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RIJKSUNIVERSITEIT TE UTRECHT
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2427 777 8
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Lehrbuch
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der
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tierärztlichen Geburtshilfe
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Professor Dr. Carsten Harms
unter Mitwirkung von
A. Eggeling und Dr. R. Schmaltz,
Professoron au dex' KUnigllohon tiorärüfcliehou Hochsrhulo zu TJorlin.
Dritte gänzlich umgearbeitete und. stark vermehrte Auflage.
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Teil I.
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Das Geschlechtsleben der Haussäugetiere
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von
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Dr. metl. yet. Keinold Schmaltz,
Professor der Armtomio unil Embryologio an der tierärztlichen Hochschule
zu Berlin.
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...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;V
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. #9632;
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laquo;erlin 1899.
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Verlag von Richard Schoetz.
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Luiscnstrasso No. 30.
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f BIBUOTHESK i DIEROBNEESKONDE inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;UTRECHT
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1 I 1
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Vorwort zum ersten Theil.
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Die Bearbeitung des vorliegenden Buches habe ich nur zögernd und auf wiederholtes Ersuchen des Hemusgebers, meines ehemaligeu Lehrers, der leider die Fertigstellung nicht mehr erlebt hat, übernommen. Denn der Gegenstand desselben liegt nicht direkt auf der Linie meiner Arbeiten, von denen einige noch der Vollendung harren und meine Zeit allein hätten in Anspruch nehmen sollen. Gleichwohl habe ich mich dann nicht entschliessen können, bloss eine kurze Zusammenstellung anatomisch-physiologischer Punkte zu geben, wie sie allenfalls als Einleitung für ein, praktischen Zwecken dienendes Handbuch der Geburts-hülfe genügt hätte. Ich glaubte vielmehr, dass der fesselnde und vielseitige Stoff eine ausführliche Darstellung um so mehr erfahren sollte, als er nicht zum Auswendiglernen bestimmt ist und daher in einer wissenschaftlich unterhaltenden Form beschrieben werden kann.
Die Disposition ist eine chronologische, indem sie der Reihenfolge der Vorgänge nachgeht, welche mit der Geburt ihren Ausgang finden. Das Buch ist daher in folgende 7 Theile gegliedert: Der Geschlechtstrieb, die Begattung, die Befruchtung, die Vererbung, die Entstehung des Geschlechts, das intm-uterine Leben der Frucht, die Mutter während der Schwangerschaft, die Geburt.
Namentlich die ersten Theile sind ausführlicher bearbeitet, als dies sonst wohl geschehen ist. Denn es handelt sich hier um einen interessanten Theil der Thierkunde, der aber gewissermassen auf mehreren Gebieten verstreut liegt, der der Anatomie bezw. Embryologie, Physiologie, Thierzucht und praktischen Thierbeobachtung überhaupt zugehört und eben deshalb einer einheitlichen geschlossenen Darstellung für unseren speziellen Zweck vielleicht mehr entbehrt, als andere Kapitel unserer Wissenschaft. Muss doch z. B,, um das Wesen des Geschlechtstriebes der Thiere richtig zu beurthcilen, von der Beobachtung des Wildes ausgegangen werden. Die Vererbung, vom thierzüchterischen Standpunkt
I*
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IV
tins in besonderen Werken geschildert, ist unzweifelhaft ein integriren-der Bestandtheil des Befruchtungsvorganges. Die Entstehung des Geschlechts wieder fasse ich als einen Theil der Vererbung auf. Ich habe die Theorien über die Gesehleehtsentstehung neben einander gestellt und kritisch verglichen. Der Leser wird finden, dass ich die eine bevorzuge und derselben eine anatomische Grundlage statt der empirischen zu geben suche, ohne sie deshalb ausschliesslich vor anderen In den Vordergrund zu rücken, und selbstverständlich, ohne dem phantastischen Ziel der willkürlichen Geschleclitsbestimmung nachzujagen. Der Periode der Schwangerschaft sind zwei Abschnitte gewidmet, von denen der eine den Foetus, der andere das Mutterthier gesondert behandelt. In dem ersteren ist nicht nur die Entwicklung der Leibesform skizzirt, sondern auch der Physiologie des Foetus ein Platz ein-geräumt worden. Diese Schilderung musste sieh nothwendiger Weise auf zwei grundlegende Spezlalwerke autbauen, die Entwicklungsgeschichte der Haussiiugethiere von Bonnet und die Physiologie des Foetus von Preyer. Aus der älteren Literatur möchte ich drei Arbeiten, welche häufig citirt werden mussten, besonders hervorheben, die anatomische Studie von Kobelt, die mannigfaltigen Untersuchungen von Kehrer und das anscheinend halb vergessene hervorragende Werk von U. F. Hausmann, ehemaligem Director der Thierarzneischule zu Hannover.
Es ist mir eine Freude gewesen, durch meine Mitarbeit im Verein mit meinem Herrn Kollegen Eggeling dazu beitragen zu können, das Werk unseres alten verehrten Lehrers Harms für eine weitere Spanne Zeit in der thierärztlichen Literatur lebendig zu erhalten. Dieser Zweck mag mir zur Entschuldigung dienen, wenn ich mich dabei auf ein nicht ausschliesslich anatomisches Gebiet wagte.
Berlin im December 1898.
Schmaltz.
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(;lt;laquo;.
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Inhaltsverzeichniss za Theil 1.
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SlMtO
I. Theil t Der Oeschlcclitstrleb................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ]
Quölle dos Geschlechtstriobos.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1
Allgomeino und äussere Koizo.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1
Roizzustand des Goschlochtsapparatos..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;#9632;gt;
Abhängigkeit dos Geschleclitstriobes von don Lobonsbodingungen .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;!
Zusammenfassung................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4
Erwachen des Geschlochtstricbes; Mannbarkeit.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
Bntwiokolung \mamp; Einfluss der Goschleohtsreife.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;B
*'w Zeitpunkt dor Geschlechtsroifo; Frühreife.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
Zeitpunkt der Zulassung zur Zucht
Dio Brunst beim weiblichen Thiere...........nbsp; nbsp; nbsp; 11
Wesen der Brunst.................nbsp; nbsp; nbsp; 11
Bireifung und Ovulation..............nbsp; nbsp; nbsp; 12
Gelbe Körper; Zahl der dehiscirten Bier Lotztor Aniass zur Ovulation
Zustand der übrigen Geschlechtstheile.........nbsp; nbsp; nbsp; 17
Zusammenfassung................nbsp; nbsp; nbsp; lit
Beeinflussung, Ausbleiben, Erlöschen der Brunst......nbsp; nbsp; nbsp; 10
Ausbleiben beim tragenden Thier...........nbsp; nbsp; nbsp; '20
Das Altors-Erlöschen...............nbsp; nbsp; nbsp; 22
Brunstperiodoii bei den Wildthioron...........nbsp; nbsp; nbsp; 2-1
Jahreszeiter, Verlauf...............nbsp; nbsp; nbsp; 21
L
nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bedeutung und Ursache der Beschränkung auf bestimmte
Jahreszeiten.................nbsp; nbsp; nbsp; 25
Brunstzeiten und Brunstzoichen bei den Hausthieron.....nbsp; nbsp; nbsp; 2S
Allgemeines..................nbsp; nbsp; nbsp; 28
Brunst bei den einzelnen Thierarten.........nbsp; nbsp; nbsp; ;i0
Stuto....................nbsp; nbsp; nbsp; 30
Kuh....................nbsp; nbsp; nbsp; .#9632;!!
Schaf....................nbsp; nbsp; nbsp; 32
Schwein...................nbsp; nbsp; nbsp; 88
Pleischfrossor.................nbsp; nbsp; nbsp; .'U
Nebenwirkungen der Brunst auf die Nutzung......nbsp; nbsp; nbsp; 35
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Hl
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VI
Seite
Die Menstruation Im Gegensätze zur Brunst.......nbsp; nbsp; nbsp; 35
Beziehung der Menstruation zu Zeugungsfähigkclt und üeschlechts-
trieb. Wesen dor Menstruation............nbsp; nbsp; nbsp; 3ß
Vergleich zwischen Menstruation und Brunst........nbsp; nbsp; nbsp; 37
H. Theil: Die Begattung..................nbsp; nbsp; nbsp; 89
Verhalten dos weiblichen Thieres............nbsp; nbsp; nbsp; 39
Thätigkeit dor weiblichen Begattungsorgaue........nbsp; nbsp; nbsp; 42
Anatomisches (Clitoris, Vagina).............nbsp; nbsp; nbsp; 42
Wollusterzougung..................nbsp; nbsp; nbsp; 45
Nebenfunetionen..................nbsp; nbsp; nbsp; 40
VorhaTton des männlichen Thieres...........nbsp; nbsp; nbsp; 46
Thätigkeit der männlichen Geschlechtsorgane.......nbsp; nbsp; nbsp; 50
Anatomisches (Formen des Penis; Qcfässe, Nerven).....nbsp; nbsp; nbsp; 50
Entstehung dor Erection...............nbsp; nbsp; nbsp; 53
Wollusterzeugung..................nbsp; nbsp; nbsp;55
Bedeutung dor accessorischen Drüsen. Ejaculation.....nbsp; nbsp; nbsp; 56
Vorlauf der Begattung boi den Hausthiorarten......nbsp; nbsp; nbsp; 61
Pferd......................nbsp; nbsp; nbsp; 01
Wiederkäuer, Schwein, Fleischfresser..........nbsp; nbsp; nbsp; 02
Vorsichtsmassregoln und Zufälle der Begattung.......nbsp; nbsp; nbsp; 03
Häufigkeit der Begattung...............nbsp; nbsp; nbsp; 06
Künstliche Vernichtung des Geschlechtstriebes und der Begattungs-
fähigkoit (Kastration) mit Nebenwirkungen.......nbsp; nbsp; nbsp; 08
III. Theil: Die Befruchtung.................nbsp; nbsp; nbsp; 70
Wesen und Bedingungen der Befruchtung........nbsp; nbsp; nbsp; 71
Schicksale der Geschlechtszellen bis zur Befruchtung ....nbsp; nbsp; nbsp; 71
Beschaffenheit der Samenfäden...........nbsp; nbsp; nbsp; 71
Wesen dor Eiroifung...............nbsp; nbsp; nbsp; 72
Verschmelzung der Geschlechtszellen. Unmittelbare Folgen
des Befruchtungsvorganges............nbsp; nbsp; nbsp; 73
Ort der Befruchtung...............nbsp; nbsp; nbsp; 74
Wanderung der Samenfaden......., . . .nbsp; nbsp; nbsp; 74
des Eies..............nbsp; nbsp; nbsp; 75
Zusammentreffen...............nbsp; nbsp; nbsp; 70
Vorbedingungen der Befruchtung............nbsp; nbsp; nbsp; 76
Befruchtungsfähigkeit von Ei und Samenfäden......nbsp; nbsp; nbsp; 70
Gleichzeitiges Vorhandensein............nbsp; nbsp; nbsp; 77
Entleerung und Zahl der Samenfäden ,........nbsp; nbsp; nbsp; 79
Angebliches Eindringen des Penis in den Muttermund ...nbsp; nbsp; nbsp; 82
Eintritt des Samens aus der Vagina in den Uterus ....nbsp; nbsp; nbsp; 85 r
Seelische und andere Nebeneinflüsse.........nbsp; nbsp; nbsp; 87
Zusammenfassung...............nbsp; nbsp; nbsp; 89
Unregelmässige und ausnahmsweise Befruchtungen.....nbsp; nbsp; nbsp; 89
Abnormer Entwicklungsort (Extrauterin-Schwangerschaften) .nbsp; nbsp; nbsp; 89
Ueber Wanderung.................nbsp; nbsp; nbsp; 90
Polyspermie (Biüberfruchtung), Superfoetatio (Uoberfruchtung)
der Mutter), Superfoecundatio (Ueberschwängerung) ...nbsp; nbsp; nbsp; 91
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VII
Soite
Die Fruchtbarkeit des Muttorthieres..........nbsp; nbsp; nbsp; 93
Zahl der Früchte..................nbsp; nbsp; nbsp; 93
Einrtusslosigkoit der männlichen Individuen auf die Zahl . .nbsp; nbsp; nbsp; 90
Regeln für die Zahl (Mensch, Pferd, Rind, Schaf, Ziego, Schwein,
andere Hnusthicroquot;)...............nbsp; nbsp; nbsp; 97
Vlolträchtigkoit.................nbsp; nbsp; nbsp; 99
Regelmässigkeit der Kmpfängniss............nbsp; nbsp; nbsp; 99
Physiologische Abnahme der Fruchtbarkeit........nbsp; nbsp; 103
Natürliche Grenze der Befruchtung (Blondlinge und Bastarde) .nbsp; nbsp; 105
Fruchtbarkeit der männlichen Thiore.........nbsp; nbsp; 101
IV.nbsp;Tliell: Die Verorbuiij?.................nbsp; nbsp; 110
Vcrerburgsthcorion..................nbsp; nbsp; 111
Die Pangenesis Darwins...............nbsp; nbsp; 111
Theorie Galten..................nbsp; nbsp; 114
Hugo de Vries...................nbsp; nbsp; 115
Koimplasmatheoi'io Woismanns.............nbsp; nbsp; 115
O. Hertwig.....................nbsp; nbsp; 116
Zusammenfassung................nbsp; nbsp; 117
Telegonie....................nbsp; nbsp; 119
Versehen....................nbsp; nbsp; 121
Die thatsiichliehen Beobachtungen über die Vererbung . .nbsp; nbsp; 122
Typische und individuelle Vererbung..........nbsp; nbsp; 122
Anpassung....................nbsp; nbsp; 123
Vererbung echtei' erworbener Bigonschafton........nbsp; nbsp; 124
Vererbung abnormer und pathologischer Eigenschaften ....nbsp; nbsp; 126
Die Combination dor elterlichen Eigenschaften und ihre Bedeutungnbsp; nbsp; 127
Variabilität, Umformung und ihre Hülfsmittel.......nbsp; nbsp; 129
Empfänglichkeit der Thierarton für Umformung......nbsp; nbsp; 131
Atavismus....................nbsp; nbsp; 132
Die Folgen der Inzucht...............nbsp; nbsp; 133
V.nbsp; Thoil: Die Entstellung (Vererbung) des Gesclilechts......nbsp; nbsp; 134
I.nbsp; nbsp;Dio Theorie vom Dualismus sowohl der Samenfäden als der Eizellen....................nbsp; nbsp; 135
Begründung des Dualismus der Geschlechtszellen im Anschluss
an die Pangenesis und verwandte Vorerbungstheorien . . .nbsp; nbsp; 136
Der Dualismus der Geschlechtsdrüsen; eine Ncbonfrage . . .nbsp; nbsp; 141
II.nbsp; Theorie: Gleichheit aller Samenfäden bzw. Eier eines Individuums. Bestimmung dos Geschlechts der neuen Keimanlage durch Eigenschaften der Geschlechtszellen, welche dieselben während ihrer Ausbildung und Existenz im elterlichen Organismus erlangt haben..............nbsp; nbsp; 145
a)nbsp; Homologe Geschlechtsübertragung...........nbsp; nbsp; 145
b)nbsp; Gekreuzte Geschlechtsübertragung..........nbsp; nbsp; 147
Hülfskräfto bei der Geschlechtsübertragung nach II a und b.
Kultur, Klima und Jahreszeiten..........nbsp; nbsp; 148
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VIII
Soito
Lebonsaltor, Lobonswoiso und Nährzustand......nbsp; nbsp; 149
Qoschloohtlicho Potenz.............nbsp; nbsp; 152
Kritisoho Zusuraraonfassung dor Theorien II a und b ....nbsp; nbsp; 155
III.nbsp; Theorie: Die Geschlechtszellen besitzen keine Krbanlago für die (io-schlochtsübertragung. Entscheidend für die Goschlochtsbestimmung ist dor allgemeine Zustand dor Goschlochtszollon, in wolchen diosolben in dor Zwischonzoit von ihrer Loslösung aus dor GeschlochtsdrüsG bis zur Befruchtung gorathen (Thury) .nbsp; nbsp; 157
Combination der Theorien II und III...........nbsp; nbsp; 159
IV.nbsp; nbsp;Die Theorie der hormaphroditischen Koiraanlage und nachträglichen Bostimnutng dos Goschiochtscharactors während der intrauterinen Entwicklung...........nbsp; nbsp; 100
Zwitterbildung...................nbsp; nbsp; 162
Sehlussbetrachtung über die Theorien IIV........nbsp; nbsp; 160
Die Thoorio Schenk (Vormisohung von II, III und IV).......nbsp; nbsp; 170
Durchschnittsverhiiltniss der männlichen und weiblichen Geburten bei
Monsch und Hausthieren..................nbsp; nbsp; 171
YI. Thell: Das Intra-utcrine Leben derTrucht.........nbsp; nbsp; 173
Grundzügo der Loibosontwicklung...........nbsp; nbsp; 174
Die Bihäute oder Fruchthüllon............nbsp; nbsp; 180
Das allgemeine Schema der Eihautbildung........nbsp; nbsp; 180
Zoologische Eintheilung der Wirbelthiero nach der Eihautbildungnbsp; nbsp; 188
Die Eihäuto der einzelnen Hausthierarten.........nbsp; nbsp; 191
Pferd ....................nbsp; nbsp; 191
Wiodorkiiuor..................nbsp; nbsp; 195
Schwein ...................nbsp; nbsp; 201
Fleischfresser..................nbsp; nbsp; 204
Kaninchen...................nbsp; nbsp; 206
Eihäuto der Menschen................nbsp; nbsp; 206
Fohler der Eihiillon..................nbsp; nbsp; 209
Physiologie des Foetus................nbsp; nbsp; 211
Der Kreislauf...................nbsp; nbsp; 211
Formen des embryonalen Kreislaufs.........nbsp; nbsp; 212
Merkmale des Allantoiskreislaufos..........nbsp; nbsp; 214
Uobergang zum oxtra-uterinon Kreislauf........nbsp; nbsp; 217
Die Hcrzfunction................nbsp; nbsp; 218
Die Ernährung..................nbsp; nbsp; 219
Athmung...................nbsp; nbsp; 220
Nahrung im ongoren Sinne.............nbsp; nbsp; 221
Wasserversorgung................nbsp; nbsp; 224 ..lt; raquo;-
Das Functioniren und die Funetionsfähigkeit der foetalen Organenbsp; nbsp; 226
Herz. Respirationsapparat.............nbsp; nbsp;226
Verdauungsapparat................nbsp; nbsp; 227
Nieren....................nbsp; nbsp; 229
Leber ....................nbsp; nbsp; 230
Nerven und Bewogungs-Apparat...........nbsp; nbsp; 231
Zusammenfassung...............nbsp; nbsp; 233
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IX
So itlaquo;
Bedeutung dor Fruclithtillon und Einfluss der Mutter ....nbsp; nbsp; 234
Dab Ausreifen dos Foetus...............nbsp; nbsp; 239
Fohlen.....................nbsp; nbsp; 230
Kalb......................nbsp; nbsp; 241
Schaf, Schwein, Hund................nbsp; nbsp; 242
Allgomoino Bemerkungen...............nbsp; nbsp; 243
Die Beschaffenheit dos reifen Foetus..........nbsp; nbsp; 245
Die Lagerung im Utorus........... . . . .nbsp; nbsp; 251
VII. Tlioil; Die Mutter während der Schwang'crscliaft.......nbsp; nbsp; 25(i
Beraorkungen über den Uterus.............nbsp; nbsp; 250
Der ruhonde Uterus.....,..........nbsp; nbsp; 250
Die Veränderungen (Evolution) des schwangeren Uterus . . .nbsp; nbsp; 258
Dauer der Schwangerschaft..............nbsp; nbsp; 263
Gewöhnliche (typische) Dauer.............nbsp; nbsp; 263
Stute, Eselstute, Kuh, Schaf, Sau, Fleischfresser, Wildthiere .nbsp; nbsp; 264
Mensch . ,..................nbsp; nbsp; 265
Beeinflussung der normalen Dauer...........nbsp; nbsp; 265
Schwankungen der normalen Dauer...........nbsp; nbsp; 267
Stute, Kuli, kleine Hausthiore........- . . .nbsp; nbsp; 267
Mensch....................nbsp; nbsp; 269
Abnorme Schwangerschaften.............nbsp; nbsp; 270
Abortus.....................nbsp; nbsp; 270
Spätgeburt....................nbsp; nbsp; 271
Vorhandensein veränderter Fruchte...........nbsp; nbsp; 271
Eoststellung der Schwangerschaft...........nbsp; nbsp; 274
Erste Wirkungen der Schwangerschaft..........nbsp; nbsp; 275
Schwangorschaftszoichen der zweiten Hälfte........nbsp; nbsp; 270
Untersuchung auf Trächtigkoit bei Thieren........nbsp; nbsp; 280
Feststollung besonderer Umstände...........nbsp; nbsp; 283
Beeinflussung des mütterlichen Körpers durch die Schwangerschaft .....................nbsp; nbsp; 285
Diät der Schwangerschaft...............nbsp; nbsp; 28!)
Allgemeine Regeln.................nbsp; nbsp; 289
Stute......................nbsp; nbsp; 291
Kuh......................nbsp; nbsp; 293
Kloine Hausthiere.................nbsp; nbsp; 296
VII. Theil: Die Geburt...................nbsp; nbsp; 297
Der Geburtsweg...................nbsp; nbsp; 297
Das knöcherne Becken ...............nbsp; nbsp; 298
Verschiedenheiten der weihlichen Haustliier-Becken.....nbsp; nbsp; 300
Stute.....................nbsp; nbsp; 300
Kuh.....................nbsp; nbsp; 301
Schaf.....................nbsp; nbsp; 301
Schwein....................nbsp; nbsp; 302
Hund.....................nbsp; nbsp; 303
Die Weiehtheiie am Becken .............nbsp; nbsp; 303
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X
Soito
Bcckon-Ausgang.................nbsp; nbsp; 304
Becken-Inhalt..................nbsp; nbsp; 304
Die für die Geburt -wichtigen Eigenschaften dos Beckenraumes .nbsp; nbsp; 305
Der Eintritt in den Qeburtsweg...........nbsp; nbsp; 306
Der Bockonkanal................nbsp; nbsp; 307
Bcckonachso und Beekendurchmossor.........nbsp; nbsp; 308
Das jungfräuliche und das mütterliche Bocken.......nbsp; nbsp; 310
Die Polvimotrio..................nbsp; nbsp; 312
Dio Zeit unmittelbar vor der Geburt..........nbsp; nbsp; 313
Wirkungen und Zeichen der Geburtsnäho.........nbsp; nbsp; 313
Vorbereitungen zur üeburt..............nbsp; nbsp; 316
Dor normale Goburtsvorgang.............nbsp; nbsp; 817
Wesen der üeburt.................nbsp; nbsp; 317
Ursache der Wehen und des Geburtsbeginns........nbsp; nbsp; 318
Die Wehen....................nbsp; nbsp; 321
Contractionsmodus des Uterus............nbsp; nbsp; 322
Erscheinungen der Wehen.............nbsp; nbsp; 324
Nebenwirkungen der Wehen. Bauchpresso........nbsp; nbsp; 825
Die Oeffnung des Muttermundes............nbsp; nbsp; 326
Der Blasonsprung.................nbsp; nbsp; 328
Die Einstellung und Austreibung des Foetus........nbsp; nbsp; 330
Verlauf der Geburt.................nbsp; nbsp; 334
Bemerkungen über die einzelnen Thierarten........nbsp; nbsp; 337
Stute.....................nbsp; nbsp; 337 '^
Kuh.....................nbsp; nbsp; 337
Schafe und Ziegen................nbsp; nbsp; 338
Zwillingsgoburton bei Uniparon...........nbsp; nbsp; 338
Schwein (Qeburtshülfe bei Schweinen).........nbsp; nbsp; 340
Hündin....................nbsp; nbsp; 348
Das Junge nach der Geburt..............nbsp; nbsp; 343
Unmittelbare Gefahren der Geburt...........nbsp; nbsp; 344
Erste Fürsorge für das Neugeborene..........nbsp; nbsp; 346
Pflege des Jungen.................nbsp; nbsp; 348
Das Mutterthier nach der Geburt............nbsp; nbsp; 352
Das Naohgeburtsstadium...............nbsp; nbsp; 352
Behandlung der Muttcrthiere nach der Geburt.......nbsp; nbsp; 355
Rückbildung (Involution) des Uterus...........nbsp; nbsp; 356
Beginn der Lactation................nbsp; nbsp; 358
Behandlung der Qebärpareso nach Schmidt-Kolding ....nbsp; nbsp; 361
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quot;amp;
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Alphabetisches Register für Theil I und II.
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A.
Abdominalschwanger-schaft I. 89, 00.
Abortus I, 268, 270, 282, 291, 327.
II, 12, 45, 49, 57, 71; Behandlung II, 09; habituellor II, 67, (14; infoctioser II, 69; Kuh II, 07; künstlicher II, 401; Pferd II, 71; seuchenhafter II, 68; sporadischer II, 67.
Absamon s. Ejaculation.
Abscess d. Euters II, 208.
Aoardiaca II, 332.
Aecessorische Geschlechtsdrüsen I, 56, 80, 85.
Accomodittionstheorie 1, 254.
Acephalus II, 332.
Acormus II, 332.
Achoria I, 189.
Aohsendrehung d. Uterus II, 104.
Acranio II, 334.
Adenoflbrom (Euter) II, 276.
Aderlass 11, 60.
After s. Atresie, Instrumente, Mastdarm.
Afterbrunst l, 20; II, 11.
Afterhaken II, 350.
Afterruthenmnskel I, 50,
65. Aftorstrichc II, 293. Agalactia contag. katarrh.
II, 255.
|
Agnathio II, 335. Ahlfeld 1, 96. Aktinomykosc (Euter) 11,
274. Allanto'is (s. a. Fracht-
hüllen) 1,179,185,103,
197, 201, 204, 207, 320. AllantoTschorion siehe
Cliorion. Allanto'isflüssigkeit (s. a.
Fruchtwasser) I, 185,
108, 198, 222, 230. Allantoiskroislauf [, 180,
213, 221, 231. Altersbcstimimmg dos
Foetus l, 230. Altorsorlöschon dos Go-
schloclitstriebos I, 22. Amolio II, 333.
Amnion (s. a. Frucht-hüllen) 1,183,192, 196, 204, 208, 829.
Amnionflüssigkeit (s. a. Fruchtwasser) I, 183, 192, 197, 222, 225, 230, 234.
Amnionnabol I, 182.
Amnioten I, 188.
Amorphio II, 332.
Amputation, Euter II, 417; Fnichthälter 11,143,410; Kopf II, 383; spontane intrautcrino 11, 315.
Anamnicr I, 188. Anasarka 11, 322. Animalkulisten I, 70. Anpassung I, 128. Anreiten II. 21. Aphthonscuche II, 290.
|
Aplasio II, 332.
Apodie 11, 333.
Aprosopie II, 334.
Arcus pubis l, 298.
Aroolae 1, 203.
Annverlängercr II, 800.
Arloing I, 312.
Art-Unverniischbarkeit I, 105.
Arteria bulbi urethrae I, 52; dorsalis penis I, 62; obturatorla I, 48, 52; profunda penis I. 52,55;piidoiidaI,43,52.
Ascites II, 322.
Aspermatio I, 57, 79.
Aspermatozootie 1, 80, 81.
Asphyxie II, 298. (S.auch: Tod dos Foetus.)
Atavismus I, 132. Athemzug, dor erste I,
217, 220. Athraon, vorzeitiges (s. a.
Vagitus) 1,227; 11,295. Athmung des Foetus I,
220.
Atonio, Fruchthiiltcr II, 160.
Atrosie, After II, 837; Cystornc II, 285; Scheido II, 14; Strich-öflnung II, 283.
Auerochse I, 27, 204. Augenhaken II, 365. Aussoncoelom I, 176, 181. Austreibungsstadium I,
317, 330. Autositen II, 329.
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XII
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n.
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d. Ovulation I, 38; Verletzungen etc. I, 64, II, 22. Bogattungsorgano, weib-Ilcho 1, 42; männliche
I,nbsp; 50.
Beimarung des Foetus
II,nbsp; 314. (s. a. Haare). Bordez I, 815. Beschiilkrankheit II, 20. Bewegungen d. Foetus I,
233, 279. Bildungsdottcr I, 73. Binz'sche Zange 11,302, Biophoren I, 115. Bischoff I, 10, 27, 70, 74,
75. Bistouris oaoMs II, 309. Bliischonausschlag 11,23;
Pferd II, 26; Kind II,
24; sporadischer II, 25;
an Strichen 11, 290.
Bläschonokzem II, 290. Blase (s. a. Harnblase); Perforation II, 20; rotho
I,nbsp; nbsp;211; II, 321; Umstülpung II, 117, 137; Vorfall II, 118; /er-reissung II, 120.
Blase s. a. Aninion, Allan-
tois, Dottorblaso. Blasenhals, Lähmung II,
20,119; Zerreissung II,
120. Blasenmole I, 210. Blasensprung I, 209,328,
335. 11, 87.
Blastnla I, 174, 181, 211. Blendling I, 107. Blinken I, 31. Blut s. a. Kreislauf. Blutauffrischung I, 115,
133. Blutbildimg, footale 1,231. Blutextravasato am Euter
II.nbsp; 279. Bluthamen II, 321. Blutkreislaufs. Kreislauf. Blutung s. die botrefd.
Organe. Blutveränderung der Mutter I, 287.
|
Blutungen {s.u. Menstruation) I, 17, 81, 34, 38.
Boas I, 105.
Bock s. Schaf; Bocken (s. a. Brunst) I, 32.
Bogonsondo II, 347, 458. Böhm I, 98, 208. Boiteux I, 282.
Bonnot I, 12, 17, 96, 188. 191,195,200,203, 221.
Botalli s. Ductus.
Botryomykoso (Euter) 11, 276.
Brand des Euters II, 257; bei Schaf on II, 257: trockener II, 271.
Brandpilze II, 58. Brehm I, 27, 108. de Bruin I, 259. Brüllerkrankheit II, 6.
Brunst I, 188. Aus bleiben I, 20, 275; Be-oinflussung 1, 19; Erlöschen im Alter I, 22: Nebenerscheinungen 1. 17, 35; Unregolmässig-keiten I, 24, 26, 27, 31, 39.
Abnormitäten II, 1; Besoitiginig II, 4, 8.
Baiichträchtigkeit II, 35; primäre 11, 36; seeun-däro II, 37.
Brunstgeruch 1,18, 34, 48. Brunstzoichon I, 28 ftquot;.
Brunstzeiten 1, 11, 19; beim Wild 1, 24; bei den Hausthieren I, 28; 91.
Brustwassersucht II, 322, 324.
Brustzwillinge II, 329. Büffel I, 100. Buffon I, 108, 109. Bulbus urothrao I, 51,54. Bulbus vestibuli 1, 43, 45. Bulle s. Rind. Bursa penis s. Schlauch. Bursa praeputialis I, 51.
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v. Baor 1, 13.
BiiiKlagoi^gcbuvtshilHicho II, 343.
Bandpfoiloi' II, 75.
Barry I, 70.
Bartholinscho Driiso I, 44.
Bastard I, 107, 108.
Bauch, -Bruch II, 335; durclischossoner II, 111; Hänge- II, 111; Schlinge II, 352; Schnitt II, 404; Spalte II, 335; Wassersucht II, 322, 324.
Bauchfomen I, 270.
Biiuchfnichthiilterschnitt II, 408.
Bauolimuskolzerreissung II, 111. 127.
Bauchpvessc I, 325.
Bauchsclinitt II, 404.
Bauchscliwangorschaft I; 89, 90. II, 35.
Bauchzwillingo II, 329.
Becken, Brliclie II, 17, 80; Engo II. 77; Bx-ostoscn 11,81; schiefes II, 78; Sprengung II, 129; zu kleines II, 78.
Becken, knii ehernes 1,298, Woichthoile I, 303.
Befruchtung I, 37, 70; iiussere u. innere I, 74; Nobeneinflüsse I, 87; Grenzen der I, 105; aborrao B. I, 89; Un-regolraässigkeit I, 100 (s. a. Fruchtbarkeit).
Befruchtungsvorgang I, 73,111; auscliliessende Vorgänge I, 173.
Begattung (Belegen, Beschälen, Beschlagen, Bespringon) I, 3raquo;-laquo;raquo;; Häufigkeit 1,66 ;Wleder-holung I, G7, 81, 97; Verhalten d. weiblichen Thiores I, 39; desgl. d. männlichen 1,40; Form d. B. bei den verschiedenen Tliieren 1, 01; B. ohne Brunst I, 31, 39; Einlluss d. B. auf
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XIII
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C siolio auch K.
Caput gallinaginls I, 51.
Carcinome (Eater) 11,27ö.
Castration s. a. Kastration.
Castration 1,4, 34, 86,68.
Ceplialo-Tlioracopagus II, 320.
Cervix, Ccrvicalkanal I, 17, 83. II, 10, 84 (s. a. Muttermund).
Chorda dorsalis I, 174.
Choriata I, 189.
Chorion (s. a. Frucht-hiilien) I, 30, 04, 96, 184, 18laquo;, 235, 251. II, 310. Ch. frondosura, laovo I, 207.
Chorion-Zotten (s. a. Placenta) I, 184, 187, 194, 203, 207, 213.
Chromatin I, 111.
Chronische Gebiirmuttor-eutziindung II, 220.
Clitoris I, 17, 42, 45,1(53, 105.
Cloako I, 179; II, 337. Coolom I, 175. Coiliculus sominalis I, 51. Colostrum I, 300. Colpitis s. Kolpitis. Conception s. Koncoption. Conception (s.a. Empfang-niss) I, 93, 99. II, 29. Conforniitiit I, 129. Conjugata I, 309. Constanzthoorie I, 120. Contorsio uteri II, 95.
Contractionsring des Uterus I, 324.
Copulatio s, Bogattung.
Copulationshiigol I, 73,
90, 100. Coraaz I, 158. Corpus albicans, nigri-
cans 1, 14; lutoum (s.
a. golbo Körper) 1, 14. Corpus oavernosum s.
Clitoris, Ponis.
Corpus spongiosum urc-thruo I. 51.
Correlation I, 112, 123.
|
Cowperscho Drüsen I, 44,
57, 01. 80. Creraastor I, 59, 00. Cuimus s. Scham. Cyclopie II, 334. Cyr s. St. Cyr. Cysten II, 13. Cystoide Entartung II, 8.
Iraquo;.
Darmbein, Bruch II, 79; Vorbindung II, 79; Verrenkung II, 131.
Darmontwicklung I, 177.
Darmnabel I, 177, 185.
Darreau'scher Schlingen-loitor II, 348.
Darwin I, 100, 113, 124, 132, 171.
Decapitatio II, 383.
Docidua I, 189, 204, 207.
Deeiduata I, 30, 189.
Decken (s. Begattung) i, 41.
Dockplatz I, 49, 03.
Defloration II, 15.
Dohiscirung s. üvulation.
Doutoplasraa I, 12, 72, 211,
Diät der Schwangorschaft
I,nbsp; 289. Diaphragma pelvis I, 305. Dicoplialus II, 330. Diprosopus II, 330. Disscctio foetus II, 379. Dolores falsi II, 90. (s.
übrigens Wehen.) v. Dombrowski I, 00.
Doppclbohror nach Kaiser-
II,nbsp; 458.
Doppclgesicht II, 330. Doppelhaken II, 357. Doppelkelm im Ei I, 04,
05, 107. Doppelkopf II, 330. DoppelmissbildimgenI,95. II, 328. Dotter (s. a. Biidungs- u.
Nahrungs d.) i, 95.
|
Dotterblaso I, 170. 181, 185, 191, 195, 201, 204, 200, 208.
Dotterblasonkroislauf I, 212.
Dottersack s. Dotterblaso. Dottersackplacenta 1,213. Drahtschlinge II, 351. Dreistrichigkeit II, 261. Drillinge (s. a. Violgobur-ton) I, 253. II, 328.
Dualismus d. Gesehleclits-zellen I, 135, 130; der Geschlechtsdrüsen I, 141.
Ductus arteriosus Botalli I, 215, 217.
Ductus deforons S.Samenleiter.
Ductus ejaculatorius 1,50.
Ductus thoracieus II, 323.
Ductus vitello-intostinalis
(omphalo - enterlcus) I,
177.
Düsing I, 153. Durchmossor dos Foetus
I, 248. Durchschneiden d. Kopfes
I, 334. Duverney'sche Druse I,
44. Dystocio I, 297.
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E.
Eber s. Schwein.
Eckhard I, 53.
Ecraseur II, 17.
El (s. a. Geschlechts- n. Keimzellen) 1, 12 (Pri-mordial-,fortigcs,rGifos, im Polllkel) 75, 70, 77, 145, 167; EikernI, 72; mit Doppelkeime I, 95; Dualismus d. E. I, 135; Bircifung I, 72; Befruchtung u. Furchimg I, 78; Wanderung 1, 75; Ueborwanderung I, 90; Bcfruchtungs-fabigkeit 1, 70; Itei-fungsperiode I, 10; Entwicklung 1,174,230.
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XIV
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Ejaculation I, 5laquo;, 62, 7laquo;, 85, 88, 142.
Eichel I, 42, 50, 54, 56, 82.
Eichelknollen I, 42, 51, 54, 68, 03.
Eierstock I, 5, 18, 104, 141, 102, 868. (s. a. Ovarinra.)
Eierstocksentzündung II, 12.
Eierstocksträohtigkeit I, 89; II, 34.
Eifersucht I, 42, 47.
Eihiiute II, 173; Entfernung II, 102; Oedoni II, 321; Verzehren II, 238; zu früher Abgang II, 87: Zuriickbloiben Pferd II, 100; Rind II, 150. S. a. Emcht-hüllen.
Eihautstich II, 403.
Eihautwasscrsucht II, 54, 31C.
Eileiter s. Tuben.
Eileiter (s. a. Eimbrien)
I,nbsp; 75, 70. Bileitertriichtigkeit I, 89;
II,nbsp; 35.
Einfallen vor dor Geburt 1, 314. 11, 7.
Eingebärcml s. unipar.
Einschiossen der Milch I, 315.
Einschneiden dos Kopfes I, 334.
Einzolmissbikliingon II, 331.
Eisenbedürfniss des Foetus I, 281, 288.
Eiweissbcdüi'fniss des Foetus I, 221.
Bklampsia puerperalis II, 207; Hündin 11, 209.
Bktodorm I, 174.
Ekzem der Striche II, 289.
Embryo 1, 173; s. übrigens Foetus.
Embryotonie II, 360.
Embryotoraio II, 379.
Empfängniss (s. a. Befruchtung und Concep-
|
tion). Regelmässig-koit dor E. I, raquo;9.
Eiupflndungon dos Foetus 1, 232.
Emphysem der Frucht II, 302.
Encephalocole II, 333,340.
Endochorion I, 187.
Endometritis II, 218; crouposa II, 221; diph-theritica II, 221; flbri-nosa II, 221; gangrae-nosaII,222; kaiirrhalis ll,219;nocroticall,221; soptica II, 222.
Entoderni I; 174.
Entwicklung s. Fruchthüllen und Loibesent-#9632;wicklung.
Epigeneso I, 74.
Erbmasse (s. a. Kampf) I, 112, 114, 117, 132, 137.
Erdrücken der Ferkel
I,nbsp; 350.
Erection I, 43, 45, 50, 53.
Ernährung des Foetus I, 219.
Kröffnnngsstadium 1, 317,
Erworbene Kigcnscliaften s. Vererbung.
Erysipel II, 281.
Esel I, 204.
Euter I, 302; Pflege I, 359: Schwellung, verfrühte 1, 284; Thiitig-keit 1, 35S (s. a. Einschiessen d. Milch).
Aktinomykose II, 274; Amputation II, 417; Atrophie II, 209; Bo-tryomykose II, 270; Blutextravasate II, 279; Blutungen 11,277: Brand
II,nbsp; nbsp;257, 271; Entzündungen II, 247; Erysipel II, 281; Fleischeuter II, 243;Furunkulosell,280; Gesclnvülste 11, 276; Induration 11, 257; Krankheiten II, 241; Lymphom II, 274; Mi-liartuborculose II, 274; Necrose II, 271; Ocdem II, 245; Phlogmone II,
|
282; Schwellung II, 67; Tuberculose II, 271.
Btoucie I, 297.
Evolution des Uterus I, 258.
Evolutionstheorie I, 74, 117.
Bxonteratiou II, 399.
Exochorion I, 187.
Exostosen am Becken II, 81.
Bxtrauterin - Schwangerschaft I, 89, 274.
F.
Faule Frucht I, 272; II, 302.
Fohlgeburt II, 67.
Ferkel s. Schwein. Per-kolfressen I, 285, II, 239; Ferkelerdrücken
I,nbsp; 350.
Festliegen nach Gebären
II,nbsp; 128, 168; vor Gebären II, 65.
Fettbildimg (s. a. Frühreife). Einfluss d. I, 4, 34, 35, 49, 00, 101, 103.
Feurigkeit 1, 88.
Fey'sohe Zange II, 302.
Fibrome des Euters II, 270.
Fimbrien 1,14, 10, 17, 75.
Plngemesser 11,866878.
Fissura abdomiualis II, 335.
Fistel s. Milchflstol.
Fitzinger 1, 109.
Flankenhaken II, 368.
Flehmen I, 48.
Fleischeuter II, 243.
Fleischfresser s. Hund, Katze.
Fleischmolo 1,210, II, 232.
Pleischrassen s. Fettbildung.
Fluor albus II, 53.
Foetus, Begriff I, 173; sanguinolentus I, 272; papyraceus I, 273, II, 302, 332.
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-rW
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XV
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quot;lt;
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Foetus siolio Altersbo-stimmung, Atinon, Bewegung, Blutbildung, Durchmosser, Bison, Biweiss, Bmptlndungen, Brniihrung, Fäulniss, Frucht, Fruchthiillon, Funktionen, Geburt, Gehirn, Qeschlechtsent-stohung, Geschwülste, Gewicht, Grossen, Haar-biIdung,Harnstoff', Herz, intra-uterines Beben, Kalk, Kreislauf, Lagen, Lebensfälligkeit, Lebenszeichen, Leber, Leibesentwickelung, Lunge, Maceration, Mu-miflcatlon, Nieren, Pathologie, Reifung, Sauerstoff, Scelett, Scheintod, Schlaf, Superfoo-tatio, Suporfoecundatio, Tod, Trinken, Vererbung, Versehen, Wachs-thum, 'Wärme, Wassersucht, Wasserversorgung, Znhnbildung, Zwilling, Zwitter.
Fohlen s. Pferd. Fohlonbrod, Pohlonmilz
s. Hippomanes. Follikel 1, 12, 36. Fontanellen 1, 241, 246. Foquet I, 153. Foramen ovale l, 214,
217. Frank I, 17, 45, 52, 96,
98, 198, 253, 259, 289,
315, 333. Fraun'sches Instruraont 11,
280. Friction J, 46, 50, 84.
Frucht, abgestorbene II, 301; emphysematische II, 802; faule II, 302; Gehurt der toten 11,301; Halbirung II, 399; ma-cerirte II, 305; raumi-flcirte II, 307: Zerstückelung II, 379; zu grosso II, 309.
Fruchtbarkeit derMuttcr-thiorol, 03; der Männchen I, 101; Abnahme I, 103,
|
Fruchthälter (s. a. Uterus, Gebärmuttor); Amputation II, 141,143, 410; Atonie II, 100; Blutung II, 4laquo;, 188; Bruch II, 93; Entzündung II, 218, brandige und jauchige 11,222, chronische 229; Infusionen in II, 164; Krampf II, 90; Oedem II, 53; Umstiüpung 11, 120, 189, 158, Bohand-lungll,146; Vorfall 11,41, raquo;2,189; Wälzung 11,95; Wassersucht II, 63; Wunden II, 49, 126.
Krnchthälterhöhlen-wassersucht II, 53, 64.
Fruchthüllen. Bildung I, 180, 206, Fehler I, 209. Bedeutung für den Foetus I, 234. S. a. Amnion, Allantols, Blase, Chorion, seröse Hülle.
Fruchtwasser (s. a. Amnion-u. Allantoiaflüssig-koit) I, 185, 221, 224, 234, 328, 335.
Früchte. Zahl der I, 93 (s. a. Vielgeburten, Vielträchtigkelt, Multi-pard.
Frühgeburt (s. a. Abortus)
I,nbsp; 91, 209, 240, 207.
II, 57; künstliche II, 401.
Frühling. Einfluss desselben I, 3, 26 s. a. Jahreszeit.
Frühreife I, 4, 7, 10, 23, 103, 128.
Fuchs 1, 109. Führungslinie I, 808. FUrstenborg I, 46, 68. Fütterung siehe Diät. Functioniren foetaler Organe I, 220.
Furchungskorn I, 73, 117. Furunkulose dos Euters
II,nbsp; 280.
Futter, verschiinmoltos II, 59.
|
Ct.
Galaktococcus II, 252.
Galaktostase 11, 252.
Galt, gelber II, 253, 255.
Galton I, 114.
Qalenus I, 318.
Garth I, 164.
Gartner'sche Gänge I, 44.
Gastrodidymi II, 329.
Oastrohysterotomia II, 406.
Gaumenspalte II, 335.
Gebären, Festliegen nach
11,128,168, vor II, 55;
Krankheiten beim If,
118, nach II, 133;
plötzlicher Tod nach
II, 288.
QobärHeber II, 170, 225.
Gebärmutter (s. a. Cervix, Fruchthälter, Muttermund, Uterus) in d. Brunst 1, 17, 18; Menstruation 1, 36; hei der Begattung I, 85, 86.
GebUrniutterhals - Rigidität II, 84.
Gebärniutterhorn. Lage des Foetus im I, 94, 143, 251.
Gebämiutternäpfo I, 199.
Gebärpareso. Behandlung nach Schmidt-Kolding I, 361.
Gobärparese II, 170, 190.
Geburt, die normale, I, 297, - 348.
Geburt; Gefahren für den Foetus I, 344.
Geburt s. a. Frühgeburt, Spätgeburt.
Geburt in den Hüllen 1,209, 329, 345; II, 316.
Geburten: Durchsclmitts-vcrhältniss dor männlichen und weiblichon I, 171.
Ooburtshilfo bei Schweinen I, 341.
Geburtshilfe, specielles über II, 423, 429-495.
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x
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XVI
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Qobiirtshiudornissc II, 72. Geburts-Hai fter II, 360;
Krücke 11, 868; Säge
II, 338, 875; Sondo II,
346; Zangen II, 301. Geburtslager II, 423. Geburtsorgano, Infcc-
tionskraiikhoitonll,210. Gcburtsraum II, 423. Qoburtswog, der I,
297312. Goburtswego, zu trockene
II, 82. Goburtszeichon I, 314. Gebirn des Foetus 1,177,
217. Gohirnapoplexio II, 238. Gohirnwassersuchtll, 183,
384, 339. Gelbe Körper I, 14, 21,
90, 144, 104. Gelber Galt II, 253, 255. Gelt I, 103. Goinnmlao I, 113. Genitalien, Blutungen II,
133; Secret U, 29.
Geschlecht. Entstehung desselben I, 184ft'.; homologe I, 145; gekreuzte I, 147, 153; Hülfskräfto bei der Geschlechts-bildung I, 140; Kultur I, 148; Klima I, 148; Jahreszeit I, 148; Alter I, 149; Niihrzustand I, 149; goschlochtlicho Potenz I, 152. - Dualistische Veranlagung der Geschlcchtszollon I, 135. quot;Willkiiriichu Vorausbostiminung I, 135, 157, 109. - Kritik der Theorien 1,155,100. Theorie Schenk I, 170.
Gcschleohtsattributo siehe Qoschlecbtstypus.
Geschlechtsdrüsen (s. a. Hoden und Eierstock) I, 5, 104, 102; Dualismus derselben I, 141.
Geschlechtsdrüsen, aeces-sorische I, 56, 80, 85.
Goschlechtshöcker I, 102.
|
Geschlechtsreife (s. auch Zucht) I, 5.
Geschlochtsthoile siehe Brunst, Begattung, Befruchtung.
Geschlochtstrieb (s. auch Brunst) 1,185; Nicht-befriedigung desselben I, 9, 29, 60, 104.
Geschlochtstypus I, 0, 47, 68, 134.
Geschlechtszellen (s. a. Koimssellcn, Ei und Samenfäden) I, 71, 107, 112, 113, 114, 117, 145; Kern derselben 1, 113, 137; Verschmelzung b. Befruchtung 1,73; Dualismus 1,135; homolog und hetorolog, männlich und weiblich veranlagt
I,nbsp; nbsp;135, 139.
Gosch\vttlste:Eutor 11,270; Fötus II, 327; Muttermund II, 70; Scheide
II,nbsp; nbsp;15, 70, 82; Uterus II, 33, 70, 82.
Gowoihbildung I, 0, 69.
Gewichte dos Foetus I, 239, 245, 250.
Glandulao siehe a. Geschlechts- und Utcrin-drüsen.
Glandulao bulbo-urethral. s. Cowpersche Drüsen.
Glandulao vostibulares I, 44,
Glans s. Eichel.
Glückshaube I, 209, 329, 345.
de Graaf I, 13.
üranulosa I, 12.
Graviditas abdominalis II, 35; ovarioa 11, 34; pro-longata II, 40; tubaria 11,35; vuginalis 11, 38. (s.a. Abdonünalschwan-gerschaften).
Gravitatlonsthoorie 1,254.
Grosse d.FoctusI,239 250.
Günther'sche /^ngo 11, 302.
Güst I, 103.
Günther I, 18, 39, 42, 45,
|
46, 49, 50, 53, 55, 62,
63, 68. Gurlt I, 68, 239. Gurte II, 348; Führer II,
349; Kopf- II, 349.
II.
Haarbildung boi Foetus I, 240, 241, 243, 245. II, 314.
Haeckel I, 112, 117, 124.
Haematom II, 124; dos Euters II, 277, 279.
Haomorrhagia uteri II, 46, 138.
Hiingebauch II, 111 (s. a. Bauchformon).
Hängceutor II, 240.
Hängen der Hunde I, 6;$, 84.
Hahnentritt I, 95.
Haken, After- II, 359; Augen II, 355; Doppel-11,357; Flanken II, 358: kleiner II, 355; langer II, 345, 360; Ober-mayer'scher II, 359 ; Scharnier II, 357.
Hakonmesser II, 371.
Halbzwitter I, 163, 166.
Halfter II, 351.
Haltung desThieres; Bin-ttnss auf Geschlechtstrieb und Fruchtbarkeit I, 3, 100.
Hamen II, 321.
Hamm I, 70.
Hanfstränge II, 343.
Harnansammlung II, 320.
Harn foetaler I, 225, 229.
Harnblaso footalo I, 179, II, 320, 337,
Harnblaso. Lage der müttorlichenl, 304, 334.
Harnröhre, weibliche i,
43; männlicheI, 51, 54,
58. Harnröhronspalto H, 337. Harnröhrenzwiebel siehe
Bulbus. Harnstoff foetaler I, 223, HartmelkigkeIt II, 289.
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XVII
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Harztropfen I, 315.
Haso I, 109, 205.
Hasenscharte 11, 335.
Hausmann 1, 12, 33, 42, 45, 40, 52, 57, 59, CS, 76, 80, 84, 93, 07, 101, 102, 230, 273.
Hautwansersucht II, 322.
Havemann I, 102.
Hoiss I, 34.
Hbmicranie II, 334.
Hengst s. Pferd.
Henke I, 142.
Henlo 1, 12, 71.
Henlo'scho Häute I, 15.
Hensen I, 58, 71, 75, 110, 149.
Herdensprung I, 06, 01.
Herraaphroditismus (s. a. Zwitter) I, 168; her-maphroditisclie Keim-anlage I, 100. 11, 1.
Hernia (s. die botrfd. Organe) II, 335; porinealis uteri 92.
Hertwig I, 12, 70, 116, 190.
Herz des Foetus I, 180, 211, 214, 218, 220, 233.
Herzschlag des Foetus 1, 219, 279.
Hintorondlage 11, 427.
Hintergeschirr II, 428.
Hintcrschenkel - Entfernung II, 898898.
Hintertheihvondung II, 400.
Hippocrates I, 318.
Hippomanes I, 185, 193, 108, 203.
Hirnhrucli II, 333, 340.
Hirsch I, 2, 3, 18, 24, 40, 47, 02, 65, 00, 204.
Hitzig I, 34.
Hoohzeitsgesang 1, 1.
Hoden I, 2, 5, 50, 71, 104,
Höhionwassersucht 11,322. 141, 103, 24011'.
Hörncr dos Uterus siehe Gtobärmutterhorn.
Hofacker-Sadlor I, 140.
|
Houstonscher Muskel I,
53. Hüftgelenk II, 131. Hnfrhehe II, 210. Hund 1, 10, 23, 84, 35,
38, 39, 41, 42, 43, 44,
48, 51, 54, 50, 57, 02,
83, 97, 99, 100, 131,
171, 213, 242, 250, 257,
204, 303. 343. Hnzard I, 270. Hydramnion, Hydrallan-
tois I, 211. II, 88, 93,
816. Hydrastis extract. II, 49,
53. Hydrocephalus II, 182,334,
839. Hydrometra II, 53; asci-
tica II, 54; oedematosa
II, 53. Hydromyelie II, 334. Hydrops II, 322. Hydrothorax II, 322. Hymen, der (nicht das),
I,nbsp; 43, 44. II, 15, 31, 70.
Hypoplasle II, 332. Hysterie I, 9, 00, 79. Hysterocelo II, 03.
I.
Jahreszeit: Kintluss derselben auf das Geschlechtsleben (siehe a. Brunstzeiten) 8,20,148.
Janko 1, 148, 158.
Janusform der Zwillingo
II,nbsp; 330.
[dloplasma I, 117. Impotenz I, 101. Indcciduaten I, 30, 189. Individualität I, 128. Individualpotcnz I, 128,
129. Individncllo Vererb ungl,
110, 122, 129. Induration des Euters II,
253, 257, 270. Infection II, 03. Infectionskranklioiten,
pucrpcrale II, 210. Infcctionsl heorie I, 119.
|
Instrumente: 11,343; Bist, caches II, 309; Bogon-sondo II, 347, 458; Dar-roau'scbor Schlingon-loiter II, 348; Doppel-bohror nach Kaiser II, 458; Ekrasour 11, 17; Embryotome II, 866; Fingermesser II, 306 bis 373; Fraun'sches Instrument II, 280; Geburtshalfter II, 350, Ge-burtssägo II, 388; Geburtssonde 11, 347; Geburtszangen II, 301; Gurte II, 348; Gurtenführer II, 340; Haken: After 11, 350, Augen II, 355, Doppel- II, 357, Flanken 11, 358, langer 11,345,300, Obermayer-sohe II, 350, -Scharnier II, 357; Hakenraesser 11,371; Hanfstränge II, 343; Krücken II, 803; Löffel II, 374; Markgraf'schos Stemmeisen II, 338, 374; Maulsohlinge II, 344;Mecoiio-torium I, 351; Messer II, 365373;MilchnadelII, 280; Milchspioss 11,280; Muttorspritze U, 877; Muttorzapfen II, 377; Possarion II, 877; Ring-schnur II, 845; King-schnurführor II, 845; Rückenschraube 11,354; Sägen (s. a. Geburtssägen II, 338, 375; Schoorcnmesser 11,372; Scheidonnadol II, 870; Schoidenring II, 417; ScheidoiispeculviinII,48; Schiinge: Breulet'sohe U, 362; Sohllnhoff'a Muttorimindorweitorer II, 10; für Schweine goburtshülfo 1, 342; Spanner 11, 0; Spatel ll, 373; Stöasbeoher II, 805; Trachton-zwinger H, 376; Trac-gor'sche Drahtschlingo II, 351; Utcrinkathetei' 11,235; Vorfallbandage II, 354; Vorfallgurt II, 853; Zange II, 0, 301.
Zangenband 11, 861.
H
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Solimaltü, Oeschlochtslcbon.
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XVIII
Intrautonnos Loben I, 178-255.
invorsio, Behandlung n,
145; rccti [1,118; uteri oompleta n, Hi, In-complota II, 189; vaginae il, 41, 11laquo;, 135; vosicao II, 117, 187.
Involution des Uterus I,
357. Inzuolit 1, 104, 133.
jortkalimn b. Qebttrparese
1, 862, Isohiopag! Hi 330. Jungfpfiullohes Beckon I,
310.
|
Koimpcriode dor Go-schlechtszeUon 1, 12.
Koimplasma I, 115.
Koimplatte des Eierstocks
I,nbsp; 18.
Keimzellen (b. a. Go-sohleohtszellen) I, 137.
Keller I, 113, 136.
Kophalothryptor 11, 381.
Kitzler s. Clitoris.
Klobs I, 104.
Klimatische Einflüsse I, 123, 125, 181, 148,
Kobelt I, 42, 52, 65, 00.
Kollikcr 1, 95.
Körpernabel 1, 177, 185.
Köhler I, 133.
Kolpltls 11, 22, 21laquo;; ansteckende bösartige II, 112; diphtheritica II, 213; necrotic.a 11, 213; perniolosa ll, 112, bou-chenhafte 11, 23.
Konoeption,Verhinderung
II,nbsp; 29. Kopfamputation II, 383;
Verkleinerung 11, 385.
Kopfgurtn,849,Zange861. KotyledOD I, 199, 259. Krampt', Muttermund 11,
83, 103.
Krampfwehen II, 90. Kranloklast II, 881.
Krankheiten des Foetus II, 295.
Kreislauf d. Footus 1, 211. Anschluss des Footus an den mütterlichen I, ISO; Uobor-gang zum definitiven I, 217 (s. a. Dotterblasen-und Allantoiskreislauf).
Kreolin 11, 70. KreuzbcinbrucliII, 8(1,130. Kreuzdarmbeingelenk I,
298. Kreuzung 1,107,180,182,
133.
Krücke II, 303. Kuh s. Rind. Kultureinflüsse 1,148,170.
|
Lactation I, 358. Lactorrhoo II, 280, 293. Läufig 1, 34.
Lähmung (s. a.Festliogon) II. 66, dos Hintertheils II, 128.
Lage des Footus I, 94, 251, 331. Disposition der normalen und abnormen Geburtslagen II, 430.
Laniark I, 124.
Landols 1, 59, 71.
Lanugo I, 223.
Laparatomie II, 108, 404.
Laparohystorotomia II, 40laquo;.
Lebensfähigkeit d. Footus 1, 240, 208, 270.
Lebenszeichen dos Foetus 1, 279.
Leber dos Foetus I, 217, 230.
Lederriemen II, 410.
Leeuwenhoek I, 70.
Lehndorff, Graf I, 22, 29, 30, 62, 07, 79, 80, 88, 203, 292. Lolbosent-wickelung d. Footus 174.
Lelbesentwickelung des Foetus I, 174.
Lenz 1, 23, 33.
Loporidon I, 100.
Leuckart I, 80.
Ligamonta lata l, 257,
203, 305, 323, 320, Lg.
sacro-spinosa 1,304,314. Linksseitige Trächtigkeit
I, 277. Lippenspalte II, 335. Liquor folliculi 1, 12, 18,
10, 75. Liquor Amnli s. Aiimion. Lithopaedlon, Lithotho-
rlon i, 272. II, 30, 307. Lochien 1, 358. Löffel II, 374. Lower s. Tuberculum. Lunge foetalo I, 22(1.
|
laquo;-*'
|
||
|
K.
K siolio aiigli C.
Kaiserschnitt 11, 37, 78, 04, 40laquo;.
KalboHober II, 170; Be-handlnng t, 3(jl (Schmidt-Koliling); 11, 198; Floischverwerth-nng IF, 203; Tlieorien II, 18laquo;, 205.
Kalkbc(UirfnissI,287,2!)0.
Kampf dor Thioro 1, 40,
42,nbsp; 47.
Kampf dor Erbkoimchon
i, 113, 114, 115, lie,
119,128,132, 133, 137, 150.
Kamphor II, 5, 11.
Kaninchen I, 34, 09, 109, 200, 257, 266.
Karbolsäure II, 09.
Karunkol I, 199.
Kastration nach Charller II, !), 60. (8. a. Castr.)
Katamonion s. Menstruation.
Katze 1, 12, 28, 34, 40,
43,nbsp; 44, 51, 57, 03, 90, 99, 131, 204.
Kehrer I, 198, 198, 240,
253, 258, 202, 340.
Keimblätter I, 174. Keimdrüsen I, 102, 179. Keimkömohen l, 118.
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XIK
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laquo;*,
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LustseucJie II, 2i. Lymplidnisonabscesso II, 274.
JW.
Maooration dos Pootus I, 272. II, 305.
Männliche Geburten I,
171. Maisbrand II, 68. Mania puerperaiis II, 170,
186. Mannbarkeit I, 5.
Mai'kgraf'sches Stonim-oison II, 338, 37J:.
Marsnpialia I, 189.
Masch I, 851.
Massage U, 294.
Mast s. Fettbiidung, Flcisclirasscn u. Frühreife.
Mastdarm, Liilimung II, 20;Unistiilpung'II, 113; Wunden II, 125; Zerre issung II, 18.
Mastitis, clironischo in-durlrende II, 266; ga-laktogono II, 247, 248; intcrstitiollcll,247,249; katarrhalische II, 248, 252; lymphogene II, 247; parencliymatöso II, 248, 250; plilogmonöso II, 247,249; tnborculöso II, 271.
Mastitisbacterien II, 252.
Maulesel I, 108.
Maulsehlingc 11, 344.
Maulthiero 1, 107, 108.
Moconium I, 223, 228,351.
Meconotorinm I, 351.
Medullarrolir I, 177.
Meerschweinchen 1,35,80.
Mclirfachniissbil (langen s. Doppelmissbildungcn.
Mehrgeburten s. Multi-pare u. Vielgcburton. ' Meningitis II, 182.
Mensch I, 5, 9, 35, 46,
77, 78, 79, 92, 97, 133, 154, 159, 109, 200, 213, 221, 240, 250, 205, 209.
|
Menstruation (Menses) I,
21, 35, 79, 159. Mesodem I, 174. Messer s. Instrunionte
und Einzelnamen. Motalldralit II, 410. Motritis (s. a. Hndo-Para-
Perimetritis), neorotloa
ll, 214. Metrorhagia 11, 4C, 133. Mloellen l, 117. Miorooooous mastitidis
gangraenosae ovls II,
203. Mioropyle I, 106.
Mikroniatio II, 270.
Milch (s. a. Euter, Säugen) I, 18, 32, 287, 293, 290, 351.
nbsp; nbsp; nbsp; Abscess 11, 268; Aufhalten II, 243; Pistol II, 292; Fluss II, 208; Mangel 11, 241; Stein II, 288.
Milohbntstgang 11, 323. Milchdriiso (s. a. Eutor)
I,nbsp; 60, 104.
nbsp; nbsp;Atrophie 11. 209; Induration II, 270, Krankheiten II, 241.
Milohfleber II, 68, 170; Behandlung II, 198, Fleisohverwerthung II,
203; Theorien II, 186,
205. Siehe auch Globär-
paroso. Milchmangol II, 241. Milchnadel II, 28C. Milchsoci'otion, abnorm
goi'ingo II, 244. Milohspicss 11, 280; Steine
II,nbsp; nbsp;288.
Milchverti'oibendo Mittel
I,nbsp; 294; II, 294. Milchzähno B. Zabnbildg.
Miliartubomiloscd.Euters
II,nbsp; 271.
Misohling l, 107.
Missbiidungen l, 95, 121, 162. - II, 328, 331.
Missgeburten, Behandlung 11. 338; Disposition II, 32.S.
|
Mitteiflelsoh, Zerreissung II, 122.
Molo s. a. Blaseninolc,
Pleischmole. Molen II, 332, Blut II,
332; Wasser II, 332. Mondkälber 11, 322. Monochloressigsäuro 11,
292. Monopodio 11, 333. Monotrcmata I, 189. Monstra per defectum II,
331, per exeossum 11,
331. Morula 1, 74. Mttliersche Gänge I, 44,
162, 179.
Muflon i, 109.
Multipar (s. a. Vielgeburten) I, 33, 93, 261, 202.
Mumiflcatiou des Pootus I, 272. II, 307.
Mundbueht I, 177.
Muskeln der Geschloebts-tlieilo I, 60; accelerator som. I, 60; bulboeaver-nosus I, 44, 53, 54, 60, 61; compressor bulbi I 45; constrictor vos-tibuli I, 44, 46, 63; ischio-bulbosus 1, 53; ischio-eavornosus I, 52, 53, 54; urethralis (Wii-sonil) 1,60,61. S.a. After-ruthenm., Cremaster, Houstonscher M.
Mutter s. a. Schwangerschaft, Geburt. Behandlung der Mutter nach der Geburt 1, 352. Blnfluss der Mutter auf den Poetus I, 121, 234 (s. a. Geschlechts-entstclning).
Mutterbänder s. Liga-
menta, Muttorkorn s. Secalo cor-
nutum. Mutterkucben s.Placenta. Mutterliebe I, 348, 359.
Muttormund (s. a. Cervix, Uterus) I, 17, 31, 46 81, 82, 83, SO, 88, 322, 32laquo;. 357.
IIlaquo;
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XX
Muttermund, Bandpfeiler II, 75; Envoitovungsun-ftthigkeit II, 84; Fehlen dos 11, 81, 53: ninngel-Imftc Eröffnung II, 31, 84; Krampf II, 83, 103; künstliclio Erweiterung II, 31; Verschluss II, 160} Verstopfung II, 3-2; Verwachsung II, 86, 308.
Muttorspritze II, 377.
Mutterwalmsinn II, 170, 186.
Mutterzapfen II, 377.
Myelitis et Meningitis spi-nalls II, 182.
Myeloeolc II, 333.
Mvxom s. Blasonmole.
|
v. Nathusius I, 109.
Nebenstriche II, 293.
Necrose des Euters 11,271.
Negroni I, 108.
Nerven der üesohlochts-organo I, 43, 44, 63, 54. 321.
Nervensystem d. Mutter in Beziehung zum Foetus I, 121. Nerven-thätigkeit d. Foetus 1, 231.
Nervi erigentes I, 63.
Neugeborene, das. I, 343.
Nichtbefriedigung des Geschlechtstriebes 1, 9, 29, 00, 104.
Nieronfunction, foetale I, 229.
Nothzucht I, 40.
Nymphomanie II,ö; Pferd II, 11; Bind II, 0.
O.
übermayer'sohe Haken II, 359.
Oedem der Eihaut II, 321.
Ochmke I, 51.
Ohlshausen 8, Schröder.
ümplialopagio II, 329.
Onanie I, 06.
Oophoritis II, 12.
Operationen am Mutter-thier II, 401, geburtshilfliche 11, 370.
Oritlcium uteri s. Muttormund.
Osteomalaoie I, 287, 296. 11, 50.
Osteomo des Euters 11,270.
Osteopaedion II, 307.
Ovarialschwangerschaft I, 89.
Ovarialgesohwülste II, 18.
Ovarien II, 7.
Ovarium s. Eierstock.
Oviduct s. Tube.
Ovisten I, 70.
Ovulation 1, 12, 14, 30,
101; 0 vulationsperiodon I, 19, 91 (s. a. Brunst).
|
Ovulationsfläche (-Grube)
I,nbsp; 13. Ovulura s. El.
P.
Paarung s. Begattung. Pangenesc I, 118, 115, 124, 130.
Papülome II, 291.
Parametritis II, 223. Parametrium I, 305. Paraplasma I, 72. Parasiten II, 329. Partus (S. Geburt) I, 297. Partus serotinus I, 209, 271, II, 40, immaturus
II,nbsp; 04, 65, praeraaturns II, 04, 66.
Pathologie des Foetus II,
295. Poeten I, 298. P.-Verti-
cale u. P.-Quersohnltt
I,nbsp; 300. Polvimotrio I, 312. Pelveoperltonitls II, 224, Penis (s. a. Ruthe) I, 40,
42, 50, 82, 103.
Perforation, Blase II, 20; Schädel 11,380; Scheide
II,nbsp; 19; Uterus II, 19.
Perlgenese 1, 117.
Perimetritis 11, 224.
Perineum s. Mittelfleisch.
Pessarien II, 377,
Pferd (Hengst, Stute, Fohlen) I, 9, 11 22, 30, 35. 39, 40, 41, 42, 44, 48, 49, 60, 54, 56, 57, 61, 66, 78, 82, 83, 87. 88, 91, 98, 100, 171, 191, 213, 239, 266, 263, 207, 291, 337.
Phlobo-thrombotische
Form des Puerperal-
Hebers II, 233. Physiologie d. Foetus, I,
211-234. Phlegmono des Euters II,
282. Placenta (8. a, Chorion,
Deoldua) I, m 200,
204.11,62. PL accessoria,
praovia I, 201.
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Nabel s. Darmnabel, Kör-pornabol.
Nabelboutel I, 51.
Nabolblase s. üottorblaso.
Nabelhlasendanngang s. DuotttB.
Nabclblasenfold 1,192,200.
Nabelbruch II, 335.
Nabolgofiisso I, 213, 231.
Nabel pflege I, 348.
Nabelschnur s. Nabelstrang.
Nabelstrang 1, 186, 194,
198, 203, 201, 207, 209, 3315, 345.
Compression II, 290 ; Festigkeit II, 314.
Nabel sträng-Abschniirun-gen I, 210. II, 316.
Nabolzwillinge II, 329.
Nachgeburt I, 362.
Nachgeburt - Fressen I, 285, 364.
Nachprobe I, 07.
Nachwehcn 1, 353.
Naogoli I, 117.
Nährzustand (8. a. Fettbildung) I, 149.
Nalmmgsdottor 1, 73.
Nahtbänder I, 247.
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T
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XXI
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laquo;41 IB
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Placontalia I, 190, 199. Plastidulo I, 117. Plötzlichor Tod nach Gebären II, 238. Ploss I, 161. Pocken II, 290. Polansky If, 48. Pollution I, 88. Polydactyli II, B:J1. Polyraelio II, 331. Polyspormio I, 91. Polzollen I, 14, 10, 72. Potenz, goschlochtlicho I,
101, 152. Poullet's Tokograph I,
325. Praeforraationstheorie I,
74, 117. Praeputium s. Vorhaut. Provost I, 74. Preyei I, 211. Primordialeior (s. a. Kciin-
zollen) I, 12, 95. Probi rhengste I, 31, 41;
desgl. Böcko I, 32. Prolapsus uteri II, 41, 00,
139; vaginae II, 41;
vesicao II, 118. Promontorium I, 299. Prostata I, 57, 80. Ptomaine - Vergiftung II,
190. Pubertät I, 6, 35.
Pudendum mullebre s.
Scham.
Puerpcralc Pyaemio II,
233. Piierperalflober II, 159,
170, 226; pyaomisches
II, 283. Puerporalinfoction 11,214. Pnerporalparalyse II, 170. Piitz I, 164.
Piitrescentia uteri II, 222. Pyometra II, 63, 220.
11.
Uackolhalm I, 109. Rasse s. a. Fleischrasse, Frühreife u. Kreuzung.
|
Rauschen (s. a. Brunst)
I, 83. Refloxa s. Decidua. Regel s. Menstruation. Reh I, 24, 25, 27, 39, 40,
47, 62, 09, 74, 98, 105,
264.
Rcho II, 210. Rohfisch I, 68. Roifungsperiode des Eis I, 19.
Reifung u, Reife d. Footu.s
I,nbsp; 239. Roiimicht I, 107. Respirationsapparat, foe-
talcr I, 220. Retentio socundinarum II, 320; Pfcrdll, 100; Rind
II,nbsp; nbsp;156.
Rotontionscysten der Schoidondrüson II, 15.
Reuter I, 164.
Rima vulvao I, 43.
Rind (Bulle, Kuli u. Kalb) I, 9 28, 81, 40, 44, 48, 49, 60, 56, 57, 62, 67, 83, 01, 98, 108, 109, 171, 196, 213, 241, 249, 256, 264, 208, 277, 293, 301, 337.
Rindern (s. a. Brunst) I,
31. Ringeln II, 354, 415.
Ringschnur 11,345; -Führer II, 345.
Rippcnknorpoldurch-
schncidung 11, 398. Rohdo I, 209. Rossen (s. a. Brunst) 1,
30. Rost II, 59. Rückenmark, Bruch II,
333; Entzündung II,
182. Rückenschranbe II, 364. Rückgratspalto II, 383. Rückschlag I, 132. Riiischkeit (Brunst) I, 33. Rupprocht I, 210. Ruthcnknochon I, 43. 51. Ruthcnstachcln I, 51, 58.
|
Saako I, 219, 281.
Sägen (s. a. Goburtssägen) II, 338, 875; Ketten- II, 375.
Säugen (s. a. Milch) I, 21, 30, 88, 87, 349.
Samen, Ansaugung und Ausprcssung 1, 40. Entleerung I, 50, 02, 7!),
85,nbsp; 88, 142.
Samenblasen I, 67, 58, 80.
Samenfäden (s. a. Keimzellen, Geschlechtszellen, Hoden) I, 56, 68, 70, 71, 7G, 77, 7raquo;, 84,
86,nbsp; nbsp;80, 90, 106, 146, 152; Bewegung I, 71; Wanderung I, 74; Be-fruchtung.sfähigk. I, 70; Bewegungslosigkeit I,
77; Zahl I, 80, 85: Dualismus I, 136.
Samenflttsslgkeit 1,50,80,
81, 85, Samenleiter I, 58, 00, 08. Sarcome des Euters II,
270. Sau s. Sehwein. Sauerstoff 1, 212, 220, Bauropsidon I, 188. Scclctt d. Foetus I, 240 ff. Schaf (s. a, Wiederkäuer)
1,nbsp; 10, 23, 32, 43, 44. 48, 49, 61, 50, 67, 01,
02,nbsp; nbsp;07, 83, 91, 93, 98, 103, 109, 171, 195, 213, 242, 249, 267, 204, 268, 295, 801, 888.
Sohafwasser 1, 183.
Sohädelspalte ll, 333; Perforation II, 880.
Schakal I, 109. Scham I, 41, 48, 103. Scham, phlcgmonöso Entzündung II, 215. Sehambeinhruch II, 78.
Schambcinfugenschnitt II, 398.
Schamongc II, 72, scheinbare II, 7t!; wirkliche II, 72.
Schamlippen, Wunden au den II, 121.
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XXII
Schecrenmesser II, 372. Scheide 1,17, 48, 44,45;
85, i320. Atresie U, 14, Go-schwiilsto II, 16, Entzündung 11, 22,216, an-steckondo bösartige II, 112; Katarrh II, 135; Perforation II, 19; Um-stiilpung II, 21, 41, 55, 185; Verletzung U, 21; Verwachsung: H, 30, 53; Vorfall II, 1861 habituollcr 11,137 ;\Viü-zung II, 05; Wunden II, 123. Scheidenengo II, 74. Sdioidonklappe, Soheiden-vorhof I, 48, 44 (s. a. Bulbus und Glandulao vestibuli). Scheiden #9632; Mastdarmwun-
don II, 125.
Scheklennadcl II, 370;
Ring II, 417; Speculum
II, 48.
Scheidensohleim I, 78, 85.
Schoidonsclnvangorschaft
I, OO, 273; II, 38. ScheidcnYorfall I, 205.' Scheintod dos Foetus II,
205, 208. Scheirmvitt'or I, 103, 100. Schenk (Theorie) I, 170. Schenkelgurt II, 340. Schist osoiuus contortus II,
330. Schizosoma reflexum II,
330, 340. Schlaf des Foetus I, 231. Schlauch I, 50. Schlechter I, 140, 171. Schlempe II, 58. Schlingen, Bauch II, 352; Brenlefsche II, 352; Draht II, 351. Schlingenleiter (Darreau)
11, 846. Schmidt 1, 105. Schmidt-Kolding I, 301. Schnepfonkopf I, 51. Schröder I, 76, 80, 92,
269, 289, 324.
|
Schiinhoft' II, 10.
Schwammouter II, 243.
Schwangerschaft s. a. Abdominal - Ovarlal-, Schoidon-,Tuhen-Scli\v., sowie Triichtigkeit.
Schwangorschaft I, 20, 37. 85620laquo;; Dauer 1,268 i
Abortus 1,270; Abstorben d.Foeton 1,271; Schwan-gorsc.haltszcichen 1,274; Untersuchung 1,280; Kin-lluss anfd.nüitterl. Körper I, 285; Diät I, 280.
Sohwaimvurüelbrucli II,
81. Schwarznecker I, 18, 30,
49, 00, 87, 88, 208.
Schwoin(Ebor,Sau,Ferkol)
I,nbsp; 10, 23, 33, 43, 44, 48, 51, 50, 57, 61, 68, 07, 83, 08, 103, 143, 144, 165, 171, 201, 242, 250, 257, 264, 209, 285, '295, 302, 340, 350.
Scliwoinon. Goburts-
hiilfe bei I, 341. Schwellkörper s. Bnlbns,
Clitoris, Penis. Schwellung, Pford II, 56;
Rind II, 57; zu starke
II,nbsp; 50.
Socalo cornutum II, 49,
53, 59. Sectio caosaroa II, 4O0. Socundinae s. Nachgeburt. Soligson I, 142.
Sopticaomia II, 150; eigentliche II, 226; ptier-
poralis 11, 101, 228,
225; pyaomischo und
tlirombotischo Form II,
233. Seröse Hülle I, 183. Scrotina s. Deoidua. Settegast I, 100, 119. Sinus urogenitalis I, 102,
163. Sonden: Bogen-S. 11,340,
üoburts-S. II, 340. Spiitgeburt I, 271. II, 40. Spannen dos Euters II,
252.
|
Spanner II, o. Spasma uteri II, 90. Spatel II, 373. Spockkiilbcr II, 322. Sperma s. Samen. Spermakern I, 73, 05. Spermatozoen s. Samenfäden. Spielarten I, 107. Sprödigkeit der Haut der
Striche II, 280. Sprung (s, a. Begattung, Herdensprung) aus dor Handl, 06; zweimaliger I, 67. 81, 07. Stallhaltung I, 29, 290,
295. Staphylococcus II, 211. Starrkrampf II, 158, 237. St. Oyr u. Violet I, 210,
248, 281, 312, 325. Steinbock I, 109. Steinfrucht 1, 272. II, 30,
807. Stoissendlage II, 290. Stellwehen 1, 324, 333. Stemmeisen (Markgraf-
sches II, 338, 874. Sterilität 1, 77, 87, 103,
104. Stiersucht (s. Nymphomanie) U, 0. Stirp I, 114. Stockfloth 11, 17. Stossbechcr II, 305. Streptococcus agalactiae contag. II, 255; pyo-genes II, 211, 252. Strich, Bläschenausschlag II. 290; Ekzem 11,289; Entzündung II, 288; Nobcnstricho II. 293; Neubildungen in dem 11, 287; Obliteration 11, 287; Papillome 11,291; Pocken II, 200; Sprödigkeit der Haut der II. 289; Ucberzähligo 11, 293; Warzen II, 291; Weichwarzen II, 291. Strichkanal-Stricturon 11, 284.
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Stricliöffnung - Vonvach-
sung 11, 283. Stricturon, Cystorno II,
285 ;Stiichkanal 11,284.
Stute s. Pferd,
Sublimat II, 70, 152, 105. Supcrfoocundatio I, 91. Superfootatlo 1,01. II, 12,
88.
Suspensorium H, 57. Symphyso 1, 208. Sympbyslotomle II, 308. Syncytium I, 204. Syndactylic (I, 333; ophtalmie 334.
|
Trächtlgkeit, linksseitige
I, 277. Traogor'sche Draht-
schlingo II, 351. Troibwehen I, 324. Trinkon des Foetus I,
225.
Trockonstehon I, 294.
Tuba uterlna (Palloppll)
I, 75.
Tuben, Verwachsung II, 33.
Tubensohwangersohaft I,
89.
Tuborcnlose, Enter 11,271.
Tuberculum intorvonosum (Lowcri) I, 210.
Tumoren s. GescbwiilstD. Typen-Vererbung I. Ill, 122, 129.
Typus (s. a. Gesohloclits-typus) I, 110, 130.
|
Urniorongängo I, 44,102. Ursogmonto 1, 177. Uteriudriison s. Uterin-sohläucho.
Uteringruben I, 203. Uterinkatheter II, 235.
Uturinmiloh I, 188, 195,
201, 203, 205, 207,
221. Utorinschläuclie I, 37,188,
195, 200, 205, 207. Utorinschleim I, 46, 84,
85. Uterus (s. a. Kruchtluiltor,
Gebärmutter)!,250,275,
318, 821, 35laquo;. Blutung II, 46; Ent-
ziindungll, 218; Oedom
II, 53; Perforation II,
19; Wassersucht II, 53;
Wundon II, 49. Utoruscontractionon 1,322
(s. a. Wehen.
|
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|
Tal lich'soho Zange 11,303. Tapkon I, 338, 341. Tolegonio I, 119. Temperatur, niedrige II,
58, 175.
Toratome II, 330. Tetanus puerperallsll,287. Thoka folliculi I, 12 ff. Thoracoeliisis II, 330.
Tlioraco-Omphalopagi II, 329.
Thury I, 157.
Tod dos Foetus I, 218, 227, 272, 283, 325, 345. II, 295, 300.
Tod, plötzlicher nach Gebären 11, 288.
Todtgeburten-Zahl I, 172.
Topper I, 351.
Tokograph I, 325.
Torsio uteri et vaginae II, 95, 308; Kuhll, 98; Pferd II, 110; Schaf etc. II, 111.
Traclitcnzwingcr II, 370.
Traber II, 58.
Trächtlgkeit II, 11; abnorme II, 33; oxtra-nterine II, 33,307; ver-liingerto II, 40; Zwillings- II, 50.
Trächtlgkeit s. Schwangerschaft.
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#9632;*!*'#9632;
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Uoborfnichtung I, 91. II, 12, 38.
Uoborschwiingernng 1,01. Ueborspringen I, 04.
Uoborwandernng I, 90, 252.
Umformung I, 129; Em-pfanglicnkelt dafür I, 131.
Umrindorn II, 5;quot;soucbon-artigos II, 0.
Umstiilpung: Blase 11,117, l.'J?; Eruchthiilter II, 189, incomplete II, 42, completo II, 44; Mastdarm II, 118, Sobeido 11, 21, 41, 135, unvollständige II, 139, vollständige II, 141.
Unfruchtbarkeit II, 04.
Uni par I, 93, 252, 338. Un tor arten I, 107,
Untersuchung, gobnrts-
hilfllclio II, 419. Urachus I, 184, 847. - -Urachus patens 11, 337. Urethra s. Harnröhre. Unnoren I, 179, 230.
|
Vagina s. Scheide.
Vaginitls II, 26.
Vagitus uterinus I, 227.
II, 297. Variabilität I, 121). Varietät I, 107. Venen d. Wollnstorgano
(s. a. Schwollkörpor) I,
43, 52, 54.
Veratrin II, 109.
Verblutung II, 50.
Verdauungsapparat, Foe-tales I, 227.
Vererbung I, llOff; Theorien d. V.I, llSff.; Tv-pen-V. I, 111, 122, 129:
individuelle V. I, ill,
122, 120; conservative V. 1, 112, 125; progressive V. I, 112, 126, 131; regressive V.I, 120,181: virtuelloV. 1,110; reelle V. l, 119; gleichzeitige V. 1, 122; anphigonoV. I, 127. V. von or-worbonen Eigenschaften I, 110, 118, 123, 124; v. Erfabnmgen 1,
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XXIV
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123; v. Verstiimmc-lungon 1,1'25; v. Krankheiten I, 12(i. Voror-bung dos Geschlechts s. Goschlcclit. Sioho fernor Krbinasso.Kampf der Erbkeiinchcn, Telo-gonie, Versehen.
Vorfohlen etc. s. Abortus.
Verkalbon II, 57.
Veiiannnen II, 57.
Verletzungen bei der Begattung I, 04.
Vernlx caseosa I, 223.
Verrlndorn I, 31. II, 04.
Vorsehimmoltes Futter II, 69.
Verschlag II, 210.
Vorsehen I, 121.
Vorstüramolungcn I, 125.
Verwachsung der Scheide II, 30.
Verwerfen (s. Abortus) 11, 57.
Vesiculao seniinales siehe Samenblason.
Vielgebärend s. Multipar.
Violgeburten I, 94,Ü7,2UÜ.
\'iolträchtigkeit I, 99,260.
Violet s. St. Cyr.
Vogel, footaler Kreislauf I, 212.
Vorhaut I, 43, 50.
Vorderendlage II, 420.
Vorderschon koloutforn-ung II, 387-393. '
Vorfall, Bandagen II, 354; Gebiirnuittor, completer II, 141: partieller II,'.raquo;0,13raquo;; Gurt II, 353; Scheide 11, 41.
do Vriess I, 115.
Vulva s. Scham.
Vulvitis infoctiosa II, 215.
W.
Wachsthuiu des Foetus
I,nbsp; 239 ff.
Wälzung dos Fruchthäl-tersll, 95; der Scheide
II,nbsp; 95.
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quot;Wiirme dos Foetus 1, 220. Waldeyer I, 75. Wangonspalte 11, 335. Warzen au den Strichen 11, 291.
Wasserblase II, 119.
Wasserkftlber II, 322.
Wasserkopf II, 334, 339, 380; Verkleinerung II, 381.
Wassersprung, zu früher II, 87. (s. a. Blasonsp.)
Wassorsucht (s, a. Bihaut, Fruchthältor, Gebärmutter, Uterus), allgemeine II, 322; Brust-und Bauch II, 324; dos Foetus II, 322.
Wasserversorgung dos Foetus I, 224.
Wehen I, 318, 321.
Wehen, falsche II, 83,90; Schwäche II, 88; vorzeitige II, 83, 90; zu starke II, 89.
Weibliche Geburten I, 109, 171.
Weichwarzen an den Strichen II, 291.
Weismann I, 116, 125.
Woiss I, 02.
Weizenbrand II, 58.
Wendung des abgetrennten llinterthcils II, 400.
Whartonscho Sulzo 1,186.
Wildschwein 1, 10, 23, 99, 109, 205.
Wildthioro I, 1, 2, 3, 9, 10, 18, 23, 24, 27, 33, 89, 40, 42, 47, 62, 05, 09, 74, 98, 99, 109, 204.
Wilkens, 1, 109, 101, 171.
Wirbelsäulen - Verkrümmung II, 337.
Wolf I, 74.
Wolff I, 109;
Wolfsrachen 11, 335.
Wollust u. Wollustorgane I, 42, 45, 40, 55, 50, 01.
Wunden s. d. betr. Organe.
|
Wundt I, 278. Wurfflebor II, 170.
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Zahl (1. Früchte I, 93.
Zahnbildung b. Foetus I, 240.
Zangen (s. a. Geburtszangen) II, 9; Band II, 351; Binz'scho II, 301; Fey'scho II, 302; Gün-ther'sche II, 302; Tal-lich'soho II, 363.
Zebu I, 109. Zerkleinerung des Kopfes
II, 386. Zerreissung s. d. betroff.
Organe. Zerreissung des Nabol-
strangos 1, 344. Zertrümmerung (Ovarien)
II, 8. Zeugungsfähigkoit (s. a.
Fruchtbarkeit) Alters-
crlöschon derselben I,
22. Ziege (s. a.Schaf u.Wiodor-
käufor) I, 10, 23, 33,
43, 50, 50, 57, 02, 98,
109, 204, 295, 388.
Ziegenbock (Milch) II, 242. Zona pollucida I, 184. Zotton s. Chorionzotton.
Zucht s. unter Frühreife, Vererbung, Anpassung, Umformung, Inzucht. Zulassung zur 7j. I, 8, zu frühe u. zu späte Zulassung I, 9, 29, 00, 104; Blnnuss derZuoht-verfoinerung I, 99, 103.
Zuneigung I, 41, 47, 49,
348, 359. Zwillinge I, 94, 97, 107,
252, 327, 338. II, 2, 328. Zwilliugsträchtigkoit II,
50, 88. Zwitter 1, 135, 101, l(t2.
II. 2, 337.
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I. Tlicil.
Der Gesehleehtstrieb.
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(Quelle des Geschlechtstriebes.
Allgemeine und äussere Reize. Der Geschlcohtstrieb, richtiger Begattungstriel) oder Brunst, der Thiero unterliegt mannigfachen Einwirkungen und äussert sich, obwohl allen Thieren eigen, in sehr verschiedener Weise. Das Geschlechtsleben des Menschen steht auf einer höheren Stufe als dasjenige der Säugethiero. Dort wird der Geschlechtstrieb in. o. w. beherrscht von seelischen Regungen, von Vorstellung und Willen, welche ihrerseits allerdings von körperlichen Zuständen und äusseren Eindrücken beeinflusst werden; dort sind die iiussereu Eindrucke, welche die Vorstellung wecken und Begierde erzeugen, vielgestaltig und wirken au! die verschiedensten Organe und Sinne, namentlich auch auf Ohr und Auge. Indessen auch beim Thier wird der Begattungstriel) durch sinnliche Wahrnehmungen, obgleich einfacherer Art, mittelbar erregt. Wie weit Hochzeitsgesang und Hochzeitsfarbeu der Vögel anreizend zu wirken vermögen, muss wohl dahingestellt bleiben. Jedenfalls wird das Waldthier durch den verliebten Ruf auf weite Entfernung gelockt. Vor Allem aber spielt bei den Öiiugethieren der Geruch die hervorragendste Bolle als Sinnesreiz für den Begattnngstrieb, wenigstens des Männchens. Ks ist hierbei nicht von Bedeutung, ob die Bautaus-dünstung des weiblichen Thieres einen bcstiminton Geruch annimmt oder ob derselbe der Absonderung spezitischer Drüsen bezw. der Genitalien des geschlechtlich erregten (brünstigen) AVeibchens anhaftet. Uobrigens kommt auch bei miinnlichen Thieren ein mit geschlechtlicher Erregung zusammenhängender Geruch zu Stande. Der lockende Ruf und Geruch sind geradezu unentbehrliche Vermittler für die unbehinderte und geordnete Entfaltung des geschlechtlichen Verkehrs der Wildthiere (vgl. pag. 18).
Sciniialtz, Ocsclilechlslebon.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
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#9632;^
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Der Reizzustand des Geschlechtsapparates und seine Beziehung zu äusseren Einwirkungen.
Der innerste und unuüttclbaro Grund für den läegattungstricb liegt jedoch unzweifelhaft bei Meiitich und Thier in dem Zustand des Geschlechts-apparates, in einer erhöhten Funktion oder Funktionsfühigkeit desselben be/.w. deren Ergebnissen.
Es kann ein solcher hoobgespaunter Zustand des Sexualapparates ohne von aussen komniende Einwirkung entstehen und er wird sogar normal in erster Linie herbeigeführt durch Vorhandensein von reifen Eiern im Eierstock bezw. Ansammlung von Samenzellen im Hoden.
Es zeigt sich dies am deutlichsten beim weiblichen Säugethier, bei welchem der Geschlechtstrieb überhaupt nur dann rege wird, wenn im Eierstock reife Eier sich zum Austritt aus ihren Follikeln anschicken. Dies geschieht, in einer jeder Thierart eigeathümlichen Regelmässigkeit, jährlich eiumal oder mehrmalsin gewissen Zwischenräumen (s. pag. 24 u. 28 ft'.). Nur in dieser Zeit ist das weibliche Thier im Gegensatz zum menschlichen Weibe der Begattung geneigt, ausserhalb jener Zeit dagegen jedem anderen Gesehlechtsreiz unzugänglich.
Anders verhält sich der Geschlechtstrieb schon beim männlichen Säugethier. Wenn auch hier die Anhäufung von Samen im Hoden eine mächtige Wirkung ausübt, so ist sie nicht stets das primäre. Der Be-gattungstrieb wird vielmehr auch erweckt durch die Gelegenheit zur Begattung, also durch eine äussere Einwirkung auf die Sinne. Deren Reiz bewirkt durch Vermittelung des Gehirns dann seeundär erhöhte Thätig-keit der Hoden und vollendete Ausbildung von Samenzellen, wodurch der Begattungstrieb weiterhin erregt wird.
Diese Abhängigkeit des tluerisch-männlicheu Begattungstriebes vom weiblichen Geschlecht lässt sich am männlichen Wildthier klar erweisen. Die Hirsche z. B. haben mir Samen in den (mächtig geschwollenen) Hoden in jener Jahreszeit, in der die weiblichen Thiere brünstig (s. unten pag. 24) sind. In der ganzen übrigen Zeit des Jahres sind auch die männlichen Hirsche von jeder geschlechtlichen Erregung frei und ihre Hoden samenlos. Wenn jedoch, was nicht so selten ist, ein weihliches Thier in einer anderen Jahreszeit brünstig wird (s. pag. 20, oben), so finden sich sofort männliche Hirsche mit allen Zeichen der Geschlechtserregung ein, ihre Hoden schwellen an, und dass sie dann Samen produciren, beweisen die infolge der Begattung später zu unrechter Zeit gesetzten Hirschkälber.
Eben deshalb ist auch erklärlich, dass die männlichen Hausthiere immer Samen in den Hoden haben, weil sie jederzeit gelegentlich mit brünstigen Weibchen zusanimentreffeu (s. unten pag. 28).
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Beim Menschen wirken ebonfalls die oben genannten äusseren Einflüsse durch Vermittlung des Gehirns auf den Sexualapparat, den sie in erhöhte Funktion setzen; der letztere Zustand übt dann seinerseits einen Ketlexreiz, der im Gehirn den Begattungstrieb auslöst.
Eine Abhängigkeit des Triebes von der Anwesenheit reifer Eier im Eierstock ist beim menschlichen Weibe nicht zu constatiren. Der männliche Kode beherbergt (aus älmlichen Gründen, wie beim männlichen Hausthier) stets Samen; der Begattuugstrieb ist gewissermassen stets latent vorhanden 'und kann, wenn durch äussereu Sinnesreiz belebt, jederzeit bethätigt werden. Andererseits ist aber nicht zu verkeimen, dass eine Anhäufung der Samenzellen im Hoden allein auch bei fehlender äusserer Aureizung den Begattuugstrieb erregt.
Abhängigkeit des Geschlechtstriebes von den Lebensbedingungen
des Körpers.
Natürlich ist der Geschlechtstrieb bei Mensch und Thier, wie alle Lebensäusserungen, von Gesundheit und Kräftezustand des Gesammt-organismus in der Weise abhängig, dass ein Ueberschuss ihn nicht erzeugt, aber begünstigt, ein Mangel ihn einschränkt und ganz unterdrücken kann. Nicht bloss Gesundheitsstörungen kommen in Betracht, sondern auch Ernährung, Leistung, Haltung. Es ist bekannt, dass Arbeit, namentlich körperliche, auch beim Menschen den Geschlechtstrieb zurücktreten macht; Nahrungsmangel bewirkt dasselbe und Kälte ebenfalls. Alle drei haben das gemeinsam, dass sie den Stoffvorrath des Körpers beschränken, und darauf beruht augenscheinlich jene Wirkung.
Bei Thieren spielen Hunger und Kälte die grösste Eolle. Wenn bei den Hausthieren das Geschlechtsleben in gewisser Beziehung ausgiebiger entwickelt ist (siehe pag. 24 u. 28), während es sich bei den Wildthiereu auf gewisse kurze Zeiten im Jahre (Brunstzeiten) beschränkt, so mag dies zum Theil mit darauf beruhen, dass jene unter Nahrnngssorgen und Witterungsunbilden nicht zu leiden haben.
In der That liegen die Brunstzeiten der Wildthierc alle so, dass dieselben entweder reichliche Nahrung haben oder durch eine voran gegangene reiche Ernährungsperiode gekräftigt sind (Hirsche). Ein natürlicher Einfluss der Ernährung ist daher allgemein zu konstatiren, nicht aber ein solcher von Jahreszeit und Witterung. Denn die Brunstzeit liegt bei den verschiedenen Tliierarten ganz verschieden und fällt bei manchen noch oder schon in die rauhe Jahreszeit (vgl. pag. 20). Dadurch ist zugleich die alte Annahme widerlegt, dass bei Menschen und allen höheren Thieren der Frühling die hohe Zeit für das Geschlechtsleben sei. Für die eigenthüinliche zeitlich enge Begrenzung der Brunst bei den
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Wiklthiereii bieten jedenfalls diese EinHüsse keinen gelingenden Grund, Diese beruht auf einem imderou, auf einem inneren Gesetz, welches weiter unten zu erklären sein wird (s. pag. 25 ff.).
Von Einfluss ist endlich Rasse und Individualität. Beim Menschen ist miturgemäss die Individualität stärker ausgeprägt, aber der erregbare oder massigere Geschlechtstrieb ist auch als Kasseneigenthümlichkeit (OrientalenNordländer) augenfällig. Beim wilden Säugethier ist der Geschlechtstrieb innerhalb der Brunstzeit ganz allgemein ausserordentlich, ebenso wie die Ausgiebigkeit seiner Befriedigung. Beim Haussäugethier tritt ein Rasseunterschied sehr deutlich hervor. Namentlich bei den sog. Fleischrassen der schlachtbaren Hausthiere zeigt sich eine mit Frühreife (s. pag. 7) und Fettbildung steigende Abnahme des Geschlechtstriebes derartig, dass mau z. B. auf die Castration englischer Schweine behufs Mästung verziehten kann, während ein gutes Mastresultat beiden ursprünglichen deutschen Rassen durch die wiederholten Geschlechtserregungcu verhindert werden würde, weshalb hier die Castration nicht entbehrlich ist.
Im Uebrigen macht sich bei Hausthiereu noch ein anderer EinHuss geltend: der Wille des Menschen und die zum Theil unnatürliche Lebenshaltung. Wenn, wie oben schon erwähnt, das Geschlechtsleben der Hausthiere in gewisser Beziehung ausgiebiger und freier entwickelt erscheint, so macheu verschiedene. Umstände es fraglich, ob dies ein Fortschritt oder eine Verwirrung ist (vgl. pg. 49). dedenfalls steht das Geschlechtsleben der Hausthiere grossentheils unter künstlichem Einfluss und ist nicht geeignet, die Eigenthümlichkeiteu des thierischen Geschleclus-lebens und die rnterschiedo vom Menschen rein zu zeigen. Zu diesem Zweck muss auf das Leben der Wildthiere zurückgegriffen werden.
Zusammenfassung.
Das eigentliche ursprüngliche Wesen des Begattungstriebes liegt in dem Reiz, den die Anwesenheit reifer Geschlechtszellen durch Retlo, auf das Gehirn ausübt. Die Wirkung dieses Reizes ist zugleich die naturgemäss erste und für die Fortpflanzung i^s. pag. 12) günstigste Quelle des Geschlechtstriebes.
Dieses ursprüngliche Wesen des Geschlechtstriebes lässt sich noch klar erkennen am weiblichen Thier, bei dem die erfolgte Aasreifung von Eiern in den Gcschlechtswegen die alleinige Ursache des Begattungstriebes bildet. Nur beim Vorhandensein dieser Grundbedingung wirken andere Reize (Lockruf des Männchens etc.) erregend. Die Ausbildung reifer Eier selbst erfolgt dabei (s. png. 12 ff.) lediglich nach inneren Gesetzen,
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welche liöehstcus durch gewisse Zustände des Körpers, aber nicht durch vorübergehende üussero Reize, beeintlusst werden.
Heim männlichen Thier giebt zwar obeufalls die periodische Ausanun-lung von Samen im Hoden (Wild) Anlass zum Begnttungstrieb; andrerseits aber vermögen auch äussere Einflüsse und sinuliche Wahrnehmungen (Geruch, überhaupt Xähe eines brünstigen Weibchens) jederzeit eine Begierde zu erzeugen, welche ihrerseits erst die Sainenbiidung anregt. Hier kann also das Hereitlicgen von Samenzellen zwar auch das primäre, ebensogut aber das sekundäre Moment sein. Wiederholen sich jene äusseren Reize häufig, so kann die Tiiiitigkeit der Hoden eine kontinuirliehe worden (Hausthiere); das stete Vorhandensein von Samenzellen bildet dann eine derartig günstige Vorbedingung, dass der Begattungstrieb durch äusseren Reiz jederzeit ausgelöst und sofort be-thätigt werden kann. Der Geschlechtstrieb des männlichen Thieres (vgl. auch: Begattung pg. 46, 61, 05) ist mithin viel höher entwickelt als beim weiblichen Thier, freilich aber gerade dadurch von äusseren Einflüssen und damit vom Weibchen abhängig, während der weibliche Geschlechtstrieb lediglich innerer Gesetzinässigkeit folgt.
Beim Menschen unterscheidet sich das männliche Geschlecht nur dadurch vom männlichen Thier, dass die bei ihm den Begattungstrieb auslösenden Reize mannigfaltiger sind, vor Allem Vorstellungsver-mögeu und seelische Empftndungen hinzukommen. Dagegen hat das menschliche Weib im scharfen Gegensatz zum weiblichen Thier eine höhere Stufe errungen, indem es dein männlichen Geschlecht gleich steht in der Unabhängigkeit des Begiittungstriebes von dem primären Vorhandensein reifer Geschlechtszellen, so dass die Begattung nicht bloss jederzeit geduldet, sondern auch der Wiuisch danach durch dieselben Momente wie beim Manne hervorgerufen werden kann. Die Unabhängigkeit des Geschlechtstriebes von der Bildung der Geschlechtszellen ist bei beiden Geschlechtern des Menschen soweit ausgebildet, dass die Begierde auch noch erregbar bleibt, wenn die Thätigkeit der Geschlechtsdrüsen überhaupt schon erloschen ist. Dennoch ist auch beim Menschen noch der männliche Geschleclitstrieb im Allgemeinen ausgebildeter, d. h. erregbarer, als der weibliche.
Erwachen des Geschlechtstriebes; Mannbarkeit.
Entwicklung und Einfluss der Geschlechtsreife. Beginn der Thätigkeit der Geschlechtsdrüsen: Wenn, wie oben erörtert wurde, die ursprüngliche Acusserung des Geschlechtstriebes
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an das Auftreten reifer Oeschlechtsüellen (Ei, Samen) in den Geschlechtsorganen geknüpft ist, so folgt daraus, dass sein erstes Erwachen von dem Beginn der Leistungsfähigkeit der Geschlechtsdrüsen abhängig sein muss.
Die Leistungsfähigkeit der Geschlechtsdrüsen weicht ebenso, wie ihr Erzeugniss, von derjenigen anderer Drüsen ab. Obwohl nur periodisch und zwar mit m. o. w. langen Unterbrechungen produzirend, haben sie doch eine nur kurz dauorude Thätigkeit, welche erst nach Ablauf eines ver-hältnissmässig langen Lebensabschnittes beginnt und lange vor Ablauf der normalen Lebensdauer wieder erlischt bozw. verkümmert. Der Beginn ihrer Thätigkeit wird als die Zeit der Entstehung der Pubertät, Mannbarkeit oder Geschlechtsreife bezeichnet.
Entwicklung des körperlichen Geschlechtstypus: Der Eintritt der Geschlechtsreife fällt in eine Zeit, wo das Wachsthum des Körpers noch keineswegs abgeschlossen und derselbe noch völlig bildungsfähig ist. Die Geschlechtsreife übt nun einen tiefgreifenden Einfluss keineswegs bloss auf den Qeschlechtsapparat, sondern auf den ganzen Körper aus. Erst jetzt bildet sich au diesem unter vielfachen Veränderungen der jedem Geschlecht eigcnthümliche Typus aus, welcher in der ganzen Form des Körpers und des Skelettes, namentlich auch an Kopf, Hals (Kamm, Triel) und Becken, beim Menschen auch am Brustkorb und Kehlkopf (Brechen der Stimme) seinen Ausdruck findet. Tritt dieser männliche bezw. weibliehe Typus nicht ausgeprägt hervor, wenn auch der Geschlechtsapparat ganz normal entwickelt sein mag, so schliessen die Thierzüchter, dass der Körper und alle Eigenschaften des Thieres durch die Eigenart des Geschloehts nicht genügend beeinflusst seien und dass umgekehrt auch der Gesehlechtsapparat und sein Produkt nicht in der innigen Beziehung zu dem Gesammtorganismus stehe, dass des letzteren Eigenschaften in den Geschlechtszellen ihren Ausdruck finden könnten. Man spricht daher solchen Thiereu die Vererbungsfähigkeit (s. pg. I D5) ab. (Künstliche Verkümmerimgdcs (ieschlechtstypus s. pg. 08.)
Ausserdem entstehen vielfach besondere Qeschlechtsattribute, meist Hautgebilde, wie Haare an besonderen Stellen, Hörner bei einem oder beiden Geschlechtern, Gewcihbildungeu, Hakeuziihne, (Hautlappcn und difterentes Federkleid bei Vögeln) etc., deren typische Entwicklung dann ein wesentliches Merkmal des ausgeprägten Geschlechtscharakters bildet. Allerdings ist die Anlage oder Ausbildung aller dieser Veränderungen auf einen mehr oder weniger längeren Zeitraum vertheilt und braucht zeitlich nicht genau mit der Ausbildung der ersten reifen Geschlechtszellen zusammenzufallen. Deren unmittelbares Anzeichen ist vielmehr nur das Erwachen des Geschlechtstriebes.
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Zeitpunkt der Geschlechtsreife.
Der Eintritt der Gesclileclitsroife ist zeitlich verschieden imeli Thierart, Rasse und Geschlecht. Im Allgeineinoii verspätet sich der Eintritt der Geschlechtsreife im Verhältniss zur Länge der durcli-schnittlichen Lebensdauer der Thierart. Sie entsteht dementsprechend beim Mensclien sehr viel später, als selbst bei dengrossen Hausthieren. ])er Elephant dessen Alter auch in der (lefangenschaft durchschnittlich 80 Jahre erreicht, wird seinerseits später als der Mensch, nämlich frühestens mit 20 Jahren, peschloclitsreif. Das Geschlecht bedingt einen erheblichen Unterschied in der Regel nicht. Beim Menschen ist das weibliche Geschlecht durchschnittlich ein Jahr früher geschlcchts-reif; bei unseren Hausthieren dürfte der Unterschied geringer oder überhaupt nicht bemerkbar sein. Auch scheint, bei manchen Thierarteu wenigstens, der Trieb umgekehrt früher beim männlichen als beim weiblichen Geschlecht zu erwachen (z, B, beim Eber, vgl. pag. 10).
Dagegen ist der Einfluss der Rasse beim Menschen beträchtlich und bei Thieren verhältnissmässig noch grosser. Man nnterseheidet innerhalb der einzelnen Ilausthierarten spätreife und frühreife Rassen, namentlich bei Rindern, Schafen und Schweinen. Im Allgemeinen sind diejenigen Kassen spätreife, welche noch nicht durch sorgfältige Zucht veredelt sind und In primitiven bezw. natürlichen Verhältnissen gehalten werden, das heisst, bei massiger oder doch nicht zu reichlicher Ernährung viel im Freien sich aufhalten und eventuell die Fähigkeit zu grösseren Anstrengungen (Märsche, Arbeitsleistung'! erlangen oder bewahren. Man sieht, dass diese Rassen etwaigen wilden Vettern sowohl im Stammescharakter, als in der Lebensweise noch am niiehsten stehen. In der That sind auch die wilden Thierc verhältnissmässig spät geseblechts-reif. So wird ein Wildschwein mit 1819 Monaten fortpflanzuugsfähig, ein Hausschwein primitivster Rasse nicht viel früher; die Sauender jetzt überall gezogenen verbesserten Rassen sind dagegen schon mit 1011, die der kleineren frühreifen Rassen sogar noch einige Monate früher ^selbst mit sieben Monaten) zur Zucht verwendbar.
Uebrigens sind unter gleichen Verhältnissen die kleineren Rassen früher reif als die grösseren.
Frühreife.
Wenn die spätreifen Rassen diejenigen sind, welche am meisten ihren ursprünglichen Charakter bewahrt haben und eine naturgemässo Lebensweise, führen, so ist hieraus schon zu ersehen, dass die Erührcifo nicht das natürliche, sondern ein Kunstprodukt ist, erzielt durch sorg-
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fftltlge Zuchtwahl und eutspreoheude Haltung, vor Allem relohllohste Er-
niilmmg. Da die Kntwiekluug der Oeselileohtsreife mit derjenigen des lianzen Körpers innig zusammenhiintit, so bezieht sich die Frühreife zugleich auf die Eutwickelung des ganzen Körpers: die betreffenden Thiere wachsen schnell, aeigen zu starker Körperzunahmc und Fettansatz, sind daher leicht mästbar. Hierin liegt auch der berechtigte Grund dafür, frühreife Bässen zu züchten, soweit es sich um Schlachtthiere handelt, welche den höchsten Ertrag gewähren, je früher sie mit Vortheil schlachtbar sind. In der Frühreife zeichnen sich besonders die englischen Rinder-, Schaf- und Scliweinerassen aus. Doch erschüttert eine übertriebene Zucht auf Frühreife auch bei diesen Thieren scliliesslich die Bedingungen einer gesunden harmonischen Entwickelung der Organe. Für Hausthiere, welche später bei Arbeitsleistung eine Reihe von Jahren ausdaueru sollen, ist künstliche Hcschleunigung der Entwiokelung zu verwerfen. Denn nur bei naturgeniässer Lebensweise und allmählicher Entwickelung erlangen gewisse wichtige Organe die uöthige Leistungsfähigkeit und behalten dieselbe genügend lange. Eine künstlich gesteigerte Frühreife bedingt auch ein frühes Abnehmen der Leistungsfähigkeit. Dies gilt namentlich auch für die Geschlechtsthätigkeit (vgl. pag. KW). Der frühe Eintritt bedingt auch frühes Erlahmen nicht bloss in demselben, sondern in einem höherenMaassc. Daneben wird durch die Neigung der obengenannten frühreifen Rassen zum Fettansatz die Intensität des Geschlechtslebens überhaupt vermindert, so dass hier z. B. auch der Begattungstrieb (s. oben pag. 4) sich schwächer äussert und die Fruchtbarkeit abnimmt.
Zeltpunkt der Zulassung zur Zucht.
Der Eintritt der Geschlechtsreife bedeutet noch keineswegs die volle Leistungsfähigkeit des Geschlechtsapparates. Die ersten Geschlechts-produkte, namentlich der männliche Samen, sind wohl noch keineswegs vollkommen. Die Hoden können bei weitem nicht denselben Anforderungen, wie später, genügen; die Dauer ihrer Funktionsfähigkeit wird erfahrungsgemäss durch zu frühe gesteigerte Thätigkeit unverhältniss-mässig verkürzt. Die Organe des weiblichen Thieres können Trächtig-keit und Geburt noch nicht ohne Xachtheil aushalten. Der Foetus würde in dem zu jugendlichen mütterlichen Körper nicht genügend ernährt. Der noch im Wachsen begriffene Körper des Männchens wird durch geschlechtliehe Thätigkeit, der des Weibchens durch die Trächtigkeit iu seiner gesunden Ausbildung schwer gestört und vermag vielleicht, selbst noch zu unausgebildet, auch keine vollkoimnenen Eigenschaften zu vererben. So müssen durch zu frühe Zeugungsthiltigkeit nicht allein die
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Individuen selbst leiden, sondern nuch eine schwiicliliche Xaelikommen-sehaft erzeugen.
Beim Menschen ist die grössere Sterblichkeit der von zu jungen Ehegatten erzeugten Kinder erwiesen, obwohl hier die für die Zuliissig-keit der Verehelichung festgesetzte Minimal-Altersgrenzo in eine erheblich sjiatere Zeit, als die der Pubertät, fällt.
Beim Wildthier fällt allerdings das Aufsuchen der Begattung mit dem ersten Erwachen des Geschlechtstriebes zusammen. Allein hier bewirken die natürlichen Verhältnisse eine gewisse zweckmiissige Regelung. Die Begrenzung des Begattungstriebes auf eine kurze Zeit des Jahres verschiebt von selbst die erste Begaftungsgelegenheit auf ein verhältniss-iniissig späteres Lebensalter. Die schwächlichen juugeu Männchen werden auch dann noch von den älteren aus dem Felde geschlagen. Die jungen schwachen Weibchen sind freilich gegen die Begattung durch ältere Männchen nicht geschützt; sie gehen auch nicht selten an deu Folgen zu Grunde.
Die Hausthiero werden durchweg zur Zucht erst eine gewisse Zeit nach Eintritt der Geschlechtsreife verwendet und auch dann noch ist beim männlichen Thier die Geschlechtslcistung anfänglich auf ein geringeres Mass zu beschränken als später. Heim weiblichen Thier kommt übermässige Zahl der Begattungen naturgemäss nicht in Frage (vgl. pg, 05).
Andererseits kann aber auch, wie Beobachtungen bei den Hausthieren lehren, eine zu späte Zulassung zur Zucht Nachtheile für die Geschlechts-thätigkeit haben. Xamentlich werden Stuten, bei denen die Zuchtverwendung öfters lange Zeit hinausgeschoben wird, hysterisch (vergl.: Graf Lehndorff: Handbuch für Pferdezüchter); Bullen werden träge zur Begattung, Ziegen leicht krank (of. pg. 88, pg. 00, Anm. u. pg. 10-i) etc,
Beim Pferd tritt, wie durch zufällige erfolgreiche Begattungen dargethan ist, die Geschlechtsreife bei beiden Geschlechtern schon mit Ablauf des ersten Lebensjahres ein. Dagegen wird die Stute frühestens erst dreijährig, der Hengst nicht gern, bevor er vierjährig ist, zur Zucht verwendet. Auch für Stu-ten edler Schläge empfiehlt Lehndorff entschieden die Zulassung erst mit 4 Jahren. Bei gemeinen Rassen kann die Zulassung etwas eher erfolgen als bei edlen; bei kaltblütigen Hengsten mit 3, selbst schon mit 2 Jahren. Die höchsten Anforderungen erfüllt der Hengst erst im kräftigsten Alter von sieben Jahren.
Bei Rindern ist der Eintritt der Geschlechtsreife bei beiden Geschlechtern nach Ablauf des ersten halben Jahres in Einzelfällen erwiesen, bei frühreifen weiblichen Thieren im Alter von sechs bis neun Monaten häufiger beobachtet. Der Unterschied zwischen früh- und spätreifen Rassen
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ist uielit imorlieblich. Frühreife Fleisclirinder können mit 1 bis ll/g Jahren zugelassen werden; die Binder der Milch- und Arbeitsrassen mit P/.! bis 2 Jahren; diejenigen ganz spätreifer und primitiver Kassen (ungarisches Steppenvieh) werden erst im vierten Jahre befruchtet. Die englischen un-gezähmten Paikrinderquot; (angeblich noch Abkömmlinge des wilden Urrindes) kalben zum ersten Male nach vollendetem dritten Jahre. Ganz frühreife Stiere können schon nach Ablauf des ersten Jahres, mittelfrühe mit l1/-) Jahren, diejenigen der spätreifen reinen Arbeitsschläge erst mit 2 bis 21/2 Jahren zugelassen werden. Dabei darf dem Stier die volle Zahl von Kühen im ersten halben Jahr noch nicht zugewiesen werden.
Jioi Schafen der frühreifen Rassen tritt die Geschlechtsreife ebenfalls schon nach Ablauf eines halben Jahres auf. Die Zulassung kann beim AVeibchen erst nach vollendetem erstem Lebensjahr, beim Bock mit 18 Monaten erfolgen. Doch liisst man in der Eegel die Weibchen bei Fleischrassen erst anderthalbjährig, bei anderen Rassen erst zwei- und zweieinhalbjilhrig zu. Für Böcke gilt dasselbe.
Die Ziege zeigt halbjährig schon die erste Brunst und ist auch schon paarungsfähig; der Bock ist mit zwei Jahren voll leistungsfähig.
(Es mag hier bemerkt werden, dass das im Mai oder Juni geborene Reh zum ersten Mal im nächsten Juli sich begattet, also mit ca. MMonaten.)
Beim Schwein ist der Unterschied zwischen den frühreifen, namentlich kleinen, und den spätreifen Rassen ziemlich gross. Schon mit zehn bis zwölf Wochen fängt der junge Eber an, auf anderen Ferkeln zu reitenquot;, was als ein Erwachen des Geschlechtstriebes angesehen werden muss. Gewöhnlich ist er zuchtfähig nach Ablauf des ersten Jahres, bei den spätreifen und grossen Rassen einige Monate später; bei den englischen frühreifen Rassen ist er schon vom zehnten Monat ab (in massiger Weise) verwendbar; die höchste Leistungsfähigkeit hat er mit zwei Jahren. Die Sau ist mit 9 bis 14 Monaten zuchtfähig, die frühreifen entsprechend früher als die anderen. Man soll bei einer jungen Sau, wenn sie nur kräftig genug ist, die ausgeprägte Brunst nicht vorübergehen lassen, selbst wenn sie schon ausnahmsweise früh zum Eber gebracht werden müsste (mit sieben bis acht Monaten). Eine Sau der grossen englischen Rasse hatte, bevor sie 20 Monate alt war, schonnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;quot;quot;jquot;
88 Ferkel In drei Würfen gebracht. (Die Wildsau wird mit 18 bis 19 Monaten fortpflauzungsfähig.)
Bei Hunden beeinflusst die ausserordentliche Verschiedenheit der Körpergrösse und der Rasse überhaupt den Zeitpunkt der Geschlechtsreife. Wenn die Hündin zum ersten Mal hitzigquot; (brünstig) wird, kann sie auch zugelassen werden. Im Allgemeinen liegt die Zuchtreife zwischen
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1 und 2 Jahren, doch kommt der Gescdilechtstrieb auch schon mit einem halben Jahre zum Vorschein und es sind dann bereits fruchtbare Begattungen möglich (bei Teckelhiindimien beobachtefi.
Wesen, Zeit und Erscheinungen der Brunst beim weiblichen Thiere.
Wesen der Brunst.
Der Begattuugstricb ist, wie oben erörtert, beim weiblichen Thier äusserem Eintluss entzogen und unfrei, weil gebunden an bestimmte für die Thierart gesetzmässige Zeiten Brunstzeiten. Zu allen anderen Zeiten zeigen die weiblichen Thiere nicht allein keinen eigenen Be-gattuugstrieb, sondern dulden auch nicht die Begattung. Ausnahmen von letzterer Regel komnien allerdings bei gewissen Thieren bisweilen vor (s. pag, 25, Anm., pg. 81, oben u. pg. 39). Die Aeusseruugea der Brunst werden unten für die einzelnen Tliiorarten gesondert beschrieben (s. pag.80).
Während der Brunstzeiten treten befruchtungsfähige Eier aus dem Eierstock in die Geschlechtswege ein und auch die übrigen öeschlechts-theile zeigen m. o. w. ausgeprägte Eigenthümlichkeiten. Es giebt dabei zwei Möglichkeiten: 1, Die durch allinähliche Vorgänge schliesslich bewirkte Befreiung eines reifen Eies aus dem Graaf sehen Folllköl (siehe unten) erzeugt den Heiz, welcher zugleich den Begattungstrieb weckt und den ganzen Geschlechtsnpparat in einen besonderen Zustand versetzt; 2. Innerhalb einer bestimmten Lebenszeit tritt in, jeder Thierart eigenthümlichen, Zwischenräumen ein Zustand ein, welcher in alle wichtigen Geschlechtsorgane ein erhöhtes Leben bringt, im Eierstock den letzten Anstoss zum Freiwerden vorhandener reifer Eier giebt und damit auch den Begattungstrieb auslöst.
Es kann dies aber um so eher dahingestellt bleiben, als jedenfalls darüber kein Zweifel ist, dass bei der normalen*) Brunst des weiblichen Tbieres die Ablösung eines oder mehrerer Eier aus dem Eierstock die Ovulation das beherrschende und wesentlichste, niemals fehlende Ereigniss ist. Dafür, dass beim gesunden Thier auch Brunst ohne * *nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ovulation vorkomme, sprechen jedenfalls keine bestimmten Beobachtungen.
Die fast regelmässig vorhandene Befruchtungsfiihigkeit lehrt vielmehr das Gegentheil. Nur für die Stuten dürfte diese Kegel nicht so unbedingte Gültigkeit haben. Bei ihnen unterbleibt öfter die Befruchtung und mag daher auch Brunst ohne Ovulation vorkommen (vgl. pag. 49 u. 100)laquo;
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*) Dio krankhafte bezw. abnorme Brunst kommt liier nicht in Betracht, sondorn ist besonders besprochen {s. Theil II, pag. i14).
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#9632;Pquot;
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Die Brunst des weiblichen Thiores ist also durch das Yor-handensein befruchtiingsfiihiger Keime clianikterisirt und gewinnt dadurch eine ganz andere Bedeutung, als die aktiven oder passiven Aeusserungen des Begattungstriebes beim menschlichen Weibe (s. pag. 30). Sie bietet somit die denkbar sichersten Vorbedingungen für eine befruchtende Begattung, welche in dieser Zeit nicht bloss geduldet, sondern auch eifrig gesucht wird.
Eireifung und Ovulation.
Bin befriiclituiigsfiihiges Ei heisst reifes Ei. Es tritt aus dem Eierstock (Ovariuin) heraus mittelst eines Vorganges, der als Dchisciruug oder Ovulation bezeichnet wird.
Ei (Ovulum) und Follikol (vgl. auch pag. 7079). Die allgeineinen Eigenschaften des Kies, der Eikapseln oder Eollikel und des Eierstockes müssen hier als bekannt vorausgesetzt werden. Bekanntlich durchlaufen die Eier mehrere Stadien und werden als Primor-dialeier, fertige und reife Eier unterschieden. Die (14 micra grosseu) Primordialeier sind in sehr grosser Zahl angelegt (Keimperiode) und liegen in einer Umgebung von Epithclzellen, in den (0,03 mm grosseu) Primordialfollikeln. Die Primordialeier bilden sich nach Bonnot bei Pferden und Wiederkäuern schon in früher Embryonalzeit, bei Hund und Katze erst im ersten Lebensjahr.*) Von diesen primären Eiern geht wohl die Mehrzahl zu Grunde, ohne eine weitere Jlntwickelung zu erreichen. Andere jedoch nehmen gruppenweise an Qrösse zu (Wachs-thumsperiode), wesentlich dadurch, dass sich im Protoplasma der sogenannte Nahruugsdotter (Deutoplasmai anhäuft, und werden so fertige Eier. Letztere sind beim Menschen bis 200 micra, durchschnittlich 170 (O. Hert-wig), bei den grosseu Säugethieren etwa ehenso gross. Beim Rind sah Fürstenberg nie mehr als 166 micra grosso; beim Schwein, Hund, Katze, Kaninchen sind 170, bei Meerschweinchen, Ratte und Maus 120 micra gefanden worden. Zugleich erhält der Follikel allmählich eine stärkere Membran (theka) und In seinem Innern bildet sich zwischen den Zellen (dem Follikel- und Ei-Epithel, der Granulosa) Flüssigkeit (liquor folliculi). Der Liquor trägt das Ei an die Wand des Follikels empor. Es können in einem Follikel auch 2 fertige Eier enthalten sein. Pfliiger, Grolle, Schrön fanden beim Weibe auch 8, Hausmann (vgl. pag. 42) bei der Hündin sogar bis zu fi, bei Sau und Schaf dagegen stets nur ein Ei in einem Follikel. (Eier mit Doppelkeim s. pag. 96).
*) Bonnet nimmt fast ein Jahr an; jedoch können Tockelhündinnen schon, wie pag. 11 erwähnt wurde, mit sieben Monaten fruchtbar begattet worden. Die '/jiihl der Priinordiaioior schützt Heule beim Menschen auf ca. 36000.
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Diese Follikel (f. oopliori veBloulosl. ^oiuonel. auat.), schou dein blosseu Auge aufTälligo Bläsehen, heisseu Qraafsche Follikel nach Keg-nor de Graaf, wolcrfier sie /Avar nicht zuerst beschrieb, aber zuerst (de inulieriiiiiorgaiiisgeiierationiiiiservientil)usJ()7quot;2Mhre wahre Natur entdockte. Sie wurden zwar anfangs von ihm für die Eier selbst gehalten. Als er aber wirklich Eier in Tube bezw. Uterus vom Kaninchen fand, erkannte er au deren viel geringerer Grosse seinen Irrthum und detinirte nun die Follikel richtig als Kapseln der Eier. Im Follikel selbst liegend wurde das Ei aber erst 166 Jahre später durch von Haer angetroffen (im Ovarium des Hundes. De ovi mammalium et homiiiis geuesi epistola; Brief an die Petersburger Akademie 1827), Haer wird daher von Manchen auch als #9632; Entdecker des Säugethicreis angegeben.
Solcher Graafseher Follikel beherbergt ein Eierstock höchstens einige Hundert, aber in den veischicdendsten Grossen und Stadien. Die kleinen (noch unter 1 mm im Durchmesseri liegen tiefer im Stroma. Die grösseren werden mehr oval und drängen sieh, mit einem Pol voran, gegen die Keimplatte, d.h. denjenigen Theil der Oberfliiche des Eierstockes, welcher keinen serösen Ueberzug, sondern den Keimepitbelbelag trägt. Die Keimplatte nimmt bei den Hausthieren den freien Eand und den grössten Theil der SeitenHiiehen des Eierstockes ein; nur beim Pferd wird sie durch Zusainmenkii'nnimmg desselben auf den Boden einer tiefen Grube beschränkt, Da der Anstritt des Eies aus dem Eierstock aus-schliesslich an der Keimplatte erfolgen kann, so heisst diese auch Ovulationsfläche, beim Pferd passender Ovulationsgrube. Die unter Zunahme des Liquor sich vergrössernden Follikel wölben schliess-lich zum Theil die sich hier verdünnende Oberfläche des Eierstocks empor. Die Eierstöcke des Sclnveines sehen in Folge der vielen hervorragenden Follikel sogar mehr oder weniger brombeerartig aus. Die Follikel erreichen eine verschiedene Grosso; beim .Menschen werden sie nur bis 1,6mm gross; bei den grösseren Hausthieren weiden sie erbsen-, kirschen-bis welsobnnssgross (Frank, Anatomie) und müssen in solchen Fällen den beträchtlichsten Theil des Eierstockes einnehmen. Dieses wachsende Platzbedürfniss einzelner erklärt auch den gleichzeitigen Untergang anderer Kikeime bzw. anderer Follikel (s. oben).
Während des Waohsthums bildet sich an der theka folliculi eine Gefässschicht, mit Ausnahme des der Ovulationsfläche zugekehrten Poles; letztere gefässlose und schlechter ernährte Stelle verdünnt sich, entartet und wird damit zum Bersten geeignet, indem auch das Follikelepithcl sich lockert. Mit dem bei der Berstung des Follikels sich unter Druck ergiessenden, übrigens etwas sehlciinigen und klebrigen Liquor wird das
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Ei durch die auseiuandenveichendeu Zellen der Keimplatte au die freie Oberfläche des Eierstocks getrieben, woselbst es von den Pimbrien des Eileiters (siehe jiag. 75) in Empfang genommen wird.
Noch vor der Beratung des Eollikels im Zusammenhang mit deren Herannahen hat sich aber am Ei eine bedeutsame Wandelung vollzogen, indem es (auf dem Wege ungleicher Zelltheilung) zwei kleine Körper, die Polzellen, ausgestossen hat. Dadurch ist es zur befruclitungsfiihigen Geschlechtszelle (s. pag. 72), zum reifen Ei geworden (Eeifungsperiode) und verliisst als solches Follikel und Eierstock.
Schicksale des entleerten Follikels. Gelbe Körper.
lu der leeren zusammeufallenden Follikelhöhle befinden sich die lt;iraniilosazellen und Detritus, zwischen die sich Blut orgiesst (aus der geborstenen Qefässschicht der theka f.), bei Pferd und Schwein (nach Bonnet) reichlich, bei Fleischfressern und Wiederkäuern wenig (bei letzteren soll der Bluterguss nach Frank auch ganz fehlen). Die Theka faltet sich und treibt Gefässsprossen; weisse Blutkörperchen dringen eiu und es beginnt die Bildung eines Gewebes, dessen charakteristische Zellen bis 20 micra gross, grosskernig und gelb pigmentirt sind, deshalb Lutein-zeileu (luteus, goldgelb) heissen. Die ganze Masse ist anfangs mehr roth, später mehr gelb gefärbt und heisst deshalb corpus luteum. Als Eesidueu der Blutung bleiben oft Haematoidinkrystallc zurück. Die Granulosazelleu gehen fettig entartend zu Grunde. (Nach anderer Meinung sollen sie Jedoch die Lutei'nzollen liefern, was aber wenig annehmbar scheint.) Das neugebildete (Granulations-) Gewebe geht, unter Schwund bezw. Umwandlung der LuteTuzellen in gewöhnliches Narbenbindegewebe, samt der ursprünglichen Theka in das umgebende Stroma über, wobei aus dem corpus luteum ein weisslicher Knoten (corpus albi cans) wird, der oft schwärzlich pigmentirt ist (corpus nigricans), m.o.w. lange als einfache Narbe sichtbar bleibt und schliesslich ganz verschwindet.
Wenn der Ovulation keine Befruchtung bezw. Schwangerschaft folgt, so bleiben diese, dann als corpora lutea spuria bezeichneten, Gebilde klein und bilden sich bis zur nächsten Brunst in der Regel zurück. Hat aber eine Schwangorscliaft eingesetzt, während deren ein erneutos Ausreifen von Eiern im Eierstock nicht stattfindet (a. pag. 20), so entwickeln sich grosse corpora lutea vera, welche beim Schaf und Schwein reichlich erbsen-, beim Rind und Pferd kastaniengross werden (am grössten beim Pferd)) also fast die Grosse des ganzen Eierstocks erreichen. Diese bilden sich
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erst gegen oder nach dem Ende der Schwangerseliaf't zurück*) und ihre Narben bleiben jahrelang sichtbar. Beim Pferd soll die Rückbildung im siebenten Trächtigkeitsmonat erfolgen bezw. beginnen. Andererseits fand Frank grosse gelbe Körper auch bei einer nicht belegten Stute vier Wochen nach der Brunst und Hanns einen sehr grossen bei einer Kuh, welche vor acht Monaten zuletzt geboren hatte und nicht wieder befruchtet war. Mithin scheinen auch die corpora spuria bei Thieren sich mitunter stärker zu entwickeln.
Aussei diesen Resten entleerter Follikel trifft man auch die Ueber-bleibsel nicht zur Entleerung gelangter au, entweder als kleine Cysten oder zusammengefallen (Henle'sche Häute).
Zahl der bei einer Ovulation dehiscirten Eier.
Da sich nur soviel Junge entwickeln können, als reife Eier vorhanden waren (vgl. auch Befruchtung pag. 93), da ferner jedes befruchtete Ei normal auch in die Entwicklung eintritt und da durch eine fruchtbare Begattung auch alle in den Qeschlechtswogen vorhandenen reifen Eier befruchtet werden dürften, so wird der Anzahl der sich entwickelnden Jungen auch die Zahl der bei einer Ovulation hervorgebrachten Eier entsprechen, welche bei manchen Hausthieren (pag. 98) demnach gewöhnlich eine Vielzahl sein wird. Wenn ein Follikel zwei p]ier enthält, müssen sie natürlich gleichzeitig entleert werden. Andernfalls müssen bei Thieren, die mehrere Junge gebären, mehrere Follikel während einer Brunstperiode platzen. Die ausgestossenen (dehiscirten) Eier können dann einem oder beiden Eierstöcken entstammen. Bei Zwillingsgeburten fand Frank (Anatomie 1871, pag. 674) die entsprechenden gelben Körper bald in einem, bald in beiden Eierstöcken. Zu einer grösseren Zahl von Eiern (Schwein) dürften stets beide Ovarien ihr Theil liefern. (Vgl. auch pag. 94 u. 92.)
Letzter Anlass der Ovulation.
Die Frage, was nun schliesslich das Platzen bei einem hochgespannten Follikel mit reifem Ei herbeiführe, ist eine offene. Als letzte Veranlassung werden betrachtet der Bluterguss in den Follikel (der aber vielmehr erst als Folge der Berstung eintreten wird), Kontraktion im Ovarinm verstreuter Muskelzellen und eine gewissermassen stossweise letzte Zunahme des Liquor infolge stärkerer Blutfülle der Geschlechtsorgane. Beim Menschen ist auch ein erregender Ein-tluss der Begattung in Betracht gezogen, welcher sehr möglich, aber
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Vgl. n. d, Anm. zu Seite 21.
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jedenfalls nicht entscheidend ist, da die Ovulation auch beim Menschen ohne Begattung erfolgen kann und bei Thieren dies mindestens die Kegel sein wird.
Die ganze Frage erscheint jedoch unbedeutend, da es offenbar für dieses nothwendigo Ende eines langsam fortgeschrittenen Prozesses einer besonderen Erklärung nicht bedarf. Einmal muss eben schliesslich die stetige Zunahme des Liquor und sein immer mehr sich verstärkender Druck auf jene schwache Stolle der theka folliculi zum Platzen führen, auch wenn keinerlei andere momentane Einwirkung hinzukäme. In der Eigenart des Thieres begründet ist das Heranreifen einer gewissen Zahl von Eiern in bestimmten Perioden (Reiflingsperioden); während derselben nimmt .Menge und Spannung des liquor folliculi zu (Trans-sudation aus den Gefässen der theka\ Indem das fertige Ei gegen Knde der Ileifungsperiodo sich in das reife Ei umwandelt, mag es durch Ausstossung der Polzellen seine zellige Umgebung vielleicht irritiren; die Lockerung der Granulosa mindert jedenfalls weiter die Widerstandsfähigkeit des Follikels und sein schliessliches Bersten ist so die natürliche Folge seines allmählich entstandenen inneren Zustaiules. Das Bersten und der Austritt des Eies muss eine bedeutende Irritation der Umgebung, des ganzen Eierstocks bewirken und dieser primäre Keiz leitet erst eine Hyperaemie des ganzen Qeschlechtsapparates und die Erregung des Begattungstriebes ein. Dass auch für den Geschlechtstrieb jener Keiz und nicht die Hyperaemie der Begattungsorgane das Wesentliche ist, dürfte auch aus dem Auftreten krankhafter Brunst (s. Theil II) zu folgern sein, bei welcher keine Hyperaemie der Begattungsorgane, wohl aber Veränderungen des Eierstocks bestehen.
Es bedarf somit weder für die Ovulation noch für den Begattungstrieb einer einleitenden Hyperaemie des Geschiechtsapparates; die Hyperaemie und der Begattungstrieb können vielmehr angesehen werden als eine gleichzeitige Folge der Ovulation, die ihrerseits lediglich in der allmählich entstandenen Beschaffenheit der Graaf'schen Follikel begründet ist.
Allerdings giobt Bischoff an, dass beim Hunde die Dehiscirung der Eier erst gegen Ende der Brunst erfolge; an Kaninchen ist mehrfach der Austritt der Eier erst nach Zulassung des Coitus festgestellt worden. Ausserdem hat auch die Annahme etwas für sich, dass die Pimbrien (pag. 76) nicht erst beim Bersten des Follikels, sondern schon vorher hyperaemisch sind, um sich rechtzeitig dem Eierstock aufzulegen. Das sind andererseits die Umstände, welche dafür sprechen, dass Hyperaemie und Begattungstrieb der Ovulation kurz voraufgohen, anstatt ihr zu folgen.
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Allein auch das ändert nichts an dem Standpunkt, die Ursache aller Erscheinungen in dem Verhalten des Eies und des Follikels zu suchen. Nur würde dann nicht das Bersten des Follikels als der primäre Reiz anzusehen sein. Man müsste vielmehr annehmen, dass die steigende Ausdehnung des Follikels einen fortwährenden Reiz ausübt, dessen Wachsen schliesslich reflektorisch eine Kongestion nach dem Geschlechtsapparat herbeiführt (Pflüger). Diese würde dann ebensowohl die Brunst erzeugen, als auch den letzten Anstoss zum Bersten des Follikels geben.
In jedem Falle bleibt das Reifen des Eies und das Heranwachsen des Follikels der Vorgang, der alle anderen Erscheinungen beherrscht.
Zustand der übrigen Geschlechtstheile. Neben-Erscheinungen.
Die Erscheinungen, weche sich im Uebrigeu am (reschlechtsapparat bei der Brunst bemerklich machen, lassen sich im Wesentlichen alle auf eine erhöhte Blutfülle, eine Hyperaemie, zurückführen, die, wie oben erörtert, im Anschluss an die Ovulation entsteht. Ihre Wirkung ist vielseitig. Die Fimbrien, welche die Eierstoeksöffmmg des Eileiters umgeben, sollen nach Art eines Sehwellkörpers versteift werden und sich eben desluilb dem Eierstock zweckmässig auflegen. Die Scheiden-schleimhaut ist geröthet, Clitoris und Schumlippcn sind geschwollen. Die ganze (iebärmutterschleimhaut wird blutreich und geschwellt. Es führt dies zu einer sehr gesteigerten Schleimabsondernng, die einen AUSfluss aus den Geschlechtstheilen bedingt. Damit steht auch in Zusammenhang ein Nachlassen des Schlusses des Cervikalkanals, der mit Schleim gefüllt sein wird: bei den grossen Hausthieren ist die Durch-gängigkeit des Muttermundes manuell festgestellt, bei den kleinen ist sie ohne Weiteres anzunehmen. Dass bei der nllgemeinen Lockerkeit des Gefüges der Gebärmutterschleimhaut eine starke Blutfülle leicht zu kleinen Gefässzerreissungen führt, kann nicht auffallen. Diese verursachen bei den Hausthieren kleine Blutungen ins Schleimhautgewebe. Bei der Hündin der Regel nach, bisweilen bei der Kuh, selten auch (nach Bonnet) bei den Stuten finden solche Blutungen auch nach der Oberfläche hin statt und mischen sich dann der Sehleimabsonderung bei. Harms hat Blutstreifen in dem Ausfluss in Einzelfällen bei allen Hausthieren beobachtet.
Derselbe hat auch wellenartige Bewegungen des Uterus wahrgenommen, die aber wohl auf den durch das Eindringen der Hund bewirkten Reiz zu beziehen waren. Auch einige Fälle, wo mumifizirte Früchte während einer Brunst ausgestossen wurden (Frank), können wohl nicht beweisen,
Scluualtz, Oeschlochtsleben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2
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dass lioi letzterer gewölmlieh Utcruskontraktioneu eintreten, um so weniger, als kurz vor der Ausstossung jener Früchte eine Begattung stattgefunden hatte; letztere dürfte als Reiz gewirkt haben (s. auch pag. 46).
Aondorungen der Milch während der Brunst sind bei Hausthieren nachgewiesen (s. pag. 82i 'äS).
Eine wesentliche Brunsterscheiuung ist das Auftreten eines eigeu-thüinliclieu Geruches. Dass dieser Geruch auch bei den weiblichen Hausthieren besteht und das mäuuliche Thier aufzuregen vermag, zeigt des letzteren Eeuehmen gegenüber dem brünstigen Weibchen, z. B. das Beriechen der Schamoffnung. Für den Hengst empfiehlt allerdings Schwarznecker, das Beriechen der Geschlechtstheile etc. zu verhindern, weil dies unter Umständen das Gegentheil einer anregenden Wirkung habe, während Günther diesen Geruch als das wahre Stimulansquot; auch für den Hengst bezeichnet (vgl. pg. 18). Das Benehmen der Männchen zeigt aber auch, dass der Geruch dem Geuitalausfluss anhaften muss. Da die meisten Körperlaquo; flüssigkeitcu (auch der männliche Samen) einen bestimmten Geruch haben, so braucht daher die Produktion eines besonderen Brunst-Riechstoffes nicht angenoninien zu werden. Jedenfalls wird ein besonderer Geruch, der dem ganzen Körper des weiblichen Hausthieres anhaftete, dem inensch-lichen Geruchsorgan nicht bemerklich. Anders ist es bei den Wildthiereu, wo vielfach ein auch dem Menschen sehr auffälliger Geruch auftritt, der schon doshalb nicht allein dem Genitalausfluss anhaften kann, weil er auch den männlichen Thieren eigeuthümlich ist. Hier bewirkt die Brunst also die Produktion eines besonderen Riechstoffes, zu dessen Erzeugung manche Thiere eigene Drüsen besitzen, während bei anderen ein bestimmter Erzeuguugsort nicht nachgewiesen ist. Der Geruch ist für das gegenseitige Auffinden und Anlocken der Geschlechter von grösster Bedeutung und oft so stark, dass man z. B. einen Brunfthirsch auf 100 m riechen kann. Es handelt sich dabei nicht bloss um eine Hautausdünstung, sondern der Geruch haftet an allen Organen; selbst das Gehirn eines Brunfthirsches duftet so stark, dass sein Genuss unmöglich werden kann. Danach muss angenommen werden, dass der riechende Stoff im Blut cirkulirt. Etwas Aehnliches dürfte übrigens der eigenthümliche Geruch des Ziegenbockes, sowie der sogenannte urinöse Geruch sein, der häutig am Fleisch der Eber (besonders nach dem Kochen) bemerkbar wird.
Endlich darf nicht unerwähnt bleiben, dass der erwachte Geschlechtstrieb einen je nach dem Grade der Brunst merkbaren Einfluss auf das Benehmen der Thiere, überhaupt auf ihr Nervensystem ausübt. Es besteht im Allgemeinen eine erhöhte Reizbarkeit, die sich namentlich bei den empfindsamen Stuten zeigt. Der Appetit ist häufig unterdrückt. Die
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Tliiere geben ihrer Unruhe oft lauten Ausdruck, wobei die Stinnne eine charakteristische Veränderung zeigt, deren lockende Bedeutung dem Männchen wohl bekannt ist (vgl. im Uebrigen die Bemerkungen über die einzelnen Hausthierarten pag, 30 fF.).
Zusammenfassung,
Die Erscheinungen, welche die Brunst des Weibchens charakterisiren, sind mithin die Ovulatiou, die Hyperaemie der Genitalien, event, ein besonderer Eiechstoff, endlich der Begattungstrieb (s. auch Begattung, pag. 80) und sein Einfluss auf das Benehmen des Thieres.
Die Brunst tritt nur in bestimmten Zwischenräumen auf, weil in einer, jeder Thierart eigenthümlichen, gesetzmässigen Weise immer nur ein Ei bzw. eine gewisse Anzahl von Eiern gleichzeitig für eine Ovulatiou heranreift und hierzu einer bestimmten Zeit (Reifungsperiode) bedarf. Es wechseln mithin längere Ei-Rcifungsperioden mit den verhältnissmässig kurzen Ovulations- und Brunstzeiten regelmässig ab. (Darüber, dass die Zahl der produzirten Keime auf die Länge der Brunstzeit keinen Einfluss hat, vergl. die Anmerkung pag. 33.)
Beeinflussung. Ausbleiben, Erlöschen der Brunst.
Einfluss des Körperzustandes (vgl. pg. 3).
Das für die Thierart gesetzmässige Auftreten der Brunst zu bestimmten Zeiten kann gleichwohl Störungen und Verschiebungen erleiden. Es werden dies solche sein, welche zugleich den Reifungsprozess der Eier beeinflussen. Wie die Thätigkeit und das Gedeihen aller Organe, so ist auch der Eierstock sammt seinen Producten vom Gesammt-organismus abhängig. Von den örtlichen und allgemeinen krankhaften Zuständen, welche abnorme Brunst herbeiführen, ist liier nicht zu sprechen (s. Theil II. pag. 114), ebensowenig von der künstlichen *Beeinflussung der Brunst durch pharmazeutische Präparate, die übrigens auch garnicht eigentlich auf die Brunst im Ganzen, sondern nur auf eine ihrer Erscheinungen, den Begattuugstrieb, einwirken können, die Ovulatiou aber ganz unberührt lassen.
Aber jedenfalls wird eine Schwächung des Qesammtorganismus, namentlich eine Minderung des verfügbaren Stoffvorrathes, auch den Reifungsprozess der Eier verzögern bezw. zeitweilig verhindern, so dass die Reifungsperioden sich verlängern und die Brunstzeiten sich verschieben müssen.
Dies kann geschehen durch eine Hungerzeit und durch längere
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Krankheit, also Ermihrungsstörnugeu. Solche können bei den Haus-thieren die Brunst iinregeliniisBig machen uud dürften auch meist der Anlass der in Wildi)arkR bisweilen zu beobachtenden unregelmässigen Brunst einzelner Thiere sein, welche (oft nachweisbar) zur normalen Brunstzeit angeschossen oder sonst kränklich waren und dann nach der Genesung zu einer regelwidrigen Zeit nachträglich brunsten. Umgekehrt kann reichliche glicht mastige) Ernährung bei den Hausthiereu die Ausreifimg der Eier bezw. die rechtzeitige und möglichst frühe Wiederkehr der Brunst unterstützen. Dass überhaupt die Lebensweise einen Einfluss ausübt, zeigt auch der Unterschied zwischen Wild- und Hausthiereu (s. unten pag. 28), von denen letztere zum Theil kaum noch eine Brunstzeitregel erkennen lassen (Pferd, s. pag. 30).
Ausbleiben der Brunst beim tragenden Thier.
Dieselbe verzögernde Wirkung, welche eine mangelhafte Ernährung des Körpers überhaupt ausübt, wird aber auch herbeigeführt werden müssen durch einen ungewöhnlich hohen Stoft'verbrauch in dem an sich gesunden und wohlornährten Körper. Ein solcher ungewöhnlicher Stoff-verbrauch besteht bei der Schwangerschaft. Der im Uterus sich entwickelnde Foetus bedarf zu seiner Ernährung grosser Mengen Nährstoffe, die dem Blut der Mutter entnommen werden. Tragende Thiere magern ab und sind zu grossen Anstrengungen nicht fähig. Bei Milchthieren verringert sich die Milchproduktion in dem Masse, wie der Foetus wächst. Der ganze übrige Körper und seine Leistungen erfahren somit eine augenfällige Einschränkung und von dieser werden auch der Eierstock und die Eier betroffen. So ist es zu erklären, dass während der Schwangerschaft auch bei denjenisien Thiereu, welche sonst in kurzen Zwischenräumen brünstig werden, die Brunst ausbleibt, weil keine Eier heranreifen bezw. weil die Dauer der Heifungspeiiode über die ganze Zeit der Schwangerschaft hin verzögert wird.
Dass der StofTverbniucli des Foetus und eine das Ovarium treffende Stoft'schmälerung die einzige oder hauptsächlichste Ursache für das Ausbleiben der Ovnlation und Brunst ist, dafür sprechen auch die Aus-uahinen von dieser Kegel. Fw ist nämlich bei Stuten öfter beobachtet, dass sie, obwohl schon befruchtet, doch noch brünstig wurden*); bei tragenden Kühen wiederholt sicli nicht selten die Brunst noch bis zum vierten oder fünften Monat der Triichtigkeit und dass nach der Befruch-
*) Man hat (las BrUnstlgwerdeu wählend der Trächtigkoit als At'tcr-brunstquot; bezeichnet, -- ohne (iruncl, denn diese Brunst unterscheidet sich in nichts von demjenigen heim nicht tragenden Thiere.
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tuug wenigstens noch die niichstfolgende Brunst iiuftritt, ist häutig genug. Es betreffen aber diese Ausnahmen, wie man sieht, niemals die letzte Tragezeit, sondern deren erste Hälfte und am häutigsten den Anfang, wo der Stoft'verbrauch des Foetus sich noch nicht entfernt vergleichen liisst mit dem starken Eedarf der m. o. w. ausgewachsenen Frucht.
Es ist also der blosse Eintritt einer Befruchtung und das Keimen eines Foetus in der Gebärmutter an sich nicht der entscheidende Grund für den Stillstand der heranreifenden Eier.
Da vielmehr die Brunst nur durch deu schon herangewachsenen Foetus sicher verhindert wird, beim Vorhandenseiu eines jungen Foetus aber noch oft genug sich einstellt, so ist das Ausbleiben der Brunst mit dem fortschreitenden Wachsthum des Foetus in Zusammenhang zu bringen. Meistens verhindert schon der erst wenige Wochen alte Foetus eine wiederholte Ovulation (d. h. es bleibt schon die nächstfolgende Brunst aus), häutig genug jedoch bewirkt er dies erst, wenn er grosser geworden ist. Dass aber das Grösserwerden des Foetus nur mittelbar durch die dem Körper zugefügte Stoffentziehung auf das Ovarium wirken kann, kann nicht zweifelhaft sein*).
Damit stimmt auch ein anderer Anluss des Nichtbriinstigwerdens überein. Es genügt bei gewissen Thieren nämlich schon der durch das Säugen der Jungen für den Körper entstehende Stoffverlust, um die Brunst (Ovulation) zu verhindern. So werden Sauen In der Eegel während des Säugens nicht brünstig; auch bei Stuten verzögert sich die Braust dabei oft monatelang (vgl. pag. 30), bei Schafen ebenfalls einige Zeit; ebenso unterbleibt dann übrigens auch die Menstruation (vgl. pag. 37, Anm.) beim menschlichen Weibe.
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*) Hiernach dürfte aber dio Annalimo nicht zutreffen, dass die golbon Körper während der Schwangerschaft deswegen gross würden, weil in dieser Zeit der gosammto Genitalappamt, also auch der Eierstock, mehr Blut bekomme. Wäre Letztores der Fall, so wäre gar nicht einzusehen, wie zugleich ein Stilb stand in der Ausbildung der Eier ointroten könnte. Wenn die schwangere Gobärniutter viel Blut braucht, und u. A. desslialb der Uobärniuttorast der innoron Samonartorie mehr Blut führt und erweitert ist, so muss nicht zugleich beim Biorstocksast dasselbe der Fall sein; eher violloicht das Gcgon-thoil. Dio Erklärung für das verschiedene Wachsthnni der Corpora lutca (vgl. pag. 14) beim tragenden und beim nicht tragenden Thior dürfte nicht auf einer Aonderung der Blutzufuhr des Eierstocks, sondern darauf basiren, ob in der Nachbarschaft des geplatzten Follikols bezw. dos corpus lutouiu andere Follikel ihrer lleifung entgegengehen odor nicht. Reifen dort von Neuem Eier undlMlikel heran, so beanspruchen diese so Kaum als Blutzufuhr (Gofässschicht der theka folliculi) und das corpus 1. bleibt klein. Sind solche Follikel nicht vorhanden , so gehört dem corpus 1. das Feld allein und daher wird es während der Schwangerschaft grOsser,
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Die immerhin mögliche Auuahme endlich, dass zwar die ausseren Brunsterscheiaungeu ausbleiben, die Ovulation sich aber dennoch vollziehen könnte, ist doppelt zu widerlegen. Denn Ovulation und Brunst sind zu innig verknüpft, als dass erstere ohne letztere auftreten könnte; auch müssten dann z. B. bei Kühen mit ihren häufigen Ovulationsperioden nach dem Gebären eine entsprechend grössere Anzahl grosser gelber Körper im Eierstock gefundeu werden, was nicht der Fall ist.
Des Alters-Erlöschen der Brunst (cessatio libldlnis). Aufhören der Zeugungsfähigkeit.
Da die Produktion des Eierstocks von einer kürzeren Dauer ist, als die Lebensfähigkeit des Körpers im Allgemeinen, so muss in einer gewissen Lebenszeit die Ovulation aufhören; mit ihr beim weiblichen Thier auch der Begattungstrieb,*) weil er an jene geknüpft ist. Umgekehrt wird man aus dem endgültigen Ausbleiben der Brunst auf die Erschöpfung des Eierstocks schliessen müssen. Die Erzeugungsfäliigkcit des weiblichen Thieres ist dann übrigens schon deshalb sicher ausgeschlossen, weil ohne Brunst keine Begattung mehr zugelassen wird.
Von unseren Hausthieren werden die meisten nicht bis in jenes Alter lebend erhalten und noch weniger so lange zur Zucht benutzt, so dass das Erlöschen der Brunst nicht beobachtet werden kann oder, weil bedeutungslos geworden, unbeachtet bleibt. Für die Aufstellung einer sicheren Kegel genügen daher die gemachten Beobachtungen nicht ganz.
Beim Pferde, dessen gewöhnliche Altersgrenze bei angemessener Lebensweise auf ca. 30 Jahre angenommen werden kann, obwohl es JD Jahre und darüber leben kann, erhält sich die Zeugungsfähigkeit der edlen Stuten durchschnittlich 20 Lebensjahre, also verhältnissmässig recht lange: bei gemeinen und schweren, früher reifen Schlägen 1518 Jahre. Schwarznecker nennt mehrere Beispiele, wo 21 und 22 Jahre alte Stuten vorzügliche Füllen brachten. Die Zuchtbrauchbarkeit der Hengste dauert etwa ebenso lange, doch sind 2420jälirige, selbst mehr als 30jährige zeugungsfähige Hengste nicht gerade selten, wenigstens unter den edlen Schlägen. (Iraf Lehndorff führt allein (iO Vollblüter und erstklassige Rennpferde an, welche mit mehr als 25 Jahren noch deckten; darunter hatten 6 das 30., einer (ein Derby-Sieger) das 33. Lebensjahr erreicht. Die kaltblütigen Hengste vorsagen jedoch erheblich früher, meist schon mit 1011 Jahren.
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*) Vgl. pag. 25, Anm.; bozügl. d. Menschen vgl. pag. 5.
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Dass auch Kühe sehr lange zeugungsfähig bleiben können, lehren einige in Werner's Rindorzuchf4 mitgetheilte Fälle. Eine englische Kuh (Polled Angus) wurde Sö1/^ Jahr alt und brachte 25 Kälber, d^is letzte mit 80 Jahren; eine andere hatte es mit 24 Jahren auf 19 Kälber gebracht. Die erreichbare Regel sind 1012, höchstens 15 Kälber, was einem Lebensalter von 1218 Jahren entspricht, obwohl man auch so lange nur selten noch eine Kuh zur Zucht verwenden dürfte. Bullen bleiben höchstens 10 Jahre zum Sprung fähig und werden meist höchstens halb so lauge verwendet, wofür jedoch noch andere Gründe, als die Zeugungsfälligkeit, massgebend sind.
Ziegen werden, wenn gute Milchthiere, oft möglichst lange zur Zucht verwendet. Lenz theilt (in seiner das Leben des einheimischen Wildes und derHausthiere trefflich behandehulenNaturgeschichte) dreiFällo mit, wo Ziegen bis zum 20., 17. und 13. Jahre Milch gaben, also auch entsprechend lange gelammt hatten. Die gewöhnliche Grenze dürfte danach nicht über 12 Jahre hinausreichen.
Die Schafe, deren Altersgrenze auf 14 Jahre angegeben wird, verlieren schon mit dem '.raquo;. und 10. Jahre die Zähne. Ihre Zuchtverwendung und wohl auch ihre Zeuguugsfähigkeit erstreckt sich also keinesfalls über das 8. Lebensjahr hinaus.
Bei Schweinen, denen nach ihrer Nutzung nur eine verhältniss-mässig kurze Lebensdauer zugemessen bleibt, die aber sicher mindestens 18 Jahre*) alt werden können, ist die Grenze der Zeugungsfähigkeit wohl überhaupt nicht ermittelt, da sie im Allgemeinen nicht älter als 1 bis 5jährig zur Zucht verwendet werden; doch können die Sauen spätreifer Rassen jedenfalls noch einige Jahre länger ferkeln.
Hunde altern der Regeln nach früh, schon mit 12 Jahren, obwohl Brehm seltene Ausnahmefälle von 20 und 30 Lebensjahren anführt. Ihre Fortpflanzungsfälligkeit dürfte im Allgemeinen 10 Jahre anhalten; ehenso lange bei Katzen, welche 15 bis 20 Jahre alt werden.
Im Allgemeinen erlischt, wie schon oben (pag. 8) hervorgehoben wurde, die Zeugungsfähigkeit und der Begattungstrieb bei den frühreifen Rassen (uuverhältnissmässig viel) früher als bei den spätreifen. Es gilt dies besonders von den frühreifen Schlachtthieren, bei denen der Geschlechtstrieb sich überhaupt nicht so stark äussert und überdies die frühzeitige Neigung zur Fettbildung der Verwendbarkeit zur Zucht häutig ein vorzeitiges Ende bereitet.
[Künstliche Verhinderung des Begattungstriebes s. pag. üK.|
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*) Gerlach z. B. erhielt ein trichinöses Versuohssohwein so lange am Leben; das Wildschwein wird bis ;)0 Jahr alt.
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Brunstperioden bei den Wildthieren.
Jahreszeiten.
Bei uusercu eiuheiniiseheu Wildthieren tritt die Brunst, hier im allgemeinen Brunft genannt, mit typischer Regelmässigkeit in einer bestimmten Jahreszeit ein. Qb brunfteu: die Elchhirsche Ende August und September, das norwegische Wildrenn Ende September und Oktober (das rtoinesticirte einen Monat früher), der Edelhirsch Mitte September bis Mitte Oktober, der Dammhirsch von Mitte Oktober ab 34 Tage, das Roh von Mitte Juli ab und im August, das Wildschwein von Ende November ab -i bis 6 Wochen lang, Wölfe im Januar, die Füchse von Mitte Februar ab einige Wochen (das Brünften heisst hier ranzen oder rollen, beim Weibchen rennen), die Wildkatzen im Februar. Die Bammelzeit des Hasen beginnt im März, unter günstigen Verhältnissen schon im Februar, und da die Häsin 30 Tage trügt und viermal, zuletzt im August, wirft, so hat sie innerhalb des ersten Halbjahres eine viermalige Brunstzeit.
Verlauf der Brunst (vgl. auch pg. 40, 47 u. 42, Anm,).
Die Brunst erzeugt bei den Männchen auffälligere Brreguugr,-erscheinungen als bei den Weibchen, namentlich grosse Kampflust. Es wird eine solche vielfach schon vor Beginn der eigentlichen Brunstzeit bemerkbar, doch kann man dies als ein aus der Erinnerung abgeleitetes Ahnen von der Bedeutung der herannahenden Zeit erklären.*) Das Bestimmende für die Brunst beider Geschlechter ist jedenfalls der Eintritt der Brunstperiode bei den weiblichen Thieren. Dass von dieser die Brunst der Männchen abhängig ist, geht aus dem schon oben (pag. 2) erörterten Umstand hervor, dass Weibchen, die zu unrechter Zeit brunfteu, sofort auch die Brunft der Männchen erregen, weshalb man z. B. bei Hirschen und Rehen solche Thiere abzuschiessen versucht, damit nicht die Regelmässigkeit der Brunft überhaupt in Gefahr geräth. Es wurde ebenfalls bereits erwähnt, dass, wo solche Unregelmässigkeiten der weiblichen Brunst vorkommen, sie lediglich durch den besonderen Körper-zustaud des Weibchens zur Zeit der typischen Brunstperiode bewirkt werden und nicht eine individuelle Ausnahme von der allgemeinen Regel bedeuten dürften.
Es könnte die Frage entstehen, ob die Brunst, im Falle sie unbefriedigt blieb oder keine Befruchtung zur Folge hatte, sich auch bei
*) Hieraus würde sich auch erklären, wenn in der Gofangonschaft ohuo weibliche Gesellschaft gehaltene Hirsche doch (vgl. pag. '2) zu regelmässiger Zeit Innnftoten, worühor mir nichts bekannt ist.
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Wild liiiufiger wiederholen würde (wie bei Hausthiereu s. unten). Beobachtungen, welche hierfür sprächen, sind jedoch nicht gemacht, weder an den in der Gefangenschaft gehaltenen, noch an den bei Hirschen und Eehen nicht allzu seltenen gelten, d. h. unfruchtbaren, aber gleichwohl brunften-deu Weibchen.*) Audi tritt beim Wilde ja nicht, wie bei vielen Haus-thieren, die neue Brunst alsbald nach dem Gebären auf, sondern zwischen dieser und der neuen Brunstperiode vergehen bei manchen Arten Monate. Hieraus ergiebt sich unzweifelhaft, dass die weiblichen Wildthiere nur je eine Brunstzeit im Jahre haben (von der Häsin abgesehen), ganz unabhängig davon, ob während derselben Befriedigung und Befruchtung erfolgt. Die obigen Angaben zeigen ferner, dass die Brunft bei fast allen Arten sich innerhalb mehrerer Wochen äussert. Ob nun beim einzelnen weibliehen Individuum die Brunst die ganze Zeit über dauert, ist fraglich. Es ist wohl anzunehmen, dass nicht alle Weibchen gleichzeitig brunftig werden, dass daher geraume Zeit hindurch immor neue in die Brunst eintreten und andere wieder aufhören, während die geschlechtliche Erregung der Männchen sich erst legt, wenn das letzte Weibchen in ihrem Gesichtskreis sich nicht mehr begatten lässt. Jedenfalls aber dauert die Brunst des weiblichen Wildes im Allgemeinen ziemlich lange und hört beim Weibchen keineswegs mit einer erfolgten Begattung auf. Vielmehr ist das weibliche Geschlecht während dieser Zeit in der Befriedigung kaum weniger unmässig als die Männchen, die allerdings durchschnittlich in der Wiederholung der Begattung zum Theil fast Unglaubliches leisten, Die Beschränkung der Brunst auf eine kurze Zeit Im Jahre hat also den Erfolg einer Mässigung des Geschlechtsgcnusses durchaus nicht.
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Bedeutung und Ursache der Beschränkung der Brunst auf bestimmte Jahreszeiten.
Die Beschränkung der Brunst auf eine bestimmte kurze Jahreszeit ist aber von einer entscheidenden Bedeutung für die Erhaltung der Art.
*) Diese Bioken sind meist alt, und obwohl der Unfruchtbarkeit verschiedene Zustände zu Grunde liegen können, so werden unter ihnen auch solche sein, bei denen einfache Altersunfruohtbarkcit vorliegt. Die Jäger schiessen alle gelten Kicken ab, in der auf Erfahrung gestützten Meinung, dass an diesen gerade die jungen Böcke nutzlos ihre Kraft vergeuden, weil sie hier keinerlei Schwierigkeiten begegnen. Man könnte daraus folgern, class alte weibliche Rehe, bei denen koine Ovulation mein' stattfindet, doch aus alter Gewohnheit zur Brunftsaison (eventuell, wie behauptet wird, auch zu andrer Zeit) die Begattung noch zulassen (vgl. pag. 81 oben u. pag. ;iü). Jedoch ist nicht festgestellt, ob wirklich alle gelten Kicken, also auch altersunfruchtbare, den Bock noch annehmen.
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Denn von der Paarungszeit ist in Folge der festbegrenzten Trächtigkeits-dauer die Zeit des Gebarens abhängig. Die letztere fällt mm bei allen Thieren in den Frühsomnier, April bis Juni, wo die jungen Thiere die günstigsten Bedingungen für ihre Erhaltung, reichliche Nahrung und mildes Wetter, finden und so die Zeit gewinnen, heranzuwachsen, bevor die nächste Nothzeit, der Winter, heraukommt. Von diesem Umstand ist geradezu die Erhaltimg unserer einheimischen Wildarten abhängig. Zu unrechter Zeit gesetzte Thiere gehen zu Grunde (daher die pg. 21 erwähnte Sorge der Jäger um Ausmerzung zufälliger Brunstunregel-mässigkeiten; vgl. pag, 2, unten und pag. 20, oben).
Nun bedarf es zwar keiner besonderen Erklärung, warum bei den Wild-thieren (vom Hasen abgesehen) nur einmal im Jahre eine Ovulation eintritt, denn die Länge der Perioden, innerhalb deren Eier heranreifen, ist eben eine Eigenthümlichkeit jeder Thierart. Aber dafür möchte man doch nach besonderen Gründen suchen, dass die Ovulation bei allen Individuen einer Art ungefähr gleichzeitig und stets in einer bestimmten Zeit des Jahres eintritt. Es läge nun allerdings die Annahme am nächsten, dass eben diese Jahreszeit durch ihre besonders günstigen Verhältnisse die Brunst herbeiführe. Ein Blick auf die Brunstzeiten zeigt jedoch, dass diese Erklärung nicht stichhaltig sein kann.
Denn nur wenig Arten brunfteu in der klimatisch günstigen Zeit, keine (vom Hasen abgesehen) sogar in dem eigentlichen Frühling, den man so gern und wie man gerade beim Wilde sieht, so sehr mtt Unrecht als allgemeinen Erwecker auch des Geschlechtslebens (Frühlingsgefühle) ansielit.
Das Reh brunftet im Sommer, die Hirsche in dem manchmal schon recht rauhen Spätherbst, wobei sie durch laues Wetter sogar träge gemacht werden, das Wildschwein bis in den eigentlichen Winter hinein und das Raubzeug mitten im Winter. Einen Einfiuss günstiger Witterung wird man somit nicht annehmen können. Eine gewisse Bedeutung der Ernährung kann man zugeben, insofern bei keinem Thier die Brunftzeit in die Hungerperlode des Jahres fällt. Hase und Reh findet in jener Zeit gute Aesung, der Hirsch hat sich vor der Brunft in feiste Kondition gebracht und für das Raubzeug ist der Winter keineswegs die ganz schlechte Zeit, weil ihm grade im Schnee viel Wild zum Opfer fällt. Die Beziehung zur Nahrung allein tritt jedoch nicht deutlich genug hervor, würde allein auch viel breitere Schwankungen gestatten.
Die typische Ausbildung einer eugbegrenzten Jahreszeit zur Brunstzeit einer Thierart kann vielmehr nur mit der
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Zuchtwalil derNatur erklärt werden. Nur diejenigen Jungen können sich nämlich schliesslich regelmässig erhalten, welche so geboren werden, dass sie resp. die säugenden Mütter reichlich Nahrung finden und dass sie bis zum Einbruch der rauhen Jahreszeit eine ganz bestimmte Widerstandsfähigkeit und Kraft erlangt haben. Schon einmouatliche Verspätung der Geburt müsste in letzterer Hinsicht verderblich wirken. Vom Zeitpunkt der Geburt wird natürlich auch der Zeitpunkt der Geschlechtsreife des jungen Thieres selbst abhängen; (seine erste Brunst wird dabei zeitlich der der Mutter nahe kommen). So werden allmählich diejenigen Thiere, welche zu ungünstigerZeit geboren wurden, ganz ausgemerzt worden sein; die zu gleicher, günstiger Zeit geborenen Thiere dagegen haben auch Im Zeitpunkt der Geschlechtsreife, d. h. ihrer ersten Brunst, Ueberein-stimraung gewonnen und auf diesem Wege (vielleicht auch unter Antheil-nahme der Vererbung) ist endlich die Beschränkung der Brunst auf eine bestimmte Jahreszeit Stammeseigenthümlichkeit geworden. Nicht die Bru nftzeit ist also durch äussere Einflüsse festgelegt worden, sondern die Geburtszeit, nach der sich die erste Bruuftzeit des jugendlichen AVeibchens und damit alle folgenden richten.
Dabei ist auch folgende Thatsache bemerkenswerth. Beim Reh erfolgt die Brunft schon im August, das Gebären gleichwohl erst im nächsten Mai, indem das Ei (nach Bischoff u. Anderen) erst in den letzten 21 Wochen die eigentliche Entwickelung durchmacht, bis in den Dezember jedoch in einem gewissen Ruhestand bleibt. Wenn jedoch, was bei Rehen wohl noch am häufigsten beobachtet wird, eine Ricke unregelmässig (Oktober und November) brunftet, so kann (nach Brehm) das Gebären gleichwohl noch rechtzeitig erfolgen; es wird demnach jene Stillstandszeit einfach verkürzt; freilich kommen auch unzeitige Setzlinge vor.
Eine eigenthümliche und sehr interessante Beobachtung ist an den in den Waldungen des Fürsten Pless in Schlesien gehaltenen, aus Russland (Binlowicz) stammenden Auerochsen zu machen. Diese brunften ohne jede Regel in verschiedenen Zwischenräumen während des ganzen Jahres und es gehen viele der in Folge dessen im Winter geborenen Kälber zu Grunde. Da die Auerochsen im Urwald von Bialowicz diese Eigenthümlichkeit nicht zeigen, sondern nach Brehm nur im August oder September brunften, so müssen die unmittelbar aus jenem Stamm entnommenen Plesser Thiere eine Veränderung erlitten haben. Da sie zwar im freien Walde, jedoch so gehegt werden (Fütterung etc.), dass man im Vergleich zum Urwaldleben von einer Art von Domestikation sprechen kann, so entsteht von selbst die Frage, ob diese Häufung und Verwirrung der stammeseigenthiimlichen Brunst eine Wirkung jener
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theihveisou Domestikation sei. Es wirft diese interessaute Thatsache ein Streiflicht auf den BinflttSS, ilen verbesserte Körperpflege auf das Ge-schlechtslebeu ausüben kanu, und auf die Umstände, aus denen man das häufigere Auftreten der Brunst bei den Hausthieren im Gegensatz zu den wilden, ihnen grosscntheils ähnlichen und sogar stammverwandten Thieren zu erklären haben wird.
Die Brunstzeiten und Brunstzeichen bei den Hausthieren.
Allgemeines (vgl. auch Begattung pag. 39 41).
Auch wenn die Darlegung sich im Wesentlichen nur auf die Haus-siiugethiere beziehen soll, kann das klare Bild der Eigenthümlichkeiten des Geschlechtslebens der Säugethicre doch nur durch vergleichende Beobachtung am Wild gewonnen werden, weil das Leben der Hausthiere durch die Domestikation vielfach in höchstem Maasse künstlich be-einflusst erscheint und überdies gerade die Entfaltung der Geschlechts-thätigkeit vom Willen des Züchters abhängig ist.
Ein Vergleich mit dem Wilde lässt folgende Abweichungen erkennen: Erstens tritt die Brunst bei den Hausthieren durchweg häufiger, meist in kurzen Perioden (vergl. auch Anm. pag. 29u. 33) auf; zweitens ist der Zusammenhang mit einer bestimmten Jahreszeit locker oder garnicht vorhanden. Wenn vielfach eine grösserc Regelmässigkeit und Deutlichkeit der Brunst im Frühjahr und Herbst behauptet wird und auch thatsächlich theilweise hervortritt (vgl. pag. 30), so darf man dabei nicht übersehen, dass die Gewohnheit der Besitzer, die Brunst gerade in gewissen Jahreszeiten zur Begattung benutzen zu lassen, einen Einfluss ausüben muss. Wenn z. B. Zuchtstuten regelmässig im Frühjahr gedeckt werden, so können sie natürlich wegen der Trächtigkeit im ganzen übrigen Jahr nicht brünstig werden; die Brunst wiederholt sich erst nach der Geburt, d. h. wieder im nächsten Frühjahr. Deshalb ist aber das Frühjahr noch nicht die typische Brunstzeit (vgl. auch pag. 102 oben). Nicht gedeckte Stuten verhalten sich ganz anders. Die Angabe, dass die Hausthiere eine Frühjahrs- und Herbstbrunstperiode hätten, ist jedenfalls einfach unrichtig.
Die factische Unabhängigkeit von der Jahreszeit wird leicht verständlich dadurch, dass die Lebensweise der Thiere selbst, sowie das Gedeihen der Nachzucht von der Jahreszeit unabhängig gemacht sind. Das häufigere Auftreten der Brunst aber ist zu begründen mit der im Vergleich mit dem Wilde doch sehr viel besseren Lebensweise der Haus-
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thiere. Wenn auch mauchmal spärlich, so werden die Hausthiere doch regelmässig ernährt, während das Wild lange Zeiten im Jahr dem Hunger und vor Allem schutzlos der Kälte ausgesetzt ist, deren zehrende Wirkung ja experimentell erwiesen ist. Eine vielleicht nicht naturgemässe Lebensweise vieler Hausthiere (Stallhaltung) wird meist gerade durch reichlichste Ernährung ausgeglichen.*) Der reichlichere und regelmässigere Stoffhaushalt des Körpers ist also die Quelle häufigerer Brunst, d. h. rascheren Ausreifeus von Eiern bei den weiblichen Hausthiereu (vgl. pg. Jl.).)**1
Denn darin bestellt zwischen Wild und Hausthier Uebereiustimmung, dass die Ovulation der essentielle Vorgang bei der Brunst ist. Die nur in Ausnahmefällen ausbleibende Befruchtung zeigt, dass in der Brunst reife Eier vorhanden sein müssen. Dass die Stuten häutige Ab-weichuiigon von dieser Kegel zeigen, ist pg. 11, bzw. 49, Anm. und 101) besprochen.
Im Allgemeinen sind bei den Hausthiereu die einzelnen Brunstperioden von kurzer Dauer. Es liegt dies wohl daran, dass eine Begattung entweder überhaupt nicht oder eben nur soweit, als für den Zweck noth-wendig, vorgenommen wird und daher der mit der Ovulation erwachte Trieb bald von selbst einschläft, während er beim Wild durch die häutig wiederholten Begattungsreize immer von Neuem aufgestachelt wird. Denn die Befriedigungdes Begattuiigstriehes wirkt wohl vorübergehend beruhigend, erhält dagegen im Allgemeinen die Keizempfänglichkeit wach. Mit Recht glauben daher auch die Züchter, dass eine häufige und fortgesetzte Nicht-benutzung der Brunst die Regsamkeit des Geschlechtstriebes schliesslich überhaupt benachtheilige. Jedenfalls darf man nicht etwa glauben, dass das Unterbleiben der Begattung der Aulass zu der bei manchen Haus-thieren verhältuissmässig raschen Wiederholung der Brunst sei. Die Brunst wiederholt sich auch ganz ebenso, wenn die Begattung stattgefunden, aber keine Befruchtung bewirkt hatte.
Selbstverständlich bleibt nach Vollzug einer fruchtbaren Begattung die Brunst für die Dauer der Schwangerschaft in der Regel aus, nicht
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*) Der Stalllialtiin^' gewisser Hausthiere cntsprloht das Stubonloben dos Monschon. Mit Kocht macht Graf [vülmdorrt' darauf aufmerksam, dass in gowisson Ständen, wo die Mftnner zu einer sitzenden Lebenswelsequot; vorurtheilt sind, der KiiuloiToichthuin ein grosser ist. Daraus kann man schliesson, dass aueli die Stallhaltung das Geschlechtsleben keineswegs benaohthelUgt.
**) Unter den Haustiiieron zeigen die Fleischfresser die Brunst am wenigsten häullg, zugleich ein Beweis, dass die Loibosgriisse der Thierart für die Zahl der Rrunstperiodon nicht bestinnnond ist.
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wegen geschehener Eefriodiguug des Geschlechtstriebes, sondern wegeu des sich entwickelndcu Foetus, wie oben (vgl. pag. 20) erörtert worden ist. Die regelmüssige Häufigkeit der Brunst kann man daher nur am iiichtträchtigen Thier beobachten.
Bezüglich der niiiunlichcn Hausthiere ist mir zu bemerken, dass sie bei jeder Gelegenheit in geschlechtliche Aufregung geratlien können und daher von einer zeitlich begrenzten Brunst bei ihnen nicht gesprochen werden kann. (Der Oruncl ist jmg. 2 und 5 erörtert worden.)
Brunst bei den einzelnen Thierarten.
Stute.
Bei der Stute heisst die Brunst Rossen oder Rossigkeit. Sie tritt häufig, jedoch in weniger regelmässigen Zwischenräumen als bei anderen Hausthieren auf (vgl. das bei Befruchtung Gesagte pag. 100). Nach übereinstimmenden Angaben folgt eine Brunst der vorhergegangenen in etwa 84 Wochen; nach den genaueren Beobachtungen Graf Lehn-dorffs ist die Zahl der Tage zwischen zwei Brunstperioden meist durch 71/28 theilbar uud beträgt normal höchstens das Vierfache dieses Divisors. Oft jedoch vergehen 34 Monate, ehe die Stute wieder rosst: bei anderen besteht wochenlang eine kontinuirliche Rossigkeit. Im März, April und Mai pfiegt die Rossigkeit sich am heftigsten zu äussern (was mit der Haltung der Thiere zusammenhängen mag, vgl. pag. 28, Abs. 2), ohne jedoch zu irgend einer Jahreszeit ausgeschlossen zu sein (vgl. pg. 102 oben). Dass die wilden Pferde nur einmal jährlich (dann jedenfalls im Frühjahr) rossen, ist wahrachoinlich.
Von den Züchtern wird rcgelmässiges Rossen gern gesehen aus wirthschaftlichen Gründen, jedoch in der Regel eine Im Frühjahr auftretende Rossigkeit benutzt, um die Stute decken zu lassen. (Das Gebären fällt dann in das nächste Frühjahr.1) Nach Beginn der Trächtigkeit bleibt die Rossigkeit in der Regel, jedoch nicht immer sogleich, aus. Nach erfolgter Geburt nehmen die Stuten bis zum 9. Tage nachher den Hengst an, sind demnach als rossig zu bezeichnen und werden am besten gleich (vom fünften Tage nach der Geburt ab) wieder belegt, selbst wenn sie keine ausgeprägten Erscheinungen der Rossigkeit zeigen, und nöthigenfalls halb gezwungen (Schwarznecker). Dies geschieht, weil bei der säugenden Stute später oft monatelang keine neue Rossigkeit eintritt (d. h. das Belegen dann unmöglich bleibt, s. pag. 21).
Die durchnittliche Dauer der Rossigkeit beträgt ca. 8 Tage, doch ist dies nach Lehndorff individuell sehr verschieden. Säugende Stuten rossen gewöhnlich kürzere Zeit; nach dem Belegen verringert sich die Rossigkeit bald und hört mit dem vierten bis fünften Tage danach sicher auf.
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Die Erscheinungen der Rossigkeit siud sehr verschieden. Kaltblütige Stuten rossen weniger deutlich und andererseits kommt es vor, dass sie sich, ohne rossig zu sein, aus Phlegma den Sprung des Hengstes gefallen lassen (vgl. pag; 89), Die warmblütigen Stuten sind erregter und manche zeigen fast krankhafte (hysterische) Brunst und förmliche Un-hesinnlichkeit (Mutterkoller). Gewöhnlich siud die Stuten kitzlig, stellen sich jedocli auch wollüstig unter der Berührung, quietschen, wiehern andern Pferden zu, gehen unter dem Eeiter nicht wie gewöhnlich, neigen zu allerlei Widersetzlichkeiten, spreizen die Hinterbeine, öffnen und schliessen die Schamlippen, so dass der Kitzler hervortritt (Blinken) und spritzen häufig stossweise Schleim aus, uriniren auch öfter. Die Scham-öftnung ist lebhaft gerüthet und leicht geschwellt; ein eigentlicher kon-tinuirlicher Ausfluss besteht selten. Der Verschluss des Muttermundes liisst bei der Stute soweit nach, dass man mit einem, allenfalls mit mehreren, keilförmig zusainmengelegtcn, Fingern einzudringen vermag. Häufig siud die Erscheinungen so wenig ausgeprägt, dass sich die Rossigkeit überhaupt nicht sicher erkennen lässt. Es bleibt dann nur der Versuch übrig, ob die Stute den Hengst annimmt. Zu diesem Probirgeschäft hat man in Gestüten besondere Hengste, die bloss den Strohmann spielen. Junge Stuten wehren sich bisweilen zunächst, obwohl sie rossen. Von Natur kitzlige Stuten andrerseits benehmen sich dem Hengst gegenüber wie rossig, ohne es zu sein und ohne den Hengst anzunehmen; diese sog. falsche Rossigkeit ist kenntlich an der Trockenheit und fehlenden Röthung der Scham. (Vgl. auch das Kapitel: Begattung, pag. ;i9 u. 11.)
Rind.
Die Brunst heisst: Rindernquot;, stellt sich normal alle 34 Wochen, oft genug aber auch nur alle 6 bis 8 Wochen ein, bleibt bei Beginn der Triichtigkeit in der Regel sogleich aus, manchmal aber in den ersten (sogar bis 4) Monaten noch nicht, tritt etwa 3 Wochen nach dem Kalben von Neuem auf und dauert 24 bis 48 Stunden. Bei manchen Kühen sind die Erscheinungen wenig auffällig (stilles Rindern), namentlich bei wohlgenährten Stallthieren, was nicht normal ist (und nicht gerne gesehen wird, weil es leicht unbemerkt bleibt). Bleibt das Rindern unbemerkt, so spricht man von Verrindernquot;. Die normalen Erscheinungen sind: Oeffnung des Muttermundes, der allenfalls einen Finger eindringen lässt; reichlicher Ausfluss glasigen Schleims aus der' Scham, dem bei Kühen häufig genug, aber keineswegs immer, Blutötreifen beigemischt sind, doch nicht so, dass man den Ausfluss blutig nennen könnte; Schwellung der Schamlippen und der (mehr hervortretenden) Clitoris,
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höhere BUthung der Scheide (diese Erscheinungen zeigen sich auch beim stillen Kindernquot;); Appetitstonmg und selbst Versagen des Futters; gann gewöhnlich auch ein plötzliches Abnehmen der Milch, nicht selten auch qualitative Veränderung derselben, Minderung des Fettgehalts, Schwerbuttern, Säuern (in sehr seltenen Fällen nach Harms selbst blutiger Bodensatz nach dem Stehen). Im Stalle brummen und brüllen die Rindernden in eigenthümlicher Weise, stellen sich oft zum Urinireu, krümmen den Kücken, heben den Schwanz und sind unruhig; freigelassen zeigen sie das ganz charakteristische Reitenquot;, indem sie auf das Hintertheil anderer Kühe aufspringen und sogar Bewegungen imichen wie der bespringende Stier.
Schaf.
Die Brunst der Schafe (aueli Bocken genannt) wiederholt sich in Zwischenräumen von 8 (auch schon 2) Wochen und dauert nach den meisten Angaben 24 bis 86 Stunden, nach Hanns' Beobachtung jedoch bis zu drei Tagen. Nach dem (lebären tritt die erste Brunst In 6 bis 8 Wochen auf*) (Elnfluss des Siiugens). Da es wirthschaftlich erforderlich ist, dass in einer Heorde alle Lämmer etwa gleich alt sind, so werden alle Mutterschafe in einer bestimmten Jahreszeit begattet, welche der Züchter so auswählt, dass die (leburten in eine ihm zweckmässig erscheinende Zeit fallen. Nur in jener Zeit werden die Böcke ungehindert in die Heerde gelassen und suchen sich die brünstigen Schafe heraus; oder man hisst diese durch geringe Probirböcke (welche durch sog. Stärschürzen, d. h. vor die Genitalien unter den Bauch gebundene Lappen, am Coitus gehindert sind) heraussuchen, um sie den Böcken dann zu-theilen zu können. Diese Sprangperiode braucht nicht über 8 Wochen zu dauern, da alle Schafe, wie oben gesagt, innerhalb einer solchen Periode brünstig werden. (Dennoch kommt es, namentlich bei Aeuderungen der Sprungzeiten vor, dass eine Anzahl Schafe nicht fruchtbar begattet werden.)
*) Das Schaf könnte bei 21,wöohentlloher Trftohtlgkeit thatsäohlloh zweimal im Jabro tragend gehen, was aber wlrthsohaftlioh nicht ratlisam ist. Die ohinesi-schon Sohafo lunmicn jedoch rogelmässlg zweimal im üahre (Böhm). Die Angabe, dnss nach dem Qebäron die Brunst eine Pause von 7 Monaten mache, kann schon (losshalb nur eine irrtluimliclic sein. Sie erklärt sich aber daraus, dass der Züchter nach dem Lammen die wiederholten Bnmstperloden unbeachtet lässt und erst nach inelinnonatliclier Pause wieder die Böcke zulässt, damit die Lammnng Immer in dieselbe Jahreszeit füllt. Gs ist möglich, dass in dieser Pause, wenn kein Verkehr mit den Hocken besteht, sieh auch die Brunst der 'l'liicre weniger änssert. Dass sie aber thatsiicblieb in den obengenannten kurzen Zwischenräumen eintritt, wird n, a. auch durch die Möglichkeit bewiesen, dass man die allgemeine Paarungszeit verschieben kann.
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Da der Schäfer das Auftreten der Brunst bei jedem einzelnen Schaf der Herde so wie so nicht kontroliren kann, vielmehr dieselben von den Böcken herausgesucht werden müssen, so sind die äusserlich sichtbaren Brunsterschoiuungen nebensächlich. Sie sind auch oft kaum wahrzunehmen, nicht selten aber auch sehr heftig, wobei das Temperament des Schafes sich in eine gewisse Wildheit wandelt. Das Bespringen anderer Schafe der Herde dürfte mit aufregend wirken. Auch das Schaf zeigt Unruhe, Hast, Klaffen der Schamlippen, zähschleimigcr Aus-flüss, Herandrängen an den Bock, Stillstehen beim Schnüffeln desselben.
Die Ziege zeigt die Brunst, welche 2 Tage dauert, meist heftig durch Flitterversagen, Meckern und Wedeln mit dem Schwänze und soll durch Ausbleiben der Paarung leicht geschädigt werden, weshalb man auch bei der jungen Ziego gleich die erste Brunst (s. pag. 10) benutzt.
Schwein.
DioBrunst derSauheisst Bauschen (Rüischkeit; Hausmann) und kehrt alle 3 bis 4 Wochen (ja nach anderen Angaben in noch kürzeren Perioden von 9 bis 18 Tagen wieder*), so lange die Sau nicht tragend ist. In der Trächtigkeit, welche sich zweimal im Jahre abspielen kann, unterbleibt das Rauschen und ebenso in der Regel noch während des Säugens, so-dass die Sau meist erst 8 Wochen nach dem Gebären von Neuem den Eber annimmt. Wird die säugende Sau rauschend, so soll die Milch den Ferkeln nachtheilig sein. Die Brunst dauert 24 bis 40 Stunden (nach Angabe von Lenz und Hausmann jedoch 58 Tage, wenn sie unbefriedigt bleibt) und äussert sich normal in heftigen und auffälligen Erscheinungen.
Die Sau ist unruhig, läuft wildblickend hin und her, will aus dem Stall, grunzt und kreischt eigenthümlich, ist oft sogar sehr aufgeregt, frisst wenig oder gar nicht, reitetquot; auf anderen Schweinen, wie Kühe reiten, bleibt minutenlang in dieser Stellung, macht sogar ebenfalls dabei gewisse Bewegungen, ist bissig und zeigt endlich die charakteristischen Veränderungen an den Geschlechtstheilen: Rötlumg, selbst der äusseren Haut bei weissen Schweinen, rocht bedeutende Anschwellung der Scham und Ansfluss. Durch den ganzen Zustand kommen die Thiere vom Leibe,
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*) Gerade dio Häufigkeit der Brunst bei dem Schwein, sozusagen dem multiparsten aller Hausthicre, beweist die Unrichtigkeit der Ansicht, dass die Länge der Koifungsperioden (vgl. pg. 19) mit dem Bin- und Vielgobären zusammenhinge, indem gowissermassen bei den multiparon Thioreu eine Serie Eier auf einmal dehiscirt würden, während die entspreohendo Zahl bei den nnipnren Thioron einzeln und dafür in kürzeren Zwischenräumen austräten. Diese Ansicht ist auch schon dem Wild gegenüber nicht haltbar, bei dem so mii- Wie multiparo Thiere dio gleiche Zahl jährlicher Brunstporioden haben, nämlich je eine (oxel. Hasen). Die multiparon Thiero produziron eben einfach mehr reife Bier als die uniparen.
Schmaltz, Qeschlcclitslebcn.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
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weshalb sich Sauen nicht gut iniisten lassen, wenn mau die Brunst nicht ein für alle Mal (durch Kastration) verhindert. Nur bei den Sauen der sehr zur Fottbildung neigenden frühreifen englischen Rassen iiussert sich die Brunst nur so wenig, dass sie auf den Körper keinen Einfluss ausübt. Eine minder auffällige Brunst (Appetitvenninderung, Schwellung der Geschlechtstheile) heisst stilles Kauschen.
Fleischfresser.
Die Hündin wird, im Gegensatz zu den vorgenannten Hausthieren, nicht öfter als zweimal im Jahre hrünstig, auch wenn sie nicht tragend ist, und zwar gewöhnlich im Frühjahr (Februar) und Sommer (August). Sie bleibt dann aber auch am längsten, ö14 Tage, brünstig, oder, wie die Kunstausdrücke lauten, heissquot;, hitzigquot;, läufig.quot; Die letztere Bezeichnung deutet auf das auffällige Bestreben, fortzulaufen und sich herumzutreiben. Die H. ist dabei nicht boshaft und bissig, sondern inunter und zärtlich, sucht sich ihre Freiheit zu erschmeicheln. Eingesperrt, heult sie auch wohl und stösst auch sonst eigeuthümliche Laute aus. Dies und hauptsächlich der Geruch des Genitalausflusses lockt die Hunde der ganzen Nachbarschaft herbei, besonders wenn die Hündin umhergelaufen war und ihre Spuren andere Hunde leiten. Der Ausfluss ist reichlich und in der Eegel erheblich blutig; das Blut stammt von der Schleimhaut des Scheideirvorhofs. Dieselbe ist viel erheblicher, als die übrige Genital-schleimliaut, verändert. Auf Querschnitten sieht mau in ihren oberen Schichten fast nichts als blutgefüllte Lacunen (erweiterte Gefässe). Ihre dunkelrothe Oberfläche ist überdiess mit zahlreichen perlähnlich-durcli-scheinenden, bis haufkorngrossen Hügeln (geschwollnen Lymphfollikeln) besetzt. Die Scham ist geschwollen und hängt tief herab. Augenscheinlicher Juckreiz veranlasst die Hündinnen zu dem bekannten Schlittenfahrenquot;. Das Umherlaufen der läufigen Hündin muss, auch wenn sie belegt werden soll oder belegt ist, verhütet werden, weil sie sich sonst jedem zurVerfügung stellt und oft ein Panache mit nach Hause bringt (vgl. auch pg. 91).
Die Katzen benehmen sich bekanntlich höchst sonderbar, indem sie das Männchen aufsuchen und unverkennbar auimiren. dann aber sich heftig wehren und die entsetzlichsten Schreie ausstossen (vgl. pag. 40). Sonstige besondere Brunstzeichen sind nicht bekannt. Die Brunst bezw. Paarung erfolgt zweimal jährlich Februar/März und Juni. Katzen sollen, wenn sie abgesperrt werden, oft sehr lauge brünstig bleiben und sehr herunter kommen. (Coste, hist, du developpement 1859.)
[Kaninchen werden alle Monate trächtig und gleich nach dem Gebären wieder belegt; unterbleibt dies, so wiederholt sich die Brunst
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in ca. 35Tagen; Moerschweiuchen sind dagegen 06 Tage trächtig und nach Hensen wiederholt sich die Brunst nach Pausen von n1/^ Tagen.]
Nebenwirkungen der Brunst.
Die Brunst ist, wenn das betreffende Tliier zur Zucht verwendet werden soll, natürlich ein erwünsclitcs Ereiguiss. Ist dies jedoch nicht der Zweck der Haltung des Thieres, so wirkt die Brunst nicht unerheblich störend. Nicht wesentlich ist dies bei Riad und Schaf. Man hat zwar behauptet, dass die Kinder durch die Kastration leichter mästbar würden, doch ist dies ebenso bestritten. Jedenfalls ist Appetitminderung und Aufregung bei ihnen nicht so gross, dass die Ernährung wesentlich litte, mit zunehmender Mast wird überdies die Brunst immer schwächer. (Nur bei krankhafter Brunst, Stiersucht, ist hier die Kastration anerkannt empfehlenswerth.) Anders ist es, wie schon erwähnt, bei Sauen, ausgenommen die reinen englischen Rassen. Bei jenen wird die Mästung durch das wiederholte Rauschen so behindert, dass nicht nur alle weiblichen Schweine, welche von vornherein von der Zucht ausgeschlossen bleiben sollen, als Ferkel kastrirt werden, sondern auch möglichst die älteren Sauen, welche von der Zucht ausrangirt werden.
Die Stuten sind während der Brunst ebenfalls schwieriger im Dienst und erfordern eine grössere Vorsicht, Doch wird ihr Gebrauch im Allgemeinen nicht gehindert. Solche Stuten jedoch, welche sein- häufig und heftig oder gar längere Zeit kontinuirlich rossen, sind geradezu widerwärtige Thiere, vor Allem als Reitpferde. Die Kastration ist hier leider zu gefährlich.
Läufige Hündinnen sind wegen ihrer Anziehungskraft für Hunde eine Hausplage. Man muss sie sicher einsperren. Stubenhündinnen lässt man gern kastriren, was ohne Gefahr geschehen kann.
Die Kastration verhindert die Brunst unbedingt. Beobachtungen, dass auch nach der Entnahme der Eierstöcke noch Spuren von geschlechtlicher Erregbarkeit sich erhielten, sind bei Hausthieren nicht gemacht.
Die Menstruation im Gegensatz zur Brunst.
Bekanntlich treten bei dem menschlichen Weibe in ziemlich regel-mässigen Zwischenräumen von ca. 28 Tagen starke Blutungen aus den Geschlechtswegcn auf, welche mehrere Tage anhalten (Menses, Kata-menien, Regel). Die Katamcnien stellen sich zur Zeit der Pubertät ein und verlieren sich (ccssatio mensum) im Alter von 4550 Jahren, wonach auch Schwangerschaften nicht mehr stattfinden; ebenso bleiben die Menses nach der Ovariotomio der Regel nach aus.
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Beziehungen der Menstruation zur Zeugungsfähigkeit und Begattungstrieb.
Es ist also nicht zweifelhaft, dass die Menstruation mit der Zeugungsfähigkeit verknüpft ist. Ebenso bestimmt steht sie dagegen mit dem Begattungstrieb nicht in Zusammenhang, denn derselbe ist beim Weibe nicht allein (pag. 5) unabhängig von jeder Periode und sogar von der Zeugungsfähigkeit, sondern er ist auch gerade während der Menstruation in der Eegel unterdrückt. Dagegen findet natürlich auch beim Weibe die Ovulation in gewissen Zwischenräumen statt und ein zeitlicher Zusammenhang zwischen der Ovulation und der Menstruation wird fast allgemein angenommen.*)
Es braucht daraus jedoch noch kein innerer originärer Zusammenhang zwischen Ovulation und Menstruation gefolgert zu werden, denn es scheint an sich leicht erklärlich, dass Vorgänge, welche den Geschlechtsapparat hochgradig alteriren müssen, auch leicht den letzten Anlass zum Bersten anundfürsich hochreifer Follikel geben werden. Andererseits ist festgestellt, dass sich reife Eier jederzeit im Uterus finden können, weil die Befruchtungsfähigkeit niemals fehlt. Es scheint auch, als ob die Begattung in den Zwischenzeiten einen beschleunigenden Einfluss auf die Ovulation ausüben könne. Wenn also auch die Ovulation besonders häufig gegen das Ende der Menstruation stattfinden mag, so besteht doch zwischen beiden quot;Vorgängen kein nothwendiger Zusammenhang.
Jedenfalls ist die Menstruation ein selbstständiger Prozess und zwar in der Uterusschleimhaut.
Wesen der Menstruation.
Zum Verständniss muss hier auf das Verhalten der Uterusschleimhaut bei der Schwangerschaft übergegriffen werden. Bei gewissen Säugern, den Deciduaten, bildet die Schleimhaut eine Wucherung (Deci-dua), welche mit den Wucherungen der äusseren Eihülle (Chorion) zusammenwächst. Bei anderen Säugern, den Indeciduateu, dagegen bleibt die Schleimhaut passiv, bzw. verwächst nicht mit den Eihüllen (s. unten das betr. Kapitel). Der Mensch gehört zu den Deciduaten.
Die Schleimhautwucherung wird aber nicht erst durch die Schwangerschaft angeregt. Die Gebärmutterschleimhaut bereitet sich vielmehr vom Eintritt der Geschlechtsreife ab gewissermassen fortwährend auf Aufnahme eines befruchteten Eis vor. Sie verdickt sich (auf 57 mm)
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*) Es spricht auch die Statistik dafür, dass die ersten Tage, namontlich ucr erste, nach Ende dor Menstruation für oino Bofruchtung am günstigten sind. Aohnlichos wird statistisch bowioson von den Tagen unmittolbar vor der Menstruation (s. folgende Seite); es muss daraus auf das besonders häuflgo Vorhandensein reifer Bier in jener Zeit geschlossen werden.
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und lockert sich, wird oedematös; die Uterinschläuche verlängern sich, das Epithel nimmt zu. Das Alles geht aber nur bis zu einem gewissen Grade. Ist inzwischen kein befruchtetes Ei in den Uterus gelangt, so bricht sozusagen der lockere Aufbau der Schleimhaut in sich zusammen und unter beträchtlichen Blutungen werden die oberen gewucherten Schichten abgestossen. Das ist die Menstruation, die also eine Art innerer Häutung des Uterus, die Entleerung einer im Voraus gebildeten Dccidua (D. meustrualis) darstellt. Nachher ist die Schleimhaut wieder auf 23 mm reduzirt; das Epithel regenerirt sich, wohl von den Uterinschläucheu aus, und nach einer bestimmten für die Wiederherstellung nöthigeu Zeit setzt ein neuer Wucherungsvorgang ein.
Kommt jedoch ein befruchtetes Ei in den Uterus, so erfolgt jener Zusammenbruch nicht, die Wucherung geht vielmehr weiter und bildet eben die Decidua für den Foetus. Hieraus erklärt sich das Ausbleiben der Menstruation während der Schwangerschaft.*)
Das in den Uterus eintretende Ei findet also gowissermassen sein Nest vorbereitet und zwar am besten kurz vor dem bevorstehenden Eintritt einer Menstruation. Gerade deshalb nimmt man auch vielfach an, dass die Ovulation wenigstens häufig noch kurz vor der Menstruation eintrete und dass eine nunmehrige Befruchtung des Eies das Unterbleiben der Menstruation bewirke.**) Während letzterer selbst wird ein eintretendes Ei mit ausgestossen. Unmittelbar nach der Menstruation jedoch kann ein Ei sich ebenfalls auf der Schleimhaut festsetzen, welche mit der bald wieder beginnenden Wucherung es umwächst. Vergleich zwischen Menstruation und Brunst.
Versucht man nun einen Vergleich zwischen Menstruation und Brunst, so scheint eine gewisse Gleichwerthigkeit auf den ersten Blick sehr nahe liegend, namentlich wegen ähnlicher Periodizität bei Menschen und Haus-
*) Wenn im Anfang bisweilen noch schwächere Menstruationen eintreten, so kann dies geschehen, weil noch nicht dio ganze Schleimhaut für die Decidua vera Vorwendung findet. Uebrigens unterbleibt die Menstruation auch meistens Während des Nährens, wohl weil der dem Körper zugofügto Stoffvcrlust das neue Wuchern der Uterussohlelmhaut ebenso bohindort, wie das neue Ausreifen von Eiern (vgl. pag. 21); denn auch neue Befruchtungen werden in dieser Zeit beim Woibo in der Kogol nicht erzielt.
**) Sowohl die Zeit unmittelbar vor als nach dor Menstruation scheint also zur Befruchtung günstig (s. pag. 80, Anm.). Im ersteron Fall unterbleibt schon diese Menstruation und die Schwangerschaft zählt von der Zeit des ersten Ausbleibens der wieder erwarteten Menstruation ab. Im andern Falle bleibt erst die nächste Menstruation aus und dio Schwangerschaft datirt schon von dem letzton Auftreten der Menstruation her. Ebenso kann joder zwischen beiden Zeitpunkten (also innerhalb 4 Wochen) liegendo Termin möglicherweise Beginn
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thiercu, auch wegen des gleichcu Ausbleibens inneiiialb der Scliwanger-schaft. Viele Physiologen nehmen auch (trotz Anerkennung der Ver-schiedenheiteu) mindestens eine Verwandschaft beider Vorgänge an, kennen jedoch zum Theil augenscheinlich die Brunsterscheinungen bei den Hausthierou nicht genau, betonen namentlich irrthümlich Blutungenquot; bei letzteren, die hier doch nur ausnahmsweise und jedenfalls unbedeutende sind. In der That ergiebt die nähere Betrachtung eigentlich nur die gänzliclio Verschiedenheit von Menstruation und Brunst. Die Brunst ist durch den an sie gebundenen Begattungstrieb charakterisirt, der bei der Menstruation sogar fehlt, jedenfalls in keiner Weise mit ihr zusammenhängt. Der innige Zusammenhang zwischen Ovulation und Brunst des Thieres besteht zwischen Ovulation und Menstruation ebenfalls nicht, wenn auch erstere häufig der letzteren sich zeitlich anschliosst; ja die Menstruation selbst wäre sogar die ungünstigste Zeit für die Befruchtung, weil in der eben menstruirenden Gebärmutter ein befruchtetes Ei sich nicht festsetzt. Vor Allem aber beruht doch das Wesen der Menstruation nicht in dem etwaigen Bersten von Follikeln, sondern in Abstossung gewucherter Gebilr mutter - Sehleimhant. Ein solcher Vorgang fehlt bei der Brunst der Hausthiere völlig und muss fehlen. Denn bei dem Charakter, den jene sich immer wiederholende Schleimhautwucherung hat, kann sie überhaupt nur bei den Beciduaten vorkommen, nicht aber bei den Indeciduaten, zu denen Pferd, Wiederkäuer und Schwein gehören. Es ist daher unzulässig, die überdies gar nicht wesentlichen und auf ganz anderen Vorgängen beruhenden gelegentlichen Blutaustritte bei diesen Thieren als ein Aequivalent der Menstruation zu deuten. Nur die Fleischfresser gehören zu den Deciduaten und bei diesen bestände die Möglichkeit, dass die beim Hunde auch regelmässige und reichliche Blutung während der Brunst zugleich die Andeutung einer Menstruation wäre. Doch ist auch dies nicht der Fall (vgl. pag. 34). Ebenso wenig wäre es mit Menstruation zu vergleichen, wenn (nach Numann) die kloinen Blutaustretungen bei Kühen nur auf den Karunkeln aufträten und man letztere der Decidua vergleichen möchte.
Mithin sindMenstruationund thierische Brunst trotz scheinbarer äusserer Aehnlichkeit ganz verschiedenartige Vorgänge. Das einzige Vergleichsmoment ist jedenfalls, dass die auch beim menschlichen Weibe periodenweise reifenden Eier häufig gerade vor oder nach der Menstruation aus dem Eierstock austreten, während dieser Vorgang bezw. sein Herannahen bei den Thieren den Eintritt der Brunst unmittelbar veranlasst.
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der Schwangerschaft sein, so dass das erste Ausbloihon der Menstruation emo go-nauo Berechnung der Gehurtezelt noch nicht gestattet.
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11. Thell.
Die Begattung.
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Die Begattung (copulntio, immissio penis) wird Lei Thieren gewohu-licli als Paarung oder, jo nach der Thierart, mit verschiedenen Ausdrücken, wie Decken, Beschälen, Bespringen, Beschlagen, Belegen, Bereiten etc. bezeichnet. Es ist bei diesem Vorgang das Verhalten des weiblichen und des miinulicheu Thieres zu untorscheiden.
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Terlialten des weibliclien Thieres.
Wie früher besprochen, duldet das weibliclio Thier die Begattung nur zu bestimmten Zeiten, die eben deswegen als Brunstzeiten bezeichnet werden (vgl. bes. pag. 11, 24, 28).
Ausnahmen können jedoch vorkommen und lassen sich ebenso aus einer permanenten Bereitwilligkeit, avis aus phlegraatischem, einer heftigen Abwehr abgeneigtem Temperament erklären. So werden kaltblütige phlegmatische Stuten nicht selten gedeckt, oline rossig zu sein, weil sie keine sonderliche Opposition gegen den Hengst an den Tag legen. Günther sen.*) führt zwei solche Fälle au, wo auch in der Freiheit eine Deckung nicht brünstiger Stuten vorkam; ein Hengst und eine Stute führten sogar mehrere Monate lang täglich die Begattung aus. Von alten Eicken (ßehgaisen) wird eine gelegentliche Duldung ausserlmlb der Brunst ebenfalls behauptet (vgl. pag. 25 Anm.).
Andrerseits wehren manche Weibchen, trotz unverkennbarer Anzeichen der Brunst, die Begattung ernstlicli ab. Es sind Beispiele bekannt, dass Hündinnen, die später normal geworfen haben, jahrelang trotz eingetretener Läuflgkeit die Begattung nicht zuliossen, Hündinnen pflegen
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*) J. II. Fr. Giinthor: Untorsucliimgon und Erfabningon etc. Hannover 1837.
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überhaupt in den ersten 46 Tagen der Liuifigkeit die Hunde abzubeissen und erst allmiihlicli sich geneigt zu erweisen. Aber auch die thatsächlich vorhandene Lüsternheit hat keineswegs überall die unbedingte Willigkeit zur Folge. Die Katzen suchen das Männchen auf, setzen ihm aber bekanntlich regelmässig sehr ernstgemeinten Widerstand entgegen, wobei sie von Tatzen und Krallen ziemlich rücksichtslosen Gebrauch machen. Doch behauptet Günther sen., dass auch dies nur zu Beginn und beim Schwinden der Brunst der Fall sei, während in der eigentlichen Brunst-hölio sich auch hier der Begattungsakt lautlos und ohne Widerstreben vollziehe. Die Annahme, dass der Katze die Begattung wegen der am Penis des Katers befindlichen kleinen Stacheln (vgl. pg. 51) starke Schmerzen mache und sie sich deshalb aus Furcht wehre, dürfte nicht zutreffen.
Ueberhaupt zeigen alle weiblichenHausthiere einen Höhepunkt der Brunst, auf welchem sie sich am begehrlichsten zur Begattung stellen, während sie vorher und nachher mehr ani-mirt werden müssen.
Beim weiblichen Roth- und namentlich Rehwild kann man einen sehr deutlichen Unterschied zwischen jungen und alten Thieren beobachten. Während alte Ricken dem Bock in jeder Weise die Annäherung erleichtern, suchen die zum ersten Mal brunftigen Schmalrehe ihm zu entgehen, was sich aus der Angst erklären mag, welche ihnen das brutale Ungestüm des Bockes erregt. Sie lassen sich daher längere Zeit treiben und ergeben sich oft erst, wenn gänzliche Erschöpfung ihnen jede weitere Flucht und ferneren Widerstand unmöglich macht, sodass von einer Nothzucht im eigentlichen Sinne gesprochen werden muss. Es kommt sogar vor, dass Schmalrehe den geschlechtlichen Misshaudlungen des Bockes erliegen. Dies verschiedene Verhalten der Ricken ist nicht ohne Bedeutung. Denn da der alte Bock es hauptsächlich auf Schmalrehe abgesehen hat und seine jüngeren Eebenbuhler erbarmungslos aus dem Felde schlägt, so werden die jungen Böcke von den alten Ricken in die Schule genommen, was deren Nachkommen nur vortheilhaft sein kann.
Bei den grösseron Haust liieren vollzieht sich die Begattung meistens unter Aufsicht, so dass hier der freie Wille beschränkt ist.
Die Kuh ist im Allgemeinen, wenn brünstig, auch geduldig; die Kalbinnen zeigen jedoch ebenfalls eine gewisse Aengstlichkeit. Jedenfalls genügt es, die Kuh an einem Seil lose zu halten und allenfalls den Schwanz bei Seite zu nehmen.
Bei der Stute ist die Rossigkeit, wie schon pg. 31 erwähnt wurde, an sich durchaus nicht immer sieher zu erkennen, so dass es nöthig wird, das Thier daraufhin zu probiren, was in den Gestüten durch be-
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sondere Probirheugste geschieht. Die rossige Stute wird durch die Annäherung des Hengstes geschlechtlich augeregt, lässt sich seine Berührungen gern gefallen, blickt ihn ermunternd (trunken, wie Günther sagt) an, drängt sich ihm zu und, wenn sie Freiheit hat, mit dem Hinter-theil an und gewissermassen unter ihn. Junge kitzlige Stuten verhalten sich jedoch trotzdem oft zunächst ablehnend und müssen durch vorsichtige Annäherung erst vertraulich gemacht werden. Zum Decknkt selbst wird die Stute dann m. o. w. wehrlos gemacht. Damit sie nicht ausschlagen kann, wird sie gespannt; da junge und schwierige Stuten sich aber auch niederwerfen und bocken, so wird es bisweilen noch nöthig, einen Vorder-fuss hochzuheben oder sogar eine Bremse aufzulegen, bis der Hengst eingesprungenquot; ist. Wie sieh aus diesen Massregeln schon ergiebt, werden in der Freiheit auch Stuten, namentlich jüngere, nicht immer ohne Weiteres sich decken lassen; bei unbeschlagenen Hufen wird jedoch ihre Abwehr dem Hengste nicht gefährlich werden; auch nähern sich die Hengste den Stuten erst am Kopf, um sie sich günstig zu stimmen. Das Aufschreien der Stute, das Ausbauen mit den Vorderbeinen und event. Ausschlagen, was den Anschein eines Widerstandes erwecken kann, ist auch häufig nur ein Zeichen eigener Erregung.
Im Allgemeinen zeigt sich also, dass das weibliche Thier trotz des bestehenden Geschlechtstriebes unter Umständen sich ziert oder wirklich einen gewissen Widerstand leistet, welcher erst der dabei trotzdem eintretenden Steigerung der geschlechtlichen Erregung weicht. Dabei wird natürlich die Thierart, die Stärke der Brunst bezw. das Temperament Unterschiede bedingen und namentlich werden überall die jungen Thiere, bei denen die Angst vor der ungewohnten und meist sehr unsanften Annäherung des Männchens hinzukommt, sich zunächst durchaus spröde zeigen.
Dass übrigens die Weibchen sich auch in gewissem Grade von Zuneigung bestimmen lassen, kann man bei Hündinnen, denen freie Wahl gelassen ist, beobachten.
Während des einleitenden Verkehrs mit dem Männchen giebt auch das Weibchen der wachsenden Begehrlichkeit je nach der Thierart einen mehr oder minder beredten Ausdruck. Auf dem Höhepunkt der Aufregung stellt sich das Weibchen in bestimmter Weise zur Begattung bereit. Die Stute schiebt die Hintcrschenkel etwas vor, stellt sie zugleich breit, krümmt den Eücken und senkt das Becken (hebt den Schweif, wenn derselbe nicht gehalten wird). Aehnlich stellt sich die Kuh. Die Hündin dagegen, bei der das Pudendum muliebre (Scham) m. o. w. unter dem Niveau des Beckenbodeus liegt, biegt den Rücken
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ein und hebt die vulva (desgl. d. Katze, vgl. pag, 63). Im Uebrigen füllt dem weiblichen Thier jedoch eine rein passive Rollo zu und ist dessen ruhiges Verhalten auch für den Begattungsakt nur förderlich.
Die Thätigkeit der weiblichen Begattungsorgane.
Es liegt kein Grund zu der A-iuiahmo vor, dass die Wollust des weiblichen Thieres eine geringere oder anders geartete sei, als die des Männchens, wenn nicht andere Gefühle, wie Angst, Sehmerz etc. beintriiehtigond wirken.*)
Jedenfalls bedingt die Auslösung dieser Empfindung auch beim Weibchen das Zusammenwirken gewisser Organe. Kobelt,**) der die eingehendste anatomische Untersuchung angestellt und dabei auch die Haussäugethiere (excl. Rind) berücksichtigt hat, unterscheidet bei beiden Geschlechtern passive (vielleicht besser: empfangende) und transitive (Übertrageudo) Wollustorgane; in deu ersteren wird die Wollustempfindung des eigenen Organismus erzeugt, während letztere zur Erweckung bezw. Steigerung des gleichen Gefühls beim Qegenpart dienen.
Die Clitoris (Kitzler) und ihr Hiilfsapparat.
Als Wollustorgan kommt zuuäohst in Betracht der Kitzler. Der Bau dos-solbon ist genau dorn des Ponis ontspreohcml: Bei der State 1st (Ue glans olltorldls
(Eichel) ebenfalls gross, sitzt auf 3 Spitzen, hat eine Grube und schickt eine wulst-artigo Fortsetzung auf den Rücken dos corpus cavernosum. Ebenso hat die kloine Clitoris der Hündin den charaktoristiseben Eiebolknollon dos Hundes (s. pag. 51).
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*) Allerdings kann mau beim Wilde 'wahrnehmen, dass während der Begattung das Männchen Alles um sich her vergisst, während das Weibchen sich eine gewisse Aufmerksamkeit auch da bewahrt. Ein Zeichen verschiedener Wollust ist das aber wohl nicht. Die Erklärung liegt darin, dass das Männchen sich in der ganzen Zeit in einer viel liöliorcn allgeraemon nervösen Erregung befindet, da bei ihm grösseres gosohloclitliclies Ungestüm mit quot;VVntb, Eifersucht U. s. w. sich vereinen, so dass es schon vor der Begattung bis zur Sinnlosigkeit aufgeregt ist und die endliche Befriedigung daher eine tiefergreifendo allgo-meino Wirkung hat (vgl. pag. 01). Auch strengt es sich ja boi der Begattung mehr an, während das Weibchen nur behaglich gonicsst.
**) Kobelt: Die männlichen und weiblichen Wollustorgane dos Menschen und oinigor Sängcthioroquot;. Preiburg 1814. Ausserdem existiren zwei, auch von Kobelt besonders gewürdigte thiorärztliche Studien über die einschlägigen Vor-liältnisso bei beiden Geschlechtern: Günther sen., Untersuchungen und Erfahrungen auf dem Gebiet der Anatomie etc., Hannover 1837; und die vorzügliche oxaeto Untersuchung P. Hausmann's: Ucbor die Zeugung und Entstehung dos wahren weiblichen Mies, Hannover 1840,
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IM dor Sau ist sie obonso sjiitz und, sohroublg wie beim Eber, Bei der Kuh, boi dor die Clitoris beiläufig 10 cm lang ist, findet sich dieselbe S-f'ürmigo Zu-saniinonbiegung wie beim Bullen. Sogar ein Rutlionkiiöchelchon bozw. oln Knorpel - Aec[niyalont findet sich bei den Thierarteu, wo dem Penis oin Knochen zukoinnit, d. b. bei Katzen; auch hei Hündinnen biswellen rudimentär, obgleich es liior meist fehlt. Beim Schaf ist die Clitoris unbedeutend. An der Blutversorgung dor Clitoris sind jederseits die a, obturatorla und a. pudenda intorna durch nna-storaosironde Zweige bethoiligt. Dio eine kann auch die andere vortreten, so dass sogar bisquot;weilen auf dor einen Körperseite allein die obturatorla, auf der anderen die pudenda die Clitoris-Zweige abgiobt. Jedenfalls gehen an der Clitoris entlang zwei aa. dorsales nach dor glans clitoridis. Die Venen des corpus oavernosom stehen mit denen der glans in Verbindung.
Die Clitoris ist ebenso orektionsfähig wie dor Penis, wobei sio sich, knio-fönuig gebogen, mit der glans aufwärts in den unteren Sobamwinkel stellt, dessen Sehlohnhaut auch eino Art Praeputiuni (Vorbaut) für sie bildet. An Nerven ist die Kitzloroiohel noch viel rolcher als die Ruthoneichel (Kobelt), da ihre nervi dorsales relativ viel stärker sind als beim männlichen Individuum. Dieser Norven-relclitlmm erklärt iliro Bedeutung als Wollustorgan zur Genüge.
Mit der Clitoris ist der paarige bulbus vestibull (Sohwellkörper dos Scheidonvorhofs) durch ein Venensystom (pars intermedia; Kobelt) verbunden In einer beim Menschen wie hol den Hansthieron gleichen Weise. Bei der Stute sind die bulbi bedeutend und etwa sohotenfönulg, bei der Hündin ebenfalls gross #9632;und halbnioiulfürmig, beim Sehwoin nur klein und rundlich, bei den Wiederkäuern Überhaupt nicht ausgeprägt (d. h. durch lockoro Vonennetze vertreten).
Die Scheide (Vagina).
Bezüglich der Scham (pudondiuu muliebro, vulva, eunnus, Wurf; rima vulvao die Schamspalte) braucht hier weiter nichts bemerkt zu werden; dass dieselbe beim Hunde unter dem Niveau des Bockenbodens liegt, sodass sie vom Scheidonkanal förmlich abgeknickt ist, wurde schon erwähnt (vgl. pg. 41, unten). Dor Scheidenvorhof (vostibulum vaginae) ist überall enger als die Übrige Scheide und von letzterer theihveise (Sau, Schaf) durch Rinsohnürung abgegrenzt. Er ist beim Sehwoin vorhältnissmässig am längsten, dann folgt das Pferd; beim Rind ist der Vorliof kurz und bei Fleischfressern am kürzesten. (Masse s. pg. 45.) Auf der Grenze zwischen Vorhof und eigentlicher Scheide liegt hokanntlich die Mündung dor (bei Schweinen und Fleischfressern langen, hei Pferd und Wiederkäuern nur knrzoii) Harnröhre.
Beim Rinde besteht die hier praktisch wichtige Figenthiim-lichkoit, dass sich unter der Harnröhronmiindung ein Blindsack
befindet, der einen Finger aufnehmen kann. Will mau in die Harnröhre vorgehen, so muss man daher sich genau an die dorsale Wand derselben halten. Bei Schaf und Ziogo ist jener Blindsack wenig ausgeprägt.
Auf der Grenze zwischen Vorhof und Scheide,
über der Harnröhrenmi'mdung erhobt sich bei
jugondlichon Thieren die Schoidonklnppe (Hymen). Beim Fohlen und Ferkel ist
es eine gut ausgebildete ringförmige Falte. Beim Ferkel ist das vom Faltonring
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uragobono Loi'h meist durch oin modianos Septum in zwoi rumllicho Ooffnungon zerlegt. Beim Kalb habe ich kein oigontlichos Hymon finden können, nur eine Verengung des Lumens dos Oenitalkanals an dor ontsprechendou Stelle, an der sich die Längsfalten der Schleimhaut etwas tiefer herabsonken und durch einen King-saum vorbuiulen orschoinon. Bei der jungfräulichen Hündin verhält es sich ganz ähnlich. Eine ringförmige Falte findet sich nicht, allenfalls eine niedrige Querspange am Boden (einmal durchzog eine fadonartigo Spange das Lumen frei von oben nach unten). Nach der Begattung schwindet das Hynion fast gänzlich bezw. es fohlt überhaupt.*) Beiderseits von der Harnröhrennuindung können die Uoborresto der Urnierongängo als Gartnor'sclio Gänge münden, deren Lumen (zwischen nuiscularis und mueosa) sich am häufigsten bei Wiedorkäuern eine Strecke weit vorfolgen lässt.
Die Schleimhaut der Schcido ist übrigons (selbstverständlich; schon wegen der nothwendigon Dehnungsfähigkeit) in Längs- bezw. Quer-Falten gelegt (rugao vaginalos). Im Scheidonvorhofkann man zwei Gruppen von grössoren Drüsen untorschoulen; die glandulao vostibulares majoros, welche im oberen Theil der Seitenfiäclion liegen, und die an der unteren Wand in der Nähe der Harnröhro mündenden gl. vostibulares minores. Brstero heissen gewöhnlich Bartho-lin'sche, auch Duvernoy'sclie Drüsen (und entsprechen den männlichen Cowper-schen Drüsen). Sie fehlen jedoch der Händin (nicht der Katze) und Sau (hier auffälliger Wcise_ da die Cowper'schon Drüsen des Ebers so gross sind; Hausmann bezeichnet übrigens bei der Sau 2 nach hinten liogendo Grübchen als Aequivalento dieser Drüsen). Beim Pferdo bestellen sie aus Gruppen von Drüson-schläuehen, welche jcdersolts in acht bis zehn kloinen Schlcimhauthügoln münden. Beim Rinde bilden sie gesclilosseue, walhnissgrosso (tubulo-acinöso) Drüsenkörper mit jo einem weitem Ausführungsgang. Die glandulao minores (welche von Hausmann dor nüinnlichen Prostata verglichen werden) fehlen beim Kind und sind beim Schwein und Pferd in grösscror Zahl vorhanden. Der Hündin sollen nach Ellcnborgers Anatomie des Hundes und den anderen Handbüchern auch die gl. minores fehlen, während schon Hausmann welche gefunden hatte (vgl. pg. 42, Anm. 2). Des Letzteren Angabo ist richtig. Die feinen Drüsenmündungen, welche beiderseits am quot;Wege zur Harnröhrennuindung liegen, sind bei grossen Hündinnen nicht schwer zu linden. Die tubulo-acinösen ürüsenräumo ordnen sich locker um ihre gemeinsamen Ausführungsgängo zu ovalen Drüsenkörpern in verschiedener Zahl und Grosse. Die Stute hat also beide, die Kuh die gl. majoros, die Sau und die Hündin die gl. minores. Im Uebrigon ist sowohl die Schleimhaut der Scheide, wie des Vorhofos driisonlos; ihr Belag stammt von ihrem (Pflaster-) Epithel. Die Zahl der sensitiven Nerven der Scheidenschleinihaut ist nach Kobolt gering.
Die Scheidenwand besteht aus der Mueosa, glatten Muskelfasern und Bindegewebe. Der Vorhof besitzt noch eine Umwickelung #9632;willkiirlichor Muskelfasern, den m. constrictor (entsprechend dem männlichen m. bulbo-cavernosus). Dieser zerfällt überall in zwei Portionen, eine hintere und eine vordere. Die
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*) Bei Jungstuten hat sich das Hymen mehrfach als zu stark und als Bo-gattungshindorniss erwiesen; auch bei Kühen ist vereinzelt ein starkes bezw. abnormes Hymen beobachtet. Bei den Kühen kommen nach Frank häufiger m. o. w. ausgeprägte longitudinalo Septon in der Scheide vor, die auf die Entstehung des unpaaron Gonitalkanals aus den paarigen Müllerschon Gängen zu beziehen sind.
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hiutero, constrictor cunni, bildet oinon wirklichon sphinctor, dor unten mit dem Kitzler und oben mit dem sphincter ani sich verbindet; die vordere, constrictor vestlbuli odor compressor bulbi, bedockt seitlich bulbus und Vorhofswand.
Die ScheidcMiwanil ist von starken Vonennetzen (ploxus vaginalis) umhüllt und durchsetzt, welche mit dein bulbus vostibuli (s. pag. 43) zusammenhängen; sie muss durch deren Püllimg ebenfalls in einen oroctilen Zustand gerathon.
Die Wandstärke der Scheide ist im Vorhältniss zu ihrer Weite nicht bedeutend (weshalb auch Durchbohrungen selbst durch die Begattung vorkommen, vgl. pg. 04), im Uebrigon ahor vorschioden. Beim Schwein ist dio Schoidon-wantl muskulös (vier bis fünf mm dick, Frank-Martin); auch beim Rind ist sie ziomlich stark, namentlich am Vorhof (78 mm; Fiirstonberg); bei der Stute ist sio schwächer.
Dio Länge dor Scheide schwankt beim Pferde nach den Messungen Günther's zwischen 202036 cm. Für die Kuh giebt sio Frank auf durch-sohnittlich 22 cm, Fürstenberg auf 27 cm exel. Vorhof, diesen auf 8 cm an; die Harnröhroninüiulung ist demnach von der Schamspalto etwa eine Fingerlange entfernt. Beim Schaf ist dio Scheide nach Hausmann etwa 8, der Vorhof H cm lang. Bei der Siiu ist Vorhof und Scheide je etwa 1011 cm lang.
Dio Beschaffenheit des Muttermundes und sein Vorhältniss zur Scheide wird bei dor Befruchtung (pg. S3) erwähnt.
Wollustorzeugung.
Es kann kein Zweifel sein, dass die Schleimhaut der Scheide bei ihrer Nervenarmutli nur untergeordneter Wollustempfindung fähig ist.
Das eigentliche speeiflsche passive (empfangende) Wollustorgan aber ist der Kitzler, d. h. dessen Eichel, wo sich dio Wollustnerven wie in einem Pocus konzentrirGn (Kobelt). Der Kitzler erfährt eine Erection, welche ihn dem eindringenden Penis entgegenstellt. Diese Erection wird erstens auf arterieller Kongestion (vgl. unter Erection pag. 53) beruhen, zweitens aber darauf, dass der reflektorisch sich kontrahirende musc. compressor bulbi (s. oben: Scheidenwand) das Blut aus dem Bulbus in die Clitoris treibt und dass drittens der Abfluss aus letzterer durch diejenigen Muskelbündel, welche die abfeiteaden Venen zusammenzupressen vermögen, verhindert wird. Es ist au der Aufrichtung aber auch Muskelthätigkeit betheiligt; nicht der rudimentäre m. ischio-eavernosus, sondern diejenigen Pasern des constrictor cunni, welche sich an die Clitoris anheften. Durch die Erection wird der Kitzler dem Reiz der Berührung durch den Peuis unterworfen, während andererseits die durch die Blutfülle bewirkte Spannung die zahlreichen Nerven dcrglans clitoridis in den Zustand höchster und speeiflscher Eeizempfänglichkeit versetzt. Dass bei der thierischeu Begattung übrigens der Kitzler mit dem Penis in intensive Berührung treten muss, ergiebt sich aus der Stellung der Thiere ohne weiteres. So ist also der Kitzler das beherrschende passive Wollustorgan, für das jedoch der bulbus vestibuli (bezw. die denselben vertretenden Gefässnetze) und
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der m. constrictor, indem sie seine Blutfülhmg und Aufrichtung wesentlich unterstützen, einen Hilfsapparat darstellen.
Andererseits wirken diese Thcile aber auch als transitive Wollustorgano durch die IMction des Penis. Letztere muss wesentlich (wegen der Weite der Scheide bei gewissen Thierarteu s. unten auschliesslich) in vestibulum und der rima vulvae stattfinden. Es trägt dazu einmal die erigirte Clitoris, sodann aber wesentlich die Füllung der bulbi vestibuli und deren Einwärtsdriingung durch die sich kontrahirenden mm.
constrictores bei.
Nebenfunktionen.
Beim menschlichen Weilje kommt es auf dem Höhepunkt der Erregung zu einem Erguss von Flüssigkeit, d.h. von aus dem Uterus mittelst peristaltischer Bewegungen ausgepresstem Schleim. Bei Thieren ist die Absonderung, auch der Gehärmuttcr- und Vorhofs-Driisen schon durch die Brunst in eine erhöhte Thiitigkeit versetzt.
Dass durch reflektorischen Reiz nicht allein die willkürliche Muskulatur in Thätigkeit versetzt wird, sondern dass auch die Muskelhaut des ganzen Geuitalkanals in Kontraktion geriith, wird allgemein aucrkaimt und ist auch durch Beobachtungen erwiesen, Wenn z. B. Hanns schon bei brünstigen Weibchen manuell Uteruskontraktionen feststellen konnte, so werden diese bei der Begattung erst recht statthaben und sind auch bei jener manuellen Feststellung wahrscheinlich durch den ähnlichen Reiz herbeigeführt worden (pag. 17). Durch die Kontraktionen soll (beim Weibe beobachtet) rytlnnische Oeffnung des Muttermundes, Verkürzung des Uterus und Annäherung an die Vagina, sowie bei der folgenden Erschlaffung Ansauguug des ergossenen Samens in den Muttermund bewirkt werden (vgl. pag. 80). Auch muss dadurch der (alkalische) Uterinschleim, wie schon oben erwähnt, zum Theil ausgepresst werden und den flüssigen Inhalt der Vagina vormehren, Günther betont, dass die Bauchmuskeln bei angehaltener Eespiration kontrahirt werden und dass dadurch die Zurückdrängung und evtl. Verkürzung der Gebärmutter erfolgt. Bei heftiger Reizung halten die Kontraktionen und das Drängen sogar nach der Begattung noch an, was zur Auspressung des Samens führen kann. Man begegnet dem bei Stuten und Kühen durch einfaches ruhiges Umherführen, auch wohl, indem man sie zwingt den Rücken herzugeben bezw. einzubiegen; andere Massregeln sind uunöthig und selbst nachtheilig (vgl. pag, 80).
Yerhalten des männlichen Thieres.
Die Begattung stellt an die Stoffe des weiblichen Körpers selbst keine Ansprüche; solche beginnen erst nach der Begattung mitBefruch-
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tuug und Schwangerschaft; für das weibliche Individuum ist die Begattung im Wesentlichen nur ein Dulden und Empfangen.
Dem miinnlichen Geschlecht dagegen erwächst bei der Begattung nicht allein ein starker Stoft'verlust, sondern es fällt ihm auch die führende, ausübende Thätigkeit zu. Ja, man darf eben hierin die eigentliche Urquelle der Eigenart des männlichen Körpers in jeder Beziehung, wie auch der herrschenden Stellung des männlichen Qeschlechts in Natur und Leben (soweit die Säugetlnere in Betracht kommen) erblicken.
Dem entspricht auch das Verhalten und die Aufgabe des männlichen Partners vor der Begattung. Er ist der Werbende und er ist zu diesem Werben ausgerüstet sowohl mit der grüsseren Kraft und Energie dem Weibchen gegenüber, als mit den geeigneten Waffen zum Kampf gegen den Mitbewerber. So ist er, im Besonderen vom freien Thier gesprochen, während der Brunst eine Beute verschiedener Gefühle, sowohl der durch das Werben- und Suehen-Müssen u. a. m. gesteigerten Ungeduld der Begierde, wie der steten Eifersucht auf einen, oft nur in der Vorstellung vorhandenen Nebenbuhler. Ungestüm, Rücksichtslosigkeit und Eauflust bis zu sinnloser Wuth kennzeichnen im Allgemeinen seine Stimmung und bestimmen auch sein Benehmen gegenüber dem Gegenstand seiner Begierdon, bei dem er von vornherein mehr durch Einschüchterung, als durch Zärtlichkeit sich eiuzuheben weiss. Wenn er dahei auch ein möglichst reichliches Maass von Befriedigung in erster Linie sucht, so zeigt er doch andererseits bei vorhandener Auswahl auch bestimmte Neigungen.
Von dem Rehbock wurde in dieser Beziehung, wie auch von seiner Gewaltsamkeit, schon oben gesprochen. Auch das Benehmen des Hirsches zu seinen Thioren, die sogar Misshandlungen durch sein Geweih zu er-duldeu haben, ist ein Beispiel von Brutalität. Dabei scheint namentlich den alten Platzhirsch noch mehr wie der geschlechtliche Heisshunger die wüthende Eifersucht fortwährend zu beherrschen. Unaufhörlich ist er bedacht, dem Rudel seine unbedingte Herrschaft zu zeigen und sich absondernde Stücke zusammenzutreiben, wobei seine Beschäftigung auf der einen Seite allerdings nicht eben selten zu Flucht und Verrath auf der anderen benutzt wird. Die Kämpfe, welche entbrennen, wenn wirklich ein Gegner sich stellt oder gar herausfordert, sind ja bekannt.
Dieser Kampf, Mann gegen Mann um das Weib, bewegt tief das ganze Bereich der höheren Thiere und drückt ebenso der Zeit ihres Liebeslebens, um einmal dieses Wort hier des Gegensatzes halber zu gebrauchen, ein kriegerisches Gepräge auf, wie er andererseits eine
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nicht zu unterschätzeude Bedoutung dadurch erlangt, dass im Allgemeinen der Sieg des Stärkeren die beste Qualität der Nachzucht sichert.*)
Bei den Hausthieren, wo unter gewöhnlichen Verhältnissen die Nothwendigkeit eines Kampfes mit dein Nebenbuhler überhaupt nicht an das Männehen herantritt oder die freie Konkurrenz doch sehr beschränkt ist, zeigen sich denn auch die Männchen beim Werben von einer wesentlich anderen Seite.
Die Domestikation hat ja an sich im All gemeinen eine Besänftigung zur Folge gehabt und bei manchen Thicrrassen wie Individuen sogar ein gewisses Phlegma entstehen lassen. Die Kampflosigkeit bedingt weiterhin, dass mehr Ruhe und sogar Freundlichkeit (am wenigsten beim Eber erkennbar) vorherrschen.
Die Präliminarien sind natürlich abhängig ebenso von der Bereitschaft oder Sprödigkeit des Weibchens (pag. 39 ff.), wie von dem Temperament des Männchens, das unter Umständen selbst erst Zeit bedarf, um sich in genügende geschlechtliche Erregung zu versetzen. Im Allgemeinen und namentlich, wenn das Weibchen freigelassen bleibt, findet überall ein gewisses Ankirren statt.
Der Hengst nähert sich dem Kopf der Stute, fasst mit den Zähnen Hautfalten am Halse, an den Weichen u. s. w. Der Bulle pflegt besonders die Geschlechtstheile zu beriechen, der Eber stösst die Sau mit dem Rüssel unter den Bauch, Hunde stellen sich zunächst gegenüber, berühren sich mit den Schnauzen und wedeln lebhaft. Die Geschlechtstheile pflegen übrigens alle Männchen zu beriechen wegen des speeiflschen Brunstgeruches (vgl. pag. 18), wenn auch mit mehr oder weniger Passion. Pferde, Bullen und Böcke biegen dabei öfters die Oberlippe in eigenthümlicher Weise aufwärts gegen die Nasenöffnuugen (Flehmen). Es soll dies ein Zeichen der aufs Höchste gesteigerten Geruchserregimg, bezw. es soll nach Gün ther (pg.42,Anm.) bestimmt sein, die eindringende Luft speciell in den oberen Nasengang und nach dem Siebboin (Ricchgegend) hinzuleiten, also die Geruchsempfiudung zu schärfeu. Doch dürfte dies nicht immer zutreffen. Es scheint, als ob die Bewegung auch manchmal Miss-
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*) Man darf aber die Vortheilo jenes Kampfes auch nicht üborschätzen. Dor Stiirkcro 1st sehr häufig auch dor, wolclicr dio frischen Zongungsjahro überschritten bat, und der von ihm zurückgeschreckte Jüngero würde vielmehr Bosseros leisten. Auch macht man bei unserem Nutzwild (sozusagen) ganz allgemein die Beobachtung, dass dor Kampf bozüglich der Nachzucht quantitativ und qualitativ zum Schaden ausartet, wenn zu vielo Männchen in Konkurrenz treten, weil sie in gegenseitiger fortwährender Fehde sich orschöpfon, statt ihre Aufgaben erfüllen zu können.
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behagen oder Unlust ausdrücke (eine gewisse Aelmlichkeit mit dem Gähnen) oder bewirke; manche Hengste flehmen und ziehen dabei den Penis wieder ein (Schwarznecker vgl. pg. 18).
Ist die Stute künstlich in Bereitschaft gestellt, so kommt es beim Hengst wesentlich auf den Zeitpunkt der eignen Erregung an, wobei sehr grosse Verschiedenheiten obwalten, die z. B. Schwarznecker anschaulich beschreibt. Feurige Hengste sind schon beim Anlegen des Deckzaumes fertig und stürmen sofort auf die Stute los; phlegmatische müssen erst längere Zeit in der Nähe der Stute verweilen und bei manchen müssen sogar allerlei Handgriffe angewendet werden, um die Erregung zu unterstützen. Beim Hengst spielen auch individuelle Neigungen eine grössere Rolle, als bei anderen Hausthieren. So führt Schwarznecker an, dass ein Hengst, nachdem er mehrere Jahre in der trakehner Eappheerde gedeckt hatte, Eappstuten nicht mehr bedecken wollte, während er bei andersgefärbten sich willig erwies; ein anderer zeigte Unlust gegen die Angehörigen des Gestüts und deckte am liebsten fremde Bauern- und Wirthschafts-stuteu. Sogar die Umgebung hat Einfluss auf den Hengst, weshalb allgemein die Deckplätze vor Geräusch und Störung aller Art geschützt werden müssen. Günther führt einen Hengst an, der durch den Anblick jedes ungewohnten Gegenstandes, durch jede Unvorsichtigkeit des Wärters und schon durch jedes Gespräch gestört wurde, und einen andern, dessen Lust bei einer Bewegung der Stute augenblicklich nachliess. Junge Hengste sind auch bisweilen furchtsam. Dass kaltblütige und gemeine Schläge nicht dieselbe Empfindsamkeit zeigen werden, wie edle, ist ebenso selbstverständlich, wie der Einfluss voraufgegangener starker Benutzung auf die Geschlechtslust.*)
Auch bei den Bullen zeigt sich erhebliche Verschiedenheit; während lebhafte schon nach einem flüchtigen Beriechen auf springen, stehen sprungfaule oft lange Zeit unthätig neben der Kuh. Beim Bullen kommt namentlich auch neben dem Grade der geschlechtlichen Benutzung der Nährzustand in Betracht; mastige und schwerfällig gewordene Thiere werden überhaupt weniger erregbar und eifrig zum Sprung sein. Dies gilt auch von Widdern und Ebern. Der Widder, sagt Hausmann, steht
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*) Im Gcschlocbtslcben des Pferdes machen sich, wie sich aus obigom und aus den Bemerkungen pagf. 9 u. lOO erglebt, Stimmung und Launo, Son-sibilitiit und Nervosität iiborhaupt viel mehr geltend als bei anderen Thiorou. Man möchte sagen, os steht darin, wie auch in der grüssoron Unregclmässigkeit des Begattungstriebes (vgl. png, 30 u, 80) und dor Befruchtung (pg. lOO) den Menschen nähor. Hieran dürfte nicht bloss seine natürliclio norvüse Constitution, sondorn auch die Art seiner Haltung Anthoil liabon.
Schmaltz, OescliIccUtslüben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4
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erst einen Augenblick wie nachdenkend, die Erection erwartendquot;, bei dem brünstigen Schaf. Individuelle Verschiedenheiten sind bei den letztgenannten Hausthieren weniger augenfällig.
Die Funktion der männlichen Geschlechtstheile.
Das entscheidende äussetliche Kennzeichen genügender geschlechtlicher Erregung und zugleich das Erforderniss zur Begattung ist die Erektion des Penis, wobei derselbe ausnahmslos aus der, den meisten Thieren eigenthümlichen, unter dem Bauch entlang ziehenden Hauttasche, dem Schlauch (bursa penis), hervortritt.
Formen des Penis.
Die Gi'undoigonsohafton des Ponls dürfen liier als bekannt vorausgesetzt werden. Seine Form ist bekanntlich ausserordontlich verschieden.
Beim Pferde besitzt dor Penis eine sohl' beträchtliche Liinge und Stärke, worin übrigens die gomoineu Schläge die edlen übertreffen. Das in einem flngor-füriuigoii Portsatz mit zwei stumpfen Soitontlügeln auslaufende corpus cavornosum ponis trägt die stark ontwic.koltG Eichel (glans), deren Vordorlläche die tiefe, bis auf den erwähnten fingerförmigen Fortsatz reichende Eicholgrubo zeigt, während ein schotenförmiger Ausläufer von ihr auf dem Kücken dos Ponis nach hinten sich auszieht (im Uobrigen kommt sie, was die Hausthioro anlangt, der glans hominis am nächsten). Im schlaffen Zustand übertrifft sie den Umfang dos Ponis nur wonig, schwillt dagegen bei der Erection bis auf das Vierfache an.
Nach Günther's Messungen hat der voll crigirte Ponis 5C'/.j cm Durch-mossor, die Eichel am vorderen Rand 1815 cm in der Quere und 10llVa cm in der Höhe (sodass dor von Hausmann gebrauchte Ausdruck tollcrgrossquot; nicht unberechtigt ist). Der aus dem Schlauch horvorgetroteno und zur Einführinig in die Scheide dienende Theil dos Penis misst 8147 om. Dio Haut, welche in zweifacher Faltung den Penis looker umhüllt, befestigt sich hinter dor Eichel und überzieht von hior ab (als inneres Blatt der eigontliclien Vorhaut) in inniger Verbindung die Eichel, zugleich den zarteren Bau einer cutanen Schleimhaut zeigend.
Einen vollkonmicnen Gegensatz dazu bildet der Ponis der Wiederkäuer und dos Schweines. Der Ponis der Wiederkäuer ist verhältnissmässig sehr dünn, auch in erigirtom Zustande. Er macht im hinteren Theil eine S-formigo Kriimmung, welche sich bei der Erektion streckt und so wesentlich zur Vor-längerung dos Penis beiträgt. Dio Wiedorzusammenziohung erfolgt durch don Aftorruthonmuskcl. Die Eichel fohlt vollkommen; das spitzauslaufendo Ende des corpus cavornosum ponis vertritt dio Stelle dos Ruthenkopfes. Die äussero Haut biegt sich am Schlauch-Eingang ins Innere dos Schlauches zurück, tritt (beim Bullon 50 cm hinter der Spitze) einfach auf das Vorderende des Ponis über und überzieht ihn von hier aus (als cutano Schleimhaut). Die Länge des Penis beträgt beim Bullen in Ruhe ca. 70 cm und mohr, in Erection bis 100 cm, ist also beträchtlicher als heim Pferde; das bei der Erection aus dem Schlauch hervortretende Stück, dessen Durchmesser nicht mehr als 2 cm (an der Eichel 1 cm) beträgt, ist jodoch nur etwa 40 cm lang.
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Boim Schafbock, dosson Ponis über 30 era lang wird, orschoint das Kicholondo dos Ponis durch oigonthümlicho Wulstung dor Vorhaut stumpf; dio Harnröhro erweitert sich hior erst und tritt dann als feiner, nacli hinten ge-ki'ununtor Fortsatz daraus frei hervor, üor Schlauch ist bei den Wiodorkäuom sehr lang und hat oinon aus Vor- und Zuriickzioliora bestohondon Muskelapparat.
Der Penis desEbors ist etwa UO cm lang, fast riomonförmig und in dor Erection grade gestreckt. Da sein Körpor, im Gegensatz zur Harnröliro, wenig Schwoil-gowebe und daher wenig Vorküizungsfiiliigkeit bat, so wird er bei der Erschlaffung durch die Vorkiirzung dor Harnröhre molir oder weniger schraubenfurniig zusammengodroht. Eine eigoutlicho Eichel fohlt; das vordere Penlsonde ist lang, spitz und einem flaclibogigen Korkzieher vergleichbar; die Harnrohren-niiindung sitzt rochtssoitig. Dor sehr lange Schlauch hat ebenfalls einen Muskolapparat; über seiner Miiudung stülpt sich eine grosso, median eingeschnürte, mit dem blinden Ende nach hinton gekehrte Blase aus, der Nabelbeutel, bursa prao-putialis {Oehmko, Archiv f. Tbierheilkd. 23).
Eine ganz andere Beschaffenheit zeigt wieder der Penis des Hundes. Sein corpus cavornosiun wird durch den bis 10 cm langen Kuthonknochon fortgesetzt. Derselbe ninuut oinon so boträchtliehon Thoil dos ganzen Gliedes ein, dass das corpus cavernosum selbst gowissermasson nur als cbarniorartig bowog-llohes Verbindungsstück dos Kutiienknochens mit dem Becken zu betrachten ist. Der Euthonknochon trägt die liichel, welche vorluiltnissmässig dick und sehr lang ist. Sie läuft spitz aus; ihr hintores Endo jedoch, an wolches sich das inuoro Vorhautblatt ansetzt, hat einen abgesonderten knolligen, oben und seitlich aufsitzenden Sehwollkörpor, den Eichelknollon (über dessen Bedeutung s. unten pag. 58). Bei dem Kater ist ein Ruthenknochen vorbanden; die Eichel jedoch fohlt. Dafür ist die das vordere Penis-Endo überziobondo Haut mit kloinen Stacheln besetzt (die denselben Dienst wie der Eichelknollen vorrichten sollen; s. unten pag. 58). Aussordem ist er nicht zwischen den Hinterbeinen durch nach vorn, sondern nach abwärts und hinten gerichtet.
Die vom Ponis getragene H a r n r ö h r e*) hat bekanntlich ihren eigen en Sehwollkörpor (bestehend aus einem Venennetz, corpus spongiosum), welcher beim Pferd und Hund deutlich in zwei seitliche Hälften geschieden ist. Derselbe bildet zwischen den crura ponis einen bulbns (Harnrohronzwiobol, out-sprochond dem bulbus vestibuli vaginae), bezw. zwei durch ein septum (Pferd, Hund, Eber) getrennte Kolbon, welche verschieden (boim Pferde schwach, boim Hund und Eber stark) entwickelt, jedoch, namentlich durch Injection, überall, auch beim Pferd, nachweisbar sind. Von ihm setzt sich ein feines corpus spongiosum auch auf die pars membranacoa (Beckonstück) der urethra und namentlich auf den colllculus sominalis (Schnepfenkopf, caput gallinaginis) fort.
Bei den Thieron ohne Eichel verliert sich dor Harnröhrenschwollkörper gegen dio Ruthonspitzo zu; beim Hund und Hengst jedoch ist oben die Eichel sein voluminöses Endo.
Glans, corpus spongiosum und bulbus urethrae stehen somit als geschlossenes Ganzes dom corpus cavornosuiu penis gogenuber.
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*) Dio Harnröhro, die sonst mit dem Penis endet, hat eine solbsMäudigo Mündung boim Pferd, wo ihr Rohr frei in dio Eicholgrubo hineinragt, und beim Widder, wo sie sich über die Spitze des Penis hinaus verlängert (s. oben).
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#9632;ad
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Gefässe und Nerven des Penis.
Dio Natur alloi' dieser Schwollkörpoi' beruht auf ihrer Blutversorgung, die nur an sorgfältigen Injootionon (Hausmann, Kobelt) genau zu übersehen ist.
Das arterielle Blut kommt beim Manne aus dor art. pudenda intorna, welche 8 Aosto abgiobt: die arteria bulblurothrao, die art. profunda penis, welche an der Ruthonwurzel in deren Schwollkorpor geht, und die art. dorsalis penis, welche, am Ruthcnrücken entlang laufend, an den Ruthcnschwellkörpor Zweige giebt und schlicsslich in der Eichel endet. Ganz ähnlich ist die Anordnung beim Hund, nur dass sich die art. pudenda oxtorua durch eine Anastomose mit der art. dorsalis ponis an der Zuleitung bethoiligt. Ebenso vorsorgt bei den Thioren ohne Eichel die art. pudenda interna dio Ruthe bis zur Spitze. Beim Pferde dagegen bethoiligen sich 3 Arterion gloichnuissig au der Zufuhr: dio arteria pudenda intorna endet als art. bulbi urethrae; dio arteria obturatoria giebt die art. profunda penis in die Ruthenwurzol; und in dor ganzen Länge der Ruthe in den Ruthen-schwellkörpor gehen Aosto von der art. pudenda oxterna, welche auch die art. glandis abgiebt. (Eine am ganzen Ruthenriioken entlang laufende art. dorsalis oxistirt nicht, wird vielmehr durch die letztgenannten Aosto vortreten; nur der für die Eichel bestimmte Ast läuft auf dem Rücken des vorderen Thoils dos Penis entlang.) Alle drei Arterien anastomosiren durch jo einen Zweig in der Nähe der Ruthen-Wurzel; auch im Innoron stehen ihre Zweige in Communication. Uoborall sind, wie schon Hausmann und Kobelt hervorgehoben haben, die Zweige für den bulbus urethrae, welche auch das corpus spongiosnni urethrae versorgen, besonders reichlich, während die Versorgung des corpus cavernosura ponis verliältnissmässig schwächer ist.
Die abloitenden Vonon: Die Vonon sammeln sich im allgemeinen auf dem Ruthcnriicken sowohl aus der Eichel, ^vio aus dem Ruthonschwellkörper und dem corpus spongiosum urethrae. Aus dorn bulbus urethrae geht eine Vene direkt hervor ins Bocken. Bei denjenigen Thioren, bei welchen die art. pudenda intorna dio ausschliesslicho oder Hauptzuloitung bildet, gehen dio abloitenden Stämme zwischen hinterem Sitzbeinrand und Sitzboinruthenmuskeln hindurch ins Bocken zur vena pudenda intorna, thoilwoise jedoch, z. B. beim Widder (Hausmann) auch an die untere Fläche des Sitzbeins in die Vorstopfungsvene. Auch mit Bauehhautvcnen können Anastomosen zu Stande kommen. Beim Pferde erfolgt die Ableitung nach denjonigen 3 Venen, welche den drei zuführenden Arterien entsprechen; Aus dem bulbus urethrae geht ein (verhältnissmässig schwacher) Ast direkt ins Beckon zur vena pudenda intorna. Dio übrigen Venen sammeln sich zu einem vielstämmigon, den ganzen Ruthonrückon bedeckenden Ocflooht. Aus diesem geht jedorsoits ein Stamm an dor Ruthonwurzel durch den musc. ischio-cavornosus unter den Beckenboden zur vena obturatoria. Dio boi weitem, mächtigste Ableitung entsteht jedoch etwa in der Mittellängo des Penis und wird zur vena pudenda oxterna. Im übrigen bestehen Anastomosen zwischen den Venen der Eichel und dos Harnrühronschwellkörpers mit denen des corpus
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*) Die Eichel, wo solche vorbanden ist, besteht zum grössten Theil aus feinen, vernickelten und anastomohlieudcn Venenschlingon. Ihr Schwollkörper ist deshalb viel zarter und elastischer als der des Ponis, welcher von der starken talbuginoa umgeben, von groben Balken durchsetzt ist und in der Hauptmasse aus Zügen glatter Muskolfiusorn in den Wänden der cavemösen Räume besteht.
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caveniosum ponis und die aus dor Wurzel dos lotzteron hcrvortrotondon Venen (vv. profundao sou omissariae) haben auch Verbindungen mit don Venen des Beckonstücks dor Harnröhre.
Beim Eber verlaufen übrigens die Hauptvonon von der Ruthonspitze her /j dos Ponis entlang zunächst unter der Harnröhre und erst dann steigen sie auf den Euthonrückon, wo sie sich zu oinom Stamm vereinigen. Alle diese Verhältnisse haben ihre grosso Bedeutung für die Erection.
Dio mächtigen norvl dorsales penis (die Fortsetzungen der nn. pudendi intorni) gehen zum allorgrössten Theil in die Eichel, deren Haut einen aussor-ordentlichen Nervonroichthum besitzt; das corpus cavornosura ponis enthält spärliche Nerven; bulbus urothrao und corpus spongiosuni in Wesentlichen nur sympathische Fasern, wie solche auch in die übrigen Thoilo gehen. Günther hat experimentoll beim Pferde nachgewiesen, dass die Uurchsclmeidung der nn. dorsales jede Begattungslust (vollständiger, als dies durch Kastration geschieht; vgl. pag. 08) aufhobt.
Dio Muskeln des Ponis sind für den Mechanismus dor Erection von grosser Bedeutung (s. unten). In Betracht kommt zunächst der m. bulbo-caver-nosus, welcher namentlich den bulbus urothrao uniglobt und über diesen mit dem der anderen Seite zusainmengreift (seine oberflächlichen Pasern gehen nach Kobelt beim Menschen in die fascia penis und können mittelst dieser die vv. dorsales komprimiren). Beim Pferde bedeckt er dio ganze Harnröhre, bei den anderen Hausthioron nur den Theil in der Nähe der Peniswurzol; beim Eber liegt er ausschliesslich auf dem bulbus urothrao und ist hier sehr stark (fingerdick). Der musc. ischioeavernosus umhüllt die crura ponis, befestigt diese hauptsäoblich an das Sitzbein und kann sie zusammenpressen, nicht aber den Penis aufrichten. Ausserdem giebt es jedoch noch besondere kloine Muskel-Einrichtungen: beim Eleischfressor findet sich auf dem Rücken der Kuthenwurzol der Houstonscho Muskel, welcher im Verein mit einem Quorbändchon die vv. dorsales zusammenpressen kann. Bei den Wiederkäuern geht noch ein m. ischio-bulbosus auf den bulbus urethrae, beim Eber haben nach Hausmann die venösen Hauptstämrae seihst starke Ringfasern. (Diese Verhältnisse bedürfen noch speciellerer Untersuchungen.)
Entstehen der Erection.
Das Wesen der Erection beruht auf einer Blutüberfüllung in Folge reflectorischor Reize. Letztere ist jedoch doppelten Ursprungs und entstammt ebensowohl vermehrter Zufuhr als einer Beschränkung des Abflusses. Sie tritt ferner gesondert, d. h. nicht gleichzeitig, im corpus cavornosum ponis und in der Eichel ein. Der ganze Vorgang zerfällt demnach in mehrere Theile und Stadien.
Der aufflammende Begattungstrieb erzeugt zunächst einen Nervenreiz, welcher durch die nervi erigentes (aus dem Beckengeüocht des n. sympathicus; von Eckhard-Giesson gefunden) vasodilatorisch auf die Arterien wirkt. Ein starker Blutstrom geht durch die heftig pulsirenden Arterien in das corpus cavernosuin penis, den bulbus urethrae und die glans, welche dementsprechend an Umfang und Lunge gewinnen.
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Hierdurch wird die Haut der Eichel bezw. des Rutheneudes sowohl von innen heraus peripher gedehnt, als auch von vom nach hinten gespannt.
Dies bringt die ausscrordentlich zahlreichen Nerven der Haut des Ruthenondcs (der Eichel) zu einer erhöhten und speciflschen lleiz-empfänglichkoit (welche sie in gewöhnlichem Zustand nicht äussern), die nunmehr reflectorisch den ganzen Apparat in Thiitigkeit setzt.
Die mm. bulbo-cavernosi pressen jetzt nach Kobelt stossweise den bulbus urethralis zusammen und pumpen so das diesem durch seine sehr reichlichen Arterien massenhaft zugeführte Blut in die Eichel, welche durch diesen zweiten Faktor gesteigerter Zufuhr mehr und mehr ausgedehnt wird. In diesem Zupumpeu des Blutes sieht Kobelt die Bedeutung jenes hinteren Theils des Harnröhrenschwellkörpers und des m. bulbo-cavernosus (vgl. bulbus vestibuli vaginae pag. 45).
Zugleich werden aber in dritter Linie nunmehr die ableitenden Venen zusammengepresst, was die Blutfülle allmählich aufs Aeusserste steigert. Die Pressung der Venen ist noch nicht in allen Stücken klar gestellt und wird auch zweifellos beim Menschen und bei den verschiedenen Thieren nicht ganz mit gleichen Mitteln bewirkt. Ein vollständiger Abschluss findet jedenfalls nirgends statt, da, wie oben gezeigt wurde, allen Veneugebieten Nebenleitungen offenstehen. Die venae dorsales aber bezw. deren hintere Abflüsse werden überall komprimirt, theils durch besondere Muskeleinrichtung (Hund, Schwein, s. oben), theils durch die Ausdehnung der crura penis und Spannung der musc. ischio-eavernosi, durch welche bezw. zwischen denen sowohl die nach der vena pudenda iuterna wie die nach der obturatoria ziehenden Venen durchgehen müssen; auch die venae bulbosae werden (durch den musc. bulbo-cavernosus) zusammengedrückt werden. Dass die Contraction der mm. ischio-eavernosi die Blutfülle und Steifigkeit derRuthe ebenfalls erheblich zu steigern vermag, ist leicht nachzuweisen. Unter Mitwirkung der venösen Stauung erreicht schliesslich die Rathe ihre höchste Ausdehnung.
Wo jedoch eine Eichel vorhanden ist (Pferd, Hund), tritt an dieser jene höchste Schwellung zuletzt und in der Regel erst während der Begattung selbst ein. Beim Pferd übertrifft sie vorher wenig den Umfang des erigirten Penis und erreicht erst während der Begattung die ausser-ordentliche Ausdehnung, die man dann nach dem Abspringen beobachten kann (vgl. pag. 50). Beim Hund schwillt während der Begattung der Eicholknollen so an, dass der Penis zum Pestsitzeu kommt (s. pag. 51 u. G2). In beiden Pällen würde die Einführung des Penis unmöglich werden, wenn jenes Volumen schon vorher einträte. Diese gesonderte und spätere Schwellung erklärt sich einmal so, dass es zur vollendeten Ausdehnung der Eichel einer längeren Füllung und eines gesteigerten Reizes bedarf. Andererseits
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aber liegt die Ursache jener Brsoheluung darin, dass erst durch die Begattung selbst die Bedingungeu für hochgradige venöse Stauung gegeben werden. Für das Pferd, bei dem das Blut grössteutheils und grade aus der Eichel in die w. inidendae externae gelangt, so dass eine Pressung der Abflüsse an der Peniswurzel wenig Wirkung haben kann, hat schon Günther (vgl. pag. 42, Anm. 2) nachgewiesen, dass durch die Stellung beim Begattungsakt selbst eben die Wurzeln der vv. inidendae externae und auch der vv. obturatoriae zusammengepresst werden, wodurch erst vollkommene Stauung eintreten kann. Hiermit ist zur Genüge erklärt, warum die Eichel erst bei der Begattung selbst so stark anschwillt. Auch beim Hund können ähnliche Umstände insofern mitwirken, als erst die Compression durch die enganschliessende Scham bezw, den Scheiden-vorhof die Ableitung aus dem Eichelknollon vollständig behindert. Durch die Erection muss übrigens das Lumen der Harnröhre weit geöffnet worden, was für die Ejaculation wichtig ist (vgl. pag. 00),
Günther betont noch, dass boim Pferde der Ponis oft fast plötzlich, wenn auch noch ziemlich schlaff, hervortritt. Blutfüllung kann dies nicht bewirken, weil es auch bei unterbuiulcnon Hauptarterien erfolgt. Günther will daher eine active Expansion des Gewebesquot; annehmen. Davon kann nun doch nicht die Rode sein. Es genügt aber auch die schon von Günther selbst (sect; 180) betonte Thatsache, dass der beginnende Geschlochtsreiz ein plötzliches Nachlassen des Aftcrruthenmnskels (vielleicht auch der von diesem mitgespannton Umgebung) veranlassen kann (ähnlich wie ja auch die Ringmusculatur der Arterien gelähmt wird; pg.53, unten). Dann folgt der Penis einfach zunächst seiner Schwere; die Blutfüllung schliesst sich alsbald mitwirkend an. Denn da der Ponis bekanntlich überhaupt ohne Erection aus dem Schlauch heraustreten kann, so muss er ja für gewöhnlich dort festgehalten worden, was nur der Aftomithenmuskel, der ihn auch überall nach der Erection wieder in den Schlauch zurückzieht, bewirken kann. Deshalb tritt oft bei Wallachen der schlaffe Penis hervor bei starker Ermüdung, welche auch ein Nachlassen dos Afterruthennuiäkcls bewirkt.
Bndlich seien noch mehrere Versuche Günthers an Hengsten erwähnt, wonach die Unterbindung dor art. profunda ponisquot; (gemeint ist das ganze in den Ponis eintretende Ende der art. pudenda int., vgl. pg. 52) das Zustandekommen einer genügenden Erection auch bei grösster Bogattungslust absolut verhindert. Die Zuleitung durch die aa. pudenda extorna und obturatoria in die Eichel und das corpus cavernosum penls ist also bei plötzlichom Versagen der pudenda interna nngonUgond für den gemeinsamen Zweck. Da die pudenda interna in den bulbus urethrae geht, so bestätigt dieser Versuch die Ansicht Kobolt's, dass dio Erection wesentlich abhängig ist von dem fortgesetzten Hinnoinpumpcn dos Blutes vom bulbus nrethrao aus durch die Harnröhre in die Eichel. (N'orvendurchschnoidung s. pg. 53.)
Wollusterzeugung.
Der Sitz der Wollustcrzeugung kann beim männlichen Thier nicht zweifelhaft sein. Der Ruthenschaft mit seiner t. albugiuea und seinen spärlichen Nerven ist nur transitirendes Wollustorgan.
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Wollustempfiudendes Organ ist nur die Haut, welche die Eichel bezw. das Vordereude des Ruthenkörpers überzieht. Das vou ihr umschlossene Schwellgewebe hat nur den Zweck, sie anzuspannen. (Dass diese Spauuuug übrigens eine doppelte Verlängerung und periphere Ausdehnung ist, wurde schon oben erwähnt.)
Diese Spannung, vielleicht auch in Verbindung mit der belebenden Wirkung erhöhter Blutzufuhr, wirkt auf die Nervenenden durch den mechanischen Druckreiz. Dieser wird dann vervielfältigt durch den noch stärkeren Reiz der Friktion bei der Begattung.
Da übrigens der Grad der Reibung im Begattungskanal von der Ausdehnung des Ruthenkopfes abhängt, so wird dessen Form von Einfluss sein. Die tellorgrossquot; werdende Eichel des Hengstes muss das Lumen des Begattuugskanals m. o. w. vollständig ausfüllen und wird eine sehr starke Friktion erfahren. Ebenso innig und insbesondere von langer Dauer ist die Umfassung der Eichel des Hundes (s. unten 63).
Dagegen kann bei den Wiederkäuern und beim Eber, namentlich beim Bullen vou einer Umfassung des dünnen Rutheukopfes durch die Scheide oder den (der bulbi entbehrenden) Yorliof keiue Rede sein (betr. Berührung mit dem Muttermund s. pag. 82 ff.). Hier muss der Reiz daher im Wesentlichen am Eingang, beim Hinübergleiten über den Kitzler und durch die Spannung bewirkt werden, welche die Vorhaut bei der Verlängerung des vorderen Ruthentheils und dessen Heraustreten aus dem Schlauch erfährt.
Da gerade bei den Wiederkäuern der Höhepunkt der Wollust sehr rasch eintritt (s. pg. 92), so orgiebt dies zugleich, dass Grad und Ansteigen der Wollustempflnduug keineswegs überall von dem engen Zu-sammeuschluss des männlichen und weiblichen Begattungsorganes bezw. der Intensität der Friktion abhängig ist. Es muss, abgesehen von der Hautspannung, übrigens auch die Vertheilung und Reiz-empfänglichkeit der Wollustnerveu entscheidend sein, die bei den Wiederkäuern eine eigenartige sein mag (da eine leichtere Nervenerregbarkeit dieser Thierarten gegenüber z. B. Pferd und Hund doch nicht bestellt.
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Die Bedeutung der accessorisohen Geschlechtsdrüsen und die Ejaculation.
Das normale Ende der Begattung ist ein Erguss männlichen Samens (Ejaculation) in die woiblicheuBegattuiigsorgaue(vgi.pag. 79ff.). Der wesentliche Bestaudthcil des Samens sind die Samenfäden (pag. 70, 71, 74, 77, 79ff). Allein zu ihrer EeraUBbeförderung ist eine Aufschwemmung durch Flüssigkeit unorlässlich. Ist dieselbe nicht in genügender Menge vorhanden,
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so bleibt die Ejaculation aus oder doch unvollständig. (Dieser Mangel
an entleerungsfiihigem Samen heisst Aspermatie; vgl. auch pag. 79.) Die Beschaffenheit der Samenflüssigkeit ist auch noch anderweitig von Einfluss auf das Begattungsresultat (vgl. pag. 80, 81).
Die Samenflüssigkeit stammt mm zum geringsten Theil aus den Hodenkanälchen, Nebenhoden und Samenleiter-Ampullen; sie wird vielmehr hauptsächlich von den accessorischen Geschlechtsdrüsen geliefert, mischt sich dem Hodenprodukt mithin erst in der pars membranacea (Beckeu-stück) der Harnröhre bei.
Die accessorischen Geschlechtsdrüsen sind bekanntlich recht verschieden entwickelt. Die Samenblasen*) fehlen bei Hund und Katze, haben beim Pferd ein weites Lumen und Drüsenschläuche in den Wänden, sind bei den Wiederkäuern mehr kompakte tubulo-acinöse Drüsen und namentlich beim Eber sehr gross. Die Prostata ist dagegen bei Wiederkäuern und Schwein klein, beim Pferd und Fleischfresser aber gross und stellt eine traubige Drüse dar. Die Cowperschen Drüsen**) haben wieder beim Eber eine überraschende Grosse, sind bei den Wiederkäuern und beim Pferd nicht unbeträchtlich, beim Kater sehr klein und fehlen dem Hunde ganz.
Das Pferd hat also alle 3 Drüsen in mittlerer Grosse. Dasselbe gilt von den Wiederkäuern, bei denen jedoch die Prostata klein ist. Der Eber zeigt die stärkste Entwicklung von Samenblasen und Cowperschen Drüsen neben kleiner Prostata. Der Hund hat nur eine grosse Prostata, der Kater ausserdom noch ganz unbedeutende Cowpersche Drüsen.
Aus diesen Verschiedenheiten ergiebt sich, dass nicht das Secret aller Drüsen unbedingt uothwcndig ist, dass eine Drüse die andere muss vertreten können. Andrerseits scheinen wieder gewisse Eigenthümlich-keiten bei bestimmten Thierarten für eine besondere Bedeutung der oder jener Drüse zu sprechen.
Sicher ist zunächst, dass, soweit die genannten Drüsen vorhanden sind, sie sämmtlich ihr Secret unter dem Einfluss des Begattuugsreizes entleeren, so dass es sich ausnahmslos dem Samencrguss beimischt. Jedoch stellte Hausmann beim Schwein fest, dass das Secret der Cowperschen Drüsen, welches überall schleimig und namentlich beim Eber sehr zäh ist, zuletzt ergossen wird und noch nach dem Absteigen des Ebers aus der Harnröhre tropft. Hausmann sah auch bei Hengsten im Todeskampf eine Flüssigkeit aus der Harnröhre tropfen, die ihrer zäh-
*) Vgl. auch Eichbaum, Bau dor vosieulao sominales. '*) Dor nouo Nomeuelator anatomicus nonnt dio Cowperschen Driison glan-dulao bulbo-urothralosquot;.
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Bohlelmlgeu Beschaffenheit nach ein Product der Cowpersoben Drüsen war. Hensen (Herrnianu's Physiologie), der übrigens jene Beobaclituug Haus-mann's nicht kennt, ist geneigt, dem Secret der Cowperschen Drüsen eine besondere Bedeutung, etwa für Reinigung der Harnröhre, zuzuschreiben (vgl. auch pag. 80). Prostata und Samenblasen liefern jedenfalls die Hauptmasse der in der Gesammtreaction alkalischen Flüssigkeit, desgl. die gerinnbaren Bestandtheile, den speeifischen Geruch. (Die Menge der Flüssigkeit, vgl. pag. 81).
Die erheblichste Meinungsverschiedenheit ist über die Bedeutung der Samenblasen entstanden. Dieselben zeigen beim Menschen und auch beim Pferde einen weiten Lichtraum und enthalten beim Manne fast stets (nach Eehflsch' Untersuchung; Deutsche med. Wochschr. 189C, 16) und auch beim Hengste (Hausmann) Samenfäden. Dies hat zu der Ansicht geführt, die Samenblasen seien ein Reservoir für Samenfäden. Letztere sollten aus dem Hoden zu jeder Zeit aufsteigen und sich in den Samenblaseu sammeln, um für die Ejaculation bereit zu liegen. Hiernach wäre also die Schnelligkeit der Ejaculation wesentlich von einer derartigen Aufspeicherung der Samenfäden abhängig.
Die Samenblasen können jedoch eine allgemeine und wesentliche Bedeutung als Samenreservoire schon deswegen nicht haben, weil sie bei allen Hausthieren, mit Ausnahme des Pferdes, gar keinen als Reservoir geeigneten Liehtraum besitzen. Dies ist namentlich nicht der Fall bei den Wiederkäuern, welche doch zur Begattung, mithin auch zur Ejaculation nur einen Augenblick gebrauchen. Deshalb kann die Schnelligkeit der Ejaculation unmöglich von vorheriger Ansammlung des Samens in den Samenblaseu abhängen. Mithin kann auch der Schluss (Gurlt) nicht richtig sein, dass die nachträgliche Schwellung des Eichelknollens beim Hunde und die Ruthenstacheln des Katers bestimmt seien (vgl. pg. 51), den Begattungsact zu verlängern, weil diesen Thieren die Samenblasen fehlten. Dass die Samenblasen ohne Einfluss auf die Dauer des Be-gattungsaetes sind, beweist auch die langdauernde Begattung des Ebers, der doch sehr grosse Samenblaseu hat.
Wenn beim Menschen fast stets in den Samenblasen Spermatozoon gefunden werden, so kann dies als ein bedeutungsloser Zufallsbefund auf-gefasst werden. Denn einmal können, da die Samenfäden sich schon im Hoden selbst bewegen (wie Rchflsch beim Kaninchen fand), gewiss kleinere Schwärme jederzeit im duetus deferens (Samenleiter) aufsteigen. Fürstenberg fand sie in den Ampullen des Samenleiters vom Bullen fast stets. Sie können beim Menschen dann auch in die Samenblasen gelangen, da hier nach Rehfisoh' Feststellung Injectionen vom duetus deferens aus stets
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erst die SameublfiBen füllen, was sich aus der bogenförmigen Eiiimiiiuhing ihres ductus exeretorius in den Samenleiter und aus der Verengung des gemeinschaftlichen Endstückes heider, des ductus ejaculatorius, erklärt. Aus diesem Grunde können sich aber auch hei jeder Begattung Schwärme von Samenfäden in die Samenblasen verirren und sich hierin längere Zeit erhalten.
Bei den Huusthieren ist übrigens auch das Verhältniss der Mündung der Ausführungsgänge ein anderes. Denn wo hier überhaupt eine Vereinigung des Samenleiters und des Ausführungsganges der Samenblase vorkommt, erfolgt sie unter spitzem Winkel; ebenso oft aber münden beide Gänge gesondert; bei gewissen Thier-Arten ist dies die Regel. Von einer regelmässigeu, spontanen Ansammlung der Spermatozoon In den Samenblasen kann mithin hier auch aus diesem Grunde 7iicht die Bede sein.
Wenn Rehfisch endlich die Nothwondigkeit der Samenblasen als Eeservoire heim Menschen durch den Hinweis darthun will, dass hier für die Wiederholung der Cohabitation ein Vorrath aufgespeichert werden müsse und auch der Samen hei der fortwährenden Production im Hoden nicht Platz finden würde, so wird diese Ansicht ebenfalls durch die Verhältnisse hei den Hausthieren widerlegt. Denn auch bei den Hausthieren, wo eine Aufspeicherung der Spermatozoen in den Samenblasen nach dem oben gesagten gar nicht möglich ist, findet fortwährende Samenproduction statt und die Begattung kann von ihnen, wie auch z. B. von den wilden Wiederkäuern, oft und rasch hintereinander wiederholt werden. Diese Thatsache lässt sich einfach dadurch erklären, dass eine Begattung nicht die Entleerung aller Hodenschläuche herbeiführt (vgl. auch pag. 81).
Die Annahme, dass jedesmal überhaupt nur ein Hode am Samen-erguss hetheiligt sei, ist allerdings unwahrscheinlich (vgl. pag. 142). Es wäre nicht zu verstehen, wie der vom Wollustorgan aus sich beiden Körperseiten mittheilende Reflexreiz nur einseitig wirken sollte. Sieht man doch auch beide Hoden hei der Ejaculation gleichmässig durch ihren Cremaster aufgezogen werden, wie Hausmann für den Hengst ausdrücklich constatirt. Ausnahmsweise hei geringem Reiz (Landois) mag es möglich sein, dass nur ein Hode, vielleicht der momentan gefülltere, sich entleert.
Nach alledem kann den Samenblasen eine Bedeutung für die Bereitschaft der Samenfäden zur Ejaculation und für den Verlauf der letzteren nicht zugesprochen werden.
Es darf vielmehr als sicher gelten, dass die Masse der Samenfäden erst hei eintretendem Geschlechtsreiz bzw. während der Begattung aufzusteigen beginnen und den ganzen Weg ohne Aufenthalt zurücklegen.
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Die Eisenbewegung (pag, 71) der Samenfäden kann natürlich für die Ejaculation nicht in Betracht kommen. Die Horausbeförderung geschieht durch Wirkung der Muskeln, welche den Samenwog bis zur Kuthe umgeben und durch den von der quot;Wollustempfindung verursachten Refiexreiz beherrscht werden, der auch alle Ruthonmuskcln in die bei der Erection (pg. 54) beschriebene Thätigkeit versetzt.
Aber diese Muskeln arbeiten mit verschiedenen Mitteln und deshalb kann man allerdings gewissermassen ein vorbereitendes und ein eruptives Stadium nuterscheiden. Das erstere wird den Aufstieg des Samens aus dem Hoden bis in die Ampullen des duetus deferens bzw, in die Harnröhre umfassen. Dieser Aufstieg kann auch schon im duetus deferens sehr beschleunigt geschehen, denn es kontrahiren sich nicht allein dessen organische Muskelfasern, sondern es steigt unmittelbar vor der Ejaculation der Hoden gegen den Leisfenring empor durch die Kontraktion des Cremaster, der dem Inhalt des Samenleiters eine sehr kräftige Beförderung wird zu Theil werden lassen können. In der pars membranacea nrethrae vergrössert sich die Masse des Samens durch das Secret der Drüsen, welche durch denselben Reflexreiz zur Absonderung veranlasst sind. Die durch Venennetze erectileu Wände des Beckenstückes der Harnröhre werden durch Zusammenziehungen des musc. urethralis (Wil-sonii) heftig komprimirt und nun wird der Samen stossweise durch die Harnröhre geschleudert. Kobelt sieht gerade in diesem musc. urethralis den eigentlichen accelerator seminis, den der m. bulbocavernosus am Ruthenstück der Harnröhre allerdings, soweit er vorhanden ist, unterstützen kann*). Wesentlich ist aber für die Beförderung durch das Ruthenstück der Harnröhre ausserdem, dass die Erection des corpus spongiosum nrethrae das Lumen der Harnröhre klaffend geöffnet hat. Das eruptive Stadium muss im allgemeinen schnell verlaufen.
Wenn daher der Bogattungsact selbst bei den einzelnen Thierarten eine verschieden lange Zeit in Anspruch nimmt, so braucht dafür keineswegs die Dauer der Ejaculation bzw. der Umstand bestimmend zu sein, ob besondere Vorrichtungen für ein Bereitliegen des Samens vorhanden sind oder fehlen. Vielmehr wird in Betracht kommen, ob der Wollustreiz, der die Ejaculation in Bewegung setzt, sich langsamer oder schneller zu voller Macht entfaltet. Bei den Wiederkäuern, welche die Begattung
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*) Dass dor bulbo-cavornosus im Verlauf dor Rutho nicht der wesentlichste Factor der Ejaculation soiu kann, geht auch daraus hervor, dass die Ejaculation beim Bullen plötzlicher erfolgt, als beim Hongsto, obwohl der ra. bulbo-cavernosus bei crstercni nur am Wurzclthoil dor Rutho, bei lotztorom bis zur Eichel vor-liandou ist.
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fast mit einer eiuzigen Bewegung ausführen, wird jedenfalls die Erregung, welche die Krection bedingt, zugleich schon das Aufsteigen der Samenfäden aus dem Hoden in die Ampullen, auch schon beginnende Secretion der accessorischen Drüsen hervorrufen, so dass im Moment der beginnenden Begattung sich das Beckenstück der Harnröhre schon gefüllt hat*) und es nur noch einer energischen Contraction des musc. urethralis und bulbo-cavernosus, welche erst durch den Begattungsreiz selbst bewirkt wird, zur Ejaculation bedarf. Wenn beim Eber die Begattung und anscheinend dabei auch die Ejaculation lange dauert, so ist es fraglich, ob die eigent-liclie Samenentleerung diese Zeit in Anspruch nimmt und es sich nicht vielmehr um die Ausprcssung des Secrets der so ungewöhnlich grossen Cowpersehen Drüsen handelt, welche nach Hausmanns Feststellung (pag. 57 unten) erst nach dem Samenorguss entleert werden. (Hund vgl. pag. 88).
Der Beginn des eruptiven Stadiums der Ejaculation fällt mit dem Höhepunkt des geschlechtlichen Reizes zusammen, der in diesem Augenblick nicht bloss den ganzen Geschlechtsapparat, sondern auch die willkürliche Musculatur der ganzen Umgebung in Thätigkeit versetzt.
Wenn man von Bewusstlosigkeit in Folge des Wollustreizes spricht, so dürften diese Augenblicke vor jenem Stadium der Ejaculation liegen. Während desselben dürfte dagegen schon mehr blosse Willensschwäche obwalten, die Folge der unmittelbar an die höchste Reizempfindung an-schliessenden, momentanen nervösen Abspannung, auf welche sich der alte, aber nicht immerzutreffende Satz bezieht: omue animal post coi'tum triste.
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Die Form der Begattung toei den yerschiedenen Hausthierarten.
Pferd.
Der Hengst springt von hinten auf, nachdem die zunächst schlaff aus demSchlauch vorgefaüeneEuthe genügende Steifheit (bei noch massiger Eichelscliwellung, vgl. pag. 54) erreicht und sich gegen die Bauchdecken gehoben hat. Die Stute krümmt dabei etwas den Bücken und senkt das Becken. Durch Seitwärtsnehmen des Schwanzes der Stute, auch wohl Führung des Penis hat das Aufsichtspersonal das Einspringenquot; zu erleichtern. Der Hengst fasst mit den Zähnen Kamm oder Widerrist der Stute. Die Be-
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*) Dass sich aber, wie Hausmann anzunehmen geneigt ist, dor Samen beim Widder in dem orwoitoiton Endstück der Harnröhre ansammle, bevor dio Begattung beginne, ist auszuschliossen. Denn welche Kraft sollte ihn, wenn er hier Halt gemacht hätte, #9632;wieder in Bewegung setzen, da der vordere Theil der Harnrübro keine Muskeln hat.
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gattuug golit nicht gerade schnell vor sich. Der Hengst tritt dabei vou einem Bein auf's andere, was allenfalls eine Verstärkung der Friktion bewirkt, jedenfalls aber keine sonstige besondere Bedeutung hat, -wie Günther will (s. pag. 82); das Absameu (d. h. die Ejaculation) zeigt sich namentlich durch das sogenannte Nicken, d. h. Heben und Senken der Schweif'muakeln. Graf Lehndorff betont jedoch, dass dies keineswegs ein sicheres Zeichen ist, ja manchmal vom Hengst sogar gewisser-massen iingirt wird. Der Leiter des Deckens kann sich jedoch über das Absameu vergewissern durch Anlegen der Hand an die untere Euthenfläche, wo die stosaweise Beförderung des Samens deutlich zu fühlen 1st. lieber das Benehmen der Stute vor und nach der Begattung ist schon oben (pag. 31 und 41) gesprochen. Es kommt vor, dass Hengste nicht absameu, wenn sie phlegmatisch oder die Stute nicht recht rossig ist. Ebenso kann nach Graf Lehndorf das Pressen der Stute gegen den vordringenden Penis das Absameu stören. Ein williges Sichgeheulasson der Stute und ein gewisser nicht überstürzter Nachdruck beim Hengst sind die vortheilhaftesten Bedingungen für ungestörten Vollzug der Begattung. Günther beobachtete ein vergebliches Bespringen fünfmal hintereinander binnen einer Viertelstunde.
Vfiederkäuer.
Der Bulle steigt in der Eegel auf, sobald der Penis aus der Vorhaut (oft nur ein ziemlich kurzes Stück) hervortritt und erledigt die Begattung durch einen einzigen Stoss mit einem kurzen, leidenschaftlichen Nachschubquot;, wie Weiss sagt. Bei seiner Schwere und Unbehülflich-keit ist dies auch (da er sich keinen rechten Halt zu geben vermag) ein Vortheil für ihn, wie für die Kühe (vgl. betr. die Kuh pag. 64). Auch Widder und Ziegenbock (ebenso Hirsch und Reh) zeigen diese ausser-ordentliche Schnelligkeit beim Sprung, der aus einem einzigen Stoss besteht.
Schwein.
Beim Eber dauert der Begattungsakt am längsten, über 2 Minuten. Es scheint, den Zuckungen im Lauf des Penis nach zu urtheilen, hier auch die Ejaculation länger zu dauern (vgl. aber vorige Seite, oben).
Fleischfresser.
Sehr eigenthümlich liegen die Verhältnisse bei den Fleischfressern. Die Hündin biegt, wie pag. 41, unten erwähnt, das Kreuz ein und hebt die Scham. Der Hund steigt mit erigirter Euthe seitwärts auf die Hündin, die er mit den Vorderbeinen umfasst. Nach nicht sehr rascher Vollziehung der Begattung steigt er seitwärts herunter, ohne jedoch den
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Penis herausziehen zu können, du inzwischen der Eichelknolien so angeschwollen ist, dass er unbeweglich festsitzt. Indem der Hund zugleich das Hintertheil nach der Hündin kehrt, wird der Penis gewissormassen verbogen, was zu weiterer Compression seines Schwellkorpers führen muss.
Die Dauer dieses Hüngensquot; ist verschieden, einige Minuten bis 1 Stunde. Günther (vgl. pag. 42, Anm.) nimmt an, dass erst während desselben die Ejaculation erfolgt und dass das Hängen eben desshalb nöthig sei, um ihrem Eintreten Zeit zu lassen. Dies ist nicht bewiesen (auch nicht durch einen von Günther sect; 182 mitgetheilten Versuch) und auch nicht anzunehmen. Denn die Ejaculation beginnt wenigstens auf der Höhe der Erregung (siehe oben pag. 61) und diese ist ersichtlich vorüber, sobald der Hund abgestiegen ist. Dass die Ejaculation dann etwa so lange fortdauere, ist ebenfalls nicht anzunehmen (vgl. pag. 60). Dagegen spricht auch schon die Thatsache, dass durch die Drehung des Penis beim Hängen das Lumen der Harnröhre m. o. w. zusammengedrückt ist, die Ejaculation während dieser Zeit also grade erschwert sein würde. Die Ursache des Hängens ist wohl lediglich die mechanische Unmöglichkeit der schnellen Lösung auch nach beendeter Begattung. Diese Unmöglichkeit wird bedingt durch die Besonderheit des Eichelknollens, der wegen der Enge der Schamöffnung nicht, wie z. B. die Eichel des Pferdes, vor der Abschwellung herausgezogen werden kann, während er andrerseits durch die geschwollene blutgefüllte Schleimhaut des Scheidcnvorhofs (vgl. pg. 34) innig nmfasst ist, was die abführenden quot;y,enen comprimirt und das Abschwellen nicht schnell eintreten lässt. Die mm. constrictores vaginae brauchen während des Hängens nicht coutrahirt zu sein.
Der Kater unterscheidet sich von allen schon genannten Männchen durch die Richtung des Penis, mit dem er nur senkrecht von oben eindringen kann (pg. 51). Er springt daher mit allen vier Füssen auf die Katze, die ihrerseits sich einbiegt und die Schamöffnung nach oben kehrt, hält sich mit den Krallen fest und braucht einige Zeit zur Begattung, die wegen der kleinen Stacheln des Penis nicht ganz schmerzlos für die Katze sein kann.
Ueber den Einfluss, welchen etwa das Verhalten der Thiere bei der Begattung auf den Erfolg der letzteren auszuüben vermag, wird im folgenden, von der Befruchtung handelnden Theil noch zu sprechen sein.
Vorsichtsmassregeln und Zufälle bei der Begattung.
Es ist schon erwähnt worden, dass zum Begattungsplatz ein ruhiger und abgeschlossener Ort gewählt werden soll, weil namentlich Hengste
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durch Unruhe in ihrer Umgebung gestört und abgelenkt werden (vgl. pg. 49). Der Boden darf nicht glatt sein, um ein Ausgleiten des aufgesprungenen Hengstes, Bullen, Ebers zu verhüten (für Schweine am besten ein eingefriedigter Wühl- und Sühlhof).
Grössemmterschiede können bis zu einem gewissen Grade durch Vertiefung bezw. Erhöhung des Bodens hinter dem weiblichen Thier ausgeglichen werden. Doch darf ein Missverhältniss schon deshalb nicht bestehen, weil sonst das männliche Thier zu schwer ist (uameut-lich Bullen) und das weibliche beim Aufsprang niederbrechen oder sonst Schaden (Beckenbrüche) erleiden kann. Bei Hunden ist die Grosse der beiden sich paarenden Thiere allerdings häufig genug sehr verschieden, ohne dass Nachtheile (wenn nicht etwa später bei der Geburt) entständen.
Verletzungen können bei beiden Geschlechtern durch die Begattung vorkommen. Wenn der Penis des Hengstes Schweifhaare der Stute mit in den Genitalkanal nimmt, so kann er dadurch eingeschnitten werden, weshalb der Stutenschweif zur Seite zu nehmen und event, einzuwickeln ist. Beim Bullen sind beträchtliche Quetschungen des Penis beobachtet worden, wenn derselbe seitwärts von der Schamöffuung aufgcstosseu war (Stockfleth). Günther sen. giebt sogar an, dass junge, feurige Bullen, namentlich, wenn die Kuh nicht ruhig zulässt, den Penis nicht selten abbrächen. Wenn man bedenkt, aus welchem Material die Ruthe besteht, so ist dies trotz der grossen Steiflgkeit derselben doch nicht recht zu verstehen; in den Handbüchern der Chirurgie findet man auch selbst unter einer so reichlichen Kasuistik, wie sie Stockfleth giebt, hierüber nichts; beim Vorhandensein eines Ruthenknochens wäre dies erklärlicher.
Leichter können natürlich Verletzungen des weiblichen Thieres vorkommen. Allein am häufigsten entstehen sie doch nicht im Geuital-kaual, sondern vielmehr, wenn die männliche Ruthe, den Weg verfehlend, in den Mastdarm eindringt. Dieses Ueberspringenquot; kommt nicht ganz selten bei der Stute, der Kuh und der Sau vor, sei es durch Zufall oder durch Kleinheit des weiblichen Thieres oder ungünstige Lage der Geschlechtsöffnung (Kuh); es kann bei genügender Aufsicht natürlich verhindert worden. Bei Stute und Kuh treten meist Mastdarmzer-rcissungen ein, die bei der Stute stets, bei der Kuh jedoch nicht unbedingt tödtlich sind (wohl, weil hier durch den düniieii Penis nicht so ausgedehnte Zerreissung eintritt). Doch sind auch Fälle beobachtet, wo selbst bei der Stute das Ueberspringen überhaupt keine Verletzung des Mastdarms zur Folge hatte, und namentlich bei der Sau kennzeichnet es sich nicht selten nur durch vorübergeheudes Drängen, Schleimabgang und Schwellung des Mastdarmendes.
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Hinrichseu beobachtete gelegentlich einen Bruch der Schwanzwurzel durch die Begattung bei der Kuh.
In den Geschlechtstheilen selbst werden Risse am Kitzler nach der Begattung bei Kühen gefunden. Kleinere Streifwunden, die sich durch ein wenig Blutabgaug verratlien, sind auch nicht allzu selten. Ueber eigentliche und erhebliche Verletzungen linden sich in der Literatur jedoch nur so wenig Mittheilungen, dass solche als ganz vereinzelte Vorkominnisse betrachtet werden müssen.
Bei einer Stute war die obere Scheidenwand unmittelbar am Muttermund in einer Ausdehnung von 15 zu 5 cm durchrissen worden (exitus letalis binnen wenigen Stunden durch Verblutung; sächs. Jahresbericht 1885 jrng. 79), Bei einer anderen (alten) Stute war ebenfalls die Decke der (dünueu und schlaffen) Scheide vom Scheidenvorhof bis zum Gebärmutterhais durchrissen (Tod durch Peritonitis in einigen Tagen; nach Pflsterer, Bad. Ihierärztl. Mitth. 1877). Johne (sächs. Jahresbericht 1875) fand bei einer Kuh kurz hinter dem Muttermund in der oberen Scheiden-waud eine 1 cm weite Wunde ^anscheinend war auch der Mastdarm verletzt; Heilung). Bei einer anderen Kuh war wenige Centimeter vor der Scham die rechte Scheidenwand so unglücklich durchbohrt, dass tödtliche Verblutung eintrat (Beisswänger, Kepertorium d. Thierheilk. 1890).
Als ganz merkwürdige Zufälle sind zu erwähnen eine (tödtliche) Durchbohrung der Harnblase durch Einführen des Penis in die Harnröhre bei einer Kalbin imitgetheilt im Repertorium von liebele) und ein (ebenfalls tödtlicher) Riss im Uteriishorn einer Kuh 3,5 cm vor dem Muttermund, wobei also der Penis durch den Muttermund eingedrungen sein muss (Duranton, journal de Lyon 1888).
Begattungshindernisse kommen ebenfalls vor, sind jedoch hier nicht zu besprechen, da sie das Vorhandensein von Abnormitäten oder Krankheiten voraussetzen; vgl. Theil II dieses Buches.
Häufigkeit der Begattung.
In der Freiheit wird die Begattung bei allen Thieren häutiger, als zu ihrem Zweck erforderlich, ausgeführt.
Beim Wild ist die Unmässigkeit der Männchen während der Brunst eine unglaubliche und ihre Leistungsfähigkeit bezüglich rascher und häufiger Wiederholungen ganz überraschend. Auch die Weibchen dulden die Begattung während der ganzen Brunst, wenn sie auch schon oft beschlagen sind. Ks herrscht dabei nicht blos Vielweiberei, sondern, wo sich die Gelegenheit bietet, auch Vielmännerei. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass die Männchen diese kurze Zeit der Aus-
SchmaUz. Oeschlochtslcbou.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
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Schweifungen durch sibsoluto Knthaltsamkeit während des ganzeu übrigen Jahres wieder ausgleichen. Es kommen ferner auf ein männliches Wild-thicr verhältuissmässig wenig Weibchen (auf einen Hirsch sind z. B. 812 Thiere höchstens zu rechnen), die zu befruchten er frische Kraft genug behält.
Bei den nutzbaren Hausthieren muss ein Männchen nicht allein m. o. \v. stets im Stande sein, sondern es fallen auf dasselbe ausserdem eine erheblich grössere Zahl weiblicher Thiere, die ihm (nach wirth-schaftlichem Gebrauch) ebenfalls vielfach innerhalb einer kurzen Saison vorgeführt werden. Das Haustbier kann sich überdies bei seinen ganz anderen Lebensverhältnissen an frischer ursprünglicher Kraft mit dem Wildtliier wahrscheinlich überhaupt nicht messen (vgl. jedoch pag. 29, Anmerkung;).
Zudem werden die Männchen mancher Hausthierarten sehr jung zur Benutzung herangezogen, wobei es schädlich wäre, ihnen masslose Freiheit zu lassen, während beim Wild die stärkeren und älteren Stücke im Allgemeinen schon dafür sorgen, dass für die Jugend nicht zuviel übrig bleibt.
Es ist daher bei den Hausthieren ein Haushalten sehr am Platze und jede unnütze Vergeudung der geschlechtlichen Kraft als nachtheilig und unwirthschaftlich zu betrachten*). Dem wilden oder Herdensprnng gegenüber (wobei die Männchen sich frei in der Herde bewegen und dabei dasselbe gerade brünstige Thier natürlich öfters begatten) ist deshalb im Prinzip der Sprung aus der Hand entschieden vorzuziehen, wobei die Thiere zur Paarung einzeln zusammengeführt und nach erfülltem Zweck wieder getrennt werden. Die Zahl der für ein Männchen überhaupt bestimmten Weihchen ist zu begrenzen, erst recht natürlich die ihm an einem und demselben Tage zuzumuthenden Leistungen.
Sohwarzneoker nennt 5060 die Durchschnittszahl der einem Hengste
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*) Ebenso unrichtig 1st es Jedoch, die BeMedigung dos Gesohleohtstrlebcs nnnatUrlioh zu besohränken oder zu verzögern. Es wird dadurch keineswegs etwa die Potenz sozusagen aufgespeichert und gesteigert, sondern das (Jegenthoil tritt oin. Weibliche Thiere, die man nach Eintritt dor Oesclilcchtsroifo zu lange auf das erste Belogon bat warton lassen, empfangen schwor, wozu boi den Fleisch-tbleren die inzwischen entwickelte Neigung zur Fettbildung beitragen mag, was aber namentlich auch bei Stuten fast stets zur Hysterie und Unfruchtbarkeit führtquot;, wie Graf Lehndorfl sagt. Männliche Thiere aber können oinor Art von Onanie verfallen, was munoutlich boi Bullen bis zu dauernder Schwächung (mangelhafte Erektion, zu frühzeitiger Samenorguss) führen kann, aber auch hei Hengsten sowie bei Böcken und Hunden zu beobachten ist. Uebor die richtige Zeit zur Zulassung ist bereits pag. 8 ff. gesprochen worden (vgl. auch pag. 104).
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innerhalb einer Decksaison (6 Monaten) zuzuweisenden Stuten. Für den englischen Vollbluthengst I. Klasse werden nicht mehr als 40 Stuten jährlich angenominen (Graf Lehndorff, Handbuch für Pferdezüchter). Doch werden in Oldenburg den Hengsten auch 100 Stuten und mehr zugemuthet. Nach der Instruktion der preuss. Landgestüte soll ein volljähriger Hengst nicht öfter als zweimal, ein vierjähriger nur einmal täglich decken, bei einem Ruhetag wöchentlich. Doch decken auch Hengste vier- bis sechsmal täglich. Graf Lehndorff empfiehlt wöchentlich einen ganzen und drei halbe lluhetage (d. h. an diesen nur einmaliges Decken).
Ein Bulle genügt für 6080 Kühe, wenn deren Ansprüche sich über das ganze Jahr vertheilen, beim Herdenspruug für 1060 und, wenn seine Thätigkeit auf eine kurze Sprungzeit zusammengedrängt wird, nur für 3040 Kühe. Der Bulle soll täglich möglichst nur eine Kuli, ausnahmsweise zwei decken. Auch einem Widder sollen höchstens 50 bis 60 Mutterschafe zugctheilt werden, beim Herdenspruug (s. oben) nur 30. Es fällt hier erschwerend ins Gewicht, dass die Sprungzeit stets auf einen kurzen Zeitraum eingeengt ist. Der Widder soll während derselben täglich 4 Sprünge ohne Nachthoil ausführen können. Einen Eber rechnet man auf 20 Sauen, wenn (in grössoren Zuchten) die Sprünge auf eine kurze Jahreszeit zusammengedrängt werden.
Auch das weibliche Thier, obwohl es gewiss die Begattung öfters duldet, wird man, wenn nicht eben die wirthschaftlichen Verhältnisse den Heerdenspruug bedingen und so eine Kontrole verhindern, nicht un-nöthig oft bedecken lassen, eben der Schonung des Männchens wegen. Jedoch wird noch darüber gestritten, wie weit etwa Wiederholungen für den Erfolg nützlieh seien.
Bei Stuten verliert sich die Rossigkcit bald nach dem Decken, sofern Befruchtung erfolgt ist. Zur Sicherheit liisst man sie nach einigen (6 7) Tagen nachprobiren und sie, wenn noch rossig, nochmals decken (schwer empfangende Stuten eventuell bald nacheinander von mehreren Hengsten; vgl. übrigens Befruchtung pag. 100).
Bei Kühen tindet eine solche Nachprobe, die wegen der kürzeren Brunstdauer schon am nächsten Tage vorgenommen werden müsste, in der Regel nicht statt. Dagegen ist der Gebrauch noch viel verbreitet, den Stier gleich hintereinander mindestens zweimal springen zu lassen. Dieser Gebrauch ist jedenfalls ungerechtfertigt, da ein Sprung, sofern ersichtlich Samenerguss erfolgt ist, zweifellos zur Befruchtung genügt, wenn die Kuh überhaupt an diesem Tage empfänglich ist; die Sicherheit der Befruchtung wird also nicht vergrössert, die Kräfte des Bullen werden nur
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mmöthig abgenutzt und er wird leicht uud frühzeitig sprungfuul werden (vgl, namentlich pag. 81).
Eber pflegen die Begattung zu wiederholen, was mau ebenfalls vielfach für notiiweudig hält, jedoch mit nicht grösserem Kecht, denn auch für eine Vielzahl von Eiern genügt der einmal ergossene Samen jedenfalls (vgl. übrigens pag. 97).
Schon Hausmann und Günther (vgl. pag. 42, Aum. 2) erklären es für zwecklos, zweimal hintereinander springen zu lassen. Trotzdom ist dieser Abusus auch heut noch nicht auszurotten. (Vgl. pag. 81, 97, 100.)
Künstliche Vernichtung des Geschlechtstriebes und der Begattungsfähigkeit.
Die kiiiistlielio Bosoitigung dos Geschlochtstriobos ist vielfach bei den Hausthiomi zu wlrthschaftlichcn Zwecken erforderlich, theils um die Mastfähig' kelt zu steigern (vgl. pag. 86), theils um dos Temperament der Thlere fur Arbeitsleistungen geeigneter zu machen, sowie gelegenüloh aus anderen Gründen. Das allgemein angewendete Mittel ist die Castration, d. h. die Entfernung der Eierstocke, bzw. dor Hoden.
Die beiderseitige Castration weiblicher Thlere (vgl. pag. 86 u. 4), weiche nur bei Stuten lebensgefülirlich ist, hebt nicbt allein selbstverständlich die Zengungsffthlgkelt, sondern auch jede gesohlechtilohe Erregbarkeit auf.
Die bei allen Hausthionirton ansgetührto beiderseitige Castration nüinu-licher Thlere hat in der Kegel sogleich dieselbe Wirkung. Hengste, die erst in der Volljährigkeit eastriert sind, verlieren jedoch den Begattungstrieb erst nach 28 Jahren gänzlich. In der ersten Zeit nach der Operation ist er sogar ungcschwäolit, was sieh in Krectionen zeigt. Hausmann (vgl. pag. 42, Anm. 2) theilt je eine Beobachtung von einem Hengst und einem Eber mit, welche am zweiten Tage nach dor Castration bzw. sofort nachher eine Begattung ausführten, und sogar Befruchtung erzielten. Letzteres würde sich aus dem gelegentlichen Vorhandensein von Samenfäden In den SamoiUelter-Ampulion (bzw. auch Samenblasen beim Hengst, vgl, pag. 68) erklären.
Vollständiges sofortiges Verschwinden des Geschlechtstriebes hat Günther durch Dnrohsohneidnng der nn, dorsales penis experimentell (vgl. pag. 68) erzielt, während Gefässunterblndnngen nur die Erection unmöglich machen, ohne die Ge-schlcchtslust zu mindern (vgl. pag. 55).
Die Entfernung nur eines Hodens stört den Geschlechtstrieb nicht. Derselbe besteht auch fort, wenn der zurückgebliebene Hode verkümmert ist (Krypt-orchide). Auch auf die Zeugungsfähigkeit hat die Entfernung bzw. Verkümmerung eines Hodens nach allgemeinen Beobachtungen, die auch Hausmann bestätigt, keinen Elnflusa (vgl. jedoch pag. 141).
Nebenwirkungen.
Beide (Jeschlochtor macht die Castration ruhiger und zahmer (daher mast-
fäbigor bzw. dienstwilliger). Aber auch der Körperbau wird durch frühzeitige
Castration hauptsächlich beim männlichen Thicr verändert. Da, namentlich in
Bezug auf das Skelett und die äusseren (Jeschlocbtsattributo (Geweih, Horner,
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Hakenzähne, Hautlappen, Barthaare; vgl. pag. Ou. 47), dor woiblicho Gosciik^ohts-oharakter sich durch Stohonbloibon auf einer quantitativ geringeren stufe vom mann* liehen unterscheidet, so wird dor nüinnlicho Castrat, Indem hol ihm der männliche (ioschlochtstypus sich nicht ausgeprägt, dem weiblichen Typus ähniieh bloibon; gewisse Teile seines Skeletts bleiben feiner, die Horner schlanker, Bart, Hakon-Zähne etc. unentwickelt. Beim Weibehen, bei dorn sich nur die Milchdrüse gosehleehtstypisch stärker entwickelt, kann auch nur hierbei sich eine Bnt-wloklungshescbrftnkung zeigen; doch mag auch am Bocken die sonst eintretende normale weibliche Weite ausbloibon. Wird die Castration erst nach abgeschlossener Kntwicklung vorgenommen, so kann sich ihr Kiufluss auf den Körper natürlich nicht derartig äussern; was geworden war, das bleibt.
Sehr interessante Boobaohtuugen gestatten die Hauthörner der Familie Hirsch, Die Castration des Jugendlichen Männchens vor Entwlckelung der Rosen-stocke d.h. vor Beginn der ersten Gehörn- bozw. Geweih-Bildung verhindert letztere absolut, Castration während der (iehörnMldung macht dieselbe nicht bloss kümmerlich, sondern wunderlich bezw, krankhaft: es entsteht ein monströses, sogenanntes Porückon-Gohörn. Da sich der Hauptschmuck bei Hirsch und Reh alljährlich erneut, so zeigt sich daran aber auch beim alten Männchen der Kinfluss der Castration bzw. der zufälligen Zerstörung der Hoden (Schussverlotzungon etc.). Das Abwerfen der Geweihe setzt olnezoitwoiso erhöhte Thätigkeit und Veränderungsfähigkeit an ihrem Orte voraus. Diese erlischt nach Zerstörung der Hoden. Das Gcwoih geht nicht verloren, aber erneut sich auch nicht; es wird nicht mehr abgeworfen. War es zur Zeit abgeworfen, so unterbleibt jode Neubildung; war es in Bildung begriffen, so wird es monströs, wie beim jugondliehen Castraton. Bei einseitigem Hodenverlust soll die Abnormität nur an der entsprechenden Seite ointroton, doch müsste hieriibor noch mehr zuverlässiges Beobachtungsmaterial gesammelt werden. Eaoul von Dombrowski behauptet in seinem Prachtwerk die Geweihbildung der europäischen Hirsohartenquot; (Wien 1884), dass die einseitige Geweihabnormität stets auf der dem zerstörten Hoden entgegengesetzton Seite eintrete, führt aber nur ein on beobachteten Fall an. Uobrigens bewirken auch vorübergehende grade in die Zeit der Gewoihbildung fallende Hodenvorletzungen einmalige monströse Entwlckelung. Aber andere schwere Körper-, namentlich Knochen-Verletzungen haben in dieser Zeit den gleichen Effect (ebontalis auf der entgegengosotzton Goweihsoite nach Dombrowski). Nach Heilung dieser Zustände erfolgt Abwarf und Neubildung wieder normal.
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III. Theil.
Die Befruchtung.
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Wesen und Bedingungen der Befmchtnn
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Die Befruchtung ist die körperliche Vereinigung bezw. Verschmelzung einer weiblichen und einer männlichen Geschlechtszelle, des Eies uud des Samenfadens.
Dieses Wesen der Befruchtung ist erst in der zweiten Hälfte uuseres Jahrhunderts klar geworden. Die beiden Geschlechtszellen waren freilich schon lange bekannt. Denn wie das Säugethierei schon von de Graaf im 17. Jahrhundert gesehen worden war (vgl. pag. 13), so hatte schon 1677 ein Leydener Student Hamm (oder von Hammen), ein Schüler Leeuwen-hoeck's, die Samenfäden (Spermatozoon) entdeckt.
Die Bedeutung beider Geschlechtszellen wurde jedoch unrichtig geschätzt. Während die Einen (Ovisten) in dem Ei allein den Anfang des neuen Individuums sahen, erklärten Andere (Animalkulisten), vor Allen Leeuwenhoeck, den Samenfaden für den alleinigen Keim, das El nur für einen Nährboden. Später wurden jedoch allgemein die Samenfäden für parasitäre Gebilde gehalten. Ihr regelmässiges Auftreten, der experimentelle Beweis, dass die männliche Zeugungsfähigkeit von ihnen abhängt, und endlich die direkte Beobachtung des Eindringens eines Samenfadens in das Ei (Martin Barry 1843 bezw. 1851 beim Kaninchen) und der Nachweis ihrer Bildung aus Hodenzellen lehrten erst ihren Charakter als Geschlechtszellen kennen. Jedoch man mass auch jetzt noch dein Samenfaden eine untergeordnete Rolle zu, indem man glaubte, sein Eindringen gebe nur den Entwicklungsanstoss (Bischoff), habe lediglich eine dynamo-physikalische Wirkung, während die Körporanlage des Foetus lediglich vom Ei ausgehe.
Erst Oscar Hertwig hat (1875) gesehen, dass es sich um eine körperliche Verschmelzung von Ei und Samenfadenkopf handelt und dass der
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hierlurcli gebildete neue Zellkörper die Kinbryonalaulago bildet. Damit ist zugleich klargestellt, dass die Embryonalanlage ebensowohl aus väter-lichei wie aus mütterlicher Substanz entsteht und dass somit das Sperma-tozoBn dieselbe Rolle spielt wie das Ei.
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ScMcksale der Geschleclitszellen bis zur Befruchtung.
Beschaffenheit der Samenfäden (Spermatozoen).
Die Samenfäden werden bekanntlich in den Hodenkanälchen erzeugt und gehen aus den sich lebhaft vermehrenden, d. h. sich theilea-den Hodenziellen hervor. Die Samenfäden sind also Zellen, welche jedoch fadenförmig geworden sind und deren Kern, frei aus dem Zellprotoplasraa hervorgetreten, zum Kopf des Samenfadens geworden ist. Dabei ist jedoch an-zunelimon, dass die Samenbildungszelle sich behufs Produktion der Samenfäden gleichzeitig doppelt theilt, so dass vier, anstatt wie bei der gewöhn-licheu Zelltheilung zwei, Theilprodukte entstehen und jeder Sanienfadeu-kopf nur halb so viel Kernmasse enthält, als ihm nach Massgabe anderer Zellen zukommen würde (vgl. pag. 7gt;i). Der Kopf besitzt eine für jedes Säugethier charakteristische Form (vgl.pag. 10(5), trotz scheinbarerAehnlich-keit aller Säugethicr-Spermatozoen. Seine Länge beträgt etwa fünf Micra, die des ganzen Samenfadens ca. fünfzig Micra. Neun Zehntel der Länge kommen also auf den fadenförmigen Theil oder Schwanz des Samenfadens. Dieser birgt in seinem Inneren einen bezvv. mehrere Axenfäden, welclie ebenfalls Kerngebilde sind. Im Uebrigeu besteht er jedoch aus Protoplasma, welches den in die Länge gezogenen Zellleib darstellt.
Dies Protoplasma hat die Fähigkeit der Figenbowegung und setzt den Scliwanz in schlängelnde Schwingungen. Mittelst derselben bewegt sich das Spermatozoon in der Minute um l1/-raquo;S1/^ mm vorwärts.*) Die Bewegung ist gleich nach der Kjaculation am lebhaftesten (vgl. pg. 78).
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*) Obige Angabe beruht auf Keobachtungon von Honlc, Kraomer, Hensen, Cbariienticr, Lott. Wenn Landois in seiner Physiologie angiebt, die Bewegung betrage nach Honle in der Minute die 400 fache Länge des Spermatozoon und desliall) in der Socundo 0,51,5 mm, so kann dies in koinor Weise stimmen. Denn erstens quot;würde das in der Minute ;i090 mm ergeben und zweitens müssto, wenn dies dio4O0facheSperinatozoen-Längo wäre,letztere75225 micra (d.h.0,075quot;-0,'2'25mm) betragen. Beide Resultate sind unrichtig. Heule hat die 400fache Länge des Sanionfartonkopfos gemeint, welche beim Menschen 4(i micra beträgt. Dieses Mass, 400 mal genommen, giebt 1,62,4 mm, was mit der oben im Text ango-g-ebenon, in der Minute zurückzulegenden Wegstrecke übereinstimmt.
Die Bewegung des Schwanzes könnte eine pendelnde sein, d. h. eine Schwingung In einer Ebne, verbunden mit abwechselnder welliger Zusammen-
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Das Wesen der Eireifung.
Von der Eizelle ist schon oben (pag. 12/14) gesagt worden, diiss sie den Follikel uur als reifes Elquot; verliisst. Beim Uobergaug aus dein fertigen in das reife Ei erfährt der bisherige grosse Kern der Eizelle, das Keimbläschen, eine Kerntheilung, in Folge deren eine kleine Zelle, Polzelle, vom Ei sich loslöst; dieser Vorgang wiederholt sieh sogleich nochmals. Das Ganze ist eine zweimalige Zellthcilung mit sehr ungleichen Theilprodukten. Der Leib der Eizelle bleibt sehr gross (behält alles Deuto-plasmas.Paraplasma; vgl.pag. 12), dagegen ist das Keimbläaehcn stark verkleinert, von 40 60 auf etwa 20 Mora und heisst jetzt Eikern. Durch diese Theilung ist der Eikern derart reduzirt (Reduktionstheilung), dass er aus halb soviel Kernsubstanz, wie ihm nach Massgabe anderer Zellen zukommen würde, enthält, d, h. er befindet sich in genau demselben Verhältniss wie der Samenfadenkopf (s. pag. 71).
Bei Kaninchen und Mäusen ist nachgewiesen, dass schon mehrere Wochen vor dem Borsten des Graaf'schen Follikels das Keimbläschen an die Oberfläche des fertigen Eies rückt und dass einige Tage vor dem Bersten die Ausstossung der Polzellon und das Auftreten eines reduzirten Eikerns erfolgt. Diese Ausreifung des Eies und das bald darauf erfolgende Bersten des Follikels (s. pag. 14) stehen demnach zweifellos miteinander in ursächlichem Zusammenhang.
Der Ausreifung wird folgende Bedeutung heigemessen: Da alle Zellen des Thierkörpers sich durch Theilung aus den ursprünglich vorhandenen entwickelt haben und daher alle auf die erste, aus männlicher und weiblicher Substanz gemischte befruchtete Zelle (s. oben) zurückzuführen sind, so wohnt jeder Körperzelle ein väterlicher und ein mütterlicher Bestandtheil inne. Jede Zelle ist also gewissermassen männlichweiblich, also auch jedes sich im Eierstock entwickelnde Ei. Mit den Polzellen wird der männliche Zellbestandtheil ausgestossen und nunmehr erst ist die Eizelle eine Zelle von ausgeprägtem weiblichen Geschlecht. Ob diese Deutung richtig ist, erscheint freilich noch fraglich.
.Tedenfalls wird bei der Reifung der Kern auf halbe Kornmasse reduzirt, wie dies auch der Samenfadenkopf ist, und erst in diesem Zustand ist das Ei befruchtungsfähig.
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kriimniung und Streckung: sie würde dann wirken, wie die Fasse boim Schwimmen. Odor sie könnte erfolgen nach den Principion einer Danipferschraubo, d. h. eine drohende sein, ebenfalls mit glcicbzoitigor Zusammonkriimniung und Streckung. Man ist hierüber noeh niebt einig. Jedenfalls kann sie nur im (lässigen Element, also nach den Principion der Bewegung schwimmender Körper, erfolgen.
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Verschmelzung der Geschlechtszellen und Befruchtungsvorgang. Kommen mm männliche Samenzellen vermöge ihrer Fähigkeit der Fortbewegung in die Nähe einer Eizelle, so stürzen sie auf dieselbe (über den Grund dieser Anziehung bestehen noch verschiedene Meinungen). Wo der erste Samenfaden das Ei erreicht, streckt dieses einen Protoplasmazapfen (Copulatloushttgel) ihm entgegen, der sich mit dem in ihn eindringenden Kopf des Siimennidens ins Ei-Innere zurückzieht, während der Schwanz aussei! hleibt. Zugleich bildet sich um das Ei eine Membran, welche weitere Sameiifilden abhält (das Eindringen mehrerer Siimen-fäden, Ei-Ueberfruchtung Polyspermie, s. pag. 90 ist bei den meisten Thierarten und namentlich bei den Säugethieren nicht normal). Mithin befindet sich im Ei jetzt der Kern der männlichen Geschlechtszelle (Sperma-kern). Dieser verschmilzt unter Bildung von Kerntiguren mit dem Ei-kern zu einem neuen Kern, dem Furchungskern. Damit ist die Befruchtung vollzogen, die also eine Yerschmelzung der Kerne*) beider Geschlechtszellen ist. Da aber sowohl der Eikern als der Samenfadenkopf gewissermassen auf die Hälfte der Norm reduzirte Kerne waren (wie oben gesagt), so entspricht der aus ihrer Verschmelzung entstandene Furchungskern genau einem Normalkern mit einer männlichen und einer weiblichen Hälfte.
Unmittelbare Folgen des Befruchtungsvorganges.
Mit der Bildung des Furchungskerns setzt eine Theilung des befruchteten Eies ein, bei welcher, wie bei jeder gewöhnlichen Zellthoilung, der neugebildete Furchungskern sich theilt und zwar so, dass seine männlichen und weiblichen Bestniultheile (Kernfadenschlingen) nachweislich je zur Hälfte in jeden Theilkern übergehen. Dies wiederholt sich bei jeder durch rasch folgende Neuthoilungen entstehenden weitereu Zellgeueration, so dass jede neu entstehende Zolle in ihrem Kern Abkömmlinge des ursprünglichen Ei- bezw. Sperma-Kernes, also väterliche und mütterliche Bestandtheile enthält. Diese Theilungsvorgängo werden ihrer Besonderheiten wegen als Eifurchung bezeichnet (zuerst gesehen
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*) Die gleiche Rollo spielen also mir die Kerne beider Goschleehtszollen, welche dadurch in den Vordergrund der ganzen Bildung gerdokt worden. Dem Protoplasma kommt nicht dieselbe BodoutuiiK zu. Bei der Samenzelle dient es der Bewegung, vermittelt dadurch die Verein idling dos Sperma- und Eikorns und endet mit ihr. Der Protoplasmaleib (Bildungsdottor) der Eizelle dagegen hat sich von Anfang an durch Aufnahme von Eosorvestoffen für die künftige Entwickohmg (üeutoplasraa, Nahrungsdottcr) vorgrössert, besitzt deshalb keine Eigenbowogung, wird aber zugleich der geeignete Boden, auf dem sich die mit Verschmolzung beider Kerne eingeleiteten Eiitwickolungsvorgängo abspielen.
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von Prevost et Dumas 182i beim Frosch) und das Produkt der Furchung ist eiu Haufe gleichartiger kleiner Zellen (Morula). Unter fortschreitender Zellvermehrung treten erst später Zellgruppirungen und Zelldiffereuzen und damit die Anlagen der einzelnen Körpertheile*) auf.
Die Entwickelung des Kmbryonal-Körpers kann hier nicht Gegenstand der Betrachtung werden, denn sie bildet eine Wissenschaft für sich, die Embryologie.
In gewisser Beziehung wird jedoch auf sie später zurückzukommen sein (s. Schwangerschaftquot;). Hier mag nur darauf hingewiesen werden, dass zwar in der Regel die Furchung und die daran an-schliessenden Eutwicklungsvorgänge, unmittelbar nach der Befruchtung beginnend, unaufhaltsam und gerade in der ersten Zeit sehr schnell fortschreiten, dass jedoch auch ein normaler Stillstand eintreten kann. Denn es ist z. B., namentlich von Bischoff, nachgewiesen, dass beim Reh das im Juli-August befruchtete Ei etwa vier Monate, bis Mitte December, in der Entwicklung stillsteht, um dieselbe alsdann in normaler Weise zu durchlaufen.
Dass übrigens die erfolgte Befruchtung (bezw. beginnende Schwangerschaft'i das Ausreifen anderer Eier im Eierstock aufhält, ist bereits erörtert worden (s. pag. 20 ff.),
Ort der Befruchtung.
Wanderung der Samenfäden.
Während bei vielen wirbellosen (Wasser-) Thieren und auch bei den meisten Fischen und vielen Amphibien nicht bloss der männliche Samen, sondern auch die weiblichen Eier nach aussen entleert werden und nur ausserhalb des Thierkörpers zur Vereinigung gelangen (äusserc Befruchtung), findet bei den Säugethieren ausschliesslieh eine innere Befruchtung statt, indem das Ei die weiblichen Geschlechtstheile (den Uterus) nicht verlässt und in diese der Samen, eben durch den Begattungs-act, gebracht werden muss, damit hier die Vereinigung stattfindet.
Die Uebertragung des Samens erfolgt in die Scheide und er wandert von hier vermöge seiner Eigenbewegung ins Innere (vgl. pag. 82 ff.).
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*) Früher hatte man angenommen, dass im Ei allo KOrperthelle bereits in der Anlage so vorhanden seien, wie in der Knospe allo Bliithonthcilo, und sich in der Embryonalzcit nur entfalteten. Es war dies dio Evolutions- oder l'raoformationsthoorie, welcher erst 175!) Caspar Wolff in seiner Dissertation die jetzt als zutreffend erkannte Lehre von der Kpipcneso, d. h. von dorn Entstehen der einzelnen Organanlagen in geordneter Folge nach- und auseinander, entgegenstellte.
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Sind die Samenfäden einmal in den Uterus gelangt, so wandern sie in dem Uterinschleim (entgegen der Flimmerbowogung des Uterua-Eplthels) leicht und schnell weiter und gelangen von da in die Eileiter und durch deren Bauchöffnung bis an den Eierstock. Hensen fand sie beim Kaninchen schon 2;i/.i Stunden, nach der Begattung auf den Eierstöcken, Hausmann (vgl. pag. 84) schon nach einer Stunde am Eileiter der Hündin. Jedenfalls haben sie vor Ablauf von 24 Stunden den ganzen Weg bis ans Ende zurückgelegt.
Wanderung des Eies.
Wenn das Ei unter dem Druck des liquor folliculi aus dem berstenden Follikel herausbefördert wird, gelaugt es durch das auseinmiderweicheudo Keimepithel auf die Ovulationsfläche (Ovulationsgrube beim Pferd). Der zellhaltige, mit heraus quellende Follikcl-lnhalt soll durch seine Klebrigkeit das Ei hier mehr oder weniger fixiren (Hensen), so dass es schon deshalb nicht so leicht in die Bauchhöhle fallen kann (obwohl Letzteres vorkommt). Ausserdem breiten sich aber die Fimbrien des Eileiters*) über die Ovulationsstelle aus.
Der Mechanismus der Fimbrien muss ja sicher funktioniren, da Fälle seines Versagens unzweifelhaft selten sind (vgl. pag. 89), ist aber nicht ganz erklärt. Durch vermehrte Blutfülle sollen die Fimbrien sich aufrichten und sich der Ovulationsfläche zweckmässig anlegen. Der Schleimbelag muss eine förmliche Anklebung bedingen; auch eine Ansaugung des Eileiters an den Eierstock wird angenommen. Da die Epithelflimmern dos Eileiters sich nach seiner (lobärmuttermündung hin bewegen, so müssen sie die Fimbrien auf den Eierstock hinaufschiebeu-, auch Contractionen organischer Muskelfasern sollen mitwirken.
Jedenfalls wird das Ei, welches in den Bereich der Fimbrien und ihres Flimmerepithels gerathen ist, durch dessen Bewegung in den Eingang des Eileiters (ostium abdominale) hinein und durch die Epithel-Himraerung nach der (iebärmuttermündung (ostium uterinum) hingeschoben.
Diese Wanderung oder, da das Ei sich nicht selbst bewegen kann und nur geschoben wird, besser gesagt: diese Beförderung des Eies vollzieht sich jedoch erklärlicher Weise nur langsam; sie dauerte bei einigen untersuchten Thieren 3 bis 5 Tage, nach Bischoff bei den Wiederkäuern 4 bis 5 Tage, beim Hund 8 bis 10 Tage. Nach Waldeyer vergehen 0 bis 8 Tage, bevor das Ei in den Uterus gelangt. Andere nehmen
*) Nach dorn neuen Noinenelator anatomicus licisst der Eiloiter tuba utei'ina, bisher tnba Falloppil.
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sogar eine Zeit von 2 bis 8 Wochen (wenigstens für das unbefruchtet gebliebene El) an.
Zusammentreffen.
Vergegenwärtigt man sich, dass mit der Ovulation die Brunst einsetzt, dass dieselbe alsbald zu einer Begattung benutzt wird und dass nach dieser die Samenfäden in weniger als 24 Stunden in die Eileiter gelangen, so wird ea klar, dass in der Regel das Eintreffen der Samenfäden in den Eileitern erfolgen muss, während das Ei noch auf seiner mindestens mehrtägigen Wanderung durch den Eileiter begriffen ist.
Daher sind die Eileiter als der regelmässige Ort der Befruchtung bei Thieren anzusehen und zwar besonders die Eileiterampulle, wo das Ei wegen des weiteren Raumes und der vielen Querfalten sich wohl besonders lange aufhalten dürfte.
Auch beim Menschen wird die Eileiterampulle als Ort der Befruchtung bezeichnet. Da hier aber die Begattungen unabhängig von der Zeit der Ovulation stattlinden, so kann es jedenfalls häufiger als bei Thieren geschehen, dass das Ei unbefruchtet in den Uterus gelangt und erst hier mit später eingedrungenen Samenfäden zusammentrifft. Die Möglichkeit, dass es auch im Uterus noch befruchtet wird, besteht jedenfalls und wird auch von hervorragendsten Gynäkologen (Schröder, Olshausen) zugegeben. Andrerseits wird dies bestritten, was wohl nur damit zu begründen wäre, dass die zurückgelegte lange Wanderung bereits störend auf die Ei-boschaffenheit eingewirkt habe.
Vorbedingungen der Befruchtung.
Befruchtungsfähigkeit von Ei und Samenfaden.
Das Zusammentreffen zweier Geschlechtszellen genügt natürlich nicht allein zur Befruchtung. Beide müssen auch im normalen befruch-tmigsf'iibigen Zustand sein. Dass das Ei vor der Reifung den Eollikel verlässt und somit in den Eileiter im noch nicht befruchtungsfiihigen Zustand einträte, kommt wohl nicht vor. Auch über sonstige primäre Abnormitäten der frisch dehiscirten Eizellen ist nichts bekannt, obgleich solche wohl denkbar wären. Jedenfalls aber ist nicht zu bezweifeln, dass das Ei auf seiner Wanderung im Oenitalkanal seine Befruchtungsfälligkeit nach einer bestimmten Zeit allmählich einbüsst und schliesslich ganz verliert.
Die Samenfäden können ebenfalls ihre normale Lebensfähigkeit, namentlich ihre Beweglichkeit innerhalb des weiblichen Genitalkanals nur eine begrenzte Zeit bewahren. Von ihnen sind jedoch ausserdem Zustände
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bckiimit, durch die sie von vornherein ihre Befraohtungsfähigkelt ein-bttSBen. Dies ist i. B. heim Manne öfters der Fall iquot; Folge einer voraufgegangenen Gonorrhoe. Mau ist sogar in neuester Zeit zu der Annahme gelangt, dass Sterilität heim Menschen, deren Grund man früher meist beim Weibe suchte, sehr häufig eben dadurch bedingt werde, dass der Mann zwar Samenfäden producirt, diese aber befruchtungsunfähig sind. Aussei- dem oben genannten Anlass dazu sind auch beobachtet abnorme Kleinheit (bei Wüstlingen und Greisen z. B.), Trägheit der Bewegung und Bewegungslosigkeit der Samenfäden; letztere hebt die Befrueh-tungsfiihigkeit natürlich schon deswegen auf, weil die Samenfäden nicht zum Ei gelangen können. Bei Thieren sind speolelle Beobachtungen hierüber nicht gemacht (über das Fehlen der Samenfäden im Samen s. pag. 80).
Jedenfalls dürfte die relative Lebensfähigkeit und Bewegungsenergie der Samenfäden überhaupt individuell verschieden sein, was auf die Befruchtung Blnfluss haben kann. Vielleicht ist gerade hierin bei sonst gleicher Normalität der Q-eschleohtsfunotion die besondere Befruchtungssicherheit einzelner Männchen (z. 15. Hengste) begründet.*)
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Gleichzeitiges Vorhandensein von Ei und Samenfaden.
Die Zeit des Vorhandenseins von Eiern im weihlichen Genitalkanal ist von der Ovulation abhängig, und daher jedem äusseren Elnfiuss entzogen (vgl. pag. 11 ff.). Der Eintritt der Samenfäden in den weiblichen Genitalkaual erfolgt dagegen mit jeder normalen Begattung und lässt sich daher willkürlich bestimmen. Es kommt mithin darauf an, dass die Begattung in die Zeit der Ovulation gelegt wird.
Eine absolute Gleichzeitigkeit ist freilich nicht erforderlich: es bleibt vielmehr ein nicht allzu eng begrenzter Spielraum offen, weil sowohl Eier als Samenfäden sich eine Zeit lang in den weiblichen Genitalien befruch-tungsfählg erhalten und dementsprechend solange auf einander warten können.
Vom El wurde schon oben (pag. 75) gesagt, dass es etwa eine Woche, event, noch länger im Eileiter wandert und seihst noch nach dem Eintritt in den Uterus befruchtet werden kann. Demnach würde noch eine Woche und selbst länger nach der Ovulation durch eine Begattung noch Befruchtung erzielt werden können, wenn auch das Ei im Laufe und gegen
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*) Eine Hypothese, wonach unter gewissen Umstiindeu auch ein ganz normales El von oinoni an sieh normalen Samenfaden nicht befruchtet werden könnte, gehört, nicht hierher, wird vielmehr bei der Theorie, der Goschlechtsorzougung pag. 140 besprochen.
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das Ende dieser Zelt wohl sehon orhoblich an BefraobtUQgsfäbigkeit verloren hut.*)
Andrerseits ist erwiesiMi, dass die Samenfäden zwar in der Scheide (saure Keaction des Schleimes) bald beweguagsuuffthlg werden, sonst jedoch auch hei Säiiifethicren sehr lebenszäh sind und sich im Uterus-secret ziemlich lauge beweglich erhalten.
Der Samen bleibt im Freleu 2448 Stunden lebendig, verträgt hohe Wärmegrade (-15) und seihst das Einfrieren und Trocknen. Der Samen des Hahns z. B. bleibt in der Henne 18 Tage befruchtungsfähig. Im Uterus der Fledermäuse erhält sich das Sperma den ganzen Winter hindurch und im reoeptaoulum seminis der Bienenkönigin sogar mindestens drei Jahre. Bei Frauen sind in der cervix uteri noch fünf und selbst sieben Tage nach der Begattung bewegliche Samenfäden gefunden worden und es ist daher anzunehmen, dass sie auch im Innern der Gebärmutter und in den Eileitern so lange ihre Bowegungs- und damit auch ihre Befruch-tungsfählgkelt erhalten werden. Demnach kann eine Befruchtung auch noch erfolgen, wenn erst fünf bis sieben Tage nach stattgehabter Begattung ein reifes Ei aus dem Eierstock in den Eileiter eintritt.
Mithin kann Befruchtung eintreten, wenn die Begattung ungefähr innerhalb einer Woche sowohl vor als nach der Loslösung eines Eies aus dem Eierstock erfolgt. Doch ist wohl anzunehmen, dass die Befruchtung um so unsicherer wird, je weiter Ovulation und Begattung auseinander liegen, weil eben wohl beide Geschlechtszellen, je länger sie auf Befruchtung warten müssen, umsomehr an Qualität, namentlich die Samenfäden auch an Beweglichkeit, einbüssen.
Bei den Thieren ist nun im Allgemeinen das rechtzeitige Zusammentreffen von Ei und Samenfaden ganz besonders begünstigt. Denn da die Begattung nur während der Brunst zugelassen wird (pg. 2 n. 11) und die normale Brunst stets mit einer Ovulation verbunden ist (vgl. jedoch pag. 100), so werden die eindringenden Samenfäden in der Regel frische reife Eier vorfinden. Dies ist auch wohl mit der Hauptgrund, dass bei gesunden Thieren, auch wenn nur eine einzige Begattung erfolgt ist, die Befruchtung verhältuissmässig so selten ausbleibt.
Bei Stuten, welche hierin den anderen Hausthieren nachstehen und häufiger nicht empfangen, ist schon die Brunst weniger regelmässig und es mag sein, dass hier auch die Ovulation weniger regelmässig und rechtzeitig mit der Brunst zusammentrifft. Die nervöse Constitution (welche
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*) Dass das El gewisse allmühlicho Veränderungen bei jonor Wartezeit erfahrt, 1st wohl anzunehmen. Dies ist auch für eine Theorie der Geseblechtsorzoiigung verworthet worden (pag, 157).
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doch auch (las Qesohleohtsleben beeinflllSSt) ist beim Pferde zweifellos eine andere als bei den anderen Haustlüeren und Graf Lohndorff betont die Häufigkeit der Hysterie bei Stuten. Der körperliche Zustand, welcher beim Menschen diesen Namen trägt, hat u. A. gewisseTmaasen taube iieschlechtliche Reizungen zur Folge; es ist daher sehr wohl möglich, dass bei Stuten, seihst bei nicht erkennbar hysterischen, die eintretende Ifossigkeit nicht regelmässlg bzw. nicht unmittelbar die gleichzeitige Bedeutung einer Ovulation besitzt (vgl, pag. -19 u. ]()()).
Beim Menschen, wo die Begattung ganz unabhängig von der Ovulation stattfindet und nach der letztere Vorgang nicht bestimmt durch äussere Zeichen angedeutet ist, wird der Erfolg der einmaligen Begattung vollends in Frage gestellt sein. Immerhin werden die innerhalb einer Woche vor und nach der Menstruation stattfindenden' Begattungen am liiiufigston Befruchtungen erzielen, weil in dieser Zeit auch die Ovulation meistens stattfindet (vgl. pag. 86). Andrerseits sind jedoch auch in den Zwischenzeiten Befruchtungen häutig, weil eben die Ovulation nicht so im die Menstruation beim Weibe, wie bei Thieren an die Brunst, geknüpft ist. (Eine sichere Vermeidung der Conception ist also durch Unterlassung der Begattung 8 Tage vor und nach der Menstruation nicht gewährleistet.)
Entleerung und Zahl der Samenfäden. (Vgl. auch pag. 56ff.)
Der wesentliche Vorgang bei der Begattung ist die Einspritzung des männlichen Samens in die weihlichen Oeschlechtstheile. Diese muss natttrlloh auch wirklich heim Begattungsact erfolgt sein, was nicht unbedingt und immer der Fall ist.
Es braucht keine Ejaculation trotz eifriger Begattung einzutreten, was sowohl an einem momentanen Mangel an Samen (zeitweiliger Asper-matle; vgl. pag. 57) bei dem männllohen Individuum liegen kann, wie auch an dein Benehmen des weiblichen Thieres (vgl. pag. 62), welches das Männchen nicht zum ruhigen Vollzug kommen lässt*).
Man kann auch über den Vorgang der Samencntleerung, des Ab-samens bei Hengsten durch das Benehmen des Thieres getäuscht werden (vgl. pag. 02). Auch kann sich zwar eine Flüssigkeit entleeren, die aber lediglich Secret der accessorischen Oeschlechtsdrüsen ist und den wesentlichen Bcstandtheil, die Samenfäden, nicht enthält. Dies kann ausnahmsweise der Fall sein, wenn die Fähigkeit zur Sanienfädenbildung dem
*) So sagt Graf Lehndorff, class Stuten häufig deshalb schwor empfangen, weil sie sich das Einspringen ruhig gefallen lassen, dann aber anfangen zu trippeln, die Rutho aus dor Scheide herausdrängen und so das Absamon stören.
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Hoden wesson liulispositiou oder nach gehäufter goschloclitlicherlimnsprucli-nahme, mangelt Es kann jedoch auch dauernd bei einem Individuum die Bildung von Samenfäden ausbleiben, obwohl Begattungen und Ejacu-lationen von leerer Samentlüssigkoit erfolgen. Diese Aspermatozootiequot; ist natürlich ein ürund unbedingter Sterilität. Ob und inwieweit diese bei Hausthieron vorkommt, ist nicht festgestellt. Die regelmiissig ausbleibende Befruchtung der zugefiihrten Weibchen würde jedoch alsbald auf ein solches Männchen aufmerksam machen und eine mehrmalige Untersuchung der ejaculirten Flüssigkeit die Erkennung dos Zustandes siehern.
Wenn aber auch thatsächlich eine vollständige Ejaculation stattgefunden hat, so kommt es noch sehr auf die Zahl der Samenfäden an. Denn obwohl zur Hefruchtung des Eies schliesslich ein einziger Samenfaden genügt, macht doch nur der normal ungeheuere Reiohthum des Samenergusses an Samenfäden es möglich, dass die ganze Gebärmutter von ihnen sozusagen abgesucht werden kann und eine hinreichende Anzahl sicher bis an das Ende dos Weges, d. h. in (Ton Eileiter gelangen. Auch Graf Lehndorff theilt nach eigenen zahlreichen Untersuchungen mit, dass die am sichersten befruchtenden Qestütshengste sich stets durch eine besondere Dichtigkeit der Samenfäden in der Samenflüssigkeit hervorthun.
Die blosse Samenflüssigkoit, hauptsächlich Secret der accessori-schen Drüsen (pag. rgt;7) ist keineswegs von ganz nebensächlicher Bedeutung. Abgesehen davon, dass eine genügende Quantität davon für das Zustandekommen der Ejaculation nöthig ist (vgl. pag. 57), wird ihre reichliche Menge auch die Ausbreitung der Samenfäden in den weiblichen Genitalien (vgl. pag. 85) unterstützen. Es scheint auch das Secret die Lebens- und Hc-wegungsfähigkeit der Samenfäden zu steigern. Jedenfalls bildet es ein sehr zuträgliches alkalisches Medium, welches die Wirkungen des saueren Scheidenschleims abhält (vgl. pag. 85). Steinach stellte (PHügers Archiv Dd. lö und T)!) fest, dass bei kleinen Nagern nach Exstirpation der Samenblasen die Befruchtnngsfähigkeit erheblicli sinkt und dass nach gleichzeitiger Entfernung der Prostata keine einzige Befruchtung mehr erzielt wurde ein Beweis, dass das Secret nöthig ist, um die Samenfäden lebensfähig bis an den Defruchtungsort gelangen zu lassen*).
*) Leuokart bat beobachtet, dass bei Meerschweinchen In dor Schoido das Secret der Samenblasen zu einer hornartlgen Masse gerinnt, wodurch die Scheide verschlossen und der Abflnss dos Samens verhindert wird.
Kei Hausthieron ist das Secret der Cewpersclien Drüsen auffällig zäh gefunden worden. Doch kann ihm eine Bedeutung-, wie dem Saniönblascnsccrct des Meerschweinchens, deswegen Im allgemeinen nicht zukommen. Hausmann möchte allerdings wenigstens beim Scliwein annehnioii, dass das hier besonders
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Die Menge dor Samenflüssigkeit (deren Bedeutung bei der Ejaculation pag. 67 und weiter unten pag. 86 erwähnt ist) ist für den Menschen auf 0,75- 6 OOin gemessen (Mantegazza), bei Thieren jedoch noch niciit genügend bestimmt. Die Zahl der Samenfäden in derselben ist dabei auf über 60 000 in einem Cubikmillimeter berechnet worden, was eine Oe-sammtzahl von 4ü bis 800 Millionen in einem Samenerguss bedeutet.
Jedoch nimmt die Menge der Samenfäden bei Wiederholungen der Ejaculation in kurzen Zwischenräumen erheblich ab (event, bis zu vorübergehender relativer Aspermatozootie) und zum vollen Ersatz sollen nach Mantegazza beim Manne vier Tage gehören.
Daraus erklärt sich ohne Weiteres die namentlich auch bei den nutzbaren Hausthicren allgemein bestätigte Erfahrung, dass geschleelitlich zu stark benutzte Männchen nicht sicher befruchten. Denn wenn auch bei Thieren (namentlich auch bei Wildthieren während der Hrunst) die Leistungsfähigkeit der Hoden eine andere und griissere sein dürfte, als beim Menschen, so worden doch auch bei ihnen häufige Wiederholungen der Begattung in zu kurzen Zwischenräumen eine erhebliche Verminderung der Samenfäden in den folgenden Ergüssen herbeiführen. Wahrscheinlich leidet bei der unter solchen Umständen gewissermassen forcirten und überhasteten Neubildung auch die Qualität der Samenfäden: dieselben können z. B, klein (s, pag. 77 oben) oder schwächer beweglich sein.*)
Dies beweist zugleich, wie irrig die früher stark verbreitete und auch jetzt noch nicht ausgerottete Ansieht ist, dass mehrmals gleich hintereinander erfolgende Begattung (durch dasselbe männliche Individuum) die Sicherheit der Befruchtung verdoppele (vgl. 68 u. 97). Die Zahl der Samenfäden eines normalen Ergusses genügt unbedingt für die Befruchtung vorhandener reifer Eier. Ist die Zahl der Samenfäden aber schon im ersten Erguss zu gering, so wird sie im folgenden erst recht ungenügend, möglicherweise sogar verschwindend klein sein. Jedenfalls steht die absolute Vermehrung der Zahl der Samenfäden im weiblichen Genitalkanal durch eine sofort folgende Begattung nicht im Verhältniss zu der Beeinträchtigung, welche vielleicht auf mehrere Tage hinaus der Gehalt künftiger Samenergüsse des Männchens durch die geschehene mehrfache Inanspruchnahme erfährt.
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ziiho und sich zuletzt entleerende (pag. 57, unten) Secret dor ungewöhnlich grosson Cowpersohen Drüsen den, wahrscheinlich den Penis aufnehmenden, teichterfönulgen Muttermund (vgl. pag. 88) fülle und verstopfe. Für diese besonderen Verhältnisse! ist dies wohl möglich. Uebor die Bedeutung dor Cowperschon Drüsen s. a. pag. 57, 68, *) Auf die andere Qualität des Samens nach starker gosohlechtlichcr Abnutzung hat Düsing eine Theorie dor Göschlochtsübertragung gegründet, vgl. pag.. 153. Schmaltz. Q-osohleohfcslebsn,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (!
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8-_gt;
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Angebliches Eindringen des Penis in den Muttermund.
Von Bedeutung dafttr, dass die Sainenfädon ilir Ziel oiTcichen, kann auch der Ort sein, wohin der SomenergUBS erfolgt. Ka besteht nooh keine rel)ereinstiinimmtt' der Ansiehten darüber, welcher Abselmitt dos Oonitiil-kanals den Samen unmittelbar aufnimmt.
Viele nehmen an, dass der Ruthenkopf in den Muttermund eindringen oder diesen doeli wenigstens unmittelbar treffen müsse. Dainll dies sicher geschehe, sollen noch gewisse Umstände bei der Begattung mitwirken. Ks soll der Höhepunkt der ßrregungbei beiden (leschleclitern zusammenfallen müssen. Es soll zu diesem Zweck ein bestimmtes Miuiss von Feurigkeit erforderlich sein. Ks soll iinch eine gewisse Art der Bewegungen beim männlichen inul event, eine bestimmto Stellung beim weiblichen Thier begünstigend wirken.
Dass zunächst das Eindringen des Penis in den Muttermund nicht nothwendig ist, ist erwiesen. Die Befruchtung bownsstloscr, ohnmächtiger oder apathischer Frauen, welche keineswegs schwer erfolgt, beweist ferner, dass eine besondere Thätigkeit mindestens der weiblichen Geschlechts-theile und namentlich ein ZusammenfuJlen der höchsten Erregung ebenfalls keine entscheidende Bedeutung besitzt.
Bei Thieren kann ein Eindringen des Penis in den Muttermund mindestens nicht die Kegel sein. Heim Hengst scheint es geradezu unmöglich, dass die mächtige Eichel den Cervioalkanal passire, seihst wenn sie noch nicht ihre volle Ausdehnung erreicht hätte, da jeuer sich trotz Nachlassen seines Schlusses so weit nicht öffnet (vgl. pag. 81).
Günther behauptet es trotzdem und will es aus der Länge des Penis, sowie aus der Heranziehung der Gebärmutter gegen die Scheide (vgl. pag. 46) folgern. Ja er meint sogar (vgl. pg. 42 Anm. 2) dass der Penis in ein Gebärmutterhorn eindringe und dass das Treten von einem auf den anderen Puss (vgl. pag. 02) den instinetiveu Zweck habe, den Penis nach dem Horn zu lenken, an dem der producireude Eierstock liegt (GUnther fand nach der Begattung ein Horn offen und eines contrahirt). Bei aller Hochachtung vor den Beobachtungen und Schlussfolgerungen gerade dieses Autors wird man jene Ansichten entschieden ablehnen dürfen. Einmal an den Muttermund gelangt, bedürfen die Millionen Samenfäden einer Direction nach dem richtigen Ort so wenig, wie der einen Landstrich befallende Heuschreckenschwann nach den saftigen Feldern, d. h. es gelangen immer noch genug dorthin, wenn auch noch so viele abirren.
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(iiiiitlior will dio Ansicht vom Bindringen dos Penis in don Muttermund noch durch den Hinweis annehmbar nmchon, dass der Muttermund (orificiura uteri externuni) boi jeder Thiorart eigenartig für dio Aufnalimo des Penis, nämlicli diesem homolog gebaut sei. Dieser Vergloich Ist raquo;loch etwas weit hcrgoholt und würde in jodem Fall nicht bowoiskräftig sein.
Ueber den Bau dos Muttermundes soi Folgendes bemerkt: Bei der Stute ragt der Gcbarmuttorhals (cervix utori) als ca. 5 cm langer Zapfen frei in dio Schoido hinein und gestattet bei der Brunst das Eindringen der keilförmig zusammengelegten Finger odor auch nur eines Fingers. Bei der Kuh ist der Kanal der starkwandigen cervix gewunden und bei der Brunst für einen Finger zugänglich. Die Schloinihaut umgiobt ihn mit starken Falten, welche am Muttermund verschieden woit gegen die Scheide vorspringen und so zwei oder mehr staffeiförmig hintoremander liegende Faltoiikriinzo bilden. Beim Schaf ist die cervix uteri knorpolhart und bogig, namentlich im hinteren Thoil S-förmig gekrümmt; sie endet mit hartem Vorsprung in einer Grube der unteren Wand der Schoido; oberhalb des Muttormundes springt die Schoido nach vorn taschon-artlg vor. Der üebiirnuittorhals dor Hündin, dessen Kanal sehr eng ist, stellt einen harten Kolbon dar, dessen obere Wand in die Scheidcnwand übergeht, während er unten so von dor Scheide abgesetzt ist, dass die Bichelspitze unter den Muttormund zu liegen kommen kann.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4
Während bei allen vorgenannten Thieren der Gebärmutterbals als ein selbstständiger Vorsprang in die Schoido hineinragt, geht bei der Sau der ca. 12 cm lange Cervlcal-Kanal trichterförmig allinähllch In die Schoido über; nur bildet in seinem Boreich dio Schleimhaut in einander greifende Falten. Gegen die Gobär-rauttor hin wird der Cervlkalkanal dagegen sehr eng, schraubig gedroht und hartwandlg; die Gebännuttoröffnung 1st wieder trichterförmig.
Wenn nun andere Autoren eingestehen, dass der Muttermund der Stute nicht so weit geöffnet ist, um die Eichel einzulassen, aber das Eindringen der Ruthenspitze in den Muttermund bei Wiederkäuern und Scliweinen als unumgänglich ansehen, so lassen sie sich dabei ersiehtlich lediglich dadurch bestimmen, dass hier das Volumen der Ruthenspitze ein Einsohltipfen in den Muttermund leicht gestattet könnte. Allein, wenn es hei anderen Thieren (Pferd, Hund) ohne Eindringen des Penis in die Gebärmutter abgeht, weil letzteres dort eben nicht möglich ist, so ist doch nicht einzusehen, warum es bei Wiederkäuern und Schweinen nothwendig sein sollte, bloss weil es hier nicht unmiigiieh wäre.*)
Bei den Bindern ist sogar ein blosses Aufeinandertreffen von Ruthe und Muttermund noch unwahrscheinlicher als beim Pferd. Demi es wäre ja gar nicht abzusehen, wie die dünne in der weiten Scheide herumfahrende Ruthenspitze, namentlich bei einem einzigen Stosse gerade auf
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*) Dass ein golegontliches Kindringen dos Penis in die Gebärmutter der Kuh stattfinden kann, lehrt die Beobachtung von Duranton, vgl. pag. 65. Es konunt jedoch nur darauf an, ob das Eindringen die Kegel und für die Befruchtung von entscheidender Bedeutung ist.
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dan Muttennuiul treffen sollte; ziimul die Rathe zweifellos die Rlolltung uneh oben hat,*) während der Miittenmind (auch bei ins Beeken ^edrängtei' Gebänmitter) dem Selundenboden näher bleibt. Dass das Eindringen in den Muttermund iieseheiien nüisste, um die Friction zu bewirken, welclio. die diinno Kuthe in der weiten Scheide nicht erfahren kann, ist ebenfalls eine Behauptuna;, welche lediglich die anscheinende Zweokmässlg-keit eines Uinstaudes zum Beweise seiner Thatsiichlichkeit benutzen will, üeberdles idebt es bezttglloll der Friction andere. Mittel (vgl, pag. ü(j).
Für das Schaf constatiert Hausmann, dass schon wegen der Form der Haniröhreiunündung (vgl, pag. 61) der Samen keinesfalls in den Muttermund entleert werden könnte, dass aber die Buthenspltze wahrscheinlich in die Tasche oberhalb des Muttermundes dringe und dass der Samen dann in die den Muttermund umgebende Grube an der unteren Scheidenwand herabtliessen müsse.
Keim Hund kann der sehr enge C'ervicalkanal die mächtige Eichel ebenso wenig einlassen, wie dies beim Pferde der Fall ist. Anders liegt die Sache beim Schwein. Hier wird das trichterförmige Scheidenende des Qebärmutterhalses (vgl. pag. 88), welches einfach eine geräumige Verlängerung der im Verhältniss zum Penis kurzen Scheide darstellt, die Ruthenspitze in der Regel aufnehmen, wie schon Hausmann betont.
Dieser Autor (vgl. pag. 42, Anm. 2) hat auch die besprochene Frage noch dadurch einer sehr bemerkenswerthen PrUfnng unterzogen, dass er Stuten, Sauen und Hündinnen nach der Begattung tödtete und den Inhalt der Gebärmutter untersuchte.**) Er fand bei der Stute in der Gebärmutter unmittelbar nach der Begattung zwar etwas Flüssigkeit (Uterinschleim) aber keine Samenfäden. Bei einer Hündin, die noch während des Hängensquot; getödtet worden war, fand er Samen in der Seheide, aber auch schon in der Gebärmutter und schon nach einer Stunde Samenfäden im Eierstooksende eines Gebärmutterhornes. Die Gebärmutter einer 86 Minuten nach der Begattung getödteten Sau enthielt Samenfaden in etwa lö gr Flüssigkeit.
') Für jene Riohttuig; des Ponls sprechen, abgesehen von allein, was man sieht und folgern kann, auch die Verletzungen der Scheide, welche die obere. Wand zu betreffen pflegen, Bei dem einen Fall von Eindringen In die Harnröhre mag ein Ubermftsslg grosser Stier thätig gewesen sein (vgl. pag. 04 u. 05).
**) obwohl grade diese Untersuchungen nicht bloss ein bedeutendes allgemeines, sondern auch spocioll für den Menschen practisches Interesse haben, sind sie doch nirgends, selbst in dem grossen physiologiselion Handbuch von llerrmann nicht, citirt. Das schöne Work Hausmanns scheint überhaupt den Physiologen im Allgemeinen unbekannt geblieben zu sein.
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Die Untorsucliimgen führen Hausniann zu dem Seliluss, dass die Samenfäden zwar sehr schnell in die (iebiinnutter gelansien, aber nicht direct dorthin entleert werden. Er bemerkt noch ausdrücklich, dass Hengste mit kurzer Kuthe, weiche den Muttermund gar nicht hätten erreichen können, sehr fruchtbar waren.
Z u s a m m o n f a s s im g.
Heim Pferd, Hund und Schaf ist es unmöglich, dass der Pauls in den Muttermund selbst eindringt und die Ejaculation direct in die (lebär-mutter erfolgt. Beim Rind ist dies ebenso unwahrscheinlich, wenn es auch anatomisch möglich wäre. Heim Schwein dagegen wird der Penis in der Regel von dem eigenartig geformten Muttermund aufgenommen werden. Da aber bei den übrigen Thieron, namentlich auch bei den Wiederkäuern, die Befruchtung ebenso regelmässig erfolgt, so ist jedenfalls das Eindringen des Penis in den Muttermund oder die anmittelbare Berührung beider nicht von Wichtigkeit für die Befruchtung, wie man vielfach anzunehmen geneigt ist.
Eintritt des Samens aus der Vagina In den Uterus.
Man muss also auch für die Hansthierc ebenso wie für den Menschen, die Regel gelten lassen, dass der Ort des Samenergusses die Vagina ist und dass von hier aus die Samenfäden an den Ort der Befruchtung (Uterus bezw. Tuben) gelangen.
Der Samenerguss wird stets im Grande der Scheide, in der Nähe des Muttermundes event, auch in unmittelbarer Berührung mit demselben erfolgen. Jedenfalls wird durch die Menge der Samenflüssigkeit die ganze Gegend (und zwar bei der Richtung des l'enis wohl mehr von oben nach unten) übergössen, was eine allgemeine Ausbreitung der Samenfäden mit sich bringt (hierauf beruht z. Th. die Bedeutung eines reichlichen Secrets der accessorischen Geschlechtsdrüsen: vgl. pag. 80). Hie Samenfäden vermögen nun zweifellos leicht von allen Seiten in den Muttermund einzudringen. Sie sind dazu befähigt, durch ihre lebhafte Eigenbewegung (vgl. pag. 71 u. 74). Die Flüssigkeit, welcher sie zu ihrer Portbewegung bedürfen, ist reichlich vorhanden und zwar solche von belobender Beschaffenheit. Denn sie sind nicht auf den (sauer reagirenden) ihrer Beweglichkeit unzuträglichen Schcidenschlcim angewiesen, sondern ihr Medium bilden ebensowohl die eigene Samentliissigkeit als der während der thierischen Brunst ja reichliche (alkalische) Ausfluss aus dein Uterus, der sich namentlich am Boden der Scheide befinden wird. Da nachgewiesen ist, dass die Samenfäden durch chemische Reize (alka-
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liselio Plttssigkelten) angessogeu worden, so ist Bdir uiöglloll, (lass sio oben joiioiu Ausflusso uaohgdhsn und (Icssluilb besonders in dem Selileiin-zapfen aufsteigen, wolelier aus dem Muttermund in die Sclioide herabhängt.
lUnlin2,11 up; ist natürlich, dass der Muttcrmuiid wog-sam ist. Ks ist aber bereits pag. 17 betont worden, dass das Offenstehen dos Muttermundes und seine Füllung mit Sebloim eine wesentliche und characteristisclie Brunstersohelnung ist (während beim mouschliclieii Weibe dieses Verhältniss unbestimmter ist). Der Muttermund ist aber nicht bloss offen, sondern auch selbst thiitig; sowohl passiv als activ. Da der Uterus (s. oben pag. 40) bei der Begattung sich contrahirt und seinen schleimigen Inhalt auspresst, so ersehhifft er unmittelbar nachher und dies muss eine ansaugende Wirkung auf den in der Nähe des Muttermundes beflndliohen Soheideninhalt haben. Ausserdem haben besondere Umstände beim Menschen gestattet, direct zu beobachten, dass der Muttermund unter dem Begattungs-Reiz zu gewissermassen schnappenden t'ontractionen veranlasst ist.
Wenn es daher schon bei der Menge des Samens und der Ueber-spülung des ganzen Scheidciigriindes mit demselben eigentlieh selbstverständlich ist, dass Samenfäden in sehr grosser Zahl unmittelbar an den Muttermund gelangen, so giebt es, wie man sieht, ausserdem reichliche HiiLfskräfte, welche die Samenfäden auch aus der Nachbarschaft heranziehen können und müssen. Es zwingen daher nicht einmal Zweck-mässigkeitsriieksichten zu der Annahme, dass der Eutheukopf behufs Befruchtung direct den Muttermund treffen oder gar in diesen eindringen müsse. Der Durchtritt durch den Muttermuiul erscheint Jedenfalls für die Samenfäden als keine grössere Beschwerde, wie die weite Wanderung bis in die Tube.
Nicht unwesentlich ist, es aber, dass die Samenfäden genügend Zeit behalten, um von der Scheide in grossen Mengen in den Muttermund einzudringen. Ein Auslaufen oder gar Auspressen des Samens muss die Menge der Eindringlinge natürlich stark verringern. Bei der günstigen Stellung der Thiere wird ein unwillkürliches Abfliessen wenig oder gar nicht statthaben: die gegen ein gewaltsames Auspressen zu treffenden Vorkehrungen sind schon oben (pag. 46) erwähnt. Die sicherste Zurückhaltung des Samens im Oenitalkannl wird natürlich bei den Hunden statthaben in Folge des Vorhängens; zu diesem Zwecke nothwendig kann es natürlich auch nicht sein, da alle anderen Hansthiere ohne dasselbe auskommen (vgl. auch pg. 80, Anm.).
Alle diejenigen Zustände, welche das Vordringen der Samenfäden durch den Muttermund und bis zum Ei erschweren, sind unmittelbare
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H Indernlsse der Befruchtung, wie abnorme Besohaffenheit dos Qenltal-secrets, Unwegsamkeit dos Muttermundes und dergleichen. Sie bedingen ebenso, wie das Fehlen befruohtungsfÄhiger Eier, häuflg die weibliche Sterilität, gehören aber nicht In das physiologische, sondern in das pathologische Gebiet (s. Tlieil II, pag, 29 ft'.).
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Seelische und andere Nebencinflüsse.
Man glaubt vielfach beim Menschen an eine Beeinflussung des Be-gattungserfolges durch socliselie Regungen, durch gegenseitige Zuneigung oder QlelohgiUtigkeit, ja scll)st durch den Vorsatz zur Zeugung oder das bewusste Widerstreben dagegen. Allgemein, auch bei Thieren, wird ein gewisses Feuer der geschlechtlichen Erregung und eine energische Ausführung der Begattung als ein gutes Zeichen für die Zeugung angesehen; andrerseits soll ein zu grosses Ungestüm dor Hengste nach Schwarz-necker der Beamp;uchtnng nicht vortheilhaft sein. Namentlich aber ist seit Alters betont worden, dnsa die Befruchtung von einem gleichzeitigen Fertigwerdeu, d.h. dem Zusammenfallen des Höhepunktes der Erregung, abhänge oder doch ganz besonders begünstigt werde,
Ueberblickt man jedoch die vorher beschriebenen inneren organischen Bedingungen für die Befruchtung, so lässt sich nicht verkennen, dass neben diesen und auf diese die soeben aufgezählten Umstände einen Ein-fluss nicht haben können. Die Befruchtung ist ein selbstständiger, sich nicht einmal unmittelbar an die Begattung anschliessendor Vorgang, der von momentanen Gefühlen und äusserem Beliabon hei der Begattung unabhängig sein muss. Wesentlich ist bei letzterer nur eine normale Samenentleerung in die Scheide und gleichzeitige Durchgängigkeit des Muttermundes für die Samenfäden. Ks genügt also in jedem Falle der Grad geschlochtlieher Erregung, welcher, ob langsanier oder rascher, zur Samenentleerung führt. Besonderes Feuer, besondere Kraft und Energie sind dabei keineswegs erforderlich. Bei der Einleitung der Begattung spielen allerdings nicht bloss beim Menschen, sondern auch bei Thieren z. B. Zuneigung oder Widerwille eine Rolle. 1st aber die Fähigkeit zur Begattung erst erreicht worden, so erzeugt diese beim männlichen Thier einfach refloctorisch die zur Samenentleerung führende Steigerung der Erregung, wenn die sonstigen Bedingungen für jene vorhanden sind. Dass eine geschlechtliche Erregung des weiblichen Individuums überhaupt nicht nothwendig für die Befruchtung ist, zeigt die schon (pag. 8-J) erwähnte Befruchtung ohnmächtiger Weiber. Bei Thieren liegt die Erregung ebenso, wie das Offenstehen des Muttermundes, ja schon im Begriff der Brunst.
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Dass das Zusiimnipiifalloii dor hüeliston Erregung der sich Begatteadsu keine Bsdeutung haben kann, erglebt eloh uaoh dem Gesagten von selbst.
Trotzdem können manche Beobaohtongen über die Bedeutung äusserer Umstände boi der Begattung zutreffend sein, nur bedilrfen sie einer anderen Erklärung.
So erwähnt Sohwarzneoker, dass sehr l'oiiriiie Hoap;sto unzuverlässiger bethiohten als ruhige. Graf Lehndorff modlfloirt dies zweifellos zutreffend dahin: Ks macht gar keinen Unterschied, ob der Hengst sich langsam zum Sprung aufregt oder sofort fertig ist: aber solche Hengste befruchten schlechter, bei denen die Begattung auffallend rasch mit der Absamung Ihr Ende findet. Nun ist aber bei den Thieren, welche nicht, wie die Wiederkäuer, typisch plötzlich begatten, eine gewisse Begattungs-dauer eben das normale. Ebenso wenig, wie eine starke Verlangsumung, ist aber eine erhebliche Verkürzung dieses Actes ein Zeichen von Feuer, d. h. doch von geschlechtlicher Vollkraft und Energie. Vorzeitige Samen-entloeruugen (wie häutige Pollutionen) kommen nicht bei überströmend kräftigen, sondern bei m. o. w. ruinirten oder schlecht bcanlagten männlichen Individuen vor und sind ein Zeichen nervöser Ueberreizung und Schwächung, was auch für den Hengst zutreffen mag. Die Samenfäden eines solchen weniger feurig-kräftigen, als vielmehr schwächlichen Gesellen können sehr wohl abnorme Beschaffenheit, schlaffe Beweglichkeit, mangelhafte Lebenszähigkeit haben. Daraus ist die geringere Befruchtungs-sicherheit zu erklären, nicht aus dem äusserlichen Benehmendes Hengstes.
Das Offenstehen des Muttermundes, bei Thieren ahhiingig von der Brunst, ist möglicherweise gegen Anfang und Ende der Brunst beschränkt. Bei einer Stute, welche nicht vollkommen rossig ist (was doch leicht vorkommt) wird also möglicherweise der Muttermund noch geschlossen sein. Die Oeffnung wird aber vielleicht eintreten, wenn die Stute in steigende geschlechtliche Erregung versetzt wird. In diesem Sinne kann daher auch der Grad der Briiustigkeit, sowie die momentane bei der Begattung erzeugte Erregung bedeutsam werden.
Ein Zusammenfallen der höchsten geschlechtlichen Erregung wäre aber auch in diesem Ausnahmefalle, wo der Muttermund sich erst im Moment der höchsten Erregung öffnete, nicht nothwendig. Denn wäre die Ejaculation schon geschehen, so fände eben der sich öffnende Muttermund den Samen vor. Andrerseits bleibt der Muttermund jedenfalls zunächst offen, da nach dem höchsten Reiz bekanntlich eine Erschlaffung des ganzen Uterus eintritt: die etwas später ergossenen Samenfäden fänden ihn daher sicher noch offen.
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Zusammenfassung.
Der BegattungBerfolg ist weder eine GofülilssiU'lie, nooh eine Art von Heldenstück, hei dein Kraft und Energie eine besondere Rolle spielten. Die Befruchtung ist von momentanen soolischen Empfludungen bei der Begattung, von dein äusseren Benehmen dabei und von dein (inule der sieschleohtliclien Erregung unabhängig, soweit dies alles nur das normale Ende der Begattung gestattet. NamentUoh ist auch ein Zusammenfallen dos Höhepunktes der geschlechtlichen Erregung und ein Eindringen des Denis in den Muttermund bezw. eine dlreote Entleerung des Samens in den Uterus nicht nothwendig. Deshall) sind auch alle darauf abzielenden Vorkehrungen überflüssig.
Die Vorbedingungen der Befruchtung sind unter übrigens normalen Umständen nur: 1. das Vorhandensein eines befruchtungsfähigen Eies im Genitalkanal: 2. die Wegsamkeit des Muttermundes für eindringende Samenfäden; 8. die vollkommene Ejaculation einer normalen Anzahl gut-beschaffener Samenfäden in die Scheide (unter Behinderung des Abflusses mich aussen) und zu diesem Zwecke 4. ein ungestörter Vollzug der Begattung, mag dieselbe nun ungestüm oder phlegmatisch, schnell oder langsam vor sich gehen.
Unregelmässige und ausnahmsweise Befruchtungen. Abnormer Entwicklungsort (Extraüterin-Schwangerschaften).
Es kann vorkommen, dass ein Ei schon auf der Ovulationsfläche des Eierstocks befruchtet wird und dann in die Bauchhöhle fällt. Würde es sich dort entwickeln, so entstände eine echte primäre Abdominal-schwanger seh aft. Doch ist ein solcher Fall bisher nicht sicher nachgewiesen, weder beim Menschen (Schröder, Olshausen) noch bei Thieren (siehe unten). Das befruchtete Ei geht in der Peritonealhöhlo also wohl zu Grunde.
Dagegen kann eine Ovarialschwangorsehaft entstehen, indem Samenfäden in den sich eben öffnenden und noch das Ei euthalteudenPollikel eingedrungen sind. Am häufigsten aber sind die Tubenschwangerschaften, bei welchen das Ei normal in der Tube befruchtet ist, jedoch wegen irgend welcher Hindernisse (Tubenkatarrh, Verlust der Plimmerung, Adhäsionen, Knickungen etc.) dieselbe nicht durchwandern kann. Sowohl im Ovarium als in der Tube findet das Ei einen hinreichenden Kiubettungs-ort (der beim Menschen sogar eine Decidua bildet; s. Eihäute) und kann sich bis zur völligen Reife entwickeln. Die in ihren Eihüllen eingeschlossene Frucht kann sich ausschliesslich im Ovarium und namentlich
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DO
in der Tube (unter cutsprechender Ausdehming derselben) ausbilden. Sie kann aber auch daraus hervortreteu und so in die Peritonealhöhle zu liegen kommen; dies ist eine echte se cnndäre A bdo min al schwänge r-schal't, welche wohl häufig irrthümlich für eine primäre angesehen worden ist. Dass ein Ei in der Scheide befruchtet werden und somit eine echte Schoidenscliwangerschaft entstehen könnte, muss bis zum Gegenbeweis als ausgeschlossen gelten. Im Uebrigen sind die Beobachtungen über Extrauterin-Schwangerschaften bei Hausthieren vielfach nicht genügend geklärt. Dies dürfte namentlich von den angeblichen Fällen echter Bauchschwangerschaften gelten. (Vgl. im Uebrigen Theil II, pag. 88 ff.)
Uebcrhiiupt nicht hierher gehören die Fülle, wo das Ei sich am normalen Ort, im Uterus, entwickelt hat und durch Rupturen dossolbon zu Irgend einer Zeit In die Bauchhöhle polangt ist, In der es sich noch weiter entwickeln kann. Dies ist eine unechte Abdonünal-Schwangerschaft. Ebenso kann die Frucht nach im Uterus begonnener Entwicklung (ganz oder theilwoiso) in die Scheide gelangen unechte Vaginal-Scliwangorschat't. Bei Thleren sind einige Male Focten in der Scheide gefunden worden. Daraus, dass im Uterus keine Spuren der ehemaligen Anwesenheit des Foetus mehr erkennbar (?) waren, kann aber nocii nicht gefolgert werden, dass eine echte Schoidenschwangersehaft vorgelegen hätte.
Im Keeueil de niedecino veterinaire von Maerz 1896 hat Lignieres folgenden Befand bei der Katze beschrieben: Es fanden sich .'i Eooten in der Bauchhöhle zwischen dem Mesentorium. Ein Foetus war nur mandelgross, einer bis zur Behaarung entwickelt und durch einen Nabelstrang mit einer am Mesonterium sitzenden Placenta verbunden. Ueber die Beschaffenheit des Uterus, der Tuben etc. Ist nichts gesagt. Dem Anschein nach lag hier eine echte Abdorainalschwanger-schaft und zwar eine primäre vor. Doch scheint auch eine andere Deutung nicht mit völliger Sicherheit ausgeschlossen. Unechte Abdominalschwangcrschafton mit verschiedenen Entwickoluugsstadien der Früchte sind bei Thieron häufig genug beobachtet worden.
Ueberwanderung.
Die Samenfäden können von der Bauchöffuung eines Eileiters durch die Bauchhöhle zum Eierstock der anderen Seite kriechen.
Ebenso kann in seltenen Fällen das dehiscirte El zu den Fimbrien des gegenseitigen Eierstockes gelangen (äussere Ueberwanderung). Es kommt auch vor, dass das El aus dem einen Horn durch den Uteruskörper in das andere Horn wandert (innere Ueberwanderung), Die Ueberwanderung wird festgestellt dadurch, dass sich der gelbe Körper (vgl, pag. 14) in dem Eierstock der dem schwangeren Horn entgegengesetzten Seite vorfindet. Für die Befruchtung hezw. die Entwicklung der Frucht ist die Ueberwanderung natürlich bedeutungslos.
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Polyspermie. Ei-Ueberfruchtung. Wenn statt des regelmässigon Kimiringens eines Samenfadeus in die Eizelle melirere Samenfäden hineingelangen (was Hartwig durch künstliche Beschädigungen an Eiern niedrer Thiere bewirken konnte), so lässt dies auf Anomalien des Eies schliessen. Der ganze Entwickelungs-verlauf wird dann auch abnorm. Ob dadurch etwa die Zwei-und Mehr-fachbildungen*) veranlasst werden können, ist noch zweifelhaft, aber wohl möglich (Hertwig). Die Polyspermie wird von 0. Hertwig auch TJeberfruchtung genannt. Man müsste sie dann wenigstens Ei-Ueberfruchtung nennen zum Unterschied von dem folgenden ganz anderen Zustand. (Vgl. übrigens auch pag. '.tö.)
Superfoetatio, Ueberfruchtung der Mutter.
Es kommt (s. pag. '20) ausnahmsweise vor, dass bei Thieren nach Eintritt einer Schwangerschaft sich noch die Brunst einstellt und dass sich dabei noch ein reifes Ei ablöst. Eine nun erfolgende Begattung kann wiederum eine Befruchtung und Entwickelung einer neuen Frucht zur Folge haben, jedoch in der Regel nur bei Thieren mit einem Uterus bicornis (vgl. pag. Ü'2, Anm.) und nur dann, wenn das jüngste Ei in das nicht schwangere Uterushorn einwandert. Es belinden sieh dann im Uterus zwei Poeten, deren Keime von verschiedenen Ovula-tionsperioden herrühren, die dementsprechend ein mindestens um mehrere Wochen verschiedenes Alter haben. Ihre Geburt braucht nicht gleichzeitig zu erfolgen; vielmehr kann in einer dem Altersunterschied entsprechenden Zeit (Wochen bis Monate) nach der Geburt des älteren Foetus die zweite Geburt folgen; solche Fälle sind beim Pferd, Rind und Schaf beobachtet. Ebenso kann aber auch die erste Geburt die sofortige Nachfolge der zweiten als Frühgeburt veranlassen. In diesen Fällen kann die Superfoetatio unauffällig bleiben, sofern das zu früh geborene Junge nicht deutliche Merkmale der Unreife zeigt.
Superfoecundatio, Ueberschwängerung.
Während einer Brunstzeit kann das Weibchen von mehreren Männchen begattet werden, was bei Wildthiereu sehr häutig und unter den Hausthieren am meisten bei Hunden, Katzen, Kaninchen, sowie bei Schafen (im sog. Herdensprung, wenn die Böcke frei in die Herde gelassen sind) vorkommt. Da nun bei vielgebärenden Thieren sich während der Brunst mehrere Eier, event, mit Zwischenpausen, ablösen, so kann,
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*) Doppelkeime im Ei als Ursache von Missbildungen s. pg-. 95. Doppcl-lUlssblldnngen Vgl, auch Theil 11 dieses Werkes pg. 828 fl'.
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iiiichdem schon das erstbegattemlo Mäiuiclieu Eier befruchtet hat, eine später erfolgende Begattung durch ein anderes Mäuucheu abermals Befruchtung von Eiern zur Folge haben, die erst in der Zwischenzeit zwischen beiden liegattungeii freigewordea sind. Die zeitliche Trennung der einzelnen uvuhUioncn ist nicht einmal dafür nöthig. Denn wenn verschiedene Männchen hintereinander die Begattung ausgeführt haben, so findet sich eben Samen verschiedener Herkunft gleichzeitig in den Eileitern ein und auch die gleichzeitig eintretenden Eier können theils von diesem, theils von jenem Samen befruchtet werden.
Das Characteristische der Superfoecundatio ist also, dass die sich entwickelnden Keime einer Ovulation entstammen, mithin gleich alt sind, jedoch verschiedene Väter haben, Die Superfoecundatio wird nur dann wahrnehmbar werden, wenn das verschiedene Aussehen der geborenen Jungen mit Nothwendigkeit auf die verschiedene Vaterschaft hinweist. Namentlich bei Hunden kommt es öfter vor, dass die Jungen unverkennbar verschiedene Kreuzungen darstellen (vgl. Jedoch pg. 97, Anm.).
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Xatürlich können auch bei der Superfoetatio verschiedene Väter die Begattungen gewirkt haben und ungleichartige Junge geboren werden. Es kann also mit Superfoetatio slcii Superfoecundatio vereinen. Hier kommt aber der Altersunterschied der Jungen hinzu. Erfolgte freilich die Geburt gleichzeitig und ist dann die Unreife des zu früh tieborenen nicht offensichtlich, auch ein Vollzug der Begattung in verschiedenen Brunstperioden nicht festzustellen, so wäre in diesem Fall nicht mit Sicherheit zu erkennen, ob Superfoetatio oder Superfoecundatio vorliegt.
Jedenfalls ist also für die Superfoetatio charnctcristisch das erheblich ungleiche Alter der Früchte (und eventuell die verschiedene Zeit der Geburt), für die Superfoecundatio die verschiedene Abstammung gleichalter Früchte. Oder noch kürzer gesagt; Bei Superfoetatio entstammen die Früchte verschiedenen Ovulationsperioden, bei Superfoecundatio verschiedenen Vätern.
Die Superfoetatio*) ist abnorm, weil sie auf einer während bereits bestehender Schwangerschaft eingetretenen, also abnormen Brunst beruht. Die Superfoecundatio ist lediglich die Wirkung der Vielinännerei und deshalb im Geschlechtsieben der Thiere nichts Ungewöhnliches.
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*) Schrödor-Ohlshiuison bemerken, dass beim Menschen, wie schon oben erwähnt, wegen dos Uterus simplex cino Superfoetatio in dor Regel nicht vorkomme, dass jedoch dio Möglichkeit im ersten Monat nicht unbedingt ausgeschlossen sei. Ueber abwoiehendo Anwendung der Bezeichnung Superfoetatioquot; sloho bei Polyspormio pag. 90 und Infection pag. 119.
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Die Fruchtbarkeit des Mutterthieres/)
übwolü die Befmclitung lediglich ein Vorgang in der Eizelle ist, so übertrügt man dieKen Ausdruck doch nuch auf das Thier. Wenn sieh die Entwicklung; einer Frucht in demselben bemerklich macht, so sagt man, das Thier ist befruchtet worden (es hat aufgenommen, empfangen, concipirt, bezogen). Die Kähigkeit dazu ist die Fruchtbarkeit. Die Fruchtbarkeit ist jedoch ein relativer Begriff. Wie man einen Acker noch nicht fruchtbar nennt, wenn er einige Früchte trägt, sondern nur dann, wenn er reichen Ertrag liefern kann, so nennt der Züchter nur das Mutterthier fruchtbar, weiches niclit bloss nach jeder rechtzeitigen Begattung regel-mässig empfängt, sondern auch die der Thiorart entsprechende Zahl entwickelter Früchte bringt. Es giebt Individuen und Stämme, welche sich von den Artgenossen durch grössere oder geringere Fruchtbarkeit erheblich unterscheiden, wie andererseits auch eine Thierart hinter anderen in der durchschnittlichen Fruchtbarkeit ihrer weiblichen Individuen zurttoksteht.
Zahl der Früchte.
Xach der Zahl der Früchte unterscheidet man ein- und mehr- bezw. vielgebärende (uni- und imiltipare) Thiere. Vielgebärend sind vorwiegend kleinere Thierarten: doch besteht nicht etwa ein regelmässiges Ver-hältniss zwischen der Zahl der Früchte und der Körpergrösse.
Für die Zahl der Früchte ist selbstverständlich ausschliesslich die Zahl der Eier niassgebend, welche sich in einer Ovulationsperiode (siehe pag. 16) aus den Eierstöcken des Mutterthieres ablösen. Es ist typisch für die Art, dass bei einer die Eier gruppenweis heranreifen bzw. ihre Follikel verlassen, bei anderen in der Regel vereinzelt; doch giebt es Schwankungen in gewissen Grenzen. Ks ist ferner eine individuelle Anlage zu Ueherschreitungen der für die Art typischen Zahl, wie zum Gegenthell, oft unverkennbar.
Dass günstige Lebensweise, namentlich reichliche Ernährung die Zahl der auf einmal ausreifenden Eier steigern kann, bedarf keiner Begründung (vgl. auch pag. 20). Hausmann erwähnt, dass die alten Marsch-schafe in der Regel mehrere Lämmer brachten, im Gegensatz zu den kiimmerlicber ernährten Geestschafen. Auch die pag. (.)8 über das Reh mitgetheilte Beobachtung bestätigt dies.
Die während einer Ovulationsperiode bezw. Brunst in den Genital-kanal eintretenden Eier werden meistens ebensovielen Follikeln ent-
*) Prnohtbarkoit des Männchens vgl. pag. 101, Anmerkung 2.
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stauuueni Ks konunt Jedooli nicht selten vor, dass In einem Pollikel zwei Eier (und selbst mehr, Vgl. pag. 12) sich hetiiiden.
In solchem Falle wird natürlich auch bei denjenigen SäugetUeren, bei welchen Kingeburt die Regel ist, eine Zwilligsschwangorschaft entstehen. Jedoch brauchen nicht etwa Zwillinge beim Menschen, Pferd, Kind u. s. w. einem Follikel zu entstammen. Denn ebenso gut können sich auch bei den in der Regel Eingebärenden ausnahmsweise zwei und mehr Eollikel in einer Ovulationsperiode öffnen.*)
Die aus vörschiodonen Eollikeln kommenden Eier werden nicht alle gleichzeitig frei werden ; ihr Anstritt kann sich bei Thieren z. B. m. o. w. auf die Dauer der Brunstperlode vertheilen. Sie werden denmach auch nacheinander befruchtet werden, doch kann es sich in der Regel nur um geringe Zeitdifferenzen, möglicherweise bei längerdauernder Brunst (Hund) allerdings Ins zu einigen Tagen handeln, Trotzdem wird der Abschluss der Entwicklung (die Gehurt) aller Jungen an einem Tage erfolgen, da die Geburt des einen die Ausstossung des aiideren Foetus anregt und der geringe Unterschied in der Entwicklungszeit ohne Bedeutung ist.
Ob in den Fällen von Zwillings- und Mehrgeburten, bei denen einzelne Junge erheblieh schwächlicher sind als andere, jene gerade den später befruchteten Eiern entstammen, ist mindestens zweifelhaft; es dürften auch Zufälligkeiten und andere Umstände mitwirken.
[Da bei den vielgebärenden Thieren ein Gebiirmutterhorn mehrere Früchte aufnehmen muss, so muss ein Ei weiter gegen den Muttermund hin wandern als das andere; es ist anzunehmen, dass sich die Früchte in derselben Folge anordnen, wie die Eier in den Genitalkanal eingetreten und befruchtet worden sind.|
Es können aber nicht bloss in einem Follikel zwei Eier, sondern es können sogar in einem El zwei Keimbläschen, d. h. Kerne eingeschlossen sein. Dies kann zu Doppelmissbildungen führen, ebenso wie (Ins Eindringen zweier Samenfäden in ein einfaches Ei (vgl. Poly-.spennio pag. 90). Es können jedoch aus einem solchen Ei sich auch zwei normale Früchte entwickeln. Solche Zwillinge liegen in eiuem Chorion (vgl. später: Elhäute) und sind stets gleichen Geschlechts, wie auch sonst von fast genauer Uebereinstimnmng. Immer aber wird die normale Entwickelung eines zweikeimigen Eies eine Ausnahme sein. Der Regel nach entstehen Zwillinge aus zwei getrennten Eiern.
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*) Wenn man bei rior Obduction nach einer Zwillingsgobiirt nur einen gelben Körper findet, so müsston die beiden befruchteten Bier in einem Follikel gesessen haben. Andernfalls weiden sich zwei golbo Körper finden.
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Eier mit zwei Kernen (vom Menschen) .sind von Küllikor dlroot gosolien worden (Entwloklungsgesohlobto, II. Aufl., pag. 34!) und 989). Am Vorkonunen von Eiern mit Doppelkelm ist mithin nicht zu zweifeln. Es ist dies auch ein leicht erklärlicher Zufall, da auch die Prlmordledeler (vgl, pag. 12) wie andere Zellen sieh durch ThellODg vermehren und dabei gelogontlich die Theilnng des Zollloibos unterbleiben kann, während eine Korntheilung eingetreten ist.
Man darf natürlich das Vorhandensein zweier Keiinbläschcii nicht populär vergleichen wollen mit dem häufigen Vorkommen zweier Dotter im Vogelei, weil dieser Vorgleich zu einer Verwirrung von Grundbegriffen führt. Denn im Vogelei ist dor Dotter allein das Ei, alles übrige ist tertiäre Eihiillo. Zwei Dotter sind also zwo! vorsehiodone Eier in einer gemeinsamen Kalkschale etc. Diesen Befund könnte man höohstons mit dem Vorkommen zweier Eier in oinom Follikel in Vergleich setzen. Zwei Keime an einem Vogel-Ei aber wären nur dann vorhanden, wenn z. B. an o inem Hühnerei-Dotter zwei Hahnentrittequot; sich bemerklich machten (um dies gleichfalls populär auszudrücken).
Die Frage bleibt nur, ob die Doppelkeimigkoit dos Eies einen normalen Ablauf der Entwicklung zulässt oder einen abnormen bedingt. Der Regel nach wird das letztere der Eall sein. Die sogenannten Doppel-missbildungen (vgl. Tlieil H dieses Werkes, pag. Ji-JS), d. h. verschmolzene Footal-körper, entstehen nie durch Vorschmelzung zweier getrennter Eier, sondern stets nur durch Anomalien in oinom Ei. Diese können beruhen auf Eintritt zweier Samenfadenköpfe (s. Polyspermle pag. 90), auf frühzeitigster Spaltung einer Emboyonalanlago und letzteres wahrscheinlich am hantigsten auf dem eben hier besprochenen Vorhandensein zweier Keimbläschen in einem Proto-plasmaloib, die wegen dieser Nachbarschaft, eventl. auch wegen ungenügender Befruchtung (zwei Blkeme, ein Spermakern; siehe unten) nicht im Stande sind, sich getrennt und vollständig zu entwickeln.
Nun wird aber doch die Entwicklung der beiden Embryonen nicht selten so vollständig und die Verschmelzung so geringfügig (z. B. eine blosse Haut-brücke; vgl. die siamesischen Zwillinge), dass kaum noch von einer Missbildung gesprochen werden kann und dass bis zur völligen Normalität nur noch ein kleiner Schritt ist. Diese gradweise Abstufung der Doppelmissbildungen spricht also für die Möglichkeit, dass sich unter besonders günstigen Umständen aus einem doppelkoimigen Ei auch normale Zwillinge entwickeln können.
Eine nnoiiiisslicho Voraussetzung für diesen gowiss seltenen normalen Ausgang wird jedoch dann das Eintreten zweier Spermakerne in das Ei sein. Denn nach unsrer Kenntniss dos Befruchtungsvorgangos (vgl. auch pag. 73) erscheint es als unmöglich, dass ein Spermakorn mit zwei Kikornon zu zwei getrennten Anlagen sich verbinde, was eine vorausgehende Thcilung dos Sperma-kerns nothwendig machon würde. Und selbst wenn eine solche stattfinden könnte, würde keine normale Entwicklung entstehen. Denn wenn ein Zuviel vorwirrend wirkt, muss auch ein Zuwenig die Ordnung stören. Aus dem Eikern, der nur mit einem halben Spermakern verschmilzt, muss ebenso eine abnorme Anlage entstehen, wie bei dem Eindringen zweier Spermakerne auf einen Eikern (Polyspermle, vgl. pag, 1)0). Uebrigons ist aber ein normaler Eintritt zweier Samenfäden in ein doppelkerniges El leicht erklärlich. Denn da der
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Hikorn das Wesentliche ist, es sich also beim doppelkenÜgOU El ol^ontlioli um zwei Hier handelt, deren Leiber nnr In der Qreiullnle versolunolzen sind,
so ist es mu- natürlich, wenn sich an einen solchen Doppelgebilde auch zwei Copulattonehtigel ausstrcekon, um je einen Samenfaden einzulassen (vgl. pag. 73).
Die aus einem El oiitstandenon Zwillingo liegen stets in einem Chorion*). Die Luge in oiiiein Choriuii ist jedoch koineswegs beweisend tTir die Entstellung aus einem Ei. Denn die Chorien nebeneinander liegender Früchte künnon unter (Druck-V) Atrophie der sich borührondon Wände verschmolzen. Wiederkäuer-Zwillinge liegen der Regel nach in einem Cliorion (Frank). Beim Schwein werden sogar der Regel nach alle in einem Horn liegenden Früchte von einem Chorion umfasst (Bonnet). Eine solche nachträgliche Verwachsung soll sich jedoch vor einer ursprünglich gemeinsamen Anlage dadurch kenntlich machen, dass das nachträglich verwachsene Chorion getrennte üofass-gebiete zeigt, während in letzterem Falle dio Gefässversorgung eine einheitliche ist. Ob aber alle Fälle, wo Zwillinge in einem Chorion lagen, darauf hin genau untersucht worden sind, ist zu bezweifeln.
Ebenso ist die Gleichgosehlochtigkclt sowie die fast völlige sonstige körperliche, selbst geistige und constitutionelle Gleichheit, wie sie bei menschlichen Zwillingen oft genug beobachtet wird, noch kein Beweis für die Abkunft aus einem Ei. Denn ebenso, wie oft Geschwister verschiedenen Alters zum Verwechselnquot; ähnlich sind und wie sehr oft von einer Frau mehrere Kinder gleichen Geschlechts hintereinander geboren werden, so können erst recht Zwillinge, obwohl aus verschiedenen Eiern stammend, gleichgeschlechtig und sehr ähnlich sein.
Die Entwicklung von Zwillingen aus einem doppelkernigen Ei wird daher noch seltener sein, als es nach der bei Menschen aufgenommenen Statistik den Anschein hat. Aber auch diese schon zeigt die relative Seltenheit der hierher gehörigen Fälle. Ahlfeld fand unter 500 Fällen nur 02 = 12 %, wo die Zwillinge aus einem Ei stammen konnten. Die normale Entwicklung zweier Keime in einem El bleibt also eine seltene Ausnahme. Gewöhnlich werden auch Zwillinge getrennten Eiern entstammen, mögen diese nun in zwei Follikeln oder in einem gesessen haben**).
Einflusslosigköit dos mäunlielien Geschlechts auf die Zahl der Früchte. Das männliche Geschlecht kann auf die Zahl der entstehenden Früchte einen individuellen Einfluss nicht ausüben. Zwillinge sind also z. B, kein Grund zum Stolz für den Vater, sondern lediglloli das Verdienst der Mutter. Denn das Ei ist die Grundlage des Foetus und die Zahl der Eier ist lediglich von der Production des weiblichen Eierstocks abhängig. Dass das Männchen eine mehr als gewöhnliche Production des Eierstocks veranlassen könnte, ist un-
*) Credo laud auch Binmal mensohliohe Drillinge in einem Chorion, #9830;) Uteratui'dieser Frage i Kölllker, Entwloklungsgesoiiidite. Qurlt, Missgeburton 1877. Ahlfeld, Archiv für (lyimokologio, VHIX. Sclirüdcr-Ohlsliiiuscn, Gcburtsliüll'c. Credo, Magaato für Qynaekologie, Bd. 80. Meokel Müllers Archiv, Bd, 8| path. Anatomie II mid de duplioitate monstrosa, 187raquo;. Rumpe, Zeltsohr. f. Goburtsh., B. 22. Dlsohoff, Hut wloldungggesohlohte.
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bedingt aasgesoblosseu. Demnach kann z. B. die Annafame, dasa ein
bestimmter Bulle ungewiilmlich viele ZwilllugSgebarten erzeuge, nur auf irrthümlicher Auslegung von Zufälligkeiten beruhen. Man könnte höchstens (bei den vielgobäreiulen Tliierarten) annehmen, dasa die Begattung des einen Männchens alle vorhandenen Eier befruchte und die des anderen nicht. Allein selbst dies ist nicht, zu begründen. Denn die Zahl der Samenfäden ist bei jeder normalen Begattung unbedingt genügend, um (wenn überhaupt befruchtungafählg) alle vorhandenen bezw. bald darauf eintretenden Eier zu befruchten. Deshalb ist es auch ein Aberglaube, dass mehrere unmittelbar hintereinander ausgeführte Begattungen die Zahl der Jungen steigern könnte (s. pag. 68, 81, 100).
Dass bei Hunden durchWiederholungder Begattung an verschiedenen Tagen einer Brunst|raquo;eriode die Zahl der befruchteten Eier eventuell grosser wird, ist etwas ganz Anderes. Denn da die Brunst der Hündin länger dauert als bei den übrigen Hausthieren, so können Immerhin die Eier in längeren Zwischenräumen sich loslösen. Wenn in den ersten Tag;en der Brunst eine Begattung stattfand, so kann dieselbe zwar alle vorhandenen und die bald darauf eintretenden Eier befrachten; die Samenfäden sind jedoch vielleicht nicht immer im Stande, mehrere Tage später eintretende Eier noch sicher zu befruchten (vgl. pag. 78). Dafür wird event, eine neue Begattung dienlich sein.*)
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Kegeln für die Zahl der Früchte. Mensch.
Beim Menschen ist die Geburt eines Kindes die Regel. Auf H7 Geburten kommt eine Zwillingsgeburt, auf 7600 eine Drillingageburt. Vierlinge sind schon eine ausserordentliche Seltenheit (1 : 330 000); doch sind auch noch Sechslinge vorgekommen. Die Lebensfähigkeit aller Kinder besteht jedoch höchstens bei Drillingen. Es ist häufig, dass Zwillingsgeburten sich bei einer Frau (sogar mehrmals) wiederholen. Nach einer Publication in der Wien. med. Woeh. !)7 No. 8 gebar eine Frau Omal Drillinge, 3mal Zwillinge und 2mal Vierlinge, also 32 Kinder. Auch ihre Mutter hatte ungewöhnlich viel Kinder gehabt; sie selbst entstammte einer Vierlings-, ihr Mann einer Zwillingsgeburt.
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*) In don moisten Fällon wird aber auch bior eine Begattung genügen. Audi Hausmann erwähnt, dass, wenn während einer Brunst inehroro Hunde eine Hündin belegt haben, die Jungen doch meist dem Vater naeharton, der den anderen zuvorgekommen war, ein Beweis, dass dessen Samen alle überhaupt entwickelten Kier befruchtet hatte.
SchmnUz. (loschloclitslolion.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
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98 Pferd.
Das Pferd ist ebenfalls eingebärend und ZwilUngsgeburten sind hier noch selteaer ids beim Mensoben. Nach übercinstimmcndcMi Angaben kommt eine aid' 200 bis 800 bis quot;iOO Gcbnrtcn (Rueff, SchwiirancL'ker); auch sind meist nicht beide Fidlen lebensfähig.
Kind. Bei der Kuh kommen Zwilllllgsgeburten häufiger, etwa in demselben Vorbiiltniss wie beim Weibe (1 bis '2 pCt.) vor. Selbst Fälle von Drillings- und Vierlingsgeburten werden öfter berichtet. Hei manchen Kühen zeigt sich eine dauernde Anlage zu Vielgeburten. So wird ein Fall mitgetheilt (B.T.W. 1806, pag. 259), dass eine Kuh 1892 Drillinge, IH93 Drillinge, 1891 Zwillinge und 1895 Vierlinge von normaler Entwicklung zur Welt brachte. Frank berichtet übrigens einen genau gleichen Fall. Nach dem Echo veteriimire (H.T.W. 1892, pag. 624) brachte eine Kuh in 88 Monaten 11 Kälber. In einem anderen Fall (ebenda pag. J.'ir,) wogen die geboruen Drillinge 88, '3i und .'i2 Kilogramm und konnten alle aufgezogen werden.
Schaf.
Beim Schaf sind Zwillingsgeburten kaum noch als Ausnahme zu betrachten. Bei manchen Kassen sind sie die Regel. Die chinesischen Schafe lammen regelmässig zweimal im Jahre und werfen 2 bis 6 Junge, sie übertreffen alle anderen Rassen (Böhm). Bei anderen ist die Häufigkeit der Zwillings- und Binlingsgeburten fast die gleiche. Auch bei den (englischen) Fleischschafen ist der Procentsatz der ersteren noch ein bedeutender. Im Allgemeinen jedoch überwiegt hei unseren Schafen die Geburt eines Lammes. Drillinge sind eine Seltenheit. (Bendz weiss sogar von einer Achtergehurt zu berichten [Frank]).
(Beim Reh sind Zwillinge sehr häutig und in gewissen Jahren in bestimmten Revieren die Regel. Letzteres ist auf günstige Ernährungsverhältnisse vor und während der Brunft zurückzuführen (vgl. pag. 98).
Ziege. Die Ziege wirft in der Regel Zwillinge, zuweilen eins, nicht selten drei. Vierlinge und Findlinge kommen ausnahmsweise, jedoch nicht alle lebensfähig, zur Welt. Im Echo veterinaire wird mitgetheilt, dass eine Ziege sechs lebende Lämmer warf (fünf männliche, ein weibliches, cf. B.T.W. 1892, pag. 624).
Schwein. Die Sehweine sind unstreitig die fruchtbarste Hausthierart, sowohl was Regelmiissigkeit der Empfängniss, als namentlich die Zahl der
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Friiclite uniiiiist. Die Brtragsfttlügkelt einer Sohwelnerasse berulit geraiesiu auf den zahlrelohen Wtirfeni Eh ist berechnet worden, dass von zwei Sauen in zeiin Jahren au Millionen Schweine abstammen können, selbst wenn von jedem Wurf (zu zehn Stück) die Hälfte mäinilichcn Geschleclits sind, die für die progressive Vermehrung ausser Ansatz bleiben und als Sohlaohtthiere Verwendung zu finden haben. Das alte europäische Haus-scinveiu ist am fruchtbarsten und alte englische Marschschweino warfen bis 24: Ferkel, gewöhnlich 14 bis 16. Die asiatischen Schweine sind minder fruchtbar und bringen 8 bis 10 .hinge. Da die heutigen veredelten Schweine Kreuzungen beider Typen sind, so ist dadurch die Fruchtbarkeit beeinfhisst. Die primitiveren und die grossen englischen Rassen (die mehr europäisches Blut haben) sind die fruchtbareren.*) Die Zuchtverfeinerung drückt vielfach die Fruchtbarkeit herab (s. pag. 103). Die kraushaarigen Schweine (darunter die Bakonyer) bringen (gt; bis 8 Ferkel, die grossen deutschen Schweine 10 bis 12, selten mehr, die grossen weissen engUsohen (Yorkshire) 10 bis 11; die ehemaligen unveredelten Marschschweine sollen oft 12 bis 18 gebracht haben (Eohde). Schweine, welche weniger als 8 Ferkel zu bringen pflegen, haben mithin als relativ unfruchtbar zu gelten und Würfe von 1 bis 3 Stück sind überhaupt fehlerhafte und nicht, häufige Ausnahmen.
Die Bache (Wildsau) setzt (frischt) zuerst 4 bis 6, stärker geworden 11 bis 12 Frischlinge (Ferkel).
Andere Hausthiere. Die Hündin wirft drei bis zehn, nieist vier bis sechs, ganz aus-nalunsweise bis zwanzig (Brehm) Junge: die Katze drei bis sechs; das Kaninchen vier bis zwölf Junge.
Vielträchtigkeit. Jene Ausnahmen, in welchen die Zahl der geborenen Jungen das fih' die Art gewöhnliche Maass so erheblich übersteigt, nennt man auch Vielträchtigkeit. Ueberschwiingernng und Ueberfmchtnng haben mit jenem Begriff nichts gemein, denn bei ihnen handelt es sich nicht um die hohe Zahl der Früchte, sondern darum, dass dieselben verschiedenen Vätern bezw. verschiedenen Ovulationsperioden entstammen. Diese beiden Fälle sind daher an anderer Stelle abgehandelt (pag. 91).
Die Regelmässigkeit der Empfängniss.
Zum Begriff der Fruchtbarkeit gehört, abgesehen von der Zahl der Jungen bei den Vielgebiirendeu, vor Allem, dass das weibliche Thier
*) Dio langen Schweine haben auch mehr Zitzen und können mehr Junge ernähren, was für die Aufzucht natürlich enteoheldend ist.
7*
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wiiliroml dor Brunst die Begattung nicht allein zuliiisst, soiulorn mich reaiclmiissig befruchtet wird, d, h. daKs also seitens des weiblichen Thieres die oben geschilderten Vorbedingungen der Eefruclitung gegeben sind. Die Verhältnisse liegen bei der Brunst der Thiere so günstig (vgl, pag. 11), dass in den weitaus meisten Fällen, (iesuiulheit natürlich vorausgesetzt, die BeCruchtung eintritt. Es genügt auch in der Eegel eine Begattung. Dass mehrmals hintereinander ausgeführte Begattung keinesfalls einen Zweck hat, ist schon pag. (38, 81 und 97 erörtert worden. Dagegen könnte eine Wiederholung der Begattung an einem der folgenden Brunst-Tage immerhin eine das erste Mal ausgebliebene Wirkung nachholen, indem möglicher Weise beim ersten Mal die Brunst noch nicht voll entwickelt war, der Muttermund sich noch nicht geöffnet hatte und die Ovulation erst später erfolgte. Dass dies besonders bei den Hunden, deren Brunst länger dauert, nützlich sein kann, ist pag. 97 schon erwähnt worden. Aber auch die Stuten werden nachprobirt und event, nochmals gedeckt (s. pag. (57).
Die Stuten unterscheiden sich von den übrigen Hausthieren schon durch die geringere Kegelmiissigkeit der Brunst (vgl. pag. MO). Der (ie-schlechtstrieb scheint bei ihnen mehr als bei anderen Hausthieren von nervösen Stimmungen beherrscht (vgl. pag. 49). Ob dies als fine feinere, gewissermassen dem Menschen näherkommende Kntwicklung des (Je-schlechtstriebes und nicht vielmehr als eine Störung desselben aufzufassen ist, bleibe dahingestellt; erwünscht ist dies Verhältniss jedenfalls nicht. Aber augenscheinlicli ist es nicht bloss etwa in einer nervöseren Constitution des Pferdes begründet. Günther (vgl. pag. 42, Anm. 2) giebt mit Recht auch der Haltung der Pferde, welche einer natürlichen Entfaltung des (ieschlechtstriebes oft entgegen ist, die Schuld an jenen Un-regelmässigkeiten, Dass, soweit es sich um Gebrauchspferde handelt, die Geschlechter dauernd getrennt gehalten werden, dass die Benutzung der Stuten zur Zucht häufig in Rücksicht auf die Dienstleistung nicht regelmösslg oder zu spät erfolgt, ist nicht naturgemäss und kann störend wirken (vgl. pag. 9 u. 66). Auch Graf Lehudorff betont, dass es nachtheilig ist, wenn z. B. die Stuten mit Rücksicht auf die Arbeit bloss ein um das andere Jahr zur Zucht benutzt werden. Endlich bilden auch die Dienstleistungen der Pferde seihst einen nicht zu unterschätzenden Unterschied gegenüber den andern Hausthieren (vgl. pag. 3 und '20, Anm.).
Wenn nun schon die, Aeusserung des Geschlechtstriebes, die Brunst, bei Stuten nicht so gleichmässig wie bei andern Hausthieren folgt, so ist es sehr wahrscheinlich, dass sie auch nicht in so fester Verbindung mit dem ursprünglichen Inneren Aulass der Brunst, nämlich mit der Ovula-
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latiou, stellt. Sic mac; bei Stuten sieli öfters einstellen, ohne diiss die Ovulation den Anstoss dazu gegeben hat (vgl. pag. 11). Sehen Hausmann (vgl. pag. 42, Aum. 2) nimmt an, dass die Brunst der Stute uieht immer der Ausdruck des Austritt eines Eis aus dem Folllkel sei. Nun liegt aber die Annahme nahe, dass die erste Begattung einer rossigen Stute den Reifungsvorgang bezw. die Dehiscirung eines Kis anregt. Einen solchen anregenden Elafluss der Begattung nimmt man (vgl. pag. 15, unten) ja auch beim Menschen an*): daher ist es wohl miiglich, dass einige Tage nach jener ersten Begattung min wirklich ein befruchtungsfälliges Ei vorhanden ist, dass deshalb die Rossigkeit bestehen bleibt (vgl. pag. 67) und eine nunniehrigo zweite Begattung Erfolg hat, während ihn die erste nicht (wenigstens nicht sicher, vgl. pag. 77) gehabt hätte.
Aber auch bei wiederholter Begattung werden Stuten häufiger nicht tragend, ohne deshalb dauernd unfruchtbar oder vorübergehend krank zu sein. Es bleiben von den jährlich bedeckten 25 -80 % unbefruchtet und eine Befruchtung von 80()/() ist ein vorzügliches Resultat. Wie weit hierbei die Leistungen der Hengste in Betracht kommen, ist nicht ganz genau zu entscheiden**). Der Regel nach liegt die Ursache der Xicht-befruchtung aber sicher hei den Stuten (wie auch Hausmann und Graf Lehndorff entschieden betonen), bei denen also von anderen Hindernissen wirksamer Begattung abgesehen augenscheinlich nicht selten der Austritt reifer Eier während der Rossigkeit ganz ausbleibt. Dass die Haltung der Thiere die Ovulation ebenso, wie den Eintritt der Rossigkeit, beeinflussen kann (vgl. auch pag. 19), ist nicht zu bezweifeln. Ruhige Feldarbeit ist, wie Hausmann und Graf Lehndorft übereinstimmeud her-
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) Bei den übrigen Hausthieron, wo die Ovulation die rogolmässige Einleitung der Brunst ist, wäre ein solcher Eintluss gegenstandslos.
**) Bezüglich der Fruchtbarkeit der männlichen Thiere sei nur folgendes bemerkt: Sichtbare Impotenz, d. h. mangelnder Gosclilechtstriob und Unfähigkeit zur Begattung werden bei Hongston Innerhalb der gewöhnlichen Zeugungsjahro wohl nur sehr selten und nur in Folge schwerer organischer Vorändorungon vorkommen. Etwas Andres ist dies schon bei Mastthieren, z. B. fetten Bullen. Verborgene, d. Ii. Befrucbtungs-Impotonz, namentlich relative, ist nicht so selten. Uebor die Aspermie, d. h. die Unfähigkeit zur Ejaculation, und die Aspormatozootio, d. h. den Mangel an Samenfäden, ist pag. 57 u. 80 gesprochen. Bine krankhafte Beschaffenheit der Samenfäden wird beim Thiere lange nicht so häutig sein, als beim Manne, weil der hier häufigste Anlass (die Gonococcon) dort fehlt. Quantitäts- und Qualitätsunterschiede dos Samens (vgl. pag. 77, 80, 81, 88) werden jedoch, weil von der körperlichen Beschaffenheit bestimmt, häufig genug sich zeigen, und so ist es erklärlich, dass manche Vater-thiere mit geringerer Sicherheit als andere befruchten, wenn sie auch nicht
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vorhoben, für rdgelmäBsige Beftuobtuiig günstiger als Benutzuag zuin Reiten und schnellen Fnlireii; Hansiminn beweist dies stntistiscli. Stuten, die eben geboren haben, empfangen leichter als güsto; die regelmiissige Verwendung zur Zucht unterstützt also die Befruchtung. Hausmann bemerkt auch, dass sich die Zahl der unbefruchteten Stuten vermindert, wo man die in der eigentlichen Decksaison unbefruchtet gebliebenen auch in der anderen Jahreszeit, sobald sie nur rossig sind, bedecken lässt. Versetzung in eine andere Gegend, in andere Lebensverhältnisse kann die Fruchtbarkeit vorübergehend mindern, wie sieh bei der Verlegung von (iestiiten gezeigt hat. Beginnende Weidezeit bietet oft eine günstige Anregung; mittlerer, nicht mastiger Nährznstand (vgl. pag. 4 u. 8) ist der beste. Graf Lehndorff weist in seinem Handbuch füs Bferdezücliter nach, dass die Befruchtungsresultate dort weitaus bessere sind, wo ein den localen Verhältnissen angepasster gleiehmässig qualiticirter Stutenstamm hauptsächlich der Zucht wegen gehalten wird und die Lebensführung, namentlich auch die Arbeitsleistung, der Stuten sich danach richtet. (In wieweit das Benehmen der Stuten bei der Begattung für die Befruchtung in Frage kommen kann, ist schon pag. 02 u. 79, Anm. erörtert worden.) Es liegt nach dem eben Gesagten auf der Hand, dass die übrigen weiblichen Hausthiere eine für gleichmässigeOvnlation und Befruchtung viel günstigere Lebensweise führen. Zunächst werden sie (von den Hündinnen abgesehen) regelmässig und rechtzeitig zur Zucht benutzt, weil diese bei ihnen allgemein einen erheblichen Theil ihrer Nutzung ausmacht. Es fällt bei ihnen ferner die Arbeitsleistung mit allen ihren Ungleichmässigkeiten und sonstigen Consequenzen fort (die stellenweise Benutzung von Kühen zur Arbeit dürfte auch für diese bezüglich der Zucht unter Umständen ungünstig wirken). Die gleichmässige Stallhaltung (vgl, pag. 29, Anm.) und ebenso der ruhige Weidegang schaffen ein
gänzlich unfruchtbar sind. Dass eine zu starke goscblechtlicho Benutzung die Fruchtbarkeit des Männchens vorübergehend aufheben oder dauernd beeinträchtigen kann, ist pag. 81 erwähnt; ebenso dor Binfluss einer verfriditen oder verspäteten Verwendung zur Zucht, der Frühreife und dos J^ottwerdeus (pag. 1, S, (10,104) und die Altersunfruchtbarkoit (pag. 22). Im Allgemeinen kann man, namentlich auch von Hengsten, sagen, dass bei dem Männchen, das normal gehalten worden ist und sich im zengungsfähigen Alter befindet, gänzliche Unfruchtbarkeit recht selten ist. Havomann und Hausmann, beide Directoren der ehemaligen Thierarzneischule zu Hannover, aber zugleich sehr erfahrene Gostiitmänner, wissen nur einen solchen Hengst zu nennen. Auch eine orhoblicbe Beschränkung der Befruchtungsfälligkeit ist bei solchen Männchen nicht häufig. Die Schuld beim Ausbleibon der Befrucbtung liegt meist an den weiblichen Thioren. Uober die Einflusslosigkeit des Vaters auf die Zahl der erzeugten Früchte s. pag. 90; desgl. Kürze dos Penis pag. 85.
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lonkbai' regelmässlges Lehen. Deslmll) eplelen sieh bei diesen Tliicreu aueli Ovulatlon, Hnmst und Befruobtung im allgemeiaen auaserordentlioh
regelmiissig ab.
lioi Kinderu tritt die Befrachtung in der Regel ein, wenn nicht Abnormitäten bozw. krankhafte Zustände vorliegen; ebenso bei Schweinen. Schafe werden häufiger nicht tragend, ohne deshalb dauernd unfruchtbar oder vorübergehend krank zu sein: liier wird häufig eine mangelhafte Ausführung der Begattung, welche nicht so überwacht werden kann, die Schuld tragen.
Tliiere, welche nicht empfangen haben, nennt man güst oder gelt.
Das dauernde Ausbleiben der Conception (Sterilität im eigentlichen Sinne) hat immer pathologische Ursachen (s. Theil II, pag. 20 ff.).
Physiologische Abnahme der Fruchtbarkeit:
Die Annahme, dass durch die Domestication die Fruchtbarkeit gehoben werde, kann sich auf den nachweislichen EInfluss stützen, den eine verbesserte Lebensweise, namentlich regelmässige Ernährung, auf die Thfttigkeit des Gesohlechtsapparates ausübt. Allein es sind durch die Domestication den Hausthieren auch viele Vortheilo der natur-iiemässen Lebensweise im Freien verloren gegangen, die von nicht minder grosser Bedeutung gerade auch für den Gesohleohtsapparat sind. Es kann daher nicht auffallen, dass jene Annahme, mindestens so allgemein, nicht zutrifft. Dies lässt sich gerade an so nahen Verwandten, wie das alte europäische Hausschwein und das Wildschwein sind, am besten beweisen, deren Fruchtbarkeit auf etwa gleicher Stufe steht. Wenn die wilden sog. Parkrinder in England wenig fruchtbar und häutig güst sind, so erklärt sich das mis der Inzucht (vgl. pag. 133) dieser seit Jahrhunderten in Parks eingeschlossenen, an Zahl geringen Herden.
Dass jedoch unter den einmal domesticirten Thieren, durch sorgfältige Pflege und zweckentsprechende Haltung, mit allen körperlichen Leistungen auch die Fruchtbarkeit möglichst gesteigert werden kann steht fest. Wenn aber die Zucht nicht auf allgemeine Verbesserung der Körpereigonschaften, sondern auf einseitige Entwicklung zu einer bestimmten Leistung gerichtet wird, so wird die Harmonie im Organismus gestört und dann leidet die Fruchtbarkeit. So hat man seinerzeit bei der Merinos, durch das einseitige Hindrängen auf die fortwährende Steigerung der Wollfeinheit, wie die ganze Constitution, so auch die Fruchtbarkeit heruntergebracht. Kbenso hat die übertriebene Ausbildung der .Mastfähigkeit mit Verfeinerung von Knochen und Haut (Schweine, Rinder, Schafe) vielfach zu verringerter Widerstandsfähigkeit und namentlich zur
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Abnahme der Fnielitlmrkeit geführt, Wie das Gesohleoht sicli gerade in gewisscMi Hautpebildeu (Miilnien, Hörner beim Mäunclien, Milchdrüsen (1. s. jiioditicirto TalgdrUseu beim Weibchen) ausdrückt, so scheint die allzu sirosse Verfeinenmsi dor Haut und Eiiiscliränkuna; der Hailtgehilde (Haarwuchs beim Schwein) In gewisser Weise mit der Abnaluue der Fruchtbarkeit parallel zu gehen,
Dass die Neigung zur Fettbildung, die eventuell in Fettsucht ausartet, die üeschlechtsthiitigkeit beschränkt, tritt überall hervor. Schon pag. 4 wurde darauf hingewiesen, dass sich die Brunst bei solchen Thieren viel schwächer äussert, als bei den in naturgemiisser Condition befindlichen. Mit der Abschwächung des Gescblechtstriebes wird sich eine verminderte Production der Geschlechtsdrüsen (u. auch der Milohdrüsen) verbinden. Die Zahl der .hingen bei Schweinen vermindert sich daher. Die mastigen Thiere worden früher ziicbtuntauglich (vgl. auch das über Frühreife gesagte pag. I u. 8). Männliche Thiere werden zu träge und schworfällig für die Begattung. Weibliche mastige Thiere empfangen schworer, wobei wohl ebenfalls mechanische, durch die Fettbildung bedingte Hindernisse mitsprechen. Vor allen Pingen aber tritt eine Be-nachtheiligung der Fruchtbarkeit dann ein, wenn sich mit dem übertriebenen Anstreben eines einseitigen Zuchtziels die Inzucht, d. h. die Zucht unter nahen Blutsverwandten verbindet, welche oft gewählt worden ist, um jenes Ziel rasch und vollkommen zu erreichen. Es ist erwiesen, dass die durch Generationen fortgesetzte Zucht unter nahen und nächsten Blutsverwandten nicht allein zu einer potenzirten Vererbung vorhandener Fehler führt (s. pag. 133), sondern auch zu, oft plötzlicher, Verschlechterung dos Körperbaus, der Constitution, der nervösen Funktionen und vor allen Dingen der Fruchtbarkeit und Zeugimgsfähigkeit bis zur yterilität.
Auch in Bezug auf die Ausnutzung des Geschlechts-apparates können Fehler gemacht werden. Beiden weiblichen Haus-tliiereu können allerdings Excesse kaum vorkommen, da sie die Schwangerschaften ohne Nachtheil vertragen, auch wenn sie mit den zulässig kürzesten Zwischenpausen sieb wiederholen. Wohl aber ist eine Schädigung der männlichen Thiere durch zu starke geschlechtliche Benutzung möglich.
Die allzufrühe Verwendung zur Zucht bedingt bei heidenGeschlechtern ein frühes Nachlassen der Fruchtbarkeit. Andererseits wirkt aber auch eine verspätete Zulassung oder langes Pausieren auf beide Geschlechter nachtheilig (vgl. pag.Ou. 66). Wie alle Drüsen, nehmen auch die Geschlechtsdrüsen ab, wenn sie in Unthätigkeit versetzt werden. Das wird vor Allem den Hoden betreffen, wenn keine Gelegenheit zur normalen Entleerung des producirten Samens und daher auch keine Anregung zu erneuter Pro-
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(luctioii gegeben wird, (.lungere iniinnlielie Tliiere köimcMi auch in' Onanie verfallen.) Ob durch unterbleibende Begattung der Eierstock beeinflusat werden kann, erscheint nicht so sicher, da die Ovulation im allgemeinen ja onabMogig von der Begattung erfolgt und auch die Bninst-erscheimmgen bei den von der Zucht ausgesohlossenen Tliieren meist unverändert auftreten. Jedooh werden solclie Thiero mehr zum Kettwerden neigen, wodurcli der Erfolg einer späteren Begattung unsicherer wird: auch bilden sich wohl nicht selten schliesslieh gewisse Veriinderungen an den Genitalien aus, die der Conception hinderlich werden können.
Im Allgemeinen ist mithin die naturgemässe Bethätigung der Gesohleohtsorgane In dem mannbaren Lebensalter auch das Förderlicbste für ihre Leistungsfähigkeit.
Dass die Zeugungsfähigkeit bezw. Fruohtbarkeit und damit bei Tliieren auch der Geschlechtstrieb niich üebersohreitung des kräftigsten Lebensalters abnimmt und schliesslieh aufhört, ist bereits beim Geschlechtstrieb (pag, 22) besprochen worden.
Die natürliche Grenze der Befruchtung.
Die Fähigkeit der Geschlechter, sieh fruchtbar zu begatten und vollkommen entwickelte Nachkommen zu erzeugen, ist an die Zugehörigkeit zu derselben Thierart geknüpft. Diese Beschränkung wird daher zur Definition des Begriffes Artquot; und zur sicheren Abgrenzung der einzelnen Arten verwendet. Aeussere Gleichartigkeit oder Verschiedenheit ist dafür nicht massgebend. Oft zeigen sich zwischen den Unterabthei-lungen einer Art hervorstechende iiussore Unterschiede, während andrerseits die Unterseheidungsinerkmale von Angehörigen verschiedener Arten wenig augenfällig sind.
Alle Thiere, welche unter sich Nachkommen zu erzeugen vermögen, werden zu einer Art zusainmengefasst, mögen sie äusserlich auch grosse Unterschiede aufweisen. Andererseits können Thiere von verschiedenem Typus, auch wenn sie sich nahezustehen scheinen, als gesonderte Arten aufgefasst werden, so lange fruchtbare Vennischungen, Kreuzungen, zwischen ihnen nicht als erreichbar nachgewiesen sind.
Die Unvermischlichkeit der Arten ist zugleich für ihre Erhaltung von entscheidender Bedeutung. Denn andernfalls würde eine ordnungs-loso Fortpflanzung eintreten; die Producte würden ein buntes und für die Anforderungen des Daseins keineswegs zweckmässiges Gemisch heterogener Eigenschaften werden. Eine allgemeine Entartung im eigentlichsten Sinne würde nicht bloss den Fortbestand der Arten, sondern viel-
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leicht die Existenz des ganzen Thierrelohes In Frage atellen, keineswegs etwa die Mannigfaltigkeit seiner dauerhaften Formen steigern.
Die Mannigfaltigkeit des Tiiierrciehes quillt vielmehr ans der Un-vermisohbarkeit der Arten. Im Laufe der Zeit kann sich nämlich eine Art in verschiedene Stämme spalten (vgl. pag. r29). Deren Unterschiede können unter dem Kinfluss der Lebensverhältnisse sieh immer mehr vertiefen, bis endlich die Kluft soweit geworden ist, dass es keine Brücke mehr darüber giebt, dass beide Stämme sich nicht mehr fruchtbar vermischen können und mithin zu neuen Arten geworden sind. Indem sich also aus einer Art wohl eine andere abspalten, niemals aber eine in eine andere zurückkehren kann, muss sich im Laufe der Epochen die Mannigfaltigkeit der Arten vermehren, ohne sich anders als durch Aussterben einzelner Arten vermindern zu können. Die gegenwärtig vorhandenen Arten sind auf eine viel geringere Zahl von Stammformen zurückzuführen.
Die Gründe der Un vermisch barkoi t der Arten können in der Behinderung der Begattung und in der Unmöglichkeit der Befruchtung bestehen. Es scheint, dass, soweit die höherenThiere inFrage kommen, ein instinetiver gesohleohtlioher Widerwille zwischen den Arten besteht, so dass die Begattung ausserhalb der Art unter keinen Umständen weder gesucht noch geduldet wird. Verirrungen, wie sie sich in dieser Hinsicht vereinzelt bei homo sapiens linden, seheinen unter den Säugelaquo; Thieren imbekaimt zu sein. Allein dieser natürliche Schutz gegen die Artvermischung würde doch nicht überall und unbedingt ausreichen.
Die sichere Einrichtung, welche die Artvcrniiselumg substanziell unmöglich macht, ist nicht Eigenschaft des Gesannntorganisimis, sondern der Geschlechtszellen. Bekanntlich (pag. 71) haben die Samenfäden bezw. deren Köpfe eine besondere für jede Art eigonthümliche Gestalt, die Eier dagegen besondere Schutzvorrichtungen (zonae). Bei den Eiern mit gallertartiger Hülle (Säugethiercier) muss sich der Copulationshügel (pag. 73) dem Samenfaden entgegenstrecken, um ihn einzuholen (bei den Eiern mit fester Zone ist eine kleine Oeffnung, Mloröpyle, vorhanden). Nur die typische Kopfform des Samenfadens der eigenen Art kann in den Copu-lationshügol eindringen. Mit dieser einfachen Einrichtung, die mau versucht ist, mit Sohloss und Schlüssel zu vergleichen, wir jede Möglichkeit der Befruchtung durch fremdartige Samenfäden, selbst, wenn Begattung stattfände, ausgeschlossen.
Die Abspaltung der Arten von einer Stammart wird also zur Folge haben, dass, wie sich die Körperbeschaffenheit im Allgemeinen mehr und mehr ändert, sich ebenmässig an den Gesclilechtszellen Veränderungen
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ausbilden, Es wirft dies ein Streifliclit auf die wichtige Thatsaelie, wie die EeKomlerheiten des ganzen Körpers sich in den scheinbar so älin-lichen (ieschlechtszellcn wiederspiegeln und letztere Träger der chnracte-ristisclieu Eigensohafteil werden können.
Bastarde und Blendlinge: Eine Art umfasst meist wieder verschiedene Typen, deren Mannigfaltigkeit unter den Hausthieren beim Hund am auffälligsten ist. Je nach dem Grade Ihrer Abweichungen unterscheidet man daher innerhalb der Art: Unterarten, Spielarten oder Varietäten, Rassen, Schläge, Stämme und Zuchten: die letzteren sind den menselilichen Familien vergleichbare Gemeinschaften.
Die scharfe Abgrenzung dieser Begriffe gegen einander ist keineswegs leicht. Der Grad der äusseren Aehnlichkeit bzw. Unähnlichkeit entscheidet nicht, ob zwei Typen als Unterabteilungen einer Art oder als zwei gesonderte, wenn auch verwandte, Arten aufzufassen sind. Hier liefert nur die Feststellung, ob und in wie weit sich die Angehörigen solcher Typen fruchtbar vermischen können, sicheren Anhalt.
Die Paarung von Angehörigen verschiedener Rassen und Varietäten einer Art begegnet keinen Hindernissen und wird in der Thier-zucht viel angewandt. Sie heisst bekanntlieh Kreuzung*): ihre Abkömmlinge werden als Kreuzungsproducte oder Blendlinge (Mischlinge beim Menschen) bezeichnet. Sie sind ihrerseits vollkommen fortpflaimmgs-fähig und können, in consequenter Weise weitergezüchtet, zu einer neuen fest-typirten Rasse werden. Die besten derzeitigen Hausthierrassen sind aus solchen Kreuzungen hervorgegangen.
Zu dieser Kreuzungsfälligkeit der Rassen und Varietäten bildet die oben erörterte Unvermischbarkeit von Thieren verschiedener Arten den feststehenden Gegensatz.
Dazwischen giebt es jedoch eine Mittelstufe, deren genaue Erforschung ein höchst interessantes Ziel der Thierzucht gewesen ist und noch ist.
Es giebt nämlich Typen, zwischen denen Begattungen und auch Befruchtungen zu erzielen sind, deren Producte aber selbst gar nicht oder nur in sehr beschränktem Masse fortpllanzuiigsfähig sind. Das practisch wichtigste Beispiel sind dafür die Mault hi ere, die Producte zwischen Eselhengst und Pferdestuto. Da diese Thierc im Uebrigen sogar eine vorzügliche KörperbeschafTenheit, Constitution und Leistungsfähigkeit besitzen, so inuss ihre Zeugungsunfähigkeit, die mangelhafte Entwicklung
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*) Der Gegensatz 1st die Beinzuoht, d. li. die ausschlicssliche Paarung von Thieren derselben Rasse unter sich. Vgl. auch Variabilität pag. 129.
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des QeBOhleohtBfVpparates autt'alleu *). Sie kenuzeielmet diese Oeselüipfe als bis zu einein gewissen Grade widernatürliche, illegitime. Mau bezeichnet sie als Bastarde.
Solche Typen, welche unter sich Bastarde in obigem Sinne erzeugen, sind von einander verwandtschaftlich weiter entfernt, als Kassen oder Varietäten. Sie nälieru sich dem Character selbstständiger Arten, müssen aber als Unterarten einer Art betrachtet werden (trotz so weit gehender äusserer Verschiedenheiten, wie sie /,. B. Pferd und Esel aufweisen).
Doch thessen auch Unterarten und Varietäten in einander über. Denn auf der einen Seite zeigt sich, dass, je differenter die Kassen bzw. Varietäten unter sich sind, es immer schwerer wird, zwischen ihnen fruchtbare Vcrmiseluingen, selbst nur Begattungen zu erlangen: sie nähern sich also ersichtlich der Stufe, wo sie als gesonderte Unterarten aufzufassen wären. Andrerseits ist die Unfruchtbarkeit der Bastarde keine absolute. So erweisen sich mitunter Maulthiere bis zur zweiten Generation fortpflauzungsfiihig (Ihiftbn, Brehm, Negroni, Repert. f. Thier-heilkunde 1809), Damit wird aber der Gegensatz zwischen Unterart und Easse m. o. w. labil. Es finden sich also Uebergänge, wie dies bei der oben geschilderten allmählichen Abspaltung der Arten von einander auch nicht verwunderlich ist. Zwischen Bastard und Blendling besteht kein ganz scharfer Unterschied, und in der That wird die erstere Bezeichnung auch für fortpflanzungsfähige Kreuzungsproduote von Varietäten gebraucht.
Als unverrückbare Thatsache ist nur die Unvermischbarkeit verschiedener Arten festzuhalten.
Da somit die Erzielung von Bastarden zwischen zwei Typen zuverlässigen Aufscbluss über ihre eventl. Zugehörigkeit zu einer Art, bzw. über den Grad ihrer Verwandtschaft zu geben vermag, so bat man sich vielfach damit beschäftigt. Die Beobachtungen über angeblich in freier Natur vorgekommene Bastardiruugen sind zum allergrössten Theil durch keine genauen Untersuchungen unterstützt und ganz unzuverlässig. Auch die Experimente sind zum Theil sehr mit Vorsicht aufzufassen. Als exact er-w i e s e n s i u d f o 1 g e n d e B a s t a r d i ru u g e n bzw. Kreuzungen zu bezeichnen:
Die Maulthiere, von Pferdestute und Eselhengst, sind in der Regel unfruchtbar (s. pag. 107, unten). Die Maulesel, von Pferdehengst und Eselstute
*) Eine einfache Mindorwerthigkelt der aus zwei ungloichartigon Elementen ontstandenen Keinianlagon kann es bei dem sonstigen guten Körperbau der Maulthiere nicht sein. Wie aber In der regulären Thiemicht jode Ueber-bildung, sei sie auch mit hoher Vollkomnionheit in gewisser Beziehung verknüpft, grade die Fruchtbarkeit und Vororbungskraft beeinträchtigt (vgl. pag. 103 u. 188), so wird eben bei einer in gowissom Grade widernatürlichen Bildung, wie diese Bastardirung ist, jene Beeinträchtigung einen extremen Grad erreichen.
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gezogen, sind ebenfalls uufruchtbur; nie worden wegen ihrer unanselm-lichereu (iestalt seltener gezogen, sind jedoch in Spanien und Abessiniou nach Hrelini liäufig. Das Pferd beiderlei Geschlechts paart sich mit dem Esel nicht freiwillig, sondern muss künstlich dazu verführt bzw. gezwungen werden.
Das Huusrind kreuzt sich mit dem sehr unähnlichen Zebu; die Bastarde sind vollkommou fruchtbar, (Darwin, Entstehung der Arten). Dagegen sind Kreuzungen der Hausrinder mit dem (z. B. in Ungarn gehaltenen) orientalischen Hiiffel noeh nicht nachgewiesen. Das Haussohaf erzengt mit dem Mution tbitptianzuiigsfäliige Bastarde (Fitzinger, Schaf-rassen); ebenso die Ziege mit dem Steinbock (doch reicht die Fortpflanzungsfähigkeit der wieder mit Steinbock gepaarten Bastarde höchstens bis zur dritten Generation. Wilkens-Settegast). Dagegen ist der Beweis für die viel behauptete Krenzungsfähigkeit zwischen Schaf und Ziege noch nicht erbracht.
Haus- und Wildschwein kreuzen sich vollkommen. Der Hund erzeugt mit dein Wolf Bastarde von begrenzter Fortpflanzungsfähigkeit (Buffon, Settegast); die Bastarde zwischen Hund und Schakal sind bis zur vierten Generation fortpflanzungsfällig (Darwin, DasVariiren derThlere). Dagegen ist die vielfach erzählte Kreuzung zwischen Hund und Fuchs eine Mythe.
Ebenso hat v. Nathuslus dargetlmn, dass die sogenannten Leporiden fälschlich als Bastarde von Hase und Ivaninchen ausgegeben worden sind. Dagegen ist, um auch ein Beispiel vom Uefliigel anzufiiliren, der sogenannte Eackelhahnquot; ein Bastard zwischen Auerhahn und Birkhahn: derselbe balzt nicht, ist quot;also suigBiischeinlieh nicht fortpflanzungsfähig.
in welchem Verwandtschaftsgrade die hier erwähnten Thiertypen nach dem Ausfall der Bastardiningsversuche mit einander stehen, erglebt sich aus den obigen Darlegungen von selbst. Die gelungenen Bastar-dirungen beweisen zugleich, wie wenig der Grad äusserer Aehnliehkeit für die Verwandtschaft massaebend ist.
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IV. Theil.
Die Vererbung.
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Nicht woiiiger, als die Portpttanziing, ist für die Erlmltuna; der Art die mit jener verbundene Vererbung unentbehrlich. Denn wenn bei der Befruohtang nielit zugleich von den Eltern die typischen körperlichen Kigen-thümlichkeiten übertragen würden, ko würden zwar die eiaauder folgenden (ienerntionen den Thierstainm erhalten, aber es gäbe keine Eigenart des Stammes. Die Vererbung ist daher ein zu wesentlicher Theil von Befruchtung und Fortpflanzung, um sie nicht neben jenen besprechen zu müssen. Das Gebiet ihrer Lehren und die Fülle der ungelösten Fragen, ja der Irrlehren und Sagen, in demselben ist aber so gross, dass hier nichts Anderes, als eine knapp gefasste Zusammenstellung, gegeben werden kann.
Die Thatsache einer bis in die Einzelheiten gehenden Vererbung von den Eltern auf das junge Individuum ist jederzeit zu unbestreitbar vor Augen getreten, als dass sie je hätte geleugnet worden können. Die gesetzmässige und lückenlose Erklärung jener Thatsache stösst dagegen auf um so grössero Schwierigkeiten, die auch heute noch keineswegs alle beseitigt sind. Man kann freilich auf die Frage: Warum vererbt sich der Typus?quot; mit einem gewissen Eecht durch die Gegenfrage (Hensen) antworten: Wie sollte es kommen, dass der Typus sich nicht vererbt?quot; Denn wenn aus einer winzigen Keimanlage überhaupt ein complicirter Organismus sich entwickelt, so kann dies nur durch eine im Wesen der Lebendigkeit und Lebensfähigkeit begründete Ordnung der Entwicklungsvorgängc geschehen und es wäre schwerer zu erklären, wenn diese Ordnung in der folgenden Ocneration eine AMndernng erlitte, als, dass sie dieselbe bleibt und damit denselben Typus wiederum hervorbringt. Eine ganze Reihe von Entwicklungserscheinungen zeigt sich auch als eine ohne weiteres selbstverständliche Folge der durch das Wachsthuni bedingten Massen- und Elächen-Veränderimgen.
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Dass man jedoch damit das Wesen der Vererbung nicht erschöpfen, geschweige denn erklären würde, zeigt sofort die Thntsachc, dass es sich nicht nur um einfache Typus-Uebertragungi sondern um die EUgenthttm-lichkeiten zweier Individuen, der Kitern, handelt, die Im Jungen Individuum sich In wechselnder Combination widerfinden. Diese, zwei verschiedenen Quellen entspringende, individuelle Vererbung liegt doch ausser dem Kuhmen jener Gegenfrage.
Ehe das Wesen der Befruchtung klargestellt war, musste namentlich die Betheiligung des Vaters an der Vererbung unerklärlich erscheinen, während für eine Uebertiagung auch individueller Eigenschaften von der Mutter leichter Grttnde geltend gemacht werden konnten.
Durch den Nachweis, dass die Befruchtung in der Verschmelzung der Kerne einer weiblichen und männlichen (Jeschlechtszelle (Spermakern und Eikern) bestellt, ist die sub-Btanzlelle Grundlage für die Vererbung und für die im Princij) gleichberechtigte Betheiligung beider Kitern an derselben aufgedeckt worden (vgl. pag. 1-i).
Es ist auch klar, dass die im Samen- und Eikern befindlichen Kornsubstanzen (und zwar das beherrschende Chromatin) die Träger der von den Erzeugern auf die Nachkommen vererbbaren Eigen thümlichkei ten sind. (0. Hertwig.)
Dies ist aber freilich erst der Anfang einer Erklärung der Vererbung. Denn da sich, wie gesagt, nicht bloss der öesammttypus, sondern auch individuelle Kigenthümlichkeiten übertragen, die auf der Beschaffenheit einzelner Körpertbeile beruhen, so muss man annehmen, dass die eine Geschlechtszelle, bezw. ihr Kern, Träger der Eigenthiiinlichkeiten jedes einzelnen Körpertheils ist.
Es scheint ferner evident, dass auch Formen-Eigentluimlichkeiten und andere Eigenschaften, die den Eltern nicht von der Entwicklung an innewohnten, sondern bei ihnen erst im späteren Leben ausbildeten, sich vererben und sogar in den folgenden Generationen sich potenziren. Denn, wenn z. B. bei einer Kasse durch Haltung und Nutzung eine Organgruppe bezw. eine Fähigkeit besonders bevorzugt oder aber verkümmert wird, so macht sich bei den Nachkommen in steigendem Masse eine von vornherein vorhandene Anlage nach derselben Richtung geltend, d. h. das betreffende Organ bezw. die Fähigkeit erscheint bei ihnen von vornherein reicher bezw. schwächer ausgebildet, ohne dass hier erst äussere Lebensverhältnisse einzuwirken brauchten. Hierauf beruht die in der Thierzucht so wichtige Möglichkeit allmählicher Umbildung. Neben der, einfach den überkommenen Typus erhaltenden.
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oonservativeu Vererbung besteht mithin eine progressive Vererbung (Haeokel), welche den Typus allmählich zu ändern vermag.
Um diese zu erklären, scheint die Annalime iiotluveiidig, dass allmählich im Körper sich vollziehende Veränderungen ebenfalls eine Wirkung auf seine (lesehlechtszellen auszuüben vermögen. Es werden dies allerdings nicht alle, sondern solche Veränderungen sein, welche vermöge der Beziehungen der Organe zu einander (Correlation) die Stoft-vertheüung und die Lebeusthätlgkelt des Gesauuntorgaulsmus zu beeinflussen vermögen.
Hiernach müsste also angenommen werden, daslaquo; in der Beschaffen-belt der Kemsubstanz der Gesohleohtszellen, als der unzweifelhaften Trägerin der gesammten Vererbung, nicht allein die ursprünglichen Kigenthümlich-keiten aller Körpertheile von vornherein ausgeprägt sind, sondern dass die Beschaffenheit der Geschlechtszellen auch während des Lebens durch gewisse Veränderungen der Körpertheile bezw. des (lesamiut-organismus Kindrücke erfährt.
Die Beziehungen der Geschlechtszellen zu allen Theilendes Körpers bedürfen einer weiteren Erklärung, welche bei dem Zellkern noch nicht Halt machen kann, sondern ihn weiter zu zergliedern suchen muss. Denn da die Eigenschaften nur an die Substanz gebunden sein können, so müssen im Kern der (Jeschlechtszelle die Substanzelemente liegen, welche die Träger der Einzel-eigenschaften der Körperorgane sind und es müssen die Bahnen aufgespürt werden, welche jene Kleinente nicht bloss während der Ausbildung des Körpers, sondern noch nach Abschluss seiner Entwicklung in den Kern der Oeschleclitszeile führen.
Da nun aber unsere heutige Kenntniss weder anatomisch noch physiologisch ausreicht, um den feinen Organismus der Einzelzelle ganz zu erschliessen, da namentlich unser Sehen im Wesentlichen über die Unterscheidung von Kernfäden und Kernsaft kaum hinausgeht, so ist die Wissenschaft noch nicht im Stande gewesen, im Kern der Geschlechtszelle die nothwendiger Weise unendlich feine Mosaik jener Substanzelemente, welche die gesammte Erbmassequot; bilden, zu erkennen, geschweige denn die physiologischen Gesetze ihrer Existenz zu ermitteln.
Damit tritt die Hypothese in ihr unbestrittenes Recht.
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Tererbungstheorien.
Die Pangenesis Darwins,
Unter den Hypothesen*), welche Jene feinsten Wurzeln der Vererbung zu veransclmuliclien suchen, erheischt in erster Linie Beachtung Darwins Piingenesisquot;, deren Basis folgende Annahme ist: Vor ihrer Umwandlnne; in völlig passive raquo;gebildete Substanzquot;, jedoch nicht bloss in der Embryonal-, sondern in jeder Lebenszeit, können alle Zellen Keim-körnchenquot; (Gemmulae) abgeben, die uns ihrer Kleinheit wegen ebenso unsichtbar bleiben, wie die Molecule, mit denen die Chemie gleichwohl rechnet. Diese Keimkürnchen können sich vervielfältigen und circuliren (was durch ihre Kleinheit erklärlich wäre) im Körper, gewissermassen in einein Sohlummerzustand. Sie gehen in die Geschlechtszellen über und in diesen häufen sie sieh, in Folge einer gewissen gegenseitigen Verwandtschaft, an. Die Abänderung eines Zellenbezirkes während des Lebens kann Veränderung der dort verborgenen Keimkörnchen bedingen, die so verändert in die QesohlechtszelleB gelangen (daher Vererblichkeit gewisser erworbener Eigenschaften vgl. pag. D24). Jede Art von Gewebe, jeder eigentliiimliebe Zellcomplex ist also in den Ueschlechtszellen jederzeit durch seine Keimkörnchen vertreten. Die Kornsub-stanz der Geschlechtszelle ist eine Mosaik derKeimchen aller Zellen. Alle Zellen des Körpers tragen daher durch Vermittlung der Geschlechtszellen gewissermassen ein Substanzelement zur Zeugung eines neuen Körpers bei (daher Pan-genesis).
Nach Vereinigung der väterlichen und mütterlichen Oeschlechtszelle (Befruohtungsvorgang) vertheilen sich die beiderseitigen Keimkörnchen in den Fnrchungszellen der Mmbryoualanluge, Indem sie sich klassenweise zu sondern beginnen und in Wirksamkeit treten, differenziren sich die neuentsteheuden Zellen und so beherrschen die Keimkörnchen Organanlagen und (iewebsbildung, ihnen zugleich die Kigenthümlichkeiteu ihrer Abstammung aufprägend. Soweit dabei die väterlichen und mütterlichen Gemmulae nicht übereinstimmende Kigensehafteu repräsentiren, würden sie gegeneinander in einen Widerstreit treten müssen, in welchem die einen, sei es durch Vortheile der Zahl, Lebenskraft oder Affinität, siegen. Hieraus würde sich die oft überwiegende Vererbung entweder väterlicher oder mütterlicher Eigenschaften auf das Kind bzw. Junge erklären. Die
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*) Eine ausführliche Zusammenstellung der Varerbungstheorlen findet sich In dem kloimm Werk Vererbungslehre und Tlüorzuchtquot; von Professor Keller, Berlin 1806.
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S c h m u H z , (lesi'hlet'lilslobcn.
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Aphnlichkeit eines Imlividuums mit Alnioii, statt mit Eltern (Atavismus vgl, pag.182) würde (ianiuszu erklären soin, dass vouilmen stammende (Jeiuniulae sich durch eine oder mehrere (ieiierationen liindureh gewissermassen im Sehluminerzustand übertragen haben.
Theorie Galtons. Die Pangenesls hat auch Francis Galton (1875), jedoch mit erheblichen Modlfloationen, vertreten. Qalton lässt die Annahme der Circulation der Keimchen und damit ihre fortgesetzte Abgabe seitens der Körperzellen fallen. Die ganze Masse der Keimchen (stirp, Erbmasse) ist von vorn herein fester Bestand der Geschlechtszellen. Haben sich zwei Geschlechtszellen bei der Befruchtung vereint, so wird die Entwicklung der Organe bezw. Zellcomplexe und Zellen des Embryo je von speeifischen Keimchen bestimmt, wobei natürlich väterliche und mütterliche im Wettkampf stehen. Die Masse der Keimchen ist jedoch so gross, dass nur eine kleine Zahl bei dieser Entwicklung Verwendung findet. Der grössere Theil bleibt latent, vermehrt sich, wird wieder Bestandtheil der Geschlechtzsellen des Foetus und so zur Keimmasse für dessen spätere Nachkommen. Da diese Keimmasse aber immer eine Combination von väterlichen und mütterlichen Keimchen sein wird, so kann sie zugleich niemals derjenigen eines Individuums der vorhergehenden Generation gleich sein*). Veränderungen des Körpers während des Lebens mögen die ererbte Koimmasse beeinflussen und so können bis zu einem gewissen Grade auch erworbene Eigenschaften der Kitern bei den Jungen zum Ausdruck gelangen, obwohl Galton der echten Vererbung jener Kigen-SOhaften nur eine beschränkte Rolle zuerkennt (vergl. pg. 124),
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*) Da von den sich conibiiürondon väterlichen und miitterliehen Keimchen nur der kleinste Tbcll bei der Entwicklung dos Embryo Verwendung finden soll, so stellt sich auch Galton vor, dass ein Kampf zwischen den Keimchen um Ihren Platz in der Entwicklung stattfindet, aus dem die tilohtigsten als Sieger hervorgehen, die nunmehr die Blgensohaften des düngen bestimmen, Dies ist an sich eine auch in den anderen Theorien vertretene Auffassung. Ein solcher Kampf muss einmal die Erzeugung eines tüchtigen Organismus überhaupt bogünstigen und erklärt andererseits das häufige Uobcnviegen eines dor beiden Eltern bei dor Vererbung. Nun bleibt aber die Besonderheit der Theorie Galtons zu beachten, wonach die nicht verwendeten Keimchen sich in den Gosc.hlechtszollon dos Embryo als Koimmasse für die folgende Generation aufspeichorn sollen. Diese Keimchen müssten danach die beim Kampfe unterlegenen, also schwächeren soin. Damit miissteaber doch eine fortwährende Vorriugerimg der Tüchtigkeit der Keimchcnundschliesslich eine Verschlechterung der folgenden Generationen eintreten. Das Qegengowicht gegen diese könnte nur in dem Umstund gefunden werden, dass zu jeder Zeugung einer neuen Generation wieder eine Combination mit den
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Hugo de Vries.
Hugo de Vries (1889) hat ebenfalls eine moilificirte Paugenesis aufgestellt. Die Träger jeder vererbbaren KörpereigenthUmliohkelt sind auch nach ihm besondere Keiinehen (Pangene), welche In der befruchteten Eizelle vorhanden waren, bei der Zelltheilung fixe (nicht circulationsfähige) Hestandtheile der Zellkerne (nicht blos der (Geschlechtszellen) werden, hier theils passiv bleiben, theils activ werden; letztere bestimmen die Eigenschaften der Zellen. Organische Umformungen lassen neugeartete Pangene entstehen (Variabilität), luden (resclilechts-zellen werden alle der Art eigeiithümlichon Pangene activ; hiermit ist die Uebertragung der elterlichen Eigenschaften auf den Embryo gegeben. Pezüglich der Vererbung speciell väterlicher oder mütterlicher Eigenschaften weicht die Theorie von der bei der Darwinschen Theorie erörterten Vorstellung eines Wettstreits der elterlichen Gemmulae nicht ab.
Keimplasmatheorie Weismann's.
Die Keimplasmatheorie Weismann's (1892) stimmt ebenfalls in gewissen Grundgedanken mit der Pangenese, insbesondere mit der Theorie Galton's überein. Träger der Vererbung, d.h. säinmtlicher latenten Anlagen, ist das Keimplasma, identisch mit der färbbaren Kernsubstanz der (ieschlechtszellen, die eine unendlich feine, durch Vererbung festgelegte Zusammensetzung aus gewissen Einheiten (Blophoren) hat. Die Summe der letzteren verkörpert die Summe der Körper- bezw. Zelleigenschaften. Daher ist jeder selbständig vererbliche Theil in der Keimzelle durch ein lebendes Theilehen vertreten, von denen jedes seine bestimmte vererbte Lage, Zusammensetzung und biologisclie Eigenschaft hat.
Die im Furchungskern vorhandene Masse der elterlichen Blophoren wird im Laufe der Entwickelung des Embryo auf dem Wege der Zelltheilung derart zerlegt, dass dieselben schliesslich gesondert an verschiedene Endziele gelangen, denen sie ihren specitischeu Character
Keimchen eines Angoliörigon anderen Gesohleohta erforderlich ist. Man müsstc annehmen, dass die Individuelle Versobledenartlgkelt der zu combinlrenden Keim-
Oben beider Eltern einen Ausgleich und eine Quelle neuer Tüchtigkeit giobt. Mangelt eine Individuelle Verscbiodonartigkeit der Keimchcn von Vater und Muttor, sind sie allzu gleichartig, so würde der Ausgleich nicht ointreten und daher dio Neigung ZU allmählicher Verschlechterung nicht aufgehalten werden. So würde es sich allerdings gerade nach der Theorie Galtons leicht erklären, warum die Inzucht (s. pag. 104 und 188) stets verderbliche Folgen haben muss und warum auch bei nicht allzu eng begrenzter Stammeszucht von Zeit zu Zeit eine Blutauffrischung sich als so förderlich erweist.
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aufprägen. So gestalten die Muskel- oder Nerveabloplioren die Zellen, in die sie eiutreteu, zu Muskel- und Nervenzellen; so entstehen die Gewebe und Organe.
Die Keimzellen (s. pag;. 12), d. li. die späteren (iesehlechtszellen des Foetus, sollen, im Gegensatz zu allen übrigen Ivüqjerzellen, nicht aus dem Körper des jungen Individuums (d. li. aus den durch fortgesetzte Theihmg entstandenen Zellgenerationen), sondern unmittelbar aus der elterlichen (lescblechtszellsubstanz gebildet werden und dadurch direct vom elterlichen Keim abstammendes, unverändertes bezw. unzerlegtes Keimplasma erhalten. Diese Uebertragung bedeutet zugleich eine Continuität des Keim-plasmas durch die aufeinanderfolgenden Generationen hindurch.
Bei dieser durch Generationen zurückreichenden Aufspeicherung der künftigen Vererbungsträger in den Keim-, d. h. künftigen (iesehlechtszellen wäre eine Vererbung erworbener Kigenschaften unerklärlich. In der That wird eine solche, die auch Galton nur sehr beschränkt zugiebt, von Weismann ganz geleugnet. Das erste Auftauchen einer neuen Kigeiithi'milichkeit soll stets als Anlage im Keimplasma vorhanden gewesen sein (Combination der beiden elterlichen Keim-plasmen). A eussereKintlüsse und riebensbedingungen sollen keinerlei Wirkung erlangen. Nicht durch die Wirkung eigenartiger Haltung und Leistung der Zuohtthiere soll man allmählich entsprechende vercrbliche Kigenschaften erzielen, sondern lediglich durch die Aaslese der jener Leistung ihrer Anlage nach am besten entsprechenden Thiere und deren Weiterzücbtung.
In freier Natur wird diese Auslese bewirkt, indem diejenigen Thiere am besten fortkommen, welche den einmal gegebenen Lebensbedingungen am besten entsprechen, während die anderen allmählich ausgemerzt werden. Dieser äasseren Auslese schliesst sich eine innere Auslese! (Intraselection) der Hiophoren an, wodurch nur die tauglichsten Lebens-elemente im Körper zur Kntwickelung kommen und zweckmässigste Con-struetionen entstehen. Darauf beruht es auch, ibtss Umänderung eines Organes solche in anderen Organen nach sich ziehen kann.
Bezüglich der Combination der väterlichen und mütterlichen Vererbung ergiebt die Theorie Weismnnn's nichts Besonderes. Auch in ihren Rahmen passt die Vorstellung, welche hierüber schon bei der Darwinschen Theorie erörtert worden ist (pag. 118).
0. Hertwlg.
0. Hertwig widerspricht der Theorie Weismann's, weil die hypothetische Verkörperung jeder später sich zeigenden Anlage durch kleinste lebende Theilcben im ursprünglichen Keim und deren Auseinanderwicklung
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im Laufe der Eutwiekluiig zu der verlasseuon rräf'oniiations- und Evolutionstheorie (s. pag. 74, Amu.) zurückgreife. Die Bntwiokluag brauche niclit ein Sichtljarwerden bereits vorhandener Maanlgfaltlgkelt*, sondern sie könne auch eine Neubildung (Bplgenesls) sein. Das Ei vermehrt sich durch Theilung in zalilreiche gleiclnverthige Organismen und diese müssen nothwendlg in Weohselwirkung treten, durch welche sich der Gesammtorganismus fortschreitend gestaltet. So kann von einem Stamm-elternpaar eine Nation abstammen und diese gliedert sich in Gemeinden, Berufsklassen, schafft organisatoriBOhe Binriohtungen zum Schutz, zum Verkehr U. S. W. Wohl kann dann ein bestimmter Xationalcharakter auf die Stammeltern hinweisen, aber die Anlage der staatlichen Organisationen war doch in jenen nicht vorgebildet. Letztere sind etwas Neues, bedingt durch die Vermehrung der Kiemente, durch deren Wechselwirkung zu einander und auch durch äussere Kiutliisse. Hertwig räumt daher bei der Entfaltung der Anlagen auch solchen Ursachen, welche ausserhalb der Anlagesubstanz liegen, einen Kinfiuss ein. Schon die Wachsthums- und Ernährungsverhältnisse bedingen allein gewisse Fortentwicklungen. Ks wirkt also wohl die Anlagesubstanz bestimmend auf den Kntwicklungs-gang, aber äussere Einflüsse vermögen doch dieselbe Anlage zu verschiedenen Endproduoten zu führen.
Zu erwähnen sind noch die Perigenesislehre von Hiickel, welche darauf fusst, dass den kleinen Iveimchen (Plastidulen), aus denen die vererbende Substanz besteht, bestimmte Molecularbewegungcn übertragen seien: ferner die Theorie Xiigeli's, nach welcher die aus feinsten Theilchen (Micellen) bestehende Vererbungssubstanz, das Idioplasma, sich mit dem embryonalen Waohsthum vermehrt und schliesslich ein über den ganzen Körper ausgebreitetes zusammenhängendes Netzwerk bilde.
Zusammenfassung.
Unzweifelhaft ist es nach Allem, dass die Kerne der mäiuiliehen und weiblichen Geschlechtszellen die Träger der Vererbung siivd, die Erbmassequot; darstellen. Alle Hypothesen vereinigen sich darin, dass diese Substanz eine hochorganisirte Ist, deren Zusammensetzung es erklärlich macht, dass sie die Anlage mannigfaltiger latenter Eigenthümlichkeiten repräsentirt.
Streitig bleibt jedoch, bis zu welchem Grade die einzelnen Anlagen im Furohungskem (vergl. pag. 73) vorgebildet sind. Nach der Pangenese und Keimplasmatheorie sind die Anlagen aller (wesentlichen) Körpereigen-thümlichkeiten bereits durch Keimehen in der Erbmasse vertreten, sind also sämmtlich gleich primäre, welche Anschauung allerdings eine gewisse
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Vei'winultsclmft mit dor alten Priifornmtionslehrc zoigt.') Nach der mehr die Epigenese betonenden Ansieht Hertwig's enthält die Keinimnsse nur gewisse (trimdanlagen; die Mannigfaltigkeit und die Einzelheiten der körperlichen Eigenthiimlichkeiten entwickeln sich neu und also secundär auf der Basis jener, als eine unumgiingliche Folge des einfachen Wachs-lluims, der üunelmiend sich complicirenden Organisation und der Wechselwirkung der sich neu herausbildenden Ivörpertheile.
Dort sind die künftigen Eigenschaften im Furchungskorn festgelegt und dem Einfluss der Folgezeit entzogen. Hier können auch in der auf die Befruohtung folgenden Entwicklungszeit noch nmssgebende äussere EinftUsse, die namentlich in der Abhängigkeit des Wachstliums you der Ernährung wurzeln, das schliesslicbe Product immerhin verschieden gestalten.
Wenn spociell die Pangenesc die Erbmasse als die Summe der Keim-chen aller Körperanlagen hinstellt, so bleibt ferner die Frage, wie diese Keimchen Bostandtbeil der Geschlechtszellen geworden sind.
Nach Darwin werden sie (die Gemmulae) mittelst einer Circulation von allen sie producirenden Körperthoilen des Individuums an dessen Geschlechtszellen jederzeit abgegeben.
Nach de Vrios haben die Keiinehen (Pangene) schon bei der Entwicklung des Individuums sich in alle Zellen vertheilt, liier tlieils aetiv wirkend, theils passiv bleibend; in den (ieschlechtszellen werdenul 1 e ihre Arten hei Bildung einer neuen Keimanlage aetiv. Auch Galton und Weismann nehmen an, dass die Erbkoimchen in Individuum bei dessen Entwicklung feste Zellbestandthoile geworden sind, Bei ihrer Vertlieilung sind aber die damaligen embryonalen Keim- d. h. späteren Geschlechtszellen vor den übrigen Körperzellen bevorzugt gewesen; jene enthalten nämlich einen Theil der gewissermassen anzerlegten ursprünglichen elterlichen Keimmasse, die damit contiimirlich von Generation zu Generation sich überträgt.
Die Vererbung gewisser erworbener Eigenschaften (vgl. pag. 12-1) der Eltern ist erklärlich, wenn man eine Abgabe und Circulation der Keimchen im Körper während des ganzen Lebens annimmt. Sie nuiss dagegen unmöglich scheinen, wenn die Keimchen nur mittelst der embryonalen Entwicklung Bestaudtheile der künftigen Geschlechtszellen werden. Die Vererbung erworbener Eigenschaften wird daher von Qalton und Weismann bestritten; die dafür sprechenden Thatsaclien werden in anderer Weise erklärt.
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*) Nur In sehr verfeinerter Form, indem an Stelle der knospennrtig angelegten Organe die kleinsten Keimchen gesetzt werden.
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Alle Theorien endlich lassen dip Thateaohe bestehen, dasa in lt;ler EmhryonaJanlage eine Comhlnation väterlioher und mütterlicher Erb-koimelien stattfindet, dasa hierbei, soweit Individuelle Elgeneohaften in Betraoht kommen, die sie repriisentireiulon Kcimelien gewissermassen in einen Kampf mit einander eintreten, dnss die hierin nnterliegenden bei der quot;Vererbung; nicht zur Geltung gelangen und daher das junge Individuum in gewisser Beziehung bald mehr dem Vater oder der Mutter gleicht. Das mannigfaltige Ergebniss dieses Kampfes zwischen väterlichen und mütterlichen Keimehen ist zugleich die Quelle der individuellen Eigenart des Zeugungsprodukts und der Variabilität der Generationen (vgl. pag. 129).
Als unbestritten ergeben sich also folgende Sätze.
Träger der Vererbung körperlicher Kigenthümliclikeiten können nur die Kerne (Kernfäden) der (ieschlechtszellen des Vaters und der Mutter sein, die zu einem Keim, dem Furclumgskcrne, verschmelzen.
Die Vererbung ist die Resultante aus der (event, ungleichen) Combination der väterlichen und mütterlichen Vererbungsträger.
Die unzweifelhaft hochorganisirte, wenn auch in ihrer Feinheit noch nicht erkannte Kernmasse enthält substanzielle Repräsentanten entweder aller Eigenschaften oder doch gewisser Grundeigenschaften.
Mit der Verschmelzung der Geschiechtszellkerne (Befruchtung) ist die Vererbung, ihrem Wesen nach virtuell vollendet; in der embryonalen und späteren Entwicklungszeit tritt sie lediglich in Erscheinung, wird reell.
Nach vollendeter Befruchtung, d. h. nach Anlage des Embryonalkeims, können zwar die von äusseren Einflüssen (Ernährung) nicht unabhängigen Wachsthumsvorgänge sich bis zu einem gewissen Grade verschieden gestalten. Niemals aber können die auf die Anlage substanziell übertragenen Grundeigcnschaften durch äussere Einflüsse verwandelt oder gar durch von aussen hineingetragene andere Eigenschaften verdrängt werden.
Hieraus ergiebt sich zugleich die Unhaltlmrkeit der folgenden, hartnäckig verfochtenen Irrlehren.
Telegonie und Versehen.
Die Telegonie.
Die Telegonie oder lufectioustheorie*) gipfelt in folgender Behauptung;
Es soll vorkommen können, dass dasjenige männliche Thier, welches
ein jungfräuliches Weibchen befruchtet, seinen Typus nicht blos auf die
*) Settegast gebraucht dafür auch den Namen Superfoetatio. Diese Bo-zoiclmimg wird jedoch allgomelu für ein Vorkommniss gebraucht, das mit der Infectionquot; gar nichts zu thun hat (s. pag. 91).
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Jenw ersten Befruchtung entstammenden Jungen Überträgt, sondern dass auch die später mit anderen Vätern gezeugten Jungen die Eigouaehiiften jenes ersten Huiilen zeigen. So wird erzählt, dass eine jungfräuliche Stute zuerst von einem Quaggahenst mit einem Quaggafohlen tragend wurde und dass sie später, obwohl von einem Araberhengst belegt, ein qimggnälmlicdi gestreiftes Fohlen warf. Ebenso sollen reinrassige Hiin-(tinnen, denen irgend ein'Kiiter die Jungfräulichkeit geraubt hatte, unter späteren, von reinrassigen Hunden stammenden Würfen Junge gebracht haben, welche die Art jenes Köters hatten. Der Glaube, dass eine werth-volle Hündin durch eine solche erstmalige Schändung auf immer für die Nachzucht verdorben sei, ist weit verbreitet.
Dennoch ist es ein einfacher Aberglaube. Denn da es zur väterlichen Vererbung, wie zur Befruchtung, der Verschmelzung des männlichen Samenkerns mit dem weiblichen Ei bedarf, so ist die Einflussnahme eines Vaters auf andere, als die seinem eignem Samen entstammenden Kinder eine Unmöglichkeit. Dass sich Samen von einer ersten Begattung über eine Scluvangerschaftsperiode hinweg lebendig im Qenltal-kanal erhalten könnte, ist selbstverständlich ausgeschlossen. Khenso wäre es ein Wunder, dass Samenfäden in noch unreife Eier gelangten und hier bis zu deren Keife, verbliehen. Denn wie sollten sie in die gesclilossenen Follikel kommen können, von allem Anderen abgesehen. Wollte man endlich auf der Basis der Pangenesis annehmen, dass männliche Samenzellen zerfallen, ihre Geminulae sich aber lebendig erhalten, so ist die Lebensfähigkeit solcher Kerntheilchen (denn das sind die Geminulae) an sich noch unwahrscheinlicher. Wie sollten sie ferner ins Ei gelangen und wie sollten sie dort ihren Art-Typus erzeugen, wozu doch eben die ganze geschlossene Summe der Geminulae gehören soll. Ausser-deni wäre gar nicht einzusehen, warum eine solche Verstreuimg von Keinieheu bezw. jenes Eindringen von Samenfäden in unreife Eier nur bei der Begattung einesjnngfränlichen Thieres erfolgen sollte; eine derartige Infectionquot; müsste dann ebenso gut bei jeder anderen Begattung geschehen können. Es besteht nmsoweniger ein Grund, solchen ungefähren Unmöglichkeiten nachzuhängen, als jene Beobachtungen sämmt-lich sich aus anderen Urnständen sehr natürlich erklären lassen. Füllen mit streifiger Zeichnung sind nämlich auch in anderen Fällen geboren worden und bei den Mischwürfen von Hündinnen liegt wohl die Annahme am nächsten, dass ohne Kenntniss des Besitzers auch hier wieder neben dem reinrassigen Vater ein anderer Hnud zur Begattung gelangt war und dass die verschiedenen Hunde einfach von verschiedeneu Vätern gezeugt waren (s. Superfoecundatio, pag. 91).
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Diis Vorsehen.
Die Fabel von dem Verseilen Ist wohl aus noeli einf'aelieren LTr-SHOben entstanden. Starke seelisehe Kiiulriieke der schwangeren Mutter sollen auf die typische Form des Foetus derart einwirken können, dass an letzterem Formeninerkmale von Individuen auftreten, deren plötz-lloher öder häufiger Anblick in der Mutter heftige Gefühle des Entsetzens, der Inbrunst oder Leidenschaft erweckt hatte. Soweit es sich dabei um Aehnlichkeit des Kindes mit einein anderen Mann, statt des Vaters, handelt, bildet die Behauptung des Versehens nur den handgreiflichen Deckmantel einer Schuld. Aus ähnlichem Grunde dürfte ein Versehen (an irgend einem Krüppel etc.) behauptet werden, wenn eine Frau eine Missbildung gebiert: denn da dies im Volk als eine geheimnissvolle Schande gilt, so wird die Frau den Wunsch nach einer plausiblen, sie gewissennassen entschuldigenden Aufklärung hegen. Wenn daher seit Alters Frauen (und auch wohl Männer) sich Mühe gaben, an ein Versehenquot; glauben zu machen, so ist es erklärlieh, dass man dieses Bestreben durch angebliche Beobachtungen an Thieren zu unterstützen suchte, deren älteste uns die Bibel in der bekannten Erzählung überliefert, wie Jacob gefleckte Schafe gewann. Das Märchen vom Versehen ist daher ein aus kluger Berechnung genährter Köhlerglaube. Eine Widerlegung vom Standpunkt der Forschung aus ist kaum noting. Es ist klar, dass das mütterliche Nervensystem, weil ohne Jeden Contact mit dem in der Entwicklung begriffenen Foetus, auf diesen keinen Kinduss nehmen kann, am allerwenigsten einen solchen, der die Körperform verändern könnte, noch dazu zu einer Zeit, wo diese in allen Theilen fertig ist (denn das Versehen soll besonders kurz vor der Geburt vorkommen).*) Man könnte an die Möglichkeit, eines nervösen Bbiflusses höchstens dann denken, wenn Ei und Samenzelle noch Bestandtheile des elterlichen Leibes sind, also vor der Befruchtung (Jacobs Schafe). Man könnte behaupten, dass die intensive Vorstellung, das inbrünstige Denken an einen bestimmten Gegenstand (gewissennassen ein Versehen in Gedanken), kurz bevor die Geschlechtszellen ihren Bildungsort verlassen, also während der geschlechtlichen Krregung bezw. Begattung, noch einen bestimmenden Fin-rtuss auf die Geschlechtszellen auszuüben vermöge (vgl. Göthes Wahl-
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*) Dass ein der Mutter widerfahrener Zufall, unter Umständen auch ein heftiger Schreck, auch gelegentlich den Foetus schiidigon kann und dass diese Schädigung vielleicht sogar irgend eine Missbildung zur Folge haben konnto, ist gewiss inüglieh, aber etwas ganz anderes und steht mit der Fabel vom Versehen nach der obigen Delhiition überhaupt nicht in Zusammenhang.
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vervvnndtKclmften). Aber auch dagegen spn'cht Alles, was wir von dem Verliältniss der Geschlechtszellen und ihrer Erbmassen zum übrigen Körper und zu dem Nervensystem wissen oder annehmen kiinnen.
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Die thatsächlicheii Beobachtungen über rtie Vererbung.
Typische Vererbung. Der Typus jeder Thierart wird durch eine Anzahl wesentlicher körperlicher Kigenlhümlichkeiten bestimmt. Auf deren Vererbung beruht die Erhaltung der Art als solcher. Diese Typenvererbung tindet ausnahmslos statt. Ein wirkliches Aus der Art schlagenquot; kommt nicht vor; gewisse Ausnahmen sind scheinbare (Btioksohläge, s. unten pg. 132).
Individuelle Vererbung.
Die Thiere einer Art besitzen trotzdem keine absolute Gleichheit, sie zeigen vielmehr ohne Verrückung ihrer (irundeigenthümlichkeiten doch gewisse Einzelnntersohiede, die jedem ein individuelles Gepräge verleihen. Die Vererbung dieser individuellen Kigenthiimlichkeiten findet ebenfalls unzweifelhaft statt. Diese individuelle Vererbung vervollständigt und ergänzt die Typus-Vererbung in den Einzelheiten. Sie ist jedoch qualitativ und quantitativ verschieden und keineswegs mit einiger Sicherheit vorauszusehen. Dies wird schon dadurch erklärlich, dass beide Eltern auch bei gleichem Typus verschiedene individuelle Kigenthiimlichkeiten haben, dass die vererbten Eigenthümlichkeiten daher eine Combination der elterlichen sind und dass diese in jedem Fall eine abweichende sein kann. Dadurch erhält das junge Individuum eine eigene Individualität; es zeigt gewisse Abweichungen sowohl von den Eltern, als den Geschwistern gegenüber. Auch die während der embryonalen Entwicklung gegebenen Bedingungen werden einen begrenzten Einlluss auf die Entwicklung individueller Eigenthümlichkeiten ausüben können (pag. 117).
Die individuelle Vererbung erstreckt sich nicht blos auf körperliche Eigenthümlichkeiten, sondern auch auf constitutionelle und geistige Eigenschaften und sogar auf Gewohnheiten. (Manche Eigenschaften treten beim Nachkommen in derselben Zeit des späteren Lebens, wie beim Vorfahren hervor; sog. gleichzeitige Vererbungquot;). Da jedoch alleLebensersoheinun-gen auf dem Verhalten der körperlichen Elemente (Zellen) beruhen, so sind eben alle Eigenschaften schliesslich der Ausdruck körperlicher Eigenthümlichkeiten. So wird die häufige Vererbung auch gewisser Talente beim Menschen leicht verständlich, wobei freilich die nachträgliche erziehende
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Wirkung z. B. des väterlichen Talents auf (lessen Entfaltung beim Kimle iiueli nicht unterseliiitzt werden darf. Wenn aber aussergewölinliche geistige Begabung und hervorragende CharaotereigenBohaften eines Vaters sich z. B. an dem Sohne häufig nicht wiederfinden, so kann dies nicht Wunder nehmen. Denn der ungewöhnlichen Eigenschaft muss auch eine in allen Theilen ungewöhnlich gUnstige elterliche Vererbungscomliination zu Qrunde gelegen haben. Es wäre lediglich ein Zufall, wenn eine solche bei zwei einander folgenden Generationen sich wiederholte, Ueberdies fallen ja Schulung und Lebensverhältnisse in der Jugendzeit oft zu entscheidend für die Entwicklung einer veranlagten Fälligkeit ins Gewicht. Dass sich Ei'fahrinigon als dorn Gehirn eingeprägte Gedäohtnlssbilder vererben könnten, was den sogonannton Instinct dor Thiere erklären würde, ist mindestens ganz ximvahrscboinlich und durch keinerlei Tliatsachen gestützt. Gewisse Handlungen des Jungen Thieres sind die nothwondigen Eoactioncn auf innere Kürporziiständo, Die Handlungen sind öfters /uniiehst unzweckinässig, erfüllen aber schliesslioh einmal ihren Zweck und das in der ersten Jugend so ausserürdontliche Auffassungsvermögen führt das junge Individuum sehr bald zu einer eigenen Erfahrung über das, worauf es ankommt. Ausserdem ist es doch gar kein Zweifel, dass die Thiere ihre Jungen ebenfalls erziehen und dadurch Erfahrungen auf sie übertragen. Je höheren Anforderungen eine Thierart entspricht, um so längere und grössore Sorgfalt widmen die Kitern Ihren Jungen, Die sieh selbst üborlassenon Thiorchen solcher Arten gehen einfach zu Grunde, Nichts unterstützt die Annahme, dass sie schon im Besitz von ererbten instinetivenquot; Kenntnissen wären,
Anpassung.
Das spätere Lehen übt überhaupt einen mannigfaltigen Einfluss auf den Körper und seine Leistungen aus. Eine rationelle Jugenderziehung kann ihn in allen Theilen kräftigen und vollkommen gestalten; Kehler in derselben können ihn verkümmern lassen. Die Art der Ernährung namentlich muss eine allgemeine Wirkung ausüben; klimatische Einflüsse kommen hauptsächlich bei Wildthieren, aber auch bei Hausthieren in Betracht, Uebung bezw. Xichtgebrauch beeinflussen sehr bald und für Jedermann augenfällig die meisten Organe (Muskeln, Drüsen, das Auge etc.). Die ständige Uebung der Muskeln steigert mit ihrer Leistungsfähigkeit auch ihr Volumen und bedingt zugleich kräftigen Ivnochenbau, geräumige Brust, Die frühzeitige mastige Ernährung bei Stallhaltung der Haus-thiere beschleunigt das Wachsthuin (Frühreife) und erzielt eine starke Neigung zur Fettbikiung, Da die Organe zu einander in einem Wechsel-und Abhängigkeitsverhältniss stehen (Correlation), so wird die directe Einwirkung auf ein Organsystem zugleich mittelbar ein anderes beeinflussen, namentlich wird auch Bevorzugung des einen oft auf Kosten anderer statthaben (vgl. pg. 108). So vermag der Lauf des Lebens die veran-
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__ 134 lagten EigeutlaüiuUolikeltea forteohrlttlloh oderrüoksohrlttlioh zu modlflolrea.
Diese Roaetiou des Körpers nut' iiussere LebeasbedlngUUgen heisst das
Anpassungsvermögen.
Diese Anpassung ist in der Hausthlerhaltung von grösster Be-deutung tut den Thierbeslteer, denn sie ermöglloht die für gewisse Leistungen zweokraässlgste Formung dos Körpers; sie. ist in der freien Natur unentbehrlich für das Thler selbst, das sich seine Lebensbedingungen nicht wählen kann und durch die Anpassung' befähigt wird, auch unter schwierigen bezw. veränderten Verhältnissen fortzuleben.
So ist sohliesslioh der ausgebildete Körper doch immer ein Product zweier Paotoren, welche, zwar nicht von gleicher, aber doch beide von entscheidender Bedeutung sein können, ein Product der erblichen Veranlagung und der bildenden Einflüsse des Lebens, namentlioh der Jugendzeit, (Vgl. auch pag. 129 und 180.)
Kein junges Säugethier besitzt nach der Geburt bereits die Möglichkeit freier Kxistenz; jedes bedarf der Fürsorge Anderer, welche ihm zunächst günstige Lebensbedingungen schafft, um den Organen Zeit zu alliniihlieher Anpassung an die später zu erfüllenden Anforderungen zu gewähren. Was das .lange mit zur Welt bringen muss, ist diejenige Qualität der Organe, welche ihre zweckiniissige Ausbildung je nach Umständen gestattet. Mangelf diese Qualität und damit das hinreichende Anpassungsvermögen, so geht der Organismus in der freien Natur unter und zeigt sich untauglich in der künstlichen Zucht.
Wenn somit die jugendliche Entwicklung und auch noch das spätere Lehen die dem ursprünglichen Qeburtsproduot anhaftenden Eigenthümlich-keiten in ganz verschiedener Weise modifleiren können, so entsteht die Frage, ob diese Moditkationen, welche als neuerworbene Eigenschaften angesehen werden können, sieb auf die folgende Generation erblich übertragen können.
Vererbung echter erworbenerquot; Eigenschaften.
Die Vererbung erworbenerquot; Eigenschaften ist zuerst von Lamark (1801; s. auch Darwins Entstehung der Arten, Einleitung) als Quelle der Umbildung in den Vordergrand gestellt worden. Sie stellt mit unseren heutigen thatsächlichen Kenntnissen über die. Bildung der Keimanlage nicht im Widerspruch und wird (lurch die Darwin'sche Theorie der Pan-genesis leicht verständlich gemacht. Neben Darwin tritt auch Haeckel für die Vererbung erworbener Ciuinietere ein. Sie wird jedoch von Mehreren, in deren Vererlmngshypothesen sie sieh nicht einfügen lässt, geleugnet (S.pag.ll4u. 1 HS). Man führt die notorische Nichtvcrerbharkeitz.P.von durch
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(ienenitioiieii fortgesetzten Verstüinnieluiiiieii (das Oluenstutzen hei Don-gen etc.) dagegen ins Feld. Dieselaquo; Beweismittel ist jedoch nichtssageml. Dean solche Verstiininielmigeii lassen sich doch keinesfalls mit den durch Anpassung erworbenen Eigenschaften vergleichen. Sie sind gewaltsam und iilötzlich entstanden, sie bedingen das Fehlen eines geringfügigen Körpertheila, ohne dass andrerseits der Stoffwechsel, die Form, Lebensweise und Leistungsfähigkeit des Körpers dadurch irgendwie beelnflusst würde. Wie könnte das verglichen werden z. B. mit der erworbenen Vervollkommnung des looomotorlsohen Apparats, die das ganze Muskel-und Knochensystem, den Brustkorb und die Lungen, den ganzen Stoffwechsel verändern muss. Der Thierzüchter, welcher seine Thiere auf eine bestimmte Leistung erzieht, sieht, dass die Nachkommen für den neuen Zweck immer geeigneter werden, dass die anfangs durch die Haltung der Thiere angestrebten Eigenschaften sich zu angeboren werdenden Stammeseigenthümlichkeiten entwickeln. Dies scheint nur auf dem Wege der Vererbung möglich, welche Haeckel als progressive bezeichnet, weil sie alimiihlich neue Eigenschaften heranbildet, im Gegensatz ZU den conservativen Vererbungserscheinungen, welche lediglich das früher Vorhandene erhalten (vgl. pg, 112).
Welsmauu freilich sucht eine andere Begründung jener unbestreitbaren Thatsache. Die allmähliche Vervollkommnung nach einer bestimmten Richtung soll nach ihm lediglich darauf beruhen, dass der Thierzüchter diejenigen Thiere, welche für die erwünschten Eigenschaften nicht bloss erzogen, sondern von Anfang an am besten veranlagt sind, vorwiegend weiter züchtet. Bei den nicht domesticirten Thiereu soll dasselbe die Zuchtwahl der Natur bewirken, Indem die Thiere mit zweck-mässigsten Anlagen am besten gedeihen und auch am sichersten Xack-ommeuschaft haben.
Dadurch müsste allerdings auch eine erwünschte Ligenschaft mehr und mehr Gemeingut werden und sich durch die elterliche Vererbungs-combination auch allmählich steigern. Doch wäre der Züchter, wenn allein auf die Ausnutzung vorhandener Anlagen beschränkt, viel mehr auf den Zufall angewiesen und würde kaum so schnell und allgemein sein Ziel erreichen, als dies thatsiichlich geschieht. Auch treten, wenn z. I!. ein ganzer Thierstamni in ein anderes Klima versetzt wird, körperliche Veränderungen hervor, welche weder für das Fortkommen der Thiere förderlich, noch dem Züchter erwünscht sind, daher weder durch die natürliche noch künstliche Zuchtwahl begünstigt werden können und sich doch in jeder (ieneration immer allgemeiner und stärker bemerklich machen. Hier kann mau doch nur annehmen, dass durch die klimatische Einwirkung
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alle Tliieco oine Veränderung erfuhron, die Anlapie dazu vererbten und dass diese unter fortgesetzter Wirkung des verändernden Einflussea sieh in der folgenden (Jeneration schon stärker entwickelte und so fort.
Zweifellos können also nicht alle erworbenen Eigenschaften ohne Weiteres vererbt werden, nainentlich nicht solche, welche plötzlich und gewaltsam hervorgerufen siad und nur einen rein localen Uinfhiss ausüben, wie Verletzungen etc. Dagegen können sehr wohl solche Eigen-sehaften sich vererben, die bei den Kltem durch langdauernde, namentlich noch während der jugendlichen Entwicklung einwirkende Einflüsse hervorgerufen sind, die ferner lebenswichtige Organe bzw. durch Correlation ganze Organsysteme betreffen und damit, den ganzen Stoffhaushalt wesentlich beeinflussen. Dass durch solche Veränderungen auch die in den Geschlechtsdrüsen sich bildenden Sexualzellen berührt werden, erscheint natürlich genug. Die Verallgemeinerung und Steigerung solcher Veränderungen in der kommenden Generationen wird aber natürlich wesentlich unterstützt werden einmal dadurch, dass jene verändernden äusseren Lebensbedingungen auch auf die folgenden Generationen in gleicher Weise zur Wirkung gelangen, und andrerseits durch die fortgesetzte natürliche und künstliche Auswahl der entsprechend veranlagten Zuchtthiere.
Vererbung erworbener Eigenschaften und Zuchtwahl (Auslese) werden sich also ergänzen und zusammenwirken müssen.
Es ist bekannt, dass die Vernachlässigung der Zuchtwahl in der Thierzucht bald die Neigung zur Verschlechterung bemerklich worden lässt, Es ist dies auch selbstverständlich. Denn die Lebensverhältnisse üben ja auch beeinträchtigende Einflüsse aus, manche Thiere zeigen sich individuell fehlerhaft und so müssen, wenn die Auswahl vernachlässigt wird, Vererbungscombinationen entstehen, aus denen mindergute Anlagen hervorgehen. Ebenso, wie eine progressive, muss auch eine regressive Vererbung eintreten. Dieselbe wird den Gesannutorganismus um so rascher benachtbeiligen, wenn zugleich eine einseitige Zuchtriehtung verfolgt worden ist (vgl. pag. 108), welche an sich schon die Harmonie des Körpers gefährdet. Den sich zeigenden Schwächen muss dadurch entgegengetreten werden, dass die betreffenden Thiere mit solchen gepaart werden, welche in der entsprechenden Beziehung besonders gut beanlagt sind. Durch die Vortrefflichkeit des einen wird der Mangel des anderen bei der Vererbung ausgeglichen.
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Vererbung anomaler und pathologischer Eigenschaften.
Die Vererbung von körperlichen Mängeln, angeborenen und erworbenen, muss selbstverständlich ganz nach den oben für die individuelle Vererbung
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im Allgoinc'inoii erörterten Gesetze erfolgen, Solche Mängel können zu Krankheiten Veranlassung geben (z. Ii. mangelhafte Knoohenstruotur) oder bereits Keime von Krankheiten sein (z. 1}. mangelhafte Anlage Im Central-nervensystem etc.). Sofern diese Krankheiten einfach In laquo;ler Organ-atruotnr begründet sind, ist ihre Vererbliohkeit selbstverständlich. Anders verhält es sieli mit Krankheiten, welche durch eine iiussere Ursache entstehen, mimentlieh auch Infectionskrankheiten. Eine Anziilil derselben sollen erblich sein, von vielen ist dies streitig. Wer die Vererbliohkeit erworbener Kigenschuften überhaupt leugnet, wird die Erblichkeit dieser Krankheiten, die alle einmal erworben sind, nicht zugestehen können. Dass die Schädigung des elterlichen Organismus durch eine Allgemeinkrankheit, z. B. Tuberoulose, einen Einfluss auf die Gesoblechtezellen hiiben und damit auch für den Embryo naohthellig werden kann, ist einleuchtend. Aus dieser Wirkung kann eine schwiichliche Constitution hervorgellen, welche an siclv schon eine Disposition zu Erkrankungen, darunter auch zur Tuberculose, bilden kann. Die Wirkung kann aber auch eine specitische sein. Xamentlieh durch die Darwinsche Pangenese mit den circulirenden Keimehen Hesse es sich erklären, wie die ans dem erkrankten Organ, z. B. aus den Lungen, in die Geschlechtszellen gelangenden (iemnmliie in dein Embryo eine specitische Anlage der Lungen zu späterer tuberculöser Erkrankung herbeifuhren könnten. Jedenfalls wird in der Regel nicht der Krankheitskeim selbst, sondern nur die leichtere Empfänglichkeit für den Krankheitskeim (Disposition) übertragen. Die allerdings mögliche directe Uebertragimg eines Krankhoitsstoffes mit Samen- oder Eizelle auf den embryonalen Keim (Syphilis) ist eigentlich keine echte Vererbung; (denn die Vererbung ist ihrem Wesen und Begriff nach auf Uebertragimg von Anlagen beschränkt), sondern einfach eine conceptionelle directe Ansteckung.
Die Combination der elterlichen Eigenschaften und Ihre Bedeutung.
Da bei der geschlechtlichen Zeugung stets die Erbträger von Vater und Mutter sich combiniren, so bilden die vererbten Anlagen stets ein Gemisch (amphigone Vererbung). Es wäre sehr werthvoll, die Gesetze zu kennen, nach denen die Mischung sich vollzieht, um daraus die Möglichkeit einer Voraussage oder gar Vorausbestimmung abzuleiten. Diese (besetze sind jedoch vollkommen unbekannt und wohl alle Hypothesen, welche man hierüber zu constrniren versucht hat, sind haltlos. Soviel steht fest, dass bei der Vererbung wohl ebenso wenig Jemals beide Eltern genau gleich betheiligt sind, wie jemals eins von beiden ganz ausfällt. Als unrichtig erwiesen ist die Annahme, dass Söhne der
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Mutter, Töchter dem Vater oder umgekehrt die gleloheu Qesolüeohter
sielt iilmlicli werden m üb sen (s. auch später); ebenso, dass ein Theil die körperllohen, der andere die geistigen ElgeOBOhaften vererbe: aioht niinder, dass jedes der Eltern einen überwiegenden Einfluss auf gewisse Organe habe. Fast alle Forscher nehmen, wie oben erörtert, an, dass die kleinsten Theilclien, aus denen die Erbmasse bestellt, gewissermassen in einen Wettkampf eintreten, aus dem die erbkräftigsten als Sieger hervorgehen, um die Anlagen des Embryo zu bestimmen. Das Resultat dieses Kampfes ist aber augenscheinlich von sehr vielen Wechselbeziehungen abhängig: es ist fast immer ein ungleiches und niemals vorauszusagen.
Die resultirende Verschiedenartigkeit der Combinationen ist zugleich die Quelle der Individualität, welche selbst die Geschwister (von Ausnahmen abgesehen, 8.pag.94, unten) sich nicht völligähnlich werden lässt. Die relative Uniihnlichkeit der von denselben Eltern gezeugten Nachkommen ist zugleich der Beweis, dass das L'eberwiegen der Vererbung eines der Eltern nicht jedesmal, wenigstens nicht immer in derselben Richtung statt-tindet. Doch ist die Thatsacbe durch die Erfahrung bei Mensch und Thier erwiesen, dass manche Individuen sich durch eine hervorragende Vererbungskraft (Individualpotenz) auszeichnen. Namentlich bei Thieren kann man feststellen, dass manche auch bei Begattung mit verschiedenen Individuen stets in der Vererbung obsiegen und die Nachkommenschaft fast immer ihnen im Wesentlichen ähnlich wird oder wenigstens bestimmte hervorstechende Eigenschaften erbt. Man kann somit von einer gesteigerten und einer schwachen Vererbungsfälligkeit sprechen. Die grössere Bedeutung des Vaters in der Thierzucht macht dessen hohe Vererbungsföhigkeit unerläösllch, während eine schwach vererbende Mutter bei sonstiger Fehlerfreiheit ganz erwünscht sein kann, weil sie die Uebertragung väterlicher Eigenschaften nicht erschwert.
Die Vermischung zweier Erbmassen in fast unerschöpflich mannigfaltigen Combinationen hat zweifellos eine hohe Bedeutung im Sinne einer Vervollkommnung der neuen Keimanlage. Sie bewirkt durch den Wettkampf der beiderseitigen Keimtlieilchen eine innere Auslese, eine stets sich erneuernde Quelle der Tauglichkeit sowohl in der Steigerung zweckmiissiger, wie im Ausgleich mangelhafter Eigenschaften (vergl. auch pag. 114, Anm.). Sie ist die Grundlage der nie versiegenden Individualität. Sie wird damit auch die hauptsächliche Bedingung für jede allmähliche Umformung, für die Variabilität, welche ja auf nichts weiter, als auf hochgradiger Steigerung der ludividuiilitäten, beruht.
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Variabilität, Umformung und ihre Hilfsmittel.
Der Typiis ist nichts LTiiverün(lerliclies, sonst gäbe es imeh keine Iiulividimlitiit. Hat der Züchter freilich eine vorzügliche Form erzielt, so wünscht er Gleichförmigkeit (Confonnitiit), also auch möglichste Beschränkung Individueller Abweichungen. Doch kann die Gleichheit weder jemals eine absolute, noch eine für alle Zeit feststehende (constante) sein. Dies liegt schon in dem oben erörterten Umstand begründet, dass jede Vererbung eine neue Combination zweier nicht völlig gleicher Ver-erbungssubstaimm ist. Darum ist auch die sogenannte Constanztheorie, dass nämlich reine Kassen allen Stammes in ihren Eigenschaften stabil seien, eine irrthümliche (s. auch pag. KJl). Für den Thiemichter wäre eine derartige Erstarrung der Form auch keineswegs erwünscht, denn er muss in der Lage sein, den Verhältnissen entsprechend umzuformen. Für ihn ist zwar die gleiehmässige Forterbung guter Kigenschaften von höchster Bedeutung und er kann sie erhalten durch sorgfältige Controle individueller Abweichungen: nicht minder wichtigist aber für ihn die Variabilität.
Körperliche Eigenschaften von Haustlderen können durch passende Zuchtwahl (event, unter Zuhttlfenahine entsprechender Erziehung; vgl. pag. 111 u. 126) bei ihren Nachkommen in gesteigertem Masse erzeugt werden. Bei oonsequenter Fortsetzung der Zucht in dieser Richtung kann diese Steigerung den Charakter einer wesentlichen und typischen Veränderung annehmen. Nicht selten kommt auch dem Züchter der Glücksfall zu Hülfe, dass ein einzelnes Thier unvermittelt in irgend einer erwünschten Richtung von den Htaminesgenossen individuell ungewöhnlich abweicht. Durch passende und demnächst consequent fortgesetzte Zuchtwahl kann dann dafür gesorgt werden, dass jene individuelle Abweichung sich forterbt und schlieslich ein regelmässiges auffälliges Merkmal aller Nachkommen, also typisch wird. Die individuelle Vererbung kann also in Typeu-Vcr-erbung übergehen (s. pag. 122). So können, jo nachdem die neuen, typisch gewordenen Eigenschaften mehr oder weniger wesentlich sind, danach neue Sehlüge, Untertassen und Kassen unterschieden werden. Mehrere berühmte Kassen entstammen einzelnen Tlüeren von hervorstechender Individualität. Die FortzUchtong solcher freier ausgeprägter Charactere wird überhaupt dadurch begünstigt, dass denselben meist eine besonders starke Vererbungskraft (Individualpotenz; vgl. pag. 128) innewolmt. (Handelt es sich um unerwünschte individuelle Abweichung, so wird das betr. Individuum natürlich auszumerzen sein.)
Rascher und weitgreifender vollzieht sich natürlich eine Umformung, wenn Thiero von verschiedenem Rassetypus gepaart werden. Die bei
Schmuliz, Goschlochtaleboii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; tl
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der Kreuzung erfolgeude Mischung zweier mehr oder weniger ungleichartiger VererlniugKsiibstiuizeii muss ein wcsentlieh iiiwoichendes Krzeug-niss ergeben. (Ungleich -f- Ungleich giebt Ausgleich, d. h. ein Zwischending.) Erklärlicherweise fallen die Combinationen so verschiedenartig aus, je nachdem die eine oder andere Vererbungssubstanz das Ueber-gewicht erlaugte, dass die einzelnen Kreuzungs-Producte zunächst unter sich sehr verschieden sind und bald dem väterlichen, bald dem mütterlichen Typus sich nähern, auch wohl fast ganz in den einen zurückschlagen. Da jedoch Jedes etwas von der Erbmasse beider Eltern empfangen hat, so enthalten die Vererbungssubstanzen der aus der Kreuzung hervorgegangenen Generation immerhin schon mehr gemeinschaftliches Material, als die der Eltern und so muss sich die Aehnlichkeit ziemlich rasch steigern, bis die wesentlichen Eigenschaften Gemeingut geworden sind, mithin ein neuer Typus entstanden ist. (Vgl. auch pag. 107.)
Ks kann sich also ein neuer Typus ebensowohl aus einem vorhandenen abspalten, wie aus zweien als dritter entstehen.
In freier Natur vollzieht sich die Umformung weniger durch Kreuzung verschiedener Varietäten (weil solche meist räumlich getrennt leben), offensichtlich jedoch durch fortgesetzte Einwirkung veränderter Lebensbedingungen. Dass die Wirkung derselben einigermassen verschieden erklärt werden kann, ist bereits pag. 123125 besprochen. Wahrscheinlich ist sie eine doppelte. Diejenigen Thiere, welche für die veränderten Verhältnisse individuell am besten passen, gedeihen zunächst Jim besten, erzeugen die meiste und widerstandsfähigste Nachkommenschaft, während die anderen an Zahl allmählich zurückbleiben. Ausser-dem aber passt sich augenscheinlich der Körper aller überhaupt lebensfähig bleibenden Individuen der Aussenwelt an; die dadurch bedingte Veränderung vererbt sich als Anlage und bei den folgenden Generationen bildet sich die bereits veranlagte Veränderung in immer höherem Grade aus. Abgesehen von klimatischer Veränderung der Heimath oder Versetzung in eine andere Heimath (Acclimatisation) zieht namentlich auch die Domestication einer Wildthierart eine Umgestaltung aller Lebensbedingungen und mehr oder weniger eine Veränderung körperlicher Kigenschatten nach sich. An unseren Hausthiercn, die ausnahmslos durch Domestication wilder Stammarten gewonnen sein dürften, lässt sich diese Wirkung bei Vergleich mit noch wilden Stammesvettern aufs Deutlichste erkennen. Gerade dieser Vergleich giebt auch ein Beispiel dafür, dass die Umformung keineswegs bloss neuen Gewinn, sondern auch Verluste an sich vortrefflicher, aber entbehrlich werdender und nicht mehr geübter Fähigkeiten (Sinnesorgane der Hausthiere) bringt, dass pro-
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gressive und regressivo Vererbung neben einander hergehen (vgl. auch pag. 125 n. 12(3).
Wie die Art sielt so in Varietäten bezw. Rnsson zerlegt, so kann die Zerlegung auch dein Grade nach weiter fortschreiten bis zu so tief-gehender Entfremdung, dass die verschiedenen Zweige einer Art sich als neue Arten gegenübortreten. Der Zeitpunkt, wo die Hasse bezw. Varietät als neue Art zu bezeichnen ist, wird nielit durch den Grad iiusserlicher Unähnlichkeit, sondern durch das Aufhören der fruchtbaren geschlechtlichen Vermischung zwischen den Stanunesvenvamlten bedingt, wie dies schon pag. JOr) ff. erörtert wurde.
Die Entstehung einer neuen Art können wir nicht beobachten: dazu gehören offenbar eine viel länger dauernde Stammesentwicklung und tellurische bezw. klimatische Umwälzungen. Doch beruht die Annahme, dass die vorhandenen Arten aus einer geringeren Zahl von Stanimurten sich abgespalten haben, nicht bloss auf Hypothesen und Schlussfolgemngen, sondern auf palaeontologlsohen und phylogenetisohen Beweisen.
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Empfänglichkeit der Thierarten für Umformungen.
Wie es unter den Individuen starre und biegsame Charactere giebt, so ist auch die Wandlungsfähigkeit der Arten eine sehr ungleiche. Als Beispiel werden gern Katze und Hund angeführt. Während die weitverbreitete Katze sicli eine bemerkenswerthe Gleichheit bewahrt hat und durch uralte Domestication in ihren Grnndeigeuthümlichkoiten nicht wesentlich verändert ist, zeigt der Hund den grössten Rassenreichthum und hat im Verkehr mit den Menschen seinen Character ganz verändert, nainentlich auch psychisch gewonnen. Die Zähigkeit des Typus setzt zweifellos eine grosse Vererbungskraft, sowie auch eine grosse Fähigkeit, mannigfaltigen Verhältnissen zu gentigen resp. zu widerstehen, voraus. Andrerseits bedingt sie aber auch einen Mangel an Bildungsfähigkeit, während bei Hausthieren gerade diese Eigenschaft im Allgemeinen sehr erwünscht sein muss. Es ist übrigens die Ansicht nicht richtig, dass die Vererbungskraft sich regelmässig steigere. Je länger bereits ein Stamm reinblütig gezogen sei, dass die. zuverlässige Vererbung ein Attribut des Vollbluts und Adels sei. Der beste Stanimbauin giebt in dieser Beziehung noch keine Garantie. Das zeigt schon die Tlmtsache, dass in den einer Kreuzung folgenden Generationen öfters Individuen von ganz hervorragender Vererbungskraft auftreten (vgl. pag. 129). Wenn in neubegriinde-ten Stummen Rückschläge und Ungleichheiten häutig sind (s. vorige Seite), so liegt dies nicht au schwächerer Vererbungskraft, sondern daran, dass
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sich eben ein einiioitlielier Typus noch nicht fest gebildet hat und die Qegensätze in den beideraitigen elterllohen Erbmassen noch sein- gross sind, so dass beim Obsiegen der einen oder andern stärkere Ab-weicliuugen entstehen müssen.
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Atavismus.
Ks ist nicht selten, dass der Nachkomme mehr Aebnliehkeit mit (Jrosselterii, als mit Eltern besitzt. Dies kann so gedeutet werden, dass manche von (irosseltern auf Eltern vererbten Anlagen in letzteren sieli nicht entfalteten, ihre Keimehen aber mit in die elterliche Erbmasse übergingen, mit dieser auf den Enkel übertragen wurden. Wenn also z. B. ein Sohn neben gewissen mütterlichen Eigenschaften wenige vom Vater, dagegen die meisten von dessen Vater aufweist, so bedeutet das kein Darniederliegen der väterlichen Vererbungskraft. Es ist vielmehr die väterliche Erbmasse trotzdem vorwiegend zur Geltung gelangt, denn nur in ihr waren ja auch die Keimclien jener grossväterlichen Anlagen enthalten. Der Vater hat schon diese Anlagen latent (als schlummernde Keimchen) besessen und Imt diese vorzugsweise übertragen. Manchmal bedingt schon das verschiedene Geschlecht das Latentbleiben von Anlagen. So kann ein Vater auf seine Tochter Anlagen vererben, welche im weiblichen Organismus nicht offensichtlich werden können, aber beim Enkel wieder hervortreten.*) Viel auffälliger sind natürlich die Rückschläge auf Kigentluimliehkelten, die vor vielen Generationen bestanden hatten. Dies ist der eigentliche Atavismus (atavus Urahne), welcher im Ganzen selten ist. Darwin beobachtete namentlich bei Kreuzung zweier Rassen solche Rückschläge nicht etwa blos auf den Typus der einen Rasse (solche sind erklärlicherweise häufig, so lange noch kein fester neuer Typus sieh ausbildete), sondern auf einen längst verschwundenen ursprünglichen Typus einer der beiden Rassen. Nach seiner fangenesis müssteu Ke.iinchen viele Generationen hindurch übertragen, aber im Schlummerzustand verblieben sein, bis sie unter besonderen Umstanden nochmals aetiv wurden. Dieser eigentliche Atavismus setzt in jedem Fall eine Unregelmässigkeit im Wettkampf der
*) Die Vererbung war also von der ersten auf die zweite Goueration erfolgt, hier nicht hervorgetreten: sie erfolgte dann von dor zweiten auf die dritte Generation und zeigte sich hier olfpnsiehtlioh. Um eine Unterbrechung der Vererbung handelt es sich also eigentlich nicht. Man kann daher von latenter Vererbung sprechen, aber eigentlich nicht von unterbrochener, im Gegensatz zu nontinuirlichor.
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Küimelieu voraus. Es klingt wahrsclieinlich genus, tlass grade bei Kreuzungeu solche UuregelmäSBigkeiten entstehen, und class dadurcli gelegentlicli solche Keimchen, welche sicli zwar iiiiLaufderCienenitioncn erbalten hatten, aber längst in den Hintergrund gedrängt waren, begüirstigt werden. Als ein einfaches plötzliches Ausfallen von seit Generationen fortgeerbten Eigenschaften kann der Atavismus wohl nicht aufgefasst werden.
Die Folgen der Inzucht.
Inzucht ist die Zeugung durch Blutsverwandte bei Menschen und-Thieren. In den Culturstaaten ist zwar die Verheiratluing innerhalb des engsten Verwandtscliaftskreises verboten, doch bestehen hei keineswegs sehr tief stehenden Völkern die orassesten Formen der Inzucht nicht bloss als Krauch, sondern als Gesetz (dass z. B. der Sohn die verwittwete Mutter hciratlion muss: s. Kohler, Eherecht der Völker). Bei Thieren hat grade die Inzucht zu den grössten Erfolgen geführt und sie ist unentbehrlich gewesen, wo es sich um die Portzüohtuug vorzüglicher individueller Eigenschaften eines oder zweier Thiero handelte, (vgl. pag. 129) also eine Wahl zwischen anderen Zuclitthieren, als jenen Stammeltern und ihren Nachkommen, gar nicht möglich war. Ueberall aber hat sich auch hier gezeigt, dass die Inzucht nach verhältnissinässig wenigen Generationen verderblich wird und neben wesentlichen Mängeln der körperlichen Anlage (bei Mensclien besonders der geistigen Fähigkeiten) namentlich Schwächung der Vererbungskraft und der Fruchtbarkeit überhaupt (vgl. pag. 104) im Gefolge hat. Dies lässt sieh aus dem Wesen der Vererbung leicht erklären. Denn es ist schon (pag. 128 u. 114, Anna.) erörtert worden, dass die Combination bezw. der Wettstreit der verschiedenartigen Erbkeimchen von Vater und Mutter eine stete Quelle neuer Tüchtigkeit ist, namentlich auch durch Ausgleich fehlerhafter Eigenschaften (vgl. pag. 120). Die Verschiedenartigkeit der Erbkeimchen und die Mannigfaltigkeit der Combinationen wird aber mehr und mehr aufhören, wenn enge Verwandtschaft eine zu weit gehende Uebereinstimmuug der elterlichen Eigenschaften herbeigeführt hat.
Inzucht kann auch innerhalb eines weiteren Kreises von Individuen stattfinden, wenn diese durch Generationen hindurch so vermischt sind, dass schliesslich alle m. o. w. nahe verwandt sind. Auch hier entstehen dieselben Folgen, wenn auch entsprechend später und weniger ausgeprägt. Desshalbist auch in verhältnissinässig grossen Thiorbeständen die zeitweilige Einführung vonZuchtmaterial aus anderen Stämincn (Blutauffrischung) oft unentbehrlich. Dies zeigt sich sowohl in reingezogenen Hausthierhorden, wie besonders in den Wildgärten, deren Insassen trotz günstigerer ljebensverliältnisse(Fiitte-rung) und grösstor räumlicher Unbeschränktheit schliesslich degeneriren.
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V. Theil.
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Die Entstehung (Vererbung) des Geschlechts.
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Das Oeschlecht übt einen tiefgehenden Eiufluss auf miiiiiiip:fiiclie Organe, auf den Habitus des ganzen Körpers aus, dem es einen eorrelativen Qesohlechtscharaoter aufprägt (vgl, pag. 6). Das Geschlecht ist daher ge-wissermassen nielit bloss eine speoielle Organeigenscliaft, sondern eine allgemeine des Körpers.
Wenn man nicht ohne Weiteres annimmt, dass das Geschlecht, wie alle anderen körperlichen Eigenschaften, auf dem gewöhnlichen Wege der Vererbung im Keim veranlagt wird, wenn vielmehr hierüber zahlreiche besondere Theorien aufgestellt worden sind, so ist dies zunächst mit einem grundsätzlichen Unterschied zwischen dem Geschlecht und den anderen vererbbaren Eigenschaften zu erklären. Letztere können alle aus einer Mischung väterlicher und mütterlicher Eigenschaften hervorgehen, zeigen daher Uebergänge und können (zeitlich und ursächlich verschiedene) Abänderungen erfahren. Das Geschlecht der zwiegeschlechtigen Thiere aber ist weder jemals einer Combination*) noch ist es Modificalionen unterworfen. In seinem Begriff liegt die völlige Einseitigkeit und damit jedenfalls die gänzliche Ausschliessnng des einen elterlichen Individuums von der Erbübertragung in geschlechtlicher Beziehung. Eine solche völlige Ueberwindung des Einen durch den Andern im einfachen Wettstreit der Erbmassen muss auf Hedenken stossen. Nach unsern gewöhnlichen Vorstellungen von der Vererbung müsste das ein gänzliches Darniederliegen der Vererhungskraft des Einen mindestens bezüglich des ganzen Geschlechts-eharacters voraussetzen, was nicht recht damit sich zusaminenreimen lässt, dass der junge Körper oft genug sonstige ausgeprägte Aehnlichkeit gerade
) Ucber Zwitter s. pag. 162.
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mit demjeulgen elterlichen Individuum aufweist, dessen Gesohleoht oioht auf ihn übergegangen ist. Jedenfalls aber würde im einfachen Vererbimais-wettstrelt doch häufig genug der Sieg nicht ein so ausschliessliciier sein; d. h. es würde, wenn auch als Missbildung, oft eine Oeschleelitscom-bination, d. h. ein wirklicher Zwitter entstehen, während dies bei den Säugethieren eine ganz ausserordentliehe Seltenheit ist (vgl, pag. 162).
Das Geschlecht kiuin daher entweder mittelst der Vererbung, dann jedoch wohl nur mittelst einer besonderen Form derselben, oder es kann auch auf andere Weise resp. durch ein Zusammenwirken verschiedener Factoren entstellen.
Zur Erforschung der etwaigen besonderen Vorbedingungen der Oe-BohleohtSÜbertragung hat aber von Alters her bis heut vor Allein die Hoffnung angeregt, dabei einen Weg zur willkürlichen Vorausbestimmung des (ieschlechts der Früchte zu entdecken, was natürlich von grosser prac-tischer Bedeutung wäre. Manche der aufgestellten Theorien bezw. Hypothesen lassen denn auch deutlich erkennen, dass ihr Vertreter sich weniger von sachlichen Erwägungen auf breiter wissenschaftlicher Basis leiten liess, als vielmehr rücksichtslos jenem Ziel nachjagte, das in seiner Anziehungskraft auf Köpfe aller Art fast dem Stein der Weisen vergleichbar scheint.
I. Die Theorie vom Dualismus sowohl der Samenfäden
als der Eizellen.
Diese Theorie bietet die einfachste und radikalste Fnträthselung jeuer Frage. Danach sondern sich die Geschlechtszellen ein und desselben fieschlechts vom Anfang ihrer Bildung ab in zwei Klassen, von denen die eine nur zur Kelmanlage für männliche, die andere nur für weibliche Früchte geeignet ist. Man hat dies wohl auch crass dahin ausgedrückt: es gäbe männliche und weibliche Samenfäden und desgleichen Eier, Diese Bezeichnung ist natürlich unzutreffend: denn es handelt sicii lediglich um eine Veranlagung zur männlichen bezw. weiblichen (jeschlochtsbilduug.
An jene Hypothese schliesst sich die nothwendige Folgerung: Treffen homolog veranlagte Geschlechtszellen zusammen, so entsteht das der beiderseitigen Anlage entsprechende Oe-Bchleoht. Treffen aber Geschlechtszellen zusammen, deren Anlagen einander aufheben würden, so kann überhaupt keine Befruchtung stattfinden, sei es, dass das Sperniatozoön iu das Ei nicht eindringen kann, oder dass mangels geordneter Kntwick-lungsbedingungen der ganze Keim zu Grunde geht.
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Die Vertreter der Theorie behaupten aber ferner, diiss in jedem Hoden bezw. Elerstook je eine der beiden Klassen von Samenfäden bezw. Eiern gebildet werde, und stellen sogar den Satz auf, dass der rechte Hoden bezw. Eierstock die Bildungsstätte der iniinnlieh veranlagten Ge-raquo;scliloehtszellen sei, die linke Seite aber die der weiblich veranlagten. Piir das Wesen der Theorie ist dies durchaus nebensächlich, trotzdem bildet gerade diese Nebensache den Brennpunkt der Vertheidignng, weil auf ihrer Richtigkeit allein die Möglichkeit einer pmctischen Nutzan-vrendnng beruht.
Die Hypothese duaUstisoher Veranlagung der Samenfäden bezw. Eizellen wird von unhetbeiligter Seite meist ziemlich kurz abgethan. Keller (Vererbungslehre'- 1895) findet sie sogar naiv. Diese Haltung erklärt sich aber aus der, man möchte sagen, plumpen Hervorkehrung des Beiwerks, aus dem den haltbaren Kern der Hypothese herauszuschälen, ihre Yertheidiger selbst sich eigentlich nicht die Mühe genommen haben, #9632;weil es ihnen, wie oben angedeutet, eben weniger auf die wissenschaftliche Begründung einer Theorie, als vielmehr auf den empirischen Nachweis eines Mittels zur willkürlichen (ieschlechtsbestimmung ankam.
Sehen wir aber von der Nebenfrage, ob nun gerade der rechte Eierstook männlich veranlagte Eier etc. bilde, zunächst vollständig ab, erwägen wir lediglich die Frage : können sowohl die Samenfäden als die Ei-zelleu je unter sich ungleicbwerthig sein insofern, als sie theilweise zur Bildung männlicher, theilweise zur Bildung weiblicher Früchte veranlagt sind? Dann wird sicli zeigen lassen, dass keine Theorie die Entstehung des (Geschlechts einfacher erklärt, keine der Bedeutung des Geschlechts besserEeohnung trägt, keine sich bestimmter begründen las st und besser in unsere Kenntnisse und Anschauungen von Entwicklung und Vererbung hineinpasst, als gerade die liier zu erörternde.
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Begründung eines Dualismus der Geschlechtszellen Im Anschluss an die Pangenese und verwandte Vererbungstheorien.
Wir wissen, dass die Kernmasse der Geschlechtszellen eine Organisation besitzt, deren Feinheiten z. Z. sich der Wahrnehmung entziehen. Alle Theorien der Vererbung, deren Kenntniss zum Verständniss dieser Erörterung nothwendlg ist (vgl. pag. IDJff.), stimmen darin überein, (Inss in jener Kernmasse kleinste Substanzthoilcben, z. B. die Gemmulao Darwin's, vorhanden sind, welche die Träger aller auf den Embryo vererblichen körperlichen Aulagen und Eigenschaften darstellen. Alle Theile
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dos Körpers sind durch iliro Oennnulaf In den Geselilechtszelleii vertreten. Daher werden in diesen auch Geinmulae vorhanden sein, welche die Geschlechtsorgane repräsentiren und damit der UebertragUUg einer bestimmten Geschlechtsanlage auf den Embryo dienen*).
Nun müssen, wie dies hei der Vererbung beschrieben worden ist, alle väterlichen und mütterlichen Krbkeiuichen mit einander in Cou-currenz treten. Der sich entspinnende Wettkmnpf wird keineswegs immer mit der entschiedenen Niederlage der einen enden; häutiger werden Combinationen und Ausgleiche sein, dergestalt, dass eine bestimmte Eigenschaft beim Sprössling sich als ein Mittelding zwischen den analogen Eigenschaften des Vaters und der Mutter darstellt.
Nur beim Geschlechtscharacter sind solche Combinationen väterlicher und mütterlicher' Erbkeimchen nicht möglich, wie schon oben hervorgehoben wurde; hier müssen die einen gänzlich den Platz räumen, den die anderen behaupten.
Es handelt sich aber bei der embryonalen Veranlagung und Ausbildung des Oeschlechtsapparates um zweierlei: um die Geschlechtsorgane und um die Keimzellen (Samenblldungszellen bzw. Ureier), d. h. die späteren Samenfäden oder Eier.
Je nachdem die männlichen oder weiblichen Geschlechtsgeinnmlae die Oberhand quot;gewinnen, werden die Geschlechtsdrüsen männlich oder weiblich werden und danach richtet es sich dann selbstverständlich auch, oh die Keimzellen später Samenblldungszellen oder Ureier werden.
Aber zu dieser Geschlechtsbestimmung werden nicht alle Geschlechts-gemmulae verwendet. Es entspricht sowohl der Pangenesis wie den An-
*) Man könnte moinon; Der ganze Samenfaden bzw. das ganze Ei ropräsen-tirt in seiner gesohleohtliohen Eigenart den männllohen bzw. weiblichen Goschlechts-apparat. Diese Auffassung wäre aber eine sein1 oberlläehliche, allen Ansichten vom Bau der Erbmassen widersprechende. Die iiussorlicho Verschiedenartigkoit dos Samenfadens bzw. Bis beruht auf dem Protoplastnaloib, dor dort fadenförmig, hier kugelig ist. Die Zolllciber haben mit der Erbübertragung aber nichts zu thun; diese liegt allein in den Kernen. Wenn mm nach dor allgomoinen Vorstellung von der Vererbung die Kernfadonsubstanz eine Mosaik von Thoilohen ist und in dieser Mosaik alle wichtigen Organe, z. B. das Gehirn, durch besondere Koimchen vertreten sind, so kann nicht zugleich die Gosammtmasso aller dieser Specialkoimchon den Geschlcchtscharakter vertreten. Der Umstand, dass ihre Gosammtheit z. B. einem Sporniakcrn angehört, also einem männlichen Organismus entstammt, bogründot noch nicht, dass ihnen allen die Anlage für Neubildung eines männlichon Organismus innowohnen sollte. Es werden vielmehr unter ihnen auch Spocialkoimchen der Geschlechtsorgane sich befinden müssen und diese allein worden auf die üoschloehtsbildung beim Embryo einen erblichen Kiufluss ausüben.
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BOhauungen tialtous auch lt;ler Weismanusclien Tlieorie, class ein Tlieil eine besondere Veiwenduiig findet Kin Theil der (Jesehleclitsgemimilae, väterliche wie mütterliche, gehen in die Keimzellen des Embryo über, nicht etwa um deren Geschlecht zu beeinflussen, sondern um dort eine Aufspeicherung, als Geschlechts-Erbkeiinehen für die folgende dritte Generation, zu erfahren.
Da aber, wie schon oben betont, väterliche und mütterliche Ge-schlechtsgeinmulae sich niemals combiniren, so setzen sie sich derart auseinander, dass in einem Tlieil der embryonalen Keimzellen bloss väterliche, in dem anderen Theil bloss mütterliche Geschlechtsgemmulae sich aufspeichern.
Ist diese Voranssetzung statthaft und das ist sie nach den beachtenswerten Vererbungstheorien so ist damit der Dualismus der Keimzellen und späteren Geschlechtszellen erklärt. Das hcisst, die Geschlechtszellen (seien es nun Samenfäden oder Eier) eines Individuums sind nicht gleichartig; sie enthalten zum Theil väterliche Geschlechtsgemmulae und werden durch diese zur Veranlagung eines männlichen Geschlechts prädestinirt; zum Theil enthalten sie mütterliche mit entsprechend entgegengesetzter Wirkung.
Doch nun gelangen in die Geschlechtszellen eines Individuums, wie schon oben erläutert wurde, auch Gemmulae aus allen Organen, also auch aus den Geschlechtsorganen, des eignen Körpers*). Letztere treten mithin zu den darin schon aufgespeicherten elterlichen Geschlechtsgemmulae hinzu. In nllen Samenfäden z. B. sind also enthalten die (natürlich männlichen) Geschlechtsgemmulae des Mannes selbst und ausserdem solche seines Vaters oder seiner Mutter; auf letzterem Unterschied beruht der Dualismus.
Die weiteren Folgerungen, welche sich an diese dualistische Veranlagung der Geschlechtszellen knüpfen, lassen sich am besten an einem concreten Beispiel zeigen. Es kommen dabei drei Generationen in Betracht, deren Geschlechtsgemmulae nach folgendem Schema abgekürzt bezeichnet werden sollen.
I.nbsp; Generation......Grossvater Grossmutter Grossvater Grossmutter
Budchnm.ga.rQe.chl.ohevcmmaUa. (^\v**) 9lV.....(j'l**)- . 9 Iquot;1
II.nbsp; Generation..........Vater............Mutter
Ih'/eirlmunp der OcHchleclilFiponnmilnr: . s-~/ ^............ \jJ ^J^(
III.nbsp; Generation.................Kind (III).
*) Während der Embryonalzeit oder auch während dos späteren Lebens vgl. pag. 118 a. 114.
**) ,,vquot; bozeichnet die Kitern des Vaters, mquot; diejenigen der Mutter.
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Hiebei ergeben sich nun nach den obigen Darlegungen folgende Zuaammensetzungen der Qenunulaes
in den Samenfäden des Vaters a) q II o lv
..der b) cT'II 9IV in den Eizellen der Mutter c) Q \[ JTquot;
d) $11 9lm.
Wenn nun bei der Befruchtung zusammentreffen a und c, so ergiebt sieh im Embryonalkeim (III. Generation) folgende Gruppierung der Oe-schlechtsgemmulae ^ ll rj'1 Iv 4- QlI (-?lm. Die männlichen Ge-selileclitsgenimulae sind dabei in dreifacher Ueberlegenheit und der Spröss-ling (III) wird deshalb dieser Sohluas ergiebt sieii von selbst männlich.
Wenn aber b und d zusammentreffen, so entsteht folgende Constellation: r^U Ql'quot; Q11 H-Qlm, mithin dreifache Ueberlegenheit weiblicher Geschleehtsgemmulae. Product: ein weiblicher Embryo (III).
Aus diesen beiden Beispielen lässt sich folgender Lehrsatz ableiten: Auch das Geschlecht wird, wie alle körperlichen Eigenschaften, durch Vererbung bestimmt. Es gehört aber zur Geschlechts-bildung eine dreifache quantitative Ueberlegenheit derKeim-chen des einen Geschlechts über die anderen.
Es muss sich nämlich mit der elterlichen Geschlechtserbmasse die grosselterliche verbinden, um einem Geschlecht zum ausschliess-lichen Siege zu verhelfen. Enthielt das väterliche Spermatozoon und das mütterliche Ei jedes noch grossväterliche Geschlechtskeimchen, so entsteht ein Sohn. Enthielten beide dagegen ausser den Keimchen des eigenen Geschlechts noch diejenigen der beiderseitigen Grossmütter, so entsteht eine Tochter.
Das Geschlecht des Sohnes ist also der Vererbungsproduct des Vaters und beider Grossvätcr, das Geschlecht der Tochter dagegen das Vererbungsproduct der Mutter und beider Grossmütter.
Die Annahme einer derartigen Mitwirkung grosselterlicher Erb-keimchen steht mit den Theorien Galtons und Weismanns durchaus im Einklang und der Darwinschen Pangenesis keineswegs entgegen.
Da, wie sich aus Obigem ergiebt, diejenigen Spermatozoon und Eier,welclie grossväterliche Geschlechtskeimchen enthalten,stets zur Bildung männlichen Geschlechts dienen, so könnte man sie als männlich veranlagte bezeichnen. Desgleichen wären diejenigen, welche grossmütter-liche Geschlechtskeimchen enthalten, weiblich veranlagte. In dem
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oben aufgestelltea Schema wären a und c homolog (näinlieh beide miinn-lieh) veranlagt; desgleichen b und d (beide weiblich). Dagegen haben a gegenüber d und b gegenüber c heterologe Veranlagung.
Es bliebe nun noch die Frage zu beantworten wie sich heterolog veranlagte Geschlechtszellen zu einander verhalten würden. Dabei ergeben sieh folgende Constellationen:
Samenfaden a Eizelle d = ^ II cf' Iv 9 II $ I'quot;.
b 0=^11 91' 911 ^1'quot;.
In diesen Befruchtungscoinbinatinnen würden sich die miiiinlichen und weiblichen Oeschlechtskeimchen jedesmal die Wage halten; mithin könnte kein bestimmtes Geschlecht entstehen. Es muss daher ange-nommen werden, dass zwischen heterolog veranlagten Geschlechtszellen eine Befruchtung überhaupt nor mal nicht stattfindet. Die Annahme begegnet keinen grundsätzlichen Bedenken. Denn wie Geschlechtszellen verschiedener Thierarten nicht mit einander zur Befruchtung gelangen, so könnte auch heterologe Geschlechtsvenmlagung ein Hinderniss bilden.*)
Da bei einer Begattung in der Kegel (wenn man nicht die Theorie Seligsons annimmt; s. pag. 142) sowohl männlich veranlagte als weiblich veranlagte Samenfäden in den weiblichen Genitalkanal gelangen werden, so wird die einzelne Eizelle, welche Veranlagung sie auch besitze, stets zur Vereinigung mit einem homolog veranlagten Samenfaden gelangen können. Möglicherweise wird auch das Eindringen eines homolog veranlagten Samenfadens bloss begünstigt, so dass ein solcher gewisser-inassen einen Vorsprung vor heterologen erlangt und dadurch der letzteren Eindringen in das Ei verhindert wird.**)
Der Dualismus der Geschlechtszellen, wie er im Vorstehenden zu definiren und zu begründen versucht worden ist, lässt sich also einfach auf eine Verschiedenheit der Erbmassen reduciren. Wenn man diese
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*) Wenn trotzdem ausnabnisweiso einmal eine Befruchtung stattfände, so würde ein echter Zwitter ontstohon müssen. Die Zwitterbildung wäre auf diese Weise ebenfalls besonders einfach zu erklären. Dass ein solcher Fall aber eine ausser-ordontlicbo Seltenheit ist, wird pag. 162 besprochen.
**) Hiernach würde das Gescblecht der Früchte allerdings hauptsächlich davon abhängen, welche Veranlagung das (bezw. die) in einer Ovulationsperiode dobiscirto Ei hat nicht etwa, wie einige Autoren wollen, weil nur die Bier dualistisch, die Samenfäden aber Indifferent seien, sondern viebnobr, weil Samenfäden beiderlei Art stets im Uoberfluss vorhanden sind, während die dehisoirten Bier nur einzeln oder in kleiner Zahl vorbanden sind und von ihnen die Zahl der sieb entwickelnden Früchte abhängt.
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Dualismus-Theorie ihres sie verdimkelnden Beiwerks (welches im folgenden Abschnitt besonders erörtert wird) entkleidet, wenn man aus ihr den Kern herausschält, der lediglich das l'rincip der (ieschlechtsentstehung uni-l'asst, ohne Vermischung mit dem Problem willkürlicher (Jcsehlechtsbe-stimmung, so ist diese Theorie jedenfalls ebenso gerechtfertigt wie andere auch. Mir seheint sie sogar wesentliche Vorzüge zu besitzen. Ihr wesentlichster ist, dass sie gestattet, die Lehren von der Vererbung auch auf die (lesclilechtühertrugung anzuwenden. Sie läset sieh ungezwungen der Pan-genesis einfügen; sie steht auch mit iibweichenden Vererbungstheorien nicht im Widerspruch. Sie verlegt vor Allem die (Jeschlechtsübertragung in die Erbmassen und muthet uns nicht die Umvahrscheinlichkeit zu, dass, während alle andern Eigenschaften im Ei- und Spermakern sub-stanziell vertreten sind, das Gesclilecht, eine der hervorstechendsten Körpereigenschaften, durch allgemeine, untergeordnete, selbst vorübergehende und nachträgliche Einflüsse sollte bestimmt werden können, wie dies nach andern weitverbreiteten Theorien der Fall sein soll. Der Dualismus lässt sich endlich theoretisch exact begründen und diese Begründung dürfte ebensoviel werth sein, wie die empirische Beweisführung für andere Theorien, welche sich auf Versuche stützen, bei denen trotz aller Zuverlässigkeit der Beobachtungen der Zufall eine ganz uncontrolir-bare Rolle gespielt haben kann, soweit sie überhaupt etwas zu beweisen scheinen.
Der Dualismus der Geschlechts-Drüsen. Eine Nebenfrage.
Wenn man einen Dualismus der Geschlechts-Zellen annehmen will, so liegt allerdings die Frage nahe, ob derselbe nicht zugleich mit einem Dualismus der (ieschlechts-Drüsen vereinigt sei. Dieser wäre dahin zu verstehen, dass die beiden Klassen von Spermatozoon bzw. Eizellen nicht In den beiden Hoden bzw. Eierstöcken gemischt vorkämen, sondern dass die Geschlechtsdrüse der einen Seite die männlich-veranlagten, die der anderen Seite die weiblich-veranlagten (s. pg. 189) enthielte. Für die Gültigkeit der dualistischen Theorie selbst wäre dies ohne Delang. Der Möglichkeit widerstreitet diese Erweiterung der Theorie im Allgemeinen nicht; sie hat sogar manches Bestechende. Jedenfalls aber wäre ihre Richtigkeit von grösster practischer Bedeutung, weil sie einen Weg zur willkürlichen Bestimmung des (ieschlechts zeigen könnte*).
*) Allerdings würde dann der Verlust eines Hodens die Zcugungsfiihigkoit orhoblieli verringern, was man bislang nicht annimmt (vgl. pg. 08).
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Gerade deshalb ist diese Nebeufrago zur Hauptsache gemacht worden. Die Vertreter des dualistischen Priucips haben sich mit der Frage gar nicht befasst, ob nicht eine dualistische Anlage der Geschlechtszellen auch ohne einen Dualismus der Geschlechtsdrüsen existireu könne. Sie haben sich überhaupt nur bemüht, zu beweisen, dass ein Hode bzw. Eierstock männlich veranlagte, der andere weiblich veranlagte Keime producirc. Sie sind sogar, immer im Hinblick auf ihr practisches Ziel, noch weiter gegangen und behaupten, dass bei allen Säugern überein-Btimmend der rechte Hode und der rechte Eierstock die männlich veranlagten, die linken jedoch die weiblich veranlagten Geschlechtszellen bildeten. Diese These ist uralt und lässt sich schon auf einen Satz des Hippokrates (foetus mares quidam in dextris, foinina vero in sinistris majls) zurückführen, welcher daher zur Erzeugung des einen oder anderen (ieschleehts das vorübergehende Abbinden eines der beiden Hoden empfahl. Auch Galfm hat dem im Princip zugestimmt. Im vorigen .lahrlumdert nahmen Couteau (I7()0) und naiuentlich Henke*) diese Lehre wieder auf, welche letzterer durch Thiervcrsuehe zu stützen suchte.
In letzter Zeit hat der russische Arzt Seligson**) neue Versuche gemacht, welche die Henko'sche Theorie unterstützen sollen und jedenfalls bei den Lesern dieses Luches um so mehr Beachtung verdienen, als sie von dem Professor der Chirurgie am Dorpater Veterinärinstitut, Dr. Gutman, mit geleitet und beglaubigt sind.
Einseitige Samenentleerung.
Merkwürdiger Weise legen Henke-Seligson, wie es scheint zur Begründung ihrer Ansieht, besonderen Nachdruck auf die Behauptung, dass bei der Begattung immer nur ein Hode den Samen entleere. Unter besonderen Umständen ist dies möglieh (Landois, Physiologie 1889, pag. 1000). Als Kegel jedoch ist es anatomisch-physiologisch unwahr-seheiiilich und übrigens auch experimentell leicht zu widerlegen (vgl. png. 59), Die einseitige Kjaculation ergiebt sogar einen Widerspruch gegen die Henko'sche Theorie. Denn die Thatsache, dass durch eine Begattung Erüchte verschiedenen (ieschleehts erzeugt werden können, verträgt sich entweder nicht mit der einseitigen Ejaculation oder nicht mit der Annahme, dass ein Hode nur homologe Samenfäden producirt.
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*) Joh. Christ. Honko. Völlig entdecktes Geheinmiss der Natur, sowohl in der Erzougunfr dos Menschen, als auch in der willkürlichen Wahl des Geschlechtes dos Kindes. Braunschweig 178(gt;.
**) Dr. Ed. Seligson. Willkürlich^ Zeugung von Knaben und Mädchen. Vortrag Im Verein praotisoher Aorzto zu Moskau. München 1895.
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14:5
Die Anmilime Sellgsoa's al)Gr, dass möhrgdbäreride Thlere nuch eintuallger Begattung mir Junge eines und desselben (Jesehleclits weifen, ist einfach unrichtig.*) Es würden doek aueh, wenn nur ein Hode seinen Samen entleerte, sehr häutig die Samenfäden nicht gerade Eier aus dein homologen Eierstock treffen, sondern heterosexuell veranlagte**). Da mit diesen eine Befruchtung aber (pag. 1-10) nicht stattfinden könnte, so miisste die Begattung doch viel häufiger wirkungslos bleiben, als dies thatsäehlieli bei Thieren der Fall ist (vgl. pag. 102). Wenn dagegen Samenfäden aus beiden Hoden entleert sind, so findet das Ei in jedem Fall homosexuell veranlagte und damit die (lelegenheit zur Befruchtung. Andererseits stören sieh die verschiedenartigen Samenfaden ja gar nicht, da doch immer nur einer das El befruchtet. Wie die heterosexuellen Samenfäden verhindert sein können, in das Ei einzudringen, ist schon pag. 140 erörtert worden. Die beiderseitige Kjaculation widerspricht also der Henke-Seligsoa'sohen Grundanslclit durchaus nicht, im Qegentheil,
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Einwände.
Dagegen macht der qu. Annahme ein anderer Umstand viel mehr Schwierigkeiten. Bei den Thieren, welche einen Uterus bicornis, divisus oder duplex haben, muss unbedingt angenommen werden, dass die in einem Horn entwickelten Früchte Eiern aus dem Eierstock derselben Seite entstammen. Denn die äussere Ueberwanderung eines Eies (von einem Eierstock in die Plmbrlen der anderen Seite) ist sehr selten und die innere Ueberwanderung von einem Uterushorn in das andere ist ebenfalls eine Ausnahme (vgl. pag. 90). Wenn nun die Eier eines Eierstocks alle für ein Geschlecht veranlagt sind, so müssten in dem betreffenden Horn immer nur Früchte des einen Geschlechts liegen. Dies ist doch nicht der Fall. Namentlich finden sicli auch bei mehrgebärenden Thieren, #9632;/., 15. Schweinen, unter den Früchten eines Horns beide Geschlechter und zwar männliche und weibliche abwechselnd hintereinander. (Uebrigens sollten über die Lage der Früchte bestimmten Gesohleohts in den Uterus-hörnern noch mehr Angaben gesammelt werden.)
Ebenso wäre die Henke-Seligsou'sche Ansicht auch (bum widerlegt, wenn z. B. Zwillinge verschiedenen Gesohleohts geboren würden
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*) Uobor die mit joner Behauptung eorrespondirende unrichtige Annahme, dasa z. B. ein doppeltes ßolegon den Erfolg sichere, vgl. pag. 07, unten.
**) Bei den eingebärenden Thieren, bei denen sieb In der Regel während einer Ovnlatlonsperlode Überhaupt nur ein Ei ablöst, würde dasselbe je in etwa M) pCt. der Fälle nicht dem Eiorstoek entstammen, der dem zufällig entleerten Hoden entspricht.
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und os später dureli die Section naehsewiesen werden könnte, dass die Eier mich Lage der gelben Körper (s. pag, 14) beide ans demselben Eierstock stammen müssen. Hisher sind solche Beobiiclitnniien aber nicht jnittretheilt.
Die Richtigkeit der Behauptung würde jedenfalls (das ist das Bestecheiute an ilii') auf die einfachste Weise eine willkürliche (leschlechtsbestiiiunung ermöglichen, und zwar auch hei gleichzeitig beiderseitiger Ejaculation, nämlich durch zeitweilige Ausschaltung eines Hodens mittelst Compression des betreffemien Samenleiters. Es gehört niclit hierher, wie S. dies beim Menschen bewerkstelligen will. Bei Thieren giebt es jedenfalls einfachere Mittel und man brauchte ja auch vor der Castration nicht znrüekzuschrecken.
Selbst wenn man übrigens den Dualismus der Qesclilcchtsdrüsen au sich zugeben will, so brauchte doch nicht immer gerade der rechte Hoden bezw. Eierstock die miiimlich veranlagten Zellen beherbergen. Ks brauchte bei Männchen und Weibchen nicht die homologe Seite auch dein homologen Geschlecht entsprechen. Ks könnte namentlich bei den verschiedenen Thlerarten und es könnte auch bei den Individuen darin Verschiedenheit bestehen. Solche individuellen Ausnahmen giebt Seligson zu, vergleicht sie z. B. mit der Linkshändigkcit und erklärt sie aus üefäss-abweichungen. Das ist wieder eine Xebenfrage, die man event, bei jedem einzelnen männlichen Zaohtthler durch Proben entscheiden könnte.
Jedenfalls hat die Henke-Soligsou'sche Behauptung einen nicht zu unterschätzenden Vortheil. Sie ist nicht auf unoontrolirbaren Speculationen aufgebaut, sondern sie ist exact und leicht dem Experiment zu unterwerfen. Folgender einfache Versuch, zu dem sieh allenthalben die Gelegenheit bietet, würde z. B. ihre Unrichtigkeit erweisen, entgegengesetzten Falls sie allerdings bedeutend unterstützen müssen. Schweine sind vielgebärend, beide Geschlechter leicht zu castriren und es kommt auf ihre Castration wirthsohaftlich nicht sehr an. Man nehme also einem Eber einen Hoden und von zehn Sauen z. B. der Hälfte den linken, der Hälfte den rechten Eierstock. Dann können nach Henke-Seligson alle diese Thiere nur je ein Geschlecht erzeugen. Dabei würden von jenen Sauen eine Anzahl, wenn auch nicht gerade die Hälfte, denjenigen Eierstock behalten liahen, der mit dem, dem Eher belassenen Hoden homologe (ieschleehtsaiilagen zeitigt: die anderen Sauen dagegen würden den heterologen Eierstock besitzen. Die letzteren könnten nnn von diesem Eber überhaupt nicht mehr befruchtet werden, die ersteren mttasten In ihren Würfen hinter Ferkel ein und desselben Geschlechts bringen (wobei ja auch beobachtet werden
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könnte, ob sicli diese etwa laquo;loch auf beide (lebärmuüerliörner ver-theilen können). Inteiessunt wäre dieser oder ein iilinlicher Vensuch iinmerliin.*)
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Tl. Theorie. Gleichheit aller Samenfäden bezw. Eier eines Individuums. Bestimmung des Geschlechts der neuen Keimanlage durch Eigenschaften der Geschlechtszellen, welche dieselben während ihrer Ausbildung und Existenz im elterlichen Organismus erlangt haben.
Die Anhänger dieser Theorie gehen von dem Grundsatz aus, dass alle Samenfäden eines männlieheii bezw. alle Bier eines weiblichen Indi-vidmuns aleicli sind. Von dem Körper, dessen Produote sie sind, empfangen sie während Ihrer Ausbildung zweifellos gewisse Eigenschaften. Da nun der gesammte Organismus von seinen Lebensbedingungen und damit von einer grossen Summe äusserer Einflüsse abhängig ist, so werden die Zustände des Lebens sowohl die Art der Ausbildung der Qesohleohtszelleu beeinflussen, als auch gegebenenfalls die Beschaffenheit der schon mis-gebildeten öesolileohtszellen verändern können. Die Beschaffenheit nun, welche die Gesohleohtszellen bei ihrer Loslösung vom Hoden bezw. Eierstock haben, macht sie besonders geeignet oder geneigt für die Bildung eines bestimmten Qeschleohts. Treffen ein Ki und ein Samenfaden, welche, beide für dasselbe Geschlecht geeignet sind, zusammen, so wird der Embryo dieses (Jesehlecht erhalten. Gehen aber die Neigungen beider Geschlechtszellen mich entgegengesetzten Richtungen, so wird es auf einen Wettkampf ankommen, in welchem diejenige Geschlechtszelle siegt, deren Veranlagung für die Bildung eines bestimmten Geschlechts stärker aus-geprägt ist, als die der anderen.
Es bleibt nun die Frage, wie die Eigenschaften, welche die (ieschlechts-zellen zu einer bestimmtenGesohlechtsbildung befähigen, zu erklären wären, resp. welche Einflüsse sich dabei geltend macheu könnten.
a) Homologe Geschlechtsiibertragung.
Am nächsten liegt auch hier der Gedanke an die Vererbungskraft des elterlichen Individuums bezw. an eine der Geschlechtszelle innewohnende erbliche Anlage. Nach der hier vorliegenden Theorie mttssten natürlich alle Samenfaden die Anlage für das männliche, alle Eier diejenige für das weibliche Gesohlecht haben. Bei der Befruchtung kommt es nunledig-
*) SeUgsoo hat seine Versuche an Kaninchen und Hunden gemacht; aber auch quantitativ nicht umfassend genug.
Schmaltz, (leschluchtslobon.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;10
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lieh darauf an, wessen Anlage die stärkere ist, d. h. welches elterliche Iiidividuuiu das andere in Vererhunsiskraft, gerade in Bezug auf das Geschlecht, übertrifft.
Das (leschlecht würde danach, wie jede andere körperliehe Eigen-schalt des Embryo, aus einem einfachen Vererhungswettstreit hervorgehen, in dem sowohl der Vater als die Mutter ihr eignes (leschlecht vererben wollenquot; und der Vererbungskräftigere siegt homologe Qe-schlechtsübertragung. Das Bedenkliche und Unerklärte bleibt nur, wie schon einleitend hervorgehoben wurde, dass im (legensatz zu der Vererbung anderer Kigenschaften beim Geschlecht immer die Vererlung des einen Theils durch den anderen vollständig aus dem Folde geschlagen werden muss, Das ist ja nicht unmöglich, aber in dieser Regelmässigkeit doch sehr schwer erklärlich; man sollte wenigstens meinen, dass der Vererbungswettstreitquot; häufiger unentschieden bliebe, d. h. öfters echte Zwitterbildungen (vgl. pag. 162) entstehen würden.
Um die entschiedene Ueberlegenheit des einen Theils besser zu niotiviren, werden daher allgemein gewisse Hülfskräfte herangezogen, welche je nachdem eine bestimmte Erbanlage entweder begünstigen oder schwächen sollen, um so ihr Obsiegen über die entgegengesetzte zu erleichtern oder ihr Unterliegen zu vervollständigen. Solche Hülfskräfte sucht man im Einfluss des Klimas, der Jahreszeit, sowie des Alters, des Nährzustandes, der geschlechtlichen Abnutzung oder Schonung der Kitern oder eines von beiden. Dass alle diese Umstände den Organismus und damit auch die Eigenschaften der Geschlechtszellen beeinflussen können, ist nicht zu bestreiten. Nur ist man sich keineswegs einig über die Richtung der Wirkung. Als nächstliegende Annahme würde die erscheinen, dass der physiologisch günstigere Zustand, also z. B. vollkräftiges Alter, reichliche Ernährung, geschlechtliche Sparsamkeit, die Geschlechtszellen vervollkommnen und damit besser befähigen würde, die ihnen innewohnende Veranlagung zur Bildung des homologen Geschlechts zur Geltung zu bringen. Diese Meinung wird aber durchaus nicht allgemein getheilt; vielmehr behaupten Viele, dass ein und derselbe Umstand, z. li. reicher Nilhrzustand, auf die Samenfäden beeinträchtigend, auf die Eier dagegen begünstigend wirke oder dass z. B. der physiologisch ungünstigere Zustand die geschlechtliche Erbanlage kräftige und umgekehrt. Die Deutung aller jener Bceinttussungen ist also eine sehr unsichere, obwohl meist jede entgegengesetzte Deutung auf Erfahrungenquot; sich stützt.
So kann man zwar behaupten, dass das Geschlecht auf dem Wege des einfachen Vererbungswettstreits unter dem danebenwirkenden Einfluss gewisser Lebensverhältnisse übertragen werde-, aber man ist sich
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weder über die Art jener NebeuwirkUQgen im Klaren, noch kann man damit das stetige ausscliliessliche Obsiegen einer Vererbungspartei befriedigend begründen.
b) Gekreuzte Geschtechtsübertragung.
Nun tritt aber noch eine andere Hypothese, die der gekreuzten (leschlechtsübertragung, auf den Plan. Danach soll der obsiegendequot; übermächtigequot; oder stärkere Tiieil nicht sein eigenes, sondern das entgegengesetzte Geschlecht erzeugen. Beispielsweise würde also ein starker Vater auf das entgegengesetzte, ein schwache Mutter auf ihr eigenes, beide also auf ein weibliches (Jeschlecht hinwirken. Ks muss bei dieser Auffassung zugleich hauptsächlich auf den Contrast des Zu-standes beider Eltern ankommen. Denn wären z. B, beide gleich stark, so müsste ja jedes für das andere Geschlecht wirken, beide sich also paralysiren. Wer jener Annahme huldigt, muss zunächst die Mitwirkung der Vererbung ganz leugnen wollen. Denn vererben kann man selbstverständlich nur, was man selbst besitzt. Eine Vererbung des dem Eignen Entgegengesetzten behaupten, hiesse alle Anschauungen über die Vererbung auf den Kopf stellen. Was die Anhänger der gekreuzten Geschlechtsühertragung als obsiegendes Momentquot; iinsehen, hat also mit dem Begriff der Vererbungskraft jedenfalls gar nichts zu thuu.
In jener Ausdrucksweise ist aber auch die Hypothese überhaupt absurd. Wenn z. B. Eltern eine Tochter erzeugen, wie wollte man denn dann plausibel machen, dass der Vater obgesiegtquot; habe und desshalb eben eine Tochter erzeugte? Wie wollte man die Gegenbehauptung widerlegen, dass vielmehr die Mutter gesiegtquot; hat und eben desshalb ihr eigenes Geschlecht hervorbrachte?
Die Hypothese ist vielmehr, wie folgt, zu definiren: Es wird angenommen, dass die Lebensverhältnisse der Eltern das allein Ausschlaggebende sind. Diese wirken nun aber in der Weise, dass der physiologisch dem Qesammtorganismus günstigere Znstand, der also Im allgemeinen das Individuum stärken müsste, speciell dessen Geschlechtsübertragung in Wirklichkeit behindert. Ob dies für beide Geschlechter oder nur für das männliche zutrifft, bleibt eine weitere Frage. Der scheinbar bzw. im Allgemeinzustand begünstigte Theil erzeugt also das entgegengesetzte Geschlecht, weil er in Wirklichkeit eben in diesem Punkte nicht begünstigt ist, weil der Zustand, der nach gewöhnlichen Begriffen dem Körper grössere Stärke verleiht, auf die Geschlechtszellen gerade
umgekehrt wirkt (vgl. auch pag. 153).
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Eine Erklärung dieser immer doch sehr eigenthümlidieii Annahme bleiben die Vertreter derselben, unter denen ans neuester Zeit besonders .1 anke*) zu nennen ist, schuldig. Sie berufen sieh vielmehr lediglich auf Krfnhrnngen und thatsiiehliche Beobachtungen, die nur in jener Weise zu deuten seien. Sie ziehen dabei ebenfalls m. o. \v. alle jene äusseren Umstände in Betracht, welche schon oben erwähnt wurden, namentlich Alter, Nährzustaud und geschlechtliche Ausnutzung. Sie legen auf diese sogar erklärlicherweise ein noch grösseres Gewicht, da für sie die Vererbung ganz in den Hintergrund tritt. Ks ist aber klar, dass sie vielfach einen entgegengesetzten Kintluss jener Umstände annehmen müssen, als die Anhänger homologer (ieschlechtsübertragung. Es lassen sich ferner die aufgestellten (irundsätze nicht wohl gleichmässig anwenden auf die beiden Möglichkeiten, dass beide Eltern sich entweder in gleichem oder im entgegengesetzten Zustand befinden.
So erklärt es sich, dass bezüglich der Einwirkung der Lebensverhältnisse auf die (Jeschlechtsbildung vielfach gerade entgegengesetzte Meinungen bestehen oder dass dieselbe Heobachtung eine sehr verschiedenartige Auslegung erfahren hat. Es mögen nunmehr die Wirkungen, welche man jenen Lebensverhältnissen bezüglich der (ieschlechtsbildung von verschiedenen Seiten zuschreibt, aufgezählt, werden.
Hülfskräfte bei der Geschiechtsübertragung nach II, a u. b.
Kult u r.
Die Kultur, bei Thieren die Vervollkommnung von Haltung und Zucht (also günstiger Zustand) bezw. Rassefeinheit, soll die Zahl der weiblichen Geburten steigern (vgl. auch pag. 170), lange fortgesetzte Verwamlt-schaftszucht (bekanntlich ein Nachtheil; vgl. pg. 188) die Zahl der männlichen. Beide Behauptungen sind nicht durch eine genügende Statistik unterstützt; irgendwie erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Thiei-rassen, namentlich auch im Vergleich zu wilden Rassen, sind nicht nachgewiesen.
Klima und Jahreszeit.
Klima und Jahreszeit haben ja auf die Geschlechtsthätigkeit und wohl auch auf die Fruchtbarkeit einen unverkennbaren Eünfluss. Das kältere k'lima, desgl. die Conception in der kälteren Jahreszeit (ungünstiger Zustand) sollen nun die männlichen Geburten begünstigen (was bei Hasen mul Kaninchen am besten zahlenmässig festzustellen wäre).
*) Dr. H. Janke. Die wlllkttWlohe Hervorbringung des Gesohleohta bei Mensch und Hausthloron, 111. Auflage. Stuttgart 1880.
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Andere Autoren beluiupteu jedoch das gerade Gocentlioil, weil die Kälte die Nahrungsaufnahme steigere,
Lebensalter. Entscheidender könnte schon das Lebensalter sein (Hofaoker-Sadler'sohe Theorie), wobei jedoch Oleichheit des Alters beider Kr-zeuger und Alters-QegensatZ verschieden beurthcilt werden iniisseii. Schlechter*) berechnet aus 09000 Pt'erdegeburten, dass bei gleichem mittlerem Alter der Kitern (gttnstig) die weiblichen Geburten, bei gleichem hohem (ungünstig) die männlichen überwiegen. Bei Verschiedenheit des Alters wird dagegen von anderer Seite behauptet, dass das im kräftigen Alter betindliche Individuum (ganz gleich ob Vater oder Mutter) das entgegengesetzte, das zu Jugendliche oder zu alte dagegen sein eigenes (ieschlecbt übertrage (also gekreuztequot; Uebertragung). Doch werden auch gerade entgegengesetzte Behauptungen aufgestellt, dass nämlicli bei gleichem günstigem Alter die männlichen (ieburten überwiegen, bezw. dass Mütter im besten Alter stets ihr eigenes (statt des entgegengesetzten) Oeschlecht erzeugten. Man sieht hier wieder, dass auch Statistiken, namentlich eng begrenzte, zu ganz verschiedenen Ergebnissen führen können. Mit Recht weist Hensen (auch für den Menschen) darauf hin, dass das Material unzulänglich sei und zu sehr von Widersprüchen strotze, als dass ihm ein Weitii beigelegt werden könne (Alter d. Männchens s. a. pag. 152).
Lebensweise und Nährzustand.
Lebensweise und Nährzustand, worunter sich die Eltern m.o.w. lange Zeit vor und bis zur Zeugung befunden haben, dürften unter allen diesen äusseren Einflüssen wohl die grösste Beachtung verdienen, üenn man wird ohne Weiteres zugegeben müssen, dass die Condition des ganzen Körpers auf die Beschaffenheit der sich eben ausbildenden riescblechts-zelle eine Wirkung hat.
Die allgemeine Anmilnne, zu der man empirisch gelaugt ist, geht nun dahin, dass Stofftibers chuss (das günstige) der weiblichen Ge-schlechtsbildung zu (lute komme, während eine verhältnissmässige Stöffarmuth (das ungünstigere) der geeignete Boden für die Erzeugung männlichen Geschlechts sei.
Das Verhältüiss des Nlhrzustandes beider Eltern zu einander er-giebt nun aber eine Anzahl verschiedener Combiuationen. Untersucht
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*) Sohleohter. Die Träehtigkeit und das (icschlechtsverhiiltniss beim Pferde. Rovuo für Thlerhellknnde nnd Viehzucht. 188:2, No. (i bis 9.
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man dieselben vom Standpunkt der homologen und der gekreuzten Ge-sclilechtsübertragunp; aus, iu beiden Fällen unter Zugrundelegung des obigen Lehrsatzes, so trifft man auf folgendes:
1.nbsp; nbsp;Beide Eltern sind in mittlerer Condition (um mit dieser Bezeichnung Alles zusamineimifassen, was mit Stoflwochsel, Nilhrzustand, Kraft und Ge-deihlk'hkeit des Körpers znsaminenhängt): Dann würde keine Gesclilechtsbildnng besonders begünstigt und dieselbe bliebe ungefähr dorn Zufall überlassen, wenn nicht ebon andere ontschoidonde Factoron vorbanden wären.
2.nbsp; Beide Eltern sind im gleichen a) kümmerlichen oder b) überschüssigen Zustand. Dann würde in orsterem Fall ein männliches, im letzteren weibliches Geschlecht erzeugt werden. Nimmt man homologe Geschlechtsübertragung an, so wäre durch a) die Vererbungskraft des Vaters, durch b) die der Mutter unterstätzt. Die gekreuzte Uebertragung' zwingt zu der Folgerung, dass bei magerem Zustand der Vater (scheinbar!) geschwächt, die Mutter entweder unbeoinflusst oder (scheinbar!) gestärkt sei; bei Körperfülle umgekehrt. Man miisste also eine verschiedene Wirkung desselben Zustandcs auf beide Geschlechter annehmen, denn wäre die Mutter durch Magerkeit auch (scheinbar!) geschwächt, so miisste sie ebenfalls ihr eignes Geschlecht zu erzeugen suchen; die Dispositionen beider Eltern würden sich also aufhoben.
3.nbsp; nbsp;a) Der Vater ist dürftig, die Mutter indifferent; giebt männliches Geschlecht. b) Der Vater ist wohlgenährt, die Mutter indifferent; giebt weibliches Geschlecht. c) Der Vater ist indifferent, dio Mutter ärmlich, würde ebenfalls männliches Geschlecht geben: Nach der Theorie der Homologie wäre die Vererbungskraft der Mutter für ihr Geschlecht geschwächt, die des Vaters unbe-einflusst und doshalb doch überlegen. Nach der Kreuzungstheorie miisste, wie bei 2), angenommen werden, dass der spärliche Zustand die Mutter (scheinbar) stärkt und so zur Erzeugung des entgegengesetzten Geschlechts befähigt. d) Der Vater ist indifferent, die Mutter behäbig; giebt weibliches Geschlecht (Erklärung nach demselben Princip umgekehrt wie bei c).
4.nbsp; Es bestehen die entgegengesetzten Extreme, a) Der Vater ist in geringem, die Mutter in blühendem Zustand. I)) Der Vater ist behäbig, die Mutter schwächlich: Nach der homologen öeschlochtsübertragung müsste man annehmen, dass bei beiden Eltern die Vererbungskraft bei a) gleich begünstigt, bei b) gleich beeinträchtigt wäre. Die quot;Wirkungen müssten sich aufheben. Bei gekreuzter Uebertragung wäre wenn man dieselbe (für beide Geschlechter verschiedene) Wirkung des Nährzustandes annimmt, wie oben bei 2) und 3c) -der magere Vater (scheinbar) geschwächt und die blühende Mutter ebenfalls (scheinbar) geschwächt. Die Wirkung müsste sich also ebenfalls aufheben.
Da nun aber dor Contrast des Nährzustandes gerade einen grossen Ein-tluss ausüben soll (was auch einleuchtet), so sähe man sich gezwungen, hier eine andere Erklärung anzuwenden, wie bei den vorigen Combinatlonon. Für die gekreuzte Uebertragung muss nämlich hier angenommen werden, dass zwar der dürftige Vater (scheinbar) geschwächt, die blühende Mutter dagegen (scheinbar) gestärkt, was ja auch am natürlichsten scheint; ersteror wirkt daher für sein eigenes, letztere für das entgegengesetzte, beide also für das männliche Geschlecht (bei dem Falle b) tritt das umgekehrte Verhältniss ein). Nach dem Princip der homologen
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OcschlochtsiibcrtraguriK liossc sich aber derselbe Effect iiberlmupt nur dann erklären, wenn man den Zustand des Vaters als den allein entschoidendon ansehen wollte.
Es ergeben sich also Widersprüche. Die entgegengesetzten Theorien von der homologen oder gekreuzten (leschleehtsübertragung sind eben nicht auf alle Combinatiouen gleichmässig anwendbar. Oder aber mau nüisste entweder von demselben Verhältniss verschiedene Wirkungen annehmen oder die gleiche Wirkung bald so, bald so begründen. Die Wirkung eines gleichmässigen Körperzustandes beider Eltern lässt sich besser mit dem Wesen der homologen (ieschleclitsübertrasung, die Wirkung eines Contrastes dagegen besser mit der gekreuzten'' Uebertragung in Einklang bringen.
Will man jene Grundaniiiihmen, dass Spärlichkeit das nüinnliche. Fülle das weibliche Geschlecht begünstigen, sei es im Sinne des homologen, sei es in dem der gekreuzten Gesclilechtsübertragung, für alle Fälle aufrecht erhalten, so ist dies nur dadurch angängig, dass man das entscheidende Gewicht auf den Zustand des Vaters legt. Dass der dürftige Vater Söhne, der wohlgenährte Vater Töchter erzeugt, lässt in allen Fällen von beiden Standpunkten aus in consequenter Weise sich erklären. (Ein Durchprüfen aller oben aufgezählten Möglichkeiten wird die Richtigkeit dieses Satzes ergeben: ebenso, dass es nicht in gleicher Weise angängig wäre, den Nährznstand der Mutter als den entscheidenden betrachten zu wollen.)
In der That findet man auch, dass diejenigen, welche den Eiüfluss des Nährzustandes geltend machen, zugleich den Zustand des Vaters immer besonders betonen. Es wäre damit auch in Einklang zu bringen, dass nach FeldzUgen, sowie auf dem Lande die Zahl der Geburten von Knaben etwas grosser ist als sonst. Dies wäre auf die Strapazen und die körperliche Arbeit und den dadurch bedingten grösseren Stoffverbrauch der Männer zurückzuführen. Denn man muss unter geringeremquot; Körperzustand sich natürlich nicht krankhafte, geschwächte oder schlecht con-stituirte Körper vorstellen, sondern (abgesehen von zarterer, wenn auch gesunder Constitution) einen Körper, der von entbehrlichem Stoft'vorrath frei ist, entweder in F'olge einer auf das Nothwendige beschränkten Fr-nährung oder In Folge starken Sfoffverbrauchs durch körperliche Anstrengung.
Man wird die körperlichen Umstände, welche die Aussichten des Vaters auf Vererbung seines Geschlechts erhöhen sollen, daher vielleicht am besten unter dem Begriffe eines trainirtenquot; Körpers zusammenfassen.
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Uebrigdus giebt der Satz, daaa ein gewisser UeberHuss die Hil-duug des weiblichen, ein strenges Oleicligewicht zwischen Stoff und Ausnutzung, d. li. das Fehlen alles Kntbehrlichen, dagegen die des männlichen (iesehleclits begünstigen soll, gewissennassen ein Spiegelbild der Stellung der menschlichen Geschlechter gegeniiber den Anforderungen des späteren Lebens. Denn während der Mann hei härteren Anforderungen und stärkerem Verbrauch nur an Lebenskraft und Energie gewinnt und beim Gegeutheil früh erschlafft, scheint der Natur der Frau eine pfleglichere und bequemere Lebensweise bekömmlicher zu sein und sie am längsten frisch zu erhalten.
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Qeschleohtllohe Potenz.
Die geschleehtliche Potenz soll ebenfalls einen Einfiuss auf die Uebertragung des Ueschlechts besitzen. Hier kann es sich von vornherein im Wesentlichen nur um die männliclien Individuen handeln. Bei weiblichen Individuen lösen sich die Eier in bestimmten Perioden, unbeeinflusst von den Begattungen, deren Häutigkeit übrigens beim Thier, weil an die Brunst gebunden, weder erheblich noch sehr verschieden ist. Beim männlichen Individuum dagegen ist die Zahl der Begattungen eine je nach Umständen sehr verschiedene und auch bei rationeller Thier-haltuug in gewissen Jahreszeiten stark gehäufte. Jede Begattung ist eine starke körperliche Leistung, weshalb das Mass derselben zugleich den Nährzustand wesentlich beeinflusst. Eine angestrengte geschlechtliche Thätig-kelt wird mit einem in. o. w. reducirten Körporzustand zusammenfallen und schon aus diesem Zusammenhang lässt sich ein Einfiuss geschlechtlicher Schwächling auch auf die Gesclilcchtsübertragung ebenso, wie ein Einfiuss des Nährzustandes, begründen. Allein der Einfiuss geschlechtlicher Ueberanstrengung kann ein noch unmittelbarerer sein. Denn jede Begattung bedingt eine Entleerung von Samen und dessen Ersatz, häufige Begattungen also eine event, übermässige Neubildung von Samenzellen (vgl. pag. 81). Hierdurch kann deren Ausbildung und Beschaffenheit sehr wohl beeinträchtigt werden; beobachtet mau doch bei Wüstlingen, ebenso übrigens auch bei Greisen abnorm kleine Samenfäden (vgl. pag. 77). Hier zeigt sich auch, wie das Alter des Mannes ebenfalls einen unmittelbaren Einfiuss erlangen kann, indem In höherem Alter ebenso wie bei exces-siver Oeschlechtsleistung die Bildung der Samenfäden eine uuvollkom-mcnere werden kann. So können AI ter, geschleehtliche Abnutzung und herabgedrückter Nährzustand beim Manne mit einander in Zusammenhang stehen und in gleichem Sinne wirken.
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Man niinint nun an, und namentlieli hat Diisina; (lielaquo; zu einer Theorie ausgebaut, daRS das geschlechtlich geschwächte Männclieii .iniiuuliche Nachkommen, das geschonte dagegen weibliche erzeugt. Ks stimmt dieser Satz vollkomiuen mit dem iiberein, was schon oben heim Nähmistand bezüglich des Mannes gesagt worden ist. Der geringe Nilhrzustand und die starke geschlechtliche Benutzimg werden beide die Samenfäden stofflich beeinträchtigen. Deshalb hat auch Koquet bei seinen Versuchen, ein hestimmtes (icschlecht zu erzeugen, beide Umstände zusammenwirken lassen, am männliche Xachkommenscbaft zu erzeugen.
Nur in diesem Sinne will auch Janke den Lehrsatz von der gekreuzten Gesclilechtsübertragung verstanden wissen. Er will damit nicht sagen, dass etwa jedes Individuum von Natur veranlagt sei, das entgegengesetzte Geschlecht zu vererben. Sondern er meint nur, dass die Lebensverhältnisse, namentlich aber Nährzustand und geschlechtliche Leistungen, nicht in der Richtung wirken, in der man es annehmen sollte, sondern entgegengesetzt; so nämlich, dass das körperlich geschwächte Individuum sein eigenes Geschlecht erzeuge, das stärkerequot; Geschlecht das entgegengesetzte (vgl. pag. 147, unten).
1) Using will für soino Theorie oino ganz besondere Bedeutung in Anspruch nehmen. Er verweist auf die Thatsaohe, dass sich das Zahlenverhiiltniss der beiden Qesohleohter zu einander hei jeder Thlerart annähernd constant erhält, und auf die Möglichkeit, dass sich dasselbe aus äusseron Gründen einmal erheblich verschieben könne. In diesem Falle müsse gerade durch den Eintluss der geschlechtlichen Potenz auf die Gescblecbtsbildung der Nachkommen ein Wioder-ausgloich erfolgen. Denn wenn z. B. die Zahl der männlichen Individuen stark verringert sei, so würden die vorhandenen geschlechtlich stärker in Anspruch genommen, d. h. geschwächt; es werde daher bei den Nachkommen das männ-liobo Geschlecht überwiegen. Wenn aber umgokebrt zu viel männliche Individuen vorhanden seien, so würden die einzelnen weniger geschlechtlicbo üelcgenhoit erhalten und dann mehr weibliche Nachkommen zeugen. Damit sei eine Regulation des Zahlenvcrhältnisses dor Geschlechter gesichert.
Eine erhebliche practischo Bedeutung hat die Erwägung einer solchen Möglichkeit nicht. Unter gewöhnlichen Verhältnissen hält sich die Zahl der Individuen beider Geschlechter constant innerhalb enger Schwankungen. Bin Ausgleich wird daher weder nothwondig, noch sind die hypothetischen Vorbedingungen dafür gegeben. Die Chancen für die Uebertragung dos einen oder anderen Geschlechts bleiben eben augenschoinlicb durchschnittlich in einem bestimmton Vor-hiiltniss sich gleich. Wenn mm aber durch äussero Oründo auch wirklich dio Individuen des einen Geschlechts stark verringert würden, so wird die von Düsing angenommene Art der Regulirung doch keine entscheidende Bedeutung erlangen. Beim Menschen kommt sie schon gar nicht in Betracht, denn wenn hier die Zahl der Männer vermindert ist, so bleibt oben eine cutsprechende Anzahl von Frauen ledig. Bei Thieren aber, wo ein Männchen für eine grosso Zahl von Weibchen normal genügt, aber annähernd ebensoviel Männchen wie Weibchen geboren
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wordon, werden stets zu viel Männchen vorhanden sein. Es müssten also z. B. bei den Wildthieren die Zahl der weiblichen Geburten eigentlich fortwährend zunehmen (Vielmänneroi), was doch nicht der P'all ist. Andererseits beobachtot nuin auch niclit, dass etwa nach einem zu starken Abschuss männlicher Jagdthiere unvorhältnissinässig mehr männliche Junge geboren würden. Da violmehr in der nächsten Generation die Geschlechter wieder im rogelmässigen Zahlenvorhältniss auftreten und da in kurzer Zeit neue Generationen folgen, so wird auch der augenblickliche Mangel eines Geschlechts auf diesem einfachen Wege dos zeitlichen Ausgloichs, der einer besonderen Krklärung nicht bedarf, sehr bald wieder verschwinden.
Jedenfalls aber kann ein Einfluss der gesohleoMliohen Potenz, auch wenn mau ihm nicht jene austileiehemle Wirkung zuschreiben will, nicht abgewiesen werden. Denn zweifellos ist von der vorhergegangenen geschlechtlichen Schonung oder Abnutzung im Verein mit Alter und Körper-zustand die substanziclle Beschaffenheit der im gegebenen Moment vor-räthigen Samenzellen mehr oder weniger abhängig und die Eigenschaften der letzteren können natürlich auch die Geschlechtsbildung bestimmen.
Insofern wäre es übrigens auch möglich, dass die Kürze oder Länge der Zwischenzeiten zwischen aufeinanderfolgenden Geburten ebenfalls einen gewissen Einfluss ausübte, da sehr wohl die Beschaffenheit des Eies davon berührt werden kann, ob sein Ausreifen zugleich durch eine Schwangerschaft beeinträchtigt worden ist (pag. 20). Doch wird die Be-hauptnng, dass bei rascher Folge der Geburten (ungünstigere Entwicklung der ausreifenden Eier) die männlichen Nachkommen, bei langen Zwischenräumen die weiblichen überwiegen sollen, ebenso bestritten wie vertheidigt.
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Andere Nebenlaquo; mstände.
Dagegen können andere Umstände, welche die Beschaffenheit der Geschlechtszellen nicht zu ändern vermögen, auch keinen Einfluss auf die Entstehung eines Geschlechts üben. So muss die Menge des ergossenen Samens schon deswegen bedeutungslos bleiben, weil jedes Ki überhaupt nur mit einem Samenfaden in Eerührung tritt. Nicht weniger irrthümlich ist die Annahme, dass das mehr oder weniger leidenschaftliche Verhalten beim Begattungsact (beim Menschen angeblich sogar die dabei vorwaltenden Empfindungen und Wünsche, z. B. der Wunsch, einen Knaben zu zeugen) irgendwie das Geschlecht des Erzeugten beeinflussen könnte. Der Verlauf der Begattung kann wohl das Zusammentreffen der Geschlechtszellen (die Befruchtung) erleichtern und erschweren, auf die Eigenschaften der in diesem Augenblick schon fertig gebildeten Geschlechtszellen aber unmöglich noch einwirken und daher auch deren Eignung für eine bestimmte Geschlechtsbildung nicht mehr umändern (vgl. auch pg. 89).
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Kritische Zusammenfassung der Theorien il, a u. b.
Werfen wir einen Rückblick auf alle diese Behauptungen, welche den Lebensverhältnissen der Eltern einen mehr oder weniger entscheidenden Kinfluss auf die Geschleelitsbiklunp; der Nachkommen einräumen wollen, so führen alle Autoren m. o. w. statistisches Material, meist allerdings nur einzelne besonders auffällige Beobachtungen, ins Feld; es herrscht aber nichts weniger als Einheitlichkeit und Klarheit. .Meist sind die verschiedenen Combinationen, welche das Verhältniss der Lebensumstände beider Eltern zu einander erglebt, gar nicht in Betracht gezogen und erweisen sich als nur theilweise mit einem aufgestellten Grundsatz vereinbar. Verschiedene Hypothesen muthen uns Annahmen zu, die mit den allgemeinen physiologischen Gesetzen keineswegs leicht in Einklang zu bringen sind und die unseren Vorstellungen zunächst mindestens ebenso widerstreben, als dies der Dualismus der Samenfäden bezw. Eier auf den ersten Blick zu thun scheint. Wie wenig will es sich mit unsern Begriffen reimen, dasa z. B. das geschwächte Männchen sein eigenes Geschlecht erzeugt, dass der für den Gesammtorganismus physiologisch günstige Zustand gerade auf die Geschlechtszellen so wirkt, dass sie ihre eigene Natur nicht übertragen (also doch sieh schwächer erweisen) oder aber dass dies sogar bei beiden Geschlechtern verschieden sein soll, indem derselbe Zustand die Samenfäden entgegengesetzt wie die Eier oder letztere überhaupt nicht beeinflusst etc.
Es wird der hervorragenden Stellung, die das Geschlecht unter den körperlichen Eigenschaften einnimmt, überhaupt wenig gerecht, wenn seine Entstehung Einflüssen unterworfen sein soll, die erfahrungsgemäss andere körperliche Eigenschaften nicht beeinflussen können. Ueberdiess zeigen die Lebensverhältnisse beider Eltern meist gar nichts Besonderes, gar keine so wesentlichen Abweichungen. Sie halten sich so sehr auf gleichem Mittelmaass, dass alle jene künstlich construirten extremen Zustände gar nicht einwirken können, dass die angeblich entscheidenden Einflüsse wegfallen oder sieh gegenseitig aufheben müssen. Wo ist denn dann der entscheidende Factor? Bleibt die Bestimmung des Oeschleehts dann vielleicht dem Zufall überlassen? Die Autoren, welche die aufgezählten Einwirkungen verfechten, sprechen auch meist nur von Begünstigungquot;, sie müssen dann doch selbst noch etwas Anderes als entscheidend annehmen. Die Beobachtungen, auf die sich jene Behauptungen stützen, ergeben auch meist nur ein Ueberwiegen der Geburten des einen oder des anderen Geschlechts um wenige Procent, woraus eigentlich schon hervorgeht, dass die angeblichen Veranlassungen dieser
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proceiitualeii Steigerung eben nur liiichstens einen Xebeneintluss ausüben, sndass wieder die Frage naeli dem eigentlich Kntscheideiiden often bleil)t.
Die hier besproebene Theorie, wonacb das Oescblecht des Kinbryo bestimmt werden soll durch den BluflUBS der Lebensverhältnisse der Eltern auf deren Geschlechtszellen, begegnet somit starken Schwierigkeiten. Man bleibt gezwungen, auch hierbei das entscheidende Prluolp in einem Wettkampf der Erbmassen zu suchen.
Pass in diesem Kampfe nun die Erbmasse jedes Individuums das Oescblecht des (regonparts zu erzeugen bestrebt sein sollte, ist nach den allgemein anerkannten Grundlagen der Vererbung ausgeschlossen. Eine gekreuzte Gesehloehtsübertragung im wahren Sinne des Wortes kann es also nicht geben. Die Erbmasse jedes Individuums wird vielmehr stets die Keimchen des eignen Geschlechts enthalten. Es handelt sich nur darum, was den Sieg der einen über die anderen herbeiführt bzw. unterstützt.
Die von der hier erörterten Theorie herangezogenen Eintiüsse können nun geholfen haben, die Geschleehtserbkeimchen der einen Geschlechtszelle denen der anderen überlegen zu machen, lieber die Richtung, in welcher diese Eintiüsse wirken, können aber die Meinungen auseinandergehen. Nach der einen Ansicht müsste der günstigere physiologische Zustand auch das Obsiegen in der Geschlechtsvererbung bedingen. Nach der anderen überträgt vielmehr das nach allgemeinen physiologischen Begriffen benaohtheiligte oder schwächerequot; Individuum sein Geschlecht*). Namentlich soll dies vom Vater gelten.
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*) Die Möglichkeit, dass ein Umstand, dor für den Allgemeinzustand des Körpers als günstig anzusehen ist, auf die Geschleehtserbkeimchen entgegengesetzt wirkt, ist ja nicht abzuweisen. Wenn das Geschlecht des schwächerenquot; Individuums entsteht, so liegt daher die Erklärung am nächsten, dass die Brbkoimchen dos stärkeren einfach unterlegen sind. Wenn man nun die Darstellung umdrehen und sagen will: Die Geschleehtserbkeimchen des Stärkeren haben gesiegt, aber durch ihren Sieg erzeugen sie oben das Goschlecht des Gogonparts gekreuzte Geschlochtsilbortragung so kommt dies ja sachlich auf dasselbe hinaus. Es ist dies aber ungefähr dasselbe, als ob man von einem geschlagenen Feldhorrn sagen wollte: Er ist nicht unterlegen; er half seinem Gegner siegen. Der Ausdruck gekreuzte Geschleehtsübertragungquot; führt deshalb nicht zu klaren Begriffen. Er ist, wörtlich gonoranion, nicht zu vereinen mit der Vererbung, deren entscheidende Mitwirkung jedenfalls unentbehrlich bleibt. Er kann eben nur in dem Sinne acoeptirt werden, dass er ein Ergebniss bezeichnet, welches das Gegenthoil von dem ist, was nach allgomoinen Vorstellungen zu erwarten wäre - indem das Geschlecht des schwächerenquot; Thoils aus dem Wettkampf hervorgeht (pag. 147, 153).
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Da alle die oben erörterten Kinflimse, mögen sie nun wirken, wie sie wollen, das (Jesehlecht, wie gesagt, nicht allein entscheiden können, es viel mehr der Mitwirkung der Vererbung bedarf, so führt auch die Theorie von der Kinwirkung der elterlichen Lebensverhältnisse auf das (Jesehlecht des Sprösslings nicht zu dem Ziel, des Letzteren Oeschlecht willkürlich vorauszubestimmen.
Man könnte nur durch Herbeiführung gewisser Lebensverhältnisse die Chancen der Uebertragung eines bestimmten (Jesehlechts steigern.
Will man dafür aus dem Material, welches die Vertreter der qu. Theorie beigebracht haben, eine mit allen Füllen vereinbare Kegel ableiten, so lässt sich aus der Summe von theilweise widersprechenden Beobachtungen nur der Satz herausschälen:
Der In magerem bezw. trainirtem Orperzustand befindliche bezw. geschlechtlich stark beanspruchte bezw. geschwächte Vater erzeugt mehr Nachkommen seines eigenen Oeschleohts.
Der physiologisch günstige! Zustund scheint im Allgemeinen mehr der geeignete Boden für das Zustandekommen weiblichen Geschlechts zu sein.
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III. Die Geschlechtszellen besitzen keine Erbanlage für Geschlechtsübertragnng. Entscheidend für die Geschlechtsbestimmung ist der allgemeine Zustand der Geschlechtszellen, in welchen dieselben in der Zwischenzeit von ihrer Loslösung aus der Geschlechtsdrüse bis zur Befruchtung
gerathen (Thury).
Diese Theorie ist einfach, ohne irgend welche dunklen Beziehungen in Anspruch zu nehmen, und wenigstens ihre nächsten Voraussetzungen sind unzweifelhaft zutreffend. Nach der Ovulation bezw. Ejaculation erhalten sich die Eier wie die Samenfäden bekanntlich eine Zeitlang lebendig und befruchtungsfähig (vgl. pag. 77). Schliesslich sterben sie ab und da das nicht plötzlich erfolgen wird, so ist anzunehmen, dass sie vom Augenblick Ihrer Los-lösung an eine allmähliche Veränderung ihres allgemeinen Zustandes im Sinne einer Verschlechterung (sei es Stoffabimhrne, sei es Verringerung der Lebenskraft) erfahren. Hierauf stützt Thury (Professor in Genf 1860) seine Ansicht, bei der er übrigens aus practischen Rücksichten in erster Linie das weibliche Ei ins Auge fasst. de früher nach seinem Austritt aus dem Kollikel, so meint er, dasselbe befruchtet wird, um so
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sicherer entsteht weibliches Geschlecht; vergeht jedoch bis zur Vereinigung mit dem Samenfaden eine längere Zeit, so entsteht ein männlicher Embryo. Also auch hier wieder die Annahme:, die grössere Frische des Eies, d. h. der günstigste Zustand, bedingt weibliche Geschlechtsbildung, eine Minderung dagegen das miinnliche*); mithin ganz derselbe Grundsatz, wie er auch bezüglich des Einflusses von Nährzustand und geschlechtlicher Ausnutzung bei der vorher erörterten Theorie aufgestellt wird.
Thury hat sich nun selbstverständlich ebenfalls bemüht, practischen Nutzen aus seiner Theorie zu ziehen und ist zu folgendem Grundsatz gelangt. Der männliche Samen ist zu jeder Zeit durch die Begattung frisch beizubringen. Die Ovulation ist aber bei Thieren verknüpft mit der Brunst. Eine Begattung, welche gleich bei Beginn der Brunst erfolgt, gewährt also jedenfalls dem sich alsbald ablösenden Ei Gelegenheit zu möglichst frühzeitiger Befruchtung, indem letzteres die Samenfäden entweder schon in den Eileitern vorfindet oder doch baldigst mit ihnen zu-sammenstösst. Erfolgt die Begattung aber erst gegen das Ende der Brunst, so ist das bei Beginn derselben abgelöste Ei schon älter geworden, bevor es mit den Samenfäden in Berührung kommt.
Um weibliche Früchte zu erzielen, muss danach die Begattung zu Beginn der Brunst erfolgen, während die Begattung gegen Ende der Brunst männliche Nachkommenschaft erzeugen wird, Dieser Grundsatz war zunächst bei Versuchen des Domainen-verwalters Coruaz zu Montet nach Thury's Anweisung bei Rindern 29 mal hintereinander ohne Fehlschlag zugetroffen und schien somit glänzend bestätigt. Spätere Proben an Pferden und Rindern (u. A. zu Neustadt a. D., Proskau und Eldena) ergaben jedoch ein ganz anderes Resultat; zugleich ein Beweis, wie vorsichtig man gegenüber noch so blendenden Einzel-beobaclituugen sein muss.
Der practische Misserfolg kann ebensowenig überraschen, als die Theorie Thury's an sich erschüttern. Es ist einfach der Zeitpunkt der Ovulation bezw. des Vorhandenseins eines frischen Eis nicht so genau zu bestimmen, wie Thury vermeinte. Denn wenn die Ovulation auch
') Andere fffbon freilich eine andere Erklärung. Das frisch aus dem Kollikcl gotroteno El soll noch weiter ausreifen und erst nach einiger Zelt den Höhepunkt seiner Keife erlangen. Danach soll das gowissermassen noch nicht ausgereifte Ei weibliches Geschlecht, das Vollreife männliches geben. Diese Auffassung ist einfach unmöglich. Die Ausreifimg der Eior vollzieht sich im Follikel und Ihr Höhepunkt bedingt oben die Ovulation. Das oben aus dem Follikel getretene Ei boflndet sich zweifellos im Optimum der Organisation und kann von da ab nur noch Veränderungen regressiver Art erfahren.
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mit der Hrunst verknüpft ist, ho muss sie doeii keineswegs stets bei Reginn derselben schon erfolgen; bei multiparen Thieren vertheilt sie sich vielleicht auf die ganze Brunstzeit (vgl. pag. 16 n. 97). Es kann daher sehr wohl, auch wenn die Begattung später erfolgt, der Samen auf eine ganz frische Eizelle treffen. Wenn andererseits die Begattung möglichst früh, die Ovulation aber erst später erfolgt, so haben inzwischen die Samenfäden schon an Frische eingehüsst; da aber auch ihr Zustand in Betracht kommen wird und da möglicherweise auch ihre Schwächung (durch Aelterwerden) dem männlichen Geschlecht günstig ist, so kann in solchen Füllen ein männlicher Embryo entstehen. So kann dennoch eine Begattung zu Beginn der Brunst männliche, und gegen Ende derselben weibliche Nachkommen erzeugen. Immerhin wird namentlich bei eingebäreuden Thieren die Ovulation in der Regel zu Beginn der Brunst erfolgen (vgl. pag. 11 u. 15).
Beim Menschen könnte man für die Wahl der Begattungszeit nur die Menstruation in Betracht ziehen. Da aber deren Zusammenhang mit der Ovulation um Vieles loser ist, so kann hier von einer Abpassung des Ovulationstermins noch viel weniger, als bei Thieren, die Rede sein.
Mithin zeigt auch die Thury'sche Theorie keinen sicheren Weg zum Ziel der Geschlechtsbestimmung. Doch ist ihre Grundidee an sich nicht abzuweisen und steht in ihrer Einfachheit auch nicht im Widerspruch mit irgend einer Seite unserer wissenschaftlichen Kenntnisse. Auch gegen sie spricht freilich die Unwahrscheinlichkeit, dass das Geschlecht, die einflussreichste körperliche Eigenschaft, bestimmt werde durch solche Umstände, welche durchaus nicht in der ursprünglichen Organisation der Geschlechtszellen begründet sind, sondern lediglich durch zufällige und äussere Einwirkungen bedingt würden.
Combination der Theorien II und III.
Die Thury'sche Theorie zwingt nicht dazu, die erbliche Anlage zur Uebertragung eines Geschlechts ganz auszuschliessen. Sie lässt vielmehr eine Vereinigung mit anderen Auffassungen (den unter II zusammengestellten) durchaus zu. Die Geschlechtszellen können die Träger einer erblichen Veranlagung der Geschlechtsorgane sein. Die Vererbungskraft braucht, wie unter 11 erörtert wurde, eine Unterstützung, um gänzlich über die Erbmasse des entgegengesetzten Geschlechts zu siegen. Diese Unterstützung kann gewährt werden durch Einflüsse, welche sich auf den elterlichen Organismus und damit auch auf die in seinen Geschlechtsdrüsen befindlichen bezw. sich bildenden Geschlechtszellen geltend machen, worauf die unter II besprochene Theorie das Gewicht
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legt. Und dazu können sich nun endlich diejenigen Veränderungen sehr wirksam hinziigeselleu, welche die Samenfäden noch erfahren bis zur Befruchtung, was Thury in den Vordergrund stellt. So kann man denn auch die Ergebnisse der Thury'schen Beobachtungen mit den vorher-besprochenen zu verschmelzen suchen. Man würde z. B. die grösst-mögliche Chance für ein männliches Fohlen oder Stierkalb sich dadurch schaffen können, dass man einen körperlich herabgekommenen und geschlechtlich stark benutzten Vater mit dem Mutterthier gegen Ende der Brunst begattet.
Als Helfer oder Schädiger einer geschlechtlichen Vererbungsanlage gedacht, sind alle diese Einflüsse annehmbar und unter ihnen wird dann der von Thury hervorgehobene Einftuss mit als der gewichtigste erscheinen, weil an der Thatsache, dass die Geschlechtszellen während ihres freien Verweilens im Genitalkanal intensive Veränderungen erfahren, gar nicht zu zweifeln ist. In ihrer Combination (deren Mannigfaltigkeit freilich um so mehr geeignet ist, jede Berechnung zu Schanden zu machen) gentigen jene Eintüisse auch, um auch ohne Heranziehung eines Dualismus der Samenfäden bezw. Eizellen (s. pag. 136) zu erklären, dass die von ihnen einhellig unterstützte geschlechtliche Erbanlage einer Geschlechtszelle vollständig die der anderen unterdrücken kann.
Alle die bisher besprochenen Theorien, welche sieh, wie gezeigt, unter drei verschiedene Gesichtspunkte zusammenfassen lassen, stimmen jedoch in einem gemeinsamen Grundsatz überein: das Geschlecht des Embryo wird erzeugt durch die Eigenschaften, welche die Geschlechtszellen im Moment der Befruchtung haben und die sich in diesem Moment gegenseitig auseinandersetzen müssen. Das Geschlecht ist virtuell mit der Befruchtung veranlagt (wie alle wesentlichen köri)erlielieu Eigenschaften). Beim Embryo besteht primordiale Eingeschlechtigkeit.
Dass jedoch auch noch ein anderer Standpunkt möglich ist oder wenigstens thatsächlich eingenommen wird, beweist:
IV. Die Theorie der hermaphroditischen Keimanlage und
nachträglichen Bestimmung des Geschlechts-Characters
während der intrauterinen Entwicklung.
Will mau die Vererbung des Geschlechts auf den Embryo bestreiten, so kann das nur heisseu: nicht eine bestimmte, sondern beide Geschlcclitsiinlagen sind auf den Keim Übertragen worden, denn wenn
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der Embryo überhaupt keine geBobleohtliohe Anlage empfangen hätte,
ho könnten sieh auch keine QesollleohtBOrgane irgend welcher Art entwickeln.
Der Embryo wäre also zunächst ein Zwitter. Die Heranbildung eines bestimmten (Jeschlechts müsste aber doch irgend einen Anlass haben. Derselbe könnte nur während des ersten Abschnitts der intrauterinen Entwicklung einwirken und könnte nur ausgehen von der Mutter. Namentlich wird die Ernährung der Mutter dafür in Anspruch genommen (Hloss, Wilkens).
So sehr man ja auf Oebieten, die dem exacten Beweis sich iiber-liaupt noch nicht erschlossen haben, vermeiden muss, einer Annahme die Berechtigung ganz abzusprechen, so ist man doch wohl berechtigt, diese Theorie als unhaltbar zu bezeichnen. Denn auf Schritt und Tritt wird sie von der Unwahrscheinliehkeit begleitet, ohne dass sie sieh auch nur auf eine einzige Thatsache oder einwandfreie Deutung einer solchen stützen könnte.
Unsere embryologischen Kenntnisse geben zunächst nicht den geringsten Anhalt dafür, dass der Embryo je ein Zwitter sei (s. folgende Seite). Daraus, dass man ihm nicht von vornherein sein Geschlecht ansieht, könnte nur ein Laie folgern, dass er keines oder beide besitzt. Denn Alles tritt beim Embryo erst nach und nach in Erscheinung, wenn auch der Typus im Einzelnen schon durch die Vererbung (virtuell) übertragen ist. Es ist fast widersinnig, anzunehmen, dass alle anderen körperlichen Eigenschaften bei tier Befruchtung schon sich entscheiden, das Geschlecht aber nicht. Es ist mit dem Vorgang der ganzen Vererbung unvereinbar, dass beide geschlechtlichen Anlagen sich übertragen und gewissermassen die Auseinandersetzung zwischen beiden hinausgeschoben werden sollte. Es ist auch ganz unwahrscheinlich, dass bei einem so wichtigen Punkte der embryonalen Entwicklung der Vater von jeder Mitwirkung ausgeschlossen sein sollte und dass lediglich der Einfluss der Mutter das Gtaschleoht bestimmen sollte. Es ist ebenso unwahrscheinlich, dass gerade eine der wichtigsten körperlichen Eigenschaften, das Geschlecht, von lediglieh äusseren Einflüssen abhängig sein sollte. Es ist endlich schwer verständlich, wie denn die Mutter, die doch nur durch die Circulation in Verbindung mit dem Foetus steht, eine so eigenthümliche Einwirkung gerade auf das Geschlecht des Foetus erlangen sollte.
Es ist schliesslich nicht einzusehen, warum die Einflüsse, die man zur Erklärung herbeizieht, gerade erst während der embryonalen Entwicklung einwirken sollen. Wenn wirklich der günstige Zustand die Entwicklung weibliehen Geschlechts begünstigte, so braucht doch nicht
Schmaltz, Goschlechtslcben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;11
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erst der Kinbryo durch mchliche Kriiiilmmg nuclitrüglicli woihlicli entwickelt zu werden. Mit gleichem Recht ktiun iimn vielmelir behaupten, dass schon das Ei vor der BefruobtlUlg durch den iniitterlicheii Organismus in einen solchen giinstigeu Zustand versetzt worden sei und dass deshalb die Matter bei der Vererbuna; des Geschlechts (vgl. Theorie II) obgesiegt habe. Wenn, wie hier, zwei l'lrklarungen möglich sind, von denen die eine an sich mit den grössten Umvahrscheiulichkeiten zu kämpfen hat, so wird man doch diese nur dann plausibel machen köimen, wenn andrerseits für sie besondere Gründe sprechen. Das 1st hier nicht der Fall, denn einmal können alle Einflüsse, welche etwa während der intraute.rinen Entwicklung wirksam werden könnten, ebenso wohl schon vor der Be-fruchtung auf das VA eingewirkt haben und andererseits berechtigt nichts zu dem Schluss auf einen anfiinglicheii Henimpliroditismus des Embryo, wenn auch die Art, wie sich die Entwicklung der (ieschlochtsorgane vollzieht, vielleicht irrige Amiahnien nahe legen könnte. Deshalb mögen hier noch einige Bemerkungen folgen über;
Zwitterbildungen (Hermaphroditismus).
In der Anlage des (ieschlechtsapparates sind gewissemmssen drei * Abschnitte zu unterscheiden: I. der essentielle Theil. die Iveimdriisen, zunächst ohne merklichen Typus eines (ieschlechts; 2. Müller'sche und Ur-nierengänge; erstere Anlage von Eileiter, Gebärmutter und Scheide, letztere Anlage vom Samenleiter mithin doppelte Anlage, d. h. gleichzeitig vorhandene Organe für männliches und weibliches (leschlecht is. a. pag. 179); ;:i. äussere öeschleohtsthelle und Kloake hezvv. (nach AbschnUrung des Afters): Sinus mogenitalis mit dem (ieschleehtshöcker im Sitzbeinwinkeli eine anfänglich gleichartige Anlage für beide (ieschlechtor.
Mit Rücksicht auf diesen Anfangsznstiiml des Oeschlechtsapparates von einem anfänglichen Zwitteithum des Embryo sprechen zu wollen, ist ganz unberechtigt. Seine wesentlichen Theile sind die Keimdrüsen ((ie-sohlechtsdrüsen.). Nichts spricht dafür, dass mit ihrer ersten Anlage nicht schon ihr männlicher oder weihlicher Character entschieden wäre. Dass man dies noch nicht wahrnehmen kann, will nichts bedeuten, denn sehr viele Organe würden wir aus ihrer ersten Anlage überhaupt nicht erkennen, wenn wir nicht aus dem ganzen Lauf der EntwioWuhg die Erfahrung gewönnen, was jene Anlage bedeutet. Wenn die Geschlechtsdrüsen aber von vornherein ihren Typus haben (oh erkennbar oder nicht), so berechtigt das gleichzeitige Vorhandensein der Aidage eines weiblichen und männlichen Genitalkanals (Mliller'sohei und Umlerengang) an sich schon nicht y.n der Bezeichnung Zwitterquot;. Dass trotz primordialer Eingeschlechtigkeit
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der Kelindrlisen diese Doppelanldge vorhiuiden ist, ist nichts lüigenthiltu-lielies (und koluOSWOgB ein Beweis gegOQ jene. EUngesolÜeobtlgkeit). Denn es ist ein vielfach in der einbryonalen Batwiokluug ZU beoi)iKditeiidei-
Vorgang, dass die von vornherein Im Entwicklungsgesetz festgelegten Entwiokluugszlele nur gewlssermasseu auf Umwegen erreicht worden. Unter Hludeutung auf frühere, Im Lauf der Stiinimeseiit\viekliiiii£ längst erloschene Verhältnisse bilden sich Anlagen, die wieder schwinden, anderen Platz machen müssen, gewissermassen überflüssig geworden sind. Wie sich hei den Säugern ein Kiemenapparat neben einem Lungenapparat bis zu einer gewissen Stufe aiiles2;t, so legen sich eben auch gewisse Theile des Qeschlechtsapparates doppelt an. Ebensowenig aber, wie es einen Augenblick sozusagen unentschieden ist, ob dort ein Kieinenathmer oder Lungenathtner entsteht, ist deshalb von unentschiedenem (ieschlecht zu sprechen. Das (ieschlecht liegt in der Keimdrüse. Sobald deren ererbter Typus sich bis zu einem gewissen Grade ausgebildet hat, tritt die eine oder die andere Anlage des UenitalJvanals mit ihr in Beziehung, womit die. Übriggebliebene zum Schwinden verurtheilf ist. Die Entscheidung der Entwicklung dieser letzteren Theile ist daher ein secundärer Vorgang, abhängig von dem primären Qeschleohtsoharaoter der KeimdrUsen. Die ursprüngliche Gleichartigkeit der äusseren öeschlechtsthelle hat erst recht nichts mit dem Wesen eines Zwitters (d. h. einer Doppelbildung) zu thun. Da der ganze Embryo aus einer Moruln hervorgeht, so muss sich Alles aus ursprünglich scheinbar Gleichartigem herausbilden. Die Entwicklung der äusseren (ieschlechtstheilc vollzieht sich bekanntlich so: Beim Weibchen bleibt der Sinus urogenitalis offen als Schamöffnung, die ihn umrandenden Hautwülste werden die grossen Schamlippen, der (ie-schlechtshöcker bleibt klein und wird Clitoris. Heim Männchen verlängert sich der (icschlechtshöcker zum Denis. Der Sinus urogenitalis sehliesst sich (bis auf den Theil, der, vom Denis nmfasst, zur Harnröhre wird) und die hinter ihm zusammenwachsenden Hautwülsle werden zum Hodensack, in den später die Hoden aus der Bauchhöhle herabsteigen. Beim Weibchen (wo der innere Genitalkanal sehr gross wird) behalten somit die äusseren Gesclllechtstheüe mehr den Character der ursprünglichen Anlage; beim Männchen (wo der innere (ienitalkanal ein einfaches enges Rohr bleibt) müssen alle äusseren Theile weitgehende Wachsthumsvorgäniie durchmachen (daher sind hier Verkümmerungen häutiger).
Die etwa als .Missbildungen vorkommenden Zwitter sind nun von vornherein in drei Klassen zu trennen, danach, welcher der oben unterschiedenen drei Abschnitte des (ieschlechlsapparatesSitz der Missbildung ist. M a n n nt er SO h e i d e e O h t e Zwitter, H a I b z w i 11 e r und S c h e i n z w i 11 e r.
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1. Kehte Zwitter würden solche sein, welche männliche und weihliche Kifseuschaften der Geschlechtsdrüsen zeigten, also entweder einen Hoden und einen Kierstock, oder Samenfmlen und Bier in einer (ie-sehlechtsdrüse hätten.
üeber das Vorkommen solcher Fälle*) sind aber bei Säugethierea nur aueserordentUoh wenig Beobaobtangen laut geworden und die meisten derselben halten noch dazu den kritischen Anforderungen nicht Stand. Zunächst sind alle Fälle abzuweisen, wo hloss nach dem äusseren bezw. maorosoopisoben Aussehen auf Hoden und Eierstock geschlossen worden ist. Eine nucroscopische Untersuchung der Geschlechtsdrüsen ist zum exaoten Nachweis unbedingt erforderlich. Dieselbe niüsste das Vorhandensein von Spermatozoon und Eiern oder mindestens die unzweideutige Structur von Hoden und Eierstock erkennen lassen. Fälle, bei welchen diese Anforderungen erfüllt sind, sind allergrösste Seltenheiten, und überhaupt erst in neuster Zeit einwandsfrei beobachtet worden.
Die erste Mittheilung stammt von Reuter**): er fand bei einen Söhsvein rechts einen Hoden mit Sainenkanälchen und kugligen kernlosen Gebilden, aber ohne Samenfaden; links einen Eierstock mit vielen Follikeln und Primordialeieru.
Den zweiten vollkommensten Kali hat Pütz besehrieben***). Erfand bei einem achtmonatlichen Schwein tlberbaupt nur eine Geschlechtsdrüse, die aber zwei Abtheilungen zeigte. Die eine Abtheilung enthielt Graafsche Eollikel und selbst gelbe Körper. Die andere zeigte Sainenkanälchen mit degcnerirteni (Vacuolen haltigem) Epithel; Vermehrung der inter-stitiellen Plasmazellen; im Drüsensaft, aber nicht in den Drüsenschläuchen, auch einige Spermatozoon.
Garthf) hat 18Ö4 zwei Fälle publicirt, die er ebenfalls an zwei neun bezw. zwölf Monate alten Schweinen 1800 bezw. 1891 beobachtet hat. Die vorhandenen Geschlechtsdrüsen zeigten Jede einen älmlichen Bau, wie ihn auch Pütz gefunden hatte, d. h. einen Kiorstoekstheil mit
') Klobs tilflt für die theoretisch möglichen Fälle folgende Kinthcllung: 1. .lode Körpersoitc weist Hoden und Kierstock (räumlich getrennt oder zu einem Gtabllde vereint) auf Hermaphroditismus verus bilateralis. 2. Nur auf einer Seite tliuiet sieh die Doppolform, auf der anderen eine eingeschlechtige Drüse H. v. millatoralis. 8, Die Geschlechter sind auf beide Körperselten verthoilt; auf der einen liegt ein Hodc, auf der anderen ein Eierstock H. v. lateialis.
**) Beitrag zur Lehre vom Hermaphroditismus 1885.
*'*) Deutsche Zeitschrift für Thiermedizin 188!).
f) Zwei Fälle von Hermaphroditismus vorus, Giessen 1804. Die Arbeit, enthält zugleich die beste kritische Zusammenstellung der beobachteten Fälle.
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entwickelten Eiern und Follikeln, dnneben einen Hodentheil mit (ion oben besohriebeuen Degenerationen olme Sainenfiiden.
Neuerdings imt noeli K. Schmidt*) einen Fall, ebenfalls vom Subwein, beselirieben, bei dem die (Jesebleehtsdnisen (je ein Hoden bezw. Bier-stock) noeli weniger entwickelt, jedoeb unzweifelbaft cliarncterisirt waren.
Auaser diesen durchweg bei Sohwelnen gemaebten Heobaeiitnngen liegen nur noch zwei Fälle vom Reh vor, welche Boas**) sicher nachgewiesen hat. Er fand bei einem Reh, welches Milch im (lesäuge und auch ein Kitz bei sich hatte, einen normalen Eierstock und andererseits einen atrophischen Hoden. Bei einem anderen Reh fand er einen kleinen, aber Follikel und Eier enthaltenden Eierstock und einen grossen normal-gebauten Hoden.
Deiimach kommen echte Zwitter vor, aber als grösste Seltenheiten. Ausgebildet war in allen beobachteten Fällen der weibliche Hestand-theil der (leschleehtsdrüsen, der miiiinlicbe dagegen meist funetionsun-fiihig: doch ist auch dessen Ausbildung (Pütz, Boas) möglich.
2. Wenn an dem gt;. Abschnitt des Gtasohleohtsapparates, dem (lo|ipelgeschlechtig veranlagten (ienitalkanal, diejenige Anlage, welche schwinden nuiss, sich dennoch nicht bezw. nicht in normalem Grade zuriickbildet, so ist das weiter nichts als die Hemmung eines redneirenden Kntwicklangsvorganges. Da aber in Folge dieser Hemmung immerhin eine thatsäehlich doppelte Anlage gewisser Tbeile des (ieschlechtsapparates verbleibt, so kann man hier von Zwitterthum sprechen. Weil jedoch die wesentlichen Theile des Geschlechtsupparates, nämlich die Geschlechts-driisen, daran anbetheiligt bleiben, so ist die Bezeichnung Halbzwitter am Platze.
.'i. Abnormitäten au den äusseren (ieschleehtstheilen geben um häufigsten Anlass, von Zwittern zu sprechen. Die Clitoris kann abnorm gross werden (selbst eine Durchbohrung zeigen) und so einen Penis vortäuschen, ohne ein solcher zu sein. Andrerseits kann beim Manne das Zusammenwachsen der Hodensackhälf'ten in der Raphe unterbleiben; der Sinus urogenitalis bleibt offen: die Hoden bleiben in der Bauchhöhle. Dann täuscht der leere, gespaltene Hodensack eine Schamöft'nung bezw. einen Seheidenvorhof oberhalb des allerdings in der Regel verküminerten Penis vor. In beiden Fällen entsteht also der Anschein, als ob neben dem
männlichen Begattungsorgan (Penis) auch das weibliche (Scham) vorhanden wäre.
*) B. T. W. 1897, No. igt;.
**) Bldrsg til Kundskaben om Hertnaplirodltlsme hos Raavildtot. KJoben-havn isiio.
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In Wirklichkeit Immlelt os sicli aber um lodiglicli weibliche Be-gattungsorgaile mit exoesslver Ausbildung des einen; odor um lediglich inännliehe Organe, welche uuaUBgehildet geblieben sind*). {Das letztere wird liäutiger sein, als dns ersteie, denn Waclistliumstillstaud entsteht leichter als Waohäthumsübermaas.) Von einer wirklichen doppelgeschlechtigen Anlage ist nicht die Rede; denn sonst müssten Penis und Clitoris, Schani und llodensack nebeneinander angedeutet sein. Diese Missbildungen täuschen also lediglich Zwitterbildungen vor, weshalb der Name Seh ei nzw'i tier quot; angebracht erscheint.
Schein- und Haibzwitterthum kann natürlich zusammen bestehen.
Beides macht aber keinen Zwitter, so lange das echte, d. h. das Ge-schlechtsdrüsen-Zwitterthum, fehlt.
Mithin kann man sagen: Bei Säugethieren giebt es nur ausserordentlioli selten wirkliche Zwitter.
Schlussbetrachtung über alle Theorien.
Die Entstehung des Geschlechts unterscheidet sich von derjenigen anderer Eigenschaften dadurch, dass es niemals eine Mischung elterlicher Eigenschaften sein kann, sondern immer ausschliesslich die Eigenschaft eines von Beiden wiedergiebt. Die besonderen Erklärungen für die Geschlechtsentstellung lassen sich folgenderniassen disponirem
A. Die Meinung, dass der Embryo zunächst Hermaphrodit sei und dass sein Geschlecht sich erst während der iutrauterineu Entwicklung entscheide lediglich durch die von der Mutter, namentlich mit der Ernährung, geübten Einflüsse, hat alle Wahrscheinlichkeit gegen sich und keine That-saclie für sich. Denn das Geschlecht ist eine, der wichtigsten körperlichen Eigenschaften und wird sich nicht später, als diese alle, entscheiden; die Embryologie giebt keinen Anhaltspunkt, dass der Embryo je ein Zwitter sei; echte Zwitter kommen höchst selten als Missbilduug vor. Alle Einflüsse, die angeblich während der Schwangerschaft wirken, können ebenso gut, schon vor der Befruchtung das Ei betroffen haben. Demnach darf unter Zurückweisung jener Meinung der folgende Grundsatz als unanfechtbar gelten:
H. Das Gesohlechf wird, wie alle körperlichen Eigenschaften, bei der Befruchtung virtuell veranlagt und diese Veranlagung ist jeder späteren Beeinflussung entzogen. Der Embryo hat von vornherein ein bestinnntes Geschlecht, welches allerdings erst später reell in Erscheinung treten kann.
*) Von andoron Formen, welche sich einfach als Missbildungen darstollon, ohne den Anschein des Zwitterthums orrogen zu können, ist hier abzusehen.
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167 Für das Zustandekommen (lieser Veranlagung können aber ver-
Bohiedene Wege angenommen werden.
I. Dualismus der öesohleohtszellen! Die Samenfäden sind verschieden organisirt, derart, dass die einen zur Bildung inännlichen, die lindern zur Bildung weiblichen Geschlechts geeignet sind: die Eier zeigen dieselbe. Verschiedenheit. Diese Verschiedenheit beruht in der Erbmasse der Kerne. Dieselbe enthält neben Erbträgern des elterlichen Geschlechts theils solche des Grossvaters (männliche Veranlagung), tlieils solche der Grossmutter (weibliche Veranlagung). Eine Befruchtung erfolgt nur zwischen solchen Eiern und Samenfäden, welche die. gleiche Veranlagung haben. Das Geschlecht entsteht also auf dem Wege der Vererbung, jedoch unter Bedingungen, welche der einen Seite eine dreifache Ueberlegenhelt sichern, indem in der Keimanlage mit der väterlichen doppelte grossväterllohe oder mit der mütterlichen doppelte grossmütter-liche Geschlechtserbträger sich vereinigen. Diese Theorie ist wissenschaftlich wohl zu begründen (pg, IIW).*)
Eine Nebenfrage ist es, ob jeder Hode bezw. Eierstock nur Zellen gleicher Veranlagung enthält oder letztere gemischt vorkommen. Es wird behauptet, dass die rechte Seite die männlich veranlagten, die linke die weiblich veranlagten beherberge. Damit würde durch (vorübergehende bezw. wechselnde) Ausschaltung auch nur eines Hodens die Möglichkeit gegeben sein, die Zeugung auf ein bestimmtes Geschlecht zu beschränken. Henke-Seligson glauben durch Thierversuche dies erwiesen zu haben. Das wesentlichste Bedenken ist, dass die in einem Uterushorn liegenden Früchte der Multiparen, die Eiern desselben Eierstockes entstammen müssen, dennoch verschiedenen Geschlechts sind. Die practische Ausnutzung der Theorie bleibt mithin zweifelhaft.
*) Auf Seite 94 und 95 ist besprochen worden, dass Zwillinge, welche aus eine in doppelkelnügen El sich entwickeln, stets gleichen Geschlechts seien. Diese Thatsache würde mit dem Dualismus der Gcsehlechtszellon im Einklang stehen, natürlich ohne ihn zu beweisen. Neuerdings ist übrigens in der Wochenschrift für Tliierhcilkundc 1897, No. 48 von Voltz eine Beobachtung mitgethcilt, welche der allgemein verbreiteten Ansicht, dass aus einem Ki nur gloich-gesehlechtige Zwillinge entstehen könnton, widerspricht oder wenigstens jener Regel eine Ausnahme gogeniiherstellt; dieselbe soll daher hier nachgetragen werden. Voltz fand bei einer Kuh eine Doppelmissbildnng, welche einen Kopf und zwei Rümpfe, mit völlig entwickelten diflferenten Geschlechtsorganen aufwies. Da solche Missbildungen nie durch Verschmelzung zweier Eier, vielmehr immer aus einem doppelkeimigen El entstehen sollen, so würde, dieser Fall die Möglichkeit beweisen, dass auch aus einem El Zwillinge verschiedenen Geschlechts hervorgehen können.
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II. Alle Samenfiüieu hezvv. Kier eines liulividuuins niiul gleich veranlagt. Maasgebend für die (Hsobleohtabildung ist der Zustand, welchen sie während ihrer Ausbildung l)ezw. ihres Aufenthaltes in dem sie erzeugenden Organismus er-]fingen. Durch denselben werden sie für die UebertragtUlg des ihnen
entspreohenden öesohleohts geeignet (homologe QesohleohtsUbertraguag)
oder ungeeignet und in diesem Fülle, wie man auch sagen kann, indirect für das entgegengesetzte (tesehleeht geeignet (gekreuzte
Qesohlechtaübei'tragung vgl. pg, 147 u. 153).
Der entscheidende Zustund kann in erster Linie beruhen auf einer erblichen Anlage (wie solche auch für die anderen Körpereigenschafton in der Krbmasse der Geschlechtszellen enthalten sind). Diese kann natür-lieh nur darauf gerichtet sein, das eigene (iesehlecht zu übertragen. Jener Zustand kann ferner verändert werden durch die Lebensverhältnisse der Eltern, Insbesondere durch Alter, N'ährzustaud und geschlechtliche Ausnutzung. Die Veränderung kann noch geeigneter machen zur Uebertragung des eignen Geschlechts oder aber sie kann die Geschlechtszellen im entgegengesetzten Sinne beeinflussen und damit ihre geschlechtliche Erbanlage schwächen oder aufheben. Manche sehen über die Erbanlage überhaupt hinweg und räumen dem Eintiuas der elterlichen Lebensverhältnisse allein die Entscheidung ein. Jedenfalls treten Ei und Samenfaden in einen Kampf, aus dem das Geschlecht hervorgeht, welches durch den Zustand beider Zellen am meisten begünstigt war. Welcher Art die Wirkung jener elterlichen Lebensverhältnisse auf die Geschlechtszellen ist, bleibt unklar: es bestehen darüber viele Widersprüche. Im Allgemeinen findet der Satz Anerkennung, daas der physiologisch günstigere Zustand die weibliche (ieschlechtsbildung unterstützt, der physiologisch weniger günstige die männliche. Ob dies aber bloss für die Väter oder durchweg auch für die Mütter anzuwenden ist, bleibt zweifelhaft. Jedenfalls handelt es sich um das Zusammenwirken vieler Factoren, dessen Brgebnlss sich der Berechnung entzieht. Die Aussicht, durch Gestaltung der Lebensverhältnisse das Geschlecht der Nachkommen zu bestimmen, ist deshalb ebenfalls durchaus unsicher. Man würde nach dem (iesammtorgehniss der Theorie aber immerhin die Chancen z. B. für die männliche Gebart steigern, wenn der Vater angestrengt, körperlich massig genährt und durch ausgiebige (icschlechts-leistung geschwächt ist (für weihliche Geburten das Umgekehrte).
111. Die Entstehung des Geschlechts soll bestimmt werden durch den Grad von Veränderung, welchen die Geschlechtszellen erfahren In der Zwischenzeit zwischen Ovulation bazw.
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Kjuculation und BofruohtUttg (Thury) la der Weise, duss gleich nach der Ovulation dus Ei für weibliche Qeaohleohtsbildllllg sieeigneter ist, si)äter für inünnliehe. Ob die Siimeiifäden iihnlicli lieeintliiKst werden, ist im Zweifel siolasson. Die practische Nutzunwendunt!; iiucii dieses Grundsatzes bleibt unsicher, weil sich der Zeitpunkt der Ovulatiou nicht genau bestimmen liisst. Immerhin mag, namentlich bei eingebärenden Thleren, die Chance grosser sein, dass gleich im Beginn der Brunst ein frisch abgelöstes Ei Im (ienitalkanal betroffen wird.
Die. Thury'sehe Hypothese bildet Jedoch keine abgesohlossene Theorie für sich, sondern nur eine besondere Richtung der unter II skizzirten Anschauung, dass für die Ueschlechtsentstehung, entweder neben einer Erbanlage oder auch ohne dieselbe, massgebend ist der Zustand, in welchen die Oeschlechtszellen durch ihre Lebensbedingungen versetzt werden, sei es nun in dem sie erzeugenden Organismus, wo sie von dessen Verhältnissen abhängig sind, oder nach ihrer Loslösnng, wie Thurv will, oder indem beides zusammenkommt.
Demnach stehen sich eigentlich nur zwei Grundideen gegenüber: 1. Das (ieschlecht wird ausseid iesslich durch Erbanlage der Geschlechtszellen bestimmt, wobei derjenigen des einen elterlichen Individuums durch besondere Umstünde (Dualismus der Geschlechtszellen) eine überwältigende Ueberlegenhelt gesichert ist. Oder:
2. Auf die Entstehung des Geschlechts der Nachkommen wirken die Lebensverhältnisse der Kitern oder bezw. und die Schicksale der Geschlechtszellen bis zur Befruchtung, indem ihre Wirkung sich mit einer erbliehen Veranlagung der Zellen zur Uebertrogtmg des betreffenden Geschlechts unterstützend oder gegenwirkend combinirt.
Hiernach kann man über die Entstehung des Geschlechts folgendes sagen: Auch das Geschlecht, als eine wichtige körperliche Eigenschaft, wird durch Vererbung übertragen. Doch bedarf es dabei besonderer Umstände. Diese Umstände können einmal gefunden werden In einer ganz besonderen Veranlagung der (ieschleclitszclleu, welche es zugleich mit sich bringt, dass die Geschlechtszellen eines Individuums dualistisch veranlagt sind. Jene Umstände können aber auch liegen in dem Kintluss von Lebensverhältnissen des Individuums auf die übrigens ebenfalls erblich, jedoch gleichartig, zur (ieschlechtsiibertragung veranlagten (ie-schlechtszellen: oder in Einwirkungen auf die (leschlechtszellen in der
Zeit von der Loslösung aus der Geschlechtsdrüse bis zur Befruchtung.
Keine der Theorien über die (ieschlechtszellen jedoch bietet zur Zeit nachweislich die Möglichkeit, das (ieschlecht willkürlich vorauszubestimmen. Die zahlreichen zum Thell über-
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rasohenden Vetsuohe aller Kichtungen gestatten nocli keine allgemeinen Schlüsse und haben die jedem von ihnen entgegenzuhaltenden Einwände noeli nicht nherwuiulen. Als unerreichbar kann man jedoch dieses Ziel kaum betrachten.
Anhang.
Die Theorie Schenk.
Die vorstehende Betrachtung über die Theorien der Geschlechts-entstehung waren bereits gedruckt, als die Verkündung der Theorie Schenkquot; allgemeines, wenn auch kurz dauerndes Aufsehen erregte. Dieselbe soll hier anhangsweise erwähnt werden. Man darf sagen, dass diese Theorie sich vor den vorhandenen Theorien keineswegs durch eine besonders bestechende Begründung auszeichnet und dass sie denn auch nur wenig Anklang gefunden hat.
Sie gründet sich ebenfalls auf die Annahme, dass die Geschlechtsentstehung von dem Grade der Ausbildung des Kies und damit von der Ernährung der Mutter abhängig sei. Schenk lässt aber die Frage offen, ob diese Beeinflussung des Eies noch vor der Ovulation oder zwischen 0vitiation und Befruchtung oder erst während der ersten 3 Monate der Schwangerschaft (in denen beim menschlichen Foetus ein ditt'erenzirtes (ieschlecht noch nicht erkennbar ist) stattfinde. Er hält jedes für möglich und emptielilt daher, die Diät der Mutter sowohl vor der Menstruation bezw. Befruchtung als in den ersten Monaten nachher entsprechend zu regeln. In dieser Beziehung liisst die Theorie Schenk also eine Combination der oben erörterten Theorien II, III und IV zu. Sie berücksichtigt nicht den Zeitpunkt der Einwirkung, sondern nur die Art der Einwirkung, die sie in der Ernährung sucht. Und zwar lehnt sie sieh dabei an die Lehre von der gekreuzten Gcschlechtsübertragung insofern an, als behauptet wird, dass die vortheilhaft ernährte, ,.gestärktequot; Mutter das männliche (ieschlecht hervorbringe.
Das einzig Originelle an der Theorie Schenk ist nur die Art, wie die angeblich unvollkommene, also zu weiblichen Nachkommen disponi-rendc Ernährung des Eies diagnosticirt werden soll. Schenk legt dem Vorkommen von Zucker im Harn entscheidende Bedeutung bei. Dieses ist ihm ein Zeichen, dass die Stoffwcehselvorgänge bei der Mutter solche sind, welche die Bildung männlicher Foeten behindern. Die Diät soll so geregelt werden, dass auch die geringsten Zuckerspuren verschwinden. Eine allgemeine l'hnährungsvorschrift lasse sich aber, sagt Schenk, nicht geben, vielmehr verhalten sieh die Individuen ganz ver-
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Bohieden und ps soi In Jedem Einzelfall so lange mit Nabrungsweobsel ^Fleischkost oder Pflanzenkost u. s. w.) zu cxperiinentiren, bis der Zucker verschwinde.
Uebrigens geht Sclionk selbst nicht soweit, dass er seine Theorie in allen Fällen von vom herein angewendet wissen will. Kr sagt vielmehr (pg. 92 seiner Schrift): Das menschliche Weib ist, wie die Statistik ergiebt, veranlagt, sowohl Knaben als Mädchen zu gebären (dieses Gesetzquot; zu beeinflussen, unternimmt er nicht). Wenn nun hintereinander eine grössere Anzahl Mädchen geboren werden, so ist das ein von der Norm abweichender Zustand. In solchen Fällen erwartet Schenk das Vorhandensein von Zucker im Harn und will durch das Verdriingen desselben nunmehr auf die Geburt auch männlicher Kinder hinwirken.
Xach den Ausführungen in den vorhergehenden Capitolu erübrigt sich eine besondere Kritik dieser Theorie, die in der weseiitlichen Frage, welche Minflüsse das Oeschlecbt erzeugen sollen, keinen neuen Gedanken bringt und sich auch in Bezug auf die in den Vordergrund gerückte Nebenfrage, die, Bedeutung des Zuckers im Harn, auf ein recht geringfügiges Material stütüt.
Durchschnittsverhältniss der männlichen und weiblichen Geburten.
Beim Menschen ist aus 59 Millionen Geburten ein Verhältniss von Knaben zu Mädchen wie 106,8:100 berechnet worden. Bei Rindern, Schweinen und Hunden stellt sich nach Wilkens dasselbe Verbiiltniss auf 110: 100. Beim Schaf dürfte das A^erhältniss 100: 10O stehen, denn die einen Autoren geben es auf 09 Männchen zu 100 Weibchen, die anderen auf 102,5 zu 100 an. Beim Pferd hat schon Darwin aus 25000 Geburten ein Verhältniss von nur !raquo;!raquo; männlichen auf 100 weibliche Fohlen herausgefunden, während Schlechter (vgl. Anm. pag. 149) sogar nur 100 auf 109,5 im Durchschnitt berechnet hat.
Aus allen diesen Zahlen ergiebt sich jedenfalls, dass die Geburten sich annähernd gleich auf die Geschlechter v er th eilen; gross sind die Unterschiede jedenfalls nicht. Bei Thiereu werden also stets Männchen weit über den Zucht-Bedarf vorhanden sein. Heim Menschen überwiegen, wie man sieht, bei der Geburt die Knaben. Dies verschiebt sich jedoch schon dadurch, dass unter den Todtgeborenen erheblich mehr Knaben als Mädchen sind (180140 auf 100) und dass ferner auch unverhältniss-mässig mehr Knaben, als Mädchen, schon im ersten Lebensjahr sterben (124 : K)0). Der anfängliche reberschuss wird also schon im ersten Kindes-alter aufgebraucht, sodass im späteren Beben, je nach der Einwirkung
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allgemeiner Verhältnisae (Krieg etc.) die weiblichen [adividuen etwas, aber nicht erheblich, in die Mehrzahl kommen.
Man kann die Höhe jener ersten Verluste bei Knaben nur mit einer geringeren Lebenaztlbigkeit erklären, ein Beweis, dass die Widerstandsfähigkeit nicht parallel ist der Quantität der körperlichen l'hitwiek-luufi-, worin die Knaben doch meist die Mädchen übertreffen.
Aus den häutigeren Todesfällen hei Knaben erklärt es sich, dass ähnliehe erwachsene Zwillinge (vgl. pag, 94) seltener unter den Männern als unter den Frauen gefunden werden.
Endlich ist festgestellt, dass mit der Steigerung der Cultur die Zahl der Todtgeburten zunimmt; bei Thieren also mit der verfeinerten Zucht (vgl. pag. 108 und 133), was ganz besonders auch bei der Pferdezucht zu constatiien ist. Da auf 3 weibliche ungefähr-1 männliche Todtgeburten kommen, so wird auch bei Pferden dadurch indirect die Verhältnisszahl ' der (ieschlechter etwas modificirt.
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VI. Theil.
Das intra-uterine Leben der Frueht.
Mit dem Augenblick der Befraohttmg (pg, 73) ist iuik dem Ki ein neues Wesen geworden, das Produkt aus der Vereinigung der mütter-liciien und väterliclien (Jesohlechtszeile.
Das neue Wesen beginnt damit seine Existenz, es lebt also. Diese erste Lebensperiode wird als das intru-uterine Leben bezeichnet und scbliesst mit der Geburt ab, ist also zeitlich der Schwangerschaft der Mutter gleich.
Das intra-uterine Leben, das in seinen Bildungs- und Entwickelungs-vorgängen relativ grössere Ergebnisse zeitigt, als irgend eine folgende Lebenszeit, steht zu dem extra-utcrinen Leben in einem scharfen Gegensatz insofern, als es dem neuen Individium noch keine völlig eigene Existenz giebt. Dasselbe lebt zunächst nur als ein Theil, fast als ein Organ der Mutter, an deren Blutkreislauf es in gewisser Weise angeschlossen ist. Das individuelle Leben beginnt also eigentlich that-sächlich erst nach der Geburt.
Immerhin besteht doch vom Augenblick der Befruchtung an ein neues Geschöpf. Es ist daher eigentlich auch nicht richtig, von der Ent-wickelung des Ei's, von Eihiillon u. s. w. zu sprechen, denn das Ei, gleichbedeutend mit Eizelle, hat aufgehört zu sein, indem es mit einer fremden Zelle (dem Samenfaden) zusammen einen neuen Körper bildete.
Mindestens legt man dadurch dein Worte Eiquot; zwei verschiedene Begriffe unter, wenn man einmal die einfache Eizelle, andererseits aber die von ihren Hüllen umschlossene Frucht so bezeichnen will. (Vergl. d. Anmerkung pg. JHO.)
In der Kegel wird der sich bildende Leib während des ganzen intra-iiterinen Lebens bezeichnet als Embryo (xi i|ißoüov, xi svri; rij; '(aa-[j'j- ßp6ov, das im Mutterleib Knospende) oder als FoetUS (eigentlicli.
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J74
aber ungebrftaohlioh, Fetus, vom Wortstanun fe-o, wie feoundus, fruchtbar)
deutsch Fi'ucht.
Ein bestimmter Unterschied wird in diesen Bezeichnungen nicht gemucht, doch ist es iihlich, die BezelohQUng Embryo nur für das erste Drittel der Entwickeln hü; anzuwenden. Am richtigsten wäre es vielleicht, den Wechsel der Namen zu knüpfen an den Wechsel der Lebensbedingungen) welcher sich in einer verMltnlssmässig frühen EntwlckelungS-periode (4. bis 10, Lehenswoche) vollzieht durch Eintritt des Allantois-kreislaufs (s. pg. 218) und Herstellung der organislrten Verbindung zwischen Mutter und Frucht. Die Entwlokelungelehre wird ttbrigens in ihrer (ie-saninitiieit als Embryologie hezeiehnet.
Die Embryologie, ist ein Gebiet für sich und für eine Schilderung der Entwiokelungsvorgänge, speziell der Organanlagen, daher hier nicht der Platz. Nur die Bildung der Kruchthiillen ist von unmittelbarer praktischer Bedeutung für die Geburt; ein Eingehen auf dieselbe daher hier nicht zu entbehren. Zum Verständniss jener Bildung aber ist wieder die Kenntniss gewisser Grundzüge der Leibesentwickelung nothwendig, weshalb diese hier schematisch dargestellt werden sollen.
Grundzüge der Leibesentwickelung.
Aus der Kifurehung (pg. 731 ist schliosslich einlaquo; mit Klüssigkoit gefüllte Bluse, die Blastula, hervorgegangen, deren Wand ans eiuor einfachen ^ollsclüeht besteht.
Dio Etnbryonalanlage bildet eine kloinc Bchoibe, das Embryonalsclüld, auf dieser Binse; oder vielmehr, eine kleine längliche Scheibe der Blasenwand selbst wird zur Embryonalanlage.
Diese unterscheidet sicli von der übrigen Blasenwand dadurch) dnss sie nicht einschichtig 1st, sondern drei Schichten, die 8 Keimblätter, aufweist. Das äussere Keimblatt (Ektoderin oder Ektohlast) ist einfach dor zum Kmbryonal-schild gehörige Thell der Blasenwand, gebt also am Baude des KmbryoiialschiUles in diese Wand über.
Nach dem Blasenraum liegt das innere Keimblatt (Bntoderm oder Knto-blast) und zwischen beide ist eingeschaltet das mittlere Keimblatt, (Mesodorm oder Mesoblast)) welches in der Dimension dem Kmbryonalschild nicht völlig gleichkommt, bezw. hinter dem Kutodenn zurückbleibt (Diese 3 Keimblätter enthalten (iewobselemente, welche dorn späteren Epithel, Nerven- und Muskelgewebe entsprechen, dagegen weder Bindegewebe noch Hlutgefiissanlagen. Letztere durch wachsen später, von ausson komniend, namentlich des Mesodorm.)
Das Kmbryonalschild lässt eine Längsachse erkennen, an welcher alle 8 Keimblätter zusammenhängen. Diese Längsachse kann als die BüokenUnle dos Embryo angesehen werden. In der Richtung dieser Kückenlinio entsteht die Chorda dorsalis, welche gewissermnsseu ein Achsenorgau des Embryo hildet, übrigens später wieder schwindet (wenn sich das Achsenskelett entwickelt). In dor Umgebung der chorda bildet das Mesoderm einen zusammenhängenden
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1
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Strnfon, während es sicli jöderseits wieder in 2 Hliittor spaltet. Vom dioson Blilttern logt sich das eine dem Kctoderm, das andere dem Untodoriu an.
Das Kctoderm ist nun die Anlage der Körperwaiul (d. li. allerdings nur der iiussoren Haut, bezw. der Kpidormis: das Bindegewebe, dit' Knochen und Muskeln der Kürporwanil treten erst später ergänzend
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M(!(lLilla7,nnno
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hinzu). Das Entodorin ist dio Anlage der Dann wand (d. li. dos Kpithels derselben), odor vielmehr die primäre Eüngo-Weideanlago, denn daraus bildet sich später nicht nur der Darm, sondern auch die moisten anderen Eingeweide (s, unten pg. 179). Der Kaum zwischen Körper- und Darmwand ont-spricht (lemnach der späteren LeibeshOhle und hoisst das Coo-lom. Die dem Coolom zugekehrten Flächen der Körperwaiul bzw. der Darmwand sind von den beiden obenerwähnten
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Ectodenn
Entodemi
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Chorda Me.sodct'in
äiissoi-cs Blabt inneres Blalt
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Blättern dos gespaltenen Meso-
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Wig. %
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dorm bekleidet, wie später die
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im Quei'solinitt. (sc.homatisch).
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Wand dor Bauchhöhle vom pariotalen und der Darm vom
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viscoralon l'eritouäum. Deninach derms zu einander In dein Vorli Serosa (ohne natürlich mit dieser
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befinden sich jene beiden Blätter des Moso-iltniss der späteren pariotalen und visceralen zu sein). Die Leibeshöhie
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gleicht also schon jetzt einer serösen Höhle.
Die Verhältnisse erschoinon aber gegenüber dorn fertigen Körper noch ganz fremdartig. Denn der fertige Körper besteht im Grossen und üanzon ans zwei ineinandorgestockton Röhren, dorn Körperwandrohr (dessen Hohlraum dio Leibeshöhle ist) und dem Kingowoideiohr (welches freilich durcliaus nicht als einfaches Rohr erscheint). Dio hier beschriebene Einbryonaliinlagc aber 1st noch eine Platte, bestehend aus einer Körporwandplatte und einer Darmwandplatte, und die spätere Leibeshöhle ist noch ein jodersoits neben dor Mittellinio (Riickenaclise) beide Platten von einander trennender Spalt. Dieser Spalt ötl'not sieh einfach in den Raunt der Klastnla, in deren Wand die Embryonalanlage eingeschaltet ist; die Darmplatte aber liegt dem flüssigen Inhalt der Blastnla einfach auf: letzterer dient zur Ernährung dor Kmbryonalunlagc, die auf dem Wogo einfacher Aufsaugung erfolgt.
Während im Embryonalsehild sich weitere Entwicklungsvorgänge abspielen, die dasselbe von der übrigen Wand der ursprünglichon Blastnla iniiner mehr Unterscheiden, wächst die Darmplatte über die Grenzen der eigentlichen Bm-bryonalanlage hinaus an der Innonfläche dor Blastula entlang und schliesst sieh am entgegengesetzten Pol selbst zu einer Blase innerhalb der Blastula zusammen (welche am Schlusspol mit der Blastula verwachsen sein kann
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i7lt;;
oder nicht). Diese entodcimalo Blase wird natürlich den flüssigen Inhalt der ursprünglichen Blastula jetzt ihrerseits unmittelbar umsehliosscii und hoisst D ott erb läse (oder Nabelblase).
Demnach sind also jetzt ausserhalb dor eigentlichen Rmbryonalanlage (liesolbcn Verhältnisse eingetreten, wie innerhalb derselben. Das Ectoderm findet, wie schon erwähnt, seine Fortsetzung in der Wand der Blastula
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Konffnllo Atnniojitiabol s^vaazfyte
. Körpcmabd .Urachua
- Allantois
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Nabelblamp;senfeld.'
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Fi^. ii. Hillt;Uraquo;ng dor Dottorblaao uiilt;l des AnssenooelomB Innerhfllb tior Hlnstuln.
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selbst, das Bntodenii desgl. in der Dotterblase. Blastula und Dotterblase liegen sich gegonüber, wie Korpcrwand und Dannwand, sind auch von VerlängGrungcn des iiussoron und innoren Blattes des Mcsodornis bekleidet; der Raum zwischen ihnen setzt also auch das Coeloni fort und heisst Aussencoelom. Die Dotterblase ist mithin nichts als eine Aussackung des primären Darmes, welche mit Xährflüssigkoit gefüllt ist.
Inzwischen beginnt aber die Kmbryonalanlage sich räumlich abzusondern. Sie hebt sich kissenartig ans der Wand der ursprünglichen Blastula heraus und krümmt sich seitlich zusammen. Dadurch wird zweierlei eingeleitet. Krstcns werden aus Korpcrwand- und Darmwand-Platte allmählich Wölbun-
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gen, deren Seitenriinder uunäehst am vorderen und hinteren Ende der Kmbryo-mUanlagc sich orreichon und zusammenscliliessen, -Nvithrcnd sie in der Mitto allerdings auf eine lange Strecke noch getrennt bleiben. Zweitons werden, wie sieh von selbst orgiebt, mit der fortschreitenden Zusainincnkrüinmnng boüw. Zu-sammonschliessung die Communicationen mit der Dottorblase bozw. mit der nr-sprünglichon Blastula allmilhlich mehr und mehr eingeschnürt.
Man kann jetzt von einem Körporrohr und oinom Loibcsinnereu sprechon. Im Loibesinnoren liegt das Kingoweiderohr. Dasselbe endet vorn und hinton blind, stellt dagegen In der Mitte noch in weit offoucr Verbindung mit der Dotterblase, Diese ist also ein, jetzt gowissermasson ausserhalb dos Kmbryonalloibos liegender Theil des primären Darmes geworden, ein kugelförmiger Aussendarmquot; im Gegensatz zu dem rölironförniigen Kinnemlarmquot;. Die verengte Verbindung zwlsclien beiden heisst der Nabelblasen-Daringang, Ductus vitollo-intestinalis (omphalo-entericus); das Lnmen desselben (gleiohbe-deutend mit dorn noch oflbnon Theil des prinuiren Darmrohrs) ist der Darm-nabol. Dor Ductus vitcllo-intostinalis liegt concentrisch innerhalb einer noch entsproehend weiteren Oefl'nung dos Körperrohres, die ihn passiren lässt und den Ivörpernabel bildet. Die Leibeshöhle, das Binnoncölom, steht durch den Körpornabel hindurch (d. h. rings um den Ductus vitello-intestiiiiilis herum) in offener Verbindung mit dem Aussoncöloni, d.h. dorn Zwisclienraum zwischen der Dotterblase und der Wand der ursprünglichen Hlnstula.
Ueber die weiteren Vorgänge im Inneren des Embryonalleibes sei hier nur Folgendes bemerkt.
Der K et ob last bildet in der Kiickcnlinio durch Einstülpung eine Uinno, die Medullar-Rinne. Dieselbe sohliesst sloh zum Modul larrohr und verliert den Zusammenhang mit dem Ectoderm. Letzteres wird nach Abgabe dos Me-dullarrohres anssoMlosslioh Epidermis, also die alles Andere umhüllende Aussen-schicht der Körperwand. Das Medullarrohr wird Kückenmark und buchtet sich am vorderen Ende zu einem System von Blasen aus, wolelio das Gehirn bilden. Eben durch die sehr starke Giössonontwicklung der Gehirnbläschon bildet sich zugleicli das Vorderende des Embryo zu einem (relativ sehr grosson und langen) Kopf heraus.
Aus dem Mittelstreifen dos Mosoderms, zu beiden Soitcu des Medullarrolirs und der Chorda dorsalis, bilden sich die Ursogmcnte, d. h. die Anlagen der Rumpf muske In heraus. Indem diese sich seitwärts an der Kpidermis ausbreiten, erhält die bisher bloss aus Kpidermis und parietalor Scrosaquot; (vgl. pg. 175) bestehende Körperwand ihre Muskolschioht. In dieser tritt später KgIiu-Bindegowebe auf. Welches sowohl die Gutis als die Scolettaniago bildet, wodurch die Körperwand e.omplet wird. (Dio Gliodmassen entwickeln sich später als Anhängsel an dieser).
Am Hingoweiderohr, dessen Wand Inzwischen ebenfalls durch Bindegewebe und Musciilaris completirt wird, schreitot vom vorderen und liiutoren Bnde her der Zusammenschluss fort unter entsprechender Vorongung des Darm-nabols (dem der Körpornabel hierin folgt). Dem vorderen blinden Knde des Kingewoiderohres, der späteren Rachenhöhle, kommt von der vontralon Seite des Kopfes eino Einstülpung, die primäre Mundbnclit entgegen. Beide treffen aufeinander, die Scheidewand (primäre Kachenhaut) schwindet und es ist jetzt
Schnullt/,, Cioschlochtalobcii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;12
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J7rt
die vordepo KOrperOfitaung des Elngewolderohros bergestellt. Aus deJ1 prliuftreu Mundbuolit wird Qbrigons niobt bioss der Mund, goodom aiidi dio Nase, welche .sieh erst naohtrii^lieh durch eine horizontale ('(müsse, den Gauraen, scheiden. Aus dor ventralen Wand der IJaclienhölilc entwickelt sich als Ausstülpung Kehlkopf, Luftröhre und Lunge. Aus dem Kingevvoide-
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Augenhl;
Ductus vitello-intestinalis
Korpernabel
Uraohus
Harnblase
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Sinus uro-genitalis
Nicronaiilage
(Trnlere
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Si'liliuul tuschen
Aorteubögen
Haut Speiseröhre Luftröhre i Lungen
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Aorta abgesohnitten)
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Milz
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Ductus hepaticus
Pancreas
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~ Darmschlinge
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Fig. 4. Monschliclior Kmltryo von vier Wochen. SeitUcli ^oöft'not; oa. löfadho Vorgrössörung.
O.szeichiiet nach oinem Modell von Zicglcr-l^roilmrg.
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rohr wird also nicht bloss der Digestions-, sondern auch der ganze liospi-ratiorstractus. Daraus wird auch vorstand lieh, warum die Ix'achonhühle sowohl der Spoiso, als dor Luft zur Passage dient, indem oinei'seits Mund und Aase sieh dahin öffnen und andererseits Speise- und Luftröhre daraus hervorgehen. Mund und Nase waren eben nrsprüuglieli ein gemeinsamer Kaum und dio LnftrOhre Ist nur eine Abzweigung der Speiseröhre. Bbenfalls als Auswüchse des Eingeweiderohres entstehen die grossen Anhangedrüsen des Digestions-
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tractus, immentlicli die rasoh waclisende Lebci.*) Badlioh bildet sich am Inntoreii RikIp dos Darmi'ohros noch oin Answuehs, dio Harnblase, üiosc fühlt deu Namen AII an to is und entwickelt sich in einer besonderen Welse, welche später (s. pp. 1S4) besprochen werden wird. Dicht (luhintoi' bildet sieh auf ähnliche Weise, wie am Kopf der Mund, ein Dnrchbrucli zwischen Uarmendo und Körperwand anstelle des Alters. Diese Ooffnung heisst jedoch zunächst dioCIoake, well sie nicht allein den Alter, sondern die Aiisiniimlmifj' noch anderer Hohlorgane darstellt (siebe unten). Die Harnblase steht nicht allein mittelst ihres hohlen stielartigen Ursprunges mit dem Darm In offisner Verbindung, sondern mündet dadurch, wie dieser, ziigleich in die Cloake; der Stiel ist die spätere Harnröhre. Der Darm selbst verlängert sich, windet sich, erweitert sich stellenweise und gliedert sich in den Magen und die einzelnen Darmabschnitte. Aus dem ursprünglichen En todermal-Rohr sind also sämmtliohe Theilo des Digestionsapparates und Respirationsapparates und ausserdem die Harnblase geworden, d. h. alle Kingoweide exkl. der Nieren und Geschlechtsorgane.
Deren Anlage sind die L'rnieren, welche im Mesoderm neben der Rückenlinie bezw. den Ursegmenten entstehen und längs der Loibeshöhle verlaufen. Aus bezw. au diesen langgestreckten grossen Organen bilden sich zwei Gänge aus, der Urniercugang und der Müllorsclie Gang. Beide verlängern sich nach hinten bis zur Cloake und münden in diese, wobei das letzte Stück des l'rnierenganges durch eine Röhre In der Epidermis des hinteren Körperlaquo; ramies fortgesetzt wird. Ans den Urnieren wird nicht etwa die bleibende Niere; diese entwickelt sich viohnelir als ein anfangs winziger Auswuchs aus dem hinteren Ende des Umiorenganges nnd mündet mit ihren hohlen Stiel*), dem Harnleiter, ebenfalls in die Cloake. Ganz ähnlich wie am Kopf sich die gemeinsame Mundbiicht durch eine horizontale Scheidewand in Mund und Nase scheidet, so scheidet sich jetzt an der Cloake die Darmmümlung, der After, von dem Kaum ab, welcher die Mündungen der Harnröhre, des Müllerschen und Urnieren-Canges (auch den Harnleiter) uinfasst; letzterer Raum heisst fortab Sinus urogenitalis. An einer Stelle der Urntere bildet sich dagegen dio Keimdrüse, d. h. Sexualdrüso aus, welche zum Hoden oder Kierstock wird.
Helm weiblichen Tbiore öd'net sich der Miiller'sche Gang neben der Sexualdrüse frei in die Hauchhohle (Ostinni abdominale des Eileiters) und liefert Elleiter, Gobämuitterhorn (siehe a.p. g. 21)0) bezw. indem er mit dem der anderen Seite verschmilzt, Gebärmultorkörper und Scheide. Der Sinus urogenitalis (siehe oben) wird zum Schoidenvorhof, dessen Grenze oben durch die Stelle bezeichnet wird, wo Scheide (Müller'scher (Jang) und Harnröhre zusanimeutreffen. Der Ur-
*) Alle Drüsen entstellen als Sprossungeu des Epithels derjenigen Oberfläche, an welcher spater die Mündungen der Ausführungsgänge der Drüsen sich linden. Die anfangs soliden Zapfen werden hohl und treiben an ihren blinden Enden blumenkohlartig Sprosse auf Sprosse. So entsteht ein sich immer mehr ver-grösserudes Driisengowächtä, welches durch den Hohlzapfen, mit dem es von der Kpithelllächo seinen Ausgang genommen hat, mit letzterer stielartig verbunden bleibt. Dieser Stiel wird eben der Ausfuhrungsgang der Drüse. In ganz derselben Weise entsteht übrigens die Dunge, mir duss die Sprossen zu Alvoolar-giüigeu und der Stiel zur Luftröhre wird.
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J80
uioronganK und die game Ubrigo Urnioro vorsehwindoii vollständig:. Der Harn-leitor, ursprünglich mit dorn Urnioi'ongang zusammonhangond, liat sich im Lau to, dos Wachsthums von diesem getrennt und ist mit soinor Mündung gewisser-massoii an der Harnröhre aufwärts gerückt, so dass die Mündung schliesslieh im Beroicdi der llornblase liegt.
Beim niänn liehen Thi er tritt die Iveinidrüse, der Hoden, in Verbindung mit dem l'rnieiongang, der Samenleiter wird. Die Urniore liefert die Ausführungs-gilnge des Hodens und verschwindet im übrigen auch. Der Mttllor.'aolie Gang schwindet. Der Sainenleiter niündot in den Sinns urogenitalis. Dieser wird beim miinnlieheii Thiere nichts, als Portsetzung der Harnröhre (Beokonstttck derselben).
Der Mttllei'Sohe Gang ist also eine weibliehe, der Umlerengang eine männliche Anlage; mithin ist dieser mittlere Abschnitt des Gonitalapparates doppelt angelegt und eine Anlage muss normaler Weise, schwinden, was bisweilen unvollkommen geschieht. I )ies führt zur Halbzwitterbildung, siehe pg. 102. Dort ist auch eine Bemerkung über die äusseren Gesehlechtstheile, die hior nebensiieb-lich sind, gemacht.
Das Herz endlich ist in Zusammenhang mit Bindegowebe und ülutgofässen an der ventralen Körperseite hinter dem Kopfe und vor der Leber aus einer Anlage entstanden, welche keinem der drei Keimblätter eigentlich gehört. Seine Wand, anfangs einfaches Kndotbel, wird ebenfalls durch hineinwachsende Mnskelkeimo completirt. Ks besteht von Anfang an aus einem venösen Vor-hofs-Theil und einem arteriellen Kammer-Theil: beide scheiden sich erst später in rechten und linken Vorhof resp. Ventrikel.
Gehirn, Herz und Leber haben zu einer Zeit, wo der Darm noch eine einfache enge Röhre und die Lungeuanlage eine kleine Knospe ist, eine ganz unverhäitnissmiissige Grosso, was bei den beiden letzteren wenigstens durch ihre sogleich erforderliche Funetionsfähigkeit sich erklärt. Das allem voraneilomlo Wachsthnm des Gehirns führt, wie schon gesagt, zur Bildung eines im Vergleich zum übrigen Leih sehr dicken und langen Kopfes; das Herz und dahinter die Leber buchten die Bauchwand weit aus. Im übrigen ist die Laibeshöhle entsprechend ihrem Inhalt (dem einfachen Darmrohr und der kleinen Lungen-knospe) zunächst eine enge Röhre,
[üeber die Zelt der Entwicklung der Organanlagen siehe z.H. pg.242.]
Die Eihäute*) oder Pruchthüllen.
Das allgemeine Schema der Eihautbildung.
Wir hatten gesehen (pji. l~t')\ dass der Binbryonalleib sich von der Wand der nrsprUnglichen Blastula emporhebt und abzuschnüren be-
') Es ist auch in der menschlichen Geburtshülfe Brauch, das Gebilde, welches aus dem Kötus und seinen Hüllen bestellt, als Eiquot; zu bozoiclmen, den Kötus ohne Hüllen als Pmohtquot;. Mir scheint dieser Gebrauch trotzdem weder practisch noch correct, da der Begriff Elquot; dann doppelsinnig wird, weil unter ESI in erster Linie die Kizellc verstanden wird. Ks ist daher im folgenden der Kruchthüllensack niemals als El bezeichnet worden.
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jiinnt. Die gosclnuirtc Stelle ist dor Körponrnbol, in dessen Umkreis Jedoch naeli wie vor (vgl. pg. 174) die Epidermis des Embryo in die Wand der iirspriinslieiien Blastula übergeht,
Wir hatten ferner gesehen, dass der Binnennium der urspriing-lichen Blastula eingenommen wird von der Dotterblase oder Nabelblase, welche mittelst des den Körpernabe] passirenden Ductus vitello-intestinalis mit dem Darmrohr zusamnieiiliängt, von welchem sie eine kugelförmige Ausstülpung (gewissermassen einen Aussendarm) bildet. Aus dem Darm sahen wir übrigens die Harnblase oder Allantois, ebenfalls als saek-fiirmige Ausstülpung sich bilden.
Der Zwischenraum zwischen Hhistula und Dotterblase steht, wie ebenfalls schon ausgeführt wurde, durch den Körpernabel hindurch mit dem Zwischenraum zwischen Körperrohr und Eingeweiderohr, also mit der Leibeshöhle, in offener Verbindung: dieser heisst Hinnen-cölom. jener Aussencölom. Das die Körperwand resp. die Darm-wand bekleidende (die seröse Auskleidung der Leibeshöhle vertretende) äussere und innere Blatt des Mcsoderms (pg. 175) verlängert sich ebenfalls durch den Nabel hindurch und kleidet (wenn auch nicht überall, worauf es hier nicht ankommt) auch das Aussencölom aus.
Alles dies war bereits erläutert.
Nun beginnt aber im Umkreis der Abschnüning des Embryo, also um dessen Kürpernabel herum, die Wand der ursprünglichen Blastula in Form von Falten sich emporzuheben.
Diese Falten, Kopf-, Schwanz- und Seitenfalten, umgeben den Embryo erst wallartig; dann werden sie immer höher und beginnen sich über ihn zu wölben: sehliosslich schlagen sie, wie eine Laube, über ihm zusammen, in dem ihre Kämme einander erreichen (letztere Stelle heisst auch Ammion-Nabel).
Der bisher frei an der Oberfläche der Blastula liegende Embryo hat mithin jetzt eine Uebenlacbuug erhalten und zwar eine doppelte, da die Falten doch, wie es eben in dem Begriff der Falte liegt, aus einer inneren und äusseren Lageraquo; bestehen. Die innere Lage ist dem Embryo unmittelbar zugekehrt und nimmt ihren Ursprung im Umkreis des Körpernabels: die äussere setzt sich in die Wand der ursprüuglioheii Blastula. fort, Der Binnenraum dieser Falten ist natürlich eine Ausbuchtung des Raumes der Hhistula, also des Aussencöloins: die einander zugekehrten Flächen der beiden Faltenlagen sind vomMesoderm (äussereni Blatt desselben) ausgekleidet (wie weit, darauf kommt es hier nicht an).
Nun vollzieht sich im Scheitel der den Embryo überwölbenden Laube, wo also die Kaltenkämnie sieh aneinander gelegt haben (am
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Amnion-Nabel), ein Vorgang;, der sieh In der Entwicklung vielfach wiederholt und dessen Princi]) folgendes ist: Wind sacke wachseu ein-andei' entgegen, (reffen mit ihren Qipfeln iuit'einauder und nun driiokou die aueinander liegenden Wandfläoheu, welche somit die Hinru'iii'äunu' von einander scheiden, gewisser in assen sieh gegenseitig
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KopiTnllo
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Amniopabol sqhwanzftlte
. Körprmabel TJrachus Allan tois
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Niibclblasuufcld'
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y\tx- #9632;',- Sclirum dor Bildung raquo;Irr Elhliuto boim Uängothieiu fKmbryo im LttngfsdnTolisoliiiifet).
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laquo;lareli; die Scheidewand schwindet und die Räume der Säcke tiiessen zu einem Raum zusammen, dene Kalten sind solche Blindsiieke: an ihren zusaminentreffeiKlen Qipfeln vollzieht- sich jener Diirehbrueh und damit trennen sich die inneren Lagen der Falten von den iiusseren, Während der ehemalige Binnenraum der Falten zusainmenfliesst.
Damit ist die [jage des Embryo eine ganz andere geworden. Er befindet sieh plötzlich samint den ihn umnittellmr ühenvölhenden inneren
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PalteolagOD, lt;lio don Zusainmcnlmng mit don äussoren Faltciiliigon veiv loren liabcn, im Hiimcimiuin der ursprttugliohen Hastula, welche ihn mittclHt dor zusainnionu;oNvaoliKonon iiussoren Fnltenlamp;gen \ollkominoii (Miiscliiiosst.
Die vom l^nbryo jetzt gotronnto elietnalige Blaatula lioisst nun scriise. lliillc. Dei' Embryo selbst ist unmittelbar von don olionmii-gen imioiou Faltenlageu umsohlosseu, welche das 4uinlon (dio Sohafhaut; duvsTov, vom Lamme) genannt werden. Der von ibnou gebildete Raum lioisst der Amnionsaek. Der Ainnioiisnok füllt sieb mit Flüssigkeit, der /imnloiiflQsstgkett (Liquor Aninii; auch Sohafwasser genannt). Dor Embiyo liegt aber in dem Amnionsaek nicht frei bezw. er ist davon nicht vollkommen nmschlosson. Da nämliol) die das Anniiou bildenden ehemaligen inneren Faltenlagen ihren Ausgang vom Umkreis dos Körpernabels genommen haben, so liegt der Körpernabel selbst In der Wand des Sackes; hier bildet also der Leib des Embryo selbst den Ab-pchlUBS des Ainnionsaekes. So kommt es, dass der Amnionsaek trotzdem ein völlig geschlossener Sack ist, dass er den Embryo umhüllt bis auf den Körpernabel und dass aus der Oeffnung des Körperuabels doch die Dotterblase frei hervortreten kann, ohne den Amnionsaek j)er-foriren zu müssen. Der Amnionsaek ist übrigens kein seröser Sack, wie sich ans seiner Entstehung ergiebt. Denn die dem Embryo zugekehrte Fläche ist eine Fortsetzung der Epidermis und besteht aus dem ent-spreohenden Epithel. Die dem Aussenoölom zugekehrte Aussenfläohe des Amnion war dagegen mit dem äusseren Blatt dos Mesodenu bekleidet, an dessen Stolle sich später eine Bindegewebslage findet, welche in die Whartonsche Sülze des Nabelstranges (s. pg, 180) übergeht. Das Amnion enthält selbst keine (iofiisse. Ueher die Beschaffenheit, Bedeutung und Herkunft des Liquor Amnii wird hei der Physiologie der Embryo ZU sprechen sein (pg. 221, 224, 220 u. 284); über die Ausdehnung des Ainnionsaekes und sein Verhalten zur AllantoVs bei der Beschreibung der Eihttllen der einzelnen Thierarten (pg. 191 ff.)
Die ehemalige Blastula, jetzige seröse Hülle umsohliosst also in ihrem (den A u ssencölo m entspreche nden) Kaum jetzt zwei Säcke, den Amnionsaek mit dem darin enthalteneu Embryo und den Dottersack (Dotterblase, Nabelblase), der aus dem Körpernabel des Embryo hervortritt.
Es ist zugleich klar, dass die seröse Hülle, indem sie alles andere umscldiesst, fortab allein mit der Aussomvolt, das heisst also mit der Gebärmutterschleimhaut, auf der ja das ganze Gebilde aufliegt, in direkte Beziehung treten kann. Diese Beziehuna beschränkt sich nicht auf eine
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einfache BerUbrung. Die seröse Hülle bildet, bei deu vorsciiiodenen
Thieren übrigens in sehr verschiedener Weise (vgl. pg. 188 ff.), Wucherungen, Zotten, welclie in die (Tebiirmutterschleiinhmit, bezw. zwisclien ent-sprecliemle Wuelierunjieu derselben, gewissernifissen eintauchen oder damit verwacliscn. Diese Zotten werden Chorionzotten gcnanut uiitl die sie hervorbringende seröse Hülle führt fortab den Namen Cliorion (auch Lederbaut; j^optov Haut oder Leder) und zwar seeundäres oder amniogenes Cborlon. Auf die Chorionzotten wird bei dor Allantoi's (pg, 1K7) zurücküukoninion sein.
[Seonndäres (auob wahres) Cliorion heisst es deswegen, weil die ehemalige Zonu pelluoida des Eies in der ersten Zeit nach der Befruchtung die Blastula und Kmbryonalanlage umschloss und ebenfalls mit kleinen Zöttohen besetzt war, daher primäres Cliorion oder Pro cliorion genannt wurde. Die Zona pelluoida ist beim Waehsthum der Blastula gesprengt worden und verschwunden, kommt mithin für die Fruohthtillenbüdung gar nicht in Betracht. Die Bezeichnung als amniogenes Cliorion nimmt Bezug darauf, dass die seröse Hülle zugleich mit der Amnionbildung aus der Wand der Blastula entstanden ist.|
In dem Biunenraum der serösen Hülle bezw. des secundären Chorions ist inzwischen ausser dem Amnionsack und dem Dottersack noch ein dritter Sack aufgetreten, der neben dem Dottersack aus dem Körper-nahe! des Embryo hervorwiichst. Dies ist der Allaiitoissack (laquo;XXavxowSnq
wurstförmig).
Die Allantoi's, welche als Harnblase1 deflnirt wurde, ist bekanntlich eine Aiisstülpung des Darmes und liegt zunächst in der Mauchhöhle. Einfache Vergrösserung derselben muss aber dazu führen, dass sie in der Bauchhöhle gewissermassen nicht mehr Platz findet. Sie gelangt an den Körpeinabel und wächst aus diesem heraus. Da aber der vom Ductus vltello-intestinalis in Anspruch genommene Nabel ihr keinen weiten Durchgang bietet, so verengt sich hier die Allantois röhrenartig, um sich ausserluilb des Embryo dann wieder sackartig zu erweitern. Die Allantoi's besteht demnach jetzt aus zwei Blasen und einem röhrenförmigen Zwischenstück. Die im Inneren des Embryonalleibes liegende Blase, die Binnen-Allantois. ist die Harnblase (siehe pg. 179) und wird fortan einfach als solche bezeichnet werden: die ausserhalb neben dem Dottersack liegendelaquo; Hlase ist die Aussen-AllantoTs oder Allanto'i's kurzweg; die den Nabel passirende Verbindungsröhre heisst Uraohus (Harnsclmur). Die Allantois bietet somit ganz dasselbe. Bild, wie wir es schon keimen gelernt haben bei Hinnendann oder Aussendarm (Dotterblase), welche eben-
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falls durch don Nabel hindurch mit dem allerdings sehr weiten Xabel-Wasendarmgang; communiciren.
Die Aussen-AllantoVs nimmt an (irössc zu, bis sie das Chorion erreicht. Sie schliesst sich diesem bezw, dessen Zotton in cigentliiimlichei', gleich noch zu besprechender Weise an und füllt sich übrigens mit Flüssigkeit, der AlIaiitoKs-FIllsgi^kclt. (Ueber Charakter und Bedeutung dieser Flüssigkeit wird bei der Physiologie des Embryo zu sprechen sein; pfc. 221, 224, 229, 284). In der AlluntoYstlüssigkeit findet sich das Hippo-manes, worüber bei den Eihäuten des Fohlens pg. 108 genauere An gaben gemacht sind. Im übrigen vorhält sich aber dor AllantoVssack bei den einzelnen Thierarten recht verschieden (siehe die Besolirelbung der Kihäute bei den verschiedenen Hausthiercn pg. 191 ff,).
Mit der Vergrösserung der Allantois steht übrigens die Dotter-blase im umgekehrten Verhältniss. Sie wird entsprechend kleiner, schrumpft namentlich, sobald die Verbindung der Allantois mit dem Chorion vollzogen ist, zusammen und schwindet eventuell völlig. Der Duetiis vitello-intestinalis verödet jedenfalls, schrumpft bezw. schwindet. Damit muss der vorher weit offene Darmnabel sich entsprechend verengen und endlich schliessen. Dann zeigt der Darm in dieser Beziehung definitive Verhältnisse. Der Körpernabel dagegen muss oö'en bleiben, weil ihn nach wie vor der Urachus passirt. Da dieser aber jetzt allein durchgeht, so verengt sieb auch der Körpornabel zu einem, im Verhältniss zur wachsenden Körporgrösse und im Vergleich zu seinen früheren Dimensionen ziemlich engen Loch. Dasselbe liegt nach wie vor zugleich in der Wand des Amnionsackes (pg. 183).
Es bestanden mithin zuerst innerhalb des alles um-scbliessende serösen bezw. Chorion-Sackes zwei Säcke, Amnionsack und Dottersack; dann waren drei Säcke vorhanden; indem noch der Allantoissack hinzutrat, sehliesslieh sind es (nach dein Schwinden des Dottersackes) wieder nur zwei, der Amnionsack und der Allantoissack.
Diese Säcke sanimt dem sie alle umschliessenden Choi'ion sind die FruchthiUlcn (Eihiillen): die darin enthaltene Flüssigkeit heisst in ihrer (iesanimtheit das Fruchtwasser (Bedeutung desselben siehe Physiologie des Embryo pg. 221, 224, quot;229, 23-1 und Geburt pg. 880).
Der augenscheinlich an das Auftreten der Allantois geknüpfte liüek-gang des Dottersackes hängt mit der Aenderung der Ernährung zusammen, die sich in Folge der Vereinigung der Allantois mit dem Cborion vollzieht (vgl. pg. 18(5 u. 218).
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1H6
Dor AiiHchluss dos Footus an den miittoiiichon Blutkroishiuf. In Begleitung des Uraohus passiren grosae Blutgefftsse don Körper*
iiiibel des Kmbi-yo, die Nabelarterien und Nabelvonon. E'rstere schliessen sieli, aus der Hauolmorta kommend, dein Urachus un; letztere gclien an dor Leber vorbei, reap, dnroh durch die Leber zur Hoiilvoue (pg, 281). Jedenfalls sind sie also an das oentrifugale und oentripetale Qeföassystem dos Embryo angesolüosseil und führen Blut aus dem Einbrvonalloih heraus und in denselben hinein. Diese (iefässe verzweigen sich nun auf der Aussen-Allautoi's und bilden hier ein reiches und ontwiekehingsfähigos (iofassnetz.
Sobald nun die AllantoTs das (seouudäre) Cliorion erreicht hat und sich dessen limentliicho anlegt, treibt das Qefässuetz der Allantois Sprossen in_dio schon (pg. 184) erwähnten, inzwischen hohl gewordenen Zotten des Ghorions hinein, diese ganz mit Oofässen ausfüllend und von jetzt ab deren Hauptbestaudtheil bildend. .Man nennt das mit den Allail-toKswuohemngeu vereinte und durch si(^ vascularisirte Cliorion deshalb auch AJIantotaChorion oder deflnttires Cliorion. Die (jesainnitheit der Zotten bildet die Placenta foetalis (vgl, jedoch pg. 190).
Die Zotten dos AllantoVs-Chorion tauchen, wie schon erwähnt, in die mütterliche Gebftrimittersohlelmliaut. Sie vermitteln nicht allein die Verbindung zwischen Mutter und Frucht, sondern sie beriilircn sich mit den niiittorlichon Blutgofiisson derart, dass eine Aufnahme son Ersatzstoffen, d. h. die Bmährung dos Foetus, aus dem mütterlichen Blute erfolgen kann.
Damit wird aber der Dottersack, der provisorisch Broährungszweokeu diente, überflüssig; daraus erklärt sich sein Schwinden (vgl. pg. 185).
Dor Kreislauf des Foetus wird pg. 211, die Verbindung zwischen Cliorion und Uterus pg. IM!raquo; ff. genauer beschrieben.
Die beiden iniichtigeii N'abolarterion und die Niibelvene (theils eine, theils zwei) bilden mit dem Urachus zusammen die Nabelschnur oder den Nabelgtrongi Sie sind zusammen In ein reichliches Keimbindegewebe, die Whartonsohe Sülze, eingebettet. Falls Roste der Dotter-blase und ihres Duetus bestehen bleiben, so sind diese im Nabelstrang mit enthalten. Der Nabolstrang setzt sich zusammen resp. beginnt am Körper-imbel, indem hier seine Bostandtheile (der Urachus mit den Nabelarterien vom Schwänzende her, die Nabel vene von der Leber her pg. 281u.847,Anm.) zusammentreten und von hier ab in die Whartonsche Sülze eingobettet werden.
Der Urachus hört, wo und sobald er sieh in den weiten AllantoVs-sack öffnen kann, selbstverständlich auf. Die grossen (iofässstämme aber lösen sieh natürlich nicht sofort in kleine Gefässe auf, sondern verlaufen an der Allantois entlang bis gegen das Cliorion hin. Es sieht daher so aus, als ob der ganze Nabelstrang sich vom Körpernabel durch den Binnen*
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räum des Ohoilon, d. h. der äusserea PmohthttUe, bis au diese fortsetzte.
Kventucll ist dies aucli wirklich der l'all, was sicli sum inich dem boiiu MenscliPii bozw. den einzelnen Thlerarten^sehr verschiedenen Verlutltou des Alluntoissnckes richtet. Diese Unterscliiede, sowie die sich ergebenden Abweichungen des Nabelstrangos werden für die einzelne Thierniten besonders zu beschreiben sein (siehe pg, 191 ff.).
Die Aeste, weiche von den Xiibelnetassen ausgeheu, bilden eino besondere Schicht der AllaiitoVswaiKJ, die (lefässschieht. i)i(gt; Allantois-Wand liisst demnach 'gt; Schichten erkennen: Die innere Kpithelschicht, welche sie als DannauBStttlpung haben muss, eine bindegeweblge Zwischenschicht und
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die QefäSBSOllloht,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;
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TVa-oetvla
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Chorionzoire
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welche an der
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Aiissenfliiehe liegen
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Bpithel dor Placenta materna
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muss, um in die Zot-
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ten des Cborions ihre
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mütterllolio Caplllaron
Foetale Caplllaron
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Gefässsprossen hineintreiben za können. Die (lefäss
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schieht zeigt bei manchen Thierarten
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ein selbstständiges Verhalten (s.])g. 197,
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Epithel des
Allan toisehorioa
(Bxoohorlon)
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unten u. 201).
Was den feine-reu Bau der Zotten und ihr Ver
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halten zur Gebär-
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Fig. 0, Kotylodononzobto tli
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Niu-Ii Tun
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inutterschleiniiiaut
anlangt, so liisst sich darüber im allgemeinen folgendes sagen; Da sie aus Wucherungen der serösen Hülle und der Alhuitoi's entstanden sind, so zeigen sie zwei Bestandtlielle, eine äussere Epithelialschicht (von der serösen Hülle, auch Kxocliorion genannt) and das davon Umhüllte in Bindegewebe eingebettete, aus der Allantois entsprossene Capillarnetz (Endoohorion). Die Art dc^s Contacts üwlsohen diesen Hlutgefiissen und denen der Mutter ist jedenfalls niemals eine derartige, dass etwa der mütterliche und dor foetale Blutstrom Irgendwie direct in einander übergehen könntcMi. Beide gehen vielmehr nur eben aneinander vorüber, wenn auch durch eine noch so dünne Scheidewand getrennt (vgl. pg. 2.W). Aus welchen Sohichteu diese Scheidewände be-
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stehen mul in welcher Weise, es bewirkt wird, duss die IJcrühnme,laquo;-Fläehen mögliehst gross sind, das ist bei den einzelnen Thierurten verschieden und überdies noch vielfach streitig*).
Beim Menschen wachsen die Chorionzotten in die Uteriiiseliliiuchc hinein. Kür die indeciduitten Hausthierc wird dies von Bonnet ausdrücklich in Abrede gestellt (Entwiekelungsgeschichte pg. '250).
Dagegen ist bei allen Haussiiugethieren auf der Oberfläche dor Oebärnuittersehleimhaut eine eigenthümliche Flüssigkeit, die Uterin-mileh (jig.'i'il) vorhanden, in welche die Chorionzotten zunächst eintauchen.
Im übrigen richtet sich die Verbindung zwischen den C'liorionzotten und der mütterlichen (lebiinmitterschleimhaut nicht allein nach der Kigon-art der ersteren, sondern auch nach dem Verhalten der letzteren. In beiden bestehen so grosse Unterschiede, dass danach die Säugethlere in verschiedene Gruppen eingetheilt werden.
Zoologische Eintheilung der Wirbelthiere nach der Eihautbildung.
Die neuere Richtung der Naturwissenschaft hat dazu geführt, die systoniathische Eintheilung derThiere in erster Linie auf Merkmale ihrer Entwicklung zu gründen. Dabei tritt die Art der Eihautbildung so bestimmend hervor, dass sie speeiell die Grundlage des zoologisehen Systems abgiebt.
Die Wirbelthiere zerfallen zunächst in 2 grosse Klassen: Anamnier und Anmioten.
Die Anamnier haben kein Ainnion, überhaupt keine Eihiillen, Die ganze Blastula (das Blastoderm) wird zur Körperbildung verbraucht. Anamnier sind die Fische und Amphibien, also die Kiemenathmer.
Die Amnioten umfassen somit die 3 höchststehenden Wirbelthier-gruppen, die Reptilien, Vögel und Säugethlere, durchweg Lungenathmer. Bei allen diesen Thieren bilden sich alle 4 Eihautsäcke aus: seröse Hülle (seeundäres Chorion), Amnionsaek, Dottersack und Allantois.
Trotz dieser weitgehenden Uebereinstimmung muss ein tiefgehender Unterschied in der Entwicklung dieser Thierklassen hervortreten. Denn die Reptilien und Vögel legen Eier (Sauropsiden, eierlegende Amnioten); ihre Embryonen entwickeln sieh ausserhalb ties Mutterleibes. Damit fällt schon die Möglichkeit einer Verbindung zwischen Mutter und Frucht, die Vorbedingung für die Bildung eines Chorions. Es bildet sich zwar die
*) Ursprünglich raüsste das mütterliche und foetale Blut durch i Zoll-schichten gosobledcn sein, nUmlloh dos Bndothel dor mttttorllohen Capillaren, das Uterusopitbol, das Chorloneplthel, das Bndothel der foetolen Capillaren. Diese Folgerung beweist natiirlicb gar nichts; denn es können ja mehrere dieser Sohlohton schwinden, Vergl, übrigens dio AbbUdnng pg. 1S7.
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Allanlois (vgl. pg. 212), aber dieselbe treibt koine Chorioiizotten. Die Reptilien und Vögel sind also Aehoria.
Ihnen stehen die Choriata gegeoüber, laquo;lie Thiere, bei denen stoli eine Verbindung zwischen Muttor und Frucht in Form eines Cborimi entwickelt. Choriatii sind also gleichbedeutend mit Bäugethiereu, *]
Bei den Säugethioren sind es nun weitgehende Verschiedeiiheiton in der Art der Chorionbildung, vereint mit einem entsprechend differeilten Verhalten der Oebiinnuttersclileiniliant, welche die Theilnng deisellx'ii namentlich in 2 grosse Gruppen, die Indeciduaten und die Deolduateu, bedingen. Es mass daher hier bei der Bildung des Chorions wieder angeknüpft werden (vgl. pg. IHd).
Hei den Indeciduaten schieben sich die Chorionzotteu so in Vertiefungen der mütterlielien (iehiirmutterscblciinhaiit ein, dass zwar eine innige Verbindung entsteht, deren Lösung aber noch durch einfaches Herausziehen erfolgen kann. Die mütterliche Gebiirmntterschlciinhaut bleibt daher bei der Ausstossung der Frucht und ihrer Hüllen (wenigstens in der idealen N'onn) intact.
Bei den Deoiduaten dagegen wird die mütterliche (rcbiiniuitter-schleimhaut derartig von den Chorionzotten durchwachsen, dass ein Auseinanderziehen nicht mehr mögiioh bleibt, vielmehr bei der Ceburt die vom Chorion durchwachsenen Sohleimhautsohichten mit abgerissen werden. Dieser sich mit ablösende Theil der I iebärinutterschleiinhaut heisst die Decidua ihinfiillige Haut). Die vollkommenste Decidua-Bildung hat der Mensch: hierüber werden pg. 206 einige Bemerkungen gemacht.
Neben dem Eintritt bezw. Ausbleiben einer Decidua-Bildung ergiebt
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*j Zwischen den Sauropsiden und den Säugethiöreu bilden dlo Monotreroata, Sohnabeltbloro, einfach olno vollkominon in dor Mitte stehende Uebergangsfonu. Sie legen Bier mit Schale, die in einem Neste oder in einer Bauobtasohe aus-gebrlltet worden. Die Jungen ernähren sich von dem Secret zitzenloser Hautdrüsen. Diese Thiere gehören bezüglich dor Blbautblldnng ganz zu den Saurop-slden Aehoria).
Aber auch nutor den unzweifelhaften Säugothleron llndet sich noch olno (Jebergangsfonn zwischen Aehoria und Chorlata. Das sind die Marsuplalla odoi-Bontelthlere, Die kleinen sobalenlosen Bier entwickeln sich Im Uterus, die Jungen -worden Ichendig gehören und mit Milch genährt; der Kiitwiekcliingstypus des Säugethleres ist also vollkommen ausgebildet Aber die seröse Hülle treibt gar keine oder nur sehr wenige. Zotten. Es entstellt also keine oder doch nur eine ganz unvollkommene organische Verbindimg zwischen Mutter und Frucht, sodass die Heutoltbiere zu den Aehoria zu rechnen sind. Eben deshalb [mangelhafte Ernährung Im Uterus) werden die düngen auch In einem so unfertigen Zustand geboren, dass sie in dem für die Thiere typischen Hantbeutel noch eine Zeitlang nach der Geburt geborgen werden müssen.
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I Uli
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sieh jmloch noch ein anderer Unterschied der Hesehaffenheit delaquo; (Jliorions, niimiich In Bezug auf die Vertheilung dor Chorionzotten auf der Ober-
tliiche dor scrüKen Hülle.
Bei gewissen Thierklasseu spriessen auf der ganzen übertläche der
serösen Hülle Chorionzottöll oder gleichwerthige Bildungen. Bei anderen dagegen geschieht dies nur an bestimmten Stollen oder die anfangs entstandenen Zotten entwickeln sieh wenigstens nur an bestimmten Stellen weiter, während sie im übrigen gefitssarm bleiben oder verkümmern. An jenen bevorzugten Stellen stehen die Zotten sehr (lieht und werden sehr gross. Au den eoriesiiondirendeii Stellen der mütterliehen Hebär-ninttersehleimhaut tritt ebenfalls eine sehr blutgefiissreiehe Wucherung ein, welche Hohlräume bildet, in welche die Chorionzotton sieh einpressen (mögen sie nun eine lösbare oder feste Verbindung eingehen). So bilden die Chorionzotten mit den Qebärmutterwuohemngen gewlssermassen besondere Organe. Diese heissen Placenta oder Mutterkuchen, ihr Chorion-Antheil Placenta foetalis, ihr (relmrnmtterantheil Placenta materiiii oder Pl. nterimi. 1 )ie Thiere, bei denen eine solche Placenta sich bildet, heissen Piaraquo; eentaliii. Allerdings pflegt man auch die Qesammtheit der imf der Oberfläche verstreuten Zotten als Placenta diffusaquot; zu bezeichnen. Hertwig will jedoch den Namen Placenta nur auf jene herdweise entwickelten und höher organisiricn Bildungen anwenden.
Die Elnthellung der Sauger in Placentalia und Aplacentalia fällt mit derjenigen in Deeiduata und Indeoiduata nicht zusammen. Denn es sind zwar alle, Deeiduata zugleich Placentalia; solche befinden sich aber auch unter den Indecidimteu. Was aber bei der Eintheilung der Säugethiere das Ausschlaggebende sein nmss, kann nicht fraglich sein. Ob die Chorionzotten gleiohmtisslg vertheilt werden oder herdweise zusammengedrängt stehen, ist von geringerer Bedeutung als die Loslielikeit der Verbindung zwischen .Mutter und Frucht (namentlich in Bezug auf den ganzen lt; leburtsmechanismus).
Hiernacli ergiebt sich nun folgende Qrupplrung der Säugethiere:
l. Indeoiduata:
ii) Aplacentalia: haben verstreute Chorion-Zotten.
Edentata (Zahnarme; Paulthier etc.): Cetaoea (Walthiere):
Syrenia (Seekühe). I'erissodactyla. (Unpaarhufer, 1 auch 8 Zehen); Tapirinu, Nasi-
oornia, Equidae (Pferde). Artipdactyla. (Paarhufer). Nourmninantia: Bippopotamldae, Suina
(Schweine). Huminantia: Tylopoila (Kameelei.
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b) Placontaliii; haben eineFlaoeatamultiplex, d,h. mehrere
kleine Mutterkuchcu.
Artiodiictyla*). liiuiiiiiiiiU ia: CerviUBp (Hii-schc); Caviconiia (Rind, Sohaf) Ziege).
#9632;2. Deoidnata et Plaoentalia.
Pvoboscidea (Eleplianten), Lamnunguia, Insectivora, Chiroptera. Carnivora (Hund, Katze); Die einheitliche Placenta umfasst eine gUrtelfönnige Zone der iiusseron Fnichthiille: Placenta zonaria, Rodeutia (Nagethiere; Ka- | DieeinheitlichePlaoentabildeteine niiu'hen: Affen)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;I Selicibe: 1'hvecnta discofdea.
Homo. Es besteht cine Placenta discoi'dea. Es bildet sich ausserdeni eine Decidua reflexa. Letztere kommt ausser dem Menschen nur noch dem anthropoiden Affen zu. niese Qruppirung zeigt also, class die wichtigen Nutzhausthiere siimmtlich zu den Indociduaten gehören: davon die Wiederkäuer mit Placenta multiplex. Deddnaten sind nur Hund, Katze und Kaninclicn.
Die Elhäutc der einzelnen Hausthlerarten.
(Nach Bonnet, i
Pferd.
Die Qesammtgestalt dos aus dem Embryo und seinen 4 Fruchtlaquo; iiiillensäckon bestehenden (tebildes bleibt bis zur 6.7. Woche kugelförmig und erlangt indessen 1214 cm Durchmesser. Dann beginnt sie sieh in einen Sack umzuwandeln, welcher den ganzen Uterus bis in die Spitzen der Homer füllt und daher seihst zwelhörnig ist. Der durch das Allan-toischorlon (s. pg. 186) gebildete Aussensaok wächst wächst dabei rascher, als die Uterushöhle sieh vergrössert und findet sohliesslioh nur unter Faltenbildung Platz. Seine Farbe ist rothbraun (Hämoglobingehalt der Epithelschicht). Seine Qesammtlänge beträgt über 1 m.
In den Binnenraum dieses Sackes theilen sich Dotterblase, Amnion-sack mit Fötus und Allantois in folgender Weise:
Die Dotterblase oder Nabelblase bleibt bei ihrer Ausbildung mit dem, dem Embryo gegenüberliegenden ^0^ der lilastula in ziemlich ausgedehntem Zusammenluing i^vgl. pg. 175), tritt also durch Vermittelung der letzteren mit der (icbänmittorselileimhaut in He-
*) Die Kuraiiiantiu sind also sttmmtllob liulocldiiiiton, aber thcils placental thoils aplacental. Dies zeigt schon, dass letzterer Umstand keine geeignete Grundlage für die Elntheilung abgehen würde.
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rUbrdUg; durch die (iefiisse der Uottorblase (siehe pg. 213) kann dalier hier eine Aufsaugung stattfinden. Diese Stelle, das Nabelblaseiifeld, funetionirt also vorübergehend wie ein Uhorion in Bezug auf die Ernährung des Embryo, aber nicht in Bezug auf seine Verbindung mit der Gebärnnitterschleimhaut, da keine Zotten vorhanden sind und das El sieh in dieser Zeit leicht ablöst. Auch nachdem aus der ehemaligen Blastula die seröse Hülle bezw. das Chorion (pg. IB(j) geworden ist, bleibt damit die Dotterblase am Nabelblasenfeld in Verbindung. Sie schrunipft zwar
Cliorion #9632;*lt;. Chonmiznttim
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Chorion
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AitinionÜiell
u.
uiUiislhci
des Nabelstranfes
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Vig. 7. Sohoma tier Eihüllon dos Fohlens (naoli Bonnot). OJo Pfeilo bozoidhnon laquo;lie Art. wlo dlo Allantots raquo;Ins Ainntcm nmwäolist.
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in Folge der Eutwiokelung der Allantols ganz zusammen ibis zum 5. Monat), verschwindet aber nicht völlig. Ihr mit mit dem Nahcl-blasenfeld zusammenhängender Grund erhält sich als ein 88 cm langer, '2 mm dicker bindegewebiger Strang, das ehemalige Nabelblasenfeld als eine kleine Einziehung am Chorion.
Der A mn Ion sack ist weit. Die Menge der Amnionfliissigkeit ist etwa in der Mitte der Entwickelungszeit am grössten und beträgt 6 6 1: später nimmt sie nicht zu, reap, ab (ihre Zusammensetzung etc. siehe pg. 222). Der Amnionsack liegt daher dem Foetus nirgends an und ebensoweit, als er vom Foetus entfernt ist, muss er den aus dem Foetus heraustretenden iNabelstraug umhüllen. Mau nennt diesen Theil dos
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Nabelstrouges die Amnionportion. Die Ueliergangsstelle dor foetalen Haut in das Amnion ist scharf abgegrenzt. An der cpitholialoti Innenfläclio des Amnion linden sich rundliehe weisse Eplthelhtigel (vgl. Fig, 9, pg. 1!raquo;7).
Die Allantois erreicht die iiTÜsstmöglichste AusdollUUng. Sie wächst an einer Seite des Auinionsackos empor, schlügt sich üher dessen (Üpfel herüber und wächst nun über die noch beiliegende Fläche des Amnion nach allen Seiten wieder himmter, so dass der Amnionsaok mit Foetus thatsiiehlich innerhalb der AihmtoTs zu liegen kommt und rings von der Allantoistlüssigkeit umgeben ist. Ks sieht so aus und ist auch effectiv dasselbe, als ob der den Foetus einhüllende Amnion-Sack frei im Raum des Allantoissackes schwämme.
Von dem Amnion abwärts drängt die Allantoisblase nämlich auch gegen die Dotterblase vor, nimmt mit dem Zusammensolirumpfen derselben deren Kaum ein und schliesst ihren schliesslich Übrigbleibenden stranglormigon Kest ein.
Die Allantoisfiiissigkeit bildet, wenigstens bei der Geburt, den bedeutendsten Theil des gesammten Fruchtwassers. Ihre Menge schwankt jedoch in weiten Grenzen. Frank fand gegen das Ende der Trächtigkeit O1/^8 Liter. Goubaux und Colin gehen 7iö Liter au. (vgl. pg. 222).
In der Allaiitüi'sflüssigkeit linden sich das Hippomanes, 1215 cm lange olivenfarbige Körper in wechselnder Zahl, welche entweder frei schwimmen oder durch Stiele am Allnntoischorion befestigt sind. Dieselben sind in Folge der Wachsthumsart eingefaltete, dann abgeschnürte und demnach abgestorbene Thoile dos Allantois-Chorions von leimartiger Beschaffenheit (enthalten viel phosphorsaure Ammoniakmagnesia). Sie wurden früher als Fohlenbrot, auch Fohlenmilz bezeichnet und als Aphro-disiacum theuer bezahlt.
Das Hlppomanes haben schon Aristoteles und Plinius erwähnt und ihm eine besondere Wirkung zugeschrieben. Die Bildung von Hippo-manos ist übrigens nicht Kigenthümlicbkeit der Einhufer. Nach Kehrer*) soll sich bei Wiederkäuern und Schweinen, bei letzteren regelmässig, eine dein Hlppomanes gleichartige Substanz In den Chorionzipfeln bilden, welche bekanntlieh ebenfalls veröden (vgl. pg. I'M u. 20.'i). Der Unterschied wäre also nur der, dass das Hlppomanes beim Schwein und Wiederkäuer an den verödenden Enden des Allantoissackes sich bildet, heim Pferd dagegen an vielen Stellen der Allanto'iK-limentläche. Jeden-
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') Kehrer, Prof. in Gicsson: Beitrüge zur vergleichenden und experimentellen
Goburtskimde. Heft II. Vergleichende Physiologie des Menschen und der Sänge-thierc. Gicsson 1807.
SclimaHz, (U'ycliU'chtsli'hcii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;18
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falls tritt aber das Hippomanes beim Fohlen am auffallendsten iquot; Er-
Bohelnung.
Der Nabelstrang löst sieh, sobald er aus dem Bereich des Am-nion heraustritt, eigentlich auf (vergl. PS- 186), indem hier natürlich der Urachus in die Allantoisblase mündet. Die grossen Gefässe lösen sich jedoch nicht zugleich in Zweige auf, sondern laufen in der Allantoi'swami weiter bis gegen das Chorion, und zwar in der Eiehtung des Nabel-hlaseufeldes. Dieser Gofässstraug wird auch noch als Nabelstrang und zwar als Allantoisportion bezeichnet. Dieser Theil ist natürlich von der AUantois umscheidet und enthält den Rest der Nabelblase. Der ganze Nabelstrang ist etwa 1 m lang, wovon 2 Drittel auf die Amnionportion kommen (Frank) und verhält sich zur Körperlänge wie 1:1,8. Er zer-reisst bei der Geburt von selbst.
Die Fruchthüllen des Fohlens verhalten sich also fol-gendermassen: Die Aussenhtille bildet das Chorion. Den ganzen Binnenraum desselben füllt die AUantois aus, welche demnach die ganze Innenfläche dos Chorion auskleidet. Im Binnenraum der AUantois liegt der Aranionsack, von der Allantoiswand umscheidot. In diesem liegt der Foetus. Derselbe hat somit eigentlich 4 Hüllen, nämlich das Aninion; die innere Lage der Alhuitoi'sblase; die äussere Lage der Allantoisblase; das Chorion. Da aber von der AUantois die innere Lage sieh mit dem Aninion, die äussere sich mit dem Chorion zu je einer, allerdings mehrschichtigen Haut zusammenlegt, so liegt der Foetus in der That in 2 concentrischen Säcken. Der innere Sack besteht aus Amnion Allan-toisscheide desselben und enthält den Liquor Amnii. Der äussere Sack ist AUantois Chorion, also das Allantois-Chorion, und ist in seiner ganzen Ausdehnung mit Allantoi'sfliissigkoit gefüllt, denn sein Binnenraum ist eben identisch mit dem Binnenranm der AUantois. (Es ist deshalb auch verständlich, warum mit dem sich bis zur Geburt fortsetzenden Grossenwachsthum die Allantoisflüssigkeit ständig zunimmt, die Ainnion-fltissigkeit dagegen nicht mehr.)
Der aus Amnion Allantoi'sscheide gebildete Sack würde vollkommen frei in dem Chorion-Allantois-Sack schwimmen, wenn er nicht an einem Punkte des Allantoischorions gewissennassen verankert wäre. Dies ist das ehemalige Nabelblasenfeld, bis zu welchem sich die grossen Nabelgcfässstämme fortsetzen. Mit den Gefiissen zusammen liegt in der Amnionportionquot; des Nabelstranges der Urachus, in der Allaiitoisportiouquot; der Rest der Dotterblase.
Die Chorionzotten bilden sich in der 9.-10. Woche an der aanzeu Oberfläche des Chorionsackos. Dies wird durch die oben be-
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Bchriobcne Thatsaehe, class die AlhintoVs an die gcsammte Iiinen-Hiielie des Chorions (d. h. der serösen Hülle) sich anlegt, ohne weiteres verständlich. Die einzelnen Zotten sind nur einige Millimeter lang, bilden aber dichte, nahe bei einander stehende Büschel. Diese wachsen nicht in die Uterusschlänche, sondern in besondere Schleimhaut-Mcschen hinein (die Uternsschläucho münden auf den Kämmen zwischen diesen Nischen). Zwischen den nüitterliclien und foetalen Gefüsson soll eine doppelte Zellschicht, Exochorion (s. pg. 187) und Uterusepithel, liegen. Die Oberfläche des Uterus ist von Uteriniiiilch (pg. J88, 221) bedeckt. Dieselbe entstammt sowohl denUterusscliläuclien alsdeiilOborrtäclienepithel.
Wiederkäuer.
Die Gesammtgestalt des denEmbryo ciusdiliessenden, von donFrucht-hülleu gebildeten Sackes ist als eine ausscrordentlicli langgestreckte zu charakterisiren. Das Läiigenwachstlium zeigt sich in der ersten Zeit der Entwicklung am auffallendsten.
Bonnet hat dieses frühe Waclisthunisstadiuni am Schaf speciell verfolgt. Nach seiner Berechnung wächst die Eihüllo um über 1 cm in der Stunde. Es entsteht ein spindelförmiger Schlauch, der mit etwa 14 Tagen schon 5060 cm laug ist, bei nur '2ü mm Durchmesser. Im Uterus muss sich der Schlauch daher zusaminenfalten. Venn später durch die Grössenentwicklung des Embryo selbst die Fruchthüllen sich weiten, nimmt die Länge sogar wieder üb. Immerhin bleibt bei allen Wiederkäuern ein sehr langgestreckter, in zwei Enden auslaufender Schlauch bestehen.
Beim Kinde erstreckt sich dieser Schlauch von dem Ende eines Bornes durch den kurzen Gebärmuttcrkörper (s. p. 252) in das andere Horn. Da der Foetus in ein Horn zu liegen kommt, und dieses sammt den Prucht-hüllon sich entsprechend weitet, so erscheint derjenige Theil des Frucht-hiillensackes, welcher in dem nicht trächtigenquot; Gebärmutterhorn sich befunden hat, wie ein verjüngtes Anhängsel (vgl. Abbildung pg. 196).
Im Binnenraum des durch die seröse Hülle bezw. das spätere Chorion gebildeten Aussonackes gestalten sich die Verhältnisse folgender-massen:
Die Dotterblase macht das Läugeiiwachsthuin vollständig mit, bildet sich aber sehr früh zurück, besteht (beim Schaf) schon nach drei Wochen nur noch aus einem bis zu den Enden des Chononsackes reichenden Faden und verschwindet vollständig.
Der Amnionsack, der schon nach zwei Wochen geschlossen ist,
betheiligt sich an dem Ijängeiiwachsthuni nicht, behält vielmehr eine
13*
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196
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lüss im AllantoTsclio-rion, durch welche die
AI lantoi'sblase sichtbar wird.
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Ki(r. h. Knllisioi'dis. ctwii 4 Monate laquo;It, in allnn FmohthüHon.
Nach dor Nntnr jxcy.richiwt. auf ein Soclistnl vcrkliMnci't.
Der Kanzel langgastreoktO Sack ist das Ohorlon (Allantoisclioriim s. pg, 188). Durch ihn
scliinimcrt der den Foctns nnmittclliar innliilllcnde Anmionsaek dnvcii. Die Ziiit'ol dos
Ohorlon sin.l von der AllantoiablMe olloln ansgofollt. Das obora Bndo, Ws kq dor vorensten
and elngefalteton Stolle berab, hat In dem nnboftnohtotanquot; (ps- 10*) Hern golegon.
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I'.tT
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dem Knibnoiiallcib eiitspreehondc Gestalt. Er lint an seiner liiiienfiäclie ebenfalls knopffömige Epitlielverdiekun^oii (pg, JO--!), welche da, wo das Amnion den Nabelstrang uinseheidot, sich verlängern. lgt;io Amiiiontliissig-koit ist ebenfalls um die Mitte der Batwioklungszelt am grössten. Bei der Geburt beträgt sie nach Frank beim Binde noch etwa vier Liter, heim Schaf 100 bis 400 g (pg. 222).
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Die All an to is entspricht in ihrem Längen-wachsthum durchaus dem seeundären Chorion und kleidet dessen Innenfläche überall aus. Die Zipfel des Chorionsackos sterben ab und haben ein
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Kpitlici-
knoten
(Ins Amiiion.
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käsiges Aussehen. Die C'horiongefässe biegen
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an der Grenze der abgestorbenen Zoneschlin-genförmig um. Das Absterben findet entweder schon statt, bevor die Allantois die Enden erreicht; dann wächst die Allantois in die Enden überhaupt nicht hinein. Oder die Allantois ist bereits hineingewachsen; dann sterben ihre Zipfel ebensoweit ab. Jedenfalls ist es für die
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Nabelstrang
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Wiederkäuer naohBonnet
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nicht richtig, dass die EHg.8.
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Dorflolbo Foi'tus im Aiiimon mwAi Enbfemting dos Allimtiraquo;is.'liorii)ns und laquo;Iim- Allunfoishlnsc.
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Allantoi'szipfel durch die Chorionzipfel durchwachsen. Die Allantois hat schon nach 2-1 Tagen (beim Schafe) die Chorionzipfel erreicht. (Die Zipfel können sich ins Innere zurückstülpen.) (Vgl. Abbildung pg. 106.)
Die Allantois umwächst beim Wiederkäuer den Amnionsack nicht derartig wie beim Pferde, wo bekanntlich der Amnionsack ins Innere des Allantoissackes zu liegen kommt. Aber das Amnion erhält trotzdem einen Allantoi'subcrzag. Die Gefässschicht der Alhmtoi's (siehe pg. 187)
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hebt sieh niimlkh für sich allein von der Epithelschicht ab und wölbt sich in Falten über dem Amnionsack zusammen; die inneren und äussereu Lagen dieser Falten trennen sich von einander und so bekommt das Amnion eine vom Allantoischorioii isolirte Scheide von der Allantoisgefäss-schieht. Das Princip dieses Vorganges ist ganz dasselbe, wie das der Entstehung des Amnionsnckes (siehe pg, 182). Dem Pferde gegenüber ergiebt diese Art der Einhüllung des Amniousackes einen wesentlichoii Unterschied. Denn die Innensehicht der Allantoi'swaiid, welche den Hohlraum des Allantoissackes umgiobt, macht die Umschliessung des Amnion nicht mit. Also kann auch der Hohlraum des Allantoissackes selbst sich nicht an der Umschliessung, wie beim Pferde, betheiligen. Der Amnionsack kommt daher hier nicht ins Innere des Allantoissackes zu liegen und ist daher auch nicht von der Aliantoistlüssigkeit allseitig nmflossen,
Die Aliantoistlüssigkeit füllt auch hier den AllantoTssack aus; ihre Menge ist schwankend und betrügt nach Frank 6 bis (5 Liter beim Kinde, nach St. Cyr.-Violet*) ebensoviel wie beim Pferde, bei Schafen nur zwischen 100 und 500 g. Auch beim Kalbe finden sich in der Aliantoistlüssigkeit, wie schon Keiner und Fürstenberg (im Gegensatz zu St. Cyr) angegeben haben, nicht selten Platten oder Brocken von Hlppomanes (nach Kehrer sollen sie sich dann in den abgestorbenen Zipfeln des Allantoischorions gebildet haben; siehe pg. 193).
Der Nabelstrang endet mit dem Austritt aus seiner Amnion-scheide: an diesem Punkt tlieilen sich die Nabelgefässe in je zwei Hauptäste, welche in dem Allantoischorioii gegen die beiden Enden des Chorionsackes hin verlaufen. Der Nabelstrang ist beim Rind noch nicht halb so lang als beim Pferde (30 bis 40 cm): bei den Wiederkäuern im Allgemeinen V4 W8 Vb der Körperlänge. Die Kürze der Nabelschnur bedeutet die Vermeidung mancher Gefahren (vgl. pg. 209, 345 u. Theil II, pg. 314 dieses Werkes). Der Nabelstrang ist wie beim Pferde leicht zerrelsslloh (d. h. bei der Geburt). Er enthält zwei Nabelvenen. Da die Nabelarterien (im Gegensatz zu allen anderen Thieren) im Körpernabel nicht angewachsen sind, so soll es vorkommen, dass sie in der Bauchhöhle abreissen (pg. 347). Die Körperhaut des Foetus setzt sich trichterförmig eine Strecke weit auf den Nabclstrang fort, worauf auch die besondere Form des Wiederkäuernabels nach der Geburt beruht.
Im Chorion des Kindes und der kleinen Wiederkäuer liegen also zwei mit Flüssigkeit gefüllte Säcke nebeneinander, nicht wie beim
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) wraite d'obstötrlqne vötörlnalre. Paris 1888.
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L
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199
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Pferde oonoeatrisoh ineinander. .Man kann den Ainnionsuek biossiegen, ohne den AllantoYssack zu öffnen.
Die Wucherungen des Allantoisehorions [Bildung derselben beim Schaf nach 80 Tagen) weichen von
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denen beim Pferde gnindsiitzlich ab, denn die Wiederkäuer sind Placenta lia (siehe pg. 191). Hs entstehen zwar Zotten auf der ganzen Aussenflächo des Chorions. Aber dieselben entwickeln sich nicht in gleicher Weise, sondern bilden sich mir an bestimmten Stellen
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weiter aus.
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Fiff. in Cli-l)i\rimnt('rnilpfo (Karunkoln) clcs Schafes.
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Die QebftmutterBohleimhaut der Wiederkäuer weist nämlich schon vor Beginn einer
Schwangerschaft warzenartige, wenn auch kleine, Verdicktingen, die Kanin kein auf. Dieselben nehmen während der Schwangersehaft erheblich an (irösse zu, Bei den kleinen Wiederkäuern sind es von ringartigen Schleimhautwülston
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umgebene .Muldon (Gebär-mutternäpfe), beim Rinde dagegen schwamnüihnliche, läng
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#9632; * i * laquo; #
laquo;r * # #9830; . * laquo; #9830;**#.-#9632;
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liche, bis 15 :5 cm grosso Kissen
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mit breit gestielter Basis (Gebärmutterknöpfe). Ihre Zahl 1st
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1 1
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bei den verschiedenen Wieder-
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käuern sehr verschieden und beträgt beim Rind 80 bis 120 (beim Hell noch nicht 10). Sie sitzen vorzugsweise bozw.aussehlicss-lich In den Hörnern und ent
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halten nach de Bruin keine
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Fig. 11, Kartuikol dor Kuli.
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Muskelfasern. Jedenfalls sind
die Karunkehi iiusserst aefässreieh und haben an der Oberfläche zalil-reiohe (Pflanzlöchern im Erdboden vergleichbare) (hüben.
Die Chorionzotten wachsen mir an denjenigen Stellen des Chorions weiter aus, welche jenen Karunkehi anliegen. Sie werden hier baumartig verästelt und bilden zusammenhängende, in Zahl, Gestalt und Ausdehnung den Karunkehi entsprechende Massen, die Kotyledonen*).
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*) Kotyledon von jj xoruXTjOtlw (ovo;) die Vertlöftmg, der Becher etc. Eis ist hiernach berechtigt zu sagen, die Kotyledonequot;, obwohl dor Kotyledonquot;
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gebräuchlich ist.
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200
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Jede derselben ist oino Plaoeata foetalle und sie bilden zusammen eine Placenta multiplex; die Karunkeln stellen die Placenta uterina (multiplex) dar, die jedoch nicht mit einer Dccidua verwechselt werden darf (siehe pag. 187 ft'.). Denn bei derOeburt bleiben die Karunkeln unter normalen
----nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Verhältnissen
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nfVf-,
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Chorion
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intact {wenn sieauchnatur-
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Kemiiss leicht
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Kotyledon
Karuakol
l'tenis-Schlcim-liaut
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bluten); die Chorionzotten
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ziehen sich uns den Lö-fliern der Karunkeln hor-
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Verbindung awisclirn cinor Kotyiodonu und Kiinnikol der Kuh.
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inis. Wenn
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man dieselben künstlich ablöst, so sieht es aus, als ob
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man ein
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Büschel Wurzeln aus nassem Erdreich zöge. Beim Schafe allerdings jst die Verbindung eine innigere, als beim Binde. Ks soll hier sogar die oberfläohliohe Epithelsohioht der Karunkeln sich mit
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ChnrionzulfB
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ablösen. Dies ist,
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Epithel der Placenta luatornu
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wie Bonnet bemerkt,
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schon eine weitere Annäherung an die Docidnaten. Wie die feineren Struotur-verhältnisse in der
Verbindung zwischen Kotyledonen und Karunkeln liegen, namentlich auch, wieviel Zellschichten das mütterliche und foetale Blut von einander trennen (vgl.pg.187),
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mütterliche
Capillaien
Foetale CapUlaren
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Epithel dos
Allantoiseborioii
(Bxoc.horioii)
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bleibt noch genauer Fig, l.i. KotylodoneMotto dor Kuh.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,/Al untersuchen.
Jedenfalls wachsen, wie Bonnet ausdrücklieh nachgewiesen hat, auch bei den Wiederkäuern die Zotten nicht in die. l'terindrüsen hinein, denn solche befinden sich car nicht In den Karunkeln.
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'201
Die Clioriouzottcn, welche urspninglieli auf der OberHiiehe des Chorions entstattden sind, aber nicht niiitterliclieu Kariinkelu gogouiiber-licgen, bilden sich im Ganzen (ähnlich wie beim Menschen (siehe pag. 207) zurück. Vielfach waehsen sie doch In die üebänmittcrschloinihaut hinein, bilden kleine Büschel und werden nach Frank's Vorschlag ac-cessorische Placenta genannt. Bisweilen tinden sieh diese Wucherungen kranzartig um den Muttermund nnd sind dann der beim Menschen vorkommenden abnormen Placenta praevia vergleichbar.
Auch bei den Wiederkäuern findet sich Ut crin mil ch(s. pag. 188,221 j in reichlicher Menge (Colins gewann bei einer Kuh '^U, bei einer Ziege 'm Liter); anfangs enthält sie fettig degenerirende Leukoeyten, später mehr sich auflösende Vterus-Kpithelien. Uchrigens bleibt das Uterus-Epithel im Ganzen und Grossen erhalten.
Schwein.
Der Formentypus des Fruchthüllonsackes und die Art der Formentwicklung in der ersten Zeit sind genau dieselben, wie bei den Wiederkäuern.
Per lange dünne Sack, welchen die seröse Hülle darstellt, ist mit 17 Tagen schon bis anderthalb Meter lang. Er wächst noch viel schneller als beim Schaf und schiebt sich, da der Uterus ihm volle Ausdehnung nicht gestattet, im Zickzack zusammen, nimmt aber später mit zunehmender Grosso des Foetus und dementsprechender Erweiterung der Fruchthiillen an Länge (absolut) erheblich ab.
Die Dotterblase, das Amnion (welches sich schon am 10.Tage schliesst und keine Kpithelwucherungen hat) und die Allanto'i's verhalten sich genau wie beim Wiederkäuer (vergl, dort pag. 195 ff.). In derselben Weise wie dort, kommt auch hier eine Einscheidung des Amnion-sackes bloss durch die abgehobene Gefässschicht der Allanto'i's, aber keine Umwachsung durch den Allantoissack zu Stande. Nur besteht die Eigenthiimlichkeit, dass der Allantoissack beim Schweine thatsächlich durch die Zipfel des Chorionsackes hindurcliwächst. Die Allantoiszipfel treten demnach durch eine Oeffnung des Chorionsackes frei hervor und unterscheiden sich vom Chorion um so auffallender, als der Rand der Chorion - Oeft'nung In Form eines scharf sich abhebenden Ringes auf dem Allautoiszipfel festgewachsen ist. Die Allantotezipfel bleiben mit Flüssigkeit gefüllt, veröden aber, da die Oefässeam Chorionringschlingen-fiirmig umkehren. Da es eine Ausnahme wäre, wenn im Uterushorn des Mutterschwcius nur ein Foetus sich entwickelte, so kommt der Chorionsack beim Schweinfoetus eisentlich bnmer mir in imchbarlichen
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Fig. 14. Ktwa tiWochoi
ftltorFoetuB.
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Flg. 15. Ktwa ü Monat raquo;Iter Foetus.
Durch das (quot;liorion gewaobsoner ÄUantoIszlpfe]
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Areolae
Slt;'hwi'inofoot(m in itllcn l^rnclitliiilit'il. Nacli ilcr Natur KozcMchnot. Auf ein Drittel vn-UU-iiiert. Hör gan/.o longgosteeokto Sack ist das Ohoilon oiler AllundMseliorion. Im Innern lioifeii AnUllonblaao und Ülantotsblaso, Das den Foetus entliallende Aninion Keliiiinne.rt laquo;lentlieli dnreli. Der iiliriKe Hamn wird von der Allantolsbloao eingenommen, deren Zlpfol lioi Kig. lö dnreli die Enden dos Chorlon-Snokes dnrohgewachaon sind. Diese Enden waren mit den Chorion benaohbarton Footen vorwaebsen.
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203
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Beziehungen mit seines Gleiehen zur EutwloMung und wird hierdurcli beeloflusst. IMe Enden der benaehlmrten Fruehtsäeke stülpen nänilicli in der Kegel einander ein und die Chorkmsäeke verwuchsen initoiminder (siehe auch pg. 251 u. 3ö;5).
Die Allantoisfliissigkeit kann ebenfalls Hippoiunnes in erbsen-grossen Kügelclicn enthalten (vcrgl. pg. 103), Der (bei der Geburt leicht zerreissende) Nabelstrang hat ebenfalls nur eine Anmionportion, ist aber der längste unter allen Hausthicren, der Körperlänge etwa gleich, bis 25 cm lang. Die Xabelgefässc bilden einige Spiralen, wie sie auch beim Pferde und viel mehr noch beim Menschen vorkommen. Sie finden sich also an den langen Nabelstrüngen, kommen eben augenscheinlich nur wegen der Länge zu Stande und sind ohne physiologische Bedeutung.
Die fast gänzliche Ucbereinstimmung in der (iesaniintlage der Frucht-hüllen beim Schwein und Wiederkäuer ist eigentlich auffallend in Anbetracht der grossen Verschiedenheit, welche nun andrerseits in dem weiteren Vorhalten des AllantoTs-Chorions sieh einstellt.
lieini Schwein bilden sich nämlich, wie beim Pferde, verstreute und vereinzelte Chorionzotten (also eine Placenta dilfusa bezw. oben keine eehte Placenta; siehe pg. 190) aus. Es entstehen meist transversale, gefässreiche, sehr niedrige Wülste im Allantoischorion, auf denen Zöttchen wachsen. Diese sind primitiver und kleiner als beim Pferde, werden nur einige Zehntel-Millimeter hoch, sind einfach oder auch getheilt. Die Zotten-Wülste bezw. -Peihen stellen sich grdsstenthcils radiär um hellere, gefässlose, knötchenartige, einige Millimeter breite, sogenannte Areolae (um welche eine ringförmige Gefilssanastomoso sich bildet, deren Venen aber in die Areola sieh einsenken). Diese Areolae geben, da sie viel auffälliger sind als die Zöttchen, dem Chorion sein charaetcristisehes Gepräge. Sie sehen aus wie Sagokörner in der Suppe, sind übrigens von verschiedener Grosse. Nach den Zipfeln des Chorion-Sackes hin nimmt Zahl und Höhe der Zottenwülste ab. Den Wülsten entsprechen die Falten der Gebiirmutterschleiinhaut; den Areolae gefässarme grubige Vertiefungen (Uteringruben) mit einigen Drüsemnündungen. Hier findet sich eine stärkere Anhäufung von Uterinmilch. Die Areolcn sollen speeiell für die Ernährung, die, übrigen (transversalen) Zottenwülste mehr für die Respiration von Bedeutung sein. Beim Sehwein sind die feineren Verhältnisse der Beziehungen zwischen mütterlichen und foetalen Blut-gefässen von Bonnet (Entwicklungsgeschichte pg, 253) beschrieben worden.
Die Uterinmilch des Schweines wird vorzugsweise durch Degene-
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ration tlos Epithels der rtoringruben und der Utemssoliliuicho geliefert; verfettende Leukocyteu sind wenig duran betlieiligt.
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F le i seil fres ser. Der Fruehthiillensaeiv des Fleiselifresser ist citronen- bezw. tonnen-förmig.
Die Dotterblase bleibt, wie beim Pferde, an einem Nabelblascn-feld (an einen Pol der Cifronequot;) mit dem Chorion verbniulen und erhält sieh bis zur Qeburt nicht bloss als zusainmengesehrumpfter Strang, sondern als ein rotlios Säckchen, dessen Stiel allerdings gegen den Körpernabel hin geschlossen 1st.
Das (innen, wie beim Schwein, glatte) Amnion und die Dotterblase werden von dem Allantoi'ssaek in ganz derselben Weise völlig umwachsen, wie beim Pferde. Vom Körpernabel bis zum Nabelblasenfeld
erstreckt sich die Dotterblase,
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die wie beim Pferde von der Allanto'i's timscheidet wird. Da sie aber blasenförmig bleibt, so hat sie nicht, wie beim Pferde, das Aussehen einer Fortsetzung des Nabelstr ange s. Der Nabel-
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Nabelstrang
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sträng (mit doppelter Nabelvene)
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Fig. 16. Plncontü lt;los Hundes. Schematiseh nnoh Bonnet.
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reicht eben nur bis zum Austritt
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aus dem Amnionsack und ist kurz, etwa halb so lang als der Körper des Foetus. Er ist haltbarer als bei den anderen Hausthieren und zeneisst bei der Geburt nicht ohne weiteres. Er wird event, von der Mutter abgebissen (pg. 340). Amnion und Alhintois sind in der bekannten Weise mit Flüssigkeit gefüllt.
Das Typische an den Eihüllen des Fleischfressers ist die Büduug der Placenta. Als Deciduaten bildet Hund und Katze (am Ende der dritten Woche) eine Placenta foctalis und zwar eine einheitlich zusainmon-hängende. Dieselbe ist giirtelförmig (Placenta zonaria) und liegt um den Foetus wie eine Banobbinde; sie besteht aus einer Masse verästolter Zotten. Die mütterliche (lehärmiitterschlehnhaut bildet unter Bindegowebs-und Gefässwucherung (sowie Ausscheidung des Syncytium, einer kern* haltigen Plasmamasse, seitens der Uterus-Epithelien) eine entsprechende Placenta nterina, welche zugleich (im Gegensatz zuni Wiederkäuer s. pg. 200) eine Doeidua ist.
Denn ihre Verbindung mit den Chorionzotten wird eine derartige, sdas ein Herausziehen der letzteren nicht mehr möglieh ist, vielmehr die
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Schleimliautsehichten sich mit ablösen müssen (pg. 180).. Die Zotten wachsen nämlich (wie heim Menschen) in die Utcnndriisen hinein, indem sie sich verästeln und die Drüsen seitlich ausbuchton.
Auch hier wird durch Auflösung von Epithelzellen eine Uterinini Ich abgosehieden. Ks bleiben jedoch in der Randzone Räume und Lücken zwischen Placenta footalis und Placenta uterina, in welche Ergüsse aus inüttorlichen Bltttgefässen eintreten. Die Blutzellen werden von den foetalen Epithelzellen aufgenommen; es werden also hei den Carni-voren unmittelbar Elemente des mütterlichen Blutes zur Ernährung verwendet. Durch Farbstoffausscheidungen (auch massenhafte Haemoglobin-
Zotten der Placentu footalis
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Zotten derPlaoenta materna
Sponglöse Schicht
dor Placenta
materna
ütorinschliuichc Mnsoularis
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V'\g. 17. Scnkri'rhtor Durohsohnltt dor l'liiconta dos Hnndea (nach Slnilil).
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krystaJle) in diesen Blutungen erhält die Randzone der Placenta (matema) einen grünen be/w. braunen Saum.
Der Chorionsack nimmt natürlich nur eine beschränkte Stelle des laugen Uterushornes ein. Dieselbe wird mit zunehmender Grössenent-wicklung aufgetrieben und bildet so eine Art Kammer, zu welcher aus den an beiden Enden angrenzenden leeren Theilen des Homes enge Zugänge führen. Die Placenta bildet sich circular zur Längsachse des Homes, bzw. der Kammer, deren Ausgängen also die Enden des citronen-förmigen Chorionsackes zugekehrt sind. Diese Enden erhalten schliess-lich auch einen, wenn auch dünnoii und besonders gearteten Ueberzug von mütterlicher Decidua, wodurch der den Foetus bergende Raum that-sächlich zu einer auch an beiden Enden abgeschlossenen besonderen
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HHH
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F rue lit kämm en1 wird, Diese SohlUSSplatteQ stellen eine schon der Deoldua retlexa des Meiisohou sieh nähernde Bildung dar.
Kaninchen. Die Dotterblasc bleibt an einem weiten Nabelblaseufeld mit der Blastula bzw. serösen Hülle im Zusammenhang. Der Ainnionsaek ist rings vom Aussencoelom (pg, 17(5) umschlossen. Die aus dem Foetus herauswachsende A llantoia tritt an eine dem Nabolblasonfold gegenüberliegende begrenzte Stelle dos Chorions, an welcher nunmehr eine scheibenförmige Placenta footalis (PL discoulea; siehe pg, J91) entsteht. Hier liegen also im Binnenraum des Cliorionsaekes bzw. der serösen Hülle drei völlig sclbstständige Säcke: Inmitten der Anmionsack mit dem Foetus und an den gegenüberliegenden Polen die Dotterblase bzw. Allantoi's; letztere beiden je durch einen Stiel (Ductus vitello-intestinalis, Urachus) mit dem Foetus und an ihrer Basis mit dem Chorion verbunden. Der zwischen diesen drei Säcken freibleibende Raum des Chorions, das Aussencoelom (welcher bei allen übrigen Haustbioren wegen seiner völligen Ausfüllung durch die Allantoi's nicht existirt) füllt sich mit eiweisshaltiger Flüssigkeit. Die Dotterblasc wird schliesslich zusammengedrückt.
Mensch.
Einige vergleichende Bemerkungen dürften hier von Interesse sein. Der Mensch gehört zu den Deciduaten. Seine Decidua bietet den höchsten Grad der Entwicklung. Die ganze, den Uterus simplex auskleidende Schleimhaut ändert ihren Charakter bei der Schwangerschaft und beisst Decidua vera. Derjenige Thoil, auf welchen das Ei zu liegen kommt, hoisst Decidua serotina. Diese Serotina liefert die Placenta uterina, in welche die Placenta foetalis hineinwächst. Beide zusammen bilden in unauflöslich inniger Verbindung den scheibenförmigen, etwa 1 Pfund schweren Muttorkuchen. Das Ei wird aber auch noch von einer Schleimhautwuchcrung, der Decidua roflexa, au seiner der Uterushöhle zugekehrten Fläche umwachsen (und so, schon wenn es den Uterus noch keineswegs völlig ausfüllt, doch ganz von Decidua umschlossen). Eine wirkliche D. reflexa kommt ausser dem Menschen nur den anthropoiden Affen zu; doch ist eine ähnliche Bildung beim Hunde angedeutet (pg. 205). Decidua vera und reflexa werden gegen das Ende der Schwangerschaft hin dünn. In Folge der Geburt reissen natürlich sowohl die Reflexa als die Serotina sammt dor Placenta foetalis ab.
Auf dem Chorionsack des Foetus entwickeln sich zunächst überall Zotten; aber nur gegenüber der Decidua serotina wachsen sie xur Pia-
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207
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ccMita (Chorion froiiclosum) aus. Alle übrigen Zotten, d. h. die. der D. rotioxu zugekehrten (die als Choriou laeve bezeichnet werden) atrophiren. Dies ist also ein ganz ähnliches Verhältniss, wie beim Kinde (siehe ])g. 201). Die Chorionzotten wachsen beim Mousehenin die l'teriiischläucho (wie beim Fleischfresser). Eine dirocte Verbindung zwischen mütterlichen und foctalen Blutgefässen fiiulet auch hier nirgends statt. Utcrin-milch giebt es beim Menschen nicht.
Die Allantoi'sblase fällt vollständig zusammen, so dass ein Allantoissack Überhaupt niebt existirt. Es bleiben nur die Nabelgefässe, welche natürlich bis zu der Stelle reichen müssen, wo ehemals das
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Chorion durch die Allantoi's vascularisirt worden war und
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Oviiluin
Decidua rellaxa
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Deoidua.
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wo sich die Placenta loetalis gebildet hatte. Daher führt beim Menschen der wirkliehe Nabelstrang (d. h. die Nabelgefässe sammt dem der zu-sainmeiigofallencn Allantoi's entsprechenden und den Ura-eims fortsetzenden Strang) bis zur Placenta foetalis, resp. bis zum Mutterkuchen. Da letzterer an der (iehärmutter-wand festsitzt (mittelst der Placenta uterina alias Decidua serotlna), so ist der den Pruoht-hüllon entschlüpfende Foetus noch durch die Nabelschnur
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an der mütterlichen (icbär-
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Via. is. Uenaolilloliei ütorus. Sfohemafelsoh uaoh Bungo.
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mutterschleimhaut geradezu ^orankert.
Dies ist ein besonders zu betonender scharfer Oegen-satzzu den Verhältnissen bei allen Haustlue reu, einschliess-lioh der Deciduaten unter denselben. Weil bei allen Hausthieren die Allantoi's als eine mit Flüssigkeit gefüllte Blase im Gegensatz zum Menschen den ganzen Hiunenraum des Chorion-sackes ausfüllt, steht der Nabelstrang mit dem Choriou selbst, nlso auch mit einer etwaigen Placenta materna nicht in directem Zusammenhang. Denn er endet als Nabelstrang eben da, wo er aus der
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Amnionschcide hervortritt, wo also dor Uraehus in dor AllantoYsblase mündet und die Nabolgefässe sich auf die AllantoVswand begeben. Es sielit nur, da dio s;rossen Gcfässstiimine sich nicht sogleich in Aeste auflösen, so aus, als ob der Nabelstrana; sich noch weiter gegen das Chorion hin fortsetzte. Dies ist namentlich der Fall beim Pferde. Deshalb spricht man hier von einer bis an das Chorion reichenden AllantoVs-portion des Xabelstranges (pg. 194), obwohl dies der eigentliche Nabei-straug gar nicht mehr ist.
Der Nabelstrang des Menschen ist cngspiralig aufgedreht, was mit
den Bewegungen des Kindes Chori(^___;^_ Mut-^'-kuchennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; erklärt wird. Er ist z. Tli.
Amuion ^lt;^M^==~^^?gt;v Inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;wohl auch deswegen sehr
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Nabelschnur
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fest und reisst nicht ohne weiteres durch die Aus-stossung dos Kindes ab. Er ist durchschnittlich 50 cm laug, d. h. etwa ebenso lang, wie der ausgereifte Koetus. Das Längenverhältniss ist demnach dasselbe wie beim Sehwein. Jedoch wechselt die Länge, es kommen ganz kurze Nabelschnüren und solche bis zu l1^ m vor. Jedenfalls ist aber derNabel-strang in der Kegel viel länger als die Entfernung zwischen Foetus und Pla
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Flg. 10, Mcnsrhliolier Foetus in Frucht liüllon
im Utoms.
Schcinfitisch n.-icli RutlgO,
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centa. Indem der Foetus sich an der Nabelschnur
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bewogt, kann bei abnorm langer Nabelschnur diese nicht allein sich in sich selbst, verwickeln, sich knoten, sondern sich auch dem Foetus um Hals, Rumpf oder Glied-massen schlingen (vergl. pg. 210 und 345).
Da die AllantoVs beim Menschen gar keinem Raum einnimmt und auch die Dotterblaso (bis auf einen kleinen weisslichen, zusammengefallenen Fest, der an der Nachgeburt nachweisbar bleibt^ verschwuudeu ist, so füllt beim Menschen, ebenfalls im vollständigen Gegensatz zu den Thicrcn der Amnionsack den ganzen Binnenraum des Chorions aus. (Der Nabelstrang hat daher auch bis an die Placenta heran eine
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Amnionseheidc.) Kb giebt daher beim Menschen auch nicht zwei verschiedene Fruchtwasser, sondern eben nur Liquor Amnii, dessen Menge zwischen 800 und über 200O gr, durchschnittlich 3\ Liter, beträgt (vgl. pg. '221).
Fehler der EihUllen.
Fehler der Kihiilleu können Krankheiten vorstellen oder zu solchen Ahlass geben. Ihre Besprechung gehört daher nicht au diese Stelle und es sei hier nur kurz darauf verwiesen.
Ob die Beschaffenheit der Eihäute, zu feste iilaccntare Verbindung, zur Spätgeburt (Partus serotinus beim Menschen) Veranlassung gehen können, ist bei Thiereu wohl mindestens zweifelhaft.
Dagegen liegt es auf der Hand, dass die Frühgehurt, der Abortus, dadurch veraulasst werden kann, dass die Verbindung zwischen Mutter und Frucht durch eiue Einwirkung an Ort und Stelle gelockert bezw. zerstört wird. Auf Vorgängen, welche mittelbar oder unmittelbar eine derartige Wirkung ausüben, beruht dor Abortus häufiger, als auf äusseren mechanischen Einwirkungen. Wenn dem seuchenartigen Abortus (siehe Theil II, pag. OH dieses Werkes) eine Infection zu Grunde liegt, so sind wahrscheinlich die Eihäute, resp. die Chorionzotten der Ort ihrer Wirksamkeit.
Pass zu derbe Jieschaft'enheit des Chorions das Platzen des Chorion-sackes, den Blasensprungquot; (siehe pag. 328) verzögert, kommt beim Mensehen wie bei Thicren vor. Die Blasequot; wird dann künstlich zerrissen oder der Foetus wird in den Hüllen geboren (in der .,lt;ilücks-haubequot;, wie man dies beim Kinde in vergangener Zeit nannte, partus pacite geloato). Die Hülle muss dann nach der Geburt sofort zerrissen werden (pg. 315). Bei dem einzigen Male, wo bisher das Gebären beim Elephantcii beobachtet worden ist, wurde das Junge in der Hülle geboren; die Mutter sprengte den Sack sofort durch einen Fusstritt (Hagenbeck, mündliche Mittheilung). Dies scheint darauf hinzudeuten, dass beim Klephanton die Geburt in den Hüllen die gewöhnliche Form sei.
Ob eine zu grosse Festigkeit der Nabelschnur als Geburtshinder-niss vorkommen kann (Theil II, pag. 314), ist nicht erwiesen. Dass die Nabelschnur gelegentlich bei der Geburt nicht spontan zerreisst (pg. 345) kommt auch bei den grossen Hausthieren vor. Abnorme Kürze des Nabelstranges wäre, wenn sie vorkommt, wahrscheinlich bedeutungslos. Abnorme Längen können zu Umwicklungen führen. Beim Menschen ereignen sich jene Uinwicklungen (und Verknotungen) häufig, aber auch nicht bei durchschnittlicher, sondern bei aussergewöhnlicher Länge der Nabel-
SclnnaUz, CloschlcchtBloben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 14
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-211)
sciinur (siehe pag. 208 n. ;J4quot;)). aif führen übrigens nur y,!iiiz ausnaluns-#9632;weise zu üblen Ziifiilion, üu Absperrung dei1 Nabelgefässe bezw. Strangulation. Heim Schweine ist der Nabelstrang relativ ebenso lang als beim Menschen, auch beim Pferde nicht viol kürzer; es scheinen aber uusser gewöbullohe Längen nicht, wie beim Menschen, vorzukommen, da Um-BObnUrungen ganz selten sind (Theil II, pag. 31ö).
Dass die Placenta Sitz selbstständiger Erkrankungen bezw. ab-normer Vorgänge sein kann, ist kaum zu bezweifeln: doch sind darüber nur wenige Beobachtungen gemacht.
Die Blasenmole*), Myxoma multiplex, 1st wohl die merkwürdigste Veränderung des Chorions. Dieselbe besteht in einer Wucherung des Chorionepithels und ihrer blndegewebigen Unterlage mit theilweiser schleimiger Entartung der Zollen und namentlich Anhäufung embryonaler (also schleimiger) bindegewebiger Intercellularsubstanz in den wuchernden Zotton. Es entstehen an der Aussenfläche des Chorionsackes schleimgefüllte Cysten verschiedener Qrösse, oft traubenförmig zusammengedrängt. Diese Traubenmole scheint beim Menschen durchaus nicht, bei Thieren aber sehr selten zu sein. In Pranks Lehrbuch der Geburtshilfe ist sie ebenso wenig erwähnt, wie von Harms im zweiten Theile dieses Werkes. In der B, T. W. 1891, pag. 'J-I/J hat aber Ruppreoht einen Fall vom Rinde beschrieben, der, soviel ich weiss, der einzige beobachtete ist.**)
Die Kuh hatte ein kleines gesundes Kalb geworfen und war gesund. Die Eihiiuto nuisstou nacliträgliek abgenommen worden. Sie wogen trotz thoil-wolsen Verlustes dos flttsslgen Inhalts ilO Pfund. Das eine Horn dos Chorion-saekes zeigte hochgradige Veränderungon. Seine Wund war mehrere Centimeter dick und sulzig. An seiner Aussenfläche sassen blasenfOrmige und knollige Wucherungen so dicht, dass kaum Zwischenräume verblieben. Dieselben waren Echinococciisblasou nielit nnälmlich, erbson- bis rnannskopfgrOSS, die eine 42 cm lang und 20 cm breit. Klo waren tboils solitür, thells bildeten sie förmliche mit Blasen besetzte Bäume (gewucherte Zotten), von denen einer hunderte seonndärei' Blasen trug.
Häufig ist die Wassersucht der Eihäute, welche von Harms im zweiten Theile dieses Werkes pag. 816 ff. beschrieben worden ist. Dieselbe besteht einfach in einer krankhaften Vermehrung der Innerhalb weiter physiologischer Grenzen schwankenden Menge dos Fruchtwassers, ist
*) Der Name Mola ist schon von Hippocrates, Aristoteles und Ualen gebraucht, Jedoch im weiteren Sinne. Die Blasenmole wurde beim-Mensehen schon Im xvi. Jahrhundert beschrieben.
*') St. Cyr führt (i Källo von mölusquot; auf, versteht darunter aber einen ganz andern Zustand, nämlich die Eloischinole (Kruchthüllen, die einen abgestorbenen Embryo enthalten; vgl. pg. 272).
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also nicht gum eine Wiissersucht im gewöhnlichen Sinne. IJeim Menschen, wo nur Liquor Amnii (pg. ÜO'J) vorhanden ist, spricht man von Hydiamnion. I!ei Thieren waren Hydramnion und Hydrallantom thooretiseli zu unter-scheiden, was praotisoh jedoch weder immer möglich nocii von Bodeutuntt ist. Auch Blutungen in das Fruchtwasser (rothe lilase) sollen vorkommen (II, Theil pag. ;5'2I dieses Werkes).
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Physiologie des Foetus.f:)
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Der Kreislauf.
Der Kreislauf des Foetus erfordert dessen eigne active Mitwirkung. Er kann daher erst beginnen, wenn sich das active Organ des Kreislaufes, das Herz, gebildet hat und contractionsfähig geworden ist.
Bis dahin brauchen die aus der Eifurchung hervorgegangenen embryonalen Zellen selbstverständlich Nährmatcrial. Zu diesem Zwecke wird der in ihnen enthaltene Nahrungsdotter (üeutoplasma, pg. 12) bezw. die in der Blastula (pg. 174) gebildete Flüssigkeit verbraucht. Die Aufnahme in die Zellen erfolgt durch einfache Aufsaugung. Ersatzmaterial wird alsbald auch aus der Uterusschleimhaut aufgenommen durch die Zöttchen der Zona pellucidn (vgl. pg. 184). Diese primitive Art der Ernährung kann natürlich nur so lange genügen, als die Masse sehr klein und der sich bildende Körper sehr einfach ist, und dies währt nur eine sehr kurze Zeit.
Das Herz bildet sich daher ausscrordentlich früh. Beim Hühnchen ist das primitive Herz nach 24 bis 30 Stunden bemerkbar und beginnt sofort zu pulsiren. Beim Säugethier (am Kaninchen von Bischoff beobachtet) beginnt das Herz, dessen erste Anlage aus zwei seitlichen Endothel-säckchen zusammenwächst (die mit den späteren Herzhälften übrigens gar nichts zu thun haben), erst nach Ausbildung der einheitlichen Herzanlage am neunten Tage zu pulsiren; es ist dann natürlich an ihm auch schon Musculatur erkennbar (vgl. pg. 180).
Mit dem ersten Herzschlag beginnt der Kreislauf des Foetus; also in einer, an Masse noch sehr unbedeutenden und in der Organisation noch einfachen Körperanlage. Es erscheint von vorn herein begreiflich, class dieser erste Kreislauf mit zu einfachen und ungenügenden Mitteln arbeitet, um sich den späteren relutiv ins Ungeheuere wachsenden Anforderungen anpassen zu können. Der Kreislauf bleibt daher während
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*) Das ausführlichste Werk hierüber ist von L'rcyor: Spcciello Pbysiologio des Embryo. Leipzig 1885.
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dos intmuterinen Lebens nicht ein gleichartiger; eine blosse quantitative Verstärkung würde nicht genügen. Es tritt vielmehr ein Wechsel zwischen ganz verschiedenen Formen ein, welche sich jedoch nicht plötzlich ablösen, sondern von denen die eine allmiihlich die Thiitigkcit der anderen iibcrniimnt, während letztere ebenso allmählich znriiektritt, um schliesslich zu verschwinden.
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Die Formen des embryonalen Kreislaufs.
Die beiden Hauptformen des embryonalen Kreislaufs sind der Dotterblasenkreislauf und der Allaiitoiskroislauf.
Der Dotterblasenkreislauf (bei dem noch eine hier unwesentliche Uutersoheldung In zwei Stadien gemacht werden kann) hängt, wie sein Name erkennen liisst, mit der Existenz der Dottorblase zusammen, deren Bildung pg. ]~0 beschrieben worden ist. Auf ihr entsteht ein zunächst einfach capilliir gebautes (iefässnetz zugleich mit der Bildung des Herzens und der Oefässe (und der ersten körperlichen Elemente des Blutes) im Kinbryoualleib selbst. Dieser äusserc Gefässhof steht mit den Gefiissen des Kinbryonallcibes in Verbindung, indem aus den primitiven Aorten (resp. der Aorta) Gcfässo (die Omphaloinesenterialarterien) entspringen, welche einen centrlfugalen (cordifugalen) Blutstrom auf den Dottersack hinausleiten, während die Venae omphalomesiiniicae vom Dottersack aus in das primitive Herz gehen und also einen cordipetalen Strom leiten. Während der Circulation auf der Dotterblase nimmt das Blut Nährstoffe (auch Sauerstoff) aus dem Inhalte der Dntterblase auf. [Obwohl auch beim Vogel der Dotterblasenkreislauf sciiii'Form mit Ausbildung einer AllantoYs wechselt, so ist doch ohne weiteres klar, dass er sein Material von Nährstoffen bis zum Ausschlüpfen des jungen Vogels nur aus einer und derselben Quelle beziehen kann, nämlich aus dem im Dottersack enthaltenen Eidotter (der nur aus Deutoplasma besteht). Der Inhalt des Dottersackes wird also während der Brütezeit allmählich verbraucht, der Dottersack verkleinert sich dementsprechend und sein Best gleitet, vor dem Ausschlüpfen des Vogels, den Darmnabel verschliesscnd in die Bauollhöhle. Der Vogel ist zur Entwicklung ohne Verbindung mit der Mutter eben deswegen befähigt, weil der Inhalt seiner Dotterblase so ausscrordentlieh gross ist, dass er für die ganze Entwicklungszeit zur Ernährung ausreicht. Nur der Sauerstoff muss dem Vogelembrvo aus der das Hi umgebenden Aussenluft durch seine Gefässe zugeleitet werden und eben deshalb muss sich auch hier ein Allantoi's-kreislauf an Stelle des Dotterkreislaufs setzen, weil letzterer mit der Verkleinerung des Dottersackes nothwendig an Flächenausdehnung re-
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(lueirt wird, während umgekehrt das Smicrstoffbedürfniss, (lessen Ite-frledigUUg von der Fliicheuuusdelmmig der Capillaren abhängig ist (vgl. ]ig. 220), sieh im Laufe der Entwicklung natürlich vergrössert.]
Der Dotterblasenkreislaufdes Säugethier-Kinbryo bezieht das dein Embryo zu/iutührende Nährmaterial keineswegs blos aus dem ursprünglichen Inhalt der Dotterblaso (bezw, der Blastula; s. pg. 175 u. 102), welcher seiner Geringfügigkeit wegen hierfür nicht ausreichen könnte. Elaquo; findet vielmehr unbedingt auch schon seitens der Dotterblasengefässe eine Aufsaugung aus der Gobärmiittcrschleimhaut statt, welcher ja die ursprüngliche Blastula (bezw. die Dotterblase selbst am Nebenblasenfeld) unmittelbar anfliegt. In diesem Sinne kann das Nabelblasenfeld als eine Dotter-saekplacentaquot; bezeichnet worden.
Der Allantoi'skreislauf: Naehdom die Allantois mit ihren üe-fiisssprossen in die Chorionzotten hineingewachsen ist, beginnt nun in ungleich vollkommenerer Weise die Zuleitung von Nährstoffen aus dem mütterlichen Blut durch die centripetal leitenden .VllantoYsgefässe, die Nabelvenen.
Die Chorionzotten, welche Form sie auch haben mögen, stellen in ihrer (lesamintheit natürlich eine sehr grosse Oberfläche dar. An dieser ganzen Oberfläche kommen die Zottengefässe mit Gefässen der mütter-liehen Schleimhaut in Berührung. Das in den beiderseitigen (Jefässen oursirende Blut kann, wenn auch durch dünne Scheidewände getrennt, seinen Gehalt austauschen. Das aus dein Foetus centrifugal mit den Nabelarterien in die Chorionzotten geleitete Blut wird an das mütterliche Blut von seinem Kohlensiiurereichthum abgeben und Sauerstoff sowie Nährstoffe aufnehmen (siehe Ernährung pg. 21Ö ff.). Der Allantoiskreislauf ersetzt also zugleich die Athmung; er entspricht dem späteren grossen und kleinen Kreisläufe. Dieses Verhältniss bleibt bis zur Geburt bestehen.
Der Beginn eines Allantoi'skreislaufes ist also an die Ausbildung des Allantoi'schorions geknüpft, welche beim Menschen etwa nach vier Wochen stattgefunden hat, bei Schaf, Schwein und Hund ebenfalls nach 4 bezw. ;i Wochen, beim Pferd erst nach 0- -10 Wochen (siehe pg. 19-i).
Diese Zeit von 1 bezw. 221 a Fntwickhmgsmonaten ist also die erste Ernährungsperiode des quantitativ noch sehr unbedeutenden Embryo, die Zeit des Dotterblasenkreislaufes. Es ist nun auch verständlich, warum mit dem Emporwachsen der Allantois die Dotterblase überall verschwindet bezw. bis zur Bedeutungslosigkeit reducirt wird (pg. 185). Nicht einblosses mechanisches Verdrängtwerden im Räume, sondern die eingetretene Ueberflüssigkeit ist der Grund dafür. Das Verschwinden des
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Dottorblasonkreislaufs kann naturgomiiss kein plötzliches sein; er besteht noch eine ZeitlaiiR neben dem bereits functioniremlen AllantoVskreislanf, dime dessen Organisation störend zu beeinflussen, und geht allmählich ein. Die Organisation des Allantoi'skroislaufs bleibt im Princip dieselbe, vom BegltlU bis zur Geburt. Die Betraclituug desselben kann sich hier auf die Beantwortung zweier Fragen beschränken s 1. Wodurch unter-schoidet sich der AllantoVskreislauf vom definitiven Kreislauf, sowohl in der Art der Leitung als auch in der Beschaffenheit des Blutes? 2. Wann, wodurch und wie bewerkstelligt sich der Uebergang vom foetalen zum fertigen /instand ?
Die Merkmale des Allantoi'skreislaufs.
DasS ein Theil des AllantoVskrcislaufs ausserhalb des Embryo liegt, ist für das Leitungsprincip an sich kein wesentlicher Unterschied. Die Nabelarterlen, welche den Uraolius begleiten, sind Ausläufer der Aorta und enthalten als solche einen centrifugaleii Blutstrom. Aus ihrem Capülargeblet sammelt sich das Blut in die Nabelvene, wird durch diese centripetal weiter geleitet und gelangt mittelst der Hohlvene ins Herz. Das Blut geht also vom Herzen in die Aorta, durch die Capillaren und mit der Hohlvene ins Herz zurück, ganz wie später im definitiven Kreislauf. Welche Gebiete es dabei durchströmt, ist hier Xebensache.
Der Unterschied liegt vielmehr einzig und allein darin, dass der Lungenkreislauf noch ausgeschaltet ist. Die Lungen fimetioniren nicht, denn sie haben nichts einzuathmen und erhalten daher auch kein Punetionsmaterial, d. h. kein Hint aus dem Lungenkreisauf. Der Kreislauf des Embryonalleibes ist daher kein doppelter, wie später, sondern ein einfacher. Der Zugang und Ausgang der Lungen-gefiisso ist gewissermassen geschlossen und für diese beiden, gesperrten Thüren sind am Herzen zwei andere geöffnet.
Die Hohlvcnen führen den oentripetalen Strom aus dem Körper In das rechte Atrium. Von hier aus stehen aber wenigstens der hinteren Hohlvene zwei Wege zur Verfügung nämlich 1. durch die Atrioventricular-öffnung in den rechten Ventrikel und 2. durch das Foramen ovale *) in den linken Vorhof und von hier in den linken Ventrikel. Es ist also so gut, als ob die hintere Hohlvene beide Atrien versorgte **) bezw. als ob das
) Das Foramen ovale liegt bekanntlich im Septum atriorum und besitzt eine Klappe, welche von links, nicht aber von rechts bor vorschlLossbar ist.
*) Das ist auch tliatsäehlich der Fall. Denn die hintero Hohlvenc hat, wie schon Caspar Wolff 1775 nachwies, eigontlloh zwei Mündungen, durch welche sie beide Atrien gleichzeitig versorgt und das Foramen ovale; ist eben nichts weiter, als ihre Mündung In den linken Vorhof.
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linke Atrium gar nicht da wäre und das fechte Atrium mit beiden Ventrikeln in director Verbindung stiiiulo.
Aus dem linken Ventrikel seht der Blutstrom nun centrifugal in die Aorta und ebenso aus dem rechten Ventrikel in die Lungenarterie.
Das Lungenarterieiihlut wird aber in die noch niebt ausdehniiugs-fiihigen Lungen nicht aufgenommen und geht durch die Nebenbahn des Ductus arterloBUS (Botalll) dicht über dem Herzen in die (hintere) Aorta.
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Lungenarterie
lgt;ii(-tiis a.rtcriosu.-s (Bolaili)
Foramtiii ovale Ostiniu anrtinnn
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acenis TuFerculum Iretervenostmi
(Löwerli Osüuin pxdmnnnle
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* -lt; rt fv*'
Fig.SO^ Bohoinft dos Allnntois-Kvoisljiu.fV.
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Es ist das also dasselbe, als ob das Blut gar nicht in die Lungenarterie bezw. in den rechten Ventrikel eingetreten, sondern ausschliesslich aus denn linken Ventrikel in die Aorta gegangen wäre, d. h. der rechte Ventrikel brauchte (wenigstens in dieser Beziehung) gar nicht da zu sein, um die Leitung zu bewerkstelligen.
Mithin kann man sagen, das linke Atrium und der rechte Ventrikel sind von der Mitwirkung am Allantoiskrcislauf so gut wie ausgeschaltet. Ea sind das eben diejenigen beiden Herzräume, die später dem Anschluss des Lungenkreislaufes
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an don srosseu Kreislauf dienen. Trotzdem müssen sie, von iinderon Aufgaben abgesehen, (s. ü. B. pg. 211)) natürlich schon vorhanden sein, um bei dem plötzlichen Uebergang des Allantoi'skreislaufs in den definitiven sofort in Thiitigkeit treten zu können.
Was nun die Qualität des strömenden lilutos anlangt, so ist vorweg zu bemerken, dass während der ganzen Dauer des intrauterinen Lebens ein Blut, welches man arteriell nennen könnte, im foetalen Körper überhaupt nicht existirt. Ks giebt zwar Blut, welches aus dem Körper rein venös ins Herz zurückkehrt, obwohl nicht alle Körpervenen solches rein venöses Blut führen. Rein arterielles Blut aber gelangt in den Kreislauf Überhaupt nicht, denn das Blut, welches man so nennen könnte, hat sich sogleich bei seinem Eintritt in den Kreislauf mit rein venösen Blute gemischt. Es giebt also nur venöses und gemischtes (und zwar in verschiedenem ürade gemischtes) Blut im foetalen Körper. Letzteres kann mau daher nicht als arteriell, sondern nur als aufgefrischt bezeichnon.
Die Nabelvene leitet das Blut von den Chorionzotten, wo es Sauerstoff und Nährstoffe aufgenommen hatte, also arteriell geworden war, centripetal. Inciom sie aber (an der Leber, siehe pg. 231) in die Hohlvene mündet, mischt sieh mit dem arteriellen Blut das rein venöse Blut, welches die hintere Hohlvene aus den Organen des Embryo heranführt.
In das rechte Atrium gelangt also mit der hinteren Hohlvene gemischtes Blut, mit der vorderen Hohlvene dagegen (aus den Kopforganen) rein venöses Blut.
In die Aorta kann demnach ebenfalls nur gemischtes Blut eintreten und von hier in die Körperorgane gelangen. Dabei tritt aber im Grade der Mischung ein Unterschied ein. Das rein venöse Blut der vorderen Hohlvene gelangt nämlich durch die Vorlagerung des Tuber-culum intervenosum (Loweri) aussehliesslich ins rechte Atrium, das gemischte Blut der hinteren Hohlveue dagegen durch das Foramen ovale direkt in die Aorta. Das Blut dieser Qualität versorgt sowohl die Kranzarteric des Herzens, als die vordere Aorta. Dagegen erhält die hintere Aorta, in welche der Ductus arteriosus mündet, mit diesem noch das rein venöse Blut aus dem rechten Atrium; ihr gemischtes Blut wird also nochmals mit venösen Blut gemischt. Es giebt demnach zwei Qualitäten gemischten Blutes.*) Das Blut, welches durch die hintere Aorta den Organen zugeführt wird, ist gewissermassen mit einem
*) Es können genauer raquo;och niohr Versohiedenheiten der Bluttnlsohung
(8) in verschiedenen Abschnitten des Kreislaufs unterschieden werden. Darauf kommt es jedoeli hier nicht an.
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doppelten Authoil venösen Blutes gemlsohti das der Horzurterie und vor-lt;leron Aorta nur mit einem Antheil. T)ns letztere ist also frischererquot; Vmilität.
Es glebt demiuich Ora;aiie, welche in der Ernähruug bevor-ZUgtsindi weil sie sozusagen reineres und reicheres Blut bekommen. Diese Organe sind namentlich der Kopf, also im Wesentlichen das Gehirn, das Herz und übrigens auch die Leber. Denn, wie jetzt liinzugefügt werden kann, das mit der Nahelvene centripetal geleitete rein arterielle lilut passirt, bevor es in die Hohlvene, also in den Körperkreislauf eintritt, entweder ganz oder z. Th. die Leber (vgl. pg, 281). Diese wird also ganz unmittelbar mit aufgefrischtem Blut reinster Qualität versorgt. Auf die Stellung dieser Organe während des foetaleu Lebens wirft ihre bevorzugte Ernährung ein klares Licht.
AlsBesultat ergiebt sich also; Im Allantoi'skreislauf fehlt der Lungenkreislauf. Linkes Atrium und rechter Ventrikel sind gowisser-massen ausgeschaltet. Dafür bestehen zwei besondere Coinmunicationen, das Foramen ovale und der Ductus arteriosus. Im Körper des Eoetus cursirt kein rein arterielles Blut, sondern nur rein venöses und aufgefrischtes, aber mit venösem gemischtes lilut. Die Mischung ist nicht gleichartig; (Jehirn (Kopf), Herz und Leber namentlich sind besser ernährt, als die übrigen Körpertlieile.
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Ucbergang zum extra-uterinen Kreislauf.
Der Ucbergang erfolgt plötzlich, mit der (Jeburt, resp. mit dem Augenblick des Zerreissens des Nabelstranges. Damit hört die Zufuhr von gelösten Nährstoffen und Sauerstoff aus dem mütterlichen Blute auf. Die ersteren können eine Zeitlang entbehrt werden, der Sauerstoff nicht. Die sofortige Verarmung des Blutes an Sauerstoff bzw. die Zu-nahme der Kohlensäure regt den ersten Athemzug an (vgl. a. pg. 226).
Mit dem ersten Athemzug treten die Lungen in den Kreislauf ein resp. es beginnt der kleine Kreislauf. Die sich ausdehnenden Lungen öffnen sich dem Blutstrom der Lungenarterie; der Ductus arteriosus bleibt in Folge dessen fortab, auch ohne besondern Verschluss, leer (und verwächst allmähliche, das Lungonblnt wird sanerstoffhaltig und rein arteriell. Es er-giesst sich durch die Lungenvenen in das linke Atrium und von hier in die Aorta. Der Druck des einströmenden Llutes schliesst das Ventil dos Fonunen ovale von links her und lässt ein Oeffnen desselben von rechts her nicht mehr zu. Das jetzt rein venöse Hohlvenen-Blut kann aus dem rechten Atrium nicht mehr in das linke Atrium, sondern nur noch in den rechten Ventrikel strömen.
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Demaaoh sind jetzt flio beiden bcsoiideron Communieatioiien des Allantoiskreislauf'es (Foramen ovale und DuotUB arteriosus) -verschlosson bzw. verödet. lgt;aH linke Atrium und der rechte Ventrikel sind in den Kreislauf eingeschaltet und die definitiven Verhältnisse sind hergestellt
Die Geburt beendet in jedem Falle das intra-uterino Leben, aber erst der erste Athemzug bedeutet den Besinn deraquo; ex tra-uterinen Lebens. Zwischen dem Ende jenes und dem Anfang dieses ist eine zeitliche Trennung an sich möglich. Diese Zwischenzeit kann dann DOthwendigerwelse nichts anderes sein, als eine Lebensuntoi'-breohong. Dieselbe kann momentan vorübergehend oder langdauernd, d. h. tödtlich werden. In der Regel wird der erste Athcmzug ja durch den Geburtsvorgang veranlasst, indem letzterer im Moment der Aus-stOSSUUg die Zufuhr durch die Xabelgefässe unterbricht und damit nach die erste Athembewegung erzwingt. Und doch brauchen die li Momente, Ausstossung des Foetus, Absperrung der Nabelgelasso, Athmungsanfang, zeitlich nicht zusammenfallen. Die beiden letzteren können sieh vielmehr gegenüber dem ersteren und untereinander verschieben: die Ath-mung ist auch noch von eignen Bedingungen abhängig. Die Absperrung der Blutzufuhr vom Nabel kann zu früh eintreten, die Athmung kann sowohl zu früh erfolgen als verzögert sein (vorgl. pg. 227, 344).
Die Herzfunctio n.
Aus der Betrachtung des Kreislaufes ergiebt sich von selbst, dass das Herz funetionirt. Wie. wir sahen (pg. 211), tritt es schon sehr früh, als das erste unter allen Organen, in Thätigkeit. Seine Arbeit ist verhältniss-mässig sogar grosser als im extra-uterinen Leben, weil das von ihm mit Triebkraft versehene Stromgebiet ein grösseros ist. Denn das Stromgebiet ist nicht auf den Hinnenraum des Körpers beschränkt, sondern es tritt ein (namentlich in der ersten Zeit verlüiltnissmiissig noch grösscres) Aussengebiet dazu, das Defässgebiet der Allantoi's. Dass der mütterliche Blutdruck, also das mütterliche Herz, bei der foetalen Blutbewegung nicht mitwirkt, versteht sich aus allgemein physiologischen Gründen von selbst. Denn der mütterliche Hlutstrom geht am foetalen bloss vorbei und ausserdem ist es der Caplllarstrom.*) Die Vorwärtsbewegung des Blutes durch die Nahelarterien und die Capillaren der (Jliorionzotten ist demnach das alleinige Werk des foetalen Herzens. Ks hat also thatsäch-lich den Druck nicht bloss für ein, sondern für zwei Capillarge-bi ete zu liefern. Diese erhöhte Leistung wird übrigens dadurch unterstützt
*) Dass eine plötzliclic crlieblieho Herabsetzung dos mütterllohon Blut-drucks trotzdem für den Koctns gefährlich ist. hat andere Gründe.
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bezw. ausgeglichen, (lass dor Druck dos Aortenblutcs nicht bloss (wio später) (turcli die Contraction dos linken Ventrikels, sondern durch die Arbeit beider Ventrikel erzeugt wird. Denn der rechte Ventrikel sendet ja (durch den Ductus nrteriosus) sein lilut ebenfalls in die hintere, eben jenes weitere Stromgebiet versorgende Aorta. Dass diese Mitarbeit des rechten Ventrikels in der That für das Zustandekommen, des AllantoVskreislaufs unentbehrlich ist, zeigt sich auch beim Aufhören desselben. Denn nach dein Abreissen der Nabelschnur kommt eben deshalb kein Blut mehr in die Xahelarterien. weil der rechte Ventrikel jetzt sein Blut in die Lungenarterie schickt und daher der Blutdruck in der Aorta so erheblich sinkt, dass die Nabelartorien nichts mehr erhalten und thrombosll't werden. (Sonst würde eine Verblutung aus den Nabelarterien unausbleiblich sein.)
Aber wenn auch das foetale Herz doppelte Kräfte für e i n e n Zweck zur Verfügung hat, so bleibt doch seine Leistung eine sehr grosse. Daraus wird zweierlei verständlich, einmal die wenigstens in der ersten Zeit ganz unverhältnissmässige Orüsse des Herzens (s, pg. 180) und sodann seine Bevorzugung in der Ernährung durch Blut besonderer Qualität (pg. 217).
Der Herzschlag ist in frtihester Zeit unregelmässig in Zahl und Stärke, wird aber bald gleichinässig und auffällig kräftig. Jedenfalls bleibt er erheblich frequenter, als er im extra-uterinen Leben ist. Dies ist nicht auffallend, da auch das neugeborene Individuum noch eine erheblich grössere Pulsfrequenz hat, die sieh erst allmählich während der Jugend zur Norm des erwachsenen Thieres senkt. Beispielsweise sind beim Kalbsfoetus in derjenigen Periode, in welcher die foetalen Herztöne sich bereits ausoultiren lassen (pg, 279, 281), zwischen 130 bis 180 Schläge gezählt worden (Saake); (Ins Kalb hat im ersten Jahre aber auch noch über 100 (Ellinger).
Hervorzuheben ist noch, dass die foetale Herzthätigkeit vom Gehirn und Halsmark unabhängig ist, wie Fülle vom Fehlen dieser Organe beweisen.
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Die Ernährung.
Dass das Nahrungsbedürfniss des Foetus im Verhältniss zu seiner jeweiligen Körpermasse ein 'ehr grosses sein muss, orgiebt sich ohne weiteres aus seinem ansserordentlichea Wachsthum. Der foetale Stoffwechsel ist danach ein Productionsstoft'wochselquot; höchsten Grades.
Dass dieser Stoffwechsel sich im (Irossen und Ganzen nach den Gesetzen des späteren Lebens vollzieht, kann nicht bezweifelt werden.
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Es sind für den FootttS 3 Fragen zu beantworten; 1. Welches sind die Bedürfnisse des Foetus? 2. Aus weichen Quellen können die Bedürfnisse gedeckt werden? ;i. Welche foetulen Organe müssen hierhei activ mitwirken; wie verhält sich namentlich der spätere Ernährungsapparat?
Die drei wichtigsten Bedürfnisse sind Sauerstoff, Eiweiss, Wasser. Die Quelle der Kiwcisszufuhr wird zugleich andere gelöste Nährstoffe liefern.
Die Athmung.
Das Sauerstoffbedül'fnlss des Foetus, mit dem die Nothwendig-keit der Kohlensäureabgahe Hand in Hand geht, ist gewissermassen selbstverständlich und überdies experimentell erwiesen. Damit hängt eine eigene Wiirmoproduktioii des Foetus zusammen, die ebenfalls experimentell festzustellen ist. Der Foetus besitzt eine Eigenwärme, welche stets etwas höher ist als diejenige des mütterlichen Uterus, was wiederum mit seinem hochgradigen Stoffwechsel im Einklang steht. Dagegen ist eine Wärmeregulation im foetalen Leben nicht entwickelt, bildet sich vielmehr beim Säugcthier erst nach der Geburt ganz allmählich aus. Daraus ergiebt sich die praetische Nothwendigkeit, das Neugeborene gegen äussere Abkühlung mit besonderer Sorgfalt zu schützen. Im Uebrigen ist die Menge der aufgenommenen Sauorstoft'es relativ viel geringer, nls die nach der Geburt durch Luftathmnng erfolgende. Der Verbrauch ist verhiiltnissmässig viermal geringer als derjenige der Mutter (nach Zuntz und Colmstcin). Das Wachsthum, d. h. die Zellproduction, die hauptsächlichste Leistungquot; des Foetus, muss also weniger Sauerstoff erfordern, als z. B. Muskelarbeit, welche der Foetus im Oanzen nur mit dem Herzen zu verrichten braucht.
Ueber die Sauerstoffquelle kann ein Zweifel nicht bestehen. Die Lungen athmen nicht und könnten auch keinen Sauerstoff einathmen.*) Demnach kann der Säugcthierfoetus den Sauerstoff nur aus dem mütterlichen Blut erhalten,**) in welches er zugleich seinen Kohlensänreüberschuss ab-giebt. Die Xabelarterien führen also kohlensäurereiches Blut aus dem Embryo heraus; in den Capillaren der Chorionzotten findet (ganz nach demselben Prinoip, wie in den Lungenalvoolar-Capillaren bei Lungenathmung) ein Oasaustausch statt und die Nabelvene führt arteriell gemachtes, d. h.
') Aspiration von Kruchtwasscr kann als Abnormität zu Stande kommen; vgl. Thoil II, pg. 0, sowie unten pg. 220 u. 227.
') Dor Vogelombryo erhält S:uiorstott'zufuhr durch die poröse Kulkschalo aus dor Aussenluft vgl. pg. 212.
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Kauorstoff'reiclieres Blttt in lt;lon Embryo zurück. Duss diese sewisnor-masson indirecte SnuerstofT^ewinnung aus dorn miittorliehen Ulut weniger ergiebig ist, als eine dirccte (Luft-) Sauerstoffathmunp;, ist verständlich; daniit steht, der relativ geringe SauerstoftVerbrauch des Foetus im Kiu-klang. Der Allantoi'skreislaut' versieht also zugleich die Athmung mit oder vielmehr (da der JJegriff Athmung wohl besser auf directes liufteinsaugcn beschränkt bleibt) er vertritt Körperkreislauf und liiingenkrcislauf zugleich (siehe pg. 214). Eben deshalb bleibt der wirkliehe Lungenkreislauf im Innern des Körpers aussei' Dienst gestellt.
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Die Nahrung im engeren Sinne.
Für die Zufuhr des Kiweisses und der übrigen gelösten Niihr-stoft'e können schon verschiedene Quellen in Betracht kommen und es ergeben sieh auch in anderer Beziehimg streitige Punkte. Der wesentlichste Stoff ist, wie gesagt, das Kiweiss, von dem hier allein gesprochen zu werden braucht; die anderen Stoffe werden in derselben Weise bezogen werden. Das Kiweissbedürfniss ist im Foetus nothwendigorweise ein enormes, alle übrigen Stoffe überwiegendes, weil die Leistung des Foetus ganz überwiegend in Kiweissansatzquot;, nämlich in der Production neuer Zellen bestellt. Als Quelle dieses wichtigen Nährstoffes kommt natürlich in erster Linie das mütterliche Blut in Frage, daneben aber auch die Utcrinmilch und das Fruchtwasser, denen von manchen Autoren eine verschiedene und zum Teil sehr weitgehende Bedeutung für die Ernährung zugeschrieben wird.
Zur Würdigung der Bodoutnilg von Utorinniilcli und Fruohtwassor für die Brnährung sind einige Bemerkungen Über Horknnft und Znsamntonsetznng dieser Flüssigkeiten erforderlich,
Die Utcriiniillch ist eine Flüssigkeit, welche sieh hei allen llanssäuge-tliioreu an der Oberfläche der Gobiirmuttorschlcimhaut findet. Sie ist nach Bonnet') Jedenfalls ein l'rodukt aus zerfallenen Zellen, wobei sowohl das Oberfläclien-Kpithcl als fettig degoncrirte Loukocyton botheiligt sind. Sie ist ihrer Entstehung nach sehr reich an Kiweiss und auch an Kett, so dass sie eliemisch der Milch bozw. dem Colostrum (pg. 860) nahe steht. Sie ist also jedenfalls eine concentrirto Nährllüssigkeitquot;. Gamgoo fand bei der Kuh (nach einer Angabe von de Bruin) lO'/j Prozent Eiweiss, jedoch nur l'/j Prozent Fett und sehr wenig Salze. Unzweifelhaft aber ist die Zusamniensctzimg der Uterinmileh bei den Thierarten sehr vorschieden, wie nach Bonnot auch ihre Entstehung verschieden ist. Beim Menschen Ist das Vorhandensein von üterimnilch entscliieden bestritten (vgl. Schröder-Olshatiscn, Geburtshilfe).
Das Fruchtwasser d o s m e n s c h I i c h o n F o e t n s besteht bloss aus dem 1 jujuor
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* Bonnot, Bio Uterinmilehquot;. Stuttgart 18S2; schichte dor Haussiiugethierequot;. 1891.
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und Kntwickehuigsge-
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Amnii (pg. 20!)), ist aber mit dum Aiunionvrassor der 'l'lüerc nicht ohne Weiteres zu vergteioben. Denn soweit eine Hamabsonderung bestellt (pg, 295,229) muss der Harn durch VermittelUDg der Clouke in die Aniniontlüssigkeit Übergehen, die ausserdem durch alle von der Haut abgelösten Eplthelgehlldo (s, jig. l22ü) verunreinigt wird. Kin Theil dos inenschliehen Llqnor Amnii ist also ganz sicher footale Aiissclieidung. Zum anderen Theil ist die Amiiiontliissigkcit ein Transsudat aus den iniittcrlichon lilutgefiissen, denn der Amnionsack liegt überall dem Chorion an (pg. 208). Jedenfalls aber muss doch dieses Transsudat mehr Gewobscliichtcn passiron als dasjenige, welches aus den müttcrliclion Oiipillaron direct in die Caplllaren der Chorlonzotton gelangt. Dass also das Transsudat in denAnmion-sack einen wesentllohen Oohalt an werthvollen Nährstoffen haben sollte, ist .schon deshalb iiiiwahrselioinlicli. l'ls enthiilt auch tliatsiichlieh mir sehr wonig Kiwolss.
Das Fruchtwasser aller llausthlorc besteht bekanntlich (in Folge dos Vorhandenseins eines weiten Allantoissackes) aus zwei geschiedenen Flüssigkeiten, der Aninion- und der Allantoisllüssigkeit (pg, 188, 185). Der Allantoissack umgiebt bekanntlich sogar (Pferd, Hund: siehe pg. 19;i, 204) vollständig den Amnionsack. Ein Transsudat ans mütterlichen Blutgefässen kann somit dor Liquor Amnii keinesfalls sein, weil der Amnionsack mit Jonen nicht in Heriihrung steht. Nur In der ersten Zeit, wo die Allantois das Aniniun noch nicht umgab, könnte oino solche Transsudation stattgehabt haben. Aber die AniniontUissig-koit vermehrt sich noch bis zur halben Bntwiokeiungszelt, wenn jencUmwachsung Hingst vollendet ist. Später nimmt sie allerdings sogar ab (pg. 225). Demnach kann die Amnionlliissigkeit,' resp. die Vermehrung derselben nur zu Stande kommen 1. als Transsudat aus den Uel'iisscn der Allantoisschcldc dos Amnion-sackes, 2. durch Diosmose aus dem umgebenden Allantoissacko (was nicht anzunehmen ist;, 3. durch Ausscheidung des Foetus. Letztere kann nur aus der Kloake erfolgen und in Harn bestehen (pg. 225, 220).
Die Allantois soll den mittelst dos Urachus in sie entleerten Harn enthalten. Gewiss findet auch eine solche Harnentleerung statt (pg. 225, 229). Wenn mau aber deshalb die Allantoisl'lüssigkcit als foetalen Harnquot; bei Hausthieron der Aninionflüssigkoit kurzweg gegenüberstellt, so übersieht man dabei zweierlei. Einmal besteht gar kein so scharfer Gegensatz, donn auch in die Amniontlüssigkeit kann foetalor Harn durch die Kloake gelangen, so gut wie durch den Urachus in die Allantois (pg, 179). Zweitens ist es doch nicht ausgemacht, dass dio stetig zunehmende Allantoisllüssigkeit bloss den während dor ganzen Footalzoit abgesonderten Urin dorstolle (vgl. auch pg. 230). Es kann vielmehr gerade in den Allantoissack bei Thieren eine Trans-siidation aus mütterlichen Hlutget'ässen stattfinden. Denn der Allantoissack liegt direct dem Chorion an und wenn man eine solche Transsudation für den Amnionsack beim Menschen annimmt, so muss man die Möglichkeit auch für den unter gleichen Verhältnissen befindlichen Allantoissack der Thiore zugestehen.
SohllessUoh sei bezüglich dor clioinischon Zusammensetzung bemerkt, dass Harnstoff sowohl In der Aninion- als in der Allantoisllüssigkeit gefunden worden ist, was nach dein obengesagten ganz selbstverständlich ist. Die Allantoisllüssigkeit ist klar gelblich oder trüb (Wiederkäuer) mul enthält etwas Albumin, Traubenzucker, Mucin, das Allaiitoidhr und andere Salze (St. Cyr), sowie nach einer von Fürstenberg mitgethoilton Analyse 0,85 Prozent Harnstofl'. Dio
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Aniiiionfliissigkoit cntliiilt nacli Robin (8t. Cyr) nur O.OtS1 Prozent Elwolss und
Muoln; 0,80,80 Prozent Harnstoff und weniger als i Prozent Salze, sir ist
anfangs klar, wird später beim Pferde Iriib und etwas schleimig, beim Wieder-kiiner sogar so sciileiinig, dass sio woissliclie opalescircndo, zähe Fäden bildet (welche sich auch im Digestionstraetus des Neugeborenen linden; pg. ^-if)).
Da der Iji(|xioi' Amnii den Foetus rnnspült, so müssen sioli ilnn augleloh alle diejenigen Stoffe beimischen, welche etwa von der Haut sich ablösen. Kolohc Uestandthclle linden sich denn auch ganz rogelmässig. Am augenfälligsten wird del Qohalt an embryonalen Haaren (Lanugo), welche selbst der mensohltohe Embryo am ganzen Körper besitzt, und die ausfallen, bzw. gewechselt werden. Beim Kalbe Anden sie sich öfters zusammengeballt. Ausserdom tlndct auch beim Embryo ein Abschuppen der obcrtlächlichcn Epidermis-schichten statt, welche, mit dem Secret der bereits producironden HanttalgdrOsen gemischt, zu gewissen Zeiten eine zusammenhängende Schicht (Vornix casoosa) bilden. Da die Animonlliissigkoit rogclmässig in den Darm aufgcnonimoii wird (pg. 225), so gelangen auch diese Beimlsohnngen in den Darm und helfen dort das .Meconium bilden (pg. 228); auch finden sich bisweilen ganze Haarballcn im Nahruiigsschlaucli. Ebenso wird eine stattgehabte Aspiration von Aiimiontlüssig-koit in die Lungen durch Vorhandensein jener Bestandthelle In den Bronchien angezeigt (vgl, pg. 227).
Nach dein oben Angeführten erscheint es sicher, dass das Fruchtwasser, bzw. eile Amnionflüssigkeit bei der Versorgung des Körpers mit eigentlichen Nährstoffen nicht nennenswerth in Betracht kommen kann. Das zeigt schon ihre Arnuith an solchen Stoffen, sowie ihre Herkunft, Denn grossentheils ist sie in jedem Falle eine foetale Ausscheidung, die nur verbrauchte Stoffe enthält, Dass sie z, Th. ein Trans-siulat von aussei! her ist, muss zwar angenommen werden. Aber selbst wenn dasselbe direct aus mütterliohon Ocfüsscn stammte (was bei Thicreu sicher nicht allgemein gilt) so kann dasselbe für die Ernährung koine Eollo spielen neben dem viel directeron und ausgiebigeren Uebergang mütterlichen Nähmiaterials in den Alluntoiskreislauf,
Anders ist die Uterinmiich zu beurtheilen. Unzweifelhaft hat sie einen grossen Eeiehthum an Kiweiss und auch an Fett. Dass dieses direct von der Mutter stammende Material in dem nach jeder lüchtung haushälterischen foetalen Stoffwechsel nicht ungenützt verloren geht, ist sicher. Ebenso wenig kann die Aufnahme Schwierigkeit bieten, da die Chorionzotten direct hineintauchen, Spiegelberg hat wohl nicht mit Unrecht das Epithel der Chorionzotten (das Kxochorion, s. pg, 187) auf eine Stid'e mit dem Epithel der Darmzotten gestellt, welches ja auch bei der Aufnahme des Eiweisses und dos Fettes während der Verdauung eine so entscheidende Rolle spielt. Aus dem Zottenepithcl geht das Material natürlich in die Capillareu über. Ks ist bei dieser unzweifelhaften Verwendung der Utennmileh für die Ernährung des Foetus eigont-
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lieh ncbousiichlich, ob die Uterimnileli zum Zwecke der Enuiliruns gebildet wird, um specioll gewisse Nährstofffonnen dem Foetus nuführon zu köniiGii, oder ob sie als Nebenproduct bei den Veränderungen entsteht, welche die Schleimhaut des schwangeren Uterus erfährt und als solches mir nebenher mit aufgenommen wird. Dass die Bildung von Utorin milch unbedingt noting sei oder dass von ihr die grössere oder geringere Reichlichkeit der Ernährung des Foetus abhänge, ist jedenfalls nicht bewiesen und auch um so weniger anzunehmen, als ihre Bildung beim Mensehen negirt wird.
Die directe Hauptquelle für die dem Foetus nothwendigen Nährstoffe ist jedenfalls das mütterliche Blut selbst. Ebenso wie alle nothwendigen Nährstoffe aus den Capillaren in die Körpersüfte trans-sudiren, so können dieselheu auch durch die öcheidowmul zwischen mütterlichen und foetalen Capillaren hindurch in letztere übergehen, ohne dass sich hierbei besondere Schwierigkeiten ergeben müssten. Ebenso werden gewisse foetale Stoffwechselprodnote umgekehrt in das mütterliche Blut übertreten können.
Es orgiebt sich also folgendes: Die .Vinniontlüssigkeit spielt bei der Zufuhr von Eiweiss und anderen gelösten Nährstoffen keine Rolle. Die Zufuhr von Nährstoffen entstammt vielmehr direct dem mütterlichen Blut und der Uterinmilch, wird in beiden Fällen in die foetalen Capillaren übernommen und gelangt daher jedenfalls direct in den Kreislauf des Foetus ohne Vermittlung des foetalen Digestionstractus.
Die W a s s e r v e r s o r g u n g.
I )ie Wasserversorgung des Foetus endlich bedarf bei der Ernährung einer besonderen Betrachtung. Das Wasserbedürfniss ist ein grosses, wenn es sieh auch noch nicht durch Durst bemerklich macht. Denn die foetalen (lewebe sind sehr wasserreich und nehmen, wie auch die Blutmenge, fortwährend zu; freilich finden andererseits auch keine Verluste durch Verdunstung statt.
Es ist, wie Preyer beweist, nicht möglich, dass diese Wasserzufuhr mittelst des Allantoi'skreislaufes erfolgt. Denn dann müsste das Nabcl-vcnenblut um die ganze zuzuführende Wassermenge vermehrt werden. Selbst wenn das Nabelarterienblut etwas concentrirter und die in der Nabelvene strömende Blutmenge etwas grosser ist, kann die Dift'eren/. eine so ausgiebige nicht sein.
Für die Wasserversorgung hat vielmehr das Fruchtwasser eine sehr erliebliche Bedeutung. Anfangs dringt es einfach von allen Seiten sowohl in die offene Leibeshöhle als von der Epidermis her in den
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plusmn;2rgt; Körper und versorgt auf (ioni Wege der Diosmose alle Organe init gloich-
bleib'en'dem Wassergehalt. Später wird es dagegen in grossen Mengen verschluckt, mithin in den Xaliiungsschlaucii aufgenommen und von hieraus resorbirt. Da heim PferdefoetUB iiiieh vier Monaten, beim Kindsfoctus drei Wochen später Flüssigkeit im Magen auftritt (Qurlt), so ist iiimmehmen, dass zu dieser Zeit das Verschlucken von Amnion-tliissigkeit beginnt.
Dass ein Verschlucken von Liquor Aiiinii stattfindet, ist ohne weiteres schon aus der Thatsache (von umleren abgesehen) ersichtlieh, dass sieh im Xuhrungsschiaueh des Foetus Dinge vorfinden, welche nur mit der Amnionfiüssigkeit hineingelangt sein können, z. 15. Ballen foetaler Haare (s. a. pg. '223\ ferner jene erwähnten Sohlelmfäden heim Kali) (pg. 228), welche nichts weiter als Amniontlüssigkeit sind.
Die AmnionflUssigkeit ist nun freilich kein sehr reines Trinkwasser, denn es ist mit Abscbeiduugeii aller Art, namentlich auch mit Harn versetzt. Indessen darauf kommt es nicht an. Schädliche und fremde Stoffe sind nicht beigemengt: die körperlichen Hesdandtheilc werden im Darin abgelagert und die etwa gelösten Absoiulerungsstoffe werden ebon von neuem mit ausgeschieden werden. Man darf auch nicht vergessen, dass jener footale Harn-' keineswegs mit dem Harn des extra-uterinen Stoffwechsels identisch ist und namentlich nicht jene auf den Organismus verderblich wirkenden Stoff we chselproducte in ähnlichem Masse enthalten wird. Uebrigens wäre die Vorstellung ganz irrig, dass etwa eine dem aufgenommenen Getränkquot; annähernd gleiche Menge Wasser als Harnquot; wieder ausgeschieden würde. Davon kann natürlich keine Rede sein. Denn die Blutmenge und die (Jowebsmasse und damit auch der Wasserlaquo; bestandquot; des Körpers wächst ja täglich und das aufgenommene Wasser findet In der Hauptsache Verwendung, um diesen bleibenden Zuwachs zu decken. Man darf mithin die Harnausscheidung des Foetus nicht entfernt mit der Harnausscheidung des fertigen Individuums in Vergleich stellen, bei welchem der Wassergehalt des Körpers constant geworden ist und daher das aufgenommene Wasser im Ganzen und Grossen den Körper nur passirt. Die Harnabsomlenmg des Poetus ist daher geringfügig (vergl. auch pg. 220).
Der Verbrauch an Liquor Aiunii erklärt es, warum diese Flüssigkeit in der zweiten Hälfte der Entwicklungszeit nicht mehr zunimmt. Sie mÜBBte sogar rapide und viel erheblicher abnehmen, als dies in Wirklichkeit geschieht, wenn nicht für einen gewissen Ersatz gesorgt wäre. Die Möglichkeit desselben ist heim Menschen gegeben durch unmittelbare Transsudation aus der Decidua. Bei Thicren, wo der Amnion-
SoliuniUz, Gcsi'liloclifslcbcn.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;15
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sack von der AlliintoiK ganz iimsclilosson ist, kniiu eine derartige Trana-sudatiou nicht statthaben, (iloiehwohl muss auch liier die Mtigliohkeit einer theilwoifien Ergänzung der Amniontlüssigkeit augenommeii werden (Vergl. PS' 222), wenn dieselbe mich nicht unerheblich abnimmt und sogar eindickt.
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Das Functioniren und die Functionsfähigkeit der foetalen Organe.
Die Function ist zu unterscheiden von der Fähigkeit dazu. Func-tionsfähig müssen im Laufe der Entwicklung mindestens alle lebenswichtigen Organe werden, denn sie müssen hei der Geburt diese Fälligkeit in gewissem Grade besitzen. Um die Entwicklung dieser Fähigkeit handelt es sich hier selbstverständlich nicht, Bondern um die Frage, welche Organe im intia-uterinen Leben bereits eine Thätigkeit smsüben.
Das Herz.
Das Herz hat, wie beim Kreislauf (pg, 218) schon gezeigt; werden inussto, von Anfang seiner Ausbildung an regehuässig eine Thätigkeit auszuüben, welche seiner extra-uterinen Thätigkeit nicht bloss entspricht, sondern sogar als eine gesteigerte Leistung betrachtet werden kann.
Der Bespirationsapparat.
Die Lunge ist ganz functionslos. Der Gasaustuusch, welcher später die Aufgabe der Lungen bildet, findet (vgl. pg. 213 und 220) im Chorion zwischen dem mütterlichen und foetalen Blute statt. Die Lungoiithätig-keit ist daher entbehrlich; der Foetus lebt in Apnoe (d. h. ohne das Be-dürfniss, zu atluneii). Die Lungen sind ateieetatiseh, d.h. ihre Alveolen sind säiiimtlich zusammengefallen, wie eben auch ein ungefüllter Luftballon zusammenfällt. Sie können sieh auch aus eigener Kraft nicht ausdehnen. Ebensowenig können sie von der Luftröhre her, also von innen heraus, ausgedehnt werden, etwa durch eindringendes Fruchtwasser. Kehrer (pg, 198, Anm.) hat experimentell bewiesen, ilass auch unter höchstem Druck das Fruchtwasser nicht über die Stimmbänder hinausgelangt. Die Alveolen lassen sich von der Luftröhre aus, sei es nun mit Wasser oder mit Luft (beim ersten Athemzug) nur lullen, wenn sie durch äusseren Zug ausgedehnt werden. Dieser äussere Zug kimn nur ausgeübt werden durch eine inspiratorische Erweiterung des Thorax, also nur durch den ersten Athemzug. Die Ursache und Wirkung desselben ist oben (pg, 217) bereits besprochen worden. Hier ist nun noch hinzuzufügen, dass nach Preyer eintretender Sauerstoffmangel nicht
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a Hein den otsteu Athemzug zu bewirken venimg. Es muss vielmohr uueh die Fälligkeit, auf genUgeude Hautreize mit Retlexhewoguugen der Extremitäten zu antworten, bereits vorhanden sein und solelie Reize müssen ZUgleloh einwirken. Jedenfalls ist aber duieh den Vorgang der (ielmrt auch für solche Hautreize genügend gesorgt (Abkühlung allein ist ein sehr starker Reiz) und das Aufhören der Sauerstott'zufuhr durch die Nabelvene bleibt in jedem Falle das Wesentliche.
Das sogenannte vorzeitige Athmen*) gehört In das Gebiet der krankhaften Störungen und ist im zweiten Theil dieses Werkes (pg, 29(5 ff.) besprochen worden. Hier daher nur folgende Bemerkungen; Das vorzeitige Athmen, d. h. das Athmen in der Fruchthiille wird meist bedingt durch Unterbrechung des Placentar-Kreislaufes. Ist aber eine andere Störung der primäre Anlass, so tritt seeundär sogleich die Kreislaufunterbrechung hinzu, weil in Folge der Ansaugung des Blutes aus dem rechten Ventrikel in die Lungen die Nabelarterien kein oder nicht genug Blut mehr erhalten (siehe pg. 2]!raquo;)- Meist wird bei vorzeitigem Athem Fruchtwasser aspirirt. Dies braucht jedoch nicht absolut tödtlich zu sein, wenn nur die placentiiro Sauerstoffzufuhr wieder in (taug kommt. Andererseits kommt es vor, dass bei vorzeitiger Athmung kein Fruchtwasser aspirirt wird, wenn nämlich die Athmuugsöffniingen durch das sich anlegende Amnion verschlossen werden.
Diese Umstände sind von Bedeutung für die Feststellung, ob ein Kind bei der Geburt gelebt hat oder nicht. Wenn es bereits im Uterus erstickt war, so hat jedenfalls intrauterines Athmen stattgefunden. Hatte dies eine Aspiration von Fruchtwasser zur Folge, so läset sich dessen Eindringen in die Lungen durch die in die Bronchien geschwemmten Fremdkörper (Haare, Vernix caseosa etc.) nachweisen. War aber keine Wasseraspiration erfolgt, waren also die durch die inspiratorische Bewegung des Thorax gewaltsam ausgedehnten Alveolcn leer geblieben, so ist dafür durch die Athmungsausdehuung die Lunge strotzend voll Blut gesogen worden und es sind Blutungen entstanden (Hayard'sche Ekchymosen). Eine von beiden Abnormitäten muss also an den Lungen vorhanden sein, wenn das Kind schon vor der Geburt abgestorben war.
Der Verdauungsapparat. Hei der Besprechung der Ernährung ist festgestellt worden, dass
*) Schreien im Mutterleib (Vagitus uterinus) ist in einigen seltenen Füllen, lt;1. h. nur nach Beginn der Geburt, bei Mensch und Thier beobachtet worden. Harms thoilt oinen solclion Fall mit (II. Theil dieses Werkes, pg. UilT). Dies setzt die Aspiration von Duft voraus, kann daher nur nach Zutritt von Luft in die Frucbthiillen, also nach Oeft'nung derselben erfolgen.
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alle dem Foetus nötbigamp;Q Nährstoffe direct fertig von der Mutter her in das foetalo Blut gelangen.
Damit fällt eine Venlauungsthätigkeit des Foetus fort. Die Ver-dauungsoigane bleiben danach unthätig, der NahruiiRSschlauch denient-sprecheiul leer und klein. Emilich fallen damit auch Ausscheidungen aus dem Dann fort; der Foetus kann keine Kxcremente produciren.
Dennoch ist die Funktionslosia;keit der Veidauungsorgane keine so unbedingte, wie die der Atlmiunssorgane.
Zunächst bleibt der Nahrunssschlnuch thatsächlich trotz der anderweitig bewerkstelligten Ernährung nicht leer, sondern er nimmt Fruchtwasser auf (s. ps. 226). Sodann ist erwiesen, dass bereits eine beschränktePro-diiction seiner Drüsen stattfindet und dass die Secrete theilweise schon die Spuren von Wirkungsfähigkeit erkennen lassen. Endlich sind auch bereits Anfänge einer Peristaltik bemcrklich.
Diese geringfügigen Anfänge einer Thiitigkeit erscheinen auch bei näherer Uebcrlegung als eine kaum entbehrliche Vorbereitung für die Anforderungen, welche alsbald nach der Geburt mit der Nahrungsaufnahme an den Xahrungsscliiaueh gestellt werden. Denn es wäre schwer verständlich, wie namentlich die drüsigen Organe ohne jede Vorübung plötzlich verhältnissmässig ausgiebig sollten activ worden können. Das plötzliche Funktioniren der Lunge ist dem nicht zu vergleichen, denn diese folgt rein passiv dem Zuge des Thorax.
Jene Vorbereitung zur extra-uterinen Thiitigkeit wird augenscheinlich durch die Aufnahme von Fruchtwasser veranlasst und vielleicht beruht gerade hierin wesentlich mit die Bedeutung jenes intra-uterinen Trinkens. Von einer Verdauungquot; des Fruchtwassers kann zwar wohl kaum die Rede sein, da es keine entsprechenden Stoffe enthält. Aber die Füllung des Mundes, Magens und Dünndarms wirkt an sich wohl als Anregung auch für die absondernden Drüsen. Ausserdem werden im Darme die Hautabscheidungen, wie Haare etc. (pg. 225) abgelagert, was ebenso wirken mag.
Das Meconium.
Der Darm füllt sich allmählich mit einer Substanz, die schon Aristoteles als |).r,X(6vieiv kannte. Das Meconium (Kindspeoh, Dannpech, auch Mutterpech) rührt theilweise von den Hestandthcilen her, die mit dem Fruchtwasser in den Dann gelangen. Ks enthält aber auch unbedingt Gallenbestaudtheile. da es vor Beginn der Gallcnabsonderung (pg. 230) sich nicht bildet. Dazu gesellen sich abgestossene Darmepithelien. Das (lanze bildet eine zähe, klebrige, dunkle Masse, welche anfangs mehr
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im Düniidarm liegt, später iiber den Dickdarm bezw. bei der (leburt in crheblicluMi Mengen den Mastdarm füllt. Dieses Vorrücken spriebt zugleich für das schon oben erwähnte Vorhandensein einer foetiilen Peri-staltik. Das Jloconium wird normal nach der Geburt iiusgeschieden (siehe pg. 851). Vorzeitiger Abgang Innerhalb der Fruchthüllen erfolgt in der Regel mir in Folge aspliyctiseber Zustände oder sonstigen Störungen. Als Faeces kann man das Meconium natürlich nicht auffassen.
Die Nieren.
Da eine Function der Geschlechtsorgane überhaupt nicht in Frage kommen kann, so bleibt vom IJrogeuitalapparat nur für die Niere die Möglichkeit einer foetalen Tbätigkcit übrig. Kine solche findet auch thatsächlieh statt, obwohl sie vielfach bestritten worden ist.
Ks ist jedoch durchaus nicht anzunehmen, dass die Nierenaus-scheidung eine ausgiebige ist oder aucli nur regolmässig erfolgt; ebenso Wenig, dass die chemische Beschaffenheit des Harns und die Bedeutung der Aussonderung seiner Stoffe eine ähnliche ist, wie nach der Geburt.
Alle Autoren stimmen darin iibercin, dass die Nierensecretion nur unbedeutend sein kann schon wegen des geringen Blutdrucks in den Nierenarterien. Dazu kommt, dass im foetalen Leben nicht, wie nach der Geburt, Veranlassung besteht, grössere Mengen Wasser abzuscheiden, denn das aufgenommene Wasser wird im Allgemeinen gerade ausreichen, um dem wachsenden Gewebe und der zunehmenden Blutmenge den nöthi-gen Wasserbestund zu liefern (s. pg. 225). Endlich sind die Stoffwechselvorgänge chemisch erheblich andere und die Oxydatioasprozesse beschränkt (siehe pg. 220), da die, Körperlcistung im Wesentlichen in Zellneubildung besteht; daher wird auch die Ausscheidung von verbrauchten Stoffen eine andere sein. Während das Versagen der Nierenfunction im extra-uterinen Leben Uraemie bewirkt, können Poeten ausreifen, also leben, denen die Nieren fehlen.
Mithin ist die Niercnthätigkeit weder nothwendig zur Absonderung überschüssigi'ii Wassers, noch zur Reinhaltungquot; des Kreislaufs von denjenigen Stoffen, deren Verbleiben im Körper nach der Geburt so verderblich wirkt. Obwohl die Niere zweifellos fimctionsfähig ist, wird also die llnrnabsondeiung jedenfalls nicht bedeutend sein. Dass sie aber stutt-lindet, beweist sowohl das Vorkommen von Harnstoff in Amnion- und Allantoistiüssigkeit (pg. 222) wie die bei Kindern vorkommende, oft beträchtliche Stauung von Harn in der Harnblase. Dieselbe findet bei Verschluss der Harnröhre statt und kann bedeutend genug werden, um ein ticburtshimlerniss abzugeben.
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Bei Thiercn ist Hiirnstauung in der Harnblase iiusserst selten: nur ein Fall ist von Harms beobachtet (vgl. Theil II, i)g. 320). Dies erklärt sich ans dem Unterschied der Allantois bei Mensch und Thier. Beim Menschen ist die Allantois, also auch der Urachus ohne Hohlranm (vgl. pg. 207). Der Harn kann von der Harnblase aus nur durch Harnröhre und Kloake in den Amnionsack entleert werden (vgl. auch pg. 222). Bei den Thieren kann er unzweifelhaft denselben Ausweg suchen, weshalb sich auch hier Harn in die Amnionrtüssigkeit mischen kann. Aber der Harn hat hier noch einen zweiten Abtiuss durch den Ui-achus in den weiten Allantoi'ssack. Vielleicht findet der HarnabHuss auch aus mechanischen öriinden vorzugsweise durch den Urachus statt; jedenfalls ist die Möglichkeit von Stauungen in der Harnblase sehr vermindert.
Zusammenfassung: Die Nieren*) sind funetionsfähig. Sie sondern auch ab. Die Absonderung braucht keine regolmässige zu sein und ist gewöhnlich unbedeutend. Sie beginnt wahrscheinlich erst in der 2. Hälfte der Entwicklungszeit. Die Ausscheidung von Umwandlungsproducten, wie Harnstoff, auch Harnsäure, findet statt, ist aber ebenfalls unbedeutend und nicht lebenswichtig, wie nach der Gfebnrt. Es ist unter diesen Umständen sehr zweifelhaft, ob die Allautoi'sflüssigkeit der Thiere auch nur hauptsächlich aus der Niere stammt, also Harn ist.
Xothwendig ist diese in der thierärztlichen Literatur allgemein vertretene Annahme nicht und dadurch, dass die Allantois eine Fortsetzung der Harnblase ist, auch noch nicht begründet. Die Flüssigkeit kann zum grossen Theil auch Traiissudat sein (s. pg. 222). Es ist dies wegen hrer grossen Menge auch wahrscheinlich,
Uebrigens sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, dass wenigstens die Möglichkeit einer Communication zwischen der Amnion-und der Allantoi'shöhle besteht, nämlich von der Kloake durch die Harnröhre in die Harnblase und von hier in den Urachus. Ob diese Communication gelegentlich zum Uebertritt von Flüssigkeit dienen kann, bleibt allerdings dahingestellt.
Die Leber.
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Wie die übrigen Drüsen des Digestions-Apimrafes, so hat auch die foetalo Leber eine massige Absonderung von speeifischem Secret aufzuweisen; das Vorhandensein von Qallenhestandtheilen im Darm steht fest (s. Meconium).
Diese unbedeutende Absonderung erklärt aber die eigenthüinlichen
*) Es ist nicht sicher, aber wabrschoinlicb, dass schon die Urnlerou tunc-tioiisfithig- sind, wofür ihr Kau spricht.
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Verhältnisse der Leber munentlieh in der früheren EntwicklunfiH-periode nicht. An der Leber ist nämlich zweierlei auffällig: ihre ganz iinverhältnissmässige Grosse in früher Zeit (sie buchtet die Leibeshöhle aus) und ihre besondere Stellung im Kreislauf, indem sie das von der Placenta zurückkehrende Blut in Empfang nimmt, bevor dasselbe in den Körperkreislauf eingetreten ist. Heide Umstände weisen auf eine besondere, wichtige Aufgabe der Leber hin und eine solche kommt ihr auch zu. Dieselbe gehört nicht zu den Oeschäften dos Digestionstractus nach der Geburt, hängt aber doch sehr wesentlich mit der Ernährung zusammen.
Die Leber bildet nämlich rothe Blutkörperchen oder ist wenigstens, um bezüglich der Art ihrer Betheiligung nicht zu viel sagen, die hauptsächliche foetale Bildungsstätte für rothe Blutkörperchen. Dass hierbei die Qualität ihrer Blutversorgung wesentlich in das Gewicht fällt, ist einleuchtend. Denn die für rothe Blutkörperchen nöthigen eharete-ristischen Bildungsstoffe, Haemoglobin bezw. Eisen, können nur aus dem mütterlichen Blute stammen. Die Leber erhält, direct durch die \abel-vene, an Hildungstoffen reichstes Blut. Sie ist also durch diese Art der Ernährimg zur Bildungsstätte rother Blutkörperchen veranlagt.
Die Nabelvone mündet beim Pferde und Schweine an der Leberpforte in die Pfortader und sendet Ihr gesammtes Blut in die Leber. Bei Wiederkäuern und Fleischfressern besteht dagegen eine Nebenleitung, der Ductus Arantii, welcher einen Theil des Nabelvenenblutes unter Umgehung der Leber direct in die Hohlvene leitet.
Nerven- und Bewegungs-Apparat.
Der Foetus schläft. Die Frage, warum er schläft, könnte inaH mit der Gegenfrage beantworten: Warum sollte er wachen?
Schlaf ist eine Ausserdienststellung des Grosshirns. Unzweifelhaft ist das sich bildende Gehirn nicht sogleich functionsfiihig. Demnach gleicht die erste Lebenszeit dem Schlaf darin, dass das Grosshirn nicht funetionirt. Dieser Schlafquot; ist mithin der primäre Zustand. Der Foetus braucht nicht einzuschlafen, sondern er schläft von vornherein.
Ks handelt sich also nicht um Gründe für den Schlaf, sondern um den Nachweis solcher Umstände, welche den Foetus wecken müssten. Solche Umstände treten in der Regel bis zur Geburt nicht ein. Im dunkeln und von der Aussenwelt hinreichend abgeschlossenen Raum des Uterus fehlen alle starken Reize, die sonst einen im tiefen Schlaf Befindlichen wecken könnten. Auch das neugeborene Kind schläft noch viel, zeigt physiologische Sohlafsuoht und wird nur durch starke Reize geweckt, lumpt-
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siiehlich durch Schincrzen oder durch Huuger, Der Foetus, an und für sich sclnvacher Sehinerzeinpfinduiigen ffthig, ist sclimerzhafteu Reizen normaler Weise nicht ausgesetzt, Bbensoweulg wird er durch Hunger geweckt, da seine Krnähriiiig sicii ohne sein Zuthun vollzieht. Auch alle anderen Lehensvorgänge sind solche, welche sieh ohne Mitwirkung des Orosshims vollziehen; die ziemlich ausgiebigen Muskelhewegungen sind Reflexbewegungen, jedenfalls vom Gross- und Kleinhirn unabhängig. Sehliessiich erfordert Jedes Wachsein eine Thätigkeit (Prcyer) und der Foetus übt eine solche nicht aus. Mithin fehlt Jeder Anlass für das Aufwachen des Gehirns.
Dazu kommt noch, class der Foetus unter ähnlichen Bedingungen steht wie ein Ermüdeter, auch ohne dass er sich activ angestrengt hat. Denn der Foetus erhält verhftltnissmöaslg wenig Sttucopy;rstofl^(pg. 220) und wird denselben wesentlich bei der Zellproduction verbrauchen. Für Muskel-und Gehirnfunctioii bleibt wenig Sauerstoff übrig. Man könnte den foe-talen Schlaf mit dem Winterschlaf gewisser Tliiere vergleichen, wenn nicht der lebhafte foetale Stoffwechsel einen Gegensatz zu dem be-sohränkten Stoffwechsel des Winterschläfers bildete.
Allerdings kann der Foetus durch abnorme heftige Keize im Uterus (wohl nur ganz vorübergehend) geweckt werden. Br kann auch etwas Schmerz empfinden. Die von ihm regelmässig ausgeführten (Reflex-) Bewegungen sind aber auch bei grösserer Lebhaftigkeit natürlich kein Zeichen des Wachseins. In der Kegel ist es jedenfalls erst die Geburt, welche den Foetus weckt.
Demnach findet eine intra-uterine O ehirn thätigkeit nicht statt. Wenn das Gehirn besonders gut ernährt wird, so kommt dies eben nur der Ausbildung seiner Substanz zu (iute, die frühzeitig auf ihren vollen Bestand gebracht wird.
Auch die locnlisirten Sinne können nicht funefioniren. Bethä-tigung des Gesichtssinnes ist schon durch den dunklen Uterus ausgeschlossen. Gehör und Geruch stellen sich nachweislich erst nach der Geburt ein. Gesohmaoksfäbigkelt ist bei noch nicht ausgereiften Meerschweinchen zwar schon nachzuweisen, doch dürfte ein Schmecken auch nicht in Frage kommen.
Die Hautempfi ndl iclikeit ist dagegen durchaus entwickelt und-von erheblicher Bedeutung. Die auf sie einwirkenden gewöhnlichen Keize im Uterus bestehen in Berührung der Uteruswand und der Körper-theile untereinander. Durch die Hautreizung kommen reliectorisch jene in der letzten Entwicklungszeit ganz regehnässigen und bisweilen sehr lebhaften Bewegungen zu Stunde. Auch das Springen des tlüerisclien
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Foetus belVerabreiohung kalten Getränks an die Mutter (pp. quot;280) kann doch nur so erklärt werden, dass eine Abkühlung des Pansens der Kuh bezw. des Darms bei der Stute eintritt, welche durch Uterus und Fruchtwasser hindurch den Foetus (der gegen Abkühlung besonders einptindlich ist) als Hautreiz trifft.
Die Bewegungen des Foetus sind übrigens keineswegs bloss Reflexbewegungen. Preyer hat festgestellt, dass der Embryo sich von selbstquot; bewegt, Beugungen und Streckungen auch des Rumpfes ausführt, lange, bevor er für irgend welche peripheren Reize empfänglich ist. Ks koinmeu also auch Bewegungen aus inneren Gründenquot; zu Stande.
Die Bewegungen könnten als eine erhebliche Muskelleistung erscheinen, namentlich wenn man ihre oft auffallende Heftigkeit beachtet. Allein es darf auch nicht übersehen werden, dass die Bewegungen sich in dem Fruchtwasser nusserordentlich leicht ausführen lassen und selbst eine Drehung des ganzen Körpers, sofern ihr keine Hindernisse entgegenstehen, nur eines geringen Anstosses bedarf.
Die Reflexbewegungen des Foetus stehen unzweifelhaft in Beziehung zu der Lage, welche er im Uterus einnimmt. Es ist wahrscheinlich die alte Vorstellung zutreffend, dass der Foetus selbst sieh in die Lage bringt, in welcher er am bequemsten liegt. Die Art des Drucks, der auf die Haut rosp. durch die Körpertheile gegeneinander ausgeübt wird, führt zu einer zweckmässigen Reflexbewegung.
Schwacher Schmerzempfindimgen ist der Foetus fähig. Unzweifelhaft bestehen die allgemeinen Gefühle des Behagens, der Unlust und des Hungers. Daher erklärt es sich auch, dass der Zustand der Mutter, namentlich ihre Nahrung (pg. 237), auf das Benehmen des Foetus einen starken KinHuss hat, welcher sich ebenfalls in Bewegungen ausdrückt, die in diesem Falle also aus inneren Gründenquot; (siehe oben) erfolgen.
Zusammenfassun g.
Im intra-uterinen Leben entwickeln sich die weitaus meisten, jedenfalls alle lebenswichtigen Organe m. o. w. früh bis zur F'unctionsfälügkeit. Aber die meisten beginnen trotzdem ihre wirkliche Function erst nach der Geburt. Denn soweit sie eine Thätigkeit erkennen lassen, ist dieselbe nach Art, Umfang und Bedeutung mit dem extra-uterinen Verhalten nicht ZU vergleichen; sie ist vor Allem für das foetale Leben selbst entbehrlich, also bedeutungslos oder höchstens einem Spiel bezw. einer Vorübung für spätere wirkliche Leistung zu vergleichen.
Eine, man möchte sagen, glänzende Ausnahme macht allein das Herz. Fs arbeitet nicht allein ganz ebenso wie im spii-
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tercn Leben, sondern es steht auch auf der Höhe seiner Leistung. Sein Versagen bedeutet für den Foetus so gut wie für das goboreue Iiuiivi-(iuuin den Tod. Das Gehirn kann fehlen, aber das Herz muss schon im Foetus auf dem rechten Flecke sitzen.
Dem Herzen sehlicsst sicli an die Leber. Aber ihre Bedeutung ist eine ganz andere, als nach dor Geburt, denn sie dient nicht der Gallen-, sondern der Blut-Bereitung.
Das Gehirn schläft seiner künftigen Herrschaft über den Körper entgegen, ohne sich vorliiutig irgendwie im Begieren einzuüben. Die Funktion aller übrigen Orgaue macht den Eindruck einer Spielerei, die doch zugleich einen Zweck erfüllt, der aber nicht der Gegenwart, sondern der Zukunft dient: sie bildet nämlich eine Vorbereitung für die gleich nach der Geburt auf den Organismus gewissermassen einstürmenden Aufgaben.
Der einzige lebenswichtige Vorgang, der neben der Blutbewegimg sich abspielt, nämlich die Ernährung, vollzieht sich ohne Mitwirkung der Athmungs- und Verdauungsoraiane. Damit fällt zugleich die Ausscheidung von Faeces weg und auch die Harnauscheiduug erweist sich, obwohl sie in geringem Grade stattfindet, als für den foetaleu Organismus bedeutungslos.
Wenn aber auch die foetaleu Organe mit Ausnahme des Herzens nicht in dem Sinne, wie nach der Geburt, funetioniren und die meisten so gut wie ganz unthätig sind, so entfalten sie doch alle eine Leistung, sie wachsen.
lt;*nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kreislauf, Ernährung, Wachsthum sind die 3 Vorgänge, welche das
intra-uterine Leben ausfüllen. Das erste und das zweite besorgt das Herz allein; au dem dritten sind alle Organe betheiligt und zwar in einem Grade, welcher die Wachsthumsvorgäuge nach der Geburt weit übertrifft.
Bedeutung der Fruchthüllen und Einfluss der Mutter.
Der Liquor Amnii ist das Medium, in welchem der Foetus lebt. Daher drängt sich die Frage zuerst auf, welche Bedeutung dieses flüssige Medium habe, welches für das Säugethior eigentlich etwas fremdartiges ist, da es ein förmlich lischartiges Erstlingsdasein bedingt.
Die Bedeutung der Wasserversorgung des Foetus, welche unzweifelhaft wesentlich mit vom Liquor Amnii bewirkt wird, haben wir bereits kennen gelernt (pg. 224). Die dirocte Aufnahme des Liquor Amnii in den Nahrungsschlauch ist es wahrscheinlich auch, welche die Anfänge einer Drüsen-produotion und indirect einer Peristaltik bedingt, also die Ausbildung des Darmes fördert (pg. 228).
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Aber weitaus in der Hauptsache ist die Bedeutung lt;les Liquor Amuii eine mechanische, inindestcns in dreifacher Hinsicht.
Erstens gewährt die Flüssigkeit dem zarten sich bildenden Embryo einen unübertrefflichen Schutz. Das Wasser ist hekanntiieh so gut wie incom-liressibcl und verthcilt einen einwirkenden Druck gleichmässig nach allen Seiton. Er schützt also den Foetus in vollkommenster Weise vor allen Einwirkungen, die den Uterus von aussei! treffen. Es wäre sonst auch eigentlich geradezu unmöglich, dass jemals ein Foetus sicli normal entwickeln könnte. Man muss nur bedenken, dass sich der Uterus zwischen den Bauoheingeweiden befindet, dass diese sich verschieben, ihr Volumen ändern, ihrerseits äussere Einwirkungen (Stösse etc.) erfahren und schon durch ihr Gewicht allein dem zarten Embryo, sobald derselbe erst die (iebärmntterwand auszubuchten beginnt, verderblich werden würden.
Zweitens würde aber auch, abgesehen von allen Laesiouen durch äussere Einflüsse, der foetale Körper unmöglich ein monatelanges Liegen auf einer festen Unterlage aushalten, wenn dieselbe auch einem weichen Rette gliche. Auch in dieser Beziehung wäre es schwer verständlich, wie der Foetus sich ohne flüssige Umgebung normal sollte entwickeln können. Denn diejenigen Körportheile, auf welchen der Foetus aufläge, müssten umsomehr beeintlusst und deformirt werden, als wir kein Mittel sehen, durch welches der im Trocknen befindliche Foetus einen Lagewechsel erfahren könnte. Der Liquor Anmii gewährt dem Foetus also die Vortheile eines Wasserbettes. Er schützt ihn nicht bloss vor äusse-ren Insulten, sondern auch vor dem sonst, unvermeidlichen Liegedruck.
Drittens endlich verschafft die Amnionflüssigkeit dem Foetus Bewegungsfreiheit. Es wurde pg, 233 oben orwähnt, dass die lebhaften Bewegungen dos Foetus keine wesentliche Muskelarbeit bedeuten, da sie sich in der Flüssigkeit aussorordentlich leicht vollziehen. Es wäre gar keine Möglichkeit, dass der Foetus seine zarten Glieder bewegen könnte, wenn sie der Uteruswand auflägen oder in leeren Fruclithüllen, wie in einem Netz, vorstrickt wären. Diese Bewegungen sind aber von grosser Bedeutung, einmal weil der Foetus seine Lage wechseln kann, andrerseits, weil die Ausbildung des Bewegungsapparates diese Vorübungen wahr* BOheinlloh geradezu erfordert.
Alles dies zeigt, dass der Liquor Amnii ein wohl unentbehrliches Hülfsmittcl normaler und nach Möglichkeit ungefährdeter Entwicklung ist. Bei den Thiercn, bei denen der Allantoi'ssack das Amnion umwächst (pg. 193, 204). besteht sogar eine doppelte Wasser-Schutz-Schicht.
Die Aufgaben des Chorions ergeben sich aus den vorhergehenden Kapiteln von seihst. Diese eigenthümliche Verbindung zwischen
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Muttei- uiul Frucht dionto drei zum Theil nicht leicht Vereinbaren Zwecken in vollkommenster Weise.
Krstens stellt das Chorion eine Verbindung mit der Mutter her von solcher Sicherheit, dtiss bekanntlich (pg, 189) die Lösung z. Th. nicht ohne Zerreissungen abgeht, die jedoch nur die Mutter betreffen. (Gewisse Zotten dienen ihrer Komi nach wohl speciell als Haftzotten; beim Menschen sind solche jedenfalls vorhanden.)
Zweitens vermittelt das Chorion ohne alle active Thätigkeit des Foetus (von dessen Herzen abgeseheu) die Ernährung des Foetus (pg. 2'20).
Drittens aber wird durch die Art, wie das Chorion und seine Gelasse mit der Uterus-Schleimhaut und deren Gefiissen in Verbindung tritt, der Foetus thatsiiehlich aufs beste isoliit.
Es ist nicht das wesentliche, dass die Fruchthiilleu den Foetus von dem Baume des Uterus ahschliessen. Denn dieser Raum ist an sich sozusagen ein sehr gesunder Aufenthalt, der der Aussenwelt gegenüber unzugänglich verschlossen und deshalb vor Schädlichkeiten im wesentlichen gesichert ist (sofern nicht die Uterus-Wand selbst erkrankt). Die Thatsache, dass aus inneren Gründen abgestorbene Früchte im geschlossenen Uterus nicht faulen können (pg. 272), beweist zur Genüge, was der Baum des normalen Utexus für Vortheile bietet.
Worauf es aber bei der Isolirung des Foetus wesentlich ankommt, das ist die Isolirung des foetalen und mütterlichen Blutstromes. Wenn, eine directe Verbindung des foetalen und mütterlichen lilutstromes bestände, so wäre der Foetus zahllosen Heeintlussungeu ausgesetzt, die seinem zarten Organismus störend und gefährlich werden könnten, ohne dass deshalb im mütterlichen Körper eine nennenswerthe Störung zu bestehen brauchte. Vor allem aber würde jeder in das mütterliche Blut gelangte pathogene Stoff auf den Foetus übergehen und hier natürlich viel verderblichere Wirkungen entfalten, als im mütterlichen Organismus. In Wirklichkeit aber gehen die beiden Blutströme neben einander her. Sie haben zwischen sich ein Filterwerk von so wunderbarer Feinheit und Zuverlässigkeit idic trennenden Zellschichten, p. 187),, dass durch dasselbe zwar die Näh rstoffe übertreten können, fremdartige Körper aber, körperliche Krank-heitskeime, also Hacterien, selbst Sporen anscheinend mit absoluter Sicherheit abgehalten werden (natürlich nur, sofern sie eben im Hlutstrom vorübergehen : dem direekm Angriff durch Baeterien würden selbstverständlich auch die Eihäute unterliegen). Es scheint, als ob ein Uebergang von Bacteiien nur stattfindet, wenn die trennenden Zellschichten verletzt sind, liifect.ionsknuikheiten der Mutter üben daher in der Kegel
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keinen Einfluss auf den Foetus in den Fruclithiillen huh. i Damit ist liatUrlloh die erbliche Uebertragung nicht zu verwechseln.)
Der physiologische Einfluss der Muttor auf don Foetus während der Schwangerschaft ist dagegen ein grosser und mannigfaltiger. Aus dem mütterlichen Blut gehen die Nährstoffe auf den Foetus über. Der Gehalt des mütterlichen Blutes, seine vorübergehende oder dauernde chemische Heschatt'enheit muss also auch das foetalc Mint und damit den foetalen Körper direct beeintlussen. Damit wird der Foetus nicht allein von der Ernährung und dem allgemeinen Betinden (beim Menschen vielleicht sogar von der seelischen Stimmung'), sondern überhaupt von der gesammten Lebensführung der Mutter indirect mit abhängig, denn fast alle Lebcnsvorgänge linden zugleich im Stoffwechsel und damit in der Blutbeschaffenheit einen Ausdruck.
Der Foetus rcagirt deshalb auch prompt auf gewisse Lebens-Vorgänge der Mutter, selbst auf gewisse Nahrungsmittel derselben, wie man beim Menschen leicht beobachten kann (pg. 288). Dass vollends der Foetus in Bezug auf die Entwicklung seiner Masse in erster Linie von der Mutter abhängig ist, versteht sich von selbst. Ks ist bekannt, dass durch entsprechende Diät der schwangeren Frau ein Kleinerbleibcn des Foetus, d. h. eine leichtere Geburt erzielt werden kann. Demnach ist auch gewissermassen künstliche Vergrösserung möglich und dasselbe, wie beim Menschen, wird auch beim Thier der Fall sein.
Mit der Xahrungszufuhr für die Mutter steht freilich die Stoffzufuhr für den Foetus keineswegs immer im gleichen Verhiiltniss. Hierbei zeigen sich erhebliche individuelle Unterschiode an den Müttern. Man kann geradezu eine selbstsüchtige und eine aufopfernde Art des Stoffwechsels der Schwangoren unterscheiden (pg. 286). Es ist bekannt, dass manche gesunden Kühe während der Schwangerschaft sehr heruntergekommen aussehen, so dass man sie für krank halten und ein schwächliches Kalb erwarten sollte. Sie bringen aber regelmässig sehr gut entwickelte Kälber, während umgekehrt Kühe, welche während der Tragezeit ganz wolilgeniiiirt bleiben, schwächliche und kleine Kälber gebären. Dies ist doch nur so zu erklären, dass die eine Kuh alle irgend verfügbaren Stoffe in Formen umsetzt, die zur Zufuhr für den Foetus dienen können, während die andere das, was vom Foetus nicht unbedingt verbraucht werden muss, zum Fettansatz im eigenen Körper verwendet. Solche Unterschiede haben Ja auch nichts befremdliches, denn sie stehen im Kinklang mit den allgemeinen Beobachtungen über die individuelle Eigenart jedes Stoffwechsels. Bedingt doch der Stoffwechsel bei manchen Individuen eine ausgesprochene Neigung zum Fettansatz, während er bei anderen einen solchen nicht zu Stande kommen liisst, trotz
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gleiohdl' Gesundheit und Niiluuiigszufidu'. Eltte Kuh, die zum Fettaiisutz neigt, wird in der Kegel keine besondere Milchkuh sein. Die Abgabe von Nährstoffen mit der Milch nach aussei! ist ganz dasselbe, wie die Abgabe von Nährstofl'en im den Foetus: denn auch letztere ist eine Aussclicidung aus dem mütterliclien Stoft'haushiilt. Wie die eine, so wird daher auch die andere Abgabe, je nach der Individualität oder Köri)ercoustitutiou der weiblichen Wesen, auch bei gleicher Oeaundheit und Ernährung, verschiedene Qualitäten aufweisen.
Aus alledem erglebt sich aber, dass die Eintlussnahme der Mutter auf den Foetus sich auf die Stoffzufuhr beschränkt. Ein anders gearteter Elnfluss ist ausgeschlossen. Danach kann die Mutter wohl die Quantität und allenfalls die Normalität des Foetus beeinflussen, nicht aber die Art der Hildungsvorgäiige, d. h. die Art der Verwendung der zu-geführten Stoffe im Foetus. Letztere unterliegt allein den Entwicklungsgesetzen, welche dem Foetus hmewohuen, seiner ererbten Art und Individualität nach. Die Vererbung ist beendet mit der Befruchtung. Daher ist es wunderlich, um nicht mehr zu sagen, wenn mau durchaus annehmen will, dass der mütterliche Stoffwechsel bezw. überhaupt die Mutter während der Entwicklungszeit in dieser Beziehung noch einen Einfiuss ausüben könnte. Diese Vorstellung ist in früheren Capiteln, beim Verschenquot; (pg. 121) und bei der Qeschlechtsentstehuug (pg, löOff.) erörtert und zurückgewiesen.
Dass gewisse äussere Zufälle, welche die Mutter betreffen, auch ohne eine Veränderung der Stoffzufuhr auf den Foetus einwirken können, ist selbstverständlich und erschüttert das oben Gesagte nicht. Hierher gehören alle mechanischen Einwirkungen, welche den Uterus in Mitleidenschaft ziehen.
Dass das Leben des Foetus an dasjenige der Mutter geknüpft ist, beruht auf der Nothwendigkeit der Stoffzufuhr, in erster Linie der Sauerstoffzufuhr. Wie lange der Foetus die Mutter überleben kann, ist für die einzelnen Hausfliierai-ten nicht festgestellt. Beim Menschen gehört es nach Schröder-Olsliausen nicht zu den Unniöglichkeitenquot;, ein Kind, welches eine Viertelstunde nach dem Tode der Mutter (durch den Kaiserschnitt) zur Welt gebracht ist, ins Leben zurückzurufen; obwohl es dann schon asphyetisch ist. Zehn Minuten dürften daher im allgemeinen die Grenze der Dauer des foetalen Lebens nach dem Tode der Mutter bilden. Die Lebensrettungen durch den Kaiserschnitt post mortem sind daher selten: die günstigste Statistik ergiebt 10%. Lei Thieren wird es nicht anders sein, wie auch Harms annitmnt (II. Theil dieses Werkes pg. 409).
Die Krankheiten des Fötus, welche mit oder ohne Einfiuss der
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Mutter entstehen, siud im II. Tlioile dieses Werkes pa;. 896ff. iibge-handelt. Kbeuda sind aucli einige \iigtit)eii über Missbildungeu gemacht. Die Lehre von deu Missbildimgcn bildet übrigens ein Qebiet für sicli. (Vgl. Gurlti üeber tMerlaohe Mlssgeburten. Berlin 1877).
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Das Ausreiten des Foetus.
Fohlen. (Entwicklungszeit 11 Monate).
Das jüngste Pferde-Ei hat Hausmann gesehen und in seinem tichon früher eitirtea Werke*) beschrieben. Es war 19 Tage iilt. Eine 20tägige Keimblase, die er in natürlicher Grosse abgebildet bat, zeigt 3 cm Durchmesser und eine 7 mm lange Embryonalanlago. Hausmann hat im ganzen DJ befruchtete Stuten verschieden lange Zeit nach dem Decken tödten lassen und untersucht, was ihm noch Niemand wieder nacbgethan hat. Seine Angaben, die freilich manches iinboriicksiclitigt lassen, was heute der Beachtung nicht entgehen würde, sind mitbin bezüglich der Alters der Embryonen unanfechtbar: leider beziehen sie sich mehr auf die Eihäute, als auf den Leib des Embryo. Mit 28 Tagen fand er den Embryo stark gekrümmt; die Allantois von der Grosse eines Eübsamenkornes. Mit 42 Tagen hing die Eruchtblnse noch nicht mit der Gebärmutter zusammen und fasste ß Unzen (180 g) Flüssigkeit. Der Embryo war zolllang (3 ein); die Bauchhöhle war formirt, die Extremitäten waren ungelegt.
Bei dieser Periode setzen auch die Angaben Gurlts ein. Gurlt hat In seinem Handbuch der Anatomie genaue Angaben über die Foeten der Hausthiere gemilcht, die zuletzt in der V. Autlage seines Werkes (1873) Aufnahme gefunden haben. Dieselben sind allgemein als massgebend anerkannt und nur an inanelien Punkten später ergänzt worden. Im folgenden ist daraus Dasjenige wiedergegeben, was für die Altersbestimmungen besonders wesentlich ist.
Länge (vom Scheitelhöcker zum Steiss gemessen) und Längenlaquo; zunahmen; Mit (i Wochen 4 em (nach Hausmann 8), mit 7 Wochen ö cm, mit 8 Wochen 7; von da ab jede Woche 1 cm mehr; mit 12 Wochen 12 cm;
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*) Ucbor die Zeugung und Entstehung dos wahren weiblichen Kies. Gekrönte Preissohrlft von U. P. Hausmann, Director der Kgl. Thicnvrzneischule zu Hannover. Ebenda 1840.
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1815. Woche jo 1,6 i'iu ZmvaeliK. Mit 15 Wochen ist eine Länge von Hi'/.j cm erreicht: der Foetus üiihlt also his dahin etwa soviel Wochen, wie Centimeter. Von da ab beträgt sein Wachst hu in bis zuletzt wöchentlich ca. 2,5 cm. Er zählt demnach: mit 4 Monaten (17 Wochen) ca. quot;22 cm, mit 6 Monaten (21 Wochen) ca. 33 cm, mit 6 Monaten (26 Wochen) ca. 45 cm, mit 7 Monaten (30 Wochen) 55 cm, mit 8 Monaten (34 Wochen) 6670 cm, mit 0 Monaten ca. 80, mit 10 Monaten ca. i)0 cm; mit 11 Monaten ist er 1 Meter und darüber lang. Da aber das Grössenwaehsthiini des PoetUS gerade in den letzten Monaten variirt, und erheblich über einen Meter hinausgehen kann, so geben die Masse in dieser Zeit nur UQgefährea Anhalt. Es müssen noch andere Kennzeichen zu Hilfe genommen werden.
Haare: Von den Haaren zeigen sich die ersten Spuren nach 4 Monaten an den Lippen, mit 5 Monaten über den Augen (den menschlichen Brauen ähnlich) und an der Schwanzspitze: im 6. Monat kommen Wimpern und Spuren der Miihnenhaare, nach 7 Monaten sprossen Haare am Schweif und mit 8 Monaten an der ganzen Eüekenlinie. Nach 1) Monaten ist der ganze Körper mit leinen Härchen bedeckt und mit 10 Monaten erst hat er eigentliches Haarkleid. Das Auftreten einer vollständigen, wenn auch feinen Behaarung bezeichnet zugleich die unterste (Jrenze der eventuellen Lebensfähigkeit im Falle einer Frühgeburt (vgl. pg. 268).
Scelett: Das Brustbein ist in der 6. Woche geschlossen. Das Scelett ist nach 8 Monaten vollständig knöchern gebildet (d. h. sämmtlieho Knochen enthalten die entwicklungsgemässen verknöcherten Zonen speoiell in den Diaphysen) bis auf Phalanx seeunda, Carpus, Tarsus und Patella. Letztere sind noch Lude des 9. Monats knorpelig.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;
Die Vordergliedmassen vom Ellenbogen ab sind mit 10 Wochen 28 cm lang; die Hufe fangen sich an zu bilden. Nach Ablauf des dritten Monats sind die (iliedmassen schon 4,5 cm lang; der Kopf zur selben Zeit 5 cm. Im elften Monat sind die Milchbackzähne und bei der Geburt eventuell die Zangen durchgebrochen.
Die Hoden und Eierstöcke sondern sich von den Urnieren im 3. Monat. Die Hoden sind nach ;! Monaten 1 cm, nach 4 Monaten schon 4 cm lang bei 28 cm Dicke; sie nähern sich im 8. Monat dem Hauchring, passiren ihn aber erst im 11. Monat, wobei sie (i cm lang sind. Die äusseren (ieschlechtstheile sind mit 8 Monaten ausgebildet. Die Eierstöcke sind mit 4 Monaten 8 :2 cm gross.
Mit I Monaten findet sich auch Flüssigkeit im Magen (Vgl. pg. 225),
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Kalb. (Eutwloklungszelt quot;J Monate.)
Sclicitel-yteiss-Liiiiso und Wiiclisthuni: Nacli 1 Jlonat 8 nun, mit 6 Wochen erst l1^ Om, mit 7 Woclien 8 cm, mit 8 Woclion 0 cm, mit (J Wochen 8 cm, mit 11 Woclien 11 cm, mit 12 Wochen 14 cm. Der Eimlsembryo wächst also zunächst langsamer, dann verhältnissmässiü; schneller als der Pferdeembryo. Nach 8 Monaten wächst er wöchentlich etwa 2,5 cm, wie der Pferdeembryo. Er misst also mit 8 Monaten ungefähr 17 cm, mit 4 Monaten 20 cm, mit ö Monaten 37 cm, mit 6 Monaten 48 cm, mit 7 Monaten (iü, mit U Monaten 80 cm und darüber.
Haare treten nach 4 Monaten auf (mit 18 Wochen), also etwa zu gleicher Zeit, wie beim Pferde, aber an den Lippen und über den Augen zugleich. Gegen Ende des 7. Monats kommen Haare über den Klauen, an der Sohwanzspitze und au den Stirnpunkten, wo später die Hörner stehen; im 8. Monat bilden sich Rückenhaare (beides später als beim Fohlen). Mit Ablauf dieses Monats entsteht die vollständige Körperbehaarung (240 Tage, unterste Grenze der Lebensfähigkeit, vgl. pag. 208).
Scelett. Das (knorplige) Brustbein hat mit 7 Wochen noch eine Längsspalte. Die Gliedniassen sprossen im 2. Monat; im 4. Monat werden nach Colin die Klauen fest und gelb. Die Verkiiochcruiig ist, wie beim Fohlen, in allen Knochen nach 8 Monaten vorhanden bezw, bis auf die zuletzt verknöchernden Knorpolzonen und Fpiphysen vollendet, excl. Carpus, Tarsus und Patella. Diese beginnen im 8. Monat zu vorknöchern. Im 8. Monat verknöchert auch die grosso Fontanelle und die Milchzähne sind durchgebrochen.
Die Hoden sind nach 8 Monaten erst '/i em l'mg, also viel kleiner als beim Fohlen, und sind auch 6, Monat erst wenig über 1 cm gross. Dagegen steigen sie viel früher, als heim Fohlen, schon in der ersten Woche des 6. Monats, in den Hodensaek herab. Die Eierstöcke sind zur selben Zeit 8 mm lang und 4 mm dick. Die Brustdrüsen sind bereits mit 7 W'ochen als 4 Orübchen mit erhabenen Bändern angedeutet. (Die Nieren sind mit 7 Wochen 2 mm lang.)
Am Verdauungskanal ist mit 6 Wochen erst ein einfacher spindelförmiger Labmagen vorhanden, nach 10 Wochen sind alle 4 Magenabtheilungen deutlich (Pansen 1,5: 1 cm; Labmagen I :O,0 mm). Im 5. Monat zeigen sie sich mit Flüssigkeit gefüllt. Die Grimmdarmwindungen erscheinen mit 8 Wochen, sind mit 11 Wochen regelmässlg und durch das Gekröse gegen einander fixirt.
Sohmaltz Gosohldohtsloben,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;O*
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Schaf.
(Bütwloklungszelt 6 Monate.)
Scheitel-Steiss-Liiuge und Waehsthum: Bonnet sah das
jüngste Sohafel von 12 Tagen: es war 2 mm gross. Mit 18 Tagen
ist der Embryo 8 mm lang und fast gerade, mit 19 Tagen gekriimint, mit
25 Tagen 1 em*) (also grosser als der Kindsembryo), mit 6 Wochen 2 cm,
mit 6 Wochen bis 3 (etwa so gross wie der gleich alte Pferdoembryo). Nach
2 Monaten beträgt die Griisse ö cm, eine Woche später schon 9 cm,
mit 3 Monaten 16 cm und schliesslich 4050 cm.
Die ersten Haare sprossen nach l Monaten, Im quot;gt;. Monat entsteht dicht wollige Behaarung.
In den ersten Organanlagen hat der Embryo mit S1/-} Wochen etwa denselben Stand erreicht wie der Hundembryo von 3 Wochen (siehe unten); die Gliedmassen sind vorhanden. Die Verknöcberung beginnt mit acht Wochen.
Schwein.
(Entwicklungszeit 4 Monate.)
Scheitel-Steiss-Länge und Waehsthum: Mit 8 Wochen 6 mm, mit 4 Wochen 18 mm, mit 5 Wochen 3 cm (also noch schnelleres Waehsthum als beim Schaf), mit 8 Wochen 8 cm, mit 10 Wochen 18 cm, mit S1^ Monat 18 cm und am Schluss etwa 25 cm.
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Hund.
(Entwicklungszeit 9 Wochen.)
Scheitel-Steiss-Länge und Waehsthum: Mit 18 Tagen 4 mm und gerade, mit 20 Tagen 67 mm und gekrümmt, mit 3 Wochen 1 cm, mit 31/.) Wochen schon 28 cm, mit 4 Wochen 441/9 cm (also noch schnelleres Waehsthum wie beim Schwein), mit B Wochen 67 ciji, mit 0 Wochen ca. 8, mit 8 Wochen ca. 12 18 und schliesslich 16 bis 21 cm laug.
Allgemeine Entwicklung: Nach 20 Tagen ist der Kopf mit den Visceralbogen abgesetzt, das Herz ein gekrümmter Schlauch; die Allantoi's ein kleines Bläschen. Mit 21 Tagen zeigen sich die Augen als kleine Kreise, dahinter die Ohrgriibchen. Speiseröhre, Magen und Darm sind ausgeprägt; letzterer macht eine Schlinge; der Ductus vitello-intestinalis ist schon dünn und kurz. Die Urnleren sind in der Entwicklung. Die Gliedmassen sprossen. Mit 23 Tagen erreichen sich
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*) Der Chorionsack ist zu gleicher Zeit 39 cm lang.
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die Loibcswäiulo bei weitem noch nicht in der Mittellinie; Rippen und Wirbel sind durchsichtige Knorpel. Kehlkopf und Luftröhre sind angelegt, die Lungen zwei kleine Kugeln. Herz 8 mm lang, mit Kammern und Vorhöfen. Lober 8 mm. Ductus vitello-intestinulis noch ein dünner Faden. Gliedmassen 2 mm lang mit kolbigon Enden, an denen die Zehentheilung durch Striche angedeutet ist. Mit 2426 Tagen: Beginnende Bildung der Augenlider und Ohnnuscholn, Ausbildung des Gesichts; Sonderung der Gehirntheile. Die Brusthöhle ist geschlossen. Die Bauchhöhle hat noch eine sehr weite Oefl'nung. Der Darm bildet schon einige Schlingen; After noch geschlossen. Die Nieren treten hervor. Beginnende Gliederung der 4(i mm langen Gliedmassen und Zehen-bildung. Mit etwa 4 Wochen sind am Kopf Schädel- und Gosiehts-theil abgesetzt; Nasen- und Mundhöhle durch den Gaumen getrennt. Die Verknöcherung beginnt; Muskeln und Nerven sind zu erkennen. Das Geschlecht ist differenzirt. (Die Hoden liegen mit 8 Wochen noch in der Bauchhöhle und sind 3:2 mm gross.)
Hautgebilde: Mit 8 Wochen ist der ganze Körper dünn behaart; die Krallen sind fest. Die Augenlider sind geschlossen.
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Allgemeine Bemerkungen.
Die Hauptmerkmale der Altcrsbeurtheilung sind demnach die Länge und die Behaarung dos Foetus.
Die Länge wird nicht von der Schnauze ab, sondern vom Scheitelhöcker zum Schwanz (Steiss) gemessen. Sie giebt in der ersten Hälfte der Entwicklung einen ziemlieh sicheren Massstab ab. Später machen sich aber die sehr bedeutenden Unterschiede, welche die Foeteu namentlich der grossen Hausthiere bei der Geburt aufweisen, nothwendigerWeise schon geltend.
Dagegen ist gerade in den letzten Monaten, wo die Altersbcurthei-lung für Frühgeburten eine practische Bedeutung gewinnt, das Auftreten und die Art der Behaarung das zuverlässigste Beurtlieilungsmittel. Die Haare sind beim Hund mit 2 Monaten vorhanden. Beim Fohlen und grossen und kleinen Wiederkäuern zeigen sich erst nach 4 Monaten die ersten Spuren. Dieselbon treten zunächst an typischen Stellen und In bestimmter Reihenfolge auf: Lippen, über dem Auge, Sehwanzspitze, Halskamm, Rückenlinie, dann erst an der Rumpftliiche. Man kann damit jeden einzelnen Monat der zweiten Trächtigkeitshälfte eharakterisiren, wie sich beim Pferde und Kalbe ergiebt.
Das Auftreten einer vollstäi i'igen, wenn auch noch feinen Be-
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haanuig zeigt zugleich das Mindestmass der für Lebensfähigkeit (im Falle der Frühgeburt) erforderlichen Entwicklungszeit au, welches beim Fohlen auf O'/a Monat, beim Kind auf den vollendeten 8. Monat, beim Schaf auf über 4 Monat und beim Hund auf 8 Wochen zu bemessen ist.
Die Organanlagen sind für die Altersbeurthoiluug namoiitlich in der letzten Zeit weniger werthvoll. Im allgemeinen sind mit 4 Wochen überall sämmtliche Organe angelegt. Die Gliedmasseu sind bei den grossen Hausthieren im 2. Monat, bei den kleinen im 1. Monat vorhanden. Im 3. Monat bilden sich Huf und Klauen. Interessant sind die Grösseiuinter-schiede der Hoden beim Fohlen und Kalb. Heim Fohlen sind sie nach 4 Monaten 4 cm, steigen aber erst im letzten Monat, 6 cm gross, in den Hodensack: beim Kalb sind sie mit 6 Monaten erst 1 em gross, treten aber schon aus der Bauchhöhle. Der Magen enthält hei Fohlen und Kalb im ö. Monat Flüssigkeit, ein Zeichen, dass dor Foetus jetzt Fruchtwasser trinkt (vergl. pg, 225).
Die Wachsthumsunterschi ede des Körpers sind relativ sehr auffällige. Die Embryonen der kleinen Hausthiere wachsen in den ersten Entwicklungswochen viel schneller als die der grossen. Letztere verwenden also erst ihr Plus an Entwicklungsdaner zur Erlangung ihrer so viel bedeutenderen Grosse. Absolut am schnellsten wächst der Hund, der mit 8 Wochen (wo für ihn auch schon das Ende der Entwicklung herannaht) 12 cm, d. h. fast doppelt so lang ist, als der gleich alte Pferde- und Rindsembryo. Auch das Schwein ist in den ersten zehn Wochen (mehr als die Hälfte seiner Entwicklungszeit) dem Fohlen und Kalb an (irösse absolut voraus; der Sehafsemhryo dagegen bleibt schon in der (i. Woche gegen den Pferdeembiyn zurück, während er dann noch doppelt so gross ist als der Kindsembryo, Ganz auffällig ist das langsame Wachsthum des Rindsembryo in den ersten 7 Wochen, während deren er kaum halb so gross wird, als der gleich alte Pferdeembryo, um von der 8. Woche ab letzteren eine Zeit lang zu Überholen und vom 1. Monat ab im gleichen Tempo zu wachsen.
Im Durchsohnitt beträgt die Körperzunahme bei Pferd und Kind bis in den vierten Monat wenig mehr als I cm wöchentlich (d. h. im (iesammtdurchschnitt: in den ersten Wochen ist das Wachsthuin viel langsamer): von da ab wachsen beide gloichmässig wöchentlich ca. 21/;, cm. Das Wachsthumscrgebniss heim Schaf ist ebenfalls in den ersten drei Monaten etwas über 1 cm auf die Woche, in den letzten beiden Monaten dagegen über 8 cm wöchentlich. Beim Schwein stellt sich das Ergehraquo; niss auf wöchentlich 1 cm in den beiden ersten und auf 2 cm In den beiden letzten Monaten. Auch der Hund bringt es in der ersten Entwick-
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lungsliillfto auf einen WocheiKlurehschnitt von 1 cm, in der zweiten Hälfte gar auf 4 cm wöchentlich. *)
Im allgemeinen erlangen die grossen Haustliicre und das Schwein vor dem Ende dos zweiten Drittels der Entwicklungszeit auch dio halbe Körperlilngc, wiihrend Schaf und Hund, trotz ihren absoluten Vorsprungs in den ersten Wochen, erst nach vollendetem zweiten Drittel die halbe Länge haben (diese beiden Foetcn wachsen, wie oben gezeigt ist, im letzten Drittel um Ji bezw. 4 cm wöchentlich, die anderen Thiere nur um 2 bezw. 272 cm'
Ganz anders stellen sich aber die Körpergewichte, deren allmähliche Zunahme dem Längenwachsthum durchuus nicht proportional ist. Nehmen wir das Gewicht des Fohlens und Kalbes bei der Geburt auf 80 Pfd. an, so erreicht das Fohlen die Hälfte dieses Gewichts erst im neunten Monat, also im letzten Viertel der Triichtigkeit; desgl. das Kalberst mit acht Monaten. In der ersten Hälfte der Trächtigkeit bringt es das Fohlen auf etwa 8 bis 10 Pfd., das Kalb auf etwa (gt; bis 8 Pfd., das ist rund ein Zehntel des Geburtsgewichtes. Diese Thatsache ist sehr wichtig. Denn die Körpermasse, also das Gewicht des Foetus und die Gewichtszunahme, geben zugleich einen sicheren Massstab für seinen Bedarf und die von der Mutter zu leistende Zufuhr von Nährstoffen. Ks zeigt sich also, dass die erste Hälfte der Schwangerschaft den Stoffverbrauch der Mutter noch wenig beeinflusst, dass aber namentlich im letzten Viertel dio Ansprüche ganz unvorhältnissmässig sieh steigern, vgl. pg, 285 ff.
Die Beschaffenheit des reifen Foetus.
Die Hausthiere, allenfalls mit Ausnahme des Sehweines werden in Haaren geboren. (Die vollständige Ausbildung der Behaarung ist zu-gleieh ein Zeichen für die eventuelle Lebensfähigkeit der Frühgeborenen, siehe pg. 244.) Das Haarkleid hat bereits einen m. 0. w, vollständigen Wechsel durchgemacht (embryonaler Haarwechsel).
Beim Mensehen ist das anfangs den ganzen Körper bedeckende
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*) Dor Hund hat also, wie man auch den Vergleich anstollon möge, dass schnellste Wachsthum, Wir sahen, dass er mit acht Wochen, also gegen Ende seiner Entwicklung, absolut grosser ist, als gleichalterigo Embryonen von Pferd und Rind. Wir sehen ihn von der fünften Woeho ab, d. i. in der zweiten Hälfte seiner Entwicklungszeit, 4 cm wöchentlich zunehmen (die andern Thiere 2V3 bis 3 cm). In seiner ersten Bntwicklungshält'to nimmt er zwar auch nur durchschnittlich 1 cm wöchontlich zu, aber diese erste Hälfte umf'asst nur 473 Woche und das Wachsthuin der grossen Haustlnoro ist grade in den ersten vier Lebens* WOOhen ein viol geringeres, was später ausgoglichon wird.
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Plaumhaiir bei der Geburt ausgefallen. Das ausgefallene Haar findet sich im Liquor Amnii, bisweilen in ganzen Ballen (pg. 223). Die Lämmer gewisser orientaler Schafrassen tragen intra-nterin einen schön krausen Wollpelz, der nach der Geburt uiclit mehr dieselbe Qualität besitzt. Doswegen werden die Vliesse ungebornor Länuner zu dem kostbarsten ,Kriinmerquot;-Pelzwerk verarbeitet. *)
Die Hausthiere besitzen bei der Geburt grossentheils bereits die Milchzähne. Das ,Zahnenquot; mit all seinem Leidwesen fällt dann also bei ihnen fort; oder vielmehr sie haben es im (foetalen) Schlafe überstanden. Das Fohlen besitzt seine Prämolaren und Müohzangen oft, aber nicht immer bei der Geburt; sie brechen eventuell erst in der ersten (extra-Hterlnen) Lebenswocbe durch. Das Kalb kann bei der Geburt sämmtliche Milchschneidezähne und Prämolaren besitzen; sie brechen aber auch hier eventuell erst später und zwar im Laufe der ersten drei Wochen durch. Schaf- und Ziegen-Lämmer können bei der Geburt, wie das Fohlen, Milch-Backzähne und Zangen haben; doch verschiebt sich auch hier der Durchbruch öfters, bei den Zangen auf die erste, bei den Backzähnen bis auf die vierte Lebenswocbe. Das Ferkel hat allein Eckzähne und Haken, diese aber stets, vor der Geburt. Sie sind so nadelspitz, dass man die Spitzen abkneift (pg. 850), im übrigen sieht man leicht, dass diese erste Gebissform (Fehleu der Zangen und Mittelzähne) für das Saugen vortheilbaft ist.
Der Hund wird zahnlos geboren und ist überhaupt gowisserniasson zurück (siehe auch unten), denn er ist auch blindquot;, d. h. die Augenlider sind im Lidspalt verbunden. Die Augenlider öffnen sich gewöhnlich mit neun Tagen, die ersten Zähne kommen nach 4 bis 6 Wochen.
Das Scelett ist in der Hauptsache verknöchert und muss das auch sein bei Geschöpfen, welche vom ersten Tage ab selbstständige Bewegungen machen und in unglaublich kurzer Zeit (man denke an das Wild) schnelllaufen lernen. Die einzelnen Knochenabschnitte (Dia-physo und Kpiphysen) sind natürlich noch knorplig verbunden, denn sie bleiben dies bekanntlieh während des ganzen Waehsthums. Zwischen den Scbädelknochen bilden sich während der Entwicklung auch bei Thieren die Fontanellen.
Beim Kiiulo untorschcklot man die grosso und dio kleine Fontanelle, sowie 2 kleine Soitcnfontancllon. Dio grosso Fontanelle ist die vordere und bo-flttdet sieb im Vorlauf der Mittelnaht dos Schädels zwischen den beiden Stirnbeinen einorsoits und den beiden Soheitelboiiien andererseits. Dio sogenannte
*) lieber zu starke Behaarung als Gcburtsbindorniss sioho Thoil II dieses Werkes pg. .'!()!).
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kleino Fontanelle bedeutet gar keine KnoobenlUoke, .sondern nur die Stelle, wo sich bei Thieron das Zwischcnscheitelboin*) vorfindet, d. li. das Zusamniontretlon der Sutum sagittalis mit der Sutura lainbdoi'dea. im Verlauf der letztoron lindon sich kleine Lücken am Waraonfortsatz dos Schläfenbeins als hintere Seitonfonta-nolle. Die vordere Scitonfontanelle liegt zwischen Schlafonschuppc bezw. vorderem Koilbeinfliigol und Scheitelbein. Die Fontanellen sind ollen, die Knochen au Stelle der Nähte durch hantige Zwischonstreifen (Nahtbiinder) verbunden, daher in gewissem Grade vorschieblich. In Folge dessen ist dieSchädelform so veränderlich, dass, eine weitgehende Anpassung an den Geburtsweg und die Art des Durchganges durch denselben niüglich ist. Dies ist sehr wichtig, da der verhältniss-mässig sehr gross entwickelte Kindsschädel der voluminöseste Theil dos Körpers ist.
Bei TMeren ist der Kopf verhältnissmässlg nicht so voluminös, aber er ist auch bei der Geburt nicht mehr nachgiebig. Die Knochen sind fest, in den Nähten nicht verschieblich: die Fontanellen sind geschlossen. Nur bei den Hunden ist auch der Schädelbau noch zurück (s. auch oben), denn es finden sich noch Koste von Lücken an den Stellen, wo bei Menschen die grosse und kleine Fontanelle sich befinden: die hintere und bei der Katze auch die vordere Seltenfontanelle sind sogar noch relativ weit; auch besteht noch eine begrenzte Verschieblich-keit der Knochen.
Die QUedmassen sind noch unproportionlrt. Sie fallen durch dicke Gelenke auf und sind im Vergleich zum Körper, nach den Proportionen des Erwachsenen bourtheilt, bei Pferd und Wiederkäuer zu lang. Namentlich das Fohlen stelzt auf ganz Überraschend langen Beinen umher. Ueberhaupt erscheint das neugeborene Kalb wohlgebildeter, oder sagen wir lieber, der späteren Form ähnlicher, während auch das edelste Fohlen dem Laien sehr hässlich vorkommen wird, ein Los, das übrigens die meisten Menschenkinder (wenn man das Wort Laien hier durch Fremde ersetzt) mit .jenein Iheilen. Beide werden für jene vorübergehende erste Hässlichkeit auch in gleichem Masse entschädigt durch die alle anderen fhierisehen Körper übertreffende Schönheit ihr späteren Formen.*)
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*) Bei Thiereu bildet sich eben das Zwischonscheitolboin als ein besonderer Verschlusskuochen dieser Fontanelle.
*) Der Mensch, von seiner ihm durch das Gehirn verliehenen Sonderstellung ganz abgesehen, besiegt die Thiero durch seine äussere Gestalt. Der Körperadel des Pferdes aber ist am höchsten ausgeprägt im Scelett, dessen prachtvolle Formen und edle Skulptur jeden Schönheitesinn befriedigen und jedes künstlerisch sehende Auge entzücken iniissen. Kein anderes Scelett, das des Mensobon nicht ausgenommen, kann mit diesen vornehm stylisirton, geradlinigen oder schön geschwungenen, regelnlässigen und fein geraelsselten Knochenformen wetteifern. Man vergleiche damit nur die hässlielien Kriinimungon, die plumpen, man möchte sagen, nnausgearbeiteten Verdickungon und Vorspriingo
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J)ie Durchmesser des Körpers haben die grosstc practisehe Bedeutung. Messungen sind namentlich von St. Cyr-Violet, ferner von Kchrer*) und Frank vorgenommen worden; doch können die Resultate solcher Messungen einen vollen Werth nur beanspruchen, wenn sie in sehr grosser Zahl auftreten und daran fehlt es noch.**) Die grössteu Dimensionen haben 3 Eogionen des Körpers, der Kopf, der Rumpf in der Sohulterlage und das Decken zwischen den Hüfthöckern.***) Kopf- und Deckemnasso sind von besonderer Bedeutung; einmal weil der eine oder der andere von beiden Theilon sich zuerst dem noch ungedehnten Qeburtsweg gegenüber befindet, sodann weil ihr Umfang durch unnachgiebige Knoclien bestimmt ist. Der Brustumfang In der Schulterlage folgt eifalmmgsgomäss dem vorangegangenen Körportheil auf dem bereits gebahnten Wog ohne Schwierigkeit und liisst sich augensclioiii-lich bei der Biegsamkeit der Rippen zusamnumdriieken. Uebordics ist bei der Geburt Ellbogen- wie Sohultergelenk am Halse gelogen und nur der Drehpunkt des Schulterblattes trägt zur Vergrössorung des Brustumfanges bei. Endlich ist, worauf Frank hinweist, für die Berechnung des Brustumfanges das Mass am lebenden Neugeborenen nicht ganz zuverlässig, weil während der Geburt die Lunge atelectatisch war (pg, 220), während sie nach der Geburt lufthaltig, also jedenfalls, und der Thorax mit ihr, ausgedehnter ist.
H. Cyr-Violet geben für das Fohlen***) folgende Masse ani Kopf: Diameter vertical IC)17, transversal 1814; Umfang ciuschliesslich der unter den Kopf geschobenen Gliedmassen 58laquo;4 cm. Brustkorb: D. sterno-
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anderer Knochen, Mau betrachte die graziöse, schlanke, wundervoll geformte Säule, die den Fuss dos Pferdes bildet, und daneben die genau genommen häss-lichen Verbreiterungen, die die Extremitäten aller übrigen Tlüore und auch des Menschen an ihren Enden erfahren. (Wohl gemerkt, ich spreche vom Scelett und will die Schönheiten zierlicher lobender Hände und Pttsse durchaus nicht antasten; aber nicht umsonst gilt ebon gerade auch deren möglichst kloine und schmale Form als schön.)
*) Kehrer, Prof. extraord. der Qeburtskunde in Giessen. Beiträge zur vergleichenden und experimentellen Qeburtskunde. 5 Hefte. II. Heft. Vergleichende Physiologie der Geburt des Menschen u. der Säugothioro. Giosson 1S67. quot;) In den üostüten wäre überhaupt zu manchen noch fehlenden Untersuchungen (wie auch andere Kapitel ergeben) Golcgonhoit. Bei Kälbern freilich ist dio Sammlung zahlreicher Befunde nur in der Landpraxis möglich und daher viel schwieriger. In den Entbindungsanstalten lassen sieh alle diese Dingo viel leichter bewerkstelligen.
**) Beim Fohlen ist der Durchmesser zwischen den Hüfthöckern gleich dem zwischen den Trochanteren der Oberschenkel oder grosser; bei den anderen Thieren ist das anders.
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24!)
dorsal 2634, transversal zwischen den Schultorgelenken 1822, hinter der Schulter 1217; Umfang in der Sehulterlage (Schultergelenko) 6888, hinter der Sehulterlage (Körpermitte) 6585 cm. Beckon: D. transversal zwischen den Hüfthöckern 1822; Umfang 5809 cm. Die wenigen Angaben deutscher Autoren liegen in denselben Grenzen. Danach ist also der Umfang des Brustgürtels und auch sein Vertieal-Üurehmessor der grösstc (grosser als der entsprechende des mütterlichen Beckens). Wenn dieser Körpertheil trotzdem keine Durehgangs-Schwiorigkoiten macht, so beweist das eben die Bedeutung seiner Nachgiebigkeit gegen Aussendruck. Das Bocken ist fast von gleichem Umfang, aber breiter als der Kopf. Bei Kopflagen kommt ihm aber die schon geschehene Dehnung des Qeburts-weges (und die Zugunterstützung) zu statten.
Für das Kalb*) geben dieselben Autoren folgende Masse an: Kopf D, vertical 1516, transversal 1314; Umfang cinschlieaslich der vorgestreckten Vorderbeine 4568, Brustkorb: D. stcrnodorsal 2729, transversal in der Schulterlage 16-19, dahinter 1418; grösster Umfang in der Sehulterlage 6471, Körpermittc 7079 cm. Becken D. transversal zwischen den Hüfthöckern 1819; Umfang 5464. Hier ist jedoch der Abstand beider Troelumter breiter, als der der Hüfthocker, um ll/a^l-gt; cm (Kehrer, Frank) und der grüsste Beckendurehmesser überhaupt, was sehr zu beachten ist. Beim Kalb übertrifft mithin der Brustumfang weniger Kopf und Becken; alle Durchmesser sind in der Regel kleiner als beim Bohlen. Bios wäre nun auch dem engeren Becken der Kuh ganz entsprechend, trifft aber leider nicht immer zu. Beim dicke Köpfe (dick-köpöge Bullen) und unverhältnissmässlg umfangreiche Becken (Doppellender) kommen gerade bei Kühen sehr häufig vor und machen eben, in Verbindung mit weniger guten Beekenniassen, aber auch bei typisch gut gebauten Becken, grossentheils jene Schwierigkeiten, welche die öeburts-hülfe bei Kühen so sehr viel häufiger, als beim Pferde, noting machen. Hier bestellen also Schwankungen, die durch eine grössere Zahl Messungen in den einzelnen berühmten Zuchtgebieten genauer ermittelt werden sollten. Uelmgens sind die Masse bei gewissen Schlügen natürlich überhaupt grosser. Frank fand auch im Brustgürtel bei 2 Kälbern erheblich grösseren Umfang (76 und 86 cm).
Beim Schaf sind die Masse nach Kehrer folgende; Kopf 12:7; Um-
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*) Von anderen Massen, welche für die Geburt von untergeordneter lio-deutung sind, seien liier genannt; Kopflänge beim Fohlen 8287, beim Kalb 2327 cm. (iliedinassen: l!oi dein Fohlen vorn vom Ellbogen ab 5008, hinten vom Knie ab 7582. Bei dem Kalb vorn 4(5-52, hinten 5003.
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fang; 23; Brustgürtel 11 ; 8, Umfang 28. Beekcnbreite 8, Trochnnteren-Abstand 7, Heckemimfiuia: 10 cm.
Beim Schwein: Kopf 51/2 : 4I/L,, Umfang 18; Brustaiirtel Ti/g ! 4Vs!i Umfang 20; grossto Bockenbreite zwischen den Trochantcrea 4, Umfang 12 cm.
Beim Hühnerhund; Kopf 4 : 4, Umfang bis 12; Brustgürtel 7 : 4, Umfang 18; Beokenbreite S'/^, Umfang 11 cm.
Bei diesen Thicren bat also der Kopf einen grössoren Umfang als das Becken. Der Brustgürtel hat auch hier den grössten Umfang. Beim Schwein übertrifft er jedoch den Kopfumfang sehr wenig und, wenn man seine Nachgiebigkeit in Beohnung zieht, so erklärt sich die durch die Erfahrung (pg. 340) bestätigte Thatsache, dass die Vorderbeine leicht den Geburtsweg passiren, wenn sie neben den Rumpf zurückgobogen sind und nicht neben dem Kopf hegen.
Was die Gesamintgrösse und das Gewicht der Neugeborenen anlangt, so tinden sich ebenso wie beim Menschen bedeutende Schwankungen, je nach Kasse und Individualität. Im allgemeinen wird die grössere Rasse auch die grössereu Jungen haben. Doch bestehen innerhalb der Rasse weitgehende Unterschiede, namentlich auch des Gewichts, und es lässt sieh keineswegs der Satz als allgemein giltig hinstellen, dass die Grosse des Neugeborenen von der Grosse der Mutter abhänge. Uebrigens ist die Grosso bei der Geburt von gar keinem Eiufluss auf die durch das Wachsthum sich ausbildende definitive Grosso; höchstens insoweit, als eine gradezu kümmerliche Entwicklung bei schwächlicher Constitution auch Schwächlichkeit und geringeres Wachsthum während der Jugend anzeigen und vielleicht bedingen kann.
Die Körperlänge des Fohlens schwankt zwischen 1 bis l'/s Motor, sein Gewicht bei guter Entwicklung zwischen 7ü und 100 Pfd: doch giebt es natürlich auch schwächere. Das Kalb ist 80100 cm laug und wiegt 0580100 Pfd., bei schweren Schlägen und Aufstellung schworer Bullen kommen Gewichte von 120 Pfd. nicht seiton vor.*) Das Lamm wiegt etwa 45, das Eorkel 2, der Hühnerhund noch nicht 1 Pfd. Eine genügende Zahl von Wägungcn liegt nicht vor.**)
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*) Sohmldt-Bnxtehude thellt mit, dass Im dortigen Geestbezirk (Holländer Bullen) Kälber von 110 Pfd. vorkommen, die allerdings der Embryotomie verfallen.
**) Zu grosso BntWtoklnng als Goburtshinderniss bei Ferkeln siehe pg. 4i!l; vgl. auch Thell II dieses Werkes pg. 800.
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Die Lagerung im Uterus.
Die Foetcn worden lei den Hiiusthieren Ihre Hauptentwieklungs-stiitte in den Uterus hörnern finden, da diese dem Eileiter zunüelist liegen und der Uteruskörper überhaupt nur bei der Stute einen betrüchtlichon Raum einnimmt.
Dor Foetus wird sich natürlich in der Rege] in demjenigen Horn entwickeln, in welches das Ei aus seinem Eierstock zunächst hineingelangt. Seltene Ausnahmen von Ei-Ucbenvanderimg kommen vor (siehe pg. 90). Ueber die Zwillinge der Unipareu vergleiche folgende Seite.
Bei Multiparcii vertheilen sich die Eoeten auf beide Hörner, was bei einer grösseren Zahl schon des Raumes wogen selbstverständlich ist (vgl. auch pg. !t4). Die Eier sind dementsprechend von beiden Eierstöcken producirt worden. Die Zahl der in den Eierstöcken vorhandenen gelben Körper entspricht aber nicht immer, wie Kchrer festgestellt hat, den in dem Horn derselben Seite liegenden Foeten. Es siud dann moist mehr gelbe Körper (dann dürften Eier zu Grunde gegangen sein), es sind aber auch weniger (seiton; ein Eollikel kann mehrere Eier enthalten haben oder es wäre die Ausbildung eines corpus luteum unterblieben).
Ebenso braucht nicht etwa die Zahl der Früchte in jedem Horn die iileiche zu sein; meist ist dies sogar nicht der Fall. Im Durchschnitt ist jedoch ein Unterschied in der Productivität des linken und rechten Eierstockes nicht bemerkbar.
Bei den Schweinen verwachsen die benachbarten Chorionsäcke der in einem Horue liegenden Früchte in der Regel mit einander, ohne dass jedoch die Gefiisse des einen mit denen des anderen anastomosirten (Bonnet); die Allantoi'szipfel sind dann in eigonthümlicher Weise förmlich umeinander geschlungen (vgl. pg. 203 u. 858).
Wenn die Früchte beide Hörner ausfüllen, so können die Chorion-säcke da, wo die Hörner zusammentreffen, ebenfalls zusammenstossen und dann kann auch eine Tcrwachsung zwischen den Chorionsäcken aus dem rechten und linken Horn stattfinden, wie ich gefunden habe.*)
Bei Hunden finden Verwachsungen der Chorionsäoke nie statt, was sich aus der ganz anderen Bildung derselben (pg. 205) erklärt.
Jeder Foetus der Multiparen liegt in einer Ausbuchtung des Hornes, von aussen daher erkennbar.**) Dass die Längsachse des Foetus
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*) Eine Bomorkung von Kehror, dass bei Multiparen nie ein Kihantsegmont aus einem Horn ins andere übergehe, widerspricht dieser Verwachsung nicht.
'*) Wie die Abstünde zwischen den einzelnen Foeten zu Stande kommen müssen, ist pg. 253 oben besprochen; vgl. #9632;uieh die Bemerktingen über den Uterus pg. 25(1 ff. und die, Abbildungen pg. 260 U. 26t.
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ä
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sicli nach der Längsrichtuug des Homes orientirt, ist inechiuiiseli einfach zu begründen (vgl, pg. 253). Sie kehren den Rücken nicht alle naoh derselben Seite und liegen theils mit dem Kopf, theils dem Steiss der Cervix uteri zugekehrt. Kiue regelmässige Abwecliselung besteht durchaus nicht, wohl aber durchschnittlich eine fast gleiche Häufigkeit beider Lagen. Kehrer fand von 117 Schweinen 54 pCt. in Kopfcndlage und 4ü \)Ct. in Beckenendlage; bei 34 Hunden 22 Kopf- und 12 Beckea-Endlagen, bei 25 Katzen 12 Kopf- und 18 Becken-Endlagen.
Bei den Uiiipuren kann, wenn nicht die ausnahmsweise Zwil-lingsschwangerschnft vorliegt, nur ein Horn befruchtet sein d. h. den Foetus, wenigstens solange er noch in dem Horn Platz findet, enthalten. Es ist dies nun bei der Stute sowohl wie bei der Kuh öfter das rechte Horn, als das linke.*) Von 75 Kühen fand Kehrer 45, d. h. (SO pCt. mit dem rechten und 30, d. h. 40 pCt. mit dem linken Horn tragend; bei Schafen (8(i Stück) war das Verhältniss fast genau ebenso. Die Vertheilung der gelben Körper entsprach der Lage der Poeten. Demnach producirt eben der rechte Eierstock mehr reife Eier als der linke, was nichts Auffälliges hat; mich die beiden Hoden sind ja nicht überall gleich gross und dann auch wohl in ihrer Production nicht ganz gleich.
Der Foetus bozw. die Fruchthüllen finden sehlicsslich in dem Horn nicht mehr Platz; sie erfüllen dann auch den Uteruskörper, der bei der Stute grösserer Ausdehnung fällig ist. Bei den Wiederkäuern reicht das eine Ende des langgestreckten Allantoiscliorions auch in das unbefruchtete Horn hinein, welches durch die Allantoisflüssigkeit dann ebenfalls gedehnt wird (vorgl. hierüber Veränderungen des Uterusquot; pg. 258200).
Wenn Z \vi 11 i age vorhanden sind, so liegt rogclmässig in jedemHorne ein Foetus. | Bruch (eitirt von Frank) hat einmal bei der Kuh die noch kleinen ZwilUngs-Embryouen in einem Hern gefunden. |
DieseThatsaohe ist, so selbstverständlich sie auf den ersten Blick er-scheineu mag, auffällig genug. Denn es muss ja zweifellos öfter vorkommen, dass die Zwillings-Keime aus einem Eierstock bezw. sogar aus einem Pollikel stammen (vergl. pg. 15 u.94). Dann müsste man sie auch in demselben Horn ZU linden erwarten (vgl. pg. 251, oben). Da dies nicht zutrifft, so bleibt nur die übrigens plausible Annahme übrig, dass (natürlich vor dem Eintritt fester Verbindungen mit der Utemssohleimhaut) ein Foetus den Platz räumt und in das leerre Horn hinübeirückt. Das wäre somit eine Art von Ueberwanderung, freilich nicht mehr eine solche dos Eies (vergl. pg. 00), vielmehr eine Art von Verdrängung des einen Embryo durch den anderen.
Die Befruchtung dos linken Homos der Kuh ist nicht etwa mit linksseitiger Träohtlgkoit Identlsoh; vorgl. pg. '277.
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Dass in einer eutspreelieuden Kntwicklungsperiode das eine El das andere vor sich her schiebt, muss man eigentlich auch aus der Lagerung der Footen bei Multiparen (siehe pg, 2iJl) annehmen; denn wie sollte es sonst geschehen, dass die Früchte In gleichiniissigen Abständen auf die gaiiüe Länge des Horns vertheilt sind, obwohl die Eier alle an dessen Tuben-Ende eingetreten sind (vgl. auch pg. 94).
Dass der eine Zwilling eventuell aus einem Horn in das andere hinübergleitet, geht auch aus dem Sitz der gelben Körper hervor. Denn Frank sagt in seiner Anatomie*) (vcrgl. auch pg. 1quot;)), dass bei Zwillina;sschwangerschaft sich die gelben Körper bald in einem, bald In beiden Eierstöcken finden und auch Kehrer führt einige Fälle an, wo der eine Eierstock keinen gelben Körper enthielt, also auch kein Ei geliefert hatte und die Foeten doch in beiden Hörnern lagen.
Bei Drillingen (Ziege, Schaf) finden sich natürlich 2 Foeten in einem Horn. Ueber die Entstehung von Zwillingen bei Uniparen und die ausnahmsweise Lagerung derselben in einem Chorion vergl. auch pg. 94. Bei den Wiederkäuern bilden sich nach Frank in der Regel (wie beim Schweine) Verwachsungen an den Enden der ursprünglich getrennten Chorionsäcke aus.
Einpassung der Foeten in den Raum des Uterus: Dass der Foetus sich mit seiner Längsaxe in die Längsrichtung des Uterushorncs einstellt, wie dies für die Multiparen schon erwähnt wurde, ist auch für die Uniparen durch die Raumverhältnisse des Uterus-Homes zu erklären. Bei den Wiederkäuern haben ja auch Chorion und Allantoi's ein ausgesprochenes Längemvachsthum. Frank**) hat die Ansicht anderer Autoren, dass die Foeten während der Entwicklung eine unbestimmte Lage einnehmen, bestritten und hat betont, dass sie sich immer in Längslage vorfinden. Wenn er damit meint, dass sie ihre Lage durch Drehungen überhaupt nicht verändern können, so ist das ja möglicherweise richtig bei den obwaltenden Raumverhältnissen.***) Jedenfalls aber setzt er sich dann in Widerspruch mit der von ihm aeeep-tirten Accomodationsfheorie (siehe pg. 264). Insoweit aber stimme ich Frank jcdensfalls zu, dass die Foeten im Uterushorn, auch wenn sie ihre Lage ändern können, eine andre, als die Längslage, freiwillig niemals behalten werden. Denn jede andere Lage entspricht weniger dem Raum des Utcrushornes, setzt den Foetus einem stärkeren Druck
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*) 1871, pg. 07-1.
*raquo;) Geburtshilfe, '2. Aufl., sect; 127. **') Die dos mcnschliehon Uterus sind ganz andere und gestatten leicht
solche Drehungen.
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der Utoruswand aus und wäre Ihm höchst unbequem (pg. 2J33). Deshalb wird man den Foetus stets in Längslage fiiulou, womit die Möglichkeit, dass er seine Lage einmal gewechselt hat, gar nicht ausgeschlossen wiiro.
Ebenso einfach erklärt es sich, dass der Foetus seinen zur con-vexen Stellung geeigneten Kücken der convexen Seite des Uterus zukehrt. Das Fohlen liegt daher ursprünglich auf dorn Kücken. Das Kalb liegt dagegen auf der Seite (vgl. die Abbildung pg. ;i.'S2) oder auch schon auf dem Bauch, weil die Uterushürner bei der Kuh eine andere Form und Kichtung haben, als beim Pferde. (Lageveriinderung vor der Geburt s. pg, 330).
Streitiger ist die Erklärung, warum der Foetus beim Pferde und den Wiederkäuern so überwiegend häufig den Kopf der Cervix uteri zuwendet. Renner-Keberbeck (citirt von Kehrer) sah unter 408 Geburten -104 Kopfendlagen, d. h. 09 % Auch bei den Wiederkäuern dürften sich die Kopfendlagen auf ca. 05 % der Fälle stellen.
Mau hat dies mit der Qravitatioustheorie und mit der Acco-modationstheorie zu erklären versucht. Nach der einen soll der schwerste Theil sich abwärts weuden. Nach der anderen soll der volu-mhiüsere Körpertheil sich in den grössereu Kaum des Uterus einlagern.
Beim Menschen wird ja auch angenommen, dass der Foetus sich drehen (d. h. auch um eine Querachse rotireu) kann und dass er sich gewissennassen selbst in die bequemste Lage bringt, Da nun der Schwerpunkt nach dem Kopf und die Cervix uteri abwärts liegt, so können die auch beim Menschen häufigsten Kopflagen nach der Gravi-tationstheorie zu Stande kommen; ebenso aber nach der Accomodatioiis-theorie, weil die beweglichen Keine sich den Fundus uteri als geräumigsten Theil aussuchen.
Bei Thieren könnte man versucht sein, dieselben Erklärungen anzuwenden, denn das foetale Becken mit den Hinterbeinen erscheint als der schwerere Theil (im Gegensatz zum Menschen) und liegt im abhängigen Theil des Uterus. Dieser abhängige Theil des Uterus ist aber (wieder im Gegensatz zum Menschen) nicht die Cervix, sondern das Utcrushorn. Der doppelte Gegensatz zum Menschen ergäbe dasselbe Kesultat, nämlich dass der Kopf nach der Cervix uteri sich wendet.
Nun hat aber Kehrer nachgewiesen, dass der Schwerpunkt ungefähr in der Körpermitte, jedenfalls eher näher dem vorderen Rümpfende als dem Becken sich befindet. Demnach würde annähernd Gleichgewicht zwischen vorn und hinten bestehen und die Kegelmässigkeit der Kopflagen mit dem Schwerpunkt jedenfalls nicht zu erklären sein. Deshalb befürwortet Frank die Accomodationstheorie. Danach sollen Kopf und Hals, weil sie den wenigsten Kaum beanspruchen, sich der
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C-ei'vix zuweudea. Meiner Ansieht nach setzt er sieh dailureh seihst in Widerspruch mit seiner Ansieht (siehe pag. 253), dass der Foetus in den ersten Kiitwickluiigsmonaten keine unhestiinmtc Lage habe, falls er dieselbe so versteht, dass er sich nicht um die Querachse drehen kann (was nicht ganz klar ist). Der Foetus kann sich eben doch nur aecomodirenquot;,' wenn er seine Lage verändern kann. Die Accomo-dationsthoorie hat somit die freie Beweglichkeit in einer gewissen Zeit zur Voraussetzung. Mir selbst will diese Beweglichkeit angesichts der Röhrenform des Uterushornes zweifelhaft und nur in einer frühen Ent-wicklungsperiode annehmbar erscheinen, wo es sich wieder nur um eine passive Beweglichkeit (also durch Gravitation?) handeln könnte. *) Wenn aber die freie Beweglichkeit nicht besteht, so kann auch nicht von einer Accomodation und ebenso wenig von einer Lagenveränderung durch Gravitation in späterer Zeit die Rede sein, welche ja die passive Beweglichkeit auch voraussetzt. Dann sind einfach beide Theorien nicht anwendbar und es müssen mechanische Gründe bezw. es muss ein Entwicklungsgesetz anderer Art sein, welches die Kopflagen der Uniparen im Gegensatz zu den Multiparen zur Regel macht. Schliesslich sei bemerkt, dass die Gravitationstheorie durch die Schwerpunktbestimmungen Kehrers durchaus nicht endgiltig abgewiesen ist. Denn er gelangt auch beim Menschen zu demselben Resultat, während Andere die Lage des kindlichen Schwerpunktes nach dem Kopfe erwiesen zu haben glauben. Der Schwerpunkt braucht übrigens doch keineswegs in jedem Entwick-Jungsstadium dieselbe Lage zu haben; es kommt also auch auf das Alter der Foeten an, die zu den Schwerpunktsbestimnnmgen benutzt werden.
Uebrigons sei darauf hingewiesen, das auch bei Uniparen meist der eine Zwilling in Kopflage, der andere in Steisslage liegt. Das scheint weder mit der Gravitation noch mit der Accomodation zusammen zu stimmen, denn es ändert sich doch weder der Schwerpunkt des Foetus, noeh das Raumverhältniss des Uterushornes, in welchem jeder Foetus für sich abgeschlossen liegt. Demnach scheint die Gesetzmässig-keit der Kopflage durch das Vorhandensein eines einzigen Foetus begründet zu sein. Der Grund dieser Gesotzmässig-keit bei Thieren erscheint einfach als nicht aufgeklärt.
(Ueber die Lagen vergleiche auch den II. Theil des Werkes pg. 430ff.).
*) Dass in einem frühen Entwloklnngsstadium Drohungen um die Quer-
acliso möglich sind und stattfinden, geht auch aus dor Angabe Honnots hervor, dass der l'fordcembryo in der siebenton Woche der Cervix don Kücken zukehrt.
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VII. Theil.
Die Mutter während der Schwangerschaft.
Bemerkungen über den Uterus.
Der ruhende Uterus.
Die Bekanntschaft des Lesers mit der Anatomio des üesclilcelitsapparates ist hier im allgomoinen vorauszusetzen. Es soll hier tun'auf die Oobäriuutter-formon kurz hingewiesen werden.
Der Uterus dos Menschen ist bekanntlich eine einfache Höhle, Uterus simplex(vergl. die Figur pag, 207), deren Längsdurchniosscr den Broitcndurchmesscr nicht sehr erheblich übertrifft. (Als Anomalie kommt ein Ncbonhornquot; vor.)
Der Uterus aller Hansthiere hat dagegen die Form eines langgestreckten gegabelten Schlauches, welcher im Vergleich zur Länge sehr eng ist. Er besteht im Prlncip aus den Hörnern des Uterus, dem Körper und der Cervix uteri (Gcbiirniutterlials). Die Fonnonunterscliiedo beruhen namentlieli auf dem Ver-hitltniss der Hörner zu dem Körper. Unter dem Körper versteht man bokanntlich den unpaarigen Theil, welcher durch das Zusammentreffen beider Hörner entsteht und von hier bis zur Cervix reicht. Hei manchen Thiorarten treffen die Hörner nun nahe vor der Cervix zusammen, so dass nur ein sehr kurzer bozw. fast gar kein Körper zu Stande kommt und der Uterus eigentlich aus seinen beiden Hörnern besteht. Bei anderen ist dagegen dor Körper verhältnissmässig lang und erscheint als das llauptstiick, die Hörner nur als Anhängsel. Mndlich giebt es noch eine Form, wobei sogar noch die Cervix getheilt ist. Danach werden bei Thieren unterschieden der Uterus bicornis mit relativ grossem (oder scheinbar grossein, siehe unten) Körper, der Uterus divisus mit langen Hörnern und ganz. kurzem Körper, emllicli der Uterus duplex, hei dem sich die Thoilung auch auf die Cervix erstreckt.
Die Stute hat einen Uterus bicornis. Der Körper ist lang und weit, die Hörner sind mehr als doppelt so lang, enger und so gebogen, dass die ventrale Seite die convoxe und der vorderste Punkt zugleich dor höchste ist.
Die Kuh hat ebenfalls einen Uterus bicornis, namentlich nach dein äusseren Kindruck desselben. Der Körper erscheint Im Vergloieh zu den Hörnern mindestens so lang als beim Pferde. Die Hörner bleiben jedoch nach
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ihrora äusserlichon Zusanimontroflen innerlich nocli (10 cm lang) getrennt und die ungothoilto (lobärmuttorhöhle, also das cchto Corpus uteri, ist nur einige (8) cm lang. Die nusserlicho Vorvvachsung ist nicht nur durch die Sorosa, sondern auch durch eine oborflüchlichc Muskolschieht gebildet. Schneidet man diese ein, so liisst sich die Trennung dor Hörner bis zu der Stolle, wo auch ihre Hohlräume zusammenfliesson, leicht durchführen; es zeigt sich also, dass die Hörnor sicli mit ihren medialen (allerdings diinnoren) Wänden einfach an einander gelegt haben. (Vorgl. die Abbildung pg. '200 und dio dort gemachten Bemerkungen.) Die Körner sind ebenfalls gebogen, mit ihrer Convexität nach unten und ausson gerichtet und mit ihrer vorderen Spitze beekonwärts zurück-gokrümmt.
Der Uterus der kleinen Wiederkäuer stimmt in den wesentlichen Higonthümlichkeiton mit dem der Ivuh überein. Dio Hörnor sind an ihren Kileiter-onden stärker zurückgebogen, und ihre äussorliche Verwachsung nimmt fast die Hälfte ihrer Länge ein, sodass sie also viel kürzer erscheinen, als sie in Wirklichkeit sind.
Die San hat einen Uterus divisus. Der Uteruskörper ist zwar noch etwa 4 cm lang, erscheint aber ganz unbedeutend neben den sehr langen Hörnern, welche Aelmlichkeit mit einem Dünndarm zeigen und auch darmähnliche Windungen machen (was bei Castrationon für Anfänger sogar zu Verwechselungen führen kann). Wenn mau die Geschlechtsorgane der Sau platt ausbreitet und dio Hörner möglichst entfaltet, bilden sie stets einen einwärts und vorwärts convoxen Bogen, wie das aus der Abbildung pg. 261 orsichtlieh ist. Uobrigens erscheint der Gebärmutterkörper bei der Sau auch insofern länger, als er fast ohne scharfe Grenze in den sehr langen, aber durch seine eigontluimlichon Schloim-hautwülste ausgezeichneten Hals (vgl. pg. 83) übergeht.
Die Hündin hat einen ganz ausgeprägten Uterus divisus, d. h. der Körper fehlt gänzlich, wird aber auch hier dadurch vorgetäuscht, dass die Hörnor, allerdings nur auf eine kurze Strecke, äusserlicb vorwachsen sind. Dio Hörner sind sehr lang, eng und geradlinig. (Bei der Katze ähnlich.)
Das Kaninchen endlich vortritt unter den Hausthioren den Typus des Uterus duplex, bei welchem jedes Horn eine eigene Scheidenmündung hat.
Der Uterus besitzt einen serösen Ucborzug. Seine Hauptschicht ist eine starke Muscularis, die bei der Stute 3 mm, bei der Kuh doppelt so dick ist. Die Schleimhaut ist locker mit der Muscularis verbunden, von lockerem Gefuge; sie ist mit Cylinderepithel bedeckt und enthält zahlreiche Schläuche, die Utorin-schläucho, keine eigentlichen Drüsen, sondern den Lieberkühnsohen Krypten vergleichbar. Die Woge für Bhitzul'uhr sind sehr reich entwickelt, indem ein primärer Ast der Aorta, sowie Aoste dor Art. iliaca externa und hypogastria in die Gobärmuttor gehen. Spcciell der hintere im Bocken liegondo Thoil erhält Blut von der seitlich in der weichen Beckenwand verlaufenden Art. pudenda in-terna, die auch die Scheido und den Bulbus vestibuli (vgl. yg. 49) versorgt. Die Nerven kommen von den Beckongoflechton des Sympathicns (siehe pg. ;i21). Die Lyniphgefässe gehen in die Darmbeinlymphdrüsen.
Der Uterus ist bekanntlich am Rücken aufgehängt durch dio Ligamenta lata, breiten Mutterbändor. Dieselben enthalten zahlreiche glatte, spcciell dio Gefässe umgebenden Muskolfasern, bei den Wiederkäuern jedoch viel mehr als bei der Stute. Dio runden Bänder sind functionell bedeutungslos.
Schmaltz, Graohloclitslobcn.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 17
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Dio Anatomie der übrigen Gesohlochtsorgane ist, soweit os nöthig erschien, bereits erwähnt worden: Eierstock pg. 13, Cervix uteri pg. 83, Vagina und Vosti-biilum; Ciitoris pg. 42 ff. Uobor dio Umgebung des Uterus siehe die Be-morkungen pg. 303.
Die Veränderungen am schwangeren Uterus.
Der Uterus ist das von der Schwangerschaft unmittelbar in Anspruch geuommene Organ. Dasselbe erfährt selbstverständlich zahlreiche Veränderuugen, die man in der Gesammtheit als den Evolutionsprocess des Uterus bezeichnet.
Die Veränderungen betreffen im wesentlichen die Schleimhaut, die Muskelhaut, den Raum und die äusserc Gestalt des Organs.
Die Schleimhaut tritt hekauntlich in innigste Beziehungen zu dem foetalen Chorion. Diese Beziehungen sind bei der Schilderung der Eihäute (pg. 186 ff.) eingehend beschrieben worden, so dass sich hier weitere Bemerkungen erübrigen. Es ist nur zu bemerken, dass die Schleimhaut entsprechend dem zunehmeiideu Kaum sich dehnt und ihre Falten verliert, dass sie mehr und mehr aufgelockert und sehr blutreich wird und dass das Epithel an der Oberfläche und in den Schläuchen theilweise zu Grunde gehen kann (durch fettige Degeneration, siehe Uterinmileh, pg. 221), jedenfalls den Fliimnerhesatz einbüsst.
Die Muscular is muss nicht allein die widerstandsfähigste Schicht der Qcbärmutterwand bleiben, sondern es harrt ihrer auch bei der Geburt schwere Arbeit. Sie erfährt daher eine Zunahme der Muskelelemento. Dieselbe führt trotzdem keineswegs zu einer Wandverdickung, wie man sich vorzusteilen leicht geneigt sein könhte. Die ungeheure Flächenzu-nahme bedingt vielmehr trotzdem eine Dehnung und m. o. w. bemerkliche Verdünnung der Wandstärke. Beim Menschen schwankt die Wandstärke des schwangeren Uterus zwischen ü10 nun.
Die Stärke bei den Thieren ist geringer; sie beträgt an den Hörnern, also an dem hauptsächlichen Lager der Foeten, nacli Kehrer bei der Kuh l1^S1^ mmgt; bei den kleineren Thieren l1^ min- Dies bedeutet namentlich bei den Wiederkäuern eine erhebliche Verdünming, da am unbefruchteten Horn die Wandstärke bei der Kuh 57 mm, bei der Ziege 35 mm beträgt. Es könnte auffallen, dass eine so dünne Muskelschicht die Arbeit der Wehen auszuführen und einen so starken Druck auszuüben vermag. Wenn der Uterus zu sehr belastet ist (viele oder sehr grosso Foeten), sind auch die Wehen schwach, weil die belastete und gedehnte Muskulatur sich nicht genügend zusammenziehen kann. Deshalb sind wahrscheinlich auch die Eröffnungswellen schwächer. Je mehr dagegen der Inhalt des Uterus gegen die Cervix
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getrieben wird und dcraentsprechoud die Hörner sich zu entleeren anfangen, um so kräftiger worden die Wehen, um so mehr bekommt der Uterus sozusagen sich selbst in die Gewalt. Die contrahirte Wand ist natürlich erheblich verdickt.
Die Muskelzellen erfahren während der Schwangerschaft zunächst eine ausserordentliche Hypertrophie (d. h. Grössenzunahme der vorhandenen Zellen); ihre Länge wird mehr als verzehnfacht, ihre Breite verdreifacht bis verfünffacht. Daneben treten aber namentlich in den inneren Schichten neue Muskelzellen auf. Diese Hyperplasie (d. h. Vermehrung der Elemente) tritt bei der Kuh (nach de Bruin) jedoch erst in der zweiten Hälfte der Trächtigkeit auf, während die Hypertrophie von Anfang an einsetzt. Die Anordnung der Muskelfasern ist bei unsern Hausthieron noch nicht genügend untersucht. Beim Menseben bilden sie nach Rüge*) (citirt von Schröder) Schichten, welche, übereinander liegend und sich dachziegelartig deckend, alle in der Richtung von oben (vorn) nach unten (hinten) schräg durch die Muscularis von der Serosa nach der Mucosa ziehen. Die Arbeitsleistung dieser Muskulatur wird bei der Geburt besprochen (pg. 321 ff.).
Bei dieser quot;Vergrösserung und Vermehrung der musculösen Wand-clemente, zu der sich die Zunahme des interstitiellen Bindegewebes, das Wachsthum der Blutgofiisse und namentlich auch der ausserordentlich vergrösserte Elutgehalt gesellen, ist die sehr erhebliche Gewichtszunahme des Uterus nicht überrasebend. Das Gewicht steigt beim Menschen von 30 gr. auf 2 Pfd. (das 33fache), bei der Stute nach Frank auf 4 und bei der Kuh auf 07, selbst auf 9 kg (das 12löfache). Dabei ist es natürlich ein Unterschied, ob der Uterus nach der Geburt gewogen wird, wo er bei den Weben den grössten Theil seines Blutgehaltes bereits wieder entfernt hat, oder kurz vor dem bevorstehenden Ende der Schwangerschaft, wenn er noch alles Blut enthält. Denn man muss annehmen, dass die Blutmeuge, welche allein in der Uterusschleimhaut cursirt, nicht kleiner ist, als die Blutmengo des Foetus und wenn letztere (relativ geringer als im erwachsenen Körper) etwa 1/18 des Körpergewichts beträgt, so würden beispielsweise die Kotyledonen der Kuh etwa 4 Pfd. Blut enthalten müssen.
Die Raunmusdchnung ist bei der Vielzahl der Foeten des Schweines und Hundes und bei der relativ ausserordontlichen Grosse des Kalbs- und Fohlcn-Foetus natürlich eine sehr beträchtliche. Anfänglich kann sie nicht wohl durch den Druck der wachsenden Frucht bedingt
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*) Keuller. Inauguraldissertation Berlin 1880.
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sein, beruht vielmehr auf einer oxcoutrischeu Hypertrophie (Schrödcr-Olshiiusen): später tritt aber sieher die passive Dolmung durch den Foetus und das Fruchtwasser hinzu. Die Dimensionen eraeben sieli aus
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Vorwachsungslhiicn zwischen beiden Hörnern
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-,gt; c 1' t P t laquo; **
t*o
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Kochtos Ovarium
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Freie (looro) Spitze dos .nnbofruchteten Hor-
l ncsquot; (vgl. pg. 2G2)
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Linkes Ovarium ''imbrion
Corvix
Orlflolnm oxtonram
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Vig '21. Sclnvaiigoror l'tonis dev Kuli.
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der Grosse der Poeten (siehe pg. 289 ff.). Jedenfalls wird bei den grossen Hausthieren das befruchtetequot; Horn so lang, dass man von der Scheide aus sein vorderes Ende nicht mehr erreichen kann.
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Die äussero Gestalt des Uterus ünclert sich dementsprechend gänzlich. Der Uterus wird bei Uniparon ganz unsymmetrisch. Das den
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Fig. 22. Utoms des Sohafos mit oinom FootOSlaquo;
(Das linko, otwas stilrkor juassetlolinto Horn ist das cigoatlicho l)efruchtote. Dor Frucht-
hüllonsack i'üllt abor fast übonso das andoro Horn; vgl. 7gt;g 262).
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Fig. 23. Utorns dos Scliwoinos mit Sl Footon.
Foetus enthaltende Horn wird sehr gross, das andere erscheint in jedem Fall als ein kleines Anhängsel. Doch richtet sich dies nach der Lage des Foetus (vergl. auch pag. 251).
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Beim Pferde füllt der Foetus ein Horn und den ganzen Körper,
Beim Rind dringt ein sehr erhebliclier Tlicil des Allnntoissackes in das leere Horn ein, so dass dieses auch eine, wenn auch sehr viel geringere Füllung erhält. Es wird also ohenfalls ausgedehnt, aber nicht das ganze Horn, sondern namentlich der mit dem anderen Horn äusser-lich verwachsene Abschnitt. Die leerbleibende Spitze bildet dann einen kleinen Zipfel an der einen Seite des Uterus. Die Fig. 21, pg 200 zeigt dieses Verhiiltniss. Das kleine zipfelfürmige Anhängsel ist nicht etwa das ganze Horn, sondern nur derjenige leer gebliebene Thcil, welcher auch äusserlich von dem andern Horn geschieden ist. Die Grenzen des äusserlich mit dem anderen Horn venvachsenen Abschnittes sind durch Linien markirt. Dieser Thoil erscheint, von aussei! betrachtet, wie der Uteruskörper und enthält, wie gesagt, das eine Ende des Allantoi'ssackes.
Bei dem Uterus des Schafes (Fig. 22, pg 261) ist die Form eine ganz eigenthümliche. Der Uterus erscheint als ein dicker bauchiger Körper mit zwei fast gleichförmigen Hörnern. In Wirklichkeit besteht dieser bauchig aufgetriebene Körper aber aus den verwachsenen Abschnitten der beiden Hörner. Die Verwachsungslinie markirt sich äusserlich als eine Furche. Der Foetus bezw. die Fruchthülle liegt hier somit (wenn nicht eben Zwillinge vorhanden sind) fast gleichmässig in beiden Hörnern, wenn auch das eine nicht so ausgedehnt ist, als das andere.
Beim Schwein und Hund sind beide Hörncr gefüllt; die umstehende Abbildung des Schweine-Uterus zeigt aber ebenfalls keine vollständige Symmetrie, weil das eine Horn 5, das andere nur 4 Foeten enthält. Uebrigens hat Kehrer gefunden, dass bei Zwillingsträchtigkeit der Schafe, obwohl jedes Horn einen Foetus enthielt, doch keine völlige Symmetrie bestand; ebenso einmal bei der Kuh.
Der trächtige Uterus liegt, seiner Verlängerung entsprechend, in der Bauchhöhle. Bei der Stute sinkt das gefüllte Horn, seiner Schwere wegen, unter Verdrängung des Darmes, nach der unteren Bauehwand und kann sich bis in die Nähe des Zwerchfells vorschieben; es liegt also in der Regio pubis et umbilicalis, event, bis in die Regio xiphoi-dea hinein. Beim Wiederkäuer lässt sich der Pansen nicht verdrängen; dadurch ist dem befruchteten Horn, mag es nun das rechte oder das linke sein, von vorn herein der Weg nach dem rechten oberen Quadranten der Bauchhöhle gewiesen, welcher in einer eigentümlichen, nach dem Becken offenen Einstülpung des Netzbeutels den Darm beherbergt. In diesem Raum liegt das Horn auf dem rechten unteren Pansensack. Es kann sich mit zunehmender Verlängerung und Schwere aus diesem Raum auch nicht zurückziehen, sinkt nur an der rechten Seite neben dem Fan-
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sen allmählich herab und drückt diesen nach links. Deshalb liegt der Foetus beim Wiederkäuer stets In der rechten Hälfte der Bauchhöhle und sogen, linksseitige Trächtigkcitquot; ist abnorm (vergl. darüber die Bemerkungen in dem Capitel: Feststellung der Trächtigkeit pag. 277).
Die breiten Mutterbänder, Ligg. lata, werden stark musculös, besonders bei der Kuh. Sie wachsen nicht mit dem Horn nach vorn, so dass dieses den vorderen Fand dos Bandes erheblich überschreitet.
Auch alle übrigen Theilo des Geschlechtsapparatcs erfahren Veränderungen. Die Scheide wird stärker musculös; sie ist bei der Geburt erheblicher Contractionen fähig. Die Zunahme der lilutgefässe und der Blutzufuhr erstreckt sich auch auf diesen Abschnitt. Nur der Eierstock dürfte an der vermehrten Blutsmfuhr nicht betheiligt sein, wie ich pg. 21, Anm. begründet habe. (Wie ich übrigens nachträglieh gefunden habe, haben auch Bonnet und Thomson die gleiche Meinung ausgesprochen bezw. bestätigt gefunden.) Sogar die (Janglien des Uterus (pg. 321) vergrössern sich. Mit der fortschreitenden Schwangerschaft tritt die Blutfülle in Verbindung mit allgemeiner Auflockerung und seröser Durchfeuchtung im ganzen Genitalapparat (excl. Ovarlnm) immer stärker hervor und erstreckt sich sogar auf die in der Umgebung liegenden Beckenorgane, d. h. auf das Parametrium und die weichen Beckenwände (s. pg. 305 u. 315).
Die Dauer der Schwangerschaft.
Die Dauer der Schwangerschaft liisst sich bei Thieren genauer bestimmen als beim Menschen (siehe unten), weil der Zeitpunkt der wirksamen Begattung feststeht. Man hat als Tragezeit zu rechnen die Zeit vom (letzten) Begattungsact bis zur Geburt.
Gcwölinliclie (typische) Dauer.
Stute.
Die Stute trägt 11 Monate und einige Tage, so dass die Geburt im 12. Monat erfolgt. Das sind über 330 Tage, etwa 48 Wochen, oder auch ungefähr 12 Mondesmonate = 12 X 28 Tage. Dietrichs stellte bei 80 pCt. von fast 500 Stuten eine Tragezeit von 331350 Tagen fest. Graf Lehndorff stellt in seinem Handbuch für Pferdezüchter eine Tabelle über 8300 Fohlen aus den Hauptgestüten Graditz und Trakehnen, sowie aus 3 ungarischen Gestüten auf, welche orgiebt, dass die typische Tragezeit durchschnittlich nur 3 Tage über 11 Monate, dauert. Dabei stellt sich die Tragezeit für Hengstfüllen durchschnittlich etwas grosser als bei Stutfüllen. Bei Hengstfüllen wurden 11 Monate durchschnittlich überschritten
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iu Trakelincn nur um l/3 Tag, in Qrnditz urn 3, in den ungarischen Gestüten um 68 Tage, im üesammtdurchsehnitt um 4Ya Tage. Bei Stut-folileu blieb sie in Trakehnen um l1^ Tag unter 11 Monaten, während diese in Qraditz überschritten wurden um IV2 Tag, in den ungarischen Gestüten um 3(5 Tage; durchschnittlich wurde die elfmonatliche Zeit also auch bei Stutfohloii überschritten um 2ll.i Tage.
Eselstute. 348377 Tage, im Durchschnitt danach 360 Tage. Die mitge-theilten Beobachtungen sind gering an Zahl, doch ergeben sie übereinstimmend, dass die kleine Eselstute durchschnittlich ein Jahr, also länger als die Pferdestute trägt.
Kuh. Die Kuh trägt 9 Monate und kalbt in der Eegel im 2. Drittel des 10. Monats. Das sind ca. 280 Tage, 40 Wochen oder auch 10 Mondesmonate. Diese Tragezeit wurde unter über 800 Kühen bei etwa 45 pCt. gefunden (Schwankungen siehe pg. 268).
Schaf und Ziege. Die Dauer beträgt 5 Monate. Die Geburt erfolgt in den ersten Tagen des 6. Monats bezw. in der 22, Woche oder nach 151152 Tagen. Die Ziege soll in der Regel einige Tage länger tragen.
Sau. Die Trächtigkeit währt 4 Monate, durchschnittlich 115 Tage, also einige Tage weniger als 4 Monate. Die Geburt erfolgt also gegen das Ende der 17. Woche.
Fleischfresser. Die Hündin trägt 9 Wochen, also einige Tage über 2 Monate. Die Katze trägt S1/* Wochen, also einige Tage weniger.
Wildthiere.
Wisentkuh 40 Wochen, Elch 30 38 Wochen, Rothhirsch 10 bis 41 Wochen, Dainmliirsch 3135 Wochen, Rennthier 30 Wochen.
Beim Eeh vergehen zwischen Begattung und Gebären 40 Wochen. Diese Zeit ist aber mit der Entwicklungszeit des Foetus nicht identisch, also auch nicht oiiue weiteres der Trächtigkeit anderer Thicre gleichzustellen. Das Ei des Eohes (vgl. pg, 74) macht nach der Befruchtung die Furchung durch und verweilt in diesem Zustand ohne jede Grossen-zunahme 1 Monate im Uterus. Erst dann (im December) beginnt
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die eigentliche Embryonal - Entwicklung und die Geburt erfolgt Mai oder Juni, d. h. nach weiteren 5 Monaten. Wenn man nur diese 5 Monate der Tragezeit anderer Thiere vergleicht, so kommt die Tragezeit des Eehes der des Schafes gleich. Dieses ganz ausnahmsweise Verhalten des Reh-Eios (welches bewirkt, dass die Geburt erst in der günstigen Jahreszeit stattfindet, vergl. pg. 27) ist vom Jägermeister v. Veitheim und von Bisehoff practisch und wissenschaftlich festgestellt worden. Die Bache (Wildsau) trägt 1820 Wochen, also etwas länger als die zahme Sau. Wölfin und Füchsin (Fech) haben genau dieselbe Tragezeit, wie die Hündin, die Wildkatze dieselbe wie die Hauskatze. Auch Häsin und Kaninchen stimmen ungefähr überein. Bei beiden beträgt die Trächtigkeit 4 Wochen bezw. (27) 30 Tage.
Bemerkt mag noch werden, dass der Elephant 21 Monate = l3/4 Jahre, die Girafe fast lü Monate und das Kameel 12 Monate tragen sollen.
Die menschliche Schwangerschaft.
Die typische Dauer der menschlichen Schwangerschaft lässt sich meist nicht so genau berechnen. Denn die Befruchtung kann unmittelbar nach der letzten Menstruation stattgefunden haben, aber auch erst unmittelbar vor dem Zeitpunkt, wo die nächstfolgende Menstruation hätte eintreten müssen (siehe Menstruation pag. 37, Anin.). Das ist mithin ein Spielraum von etwa 4 Wochen. Die Regel ist, dass vom ersten Tage der zuletzt eingetretenen Menstruation ab bis zur Geburt 280 Tage, also 40 Wochen vergehen (mithin genau so viele wie bei der Kuh). Das sind also etwas über 9 Monate oder 10 Mondesmonate (10 Meustruations-perioden).
Beeinflussung der normalen Dauer der Schwangerschaft.
Die Dauer der Schwangerschaft ist zwar im allgemeinen von der Grosse der Thierart abhängig, doch ist diese Abhängigkeit keineswegs eine absolute. Die menschliche Schwangerschaft hat im Verhältnias zur Körpergrösse von Mutter und Foetus die längste Dauer (Kind 8 10 Pfd., Kalb 80100 Pfd.; Entwicklungszeit die gleiche). Das Schaf hat im Vergleich mit dem Schwein, die Katze im Vergleich mit dem Hund eine lange Tragezeit. Selbst innerhalb verwandter Arten sehen wir eine auffallende Ungleichheit des Verhältnisses zwischen Tragezeit und Körpergrösse. So trägt die kleine Eselstute länger als die Pferdestute. Das grosse Elenn hat eine kürzere Tragezeit als das Rothwild; Wolf und Fuchs stehen sich darin trotz ihrer Körperdifferenz gleich.
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Dass dio Zeitdauer der Schwaugorschaft vielen, ganz normalen, Beeinflussungen unterliegt, ist wohl keine Frage.
Eine geringe Verzögerung dor Geburt rechtfertigt wohl nicht unbedingt den Schluss, dass auch die Entwicklung des Foetus sich ebenso verzögert haben müsse. Denn es ist sehr wohl möglich, dass die Entwicklung vollkommen den gewöhnlichen Grad erreicht bat und doch die Geburt noch hinausgeschoben wird. Die Beendigung der Entwicklung ist ja auch nicht durch irgend einen scharf abgegrenzten Vorgang mar-kirt, der etwa nun seinerseits zugleich den Anstoss zur Geburt gäbe. Der unmittelbare Anlass zur Geburt liegt überhaupt nicht bloss im Körperzustand des Foetus, sondern in dessen Verhalten und endlich in den Lebensumständen der Mutter selbst (vgl. pg. 318).
Das Geschlecht des Foetus scheint nicht bedeutungslos zu sein. Das ist von Graf Lchndorft' beim Pferde festgestellt (siehe oben). Bei Menschen scheinen die Beobachtungen vieler Mütter doch auch dafür zu sprechen. Es handelt sich aber jedenfalls nur um einige Tage. Uebrigens würde auch aus der Richtigkeit dieser Beobachtung nicht etwa folgen, dass der männliche Foetus etwas länger zur Entwicklung nothwendig habe. Man kann sehr wohl schon vom Temperamentquot; des Foetus sprechen, welches sich (wie Beobachtungen beim Mensehen hinreichend beweisen) z. B. durch die Verschiedenheit der foetalen Bewegungen deutlich genug ausspricht. In einem ruhigeren Temperamentquot; des männlichen Foetus kann daher auch der Grund liegen, warum die Reize, welche schliesslich den Geburtsvorgang veranlassen, etwas später eintreten.
Die Individualität übt sicher einen Einfiuslaquo; aus. So ist übereinstimmend bestätigt, dass Stuten, die einmal verhältnissmiissig früh oder spät fohlen, bei späteren Geburten meist dasselbe Verbalton zeigen. Ebenso wird von Graf Lehndorff und von Hausmann darauf hingewiesen, dass die Töchter solcher Mütter, wenigstens oft, denselben in der Tragezeit gleichen. Hier kann es sich doch nur um die Individualität der Mutter, und sogar um eine erbliche handeln. Der Einfluss der Rassen innerhalb einer Thiorart ist fast selbstverständlich, könnte übrigens statistisch besser untersucht sein. Dabei braucht nicht bloss die Körper-grösse, sondern es wird wesentlich die Neigung zur Frühreife bedeutsam sein. So beobachtete Natbusius bei Percheronstuten eine Durclischnitts-tragezeit von nur 322 Tagen; bei frühreifen Schafrassen sind ähnliche Beobachtungen gemacht. Einigermassen auffällig ist aber, dass trotz der so weitgehenden Verschiedenheit, namentlich auch in der Körper-
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grösse, bei den Humlerassen ein Rassenuntersehiod der Tragezeit nicht ausgeprägt ist.
Die oben mitgetheilte Tabelle aus preussischen und ungarischen Gestüten spricht ebenfalls für Unterschiede selbst zwischen den einzelnen Schlägen. Doch ist zu bedenken, dass auch Klima, Fütterung und Haltung, ebenso wie sie den ganzen Körper (z. B. auch die Pubertät, siehe pg. 5) beeinflussen, auch für die Dauer der Schwangerschaft gewiss nicht ohne Bedeutung bleiben. So grosso Schwankungen, wie sie sonst von Stuten mitgetheilt werden, scheinen in den Gestüten seltener vorzukommen, was mit der nur auf den Zuchtzweck gerichteten gleichmässigen Lebensweise in Zusammenhang stehen mag. Ferner giebt Hausmann*) an, dass die Hannoverschen Cavalleriestuten nur selten vor Ablauf von 11 Monaten füllten, die Stuten im Gestüt häufig, was mit der Verschiedenheit der Haltung zusammenhängen muss. Kräftige, gut gehaltene Stuten, namentlich solche, die schon mehrmals gefohlt haben, fohlen nach Hausmanns Beobachtungen früher, Auch kann man durchschnittliche Unterschiede in den verschiedenen Jahren beobachten (Witterung und Putter-qualität).
Jedenfalls ist es erklärlich, dass bei dem Zusammenwirken so vieler möglichen Einflüsse häufige und nicht unerhebliche Schwankungen in der Dauer der Schwangerschaft vorkommen, die bei den grossen Hausthieren einen besonders weiten Umfang haben.
Schwankungen der normalen Scliwangrcrsclinftsdiiucr.
Stuten:
Wenn man von einer vereinzelten Angabe (Teasier) absieht, welche die Extreme auf 287419 Tage bemisst, so werden als äusserste Grenzen 307410 Tage von mehreren Statistikern angegeben.
Es ist aber doch mindestens sehr schwer zu beweisen, dass diese Grenzen noch innerhalb der Norm liegen müssen. Denn auch wenn ein ausgereifter Foetus geboren wird, kann die Ursache der Frühgeburt doch eine abnorme gewesen sein und ebenso giobt es abnorme Ursachen verspäteter Geburten. Ein Ueberdauern der typischen Periode um 5075 Tage erscheint an sich schon als abnorm. Es geht auch aus den statistischen Angaben nicht hervor, ob jene Grenzen nicht durch bloss vereinzelte Fälle dargestellt wurden. Die Fälle, die jenseits 311 und 380 Tagen liegen, sind also wohl nicht unbedingt physiologisch nor-
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*) Uebor dio Zeugung und Entstohung des wahren weiblichen Eies. Hannover 1840.
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mal. Jedenfalls ergiebt die Statistik aber doeb, dass viol weiter gehendo Verspätungen als Vertmlmugou normaler Geburten vorkoinmen.
Auch bei einem auf abnormer Ursache borubenden vorzeitigen Ende der Träelitigkeit kann übrigens aber das Fohlen lebensfähig sein. Schwarznecker giebt als unterste Grenze der Lebensfähigkeit Qi/j Monate an. Eine solche Geburt würde man noch keinen Abortus nennen {siehe pg. 270) sondern eine Frühgeburt: sie liegt aber gleichwohl schon ausser-halb dor physiologischen Grenzen.
Die Grenzen der als gowölmlieh bezw. häufig zu bezeichnenden Schwankungen liegen aber nach beiden Richtungen etwa gleich, d. h, etwa 14 Tage vor und 10 Tage nach Ablauf von 11 Monaten oder zwischen 815 und 850 Tagen.
Dass die Ermittlung von Durchschnittszahlen unter Hinzuziehung jener Extreme keinen praktischen Worth hat, bezw. dass Durchschnitt nicht gleichbedeutend ist mit Kegel, versteht sich von selbst. Praktisch entscheidend Ist die statistisch ermittelte typische, d. h. häufigste Tageszahl.
Kuh.
Auch bei der Kuh sind die angegebenen Schwankungen sehr gross. Wenn auch hier wieder eine vereinzelte Angabe von 210335 Tagen (Dietrichs) ausgeschieden wird, so ergaben sich als übereinstimmend verzeichnete Extreme 240320 Tage, d. s. also 40 Tage vor und 40 Tage nach Ablauf der Normalzelt. Nach Spencer *) ist es unmöglich, ein Kalb, welches vor Ablauf von 240 Tagen geboren wird, am Leben zu erhalten, **) Damit wäre dieser Tag auch die äusserste Grenze der Norm, denn die Geburt eines noch nicht lebensfähigen (wenn auch vorübergehende Lebenszeichen gebenden) Kalbes ist in jeden Fall als ein Verkalben d. h. eine abnorme Frühgeburt zu bezeichnen, welches auch die Ursache gewesen sein mag.
Kleine Hausthiere.
Bei den kleinen Hausthicren sind die Schwankungen lange nicht so bedeutende, was doch nur zum Theil durch die an sieh geringere Dauer der Schwangerschaft bedingt ist. Beim Schafe giebt Böhm***) die Extreme auf 146158 an, also etwa (') Tage vor und nach Ablauf der
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*) In der Rovuo vMörinairo 18911 od. 1897 hat Capltaino mitgothoilt, dass ein normal cntwickoltes Kalb iiacb 221 Tagen geboren wurde. Ein Irrtluim bezüglich des Datums (lor bofruchtciulen Begattung ist abor doch wohl möglich. quot;quot;) Furstonborg-Rohdo: E'mdviohzucht. Berlin 1873. *quot;) Böhm: Die Sohaftsuoht. Berlin 1878.
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Xorm. Bei Soutlulowns beobachtete v. Natlmsius J44 Tage; müglieher-weise ist die Tragezeit dieser frühreifen Ibisse Überhaupt am ein geringes kürzer, als bei deutschen Schafen. Heim Schwein liegen die Grenzen nach Rolide*) zwischen JOÜ und 124 inacli Niirncr bis 130) Tagen, umfassen also etwa eine Woche vor und nach Ablauf der Norm. Für den Hund giebt sogar Tessier, dessen Angaben sonst immer die weitgehendsten Extreme umfassen, die Schwankungen nur auf 4 Tage (58152) an.
Mensch. Beim Menschen sind ausnahmsweise Schwankungen ganz In denselben Grenzen möglich, wie bei unseren grossen Hausthieren. Nach dem Handbuch von Schröder (Olshausen-Velt) ist es nicht zweifelhaft, dass die Geburt innerhalb 240820 Tagen (genau wie bei der Kuli) nach der letzten Menstruation stattfinden kann, und dass ausimlunsweise einmal von dem Tage der Befruchtung bis zur Geburt 300 Tage verstreichen können. Diese Möglichkeit ist für die Bemessung gewisser gesetzlicher Fristen wesentlich.
Mehrzahl der Foeten.
Ein Unterschied im Verlaufe der Trächtigkeit wird dadurch nicht bewirkt, dass sich mehrere oder dass sich nur ein Foetus im Uterus befindet.
Bekanntlich ist für gewisse Thierarten die gleichzeitige Entwicklung einer grösseren Zahl voil Foeten typisch, während bei anderen die Einzahl die Regel und eine Mehrzahl die Ausnahme ist.
Ueber die Zahl der Früchte**) ist ausführlieh bereits bei dem Kapitel
) Rohdo: Die Schweinozucht. IV. Aufl. Berlin 1802.
*'j Erwähnt mag bei dieaer Gelegenheit werden, dass inzwischen de Eruin (Handbuch der thieriirztliclien Chirurgie und Geburtshülfe VII. Bd.) zwei Falle von Vieltrachtigkeitquot; beim Rinde aufgefunden hat, welche die pg. 08 von mir mitgotheilten in gewisser Beziehung Übertreffen. Van Klaveren (Holland) hat eine Frühgeburt von (i Kälbern, die je 1014 kg wogen, berichtet; ebenso Max Gillavry eine sechsfache Geburt. Der sonderbarste Fall aber findet sich im Magazin von Gurlt uud Hertwig Bd. 28 pag. 125, wo Klo'mschmidt bei einer Kuh, welche ein kräftiges Kalb geboren hatte, aber wegen schwerer Erschöpfung goschlaohtet wurde, noch 15 (!) Foeten im Uterus fand.
Auch in der medizinischen Literatur (Wiener ned. Woohensohr.) ist neuerdings ein alter Kaliquot; wieder aufgefunden worden, der 1808 in den vaterländischen Blättern für den östen-oiehischeu Kaiserstaatquot; von Dr. Boer publieitt worden ist. Danach hatte eino Frau 11 stets mehrfache (ieburten gehabt und zwar 8 X'2, 6 X ;i und 2X4, d. s. 32 Kinder. Die erste in sehr jungen Jahren erfolgte Geburt war eine Vlorilngsgebutt gewesen. Der Ehemann war ein Zwilling und die Frau selbst stammte aus einer Vierlingsgeburt: ihre Mutter hatte ebenfalls über 30 Kinder gehabt.
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Fruchtbarkeitquot; gesprochen worden; vergl. pag. 93. Ebenso sind die Begriffe der Vieltriiehtigkeit (pag. 09), Ueberschwäiigenmg und Ueber-fruchtung (pag. 91) schon erklärt worden.
lieber die Lagerung mehrerer Foeton im Uterus ist schon pag. 251 gesprochen worden.
Dass die Zahl der Früchte den Einfluss, welchen die Schwanger-schaft auf den mütterlichen Organismus ausübt (vergl. pag. 285) vervielfacht, ist selbstverständlich.
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Abnorme Schwangerschaften.
Der Abortus.
Der Abortus, die abnorme Frühgeburt, wird bei Thieron Verwerfen bezw. Verfohlen, Verkalbon etc. genannt. Wie schon oben erwähnt, kann auch eine noch normale vorzeitige Geburt eintreten (vgl. pg. 267). Eine scharfe Grenze lässt sich zwischen beiden weder nach der Zeit, noch in allen Fällen nach der Ursache ziehen. Es ist daher zweifellos am richtigsten, die Lebensfähigkeit des Foetus (vgl. pg. 244) der Unterscheidung zu Grunde zu legen und unter Abortus die Geburt des noch nicht lebensfähigen Foetus zu verstehen.
Da der Abortus ein pathologischer Vorgang von grosser Bedeutung ist, so ist demselben und seinen Ursachen im zweiten Theile dieses Werkes eine eingehende Betrachtung gewidmet, auf welche hier verwiesen werden muss (Vorbeugung gegen Abortus vgl. pg. 291).
Hier soll nur bemerkt werden, dass der Abortus beim Menschen und allen Hausthieren vorkommt, und dass seine Ursachen grösstentheils solche sind, welche bei allen Thieren einwirken können, dass es aber auch Ursachen giebt, die von specioller Wirkung für eine bestimmte Thierart sind. Am häufigsten dürfte das Abortiren bei Stuten sein und zwar nicht in l?olge einer speciellen krankhaften Disposition, sondern weil die Haltung und Benützung des Pferdes, im Verein mit seinem Temperament und seiner nervösen Constitutionquot; (siehe pg. 49) häufig allgemeine Anlässe zum Abortus herbeiführen. Nach den Zusammenstellungen über die Wirksamkeit der preussischen Landgestüte verhält sich die Zahl der abortirten Fohlen zu derjenigen der lebensfähig geborenen durchschnittlich wie 1 i 910. Ich glaube nicht, dass bei Kühen ein solcher Procentsatz sich ergeben würde, obwohl oft behauptet wird, die Kuh abortiro am häufigsten; es mangelt jedoch hier eine umfassende Statistik. Beim Menschen schätzt Hegar die Zahl
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der Aborten in den ersten Schwangcrschiiftsmonaten ebenfalls auf 10% der reclitzcitigen Geburten. Ob es ricbtig ist, das der Foetus im allgemeinen beim Uobergang des Dotterblasonkreislaufs in den AllantoTskreis-lauf (pg. 218) eine besonders kritische Periode durchmacht, muss dahingestellt bleiben. Wenn der Abortus erst uaeh Herstellung der Verbindung des Foetus mit der Mutter (durch das Chorion bezw. die Placenta) entstellt, so hat er natürlich für die Mutter eine schwerwiegendere Bedeutung wie zur Zeit des reinen Dotterblasenkroislaufs. Denn in dieser frühen Entwicklungsperiode bestellt noch keine so innige Verbindung zwischen Mutter und Frucht, auch ist die Ausstossung des Embryo in Folge seiner Kleinheit kein so erscliütterndcr Vorgang.
Uobrigens wird allseitig bestätigt, dass bei Zwillingsschwauger-schaften das Abortiren des einen Foetus den anderen nicht in Mitleidenschaft zu ziehen braucht. Namentlich theilen Hausmann und Graf Lehn-dorff solche Fälle von Stuten mit. Natürlich kann es sich hierbei nur um solche Aborten handeln, die nicht durch Einwirkungen von aussen, sondern durch krankhafte Veriinderungeu des abortirten Foetus veraulasst wurden.
Spätgeburt.
Die Spätgeburt, das Uebertragen, beim Menschen partus sero-tinus genannt, hat schon deshalb nicht die Bedeutung des Abortus, weil weder der Foetus durch ein längeres Verweilen im Uterus geschädigt werden, noch diesem eine Krankheit der Mutter zu Grunde liegen kann (von Geburtshindernissen abgesehen, die natürlich hierbei nicht gemeint sein können, weil sie nicht den Beginn der Geburt verzögern, sondern deren Vollendung verhindern). Die Spätgeburt ist daher nichts krankhaftes, kann aber trotzdem abnorm sein. Wo die normale physiologische Grenze liegt, lässt sich nicht bestimmt sagen. Bei der Besprechung der Schwankungen in der Tragezeit beim Pferde (pg. 207) ist schon bemerkt worden, dass geringere und häufige Verzögerungen der Geburt als physiologisch anzusehen sind, während aussergewöhnlich lange Ueberschreitungen, z.B. von 2 Monaten beim Pferde, d. i. über Vg der normalen Tragezeit, als Abnormität betrachtet werden müssen.
Das Vorhandensein veränderter Früchte im Uterus.
Der Begriff der Schwangerschaft schliesst das Vorhandensein eines entwicklungsfähigen Foetus ein. Demnach kann, genau genommen, von Schwangerschaft nicht mehr gesprochen werden, wenn der Foetus abgestorben ist. Der todte Foetus ist einfach ein Fremdkörper im Uterus. Dennoch liegt hier die Frage nahe, unter welchen Umständen ein todter
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Foetus ausgcstosscn wird, um eventuell einer neuen echten Schwauger-BOhaft den Platz frei zn iruichen.
Wenn der Tod der Frucht früh erfolgt, so können die Eihüllen sich weiter entwickeln; es entsteht eine sogenannte Blut- oder Fleischmole (vgl. pg. 210).
Beim Absterben der weiter ausgebildeten Frucht kann dieselbe 3 Schicksale haben; Fäulniss, Maceration und Mumification.
Der Muttermund öffnet sich nur während der Brunst und beim Herannahen der Geburt, ist sonst aber undurchgängig. Die Oebärmutterhühle ist daher von aussen nicht zugänglich und enthält keine Fänlnisskeime (i)g.236). Daher kann Fäulniss nur bei uahe bevorstehender Geburt eintreten, wenn der Muttermund sich schon geöffnet hatte, die Ausstossung des kurz zuvor abgestorbenen Foetus aber aus irgend einem Grunde verhindert ist. In jedem Falle ist die längere Anwesenheit eines faulenden Foetus im Uterus ausgeschlossen. Entweder es findet die Ausstossung statt (was in der Regel ohne Hilfe nicht geschieht) bezw. der Foetus wird künstlich entfernt, nachdem an dem Mutterthier Geburtszeichen sich bemerkbar gemacht haben, oder dasselbe würde zu Grunde gehen.
Bei der feuchten Maceration (Foetus sanguinolentus) findet eine blutig seröse Imbibition der Weichtheile des Foetus statt; dieselben werden erweicht. Es entsteht Zerfall und Resorption und es können schlicsslich nur noch die Knochen zurückbleiben. Dass dieser Vorgang einen erheblichen Keiz auf den Uterus ausübt, ist verständlich. Es kann dabei zu Anzeichen kommen, welche den Eintritt der Geburt erkennen lassen und zur künstlichen Entfernung des foetalen Cadavers Veranlassung geben. Es braucht dies jedoch nicht der Fall zu sein. Falls dann der Zerfallsvorgang keine Erkrankung des Mutterthicres bedingt hat, können schliosslich die Knochen im Uterus unerkannt verbleiben. Sie können hier Naohtheile hervorrufen, thun das jedoch häufig nicht. Solche Thiere sollen sogar wieder tragend werden können. Bei der nächsten Geburt dürfte es dann zu einer Entfernung auch der Scolettreste des untergegangenen Foetus kommen.
Die Mumification ist derjenige Ausgang, bei welchem jeder unmittelbar schädliche Einfluss auf die Mutter ausgeschlossen ist. Der abgestorbene Foetus trocknet einfach ein. Das Fruchtwasser muss natürlich resorbirt werden. Da der mumificirte Foetus keine Reizung veranlasst, auch keinen unmittelbaren Anstoss zum Geburtsvorgang giebt, so kann er unerkannt in der Gebärmutter verbleiben. Beim Mensehen ist es freilich selten, dass eine solche Steinf'rucht(Lithopädion oder Lithotherion), wie man den ganz mumificirten Foetus auch nennt, mehrere Monate im
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Uterus zurückgehalten wird: gan^ selten ist es, dass die Stelufruoht über die normale Sohwangeraohaftsdauer hinaus oder überhaupt im Uterus
verblelbtt Es stellen sich also doch BChllessllch Wehen ein, welche zur Geburt liihren.
Bei Thlereil ist die laugdauemde Retention der Steinfrucht viel häufiger. Heim Pferd, Kind und Schaf sind viele Fälle hoohachtet, wo abgestorbene Früchte viele Monate (heim Pferd ;i Monate) nach Ahlnuf der normalen Tragezeit gehören wurden. Die schlicssliche Ausstossung erfolgt meist, indem die Thiere wieder brünstig werden und die dabei im Qesohleohtsapparat eintretenden Veränderungen die Austreibung dos Foetus einleiten. Doch sind bei Kühen auch öfters erst bei der Schlachtung Steinfrüchte nachgewiesen worden, die Jahre lang in der Qebär-inutter gelegen haben musston. Hausmann erwähnt folgenden Fall: Bei einer Kuh war Fruchtwasser abgegangen; die Geburt konnte aber nicht erfolgen. Die Kuh blieb gesund, bekam Milch, wurde wieder brünstig und vom Pullen bosjirungen. Nach Ablauf der normalen Tragezeit bekam sie, ohne dass eine Geburt erfolgte, wieder Milch und wurde wieder brünstig. Als sie 3 Jahre nach jener ersten behinderten Geburt geschlachtet wurde, fand sich ein grosses nicht völlig mumificirtes Kalb. Piguler fand gar eine Steinfrucht bei einer Kuh, die fünf Jahre lang nicht gerindert hatte (vergl. noch den II, Theil dieses Werkes p. 805 ff.). Bei Pferde sind ähnliche Beobachtungen nicht gemacht. Die Steinfrüchte sind überhaupt beim Kind weitaus am häutigsten. In der Pegel werden aber Kühe, welche Steinfrüchte bei sich haben, nicht wieder brünstig und eben deswegen, weil unbrauchbar zur Zucht, beseitigt.
Dass eine neue Pcfruditung bezw. Schwangerschaft während der Anwesenheit einer Steinfrucht aufträte, ist nicht beobachtet worden. Dagegen kann erfaluungsgemäss, wenn von 2 oder mehreren Foeteu einer mumificirt wird, die Schwangerschaft einen normalen Verlauf nehmen und später die Geburt einer gesunden Frucht gleichzeitig mit einer Mumie erfolgen. Dies kommt auch beim Menschen vor, wobei der abgestorbene jFoetus durch den wachsenden blattartig zusammen-gedrückt sein kann (Foetus papyraöeus).
Öfters tritt zu irgend einer Zeit die Geburt eines abgestorbenen (marerirten oder mumificirten) Foetus ein, wird aber nicht vollendet. Da die Wehen hierbei sehr weiiiii angeregt sind, der Foetus selbst auch allerlei Hindernisse bietet, so bleibt er bisweilen in der Scheide liegen und wird liier gefunden (sog. Seheidentriichtigkeit; vergl. auch j)g. 90). lieber Feststellung des Absterbens während der Schwangerschaft vergl. pg. 288.
Schmaltz, Gesohloohtsle'beiilaquo;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;18
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Extraut o rill-Schwangerschaft.
'Au den abnormen Sohwangeräobkften gehören auoh die echten und iineohten Extrauterin^Schwangersohaft^u. Dieselben sind bereits pg. 89 definlrt und in Tiieil II pg, ;{;!ft'. abgehandelt. Auch hierbei kann der abgestorbene Foetus dieselben Sohloksale, wie Im Uterus, haben. Eine Geburt ist natürlich ausgeschlossen. Beim Schwein und Hund sind nach Frank erneute Befrachtungen beobachtet worden. Meistens entstehen jedoch für das Mutterthier tödtlichc Complicationen.
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Feststellung der Schwangerschaft.
Der Eintritt der Schwangerschaft wird in der Regel angezeigt beim menschlichen Weibe durch das Ausbleiben der Menstruation (vergl. pag. 37), bei Thiercn durch das Ausbleiben der Brunst (pag. '20). Doch ist es häufig genug (siehe ebenda), dass die Hrunst sich auch nach erfolgter Conception und bei Kühen sogar bis in den 4. oder ü. Trächtigkeits-inonat wiederholt. Andererseits kann das Ausbleiben der Hrunst (bezw. der Menstruation) auch durch andere Gründe, als Schwangerschaft, bedingt sein.
Durch die Ungewissheit darüber, ob bei einem Thiere das Ausbleiben der Brunst durch Trächtigkeit oder andere Gründe veranlasst wurde, wird freilich in der Thierzucht nichts versäumt. Denn von neuem zur Begattung geführt kann ein nicht brünstiges Tlüer so wie so nicht werden. Man kann somit ruhig abwarten, ob gegen das Bude einer normalen Schwangersciiaftsperiode sich unzweifelhafte Anzeichen einstellen oder nicht, da man durch das Abwarten nichts verliert. Denn auch die Arbeitsleistung der Stute bezw. die Milchergiebigkeit der Kuh gehen eben weiter, bis sich gegen das Ende der Tragezeit die Aufklärung von selbst ergeben muss. Wenn freilich dann sich immer noch keine unverkennbaren Merkmale ergeben, so wird schon aus wirthsohaftlichen Orunden allerdings eine Untersuchung erforderlich werden.
Eine Notwendigkeit bezw. ein begründeter Anlass, die Frage des Vorhandenseins der Schwangerschaft durch eine Untersuchung zu ent-scheiden, kann sich mithin erst im letzten Drittel der Schwangersciiaftsperiode ergeben. Freilich wird auch die blosse Neugier oft genug vom Sacliversständigen eine Auskunft schon in einer früheren Periode verlangen.
Diese Neugier liisst sieh aber eben nicht immer befriedigen und muss bis zu einer gewissen Grenze der Geduld Platz machen. Der Saeh-
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verstöudige wird eine Untersaoliung unter Umständen aogor abzalehneu
oder zu widernithen luibon. Doun in der ersten Zeit der Schwanger-sohaft ist eine wirklieh zuverlässige Peststellung eben einfach nicht möglich) eine demnach zwecklose Untersuchung aber überdies eventuell schädlich. Selbst beim Menschen, wo die Möglichkeit einer exucten *#9632; Untersuchung des Uterus eine so unvergleichlich bessere ist, als bei unseren grossen Hmistlneren, ist in den ersten zwei Monaten das Kr-gebniss der Untersuchung unsicher.
Erste Wirkungen der Schwangerschaft.
Dns Ausbleiben der Brunst ist das einzige Merkmal der Schwangerschaft in der ersten Periode bei Tliicren. Die subjectiven Anzeichen, welche beim Menschen die frühzeitige Erkennung des Zustandes oft wesentlich unterstützen {Mattigkeit, Unbehagen, Schwindel, Zahnschmerzen, morgendliches Erbrechen), kommen bei Thieren in Wegfall oder entziehen sicli doch der Wahrnehmung. Dass aber das Ausbleiben der Brunst (namentlich auch bei Stuten, vgl. pg, raquo;ü u. 100) kein ganz zuverlässiges Zeichen bildet, ist bereits hervorgehoben. Man muss sich mit der Möglichkeit einer Täuschung eben abfinden.
Die Vergrösserung des Uterus bezw. seine Fonuveriinderung wird augenscheinlich die einzige körperliche Veränderung sein, welche der Foetus in der ersten Periode bei der Mutter hervorruft. Wenn man aber die Grössenongaben über den Pferde- und Kindsfoetas in den ersten 4 oder ij Monaten betrachtet (pg. '2S{)), so wird es klar werden, dass ein verhältnissmiissig so kleiner Körper noch nicht im Stande ist, weder die Leibesform noch die Leistungsfähigkeit der Mutter erkennbar zu beein-tlussen.
Heim Menschen lässt sich die Vergrösserung des Uterus schon im zweiten, mit Sicherheit im dritten Monat nachweisen, aber durch Untersuchung der Baucheingeweide von aussen, nicht etwa durch innere Untersuchung. Die Baiicheingeweide sind so klein und versdneblieh, namentlich aber die Hauchdeekeu so schlaff, dass das Befühlen des Uterus von aussen auch dann möglich ist, wenn er noch nicht die Bauch* decken straff vor sich ausbuchtet. Hei Stute und Kuh ist es nicht möglich, den Uterus von aussen zu fühlen, (sofern er nicht eben im hoeh-tragenden Zustande sich befindet; siehe unten); die Straffheit der Bauchdecken, welche für das Tragen des erheblichen (Jcwichts der Uingeweide ganz anders eingerichtet sind, als beim Menschen, verhindert das schon allein. Ausserdem verdecken die umfangreichen Hohlorgane (Magen und
Dann) den Uterus, auch wenn er sich bereits zu vergrössern beginnt,
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völlig. Demnach bleibt nur die innoro Unteraiiohung per reotum resj). per vaginam übrig. Beim Monschcn ist doreii Ergebnias viel unsiehorer, als die erwähnte Unteröuohung von ausseu. Bai den grossen Thleren besteht nuii zwar der Vortlieil, dass die Hnnd bezw. der Ann durch den Mastdarm weit in die Heekenhöhle bezw. Bauchliölile eingeführt werden kann. Da bei der Untersuohung durch die Scheide dieser Vortlieil auch noch wegfällt, so kann diese Untorsiiclmngismetliode unch überoinstim-metider Meinung Überhaupt nicht in Frage kommen.
Aber auch die Untersuchung durch den Mastdarm begegnet vielen Schwierigkeiten, Ks kann zunächst sein, dass das den Foetus enthaltende (iebiinuntterhorn zu weit nach vorn odor abwärts gegen die Haucbdecken verschlugen ist, um es erreichen zu können und dann lässt sich um Uterus nichts feststellen. Dazu kommt aber noch, dass sich in den ersten Monaten der Schwangerschaft wegen der grössercu Schwierigkeiten einer allseitigen Palpation des Uterus vom Rectum aus ein positives Ergehuiss überhaupt nicht erzielen lässt. Aeusserlicli nachweisbare Lebenszeichen glebt der Foetus in dieser Zeit noch nicht. Hazard*; sagt allerdings, dass es nach drei Monaten möglich ist, das Vorhandensein eines Foetus im Uterus (falls das trächtige Horn überhaupt zugänglich wird), mit Sicherheit zu eon-statiren. Alle anderen Autoren aber halten den Ablauf des vierten Monats für den frühesteu Termin eines siclicren Ergebnisses, selbst eine genügende Uebung und Erfahrung in der Beurthellung des Untersnohangs-eniebnisses vorausgesetzt Auf die Untersuchung per rectum ist noch einmal (pg. 282) zurückzukommen.
Demnach ergiebt sieh folgendes: Die beiden einzigen Kennzeichen der Schwangerschaft bei unseren grossen Hausthieren in den ersten vier Monaten bilden das Ausbleiben der lirunst und die beginnende Vergriisserung des Uterus. Das erstere kann täuschen und die letztere ist auch durch eine Untersuchung per rectum in dieser Zeit nicht bezw. nur ausnahmsweise nachweisbar.
Schwangerschaftszeichen nach Ablauf des vierten Monats bei den grossen Hausthieren.
Die Umfangzunahine und Form #9632;Veränderung des Bauches beginnt sich in der Regel im zweiten Drittel der Schwangerschaft allmählich kenntlich zu machen, wird gegen das Ende desselben deutlich und tritt selbstverständlich Im letzten Drittel Immer stärker hervor.
Diese rmfantezunahme ist jedoch keineswegs so regehnässig, dass
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') St. ('yr-Violet: Traite d'obstötrlqao vötörlnaire. Paris 1888.
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Täusohungeil aoBgesolllOBBen wären. Zunächst kommt es numentlk-h bei Stuten vor, dims der Lelbeeamfang sich überhaupt wenig verändert und die Stute hiernacli als tragend nicht ungesehen werden würde.
Andrerseits kann die Umfangannahme auch lediglich durch eine Veränderung der allgemeinen Körperfülle, des Nährzustandes, bedingt sein, welche sieh von der Umfangvermehrung, wie sie die Sobwangerlaquo; schuft wenigstens zuniiehst hervorbringt, nicht Immer characteristisch unterscheidet. Kndlich kann auch die Form des Hauches selbst, der namentlich bei älteren Stuten und Kühen auch ohne Trilohtlgkeit ein Hängehauch (vgl. jedoch pg. 278) ist, Schwangerschaft sowohl vortauschen als sie verdecken. Von krankhaften Zuständen, (ieschwiilsten u. s. w., die auch heim Menschen zu groben Irrthümern führen, kann hier ganz abgesehen werden.
Längere Bekanntsohaft mit dem Thiere und aufmerksame Heoh-achlung aller Umstände wird jedoch meist schon zu verlässiiehen Schlüssen führen können. Wenn eine Stute ohne Veränderung der Ernährung und ohne Verminderung der Arbeit erkennbar dickern Hauch bekommt, so kann dies nicht wohl auf eine Verbesserung des Nährzustandes bezogen werden. Man erkennt es auch bei Kühen, wenn sie, obwohl ihr Hauehumfang zunimmt, doch keineswegs die anderen Kennzeichen beginnender Mästung aufweisen. Im letzten Drittel wird gewöhnlich die Urafangzunahme des Hauches auch characteristisch in deT Form. Derselbe ist wenigstens bei der Kuh nicht tonnenförmig, sondern gleicht einem Sack, der unten voller ist, als oben. Während der untere Durchmesser fortwährend zunimmt, ist die Lendengegend nicht vollgewölbt, sondern kann sogar eingefallen sein (was freilich beim habituellen Hängebauch auch in. o. w. der Fall ist).
Bei der Kuh tritt ausserdem meist deutliche Asymmetrie ein, indem die rechte Seite des Hnuclies mehr und anders hervortritt als die linke; erst zuletzt gleicht sich dies mehr aus. Der Pansen füllt bekanntlich die ganze linke Hälfte und den rechten unteren (Quadranten der Leibeshöhle aus. Im oberen rechten Quadranten liegt der Darm und liier findet [von vereinzelten Ausnahmen, der sog. linksseitigen Träch-tigkeit abgesehen] auch der tragende Uterus seineu Platz.*) Demnach
*) Ks bedarf keiner besonderen l'lrkliirung, dass der ja ganz allmiihlich sich dehnende Uterus dahin vordringen wird, wo er so gut wie keinen Widerstand tlmlct. 1st er aber erst einmal In die Richtung des rechten oberen Quadranten geleitet und bat sich in diesen Uaum hiuoiii verlängert, so ist damit auch seine bleibende Lage inusomelir bestimmt, als jener Kaum vom Netzboutol uiusiliJossen ist. Der Uterus nuisste sich verkürzen, um aus diesem Raum neben
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wird zimiiehst der tragende Uterus in der retditen Flanke liegen. Mit zunehmender Schwere sinkt er neben dem rechten Panaensaok herunter. Dieser liisst sich seiner Schwere wogen noch nicht beiseite sohleben? es giebt vielmehr die Bauohdeoke nach: daher ist jetzt die rechte Bauchseite in der unteren Hälfte erheblich stärker ausgedehnt, als die linke. Erst wenn weiterhin der ausgewachsene Kalbsfoetus immer mehr Kaum beansprucht und zugleich schwer genug ist, um seinerseits den gefüllten Pansensack nach links zu verdrängen, wird auch die linke BRUOhaelte mehr und mehr aufgetrieben (vergl. die Abbildung pg. 332).
Bei der Stute ist der schwangere Leib symmetrisch und mehr tonnenförmig. Er unterscheidet sich nach Sohwarzneoker gerade dadurch vom Heubauoh, der gewöhnlieh einseitig stärker hervortritt, und vom Hängebauch, der sich nach unten zu ausdehnt. Es empfiehlt sich, die Leihesform von hinton her zu betrachten, Uebrigens giobt auch Schwarz-
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der rechten Pansenfläche sich zurückziehen und hinter dein Pansen herum an dessen linke Seite gleiten zu können. Las ist so gut wie immOglloh. Die Möglichkeit ist aber natürlich nicht ausgeschlossen, dass das linke Horn unter irgend welchen besonderen Umständen sich von vorn herein links neben (Ion Pansen* liliudsack schiebt, gerade so gut wie gelegentlich einmal DttundarmschUngen ans dem rechten oberen Quadranten der Leibeshöhle um die hintere Fläche des Pansens iiiieh links herumgleitcn können, wie ich durch Gefricrschnitte festgestellt habe (Topographische Anatomie dor Körperhöhlen des Rindes). Wenn dann das linke Horn den Pootus enthält, so kann eine linksseitige Trächtigkeit entstehen. Lass dies Jemals bei Befruchtung des linken Hornes und selbst beider Hörner der Fall sein müsste, wird sowohl durch die praetisebe Erfahrung, als durch die anatomischen Verhältnisse widerlegt. Denn wenn auch das linke Horn und selbst beide Hörner je einen Embryo erhalten, werden sie zunächst immer weitaus am bequemsten im rechten oberen Quadranten Platz finden. Das Horn, welches aber einmal dort hineingelangt ist, kann, wie gesagt, wenn es Sieh mit zunehmender Trächtigkeit weiter verlängert, ganz gewiss nicht wieder zurück.
Die linksseitige Träehtigkoit des Kindes ist m. A. n. geradezu als Abnormität zu bezeichnen. Dafür spricht auch eine Boobaehtnng von Wundt (B. T. W. 1898, pg. (!2). Derselbe hat zwei Kühe kennen gelernt, welche stets linksseitig trugen. (Vielleicht bestand besonderes Lagevcrhältniss des Pansens zur Beekenhöble!. Die Kälber waren bei einer Kuh sämmtlieb missgestaltet. Sie hatten Verkrümmungen des Halses, der Wirbelsäule und Gliedmasscn, welche sich später ausglichen ; gerade dieser spätere Ausgleich ist ein Beweis, dass die Verkrüinnuingen lediglich durch die Lage und nicht durch Bildimgsfebler bedingt waren. Beide Kühe waren übrigens krank und zeigten gleichmässig vor der Geburt erhebliche Störungen der Function des Digostionstractus. Diese Beobachtungen maoheil also wahrscheinlich, dass die linksseitige Trächtigkeit sowohl dem Foetus als dem Pansen der Mutter Xachthoilo bringt, ein weiterer Grund, die linksseitige! Lagerung des Uterus als abnorm zu bezeichnen,
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necker die Unsicherheit der Denrtheilung des Leibosumfanges bei der Stute zu.
Im allgemeinen ist also die Zunahme des Bauohumfanges eine regelmäseige und, wenn auch nicht ganz zuverlässig, so doch jedenfalls das populärste Schwangerschaftszoichen.
Das Benehmen des Mutter thieres wird im Laufe der Schwangerschaft ein anderes. Die Stute wird schwerfälliger bei der Arbeit, die Kuh bewegt sich träger auf der Weide oder liegt sehr viel im Stalle. Der Appetit wird dabei in der Kegel grosser (Pasch bestreitet jedocii für die Kuh beides). Bei einzelnen Thiereu sollen auch Gelüste hervortreten, ähnlich wie bei manchen schwangeren Frauen sich ein unge-wöhnlicher Appetit auf bestimmte Nahrungsmittel oder ebensolche Abneigungen bemerklich werden.
Dass schliesslich bei der Kuh die Milchergiebigkeit m. u. w. versiegt, ist bekannt. Alle diese Ersclieinungen hängen mit dem Kintluss der Schwangerschaft auf den mütterlichen Körper zusammen und werden pg. 'iHöft'. erklärt.
Die Lebensäusserungen des Foetus sind natürlich das zuverlässigste Symptom der Schwangerschaft. Auch beim Menschen werden sie als die allein sicheren Zeichen angesehen. Wie sich aus der Physiologie des Foetus ergiebt (pg. 211), arbeitet das Herz von frühester Zeit an. Diese Herzarbeit ist aber zunächst nicht von aussen wahrzunehmen. Später werden die Herztöne beim Menschen sicher hörbar (18,22 entdeckt), sind also mittelst Auscultation festzustellen, jedoch auch erst in der 2. Hälfte der Schwangerschaft. Die Bewegungen des Foetus stellen sich beim Menschen ebenfalls gegen die 20, Woche ein, Sie sind nicht allein bei der Untersuchung festzustellen, sondern werden von der Mutter selbst gefühlt. Sie werden übrigens auch hörbar und zwar schon früher, gegen Ende des 4. Monats. Ausserdcm hört man beim Menschen noch das sogenannte Nabelsclmurgeräusch und das Uteringeräusch.
Beim Thicre ist die Feststellung dieser Lebensäusserungen ebenfalls viel schwieriger. Der Uterus ist der Auscultation nicht so direct zugänglich: die starken Dann- und Pansengeräusche übertönen in der Kegel alles. Doch besteht immerhin die Möglichkeit, die Herztöne zu hören, namentlich beim Finde. Leichter sind die Bewegungen des Foetus festzustellen, ebenfalls beim Rimlo leichter als beim Pferde (weil bei jenem der Uterus durch den Pansen besser gegen die Bauchdecken gedrückt ist). Vor Ablauf des fünften Monats werden die Bewegungen aber auch bei der Kuh nicht fühlbar und bei der Stute, wo dies über-
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raquo;#9632;
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haupt BOhwierlger ist, In der Regel erst im 7. Monate. In den letzten heiden Monaten kann man die. Bewegungen, welolie sich schon durch Ihre stosswoise Plötzllohkelt cliaracterisiron, sogar sollen.
Man kann die Bewegung des Foetus Übrigens energisoh anregen,
sowohl durch leichte, gegen den Uterus gefUbrte Sfiisse, als auch durch, yerabreiohung kalten Getränkes an die Muttor (vergl. pau;. 2ii2]. l'ohrigcns werden sie am leichtesten bemerkt werden, wenn dor Nahrungsschlauch nicht zu stark gefüllt ist, also z. B. Morgens vor dev ersten Mahlzeit.
Diiss schliesslit'h im letzten Drittel der Schwangerschaft die Ver-grösserung des Uterus mit Sicherheit durch innere rntersuchung sich feststellen lassen muss, liegt auf der Hand.
Bisweilen stellen sich in den letzten zwei Monaten ödematöse Anschwellungen unter dein Bauche und an den Hintorhoinen ein.
Im zweiten Drittel der Schwangerschaft heginnen sich also iiusseiiich wahrnehmbare Kennzciclien auszubilden, welche selten mehr einen Zweifel aufkommen lassen, wenn das Thier vom Anfang der Sohwangersohaftaperiode an hat beobachtet werden können. Aber erst mit dem (i. Monate treten bei den grossen Haus-thieron in der Kegel n n verkennbare Merkmale der Schwangerschaft auf, welche im allgemeinen in oharakterlstisoher Umfang-znnahme des Hauches und fühlbarer Bewegung des Foetus bestehen, wozu noch der Befund bei innerer Untersuchung des Uterus hinzutritt.
In der letzten Zeit vor der Geburt endlich stellen sich noch andere Ersohelnungen ein, welche aber vielmehr bereits Anzeichen der herannahenden Geburt sind und nls solche besonders besprochen werden: vergl. pag, 818.
Kleine Hausthiere.
Heim Schweine können in der Kegel schon nach zwei Monaten bei fortgesetzter Beobachtung Anzeichen der Träolltlgkeit wahrgenommen werden. Die tragenden Sauen sind ruhiger, dabei gefrassig und haben nie holden liOib, ohne müstig zu werden. Im Beginn des letzten Monats schwillt bereits das (jesiiuge an, was ein verliissliehcs Kennzeichen ist. Bei Hündinnen beweist ebenfalls das Anschwellen der Zitzen und ausser-dem der meist deutliche Bängebauci) die Schwangerschaft.
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Liitersucliung: auf Trücliti^kcit Itci Tliitn-cn.
Bei den kleinen llauslbieren wird eine besondere Untersuchung kaum vorgenommen werden. Bei Stute und Kuh kann man erst nach
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7 hezw. 6 Monaten, also etwa mit Beginn des letzten Drittels, sichere Anzeichen zu tinden hotten, obwohl auch diese Hoffnung noch täuschen kiinn. Jedenfalls ist diese Zeit aber geeignet zur Vornahme einer Untersuchung. Es genügt auch dein wirtlischaftlichen Interesse vollkommen,
wenn erst im letzten Drittel der Sohwangersohaftsperiode die etwa he-
ZÜglloh der Trächtigkeit bestehenden Zweifel geklärt worden. Dann ist aber allerdings auch Oewissheit erwünscht: bei Stuten, weil man die Art ihrer Benutzung danach einrichten muss: bei Kühen, weil ihre Milch-ergieblgkelt in jedem Falle stark mielizulassen anfängt und die Kuh besser zum Sohlachten verkauft bezw. zur Mast aufgestellt wird, wenn sie, ohne trächtig zu sein, nicht mehr brünstig wird#
Hei der sachverständigen Untersuchung hat natürlich die Abschätzung der auch dem Laien sichtbaren Kennzeichen nur eine nebensächliche Bedeutung. Es handelt sich vielmehr um eine Feststellung des objcetiv verl ässli clien Befundes, d. h. der lie-Nvegungen des Foetus und eventuell der Beschaffenheit des Uterus.
Die aus sere Untersuchung.
Die äusserc Untersuchung ist natürlich zuerst vorzunehmen, weil ein hierbei erzieltes positives Ergebuiss alles Weitere überflüssig macht.
Die Auscultation der Herztöne ist zu versuchen, wird aber häufig nicht gelingen und erfordert augenscheinlich sehr grosse Uebung oder (ieschickliehkeit. Eingehende Versuche bat hierüber der als Prac-tiker bekannte Kreisthierarzt Saake gemacht (Magazin für Thierheilknnde 1869). Es gelang ihm von dor '2ö. Woche ab, bei der Kuh foetale Herztöne zu hören. 8t. Uyr und Violet haben unter 29 hochtragenden Kühen IN gefunden, an denen die foetalen Herztöne hörbar waren, geben aber zu. dass sie Anfangs viele vergebliehe Versuche gemacht haben. Die Untersuchung bei Kühen 1st nach Sänke vorzunehmen durch Anlegen des Ohres bezw. eines Stethoscops in der Regio iliaca dextra, dicht vor und über dem Arcus crxiralisquot;. Bei Stuten wird der Ort für den Aiiscultatiousversuch die Nabelgegend sein (Frankraquo;, doch ist hier, wie auch Saake zuglebt, das Hören noch mehr erschwert.
Im allgemeinen dürfte diese Auscultation eine practische Bedeutung nicht haben. Denn ein negatives Resultat beweist gar nichts: wenn man aber die Herztöne hört, was eine gUnsllge Lage d.'s Uterus voraussetzt, so wird man viel bequemer die Bewegungen fühlen können.
Die Feststellung der Bewegungen ist bei der Stute ebenfalls schwieriger und später als bei der Kuli ausführbar (siehe oben). Man
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soll siuh auf dio linke Seite des Thioros stellen, die linke Hand nuf dessen Riieken und die rechte Hand vor das Euter legen und nun die Hand längere Zeit andrücken (Frank). Bei der Kuh ist aus den pg, 277 skizzirten anntomischon Gründen der Uterus fast ausnahmslos rechts gelegen und durch den Pansen gegen die Bauchdocken gedrängt, also der Untersuchung wesentlich hesser zugänglich. Man legt die Faust an die rechte Flanke und drückt dieselbe stossweise ein. Dabei kann man eventuell Theile des Foetus iininittelbar fühlen. In jeden Falle empfiehlt es sich, die Untersuchung am nüchternen ausgeruhten Thiere auszuführen und demselben vorher kaltes Getränk zu verabreichen. Wenn dies nichts nützt, wird es wenigstens nicht schaden. Das Begiessen des Thieres mit kaltem Wasser sollte man dasegen lassen.
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Die innere Untersuchung.
Wie schon früher (pg. 276) erwähnt, kann hierbei nur die Untersuchung per rectum in Frage kommen.*] In dem vorgesohritteuen Stadium der Trächtigkeit darf man von derselben die sichersten Resultate erwarten. Wenn man freilieh schon iiusserlich Bewegungen des Foetus sicher wahrgenommen hat, wird man die innere Untersuchung als mindestens zwecklos unterlassen.
Die früher mehrfach ausgesprochene Ansicht, dnss diese unterlaquo; SUChnug insofern gefährlich sei, als sie Abortus veranlassen könne, ist verlassen worden. Sie wird wenigstens in deutschen Handbüchern nicht vertreten und ist von dem französischen Veterinär Bolteux feitirt von St. Cyr) besonders eingehend widerlegt worden. Dass alle die Vorsichfs-massregeln angewendet werden, welche überhaupt beim Einführen des Mastdarmes erforderlich sind, ist selbstverständlich. Der Mastdarm wird zunächst entleert. Besondere Händigungsmittel sind unnöthig. Die Stute wird gebremst, die Kuh entsprechend festgehalten. Wenn es gelingt, schon bei einer einfachen Einführung der Hand den Foetus sofort zu fühlen, so ist eine schädliche Einwirkung'überhaupt unmöglich. Aber man kann nach Boiteux auch ohne jede Besorgniss Bewegungen des Foetus hervorrufen; Boiteux hat dies stets gethan und sah niemals Abortus eintreten.
Hei vorgeschrittener Trächfigkeit füllt der Foetus nicht allein das (iebärmutterhorn, sondern reicht auch in den Gebärmutferkörper, d. h. weit nach der Beckenhöhle zu, und ist dann leicht zu fühlen. So lange er aber noch weiter nach vorn, d. h. nach der Spitze des Horns zu Platz
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Vgl. auch die Bemerkungen über die Anatomie dor Bcckenhölde pg, 804i
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findet, muss die Hand weiter nach vorn geführt werden und mau mims den Foetus zu BewegUDgen veranlassen. Mau bewirkt dies, indem man gegen den verincintliehen Footus oder in der Richtung abwärts üopou den Uterus (mit entsprechender Vorsicht betreffs des Mastdarmsi einen Stoss ausführt, der eventuell ziemlich derb sein kann. Die Howcgungen werden natürlich unter denselben Bedingungen am leichtesten zu erzielen sein, die schon oben (pg. 282) bei der äusseren Untersuchung angegeben wurden.
Boiteux giebt zu, dsiss bei der Stute noch unmittelbar nach Ablauf des 'gt;. Monats der Foetus bisweilen nicht nachgewiesen werden kann. Jedenfalls gehört in dieser Zeit noch besondere rebung zu dem Nachweis. Hei der Kuh gilt dasselbe vom 6. Monat. Vornehmen kann man freilich die Untersuchung auch schon nach dem 6. bezw. 4. Monat; In Anbetracht des zweifelhaften Erfolges wird man aber lieber noch warten, bis die Aussicht eine sichere geworden ist, wenn nicht ganz dringende (iründe eine Beschleunigung verlangen. Denn auch die Fürsprecher der rectalen Untersuchung betonen, daBS man dieselbe trotz ihrer Gefahrlosigkeit nicht unnöthig ausführen soll. Ben Zeitpunkt dafür wird sich daher der Sachver-ständige nicht etwa von den Wünschen des Besitzers dictiren lassen, sondern sich seine Bestimmung vorbehalten.
Mithin erglebt sich als Regel: Eine sachverständige äusserc und eventuell innere Untersuchung auf Schwangerschaft bei den grossen Hausthieren ist in der Kegel auf den Beginn des letzten Drittels der vermuthlichen Schwaugerschaftsperiodo zu verschieben. Sie ist demnach bei der Stute nicht vor Ablauf des 7. und bei der Kuh nicht vor Ablauf des lt;gt;. Monats vorzunehmen. Den wirthschaftlichen Interessen wird mit einer Untersuchung in dieser Zeit vollkommen genügt, während bei einer früheren Untersuchung der Sachverständige eventuell die Missllchkeit eines unbestimmten oder gar unrichtigen Urtheils übernehmen muss.
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Vcststolliing' besonderer Uinstäiule.
Schwangerschaft vortäuschende Zustände: Oeschwülste, die in oft unglaublichem Umfange in der Beckonhöhle beobachtet worden sind, Bauchwassersucht und dergleichen worden sich durch die Untersuchung per rectum am sichersten unterscheiden lassen, ganz abgesehen von den etwaigen eignen krankhaften Symptomen, deren Besprechung nicht hierher gehört.
Tod des Foetus kann aus der Unhörbarkeit der Herztöne oder der Unftthlbarkeit der Bewesunaen bei ilusserer Untersuchuua selbst-
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veratiindlieli nioht goschlossou werden. Die reetale Uiitersiieluui!raquo;- ist hierbei ebenfalls zuverlässiger.
Wenn bei vorgeschntteuer Träobtigkelt der Foetus auf derbe Bo-rtthraugen vom Mastdarm aus (vergl. pg. 283) garnloht mit Bewegungen reaglrt, so ist dies gewiss schon verdächtig, aber nicht entscheidend. Da, falls der Foetus wirklich abgestorben ist, vor Ablauf der normalen Triichtigkeit doch nichts zu unternehmen ist, braucht ein bestimmtes Ur-theil nicht eher gefallt zu werden, als bis das Ende der normalen Schwanger-schaftsperiode herangerückt ist. Wenn dann eine nochmalige Untersuchung ebenfalls völlige Bewegungslosigkeit erglebt, so wird doch wenigstens mit grösster Waluscheinlichkeit auf einen todteu Foetus geschlossen werden können*) und eventuell dessen künstliche Entfernung ins Auge zu fassen sein (künstlicher Abortus). Ein verfrühtes Ansehweilen des Euters bezw. Auftreten von Milch deutet oft den eingetretenen Tod des Foetus an (Frank).
Das Schwangerschaftstadium zu bestimmen, ist beim Thicre insofern meist leicht, als die letzte Begattung bekannt ist. In diesen Fällen kann es sich nur um Feststellung der Schwangerschaft selbst bandeln und das Stadium derselben ergiebt sich von selbst. Beim Menschen, wo die befruchtende Begattung nur in den seltensten Fällen feststeht, ist die Diagnose des Stadiums nicht mit voller Genauigkeit, sondern nur ungefähr möglich (vgl. auch pg. Hl, kam.) nach dem Grad der Veränderung des Uterus, sowie nach dem Auftreten der Herztöne und Bewegungen. Bei Thieren, z. B. neu angekauften, kann immerhin auch gelegentlich der Begattungstennin unbekannt sein. Dann ist die Feststellung natürlich noch viel schwieriger, als beim Menschen, da von einer Verfolgung der Veränderungen des Uterus etc. hier keine Rede sein kann. Es wird nur auf Grund der oben beschriebenen Untersuchung eine ungefähre Abschätzung möglich sein, ob das letzte Drittel der Trächtigkeit schon eingetreten ist oder nicht.
Zwillingsschwangerschaft lässt sich allenfalls durch reelale Untersuchung feststellen. Die Feststellung vor der Geburt hat übrigens kaum jemals einen Zweck (vgl. pg. 338).
Bereits stattgehabte Schwangerschaft festzustellen, Ist beim Menschen öfters erforderlich. Die Beschaffenheit der Schamtheilc, die sogenannten Striae (Spuren erweiterter Venen) und die Cervix Uteri geben hier Aufsehlnss.
*) Wenn die Qobnri selbst erst im Gange ist, 80 kann die Feststellung. ob der Foetus lebt oder fodt ist, viel schwieriger sein. Denn unter den Wellen macht der Foetus in der Kegel keine Bewegungen. Vergleiche pg, 830 und de Bemerkungen im ll. Tlioll dieses Werkes pg. 801.
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Whs die Thierc anlangt, so ist die Hrkcnnuns hoi Sauen und lliimlinncn durcli daß schlotterige Qeaftuge mit den verlängerten Zitzen ennöglicht. *; ]{ei Kühen bekommen hekanntlich die Hiimer durch jode Triiohtigkeit einen King; ausserdem spricht die vorhandene Milchsceretioii für sieli selbst. Bei Stuten führt Frank nur die Verlängerung und Ab-plattung lt;ler Zitzen als Merkmal an. Ob nicht auch die Beseliaffeiiheit dos Wurfes solche Zeichen bietet, was man annehmen sollte, darüber liegen keine Angaben vor. Alte Stuten verändern allerdings ihre ganze k'örperfomi und sind als Zuchtstuten sofort erkennbar.
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Beeinflussung des mütterlichen Körpers durch die Schwangerschaft.
Der weibliche Organismus ist. für die Schwangerschaft eingerichtet. Sie bedeutet daher für ihn nichts Aimserordentliches. Obwohl sie grosse Anforderungen an den Körper stellt, so sind es doch nicht derartige, dass den Mitteln des Körpers (normale Constitution vorausgesetzt) zu viel zugemuthet würde. Eine Schwächung oder gar Zerrüttung des gesunden Körpers durch Schwangerschaften an sich ist daher nicht zu befürchten. Dass die Schwangerschaft vielmehr eine steigernde, also vortheilhafte Wirkung auf die Lebensvorgänge ausübt, kann aus zwei Thatsachon entnommen werden. Wir sehen, dass im Körper der Brat-schwangeren gewisse Organe erst ihre volle Ausbildung erlangen. Namentlich beim Menschen ist es augenfällig, dass der mütterliche Körper im allgemeinen bleibend eine reichere Ausbildung aufweist, als der jungfräuliche. Ks ist zweitens eine anerkannte Thatsachc, dass die weiblichen Thiere in der ersten Zeit der Trächtigkeit in einen besseren Xähr-zustand geratheil, indem ihr Appetit gesteigert ist und die Nährstoffe andererseits von dem noch kleinen Embryo nicht in gleichem Masse in
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'; Bei Sauen kann oino Streitfrage In anderer Weise ontstehen. Ms kommt bekunntllob vor, dass Sanon ihre Perkol und die Nachgeburt auffrossen. Ks kann also eine Geburt erfolgt sein, ohne dass dies bemerkt ist. Wenn die Sau als tragend verkauft war, so piitstoht die Fi'age, ob sie tragend gewesen ist oder nicht. Dass koino Ferkel gesellen worden sind, ist, wie gesagt, kein Beweis dagegen. Hier kommt es event, auf positive Beobachtungen an, wie z. H.. dass das (iosaugo dor Sau zu bestimmter Zeit, wie dies vor der Goburt zu gosehehen pflegt, angeschwollen war n. s. w. Auch Kühe, welche als tragend vorkauft wurden und bei denen der Foetus, ohne geboren ZU worden, abstirbt (pg. 272), können deswegen zum Prozessgegenstand werden, wobei die Krage zu entscheiden ist, ob die Kuh nachweislich nicht tragend gewesen 1st.
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Anspruoh genommen werden. Der Organismus zeigt also vom Beginn der Sobwongersohaft ab eine Steigerung des Stoffwechsels. Aus alle-dem stellt hervor, dass die Sohwangersobaft für den Körper nicht ein nngttnstiger und beeintriiehtigender Zustand ist, dass sie nicht bloss gesteigerte Anforderungen stellt, sondern auch eine Steigerung der Leistungs-fähigkeit herbeiführt, die sogar einen Uebersobnss für den gesunden mütterlichen Körper gewähren kann. Dies setzt aber freilich zweierlei voraus: einmal vorhandene Qesundheit und zweitens eine den besonderen Anforderungen entsprechende Lebensweise. Man kann von dem unter so besonderen Umständen betindliehcn Körper natürlich nicht verlangen, dass er nebenher auch noch die bisherigen Leistungen verrichtet. Leider wird, oft nothgedruiigeu gerade im menschlichen Leben, dieses unberechtigte Verlangen an den schwangeren Körper häutig gestellt. Wenn der weibliche Körper dann herunterkommt und hei häutiger Wiederholung sehliesslich ruinirt wird, so haben das aber nicht die Schwangerschaften, sondern die unvernünftigen anderen Anforderungen verschuldet.
J)ie tiefgeliende Wirkung der Schwangerschaft auf den mütterlichen Organismus trifft alle Theilo desselben in erster Linie durch die Veränderung des Stoffwechsels. Wir haben gesehen, dass derselbe eine Steigerung erfährt, die zunächst sogar dem mütterlichen Organismus zu Gute kommt. Mit der zunehmenden Orösse des Foetus, namentlich also in der '2. Hälfte der Schwangerschaft nimmt aber dieser nicht allein das Plus für sich in Anspruoh, sondern entzieht dein mütterlichen Körper eine immer grössore Quantität von Stoffen. Ich habe keine genaue Berechnungen darüber gefunden, welche Quantitäten von Nährstoffen der Foetus in den verschiedenen Stadien verbrauchen muss, um sein Geburtsgewicht zu erreichen (solche Berechnungen wären möglich und interessant). Man kann aber von den Abgaben der Mutter schon eine ungefähre Vorstellung gewinnen, wenn man bedenkt, dass z. B. das Kalb in der letzten Hälfte der Trächtigkeit wöchentlich etwa um 4 Pfd. und darüber zunehmen muss.*)
Wenn dem mütterlichen Körper grosse Quantitäten Nährstoffe, entzogen werden, so wird sein eigener Verbrauch dementsprechend eingeschränkt und dies muss natürlich irgendwie zum Ausdruck kommen. Wie dies geschieht, hängt von der Lebenshaltung sowohl, wie von der Individualität ab. Dass manche Mütter den Foetus besser nähren, als andere, die Abgaben an den Foetus also quantitativ verschieden sind,
*) In der ersten Hälfte der Triiclitlgkeit erreicht der Footiis luinillch liöohstens den zolmtca Thcil seines Geburtsgewichtes (vergl, pg, #9632;250).
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ist schon pg, 237 erwähnt worden. Aber midi die Art, wie der Verlust des niiitterliehen Organismus gedockt wird, kann eine verscl:ie(kme sein.
Das miturß,emüsscste ist os unbedingt, dass der Ausfall durcli eine Einschränkung aller übrigen Leistungen, also eine entspreehende Acnderung der Lebensführung, ausgeglichen wird. Geschieht dies, so braucht der miitterliche Körper iini eigenen Bestand keine Verluste zu erleiden, (iesehielit dies nicht genügend, so muss der Körper in. o, W. herunterkommen und kann vorübergehend oder dauernd geschädigt werden.
Dies wird namentlich der Pali sein, wenn bereits irgend ein Fehlbetrag oder eine krankhafte Anlage vorhanden ist. Dass unter solchen Umständen Krankheiten durch die Schwangerschaft gesteigert oder im Ausbruch begünstigt werden, kunn nicht Wunder nehmen. Das wird namentlich von solchen Krankheiten gelten, die mit dem Stoffwechsel zusammenhängen, wie z. li. die Osteomalacie der Kühe lehrt ipg. 29ö).
Man kann auch am iniittcrlichen Organismus das Bestreben und Be-dürfniss deutlich erkennen, die Leistungen herabzusetzen, z. 15. daran, dass die Thiere sich ruhiger benehmen, schworfälliger werden u. s. w. (s. pg. 279), Es wird auch, wenn man Leistungen vom Körper weiterhin erzwingt, schliesslich unmöglich, sie auf ihrer früheren Höhe zu erhalten. Dies zeigt sich am deutlichsten am Milchertrag der Kuh, der eine durch das Melken künstlich erzwungene Leistung dos Körpers ist (vergl. pag. 298). Die Milch versiegt schliesslich von seihst. Dasselbe gilt von erzwungener Muskelarbeit.
Wenn die Leistungen entsprechend der Schwangerschaft herabgesetzt werden, SO braucht der Körper im allgemeinen auch in vorgeschrittener Schwangerschaft nicht schlechter als gewöhnlich ernährt zu werden, Dass aber doch, wo es angehl, gespart wird, zeigt sich an gewissen Organen doch unverkennbar. So kann der Hornring, welchen die Kuh als Zeichen stattgehabter Schwangerschaft davon trügt (pg. 285), nur als ein Zeichen schwächerer Ernährung der Epidermis gedeutet werden, wenn auch die Kuh im übrigen wohlgenährt geblieben ist.
Dass die Knochen eine Kinbusso an Kalkzufuhr erleiden, erklärt sich aus dem besonderen Kalkhedürfniss des Foetus zur Bildung seines eignen Seelctts. Hier kann natürlich die Beschaffenheit der mütterlichen Nahrung Ausgleich schaffen. Desitzt die Xahruiia: aber nicht einmal den gewöhnlichen Gehalt an Kalksalzen, so tritt die schlechtere Versorgung des mütterlichen Sceletts eventuell offen zu Tage: bei tragenden Kühen stellt sich nämlich unter solchen Umständen be-knnntlich häufig Osteomalacie ein.
Auch das mütterliche Blut scheint eine Veränderung SU er-
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fahren. Die Qesainmtmenge nimnit namentUoli iraquo; der zweiten Hälfte zu, dagegen soll os boi vermehrtem Wassergehalt an Eiweiss verlaquo; Heren und die Zahl der wetssen Blutkörperchen soll relativ vermehrt sein. Letzteres würde sich zwanglos daraus erklären, dass der Foetus ebenso, wie er Knochenerden zur Knochenbildung bedarf, auch ein hosnn-ders grosses Itedürfniss an Eisen bezw. Haemoglobin zur Blutbildung hat und dass die deswegen der Mutter zugefügten Verloste durch die Nahrung eventuell nicht ausgeglichen worden. Im übrigen wird aber eine solche Blutverändernng auch bestritten und es ist ja sehr möglich, dass sie dann nicht vorhanden ist, wenn gesteigerte Zufuhr und entsprechendes Assimilationsvermögen die Abgabe spceiell jenes Stoffes ausgleichen.*)
Neben dieser weitgehenden Wirkung des veränderten Stoffwechsels kommt auch ein einfach mechanischer Einfluss der Schwangerschaft auf gewisse Organe bezw. Lehensvorgänge zur Qeltung.
Eine solche Einwirkung liegt in der starken Belastung des Bauches, welche dem Thiere das Stehen erschwert und bei Stuten die gewöhnliche Leistungsfähigkeit in schneller Gangart unmöglich macht. Das Raumbedürfniss des hochschwangeren Uterus bedingt eine Raumlie-Bchrätlkang für Magen und Darm, die für die Thiitigkeit dieser Organe, wie für ihr Fassungsvermögen von Bedeutung werden muss. Yerdauuims-störungen in der letzten Zeit der Schwangerschaft sind hierauf zurückzuführen. Diese sind um so heaehtenswerther, als andererseits das Nali-rmigsbedürfniss ein erhöhtes ist. Namentlich aber wird die Athmung mechanisch behindert, indem die Haucheingeweide, ganz ähnlich wie bei Tympanitis, gegen das Zwerchfell gedrängt werden und die inspiratorisch'e Bewegung desselben gegen die Bauchhöhle hindern. Der Athmungstyjms wird deshalb costal und die Athmung ist überhaupt erschwert ein weiteres Himlerniss für Arbeitsleistung, (Bei der aufrechten Körperhaltung des Menschen wird dies weniger hervortreten.) Diese Verhältnisse in Verbindung mit der gesteigerten Blutmenge (siehe oben1) beeinflussen schliess-lich auch die Arbeit des Herzens. Angeblich soll dasselbe eine Hypertrophie dos linken Ventrikels erfahren und demnach an ftewioht zunehmen. Um letzteres zu erweisen, miissten aber sehr viele Wägungen vorgenommen werden, was wohl nicht geschehen ist. Beim Menschen haben Wägungen eine Gewichtszunahme nicht ergeben. Die auch hier
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*) Jedenfalls beweist die Tbatsacbe, dass das niiittorlichc Blut Verluste im den wesentlichen Bostandthollen erfährt, die Widorsinnigkeit dos veralteten Gobrauchs, sohwangoren Individuen auch noch zur Ader zu lassen und ihnen dadurch künstlich noch grössere Verluste an jenen weithvollen Hestnndtheilen zuzufügen.
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behauptete Hypertrophie hat sich als Täuscluing erwiesen i veränderte Dümpfangsflgur iquot; Folge veränderter Lage). Der einerseits etwas vermehrten Arbeit stellt doch mioh die verminderte Mnskelthätigkeit gegenüber (Schröder). Die Niercnsocrotion ist aber etwas vermehrt, der Harn wässrlger; bei Kühen und Stuten enthält er öfters (Frank), in den letzton Wochen etwas Eiwoiss*) beim Menschen nicht. Das häufige Uriniren ist einfach eine meclumische Wirkung des Druckes auf die Blase.
Alan erkennt, dass gerade alle diese mechanischen Wirkungen, welche sich erst in der allerletzten Zeit der Träehtigkeit stark entfalten, diese Periode zu einer für den mütterlichen Körper lästigen machen.
Dass der (xeschleehtsapparat endlich erhebliche Veränderungen erfährt, hängt mit der localen Wirkung der Scliwangerschaft zusammen und ist an anderer Stelle besprochen (pg. 'iüS).
Alle diese mannigfachen Veränderungen des Stoffwechsels und der meohanisohen Vorhältnisse, wozu beim Menschen noch psychische Kinwirkungen kommen, bedingen gewisse Eigenthümlichkeiten im ganzen Habitus, die bei Thiereu freilich nicht so hervortreten, wie beim Menschen.
Alles in Allem ergiebt sich jedenfalls: Die Schwangerschaft beeinträchtigt weder die Gesundheit, noch bedroht sie dieselbe. Sie verlangt aber eine Anpassung- der Lebensweise an ihre besonderen Verhältnisse.
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Diät der Schwangerschaft.
Allgemeine Regeln.
Die Schlussfolgerungen des vorigen Kapitels bilden zugleich die wichtigsten Regeln für die Einrichtung der Lebensweise der schwangeren Thiere im allgemeinen. Die wesentlichen (Jesichtspunktc, unter denen die Haltung, Fütterung und Pflege tragender Thiere zu ordnen ist, sind folgende:
Die gewohnte Lebensführung soll, soweit es nicht die Herück-sichtigung der Sehwaugerscbaft anders erfordert, möglichst beibehalten werden. Die Haltung muss eine ruhige, d. h. von allen heftigen und plötzlichen Einwirkungen und Acndeningen frei sein.
) Die Franksohe Angabe ist von anderen Autoron nicht bestätigt. Jedenfalls wird das Vorkommen von Eiweiss, welches ja sehr wohl möglich ist, nicht als Krankheitszoiehon gedeutet worden dürfen.
Hcliin ivltz, OosclilcchtslPbon.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1U
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Besohränkung der Leistung ist durch den Btoffverbrfiuoh laquo;Ich Foetus, z. Tii. iuidi duroli die ineohanisobeii VerbfiltnisBe geboteu ^sieiie unten.] Stute und Kuh)i Dnruuter ist Jedoch eine gttnzllobe Aufhebung der Leistung nicht zu verstebeni Ein gewisses Muss von Bewegung ist
z. li. mir nützlich.
Die Ernäbrung muss reichlich sein, mit liiicksiclit auf den gesteigerten Verbrauch, jedoch nur insoweit, dass sie für die Entwicklung des Foetus und die Erhaltung eines mittleren Körperzustandes der Mutter genllgti In der ersten Zeit nehmen die Thierc oft ZU (siehe oben \)ix. 'JH;',), wogegen nichts einzuwenden ist. Aber in der letzton Hälfte der Tragezeit dürfen die Mutterthiere nicht fett werden bezw. nicht tnastig sein (siehe pg. '2\)2 u. 'J'.i-l).
Die Nahrung muss passend zusammengesetzt sein. Das Nährstoffbedürfniss des Foetus ist von dein dor Mutter vorschieden. Der Foetus bedarf relativ grosso Mengen an Eiweiss (zum Aufbau jeder neuen Zelle). Eisen (zur Bildung rother Blutkörperchen) und Kalksalzen (zur Knochenblldung). Bei relativ grösserer Abgabe dieser Stoffe bedarf dio Muttor einer nicht bloss absolut, sondern auch relativ grössoren Zufuhr an denselben. Die Nahrung wird also durch entsprechende Beigaben reicher an Eiweiss, Eisen und Kalksalzen werden müssen oder es wird wenigstens besonders auf die gute Qualität dos gewöhnlichen Futters gerade in dieser Beziehung zu achten sein.
Die Form der Futtermittel muss endlich mit; ßtioksioht auf die mechanischen Verhältnisse der Schwangerschaft gewählt worden. Das Futter darf nicht voluminös sein, weil die Hauch-wund schon genug beschwert, der Baum für Magen und Dann eingeengt ist und bei starkor Ausdehnung derselben die Zwerchfellbewegung (Atb-mung) noch mehr behindert wird. Deshalb darf auch kein blähendes Futter gegeben werden. Das Putter muss ferner leicht verdaulich sein, weil auch die Thätigkeit des im Raum beschränkten Nahrungsscldauchos m. o. w. erschwert ist und weil es nicht zu Ansammlungen grösserer Müssen kommen darf, Man soll aus denselben Gründen die Tagesrationen auf mehrere kleinere Mahlzeiten verthellen. Es sind endlich wirkliche Diätfehler mit besonderer Sorgfalt, zu vermeiden, wie schlochto oder schädliche Qualität dor Nahrung, Ueberfresscn und zu kaltes Getränk,
Die Aufstallung muss den mccliiuiisehen Verhältnissen Kochnung tragen. Der Stall darf für das tragende Thier noch weniger, als unter gewöhnlichen Umständen, überhitzt und schlecht gelüftet sein (da roine Luft die Athnnmg erleichtert). Das Thier niuss bequem stehen und sich bequem logen können. Es muss also genügend Raum und eine weiche,
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reine Streu haben (schwere Helastung des liiiuclKis;, mimonllieli aber vor michbarlichen Bdlamp;StlgUDgen und Insulten geschützt sein. Es soll so liefen, dass die Entstehung von SoheldenvorfBllen (pg. 2iM'gt;) nicht begünstigt wird.
Schutz vor Zugluft ist namentlich in der letzton Zeit vor der (ieluirt mit Rücksicht auf das Muter nothwendisi. Einseitige Abkühlung (Stehen an kalter Seitenwand, Liegen auf kaltem Fnssbodenj kann sowohl auf die Mutter, als auf den Foetus naohtheülg einwirken; desgl. plötzliche allgemeine äussere Abkühlung z. 15. durch eine kalte Schwemme. Das für Kühe ebenso, wie für Pferde, wohlthätigc Putzen der Haut ist für tragende Thiere, wegen seines günstigen Einflusses auf den Stoffwechsel, noch wichtiger.
Mine fortgesetzte Sorge endlich muss bei allen tragenden Thieren in dem Schutz bzw. der Vorbeugung gegen Abortus (pii. quot;iTO) bestehen. Wie etwaige infectiiise Ursachen des Abortus fern zu halten sind, gehört nicht hier her. Aber Abortus kann durch mannigfaltige Umstände bedingt werden, durch ungehörige Anstrengung, durch Uoberladung des Pansens bzw. Darmes, durch aufblühendes oder schiidliehos, mindestens unbe-kömmlicbes Futter, durch kaltes Getränk, aufregende Behandlang, plötzliche Abkühlung und endlich Insulte aller Art. (Vgl. übrigens Theil II, pg, 57 ff..). Mau sieht, dass alle die oben bereits gegebenen diiitetisclien Pegeln zugleich auch für die Verhütung von Fohlgeburten von Wichtigkeit sind.
Alle diejenigen Massnahmen, welche specicll auf den quantitativen Stoffverbrauch des Foetus, sowie auf die durch die Schwangerschaft ge-sohaffenen mechanischen Veränderungen begründet sind, werden natürlich hauptsächlich in der letzten Hälfte der Schwangerschaft zur Anwendung gelangen müssen. Die Gefahr des Abortus ist jedoch jederzeit, auch in der ersten Schwangerschaftshälfte gegeben. Doch werden mechanische Insulte ebenfalls in der letzten Periode gefährlicher sein.
Stute.
Die Leistung des Pferdes besteht in der Arbeit im gewöhnlichen Sinne, d. h. in der Muskclbewegnng beim Reit- oder Zugdienst, (le-brauchspferde können in der ersten Hälfte det' Schwangerschaft ohne wesentliche Einschränkung zu normalen Dienstleistungen verwendet werden. Doch wird man ühermässige Anstrengung, sehr schnelle Gangart, schweres Anziehen und starken Schweissausbrueh besser vermeiden. In der zweiton Hälfte der Trächtigkeit muss die Benutzung eine allmählich zunehmende Einschränkung erfahren. Am zweckmässigsten ist die landwirthseluiftliclie Arbeit, welche keine sclinellen (länge fordert.
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Schnelle Gangarten verbieten sich von selbst; schweres Aimieben und sein- schlechte Wej!,e inüssen vermieden werden; ebenso lang anhaltende Arbeit und Schwitzen. Die letzten 34 Wochen sollen die Stuten nicht mehr iirheiteu. Miissigc Bewegung ist nber bis ünletzt erforderlich, weil sie zu den Oewohnheiten des Pferdes gehört. Wenn Stuten also nicht auf der Weide sich selbst bewegen können und nicht mehr arbeiten, sind sie am besten täglich ein- oder zweimal '/#9632;_, l1/.' Stunde ZU führen (Graf Lehndorff).
Für die Bniährung tragender Stuten stellt Graf Lehndorff*) folgende Sätze auf: Hafer und Heu bleiben auch hier die gewöhnlichen Futtermittel. Jedoch Ist Reichlichkeit der Heunition (Gras), schon wegen des hohen Kalkgehaltes, besser als viel Hafer. Im übrigen htssen sich für das Quantum des Futters keine allgemein gttltigei) Regeln aufstellen. Im allgemeinen scheinen die Fohlen reichlich ernährter Stuten mehr zu Fohlenkrankheiten zu neigen. Daher ist eine massige (d. Ii. eine für den mittleren Körperzustand genügende) Haltung das Fmpfehleiisworthere, Doch kommt es hier auf örtliche Verhältnisse und schliesslich auf die Erfolge an. Es besteht kein Grund, an dein üblichen Mass der Ernährung etwas zu ändern, wenn sich Nachthelle nicht bomcrklich gemacht haben. Eine tägliche Gabe von Weizenkleie ist im letzten Monat empfehlenswerth (kalk- und phosphorreich, miloherzeugend). Hnss das Heu von guter Qualität und namentlich genügend kalkreieh ist. innss durch die Erfahrung oder Untersuchung sicher gestellt sein. Mit solchem Heu ist man jedensfalls in der Lage, die geattgonden Kalkmengen auch ohne Beigabe besonderer chemischer Präparate zuzuführen. Luzerne-, Esparsette- und Kleeheu bzw. Klee sind durch ihren Kalkreiclithuni geeignet, als Zusätze ärmeres Heu zu verbessern; solche Zusiitzc sind durchaus empfehlenswerth. Salzlecksteine sind ganz gut; sonstige besondere chemische Beigaben sind unnöthig und zu widerrathen. Graf Lehndorff empfiehlt die diätetische Verabreichung von Laxantiou, in den letzten Monaten wöchentlich ein- oder zweimal eine Gabe Glaubersalz, sowie ein- oder zweimal während der Triichtigkeit eine gründlichere Ausräumung des Darmes durch eine Aloepille (20 g mit je 8 g Rhabarber und Ingwer, 8 Stunden nach der letzten Mahlzeit und nachdem das Pferd vorher zwei Tage nasse Kleie erhalten hat). Hiergegen ist gewiss nichts einzuwenden, um so weniger, als es auch mit den diätetischen Regeln für den Menschen übereinstimmt.
Dass die Stute einen geräumigen Stand oder eine Hoxo erhält
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') Handbuch für Pferdezllohter. 4. Auflage. Berlin ismi.
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und u;u' geputzt wird, ist BelbatverstttndUoh. Als Stalltemperatur empfiehlt öraf Lehndorff im Winter iquot;)0deg; Reaumur, für den Abfohl-stall 8100,
Kuh.
Die tragende Kuh kann In der guten Jahreszeit ebenso, wie andere Kühe, sieh auf der Weide hefindeu: nur in der letzten Zeit ist sie, um iitilo Zufälle zu vermeiden, besser im Stalle zu halten. Ist sie die Stall-linltung gewohnt, so braucht sie natürlich auch während der Trächtigkeit nicht besonders bewegt zu werden. Die körperliche Leistung der Kuh ist die Milchabsoiulorung. Dieselbe ist ein gewisserinassen künstlicher Zustand. Denn unter natürlichen Umständen versiegt die Milch, wenn das Junge aufhört, zu saugen. Bei der Kuh ist das nur deshalb nicht der Fall, weil an Stelle des Saugens das Melken tritt, welches als künstlicher Reiz die Tlüitigkeit des Katers weiter unterhält. Bei der Ziege bezw. bei den aiulerea Tbieren, wenn man sie melken würde, ist dies natthdich ebonso.
Auch die Milchabsonderung ist somit eine nicht freiwillige, sondern dem Körper abgeforderte Leistung. Das Mass derselben beschränkt sich nun allerdings von selbst, l'ekimntlich giebt die Kuh frischmilchend, (1. li. nach der Geburt, eine grosse Menge Milch, welche sich später verringert, Diese Verringerung hängt mit der inzwischen begonnenen neuen Trächtigkeit zusammen,*1 da die Kuh dem wirthschaftlichen Interesse gemäss bei der ersten Brunst nach der Geburt wieder zum Bullen gebracht wird. Ls versteht sieh, dass diese Abnahme daher in der 2, Hälfte der Trächtigkeitihuier grosser wird und die Milch schliesslich trotz des Melkens versiegen kann, Gute Milchkühe können jedoch bis zur nächsten (ieburt Milch geben. Es wäre dies aber eine unvernünftige Anforderung an die Leistungsfähigkeit des Körpers. Dieselbe müsste für Mutter und Foetus um so nachtheiligcr sein, als mit der Milch grosso Mengen grade derjenigen Stoffe avisgeschieden werden, deren auch der Foetus vorwiegend bedarf.
Erfahrungsgemiiss liefert die Kuh, welche bis zur (ieburt dureh-gemOlken ist, auch nach Eintritt des Frisobmilchena keinen vollen Ertrag, so dass der geringe Nutzen vorher durch den nachherigen Ausfall mehr als aufgewogen wird.
Daher ist es erforderlich, auch diese Leistung zu beschränken, indem mit dem Melken ausgesetzt wird. Die Milch versiegt dann all-
') Dieser Zusannuouliang wird nicht dadurch wiodcrlogt, dass die Milch auch abnimmt, wenn keine neue Träohtlgkoit eintritt, Uebrlgens kann dio Secretion bei kaStrlrten Kühen mehrere Jahre andauern.
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mählk'li und die Kuh kommt zum TroekeiiBtehen. Das TrockensteluMi soll (gt; -8 Wochen vor dem Kalben beginnen, muss aber allmählich ein-geleitet werden: ein Trockenstehen von 84 Woeheu ist zu kurz. Ks empfiehlt sich, von der 8. Woche ah die Kuh tiiclich ziinüchst noch 2 mal, dann 'spätestens von der 6, Woche iibquot;! nur noch einmal ZU melken. Die Mileii verliert sieh dann von seihst.
Wenn dies nicht gesobleht, so soll das Euter alle 28 Tage kalt gewaschen und einige Stunden naohher nochmals gründlloh ausgemolken werden. Bisweilen niacht es bei niilclireichcn Kiilien Schwierigkeiten, die Milch zum Verslegen zu bringen. Werner (Rinderzucht, Berlin 1892) om-ptiehlt, dann Vor- ftUteruug von I1'/.j kg Wickeuschrot zu versuchen. Am Niedcrrhein taucht man die Zitzen in eine Mlsohung von Oleum Ros-marini 2 i quot;gt; Spirit, reotlfioat, und verreiht dann die Mischung gründlich auf dem ganzen lüiter.*) (Nach Kreistii. Niebuhr sloherer Erfolg ohne jeden NTaclithoil). Die Schmidt'sche lodkaliinn-lnfusion (s. lie;. 860 könnte vielleicht auch in kleinerer Dosis) versucht worden.
Der Uebergaug zum Trockenstehen erfordert eine gewisse Vorsicht. Naineiitlich ist Qrüudllchkelt des jedesmaligen Ausmelkens geboten, weil das Verbleiben von Hosten im Euter nachtheilig werden kann. Obwohl das Euter der troekenstehenden Kuh unthätisi' ist, so ist doch auf seine Besohaffeuhelt zu achten. Bs können sich namentlich Euterknoten, meist Im Anschluss an Hehamllunnsfehler während des Ueberganges, ausbilden. Uebrigens soll man dns Euter in Ruhe lassen und nicht viel daran herum-grelfen, Ueber die Beschaffenheit des hinters vor der Geburt siehe pg, 816,
Die Ernährung der tragenden Kuh soll den pg, 2!io allgemein aufgestellten Anforderungen geniigen. Sieraquo; soll nicht so reichlich sein, dass die Kuh in der 2. Hälfte der Trächtigkeit in einem halbmastigen Zustand sich befindet. Solche wohlgenährten Kühe verfallen viel leichter in (ie-bärparese; andererseits bringen sie keineswegs Immer besonders kräftig entwickelte Kälber, Gegen zweckmässige Zusammensetzung und Beschaffenheit des Flitters wird hei Kühen viel öfter gefehlt werden, nls bei Stuten, weil für die Kuhfütterung viel mannigfaltigere, z. Tb. inindei-werthige Stoffe und Kabrikationsrückstände verwendet werden. Die Puttermischung der tragenden Kuh muss daher eine oft radicale Umänderung des bisher verabreichten Putters erfahren. Sehr voluminöse Futtermittel, wie Kiibenschnitzel und Schlempe, müssen entsprechend vermindert worden, dies um so mehr, als jene landen Futtermittel über-
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*) Beim Mensohon zu diesom Zweck ompfohlon Atropln. sulf. o,(iO;i, Magnei raquo;ulf. 00, Intus. Gentian. 240. Alle 2 Stunden I Esslöffel,
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liaupt Stoffe enthalten, lt;lio raquo;Ich Stoffwechsel erheblioli und event, nach-
tlieilig Ix'oinflusson. Zusatz von eoneentrirten Kriiftf'uttermitteln wird or-förderlioh sein, um die nöthige Menge von Eiwelse /.n sicheren (Putterlaquo; kuchen). Heu ist daneben schon seines Kalkgehalts wegen nls gutes und unentbehrliches Puttennltte] zu betrachten.
Da das Heu In der Regel die Kalkzufuln1 hauptsächlich zu vertreten
hat, so muss durch Erfahrung oder Untersuchung seine genügehde Be-scrhaffenhelt festgestellt sein. Andernfalls tritt (siehe yg. 287) gerade bei Kühen Osteomaliieie oder ECnocheilbrUchlgheit auf, weil dieselben an dön Foetus und an die Müoh zugleich Kalksalze abgeben. In Jahren,
wo das Futter spärlich und die Qualität des Qraswuohses mangelhaft ist, fordert jene Krankheit in manchen Gegenden unter den tragenden Kühen so grosse Opfer, dass sie seuehenartisquot; aufzutreten scheint. Verbesserung des Kutters event, besondere Kalkbeigabe, was freilich bei Mangel an Mitteln oft nicht durchführbar ist, schafft Abhülfe, Dass der Foetus zur Blutblldung auch Elsen bedarf und ein blelchstichtlger Zustand der Mutter (auch beim Menschen) eintreten kann (vgl. pg, 288), ist bei der Fütterung der Kühe wohl noch mehr, als bei den Pferden zu beachten. Prophylactlsohe Heigaben Irgend eines Bisenpräparates in der letzten Hiilfte der Triichtigkeit sind eventuell gewiss am Platze: ob sie nöthig werden, muss die Beobachtung des Thieres ergeben. Massige Anwendung diätetischer L/axirmlttel (Glaubersalz) kann auch bei Kühen nicht schaden.
Hie Kuhställe sind häutig nicht so gut, namentlich nicht so geräumig, als die Pferdeställe; auch stehen die Kühe nicht von einander durch Zwischenwände getrennt. Umsomehr ist dafür zu sorgen, dass die tragende Kuh (event, durch Kiitlcrnung einer Nachbarin) genügend Platz hat, sieh bequem legen und von den Nachbarkühen nicht getreten oder ge-stosseu werden kann. Für die Kuh gilt auch wegen des häufigen Scheidenvorfalles besonders die Vorschrift, dass sie hinten nicht abschüssig liegen soll. Zugluft ist namentlich von der hochtragenden Kuh, besonders auch des Puters wegen, fern zu halten. Wenn die Kuh aus dem Stall herausgelassen wird, so hat das vorsichtig zu geschehen, so dass sie nicht fällt oder von anderen gedrängt wird.
Kleine Hausthiere.
Hei Ziegen wird Fiittening und Melken nach ähnliehen Gesichts-punkten, wie bei Kühen, zu regeln sein. Die Haltung der Schafe richtet sich nach den Verhältnissen des Herden- und Weide-Lebens.
Sauen kann man mit ihren bisherigen Stallgenossinnen bis 14 'rage
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vor der Geburt zusammen lassen. Erfolgt die Fütterung auf gemeinsamem
Futterboden, so muss dafür gesorgt sein, dass die Sau nicht ausgleiten und nicht gedrängt werden kann. Der Weidegang ist die zuträglichste Lebensweise für die tragende Sau *) und für die Entwicklung der Foeten; auch die spätere Mllohabsonderung wird dadurch auf das beste vorbereitet, während bei Stallhaltung Milchinangel nicht selten ist. Ist Weidegang nicht möglich, so nuiss für Bewegung in einem unge-pflasterten Schweinehofe gesorgt sein. 23 Wochen vor der Geburt kann die Sau höchstens noch auf ganz nahe Weideplätze getrieben werden oder bleibt im Hofe. Dann wird die Sau in einen geräumigem hlinzelstall (4 qm) mit guter Streu gebracht und in diesem allein gefüttert. Tägliche Bewegung ist auch dann noch nöthig. Der Stall ist täglich zu reinigen. Der Wärtor muss sich viel mit der Sau zu schaffen machen, damit sie eventuell bei der Geburt sich seine Hilfe gefallen lässt.
Die richtige Ernährung ist für die Aufzucht der Ferkel von entscheidender Bedeutung. Die Presslust nimmt während der Trächtigkeit zu. Das NälirstoftVerhältniss soll bei älteren Sauen 1 : 6, bei noch wachsenden 1 : ;V) sein. Gedämpfte Kartoffeln, Kühen, Möhren, Gerste, Hafer, Koggenkleie, Magermilch und sauere Milch sind am bekömmlichsten. Bei Abfüllen ist natürlich Vorsicht und Auswahl nöthig.
Hündinnen müssen Fleisch und Kohlenhydrate (Brot, Keis, Kartoffeln) erhalten. Die jetzt viel angewandten Hnndefutterkuchen sind in zweckmässigen Zusammensetzungen zu haben.
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Rohde: Die Sohwoinozuoht. -l. Auflage, Berlin isiraquo;-j.
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VIII. Thell.
Die Geburt.
Die Gtebnrt, Partus *), wird bei Tiiieron mit versohiedenen Namen bezeichnet; im allgemeinen als Werfen, bei (ion einzelnen Thierarten nach dem Namen des Products, Fohlen, Kaibon, Lammen, Ferkeln (Frischen bei der Wildsau von Prisohling). Die Hündin des Jägers wölftquot;, wie dies ancli die wilden Fleischfresser thuu: sonst sa^t man auch wohl hocken, wie vom Kaninchen. Die wilden Wiederkäuer setzenquot;.
Der Geburtsweg.
Der öeburtsweg ist genau genommen die Cervix uteri, die Vagina, und das Vostibulum. Diese Theile des Geuifalschlauchs aber sind im allgemeinen so dehnbar, dass von einer festen d. h. unnachgiebigen Wand nicht gesprochen werden kann. Ihre Dehnung ist dagegen begrenzt durch ihre äussere Umgebung; das sind das knöcherne Hecken und seine Welchtheile, Diese bestimmen daher thatsäehlich Form, Lage und Weite der Passage für den Foetus und bilden daher den Ge-burtsweg im gewöhnlichen Sinne.
Die Kenntniss dos Beckens bildet einen integrirenden Thell der Anatomie und die Geburtskunde ist dabei- nicht erst die Gelegenheit, sie zu lehren. Ich möchte namentlich bemerken, dass derjenige, welcher sich nicht am anatomischen Präparat eine feste Vorstellung von den
*) Parttis, us. tuaso, von paiio. Grleohtsob ö xfaoi, die Ueburt sowohl, als deren Product. Hiervon sind die UberflUaslgen Bozelchmingon Kutoclo, die Normalgcburt, und üystoclc, die Sohwergebnrt, abgeleitet. Parturltlo ist ftlolcli-bedontend mit partos, doch versteht man unter Partns mehr die vollendete
Thatsacho und sogar die Frucht selbst, unter Patturitio dagegen mehr den Vorgang der Uoburt.
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Beokontypen dor einzelnen Hausthierorten cuigeeltpnet hat, dieselbe niemals mit Hilfe der Angaben über Beckenmasse und derglelohen gewinnen wird.
Die Anatomie des Qeburtsweges muss also bekannt sein und gehört in das vorliegende Work nicht hinein. Ks mag jedoch, tlioils des alten Hnmuhs wogen, fhoils weil eine Repetition Immerhin Manchem willkommen sein iiiau', liier eine Zusammenfassung des praotisoli Bedeutsamen in aller Kiiiw neiioben worden.
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Das knöclicrno Beckenlaquo;
Das knöcherne Bocken besteht aus Boden, Dach und bei Thioren sehr laquo;nvollstiiiK%cu id. h. durch Wcichtheilo vervollständigten) Beltenwänden.
Dor Beckenbodon Ist überall vierseitig und zwar annähernd oin Paral-Iclogranim mit saglttalem Längsdurohmesser. Dor hintere Thoil ist olno solide Knoohenplatte, durch die Sitzbeine gebildet; dor vordere, Thoil outhält das verschiedon grosso Foranion obturatuni. Der vordere Rand, dor Peoten (Kamm), ist durch die Schambeine gebildet und gerade transversal; seine iatoralou Buden tragen die Beokeupfaune. Der hintere Rand, Areas pubis, auch hinterer Sitzbeinrand, ist stets vorwärts m, o. w. tief ausgeschnitten; seine lateralen Enden bilden die Tubora Ischladlca. Die Mittellinie dos Beokenbodens bildet die Sym-pliyse, d. Ii. die Voroiuigimg der boidou Beckenbeine. Die Vereinigung ist während der ersten Lebensjahre knorpelig; sie wird auch mit durch die Bandmassen vermittelt, welche unter der Syniphyse entspringen, sogar von einer Seite nach der anderen kreuüen und den Kinwärtsziehorn Ursprung gewähren. Die Thatsaclio ist wichtig, dass bei Wiederkäuern und Schweinen In dor Zeit, wo die Verwendung zur Zucht beginnt, noch jode Verkuöchoruug der Symphyso fehlt. Der hauptsächlichste Unterschied dor Beckenboden-Typen besteht darin, dass der Beckonboden hinter der Pfanne bei den einen eine Kbono bildet (Pferd), bei den anderen dagegen oiuo Längsmulde, die fast die Form einer Rinne bekommt, ludern die Seitouramlor dos ]!eckenb(idens aufgebogen sind (Rind, Schwein).
Das Bockondach besteht aus dem Kreuzbein, an welches sich seitlich die Dannbeiuschaufolnquot; im Kroiizdarmboingelenk (Articulatio saoro-ilica) an-schliesson. Das Kreuzhein wird hinten fortgesetzt durch den Schwanz. Die typischen Unferschiodo in Loge, Perm und Beweglichkeit dieses Daches sind sehr gross (sioho unten). Das K rcuzdarmboingelenk ist von allen anderen (iolonkon abweichend. Es ist oin straffes Gelenk, In welchem kaum fUr gewöhnlich Bowegungon stattfinden. Die Bewegungen, die es gestattet, können nur Verschiebungen zweier Bbenen an einander sein. Die llberknorpelten Gelenk-flächen besitzen nämlich koino iionuensworthon Wölbungen: sie sind oben. Am niacorirton Beckon ist die (Solonkflächo rauh und gegen ihre Umgebung kaum abgegrenzt, oft Überhaupt nicht ausgeprägt. Die ganze neben dorn Kreuzbein liegende Fläche der Dormbelnschaufel ist rauhnnd die G-elenkfläche verschwindet m.o.w. in diesen Rauhigkeiten ganz im Oegonsatz zu allen anderen (lolonk-(lachen, welche am niacorirton Knochen scharfe Begrenzung und Glätto zeigen. Alle jono Rauhigkeiten iu der Umgebung des Gelenkes sind zur Anheftung
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mächtiger Faserzügo bestimmt, welche in geschlossener Masse, am stärksten jedoch dorsal, das Gelenk Umgeben. Unzweifelhaft ist das Gelonk soiiior Form nach geeignet, oino Vorschiobimg des Kreuzbeins aufwärts zu gostatton, vorausgesetzt, dass die über ihm convergirendoii Darrabeinsehaufoln sich ansoinander-drätlgen lassen und dass die (ibriise Umgebung dos (jolcnkos sich nachgiebig zeigt. Bbenso kann eine Bewegung im (ielonk derart stattfinden, dass das cau-dale Krenzbelnendo sich aufwärts anhoben lässt. Die Beweglichkeit dos Golonks gewinnt übrigens hoi dor Schwangerschaft in Folge Dnrchfeuohtnng und Aut-lockoriing der Bänder (pg. 268).
Die knöcherne Seltenwand des Beckons ist bei denThlerenso unvoll-
ständig, dass man von einer Wand kaum sprechen kann. Von den Pfannen, also von don lateralen Enden des vorderen Bohambelnrandes gehen die Darmbeine säulenartig schräg aufwärts, vorwärts und verbreitern sich zur Darmbein-
schanfol. Diese bildet im ganzen und grosson ein Dreieck; ihro Basis ist nach vom gekehrt; der innoro Winkel (Tubcr sacrale) stellt eben das Kreuzdarmbein-gelcnk her, legt sich über dem Kreuzbein mit dem der anderen Seite zusammen und bildet den Gipfel der Kruppe; der äussere Winkel wird Hiifthücker (Tuber coxao). Die gimzc Schaufel fällt Überall von der Medianebene, dem tiipfol der Kruppe, schräg nach ausson zum Hüfthiicker ab.
Durch die Schambeine, Darmbeine und das Kreuzbein entstellt somit ein knöcherner King, der Bockoneingang (auch wohl Eingang in das kleine Becken genannt), Die Darmbeinschaufeln liegen in der Hauptsache vor diesem Ring (sogen, grosses Becken). Der King wird gebildet durch das Proniontoriuni (d. b. den vordersten Punkt dor ventralen Fläche) des Kreuzbeins, die Kreuzbeintliigol (mit den Kreuzdarmbeingolenken*) die Darmbeinsäulen und den vorderen Schambein-rand. Dieser geschlossene Knochenring ist fest und könnte mir zwei nachgiebige Funkte haben; da, wo seine Glieder zusammenschliossen. Das ist die Sympbyse, falls sie noch nicht verknöchert ist, und das jederseitigo Kreuzdarm-beingelcnk. Der ganze Knochonring ist bei allen Thleren schräg gestellt, insofern als das Fromoutorium stets weiter nach vorn liegt, als der Schambein-rand. Es bestehen aber eben dabei die weitgehendsten und bedeutsamsten Unterschiede.
Aussei' an diesem Kuoclienring, dem Beckeneingang, existirteine. knöcherne Seltenwand überhaupt nicht bozw. nur insoweit, als die Seltenränder des Becken-bodens sieh über das Niveau der Sympbyse aufbiegen. Dies ist zwar überall der Fall an den Pfannen (d. b. dicht hinter dem Beckeneingang) am hinteren Theil des Bockenbodons jedoch nur bei gewissen Typen (siehe oben).
Der weibliche Beckentypns lässt sich Im allgemeinen so charakterl-siren: Alle Masse dos Binncnraums sind weiter, alle Formen schlanker, allo Bänder ausgerundet und geglättet, demnach auch alle Erhabenheiten, welche etwa in don Bockonrnuni hineinragen, abgellacht oder verschwunden. Das Krouz-darnibeingolenk und die dasselbe umgebenden Bandmassen werden bei einer Schwangerschaft durchfeuchtet, aufgelockert und viel beweglicher.
*) Das Gelenk liegt da, wo die ,.Darmbeinsäiilequot; in den medialen Theil
der Danubeinsohaufel' übergeht.
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Die Yerscliiedoiilieiten der weililiclieu Haustliier-lteclcen.
St u to.
Das Stutonbeckon ist, vom Standpunkt (lor Golnirtsmocliiinik aus bc-tiaehtct, sohr günstig veranlagt. Dor Bockenbodon ist breit und so gut wie ganz eben. Es liegt fast horizontal, ein wenig nach vorn geneigt. Er ist vorn etwas breiter als hinten. Dafür aber hat der Beokonboden hinter der Pfanne gar keine soitlicho Einfassung; die Soitenrämlor liegen in\ Niveau der Mittellinie. Die den hinteren Band tlankirenden Sitzboinhöckor sind weit nach ausson gestellt. Der Beokeneingang ist ein schön gerundetes Oval, das sich dorn Kreise nähert. Der Quordurcbmosser ist im oberen Tlieil etwa ebenso gross als der vertikale Durchmesser, im unteren
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Fig. 24. Stutenbooken (Hediansobnitt),
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Theil zwischen den Pfannen dagegen kleiner. Die Pfannenpartieen selbst kon-vorglren noch etwas nach hinton, sodass dor Quordurchmesser zwischen den hinteren Thellen dor Pfannen noch um etwa 3 cm kleiner wird.*) Das Pro-niontorium ist ganz abgeflacht, der Poeten stark coneav. Kino Verticalo, im Mittelpunkt des Pccton errichtet, trifft den 4. Kreuzwirbel. Das heisst also; die Darnibeiusäulen und mit ihnen das Krouzbeingolcnk sind weit nach vorn geschoben. Senkrecht über dem Poeten liegt fast das Ende des Kreuzbeins. Das letztere ist aber ein vollkominon uompaoter breiter Knochen.
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*) Kür die Geburtshülfo dürfte diese Verengerung keine wesentliche Ko-doutung haben, da die Pfannonkämnio hier nur niedrig sind, so dass breite Durchmesser des passirendon Foetus nicht in ihr Boreich fallen bezw. nach oben ausweichen koniion, WO dorsal schon der gann bewegliche Schweif und lateral die welchen Beckenwände liegen.
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801
Kuh.
Die Kuh hat von allen Hausthiorou das ungünstigste. Beckon. Sein Hoden gleicht einem tief einge.schnittoneu steilbonligon Hohlweg, der noch dazu im hinteren Theil ganz unvermittelt in eine steile Steigung übergeht. Die Mittellinie ist also eine gobrochono Linie, vorn horizontal, hinten schräg aufwärts gerichtet mit einer Steigung von beispielsweise 7 cm auf 5 der liorizontalen Uinge. Von der Mittellinie aus hobt sich der Heckenbodon seitwärts bis 12 cm iiher dets Niveau der Mittellinie empor (nach dem hinteren Rande zu wird der Untbrschiod weniger gross). An der Abbildung ist das sehr grosse Foramen ovale im vorderen horizontalen Theil dos Hockenbodens von der Seite her völlig zu übersehen; es liegt also mehr lateral als ventral in Folge der seitlichen Auf-krümmung des Heckonbodens. Der ganze Beckonbodon bildet somit eine tiefe Rinne, die fast einen halben Cylinder darstellt. Der Beckeneingang
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Kilaquo;. '.Tj. Booken der Kuh.
ist ein weit schmäleres Vertical-Oval, als bei der Stute; der Pecten ist weniger conoav. Die auf dem Pecten errichtete Vertieale trifft die hintere, aber voll-komnion feste Hälfte des Kreuzbeins. Das Kreuzbein ist übrigens vontral-cou-cav, di h. es biegt sich hinten abwärts. Der Pfatmenkamm ist sehr hoch und erstreckt sich lang nach hinten. Br reicht aufwärts über die halbe Entfernung zwischen Symphyso und Kreuzbein hinaus. Aus alle dem folgt, dass die Kuh einen ungünstigen Beekenoingang und bis zur halben Höhe des Beckenraumes in dessen ganzer Längo eine knöcherne Soltonwand hat. Hemorkt muss noch worden, dass der Arcus puhis einen tiefen Ausschnitt bildet, welcher weit In die Symphyse vordringt und zwar am jugendlichen Hecken weiter als am alten.
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Schaf.
Das Schaf- (und Ziegen-) Becken weicht von dem der Kuh erheblich ab. Der Heckenbodon bildet zwar auch eine Mulde, die aber breiter ist, weniger steile, Pänder hat und vor allem im hinteren Theilo gar nicht ansteigt. Die
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803
Mittellinie ist also koine gebrochene, wie beim Kind, sondern eine gerade und sogar nach hinten absohUsBlge. i)io soiir langen Darmhelnsfialen geben sein' weit
vorwärts. Dor Bockcnuingang liegt daher sehr eohräg und die Seakreobte auf dem Peoton trifft das liintore Ende dos Kreuzbeins; Hanns giobt in der älteren Autiagu seiner BGebnrt8hilfe' sogar au, sie treffe die ersten Schwanz* wirbcl. Ob letzteres immer der Kali ist, lasse icli dahingestellt: vielleicht ist
dies auch piactisch nicht so bo-doutsam. Denn es ist vor allem
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darauf hinzuweisen, dass dieses hintere KreuzbelnstUok gegen das vordere, wenigstens bei jüngeren Thieren, vollständig beweglich ist. Von einer so vollstiindigon Vor-Schmelzung der Kreuzbeinwirbel wio bei Pferd und Rind, ist nicht die Kode. Es besteht zwischen dem :gt;. und I. Kreuzwirbel ont-weder ein Gelenk oder eine Syn-choudrosc von einer Beweglich
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keit, wie etwa am Ansatz dos
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Kig. 26. Beoken dos Sohafe
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grossen Zungeubelnastes besteht.
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Dor schriigo Rockeneingang bildet ein Oval, Dio Breite desselben ist aber so bedeutend, dass sie der vom Poeten zum Kreuzbein gehenden Verticaleu gleichkommt; d. h. hier ist der verticale Beckondurobschnitt ein veritablor Kreis. Die Voiiiältnisse sind somit alle für die Geburt mindestens so günstig wio beim Pferde.
Bohwei 11.
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Von der Ausscnseito gesehen, ähnelt das Schweine-Becken dem EUnds-Beoken vielmehr, als das Becken der kleinen Wiederkäuer das thut. Der Pfaimcnkamm ist ebenfalls sehr hoch, der äussere Sitzbeinast hoch über dem Niveau der Sympbyse erhaben, so dass das
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Foramen ovale von dor Aussen-
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Plg,
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Boolcon döfl Srhwoinos.
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solte zu übersollen ist. Dio Darm-
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beinsäulen liegen sehr schräg vorwärts und fast der Sympbyse parallel. Das Schwein hat also ebonfalls einen muldenförmigen Beckonboden. Die Mulde ist aber breiter, die Sitzboinhockor stehen Wolter auseinander als bei der Kuh; der Sitzbetnaussohnitt geht nicht bloss weit in die Sympbyse hinein, sondern ist auch broit. Der Bockenboden bildet auch keine gebrochene Fläche, wio beim EUnd, sondern ist geradlinig. Der Beckeneingang liegt auch hier sehr schräg vorwärts geneigt und die Verticale auf dem Poeten trifft den .'i. oder
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lt;
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t. Ki-iMizwirhui. Dabei ist das Krouzbelii ganz elgouartlKi donn 98 bolaquo; .stoht. von gansi alten Tliioron alijiosehcii, Überhaupt nielit aus einem Stück. Die Wirbel, von ilonon sieb zwei imi Kmizdarnibom^olonk betheillgeni sind Überhaupt nicht versohmolzenj die letzten beiden (deren Gestalt einen ganz allniftbliohen Uebergaug au den Bohwonawlrbeln bildet^ sind ^anz bewegllob. Der Beokenelngang ist ein Oval, aber dessen Hroitondnrchinesser ist, wie beim Sebaf, der senlcrochton Entfernung dos Kreuzbeins vom l'eoten gleloh. Der vortiealc vordere Beckond nrchsclinitt ist mitbin ein Kreis. Die Vorlmltnisse sind also aueb beim Solivvein günstige.
11 lind. Die Seitenrttnder des Heckenbodens sind im vorderen Tboil ebenfalls etwas aufgezogen, Nacb hinten zu welchen sie auseinander und werden oinschliesslich der Sitzboinböcker ganz flach; der Bockenbodcn erweitert sich also caudal. Der Hund hat bekanntlieh ein ganz kurzes Kreuzbein und die Yerticalo auf dem Pecten trifft daher auf Scb wanzwi rbel. Der wenig sohramp;ge Beokenelngang ist beinahe kreisförmig. Der verticnle Durchmesser übertrifft den transversalen nur ganz wenig. Dieser schräg geneigte Vortical-Durchmesser ist zugleich kleiner oder doch nicht grosser als die Vertlcale auf dem l'ecten, da das Kreuzbein vom Gelenk nach liinton sich botriicbtlich hebt. Im Gegensatz zu allen anderen Thieren ist also der am wenigsten nachgiebige schräg geneigte Bockeneingang enger als der vertikale Durchschnitt dos Beckenraunios und Jedenfalls die schwierigste Passage. Das Kreuzdarmbeingelenk ist übrigens sehr beweglich.
Die Woiclitheilc am Itcckcn.
Unter das Promontorium dos Kreuzbeins ungcfäbi' fällt die Theilung der Aorta In die AA. iliacae oxternao (Schonkelartorion) und die AA. hypogastricae (Beckcnarterlen). Die AA. Iliacae rahmen seitlich den Bockeneingang ein und gehen bekanntlich vor dem Scliambeinrand, dicht medial neben dem Pfannengelenk, in den Schenkolkanal. Ihren lateralen Hand bogleitet jederseits der M, iliopsoas.
Der scharfe Pecten (vordere Scbaiubolnrand) erhält bei Pferd und Kind, in. o, w. auch bei den anderen Thieren, eine förmliche Polsterung, welche ihn sowohl von vorn, als von oben her bedeckt. Die Bauchmuskeln hofton sich nämlich nicht direct am Sclminbeinrand au. ihre Anhot'tuiig erfolgt vielmehr an einer dicken Qnersehno (Tcndo poctinens transversus), welche von einer Bml-nentla lllopectlnea (Sobambeinhöcker) quer zur anderen zieht. Da nun diese Erhabenheiten ebensowohl nach vorn hervortreten, als höher liegen wie die Mitte des (concavongt; Pecten, so rauss Jene Qaersehne sich wie ein Kissen sowohl von vorn als von oben her auf den Knoelienrand legen. Dies gewinnt Bedeutung, wenn man bedenkt, dass bei den Hansthiereu der Foetus von der Bauchhöhle aus in die Bockcuhöhle über den Pecten, wie über eine Treppenstufe hinweg, getrieben wird (vgl. pg. ;i:il).
Die Seltenwand der Beokenböble besteht hinter der Darmbeinsäule (soweit sich nicht der Heekonboden aufbiegt) nur aus Weichthoilen.
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Xiinaclist wird sic abgcsclilossen von dorn, boi Pferd und Kind sohl' voll-stundifrim, breiten Bcckonband (Liganiontum sacro-spinosum et tuboi'osum), wolobes vom Soitoni-and dea Kreuzbeins /um Soitenrand des Beckonbodens (Pfannonkanim und Sitzbein böcker) herabzieht. Dasselbe ist stark und straff, wird aber vor dor Oobiirt weich und nachgiebig (pg. 268), Diosom Bande liegen aussen die Kruppenmuskoln auf, d. li. aussei' dorn hinteren Rand der (ilutaoon namentlich dor Biceps und dor Seinltendinosus. Diese Mnskohi bozw. die sie aussen überziehende Fascia glutaoa sind durch Zwischennniskelbänder etc. fest mit dem breiten Beekonbanrte verbunden.
Der Beckenausgang.
Der Ausgang der Beckenböhle liegt über dem hinteren Sitzbeinrand, bat über sieh den Schwanz und ist im übrigon lediglich von Woicbtheilon begrenzt. Diese Begrenzung wird zuniiebst gebildet dureb den hinteren Kand des breiten Beoken-bandes (siebe oben), welcher von der Schwoifwurzol zum Sitzboinhockor {Tuber iscbiadicuin) hinzieht, sowie von derail das Band hier anschllessendcii Muskulatur. Der Muskelanschluss ist etwas verschieden. Beim Pferde geht aus dem hinteren Rand des Bandes der obere Kopf des Semimembranosus hervor, der über den hinteren Sitzbeinrand herabzieht. Der Beckenansgang ist hier ein handbreiter Spalt zwischen den beiderseitigen Seniinienibranosi, dessen binden am Schwanz bzw. am Sitzbeinhöcker liegen. Beim Wiederkäuer entspringt der Semimembranosus am Sitzbeinhöcker selbst, kommt aber bei dessen hoher Lage ebenfalls dem Schwanz näher. Von der Innenfläche dos Bandes entspringt der breite Soit-wärtszioher des Schweifes, der den Beckenausgang neben dem Alter begrenzt. Der Beckenausgang liegt oben weiter nach vorn, als unten.
In jedem Falle ist die seitliche Begrenzung dos Beckonausgangos eine liganientösrausculösc, deren nothwomligc Dehnung zwar nicht ohne Widerstand erfolgen, ernsthafte Schwierigkeiten über nicht machen wird.
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Inhalt des Beckens.
im Binnenraum des Boekens Hegen .'i Organe etagenftfrmtg übereinander; Der Mastdarm, der Qenitaisohlauoh und die Harnblase. Mastdarm und Harnblase bedürfen, wenn sie leer sind, nur eines minimalen Baumes, lassen sich jedenfalls so znsammenquetachen, dnss dem Qenitaisohlauoh der Binnenraum des Beckens so gut wie allein gehört
Deshalb lliulet auch beim Herannahen der Geburt Entleerung dos Mastdarms und der Harnblase statt. Pur orstero muss man eventuell Sorge tragen: letztere wird stets unter der mechanischen Druckwirkung des durch die Stollwehen stossweiso vortreibenden und in den Wehenpausen wieder etwas ziirückwoiclienden Foetus erfolgen. Wenn aber die Harnblase, sich entleert, so muss sie sich zusammenziehen und wenn sie sich zusammenzieht, so liegt sie ganz auf dem Bockenboden an dessen tiefster Stolle. Dass die auch nur halbwegs entleerte Harnblase über den vorderen Schainbeinrand hlnwcgreichen und gar In dio Bauchhöhle hängen könnte, Ist unmöglich. Es ist daher auch nicht anzunehmen, dass sie bei der Geburt sich in dieser Stellung beflndot. Wenn slo sich vielfach auf Abbildungen einer im Gange betindlichen Geburt so gezeichnet findet.
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so ist das nicht richtig. (Boim nicht gobiiromlon, wenn auch hoohtragcmlon, Thior, kann sie natürlich vor dorn Schanibeinrand lierabliiingen; sielio den Go-l'riorsclinitt pg. B82.)
Das Biiuchfell Hütet als Hlindsaek in die Beckenhöhlo hinein und um-hiillt dabei die genunnton Organe. Dia hintere Wand dos Banchfellblindsaekos erreicht aber nicht den Bockenausgang. So bleibt ein rotroperitonoalor IJauni, in wolchoin die Organe des Bauchfollüberzuge.s entbehren. Dieser Kaum ist von massenhaftem Bindegewebe ausgofiillt. Die Uesamnitheit dos in der Umgebung des QenUalsohlauobe liegenden Bindegewebes bezeichnet man alsParamotrium*). Dieses Bindegewebe unihiillt namentlich ancli die zum Uterus gellenden Go-fiisso und erstreckt sich daher von hinten und oben her auch zwischen die serösen Platten der Ligamonta lata (breiten Mutterbiindor) hinein. Es wäre nicht unpraktlsoh, die hintere Wand des Bauchfellsackos, welche den Beckenrauni in oino vordere intraperitonoalo und in eine hintere retroperitoneale Abtheilmig scheidet, als Diaphragma pelvis zu bezeichnen. Dies würde jedoch dem Diaphragma pelvis des .Menschen nicht entsprochen, wo man mit diesem Namen im 'wesentlichen die den Beckenansgang absohllessenden Tbelle belegt.
Der Beckenausgang wird ausgefüllt vom After oben und von der Vulva unten. Letztere liegt bald nach vorn eingezogen, also vorwärts vom unteren Sitzbeinrand, bald liiingt sie hinter demselben mit ihrem unteren Winkel herab. Der After liegt senkrecht über der Vulva (Stute) und zugleich über dem Sitz-beinrand oder weiter nach vorn eingezogen (Kuh), so dass dann die Vulva mit ihrem oberen Winkel weiter vorn (unter dem After) liegt, als mit ihrem unteren Winkel (am Sitzbeinrand).
Indem sieh die hintere Wand des Bauchfcllsackes von der Seitenwand des Beckens auf den Uterus umschlägt, verbindet sie diesen mit dem breiten Beckenband. Das rarametrium bethoiligt sich an dieser Verbindung. So ist es erklärlich, dass ein auf den Uterus geübter Zug auch auf das breite Beckenband und die ihm ausson aufliegenden Muskeln wirkt (vergl. Einfallen vor der Geburtquot; pag. 816).
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Die für die Oeburt wichtigen Eigenschaften des Hfeckenramiies.
Dor Eintritt in den Geburtsweg.
Der Eingang in die Bockenluihlü ist ein geschlossoner Knochon-riug, welcher bei allen Thiercn oben seliriig nach vorn geneigt ist. Dieser Knocheiiriug ist natürlich der unnachgiebigste Theil des ganzen Beckenraumes.
Bin Nachgeben wäre nur bei jungen Thiercn an zwei Punkten möglich: Einmal könuto die theils knorpelig, theils sogar fibrös geschlossene Symphyse auseinander weichen. Andrerseits könnte das Kreuzbein im Kreuzdarmbelagelenk etwas aufwärts verschoben werden,
*) Dieser Sammelname ist gewählt, weil man alle entzündlichen Prozesse in dor Uiugcbung dos Uterus als Paramotritis practisch zusaminonfasst.
Schmaltz, GnselilochtKlobcn.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 20
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was ela eutspreoheudes Ausoinaiuleniiängeu der Inneren Darmbeinwlukel
y.nr Folge liabcn miissto. Ob dies geschielit, lasse icdi dahingestellt, aber die anatomische Möglichkeit liegt vor (vergi. pg. 200 u, 811).
Der vertikale Durchmesser dieses Eeckeneinganges geht schräg vom vorderen Schanibcinraud oder Pecteu nach dem weiter vorn liogen-den Promontorium ties Kreuzbeins (vergl, Abbildung i)g. 800). Er 1st daher überall länger als die Vertloale, welche auf dem Poeten errichtet wird und einen weiter hinten liegenden Punkt des dem Beokenboden etwa parallelen Kreuzbeins trifft. [Nur beim Hund ist das nicht so, weil liier au der Stelle, wo die Pecten-Verticale das Peckendach trifft, dieses viel höher liegt wie das Promontorium des Kreuzbeins, pg, 808.]
Nun ist klar, dass dor Foetus vertical unter dein Promontorium überhaupt noch keinen Widerstand trifft, da er hier also vor dem Pecten unter sich die Bauohdecken hat. Der Fngweg beginnt erst, wenn er die Sehwelle des Beckenbodens, nämlioh den Pecten überschreitet im l jetzt zwischen festen Hoden, festes Dach und feste Seitenwünde (Pfannentheil des Beckens) eindringt.
Demnach ist die erste schwierige Stelle gar nicht der schräge Beckeneingang, sondern der Querschnitt des Heckoncyliuders über dem Pecten, dessen Höhendurohmesser die schon erwähnte Pecten-Verticale ist. Nennen wir diese verticalc Ebene den P ecte n-Q uerschn itt dos Beckens. Die Geräumigkeit und Forin des Beckeneinganges ist nur insofern von Wichtigkeit^ als sie die Form des Pecten - Querschnitts booinftusst.
Es kommt demnach auf die Durchmesser und die Erweiterungsfähigkeit nicht des schrägen Beokeneingangos, sondern des Pecten-Querschnittes vom Becken in erster Linie an.
Dabei wird unsere Aufmerksamkeit sofort gelenkt, auf die Beweglaquo; lichkeit des Kreuzbeins, die hier in doppelter Weise sich äussern kann, nämlich durch Bewegung des ganzen Kreuzbeins in seinem Dannboin-gclenk und durch Beweglichkeit der Kreuzbeinwirbel gegen einander. Im Kreuzdarmbeingelenk kann eine Bewegung stattfinden (um eine transversale Hewegungsaxe), durch welche das Kreuzbein hinten gehoben wird. Ein Druck von unten durch don Foetus gegen den hinteren Theil des Kreuzbeins wird also diese Bewegung bewirken können.*) Jeder
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*) Boira Rind ist die Bowogliclikcit des Krcuzciarnibcin^clenkos grosser als beim Pferd; das Kind ist also hierin im Vortheil. Die Bewegung dos Gelenks ist zu boobachton. Dass es event, hart in Anspruch genommen wird, zeigen
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weiter iincli hinten liegende Funkt des Kreuzbeins beschreibt dabei natürlich einen grössoron Wcp;, als jeder dem Gelenk näher liegende I'imkf. Wenn also die Pccton-Verticalo das Kreuzbein möglichst weit nach hinten trifft, so wird bei der Hebung des Kreuzbeins die Verticalc einen um so grösscreu Zuwachs erfahren. Deshalb ist die Höhe des Pecten-Quersohnittes um so erweiterungsfähiger, je weiter nach vorn das Promontorium und je schräger der Boclcenoingang liegt.
Peirn Pferd und Kind ist das Kreuzbein ein einziger compacter Knochen. Nicht so beim Schaf und noch weniger beim Schwein. Hier ist der hintere Kreuzbeiuabschuitt auch noch gegen den vorderen beweglich; es addiron sich also zwei Be\vegungsmöglichl;eiten. Demnach ist bei diesen Thicren die bedeutende Schrägheit des Beckeneinganges von doppeltem Voitheil, weil deshalb die Peclen-Verticale den hinteren, doppolt beweglichen Theil des Kreuzbeins trifft. Beim Hunde endlich ist das Kreuzbein so kurz, dass die genannte, Vcrticale schon die Schwanzwirbel trifft, die vollkommen beweglich sind.
Betrachten wir den Baum des Feoten-Querschnittes in der Breiten-ausdohuung, so zeigt sich dieselbe überall bestimmt durch den Abstand der Inncntlächen der Pfannen von einander. Dieser Abstand corre-spondirt mit der Breite des Beckeneinganges, die insofern also in Frage kommt. Doch zeigt das Pferd einen kleinen Nachtheil deshalb, weil der Pfannenabstand dem grössten Querdurchmesser des Beckeneinganges nicht entspricht and die Pfannen nach hinten etwas convergiron; dafür aber ist der Querdurchmesser an sieh breit. Bei allen anderen Thieren ist der Pfannenabstand dem grössten Querdurchmesser so gut wie gleich und die hinteren Sitzbeinäste (d. h. die hinteren Theile der Pfannen) sind parallel.
Kino Erweiterung in die Breite wäre nur möglich durch Auscin-anderweiehen der Symphyse. .
Zusammenfassung.
Der Eintritt in den festen Geburtsweg ist mit dem schrägen Becken-cingang nicht gleichbedeutend (oxel. beim Bunde), der Eintritt findet vielmehr statt in der durch den Poeten gelegten Segmentalebcne (= senkrechtem Querschnitt). Der Höhendurchmessor dieser Ebene, die Pecten-Verticalc, ist zwar bei allen Thieren kleiner als der schräge Höhendurchmesscr des Beckeneinganges. Dieser Durchmesset ist aber
auch dio Folgen. Nach do Bruin sollen viele Fülle von Festliegen nach der Ooburtquot; durch Scliiidigungcn dieses üelonkes zu Stamlo kommen.
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bei der Geburt vergrösscruugsfäliig durch die Hebung des Kreuzbeins und zwar um so mehr, je weiter nach hiuten er das Kreuzbein trifft. Dieser effective Höhondurchmesser ist daher am trocknen bzw. auch am lebenden Becken nicht genau zu ermitteln, weil seine Vorlängeruiig während der Geburt nicht zu messen ist. Die Krweiteruugsfäliigk-eit ist bei den kleinen Thieren am griissten.
Der Breitendurchmesser wird bestimmt durch den Pfanneiiabstaml (d. h. den Abstand der Iimcnflächen der Pfannengegend), ist bei allen Thieren kleiner als der Höhendurchmessor und überdies nicht so, wie dieser, vergrösscrungsfähig. Derselbe ist beim Pferd günstig, jedoch nicht ganz so, wie es nach dem griissten Querdurchinesser des Beckon-einganges scheinen könnte. Beim Rinde ist er relativ schmäler, bei den kleinen Wiederkäuern und dem Schwein am günstigsten.
Beim Hund ist der nicht erweiterungsfähige Beekeneingang niedriger, als der erweiterungsfähige Pectenquerschnitt des Beckens, bei gleicher Breite. Hier wird also gegebenen Palis wirklich der Beekeneingang die schwierige Passage bilden.*)
Der Beckenkanal.
Der hinter dem Peeten - Querschnitt liegende Wog durch die Beckenhöhle selbst ist nach oben und nach den Seiten erweiterungsfähig. Das wichtigste ist hier die Form des Beckenbodens. Das durch Kreuzbein und Schwanz gebildete Dach lässt sich heben, die breiten Beckenbänder sammt den Muskeln geben seitswärts nach. Wo der Beckenboden aber schmal und ausserdem an den Seitenrändern aufgebogen ist, bleibt der Weg enger. Dies ist der Fall namentlich beim Rinde, während bei Schaf und Schwein der Ueckenboden zwar auch seitlich aufgekrämpt aber relativ breiter ist. Beim Kinde kommt noch als ungünstiger, mindestens sehr zu beachtender Umstand hinzu, dass der Beckenboden eine Einknickung erfährt, indem er hinten steil ansteigt.
Die Heckenachse und Beckendurchmesser.
Die Beokenaohe ist diejenige Längslinie, welche überall gleichweit von allen Beckenwänden entfernt bleibt. Sie heisst auch Führungs-
') Beim Menschen bat der Hcckoiicingang die Form einer quergestellton Ellipse (wie der Thorax); daher ist sein kleinster Durehraosser, der vertikale, Conjugata genannt worden. Beim Thier ist der Beekeneingang durchweg vor-sehniiilert (ebenso wie der Thorax). Er hat daher die Form eines Vertical-Ovals; um so mehr, je sdiräger er ist. Beim Pferde und Hunde ist dies weniger der Fall; hier nähert er sich der Kreisform (vgl. pg. ;5Ü0).
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liuie, weil man die Längsaohse des Foetus bei der Zugimlcivstützung während der Geburt in dieser Linie führen muss.
Allerdings (lecken sich beide Begriffe nicht gansi, da die hTihrungslinie zugleich die Richtung bezeichnet, in welcher der Foetus über den Pecten in die Beckenhöhlc hineingoleitct werden soll. Dabei ist folgendes zu beachten: Der Foetus muss zwar immer über den vorderen Scham-beinrand, wie über eine Schwelle, horiibergesehoben worden, üb er aber dabei steil aufwärts steigt, das richtet sich nach der Lage des Uterus zum Beckenboden. Der Uterus hängt vor dem Schambeinrand in die Bauchhöhle hinab; am liegenden Thier verändert sich aber diese Lage und der Uterus braucht dann gar nicht soviel tiefer, als der Beckenboden, zu liegen.
Die Beckenachse lässt sich nicht am knöchernen Becken allein ermitteln, sondern es kommt natürlich darauf an, wie das Bocken im Tliier-körper gestellt ist.*) Die Beckenacliso ist bei allen Thieren eine gerade Linie, mit Ausnahme des Rindes, wo sie dem Beekenboden ontsprechend im hinteren Theil stark ansteigt. Im allgemeinen liegt sonst der Beekenboden horizontal; bei der Stute etwas vorwärts, beim Schafe (Ziege), Schwein und Hund dagegen caudal geneigt.
Hiernach erglebt sieh: Wenn es gilt, den Foetus über den Becken-eiugaug zu leiten, so wird die Führungslinie stets etwas aufwärts gerichtet sein; wieviel, das hängt von der Stellung dos gebärenden Thiores ab. Xach dem Eintritt in das Becken geht die Filhrtingslinie (jetzt = Beckeuaehse) bei der Stute, dem Schafe, dor Ziege und dem Hunde grade aus und beim Austritt abwärts gegen den unteren Sehamwinkel.**) Beim Rinde dagegen, wo der Beckenboden hinten steil ansteigt (wo sich übrigens auch die Schamöffnung etwas aufwärts kehrt), geht die Führnngslinie beim Austritt aus dem Becken wieder aufwärts.
Die Heckenachse ist die wichtigste Linie im Becken. Ausserdem hat man noch zahlreiche Linien und Ebnen zu Zwecken der theoretischen Pelviinetrie (siehe pg. 312) construirt. Ucber die scbrägliegende Ebne des Beokeneinganges ist oben schon gesprochen. Ihr Höhendurch-
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*) Vom Rindsbeoken ist wegen Nichtbeachtung' dos natürlichen Lage-Verhältnisses sogar in anatotnlsohen Handbttohorn eine ganz falsche Besohrelbnng
gegeben worden.
'*) Boziigl. der Stuten vergleiche auch pg. ;]S7. Der Beekenboden steigt allerdings ein kloin wenig nach hinten an, aber das Kreuzbein senkt sich zugleich schwanzwiirts etwas; deshalb bleibt die durch die mittleron Hühcpunkto gezogene Linie eine horizontale.
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mcssci' lieisst (vom Menschen geuomineii) dio Conjugata vern. -Man liat aueli mehrere Querdurohmesser ooustrulrt; Frank 8, St. Oyr-Violet 2; Letztere sind die practisehoren, merkwürdigerweise aber von den Autoren anatomisch nicht gentlgend festgelegt. Der obere und ZQgleioll }i'rösste(v)uer-durchmesser liegt zwischen den obersten GefiiKsmincn der Darmbeine. Der untere liegt zwischen den rundlichen Gruben, in denen der M, roctus femoris entspringt. Dieser untere Querdurchmesser ist kleiner und insofern wichtiger, als er zugleich den inneren Pfannenabstiind bezeichnet (ausgenommen beim Pferd, vgl. pg, 307).
Wiepg. 806 gezeigt, ist für die practisoheGeburtshllfe nicht die Conjugata vera die massgebende Pinie, sondern die auf der Mitte des vorderen Schiun-beinrandes errichtete Senkrechte, die Peetcn-Verticale , welche sich bei der Geburt durch Kreuzheinhebung verlängert. Die auf dein Poeten senkrecht stehende Durolisohnitta-(Segmental-)Ebne des Beckens hatte ich der Kürze halber den Pecten-Quersohnitt genannt. Sie zeigt die Durchmesser der eigentlichen Beckenhöhle (des kleinen Beckens). Der Höhen-durchmesser ist die erwähnte Peeteu - Vertieale. Von einem oberen Querdurchmesser kann man überhaupt nicht sprechen, da der obere Theil des Pecten-Querschnitts schon hinter die Darmbeine fällt und eine knöcherne Begrenzung nicht besitzt. Der untere Durchmesser liegt zwischen den Innenflächen der beiden Pfannen, und ist gleich dem unteren Durchmesser des Beckeneinganges. Nur das Pferd macht eine Ausnahme, weil die Innenflächen der Pfannen nach hinten etwas convorgiren (siehe pg. 307). Dafür hat beim Pferd der längere hintere Theil des Beckenbodens überhaupt keine seitliehe Knochoneinfassung. Bei denjenigen Thieren aber, bei denen der Beckenboden seitlich aufgebogen ist, bleiben die Seltenränder parallel, der erste Querdurehmesser also wie der letzte. Deshalb hat es auch gar keinen Zweck, answer dem practisch bedeutsamen Peoten-Querschnitt noch andere, weiter mich hinten liegende Ebnen zu construiren.
Das Wesentliche sind also die Beckenachse und die Masse des Peoten-Querschnittes, d, h. der auf dem vorderen Schambeinfand senkrecht stehenden Ebne.
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Das jungfräuliche und das iniiltorliclic IJeckon.
Das wciblicho Beckon ontwickolt sich zu anderer Form als das miinnliche. *) In gewisser Welse prägt sich der weibliche Character schon aus zur Zeit der Pubertät (vgl, pg. (i u. p^. 0!)), aber doch nur In beschränkten! Masse. Der
') Die Gründe dieses gesohleohtllohen Formenuntersohiedes sind auch beim Mensobon noch nicht genügend klargestellt, wenn man anders diese Gründe nicht
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au
weibliche Character tritt (freilich bei Thlercn lange nicht so deutllob, als boini Menschen) vioi schftrfor hervor, sobald dns Indlvldunra Mutter geworden iraquo;t.
Dies -weist (loch darauf hin, dass gerade durch die erste Schwangerscliuft bozw. Geburt noch weitgehende Verändernngen bedingt werden. Dafür sprechen auch noch andere ümstttnde, Die Beokonforra richtet sidi z. B. nicht nach den Lebensjahren, sondern beim Ausbleiben dor Schwangerschaft bleibt das Becken anscheinend dem jungfränlloben ähnlicher. Die späteren Gobiirtcn pflegen ferner viel leichter zu sein, als die erste. Wie will num das erkliiron? Damit, dass der Widerstand der Welchtholle ein so viel gröfiserer gewesen und nun ein für allemal überwunden sei, mindestens nicht allein. Der viel widerstandsfähigere Knoohenweg muss doch spater ebenfalls den Durchtritt leichter gestatten; demnach muss er sich verändert haben.
Dies alles führt zu der Frage, ob nicht die erste Geburt im Becken Veränderungen bedingt, welche bleibende werden. Dies kann natürlich nur dann der Kali sein, wenn das Bocken noch ein jugendliches, wachsendes und niclit in allen Thoilon verknöchertes ist eine Voraussetzung, die bei den Hausthlcron, wenigstens Widerkänern und Schweinen, In der Regel zutreffen ,wird, Um diese Frage zu entscheiden, miissteu freilich Untersuchungen angestellt werden derart, diiss die Beokenform desselben Individuums vor der ersten Schwangerschaft und nach der ersten Geburt genau ermittelt wurde, was so leicht nicht Ist. Aber eine grössore Zahl vergleichender Messungen jungfräulicher und tnUtteiiiOber Beckon bei Thloron desselben Schlages würden auch schon Fingerzeige geben. Bei Hausthioren sind solche Untersuchungen nicht gemacht. Bezüglich des Menschen habe ich keine Angaben darüber gefunden, kann aber ihr Vorhandensein nicht bestreiten, da Ich die Nachforschung nach diesem Funkte nicht weit genug betrieben habe.
Die Veränderungen könnten bestehen: 1. In einer Ansoinnmlerdrängnng der Symphyse, welche syndesmotlsch und synohondrollsoh, daher nachgiebig ist und nach der erfahrenen Erweiterung eine Nachfüliung mit später verknöcherndem Material erfahren würde. '2. In einer Empordrängung des Kreuzbeins durch Verschiebung der Gelenkflächen dos Krcuzdarnibeingelcnkes, was bei dein der Syncbondrose sich nähernden Character dieses Gelenkes möglich erscheint. .'!. In einer dementsprechendeu Auseinauderdrängnng der Darmbeine, welche durch die Empordrängung dos Kreuzbeins bewirkt, würde und durch die Nachgiebigkeit der Symphyse ermöglicht wäre (pg. '2!)!)).
Damit soll natürlich nicht auf dio mittelalterliche Anschauung zurück-
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eiufach im Geschlechtscharacter suchen will, infolgedessen eben auch dem Manne der Bart und dem Hirsche das Geweih wächst, ohne dass man dafür nach besonderen Gründenquot; sucht. Das Vorhandensein der weiblichen Geschlechtstheile bzw. Ihr Wachsthum veranlassen die weibliche Beokenform nicht denn wie sollte sonst der Wallach ein Stutenbeekon bekommen. Ebenso Ist die Ansicht nicht recht ein-knichtend, dass das männliche Becken dem foetalon näher geblieben und das weibliche Becken die weiter entwickelte Form sei. Daraus, dass das männliche Beckon enger ist, kann man dies nicht folgern. Vielmehr dürfte das männliche Becken, wie der ganze Gesehlechtstypus des männlichen Individuums, die weiter fortgeschrittene Entwicklungsstufe darstellen, Deshalb bleibt auch der früh Entmannte p,uf einer dem weiblichen Typus nahen Stufe stehen.
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gegriffen worden, dass jodos jungMullohe Becken für dio Geburt zu eng sei Und erst durcli die erste Geburt gowissormassen auseinder gerissen worden müsse. Aber wenn man sogar annimmt, dass das Waehsthura der Gescliloohtsorgani' das Bocken dehnt, kann mau auch nichts absondorlichos in der Annahme finden, dass der so gewaltsame Vorgang einer Geburt den Anlass zu einer Ausdehnung mit bleibenden Brfolge gebe. (Dohnbar 1st übrigens nicht bloss das fibröse Material, sondern auch das knorpelige, denn Knorpel ist elastisch und Elasticität setzt Dehnbarkeit voraus.)
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Die Pelviiuetrie.
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Unter Felvlmetrie versteht man nicht sowohl die Bockonmessung im AU-gemoinen, als spociell die Ermittelung der Masse am lebenden Thler. Beim Menschen tritt die Pelviinetrie in den practisclien Dienst der Gcburtskimde. Aber die Polvimetrie bei Hansthioren hat violleicht ein aoadomlsches Interesse für den Thiorzilchtor, für die Geburtshilfe jedoch keinerlei practische Bedeutung. Die Tliierzucht ist, rein körperlich genonnnon, ja um vieles besser organisirt, als dio Fortpflanzung dos Menschengeschlechts, weil das Krüppelhafte ausgeschlossen und das Unpassende auseinander gehalten wird. Beckonf'chlor und absolut ungenügende Bookenmasse sind an sich schon viel seltener. Würde aber eine Stute odor Kuh ein so enges Becken besitzen, dass hieraus sich die goburtsliülflielie Nothwendlgkelt der Ausschliossung von der Zucht ergiibe, so würde schon dio Mangelhaftigkeit dor äussoren Körperf'orm dem Züchter ohne Weiteres auffällig werden. Derselbe würde, nicht der Goburtsgef'ahr, sondernder Eigenschaften der Nachzucht wegen, das Thler von der Zucht ansschliessen, ohne dass der Geburtshelfoi' zu pelviniotrischen Feststellungen herangezogen zu werden brauchte. Steht aber der Geburtshelfer erst am gebärenden Thler, so wird er sich niemals mit Pelviinetrie aufhalten.
Kr wird allenfalls, ehe er zur Kmbryotomio schreitet, mit seiner Handspanne, wie Harms onipflehlt, einmal die Hoho des Geburfswoges mit der Kopf-höho oder dio Breite des Beckenraunies mit der Trochanteren-Breite des Foetus vergleichen; das kann man aber wohl nicht Pelviinetrie nennen. Im übrigen wird über die Kmbryotomio auch mehr die Erfolglosigkeit des vorangegangenen anderweitigen Bemühens entscheiden. Uebrigons spielt auch beim Menschen während der Geburt selbst die Bockenmessung nur eine fragwürdige Rolle, und Schröder unferlässt, wohl mit einer gewissen Absichtlichkeit, nicht, in seinem Handbuch der Geburtshülfe den drolligen Fall anzuführen, dass ein Arzt mittolst Polvimetrie die Unmiiglichkei tder Gehurt festgestellt haben wollte und den Kaiserschnitt als einziges Mittel für Mutter und Kind empfahl, dass aber, während er seino Instrumonto holte, die geängstigte Frau ihre Kräfte zusammenraffte und der Arzt bei seiner Rückkehr die Geburt vollendet fand.
Trotz der praktischen Wortblosigkeit der Polvimetrie sind die von Ar-loiug, sowie von st. Cyr-Violct ermittelten Methoden der Beokenbestimmung zu
interessant, mu nicht liier wenigstens eine kurze Erwähnung zu finden.
Arloing fand (durch welche Erwägungen, kann hier unerörtert bleiben)
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folgendes: Bio Entfornung der Hüfthöckor {Uli) von oinandor,*) vermehrt um den Abstand der Sitzboinhöckoi' (SB) von einander und die Smnnio dividirt durch 4, orgiobt den Quordurchmessor dos hinteren Bockenausganges. Der (natürlich viol wichtigere) tiuordurolimossor des Heckonoinganges vorhält sieh dazu wie
10 m i-gt; rnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i #9632; . (HK 8E) X 18
13: 10. Das Kxempol ware also ------
4 X 10
Arloing fand ferner den Höliondurchmossor dos hinteren Kecken-Aus-
gangos = 1/i der verticalen Entfornung dos Gipfels der Kruppo vom Pfannen-
golonk (KP). Der Höhendurclimcsser dos Eockonoingangos soll sich ZU dorn
dos Beckenausgangos wio 12,2 : 10 vorhalten.
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KP X 3 X 12.,
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Um orstoren zu ermitteln, wäre das Exempol also
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4 X 10
St. Cyr-Violet haben sich oino andere Mcthodo construirt: Sie fanden, dass die Hoho der Stuto am Widerrist gomosson, mit 0,143 niultiplicirt, die Con-jugata vera angiobt; desgl., dass die Entfernung dor Hiifthöckor von einander, mit 0,43 niultiplicirt, den griissten (oboren) Quordurchmessor (vgl. pg. 810) des Beckons orgiobt. Nach ihren Messungen an 12 Stuten schwankte dio Conjugata vora zwisclion 19 und 2273 c. der grossto (obere) Querdurehmesser zwischen 1!) und 20, der (vvesentlichero) untere Querdurchiiiossor zwischen 14 und 22 cm. Bei dor Kuh fanden sie nach derselben Methode: quot;Widerristhöho X 0,180 = Conjugata vora. HUfthöckerabstand X 0,3ß gleich grosstem Querdurch-messer des Beckenoingangos. Sie fanden bei 12 Kühen für dio Conjugata vora 2120 cm und 1020 bezw. 1418 cm für die Querdurchmosser. Die Masse zeigen, dass das Kindsbecken schmäler ist als das Stutenbockon. Dass dio Conjugata vera länger als beim Pferde ist, hat keine praktische Bedeutung, da es, wie oben gesagt, auf die Conjugata nicht ankommt.**)
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Die Zeit unmittelbar vor der Geburt.
Wirkungen und /ciclien der Geburtsniihc.
Gewisse Einwirkungen der Sohwangersohaft, welche schon früher (pg. '275) charaoterislrt worden sind, machen sich in der allerletzten Zeit der gehurt so auffällig bemerkbar, dass sie für dieses letzte Studium elmracteristisch werden. Ein neues Verhalten zeigt ausserdem das Euter.
Alle diese Erscheinungen bilden Zeichen der Geburtsnähe, auf welche sorgfältig geachtet werden muss. Dann, auch wenn der Tag der Begattung bekannt und damit das typische Ende der Schwangerschaft berechnet werden kann, genügt dies bei den Schwankungen der Träeh-
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*) Alle Masse natürlich nicht mit Bandraass, sondern mit dem Massstock
genommen.
*') Für Schaf und Ziege wurden 0,18 bezw. 0.10 und 0,51 hezw. 0,45 als Multiplicatoron ermittelt.
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tigkeitsdauer disi'. 267) durchaus niulit, um den Tue; dor Geburt vorauszuwissen. Freilich wird dieser mich durch die Zeichen der (leburtsnühe nicht immer sieher angezeigt und die Geburt erfolo-t oft genug überraschend. Denn jene Zeichen treten bald lungere, bald kürzere Zeit vorher auf und sind bald schwächer, bald deutlicher. Aber sie sind doch im Ganzen ein Hiilt'smittel, welches dem geübten Beobachter eine ziemlich genaue Auskunft giebt. Auf Tag und Stunde lässt sicli bekanntlich auch beim Menschen die Geburt nicht voraussagen.
Hie wichtigsten Zeichen der Geburtsnähe Hegen in der Beschaffenheit der Kreuzpartie des Körpers und dos Euters.
Das Einfallen vor der Geburt bestellt eigentlich aus zweierlei Veränderungen, die anscheinend manchmal zusammengeworfen werden, nämlich aus dem Einfallen der Flanken und dem Einfallen der Kruppe.
Die Flanke, d. h. die Gegend vor dem Hüfthöcker, neben der Lende (die Hungergrubengegend) wird kurze Zeit vor der Geburt auffallend hohl (auch bei Stuten). Dies kommt lediglich daher, dass der Uterus sich immer schwerer der Bauchwand sich auflegt und daher nur den tiefstgelegeneil Theil der Bauchhöhle erweitert, während die dorsale Partie der Bauchhöhle gewissermassen leerer wird. Die Hungergrubengegend ist jedoch bei Kühen (auch rechterseits) schon lange Zeit während der Schwangerschaft hohl.
Viel characteristischer ist das Einfallen der Kruppe oder genauer gesagt der (legend hinter den Darmbeinschaufeln am Seitenrande des Kreuzbeins bis zum Schwanzansatz. Hier ist das Bereich der oberen Köpfe des Biceps, Semitendinosus und Semimembranosus, welche auf dem vom Kreuzbein zum Sitzbeinhöcker ausgespannten breiten Beoken-bande(Ligamentumsacro-spinosum ettuberosum) liegen (vergl. auohpg, 804). Diese breite Bandplatte sinkt nun ein, mit ihr auch die Muskeln, und so bilden sich Einsenkungen, welche schon in den letzten beiden Wochen bemerklich werden können, wenige Tage vor der Geburt jedoch sich auffällig namentlich neben dem Schwanzansatz vertiefen. Natürlich richtet sich diese Einsenkung auch nach der Entwicklung der Muskeln und ist nur im Vergleich mit der früher beobachteten Kruppenform des Thieres kenntlich.*)
Die Gründe dieses Elnslnkens des breiten Beckenbandes bezw. der weichen Seitenwand der Ueckenhöhle können mehrere sein. Der nächste Anlass ist sicher die seröse Durchfeuchtung und Auflockemng, welche der
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*) Das Ein lallen vor der Geburt, iiainontlieli auch dasjenige der Kruppe tritt übrigens auch bei Sauen wenige Tage vor der Geburt deutlich hervor.
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panzc Geschlechtsapimrat und seine bindegewebige Umgebung im Becken erfährt (vergl. pg, 268). Dazu dürfte noch eine meohanisohe Ursadie kommen; loh sohllesse mloli der bierilbei auch Im Lehrbuch von
Frank vertretenen Auffassung an. Der Uterus, der sicdi im Hauehe immer mehr ahwiirtssenkt und schwerer wird, übt auf seine Umgebung im Hecken einen Zua; aus. Da nun ein Zusammenhang des Uterus mit dem breiten Heckenband besteht ([)ng. 806), so wird dieses in die Hcekenhölile hineingezogen. Damit steht auch Im Einklang, dass kurz vor der Geburt die Einsenkung sich specie!! neben dem Schweifansatz vertieft: denn eben in diesem hinteren Thcil bestellt durch das sogenannte Diaphragma pelvis jener mittelbare Zusammenhaut!; zwischen Uterus und Heckenband. Dagegen scheint mir die Auffassung von Herdez (Schweizer Archiv 1882), die neuerdings von de Brnin aufgenommen ist und wonach eine Annäherung dos Sltzbelnhöokera an das Kreuzbein stattfinden und hierdurch das Beckenband erschlaffen soll, anatomisch unhaltbar.
Das Euter reagirt auf die vorhandene Schwangerschaft verhiilt-nlssmässlg spät; jedenfalls später als beim Menschen, wo schon nach dem zweiten Monat ein Turgesciren der Brüste eintritt. Dass die Mamma überhaupt auf die bevorstellende Geburt reagirt, muss aus entwloklungs-gesetzlichem und functionellem Zusammenhang derselben mit dem (ie-schlechtsapparat erklärt werden (vgl. pg. 868).
Bei Thieren bleibt das Euter welk und relativ klein bis einige Wochen vor der Geburt. Auch bei Kühen befindet es sich, weil sie trockenstehenquot; (pg. 204) in diesem Zustande. Etwa, drei Wochen vor der Geburt beginnt ein Zunehmen und Prallwerden, welches namentlich auch bei Schweinen und Hündinnen sehr auffällig ist (und hier manchmal erst die Trächtigkeit sicher anzeigt).
Das Einschiessen der Milchquot; (vgl. auch pg. 3ös) ist mit dieser Turgescenz des Enters nicht identisch, bedeutet vielmehr den wirklichen He-ginn der Secretion (nicht der Excretion), d. h. das Vorhandensein von Milch im Euter. Hei Stuten findet man etwa 8 Tage vor der Geburt neben merklicher Euterfiillung ein wenig eingetrocknete Milch an der Zitzenöffnung, die sogenannten Harztropfen. Hei Kühen tritt Eutersecret meist erst wenige Tage vor der Geburt auf. Es kann Anfangs wässrig sein, wird dann aber gelblich und eoloslrmniilmlich. Mit dem Einschiessen der Milch ist eine gesteigerte Enterschwellung verbunden, die ihrem Grade nach fast als krankhaft erscheinen kann. In solchen Fällen pflegt viel Milch im Euter zu sein; es schadet nichts, ist vielmehr für das Thier eine Erleichterung, wenn abgemolken wird. Bei Sauen zeigt sieh
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in dor Regel 12 Tage vor der Geburt milohlge Flüssigkeit im Gesänge.
Das Vorhandensein von Secret, namentlieh wenn dasselbe die He-sobaffenheit der Colostmmmiloh (pg. SfiO) zeigt, ist das sicherste positive Zeichen für die nnniittelbaroNähe dörQeburt. Dagegen kann man ausder Abwesenheit der Milch und selbst der Kuterschwollung nicht mit derselben Sicherheit schliessen, dass die Geburt noch fern sei. Denn bisweilen tritt sowohl die Schwellung als das Kinschiessen der Milch erst nach der Geburt, selbst 24 Stunden später, ein. Bei erstgebiirendeu Thieren ist beides überhaupt nicht so erheblich.*)
Veränderung des Wurfes (Vulva) ist das letzte Zeichen der unmittelbaren Geburtsnähe. Die Schamlippen schwellen m. o. w. stark an (namentlich auch bei der Sau) und sind geeignetenfalls geröthet. Es bestellt ein zähschleimiger Ausfluss oder vielmehr es hängt Schleim aus dem unteren öchamwinkel.
Die Sau beginnt schliesslich in den letzten Stunden vor der Geburt sich in der Streu ein Lager zurecht zu machen, wobei sie langes Stroh gern zerreisst (Rohde; vgl. pg. 861),
Wenn die Thiere anfangen, unruhig zu werden, so ist dies nicht mehr ein Zeichen der Geburtsnähe, sondern vielmehr des Beginnens der Geburt.
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Torberoltnageii /,ur Geburtlaquo;
Dass die Thiere, wenn die Zeichen unmittelbarer Geburtsnähe eingetreten sind, besonders schonend und aufmerksam zu behandeln sind, vorsteht sich von selbst.
Die Ernährung muss in den letzten 8 Tagen eine massige sein, für Stuten und Kühe hauptsächlich aus gutem Heu, Kleietrank und dergl. bestehen. Kaltes Getränk ist zu vermeiden. Das Euter ist bei Kühen vor Insulten und Zugluft zu schützen, bei zu praller Füllung auszumelken, event, mit Fett einzuschmieren. Bei Saaen empfiehlt sich zur Abhärtung gegen die Belästigung des Saugens ebenfalls Einsehmieren mit Fett oder Waschen mit Spiritus, Tanninlösung etc. einige Tage vor der Geburt.
Die Heschaffenheit des Standortes ist jetzt besonders wichtig. Ein besonderer Stall für Stuten bezw. für gebärende Kühe ist natürlich ein Vortheil; bei der Sau ist eine besondere Bucht unbedingt erforderlich.
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) Vorsichtige Behandlung des targescironden Euters siehe pag. .'5ßO; Bedeutung des abnormen Auftretens von Butorscbwellung und Milch vor Abscbluss der Schwangerschaft pag. 284; abnorme Milclisecrotion pag. .'!!quot;)!).
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Jedenfalls muss das gebärende Thier abgesondert sein. Es nmss für freien Kaum In dessen Umgebung und soviel als möglich für Licht gesorgt sein, schon mit Rücksicht auf die Müglichkeit geburtshülflicher Massnalnnen.
Die Streu muss hoch, weich und rein sein aus selbstverständlichen Gründen. Eoluie empfiehlt dabei Schweinen Kurzstroll zu geben, weil im langen Stroh Ferkel leicliter erdrückt werden (pg. 351). Am Standort der Kuh ist das Lager hinten zu erhöhen (event. Ueberdeckung der Jiiuchenrinue}.
Wenn am Abend das Eintreten der Geburt für die Xacht bevorstehend erscheint, so wird am besten eine Stallwachc bestellt werden. Freilich vollziehen sich auch bei Stuten oft genug Geburten während der Nacht ohne irgend welche Aufsicht. Dies kann selbstverständlich nicht gegen den Grundsatz sprechen, dass bei der Geburt wegen der Möglichkeit übler Zufälle eine Aufsicht geboten ist.
Dafür, class die nöthigen einfachen Gebrauchsgegenstände (Waschzeug, Gel, einige nicht zu harte Stricke) bereit sind, ist zu sorgen.
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Der normale Geburtsvorgang.
Wesen der Geburt.
Das Wesen der Geburt ist folgendes: Contractionen des Uterus unter wesentlicher Anthcilnahme der Bauchprosse führen 1. zur Üoffuung des Gebärmuttervcrschlusses (des Muttermundes), 2. zur Sprengung der Fruchthüllon, 3. zur Austreibung des Jungen gegen den passiven Widerstand der Engen des Ocburtsweges, 4. zur Ausstossung der Nachgeburt, d. h. der im Uterus verbliebenen Fruchthüllon-Ileste.
Man unterscheidet demnach drei Stadion: Kröffnungs-stadium, Austreibungsstadium und Nachgeburtsstadium.*) Das letztere gehört nicht zur Geburt selbst. Die Geburt besteht also aus dem Eröff'nungs- und Austroibungsstadium.
Das Eröffnungsstadium dauert länger und ist sehr wichtig, obwohl hierbei der Foetus noch gar nicht hervortritt. Der Foetus erfährt
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*) Frank will die Zelt, in welcher dio Geburtszelolien auftreten, auch noch als Vorbernitungsstailium bezeichnen. Dadurch wird aber die Grenze zwischen Schwiingerscluift und Geburt verwischt. Die Geburt beginnt mit der ersten derjenigen Wehen, die im weiteren die Geburt bewirken; diese erste Wehe beginnt aber zugleich das BrOfihnngsstadinni,
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Lageverftnderuugen, er stellt sich zur Geburt; der Muttermund öffnet sich allmählich; den SöhlUBS dos Stadiums bildet normalerweise uie Beratung dor Fruohthüllen, der Blaseneprungquot;; die Wehen dieses stadiums belesen Btellwehen.
Das Austreibungsstadlum beginnt mit dein Eintritt des Foetus in den Geburtsweg und endet mit seiner Ausstoasung. Dieser Durchgang dos Foetus durch den Qeburtsweg wird hiiulig, namentlich auch von Laien, als die Geburtquot; im engeren Sinne behandelt. Dieses Stadium ist mit heftigerer Arbelt und grösseren Sohmerzen verbunden, dauert aber kürzere, oft sehr kurze Zeit. Die Wehen dieses Stadiums heisson Treib we he n.
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Ursache der Wehen und des Beglunes der (laquo;eburt.
Der Beginn der Geburt ist das Ende den- SehwangerschaCt. Heide Zustünde können scharf abgegrenzt sein, indem dio Wehen plötzlich beginnen und in ununterbrochener Folge zu ihrer ersten Wirkung, der Eröffnung der Cervix, führen. Es kann aber auch ein ganz allmählicher Uebergang stattfinden. Dann treten schwache Uterus-Contractionon auf, die man Wehen im eigentlichen Sinne noch gar nicht nennen kann, denn sie werden (wie beim Menschen festzustellen) der Mutter gar nicht fühlbar, sondern nur der untersuchenden Hand. Solche Contractionon (um den Namen Wehen absichtlich zu vormeiden) können schon Tage vorher unbemerkt eintreten und sich wieder beruhigen. Sie können sich aber auch allmählich verstärken: sie werden dann der Mutter fühlbar und zu eigentlichen Wehen. Jene Wehenvorläufer kann man zum Oelnirtsvor-gang noch gar nicht rechnen, aber es ist klar, dass sie es eventuell unmöglich machen, genau zu bestimmen, wann eigentlich dio Geburt angefangen hat.
Die Frage, welche Umstä ade denn eigentlich den letzten Anstoss zur Geburt geben, hat schon den alten Hippocrates beschäftigt, welcher der Meinung war, das Kind bahne sich selber den Weg, es dränge sich sozusagen in die Welt, und sein Motiv sei der Hunger, weil es nicht mehr genügend ernährt werde. Die Geburt wäre sonach bereits der Kampf ums Dasein in optima forma. Dieser in die Volksanschauung übergegangenen Vorstellung gegenüber verhallte dio Stimme des Galenus ungehört, der bereits aussprach, dass durch Zusammen-ziehungen der Gebärmutter das Kind ausgetrieben werde.
Später sind dann die verschiedensten und (wie so häufig bei Dingen, die sich eigentlich von selbst erklären) die gesuchtesten Theorien aufgo-
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stellt worden und ganz einig ist man heut noch nielit. Noch honte werden verschiedene Umstäiule zur Erklärung heriingozogon. Bewegung des Foetus, iillmiihliehe Ablösung durch Verfettung der Placciitiirepithelien, die Krreiclmng des Maximums der Spnnnungsfiihigkeit der Utoruswände sind als Ursachen genannt worden. Es sollen Veränderungen im Blute der Placenta (bezw. des Uterus) und hierdurch Sauerstoffmangel auftreten. Der Foetus soll bestimmter Stoffe nicht mehr bedürfen, die sicii im Blute anhäufen. Die Geburt soll mit dem Zeitpunkt der 10. Men-struationsporiode beim Menschen und mit einer Brunstperiode bei Thicron zusammenfallen; die für die Brunst typische acute Genilalhypcräinio soll auch wahrend der Schwangorschaft sich einstellen und zu erhöhter Thäligkcit, d. h. hier zum Eintritt von Contnictionen führen (Frank). Manche wollen es einfach auf vererbte Anlage zurückführen, dass die Schwangerschaft nach bestimmter Dauer zu Ende geht; noch Andere meinen, dass der Zufall schliesslich den letzten Anstoss zur Geburt gebe.
Zu beachten sind jedenfalls folgende Thatsachon: Die Geburten troton überhaupt nicht sozusagen mit dem Glockenschlag ein, sondern ihre Zeit schwankt erheblich. Sie erfolgen bzw. beginnen meistens des Nachts. Es werden auch todte Früchte geboren und zwar längere Zeit nach dem Tode. Solche öeburten sollen bei Tbioreu meist in der Zeit erfolgen, in welcher eine Brunstperiodo hätte stattfinden müssen. In ebensolchen Zeitpunkten soll besonders leicht Abortus entstehen. Uterusoontraotionen treten nach Ablauf der normalen Schwangerschaftszeit auch ein, wenn der Foetus gar nicht im Uterus sondern z. B. in der Bauchhöhle (pg. 27-1) liegt. Man sieht schon, welche von der oben angeführten Hypothesen durch diese Thatsachen direct widerlegt oder unwahrscheinlich gemacht werden.
Wahrscheinlich liegt die Erklärung einfach so, dass es eines künstlichen Grundes gar nicht bedarf und dass ein alleiniger Grund überhaupt nicht existirt, sondern dass mehrere Ursachen wirksam werden und zusammenwirken können, dass es sich vielfach um allmähliche Wirkungen handelt, die schliesslich ebenso zum Ende führen, wie der Xebel sich schliesslich zum Regen verdichtet, und dass nicht in letzter Linie that-sächlich der Zufall über den kritischen Augenblick entscheidet.
Zunächst gehört eine bestimmte Dauer der Schwangerschaft oben zu den Eigenthiunlichkeiten der Art. Die erbliche Anlage, dass die Schwangerschaft nach so und so viel Monaten in die Geburt übergeht, ist also vorhanden. Durch sie und auf keine andere Weise ist es zu erklären, dass auch bei Bauchschwangcrsehaften zur Zeit des normalen Schwangerschafts-Endes sich Uterus-Coutractionen einstellen. Dass aber
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diese erbliche Anlage dureh Nebenumstiinde beeinthisst wird, zeigen wieder die giinz gewöliiiliclien Sohwaukuiigeii der Tragezeit.
Nun muss man docli bedenken, dass, abgesehen von jeuer erblichen Anlage und von der Ausgereif'theit des Foetus, auch der Uterus durch den Lauf seiner Kntwickclung während der Schwangorschaft iu einen Zustand gerathon ist, der die Ursachen seiner Beendigung iu sich selbst hat und dass es mit jedem Tage eines geringeren Anlasses bedarf, um das Ende herbeizuführen. Der Uterus wird, sageu Schröder-Olshausen (Geburtshülfe des Menschen), gegen Ende der Schwangerschaft immer mehr geneigt, auf zufällige äussere Ursachen hin, seien, sicopy; traumatischer (d. h. mechanischer) oder physischer Natur, zu reagiren.
Da der letzte Anlass nur ein sehr geringfügiger zu sein braucht, so wird er um so mannigfaltiger sein. Wer könnte alle Geringfügigkeiten nennen, die einen solchen Anlass bilden können, und wer könnte nameutlich eines allein gelten lassen und alles andere ausschliessen wollen? Ocwiss sind von den oben nugeführteu Hypothesen manche zutreffend, aber keiue wird es ausschliesslich sein. Gewiss können lebhafte Bewegungen des Foetus (in dieser Zeit!) ebensogut die erste Wehe veranlassen, als mechanische Einwirkungen mannigfachster Art von aussen. Gewiss können momentane Steigerungen der Bluttemperatur und Veränderungen des Blutes ebenfalls ein Anlass für Uterus-Contraetionen werden. Auch die Hypothese von dem Zusammenfallen der Geburt mit dein Zeitpunkt einer fälligen Menstruation bzw. Brunstperiode hat nichts gegen sich (diese Perioden stimmen wieder mit der erblichen Anlage zusammen; vgl. pg. 27) und vieles für sich. Aber dass sie die alleinige oder auch nur wesentliche Ursache sei und dass überhaupt vor derdeburt eine besondere acuteGenitnlhyperämio eintritt, ist durch nichts bewiesen.
Den häufigen Eintritt der Geburten während der Nacht will Frank mit den abendlichen Schwankungen der Körpertemperatur erklären. Auch hierbei gilt dasselbe. Eine Mitwirkung ist ja möglich; der alleinige Grund ist es schwerlich und viel näher liegt es, einen psychischen Elnfluss der nächtlichen Ruhe in der Umgebung auf die Mutter anzunehmen.
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Sohlussfolgerung:
Der Eintritt der Geburt ist eine Nothwendigkeit, welche sich aus dem Ausreifen des Foetus und der, del- Art cigentlühnlichen (also erblichen), typischen Dauer der Schwangerschaft im wesentlichen von selbst ergiebt. Dass Nebeuumstände von Einduss sind, beweisen die ganz gewöhnlichen (also nicht abnormen) Abweichungen von der typischen Regel.
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Die Gesammtheit der Vorgiingo bei der Scliwangersclmft machen den Uterus immer mehr geeignet und geneigt, auf irgend einen, immer geringfügigeren Anlass mit Wehen zu reagiren. Was sehliesslich zu einem solchen Anlass wird, scheint m. o. w. dem Zufall überlassen. Jedenfalls können mannigfache Umstände einen solchen Anlass abgeben.
Innervation des Uterus:
Unmittelbar wird die Uterus-Muskulatur natürlich stets durch nervösen Reiz zu Contractionen vcranlasst. lieber die Nerven des menschlichen Uterus hat Prankenliäuser eine besonders vollständige Arbeit*) geliefert. Genügende Spezialuntersuchungen bei unseren grösseren Haus-thieren fehlen.
Die Hauptdaten sind folgende: Der Uterus hat eigene Ganglienzellen. Seine Nervenleituugen erhält er von den sympathischen Becken-goflechten. In diesen verlaufen aber bekanntlich auch sehr viele spinale Fasern. Besonders die Cervix uteri erhält sehr reichliche Nerven; ob dies auch für die Hausthiere zutrifft, ist nicht festgestellt.
Das physiologische Verhalten der Uterusnerven ist jedoch noch keineswegs klargestellt. Die experimentellen Ergebnisse beim Kaninchen widersprechen sich grossentheils direct. Sicher ist wohl folgendes: Die Uterusthätigkeit kann durch Reize erregt werden, welche die Muskelwand direct beeinflussen (eigene Ganglienzellen). Ebenso können re-tlectorisch Contractionen erzeugt werden (um nur ein Beispiel zu nennen, durch Reizungen der Scheide). Endlich können auch centrale Reize die Thätigkeit des Uterus herbeiführen.
Die Wehen.
Mit dem Wort Wehenquot; (Dolores) sind eigentlich nur die mit dem Vorgang verbundenen Schmerzen ausgedrückt. Es wird jedoch mit dieser Bezeichnung der Begriff des ganzen schmerzerregenden Vorganges verbunden. Das Wesen dieses Vorganges besteht in Contractionen des Uterus. Damit sind aber Contractionen der Bauchmuskeln (Bauch-presso) zum Theil verbunden. Beide Factoren vereinigen sich zu einer Wirkung, die als Wehe äusserlich in Erscheinung tritt; doch sind, wenn man nicht die, Wirkung, sondern den inneren Vorgang bezeichnen will, unter Wehen nur die Uterus-Contractionen zu verstehen.
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*) Jena, 1867,
Schmaltz, (Icsclilcolilslubon,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 21
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Contractions-Modus des Uterus.
Es entsteht zunächst dio Frage, oh die Bewegung peristaltisch verläuft, oder oh der Uterus sich auf ein Mal und in seiner Gesammtheit contrahirt. In thierärztlichen Lehrbüchern wird es so dargestellt, als ob die Annahme pcristaltischer Bewegung abgethane Sache sei. Dies ist aber, wie auch die Lehrbücher menschlicher Geburtshülfe beweisen, nicht der Fall und mit vollem Recht.
Es ist eine einfache Unmöglichkeit, dass der Uterus als Ganzes sich contrahirt. Wenn nämlich der Foetus geboren werden soll, so muss er vom Gipfel des Uterus her gegen den Muttermund getrieben werden. Wenn nun der nach dem Muttermund zu gelegene Uterus-Abschnitt sich zugleich contrahire, so würde er den Foetus ja festhalten und dessen Vordringen gegen den Muttermund hindern. Der hintere Abschnitt des Uterus muss also im Gegentheil schlaff bleiben und sogar von dem andrängenden Foetus passiv erweitert werden, wie sich ja auch die Cervix erweitert. Der hintere Abschnitt des Uterus muss sich mithin gerade entgegengesetzt verhalten, wie der vordere (beim Menschen der obere). Während dieser sich contrahirt, muss sich jener erweitern. Dies ist für den Menschen testgestellt (siehe pg. 324). Bei der langgestreckten Form des thierisehen Uterus wird die Nothweudigkeit des verschiedenen Verhaltens eines vorderen und eines hinteren Uterus-Abschnittes noch klarer. Denn die gleichzeitige Contraction z. B. des Uteruskörpers beim Pferde müssto sich dem Vordringen des Foetus entgegenstellen und so der Thätigkeit des Homes entgegenarbeiten.
Wenn aber somit unzweifelhaft ist, dass die anatomisch eine einheitliche Masse bildende Uterus-Musculatur physiologisch nicht als Einheit thätig sein kann, so wird damit der peristaltische Character der Contraction fast zur Nothwendigkoit. Denn man wüsste kaum eine rechte Erklärung dafür, wieso bei gleichzeitiger Contraction der ge-sammten Uterus-Musculatur ein Thoil dieser Musculatur, der durch nichts abgegrenzt ist, unthätig bleiben könnte. Dieser Vorgang wird dagegen leicht verständlich, wenn man die Uteruscontraction als eine peristaltische Welle ansieht, welche vom Eierstock-Ende gegen die Cervix hin verläuft. Denn diese Welle kann flacher werden und auslaufen, auch ohne dass sie an eine feste Grenze gelangt; sie würde eben den Cervical-Theil nicht zu erreichen brauchen. Im Character der Peristaltik liegt ja doch nur, dass die Contraction nicht eine gleichzeitige Zusammenziehuiig der ganzen vorhandenen Masse in sieh selbst ist, sondern dass die Contraction an einem Punkte beginnt und von hier nach einem anderen Punkt fort-
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sehreitet. Ob sie dabei über die von ihr zurückzulegende Muskelstreckc wie ein Windstoss hinfährt oder wie ein Wurm hinwegkrieclit, ist ncben-saehlich und verändert nur den Eindruck des Vorganges.
Wenn die Uterus-Contraction als einheitlicher Vorgang erscheint, so folgt daraus noch nicht, dass sie nicht peristaltisch ist. Alle angegeführten Umstände und überhaupt schon der ganze Effect der Wehen, die Verschiebung eines Gegenstandes von vorn nach hinten sprechen dafür, dass es sich um eine, wenn auch sehr schnelle, peristaltische Bewegung handelt, welche ihren Ausgangspunkt und wohl auch ihren grössten Nachdruck vorn hat.
Mit der Annahme, dass die Uterusbewegung von einem Punkte ausgeht und sich mithin peristaltisch fortpflanzt, stehen noch zwei andere Umstände im Einklang. Einmal wird behauptet, dass den Contractiouen des Uterus eine Contraction der musculös gewordenen breiten Mutterbänder*) vorangeht; dann ist auch wahrscheinlich genug, dass von ihnen aus die Contractionswelle sich auf den Uterus fortpflanzt und zwar vielleicht vom Punkt des stärksten Zuges aus (vorn). Ferner ist aus der Thatsache, dass das in einem Horn liegende Fohlen oder Kalb z. B. ab-ortirt, das andere aber ausgetragen werden kann, gefolgert worden (wie weit mit Recht, bleibe dahin gestellt [vergl. pg. 327, Anm.]), dass nur das befruchtete Horn sich contrahirt. Das wäre doch ein neuer Beweis dafür, dass die Musculatur des Uterus sich in keiner Weise einheitlich contrahirt. Der Gegensatz der einheitlichen ist aber eben die peristaltische Contraction; mindestens lässt sich nur mit dieser die mangelnde Einheitlichkeit in einer anatomisch untrennbaren Muskelmasse ungezwungen erklären. Endlich würde die Peristaltik auch eine Erklärung für eine weiter unten zu erörternde Thatsache abgeben (vergl. pg. 333).
Das wesentlichste bleibt die unzweifelhafte Thatsache, dass der hintere Abschnitt des Uterus sich in jedem Falle entgegengesetzt verhält, als der übrige Uterus. Es entsteht dabei von selbst die Frage, wie weit reicht der Theil, der sich contrahirt, und welches sind die Theile, die im Gegensatz dazu erschlaffen und sich dehnen lassen.
Eine anatomische Grenze zwischen beiden ist, wie gesagt (beim Menschen und wahrscheinlich auch bei Thieren), nicht nachweisbar. Die physiologische Grenze (wo also die Contraction aufhört und die Dehnung
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*) Das beim Menschen bodoutsamo runde Band hat bei Thierer gar keine functioncllo Bedeutung. Auch beim Menschen nohnion Scbröder-Olsliaxisen an, dass die Contraction an den Uterus-Bändern einsetzt.
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iinfüngt) nennt Schröder,*) der diesem Verhaltuiss die eingehendsten Unsersuchungen gewidmet hat, den Contractionsring. Er hat naeli-gewiesen, dass derselhe keineswegs am inneren Muttermund, sondern im Uterus selbst liegt und dass er mit fortscln-eitender Geburt immer höher nach dem Fundus uteri hinaufrückt, dass mithin der contrahirte Theil kleiner und der gedehnte Theil des Uterus grosser wird.
hei Thieren fehlt jede Untersuchung darüber. Ks liegt nahe genug, das Ende des Uterushornes als den ursprünglichen Sitz des Contractions-ringes zu betrachten. Untersuchungen während der Geburten könnten hier violleicht allein Aufklärung schaft'en.
Dass aber auch bei Thieren der Uterus sieh functionell in zwei Theile theilt, in den contrahirten und den gedehnten und dass letzterer nicht bloss aus der Cervix bestehen kann, ist jedenfalls unzweifelhaft.**) Ueber die etwaige gesonderte Contraction jedes einzelnen Homes wird pg. 327 und 340 noch eine Bemerkung zu machen sein.
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Die Erscheinungen der Wehen.
An jeder Wehe kann mau ein allmähliches Ansteigen ihrer Intensität, eine kurz dauernde Acme und ein Abschwellen beobachten. Dann folgt, bevor eine neue Wehe einsetzt, eine Wehenpause.
Man unterscheidet die Wehen nach den Stadion der Geburt bekanntlich in Stellwehen und Trelbwehen. Die ersteren sind schwächer und haben längere Pausen zwischen sich. Sie verstärken und beschleunigen sich fortwährend: die anschliessondon Austreibungswehen werden stürmisch und folgen sich immer rascher, so dass der Höhepunkt der Leistung normal mit dem Ende der Geburt zusammenfällt. Ein Scliwächer-worden der Wehen, also ein Zeichen vorzeitiger Ermüdung, kann nicht als normal bezeichnet werden und tritt nur bei verzögerten und erschwerten Geburten ein. Mit dor Heftigkeit der Wehen steigt übrigens ihr Effect nicht im gleichen Grade (siehe Mitwirkung der Bauchpressc, pg. 326).
Kchrer***) zählte beiKühen im Austreibungsstadium 4000 Wehen, so dass auf 84 Minuten eine Wehe kam. Die Einzelwehe dauert lö
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*) Handbuch der Geburtshilfe, neubearbeitet von Ohlshausen und Veit. 12. Aufl. Bonn 1898.
**) Selbst wenn in diosom hinteren Abschnitt bei der goburtshilfliclion Untersuchung ebenfalls Contraction sich bemerklicb macht, würde das nichts fregen das anfänglich gesonderte Vorhalten desselben beweisen. Später con-trahirt sich sogar die Schehlenniuscnlatur mit (s. pg. iiSfi.) *'*) Vergleichende Physlologlo der Geburt.
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bis 50 Secuudon, die Pause 23 Minuten. Bei der Kalze fand Kehrer die Dauer der Einzelwehen und der Welienpauscn etwas länger.
Zur Messung der Wehenstärke hat Poullet einen Apparat (Toko-graph) construirt. St. Cyr und Violet/) machen darüber genauere Angaben. Sie berechnen den Druck, den das yuadrateentinioter des Foetus durchschnittlich erleidet, auf 200300 g; die Steigung der Quecksilbersäule des Tokographen geben sie (für die Kuh) auf 80110 mm an.
Nebenwirkungen der Wehen.
Der Wehenschmers!, der dein Vorgang den Namen gegeben hat, ist von verschiedener Starke, aber auch bei den Thicren deutlich ausgeprägt. Derselbe bestellt, theils im Uterus selbst, wohl im Druck auf die Nervenenden. Dazu kommen aber die Zerrungen, die der Uterus auf seine Umgebung ausübt, und vor allem der Schmerz der gewaltsamen Ausdehnung der Weichtheilc, zwischen denen der Foetus hindurchgeht.
Während der Wehe steigt der arterielle Druck des mütterlichen Blutes, wobei der Puls frequenter wird. Die Drucksteigerung im mütter-licheii Blut begünstigt wohl die Versorgung des Foetus während der Uterus contraction. Dennoch soll bei tetanischen Uteruscontraetionen für den Foetus die Gefahr der Asphyxie nicht ausgeschlossen sein.
Die Temperatur soll während der Geburt bei den Hausthieren um Va^,, steigen (Frank); beim Menschen ist dasselbe der Fall. Eine Beschleunigung der Athmung erklärt sich aus mehreren Gründen.
Die Wehen zeigen sich an der Aussentläche des mütterlichen Körpers, abgesehen von dem Benehmen des Thieres, durch Heben und Senken in den Flanken, Vordrängen und Einziehen von After und Scham an.
Die Mitwirkung der Bauchpresse.
Da die Bauchpresse während der Wehen im Austreibungsstadiuin in Thätigkeit tritt und ihre Wirkung mit der der Uteruscontraction vereinigt, so wird dieser doppelte Vorgang auch als Wehe zusammongefasst. Das Mitdrängenquot; der Bauchpresso ist jedoch von der eigentlichen Wehe, d. h. der Uteruscontraction, zu unterscheiden.
Es ist ein rcflectorischer (durch Zerrung der Uterusanhänge ausgeloster) Vorgang, der jedoch willkürlich verstärkt werden kann und wird. Seine Bedeutung wird anscheinend z. Th. unterschätzt. In Wirklichkeit ist die von der Bauehpresse ausgeübte Gewalt wahrscheinlich grosser als die Kraft der Uterusmuskulatur und bei der Austreibung dos Foetus thut sie die Hauptarbeit.
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*) Traltö d'obsWtriqUO. Paris 1888.
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Die Eröffnung bewirken die Wehen allein. Im Austreibungsstadium dagegen wird ihre Wirkung nicht etwa in dem Maasse grosser als ihre Heftigkeit. Sie nimmt im Gegentheil stetig ab. Dies ist für den Menschen bewiesen und kann bei den Thieren nicht wohl anders sein. Die sich contrahirendc Uterusfläche verkleinert sich fortwährend; die nothwendig steigende Ermüdung kommt hinzu. Der Foetus rückt auch aus dem Bereich des Uterushornes bei Thieren gewissermassen heraus. Nur vermittelst des Nachdruckes der Bauchpresse bleibt ihm dieses sozusagen auf den Fersen. Die Bauchpresse giebt also nicht allein die weitere feste Operationsbasis für den Uterus, sondern unterstützt ihn activ in ganz unentbehrlicher Weise. Je mehr sich die Geburt ihrem Ende nähert und je schwieriger sie ist, um so geringer wird die Wirkung der Uterus-Contractionen und um so mehr tritt die Bauehpresse in den Vordergrund (Sehröder).
[Die Gewalt der Bauchpresse kann man ja auch In unerwünschtester Weise kennen lernen bei Utcrusvorfällen, wo sie den erneuten Vorfall des reponirten Uterus augenscheinlich allein veranlasst, wie sich aus dessen Vehemenz und Schnelligkeit ergiebt. Ihr Widerstand wird ja auch bei der Reposition des Uterus selbst sehr fühlbar und man bemüht sich eben deshalb, die Bauehpresse künstlich ausser Thätigkeit zu setzen. In diesen Fällen dürfte übrigens die Bauchpresse nicht reflectorisch, sondern hauptsächlich willkürlich in Thätigkeit treten.]
Die Contraction der breiten Mutterbänder, die ziemlich muskulös geworden sind, wird den Uterus beckenwärts fixiren und seinen Contractionen einen gewissen Halt gewähren, also die von vom her wirkende Bauchpresse unterstützen.
Contractionen der Scheide. Die Muskulatur der Scheide ist mit hypertrophisch geworden. Sie muss im Anfang der Austreibung gedehnt werden, kann später aber über den nach passirenden Theilen sich contrahiren
])ie Octi'iinng des Muttermundes.
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Wie wir gesehen haben, bilden sich bei der Geburt zwei Abschnitte des Genitalschlauches aus. Der eine, aus dem Haupttheil des Uterus (bzw. den Hörnern) bestehend, contrahirt sich, drückt auf seinen Inhalt und treibt denselben nach hinten. Der andere hintere Abschnitt, bestehend aus einem Theil des Uteruskörpers, der Cervix uteri, der Scheide und der Scham, contrahirt sich nicht, wenigstens zunächst nicht, denn seine Contraction würde der Contraction des vorderen Abschnittes noth-
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wendiger Welse activ entgegenwirken (vergl. pg. 322). Diese Theile bleiben also passiv, leisten jedocli insofern passiven Widerstand, als sie für den Durchtritt des Foetus zu eng sind. Dieser passive Widerstand wird aber durch die active Gewalt des sich contrahirenden Uterus-Abschnittes überwunden, d. h. der hintere Theil des Uterus, die Cervix etc., welche sich nicht mit contrahirt haben, werden durch den gegen sie vorgedrängten Foetus ausgedehnt.*)
Der engste und zugleich passiv widerstandsfähigste Theil ist die inusculöse Cervix uteri. Deren Dehnung und sehliesslich völlige Ausweitung ist daher der wesentliche Vorgang bei der ganzen Eröffnung, Ist der äussere Muttermund erweitert, so ist die Dehnung der schwach-wandigen, ihn umgebenden Scheide mit bewirkt. Nur der museulösero Scheidenvorhof und die Schamspalte leistet noch einigen Widerstand.
Die Erweiterung der Cervix uteri tritt allmählich ein und eben
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*) Dor Foetus wird durch die Contraction dahin getrieben, wo er keinen activen Widerstand tindet; er dringt also in die Theile vor, die sieh nicht mit contrahiren. Diese Thatsache entscheidet m. A. n. die, nur bei Uniparon aufzuwerfende Frage, ob auch das leere Utorushorn sich mit contrahirt, im bejahenden Sinne. Betrachton wir das quot;Verhältniss beim Rinde. Das eine Ende des Chorion- be/Av. Allantois - Sackes liegt im unbofruohteton Horn. Wenn dieses sich nicht contrahirte, so würde sein Raum gegenüber dorn sich contrahirenden Horn ein locus minoris rosistontiao sein, ebenso wie der Muttermund bozw. noch viel mehr, weil sein Zugang often ist. Unter dem Drucke dor Contraction dos befruchteten Hornes würde mindestens das Fruchtwasser in den Allantoiszipfel des unbefruchteten Horns hineingedrängt und dieses würde gedehnt werden. Es zeigt aber später keine Spuren solcher Dehnung, die übrigens auch auf den Geburtsvorgang einen naotitheiligen Bin-rtuss haben müssto. Es ist daher anzunehmen, dass das unbefruchtete Horn sich mit contrahirt (vergl. auch pg. 322). Die Thatsache, dass in seltenen Fällen bei Zwillingsträchtigkeit ein Foetus abortirt, der andere ausgetragen wird, spricht allerdings dafür, dass in diesen Fällen abnormer Geburt das eine Horn vom anderen unabhängig war. Aber diese Aborten, bei douon die Frucht in einem viel zu frühen Stadium geboren wird, stehen doch auch unter ganz anderen Bedingungen. In solchen Fällen kann nur eine Veränderung am Foetus selbst den Anlass zum Abortus geben. Diese Veränderung übt wohl einen localen Reiz auf das betreffende Horn, welcher sich aber dem ganzen Uterus nicht mitzu-thoilen braucht, weil dieser sich noch gar nicht in dem reizompflndlichen Zustand befindet, wie vor der normalen Geburt. Die Verbindungen zwischen Muttor und Frucht sind lose, dor Foetus ist kloin, der für die Geburt nöthige Contractionsdruck ein sehr viel geringerer. Kurz, es mangelt dem Vergleich dieser Umstände mit einer normalen Geburt jede sichere Basis. Auch die Verhältnisse bei viel gebärenden Thiercn liegen ganz anders, weil eben beide Hörner befruchtet sind (vergl. pg. 340).
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deshalb dauert das Erött'nuugsstadium länger als das Austreibungsstadium; der Vorgang ist bei Erstgebärenden und überhaupt unter gewissen Umständen besonders schwierig. Das stossweise Andrängen des Foetus drängt die Cervix auseinander, aber nach der quot;Wehe zieht sie sich wieder etwas zusammen. Jede folgende Wehe aber macht sie nachgiebiger, erweitert sie mehr und schliesslich ist sie, wenn man so sagen darf, verschwunden. Die Hand des Anfängers wird vergeblich nach der Grenze zwischen Gebärmutter und Scheide suclieu, wie man sie am Präparat zu sehen gewohnt wird. Es ist alles ein Rohr von gleichförmiger Weite und die den äusscren Muttermund ehemals umgebenden Sehleimhautfalten sind ringförmig in die Wand dieses Rohres eiugepresst.
Es ist klar, wie sehr die dem Foetus vorausgehende Blasequot; (d. h. die mit Fruchtwasser gefüllton Fruchtliiillen) geeignet sein muss, bei der allmählichen Oeft'nung der Cervix mitzuwirken. Vermöge der Verschicblichkeit ihres flüssigen Inhaltes im Stande, sich jeder Form und jedem Raum anzupassen, wirkt sie wie ein coniseher Bolzen, der immer und immer wieder gegen die anfangs enge Oeffnung vorgetrieben wird und sich entsprechend der Erweiterung der Oeft'nung verstärkt. Die Theile des Foetus selbst könnten dies nicht annähernd so zweck-mässig bewirken. Es ist deshalb sehr nachtheilig, wenn die Beratung der Blase eintritt, bevor ihre wesentliche Aufgabe, die Eröffnung des Muttermundes, beendet ist; der passirende Foetus findet dann den Muttermund nocht nicht genügend offen, wodurch die Geburt erschwert wird.
Im übrigen wird die Dehnung des ganzen hinteren Abschnittes des Genitalkanals und namentlich der Cervix aber wesentlich erleichtert durch die Auflockerung, seröse Durchfouchtung und damit Erweichung, welche alle Geschlechtstheile schon vor der Geburt erfahren haben (s. pg. 263).
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Der llliisensprungquot;.
Die Fruchthüllen werden meist in ihrer Gesaimnthoit die Blasequot; genannt, die in Ihnen enthaltenen Flüssigkeiten das Fruchtwasserquot;. Man darf aber nicht vergessen, dass es sich dabei um verschiedene BostandtheUe handelt, die sich eventuell verschieden verhalten werden.
Beim Menschen liegt innerhalb des Chorions nur die Anmionblnse (pg. 208); beide liegen einander dicht an und bilden in diesem Hinne eine Blase, welche auch nur ein Fruchtwasser, nämlich die Amnionflüssigkeit, enthält. Da das Chorion durch die Placenta am Uterus befestigt ist und nicht sofort mit ausgestossen wird, so muss es borsten. Die Amnion-
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blase berstet dmin in der Regel gleich mit; sie kann aber auch ganz bleiben und mit ausgoschioden worden. Das Kind wird dann in der Hüllo (mit der Glückhaubequot; nach alter Anschauung) geboren; die Hülle enthält natürlich auch noch das Fruchtwasser.
Hei Thieren liegen die Verhältnisse schon dadurch ganz anders, dass imChorion zwei verschiedene Blasen mit verschiedenen Flüssigkeiten liegen, die Allantoisblasc und die Amnionblase (vgl. pg. 180 ft'.). Bei Pferd und Fleisch-fresamp;er ist (s. p. 193,204) das Amnion von der Allantoi's allseitig umschlossen; es giebt also eine Aussenblase, deren Wand aus Chorion und Allnntois besteht, und eine Binnonblaso. Bei Wiederkäuern und Schweinen ist dies nicht so, aber hier nimmt die Amnionblase auch nur das Mittelstück des langgestreckten Chorionsackes ein; dessen Enden dagegen, die bei der Geburt vorangehen, sind ausschliesslich vom Allantoi'ssack ausgefüllt. Es ist also in allen Füllen dasselbe: Es sind zwei Blasen vorlumden; die Allautoi'sblase, der das Chorion dicht anliegt, kommt voran; erst wenn sie geborsten ist, kann die Amnionblase mit dem Foetus hervortreten.
Nun ist aber die Lage der Amnionblase nicht central fixirt, resp. bei der Kuh kann das vor dem Muttermund liegende Ende der Alluntoi'sblase zu-saminengesehobon werden, sodass die Amnionblase gleich mit vor den Muttermund zu liegen kommt und dass beim scbliesslichcn Bersten des Chorions die AllantoTs- und Amnionblase zusammen bersten. Es kann aber auch vorkommen, dass zunächst nur die Allantoi'sblase berstet, dann erst die geschlossene Amnionblase hervortritt und später für sich allein platzt oder auch, dass die Amnionblase geschlossen mit dem Foetus ausgestossen wird. Die Herstuug der Allantoi'sblase muss dann jedenfalls vorangegangen sein. Wenn der thierische Foetus bei der Geburt die Glückshaubequot; auf hat, so kann dies, wie beim Mensehen, nur die Amnionblase sein. Im Fall die Anmioublaso später, als die Allantoi'sblase, berstet, lässt sich bei der Kuh die gesondert abüiessende Amniontlüssigkeit an ihrer dickschleimigen Beschaffenheit (pg. 223) leicht erkennen.
Die Blase (bezw. die Blasen) springt normal erst am Ende des EröfTnungsstadiuins, wenn der Muttermund ganz auseinander gewichen ist.*) Das ist auch ganz erklärlich, denn während ihr Blindsack vorher gegen den Muttermuijd gepresst wurde und mit dessen Widerstand auch Halt fand, musste nun zunächst das Allantoischorion, den Druck des vortreibenden Foetus allein aushalten, was es natürlich nicht kann. Glatt mitgehen kann es auch nicht, wegen der in jedem Falle bestehen-
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') Springt sie Iniiior, so war sie zu dünn oder es lagen besondere ungünstige Umstände vor; oft wird der Fehler goniacht, sie zu früh zu zerstören.
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don Vcrbiiulungen mit der Utorusschleimhaut; es kann ein Stück weit mit vorgetrieben werden, muss dann aber zerreisson. Die Amnionblase zorreisst in der Regel ebenfalls bei den Hindernissen, welche der Passage des Foetus entgegentreten. Dies kiinn aber unterbleiben, da sie lose in der äusseron Pruchtbülle liegt.
Das Fruchtwasser muss sieb beim Blasensprung entleeren; bei Tbieren eventuell, wie schon erwähnt, Allantois- und Amnion-Flüssigkeit gesondert. Uebrigens tliesst zunächst nur ein Theil des Fruchtwassers ab (Vorwasser); grössere Quantitäten, welche sich in den abhängenden Theilen des Uterus befinden oder denen der in den Geburtsweg rückende Körper des Foetus den Ablauf verlegt, folgen erst während und nach der Geburt. Das Fruchtwasser hat für die Geburt eine ausserordentliche Bedeutung. Es leitet oder schwemmt den Foetus förmlich nach der geöffneten Thür (nach der Cervix) hin, nachdem es diese selbst aufgedrückt hat. Indem es sich dann vor und während der Geburt ergiesst, macht es den Geburtsweg schlüpfrig; die bei vorzeitigem Abfluss sich ergebenden Nachtheile (pg. 335) zeigen seine Bedeutung am klarsten.
In diesem Sinne ist es übrigens auch vortheilhaft, wenn die Blase möglichst weit In die Scheide und event, bis zur Schamspalte vorgetrieben wird, weil sie eine glatte Tapete des ganzen Geburtsweges liefert, die sowohl dessen Schleimhaut schützt, als auch das Durchgleiten des Foetus erleichtert.
Ueber das Abreissen der Nabelschnur, der letzten Verbindung des Foetus mit seinen Fruchthüllen, wird später zu sprechen sein (pg. 345).
Die im Geburtsweg geborstenen B'ruchthüllen (eventuell mit Ausnahme der Amnionblase, falls der Foetus in dieser geboren wurde) verbleiben zunächst mit einander und durch das Chorion mit dem Uterus in Verbindung. Sie bilden in ihrer Gesammtheit die Seeundinae, die Nachgeburt, deren Schicksal ebenfalls später betrachtet werden wird (pg. 352).
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Die Einstellung und Austreibung des Foetus.
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Ueber die mechanischen Vorgänge, welche die Einstellung und Austreibung des Foetus begleiten, liisst sich vieles mehr sagen, als in Folgendem geschieht. Es kommt aber dabei an allen Punkten die Lehre von den Lagen in Betracht, welchen an einer anderen Stelle (Theil II dieses Werkes Pg. 430 ff) ein umfangreiches Kapitel gewidmet ist. Ich beschränke mich daher hier auf folgende Bemerkungen.
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Zunächst ist zu beachten, dass (namentlich hei unseren grossen Hausthieren) gewisse mechanische Verhältnisse ganz andere sind, als beim Menschen; sowohl wegen der ganz anderen Lage des Uterus zum Beckenraum, als auch wegen der Grössenverhältnisse des foetalen Kopfes. Bei der aufrechten Körperhaltung findet die Uterushöhle im Beckenraum etwa ihre untere Fortsetzung; die Schwere weist den schwersten Theil des Foetus, den Kopf, direct auf die Beckenhöhlo bzw. auf den inneren Muttermund hin. Und wenn bei der Geburt die Mutter in Rückenlage sich befindet, so steigt der Foetus aus dem Uterus in die Beckonhöhle allenfalls hinab, aber nicht hinauf. Den Boden des Beckeneinganges bildet das Promontorium des Kreuzbeins, nicht der vordere Schambcinrand.
Bei Thieren liegt alles entgegengesetzt. Der Uterus hängt vor dem Schambeinrand tief herab; der vorderste Theil ist der tiefste. Beim Fröffnungsstadium muss der Foetus gegen den Muttermund hin eine steile Ebene hinangeschoben werden. Legt sich das Thier auf den Bauch, so wird ja der Uterus gehoben; immerhin aber muss der Foetus, wenn er in den Beckeneingang (in das sogenannte kleine Becken) eintritt, über den Schainbeinrand, wie über eine hohe Schwelle oder Treppenstufe, hinüber. Dieser Uebertritt macht, wie das häufige Steckenbleiben fehlerhafter Haltungen an dieser Stelle beweist, Schwierigkeiten, welche beim Menschen in ähnlicher Weise gar nicht vorhanden sein können.
Alle diese Verschiedenheiten kommen bei dem Folgenden mehrfach in Betracht.
Bei dem Vorrücken des Foetus gegen und durch den Geburtskanal ist dreierlei zu erörtern, nämlich die im Uterus gewonnene Lage, der Eintritt in den Geburtsweg und der Durchgang durch denselben.
Der Foetus*) befindet sich bekanntlich (siehe Theil II, pag.430ff.) normal in Kopf- oder Steissendlage, bei den Unipareu weitaus am häufigsten in der erstereu. In beiden Fällen ist normal der Bauch dem Bauch der Mutter zugekehrt (Bauchstellung) und die vorangehenden Füsse sind gegen den Muttermund gestreckt.
Der Foetus liegt aber nicht von vornherein auf dem Bauch, sondern vielmehr nach abwärts bezw. nach der Seite, jedenfalls, was leicht erklärlich ist, mit dem zusammeugekrümmten Bauch der coneaven oberen Seite des Uterushornes zu, d. h. also in Rücken- oder Seitenstellung (vergl. auch pag. 2ö4, sowie die Abbildung pag. 332). So kann er aber nicht geboren werden. Er dreht sich vielmehr um seine LängsaKe und zwar erst nach Beginn der Geburt, während er schon gegen das Becken
*J Uebor die Lagerung der Foctcn vorgleicho auch pag. 251.
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BMg. 38. Mediansohnltb darota oino im h. Monat bragendo (goi^orene) Kuh. Naoh dor Natur gozeiohnet (quot;Vgl. Boil Th, Woohonsohr. JHÜ4, pg. 532).
#9632;jinke ICur|ugt;rliillrte. Dor i'outus in Hiiitori'iiillaKn mill SdUoiistolluiig, Dor dem DoschaiKH'
eusekehrte BUokon, derganso stark Kebogone Hals, dor grötsoio TheU dea Sohttdels sind reohts vom Mcilianscliiutt goUiebeii und daher entfort. Man siulit vom ßüoken hör In die ontloorto Brust- und Blauoliliüldo liiuoin. Dor qner dm-ohsolmittono Kopf (ZmiKO, Nasonhöhlo), dor die Naso dor linken Köiporsoito dor Mnttor znkohrt, stolit mit dem Rumpf niolit, in Verbindung (Hals abgaaohnlttenj. Brostbaln, Armhoino, Pfannentheil des Bookona sind siohtbaTi
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vorgetrieben wird. Frank erklärt (lies damit, dass bei dorn Vortreiben und Wiedcrzurüekweiehen der Foetus gewissermassen in das Hecken ein-gepasst werde. Das müsse aber dazu führen, dass der dorso-ventrale Durchmesser des Foetus sich dem dorso-ventialen Heekemlurehmesser parallel stelle, weil beide Durchmesser die griissten sind. Die Kotation dos Foetus vollzieht sich bisweilen fast plötzlich (Frank). Unterbleibt sie, so entsteht eben eine fehlerhafte Stellung (vgl. Theil II, pag. 420 ff.).
Endlich hat der Foetus auch nicht von vorn herein die gestreckte Gliedmassenhaltung, mit welcher er schliesslieh vorrückt. Die lioine sind vielmehr gegen den Bauch gekrümmt. Die beim Menschen für die eintretende Streckung des ganzen Körpers aooeptirte Erklärung seheint auf die Thiere nicht anwendbar. Vielleicht könnte man hier die peristaltisehe (s. pag. 323) Art der Ute.ruscontractionen zur Erklärung heranziehen.. Die Extremitäten des dem Becken zugekehrten Körpertheils (sei es Steiss oder Kopf) werden nämlich bei unter den Bauch geschlagener Haltung stets die Fnssenden nach dem Gipfel des TJterushoms gerichtet halten müssen. Gehen nun die Contractionswellen vom Gipfel des Horns aus, so treffen sie von vorn her auf die Fnssenden und werden diese (weil leichter beweglich als der Rumpf) mit sich nach dem Muttermund hin sozusagen fortschwemmen. Dadurch müssen aber die Füsse unter dem Bauche hervor und schliesslieh in eine gestreckte Lage getrieben werden.
So ist der Foetus schliesslieh zu der Stellung vorbereitet, in welcher er in die Geburt eintreten kann und man sieht, dass diese Vorbereitung in wichtigen Punkten sich erst durch den Eintritt der Geburtswehen vollzieht.
Indem der Foetus sammt der Blase gegen den Muttermund getrieben wird und diesen allmählich dehnt, stellt er sichquot; zur Geburt (daher auch Stellwehenquot;) in der soeben beschriebenen Lage. Ob das vorliegende Körperende bei noch geschlossenem Muttermund bereits in den eigentlichen Beckenraum eintritt oder dieser wichtige Eintritt erst nach Eröffnung des Muttermundes erfolgt, hängt natürlich von der Lage des Muttermundes ab. Daraus, dass der Muttermund auf dem neben-stelienclen Gefrierschnitt noch vor dem Hchambeinrand liegt, folgt nicht, class er diese Lage während der Geburt beibehält. Er kann durch das Andrängen des Foetus in den Kaum der Heckenhöhle hineingedrängt werden: es fehlen darüber genügende (natürlich nur während der Geburt vorzunehmende) Feststellungen. Wie dem aber auch sei, jedenfalls ist der Eintritt in das kleine Becken, d. h. über den vorderen Schamheinrand (Pecten ossium pubis) bereits die erste kritische Stelle, wo sehr häufig {hol abnormer Lage und Haltung wohl stets) der erste Widerstand
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sich geltend maoht. Dies geschieht nicht bios deswegen, weil der Foetus hier einen knöchernen Ring, den Beckeneingang passirt, der event, zu eng sein kann, sondern weil er dabei von unten herauf über eine hohe Stufe, d. h. iiher den vorderen Schambeinrand hinüber gehoben werden nuiss (was beim Menschen nicht der Fall ist, vgl. pg. 331)*).
Wenn nun der Foetus diese Stelle passirt und In den Geburtsweg eindringt, der aus dem gehörig erweiterten Cervicalkanal und der Scheide bestellt, so bietet derjenige Theil des Beckens, welcher seitlich von den breiten Beckenbändern begrenzt ist und die ganz nachgiebige Scheidenwand die geringsten Schwierigkeiten. Dagegen ist der niuseulöse Scheidenvorhof und die Schamspalte, also der Beckenausgang wieder ein Ort etwas grösseren Widerstandes. Beim Menschen nennt man das Eintreten des Kopfes in die Schamspalto das Einschneidenquot;, das Passireu des Kopfes das Durchschneidenquot;. Ist der Kopf mit den Vorderbeinen passirt, so folgt in der Regel der übrige Körper ohne weiteres. Doch kann der Ein- und Durchtritt des foetalen Beckens bei der Kuh (Doppellender etc.) noch Hindernisse bieten; bei Steisslage könnte ein starker Kopf dasselbe bewirken, lieber die Form des Beckens selbst und die Erweiterungsfähigkeit seines Raumes während der Geburt ist bereits pg. 305 ff. gesprochen worden.
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Verlauf dor Geburt.
Wenn wir den Verlauf der Geburt überblicken, so handelt es sich eigentlich nur um eine Recapitulation des bisher gesagten und um einige Hinweise auf das, was im 2. Theil dieses Werkes pg. 41laquo;ff. über die geburtshülHiche Untersuchung und die Aufsicht bzw. einfache Hülfeleistung während der Geburt ausgeführt worden ist.
Die Uteruscontractionen können plötzlich beginnen oder allmählich einsetzen und schon längere Zeit bestanden haben, ehe sie durch das Benehmen des Thieres angezeigt werden. Der eigentliche Beginn des Eröffnungsstadiums kann also der Beobachtung entgehen. Ist das-
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*) Kino Bemerkung macht hier die Stellung der Harnblase noting. Beim Menschen steht sie allerdings oberhalb der Synipbyso; hier liegen die Vorhiilt-nisse auch anders (pg. ,'J;il). Ob bei den grossen Hausthioren die Harnblase während der Geburt über den Scharaboinraml nach vorn horuntor hängt, wie es mit Vorliebe abgebildet wird, scheint mir mindestens sobrunwahrsclicinlieh (vergl. pg. 304). Sie würde auf den Schambeinrand, trotz dessen Auspolsterung, doch recht gequetscht werden. Vor der Geburt wird fast stets Urin entleert. Die Harnblase dürfte danach leer und ganz in die Beckenhöhle zurückgezogen sein, wo sie auf dem coneaven Bockenboden gut untergebracht ist.
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selbe erst in voller Entwicklung, so zeigen es die Thiere durch Unruhe und Unbehagen au. Sie treten hin und her, legen sich und stehen wieder auf u. s. w. Koth und Urin wird meist entleert; dafür, dass der Mastdarm leer ist, muss übrigens event, gesorgt werden. Die Wehen verstärken sich allmählich und werden äusserlich erkennbar. Im übrigen lässt mau das Thier in Ruhe und wartet den Verlauf des Stadiums ab, welches immer mehrere Stunden dauert (siehe pg. 337 ff.).
Schliesslich kann man sich von dem Zustand des Muttermundes durch Untersuchung per vaginam überzeugen. Laien werden eine solche Untersuchung besser unterlassen, da sie bestenfalls eine vorzeitige OefF-nung der Blase bewirken. Warum aber der Sachverständige sie nicht, auch wenn noch keine Abnormität hervortritt, vornehmen sollte, kann ich nicht einsehen; beim Menschen wird sie ebenfalls ganz unbedenklich ausgeführt. Die zur Geburt gestellte Blase ist keinesfalls zu zerstören, bevor der Muttermund nicht vollständig verstrichen st (s. pg. 328) Mit der fortschreitenden Oeffnung des Muttermundes fliesst der im Cervicalkanal ange-sammelte-Schleim In langen zähen Strängen ab. Mit Fruchtwasser (auch mit der schleimigen Amnionflüssigkeit des Rindes) ist derselbe nicht zu verwechseln. Es kann übrigens auch, wenn die Blase ungeborsten am Muttermund steht, Fruchtwasser abfliessen, falls die Blase anderswo einen Riss bekommen hat. Wenn die Blase von selbst (nicht häufig) oder in Folge ungeschickter Manipulationen gesprungen und das Fruchtwasser abgeflossen ist, ehe der Muttermund völlig geöffnet war, so wird dessen Erweiterung sehr verzögert und die Geburt verlangsamt. Soweit ein Vordringen zum Foetus möglich ist, darf man nach Abfluss des Fruchtwassers nicht zaudern, sich der erreichbaren Thoile des Foetus zu versichern. Durch Infusionen lauwarmen Wassers ist der etwa trocken und klebrig gewordene Geburtsweg wieder schlüpfrig zu machen.
Mit dem Eintritt der Blase durch den erweiterten Cervicalkanal in die Scheide erfolgt der Blasensprung in der pg. 328 beschriebenen Weise und es fliesst ein Theil des Fruchtwassers ab. Es beginnt damit das Austreibungsstadium. Während desselben liegen dieThiere meistens und man soll sie liegen lassen, schon wegen der dabei günstigeren Lage des Uterus zum Beckeneingang (pg. 331) und der kräftigeren Wirkung der Bauchpressc*). Stuten springen oft plötzlich auf (vgl. pg. 337). Manche (leichten) Geburten vollziehen sich ganz im Stehen,
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') Etwas anderes ist es, wenn es sich bei Goburtshimicrnlssun darum handelt, das bereits oingotrotono Junge wieder ans dem Bocken in den Uterus zurlickzusohicben. Hierbei muss es von wosontlichen Nutzen sein, #9632;wenn der Uterus möglichst tief unter dem Niveau dos Bcckenoinganges liegt, wobei das
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Mit dem Zerstören der Blase, falls dieselbe nicht von selbst ge-Bprungen ist, soll mau es auch jetzt nicht eilig haben, bis die Blase (Aninion) aus dem Wurf hervortritt. Falls dann nicht schon Theile des Foetus in normaler Lage mit sichtbar werden und die Geburt augenscheinlichen Fortgang nimmt, nmss die Blase aufgerissen und der Stand des Foetus festgestellt werden. Wenn eine nornialo Lage festgestellt wird, so werden die vorliegenden Theile mit der Hand erfasst und jede eintretende Wehe wird durch einen Zug mit der Hand unterstützt. Ist die Austreibung schwieriger, so können die vorliegenden Theile angeseilt werden. Damit beginnt dann schon die eigentliche Gebxirtshülfe, welche hier nicht Gegenstand der Erörterung ist (vergl II. Theil dieses Werkes pg. 4,25).
Unter Umständen ist es wichtig, sich im Austreibungsstadium bereits davon zu überzeugen, ob der Foetus lebt oder todt ist. Dies ist keineswegs immer leicht (vergl. pg. 284 und Theil II dieses Werkes pg. 301). Das mehrfach empfohlene Pulsfühlen des Foetus (siehe ebenda) giebt wohl nur ausnahmsweise ein Resultat. Bewegungen macht der eingekeilte Foetus nicht. Wenn der Foetus eine Gliedmasse, an welcher der Geburtshelfer gezogen hat, seinerseits zuiückzieht, wenn die aus dem Maule gezogene Zunge zurückgezogen wird oder der in das Maul geschobene Finger 8augebewegung (im After Kreismuskolcoutractionen) spürt, so sind das sichere Lebenszoieheu. Aber das Fehlen dieser Erscheinungen ist noch kein Todeszeichen.
Wie schon gesagt, erfolgt am schwersten der Durchtritt von Kopf und Becken und die kritischen Stellen am Wege sind der vordere 8cham-beinrnnd und der Beckenausgang. Ist durch letzteren der Kopf mit den Vorderbeinen bzw. bei Steisslago (d. h. Hiutercndlage) das Becken durch-getrclon, so erfolgt die Vollendung der Austreibung in der Kegel rasch, bei einiger Zug-Unterstützung binnen wenigen Augenblicken.
Bei Steisslagen muss nach dem Hervortreten des Beckens die Entwicklung beschleunigt werden, weil in dieser Lage die Nabelschnur im Geburtsweg abreissen und der Foetus ersticken kann. Während und nach dem Durchtritt tliesst noch Fruchtwasser ab.
Das ganze Austreibungsstadium verläuft oft ausserordentlich schnell, was übrigens kein besonderer Vortheil ist.
Mit der Ausstossung des Jungen beginnt dann das Nachgeburtsstadium (siehe pg. 862), welches nicht mehr zur eigentlichen Geburt gehört.
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.Imifie der Schwöre nach in den Uterus gezogen wird. In solchen Füllen lässt man daher das Mutterthlcr aufstehen oder legt es hinten hoch.
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337 Bemerkungen Über die einzelnen Thierarten.
Stute.
Der vorstehenden Beschreibung der Qeburtsvorgiinge sind die Verhältnisse bei den der Regel nach uniparen grossen Hausthieren zu Grunde gelegt. Es bleiben daher über diese nur wenige besondere Bemerkungen zu machen übrig.
. Das Eröffnungsstadium dauert bei der Stute am längsten, bis zu einem halben Tage. Leichte Wehen können sogar schon 1 bis 2 Tage der Geburt vorausgehen. Meist wird aber der Anfang des Eröffnungsstadiums gar nicht bemorklich. Erst nach einiger Zeit fängt die Stute an, unruhig zu werden, mit Niederlegen und Aufstehen zu wechseln. Wenn sie dann liegen bleibt, ist in der Regel bereits das Austreibungsstadium da, welches kürzer, als bei allen anderen Hausthieren, ist und normal nur 1530 Minuten dauert. Dies hängt wohl auch mit der günstigen Beckenform zusammen (siehe pg. 300), die überhaupt Schwergeburten selten macht. Die Schmerzensäusserungen sind nichtsdestoweniger bisweilen recht lebhaft. Ist der Kopf passirt, so macht das Fohlenbecken keine Schwierigkeiten. Es ist empfehlenswerth die vorliegenden Theile anzuschlingen und die Austreibung durch Zug zu unterstützen. Der Zug darf nicht gewaltsam sein und muss die Richtung nach dem unteren Schamwinkel nehmen. Ebenso empfiehlt Graf Lehn-dorff den einschneidenden Kopf gegen den unteren Schamwinkel zu drücken. Andernfalls besteht die Gefahr eines Einreissens des oberen Schamwiukels, was übrigens für künftige Befruchtungen ein Nachtheil sein soll. Aus demselben Grunde ist ein Einschmieren des Wurfes mit Vaseline vor der Geburt vortheilhaft. Werden weitergehende Eingriffe noting und ist die Stute unruhig, so kann die Fesselung zur Verhinderung plötzlichen Aufspringens nothwendig werden. Im übrigen lässt man die Stute ruhig liegen (vgl. pg. 335). Gegen abnorme Heftigkeit der Wehen, falls diese eine Lageberichtigung unmöglich machen, ist nach Schwarz-uecker die Anwendung von Chloralhydrat (2030 g) Chloroform (5 bis 10 g) oder eine Morphiuminjection zulässig.
Kuh.
Das Eröffnungsstadium, welches oft theilweise schon verlaufen ist, bevor die Aufmerksamkeit auf die gebärende Kuh gelenkt wird, währt mehrere, bis (i, Stunden. Bei anscheinend längerer Dauer kann man sich durch Untersuchung überzeugen, ob das Austreibungsstadium bereits begonnen hat, oder, was vorliegt. Die mittlere Dauer des Austreibungs-
Srhmii Uz. Qoschlechtslebon.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 22
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Stadiums, der Geburt im engeren Sinnequot;, geben Frank und Kehrer auf 3 Stunden, zwischen l1^5gt; höchstens ö Stunden an. Doch kann auch bei Kühen dieses Stadium doch wohl noch schneller verlaufen. Natürlich wird die geleistete Unterstützung durch Zug die Dauer der Austreibung wesentlich abkürzen können. Kehrer zählte bei 2 Kühen in diesem Stadium 4404 Wehen, Das Anschlingen der vorliegenden Theile, das Aufstehenlassen bei Lageberichtigungen erfolgt wie bei der Stute. Ueber die für etwaigen Zug massgebende Beckenaxe siehe pg. 309.
Schafe und Ziegen.
Genauere Angaben über den Verlauf der einzelnen Geburtsstadien fehlen. (Betreffs der Untersuchung siehe Theil II dieses Werkes, pg. 423).
Tapken (vgl. pg. 341) macht folgende Mittheilungen: Das Schaf giebt (in Priesland) am seltensten, die Ziege verhältnissmässig häufig Anlass zur Geburtshilfe. Man kann mit der Hand meist leicht, am besten am stehenden Thier, in das Becken vordringen; Im übrigen sind aber die kleinen Wiederkäuer gegen geburtshilfliche Eingriffe recht wenig widerstandsfähig. Anlass zu Schwierigkeiten geben öfters fehlerhafte Kopfhaltungen, zu schwache Wehen und (wohl eine Folge davon) mangelhafte Eröffnung des Muttermundes. Absterben des Foetus ist bei der Ziege nicht selten.
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Zwillingsgeburten der Uniparen.
Die Zwillingsschwangerschal't ist, wenigstens bei Stute und Kuh eine Ausnahme, die nicht häufiger als beim Menschen vorkommt (vgl. pg. 98). Daher ist es auch erklärlich, dass dieser Zustand leicht genug Unregelmässigkeiten hervorbringt.
Beim Menschen, wo die Zwillinge in gemeinsamer Uterushöhle liegen, entstehen solche Unregelmässigkeiten noch leichter. Die Geburt ist meist sehr langsam und die Wehen sind schwach, weil der Uterus sich seiner grossen Ausdehnung wogen nicht kräftig genug zusammenziehen kann. Eine kritische Situation entsteht schon dadurch, dass beide Foeten in einem Kaum liegen, durch die Contractionen der eine gegen den anderen gedrückt wird und einer den anderen vorbeilassen muss. Meist stellt sich eine Blase zur Geburt. Es kommen aber ausnahmsweise Collisionen vor, indem entweder beide Blasen sich gleichzeitig stellen oder auch das zweite Kind sich noch während der Geburt des ersten nachschiebt. (Uebrigens besteht bei Zwillingsgeburten auch
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für die Mutter eine Gefahr in schweren Blutungen). Unter normalen Verhältnissen folgt das zweite Kind dem ersten schon nach 1/4Va Stunde, ausnahmsweise später (112 Stunden).
Bei den Hausthieren zeigt der Uterus eine für Zwillingsschwanger-schafteu viel günstigere anatomische Einrichtung in seiner Zweihörnig-keit; ja es macht fast den Eindruck, als ob der Uterus bicornis geradezu für Zwillinge bestimmt wäre. Die Verhältnisse liegen also hier bei Zwillingsgeburten einfacher. Jedes Korn wirkt auf seinen Inhalt: jeder Foetus ist vor Druck seitens des anderen geschützt. Von Col-lisionen ist bei den grossen Hausthieren nichts bekannt. Dagegen berichtet Tapken über einzelne Fülle bei der Ziege, wo gleichzeitig die Füsse zweier Poeten vortraten. Es ist meines Erachtens müssig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, warum der eine Foetus dem anderen zuvorkommt. Dies braucht sieh doch ebenso wenig nach gesetzmässigen Regeln zu vollziehen, wie etwa das Gedränge in einer Bahnhofsthür. Einer muss eben zuerst hinaus; wer, das kann von hundert kleinen Zufälligkeiten abliängen, über die nachzugrübeln Niemand einfallen wird.
Die Geburt des 2. Foetus erfolgt nach 12 Stunden, in der Regel ohne jede Schwierigkeit und dann sehr rasch mittelst weniger Wehen. Da der Geburtsweg durch die vorausgegangene Geburt bereits gonügeiid erweitert und noch nicht zusammengezogen bezw. noch ganz schlaff ist, so erklärt sich dies ohne weiteres.
Es kann aber doch vorkommen, dass nach normaler Geburt des ersten Foetus beim zweiten Unregelmässigkeiten bestehen, die ein Ge-burtshinderniss abgeben. Daraus, dass Besitzer bezw. Wärter nach vollzogener erster Geburt alles beendet glaubt und auf die Mutter nicht weiter achtet, können in einem solchen Falle üble Folgen entstehen. Es empfiehlt sich daher (nanientlich für einen die Geburt leitenden Sachverständigen), sich nach jeder Geburt (bezw. eventuell eine Stunde später) zu überzeugen, ob ein 2. Foetus vorhanden ist.*) Wenn dies der Fall ist, so wird die Fruchtblase resp. es werden Theile des Foetus bei genügend weiter Einführung des Anns durch den noch weit offenen Muttermund leicht gefühlt werden können. Bei den kleinen Wiederkäuern, namentlich bei der Ziege, wo Drillinge öfters vorkommen, kann freilich (nach Tapken) das eine Junge noch so weit im Horn zurück sein, dass es der Feststellung sich vorläufig entzieht.
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*) Uobor die soltenen Fälle von Suporfootation, wobei die Footen verschiedenen Alters sind und der jüngere daher lange Zeit später geboren werden kann, siehe pg. 91.
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Sclnvoin.
Das Eroffnungsstadium beginnt wahrscheinlich schon, wenn die Sauen anfangen, sich einen Kessel in der Streu zurecht zu machen, denn sie können hierzu wohl durch nichts anderes veranlasst werden, als durch das Gefühl der ersten Wehen. Verzögerungen von 12 Stunden und mehr sind nicht normal und durch Qeburtshindernisse veranlasst.
Mit zunehmenden Wehen legt sich die Sau, steht aber öfters wieder auf und geht umher. Der Wärter soll sie dann durch beruhigende Behandlung zum Niederlegen bewegen. Jeder Zwang ist jedoch unbedingt zu vermeiden, da er bei dem Eigensinn des Schweins nur Beunruhigung und Aufregung bewirkt und in jedem Falle Schaden stiftet. Ueberhaupt muss darauf gesehen werden, dass in der Umgebung der gebärenden Sau grösstmöglichste Ruhe herrscht. Eine Beaufsichtigung der Geburt sollte auch beim Schwein in keinem Falle unterlassen werden.
Den Uebergang des Eröffnungs- in das Austreibungsstadium kann man nicht genau feststellen, weil man die Untersuchung des Geburtsweges bei der Sau nur aus zwingenden Gründen vornehmen wird (Enge des Weges, Aufregung des Thieres)'. Rechnet man allein die Zeit, welche von der Geburt des ersten bis zu der des letzten Ferkels vergeht, so beläuft sich dieselbe auf 26 Stunden. Die einzelnen Ferkel folgen ein^ ander in Pausen verschiedener Daner; bald in regelmässigen, bald in unregelmässigen Abständen. Oft vergehen nur einige Minuten; es kommen aber auch Pausen von U,] Stunde und darüber vor (verschiedene Qrösse der Focten); namentlich die letzten Ferkel folgen oft verlangsamt (Ermattung der Mutter). Die Ferkel werden bald in Kopf-, bald in Steiss-lage, oft noch im Aranion geboren. Bei Kopflage finden sich die Vorderbeine neben den Rumpf zurüekgebogen, was den günstigsten Durchmesser gewährt (vgl. pg. 250); bei Steisslagc sind die Hinterbeine nach hinten gestreckt.
Was den Charakter der Wehen bei dem Schwein und den mul-tiparen Thieren überhaupt anlangt, so verlaufen sie im allgemeinen, wie bei einfachen Geburten. Es ist jedoch die Frage aufgeworfen worden, wie sich die Uterushörner gegenseitig verhalten. Kehrer*) hat bei einer vivisecirton gebärenden Hündin beobachtet, dass ein Horn sich ruhig verhielt, während das andere Horn sich contrahirte. Eine einzelne Beobachtung kann nichts entscheiden; die Möglichkeit der gesonderten Contraction des einzelnen Hornes kann aber umsoweniger bestritten werden, als schon (pg. 322) erörtert worden ist, dass der Uterus bei seinen Contractionen
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) Vergleichende Physiologie der Geburt, pg. 40.
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sich nicht als einheitliches Ganzes verhält. Andrerseits sprechen verschiedene Erwägungen dafür, dass gerade die Hörner des Uterus sich kaum entgegengesetztverhalten können (pg.327). Soviel stehtjedenfalls fest: Eine gesonderte Contraction jedes einzelnen Hornes (es ist sogar regel-mässige Ahwechselung behauptet worden) ist nicht damit bewiesen, dass die Foeten ohne Collision auf einander folgen. Auch wenn beide Hürner sich zugleich contrnliiren, wird eben ein Foetus immer den Vorsprung gewinnen. Darüber ist schon pg. 339 gesprochen worden.*)
Ueber die Geburtshilfe bei Schweinen hat Tapken-Varel seine ziemlich umfangreichen Erfahrungen in den Monatsheften für prac-tische Thierheilkunde, Band III, Heft 3, veröffentlicht; im übrigen ist die Literatur an solchen Beobachtungen ganz arm. Bei der practischen Wichtigkeit der Geburtshilfe beim Schwein und, weil die Arbeit von Tap-ken im II. Theil dieses Werkes nicht berücksichtigt ist, halte ich es für angebracht, hierunter den wesentlichen Inhalt der Tapken'schen Erfahrungen wiederzugeben, obwohl derselbe grösstentheils nicht mehr die normale, sondern die Schwergeburt betrifft.
Den Anlass zum geburtshelferischen Eingreifen geben meist nur erstgebährende und sehr junge Sauen. Bockenfohler fand Tapken nie, abnorme Lagen nicht häufig. Meist handelt es sich um zu grosse Ferkel (35 pCt. der Fälle), zu schwache Wehen oder, wenn in Folge dieser Urnstände schon die Geburt verlangsamt war, auch noch um erhebliche Schwellung im Geburtswege. Dabei ist hervorzuheben, dass die Ferkel oft ziemlich ungleiche Grosse haben und dass daher eine Stockung der Geburt nicht bloss beim erstgeborenen, sondern ebenso auch bei nachfolgenden Ferkeln auftreten kann. Ueberdies nehmen auch die Wehen an Nachdruck ab; um so eher, je heftiger sie eingesetzt haben. Auch abgestorbene Foeten, die zwischen den lebenden liegen (vgl. pg. 273) und eventuell gleichzeitig mit einem solchen ausgestossen werden, können Geburtshinderniss werden.
Das geburtshelferische Eingreifen ist bei Schweinen durchaus möglich und Erfolg versprechend. Wenn der Beginn der Geburt sich auf-
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) Was übrigens pg. 327 über die wahrscbcinlicho Mitcontraction des un-befruchtoton Hornes bei Uniparen gesagt worden ist, würde auch durch erwiesene Einzolcontraction jodos Hornes bei den Multiparun nicht widerlegt werden. Die Vorhältnisso bei Uni- und Multiparon sind oben zu verschieden. Denn hier sind beide Hörnor gefüllt, dort 1st ein Horn leer, d. h. unbefruchtet. Nur für dieses würden die dort besprochenen mechanischen Qrlindo vollgültig sein. Wenn sich freilich bei den Uniparen beide Hörner contrahiren, so spricht das zugleich dafür, dass dasselbe auch bei den Multiparon die Kegel bildet.
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fällig hinausschiebt oder eine Zwischenpause von mehr als einer Stunde eintritt, so braucht mau mit der Hilfeleistung nicht ängstlich zu zögern. Zu langes Hinausschieben derselben ist nicht rathsam (Ermattung der Wehen, Vorschwellung des Geburtsweges). Die Sau muss auf der Seite liegen, muss eventuell durch Reiben an den Bauchseiten etc. dazu ver-anlasst, im äussersten Nothfall aber auch gewaltsam festgehalten werden (dann kann man sie auch gleich auf einen strohbedeckten Tisch legen lassen, was alle Handlungen erleichtert). Eine mittelgrosse Hand lässt sich fast immer (keilförmig und gut gewölbt) in das Becken einführen; nur bei Verschwellung des Geburtsweges wird dies unmöglich. Als Instrumente neben der Hand benutzt man eine Schlinge aus starkem Bindfaden oder noch besser aus durch Glühen biegsam gemachtem Messingdraht (der Draht erhält an einem Ende eine Oese und wird mit dem anderen Ende durch diese hindurch geführt; gute Biegsamkeit ist Erforderniss). Die Schlinge kann um den ganzen Kopf bezw. den Hals oder bloss um den Oberkiefer gelegt werden. Dazu kommt ein Haken von 34 cm Länge mit hölzernem Griff, dessen in einem Winkel von 45deg; stehender kurzer Schenkel 2 cm lang, abgeplattet, an der Winkehmg etwa l1/^ cm breit und mit stumpfer Spitze versehen ist. Dieser Haken wird im Nothfall in die Augenhöhlen oder den Unterkiefer eingesetzt und findet meist nur zur Extraction eines schon in den Geburtsweg eingetretenen Eerkels Verwendung. Die Möller'sche Hunde-Geburtszange bewährt sich beim Schwein nicht.
Wenn das Ferkel bereits in das Becken eingetreten ist und festsitzt, soll man es ja nicht zurückschieben, weil dies einmal keinen Zweck hätte und andrerseits der vor dem Becken befindliche Foetus der Hand ausweicht und sich viel schwerer fassen lässt. Das Ausziehen, welches unter Berüchsichtigung der Wehen stattzufinden hat, erfordert oft ziemliche Kraft. Oft genügt ein Zug am Unterkiefer; oder man sucht die Schlinge über den Kopf zu schieben (deren freies Ende übrigens zur Ermöglichung grösserer Zugkraft an einem Stock befestigt werden kann); in letzter Linie muss der Haken helfen. Bei Steissendlage fasst man einfach die Hinterbeine; hier ist das Ausziehen am bequemsten. Liegt das Ferkel noch vor dem Becken, so muss man versuchen, die Kopfschlinge anzulegen. Man kann auch die Sau vorn hochheben, damit sich das Ferkel in das Becken einschiebe. Oft muss bei sämmtlichen noch folgenden Ferkeln Hilfe geleistet werden, namentlich wenn die Geburt schon lange verzögert war und die Sau matt geworden ist. Ein grosser Vor-theil ist beim Muttersehwein die grosso Widerstandsfähigkeit gegen geburtshilfliche Eingriffe. Wenn der Geburtsweg stark verschwollen ist,
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kann jede Hilfeleistung unmöglich werden und es bleibt nur die Schlachtung übrig. Zu versuchen ist jedoch noch die Einfüllung von Haferschleim in grosseren Mengen, worauf bisweilen nach längerer Zeit die Geburt selbst ohne Hilfe sich vollzieht.
Die Feststellung des Endes der Geburt ist nicht immer sicher. Wenn Wehen geraume Zeit hindurch nicht mehr auftreten, die Sau aufsteht und Appetit zeigt und nach einer Stunde bei der manuellen Untersuchung im Gebutsweg kein Ferkel mehr zu finden ist, so kann man im allgemeinen annehmen, dass die Geburt beendet ist. Es kommt jedoch vor, dass sich trotz inzwischen erfolgten Abganges der Nachgeburt (vgl. pg. 353) noch ein Ferkel im Uterus aufhält, ohne dass es mit der Hand erreichbar wäre. Tapken hat zwei Fälle kennen gelernt, in denen noch drei Tage nach vollendeter Geburt ein Ferkel, das eine Mal spontan, das andere Mal nach Wiederauftreten von Wehen mit Kunsthilfe, geboren wurde.
Hündin.
müssen vor der Geburt ein passendes Lager erhalten. Es vergehen nach Frank 310 Stunden bis zur Ausstossung des ersten und von da ab bis zur Ausstossung des letzten Jungen noch 16 Stunden; durchschnittlich dauert die Geburt 8 Stunden (Kehrer). quot;Wird Hilfeleistung nöthig, so legt man die Hündin am besten auf einen Tisch. In den Geburtsweg lassen sich nur einige Finger einführen. Die Extraction ist mit der Möller'schen Zange zu bewirken.
Katzen machen sich selbst ein Lager an heimlichem Ort zurecht; die Geburt soll bei ihnen 36 Stunden dauern.
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Das Junge nacli der Geburt.
Die Geburt ist ein Vorgang, dessen Wirkungen und unmittelbare Folgen für den Foetus noch umfassender und tiefgreifender sind als für die Mutter.
Nicht allein, dass ihn allerlei Zufälle mit unmittelbaren Gefahren bedrohen. Jede Boschwerde, welche die Austreibung der Mutter macht, trifft ja in gleicher Weise don Foetus, der gepresst, gequetscht und bei Geburtshilfe vollends oft so misshandelt werden muss, (man denke sich bloss die Einwirkung einer Zangenanlegung auf den Kindsschädel oder das Zerren von vier Mann an den angeseilten Beinen des Kalbes), dass man sich wirklich wundern muss, wie gerade die zarten Glieder des
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Neugeborenen sicli von Insulten leicht wieder erholen, welche an mittelalterliche Polterungen erinnern und einem Erwachsenen vielleicht zeitlebens in den Gliedern liegenquot; würden.
Aber diese mechanischen Einwirkungen sind noch nicht die Hauptsache. Am bedeutsamsten muss die Einwirkung sein, welche Loslösung von der Mutter und Eintritt in die Aussenwelt, der fast plötzliche Beginn der Function des Gehirns, der Lungen, des Darms, der Nieren, der Haut auf den Stoffwechsel und die gesammten quot;Verhältnisse des Körpers ausüben muss. Hier handelt es sich um eine vollständige Umwälzung, welche allein auch unter normalen Verhältnissen genügt, die Lage des Neugeborenen zu einer kritiselien, ja lebensgefährlichen zu machen. Auch hier muss man erstaunen darüber, wie das Neugeborene und namentlich das junge Thier, vor allem das junge Wild, diese kritische erste Stunde meist so gut übersteht. Man muss sich eben überzeugen, dass dieser junge, anscheinend so zarte, hilflose und widerstandsunfähige Körper mit seinen schwachen ungeschulten Organen in Wirklichkeit eine, augenscheinlich gerade in der Jugendfrische seiner Gewebe beruhende Widerstandsfähigkeit besitzt, die enorm erscheint, wenn man die schwachen Mittel mit den verhältnissmässig ungeheueren und plötzlich hereinbrechenden Anforderuugen vergleicht. Eben weil aber hier ein Missverhältniss besteht, wird diese relativ grosse Widerstandsfähigkeit des neugebornen Körpers doch leicht erliegen.
Wenn also der Zustand des normal geborenen und normal beschaffenen Neugeborenen doch in jedem Falle ein kritischer genannt werden muss, folgt daraus die Aufgabe des Thierpflegers von selbst. Der erste Gegenstand seiner Sorge muss das Junge sein; die Mutter tritt zurück.
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Unmittelbare Qefahrcn der Geburt.
Der beginnende Geburtsvorgang kann durch Zufälle mehrfacher Art, deren Besprechung nicht hierher gehört, die Blutzufuhr zu dem Foetus einengen und verhindern zu einer Zeit, wo der letztere sich noch im Uterus befindet. Der dann eintretende Sauerstoffmangel kann vorzeitiges Athmen (siehe pg. 227), Aspiration von Fruchtwasser und schliess-lich Erstickungsgefahr, Asphyxie und Erstickungstod bedingen.
Dasselbe kann eintreten während der Geburt, wenn der Foetus im Becken eingekeilt ist und die Nabelschnur aus irgend einem Grunde zusammengepresst wird. Sie kann auch zerreissen, bevor der Foetus geboren ist; dies kommt z.B. bei der Stcisslage leicht vor (pg. 336); bei
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Ferkeln geschieht es überhaupt häufiger. Dies bedingt nicht sowohl eine Verblutungs- sondern eben auch wegen des Sauerstoffmangels, eine Erstickungsgefahr. Beim menschlichen Kinde bewirkt die Umschlingnng . der Nabelsclinur um den Hals während des ungestörten intra-uterlnen Lebens selten eine Gefahr, während sie bei der Geburt (wo sie sich in 20 pCt. der Fälle einfindet) Strangulation, wenn auch selten und nur bei verzögerter Geburt, herbeiführen kann (vgl. pg. '208 u. 209).
Der Foetus kann also halbtodt, scheintodt oder wirklich todt geboren werden, während er bis zur Geburt gelebt hat; in allen Fällen handelt es sich um Erstickungstod (vgl. pg. 227). Uebrigens sterben Fohlen besonders schnell (Graf Lehndorff).
Das Verhalten bei der Geburt eines asphyetischen Jungen ist im Theil II dieses Werkes, pg. 298 besprochen, worauf hier nur zu verweisen ist. Ich möchte nur bemerken, dass das dort für das Vorstadium des Scheintodesquot; pg. 298 empfohlene Besprengen mit kaltem Wasser mir als ein aus physiologischen Rücksichten sehr zweifelhaftes Mittel erscheint und wohl besser unterbleibt (das Einschütten von Wasser, welches hie und da üblichquot; sein soll, ist natürlich ein grober Missbrauch).
Erste PUrsorgo fllr das Neugeborene.
Die beiden Vorgänge, die sich nothwendigerweise an die Geburt unmittelbar anschliessen müssen, sind die Zerreissung der Nabelschnur und die Befreiung von den Fruchthüllen. Beides kann von selbst erfolgen, aber auch einen Handgriff erfordern.
Wenn das Junge in den Hüllen, im Netzquot;, mit der Glückshaubequot;, kurz in der A.mnionblase geboren wird, so ist das erste die sofortige Zerreissung; der Blase, damit das Fruchtwasser abfiiesst und das Junge in das Lebenselement der athmosphärischen Luft eintritt (denn damit fängt eigentlich sein extra-nterines Leben erst an). Geschieht dies nicht schleunigst, so wird, wenn inzwischen die Nabelschnur gerissen ist, das Junge in der Amnionblase anfangen zu athmen, Fruchtwasser aspiriren und in Erstickungsgefahr gerathen. Geburt in der Hülle kommt gelegentlich hei allen Thioren vor, am häufigsten anscheinend bei Ferkeln.
Das Zerreissen des Nabelstranges erfolgt bei Pferd, Wiederkäuer und Schwein unmittelbar bei der Ausstossuug des Jungen, wenn dasselbe hinter der Mutter auf den Erdboden gelangt, bisweilen auch erst, wenn die Mutter aufsteht bezw. wenn das Junge sich bewegt (Schwein), und manchmal überhaupt nicht von selbst. In den meisten
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Fällen genügt also die Zerrung und eventuell das Gewicht bezw. die Bewegung des Jungen, um die zartwandigen Nabelgefässe zu zerreissen. Beim Fleischfresser ist dagegen der Nabelstrang fester, reisst nicht von selbst und wird von der Muttor durchbissen.
Wenn der Nabelstrang nicht von selbst reisst, so fasst man ihn, einige Centimeter vom Bauelmabel entfernt, mit beiden Händen an und durchreisst mittelst Zug nach beiden Seiten die zwischen den Händen befindliche Stelle. Beim Schwein kann man ihn einfach mit dem Nagel durchkneifen. Ebenso kann man ihn einfach mit der Scheere durchschneiden (reine Instrumente nöthig), was der die Geburt Beaufsichtigende bei der Hündin stets thun wird, um dieser die Mühe des Durch-beissens zu ersparen. Wenn das Abreissen zu nahe am Nabel erfolgt, wird dadurch der Eintritt von Entzündung (pg. 349) begünstigt.
Mit der künstlichen Trennung des Nabelstranges hat es mm keine Eile, weil ja die Erhaltung der Nabelschnur weder für den Foetus, noch für die Mutter eine directe Gefahr einschliesst. [Es wird sogar, wenn die Zerreissung etwas aufgeschoben wird, noch ein Theil des im Chorion enthaltenen Blutes durch die Nabelvene dem Foetus (Ansaugimg des Herzens) zugeführt werden, während die Nabelarterien (beginnende Athmung) nicht mehr das gleiche Quantum ausführen.] Längeres Zögern hat aber natürlich auch keinen Zweck. Dass das Junge bei unzerrissener Nabelschnur eventuell noch nicht kräftig athmet und dass dann die Nabelarterien noch pulsiren können, hat nichts auffälliges; denn eben das Zerreissen der Nabelschnur bietet ja den An-lass zum ersten ausgiebigen Athemzug; dieser wieder bedingt erst das Versiegen des Blutstroms iir den Nabelarterien.
Da, wie bereits pg. 217 erklärt worden ist, mit dem ersten richtigen Athemzuge die Nabelarterien kein Blut mehr erhalten, zusammenfallen und thrombosiren, so ist die Gefahr einer Blutung bei regulärer Athmung ziemlich ausgeschlossen und bei Thieren anscheinend auch noch nicht beobachtet. Ebenso kann eine rückläufige Blutbewegung durch die Nabelvene (von der Hohlvene unter Vormittelung des Ductus Arantii) wegen der ansaugenden Wirkung des Herzens und überdies wegen der Zusammenpressung der ventral laufenden Nabelvene durch die Eingeweide nicht zu Stande kommen.
Unterbindungen der Nabelgefässe sind aber trotzdem, namentlich wenn man die Nabelschnur durchschneidet, anzurathen, obwohl sie meist nicht gemacht werden. Bei Kindern sind sie sogar unbedingt und sehr fest nöthig, um eventuell gefährliche Blutungen zu verhindern. Da die offene Nabelvene überdies eine Eintrittspforte für Verunreinigungen bezw.
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infectiöse Stoffe werden kann, so ist auch aus diesem Grunde eine Unterbindung beim Fohlen und Kalb in jedem Falle empfohlenswerth. *)
Die Reinigung und Erwärmung des Neugeborenen wird bei Kindern durch ein Bad besorgt. Bei den stark behaarten Haus-thieren besorgt sie die Mutter; beim Ferkel, welches so gut wie nackt ist, unterbleibt sie. Die im dichten Haarkleid geborenen Jungen sind natürlich (Fruchtwasser) ganz durchnässt, auch sonst mit allerlei Unreinig-keiten (Reste der Vernix cascosa; Amnionsehleim beim Kalbe) bedeckt.
Diese Nässe muss alsbald eine starke Abküliluag zur Folge haben, gegen welche das bisher an die tropische Binnentemperatur der Uterus gewöhnte Neugeborene natürlich ganz besonders und um so mehr emplindlich sein muss, als eine Wärmeregulation bei ihm noch nicht funetionirt (siehe pg. 220) und erwärmende Vorgänge, wie Bewegung etc. noch nicht stattfinden.
Das Neugeborene darf daher diesem Zustand unter keiner Bedingung überlassen bleiben. Die Abhilfe erfolgt am besten auf natürliche Weise durch die Mutter. Dieselbe bekundet nämlich sofort nach der Geburt ihre Zuneigung zu dem Jungen, indem sie es beleckt. Dieser Trieb natürlichen Gefühls hat zugleich die sehr practische Folge, dass das Junge, welches sich unter der kräftigen Zunge der Mutter zu bewegen und zu wenden anfängt, nicht bloss gereinigt, sondern vor allem
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*) Die Nabolgofässo reissen von selbst meist unterhalb dos Banchrlngas. Bei den Wiedorkäuern reissen dio Arterien, welche hier nicht im Bauchring festgewachsen sind, meist innerhalb der Bauchhöhle, was an sich gleichgültig ist. Der Uraclms ist bei der Geburt noch ein wenig durchgängig und. es kann zum Harnabtröpfeln durch denselben kommen, was keine Bedeutung hat.
Der Urachus erhält sich in der Bauchhöhle natürlich noch einige Zeit nach der Geburt, mit ihm die Stümpfe der Nabolartcrien, alle i! in einer hohen Bauchfellfalte eingeschlossen. Wie lange sich Urachusreste finden, ist bisher nicht genau festgestellt. Die Pestollung könnte am besten in Schlachthäusern, wenigstens für Kälber, stattfinden. Mit dem allmählichen Schwund dos Urachus schwinden auch die Arterien und die Falte meist gänzlich. Es bleibt vom Urachus nur die Ansatzstelle am Gipfel der Harnblase erkennbar und hierher gehen daher in den Seitonhändern der Harnblase auch die obliterirten Nabelarterien (sog. runde Bänder). Eine deutliche Spur der vom Blasengipfel nach dorn Nabel führenden Urachusfalte bleibt oft erhalten. Beim Menschen vorlaufen der Urachus in einer mittloren und die beiden Arterien in zwei besonderen seitlichen Bauch-fellfalten. Alle 3 Falten erhalten sich bis zum Nabel und begrenzen die Leistengrubenquot;. Dio Nabelvone erhält sich überall, natürlich obliterirt, vom Nabel ab bis zur Leber als sog. rundes Band an der Mittellinie der Bauclidecken. Fabretti hat einen Fall von Fortbestehen einer dicken, von der Lober bis zum Nabel hin durchgängigen Nabolveno bei einer 11jährigen Kuh mitgotheiit.
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getrocknet und warm frottirt wird. Deshalb muss der Mutter auoh dieses Belecken unbedingt möglich gemacht werden, indem man ihr, wenn sie angebunden ist, das Junge vorlegt. Es ist auch practisch, ihr das Ablecken schmackhaft zu machen durch Bestreuen des Jungen mit Kleie oder Salz, was dem letzteren nichts schadet (natürlich darf man dem Jungen das Salz nicht geradezu einreiben, wie dies bisweilen geschieht).
Es sollen Fälle vorkommen, wo die Mutter das Junge nicht belecken mag, was als ein Mangel an natürlicher Zuneigung gedeutet werden muss (siehe auch pg. 359). Eventuell ist die Mutter auch zu erschöpft etc. In diesen Fällen muss das Junge mit weichen Strohwischen schonend trocken gerieben und möglichst warm in reines Stroh oder Heu gebettet werden. *)
Die neugeborenen Ferkel werden, solange die Geburt weitergeht, aus der Nähe der Mutter entfernt und warm in Stroll (am besten in einen strohgefüllten zugedeckten Korb) gebettet; auch hier ist es, da sie nicht beleckt werden, natürlich gut, sie mit einem Tuch etwas abzutrocknen.
Auf die Beschaffenheit der Nasenlöcher ist bei allen Thieren zu achten und der jene etwa füllende, die Athmung erschwerende Schleiqj ist herauszuputzen.
Dass übrigens der Stall, in dem die Geburt erfolgt, genügend warm sein muss, ergiebt sich aus dem oben Gesagten von selbst (vgl. pg. 293).
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l'flcgc der Jungen.
Der Schutz vor Erkältung ist auch weiterhin eine sorgsam zu beobachtende Aufgabe. Man wird demgemäss für ein sehr gutes, trocknes Lager und für einen zugfreien Platz im Stalle zu sorgen haben. Die Stalltemperatur soll für Fohlen und Kälber keinesfalls unter 10deg; R. (bis 13deg;) betragen. Ferkel (unbehaart) müssen noch etwas wärmer, nicht unter 11 0 R. (bis 13 0) gehalten werden.
Nabelpflege. Der Nabel kann zu einer Krankhoitsursaclie werden. Er ist eine offne Wundstello, Infectionsstoffen daher zugänglich. Eine Nabelinfection (die auch bei Kindern unheilvolle Folgen oft genug herbeiführt) giebt bei Fohlen und Kälbern Anlass zu der häufigen Omphalo-phlebitis, Nabelvenenentzüudung oder Lähmequot;, wie die Krankheit wegen
*) Hol Kälberraquo; wird ompfohlon, sie nicht belecken zu lassen, wenn man die Mutter das Kalb nicht saugen lassen und die Mutter daher an dasselbe nicht erst gewöhnen will.
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der dabei auftretenden Hinfälligkeit und Bewegungsunmöglichkeit populöt genannt wird. Qewiss kann ähnliches auch bei den kleinen Hausthieren auftreten, doch liegen besondere Beobachtungen hierüber nicht vor. Die Verhütung der Nabelinfoction weist auf eine besondere Behandlung des Nabels hin.
Die Eeste der Nabelschnur hängen bekanntlich aus dem Körperuabel heraus. Sie sind in der Regel nach einigen Tagen geschrumpft und trocken, womit die gefährlichste Zeit vorüber ist. Nach 814 Tagen fallen sie ab. Mit dem Schrumpfen und Eintrocknen geht der Schluss des Körpernabels vor sieh,*) doch findet die Vernarbung erst nach einiger Zeit statt. **)
Beim Kinde werden unter normaler Pflege sehr sorgfältige Reinigungen und Einwickelungen vorgenommen. Freilich muss sich auch hier unter sehr vielen Verhältnissen der Satz bewähren: Es geht auch so. Solche Verhältnisse sind ja bei Thioren noch häufiger. Aber dies kann die Richtigkeit der hygienischen Forderung einer Nabelpflege auch beim Thier nicht erschüttern. Dieselbe ist um so selbstverständlicher, als die Jungen sich mit der offenen Wundstelle (als eine solche ist der unvernarbte Nabel, wenigstens so lange Vene und Urachus durchgängig sind, doch anzusehen) auf die Streu legen und schon die ganz gewöhnlichen Verunreinigungen, wie bei jeder Wunde, vermieden werden sollten. Wasclumgeu des Nabels mit desinficirenden und zusammenziehenden Flüssigkeiten (Carbolwasser, Creolin etc.), Bestreichen mit Theer und Umwicklung, endlich einmaliges Bepinseln mit concentrirter Carbolsäure (natürlich nicht bis an die Epidermis heran und ebenfalls mit Umwicklung) sind empfehlonswerthe Massregeln. Ist der Nabelstrangrest übrigens bei freiwilliger Zerreissung auffallend lang geblieben, so wird er besser verkürzt.
Ernährung: Die erste Ernährung erfolgt bekanntlich unbedingt durch Milch und zwar, wenn irgend thunlich, durch Saugen bei der Mutter.
Man soll das Junge saugen lassen, sobald es dazu Neigung und Vermögen zeigt; es daran einen halben oder ganzen Tag zu verhindern.
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*) Es kommen nicht seiton Nabelbrüche vor, die hier jedoch nicht zu besprechen sind.
**) Die Demarkationslinie bildet sich in der scharfen Grenze zwischen Epidermis und Anmionschoido (pg. 183). Da die Epidermis hier trichterförmig ausgestülpt ist, so braucht sie sich nur zusammenzuziehen um für die Deckung der ursprünglichen Nabolöft'nxing auszureichen, was natürlich sehr wesentlich für die rasche Vornarbung 1st,
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ist ganz unbegründet. Es beginnt Versuche zum Aufstehen und Gehen und fängt an, nach dem Bauche der Mutter zu suchen; dabei ist es soweit als nöthig zu unterstützen. Fohlen und Kälber stehen ^1 Stunde nach der Geburt auf.
Ist das Junge schwach, so wird man es nach einiger Zeit auf die Beine und an das Euter zu bringen versuchen oder ihm zunächst die von der Muttor abgemolkene Milch einflössen.
Einige besondere Massnahmen erfordert das erste Saugegeschäft bei den Ferkeln. Hier handelt es sich zunächst um eine Vielzahl, oft grosser als die Zahl der Zitzen. Die Mutter kann unbedingt nur so viel Ferkel ernähren, als sie Zitzen hat, so class eventuell eine Aussonderung stattfinden muss. Jedes Ferkel behauptet die Zitze, an welche es von vorn herein gewöhnt worden ist, wobei diejenigen, welche die vordersten Zitzen mit Beschlag belegt haben, am besten wegkommen. Schon um Ordnung hineinzubringen, ist es daher am besten, die Ferkel anzulegen oder sie wenigstens zu dirigiren. Dies kann geschehen, sobald die ganze Geburt beendet und die Nachgeburt abgegangen ist.
Dabei bestehen zwei Gefahren, dass die Sau die Jungen nicht gutwillig saugen lässt und dass sie welche davon erdrückt. Die Ferkel misshaudelu beim Andrängen an die Zitzen und beim Saugen die Muttej erheblich; die dabei unvermeidlichen Schmerzen machen namentlich Erstlingssauen ungeduldig und wüthend; bösartiges Temperament kommt öfters dazu. Die Sauen springen auf, schütteln die Ferkel ab, beissen sie auch wohl. Die Schmerzen müssen also möglichst gemildert werden. Eine Vorbereitung der Zitzen ist vorthoilhaft (pg. 316). Namentlich aber soll man unbedingt den Ferkeln vor dem ersten Anlegen die nadel-scharfen Spitzen der mit auf die Welt gebrachten Zähnchen behutsam abkneifen (pg. 24()). Ist die Sau trotzdem sehr ungeduldig, so werden die Ferkel am besten vorläufig weggenommen und mich 12 Stunden wird ein neuer Versuch gemacht.*)
Das Erdrücken der Ferkel verursacht einen durchschnittlichen Verlust von 3 pCt. (Rohde). Es ist trotz aller Vorsicht nicht ganz zu vermeiden und pasairt, wenn die Sau sich niederlegt. Die Sauen sind allerdings gewöhnlich sehr behutsam, legen sich niemals schnell, sondern lassen sich erst vorn nieder und legen sich dann ganz langsam auf die Seite, erheben sich auch rasch, wenn ein Ferkel zu quieken anfängt; alle sind natürlich nicht so vorsichtig und ruhig. In langem
*) Auch junge Stuten sind bisweilon kitzlig und wollen nicht saugen lassen, so dass man ihnen don Fuss aufhoben und sie sonst bändigen muss; dies verliert sich aber nach wenigen Tagen.
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Stroh, wo die Sau nicht so leicht ausweichen kann und die Ferkel sich leichter verstricken, kommen leichter Unglücksfälle vor; deshalb soll das Stroh in den Ferkelbuchten auf Decimeterlängc geschnitten sein.
Bei Sauen besteht oft Mi Ich mangel während der ersten 24 bis 48 Stunden; das Saugen ist dabei aber nicht zu hindern, weil grade dadurch die Absonderung schliesslich hervorgerufen wird. Sind zu viel Ferkel geworfen, so kann man einige einer anderen Sau geben. Da diese aber die fremden Ferkel am Geruch erkennen und eventuell nicht annehmen könnte, so ist es z.B. in Friesland üblich, alle Ferkel mit Thran anzuschmieren, wodurch jeder Eigengeruch verloren geht (Tapken).
Kälber lässt man oft aus wirthschaftlichen Gründen nicht saugen; dann müssen sie aber wenigstens die Colostrummilch (die so wie so sonst zu nichts zu gebrauchen wäre) erhalten. Wenn freilich aus irgend einem Grunde (z. B. Tod der Mutter, Mangel einer Amme) sowohl das Saugen als die Verabreichung von Colostrummilch unmöglich sind, so bleibt nur übrig, das Aufziehen mit anderer Milch zu versuchen, am besten mit der Flasche (oftmals am Tage zu verabreichen), später mit dem Tränkeimer. Man benutzt dazu natürlich für alle Thiere Kuhmilch, weil sie immer zu haben ist; dieselbe ist gekocht, lauwarm zu verabreichen und in den ersten Tagen mit der Hälfte Wasser zu verdünnen; später geht man allmählich zu Vollmilch über. Bei Ferkeln wird man dieses Aufpäppeln nur versuchen, wenn es sich um werthvolle Nachzucht handelt.
Die Saugezeit beträgt bei Fohlen 6 Wochen bis zu 3 Monaten; bei Kälbern nicht unter 4 Wochen bis 8 Wochen, wenn es eben nicht auf anderweitige Milchverwerthung mehr ankommt; bei Ferkeln 4 Wochen.
Die seiner chemischen Zusammensetzung nach für die erste Ernährung besonders werthvolle Colostrummilch (pg. 300) hat auch eine gewissermassen abführende Wirkung, indem sie die Ausscheidung des Meconium oder Darmpechs (pg. 228) beschleunigt. Der Abgang erfolgt normal am ersten Lobeustag; er verzögert sich aber bisweilen, was die Thiere durch Unlust zum Saugen, Drängen, Wedeln, Hinwerfen u. s. w. anzeigen. Dann ist die künstliche Entfernung geboten. Man setzt Seifenoder Oelklystiere, entfernt den Mastdarminhalt mit dem Finger, einer Drahtschlinge oder dem von Masch construirten Meconotorium *), einem ohrlöffelähnlichen kleinen Instrument.
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*) Töpper (Berl. tliicrärztl. Woch. 1890) erklärt das Meconotorium für unentbehrlich und sagt folgendes: Dio Darnipechkolik tritt gewöhnlich am zweiton Tage auf. Abführmittel und Olystioro holfon gar nichts, da das Moconiuni oft steinharte Würste bildet. Der Operateur setzt sich auf einen Stuhl; das Junge wird gehörig gehalten. Das Instrument und der Zeige- bozw. Mittoltlngor der
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Dass der Dann, der erst zu functioniren anfangt, gegen Diätfehler und Schädlichkeiten besonders empfindlich sein muss, versteht sich von selbst. Die Beschaffenheit der Milch bezw., da diese von der Nahrung der Mutter abhängig ist, die Fütterung der Mutter werden von weit-gehendem Einfluss sein. Die Fütterung muss dementsprechend namentlich ebensowohl in den letzten Tagen vor der Geburt als in der ersten Zeit nachher eingerichtet werden. Dagegen wird besonders in der Kuhhaltung oft gefehlt, indem saugende Kühe, anstatt mit Heu, Kleie und dergleichen, mit ebensolchen Futtermitteln, wie die anderen Kühe, gefüttert werden (z. B. Schlempe, Rübenschnitzeln, Eübenblättern u. dergl.). Es ist kaum zu bezweifeln, dass durch derartige fehlerhafte Fütterung der Mutter bzw. aber durch die Milch die Kälberruhr veranlasst wird, ein in den ersten 13 Tagen auftretender Durchfall mit weissgrauen Abgängen, an dem die Kälber in der Regel zu Grunde gehen. Jensen-Kopenhagen hat schon 1893 nachgewiesen, dass die Kälberruhr zwar durch ein Bacterium veranlasst wird, dass dieses sich aber auch im Darminhalt neugeborener, gesund gebliebener Kälber vorfindet und eine schädliche Wirkung nur entfalten kann, wenn auf den Darm andere ungünstige Umstände, also besonders natürlich Diätfehler, aber auch z. B. Erkältung u. s. w. einwirken.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;
Die Kälberruhr wird auch als Lähme bezeichnet, weil die Thiere dabei hinfällig werden. Aus demselben Grunde belegt man populär mit diesem Namen verschiedene tödtliehe Erkrankungen der Neugeborenen, so auch die Nabelentzündung (siehe pg. 348), die sogenannte Fohlendarre, eine ätiologisch nicht klargestellte Abzehrung, und den bloss bei Lämmern und Ferkeln vorkommenden Rheumatismus. Die Besprechung dieser Krankheiten, so- wie die weitere Ernährung und Pflege der jungen Thiere gehören nicht mehr in den Rahmen dieses Buches.
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Das Mutterthier nach der Geburt.
Das Nacli^elmrtsstadiam.
Als Nachgeburt (Secundinae) bezeichnet man die Gesammtheit der im Uterus zurückgebliebenen Reste der Fruchthüllen, die stets aus
linken Hand sind eingeölt. Ein linker Pinger wird vorsichtig eingeführt und an diesem das Moconotorium hinoingoleitet (die Convcxität des Löffels nach unten). Drückt man dann den Stiel nach unten, so drückt sich der Löffel in das Pech und es gelingt dasselbe portionenweise herauszubefördern, soweit man nach vorn gelangt. Zum Nachschieben wird 1 g Calomel mit 50 g Ricinus gegeben und eine Infusion von lauwarmem Wasser gemacht. Das Instrument ist von Hauptnor-Borlin zu beziehen.
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dem Allnntoischoriou, meist auch noch aus der Amnionblaso bestehen (falls nämlich nicht das Junge in dieser Hülle geboren wurde; s. pg. 329). Die Entfernung derselben setzt die Losung der Verbindungen zwischen Chorionzotten und Uterusschleimhaut voraus. Diese Lösung erfolgt bei den Deciduaten auf Kosten der Uterusschleimhaut. Die mit den Chorionzotten verwachsene Schleimhaut-Schicht, die Serotina, löst sich mit ab, so dass eine wunde und blutende Schleimhautfläche zurückbleibt. Die Trennung) eine Art Losschälung, wird im Wesentlichen eingeleitet durch die bedeutende Verkleinerung der Uterusfläche sofort nach der Geburt. Die Austreibung der Nachgeburt erfolgt unter schwächeren Contractionen des Uterus, den Nachwehen. Zu den Deciduaten gehören bekanntlich nur die Fleischfresser (pg. 191).
Bei den Indeciduaten (pg. 189, 190) besteht die Lösung darin, dass die Chorionzotten sich einfach aus den entsprechenden Schleimhautgruben herausziehen. Die Lockerung (event, bis zur vollständigen Lösung) erfolgt schon während der Geburt (Zerrungen und Contractionen) und wird weiterhin dadurch bewirkt, dass die Chorionzotten blutleer werden*) und gewissormasseu zusammenfallen müssen (wie ein cavernöses Gewebe). Die Ausstossung der gelösten Fruehthüllen erfolgt auch hier durch Nachwehen.
Die Zeit der Ausstossung richtet sich erklärlicher Weise nach der Art der Verbindung und schwankt im übrigen etwas. Bei der Stute (kleine verstreute Zotten) erfolgt sie einige Minuten bis ll-. Stunde nach der Geburt. Erhebliche Verzögerung, namentlich solche, welche Kunsthilfe erfordern würde, tritt selten ein, belästigt aber die Stute augenscheinlich (vergl. Theil II dieses Werkes, pg. Iü6). Beim Schwein (noch kleinere Zotten) erfolgt die Lösung ebenfalls ganz leicht und schon während der Geburt. Es folgen entweder dem einzelnen Ferkel die zugehörigen Fruchthüllen oder es werden mehrere Fruchtsäcke auf einmal durch einen folgenden Foetus hervorgetrieben oder es kann auch, da alle Foeten (eines Hornes) in einem Chorionsack zu liegen pflegen (pg. 251), dieser, also die Hauptmasse der Nachgeburt, zuletzt aus-gestossen werden. Ausnahmsweise (nach verlangsamter Geburt) kommt die Nachgeburt oder Reste derselben nach einigen Stunden (Vgl. pg. 340 ff.). Bei Hündinnen geschieht, obwohl hier eine Decidua sich ablöst, die Ausstossung der Nachgeburt in derselben Weise wie beim Schwein.
Bei der Kuh dauert es am längsten und abnorme Verzögerungen resp. gänzliche Zurückhaltung, die nur durch Kunsthilfe zu beseitigen
*) Andrerseits wird auch die uterusschleimhaut blutarmer durch die Contraction des Uterus.
Schmaltz, Goscliloohtslebon.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;23
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ist, kommt weitaus am liäutigsteu vor.*) Der normale Abgang erfolgt in 38 Stunden unter nicht unbeträchtlichen Nachwehen; häutig aber erst nach 12 Tagen, was schon abnorm ist, aber die Kühe nicht belästigt. Bei längerem Zuriiekhalten stellen sich aber Nachtheile ein, welche eine künstliche Entfernung notbwendig machen (vergl. Theil II dieses Werkes, pg. 150). Die Ursache des verzögerten Abganges der Nachgeburt liegt in der Eigenart der Kotyledonen und Karunkeln. Namentlich werden die Kotyledonen von den Uteruscontractionen weniger unmittelbar betroffen, wie die Schleimhautoberfläche bei den anderen Thieren. Albrecht beobachtete mehrmals bei Kühen, bei denen die Nachgeburt nicht in der normalen Zeit abgegangen war, plötzlich heftige Wehen, ohne dass sonst eine Abnormität im Uterus vorlag. Bei der Ziege hat Tapken mehrfach Retentio seeundinarum beobachtet. Der Zustand ist hier nicht ohne Gefahr, die Zweekmässigkeit manueller Entfernung zweifelhaft.
Reste pflegen bei spontanem Abgang der Nachgeburt nicht zurückzubleiben.
Das Gewicht der Nachgeburt ist von Colin, Kehrer, Goubaux und Frank geprüft worden und verhält sich nach einer von letzterem zusammengestellten Tabelle zum Eoetus dnrchschiüttlieh wie 1 i 4 8 (jedoch mit erheblichen Abweichungen). Die menschliche Nachgeburt wiegt etwa 1 Pfd. und bildet einen schwammigen Körper von lö cm Flächendurchmesser und ca. 3 cm Dicke.
Die Neigung zum Verzehren der Nachgeburt ist eigenthüm-licher Weise allen Hausthieren, selbst den reinen Pflanzenfressern eigen. Selbst bei manchen Stuten ist ein Belagen der Nachgeburt zu beobachten, noch öfter bei Kühen ein Verschlingen der ganzen Nachgeburt. Manchmal entsteht kein Nachtheil: doch sind auch schwere Störungen vorgekommen; jedenfalls ist das Verzehren der Nachgeburt für die Herbivoreu unnatürlich. Hunde fressen die Nachgeburt ganz regclmässig, was ihnen auch nicht schadet. Auch beim Schwein als Omnivoren würde das Verzehren der Nachgeburt nicht naturwidrig sein. Es ist aber sorgfältig zu verhüten, weil dadurch ein earnivorer Instinct geweckt und eine Verleitung zum Ferkelfresseu gegeben werden soll. Uebcr das Verzehren der Nachgeburt und das Ferkelfressen sind im Theil II dieses Werkes, pg. 238, weitere Bemerkungen gemacht.
Die Nachgeburt aller T hi ere (ebenso jedes todtgeboreno Ferkel) ist daher sofort aus dem Stalle zu entfernen, sowohl um das Verzehren zu
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*) Beim Menschen kommen Ketontionon bis zu 8 oder 10 Tagen, ovontuoli
mit leichtem Resorptlonsfleber, vor. Manuelle Eingriffe sind hier perhorresolrt.
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hindoru, als aus Gründen der Scliickliclikoit und Reinlichkeit, uameutlicli auch wegen der Gefahr der Verschleppung infectiüscr Stoffe (siehe Ahortus). Eben deshalb ist auch für ihre Beseitigung durch Vergraben zu sorgen.
Itehaudlun^ der Bluttertliierc nach der Geburt.
Das Mutterthier hat in der Geburt eine erschöpfende Anstrengung, sogar mit lieberartiger Temperaturerhöhung (pg. 325), überstehen müssen. Innere Organe befinden sieh danach in einem unzweifelhaft leicht verletzlichen oder auch thatsächlich verletzten Zustand. Der Stoffwechsel und der gesammte Körperzustand sind durch die Geburt einer tiefgehenden Veränderung unterworfen worden*). Es ist daher nicht zu verwundern, dass das Mutterthier noch manchen Gefahren ausgesetzt bleibt, die sehr unangenehme und gefährliche Ueberraschungen bringen können. Dazu kommt noch, dass namentlich bei Kühen die vollständige Beendigung des Geburtsvorganges, die eigentlich erst mit der Austreibung der Nachgeburt geschehen ist, durch Zurückhaltung der letzteren oft hinausgeschoben wird.
Das Mutterthier befindet sich also nach der Geburt, weit mehr als vorher, in einer leritisehen Zeit, die namentlich bei der Kuh eine ganze Eeihe gefährlicher Möglichkeiten birgt. Diese Zeit währt im allgemeinen 4 Tage. In diesen ersten 4 Tagen entstehen beispielsweise bei der Kuh Gebärmuttervorfall (bis zur künstlichen Entfernung der Nachgeburt), Gebärpareso (2. oder 3. Tag), Puerperalfieber (3. Tag), Infection der Gebärmutter mit nachfolgender jauchiger Metritis (bis 3. Tag, selten noch am 4.). Auch Euterentzündungen entstehen leicht nach der Geburt (pg. 360).
Dies zeigt zur Genüge, dass das Mutterthier mindestens während der ersten 3 Tage einer sorgfältigen diätetischen Behnndlung bedarf.
Die erschöpfte Mutter muss nach der Gehurt, wenn sie liegen will, eine weiche Streu haben. Bei der Kuh ist, so lange die Nachgeburt nicht abgegangen ist, darauf zu achten, dass das Lager hinten höher, jedenfalls nicht abschüssig ist, weil bei den Nachweheu ein Uterus-VOrfall eintreten kann. Deshalb ist es auch besser, die Kuh, wenn Nachwehen zieh einstellen, zum Aufstehen zu bringen. Steht die Kuh nach mehreren Stunden übrigens nicht von selbst auf, so ist dies ein schlechtes Zeichen. Auf den Abgang der Nachgeburt ist auch wegen rechtzeitiger Eortschaffung derselben aus dem Stalle zu achten. Uterusspülungen nach normaler Geburt sind überflüssig.
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*) Uobcr dio Veränderung dos Stoffwochsols nach der Geburt siehe die Bomorkungon pg. 881.
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Ein Frottireu des Körpers und nachheriges Eiiuleeken ist om-pfelilcnswerth, weil es erfrischend ist und ausserdem der nach der Geburt bestellenden Neigung zu Erkältungen entgegenwirkt. Schutz vor Zugluft und dergleichen Einwirkungen ist, wie für das Junge, so auch für die Mutter, namentlich bei Kühen auch des Euters wegen, erforderlich (Stallwänne siehe pg. 293 u. 348). Zur Stärkung verabreicht man auch wohl eine Brotoder Biersuppe, Warmbier mit Eiern, Branntwein etc. Im übrigen soll die Fütterung in den ersten 8 Tagen nicht sehr reichlich sein und in der Hauptsache aus Heu- und Kleietrank bestehen. Später ist dann eine Nahrung zu verabreichen, welche der Milchabsonderung Rechnung trägt, d. h. an Eiwoiss und Kalk reich ist und keine in die Milch übergehenden, schädlichen Bestandtheile enthält. Die Sau muss übrigens mindestens 14 Tage mit den Ferkeln in ihrer Bucht gefüttert werden, da sie ohne die Ferkel auf der gemeinsamen Futtcrtenne keine rechte Euhe zum Fressen hat. Gerste, Hafer, Magermilch und saure Milch, Grünfutter, gekochte Kartoffeln, Eoggenkleie sind gute Futtermittel. Alle stark angesäuerten Stoffe, wie Käsemolken, Schlempe, Traber, ferner Fleischmehl, Erbsen und Bohnen (milchhemmend) sind zu vermeiden; Reinhaltung des Futtertroges und gutes Trinkwasser ist Erforderniss. Aiulcrnfalls bekommen die Ferkel Durchfall und kümmern.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; v
Schliesslich ergiebt sich aus Allem noch eine practische Forderung, die zugleich wohl auch eine Forderung des Gefühls sein sollte; die nämlich, das Mutterthier während der kritischen Tage (s. oben) nicht zu verkaufen, bezw. aus dem Stalle zu geben. Es kommt dabei namentlich die Kuh in Frage, welche oft in den ersten Tagen nach der Geburt verhandelt und dann sehr oft Prozcssobject wird. Denn es ist ohne weiteres klar, dass die Anstrengungen und Zufälle eines langen Fuss- oder Bahntransportes innerhalb der oben characterisirten Zeit der Gefahr die Verwirklichung einer solchen geradezu heraufbeschwören. Namentlich häufig kommt es vor, dass später bei einer solchen Kuh eine jauchige Gebärmutterentzündung sich herausstellt. Es ist dann nicht möglich, deren Ursche auf den Geburtsvorgang zurückzuführon, weil eine Infection noch 3 Tage nach der Geburt stattfinden kann. Der Käufer hat somit den Schaden und der Vorkäufer mindestens den Acrgor eines Prozesses.
Die lUickbildungr des Uterus.
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Der Uterus hat sich bereits bei der Geburt zusammengezogen, soweit die Austreibung des Foetus eine Raumverringorung zuliess. Mit
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der Ausstossung der Nachgeburt wird unter der Einwirkung der Nnch-weheu die Zusammeuzichung in der Kegel eine so vollständige, dass die Raumausdehnung der des ruhenden Uterus nahekommt. Damit ist auch die Blutfüllo wieder auf das annähernd gewöhnliche Mass herabgesetzt. Die Wand des zusammengezogenen Uterus muss aber noth-wendigerweise erheblich dicker sein, als die des ruhenden Uterus; dies ergiebt sich ganz selbstverständlich daraus, dass die Muskelelemente erheblich zugenommen hatten, jetzt auf eine enge Fläche zusammengedrängt sind und sich erst allmählich zurückbildcn können. Diese Rückbildung, bei der es sich einfach um ein Kleinerwerden in Folge der verminderton Blutzufuhr (wie bei jedem unthätigen Muskel) handelt, vollzieht sich in 23 Wochen; dann wird die Uteruswand wieder ihre gewöhnliche Stärke haben. Man bezeichnet den Prozess auch als Involution des Uterus.
Bisweilen zieht sieh auch bei Thieren der Uterus nach der Geburt nicht genügend und nicht rasch genug zusammen (Inertia uteri). Dies ist nachtheilig umsomehr, als es mit ungenügender Contraction des Muttermundes verbunden zu sein pflegt. Die Cervix uteri, welche bei der Geburt sich gesondert verhielt und am Ende der Geburt noch maximal gedehnt war, contrahirt sich beim Nachlassen der dehnenden Kraft, wie dies jeder gedehnte Muskel thut. Ihre Wand hat bekanntlich eine sehr starke Ringmusculatur; gloiehwohl braucht nach der gewaltigen Ausdehnung die Wiederkehr der völligen Zusammenziehung eine gewisse Zeit. Der Gebärmutterlmls ist daher bei den grossen Hausthioren einige Stunden nach der Geburt noch für die Hand, am nächsten Tage für einen oder zwei Finger (etwa wie bei der Brunst) passirbar und erst nach 34 Tagen wieder undurchgängig, vorausgesetzt übrigens, däss die Nachgeburt abgegangen ist (vgl. auch pg. 358). Bleibt der Muttormund in Folge Zurückhaltung der Nachgeburt oder Inertia uteri offen, so ergiebt sich die Möglichkeit des Eindringens patho-gener Stoffe, die der aufgelockerten und noch nicht regenerirten, häufig verletzten Gebärmuttersehleimhaut natürlich besonders gefährlich sind. Deshalb besteht auch in den ersten 34 Tagen die Gefahr der Infection (pg. 355). Deshalb fault auch die zurückgehaltene Nachgeburt, während bei geschlossenem Muttermund Fäulnissvorgänge im Uterus nicht eintreten (vergl. pg. 272). Wenn eine Gebärmutterer-krankung entstanden ist, bleibt der Verschluss des Muttermundes meist ein unvollständiger.
Die Gebärmu tterschleimhaut hat, wie die Muscularis, ihre Blutfülle eingebüsst. Davon werden natürlich in erster Linie die Placentar-
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Bildungen betroffen, welche daher zunächst in sich zusammensinken und dann sieh ziiriiekbilden. Die Karunkeln der Kuh verschwinden jedoch nicht gänzlich, sondern bleiben als kleine Knoten (pg. 199) erhalten. Das Uterus-Epithel ergänzt sich wieder; die Schläuche nehmen ihre früheren Formen an, die Auflockerung des ganzen Gefiiges verschwindet. Der ganze Prozcss vollzieht sich in derselben Zeit, wie die Zurüekbildung der Muscularis. Dass die Schleimhaut binnen 814 Tagen zur Aufnahme eines neuen Eies durchaus vorbereitet ist, zeigt das Kaninchen, bei dem am Tage der Gehurt schon wieder Begattung stattfindet (also 8 Tage später ein befruchtetes Ei im Uterus sein kann), und auch die Stute, welche vom fünften Tage nach der Geburt ab den Hengst annimmt (pg. 30).
Mit der Regeneration der Schleimhaut ist eine Abseheidung verbunden, die Lochicn. Beim Menschen dauert der Lochialausfluss 14 Tage bis 4 Wochen und ist in den ersten 5 Tagen blutig. Boi der Hündin (Deciduata) sind die Lochien auch zunächst blutig. Hei den übrigen Hausthieren als Indeciduaten sind die Lochien weder blutig, noch reichlich, noch lang dauernd. Die Flüssigkeit ist erst dunkler, dann weiss-lich und soll hauptsächlich aus Uterinmilch, Epithelresten und Schleim bestehen. Der Ausfluss dauert höchstens 8 Tage,
Es verstellt sich, dass während desselben der Muttermund meist noch nicht völlig verschlossen sein wird (wenn er auch ein Eindringen mit dem Finger nicht mehr gestattet). Es scheint aber, dass der Mutterlaquo; mundschluss von der Lochialabscheidung nicht abhängig ist und dass, wenn vor deren Versiegen der Muttermund sich schliesst, einfach Resorption im Uterus selbst stattfindet.
Der Itcginu der liactatiou.
Die Thätigkeit der Milchdrüse beginnt meist schon vor der Geburt, wie pg. 315 besprochen ist, aber auch nach derselben (pg. 351 u. 359 Theil II, pg. 241). Ihr Beginn steht also jedenfalls mit der Geburt in innigstem physiologischem Zusammenhang, wie überhaupt die ganze Entwicklung der Mamma mit dem Geschlechtsapparat zusammenhängt. Die inneren Gründe dieses entwieklungsgosetzlichen Zusammenhanges sind nicht aufgeklärt, stehen aber damit im Einklang, dass die Mamma eine Hautdrüse ist und die Hautgebildo überall eine Abhängigkeit vom Geschlcchtsapparat (Bart, Hirschgeweih, männliche Federfarben etc.) erkennen lassen (vergl. auch pg. (5 u. OB). Angesichts des entwicklungsgesetzlichon Zusammenhanges ist auch der funetionello Zusammenhang nicht überraschend. Die Milchdrüse muss eben als ein integrirender Theil des ganzen Erzeugungs-
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apparates angesehen werden, da die typische Entwicklung des jungen Säugethiers ebeuso durch das Vorhandensein der Milchdrüse, wie durch die Beschaffenheit des mütterlichen Uterus bestimmt ist.
Im übrigen hat auch dieser Zusammenhang seine Ausnahmen. Dass gelegentlieh auch der Bock milcht,*) gehört nicht hierher, beweist aber doch auch, dass Milchsecretion nicht unbedingt mit dem normalen Ende einer Schwangerschaft verknüpft ist. So kann, wie schon Hausmann anführt, auch nach einer erheblich verfrühten Geburt die Lactation frisch einsetzen, wenn sie auch nicht so ergiebig wird. Wie schon pg. 284 bemerkt wurde, ist das plötzliche Eintreten einer, wenn auch schwachen Lactation längere Zeit vor Ablauf der normalen Trächtigkeit ein verdächtiges Zeichen, welches auf Absterben des Foetus hindeutet. Andrerseits tritt nach Ablauf der normalen Schwangerschaftsperiode in der Eegel Milch auf, auch wenn die Geburt noch verzögert wird bezw. eine Steinfrucht vorhanden ist (pg. 273). Bei Hündinnen, welche läufig, aber nicht belegt wurden, stellt sich bisweilen Milch im Gesiiuge ein zu der Zeit, wo eine mit der Brunst begonnene Schwangerschaft hätte zu Ende sein müssen. Kurz, die Einflüsse, welche die Thätigkeit der Milchdrüse aus-]öseu, sind augenscheinlich nicht so einfacher Art, dass nur die Gehurt oder die in der letzten Zeit vorher immer mehr gesteigerte Blutfülle des Genitalapparates (pg. 2(53) als Ursache derselben gelten könnten.
Jedenfalls ist es die Regel, class bei unseren Hausthieren die Milchdrüse schon kurze Zeit vor der Geburt ihre Thätigkeit beginnt. Es könnte dies auffällig sein zu einer Zeit, wo der Foetus die mütterliehen Stoffwechsel noch in höchstem Masse in Anspruch nimmt; doch wird eben die Milchdrüse an der vor der Geburt aufs höchste gesteigerten Blutfülle der Geschlechtsorgane zuletzt Antheil nehmen,
Das Ausbleiben der Milch nach der Geburt ist abnorm. Hausmann hebt hervor, dass in solchen Fällen bei der Kuh, auch wenn sie durch-gemolkcn worden und daher keine eigentliche Eutorschwellung entstanden ist (pg. 293), die Mutter keinerlei Zuneigung für das Junge zeigt, die doch sonst deutlich hervortritt (vgl. auch pg. 348). Demnach hätten die Thioro also eigentlich keine Mutterliebe, sondern nur Ammenliebe für die Jungen. Die Mutterliebe zeigt sich aber doch wohl auch in anderen Dingen. Im übrigen hat es trotzdem viel für sieh, den Milch-druck im Euter als die erste Ursache dafür zu betrachten, dass die thierischc Mutter sich zu ihren Jungen hingezogen fühlt.
Euterpflege. Der Beginn der Lactation ist eine kritische Zeit
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') Vergl. Bcrl. thierärztl. Wochcuschr. 1808, pg. 8i
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für das Euter*), nanieutlich bei denjenigen Thieren, deren Euterthätigkeit durch ihre Haltung künstlich auf ein ungewöhnliches Mass gebracht worden ist, also bei den Kühen (pg. 293). Die mächtige Schwellung des Euters kann fast den Eindruck einer entzündlichen Schwellung machen und schliesslich ist es von der, den Eintritt der Lactation begleitenden physiologischen Hyperaemie zur entzündlichen Hyperaemie auch bloss ein Schritt. Deshalb ist das Euter ausserordentlich empfindlich und verlangt eine sorgfältige Behandlung in Bezug auf richtiges Melken, Schutz gegen Erkältung und Insulte (vergl. darüber pg. 316, sowie Theil II dieses Werkes pg. 241 ff.).
Das erste Product des Euters hat eine besondere Beschaffenheit und wird als Colostralmilch oder Colostrum bezeichnet. Es enthält die Colostrumkörperchen, grosse zellartige Gebilde, welche mit Fetttröpf-chen gefüllt sind. Neuere Untersuchungen führen zu der Annahme,*) dass diese Körperchen einfach Leukocyten sind, welche in die Drüsen-räume dringen und die Eetttröpfchen aufnehmen, sobald die gebildete Milch nicht normal entleert wird. Danach wären die Colostrumkörperchen gar nichts Charakteristisches, sondern würden sich gebildet haben, weil Milch vorhanden war, ehe sie abgesogen bezw. abgemolken wurde. Jedenfalls ist danach die Bezeichnung der Colostralmilch ajs unreife Milchquot; nicht berechtigt. Die Colostrumkörperchen nehmen ständig ab und sind nach etwa 3 Tagen verschwunden.
Die Colostralmilch ist reicher au Trockensubstanz im allgemeinen, namentlich reicher au Albumin, aber ärmer an Casein. Der Albumin-gehalt entspricht dem Vorhandensein der Leukocyten. Die Colostralmilch wird dadurch zu einer sehr geeigneten Säuglingsuahrung, weil sie stoffreich und andrerseits das Albumin leichter verdaulich ist, als das Casein; ausserdem beschleunigt sie den Abgang des Meconiums (pg. 351). Sie ist daher den Säuglingen zu verabreichen, umsomehr, als sie zum menschlichen Genuss (Kuhmilch) nicht zu gebrauchen ist. Als unentbehrlich für das WohlbefindcA und Gedeihen in den ersten Lebenstagen kann mau sie deshalb aber nicht bezeichnen.
Dass die Bokömmlichkeit der gewöhnlichen Milch für das Neugeborene von der Ernährung der Mutter abhängt, ist bereits pg. 352 be-
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*) Ks handelt sich nicht bloss um Einleitung der Milehbildung, sondern um Zunahme der Driisenzellon, welche wegen der voraufgegangonon Unthätigkeit einer thollweisen Atropliio unterlegen sein müssen (vorgl. übrigens auch pg. 293).
quot;) Michaelis, von der medicinisehen Facultiit zu Berlin preisgekrönte Arbeit, Referat in dor Borl. thiorärzti. Woch. 1808, pg. 319. Czerny und Unger, Virchow's Archiv, Bd. 151.
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tont worden. Boim Menschon wird viel von dor Verändoruiig dor Milch durch scolischo Einflüsse, Aerger, Angst otc. gesprochen. Huusinaim erwähnt, dass man dies auch bei edlen Stuten bestätigt finde. Wenn solche Stuten zur Arbeit benutst werden und sicli dabei sehr nach dein Fohlen aufregen, so wirkt die Milch so unbeköminlieh für das Junge, dass man die Stute ausmelken soll.
Die Bedeutung des Beginns der Euterthätigkoit für den Stoffwechsel ist jedenfalls eine sehr grosso, Der dänische Thior-arzt Schmidt-Kolding hat darauf eine neue Behnndlung der Gebilrpnrese begründet. Da dieselbe im zweiten Theil dieses Werkes, der schon früher vollendet war, nicht mehr hat Aufnahme finden können, so ist hier die Gelegenheit, unter Hinweis auf pg. 170 ff. des II. Theiles, die Schmidt'sche Theorie und Praxis, die seit ihrer Veröffentlichung in Deutschland ganz überwiegend Anhänger gefunden hat, kurz anzuführen.
Schmidt begründet zunächst unzweifelhaft zutreffend, dass das Euter, welches dem säugenden Jungen seine gesainmto Nahrung liefert, noch mehr Blut erhalten muss, als der hochschwangere Uterus, aus dessen Blut der Foetus seine Nahrung bezog. Denn das Kalb bedarf von Tag zu Tag mehr; mehr jedenfalls als selbst der ausgereifte Foetus. Das Euter, oder, was dasselbe bedeutet, die Blutgefässe des Euters müssen also noch mehr Nährstoffe liefern, als die Blutgefässe des Uterus (vgl. pg. 224). Sie müssen also noch mehr Blut zuleiten und thun das, wie man hinzufügen kann, um so mehr, als das Euter der guten Milchkuh ja noch einen erheblichen Ueberschuss über den Bedarf des Kalbes liefert.
Das Blut, welches durch die Zusammenziehung des Uterus frei wird, findet mithin, so folgert Schmidt-Kolding wohl ebenso richtig weiter, eine sofortige Ableitung und Verwendung im Euter (dessen Thätigkeit zwar schon vor der Geburt begonnen haben kann, aber doch nach der-erst voll einsetzt). Das in Folge der Geburt gewissermassen plötzliche Minderbedürfniss der Gebärmutter (vgl. pg;. 357) an Blut kann also keinesfalls einen Blutüberschuss im Kreislauf bewirken. Damit wären die physiologischen Wirkungen der Entleerung des Uterus erledigt.
Es soll aber hier, wie gesagt, auf eine pathologische Frage eingegangen werden. Wenn, sagt Schmidt, eine plötzliche Acnderung des Blutdruckes oder der Blutmenge im Kreislauf also nicht die Veranlassung der Gebärparese sein kann, so gewinnt die (Schmidt-Mülheim'sche) Annahme natürlich sehr an Boden, dass die Ursache eine Vergiftung sei, womit so wie so alle Symptome übereinstimmen würden. Diese Annahme als richtig vorausgesetzt, bleibt aber immer noch die Frage zu lösen, wo die Bildungsstätte des Giftes sei. Bisher hat man fönnlieh
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als selbstverständlich angesehen, dass dies der Uterus sein miisso, obwohl damit verschiedene Erscheinungen nicht rächt in Einklang zu bringen waren.
Öchmidt's Aufmerksamkeit wurde aber eben durch die Erwägung, dass das Euter im Kreislauf an die Stelle des Uterus tritt, auf die beginnende Lactation als mögliche Giftquelle gelenkt. Dass sich im physiologischen Stoffwechsel giftige Spaltproducte bilden können, ist bekannt (Auto-Intoxicationen); der Chemismus dieser Bildungen kann hier nicht Gegenstand der Erörterung sein. Es genügt zu sagen, dass Schmidt theoretisch zu der Annahme gelangte, es könne sich bei dem plötzlich eintretenden, fast stürmischen Stoffwechsel im Euter ein giftiges Spaltproduct bilden. Dadurch war der Therapie theoretisch das Ziel gewiesen: Der Bildung der Toxino im Euter könnte energisch entgegengewirkt werden durch Beschränkung oder gar Sistirung der sie bildenden Stoffwechsel-vorgänge, d. h. der Lactation. Jod schränkt die Drüsenthätigkeit vorübergehend ein; also müsste die directe Einverleibung von Jod in das Euter ein Mittel von entscheidender, die Krankheitsursache angreifender Wirkung sein.
Die Praxis scheint nach den bisherigen Urtheilen den theoretisch gewiesenen Weg mit Erfolg zu beschreiten. Das Verfahren istlaquo; kurz folgendes: Das Euter wird ausgemolken; die Zitzen werden mit Seifeu-wasser gereinigt und mit Lysolwasser desinficirt. Es wird eine Lösung hergestellt von Jodkalium (nicht Jod bezw. Lugolsche Lösung) 7 10 gr in 1 Liter frisch aufgekochten (filtrirten) und auf 40deg; abgekühlten Wassers. Diese Lösung wird durch alle 4 Zitzen infundirt mittelst eines (vorher in Lysolwasser zu legenden) D/s2 m langen Kautschuckschlauches mit Glastrichter. Es soll von wesentlich günstiger Wirkung sein, dass die in dem Schlauche befindliche Luftsäule mit in das Euter getrieben wird. Nach der Infusion wird das Euter stark geknetet und behufs Vertheilung der Flüssigkeit von unten nach oben massirt. Der Erfolg soll nach 612 Stunden, längstens in 24 Stunden eintreten. In diesem Falle ist nochmalige Infusion derselben Dosis nach 12 Stunden zulässig.
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Drnok von AlbSTt Pamelio, Berlin SW. 19.
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