beim Pferde, bei der Wuth der Hunde; sodann bei gewissen Rückenmarksaffectionen, bei gastrischen Zuständen und Hinterleibsvollblütigkeit.
Hysterie. Die früher übliche Gleichstellung der Nymphomanie des Rindes mit der Hysterie des Weibes ist ungerechtfertigt. Die Hysterie des Menschen ist einraquo; Neurose des gesnmmten Nervensystems, vorwiegend auch des Gehirns, die mit den Genitalorganen sehr häufig nichts zu thun hat, und auch dann, wenn sie durch gewisse Veränderungen des Uterus (Katarrh, Lageveränderungen, Neubildungen etc.) erzeugt wird, nur sehr selten mit Erscheinungen eines gesteigerten Geschlechtstriebs verläuft. Die Er-
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Nymphomanie.
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scheinungen der Hysterie bestehen vielmehr vorwiegend in Schwernmth, Wahnvorstellungen, Hyperästhesien, Ivrampfanfilllen, Anästhesien, Lähmungen u. s. w.
Symptome. A. Beim Rinde. Die Nymphomanie der Kühe beginnt damit, dass anscheinend gesunde Thiere zu den gewöhnlichen Perioden öftere Male, ohne zu coneipiren, brünstig werden, oder dass die Brunst anfangs regelmässig alle 3 Wochen, später auch häufiger, eintritt und zuletzt ununterbrochen andauert. Dabei zeigen die Kühe eine beständige Aufregung und Unruhe, sowie den andauernden Drang, ihren abnorm gesteigerten Geschlechtstrieb zu befriedigen. Sie suchen sich den benachbarten Kühen zu nähern, bespringen dieselben, reiten auf ihnen, ja sie reiten selbst auf Bullen (sog. Monatsreiterei, Ritte). Dabei wechselt die Stärke des Geschlechtstriebs sehr nach der Individualität: bei einzelnen Kühen sind die Erscheinungen nur wenig ausgesprochen (sog. Stillochsigkeit), bei anderen sind sie viel hochgradiger, stürmischer, ein Zustand, den man deshalb als Brüllerkrankheit* bezeichnet hat. Dieses letztere Leiden scheint in einzelnen Gegenden häufiger als in anderen vorzukommen. Die erkrankten Kühe verrathen dabei grosse Unruhe, haben einen stieren Blick, sowie ein sehr glänzendes Auge, sind schreckhaft, springen gerne auf andere Kühe, reiben die Hörner an Stallpfosten und Futtertrögen, bohren damit, zuweilen selbst bei knieender Stellung, in der Streu, sowie in der lockeren Erde herum, scharren wohl auch, ähnlich wie es Stiere thun, die Erde mit den Fassen auf. Dabei erheben sie ein eigenthümliches, stierähnliches Gebrüll, das anfangs nur als ein leises Brummen, häufig aber in Form lauter, langgezogener, brüllender Töne gehört wird und ohne eine nachweisbare Veranlassung bei Tag und Nacht, besonders aber Morgens, sowie beim Eintritt fremder Personen in den Stall sich wahrnehmbar macht. Zuweilen artet dieses Gebahren in vollkommene quot;Wildheit aus: die Thiere benehmen sich beim Herannahen fremder Personen wie rasend, zer-reissen selbst ihre Ketten, rennen wild umher und greifen sogar den Menschen an. Von sonstigen Erscheinungen sind noch hervorzuheben: die auffallende Verminderung der Milchsecretion, sowie das Gerinnen der Milch beim Kochen; ferner das Einfallen der Thiere zu beiden Seiten der Sehwanzwurzel, nach Art der hochträchtigen Thiere, in Folge Erschlaffung der Kreuzsitzbeinbänder, wodurch der Schweif an seinem Ansätze scheinbar höher aufgerichtet oder aufgethürmtquot; erscheint; ein allmählich sich ausbildender stier-ähnlich e r H a b i t u s, indem besonders die Halsmuskeln dicker werden;
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Nymphomanie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 449
endlich eine zunehmende Abmagerung und Schwäche, welche schliesslich in Kachexie übergehen kann.
B.nbsp; nbsp;Bei der Stute. Auch hier beobachtet man im Anfang zunächst ein ungewöhnlich hochgradiges oder häufig wiederholtes, ja nicht selten anhaltendes Uossigsein, wobei die Thiere trotz stattgefundener Begattung nicht aufnehmen, oder im Falle der Conception regelmässig verwerfen. Dabei benehmen sich die Thiere sehr unruhig, haben einen aufgeregten, unsteten Blick, wiehern häufig, äussern einen lebhaften Heiz zum Uriniren, pressen auf den Harn, wobei immer nur eine geringe Harnmenge mit Schleim gemischt in Form einer dicklichen, weissgelben Masse mit grosser Gewalt spritzweise unter raschem Umstülpen der Schamlippen und Vordrängen der Clitoris (sog. Blitzenquot;) entleert wird. Ausserdem sind die Thiere sehr kitzelig und erregbar. Jede Berührung, namentlich der Flanke, der Bauchwand und des Hintertheils mit der Hand, dem Leitseil, den Zugsträngen, den Waden und Sporen des Reiters etc. ruft Quieken, Blitzen, tropfenweisen Harnabsatz, Peitschen mit dem Schweife, Gegendrücken, Senken des Hintertheils, selbst Schlagen und Beissen hervor, so dass derartige Thiere oft sehr gefährlich im Umgange werden (vergl. auch Stätigkeit). Im Verlaufe dieses in seinen Erscheinungen ausserordentlich wechselnden Krankheitsbildes, während dessen die Thiere vorübergehend Appetitsstörungen zeigen und allmählich abmagern, kann es zu förmlichen Krampfzufällen und maniakali-schen Erscheinungen kommen. So beobachtete Eletti bei einer nymphomanischen Stute ausgesprochene tobsüchtige Symptome, verbunden mit tetanischen Krämpfen, Zähneknirschen, Schlingbeschwerden, Contraotionen der Bauchmuskeln, Herzklopfen, ein Krankheitsfall, der ausnahmsweise eine gewisse Aehnlichkeit mit der Hysterie des Menschen aufweist.
Nicht selten macht sich im weiteren Verlaufe eine ganz bedeutende Abstumpfung des Sensoriums, ein dummkollerähnlicher Zustand bemerkbar, der gewöhnlich mit dem Namen Mutterkollerquot; bezeichnet wird. Dabei beobachtet man periodische Steigerungen des krankhaften Zustandes, entsprechend dem Eintritte des Rossigseins. Wenn die beschriebenen Erscheinungen auch in einzelnen Fällen zeitweise verschwinden, nachdem die Stuten gedeckt worden sind, so kehren sie meistens doch bald wieder, und bedingen in Folge der anhaltenden Aufregung der Thiere eine ganz bedeutende Störung des Allgemeinbefindens.
C.nbsp; Bei männlichen Thieren. Der gesteigerte Geschlechtstrieb, die
Fricdberger h. Frölnier, Pathol. u. Theraiiio (1. Ilausthieio. I. Bd. #9632;!. Aufl. 29
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Satyriasis der männlichen Thiere, äussert sich durch häufige Erectionen des Penis, welche zuweilen anhaltende sind (Priapismus, Chorda venerea), stete Unruhe und Aufregung, andauerndes Wiehern bezw. Brüllen, ungebärdiges Benehmen beim Anblicke weiblicher Thiere, Versuche, dieselben zu bespringen. Findet eine Befriedigung des Geschlechtstriebes nicht statt, so steigert sich in einigen Fällen die Aufregung der Thiere bis zur wirkliciien Tobsucht; Bullen und Hengste sollen selbst Menschen, besonders Frauen verfolgen (Spinola). Später werden die Thiere traurig, versagen das Futter, magern mehr und mehr ab, und es sollen sich nach der Angabe einiger Beobachter Lähmungserscheinungen von Seiten des Rückenmarks, in Folge dessen schwankender Gang, sowie allmählich zunehmende und schliess-lich zum Tode führende Kaohexie ausbilden. Bei Hengsten tritt zuweilen, wenn auch selten, ein kollerartiger Zustand auf, der sog. Samenkoller, zu dem nach Roll besonders Hengste disponirt sind, welche früher zur Zucht benutzt und später vom Belegen ausgeschlossen wurden. Der Name Samenkollerquot; wird indess in der Literatur offenbar verschieden gebraucht. Die einen verstehen die im Verlaufe der Satyriasis auftretenden tobsüchtigen Erscheinungen darunter, andere einen anhaltenden Depressionszustand des Gehirns im Verlaufe eben dieser Krankheit, welcher forensisch dem Dummkoller gleichzustellen ist; in einzelnen Fällen endlich scheint die zuweilen mit Satyriasis auftretende Bösartigkeit der betreffenden Thiere fälschlicher Weise als Samenkoller bezeichnet worden zu sein.
Endlich führt die Satyriasis zu Versuchen der Selbstbefriedigung des Geschlechtstriebs. So versuchen Pferde und Eselhengste durch Anschlagen des erigirten Penis an die untere Bauchwand, Bullen, Hunde, Schafböcke durch Reiben des Penis am Bauche oder zwischen den enggestellten Vorderfüssen, Hunde ausserdem durch Reiten auf anderen oder durch Umklammern des Beines eines Menschen eine Ejaculation herbeizuführen.
Onanie. Unabhängig von der Satyriasis kommt die Selbstbefriedigung, der willkürliche Samenverlust, als Onanie bei milnnlichon Hausthieren gar nicht so selten vor. Dass diese Selbstbefriedigung nicht als Ausfluss eines abnorm gesteigerten Geschleohtstriehes angesehen werden kann, beweisen vor Allem die Fälle, in denen onanirende Hengste und Bullen gegen Stuten und Kühe vollständig gleiohgiltig blieben. Am häufigsten onaniren Hunde und Schafböcke, aber auch bei Hengsten und Bullen koinmt das Onaniren nicht selten vor. Die Folgen der Onanie sind je nach dem Grade der Selbstbefriedigung sehr verschieden. Zuweilen treten kaum erkennbare Störungen auf, in anderen Fällen bemerkt man eine allmählich sich ausbildende Trägheit, leichtes Schwitzen und Ermüden, Abmagerung, Abstum-
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Nymphomanie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 451
pfung des Sensoriums, Schwäche und Lähniungserscheinungen, vom Riiuken-mark ausgehend, Schwächung des Zeugungsvermögens bis zur vollständigen Impotenz, Kachexie, Epilepsie (Trasbot), apoplektiforme Anfälle. Spinola fand in einem solchen Falle bei einem Hengste das Lendenmark in einer Ausdehnung von 3 Zoll erweicht. Die Behandlung besteht in Abstrafen, Arbeit, knapper Fütterung, Zulassen zur Begattung; bei Nutzlosigkeit dieser Mittel in der Castration. Prange beseitigte das Uebel bei einem Hengste dadurch, dass er denselben 10 Tage hindurch je 2 Stunden mit dem ganzen Körper in fliessendes, kaltes Wasser stellte.
Therapie. Die günstigsten Fülle für eine Behandlung der Nymphomanie und Satyriasis sind diejenigen, bei welchen die Ursache der Erkrankung in einer zu starken Fütterung bei zu wenig Bewegung und Arbeit zu suchen sind. Hier kommt in erster Linie die Abstellung dieser Ursachen und die Einführung einer knappen Fütterung (besonders Grünfutter), sowie ausgiebige Bewegung neben Trennung der Geschlechter und, wenn zulässig, natürlicher Befriedigung des Geschlechtstriebs in Betracht. Ausserdem sind Ableitungen auf den Darmcanal durch Abführmittel (besonders Glaubersalz beim Rinde, Aloe und Brechweinstein beim Pferde), ja selbst versuchsweise ein Aderlass anzuwenden. Gleichzeitig verbindet man damit kalte Waschungen und Bäder. Sodann sucht man den Geschlechtstrieb durch Arzneimittel herabzustimmen; hier sind in erster Linie das Chloralhydrat (Pferd und Rind 2050,0 im Getränke), das Bromkalium und Bromnatrium, das Sulfonal (100,0 pro die bei Pferden) sowie subcutane Morphiuminjectionen (0,20,5 beim Rind und Pferd) zu erwähnen.
Helfen diese Mittel nichts, so bleibt bloss die Castration übrig, nachdem man vorher vielleicht noch nach dem Vorgange von Eloire das Einbringen eines fremden Körpers, z. B. einer Bleikugel, in die Gebärmutter, oder nach Schünhoff die Erweiterung des Orificium uteri versucht hat. Die Castration ist meistens das einzig sichere Mittel gegen Nymphomanie und Satyriasis. Dieselbe kann bei männlichen Thieren und Kühen ohne weitere Gefahr vorgenommen werden, sollte indess bei Stuten nur bei vollständiger Un-brauchbarkeit der betreffenden Thiere wegen der Gefahr einer tödi-lichen Peritonitis ausgeführt werden. Bei der Operation von der Scheide aus soll übrigens die Castration auch bei der Stute ziemlich gefahrlos sein (Cadiot).
Bei cystöser Entartung der Eierstöcke hat man beim Rind und Pferd auch das Zerdrücken dieser Cysten mittelst der Hand vom Mastdarm aus anempfohlen (Zangger, Utz, Brüller u. A,);
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452nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Verminderter Greschlechtstriob.
Utz will auf diese Weise von 100 Kühen 90 heilen. Auch nach der Castration und nach dem Zerdrücken der Cysten vom Mastdarm aus können indess Unruhe- und Auf'regungserscheinungen, besonders bei gleichzeitiger Affection des Uterus, z. B. durch Tuberkulose, fortbestehen, in diesem Falle ist es beim Rind, wenn gleichzeitig der Ernährungszustand der Thiere darunter leidet, besser, die Thiere frühzeitig zu schlachten. Aus demselben Grunde ist auch bei letzterer Thiergattung das zu lange Zuwarten mit der Anwendung innerlicher Mittel zu widerrathen.
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Abnorm venmnderter Geschlechtstrieb.
Literatur. May, W, f. Th., 18G3. S. 163. Houdmont u. Zündel, J. de Lyon, 1864. PAULSEN, Hep., 1867. S. 97. Beaufils, Revue de Toulouse, 1877. Schleg, S. J. /gt;'., 1S79. S. 143. HAUHNEn-SiEDAMGnoTZKY, L. Th., 1893. S. 190.
Vorkommen. Ein verminderter Geschlechtstrieb wird als pathologische Erscheinung, welche hauptsächlich für die Thierzucht von grosser Bedeutung ist, namentlich bei weiblichen Thieren, zumal Kühen und Kalbinnen, sodann auch bei männlichen Thieren beobachtet. Der Geschlechtstrieb kann dabei in verschiedenen Graden abnorm verringert sein oder auch vollständig fehlen. Er tritt entweder nicht zur gewöhnlichen Zeit oder abnorm selten auf, ist ungewöhnlich schwach und dauert nur kurze Zeit. Wenn der Mangel an Geschlechtstrieb nicht, wie meist, ein vorübergehender ist, sondern ein bleibender, so wird der Zustand in seinen Folgen gleichbedeutend mit Sterilität oder Unfruchtbarkeit.
Aetiologie. Von Ursachen der Verminderung des Geschlechtstriebes sind als die wichtigsten folgende zu nennen:
1.nbsp;Krankheitszustände in denGeschlechtsorganen, namentlich Katarrhe der Scheide, des Uterus (Fluor albus), Zurückbleiben der Nachgeburt, Hydrometra, Pyometra, Degenerationen der Eierstöcke und Hoden, mangelhafte Ausbildung oder Missbildung derselben.
2.nbsp; nbsp;Schwächezustände im Genitalapparate in Folge zu frühzeitiger Verwendung männlicher oder -weiblicher Thiere zur Zucht, über-mässig häufigen Belegens, Missbrauch stimulirender Mittel, Onanie.
3.nbsp; nbsp;Torpidität im Geschlechtsleben, bedungen durch ein phlegmatisches Temperament und starke Neigung zu Fettansatz. Diese beiden sind gewöhnlich mit einander verbunden, wobei die fortgesetzte zu reichliche Fütterung der Thiere bei Mangel
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Verminderter Groschlechtstrieb.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;453
au Bewegung (Stallhaltung) ebenfalls bei Kühen ein ätiologisches Moment bildet.
4. Allgemeiner Schwächezustand der Thiere nach anhaltend mangelhafter und schlechter Ernährung, üeberanstrengung durch Arbeit, überstandenen schweren Krankheiten, Rückenmarksleiden; ferner acute fieberhafte, sowie chronische constitutionelle Krankheiten.
6. Psychische Abneigung männlicher Tbiere gegen bestimmte weibliche Individuen, besonders von einer gewissen Farbe; Trägheit der männlichen Thiere; heikle, wählerische Beschälhengste, welche beispielsweise jungfräuliche Thiere und gelte Stuten gerne bespringen, dagegen Fohlenstuten verschmähen.
Behandlung. Die Abhilfe richtet sich bei vermindertem Geschlechtstriebe je nach den zu Grunde liegenden Ursachen. In diätetischer Beziehung muss zunächst die Fütterung und Haltungsweise regulirt werden. So handelt es sich beispielsweise bei geschwächten Thieren um Zuführung stickstoffreiclier Nahrungsmittel (Hafer, Hülsenfrüchte, Roggen, Brot, rohe Eier), bei fetten um Nahrungsentziehung und möglichste Bewegung. Hengste werden entweder tüchtig geritten oder im schweren Zuge verwendet, Bullen kann man ebenfalls bei frühzeitiger Angewöhnung und Zuhilfenahme des Nasenrings einspannen oder auf einen umfriedeten Tummelplatz bringen. Endlich darf die Regelung des Geschlechtslebens nicht versäumt werden; dieselbe besteht in der Vermeidung zu frühzeitiger und zu häufiger Begattung bei männlichen Thieren, öfterem Zusammenbringen phlegmatischer weiblicher Thiere mit männlichen, öfterem Führen der Stuten zum Probirhengst. Ausserdem sucht man den Geschlechtstrieb durch stimulirende, den Geschlechtstrieb erregende Mittel (Aphrodisiaca) zu heben. Hier sind in erster Linie die Cantharidcn zu nennen, welche wie alle ähnlichen Mittel da am besten wirken, wo man es nur mit abnorm schwacher Brunst zu thun hat, und welche deshalb eben um diese Zeit angewandt werden sollen. Man gibt grösseren Kühen täglich, und zwar mehrere Tage hinter einander, 25,0 g Pulv. Cantharidum zwischen zwei Brotscheiben oder mit Wein, Pferden 12,0; von der Cantharidentinctur Kühen 20,0, Pferden 10,0, Hunden 0,21,0. Ferner geliören hieher alle gewürzhaften, balsamischen, harzigen, ätherisch-öligen und alkoholischen Mittel, namentlich Pfeffer (1015,0 für Kühe), Ingwer, Kümmel mit Wein, Senfsamen, Wacholderbeeren, Aloe, Summitates Sahinae,
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Impotenz.
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Branntwein, Eierbier, Alkohol u. s. w. Alle die genannten Mittel bedingen eine Hyperämie der Hinterleibsorgane, Turgescenz der Eierstöcke und Hoden und dadurch vermehrten Geschlechtstrieb. Sind die Ursachen in organischen Veränderungen des Geschlechtsapparates begründet, so ist eine Behandlung vergeblich.
Impotenz und Sterilität.
Literatur. .lounml de Lyon, 1845. Magnk, Hcc, 1858. Fuchs, Oe. V. S., 1855. S. 84. Eleout, Beo,, 1867. Colin, Ibid. Andre, A. de ISrux., 1867. Defays, fhid., 1868. -- Dupont, licc., 1868. May, Krhhtn. d. Schafes, 1868. Mit Literatur. - - BSAUFILS U. Lafosse, Itevite vet., 1877. #9632; OoLLIN, liec., 1877. An-ackeii, Spec. Path., 1879. Repliquet h. Mathis, ./. de Lyon, 1880. Sanbon, Bull. soc. cenfr., 1880/81. Eloihe, II med. vet., 1881. BlOT, A. d'Alf., 1882. Iseitoni, Sohn), A., 1887. S. 1. Danoers, UHlhUng'a landiv. Zeitung, 1888. S. 3a. Trincheha, CYi/i. wf., 1888. Piana,/fcW., 1889. Lyford, J. of comp., 1891. S. 587. Lavirotte, ,/. de Lyon, 1892. S. 577. Knowlks, Am. vet. rev., I5d. 15. S. 565. Schünhoff, 11. th. W., 1893. S. 317. Haubneii-Siedamghotzky, L. Tli., 1893. CiiELGiiowsKi, Oe. M, 1894. S. 1. Bass, D: X. f. Th., 1894. S. 147. Mit zahlreicher Literatur. Vergl. aussordem die geburtshilflichen Lehrbücher von Rueff, Harms, Franok u. A.
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I. IMc Impotenz, das Unvcrinögcii der iiiiiiinlichcu Thiere.
Die Impotenz männlicher Thiere, d. h. die mangelnde Fähigkeit der Fortpflanzung, kann einerseits im Unvermögen bestehen, den Be-gattuugsact als solchen in richtiger, physiologischer Weise trotz normaler Function der Geschlechtsdrüsen auszuführen, andererseits im Unvermögen eine Begattung fruchtbar, trotz normaler Functionirung des accessorischen Geschlechtsapparats, zu vollziehen. Man muss daher zum besseren Verständnisse zwischen Begattungsimpotenzquot; und Zeugungsim potenzquot; wohl unterscheiden.
1. Die Begattimgsimpotenz kann auch als relativequot; Impotenz bezeichnet werden, d. h. als eine solche, welche unter Umständen noch beseitigt werden kann. Sie wird durch Störungen bedingt, welche die Vorbereitung zum Begattungsacte oder die Ausführung desselben erschweren oder ganz unmöglich machen. Die Ursache liegt dabei in zufälligen äusseren Verhältnissen ; der Geschlechtstrieb kann sehr rege, sowiederSame befruchtungsfähig sein. Die Verhältnisse sind: Schwäche des Genitalapparates (vergl. in dieser Beziehung auch die Ursachen des verminderten Geschlechtstriebes), herrührend von gestörter Innervation in Folge chronischer Rückenmarks- und Gehirnleiden; auf diese Schwächezustände wird die Bezeichnung Impotenzquot; wohl am richtigsten angewandt. Die Thiere zeigen eine
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Sterilität.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;455
unvollständige Erection des Penis, springen mit unvollständig erigirtem Oliede auf, das nicht in die Scheide eingeführt werden kann, saraen schon vor der vollständigen Erection ab, oder bei rasch vorübergehender Erection vor Eintritt der lluthe in die Scheide. Krankhafte Zustände am Penis, z. B. Knickungen, Phimose, Paraphimose, Neubildungen am Penis, abnorme Grosse des Penis. Bewegungsstörungen, welche das Bespringen oder Aufsteigen erschweren oder unmöglich machen, z. B. schmerzhafte Gelenksleiden, wie Spat, Schale oder Schwächezustände der Nachhand, wie Kreuzlähme. Die Behandlung dieser Begattungsimpotenz richtet sich ganz nach den zu Grunde liegenden Ursachen und besteht diesen entsprechend in guter Fütterung, Elektricität, in operativer Nachhilfe, in chirurgischen Mitteln. Vergl. auch die Behandlung bei Mangel an Geschlechtstrieb.
2, Die Zeugimgsimpotenz beruht entweder auf einer fehlenden Production des Samens überhaupt, sog. Aspermie, oder auf der Abwesenheit von Spermatozoen in demselben, sog. Azoospermie. Es kommen hier vor Allem in Betracht der vollständige Mangel beider Hoden, Atrophie der Hoden nach Entzündungen und degenerativen Zuständen, z. B. nach carcinomatöser Destruction, Aplasie, Hyperplasie der Hoden u. s. w. Es gibt indess auch Fälle, in denen trotz scheinbar normaler Beschaffenheit der Hoden und der übrigen Genitalorgane, vor Allem trotz vorhandener Ejaculatio seminis, die Begattung unfruchtbar bleibt. Hier handelt es sich um ein Fehlen der Spermatozoen im Samen, welches bei älteren Beschälhengsten, indess auch von Anfang an bei jugendlichen zuweilen beobachtet wird und durch eine einfache mikroskopische Untersuchung des bei der Begattung ab-fliessenden Spermas festgestellt werden kann. Auch solche Fälle kommen vor, in welchen der Samen zwar Spermatozoen, aber im un-bewealichen, d. h. nicht belebten Zustande enthält. Die Ursache ist wohl in chronischen entzündlichen oder degenerativen Zuständen der Samencanälchen (Drüsenschläuche) oder angeborener Aplasie derselben zu suchen. Die Behandlung der Zeugungsimpotenz ist eine fruchtlose.
II. Die Sterilität, die Unfruchtbarkeit weiblicher Thlcro.
Dieselbe kann in einer Unfähigkeit zum Coitus oder zur Befruchtung oder zur Keimbildung bestehen und entweder eine vorübergehende (heilbare), oder eine bleibende (unheilbare) sein. Bei der heilbaren Sterilität kommen als Ursachen in Betracht: Nymphe-
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Milch lehler.
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manie, verminderter Geschlechtstrieb, Verschluss des Muttermundes bezw. Gebärrautterhalses durch chronische entzündliche Processe oder narbige Stricturen, besonders beim Rind und der Ziege Stenosen der Vagina, Verwachsung oder Abweichung der Lage bezw. Richtung des Scheideneinganges, Lageveränderungen (Knickung, Drehung, Inversio, Prolaps) und Neubildungen des Uterus, chronische entzündliche Processe der Schleimhaut der Scheide, des Uterus, der Tuben, insbesondere chronische Endometritis (Fluor albus) im Anschluss an Geburten oder epizootischen Abortus. Auch der Bliischenausschlag kann Sterilität hinterlassen. Die Behandlung dieser Zustände ist eine rein chirurgische. Die unheilbare Sterilität ist meist auf einen Mangel der Ovarien oder atrophische Zustände derselben zurückzuführen, hi dieser Beziehung sind zu nennen: Aplasie, Hyperplasie, Atrophie der Ovarien, cystöse, carcinomatöse Degeneration, Verschluss der Ovula-tionsgrube bei Stuten durch eine umschriebene Peritonitis, welche durch die Bildung einer bindegewebigen Auflagerung den Austritt der Eier aus dem Ovarium hindert; ferner Fehlen des Uterus, Aplasie und Atrophie desselben; Zwitterbildung bei Zwillingsgeburten, Verbastar-dirung u. s. w. Aber auch nach chronischen Endometriten kann eine unheilbare Sterilität zurückbleiben. Eine künstliche Sterilität bei Kühen hat Eloire durch Einführung eines Fremdkörpers (Bleikugel, Steine) in den Uterus hervorgerufen.
Milchfehler.
Literatur im Allgemeinen. Fuchs, Mag.. 1841. S. 133. Haubner, Ibid., 1852. S. 1.
nbsp; FünsTEXiiKRCi, Ibid., 1855. S. 420. DuPONT, Rec, 1871. Nr. 1, Ableitner, Oe. V. S., 1877. S. 170. Feseb, V. f. Thiciiirzte, 1878.1. Serie. Heft 8 u. 9. Zorn, Ibid., 1881. 5. lieft. Voli'e, Centralbl. f. allgem. Gesundheitspflege, 1885. Mö-bius, Die Milch fehler. Planen 1886; V. f. Thrzte., II. Bd. 8. Heft. Bräuer, S. J. B., 1886. S. 85. KmciiNKn, Milchzeitg,, 1886. S. 793. Rogers, Joiirn. of comp. med., 1886. S, 101. LöFPLER, B. kliti. IC, 1887. - Adametz, Oe. M., 1890. S. 61.
nbsp; Hess, Schaiter u. Bonzynski, ScMv. Landw. Jahrb., 1890. Prühneu, M. f. )gt;. Th., 1891. S. 408. Mit Literatur. Ostertab, Z. f. Fl. u. M., 1891. Heft 1-3. Guillebeau u. Hess, Schw. Landw. Jahrb., 1891. Kitt, Bakterienkunde, 1893. S. 309. Vergl. aussordem die thierär/.tl. Lelirbücher von Hering, Sfinola, Anagker, Röi.i,, Haurner-Siedamgiiotzky u. A.
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Allgemeines. Die Milchfehler spielen insbesondere beim Rinde eine sehr bedeutende Rolle. Da gerade bei ihnen sehr häufig der Thierarzt zu Käthe gezogen wird, müssen sie ausführlicher behandelt werden. Unsere heutigen Kenntnisse über das Wesen der verschiedenen Milchfehler verdanken wir besonders den Untersuchungen von Fuchs, Haubner und Fürstenberg u. A. Die Ursachen der
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Milohfehler.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 457
verschiedenen Milchfehler sind im Allgemeinen folgende: 1. Abnorme Fütterung nach Qualität und Quantität; der Umstand, dass das Rind am häufigsten Milclifeliler aufzuweisen hat, ist vorwiegend in der wenig naturgemässen Fütterung desselben zu suchen. 2. Magendarmkatarrhe, kachektische und sonstige krankhafte Körperzustände. 8, Euterkrankheiten. 4. Infectiöse (Pilze), thermische, chemische, elektrische Einflüsse von aussen her. Neben der bujatrischen Seite sind die Milchfehler noch insofern von Bedeutung, als sie secundär Erkrankungen des Menschen sowohl wie auch anderer Thiere bedingen können.
Eintheilung. Die Eintheilung der Milchfehler kann je nach dem Hauptgesichtspunkte eine verschiedene sein. Wir unterscheiden:
I.nbsp; nbsp; Milchfehler in Form von Secretionsanomalien: die Agalactie, die zu wässerige und die zu fette Milch.
II.nbsp; nbsp;Milchfchler durch äussere Einwirkungen, besonders Pilzinvasionen bedingt: die schlickerige Milch, die nicht butternde, die schleimige, die faulige, die seifige, die blaue, rothe und gelbe Milch.
III.nbsp; nbsp; nbsp;Milchfehler in Folge fremder Beimengungen: z. B. Schmutz, Bitterstoffe, ranzige Stoffe, Farbstoffe, Gifte und Arzneimittel, Krankbeitsstoffe, Blut.
1. Agalactie, Milchmangel, Versiegen der Milch.
Literatur. Bauwkukkr, W. /'. Tli., 1868- S. 195. Oreste, Gazzetta med, vet., 1871. - BrüSASCO, 11 med. vet., 1871. Delvos, W. f. Th., 1880. S. 69. Fröhneu, M. f. p. 2%.. 1891. S. 408. Hess u. Güiu.kbeaii, Zskhokke, Schio. Lam/ii'. Jahrb., 1893.Harms, liinderkrkhtn., 1895. 8.151 ff.GARRECHT, IT. f. Th., 1895. S.413.
Aetiologie. Der Mangel an Milch ist zunächst eines der ersten Symptome innerlicher Krankheiten, besonders von Magen- und Darmaffectionen. Sodann rührt er von schlechter Fütterung, langemHungern, sowie zu schwerer Arbeitsleistung her. Weiter kommen gewisse Euteranomalien: Mastitis, insbesondere die chronische katarrhalische Mastitis (Agalactia catarrhalis contugiosa; sog. gelber Galt), schlecht entwickeltes Euter, Fetteuter, Eutercongestionen zur Zeit der Menstruation u. s. w, in Betracht. Auch psychische Affecte, wie Heimweh nach dem Jungen oder dem gewohnten Stalle, Angst beim Melken durch fremde Personen, können die Absonderung der Milch beeinflussen. Ausserdem findet man Agalactie häufig bei Erstgebärenden, besonders bei Stuten. Die Untugend des
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Wässerige Milch.
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Selbstaussaugens oder des Aussaugens der Milch durch daneben stehende Thiere kann streng genommen nicht der Agalactie beigerechnet werden. In einzelnen Fällen endlich findet man absolut keine Ursache für den Milchmangel. Von Arzneimitteln sollen die Milchsecretion vermindern Atropin (?), die Jodsalze, sowie äusserliche Einreibungen von Rosmarinöl und Opodeldok.
Therapie. Gegen die Agalactie sind neben Berücksichtigung der jeweiligen Ursachen, sowie neben Verabreichung einer guten und dabei möglichst flüssigen Nahrung, so z. B. von Brühfutter, Bierträbern etc., die sog. milch treibenden Mittel von jeher empfohlen worden. Die beliebtesten derselben sind die Antimonpräparate (Stibium sulfu-ratum nigrum und aurantiacum), Schwefel, Kali chloricum, Fenchel, Wacholderbeeren, Kümmel, Anis, Dill, Kochsalz u. a. Diese Mittel können entweder für sich oder mit einander in den verschiedensten Zusammensetzungen verschrieben werden. Wir verwenden als sog. Milchpulverquot; gewöhnlich nachfolgende Mischung: Rp. Stibii sulfurat. nigri 100,0; Sulfur, subl. 50,0; Pulv. Fruct. Foenicul., Pulv. Fruct. Carv., Pulv. Fruct. Junip. ää 150,0. Natrii chlorati crudi 500,0. M. D. S. Kühen auf jedes Futter 1 Esslöffel, Ziegen 1 Theelöffel voll.
Ungewohntes Milchgeben. Im Gegensätze zur Agalactie kommt bei manchen Thieren zuweilen Milchsecretion und Anschwellung der Milchdrüsen vor, ohne dass Tr ächtigkeit vorliegt. In einzelnen Füllen beobachtet man diese Erscheinung merkwürdigerweise in Folge der Einbildung, trüchtig zu sein bezw. geboren zu haben. Namentlich bei Hündinnen (Möpsen) bat man ziemlich oft Gelegenheit, eine von Tr ächtigkeit und Geburt ganz unabhängige Lactation zu sehen. Unter 70,000 dem Berliner Hundespital zugeführten Hunden wurde in 65 Fällen (= 1 pro Mille) dieses ungewohnte Milchgeben beobachtet. Aehnliches gewahrt man bei Pferden, Kühen, Ziegen und Schafen.
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2. Die wässerige Milch.
Aetiologie und Behandlung. Die wässerige Milch ist durch einen Mangel an Fett und Casein, sowie einen zu hohen Wassergehalt ausgezeichnet; sie ist von bläulicher Farbe, sowie von relativ höherem specifischem Gewichte. Ihre Ursachen sind in schlechtem, wässerigem Futter, so z. B, in übermässiger oder ausschliesslicher Verabreichung von Schlempe, Gesöff, Rüben, Rübenblättern u. s. w., in Krankheiten des Magens und Darms, in kachektischen und hydrämischen Zuständen, sowie unabhängig von diesen Factoren zuweilen in einer besonderen Rasseeigenthümlichkeit zu suchen.
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Sohliokerige Milch.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;459
Die Behandlung besteht dementsprechend in einem Wechsel der Fütterung, Verabreichung von Trockenfutter, sowie in der Anwendung von Stomachicis, z. B. Rp. Natrii chlorati 200,0; Pulv. Fruct. Carvi, Pulv. Rad. Gentian., Pulv. Rliizomat. Calami äa 50,Ö; auf jedes Futter einen Esslöffol voll. Vor Allem aber müssen die vorhandenen krankhaften Affectionen des Darmcanals, Blutes etc. behandelt worden.
3. Die zu fette Milch.
Aetiologie und Behandlung. Ein zu grosser Gehalt der Milch an Fett kommt am häufigsten bei Schafen nach zu intensiver Fütterung, besonders bei Vorfütterung von Leguminosen sowie während der Brunst vor. Die Folgen des Genusses dieser zu fetten Milch seitens der Lämmer äussern sich in Form von Magendarmkatarrhen, Durchfällen u. s. w. Die Abhilfe besteht in leichterer Fütterung der Mutterschafe, Vermeidung zu stickstoffreicher Nahrung, viel Bewegung u. dergl.
4. Die schlickerige Milch.
Literatur. Harms, //. ,/. Ji., 1871 u. 1laquo;72. S. 45. Flkisciimann, Finding's landw. Zeitg., 1877. Mausemann, Ergännungshefte z. Centralhl. f. allgem. Gesundheitspflege, Bd. 2. S. 117. Passet, Fortsohritte der MecHein, 1885. S. 70. Kitt, nakterienk-unde, 1893. S. 311.
Aetiologie. Das vorzeitige Gerinnen der Milch, die sog. schlickerigequot;, süss schlickerigequot; Milch oder das Käsenquot; der Milch ist einer der häufigsten Milchfehler des Rindes, findet sich indess auch sehr oft bei Ziegen. Die Ursachen sind sehr verschiedener Natur. Es kommen hier einerseits Verdauungskrankheiten, saure Futtermittel, z. B. saure Schlempe, Euterkrankheiten, besonders Euterentzündung, Hyperämie und Schwellung des Euters bei hoher Trächtigkeit, nymphomanische Zustände, zu starke Erhitzung des Körpers durch Bewegung oder Arbeit; andererseits äussere Einflüsse in Betracht, so vor Allem zu grosse Sommerhitze, hohe elektrische Spannung der Luft bei Gewittern, dunstige Stallungen, unreine Geschirre und Seihtücher namentlich in Molkereien. Nach Fleischmann soll auch die Aufnahme von mit Rostpilzen besetztem Getreide schlickerige Milch erzeugen.
Erscheinungen. Die Erscheinungen beim Schlickerigwerden der Milch bestehen darin, dass letztere schon wenige Stunden nach dem Melken von selbst, besonders aber beim Kochen gerinnt. Am
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#9632;100
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Nicht butternde Milch.
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meisten Neigung hiezu zeigt die Abendmilch. Dabei ist die Säurebildung nur ganz gering (daher auch der Name süsses Schlickernquot;), die Rahmschichte ist klein, weshalb sich die Milch schwer verbuttern lässt. Bei Mastitis sodann ist die Milch schon beim Melken mit flockigen Gerinnseln versetzt.
Therapie. Die Behandlung richtet sich nach den Ursachen. Eine gute Ventilation und Kühlung des Stalles, sowie Reinhaltung der Gei'ässe und Seihtücher ist in erster Linie erforderlich. Sehr zu empfehlen ist ferner die sofortige Abkühlung der gemolkenen Milch in Kühlapparaten, sowie ein Zusatz von Alkalien (eine Messerspitze doppeltkohlensauren Natriums pro Liter) oder von Salicyl-säure (0,25 g pro Liter Milch). Auch die innerliche Anwendung der Alkalien, besonders der Soda, ist als nützlich zu bezeichnen; dagegen können wir der Einverleibung von Säuren, wie sie von einigen Seiten empfohlen wird, nicht das Wort reden. Harms wendet als Hauptmittel gegen schlickerige Milch Fenchel mit Schwefelspiess-glanz an (aa, 400,0; Morgens und Abends den (5. Theil). Endlich bedürfen Affectionen des Verdauungscanais, des Euters u. s. w., sofern sie die Ursachen des Milchfehlers sind, einer entsprechenden Behandlung.
Ursachen der Milchgerinnung. Dieselben sind bekanntlich in der Einwirkung eines von Pasteur 1857 entdeckten Fermentes, des ferment lactiquequot;, zu suchen, welches den Milchzucker zu Milchsäure zei'setzt und dadurch die Säuerung und Gerinnung der Milch bedingt. List er hat diesen Organismus Bacterium lactisquot; genannt und gefunden, dass ausser-dem noch viele ander e Mikroorgani smen eine Säuerung bezw. Gerin nung der Milch erzeugen können. Hieher gehören nach neueren Untersucbnngon die nachfolgenden: der Osteomyelitiscoccus, der Staphylo-coecus albus, citreus, cereus albus, cerens fiavus, der Streptococcus pyo-genes, der Bacillus pyogenes foetidus, der Erysipelstreptocoocus, das Bacterium, der Mikrococcus und Sphaerococcus lactis aeidi, das Bacterium lactis aerogenes, der Mikrococcus ovalis, der Streptococcus coli gracilis u. a.
5. Die nicht butternde (gährende, schäumende) Milch.
Literatur. Deneobouro. A. de Jirux., 1858. Lehmann, Thrzt., 1872. S. 69. Harms, H. J. Jl., 1872. 8.46. OONTAMIKE, Bull. Ilelg., 1885. S.91; Clin. vet., 1891. Adametz, Olaquo;. M., 1890. S. 69; C.f.Bact., 1889. Freytao, S.J. H., 1894. S. 180.
Aetiologie. Die Ursachen der nicht butterndenquot;, taubenquot;, schäumendenquot; oder gährendenquot; Milch sind, vorausgesetzt, dass keine Fehler bei der Butterbereitung gemacht werden, entweder in Verdauungskrankheiten oder allgemeinen Störungen, schlechter,
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Pauline Milcli.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4()1
gehaltloser Fütterung, z. B. von Rübenblättern, ausserdem in Euter-affectioncn, z. B. bei Hochtriichtigkeit, in der Einwirkung zu grosser Hitze oder Kälte, im Vorhandensein anderer Milch fehl er, z. B. der schlickerigen oder ranzigen und fauligen Milch, und endlich in der Anwesenheit besonderer Mikroorganismen zu suchen. Bringt man die Milch einer in dieser Weise erkrankten Kuh mit der einer gesunden zusammen, so wird letztere ebenfalls angesteckt. Die nicht-hutternde oder gährende Milcli bedingt im Molkereibetriebe und in der Käserei schwere Nachtheile. Nach Adametz können sowohl Bac-terien als Sprosspilze den Milchfehler verursachen. Die ersteren erzeugen Gase auf Kosten des Caserns, die letzteren auf Kosten des Milchzuckers. Adametz hat mehrere Spaltpilze, sowie einen hefe-ähnlichen Pilz, den Saccharomyces lactis, isolirt und experimentell ihre gährungserregende Wirkung festgestellt.
Symptome. Der Rahm der meist normal gerinnenden oder bloss beim Kochen gerinnenden Milch ist nur in dünner Schichte vorhanden und lässt sich entweder gar nicht oder nur sehr schwer verbuttern, indem er gerinnt, stark schäumt und sich gar nicht sammelt. Bei längerem Stehen bekommt er kleine, gelbe Flecke auf der Oberfläche, dabei ist er schmierig, kleisterartig und die etwa gewonnene Butter bröckelig, sowie sehr leicht zersetzlich, d. h. ranzig werdend.
Behandlung. Ausser der Anwendung der verschiedenen Milchmittel (Fenchel, Spiessglanz, Kümmel u. s. w.) sind nach Haubner-Siedamgrotzky Säuren, z. B. Salzsäure, Essigsäure, innerlich verabreicht von sehr gutem Erfolge. Auch Alaun (8,0 pro dosi, täglich ;5mal) und Kreide (Harms) in Smaligen täglichen Dosen von 50,0 bis 100,0 werden empfohlen; bei bitterem Geschmacke der Milch soll man noch 15,0 Chlorkalk hinzusetzen. Contamine empfiehlt 8 Tage hindurch eine Schüttelmixtur von Anis, Spiessglanz (ää 20,0), Essig und Wasser (ää 500,0) einzugeben. Ausserdem sind die Stallungen und Geschirre zu desinficiren.
6. Die faulige Milcli.
Aetiologie. Dieser im Allgemeinen seltene Milchfehler wird durch die Einwanderung von Fäulnisspilzen in die Milch verursacht. Meist sind es unreine Räume und Geräthschaften, von denen aus die Infection stattfindet. Auch Z ersetzungs Vorgänge
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Schleimige Milch.
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im Darme anal, sowie die Verabreichung zersetzten Futters, z. B. ranzigen Knochenmehls (Haubner-Siedamgrotzky) wird beschuldigt. Die inficirenden Spaltpilze sind der Hauptsache nach Bacterium termo und lineola.
Symptome. Auf der Oberfläche der dünnen Rahmscbicht entwickeln sich nach 34 Tagen kleine Gasblasen, aus Schwefelwasserstoff und Kohlenwasserstoffen bestehend, welche platzen und Vertiefungen zurücklassen, in denen der Rahm geschwunden ist (sog. Sahneschwindenquot;). Der Rahm wird allmählich schmutzig gefärbt und mit Oeltropfen vermischt; sein Geschmack wird bitter-süss, faulig, ranzig (freie Fettsäuren, besonders Buttersäure, Baldrian-, Gapron-, Caprin-, Caprylsäure). Das Verbuttern gelingt dabei nicht.
Therapie. Die Prophylaxe besteht bei diesem Milchfehler in Des infection und Reinhaltung der Stallungen, Milchräume und Ge-räthschaften, in der innerlichen Anwendung von Magenmitteln und gährungswidrigen Mitteln, sofern Zersetzungsvorgänge im Darracanal die Veranlassung bilden. In letzterer Beziehung wären die Mittelsalze, das Kochsalz, das unterschwof ligsaure Natrium und der unter-schwefligsaure Kalk zu versuchen.
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7. Die schleimige, lange, zähe, fadenziehende Milch.
Literatur. Müller, Thi-zt., 1871. S. 10. Eugling, Bei: üb. d. ThätigkeÜ it. landw. cliem. VerstwhsStaHotl i. Vorarlberg, 1879. Böttchefi, Der rationelle Betrieb der Milcluoirthschttft, S. 64. Schmidt-Mülhuim, Landw. Versuchsstationen, 1882. S. 91; Pflilger's Archiv, Bd. 27. S. 490. Klexze, Käserei-Technil-, Bremen 1884. S. 76. B. Martint, Die Milch, S. 380. Hüppe, D.med. W., 1884. S. 777. Löfflep,, B. Min. W., 1887. S. 203. Hess u. Bomeaud, Schw. A., 1888. RATZ, li. A., 1890. S. 100. Adametz, Oe. M., 1890. S. 66. Guillebeau, Schw. Landw. Jahrb., V. Bd. S. 185. Leichmann, Landw. Versuchsstut., 43. Bd. S. 375.
Aetiologie. Die Ursache der fadenziehenden Milch beruht auf einer Pilzinvasion. Die Angaben über die Beschaffenheit und Art des Pilzes sind jedoch verschieden. Schmidt-Mülheim fand bei der mikroskopischen Untersuchung der schleimigen Milch kleine, runde, lichtbrechende, circa 1 Mikromillimeter im Durchmesser zeigende, bewegliche Körperchen, theils in Form isolirter Mikrokokken, theils von Rosenkranzketten. Das Gährungsmaterial hiebei soll der Milchzucker sein. Es liefert nämlich Eiweiss- oder Caseinlösung mit dem Ferment versetzt keine Gährung, dagegen eine Iprocentige Milchzuckerlösung
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Schleimige Milch.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4(33
eine deutliche schleimige Gährung. Die mit Alkohol ausgezogene schleimige Substanz zeigt vermöge ihrer lleactionen den Charakter des Pflanzenschleims (ähnlich dem Quittenschleim); gleichzeitig verschwindet auch thatsächlich der Milchzucker. Nach neueren Untersuchungen scheinen übrigens mehrere Mikroorganismen die Fähigkeit zu besitzen, schleimige Milch zu erzeugen. So ist von Hüppe ein Mikrococcus, von Löffler ein speeifischer Bacillus aufgefunden und isolirt worden. Ratz unterscheidet zwischen schleimiger und fädenziehender Milch. Die schleimige Gährung ist nach ihm nicht das Product eines bestimmten Mikroorganismus, sondern mehrerer, von welchen er einen Diplococcus genauer beschreibt. Adametz hat einen Bacillus eultivirt, welcher sterilisirte Milch im höchsten Grade fädenziehend macht. Guillebeau und Freudenreich, Leichmann u. A. haben ebenfalls besondere Mikroorganismen entdeckt.
Am häufigsten findet man den Milchfehler im Sommer, sowie in unreinen Stallungen und Milchkammern. Zuweilen kann man auch schlechte Verdauung, sowie die Fütterung fauliger, mit Pilzen besetzter Nahrungsmittel beschuldigen. Auch die Aufnahme von Pin-guicula (Fettkraut) soll nach Müller die Milch schleimig machen; in Schweden beispielsweise wird dadurch die Milch künstlich fadenziehend gemacht.
Symptome. Während die Milch am 1. Tage nach dem Melken noch dünn ist, wird sie am 2. Tage dickschleimig, zähflüssig, fadenspinnend, zeigt schlechte Gerinnung, sowie schwache Kahmbildung, hat einen faden Geschmack, lässt sich sehr schwer verbuttern, wobei die Butter ebenfalls schmierig und von schlechtem Geschmack ist. Oft stellt sie eine homogene, weisse Masse dar, die so zähe ist, dass sie nicht ausfliesst, wenn man den Behälter umwendet. Bei mikroskopischer Untersuchung findet man ausser den beschriebenen Spaltpilzen das Casein in Form runder Scheiben ausgeschieden (Sphärokrystalle). In neuerer Zeit wird zwischen schleimiger und fadenziehender Milch unterschieden. Die schleimige Milch bildet eine reichliche, dicke Rahmschicht, welche tadellose Butter liefert. Die fadenziehende Milch scheidet abgesehen von ihrer abweichenden Consistenz eine geringe oder gar keine Rahmschicht ab und besitzt eine ganz ausgesprochene Infectionsfähigkeit, indem eine geringe Menge derselben grosse Quantitäten normaler Milch in sehr kurzer Zeit fadenziehend macht.
Therapie. Die wirksamste Vorbauung gegen das Zähwerden der Milch besteht in gründlicher Desinfection der Milchräumlichkeiten
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Seifige Milch.
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mit schwefliger Süure, heissen Wasserdämpfen etc., sowie im Rein-hcalten der Milchgefilsse. Auch Erhitzen der Milch auf 05 0 C. vernichtet nach Schmidtlaquo;Mülheim die Pilze.
Innerlich gibt man bei Verdauungsstörungen die entsprechenden Sfcomachica und autikatarrhalischen Mittel. Nach Haubner ist die VerfUtterung von Hanflaub (15,0) sehr zu empfehlen.
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8. Die seifige Milch.
Literatur. Wkigmann u. Zmx, C. f. Boot., Bd. XV. 1894. Heft 1814.
Ursachen und Behandlung. Unter seifigerquot; Milch versteht man eine eigenthümlich laugenhaft, seifenartig schmeckende Milch, welche niemals, selbst bei längerem Stehen nicht, gerinnt, sondern nur einen schleimigen Bodensatz abscheidet und einen stark schäumenden Rahm liefert, weshalb sie schwer zu verbuttern ist. Die Ursachen dieser Milchanomalie sind nach Weigmann und Zirn in der Einwanderung eines eigenartigen Bacillus, des sog. Bacillus saponacei, zu suchen. Derselbe bildet feine, bewegliche, 1 bis 1,6 Mikromülimeter lange und lji Mikroinillimeter breite, an den Enden abgerundete Stäbchen, welche die Gelatine verflüssigen und auf derselben runde, weisse Colonien mit centralem gelbem Punkte liefern. In Milch geimpft erzeugen sie nach mehreren Tagen eine schleimige Beschaffenheit, sowie seifenartigen Geschmack. Als Ursache wurde U eher tragung durch Stroh und Heu ermittelt; beide Futterstoffe enthielten die beschriebenen Bacterien. Die Behandlung bestand in Entfernung der Streu und des Futters, sowie in Abwaschen des Euters.
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9. Die blaue Milch.
Literatur. Hkkmbstadt, Erdmann's Juurn. f. teclm. n. Ökonom. Chemie, 1833. Stkinhoff, Mecldenb. lawliv, Annal., 1838. Dhouahd u. Leci.krg, Rec, 1846. Deiakond, Bull. soc. ce.nt.r.} 1840; l'utli. gäierale, 1855. Haubnkr, iMac/., 1852. S. 1. FlSQHGR, Rec, 1850. Matthiku, Jbid. 1862. Rhode, Landiv. Centralhl. für JMitschl., 1804. Moslkh, Virch. A., Bd. 43. Tisskiiant, Guide (/ans l'cntrctien des eachef) laitieres, Lyon 1805. SCHRÖTER) Beiträge zur Biologie der Pflanzen, von Colin, I. 1872. ZÜRN, Die p/lanzl. Parasit., 1874. S. 258; 1887. S. 106. Coli.in, Pec., 1875. Boulky, Pni/., 1870. Larqher, Benjamin-, Pull, centr. vet., 1877/78. KARSTEN, D. /.. f. Th., 1879. S, 320. Simonin, liec, 1879. ZIMMERMANN, 'Vhrzt., 1881. S. 159. Reiset, Uec., 1888. HuEPPE,Mlaquo;Ä, d. deutsch. Peichs-i/esundheitsamts, 1884. II. Bd. Boürquelot, Rec., 1885. Neklsen, Ibid. #9632; MosSKLMANN, A. de Prux., 1888. S. 300. Steinrbide, Landw. Zeitg. d. Provinz Sachsen, 1888. S. 89. Heim, Arb. a. d. deutsch. Gesundheitsamte, 1889. S. 518. Schott, Fortschritte d. Medicin, 1889. S. 801. Adamktz, Oe. M., 1890. S. 04. Ritz, B. th. W 1891. S. 11.
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Blaue Milch.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 405
Vorkommen. Die blaue Milch wird am häufigsten im Hochsommer und Frühjahr, überhaupt bei feuchtwarmer Witterung, und in dumpfigen Milchkammern beobachtet; in letzteren kann sie Jahraus, Jahr ein, beispielsweise über 10 Jahre hindurch (Steinhoff) vorkommen. Dagegen verschwindet der Milchfehler gewöhnlich in der kälteren Jahreszeit, also im Winter und Herbst, sowie nach Reinigung der Luft durch Gewitter oder Regen. Anfangs zeigt nur eine Kuh eine blaue Milch, bald wird indess die Milch sämmtlicher Thiere eines Stalles angesteckt. Sehr häufig bieten kranke Thiere eine Prädis-position für das Auftreten der blauen Milch.
Aetiologie. Die blaue Milch wird durch einen besonderen chro-mogenen Spaltpilz. Bacterium syncyanuin (Schröter) hervorgerufen. Derselbe wurde schon 1841 von Fuchs als Vibrio cyano-genus entdeckt und von Ehrenberg Vibrio syneyanus genannt; Fürstenberg fand ihn an den Wänden inficirter Milchkammern. Nach neueren Untersuchungen von liueppe bildet der Pilz 2 bis 4 Mikromillimeter lange Vlaquo; [gt;#9632; dicke, bewegliche, an den Enden abgerundete Stäbchen, welche selbst farblos sind und sich durch Thei-lung und Sporenbildung vermehren. In sterilisirter Milch (Ertödtung des Milchsäurepilzes) bedingt er wegen des Fohlens der Milchsäure-bacterien und der die blaue Färbung besonders deutlich zur Erscheinung bringenden sauren Reaction bloss eine schiefergraue, höchstens mattblaue Färbung, während er auf Fleischwasser-Peptongelatine grüne Farben hervorruft, die sich allmählich in braune umwandeln und durch oxydirende Mittel in blaue übergeführt werden. Auf sterilisirten Kartoffelscheiben wird die Farbe graublau, Der sehr bewegliche Pilz spaltet das Eiweiss in einen dem Anilinblau sehr ähnlichen Farbstoff. Die Uebertragung findet durch die Luft und wahrscheinlich auch durch Fliegen statt; ob die Milch schon im Euter durch von aussen eingedrungene Pilze iniieirt werden kann. muss dahingestellt bleiben. Sehr eiweissreiche Milch nach proteinreicher Fütterung, ferner eine stark alkalische, langsam oder nicht vollständig gerinnende prädisponirt im Gegensätze zur sauren zum Blau-werden. Nach Haubner erscheint die blaue Milch oft bei schnellem Uebergang zu anderen Futtermitteln und Weideplätzen, besonders nach Düngung der letzteren mit Gyps, und verschwindet im Gegensatz hiezu wieder beim Uebergang zu leichteren Weiden. Auch Hueppe glaubt, dass eine bestimmte Fütterungsweise, Euterkrankheiten etc. durch
Frledberger U. Frühner, Pathol, U, Tlierajlle d, llausthierc 1. Bd. !. Aull. 30
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4(i(3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Blaue Milch.
Verzögerung der Säuerung eine gewisse secundiire Bedeutung für das Blauwerden der Milch haben können.
Symptome. Die Erscheinungen des Blauwerdens der Milch sind nach der von Fuchs zuerst gegebenen Schilderung, welcher nichts hinzuzufügen ist, folgende. Ein bis zwei Tage nach dem Melken erscheinen gleichzeitig mit der Säuerung und Gerinnung der Milch auf dem Kahme zuerst hell- oder graublaue, dann indigo- bis himmelblaue kleine, unregelmässige Flecke von Stecknadelkopf-grösse, welche sich allmählich vergrössern, später die Eahmschichte durchdringen und zuletzt wohl auch die tieferen Schichten der Milch, ja selbst die ganze Milch blau färben. Dabei zeigt die Milch in Folge der mit dem Eiweisse und auch mit dem Fette vor sich gellenden Veränderungen eine andere Consistenz. Das Casein verliert seine Festigkeit, wird flüssiger, die Butter wird talgartig, ranzig, verfärbt. Die in Form von Flecken oder Streifen auftretenden blauen Verfärbungen sind häufig von einem grünlich schillernden Rand umgeben. Nach mehreren Tagen wandelt sich dann die blaue Milch in die sog. faule Milch um, d. h. es entwickeln sich Fäulnisspilze neben Schimmelpilzen, wodurch die Milch eine schmutzig graue Farbe erhält. Der Genuss der blauen Milch ist für Thiere wie für den Menschen schädlich. So beobachtete Mosler Erkrankungen beim Menschen, Stoin-hoff bei Schweinen im Anschlüsse an ihren Genuss. Im Gegensatz hiezu soll die Milch nach der Behauptung Hueppe's zwar ekelerregend, aber nach den Fütterungsversuchen vollkommen unschädlich sein und deshalb ohne Nachtheil an dieHausthiere verfüttert werden können.
Behandlung. Das Blauwerden der Milch kann verhütet werden durch Lüftung, Reinigung und Desinfection der Stallungen. Milchkammern und Milchgeräthschaften; zur Desinfection eignen sich am besten Dämpfe von schwefliger Säure. Nach Haubner kann der Zusatz von saurer Buttermilch vielfach jedes andere Vorbauungs-mittel ersetzen. In manchen Fällen ist auch ein Futter Wechsel angezeigt. Nach Zürn sollen ferner Waschungen des Euters mit antiseptischen Mitteln zuweilen die Blaufärbung durch Vernichtung des Pilzes im (oder am?) Euter verhindern.
10. Die rotlie Milch.
Literatur. Lamchkr, Bull. soc. centr., 1877. Q-rotenfelt, Fortschritte d. Medicin, 1889. Nr, 2. Maenhk, C. f. Bad., Bd. 6. S. 596. Baoinsky, 7). med. W., 1889. Nr. 11. Adametz, lt;gt;e. M., 1890. S. 61.
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Rothc Milch.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4(37
Aetiologie und Symptome. Wie die bkue, so wird auch die rotlie Milch durch Einwanderung von Pilzen verursacht. Die Fähigkeit, in-der Milch rothe Farbstoffe zu erzeugen, kommt mehreren Bacterienarten zu. Bisher sind nachstehende bekannt: 1. Der Bacillus prodigiosus, schon 18;i8 von Ehrenberg entdeckt, die Ursache des blutenden Brotes' und der blutenden Hostiequot;. Der Pilz bildet sehr kurze und daher gewöhnlich mit Kokken verwechselte bewegliche Stäbchen, welche auf Kartoffelscheiben bei 20deg; C. cultivirt sehr rasch blutrothe üeberzüge bilden, während beim Impfen sterilisirter Milch in der Rahmschichte rothe Punkte auftreten, welche zusammenfliessen und schliesslich die ganze Oberfläche roth färben. Eine Rothfärbung der ganzen Milch tritt nicht ein, weil die Entwicklung des Pilzes an die Gegenwart von Sauerstoff, also an die Oberfläche der Milch gebunden ist. Auch bei niederer ((gt;10deg; C), sowie bei höherer Temperatur wird die Cultur weiss. Der in Alkohol und Aether lösliche Farbstoff zeigt im Spectrum ;i charakteristische Absorptionsstreifen (einen hinter D und je einen vor E und P). Durch Alkalien wird die rothe Lösung entfärbt. Trotz der starken Verbreitung des Bacillus prodigiosus ist er nur selten die Ursache der rothen Milch. 2. Das Bacterium lactis erythrogenes, von Hueppe 1887 entdeckt, färbt im Gegensatze zum vorigen die ganze Milch roth. Es bildet kurze, 1 1,4 jj. lange und 0,-30,5 jj, dicke, an den Enden abgerundete Stäbchen, welche in der Milch eine lab-ähnliche Gerinnung unter Auftreten von alkalischer Reaction hervorrufen. Die Farbstoffbildung erfolgt nur im Dunkeln, die ganze Milch wird nach 23 Wochen blutroth gefärbt. Der in Aether und Alkohol unlösliche Farbstoff hat zwei charakteristische Absorptionsstreifen zwischen D und E, sowie einen dritten im blauen Theil des Spectrums. B. Eine Sarcina-Art färbt, wie Adametz gezeigt hat, die Milch ebenfalls roth (braunroth). Wahrscheinlich gibt es noch andere rothfärbende Pilze. Die rothe Milch wird in ähnlicher Weise prophylaktisch durch Desinfection behandelt, wie die blaue.
Gelbe Milch. Dieselbe ist mit der blauen Milch ebenfalls nahe verwandt. Der farblose, bewegliche Spaltpilz, Bacterium synxanthum (Schröter) producirt einen dem Anilingelb iihnlichou, dotter- bis eitronengelben Farbstoff, der zuweilen zusammen mit Grün und Blau auftritt und häufiger in gekochter als in angekochter Milch zu beobachten ist | Milchsäure hemmt die Entwicklung des Fermentes. Nach Schröter beginnt in der gekochten und bereits geronnenen Milch nach 48 Stunden unter gleichzeitigem Eintritt von Alkalescenz an deren Ober-fläohe eine fleckige Gelbfärbung mit Zunahme der Molkenflüssigkeit und
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,108nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;MUohfehler.
Weicliwerckn, sowie Zeri'all dos Milchkuchens in kleino Gerinnsel. Nach 6 Tagen stellt sodann die Milch eine citronengelbe, wässerige, an Käse-fiooken sehr arme Flüssigkeit dar. Aussei- dorn Bacterium synxanthum scheinen auch noch andere Bacterieu Gelbfärbung der Milch erzeugen zu künnen,
11. Fremde Stoffe in der Milcli.
Literatur. Groonibr, liec, 1828. S. 117. Herberoeb. l'harin. C.-Iil., 1840. Nr. 9.
nbsp;Praas, M. J. li., 1854. Heutwig, Mag., 1856. S. 400; Arzneimittellehre, 1872.
nbsp;Lawsom Tait, Ref. Thrzt, 1871. S. 270. Gkulach, G. Tli., 1872. Haukold, Fr. M.. 1873/74. S. 55. Harms, H. ./. B., 187laquo;. S. 71. Monin, Med. Centralbl., 1870. Begemann, H. ./. li., 1870. S. 10. Ratti, Ref. I). Z. f. Th., 1876. S. 149.
nbsp;Klink, Ibid., S. 463. Gohup-Besanez, l'ln/niol. Chemie, 1878. Luzanskv, Ref. I). Z. f. Th,, 1879. S. 342. - Stumpf, Thrzt., 1882. S. 115. Albrboht, W. f. Th 1887. S. 301. Löffler, B. Min. W., 1887 u, 1888. Wyss, Tageblatt d. Heidd-herger Natmforsohervet'saMmlung, 1889. #9632; Escherich, M, med. W., 1889. S. 783. Cnopf, Ibid., S. 741. Almqvist, Zeitsohr, f. Hygiene, Bd. 8. S. 143. Fröhner, Arzneimillellehre, 1893; M. f. p. Th., 1891. 8.408. Adametz, Oe.M., 1890. lleftl.
nbsp;quot;Weiomann, Krüger, Molkereizeitung, 1890. Hess, Schaffer u. Bondzynski, Scliu'. landiv. Zeitsclir., 1890. Guillebeau u. Hess, Ibid., 1890 u, 1891. Sonnk.n-BERGER, D, med, W,, 1890. Petersen, 'Ihiermed. Vorträge, 2. Bd. #9632;Würzrurg. Therap. Monatshefte, 1891. S. 18. Scheuerlex, ylW*. a. d. Deutscli. Gesundheitsamt, 1891. OONN, O. f. Bact., 1891. Nr. 20. Sonnenberger, Milchzcüg., 1891. S. 9. Roth, 1). Vierteljahrsschr.f.Gefimdh., 22. Bd. 2. Heft. Baum,/J. /(., 1892. 8.163; M. f. p. Th., 1892. S. 245. Schulz, Bayer, landw. Zeit.schr., 1892. Vanderhoo-noNCK, A. de Brux., 1892. 6. Holt. Hoeppe, li. Min. W., Bd. 27. Nr. 29. Fnns, Med. Centralbl, 1898. Nr. 20. Jensen, Ref. Kitt, Bakterienkunde, 1893. S. 313.
nbsp; Gaffky, Renk, D. Vierteljahrsschr. f. Gesundh., 1893. I.Heft. Um,, Z. f. Hyy., 12. Bd. S. 475. Ostertag, Z. f. M. u. Fl, 11. Bd. u. 1892. Stühlen, Thiermed. Vortr., 111. Bd. 7. Heft.
Von fremden Körpern in der Milch sind als die wichtigsten zu nennen: Schmutz, abnorme Geschmackstoffe, Riechstoffe, Farbstoffe, Arzneimittel und Gifte, Krankheitsstoffe, Blut, Eiter. Die verschiedenen bereits besprochenen Spaltpilze, welche einer Anzahl von Milchfehlern zu Grunde liegen, würden ebenfalls hieher gehören.
1. Scilmutz. Derselbe rührt von Verunreinigung der Milch durch das kothbeschmutzte Euter beim Melken her und besteht daher im Wesentlichen aus Kuhkoth. Bei Erkrankung der Kühe (Diarrhöe, Enteritis) können so Ansteckungen beim Menschen durch den Genuss der Milch bedingt werden. Uhl fand z. B. in der Giessener Marktmilch 19212 Milligramm Kuhkoth pro Liter. Die Prophylaxe bestellt in Reinigung des Euters vor dem Melken und Einführung trockener Streu. Vom hygienischen Standpunkt aus ist nur diejenige Kuhmilch als rein zu betrachten, bei der nach zweistündigem Stehen eines Liters in einem Gefäss mit durchsichtigem Boden ein Bodensatz nicht bemerkbar ist (Renk).
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Milclifehler.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 409
2. Abnorme Geschmaekstotfe. Dieselben rühi-en meist von Nab-rungsmitteln ber, welcbe in Zersetzung begriffen waren und in tliesem Zustande verfüttert wurden. So von ranzigen Oolkucben, faulen und gefrorenen Kartoffeln und Rüben, sauren, angegangenen Biertrilbern, grossen Mengen von Rübenblättern und Rübenköpfen, welcbe nacb Schumacber ein ätherisches Oel enthalten, von zusammengelesenem Futter, Pressfutter, Baumlaub, Kastanien, Topinamburstengeln, Taraxacum officinale, Wermutb, Hainfarren, Knoblaucb, Artischocken, Disteln, Kaps- und Leinrückständen, zu viel Hafer- und Erbsenstroh, Olivenöl, Kepsöl, Leinöl, Fiscbfutter u. s. w. Auch unreine Gelasse und Gerätbe können die Ursache abgeben. In allen diesen Fällen bekommt die Milch einen unangenehmen ranzigen, bitteren, süsslichen, salzigen oder herben Geschmack. Nach .lensen veranlagst ferner der Bacillus foetidus lactis einen widerlich ranzigen Milchgeruch mit ölig-rübenartigem Geschmack. Weniger unangenehm sind die ätherischen Oele der aromatischen Mittel: Anis, Kümmel, Fenchel u. s. w. Die Behandlung besteht lediglich in einem Futter-wechsel bezw. Reinhaltung der Gefilsse etc. Nach neueren Untersuchungen wird das Bitterwerden der Milch auch durch Spaltpilze erzeugt. Krüger führt dasselbe auf die Einwirkung eines Pilzes, des Proteus vulgaris, Hueppe auf die Bildung von Case'i'n-pepton durch den Bacillus butyricus und den Kartoffelbacillus zurück. Von Weigmann ist ferner ein Bacillus, von Conn ein Mikrococcus als Ursache des Bitterwerdens nachgewiesen worden. Darnach scheinen verschiedene Bacterien obige Eigenschaft zu besitzen.
'5. Abnorme Riechstoffe gelangen in die Milch nach Verfütterung von Zwiebel und Knoblaucb (Alliumarten, besonders A. suaveolens Jacq. und A. Scbomoprasum L.), sowie nach Anwendung stark riechender Arzneimittel, z. B. Stinkasant, Campher, Terpentinöl. Ausserdem werden Geruchsstoffe in grossen Mengen aus der Umgebung auf
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enommen, so nach der Desinfection eines Raumes mit Carbolsäure.
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Im letzteren Falle wurde beispielsweise die im desinlicirten Räume stehende Milch so carbolhaltig, dass sie bei einem Hunde nacb dem Genüsse CarbolVergiftung hervorrief (Zorn).
4. Von Farbstoffen kommen besonders gelbe, gelbrothe und blaue vor. Die gelben und rothen stammen theils von gewissen Pflanzen, z. B. Carotten (Daucus Carota), Rhabarber, Rubia tinetorum. Crocus, Galium rubioides, verum und boreale ab, theils erklären sie sieb aus Beimengungen von Gallefarbstoffen (ikterus), Blut, Eiter zur Milch. Auch kommt bei gewissen Reizungszuständen des Euters eine (letter-
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Milohfehler.
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golbo Colostrahnilcli vor. Die blauen Farbstoffe stammen, abgesehen von der sog. blauen Milch, ebenfalls von verscbiedenen Pflanzen ab, so von Anchusa officinalis, Equisetuin arvense, Mercurialis annua, i'olygonum aviculare, Polygonum fagopyrmn , Muscari comosum, ßu-toinus umbellatus, Melampyrum arvense, indigohaltigen Pflanzen.
5. Von Arzneimitteln gehen die nachfolgenden resp. ihre wichtigsten Bostaudtheile in die Milch über und rufen nach dem Genüsse derselben entsprechende Wirkungen hervor: Campher, Aether, Terpentinöl, Asa foetida, Chloroform, Brechweinstein, Aloe, Arsenik, Helle-borus, Belladonna, Bilsenkraut, Stechapfel, Colchicum, Kornrade, Kici-nuskuchen, Schierling, Morphium, Strychnin, Veratrin, Euphorbium, Sennesbliitter, Salicylsäure, Carbolsäure, die verschiedenen Salze (Glaubersalz, Kochsalz, Soda, Pottasche, Bittersalz, Borax etc.), Wis-inuthverbindungen, Bleisalze, Kupfersalze, Zinksalze, Quecksilberverbindungen, Eisensalze, Jod.
(3. Krankheitsstoffe werden nicht selten durch die Milch auf Thiere und Menschen übertragen. Am wichtigsten ist hier die Ueber-tragung der Tuberkulose durch die Milch. Dieselbe ist beim Menschen mit Sicherheit beobachtet worden. Ausserdem haben Fütterungsversuche mit der Milch perlsüchtiger Kühe (vergl. das Capitel über Tuberkulose Bd. II) die Infectiositilt derselben als eine sehr bedeutende erkennen lassen. Friis fand bei seinen Versuchen, dass ein hoher Procentsatz (14n/o) der Handelsmilch Tuberkelbacillen enthält und dass auch die Mischmilch vor Ansteckungsgefahr nicht schützt. Nach Lehmann ist die Milch von perlsüchtigen Kühen ausserdem ärmer an Fett und Eiweiss. Die Milch bei Lungenseuche ist nach Fr aas dick, wie Colostralmilch, von eigenthümlichem Geschmacke und bald faulend. Haukold sah beim Menschen nach dem Genüsse derselben Erbrechen. Bei Maul- und Klauenseuche, welche durch die Milch sehr häufig auf den Menschen und auf Thiere übertragen wird, fand Herberger die Milch unvollkommen geronnen, zäh, schleimig, der Colostralmilch ähnlich, von schlechtem Geschmack und Geruch, ärmer an Zucker und Case'i'n, auch enthält sie zuweilen kohlensaures Ammoniak. Bei der Bind erpest ist nach Monin die Menge des Fetts bedeutend vermindert und der Zuckergehalt fast gleich Null. Ausserdem soll die Milch einen Zwischenträger bilden bei der Ueber-tragung des Typhus, des Scharlachs, der Cholera und der Diphtherie auf den Menschen.
7. Blut resp. Hämoglobin in der Milch, sog. Blutmelken, kann auf sehr verschiedene Ursachen zurückzuführen sein. Nicht
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Milohfehler.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;471
selten beobachtet man ein gewissermassen physiologisches Blutmelken unmittelbar nach dem Kalben, welches circa 14 Tage anhält. In anderen Fällen ist es auf Mastitis, Verletzungen des Euters durch Stösse, rohes Melken und Saugen, Eutercongestion während des Kin-derns, Reizung durch terpentinhaltige Stoffe, Hämoglobinämie, schnellen Uebergang zu üppiger, intensiver stickstoffreicher Nahrung, insbesondere Kleeweide u. s. w. zurückzuführen. Die Erscheinungen bestehen in (fleichmässiger (Blutharnen) oder striemenformiger Rothfärbung der Milch (Mastitis), Bildung eines Niederschlages von rothem Gerinnsel etc. Die Behandlung ist theils eine örtliche, theils eine allgemeine. Weiteres über Blutmelken siehe die Lehrbücher der Geburtshilfe, lieber Veränderungen der Milch bei Mastitis vergl. die Lehrbücher der Chirurgie.
Bacterien. Nicht eigentlich als fremde Bestandtheile sind endlich zu erwähnen gewisse in der Milch vorkommende Spaltpilze. Abgesehen von den schon bei Gelegenheit der schlickerigen Milch angeführten säurebildenden Bacterien, namentlich dem eigentlichen Säurebildner, dem Bacterium lactis Lister's, kommen in der Milch nach Marpmann vor: ein Bacterium lactis acidi, ein Sphaerococcus lactis acidi, ein Mikrococcus lactis acidi und ein Bacterium limbatum lactis acidi. Von nicht säurebildenden Organismen sind zu nennen verschiedene Bacillenarten, nach Löffler vor Allem der am häutigsten vorkommende Kartotl'elbacillus (Bacillus mesentericus vulgatus), sodann der Gummibacillus (Bacillus liodermos), ein Buttersäurebacillus, ein weisser Bacillus, endlich Schimmelpilze (Oidium lactis, Penicillium glaucura, Aspergillusarten). Neuere Untersuchungen über den Bacteriengehalt der Kuhmilch von Cnopf, Freudenreich u. A. haben ergeben, dass selbst in den reinlichsten Molkereien und in der besten Milch schon wenige Minuten nach dem Melken die dem S a m m e 1 k ti b e! entnommene Milch pro C u b i k c e n t i m e t e r bis zu 100,ÜUO Keime enthält, eine Ziffer, die nach 6 Stunden bis auf 6 Millionen Keime pro Cubikcentimeter Milch angestiegen ist! Durch das Centrifugiren der Milch kann man dieselbe von einem Theile ihrer Bacterien befreien. Wiss hat z. B. gezeigt, dass der beim Centrifugiren an den Wandungen abgesetzte Milchschlamm 7mal reicher an Bacterien war als die centrifugirte Milch. Die Methode des Centrifugirens hat daher auch eine gewisse Bedeutung für die Reinigung der Milch von Infectionsstoffen, z. B. von Tuberkelbacillen (Bang, Scheu er len).
Milchgries. Mit diesem Namen wird in der Schweiz ein Milchfehler bezeichnet, bei welchem die sonst ganz normale Milch beim Ausmelken auf die Hand feine, weisse, weiche Gerinnsel oder Flockchen zeigt. Dieselben Stammen von eingetrockneter Milch an der Zitzenüffnung und finden sich daher in den ersten Portionen der entleerten Milch (Guillebeau und Hess).
Infectiöse Agalactie. Das von Oreste, Brusasco, Schossleitner u. A. beschriebene ansteckende Versiegen der Milch' bei Schafen und Ziegen, welches ausserdem noch mit Hinken, Erblinden etc. einherging, gehört offenbar ins Gebiet entweder der Seuchen oder der Vergiftungen. Literatur: Tb. C, 1895. S. 445.
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Krankheiten des Herzens und der grösseren Blutgefasse.
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Hei'zbeutelentzttudimglaquo; Pericarditis.
Allgemeines. Die Entzündung des Herzbeutels ist beim Rind eine sehr häutige, bei den anderen Hausthieren (Pferd, Hund) dagegen eine sehr seltene Krankheit, Ausserdem unterscheidet sich die Pericarditis des Rindes von derjenigen der anderen Hausthiere dadurch, dass sie in der Hauptsache traumatischen Ursprungs ist und sich häutig mit einer Entzündung des Herzmuskels, einer Myocarditis complicirt, wodurch sich das ganze Krankheitsbild ändert, während die Pericarditis des Pferdes und der anderen Hausthiere, mit alleiniger Ausnahme der Ziegen, bei welchen ebenfalls, wenn auch selten, eine traumatische Pericarditis vorkommt, in der Regel auf innere Ursachen zurückzuführen ist. Es muss daher bei der Bearbeitung der Herzbeutelentzündung sowohl aus ätiologischen als auch aus klinischen, anatomischen und selbst therapeutischen Gründen die traumatische Pericarditis des Rindes (und der Ziegen) streng von der Pericarditis interim des Pferdes und der übrigen Hausthiere unterschieden werden.
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1. Die Pericarditis des Rindes. Traumatisclie Pericarditis und
Carditis.
Literatur. Van öemmeren, Mag., 1835. I. S. 81. Gum/r, Ibid., 1837. S. 198. Lihdenbero. Ibid., 1838. S. 465; 184-5. S. 454; 1847. S.454. Schäven, Ibid., 1840, S. 453. Wilke, Ibid., 1844. S. 320. - HlLDACH, Ibid., S. 174. Waldeh, Rep.. 1844. Si 54. LkcOüTüRIEE. Journ. Uclij., 1840. Zmmehmanm, Tliieriirzil. Zeitg., 1848. gt;S. 71. Mit älterer Literatur. F\m\Y, Journ. ßclf/., 1848. Grosskopf, Mag., 1849. S. 165. Schell, Ibid., 8. 147. Körbeb, Ibid., 1850. S. 398. Drosse, Ibid., 1852. S. 499. Mathieu, Bee., 1854. LäFARQUE, J. du Midi, 1854. Pranze, S. .A I!., 1850/57. 8. 48. Boizy, liec, 1858. Bnu, Ibid. Müller,
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Pericarditis traumatioa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 473
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Aetiologie. Die traumatische Pericarditis und l'arditis des Kindes ist, wie die überaus reichliche und mit jedem Jahre zunehmende Casuistik beweist, eine sehr häufige Affection und weitaus die häufigste Herzkrankheit beim Rinde. Ja, es lässt sich sogar die Frage aufwerten: gibt es überhaupt beim Rinde eine nicht-traumatische Pericarditis? A priori muss diese Frage bejaht werden, denn gerade so gut wie beim Pferde kann beim Rinde eine Herzbeutelentzündung nach Erkältung, im Verlaufe eines acuten Muskel- und Gelenkrheumatismus, bei Infectionskrank-heiten, z. B. bei Septikämie, im Anschlüsse an eine Geburt, an eine Pleuritis auftreten. Alle diese genannten Processe sind nun auch neben einem Trauma als Ursachen der Pericarditis bezeichnet worden. Indess bekommt man hiebei nicht selten den Eindruck, als ob die Mehrzahl der in der Literatur als rheumatischequot; Pericarditis verzeichneten Fälle trotzdem traumatischer Natur waren. Es scheint nämlich eine vielverbreitete Gewohnheit unter den Beobachtern zu sein, dass solche Herzbeutelentzündungen,'bei welchen man einen Fremdkörper durch die Section im Herzen nicht nachweisen konnte, einfach
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Ferioarditis traumatica.
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für rheumatisch gehalten wurden, wobei der Umstand keine Beachtung fand, class spitze Fremdkörper aus dem Herzen auch wieder den Rückweg in die Haube antreten können. Jedenfalls ist bei der Diagnose der rheumatischen Pericarditis des Rindes diegrösste Vorsicht nothwendig. Etwas häufiger, obgleich im Verhältnisse zur traumatischen ebenfalls selten, dürfte die im Verlaufe von septischer Metritis auftretende Herzbeutelentzündung sein, docli ist sie hier gewöhnlich nur ein vereinzeltes Symptom in der grossen Reihe von Organerkrankungen. üeber die bei der Perlsucht zu beobachtende tuberkulöse Form der Pericarditis siehe Tuberkulose.
Bezüglich der Aufnahme und Beschaffenheit der spitzen Fremdkörper, sowie ihres Vordringens von der Haube aus kann auf die Aetio-logie der traumatischen Magenzwerchfellentzündung (S. 121) verwiesen werden. Es wäre hier nur die anatomische Thatsacho hervorzuheben, dass die Haube vermöge ihrer Lage in der Bauchhöhle vom Herzbeutel nur wenige Centimeter entfernt und eigentlich nur durch das Zwerchfell getrennt ist. Daraus erklärt sich die Häufigkeit der Verwundung gerade des Herzbeutels und Heizens durch spitze Fremdkörper. Herzbeutelentzündungen nach Verwundungen des Pericardiums von den Rippen her , z. B. durch Hornstösse oder Rippenbrüche, sind ausserordentlich selten. In einem Falle fand sich im Herzen die abgebrochene Lancette einer Aderlasstliete vor (ivolb).
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Anatomischer Befund. Die Veränderungen am Herzbeutel und Herzen sind bei der traumatischen Pericarditis und Carditis für gewöhnlich sehr weit vorgeschritten, so dass der Beginn und die Entwicklung der entzündlichen Processe nicht mehr zu verfolgen ist. In der Hauptsache findet man ein Exsudat im Herzbeutel von flüssiger oder fester Beschaffenheit, Verwachsung des Herzens mit dem Herzbeutel, Verdickung und Ausdehnung des Herzbeutels, Veränderungen des Herzmuskels, sowie seeun-däre Veränderungen an der Lunge, dem Zwerchfell u. s. w.
Das pericarditische Exsudat ist nach seiner Zusammensetzung sehr verschieden. Bald ist es ein rein seröser, bald fibri-nöser, eiteriger, hämorrhagischer, jauchiger Natur, dementsprechend ist die Farbe bald hell und klar, bald milch- oder molkenähnlich, bald weisslich, flockig, bald graugelb, gelbgrünlich, röthlich, braun- oder sclunutzigroth u. s. w., und es finden sich bei der mikroskopischen Untersuchung die verschiedensten Formelemente: rothe und weisse Blutkörperchen, Fetttropfen, Bacterien darin. Häufig
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I'ei'icarditis traumatioa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 47')
sind dio flüssigen Massen mit Filulnissgasen gemischt, die sich entweder im Herzbeutel selbst entwickelt haben oder von der Haube aus eingedrungen sind und meist mehr oder weniger übelriechend, zuweilen aber auch ganz geruchlos sind (Pneumopericardium). Die Menge des Exsudates kann eine ganz beträchtliche werden, so class sie beispielsweise den Inhalt eines Stalleimers (10 15 Liter) erreicht. Dabei wird sowohl auf das Herz als auf die benachbarten Lungentheile ein starker Druck ausgeübt, welcher die Vorhöfe und grüsseren Venen comprimirt und auch den Herzbeutel stark ausdehnt. Bei längerei-Dauer kann sich chronische Herzbeutelwassersucht (H y d r o p e r i-cardium) daraus entwickeln. Seltener findet man im Herzbeutel Blut, das sich nach Perforation oder Ruptur der Herzwand in denselben ergossen hat und mehrere Liter betragen kann.
Die festen Exsudatmassen erweisen sich als fibrinöse. gallertartige Gerinnsel, welche sich später bindegewebig organisiren und in Form von Auflagerungen auf dem Epicardium oder von fila-mentösen, strangartigen Wucherungen zwischen Herzbeutel und Herz vorkommen. Ganz besonders charakteristisch sind die das Herz überziehenden entzündlichen Beläge. Dieselben bieten dicke Auflagerungen von dotter- resp. eierkuchenartiger Farbe und zottiger, höckeriger, selbst drusiger, warzenähnlicher Oberfläche dar, wodurch das Herz oft ausserordentlich gross, sowie an der Oberfläche wie angenagt, zerhackt erscheint (Zottenherz, Gor villosum). Dabei ist das Epicardium selbst verdickt, in eine schwartige Membran verwandelt, die zuweilen mit Kalksalzen inkrustirt ist und das Herz in Form einer festen Hülle umgibt. Die dem Herzen auflagernden Gerinnsel zerfallen hie und da in der Tiefe schleimig und fettig. Die festen, das Herz und den Herzbeutel verklebenden Exsudatmassen sind von sträng-, platten- oder sehnenförmiger Beschaffenheit und theilweise von neugebildeten Gefässen durchzogen; sie stellen häufig eine so innige Verbindung zwischen Herzbeutel und Herz dar, dass ersterer zu fehlen scheint. Zuweilen bleiben nach Rückbildung des Exsudates im Herzbeutel sog. Sehnenflecke, d. b. schwielige, narbige Verdickungen zurück.
Das Herz selbst zeigt seröse Imbibition, sowie umschriebene Verfettung und Erweichung seiner Muskelfasern; ausserdem partielle myocarditische Herde, kleinere intermusculäre Abscesse, sowie cavernöse, mit einer Abscessmembran ausgekleidete, den eingedrungenen Fremdkörper umgebende Hohlräume oder geschwürartige, dunkelgeröthete, von einem gelblichen Rande umgebene Substanzverluste (Herzwunden).
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Pericarditis traumntica.
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Der Fremdkörper befindet sich bald im Lumen einer Herzkammer, bald steckt er in der Herzwand selbst oder er liegt im Herzbeutel. In einem Falle sah Camoin einen (,'anal vom linken Herzventrikel bis in die Haube verlaufen, durch den sich das Blut direct aus der Herzkammer in die Haube ergoss. Bei längerer Dauer der Krankheit endlich wird das Herz hypertrophisch und dilatirt, oder in Folge der Compression durch das pericarditische Exsudat atrophisch, schlaft' und klein. Der Herzbeutel kann bei längerer Dauer bis zur Daumenstärke und darüber verdickt sein; häufig ist er auch stark ausgeweitet, so dass er 15 Liter und mehr Flüssigkeit fasst. Ausserdem beobachtet man Pleuritis, Adhäsion und umschriebene traumatische Entzündung der Lunge, Verwachsung des Herzbeutels mit dem Zwerchfell, sowie die bei der traumatischen Magenzwerchfellentzündung beschriebenen anatomischen Veränderungen.
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Symptome. Das Krankheitsbild' der traumatischen Pericarditis bildet die Fortsetzung der bei der traumatischen Magenzwerchfellentzündung beschriebenen Erscheinungen. Um dieselben hier kurz zu wiederholen, so bestehen sie in chronischen gastrischen Störungen ohne erkennbare Ursache und mit ausserordentlich inconstantem, wechselvollem Verlaufe, complicirt mit Schmerz-äusserungen beim Athmen, Drängen, Kothabsatz, sowie bei der Palpation des Zwerchfells, Darmblutungen, starker Abmagerung. Dabei trotzen die Störungen jeder auch noch so lange fortgesetzten Behandlung mit Arzneimitteln. Im Anschlüsse nun an diese Erscheinungen eines chronischen Magenkatarrhs treten, nicht selten nach einer scheinbaren Besserung desselben, meist in rascher Weise und zuweilen nach einer vorausgegangenen Geburt, nach anstrengenden Märschen (Auftrieb auf den Markt), auffallende und ganz charakteristische Herz- und Lungensymptome, sowie allgemeine Störungen auf.
1. Erscheinungen seitens des Herzens, Der Herzschlag ist im Anfange der entzündlichen Aft'ection verstärkt, pochend, prellend, selbst so tumultuarisch, dass er auf 34 Schritte hörbar wird, zuweilen ist .auch ein deutlicher Kückschlag (Nachschlag) fühlbar. Später, mit Zunahme des Exsudates im Herzbeutel, verschwindet er oft ganz oder ist in abgeschwächter Weise, dabei aber verbreitert, in Form wogender Wellenbewegung zu fühlen. Die Percussion des Herzens, welche wie die Palpation der Herzgegend überhaupt sehr schmerzhaft für das Thier sein kann, lässt entsprechend der Menge des peri-carditischen Exsudates eine Vergrösserung der Herzdämpfung
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l'oricarclitis tniuiuiitica.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 477
nachweisen. Ausserdem aber fällt nicht seiton als eines der ersten Symptome ein über die Herzgegend verbreiteter tympanitischer Ton auf, welcher von grosser diagnostischer Bedeutung ist, und wohl in den meisten Fällen auf eine Abdrängung des Herzbeutels vom Herzen durch dazwischen gelagerte Flüssigkeit, sowie auf eine Ansammlung von Gasen im Herzbeutel zurückzuführen ist, die zum Theil aus einer Zersetzung des Exsudates, theils aber auch von der Haube herstammen können. Hie und da verbreitet sich der tympanitische Ton über die ganze linke Brustwandung (Pneumothorax, Pleuritis, Compression und Atelektase der Lunge). Die Palpation des Herzens mit der Hand ergibt bei trockener Pericarditis ein fühlbares Reiben synchron mit der Herzthätigkeit; bei flüssigem Exsudate sind zuweilen Wellenbewegungen wahrzunehmen.
Von grösster pathognostischer Bedeutung ist ferner die Auscultation des Herzens. Man nimmt dieselbe in der Weise vor, dass man das Ohr links in der Gegend der 5, Kippe oder hinter das linke Schulterblatt be/.w. Armbein über den Ellenbogenstreckern anlegt, zuweilen empfiehlt sich ausserdem auch die Auscultation auf der rechten Seite. Man hört dabei die eigentlichen Herztöne vollkommen rein, wenn auch wegen anderweitiger Geräusche weniger laut und deutlich; Aftergeräusche beim 1. oder 2. Herzton gehören zu den Ausnahmen und deuten auf eine Verletzung der Klappen und Endocarditis. Dagegen hört man so ziemlich regelmässig in allen Fällen die für das Vorhandensein einer Pericarditis charakteristischen pericardialen Herzgeräusche. Dieselben sind je nach der Beschaffenheit und Menge des Exsudates ganz verschiedener Natur. Im Anfange, so lange nicht viel Flüssigkeit im Herzbeutel enthalten und das Exsudat mehr von trockener, fibrinöser Beschaffenheit ist, ergibt die Auscultation ein ausgesprochenes Reibungsgeräusch, welches durch die Berührung der beiden rauhen Innenblätter des Herzbeutels hervorgerufen wird; neben dem Charakter des Reibens enthält man auch den des Knarrens, Knirschens, Schabens, Schwirrens, Streifens. Im Allgemeinen wird das Reibungsgeräusch nicht gerade häufig gehört, weil es nur bei plastisch-exsudativer Pericarditis und nur im Anfange auftritt. Häufiger sind, entsprechend dem meist flüssigen Charakter der Exsudate und der erst später vorgenommenen Untersuchung, Flüssigkeitsgeräusche im Herzbeutel. Bei massiger Füllung des letzteren sind sie bald plätschernd, wobei das Plätschern mehrere Schritte weit hörbar sein kann und der Auscultirende den Eindruck eines Mühlradgeräusches, des Geräusches einer Buttermaschine oder eines auf eine Wasserfläche
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Pericarditis traumatica.
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auffallenden Körpers erhält, balil sind sie klatschend, gurgelnd, glucksend (gluck-ghickquot;), schaumig rasselnd, quatschend, bald metallisch klingend, dem Ton eines herabfallenden Tropfens sich nähernd, bald endlich ganz d u m p f, schwappe n d, wenn nämlich der Herzbeutel sich zu stark anfüllt. Während die Reibungsgeräusche streng an die Bewegungen des Herzens gebunden sind, können die Flüssigkeitsgeräusche bald vor, bald hinter denselben auftreten, bald auch vorübergehend eine Zeit lang aufhören. Alle diese Geräusche verschwinden bei der Resorption des Exsudates und sind in der Hauptsache synchron mit dem Herzschlage.
2. Erscheinungen seitens der Lunge. Die Compression der Vorhöfe durch das pericarditische Exsudat, in Verbindung mit der verminderten Leistungsfähigkeit (Insufficienz) des Herzens, bedingt bald eine Stauung des Blutes in der Lunge, eine passive Lungenhyperämie, welche sich in gesteigerter Athmungsfrequenz, besonders nach Bewegung, sowie in leichten Husten anfallen äussert und zuweilen zu sehr stürmischen Athmungsbewegungen dyspnoischer Art führen kann. Es tritt dann von vornherein das Bild einer Lungenaffection in den Vordergrund, was nicht selten zu Verwechslungen mit selbstständigen Lungenkrankheiten, wie Lungenentzündung, Lungenseuche, ja selbst mit Tuberkulose Veranlassung gibt. Da ausserdem Compli-cationen der Pericarditis mit traumatischer, durch denselben Fremdkörper erzeugter Pleuritis und Pneumonie vorkommen, kann die Diagnose im Anfang irre geleitet werden. Eine genaue Untersuchung des Herzens führt jedoch sehr bald die Entscheidung herbei.
'5. Erscheinungen von Seiten der Jugularvenen. Mit dem Hervortreten der pericardialen Geräusche, und zwar etwa 46 Tage nachher, nicht selten jedoch erst nach 814 Tagen, werden ebenfalls in Folge des vom Exsudate auf das rechte Herz ausgeübten Druckes die .Jugular-venen, indem sich das Blut in ihnen staut, stark angefüllt, und zeigen zuweilen, wenn auch durchaus nicht immer, einen sog. Venenpuls, d. h. deutliche, der Bewegung des Herzens synchrone pulsa-torische Erhebungen. Gleichzeitig entstehen in ihrer Umgebung teigige, kalte Anschwellungen, welche bei aufgerichtetem Kopfe nur am Triele, bei gesenktem oder gestrecktem Kopfe dagegen auch in der Umgebung des Kehlkopfes bis in die Gegend der Ganaschen und Backen auftreten und zuweilen zwischen die Vorderfüsse hindurch bis zur Unterbrust und zur Bauchgegend reichen. Dieses Stauungsödem kommt zwar auch bei anderen Herzkrankheiten vor, ist aber in Verbindung mit den übrigen Erscheinungen von Seiten des
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Pericarditis traumatica.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;47!^
Herzens ein sehr charakteristisches Symptom der traumatischen Pericarditis, das jedoch nicht in jedem einzelnen Falle zur Beobachtung-gelangllaquo;
4. Allgemeine Erscheinungen. Die Unregelmässigkeit und Unruhe der Herzaction überträgt sich auch auf den Puls. Derselbe ist zunächst sehr frequent (bis zu 120 Schläge per Minute), sodann sehr schwach, oft fadenförmig und zuweilen unregelmässig; dabei wechselt die Frequenz häufig je nach der Intensität des Herzleidens. Die Temperatur ist ebenfalls sehr wechselnd, ein Umstand, der in gewisser Beziehung für die Diagnose der traumatischen Pericarditis von Bedeutung ist; sie kann bis zu II und 42deg; C. ansteigen. Auch die Temperatur der Körperoberfläche wechselt oft, besonders sind die ex-tremitalen Theile bald kalt, bald warm; ausserdem zeigen die Thiere deutliches Frösteln und Zittern. Das Allgemeinbefinden ist in vorgeschrittenen Fällen hochgradig gestört. Die Thiere sind sehr matt, verrathen Angstgefühl, haben einen klagenden Blick und äussern im Liegen, bei Bewegungen, beim Athmen etc. Schmerzen in Form von Stöhnen. Die Körperhaltung ist gespannt, steif, der Hals gerade gestreckt, die Ellenbogen stehen von der Seitenbrust wand ab. Dabei vermeiden die Thiere womöglich jede Bewegung, insbesondere Seitwärtsbewegungen, liegen viel, wechseln häufig mit Liegen und Stehen oder sind gar nicht mehr zum Aufstehen zu bringen. Die sichtlichen Schleimhäute sind im Anfang höher geröthet; später meist blass, cyanotisch oder gelblich. Die Abmagerung nimmt mehr und mehr zu; es stellen sich hydrämische Erscheinungen, vereinzelt wohl auch Darmblutungen ein und die Thiere gehen schliesslich an Entkräftung oder Erstickung zu Grunde, nachdem sich nicht selten zu der Pericarditis noch eine Pleuritis mit ihren Symptomen gesellt hat. Zuweilen bildet sich am Schlüsse der Krankheit das vollständige Bild der Pyämie aus mit Metastasen in den inneren Organen (Gehirn, Rückenmark, Nieren, Leber, Muskulatur, Gelenke, Sehnenscheiden).
Die Dauer der Krankheit ist meist eine längere, Monate lange, sowie der Verlauf ein sehr schleichender, mitunter von periodischen Exacerbationon unterbrochener. Seltener erfolgt der Tod rasch im Verlaufe weniger Tage in Folge Perforation des Herzens und Verblutung in den Herzbeutel. In einer kleinen Anzahl von Fällen sind auch Heilungen beobachtet worden, wenn nämlich der Fremdkörper wieder rückwärts in die Haube gewandert war. Die Zeit, welche zwischen dem Stadium der traumatischen Macfenzwerchfellentzündunquot;-
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Pericarditis tnuuuaticii.
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mid dem der Periciirditis liegt, kann Wochen und Monate betragen. Es konnnt dabei viel auf die Beschaffenlieit des Fremdkörpers, die Benützung des Tliieres, die Fütterung, die Zahl der Geburten (Vor-wärtsdriingen des Fremdkörpers durch die Wehen) und zufällige Umstände an, Starke Verdickungen und Verwachsungen des Herzbeutels weisen immer auf eine Monate lanffe Dauer der Krankheit hin.
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Differentialdiagnose. Die Diagnose der traumatischen Pericarditis ist bei einer genauen Untersuchung und bei Ueboreinstiumiung der einzelnen Symptome nicht gerade schwierig zu stellen. Die vorausgegangenen chronischen Verdauungsstörungen, die abnorme Herzthiltigkeit, das Auftreten der charakteristischen pericardialen Herzgeräusehe, die Venenstauung, das Stauungs-ödem, der chronische schleichende und zuletzt meist tödt-liche Verlauf bieten Anhaltspunkte in hinreichender Menge. Im Anlange der Erkrankung ist insbesondere das Zusammentreffen dreier Momente für die Diagnose von grosser Wichtigkeit: 1, unheilbarer chronischer Magenkatarrh; 2. tyinjianitischer Ton in der Herzgegend; #9632;'5. Respirationsstörungen (Kurzathmigkeit, Husten) bei Abwesenheit jeder nachweisbaren Lungenveriinderung.
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Therapie. Mit der Behandlung der traumatischen Pericarditis und Carditis soll man nicht allzuviel Zeit verlieren, sondern die Thiere bei feststehender Diagnose hald schlachten lassen darin stimmen alle Beobachter überein. Höchstens im Anfange, so lange vielleicht noch eine schwache Hoffnung auf Besserung vorhanden ist, und keine drohende Lebensgefahr vorliegt, oder bei noch zweifelhafter Diagnose, kann man durch Verabreichung der Digitalis (26,0 pro die), des Coffe'ins (6,0) oder der Strophanthustinctur (1025,0) die Herzaction zu reguliren, und durch Anregung der Peristaltik (Brechweinstein, salinische Mittel) die Entfernung des Fremdkörpers zu befördern suchen, indess gewöhnlich ohne jeden Erfolg. Eher kann man sich noch zu einer operativen Behandlung entschliessen, die entweder in der Function des ausgedehnten Herzbeutels, oder in der Entfernung eines etwa palpablen bezw. sichtbaren Fremdkörpers aus dem Herzbeutel (Bastin) besteht. Ob die von Meyer ausgeführte und empfohlene Laparotomie mit Eröffnung des Pansens und ma-nueller Entfernung der Fremdkörper aus der Haube auch bei bereits hinzugetretener Herzbeutelentzündung noch fruchtet, muss dahingestellt bleiben.
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2. Die Pericarditis des Pferdes und der übrigen Hausthiere.
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nbsp;Casper, B.A., 1893. S. 43 f. - Lewin, Z,f, Vet., 1894. S. 18. Colin, Hec., 1894. S. 156. Alteeld, i?. th. W., 1895. S. 1G9. Enoelen, D. th. W, 1895. S. 214.
Aetiologie. Die Pericarditis des Pferdes, Hundes, Schafes u. s. w. ist im Gegensatze zu der des Rindes in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle eine idiopathische, d. h. durch innere Ursachen, nicht durch Verwundung hervorgerufene. Häufig ist dieselbe rheumatischer Natur und auf Erkältungen, welche beim Pferde besonders eine bedeutende Holle spielen, zurückzuführen. Schindelka hat öfters beim Pferde Pericarditis nach länger dauernden, ununterbrochenen Eisenbahntransporten beobachtet. Oder sie entwickelt sich im Verlaufe von allgemeinen Infections kr an kheiten, so des acuten Muskel-und Gelenkrheumatismus, der Septikänhe, der Brustseuche, der Pneu-monie. Weiter kann sie durch die Ausbreitung einer Entzündung benachbarter Organe, besonders einer Endocarditis, Pleuritis, Myocarditis, Pneumonic entstehen, oder auch nach einem Empyem in Folge Perforation eines Lungenabscesses, und zwar hier zunächst in der Form der Pericarditis externa. Schliesslich ist sie auch beim Pferde in einigen Fällen traumatischer Natur. So sah Henniges eine Nähnadel beim Pferde vom Schlünde aus in das linke Herzohr eindringen; Lewin fand im Herzbeutel eine Stopfnadel, die wahrscheinlich vom Duodenum aus durch das Zwerchfell eingedrungen war. Auch liippenbrüche, sowie eingedrungene Schrotkörner beim Hunde können eine Pericarditis nach sich ziehen.
Anatomischer Befund. Die ersten anatomischen Veränderungen bei der Pericarditis bestehen in Injection, Ekchymosirung, Trübung und Schwellung des inneren serösen Blattes (Pericarditis interna), nebst Auflagerung zarter, gallertartiger dünner Exsudatmassen, welche einen leicht abziehbaren Flor darstellen. Je nach der Grundursache des Leidens findet sich nun im Herzbeutel ein seröses, fibrinöses (Erkältung), hämorrhagisches, eiteriges, jauchiges Exsudat (Infection, Sepsis)
Frieilliergor h. Krohner, Pathol. u. Therapie, d. Hausthiere. t. Bd. 1. Aull. 31
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Pcricanlitis.
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in grösserer oder geringer Menge (bis 30 Liter beim Pferde), aus dem sich bei längerer Dauer der Erkrankung, besonders beim Hunde und Schaflaquo; Hydropericardiura entwickelt. Im weiteren Verlaufe kommt es zu schwartigen, höckerigen Auflagerungen auf das Epicardium (Zottenherz), zu Verwachsung des Herzbeutels mit dem Herzen, zur Bildung abgekapselter Hohlräume zwischen Heiz und Herzbeutel, zu Herzhypertrophie oder auch Atrophie. Prakke fand bei einem Pferde das Herz nur von der Grosse einer Kinderfaust, sowie dessen Wände an vielen Stellen nur von Kartenblattdicke. Im Uebrigen sind die Verhältnisse im Wesentlichen ebenso, wie sie bei der Pericarditis des Rindes geschildert wurden.
Symptome. Die Erscheinungen der Pericarditis äussern sich auch beim Pferde und den übrigen Hausthieren in anfangs pochendem, tumultuarischem, später mit Zunahme des Exsudates schwächer werdendem Herzschlage, Vergrösseruug der Herzdämpfung nach auf-und rückwärts, pericardialen Reibungsgeräuschen, sehr frequentem, kleinem, unregelraässigem und ungleichmässigem Pulse, angestrengter, selbst dyspnoischer Athmung, Jugularvenenpuls, sowie Tem-peratursteigerung (39,040,5deg; C). Zuweilen kann man aussei* hohem Fieber, unfühlbarem Herzschlage und angestrengter Athmung nichts Charakteristisches während des Lebens nachweisen. Der Verlauf ist theils acut, wobei der Tod plötzlich in Folge von Herzruptur eintreten kann, theils schleichend. Beim Hunde sind als Symptome des Hydropericardiums zu nennen: hohe Athemnoth, allgemeine Oyanose, Füllung der Jugnlaren, unfühlbarer oder wogender, plätschernder Herzschlag, frequenter unregelmässiger Puls, wassersüchtige Erscheinungen, hochgradige Abmagerung und Entkräftung.
Beim Schwein kommt nach den Beobachtungen von Rieck ziemlich häufig eine rheumatische fibrinöse Pericarditis vor. Unter 51G0 geschlachteten Schweinen zeigten 151, also etwa 3 Proc., diese Krankheit, welche zuweilen auch mit Pleuritis und Peritonitis complicirt war. Beim Schaf kommt nach Trasbot undAnacker eine enzootische, sehr acut verlaufende Pericarditis vor, welche in wenigen Tagen zum Tode führt.
Differentialdiagnose. Verwechslungen kommen ausser mit Lungenleiden, die durch eine genaue klinische Untersuchung als solche erkannt und ausgeschlossen werden müssen, besonders mit Endocarditis und Pleuritis vor. Die Unterscheidung der Pericarditis von der Endocarditis gründet sich auf den Charakter des pericardialen Geräusches. Dasselbe ist im Gegensatze zu den endocardialen Aftergeräuschen ein Reibungsgoräusch, entsteht gewöhnlich unmittelbar am Ohre, ist
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Pericarditis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 483
zuweilen auch fühlbar und ist nicht so streng an die zwei Phasen der Herzthätigkeit, an Systole und Diastole gebunden, als die endo-cardialen Geräusche; ausserdem hört man die Herztöne neben dem pericardialen Geräusch ganz normal. Nicht so leicht ist die Unterscheidung einer Pericarditis von einer Pleuritis, welche ebenfalls mit einem charakteristischen Reibungsgeräusch verläuft: dasselbe ist indess mehr mit dem Rhythmus der Athmung, als mit dem des Herzens synchron, ausserdem fehlen bei Pleuritis die eigenthümlichen Erscheinungen seitens des Herzens. Da jedoch häufig eine Pericarditis interna gleichzeitig mit Pericarditis externa vorkommt, welch letztere gleichbedeutend mit Pleuritis ist, da sich ferner die Pericarditis zuweilen erst secundär im Anschlüsse an eine Pleuritis entwickelt, so ist die Unterscheidung beider oft sehr schwer oder ganz unmöglich. Roll gibt den Rath, in zweifelhaften Fällen sich bei der grösseren Häufigkeit der Pleuritis im Vergleich zur Pericarditis für erstere zu entscheiden.
Therapie. Die Prognose der Herzbeutelentzündung des Pferdes, Hundes u. s. w. ist eine viel günstigere, als die des Rindes, die Behandlung deshalb auch eine viel erfolgreichere. Sie besteht in Abhaltung und Vermeidung jeder Aufregung und Bewegung, sowie in der Anwendung kühlender und entzündungswidriger Mittel. Hieher gehört im Beginn der Entzündung die locale Application eines Eisbeutels oder die permanente Irrigation der Herzgegend mit kaltem Wasser. Pferde stellt man nm besten unter eine Wiisserleitung-. Innerlich verabreicht man zur Regulirung der Herzthätigkeit die Digitalis in kleinen wiederholten Dosen (Pferden 25,0, Hunden 0,050,1); ausserdem kann man Calomel, Brechweinstein, sowie Mittelsalze anwenden. Sehr empfehlenswerth ist sodann die äusserliche Application eines Sinapism us oder von Senfspiritus in der Herzgegend. Bei schleichendem Verlaufe versucht man Dra-stica oder Diuretica. Erreicht die Exsudation einen gefahrdrohende)! Grad oder geht sie nicht zurück, trotz Anwendung innerlicher Mittel, so zögere man nicht mit der Vornahme der Punction des Herzbeutels und der Entleerung des Exsudates bei grösseren Hausthieren mittelst eines Troikarts, bei kleineren mittelst einer Pravaz'schen Spritze. Beim Pferde stösst man nach vorhergehendem Hautschnitte am vorderen Rande der 5. bezw. 6. Rippe handbreit von der unteren Brustfläche entfernt ein, bei kleineren Thieren an der Stelle der Dämpfung. Gegen drohende Herzschwäche sowie allgemeine Schwäche gibt man excitirende Mittel: Wein, Campher, Kaffee, Alkohol, Aether.
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Aouto Endocarditis.
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Hydropericardium, Mit diesem Namen wird die Wassersucht des Herzbeutels, tl. h. die Ansammlung von serösem Transsudate in demselben bezeichnet. Sie ist immer ein secundäres Leiden, das sich bei allgemeiner Blutstauung nach chronischen Herzkrankheiten, bei chronischer Nephritis und Hydrilmie ausbildet. Klinisch ist die Herzbeutelwassersucht gekennzeichnet durch das Verschwinden des Herzstosses, das Schwächerwerden der Herztöne und die Vergrösserung und Verbreiterung der Herzlaquo; dämpt'ung.
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Acute Endocarditis.
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Aetiologie. Die acute Entzündung des Endocardiums kommt am öftesten beim Pferd und Rind, sowie beim Hund und Schwein, seltener bei anderen Uaustbieren vor; wir haben sie beispielsweise nur in einem Falle bei der Katze beobachtet. Sie stellt indess keineswegs eine so seltene Krankheit dar, wie man gewöhnlich annimmt. In der Mehrzahl der Fälle wird sie durch Infectionsstoffe hervorgerufen, welche im Blute circuliren. Beim Rind ist es besonders der acute Gelenkrheumatismus (Polyarthritis rheumatica), welcher sich nicht selten mit acuter Endocarditis complicirt (Meyer, Ruelite). Beim Schweine kommt die Rothlaufseuche als häufige Ursache der Endocarditis in Betracht (Bang). Ausserdem sind zu nennen Septikämie und Pyämie, z. B. im Anschlüsse an septische Metritis, sowie allgemeine Infectionskrankheiten, wie Maul- und Klauenseuche. Auch beim Schwein kann der acute Gelenkrheumatismus durch eine acute Endocarditis zum Tode führen (Roth). Beim Pferde findet man eine acute Entzündung des Endocardiums bei der Brustseuche, Pneumonie, rheumatischen Hufentzündung, sowie bei schweren Koliken. Beim Hunde scheint eine ansteckende maligne Endocarditis vorzukommen (Fröhner). Auch nach der intra-
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peritonealen Injection von Pneumokokkenculturen wurde bei einem Hunde eine ulceröse Endocarditis beobachtet (Michaelis). Neben Infection spielt besonders beim Pferde Erkältung eine Rolle (Tras-bot); sog. rheumatische oder idiopathische Endocarditis. Sodann kann sich ein entzündlicher Process vom Myocardium und Pericardium, ja selbst von der Lunge und Pleura auf das Endocardium fortpflanzen. Seltener ist d ie Veranlassung traumatischer Natur; E b i n g e r sah z. B. bei einer Kuh nach einem Hornstosse mit nachfolgendem Rippenbruche Endocarditis auftreten. Endlich scheint im Alter durch gewisse degenerative Vorgänge, z. B. Arteriösklerose der Aortenklappen, oder in frühester Jugend durch erbliche Prädisposition (Burke sah sämmtliche Hunde eines Wurfes an Endocarditis sterben), sowie nach einmaligem Ueberstehen der Krankheit eine gewisse Veranlagung für Endocarditis vorhanden zu sein. Von Arzneimitteln, welche bei längerer Verabreichung oder in zu hohen Dosen Endocarditis hervorrufen, ist in erster Linie die Digitalis zu nennen.
Bacterien. lieber die Aetiologie der ulcerüsen Endocarditis hat Wyssokowitsch sehr interessante experimentelle Untersuchungen an Thieren angestellt. Er erzeugte mliulicb durch Klappen/.erstörung mit nachfolgender intravenöser Einverleibung von Streptococcus pyogenes bei Kaninchen ein der uleerösen (mykotischen) Endocarditis beim Menschen ähnliches Bild. Seine Versuche lehren, dass an und für sich für Thiere unschädliche Mikroorganismen bei Verletzungder Klappen eine schwere, tödtlichc Endocarditis ulcerosa erzeugen können und dass hiezu der geringste Insult des Endocavdiums genügt. Aehnliche Erfolge hatte er mit dem Staphylococcus pyogenes aureus und dem Coccus sepsis. Nach üessy wird jede Endocarditis durch Mikroorganismen hervorgerufen; aussei- den pyogenen Kokken soll namentlich Diplococcus lanceolatus capsulatus die Ursache sein.
Anatomischer Befund. Die makroskopischen Veränderungen sind je nach dem Grade der Ursachen der Erkrankung verschieden. Bei den leichteren rheumatischen Formen findet man besonders an dem freien Rande der Klappen, sowie an den Sehnen und Papillar-muskeln kleine, hirsekorngrosse, knötchenartige Prominenzen von grau-weisser bis weissgelber Farbe, welche, wenn sie in vermehrter Anzahl beisammen stehen, drusige, warzenförmige, höckerige Erhabenheiten bilden und von theils blutigen, theils entfärbten und geschichteten Fibringerinnseln bedeckt sind (Endocarditis verrueosa). Diese Thromben können an dem Schlicssungsrande der Klappen zu grossen polypösen Wucherungen auswachsen, welche eine Stenose und Insuffi-
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Acute Endocarditis.
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cienz der betreffenden Ostien und Klappen herbeiführen. Sind die Granula sehr klein, so wird die Oberfläche des Endocardiuras rauh und fein gekörnt. Ausserdem zeigt sich das Endocardium vielfach geschwollen, getrübt, höher geröthet und mit Gerinnseln bedeckt; im subendocardialen und subepicardialen Gewebe, sowie zwischen den Muskelfasern finden sich ferner umschriebene hämorrhagische Herde. Bei den schweren septischen Formen kommt es zu Nekrose und Geschwürsbildung auf dem Endocardium (Endocarditis ulcerosa, maligna, diphtheritica, bacteritica). Die Geschwüre sind meist umschrieben, von Linsen- bis Markstückgrösse und mit schmutzig verfärbten und zunderartig brüchigen, nekrotischen Auflagerungen bedeckt, welche durch den Blutstrom losgerissen und in andere Organe fortgeführt werden. So beobachtet man eiterige Metastasen in den Lungen, Nieren, der Leber, Milz und selbst in den Ooronararterien des Herzens (Herzabscesse).
Mikroskopisch ist bei der verrucösen Endocarditis eine sub-endocardiale Exsudation mit kleinzelliger Infiltration, bei der ulcerösen ebenfalls eine Exsudation, jedoch mit Gerinnung und Nekrotisirung des Gewebes und Umwandlung desselben zu körnigen und scholligen Massen, sowie mit Einlagerung von Mikrokokkencolonien nach zuweisen. Die erste führt entweder zu Resorption des Exsudats und Heilung oder durch Umwandlung der weissen Blutkörperchen zu Bindegewebsneubildung, Verdickung, Verkürzung und Verwachsung der Klappen und Sehnenfäden (Insuffi-cienz und Stenose, Klappenfehler, chronische Endocarditis), zuweilen auch durch Losspülung der anhaftenden Thrombenbildungen zu gutartigen, meist vernarbenden Infarkten in den Nieren, im Gehirn u. s. w. Die ulceröse dagegen hat eine vollkommene Nekrose des gewissermassen diphtheritisch infiltrirten Gewebes zur Folge.
Bezüglich der Vertheilung der Endocarditis auf die beiden Herzhälf'ten ist das Verhältniss bei den Hausthieren offenbar ein anderes als beim Menschen. Während die Endocarditis beim Menschen vorwiegend das linke Herz befällt, findet man bei den Thieren gar nicht so selten auch das rechte Herz erkrankt, ja es hat den Anschein , als ob letzteres häufiger als das linke erkrankt wäre. So waren nach Meyer unter 9 Füllen von Endocarditis 8mal die Tricus-pidal- und nur 4mal die Bicuspidal-, sowie 2mal die Aortenklappen entzündet. Insbesondere findet man beim Rinde sehr häufig eine rechtsseitige Endocarditis, während eine solche beim Menschen sehr selten und hauptsächlich fötalen Ursprungs ist.
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Symptome. Die acute Endocarditis äussert sich zunächst in einer stürmisch erregten He reaction mit pochendem, unregel-mässigem und später verbreitertem Herzschlage. Dabei übertriftt zuweilen die Zahl der Herzschläge diejenige der Pulsschläge (Trasbot), so dass man beispielsweise beim Pferde ein Verhältniss der beiden wie 160 : 70 findet. Der Herzstoss kann ferner so vehement sein, dass der ganze Körper mit jedem Schlage erschüttert wird. Der Puls ist ebenfalls sehr frequent und kann zwischen 80 und 160 Schlägen pro Minute beim Pferd und Rind, sowie zwischen 120 und 240 beim Hund schwanken; dabei ist er unregelmässig, häufig aussetzend und sehr schwach, ja nicht selten unfühlbar. Die Herztöne sind anfangs zwar noch normal, werden aber bald unrein, insbesondere wird der erste sehr dumpf und verschmilzt zuweilen mit dem zweiten zu einem einzigen. Weiterhin treten häufig charakteristische endocardiale Aftergeräusche auf, vor Allem ein blasendes systolisches Geräusch beim ersten Herzton, seltener, wenn auch von grösserer pathognosti-scher Bedeutung, diastolische, rauschende und vibrirende Geräusche. Die Temperatur ist bei der acuten Endocarditis immer fieberhaft erhöht und besonders bei der septischen Form sehr hoch; beim Pferde fand Trasbot Temperaturen von 40 und 41deg; C.
Die Athmung ist häufig in so hohem Grade angestrengt und beschleunigt, dass man das Leiden im Anfange für eine Pneumonie oder Pleuritis halten möchte; sie steigert sich in manchen Fällen zu ausgesprgchener Dyspnoc. Das Allgemeinbefinden der erkrankten Thiere ist ein sehr schlechtes; neben schweren Gehirnerscheinungen beobachtet man grosse Mattigkeit und Schwäche, sowie periodische Kolik an fälle. Dazu kommen die Erscheinungen von Metastasen in die Lunge (Erstickungsanfälle), in die Nieren (Blutharnen), in die Extremitäten (Lahragehen), ins Gehirn (apoplektische Anfalle). Bei der septischen Form bildet sich häufig eine allgemeine hämorrhagische Dia these aus.
Verlauf. Derselbe ist bald ein sehr acuter, innerhalb weniger Stunden und Tage zum Tode führender, bald beträgt die Krankheitsdauer einige Wochen, und endlich kann aus der acuten Endocarditis eine chronische sich entwickeln. Im letzteren Falle wiederholen sich gerne acute entzündliche Anfälle. Der Ausgang ist überhaupt verschieden, je nachdem eine gutartige, verrucöse oder schwere, septische, ulceröse Endocarditis vorliegt. Bei der letzteren ist der tödtliche Ausgang durch Entwicklung einer allgemeinen septischen Infection
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Chrouischo Endocarditis.
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oder durch Bildung metastatischer Herde in den Lungen, Nieren, im Gehirn viel häufiger, als bei der verrucüsen, welche indess auch ihrerseits schwerwiegende Veränderungen in Form von Klappenfehlern hinterlässt.
Differentialdiagnose. Die acute Endocarditis kann bei per-acutem, stürmischem Verlaufe mit Milzbrand, sowie mit Septik-ämie, Gehirnentzündung, Petechialfieber u. s. w. verwechselt werden. Auf der anderen Seite ist die Unterscheidung von einer beginnenden P n e u m o n i e, von Lungen congestion und Lungenödem bei der oft hochgradigen Atheamoth nicht immer leicht. Am schwersten jedenfalls ist die Differentialdiagnose zwischen Endocarditis und Myocarditis. In allen diesen Fällen muss man sich eben an die genaue Untersuchung des Herzens halten. Ohne Aftergeräusche ist überhaupt eine Diagnose auf Endocarditis unmöglich. Hiebei muss indess darauf aufmerksam gemacht werden, class insbesondere systolische Aftergeräusche auch bei Anämie und Leukämie vorgefunden werden (sog. anorganische Geräusche), wodurch die Diagnose der Endocarditis noch mehr erschwert wird.
Therapie. Die Behandlung der acuten Endocarditis besteht in Vermeidung jeder Aufregung und Bewegung , Regulirung der Herz-thätigkeit durch Digitalis, Herabsetzung des Fiebers durch salicyl-saures Natrium, Brechweinstein, Antipyrin und sonstige Anti-pyretica. Bei kleineren Thieren kann ein Eisbeutel in der Herzgegend, bei grösseren permanente Kaltwasserirrigation ebendaselbst angewendet werden. Ueber den Nutzen ableitender Hauteinreibungen lässt sich streiten. Bei zunehmender Schwäche endlich greift man zum Gampher, Aether, Weingeist, Atropin, Hyoscin, Coffei'n u. s. w.
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Chronisclie Endocarditis. Klappenfehler.
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#9632;toi
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Obronisohe Endocarditis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;489
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Aetiologie. Klappenfehler kommen bei unseren Hausthieren, namentlich beim Hund, Pferd und Schwein, ausserordentlich häufig vor. Weitaus in den meisten Fällen sind dieselben auf organische Veränderungen an den Klappen in Folge chronischer Endocarditis zurückzuführen. Am häufigsten entwickelt sich eine solche chronische Endocarditis aus einer acuten. So beziehen sich beispielsweise viele Klappenfehler des Rindes auf einen vorausgegangenen acuten Gelenkrheumatismus mit gleichzeitiger acuter Endocarditis, beim Pferd hat man Klappenfehler nach acuten In-fectionskrankheiten, wie Influenza und Brustseuche, beim Schweine als Complication und Nachkrankheit der Rothlaufseuche beobachtet. Abgesehen von dieser acuten Entstehung gibt es auch eine schleichende, chronische Endocarditis, welche durch wiederholte Erkältungen, Anstrengungen und Aufregungen hervorgerufen wird. Namentlich beim Schweine scheinen chronische Endo-carditen nicht selten ohne vorausgegangenen Rothlauf vorzukommen. Auch arteriosklcrotische Processe an dem Ursprung der Gefässe des Herzens führen besonders im höheren Alter zu chronischen Veränderungen an den betrettenden Klappen. Endlich muss für manche Klappenfehler eine erbliche Disposition oder fötale Vorausentwicklung angenommen werden.
Eine Minderzahl von Klappenfehlern bezieht sich nicht auf endocardi-tische Processe, sondern auf angeborene Defecte quot;oder Neubildungen im Herzen. So kommen congenitale Defecte in der Scheidewand beider Herzkammern, ja sogar vollständiges Fehlen der Scheidewand bei der Kuh vor. Behrens beobachtete eine Durchlöcherung der Mitralklappon beim Pferde, welche von einem systolischen Aftergeräusche begleitet war und zu Hypertrophie und Dilatation des Herzens geführt hatte. Jungers fand bei einem plötzlich verendeten Hunde eine polypüse gestielte Neubildung, welche die linke Atrioventricularöffimng fest verschloss. Hink fand bei
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490nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Chronische Eudoearditis.
einer Kuh als Ursache des plötzlichen Todes ein von der Wand der linken Herzkammer losgelöstes, die Aorta völlig verstopfendes Fibrosarkom. Frau ck sah einen unvollständigen Verschluss des ovalen Loches bei einem Hunde, der an epileptiformen Anfällen und allgemeiner Cyanose litt. Ausserdem können Neubildungen im Herzen oder in der Nachbarschaft, z. B. Sarkome, Carcinome, Pibroide der Klappen, Myxome, Geschwülste in den Bron-chialdrüsen zu Stenosen von Herzklappen Veranlassung geben. Da jedoch die letztgenannten Zustände #9632;ziemlich selten sind, so werden im Folgenden nur die durch chronische Endocarditis bedingten Klappenfehler des Herzens besprochen werden.
Anatomischer Befund. Die Veränderungen an den Klappen führen entweder zur Schliessungsunfähigkeit (Insufficienz) oder zur Verengerung (Stenose) des betreffenden Klappenapparates.
1.nbsp; nbsp;Die Insufficienz einer Klappe beruht auf einer Schrumpfung derselben, sowie einer Verkürzung ihrer Sehnenfäden. Im Verlaufe der chronischen Endocarditis kommt es nämlich zu binde-gewebiger Veränderung der Klappen, zur Schrumpfung und Atrophie, ja selbst zu einem vollständigen Schwunde derselben; ausserdem können sich die Klappen wegen gleichzeitiger Verkürzung ihrer Sehnenfäden nicht mehr voll entfalten. Hiedurch erweitert sich das Ostium und es bleibt auch beim Schlüsse der Klappen ein Spalt offen, durch welchen das Blut wieder zurück jenseits der Klappe gepresst wird. Reine, für sich bestehende Insufficienz oder Stenose ist selten, da der endocarditische Process meist sowohl zur Schliessungsunfähigkeit als zur Verengerung führt. Gewöhnlich findet man daher Stenose und Insufficienz zusammen (comhinirter Klappenfehler). Secundäre, durch die Klappenfehler in Folge der bedingten Circulationsstörungen hervorgerufene anatomische Veränderungen im Körper sind: Herzhypertrophie und Herzdilatation; Stauungsleber, braune Induration der Lunge, Stauungsniere, Stauungsmilz; Hydrops universalis, insbesondere Ascites, Hydrothorax, Hydropericardium, Anasarka; Abmagerung; ausgebreitete Hämorrhagien.
2.nbsp; Die Stenose eines Ostiums wird durch Verdickung der Klappen, sowie durch Wucherungen des Bndocardiums herbeigeführt. Man findet so das Lumen des betreffenden Ostiums durch polypöse, warzen- oder bhunenkohlähnliche Auswüchse von Seiten der Klappen verengt oder durch geschwulstähnliche Massen fast ganz ausgefüllt. Die Ränder der Klajjpen sind schwamm- oder wulstartig verdickt, zuweilen kalkig inkrustirt, und die einzelnen Klappen nicht selten an ihren freien Seitenrändern mit einander verwachsen. Dadurch haben die Klappen ihre freie Beweglichkeit, sowie die Fähigkeit, sich hin-
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ChroniscliL' Endocarditis,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 401
reichend zu entfalten, verloren, und sind vielmehr in starre, unnachgiebige, zuweilen knorpel- und knochenharte enge Ringe umgewandelt worden, durch welche innerhalb einer gewissen Zeiteinheit die normale Menge Blutes nicht hindurchpassiren kann und deshalb gewaltsam hin-durchgepresst werden muss.
Vorkommen. Klappenfehler finden sich bei unseren Hausthieren überaus zahlreich, am häufigsten bei älteren Hunden und Pferden, sowie bei Schweinen; eine sehr grosse Anzahl von Arbeitspferden und Ziehhunden wird in Folge von Klappenfehlern dienstuntauglich. Aber auch die Casuistik der Klappenfehler beim Rinde ist eine sehr reichliche, wohl durch die Häufigkeit des acuten Gelenkrheumatismus beim Rinde bedingt. Auch bei den Vögeln sind Klappenfehler beobachtet worden. Die Vertheilung der Klappenfehler auf beide Herzhälften ist bei den Haus thi eren annähernd gleic h. Während beim Menschen weitaus am häufigsten das linke Herz afficirt ist (unter 800 Fällen von Endocarditis sind 297 linksseitig und betreffen 255 die Mitralis), treffen von 87 in der Literatur bei unseren Hausthieren beschriebenen Fällen von Klappenfehlern 20 das linke und 17 das rechte Herz. Dabei fallen auf die Mitralis 14, auf die Aortenklappen 6, auf die Tricuspidalis 15 und auf die Klappen der Lungenarterie 2 Fälle. Die Tricuspidalklappen scheinen sogar noch etwas häufiger als die Mitralklappen erkrankt zu sein, ein Verhältnis8, das sich besonders beim Rinde geltend macht: unter 7 Fällen von Klappenfehlern beim Rinde waren 6 rechtsseitig und einer beiderseitig, keiner dagegen linksseitig. Beim Pferde scheinen ähnliche Verhältnisse wie beim Menschen zu existiren: unter 15 Klappenfehlern waren 7 linksseitig, 5 beiderseitig, 3 rechtsseitig.
Dass nicht bloss beim Hunde, sondern auch beim Pferde Klappenfehler ausserordentlich häufig vorkommen, beweist eine Zusammenstellung von Nocard. Derselbe fand bei 42 zu Operationszwecken angekauften Pferden 38nial localisirte Veränderungen am Aorten-ursprunge, bei vier anderen chronische Endocarditis an den halbmondförmigen Klappen der Aorta und gleichzeitig an den Valvulae mitrales. Sämmtliohe Pferde waren alt. Die Intensität der Veränderungen war individuell verschieden, die erkrankten Klappen waren bald einfach verdickt und starr, bald narbig verzogen und mit fibrösen Vegetationen bedeckt, bald zerfressen , gezahnt und in verschiedener Weise perforirt. Die Veränderungen wurden bereits während des Lebens dia-gnostioirt. Bei allen Thieren bestand ein zischendes Geräusch, welches mit dem diastolischen Ton begann und mit dem ersten Herzton aufhörte. Intensität und Timbre dieses Geräusches waren verschieden. Cadiot und Ries
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492nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Obronisohe Endocarditis.
fanden unter 14 Klappenfehlern beim Pferde lOmal die Aortenklappen, Imal die Mitralklappe und 3inal beide Klappen betroffen. Von 13 PiUlen beim Hunde kamen 5 auf die Mitralis, 4 auf Mitralis und Tricuspidalis, 2 auf die Tricuspidalis allein, 1 auf die Aortenklappe und 1 auf Aorten-und Mitralklappe.
Allgemeine Symptome der Herzklappenfehler. Die Stenose
wie die Tnsufficienz einer Klappe bedingen beide stromaufwärts von derselben eine Stauung des Blutes; also die Felder der Atrioventri-cularklappen eine Stauung in den Vorhöfen, links dann ausserdoni in der Lunge, rechts in den Körpervenen; die Fehler der Aorten- und Lungenarterienklappen eine Stauung in den beiden Ventrikeln. Diese Circulationsstörungen werden zunächst im Anfange durch eine vermehrte Arbeit von Seiten des Herzens bezw. des betreffenden Herzabschnittes ausgeglichen, sog. compensatorische Herz hypertroph ie. Ein auf diese Weise compensirter Herzfehler kann Jahre lang ohne bedeutendere krankhafte Symptome fortbestehen, und es treten nur nach stärkeren Anstrengungen und Aufregungen deutliche Circulationsstörungen hervor. Späterhin pflegt jedoch eine Kraftabnahme, eine Ermüdung des Herzmuskels einzutreten, welcher dann den Störungen der Circulation nicht mehr gewachsen ist, so dass nun ausgesprochene Stauungserscheinungen in der Lunge sowie im Hohlvenensystem auftreten. Nur in diesem Stadium kommen die erkrankten Thiere zur Beobachtung und Behandlung; das Krankheitsbild ist dann im Wesentlichen das gleiche, wie bei dem späteren Stadium der Herzhypertrophie. Die Symptome einer im Zurückgang begriifenen Herzcompensation sind:
1.nbsp; nbsp;Beschleunigung von Puls und Herzschlag, leicht erregbare Herzthätigkeit, Unregelmässigkeit des Pulses und Herzschlags, Herzklopfen. Nur in seltenen Fällen findet man umgekehrt eine Ver-langsamung des Pulses (Bradycardie).
2.nbsp; nbsp;Athembeschwerdon, insbesondere nach Bewegung geradezu dyspnoische Anfälle, beim Pferde als cordiale Dämpfigkeitquot; bezeichnet. Diese Kurzathmigkeit, welche meist in den Vordergrund der Erkrankung tritt, erklärt sich aus einer Stauung und langsameren Circulation des Blutes in den Lungen mit nachfolgenden bleibenden Lungenveränderungen (braune Lungeninduration, Verengerung des Lumens der Lungenalveolen durch die ektatischen Lungencapillaren).
3.nbsp; nbsp;Zunehmende Schwäche und Kraftlosigkeit, allmähliche Abmagerung, leichtes Schwitzen nach kurzer Anstrengung; das Alles bei fieberlosem Krankheitsverlaufe. Bei Arbeitsthieren ist die auf-
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Chronische Endocarditis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;493
fallend rasche Erschöpfung während der Arbeit eines der ersten Zeichen der beginnenden Herzschwäche.
4.nbsp; nbsp;Schwindelanfälle, namentlich nach vorausgegangener Anstrengung (häufig bei Ziehhunden).
5,nbsp; nbsp;Cyanose der sichtbaren Schleimhäute, beim Schwein auch der allgemeinen Decke, besonders der Ohren und des Rückens, starke Füllung der äusserlich sichtbaren Venen (Kinnbackenvenen, Jugularen), Venenpuls.
(3. Hydrops der Körperhöhlen (Ascites, Hydrothorax, Hydro-pericardium), sowie des Unterhautbindegewebes (Oedeme am Bauche, Schlauche, an der Brust, an den Beinen).
7.nbsp; Albuminurie und verminderte Harnabsonderung als Ausdruck der Stauung des Blutes in den Nieren.
8.nbsp; Zuweilen ikterische Verfärbung in Folge von Stauungsleber.
9.nbsp; Embolien in periphere Organe, herrührend von Thrombenbildung im Herzen, so in die Lunge, das Gehirn, die Nieren, die Leber, Milz, die Extremitäten (Hinken, (Gelenksanschwellungen).
10.nbsp; nbsp;Von pathognostischer Bedeutung für die Symptomatologie der Klappenfehler sind endlich die bei der Auscultation des Herzens auftretenden abnormen Geräusche, welche im Nachfolgenden genauer besprochen sind.
Symptome der einzelnen Klappenfehler. Die wichtigsten Klappenfehler sind die Stenose und Insufficienz der Mitralklappen (Pferd und Hund) und Tricuspidalkläppen (Rind), sowie der Aortenklappen (Pferd), bezw. deren Ostien; viel seltener sind Klappenfehler an der Pulmonalis.
I. Die Insufficienz der Mitralklappe. Dieser häufigste Klappenfehler beim Pferd und Hund bedingt einen Kückttuss des Blutes während der Systole durch das nicht geschlossene Ostium venosum in den linken Vorhof, wobei die wirbelnde Bewegung des zurückgepressten Blutes, sowie das Zusammenstossen dieser rückläufigen Blutwelle mit dem Blute der Lungenvenen ein mehr oder weniger lautes blasendes, zischendes oder schwirrendes, scharfes systolisches Aftergeräusch hervorbringt. Weiterhin wird der stark angefüllte, von zwei Seiten gespeiste linke Vorhof dilatirt und hypertrophisch. Der Abfluss des Blutes aus den Lungenvenen ist gehemmt, es tritt eine Stauung des Blutes in den Lungenvenen, Lungencapillaren und selbst noch in den Lungenarterien, und damit im rechten Vorhof und der rechten Herzkammer auf, welche auch eine rechtsseitige Herzhypertrophie nach
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494nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Chronische Emlocarditis.
sich zieht. In Follt;gt;-e des hohen, in der Lungenarterie herrschenden Druckes wird der zweite Herzton (Pulmonalton) lauter, klappender, oder wie man sich ausdrückt, accentuirt. Lässt die Compensation durch das rechte Herz nach, so treten Cyanose, Dyspnoö, Füllung der Jugularen, Venenpuls, Hydrops etc. auf.
Charakteristische Symptome der Mitralinsufficienz: systolisches Aftergeräusch, abnorm starker diastolischer Pulmonalton, rechtsseitige Herzhypertrophie, schwacher Puls, Kurzathmigkeit, Stauung im Venensystem.
II.nbsp; nbsp;Stenose des Ostiums der Mitralklappen. Die Verengerung des linken Atrioventricularklappen-Apparates hat zur Folge, dass bei der Diastole das Blut Arom Vorhofe nicht ungehindert in den Ventrikel gelangen kann, sondern nur theilweise durch das enge Ostium unter wirbelnder Bewegung hindurchgepresst wird. So entsteht ein diasfco-lisches (präsystolisches) Aftergeräusch. Ausserdem ist die linke Herzkammer wenig gefüllt, geschrumpft, sowie der Puls sehr schwach und klein. Der linke Vorhof wird dilatirt und hypertrophisch, im Lungenkreislaufe tritt Stauung ein, welche zu Hypertrophie und Dilatation des rechten Herzens führt; in Folge dessen ist auch der Pulmonalton sehr accentuirt.
Charakteristische Symptome der Mitralstenose: diasto-lisches Aftergeräusch, lauter Pulmonalton, sehr kleinerPuls, sehr schwere Stauungserscheinungen, besonders von Seiten der Lunge.
III.nbsp; Insufflcienz der Tricuspidalis. Die Schliessungsunfähigkeit der rechten Atrioventricular-klappe bringt ein Regurgitiren des Blutes aus der rechten Kammer in die rechte Vorkammer, verbunden mit einem systolischen Aftergeräusche mit sich. Die Rückwärtsbewegung des Blutes in den Vorhof setzt sich auf die Venen fort und erzeugt einen Venenpuls, sowie Stauung im Venensystem (Cyanose der sichtbaren Schleimhäute). Der rechte Vorhof wird dilatirt und hypertrophisch, später auch das ganze rechte Herz erweitert. Bei Erschlaffung des letzteren tritt Blutstauung in der Lunge mit Thrombenbildung in derselben (Dyspnoe), sowie in den Hohlvenen ein (Hydrops).
CharakteristischeSymptome der Tricuspidalinsuffielenz: systolisches Aftergeräusch, Venenpuls.
IV.nbsp; Die Stenose des Ostiums der Tricuspidalis, beim Menschen nur ausnahmsweise, beim Rind dagegen öfter beobachtet, kennzeichnet sich durch ein diastolisches Aftergeräusch, starke Füllung, Dila-
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Chronische Eudocavtlitis,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;495
tation und Hypertrophie des rechten Vorhofes, Venenpuls, Verlangsamung des Blutstromes in der Lungenarterie mit nachfolgender Thrombenbildung und erabolischer Verschleppung der Thromben in die Lunge, Hypertrophie und Erweiterung auch der rechten Herzkammer, Athmungsstörungen und hydropische Erscheinungen.
V.nbsp; Die Insufftcienz der Aortenklappen, ein beim Pferde häufiger Klappenfehler, ermöglicht ein Zurückströmen des Blutes bei der Diastole aus der Aorta in die linke Herzkammer; indem nun ein Theil des Blutes zurückquirlt und mit dem aus dem linken Vorhofe eindringenden zusammentrifft, entsteht ein diastolisches Aftergeräusch, welches auch als Schwirren fühlbar werden kann. Die starke An-füllung der linken Kammer führt weiter zu hochgradiger Dilatation und Hypertrophie derselben; das hypertrophische linke Herz bedingt seinerseits einen sehr starken Arterienpuls, dessen Curve indess wegen des Zurückweichens eines Theils des Blutes in die linke Kammer jäh absinkt: Pulsus celer, d. h. schnellender, hüpfender Puls. Das diastolische Aortengeräusch wird zuweilen noch an der Carotis gehört.
CharakteristischeSymptornederAorteninsufficienz sind: brausendes, diastolisches Aftergeräusch, hochgradige Dilatation und Hypertrophie des linken Herzens, starker Arterienpuls, Pulsus celer, Arteriengeräusche.
VI.nbsp; Die Stenose des Ostiums der Aortenklappen versetzt das durch die verengten Klappen hindurchströmende Blut in Wirbelbewegung, wodurch ein systolisches Aftergeräusch entsteht, gleichzeitig wird der Puls verlangsamt und sehr klein, der linke Ventrikel hypertrophisch. Bei hochgradiger Stenose treten die Erscheinungen der G e h i r n a n ä m i e, Schwindel etc. auf.
Charakteristische Symptome der Aortenstenose sind also: systolisches Aftergeräusch, verlangsamter, sehr kleiner Puls, linksseitige Herzhypertrophie, Gehirnanämie etc.
VII.nbsp; nbsp;Die Insufftcienz der Pulmonalklappen ist sehr selten und führt zu einem diastolischen Aftergeräusche mit Hypertrophie und Dilatation des rechten Ventrikels, sowie bei Nachlass der Herz-thätigkeit zu hochgradigen Athmungs- und Circulations-störungen.
VIII.nbsp; Die Stenose des Ostiums der Pulmonalklappen erzeugt ein systolisches Aftergeräusch, rechtsseitige Herzhypertrophie, Stauung im Venen system, sowie sehr bald in Folge eintretender Compensationsstörungen des Herzens Athmungsstörungen.
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496nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Obronisohe Endocarditis.
Diagnose der Klappenfehler. Die Erkennung eines Klappenfehlers ist aus verschiedenen Gründen nicht immer sehr leicht. Zunächst kommen Aftergeräusche, sowohl systolische als diastolische, auch ohne jede organische Veränderung der Klappen, als sog. anorganische Herzgeräusche bei Leukämie und Anämie vor. Umgekehrt können Aftergeräusche trotz eines wirklich vorhandenen Klappenfehlers, besonders im Anfange sehr häufig fehlen, wodurch das wichtigste Moment für die Diagnose wegfällt. Sehr häufig combiniren sich ferner zwei oder mehr Klappenfehler in allen möglichen Zusammenstellungen , wodurch die Symptome des einen durch die des anderen geradezu aufgehoben werden können. Am häufigsten findet man so Stenose und Insufficienz beisammen. Endlich ist das letzte Stadium, in welchem die Klappenfehler meistens erst zur Beobachtung gelangen, nämlich das der beginnenden Compensationsstörung, bei allen so ziemlich in seinen .Symptomen (Circulationsstörungen in der Lunge und im Venensystem) übereinstimmend, die Einzeldiagnose ist also sehr erschwert. Doch muss bemerkt werden, dass häufig wenigstens ein Klappenfehler unter den anderen in seinen Erscheinungen dominirt und daher annähernd diagnosticirt werden kann. Um wenigstens einige Anhaltspunkte für die Differentialdiagnose der einzelnen Klappenfehler zu geben, möge Folgendes bemerkt werden:
1.nbsp; nbsp;Ein systolisches Aftergeräusch kommt vor bei Mitralinsufficienz, Tricuspidalinsufficienz, Aortenstenose, Pulmonalstenose. Die ersteren Klappenfehler sind ziemlich häufig, der letztere kommt kaum in Betracht. Die Tricuspidalinsufficienz findet sich besonders beim Rinde und ist mit Venenpuls vergesellschaftet. Die Mitralinsufficienz kommt namentlich beim Pferd und Hund vor und verläuft mit schwachem Pulse; die Aortenstenose mit sehr kleinem, zuweilen verlangsamtem.
2.nbsp; nbsp;Ein diastolisches (präsystolisches) Geräusch kann von einer Mitralstenose, Tricuspidalstenose, Aorteninsufficienz oder Pulmonalinsufficienz herrühren. Letztere kommt ebenfalls, als viel zu selten, kaum in Betracht. Die Tricuspidalstenose findet sich am häufigsten beim Binde und verläuft mit Venenpuls, sowie starker Dyspnoe in Eolge von Thrombenbildung im rechten Herzen. Die Mitralstenose unterscheidet sich von der Aorteninsufficienz durch den kleinen, unregelmässigen Puls, welcher bei Aorteninsufficienz sehr stark und dabei schnellend ist. Am häufigsten ist das diastolische Geräusch beim Pferd und Hund auf eine Aorteninsufficienz zurückzuführen.
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Ohronische Endocarditis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;497
Therapie der Klappenfehler. Ein compeusirter Klappenfehler bedarf keiner Behandlung; man muss die Thiere nur bei yfutem Futter erhalten und vor allzu grossen Anstrengungen und Aufregungen schützen. Erst wenn das hypertrophische Herz in seiner Leistungsfähigkeit nachzulassen anfängt, wenn in Folge dessen Circu-lationsstörungen in der Lunge und im Venensystem auftreten, muss man zu Mitteln greifen, welche die Herzthiitigkeit reguliren, die hohe Pulsfrequenz herabsetzen, den Blutdruck im arteriellen Gefässsystem steigern und dem Herzen die nöthigen Pausen zur Erholung und zur Nahrungsaufnahme verschaffen. In dieser Beziehung ist besonders die Digitalis ein sehr werthvolles Mittel; sie gleicht die Circulations-störungen aus, erhöht den arteriellen Blutdruck, vermindert die Pulsfrequenz. Man gibt dieselbe entweder in Pulverform oder in Form des etwa dreimal schwächeren Infuses mehrere Tage nach einander, wobei jedoch die Wirkung sorgfältig überwacht werden muss, und setzt dann wieder einige Zeit ans. Die Dosirung muss dabei eine niedere sein. Beispielsweise gibt man Hunden ein Infus von 12,0 Fol. Digitalis auf 250,0 Wasser, täglich 12 Esslöffel (bezw. Theelöffel für kleinere Hunde), Pferden 25,0, Rindern 48,0 Pulv. Folior. Digitalis auf Brot oder mit salinischen Mitteln. Aussei- Digitalis empfiehlt sich namentlich für Fälle mit starkem Hydrops das Coffein, welches vor dein Fingerhutkraut den Vorzug der Uligiftigkeit bei längerer Verabreichung und einer stärkeren diuretischen Wirkung besitzt. Man o-ibt es in Form eines seiner Salze, z. B. des Coffe'i'num natrio-benzoieum, Hunden täglich zu 0,251,0, Pferden und Rindern zu 510,0. In ähnlicher Weise wirkt Strophanthustinctur (Pferden und Rindern 10 25,0, Hunden 1025 Tropfen) und Diuretin (Hunden 2stündlich 0,250,5). Als Unterstützungsmittel für die Digitalis wird endlich das Jodkalium sehr gerühmt (Pferden 510,0).
Sodann ist in symptomatischer Hinsicht die Function bei hochgradiger Höhlenwassersucht (Ascites, Hydrothorax, Hydropericardium), sowie ein diuretisches (die oben genannten Herzmittel, Diuretin, Scilla, Kalium aceticum) und diaphoretisches bezw. speicheltreibendes (Pilocarpin, Arecolin) Kurverfahren angezeigt. Audi Drastioa können vorübergehende Erleichterung verschaffen. Gegen allgemeine Schwäche sind die excitirenden, gegen abnorme Herzpalpitationen endlich narkotische Mittel, insbesondere das Morphium in Form der subeutanen Injection (Pferd 0,5, Hund 0,010,05) angezeigt.
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Frledbergei' u. Fi-Uhnei', Pathol. u. Therapie d. Hausthlere, I. Bil. 4. Aufl.
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Myocarditis. Kiitziiudnny; des Herzmuskels.
Literatur. llecmil, 1886. Dübvisson,iWi., 1836.Rigai,, Ihld,, 1837. Sanson, ,/. du Midi, 1852. Boulev u. Colin, liec, 1863/64. Trklut, ./. du Midi, 1868. Pbiedbbrgkh, M. J. B., 1877/78. S. 58. VEtuiAKivr, ,(. de Unix., 1878. JoHNE, 8../. /*., 1878. S. 10. Burke, The vet.joum., 1886. Maboero, // med. vet., 1886.
nbsp; Delamotte, Ix'evue ret., 1888 u. 1889; Itec, 1890. Cadiot, I hid., 1898. 8, 374. Herzabscosse. Giiult, Mag,, 1837. S. 199. BoESENROTH. Und., 1854. S. 79.
Schmelz, Bep., 1854. S. 214. Leblanc, Bee, 1855. Weiss, lJr. M., 1856. Knipp, Dueksler, Ihid., 1857. Lehnhardt, Ibid., 1860. Stockfleth, Jteii., 1800. S. 72. ZUKTEL, J. de Lyon, 1863. Hunting, Kdinb. Vet. Revue, 1864. Hauss--manx, Rep., 1877. S. 307. JoHNE, S. ./. /lt;., 1878. S. 21. Q-ASSNER, II. th. M., 1890. S. 125. Hock, W. f. Th., 1891. S. 328. Mrrrozi, Cliii. vet., XV. S. 151.
nbsp; Walley, The Vet., Bd. 67. S. 65.
Neubildungen im Herzmuskel. Fbömneb, M. f. p. Th., V. Bd. S. 540. Hess, Schw. A., 1892. S. 65.
Aetiologie. Die Ursaclien der Entzündung des Herzmuskels sind zum geringsten Theile in Erkältung oder Ueberanstrengung, vielmehr der Hauptsache nach seeundär in einer allgemeinen Infection des Körpers, so durch Brustseuohe, Maul- und Klauenseuche, Septik-ämie, Pyämie, Tuberkulose u, s. w. zu suchen. Ausserdem kann sich die Entzündung des Endocardiums oder Pericardiums auch auf das Myocardium fortsetzen. Endlich führen Verwundungen des Herzens, insbesondere sehr häufig beim Rind, wenn auch hier immer mit Pericarditis complicirt (siehe traumatische Pericarditis und Carditi.s des Rindes), aber auch beim Pferd, ferner Erschütterungen und Contu-sionen des Herzmuskels zu Myocarditis.
Anatomischer Befund. Die Veränderungen im Myocardium sind ausserordentlich verschieden, je nachdem eine parenehymatöse oder interstitielle, eine indurivende oder abscedirende Myocarditis vorliegt. Während bei der interstitiellen und abscedirenden Myocarditis die Entzündung gewöhnlich eine herdförmige, umschriebene, ja selbst disseminirte ist, tritt sie bei der parenehymatösen Myocarditis meist in diffuser Form auf.
1, Die acute parenehymatöse Myocarditis ist als selbstständige, primäre Krankheit selten. Die Entzündung ergreift nicht ausschliesslich die Muskelfasern, sondern complicirt sich theilweise auch mit interstitieller Inliltration. Makroskopisch findet man fleckige Verfärbung der Muskulatur, welche von grauröthlicher bis graugelblicher, lehmartiger, selbst weissgelblicher Farbe, mürber Consistenz, sowie verwischter, undeutlicher, homogener Faserung ist. Mikroskopisch zeigt sich ein Verlust der Querstreifung, sowie staubförraige
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Myocarditis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 499
Trübung in den Muskelfasern, neben erheblicher kleinzelliger Tn-hltration in dem interstitiellen Bindegewebe, wodurch die Muskelfasern durch eine Schichte weisser Blutkörperchen aus einander gedrängt werden.
2.nbsp; nbsp;Die chronische indurironde Myocarditis ilu.ssert sich in Form weisslicher, glänzender, bindegewebiger, derber, selbst knorpelharter sog. Herzschwielen und selinenartiger Einlagerungen (Miloll-und Sehnenflecke), welche den Herzmuskel besonders links in der Nähe der Herzspitze in verschiedener Grosse durchsetzen und die Wandungen des Herzens, indem sie etwas unter das Niveau der Schnittfläche eingesunken sind, zuweilen so verdünnen, class eine Ausbuchtung nach aussen entsteht (Herzan eury s ma). Äusserdem findet man die Muskellibrillen zuweilen fettig degenerirt, bestäubt, und von sehr reichlicher Bindegewebszubildung umgeben. Das Ganze entwickelt sich aus einer kleinzelligen Infiltration des interstitiellen Bindegewebes mit Induration und Narbenbildung, und führt meist zu einer secun-dären Herzhypertrophie,
3.nbsp; nbsp; Die eiterige Myocarditis, der Herzabscess, kommt besonders bei Pyämie, beim Kinde nach puerperaler Metritis, beim Pferde bei Omphalophlebitis vor. Dabei entstehen entweder im klein-zellig inliltrirten Bindegewebe kleinste, disseminirte, miliare Eiterherde, oder im Anschlüsse an einen embolischen Infarkt grössere, hasel-nuss- bis kastaniengrosse Abscesse (metastatische Myocarditis). Herzabscesse sind sowohl beim Pferd als beim Bind beobachtet worden, beim letzteren verkäsen sie zuweilen und zeigen selbst Kalkablagerung (Verknöcherung des Herzens).
Nahe mit der Myocarditis verwandt und gewissermasscn das erste Stadium derselben darstellend, indess viel häufiger, sind die im Verlaufe von Infectionskrankheiten auftretenden Degenerationen des Herzmuskels: trübe Schwellung, fettige Entartung, schollige Zerklüftung etc., wobei das Herz makroskopisch sehr mürbe und welk, wie gekocht, sowie verfärbt erscheint. Dagegen fehlt eine kleinzellige Infiltration. Das klinische Krankheits bild ist indess so ziemlich dasselbe wie bei Myocarditis; beide bedingen Insufficienz des Herzmuskels. Die sog. Herzsohwielen entwickeln sich nicht immer auf einer entzündlichen Grundlage, sondern entstehen nach Ziegler viel häufiger aus einer Myoinalacie, d. h. Erweichung des Myocardiurns in Eolge anämischer Nekrose, ein Zustand, der bisher häufig aber fälschlicher Weise als parenchymatöse Myocarditis bezeichnet wurde. Diese Myomalacia eordis geht aus einem hämor-rhagischen Infarkte in Folge arteriosklerotischer oder embolischer Prooesse hervor, an den sich der Reihe nach arterielle Anämie, Erweichung, Verkäsung, Resorption der Zerfallmassen und endlich Narbenbildung anschliessen. Ganz in derselben Weise bilden sich bei umschriebenen Erweichungsberden im Gehirn oder bei Infarkten in der Niere bindegewebige Narben.
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500nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Myocarditis.
Symptome. Die Erscheinungen der Myocarditis sind die ciner Fuuctionsstörung des Herzmuskels, d. h. einer Herzinsufficienz oder Herzschwüche; sie fallen also zusammen mit den Symptomen der Herzdilatation. Der Herzschlag ist im Anfang sehr tumultuarisch, pochend, verbreitert, zuweilen auf eine gewisse Entfernung sichtbar und hörbar, dabei unregelmilssig; später wird er sehr schwach. Der Puls ist sehr frequent, klein, unrogelmässig, oft unfühlbar und beträgt beim Pferde andauernd 80120 Schläge pro Minute und mehr. Das Athmen ist erschwert und beschleunigt. Dazu kommen grosse Mattigkeit und Hinfälligkeit, Zittern, Schwindelanfälle, sowie leichte Erregbarkeit. Die Temperatur ist je nach der bedingenden Ursache mehr oder weniger erhöht; bei längerer Dauer stellen sich sodann wie bei Herzhypertrophie allgemeine Stauungserscheinungen ein. In anderen Fällen verläuft die Entzündung des Myocardiums peracut, die Thiere stürzen plötzlich #9632; apoplektisch zusammen. Auf diese Weise enden manche Fälle von Maul- und Klauenseuche oder Tuberkulose ganz unverhofft tödtlich. Der Tod erfolgt durch Herzlähmung oder Herzruptur. Insbesondere zeigt die acute parenchymatöse Myocarditis, sowie die abscedirende diesen Verlauf.
Differentialdiagnose. Die Unterscheidung der primären Myocarditis von anderen Herzkrankheiten, insbesondere von passiver Herzerweiterung, Endocarditis und Pericarditis, ist sehr schwer, ja häufig ganz unmöglich, da ihre Symptome ganz in derselben Weise bei den genannten anderen Aüectionen des Herzeus gegeben sind. Aus diesem Grunde ist eine Diagnose während des Lebens besonders dann schwer, wenn charakteristische Symptome einer vorhandenen Pericarditis, Endocarditis, eines Klappenfehlers nicht zugegen sind. Im Allgemeinen darf man die Wahrscheinlichkeitsdiagnose auf Myocarditis stellen, wenn schwere Erscheinungen von Herzinsufficienz ohne eine nachweisbare organische Veränderung am Herzen (Aftergeräusch, Reibungsgeräusch) beobachtet werden. Leichter ist die Feststellung einer seeundären Myocarditis, z. B. im Verlaufe der Brustseuche.
Therapie. Die Behandlung der Herzentzündung stimmt mit derjenigen der Herzschwäche überhaupt überein, besteht also in der Vermeidung jeder Aufregung und Anstrengung, Kräftigung des Herzmuskels durch gute Nahrung, Excitantien, Digitalis, Coffein, Strophanthus, Campher, Atropin, Hyoscin, Alkohol, sowie
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Herzhypertrophie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 501
in der Verabreichung von Fiebermitteln. Gegen peracut verlaufende Fälle ist jede Behandlung fruchtlos.
Neubildungen im Herzmuskel. Unter denselben soheinen namentlioh die Sarkome eine klinische Bedeutung zu besitzen. Bei einem unter den Erscheinungen von Herzschwäche gestorbenen Hunde ergab die Section graue, umschriebene Herde im Myocardium, welche sich bei mikroskopischer Untersuchung als eine sarkomatöse Infiltration des Herzfleisches mit Schwund der Muskelfasern herausstellton. Gleichzeitig bestanden multiple, metastatische, sarkomatüse Herde in den Nieren (Fröhner).
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Herzhypertrophie und Herzdilatatlou.
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Allgemeines. Herzliypertrophie und Plerzdilatation sind zwar im ausgeprägten Stadium zwei von einander nach anatomischen wie klinischen Verhältnissen vollkommen verschiedene Zustände, sollten also je in besonderen Capiteln besprochen werden. Indessen lassen sie sich in praxi für gewöhnlich gar nicht oder nur sehr schwer auseinanderhalten, weil sie sehr häufig beide mit einander, namentlich bei Klappenfehlern, vorkommen, oder, wenn sie auch eine Zeit lang für sich bestanden haben, bald in einander übergehen, und weil eine Differentialdiagnose zwischen beiden im späteren Verlaufe der Krankheit bei der Gleichheit der Symptome meistens ganz unmöglich ist. Die Verwandtschaft beider wird auch durch den Sprachgebrauch ausgedrückt, welcher die Hypertrophie des Herzens als active, die Dilatation als passive Herzerweiterung bezeichnet.
Anatomisches. Hypertrophie wie Dilatation bedingen beide eine Vergrösserung des Herzens, indessen kommt die Volumszunahme des Herzens im ersten Falle durch Massenwachsthum der Herzwand, im zweiten durch eine Erweiterung der Höhlungen des Herzens zu Stande.
1. Die Vergrösserung des Herzens bei Herzhypertrophie kann ausschliesslich durch die Verdickung der Wände hervorgerufen werden ;
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.quot;HOnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Herzhypertrophie.
man nennt diese immerhin etwas seitone Form einfache Herzhyper-trophie. Weitaus in den meisten Fällen indess ist mit der Dicken-zunahme der Wand auch eine Erweiterung der Herzhöhlen gegeben, sog. exeontrischellerzhypertrophie oder active Herzerweiterung; diese Form meint man gewöhnlich, wenn man im Allgemeinen von ilerzhypertrophie spricht. Ob drittens eine mit Verengerung der Herzhöhlen einhergehende Dickenzunahme der Herzwand existirt, die sog. concentrische Herzhypertrophie, muss dahingestellt werden. Unter falscher, unechter Herzhypertrophie wird die durch fremde Einlagerungen in die Herzwand bedingte Vergrösserung des Herzens verstanden. Die wahren llerzhypertrophien können totale oder partielle, d. hi nur einen Ventrikel betreffende, oder umschriebene, etwa nur auf einen Papillarmuskel beschränkte sein; die beiden letzteren Fälle sind die häufigeren. A¥eitaus am meisten ist das linke Herz hypertrophisch. Die Form des Herzens wird dadurch eine längliche, walzenförmige, während das Herz bei rechtsseitiger Hypertrophie mehr abgeplattet, breit erscheint, und ein total hypertrophisches Herz sich der runden Form nähert, wobei es oft colossale Dimensionen annimmt. So fand Stephenson beim Pferd ein Herz von o2 Pfund, Ger lach eines von 19 Pfund; beim Ochsen sah Herr an ein 87 cm langes und 3ü Pfund schweres Herz, dessen Wandungen mit Kalksalzen inkrustirt waren. Die linke Herzwand ferner ist nicht selten um das 2Sfaohe des normalen verdickt. Die Structur des Herzens kann bei Hypertrophie ganz normal sein. Meist zeigt sich jedoch die Muskulatur härter, von zäher, derber Consistenz, zuweilen sogar von Wucherungen interstitiellen Bindegewebes durchsetzt, sowie von dunkler, braunrother Farbe, welche später von helleren Flecken und Strichen unterbrochen sein kann (Pigmenteinlagerung; fettige Degeneration der Muskelfasern); an letzteren Stellen wird die Muskulatur mürbe und brüchig. Die hypertrophische rechte Herzwand klafft beim Aufschneiden, statt zusammenzufallen.
2. Die einfache Herzdilatation ruft eine Vergrösserung des Herzens lediglich durch Erweiterung der Höhlen desselben hervor, wobei die Wandungen naturgemäss schwächer und dünner werden müssen. Die schlaffen, ausgedehnten Wandungen sind charakteristisch für die passive Herzerweiterung; während bei der activen das Herz an Kraft zunimmt, ,nimmt es bei der passiven ab. Die Herzdilatation wird meist rechts gefunden. Bei linksseitiger colla-biren die Wandungen beim Aufschneiden, statt zu klaffen. Auch hier
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Herzbypertrophie,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;503
kann die Structur des Myocardiunis eine normale sein. Meist ist die Wand indess schlaff', anämisch, fettig degenerirt, brüchig und leicht zerreissbar, von heller, gelbbrauner Farbe, sowie sehr dünn, ja au manchen Stellen sogar vollkommen durchscheinend, weil nur aus Endo- und Epicardium bestehend; im Anschlüsse hieran können sich auch Ausbuchtungen der Wand, sog. Herzaneury sine n entwickeln. Bei hochgradiger Dilatation kann das Herz oft um das Doppelte und darüber vergrössert sein.
Aetiologie. Die Ursachen der excentrischen Herzhypertrophie sind gewöhnlich in Umständen zu suchen, welche dem Herzen einen grösseren (Jirculationswiderstand bereiten und den Blutdruck vermehren. Als solche sind zu nennen:
1.nbsp; nbsp; Vermehrte körperliche Anstrengung, sog. Arbeits-hypertrophie oder idiopathische Herzhypertrophie, welche sich besonders bei Kennpferden in Folge hochgradiger, wenn auch relativ kurzer, so doch häufig wiederholter Anstrengung, bei Zugochsen und bei Jagdhunden findet. Damit wohl im Zusammenhange stehend ist das Herz edler Rassepferde an und für sich grosser, als das gemeiner Schläge; so wog beispielsweise das Herz des englischen Vollbluthengstes Helenus 18 V^ Pfund. Man erklärt sich das Zustandekommen der idiopathischen Hypertrophie in der Weise, dass die Contraction der Uumpfmuskeln bei der Arbeitsleistung zu einer Contraction der Muskelarterien und dadurch zu einem gesteigerten Blutdrucke führt, welcher das Herz zu angestrengterer Thätigkeit nöthigt, woraus, wie bei anderen Muskeln, eine Muskelhypertrophie hervorgeht.
2.nbsp; nbsp; Secundilr bedingen die verschiedenen Strömungshindernisse in den Blutgefässen eine sog. symptomatische Herzbypertrophie. Hieher gehören: Aortenaneurysmen, angeborene Aortenenge, Thromben, Compression der Aorta durch Neubildungen, athero-matöse und arteriosklerotische Processe, eine zu grosse Menge Blutes (Plethora).
8. Am häufigsten haben Klappenfehler des Herzens wegen der dadurch bedingten Kreislaufstörungen Herzhypertrophie zur Folge; dieselbe ist hier, weil die Störungen dadurch ausgeglichen werden sollen, eine sog. compensator is ehe.
4. Lungenkrankheiten, wie Lungenemphysem, Compression der Lunge durch Exsudate oder Transsudate, Verwachsungen der Lungen mit der Rippenwand, interstitielle rotzige oder tuberkulöse pneumonische Processe, welche einen Tbeil der Lungengefässe aus
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504nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Herzhypertrophie.
dem Kreislaufe ausschalten, erhöhen den Blutdruck im Gebiet des rechten Herzens und geben so zu Herzhypertrophie Veranlassung.
5. Verwachsungen des Herzens mit dem Herzbeutel erhöhen ebenfalls die Anforderungen an die Herzthätigkeit, weil das Herz dadurch in seiner Bewegung gehemmt wird, und verursachen so eine Massenzunahme desselben.
ti. Endlich compliciren sich chronische Nierenentzündungen fast regelmässig mit Herzhypertrophie.
Die passive Herzerweiterung, die Herzdilatation, bildet gewöhnlich das Folgestadium der activen in der Weise, dass das hypertrophische Herz schliesslich den Anforderungen nicht mehr genügt, in seiner Thätigkeit erschlafft und durch den abnorm gesteigerten Blutdruck eine Erweiterung erfährt. Ganz ebenso führen Verfettung des Herzens, Myocarditis, Endocarditis, Sklerose der Kranzarterien, Veränderungen des Myocardiums bei hohem Fieber, Infectionskrankheiten, Vergiftungen, Anämie zu Dilatation. Endlich kann sich acuter Weise eine passive Herzerweiterung nach acuten Lungenaffectionen mit schweren Circulationsstörungen und hochgradiger Drucksteigerung im Gebiete des rechten Herzens entwickeln ; bei längerer Dauer kann es z. B. bei der acuten Pneumonie des Pferdes zu beginnender Herzhypertrophie kommen, welche später allerdings wieder verschwindet. Chronische Lungenveränderungen dagegen lösen, wie schon erwähnt, immer eine Hypertrophie des Herzens aus, sofern die Thiere nicht zu schwächlich sind; im letzteren Falle kommt es wegen Mangels an genügendem Ernährungsmaterial ebenfalls trotz des chronischen Verlaufes zur Dilatation.
Symptome. Eine reine, insbesonders eine compensatorische Herzhypertrophie entwickelt sich meist so allmählich, dass sie Jahre lang ohne jedwede sichtbare Störung des Allgemeiribefindens bestehen kann. In höheren Graden, wie z. B, im Verlaufe der chronischen Nephritis, äussert sie sich durch vollen Puls, auffallend kräftigen Herzschlag, sehr laute und helle Herztöne, sowie eine Ver-grösserung der Herzdämpfung. Dieses für die Herzhypertrophie an sich einzig charakteristische Krankheitsbild der Hyperkinesequot; gelangt jedoch nicht häufig zur Beobachtung, einestheils, weil die Herzhypertrophie früher oder später in Folge allmählich zunehmendev Insufficienz der Herzthätigkeit in Dilatation und Erschlaffung übergeht, anderntheils, weil eine idiopathische, nicht durch anderweitige Organveränderungen hervorgerufene und damit complicirte Hypertrophie zu
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Herzdilatation.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 505
den Seltenheiten gehört. Daher kommt es, dass die in der Literatur und Praxis mit dem Namen Herzhypertrophio* bezeichneten Krankheitsfälle sich meist auf Complicationen von activer und passiver Herzerweiterung, ja sogar auf letztere allein beziehen. Die Krankheitssymptome dieser Doppel-aft'ection, welche sich mit denjenigen der nicht compensirten Klappenfehler vollkommen decken, unterscheiden sich von den oben genannten der reinen Herzhypertrophie sehr wesentlich.
Das für active und passive Herzerweiterung glcichmässig gemeinsame Symptom ist die durch Percussion nachweisbare Vergrösse-rung der Herzdiimpfung. Dieselbe kann bei starker Dilatation, beispielsweise bei Hunden, bis in die Gegend der letzten falschen Rippen reichen. Sodann aber äussert sich die beginnende Erschlaffung des hypertrophischen Herzens in Athembeschwerden, Herzklopfen, ganz abnormem Pulse, Gehirnhyperümie und Gehirnanämie, Schwindelanfällen, sowie ausgedehnten Cirru-lationsstörungen mit ihren Folgen. Zunächst fällt der stark pochende, auf beiden Körperseiten fühlbare, ja selbst schon von Weitem sichtbare und mit Erschütterung des ganzen Körpers verbundene Herzschlag auf, welcher umgekehrt aber auch ganz unfühlbar sein kann; die Herztöne sind unregelmässig, der erste sehr laut, metallisch klingend, zuweilen schwirrend, der zweite meist schwach oder auch ganz fehlend. Gar nicht mit der angestrengten Herz-thätigkeit im Einklänge stehend ist der Puls in der Regel sehr schwach und elend, ja selbst unfühlbar (Hypokinesequot;) nach ganz geringen Anstrengungen schon ausserordentlich frequent, unregelmässig und ungleichmässig; nicht selten ist Venenpuls an den Drosselvenen sichtbar. Die Athmung ist schon in der Ruhe beschleunigt und steigert sich beim Gebrauche des Thieres bis zur Dyspnoe (sog. cordiale Dämpfigkeit, Herzschlechtigkeit), ja selbst bis zur Erstickung; die Thiere taumeln, stürzen zu Boden und verenden apoplektisch. Die letzteren Symptome treten zuweilen anfallsweise in Form von Schwindel, Zittern, Zuckungen, Schweissausbruch, dyspnoischeni, röchelndem Athem auf.
Die im weiteren Verlaufe binzukommenden Circulationsstö-rungen betreuen bald das Gehirn (Gehirncongestion und Gehirnanämie in Form von Schwindel und Ohnmacht), bald die Bronchialschleimhaut (Bronchitis), bald den Digestionstractus (chronisclier Darmkatarrh), die Leber (Stauungsleber), die Nieren (Stauungsniere mit Albuminurie und Oligurie). Auch eine marantische Thrombose
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50Gnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Herzhypertrophie.
der Arterien (Liilimung der Kachhand bei Thrombose im Gebiete der hinteren Aorta) ist eine nicht seltene Folgeersoheinung der gestörten Circulation. Scbliesslich entwickelt sieb allgemeine Cyanose und Wassersucht (Ascites, Hydropericardium, Hydrothorax, Anasai-ca); die Unterbrust, der Unterbauch und die Extremitäten schwellen an, die Thiere magern hochgradig ab und sterben entweder marantiscb oder an Lungenembolie in Folge von Blutgerinnung im Herzen, Herz-lähmung, Gehirnblutung, Kohlensäureintoxication.
Am häufigsten beobachtet man das beschriebene Krankheitsbild bei älteren Hunden, die meist wegen einer auffallenden Athemnoth oder wegen häufiger Schwindelanfälle zugeführt werden; sodann bei Pferden gelegentlich der Untersuchung auf Dampf; aber auch bei anderen Thieren kommt dasselbe vor. So berichtet Herr an über einen Fall von Herzhypertrophie bei einem Ochsen, welcher unter den Erscheinungen einer chronischen Athembeschwerde allmählich abmagerte und bei jeder Anstrengung alsbald wegen zu tumul-tuarischen Herzschlags ausruhen musste.
Differentialdiagnose. Die Hypertrophie und Dilatation des Herzens wird in den meisten Fällen verwechselt mit einem primären Lungenleiden, z. B. Lungencongestion oder Pneumonie; insbesondere werden die Eigenthümer durch das vor Allem hervortretende Symptom der Athemnoth auf diesen Gedanken gebracht. Indess lässt eine genaue Untersuchung der Lunge durch Auscultation und Percussion, das allmähliche Auftreten und lange Bestehen der Krankheit, sowie der positive Nachweis einer vorhandenen Herzaffection das Richtige bald erkennen. Von primärem Herzklopfen ferner unterscheidet sich die active und passive Herzerweiterung durch das Fehlen der vergrösserten Herzdämpfung, sowie schwerer Folgeerscheinungen beim ersteren; auch dauert das Herzklopfen nicht continuirlich an, sondern ist inter-mittirender Natur. Schwerer schon ist die Unterscheidung von Hydro-pericardium und Myocarditis, besonders der chronischen, mit Schwielenbildung verlaufenden Form der letzteren, ja sie ist sehr häutig geradezu unmöglich, da die Symptome einer chronischen Myocarditis ganz dieselben sind wie die einer Herzhypertrophie. Dagegen ist die Differentialdiagnose gegenüber den Klappenfehlern insofern sehr leicht, als letztere mit ganz charakteristischen Herzgeräuschen verlaufen, ohne welche sie überhaupt nicht diagnosticir-bar sind.
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Herzdilatation.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;507
Therapie. Die Hauptaufgabe bei der Behandlung von Hypertrophie und Dilatation des Herzens besteht in der Ergründung der Ursachen und ihrer Beseitigung bczw. Bekämpfung. Es muss indess von vornherein darauf aufmerksam gemacht werden, dass jede hemmende Einwirkung auf eine compensatorisch sich entwickelnde, zum Ausgleiche vorhandener Defecto dienende Hypertrophie, insbesondere durch Digitalis, zu verwerfen ist. In dieser Beziehung ist die Beschaffenheit des Pulses, speciell die Grosse desselben, von ausschlaggebender Bedeutung für die Therapie. Im Allgemeinen sucht man jede Anstrengung oder Aufregung zu vermeiden; so hält man Pferde vom Reiten oder Fahren, Hunde von der Jagd zurück, wodurch allerdings der Nutzen und Werth dieser Ge-brauchsthiere meist so herabsinkt, dass sich eine weitere Behandlung nicht lohnt. Sodann kommt es vor Allem auf eine gute, eiweiss-haltige Nahrung an, damit der zur Hypertrophie gezwungene Herzmuskel Material zur Muskelneubildung besitzt. Von Arzneimitteln kann gegen die im Verlaufe von Herzhypertrophie auftretende Hyperkinese des Herzens Jodkalium als Sedativurn empfohlen werden. Man gibt dasselbe Pferden in Dosen von 5l^O, Hunden von 0,2-1,0.
Ist hingegen zur Herzhypertrophie bereits Erweiterung hinzugetreten, der Puls also schwach geworden, so muss die Erschlaffung und Schwäche des Herzens durch Cardiacu und excitirende, sowie roborirende Mittel bekämpft werden. Man gibt so die Digitalis-blätter in kleineren und öfteren Dosen (Pferden 25,0; Hunden 0,1 0,8 pro die im Infus). Indem dieselben die Frequenz des Herzschlags herabsetzen, werden die Pausen zwischen den einzelnen Phasen der Herzthätigkeit länger und der Herzmuskel gewinnt Zeit, sich zu erholen und Ernährungsmaterial aufzunehmen; natürlich erfordert der fortgesetzte Gebrauch der Digitalis genügende Vorsicht. Aussei- der Digitalis sind als vorzügliche Cardiaca zu nennen das Coffeni (Pferden und Rindern 510,0; Hunden und zwar kleinen 0,1^0,5, grossen 0,5 2,0) und die Strophanthustinctur (Pferden und Rindern 1025,0; Hunden 10 25 Tropfen). Von excitirenden Mitteln sind besonders bei Ausbildung von Kreislaufstörungen anzuwenden der Wein, Campher, Alkohol, Aether, das Veratrin. Roborirend wirkt eine gute kräftige Nahrung. Stellt man in dieser Weise die Indicatiouen, so kann man wenigstens die drohende Insufficienz des Herzmuskels eine Zeit lang aufhalten, wenn auch eine vollständige Heilung der Herzhypertrophie und Dilatation nur in den wenigen
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508nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Herzruptur,
Fällen bekannt ist, in welchen die Ursache, wie bei idiopathischer Hypertrophie, andauernd beseitigt werden kann.
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Herzniptur, Zei'relssung des Herzens.
Literatur. Rodet, licc, 1826. Gaui.let, Ibid., 1831. - Povri.i,, The Vet., 1840. #9632; Hkckmkvioii, Mag., 1841. S. 285. -- Exbxbq, Mep,, 1848. S. 112. Livincstonk, Ibid., 1857. S. 250. Stockfleth, Ibid., S. 237. Hertwig, Mag., 1860. S. 227. Lebiano, La olin. vet., 1863. Alehs, Ueii., 1867. S. 214. Anackek, Tlirzt., 1871. 8. 111. Mayer, Hep., 1874. S, 27. Munich, II'. f. 7V/., 1878. S. 119. Duclos, Revue vM., 1881. Terdan, Oe. V., 1885. S. 13. Osokor, Oe. Z. f. Vet., 1888. 8. 46. ßosAiiio, Clin. vet., 1890. Hoffmann, Th. Chirurgie, 1891. S. 419. DlECKERBOFF, S/jec'. VutU., I, 1892. S. 824. CIuittard, l'fogr. vit., 1892. Fallbr, B. th. W., 1892. S.386; li. A,, 1893. S. 315. Behndt, B. A., 1893. S. 314. Veh-LINDE, A. de lirux., 1893. S, 136. PoURIE u. Oalve, liec, 1894. S. 7. Kuhn, Ä ,/. B., 1894. S. 174.
Aetiologie. Die Ursachen der Zerreissung des Herzmuskels sind, abgesehen von traumatischen Einflüssen, immer in einer krankhaften Beschaffenheit seiner Wandungen zu suchen, welche entweder direct oder nach Einwirkung gewisser anderweitiger Momente zur Continuitätstrennung des Herzens führen. Von krankhaften Veränderungen des Myocardiurns sind zu nennen: Erweichung, Entzündung des Herzmuskels, Abscessbilclung, Schwächung der Wand durch Herzschwielen und Aneury.smen, Verfettung, senile Degeneration der Muskelfasern, endocarditische und pericarditische Processe, atheromatöse Entartung der Aortenwand am Ursprung, Echinokokkenblasen und Würmer (Spiroptera) in der Herzwand. Die auslösenden Factoren sind bald Erschütterung des Körpers, z. B. beim Stürzen, bald zu starke Aufregung während der Begattung oder bei Hunden während der Operation des Ascites, bald acute Tympanitis, wie in manchen Fällen beim Rind u. s. w.
Anatomischer Befund. Ausser den genannten Veränderungen des Myocardiurns findet man einen verschieden langen Riss in der Wand des Herzens, der häufig die Wand einer Vorkammer oder eines Herzohrs betroffen hat, und dann etwa 3 5 cm lang ist. Zuweilen ist auch die Aorta und Lungenarterie an ihrer Ursprungsstelle zerrissen. Das Blut hat sich in verschiedener Menge im Herzbeutel angesammelt (Hämopericardium).
Symptome. Die Zerreissung des Herzens äussert sich entweder in plötzlichem, schlagartigem Zusammenstürzen und Verenden, wobei die Thiere zuweilen einen lauten Schrei ausstossen, oder in
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Herzklopfen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 509
Taumeln, Schwindelanfall, Zittern, Beschleunigung der Athmung, Umfallen, Convulsionen, sowie den Zeichen einer inneren Verblutung. Der Tod erfolgt im letzteren Falle nach einigen oder mehreren Stunden. Eine Behandlung kann wohl nie eingeleitet werden.
Herzklopfen inul sog. alxlominelle Piilsation beim Pferde.
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1892.nbsp; Nr. 5. Thomassen, A. de Brux., 1892. Haudner-Siedamorotzky, /,. 77/.,
1893.nbsp; Bach, Schw. A., 1894. S. 19.
Bradyoardie. Vogel, Rep., 1888. S. 1. Nordheim, Z. f. Vet., 1891. S. 275. FröHNER, M. f.p. Th., 1891. S. 548. DlEOKERHOFF, Spec. Path., 1892. Albbecht, W. f. Th., 1895. S. 225.
Begriff. Unter dem Namen Herzklopfen* findet man in der Literatur beim Pferd und Hund eine Reihe von Krankheitsbildern beschrieben, die durchaus nicht einheitlicher Natur sind, und welche auch ganz verschiedene Auffassung und Erklärung gefunden haben. Jedenfalls dürfen sie nicht alle zusammen mit der beim Menschen als Herzklopfen bezeichneten Neurose des Herzens identitlcirt werden, sondern fallen nur zum Theil unter diesen Begriff. Der gross ere Theil scheint mit einer primären Herzerkrankung gar nichts zu tbun zu haben, sondern mit einem nervösen Krampf des Zwerchfells identisch zu sein. Wenn wir sie trotzdem hier zusammen im Capitel der Herzkrankheiten besprechen, so geschieht dies mit Rücksicht darauf, dass sie hergebrachter Weise als Herzklopfen bezeichnet und in diesem Abschnitte behandelt werden, dass ihre Patbogenese noch eine zu mangelhafte ist, als dass sie einem
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510nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Herzklopfen.
bestimmten anderen Capitel zugewiesen werden könnten, und dass ihnen allen rhythmische krampfartige Pulsationen im Gebiet der Brust-und Bauchhöhle eigen sind. Nachfolgende Affectionen scheinen unter dem Namen ,,Herzklopfenquot; oder abdominelle Pulsationquot; in der zahlreich vorhandenen Literatur beschrieben zu sein.
I. Wirkliclies nervöses Herzklopfen, bedingt durch eine Neurose des Herzens ohne nachweisbare anatomische Veränderungen an demselben. Die im Verlaufe der Herzhypertrophie besonders bei Klappenfehlern häufig gegebene Verstärkung des Herzstosses gehört nicht zum eigentlichen Begriffe des Herzklopfens, desgleichen nicht der im Verlauf der Anämie und Leukämie in Folge Ernährungsstörungen oder Atrophie des Herzens auftretende pochende, klopfende Herzschlag. Die Ursachen des nervösen Herzklopfens sind zunächst in einer nervösen allgemeinen Disposition gewisser Thiere zu suchen ; ausserdem kommen von direct einwirkenden Momenten starke Aufregung der Thiere durch übermässige Anstrengung, anhaltendes Peitschen, nächtliches Hängenbleiben in der Halfter, zu starkes Herannehmen des Kopfes beim Reiten u. s. w. in Betracht.
Die Symptome des nervösen Herzklopfens sind: pochender, von einer Erschütterung der Rippenwand, ja selbst des ganzen Thorax begleiteter und zuweilen auf mehrere Schritte hörbarer Herzstoss, vermehrter kleiner, unregelmässiger Puls, beschleunigte Athmung, Unruheerscheinungen, Angst, Zittern, Schweissausbruch. Die Auscultation des Herzens ergibt sehr laute und häufig zu einem Geräusch verschmolzene Herztöne; der verstärkte Herzschlag ist auch beim Auflegen des Ohres auf dem Kücken längs dem Verlaufe der Aorta zu vernehmen. Während des Anfalls setzen die Thiere häuiig Koth ab und stellen sich zum Uriniren an, Auch Venenpuls und selbst sichtbare Pulsationen der (Jarotiden wurden beobachtet. In einzelnen Fällen endete das Leiden durch Herzlähmung oder Gehirnapoplexie tödtlich, in den meisten Fällen jedoch tritt nach kürzerer oder längerer Dauer des Anfalls Heilung ein, wobei sich indess die Paroxysraen häufig wiederholen können. Von wesentlicher Bedeutung für die Unterscheidung des Herzklopfens von verwandten Zuständen ist die zeitliche Uebereinstimmung der Erschütterungen des Thorax mit den einzelnen Herzschlägen, beide sind mit einander synchron.
II. Nervöse Zwerchfellkrämpfe rufen ein dem Herzklopfen sehr ähnliches Krankheitsbild hervor, welches von den Beobachtern auch häufig damit verwechselt oder als sog. ,abdominelle Pulsationquot; bezeichnet wurde. Die Oontractionen des Zwerchfells können durch
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Herzklopfen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 511
verschiedene Ursachen ausgelöst werden. Insbesondere scheinen katarrhalische und entzündliche Zustände des Magens und Darmes entweder reflectorisch, oder durch Fortpflanzung der Entzündung auf das Zwerchfell Krampf anfülle seitens des letzteren hervorrufen zu können. So beobachtete Bril im Anschlüsse an Erbrechen, Berghuis nach Ueberfütterung, Oreste bei gastrischen Zuständen, schlechte)' Beschaffenheit des Futters, Kolik u. s. w., Grosswendt bei Darmentzündung, Leblanc, Würz u. A. unmittelbar nach dem Trinken kalten Wassers, Boiteau nach der Aufnahme schimmligen Heus, also gewissermassen als Ausdruck einer Vergiftung, Cartwright nach Verabreichung einer Aloepille ausgesprochene Erscheinungen von Zwerchfellpalpitationen. Vielleicht ist es auch denkbar, dass das nervöse Herzklopfen dadurch gleichzeitig Veranlassung zu krankhaften Contractionen des Zwerchfells gibt, dass der über die Basis des Herzens hinwegziehende Zwerchfellncrv durch die lebhaften Bewegungen des Herzens irritirt wird (Haubner-Siedamgrotzky).
Die Erscheinungen des Zwerchfeilkrampfos, der von Cagny nicht unpassend auch als Chorea des Diaphragmaquot; bezeichnet wird, sind höchst eigenthümlich und auffallend. Man bemerkt nämlich vorwiegend in der linken Unterrippen- und Flankengegend heftige, den ganzen Körper des Thieres erschütternde Stösse. Dieselben sind zuweilen begleitet von einer ruckweise erfolgenden kurzen Exspiration (Boiteau, Hering), sowie einem dumpfen, auf einige Schritte hörbaren Tone (Sim on in U.A.). Diese, elektrischen Schlägen vergleichbaren Stösse sind besonders deutlich im Verlaufe des Zwerchfellansatzes fühlbar (Grosswendt), und scheinen sogar zuweilen auf umschriebene Stellen des letzteren beschränkt zu sein (Cartwright). In seltenen Fällen sind sie von einem ausgesprochenen Schluchzen (Singultus) begleitet (Wörz u. A.). Dabei sind sie meist mit dem Herzschlage nicht synchron, sondern betragen in der Minute etwa nur 1015, selten mehr Stösse; auch ist in der Mehrzahl der Fälle der Herzschlag gar nicht pochend, sondern normal, oder selbst abnorm schwach zu fühlen. Die beschriebenen ab-dominellen Pulsationen können sich also hier nicht auf das Herz als primum movens beziehen. Nur in einer Minderzahl von Fällen waren die abdominellen Pulsationen synchron mit dem Herzschlage, aber immer doch noch stärker als derselbe, indem die Erschütterungen nach vorne, der Herzgegend zu, abnahmen; hier lässt sich vielleicht eine Irritation des N. phrenicus durch die Bewegungen des Herzens annehmen. Aussei1 diesen Symptomen beobachtete man kleinen, fre-
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(jueuten Puls, vermehrte, stossweise Athmung, Zittern, Unrulie-ersoheinungen, Gähnen, häufiges Strecken eines Hinterfusses, Schmerz-äuHserungen u. s. w. Die Datier der Krampfunfälle beträgt bald nur einige Minuten, bald l/s 1 Tag, bald 24 Tage, selten mehr (Leblanc l)eobachtete eine Dauer von 8 Wochen). Die Prognose scheint nicht so günstig zu sein, wie die des Herzklopfens; Cartwright sah von 18 Fällen 6 tödtlich enden. Die Häufigheit der linksseitigen Pulsationen (nach Cartwright unter IG Fällen 12mal links) ist
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vielleicht auf die Lage des Magens oder auf Veränderun
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Magen als Krankheitsursache zurückzuführen.
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Behandlung des Herzklopfens und des Zwerchfellkrampfes.
Dieselbe besteht in der Anwendung krampfstillonder Mittel, so des Morphiums (suboutane Injectionen von 0,5 beim Pferde), Bromkai i u m s und Ch 1 or a 1 h y d rats (25,050,0). Beim nervösen Herzklopfen sind ferner kaltelrrigationen der Herzgegend, reizende Einreibungen auf die Haut neben einer Ableitung auf den Darmcanal mittelst purgirender und selbst drastischer Mittel zu empfehlen; ob letzteres auch bezüglich eines Aderlasses, der in früheren Zeiten so ziemlich regelmässig gemacht wurde, gesagt werden kann, müssen wir zum mindesten dahingestellt sein lassen.
Anmerkung. Wenn wir in der vorliegenden Darstellung das Wesen der sog. abdominellen Pn 1 sation ansschliesslioh in einem Zvverch-fellkrampfe suclien zu müssen glauben, so wollen wir zunächst hervorheben, dass wir uns mit dieser Annahme in Uebereiiistimmung mit einem grosser) Theile der Beobachter finden. Schon die ersten Beobachter, wie Apperley und Castley, Boeson, Boiteau, Goubaux, Hering und in neuester Zeit wieder Cagny haben diese Ansicht vertreten; eine Verwirrung trat erst ein, als man die Fälle von wahrem nervösem Herzklopfen mit den Zwerehfellkrämpfen zusammenwarf. Die Annahme eines Zwerchfellkrampfes erklärt ganz ungezwungen und natürlich die zuweilen ausserordentlich starken Pulsationen, während eine einfache Kreislaufstörung des Blutes in der hinteren Aorta (Berghuis, Simonin, Anacker u. A.) diese Erscheinung unmöglich hervorbringen kann, noch weniger ein Aortenaneu-rysma. Auch eine einfache Contraction der Bauchmuskulatur (De-lafond, Oadiot) kann als Ursache nicht in Betracht kommen, da dieselbe nur Drängen als Effect hervorbringt. Die Pulsationen vollends von der Leber- und Milzarterie abzuleiten (Milanese), ist eine geradezu naive Auffassung. Dass endlich das bei der Thrombose der Cruralarterien und der hinteren Aorta beobachtete Herzklopfen mit dem vorliegenden Kranklaquo; heitsbilde gar nichts zu thun hat, obwohl es vielfach damit verwechselt worden ist, braucht wohl nicht ausführlicher begründet zu werden. Wir müssen nach alledem die sog. abdominellen Pulsationen des Pferdes als eine dem Singultus des Menschen nahe verwandte Zwerchfellneurose auffassen, die meist für sich allein, zuweilen indess auch gleichzeitig mit nervösem Herzklopfen vorkommt.
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Aneurysmen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 513
Bradycardie. Man versteht darunter im Gegensatz zum Herzklopfen eine auffallende Verlangsamung der H erzthätigkeit bezw. des Pulses. So sinkt z. B. bei Pferden die Pulsfrequenz auf 1420, bei Hunden auf 20 Schlage pro Minute. Die Ursachen dieser Erscheinung sind sehr verschieden (Klappenfehler, Hemlilatation , Aortenerweiterung, Neubildungen in der Nähe des Vaguscentrums, starke Blutverluste u. s. w.).
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Aneurysmen.
Literatur. Schutt, Mag,, I. Bd. S. 40. Seek, Ihkl., 1847. S, 413. Oollin, .7. de Li)On, 1858. Vooel, llep., 1863. S. HG. Raymond, Jiec, 1867. Hering, Jiep., 1807. S. 130.Lustig, D.X.f. Th., 1876. S. 388; 1878. S.17. Gai.ukr, .1. rf'J//-., 1879. NOOARD, Butt. soc. centr., 1880; Jiec, 1891. Nr. 10. Mkgnin, Ibid., 1882. KokhXuser, Oe. V. S., 1882. S. 42. Hanzo, J'r.M., 1882. S. 58. Lamat u. Ca-deac, liei'iie rct., 1884. S. 105. Bahrieh, Unll. Jielg., 1885. S, 530. Bluse, Uec, 1886. Wolff, JS. A., 1886. S. 284. Wönz, Rep,, 1888. S. 35. Gotteswinter, IT. f. Th., 1888. S. 52. Steel, The vet. [ourn., Bd, 27. Godfrih, A. de Brux., 1888. Schmidt, B. A., 1889. S. 295. Bleich, X. f. Vet., 1889. S. 85. Ibidem, 8.112. Steinmeier, Ibid., 1890. S. 59. Rasberoeb, if. f. Th., 1891. S. 218. P, Mil. 1'. B,, 1892. Rabbaolietti, Öj'orn. divet, mil.,1892. W alley, J. ofeomp.,
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Köokenberoer, II'. f. Th., 1892. S. 203. Möller, Chirurgie, 1893. S. 296. Glokke, B. A., 1893. S. 100. Oadiot, Uec., 1893. Nr. 2. Pilz, X. f. Vet., 1893. S. 15. Müller, Ibid., S. 373. Barrier, Bull. soc. centr., 1894. S. 327.
Aetiologie. Die Ursachen der Aortenaneurysmen, d. h. umschriebener Erweiterungen der Aorta, sind meist in krankhafter Veränderung der Aorten wan du ng durch chronische Endarteriitis und Mesarteriitis, mit fettiger und kalkiger Entartung zu suchen. Eine derartige Gefiisserkrankung findet sich beim Pferde am häufigsten in den Gekrösarterien, in Folge der Anwesenheit von Strongylus armatus, als sog. Wurmaneurysma (vergl. das Capitel über em-bolisclie Kolik). Auch Spiroptera sanguinolenta kann hiezu Veranlassung geben. Weiter können traumatisch-mechanische Einwirkungen, wie heftige Muskelanstrengimg, Stoss oder Fall insbesondere bei bereits gegebener Arterienerkrankung, eine Erweiterung herbeiführen. Zuweilen scheint auch eine Diathese zu ausgebreiteter Aneurysmenbildung vorhanden zu sein (Raymond).
Anatomischer Befund. Die Aortenaneurysmen sind bald sackförmig, bald spindelförmig, bald cylindrisch; bei den wahren wird der Sack durch die Gefässwandung, bei den falschen durch benachbarte Organe, wie Darm, Leber u. s. w., begrenzt. Die Grosse kann eine ganz bedeutende (über Menschenkopfgrösse) werden; dabei verwachsen sie zuweilen mit den benachbarten Organen, so z. B. mit dem Magen, dem Grimm- und llüftdarm, mit der Leber. Am häu-
Fricclberger u. Fröliiu'.r, l'atliol. u. Therapie d. Hausthiore. 1. Bd. I.Aull. 33
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figsten kommen Aneurysmen an der vorderen Gekrösarterie, dann aber auch an der Theilung der Aorta, an der Bauchschlagader, an der Brustaorta, an der Aortenwurzel, an den Kranzarterien, an der Schenkelarterie, an der Arteria maxillaris interna u. s. \v. vor. Meist betheiligen sich alle drei Häute der Aorta an der Erweiterung; dabei sind sie atheromatös und fettig degenerirt, abwechselnd verdickt und atrophisch und zeigen plättchenartige Kalkeinlagerungen. Der Inhalt besteht aus Fibringerinnseln, welche häufig geschichtet, organisirt oder schon eiterig zerfallen sind und nach Roll durch Schrumpfung und Vernarbung auch bei den Hausthieren spontane Heilung herbeiführen sollen. Indem sodann die erweiterte Aorta auf die zunächst gelegenen Organe drückt, comprimirt sie Lunge, Magen, Gedärme, Leber, Nieren und usurirt selbst die Wirbelsäule. Endlich kann sie auch zerreissen und ihren Inhalt in die Brust- und Bauchhöhle, ja selbst in den Magefi (Vogel, Bleich) und Mastdarm (Labat und Cadeac) ergiessen.
Symptome. In den meisten Fällen rufen Aortenaneurysmeu keinerlei sichtbare Krankheifcserscheinungen hervor, oder sie enden plötzlich tödtlich durch innere Verblutung, ohne dass bemerkenswerthe Symptome vorausgegangen wären. Die Folgen der Aneurysmen der vorderen Gekrösarterie sind bereits bei der embolischen Kolik besprochen worden, Der Tod durch innere Verblutung erfolgt besonders nach stärkerer Anstrengung plötzlich, indem die Thiere schwanken, grosse Athemnoth zeigen, zusammenstürzen und rasch verenden. In anderen Fällen bat man eigenthümliche anfallsweise Erscheinungen ohne direct nachfolgenden tödtlichon Ausgang beobachtet. So fand Lustig bei einem Pferde nach stärkerer Anstrengung Schwanken im Hintertheil, plötzliches Zusammenstürzen, hochgradige Dyspnoe, sowie epileptiforme Krämpfe, wobei Kopf und Hals nach hinten gebeugt und die Füsse gestreckt wurden; nach 515 Minuten hatte sich das Thier wieder erholt. In einem anderen Fall constatirte Lustig bei einem Pferde mit Aneurysma der Lungenarterie Schwind elanfälle. Barrier beobachtete bei einem Hunde mit einem Aneurysma der hinteren Aorta starke Abmagerung trotz grossen Appetites, zunehmende Mattigkeit, hochgradige Athembeschwerde bei geringster Bewegung und schliesslich Lähmung des Hintertheils (Erscheinungen der Herzschwäche). Schmidt fand bei einem Pferde mit einem manns-kopfgrossen Aneurysma der Brustaorta einen mit der Herzaction synchronen, summenden Ton über der Wirbelsäule, Unvermögen
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Ruptur der Aorta.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;515
Futter vom Boden aufzunehmen, sowie gespannten und steifen Gang in der Hinterhand.
Therapie. Die Behandlung besteht beim Menschen in Anwendung der Galvanopunctur, welche selbst auf die Brustaorta ausgedehnt wird, in Ergotininjectionen, sowie in der innerlichen Verabreichung von Bleizucker oder Jodkalium. Die letzteren Mittel können auch bei Thieren versucht werden.
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Ruptur grösserer Gcfässe der Brust- und Bauchhöhle.
Literatur. Trousseau u. Leblano, Arch. gen. de mM., 1828. Oartwright, 'J'he Vet, 1845. Merceh, Und., 1846. Pohtai,, ,/. de Lyon, 1847.Rky, Ibid., 1848.
nbsp;Hering, liep., 1848. S. 8 f. Straub, Ibid., 1850. S. 100. GtoüBAUX, Soe. de Hiol., 1853. Hertwig, Mag., 1860. S. 226. Page, The Vet., 1864. Scrum, Ibid., 1865. Decuoix, Jotirn. milit., 1865/66. Parent u. St. Cyr, ./. de Lijoh 1866. RoüSSEL, Journ. milit., 1867/68. Oreste, J'uiol. veterin., 1874. Hart .mann, Oe. V. S., 1874. S. 53. Lagcerrikue, Journ. milit., 1876/77. Largher u Railliet, Bull. sue. centr., 1877. Lustig, IV. f. 27raquo;., 1877. S. 241. Prietsoh S. J. II., 1882. S. 85. CsoKOR, Oe. V. S., Bd. 64. S. 28; 1888. 8. 47. Durieux A. de Bruno., 1885. S. 250. - Eüiirmann, ß. A., 1886. S. 288. Mkixin, Bull, soe centr., 1886. Meredith, The ret. journ., Bd. 28. Hürner, S. ./. Jl., 1888. S. 03
nbsp;Ehlers, B.ih. IV., 1889. S.4. MÖBIUS, S.J.B., 1890. S. 72. Block, B.th. ^V. 1891. S. 258. Vexxerholm, Schwed. Zeüsehr., 1891. S. 172. Pei.iscii, B. th. W. 1891. S. 379. Sequens, VeteHmrim, 1892. Nr. 8. Vaerst, -)/. f. p. Th., 1892! S. 185. P. Mil. V. B., 1892. Gassner, Ji. th. M., 1892. S. 72. Dieckerhofp, Spec. Path., 1892. S. 841. Noaok. Sf. ./. B., 1893. S. 118. Beuger, D. th. W. 1893. S. 169. Ripke, B. A., 1894. S. 349. - Ebinoer. Ibid. B. Mil, V. B., 1894.
nbsp;Cadeac, J. de Lyon, 1896. Ulm, D. th. W., 1895. 8.190. Vergl. auch die Literatur der Aneurysmen.
Aetiologie. Zerreissungen grösserer Gefässe in der Brust- und Bauchhöhle setzen meist eine Veränderung der Gefiisswand durch chronische endarteriitische Processe (arteriosklerotische resp. atheromatöse Veränderungen) oder Aneurysmen voraus. Die in-directen Ursachen der Zerreissung sind theils körperliche Anstrengungen, wie z. B. starkes Ziehen, theils irgend ein Fall, der Brechact, die Wirkung des zu therapeutischen Zwecken verwendeten Veratrins u. s. w. Auch uiceröse Processe können von der Nachbarschaft aus die Arterienwand zerstören. Ausserdem werden in seltenen Fällen Gefässrupturen durch die Anwesenheit von Würmern innerhalb der Gefässe hervorgerufen, so beim Pferde durch Strongylus armatus, beim Hunde durch Spiroptera sanguinolenta. Endlich sind Thiere mit Herzhypertrophie zu Gefässzerreissungen prädisponirt.
Anatomisches. Rupturen grösserer Gefässe kommen vor an der Aorta und ihren Aesten, an der Pfortader, an der hinteren Hohlvene,
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Thrombose dor Sohenkelarterieiii
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an der vorderen Hohlvene, an der Lungenarterie. Die meisten Aortarupturen betreffen den Ursprung der Aorta in der Nähe der halbmondförmigen Klappen; das Blut ergiesst sich hiebei in den Herzbeutel, welcher bei der Section prall mit Blut gefüllt gefunden wird. Reisst nur die Intima und Media ein, so ergiesst sich das Blut zwischen Media und Adventitia und bildet das sog. Aneurysma dissecans.
Symptome. Die Erscheinungen der Zerreissung eines grösseren Gefässes sind die der inneren Verblutung und bestehen in plötzlich auftretender Blässe der sichtbaren Schleimhäute, fadenförmigem oder unfühlbarem Pulse, Schwäche, Taumeln, Zusammenstürzen, sowie Kälte der extremitalen Theile. Straub sah in einem Falle epileptiforme Anfälle der Zerreissung der vorderen Hohlvene vorangehen; Hartmann fand beim Durchbruche eines Aneurysmas der Lungenarterie in einen grösseren Bronchus heftige Hä mop toe. Von einer Behandlung derartiger innerer Gefässrupturen kann keine Rede sein.
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Thrombose der Schenkel-, Becken- und Achsehirtorien.
Literatur. Thrombose der Cruralis. Eadkmaui, Ato(/., 1838.8.485. Reynal, Rec, 1853 U. 1858. (tüihaux, Ibid., 18()5. FoRDIB, The Vet., 18G7. OiiESTK, Gaz. medic vet., 1872. Friedberqer, PUte'soha '/-., 1875. S. 258. Tras-bot, A. d'Alf,, 1880. Webeb, Bull. soc. cent/:, 1881. Joiixe, S. J. li., 1882. S. 47. Oolun, ./. de Lyon, 1882. Revi, A. deBrux., 1882. 8.3G3. Humbert, Bull soc. centr., 1883. Bayer, Oe, V.S., 1888. S.51; Oe.M., 1883. 8.9; Veterinär-Chirurgie, 1887. S, 162. Michotte, Etat, sanit. Brab., 1883. S. 48. Wblb, The Vet., 1884. Q-hatia, A. deBrux., 1884. S. 57. Delamotte, Bull. soc. centr., 1885.
nbsp; Piiil, laquo;. J., 1885. S. 862, 468. Oadäac u, Malet, Revue vä., 1885. S. 580. Mit einem reichhaltigen Literaturverzeichniss. Schäfer, ii. Ä., 1887. S. 303. Koi.n, W.f. TU., 1887. S. 85. Sheateh, The vet. journ,, Bd. 25. Gray, The Vet., J5d. 61. J'reuss. MiUtär-Veterinärher., 1889. Hoffmann, Th. Chir., 1891. S. 811. Schümm, B.th. IC, 1892. 8.256. Dieckerhoff, Spec. Path., 1892. S. 839. Kämmerer, Gassher, H. th. M., 1892. S. 61 u. 72. Anacker, Thrzt., 1893. S. 250. MÖLLER. Chirurgie, 1893. Mit Literatur. LDpke u. Hoffmann, Rep., 1893. 8. 225. Venserholm, Tidskr. f. Vet., 1893. Schnupf, Dorn, 1)'. f. Th., 1894. 8. 203 u, 302. - Beier, S. J. B., 1894. S. 123.
Thrombose der Brachialis. Boii.ky, licc, 1851. Hertwig, Mac/., 1859. 8. 224. - Abi.eitner, IF. f. Th., 1800. S. 176. George, Rec., 1802. Goubaux, Ibid., 1864. - Steffen, Mag., 1872. S. 150. Schraml, Oe. Z. f. Vet., 1887. 8.167.
-nbsp; Z. f. Vet., 1889. 8. 110. Martin, W. f. Th., 1890. 8. 278. Hoffmann, Th. Chirurgie, 1891. S. 740. /'. Mil. V. B., 1891. 1893. Güntherbero, Weinbeer, Z. f. Vel., 1892. 8. 222 f. Novotny, Th. C, 1895. S. 120.
Thrombenbildung im Herzen. PreüSSE, 2?MM(?scÄaM, 1887. S.264. DlECKERlaquo; hoff. Spec. Path., 1892. 8. 822.
Aetiologie. Die Thrombose der Schenkel- und Achselarterie gehört eigentlich zum Theil ins Gebiet der Chirurgie, weil ihr Hauptsymptom im Lahmgehen besteht. Da jedoch ihre Ursachen ausschliess-
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Thrombose der Solienkelartcrien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 517
lieh innerliche sind, und es sich nur um grössere Gefässe handelt, kann sie ebenfalls als innere Krankheit besprochen werden. Die Ursachen sind nämlich einestheils in einer Erkrankung der inneren Arterienhaut (Endarteriitis), mit Auflagerung von Fibringerinnseln auf der rauhen Oberfläche und Verengerung des Lumens; anderntheils in embo 1 i s c h e r Verstopfung dieser Aortenäste durch fortgeschwemmte, aus dem Herzen oder einem Aneurysma stammende Thromben zu suchen.
Anatomie. Am häufigsten findet man die Aorta an ihrer Theilung in die beiden Darmbein- bezw. Schenkelarterien und in die beiden Beckenarterien, seltener die Achsel- bezw. Armarterie, in sehr seltenen Fällen auch die Lendenarterien throm-bosirt. Das Ende der Aorta und der Anfang der abgehenden Arterienäste ist meist erweitert, die Wandungen sind verdickt und atheromatös entartet, die Intima ist getrübt, verfettet, vorkalkt, mit Geschwüren besetzt. Im Inneren sitzt ein meist geschichteter und organisirter, derber Thrombus von heller Farbe, welcher das Lumen mehr oder weniger verengt und oft nur einen ganz dünnen Canal übrig lässt. Häufig setzt sich sodann der Thrombus nach vorn gegen die Aorta und nach hinten in die abgehenden Arterienäste hinein fort, oder reitet wohl auch .auf der Aortengabelung. Zuweilen ist die Darmbeinarterie oder Beckenarterie der einen Seite vollkommen durch den Thrombus ausgefüllt. Neben der Thrombose entwickelt sich seeundär nicht selten eine compensatorische Herzhypertrophie. Auch kommen bei Erweichung des Thrombus Embolien in peripher gelegenen Arterien der Extremitäten vor.
Symptome. Während der Ruhe verursachen die besebriebenen Thromben gewöhnlich keinerlei Krankheitserscheinungen. Erst nach kürzerer oder längerer Bewegung vor dem Wagen, unter dem Reiter oder in der Longe kommt ein ganz eigenthümliches, charakteristisches Krankheitsbild zum Vorschein.
1. Bei der Thrombose der Schenkelarterien, an welcher meist Pferde, seltener Rinder erkranken, findet man zunächst eine allmählich zunehmende Schwäche in einem oder beiden Hinterbeinen. Die Thiere zeigen sodann eine charakteristische, anfallsweise auftretende Lähmung. Sie geben meist auf einer Seite nach, zeigen einen schwankenden Gang, schlagen den befallenen llinterfuss an dem der anderen Seite an, setzen ihn nur noch mit der Zehe auf oder
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Thrombose der Scheiikclnrterien.
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schleppen ihn ganz nach, zittern, knicken zusammen und liegen dann meist einige Minuten erst mit den Beinen zappelnd, dann erschöpft am Boden. Gleichzeitig ist die Athmungsfrequenz ausser-ordentlich gesteigert, der Herzschlag prellend und beschleunigt, die sichtbaren Schleimhäute stark injicirt, über den ganzen Körper ist Scbweiss ausgebrochen. Die Temperatur der gelähmten Extremität ist meist eine sehr niedere, und es fehlt häufig, wenn auch nicht immer, das Pulsiren der Schien- und Fesselbeinarterien. Nach Ablauf einiger Minuten erheben sich sodann die Thiere wieder, und es stellt sich unter allmählicher Abnahme der Lähmungserscheinungen der frühere Zustand bald wieder her. Von Wichtigkeit für die Diagnose ist, dass der Anfall experimentell durch forcirte Bewegung der Thiere hervorgerufen werden kann. Bei der Untersuchung der throm-bosirten Stelle vom Mastdarm aus findet man die Aorta und ihre abgehenden Aeste erweitert, verdickt, unnachgiebig, von einem harten länglichen Körper ausgefüllt und meist ohne Pulsation auf der erkrankten Seite. In seltenen Fällen kommt es im Anschlüsse an die Thrombose zu peripherer Venenembolie mit Gangrän der Gliod-massen.
2. Die seltenere Thrombose der Achselarterie äussert sich in einfachem Lahmgehen auf der betroffenen Seite. Die Thiere beginnen während der Bewegung zu straucheln, machen Fehltritte, stolpern, stossen fortwährend mit der Zehe an, können die Gliedmasse nicht lieben, sondern schleifen sie förmlich nach, zittern auf der betreffenden Seite und stürzen wohl auch zusammen. Athmungs-störungen, Herzaufregung und Congestionszustände haben wir indess dabei nicht beobachten können. Nach kurzer Zeit ist die Functions-fähigkeit vorläufig wieder hergestellt.
;!. Die Thrombose der Beckenarterien hat eine Lähmung des Mastdarmes, der Harnblase, des Schweifes und Kreuzes zur Fols'e.
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Therapie. Die Behandlung der beschriebenen Thrombosen ist im Allgemeinen von wenig Erfolg begleitet; jedenfalls ist eine innerliche Therapie (Jodkalium, Alkalien) ziemlich nutzlos. Wichtiger scheint die von Collin und Bayer empfohlene Massage des Thrombus vom Mastdarm aus, in Form eines vorsichtigen Streichens und Knetens der Pfropfe zu sein, wodurch eine Erweichung und Resorption angestrebt, indess andererseits auch die Gefahr einer embolischen Verschleppung von Theilen des Thrombus hervorgerufen wird. Endlich
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Würmer im Blute.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;519
kann man durch methodisch fortgesetzte Bewegung der Thiere den Herzmuskel stärken und den Blutdruck erhöhen, wodurch sich ebenfalls eine Besserung des Zustandes erzielen lässt. Eine mehrwöchent-liclie absolute Ruhe (Weidegang oder Stehenlassen) hat in manchen Fällen nachgewiesenermassen eine sehr günstige Wirkung gehabt (Resorption oder Organisation dos Thrombus). In anderen Fällen dagegen haben wir die Beobachtung gemacht, dass die Thromben nach langem Stehen sich sehr vergrösserten; es lässt sich daher über den Einfluss einer solchen andauernden Ruhe eigentlich wenig Bestimmtos für die Praxis angeben.
Thrombenbildung im Herzen kommt bei Erkrankung des Endo-cardiums, namentlich bei Endocarditis valvularis ulcerosa zu Stande, wobei eine gleichzeitig vorhandene Herzschwäche mit Stagniren der Blutsäule von prädisponirender Wirkung ist. Die anfangs kleinen Thromben geben zu allgemeinen Störungen erst dann Veranlassung, wenn sie zur Verengerung eines Ostiums führen. Es entwickeln sich dann die S y m p t o m e einer Stenose des betreffenden Ostiums mit schliesslicbor Herzdilatation; auch Embolien in die Lunge und nach der Körperperipherio kommen vor. Diese Herzthromben , welche dem Endocardium gewöhnlich fest aufsitzen, dürfen natürlich nicht mit den agonalen Blutgerinnseln im Herzen verwechselt werden.
Wttrmer im Blute. Hiimatozoön.
Literatur. Rudolphi, Histor, nrdur., 1819. Delafond u. Gruby, liec, 1843. 1844. \Hh\; Soc. de iiiol., 1850. Gurlt, l'ath. Anat., S. 353. Smwv.s, J. du Midi, 1854. Jjewy, Proc, Ae, nat, aeiem, of FMlaMphia, 1850 u. 1880. Mather, The Vet., 1857. Baillet, J. du Midi, 1862; Clin. vet,, 1888. Leisemno, Virch. A., 33. Bd. 1805. S. 111 u. S. ./. /gt;'., 1864. S. 49. Hehino, Rep., 1870. S. 374. Krabbe, iJ/d., 1871. S. 153. De Silvestri, limed, vet., 1S71. Oreste, Öoraquo;. #9632;medic, vet., 1874. #9632; Lewis, 'J'lie patliol. siffnifio, of Nematode lIuemato~oa, 1874. Ctaltiku, ./. de Ijijon, 1876. (xALEB u. PoüRQüier, Cowpt. rend, de Vacad. des sciences, 1877. Mkoxin, Joum, de VAnat., Nr. II. EARL, Am. journ. of comji. med., 1. Bd. - Rivolta, Giorn. di Pisa, 1877. Lange, lgt;. '/,. f. TK, 1882. S. 71.
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nbsp; Daqes, liec. 1892. Deotseb, Xool. Anz., 1892. S. 388. Railliet u, Cadiot, Soc. de liiol., 1892. WHEELER, The Vet. Mm/., 1894. Laveüan u. Blanchard, Les Uematozoires de l'homme et des animaux, Paris 1895.
Vorkommen. Es scheinen im Blute mehrerer Thiere, besonders beim Hunde, verschiedene Arten von Würmern vorzukommen, und zwar 1. Filaria immitis, 2. Haematozoon subulatum (Leisering), oder Strongylus subulatus (Cobbold), oder Strongylus vasorum (Baillet), 3. Strongylus inflexus (von Hering beim Seehund und Delphin gefunden).
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Würmer im Blute.
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Die wichtigste Art ist jedenfalls Filaria immitis, ein angeblich von Leydy 1858 in Philadelphia entdeckter Rundwurm, identisch mit der Filaria papillosa haematica von Delufond und Gruby. Die ausgewachsenen Filarien erreichen eine Länge von 1535 cm und eine Dicke von 1 mm. Sie linden sich zusammengekniiuelt bis zu 5075 Stück in den Herzkammern, in der Lungenarterie etc. Die Embryonen von Filaria immitis bewohnen zu Hunderttausenden das Blut des Hundes und sind durchschnittlich '/i mm lang und 5 Mikro-millimeter dick, Lewis fand bei indischen Hunden die Filarien auch in Knötchen in der Aortenwand eingebettet. Nach Jansen werden die Filarien gefährlich durch ihre Wanderungen im Körper (Thrombo-sirung der hinteren und vorderen Hohlvene, Lebervenen, Nierenvenen, Lendenvenen, Achselvenen, Drosselvenen), sowie durch Verschluss der Klappen zwischen Herzkammer und Vorhof bezw. durch Umwicklung um die Chordae tendineae.
Symptome. Meist rufen die Filarien, auch wenn sie in noch so grosser Anzahl im Blute vorhanden sind, längere Zeit hindurch keinerlei krankhafte Erscheinungen hervor. In anderen Fällen jedoch führen sie durch Thrombenbildung im Herzen, Verstopfung von Oeffnungen und sogar Ruptur des Herzens apoplektischen Tod herbei; auch scheinen Embolien der Embryonen in Gehirncapillaren Gehirnapoplexie zu veranlassen. Weiterhin hat man Nephritis, Husten, Erbrechen, Schmerzensäusserungen, epileptiforme Convulsionen, Dyspnoe, Abmagerung, grosseSchwäche, schmerzhafte Lahmheit eines Hinterbeines (Rheumatismus ähnliche Erscheinungen), Lähmungserscheinungen der Nachhand, Blutungen in die Lunge und den Darm (Gastroenteritis haemorrhagica), endlich selbst wuthähnliche Symptome beobachtet.
Der Verlauf der Filariakrankheit ist ein chronischer. Man kann unterscheiden zwischen einem latenten, Monate und Jahre andauernden Stadium, während dessen die Thiere keine sichtbaren Krankheits-erscheimmgen zeigen, und einem offenbaren (acuten oder peracuten) Stadium mit den oben beschriebenen Symptomen.
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Diagnose. Die Erkennung der Filariakrankheit während des Lebens ist wegen der Allgemeinheit und Vielseitigkeit der Krankheits-erscheinungen und des Fehlens derselben im ersten Stadium schwer. Die Diagnose wird indessen bei Beachtung zweier Momente wesentlich erleichtert. Zunächst kommt die Krankheit in Deutschland in der
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Würmer im Blute.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;521
Regel nur bei solchen Hunden vor, welche früher im Auslande (China, Japan) gelebt haben. Sodann findet man bei sorgfältiger mikroskopischer Untersuchung des Blutes die charakteristischen, Vi mm langen und ^aoo mm dicken Embryonen der Filarien. Die letztere Untersuchung sollte daher bei allen importirten Hunden, welche Zeichen von Abmagerung, Lähmung etc. darbieten, nicht unterlassen werden. In einem von uns beobachteten Falle war ausnahmsweise ein inländischer (in Berlin aufgezogener Hund) befallen; es liessen sich ferner eigen-thümlicher Weise bei der Section keine Geschlechtsthiere, sondern nur Embryonen nachweisen.
Therapie. Eine Behandlung ist so lange fruchtlos, bis die Ein-wanderungsweise der Filarien festgestellt ist; auch dann kann sie lediglich prophylaktischer Natur sein. Die angebliche erbliche Uebertragung der Filarien bei Paarung von erkrankten Hunden auf die Nachkommen ist sehr zweifelhaft. Zur Bekämpfung der Parasiten im Blute soll in Japan der Arsenik mit Erfolg gegeben werden.
Entwicklungsgeschichte. Nach Man son nimmt dor Mosquito in den Tropen der neuen Welt filarienhaltiges Monschenblnt mit seinem Stiche auf und wird so zum Zwiscbenwirth der Filaria sangninis bominis. Ist die Filaria vom Magen des Mosquito aus durch die Leibeshühle hindurch in den Thorax eingedrungen, so stellt sie hier ihre Bewegungen ein und wächst, indem sie nach Mausen sechs Entwicklungsstadien durchmacht. Nachdem der weibliche Mosquito seine Eier abgelegt und im Wasser seinen Tod gefunden hat, brechen die Filarien durch das Hautskelet aus der Mosquitoleiche hervor und tummeln sich frei im Wasser umher, so dass die Uebertragung der Filai'ia sanguinis hominis auf den Menschen auf doppelte Weise: durch den Stich von Mosquitos, welche bereits filariahaltiges Menschenblut aufgesaugt haben, und durch den Genuss filarienhaltigen Trinkwassers erfolgen kann. Nach Sonsino kommt die Filaria des Menschon-blutes auch in Aeg3rpten vor und wird daselbst von der Stechmücke, Culex pipiens, aufgenommen und zur weiteren Entwicklung gebracht. In ähnlicher Weise hat man sich wohl auch die Infection der Hunde vorzustellen. In Japan, wo jährlich 50 Proc. aller Hunde, und insbesondere die importirten, der Filaria immitis zum Opfer fallen (Jansen fand unter 193 Soctionen SGnial Filarien bei japanischen Hunden), herrscht die Ansicht, dass die mit dem Harn ausgeschiedenen Embryonen auf die Reisfelder gelangen, sich daselbst in Pfützen ansammeln und von hier wieder durch die Hunde aufgenommen werden.
Eustrotigylus gjgas wurde in einem Falle in der Herzhöhle eines Schweines aufgefunden (Fabretti).
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Hautkrankheiten.
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Literatur im Allgemeinen. Haubner, Mag., 1836. S. 1 ff.; Ibid,, 1840. S. 401; Hauiixeh-Sieda.mcuotzkv, /,. 77/., 18i);.!. S. 274. Boulkv, Rec, 1843. Gehlach, Mag,, 1857. 1859; Krätee und Saude entotnologteoh undhUnisch bearbeitet, 1857. FÜRSTENBERO, Die Krätzmilbe, it. Menschen u. Tliicre, 18G1. Züiin, Die Schmarotzer, 1874. 1882. 1887.'1889. Megnix, Rce., 1875; Les Parasiteraquo; et lex mulmlies parasi-taires, Paris 1880. Lesser, Haulkrkhtn. d. Menschen, 1888. Cadeac, Met. rdt., 1888. Bd. 16. Müller, Thiermed. Vorträge, 1890. Heft 2. Osbühne, Besehr. cl. auf Menschen n. Hausthieren schmarotzenden Epimoen, Washington 1890. Railliet, Pic Schmarotzer unserer Haustlliere, 1890; Bec, 1892. Blanghahd, Ibid. Cuhttck, J. of com/)., 1891. S. 223.
Einleitende Bemerkungen zu den Hautkrankheiten. Hautkrankheiten kommen bei allen unseren Hausthieren, insbesondere beim Hund, Pferd und Schaf, aber auch beim Rind, Schwein, den Ziegen und Katzen, sowie dem Geflügel sehr häufig und in den mannigfaltigsten Formen vor. Gerade diese Vielgestaltigkeit der Hautkrankheiten hat von Alters her zur Aufstellung einer ausserordentlich grossen Anzahl von Einzelformen mit besonderen, zum Theil in ganz unrichtiger Weise aus der Menschenmedicin übertragenen, und nicht immer sehr glücklich gewählten Namen geführt. Benennungen wie Flechtequot;, Fäulequot;, Rosequot;, Räudequot;, Maukequot;, Grindquot;, welche nicht selten ganz verschiedenen Hautaifectionen gleichzeitig beigelegt wurden, haben sich bis auf unsere Zeit noch erhalten und richten nicht wenig Verwirrung in den Begriffen an. Wenn nun auch diese veraltete Nomenklatur am besten ganz verlassen werden müsste, so kann man doch bei einer Bearbeitung der Hautkrankheiten die früheren Bezeichnungen des Verständnisses halber nicht ganz entbehren. Immerhin aber ist es geboten, manche derselben auszumerzen und womöglich einen Versuch zu machen, die grosse Menge einzeln beschriebener Hautkrankheiten unter gewisse Sammelbegriffe zu bringen. Wir werden so eine grössere Anzahl von früher getrennten Einzelformen beispielsweise zusammen unter dem Gesichtspunkte eines Ekzems besprechen, indem
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Hautkrankheiten.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;523
wir uns hiebei dem Vorgange Hebra's in der Menschenheilkunde an-schliessen, welcher zuerst den Begriff des Ekzems durch Aufnahme anscheinend heterogener Krankheitsbilder ungemein erweitert hat. Wir werden ferner den Ausdruck Flechtequot;, wie schon Gerlach vorgeschlagen hat, nur für pflanzlich parasitäre Huuterkrankungen, sowie die Benennung Räudequot; nur für Hautausschläge benutzen, welche durch Kratz- oder ßiiudemilben erzeugt werden.
Eine streng wissenschaftliche Eintbeilung der Hautkrankheiten ist bei unseren Hausthieren im Vergleiche zum Menschen noch viel schwieriger, weil die Diagnose durch die Behaarung und Pigmentirung der Haut erheblich erschwert wird. Von einer diffusen oder umschriebenen Röthung der Haut kann beispielsweise nur bei nicht pig-mentirten Thieren und bei pigmentfreien Hautstellen die Rede sein. Ueberhaupt lässt sich ein System auf Grundlage der anatomischen Veränderungen aus dem einfachen Grunde nicht durchführen, weil ein und dieselbe anatomische Veränderung bei verschiedenartigen Hautkrankheiten vorkommt und umgekehrt ein und dieselbe Hautkrankheit in ihrem Verlaufe die allerverschiedensten anatomischen Bilder aufweist. So bedeutet das Wort Knötchenflechtequot; durchaus keine klinische Einheit, indem Knötchen bei einer Reihe von Hautkrankheiten auftreten. Andererseits verläuft z. B. das Ekzem mit einer ganzen Stufenreihe anatomischer Veränderungen (Hyperämie, Knötchen, Bläschen, Pusteln, Schorf-, Krustenbildung). Auch eine Unterscheidung in acute und chronische Hautkrankheiten dürfte aus dem Grunde nicht opportun erscheinen, weil manche acute Krankheitszustände, z. B. das Ekzem, sehr häufig auch chronisch werden können. Die Trennung ferner in idiopathische, durch äussere Schädlichkeiten erzeugte, und symptomatische, durch innere Krankheitsursachen, z. B. durch acute Infectiouskrankheiten hervorgebrachte Hautaffectionen ist ebenfalls nicht einwandsfrei, indem z. B. Urticaria (Nesselsucht), ein klinisch sehr scharf gezeichnetes Hautleiden, sowohl durch äussere (In-secten), als durch innere Ursachen (Druse, Schweinerothlauf, Nesselfieber, Brustseuche) entstehen kann. Die Aetiologie endlich ist zwar als das weitaus wichtigste Eintheilungsprincip für die Hautkrankheiten zu betrachten, lässt sich aber aus dem einfachen Grunde nicht durch-gehends als solches festhalten, weil bei vielen Hautkrankheiten die Aetiologie mit Sicherheit noch gar nicht gekannt ist. Wenn wir daher die Eintheilung der Hautkrankheiten in parasitäre und nichtparasitäre als die für unsere Zwecke vorerst geeignetste halten, so wollen wir hiebei von vornherein darauf hinweisen, dass insbesondere
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Hauterythem.
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das Gebiet der pÜaiizlich-parasitiireii Hautausschläge noch sehr wenig umgrenzt ist, und dass die Meinungen der Autoren über die Bedeutung, welche die aufgefundenen Pilze an der Entstehung der betreffenden Krankheiten haben, immer noch sehr getheilt sind, um so mehr, als pflanzliche Mikroorganismen auch zufälliger Weise auf der anderweitig erkrankten Haut vorkommen können.
Nachdem wir diese Vorbemerkungen vorausgeschickt haben, halten wir uns im Folgenden in der Hauptsache an die Eintheilung in parasitäre und nichtparasitäre Hautkrankheiten, und theilen erstere wieder in pflanzlich- und thierisch-parasitäre. Den grössten Theil der symptomatischen, durch innere Ursachen erzeugten Ausschläge (Pocken-, Maul- und Klauenseuche u. s. w.), welche man im Gegensatze zu den idiopathischen auch als Exanthemequot; (d. h. aus einer inneren Krankheit herausblühendequot;) bezeichnen kann, verweisen wir ins Capitel 'der Infectionskrankheiten. Endlich muss eine grosse Anzahl von Hautkrankheiten der Chirurgie überlassen werden: so das Erysipel, die Phlegmone, das Panaritium, die Neubildungen der Haut etc.
I. Nicht parasitäre Hautkrankheiten.
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Hauterythem, Hautröthe. Dermatitis erythematosa.
Literatur dos Baohweizenaussohloges, Vuriikyex, Hcc, 1849; entliiilt die ältere lAtamp;mtüv, MAahw'eohQ Annalm d. Lmdw., V. S. 423; VI. S. 3?gt;2; VII. 8.60, 264; XIII. S. 199; XX. S. 366. Herino, Spec. Path., 1858. - May, Krkhtn. d. Schafes, 1868. Prems. Mim., VII. Jahrg. S.48; XVI. S. 176. HUubner, 6V sundheitspftege, 1872. S. 335; Haubxkk-Sihdamouotzkv, L. TIi., 1893. Hehninoer, B. th. M.f 1886. S. 15. Oornevin, Los pianies vdndneuses, Paris 1887. Popow, Pet. A., 1888. Klein, /;. A., 1890. S. 220. - Dammann, Gesundheitspflege, 1892. Straube, ^. f. Vet,, 1893. S. 82.
Erythema solare. Qrünwald, Oe, M., 1892. S. 168. Kiiöitl, Ibid., S. 316. Vogel, D. th. ))'., 1895. S. 443.
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Begriff. Die einfachste Hautaffection besteht in einer Hyperämie des Papillarkörpers und der oberflächlichen Hautcapillaren, welche als Hauterythem bezeichnet wird, und bald diffus, bald mehr fleckig umschrieben (Roseola) auftritt. Ein solches Hauterythem wird jedoch bei den Hausthieren nur an den unpigmentirten Hautstellen sichtbar. Man trifft es daher am häufigsten bei Schafen, Schweinen, Hunden, weissgeborenen Pferden, Schecken, sowie an den weissen Abzeichen des Kopfes und der Extremitäten bei Pferden und
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Hauterythem.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 525
Rindern. Das einzige wahrnehmbare Symptom des Erythems ist eine mehr oder weniger umschriebene oder diffuse Röthe der Haut, welche im Gegensatze zur Hämorrhagie (Petechien, Ekchymosen, Purpura) durch Fingerdruck vorübergehend zum Verschwinden gebracht werden kann. Zuweilen gesellt sich zur Röthung noch Juckreiz. Bei längerer Dauer hat das Erythem eine mehr oder woniger lebhafte Epidcrmis-abschuppung zur Folge. Dagegen besteht im Gegensatz zum Ekzem kein Nässen.
Aetiologie. Das Hauterythem tritt entweder selbstständig auf oder bildet das Einleitungsstadium anderer Hauterkrankungen. Im ersteren Falle geht es in der Pegel rasch vorüber, ohne anatomische Veränderungen in der Haut zu hinterlassen. Die Ursachen sind dann:
1.nbsp; Mechanische Einwirkungen auf die Haut, so Druck, Reiben, Scheren bei Schafen, Hunden und Pferden, Antreiben der Schweine beim Transport u. s. w.; sog. Erythema traumaticum.
2.nbsp; nbsp;Chemische Reize, so leichte Aetzungen, Einreibungen von schwarzer Seife, Carbol-, Theer-, Canthariden-, Brechweinsteinsalben, Sinapismus etc., Zersetzung des Harns auf der Haut in der Umgebung der Harnröhrenmündung bei Lähmung der Nachhand, Insectenstiche, Einwirkung von Befallungspilzen auf die Haut; sog. Erythema toxicum.
8, ThermischeEinflüsse, zu hohe oder zu niedere Temperaturgrade (erstes Stadium der Verbrennung und Erfrierung), Einfluss der directen Sonnenstrahlen auf die nicht pigmentirten Hautstellen (sog. Sonnenmauke bei Pferden), Erythema caloricum und solare.
Therapie. Eine Behandlung des Hauterythems wird wohl nur ausnahmsweise nöthig werden; neben der Entfernung der Ursachen kann man bei lebhaftem Juckgefühle reizmildernde Umschläge von Bleiwasser, ein Streupulver aus Amylum und Zinkoxyd, Bleioder Zinksalbe, endlich bei sehr starkem Juckreize eine 6procentige Höllensteinlösung anwenden.
Buchweizenausschlag (Fagopyrismus). Als eine besondere Form des Hauterythems, wenn auch gewöhnlich über den Rahmen des einfachen Erythems hinausgehend, ist der sog. Buchweizenausschlag zu betrachten. Derselbe kann zwar als reines Erythem verlaufen, stellt aber ebenso häuiig eine Complication des Erythems mit erythematöser Hautentzündung (d. h. mit entzündlicher Infiltration der Cutis oder einem entzündlichen Hautodem), sowie mit vesiculiirer, bullöser, phlegmonöser, erysipe-latöser, ja selbst gangrilnescirender Dermatitis dar. üeberhaupt lässt sich eine strenge Grenze zwischen einfacher Hauthyperämie (Erythem) und erythematöser Entzündung nicht immer ziehen. Die Ursachen sind
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liuclnvcizcnaussehlag.
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zunächst in der Aufnahme von Buchweizen (l'olygonum Fagopyrum), sowie anderer Polygonumarten (Polygonum Persicaria), und zwar sowohl des grünen Biichweizens, insbesondere zur Zeit der Blüthe, als auch der Körner, des Strohes, der Stoppeln, der Spreu zu suchen. Als zweiter Factor für das Zustandekommen des Buchweizenausschlages scheint indess in der Regel die Einwirkung des Sonnenlichtes nothwendig zu sein. Die Entstehung des Ausschlages wird man sieh dann wohl am besten in der Weise vorstellen, dass auf dem Uuchweizen schmarotzende Befallungspilze bezw. ihre reizenden Zersetzungsproducte, mit der Haut der betreffenden Thiore in Berührung kommen, dieselbe indess nur an den empfindlicheren, nicht pigmentirten Hautstellen, sowie nur im Zustande eines durch die Sonnenhitze erzeugten Erythema solare zu irritiren vermögen. Ob Insecten in einzelnen Füllen den Buchweizenausschlag erzeugen können (die Buch-weizenfeldor bieten vorzügliche Bienenweiden), oder ob eine gewisse Idiosynkrasie, d. h. eine individuelle Empfindlichkeit gegen Buchweizen angenommen werden kann, muss dahingestellt bleiben. Man findet die Krankheit am häufigsten bei weissen und weissgescheckten oder fleckigen Schafen, besonders Lämmern, sowie bei Schweinen, seltener bei Ziegen und Bindern, sehr selten bei Pferden mit unpigmentirten Hautstellen. Eine je reichlichere und anhaltendere Fütterung von Buchweizen vorausgegangen ist und je mehr die Thiere der Sonnenhitze ausgesetzt sind, um so stärker tritt der Ausschlag auf. Schwarze oder schwarz bestrichene weisse Thiere erkranken nicht; desgleichen nicht Thiere, welche im Stalle gehalten werden oder bei trübem kühlem Wetter die Weide bezichen, sowie solche, welche im Schatten weiden. Dagegen entwickelt sich der Ausschlag selbst dann noch, wenn mit der Buchweizenfütterung 810 Tage, ja selbst 3 4 Wochen lang ausgesetzt wurde, und die Thiere nun ins grelle Sonnenlicht kommen. Beim Zurückbringen in den Stall verschwindet das Leiden bald, erscheint jedoch sofort wieder im Sonnenlichte. Im Winter scheint sich der Ausschlag auf einfaches Jucken und Brennen zu beschränken.
Die Erscheinungen bestehen in einer intensiven Röthung (Erythem) und entzündlichen Schwellung (Dermatitis erythomatosa) des Kopfes, besonders an den Ohren, im Gesicht, an den Augenlidern, welche sich bis auf den Kehlgang und den Hals erstrecken können, und von lebhaftem Juckgefühl begleitet sind, in Folge dessen die Thiere aufgeregt werden, den Kopf schütteln, sich reiben, unruhig umherrennen, ja selbst sehr hochgradige Gehirnreizungserscheinungen wie bei Tobsucht an den Tag legen. Zuweilen schiessen auf der gerötheten und geschwollenen Haut linsen- bis erbsongrosse Bläschen auf, welche beim Platzen eine gelbliche Flüssigkeit entleeren und unter Krustenbildung abheilen; sog. Kopf- oder Blatterrose der Schafe. Daneben beobachtet man in schweren Fällen Respi-rationsstörungen (erysipelatöse Schleimhautentzündung der Luftwege), fieberhaftes Allgemeinleiden, Verdauungsstörungen, sowie die Symptome einer G e h ir n af f ee t i on : Betäubung, Stumpfsinn, Drehbewegungen, Krämpfe, starke Aufregung u. s. w., wahrscheinlich beim üober-gange des erysipelatösen Processes von der Kopfhaut auf die Meningen; hiebei kommt es wohl auch zu tödtlichem Aiisgang der Krankheit. Die von Rabe u. A. bei Pferden und Schweinen ohne Hauterkrankung beobachteten epileptiformen Anfälle, verbunden mit Schwindelerscheinungen, weisen nusserdem auf ein in dem Buchweizen vorhandenes narkotisches Gift hin.
Die Behandlung besteht in prophylaktischer Beziehung zunächst darin, dass man weisse Schafe nur an bedeckten Tagen oder gegen Abend
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Ekzem.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 527
auf die Buehweizenweiden verbringt oder den Buchweizen ausschiiesslich im Stalle verfüttert. Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, so mu.ss man die Thiere unverzüglich an schattige Plätze oder am besten in den Stall zurücktreiben. Eine locale Behandlung ist nur bei schwereren Complicationen, so insbesondere bei erysipelatüser Entzündung der Kopfhaut mit cerebralen und allgemeinen Symptomen nütlüg; man wendet hier kühlende Umschläge, Waschungen des Kopfes mit Creolinwasser, Olivenöl in Verbindung mit Kalkwasser (im), sowie innerlich entzündungswidrige Mittel, z. B. Brechweinstein, Mittelsalze an.
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Das Ekzem.
Definition. Der Begriff des Ekzems lässt sich am besten dahin deflniren, dass dasselbe eine einfache multiple Hautentzündung mit verschiedenen EntwicklungsStadien und Höhegraden darstellt. Das Ekzem entspricht also seinem Wesen nach vollständig der Entzündung anderer Organe, z. B. der Schleimhäute, weshalb es auch schon früher als Katarrh* der Haut aufgefasst wurde. Wie es jedoch, entsprechend dem Grade der Entzündung, verschiedene Formen eines und desselben Schleimhautkatarrhs, z. B. einen serösen, schleimigen, eiterigen gibt, ist auch das klinische Bild des Ekzems je nach dem Grade der Entzündung und der Beschaffenheit der befallenen Hauttheile ein ganz verschiedenes. Diese Verschiedenheit des Ekzems in der äusseren Erscheinung hat früher zur Aufstellung einer sehr grossen Anzahl scheinbar von einander differenter, eigenartiger Hautkrankheiten geführt. Es war dies um so leichter erklärlich, als selbst ein und dieselbe Hautaft'ection je nach der Thierart oder der Oertlichkeit wiederum scheinbar wesentliche Verschiedenheiten darbot, und das einfachste Hautleiden durch Kratzen, Nagen, Scheuern von Seiten der Thiere ein ganz verändertes Aussehen bekommen musste, sowie aus dem weiteren Grunde, dass nämlich ein und dieselbe Ursache je nach der individuellen Empfindlichkeit des Thieres oder der be-trefienden Hautstelle, sowie je nach der Constitution, dem Alter etc. der Thiere ganz verschiedene Krankheitsbilder hervorzubringen vermag. Indess hat die Aufstellung so zahlreicher Einzelarten von Hautkrankheiten viel Verwirrung und Unklarheit gestiftet und es ist insbesondere auch für die Zwecke des Unterrichts eine Reduction derselben, sowie die Betrachtung unter einem gemeinschaftlichen Gesichtspunkte dringend nothwendig,
Stadien. Wie jede Entzündung, so kann auch das Ekzem verschiedene Stadien durchmachen. Am besten nimmt man nach dem
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528nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ekzem.
Vorgänge der Menschemnedicin auch bei unseren Hausthieren folgende (5 Stadien der einfachen ekzematösen Hautentzündung, entsprechend der Art und Beschaffenheit des Exsudates, an:
1.nbsp; Das Stadium erythematosum, bestehend in Hauthyperämie mit oberflächlicher Exsudatbildung, in Folge dessen die Epidermis reichlicher producirt wird und später in Form von Schuppen oder kleienartigen Plättchen sich abhebt. Bei chronischem Verlaufe des Eczema erythematosum nennt man dasselbe wegen der starken Abschuppung der Epidermis Eczema squamosum. Sehr häufig tritt das squamöse Ekzem deshalb auch als Schlussstadium des ganzen Ekzem-processes auf. Hieher gehören die bei unseren Hausthieren unter dem Namen Kleien- oder Schuppenfleelitequot;, wohl auch als Hungerräudequot; oder fälschlicher Weise als Psoriasisquot; und Pityriasisquot; beschriebenen'Hautkrankheiten, sowie theilweise auch die Raspequot; und Maukequot; des Pferdes.
2.nbsp;Das Stadiumpapulosu m; die hiefür charakteristischen kleinen rothen Knötchen zeigen sich bei mikroskopischer Untersuchung hervorgerufen durch eine kleinzellige Infiltration und seröse Durchtränkung einzelner Papillen mit Schwellung derselben. Diesem Eczema papu-losum entspricht die Knötchenflechtequot; oder Schwindflechtequot; (S ch ä 1k n ö t c h e nquot;, Sommerräudequot;), sowie ein Theil des Knoten-quot;, Finnen-quot; oder H i t z au s s ch lagsquot; beim Pferd und Kinde.
',). Das Stadium vesiculosum entwickelt sich entweder direct oder aus einem der vorhergehenden, wenn die seröse Exsudation in dem Knötchen überwiegt und die nachgiebigen Zellen des Bete Malpighi aus einander sprengt, so dass sich das flüssige Exsudat bis nahe an die Hautoberfläche, unmittelbar unter das Stratum corneum hervordrängen kann. Dieses Eczema vesiculosum vertritt gewissermassen den Typus des Ekzems, wird daher auch schlechthin als Eczema simplex bezeichnet und entspricht der sog. Bläschenflechtequot; unserer Hausthiere. Auch der sog. Hitzausschlagquot; der Pferde dürfte hieher gehören.
4.nbsp; nbsp;Das Stadium madidans, das nässende Stadium, welches sich nach spontaner oder artificieller Eröffnung (Kratzen) der Bläschen bildet und das Eczema rubrum, die nässendequot; oder Salzflechtequot; darstellt. Das Eczema rubrum kommt am häufigsten beim Hund als Salzflussquot;, Fettflechtequot; oder Fetträudequot; vor.
5,nbsp; nbsp;Das Stadium bezw. Eczema pustulosum; dasselbe bildet sich direct oder in Folge Uebergangs der mit Serum gefüllten Blas-
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Ekzem des Hundes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 529
chen in Eiterblasen. Hiebei wird nach dem Aufbrechen der Pusteln die Haut oft in grösserem Umfange in eine eiternde Fläche verwandelt; sog. Eczema impetiginosuin. Dasselbe entspricht der besonders beim Hund und Pferd vorkommenden sog. Pu stelf 1 echtequot;, dem Hautgrindquot; oder grindartigenquot; Ekzem.
6. Das Stadium crustosum, die Vertrocknung des Exsudates entweder in den Bläschen und Pusteln, oder auf der nässenden, grindartigen Hautoberfläche; dieses Eczema crustosum entspricht der Borken-quot; oder Scborfflechtequot; unserer Hausthiere. An das Stadium crustosum schliesst sich in manchen Fällen und besonders bei chronischem Verlaufe als letztes Stadium das schon im Eingang aufgeführte Eczema squamosum an.
Diese beschriebenen Entwicklungsstadien erklären sehr leicht die Vielgestaltigkeit des Ekzems. Dabei braucht dasselbe durchaus nicht sämmtliche Stadien durchzumachen; es kann vielmehr ein früheres gleich in das letzte übergehen, oder das Ekzem kann in einzelnen Stadien sehr lange Zeit verharren. Noch mag darauf hingewiesen werden, dass bei der pigmentirten und behaarten Haut der Thiere einzelne rasch vorübergehende Stadien sehr leicht übersehen werden können, z. B. das Stadium papulosum und vesiculosum.
Die verschiedenen Ekzeme der einzelnen Hausthiere sind folgende:
A. Die Ekzemformen des Hundes.
Literatur. Untkrhkiicikr, Hep., 18C5. S. 118. Mkomx, Le Chien, Paris 1877; Bull hoc. ccnlr., 1882. Trasbot. Ibid. Müller, D. Z. f. Th., 1880. S. 120; S../. B., 1887. S. 18; 1888. S. 24; Thiermed. Vorträge, 1890. Heft 2. Sghadrih, Chark, Vet., 1880. KOPPHER, Ref. Ellonborger-Sciiütz, Jaliresber., 1886. S. 149. Rauh, IT. f. Th., 1887. S. 73. - Fröiineu, B. A., 1887. S. 343. Wai.tiiku, S.J. H., 1888. S. 83. Albrecht, W. f. Th., 1888. S. 329. Cadkac, Diel, vü., 1888. Bd. 16. Bräueh, S. ./. laquo;., 1889. S. 82. - SohlamPP, M. f. p. Th., 2. Bd. S. 193. Müller, Ki-khln. d. Hunde, 1892. S. 405; S. J. 11., 1892. S. 24, Pokrowski, Pet. A., 1892. BrXüer, S. J. B., 1893. S. 127. Hoppmakn, Rep., 1893. Sohindelka, Th. C, 1895. S. 187. Ausserdem die thierärztl. Lehrbücher (ler speoiellen Pathologie und Therapie.
Vorkommen. Das Ekzem stellt die häutigste Hauterkrankung
und überhaupt eine der häufigsten Krankheiten des Hundes dar. Nach
unseren Erfahrungen am Berliner Hundespitale leiden 8 Proc. = '/is
aller kranken Hunde an Ekzem (5462 Fälle unter 70,000 kranken
Hunden in den Jahren 188694). Dabei ist es meist auf bestimmte
Körperstellen beschränkt und kommt besonders oft längs dos Rückens
vor, an der Schweifwurzel oder auch am Kopf bezw. Halse beginnend, Frtedkerger u. Frölmor, Patliol. n. Therapie d. Haustlüere, I. Bd. 4. Aufl. 34
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Ekzem des Hundes.
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und sich von liier sowohl nach der Länge als nach der Breite ausdehnend. Andere Hautstellen sind die Aussenflächen der Extremitäten, sowie das Gesäss. Sehr viel seltener kommt es an Unterbrust und Unterbauch, an der Kniefalte, in der Umgebung der Ellenbogen, sowie über den Sprungbeinhöckern vor. Am seltensten zeigt es sich am Kopfe. Aeltere, viel in Stuben gehaltene, sowie sehr junge, feinhäutige und verweichlichte, desgleichen sehr fette Hunde erkranken am häutigsten an Ekzem; bezüglich der Rasse scheinen Möpse, Pinscher, Doggen und Leonberger das grösste Contingent zu stellen.
Ursachen. Ekzeme entstehen gewöhnlich in Eolge der directen Einwirkung eines äusseren Reizes auf die Haut, so von Staub und Schmutz, Flöhen, Läusen und Haarlingen, von wiederholter Reibung und anhaltendem Drucke auf bestimmte Stellen der Haut u. s. w. Gerade der Lieblingsort des Ekzems, der Rücken, ist der Einwirkung von Schmutz und Staub, sowie der Flöhe am meisten ausgesetzt. Sehr häufig wird beim Hunde auch die Einreibung oder das Waschen mit Schmierseife (grüner oder schwarzer Seife) die Ursache des Ekzems. Der Umstand, dass in vielen Fällen die Veranlassung eines Ekzems gar nicht nachzuweisen ist, hat zu der Annahme innerer Ursachen geführt. Es sind in dieser Beziehung besonders früher Nahrungsschäd-lichkeiten, Verdauungsstörungen, Vollblütigkeit, sowie eine allgemeine Schwächung der Körperconstitution beschuldigt worden. Indess könnten die genannten Momente höchstens als prädisponirende Ursachen in Betracht kommen, wobei immer wieder ein director, örtlicher Keiz angenommen werden muss.
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Symptome. Das Krankheitsbild des acuten Ekzems beim Hunde ist ein ausserordentlich vielgestaltiges. Eine für alle Fälle zutreffende Schilderung gibt es daher nicht. Vielmehr sind die Erscheinungen je nach dein Stadium des Ekzems ganz verschieden.
1. Im Anfangsstadium, das freilich nur selten zur Beobachtung kommt, sieht man auf der nicht pigmentirten Haut stecknadel-kopfgrosse hellrothe Flecken, die sich rasch dunkler färben und sich im Centruin zu einem Knötchen (Papel) entwickeln, während der hyperämische Hof zunimmt und die Flecken allmählich zusammen-fliessen, so class die betroffenen Hautstellen geschwollen, schwammig .verdickt (turgescirt) und höher temperirt sind. Die Haare über den Knötchen sind in Büscheln aufgerichtet und gesträubt; leichtere Be-
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Ekzem des Hnmles.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;531
miming der Haut erzeugt Juckreiz, stärkere Schmerz. Da die Knötclien rasch verschwinden, bietet sich sehr häufig nur das Bild eines Erythems oder einer erythernatösen Hautentzündung dar. Das Ekzem kann in diesem Stadium abheilen oder, wenn auch seltener, einige Zeit lang stehen bleiben. Das Krankheitsbild wird indess sehr oft durch das Scheuern und Nagen seitens der Hunde wesentlich verändert, so dass sich an das Stadium papulosum unmittelbar das Stadium impetiginosum und crustosimi anschliessen kann.
2.nbsp; nbsp;Nimmt das Ekzem indess seinen regelmässigen Verlauf, so entwickeln sich aus den Knötchen kleine Bläschen. Dieselben stehen bald vereinzelt, bald in Gruppen beisammen und sind im Anfang mit klarer Flüssigkeit gefüllt. Da sie selten mehr als Hanfkorngrösse erreichen und sehr bald durch Kratzen geöffnet werden, sind sie bei der behaarten Haut des Hundes schwer zn entdecken und werden daher leicht übersehen. Die Bläschen trocknen theils ein und bedecken sich mit leichten Schüppchcn, theils platzen sie oder werden aufgekratzt und bilden dann kleinste Entzündungsherde, über welchen die Haare gelockert werden und ausfallen. Heilt das Ekzem in diesem Stadium ab, so trocknet das auf den geöffneten Bläschen befindliche flüssige Exsudat zu kleinen Schorfen ein, unter welchen der Entzündungsvorgang zurückgeht und die Epidermis sich regenerirt; bei dunkler Haut deutet dann nicht selten eine längere Zeit sichtbar bleibende pigmentärmere und von Haaren entblösste Stelle den Sitz der früheren Bläschen an.
3.nbsp; nbsp;Häutiger hat das Ekzem die Neigung, sich flächenhaft auszubreiten, und es kommt durch Confluenz vieler Bläschen zur Bildung ausgedehnter, von Oberhaut und Haaren entblösster, stark gerotheter, nässender Stellen (Eczema rubrum). Dieselben sind mit serösem, serös-plasmatischem, wohl auch mit plas-matisch-eiterigem Exsudate bedeckt, bei der Berührung ausserordent-lich schmerzhaft, und greifen gerne auf die gesunde Nachbarschaft über (fressende Flechte, Eczema exedens). Oder die ekzematöse Entzündung steigert sich in Folge Scheuerns der Thiere zu einer intensiven eiterigen und hämorrhagischen Dermatitis. Die Heilung des Eczema rubrum erfolgt durch Vertrocknung des Exsudates (Stadium crustosum) und Regeneration der Epidermis unter demselben von den intacten peripheren Rändern her.
4.nbsp; nbsp;Nicht selten wandeln sich ferner die Bläschen zu Pusteln um, es entsteht das pustulöse Ekzem. Hiebei vergrössern sich die Bläschen, ihr Inhalt trübt sich und wird eiterig. Wie die Bläschen, so stehen auch die Pusteln entweder zerstreut oder in Gruppen bei
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532nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ekzem iloä Hundes.
einander und sind gleichfalls nicht immer leicht auf der dichtbehaarten Haut zu finden. Häufig fliessen sie zusammen, wodurch eiternde Hautflächen von verschiedener Ausdehnung gebildet werden. Die Haare sind dann gesträubt, durch das Exsudat verklebt, zu starren Büscheln zusammengebacken, verfilzt, leicht ausziehbar oder bereits ausgefallen; die von der Epidermis entblösste Oberfläche ist mit einem gelblichen bis grüngelben, klebrigen, rahmartigen Eiter bedeckt und sehr schmerzhaft anzufühlen, blutet auch leicht bei Berührung, die Haut selbst ist verdickt (Eczema impetiginosum). Die Heilung erfolgt durch Eintrocknen des eiterigen Exsudates zu Borken und Krusten, unter denen sich die Eiterung längere Zeit noch erhalten kann. In selteneren Fällen greift der Process tiefer, und es kommt zu phlegmonoser Entzündung, sowie ulcerüser Zerstörung der Cutis, letzteres besonders dann, wenn anhaltendes Scheuern und Benagen der wunden Stellen vorausgegangen ist. Es bleiben dann aussei- haarlosen Stellen schwielige Hautverdickungen mit reichlicher Schuppenbildung zurück. Ganz ähnliche umschriebene eiterige Hautentzündungen kommen indeslaquo; ohne vorausgegangene ekzematöse Bläschen- und Pustelbildung direct nach Einwirkung starker, mechanischer, chemischer oder thermischer Reize vor. 5, Das Ekzem kann in allen Stadien chronisch werden. Von grösstem Einflüsse ist es hiebei, ob die Thiere am Reiben verhindert werden können oder nicht. Meist bedingen die Veränderungen, welche nach schwereren Ekzemformen zurückbleiben, eine Prädisposition zu acuten Nachschüben; dieselben erfolgen am häufigsten in den Sommermonaten, wohl wegen des zu dieser Zeit gesteigerten Blut-zuflusses zur Haut. Die Veränderungen der Haut bei chronischem Verlaufe des Ekzems bestehen in anhaltender Hyperämie, höherer Temperatur, sowie Verdickung; so fühlt sich insbesondere die Haut des Rückens an den erkrankten Stellen oft um das 34fache verdickt an. Dabei erscheint die Oberfläche der verdickten Stellen glänzender, mehr ausgeglichen, und es findet eine anhaltende, oft sehr bedeutende Production von Epidermiszellen auf derselben statt, welche sich in Form weiss- bis bleigrauer Schuppen abstossen (Eczema squamosum). Allmählich wird sodann die Haut derber und trockener, rigide, bleibt künstlich in Falten gelegt längere Zeit so stehen, die Haare sind nach allen Richtungen hin gesträubt, sehr dünn stehend, oft wie vertrocknet oder verhungert aussehend, fehlen auch wohl ganz oder sind wollartig gekräuselt (Compression und Atrophie der Haar-papillen und ihrer Gefässe durch Zubildung und Retraction von Bindegewebe). Solche Hautsteilen zeigen dann oft ein granulirtes Aus-
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Ekzem des Hundes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 533
sehen, wobei die hypertrophischen Uautpapillen in Form von dicken papillösen Wucherungen über die Hautoberfläohe prominiren.
Das Allgemeinbefinden der an Ekzem erkrankten Thiere ist gewöhnlich ausser einer anhaltenden Aufregung und Unruhe, sowie einem häufig zu Tage tretenden starken Durstgefühl, wenig verändert. Bei längerer Dauer des Ekzems jedoch, oder bei häufigen Uecidiven, entwickelt sich in Folge der fortgesetzten Aufregung, des vermehrten Säfte- und Wärmeverlustes, sowie der anhaltenden, von der Haut ausgehenden reflectorischen Erregung des Nervensystems allmähliche Abmagerung, welche bei schwächlichen oder sehr jungen Thieren bis zur Kachexie und zum Tode führen kann. Die Dauer des acuten Ekzems kann 13 Wochen betragen; das chronische jedoch überdauert Monate und mit kürzeren oder längeren Remissionen selbst Jahre und ist häufig unheilbar.
Differentialdiagnose. Das Ekzem kann verwechselt werden zunächst mit eiterigen Hautentzündungen nach Verwundungen, Abschürfungen, Anätzungen, Verbrennungen und Erfrierungen, sodann mit den eigentlichen Flechten, insbesondere Herpes tonsurans, endlich mit Acarus-Ausschlag und Milbenräude.
1.nbsp; nbsp;Die traumatischen Entzündungen der Haut stellen umschriebene reactive, mit Eiterung oder Abstossung eines Aetzschorfes, Brandschorfes u. s. w. einhergehende Processe dar, welch letztere zunächst mit Ertödtung eines Theiles der Haut beginnen, an welche sich erst secundär eine eiterige, granulirende Dermatitis anschliesst. Die für das Ekzem charakteristischen Knötchen, Bläschen und Pusteln fehlen vollständig. Da jedoch letztere beim Ekzem auch nicht immer vorhanden sind, so kann die Unterscheidung zuweilen schwer werden. Sehr häufig geht auch das Ekzem in Folge anhaltenden Scheuerns der Thiere in eine traumatische, eiterige Dermatitis über.
2.nbsp; Die eigentlichen Flechten (Herpes tonsurans) unterscheiden sich durch die meist rundliche Gestalt des Ausschlages, durch das häufige Fehlen von Knötchen, Bläschen und Pusteln, sowie meistens auch des Juckreizes, durch die Uebertragbarkeit und endlich durch den mikroskopischen Befund.
3.nbsp; Der Acarusausschlag kommt besonders am Kopfe und an den Beinen vor, ist ansteckender Natur, besitzt ein typisches Krankheitsbild und ist gegenüber dem Ekzem schwer oder gar nicht heilbar.
4.nbsp; Die Sarcoptesräude bevorzugt die weichhäutigen, weniger
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534nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ekzem des Hundes.
beliaarten Stellen am Unterbauch, au der Unterbrust, auf der Innenfläche der Schenkel, in der Umgebung der Ellenbogen und am Grunde der Ohren, ist contagiüs und verläuft mit besonders hochgradigem Juckreiz. Es muss indess hier hervorgehoben werden, dass das klinische Bild allein nicht immer für die Diagnose ausreicht, und dass sowohl die Acarus- als Sarcoptesriiude sehr viel Aehnlichkeit mit dem nichtparasitären Ekzem zeigen können; in diesem Falle kann für die Stellung einer Diagnose das Mikroskop nicht entbehrt werden.
Therapie. Die Behandlung des Ekzems ist zunächst nach den einzelnen Stadien, sodann je nach der Individualität eine verschiedene. In erster Linie handelt es sich um die Entfernung der Ursachen. Sicherlich würde der Ausschlag in weitaus den meisten Fällen von selbst abheilen, wenn lediglich der das Juckgefühl erzeugende abnorme Heiz beseitigt werden könnte. Indess liegt: gerade darin bei sehr vielen Thieren die allergrösste Schwierigkeit; das Jucken ist bei manchen Hunden oft so unerträglich, und die Versuche seitens der Thiere, sich zu reiben, sind so erfinderisch, dass man trotz der Anwendung von Beisskörben, Verbänden, Halskragen, Stiefeln u. s. w. diese erste und wichtigste Bedingung zur Heilung des Ekzems nicht erfüllen kann.
1.nbsp; nbsp;Bei den leichteren Formen, den Anfangsstadien des Ekzems (St. eiythematosum, papulosum, vesiculosum) sind zunächst entzündungswidrige und zugleich reizmildornde, deckende und einhüllende Mittel anzuwenden. Wir gebrauchen hiezu von Salben entweder die einfache Zinksalbe oder eine frisch bereitete Bleisalbe, so besonders die Hebra'sche Salbe in ihrer neuen Form: Rp. Emplastri Lithargyr. simpl.; Unguent. Paraffini ää 25,0; M. 1. a. f. Ungt. Als deckendes Streupulver, das besonders auf dem Rückenfirste zwischen den Haaren längere Zeit liegen bleibt, empfiehlt sich eine Mischung von Zinkoxyd und Talk: Rp. Zinc, oxydat. 5,0; Talci 20,0; M. f. P. Die sonst vorzügliche weisse Präcipitatsalbe (Unguent. Hydrargyr. album) ist beim Hunde wegen der Gefahr des Ableckens nur mit Vorsicht anzuwenden.
2.nbsp; nbsp;Bei stark nässenden oder grindartigen Ekzemen wenden wir seit langer Zeit mit grossem Vortheile eine (iprocentige wässerige oder spirituöse Höllensteinlösung an, welche nach erfolgter Reinigung der nässenden oder eiternden Hautstellen mit einem Pinsel aufgetragen wird, worauf ein trockener leichter Aetzschorf entsteht, unter welchem die Heiluus rasch fortschreitet. Von Salben benutzen wir
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Ekzem des Hundes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;535
am häufigsten eine Höllensteinsalbe (1 : 1020 Ungueutum Paraf-iini), Tanninsalbe (Bp. Acid, tannici 5,0; Unguent, l'araffini 50,0; M. f. Unguent.) und Creolinzinksalbe (Kp. C'reol. 5,0; Unguent. Zinoi 50,0; M. f. Unguent.). Ausserdem wirken oft bei andauerndem Nässen austrocknende Streupulver vorzüglich; wir verschreiben beispielsweise eine Mischung von Dermatol und Talk im Verhältnisse wie 1: 10, oder Creolin mit Borsäure (2I : 100).
3, Bei chronischen Ekzemen benutzen wir als Hauptmittel den Tlieer und das Creolin. Die Anwendung des Theers erfolgt entweder in Substanz oder als Theerspiritus (Rp. Pic. liquid.; Spirit, ää 25,0) oder in Form eines Theerlinimentes in Verbindung mit Sapo kaiin us, welch letzteres insbesondere bei chronischem impetiginösem Ekzem des Rückens von ganz vorzüglicher Wirkung ist (Rp. Pic. liquid.; Sapon. kaiin. ää 50,0; Spirit. 25,0; M. f. liniment.). Hiebei ist es von wesentlichem Vortheil, die Haare vor der Anwendung derselben abzuscheeren, und die eingeriebenen Hautstellen nachher durch aufgelegte Lederdecken oder sonstige Bandagen vor dem Reiben und dem Ablecken (Carbolvergiftung!) zu schützen. Man lässt den Theer 48 Tage liegen und entfernt dann die eingetrockneten Borken möglichst schonend; eventuell wiederholt man die Einreibung. Das Theerliniment hat den Vortheil, dass es sich durch Bäder ziemlich leicht entfernen lässt. Statt des Theers verwenden wir seit mehreren Jahren das Creolin, welches ohne die Gefahr einer Vergiftung die günstigen Wirkungen des Theers in gleichem Masse besitzt und zwar in ganz derselben Form, wie den Theer, also das Creolinliniinent (Creolini anglici: Sapon. kaiin. ää 100,0, Spiritus 50,0), den Creolinspiritus (1:1020) und die Creolinsalbe (1:1020 Paraffinsalbe). Gegen Eczema squamo-sum benutzen wir ebenfalls das genannte Theerliniment bezw. Creolinliniinent und den Theer- bezw. Creolinspiritus (1 : 1020). Von anderen Mitteln haben wir ausserdem mit Vortheil das Chrysarobin (Rp. Chrysarobini 15,0; Unguent. Paraffin. 20,0; M. f. Unguent.), das Oxynaphthalin (1 : 10), sowie das Ichthyol in Substanz angewandt. Von Anderen wird als vorzügliches adstringirendes Mittel das Jodglycerin (Jodtinctur und Glycerin 1 ; I) empfohlen (Trasbot).
Hiemit ist zwar die Zahl der gegen das Ekzem des Hundes anempfohlenen Mittel noch lange nicht erschöpft; es mögen hier das Naphthol, Anthrarobin, Resorcin, Naphthalin, Pyoktanin, die verdünnte S a 1 p e t er säu r e (1 :510), die O x v n a p h th o e-säuren u. s. w. erwähnt werden, indess würde die Aufzählung aller
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530nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ekzem des Pferdes.
zu weit führen. Von innerlichen Mitteln wäre noch der Arsenik gegen hartnäckige chronische Ekzeme zu erwähnen. Wir haben denselben sehr häufig angewendet, und zuweilen Erfolg davon gehabt. Man gibt ihn gewöhnlich in der Form der Fowler'schen Lösung zu 5 10 Tropfen mehrere Wochen hinter einander. Im Anfange der Kur lässt sicli bei gewissen Stadien des Ekzems auch durch ein Abführmittel Erfolg erzielen, indem besonders bei stark nässenden Ekzemen die Eintrocknung rascher vor sich geht. Von einer bestimmten diätetischen Behandlung (Entziehung des Fleisches) haben wir niemals einen deutlichen Nutzen gesehen.
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B. Ekzematöse Hauterkrankungen beim Pferde.
Allgemeines. Die nicht parasitären Hautkrankheiten des Pferdes sind zu ihrem grössten Theile rein ekzematöser Natur. Behält man diesen Satz im Auge, so ist das Verständniss der vielen, als besondere Ausschlagsformen beschriebenen Dermatosen beim Pferde wesentlich erleichtert. Allerdings wird dabei manche alte Nomenklatur überflüssig, was indess im Interesse einer einheitlichen Betrachtungsweise der Hautkrankheiten nur wünschenswerth sein kann. Wir rechnen zum Ekzem die nachfolgenden, bisher mehr oder weniger als selbstständige Ausschlagsformen beschriebenen Hautaifectionen.
1.nbsp; nbsp;Als papulös-vesiculäres Ekzem sind aufzufassen: die sog. Schwindflechten, sowie zum Theil auch die als Sommerräude, Sattelräude, Hitzausschlag, Schälknötchen, Knötchen- oder Tuberkelausschlag bezeichneten Hautkrankheiten.
2.nbsp; nbsp;Als squamöses, chronisches Ekzem muss wie beim Hund, so auch beim Pferd die Schuppen- und Kleienflechte betrachtet werden.
3.nbsp; Ein chronisches, meist pustulöses, grind artiges Ekzem bildet der sog. Mähnen- und Schweifgrind mit dem als Weichselzopf bezeichneten Haarleiden.
4.nbsp; Ein örtlich beschränktes, anfangs nässendes, später grindartiges Ekzem stellt die sog. Mauke in der Beugefläche des Fesseis (Schmutz- oder Schrundenmauke), sowie die sog. Raspe in der Beugefläche des Tarsal- und Carpalgelenkes dar.
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Ekzem dos Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;587
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1. Das papulös-vesiculäre Ekzem des Pferdes.
(Schwindflechten, Schälknötchen, Hitzknötchen, Sommerausschlag, Sommerräude, Sattelräude.)
Literatur. öottbswintkb, W.f.Th., 1881. S. 40. Roll, S^eo. Pmtt., 1886. BuiiKK, The Vet., 1885. S. 400. Bass, '/'/(. Rdseh,, 1887. S. 290. RüDOVSKY, Oe. M., 1890. S. 79. DlEOKIRHOFP, SptO, Pittli., 1892. I. S, 992. SlBaJAMQROTZKV,
S.J. /i., 1892. S. 18; L. Th., 1898. Trietsoh, BeXukh, S.J. B., 1893. S. 115 u. 127. Hell, Z. f. Vet,, 1893. S. 241. Sem kg, S. ./. B., 1894. S. 135.
Aetiologie. Die papulös-vesiculilre Form des Ekzems beim Pferde ist meist auf gewisse Körpergegenden heschränkt. Seltener ist das Ekzem ein universelles, über den ganzen Körper verbreitetes, so namentlich im Sommer der sog. Hitzausschlag (Sommerräude). Am häufigsten werden solche Kürporstellen befallen, welche leicht schwitzen und dabei mechanischen Einwirkungen besonders ausgesetzt sind, so der Kopf (Kopfhalfter), die Seitenflächen des Halses am Uebergang zur Schulter, sowie die Umgebung der Buggelenke (Kummet-und Sielenlage), der Rücken und die seitliche Brustwand (Sattel, Gurte, Zugblätter), die Kruppe (Hintergeschirr, Schweif'riemen). Aussei-diesen äusseren Reizen können jugendliches Alter, eine zarte, feine Haut, sowie die Zeit des Haarwechsels als prädisponirende Momente in Betracht gezogen werden.
Symptome. Das Wesentlichste im ganzen Krankheitsbilde des papulös-vesiculären Ekzems sind Knötchen, welche an den genannten Stellen meist in grosser Zahl und unregelmässiger Gruppirung in der Haut sitzen und anfänglich nur beim Ueberstreifen der Haut mit der Hand entdeckt werden. Die Grosse dieser Knötchen schwankt zwischen der eines Hirsekorns und einer Erbse; ihre Consistenz ist in der ersten Zeit eine ziemlich weiche, später werden sie härter und derber. Die Haut im Umkreise der Knötchen ist etwas höher temperirt und kann wohl auch leicht geschwollen erscheinen; legt man sie in eine Falte und drückt leicht, so erweist sie sich vermehrt empfindlich. Die Haare der Knötchen stehen gesträubt. Juckgefühl ist im Stadium der Efflores-cenz und der Abheilung in massigem Grade vorhanden, fehlt jedoch auf der Höhe der Entwicklung. Im weiteren Verlaufe bedecken sich die Kuppen der Knötchen in Folge einer serösen Exsudation unter die Epidermis (Stadium vesiculosum) mit kleinen Schörfchen, wobei die Knötchen selbst kleiner und härter werden; diese Schörfchen verkleben die darüber befindlichen Haare zu kleinen Haarbüscheln, welche
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538nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ekzem des Pferdes.
später sammt den Scliorfchen abfallen oder abgerieben werden. Es bleibt dann ein umsclu-iebener, kleiner, baarloser Fleck zurück, der bei unpigmentirter Haut schwach geröthet, bei pigmentirter mit licht-grauen Bpidermissohuppea bedeckt ist. Die Abschuppung und Ab-schilferung der oberflächlichen Epidermiszellen kann bei reichlicher Exsudation eine sehr starke sein (sog. Schilferflechte). War der Ent-zündungsprocess ein sehr tiefgreifender, so bleiben auf der dunkel-pigmentirten Haut hellere, zart behäutete kahle Stellen zurück (sog. Schäl-knötchen).
Behandlung. Die beschriebene Ekzemform ist sehr unschuldiger Natur und heilt meist von selbst, wenn die einzelnen Stadien der Entzündung abgelaufen sind; auch die Haare ersetzen sich auf den kahlen Hautstellen allmählich wieder. Eine Behandlung ist daher in der Regel überflüssig. -Wird eine solche verlangt, so sucht man die aufliegenden Schörfchen und Schuppen durch Glycerin oder reines Fett zu erweichen oder man lässt die kahlen Stellen zur Beförderung des Haarwuchses mit Spirituosen Mitteln einreiben. Am besten eignet sich hiezu der Theerspiritus und Creolinspiritus (1:510). Auch das Ichthyol ist empfohlen worden. In vereinzelten Fällen ist die Behandlung sehr langwierig oder es widersteht das Ekzem, namentlich wenn es universell ist, jeder Behandlung; die Ursachen dieser unheilbaren, Monate und Jahre dauernden Ekzeme sind nicht bekannt.
Prurigo. Mit diesem Namen bezeichnet man beim Menschen einen knütchenartigen, chronischen, heftig juckenden Hautausschlag vorwiegend an den Streckseiten der Unterextremitilten, welche fast ausschliesslich im früheston Kindesalter beginnt, offenbar vererbt wird und nach Jahre langer Dauer schliesslich zu charakteristischen bleibenden Hautveriinderungen (Ver-diokungen, Pigmentirungen) führt. Dabei ist die Prurigo nur selten heilbar und viele Kranke gehen an dem Ausschlage in Polge des andauernden heftigen Juckreizes, der steten Aufregung und überhandnehmenden Erschöpfung zu Grunde. Diese beim Menschen ausserordentlich genau präcisir-bare Ausschlagsfbrin soll nach allgemeiner Annahme auch bei unseren Haus-thieren vorkommen und wird in den Lehrbüchern der speciellen Pathologie auch unter dem Namen Juckausschlagquot; beschrieben. Nach unserem Dafürhalten ist es jedoch nicht gerechtfertigt, ein der Prurigo des Menschen entsprechendes Hautleiden bei unseren Thieren anzunehmen. Das bei den verschiedenen Thieren (Pferd, Hund, Rind, Schaf) angeblieh beobachtete Krankheitsbild stimmt weder nach den Ursachen, noch nach den Erscheinungen und dem Verlauf mit der Prurigo des Menschen überein; wir können an den Beschreibungen des Juckausschlages bei den Thieren überhaupt nichts Charakteristisches finden. Wir selbst haben eine wahre Prurigo bei Thieren noch nicht beobachtet, sind vielmehr der Ansicht, dass ein kleiner Theil der als Prurigo beschriebenen Fälle nichts Anderes ist, als ein papulöses
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Ekzem ties Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;530
Ek/.em, indem die Beschreibungen der Prurigo von letzterem häufig gar nicht zu unterscheiden sind, und dass der grössere Theil, besonders die chronisclien und schwer heilbaren Fälle, ins Capitel der Räude gehOren. Wir haben daher im Interesse einer einheitlichoreu Auffassung der Hautkrankheiten die Prurigo nicht unter die Dermatosen aufgenommen.
Pruritus. Mit dieser Benennung bezeichnet man beim Menschen Hautjucken ohno anatomisch nachweisbare Hautveränderungen, welches häufig nur die Streckseiten der Extremitäten, die Handteller und Fusssohlen, sowie die Genitalien und die Umgebung des Afters betrifft und offenbar nervösen Ursprungs ist. Ob bei unseren Hausthioren ein wahrer nicht durch Baude bedingter Pruritus vorkommt, ist trotz diesbezüglicher Angaben mehrerer Autoren zweifelhaft. In einzelnen (7) Fällen glauben wir allerdings eine ähnliehe Affection beim Hund beobachtet zu haben.
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2. Das chroBische spamöse Ekzem des Pferdes.
(Kleien- und Schuppenflechte, Ilungerräude.)
Literatur. Hering, Speo, Path., 1858. S.212. Röu, Spec. Path., 1885. II. S. 134f. Bciike, Adams, The ret. journ., Bd. 27. Lippold, S. ,T. B., 1890. S. 70. Daoes, ViVc, 1891. Dikckeiuiofk, Spec, Path., I, 1892. S. 985. Haubneh-Siedamorotzky. L. T/i., 1893. S. 313. - Blanchard, A. de Hmx., 1893.
Aetiologie. Das squamöse Ekzem wird zwar in einzelnen Lehrbüchern als selbststündige Hautkrankheit unter dem Namen Schuppen-und Kleienflechtequot; beschrieben und mit der Psoriasis und Pityriasis des Menschen identificirt, indess mit Unrecht. Offenbar können die allerverschiedensten Ekzemformen bei längerer Dauer schliesslicli in das squamöse Stadium übergehen, wodurch der Eindruck einer eigenartigen Dermatose vorgetäuscht wird. Die Ursachen decken sich demzufolge mit denjenigen des Ekzems im Allgemeinen. Vor Allem scheinen Unrcinlicbkeit und schlechte Hautpflege, sowie schlechte Ernährungsverhältnisse (sog. Hungerräude) die Krankheit zu begünstigen. Ueber die Einwirkung von Pilzen ist nichts Sicheres bekannt.
Symptome. Die wichtigsten Krankheitserscheinungen des squa-mösen Ekzems bestehen in Auflagerung von mehl- oder kielenlaquo; ähnlichen Schupp eben auf der Haut, wobei letztere unter diesen Schuppen chronische Veränderungen: Verdickung, Verfärbung und Induration zeigt; Juckreiz ist meist nur geringgradig vorhanden. Am häufigsten findet man eine derartige Schuppenauflagerung am Kopfe, besonders über den Augenbogen und auf der Innenfläche der Ohr-
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Ekzem Jes Pferdes.
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muscheln, sodann am Halse, am Grund der Mähne, an den Schultern, am Ellenbogen, an den Hanken, an der Schweifwurzel, auf der Beugeflüche des Carpal- und Fesselgelenks. Im letzteren Falle wird das squamöse Ekzem auch als eine Form der Raspe und Mauke bezeichnet. Der Verlauf des in der Regel ganz unschuldigen Hautleidens ist ein chronischer und kann sich über Monate und Jahre erstrecken; baldig tritt von selbst Heilung ein.
Therapie. Die Behandlung besteht in sorgfältiger Hautpflege, Aufweichen der Schuppen mittelst grüner Seife oder Auftragen von The er-bezw. Creolinpr ä paraten (Salbe, Liniment, Spiritus). Der Theer und das Creolin scheinen den chronischen Entzündungs-process in einen acuten, rasch abheilenden zu verwandeln. Ganz ähnlich wirkt auch eine Chrysarobin- und Ichthyolsalbe (1:10).
Psoriasis und Pityriasis. Die Bezeichnung der Schuppen- und Kleien-fiechte als Psoriasis und Pityriasis im Anschluss an die beim Menschen vorkommenden Hautaft'ectionen ist nicht gerechtfertigt.
1.nbsp; nbsp;Die Psoriasis des Menschen stellt eine Infiltration des Papillar-körpers mit ilbermässiger Verhornung der darüber liegenden Epidermis dar, wobei anfangs rothe Knötchen (P. punctata) mit hornigen asbestartigen Schuppen (P. guttata) auftreten, welche später die Grosse eines Thalers erreichen (P. nummularis), ja selbst mit einander confluiren und grosso Strecken überziehen können; häufig heilen die Plaques zuerst im Centrum ab, wobei ringförmige und bei Confiuenz mehrerer guirlandenähnliche Zeichnungen entstehen (P. annularis und gyrata). Prädilectionsstellen sind die Streok-seiten des Ellenbogen- und Kniegelenkes, der behaarte Kopf, die Stirnhaut und die Ohren. Wir haben eine derartige Hautkrankheit bei unseren Haus-thieren noch niemals beobachtet.
2.nbsp; nbsp;Die Pityriasis des Menschen ist eine ausserordontlich seltene Hautaffection, welche sich in einer Köthung und Schuppung der Haut zuweilen über die gesammte Körperoberfläche äussert und zu Atrophie, selbst Gangrän der Haut, Abmagerung und schliesslich zum Tode führt. Eine derartige Hautkrankheit kommt bei unseren Hausthieren nach unseren Erfahrungen nicht vor. Schindelka hat beim Schwein Ekzeme beobachtet, die er für identisch mit Pityriasis rosacea hält.
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Das chronische, grindartige Ekzem der langbehaarten Körpertheile
des Pferdes.
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(Mähnen- und Schweifgrind, Weichselzopf.)
Literatur. Hebino, Spec. Path., 1858. Spinola, .sgt;laquo;c. Path., 18G3. Habelbaoh, Z. f. M. u. Ft., 1884. S. 230. Roll, Spec, l'uth., 1885. Fredeiukx, Holt. '/.., 1880. Bass, Th. Rdsch., 1887. S, 296. Albrkcht, IK. f. Tit., 1888. S. 330. Zürn, Die pflanzt, l'aras., 1889. ö, 270 u. 300. Smiznow, Chark. Vet., 1891. Nr. 4.
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Ekzem des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 541
Vorkommen. Man findet das Ekzem in seinen verschiedenen Stadien, insbesondere die höhergradigen Formen desselben, so das Stadium madidans und pustulosum, beim Pferde sehr häufig an den mit laugen Haaren besetzten Körpergegenden, besonders am Kammrande des Halses (Mähnen- oder Hals grind), am Schweife (Schweifgrind), seltener am Kopfe (Kopfgrind und Lippengrind). An den Folgen der Entzündung und Ernährungsstörung der Haut nehmen secundär auch die Haare Thoil, welche entweder mit einander verkleben und atrophiren (Weicliselzopf) oder zum grössten Theile ausfallen (U attensch weif).
Aetiologie. Die Ursachen des grindartigen Ekzems an den mit langen Haaren besetzten Hautstellen sind rein localer Natur. Zunächst kommt in Betracht die Unreinlichkeit und mangelhafte Hautpflege an den langbehaarten Körpergegenden, welche zur Anhäufung herabfallenden Staubes, z. B. Heustaubes, sowie anderer reizender Stoffe von aussen her sehr geeignet sind und insbesondere auch zahlreichen Parasiten (Läusen, Haarlingen) Aufenthalt gewähren. Aus diesem Grunde ist das Ekzem auch am häufigsten in schlechten, verwahrlosten Wirthschaften und in solchen Ländern zu finden, wo die Haarpflege des Pferdes wegen gewisser inthümlicher und selbst abergläubischer Vorstellungen absichtlich vernachlässigt wird, z. B. in Polen, Russland, der Tartarei (polnischerquot; Zopf). Umgekehrt kann indess auch eine übertrieben sorgfältige Hautpflege, so vor Allem das zu häufige Waschen der Mähne und des Schweifes mit Seife, wobei sehr häufig nicht alle Seife wieder herausgewaschen wird, durch den wiederholten und andauernden Reiz der letzteren zum Ekzem führen. Weiter ist darauf hinzuweisen, dass bei längerer Benässung der dichten Mähnen- und Schweifhaare nach anhaltendem Regen oder zu häufigem Waschen die in der Tiefe vorhandene feuchte Wärme eine Maceration der Epidermis, sowie eine Zersetzung der normalen Haut-secrete (Talg, Schweiss) bedingt, welche wie bei der Regenfäule des Schafes die directe Ursache eines Ekzems werden kann, wozu die unter den Haaren befindliche zarte und feine, weil geschützte Haut noch ausserdem prädisponirt erscheint. Endlich hinterlassen vorausgegangene Entzündungsprocesse an den genannten Stellen gerne Folgezustände, welche die Neigung zu Recidiven besitzen (Ek-zema squamosum).
Symptome. Die Anfangsforraen des Ekzems der langbehaarten Körpertheile bleiben wegen der dichten und langen Behaarung, sowie
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542nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bkzeni des Pferdes.
bei mangelhafter Hautpflege gewöhnlich inientdeckt. Erst wenn sich in Folge Anhäufung und Zersetzung der Entzündungsproducte ein höherer Grad des Leidens gebildet hat, wird die Aufmerksamkeit der Thierbesitzer durch die allmählich deutlicher in die Augen fallenden Veränderungen an den Haaren, sowie durch das anhaltende und heftige Reiben, Scheuern und Nagen der Thiere geweckt. Die Veränderungen sind dann meist folgender Art. Die Haut am Grunde der Haare zeigt in kleinerer oder grösserer Ausdehnung einen bald serösen, bald eiterigen, bald blutigen, bald endlich krustenartigen Belag an Stelle der Epidermis; zuweilen sind auch Bläschen und Pusteln wahrzunehmen. Die Haare sind durch eine schweiss- oder fettartige, schmierigklebrige, schmutzige, übelriechende Masse mit einander verklebt, zusammengebacken und oft zu handhohen Ballen, Polstern, Wülsten,- Zöpfen verfilzt (Weichselzopf, Plica polonica). hu weiteren Verlaufe ändert sich offenbar in Folge Uebergreifens des Ent-zündungsprocesses auf die Haarpapillen die Beschaffenheit der Haare. Dieselben werden dünner, kräuseln sich leichter und geben in diesem krankhaften Zustande noch mehr zur Verfilzung und Zopf bildung An-lass. An anderen Stellen, wo die Thiere sich leichter reiben und benagen können, kommt es zur Atrophie und zum Ausfall der Haare, so am Schweife; an letzterer Stelle bildet sich im Verlaufe der Zeit meist auch Sklerose der Haut mit nachfolgender Depression der Haarpapillen aus, was zu einem bleibenden Haarverluste führt (Rattenschweif). Daneben verdickt sich die Haut, wird spröder und derber und geht häufig in den chronisch-entzündlichen Zustand des Ekzema squamosum über.
Die Dauer dos Processes kann auf diese Weise eine sehr langwierige und die Heilung eine schwierige, wenn nicht unmögliche werden.
Behandlung, Neben gründlicher Reinigung mittelst Seife besteht die Hauptaufgabe in Austrocknung der nässenden und grindartigen Hautstellen. Um jedoch diesen Zweck zu erreichen, ist es sehr zu empfehlen, die verfilzten und verklebten Haare, wenn immer möglich, vorher an ihrem Grunde abzuschneiden. Auf die nunmehr der Behandlung zugängige Haut kann man dann entweder ein Creolin-oder Theerliniment oder adstringirende oder austrocknende Pulver (Jodoform mit Eichenrindenpulver), oder endlich eine (iprocentige Höllensteinlösung appliciren. Letztere hat indess bei hellem Haarkleide eine Verfärbung zur Folge, worauf vor der Anwendung auf-
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Kkzem des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 543
mei'ksam zu machen ist. Meist vergeht bis zu einer entschiedenen Besserung eine geraume Zeit.
Weichselzopf. Wir haben im Vorstehenden den soj*. Weichselzopf, die Plica oder Triea polonica, als eine Theilerschelnung des nässenden und grlndartigen, chronischen Ekzems des Kammrandes aufgefasst, wobei es in Folge üebergreifeus des Entzümlungsprooesses von der Haut auf die Haarpaplllen zur Production eines krankhaft veränderten Haares kommen kann. Derselbe ist offenbar etwas durchaus Nebensächliches, so dass man sich nur wundern muss, welche wichtige und bedeutende Kolle der Weichselzopf früher in den Lehrbüchern der Veterlmlrpathologle und in den Anschauungen der Laien eingenommen hat. Anfangs wurde er geradezu als ein enzootlsches Leiden aufgefasst, mit welchem ausserdem die Vorstellung eines kritischenquot; Zeichens verbunden wurde. Sein Auftreten sollte ein Inneres Leiden zur Hellung bringen; seine Entfernung tüdtlli-h wirken! Spinola u. A. vermutheteu als Ursache des Weichselzopfes ein OOnstitutionelles Leiden. Haubner rechnete Ihn zu den Ernährungsstörungen, wieder andere nahmen Pilze als Entstehungsursache an. In neuester Zelt beobachtete ihn Haselbach bei 10 Proc. aller polnischen Pferde und hält ihn für ein Haarleiden, bei dem sich aus den Haarschäften (!) eine klebrige Flüssigkeit absondere. Die älteren, zum Thell geradezu barocken Ansichten wurden durch die Unterscheidung eines echtenquot; und falschenquot; Weichselzopfes noch confuser. Unter letzterem verstand man nämlich eine einfache Verfllzung von Haaren durch Schmutz und sonstige Fremdkörper, z. B. grannige Pflanzensamen, Distelköpfe. In Wirklichkeit jedoch 1st die Bedeutung des Weichselzopfes beim Pferde eine geringe, wie dies beim Menschen schon lange erkannt ist, wo er ebenfalls nur als ein nässendes, mit Verfilzung der Haare complicirtes, chronisches Ekzem der Kopfhaut aufgefasst wird.
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4.nbsp; Das Ekzem der Beugeflächen der unteren Extremitätengeleuke.
(Ekzematöse Mauke und Raspe.)
Literatur. Stbaub, Refr, 1S:gt;S. S.213. Die Lehrbücher der spec. Pathologic von IIkiuxc, Spinola, Roll, Haubner^Siedamqrotzky, Pütz, Anackeb, Öieckebhoff u. s. w.
nbsp; Marly u. Oaussä, ./. du Midi, 1860/61. Laurent, lire, 1871. Leblanc, Bull noc. centr., 1872. Trasbot, /Wrf.,'1884. Prietsch, S. J. Ji., 1884. S. 94. .Tklkmaxn, Rimäsohau, 1886. 8. 86. Siedamorotzkv u. Bonx, 1). Z. f. 77/., 1886.
5.nbsp; 180. BURKE, The VH. Journ., 1886. Köll, Jaliresher. pro 1887. S. 162. Malzew, TnauffrDiss,, Charkow 1888. Siraub, Z. f. Vet., Bd. 2. S. 1. Voss, Ibid., S. 440. HObner, BnXcEn, S. J. H., 1889. S. 70; 1893. S. 126. Möller, M. f.jgt;. Tit., 1889. S. 49. Immnoer, ir. f. 77/., 1891. S. 109. Albbecht, Ibid., S. 884. Schlampp, .1/. f. p. Th., 1891. S. 193. Bermbach, X. f. Vet., 1891. S. 111.
nbsp; P. Mil. V. B., 1891. S. 149. Schneider, S. J. Ji., 1891. 8. 103. Lemke, ir. f. Th., 1893. S. 118. Hoffmann, h'ep.. 1898. Basauew, Pet. A., 1893. S.142.
nbsp; Waldteufel, Pellerin, Jicc, 1893. Lanzilloti, Clin. ret., XV. 8. 37. Vergl. ausserdem die thicriirztlichen Lehrbücher der Chirurgie.
Vorkommen. Die auf die Beugeflächen der Extremitätengelenke localisirten Ekzeme hat man von jeher mit besonderen Namen bezeichnet. Am wichtigsten ist das in der Fesselbeuge vorkommende
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544nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ekzem des Pferdes.
nässende Ekzem, die ekzematöse Mauke, welche im Gegensatze zu dem ebenfalls in der Fesselbeuge auftretenden Pockenexanthem des Pferdes, der sog. Schutzmauke, und den übrigen chirurgischen Mauken-formen wohl auch genauer als Schrunden- oder Schmutzmauke bezeichnet wird. Das Ekzem in der Beugellilche des Carpal- und Tarsalgelenkes, die sog. Raspe, ist viel seltener als die Mauke, weil die betreffenden Gelenkflächen weiter oben liegen und daher gegen Einwirkungen vom Boden her besser geschützt sind; sie verläuft mehr in der Form des chronischen squamösen Ekzems. Bezüglich der übrigen Formen der Mauke, der erysipelatösen, gangränösen und verru-cösen Mauke vergl, die Lehrbücher der Chirurgie.
Aetiologie. Die Beugeflächen der genannten Gelenke besitzen in Folge der Verschiebung und Faltenbildung der Haut bei jeder Bewegung eine Prädisposition zur Ekzembildung. Dazu gesellt sich die reizende Einwirkung von Schmutz und Staub, z. B. auf schmutzigen Wegen oder in eben solchen Stallungen, sowie von Feuchtigkeit und Nässe bei Regen- oder Thauwetter, und endlich die der Kälte. Aus letzterem Grunde ist die ekzematöse Mauke im Winter häufiger, als im Sommer zu beobachten, auch werden die Hinterfüsse, weil sie im Stalle der Beschmutzung durch Koth mehr ausgesetzt sind, öfters befallen als die Vorderfüsse. Prietsch hat die Mauke bei Pferden im Winter nach Aufstreuen von Salz auf die Pferdebahnschienen beobachtet; dagegen haben Siedamgrotzky, Born u. A. bei ihren diesbezüglichen Versuchen keine nachtheilige Wirkung des Salzstreuens constatiren können. Das Abschneiden des Fesselbehanges (Köthenzopfes), der besonders bei unedlen Thieren sehr stark entwickelt ist, und einen natürlichen Schutzapparat für die Fesselbeuge und Fesselgrube darstellt, scheint ebenfalls zuweilen eine indirecte Ursache für die Entstehung eines Ekzems daselbst insofern zu bilden, als die Beugefläche des Fesseis dadurch gegen die reizende Einwirkung, insbesondere der Nässe und Kälte, sowie des Schmutzes weniger geschützt ist.
Die von Straub nach dem Exerciren von Militiirpferden auf Stoppelfeldern beobachtete sog. traumatische1' Mauke nähert sich mehr einer in-feotiiisen Hautentzündung (erysipelatöse Mauke), als einem einfachen Ekzem. Das der Mauke allerdings sehr ähnliche Krankheitsbild wurde durch eine grosse Anzahl kleiner, oberflächlicher Hautwunden mit seeundärer ery-sipelatüser und phlegm on öser Hautentzündung hervorgerufen. Eine derartige infectiiise Dermatitis entwickelt sich übrigens nicht selten auch im weiteren Verlaufe des Maukeekzems, indem septische Stoffe auf die geplatzten Bläschen
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Mauke.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;545
oder in die Risse und Spalten der Haut gelangen, Malzew hat als Ursache der erysipelatösen, ansteckenden Mauke den Streptococcus erysipelutis nachgewiesen. Seine Ansicht, dass jede Mauke erysipolatöser Natur sein soll, ist indessen wohl nicht zutreffend.
Symptome. Die Erscheinungen der Mauke und Raspe entwickeln sich bei acutem Verlaufe in sehr typischer Weise. Zunächst ist die Haut höher geröthet, geschwollen, schmerzhaft und wärmer anzufühlen (Stadium erythematosum). Bald treten jedoch auf derselben kleine helle Bläschen auf (Stadium vesiculosum), welche platzen und eine wässerige, gelbliche, anfangs geruchlose Flüssigkeit entleeren (Stadium madidans). Die geschwollene Haut bildet ferner bei der Bewegung des Thieres dicke Falten, auf welchen leicht Risse und Schrunden (sog. Rhagaden) entstehen, die sich entzünden und bald mit eingetrockneten Borken bedecken. Dabei sind die Haare mit einander verklebt, oder sie sind gesträubt und zum Theil ausgefallen. Die Bewegung auf dem betreffenden Fusse ist eine steife, gespannte.
Während nun die Raspe in diesem Stadium entweder abheilt oder in ein squamöses chronisches Ekzem mit wulstförmiger Verdickung der Haut, sowie Neigung zu acuten Nachschüben übergeht, kann die ekzematöse Mauke bei längerer Dauer ganz bedeutende Veränderungen in der Fesselbeuge herbeiführen. Im weiteren Verlaufe zersetzt sich nämlich dvj auf der Oberfläche der Haut abire-sonderte Flüssigkeit und maceril't die Epidermis. Man findet dann ein missfarbiges, schmieriges oder breiartiges Secret mit intensivem Käse- oder Fäulnissgeruche, welches vermöge seiner reizenden Eigenschaften geschwürige Substanzverluste auf der Haut erzeugt und zu chronischen Verdickungen derselben Veranlassung gibt. Es entstehen so in der Fesselbeuge theils ausgedehnte wunde, mit Granulationen bedeckte Stellen, theils höckerige oder schwielenartige Verdickungen der Haut mit tiefen Schrunden und Rissen. Dabei sind die Haare gesträubt und borstenartig aufgerichtet (sog. trockener und feuchter Straub- oder Igelfuss). Die Verdickung der Haut kann im Verlaufe von Monaten und Jahren in ausgesprochene Elephantiasis übergehen. Dabei erhält sich auf der Oberfläche der Haut ein chronisches squamöses Ekzem (sog. Schuppenmauke). In der Umgebung des Maukeprocesses beobachtet man nicht selten Schwellung der Haut bis zum Mittelfuss hinauf; auch Strahlfäule ist eine häufige Begleiterscheinung der chronischen Mauke. Endlich kann die ekzematöse Mauke beim Hinzutreten specifischer Infections-stoffe in die erysipelatöse und gangränöse Form übergehen.
Friedberger u. Fröliuer, Pathol. u. Theraiiie d. llausthiere. I. Bd. l. Aufl. 35
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Manko.
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Therapie. Die Behandlung der Mauke und Haspe ist je nach dem Stadium eine verschiedene. Im Anfange genügt Reinlichkeit und T r o c k e n h a 11 u n g, ein Streupulver (Zinkoxyd und Stärkemehl), Eichenrindenpulver, eine Zink- oder Bleisalbe. Bei höheren Graden des Leidens jedoch müssen energischere Mittel angewandt werden. Hauptsächlich sucht man die anhaltende Absonderung und Zersetzung des Maukesecretes durch austrocknende, desinficirende und adstringirende Mittel einzuschränken. In dieser Beziehung ist das schon öfters erwähnte Creolin- und Theerlinimont von hervorragendem Nutzen. Aber auch austrocknende Pulver (Eichenrinde, Eisenvitriol, Gyps, Kohle) oder adstringirende Bäder (Alaunlösung, Sublimat b ä d e r, E i c h e n r i n d e n a b k o c h u n g) sind von Erfolg. Massige Grade kann man lediglich durch häufiges Anlegen eines trockenen Jodoform-, Sublimat-, Creolin-, Pyoktaninverbandes zur Heilung bringen. Bei Granulations- und Sclnvielenbildung, also beim entwickelten Straub- und Elephantenfusse, lassen die gesaminten Mittel indess meist im Stiche. Eine vollkommene restitutio ad integrum ist hier für gewöhnlich unmöglich und man nmss sich darauf beschränken, die üppig wuchernden Granulationen und Schwielen durch Exstirpation oder Aetzmittel zu beseitigen, d. h. es muss eine chirurgische Behandlung wie bei Neubildungen der Haut eingeleitet werden.
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C. Ekzematöse Hauterkrankungen beim Rinde.
Allgemeines. Ueber den ganzen Körper verbreitete, nicht parasitäre Ekzeme sind beim Rinde seltener als beim Pferde. Im Uebrigen kommen beim Rinde so ziemlich dieselben Ausschlagsformen vor wie bei letzterem. So hat man, wenn auch selten, das papulös-vesi-culäre, sowie das desquamative Ekzem in der Form der sog. Kleien- und Schuppenflechte und der Hungerräude auch beim Rinde beobachtet, desgleichen ein grindartiges in der Form des sog. Weichselzopfes an der Schweifquaste. Mehr als bei anderen Thieren wird beim Rinde als Ursache des Ekzems eine bestimmte Fütterungsweise beschuldigt. Die in den älteren Lehrbüchern viel besprochene sog. Traubenkainmkrankheitquot; des Rindes bildet hiefür einen Beleg. Dieselbe stellt nämlich einen anfangs papulösen, später pustulösen Ausschlag, besonders an den Extremitäten dar, welcher durch die Fütterung von Traubenkämmen
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Schlempomauke.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;547
und llebenlaub entstehen soll. Auch nach Verfütterung von Maiskleie ist ein ähnlicher Ausschlag beobachtet worden. Noch viel wichtiger aber erscheint der Einfluss der Fütterung bei der practisch und theoretisch bedeutendsten Hautkrankheit des Rindes, der sog. Schlempemauke, mit welcher die Traubenkammkrankheit offenbar nahe verwandt ist. Gegenüber der Schlempemauke verlieren alle anderen nicht parasitären Ekzemformen beim Rinde so sehr an Bedeutung, dass es bezüglich ihres Krankheitsbildes und ihrer Behandlung genügt, auf die beim Pferde besprochenen Verhältnisse hinzuweisen. Dagegen bedarf die Schlempemauke einer eingehenden Besprechung.
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Die Schlempemauke des Rindes.
(Rindermauke, Fussmauke, Fussgrind.)
Literatur. Johne, S. ./. H., 1877. S. 148210; enthält eine vollständig-e Angabe der älteren und neueren veterniär-medicin. und landw. Literatur. Ausserdem : ß. A., 1879. S. 220. Rahe, FüliUm/'s lamliv. Zeug., 1875. S. 179; //. J. H., 1875. S. 80; D. Z. f. Th., 1879. S. 284. Heiss, W. f. TU., 1885. S. 345. Bqoelino, B. A., 1885. S. 303. #9632; Monuo, Jbid., S. 304. Heinzelmann, Landw. 'J'lu'erzuclit, 1885. Klein, ß. A., 188G. S. 292. Wegkneh, ]bid. Bolle, Ibid., S. 295. -Baranski, Oe. Revue, 1886. S. 65. Laporte u. Vehfallie, Ihdl. Belg,, 1886. Hehninoeh, ß. th. M., 1886. S. 24 u. 69. Bräutigam, Inauf/.-Diss., Leipzig 1886.
nbsp; Feiffeh, Zeitschr. für SpMtusindustrie, 1887. S. 23. Möbius, S../. B., 1888. S.78. - Zürn, Die pfland. Faras., 1889. S. 280. Eeihhardt, W.f. Tit., 1891. S. 87. Dammann, Gesundheitspflege, 1892. - Kunze, Robert, S../. ß., 1893. S. 123.
nbsp;SCHRÖDER, W.f. Th., 1894. S. 397. Kühn, ./;. th. W., 1894. S.521. Hartenstein, S. J. /gt;'., 1894. S. 128. Döderlkin, IT. /#9632;. Th., 1895. S. 77.
Wesen. Ueber den Begriff und das Wesen der sog. Schlempemauke des Rindes herrschen zur Zeit immer noch sehr verschiedene Ansichten. Offenbar hat man von jeher unter diesem Namen Ekzemformen zusammengeworfen, welche ätiologisch gar nichts mit einander gemein haben, klinisch jedoch sehr schwer oder gar nicht aus einander zu halten sind. In der Literatur wird z. B. vielfältig auch ein sog. Träberausschlagquot; nach Verfütterung von Bier- und Wein-träbern, Luzerne, weissem Senf, pilzbesetztem Futter u. s. w., ja selbst die Fussräude des Rindes (Dermatophagusräude) mit der Schlempeoder Rindermauke identificirt. Insbesondere aber scheint die der Schmutz- oder Schrundenmauke des Pferdes entsprechende Schmutz-mauke des Rindes nicht selten als Schlempemauke bezeichnet worden zu sein. Diese Schmutzmauke des Rindes, deren Existenz von verschiedenen Seiten, wenn auch ohne Grund, angefochten wurde, ist allerdings klinisch von der Schlempemauke nicht immer leicht zu
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548nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Schlcmpemauke.
unterscheiden; gerade beim Rinde können ganz verschiedene Ursachen gleiche oder ähnliche Hautaffectionen hervorrufen. Indessen ist die Veranlassung der beiden eine vollständig andere, indem die Schmutz-raauke, wie beim Pferde, durch äussere Einflüsse, so vor Allem durch Unreinlichkeit, schlechte Hautpflege, Nässe, Kälte u. s. w., die Schlempemauke dagegen zunächst lediglich durch die Verfütterung der Kartoffelschlempe erzeugt wird. Schmutzmauke und Schlempemauke sind also zwei grundverschiedene Formen der Mauke des Kindes im Allgemeinen. Diese Verwirrung in den Bezeichnungen hat auch zu ganz abweichenden Auffassungen über das Wesen der Schlempemauke führen müssen. Die verschiedenen diesbezüglichen Ansichten sollen weiter unten des Näheren erörtert werden. Wir selbst erblicken in der Schlempemauke ein toxisches Exanthem, analog den Arzneiexanthemen, z. B. dem Mercurialgrind, welches durch einen bisher noch unbekannten giftigen Stoff der Kartoffelschlempe bezw. der Kartoffelpflanze überhaupt, hervorgerufen wird und den Charakter eines vorwiegend vesicularen Ekzems besitzt.
Vorkommen. Die eigentliche Schlempemauke ist erst seit etwa 70 Jahren bekannt. Ihr erstes Auftreten in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts ist mit der um diese Zeit zunehmenden Ausbreitung des Kartoffelbaues und der Einrichtung grosser Kartoffelbrennereien, sowie der dadurch bedingten reichlichen Kartoffelschlempefütterung eng verknüpft. Spinola hat die Krankheit zum ersten Male im Jahre 1827 gesehen und 1836 genauer beschrieben. Am häufigsten erkranken Mastochsen und männliche Thiere, nächstdem Mastkühe. Milchkühe bleiben dagegen von der Schlempemauke oft verschont. Dabei scheinen manche Thiere eine gewisse individuelle Disposition für die Krankheit zu besitzen, während andere bei gleicher Fütterung eine ebenfalls ganz individuelle Immunität zeigen. Die schwersten Krankheitsfälle ereignen sich im Frühjahr bis gegen den Anfang des Sommers, was oft'enbar mit der um diese Zeit ihren Höhepunkt erreichenden Keimung der Kartotteln in Verbindung zu bringen ist. Besonders heftig erkranken neu eingestellte Thiere, weshalb die Mauke auch am häufigsten in Viehständen mit öfterem Vieh-wechsel beobachtet wird. Unter solchen Bedingungen können auch neu eingestellte frisch milchende Kühe erkranken. Meist werden nur die Fussenden der hinteren Extremitäten von der Krone bis zum Sjjrunggelenke ergriffen. Doch kann sich der Ausschlag auch
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Schlempcmauke.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;549
auf die Vorderfüsse besclirilnken, oder es können alle vier Extremitäten zusammen erkranken. Indess ergreift das Leiden auch andere Körperstcllen, den Rumpf, Hals u. s. \v., wenn auch seltener. Die Beschaffenheit des Stalles hat keinen Einfluss auf das Ausbrechen der Krankheit. Dieselbe kommt vielmehr in ganz musterhaften, reinen Stallungen bei der reichlichsten und besten Streu und bei vollkommen trockenem Stande vor.
Aetiologie und Pathogenese. In den häufigsten Fällen wird die Sohlempemauke durch die Fütterung der Kartoffelschlempe hervorgerufen. Andere Schlempen, wie Korn- und Maisschlempe, sind in dieser Beziehung in der Regel ungefährlich, desgleichen wohl auch die von Einigen beschuldigten Bierträber. Der Grad der Erkrankung steigt mit der Menge der verfütterten Kartoffelschlempe. Ausschliess-liche Scblempefütterung oder grosse Schlempemengen (80 Liter pro Tag und Kopf) bei wenig Rauhfutter oder sonstigem Beifutter haben die schwersten Erkrankungen zur Folge, während der Ausschlag bei massigen Schlempemengen (40 Liter) beschränkt und milder verläuft. Am stärksten wirkt die von gekeimten Kartoffeln stammende, sowie eine stark gährende Schlempe. Dabei muss die eigenthümliche That-sache hervorgehoben werden, class nicht jede Kartoff'elschlempe gleich schädlich ist. Je nach den verschiedenen Jahrgängen sind Krankheitsfälle in einem und demselben Stalle seltener oder häutiger. Man kann dies entweder auf irgend welche Variationen des Gilhrungs-processes bezw. der Gährungsproducte oder auf verschiedene Arten, verschiedenes Wachsthum, verschiedene Bodenbeschaffenheit und Düngung der Kartoffelpflanze u. s. w. zurückführen, welch letztere sich vielleicht wie die Lupinen je nach dem Standort in ihrer Wirkung ändert. So beobachtete man das Auftreten der Krankheit nach Einführung der Gleasonkartoffel. Die Destillation der Maische soll von besonderem Einflüsse auf die Entstehung der Krankheit sein, insofern als Schlempemauke hauptsächlich auftritt, wenn Schlempe verfuttert wird, welche von einer schnell destillirten Maische herrührt. Die Säuerung der Schlempe ist für die Entstehung der Krankheit ohne Belang.
Die Schlempemauke wird indess nicht ausschliesslich durch die Fütterung der Kartoftelschlempe, sondern der Kartoffel pflanze überhaupt in jeder Form und Zubereitung erzeugt. Sowohl die rohe wie die gekochte Kartoffel, das Kochwasser der letzteren, und insbesondere das Kartoffelkraut rufen bei ihrer Ver-
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550nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Schlempemauke.
t'ütterung nicht selten ganz denselben Ausschlag hervor, desgleichen keimende Kartoffel und das saure Maischgut. Es muss also offenbar ein bestimmter giftiger Stoff schon in der Kartoffelpflanze selbst enthalten sein, welcher bei der Schlempebereitung zurückbleibt und nach dem Austritte der Kohlehydrate aus der Kartoffel in relativ grösserer Menge in derselben vorhanden ist. lieber die Natur dieses giftigen Stoffes ist etwas Sicheres zur Zeit noch nicht bekannt. Seine Wirkung stellt man sich wohl am besten in der Weise vor, dass derselbe bei seiner Ausscheidung durch die Talg- undSchweiss-drüsen der Haut reizende und entzündungserregende Eigenschaften äussert, welche zu Ekzembildimg führen. Mit dieser Annahme steht das seltenere Erkranken der Milchkühe in vollem Einklänge, indem bei denselben jenes giftige Agens durch die lebhafte Secretion der Milchdrüsen aus dem Körper der Thiero entfernt wird. Dass die Milch maukekranker Kühe in der That einen giftigen Stoff enthält, wird durch die vielfach beobachtete schädliche Einwirkung der Milch auf Kälber und Kinder bewiesen, von denen erstere an Durchfall, letztere an Ausschlägen erkranken. Auch die bei ausreichender Bewegung der Thiere milder verlaufenden Fälle von Schlempemauke lassen sich durch die hiebei gesteigerte Ausscheidung jener Stoffe vielleicht erklären. Der gegen die Annahme erhobene Einwand: warum nur oder vorwiegend die Fussenden der hinteren Extremitäten erkranken? lässt sicli zunächst dahin berichtigen, dass der Ausschlag zuweilen in der That auch über den ganzen Körper vorkommt. Sodann muss der Umstand in Betracht gezogen werden, dass vor Allem die Haut der Hinterfüsse durch die Einwirkung der Nässe und des Schmutzes von Seiten des Bodens, sowie des bei Schlempefütterung gewöhnlich sehr dünnen, ja selbst diarrhoischen Kothes zur Ekzembildung prädisponirt ist. Die geringere Resistenzfähigkeit der Haut der Extremitäten gegen toxische Exantheme (Arzneiexantheme) haben wir ausserdera auch in einem Falle von Bromexanthem bei einem Pferde beobachtet, das nach sehr grossen Dosen von Bromkalium einen über den ganzen Körper verbreiteten Ausschlag bekam, der am Rumpf nur schwach, an den Extremitäten dagegen ausserordentlich intensiv war.
Andere Ansichten über das Wesen der Schlempemauke.
1. Das in der Kartoffel enthaltene Solanin bezw. Solanldin wurde vielfach als wesentliches ätiologisches Moment beschuldigt, und die Schlempemauke als eine Solaninvergiftung aufgefasst, eine Ansicht, die durch die nachweisbare Vermehrung des Solanins zur Zeit der Keimung und die damit zusammenfallenden schweren Fülle von Schlenipemauke nach der Fütterung keimender Kartoffeln oder aus solchen dargestellter Schlempe
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Sclilemiiemauke.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 551
scheinbar gestützt wurde. Tndess fehlen hei der Schlempemauke die für die Solaninvergiftung wesentlichsten und auch experimentell zu erzeugenden narkotischen Erscheinungen: Taumeln, Betäubung, Lähmung u. s. w, (vergl. das Capital der Solaninvergiftung). Ausserdem wirken auch Kartoffeln krankheitserregend, welche noch gar nicht gekeimt haben, also gar kein Solanin enthalten.
2.nbsp; nbsp;Das bei der alkoholischen Gährung nebenher entstehende Fuselöl kann aus mehreren Gründen nicht als Ursache angenommen werden. Zunächst findet sich dasselbe in jeder Schlempe, z. B. auch in der Kornschlempe, ohne dass letztere einen Ausschlag erzeugen würde. Sodann wird die Kartoffelschlempe meist vollständig entfuselt verfüttert. Auch kann von der Anwesenheit des Fuselöls in keimenden Kartoffeln oder im Kartofl'elkraute keine Rede sein. Endlich sind die Erscheinungen der Fuselölvergiftung bekanntlich ganz andere.
3.nbsp; nbsp;Die in der Schlempe enthaltenen Säuren (Essig-, Milch-, Buttersäure) finden sich in jeder anderen Schlempe auch, während sie im Kartoffelkraut stets fehlen; ausserdem ist ihr Gehalt ein so variabler, dass eine unschädliche Schlempe zuweilen mehr davon enthält, als eine schädliche.
4.nbsp; nbsp;Die Hypothese von Johne, welcher den hohen Kaligehalt der Kartoffeln in ätiologische Beziehung zur Schlempemauke bringen wollte, kann die Entstehung eines vesiculären Ekzems nicht erklären, weil die Kalisalze lediglich als Muskelgifte wirken, und bekanntlich ein hoher Kaligohalt bei Nahrungsmitteln durchaus unschädlich ist.
6. Nach Zürn sollen sich die in der Branntweinhefe enthaltenen Sprosshefezellen im Darme in Stabhefezellen umwandeln und im Vereine mit den übrigen Eacterien und Mikrokokken des Darminhaltes auf der Haut eine mykotische Entzündung erzeugen, wenn sie mittelst des Kothes auf letztere gelangt sind. Johne hat gegen diese Annahme mit Recht u. a. die nachfolgenden Einwendungen gemacht. Es finden sich in jeder Schlempe dieselben Hefepilzo, es müsste also jede Schlempe Mauke hervorbringen, was bezüglich der Korn- und Maisschlempe noch niemals beobachtet worden ist. Die incrlminirten Hefezellen und Pilze finden sich ferner auch im Kothe nicht kranker, mit Kartoffelschlempe gefütterter Thiere, ja selbst ohne Schlempefütterung; sie müssen also als zuf ällige Bestandthoile des Kothes betrachtet werden. Bei der allergrössten Reinlichkeit kann weiter Schlempemauke auftreten und ebensogut bei noch so grosser ünreinlichkoit fehlen; ja es erkranken selbst Körperstellen. die mit dem Kothe in gar keine Berührung kommen. Sodann wurde noch nie eine Ansteckung durch den Koth maukekranker Thiere beobachtet; Impfversuche sind stets misslungen, ja es werden sogar Bähungen mit warmer Schlempe von jeher mit Erfolg gegen die Sclilenipemauke angewandt. Auch Baranski hat neuerdings dieses Argument auf Grund eigener Versuche gegen die Zürn'sche Theorie hervorgehoben. Endlich kann bei der nach Fütterung von rohen Kartoffeln, Kartoffelkraut u. s. w. auftretenden Mauke eine Einwirkung von Hefepilzen nicht in Betracht kommen.
tgt;. Rabe hält die Schlempemauke für eine reine Milben räude, die sich durch Ansteckung verbreitet, an das Auftreten und Verschwinden der Milben (Dermatophagus bovis) gebunden ist und zuweilen entsprechend der Lebensweise der Milben einen intermittirenden Charakter zeigt. Hie-gegon macht Johne mit Recht folgende Einwände. Die Milben sind ein rein zufälliger Befund. Johne fand sie nämlich auch sehr häufig bei gesunden Thieren, sowie nach Heilung der Mauke, dagegen fand er sie nur bei einem Drittel der an Mauke erkrankten Thiere. Sodann herrscht in von
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552nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Schlempomauke.
jeher niiiukefreien Stiillen die Steissriiude (die eigentliche Dermatophagus-rilude) ohne irgend welche Maukeaffection am Fessel oder Schienbein, und ohne dass andere Thiere eine Maukeansteckung gezeigt htltten. Auch ist eine Impfung der Schlerapeinauke nie gelungen. Weiter kann die Schlempe-mauko ohne jede medicinische Behandlung lediglich durch Weglassen der Schlempe zu jeder Zeit geheilt werden. Ferner verbreitet sich die Denuato-phagusräude nicht so schlagartig rasch über den ganzen Körper. Endlich ist der Zusammenhang zwischen Kartoffelfütterung und Schlempemauke ein unleugbarer.
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Symptome. Die örtlichen Erscheinungen hei der Schlempe-mauke beginnen durchschnittlich %^5 Wochen nach Beginn der Schlempefütterung, bei ausschliesslicher und reichlicher Verabreichung wohl auch früher. Sie bestehen zunächst in Röthung und Schwellung der Haut im Fessel, in Folge deren die Thiere gleich am Anfang eine Steifheit und Spannung in den Hinterfüssen beim Gehen und Auftreten erkennen lassen. Auf der gerötheten und geschwollenen, schmerzhaft anzufühlenden Haut kommt es nun zur Bildung von Bläschen, welche bald platzen und beim Zusamraeufliessen grössere nässende, wunde Stellen erzeugen, die später eintrocknen und mit oft sehr dicken Krusten und Borken bedeckt werden. Dabei sind die Haare gesträubt und das Ende der betroffenen Extremität erscheint mehr oder weniger verdickt. Zuweilen dehnt sich der beschriebene Ausschlag über den ganzen Mittelfuss, sowie über das Sprunggelenk und Knie, besonders auf der Innenfläche aus und erstreckt sich selbst bis zum Hodensacke beim männlichen, bis zum Euter bei weiblichen Thieren. In einzelnen Fällen endlich ist ausser den Extremitäten auch der ganze Rumpf mit grindartigen Borken besetzt, so der Bauch, die Brust, der Hals, der Rücken u. s. w.; dabei legt sich die geschwollene Haut in Falten, bekommt Spalten und Risse, welche ein flüssiges Exsudat absondern, das theils zu Borken eintrocknet, theils eiterig wird. Neben diesen örtlichen Veränderungen gehen Allgemeinstörungen einher. Die Krankheit beginnt in der Regel mit leichtem Eruptionsfieber, vermindertem Appetite, verzögertem Kothabsatze, Injection und selbst vermehrter Secretion der Conjunctiva, Speicheln u. s. w. Im späteren Verlaufe gesellt sich häufig eine anhaltende Diarrhöe, sowie starker Verfall der Kräfte und Abmagerung hinzu, welche in schwereren Fällen, die durchaus nicht vereinzelt sind, selbst zu Erschöpfung und zum tödtlichen Ausgange führen können. Die Todesursache ist dann eine hinzutretende Septikämie oder Pyämie, So beobachtete Baranski in Galizien im Jahre 1885 unter 380 Ochsen einen Verlust von 70 Stück = nahezu 20 Proc. Im Allgemeinen
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Schlompcmiuike.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;553
findet man schwer verlaufende Fälle hauptsächlich in unreinen, schlecht ventilirten und gepflegten Stallungen, sowie bei älteren, wenig widerstandsfähigen Thieren, welche anhaltend im Stalle gehalten werden. Manche Thiere bekommen auch den Ausschlag mehrmals, einzelne im Verlaufe eines Jahres 46mal. Das Ueberstehen der Krankheit bedingt also keine Immunität. Meist indess ist der Verlauf der Schlempemauke ein gutartiger, und es tritt nach 23 Wochen Heilung ein. Hiebei lösen sich allmählich die Borken unter Haarausfall und Abschilferung der Epidermis. Bei Vernachlässigung des Ausschlages können allerdings zu dem oberflächlichen vesiculären und nässenden Ekzem der 'Schlempemauke schwerere erysipelatöse und phlegmonöse, ja selbst gangränescirende Hautentzündungen hinzutreten, welche zuweilen zu brandigem Absterben der Haut, ja selbst zu septischer und pyämischer Infection (Metastasen in andere Organe) führen. Zuweilen fällt in den Stallungen, in welchen die Schlempemauke herrscht, ein eigenthümlicher dumpfer, multriger Geruch auf.
Differentialdiagnose. Die Schlempemauke kann mit einer Reihe anderer Processe verwechselt werden; dieselben sind folgende:
1.nbsp; Die Schinutzmauke; dieselbe kann klinisch ein der Schlempemauke vollkommen ähnliches Krankheitsbild erzeugen, hat aber eine ganz andere ätiologische Grundlage, d. h. sie entsteht unabhängig von der Schlempefütterung, lediglich durch äussere Einflüsse. Ausser-dem sind meist die Veränderungen bei der Schmutzmauke gering-gradiger, und man beobachtet nur die Erscheinungen des Stadium erythematosum und squamosum; indess kann es ohne Zweifel auch bei der Schmutzmauke zu Bläschenbildimg kommen. In der Praxis wird man nicht fehl gehen, wenn man jede bei Schlempe- bezw. Kartotfelfütterung auftretende Mauke als Schlempemauke auffasst, während man die anderen nicht parasitären Ekzeme der Fussendon der Schmutzmauke zurechnet.
2.nbsp; nbsp;Die durch Dermatophagus-Milbeii erzeugte Fussräude. Wenn auch zugegeben werden muss, dass Fussräude und Schlempemauke sich mit einander compliciren können, und dass das Vorhandensein der Käudemilben an den Hinterfüssen eine Prädisposition für die Entstehung der Schlempemauke zu bilden vermag, so ist doch, abgesehen von dem mikroskopischen Befunde, das klinische Bild und der Verlauf der Fussräude ein anderer, als bei der Schlempemauke. Die erstere ist entschieden ein langsamer und milder verlaufender Ausschlag als die Schlempemauke und befällt nur selten die unteren Fuss-
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554nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Schlempemauke.
enden, ohne sich weiter nach ohen auszubreiten. Auch ist der Charakter des dadurch erzeugten Ekzems vorwiegend ein chronisch-squamöser, während die Schlempemauke in der Hauptsache ein acutes, vesiculäres bezw. nässendes Ekzem darstellt.
'S. Die Maul- und Klauenseuche ist zwar ebenfalls ein vesiculäres Exanthem, befällt aber mehr den Kronrand und Klauenspalt, ist ausserordentlich ansteckend und entsteht unabhängig von der SchlempefUtteruug. Complicationen der Schlempemauke mit Klauenseuche sind natürlich möglich, eine Diagnose ist indess auch hier nicht allzu schwer.
4.nbsp; Das beim Rinde nicht seltene Panaritium, d. h. eine infec-tiöse, von der Krone oder vom Klauenspalte ausgehende Entzündung der letzten Phalangen mit Affection der Sehnen, Gelenke, des Periosts und der Knochen, kann als rein chirurgisches Leiden der Klauen mit dem typischen Exanthem der Fessel- und Schienbeingegend wohl kaum verwechselt werden.
5.nbsp; Endlich wird der typische Charakter des Schlempeausschlags nicht selten durch allerhand Manipulationen von Seiten der Eigen-thümer, der Schweizer oder von Pfuschern, z. B. durch Einreibungen mit Petroleum oder roher Carbolsäure verändert, so dass die Diagnose anfangs auf Schwierigkeiten stossen kann.
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Therapie. Die einfachste Behandlungsweise der Schlempemauke besteht im Aussetzen der Scblcmpefütterung oder, wo dies nicht möglich ist, in Reduction der gefütterten Schlempemengen von 80 Liter pro Tag auf etwa 2040 Liter und entsprechender Zugabe von Rauhfutter oder anderen Futtermitteln. Nach Märker soll insbesondere das Zubrennen von Mais zur Kartoffelmaische die Schlempemauke verhindern, sofern nicht mehr als 7080 Liter pro Tag verfüttert werden, und etwa ein Drittel Mais zugesetzt wird. Ausserdem wird eine ausgiebige Bewegung der erkrankten Thiere den Grad der Erkrankung vielleicht mildern. Von Arzneimitteln sind eine grosse Anzahl im Gebrauche. Rabe empfiehlt eine Verbindung von The er mit Seife (1 Theil Theer , 2 Theile Seife, 1 Theil Schwefelblumen, 2 Theile Branntwein), sowie öprocentiges Carbolöl. Andere wenden austrocknende und adstringirende Mittel in Lösung oder in Substanz an, z. B. Eichenrindenpulver, Eichenrindenabkochung, Bleiwasser, Kupfervitriol, Bleizucker. Es dürfte sich namentlich auch die Anwendung des CrColins oder Lysols in Form des Linimentes (Creolini, Sapon. Kaiin. ää 100,0; Spiritus 50-500,0), der Salbe (1 : 1020), des Lysol- bezw.
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Ekzem beim Schaf.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 555
Creolinwassers (2 Proc.) und des Creolinspiritus (1 :1025) empfehlen. Endlich ist es nicht überflüssig, für möglichste Reinhaltung des Stalles Sorge zu tragen. Wenn die Schlempemauke auch direct mit Un-reinlichkeit und Schmutz nichts zu thun hat, so können doch letztere, wenn sie zu sehr überhand nehmen, eine gewisse Prädisposition zur Erkrankung schaffen und an sich leicht verlaufende Fälle verschlimmern.
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D. Ekzematöse Hauterkrankungen beim Schafe.
Literatur. May, Krkhtn. d. Schafes, 1808. Bkniox, l'railr des mctlm/ies du mou-ion, Paris 1874. Plessow, Th. Tidsch., 1889. S. 209. Walley, Journ. of comp. Path., 1890. Die Lehrbücher der spec. Pathologie von Rnix, Haubnkr-Siedam-OnOTZKY u. s. w.
Allgemeines. Die nicht parasitären Dernmtosen des Schafes sind noch wenig gekannt und wohl auch ziemlich selten. Nach Haubner-Siedamgrotzk}7 kommt beim Schafe wie beim Pferde eine sog. Schwindflechfce, d. h. ein papuloses Ekzem vor, welches sich durch Aufsteigen zahlreicher Wollflöckchen erkennbar macht. Ausserdem beobachtet man ein squamöses Ekzem im Verlaufe der Leberegelseuche und anderer kachektischer Leiden als sog. Hungerräudequot;, bei welcher sich die oberflächlichen Epidermislagen abschuppen; in anderen Fällen ist diese Hungerräudequot; nur auf schlechte Wart und Pflege zurückzuführen, und wird dann wohl auch als Schmutzflechtequot; bezeichnet. Von einem juckenden Knötchenausschlage ferner, sowie einem grindartigen Ekzem spricht May unter den Benennungen Prurigoquot; und Schorfflechtequot;. Auch Mauke kommt bei den Schafen vor, wenn auch eine eigentliche Schlempemauke bis jetzt noch nicht beobachtet worden ist. Endlich kommen pustulöse Processe in der Umgebung des Maules nach der Aufnahme pilzbesetzter Futterstoffe vor.
Das häufigste und wichtigste, nicht parasitäre Ekzem des Schafes ist wohl die sog. Regenfäule (nassequot;, fettequot; Räude). Bei schlecht genährten Thieren mit offenem Vliesse wird nämlich die oberste Schiebte der Epidermis in Folge anhaltenden Regens auf der Weide macerirt, und es entwickelt sich darunter ein nässendes Ekzem mit Anschwellung der Haut, Bläschen- und Borkenbildung, Ausfall der Wolle, Juckreiz u. s. w., welches vorwiegend den Hucken und das Kreuz befällt, sich jedoch auch nach vorn auf die Schultern, den Hals und Kopf, sowie nach hinten bis zur Schweifwurzel erstrecken kann. Meist folgt mit dem Nachlasse der regnerischen Witterung von selbst
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Ekzem beim Schwein.
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Heilung, weshalb eine Behandlung auch gewöhnlich überflüssig ist; in schwereren Fällen ist Stallaufenthalt geboten. Nachtheile erwachsen meist nur durch den Ausfall der Wolle. Die Differential-diagnose bezüglich der Räude vergl. bei der letzteren.
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E. Ekzematöse Hauterkrankungen beim Schweine.
Literatur. Spinola, Krkhtn, d. Schweine, 1842. S. 146. Fünpstüok, ä J. B., 1863. 8.85. Utnicn, W.f, !Z7(., 1870. S. 309. Benion, TraHe des maladies du porc, Paris 1872. Zschokke, Scluv. A., 1888. Waither, S. J. B., 1889. S. 79. Soiinle, Bep.t 1891. 3. lieft. BöDER, S. J. ß., 1891. S. 105. Lungedshausen, 1K Z. f. Tit., 21. Bd. S. 1. Sohimdelka, lt;)e. Z. f. Vet., 1894. S. 195. OsTERTAO, Fleischheschan, 1895. S. 250. - Olt, Z. f. Ft., 1895. VI. S. 5. Ausserdera die Lehrbücher dor spec. Pathologie.
Vorkommen. Als nicht parasitärer Ausschlag ist beim Schweine der sog. Russquot; der Ferkel (Pechräudequot;, Borkenausschlagquot;) bekannt. Derselbe stellt ein anfangs vesiculäres, später pustulöses und grindartiges Ekzem dar, das besonders bei jugendlichen und dabei schwächlichen oder kränklichen Thieren meist über den ganzen Körper verbreitet ist und durch verschiedene Ursachen (schmutzige Stallungen, Anhäufung und Zersetzung des Hauttalges etc.) hervorgerufen werden kann. In der Hauptsache findet man Bläschen, welche sich rasch zu Pusteln umwandeln und dann zu dicken schwarzen, pechähnlichen Schorfen eintrocknen, unter welchen die Haut nässt. Der Ausschlag ist meist nur eine Nebenerscheinung einer inneren con-stitutionellen Krankheit und kann mit der Skrophulose des Menschen verglichen werden. Die Behandlung besteht in Reinhaltung, Waschungen mit Seife, sowie guter Fütterung. Da die Sarcoptesräude des Schweins ähnliche Hautveränderungen aufweist, wie das eben beschriebene Ekzem, wird sie zuweilen auch mit dem Namen Russ belegt. Sie unterscheidet sich jedoch wesentlich durch ihre Contagiosität.
Schrotausschlag. Unter diesem Namen beschreibt Zschokke einen eigentbümliehen, chronisch verlaufenden, angeblich nicht seltenen Bliischen-ausschlag beim Schweine, welcher an umschriebenen, handgrossen Flächen der Ohren, des Rückens und namentlich des Kreuzes, sowie des Schwanzansatzes auftritt, und durch die grauviolette, schrotähnliche Farbe der Bläschen gekennzeichnet ist. Die Bläschen platzen niemals und verursachen auch keinen Juckreiz (Unterschied vom Russ). Der Process besteht nach Zschokke in einer zapfenartigen Wucherung der Epidermis nach innen, veranlasst durch einen Mikrococcus als Träger der Reizung. Ostertag und #9632;Johne halten den Schrotausschlag für multiple Dermoidcysten, Lungors-hansen für eine Hemmungsbildung (Hypotrichosis). Nach Ölt ist das Leiden als eine Coccidiose der Knäueldrüsen aufzufassen, wobei die in das
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Urticaria.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;557
Epithel der Kniiueldrüsen eingewanderten Coc-cidien zur Bildung von Retention seysten Anlass geben.
Pityriasis rosea. Als solche bezeichnet Schindelka eine Hautkrankheit bei Schweinen, bei der an Brust und Bauch linsengrosse rothe, leicht erhabene Flecken auftreten, die sich kreisförmig zusammenstellen. Die anfangs rundlichen Flecke haben einen Durchmesser von '/j cm und scheinen tius lauter kleinen Knötchen zu bestehen. Später verflachen und verblassen sie im Centrum und breiten sich nach der Peripherie aus, verschmelzen mit einander und bilden geschlilngelte Linien. Dauer '6 Wochen.
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Nesselaussclilag, Nesselsuclit, Quaddelaussohlag, Urticaria.
Allgemeines über Begriff und Ursachen. Die Quaddel oder Nessel (Urtica) stellt eine scharf umschriebene, Hache, beetartig erhabene Anschwellung der Haut dar, welche durch eine rasch auftretende seröse Tran.ssudation in den Papillarkörper und das Coriuni im Bezirk eines capillaren Stromgebietes hervorgerufen wird. Sie kann demnach als ein umschriebenes Hautödem oder als eine herdförmige seröse acute Dermatitis aufgefasst werden, bei der es jedoch nur zum Austritt von Serum, nicht aber zur Infiltration mit Zellen gekommen ist. Durch das Fehlen der letzteren unterscheidet sich die Quaddel ganz wesentlich vom Knötchen, ausserdem hängt damit die Möglichkeit des raschen Verschwindens der Quaddel durch Resorption der serösen Flüssigkeit zusammen. Die Veranlassung zu der Transsudation von Flüssigkeit ist in einer plötzlichen Erweiterung des betreffenden Capillarbezirks in Folge abnormer Erregung der peripheren vasomotorischen Nerven oder in einer Em-bolie zu suchen. Darnach kann der Quaddelausschlag als eine vasomotorische Neurose oder Angioneurose mit abnormer Durchlässigkeit der Capillarwandungen betrachtet werden. Diese Ait'ection des vasomotorischen Nervensystems kann sowohl von der Haut aus, als auch von inneren Organen angeregt werden.
1.nbsp; nbsp;Aeussere Ursachen sind die Einwirkung reizender Stoffe auf die Haut, z. B. Insektenstiche, die Brennessel (Urtica urens und dioica), die Haare der Processionsraupe. Aber auch andere Reize können bei prädisponirter, zarter Haut einen Nesselausschlag erzeugen, so das Besprengen mit Terpentinöl bei kolikkranken Pferden.
2.nbsp; nbsp;Innere Ursachen vermögen nur dann durch Innervations-störungen der vasomotorischen Hautnerven Urticaria hervorzurufen, wenn eine individuelle Prädisposition hiefür vorhanden ist. Worin diese besteht, ist nicht bekannt, es muss aber im Allgemeinen eine
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Urticaria.
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bestimmte Störiing des vasomotorischen Nervensystems angenommen werden. Jüngere, vollblütige und gutgenährte Thiere sollen vorwiegend zu Nesselsucht geneigt sein. Auch die inneren Ursachen müssen als reizende, ins Blut aufgenommene Stoffe aufgefasst werden, welche bei gegebener Prädisposition eine eigenthümliche Einwirkung auf die Haut besitzen. Hiefür spricht die im Verlaufe verschiedener Infect i o n s k r a n k h e i t e n (Petechialfieber, Druse, Nesselfieber der Schweine) auftretende Urticaria, bei welcher jedenfalls die betreffenden Infections-stoffe bezw. ihre Stoffwechselproducte als Entzündungserreger anzusehen sind, sodann das durch gewisse Störungen im Darmeanal (Magen- und Darmkatarrh, Ikterus) hervorgerufene Nesselexanthem, bei dem man sich in die Blutbahn aufgenommene und durch die Haut ausgeschiedene abnorme Zersetzungs- und Verdauungsproducte (Toxino) als wirksam denken muss. Wie beim Menschen ist ferner auch bei den Hausthieren eine gewisse Idiosynkrasie, d. h. eine individuelle Empfänglichkeit des Körpers für bestimmte äussere Einflüsse, insbesondere für manche Nahrungsmittel als Ursache der Urticaria denkbar. Es werden in dieser Beziehung Hülsenfrüchte, Buchweizen, grüne Kartoffeln, grüner Roggen, sowie rascher Futterwechsel beschuldigt. Beim Menschen erzeugen besonders Erdbeeren, Himbeeren, Krebse, Austern, Seefische bei prädisponirten Individuen den Ausschlag. Endlich können auch im Verlaufe anderweitiger Hautkrankheiten Quaddeln auftreten. So beobachtete sie Schindelka im Verlaufe der sog. canadischen oder englischen Pferdepocke.
3. Die rasche Abkühlung der Haut nach vorhergehender starker Erhitzung des Körpers scheint ebenfalls nicht selten als veranlassende Ursache in Betracht zu kommen. Aus diesem Grunde ist der Quaddelausschlag sehr häufig im Frühjahr und Sommer bei grosser Hitze, bei Gewitterregen, nach angestrengter Arbeit, rascher Bewegung, sowie zuweilen bei der rheumatischen Hämoglobinämie zu beobachten. In allen diesen Fällen dürfte es sich weniger um einen directen, durch die Kälte ausgeübten Reiz auf die Haut, als vielmehr um die Retention bezw. Erzeugung schädlicher Stoffe im Körper als Folge der Erkältung handeln. Sehr häufig endlich ist für das Auftreten einer Urticaria gar keine Ursache zu finden.
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Vorkommen. Aus dem Angeführten geht hervor, class der Nesselausschlag in der überwiegenden Mehrzahl ein rein symptomatisches Exanthera darstellt. Er sollte daher eigentlich auch nur als ein Nebensymptom bei den betreffenden Krankheiten erwähnt werden.
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Urticaria beim Pferde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 559
Indess gestattet der Umstand, dass die Urticaria oft das einzige sichtbare Krankheitszeiclien ist, sowie dass innere Krankheiten nicht in allen Fällen sicher nachgewiesen werden können, immerhin eine Ge-saramtbesprechung des Ausschlags an dieser Stelle, wobei wir ausser-dem einem herkömmlichen Gebrauche gefolgt sind.
Am häufigsten findet man den Nessslausschlag beim Pferde, Hunde und Schweine, sodann beim Rinde. Wir haben beispielsweise beim Hunde unter 70,000 der Berliner Klinik in den Jahren 18801894 zugeführten kranken Hunden 108 Fälle (= 1,5 pro Mille) von Urticaria beobachtet. Es empfiehlt sich aus practischen Gründen, die Urticaria des Pferdes, Hundes und Rindes zusammen abzuhandeln.
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1. Der Nesselausschlag beim Pferde, Hunde und Rinde.
Literatur. Haubnkii , Mag,, 1830. S. 25; Haubnkr-Sieiiamorotzky, L. Th., 1893. S. 279. - WIENER Klinik, Oe. V. S., 1864. 1867. 1870. 1877. Schlf.o, S. J. B., 1869. S. 87. Webkr, Ibid., 1871. S. 128. Lippold, Ackicrmaxn, Ibid., 1876. S. 100. Poorqüier, Bee., 1877. Zipperlex, Rcp., 1880. S. 185. Porasassi, Giom. (HA., 1887. Sauer, He/)., 1889. S. 129. Klinoexstkix, H. ä., 1890. S. 222.
nbsp;Tapkex, M. f. p. Th., IV. Bd. S. 23. Müller, Krkhtn. d. Hundes, 1892. S. 405.
nbsp;Dieckerhoff, Spec. Path., 1892. I. S.1000. Rasberoer, (F. f. Th., 1893. S. 344.
nbsp;Kuraschewski, B.tli. W., 1894. S. 305. Dügas, liidl. soc. centr., 1894. Schultz, W. f. Th., 1894. S. 202. Spihka, Th. C, 1894. S. 38. Rexilius, Z. f. Vet., 1895. S. 202.
Symptome. Der früher als Hitzbeulenquot; oder Beulenfieberquot; beschriebene Nesselausschlag des Pferdes, Hundes und Rindes ist durch ein ausserordentlich rasches Auftreten der Quaddeln charakterisirt, die sich oft innerhalb weniger Stunden, nicht selten auch über Nacht auf grössere Strecken der Haut verbreiten können. Im Anfange sind es nur vereinzelte beetartige, weiche, erbsengrosse Hautanschwellungen, über denen die Haare etwas gesträubt sind, und zwar vorwiegend zu beiden Seiten des Halses, über den Schultern, längs des Rückens, auf der Seitenbrustwand, den Hinterbacken. Dieselben vermehren und vergrössern sich jedoch bald, fiiessen auch häufig zusammen und bilden dann band- bis tellergrosse Platten, wobei sie den Kopf und die Vorarme, Unterschenkel und selbst das Euter befallen können, in Folge dessen die Thiere ein ganz unförmliches Aussehen erhalten. Juckreiz ist nur in seltenen Fällen vorhanden. Von den Hunden scheinen besonders Möpse häufig zu erkranken.
Zuweilen trifft man die Quaddeln auch auf den sichtbaren Schleimhäuten an, so auf der Nasenschleimhaut, der Maul- und
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560nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Nesselfieber des Schweines.
Scheidenschleimhaut. Ihre Anwesenheit auf der Nasenschleimhaut kann zu Athmungsstörungen führen (Schleg). Zipperlen fand bei einer Kuh auch die Conjunctiven sehr stark geschwollen und die Schleimhäute des Mastdarmes und der Scheide in dicken Wülsten hervor-gepresst. Auch können sich beim Vordringen des Transsudates zwischen Rete Malpighi und Epidermis auf den Quaddeln Blasen bilden (sog. Nesselblasen, Nesselfries, Pomphosis); letztere bedingen dann gewöhnlich starkes Jucken und Ausfall der Haare. Ausser diesen Pro-cessen auf der Haut und den Schleimhäuten beobachtet mau je nach dem zu Grunde liegenden Hauptleiden verschiedenartige Störungen des Allgemeinbefindens. Häufig sind gleichzeitig die Erscheinungen eines massigen, seltener eines hohen Fiebers vorbanden. Die früher hierauf gegründete Unterscheidung zwischen Nesselfieberquot; und einfacher, fieberloser Nesselsucht ist indess ohne Belang, Daneben besteht Mattigkeit, Abgeschlagenheit, Unlust zur Arbeit. Oder man beobachtet die Erscheinungen eines Magen darmkatarrhs, einer Appetitstörung, einer Diarrhöe, einer Kothverhaltung, eines leichten Ikterus. In einem Falle beobachtete man noch bei einem Pferde ausserdem vorübergehenden Schweissausbruch als Begleiterscheinung der Urticaria. Meist verschwindet der Ausschlag ebenso rasch, als er aufgetreten ist, innerhalb 12 Tagen. Nicht selten zeigen sicli jedoch bald wieder neue Nachschübe, wodurch der Verlauf ein längerer und selbst chronischer wird. Dabei werden manche Thiere mehrmals in einem und demselben Jahre von der Nesselsucht befallen.
Therapie. Eine Behandlung ist meist überflüssig; in vielen Fällen genügt einfache Hunger diät und Bedecken der Thiere. Beim Vorhandensein gastrischer Störungen ist eine Ableitung auf den Darm anzuempfehlen; man gibt evacuirende Mittel (Mittelsalze) oder Purgan tien (Brechweinstein, Aloe, Calomel).
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2. Der NesselausscMag beim Schweine (Nesselfleber, Backsteißblattera).
Literatur. Haubner, Mag., 1846. S, 365. Berg, Itcp., 1872. S. 162. v. Nieder-hau.skrn, PiUz'sche '/., 1876. S. 131. L'tz, B. th. M., 1882. S. 53. G öttki.manx, ZUndel's Jahresber., 1883. S. 83. Eggeuno, Ref. 1). Z. f. Th., 1884. S. 234. Cadkac, Diet, vol., Bd. 16. Jensen. J). Z. f. Th., 1892. S. 278. Lorenz, 1892. S. 39. Haübnerquot;Siedä.mqrotzkT) l. Tli., 1893. S.280. Prietsoh, BrSuer. Noaok, Kunze, S../. U., 1893. S. 110 ff.; 1894. S. 113. Röder, /;. (/;. W., 1894. S. 423.
Wesen. Das Nesselfieber der Schweine (Backsteinblattern, dänisch Knuderosen) ist schon in früheren Jahrzehnten als eine milde Form
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Nosselaussclilag dos Schwoinos.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 561
des Rothläufs aufgefasst worden. Nach dem Vorgange von Haubner hat man es jedoch auf Grund practischer Erfahrungen vom Rothlauf getrennt und als selbstständige Krankheit beschrieben. In den letzten Jahren ist das Nesselfieber wiederum auf Grund bacteriologischer Untersuchungen (Jensen, Lorenz u. A.) als eine zur Rothlaufseuche gehörende Krankheit bezeichnet worden. Darnach soll der Schweine-rothlauf bald in gutartiger Form, als Nesselfieber, bald in bösartiger Form, als eigentlicher Rothlauf, bald als nekrotisirendeHautentzündung, bald als chronisch eEndo-carditis u. s. w. verlaufen.
Bestätigen sich diese Angaben, dann muss angenommen werden, dass der Schweinerothlauf, wie andere Infectiouskrankheiten, als Ex-anthem unter dem Bilde der Urticaria gutartig verlaufen kann, und dass viele Fälle von sog. Nesselfieber zum Rothlauf gerechnet werden müssen. Auf der anderen Seite kommen unzweifelhaft, wie bei den anderen Hausthieren, so auch heim Schweine, Fälle von Urticaria vor, welche auf unbekannte Ursachen, gastrische Störungen etc., ganz unabhängig vom Stäbchenrothlauf, zurückzuführen sind. Es liegt daher kein zwingender Grund vor, das Nesselfieber der Schweine an dieser Stelle ganz zu streichen. Wir unterscheiden vielmehr:
1.nbsp; nbsp;eine selbstständige, nicht infectiöse Urticaria;
2.nbsp; nbsp;eine symptomatische, angeblich eine Form des Stäbchenrothlaufs bildende Urticaria (vergl. das Capitel Schweinerothlauf).
Symptome. Die Erscheinungen des nicht infectiösen, meist nur sporadisch auftretenden Nesselfiebers bestehen in einem rasch auf-schiessenden und ebenso rasch wieder verschwindenden Quaddelausschlage der Haut neben gastrischen und fieberhaften Störungen. Bei vorher ganz gesunden Thieren treten meist über Nacht auf den oberen Partien des Rumpfes, auf der Brust, auf dem Kreuze, Oberschenkel und Bauche haselnussgrosse, schmerzhaft anzufühlende Quaddeln hervor, welche 12 mm über die Haut pro-ininiren, die Grosse eines Fünfmarkstückes erreichen und bei Vereinigung mehrerer selbst hand teller grosso Platten oder Wülste bilden können. Diese Quaddeln haben je nach der Entwicklung und dem Grade der Krankheit eine verschiedene Farbe. Im Anfange stellen sie einfache rot he, wenig über die Haut hervorragende Flecke dar, während sie im ausgebildeten Stadium weisse Erhabenheiten mit peripherem rothem Saume bilden (sog. weisse Nesseln). Ausser-
FvieiUierger laquo;. Frülinor, Pathol. 11. Tlicrniiio rt. HaustMere. I. Bd. 1, Aufl. 3G
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562nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Brandige Hautentzündung.
dem beobachtet man zuweilen auf der Oberfläche der Quaddeln ein seröses Exsudat, das später zu Borken eintrocknet und abgestosseu wird. Die gastrischen Symptome bestehen inunterdrilckter Futteraufnahme, sowie einer nie fehlenden Verstopfung, zuweilen auch in Erbrechen. Dabei sind die Thiere traurig und matt, verkriechen sich in die Streu, sind schwer zum Aufstehen zu bringen, zeigen stärker injicirte Schleimhäute, beschleunigte Athmung, sowie mittelhochgradiges Fieber (ca. 40,0deg; C). In einzelnen Fällen ist der Gang gespannt und steif, was auf eine rheumatische Muskehiffection hinweist.
Prognose. Im Gegensatze zur Rothlauf-Urticaria ist der gewöhnliche nicht infectiöse Nesselausschlag eine äusserst gutartige Krankheit. In leichteren Fällen tritt schon nach 12 Tagen, in schwereren längstens nach 46 Tagen Heilung ein. Ein Todesfall ist bisher nicht beobachtet worden. Die Wendung zum Besseren kündet sich durch den Nachlass der Verstopfung an, zu gleicher Zeit verschwindet auch das Exanthem, die Quaddeln erblassen, werden schlaff und welk und verlieren sich rasch. Damit ist dann auch die ganze Krankheit vorüber.
Behandlung. Die gewöhnlichen Fälle des Nesselfiebers brauchen bei der Gutartigkeit des Leidens und dem typischen Verlaufe keine oder nur eine diätetische Behandlung. Gegen die Verstopfung geht man symptomatisch mit Klystieren, Seifenzäpfchen, sowie mit nicht zu kleinen Gaben Calomel (14,0) vor. Haubner empfahl den Salpeter mit Glaubersalz (Kalium nitricum 5,0; Natr. sulfur. 50,0; mit Honig als Schlecke oder Latwerge). Ausserdem kann man die Entzündung der Haut durch öfteres Begiessen des Körpers mit kaltem Wasser mildern.
Brandige Hautontzündung.
(Brand der weissen Abzeichen, Brandmauke.)
Literatur. Steiner, Moi/., 1843. S. 53. Burmeister, Ibid., 1844. S. 112. Schlächter, I/i-ji., 1852. S. 91. Ollmann, üflaquo;^,, 1867. 8.127. Herino, S^laquo;laquo;. Path,, 1858. S. 205. Mit älterer Literatur. DodTEROM u. Stuygkrwald, Kef. Rrp., 1864. S. 849, Bonnaüd, Rec, 1869. Weber, S. ./. Ji., 1874. S. 99. - Stock-PLETH, Heji., 1882. S. 160. Baruchello, Clin. net., 1887. Visezzi, Giorn. di A., 1888. Jewsejenko, Pet. A., 1888. Plassio, Giorn. di vet. mil., 1889. Berg, 'l'Uhkr. f. rlaquo;laquo;,, 1891. Jensen, D.Z.f. 7V*., 1892. Dieckerhopp, Spec. Path., 1892.1. S. 1010. Oe. M., 1892. S. 816. TJhlich, S. J. B., 1893. S. 115. Kitt, l'nth.-aunt. Dlagn., 1894. 8. 121. Q-ABER, B. .1., 1894. S. 350. Ausserdem vergleiche die Literatur der Kleokrankheit.
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Brandige Hautentzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;503
Aetiologie. Die Ursachen der beim Pferde und Rinde, insbesondere bei Thieren mit weissen Abzeichen und bei Schecken, zuweilen selbst in enzootischer Verbreitung beobachteten brandigen Hautentzündung sind ausschliesslich in der Einwirkung ilusserer Reize zu suchen. In Folge der Steigerung der erythematösen und ekzematösen Hautentzündung kommt es schliesslich zum Absterben der afficirten Hantstellen. Die einwirkenden Reize' sind verschiedener Natur. 1. Die intensive Einwirkung der Sonne oder eines heissen austrocknenden Windes ist in manchen Fällen wohl als die directe Ursache der brandigen Hautentzündung zu betrachten; sog. Sonnenbrand (Gangraena solare). Derselbe stellt dann einen höheren Grad des Erythema solare dar. Nach Plassio wird er namentlich in Afrika bei Pferden mit unpigmentirter Haut an den vom Sattel und Zaumzeug nicht bedeckten Körperstellen beobachtet. 2. Die nicht pigmenti rten 11 autstellen bedingen sowohl der Einwirkung der Sonnenstrahlen, als anderen Reizen gegenüber eine offenbare Prädisposition für die brandige Hautentzündung, indem ihnen der Schutz des Pigments fehlt. Es werden daher am häufigsten die weissen Abzeichen am Kopfe und an den Extremitäten, sowie die weisse, nicht pigmentirte Haut der Schecken befallen. 8. Befallungspilze scheinen offenbar in manchen Fällen, namentlich bei der sog. Kleekrankheit, vielleicht auch bei der Lupinose eine brandige Dermatitis, besonders auf weissen Hautstellen, hervorrufen zu können. Ausserdem wurden verdorbene Wicken, mit Mehlthau (Erysibepilzen) überzogenes Grünfutter, sowie Blattläuse als Entzündungserreger beschuldigt. 4. Die sog. brandige oder ausfallende Mauke ist entweder auf eine Steigerung des gewöhnlich bei der Mauke einwirkenden Reizes (hochgradiger Frost u. s. w.) oder auf infectiöse Processe zurückzuführen.
Bezüglich des trockenen, ausgebreiteten Hautbrandes beim Schwein vergl. das Capitel Schwcinerothlauf im II. Band; bezüglich der Mumification extremitaler Körpertheile das Capitel Mutterkornvergiftung (S. 264).
Symptome. Die brandige Hautentzündung beginnt mit den Erscheinungen eines Erythems oder Ekzems. Dabei nimmt indess die Schwellung der Haut rasch zu, es bilden sich Hisse und Sclirunden, und es erfolgt sehr schnell eine Nekrotisirung umschriebener Hautstellen, welche bald nur oberflächlich, bald aber sehr tiefgreifend ist. Im ersteren Falle bilden sich auf der Haut lederartige
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5(34nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Bullöse Donnatitis.
Schorfe, im letzteren sclirumpft die ganze Haut bis zur Subcutis pergamentartig zusammen und wird durch Eiterung vollständig abgestossen. Diese Abstossung der nekrotischen Theile erfolgt unter Bildung einer Demarkationslinie. Auch Abscesse und Fisteln können sich entwickeln. Die Heilung wird durch Granulations- und Narbenbildung erzielt.
Therapie. Die Behandlung besteht im Anfange des Leidens in der Einreibung einer Blei- oder Decubitussalbe (Unguent. Plumb! tannici), oder von Carbolöl, Carbolsalbe, Jodoformsalbe, Creolinsalbe, Creolinliniinent, Greolinwasser, in der Anwendung des Pyoktauins etc. Später, nach Ertödtung der Haut, müssen die nekrotischen Theile mittelst des Messers oder der Scheere entfernt werden, worauf ein antiseptischer Verband aufgelegt wird.
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Bullöse Dermatitis, Blaseiiaussclilag, Pemphigus.
Literatur. Seaman, The Vet., 1852. Loiset, ./. de Lyon, 1858. Qibieh, Bec, 1882. Oadeac, Dict.mH., Bd. 16. Q-RAFFUNDER, B. tli. 11quot;., 1890. S. 153. Winkler, ir. f. Th., 1891. S. 47. Barniok u. Gutzeit, Z. f. Vet., 1891. S. 241. Fröhner, M. f.p. Th., 1892. S. 497. - Dieckerhoff, Spec. Path., 1892. I. S. 1003.
nbsp;R. Fröiin-eh, D.Z.f. Th., 1892. S, 812. Jacobsen, Maamdshr.f. Dyrl., 1892/93. IV, S. 311. WESSENDORP, H. A., 1893. S. 322. Dages, Bull. soc. ceittr., 1894.
nbsp;Lucet, Uec, 1894. Nr. 7.
Wesen. Bei der bullösen Dermatitis handelt es sich um die Bildung grosser er, selbst hühnerei- und h an dteller grosser Blasen auf der intacten oder gerötheten Haut, während beim Ekzem nur kleinere Bläschen zum Vorschein kommen. Ueber die Ursachen dieses seltenen Exanthems ist bei unseren Hausthieren nichts Sicheres bekannt.
Symptome. Bezüglich der Erscheinungen sind in der Literatur mehrere Beobachtungen vorhanden. In der Regel verläuft die Krankheit acut (Pemphigus acutus). Loiset sah den Blasenausschlag in enzootischer Verbreitung beim Rinde; dabei traten in der Gegend der Lenden, der Kruppe und der Hinterschenkel grosse, runde bis ovale, bis zu 10 cm im Umfange messende Blasen auf, welche mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt waren, bald platzten und grössere, nässende Stellen hinterliessen, welche sich mit Krusten bedeckten und unter Abschilferung der Haut, sowie unter Hinterlassung glänzender Hautstellen abheilten. Seaman beobachtete einen ganz ähnlichen
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Bullöso Dermatitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0(J5
Ausschlag mit hülmereigrossen Blasen bei einem Ochsen unter Fieberschauer verlaufend. Luc et fand im Inhalt der Blasen bei einer Kuh den Streptococcus pyogenes bovis. Dieckerhoff hat den Blasen-ausschlag bei 5 Pferden beobachtet. Am Bauche, Kopfe, Halse, am Thorax, zwischen den Hinterschenkeln entstanden flache oder wenig erhabene, wallnuss- bis handtellergrosse Blasen auf der Haut, welche mit klarer, wasserheller oder gelblicher Flüssigkeit gefüllt waren. Gewöhnlich zerriss die allgehobene Epidermis, so dass grosse wunde Stellen zurückblieben, von welchen ein flüssiges Secret abtroff. Abgesehen von einem heftigen Juckgefühl trat eine Störung des Allgemeinbefindens nicht ein. Einen ähnlichen Fall beschreiben Barnick, Gutzeit und Wessen dort beim Pferd. Graffun der beschreibt einen Fall beim Pferde, welcher in etwa 12 Tagen abheilte und mit Blasenbildung auf der Haut, sowie mit der Eruption dunkelrother, erbsengrosser Flecke auf der Nasenschleimhaut verlief. Doges beobachtete einen Fall beim Maulthier. Winkler hat den Ausschlag bei Schweinen gesehen und bringt ihn in Zusammenhang mit dem Scheidenausfluss von Kühen nach der Geburt. Einen Fall von chronischem Pemphigus mit tödtlichem Ausgange hat Fröhner beim Hunde beobachtet (zahlreiche Wasserblasen und Geschwüre über den ganzen Körper mit hochgradiger Abmagerung und wochenlanger Dauer). Diese bullösen Dermatiten haben eine unverkennbare Aehn-lichkeit mit dem als Pemphigus bezeichneten Blasenaussohlage des Menschen, dessen Aetiologie übrigens ebenfalls noch eine sehr unklare ist. Der Pemphigus des Menschen stellt nämlich bald eine acute In-fectionskraukheit, bald eine vasomotorische Neurose, bald eine pflanzlich parasitäre Hautkrankheit dar. Die oben erwähnten Fälle beim Rinde scheinen insbesondere dem Pemphigus vulgaris des Menschen sehr ähnlich zu sein, welcher ebenfalls gutartig verläuft, während der Pemphigus foliaceus schliesslich zum Tode führt (vergl. den Fall beim Hund).
Herpes labialis. Aussei- der durch grosse Blasen charaktorisirten bullösen Dermatitis wird von einigen Autoren, namentlich beim Pferde, ein specifischer Blilschenausschlag an den Lippen und der Nase er-wiilmt und unter dem Namen Hitzausschlagquot; oder Herpcs labialisquot; beschrieben. Das Exanthem ist durch kleine, rasch auffahrende und in Gruppen neben einander stehende Bläschen charakterisirf, welche die Grosse einer Linse erreichen, eine klare Flüssigkeit enthalten und bald unter Borkenbildung abheilen. Es muss zugegeben werden, dass dieser specifi-sche Bläschenausschlag mit dem Herpcs facialis und genitalis des Menschen viel Aehnlichkeit bat und auch insoferne übereinstimmt, als er in der Umgebung der natürlichen Kürperöffnungen
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56(3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Alopecia.
auftritt. Indess ist in der Thierheilkunde mit dem Namen Herpesquot; so viel Missbrauch getrieben worden, dass es sicher zweckmilssiger wäre, nach dem Vorschlage Gerlach's den Ausdruck nur für eine bestimmte parasitäre Hautkrankheit, den Herpes tonsurans, zu gebrauchen. Mit dem im Verlaufe eines Hautnerven auftretenden Herpes zoster (Gürtelrose) des Menschen hat das oben als specifischer Bläschen ausschlag bezeichnete gutartige Ex-anthem jedenfalls nichts gemein.
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Das Ausfallen der Haare und Wolle (Alopecia).
Literatur, Koller, Rep., 1842. S. 806. Hkrtwio, Mag., 1848. S. 50. Adam, ii'. f. Th., 1858. S. 425. Hering, Spec, Path., 1858. Mit Literatur. - Botooeois, ./. du Midi, 1863. SlEDAMOROTZKT, S. J. B., 1871. S. 88; 1879. S. 82. Piiietsch, Ibid., 1875. S. 113. Mtow, Ref. Oe. Revue, 1878. S. 08. Fünfstück, S../. B., 1883. ROLL, Spec. Path., 1885. S. 541. - WERNER, B.A., 1885. S. 304. Fomin, Pel. A 1886. SCHIHDEIKA, Oe. Z. f. Vet., 1887. S. 247. Perroncito, 11 nud. vet., 1887. Andre, Bull. Belg., 1887. BriSAVOINE, llec, 1888. ZÜRN, Die Schmarotzer, 1889. S. 298. Joi,v, Presse vet., 1889. Rüeog, Sehte. A., 1890. S. 124. Railliet u. Roy, Bull. soc. ceutr., 1890.Düsohanek, Oe. V., 1891. S. 157. Stein-hahdt, Z. f. Vet., 1891. S. 18. BüSQUET, B. th. ))'., 1892. S. 275. DlECKERHOFF, Spec. Path., 1892. I. S, 984. - Roy, Bee. mil., 1892. Kalkoff, Z. f. Vet., 1892. S. 413. Hoffmann, Bep., 189193. Haubner-Siedamorotzev, //. Th., 1893. S. 312. Freitag, S. ,/. B., 1893. S. 114. Seeoert, Krüger, Z. f. Vet., 1893. S. 158 R. 262. Butler, Pep., 1893. S. 224. Hollborn, C. f. Bact., XVII. S.356. Schulz, W. f. Th., 1895. S. 161.
Vorkommen. Ein Ausfallen der Haare und Wolle kommt als selbststilndiges Hautleiden unabhängig von den übrigen Hautkrankheiten entweder über grüssere Theile des Körpers verbreitet oder als sog. Area Celsi auf kleine umschriebene Stellen beschränkt vor. Das Wesen der Alopecie wird in gewissen Ernährungsstörungen der Haut (Trophoneurose) mit Atrophie der Haarwurzeln gesucht. Indess lässt sieb die Mitwirkung von Parasiten nicht immer mit absoluter Ge-wissheit ausschliessen, wenn solche auch zur Zeit noch nicht sicher aufgefunden worden sind.
Aetiologie. Die Ursachen der Alopecie sind nur zum Theil bekannt. Der ausgebreitete Haarausfall stellt offenbar nur ein Symptom einer allgemeinen Ernährungsstörung dar und wird daher auch als Alopecia symptomatica bezeichnet. Man beobachtet dieselbe bei schlechten Ernährungsverhältnissen in Folge kärglicher Fütterung oder umgekehrt bei Fettsucht; während der Triichtigkeit; während der Säugezeit; bei langwierigen Zehrkrankheiten; bei gewissen Blutkrankbeiten, z. B. Petechialfieber; nach anhaltendem Schwitzen; nach gewissen Circulationsstörungen in der Haut; als erbliches, angeborenes Leiden (Alopecia congenita); nach Aufnahme gewisser
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Alopecia.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;567
Futterstoffe, z. B. von saurem Sumpflieu; nach psychischer Erregung. Die AreaCelsi (Alopecia areata) wird von Einigen als Trophoneurose, d. h, als Ernährungsstörung im Gebiete eines Hautnerven, von Anderen als ein parasitäres Leiden fiufgefasst.
Symptome. 1. Bei der Alopecia symptomatica findet ein allgemeiner, oft über den ganzen Körper verbreiteter Haarausfall statt, nach welchem die Thiere vollständig nackt erscheinen können. Beim Pferde gehen der Alopecie zuweilen gastrische Störungen, sowie öde-inatöse Anschwellungen der Gliedmassen, des Unterbauches und der ünterbrust voraus; in anderen Fällen kann man jedoch keinerlei Nebenerscheinungen finden. Meist ersetzt sich der Haarverlust wieder nach Ablauf mehrerer Wochen. Beim Hunde ist die Alopecie nach unseren Beobachtungen namentlich auf dem Rücken sehr häufig. Unter 70,000 in den Jahren 1886 94 der Berliner Klinik zugeführten kranken Hunden befanden sich 224 Fälle (= 3 pro Mille) von Alopecie. Gewöhnlich fällt neben der Alopecie eine dunkle Pigmentirung der kahlen Hautstellen auf, welche wahrscheinlich als Schutzmittel zum Ersatz der Haare dient. Siedamgrotzky fand bei der mikroskopischen Untersuchung derartig pigmentirter Stellen neben Atrophie der Haare und des Haarbalges die Zellen des Rete Malpighi ganz mit schwarzen und braunen Körnern inflltrirt, desgleichen auch die Wurzelscheiden der Haarbälge und die Drüsenzellen der Talgdrüsen. Bei den Schafen geht gewöhnlich die Wolle in zusammenhängenden Massen aus; die Thiere zeigen grosse kahle Platten.
2. Die Alopecia areata äussert sich in anfangs kleinen, rundlichen kahlen Flecken, welche sich in der Peripherie mehr und mehr vergrössern. Das Leiden kommt am häufigsten bei Hunden vor und gleicht ausserordentlich dem Befund bei Herpes tonsurans, nur dass die hiefür charakteristischen Pilze nicht auffindbar sind. Roll beobachtete einen Fall beim Pferde, bei welchem die Haare anfangs nur an ganz kleinen, umschriebenen Stellen fehlten, worauf die Alopecie sich jedoch innerhalb eines Jahres auf den grössten Theil der Haut erstreckte; auch hier war neben Atrophie der Haarzwiebel reichliche schwarze Pigmentbildung vorhanden. Einen ähnlichen Fall beim Pferde hat Schindelka beschrieben; Mikroorganismen liessen sich hiebei nicht nachweisen, weshalb atrophische Processe in der Haut als Ursache angenommen wurden. Das Leiden ist meist sehr hartnäckig und trotzt jeder Behandlung.
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Triohorrhexis.
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Therapie. Eine Beförderung des Haarwuchses bei der Alopecie kann durch verschiedene reizende Mittel versucht werden. Am häufigsten verwendet man den Spiritus, oder den Spiritus saponatus und camphoratus. Auch die Cantharidentinctur kann in genügender Verdünnung (1 : 5 Spiritus oder mit Fett als Pomade) eingerieben werden. Bei der Alopecia areata empfehlen sich ausserdem der zugleich antiparasitilre Perubalsam (1:10 Spiritus), das Creolin (1 : 10 20 Spiritus) und die Jodtinctur mit gleichen Theilen Weingeist gemischt, welche mehrere Tage hinter einander aufgepinselt werden.
Triohorrhexis nodosa. Ein eigenthümliohes Haarleiden, das offenbar mit der von Kaposi beim Menschen als Trichorrhexis nodosa beschriebenen Krankheit identisch ist, hat Trofimo beobachtet, Bei fast 2;,i der Pferde einer Artilleriebrigade entstanden nämlich am Kücken, auf der Lende und Kruppe symmetrische Flecken, an welchen die Haare etwa 1 cm von der Wurzel entfernt abgebrochen, oder an dieser Stelle knotig aufgetrieben waren; die Bruclistelle zeigte sich bei mikroskopischer Untersuchung stark zerfasert. Einen ähnlichen interessanten Fall beschreibt Megnin. Auch in der preussischen Armee scheint das Haarleiden häufig vorzukommen; im Jahre 1890 wurde es beispielsweise bei 8 Regimentern constatirt. Nach der Beschreibung von S t e i n h a r d t treten an dem erkrankten Haare in Abständen von 35 mm kleine, grauweisse Knötcheu und zwar von der Spitze des Haares zur Wurzel fortschreitend auf. An diesen Knötchen knicken die Haare oder brechen ab. Es wird sowohl das Schutzhaar, namentlich Schweif und Mähne, als auch das Deckhaar befallen. Auf letzterem beobachtet man thalergrosse, unregelmässige Flecken mit abgebrochenen Haaren. Eine Behandlung mit Sublimat, Creolin, Carbolsäure, Theer, Ichthyol etc. ist erfolglos; die Haare werden erst beim Haarwechsel wieder ersetzt. Nach Kalkoff und Seegert bewährton sich dagegen tägliche Waschungen der erkrankten Stellen mit Bprooentigen wässerigen Lösungen von Pyrogallol. Angeblich soll das Leiden durch das Putzzeug auf andere Pferde leicht übertragbar sein (ebenso auf das Barthaar der Pferdewärter).
Blutungen der Haut (sog. BIntschwitzen).
Literatur. Q-aspard, Rossionol, Ree., 1844. Schütz, lie/)., 1864. S. 165. Apitz, Mag,, 1855. S. 380. Hemno, Spec. Path., 1858. Mit Literatur. Richard, Hec, 18(30. Broolani, II med. ret., 1800. Mit Literatur. Kopp, W. f. TU,, 1861. S. 17. Ooulom, J. lt;hi Midi, 1802. Hüoque, A, de Brttx,, 1802. Rossbero, S. J. B,, 1863. S. 82. Hamon, Hec, 1867. Salle, Ibid., 1868. Alemanni. If ,iielt;l. vet., 1868. OüNTAMINE, A. de Unix., 1874. Jkuli.v, B. tli. M., 1878. 8. 90. Dieckerhopp, Spec, Path,, 1892.1. S. 983. Haubner'Siedahqrotzkv, /.. 'J'li,, 1898. S. 811.
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Aetiologie. Die zahlreichen in der Literatur unter dem Namen Blutschwitzenquot; verzeichneten Fälle von Hautblutungen beim Pferde und Kinde haben eine sehr dunkle Aetiologie. Manche davon sind
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Hautblutongeu.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5()9
wahrscheinlich rein symptomatische Hiiniorrhiigien im Verlaufe schwerer Allgemeinkrankheiten gewesen, so ties Petechialfiebers, des Milzbrandes, der Septikiimie, des Skorbuts. Andere gehören ins Gebiet der acute n Exantheme, welche sich zuweüeu mit Blutung com-pliciren können. Schliesst man diese Fälle aus, so bleibt immer noch eine Anzahl ganz eigenthümlicher Hautblutungen, welche indess nicht etwa durch eine Secretion der Schweissdrüsen entstanden sind, wie die fälschliche Bezeichnung Blutschwitzenquot; vielleicht vermuthen Hesse, sondern Hämorrhagien entweder per rhexin oder per diu-pedesin darstellen. Eine bestimmte Ursache dafür lässt sich nicht auffinden, wahrscheinlich liegt indess der Krankheit eine allgemeine Ernährungsstörung der Gcfässe zu Grunde. Hieher gehören insbesondere die Hautblutungen des Rindes. Neben diesen Hämorrhagien gibt es besonders bei edlen, orientalischen, ungarischen, russischen und tartarischen Pferden ein Hautbluten, welches unschuldiger Natur ist und früher für eine Selbsthilfe der Natur gehalten wurde. Wahrscheinlich sind diese Haulblutimgen auf die An sied lung von Nematoden in der Haut (Filavia haemorrhagica) und dadurch hervorgerufene GefässVerletzungen zurückzuführen (Haematidrosis para-sitaria). Thatsächlich kommen nach Drouilly bei den ungarischen Pferden Hautblutungen parasitären Ursprungs, hervorgerufen durch Filaria haemorrhagica, vor.
Symptome. Der Austritt des Blutes erfolgt bei der Hautblutung tropfenweise an verschiedenen Stellen des Körpers. In den leichteren gutartigen Fällen betrifft es nur die Haut, und zwar am häufigsten die der Schulter, des Halses, der Brust, der Extremitäten, dabei ist die Blutung eine partielle und lässt bald nach. Ist jedoch eine allgemeine hämorrhagische Diathese vorhanden, so kommt es auch zu Blutungen in die Schleimhäute und man findet Nasenbluten, Darmblutungen, blutige Milch, blutigen Harn. Dabei entwickelt sich häufig eine schwere Anämie, an welcher die Thiere nicht selten zu Grunde gehen; auch allgemeine Störungen begleiten gewöhnlich diese letztere Art von Hautblutungen, so leichtes Fieber, gastrische Erscheinungen u. s. w. Bei edlen Pferden erfolgt die Blutung zuweilen kurze Zeit hindurch in einem Strahle.
Therapie. Eine Behandlung des partiellen Hautblutens bei edleren Pferden ist wohl kaum jemals nothig, höchstens kann man kalte Waschuntjen der blutenden Ilautstellen vornehmen oder ver-
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suclisweise antiparasitäre Mittel anwenden. Dagegen ist bei allgemeiner hämorrhagischer Diathese eine innerliche styptische Behandlung einzuleiten, man gibt dann das Seeale cornutum, das Tannin, den Bleizucker u. s. w.
Acne und Furnnoulosls.
Literatur. Fnirnym, M.f.p. Tit., 1890. S. 410. MüiUäH, Thiertned. Vorträge, 1890. Heft 2. S. 16; Krkhtn, d. Hundes, 1892. 8. 412. Zipfel, X. f. Vet., 1892. S. 646. Noack, S. J. li., 1892. S. 104. Haubner-Siedauobotzky, L. Th., 1898. DooK.s, Bull. soc. centr., 1894. Friedbehoeh, M, f. p. Th,, V. Bd. S. 241 ff.
Wesen und Ursachen. Unter Acne versteht man eine eiterige Entzündung der Hautfollikel (eiterige Folliculitis), welche in Folge einer Anhäufung und Zersetzung des Secretes der Talgdrüsen entstanden 1st. Die Entzündungserreger können entweder von aussen, oder vom Blute her in die Talgdrüsen und Follikel eindringen. Die Affection der Haut ist eine umschriebene und tief gelegene; sie äussert sich entweder in Knoten (Acneknoten) oder Pusteln (Acnepusteln). Eine typische Acneform kommt in Folge der Einwanderung von Acarus folliculorum in die Follikel zu Stande (pustulöse Form des Acarus-ausschlags). Im Gegensatze zu dieser parasitären Acne, welche an einer anderen Stelle besprochen wird, bildet die gewöhnliche Acne eine nicht parasitäre bezw. nicht infectiöse Hautkrankheit, welche am häufigsten bei Hunden am Kopfe im Bereiche des Maulkorbs in Folge des anhaltenden, von demselben ausgeübten Reizes beobachtet wird. Auch bei Pferden kommt Acne vor, und zwar gewöhnlich in der Geschirrlage (Hals, Schulter, Rücken), desgleichen bei Negrettischafen an der inneren Schenkel- und Bauchfläche.
Als Furunkel bezeichnet man grosse Acnepusteln, welche zur Nekrose des Follikels führen (nekrotisirende eiterige Folliculitis). Der Furunkel entwickelt sich mithin aus der Acne und stellt nur einen höheren Grad der Follikelentzündung dar.
Symptome. 1. Beim Pferde hat die Acne herkömmlich verschiedene Bezeichnungen erhalten (Knoten-Tuberkel-Finnenausschlag, Knötchenflechte, Hitzknötchen, Talgknötchen, Pustelfinne, Schwielentuberkel). Ein grosser Theil dieser Hautaffectionen bezieht sich indessen nicht auf die echte Acne, sondern auf das papulös-vesiculäre Ekzem (vergl. S. 537), das sich von ersterer klinisch nicht immer leicht unterscheiden lässt. Am häufigsten findet man Acne in der Sattellage in Form kleiner, derber, schmerzhafter Knötchen,
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Furunculosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;571
aus denen sich kleine Talg- oder Eiterpfropfe auspressen lassen und auf deren Kuppe sich häufig gelbbraunes Exsudat bezw. eine trockene Kruste befindet. Sie entwickeln sich nach grösseren Anstrengungen durch den anhaltenden Reiz des Sattels bezw. Woylachs und die damit verbundene Zersetzung des Hautsecrets mit nachfolgender Infection der Talgdrüsen. Aehnliche, meist indessen etwas härtere und grössere, bis erbsengrosse Knoten finden sich nicht selten in der Geschirrlage. Nach dem Auspressen des Eiter- bezw. Talgpfropfes hinterlassen sie kesseiförmige Geschwüre mit sehr engem, unregelmässig berandetem Eingange. Im Allgemeinen zeichnen sich die Acneknoten des Pferdes dadurch aus, dass ihr Inhalt weniger aus Eiter als aus einer talgigen, schmierigen, grützeartigen Masse besteht. Zuweilen zeigt die Hautpartie, auf welcher die Acneknoten sitzen, die Erscheinungen der chronischen indurirenden Dermatitis (Sklerose) sowie des Eczema squamosum. Im Gegensatze zum papulos-vesiculären Ekzem beobachtet man Acne seltener über den ganzen Körper verbreitet, vielmehr in der Regel auf die oben genannten Prä-dilectionsstellen (Geschirr- und Sattellage) beschränkt.
2. Beim Hunde ist das Leiden gewöhnlich auf der Haut des Nasenrückens localisirt. Man findet es besonders bei Doggen. Hühnerhunden und Leonbergern, also bei Hunden mit langgestrecktem Vorkopfe. Der Druck des Maulkorbes veranlasst zunächst eine oberflächliche Hautreizung, welche sich auf die tiefer gelegenen Follikei fortsetzt und zu Vereiterung derselben und Verschwellung ihres Ausführungsganges führt. Die Haut fühlt sich verdickt und derb an; bei Druck auf dieselbe entleert sich an verschiedenen Punkten eine blutige oder eiterige Masse. Daneben bestehen linsen-, erbsen- oder selbst liaselnussgrosse Knoten, welche ein eiterig zerfallenes Centrum besitzen. Ausser auf dem Nasenrücken findet man Acneknoten und Acnepusteln oder die daraus entstandenen Furunkel auch an den Lippen, auf der Stirn, sowie an der Scliläfe. In selteneren Fällen kommt die Furunkulose auch auf der Haut des Rumpfes und der Extremitäten vor. Man sieht dann an der Aussenfläche des Unterschenkels, auf dem Rücken, am Halse etc. thaler- bis handteller-grosse Stellen, welche von erbsen-bis wallnussgrossen Knoten und Pusteln durchsetzt sind, aus welchen sich ein blutig-eiteriges Secret ausdrücken lässt. Zuweilen confluiren die Pusteln auch zu grösseren Abscessen, über welchen die Haut eine blaurothe, violette Färbung zeigt. Man trifft diese Form der Furunkulose besonders bei Griffons und langhaarigen Vorstehhunden. Ihre Ursachen sind nicht bekannt;
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vielleicht sind sie in einer angeborenen abweicheiulen Structur der Talgdrüsen zu suchen. Prognostisch ist die Localisation der Furunkulose auf den Rumpf und die Extremitäten sehr ungünstig zu he-urtheilen, da sie immer weiter um sich greift und häufig auch einer monatelangen Behandlung trotzt. Bezüglich der Häufigkeit des Leidens ist zu bemerken, dass Acne und Furunkulose am häufigsten bei Hunden in grossen Städten (Maulkorbzwang) vorkommen. Unter 70,000 in den Jahren 188694 der Berliner Klinik zugel'ülirten Hunden litten 462 = 0,7 Proc. in hohem Grade an Acne und Furunkulose.
Therapie. Die Behandlung der Acne und Furunkulose ist eine vorwiegend chirurgische. Sie besteht im Ausdrücken, Spalten und Auskratzen der Abscessherde. In die eröffneten Follikel bringt man sodann desinficirende Substanzen; insbesondere haben wir Salben aus Perubalsam und Creolin (1 : 10) beim Pferd und Hund sehr wirksam gefunden. Auch das Ausätzen der Hohlräume mit dem llollensteinstift ist sehr empfehlenswerth. In sehr hartnäckigen Fällen bleibt nur die Total exstirpatio n des erkrankten Hautstücks übrig. Prophylaktisch empfiehlt sich die Abhaltung äusserer Reize. Bei Furunkulose des Nasenrückens muss speciell der Maulkorb zeitweise entfernt oder mit weichem Pelz unterlegt werden, um Re-cidive zu vermeiden. Leichtere Fälle von Acne beim Pferd heilen von selbst nach Entfernung der Krankheitsursache.
Die übrigen Anomalien der Haut gehören zum Theil ins Gebiet der allgemeinen Putliologie, wie z, 13. übermlissiges Schwitzen (H y p e r-idrosis), übermässigo Absonderung der Talgdrüsen (Seborrhoe), die sog. Harthäutigkeit, die Sklorodermio der Schweine, die Anomalien des Haarwechsels und der Pigmentbildung, oder sie sind rein chirurgischer Art, wie Warzen, Hauthörner, Elephantiasis, fchtbyosis, Phleg-mone. Erysipelas u, s. w.
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II. Pflanzlich-parasitäre Hautkrankheiten.
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Allgemeines. Von Hautkranklieiten pflanzlich-parasitären Ursprungs sind bis jetzt bei unseren Hausthieren mit Sicherheit nur drei nachgewiesen: 1, die Glatzflechte (Herpes tonsurans), 2. der Wabengrind (Favus) und 3. die Dermatitis pustulosa con-tagiosa canadensis (die sog. englische Pf er d epoc ke). Von diesen sind die beiden ersteren. Herpes tonsurans und Favus, weitaus
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Glatzflechte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 573
die wichtigsten. Es ist die Frage vielfacii erörtert worden, ob beide durch zwei besondere Pilzarten oder nur durch zwei Variationen (Morphen) eines und desselben Pilzes hervorgerufen werden. Für die Einheit der Pilzspecies sprach hauptsächlich der mikroskopische Befund, indem ein wesentlicher Unterschied zwischen den Hyphen und Conidien bei Herpes tonsurans und Favus nicht nachgewiesen werden konnte. Indessen haben neuere Untersuchungen von Grrawitz (Virchow's Archiv 1886), welcher früher eine Identität beider Pilze, sowie mit Oidium albicans annahm, ergeben, dass Herpes und Favus durch zwei verschiedene Pilzarten erzeugt werden. Die Sporen beider Pilze sind zwar sehr ähnlich: sie zeigen aber doch mannigfache Differenzen im Wachsthumo, in der Verflüssigung der Gelatine, in der Form der Culturen und in den Fructificationsverhältnissen. So herrscht im mikroskopischen Bilde des Favus das Mycel vor, während bei Herpes die Sporen überwiegen. Oidium lactis hat mit ihnen nichts gemein. Nach Quincke soll übrigens Favus allein schon durch 8 verschiedene Pilze erzeugt werden können. Es spricht auch für die Annahme zweier verschiedenartiger Dennatomykosen der Umstand, dass das klinische Bild bei beiden ein vollständig anderes ist, und dass Uebergänge zwischen denselben gewöhnlich fehlen. Auch aus diesem letzteren Grunde muss man den Herpes tonsurans und Favus als zwei wesentlich verschiedene Hautaffectionen bezeichnen.
Aussei- den genannten drei Dermatomykosen sind in der Literatur noch andere Hautkrankheiten beschrieben, hei welchen Pilze gefunden wurden, die sich indess nicht näher bestimmen Hessen. So berichtet Siedamgrotzky (Sachs. Jahresber. 1872) über eine klinisch dem Herpes circinnatus sehr ähnliche Hautaffection, ohne jedoch Trichophyton dabei nachweisen zu können. Aehnliche Beobachtungen haben auch war mehrmals beim Hunde gemacht. Leisering (ibid. 18Ö7) beschreibt einen kahlmachenden Ausschlag in der Umgebung der Kloakenöft'nung bei einem Hahne, der durch den Begattungs-act auf Hühner übertragen wurde und bei welchem grüngelbe Conidien gefunden wurden. Endlich haben Leisering (ibid. 18G8) und Engel (Wochenschr. 1881, S. 413) über einige pflanzliche parasitäre Erkrankungen der Schweifwurzel und ihrer Haare bei Pferden referirt.
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Herpes tonsurans (Glatzflechte).
Literatur. GFML\au,Mlt;i(/., 1857. S.292. Mit älteren Literaturangaben; Ibid., 1859. 8. 24-1. Rkvnal, Mdm. de l'acad. de mid,, 1858. Hohaxd, ./. de Lyon, 1870. FaiEDBERGER, li. A., 1876. S. 369. Enthält die gosammte einschlägige Literatur bis zu diesem Jahre. SlEDAMOROTZKY, S, J. H., 1877. S. 65; HAUBNER*SlEDAH* OROTzky, /.. Th., 1893. S. 297. Hahi.e, Oe. V. S., 1877. S. 58. - Pawlovv, Oe. Revue, 1877. S. 64. Mkoxin, Jhdl. soe. centr., 1878. 1882; Soc. de Blol, 1888. Haarstick, Pr. .U., 1879. S. 82. örosswendt, Oe. lierue, 1879. S. 89. Bayer,
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r.74
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Glatzflochte.
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Oe. V., 1879. S. 1Ü2. BrXueh, S. #9632;/. /gt;'., 1879. S, 139. Railuet, Annal. de Der-matol, 1880. Schmidt, /';. M., 1881/82. Skalk, Oe. V., 1883. S. 73. Oösteh, Schmidt, I'r. M., 1883. S. 60. Grawitz, Virch, A., Bd. (57; Bd. 103. S. 393. Menoes, Schneider, Zünäel's Jahresber,, 1885. S. 72, 85. Sohadrin, Chark. Vet., 188(5. Lkfkduk, Kef. Bllenberger-Sohtitz, Jahresber., 188(5. S. 149. Macorpb,
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1887. S. 156. SoULA. Vidal, Revue v4t,, 1888. Bbrbsow, Chark.......
König, S. .1. Ii., 1889. 8. 76. Küsters, /.. f. Vet., 1890. S. 26.Raiiuet u. Ldcet, Hull. hoc. centr., 1890. Raiixiet u. Bvharo, Ibid., 1890. Rost, 8. J. Ii., 1890. S. 82. Reuter, M. f. p. Th., 1891. S. 289. Q-eiger, W. f. Th., 1891. S. 467. Stimolwaoher, Ibid., 1892. S. 384. Müller, Krhlitn. d. JIutides, 1892. S. 424. -Dieokerhofp, Spec. Path,, 1892.1. S. 1006. Mathis, ./. deLi/ou. 1892. Butler, J. of oomp., V. S. 252. Köhler, laquo;. A., 1898. S. 103. Kitt, Bakterienkde., 1893. S. 362i I'nlli.-nmit. Iikii/ii., 1894. S. 1(55. Blanchard, A. de llntx., 1893. Freytao, S../. B., 1893. 8. 129. Foi-rik u. Calve, Bee., 1894. S. 5. Schneider, Oe. M., 1894. S. 298.
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Aetiologie. Die gemeinhin auch als Ringflechte, kahl-m ach ende Flechte, Borken flechte (Dematomykosis tonsurans, Tinea oder Porrigo decalvans, Tinea scutellata), bei Kälbern auch als Teigmal oder Teigmaul, Teiggrind, Maulgrind, bei anderen Thieren als Lämmergrind, Gaisgrind bezeichnete Glatzflechte verdient ihren Namen Flechte* thatsächlich insofern, als sie durch einen pflanzlichen Parasiten hervorgerufen wird. Dieser als Trichophyton tonsurans bezeichnete Pilz gehört zu den Schimmelpilzen und wurde im Jahre 1845 von Malms ten entdeckt. Als die Ursache der Glatzflechte bei unseren Hausthieren wurde er zuerst von Gerlach nachgewiesen, welcher im Jahre 1857 eine klassische Arbeit über die Flechte des Rindes veröffentlicht hat. Die Uebertragung des Pilzes auf andere Thiere bezw. Thiergattungen erfolgt durch das Putzzeug, das Geschirr, die Decken, sowie durch directe Berührung benachbarter Thiere oder wie bei Säuglingen durch das Sauggeschäft. Insbesondere können auch Zuchtstiere die Krankheit auf ganze Stallungen übertragen. Auch durch den Weidegang wird die Weiterverbreitung vermittelt, indem hier eine vielfache Berührung der einzelnen Thiere stattfindet.
Am häutigsten erkrankt das Rind, sowohl ältere Thiere als auch namentlich Jungvieh und saugende Kälber, demnächst der Hund; seltener Pferde, Ziegen und Katzen, am seltensten Schweine und Schafe; ausserdem kann der Ausschlag durch Impfung auf das Kaninchen übertragen werden. Die Glatzflechte ist im Allgemeinen keine häufige oder überall verbreitete Hautkrankheit, vielmehr scheint sie in manchen Stallungen und Gegenden stationär zu sein und auch in einzelnen
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Glatzflechte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 575
Ländern (England, Holland, Frankreich, Schweiz) häutiger vorzukommen, als in anderen.
In der Literatur ist ferner eine sehr grosse Anzahl von Fällen verzeichnet, in welchen der Herpes tonsurans von Thieren (Rind, Hund, Pferd) auch auf den Menschen übertragen wurde; meist war es das Stallpersonal, welches beim Putzen und Melken der Thiere oder beim Einreiben von Salben angesteckt wurde, oder die Ueber-tragung erfolgte beim Abhäuten der geschlachteten Thiere; Hunde scheinen die Ansteckung vor Allem bei Gelegenheit von Liebkosungen zu vermitteln. Diese Infection des Menschen kann eine geradezu seuchenhafte Verbreitung erreichen; beispielsweise wurden im Jahre 1840 in dem schweizerischen Dorfe Andelfingen die meisten Einwohner von kranken Kindern angesteckt. In einem von Köhler beschriebenen Falle wurden durch ein neu eingestelltes Kalb ausser 21 Kühen, 5 Kälbern und 9 Pferden auch der Kuhhirte und mehrere andere Personen inficirt. Frey tag beobachtete bei ;5 Schweizern eines Stalles Ansteckung, einer derselben inficirte Frau und Kind.
Morphologie und Physiologie des Trichophyton tonsurans. Die mikroskopische Untersuchung des Trichophyton tonsurans lässt zwei verschiedene Formelemente erkennen: Fäden und Sporen.
1.nbsp; Die Fäden oder Hyphen sind zarte, längliche, ca. 4 Mikro-millimeter dicke, gestreckt oder wellig verlaufende Gebilde, die sich gabelförmig verzweigen, einfache Contouren besitzen und bald gegliedert, bald ungegliedert verlaufen. Sie umspinnen das Haar netzartig, dringen in dasselbe ein und bilden bei zahlreicher Aufeinanderlagerung ein förmliches Pilzlager oder einen Filzrasen, ein sog. Mycelium.
2.nbsp; Die Sporen oder Conidien sind kleine, kugelige bis längsovale, stark glänzende und dabei scharf contourirte Zellen von etwa demselben Durchmesser wie die Hyphen, aus denen sie nach Abschnürung hervorgehen; sie sind zuweilen rosenkranzähnlich an einander gereiht und meist in viel grösserer Menge vorhanden, als die Fäden, wodurch letztere schwer sichtbar werden. Diese Sporen sind sehr resistent, sie bleiben über ein Jahr keimfähig.
Der Pilz vegetirt vorwiegend in den Haar bälgen und im Haare selbst. Zunächst werden die untersten Theile der Haarschäfte von den Pilzmassen umschlossen, wobei ein weissor, cylindrischer Mantel schon makroskopisch am Grunde der ausgezogenen Haare als tlügelförmiger Ansatz sichtbar wird; weiterhin dringt der Pilz in die
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Haarscheiden und die Haarwurzel ein und erzeugt in den Haarfollikeln eine Entzündung, welche schliesslich eine Lockerung und Aushebung der Haare zur Folge hat. Endlich nistet er sich im Inneren des Haares selbst ein, welches er dabei zerfasert und brüchig macht; man findet dann das Innere des Haares oft so sehr mit Conidien durchsetzt, dass von der Haarsubstanz selbst nichts mehr zu sehen ist. Am besten scheint der Pilz auf dunkler Haut und dunklem Haare zu gedeihen. Die Durchmesserverhältnisse der Sporen und Hyphen sind nicht bei allen Thieren gleich; ja selbst bei einer und derselben Thier-art variirt der Dickendurchmesser derselben ganz erheblich. Megnin glaubte daher zwei verschiedene Species, einen Trichophyton tonsurans beim Pferde und einen Trichophyton epilans beim Rinde annehmen zu müssen; indess sind diese verschiedenen Grossen Verhältnisse offenbar nebensächlicher Natur und wahrscheinlich nur durch die veränderte Beschaffenheit des Nährbodens bedingt. Nach Grawitz verflüssigt der Herpespilz die Gelatine nach dem Aussäen schneller als der Favus-pilz. Auf Agar-Agar gebracht bildet Trichophyton einen Rasenüberzug, während die Favuscultur eine Sternform zeigt.
Symptome. Bei der Beschreibung des Krankheitsbildes der
Glatzflechte muss vorausgeschickt werden, dass eine einheitliche, auf alle Fälle passende Schilderung nicht gegeben werden kann, weil die Symptome je nach der Thierart, der Thierrasse, ja selbst bei einem und demselben Thiere je nach der Localisation, dem Alter des Ausschlages, sowie dessen Beeinflussung durch Kratzen, Scheuern, Nagen etc. seitens der erkrankten Individuen ausserordentlich verschieden sind. Im Allgemeinen können als charakteristische Merkmale hervorgehoben werden; anfangs scharf begrenzte, rundliche, haarlose oder mit abgebrochenen Haaren besetzte Stellen vorwiegend am Kopfe, Halse und den Extremitäten, welche, zunächst von der Grosse einer Linse, allmählich in der Peripherie sich ausdehnen und die Grosse eines Fünfmarkstückes und darüber erreichen können. Diese Stellen sind meist disseminirt, oder sie fliessen zu grösseren Platten zusammen. Zuweilen heilt der Process im Centrum ab, während er in der Peripherie weiter um sich greift; sog. Ringflechte (Herpes circinnatus). Nicht selten breitet sich auch der Ausschlag über einen grossen Theil des Körpers oder über die ganze Körperoberfläche aus, allgemeine Kahlheit erzeugend. Untersucht man die ausgefallenen oder ausgezogenen Haare mikroskopisch, so findet man die oben beschriebenen Conidien und Hyphen. Die Oberfläche
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Glatzfloohte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;577
der haarlosen Stellen zeigt entweder keine Spur von Entzündung oder aber sehr verschiedene Grade derselben. Bei dicker, resistenter Haut, z. B. beim Pferde, findet man nur eine vermehrte Desquamation der Epidermis in Form aschgrauer, schiefer- oder asbestartiger Schuppen (Herpes tonsurans macu-losus). Bei feinerer Haut beobachtet man zunächst Hyperämie und Schwellung, in Folge deren die ergriffenen Hautstellen über die Oberfläche prominiren. Später kommt es zu Bläschenbildung (Herpes tonsurans vesiculosus), welche bald platzen und zu dicken Borken und Krusten eintrocknen, die beim erwachsenen Rinde von verschiedener Farbe und lederartiger Consistenz, bei Kälbern dagegen von weissgrauer, brotteigähnlicher Farbe und dabei stark zerklüftet sind. Die Beschaffenheit der Borken richtet sich ausserdem nach der Behaarung; dieselben sind nämlich bei dichter Behaarung sehr dick, so dass sie, wie beim Rinde, 1 cm Durchmesser erreichen können, während sie auf wenig behaarten Stellen sehr dünn sind. Unter den Borken liegt eine eiternde Fläche; nach Abstossnng der Borken kann es zur Selbstheilung des Ausschlages kommen.
Das Krankheitsbild bei den einzelnen Thierarten ist kurz folgendes:
1, Herpes tonsurans beim Rinde. Man findet meist am Kopfe und Halse, seltener über den ganzen Körper zerstreut, vereinzelte oder in Gruppen bei einander stehende kleine, runde, mit Schuppen oder Borken bedeckte, scharf begrenzte Flecken, welche mehr oder weniger über die Hautoberfläche hervorragen und bald kahl, mit grauweissen Schuppen bedeckt, bald mit gesträubten Haaren besetzt sind. Dieselben können die Grosse eines Handtellers erreichen, und fliessen zuweilen zusammen; im Anfange seines Entstehens, sowie zur Zeit des Abheilens verursacht der Ausschlag ferner Juckreiz. Die grauweissen asbestähnlichen Borken können auf schwarzer Haut eine Dicke von 1 cm erreichen; auf der weissen Haut sind sie dünner und mehr gelblich. Unter der Borke findet man eine klebrige, eiterige Flüssigkeit, sowie kleine, geschwürartige Grübchen, welche den ausgedehnten, ausgeeiterten und haarlosen Follikeln entsprechen. Meist erfolgt unter der Borke Abheilung, indem dieselbe allmählich abfallt, und einen kahlen, leicht schilfernden Fleck hinterlässt, auf welchem die Haare allmählich wieder nachwachsen. In anderen Fällen bleibt die Haut stark verdickt, in Falten gelegt (Elephantiasis). Die Dauer des Ausschlages beläuft sich auf 612 Wochen. Wird jedoch der normale Verlauf durch mechanische Einflüsse, Reiben oder
ü'riedberger u. Fröhner, Pathol. u, Thoraiiie d. Hauathioro. I. Bd. 4. Aufl. 37
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578nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Glatzflechte.
Scheuern gestört, so kommt es in der Peripherie der abgeheilten Stellen zu neuen Nachschüben, indem gewissermassen eine Weiterimpfung dabei stattfindet und die Krankheit zieht sich über ein halbes oder ein ganzes .lahr hinaus.
Bei Saugkälbern findet man den Ausschlag vorwiegend in der Umgebung des Maviles, sog. Teigmaul oder Maulgrind. Diese auch bei anderen säugenden T h i e r e n (Lämmern, Ziegen, Schweinen) b e o b a c h t e t e K r a n k h e i t gehört höchstwahrscheinlich in der Hauptsache der Glatzflechte an, wenn auch zugegeben werden muss, dass ein nicht parasitäres, grindartiges Ekzem ebenfalls auf die Gegend der Lippen beschränkt vorkommen kann. In der Mehrzahl der Fälle spricht indess die offenbare Contagiosität des Ausschlages, sowie das klinische Bild für Herpes tonsiirans. Mikroskopische Untersuchungen sind zuerst von Hahn (München. Jahresber. 1861, S. 2(5) vorgenommen worden, welcher als die Ursache des Teiggrindes in der That Herpes tonsurans auffand und eine genaue Beschreibung und Abbildung des Pilzes veröffentlichte. Die Erscheinungen des Maulgrindes bestehen nach H ahn in grindartigen, runden, 1 3 qcm grossen Auflagerungen an den Lippenrändern, auf der Angesichtsfläche, sowie zuweilen über die ganze Körperoberfläche zerstreut, welche in der Hauptsache aus trockenen, kleienartigen Schuppenmassen bestehen, aus der kurze durch den Pilz zerfaserte und zerfallene Haare hervorragen. Der Verlauf des Leidens ist bei den jugendlichen Thieren ein sehr hartnäckiger.
2, Herpes tonsurans heim Hunde. Die Glatzflechte beim Hunde befällt am häufigsten den Kopf und die Extremitäten, breitet sich aber auch nicht selten über den ganzen Körper aus. Sie beginnt mit rundlichen, scharf umschriebenen und vereinzelten kahlen Flecken. Bei längerer Dauer findet man über die ganze Haut insel-förmig zerstreut scharf begrenzte, haarlose Stellen von runder bis länglich-runder Gestalt und 12 cm Durchmesser. Diese Flecken sind am zahlreichsten am Kopfe in der Umgebung der Lippen und Augen, sodann an den Extremitäten; nicht selten fliessen sie zu grösseren lappigen Platten zusammen. Je nach dem Sitze und Alter des Processes sieht man auf den haarlosen oder mit einzelnen kurzen Haarstummeln besetzten Stellen ganz verschiedene Krankheitsbilder. Sehr häufig findet man gar keine entzündlichen Veränderungen auf der Haut; die Glatzflechte verläuft also unter dem Bilde der reinen Alopecie, der Area Celsi. Ebenso häufig sind die Flecken nur mit einer dünnen Lage asbestartiger, schmutziggrauer Schuppen belegt. In anderen Fällen sind sie mit dickeren Krusten bedeckt, welche die Haare am Grunde zusammengeklebt haben. Die Haut unter den Krusten ist von kupferrotlier bis braunrother Farbe und mit zahlreichen hirsekorngrossen Knötchen (geschwollenen liaarfollikeln) be-
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Glatzflechte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;579
setzt. Zuweilen prominiren die erkrankten Partien bis zu 3 mm über ihre Umgebung und zeigen eine förmlich papulose Oberfläche; dabei ist die Haut im Umkreise geschwollen und zeigt ein ausgeprägt wulstiges Ansehen. Die ältesten Stellen endlich sind abgeblasst und vollkommen glatt und zeigen nur geringgradige kleienartige Auflagerungen.
3.nbsp; Herpes tonsurans beim Pferde. Die Glatzflechte kommt beim Pferde am häufigsten auf dem Kücken in der Sattellage, auf der Kruppe und in der Flankengegend, aber auch am Kopfe vor. Die einzelnen Flecke haben die Grosse eines Zehnpfennig- bis Markoder selbst Fünfmarkstückes und sind meist ziemlich regelmässig kreisrund; die Haare sind ausgefallen oder abgebrochen, die Abschuppung der Epidermis ist eine ziemlich starke, zuweilen kommt es auch zu leichter Krustenbildung. Die Haare in der Umgegend sind leicht ausziehbar: die nachwachsenden Haare sind häufig dunkler gefärbt.
4.nbsp; nbsp;Herpes tonsurans beim Schafe. Man findet die Wolle verfilzt und darunter kleienartige und borkige Stellen am Halse, ander Brust, an den Schultern und längs des Rückens, dabei besteht bedeutendes Juckgefühl; im Beginne der Erkrankung erheben sich kleine Wollbüschel über dem Stapel, die sich vermehren, wodurch das Vliess der Schafe ein zerzaustes Aussehen erhält.
5.nbsp; Herpes tonsurans beim Geflügel. Beim Geflügel verläuft die Glatzflechte mit Federnausfallen und starker Hyperämie in der Umgebung der Papillen.
Diagnose. Die Erkennung der Glatzflechte ist nicht gerade schwer. Das disseminirte Auftreten, die runde Form des Ausschlages, das Ausfallen der Haare mit peripherer Ausbreitung, die asbestartigen Borkenauflagerungen namentlich bei Hunden am Kopfe (Backen, Lippen, Augenlider), der geringe oder ganz fehlende Juckreiz, die Contagiosität und endlich der mikroskopische Befund sichern die Diagnose hinlänglich. Der mikroskopische Nachweis wird durch Ausziehen einiger ilaare an der Peripherie der kahlen Flecken und Untersuchung ihrer Wurzel oder durch Untersuchung der Borken nach vorhergegangener Aufweichung in lOprocentiger Kalilauge und Isolirung der darin enthaltenen Haarwurzeln geliefert. Makroskopisch ist der Pilz durch eine weisse, mantelartige Umkleidung der Haarwurzel charakterisirt. Verwechslungen mit anderen Hautkrankheiten sind besonders beim Hunde möglich, wo die Glatzflechte oft schwer von der Sarcoptes-
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Glatztlechte.
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räude und von der squamosen Form des Acarusausschlags makroskopisch zu unterscheiden ist. Die letzteren Krankheiten verlaufen jedoch mit starkem Juckreize. Beim Rinde kann die Glatzflechte zuweilen mit einem Mercurialausschlage und umgekehrt verwechselt werden.
Prognose. Dieselbe ist insofern günstig zu stellen, als eine Heilung nach einer zweckmässigen Behandlung immer erfolgt, wenn sie mit Fleiss und Ausdauer ausgeführt wird. Bei älteren Kindern tritt sogar schliesslich eine spontane Heilung ein, sobald im Verlaufe der Krankheit die Borken abfallen und die Haare, das Haupternährungsmaterial des Trichoplryton tonsurans, verloren gegangen sind; auch beim Hunde haben wir vereinzelte Fälle von Selbstheilung beobachtet. Nur bei jüngeren Thieren kann die Localisation auf die Umgebung des Maules zu erschwerter Nahrungsaufnahme und schliesslich zu tödtiieher Inanition führen.
Therapie. Die Behandlung besteht zunächst in prophylaktischer Beziehung in Separation der erkrankten Thiere, Reinigung und Desinfection der Stallungen, Vernichtung der Lagerstätten bei Hunden, sowie in Belehrung des Dienstpersonals über die Ansteckungsfähigkeit der Krankheit. Sodann handelt es sich in erster Linie um die gründliche Entfernung der Borken und Schuppen mittelst grüner Seife. Auf die so gereinigten Hautstellen kann man dann die verschiedensten antiparasitären Mittel einwirken lassen: Creolin-, Car-bol-. Kreosot-, Naphthol-, Theersalbe (1 : 10), graue, weisse und rothe Quecksilbersalbe (beim Rind indess zu vermeiden), Jodtinctur (1 : 15 Spiritus), Salicylsäure mit Weingeist (1 : 10), alkoholische Sublimatlösung oder Sublimatsalbe (1:100), Arseniklösungen, Jodoformsalbe, Waschungen mit Kupfervitriol, Alaun u.s.w. Wir haben bei beschränkter Ausbreitung insbesondere von der ganz unschädlichen Creolin salbe und Jodtinctur und der ebenfalls ungefährlichen alkoholischen Salicylsäurelösung immer gute und rasche Erfolge gehabt; dieselben werden täglich mehrere Male auf die erkrankten Hautstellen aufgetragen.
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Favus. Erb- oder Wabengriml.
Literatur. A. Boi den Säugothieren. Ehikdbeich, Zandkr, Schrader, Virch.A., 1858. Bd. 18. 14, 15. Saint-Cvr, .7. de Lyon, 1868. 1869. Albreciit, Fr. M., 1868/69. Molliärk, Compt. rend, de In soc. des scienc, med. de Lyon, 1869.
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Favus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 581
Trasbot, Bull. soc. eentr., 186971. SiKDAMQROTZKy, S. ./. If., 1872, S. 80; 1874. S. 63. MAcaiLLiviuv, The Vet., 1872. Bouillot, A. de lirux., 1873. Horand, ./. de Lijon, 1876. Balzkr, Arch, de physiol., 1883. Lies, Itmidsclifiu, 1886. S. 81. Neumann, A. de Brux., 1886. S. 340. Ghawitz, Vircli. A., Bd. 67; Bd. 103. S. 393. Quincke, Archiv f. experim. Bath. u. Bharmah., 1887. S. 62. Kowalewski, J'et. A., 1887. Zürn, Die pflanzl. Faros,, 1889. Cadiot, Bull. soc. cent)-., 1889. Frank, IV. f. Th., 1891. S. 344. Schkrwell, Am. vet. rev., 1892. S. 452. Hua, Munch, med. IVoch., 1892. S. 13. Frank, Med. Centralbl., 1892. Nr, 12. - Jessneh, Ibid., 1893. Nr. 19 u. 37. SaHATZ, X. f. Vet., 1893. S. 262. Blanchard, A. de Brux., 1893. Kitt, Bakterienkde., 1893. S. 863; Path.-anat. Diagn., 1894. S. 166 ff, B. Beim Geflügel. Lkisehing, N. ./. iy., 1857/58. S. 32; 1864. S. 46. Müller, Oe. V. S., 1858. S. 37. Geri.ach, Mag., 1859. S. 236. Rivolta, Bei parasiti vegetali, 1878. Zürn, Die p/lanzl. Baras., 1S89; Die Krkhtn. d. Bausye/liigels, 1882. S. 135. Pauly, D. Z. f. Th., 1883. S. 302. Schütz, VerdffentUohmgen d. ReichsgesundheitsamteK, 1884. 11. Neumann, Revue vit., 1885; Soc. de, Biol., 1880. Garnet, Bee, 1892. Nr. 5. Megnin, Heim, Soc. de Biol., 1894.
Aetiologie. Der auch als Erb- oder Wabengrind, sowie beim Geflügel als Kammgrind, Hühnergrind, weisser Kamm bezeichnete Favusausschlag (Tinea favosa) wird durch einen von Öchönlein im Jahre 1839 entdeckten, von Remak später Achorion Schönleinii benannten Schimmelpilz hervorgerufen. Die Krankheit kommt vor bei Hunden und Katzen, selten bei Pferden, ausserdem bei Kaninchen, Feldhasen und Mäusen; unter den Hühnern werden besonders fremde Rassen, wie die Cochinchina's und Brahma's davon befallen. Der Pilz ist übertragbar auf den Menschen und umgekehrt (Erbgrindquot;). Katzen scheinen sich meist durch den Genuss favuskranker Mäuse zu inficiren. Der Favuspilz der grösseren Hausthiere und des Menschen scheint mit dem der Hühner und Mäuse nicht völlig identisch zu sein. Eine Uebertragung des Hühner-favus auf Pferde, Rinder oder Hunde ist nämlich Gerlach nicht gelungen; ebenso vermochte Schütz die Reincultur desselben nur auf Hühner, nicht aber auf andere Thiere (Ratten, Meerschweinchen, Tauben, Mäuse) zu überimpfen. Am leichtesten haftet der Pilz auf der zarten Haut jugendlicher Thiere.
Morphologisches über das Achorion Schönleinii. Der Favuspilz bildet auf der Haut runde, Scheiben- (faviquot;) oder schüsseiförmige, in der Mitte vertiefte, mehr oder weniger dicke Borken, die sog. Scutula (Schildchenquot;), welche in der Hauptsache aus lauter Pilzelementen bestehen, also gewissermassen eine Reincultur des Pilzes repräsentiren. Man findet nämlich bei der Untersuchung dieser Scutula ein dicht verfilztes Pilzlager (Mycel), welches durch Fäden (Hyphen) und Sporen (Conidien) gebildet wird. Dieselben gleichen morphologisch vollständig dem Trichophyton tonsurans. Die Fäden
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haben einen Durchmesser von 25 Mikromillimeter und sind bald fein und langgestreckt, ohne Schoidewilnde, bald kürzer und dicker, stark verästelt, gegliedert, zuweilen kolbig angeschwollen nnd von stark grauulirtem Inhalte. Zwischen diesen Fäden liegen in grosser Anzahl anfangs kuhische, später rundliche oder ovale Sporen von gleichem Durchmesser, welche sich aus den Fäden durch Abschnürung entwickelt haben. Ausserdem dringt der Favuspilz in die Haarfollikel und Fodernsilcke, und schliesslich ins Innere der Haare und Federn selbst, welche dadurch an ihrer Wurzel atrophiren und ausgehoben werden; auch zwischen die Epidermislagen hinein wuchern die Fäden und Sporen. Schütz hat das Achorion Schönleinii der Hühner auf Fleischwasser-Pepton-Gelatine bei Zimmertemperatur rein gezüchtet und die ßeinculturen mit Erfolg wieder auf Hühner übertragen.
Nach Quincke und ünna sollen mindestens 3 verschiedene Filze das Bild des Favusausschlages bedingen können (Favus griseus, sulfureus tardus und sulfureus celerior). Andere halten dieselben nur für Spielarten eines, in seinem morphologisch-biologischen Verhalten sehr variablen Pilzes.
Symptome. 1. Favus bei Säugethieren. Der Favusausschlag ist hier charakterisirt durch trockene, aussen graubraune bis graugelbe oder silbergraue, innen weisse bis schwefelgelbe Borken von runder, schüsseiförmiger Gestalt mit concavem Centrum, welche etwa die Grosse eines Zwanzigpfennigstücks und eine Dicke bis zu '/s cm erreichen. Diese Borken bedingen eine Atrophie der Haare nebst einer flachen Vertiefung der Haut. Man findet sie besonders am Kopfe (Nasenrücken, Backen, Ohren, Stirne), am Bauche, an der Aussenseite der Hinterschenkel und bei Katzen in der Umgebung der Krallen und an den Ohrentäschchen. Saint-Cyr beschreibt sie bei Hunden und Katzen als mörtelähnlich zerklüftete, rissige, graue oder safrangelbe Krusten von pechartiger Consistenz, welche später abblättern und im Centrum einen kleinen, schälchen- oder becherartigen Eindruck haben; anfangs sind sie von einzelnen Haaren durchbohrt, die jedoch später ausfallen. Unter den Krusten ist die Haut verdünnt und zuweilen blutrünstig; beim Hunde soll ziemlich bedeutender, bei Katzen dagegen nur geringer oder gar kein Juckreiz bestehen. Bei Pferden können die Favusborken zu bandartigen fingerbreiten Streifen confluiren. Zuweilen verbreiten die favuskranken Thiere einen eigenartigen, an Kuhkäse erinnernden Geruch. Der Verlauf scheint im Allgemeinen ein
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Favus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;58;i
gutartiger und rascher zu sein. Siedamgrotzky erzielte in einem Falle bereits nach Stägiger Behandlung Heilung, nach Saint-Cyr erfolgt die Heilung durchschnittlich in 8 12 Tagen, wobei sich die Haare wieder ersetzen.
2. Favus bei den Hühnern, sog. weisser Kamm, Hühnergrind, Tinea Galli. Die parasitäre Natur des Kammgrindes der Hühner wurde ziemlich zu derselben Zeit von Leisering, Gerlach und Müller entdeckt. Die Erscheinungen sind folgende. Am Kamme und an den Ohrläppchen treten kleine, weisse, schimmelartige Flecken auf, welche sich allmählich vergrössern und zu einem den ganzen Kamm überziehenden weissen Belage vereinen. Dieser Schimmelbelag bleibt mehrere Monate ausschliesslich auf den Kamm beschränkt und verwandelt sich dabei in eine dicke Borke. Erst nach dieser Zeit ergreift der Ausschlag auch die Kopfhaut, und verbreitet sich dann sehr rasch über den Hals und Rücken und schliesslich über den ganzen Körper des Thieres, Dabei werden die Federn aufgerichtet und fallen aus, die Haut bedeckt sich mit schuppigen Massen. Die Thiere magern ab, bekommen einen moderigen, schimmligen Geruch und sterben bei einer gewissen Ausbreitung des Processes an Erschöpfung.
Differentialdiagnose. Die Unterscheidung des Favus von Herpes tonsurans gründet sich vor Allem auf den Nachweis der schüsseiförmigen Borken (Scutula), welche ausserdem im Gegensatze zu den bei Herpes vorkommenden Borken ziemlich ausschliesslich aus Pilz-inassen und besonders Filzfaden bestehen, während derartige Filzanhäufungen bei Herpes nicht beobachtet werden; auch sind bei letzterem die Pilzfäden seltener.
Therapie. Die Behandlung der Favuskrankheit ist dieselbe, wie beim Herpes tonsurans; nach Entfernung der Borken wendet man auch hier die schon genannten pilztödtenden Mittel an (Creolin, Sublimat, Carbolsäure, Jod). Bei Hühnern soll zuweilen eine spontane Heilung vorkommen.
Nach Ercolani (II medic, vet. 1870) soll der Favuspilz analog der Onychomykosis favosa des Menschen, bei welcher der Pilz in das Innere der Nägel vordringt, auch imHufhorn vogetiren und durch Störung der Verbindung zwischen Horn- und Fleischbliittchon daselbst hohle Stellen (sog. hohle Wand) erzeugen; Ercolani nennt daher diese Hufkrankheit Onychomykosis und den Pilz Achorion keratophagus.
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Canadische Pl'erdepoeke.
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Dermatitis contagiosa pustulosa (canadensis). Acne contagiosa
equorum.
Die sog. englische oder canadische (amerikanische) Pferdepocke.
Literatur. Goox, liec, 1842. S. 807. WEBBH, Hull. soc. centr., 1877. Mans, A. de ih-ux., 1879. Axe, Chamber of agriculture, 1879; Ref. Oe. V., 1879. Nr. 12.
nbsp; Gips, B. A., 1879. S. 218. Uiel, W. f. Th., 1879. S.418.-Leonhardt, Pr.M., 1879/80. S. 70. FiuEDiiEHGKR, W. f. Th., 1880. S. 149; M. ,/. B., 1887/88. S. 67; 1889/90. S. 107. Schindelka, Oe. V.S., 1883. S. 61. Siedamgrotzky, 8. J. B., 1883. S. 18. Labat, Jievue vet., 1884. Dieckehiiokp u. Giiawitz, Virch. A., 1885. 102. Bd. S. 148. Hendrickx, A. de Brux., 1886. Phietsch, S. J. B., 1887. S. 61.
nbsp;Wali.ey, ,/. of comp. path., 1890. S. 9. DlEOKBHHOPP, Spec. Bath., I. 1892. S. 1006. Kitt, Baktevienkde., 1893. S. 324. Woronzow, Pet. A., 1893. S. 199.
Wesen. Die sog. englische oder kanadische Pferdepocke hat mit der eigentlichen Pocke (Variola) des Pferdes nichts gemein, sondern stellt ein eigenthümliches pustulöses und dabei intensiv contagiöses Exanthem mit herdförmigen Efflores-cenzen dar, welches in leichteren Fällen unter einfacher Bläschen-, Pustel- und .Borkenbildung, in schwereren unter tiefer gehender Eiterung, Knoten- und Geschwürsbildung und Schwellung der Lymph-gefässe, immer aber ohne Störungen des Allgemeinbefindens und ohne Juckreiz gutartig, wenn auch zuweilen mit langer Dauer verläuft. Nach Schindelka scheint es mit der Impetigo contagiosa des Menschen (Kaposi) identisch zu sein, einem ebenfalls ansteckenden, pustulösen Exanthem der Kopfhaut des Menschen von demselben gutartigen und typischen Verlaufe.
Historisches. Die englische Pferdepocke wurde nach Axe, der ihr auch den Namen Dermatitis contagiosa pustulosa canadensis beilegte, erst im Jahre 1877 aus Canada eingeschleppt. Von England aus verbreitete sich die Krankheit sehr bald durch englische Handelspferde nach verschiedenen Stellen des Continents, wo sie im Jahre 1879 von verschiedenen Seiten gleichzeitig beobachtet wurde. Die anfangs vermuthete Identität der Krankheit mit der Stomatitis pustulosa contagiosa hat sich später als unrichtig herausgestellt. Indessen scheint das fragliche Exanthem offenbar älter zu sein. Im Jahre 1841 und 1842, wie wir finden, hat nämlich nach der Beschreibung von öoux bei Pferden der französischen Armee ein ganz ähnlicher gutartiger, sehr ansteckender, pustulöser Ausschlag vorwiegend auf dem Rücken, den Schultern und der Kmippe geherrscht, welcher innerhalb 14 Tagen sämmtliche Pferde einer Batterie ergriff und mit den-
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Canadisoho Pferdepocke.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,r)85
selben Erscheinungen verlief, wie die sog. englische Pferdepocke. Hering hat den Fall als ansteckenden Tuberkelausschlagquot; bezeichnet,
Aetiologie. Das seuchenhafte Hautleiden wird meist durch Decken, Gurten, Sättel, Geschirre, sowie durch das Putzzeug auf andere Pferde übertragen. Dabei entspricht die Ausdehnung des Exanthems häufig genau dem Umfange einer Decke, eines Sattels, einer Gurte. Aus demselben Grunde sind die Sattel- und Gurtenlage die Lieblingsstellen des Ausschlages, der meist die Partie des Rückens unmittelbar hinter dem Widerriste, sowie die seitliche Brustwand befällt, dagegen auf die Schulter oder Vorderbrust seltener übergeht; Kopf, Hals und Extremitäten sind mit wenigen Ausnahmen fast immer frei geblieben. Das offenbar fixe Contagium wurde schon von A x e für my kotisch er Natur erklärt. Schi n del ka fand im Eiter und in den Krusten regelmässig kleine Mikrokokken, welche die Eigenschaft hatten, sich mit Anilinfarben leicht zu färben; Siedamgrotzky beobachtete dieselben in Diplokokkenform. Durch Impfung Hess sich die Hautkrankheit auf Pferde, Ziegen und Kaninchen übertragen; dabei sah Siedamgrotzky bei Kaninchen und Meerschweinchen malignes Oedem und Septikämie auftreten. Dieckerhofiquot; und Grawitz haben die Bacterien der englischen Pferdepocke, welche sie als Acne contagiosa bezeichnen, in der Form eines sehr kurzen Bacillus rein gezüchtet. Der von den beiden Autoren Acnebacillusquot; benannte Pilz bildet kurze Stäbchen von der halben Länge eines Tuberkel-bacillus, hat eine ungefähre Grosse von 0,2 Mikra und zerfällt durch Theilung in länglichovale oder runde Kügelchen, welche sich zu 2 oder 4 vereinen und kleine Ketten bilden; beide Formelemente färben sich sehr leicht mit wässerigem Fuchsin.
Bacteriologisches. Der beschriebene Bacillus bildete bei der Züchtung sehr charakteristische Colonien und Tmpfstichculturen und vegetirte üppig auf Blutserum; am schnellsten war das Wachsthum bei 37deg; C, dagegen tödtete ihn eine halbstündige Erwärmung auf 80900C. Trocken aufbewahrt behielt er seine Wirksamkeit noch nach 4 Wochen. Eigenthüm-licher Weise erregte er absolut keine Fäulniss. Beim Pferde genügte das Einreiben einiger Tropfen bacillenhaltigen Wassers auf ganz normal behaarte Hautstellen, um das typische Exanthem hervorzurufen. Ueberimpfungen gelangen ausserdem auf Rinder, Schafe, Hunde, Kaninchen. Meerschweinchen wurden durch blosses Einreiben der Reincultur des Bacillus auf die unverletzte Haut innerhalb 48 Stunden getödtet unter dem Bilde einer septischen Intoxication. Subcutane Injectionen bei grauen Mftusen erzengten pyämisclie Erscheinungen.
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580nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Canadische Pferdopocke.
Symptome. Nach einem Incubationsstadiura von 614 Tagen (Schindelka) entwickeln sich in der Sattellage zu beiden Seiten der Kückenlinie herdförmige Effloresoenzen, deren Charakter je nach dem Grade der Krankheit und der Beschaffenheit der Haut ein verschiedener ist.
1.nbsp; nbsp;In leichteren Fällen bemerkt man zunächst rundliche bis ovale, crbsen- bis haselnussgrosse Prominenzen der Haut, welche entweder vereinzelt oder in kleinen Gruppen beisammen stehend etwa die Fläche eines Handtellers einnehmen und nicht sehr zahlreich sind. Ueber denselben sind die Haare gesträubt und büschelig, die Haut ist leicht empfindlich, geschwollen und etwas höher temperirt. Diese Prominenzen der Haut stellen umschriebene Entzündungsherde dar, auf deren Oberfläche bei näherer Besichtigung eine verschiedene Anzahl isolirter, selten confluirender Bläschen und Blasen von Hanfkorn- bis Bohnengrösse sich erheben, deren Anfangs wasserheller Inhalt sich bald trübt (Pustelbildung). Nach 12tägigem Bestände platzen diese Blasen und trocknen zu dicken honiggelben Borken von Zehnpfennig- bis Markstückgrösse ein, wobei die Haare über der Blase mit einander verkleben. Etwa eine Woche nachher fallen die Borken sammt den Haaren ab, und es bleibt ein kreisrunder, haar- und pigmentloser Flecken ohne Narbe und ohne Desquamation mit ganz normaler Epidermis zurück, so dass nach ca. 14 Tagen das ganze Exanthem, welches nur die oberflächlichsten Hautschichten bis zum Rete Mulpighi, resp. Papillarkörper ergriffen hat, ohne irgend welche Störung des Allgemeinbefindens abgeheilt ist. Nur wird regelmässig eine leichte Anschwellung der Kehlgangs- und oberen Halsdrüsen beobachtet, die aber bald wieder zurückgeht.
2.nbsp; Von diesem typischen, leichten Verlaufe gibt es jedoch verschiedene und häufige Abweichungen. Die Ursachen der letzteren, schwereren Fälle sind in intensiverer Infection, in Confluenz mehrerer Pusteln, sowie in Vernachlässigung des Hautausschlages insofern zu suchen, als die bereits erkrankten Thiere nicht ausser Dienst gestellt werden, wobei die entzündeten Hautstellen durch das aufgelegte Geschirr anhaltend gedrückt und gereizt und eine grössere Ausdehnung begünstigt wird. Tn Folge dessen breitet sich zunächst der exanthematische Process weiter aus; die Zahl der früher vereinzelten Entzündungsherde steigt auf 50 und 60, die der Pusteln auf diesen einzelnen Herden um das Vier- und Fünffache. In der Nach-barschaft der ursprünglichen Prominenzen entstehen neue und um diese herum wieder neue Entzündungsherde; die Borken
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Oauadisohe Pferdepocke.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;587
Averden sehr breit und können über Thalorgrösse erreichen. Insbesondere aber dringt die Entzündung weiter in die Tiefe der Haut und selbst in das Unterhautbindegewebe, wodurch derbe, f'urunkelartige, grössere Knoten in der Form von Dasselbeulen entstehen, welche sehr schmerzhaft anzufühlen sind und ein eiteriges Centrum besitzen, das sich bei Druck als dicker Eiterpfropf entfernen lässt, worauf grössere oder kleinere, geschwürartige Vertiefungen zurückbleiben, welche confluiren und bis Thalergrösse erreichen können und sich später mit Granulationen ausfüllen. Von diesen grösseren Eiterknoten gehen dann auch häufig entzündliche Lymphgefässstränge nach verschiedenen Richtungen hin aus; ja es kann selbst zur Vereiterung der benachbarten Lymphdrüsen, z. B. der Achseldrüsen, kommen. Diese tiefgehende eiterige Ilautinfiltration hinterlässt im Gegensatze zu den oberflächlichen Pustelefflorescenzen Narben auf der Haut. Dabei wird die Heilung sehr verzögert und der Process kann sich unter fortwährenden neuen Nachschüben über 5(gt; Wochen, ja selbst über 2 Monate ausdehnen. Aber auch in diesen schwersten Fällen kommt es nur ausnahmsweise zu einer wesentlichen Allgemeinerkrankung und es fehlt auch hier ein eigentlicher Juckreiz. In vereinzelten Fällen localisirt sich endlich der Ausschlag auch an den Extremitäten, wo er sich dann mit entzündlicher Schwellung von Gelenken (Sprunggelenk) compliciren kann.
Differentialdiagnose. 1, Die eigentlichen Pocken des Pferdes (Variola) sind bis jetzt nur in der Fesselbeuge, als sog. Schutzmauke, beobachtet worden; ausserdein verlaufen dieselben unter Fiebererscheinungen, was für die canadische Pocke nicht zutrifft.
2.nbsp; Der Hautrotz kann allerdings unter ähnlichen Erscheinungen, wie die schwereren Fälle des vorliegenden Exanthems verlaufen (Ge-schwürsbildung, Lymphgefässentzündung, Contagiosität). Indessen fehlen bei ihm die Blasen- und Pustelbildung und der Ausgang in Heilung.
3.nbsp; Das Eczema impetiginosum und crustosum sowie die Acne besitzen klinisch sehr viel Verwandtschaft mit dem contagiös-pustulösen Exanthem. Jedoch fehlt ihnen die ausgesprochene Contagiosität, auch sind so grosse Blasen und Pusteln beim Ekzem noch nicht beobachtet worden. Endlich verläuft das Ekzem mit stärkerem Juckreiz.
4.nbsp; Mit einem Gurten- oder Sattel druck kann die canadische Pocke nur im Anfange verwechselt werden, indem späterhin der typische Verlauf des Exanthems jeden Zweifel ausschliesst.
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588nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Räude.
Therapie. Eine Behandlung der leichteren Fälle ist überflüssig, dieselben heilen von selbst ab. Es ist daher nur in prophylaktischer Beziehung für Separation dor erkrankten Thiere und Des-infection der Stallutensilien zu sorgen; ausserdem müssen die Pferde aussei- Dienst gestellt werden. In schwereren Fällen behandelt man die freiliegenden Geschwüre mit nntiseptischen Mitteln. So sah Fried-berger vom Creolin (3 Proc.) und von der Carbolsäure, Schindelka und Siedamgrotzky von Iprocentiger Sublimatlösung, Trasbot von 12procentiger Kupfer- und Zinkvitriollösung entschiedenen Erfolg, sowie Abkürzung der Krankheitsdauer.
Wurm der Rinder (Farcin du boeuf). Mit diesem Namen bezeichnet man in Frankreich eine durch die wurmförmige Gestalt (farein) der angeschwollenen Lymphstränge dem Hautrot/, (Wurm) der Pferde ähnliche, durch einen sporenbildenden Fadenpilz (Nocard), verursachte Hautaffection. Die schon von Hurtrel d'Arboval (1838) erwähnte Krankheit scheint früher in Frankreich häufiger vorgekommen zu sein. Nach Couzin soll sie in der französischen Colonie Quadeloppe (Westindien) stationär sein. Auch in Deutschland ist die Krankheit beobachtet (Röder, S. J. B., 1888) und in Oesterreich von Kasparek (Th. C, 1895. S. 166) genauer studirt worden. Das Wesen des Leidens besteht in einer an den Extremitäten und am Bauche auftretenden, durch sträng art ige Geschwülste im Verlaufe der Lymphgefässe (Lymphangitis) und Lymphdrüsen (Lymphadenitis) charakterisirten Hautkrankheit. Dieselbe führt durch Metastasenbildung in inneren Organen (Pyämie) oder durch allgemeine Erschöpfung in der Regel nach Jahre langer Dauer zum Tode. Durch Impfung lässt sie sich auf Rinder und Meerschweinchen übertragen. Bei letzteren entstehen nach intravenöser oder intraperitonealer Injection Erscheinungen, welche grosse Aehnlichkeit mit Miliartuberkulose zeigen.
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III. Thierisch-parasitare Hautkrankheiten.
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Die Künde der Haussängetliiere. A. Allgemeiner Theil.
Literatur im Allgemeinen, Chabert, Traue de la yale et des dartres des animaux, Paris 1788. Hertwig, Mag., 1835. S. 165. Hering, Verhandl. d. kais. Leopold-Carol. Akademie d. Wissensch., 1838. S. 543. Gurlt u. Hertvvio, Veryl. Untersuchungen üh. d. Haut d. Menschen u. üb. Kratz- u. Uiiudemilben, 1844. Delafond u. Bouhguignon, liec., 1856; Traitt prat. d'entomologh et de patholog. camp, de la psore, 1862. Gerlach, Krätze u. Hände, Berlin 1857. Fürstenberc, Die Krätzmilbe d. Menschen u. d. Thiere, Leipzig 1861. May, Krlchtn. d. Schafes, 1868. Mit älterer Literatur. #9632; Egbin, Alemoire sur diverses especes d'Acariens de la fa-mille des Sarcoptides, 1869. Megnin, Monographie de la tribu des Sarcoptides psoriques, Varis 1877; Les parasites et les maladies parasitaires, Paris 1880; Rec,
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Räude.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;589
1873. 1876. 1877. 1883 u. Bull.soc.centr., 1873. 1876. ZÜRN, Ueber Mühen, welche Hautkrankheiten bei Hausthieren hervorrufen, Wien 1877; Die thier. Parasiten, 1882. Kaiser, V. f. Thrzte., 1882. Vkriikyex, Mot. vH., Bd. 7. Railliet, hUmcnts de Zoologie mSdicale et agricole, Paris 1885; Soc. de Biol., 1892. Jahresberichte üb. d. Verbrcity. v. Thierseuchen im deutschen, Reiche, 188C94. Roll, Jahresber. pro 1887. Neumann, TraiU des maladies parnsit. non microbiennes des anim. dorn., Paris 1888. Müller, ä ./. B., 1888. Jahresher. d. bayer. Thier-ärzte, W. f. Th., 1890. Nr. 51 u. 52; 1891. Nr. 1. - Schlampp, Ibid., 1892'. Nr. 30. Altuchow, l'et. A., I. S. 60. Smihnow, Chark. Vet., 1891. Nr. 4. Railliet u. adiot. Sog. de Biol., 1892. Railliet u. Luget, Bull, de soc. zool., 10. Bd. S. 160. Thoussart, Solaquo;, de Biol., 1893. Kaeppel, S, J. B., 1892. S. 24. Bixdeh, 27laquo;. 6'., 1893. S. 183. Kitt, l'ath.-anut. Diagn., 1894. S. 156. Ausserdem die Hand-büclier der spec. Pathologie von Roll, Siedamghotzky-Haubner u. A.
Definition. Man verstellt unter Räude (Krätze, Schabe, Scabies) eine ansteckende, durch die Einwirkung der Räudemilben hervorgerufene Hauterkrankung; ohne Räudemilben gibt es heutzutage keine Räude mehr. In früheren Zeiten wurde die Bezeichnung Räude wohl auch für nicht parasitäre Hautaffectionen gebraucht, man sprach von Hungerräudequot;, Fotträudequot; u. s. w., auch nahm man vor der Entdeckung der Räudemilben als die Ursache der wahren Räude eine Blutdyskrasie an. Unter Riludemilben im engereu Sinne werden nur die 3 Gattungen der Sarcoptiden, Dermatocopten und Dermatophagen inbegriffen, dagegen wird die Balgmilbe, Acarus folliculorum, welche den Acarus- oder Haarsack-milbenausschlag erzeugt, gewöhnlich nicht zu den Krätzmilben gerechnet. Jede der genannten 8 Räudemilbegattungen bedingt bei den verschiedenen Hausthieren ein besonderes Krankheitsbild, wobei die einzelnen Hausthiere wieder ihre eigenen Milbenarten besitzen. Der Begriff Räude muss also in jedem Einzelfalle nach Gattung und Art der Krätzmilben festgestellt werden, man spricht daher genauer von Sarcoptes-, Dermatocoptes- und Dermatophagusräude. Am häufigsten erkranken an Räude Schafe und Hunde, sodann Pferde, seltener das Rind, die Katze, das Schwein und das Geflügel.
Die Räudekrankheit wird als ein in hohem Grade ansteckendes Leiden eigentlich zu den Seuchen gerechnet. Wir haben es indess aus rein practischen Gründen vorgezogen, dieselbe bei den Hautkrankheiten zu besprechen, da es in einem Handbuche der speciellen Pathologie vor Allem auf die Darstellung des klinischen Befundes ankommt. Ausserdem sind einzelne Räudeformen, wie die Fussräude oder Ohrräude, als Seuchen von einer sehr untergeordneten Bedeutung und besitzen eigentlich nur klinisches Interesse.
Geschichtliches. Die bei den Hausthieren als Häude, Schabe, Grind, beim Menschen gewöhnlich als Krätze bezeichnete Hautkrank-
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590nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Rttude.
heit besitzt ein sehr hohes historisches Alter; die Krankheit als solche hat bei den Hausthieren offenbar schon Moses gekannt. Auch die Räudemilben sind schon seit langer Zeit entdeckt. Nach G erlach erwähnt sie zuerst im Jahre 1174 der maurische Arzt Avenzoar; nach Fürstenberg sollen die Milben unter dem Namen Surenquot; schon 1200 in der Physika der heiligen Hildegard beschrieben sein. Bei den Hausthieren wurden die Räudemilben entdeckt im Jahre 1()7quot;2 von Wedel bei der Katze, 178it von Kersting beim Pferde, 1809 von Walz beim Schafe, 1812 von Gohier beim Rinde und Hunde, 1846 von Spinola beim Schweine. In entomologischer und klinischer Beziehung waren vor Allem die Arbeiten Grerlach's und Fürsten-berg's von bahnbrechender Bedeutung. Unter den neueren Arbeiten über Räudemilben sind hervorzuheben die von Robin, Megnin und Zürn.
Morphologie und Biologie der Räudemilben. Die Räudemilben gehören zur Ordnung der Acarina (Milben), Abtheilung Laufmilben, Familie Lausmilben. Es sind kleine, meist nur mit der Lupe oder dem Mikroskope sichtbare, 0,20,8 mm grosse, rundliche bis ovale Gliederthiere, welche im erwachsenen Zustande 4, im jugendlichen 3 Paare fünfgliedriger Beine besitzen, welch letztere mit Saug- oder Haftscheiben, Borsten und Krallen versehen sind. Kopf, Thorax und Hinterleib stellen eine ungetheilte Masse dar. Am Kopfe treten besonders die Fresswerkzeuge in Form von säge-, scheren- und borstenartigen Kiefern hervor. Auf der Aussenhaut sitzen als Anhängsel Schuppen, Haare, Dornen, Stacheln, Borsten u. s. w. Die Männchen sind kleiner als die Weibchen. Detaillirtes über den Bau und die Lebensweise der Räudemilben im Allgemeinen anzugeben, überschreitet den Plan eines klinischen Lehrbuches, es muss daher in dieser Hinsicht auf die Lehrbücher der allgemeinen Pathologie und Parasitenkunde verwiesen werden. Die Weibchen legen Eier und zwar je 20-24 auf einmal; dieselben entwickeln sich innerhalb 47 Tagen zu jagendlichen Larven, welche nach 34 Häutungsprocessen in 1417 Tagen fortpflanzungsfähig werden. Ger lach hat berechnet, dass auf diese Weise von Einem Milbenweibchen bei der Schafräude in 90 Tagen anderthalb Millionen Milben abstammen können. Die Weibchen selbst sterben 85 Wochen nach dem Eierlegen, die Männchen werden etwa 6 Wochen alt. Die Milben bleiben in feuchter Luft, auf feuchtem Dunge u. s. w. isolirt noch G8 Wochen am Leben, in trockener Luft 28 Wochen; die Eier halten sich auf feuchter Unterlage 2 bis
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llüudc.
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4 Wochen, trocken 4(5 Tage; Milben und Eier werden bei 40üO0 R. etwa in einer Stunde getödtet. Massige Wärme befördert dagegen das Wohlbefinden der Milben, so werden sie z. B. in warmen Stallungen, sowie unter Decken, desgleichen im Sommer beweglicher und vermehren sich rascher.
Nach Gerlach werden die Käudemilben durch nachfolgende Arzneimittel am raschesten getödtet: durch Kreosot in '/i^Minute, Aetzkali (1 : 24) in 2 Minuten, Schwefelleber (1 : 10) in ^ity Stunde; Terpentinöl 59 Minuten, Theer 818 Minuten, Petroleum 7 Minuten, Tabak (1 : 5) in 1020 Minuten, (1 : 10) in 25 Stunden, (1 : 50) in 410 Stunden, grüne Seife in '/a 1 Stunde u. s. w. Nach neueren Untersuchungen von Müller verhalten sich die einzelnen Räudemittel bezüglich der Stärke und Schnelligkeit ihrer Wirkung auf die einzelnen Räudemilben (und Acarinen) nachstehend.
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Räude.
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nach Zusatz von: Oarbolöl 100/o . . .
Petroleum......
Naphthalinöl 10 7o.
Oxynaphtlioi'siiuiMH'il
10 0/o........
Sozojoilülquceksil-
beröl 20 7o . . . . Qaeoksilbersalioylat-
öl 20 7o......
Salioylöl 5 0/o ....
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Acarusnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Sarcoptes I Dermatoryktos
siatirBU ihre Bewegungen dauernd
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in 25 Minuten in 95 Minuten in 2 Stunden
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fast sofort in 27 Minuten
nach 2 St. noch nicht
in 510 Minuten
nach 2 St. noch nicht
nach 2 St. nocli nicht fast sofort
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fast sofort, in liingstous 42 Min. nach 2 St. noch nicht.
in etwa 10 Minuten.
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nach 2 St. noch nielit
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nach 2 St. noch nicht in wenigen Minuten
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in 1518 Minuten.
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Darnach wirken Kreosot, Creolin, Theer, Thieröl und Perubalsam auf Acarus, Sarcoptes und D erm atory k tes sofort und nahezu gleich stark tödtlich. Carbolsäure, Naphthol, Petroleum, Tabak, Schwefelleber wirken wesentlich langsamer und sind für Sarcoptes und Dermatoryktes stärkere Gifte als für Demodex. Umgekehrt tödten Sublimat und Sozojodolquecksilber den letzteren schneller. Nach Käppel tödtet Jod in der Form der Lugol'schen Lösung 1:80 Dermato-coptes euniculi nach 10, Sarcoptes minor nach 6 Minuten, 1 ; 40 Acarus folliculorum in 5 Minuten.
Gattungen und Arten der Räudemilben. Man theilt die Räudemilben, wie schon erwähnt, in 3 Gattungen ein: in
1.nbsp; nbsp;Grabmilben, Sarcoptes;
2.nbsp; nbsp;Saugmilben; Dermatocoptes (Fiirstenberg); von Gerlach Dermatodectes, von M(5gnin Psoropfces genannt;
3.nbsp; schuppenfressende Milben, Dermatophagus (Fürstenberg); von Gerlach Symbiotes, von Megnin Chorioptes genannt.
Aj Die Sarcoptesmilben graben sich (ränge unter der Oberhaut und ernähren sich von den plasmah altigen Zellen des Rate Malpighi, pflanzen sich auch in diesen Gängen fort, wodurch sie eine intensive Hautentzündung hervorrufen. Sie sind ch ar akt e r i si r t durch ihre schil dk rötenf ürm ige Gestalt, ihre aussei-or den t-liche Kleinheit (0,20,5 mm), weshalb sie nur mikroskopisch zu erkennen sind, ihren hufeisenförmigen Kopf mit den zwei stark entwickelten, kegelförmigen Seherenkiefern, ihre kurzen, stuminelartigen Püsso und ihre gestielten, tulp enförmigen Haft-scheiben, welche beim Männchen am ersten, zweiten und vierten Fuss-paare, beim Weibchen nur am ersten und zweiten sitzen, üeber die Ein-theilung der Gattung Sarcoptes in Arten sind die Ansichten verschieden: Fürstenberg hat mehr nach dem morphologischen, Gerlach mehr nach dem biologischen Standpunkt eingetheilt. Indessen ist auf die
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Räude.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 593
Inconstanz dieser Arten und die verschiedenen, oft sehr bemerkenswertben Varietäten mehrfach hingewiesen worden (Zür n , Johne). Wir halten uns im Folgenden an die von Siedamgrotzky aufgestellte Eintheilung, wonach man in der Hauptsache 2 Arten hat, a) die grosse Grabmilbe, b) die kleine Grabmilbe.
a)nbsp; Zur grossen Grabmilbe gehören;
laquo;) Sarcoptes scabiei beim Menschen, Pferd, Schal', Löwen,
Kaninchen, p') Sarcoptes squamiferus beim Hund, Schwein, Schaf, Ziege.
b)nbsp; nbsp;Die kleine Grabmilbe, Sarcoptes minor kommt vor bei der Katze und beim Kaninchen.
B)nbsp; Die Dermatocoptesmilben leben auf der Oberfl äche der Haut und saugen mittelst ihrer M u n d w e r k z e u g e Blut, Serum und Lymphe aus der Haut, wobei sie sich an Schuppen und Haaren festhaften ; auch sie verursachen durch das Anstechen der Haut eine Hautentzündung. Sie sind charakterisirt durch ihre Grosso (0,50,8 mm), so dass sie isolirt, auf dunkler Unterlage schon mit blossem Auge, jedenfalls mit der Lupe erkennbar sind, ihre langen Püsse, den langen, spitzen Kopf und die langen, geraden, stechenden Kiefer, endlich durch die tulpen-oder trompeten ähnli eben Haftscheiben, welche auf gegliederten Stielen sitzen und beim Männchen an allen 4 Füssen, beim Weibchen am 1., 2. und 4. Fusspaare vorkommen. Man theilt die Dennatocopten nach Zürn folgendennassen ein:
a)nbsp; nbsp;Dermatocoptes communis beim Pferd, Rind und Schaf.
b)nbsp; nbsp;Dermatocoptes euniculi, die Ohrsaugmilbe des Kaninchens.
Auch bei den Unterarten der Dennatocopten kommen nicht unbedeutende Variationen vor; so hat z. B. Zahn eine Abart beim Pferd beschrieben, auch wir haben mehrmals verschiedene kleine Abweichungen im Baue getroffen.
C)nbsp; nbsp; Die Dermatophagusmilben leben auf der Hautoberfläche besonders der Extremitäten und nähren sich von jüngeren Epidennis-schuppen, welche sie zernagen. Sie sind ebenfalls ziemlich gross (0,30,5 mm) und daher in ihren Umrissen 'mit dem blossen Auge oder der Lupe erkennbar. Sie sind charakterisirt durch einen kurzen, stumpfen, kegelförmigen Kopf, der breiter als lang ist, ihren am Rande schwach gekerbten ovalen Körper, ihre langen Füsse und ihre r ömerförm igen Haftscheiben, welche beim Männchen an allen 4 Fuss-paaren, beim Weibchen am 1., 2. und 4. sich befinden. Ausserdem besitzt das Männchen am hinteren Leibesende 2 Klammerorgane, das Weibchen 2 cylindrische Zapfen. Die Eintheilung ist nach Zürn folgende:
a)nbsp; nbsp;Derm atophagus communis.
a) Denn atophagus equi und bovis, erzeugt die Fussräude
und Steissräude. ß) Dermatophagus ovis, erzeugt die Fussräude der Schafe.
b)nbsp; Dermatophagus felis, can is und euniculi, verursacht die Ohrräude.
Allgemeiner Charakter der verschiedenen Eäudearten und Zusammenstellung der bei den einzelnen Hausthieren vorkommenden Räudemilben. Die 8 Hauptgattungen der Riludemilben erzeugen klinisch verschiedene liäudeformen, welche hauptsächlich durch die verschiedene Lebensweise der Milben bedingt sind.
Friedljovgor ii. Frülme r, l'atliol. u. Thorapip il. Ilnustliicrp. I, Bd. 1. Anil. 38
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Räude.
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1.nbsp; nbsp;Die Sarooptesräude beginnt mit Vorliebe am Kopfe und den durch Haare wenig geschützten Körperstellen, an denen sie beispielsweise beim Schafe ausschliesslich vorkommt; vom Kopfe kann sie sich imless auch über den Hals und schliesslich über den ganzen Körper ausbreiten, so beim Pferd, Hund und Schwein. Beim Hund bevorzugt sie den Grund der Ohren, die Ellenbogengegend, die Unterbrust, die Baucbgegend und die Innenfläche der Extremitäten.
2.nbsp; Die Dermatocoptesräude liebt die geschützten Körperstellen, so beim Pferde den Kehlgang, die Innenfläche der Schenkel, die Umgehung des Schlauches, den Grund der Mähne, die Schweifwurzel, kann sich jedoch auch über den ganzen Körper verbreiten, wofern die Hautpflege eine vernachlässigte ist. Beim Schafe suchen die Dermatocoptesmilben die durch die Wolle geschützten Hautstellen auf, können sich somit über den ganzen Körper mit Ausnahme des Kopfes verbreiten.
3.nbsp; Die Dermatophagusräude befällt meist nur gewisse Körpergegenden, so beim Pferde (und Schafe) die Unterfüsse, sog. Fuss-räude, beim Rinde die Gegend des Schweifansatzes, sog. Steiss-räude, beim Hunde, Kaninchen und der Katze den äusseren Gehörgang, sog. Ohrräude.
Bei den einzelnen Hausthieren kommen folgende Milben vor:
A.nbsp; nbsp;beim Pferde: Sarcoptes scabiei, Dermatocoptes communis, Dermatophngus equi; Haupträude: Sarcoptesräude;
B.nbsp; nbsp;beim Rinde: Dermatocoptes communis und Dermatophagus bovis; Haupträude: Dermatocoptesräude;
G. beim Schafe: Sarcoptes squamiferus, Dermatocoptes communis, Dermatophagus ovis; Haupträude: die Dermatocoptesräude;
D.nbsp; nbsp;bei der Ziege: Sarcoptes squamiferus, Dermatocoptes und Dermatophagus; Haupträude: Sarcoptesräude.
E.nbsp; nbsp;beim Hunde: Sarcoptes squamiferus und Dermatophagus canis; Haupträude: Sarcoptesräude;
F.nbsp; nbsp;bei der Katze: Sarcoptes minor und Dermatophagus felis; Haupträude: Sarcoptesräude;
G.nbsp; nbsp;beim Schweine: Sarcoptes squamiferus:
H. beim Kaninchen: Sarcoptes minor, Dermatocoptes und Dermatophagus cuniculi: Haupträude; Sarcoptesräude.
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Uebertragungsfähigkeit der einzelnen Milbenarten auf Thiere und Menschen. In dieser Beziehung- ist bis jetzt Folgendes bekannt:
1, Auf den Menschen gehen alle Sarcoptesarten der Thiere dauernd über. Dagegen sterben Dermatocoptes und Dermatophagus auf
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BBude.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;595
der Haut des Menschen rasch ab und erzeugen höchstens geringgradige Reizungserscheinungen.
2.nbsp; Auf das Pferd geht über Sarcoptes vom Schaf, Schwein, Hund und der Katze.
3.nbsp; Auf das Rind geht über Sarcoptes des Pferdes, Schafes, der Ziege und Katze.
4.nbsp; Auf das Schaf geht über Sarcoptes der Ziege.
6, Auf den Hund gehen über Sarcoptes des Menschen, des Schweines, der Katze, des Schafes und der Ziege.
6.nbsp; Auf das Schwein geht über Sarcoptes der Ziege.
7.nbsp; Auf das Kaninchen geht über Sarcoptes des Menschen.
Daraus geht hervor, dass nur Uehertragungen der verschiedenen Sarcoptesarten auf andere Thiere bis jetzt beobachtet worden sind.
Erscheinungen der Räude im Allgemeinen. Die Räude entwickelt sich nur nach einer vorausgegangenen Ansteckung. Die In-cubationsdauer nach erfolgter Uebertragung der Milben, d. h. die bis zum Auftreten sichtbarer Hautveräiulerungcn vergehende Zeit, ist verschieden je nach der Menge der übertragenen Milben. Ist die letztere eine geringe, so können bis zum offenbaren Ausbruche der Krankheit 4(3 Wochen vorübergehen, im anderen Falle kann derselbe schon nach 14 Tagen erfolgen. Die Ansteckung selbst wird entweder durch directe Zwischenträger (Streu, Decken, Geschirr, Putzzeug, VVart-personal) vermittelt; Thiere mit schlechter Hautpflege, sowie abgemagerte, schwächliche Thiere mit reichlicher Epidermisabschuppung sind zur Ansiedlung der Milben besonders prädisponirt.
Die durch die Bisse bezw. Stiche der Riiudemilben hervorgerufenen ersten Erscheinungen bestehen in punktförmiger Kötlmng (sog. Stippchen), Knötchen- und Bläschenbildung, vermehrter Abschuppung der Epidermis, sowie in Auflagerung von Krusten und Borken. Diese Hautveränderungen künden sich schon im Anfange ihrer Entwicklung durch einen heftigen Juckreiz an, der besonders bei Nacht, in der Sonnenhitze, im warmen Stalle, sowie nach stärkerer Bewegung der Thiere einen sehr hohen Grad erreicht, in Folge dessen die Thiere sich an den erkrankten Stellen reiben, scheuern, kratzen und beissen. Dieses mechanische Irritament seitens der Thiere selbst verändert den an und für sich in seinen Erscheinungen sehr einfachen Räudcausschlag wesentlich. Die Haare fallen aus oder brechen ab, die Wolle wird zottig, die Haut blutrünstig, es kommt zu tiefergreifenden entzündlichen Frocessen auf derselben, welche schliesslich chronisch werden und dauernde Veränderungen mit sicli bringen. So findet man die Haut auf dem Höhepunkte der Erkrankung tiieils mit
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Rftude,
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grindartigen Borken besetzt, theils nässend und blutend, selbst geschwürig entartet, dabei vordickt und in Falten gelegt.
Verlauf. Derselbe hängt von verschiedenen Verhältnissen ab. Zunächst ist die Milbengattung von Eintluss; während Dermato-phagus vorwiegend eine örtlich beschränkte Räude erzeugt, breitet sich der Ausschlag besonders bei Sarcoptosräude, aber auch bei Dermato-coptes, gerne über den ganzen Körper aus. Sodann kommt die B e-schaffeuheit der Haut, die Hautpflege, der Aufenthalt der Thiere, die Jahreszeit u. s. w, in Betracht. Im Sommer bedingt die grössere Wärme einen viel hartnäckigeren Verlauf, als dies im Winter der Fall ist; sorgfältig geputzte Pferde, namentlich Militär-pferde zeigen lange Zeit hindurch nur geringe Grade des Leidens. Nach 'dem Scheereu geht beim Schafe die Erkrankung immer zurück, weil die Milben der schützenden Wolle beraubt sind. Endlich kann der Krankheitsprocess durch vorausgegangene Waschungen der Haut mit mehr oder #9632;weniger wirksamen Mitteln wesentlich beeinflusst werden. Im Allgemeinen aber ist der Verlauf der Räude ein chronischer. Spontane Heilungen sind wohl noch niemals vorgekommen, die Fälle von iutermittirender Räude, bei welcher der Ausschlag zu gewissen Jahreszeiten erheblich zurückgeht, dürfen nicht als Heilungen aufge-fasst werden. 1st die Räude über den ganzen Körper verbreitet, so gesellen sich zu den Veränderungen der Haut auch gerne Allgemeinerscheinungen. Die Thiere bleiben in Folge der andauernden Aufregung und des Säfteverlustes in der Ernährung und im Wachsthum zurück und können selbst an Erschöpfung und Kachexie zu Grunde gehen.
Diagnose der Räude im Allgemeinen. Die Erkennung der Räude als solche kann sich, abgesehen von dem Nachweise der Milben, auf gewisse Eigenthünilichkeiten des Räudeausschlages selber gründen. Hielier gehört zunächst das seuchenhafte Auftreten und die Ansteckungsfähigkeit, sowie die herdförmige Entstehung und zuweilen sehr rasche Ausbreitung der Hautkrankheit; auch der Juckreiz ist meist ein viel grösserer, als bei den übrigen Derma-tosen. Sodann bietet die Localisation der einzelnen Räudeformen wesentliche Anhaltspunkte, indem ein auf den Kopf beschränkter oder sich von da weiter verbreitender Ausschlag mit den oben genannten Eigenthümlichkeiten für Sarcoptesräude, ein auf die Gliedmassen oder die Umgebung des Afters beschränkter für Dermatophagusräude, und
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Räude.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;597
endlich ein vorwiegend an geschützte Körperstellen gebundener für üermatocoptesriiude spricht. Das .sicherste diagnostische Mittel ist indess immer der Nachweis der Milben. Derselbe wird am besten durch das Mikroskop geliefert, indem die Borken und Schuppen sammt ihren tieferen Schichten abgenommen, mit lOprocentiger Kalilauge aufgehellt und dann mit schwachen Vergrösserungen untersucht werden. Bei der Sarcoptesräude des Hundes muss die Abnahme der Ent-zündungsproduete eine sehr tiefgehende sein, man schabt daher entweder die Haut mittelst eines scharfen Messers blutig, oder trägt dünne oberflächliche Epidermisschnitte mit dem Rasirmesser oder der Scheere ab. Ausserdem wurde früher das Aufbinden der Räudeborken auf den menschlichen Ann empfohlen, wonach bei Sarcoptesräude innerhalb 12 Stunden, bei Dennatocoptesräude schon nach 2 Stunden Juckreiz und leichte Hautentzündung auftreten sollen. Der mikroskopische Nachweis ist indess viel sicherer. Die beiden grösseren Milbengattungen, die Dermatocoptes- und Dermatopliagusmilbe kann man endlich auch durch Auflegen der Borken auf schwarzes Papier, oder Verbringen in ein mit einer Glasplatte bedecktes Uhrschälchen und nachheriges Erwärmen in der Sonne etc. für das blosse Auge oder für Lupenvorgrösserung zur Anschauung bringen, indem die Milben sich beim Erwärmen lebhaft bewegen, bezw. sich an der Glasplatte festsetzen. Ueber die Differentialdiagnose der Räude vergleiche die einzelnen Käudeformen bei den verschiedenen Hausthieren.
Prognose der Räude im Allgemeinen. Die Vorhersage bei der Räude ist in erster Linie von der Milbengattung, der Ausbreitung und dem Alter der Krankheit abhängig. Eine über den ganzen Körper verbreitete Sarcoptesräude ist namentlich beim Pferde sehr schwer heilbar. Diese schwere Heilbarkeit der Sarcoptesräude beim Pferde ist unseres Erachtens viel zu wenig betont worden. Umgekehrt ist die Dermatophagusräude des Pferdes sehr leicht heilbar. Ausgebreitete und veraltete Dennatocoptesräude beim Schafe ist ebenfalls sehr schwer heilbar, während sie in beschränkter Ausbreitung beim Pferde leicht zu bekämpfen ist. Die Sarcoptesräude der Katzen führt in zahlreichen Fällen zum Tode der damit behafteten Tliiere. Prognostisch am ungünstigsten ist also eine ausgebreitete Sarcoptes- und Dermatocoptesräude, günstiger eine locale derartige Räude, am günstigsten die Dermatophagusräude.
Von Wichtigkeit für die Prognose ist ferner der Ernährungszustand der erkrankten Tliiere; schiecht genährte oder zu Jugend-
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liehe Thiere sind schwerer heilbar, weil sie die immerhin ziemlich eingreifende Behandlung weniger gut ertragen. Auch die Witterung und Jahreszeit beeinflussen die Prognose insoferne, als z. B. beim Schafe eine Badekur ohne Nachtheil nur in wärmerer Jahreszeit vorgenommen werden kann. Weiterhin kommt die Behaarung der Thiere, sowie die individuelle Empfindlichkeit gegen gewisse Arzneimittel in Betracht. Eine Behandlung bietet bei dichtem Haarkleide viel weniger Aussicht auf Erfolg, als bei dünnerem oder auf geschorener Haut, insbesondere ist beim Schafe eine Behandlung der Räude ohne vorausgegangene Schur häutig fruchtlos. Manche Thier-gattuugen sind sodann gegen bestimmte Arzneimittel oder Manipulationen empfindlicher als andere, so kann z. B. Carbolsäure bei Katzen nicht ohne die Gefahr einer Vergiftung angewendet werden; Katzen und Ziegen, sowie das Geflügel sind gegen Bilder sehr empfindlich. Endlich kann die Localisation des Ausschlags die Prognose insofern beeinflussen, als gewisse Körperstellen sich für die Anwendung stärkerer Käudemittel nicht eignen, so z. B. die Umgebung des Auges; in Folge dessen wird der Ausschlag der Behandlung hier einen grös-seren Widerstand leisten. Auch die Möglichkeit einer erneuten Infection bei unffünstiffon AussenVerhältnissen ist zu erwäffen.
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Allgemeines über die Behandlung der Eäude. Die Räude kann nur durch die Anwendung milbentödtender Mittel geheilt werden; von letzteren ist eine grosse Anzahl in Gebrauch. Die mildesten und deshalb auch schwächsten Räudemittel sind die Alkalien: Kalilauge, grüne Seife, kohlensaures Natrium und Kalium (Soda und Pottasche, Aschenlauge), sodann gebrannter Kalk', Chlorkalk, Schwefelkalium, Salmiakgeist, arninoriiakalischer Rinderharn. Da alle diese Mittel ausserdem die Borken und Epidermisschuppen erweichen, werden sie meist gleichzeitig mit stärker wirkenden Mitteln zusammen angewendet, um das Eindringen der letzteren in die Haut zu erleichtern. Sehr milde wirken auch die verschiedenen Schwefelpräparate, welche in Verbindung mit Alkalien den für die Milben ausserordentlich giftigen Schwefelwasserstoff entwickeln. Intensiver schon wirken der Tabak in Form der Tabakslauge oder von Abkochungen, sowie der Arsenik und das Quecksilber, letzteres in Form des Sublimats oder der milder wirkenden grauen Quecksilbersalbe. Am wirksamsten sind die Producte der trockenen Destillation pflanzlicher und thierischer Stoffe, vor allem das Creolin, das Lysol, die Carbolsäure, das Kreosot, der Theer, das Benzol, das stinkende Thieröl.
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Ueber die Form und Zusammenstellung dieser Stoffe bei den einzelnen Thierarten und Riiudet'ormen siehe den speciellen Theil; liier mögen nur die nachfolgenden allgemeinen Gesichtspunkte bezüglich der Behandlung der Räude hervorgehoben werden:
1.nbsp; In prophylaktischer Hinsicht müssen die räudigen Thiere möglic'.ist von den gesunden abgesperrt werden, auch ist dafür Sorge zu tragen, dass die kranken Thiere während der Behandlung nicht wiederholt durch andere Thiere oder durch Zwischenträger (Decken, Putzzeug. Streu, Lagerstätte) angesteckt werden. Es ist daher gleichzeitig mit der Behandlung eine Desinfection der Stallung, des Geschirres etc. vorzunehmen.
2.nbsp; nbsp;Der Anwendung der Medicamentc soll eine gründliche Reinigung der Haut von den aufgelagerten Schuppen und Borken vorausgehen.
:'gt;. Bei der Anwendung milbentödtender Mittel muss auf die Constitution, Thiergattung, sowie auf etwaigeVerwundungen des erkrankten Thieres Rücksicht genommen werden. Schwache Thiere bedürfen einer schonenden Behandlung, bei einzelnen Thierarten müssen bestimmte Medicamente vermieden werden (Quecksilber beim Rind, Carbolsäure bei der Katze), Schafe dürfen unmittelbar nach der Schur nicht mit intensiv giftigen h'äudeinitteln eingerieben oder gebadet werden, weil die Resorptionsfähigkeit der Haut in Folge der zahlreichen kleinen Verwundungen eine grössere ist.
4.nbsp; Nachweisbar erkrankte Hautstellen müssen am intensivsten behandelt werden, indess hat sich die Behandlung in der Regel auch auf die nicht sichtbar erkrankton Thcile in der Umgebung der afficirten Stellen, ja sogar, und zwar bei Schafen immer, bei grösserer Ausbreitung des Ausschlags über den ganzen Körper zu erstrecken, weil jede beliebige Hautstelle frisch inficirt sein kann.
5.nbsp; nbsp;Die Application des Medicamentes muss nach einer bestimmten Pause wiederholt werden, da die meisten Mittel nur die Milben, nicht aber die Eier zu tödten im Stande sind, und sich daher aus den letzteren wieder neue Milben entwickeln. Es ist selbst unter Umständen, namentlich bei ausgebreiteter und inveterirter Räude geboten, eine dritte Application vorzunehmen, da die Eier nicht gleichalterig sind und bei der ersten und zweiten einzelne Milben am Leben geblieben sein können. Bei den tiefer in die Haut eingegrabenen Sar-coptesmilben sodann genügt meist auch eine dreimalige Anwendung der Räudemittel nicht, es ist hier vielmehr, insbesondere bei der ver-
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alteten Sarcoptesräude des Pferdes, eine sehr häufige Wiederholuiitf, ja selbst eine lang anhaltende Behandlung noting, um eine Radical-heilung zu erzielen.
Anhang. Ausser in klinischer ist die lliiude auch noch in poiizei-1 ich er und gerichtlicher Hinsicht von Wichtigkeit.
1.nbsp; nbsp;In polizeilicher Beziehung wird die Kilude zum Theii als Seuche betrachtet, und zwar sind nach den Vorschriften des deutschen Reichs-Viehseuehengesetzes vom 23, Juni 1880 als Seuche zu behandeln die Sar-coptes- und Dormatocoptesräude bei Pferden, Eseln, Maul-thieren und Mauleseln, sowie die DermatocoptesriUide beim Schafe. Ueber die näheren Besthnmungen hierüber vergl. S. 52 des genannten Gesetzes und Ssect;. 120132 der Seucheninstruction.
2.nbsp; nbsp;Als Gewilhrsfehler gilt die Eiiude der Schafe in Baden, Bayern, Württemberg, Kurhessen, Hohenzollern u. s. w. mit je 14 Tagen, in Sachsen mit 16, in Nassau mit 29 Tagen Gewährszeit; die der Pferde in Preussen mit 14 Tagen, in Sachsen mit 15 Tagen u. s. w.; die des Hind es in Sachsen mit ebenfalls 15 Tagen Gewährszeit.
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B. Die Räude der einzelnen Haussäugethiere.
a. Die Räude des Pferdes.
Literatur. I. Sarcoptesräude. Laveuuxk, Caiuikre u. A., J.du Midi, 1838.
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1. Sarcoptesräude. Dieselbe beginnt meist am Kopfe, Halse, an den Schultern und an den seitlichen Wandungen der Brust, aber auch je nach dem Modus der Ansteckung am Widerrist, auf dem [Jucken in der Sattel- und Gurtenlage, an der Hinterhand und Flanke, mit anfangs kleinen, umschriebenen kahlen Stellen, welche sich allmählich verbreitern und so eine grössere Ausbreitung erlangen
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können; indes.s befällt der Ausschlag seltener den ganzen Körper, sondern meist nur Kopf, Hals und Schulter. Die wesentlichsten Erscheinungen bestehen in ausserordentlichem Juckreiz, der besonders bei Nacht, in der Wärme und nach Erhitzung des Körpers sehr hochgradig ist und die Thiere zu andauerndem Scheuern, Reiben und Nagen veranlagst. Kratzt oder reibt man dieselben an den erkrankten Hautstellen, so geben sie das hiebei empfundene Wohlbehagen durch Gegendrücken, Einsenken des Rückens, Bebbern und Flehmen mit den Lippen zu erkennen. Die Veränderungen auf der Haut bestehen in dem Auftreten kleiner Knötchen, auf welchen die Haare ausfallen oder durch eine klebrige Flüssigkeit zusammengehalten werden; zuweilen kommt es auch zur Bläschenbildung. Auf den Knötchen findet im weiteren Verlaufe eine sehr lebhafte Epidermis-abschuppung, sowie eine allmählich zunehmende Borkenbildung statt. Wir haben beispielsweise nahezu 1 cm dicke Räudeborken gesehen, welche in der Hauptsache aus Epidermiszcllen bestanden und in welchen die Milbengänge in Etagen nachweisbar waren. Die Haut selbst verdickt sich im Anschlüsse an diesen chronischen Entzündungs-process in pergamentähnlicher Weise, legt sich in wulstige Falten, bekommt Schrunden und Risse, welche nässen und eitern, und ist an verschiedenen Stellen blutrünstig gerieben. Bei längerer Dauer und Ausbreitung der Räude über den ganzen Körper bekommen die Thiere ein sehr elendes Aussehen, magern stark ab und können selbst kachektisch zu Grunde gehen. Der Ausschlag ist für den Menschen ansteckend und geht besonders auf die Hände und Arme der behandelnden Thierärzte über. Es wurden sogar im Jahre 1791 200 Husaren eines Regiments von ihren Pferden angesteckt (Sik).
Bezüglich des Vorkommens der Sarcoptesräude beim Pferde in Deutschland haben die statistischen Veröffentlichungen des Gesundheitsamtes ergeben, dass die Pferderäude im Vergleich zur Schafräude sehr selten ist. So wurden in den Jahren 1887 1894 insgesammt nur 4439 Fälle von Räude, jährlich somit im Durchschnitt 550 Fälle constatirt, welche sich besonders auf die russische Ostgrenze (Regierungsbezirke Gumbinnen, Marienwerder, Bromberg, Danzig, Posen, Königsberg) vertheilen. Dagegen betrug die Zahl der räudekranken Pferde in Oesterreich während der Jahre 18771887 nicht weniger als 12,553, von welchen 13,3 Procent verlustig gingen.
Die Diagnose der Sarcoptesräude ist im Anfange mit Sicherheit schwer festzustellen, weil die Milben hier sehr schwierig nachweisbar sind. Zuweilen gelingt es nur, eine einzige Milbe oder nur
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einen Milbenbalg aufzufinden. sehr häufig aber haben zu dieser Zeit auch nachhaltige Untersuchungen Icein Resultat zu verzeichnen. Das einzige diagnostisch wichtige Symptom bildet dann das ganz ausser-ordentliche Juckgefühl, welches bei dem nicht parasitären Knütchen-ekzem (sog. Knötchenflechte oder Soramerräude) durchaus nicht in so hohem Grade vorhanden ist. Dieses Juckgefühl in Verbindung mit den geringgradigen Veränderungen auf der Haut hat früher zur Aufstellung von Prurigo und Pruritus beim Pferde geführt, Hautaffectionen, welche indess offenbar der Hauptsache nach Anfangsstadien der Räude entsprachen. Bei sehr veralteter und zugleich verwahrloster Räude gelingt das Auffinden der Milben leichter und selbst sehr leicht.
Die Prognose der Sarcoptesräude ist in leichteren Fällen günstig, in schwereren dagegen ziemlich ungünstig. Die Sarcoptesräude unterscheidet sich bezüglich der Heilbarkeit von der Dermatocoptesräude ganz wesentlich. Während die letztere im Allgemeinen ziemlich gut heilbar ist, widerstehen die älteren und schwereren Fälle der Sarcoptesräude zuweilen einer noch so eingreifenden Eehandlung hartnäckig und sind selbst nach Verfluss von Monaten nur sehr schwer vollständig zu heilen, indem immer wieder und wieder neue Nachschübe auftreten, welche zwar gemeinhin als die Folgen einer erneuten Infection angesehen, indess sehr häufig bei vollständigem Ausschlüsse der Möglichkeit einer Ansteckung beobachtet wurden.
Die Behandlung besteht zunächst in Reinigung der Haut, Erweichung der Borken mit 5lOproccntigem Carbol- oder Creolin-glycerin, Auftragen von Schmierseife behufs leichterer Entfernung derselben, wobei die Schmierseife 24 Stunden auf der Haut liegen bleibt, sowie, wenn noting, im Abscheeren der Haare. Ist die Haut so für die Anwendung der eigentlichen Räudemittel vorbereitet, dann werden diese in der Form von Salben, Linimenten und Waschungen applicirt. In leichteren Fällen empfiehlt sich das Wiener Theer-liniment, welches in folgender Form verschrieben wird: Rp. Picis liquid.; Sulfur, sublim, ää 500,0; Sapon. virid.; Spiritus ää 1000,0. Man reibt dasselbe mittelst Bürsten gut in die Haut ein, lässt es 68 Tage liegen, bestreicht etwa abgeriebene Stellen wiederholt und wäscht es dann ab, worauf dieselbe Procedur noch 2Stnal wiederholt wird. Der Erfolg ist in den meisten leichteren Fällen ein dauernder. Bei inveterirter und ausgebreiteter Räude ist es gut, abwechslungs-weise verschiedene Mittel anzuwenden, indess gelangt man nur zu häufig auch damit nicht zum Ziele. Ausser dem Wiener Theer-liniment empfiehlt sich ein Creolinliniment, bereitet aus Creolin
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und grüner Seife ää 100,0 und Spiritus 800,0. Ausserdem kann man Carbolsüure oder Kreosot (1 : 10 Oel oder Spiritus), Arsenikessig, Sclnvefelsalbe, Styrax, Creolinwaschungen (Sprooent.), Su 1) 1 i m atw a s chu n ge n (1lt;5procent.), sowie T ab ak s a b k o c hu nge n (5procent.) anwenden. Mit Sublimatwaschungen allein kommt man indess nur schwer zum Ziele, sie werden zwar gut ertragen, bessern wohl auch den Zustand wesentlich, eine bleibende Heilung vermochten wir aber nur nach sehr vielen Waschungen mit 2Sprocentigen Lösungen oder nach Beimischung einer 15procentigen Tabaksabkochung herbeizuführen.
2. Dermatocoptesräude. Dieselbe beginnt mit scharf umgrenzten, von Anfang an etwas grösseren Flecken an den mehr geschützten Körperstellen, so besonders am Grunde der Mähne, am Schweife, im Kehlgange, am Schlauche und Euter, sowie auf der Innenfläche der Hinterschenkel; wir haben sie indess auch an anderen Stellen, so am Widerriste und auf dem Rücken und der Kruppe gesehen. Die ersten Erscheinungen sind Knötchen, welche eine entzündliche Reaction der Haut gegen die Stichverletzungen der Milben darstellen und aus welchen eine lymphartige Flüssigkeit aussickert, die zu einer Borke eintrocknet; ausserdem stellt sich vermehrte Epidennisahschuppung und Haarausfall ein. Die aus Schuppen und Borken gebildeten Auflagerungen können bei längerer Dauer bis zu Fingerdicke erreichen. Weiterhin verdickt sich allmählich die Haut, bekommt ein lederartiges Aussehen und legt sich in Falten. Das Juckgefühl ist auch hier ein ziemlich bedeutendes, ja es können sich in Folge des Reibens schwere Entzündungszustände der Haut mit tiefgehender Eiterung, Blutrünstigkeit u. s. w. hinzugesellen.
Die Diagnose der Dermatocoptesräude gegenüber der Sarcoptes-räude gründet sich aussei- dem Nachweise der Milben auf die Vorliebe dieser Käudeform für geschützte Körperstellen, sowie auf die Bildung scharf abgegrenzter Herde mit langsamerer Verbreitung. Es muss indess darauf hingewiesen werden, dass bei einer grösseren Ausdehnung die Aelmlichkeit des klinischen Bildes mit dem der Sarcoptes-räude zuweilen eine ziemlich starke sein kann. Eine etwaige Verwechslung mit Eczema sejuamosum (Schuppenflechte) und Mähnengrind lässt sich, abgesehen von der mikroskopischen Untersuchung, im Hinblicke auf den mit der Räude einhergehenden lebhaften Juckreiz und die anfänglich scharfe Abgrenzung der Räudeherde vermeiden.
Die Heilung der Dermatocoptesräude ist gegenüber der Sar-coptesräutle meist eine viel raschere, man kommt hier auch mit den
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leichteren Mitteln in relativ kurzer Zeit zum Ziele. Jedenfalls genügt eine Behandlung mit Creolin- oder Carbolseife, sowie Creolin- oder Carbolglycerin im Verhilltniss wie 1 : 10, oder mit dem Wiener Theer-liniment; letzteres eignet sich mdess weniger, wenn sehr dicke Borken aufliegen. Durchschnittlich kann man auch schwerere Fälle in 14 Tagen bis 3 Wochen heilen. Nur bei Hengsten, welche am oberen Halsrande tiefe Faltenbildung zeigen, ist die Heilung zuweilen sehr schwierig und selbst unmöglich (T ras bot).
3, Dermatophagusräude. Diese auch als Fussrilude bezeichnete Form ist durch eine vorwiegende Atfection der Fussenden charakterisirt. Man findet sie am häufigsten in der Fesselbeuge, von wo sie auf die Köthe, sowie die hintere und vordere Schienbeinfläche übergreift; sie kann so bis zum Sprunggelenk und Vorderknie, ja selbst bis zum Ellenbogen aufsteigen. In seltenen Fällen verbreitet sie sich auch über die Schulter, den Hals, den Unter- und Oberschenkel. Dabei ist ihre Entwicklung eine ausserordenllich langsame, so dass eine deutliche Weiterausbreitung erst nach Monaten erkennbar ist. Die Erscheinungen äussern sich zunächst und es ist dies gewöhnlich das erste auffällige Symptom in einem wiederholten, man möchte sagen krampfhaften, Stampfen und selbst Ausschlagen der Thiere, besonders bei Nacht, sowie in Roiben und Benaffen der Köthenffeflend.
'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0 0
Untersucht man in Folge dessen letztere genauer, so findet man eine reichliche Epidermisabschuppung mit Haarausfall, wozu später die Bildung von Borken, Schrunden und Bissen kommt; die Haut wird spröde und rauh, verdickt sich und zeigt zuweilen bei längerer Dauer hornige, papillose Wucherungen. Die Diagnose dieser Fussräude ist durch den Sitz, die Epidermisabschuppung und das heftige Juck-gefühl gesichert, das letztere unterscheidet sie auch von einer gewöhnlichen ekzematösen Mauke. Nur bei der ausnahmsweisen Verbreitung über den ganzen Körper ist eine Verwechslung mit Sarcoptesräude möglich. Die Behandlung besteht im Auftragen von Creolin- oder Carbolglycerin, Carbolseife oder Theersalbe (1 : 10); diese Mittel genügen, um jede Dermatophagusräude binnen kurzer Zeit zur Heilung zu bringen.
M eg n i n beschreibt die Dennatopluigusi-iiudo als , i n t o r m i 11 i r ende Räudequot;; dieselbe soll besonders im Winter auftreten und im Frühjahr verschwinden, die Milben sollen indess während dieser räudefreien Zeit lebend bleiben und sich von dem in der wärmeren Jahreszeit reichlicheren Haut-secret ernähren, während sie im Winter gezwungen sind, die Haut selbst anzugreifen. Nach Schwarz sind die häufigen Fesselwunden zum Theil durch die Unruhe der an Fussräude erkrankten Pferde bedingt, indem sie mit dem Fessel in der Halfterkette bansen bleiben.
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b. Die Räude des Schafes.
Literatur. I. Dermatoooptesräude. Walz, Nakw u, Behandlung der1 Sohaf' räude, .Stuttgart 1812. Hertwig, Mag,, 1835. Matthiku, Beo,, 1856. S. 434. DelafOND h. BormiuiGNON, [hid,, 1S5G. OAONAT, Ibid., 1858. DoUARIEIX, Jbid., 1861. MoLLET, ll/iil., 1864. ZüNDEL, J. deLyon, 1867. Fklizkt, Beo,, 1868. Phietsgh, S. J, H., 1861. 1808. 1869. Keum, Ne/,., 1869. S. llß. Müller, PütX' sehe Z., 1875. S. 529. RlEOHELMANN, J'r. M,, 1877/78. S. 96. Beooler, Hull, soc. ret. prat,, 1879. 'RoSBiavot, Bevue ret., 1880. OstertaQ, Anleitung z. Erkennung u. lieurth, tl, Schaf räude, 1882. Kaiser, JJ. J, 11, 1883/84. S, 110; Eawnov, htnd-u, forstwirihsohaftl. Zeitunfj, 1888. Nr. 19, SchneidemOhl, Die Sehafräude, 1885.
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nbsp; Berichte d, wllrtt, Oberamtsthierärtste, Uep,, 1889 u, 1890. Jahresber. d. bayer, Thierürzte, W. f. Th., 1890. Fr, 51 f.; A X. f. Th., 1889. S, 150; 1892. S. 27-38.
-nbsp; Maisel, B. th. W., 1892. 8. 195. Immihoer, Ibid., S. 397. Dette. Tbid,, 1893. S.804.Prietsch, 8, J. II,, 1893. S. 102. Reuter, D, th. W., 1893. 8. 291.
nbsp; Esser, B. A 1895. S. 192. WlTZBl, W, f. Th., 1895. S. 41. Lies, Holzen-DORFF, B. th. IV., 1895. S. 198 U, 255. PröHNER, Arzneimittel/ehre, 1896. Vcrgl. uusserdem die Literatur des allgemeinen Tlieiles.
II. Sarooptesräude. Delafond, Compt. rend, de l'Aoaä, des solenc, 1858. #9632; Gerlach, -/gt;'. A., 1877. S. 326. Pröhner, /. c. Brahdau, /;. th. ))'., 1892. S. 124.
11.1. Dcrmatoplingusräudo. ZÜRN, IT./#9632;. 77i., 1874. S. 121. Seiu.En, \ ,y. /gt;'., 1877. S. 83.
Statistisches. Das Schaf beherbergt wie das Pferd siimnitlichc drei Milbengattungen; die weitaus wichtigste Eäudeform ist indess die D erm atocoptesrüude, welche deshalb auch in erster Linie besprochen werden muss. Von welcher Bedeutung die Dermatocoptes-räude des Schafes für die Landwirthschaft ist, beweisen die nachfolgenden Ziffern. Im Jahre 1884 sind in Deutschland nach Ausweis der Seuchenberichte nahezu 250,000 Schafe als räudig befunden worden, wovon auf Elsass-Lothringen allein fast 80,000, d. h. (!! Proc, des gesammten dortigen Bestandes fallen. In den Jahren 188588 hat Preussen zusammen 183,000, Bayern nahezu 100,000, Württemberg über 60,000 räudekrankc Schafe in seinen Seuchentabellen verzeichnet. Der Verlust an Schafen betrug dabei in Preussen allein fast 2000 Stück. In den Jahren 188794 betrug die Gesammtzahl der räudekranken Schafe in Deutschland über eine Million. Allerdings ist seit den letzten Jahren ein erheblicher Rückgang der Schafräude in Deutschland zu constatiren (von 145,000 Fällen im Jahre 1891 auf 97,000 im Jahre 1892, auf 65,000 im Jahre 1893). Am stärksten verseucht sind zur Zeit die Bezirke Kassel, Braunsclnveig, Hannover, Osnabrück, Hildesheim, Stade, Minden, Oberhessen und Lüneburg. Von dem Verluste an Wolle kann man sich eine Vor-
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Räude des Selial'es.
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Stellung machen, wenn man die Angabe Fürstenberg's in Betracht zieht, wonach sich dieser Verlust allein im Kreise Greifswald auf jährlich 100,000 Mark beläuft: für ganz Deutschland berechnet, macht dies jährlich viele Millionen aus.
Pathogenese. Die Art und Weise der Uebertragung der Käudemilben ist meistens eine directe; eine Ansteckung durch Vermittlung von Zwischenträgern ist weniger häufig. Am leichtesten geschieht die Uebertragung, wenn geschorene räudekranke Schafe in eine bewollte Schafherde eingestellt werden. Die Ansteckung erfolgt ferner leichter hei warmer Temperatur, also im Sommer, in warmen Ställen und beim Zusammenliegen, weil die Milben in der Wärme lebhafter werden und eher überwandern.
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Erscheinungen der Dermatocoptesräude. Die Lieblingsstellen der Dermatocoptesrailben sind die mit Wolle besetzten Körpergegenden, während die mehr nackten Partien, insbesondere der Kopf, ziemlich verschont bleiben. Weitaus am häufigsten wird die Gegend des Kreuzes und Schweifansatzes, sowie von hier ausgehend der Rücken, die Seitenwandungen des Körpers, der Hals, die Schultern u. s.w. befallen. Der Ausschlag entwickelt sich immer von kleinen Stellen aus, welche je nach der Ansteckungsweise entweder vereinzelt oder in verschiedener Anzahl über den Körper zerstreut sind. Der Gang der Entwicklung ist folgender: Im Anfange sieht man, wenn die Wollhaare auseinandergescheitelt werden, hirsekorngrosse flache Knötchen von blassgelber bis röthlicher Farbe, welche durch den Stich der Milben erzeugt sind und je nach der Menge der letzteren bald nur vereinzelt vorgefunden werden, bald zu grösseren, selbst thalergrossen, flach prominirenden Flecken confluiren; die Haut ist in der Umgebung höher geröthet und die ganze Stelle beim Befühlen anfangs schmerzhaft. Auf der Höhe der Knötchen entstehen bald Bläschen und kleine Pusteln, welche platzen oder eintrocknen; gleichzeitig stellt sich eine lebhafte Epidermisabschuppung ein, welche mit dem reichlicher abgesonderten Fettschweisse eine gelbliche Auflagerung bildet und in Verbindung mit dem Exsudate der Bläschen und Pusteln eine oft sehr dicke und harte gelbbraune Räudeborke darstellt, unter welcher die Räudemilben sitzen; auf einer geschorenen Haut nimmt die Räudeborke eine pergamentartige Beschaffenheit an. Die in ihrer Wurzel gelockerten Wollhaare werden durch die aus den Knötchen heraussickernde Flüssigkeit verklebt: die Räudeborke
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Riiiulu des Sobafes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;607
wird gleichzeitig mit dem Waclisthum der Wolle ebenfalls in die Höhe gehoben. Das Wollvliess wird allmilhlich zottig und flockig, und es erheben sich grössere oder kleinere Wollbüschel über die Oberfläche, welche schliesslich ausfallen oder abgestreift werden; die einzelnen Wollhaare sind glanzlos, von blasser Farbe und leicht ausziehbar. Die Haut unter den Borken hat ihren Glanz und ihre Glätte verloren, sie ist rauh und trocken, runzelig zusammengeschrumpft, schwartenartig verdickt, mit Schrunden und Rissen, und in Folge des Reibens auch mit Geschwüren besetzt.
Neben diesen localen Veränderungen auf der Haut ist ein sehr starker Juckreiz zu beobachten; derselbe bildet gewöhnlich die erste auffällige Erscheinung der Schafräude. Die Thiere reiben, kratzen, nagen, kneipen und rupfen sich an den erkrankten Hautstellen, schütteln und wälzen sich, senken den Kücken ein und zeigen, besonders wenn sie gerieben werden, eigenthümliche Erscheinungen des Wohlbehagens: sie bebbern (zittern) mit den Lippen, kratzen unwillkürlich mit dem Hinterfusse, machen eigenthümliche Kopfbewegungen, knuppern mit den Zähnen, bewegen den Schweif krampfhaft, und drücken gegen die reibende Hand. Das Juckgefühl ist am stärksten in der Wärme, so in feuchtwarmen Stallungen oder bei grosser Sonnenhitze, nach der Bewegung, sowie gegen Abend. Das anhaltende Reiben beschleunigt den Ausfall der Wolle und führt zu mehr oder weniger schweren entzündlichen und geschwürigen AHectionen der Haut. Bei grösserer Ausbreitung des Räudeausschlages magern die Thiere in Folge der steten Aufregung, der Säfteverluste und der Behinderung des Fressens und Wiederkauens bedeutend ab. Schwächliche Thiere erliegen deshalb nicht selten dem Leiden (Hydrämie, allgemeine Kachexie). Der Verlauf der Krankheit zeigt besonders im Herbst und Winter eine deutliche Verschlimmerung, während er durch die Schur und Wäsche erheblich eingedämmt wird. Ausserdem scheint die feinere Haut der edleren Rassen intensiver zu erkranken, als die des gemeinen Landschafes.
Diagnose. Für die Erkennung der Räude sind die nachstellenden Funkte von Wichtigkeit. 1. Der Nachweis der Ansteckung oder der grösseren Ausbreitung einer Hautkrankheit innerhalb einer Herde. 2, Der charakteristische Juckreiz, die Unruhe verschiedener Thiere bei Betrachtung der Gesammtherde; hiebei muss indess bemerkt werden, dass bei stärkerem Reiben seitens des Untersuchenden öfters kein
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608nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;l'iiude dos Seliafca.
Jucken, sondern nur Schmerzgefühl beobachtet wird, wie dies auch häufig im Beginn des Räudeausschlages der Fall ist, dass ferner Schäfer durch festes Andrücken der von dem Thierarzte zu untersuchenden Schafe die Aousserungen des Wohlbehagens hintanzuhalten verstehen, oder durch die Anwendung scharfer Mittel den Juckreiz ganz zu beseitigen im Stande sind. 3. Die Beschaffenheit der Wolle: insbesondere ist die flockige, zottige Beschatfenheit des Woll-vliesses, das leichte Ausgehen der Wollhaare, das stellenweise Kahlwerden der Haut verdächtig. 4. Die genaue Untersuchung der Haut; dieselbe hat sicli vor Allem auf die Gegend des Kreuzes, Schweifansatzes, Kückens und der Schulter zu erstrecken, wobei diese Partien mit den Fingerspitzen sorgfältig abzutasten sind und die Haut durch Auseinanderscheiteln des Wollstapels freizulegen ist. Auch etwaige Verfärbungen der Wolle durch bereits von den Schäfern angewandte Mittel, sog. Schmierflecken oder Scbmierplatten, sind wohl zu beachten. 5. Völlig gesichert wird die Diagnose indess nur durch den mikroskopischen Befund der Milben.
Differentialdiagnose. Mit der Dermatocoptesrilude können verwechselt werden:
1.nbsp; nbsp; Die sog. Regenfäule, ein durch die Einwirkung anhaltender Nässe auf die Haut entstehendes Ekzem, welches wie die Räude eine grössere Ausbreitung über die ganze Herde zeigen kann. Die rasche Abheilung des Ekzems indess bei trockener Witterung oder bei Stallaufenthalt, die geringgradigen Hautveränderungen, der mangelnde Juckreiz in Verbindung mit der Entstehungsweise lassen eine Unterscheidung leicht zu.
2.nbsp; Anderweitige parasitäre Hautausschläge, besonders durch Haarlinge und Lausfliegen bedingte; eine genaue Untersuchung der Wolle und Haut schützt hier vor jeder Verwechslung.
3.nbsp; nbsp;Uebermässige Ansammlung von Wollfett, wodurch die Haare unter Umständen ebenfalls verklebt werden; abgesehen von dem fehlenden Juckreiz ist die Haut hier bei einer genauen Untersuchung vollständig rein, glatt und glänzend.
4.nbsp; nbsp;Die schon erwähnten absichtlichen Anätzungen der Haut durch scharfe Mittel lassen sich theils durch die Farbe des Aetzmittels, fcheils durch die intensiven, gleichmässigen Aetzschorfe immerhin nachweisen , wenn auch ihre Unterscheidung von Räudeborken zuweilen Schwierigkeit bereitet; auch kann der weitere Verlauf und die mikroskopische Untersuchung genügend Aufschlus.s geben.
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Räude des Schafes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;600
Therapie. Man unterscheidet bei der Behandlung der Schafräude zwischen der sog. Schinierkur und Badekur. Die erstere ist ein lediglich provisorisches Kurverfahren, das nur als Vorbereitung für die Badekur und zu gewissen Zeiten, z. B. im Winter, angezeigt ist, wenn näinlich die Badekur nicht vorgenommen werden kann. Sie besteht in dem Einreiben umschriebener Bäudeherde mit milben-tüdtenden Salben oder Linimenten (Carbolseife, Carbolöl, Creolinliniment, graue Quecksilbersalbe, Tabakslauge, Petroleum). Diese Schmierkur ist für eine Badicalheilung aus dem einfachen Grunde nicht ausreichend, weil dabei nur die sichtbar erkrankten Hautstellen behandelt werden, während die kleineren, über den Körper etwa zerstreuten Räudeherde unbehelligt bleiben. Bezüglich der Anwendung der grauen (Quecksilbersalbe als Schmiermittel ist von mehreren Seiten auf die giftige Wirkung derselben hingewiesen worden, welche sich selbst auf die Lämmer der damit eingeriebenen Schafmütter erstrecken kann; sie wird deshalb besser durch andere, unschädlichere Mittel ersetzt. Für die Badekur ist eine Reihe von Räudebädern eingeführt, deren Werth indess verschiedenartig beurtheilt wird; dieselben sind der Hauptsache nach folgende:
1.nbsp; nbsp;Die sog. Walzquot;sche Lauge, das älteste, von dem Entdecker der Dermatocoptesmilbe eingeführte Häudebad. Es besteht aus 4 Theilen gebranntem Kalk, 5 Theilen Pottasche (oder 60 Theilen Holzasche), 3 Theilen stinkendem Thieröl, 3 Theilen Theer, 200 Theilen Rinderharn und 800 Theilen Wasser. Die Walz'sche Lauge ist zwar das billigste aller Räudebäder, wird aber von der Mehrzahl der Beobachter als zu schwach wirkend erklärt, indem besonders schwerere und ältere Räudefälle damit nicht geheilt werden können; auch wird die Wolle dadurch braun gefärbt. Sie ist daher zweckmässig eigentlich nur als Vorbereitungsbad für eines der nachfolgenden stärkeren Räudebäder zu benutzen.
2.nbsp; nbsp; Das Gerlacll'sche Räudebad zerfällt in ein Vorbereitungsbad, bestehend aus 2 Theilen Pottasche, 1 Theil gehrannten Kalk und 50 Theilen Wasser, und das eigentliche Räudebad, bestehend in einer Sprocentigen Tabaksabkochung; die letztere wird nach Hol off besser 5procentig genommen. Das Gerlach'sche Häudebad wird allgemein, besonders seit der Roloff'schen Modification, als sehr wirksam bezeichnet. Seine Herstellungsweise ist indessen eine sehr umständliche, auch greift das Vorbad die Hände stark an.
'#9632;'gt;. Das Ziindel'sche Räudebad besteht aus 1,5 kg roher Carbol-
säure, 1 kg gebrannten Kalk, je :5 kg Soda und Schmierseife, sowie Friedberger u. Fröhner, Path. u. Therapied, Hiuisthiere. I. Bd. i. Aufl. 39
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610nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rtlude tloa Schafes.
260 Liter Wasser und reicht für 100 Schafe. Das sein- billige Bad (ca. 2 Mark) wird nach Kays er, Ost er tag U.A. mit Vortheil dadurch verbessert, dass man statt gewöhnlichen Wassers eine 2pro-centige Tabaksabkochung nimmt (5 kg Tabak auf 250 Liter Wasser), wodurch der Preis allerdings verdreifacht, die Wirkung aber bedeutend erhöht wird; das Bad ist dann gewissermassen eine Combination des Gerlach'schen und Zündel'schen. Eine ähnliche Zusammenstellung hat die kgl. preussische und bayerische Regierung früher empfohlen. Darnach werden T1/laquo; kg Landtabak in 250 Liter Wasser eine halbe Stunde lang gekocht, und der warmen Flüssigkeit je 1 kg reine Carbolsäure und Pottasche hinzugefügt; Kostenpreis 11 Mark. Auch dieses sonst wirksame Bad ist sehr umständlich zu bereiten und kann zu Vergiftungen der gebadeten Schafe Veranlassung geben. Statt einer Abkochung von Tabakblättern können auch Tabakslaugen benützt werden. Von Kays er ist die Verwendung der Nikotina, einer Art Tabakslauge, empfohlen worden.
4. Die von Tessier und MattMeu eingeführten Arsenikbäder haben eine ausserordentlich verschiedenartige Beurtheilung erfahren; einestheils wird die Gefährlichkeit, anderentheils die ganz vorzügliche Wirkung hervorgehoben. Indess scheinen die zahlreichen Vergiftungen zum Theil auf eine unvorsichtige Anwendung der Bäder, insbesondere unmittelbar nach der Schur, zurückzuführen zu sein. Die beim Scheren immer mehr oder weniger erzeugten Hautverletzungen müssen jedenfalls vollständig abgeheilt sein, ehe die Thiere gebadet werden; man wendet deshalb die Bäder immer erst 814 Tage nach der Schur an. Die Tessier'sche Mischung besteht aus l1/laquo; kg Arsenik und 10 kg Eisenvitriol auf 100 Liter Wasser. Das von Trasbot modificirte Tessier'sche Bad besteht aus 1 kg Arsenik, 5 kg Zinkvitriol, 1J2 kg Aloe und 100 Liter Wasser; dieses Bad wird in Frankreich häufig angewandt. Matthieu nimmt statt des Eisenvitriols Alaun (1 kg Arsenik, 10 kg Alaun, 100 Liter Wasser). Das Arsenik-Alaunbad hat sich besonders in Württemberg und einzelnen Gegenden Bayerns Eingang verschafft. Kehm nimmt ^ kg Arsenik und 6 kg Alaun auf 100 Liter Wasser. Von Wichtigkeit ist dabei, dass der Arsenik für sich vorher in siedendem Wasser vollständig gelöst wird, damit Anätzungen mit demselben vermieden werden. Auch Putscher empfiehlt diese Arsenikbäder (mündl. Mittheilung), hat indess immer ein Reinigungsbad mit Schmierseife vorausgeschickt und in schwereren Fällen fast immer 3 Bäder für nothwendig befunden, zwischen welchen eine Dtägige Pause eingeschoben wurde.
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Rimdi! des Scliafes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 611
5. Das von Fröhner empfohlene und durch Erlass der kgl. preus-sischen Regierung vom 28. Februar 188!i vorgeschriebene Creolinbad wird in nachfolgender Weise ausgeführt. Die Schafe werden womöglich geschoren. Unumgänglich nothwendig ist die Schur vor der Oreolinbehandlung jedocli nicht; es lassen sicli vielmehr räudige Schafe mit gutem Erfolge und ohne Benachtheiligung des Wollstapels nöthigen-falls auch in der AVoile baden. Nach der Schur werden die sichtbar räudigen Körperstellen, namentlich die Kreuz-, Rücken- und Halsgegend einige Tage (3 5) hindurch bis zur Aufweichung der Borken mit einem Creolinliniment eingerieben. Das Creo-linliniment besteht aus einem Theil englischem Greolin, einem Theil Spiritus und acht Theilcn grüner Seife. Diese Einreibung bildet einen integrirenden Bestandtheil des Kurverfahrens (vorbereitende Schmierkur), Die auf diese Weise vorbereiteten Schafe werden nun 2nial mit einer wässerigen Lösung von englischem Creolin gebadet; zwischen dem ersten und zweiten liegt ein Zwischenraum von 7 Tagen. Die Badeflüssigkeit ist eine 2'/a procentige Creolinlösung in Wasser (6,6 Liter englisches Creolin auf 250 Liter Wasser für 100 Schafe); sie wird durch einfaches ZugiessendesCreolins zum erwärmten Wasser (30deg;) und Umrühren desselben hergestellt. Jedes Bad dauert 8 Minuten; nach jedem Bade wird das betreffende Schaf mindestens 3 Minuten nachdrücklich mit Bürsten am ganzen Körper gerieben und schliesslich noch einmal einige Secunden ins Bad eingetaucht. Das Halten des Schafes im Bade, sowie die übrigen Manipulationen sind dieselben, wie bei den anderen liäude-bildern. Während der Behandlung hat man sich vor jeder Ueber-eilung zu hüten, und es sind namentlich die angestellten Arbeiter immer bezüglich der richtigen Ausführung oben genannter Massregeln zu controlliren. Die Kosten eines Bades betragen 8 Mark (gegenüber 11 Mark beim Carbolsäure-Tabaksbad). Ein drittes Käudebad wird nur bei ungenügender Durchführung der beschriebenen Mass-rogeln nothwendig werden. Das Creolinbad unterscheidet sich ausser seiner sicheren, zuverlässigen Wirkung von den anderen Eäude-bädern hauptsächlich durch seine Ungiftigkeit, einfache Berei-tungsweise und Billigkeit (25 Liter ä l M. 20 Ff). Auch die Wolle wird durch Creolin weder verfärbt, noch schädlich beeinflusst, wie dies beim Tabak und Arsenik immer der Fall ist. Von den 440,000 in den Jahren 188894 in Preuasen mit Creolin gebadeten Schafen sind 70 Froc. geheilt worden (18910:') wurden mit Creolin gebadet 123,000 Schafe, davon sind geheilt 107,000 Stück = 88 Froc).
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(312nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;lliuulo doH Schafes.
Ob das von verschiedenen Seiten als Riludemittel empfohlene Lysol ein dem Creolin gleichwerthigos Mittel darstellt, ist noeli eingehender practisoh zu prüfen.
Das genauere Wäschev erfahren hei allen liiludehädern ist folgendes. Nachdem die Thierc geschoren sind, lässt man bis zur Vornahme des Bades '#9632;'gt;I Tage, bei Arsenikbildern 811 Tage vorübergehen. Die Temperatur des Bades soll ca. 30deg; H. betragen; pro Schaf werden 2-3 Liter Flüssigkeit gerechnet. Sowohl zu kaltes als zu heisses Wasser ist zu vermeiden. Es müssen samnitiiche Schafe der Herde, auch die scheinbar gesunden, und zwar diese; zuerst, gebadet werden; dabei ist der Körper vollständig, mit einziger Ausnahme der Augen , sowie; der Nasen- und Mundött'nung in die Bade-Hüssigkeit einzutauchen. Die Dauer des Bades beträgt 3 Minuten. Der Badezuber wird in der Nähe des Stalles an einem kühlen, schattigen Platze aufgestellt, oder besser theilweise in den Boden versenkt, unmittelbar daneben kommt der Abreibezuber zu stehen; jedes Schaf wird von /.wei Männern in der Weise gebadet, dass der eine die Vorder- und llinterfüsse, der andere den Kopf erfasst und besonders die Augen durch das Auflegen der Daumen auf dieselben sebützt, darauf wird das Thier mit dem Bücken nach abwärts in die Bade-Hüssigkeit eingesenkt. Unmittelbar nach dein Bade wird dasselbe in dem daneben stehenden Abreibezuber von zwei weiteren Männern nachdrücklich gebürstet, gerieben und das Vliess durchgegriffen, wobei vor Allem der ilücken, die Kreuz- und Steissgegend zu bearbeiten sind, worauf es noch einmal kurze Zeit in das Bad eingetaucht und dann entweder in einen reinen Stall oder in eine sonnige Hürde verbracht wird. Jede Durchnässung durch zufällig eintretenden liegen ist dabei ZU vermeiden, indem dieselbe die Gefahr einer Erkältung mit sich bringt und ausserdem durch Abschwemmung der Hadellüssigkeit die Wirkung des Bades vereitelt. Selbstverständlich darf die Badekur überhaupt nur bei warmer Witterung vorgenommen werden. Nach dem Bade müssen die bisher benutzten Stallräume ebenfalls des-inficirt werden. Nach Ablauf einer Woche wird dann das zweite und nach 1-1 Tagen nötliigcnfalls das dritte Räudebad vorgenommen; zwei sind unter allen Umständen nöthig. In der Zwischenzeit werden etwa neu auftretende Räudeherde örtlich bekämpft; ausserdem muss auch nach Beendigung des ganzen Wäscheverfahrens die Herde sorgfältig längere Zeit hindurch beaufsichtigt werden; endlich ist womöglich die bisherige Weide und Triebroute zu vermeiden.
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Räude dos [Tmiiles.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;613
Sarcoptesraude der Schafe. Dieselbe Inxt nach (i or Inch's und unseren eigenen Beobachtungen ihren Sitz aussohliesslioh auf den unbe-wolltoii Theilen des Kopfes (daher auch Kopfräude des Sobafes ge-nannt), nur sehr selten werden die Beine ergriffen. Die Lieblingsstellen sind die Lippen, die Lippenwinkel, der Nasenrücken, das Kinn, die Uin-gebung der Augen, die Backen und die llussere Plttohe der Ohrmuscheln! an diesen Stellen findet man fest aufsitzende '/a 1 cm dicke graue Borken; meist ist starker Juckreiz vorhanden, Bei warmer Jahreszeit verbreitet sieh der Ausschlag fast über den ganzen Kopf, bei kalter Witterung geht er zurück. Das Leiden bedingt keinen weiteren Nachtheil und kann durch das Oreolinliniment hezw. Oreolinwasohung oder starke Tabaksabkoohung geheilt werden. Die künstliche Uebertrogung auf die bewollte Haut eines Merinoschafes hatte nur eine vorübergehende Hautentzündung zur Folge, Eine der Ziegenräude sehr tthnliehe Sarcoptesrilude hat ferner Roloff (Bevl, Arch., 1877. S. 811) bei Fettsteissschafen Beobachtet (steinharte, panzerartige Borken am Kopfe und an anderen Körperstellen), Von liäudemitteln bewährten sich am besten Kreosot oder Carbolsänro in Glycerin,
Dermatophagusraude des Schafes. Diese auch als Fussräude des Schales bezeichnete Bäudeform befällt die ünterfüsse und kann bis zum Hodensack und Euter aufsteigen. Dabei bestellt Juckreiz, Kpidermisabscbup-pung und Borkenbildung,
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c. Die Räude des Hundes.
Literatur. I. Sarcoptesraude. Isnard, lt;/.(feL^lt;m, 1854. Piii.wax, Oe.V.S.,
1860. S. 21; 1862. S. 20. Prietsch, S. ./. laquo;., 1804. S. 76. Siedamorotzky, IMd.,
1871. 1872. 1875. 1882. 1888. Friedberoeb, M. ./. JJ., 1873. S. 43; 1886/87. S. 88.
Hertwig, Krkhtn. lt;/. Hunde, 1880. S. 285. Noaok, S../. B., 1884. S. 83.
Josus, Jiec, 1885. Prietsch, S. J. B., 1880. S. 71. Leonhard, H. A., 1886.
S. 292. Rabe, W. f. Th., 1887. S. 73. Pröhner, B. .1., 1887. S. 341-, M. f. p.
'/'/(., 2. Bd. S. 49. Albuecut, 1)'. f. Th., 1888. S. 329. - RmmNCtfiR, Ibid., 1890.
S. 472. SflHLAMPP, M. ./. H., 1891/92. S. 64; fK. f. Th., 1892. Nr. 20. MÖUER,
Krkhtn. d. Hundes, 1892. S. 417. IT. Dermatophagusraude, sog. Ohrräude. Herino, Verhandig. der Leopold.
Carol. Akademie, 1836. - Bendz, Ref. Ite/j., 1863. S. 66. Zürn, IK. f. Th., 1874.
S. 277. GtozzoNI, Ref. Jiep., 1877. S. 201. Mkanin, liidl. soc. centr., 1878; Bull.
800. Jiiol., 1881. Nocaiu), h'cc, 1881; Acad. de mid., 1885. Raim.ikt, Diet, vrl.,
1888. Bd. 15.
Vorkommen, Die Sarcoptesraude der Hunde ist in Deutschland, namentlich in den grösseren Städten, ein ausserordentlioh häufiges Leiden. In Berlin z. B. sind nahezu 10 Proc, aller kranken Hunde mit Räude behaftet. Unter 70,000 in den Jahren 188(1/94 dem Hunde-spitale der Berliner Schule zugeführten kranken Hunden befanden sieb 6225 mit. Sarcoptesraude behaftete (Fröbner). In München betrug die Zahl der räudigen Munde im Jahre 1880 16 Proc. aller innerlich kranken, polikliniscb behandelten Hunde (Friedberger). In Köln ist über die Hälfte aller Hunde von der Räude ergriffen (St ick er). Eine ähnliche Verbreitung wie in Berlin hat die Hände in Stuttgart (Hoff*
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614nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Riludo tics Hundes,
mann) und Dresden (Müller). Zu dieser beträchtlichen Verbreitung tragen namentlich die llundeasyle, die Zucht- und Dressuranstalten das ihrige bei.
Symptome. Die Hunderäude (Sarcoptes squamiferus) beginnt meistens am Kopfe, und zwar am Nasenrücken, am Grunde der Ohren, an den Augenbogen, ausserdem weiden mit Vorliebe der Bauch und die Unterbrust, die Gegend der Ellenbogen, die Sohwanz-wurzel und die Pfoten befallen; der Ausschlag kann jedoch auch an anderen Körperstellen, z. B. an der Haut der Genitalien zuerst beginnen. Gewöhnlich breitet sich die Räude rasch über den ganzen Körper aus, so dass nach Ablauf eines Monates die gesannnte llaut-oberfläche davon befallen ist. Das Krankheitsbild ist je nach der Widerstandsfähigkeit der Haut ein verschiedenes.
Die ersten Erscheinungen sind flohstichähnliche, rothe Flecken, welche besonders auf unpigmentirter Haut, sowie auf der zarten Haut des Bauches und der Innenfläche der Schenkel sichtbar werden; ausserdem ist die Haut in Folge des Reibens und Kratzens oft auch diffus höher gerottet. An der Stelle dieser Süppchen sind nach kurzer Zeit Hirse- bis linsengrosse Knötchen sichtbar, welche sich in Bläschen verwandeln können; letztere sind oft sehr zahlreich über den ganzen Körper zerstreut und bedingen nach ihrem Aufplatzen ausgebreitete nässende Stellen (sog. nasse Räude). In anderen Fällen verläuft der Ausschlag vollständig trocken, indem es nur zu reichlicher Epidermisabschuppung kommt (sog. trockene Räude). Seltener verwandeln sich die Bläschen in Pusteln und zwar besonders auf der feinen Haut des Unterbauchcs und der Innenschenkel; diese Pusteln lassen oft ein nadelstichgrosses dunkles Centrum, den Sitz der Räudemilbe, erkennen. Bläschen und Pusteln trocknen bald zu graugelben Krusten ein, die Oberhaut schuppt sich dabei sehr lebhaft ab, die Haare fallen aus, so dass grosso kahle Stellen entstehen, die Haut selbst wird im weiteren Verlaufe verdickt, bekommt Runzeln und Falten, sowie in Folge des Reibens Schrunden und Risse. Am häufigsten findet man die Haut des Kopfes und Halses in zahlreiche Falten gelegt, was den Thieren ein eigenthümliches Aussehen gibt. Die Hautveränderungen sind von einem sehr starken Juckreize begleitet, welcher besonders im warmen Zimmer, in der Nähe des Ofens, sowie nach jeder Aufregung oder körperlichen Anstrengung sehr hochgradig ist, und dessen Befriedigung die Thiere zu beständiger Unruhe antreibt. Reibt oder kratzt man die erkrankten
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Räude des Hundes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 615
Hautstelleu, so äussern die Thiere ein Wohlbehagen und scharren mit dein einen oder anderen Fuss unwillkürlich mit. Bei längerer Dauer und grosser Ausbreitung des Leidens magern die Hunde stark ab; schwächliche Thiere können wohl auch daran zu Grunde gehen.
Diagnose. Der heftige Juckreiz, der häulige Beginn des Leidens am Kopfe, die rasche Ausbreitung, die Uebertrag-barkeit auf andere Thiere, ja selbst auf den Menschen, die runzelige Beschaffenheit und Kahlheit der Haut, die Auflagerung von Schuppen und Borken, die Vorliebe des Ausschlags für die Ohren, die Unterbrust, den Unterbauch, die Ellenbogen, die Innenfläche der Schenkel sind wichtige diagnostische Kennzeichen der Sarcoptesräude. Der sicherste diagnostische Beweis, der mikroskopische Nachweis der Milben, ist indess meist sehr schwer; vermöge ihres tiefen Sitzes sind dieselben sehr geschützt, so dass man, um sie zu finden, auch die tieferen Schichten der Haut mit den Borken entfernen muss. Zu diesem Zwecke schabt man die Krusten entweder mit einem scharfen Messer ab, bis sie bluten, oder nimmt kleinere oberflächliche Hautschnitte mit der Scheere weg; auch kann man die Milben durch Einwirkung von Wärme hervorzulocken suchen, indem man die Thiere in die Nähe eines warmen Ofens bringt oder mit einer wollenen Decke versieht. In anderen Fällen, besonders bei dicker Krustenbildung, sind die Milben leichter nachzuweisen. Als letztes diagnostisches Hilfsmittel kann auch das Aufbinden der Eäudeborken auf den menschlichen Arm versucht werden. Sehr leicht sind die Milben am todten Thiere nachzuweisen.
Differentialdiagnose. Am häufigsten wird die Sarcoptesräude mit dem Acarusausschlage verwechselt; beide sind ansteckend, beide verlaufen mit Knötchenbildung und Kahlwerden der Haut, sowie mit reichlicher Epidermisabschuppung. Die wesentlichsten Unterschiede bestehen jedoch darin, dass die Räude einen viel stärkeren Juckreiz erzeugt und leichter heilbar ist, sowie dass der Acarus-ausschlag zum Theil einen typischen pustulösen Charakter zeigt, wobei die Acarusmilben leicht aufzufinden sind. Ein stark juckender, ansteckender Hautausschlag mit den beschriebenen Symptomen darf bei negativem mikroskopischem Befunde immerhin als Räude aufgefasst werden. Ausserdem kann die Sarcoptesräude mit gewissen juckenden papulösen Ekzemen verwechselt werden. Der Verdacht wird indess bald durch die meist rasche Abheilung der letzteren
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G16nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Räude des Hundes.
beseitigt. Ausgebreitete Ekzeme, welche auf die einmalige Anwendung der Räudemittel dauernd verschwinden, sprechen nicht für Sarcoptes-rilude. Auch bei der Sarcoptesräude beobachtet man Uebertragungen auf den Menschen, wodurch für die Unterscheidung derselben von einem einfachen Ekzem unter Umständen ein diagnostisches Moment entstehen kann. Derartige Infectionen kommen in Berlin z. B. alljährlich bei mehreren Hunderten von Menschen vor.
Therapie. Die Prognose der Hunderäude ist zwar bedeutend günstiger, als die der Pferderäude; es muss indess auch hier darauf aufmerksam gemacht werden, dass eine Heilung bei älterer und ausgebreiteter Hunderäude nicht immer so leicht ist, und dass besonders schwächliche, heruntergekommene Thiere eine Räudekur häufig gar nicht mehr ertragen, vielmehr während derselben zu Grunde gehen. Ausserdcm sind beim Hunde mehr als bei anderen Hausthieren gewisse Vorsichtsmassregeln bei der Einleitung des Käudekurverfahrens nöthig, indem hier vor Allem das Ablecken der Räudemittel durch anfängliches Zubinden des Maules, Anlegen eines Maulkorbes, Auflegen lederner Decken u. s. w. verhindert werden muss. Auch soll man milben-tödtende Mittel nicht unmittelbar nach dem Scheereu, welches bei langhaarigen Hunden zur Heilung unumgänglich nothwendig ist, oder auf nässende Stellen von grösserer Ausbreitung auftragen.
Von Arzneimitteln gegen die Hunderäude sind die nachfolgenden zu empfehlen: 1. Das Creolin. Am häufigsten verwenden wir hiebei ein Creolinliniment, welches je nach dem Grade und der Ausbreitung aus gleichen Theilen Creolin und grüner Seife, sowie 1/,2 10 Theilen Spiritus zusammengesetzt ist. Dieses Liniment wird täglich eingerieben (bei ausgebreiteter Räude täglich ein Drittel des Körpers); die Heilung erfolgt durchschnittlich nach 23 Wochen. Auch Creolinspiritus (1:1020) und Creolin-seife, sowie 2I/2procentige Creolinbäder können angewandt werden. Das Creolin hat vor allen anderen Räudemitteln den Vorzug der Un-giftigkeit voraus. 2. Der Theer; man wendet denselben gewöhnlich in der Form des Theerliniments (Pic. liquid; Sapon. viridis aa; Spirit. qu. s. f. linim.) in der Weise an, dass immer nur ein Drittel des Körpers auf einmal damit eingerieben wird, also am 1. Tage das erste, am 2. Tage das zweite u. s. w., worauf der ganze Körper nach ßtägigem Liegenlassen des Linimentes abgebadet und in derselben Weise von Neuem eingerieben wird: mittelschwere Fälle lassen sich so nach 34maligem Einreiben zur Heilung bringen. 3. Das Kreosot,
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Räude dos Kindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;017
welches am besten mit Oliven- oder liepsöl in einem Verhältniss von 1:1016 gemischt wird, ebenfalls nach der oben erwähnten Weise zu appliciren. Man hat sich indess sehr vor Vergiftungen in Acht zu nehmen. 4. Die Carbolsäure als 25 Proc. Carbolöl oder Carbol-glycerin. Bei allen diesen drei Mitteln empfiehlt es sich indess, um einer etwaigen Carbolvergiftung vorzubeugen, zwischen den einzelnen Einreibungen längere Pausen zu machen; auch kann man zur Vorsicht ein schwefelsaures Salz verabreichen (Natrium suU'uricum 2 5,0; Bildung des unschädlichen phenol-sulfonsauren Natriums im Blute). Von anderen Mitteln können wir noch den Perubalsam, der sich besonders für sehr zarte Hunde und für die Behandlung der Umgebung der Augen eignet, empfehlen. Dagegen haben wir von dem sehr übel riechenden Naphthalin einen andauernden Erfolg ebenso wenig als die Dresdener Klinik gehabt. Auch der Tolubalsam ist nach Siedamgrotzky unzuverlässig. Endlich können als mehr oder weniger wirksam noch genannt werden das Benzol, Naphthol, Oxynaphthalin und das Ichthyol (Rabe, Friedberger). Benzin und Petroleum sind fast ganz unwirksam.
Die diätetische Verpflegung muss während der ganzen Kur eine sehr gute sein; Erkältungen sind zu vermeiden. Als sehr noth-wendig endlich muss bei der grossen Verbreitung der Räude und der Gefahr der Ansteckung für den Menschen die seuchenpolizeiliche Bekämpfung derselben, d. h. entweder die Aufnahme in das Keichs-Viehseuchengesetz oder die Anordnung strenger localpolizeilicher Mass-regcln bezeichnet werden.
Dermatophagen auf dem Körper des Hundes. Die im Jahre 183G von Hering entdeckte und Sareoptes cynotisquot; benannte Dermatopliagus-milbe des Hundes kommt zuweilen in dem eiterigen Secrete der Otitis ex-terna (innerer Ohrwurm'), also im äusseren Gehörgange vor. Oh sie mit der Otitis in iitiologischon Zusammenhang gebracht worden darf, ist mehr als zweifelhaft. Zürn U.A. nehmen einen solchen nach dem Vorgange der Ohrräude hei der Katze an. Nocard will epiloptiforme Krämpfe und Taubheit beobachtet haben.
d. Die Räude des Rindes.
Literatur. Oohier, Mem. et ohsei'v., 1813 u. 1815. Carrehe, #9632;/. tlu Midi, 1838. DsLAFOND, Compt. rend, de l'Acad. des scienc, 1857. Müller, Mag., 18G0. 8.90. König, S. J. JJ., 1873. S. 80. Rabe, Jl. J. Ii., 1875. S. 78. Uiilig, S. ./. H., 1878. 8. 78. Folstouchow, Pet. A., 1880. Dieckerhofp, Spec, Path., II. 1894. S. 306. Wejgel, S. J. B., 1894. S, 129.
1. Dermatocoptesräude. Die Lieblingsstellen dieser häufigsten Häudeform des Rindes sind die Seitenflächen des Halses, die Gre-
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G18nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Räude der Ziege.
nickgrube und die Schwauzwurzel. Von hier breitet sie sicli über den Rücken, die Seitenbrustwiindiuigen, die Umgebung der Hörner, die Schulter, ja selbst über den ganzen Körper aus. Die wesentlichsten Erscheinungen sind: Knötchen, Exsudation von Flüssigkeit, ver-mebrte Epiderniisabschuppung, Haarausfall; starker Juckreiz, sowie die Bildung sehr trockener, graubrauner Borken. Die Haut wird schliesslich lederartig verdickt, rauh und runzelig. Zuweilen beobachtet man eine wesentliche Verschlimmerung der Krankheit im Winter und entsprechende Besserung im Sommer. Bei Ausdehnung des Ausschlags über den ganzen Körper magern die Thiero ab und gehen zuweilen sogar zu Grunde. Roll hat diese Räudeform auch bei Büifeln gesehen. Es scheint, dass die Dermatocoptesräude aueb zusammen mit Dermatophagusräude auftritt. Die Behandlung ist dieselbe wie bei anderen Thieren; beispielsweise haben sich das Kreosot und Tabaks-abkochungen sehr wirksam erwiesen.
2. Dermatophagusräude. Diese auch als Steissrilude bezeichnete Form kommt meist nur in den Gruben seitlich vom After, sowie in der Umgebung der Seh weif würze 1 vor, kann sich jedoch auch über den ganzen Körper (Rücken, Hals, Innenfläche der Schenkel) ausbreiten, wenn die Hautpflege eine sehr vernachlässigte ist; diese Fälle sind jedoch sehr selten. Ebenfalls selten breitet sie sich nach abwärts, auf den unteren Theil der Füsse aus (Fussräude). Die Erscheinungen bestehen in Auflagerung von Schuppen und Borken, Ausfallen der Haare, sowie Juckreiz; der Ausschlag kann indess Jahre lang ohne weitere Belästigung der Thiere, sowie ohne wesentliche Ausbreitung bestehen; die Ansteckungsfähigkeit ist eine sehr geringe. Eine Behandlung wird selten verlangt; wie beim Pferde genügen die leichteren Räudemittel (Carbolseife, Creolinsalbe, Theersalbe).
Sarcoptesräude. Dieselbe ist beim llinde ausserordentlich selten und wird offenbar nur durch räudige Pferde übertragen. Sie stellt daher keine selbststilndigo Räudeform dar und bedarf auch keiner weiteren Schilderung, indem die Symptome im Wesentlichen dieselben sind, wie beim Pferde. Von Neumann wird ihre Existenz überhaupt bezweifelt.
e. Die Räude der Ziege.
Literatur. Waluiaff, Rep,, 1854. S. 297. Klinoau, Oe. landw. Wochenbl., 1876. Nr. 38. Hable, Oe. V. S., 1877. S. 53. RoLOPP, /(. A., 1877. S. 311. Moli.e-hkau, Didl, soc. ceutr., 1888. Pezas, lievue vk 1889. Kiiait, 27tlaquo; Vet., 1890. Megxin u. Railuet, Reo., 1890.
Die Sarcoptesräude der Ziegen, die gewöhnliche Räudeform dieser Thiere, befällt anfangs nur die schwachbehaarten Stellen, so besonders
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Klludu des Schweiiios.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;619
den Kopf (Lippen, Nase, Ohren), breitet sich aber bald über den ganzen Körper aus. Sie ist charakterisirt durch die Auflagerung grauer, kleien-artiger Schuppen, sowie blaugrauer, fischschuppenilhnlicher, harter, zerklüfteter Borken. Die Haut wird dabei verdickt, rissig und runzelig, grau, pergamentartig, und zeigt ailiniihlicli grosser werdende kahle Stellen, so dass die Thiere oft ganz nackt sind; ausserdem besteht starkes Juckgefühl. Die Ziegenräude scheint nicht sehr selten zu sein; in Oesterreich erkrankten in einem Zeitraum von 10 Jahren (187787) nahezu 12,000 Ziegen an Räude. Die Krankheit hat bei Ziegen leicht einen tödtlichen Ausgang; so beobachtete Wallraff unter 1000 erkrankten Thieren 500, desgleichen Klingau in einer Gemeinde innerhalb eines Jahres 100 Todesfälle. Die Milbe scheint sehr leicht auf den Menschen überzugehen; Wallraff fand innerhalb einer Gemeinde nahezu silmmtliche Familien angesteckt. Rolof f übertrug die Räude ausserdem auf Schafe mit kurzem Haar (Somali) und schlichter, schweissanner Wolle (Fettsteissschafe). Bezüglich der Behandlung sind Bäder zu vermeiden, weil sie von den Ziegen schlecht vertragen werden; man wendet daher Creolinsalben, Theersalben, Schwefelsalben, Carbolglycerin U. 8. w. an.
Von französischen Beobachtern (Milgnin u. A.) ist auch eine Dermatocoptesräude (äusserer Gehörgang), sowie eineDermato-phagusräude (Rumpf) bei Ziegen constatirt worden.
f. Die Räude des Schweines.
Literatur. Delafond, IReo,, 1857. Müller, Oe. V, S., 1864. S. 86. Kooouhek, Ibid., 1865. S. 32. Sikdamgrotzky, S. J. B., 1877. S. 66. Walther, Ibid., 1889. S. 79. Sohnle, Sep., 1891. Heft 3.
Die Sarcoptcsräude des Schweines (S. squamil'erus) befällt zunächst den Kopf, besonders die Augengruben, die Augenlider, die Backen, die Ohrgegend, und geht sodann auf den Hals, den Rücken, die Innenfläche der Schenkel, sowie schliesslich auf den ganzen Körper über. Man findet die genannten Stellen anfangs von kleienartigon Schuppen, Bläschen und Pusteln, später von starken, bis zu 1 cm dicken, weissgrauen oder silberglänzenden Borken bedeckt, so dass die Thiere zuweilen wie mit Guano bestreut erscheinen. Die Haut ist verdickt, runzelig, sehr derb und fest. Die Borston sind gelockert oder ausgefallen, zuweilen auch zu Büscheln verklebt. Unter den Borken sitzen Milben, welche indess am lebenden Thiere schwer aufzufinden sind. Die Behandlung besteht in dem Aufweichen der
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020nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Riiiulc der Katze.
Borken durch Schmierseife oder Glycerin, sowie in dem Einreiben einer Theer- oder Sclnvefelsalbe.
Die Kilude der jugendlichen Schweine wird zuweilen uueh mit dem Namen Euss der Ferkel' bezeichnet, welcher für gewöhnlich ein nicht-parasitäres Ekzem darstellt (vergl. S. 556), Dass, wie Sohnle glaubt, der Russ'1 immer durch Sarcoptesmilben bedingt wird, ist unwahrscheinlich.
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g. Die Käude der Katze.
Literatur. Dintku, S. ./. li., 1803. S. 99. Mäohin, Eeo., 1803. S. 08. - Köhbe,
Mag., 1808. S. 288. Sikdamohotzky, S. ,/. Jl, 1871. S. 81. Anackku, Thrzi., 1873. S, 43. SCHIED, S. #9632;/. B,, 1874. S. 99. Beck, W, f. Th., 1874. S. 413. Sohwahtz, Hep., 1875. S. 105. Dookai, Oe. ('., 1881. S. 121. Kretschmar, S. J. li., 1883. S. 73. Perroncito, // med. vet., 1887. S. 247.
Symptome. Der Lieblingssitz der Katzenräude (Sarcoptes minor) ist der Kopf, der häufig allein ergriffen wird, namentlich die Ohrmuscheln. Man findet im Anfange rothe Pünktchen, sowie Knötchen- inul Blilschenbildung auf der Haut, welche sodann von kleineren grindartigen Schorfen bedeckt ist. Die Haare werden gesträubt und fallen zum Theil aus, und es schuppt sich die Oberhaut stark ab; diese Schuppenmassen in Verbindung mit dem eingetrockneten Secrete der Knötchen und Bläschen wachsen allmählich zu dicken, bis zu 1 cm im Durchmesser starken, graugelben llüude-borken heran, welche eine Unmasse von Milben enthalten. Die Haut darunter wird derb und steif, verdickt sich und legt sich in Falten. Häufig versohwellen auch die Augenlider und es kommt zu katarrhalischer und eiteriger Bindehautentzündung. Der Juckreiz ist ziemlich bedeutend, die Thiere wischen sich mit den Pfoten, schütteln den Kopf, reiben sich an harten Gegenständen. Das Allgemeinbefinden der Thiere ist auch bei ausschliesslicher Localisation der Räude auf den Kopf ziemlich gestört. Die Thiere sind unlustig, magern ab und gehen nicht selten zu Grunde. Der Ausschlag kann sich indessen vom Kopfe auch auf den Hals und den ganzen Körper verbreiten; dabei werden namentlich zuerst die Pfoten, sowie die Lenden- und Kreuzgegend angesteckt. Der tödtliche Ausgang tritt hier noch viel leichter ein. Uebertragungen auf den Menschen kommen auch bei der Katzenräude vor.
Therapie. Die Behandlung darf nur eine sehr wenig eingreifende sein; Bäder, Waschungen oder Einreibungen des ganzen Körpers mit öligen Mitteln sind zu vermeiden. Carbolsäure soll als speci-
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Kiiude dor Kaniiiclion.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;021
fiscbes Kamp;tzengift nie angewandt werden. Wir müssen als dtis beste und tinscliädliclisk; Mittel die Jl ehnericli'sclie Seh wel'elsalbe bezeichnen. Dieselbe wird folgendermassen verschrieben! Ep. Sulfur, sublimat. 15,0; Kalii carbonic. 8,0; Adip. snilli 60,0. Wir haben mit dieser Salbe immer eine Heilung erzielt, wofern der Ernährungszustand der Thiere nicht zu schlecht war. Nicht so unschädlich als die Schwefelsalbe ist der sonst vorzügliche Perubalsam; wir haben wenigstens einige Male nach einer auf den Kopf beschränkten Einreibung desselben hochgradige Geliinirei/ungse.rscheinungen. sogar ausgesprochen tobsüchtiges Benehmen mit nachfolgendem Sopor, ja selbst den Tod eintreten sehen. Letzteres haben wir auch bei den von Manchen em-pfoblenen Einreibungen mit ranzigem Leberthran beobachtet. Etwas weniger gefährlich scheint der Styrax zu sein, andere Mittel sind überflüssig.
Eine Sarcop tesräude hei Katzenraubthieren (Lnwcn and Leoparden) haben Del a fond und Bourgnigoon, sowie in neuerer Zeit .lohne (Berl. Archiv, 1880. S. 145) beobachtet; die Räude wurde indess nicht durch Savooptes minor, sondern durch die grosseGrabmilbe, Sarcoptes soabiei comniunis, hervorgerufen. Die Erscheinungen bestanden in anfangs umschriebenen Eäudestellen an der Brust, am Banobe, Kücken u. s w., welche sich jedoch bald über den ganzen Körper verbreiteten, der von Krusten und Borken besetzt und nahezvi haarlos war. Die Thiere magerten rasch ab, verloren den Appetit und gingen schliesslicb zu Grunde. Eine Bespritzung mit dem Zün de l'schen Riiudebade hatte tödtliche Carbolintoxication zur Folge. Die von Johne eingeleitete erfolgreiche Behandlung bestand in der Anwendung des Perubalsams (1 :8 Spiritus); die Thiere wurden dabei in ein enges, kurzes Käfig verbracht, zwischen dessen Eisenstäben sie mit einem Spray von Perubalsam bespritzt und darauf mittelst Bürsten, welche an langen eisernen Stäben befestigl waren, tüchtig abgeriehen wurden. Nach Smaliger Anwendung dieser Behandlungsweise in 8lötägigen Zwischenräumen trat vollständige Heilung ein. Die sog. Ohrräude der Katzen wird durch Dermatnphayusmiiben erzeugt; die Thiere schütteln dabei den Kopf, neigen ihn nach einer Seite und zeigen die Erscheinungen der Otor-rhöe. Wir haben von der Anwendung des Perubalsams mit gleichen Theilen Glycerin nach vorheriffer Reiniauni? des Gehörtranires sfuten Erfoltr iresehen.
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h. Die Räude der Kaninchen.
Literatur. Delafond, Ree., 1859. Geiu.ach, Allgem. Therapie d. IlauMh., 1868. S. 577. Andre, A. de Jlrux., 1872. ZORN, W. f. 77/., 1874. S. 277; Die Krank-heilen der Kaninchoi. MÖLLER, IT. /'. 77)., 1875. S. o37. Siedamorotzky,S. ./. li,, 1875. S. 60. Oapitani, Qiorn. di Pisa, 1880. Laveran, Soe, de Itinl., 1892. Neumann, Reme rH., 1892. 8. 141. Rmluet, Soc. de IHol., 189ö. MioNiN, Ibid.
1. Sarcoptesräude. Der durch Sarcoptes minor hervorgerufene Ramp;udeausschlafl hat mit der Katzeuriiude viel Aehnlichkeit.
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Acarusaussolilag.
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Er befüllt vorwiegend den Kopf (besonders Nase, Lippen und Stirn), und verläuft mit Krusten- und Scbuppeubildung, Jucken und Haut-verdiokung, Haarausfall u. s. w. Mit dem Kopfe meist gleichzeitig werden die Enden der Extremitäten ergriffen; die Räude kann sieb jedoch auch über den ganzen Körper ausbreiten, wobei die Thiere rasch abmagern und zu Grunde gehen. Ausserdem kommt bei Kaninchen eine durch Sarcoptes scabiei bedingte, zuweilen über den ganzen Körper verbreitete Räude vor, welche auf Frettchen und Meerschweinchen übertragbar ist. Die Behandlung besteht wie bei den Katzen im Einreiben einer Schwefelsalbe oder des Perubaisanis.
2. Die sog. Ohrräude, erzeugt durch Dermatophagus und Dermatocoptes cuniculi, ist ein ziemlich häufiges Leiden, bestehend in einer Entzündung der Auskleidung des äusseren Gehörganges, wobei es zu sehr dicken Auf Lagerungen von geschichten, gelbbraunen, trockenen, zerklüfteten Borken kommt, welche den äusseren Gehörgang oft vollkommen ausfüllen, so dass die Muschel ganz starr erscheint. Zürn hat auch heftige Entzündungen des Mittelohrs und Verbreitung der Dermatocoptesmilbe auf die gesammte Hautoberffäche beobachtet. Die Behandlung besteht im Aufweichen der Borken, Entfernung derselben und Einpinseln der Auskleidung des äusseren Gehörganges mit Creolin- oder Carbolglycerin oder Creolinöl resp. Carbolöl (25 Proc). Dieselben beiden Häudeformen mit derselben Localisation findet man bei den Frettchen.
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Acarusaiisschlag, Haavsackmilbeiiaussclilag.
Literatur. Haubner, S../. B., 1858. S. 2G, 127; Hep., 1860. S. 81. Weiss, liej)., 1SG0. S. 1. Rivolta, Ji mod. vet., 1805. Fenoer, Rof. Hep., 1806. S. 277. Saint-Cyr, J. de Lyon, 1807 u. 1876. Mahtkmucci, VArch. della Vet. Hal, 1808. Hofer, M. J. Ji., 1869. S. 27. Bhusasco, II med. vet., 1870. Oreste, Giorn. di A., 1870. Siedamorotzky, S. J. B 1872. 1875. 1870. 1882. Frikdderger, li. A., 1876. S. 22; M../. ß., 1873/74. S. 44; 1877|78. S. 12:5; 1886/87. S. 89; M. f. p. 77/,, 1890. S. 565. Mkgnin, Mimoire mir le Demodex folliculorum, Paris 1877; L'Ueveur, 1885; Les parasites et les malad, parasit., 1880. Labat, Revue vet., 1878. - Krui.ikowski, Ref. Oe. Heime, 1879. S. 108. OsOKOR, (Je. V. S., 1879. S. 138; ebenso Verhandlungen der k. k. zooloy. hotan. Gesellschaft in Wien, 1879. Enthält weitere Literaturangabcn. Zürn, Die (hier, Parasiten, 1882. S. 56. Hehbet, J. de Lyon, 1882. S. 591. Grimm, S. J. B., 1884. S. 103. Laulanie, Revue vet., 1885. - Roll, Hpec. l'ath., 1885. Pribtsoh, S. .1. Ji., 1886. S. 89. Rabe, W. f. Th., 1887. S. 73. - Soula, Revue vet., 1887. - ZsOHOKKE, Sohw. A., 1888. S. 69. - MOLLER, S. ,1. B., 1888. S. 159; 1892. S. 24; Krkhtn. d. Hundes, 1892. S. 420. Heller, li. th. W., 1889. S. 348. Guinard, ./. de Lyon, 1890. Bes.noit, Revue vä., 1891. Kitt, M. ./. B., 1890/91. S. 86; lialcterienkde., 1893. S. 94; J'ath.-anat. Diagn., 1894. S. 159. Schlampp, M. J. B., 1891/92. S. 64. Okiil. B. th. W., 1892. 8. 602; /gt;. th. W., 1892. S. 179. Stiles, Canad. Entomolog., 1892. S. 256. Geixari. u, Droeet, ./. de Lyon, 1892. Waldteufel, Jiec., \%%2
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Aoarusaussclilag.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;623
u. 1894. ~ Sendrail, MAUBI, lievuv vet., 1893. S, 357. Lesbrb, Pkcus, J. de Lyon, 1893. Catiix, h'ec, 1893. S. 294. Galm-Vai.erio, Clin, ret., 1894. Nr. 33. Bach, Sohw, A., 1894. S. 10. Sujkw, Polferow, Pet. A., 1894.
Vorkommen. Der Acarusausschlag kommt am liüufigsten beim Hund und der Katze, seltener beim Schwein, Rind und bei der Ziege vor; sodann bat man die Acarusmilbc beim Schaf, beim Sambur-hirscb, endlich bei Fledermäusen und Ratten, sowie bei Feldmäusen und Zieselmäusen gefunden. Sehr häufig wird sie ausserdem in den sog. Mitessern oder Comedonen, d. h. in den erweiterten Talgdrüsen beim Menschen angetroffen, ohne dass sie jedoch hier irgend welchen Schaden anrichten würde.
Naturgeschichtliches. Die Balgmilbe oder Haarsackmilbe, Acarus folliculorura oder Demodex folliculorum, bildet eine Gattung der Familie Dermatophili, Ordnung Acarina, Classe Arach-noidea, gehört also zur Gruppe der Arthropodcn (Gliederthiere). Sie wurde 1843 von He nie und Simon in den Comedonen des Menschen, sowie bald darauf noch in demselben Jahre von Tulk beim Hunde entdeckt. Zur Zeit sind folgende besondere Varietäten bekannt: Acarus folliculorum canis, cati, suis (Demodex phylloides), bovis und hominis.
Die Körperform des Acarus folliculorum im erwachsenen Zustande ist beim Hunde eine wurmförmige, lanzettartige; beim Schweine und Rind eine mehr lorbeerblattähnliche. Der Körper hat eine Länge von circa V8 V4 mm url(^ '^ m 8 Segmente, Kopf, Brust und Hinterleib getheilt, von denen die beiden letzteren zu einem Stücke verschmolzen sind. Der Kopf ist von leier- oder hufeisenartiger Gestalt und besteht aus mehreren Chitinstücken, an denen sich folgende Einzeltheile unterscheiden lassen: 1. das sog. Vorderhaupt, die Grundlage des ganzen Kauapparates; 2. ein Paar Oberkiefer oder Mandibeln; 3. ein Paar spangenartige Unterkiefer oder Maxillen; 4. die beweglichen, mehrgliedrigen Kieferfühler (Pedipalpi); 5. ein un-paares stiletförmiges Gebilde, die sog. Mundklappe; ausserdem befinden sich zu beiden Seiten des Vorderhauptes 2 Augen in Form pigmentloser Knötchen. Der Thorax ist kurz und besitzt auf seinen beiden freien Rändern 4 Paare stummeiförmiger, beweglich eingesetzter Extremitäten, welche aus 3 Stücken, der Hüfte, dem Schenkel und dem Endgliede bestehen, welch letzteres B krallenähnliche Chitinstücke trägt und dadurch eine tatzenähnliche Gestalt erhält. Die Unterfläche der Brust zeigt eine Medianleiste mit 4 Querleisten auf jeder Seite. Der lange Hinterleib ist quergestreift, an den Rändern gezähnelt
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()24nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Acarusausschlag.
und hinten zugespitzt. Die .lugendformen des Acarus besitzen nur 'S Fusspaare, sind kleiner und sclimäler, zeigen noch keine Ringe-lung des Hinterleibes und entwickeln sich aus spindel- oder spitz-weckenähnlichen Eiern. Bis zum erwachsenen Zustande machen die Larven 8 Häutungsprocesse durch.
Pathologisch-anatomischer Befund. Bei der mikroskopischen Untersuchung der Haut findet man die Milben hauptsächlich in den Talgdrüsen, und zwar vorwiegend in der Nähe der Ausführungsgänge, ausserdem im oberen Theile des Haarbalges in einer durchschnittlichen Anzahl von ;5060 pro Talgdrüse. Diese Zahl kann indess auf 100 und selbst 200 steigen, so class die Talgdrüsen bezw. ihre Ausfülirungsgänge zu voluminösen Säcken ausgebuchtet werden; daneben findet man zuweilen eine grössere Masse von Eiern und Larven. In den Talgdrüsen liegen die Milben eigenthümlicher Weise fast ausnahmslos mit dem Kopfe nach abwärts gerichtet. In der Umgebung der beutelartig erweiterten Talgdrüsen kommt es nun zur Entzündung und damit zur Auswanderung weisser Blutkörperchen, wodurch das periglanduläre Gewebe eiterig einschmilzt und mitsammt der Talgdrüse in eine Eiterblase verwandelt wird. Diese Acnepustein entwickeln sich aber nur bei zahlreicher Einwanderung der Milben. Bei einer geringen Menge derselben entsteht lediglich Atrophie und Ausfallen der Haare.
Die schwersten Veränderungen zeigt die Haut des Schweines; hier confluiren häufig mehrere Pusteln mit einander und bilden grössere Abscesse, welche bis zu 1000 Milben enthalten können, und wodurch thalergrosse tiefgehende Geschwüre in der Haut hervorgerufen werden. Bei längerer Dauer des Ausschlages wird die Haut skierotisch und oft um das 34fache verdickt.
Symptome beim Hunde. Der durch Acarus folliculorura erzeugte Hautausschlag ist bei den Hunden sehr verbreitet und kommt bei allen Rassen derselben vor. Unter 70,000 der Berliner Klinik in den Jahren 188(394 zugeführten kranken Hunden befanden sich nicht weniger als 1200 mit Acarus behaftete (= nahezu 2 Proc). Manche Thiere zeigen individuelle Verschiedenheiten bezüglich des Grades und Verlaufes der Krankheit. Bei den einen bleibt nämlich der Ausschlag Monate lang auf dieselben Stellen beschränkt, bei anderen verbreitet er sich sehr rasch über den ganzen Körper. Eigenthümlicher Weise ist im Gegensatze zu der offenbaren Confalt;gt;'iosität des Leidens
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Aoarusaussoblag.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 025
die Ueb(u-inij)fbarkeit von Hund auf Hund eine geringe. Yon den vielen künstlichen Uebertragungsversuelien, die gemacht wurden, sind fast; alle negativ ausgefallen bis auf wenige positive Beobachtungen von Haubner, Guinard u. A. Auch auf andere Thiere lässt sich die Krankheit nicht übertragen, dagegen beobachtet man zuweilen eine spontane Uebertragung auf den Menschen. Die Weiterverbreitung auf einem und demselben Thiere erfolgt durch das Reiben und Scheuern desselben, wodurch der Inhalt der Pusteln entleert und gewissermassen über den Körper ausgesät wird. Hiemit hängt auch die rasche Ausbreitung des Ausschlages nach dem ersten Einreiben von Arzneimitteln zusammen. Das Krankheitsbild des Acarusausschlages ist je nach der Menge der in den Talgdrüsen angesammelten Milben ein sehr verschiedenes.
1.nbsp; SquamöseForm des Acarusausschlages. In vielen Fällen findet man auf der Haut nur Haarausfall neben vermehrter Abschuppung der Epidermis, die Oberfläche der Haut ist vollständig trocken und zeigt keine oder nur geringgradige Spuren von Entzündung (Eczema squamosum). Diese Form kommt besonders in der Umgebung der Augenlider vor. Dabei fehlen ringförmig um die Augen herum die Haare grösstentheils, die Haut ist etwas geröthet und mit abgestossenen Epidermisschuppen bedeckt. Dieses beschränkte Auftreten bei so geringer Reaction der Haut erschwert die Diagnose des Acarusausschlages, weil das Hauptmerkmal desselben, die Acneknoten und Aonepusteln fehlen. Es sollte daher jede mit Haarausfall begleitete schwache Hautentzündung der Augenlider mikroskopisch auf Acarus untersucht werden. Nicht selten ist diese Ausschlagsform jedoch fleckenartig auch über den ganzen Körper verbreitet, wobei Juckreiz gewöhnlich fehlt. Das Krankheitsbild erhält hiebei eine ausser-ordentlioh grosse Aehnlichkeit mit Glatzflechte. Charakteristisch ist zuweilen die dunklere Pigmentirung der kahlen Stellen.
2.nbsp; Pustulöse Form des Acarusausschlages. Häufiger äussert sich der Ausschlag in Form einer intensiven Hautentzündung mit charakteristischer Knoten- und Pustelbildung, entsprechend dem Sitze der Talgdrüsen. Diese Form kann sowohl fleckenweise umschrieben, besonders am Kopfe (Nasenrücken, Lippen, Augenlider) und den Pfoten, als auch über den ganzen Körper verbreitet, vorkommen. Die Lieblingsstellen dabei sind der Kopf, die Kehle, der Hals, sowie die innere Fläche der Gliedmassen. Im Anfange des Processes ist die erkrankte Hautstelle geschwollen, höher
fcemperirt und hyperämisch. Die Haare sind gesträubt und es zeigen Fiiedlicvger u. Fröhnei', Pnthol. u. Therapie il. Ilaustliioie. I. TW. l. Aufl. 40
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AciU'usaussehhi;
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sich (lisseminirte hirsekorn- bis lianfsanienkonigrosse Kncitclien, welciie sich alhafthlich in blaurothe oder rein eiterige Pusteln umwandeln. Dabei verdickt sich die Haut oft um das Doppelte und ist theils mit grün gelblichem, klebrigem, eiterigem, hie und da mit Blut gemischtem Exsudate, theils mit eingetrockneten, graugelben oder blutig verfärbten Krusten bedeckt; die Haare sind zum Theile ausgefallen und lassen sich sehr leicht ausziehen, wobei ihrem unteren Ende häufig eiterige Massen anhaften. Legt man die Haut in eine Falte und drückt leicht, so wird zunächst Blut und bei stärkerem Drucke eine oft grosse Anzahl von Eiterpfropfen ausgepresst. Der Juckreiz ist bei den einzelnen Individuen sehr verschieden, bald sehr hochgradig, bald fast fehlend. Im Allgemeinen ist er aber entschieden geringer als bei Sarcoptesräude. Wird der Ausschlag in seinem weiteren Verlaufe nicht von Seiten des Thieres durch Kratzen und Scheuern abgeändert, so trocknet die Haut allmählich wieder ab, bleibt aber verdickt und zur Faltenbildung geneigt, zeigt verschiedene haarlose oder spärlich behaarte Stellen, wobei die Haare im letzteren Falle gesträubt und auffallend glanzlos sind, und ist mit dicken Lagen von bleigrauen Epidennisschuppen und Borken bedeckt, zwischen welchen sich Risse und leicht blutende Schrunden bilden. Dadurch bekommt die Haut das Ansehen einer Baumrinde oder Elephantenhaut, und besonders der Kopf erinnert an die Physiognomie eines Warzenschweins, Ausserdem ist die Oberfläche der Haut uneben und rauh und mit höckerigen, derben, knötchenförmigen Erhabenheiten besetzt, aus denen sich bei Druck noch einzelne Eiterpfropfe auspressen lassen. Die nicht pigmentirten Hautstellen sind von kupferrother Farbe oder zeigen auf schwächer geröthetem Grunde blaurothe knotige Erhabenheiten (daher die frühere Bezeichnung rothe Räudequot;). Endlich findet man in den oberen Schichten der Haut, entsprechend dem Sitze der abscedirten Talgdrüsen und Haarbälge, grubige Vertiefungen neben papillen- oder zapfenähnlich vorspringenden bindegewebigen Wucherungen. Das Allgemeinbefinden ist trotz dieser hochgradigen Veränderungen oft auffallend wenig gestört, meist besteht nur leichtes Frieren und eine massige Abmagerung; der Appetit ist sogar regel-mässig noch gesteigert, so dass die Thiere oft einen wahren Heiss-hunger an den Tag legen.
Dieses Bild des Acarusausschlages wird indess wesentlich verändert, wenn die Thiere sich heftig nagen und scheuern. Die ergriffenen Hautstellen werden dann in haarlose, Eiter secernirende Wundflächen, ja selbst in förmliche Hautgeschwüre umgewandelt.
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Acarusausschlag.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;027
Daneben treten in Folge entzündlichen Oedems des Unterhautbincle-gewebes ganz enorme Schwellungen einzelner Hautpartien, so besonders am Kopte, um die Augen herum und am Halse auf. In diesem Zustande magern die Thiere rasch .ab, verbreiten einen unangenehmen süsslich-l'auligen Geruch und bekommen ein jämmerliches Aussehen; meist gehen sie dann entweder an Entkräftung oder an ausgesprochener Septikämie zu Grunde.
Symptome beim Schweine. Die Erscheinungen der durch Demodex phylloides beim Schweine erzeugten Hautkrankheit bestehen nach Csokor in Sandkorn- bis haselnussgrossen Erhabenheiten, aus welchen sich anfangs kleinere, später grössere Geschwülste und schliesslich breite H autgeschwüre bilden. Als Zwischenstadien werden blafcterälinliche Efflorescenzen angegeben, welche zur Verwechslung des Ausschlags mit den Schweinepocken Veranlassung geben können. Es werden nur die weichen Hautstellen aufgesucht, so die Umgebung des Rüssels, der Hals, die Unterbrust, die Flanken, Weichen, die Bauchhaut und namentlich die inneren Schenkelflächen, während Oberkopf, Kücken, äussere Fläche der Extremitäten u. s. w. verschont bleiben. Der ausdrückbare Inhalt der Geschwülste enthält 50 100, die grösseren Abscesse beherbergen 500 bis 1000 Exemplare der Millie mit ihren verschiedenen Larvenzuständen und abgestossenen Häuten; dieselbe ist doppelt so breit als die Hunde-balgmilbe. Die Ansteckungsfähigkeit ist gegenüber dem Hunde eine viel ausgesprochenere.
Symptome bei den übrigen Thieren. Beim Rinde haben Grimm und Oehl Fälle beobachtet, in welchen mit Ausnahme des Kopfes und der Extremitäten die Baut des ganzen Körpers, besonders aber die des Balses und der Schultern, von erbsen- bis haselnnss^rossen Knoten wie besät war; die Knoten waren haarlos, an der Oberfläche glatt und liessen einen dicken, zähen Eiter herausdrücken, in welchem sich eine sehr grosse Menge der Baarsackmilben vorfand. Andere Stellen zeigton nur Böthang, leichte Schwellung, Ausfallen der Haare sowie Epiderniisabsehuppung. Nach den Beobachtungen von Oehl tritt beim Bind spontane Heilung ein; die letztere wird beschleunigt durch Einreiben lOproo. Creolinsalbe. Bei der Ziege beobachtete Bach etwa 40 erbsen- bis kirschgrosse Knoten mit teigartigem, grangelbem Inhalt besonders an den Schultern und in der Flankengegend; die Knoten enthielten je bis zu 1000 Stück Acari, Dabei bestand ziemlich heftiger Juckreiz und schlechter Ernährungszustand. Eine 30tiigigo Behandlung erwies sich als erfolglos. Bei der Katze localisirt sich der Acarusausschlag vorwiegend au.f den Kopf (Nase, Augen, Ohren); das klinische Bild ist dem beim Hunde ganz ähnlich.
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AoarnsausBchlat
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Diagnose. In vielen Fällen sichert der Nachweis der charakteristischen blaurothen Pusteln in Verbindung mit der Localisation des Leidens am Kopfe oder den Extremitäten die Diagnose schon bei oberflächlicher Besichtigung der Thiere. Bestimmten Aufschluss gibt aber namentlich bei der squamösen Form des Acarusausschlages nur die mikroskopische Untersuchung, welche in der Weise vorgenommen wird, dass man den ausgedrückten Inhalt der Pusteln auf einen Objectträger dünn vertheilt und bei mittelstarker Veratrössemnff untersucht. Sind keine Pusteln vorhanden, so nimmt man einen Abstrich der Hautoberfläche oder die Wurzeln einiger ausgezogener Haare unter das Mikroskop. Verwechslungen können vorkommen: 1. mit nicht parasitären, grindartigeu Ekzemen und traumatischer eiteriger Dermatitis, 2. mit dem pustulösen Exanthem der Hundestaupe, 3. mit Sarcoptesräude, 4. mit Entzündung der Augenlider (Blepharitis), 5. mit Herpes tonsurans, (gt;. mit der nicht parasitären Acne und Furunkulose.
Prognose. In einzelnen Fällen soll angeblich eine spontane Heilung des Haarsackmilbenausschlages eintreten. Dieselbe ist indess jedenfalls selten. Im Allgemeinen muss die Prognose als ungünstig bezeichnet werden. Bei allgemeiner Ausbreitung des Leidens wurden Heilungen trotz ausdauernder, Monate langer Behandlung bis jetzt nur in sehr beschränkter Anzahl mit Sicherheit beobachtet. Dagegen sind scheinbare Heilungen mit späteren Recidiven nicht selten als wirkliche publicirt worden. Jedenfalls ist es nothwendig, scheinbar geheilte Hunde noch mehrere Wochen und Monate im Auge zu behalten, um seines Erfolges auch sicher zu sein; Täuschungen sind in dieser Beziehung nur zu leicht möglich. Bei örtlich beschränktem Ausschlage ist die Prognose ebenfalls mindestens vorsichtig zu stellen. Heilungen hissen sich hier zwar leichter erzielen, aber das Leiden kann sich umgekehrt auch gerade in Folge der eingeleiteten Behandlung rasch weiter verbreiten. Jedenfalls empfiehlt es sich, den Eigenthümer unter allen Umständen von vornherein auf die Hartnäckigkeit des Leidens aufmerksam zu machen. Bei ausgebreitetem Acarusausschlage ist die Töd-tung der Hunde angezeigt. Auch die Individualität der einzelnen Thiere scheint die Vorhersage sehr zu beeinflussen.
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Therapie. Die Zahl der gegen die Balgmilben angewandten Mittel ist eine ausserordentlich grosse; sie illustrirt am besten die Hilf-
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Acnrusaiissolilag.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(J2!)
losigkeit des Therapeuten. Es siiul bis jetzt empfohlen worden: die verschiedenen Carbolpriiparate, Creolin, Benzol und Petroleum, Perubalsam und Styrax, Quecksilberverbindungen, Cantlmridensalbo, Kali-scliwet'elleber, Naphthalin, Naphthol, schweres Steinkoblentheeröl, Salpetersäure, Jodtinctur, Lugol'sche Lösung, Sozojodol, das ätherische Wacholderöl, Schwefelsalben u. s. w., ausserdem rein indifferente Waschungen des Körpers mit Kleienbädern, Laugenbädern, grüner Seife. Am relativ besten haben sich von diesen nach unseren Erfahrungen bewährt: der Perubalsam, die Cantharidcnsalbe in Verbindung mit Kalischwefcllcber, die Sublimatsalbe, sowie concentrirte C r e o 1 in ei nre i b u 11 ge n.
1.nbsp; nbsp;Der Perubalsam ist besonders von Siedamgrotzky empfohlen worden; nach 2monatlicher täglicher Einreibung des Mittels und sorgfältigstem Ausdrücken der Pusteln wurden nicht nur umschriebene Herde, sondern auch ein allgemein erkrankter Hund von ihm geheilt. Wir haben ebenfalls leichtere Piille damit geheilt, in-dess nur nach lange fortgesetzter Einreibung, so z. B. in einem Falle erst nach 58tägiger Behandlung. In einem anderen Falle constatirten wir bei einem hochgradig erkrankten Thicre nach 1(5wöchentlichem Einreiben des Perubalsams zwar eine ganz entschiedene Besserung, die selbst einer Heilung glich, indess trat der Ausschlag nach dem Aussetzen der Behandlung bald wieder hervor. Jedenfalls müssen die Einreibungen mit Perubalsam sehr lange Zeit fortgesetzt werden, wenn eine dauernde Heilung erzielt werden soll. Dabei ist die Kur sehr kostspielig und der Ausschlag verschlimmert sich gewöhnlich im Anfange der Einreibungen.
2.nbsp; nbsp;Die von Brusasco in Turin angewandte Kurmethode besteht in Waschungen der erkrankten Haut mit Kalischwefelleberlösung (5,0 auf 1 Liter Wasser) und nachherigem Einreiben einer verdünnten Cantharidcnsalbe (Ungt. Cantharid. 1 : 8 Fett). Wir erzielten mit dieser Methode auch in sehr vorgeschrittenen Fällen einigemal in relativ kurzer Zeit vollständige Heilung. Es muss jedoch vor einer Berührung der Cantharidensalbe mit der Conjunctiva der Augen gewarnt werden, da sonst eine eiterige Panophthalmie mit selbst tödtlichem Ausgange hinzutreten kann; es empfiehlt sich daher, die Umgebung der Augen mit Perubalsam zu behandeln. Die Methode wird am besten in der Weise ausgeführt, dass man bei ausgebreitetem Ausschlage dem vorher geschorenen Thiere am 1. Tage ein Vollbad mit Kalischwefelleber gibt (200,0 Kalium sulfuratum auf 70 Liter Wasser für einen grossen Hund), am 2. Tag das erste, am 3. das zweite, am 4. Tag
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(J30nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Acarusausschlag.
das dritte Drittel des Körpers mit verdünnter Cantharidensalbe gut einreibt, am 5, oder (i. Tage eine gründliche Waschung mit Schwefelleberlösung vornimmt, und nach einigen Tagen Pause von Neuem in der beschriebenen Weise beginnt und so bis zur Heilung fortführt. Dass indess auch diese Methode im Stiche lassen kann, beweist uns ein Fall, in welchem bei einem Spitzhunde mit ausgebreitetem Ausschlage eine 68tägige Behandlung, bestehend in 12 Schwefelleberbädern, Omaligem Einreiben des ganzen Körpers mit Cantharidensalbe in je .'5 Abschnitten, sowie 9 fleckweisen Cantharideneinreibungen, eine Heilung nicht zu erzielen im Stande war. Es muss indess hinzugefügt werden, dass auch eine nachfolgende 16wöchentliche Behandlung des Thieres mit Perubalsam keinen Erfolg hatte.
.'!. Einreibungen von Iprocentiger Sublimatsalbe neben Waschungen mit demselben Mittel in ebenfalls 1 procentiger Lösung sind nach unseren Erfahrungen bei längerer Anwendung gleichfalls von Erfolg begleitet. Die Hunde müssen indess an dem Ablecken der Salbe sorgfältig verhindert werden, weil sonst leicht eine tödtliche Vergiftung eintritt; das Mittel gehört also zu den gefährlicheren.
4. Einreibungen von Creolin mit gleichen Theilen Spiritus in Verbindung mit Creolinbädern (2 Proc.) haben uns in einigen nicht zu weit vorgeschrittenen Fällen ebenfalls Heilung erbracht.
Diese 4 Mittel können theils ausschliesslich, theils nach einander versucht werden, immer aber sind sie mit Sorgfalt und Ausdauer anzuwenden. Das Einreiben muss täglich unter sorgfältigstem Ausdrücken neu aufgetretener Pusteln geschehen, die Haare müssen von Zeit zu Zeit abgeschoren werden und endlich muss der Hund durch eine sehr gute und nahrhafte Fütterung bei Kräften erhalten werden. Von der Anwendung der Carbolsäure und des Benzols haben wir nie einen Erfolg gehabt. Naphthalin vermochte nach Siedamgrotzky's Versuchen zwar eine Besserung, niemals aber eine Heilung herbeizuführen. Ichthyol zeigt sich in leichteren Fällen von relativ guter Wirkung (Rabe). Die Anwendung der ganz indifferenten Kleienbäder (Martemucci) kann zwar möglicher Weise in Folge der häufigen Reinigung der Haut und der Entfernung etwa oberflächlich gelagerter Milben den Verlauf der Krank-heit~günstig beeinflussen, eine dauernde Heilung kann indessen von ihnen nicht erwartet werden. Eher ist dies noch denkbar von den Schwefelleberbädern, welche nach Megnin 2 Monate hindurch täglich je */* Stunde lang gemacht werden sollen; der hiebei sich entwickelnde Schwefelwasserstoff ist ein starkes, milbentödtendes Gift
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Filarieu in der Haut.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0^1
und bedingt jedenfalls auch bei der Methode von Brusasco einen Haupttheil ihrer günstigen Wirkung.
Die Prophylaxe besteht in dem Absperren der kranken Hunde von den gesunden, sowie in gründlicher Desinfection des Lagers. In Veterinär polizeilicher Beziehung wäre es bei der überaus schwierigen therapeutischen Behandlung der Krankheit wünschens-werth, wenn eine eingreifende staatliche Beaufsichtigung aller kranken, bezw. eine rasche Tödtung der unheilbaren Thiere eingeführt, mithin der Acarusausschlag unter die gesetzlich zu überwachenden Seuchen aufgenommen würde. Nur dann wäre die erfolgreiche Beseitisnmg der Krankheit möglich.
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llautkrauklieilcn, duroli Filarieu erzeugt.
Literatur. Boulgt, See., 1850. Quin, Journ. milit., 1863. Rf.v, ./. de Li/ön, 1864. Rivolta, 11 mal. ret., 1868. S. 300. Semmkb, Oc. V. S., 1871. S. 179. MiiNETTK, Journ, milit., 1874. Oontamink u. Drouilly, Bec,, 1878. Sieoamorotzky, S. J. H., 1883. S. 19. Laulanik, lievue ret., 1884. S. 160. Mkgmx, Null. soc. centr., 1884; L'Eleveur, 1885. Rivolta, Clin, ret., 1885. Nr, 1. Astrahhanzew, Pet. A,, II. Bd. S. 204. Raillikt u. Moussü, Soc. de ßiol., 1892. Schneider, ()e. M., 1894. S, 337.
1. Beim Pferde und Esel findet man unter dem Namen Dermatitis pruriginosa (Rivolta) und Dermatitis granulosa (Laulanie) eine eigenthümliche knötchenförmige Hautaffection beschrieben, welche durch Rundwürmer (Filaria haemor-rhagia s. multipapillosa) hervorgerufen wird. Nach R i-volta's Angaben soll zuerst Ercolani im Jahre 1861 eine derartige Ausschlagsform beobachtet haben. Nach Laulanie's Untersuchungen ist die Haut von zahlreichen, bis ins Unterhautzellgewebe reichenden Knötchen von kugeliger bis elliptischer Gestalt durchsetzt, deren Centrum käsig erweicht ist und einen spiralig aufgerollten Rundwurm von charakteristischer Querstreifung enthält, welcher bei älteren Knötchen auch schon zerfallen sein kann. Die Haut selbst ist verdickt. Das Centrum der Knötchen ist deutlich abgekapselt und herausschälbar; der Process beginnt mit einer kleinzelligen Infiltration der Cutis und Subcutis. Laulanie glaubt, dass der Parasit Jahrelang in dem Knoten bleiben kann und hat gefunden, dass der Knotenausschlag im Winter zurückgeht, im Sommer dagegen in Folge des vermehrten Blutzuflusses zur Haut stärker hervortritt. Nach Railliet und Moussu bewohnen die Filarien das subcutane, intramusculäre und interfasciculäre Bindegewebe und dringen von der Subcutis her
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(532nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Filarien in der Haut.
in die Haut ein. Beim Bersten der Knoten ziehen sie sich in die Tiefe zurück. Contamine und Drouilly haben bei ungarischen Pferden in Folge von Einwanderung der ü7 cm langen Filaria hae-morrhagica in die Haut Hautbluten und häniorrhagische Hautknoten beobachtet. Rivolta hält die Abtragung des erkrankten Gewebes zur Heilung für nothwendig. Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch ein Theil des von den älteren Autoren, besonders von Haubner beschriebenen sog. Tuberkelausschlagesquot; in das Capitel der durch Ne-matoden erzeugten granulösen Dermatitis gehört.
2. Beim Hunde haben Siedamgrotzky und Schneider einen durch Rundwürmer erzeugten pustulösen Ausschlag auf der äusseren Fläche der Vorder- und liinterschenkel beobachtet. Die kleinen, stark juckenden und mit einem rothen Hofe umgebenen Pusteln und Knötchen, welche sich auf haarlosen Hautstellen befinden, enthielten je 115 Rundwürmer-Embryoneu mit pfriemenfürmigem Schwänze, welche eine Länge von 0,040,7 mm besassen und offenbar von den Haartaschen aus eingewandert waren; sie fanden sich nämlich auch in der Strohunterlage des Stalles neben erwachsenen circa 1 mm langen Individuen. Die Heilung erfolgte ohne arzneiliche Behandlung innerhalb 3 Wochen. Auch Rivolta hat bei geschwürigen Hautausschlägen des Hundes Filarien vorgefunden.
Filaria mediuensis. Die in Egypten, Indien und anderen südlichen Ländern vorkommenden Medina-Pilarien bilden Bandwürmer, welche bis über '/a mm lang werden und gewöhnlich in der Subcutis des Menschen und der Hausthiere parasitiren, wo sie namentlich an den Extremitäten umschriebene Anschwellungen und Abscesse hervorrufen. Besonders häufig sind sie beim Rind (Avenzoar und Marohais), Hund (Dörffel, Smyttan, Forbes, Griffith, Clot-Bey u. A.) und Pferd (Clarkson) beobachtet worden. Während sie beim Menschen meist nur in einem Exemplar vorkommen, findet man bei den Hansthicren zuweilen 2, 3, 4 nnd selbst 5 Filarien. (Literatur: Piot, Recueil veterin., 1889. Griffith, The vet. journ., Bd. 27. Railliet, Bull, de la soc. zool., 1887.)
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Hautaffectionen durch Fliegeraquo;, Mücken und Bremsen bezw.
deven Larven.
Literatur. I. Oolumbaozor Mücke. Schillgb, Rep,, 1840. S. 11U. Vanlaquo; iiexpctte, Ibid., 1847. S. 71. Dominik, Pr, M., 185558. S. 104. Tissehant, J. de Lyon, 1863. Hertwio, Mag., 1808. 8. 481. Referate i. Thrzt., 1870- S. 130 ii. de. M., 1878. S. 54. Schleoss, B. A., 1882. S. 370. - ZOrn. Die thiei: l'ara-siten, 1882. Neumann, Traitd des maladies pcwasitaires, 188s. Schmidt-Mülhei.m, Wtstpr, landw. Mitth., 1888. Nr. 41. Müller, H. th. 11'., 1890. S. 82. Fröhner,
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Fliegen und Bremsen auf der Haut.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(ilW
Toxikologie, 1890. S. 24ü. Mlm.ku, IS. A., 1892. S. 452. Liesenbero, Ibid., 1893. S. 320. Dieckerhoit, Spec. Path,, II. 1894. S. 304. Th. C, 1894. S. 221. Friebel, Jl. A., 1895. S, 197.
II.nbsp; Fliegen. Demaudmx, A, de BrUM., 18Q8. Jenoes U. van- Lakh, Jiep., 1864. 8. 358. Martin, Bee, 1868. öaber, lJi: M., 1877/78. S. 82. Zürn, /. o. Railliet u. LExoinK, Jiull. soo, oentr,, 1884. Francis, J. ofoomp,, 1891. 8. 16. Janson, H. A., 1893. Th. C, 1894. S. 43.
III.nbsp; Bremsen. NllMANN, Mag., 1838. Key, ./. de Lyon, 1848. Hawthorn, The Tclaquo;., 1859. Arway, Oe.M., 1878. S. 66. ZCnx,/. c. Eailuet, Diet, rit.,
Bd,18. Ref. /gt;'. vl., 1885. 8. 122; Bull. soc. oentr., 1894. S. 308. Bass, Th. Uihch., 1887. S. 78. Hinriohsem, B. A., 1888. S. 219 n. 459; X. /'. Fl., 1895. S. 106. Neumann, I.e. Ooustioe, J.ofcomp., 1891. S, 313. Ruseh, Ji. th. IC, 1892. S. 547. Hohne, Ruseh, Z. f. Fl., 1895. S. 126 f.
Allgemeines. Die Belästigung der Hausthiere durch die oben genannten insecten ist eine mannigfaltige. Ein Tlieil derselben verursacht keine eigentliche Hauterkrankung, sondern beunruhigt lediglich die Tbiere, hindert sie dadurch am Fressen, verursacht Futter-versclileuderung etc. Hieber gehört vor Allem die gemeine Stubenfliege (Musca domestica) und als scliweisssaugende Fliege die Rabenfliege (Musca corvina). Ein anderer Theil begibt sich vorübergehend auf die Hausthiere und saugt, zumal an feinhäutigen, leicht verwundbaren Stellen, Blut. Hieher gehören die Rinderbremse (Tabanus bovinus), die Regenbremse (Tabanus s. Haematopota pluvialis), die Blindbremse (Tabanus s. Ohrysops coecutiens), die Moskitos, Tetsefliege (Tropen) u. s. w. Andere erzeugen dadurch, dass sie in grossen Mengen auf die Thiere einfallen, in Folge der zahlreichen Stich Verletzungen erhebliche Entzündungszustände der Haut, so die gemeine Stechmücke (Culex pipiens), die gemeine Stechfliege (Stomoxys calcitrans), die Gewitterfliege (Anthomyia meteorica), die gemeine und geschmückte KriehelmUcke (Simulia reptans und ornata) und endlich die gefährlichste aller Mücken, die Columbaczer Mücke (Simulia Columbaczensis). Manche Insecten kommen weiterhin dadurch in Betracht, dass ihre Larven (Maden) auf, in und selbst unter der Haut zu Störungen Veranlassung geben. So legt besonders die blaue Schmeissfliege (Musca s. Galliphora vomitoria) und die Aasfliege (Musca cadaverina) ihre Eier in Wunden und Geschwüre, desgleichen die graue Fleischfliege (Sarcophaga carnaria). Hieher gehört endlich die in klinischer Beziehung vor Allem wichtige Dasselfliege (Oestrus bovis), deren Larven die Haut bis zum Unterhautbindegewebe durchbohren. Von grösserer pathologischer Bedeutung sind unter den genannten die nachfolgenden:
1. Die Columbaczer Mücke (Simulia Columbaczensis oder maculata), ein aschgraues Insect von der etwaigen Grosse eines Flohs, welches zuerst in der Nähe des Schlosses Columbacz in Ungarn
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Oolumbaozer Mttoke.
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(Temesvarer Bauat) in seinen schädlichen Wirkungen erkannt wurde; es starben nämlich daselbst im Jahre 1783 nahezu GÜO Thiere (Pferde, Rinder, Schweine, Schafe) an den Folgen der Stiche dieser Mücken. Aussei- in Ungarn kommt die Columbaczer Mücke auch in Oesterreich, Böhmen, l'reussen und vereinzelt in ganz Deutschland vor. Grössere Schwärme entwickeln sich gewöhnlich im Anschlüsse an Ueberschwem-mungen; dieselben bilden dichte schwarzgraue Wolken, welche sich auf die auf der Weide oder überhaupt im Freien befindlichen Thiere herabsenken, so dass z. B. weisse Kühe ganz schwarz aussehen. Die befallenen Thiere werden sehr unruhig, rennen wild umher, suchen ihre Stallungen auf, werfen sich ungestüm zu Boden, stöhnen und brüllen, Bei der genaueren Untersuchung findet man die Mücken nicht bloss auf der Haut, sondern auch in die natürlichen Kürper-öfthungen (Maulhöhle, Nasenhöhle, Ohren, Augen, Scheide, Mastdarm) eingedrungen, und als die Folgen ihrer Stiche schmerzhafte Anschwellungen an allen Theilen des Körpers, besonders auch auf der Schleimhaut der Nasen- und Maulhöhle, der Augen und der Scheide. Dabei können die Thiere schon nach wenigen Stunden oder innerhalb eines Tages an Erstickung in Folge Verschwellung der Respirationsschleimhäute zu Grunde gehen. Die leichter befallenen sind mehrere Tage hindurch krank, fressen wenig oder gar nichts und zeigen in den folgenden Tagen eine grosse Anzahl kleiner, derber, schmerzhafter Knötchen auf der Haut, welche erst nach 8 4 Wochen verschwinden, sowie verschieden hochgradige Schwellung der Schleimhäute; häufig dauern die entzündlichen Erscheinungen 14 Tage und darüber an. Bei der Section der gefallenen Thiere findet man hochgradige, sulzige und blutige Infiltration der Subcutis, Schwellung und Entzündung der sichtbaren Schleimhäute, sowie die Erscheinungen der Lungenhyperämie und des Lungenödems; zuweilen sind die Insecten bis in den Rachen und Kehlkopf, ja selbst bis in die Luftröhre vorgedrungen und haben die Schleimhaut daselbst in einen entzündlichen und geschwollenen Zustand versetzt oder sogar das Lumen der Trachea vollkommen verstopft. Die Behandlung der erkrankten Thiere beschränkt sich auf kalte Waschungen und Be-giessungen, sowie auf Scarificationen der geschwollenen Schleimhäute; eventuell muss die Tracheotomie gemacht werden. In prophylaktischer Beziehung wurden Waschungen mit Tabakslauge empfohlen; indess können sämmtliche Fliegenmittel dagegen versucht werden, so Creolin, Carbolsäure; Theer, Naphthalin, Petroleum, stinkendes Thieröl, Asa foetida, Abkochungen von Welschnussblättern in Essig u. s, w.
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Dasselfliege.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (J;35
Ein ähnlicher Fall von seuehenartiger Erkrankung bei Rindern, Pferden und Schafen durch Simulia ornata ist von Müller beschrieben worden; von 170 erkrankten Rindern starben 20.
2. Die Hautdassel- odor Biesfliege (Oestrus sive Hypoderina bovis und Hypodcrma lineata) verursacht am lüiufigsten beim Rinde, seltener beim Pferde, Esel und Schafe, besonders auf Schulter, Kücken, Lenden, Kreuz, Brust die sog. Dasselbeulen. Dieselben entstehen in der Weise, dass das Weibchen der Biesfliego ihre Eier auf die Haut des Rindes legt, worauf sich aus denselben Larven entwickeln, welche die Haut in ihrer ganzen Dicke durchbohren und schliesslich ins Unterhautzellgewebe gelangen, wo sie ihre weitere Entwicklung durchmachen, etwa 0 Monate (Juli bis März) bleiben und in ihrer Umgebung Entzündung und Eiterung und schliesslich bis taubeneigrosse Geschwülste erzeugen (sog. Dasselbeulen). Sind die Larven reif geworden, so verlassen sie den sie beherbergenden, hinde-gewebigen, häutigen Sack unter der Haut, nachdem sie den schon vorhandenen Ausführungsgang mit dem Hintertheil entsprechend erweitert haben. Die Zahl der Dasselbeulen bei einem und demselben Thiere ist meist eine geringe, indess können sich bis zu 50, ja selbst bis zu 100 auf einer und derselben Haut befinden, was insofern eine Rückwirkung auf die Gesundheit der Thiere hat, als dieselben dabei häufig abmagern. Bei Annäherung der Biesfliegen zeigen die Kinder das sog. Biesenquot;: sie werden unruhig, springen wild umher, brüllen laut, richten den Schweif auf und suchen womöglich irgend ein Wasser oder den Stall zu erreichen. Die Behandlung der Dasselbeulen besteht im Ausdrücken der reiferen Larven oder Spalten mittelst des Messers. Die Prophylaxe in sorgfältiger Hautpflege, Entfernung der Eier, sowie Einreibungen der Haut an den oberen Theilen des Rumpfes mit Creolin, Theer, verdünnter Carbolsäure, Asa foetida-Lösung oder einer Wallnussblätterabkochung, und zwar insbesondere an gewitterschwülen Tagen vor dem Austreiben. Auch das Einreiben des Viehs auf dem Rücken mit Salz zur Fliegenzeit ist empfohlen worden.
Hinrichsen glaubt neuerdings die Larven der Dasselfliege in Form feiner Parasiten im Rückeninarkscanal des Rindes aufgefunden zu haben. Er ist der Ansicht, dass die Rinder die Eier der Dasselfliege mit dem Grase in sich aufnehmen und dass die Jungen Larven vom Magen und Darm aus nach dem Rückenmarkseanal gelangen, sich dort 56 Monate aufhalten und dann activ durch die Zwischenwirbellöcher bis unter die Haut wandern. Nach Hinrichsen soll sich die Larve bei 4050 Proc. aller Rinder, die im Sommer auf der Weide waren, besonders während der Monate December bis März, im Rückeninarkscanal vorfinden. Mittheilungen von Ruser und
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Läuse iiiul llaiirliiini.'.
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Home haben lt;l;is häutige Vorkommen der Larven im Kückenmurk bestätigt; letztem- nimmt im Gegensätze zu Hinrichsen die Invasion der Larven durch die Haut an.
Eine den Dasselbeulen des Kindes sehr ähnliche Hautkrankheit hat Kailliet beim Hunde durch Einwanderung der Larven von Ochromyia antbropophaga (vielleicht Larve der Menschenbieslliege, Dcrmatobia noxialis?) unter die Haut beobachtet. Die Erscheinungen bestanden in derben, linsen-gl'OSsen, bei der Berührung schmerzhaften Knoten, in deren Mitte eine cylindrische Oeffnung wahrzunehmen war. Nach Verlauf von (!7 Tagen erweicht der Knoten, erreicht dann die Grosse einer kleinen Nuss, worauf die Larve ausschlüpft. Die Knoten können ihren Sitz überall haben, bevorzugen indess Schwanz, Ohren und Pfoten. Auch hier ist die Entfernung der Larven das einzige Mittel zur Heilung. Bei Pferden sollen ebenfalls Fliegenlarvon in der Haut vorkommen (Hypoderma equi).
3. Die sog. Pliegenlarvenkranklieit der Lämmer ist namentlich in Holland bekannt und wird veranlasst durch die Maden von Muscadaesar (Lucilia Caesar, L. aericata, L. macellaria), Die Fliegen setzen dabei ihre Eier zwischen die Hinterbeine der an Durchfall leidenden Lämmer, worauf die Larven die dichter bewollten Stellen der Schwanzwurzel und Lendengegend aufsuchen sollen, wo sie, nesterweise unter der Wolle vegetirend, die Haut siebartig durchlöchern. Aeltere Thiere werden seltener ergriffen. Die Behandlung besteht in Entfernung der Maden, sowie im Auftragen von Carbollösung, Tabaksabkochung u. s. w. Von ganz besonderem Interesse scheinen gewisse Schmeissfliegen für die Trcpengegenden zu sein; nach der Schilderung von Prantzius (Virchow's Archiv, 43. Band) sollen daselbst Tausende von Kälbern durch die in den Nabel gelegten Maden und die sich daran knüpfenden Entzündungsvorgiinge zu Grunde gehen.
Die gegen die geflügelten Insecten auf der Haut im Allgemeinen anwendbaren Mittel sind Einreibungen von stark riechenden Flüssigkeiten, so von Creolin (2procentig), Asa foetida, Benzin. Petroleum, stinkendem Thieröl, Lorbeeröl, von Tabaks- und Welsch-n uss blätter ab kochung, von bitterschineckenden Losungen, /.. B. Abkochungen von Absynth, Enzian, Nuxvomica, Tanacetum. Auch der alkoholische Auszug des persischen Insecten pul vers soll sehr gute Dienste leisten.
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Läuse und Haarllnge auf der Haut.
Literatur. Eck, Centralmeitung für die ges. Veterinärmediein, 1852. S. 2. Mkn-kert, l'r. M., 1855/56. S. 148. Dinteh, S. J. B., 1864. S. 81. Schlug, Ibid., 1869. 8. 90. Steinhopp, W. f. Th., 1870. 8. 13. Zürn, DU thier. Parasiten, 1882. Tnn:nnv, liee., 1883. Nr. 6. Klemm, B. th. M., 1884. S. 10. Railliet, Klemmt* de zvoloy. medic., Paris 1885; Diet, vet., 1890. Puif.tsch, S,./. li., 1886. S. 91. Wilhelm, Ibid., 1888. S. 82. Zonx, l'reuss. Militär-Jtajipoiie, 1888.
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Läuse und Haarlinge.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; G.'i7
S. 114; '/.. f. Vet., 1889. S. 177. Neumann, Truitü des malad, parasit,, 1888. -Q-ross, /'. Mil. V. JJ. pro 1880. Tropimow, Charh. Vet., 1889. /'. Mil. V. /gt;'., 1891. S. 161. Dieokehhoff, Speo. Path., I. 1892. 8.550; 1894. S.802. Haübneh-SlEDAMOROTZKY, £. Th,, 1893. S. 808. Osborn, Am, ret. rev., XVI. S. 196. Llt.et, Jiec, 1893. S. 350. Felbaum, li. th. W,, 1893. S. 221. Kitt, l'ath.-anat. Dtagn,, 1894. S. 154. Schmidt, ((#9632;'. f. Th., 1895. S. 89. Müixebskowski, Z. f. Vet,, 1895. S. 117. ÜTHOPP, B. th. W., 1895. S. 349.
1.nbsp; nbsp;Die Läuse sind blutsaugende Parasiten, welche ihre Eier (Nisse) an die Haare des von ihnen bewohnten Thieres anheften. Die meisten Hausthiere haben ihre eigene Species, so das Pferd (Haema-topinus oder Pediculus equi resp. inacroeephalus), das Rind (llaenia-topinus eurysternus und tenuirostris), das Schwein (Uaematopinus suis oder urius), der Hund (Haematopinus piliferus), die Ziege (Haema-topinus stenopsis), das Kaninchen (Haematopinus ventricosus). Die bevorzugten Körperstellen sind der Hals und der Kücken, sowie die Sohwanzwurzel, beim Kinde sodann ausserdem die Umgebung der Hörner, sowie beim Schweine die Innenfläche der Hinterschenkel. Am häutigsten findet man Läuse beim Rinde, und zwar kommen sie hier auch bei sehr wohlgenährten Thieren vor, desgleichen beim Hunde; im Allgemeinen aber gedeihen sie besser auf schlechtgenährten, heruntergekommenen Thieren. Ihr Vorhandensein deutet immer auf eine verwahrloste Hautpflege hin. Die durch Läuse hervorgerufenen Erscheinungen bestehen in Juckreiz, Ausfallen der Ilaare, starker Abschuppung der Epidermis, sowie in zahllosen, den Haaren anklebenden Eiern (Nissen). Ausserdem verbreiten die Thiere oft einen sehr üblen Geruch und sind (namentlich Hunde bei längerer Dauer) über den ganzen Körper mit einer schmierigen, oder grindartigen Masse bedeckt.
2.nbsp; nbsp;Die Haarllnge sind keine Blutsauger, sondern Pelzfresser; ihr Kojrf ist im Gegensatze zu dem spitzen, saugenden der Läuse breit, schildförmig; sie leben von Epidermisschuppen und Haaren. Lieblingsstellen sind Kopf, Hals und Reine der Hausthiere. Man unterscheidet einen Hundehaarling (Trichodectes latus), Pferdehaar-ling (T. pilosus), Rinderhaarling (T. Scolaris), Katzenhaarling (T. subrostratus), Ziegenhaarling (T. climax) und Schafhaarling (T. sphaeroeephalus). Letzterer erzeugt bei Schafen einen sehr lebhaften Juckreiz, welcher den Verdacht auf Räude erwecken kann.
Von Arzneimitteln gegen Läuse und Haarlinge stehen folgende in gutem Rufe: 1. Die graue Quecksilbersalbe; dieselbe kann in kleinen Dosen bei allen Hausthieren angewandt werden, besonders aber beim Pferde, Schweine und Hunde. Auch beim erwach-
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Läuse und Haarlinse.
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senen Rinde, das bekanntlich gegen Quecksilberpräparate überhaupt sehr einpKndlich ist, haben wir durch Einreiben von ca. 5 g der grauen Salbe zwischen den Hörnern sehr gute Erfolge ohne irgend welche Vergiftungserscheimmgen beobachtet. Beim Plunde streicht man die Salbe in erbsen- bis bohnengrossen Mengen am besten unter das Halsband. Wir haben beim Hunde auch durch vorsichtige Waschungen mit Sublimatlösung (1 Proc), wobei immer nur kleinere Strecken auf einmal abgewaschen und nachher sorgfältig trocken gerieben wurden, ausserordentlich rasche Erfolge erzielt. 2. Das persische Insecteu-pulver, zwischen die vorher etwas angefeuchteten Haare eingestreut, ist indess für grössere Thiere meist zu schwach. 3. Tabaksab-kochungen, 4öprocentig, sind besonders bei Schafen und Hunden, weniger beim Pferd und Kind zu empfehlen; auch eine Art von Tabakslauge, die Xikotina, wird gerühmt. 4. Von Gross wird gegen die Läuse der Pferde besonders Creolin empfohlen; die Auftragung der 5procentigen Lösung erfolgt mittelst Bürsten; nach (i Tagen erfolgt eine zweite, nach weiteren 6 Tagen eine dritte Waschung; mit jeder Waschung muss eine gründliche Reinigung der Stallungen verbunden werden. Aus der grosseil Menge anderer Mittel mögen noch erwähnt werden Lysol, Benzin, Waschungen mit einer Abkochung von Stephanskörnern (Semin. Staphisagriae) in Essig (1:20), eine Mischung von gepulvertem Sabadillsamen, Stephanskörnern, weisser Nieswurz zu gleichen Theilen, Anissamen zu zwei Theilen, welche jedoch nur für grössere Thiere geeignet ist, Benzol mit grüner Seife, Spiritus oder Oel verdünnt, Carbolsäure in 5pro-centiger Losung, sowie in besserer Hundepraxis das ä t h e r i s c h e Anisöl, gemischt mit gewöhnlichem Oel oder in Spiritus gelöst (1 : 10). Die schon von Viborg und neuerdings von Schleg empfohlenen Arsenikwaschungen (Arsenik und Pottasche je 15 g, Wasser und Essig je l1.' kg) sind, mit Vorsicht angewandt, insbesondere bei grösseren Thieren mit sehr viel Läusen oder Haarlingen von sehr energischer Wirkung. Die von Eck empfohlene Brechnussabkochung ist als viel zu gefäbrlicli zu verwerfen. Auch das von Menkert angewandte sehr giftige Oleum animale foetidum lässt sich durch Creolin ersetzen. Thierry wendet gegen die Haarlinge der Schafe eine Mischung von gepulvertem Sabadillsamen und persischem Insectenpulver an. Gegen die Eier der Haarlinge kann man Waschungen mit Essig gebrauchen, wofern man ihre Entwicklung nicht erst abwarten will; sie werden dabei durch Auflösung ihrer Kalkschale getödtet. Endlich empfiehlt sich in hartnäckigen Fällen Abscheeren der Haare undDesinfection des Stalles.
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Diversu Hautsohmai'ützer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;639
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Diverse andere Hiiiitscliiiiiivotzer.
Literatur. I. Zecken. May, Mag., 1854. S.495. Revxai., Itec, 1854. Dekkeh, Hep., 1859. S. 237. MlSOKIN, Hec, 1866. - Baveb, Oe. V. S., 1878. - OoRTIOE, J. of comp., 1891. S.265 u. 313; 1892. 8. 1. Texas Agvie. Kxper. Stat. Hull., 1892. Jansox, /;. A,, 1893. S. 259. - Kitt, Path.-anat. Diagn., 1894.
II.nbsp; Vo golm i 1 b en. Prietsch, 8, ./. B,, 1808. S. 84. Trasbot, Bee, 1875. Q-ass-NEii, Ref. Jgt;. Z. f. Th., 1875. S. 437. - Steixbacii, J'r. M., 1875. S. 82. MflBIUS, S.J.H., 1880. S. 78. Stmilvm, B.th. M., 1885. SoHUMUGHER, Ibid., 1886. S. 204. OSTERTAG, Jiep., 1890. 8. 35. DlKCKBRHOFP, Spec. Talk., I. 1892. S. 552.
III.nbsp; Gras mil bo. Delapomd u. Bourguigxon, TraUv de lapsore, 1S62. Defranoe, Bull, soc, centr., 1866. Priedberoer, B. A., 1875; M. J. Ji., 1877/78. S. 122. Megnin, Annul, scienc. natur., 1876. OsOKOR, i)e. V. S., Bd. 57. S. 87. Pexxixg, Th. III. f. N. Ind., Bd. 5.
1.nbsp; nbsp;Flöhe kommen vor beim Hunde (Pulex canis), bei der Katze (Pulex felis) und beim Kaninchen (Pulex gonioceplialus). Sie sind Blutsauger, welche nicht bloss ihre Wirthe durch Juckreiz belästigen, sondern auch zu chronischen Hautausschlägen Veranlassung geben; ausserdem wird die Haut namentlich durch den Flohkoth verunreinigt, welcher sich oft ganz dicht, wie Kaffeesatz, zwischen die Haare eingestreut findet. Das beste Mittel gegen Flöhe ist das persische Insectenpulver (Flores Pyrethri), welches auf die Haut aufgepudert wird, nachdem dieselbe vorher behufs besseren Haftens des Pulvers schwach angefeuchtet ist. Dabei empfiehlt es sich, die Thiere nach dem Auftragen des Pulvers einige Zeit lang im Freien zu lassen, damit sich die durch das Mittel vertriebenen Flöhe nicht wieder nachträglich vom Stall oder Zimmer aus auf dieselben begeben können. Auch Waschungen und Bäder mit 2procentigem Creolinwasser sind sehr empfehlenswerth. Ein für die Hausthiere in Amerika und Afrika lästiger Parasit ist der Sandfloh (Sarcopsylla penetrans).
2.nbsp; nbsp;Die Zecken sind grosso, milbenähnliche Insecten, welche sich in Wäldern, Büschen und im Grase aufhalten, von hier aus die Hausthiere überfallen und sich in ihre Haut einbohren, um daselbst Blut zu saugen. Man unterscheidet die Hundezecke (Ixodes ricinus), welche aussei- beim Hunde auch beim Rinde und Schafe vorkommt, sowie die Ochsenzocke (Ixodes reticulatus), welche auf der Haut des Rindes und Schafes schmarotzt; die amerikanische Zecke (Ixodes americanus) soll in Amerika besonders Pferde befallen. Nach Janson werden die Zecken in Japan für die Pferde zu einer grossen Gefahr, indem ihnen jährlich viele Thiere daselbst zum Opfer fallen. Ueber die mit dem Texasfieber in ätiologischer Beziehung stehende Rinderzecke (Cattle Tick, Boophilus bovis, Ixodes annulatus) vergl. das Capitel Texasfieber im II. Bande. Die Behandlung bestellt in Auf-
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Diverse Hautsclmmrotzor,
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tragen von gewöhnlicheni fettem Oel, Creolinöl, Carbolül, oder von ätherischen Oelen (Terpentinöl, Anis-, Kümmel-, Fenchelöl), sowie in der Anwendung von Tabaksabkochungen, Petroleum u. s. w. auf die mit dem Kopfe in der Haut steckenden Parasiten. Ein gewaltsames Abreissen ist zu vermeiden, da hiebei die Köpfe in der Haut zurückbleiben.
3.nbsp; Lausfliegen (Pupipara) kommen als Parasiten vor beim Pferde (Hippobosoa equina, Pferdelausfliege) und Schafe (Melophagus ovinus, Schaflausfiiege, Scbafzecke, Schaftecke). Die Pferdelausfliegen sitzen in der Umgebung des Schwanzes und Afters, sowie am Unterbauche und erregen hauptsächlich durch ihr schnelles Hin- und Herlaufen, weniger durch ihr Saugen und Stechen, die Thiere, welche sehr unruhig werden. Die Schaf lausfliegen kommen vorwiegend bei Weideschafen vor, auf welchen sie Blut saugen; sie erzeugen ein lebhaftes Juckgefühl, in Folge dessen die Thiere sich reiben und scheuern und den Wollstapel beschädigen; ihre Excremente färben oft die Wolle grün. Mittel gegen die Sciiaflausfliegen sind Tabaksabkochung, Waschungen mit Creolinlösungen, Carbolsäurelösungen, sowie die graue Quecksilbersalbe, pro Stück zu 34 g längs des Kückens und unter dem Halse eingerieben; die Behandlung ist am erfolgreichsten nach der Schur.
4.nbsp; nbsp; Die Vogeluiilbe (Dermanyssus avium) lebt besonders auf Hühnern, Tauben, Schwalben und Stubenviigeln, sowie in deren Ställen, Nestern und Käfigen. Bei Nacht begeben sich die blutroth oder rothbraun gefärbten Milben auf die in ihrer Nähe befindlichen Hausthiere (Hinder, Pferde, Hunde, Katzen), avo sie sich auch dauernd niederlassen können und einen starken Juckreiz, sowie Hautausschläge erzeugen. So beobachtete Steinbach beim Pferde einen räudeähnlichen Ausschlag mit inselartigen Borken und Schrunden, der mit bedeutendem Juckreiz verbunden war; die Milben wurden dabei im Schopf, in der Mähne und in der Schweifwurzel aufgefunden; desgleichen sah Möbius bei 8 Kühen eine eigenthümliche Hauterkrankung mit runden haarlosen Stellen, welche seit 2 Jahren vergeblich behandelt wurde und erst nach Entfernung der im Stalle befindlichen Schwalbennester, dem Aufenthaltsorte der Vogelmilben, verschwand. Prietsch fand bei 2 Pferden eine grosse Anzahl wunder Flecken, namentlich am Halse und Kücken, welche von Haaren entblösst und theils mit kleienartigen Schuppen, theils mit dünnen Schorfen bedeckt waren; der Juckreiz war besonders Abends und in der Nacht ein ganz bedeutender. Nach Trasbot halten sich die Milben beim Pferde mit Vorliebe unter der
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Herbstgrasmilbe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;041
Decke auf. Beim Rinde können ausserdem die Vogelmilben durch ihre Ansiedlung im aussei-an Gehör gang zu einer Otitis externa (Gassner) und beim Eindringen in das Mittelohr zu eigenthümlichen Gehirnreizungserscheinungen Veranlassung geben. So beobachteten Stadler und Schuemacher bei wegen Tobsucht geschlachteten Rindern den äusseren Gehörgang, sowie auch die inneren Theile des Ohres ganz vollgepfropft mit Vogelmilben. (Vergl. auch die Hautkrankheiten des Gellügels.) Ostertag fand im Gehörgang einer Kuh. welche oft Stunden lang ununterbrochen den Kopf schüttelte, eine der vorigen verwandte Milbe, Gamasus auris. Die Behandlung besteht in der Entfernung von Hühnerställen, Schwalbennestern etc. aus den Aufenthaltsräumen der betroifenen Hausthiere, sowie in Anwendung milbentödtender Mittel (Creolin, Carbolsäure u. s. w.); ausserdem ist eine gründliche Untersuchung und Reinigung des Stalles anzuempfehlen.
5. Die Herbstgrasmilbe (Leptus autumnalis) hat ihren Aufenthalt in dürrem Grase, im schnittreifen Getreide, sowie auf Hollunder- und Johannisbeersträuchern und gelangt von hier zuweilen auf Hunde und Pferde, wo sie einen pustulösen Hautausschlag, besonders am Kopfe, in der Umgebung der Schnauze, der Ohren und Augenlider, sowie auf der Innenfläche der Hinterfüsse, an den Genitalien hervorruft. Die localen Veränderungen bestehen in anfangs umschriebenen, mohnsamen- bis hanfsamengrossen rothen Punkten, welche sich bei genauer Untersuchung als Knötchen oder Pusteln erkennen lassen, denen eine Anzahl der rothgefärbten Milben aufsitzt; bei Druck lässt sich aus denselben bald eine blutige Flüssigkeit ausdrücken. Später vergrössern sich diese Stellen zu markstückgrossen, kahlen oder nur massig behaarten Flecken, indem die Haut hyperämisoh und empfindlich wird, und die Haare in der Peripherie ausfallen; meist ist gleichzeitig ein massig starker Juckreiz vorhanden. Der Ausschlag kann mehrere Wochen lang andauern, lässt sich jedoch durch Einreiben einer Creolin-salbe oder Oarbolsalbe, sowie von Creolin- resp. Carbolglycerin leicht beseitigen. Eloire hat die Milbe auch bei Hühnern beobachtet. Nach Megnin bildet die Herbstgrasmilbe die Jugendform ((ibeinige Larve) der Sammetmilbe, Trombidium holosericeum. Dieselbe soll ferner die Ursache des vesiculären Ekzems der Traubenkamm kr ankheit sein und auch sonst bei Hunden, Rindern und Pferden Hautausschläge mit starkem Jucken bedingen. Sie wird angeblich auch auf den Blättern
des Buchweizens gefunden.
Friedbergei u. Frölmer, Pathol. u. Therapie d. Hausthioro. I. Bd. #9632;!. Aull. 41
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Räude des Geflügels.
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A n li a n g.
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Die thierisch-parasitären Hauterkrankungen des Geflügels.
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Die Künde des Geflügels.
Literatur. I. Dorma tory k tcsr Uud o. Robin u. Lanqietix, Compt. rend. Ac. so,, 1859. Rbynal u. Lanquktin, liec, 1861 u. 1869. UNTKRDERGEn, Rep., 1865. S. 12. GrEiii.Acn, AlU/cin. Therapie, 1808. S. 577. FüBSTENBERG, Mitth. aus dem naturwiss. Vereine für Vorpommern, u. Rügen, 1870. S. 56. Sieda.mguotzky, ä ,/, B., 1871. S. 92; 1877. S.66. Zünx, Oe, lanäw, Woohenbl, 1876; Krkhtn. d. Haus-geflüads, 1882. S.55; D.Z.f. Th., 1883. S. 197. Ehleiis, Zeitsohr. f. Zool., 23. Bd. Megnin, Les parasites et /es maladies parasitaires, Paris 1880. FniEDBEiiGER, D. Z. f. '1%., 1881. S. 281; M. J. 1)., 1886/87. S. 86. Nörner, Oe. V. S., 1882. S. 113. Railliet, Bull. soc. centr., 1885; Bu/l. de la soc. zooloi/ique de France, 1887. Oarnbt, liec., 1892. Nr. 5. SchXper, B. A., 1894. S. 350.
11. Dormatophagusräudo. Oapariki, Bull, veter., 1880; Ref. im 'i'/(/^., 1880. S. 187. Priedberoer, 1). Z. f. Th., 1881. S. 281. Troüssart u. Neumann, Bull, de la sac. d'etudes scientif. d'Angers, 1887; Bec, 1891. Sohxle, Leipz. GeßiUjel-hörse, 1890.
Ujjter der grossen Zahl von tliierischen Ectoparasiten, von denen das Hausgeflügel heimgesucht wird, spielen die Riludemilben eine Hauptrolle, und zwar sind insbesondere 2 Räudeformen zu unterscheiden:
1.nbsp; Die durch Dermatoryktes mutans (Ehlers) erzeugte Räude, eine Sarcoptes-ähnliche Milbe, welche früher auch Sarcoptes mutans (Robin), Sarcoptes avium (Gerlach) oder Knemidocoptes viviparus (Fürstenberg) genannt wurde.
2.nbsp; Eine Dermatophagus- oder Symbiotesräude, durch eine von Caparini entdeckte Milbe (Dermatophagus gallinarum) veranlasst. Nach Troüssart und Neumann ist diese Milbe identisch mit Epi-dermoptes bilobatus und bifurcatus (Rivolta).
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I. Die Dermatoryktesräude wird durch eine der Sarcoptesmilbe der Säugethiere sehr ähnliche, aber nicht identische Milbe hervorgerufen , welche sich von den Sarcoptiden besonders durch den abweichenden Bau der Scherenkiefer unterscheidet. Die Weibchen sind grosser als die Männchen (0,4 mm lang) und haben eine nahezu kugelrunde Gestalt. Die Männchen sind mehr länglich oval (0,2 mm lang). Die schmutziggelben Milben haben im erwachsenen Zustande 4, im Larvenzustande 3 Fusspaare; am After besitzen sie 2 lange Haare. Die Dermatoryktesmilbe ist, wie der Name besagt, eine grabende
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Räude des Geflügels.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 643
Milbe, welche sich Gänge unter der Epidermis bohrt. Sie wurde 1859 entdeckt von Robin und Lanquetin. Am häutigsten wird das Huhn von der Räude befallen, und zwar die importirten Rassen immer stärker als die inländischen. Indess kann die Milbe auch auf andere Vögel, /. B. Tauben oder exotische Vögel, übergehen; Megnin hat sie auch bei Puten, Fasanen und bei Singvögeln getroffen. Ostertag (mündliche Mittheilung) beobachtete die Uebertragung der Derma-toryktesmilben bei einem Pferde. Bei der Taube hat zuerst Railliet (1885) unter dem Namen Sarcoptes iaevis var. columbaequot; eine liäudemilbe beschrieben, welche der Dermatoryktes mutans ausser-ordentlich ähnlich ist. Tu neuerer Zeit (1887) beschreibt er nebst dieser eine zweite Varietät (Sarcoptes Iaevis var. gallinaequot;), welche er bei der Häude der Hühner antraf. Sicher handelt es sich bei der von Friedberger (1886/87) beschriebenen Dermatoryktes-milbe der Taube um dieselbe Railliet'sche Milbe, welche bei der grossen Variationsfähigkeit dieser Art möglicher Weise identisch mit der Dermatoryktesmilbe ist. Nach Railliet ist die betreffende Fuss-räude wenig ansteckend.
Die Erscheinungen der auch als Fusskriltzequot; oder Kalk-beinequot;, wohl auch als Fischschuppenkrankheitquot; der Hühner bezeichneten Krankheit sind folgende. In der Hauptsache localisirt sich die Räude auf die Beine, kann jedoch offenbar durch das Kratzen und Picken der erkrankten Thiere auch auf den Kopf (Kamm, Kehllappen , Schnabel) und Hals übertragen werden. Im Beginne beobachtet man zunächst auf der Vorderfläche der Extremitäten (den Mittelfuss- und Gangknochen entsprechend) kleine, weisslichgraue Flecken, die sich vergrössern und zu kreis- oder zickzackförmigen Krusten anwachsen. Später wird die Vorder- und Hinterfläche mit unebenen, höckerigen, gelblichgrauen Borken bedeckt, welche sehr porös und rissig sind, bis zu 1 cm dick werden können und ein blätteriges Gefilge besitzen, wobei die einzelnen Blätter einen fettigen, perlmutterartigen Glanz haben und sich auch fettig anfühlen. Die Beine sind durch die Borkenauflagerung oft unförmlich verdickt, die hornigen Fussschienen haben sich losgelöst und stehen weit ab, die Haut erscheint wie mit Kalk oder Lehm überzogen (sog. Kalkfüsse). Unter den Borken, welche in der Hauptsache aus Epidermisschuppen, eingetrockneten Entzündungsproducten und Milben bestehen, ist die Haut höher geröthet, geschwollen, eiterig infiltrirt und leicht blutend. Gewöhnlich besteht ziemlich starker Juckreiz; die Thiere hacken mit dem Schnabel in die Borken, reiben und scheuern
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-Riiuclo des Geflügels.
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sich. Bei höheren ünidcu des Leidens sind die llühnei' am Liiufen verhindert und können selbst nicht einmal stehen, sondern hocken auf der Unterbrust; späterhin stellt sich ferner Abimigorung und Kachexie und in sehr schweren Fällen der Tod ein.
Die Behandlung- der Dermatoryktesriiude besteht in der Entfernung der Käudeborkon nach vorhergehender Aufweichung mit Glycerin oder Schmierseife, sowie Einreiben von Creolin-, Carbol- oder Kreosotsalbe (1 : 10 20), Theer, J'erubalsam, Styrax, Helmerich'scher Schwefelsalbe u. s. w. Ausserdem muss gleichzeitig eine Desinfection der Stallungen und Sitzstaugen vorgenommen werden.
II. Die Dermatophagusräüde des Geflügels befällt besonders den Mals und die Brust, kann sich aber auch rasch über den ganzen Körper, selbst über den Kamm und die Kehllappen verbreiten. Die Haut bedeckt sich dabei mit dünnen, durchscheinenden, strohgelben Epiclermisschuppen, welche sich schichtenweise über einander lagern und allmählich zu dicken, schmutzig gelbgrauen, trockenen, brotteig-ähnlichen Borken anwachsen. Unter den Borken ist die Haut hyper-ämisch; Juckreiz fehlt. Die Dermatophagusräüde führt bald zu Abmagerung und Entkräftung, sowie häufig zum Tode der erkrankten Thiere. Die Behandlung ist dieselbe wie bei der vorigen lläude-form. Friedberger beobachtete eine Complication der Derma-toryktes- und der Dermatophagusräüde auf einem und demselben Thiere.
Unter dem Namen Sarcoptescysticola(Ijaiinrioscoiitesgalliiiiimiii s.cysti-cola, Sympleotoptes, Bindegewebsmilbe) ist von verschiedenen I3cobachtoni eine sarcoplcsähnliche Milbe boschrieben worden, welche in Kapseln eingeschlossen in Form von weisslichen oder gelblichen ovalen Knotchen in der Haut, im Unterhaut/.ellgewcbe, im intermusoulären Bindegewebe, sowie auf den serösen Häuten der Organe in der Bauchhöhle angetroffen wird; auf der Haut verursacht sie zuweilen einen räudoartigen Ausschlag (Unter-berger).
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Diverse andere durch thierisehe Parasiten erzeugte Haut affect ionen des Oeflügels.
Literatur. Caussk, J. du Midi, 1850. Megnin, Maladies des oiscaux, 1877. Zükn, Die, Krkhtn. d. ßauspe/?., Weimar 18821 Der Kanarimsüehter, 1893. Nörner, Oe. V. ,% 1882; Verhmcuungen der Je. k.zoolog.-hotan. Gesellsehafl in Wien, 1882. Wadikowski , lief. Ellenborgcr-Schütz, Jahresher., 1885. S. 161. Neumann, Tratte des maladies parasitaircs, Paris 1888. Ei.ofbk, Hec, 1891. Nr. 10. Alt, Rundschfiu, 1892. Nr. 23. LutiET, Oar.net, liec, 1893. Kitt, l'ath.-anat. Difign., 1894. S. 160.
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Milben beim Geflügel,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;045
Von den verscliiedenen thierischen Parasiten, welche die Haut des Geflügels bewohnen und tlieils zu liauterkrankungen, theils zu Schädigungen dos Gefieders Veranlassung geben, mögen nur die folgenden genannt sein:
1.nbsp; nbsp;Die Federbalgmilbe der Haustaube (Ifarpirhynchus nidu-lans) lebt in den Federbälgen, welche dadurch zu gelben, erbsen-bis bohnengrossen Kapseln oder Cysten aufgetrieben werden, sowie in bindegewebigen Cysten der Haut, besonders an der Unterbrust und unter den Flügeln. Der Inlialt der knollenartigen Auftreibungen besteht fast aus lauter Milben, welche zu Hunderten in einer Cysto angetroffen werden; sind sehr viele Milbenkapseln auf der Haut vorbanden, so magern die Tbiere ab und gehen zu Grunde.
2.nbsp; Die wunufömige Taubenmilbe (Hypodectes columbarum) findet sich im Unterbautzellgewebe, auf den serösen I läuten der Bauchhöhle, sowie im Bindegewebe der Aorta und stellt die Larve oder Nymphe von Falciger rostratus dar; sie erzeugt auf der Haut Störungen der Mauserung und Federbildung, sowie leichte entzündliche Zustände.
3.nbsp; nbsp; Die Federspuliallbe des Huhns und der Taube (Syringo-pbilus bipectinatus) lebt in den Kielen der Schwanz- und Flügel-federn und verursacht Deformitäten der Spulen, Ausfallen der Federn und unregelmässige Mauserung. Die Federn haben ein krankes, mattes, glanzloses Aussehen und sind an der Spitze der Spindel meist gekrümmt; die Spulen sind nicht mehr transparent und mit einem schmutzig gelbgrauen, pulverartigen Inhalte angefüllt. Weiteren Schaden erzeugen die Milben offenbar nicht; über die Häufigkeit, ihres Vorkommens gibt eine Angabe von Heller Aufschluss, wonach in Schleswig-Holstein 7090 Proc. aller Hühner mit Syringophilus bipectinatus behaftet sein sollen. Beim Pfau findet sich Syringophilus uncinatus.
4.nbsp; nbsp;Die Federmilbe der Tauben (Zürn) lebt zwischen den Federn oft in sehr grossen Mengen und kann zu Abmagerung und selbst zu tödtlicher Entkräftung Veranlassung geben. Zürn verrnuthet auch, dass der sog. Grind der Tauben am Vorderkopfe durch diese Milbe erzeugt wird. (Dieselbe gehört wohl zu den Federungen.)
5.nbsp; nbsp;Die von Nörner im Inneren der Federspulen der Hühner entdeckte Milbe Anaiges minor ist vollständig unschädlicher Natur und
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Blilbcn beim Gofliinfol.
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verändert die Spulen nicht- im geringsten; sie ist daher mehr von wissenschaftlichem, als von praotisoheil) Interesse.
(gt;. Die gemeine Vogelmilbe (Dermanyssus avium) gehört als blutsaugende Milbe zu den lästigsten und gefährlichsten Hautparasiten des GeHügels; sie kommt besonders bei Hühnern und Tauben, sowie bei Stubenvögoln vor, welche sie indess meist nur zur Nachtzeit atta-(juirt (sie geht ausserdem auf Pferde, Hunde, Binder, Katzen und selbst den Menschen über). Der Aufenthalt der Milben bei Tage sind die Spalten und Hitzen des Fussbodens, der Wand, der Käfige, ausserdem die untere Seite der Sitzstangen. Die Beunruhigung des Geflügels durch die nächtlichen Parasiten ist eine sehr bedeutende; ausserdem können besonders jüngere Thiere in Folge des Blutverlustes zu Grunde gehen, ältere werden anämisch und magern ab. Zürn fand, dass die sog. Fresssucht oder Fresskrankheit der Kanarienvögel auf massenhafte Ansiedlung von Vogelmilben zurückzuführen war. Auch in der Nasenhöhle findet man oft Vogelmilben, woselbst sie einen Katarrh der Sehleimhaut erzeugen, an dem jüngere Thiere selbst erliegen können (Zürn)) desgleichen hat man sie im Gehörgange angetroffen.
7.nbsp; Die Herbstgrasmilbe (Leptus autumnalis) kommt nach Eloirc auch bei Hühnern vor. Die Milben bohren sich am Grunde der Federn in die Haut und erzeugen rotho Pünktchen und kleine Pusteln. In Folge des starken Reizes können sogar epileptiformc Anfälle auftreten. Junge Hühner schreien, schlagen mit den Flügeln um sich, fallen zu Boden und sterben meist schon nach wenigen Tagen. Aeltere Hühner sterben an Anämie.
8.nbsp; nbsp;Die Taubenzecke (Argas marginatus s. refloxus) belästigt namentlich in Prankreich und Italien durch Blutsaugen die Tauben bei Nacht und kann sie dadurch selbst tödten. Sie producirt ein Tox-albumin, welches Aehnlichkeit mit dem Gift der Kreuzotter und Puffotter besitzt. Zuweilen belästigt sie auch durch Bisse den Menschen (Alt).
9.nbsp; nbsp;Die Federlinge sind flügellose Mallophagen (Pelzfresser) und entsprechen den Haarlingen der Säugethiere; sie nähren sich aus-schliesslich von Federn und Epidermisschuppcn, können sich jedoch mit ihren Fresswerkzeugen in der Haut festsetzen. Ueber die einzelnen Familien und Gattungen vergl. Zürn, Die Krankheiten des Hausgeflügels. In grosser Anzahl können die Federlinge Ernähnuigs-
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Milbon beim Geflügel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; G47
Störungen ihrer Wirthe bedingen; auf kranken Tliieren vermehren sie sich meist rasch.
10.nbsp; Der Vogelfloli (Pulex avium) belästigt besonders Tauben.
11.nbsp; Auch Wanzen (Acantli ia lectuaria) können sich von Betten aus auf Geflügel und Tauben verbreiten (Lucet).
12.nbsp; Endlich sollen Käferlarven (Tenebrio molitor, Dermestos lardarius, Necrophorus, Silva) Tauben attaquiren und denselben sogar todtbringende Verletzungen beibringen (Kitt).
Zur Vertreibung dieser verschiedenen Parasiten wird eine Anzahl von Mitteln empfohlen. Nach Zürn sind gegen Federspul-milbon und Federmilben ätherische Oele (Anisöl, Rosmarinöl) mit 1 : 2050 Wasser oder Oel verdünnt, desgleichen Perubalsam oder Styrax (1 : 4 Spiritus) neben möglichster Reinlichkeit, sowie reichlichem Vorrath an Sand anzuwenden. Auch Besprengen des Gefieders mit '/a Iprocentigem Creolinwasser ist ein sehr wirksames Mittel. Gegen die Vogelmilbe bedient man sich des persischen Insecten-pulvers oder des Einhlasens von sublimirtem Schwefel, oder Waschungen mit verdünntem ätherischem Anisöl. Ausserdem müssen die Spalten und Ritzen des Holzwerkes, die Sitzstangen u. s. w. Morgens mit Creolin, Carbolsäure oder Petroleum bestrichen und der Stall womöglich mit heissem Wasser, dem eine geringe Menge ätherischen Anisöles beigemischt ist, ausgescheuert werden; gemauerte Ställe sind mit Kalk öfters frisch zu weissen, Vogelbauer auszubrühen. Gegen Federlinge empfiehlt sich ebenfalls das persische Insectenpulver, sowie irgend ein ätherisches Oel; auch Abkochungen von Anis, Petersiliensamen etc. können verwendet werden. Ausserdem soll man den Thieren hinreichend Gelegenheit geben, sich im Sande zu baden, wodurch ihnen ermöglicht wird, sich der Parasiten zu entledigen; am besten wird dabei der Sand mit Asche gemischt, welche auch mit Vortheil für sich allein in die Fussböden der Ställe eingestreut wird. Endlich wird gegen die Vogelmilbe empfohlen, die Sitzstangen durch Oelnäpfe zu isoliren, welche sich an den Trägern befinden und in denen die Enden der Sitzstangen ruhen. Auch durch das Ueberhängen eines Taschentuches über das Vogelbauer beim Dunkelwerden und die Wiederabnahme desselben in der Morgendämmerung sollen sich die Milben fangen und beseitigen lassen.
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Krankheiten der Bewegun^sorgane.
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Muskelrheumatisinus.
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Allgemeines über Rheumatismus. Unter der Bezeichnung IMieumatisnmsquot; hat man von jeher alle Erkrankungen der Bewegungsorgane zusammengefasst, die durch Erkältung entstanden sind, und mit lebhaftem, sowie eigenthümlicher Weise häufig wanderndem Schmerzgefühl verlaufen, in Folge dessen es zu schweren Bewegungsstörungen seitens der befallenen Organe kommt; von den letzteren sind besonders zu nennen die Muskeln, Aponeurosen, Sehnen und Sehnenscheiden, das Periost, sowie die Serosa der Gelenke. Indessen ist die Zusammengehörigkeit aller dieser rheumatischenquot; AfFectionen offenbar nur eine äusserliche; ebensogut könnten auch andere Erkältungskrankheiten, wie die rheumatische Peritonitis, Pleuritis, Kolik dem Begriffe Rheumatismus untergeordnet werden. Vor Allem aber spricht gegen
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MuHkeh'heumatismus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(349
die Beibehaltung der Krankheitsgruppe als solcher der Umstand, dass die Erkältung nach neueren Beobachtungen nicht als ausschliessliche Ursache dieser rheumatischenquot; Krankheiten der Bewegungsorgane angenommen werden kann; ein Theil derselben ist höchst wahrscheinlich infectiösen Ursprungs, Es empfiehlt sich daher eine Trennung in der Weise, class man als wirklich rheumatische, d. h. durch Erkältung hervorgerufene Krankheit nur noch den Muskelrheumatismus aijffasst, während der Gelenkrheumatismus, als offenbar infectiöses Leiden, gesondert besprochen werden muss. Dabei darf allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass bei unseren Hausthieren eine so sichere und leichte Unterscheidung des Muskelrheumatismus und Gelenkrheumatismus, wie beim Menschen, in vielen Fällen nicht möglich ist. Einerseits ist nämlich die Diagnose besonders des Muskelrheumatismus wegen des Fehlens aller subjectiven Symptome oft ausserordentlich erschwert; andererseits kommen bei den Hausthieren Complicationen der beiden Krankheiten viel häufiger vor als beim Menschen. Neben der Verschiedenheit in ätiologischer Beziehung bedingt sodann die Verschiedenheit des Processes selbst eine gesonderte Darstellung. Der Muske 1 rheumatismus ist als eine Muskelentzündung (Myositis rheumatica) aufzufassen, während der Gelenkrheumatismus eine Entzündung von Gelenken (Polyarthritis serosa) darstellt. Beide Krankheiten haben also ausser den Bewegungsstörungen und Schmerzen gar nichts mit einander gemein.
Aetiologie. Der Muskelrheumatismus oder die rheumatische Muskelentzündung kommt am häufigsten beim Pferde, Hunde und Rinde, aber auch nicht selten bei Schafen und Schweinen vor. Unter 70,000 der Berliner Hundeklinik in den Jahren 188604 zugeführten kranken Hunden waren nahezu 1500 = 2 Proc. mit Muskelrheumatismus behaftet. Als Hauptursache wird allgemein eine Erkältung angenommen. In erster Linie beschuldigt man eine feuchte kalte Witterung, kalte Winde und Zugluft, schlecht verwahrte Stallungen, nasse Weiden, rasche Abkühlung des Körpers nach vorhergehender starker Erhitzung u. s. w. Im Gestüte Mezöhegyes kommt beispielsweise der acute Muskelrheumatismus ausschliesslich im Frühjahr und Herbst in Folge von Erkältung in seuchenartiger Verbreitung bei 122jäHrigen Fohlen vor (Tatray). Bei Schafen sind ferner zu kalte Bäder, sowie der Aufenthalt im Freien während sehr kalter Nächte, bei Hunden eine kalte Lagerstätte, sowie das Apportiren aus kaltem Wasser die Veranlassung des Muskelrheumatismus, welcher aus
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Muskolrheumatismus.
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diesem Grunde auch am häufigsten während der kälteren Jahreszeiten zu beobachten ist. Eine Prä disposition findet sich bei sehr verweichlichten und jugendlichen Thieren, so bei zarten Merinolämmern, ferner bei Thieren, welche längere Zeit in warmen Stallungen gestanden haben oder bei geringer Bewegung zu intensiv gefüttert worden sind; aus dem letzteren Grunde findet man den Muskelrheumatismus beispielsweise auch sehr häufig bei fetten Hunden. Ausserdem bedingt das einmalige Ueberstehen der Krankheit eine erhöhte Disposition für dieselbe. Die Art und Weise der Entstehung des Muskelrheumatismus durch Erkältung ist noch nicht genügend aufgeklärt. Wahrscheinlich wird der Kältereiz von den Temperaturnerven der Haut reflectorisch auf die Nerven der Muskel und Muskelgefässc übertragen und erzeugt zunächst Cir-culationsstörungen, sowie Veränderungen in der Zusammensetzung der einzelnen Muskelfasern, welche schliesslich den Charakter einer ausgesprochenen Muskelentzündung annehmen; diese Erklärung stützt sich auf die physiologische Thatsache, dass der Stoffumsatz in den Muskeln schon normal bei Einwirkung von niederen Temperaturgraden auf die Haut gesteigert wird.
Aeltere Theorien. Die frühere Annahme, wornach es in Folge der Erkältung zu einer Unterdrückung der Hautausdtinstimg mit Zurückbleiben gewisser scbildlicher Stoffe (Schlacken) im Blute und im Anschlüsse an diese Blutdyskrasie zu entztindlichen Veränderungen in den Muskeln komme, ist nicht mehr aufrocbt ZU erhalten. Ebensowenig erscheint die Hypothese einer vermehrten M i 1 c h s ä u r e b i 1 d u n g im Muskel als Mittelglied zwischen Erkältung und Muskelaffection berechtigt; weder durch experimentell herbeigeführte Unterdrückung der Plautthätigkeit (Firnissen), noch durch künstliche Einverleibung von Milchsäure hat man bis jetzt Bheumatismus erzeugen können. Aucb die Auffassung des Muskelrheuma-tismus als eines rein neuropathologischen Processes, einer Muskolneuralgie, ist durch den Nachweis entzündlicher Veränderungen im Muskel selbst widerlegt, wenn auch zugegeben werden muss, dass unter dem Namen und Krankheitsbilde des Muskelrheumatismus häufig noch verschiedene andere, z. B. neuralgische, traumatische, circulatorische Störungen mit untergelaufen sind. Offenbar kann eine der rheumatischen Myositis klinisch vollkoinmen gleiche Muskelentzündung auch durch Ucbcranstrengung hervorgerufen werden: eine derartige traumatische Muskelentzündung darf jedoch in Wirklichkeit mit dem Muskelrheumatismus nicht identificirt werden. Allerdings ist es nicht immer sehr leicht, die beiden diagnostisch aus einander zu halten. Von Leube (D. med. Woch., 1894. Nr. i) wird der Muskolrheumatismus neuerdings für ein infectiöses Leiden gehalfen.
Anatomische Veränderungen. Gar nicht selten findet man in den vom Rheumatismus befallenen Muskeln keine Spur von pathologischen Veränderungen, dies jedoch nur in leichteren Fällen, in
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Muskclrhcumatismus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;651
welchen die während dos Lebens vorhandene Hyperämie oder gering-gradigo Entzündung nach dem Tode nicht mehr erkennbar ist (ähnlich dem Verschwiiulen leichterer katarrhalischer Affectionen auf Schleimhäuten nach dem Tode). Bei höheren Graden der Erkrankung bieten sich jedoch die ausgesprochenen Erscheinungen der Muskelentzündung dar: Hyperämie, H äinorrhagien, seröses Exsudat im inter-stitiellen Bindegewebe (Perimysium intornum), Erweichung, Verfärbung, Zerfall der Muskelfasern. Bei einem Hunde fand Siedamgrotzky sänuntliclie Aponeurosen stark ramiform geröthet und serös durchfeuchtet, die Muskulatur hellroth, die Capillaren in-jicirtj bei einem anderen mit chronischem liheumatismus der Kaumuskeln behafteten Hunde eine hochgradige interstitielle chronische Myositis in sämmtliclicn Kaumuskeln. Bruckmüller sah ebenfalls das intermuskuläre Bindegewehe serös durchfeuchtet und von einer röthlichgelben, gallertigen Flüssigkeit angefüllt, die Muskelfasern waren bleich, ohne Querstreifung und fettig degenerirt. Bei längerer Dauer des rheumatischen Processes kann es schliesslich zu entzündlichen Bindegewebswucherungen im Muskel kommen, wobei sich die sog. rheumatischen Schwielen, d. h. Einlagerungen von Bindegewebs-streifen, bilden; ausserdem tritt zuweilen eine hochgradige Muskel-atrophie in den befallenen Muskeln auf.
Symptome. A. Beim Pferde. Die Erscheinungen des Muskel-rheumatismus sind beim Pferde meist auf einzelne Muskelgruppen, besonders die der Extremitäten beschränkt, seltener befällt das Leiden die ganze Körpermuskulatur. Hie Thiere zeigen plötzlich eine steife gespannte Haltung und Bewegung der betroffenen Körper-theile, namentlich der Extremitäten, sind schwer zum Aufstehen und zum Zurücktreten zu bringen, machen nur kurze Schritte, wobei die Gelenke nicht gebeugt, sondern möglichst offen gehalten werden; die Bewegung selbst ist häutig von einem eigenthümlichen, lauten Knacken der Gelenke begleitet. Die erkrankten Muskeln fühlen sich schmerzhaft und derb an; zuweilen findet man ihre ganze Umgebung im Zustande einer ödematösen Schwellung.
Charakteristisch ist ferner das üeb er springen des Rheumatismus von einem Körpertheil auf den anderen, z. B. von einem Vorderbein auf ein Hinterbein, wobei der erst erkrankte Theil auffallend rasch wiederhergestellt sein kann, die ausgesprochene Neigung zuRccidiveu, sowie die Besserung, ja selbst das völlige Verschwinden der Krankheit nach längerer Be-
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Muskeli'lieumatismus.
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wegung. Am häufigsten wenlen die Scliult er mus kel n (rheumatische Schulterliihmheit, Omodyuia rlieumatica), sowie die Muskeln der Lendengegend (rheumatische Kreuzlahme, Lendenweh, Lumbago) ergriffen. Bei Affection der Schulter ist die Bewegungsfähigkeit derselben, besonders das Hochheben und Vorwärtsführen der Gliedmasse (Rheumatismus des Sternocleidomastoideus) gehemmt, der Schritt wird kürzer, die Thiere gehen sohulterlahmquot;, schleppen beim Zurücktreten das Bein nach und lahmen stärker beim Bergaufgehen, auf weichem Boden, sowie beim vorwiegenden Erkranktsein der vorgreifenden Muskeln in der Volte mit dem kranken Beine auswärts. Die rheumatische Kreuzlähme ilussert sich in steifer Haltung, Empfindlichkeit und Schwäche der Lendengegend, schleppendem Gange, erschwertem Aufstehen, ja selbst in völligem Unvermögen der Nachhand zum Stehen, Zusammensinken des Hintertheils, sowie Unfähigkeit der Thiere, sich von selbst wieder zu erheben. Audi die Muskeln in der Umgebung des Hüftgelenkes können rheumatisch erkranken (rheumatische Hüftlahmheit), wodurch ein schleppender Gang mit geringerer Beugung und Vorwärtsbewegung des betroffenen Hinterbeines, sowie Zusammenknicken desselben bei einseitiger Belastung bedingt wird. Ob beim Pferde auch ein Rheumatismus der Intercostalmuskeln (Pleuro-dynia rheumatica), wie beim Menschen, vorkommt, ist bei dem Fehlen jeglicher subjectiver Symptome schwer zu entscheiden. Neben diesen localen Erscheinungen beobachtet man bei ausgebreiteterem Muskelrheumatismus mittelhochgradiges Fieber (wir constatirten z.B. 40,1deg;C), sowie vermehrte Puls- und Athemfrequenz; dagegen fehlt jedes Fieber bei Beschränkung des Processes auf einzelne Körpertheile, und es ist hier nur der Puls etwas beschleunigt und zuweilen abnorm hart. Schwere Fälle von Muskelrheumatismus compliciren sich zuweilen mit anderen Erkältungskrankheiten, so mit Katarrhen des Rospirations-und Digestionsapparates, mit Kolik, Pleuritis, Sehnenaffectionen, Hufrehe und, wenn auch selten, mit Gelenkrheumatismus. Dadurch wird natürlich das Krankheitsbild ein wesentlich anderes und der Ausgang kann selbst ein tödtlicher sein.
Der Verlauf ist sehr häufig ein acuter und zeichnet sich in diesem Falle durch oft plötzliches Verschwinden der schwersten Krankheitserscheinungen, sowie eine ziemlich kurze Dauer der ganzen Krankheit aus; nach wenigen Tagen bis längstens einer Woche ist Heilung eingetreten. Doch bleibt immer eine Neigung zu Reeidiven zurück. Der Muskelrheumatismus verläuft indess gern auch chronisch und kann ein äusserst hartnäckiges, schwer zu bekämpfendes Leiden dar-
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stellen, das sich über Wochen und Monate hinzieht; es gilt dies besonders von manchen Schulter- und Lendenlahmheiten. In vereinzelten Fällen von schwerem, allgemeinem Rheumatismus kann beim Pferde der Tod eintreten.
B.nbsp; nbsp; Beim Binde tritt der Muskelrlieumatismus so ziemlich in derselben Weise auf, wie er beim Pferd beschrieben wurde, nur sind Complicationen mit Gelenkrheumatismus häutiger. Die Lieblingsstellen sind auch hier die Schultern und die Lendengegend; bald werden nur einzelne Extremitäten, bald fast alle Muskeln des Körpers befallen, so dass die Thiere oft ganz steif dastehen, stöhnen und weder den Hals noch die Beine zu bewegen im Stande sind. Zuweilen ähnelt das Krankheitsbild dem der Genickstarre. Die ergriffenen Muskeln fühlen sich ebenfalls gespannt und schmerzhaft an. Die Inncntempe-ratur ist bei acuten Anfällen fieberhaft gesteigert (4041deg; C), die Athmung in einzelnen Fällen ganz auffallend angestrengt. Bezüglich des Verlaufes ist zu bemerken, dass der Muskelrheumatismus des Rindes häufig chronisch wird. Schwere acute Fälle können indessen auch rasch zum Tode führen.
C.nbsp; Beim Hunde iooaliairt sich der rheumatische Process vorwiegend auf die Muskeln des Halses und Rückens, sowie auf die Psoasgruppe, geht jedoch nicht selten auf den ganzen Körper über. Ein Haupt-symptom ist das Schreien der Thiere; manche derselben schreien schon bei dem geringsten Versuche zum Gehen und der oberflächlichsten Berührung, einige selbst schon aus Furcht vor der Berührung. Am schmerzhaftesten ist für die Hunde das Aufheben vom Boden, das Aufrichten des Kopfes und das Strecken der Gliedmassen sowie die Pal-pation der Psoasmuskehi (Lumbago rheuinatica). Die Bewegungen der Thiere sind steif, gespannt, ängstlich, der Hals wird oft auffallend steif gehalten; häufig sind die Patienten auch gar nicht mehr im Stande, sich vorwärts zu bringen, sondern liegen anhaltend. Namentlich das Treppensteigen ist sehr erschwert oder ganz unmöglich gemacht. Die Empfindlichkeit der einzelnen Theile wechselt jedoch sehr rasch; oft können anscheinend sehr schwer erkrankte Muskelgruppen nach ganz kurzer Zeit wieder in normaler Weise benutzt werden, während der rheumatische Process an eine andere Stelle weiter gewandert ist. Die Futteraufnahme ist auch bei schwerer Erkrankung oft noch vollständig normal, zuweilen ist indess das Kauen beim Ergriffensein der Kaumuskeln erschwert; ausserdem beobachtet man öfters Verstopfung, indem das Anstellen zum Kolhabsatze Schmerzen verursacht und letzterer daher unterlassen wird. Nicht selten nimmt der Muskelrheu-
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G54nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Muskeh'heuinatismua.
matismus beim Hunde einen chronischen Verlauf; diese inveterirteu Fälle trotzen zuweilen selbst einer Monate hindurch fortgesetzten me-dicamentösen Behandlung. In ihrem Verlaufe entwickelt sich auch zuweilen Muskelatrophie.
D.nbsp; nbsp; Beim Schafe sind es besonders die Lämmer, welche von Muskelrheumatismus befallen werden (sog. Steifigkeit, Steife, Verschlug); die Erkrankung ist theils eine örtliche, theils eine allgemeine. Die Thiere zeigen einen steifen Gang, gehen wie auf Stelzen, halten itücken und Hals steif, wobei Hals und Kopf oft anhaltend nach einer Seite gewendet werden, und bieten insbesondere auch die Erscheinungen der Kreuzlahmheit. Die erkrankten Muskeln fühlen sich schmerzhaft, und derb an. Dabei werden Bewegungen womöglich vermieden und die Thiere liegen viel. Der Verlauf ist auch hier gewöhnlich ein rascher, und es tritt meist nach 46 Tagen Heilung ein; in anderen Fällen ist das Leiden ein langwieriges.
E.nbsp; nbsp;Beim Schweine complicirt sich der Muskelrheumatismus wie beim Rinde ebenfalls häufig mit Gelenkrheumatismus. Die Thiere zeigen steife Beine, steifen, schmerzhaften Gang (sog. Klammquot;), sowie steifen Rücken. Es sollen sich beim Schweine besonders auch gastrische Störungen hinzugesellen, auch soll oft eine lähmungsartige Schwäche im Hintertheile zurückbleiben.
Differentialdiagnose. Der Muskelrheumatismus kann zunächst mit einer Reihe chirurgischer Affectionen der Extremitäten verwechselt werden, so besonders mit Huf-, Seimen-, Knochen- und Gelenksleiden; vergl. in dieser Beziehung die Lehrbücher der Chirurgie. Vom Gelenkrheumatismus lässt f3r sich insofern leicht unterscheiden, als bei diesem immer eine Erkrankung eines Gelenkes in Form von Schwellung, höherer Temperatur, Schmerzhaftigkeit u. s. w. vorhanden ist; doch können Entzündungen tieferliegender, einer Palpation nicht zugänglicher Gelenke beim Gelenkrheumatismus immerhin das Krankheitsbild des Muskelrlieumatismus vortäuschen, wobei aber jedenfalls der Nachweis eines rheumatisch afticirten, schmerzhaft anzufühlenden Muskels zu erbringen ist. Schwieriger ist die Unterscheidung einer rheumatischen Kreuzlahme von der durch Rückenmark s 1 e i d e n oder traumatische ä u s s e r e E i n w i r k u n g e n erzeugten Lähmung der Nachhand; die Veranlassung sowie etwaige anderweitige Symptome von Muskelrlieumatismus sind hier von grossem Werthe. Beim Pferde ist ferner die rheumatische Kreuzlähme im Verlaufe des acuten Muskelrheumatismus in ihren Erscheinungen sehr
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Mnskelrhcumatismus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (J55
ähnlich der bei Hämoglobinilmie auftretenden Liihmung der Nachhand; auch im letzteren Falle handelt es sich um eine rheumatische Myositis. Beim gewöhnlichen Muskelrheumatismus kommt es indess nicht zur Hilmoglobiniunie und Hämoglobinurie. Rheumatische Hämoglobinilmie und Muskelrheumatismus sind beim Pferde demnach nur graduell verschiedene Krankheiten. Endlich kann der Muskelrheumatismus verwechselt werden mit Pleuritis, Nephritis, Osteomyelitis und gewissen rheumatoiden Aft'ectionen, wie sie z. B. im Verlaufe mancher Infectionskrankheiten, sowie bei Bronchiektasien auftreten. Beim Rinde sind Verwechslungen mit Cerebrospinal-Menin-gitis (Genickstarre) vorgekommen.
Therapie. Die Behandlung bei örtlich beschränktem Muskelrheumatismus ist eine äusserliche. Sie besteht in dem Frottiren der erkrankten Stellen nach vorheriger Besprengung mit reizenden Mitteln, so z. B. mit Campherspiritus für sich allein oder zusammen mit Terpentinöl oder Rosmarin öl (1: 10), mit Senf öl (1:50), Salmiakgeist (1:15), Arnikatinctur etc., wobei indess das mechanische Moment des Reibens die Hauptrolle spielt; ferner in Priessnitz'schen Umschlägen, in der Application kalter Douchen mit nachfolgender warmer Einhüllung, in Anwendung der Massage, sowie im Herbeiführen eines örtlichen Schweissausbruches. Zu letzterem Zwecke werden die leidenden Thertle mit möglichst warmem Seifenwasser abgewaschen, stark frottirt und sodann mit wollenen Decken eingehüllt. Ausserdem ist besonders bei chronischen, sehr hartnäckigen Rheumatismen der Schulter eine subcutane Einspritzung von Veratrin ein viel empfohlenes Mittel. Man spritzt dasselbe beim Pferde in Dosen von 0,05 0,1 in 12 g Weingeist gelöst unter die Haut der Schultergegend, steigt täglich um etwa 1 cg und setzt alle 45 Tage einmal aus. Nach jeder Einspritzung empfiehlt es sich wegen der unmittelbar darauf eintretenden Unruheerscheinungen die Thiere zu bewegen.
Bei allgemeinem Muskelrheumatismus ist die innerliche Anwendung der Salicylsäure oder des salicylsauren Natriums in erster Linie zu erwähnen. Man gibt beide Mittel grösseren Thieren (Pferd und Rind) in Dosen von 2550,0 2 3mal im Tage, kleineren Thieren (Hunden, Schweinen, Schafen) 28,0 pro die. Im Allgemeinen ist das salicylsäure Natrium der die Schleimhäute leicht anätzenden und daher häufig von Appetitstörungen gefolgten Salicylsäure vorzuziehen; man gibt das Natriumsalz grösseren Thieren in Pillen- oder
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Latwergenfonn, kleineren in Lösung. Für Pferde eignet sich beispielsweise die nachfolgende Ileceptform: Rp. Natrii salicylici 100,0; Pulv. Rad. Liquirit. 25,U; Farin. secal. et Aqu. fontan. qu. s. f. Elec-tuar. M. I). S. Sstündlioh den 3. Theil zu geben. Für Hunde und Schweine verschreibt man je nach Grosse und Alter: Rp. Natrii salicylici 28,0; Aqu. destill. 150,0; M. f. Sol. D.S. stündlich einen Esslöffel voll. Statt der Salicylsäuro und des salicylsauren Natriums wendet man auch das Salol an. Das Said soll vor der Salicylsäure den Vorzug haben, dass es keine üblen Nebenwirkungen hat und den Magen nicht reizt; es scheint übrigens im Körper lediglich als maskirtc Salicylsäure zu wirken. Man gibt das Salol Hunden zu 0,25 1,0 pro dosi und 14,0 pro die. Wir können nach unseren Erfahrungen die gute Wirkung des Salols bestätigen. Dasselbe ist für die grossen Hausthiere allerdings in der Regel zu theuer. Neben Salol ist ferner das Antipyrin bei Hunden als ein sehr gutes Antirheumaticum zu empfehlen. Wir verschreiben es beispielsweise Hunden in folgender Form: Rp. Antipyrini 5,0; Aquae destillatae 150,0. M. D. S. Ssbündlich einen Esslöffel voll. Aehnlich wirkt Salipy rin.
Auch die Verabreichung eröffnender, laxirender Mittel ist sehr verbreitet; besonders gibt man bei fieberhaftem acutem Muskolrheumatismus des Pferdes den Brechw einst ein. Bei Hunden ist von jeher die Tinctura Seminis Colchici, täglich 2Smal 5 bis 15 Tropfen, als leichtes Abführmittel und speeifisches AntirlieumatiSum gerühmt worden. Weiter kann das Auftreten eines allgemeinen Sehweissausbruches theils durch ilusserliche Mittel (Einschlagen des ganzen Körpers in feuchte Tücher mit nachheriger Einhüllung in wollene Decken) theils durch innerlich verabreichte Diaphoretica versucht werden. Von den letzteren wirken jedoch bei Pferden nur das Arecolinum hydrobromicum (0,1) und das Pilo-carpinum hydrochloricum in sehr hohen Dosen (grösseren Pferden 0,40,8, Fohlen 0,20,8 in 510 g Wasser gelöst und unter die Haut gespritzt). Hübner wandte so das Pilocarpin bei einem :i/ijährigen Fohlen gegen Muskelrheuraatismus mit Erfolg an (0,25 Pilocarpin in 4,0 Wasser gelöst); Schwoissausbruch erfolgte jedoch erst nach 2 Stunden, dauerte dann aber 3 Stunden lang an. Dagegen hatte Siedamgrotzky mit 45 Tage lang fortgesetzten In-jeetionen von 0,20,4 Pilocarpin bei 3 Pferden keinen Erfolg. Jede Erkältung der auf irgend eine Weise in Schweiss versetzten Thiere muss selbstverständlich sorgfältig verhütet werden. Neben diesen Mitteln
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(jelfukrhüumntismus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(357
ist für Ruhe, warmen zugfreien Aufenthalt, sowie für massige, diilte Fütterung Sorge zu tragen.
Gelenkrlienuiatlsmas.
Literatur. Jacob, liec, 1832. Renault, Ibid., 1833. Oluvikh, Ibid., 1837; ./. de Lyon, 1846. Boui.ey jouno, Heo., 1840. Ooeh, Ibid., 1842. Goux, J. du Midi, 1845. Rev, ./. de Lyon, 1847. Andhe, Ihid., 1848. Sehhes, Gksdhot, ./. du Midi, 1850. Causse, Bec, 1857. Al-eii, ,)/. th. M., 1868. 8. 36. Lk-dlaxc, Beo., 1864. Heu, Ibid., 1805. Heu, THIERRY, Ibid., 1860. OuLMONT, Ibid., 1807. Dammann, Mag., 1871. K.. 290. Harms, H. J. li., 1872. S. 31. Palat, Itec, 1876. Dinier, S. J. B., 1877. S. 111. Trasbot, A, d'Alf., 1871 bis 1881; Beo., 1884. Nr. 8. Deuh, Am. vet. rev., 1883. S. 432. Thibaut, Wdum-kel's Jahresbit',, 1883. S. 73. Moore, Transact, of the. path., 1883. Kitt, M, ./. li., 1884/85. S. 72. Rossiqnol, Ihdl. soc. vet. prat., 1885. Krebs, 0.^., 1885. S. 71. Paighenne, Belg. Bull., 1885. Smeet, Ibid. Campbell, The vet, journ., 1885. Sticker, li. A., 1880. S. 380. Meoxin u. Sarrazin, Itec, 1887. Ax-drielx. Ibid. Coxdamine, Ibid., 1887. Werer et Andrieux, Ibid., 1887. Nunx, The vtt. journ., 1887. Lewis, The Vet., 1888. Q-ULL, Ibid., 1888. Vogel, W. f. Th., 1888. S. 214. Dessart, A. de Brux., 1888. 8.461. Ai.brkcht, Bep., 1888. S. 169. Cali.eb, Presse vet., 1889. MoULADE, A. de Brux., 1890. Caueau, Diet, vet., 1891. Brülleh, ^F. /#9632;. Th., 1891. S. 335. Noak, S. J. B., 1891. S. 98. B. Mil. V. B., 1892. -~ Auoere, liec. d'lnjg. vet. mil., 1892. Müller, Krkhtn. d. Bundes, 1892. S. 284. Möller, Chirurgie, 1893. S. 251. Haubner-Siedam-grotzky, L. Th., 1893. S.217. Dieckeriioff, Spec. Path., II. 1894. S. 261. Kitt, Path.-anat. Dlagn., 1894. S. 337. Barthki e.my. Bee , 1894. Mlncii, W. f. Th., 1895. S. 41.
Begriff. Der Gelenkrheumatismus stellt eine mit Fieber und allgemeinen Störungen verlaufende 1 nfectionskrankheit mit Entzündung meist mehrerer Gelenke (Polyarthritis) dar, welche unter den Hausthieren am häufigsten beim Rinde beobachtet wird. Erkrankungen anderer Thiere sind seltener, doch kommt ausserdem das Leiden auch bei Ziegen, beim Hunde und Schweine, sowie sehr selten auch beim Pferde vor. Unter 70,000 dem Berliner Hunde-spitale in den Jahren 188604 zugeführten kranken Hunden befanden sich beispielsweise nur 92 Fälle von Gelenkrheumatismus (gegenüber 1462 Fällen von Muskelrheumatismus). Die arthritischen Affectionen der Säuglinge gehören jedenfalls nur zu einem kleinen Theile hieher. Es empfiehlt sich daher, dieselben zusammen mit den pyämischen Gelenkentzündungen abzuhandeln, mit denen sie in der Literatur vielfach verwechselt worden sind.
Aetiologie. Die Hauptursache des Gelenkrheumatismus ist früher
in einer Erkältung gesucht worden, wobei dieselben Momente wie
beim Muskelrheumatismus (Zugluft, feuchte Kälte, schlechte Stallungen)
beschuldigt zu werden pflegten. Es ist indess zweifellos, class,
Frledberger u. Frölinor, Pathol. n. Therapie d, Haustblere. i. Bd. L, Aufl. 42
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Gelenkrheumatismus.
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wie beim Menschen, so auch bei unseren Hausthieren der Gelenkrheumatismus eine Inf'ectionskrankheit darstellt, bei welcher die Erkältung nur die Rolle einer prädisponirenden Gelegenheitsursache spielt. Beweise für die infectiöse Natur der Krankheit sind: die fieberhaften Allgemeinerscheinungen, sowie das für Infeclionskrankheiten charakteristische Initialstadium; die gleichzeitige Affection mehrerer, von einander oft weit entfernter Gelenke; die auch bei unseren Hausthieren zuweilen hinzutretende Endocarditis; das Vorkommen der Krankheit in Musterwirthschaften und Musterställen, wobei eine Erkältung ausgeschlossen werden kann; die von verschiedenen Seiten gemachte Beobachtung, worn ach der Gelenkrheumatismus beim Rind unzweifelhaft mit dem Zurückbleiben und Faulen der Nachgeburt in Verbindung stand. Au er fand den Gelenkrheumatismus fast ausschliesslich nur bei jüngeren Kühen nach dem 2. oder 3, Kalbe und konnte in 8/8 aller von ihm beobachteten Krankheitsfälle (zusammen (37) anamnestisch Abortus oder zurückgebliebene Nachgeburt nachweisen; er hält daher die Resorption septischer Stoffe im Uterus geradezu für die Ursache dieser Gelenkrheumatismen. Auch Dint er und D ess art sahen das Leiden ausschliesslich nur bei Kühen, die frisch gekalbt hatten. Aus diesen Beobachtungen lässt sich wohl die Tbatsache entnehmen, dass beim Rind der puerperale Uterus als eine Hauptquelle für die Einwanderung der den Gelenkrheumatismus erzeugenden Infectionsstoffe angesehen werden muss. Barthelemy hat einen epizootischen Gelenlcrheumatismus bei Ziegen beobachtet. Erkältung begünstigt, wie bei anderen Infectionskrankheiten, so auch hier das Eindringen der Krankheitsstoffe in den Körper und deren Vermehrung, indem sie denselben schwächt und weniger widerstandsfähig macht. Im Uebrigen sind die Infectionsstoffe des Gelenkrheumatismus bacteriologisch noch nicht genauer bekannt. Es ist nicht unmöglich, dass verschiedene Spaltpilze das Krankheitsbild des Gelenkrheumatismus hervorrufen können, dass somit letzterer keine ätiologische Einheit nach dieser Richtung hin darstellt.
Beim Menschen vermuthet man als lnfectionsstoff ein von den Mandeln eindringendes P lasm odium, da der Gelenkrheumatismus sehr hiiufig mit Tonsillitis complicirt ist (nach Fiedler unter (355 Fällen 158mal). NachEdlefsen handelt es sich um eine miasmatisch-contagiöse Krankheit, welche mit der Abnahme der Niederschläge an Häufigkeit steigt und an gewisse Oertlichkeiten gebunden sein kann (Rheumatisinushäuserquot;); Hilfs-nrsaohen sind Ueberanstrengung und Erkältung.
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(Teleukrhcumatisinus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 659
Pathologische Anatomie. Die anatomischen Veränderungen in den Gelenken bestehen der Hauptsache nach in einer serösen Syn-ovitis, sowie bei chronischem Verlaufe in entzündlich degenerativen Gelenksveränderungen; eine eiterige Synovitis wird nur ganz ausnahmsweise beobachtet. Meist .sind mehrere Gelenke gleichzeitig hefallen. Bei acutem Verlaufe findet man die Synoviali* höher geröthet, selbst von Hämorrhagien durchsetzt, getrübt und geschwollen, sowie bald auch verdickt, die Gelenkszotten vascularisirt und vergrössert. Die Synovialflüssigkeit ist vermehrt, röthlich gefärbt und oft auch getrübt. Die Gelenksknorpel sind im Anfange stärker geröthet, später werden sie gelblich gefärbt und zeigen eine rauhe, sammetartige Oberfläche. Die Gewebe in der Umgebung des Gelenkes erscheinen ebenfalls injicirt, von Hämorrhagien durchsetzt, sowie serös infiltrirt (Periarthritis); insbesondere ist das Bindegewebe sulzig geschwollen, die benachbarten Muskeln sind ödematös und erweicht. Die Gelenkenden der Knochen sind ferner hyperämisch und selbst hämorrhagisch infiltrirt, desgleichen das Knochenmark. Bei chronischem Verlaufe verdickt sich die Synovialis sehr stark und die Innenfläche des Gelenkes erhält oft einen gefässreichen, bindegewebigen Ueberzug (Arthritis pannosa); die Gelenksknorpel zerfallen fettig, zeigen geschwürige Substanzverluste und lösen sich zum Theil ab. In seltenen Fällen entwickelt sich wie beim Menschen eine Arthritis deformans. So beobachtete Moore eine Verwachsung der Knochen der Vorderfusswurzel mit einander und mit dem Metacarpus, sowie unregelmässige Osteophytbildung bei einem mit chronischem Gelenkrheumatismus behafteten Hunde. Von Allgemeinveränderungen im Körper ist der zuweilen gemachte Befund einer Endocarditis, Pleuritis und Peritonitis hervorzuheben; die übrigen Veränderungen sind nicht von Belang.
Symptome. Die wichtigste Erscheinung des Gelenkrheumatismus besteht im Auftreten von Gelenksschwellungen. Dieselben erscheinen meist ganz plötzlich, häufig über Nacht, und können in kurzer Zeit eine beträchtliche Grosse erreichen. Sie befallen gewöhnlich mehrere Gelenke an einem oder an verschiedenen Beinen. Lieblingsstellen sind das Garpal-, Tarsal- und Kniegelenk. Die übrigen Gelenke werden häufig in deutlich aufsteigender Weise betroffen. Selten erkrankt nur ein Gelenk (monarticuläre Form). Die Schwellungen sind höher temperirt und sehr schmerzhaft, fühlen sich gespannt und an einigen Stellen fluctuirend an und~ erstrecken
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Gelonki'lieumatisimis.
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sich rings um das Gelenk; die Haut ist an nicht pigmentirtcu Stellen deutlich geröthet. Auch die benachbarten Theile (Sehnen, Sehnenscheiden, Muskeln) werden in den Entzündungsprocess hereingezogen und sind geschwollen. In Folge dieser Gelenksaftectionen zeigen die erkrankten Thiere ein ausserordcntlich starkes Hinken, welches dem Laien den Gedanken an einen Kiiochenbruch erwecken kann. Die Schmerzhafiigkeit der Schwellungen beim Berühren zum Zwecke der Untersuchung, beim Beugen, Strecken oder Drehen der Gelenke kann so stark sein, dass die Thiere dabei umzufallen drohen. Aus diesem Grunde wird auch jede Bewegung oder das Berühren des Bodens mit dem erkrankten Beine möglichst vermieden und die Thiere liegen häutig anhaltend, wobei sie zuweilen laut stöhnen, mit den Zähnen knirschen etc. und nur schwer oder gar nicht zum Aufstehen zu bringen sind. Gleichzeitig ist im Anfange der Erkrankung die innere' Körpertemperatur fieberhaft gesteigert und durchschnittlich um 12quot; C. erhöht; der Puls ist klein und hart und beträgt beim Binde 7090 Schläge per Minute. Die Futteraufnahme und das Wiederkäuen sind unterdrückt, das Flot/.maul ist trocken, die Koth-ausscheidung verzögert, die Milchsecretion liegt darnieder, die Milch selbst ist von säuerlichem Geschmacke und gerinnt leicht. Dazu kommt häufig beim Binde schon nach den zwei ersten Tagen der Erkrankung eine auffallende Abmagerung.
Aussei- diesen gewöhnlichen Krankheitserscheinungen beobachtet man in manchen Fällen eigenthümliche Complicationen. Zunächst kann sich insbesondere beim Binde eine acute Endocarditis entwickeln, welche zuweilen zum plötzlichen Tode führt. Diesbezügliche Beobachtungen sind von Leblanc, Hering, Rüste, Mayer u. A. gemacht worden; vgl. die einschlägige Literatur beim Capitel der Endocarditis. Sodann findet mau zuweilen die Erscheinungen einer Pleuritis und Peritonitis (Harms, Leblanc); auch Pericarditis (Leblanc) und Laryngitis (Derr), sowie Sehnenscheidenentzündungen (Harms) sind wahrgenommen worden. Diese Compli-cationen sowie die beim Menschen zuweilen beobachteten Exantheme (Urticaria) sind ohne die Annahme einer allgemeinen Infectionskrank-heit nicht verständlich.
Der Verlauf ist meistens ein chronischer, seltener ein acuter. In einzelnen Fällen tritt unter Nachlass des Fiebers gleichzeitig auch ein Rückgang der entzündlichen Gelenksschwellungeu und nach 2 bis 3 Wochen entschiedene Besserung oder Heilung ein; derartige günstig verlaufende Erkrankungen gehören jedoch zu den Ausnahmen. Sehr
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Geleukrheumatismus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(JO 1
häufig ist die Heilung auch nur eine scheinbare, indem sehr bald liecidive eintreten; es kann beispielsweise ein liochgradig erkranktes Gelenk auffallend rasch abheilen, worauf jedoch nach wenigen Tagen ein anderes, entferntes von Neuem ergriffen wird (Wandern des Gelenk-rlieumatismus). Weitaus in den meisten Fällen ist der Verlauf ein sehr langwieriger und dabei sehr ungünstiger. Die fieberhaften Allgemeinerscheinungen verschwinden zwar, die Gelenksaff'ec-tionen dagegen bleiben und mit ihnen die Bewegungsstörungen. In den Gelenken treten allmählich chronische degenerative Veränderungen auf, die Thiere kommen in der Ernährung zurück, lassen in der Milch-secretion mehr und mehr nach, leiden an Verdauungsstörungen und Magendarmkatarrhen, besonders sehr heftigen Diarrhöen, werden zunehmend schwächer und magerer, die Muskelgruppen über den befallenen Gelenken (Schultermuskeln etc.) atrophiren, die Extremitäten werden steif, verkrümmt, die Gelenke bleiben verdickt. Der Zustand kann in dieser Weise 23 Monate und mehr dauern; Dammann beobachtete bei einem Pferde eine Smonatliche Dauer ohne Heilung. Werden daher die Thiere nicht frühzeitig geschlachtet, so gehen sie häufig an Erschöpfung und Schwäche, wozu in Folge des anhaltenden Liegens Decubitus tritt, zu Grunde. Die Prognose muss daher jedenfalls beim Rinde ungünstig gestellt werden; beim Hunde und Schweine scheint sie nach unseren Erfahrungen etwas günstiger zu sein.
In differentialdiagnostischer Hinsicht kommen die traumatischen und pyämischen Arthriten sowie Meningitis (bei Erkrankung der Wirbelgelenke) in Betracht.
Therapie. In prophylaktischer Beziehung kann, bevor das Wesen des Infectionsstoffes nicht näher erforscht ist, nur die Vermeidung der wichtigsten Gelegenheitsursache des Gelenkrheumatismus, der Erkältung, angestrebt werden; insbesondere sind Pferde nach dem Warmwerden abzureiben und zu bedecken oder langsam fortzubewegen. Ausserdem wftre beim Rinde eine frühzeitige Entfernung der Nachgeburt, sowie eine gründliche Desinfection des Uterus für alle Fälle im Auge zu behalten. Gegen die Krankheit selbst ist die Salicylsäure und das salicylsaure Natrium auch bei unseren Hansthieren ein specifisches, vorzügliches Mittel; über Dosis und Form der Anwendung vergl. die Behandlung des Muskelrheumatismus (Tagesdosis des salicylsauren Natriums für das Rind und Pferd 100 150,0; für Hund und Schwein 2 8,0). Statt der Salicylsäure gibt man
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Pyiimische Gelonkentzimdung.
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wohl iiucli das Salol, Salipyrin, Sal op hen, Antipyrin, Phenacetin, Antifebrin und tllmliclie neuere Mittel. Das weitaus billigste unter denselben ist das Antif ebrin. Zur Beförderung der Aufsaugung des arthritischen Exsudates, sowie behufs Elimination der Infectionsstoife durch die Darmschleimhaut können ferner Laxantien, besonders der in früheren Zeiten viel benutzte Brechweinstein, sowie grössere Dosen von Mittelsalzen angewendet werden. Auch Joclkalium ist als Resorbens zu versuchen. Aeusserlich empfiehlt sich im acuten Stadium eine warme Einhüllung der befallenen Gelenke nach vorheriger Einreibung einer grauen Quecksilber-, Carbol-, Jodoform-, Chloroform- oder Camphersalbe; bei chronischem Verlaufe und verzögerter Resorption kann man versuchsweise zu scharfen Einreibungen des Gelenkes (Jodtinctur, Cantharidensalbe, Jodquecksilbersalbe) greifen. Die Fütterung endlich ist möglichst diät zu halten, Bewegungen der Thiere sind zu vermeiden; der Aufenthaltsort muss warm und dabei genügend venti-lirt sein.
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Die pyiimische und septische tJeleukeiitzüiiduiig (Lähmequot;)
der Säuglinge.
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nbsp; Tomhari, Giorn. di A., 1882. S. 113. - Stern, Pr. M., 1883. S. 24. - Roll, Spec. Path., 1885; Jahrcsbev. pro 1885 u. 1887. Fabhy, Bull. Belff,, 1885. Laporte, Ibid. ÜPPRKDüZZi, Ref. D. Z. f. Th., 1886. S. 112. Vogel, liep., 1886. S. 257.
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nbsp;Ostertag, Z. f. Fl., I. Heft 7; Fleischbeschau, 1895. Dieokermoff, Spec. I'ath., I. 1892. S. 327. DOBES, Th. ., 1892. S. 217. Buch, D. th, W., 1893. S. 29. Schick, B. th. W., 1893. S. 420. Türner, Am. vet. rev., 1893. S. 187. Haubner-Siedamorotzky, //. Th., 1893. S. 166. Roberts, The Vet., 1894. Münch, W, f. Th., 1895. S. 41. Strkbel, Schw. A., 1895. S. 14.
Allgemeines über den Begriff Lähmequot;. Unter dem Namen Lähmequot; ist früher eine Reihe von Krankheiten der Säuglinge (Fohlen,
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Pyilmischc Q-elenkenizündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;GG3
Kälber, Lüninier, Ferkel, Hunde) zusammengefasst worden, welche, grundverschieden nach Ursache und Wesen, sich nur darin äusserlich gleichen, dass sie alle mit ausgesprochenen Bewegungsstörungen verlaufen. Die Bezeichnung Lähme ist also lediglich ein Sammelbegriff', welcher nicht länger beibehalten werden darf, sondern womöglich durch exacte wissenschaftliche Benennungen zu ersetzen ist. Die Nothwendig-keit dieser Forderung ist zwar schon früher von den thierärztlichen Autoren hervorgehoben worden. Träger nennt z. B. die Fohlenlähme bereits im Jahre 1839 ein wahres Krankheitslexikonquot;. Indessen haben die Untersuchungen von Bollinger (1873) unsere Kenntnisse über die einschlägigen Krankheiten mehr erweitert, so class eine genauere Sichtung der zu dem Collectivnamen der Lähme gehörenden Affectionen unternommen werden kann. Die nachfolgenden Krankheiten sind im Allgemeinen als Lähme bezeichnet worden:
1.nbsp; Die pyämische bezw. septische Grelenkentzünd ung, welche sich auf metastatischem Wege aus einer septischen Infection der Nabelwunde entwickelt. Diese septisch-pyämische Polyarthritis ist nach Bollinger die wichtigste und häufigste Grundlage der Lähme der Säuglinge.
2.nbsp; nbsp;Die fettige Degeneration der Körpermuskcln, besonders bei Ferkeln.
3.nbsp; Der acute Gelenkrheumatismus.
4.nbsp; nbsp;Acuter und chronischer Muskelrheumatismus.
5.nbsp; nbsp;Rachitis, besonders bei Ferkeln.
6.nbsp; nbsp;Starrkrampf und Cerebrospinalmeningitis, besonders bei Lämmern.
7.nbsp; nbsp;Die Darrsucht, eine Fohlenkrankheit, welche wahrscheinlich mit Darm- und Gekrösdrüsen-Tuberkulose identisch ist.
8.nbsp; Verschiedene andere Krankheiten des Säuglingsalters, z. B. Darmkatarrhe, Bronchopneumonien, Pneumopleuresien, allgemeine Lebensschwäche, Schwäche der Streckmuskeln der Extremitäten mit consecutiver Contractur der Beugemuskeln (bei Fohlen und Hunden) u. s. w.
Aetiologie der septisch-pyämischen Gelenkentzündung. Die
Ursachen der besonders bei Fohlen und Kälbern, aber auch Lämmern vorkommenden septisch-pyämischen Gelenkentzündung sind in einer eiterig-jauchigen Entzündung des Nabels und seiner Umgebung mit Thrombose der Nabelvene, eiterigem Zerfall des Thrombus und Aufnahme der Zerfallsmassen in die Blutbahn zu suchen. Den Aus-
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Pyiimisdio Gelenkentzündung.
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gangspunkt hiebei bildet eine Infection der Nabelwunde von dem mit Infectionsstoffen aller Art durchsetzten Stallboden aus. Uffre-duzzi hat aus dem Körper von pyätnisch zu Grunde gegangenen Kälbern zwei verschiedene Spaltpilze, einen Mikrococeus und einen Stäbchenpilz gezüchtet und mit Erfolg Ubergeimpft; dabei beobachtete er neben pyämischen auch septikämische Erscheinungen, so dass anzunehmen ist, dass sich aus der inficirten Nabel wunde sowohl Pyäniie als Septikämie entwickeln kann. Buch fand namentlich in der Leber Mikrokokken, welche Aehnlichkeit mit den Diplokokken der Brustseuche zeigten; ähnliche Befunde hat Dob es gemacht. Turner con-statirte in den Eihäuten von Zuchtstuten, die an seuchenhaftem Abortus litten, dieselben Bacterien, wie in den Organen der an Lähme gestorbenen Fohlen; (Julturen derselben trächtigen Stuten in die Scheide injicirt, erzeugten Abortus und beim abortirten Fohlen Arthritis.
Indirect ist die Veranlassung in der bei unseren Hausthieren noch sehr mangelhaften Nabelpflego gelegen. Nach Bollinger erhöht ausserdem eine dicke, sulzige Beschaffenheit des Nabelstranges die Disposition zu der Erkrankung, desgleichen Zerrung der Nabel-gefässe beim Abreissen des Samenstranges, zu kurzes Abreissen desselben, Quetschung der Wunde, Zerrung der Bauchdecken. Nach Gmelin sind im Nabel selbst die prädisponirenden Momente für die Krankheit zu suchen. Er bezeichnet als solche den Umstand, dass schon normaler Weise sich im Nabelringe nekrotisirende Processe abspielen; dass ferner die Nabelarterien durch Thromben sich ver-schliessen, deren centrales Ende mit dem circulirenden Blute, deren peripheres Ende mit der Aussenwelt und benachbarten nekrobiotischen Processen in Verbindung steht; sowie dass das den inneren Nabelring überbrückende Bauchfell bei allen krankhaften Processen innerhalb des Nabelrings in directe Mitleidenschaft gezogen wird. Endlich scheinen zu frühe Geburten im Winter, welche einen längeren Stallaufenthalt nothwendig machen, die Gefahr einer Infection durch den jauchegetränkten Boden zu vergrössern.
Die Krankheit tritt zuweilen enzootisch in Herden und Gestüten auf; vor Allem wird die durch sie bedingte Fohlenlähme oft in edleren Gestüten als eine sehr grosse Plage empfunden, welche die Nachzucht schwer schädigen kann. Nach Hering sind beispielsweise auf dem württembergischen Landgestüte Marbach innerhalb 15 Jahren unter 187 gestorbenen Saugfohlen 85 an Lähmequot; zu Grunde gegangen. Ueber die Geschichte der Krankheit in demselben Gestüte hat Gmelin interessante Mittheilungen gemacht. Darnach finden sich bereits in
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Pyämisohc ^lrL'lcllke^tziuldllllg#9632;.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(j().')
den aus dem Jahre 17(37 datirenden Gestütsacten in einem Bericht an den Herzog Carl Eugen von Württemberg Angaben über das Auftreten des fraglichen Leidens. Besondere Verluste erlitt das Gestüt im Jahre 1808 sowie in den Jahren 18r)2 18(58; es starben in dem letztgenannten Zeiträume von 11 Jahren 110 Fohlen. In den Jahren 18711880 betrug der Verlust 35 Fohlen gleich B Proc. jährlich; in den Jahren 18811889 starben an Lähme 18 Fohlen gleich 4 Proc. jährlich.
Die Frage von der Erblichkeit dor Lähmequot; ist in früheren Zeiten fast allgemein bejaht worden (quot;Veith, Würz u. A.). Erst Hering hat sich energisch gegen die Erblichkeitstheorie ausgesprochen (18G3j, welche übrigens auch heute noch unter den Züchtern sehr verbreitet ist. Es ist sogar von thierilrztlic.her Seite neuerdings neben der Nabelinfection das Vorhandensein einer intrauterinen Infection des Fötus von Seiten des Mutterthieres mit dem Hinweise darauf behauptet worden, dass der Nabel bei lilhmekrunken Thieren sehr häufig keine krankhaften Veränderungen aufweise (Pfeifer, Utz, Tiitray). Dieser Einwand erscheint uns jedoch nicht stichhaltig. Einestbeils kann der Nabel trotz stattgefundenor Infection des Körpers scheinbar gesund bleiben; ein Analogen hiezu bietet der Uterus bei Gebär-parese. Andererseits kann die septische Nabelnffectiou abheilen, während die pyäniischen Processe im Innern des Körpers weiter fortschreiten. Wie lassen sich ferner die zweifellos günstigen Erfolge der prophylaktischen Xabelpflege (Bellinger, Gmelin) mit der Annahme einer intrauterinen, liamatogenen Infection erklären y Die Möglichkeit einer intrauterinen Infection erscheint uns daher nicht einwandsfrei erwiesen. Dagegen dürften manche Säuglinge insofern eine gewisse Prädisposition für die pyämische Polyarthritis mit auf die Welt bringen, als sie mit Lebensscliwäche und Schlaffheit der Constitution behaftet sind, die sich vielleicht vom Mutterthier vererbt. Auch diese Lebensscliwäche ist früher unter den Sammelbegriff der Lähme subsumirt worden.
Anatomischer Befund. Die Sectionserscheinungen sind im AVesentlichen die einer eiterigen Polyarthritis neben sonstigen für den pyämischen Process charakteristischen Veränderungen (pyämische Form); in anderen Fällen ist mehr das Bild der Septikämie ausgeprägt (septische Form). Die Nabelwunde zeigt, wofern sie nicht bereits abgeheilt ist, die Spuren der Entzündung und Eiterung, der Nabelstrang und die ganze Umgebung des Nabels ist geschwollen, die Ränder des Nabelringes sind geschwürig entartet, am inneren Nabelring findet sich Abscessbildung, aus der Nabelöffnung lassen sich Eitertropfen ausdrücken. Neben dieser Omphalitis, welche, wie bemerkt, auch abgeheilt sein kann, so dass äusserlich nichts Krankhaftes wahrzunehmen ist, besteht in der Tiefe eine eiterige Thrombophlebitis und Thromboarteriitis umbilicalis mit Thrombose der Pfortader und ihrer Leberverzweigungen. In den
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Pyilmisclio OelcIlkelltzürulung#9632;.
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Gelenken ist die Synovialis injicirt, geschwollen und verdickt, die Gelenksflüssigkeit getrübt, vermehrt, mit flockigen Gerinnseln vermischt und zuletzt rein eiteriger Natur (Gelenkempyem); die Gelenksknorpel sind geschwürig zerstört und zuweilen ist selbst das Knochengewebe nekrotisch; die Gelenkskapseln sind manchmal perforirt. In der Umgebung des Gelenkes bilden sich Abscesse zwischen den Sehnen und Muskeln, wodurch letztere ebenfalls eiterig einsreschmolzen werden. Die über den erkrankten Gelenken befind-liehen Muskeln sind fettig degenerirt. Am augenfälligsten ist die Erkrankung des Knie-, Sprung- und Kopfbals-Gelenks. Ausserdem ergibt die Section metastatische Herde in fast allen Organen, besonders in der Leber, Lunge, im Gehirn, in den Nieren, in den Muskeln und im Unterhaut-Zellgewebe. Diese Herde sind in der Leber hirsekorn- bis kirschengross und darüber, in der Lunge hirsekorn- bis hühnereigross, anfangs von dunkelrother, später von gelblicher Farbe (sog. Lungenvereiterung). Auch Pleuritis, Endocarditis und Pericarditis, Bronchopneumonie, Sehnenscheiden-Entzündungen, Peritonitis, Cystitis, eiterige Iritis und Panophthalmie, Lepto-Meningitis u. s. w. sind beobachtet worden. Endlich sind das Herz, die Leber, Nieren, Muskeln fettig degenerirt.
Symptome. Die septisch-pyämische Gelenkentzündung entwickelt sich in der überwiegenden Mehrzahl aller Fälle in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt. Von 07 Fohlen erkrankten und verendeten nach Hering 40 = 70 Proc. in den drei ersten Lebenswochen; auch Boiling er hat bei seiner Berechnung, welche sich auf die Krankheitstabellen eines anderen Gestütes bezog, eine nahezu gleiche Zahl (75 Proc.) bekommen. Gewöhnlich gehen dem Auftreten der arthritischen Affectionen einige Allgemeinerscheinungen in Form von Fieber, unterdrückter oder ganz aufgehobener Sauglust u. s. w. voraus, welche indessen auch fehlen können. Die Gelenksschwel-lunsen selbst bilden sich meist sehr rasch aus. Besonders werden die Carpal- und Tarsalgelenke, sowie Knie-, Ellenbogen-, Hüft- und Buggelenk befallen; aber auch Fessel- und Krongelenk, sowie die Wirbel- und Rippengelenke bleiben nicht verschont. Die CJeschwulst ist schmerzhaft, prall gespannt und höher temperirt und verschwindet im Anfang oft ziemlich schnell; im weiteren Verlaufe hat sie jedoch die Neigung zu abscediren, indem sich der Eiter im Innern des Gelenkes einen Weg nach aussei! eröffnet. Gewöhnlich
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Pyämischc Crelonkentzündung-.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (5()7
sind mehrere und selbst säramtliche Körpergelenke zusammen entzündet. Gleichzeitig lahmen die Thiere auf der befallenen Glied-masse sehr stark und vermeiden womöglich eine Berührung des Bodens mit dem erkrankten Beine, liegen auch sehr viel. Zu diesen Symptomen gesellen sich bald Durchfälle, wobei die Kothmassen von grauweisser Farbe und sehr üblem Gerüche sind und Diarrhöe mit Verstopfung abwechselt, sowie starke Abmagerung, Schwäche und Hinfälligkeit. Sodann werden nach dem Orte der Metastasenbildung die verschiedensten Complicationen (Lungenentzündung, plötzlich auftretende Schwellungen an verschiedenen Körperstellen, Gehirnerscheinungen, Erblinden u. s. w.) beobachtet.
Der Verlauf ist bei den Fohlen gewöhnlich ein acuter; die durchschnittliche Dauer der Krankheit beträgt 23 Wochen, doch kann auch schon nach wenigen Tagen ein tödtlicher Ausgang eintreten. Nach den Beobachtungen von Gmelin erreichten die an Pyämie gestorbenen Fohlen ein durchschnittliches Alter von 2G Tagen; am 17. Lebenstage wurde die Krankheit offenkundig und führte nach durchschnittlich Otägiger Dauer zum Tode. Die Prognose ist sehr ungünstig; nach Hartmann gehen mehr als die Hälfte, nach Bol-linacer 72 Proc, nach Darreau 90 Proc. der erkrankten Thiere zu Grunde. Die übrig gebliebenen erholen sich nur sehr langsam und kränkeln oft noch lange Zeit, bleiben auch gerne im Wachsthum zurück; die Anschwellungen der Gelenke, sowie die Steifheit derselben verschwinden ebenfalls lange oder gar nicht. Bei den Kälbern scheint die Prognose günstiger zu sein; nach St rebel beträgt die Mortalitätsziffer hier nur 35 Proc. Der Verlauf ist ein langsamerer und zuweilen selbst chronischer, auch ist die Verbreitung der pyämi-schen Affection im Körper eine beschränktere. Zuweilen wird nur ein Gelenk, das Kniescheibengelenk, betroffen; man beobachtet dies nach Strebel namentlich bei älteren (35 Monate alten) Kälbern. Wahrscheinlich beruht dieser günstigere Verlauf beim Kalbe auf dem Umstände, dass die Nabelarterien im Gegensatze zum Fohlen innerhalb der Bauchhöhle reissen und sich weit zurückziehen können, so dass ihre Thromben vor einer Infection viel besser geschützt sind (Gmelin).
Differentialdiagnose. Für die Unterscheidung der septisch-pyämischen Polyarthritis von dem acuten Gelenkrheumatismus, zwei Krankheiten, welche nur zu leicht mit einander verwechselt werden können und bisher auch oft genug verwechselt worden sind, dürften die nachfolgenden Punkte von Wichtigkeit sein. Zunächst spricht die
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Pyftmisohe Gelenkeutzündungi
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Entwicklung einer Gelenksaflection bei Säuglingen in den ersten Lebenstagen und -Wochen für pyäraisclie Arthritis, insbesondere dann, wenn gleichzeitig eine eiterige Nabelentzündung nacli-gewiesen werden kann. Sodann aber sind Abscedirungen der angeschwollenen Gelenke beim acutenGelenkrheuinatisraus so selten, dass sie eigentlich immer als pyämische Affectionen angesehen werden dürfen. Endlich scheint der acute Gelenkrheumatismus bei Säuglingen überhaupt viel seltener zu sein.
Therapie. Entsprechend der Pathogenese des Leidens ist die Behandlung eine vorwiegend prophylaktische. Bollinger empfiehlt vor Allem eine sorgfältige Nabelpflege, vorsichtige Unterbindung des Nabelstranges, antiseptische Behandlung der Nabelwunde, sowie eine schützende Bauchbinde; letztere kann im Nothfalle durch einen Theeranstricb ersetzt werden. Gmelin empiiehlt bei jedem Fohlen nach Unterbindung der Nabelschnur die Schnittfläche derselben so lange mit concentrirter Carbolsäure zu bepinseln (45 Tage), bis der Rest der Nabelschnur eine pergamentartige Beschaffenheit annimmt. Darauf wird der Nabelstumpf mit der Schere abgeschnitten und die Nabelwunde bis zur Heilung (78 Tage) täglich mit Sublimatgelatine (1 Proc.) bestrichen. Nach Einführung dieser Methode verschwand die Krankheit in dem früher stark verseuchten Gestüte vollständig. Daneben muss für möglichste Reinhaltung des Standes, Entfernung von Koth und Urin, Desinfection des Bodens, sowie gute trockene Streu gesorgt werden. Gegen die Krankheit selbst ist neben einer antiseptischen Behandlung der Nabelgegend (Reinigen mit Creolin- oder Carbolwasser, Auftragen einer lOprocentigen Creolin-, Carbol- oder Jodoformsalbe) mit antifebrilen und antizymo-tischen Mitteln, besonders mit Campher (subcutane Injectionen von Spiritus cainphoratus in Dosen von 15 g), sowie mit Excitantien (Alkohol, Wein) vorzugehen. Die Behandlung der erkrankten Gelenke ist eine rein chirurgische. Vor Allem muss der Eiter möglichst frühzeitig durch Function oder Incision entleert werden.
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Fettdegeneration der Muskeln bei Säuglingen. Unter diesem Namen ist von Fürstenberg (Virchow's Archiv, 18(34), Roloff (Annalen der Landwirthschaft, 1864) und Eepiquet (Journal de Lyon, 1888) eine besonders bei englischen Schweinen und feinrassigen Lämmern, seltener bei Fohlen und Kälbern vorkommende Krankheit des Bewegungsapparates beschrieben worden, welche indess nur die Thei ler seh einung einer allgemeinen, angeborenen Körper Verfettung bildet und daher eigentlich zum Capital der Fettsucht gehört. Die Ursachen dieses bereits
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Osteomalaoie und Racliitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(JGU
in der zweiten Hälfte des Fötallelions ausgebildeten Leidens sind in einer vererbten Anlage, sowie in der Neigung der Mutter zur Fettsucht zu BUohsn, welche sich besonders bei frühreifen Bässen findet und durch die anhaltende lluhe der Mutterthiore, verbunden mit zu reichlicher Fütterung, begünstigt wird; von Fürstenberg wurde auch eine zu enge Verwandtschaftszucht beschuldigt. Die anatomischen Verilnderungen bestehen in allgemeiner Anüinie, Fettdegeneration der Körpermuskeln, welche oft als solche gar nicht mehr zu erkennen sind und speckartig glänzend oder wie gekocht aussehen, sowie in fettiger Entartung der Leber, Nieren, des Gehirns, der Bauchspeicheldrüse, der Drüsen des Darmcanals etc. Die Erscheinungen iiussern sich in allgemeiner Schwäche, matten, langsamen Bewegungen, selbst im Unvermögen zu gehen oder zn stehen; die Thiere liegen in höheren Graden der Krankheit apathisch da und verenden entweder auffallend rasch ohne weitere Zufälle (wir sahen ein allmühliches, ruhiges Einschlafen vor dem Tode), oder nach vorausgegangenen Durchfallen, Krämpfen und Lähmungen ; häufig ist Lungenödem die Todesursache. Die Behandlung ist lediglich eine prophylaktische; Blutauffrischung durch wiederholte Kreuzung, Bewegung und massigere Fütterung der Mutterthiere während der Trächtigkeit sind am Wesentlichsten. Eine medicamentöse Behandlung der jugendlichen Thiere ist erfolglos.
Infectiöse Gelenkentzündung junger Gänse. Eine bald sporadisch, bald epizootisch auftretende, durch Staphylococcus pyogenes aureus erzeugte Gelenkentzündung bei jungen Gänsen hat Lucet beobachtet (Annal. de l'inst. Pasteur, 1892). Das Leiden änsserte sich in Lahmen, Diarrhöe, Fieber, vielem Liegen, Anschwellung der Gelenke, Tod nach 18 Tagen. Seltener war ein subacuter und chronischer Verlauf (Ankylosenbildung). Durch die intravenöse Verimpfung des Staphylococcus pyogenes aureus liess sich die Krankheit experimentell bei jungen Gänsen erzeugen.
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Osteomalacie und Eaohitls.
Literatur im Allgemeinen (insbesondere experimentelle Arbeiten).Milnk-Edwards,
Soc. de Biol, 1861. S. 327. RoLOFP, Virch. A., 18(39. S. 305; H. A., 1875. 8. 189; 1879. S. 152. Weiske, Zeitsdhr, f. Biologie, 1871. S. 179 u. 333; 1872. S. 239; 1873. S. 541; 1874. S. 410; B. A., 1875. 8. 402. - Hkitzmann, Ällgem, Wiener med. Zeitg,, 1873. Wkgner, Virch. A., Bd. 55. - Tripier, Beo., 1875. Nr. 9. - Heiss, Zeitschr. f. Biologie, 1876. S. 151. FonsiEn, Ihid., S. 4(j4. Lehmann. Tageblatt der 50. Versammlung deutscher Naturforscher u. Aerzte, 1877. C. Von, lliid.; Ref. D. Z. f. Tli., 1878. S. 128. SiED,uiGnoTZKY u. Hofmeister, H. A., 1879. S. 243. Baoinsky, Virch. A., Bd. 87. E. Vorr, Zeitsohr. f. Biologie, 1880. S. 55. Tereci u. Arnold, Jf. J. B., 1882/83. S. 39. Kassowitz, Zeitsehr. f. Min. Medicin, 1884. Heft 2. Pommeh, Untersuchungen über Osteomalaoie u. Rachitis, 1887. Smr.mo u. v. Nehring, Med. Centralbl, 1890. Cremer, Sitz.-Ber. d. Oes. f.Morph. n. Phys. in München, 1891. 8. 124. - Cantiget, See, 1892. Nr. 12. Tapon, Ibid., 1894. Nr. 12. PmONE, Med. Centralbl., 1894. Nr, 38.
Allgemeine Bemerkungen über die Knochenerkrankungen.
Die ins Gebiet der internen Pathologie gehörigen Knochenkrankheiten, von denen die Osteomalacie und Eaollitis weitaus die wichtigsten sind,
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Osteoinalacio und Kachitis.
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könnten ihren Platz ebensogut im Capitel der allgemeinen Ernillirungs-störungeu angewiesen erhalten. Andererseits ist es seit lange üblich, dieselben mit Rücksicht auf das während des Lebens auffälligste Symptom der behinderten Bewegungsfähigkeit der erkrankten Thiere unter die Krankheiten des Bewegungsapparates einzureihen. Eine rein ätiologische Classiflcirung ist zur Zeit immer noch nicht möglich, da trotz zahlreicher experimenteller Untersuchungen die Aetiologie noch nicht hinreichend aufgeklärt ist. Auch die pathologische Anatomie ist bis jetzt nicht im Stande gewesen, eine klare Uebersicht über die Pathogenese der genannten Knochenkrank-heiten zu geben. Am meisten dürfte es sich noch empfehlen, die Knochenerkrankungen der internen Pathologie in zwei grosse Gruppen einzutheilen :
1.nbsp; In Knochenkrankheiten des ersten Lebensalters mit der Rachitis als Hauptkrankheit.
2.nbsp; nbsp;In Knochenkrankheiten des späteren Lebensalters, unter denen die Osteomalacie weitaus die wichtigste ist.
Ueber das Verhältniss der Rachitis zur Osteomalacie herrschen noch keineswegs übereinstimmende Ansichten. Beide Krankheiten sind jedoch offenbar verwandt. Darauf weist der Umstand hin, dass beide zu gewissen Zeiten mit einander in einer Herde oder in einem Stalle auftreten, und dass sich experimentell gleichzeitig-rachitische oder osteomalacische Veränderungen an einem und demselben Thiere erzeugen lassen; bei beiden ist ausserdem die Hauptursache in einer mangelhaften Kalkzufuhr zu suchen. Die anatomischen Veränderungen in den Knochen zeigen allerdings starke Verschiedenheiten, indess sind schon normal bedeutende Abweichungen im Baue des wachsenden und ausgewachsenen Knochens zu constatiren, so dass sich der verschiedene anatomische Befund bei Rachitis und Osteomalacie immerhin nur auf Altersverschiedenheiten des Knochens beziehen könnte, wornach beispielsweise die Rachitis als eine durch die Wachsthums-verhältnisse des jugendlichen Knochens modificirte Osteomalacie aufzufassen wäre. Demnach ist das Verhältniss beider folgendermassen festzustellen:
I.nbsp; nbsp;Die Osteomalacie ist eine Wiedererweichung des Knochens erwachsener Thiere in Folge einer Resorption seiner Kalksalze (Halisteresis).
II.nbsp; nbsp;Die Rachitis dagegen ist ein Weichbleiben der noch wachsenden Knochen jugendlicher Thiere in Folge mangelhafter Verkalkung derselben.
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üsteomalauio und Rachitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;071
Experimentelle Untersuchungen über die Aetiologie der Rachitis und Osteomalacie. Um die Ursachen der Rachitis und Osteomalacie genauer kennen zu lernen, sind eine grosse Anzahl experimenteller Untersuchungen gemacht worden, welche indess noch nicht zu einem allseitig befriedigenden Abschlüsse gelangt sind. Die Uesultate dieser Untersuchungen sind aber immerhin für das Ver-ständniss der Krankheiten selbst von wesentlicher Bedeutung geworden und müssen daher der detaillirten Besprechung derselben vorausgeschicid werden. Von besonderer Wichtigkeit für die Pathogenese sind die nachfolgenden 3 Theorien geworden, welche man kurz als Inanitions-theorie, Säuretheorie und Entzündungstheorie einander gegenüberstellen kann.
1. Die Inanitionstheorie nimmt als Hauptursache der beiden Knochenkrankheiten Kalkmangel in der Nahrung an. Von den in dieser Beziehung angestellten Fütterungsversuchen sind die von Roloff und Voit am beweiskräftigsten. Roloff erzeugte nämlich durch eine anhaltende Verfütterung kalkarmer Nahrung bei jungen Hunden und Schweinen ausgesprochene Erscheinungen der Rachitis, bei einer ausgewachsenen Ziege und einem Schafe sodann Osteomalacie. Die rachitischen Symptome bestanden in Lahmgehen, Verbiegung, Verkrümmung und Verdickung der Knochen, Anschwellung der Rippenknorpel (rachitischer Rosenkranz), Verengerung des Beckens, Verdickung der Gelenke, Bildung sog. Doppelgelenke, bärenfüssiger sowie dachsbeiniger, kuh-hessiger und säbelbeiniger Stellung, Auswärtsrichtung der KniegelenkeT Krümmung der Sprunggelenke, Verbiegung des Rückens, Infractionen, klammerigem und schwankendem Gange, Schwächezuständen, Schmerzen beim Berühren, Erscheinungen der Lecksucht etc. Ganz dasselbe Krankheitsbild erzeugte E. Vo i t durch eine länger fortgesetzte kalkarme Fütterungsweise bei jungen Hunden; dieselben zeigten nämlich ebenfalls ein Zurückbleiben der Verknöcherung, sowie geringere Festigkeit und Dicke der einzelnen Knochen mit allen Anzeichen der Rachitis; Epiphysenschwellung, Knickungen an den Rippen und am Schulterblatte, Verkrümmungen der Extremitäten, schwerfälligem, schmerzhaftem Gange bis zur völligen Unmöglichkeit des Gebrauches der Gliedmassen.
Diesen positiven Versuchen von Roloff und Voit, denen sich ausserdem noch andere von Chossat, Milne-Edwards und Lehmann anschliessen, stehen Experimente mit anscheinend negativem Resultate von Weiske gegenüber, dessen Versuchsthiere in Folge der kalkarmen Fütterung zwar zu Grunde gingen, .aber nicht rachitisch
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Ostcomalttcic! und Kncliitis.
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wurden. Hiegegen ist jedoch mit Recht der Einwand erhoben worden, dass die Weiske'schen Versuchstliiere nicht an Kalkmangel, sondern an Inanition überhaupt eingingen, noch ehe sich Veränderungen in den Knochen dabei ausbilden konnten; die Thatsache der experimentellen Erzeugung der Rachitis ist hiedurch in keiner Weise erschüttert. Die Lloloff-Voit'schen Füttorungsversuche werden aber auch durch vollständig übereinstimmende Beobachtungen aus der klinischen Praxis ergänzt und in ihrem Resultate bestätigt. Sowohl bei Rachitis als bei Ostcomalacie hat man nämlich von jeher ganz allgemein eine Kalkarnmth der Nahrung als Hauptursacho beschuldigt und sehr häufig auch nachgewiesen. Ausserdem hängt die Osteomalacie ganz offenbar bei trächtigen und milchenden Thieren mit einer vermehrten Ausfuhr von Kalk aus dem Körper zusammen. Endlich ist die Heilbarkeit beider Leiden durch vermehrte Zufuhr von Kalk eine besondere Stütze dieser'Anschauung; vergl. die Aetiologie und Therapie der einzelnen Krankheiten. Die Theorie der Kalkinanition ist also nicht nur durch das Experiment, sondern auch durch die That-saehen der Praxis als erwiesen zu betrachten.
2. Die Säuretheorie geht dahin, dass sich bei Katarrhen des Magens und Darmes, welche bei jungen Thieren besonders häufig vorkommen, aus der aufgenommenen Milch und den Kohlehydraten eine abnorme Menge Milchsäure bilde, und dass diese Milchsäure nach ihrem Uebertritte ins Blut die Kalksalze des Knochens auflöse und das Knochengewebe zur Wucherung reize. Heitzmann schien diese Theorie experimentell dadurch zu beweisen, dass er durch fortgesetzte subcutane Injection sowie durch Fütterung von Milchsäure bei Thieren Rachitis hervorbrachte. Indess konnten Roloff, Heiss, Tripier u. A. bei ihren Versuchen mit Milchsäure die Angaben Heitzmann's nicht bestätigen; Roloff ist vielmehr der Ansicht, dass die Rachitis in den Versuchen von Heitzmann durch die gleichzeitig verabreichte kalkarme Nahrung, nicht durch die Milchsäure erzeugt wurde (Heitzmann vermied bei der Fütterung seiner Versuchsthiere jede kalkreiche Nahrung, z. B. Knochen und Schwarzbrot). Auch die Angaben anderer Beobachter, welche in den rachitischen Knochen oder im Harne Milchsäure nachweisen wollten, zeigten sich bei genauerer Prüfung als irrthümlich; Virchow u. A. fanden die Reaction der frischen rachitischen Knochen immer alkalisch, genaue Analysen des Harnes konnten keine Milchsäure darin nachweisen. Endlich müsste die Milchsäure hei ihrem Uebergange ins Blut höchstwahrscheinlich rasch zu Kohlensäure und Wasser zersetzt oder in milch-
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Ostoomalacie und Rachitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;073
saure Salze umgeAvauclelt werden; auch haben andere stark saure Futtermittel, z. B. noch so grosse Mengen säurehaltiger Schlempe, niemals Knochenkrankheiten im Gefolge gehabt. Den richtigen Massstab für die Beurtheilung der Milchsäuretheorie geben wohl die Ex-perimentalversuche von Siedamgrotzky und Hofmeister an die Hand. Diese Autoren waren ebenfalls nicht im Stande, ein typisches Krankheitsbild von Rachitis oder Osteomalacie durch Verabreichung von Milchsäure bei ihren Versuchsthieren zu erzeugen, dagegen fanden sie die Menge der Mineralsubstanzen in den Knochen etwas verringert. Sie schliessen daraus, dass die lösende Wirkung der Milchsäure keine namhafte sein kann, und dass die ätiologische Bedeutung der Säure in Bezug auf die Erzeugung von Knochenkrankheiten durch die Versuche herabgedrückt erscheint, glauben jedoch, dass die Wirkung der Milchsäure hiebei nicht ganz unberücksichtigt bleiben darf. Die Milchsäure spielt nach alledem in der Aetiologie der Knochenkrankheiten nur eine Nebenrolle.
3. Die Entzündungstheorie erblickt in den beiden Knochenkrankheiten entzündliche Affeutionen des Knochengewebes, welche durch einen im Blute circulirenden entzündungserregenden Stoff hervorgebracht worden sind. Den Ausgangspunkt für diese Annahme bildeten die Versuche von Wegner, welcher nach lange Zeit fortgesetzter Darreichung kleinster Phosphormengen eine Verdickung der Knochen an den Diaphysen beobachtete. Daraus schloss Kassowitz, dass auch bei der Rachitis ein in seiner Wirkung dem Phosphor ähnlicher Stoff im Blute vorhanden sein müsse, welcher eine Entzündung des Knochens mit gesteigerter Vascularisation erzeuge, in deren Verlaufe es in Folge der Erweiterung der Blutgefässe zu einer Verhinderung der Kalkablagerung und in Folge der knochenauflösenden Wirkung der Blutkohlensäure zu einer Einschmelzung des Knochengewebes komme; in der That gelang es auch Kassowitz, bei Verabreichung grösserer Mengen Phosphors Knochenveränderungen zu erzielen, welche dem rachitischen Zustande vollkommen ähnlich waren. Ueber die Natur der entzündungserregenden Stoffe ist nichts Näheres bekannt; man muss hiebei an Infectionsstoffe denken, welche vom Blute aus wirksam sind (hämatogene Knochenentzündung). Schon Virchow hat die Osteomalacie des Menschen für eine parenchymatöse Knochenentzündung erklärt.
Nach Winckel handelt es sich um eine Ostitis chronica mit Entkalkung der Knochen von innen und gleichzeitigem, stellenweisem, neuem Anbau von Knochengewebe.
FrieiUiergo.v u. Friihnor, Pathol. u. Therapie il. HausthieiT. I. Bd. 4. Aufl. 48
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G74nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Osteomalacio.
Nach Petrone soll die Osteomalacie eine Infectionskraukheit darstellen, welche durch den von Winogradsky entdeckten Mikroorganismus der Nitrification in der Weise hervorgerufen wird, dass dieser Spaltpilz im Knochen salpetrige Säure bildet, welche die Kalksalze zur Auflösung bringt.
Fasst man alle Momente zusammen, so hat man es bei den genannten Knochenkrankheiten in der Hauptsache mit Inanitionszustiinden, d. h. Ernährungsstörungen des Knochengewebes, zu thun; die Mitbetlieiligung infectiöser bezw. entzündlicher Processe ist sehr wohl möglich; die Wirkung der Milchsäure auf den Knochen kommt dagegen kaum in Betracht. Weitere ätiologische Forschungen über das eigentliche Wesen der Rachitis und Osteomalacie sind dringend nöthig; dem gegenwärtigen Stande unseres Wissens entspricht vorerst am meisten die Annahme einer Kalkinanition. Deshalb werden im Folgenden beide Krankheiten auch unter diesem Hauptgesichtspunkte behandelt werden.
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A. Die Osteomalacie oder Knochenbrüchigkeit.
(Markflüssigkeit, Osteopsathyrosis.)
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Ostcomalacio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;675
1894.nbsp; S. 821.DlECKBRHOFF, Spec. Path., I. 1892. S. 590 ; II. 1894. S. 332. Hakms, Rinderkrkhtn., 1895. S. 228. Theileii, Schtv. A., 1895. S.38. Meltzer, D. th. W.,
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Vorkommen und Aetiologie. Die in der Literatur meist unter dem Namen Knochenbrüchigkeitquot; beschriebene Osteomalacie kommt am häufigsten beim Rinde, sodann auch bei Schafen, Ziegen und Schweinen vor. Am seltensten ist sie beim Pferde. Ausserdem wurde sie in zoologischen Gärten bei Giraffen und einzelnen Vogelarten beobachtet. Sie ist eine der ältest bekannten Krankheiten des Rindes, welche schon von Vegetius genauer beschrieben wird. In manchen Gegenden zeigt sie sich stationär und erreicht daselbst in gewissen Jahrgängen oft eine epizootische Verbreitung, so dass sie wegen ihres seuchenartigen Charakters selbst die Aufmerksamkeit der Regierungen auf sich zog. Sie tritt jedoch nicht selten auch sporadisch in einzelnen Gehöften oder Stallungen auf. Weitaus am häufigsten werden Milchkühe von der Krankheit befallen, viel seltener Arbeitsochsen oder Jungvieh, desgleichen alte Kühe. Insbesondere beschleunigt die Trächtigkeifc und Lactationsperiode die Entwicklung der Krankheit (Osteomalacia puerporalis). Je mehr Milch geliefert wird, um so intensiver ist der Verlauf des Leidens; umgekehrt tritt mit dem Versiegen der Milch gewöhnlich wieder eine Besserung auf; in manchen Gegenden erkranken die Thiere regel-mässig G8 Wochen nach dem Gebären. Alles dies deutet auf eine vermehrte Kalkabgabe seitens des Mutterthieres als Ursache der Krankheit hin.
Ausserdem wird allgemein Kaikarmuth des Bodens und Futters als Ursache der Osteomalacie beschuldigt. Moor- und Torfboden, kalkarmer Sandboden, plutonisches Gestein, an Phosphorsäure armer Boden auf der einen Seite; saure Gräser und Weiden, Missjahre mit dürftiger, kalkarmer Vegetation nach anhaltender Dürre im Sommer sowie überhaupt trockene Jahrgänge, wobei es an Flüssigkeit zur Lösung der Kalksalze im Boden und Ueberführung derselben in die Pflanzen fehlte, sowie die Verfütterung kalkarmer Nahrungsmittel, wie Kartoffeln und Rüben, auf der anderen Seite scheinen der Osteomalacie am häufigsten zu Grunde zu liegen. Interessant sind in dieser Beziehung chemische Untersuchungen von Cant iget: Proben verschiedener Erdböden ergaben einen Kalkgehalt von 245 in krankheitsfreien Gegenden, von 1025 in zuweilen betroffenen, von 9 in häufig heimgesuchten Distrikten; die entsprechenden Zahlen für Phosphorsäure waren 4,1 und 0,9. Man findet die Osteomalacie in Ueberein-
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(JTünbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Osteonmlacie.
Stimmung hiemit sehr oft, wenn auch nicht ausscliliesslicli, in kleineren ärmeren Wirthschaften, in welchen sehr extensive Futtermittel, wie Stroh und alle möglichen Abfälle von geringem Nälir-stoftgehalt verfüttert werden. Auch die schwere Löslichkeit und Resorbirbarkeit der analytisch relativ reichlich vorhandenen Kalksalze, z. B. in stark verholzten Futterpflanzen gibt zuweilen Veranlassung zur Entwicklung von Osteomalacie. Endlich kann Kalkarmuth des Trinkwassers Erkrankungen herbeiführen.
In früheren Zeiten wurden eine schlechte Beschaffenheit der Ställe (feuchte, zugige, kellerartige, kloakige und moderige Stallungen) sowie Erkältung als Ursachen besonders hervorgehoben (Osteo-malacia rheumatica). Ob sie jedoch an und für sich Osteomalacie erzeugen können, ist mehr als fraglich; dagegen sind sie offenbar im Stande, bei gleichzeitigen schlechten Ernährungsverhältnissen den Ausbruch der Krankheit zu beschleunigen. In ähnlicher Weise können auch schwächliche oder durch das Ueberstehen von Krankheiten (Maul-und Klauenseuche) geschwächte Thiere eine Prädisposition für Knochenerkrankungen besitzen. Ueber die etwaige Einwirkung von Infectionsstoffen ist zur Zeit nichts bekannt. Wahrscheinlich wirken indessen bei der Osteomalacie, ähnlich wie bei der Rachitis, verschiedene ätiologische Factoren zusammen.
Beim Menschen unterscheidet man ausserdem eine juvenile, senile, und nervöse Form der Osteomalacie.
Anatomischer Befund. Die anatomischen Veränderungen der Knochen bei der Osteomalacie bestehen der Hauptsache nach in einer von innen nach aussei) fortschreitenden Entkalkung und Erweichung der normalen Knochen mit Hyperämie, Umwandlung der Knochensubstanz in faseriges, weiches Gewebe, Verfettung und Atrophie der Knochenkörperchen, Erweiterung der Markhöhle, zunehmender Verdünnung der Rinde, sowie Umwandlung des Markes in eine gallertartige, weiche Masse. Die auffälligsten Veränderungen findet man an den Rumpfknochen und den oberen Knochen der Extremitäten. Je nach dem Krankheitsgrade ist der Befund ein verschiedener.
1. Im Anfange der Krankheit und in leichten Fällen findet man nach Roloff bei oberflächlicher Untersuchung nichts Krankhaftes; bei genauerer Besichtigung dagegen fällt ein vermehrter Blutgehalt der erkrankten Knochen, eine Erweiterung der Grefässe und gefässführenden Canäle auf. Der Durchschnitt des Knochens zeigt
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Osteonmlacie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(377
feine Elufcpimkte, das Mark ist von zahlreichen kleinen Extravasaten durchsetzt, das Knochengewebe in der Umgebung der erweiterten Havers'schen Caniile zeigt geringgradige Veränderungen^
2.nbsp; nbsp;In höheren Graden ist die Hyperämie eine stärkere; die Aussenf lache der Rinde, sowie der Durchschnitt des Knochens sind stark roth punktirt, das Mark ist sehr hyperämisch und von Hämor-rhagien durchsetzt. Die Markräume selbst sind erweitert. In der Diploe und auf der Innenfläche der Rinde finden sich zahlreiche feine, aus dem Zusammenhange gelöste Knochenplättchen. Der Knochen ist leichter zu sägen und zu schneiden, sein Klang Ist nicht mehr so hell. Mikroskopisch ist die homogene Struktur der Knochensubstanz verschwunden, dieselbe erscheint an einzelnen Stellen durchsichtiger, die Knochenkörperchen sind hier vergrössert und durchscheinend, bekommen eine ovale, runde, selbst polyedrische Form, ihre Ausläufer verschwinden, die Knochenzcllen gehen allmählich in Fettzellen über. Das Ganze stellt eine herdweise Umwandlung der Knochen Substanz in osteoides und schliesslich in Markgewebe dar.
3.nbsp; In den höchsten Graden der Osteomalacie nimmt die Hyperämie des Knochens und des Markes immer mehr zu, die Rinden-substanz wird spongiös, mürber und weicher, Rinde und Diploe verschwinden mehr und mehr, die Marksubstanz nimmt dagegen zu, verdrängt die Rinde von innen nach ausscn und rückt auch in die Epiphysen hinein vor; es stellen sich Knochenbrüche ein. Das Mark selbst wird, wenn gleichzeitig allgemeine Ernährungsstörungen auftreten, weich, sulzig, selbst wässerig und zeigt eine schmutzig gelbliche Farbe. Das specifische Gewicht des Knochens nimmt ab, indem die Kalksalze desselben bis über die Hälfte des Normalen vermindert sein können; der Wassergehalt nimmt dagegen zu. Aussei- diesen Processen an den Knochen findet man zuweilen auch in den Gelenken eine Ansammlung röthlicher Flüssigkeit. Die übrigen Körperorgane sind im Anfange der Krankheit nicht pathologisch verändert. Späterhin bei zunehmender Abmagerung und Schwäche findet man die Erscheinungen der Kachexie: hydrämische Blutbeschaffenheit, Transsudate in den Körperhöhlen, allgemeine Fettarmuth, welke verfärbte Muskulatur, sulzige Infiltration im Zellgewebe u. s. w.
Symptome. Die Osteomalacie tritt in der Regel nicht gleich von Anfang an nach aussen in die Erscheinung, Es können vielmehr trotz vorgeschrittener Verändei-ungen in den Knochen äussere Krank-
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078nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Üsteomalacie.
heitsersclieinungen oft lange Zeit hindurcli fehlen, so besonders Schmerzäusserungen und Abmagerung; auch die Milchsecretion bleibt oft auffallend lange ganz normal. Häufig gehen dem Ausbruche der Krankheit leichte Verdauungsstörungen voraus, auch beobachtet man nicht selten leck süchtige Erscheinungen, welche indessen ebenso gut auch fehlen können. Bei hochtrilchtigen Kühen kann die Krankheit indessen auch ganz plötzlich auftreten. Gewöhnlich kommt nur das vorgeschrittene Krankheitsbild zur Beobachtung. Man findet dann einen schmerzhaften, gespannten, steifen Gang oft auf mehreren Füssen zugleich, wobei die Lahmheit zuweilen plötzlich nach vorausgegangenen Anstrengungen oder Märschen auftritt. Die Thiere wechseln im Stehen häufig mit den Füssen, trippeln hin und her, zucken mit den Hinterbeinen, äussern Schmerzen beim Aufstehen und Niederlegen, beim Koth- und Harnabsatz, beim Druck auf die Schulter, den Widerrist, die Lendengegend und liegen zuletzt anhaltend. Insbesondere erscheinen Ziegen oft völlig gelähmt und zeigen bei jeder Berührung ganz ausserordentliche Schmerzen. Hiezu gesellen sich unter Umständen Gelenkanschwellungen, Knacken in den Gelenken, überhaupt die Erscheinungen einer Gelenkentzündung, welche jedoch angeblich nicht bei ruhenden Thieren, sondern nur nach vorausgegangener Bewegung in Folge Zerrung der Sehnen und Bänder mit Lockerung der Periostanheftungen und Ueber-gang der Entzündung auf die Synovialkapsel entstehen. Weiterhin kommt es zu Knochenbrüchen, Infractionen und Verrenkungen, und zwar ereignen sich dieselben nach den geringfügigsten Veranlassungen, so beim Aufstehen, Niederlegen, Umdrehen, Ausgleiten, während des Gebäractes. Am häufigsten sind Becken-und Rippenbrüche; die ersteren kommen mit Vorliebe am Darmbein in der Nähe der Hüftgelenkspfanne vor. Sehr oft findet man auch mehrere Brüche an einem Becken; Maris sah z. B. das Becken bei einer Kuh nicht weniger als 15mal gebrochen. Alle diese Knochenbrüche sind sehr wenig schmerzhaft und haben nur eine geringe Neigung zur Heilung. Die vielfach bestrittene Möglichkeit der Callusbildung scheint jedoch nach Roloff's Beobachtungen erwiesen zu sein.
Im weiteren Verlaufe der meist mehrere Monate andauernden Krankheit entwickelt sich nun allmählich eine allgemeine Abmagerung; die Haut wird trocken und derb (Harthäutigkeit), die Futteraufnahme wird schlechter, die Schwäche nimmt überhand, es bildet sich in Folge des andauernden Liegens Decubitus aus. Hering
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Osteomalacie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(J79
beobachtete auch mehrmals grindartige Ekzeme auf der Haut. Schliess-lich gehen die Thiere an hochgradiger Kachexie zu Grunde.
Osteomalacie des Pferdes. Dieselbe i.st wegen der im Vergleiche zum Rinde wesentlich besseren Ernährung desselben, insbesondere wegen der Verfütterung von kalk- und phosphorsäurereichen Körnerfrüchten eine viel seltenere. Anhaltende Fütterung mit gehaltloser Nahrung (Kaff, Kleie, ausgelaugtes Heu, Stroh) bei gänzlichem Entziehen des Hafers, schlechte, feuchte Stallungen, Erkältungen u. s. w. pflegen beim Pferde die wichtigsten Ursachen der Osteomalacie zu sein. Wahrscheinlich erkranken auch rachitische Fohlen spätei'hin an Osteomalacie. Die Erscheinungen bestehen theils in Disposition zu Knochen brächen, theils in Auftreibungen des Ober- und Unterkiefers mit Lockerwerden der Zähne, theils in steifer, sägebockartiger Stellung, hochgradiger Schmerzhaftigkeit bei Bewegungen, periodischer Lahmheit, Kreuzschwäche, Karpfen- bezw. Senkrücken, tonnen-förmiger Brustwölbung, Empfindlichkeit der Muskeln bei Berührung. Bei der Section findet man ähnliche Veränderungen wie beim Rind. In einem von Baltz beschriebenen Falle waren beispielsweise die ganze Wirbelsäule und die Rippen so weich, dass man sie bequem mit dem Messer schneiden konnte. Die Querfortsätze der Lendenwirbel Hessen sich wie Pappestreifen aufrollen. Die Behandlung ist dieselbe wie beim Rinde.
Prognose. Die Vorhersage richtet sich bei der Osteomalacie ganz darnach, ob eine Aenderung in den äusseren Verhältnissen der erkrankten Thiere möglieli ist oder nicht. Schon sehr weit vorgeschrittene Fälle können noch inHeilung übergehen, wenn ein Futterwechsel, eine Translocation in andere Gegenden, oder eine rationelle medicamentöse Behandlung (Calcium-Phosphat, Phosphor) vorgenommen werden kann. Erlauben jedoch die Umstände eine derartige Veränderung nicht, und in den meisten Fällen lässt sich dieselbe eben aus finanziellen Gründen nicht durchführen, so sind die Thiere, wofern sie nicht frühzeitig geschlachtet werden, im Allgemeinen als verloren zu betrachten, insbesondere dann, wenn schon Knochenbrüche aufgetreten sind. Nicht selten wird nach Ablauf der Lactationsperiode eine spontane Besserung beobachtet; dieselbe hält indess nur so lange an, als keine erneute Befruchtung stattgefunden hat. Nach Krabbe wurden im Jahre 1877 in Norwegen unter 3240 osteomalacischen Kühen 281 wegen Unheilbarkeit getödtet (gleich 9 Proc). Nach Bongartz betrug die Zahl der Wiederhergestellten nur 2025 Proc.
Differentialdiagnose. Die Erkennung der Osteomalacie im ausgebildeten Stadium, wenn bereits Knochenbrüche vorgekommen sind, ist nicht gerade schwer. In früheren Stadien dagegen, in welchen die Krankheitserscheinungen weniger charakteristisch sind, kann sie
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680nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Osteomalacie.
besonders mit Muskel- und Gelenkrheumatismus verwechselt werden, um so mehr, als Complicationen mit den beiden letzteren Krankheiten nicht selten zu sein scheinen. Bei sporadischem Auftreten der Osteomalacie ist eine sichere Unterscheidung zwischen beiden im Anfang oft unmöglich; bei epizootischer Verbreitung der Krankheit indess, und bei Berücksichtigung der ätiologischen Momente wird die Erkennung wesentlich erleichtert. Nach Anacker sollen die osteo-malacischen Knochen im Gegensatze zu den tief und voll klingenden gesunden einen hellen und hohlen Ton bei der Percussion geben. Eine Verwechslung mit Rachitis ist insoferne kaum denkbar, als letztere nur jüngere Thiere befällt, während die Osteomalacie ausschliesslich bei erwachsenen angetroffen wird. Bei Ziegen endlich sind früher offenbar akti no my kotische Auftreibungen der Kopfknochen für Osteomalacie gehalten worden; schon der Sitz des Leidens spricht hier neben der Verschiedenartigkeit des Processes in den Knochen gegen Osteomalacie.
Therapie. Die Behandlung der Osteomalacie erfordert in erster Linie die Abstellung der Ursachen. Vor Allem ist, wenn immer möglich, ein Futterwechsel vorzunehmen, wobei hauptsächlich die Qualität des Futters zu verbessern ist. Insbesondere empfiehlt sich die Verabreichung kalkreicher Futtermittel, wie Hülsenfrüchte, Hafer, Kleeheu, Oelsamenkuchen, Bohnen- und Erbsenstroh; auch ein Wechsel des Trinkwassers kann unter Umständen noting werden. Das beste ist immer die Ueherführung der kranken Thiere in eine andere, futterreichere Gegend; dieselbe ist indessen nur in den wenigsten Fällen möglich. Es bleibt daher sehr häufig nichts Anderes übrig, als durch rationelle Düngung und Drainirung des Bodens allmählich günstigere Futterverhältnisse anzustreben; die besten Düngungsmittel zu diesem Zwecke sind das Knochenmehl und das Kalksuperphosphat.
In zweiter Linie handelt es sich um die Verabreichung von phosphorsaurem Kalk in einer möglichst verdaulichen Form; am besten ist in dieser Beziehung das präparirte (aufgeschlossene) Knochenmehl, welches in täglichen Dosen von 2550 g (auf jedes Futter einen Esslöffel voll) dem Futter beigemischt wird. In Ermangelung desselben gibt man das Calcium phosphoricum crudum in gleicher Dosis. Auch der Phosphor selbst kann in kleinen, länger fortgesetzten Dosen verabreicht werden (0,010,05 pro Rind und Tag in öliger Lösung). Daneben kann durch die Anwendung verdauungsbelebender
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Rachitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 681
Mittel die Aufnahme der Nahrungsstoffe und des Kalkes befördert werden. Harms hebt besonders die günstige Wirkung der Salzsäure hervor. Roloff hat zur Vermeidung einer allzugrossen Kalkabgabe seitens der erkrankten Thiere ein unvollständiges Ausmelken der Milchkühe vorgeschlagen; noch besser wäre eine völlige Ausschliessung derselben von der Zucht während der Dauer der Krankheit. Beide Massregeln sind jedoch gewöhnlich wegen ökonomischer Gründe nicht durchführbar.
Beim Menschen hat man seit dem Jahre 1888 gegen die Osteo-malacie der Frauen die Castration mit theilweise gutem Erfolge ausgeführt. Die versuchsweise Ausführung dieser Operation bei knochenbrüchigen Kühen ist jedoch nur in relativ frühem Stadium angezeigt. Da die Ovariotomie beim Rind erfahrungsgemäss leicht ertragen wird, kann namentlich bei epizootischem Auftreten der Knochenbrüchigkeit die Castration probeweise vorgenommen werden.
Osteoporose. Mit diesem Namen bezeichnet mau in der pathologischen Anatomie eine Erweiterung der Havers'schen Canille mit Atrophie und Eesorption der compacten Knochensubstanz, wobei der Knochen porös wird (rarefioirende Knochcnentzündungj. Man findet z. B. Osteoporose im Verlaufe der Osteomalacie. Diese Osteoporose als eine besondere klinische Krankheitsform aufzufassen, halten wir für nicht berechtigt. Die Resorption des Knochens vom Marke aus wird wohl auch excentrische Knoehen-atrophie genannt; bei äusserer Eesorption kommt es zur concentrischeii Knochenatrophie. Beide findet man ebenfalls bei Osteomalacie; sie sind ebensowenig eine selbstständige Krankheitsform, wie die mit ihnen verwandte Osteoporose.
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B. Die Rachitis.
(Knochenweiche, Gliederkrankheit, Zwergwuchs.)
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Rachitis.
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Krüscli- oder Kl ci enkr ankhei t der Pferde. Pltz, l'iHz'sche Z., 1873.
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ältere Litoraturang-abeu; HaubnbR'Siedauorotzky, L. Th., 1893. S. 230. Hai-
bold, S. J. R., 1861. S. 116. Harms, Mag., 1871. S. 261. SCHNEIDER, D, X. f.
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Vorkommen und Aetiologie. Die Rachitis ist ausschliesslich eine Erkrankung des jugendlichen Alters und kommt weitaus am häufigsten bei jungen Schweinen und Hunden, weniger häufig bei Fohlen und Kälbern vor; ausserdem wurde sie bei jungen Löwen und beim Geflügel beobachtet. Unter 70,000 dem Berliner Hunde-spitale in den Jahren 18861894 zugeführten kranken Hunden befanden .sich 236 Fälle von Rachitis (0,3 Proc.). In einzelnen Fällen ist das Leiden schon angeboren (fötale Rachitis). So berichtet z. B. Marchi über angeborenen Rachitismus des Rindviehs im Val Chiana (Toscana). Die Ursachen stimmen im Wesentlichen mit denjenigen der Osteomalacie überein. Auch hier bildet ein Mangel an Kalk in der Nahrung die Hauptursache, wie dies ja auch durch zahlreiche Fütterungsversuche mit kalkarmem Futter festgestellt ist. Zunächst kommt eine kalkarme Milch in Betracht, wie sie besonders von osteomalacischen Müttern geliefert wird. Bei Schweinen sodann ist die Ursache sehr häufig in der Verabreichung zu grosser Mengen gehaltlosen, unverdaulichen, kalkarmen Futters, z. B. von Küchenabfällen, oder in ausschliesslicher Kartoffelfütterung zu suchen, weshalb die Rachitis bei Ferkeln vorwiegend nach guten Kartoffelernten zum Ausbruch kommt (Utz). Bei Hunden wird die Rachitis häufig durch ausschliessliche Verfütterung von Brot, Kartoffeln oder Hundekuchen hervorgerufen; es kann indessen auch ausschliessliche Fleischfütterung eine Rachitis im Gefolge haben, wenn keine Knochen damit verabreicht werden, wie dies Roll auch bei jungen Löwen beobachtete. Bei Fohlen ist ausschliessliche Kleien-fütterung die wichtigste Ursache der Rachitis (sog. Kleienkrankheit); Rachitis lässt sich bei Fohlen experimentell durch Kleie erzeugen (Schäfer). Indirect ist ferner Kalkmangel des Bodens von Ein-fluss auf die Entstehung der Rachitis; Utz sah die Krankheit beispielsweise viel weniger auf Muschelkalk, als auf buntem Sandstein, Granit und Gneis.
Die Wirkung der kalkarmen Nahrung wird unterstützt und beschleunigt durch eine fehlerhafte Aufzucht. Die mit allen Mitteln
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Rachitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 683
angestrebte Mästung der Ferkel vor der Skeleteutwicklung, die unnatürliche Treibhauspflege, die Ueberfüllung der Stallungen, die unreine, verdorbene Luft, der Mangel an Sonnenlicht, die fehlende naturgemässe Bewegung der Thiere im Freien erklären es zur Genüge, dass die Rachitis vorzugsweise nur bei Stallschweinen, viel seltener bei Weideschweinen vorkommt. Von einigen Beobachtern wird auch Erkältung als Krankheitsursache (wenn auch wahrscheinlich nur von secundärer Bedeutung) angegeben, und es werden besonders nasse, zugige Stallungen mit kaltem Betonpflaster (Stockfleth) beschuldigt. Weiterhin mögen auch Magendarmkatarrhe in Folge der hiebei stattfindenden geringeren Ausnutzung der Kalksalze des Futters, und vielleicht in Verbindung mit einer vermehrten Milchsäurebildung, von unterstützender Wirkung sein. Es wird wenigstens die fortgesetzte und ausschliessliche Verabreichung saurer Milch bei den Schweinen als Ursache beschuldigt. Endlich scheinen gewisse Rassen, besonders feinere Schweinerassen, eine vererbliche Anlage zu Rachitis zu besitzen, indem die Krankheit seit der Einführung namentlich der englischen Schweinerassen bei den Ferkeln offenbar im Zunehmen begriffen ist. Ueber die Mitwirkung von Infectionsstoffen ist auch bei der Rachitis zur Zeit nichts Sicheres bekannt.
Anatomischer Befund. Die wesentlichen anatomischen Veränderungen bestehen bei der Rachitis in einem Weich bleiben der Knochen in Folge mangelhafter Kalkablagerung, sowie in eigenthümlichen Wucherungsprocessen am Periost und den Epiphj^senknorpeln.
1.nbsp; nbsp;Das Periost ist hyperämisch und zeigt auf seiner inneren Seite eine starke Wucherung und Verdickung der knochenbildenden Schichte, wobei indess das neugewucherte Gewebe nicht verkalkt, sondern grösstentheils weich bleibt; erst später verknöchert dieses weiche Gewebe, wodurch die Knochen dicker und plumper erscheinen und umschriebene Hyperostosen erkennen lassen. Derartige periostale Wucherungen findet man besonders an den Anheftungsstellen der Muskeln, so bei Schweinen an der Insertionsstelle des Psoas magnus und Iliacus internus am Femur, sodann sehr häufig am Höcker des Calcaneus; auch kann sich das verdickte Periost an einzelnen Knochen in Folge des Zuges der Muskeln vom Knochen ablösen, so bei Schweinen von der Scapula.
2.nbsp; nbsp;Die Hauptveränderungen des rachitischen Knochens zeigen sich an der Epiphysengrenze und bestehen hier in einer abnormen
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Wucherung des Epiphysenkuorpels ohne genügende Verkalkung. Während näinlich normal der Knorpel zwischen Epiphyse und Dia-physe von der letzteren durch zwei dünne, einander parallel verlaufende Schichten, die Wucherungsschichte und Verknöcherungsschichte, getrennt ist, zeigt sich beim rachitischen Knochen die Wucherungsschichte ausserordentlich entwickelt, während die Verknöcherungsschichte zurückbleibt; die beiden verlaufen zu einander auch nicht mehr parallel, sondern greifen zackig in einander über. Sodann findet man in der gewucherten Knorpelschichte versprengte Herde von Markraumbildung und Verkalkung: die Mark-raumbildung ist also im rachitischen Knochen über die Ossificationslinie hinaus vorgerückt. Diese abnorme Wucherung des Epiphysenkuorpels führt zu einer Verdickung und Anschwellung der Epiphyseu, welche erst bei längerer Dauer der Krankheit verknöchern, ausserdem zu einer Verkrümmung und Ver-biegung der Röhrenknochen, und endlich zu einer Verschiebung der Epiphysen, indem dabei die Verbindung zwischen Epiphysen und Diaphysen gelockert wird.
Es ergeben sich also aus dieser Wucherung des Knorpels und Periostes zahlreiche Veranlassungen zu Deformitäten der Knochen. Dieselben bleiben im Wachsthum zurück (Zwergwuchs), sind kurz, plump und verdickt, zeigen Auftreibungen, besonders in der Xähe der Gelenke (sog. Doppelgelenke) und verbiegen sich leicht. An den Extremitäten entstehen so eigenthümliche dachs-bein- oder s ab elbein artige Verkrümmungen, an der Wirbelsäule höckerartige Erhöhungen oder starke Einsenkungen (die Verkrümmungen nach oben, wobei ein Karpfenrücken entsteht, heissen Kyphosen, die nach unten, mit Senkrückenbildung, Lordosen, die seitlichen Verkrümmungen endlich Skoliosen), am Thorax kommt es zur Ausbildung einer sog. Hühnerbrust, am Becken zu einer Verengerung der Durchmesser. Die Knochen erleiden selbst Infractionen und Fracturen. Sehr häufig wird auch die Verbindung der Rippen mit den Eippenknorpeln befallen; die abnorme Knorpelwucherung erzeugt hier den sog. rachitischen Rosenkranz. Auch an den Schädelknochen hat Schütz bei Hunden eigenthümliche rachitische Veränderungen beobachtet; während nämlich gesunde junge Hunde mit vollständig geschlossenen Schädelknochen geboren werden, fand er bei rachitischen Thieren zwischen den einzelnen, meist auch verdünnten Schädelknochen Lücken, also Fontanelle. Secundär betheiligen sich endlich an den Veränderungen der Knochen auch die Gelenke; in
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Folge der Weichheit und Nachgiebigkeit der Knochen sind nämlich die Gelenkbänder Zerrungen und Dehnungen mehr als sonst ausgesetzt, weshalb sich häufig Complicationen der Rachitis mit Gelenkentzündungen einstellen.
Symptome. Die Entwicklung der Rachitis ist immer eine schleichende, allmähliche; gewöhnlich erstreckt sie sich über mehrere Monate. Die Erscheinungen sind bei den einzelnen Thiergattungen im Wesentlichen dieselben.
1. Beim Schweine sollen dem Ausbruche der Rachitis in einzelnen Fällen lecksüchtige Symptome vorausgehen. Meist ist jedoch ein steifer, gespannter Gang die erste auffallende Erscheinung (sog. Klammquot; der Ferkel); die Thiere krümmen ferner den Rücken, heben die kranken Beine zuckend in die Höhe und sind mit Mühe zum Aufstehen zu bewegen. An den Epiphysen in der Nähe der Gelenke, sowie an den Rippenenden in der Nähe des Sternums zeigen sich Knochenauf treibungen, welche schmerzhaft anzufühlen sind. Weiterhin kommt es zu Verkrümmungen und Verbiegungen der Knochen; die Füsse erhalten eine rück- oder vor biegige, nicht selten auch eine dachsbeinige, säbelbeinige oder kuhhessige Stellung, die Hinterfüsse berühren oft mit dem Sprungbein den Boden. Starker Druck auf die gebogenen Knochen erzeugt unter Umständen ein krepitirendes Geräusch. Die Wirbelsäule wird entweder hervorgewölbt (Karpfenrücken, Kyphose) oder senkt sich ein (Senkrücken, Lordose) oder biegt sich nach der Seite aus (Skoliose), das Becken wird seitlich an den Hüftgelenken zusammengedrückt und kann später zu Geburtsstörungen Veranlassung geben (rachitisches Becken). Zuweilen beobachtet man gleichzeitig auch eine Auftreibung der Nasen- und Kieferbeine, sowie des Unterkiefers, wodurch das Kauen erschwert und die Athmung beengt wird; dieser Zustand stellt dann eine Form der sog. Schnüffelkrankheit dar. Das Wachsthum der Thiere ist dabei gehemmt, sie bleiben häufig zwergartig; auch der Zahnwechsel ist meist verzögert. Zu den Verkrümmungen der Knochen gesellen sich bald Gelenkentzündungen mit Anschwellung und Auftreibung der Gelenke, besonders des Sprung-, Carpal- und Fesselgelenks. Im weiteren Verlaufe wird die Fresslust immer schlechter, die Thiere magern stark ab, bekommen Durchfälle, sind im Hintertheil gelähmt und liegen zuletzt anhaltend. Zuweilen beobachtet man ausserdem grindartige Hautausschläge, sowie Bron-chialkatarrhe. Schliesslich gehen die Thiere kachektisch zu Grunde.
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2.nbsp; nbsp;Die Rachitis bei Hunden äussert sich ebenfalls in Knochen-auftreibungen, besonders auch in knopfförmigen Verdickungen an der Grenze zwischen Hippen und Rippenknorpeln (rachitischer Rosenkranz), Verkrümmung der Extremitäten (Dachsbeine, Säbelbeine), hauptsächlich des Radius und der Ulna nach vorne, unbeholfenem, schmerzhaftem Gange, Auftreten mit der ganzen Sohle, wobei selbst das Fersenbein mit dein Boden in Berührung kommt, Anschwellungen der Gelenkenden (doppelte Gelenke), Ausbildung einer Hühnerbrust (Zunahme des Durchmessers zwischen Wirbelsäule und Sternum, Abnahme des Querdurchraessers der Brusthöhle) u. s. w. Häufig ist der Zahnwechsel gestört und verlangsamt, die Zähne sind abnorm klein und zeigen Defecte am Schmelze. Ausserdem sind die Hunde zu Ausschlägen geneigt.
3.nbsp; nbsp;Beim Pferde ist zunächst Zurückbleiben im Wachsthum, sowie leichtes Ermüden bei der Arbeit zu beobachten. Die Knochenauf-treibungen befinden sich auch hier vorwiegend an den Epiphysen der Extremitätenknochen, besonders am Schienbein, sowie an den Kopfknochen. An den letzteren scheinen sie häufig durch den Druck der Halfter, vor Allem am Nasenbein, hervorgerufen zu werden. Auch sind Auftreibungen der grossen Kieferbeine, vielleicht durch den Druck von Seiten der Backzähne veranlasst, nicht selten; dieselben können selbst zu Verengerung der Nasenhöhle, Erschwerung der Athmung und chronischem Nasenkatarrh führen. Die Verkrümmung der Extremitätenknochen ist gewöhnlich nicht so hochgradig, wie bei Ferkeln und Hunden; doch kommen auch bei [Fohlen Verbiegungen der Vorderbeine vor, wie man sie bei Dachshunden antrifft. Sehr häufig zeigen aber rachitische Fohlen eine bockbeinige Stellung, Ueberköthen, hären tatzige Stellung der Hinterbeine und einen hinkenden Gang. Auch die Gelenke, wie z. B. das Sprunggelenk (spatähnliche Knochenauftreibungen) und Vorderknie-Gelenk, sind nicht selten verdickt. Die Thiere zeigen ferner Neigung zu Knochenbrüchen. Der Rücken ist häufig eingesenkt^(Senkrücken) oder erhöht (Karpfenrücken), der Zahnwechsel verzögert. Dann und wann äussern die erkrankten Thiere durch Scharren mit den Füssen, Hin- und Hertrippeln, Zucken mit den Hinterbeinen, sowie durch Stöhnen Schmerz. Ausserdem scheint die rachitische Affection bei Fohlen, ähnlich wie bei Ferkeln, zu Ekzembildungen auf der Haut, zu Bronchial- und Darmkatarrhen, zu Decubitus und zu Schwellung der Schilddrüse zu prädisponiren.
4.nbsp; nbsp;Beim Rinde bestehen die rachitischen Erscheinungen, wie bei
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den anderen Thieren, gleichfalls in Verdickung der Knochen, besonders der Carpal- und Tarsalknochen, Verkrümmung des Rückens und der Extremitätenknochen (X-Beine, kuhhessige Stellung), rachitischem Rosenkranz, rachitischem Becken, sehr schmerzhaftem Gange, anhaltendem Liegen.
5. Unter dem Geflügel kommt die Rachitis (Beinweiche) nach Zürn am häufigsten bei '/iV2jährigen Hühnern, seltener bei Tauben, Gänsen oder Enten vor. Die Erscheinungen bestehen in anhaltendem Sitzen, erschwertem Gehen, knotigen Auftreibungen an den Gelenkenden der Extremitäten- und Plügelknochen, Weichheit und Biegsamkeit, sowie Verkrümmungen der Knochen, Verbiegung des Brustbeins u. s. w., Abzehrung und Blutarmuth.
Prognose. Die Vorhersage ist bei Rachitis, ähnlich wie bei Osteomalacie dann günstig zu stellen, wenn eine Beseitigung der Ursachen möglich ist. Es können in Folge rationeller Behandlung auch sehr weit vorgeschrittene Veränderungen an den Knochen bei noch jungen Thieren sich wieder zurückbilden. Freilich lassen sich abnorme Stellungen, eingesenkte Rücken, rachitische Becken- und Thoraxformen nicht mehr zur Heilung bringen. Es ist deshalb bei weniger werthvollen Thieren, wie z. B. bei Schweinen, eine baldige Schlachtung im letzteren Falle vorzuziehen, da derartig verkrüppelte Thiere späterhin nicht viel ökonomischen Nutzen einbringen.
Differentialdiagnose. Eine Verwechslung der Rachitis ist eigentlich nur mit pyiimischer Arthritis und acutem Gelenkrheumatismus möglich. Abgesehen von den hier fehlenden Auftreibungen und Verbiegungen der Knochen, unterscheiden sich die beiden Krankheiten durch ihren plötzlichen Eintritt und den raschen, fieberhaften Verlauf; die pyämischen Gelenkentzündungen sodann durch ihren eiterigen Charakter,
Therapie. Das Hauptmittel bei der Behandlung der Rachitis besteht in der möglichst frühzeitigen und fortgesetzten Verabreichung von Phosphor. Man gibt zu diesem Zwecke älteren Fohlen Einzeldosen von 0,010,05, Hunden von 0,00050,002 Phosphor, in Oel oder Leberthran gelöst. Für Pferde verordnet man beispielsweise Rp. Phosphori 0,250,5; 01. Jecor. Aselli 300,0. M. f. Solutio. D.S., täglich einen Esslöffel voll im Kleienschlapp zu geben. Für Hunde
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Rachitis.
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oder Schweine: Itp. Phosphor. 0,05; 01. Jecor. Aselli 300,0. M. f. Solutio. D. S., täglich einen Esslöffel (für kleine Thiere einen Thee-loffel) voll einzugeben. Beim Geflügel gibt man die letztgenannte Phosphorlösung tropfenweise. In zweiter Linie kommt als Mittel ähnlich wie bei der Osteomalacie die vermehrte Zufuhr von Kalk. Das präparirte Knochenmehl, je nach der Grosse der Thiere zu einem Thee- bis Esslöffel voll dem Futter beigemengt, bei Hunden wohl auch das officinelle Calcium phosphoricum in täglichen Dosen von 0,55 g haben sich gut bewährt. Gleichzeitig ist womöglich die Fütterung zu wechseln, übermässige Futtermengen sind zu vermeiden, vorhandene Magen-Darmkatarrhe zu beseitigen und die Zuchtverhältnisse zu bessern. Bei Schweinen muss vor Allem eine natur-gemässere Lebensweise an die Stelle der ungesunden Stallaufzucht treten,' und es ist hauptsächlich für genügenden Aufenthalt im Freien zu sorgen. Nach Merz behandeln die Bewohner der Umgebung des Ammersees ihre rachitischen Küchlein erfolgreich in der Weise, dass sie Fische verfüttern. Ausser der stickstoffreicheren Nahrung kommt hier wahrscheinlich noch das kalkreiche Skelet der gefütterten Fische in Betracht.
Kleien- oder Krüschkrankheit. Das in der Literatur unter diesem Namen beschriebene Knochenleiden der Pferde ist in der Hauptsache bei Fohlen rachitischen Ursprungs. Die Krankheit wird durch anhalten de Kleienfütternng bedingt und kommt daher meist bei Müllerpferden vor. Die ersten Erscheinungen bestehen in Verdauungsstörungen, Ver-, stopfung, Mattigkeit, leichtem Ermüden, starkem Schwitzen bei der Bewegung u. s.w., worauf sich Kn ochen auftrei bungen besonders in der Nähe des Carpal- und Tarsalgelenkes mit Labmgehen und periodischen Schmerzanftlllen, sowie solche an den Kopfknochen und zwar namentlich an den Kiefer- und Nasenbeinen, Erschwerung der Eutter-aufnahme und des Abschluckens, Ausfallen der Ziihne u. s. w. einstellen; schliesslich geben die Thiere an Kachexie und Anämie zu Grunde. Sofern dieses Krankheitsbild bei jüngeren Thieren auftritt, ist es von der Rachitis nicht zu unterscheiden. Die Kleie ist für die Aufzucht der Füllen ein ebenso ungeeignetes, kalkarmes Futter, wie die Kartoffeln für Ferkel. Eine ausschliessliche Fütterung mit Kleie kann also immerhin die Folgen des Kalkmangels nach sich ziehen, ohne dass man an andere schädliche Bestand-theile derselben, etwa an ihren hohen Gehalt an Rhosphorsäure denken müsste. Pütz hat nämlich seiner Zeit die Krüschkrankheit als eine Art chronischer Rhosphorvergiftung, entsprechend der Phosphornekrose des Ober-und Unterkiefers beim Menschen, aufgefasst und auf den grossen Gehalt der Kleie an Phosphorsäm-e zurückgeführt. Diese Hypothese ist gänzlich unhaltbar. Bekanntlich besitzt nur der freie Phosphor, nicht aber die Phosphorsäure oder ihre Salze eine reizende Wirkung auf das Knochengewebe. Bei älteren Thieren ist die Krüschkrankheit wahrscheinlich identisch mit Osteomalacie. In einzelnen Fällen hat es sich vielleicht auch um Akt in omy kose gehandelt.
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Sohnüffelkrankheit,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ü89
Schnüifelkrankheit. Unter diesem Namen ist von verschiedenen Autoren eine Erkrankung beim Schweine beschrieben worden, die offenbar nicht einheitlicher Natur ist. Bald scheint nämlich Rachitis, bald ein chronischer hämorr hagisch-eiterig er Nasenkatarrh, vielleicht infeotiöser Natur, bald Tuberkulose, bald Akti nomj^ kose und Sarco-matose die Grundkrankheit zu sein. Diese Bezeichnung verschiedener Krankheiten mit einem Namen macht eine bestimmte Classificirung der Schnüffelkrankheit unmöglich; der Name wäre daher besser aufzugeben. Das gemeinschaftliche Krankheitsbild besteht in einem hörbaren schnüffelnden Athmen, welches anfangs nur zeitweise, später aber continuirlich vernommen wird, einer Auftreibung des Oberkiefers, V e r d i c k u n g der Nase, sowie Verkürzung und Verkrümmung d e s R ü s s e 1 s.
a)nbsp; Bei der katarrhalischen Form wird ausserdem ein anfangs serös-schleimiger, später blutig-eiteriger Nasenausfluss mit häufigem Nasenbluten beobachtet, welch letzteres die Athmung vorübergehend erleichtert, ausserdem Conjunctivitis, Husten, erschwerte Futteraufnahme, Brechhewe-gungen und bei längerer Dauer Abmagerung und schliesslich Tod in Folge von Kachexie oder Erstickung. Bei der anatomischen Untersuchung findet man eiterig-hämorrhagische Entzündung der Nasenschleimhaut mit ausser-ordentlicher Verkrümmung, sowie starker Atrophie der Dutten und des Siebbeins. Schneider sucht daher die Ursache dieser katarrhalischen Form der Schnüffelkrankheit in einer angeborenen rudimentären Beschaffenheit der Dutten und des Siebbeins, welche der Ansammlung von fremden Stoffen in der Nasenhöhle und damit der Entwicklung einer Schleimhautentzündung günstig sein soll.
b)nbsp; Die eigentlich allein hieher gehörende rachitische For m der Schnüffelkrankheit ist ausserdem durch rachitische Affectionen an den Extremitäten gekennzeichnet; Haubold fand bei den von ihm beübachteten Fällen von Schnüffelkrankheit stets Gelenkentzündungen, L afosse ebenfalls sämmtliche Symptome der Rachitis. Auch bei Fohlen kommt im Verlaufe der Rachitis eine ganz ähnliche Auftreibung der Kopfknochen in der Umgebung der Nasenhöhle mit Erschwerung der Athmung vor. Ueber die anderen Formen der Schnüffelkrankheit ist zur Zeit nichts Bestimmtes bekannt: weitere Untersuchungen wären sehr erwünscht.
Die Behandlung der Schnüffelkrankheit ist je nach dem Grundleiden verschieden, im Allgemeinen aber nicht sehr erfolgreich, weshalb eine baldige Schlachtung der erkrankten Thiere räthlich ist.
Acute infectiöse Osteomyelitis. Beim Menschen bezeichnet man als solche eine namentlich in Süddeutschland, in der Schweiz und an den Küsten Norddeutschlands vorkommende fieberhafte Infectionskrankheit jugendlicher Personen, bei der in den Röhrenknochen (Femur, Tibia, seltener Radius und Ulna) eiterige und jauchige Entzündungsherde auftreten. Man unterscheidet dieselbe speciell als genuine Osteomyelitis von den im Verlaufe anderer Infectionskrankheiten (Typhus, Scharlach, Masern, Pyämie, Tuberkulose, Cystitis etc.) und bei Vergiftung auftretenden secundären Osteo-myeliten. Die genuine infectiöse Osteomyelitis des Menschen wird durch bestimmte Spaltpilze, nämlich durch den Staphylococcus pyogenes aureus und albus hervorgerufen. Bei unseren Hausthieron ist über das Vorhandensein einer Osteomyelitis als klinische Krankheitsform mit Sicherheit nichts bekannt. Zur Zeit fehlen hierüber exaete, ausreichende Untersuchungen. Eine Zusammenstellung über die pathologischen Veränderungen des Knochenmarkes bei einzelnen Krankheiten des Pferdes hat
Frieilborgev u. Fröhner, Patlml, u, Therapie il. Haustliiere. I, Bd, 4. Aufl. 44
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(i'JOnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Trieliinenkrankheit.
Sticker (B. A., 1887) geliefert. Ob die von Trank (Wochenschrift für Thierheilkunde, 1890. S. 82), Ostermann (B. th. W., 181)1. 8.330), Haas (D. th. W., 189i. S. 405) u. A. beschriebenen Fülle thatsilchlich zur Osteomyelitis gehören) wollen wir dahingestellt sein lassen.
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Die Trlohlnenkraukhelt lt;ler Scliwelne.
Literatur. Zehkeb, D. Archiv f. Min. Mal., Bd. I. III. VIII. \ Viroh, A., I860. Haubher, Ueber die Trichinen, 1864; S.J. B., 1861 u. 1862. Probstmayr, TK. f. Th., 1864. S. 78. MüUER, Mag., 1864. S. 485; 1865. 1868. S. 30. Züüdel, ./. de Lyon, 186466; iiVc, 1881. Paoensteoher, Die Trichinen etc., 1865. Ki;n\, Mttth, d. landw. Inst, in Halle, 1866. Leberino. S, J. B., 1865.1867. Fürstex-bero, Mag., 1865. S. 98. Eöll, Oe. V. S., 1866. S. 88; Spee. Path,, 1885. Leuokart, Untersuchungen Über Trichina spiralis, 1866. Gerlach, J)ie Trichinen, 1866. YIRCHOW, Darstellung der Lehre von den Trichinen, 1866; dessen Archiv, Bd. 95. S. 534. GK Colin, liec, 1866. 1884; Bull. SOO. centr., 1866; Soc. de JiioL 1868; Bull, de Vaead. de nu'd., 1881 a. 1884; A. de liru.v., 1882; A. d'Alf., 1884. Krabbe, Tldskr. f. Vet., 1866; Ref. Rep., 1867. S. 87. Fuchs, B. th. M., 1866. S. 92. Perronoito, Annul, della Reale Acad. d'Ai/rico/tnra, Turin 1870; II raquo;wd. vet., 1887. Tik.mann, Untersuchg. auf Trichinen, 1875. Dammann, D. Z. f. Th., 1877. S. 92. Bolungkr, D. Z. f. Th., 1879. S. 204. EüLENBOHO, Vierteljahrs-sehr. f. gerichtl. Medicin, Bd. 34, 35 ff. Vergl. ausserdem Statistisches über Trichinose in Ellknhergku-Schltz, Jahresber. Mauri, Revue ret., 1879. Vai.mn, lie-vue d'liijg. et de pol. sanit,, 1881; Bull, de l'acad. de nu'd., 1886. LABODLBfiNE, Bull, de l'acad. de mM., 1881. Bouley u. GriniEB, Soc. de Biol., 1882. Uhde, Vireh, Ä., Bd. 94. S. 558. ZÜRN, Die thier. Parasiten, 1882. Mit ausführlicher Literaturangabe. Poukment, Soc. de Biol., 1882. Ohatin, La triehine, Paris 1883; Bull, de l'acad. de nu'd., 1886. Billings, New-York medic. Journ., 1883. CsoKon, Oe. F., 1884. Nr. 9. - Pütz, C.f. Th., 1884; Ji. th. W., 1892. S. 591. Johne, S. J. B., 1884. S. 72; 1887. S. 57; Fortschritte der Medicin, 1884. Nr. 9; D. Z. f. Th., 1884 u. 1885; Der Trichinenschauer, 4. Aufl. Q-RANOHER, Bull, de l'acad. de med., 1884. Railuet, Elements de zool. mcd. et agric, 1885. FlEDLER, B. Min. W., 1886. S. 143. Hafneb, B. th. M., 1886. S.32. Mülleu, B.A., 1886. S. 411. Blanciiard, Diet, enci/cl. des sc. med., t. XVIII. 1887. Eöll, Oe. VeU-rinärher. pro 1887. Piana, Clin. vet., 1887. S. 17. Neumann, Traite des malad, parusit. non microliiinnes, Paris 1888. HERTWIO, Jahresher. Hb. d. Resultate d. städt. Fleischbeschau in Berlin. Bockum-Dolffs, Th, lldsch., 1888. S. 167. WE10EL, S. J. B., 1889. S. 100; 1890. S. 99. Turner, Dawson, £lt;raquo;laquo;laquo;laquo;lt;, 1889. Nr. 19.
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Naturgeschichtliches. Die Trichine (Trichina spiralis) ist ein kleiner fadenförmiger Rundwurm aus der Familie der Haarwilrnier
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Trichinenkrankheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;691
(Trichinidae), welcher im Anfange der dreissiger Jahre dieses Jahrhunderts wahrscheinlich durch chinesische Schweine nach Europa importirt wurde und sich rasch über den ganzen Erdtheil verbreitete. Paget entdeckte und Owen beschrieb bezw. benannte die Muskeltrichine zuerst im Jahre 1835, Leidy fand sie beim Schweine im Jahre 1847, Leuckart und Virchow wiesen die Darmtrichine nach, Zenker stellte die Trichinenkrankheit beim Menschen im Jahre 18G0 in Dresden fest. Man hat zwei Entwicklungsformen der Trichine zu unterscheiden: die geschlechtlich reife Darmtricbine und die ungeschlechtliche Muskel trie hin e.
1.nbsp; Die Darmtrichine lebt besonders auf der oberflächlichen Schichte der Dünndarmschleimhaut, ist gerade ausgestreckt und hat einen zugespitzten Kopf; das Männchen ist 1 ^a, das Weibchen 34 mm lang. Der Verdauungscanal besteht aus Mundöffnung, Oesophagus, Magen, Darm, After und spaltförmiger Kloake, die Geschlechtsorgane bestehen aus Hodenschlauch, Samenleiter, männlicher Geschlechtsöffnung einerseits, weiblichem Geschlechtsschlauche, Vagina, Vulva andererseits. Ein Weibchen gebärt im Ganzen etwa 1500 lebende Junge bei einer Lebensdauer von 56 Wochen.
2.nbsp; Die Muskeltrichine stellt die Larvenform der Darmtrichine dar, aus deren Embryonen sie sich entwickelt; sie wird bis zu 1 mm lang, hat einen spitzen Vorderkörper und ein rundes gespaltenes Ende (Kloake). Sie liegt im Muskel in ovalen bis runden Kapseln, zu 14 Exemplaren pro Kapsel, schlangenartig, spiralig, ringartig oder bretzelförmig aufgerollt. Die Lebensdauer der Muskeltrichine kann beim Schweine über 11 Jahre (Dammann), beim Menschen selbst 27 Jahre betragen.
Die Entwicklung der Trichinen ist nach den Untersuchungen von Leuckart, Zenker, Pagenstecher, Haubner, Virchow u. A. folgende. Den Ausgangspunkt bildet die Aufnahme trichinösen Muskelfleisches. Ob mit dem Kothe entleerte Embryonen von Darmtrichinen direct aufgenommen werden, ist eine bis jetzt unentschiedene Frage; Impfversuche durch Verfütterung von Darmtrichinen sind nur vereinzelt gelungen. Dagegen ist es nicht unmöglich, dass mit dem Kothe unverdaute, trichinenhaltige Fleischstücke entleert werden, welche nach ihrer Aufnahme durch andere Thiere Trichinose erzeugen; in diesem Falle ist aber wiederum das Muskelfleisch, nicht der Koth die Quelle der Infection. Man kann 4 Entwicklungsstadien unterscheiden: 1. Das Stadium der Embryonen-
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Triobiuenkraukbeit.
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bildung im Darme, mit dem 7. Tage nach der Aufnahme beginnend. Die eingekapselten Muskeltrichinen werden nach 24 Stunden frei, indem die umhüllende Kapsel durch den Magensaft gelöst wird, nach weiteren. 2448 Stunden geschlechtsreif, begatten sie sich und gebären, vom 7. Tage der Aufnahme des trichinösen Fleisches an gerechnet, lebende Embryonen. Nach neueren Untersuchungen von Cerfontaine, deren Resultate von Aslcanazy bestätigt werden, bleiben nicht alle erwachsene Darmtrichinen im Darm, sondern ein Theil der befruchteten weiblichen Darmtrichinen verlässt activ den Darm und wandert in die Lymphgefässe und Lymphfollikel der Darmwand, ja selbst bis in die mesenterialen Lymphdrüsen ein, von wo aus die daselbst abgesetzten Larven durch die Lymphbahnen dem Blutstrome zugeführt und durch das Blut in die Muskeln fortgetrieben werden. 2. Das Stadium der Einwanderung der Embryonen in den-Muskel; dasselbe dauert bis zur 2.3. Woche. Vom 7. Tage ab beginnen die im Darme geborenen Embryonen die Darmwandungen zu perforiren und zum Theil durch Vermittlung des Ge-fässsystems, zum Theil den Bahnen des Bindegewebes entlang in die Muskeln einzuwandern; die Dauer dieser Wanderung beträgt 910 Tage.
3.nbsp; nbsp; Das Stadium der Einkapselung im Muskel, von der
4.nbsp; nbsp;Woche bis zu 3 Monaten dauernd. Die im Muskel angelangten Embryonen bleiben zunächst etwa IG Tage ruhig liegen und wandeln sich dann zu Muskeltrichinen um. Die Muskelfasern verlieren hiebei ihre Querstreifung, der Sarcolemmaschlauch erweitert sich spindelförmig um die ins Innere der Fasern eingedrungenen Embryonen, die Muskelkerne vermehren sich, der Muskelinhalt verschwindet, das Bindegewebe ist kleinzellig infiltrirt, die Capillaren sind stark erweitert. Schliesslich bilden sich um die Trichinen herum regelmässige Lagen von Zellen, welche sich zu einer bindegewebigen Kapsel von ovaler, citronen- oder augenfönniger Gestalt mit dunklen Polen an beiden zugespitzten Enden verdichten. Hiemit beginnt die Gefahr der Ansteckungsfähigkeit seitens des Fleisches. 4. Das Stadium der Verkalkung der Kapsel, vom 3. Monat bis zu 1 ^2 Jahren dauernd. Die um die Trichinen gelagerte Kapsel beginnt vom 3. Monate ab allmählich zu verkalken, so dass die Trichine selbst nicht mehr gesehen werden kann. Dagegen lässt sich die verkalkte Kapsel, welche etwa 1 mm lang ist, auf dünnen Schnitten bei genauer Betrachtung mit blossem Auge als kleiner, heller Punkt wahrnehmen. Früher oder später verkalken dann auch die Trichinen selbst oder
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deareneriren fett
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iff.
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Ausser in den Muskeln hat man die Trichine
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Tricliincnla-aukheit.
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auch im Fettgewebe (Speckseiten) nachgewiesen und zwar sowohl im freien wie im eingekapselten Zustande (Chatin).
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Vorkommen. Die Trichinen sind bis jetzt beobachtet worden beim Menschen und Schwein, bei Ratten, Mäusen, Hunden und Katzen; ferner beim Wildschwein, Fuchs, Bären, Marder, Iltis, Haushuhn, Truthuhn, Häher. Ausserdem hat man durch künstliche Fütterung Trichinen bei sehr vielen Säugcthieren zur Entwicklung gebracht, so beim Pferd, Rind, Schaf, Hund, ausserdem beim Kaninchen, Frettchen, Hasen, Waschbären, Dachs und Meerschweinchen. Die Lieblingsmuskeln sind die Pfeiler und der muskulöse Theil des Zwerchfells, die Zunge, die Kehlkopfs-, Kau-, Schläfen-, Augen- und Zwischenrippemnnskeln, sodann die Hals-, Rumpf- und Zwillingsmuskeln. Im Herzen und in den glatten Muskeln sind bis jetzt mit Sicherheit noch keine Muskeltrichinen nachgewiesen worden, dagegen hat man sie im Fettgewebe in der Nähe von Muskeln gefunden. Die Zahl der einzelnen Trichinen in den verschiedenen Muskeln ist sehr verschieden; dieselben können bis zu 1500 Stück in einem Gramm Fleisch vorkommen.
Die statistischen Erhebungen über die Verbreitung der Trichinose unter den Schweinen haben für verschiedene Gegenden sehr verschiedene Ziffern ergeben; im Allgemeinen ist die Krankheit im Norden Deutschlands häufiger als im Süden. Im Königreich Preussen sind in den Jahren 187682 unter 20 Millionen untersuchter Schweine etwa 10,000, in den Jahren 189093 unter nahezu 6 Millionen Schweinen etwa 3000 trichinös befunden worden. Es kommt also in Preussen auf 2000 Schweine ein trichinöses (= '-#9632; pro Mille). In Deutschland überhaupt nimmt man auf 10,000 Schweine ein trichinöses an (= '/io pro Mille). In Amerika ist dagegen der Procentsatz ein viel grösserer; die daselbst bisher vorgenommenen Untersuchungen (Billings in Boston) haben 4 Proc. trichinöse Schweine ergeben (1 : 25). Bezüglich der in Deutschland importirten amerikanischen Schinken und sonstigen vom Schweine stammenden Fleisch-waaren kann nach den bis jetzt vorliegenden Resultaten angenommen werden, dass im Durchschnitt 23 Proc. derselben mit Trichinen behaftet sind (im Maximum 8 Proc).
Pathogenese. Die Art und Weise der Infection der Schweine mit Trichinen ist zur Zeit immer noch nicht in vollkommen befriedigender Weise aufgeklärt. Als Hauptansteckungsquelle nimmt man so
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(394nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Triohinenkrankheit.
ziemlich allgemein trichinöse Hatten und Mäuse an, welche von den Schweinen mit Vorliebe gefressen werden, und zwar sind solche trichinöse Ratten am häufigsten in W a s e a m e i s t e r e i e n und Schlachthäusern anzutreffen. So fand Leisering unter 18 Wasen-meistereien 14 mit trichinösen Ratten behaftet. Franck entdeckte unter 77 aus Abdeckereien stammenden Ratten 9 Proo. trichinöse, Heller unter 704 aus verschiedenen Gegenden gesammelten 8 Proc. trichinöse. Ein Zusammenhang zwischen Schweinen und Ratten muss also bestehen. Daneben können sich jedoch Schweine auch durch die Verfütterung krepirter trichinöser Schweine und durch Schlachtabfälle kranker Thiere direct inficiren, vielleicht auch indirect durch die Aufnahme des Kothes von Schweinen, welcher unter Umständen unverdaute trichinöse Fleischstücke enthält. Nach den Beobachtungen von Hertwig scheint hiebei eine wiederholte Einwanderung von Trichinen stattfinden zu können, da man zuweilen verschiedene Entwicklungsgrade der Trichinen in den Muskeln vorfindet. Ueber die Möglichkeit einer Infection durch die mit dem Kothe abgehenden Embryonen der Darratrichinen müssen erst weitere Untersuchungen angestellt werden. Das Vorkommen einer congenitalen Trichinose ist mehr als fraglich.
Symptome. Erscheinungen der Trichinenkrankheit bei Schweinen während des Lebens sind bis jetzt, von Fütterungsversuchen abgesehen, noch niemals beobachtet worden, offenbar nur aus dem Grunde, weil die wenig charakteristischen Symptome der Trichinose im Stadium der Einwanderung von den Eigenthümern übersehen oder mit anderen Krankheiten verwechselt werden; späterhin, wenn die Einwanderung beendigt ist, wird das Allgemeinbefinden der trichinösen Thiere in keinerlei Weise mehr gestört. Gewöhnlich ist aber zur Zeit der Schlachtung die Einwanderung längst vorüber, woraus sich die That-sache leicht erklären lässt, dass trotz des Nachweises einer grossen Menge von Trichinen in den Muskeln Krankheitserscheinungen unmittelbar vor dem Schlachten niemals wahrgenommen werden. Ausserdem führt die Aufnahme einer geringen Anzahl von Trichinen überhaupt nicht zu krankhaften Störungen. Das Krankheitsbild der Trichinose, wie es bei Schweinen experimentell durch Fütterungsversuche mit trichinösem Fleisch erzeugt wurde, lässt zwei Stadien erkennen, dasjenige einer Darmaffection, sowie das darauffolgende einer Erkrankung der Muskeln.
1, Die Affection des Darmcanales fällt in das Ende der
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Tnchineiikriuiklieit,
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ersten und den Anfang der zweiten Woche nach der Infection. Sie üussert sich durch A-bnahme des Appetits und der Munterkeit, Krümmung des Rückens, Spannung des Hinterleibes, anhaltenden, mit Kolikerscheinungen verlaufenden Durchfall, sowie starke Hinfälligkeit; in einzelnen Fällen wird auch Erbrechen beobachtet. Bei jungen Thieren oder bei sehr massenhafter Aufnahme von Trichinen kann die Krankheit schon in diesem Stadium tödtlich enden; umgekehrt kann sie bei massiger Anzahl der Trichinen in Heilung übergehen.
2, Die Erscheinungen seitens der Muskeln beginnen mit der Einwanderung der Embryonen in die Muskelfibrillen und der Ausbildung entzündlicher Zustände in denselben; sie fallen .also in die 2.3. Woche. Die Thiere zeigen eigenthümlichen Juckreiz, in Folge dessen sie sich scheuern und reiben, sowie eine steife gespannte Haltung der Gliedmassen, welche sich bis zu lälnnungsartiger Schwäche steigern kann, äussern Schmerzen, liegen anhaltend und magern rasch ab. Dazu beobachtet man Erschwerung des Kauens und Schlingens, beschwerliche, schmerzhafte Athmung, matte und heisere Stimme, sowie ödematöse Anschwellungen an verschiedenen Körperstellen. Gewöhnlich tritt nach 4ßwöchentlicher Dauer der Krankheit vollständige Heilung ein, wobei sich die Thiere wieder ganz erholen und bald auch wieder fett werden; nur in seltenen Fällen ist der Ausgang ein tödtlicher.
Trichinose beim Hunde. Ein junger, Ijähriger Hund, der mit stark tricliinösem Schweinefleisch gefüttert wurde, zeigte 2 Wochen darauf Unruheerscheinungen und blutige Durchfälle, sowie bald nachher Lähniungs-erscheinungen und Krämpfe. Hauptsächlich die Naekeninuskoln waren von tonisch-klonischen Krämpfen befallen, die sich zeitweise über den ganzen Körper erstreckten. Die Hinterhand war vollständig gelähmt; die Temperatur betrug :)!),4:0 C. Bei der Section fanden sich in den Muskeln zahlreiche Wandertrichinen. Ein zweiter sehr alter Hund blieb trotz der gleichen Fütterung gesund (Dlugay).
Diagnose. Eine Erkennung der Trichinose während des Lebens ist für gewöhnlich eine Unmöglichkeit, da die Erscheinungen zu wenig charakteristisch und von denen eines Darmkatarrhes oder eines Muskelrheumatismus nicht aus einander zu halten sind, und weil die eingekapselten Trichinen keinerlei Krankheitssymptome mehr hervorrufen. Um so leichter ist dagegen der Nachweis der Trichinen bei den geschlachteten Thieren. Schon mit blossem Auge kann man nacb Verkalkung der Kapseln dieselben auf dünnen Schnitten und bei genauer Betrachtung als feine, helle Pünktchen erkennen. Eine sichere Diagnose wird indess nur durch die mikroskopische
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Tricliinenkranlilioit.
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Untersuchung ermöglicht. Die mikroskopische Fleischbeschau bedient sich am besten einer 40faclien Vergrösserung. Die Anwendung einer nur lOfachen Vergrösserung ist für geübte Fleischbeschauer zwar ausreichend, für ungeübte dagegen nicht empfehlenswerth (Oster-tag). Die sehr einfache Technik besteht darin, dass man mit einer feinen gebogenen Schere dünne Schnitte aus den am häufigsten befallenen Muskeln womöglich dicht an ihrer Insertionsstelle und parallel ihrem Faserverlaufe herausschneidet, auf die als Objecttrilger dienende Glasplatte bringt, daselbst ausbreitet und durch eine aufgelegte ebenso starke Glasplatte comprimirt, so dass sie durchsichtig werden. Je nach der Grosse dieser Compressorienquot; kann man gleichzeitig eine Reihe von Proben untersuchen. Um hiebei zu einem sicheren Resultate zu gelangen, ist es Regel, mindestens 6 Fleischproben von verschiedenen Muskeln (Zwerchfell, Zunge, Kehlkopf-, Augen-, Zwischenrippen- , Nackenmuskel) zu je 6 Präparaten zu untersuchen. Nach einer neuesten Verordnung in Preussen soll die Hnlfte der Präparate den an Trichinen reichsten Zwerchfellpfeilern entnommen werden. Das Vorkommen der Trichinen im Fettgewebe (Speckseiten) legt die Noth-wendigkeit der Untersuchung auch dieser Theile dar (Chatin).
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Differentialdiagnose. Die mikroskopische Untersuchung der Muskeln auf Trichinen gibt nicht selten zur Verwechslung mit anderen ähnlichen Gebilden in den Muskeln Veranlassung. Hieher gehören zunächst die sog. Concretionen; es sind dies hirsekorngrosse, grau-weisse Körperchen, welche oft in sehr grosser Anzahl die Muskeln durchsetzen und ihrem Wesen nach offenbar ziemlich verschieden sind. Bald bestehen nämlich die Concretionen aus Krystallen von Kalk, Tyrosin, Margarin und Stearin, bald scheinen sie verkalkte Cysticerken oder Neubildungen zu sein; in früheren Zeiten hielt man sie für Guaninconcremente. Sie unterscheiden sich alle von den Trichinen durch ihre bedeutendere Grosse, ihre abweichendere Form und durch das Fehlen eines Rundwurmes im Innern; insbesondere fehlen die charakteristische Augenforra der Trichinenkapseln, deren dunklere Pole und scharfe Contouren. Sodann können die Trichinen verwechselt werden mit den Miescher'sehen Schläuchen; letztere besitzen jedoch keine Kapsel, haben eine mehr längliche, an den Enden stumpf zugespitzte Form, sind poschenfönnig eingeschnürt, in Fächer einge-theilt, sind meist auch grosser und bestehen aus einer dunklen, gekörnten Masse, welche bei stärkerer Vergrösserung eine grosse Menge halbmondförmiger Körper erkennen lässt; endlich ist die Querstreifung
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der Muskelfasern in der umnittelbaren Umgebung der Micscher'sclien Schläuche noch vollständig erhalten. Weiterhin werden Trichinen vorgetäuscht durch Aktinomycesrasen (Dunker), welche in Form von runden bis bohnenf'örmigen, strahlig gestreiften Gebilden mit dünnem Centrum und dickerem llande vorkommen und beim Zerdrücken ein keulenförmiges, stark lichtbrechendes Mycel erkennen lassen. Die Aktinomycesnatur dieser Rasen wird übrigens von Johne bestritten. Ausserdem können gewisse andere im Muskel lebende Helminthen mit Trichinen verwechselt werden, so die besonders in den Kehlkopfmuskeln und Zwerchfellspfeilern lebenden Distomen, welche indess durch ihre beiden Saugnäpfe, ihre cylindrische Gestalt und ihre lebhaften Bewegungen leicht erkennbar sind, ferner Finnen, Echinokokken, Rhabditiden und Embryonen von Rundwürmern, Haplococcus reticulatus u. s. w.
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Prophylaxe. Da eine Vernichtung der Trichinen im lebenden Thierkörper in den Bereich der Unmöglichkeit gehört, kann von einer Behandlung der Trichinose keine Rede sein; dagegen lässt sich die Krankheit durch prophylaktische Massregeln immerhin verhüten. Hieher gehört die gründliche Vernichtung (hohe Temperaturen) aller trichinösen Schweinecadaver, wobei eine sorgfältige Fleischbeschau von grosser Wichtigkeit ist, desgleichen die Ausrottung der Ratten und Mäuse in den Schweineställen, weiterhin das Verbot der Schweinezucht in Schlachthäusern und Wasenmeistereien und endlich die Vermeidung der Fleischfütterung überhaupt,
Trichinose beim Menschen. Beim Menschen sind seit der erstmaligen Feststellung der Trichinose im Jahre 1800 über 50 grössere Tri-chinenepidemien beobachtet worden, von welchen die in Hettstädt (1863/(34), Hedersleben (1865) und Niederzwehren (1877) die schwersten waren. Die Kran khe i tsersch oinu ngen sind beim Menschen sehr variabel; in den ersten 8 Tagen decken sie sich im Allgemeinen mit dem Bilde eines Magen-Darmkatarrhes (Appetitlosigkeit, Uobelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, Kolik, zuweilen choloraähnliche Zul'iille), während vom 10. Tage ab die Muskelerscheinungen in den Vordergrund treten (Muskelschmerzen bei Bewegungsversuchen, Anschwellung und tetanische Härte der erkrankten Muskeln, Liegen mit gebeugten Gelenken, Kau- und Hclilingbesehwerden, Heiserkeit, Aphonie, Athmungsbeschwerden, Oedeme der Augenlider, des Gesichts und der Extremitäten, Fieber). Eine Behan dlung (A.bführmittel, Benzin, Santonin, Terpentinöl, Glycerin) hat sich bis jetzt als völlig fruchtlos erwiesen. Die Ansteckung erfolgt immer nur durch den Genuss von rohem oder halbrohom Schweinefleisch. Die Prophylaxe besteht daher in der Vermeidung derartigen rohen oder halbrohen Fleisches: vollständig durchgekochtes oder anrohgebratenes Sehweineflcisch ist ganz und gar unschädlich, weil die Trichinen bei 6275quot; C. in Folge von Eiweiss-
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gei'lnnung zu Grunde gehen. Das Kochen muss jedoch hiebei lange andauern. Ein Stück Rindfleisch von 3 kg /,. B. erlangt nach den Versuchen von Vallin erst nach 4stündigem Kochen in seiner Mitte eine Temperatur von 90 100deg;, während dieselbe in der ersten Stunde des Kochens nur 50quot; erreicht. Bei Schinken genügt ein 3stündiges Kochen noch nicht. Ein Roastbeef bedarf zu seiner Herstellung nur etwa rgt;0()0C, ein Hammelbraten 48öC; diese Braten bieten also keinen Schute vor einer Trichineninfection. Ausserdem werden die Trichinen vernichtet durch mehrwöchentliches gründliches Einpökeln des Fleisches, sowie eine mindestens 8tägige heisse Rilucherung; endlich soll auch ein kurze Zeit einwirkender Druck von 12 Atmosphären die Trichinen tödten. Dass ungenügendes, wenn auch Wochen langes Einpökeln die Trichinen nicht tödtet, beweisen die mit importirten amerikanischen Schinken vorgenommenen Eütterungsversucbe bei Thieren mit positivem Erfolge (Janssen, Rievel u. A.). Es wurden forner in amerikanischen Schinken lebende Trichinen gefunden (Höfnagel u. A.). Die zahlreichen negativen Fütterungsversuche mit trichinösen amerikanischen Schinken (Fränkel, Klaphacke, Schenk, Wagner, Hintzen, Schmitt, Brouwier u. A.) beweisen andererseits, class die Trichinen durch das Einpökeln in ihrer Lebensfähigkeit geschwächt werden. Ob auch durch anhaltende Kälte trichinöses Fleisch unschädlich gemacht wird, wie Bouley undGibier behaupteten, ist nach neueren Versuchen sehr fraglich. Gibier hat neuerdings gezeigt, dass nach 2stündiger Einwirkung einer Kälte von 25quot; C. die Trichinen nicht gelitten hatten. Gegenüber diesen directen Vorbeugungs-mittein ist die mikroskopische Untersuchung des Schweinefleisches von mehr seeundärer Bedeutung, weil sie nicht in gleicher Weise wie jene einen sicheren Schutz gegen die Gefahr der Trichinose bietet; immerhin aber bildet sie in Gegenden, in welchen die oben genannten Vorsichtsmassregeln aussei- Acht gelassen werden, einen theilweisen Ersatz des proplrylaktischen Verfahrens.
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Die Finnenkrankheit der Haustliiere.
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Literatur. #9632; I. Finnen beim Schweine. Qötze, Neueste Entdeehung, dass die
Finnen keine Drüsenkrankheit, sondern Blascnwilnner sind, 1784. Rehiis, May., 1842. S. 226. Küchenmeister, Ueher Cestoden, 1853; IHe thier. Parasiten des Menschen, 1885. Hauhner, Mag., 1854 u. 1855. Leuckart, Die Blastmwilnner u. ihre Kntivichiung, 1856; Die Parasiten des Mensehen, 1881. S. 678. Bertolus, Metamorphoses des Cesto'ides, These de Montpellier, 1856. LAFOSSE, Path, vet., Toulouse 1861. Geri.ach, H. J. H., 1869. S. 66. Hermann, Pr. M., 1869/70. Baillet, Reo,, 1873; Traite de I'inspection des viandes de houcherie, Paris 1880. Foucheh, Ball. soc. centr., 1874. Lippold, S. J. B., 1875. S. 108. Perroncito, Piitz'sche Z., 1876. S. 309. Engel, W. f. Tit., 1878. S. 165. Munkenbeck, lliid., 1880. S. 87. Guzzoni, Lanziu.otti u. Lemoigne, Clin. vet., 1880. SoBOTTA, Thrzt., 1880. 8. 281. ThASBOT, Art. Ladrerie in Diet, vet., Bd. XL 1880. - An-loing u. Cohnevin, J. de Jnjon, 1882. Zürn, Die thier. Parasiten, 1882. S. 175. Büu.inger, D. Z. f. Th., 1882. S. 286. Schmidt-Mülheim, Ibid., 1884. S. 374. Eulenbcrg, Statistisches in der Vierteljahrsschr. f. gerichtl. Medicin. Ausserdem vergl. über Statistik Ellenderoer-Schütz, Jahresber. Hertwio, Jahresher. üb. d. Resultate d. stiidt. FMsehhesehau in Berlin. Raii.liet, Jiull. soc. centr., 1884; Elements de zool. med. et agricole, Paris 1885. Gratia, A. de Brnx., 1884. Mölter U. MAOIN, W. f. Th., 1887. S. 126. Roll, Oe. Vet.-Ber. pro 1887. ZsOHOKKE, Sehw, A., 1887. S. 265. Necmann, Traite des malad, paras. no)i mierob., 1888. #9632; Hübner, Weigel, S, J. II, 1888 u. 1889. Ostertao, M. f. p. Tit., 1889. S. C4; 1890.
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Finncuknuikhfit dos Schweines.
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S. 2531 Handbuch der Fleischbeschau, 1895. Mohot, ,/. de Lyon, 1890. S. 529. Bhschosniowski, Pet, Zeitsohr,, 1891. Wali.ky, J. of comp., IV. S. 160. #9632; Rkd-lich, S. J. B 1891. S. 125. Haukner-Siedamgrotzky, L. Th., 1893. S. 219. Schwarz, Z. f. L'l., 1893. Goltz, Ibid., 1894. S. 66. J.'reuss. Somit, Her., JJ. A., 189395. - Kitt, Path.-anat. Dias/n., 1894. S. 288.
II.nbsp; Finnen beim Blade. Leuckart, l. c. Küchenmeister, l.e, Mosi.kr, Hei-mintholog. Studien u. Beobachtungen, 18ö4. Simonds u. Cohrüld, 'J'he Vet., 1865; Cohhoi.d, Ibid., 1875. Zenker, Verhandl. t/er plu/s.-medic. Societät zu Erlangen, 186567. S. 15 u. 1872. Gerlach, //. J. li., 1869. S. 69. Proustmayr, M, ./. Ji., 1869/70.ZURlaquo;, Arb. d. landw. Versuchsstation Jena, 1809; W. f. Th., 1871. 8. 97. St.-Cyr, Jiec., 1873. Masse u. Pourquier, Gazette des hopitaux, 1876. Kaillikt, A. d'A/f., 1876 u. 1881 ; Bull, de la soc. zool., XVII. Perroncito, limed, vet., 1877; J'iltz'sche Z,, 1877. S. 809. Trasdot, Artikel Lotdrerte in Diet, vet., 1880. Bd. XI. Osokor, Oe. V. 8., 56. Bd. S. 22. - Pütz, Comp. d. p. Th., 1885. S. 27. Ai.ix, La Ladrerie etc., Paris 1887. Kaluiann, W, f. Th., 1888. Nr. 52. - Moule, liec, 1888. S. 451. Hengst, Noack, S. J. B., 1889. S. 94; 1890. S. 82. De Capitam da Sesto, Clin. vet., Bd. 18, S, 246. Treyisan, Ibid., 1890. S. 62. Laroui.bene, VEoho vet, 1890. Nr. 5; Soc. de Bioh, 1890. Nr. 3. Guille-beau, Sehw, A., 1890. S. 174; Virch. A., 1890. Bd. 119. S. 106. Hertwig, Jahres-her. üb. d. Resultate d. Fleischbeschau in Berlin, 188891; Z. f. Fl. u. M., 1891. Heft 7; 1892. Heft 11. Ostertag, Ibid., 1891. Heft 7; Handb. der Fleischbeschau, 1895. Morot, ./. de Li/on, 1891. Maske, Z. f. Fl,, 1892. Schieferdecker, B. th. \V., 1892. S. 398. Haubner-Siedamgrotzky, L, Th,, 1893. S. 221. - Kitt, Path.-anat. Diayn., 1894. S. 290. Lisi, Clin. ret., 1894. Nr. 31. Me.ier, Noack, D. th, W,, 1895. 8. 64. Deleidi u. Reqgiani, Clin. vet., 1895. - Gi.age, Z. f. Ft., 1895. S. 208. Schellenberg, Ibid.
III.nbsp; Pinnen beim Hund e. Geri.ach, II. ,1. li., 1809. S. 69. Coi.i.mann, Pr. M. Neue Folge. VI. S. 37. Zundel, ,/. de Lyon, 1809. Siedamgrotzky, .S'. J. B., 1871. S. 56. Leblanc. u. Megnin, Bull. soc. centr., 1878. BoLLlNOER, D. Z. f. Th., 1870. S. 117. Raiu.iet u. Trasbot, Bull. soc. centr., 1882 u. Pec, 1887. Lesbre, ./. de Li/on, 1882. Caparim, Revue vet., 1887. Dlfour u. Gacon, J. de Lyon, 1889. Noack, S../. B., 1890. S. 85. Ibid., S. 102.
IV.nbsp; nbsp;Finnen beim Kaninchen. Zürn, A'W,7^raquo;. rfer 7vlaquo;)i/laquo;c/(c;(, Leipzig. S. 95.
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I. Dio Finneiikrauklieit des Schweines.
Naturgeschichtliches. Die Finnenkrankheit des Schweines, in früheren Zeiten wohl auch Hirsesucht oder Perlsucht genannt, wird hervorgerufen durch den Zellgewebshlasenschwänz oder die Finne, Cysticercus cellulosae, die Jugendform der Taenia solium des Menschen. Der Zusammenhang der Finne mit dem Einsiedlerbandwurm des Menschen wurde von Küchenmeister und Haubner zuerst mit Sicherheit durch Fütterungsversuche festgestellt. Die Finnenkranldieit des Schweines ist also bezüglich ihrer Häufigkeit von der Verbreitung der Taenia solium beim Menschen abhängig. Die Ansteckung des Schweines erfolgt durch die Aufnahme proglottidenhaltigen Menschenkothes. Wegen ihrer Vorliebe für Menschenkoth sind die Schweine auch von allen Hausthieren am meisten zur Finnenkrankheit prädisponirt. Am häufigsten erkranken Schweine, welche viel ins Freie kommen und auf Weiden oder Dünger-
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Fiimoiikrankheit des Sehweines.
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häufen Theile von Taonia solium iles Menschen aufnehmen können, so besonders auch Treibsoli weine, ferner solche Thiere, welche in unreinen, in der Nähe menschlicher Aborte errichteten Stallungen gehalten werden. Je nach der Haltung der Schweine ist daher die Finnenkrankheit in manchen Gegenden und Ländern verschieden häufig.
Die Entwicklung der Finnen geht in der Weise vor sich, dass die mit den Proglottiden, welche sich bereits im Zustande der Fäulniss befinden können, in den Magen der Schweine gelangten Eier von Taenia solium durch den Magensaft verdaut werden. In Foltre dessen wird der sechshakige Embryo frei, bohrt sich durch die Darmwand und wandert theils dem Bindegewebe entlang weiter, theils wird er durch den Blutstrom verschleppt. Diese Einwanderung findet aber nur bei jüngeren, bis G Monate alten Schweinen statt, ältere werden nicht mehr inficirt. Hat sich der Embryo irgendwo festgesetzt, so verliert er seine Haken, hellt sich im Centrum auf, wuchert in der Peripherie und wandelt sich in ein Bläschen um, an dessen innerer Wand ein zapfenfönniger Körper, die Grundlage für den Skolex, nach innen wächst. Nach 20 Tagen ist die Finne stecknadelkopfgross, die Kopfanlage ist durch ein trübes Pünktchen angedeutet; nach 40 Tagen erreicht sie die Grosse eines Senfkorns, der Kopf ist deutlich erkennbar, doch sind die Saugnäpfe und der Hakenkranz noch rudimentär; nach 00 Tagen ist sie erbsen-gross, Hakenkranz und Saugnäpfe sind deutlich sichtbar, jedoch fehlt noch der Hals; nach 3 Monaten endlich ist die Finne vollständig entwickelt und im Stande, den Menschen zu inficiren. In der Umgebung der Finne entwickelt sich ein reactiver Entzündungs-process, welcher zur Bildung einer Bindegewebskapsel führt. Im Uebrigen ist zu bemerken, dass bei einer und derselben Invasion die Finnen später insofern ein verschiedenes Entwicklungsstadium zeigen können, als einige derselben frühzeitig absterben und verkalken, während die übrigen sich weiter entwickeln. Nach den Beobachtungen von Ostertag findet namentlich in der Leber und Lunge ein frühzeitiges Absterben vor beendigter Entwicklung der Finne statt.
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Vorkommen. Die Lieblingsstellen der Finnen sind das inter-stitielle Bindegewebe der Muskeln, von welchen am häufigsten die Zunge, das Herz, sowie die Muskeln des Halses, der Becken-und Flankengegend und der Oberschenkel befallen werden, sodann das Unterhautbindegewebe, das Gehirn und ftückenmark, das Auge, die Lober, Milz, Lunge, die Körperhöhlen u, s. w. Auch im
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Finnenkrankheit des Sokweinesi
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Hpecke, sowie in den im Speck gelegenen Lymphdrüsen kommen Finnen vor. Nicht selten sind sänuntliche Körperorgane mit vielen Tausenden von Finnen durchsetzt, so dass z. E. auf 1 g Fleisch 2 bis B Finnen kommen; weniger häufig findet man nur vereinzelte Finnen. Die ausgewachsenen Finnen sind erbsen- bis bolinengross und stellen Bläschen von mattweisser Farbe und festweicher Consistenz dar, welche einen Hals und Kopf besitzen; letzterer ist als ein opaker Fleck erkennbar und meist nach innen eingestülpt, wodurch die Blase eine nierenfürmige Gestalt erhält, während sie bei ausgestülptem Kopfe bocksbeutelartig erscheint. Der Kopf zeigt vier Saugnäpfe, ein Kostellum, sowie einen doppelten Hakenkranz mit 2G bis 552 Haken. Die Blase ist meist eingeschlossen in eine Bindegewebs-kapsel, nur in den serösen Körperhöhlen fehlt diese Kapsel; beim Kochen quellen die Blasen auf und knirschen beim Durchschneiden; abgestorbene Blasen verfetten und verkalken. Die Muskulatur in der Umgebung der Blasen ist im Anfange normal, später wird sie, wenn zahlreiche Finnen vorhanden sind, schmierig und wässerig.
Die Häufigkeit des Vorkommens der Finnenkrankheit beim Schweine ist nach den verschiedenen Gegenden sehr verschieden. Nach den statistischen Berechnungen im Königreiche Preussen, welche einen Zeitraum von 7 Jahren (1876 1882) und eine Anzahl von 20 Millionen untersuchter Schweine umfassen, kommen daselbst etwa 3 finnige Sclnveine auf 1000 gesunde, gleich 3 pro Mille. Dasselbe llesultat gibt eine Zusammenstellung der in den Jahren 189093 geschlachteten Schweine (unter ö'/a Millionen befanden sich 14,000 finnige Schweine). In anderen Ländern sind die Schweinefinnen häufiger; so waren z.B. in Odessa unter 3060 Schweinen 371, gleich 12 Proc, mit Finnen behaftet.
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Symptome. Die Erscheinungen der Finnenkrankheit sind durchaus nicht charakteristisch. Sehr viele stark finnige Schweine lassen während des Lebens überhaupt nichts Krankhaftes erkennen. Im Allgemeinen werden als Krankheitssymptome angegeben: heiseres, rauhes, krächzendes Grunzen, Ausgehen der Borsten, Mattigkeit und Traurigkeit, unterdrückte Futteraufnahme, Blässe der Maulschleimhaut, Anämie und Abmagerung, öderaatöse Schwellungen am Kopf, Hals etc., Durchfälle, Schwäche, Lähmung und schliesslich Tod durch Erschöpfung. In einzelnen Fällen erfolgte der Tod sehr rasch, wenn nämlich eine übermässig grosse Zahl von Bandwurmeiern aufgenommen wurde. Im Gegensatze zu diesen sehr unbestimmten
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Finnenkvankhcit des Schweines.
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allgemeinen Symptomen ist das Krankheitsbild bei Localisation der Krankheit auf bestimmte wichtigere Organe ein ausgeprägteres. So beobachtet man nicht selten nach der Einwanderung von Finnen ins Gehirn schwere Gehirnerscheiuungen in Form von epileptiformen Krämpfen, ein- oder beiderseitigen Lähmungen, Raserei und Tobsucht, nach Einwanderung in das Auge (unter die Retina, in den Glaskörper, die Linse, die Augenkammern) Erblindung, bei zu massiger Einwanderung in die Zunge Lähmung der Zunge mit Unmöglichkeit der Futteraufnahme, bei vorwiegender Localisation auf die serösen Häute Peritonitis und Pleuritis. Endlich sah mau auch schon plötzlichen, apoplektischen Tod eintreten.
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Diagnose. Eine Erkennung der Finnenkrankheit währe n d des Lebens ist nur dann möglich, wenn die Pinnen an der Unterfläche der Zunge vor und neben dem Zungen-bändchen oder auf der Innenfläche der Augenlider in Form von Knötchen durch die Schleimhaut durchzufühlen oder durchzusehen sind. Es ist ferner empfohlen worden, wenn ersteres nicht der Fall ist, der Länge nach einen Einschnitt in die hervorgezogene Zunge zu machen und etwa vorhandene Finnen damit freizulegen. Vielleicht kann ausserdem in Zukunft auch der Augenspiegel diagnostische Verwerthung finden. Das Nichtvorhandensein der Finnen unter der Zunge berechtigt aber durchaus nicht umgekehrt zu der Annahme, dass das Thier vollkommen frei von Finnen ist. Railliet fand bei 41 finnigen Schweinen nur 31 mal Cysticerken in der Zunge.
Die Erkennung der Finnen beim geschlachteten Thiere ist sehr leicht; sie bietet nur dann Schwierigkeiten, wenn die Finnen bereits abgestorben und verschiedenartig degenerirt sind. In allen Fällen ist die Diagnose durch den mikroskopischen Nachweis des Kopfes, der Haken oder der Cysticerkenhülle gesichert. Ausserdem haben die Untersuchungen von Oster tag bezüglich der Diagnostik abgestorbener Finnen gezeigt, dass der mikroskopische Nachweis der sog. Kalkkörperchen in einem verkalkten oder verkästen Muskelherde ein positives Merkmal dafür ist, dass dieser Herd einem Blasenwurm seine Entstehung verdankt. Für den Nachweis der Finnen in Würsten und zerkleinertem Fleisch empfiehlt Schmidt-Mülheim, da die gewöhnliche mikroskopische Untersuchung sehr mühsam und umständlich ist, ein mehrstündiges Digeriren der betreffenden Fleisch- oder Wurstproben mit der (iStachen Menge
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Fiimeukraiikheit des Schweines.
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künstlichen Magensaftes bei 40n C, wodurch alles bis auf die Köpfe und Hakenkränze der Finnen verdaut wird, welche sich am Boden des Glases ansammeln und dann leicht mikroskopisch untersucht werden können. Die Bereitung des künstlichen Magensaftes besteht im Uebergiessen der zerkleinerten Magenschleimhaut vom Schwein mit Glycerin, welches man längere Zeit einwirken lässt, worauf eine kleine Menge dieses Pepsin-Glycei'ins mit einer '/iprocentigen Salzsäurelösung versetzt wird.
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Prophylaxe. Die Vorbauung gegen die Finnenkrankheit des Schweines besteht in der Verhinderung der Aufnahme menschlicher Fäces durch die Schweine, Reinhaltung und Verbesserung der Stallungen, Vermeidung des Weideganges, der menschlichen Aborte und der Düngerhaufen; alles dieses bezieht sich zunächst auf die jugendlichen Thiere (bis zu G Monaten). Dazu kommt, wenn überhaupt möglich, eine entsprechende Behandlung der bandwurmkranken Menschen, d. h. baldiges Abtreiben des Bandwurmes und gründliche Vernichtung desselben. Eine Behandlung der finnenkranken Schweine selbst ist gänzlich fruchtlos.
In den meisten Staaten ist die Finnenkrankheit des Schweines unter die Gewährsfehler aufgenommen. Die Gewährszeit beträgt in Bayern, Preussen, Hessen, Oesterreich, Waldeck je 8 Tage, in Württemberg, Baden und Hohenzollern je 28 Tage, in Sachsen 30 Tage.
Eine Infection des Menschen mit finnigem Sobweihefleisoh erfolgt nur dann, wenn das Fleisch roh oder halbroh genossen wird; in letzterer Beziehung sind besonders nicht durchgekochte Würste sehr gefährlich. Demzufolge ist die Prophylaxe wie bei der Trichinose eine sehr einfache: sie besteht in vollständigem Durch sieden und Durchbraten des Schweinefleisches. Nach Perroncito's Versuchen gehen die Pinnen bereits zu Grunde, wenn sie länger als eine Minute einer Temperatur von 50 0C. ausgesetzt sind. Ausserdem werden die Pinnen getödtet durch gründliches Durchräuchern, Einpökeln und Austrocknen; in Polge des Wasserverlustes schrumpfen sie dabei zu stecknadelkopfgrossen, harten, unter den Zähnen knirschenden Knotchen ein. Die gesetzlichen Bestimmungen über die Geniessbarkeit des finnigen Schweinefleisches sind in verschiedenen Ländern und Städten sehr verschieden. Als unumgänglich notbwendig ist jedoch die Forderung zu betrachten, dass hochgradig finniges Fleisch vom menschlichen Genüsse ganz auszuschliessen ist, vielmehr vernichtet oder zu rein technischen Zwecken (/,. B. Seifen- und Leimbereitung) verwendet werden soll. Diese Bestimmung soll unseres Erachtens auch auf den Speck ausgedehnt werden, welcher nicht selten ebenfalls von Finnen (die dabei sehr schwer nachweisbar sind) durchsetzt ist und häufig roh gegessen wird. Dagegen kann nur geringgradig finniges (nur einzelne Finnen enthaltendes) Fleisch unter gewissen Beschränk untreu und Vorsichts mass regeln
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Finnenkranldieit des Rindes.
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zum Genüsse zugelassen werden. Dieselben bestehen darin, dass das Fleisch vor dem Verkaufe unter Aufsicht durchgekocht und erst dann mit entsprechender Bezeichnung und Belehrung abgegeben wird. Die Gefahren des Genusses finnigen Schweinefleisches bestehen für den Menschen Zlinäohst in der Einverleibung eines oder mehrerer Bandwürmer, welche zu Verdauungs- und Ernährungsstörungen, sowie zu psychischen Atfectionen führen, sodann aber in einer Selbstinfection durch die Eier der Taenia solium mit Pinnenbildung im Gehirn und Auge etc., wobei Functions-Störungen des Gehirns, Erblindung und selbst plötzlicher Tod eintreten können. In Folge der sorgfaltigen Ausführung der Fleischbeschau ist in grösseren Städten Taenia solium beim Menschen sehr selten geworden; in Berlin z, B. ist der gewöhnliche Bandwurm Taenia inermis.
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II. Die Finnenkrankheit dos Rindes.
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Naturgeschichtliches. Die Finne des Rindes bildet die ungeschlechtliche Vorstufe der Taenia mediocanellata (saginata, inermis) des Menschen. Sie kommt seltener vor, als die Schweine-iinne, jedoch entschieden häufiger, als allgemein angenommen wird. Ihre Entwicklung hängt ebenfalls von der Aufnahme der mit dem menschlichen Kothe entleerten Proglottiden und Eier ab. Die Rinderfinne bewohnt in der überwiegenden Mehrzahl aller Fälle die inneren und äusseren Kaumuskeln, in zweiter Linie das Herz. So wurden beispielsweise im Jahre 1890 unter 389 finnigen Rindern in Berlin oOOmal die Kaumuskeln sowie 41mal das Herz inficirt gefunden. Seltener sind die Zunge, die Hals- und Brustmuskeln, die Lymphdrüsen, sowie das Fettgewebe, am seltensten die Leber, Lunge, das Gehirn, die Nieren etc. befallen. Ein weiterer Unterschied der Rinder-flnne von der Schweinefinne besteht darin, dass sie gewöhnlich nicht in so grossen Mengen wie der Cysticercus cellulosae, sondern mehr vereinzelt vorkommt. Häufio- findet man nur eine einzige Finne in den Kaumuskeln. Doch zählte schon Hering in einem Falle 300 Finnen in '/j Pfund Ochsenfleisch. Unter den oben genannten 889 finnigen Rindern waren die Finnen in 22 Fällen über die gesammte Körpermuskulatur verbreitet. Zenker und Railliet haben die Rinderfinne auch bei der Ziege beobachtet.
Die Entwicklung der Rinderfinne ist im Wesentlichen dieselbe, wie die der Schweinefinne. Mikroskopisch ist sie durch das Fehlen des Rostellums und Hakenkranzes charakterisirt, daher auch der Name Taenia inermis, unbewaffneter Bandwurm; ausser-deni sind die 4 Sauggruben stark entwickelt und es befindet sich auf dem Scheitel des Kopfes noch ein Stirnsaugnapf. Nach Fütterungs-
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Filmenkrankheit des Rindes.
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versuchen von Hartwig ist die organische Entwicklung der Rinderfinne mit 18 Wochen, ihr Wachstlium mit ca. 28 Wochen und darüber beendet. Wie bei der Schweinefinne findet man neben lebenden auch untergegangene Finnen. Nach 30 Tagen sind die Finnen 4 mm lang und 8,5 mm breit; der Kopfzapfen erscheint als grauer Punkt von 0,5 mm Durchmesser; die Skolexanlage zeigt die 4 Saugnäpfe und den Stirnsaugnapf als flache Scheiben. Nach GO Tagen beträgt die Länge der Finne 4,5 mm; der Kopfzapfeu ist stecknadelkopfgross. Nach 90 Tagen sind die Finnen 5(i mm lang und 4 mm breit. Nach 130 Tagen beträgt die Länge 7, nach 160 Tagen 8 mm; nach der letzten Zeit ist zwischen den 4 Saugmlpfen deutlich noch ein kleiner Stirnsaugnapf bemerkbar; der Skolex ist mohnsamengross, 2,5 mm lang, 1,75 mm breit. Noch ältere Finnen werden bis zu 12 mm lang und zeigen einen über senfkorngrossen Skolex.
Bezüglich des Vorkommens der Rinderfinne ist zu bemerken, dass sie offenbar nicht so selten ist, wie früher angenommen wurde. Ihr Bandwurm ist wenigstens beim Menschen sehr häufig, ja sogar viel häufiger als Taenia solium, welcher durch die Massregeln der Fleischbeschau und in Folge des leichten Nachweises der Schweinefinnen wenigstens in grösseren Städten fast ganz verschwunden ist. Mit dem Fortschreiten der Fleischbeschau-Technik hat sich das Vorkommen der Rinderfinne als ein ziemlich häufiges erwiesen. Während z. B. in früheren Jahren in Berlin nur vereinzelte Fälle von Rinderfinnen nachgewiesen wurden, stieg die Zahl derselben seit dem Bekanntwerden des Lieblingssitzes der Finne im Jahre 1888 auf 00, im Jahre 1889 auf 112 und endlich im Jahre 1890 auf 389. Fortgesetzte Untersuchungen werden wohl eine noch wesentlich höhere Ziffer ergeben. Nach Alix kommt die Rinderfinne in Tunesien bei einem Fünftel aller geschlachteten Rinder vor; diese Thatsache erklärt sich daraus, dass die tunesischen Rinder häufig hungern und daher mit Menschenkoth besudeltes Futter, das von anderen Rindern gewöhnlich verschmäht wird, aufnehmen und sich so mit den Eiern des Menschenbandwurms inficiren.
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Symptome. Die Finnenkrankheit des Rindes verläuft symptomlos. Selbst ein Theil der Fütterungsversuche Hess keinerlei krankhafte Erscheinungen erkennen (Gerlach, Perron cito, Pütz). Dagegen konnten Leuckart, Mosler und Zürn bei einem Theil ihrer Fütterungsversuche bei Kälbern ein auffallendes Krankheitsbild hervorrufen, welches nach dem eigenthümlichen, an Tuber-Friedberger u, Fröhner, Pathol. u. Therapie d. Haustliiero. I, Bd. i. Aufl. 45
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70(jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pinnenkrankheit des Rindes.
kulose erinnernden Sectionsbefund mit dem unglücklich gewählten Namen acute Cestoden-Tuberkulosequot; bezeichnet wurde. Die Erscheinungen bestanden nach Zürn in Temperatursteigerung, unterdrückter Fresslust, Schmerzäusserungen bei Palpation des Hinterleibes, Stöhnen, Schwanken, steifem, schmerzhaftem Gange, zunehmender Mattigkeit und Hinfälligkeit, Unvermögen aufzustehen, anhaltendem Liegen, Athemnoth, Durchfall, Sinken der Körpertemperatur, Tod am 23. Tage. Bei der Section fand man viele Tausende von Finnen im Herzen, sowie in den Kau-, Zungen-, Hals-, Bauchmuskeln und im Zwerchfell.
Diagnose. Die Erkennung der Rinderfinnenkrankheit während des Lebens ist in der Regel unmöglich; es wäre denn zufällig, wie beim Schwein, die Anwesenheit der Finne unter der Zunge nachzuweisen. Nach Masse und Fourquier soll so im Süden Frankreichs von den Schlachthausinspectoren die Zunge der Rinder gleich sorgfältig untersucht werden, wie beim Schweine. Diese Finneninvasion der Zunge kann im Uebrigen, wie ein von Noack mitgetheilter Fall gezeigt hat, eine Verwechslung mit Aktinomykose bedingen. Auch das Auffinden der Rinderfinnen bei der Fleischbeschau ist viel schwieriger als beim Schweine; offenbar sind sie bisher meist übersehen worden. Wenigstens steht, wie schon erwähnt, die Häufigkeit der Taenia mediocanellata beim Menschen in gar keinem Verhältnisse zu der Seltenheit der Constatirung der Rinderfinnen in den Schlachthäusern. Die Schwierigkeit des Auffindens ist theils in dem verein--zelten Auftreten der Finnen, theils in dem Umstände, dass die Finne bei der Berührung des Fleisches mit der Luft rasch collabirt und so bald unsichtbar wird, theils in ihrem Vorkommen im Fettgewebe su suchen. Wie die Erfahrungen am Berliner und Magdeburger Schlachthaus gelehrt haben, sind vor Allem die inneren und äusseren Kaumuskeln als Lieblingssitz der Rinderfinne zu untersuchen. Die in Magdeburg (Glage) neuerdings gemachten Beobachtungen haben insbesondere ergeben, dass durch das Anschneiden auch der äusseren Kaumuskeln häufig Finnen nachgewiesen werden können, welche ohne diese Untersuchung unentdeckt bleiben.
Prophylaxe. Dieselbe besteht gerade so wie beim Schweine in der Verhinderung der Aufnahme der Eier und Proglottiden, welche mit den Fäces des Menschen entleert werden, ist jedoch noch viel schwerer; höchstens kann die Defäcation des Stallpersonales in den Rinderstallungen vermieden werden.
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Finnenkrankheit des Hundes.
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Die Ansteckung des Menschen erfolgt auch hier lediglich durch den Genuss rohen oder halbrohen Rindfleisches, besonders in der Form roher oder halb durchbratener Beefsteaks. Vollständiges Durchbraten und Durchkochen ist daher der beste Schutz. Im Gegensatze zu Taenia solium ist der Bandwurm der Rinderfinne beim Menschen schwieriger abzutreiben. Von Seiten der Fleischbeschau ist das iinnige Rindfleisch genau so zu behandeln, wie das finnige Schweinefleisch. In Preussen besteht die specielle Verordnung, dass, wenn auch nur eine einzige Finne nachgewiesen wird, und diese Finne nur in den Kaumuskeln sitzt, doch das gesammte Fleisch als gesundheitsschädlich zu behandeln und zum Verkaufe oder zum häuslichen Gebrauche nur zuzulassen ist, wenn es unter polizeilicher Aufsicht gar gekocht wurde.
III. Die Finncnkrnnkheit dos Hundes.
Auch beim Hunde hat man in einzelnen Fällen die Finne der Taenia solium im Gehirn, in den Muskeln, der Leber, Lunge etc. nachgewiesen; dabei muss eine Infection durch den Menschen vorausgegangen sein. Meist waren es die Erscheinungen einer Gehirn-affection: tobsüchtiges Benehmen, epileptiforme Krämpfe, Drehbewegungen, auffallend rascher Tod; seltener traten Symptome einer Muskelerkrankung auf. So beobachtete Trasbot in einem Fall bei einem Hunde absolute Unbeweglichkeit, sowie lebhafte Schmerzen bei Berührung und Bewegung der Glieder. Noack will auch den Cysticercus tenuicollis im Gehirn des Hundes angetroffen haben. Endlich hat man den Cysticercus cellulosae noch bei Schafen, Katzen, Rehen, Bären und Ratten gefunden.
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Die Miescher'schen Schläuche oder Ilaiuey'scheu Körperchen.
(Sarkosporidien, Psorosperniien.)
Literatur. Miesghbr, Bericht über die. Verhandl. der naturh, Gesellschaft zu Basel, 1843. S. 143. Hessuno, Zeitsohr, f. wissenschaftl. Zoologie, 1854. V. S. 197. Siebold, Ibid., S. 199. Hainky, Philosoph, transact., 1857. S. 114. Vihchow, dessen Arohiv, Bd. 82. S. 356. Leiserinö, S, J. U., 1864. 1805. Kühn, MUth. des landw. Inst, der Unirers. Halle, 1805. S. 74. Dammann, Virch. A., 1807. S.283. Palladino, L'Arch. della Vet. Hal., 1868. Fgrronqito, 11 mad. vet., 1869. RivoLTA, Ibid., S. 54. Roluff, Virch. A., 46. Bd.; Piitz'sche Z., 1874. S. 282. PCasTENBEWi, Mittheil, aus dem naturw. Ver. von Neu-Vorpommcrn, 1809. S. 41. Siedamgrotzky, W, f. Th., 1872. S. 97. v. Niederhäusern, Piitz'sche %., 1873. S. 79. Anacker, Thrzt., 1873. S. 82. - Kocn, Oe, V., 1870. S. 12. Leuckart, Die menschl. Parasiten, 1879. S. 251. Bahanski, Oe, V. S., 1879. S. 81. Brou-vier, Ij'Echo vet., 1883. Nr. 1. Laui.anik, Itevue vH., 1884. S. 57. Stoss, Oe. V., 1886. S. 25. Moule, Uee., 1886. S. 125. Morot, Ibid., S. 369. Sticker, B. A., 1886. S. 381; Arch. f. animal. Nahr., 1891. Raiu.iet, Bull. Belff., 1880. S. 130 u. 658. Pütz, Virch. A., 1887. S. 140. Dejonch, A. de Brux., 1887. Hert-wig, Jahresber. üb. d. Resultate d. stäiit. Fleischbeschau in Berlin, 1886/87. Rieck, Igt;. Z. f. Th., 1888. S. 52. Mit Literatur. - Zürn, Die pßaiizl. Parasiten, 1889. S. 801. Mit Literatur. Tokarknko, Pet. A., 1890. van Eecke, Th. Bl, f. N. Ind.,
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Miescher'sche Schliluohe.
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Bd. 4. S. 178. Pfeiffkraquo;, Virch. A., 1890. Bd. 122. S. 564; Die Zellerkrankmigen durch Sporozoen, Jena 1893. Kitt, liaktcrienkunde, 1893; I'ath.-anat. Diagn., 1894. van Eecke, Th. Bl. f. jY. Ind., VI. S. 121. Brschosniowski, Pet. Jottrn., 1893. S. 107. Bertram, Ref. %. f. Fl., 1894. Ostkrtag, Handbuch der Fleischbeschau, 1895.
Naturgeschichtliches. Ueber die Natur der von Miescher im Jahre 1848 in den Muskeln entdeckten Schläuche, welche von Hess-ling im Jahre 1854 und von Rainey im Jahre 1857 gewissermassen zum zweitenmale neu aufgefunden wurden, sind unsere Kenntnisse auch heute noch unbefriedigend. Die Miescher'schen Schläuche sind spindelförmige oder walzen- und fadenartige Gebilde im Innern der Muskelpri mitivbündel, welch letztere dadurch ausgebuchtet werden. Sie sind bald mikroskopisch klein, bald als feine, weisse, längliche Striche sichtbar, so besonders beim Schwein, bald erreichen sie die Länge von 12 cm und darüber, wie dies bei grösseren Thieren beobachtet wird. Meistens kommen sie disseminirt, wenn auch in sehr bedeutender Menge vor, zuweilen findet man sie jedoch in erbsen- bis haselnussgrossen Knoten massenhaft augesammelt. Die Schläuche sind nach aussen von einer dicken Cuticula begrenzt. Im Innern der Schläuche befindet sich eine ausserordentlich grosse Anzahl kleinster, sichel-, nieren- oder bohnenförmiger Gebilde (Keime), welche in einer homogenen Grundsubstanz gruppenweise in maschigen Abtheilungen beisammen liegen; durch letztere sind die grösseren Schläuche poschenförmig eingeschnürt. Beim Einstechen in die Schläuche quillt eine milchige, eiterige, Millionen von Sichelkeimen enthaltende Masse hervor, welche sich oft völlig ausdrücken lässt, so dass die leere Hülle zurückbleibt.
Während diese Gebilde früher bald als Pilze, bald als Lymph-zellenanhäufungen, bald als Entwicklungszustände der Schweinefinne angesehen wurden, sind sie nach neueren Untersuchungen als Sporozoen aufzufassen, welche in Colonien von einem Schlauch umgeben, in den quergestreiften Muskeln parasitiren (sog. Sarkosporidien). Solange die Schläuche geschlossen sind, scheinen sie harmlose Gebilde zu sein. Platzt jedoch die Schlauchhülle, so verwandeln sich die darin enthaltenen sichelförmigen Sporen in amöboide Wanderzellen, welche in die benachbarte Muskulatur in Form einer entzündlichen Infiltration eindringen (Myositis sarcosporidica s. gregarinosa) und eine specifische Muskelerkrankung mit Schwund der Muskelzellen und Bildung geschwulstähnlicher Entzündungsherde verursachen (faust-grosse, harte, weisse oder graue Sarkosporidiengeschwülste in den Bug- und .Lendenmuskeln der Pferde). Beim Schafe erzeugen
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Miesclier'sohe Sohliluche.
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sie durch frühzeitiges Platzen der Sclililuche rundliche, abgekapselte, bis erbsengrosse Geschwülste, welche gegen die freie Oberfläche des Schlundes und der Pleura vordringen (Sarkosporidiencj'sten).
Der beschriebene Entwicklungsgang ist insbesondere von Pfeiffer nachgewiesen worden; er liillt auch die von Hertwig und Dunker heim Schweine beschriebenen Aktinomyccsberdo für Sarkosporidiengeschwülste.
Blanchard hat folgendes System aufgestellt. Classe; Sporozoen; Ordnung: Sarkosporidien. I. Familie Misch erid ae, Scbmarotzer in der quergestreiften Muskulatur mit 2 Arten: 1. Genus Mischeria (Membran dünn, homogen). 2. Genus Sarcocystis (Membran dick, von feinen Canälchen durchsetzt). II. Familie Balbianidlae, Schmarotzer im Bindegewebe (Hüllmembran dünn, homogen), mit einer Art: Genus B u 1 b i a n i a.
Zum Genus Balbiania rechnet Rieck die Psorospermien-gäckoben der Wiederkäuer. Dieselben finden sich am häufigsten im interstitiellen Bindegewebe der Sehlundmuskulatur bei Schaf und Ziege. (Morat fand HO,2 Proo. von 000 Schweinen mit Psorospermienknoten im Schlund behaftet.) Das Genus Mischeria ist bei unseren Hausthieren am häufigsten vorkommend, zumal beim Schwein. Kipping will die Miescher-schen Schläuche bei keinem der untersuchten Schweine vermisst haben, Kühn beobachtete sie bei 98,5 Proc. der untersuchten Thiere, Koch bei 8 Proc. aller in Wien geschlachteten Schweine. Dann folgen bezüglich der Häufigkeit Pferd und Rind. Nach seinen Untersuchungen spricht sich Rieck dahin aus, dass die Sarkosporidien, wenn sie auch in der Regel keine auffälligen pathologischen Veränderungen in der Muskulatur veranlasset), doch unter Umständen eine anfangs acute, später chronisch verlaufende interstitialle Myositis mit secundärer Degeneration der Muskelfasern erzeugen können. Die erstere wird durch die Einwanderung der Sarko-sporidienkeime in das intorstitielle Bindegewebe der Muskulatur veranlasst. Mit dem Eindringen der kernartigen Entwicklungsformen der Sarkosporidien in die Muskelfasern und der Encystirung derselben in letzteren beginnt das zweite chronische Stadium der Entzündung, wobei eine Umwandlung des zolligen Exsudates in fibrilläres Bindegewebe stattfindet. Die von Siedam-grotzky, Laulanic und Brou wier ausgesprochene Ansiebt, dass die bei Pferden, Rindern und Schweinen auftretenden, chronischen interstitiellen Muskelentzündungen durch die vorgefundenen Sarkosporidien verursacht worden seien, gewinnt durch die Untersuchungen von Pfeiffer und Rieck gegenüber den gegentheiligen Ansichten von Pütz, Eberth und Schmidt-Mülheim eine wesentliche Stütze.
Vorkommen. Die Miescher'schen Schläuche finden sich nur in den Muskeln der Pflanzenfresser und Omnivoren, insbesondere beim Schweine, den Wiederkäuern (Rind, Schaf, Reh) und dem Pferde, Auch bei Büffeln, Rennthieren, Ziegen, Hasen, Ratten und Mäusen, beim Huhn und anderen Vögeln kommen sie vor, dagegen wurden sie bei Fleischfressern bisher noch nie angetroffen. Die grössten Schläuche (Sarcosporidea gigantea) kommen bei Ziegen, Schafen und Büffeln vor. Am häufigsten findet man sie in den Muskeln in der Umgebung der Maul- und Rachenhöhle, so im Oesophagus, in
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Miescher'sche Schläuche.
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der Zunge, in den Kau-, Backen-, Kehlkopf- und Rachenmuskelu; doch sind sie auch in anderen Muskeln häufig sehr zahlreich vorhanden, so in denen des Halses, der Lenden, der Bauchdecken, der Hinterschenkel, des Zwerchfells, im Herzen u. s. w. Zuweilen führt ihre Anwesenheit im Muskel zu interstitieller Myositis mit Atrophie und zelliger Infiltration des Bindegewebes der umgebenden Muskelfasern. In andern Fällen erhält z. B. das Fleisch erwachsener Rinder durch das massenhafte Vorhandensein der Sarkosporidien eine helle, kalbfleischähnliche Farbe. Bei älteren Pferden, sowie bei Büffeln scheinen die Miescher'schen Schläuche ein fast con-stanter Befund zu sein; auch beim Schweine wurden sie von Perron cito bei einem Viertel aller untersuchten Thiere angetroffen. Unter 100 von Moule untersuchten kachektischen Schafen fanden sich bei 90 Sarkosporidien.
Symptome. So häufig die Miescher'schen Schläuche in den Muskeln der pflanzenfressenden Hausthiere vorkommen, so selten bedingen sie eine Erkrankung ihrer Wirthe; nur in ganz vereinzelten Fällen hat man pathologische Erscheinungen wahrgenommen, welche sich auf Muskelveränderungen entzündlicher Natur bezogen, verursacht durch die in Ueberzahl vorhandenen Schläuche. So beobachteten Dammann und von Niederhäusern Athmungsbeschwerden bei einem Schafe und einer Ziege in Folge Entzündung der Rachen-und Kehlkopfmuskeln, Brouwier und Tokarenko bei Stieren beschwerlichen Gang und erschwertes Aufstehen, selbst völlige Muskel-lähmung, Virchow beim Schweine Paralyse der hinteren Extremitäten. Brschosnionski beobachtete bei zwei Schweinen Appetitlosigkeit, beständiges Liegen, gekrümmten Rücken, ungeordnete Bewegung mit dem Hintertheil, Schmerzhaftigkeit der Muskeln bei Druck, heisere Stimme und Fieber (Verdacht auf Trichinose); nach der Schlachtung zeigte sich die Muskulatur wässerig, mürbe, von zahlreichen Sarkosporidien durchsetzt.
Etwas häufiger finden sich anatomische Veränderungen des Fleisches bei Schlachtthieren. Nach Hertwig waren beispielsweise bei 6 Schweinen Mi escher'sehe Schläuche in so grosser Menge vorhanden, dass die Muskelpräparate ebenso viel Schläuche wie Muskelgewebe enthielten. Das Fleisch war in Folge dessen schlaff, hochgradig wässerig und seine Schnittfläche nahm in wenigen Stunden eine mattgrüne Färbung an. Ueber die Differentialdiagnose vergleiche das Capitel der Trichinose.
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